{"numero_id": "bm-bmtnabg-1921-05-05-01", "volume": "bmtnabg_1921-05-05_01", "ocr_sha256": "e392fc943e8d03af18459febe8793190f9f92b06d2e24b6fbcba7f8f61817481", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1921/05/05_01/bmtnabg_1921-05-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1921/05/05_01/bmtnabg_1921-05-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1921-05-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-05-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1921-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "83", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.2.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Marc Chagall", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.1", "debut_caractere": 189, "fin_caractere_exclue": 212, "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-05-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-05-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1921-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "97", "image_debut": 3, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.2.2", "titre_corps": "Unter den Sinnen : Dichtung zwischen Menschen", "titre_sommaire": "Unter den Sinnen : Dichtung zwischen Menschen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.3", "debut_caractere": 56, "fin_caractere_exclue": 2636, "texte": "Unter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden\n\nWas soll aus unseren Töchtern werden.\nDu machst Dir immer Sorgen. Alles wird\nsich finden.\nNiemand wird sich finden. Heute wollen\ndie Männer Geld.\nWarum die Mütter sich das ganze Leben\nvergrämen. Deine Kinder werden es Dir\nnicht danken.\nAnna braucht ein neues Kleid. Wo soll\nich das Geld hernehmen.\nSchliesslich kommt alles darauf hinaus,\ndass ich zahlen soll.\nIch kann das Geld doch nicht zusammen-\nstehlen. Mädchen in diesem Alter brauchen\neben mehr.\nDu verwöhnst sie eben.\nEs ist eine Schande, wie die Mädchen\nherumlaufen. In keine Gesellschaft trauen\nsie sich mehr. Wo sollen Herren sie kennen\nlernen.\nIn unserem Hause, wie es sich gehört.\nWer verkehrt denn bei uns. Deine paar\nalten ehemaligen Regimentskameraden.\nDu solltest mit etwas mehr Achtung über\nmeine Freunde sprechen.\nDu bist ja so grenzenlos dumm. Du hast\nniemals das Leben verstanden. Ich gehe\nin ein Sanatorium. Ich halte es nicht mehr\naus. Und gelernt haben die Mädchen\nauch nichts, dass sie wenigstens selbst ihr\nGeld verdienen könnten, da Du es nicht\nhast. j\nMeine Töchter brauchen nichts verdienen.\nDas verbietet mein Stolz. Du willst sie wo-\nmöglich in ein Geschäft stecken, damit sie\nliederlich werden. Töchter gehören in die\nFamilie.\nIch kann sie nicht mehr bewachen. Mir\ngehorcht keine. Ich werde verrückt. Ich\nhalte es nicht mehr aus.\nWarum traust Du den Mädchen immer\nBöses zu. Sie wissen, was sie ihrer Familie\nschuldig sind.\nDen ganzen Nachmittag sind sie schon fort.\nAlle vier. Nicht einmal zum Abendbrot\nkönnen sie da sein.\nMahlzeit.\nGehst Du aus?\nHeut ist Mittwoch, meine einzige Erholung\nin der Woche.\nDu tust überhaupt weiter nichts als Dich\nerholen.\nUnerhört. Willst Du mir mein Unglück\nvorwerfen.\nZehn Jahre lebst Du schon auf Dein Un-\nglück. Und lässt Deine Familie von den\npaar lumpigen Zinsen leben. Such Dir\nendlich etwas Einträgliches. So alt bist Du\ndoch schliesslich nicht.\nEs ist schon neun Uhr. Jeden Mittwoch\nlasse ich die Kameraden warten. Ich bin\nvor zwölf zurück.\nMeinetwegen brauchst Du überhaupt nicht\nmehr nach Haus zu kommen.\nKomm, Anna, sei vernünftig und gib mir\neinen Kuss\nScher Dich zum Teufel\nIst mein Mantel abgebürstet?\nIch bin nicht Dein Dienstmädchen\nEine schöne Wirtschaft in diesem Hause.\nIch lasse mir eben zuviel gefallen. Aber\nich sage Dir, nächstens werde ich einmal\ngründlich durchgreifen.\nHier sind drei Rechnungen zu bezahlen.\nRechnungen, Rechnungen. Das ist das Ein-\nzige, was ich zu hören bekomme\nDas ist mein letzter Abend in Deinem Hause\nIch verbiete Dir hiermit, heute auszugehen.\nGuten Abend."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3276, "texte": "Ich möchte mich von allen Männern küssen\nlassen.\nUnd mir versagst Du alles.\nDu bist ein Junge\nIch bin so alt wie Du\nMänner fangen erst mit fünfunddreissig an\nDa sind sie schon verlebt. Aber ich habe\nLeidenschaft.\nDu wirst mein Page\nIch habe Dich ganz unwirklich lieb. Hör\nmal ernsthaft zu, Friedel, ich weiss im\nLeben ganz genau Bescheid. In vier Jahren\nbin ich mündig, dann bekomme ich mein\nganzes Geld ausgezahlt und wir können\nuns sofort heiraten\nGlaubst Du, dass ich auf Dich warten brauche\nDu kennst das Leben garnicht, Friedel.\nIch will Dir nicht wehe tun, aber Ihr habt\ndoch kein Geld\nDas ist eine Frechheit. Woher weisst Du das ?\nIch werde Dir wunderbare Kleider aus Bast-\nseide kaufen. Bastseide muss Dir entzückend\nstehen.\nIch mag Bastseide nicht\nIch kaufe Dir was Du willst. Ich gebe Dir\nmein ganzes Geld und Du allein sollst\ndarüber bestimmen. Nicht einmal fragen\nbrauchst Du mich\nIch habe immer was ich will\nBei mir brauchst Du doch nicht stolz zu\nsein, Friedel. Und wenn Dir vier Jahre\nzu lang sind, ich habe einen Freund, der\nmir jetzt schon Geld verschaffen kann:\nImmer protzst Du mit Deinem Geld. Du\nbist ein grässlich nüchterner Junge\nWas soll ich Dir schenken\nEinen Flügel\nWas willst Du mit einem Flügel\nNun fragst Du schon genau wie Vater.\nWozu musst Du das wissen, wenn Du alles\nschenken willst\nAber Deine Eltern werden sich doch wundern,\nwenn plötzlich ein Flügel bei Euch an-\nkommt.\nDu musst nur dafür sorgen, dass er Mitt-\nwoch abend ankommt. Da geht Vater\nkneipen und Mutter jedesmal zu ihren\nEltern, um nie wiederzukommen.\nIst Dein Vater so schlecht zu ihr\nMutter ist eine alte Schraube\nGott sei Dank, ich habe keine Eltern\nKannst Du denn machen was Du willst\nMein alter Pastor glaubt mir alles\nMeine Eltern glauben mir nichts, aber ich\nmache doch was ich will.\nDein Vater sieht sehr vornehm aus\nMutter ist zu ihrem Glück sehr dumm\nWenn ich Dich doch auf der Stelle heiraten\nkönnte\nIch habe Dir bereits tausend Mal gesagt,\ndass ich Dich nie heiraten werde und über-\nhaupt keinen Mann\nDu wirst auch einmal älter und dann musst\nDu heiraten\nWie spät ist es?\nBekomme ich einen Kuss, wenn Du den\nFlügel hast\nDu bist genau so gemein wie alle\nIch liebe Dich unendlich\nIst das Schenken? Gute Nacht.\nKommst Du morgen wieder\nWenn ich Laune dazu habe\nAlso nächsten Mittwoch kommt der Flügel\nDen andern Flügel lasse Dir wachsen, mein\nEngel.\nFriedel\nAnna\nGehst Du jetzt erst nach Haus\nGut, dass ich Dich treffe\nHoffentlich sind die andern schon da\nMutter wird wohl schon für immer bei den\nGrosseltern sein\nEr hat heute seinen Doktor gemacht\nDann bist Du also bald erlöst\nWenn er nur Glück mit der Praxis hat. Er\nist zu bescheiden\nFrauen gehen gern zu Ärzten\nIch würde es nie tun\nDu bist eine richtige Tante\nWenn ich Deinen Mut hätte\nIch darf doch öfters bei Euch schlafen, wenn\nIhr eine Wohnung habt\nErnst hat ein wunderbares Abzahlungsge-\nschäft entdeckt. Für wenig Geld bekommt\ner eine ganze Einrichtung gleich geliefert\nIch schenke Euch einen Flügel zur Hochzeit\nWas Du immer für tolle Ideen hast. Erstens\nhast Du kein Geld und zweitens spiele ich\nnicht Klavier.\nEin Flügel macht sich immer gut im Warte-\nzimmer\nWir müssen uns beeilen\nDer Abend ist so schön. Hast Du Geld\nIch muss doch für die Wohnung sparen\nWenn Du mir etwas leihst, lade ich Dich\nzu Eis ein."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3162, "texte": "Du kannst es mir doch nie wieder geben.\nDas wollen wir erst einmal abwarten\nMutter ist sicher ausser sich\nDas ist sie schon sowieso. Da kann es auch\nruhig zehn werden\nWenn ich doch nur schon in meinem Heim\nwäre\nIhr müsstet in ein Dorf ziehen\nErnst will doch in die Sinfonie-Konzerte\ngehen.\nDu wirst indessen Deine Kleinen lehren\nSpeere werfen und die Götter ehren.\nDu bist unverschämt, Friedel\nUnd Du bist verschämt Fragt sich, was\nbesser ist. Was wollen wir heute Mutter\nvorschwindeln\nDir wird schon was einfallen. Jedenfalls\nwaren wir zusammen.\nSagen wir wieder Konzert. Das klingt immer\nam anständigsten\nBist du wieder mit dem Jungen zusammen\ngewesen\nDas geht doch Dich nichts an\nWenn Vater erfährt, dass Du mit einem\nJuden sprichst\nJuden sind die besten Christen. Ausserdem\nist er kein Jude mehr und ausserdem er-\nfährt Vater nichts, Du wirst doch nicht\npetzen.\nAber Friedel, wo Du mir immer hilfst\nMan hat schon seine Sorge mit den grossen\nSchwestern\nWir müssen jetzt unbedingt hinauf\nBist Du ängstlich, Konzerte sind nie vor\nhalb zehn aus.\nNiemand zu Haus\nDas habe ich mir gedacht. Kinder ich habe\neinen Hunger\nHast Du eine Ahnung, wo Martha und Erna\nsind\nDie kleben immer zusammen. Die paar\nBrote. Das lohnt sich garnicht anzufangen\nIch bin ganz satt\nLiebe macht Hunger. Das Mittag habe ich\nstehen lassen. Son Zeug esse ich nicht\nDu tust, als ob Du Millionärin bist\nWenn man es schon nicht ist, muss man\nes sich wenigstens einbilden\nWar da nicht jemand an der Tür?\nKommt mal rein. Die Bude ist leer\nIst Mutter schon lange fort?\nMeint Ihr, dass wir Euch vertreten. Wo\nhabt Ihr Euch denn rumgetrieben\nWas Du immer für hässliche Ausdrücke\nhast, Friedel.\nTu nur nicht so fein\nErna und ich haben im Park gelesen\nBei der Dunkelheit\nEr ist ein grosser Dichter, nicht Erna\nWer denn\nDu interessierst Dich ja nicht für Kunst\nDu mit Deiner Kunst\nWarum musst Du immer Martha ärgern,\nF riedel\n\"Weil sie sich so hat. Mir braucht Ihr\ndoch nichts vorzuschwindeln\nIch kann alles vertreten was ich tue\nEuch helfe ich nicht mehr aus der Patsche\nRed doch nicht mit der Göre, Martha\nIhr könnt Euch als siamesische Zwillinge\nausstellen lassen\nDu hast Dich doch sicher wieder mit Jungen\nrum getrieben\nJetzt vergisst sie die ganze Feinheit. Bitte,\nich bin mit Anna im Konzert gewesen\nWundervoll dieser Beethoven\nWas sie uns vormachen will, nicht Erna.\nSie kann kaum die Wacht am Rhein singen\nDass überlässt sie Euch\nWarum können wir uns nicht vertragen\nWir sind sehr verträglich, nicht Erna. Aber\nmit Euch beiden kann kein Mensch aus-\nkommen.\nWas Ihr immer mit der Martha vorhabt\nSie ist die Wacht und Du bist der Rhein.\nMahlzeit. Ich gehe schlafen\nMorgen wird es wieder einen schönen Krach\ngeben\nEs braust ein Ruf wie Donnerhall\nSie hat gar keine Scham, nicht Erna\nDu kannst mir ja etwas von Deiner pumpen.\nKommst Du schlafen Anna\nIch bin sehr müde\nBeethoven strengt an, nicht Erna\nAls ob wir auf das Theater reinfallen\nDiesmal war es Konzert meine Damen.\nKomm Anna.\nAnna ist die reinste Null\nDas finde ich auch\nWarum mag sie immer zu der Göre halten\nSie bemuttert sie\nDie braucht keine Mutter\nMeinst Du\nWenn ich ihr doch mal eins auswischen\nkönnte\nWie könnte man sie nur ducken"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2957, "texte": "Sie ist imstande und verpetzt uns\nSchade, dass wir alle von einander ab-\nhängig sind\nWar es nicht wundervoll. Dieser edle\nMensch\nSeine Stimme ist wie Musik\nUnd seine Hand. Hast Du seine Hand be-\ntrachtet\nEin wundervoller Brillantring\nDu bist noch immer zu äusserlich. Erna.\nDiese Linie. Ich könnte immer knien\nOb er es ehrlich mit uns meint\nIch bewundere seine Grösse\nAls Du einmal Deinen Kopf zurückbogst\nund das Licht auf Deinen Hals fiel, brannten\nseine Augen\nDu bist viel zu äusserlich Erna. Ich sehe\nso etwas nie. Er wird an ein neues Werk\ngedacht haben\nIch möchte auch so edel werden wie Du\nWenn ich nur wüsste, wo ich ein neues\nKleid herbekomme. Er liebt grün so sehr.\nDu kannst mein grünes gern bekommen\nDu bist wirklich rührend, Erna. Aber ich\nschäme mich zu Tode, wenn er merkt, dass\nMutter es schon zweimal gekantet hat\nGlaubst Du, dass dieser grosse Mensch so\netwas sieht\nNichts ist beschämender als Armut\nDu bist so tief Martha. Was Du alles so\nnebenbei sagst\nJetzt legen wir uns schlafen und zünden\ndie Marienkerze an. Du kommst mit in\nmein Bett und wir lesen dann sein Weihe-\nspiel. Ach mein Gott. Wenn ich doch\nkatholisch wäre\nDer Unterricht soll viel anstrengender sein\nDann könnte ich meine Sünden beichten\nDu bist so edel Martha\nKomm zu Bett. Wir wollen die Erlösungs-\nstunde feiern.\nAnna\nJa\nSchläfst Du schon\nIch kann nicht schlafen\nEs ist doch schon spät\nMir ist zu heiss\nWas machst Du\nIch halte die Decken nicht aus\nDu wirst Dich erkälten\nIst zugeriegelt\nSoll ich Licht machen\nIch werde lesen\nDu liegist wieder ohne Hemd, Friedet\nBin ich schön\nFriedel\nIch meine, werden mich die Männer schön\nfinden\nMan braucht nur einem Mann zu gefallen\nSag mir mal auf Ehrenwort, hat Dich Dein\nErnst schon gesehen\nFriedel\nIch verstehe nicht, wie Du das aushältst.\nDabei bist Du schon vierundzwanzig\nErnst ist viel zu ehrenhaft\nOb er Dich nun so küsst oder so\nUnd ich habe keinen Mut\nMut hätte ich schon, wenn mir nur einer\ngefallen würde\nKönntest Du\nSieh mal meine Beine. Sie sind doch ganz\nhübsch und lang.\nAuf was für Gedanken Du kommst\nWenn ich nur schönere Strümpfe hätte\nManchmal habe ich Angst um Dich\nGlaubst Du, die Beiden haben etwas mit-\neinander\nWelche Beiden\nMartha und Erna\nAuf was für Gedanken Du kommst. Sie\nsind doch beide Mädchen\nDu bist ein neugebornes Kind. Gute Nacht.\nMach das Licht aus.\nFriedel\nWas denn\nEs ist schrecklich, Mädchen zu sein\nDu bist eine Tante\nWenn ich könnte wie ich wollte\nIch werde wohl zum Ballet gehen\nWas sagst Du\nDann werden mich alle Männer lieben\nDass Du meine Schwester bist\nGute Nacht Frau Doktor\nWas kostet ein Flügel\nWillst Du einen kaufen\nIch brauche übrigens dringend Tausende.\nWillst Du sie mir verschaffen\nHast Du ein Verhältnis\nIch will mir eine Uhr kaufen\nWer bekommt sie\nWer soll sie bekommen. Einmal muss der\nMensch doch eine anständige Uhr haben\nSeit wann bist Du so anspruchsvoll\nEinmal muss der Mensch doch was von\nseinem Gelde haben. Mir ist die Pastoren-\nwirtschaft jetzt einfach zuwider"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3419, "texte": "Das Geld ist ja sicher. Du sollst es be-\nkommen, wenn Du mir ehrlich sagst, wo-\nzu Du es brauchst\nIch will mir die Uhr nicht entgehen lassen,\ndie ich neulich sah\nDeshalb erkundigst Du Dich nach dem\nPreis eines Flügels\nIst das verfänglich\nZu dem Flügel wird wohl ein Engel gehören\nBlödsinn. Hast Du schon jemals gehört,\ndass man einem Engel Flügel schenkt\nDu könntest mir Deine Kleine abtreten\nWelche Kleine\nDu verstehst ja doch nichts vernünftiges\nmit ihr anzufangen\nMich ekelt diese Sprache\nWeil du ein Junge bist\nWillst Du mir das Geld geben oder nicht\nSchrei mich doch nicht so an. Also gut.\nMorgen. Willst Du heute Abend mitkommen\nMorgen macht mir der Alte einen mörde-\nrischen Krach\nDu verkümmerst total. Ich habe eine Bar\nentdeckt sage ich Dir. Da verkehren Damen\nvom richtigen Ballet\nIch mag die Weiber nicht\nDas sind keine Weiber. Barone und Grafen\nlecken sich die Finger nach ihnen\nIch habe kein Talent dazu\nDu bist eine Memme\nDas lass ich mir nicht sagen\nDer Mensch muss sich eben überwinden.\n• •\nAuf die Überwindung kommt es an. Und\nohne Weiber geht es eben nicht.\nIch habe eben meine Ideale\nKeuschheit ist lächerlich mein Junge. Männer\nmüssen Erfahrung sammeln. Die Knutsch erei\nverdirbt Dir nur die Gesundheit.\nDu darfst mich aber zu nichts zwingen\nWas hast Du für Vorstellungen Junge.\nMeinst Du, diese Damen werden sich nach\nDir reissen. Du kannst zufrieden sein, wenn\nman Dich überhaupt bemerkt.\nWas soll ich also da\nErfahrung sammeln mein Junge. Mal sehen,\nwie ich mit sowas umspringe\nBildest Du Dir ein, dass ich Dich bewundern\nwerde\nAls ob mir etwas an Deiner Bewunderung\nliegt. Nur aus reiner Freundschaft nehme\nich Dich mit. Dein Pastor wird Dir sicher\nnicht die Lebensfreude beibringen.\nDu musst mich aber rausreden\nIch sage dem Mann einfach, dass wir in\neinem Konzert gewesen sind. Das macht\nsich immer am anständigsten. Und nach-\nher haben wir Abendbrot gegessen.\nWir werden doch keine Bekannten treffen.\nDeine Bekannten wenigstens haben kein\nGeld dafür übrig.\nAlso meine Damen, rückt doch etwas näher\nran. Kinder, was sagt Ihr zu dem Witz\nMensch, hast Du einen schönen Vollbart.\nGehst Du damit täglich zum Friseur\nUm diesen Vollbart haben mich schon\nmeine sämtlichen Kameraden beneidet.\nDu musst ihn Dir aber mal färben lassen.\nStiebelwichse soll sehr gut sein. Die Würde\ngeht freilich flöten.\nZieh doch den Jubelgreis nicht so auf.\nRück zu mir Alter. Willst du nicht eine\nFlasche Sekt schmeissen\nSekt schmeckt mir nicht.\nSeine Alte wird ihm nicht genug Geld mit-\ngegeben haben.\nEr trägt ja keinen Ring. Du bist doch nicht\nverheiratet Alter\nIch bin geschieden.\nLass dich nicht mit der ein. Die powert\nalle Leute aus. Ich zum Beispiel trink nur\nRheinwein.\nDeutscher Wein und deutsche Frauen.\nUnd mit dem Färben hab ich nur Spass\ngemacht. Ich finde die paar weissen Haare\nganz schic.\nDas sieht so väterlich aus.\nNun lass aber wenigstens den Rheinwein\nkommen Alter, wir können doch hier nicht\nLokal schinden.\nDer Ober soll mal die Karte bringen\nDamit Du das Billigste raussuchst. Da\nkommt ja ein guter Bekannter\nDer sieht aber sehr jüdisch aus.\nLass sie ruhig laufen, Vaterchen. Ich ver-\nkehre nicht mit Juden.\nJetzt trinken wir die Flasche Rheinwein\nganz alleine\nNicht wahr, Vaterchen, Deine Friedelist\nein artiges Kind\nWas sagst Du?\nDass Deine Friedel ein artiges, braves Kind\nist\nDu kennst meine Friedel\nNa und ob. Wenn man immerzu zusammen\nist\nSo So. Wo trifft man sie denn?\nHeute Abend bei Dir"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3253, "texte": "Bei mir\nDu hast wohl schon einen weg\nMeine Friedel\nSelbstverständlich bin ich Deine Friedel.\nLange noch besser als die andern.\nSag mal Baron. Dein Freund ist wohl stumm\nNeuling mein Engel\nSitze ich Ihnen vielleicht zu nah?\nBitte\nWissen Sie, sonst bin ich ganz friedlich,\naber dieser Vollbartonkel hat mich aus\nder Fassung gebracht.\nWer ist denn das mein Engel\nWissen Sie Herr, — Herr, — wie heisst denn\nDein Freund, Baron\nSiegfried\nWissen Sie Herr Siegfried, sone Jubelgreise\nsind eklig anspruchsvoll und zahlen nichts\nIch kenne die Sorte.\nWollen wir ihn uzen, mein Engel\nIch möchte ihm wahnsinnig gern ein Stück\nvon seinem Vollbart abschneiden. Sieh nur\nBaron, wie die Friedel sich hat.\nWas sagen Sie\nAuf einmal wird er ganz lebendig, der junge\nMann. Lassen Sie sich nur nicht mit der\nein. Die ist eine Schlampe.\nDu musst Dich ranhalten mit der Schere\nmein Engel, der Alte scheint abzuschieben.\nDonnerwetter sehen Sie sich doch vor, alter\nMann. Ich habe meine Füsse auch nicht\ngestohlen.\nWas wollen Sie von mir\nSie sollen sich vorsehen.\nSie wissen wohl nicht, wen Sie vor sich haben\nEinen alten Esel\nHau dem Jubelgreis doch eine runter, Gustav\nMeine Herren, gehen Sie doch auseinander\nKomm Vaterchen, dem Gustav bist du nicht\ngewachsen\nDas wollen wir doch mal sehen. Ich bin\nLeutnant ausser Diensten Sie dummer Ben-\ngel\nAber bitte, meine Herrschaften bleiben Sie\ndoch sitzen, gehen Sie doch auseinander,\nzum Donnerwetter.\nIhnen werde ich einmal japanisch kommen,\nSie Leulnant ausser Diensten\nLass doch meinen Vaterchen, Gustav. Gott\ner blutet.\nIch schliesse mein Lokal, wenn Sie nicht\nBuhe geben.\nWer hat denn das Licht ausgemacht. Alle\nbrennen mir mit der Zeche durch\nDu, Baron, ich hab ihn, ich hab ihn\nWas hast du, mein Engel\nAber Mund halten. Den halben Vollbart.\nBist Du toll\nWarum wollte er keinen Sekt schmeissen.\nNun kann den Vaterchen seine Tochter\ntrösten\nKomm, steh auf, Vaterchen. Auf der Strasse\nwird dir wieder besser.\nWie können Sie den alten Herrn so hart\nanfassen\nSeien Sie ganz still, Sie Budiker. Sonst\nbringe ich Ihnen auch noch das Japanische\nbei.\nNichts für ungut. Aber man muss doch\nmenschlich sein.\nIch gehe.\nWo willst du hin\nIch finde es widerlich\nDas ist Uebung, Herr Siegfried. Heute war\nes noch ganz gemütlich. Wo lasse ich nur\nden Vollbart.\nWas tun Sie\nSeien Sie doch einmal Kavalier und lassen\nSie die paar Haare in der Tasche stecken.\nDu verstehst keinen Spaas\nOber, bringen Sie Sekt. Drei Flaschen.\nAuf einmal wird er vernünftig. Lass mich\nman machen, Baron. Ich verstehe mich\nauf Dachse\nDu kannst ja ordentlich trinken. Schon\neine Flasche leer\nKann ich mich zu Euch setzen\nWo ist denn denn Dein Vaterchen\nDas war mir zu genant, denkt mal, diese\nGemeinheit, in der Dunkelheit hat man ihm\nden halben Vollbart abgeschnitten. Mit so-\nwas kann man doch nicht auf der Strasse\ngehen.\nSo eine Frechheit, nicht Baron. Wer mag\ndem Jubelgreis das angetan haben\nSie heissen Friedel, mein Fräulein\nDu, der fliegt auf Dich\nWollen Sie ein Glas Sekt mit mir trinken.\nMit einemmal kann er reden, Baron\nZwei\nSie haben schönes Haar\nDu kannst ruhig Du zu mir sagen\nIch liebe Ihren Namen sehr.\nWeiter nichts\nWarum verkehren Sie hier\nUm so nette Menschen wie Dich zu treffen\nIch finde es hier widerlich\nIch kann mir auch was Schöneres denken"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2743, "texte": "Sie sollten nicht hierher gehen\nMan steht so allein im Leben. Ohne An-\nhang. Und muss sich von so einem alten\nKerl anfassen lassen\nHat er Sie angefasst\nUnd was er noch auf der Strasse von mir\nwollte\nFühren Sie Ihr Leben nicht aus freien\nStücken\nIch bin eine Waise\nIch auch\nSie sind mir auch gleich so sympathisch auf-\ngefallen\nIch liebe Ihren Namen sehr\nEr gefällt allgemein\nWas sagen Sie\nleh meine vornehmen Menschen. Kommen\nSie doch ein wenig näher heran\nSie sind Tänzerin\nLeidenschaftlich\nMein Freund sagte mir, dass Sie beim\nBallet sind\nDa schunkele ich auch mit\nLieben Sie den Tanz als Kunst\nDas ist doch keine Kunst, dazu habe ich\nkein Geld\nIch werde Ihnen das Geld verschaffen\nWollen wir nicht zu mir gehen\nIch muss bald nach hause\nDu hast doch keine Eltern\nIch bin noch nicht mündig\nDie Männer haben keinen Mut. Die jungen\nLeute noch weniger. Und die Alten sind\nwiderlich\nSie sind gerächt\nWas bin ich\nDer Alte hat seine Strafe\nDoch nicht von Dir\nIch habe ihm den Vollbart abgeschnitten\nDas glaube ich nicht\nFühlen Sie meine Tache\nDonnerwetter, wie Du glühst\nDu Siegfried, wir müssen gehen\nKommst Du nicht mit mir, Baron\nIch muss den Säugling nach Hause bringen\nAber Du kommst doch morgen wieder.\nAlso Siegfried heisst Du. Ein schöner Name.\nDu, ich werde dich Siegfriedel nennen\nNun, mein Junge, war es nun schön\nKommen die fünf Flaschen Sekt auf Ihre\nRechnung, Herr Baron\nWir begleiten Euch\nWir haben es sehr eilig. Komm Siegfried\nAlso auf Morgen\nAuf Morgen mein Engel.\nWas ist Friedel\nVater klopft\nWer ist denn bei Dir\nIch natürlich Vater\nIst Mutter zu Haus\nIch weiss nicht, Vater\nMutter ist bei den Grosseltern\nHabt ihr eine Schere\nSie wird wohl in Mutters Nähkasten sein,\nVater\nWas willst Du mit der Schere in der Nacht\nWo ist Mutters Nähkasten\nSie wird ihn wohl eingeschlossen haben\nHabt Ihr denn keine Schere\nWozu soll ich eine Schere haben, Vater\nMutters Schlüssel werden wohl im Körb-\nchen liegen, Vater\nIn welchem Körbchen, Anna\nSoll ich aufstehen und ihn suchen\nSchlaft nur weiter. Ich werde es schon\nfinden\nWas willst Du mit der Schere in der Nacht,\nVater\nIch habe mich geschnitten\nDu hast Dich geschnitten\nSchlaft nur weiter. Gute Nacht.\nWas mag mit Vater sein, Friedel\nBesoffen\nFriedel, wie Du redest\nWie soll man das sonst nennen. Gute Nacht.\nGuten Morgen\nGuten Morgen\nGuten Morgen\nVater wie siehst Du aus\nWie soll ich denn aussehen\nGuten Morgen Vater. Wo ist denn Dein\nBart\nGuten Morgen Vater\nWas habt Ihr denn\nDer schöne Bart\nDu siehst ganz entstellt aus\nTrinkt Euren Kaffee und lasst mich meine\nZeitung lesen\nVater\nWas ist denn schon wieder\nDas Büffet ist ja aufgebrochen\nUnd der Schrank auch\nHier müssen Einbrecher gewesen sein\nHier ist alles durcheinander geworfen\nWas ist aufgebrochen\nLeg doch die dumme Zeitung fort"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3230, "texte": "Überlege Dir gefälligst, mit wem Du sprichst\nWir müssen das Silber zählen\nEure Mutter wird wohl nicht zugeschlossen\nhaben\nDas vergisst Mutter nie\nMan sieht doch deutlich die Gewalt\nNicht einmal die Zeitung kann man lesen.\nIch sehe keine Spur von Gewalt\nDu hast wohl die Schere gesucht, Vater\nWas für eine Schere\nDu hast doch heute Nacht danach gefragt\nIch? Das musst Du geträumt haben\nIch träume nicht von Scheren\nDu bist wie Deine Mutter. Nicht einmal\nam Morgen hat man Ruhe\nWillst Du mir nicht Geld schenken, Vater-\nchen ich brauche neue Schuhe, nicht\nErna\nMartha kann nicht mehr damit gehen, Vater\nIhr müsst Euch einschränken. Es sind\nschwere Zeiten. Ich tue es auch. Nicht\ndas geringste gönne ich mir\nIch werde mir mein Geld selbst verdienen\nDas hat ein Mädchen Deines Standes nicht\nnötig\nDu hast doch kein Geld, Vater\nIch verbitte mir diesen Ton\nDadurch wird auch nichts geändert\nEine Unverschämtheit sondergleichen. Man\nsollte Dich auf die Strasse schmeissen.\nBitte Vater\nDazu hat man sich nun sein ganzes Leben\nabgemüht. Das ist der Dank\nDank wofür Vater\nHinaus mit Dir, oder ich vergreife mich\nSei gut, Friedel\nIhr seid alle feige\nDas Balg soll mir nicht unter die Augen\nkommen\nWillst Du mir nicht Geld geben, Vater-\nchen\nWarum nennst Du mich immer Vaterchen.\nIch kann das Wort nicht mehr hören\nSo haben wir doch aber immer gesagt,\nVaterchen\nIhr habt mir aufs Wort zu gehorchen. Ihr\nseid meine Kinder\nWenn Du mir diesmal Geld gibst, Vaterchen,\nwill ich auch nie wieder was von Dir haben\nMartha braucht die Schuhe wirklich dringend,\nVaterchen\nQuält doch Vater nicht so\nAn der Anna nehmt Euch ein Beispiel.\nDie verlangt nie etwas. So geht es nicht\nweiter. Wo wartlhr überhaupt gestern Abend\nIm Konzert\nWir hatten Freikarten bekommen, Vater\nDass Ihr Euch nicht rumtreibt Mädels.\nDass Ihr meinem Namen keine Schande\nmacht. Ueberall lauern die Gefahren.\nDie Asdur Sinfonie ist ganz herrlich Yaterchen.\nWas gehen mich Eure Sinfonien an. Nicht\neinmal die Zeitung kann man lesen. Ich\ngehe.\nWas sollen wir Mutter sagen\nDas ist meine Sache\nNun drückt er sich wieder\nEr hat doch das Geld nicht Martha\nDann soll er sich nicht vier Töchter anschaffen\nWir müssen eben für uns selbst sorgen\nEr soll lieber weniger kneipen. Was hat\ner nur mit seinem Bart gemacht, Erna\nVielleicht will er jünger aussehen\nIst er fort\nVon Dir wollte er eine Schere, Friedel\nMir ist die ganze Sache klar. In seinem\nZustand wollte er sich plötzlich den Bart\nabschneiden, hat überall nach der Schere\ngesucht und dabei alle Schränke erbrochen.\nMutter wird Augen machen\nIch gehe aus dem Hause\nLust hätte man schon, aber wo sollen wir\nhin\nUeberall ist es besser als hier\nWir können uns zwar nicht leiden, Friedel,\naber wir müssen mehr zusammen halten\nIhr seid ja doch feige\nDu kannst nur grosse Worte reden. Hast\nDu mehr Rechte als wir\nWas sind wir für arme Menschen\nIch werde Euch beweisen, dass ich mehr\nerreiche, tch habe dieses ewige Sorgen\nund Lügen satt\nWenn ich doch wenigstens die Schuhe be-\nkommen hätte\nIhr Beide seid Gänse\nWas sind wir doch für arme Menschen\nIch gehe\nFriedel\nHab nur keine Angst, zu Mittag ist sie\nwieder da\nGut, dass ich Sie treffe\nSie suchen mich. Mich suchen Sie\nIch bleibe nicht zu Hause. Ich will fort.\nSofort\nIch werde Dir helfen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1505, "texte": "Ich brauche keine Hilfe. Ich gehe zum\nBallet. Du sollst mir nur den Weg sagen\nDu darfst nicht zum Ballet gehen. Das ist\nschrecklich. Man wird gemein.\nDas sind Kindereien\nDu willst mir in meinen Lebenserfahrungen\nnicht glauben. Aber ich weiss ganz genau\nBescheid. Erst gestern war ich wieder mit\neinigen Tänzerinnen zusammen\nWie einfach es für Dich ist, mir zu helfen.\nDu machst mich mit einer dieser Damen\nbekannt und sie wird mir schon das weitere\nsagen.\nAbends sitzen sie in den Lokalen und trin-\nken Sekt\nNun\nUnd was sonst noch alles geschieht\nNun\nSie lassen sich anfassen\nDu bist ein kleiner Junge. Muss man lassen\nDu hast keine Lebenserfahrung, Die Leute\nsind roh und stark. Da kannst Du Dich nicht\nwehren.\nNiemandem geschieht, was er nicht gesche-\nhen haben will.\nWenn Du nur einmal erlebt hättest, was\nich fast jeden Abend erlebe.\nGestern zum Beispiel. Da kenne ich unter\nanderen eine junge Dame, die Deinen Na-\nmen trägt. Ein alter Kerl beleidigt sie.\nIch springe auf um ihr beizustehen, werde\nvon zehn Männern überwältigt. Sie weiss\nsich nicht mehr zu helfen, in ihrer Ver-\nzweiflung nimmt sie eine Schere vom Tisch\nund schneidet dem Kerl den halben Voll-\nbart ab.\nDas ist gelogen\nImmer denkst Du, dass ich aufschneide.\nAber diesmal werde ich es Dir beweisen.\nBitte\nWas ist das\nDer Beweis\nPfui Teufel!\nDabei sah der Mann sehr vornehm aus\nJetzt bin ich frei!\nWas ist Dir. Deine Stimme klingt, dass\nmein Blut verdorrt\nJetzt bin ich frei. 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Es sieht aus, als läge\nIhnen daran, die rasche Folge Ihrer Ent-\ntäuschungen eine kleine Weile autzuhalten.\nDenn einen Bericht über die Puni-Ausstellung\ndes Sturm, der am 24. März 1921, einen\nMonat nach Beendigung der Ausstellung, in\nder Frankfurter Zeitung erschien, könnten\nSie schon vier Wochen früher verfasst\nhaben, als Ihnen der Schreck über Ihr Un-\nglück im Fall Campendonk noch nicht in\ndie Glieder gefahren war. Es sieht so aus,\nals wünschten Sie eine Atempause. Und\nda Sie heute nicht nur Anderen, sondern\nbeinahe auch mir leid tun, so will ich Ihnen\ndiese Erholung gönnen. Wenn es nur eine\nwird! Denn Ihr kleiner Artikel zeichnet\nsich weniger durch Ihre bewährte Urteils-\nlosigkeit aus, als dadurch, dass er zur guten\nHälfte auf die Fälschung eines Zitats ge-\ngründet ist» Ihr kleiner Artikel lautet, so-\nweit er uns hier interessiert:\n„Herz der Kunst/' Das ist nicht ein dritter\nBruder des Winnetou: „Herz der Kunst\"\nist eine Pointe, die dem leider zu früh ver-\nstorbenen „Taifun\"- Schilderer, Hermann"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4385, "texte": "112 • 4 '■ * ; u\nEssig, entgehen musste. „Herz der Kunst\"\nist der Reklametitel, mit dem ein Berliner\nKunsthändler sich von einer dienstbeflissenen\nFeder in seinen eigenen Ausstellungskata-\nlogen feierlichst hat belehnen lassen. Es\ngibt in Berlin nur einen Kunsthändler, der\nso — bescheiden und so geschmackvoll ist:\nHerwarth Waiden, den Mann vom Sturm.\n„Herz der Kunst\" zeigte im letzten Monat\ndie Ausstellung eines Russen, namens Puni,\nder .... Aber „Herz der Kunst\" lässt\nstolz verkünden, „dass Herwarth Waiden\nsich noch nie geirrt hat\". Gewiss, bei Puni\nhat er sich auch geirrt. Selbst ein halb\nblinder Mensch muss sehen, dass das, wie\nGlaser sich ausdrückt, der „saure Kitsch\"\nist. .. . Nein, „Herz der Kunst\" bleibt sich\newig treu, „Herz der Kunst\" ....\nEs ist selbstverständlich, dass einer, der den\nTaifun geschrieben hat, Ihnen „leider zu\nfrüh\" gestorben ist. Denn ausser diesem\nRoman haben Sie wohl keines seiner Werke\ngelesen. Ich würde also sagen: Sparen Sie\nsich diese journalistisch abgenutzten Prasen,\n— wenn ich Ihnen einen solchen Verzicht\nzumuten dürfte. Es ist eine hässliche Vor-\nJ\nStellung, Sie über den Tod eines begabten\nMenschen Schmerz äussern zu hören. Haben\nSie sich um den lebenden Hermann Essig\ngekümmert? Den Teufel haben Sie nach\nihm gefragt. Herwarth Waiden und ich\nhaben an einem Abend mehr für Her-\nmann Essig getan, als tausend Andere, die\nihm verpflichtet waren, in Jahren.\nUnd damit genug von Ihrem „leider zu früh\nverstorben\", das Sie Anderen nachschreiben.\nAber freilich werden Sie es kaum eilig\nhaben, von mir zu erfahren, worin Ihre\nFälschung bestanden habe, da Sie es so\ngut wissen wie ich. Und es tut auch nichts\nzur Sache, ob es der Puni-Katalog war,\nwie man nach Ihrer Darstellung annehmen\nmuss, oder ein anderer Katalog, aus dem\nSie bewusst falsch zitieren. So falsch, dass\nman zweifeln könnte, ob Sie auch wirklich\naus jenem Katalog zitieren wollten, in dem\nein vor Jahren erschienener Aufsatz des\nKunstschriftstellers L. H. Neitzel abgedruckt\nwar. Und doch können es nur diese Sätze\ngewesen sein:\n„So sei Der Sturm zuerst ein Herz, worin\ndas ungebrochene Leben stürmisch schlägt.\nEin Herz, aus dessen Kammern und Vor-\nhöfen wundervolle Reichtümer an Kunst-\nBegeisterung und heiterem Schaffen leuchten.\nEin Herz und viele Menschen .... Herz\nund Glaube sind der weiche Kern des\nSturm . . . .\"\nUnd nun, Herr Westheim, lesen Sie nach,\nwas Sie aus diesen Sätzen gemacht haben\nund lassen Sie mich hören, wodurch Sie\nsich berechtigt glaubten, Neitzels Satze so\ngrob zu entstellen, dass sie sich von einer\nFälschung durch nichts unterscheiden. Ihre\nWut darüber, dass Neitzels Aufsatz auch\nein Lexikon der Schimpfworte enthielt,\nmit denen die deutschen Kunstkritiker einst\ndie neue Kunst empfangen hatten, diese\nWut ist keine ausreichende Entschuldigung.\nAuch dann nicht, wenn Sie einige dieser\nSchimpfworte als Ihr geistiges Eigentum\nerkannt haben sollten, aus der schrecklichen\nZeit, da Sie noch für kein Kunstblatt zu\nsorgen hatten. Aber ohne diese Textent-\nstellung konnten Sie sich freilich eine\nEhrenkränkung des Sturm oder Waldens\nkaum versprechen. Und auch das ist eine\nWestheimiade, dass Sie erst ein Zitat nach\nBelieben verändern müssen, um einmal\nauf einem Dutzend Zeilen etwas Satirisches\nzuwege zu bringen. „Herz der Kunst ist\nder Reklametitel, mit dem ein Berliner\nKunthändler sich von einer dienstbeflissenen\nfeierlichst hat belehnen lassen.\"\nWenn nur der Mitarbeiter des Kunstblatts,\nL. H. Neitzel, für diese Beleidigung Sie nicht\ngelegentlich mit dem Stock behandelt. Sie\ntrauen wohl einem Kunslschriftsteller keine\neigene Meinung mehr zu? Und „feierlichst\"\nliess man sich belehnen? Und „belehnen\"?\nSie wissen ja garnicht, was „belehnen\" be-\ndeutet! Nein, Herr Westheim, das sind\nalles die unüberlegten journalistischen Re-\ndensarten, vor denen ich Sie schon so oft\ngewarnt habe. Sie bringen damit Ihre\nschwächliche Satire um die letzte Wirkung\nund schädigen Ihr Ansehen — sozusagen.\nAber im Ernst, ich glaube nicht, dass Herr\nNeitzel so viel Geduld mit Ihnen haben\nwird wie ich. Weil er schon vor fünf\nJahren mehr von der neuen Kunst verstand\nals Sie in den nächsten zehn Jahren be-\ngreifen werden, schimpfen Sie ihn eine\n„dienstbeflissene Feder\" und lassen ihn in\nder Frankfurter Zeitung blödes Zeug reden,\ndas ihn lächerlich machen soll. Sehen Sie\nsich beizeiten vor. Schreiben Sie ihm,\nklären Sie ihn auf und bitten Sie ihn um"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4241, "texte": "Entschuldigung. Sie können hinzufügen,\ndass Sie schon seit Jahren oft nicht wissen,\nwas Sie schreiben, dass Sie im journalis-\ntischen Getriebe herangewachsen sind und\nsich darum an die üblichen Cliches halten\nmüssen, und was dergleichen mehr zu er-\nwähnen wäre. Sie werden schon das Rich-\ntige treffen und ich wünsche Ihnen guten\nErfolg. Aber jetzt müssen wir uns auf die\nBeine machen. Wir haben noch einen\nweiten Weg, und mich dünkt, Sie hätten\nsich genugsam erholt. Nur dass ich Ihnen\nnoch ein paar Worte über Puni sagen\nkönnte. Ich schlage vor, wir halten es mit\nihm, wie Sie es seit einigen Jahren mit den\nKünstlern machen, die Sie früher für Clowns\ngehalten haben, zum Beispiel Archipenko.\nHeute lassen Sie sich für ihn in Stücke\nhauen, — was leider auch nur eine Redens-\nart ist. Aber ein Blitzkerl sind Sie doch.\nVielleicht sind wir die Toren, die auf Ihre\nKritiken hereinfallen. Vielleicht sitzen Sie\nschon da und rechnen den Tag aus, an\ndem Sie einPuni-Heft des Kunstblatts heraus-\ngeben. Und ich wette, Sie haben das Ma-\nterial für die ganze Nummer schon bei-\nsammen. Aber jetzt genug davon. Munter,\nHerr Westheim, und mit allen Kräften zu-\nrück zu Ihrem „Fall Campendonk.\"\n* *\n*\nWir sind uns, wie Sie sich erinnern, darin\neinig geworden, dass Campendonks spon-\ntanes Schreiben eine doppelte Unwahrheit\nenthielt. Er hatte sich einverstanden er-\nklärt, unter den Lehrern der Sturmschule\ngenannt zu werden, und jahrelang nichts\ndagegen eingewendet. Er hatte sogar da-\nrum ersucht, dass ihn Der Sturm als Lehrer\nder Schule reklamiere. Es war also eine\nzweite Unwahrheit, wenn er sein Fortgehen\nvom Sturm mit eineip jahrelangen „Vor-\ngeben \" seines Namens als Sturmlehrer\nmotivierte. Und nun wollen wir uns den\nGründen zuwenden, die Campendonk in\nerster Reihe genannt hat. Es müssen wohl\ndie wichtigeren gewesen sein.\nDas, was mich veranlasste, vom\nSturm fortzugehen, war mehr der ekelhafte\nBetrieb mit Wauer, Neil Waiden und wie\ndie Grössen alle heissen, und die Frech-\nheit, mit welcher deren Produkte als höchste\nKunst angepriesen wurde.\"\nDieser Satz scheint ruhige und sachliche\nMenschen zur Empörung und zur Ünsach-\nlichkeit herauszufordern. Er ist so kühn\nund so verletzend, dass man seinem Ver-\nfasser das Zeugnis des Mutes nicht versageil\nmöchte. Wer sich so äussert, ohne sich\nmit sachlichen Unterlagen abzugeben,\nscheint auch nicht zu verlangen, dass man\nihm mit Gegenbeweisen komme. „Ekelhaft\n— Betrieb — Frechheit — Produkte — an-\npreisen.\" Wer seine Anklage aus solchen\nWorten formt, will selbst weniger beweisen,\nals Anderen einen Schimpf antun. Wer\ndas Tun eines Anderen eine Frechheit\nnennt, erhebt der wohl selbst Anspruch\ndarauf, dass man mit ihm gesittet rede\noder diskutiere? Ist er nicht vielmehr\ndarum so mutig, weil er es darauf an-\nkommen lässt, dass der Beschimpfte ihn\nkörperlich züchtigt ? Weil er nämlich das\nbisschen Geldstrafe wegen öffentlicher Be-\nleidigung gern hinnimmt, wenn nur die\nWelt erfahren habe, dass jenes Treiben ekel-\nhaft und jenes Tun eine Frechheit genannt\nworden war? Und weil der Beschimpfte\nauch darum von einer gerichtlichen Be-\nstrafung keine Genugtuung erhoffen kann,\nweil die Form der Beschimpfung nichts\nenthält, was der Beschimpfte zu wider-\nlegen hätte. Aber es gibt allerlei, was den\nMut eines Campendonk fraglich macht.\nZu den Beschimpften gehört eine Frau, und\nCampendonk musste nicht mit Bestimmt-\nheit annehmen, dass sie die Beschimpfung\nmit einem Schlag ins Gesicht erwidern\nwerde. Nicht mit Bestimmtheit, obgleich\nsie nicht die einzige Frau wäre, die sich\nmutiger zeigt als ein mutiger Beschimpfer.\nAber vielleicht hatte Campendonk von\nWauer oder von Herwarth Waiden, dem\nMann der Beschimpften und indirekt selbst\nBeschimpften, die körperliche Züchtigung\nzu gewärtigen? Oder konnte er damit\nrechnen, dass Raum und Zeit die Empörung\ngesitteter Menschen zur Ruhe bringen wer-\nden? Aber wenn unter diesen Erwägungen\nCampendonks grosser Mut schwindet,\nso bleibt vielleicht der kleinere Mut\nzu retten, dass er die Unnannehmlichkeit\neiner gerichtlichen Bestrafung um seiner\nÜberzeugung willen gern erdulden wollte.\nDoch grade um den Ruf dieses kleinen\nMutes ist es ganz besonders schlecht be-\nstellt. Denn ich habe den Brief schon ver-\nöffentlicht, in dem Campendonk seine Be-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4363, "texte": "schimpfungen samt und sonders Und mit\ndem Ausdruck des grössten Bedauerns zurück-\nnimmt. Und danach schiene alles abgetan\nund erledigt, wenn nicht der Widerruf aus-\nschliesslich gegenüber Wauer erfolgt wäre,\nund wenn nicht Campendonk hinterher ein-\ngestanden hätte, dass seine Beschimpfungen\nzur Veröffentlichung bestimmt gewesen\nwaren. Dieses Geständnis hat Wauer ver-\nanlasst, auf den Widerruf zu pfeifen. So-\nlange Campendonk der öffentlichen\nBeleidigung nur dringend verdächtig\nwar, mochte er mit seinem Widerruf davon-\nkommen. Nach dem Geständnis hatte er\ndafür zu sorgen, dass sein Widerruf im\nKunstblatt zum Abdruck kam, — gleich-\ngültig, ob Sie selbst Wauer so etwas ver-\nsprochen hatten oder nicht. Der öffent-\nliche Widerruf erfolgte nicht. Sie halten\nbeide Ihre öffentlichen Beschimpfungen\naufrecht. Sie sollen jetzt die Folgen tragen.\nIch will mich nicht zu lange bei der Frage\naufhalten, was Campendonk unter einem\n„ekelhaften Betrieb\" versteht. „Betrieb\" ist\nauch eines der Worte, deren ursprünglichem\nBegriff keine verletzende Bedeutung zu-\nkommt. Auf ein künstlerisches Unternehmen\nangewendet, wird es zum allgemein ver-\nständlichen Schimpfwort, und .ekelhaft\" ist\nnur eine Steigerung des Begriffs. Da es\nnicht fraglich ist, dass Campendonk unter\ndem „ekelhaften Betrieb\" alles verstanden\nhaben will, was die Beschimpften künst-\nlerisch mit dem Sturm verband und an\ndie Oeffentlichkeit kam, so habe ich mich\nfürs nächste nur der Mühe zu unterziehen,\nEiniges historisch genau zu verzeichnen.\nIm Februar 1918 hat die Zeitschrift Der\nSturm zum ersten Mal drei Zeichnungen\nWauers reproduziert. Zwei dieser Zeich-\nnungen, „Sehnsucht\" und „Tanz\", sind im\nNovember 1919 als Kunstdrucke erschienen.\nJe eine Zeichnung enthielt ferner das April-\nund Juli-Heft 1918 und das Februar-Heft\n1919. Im März 1918 hatte Der Sturm zum\nersten Mal Arbeiten Wauers ausgestellt:\nsechs kleine Plastiken und achtzehn Zeich-\nnungen. Nachdem in den späteren Monaten\ndie kleinen Plastiken noch einige Male ge-\nzeigt worden waren, fand im März 1919\ndie erste und bisher einzige grössere Aus-\nstellung Wauers statt. Seitdem wurden\nauf jeder Gesamtschau des Sturm einige\ndieser Werke gezeigt. An den auswärtigen\nAusstellungen des Sturm war Wauer in\ndem gleichen Verhältnis wie die übrigen\nKünstler des Sturm vertreten. Mit Aus-\nnahme eines grossen Gemäldes, das auf\neiner Gesamtschau des Sturm im Oktober\n1919 ausgestellt war, sind neue Arbeiten\nWauers nicht mehr gezeigt worden. Auch\ndieses Gemälde hing nur sehr kurze Zeit,\nda es gleich in den ersten Tagen der Aus-\nstellung verkauft wurde. Und ich will\nhinzufügen, dass sich Wauer damals nur\nauf mein Drängen zur Vollendung und Aus-\nstellung dieses Bildes entschlossen hat.\nDieses war der „ekelhafte Betrieb\" mit\nWauer. Dass seine Werke irgendwo im\nSturm oder an einer anderen Stelle als\nhöchste Kunst „angepriesen\" wurden, muss\nauf einem Irrtum Campendonks beruhen.\nUnd die „Frechheit\", mit der dies geschehen\nsein soll, lässt sich also nicht länger be-\nhaupten oder gar beweisen. Doch will ich\ngestehen, dass dieses nur richtig ist, soweit\ndie Zeit bis zu Campendonks Entlaufen in\nFrage kommt. In meinem neuen Buch\n„Der Geist des Kubismus und die Künste\"\nhabe ich Wauers Plastiken auf Seite 41-42\nals höchste Kunst gepriesen. Ich rate Herrn\nCampendonk, mein Urteil über Wauer nicht\neine Frechheit zu nennen. Das würde ihm\nnoch schlechter bekommen als alles, was\ner bisher angestellt hat.\nWorin bestand der „Betrieb\" mit Neil\nWaiden? Sie hat stets nur Teilausstellungen\nim Sturm veranstaltet. Sie zeigte auf ihrer\nersten Ausstellung im April 1917 einund-\nfünfzig Arbeiten, im Mai 1918 dreiund-\nsechzig und im Mai 1919 vierundziebzig\nArbeiten. Die Zeitschrift Der Sturm hat\neine einzige Zeichnung im April 1918 ver-\nöffentlicht. Campendonk sah darin einen\nekelhaften Betrieb und eine Frechheit und\nentlief im November 1919 dem Sturm.\nUeber Zurücksetzung hat er sich nie be-\nklagt und er hatte auch keine Ursache da-\nzu. Die Zeitschrift Der Sturm hat vom\nFebruar 1916 bis April 1917 vierzehn Holz-\nschnitte Campendonks veröffentlicht. Im\nMärz 1912 hat der Sturm seine allerersten\nVersuche ausgestellt und seit dieser Zeit\nin Teil- und Gesamtausstellungen, in jeder\nGesamtschau und in auswärtigen Aus-\nstellungen alles das gezeigt, was Campen-\ndonk zu diesem Zweck dem Sturm i'iber-\nsandt hatte. In Folge der Härtnäckigkeit, mit"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4303, "texte": "der Campendonks Werke jahrelang durch\nden Sturm ausgestellt wurden, ist er end-\nlich so vollkommen durchgesetzt worden,\ndass selbst Sie ihn anerkannten und Zing-\nlers Kabinett ihm ein vorteilhaftes Anerbie-\nten machen konnte. Diese Hartnäckigkeit\nwürde ich noch keinen ekelhaften Betrieb\nund keine Frechheit nennen. Aber Ihnen,\nHerr Westheim, scheint es zuviel gewesen\nzu sein. Sie nennen Campendonk einen\nKünstler, „den Der Sturm schon der Pro-\npaganda nach, die er jahrelang für ihn\ngemacht hat, nicht zu den Unwichtigsten\ngezählt haben dürfte.\" „Schon der Propa-\nganda nach!\" Sie sind ein sonderbarer\nMensch. Entweder denken Sie verkehrt\noder Sie schreiben verkehrt. Sie schlagen\nden Esel und meinen den Sack. Dem Sturm\nwollen Sie eins versetzen, aber Sie treffen\nIhren eigenen Schützling, wenn Sie die\nReproduktion seiner Holzschnitte eine Pro-\npaganda nennen. Sie verraten, wie Sie\ndamals über diese Holzschnitte gedacht\nhaben, und Campendonk könnte Sie wegen\ndieser verächtlichen Bezeichnung zur Rede\nstellen, wenn er riskieren wollte, es mit\nseinem Propagandisten Westheim zu ver-\nderben. Mir wird er es nicht zugeben, dass\ndie Reproduktion seiner Holzschnitte und\nseine Ausstellungen im Sturm eine Frechheit\nund ein ekelhafter Betrieb gewesen seien.\nVielleicht ist er so liebenswürdig, uns eine\nAufklärung zu geben, unter welchen Um-\nständen man Ausstellungen und Reproduk-\ntionen so titulieren darf.\nSeeshaupt, 16. 1. 21.\nHerrn William Wauer.\nSehr geehrter Herr.\n.... Der Austritt aus dem Sturm geschah\n. . . . lediglich, weil ich mich mit der\nProduktion mancher neu hinzugekommener\nSturmkünstler nicht einverstanden erklären\nkonnte und ich das Empfinden hatte, dass\nich nunmehr auch die Verbindung .. . lösen\nmusste. — Am wenigsten einverstanden war\nich mit den Arbeiten von Ihnen und Neil\nWaiden, und zwar nicht aus dem Grunde,\nweil Sie Plastiken machten und Frau N.W.\nBilder malte; dagegen hätte ich gewiss nicht\nprotestiert, aber mir schien es nicht ange-\nbracht zu sein, dass allererste Versuche\nvon Leuten, welche bis dahin der bilden-\nden Kunst . . . vollkommen fernstanden,\nvom Sturm in einer für mein Gefühl über-\ntriebenen Weise propagiert wurden. Diese\nPropaganda war es, welche mich erboste ...\nHochachtungsvoll Campendonk.\nWas wollen wir zu diesen Aufklärungen\nsagen, Herr Westheim? Noch haben wir\ndie Wahl. Wenn es Campendonk im Sturm\nnicht mehr gefiel, warum sollte er ihm\nnicht entlaufen? Glauben Sie, ich hätte\ndarüber auch nur eine Zeile geschrieben?\nNicht einmal wegen der paar Unwahrheiten,\ndie der Brief enthält. Denn es ist nichts\nals Rederei, dass Der Sturm für Wauer\nund Neil Waiden eine übertriebene Pro-\npaganda gemacht habe. Die Rederei wird\nzum Geschwätz, wenn Campendonk hinzu-\nfügt: „Für mein Gefühl übertrieben\", und\nsie wird zum Gefasel, wenn dieses Gefühl\nauch noch erklärt werden soll: „dass aller-\nerste Versuche von Leuten, die bisher der\nKunst fernstanden . . . Jetzt nämlich,\nHerr Westheim, sind wir auf dem Grund.\nEndlich wissen wir, was ein ekelhafter\nBetrieb und eine Frechheit ist. Allererste\nVersuche — aber ich will nicht kleinlich\nsein. Ich will Campendonk auf diese Worte\nnicht festnageln. Er hat es offen heraus-\ngesagt, dass er mit Wauers und Neil\nWaldens Bildern nicht einverstanden war.\nSie gefielen ihm nicht, diese sechs Zeich-\nnungen Wauers und die eine Zeichnung\nNeil Waldens. Und da entlief er dem\nSturm. Zu Zingler's Kabinett in Frankfurt\nam Main, das ihm vertragliche Garantien\ngab, niemals einen allerersten Versuch in\ndie Nähe seiner Bilder zu hängen, zu stellen\noder zu legen. Das ist ein Standpunkt.\nDer Campendonk hält etwas auf sich und\nseine Nachbarschaft. Schund mag rechts\nund links von ihm hängen, nur keine aller-\nersten Versuche. Er hat ja auch mit Ihnen,\nHerr Westheim, einen Vertrag geschlossen,\ndass Sie im Kunstblatt keine allerersten\nVersuche reproduzieren. Sie haben es ihm\nmit leichtem Herzen versprochen, weil Sie\nnicht wissen können, ob ein allererster Ver-\nsuch etwas taugt oder nicht. Es war ein\nStandpunkt. Die sieben Zeichnungen ge-\nfielen ihm nicht. Warum, geht Wauer\nnichts an. Aber wenn er durchaus will,\nsoll er es erfahren: weil es allererste Ver-\nsuche waren. Ich will zum zweiten Mal\nnicht kleinlich sein, „Allererste Versuche\"\nnennt man Bilder, die — sagen wir —\ndie Campendonk nicht gefallen. Ein aller-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4113, "texte": "erster Versuch könnte schon ein Wurf sein.\n(Sie verstehen das bildlich, Herr Westheim.\nIch meine nicht Wauers Zeichnung „Der\nWurf\", die in der Privatsammlung Waiden\nzu sehen ist.) Ein allererster Versuch\nkönnte besser sein als Campendonks bestes\nBild. Wauer hätte sich bedanken sollen,\ndass Campendonk den „ekelhaften Betrieb\"\nsozusagen als „allererste Versuche\" erklärt.\nStatt dessen war dieser Wauer so naiv,\nCampendonk den Star zu stechen. Als ob\nZeichnungen und Plastiken an Vortrefflich-\nkeit gewinnen, weil ihr Schöpfer malte und\nmodellierte, als Campendonk noch keine\nBriefe schreiben konnte. Es war naiv,\nCampendonk den Star stechen zu wollen.\nUnd doch nicht so ganz naiv.\n„Seeshaupt, den 30. 1. 21.\nSehr geehrter Herr Wauer,\n«... natürlich habe ich mit meinem Glauben,\ndass Ihre Plastik Ihre erste künstlerische\nProduktion sei, unrecht, und ich werde\nden Schwätzern, welche mir derartige Dinge\nerzählen, nächstens die Tür weisen.\nHochachtungsvoll\nCampendonk. *\nNun schlägt's dreizehn. Was will der\nCampendonk tun? Den Schwätzern, die\nihm derartige Dinge erzählen, nächstens\ndie Tür weisen? Die armen Kerle! Wer\nsind denn diese Schwätzer? Und die Tür\nweisen? Und nächstens? Sapperlot, die\nscheinen nicht weit von ihm zu wohnen,\nda diese Kapitalshandlung in nächster Aus-\nsicht steht. Aber warum gleich die Tür\nweisen? Sind die Schwätzer daran schuld,\ndass Campendonk ein paar Zeichnungen\nWauers missfielen? — Wollen Sie dem\nCampendonk einen Gefallen tun, Herr\nWestheim? Flehen Sie ihn an, er möge\nden Schwätzern nicht die Türe weisen. Es\nkostet Sie ein Wort. Ich muss sonst glauben,\ndass die Schwätzer Campendonk ins Un-\nglück gebracht haben, dass Campendonk\ndie Plastiken nur darum so schlecht fand,\nweil er Wauer für einen Anfänger hielt.\nAber vielleicht lege ich den Campendonk\nfalsch an. Vielleicht sind die Schwätzer\nnur daran schuld, dass sich Campendonk\nzu gar so gemeinen Ausdrücken hat hin-\nreissen lassen. Die Plastiken und die\nZeichnungen gefallen ihm zwar heute noch\nnicht. Aber da sie keine allerersten Versuche\nsind, gab es auch keinen ekelhaften Betrieb\nund keine Frechheit. Vielleicht hätte\nCampendonk den halben oder ganzen spon-\ntanen Brief nicht geschrieben. Den Vertrag\nmit Zingler hat er nur geschlossen, weil er\nWauer für einen Anfänger hielt. Hätten\nihm das die Schwätzer nicht eingeredet,\ner wäre heute noch beim Sturm. Vielleicht\nwürde er sich glücklich schätzen, neben\nden Werken Wauers, des grössten deutschen\nPlastikers, seine eigenen Werke zu sehen,\ndie nicht vom grössten deutschen Maler\nstammen, wie er selbst weiss. Vielleicht\nhätte er auch einen Profit davon haben\nkönnen, dass Wauer einer der wenigen\ndeutschen Künstler ist, die in den\nKreisen um Gleizes bewundert werden\nund die den deutschen Expressionismus\ndort zu Ansehen gebracht haben, nach-\ndem der Westheim'sche Kunstblatt «Ex-\npressionismus bei den Franzosen so trau-\nrige Vorstellungen von der deutschen Kunst\nerweckt hatte. Vielleicht, ja — vielleicht!\nDenn jetzt ist es an der Zeit, dieser scheuss-\nlichen Hydra aus verschlungenen und ver-\nknoteten Briefen mit eins die Köpfe abzu-\nschlagen und den Brief zu veröffentlichen,\nmit dem Campendonk am 27.November 1919\nWaiden seinen Austritt aus dem Sturm an-\ngezeigt hat.\n„Seeshaupt, 27. 11. 1919.\nLieber Herr Waiden,\nich habe heute ein Vertragsangebot von\nZinglers Kabinett angenommen. Wenn es\nIhnen angenehm ist, so wird mein Ver-\nhältnis zum Sturm nicht sehr verändert\nwerden, d. h. ich werde die Arbeiten,\nwelche nun bei Ihnen sind, dort lassen und\nständig ergänzen. — Dieses werde ich sogar\nvon nun an besser können, da die Verkäufe\nim Atelier, wodurch ich in letzter Zeit dem\nSturm gar keine Bilder mehr schicken\nkonnte, jetzt wegfallen. — So bekämen Sie\nalso mehr Arbeiten von mir . . . Das erste,\nwas Sie bekommen, werden Drucke von\nzehn neuen Stöcken sein.\nMit herzlichen Grüssen von Haus zu Haus\nIhr\nCampendonk.*\nWas wünschen Sie noch über den Fall\nCampendonk zuhören? Am liebsten nichts\nmehr? Das ist einmal etwas, das ich Ihnen\nglaube. Aber ich bin noch nicht am Ende.\nZwar die Unwahrheiten, mit denen Campen-\ndonk Sie bedient hat, sind bewiesen. Aber"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3263, "texte": "dieser Campendonk brachte es sogar fertig,\nan Wauer zu allem Unglück auch noch\ndiesen Satz zu schreiben:\n„Diese Propaganda war es, welche mich\nerboste und ich bedaure heute ausser-\nordentlich, Herrn Waiden dies nicht schon\nbei meiner Austrittserklärung eingestanden\nzu haben.\"\nDer arme Kerl hätte den ganzen Brief be-\ndauern müssen, den er damals an Waiden\ngeschrieben hat, wenn er Ihnen und Wauer\nheute weismachen will, er sei aus künst-\nlerischen Gründen ausgeschieden. Denn\ndieser Brief beweist, dass er nicht aus\nkünstlerischen Gründen ausgeschieden ist.\nDieser Brief beweist, dass er durch keinen\nVertrag an den Sturm gebunden war, dass\ner es leicht genug hatte, dem Sturm zu\nentlaufen, sobald ihm Jemand ein gutes\nAnerbieten machte. Der Brief beweist aber\nauch, dass er dem Sturm überhaupt nicht\nentlaufen ist. Der Brief beweist, dass\nCampendonk beim Sturm bleiben wollte, —\nwenn es nämlich Waiden angenehm wäre.\nCampendonk freut sich, in Zukunft wieder\nengere Beziehungen zum Sturme aufnehmen\nzu können. Er wird mehr Bilder senden\nkönnen als bisher. Er kündigt schon neue\nHolzschnitte an.\nJa, Herr Westheim, mit Ihrem Fall Campen-\ndonk haben Sie einen guten Griff getan.\nNun wissen Sie, wie Campendonk dem\nSturm entlaufen ist. Oder wenn Sie es\njetzt weniger wissen sollten als vorher,\nweil Sie in dem Wirrwar von Briefen,\nWiderrufen und zurückgenommenen Wider-\nrufen den wahren Grund vergessen haben,\ndann will ich Sie auch heute wieder mit\nder Nase darauf stossen. Doch sehen Sie\nsich vor. Es ist da schmutzig und stinkig.\nCampendonk war dem Sturm entlaufen,\nweil er ihm entlaufen sein muss t e. Weil\nCampendonk Ihnen, seinem grossen Freunde\nWestheim, den Dienst nicht versagen wollte,\ndass er dem Sturm entlaufen sei, um\njeden Preis entlaufen sei. Und weil\ner lieber so viele Unwahrheiten sagen\nwollte, dass ich sie nicht mehr zählen kann,\nals dass er es mit Ihnen verdorben hätte.\nNiemand wird Sie um den Triumph be-\nneiden, einen ausgezeichneten Künstler so\ntief hinuntergeschleudert zu haben. In\ndiesem Land gibt es also Künstler, die\nUnwahrheiten auf Unwahrheiten häufen, um\nvon einem Westheim nicht vergessen zu\nwerden. Dieses Land und diese Künstler\nverdienen ihren Westheim. Sie haben ihm\nlängst verziehen, was er einst über sie ge-\nschrieben hatte. Sie stellen ihre künstler-\nische und menschliche Würde tiefer als die\nErwähnung in einem Blatt, dass nicht ein-\nmal den Wert eines Kurszettels hat. Denn\nwas sollte selbst Campendonk sonst an\nIhnen schätzen? Er muss heulen und Sie\nverwünschen, dass Sie dieses aus ihm ge-\nmacht haben. 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Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. 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Mai bis 1. 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D Jlli IN U £j Potsdamer StraBe 134 a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Bltimner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\n%\n/S' . •\nKarten 8, 6 und 4 Mark an der Abendkasse und im Vorverkauf Sturm'Buchhandlung / Potsdamer StraBe 138 a"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-05-05-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-05-05_01#c027", "volume": "bmtnabg_1921-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.24", "debut_caractere": 871, "fin_caractere_exclue": 959, "texte": "Der Sturm / Berlin\nL\nAuswartige Ausstellungen April:\n'\nBreslau / Rom / New> York / Paris"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-05-05-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-05-05_01#c028", "volume": "bmtnabg_1921-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.24", "debut_caractere": 961, "fin_caractere_exclue": 1207, "texte": "Der Sturm iibernimmt die Veranstaltung von\nSturm - Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StMdten und Landern.\nDer Sturm vermittelt n u r den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-05-05-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-05-05_01#c029", "volume": "bmtnabg_1921-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.24", "debut_caractere": 1209, "fin_caractere_exclue": 1320, "texte": "Standfge Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. 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Kurt Schwitters\n18 Mark\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n90 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nAlexander Archipenko: Aquarell\n9 Mark\nLouis Marcoussis: Aquarell\n9 Mark\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste\nMit Abbildungen\n18 Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.1", "texte": "IsBB «Mg IWBal. dSfiiff <!§ JJf % BllMi ||f IlBBS SSjgk ämim\ni - IfflfysppE *&Wp W fflSP «Wg Vi£gfi9A J^SS8S;\nMONATSSCHRIFT\n/ HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nZWÖLFTER JAHRGANG / FÜNFTES HEFT\n\nMarc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.2", "texte": "VERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMonatsschrift Dcr Sturm / Zwolfter Jahrgang\nErscheint am funften jedes Monats\nMit mehr f arbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 60 Mark / Ein Halbjahr\n36 Mark / Einzelheft 7 Mark 50 Pfennige\nVollstandige Exemplare dcs 1. bis 11. Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\n\nBucher\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 7 Mark 50 Pfennige / Gebunden 12 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUcberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gltick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 6 Mark / Gebunden 9 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n10 Mark / Zweite Auflage\nKandinsky' Album\nMit 60 Abbildungen\n36 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n6 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n9 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der ezzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n7 Mark 50 Pfennige / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n7 Mark 50 Pfennige / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n6 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n6 Mark\n\nVERZEICHNISSE DES VERLAGS DER STURM KOSTENLOS\n\nNacht\n4 Mark 50 Pfennige\nDie neue Kunst\n4 Mark 50 Pfennige 7\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n12 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 24 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 24 Mark\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n9 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n45 Mark / Gebunden 60 Mark\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n12 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n9 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n12 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie HSrte der Weltenliebe / Roman\n12 Mark / Gebunden 15 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragodie\n9 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSunde /. Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 3 Mark\nKind I Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 6 Mark\nSturm-Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren ' <■'\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 3 Mark\nSturm'Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 12 Mark\nI Marc Chagall .\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nUnter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden\n\nWas soll aus unseren Töchtern werden.\nDu machst Dir immer Sorgen. Alles wird\nsich finden.\nNiemand wird sich finden. Heute wollen\ndie Männer Geld.\nWarum die Mütter sich das ganze Leben\nvergrämen. Deine Kinder werden es Dir\nnicht danken.\nAnna braucht ein neues Kleid. Wo soll\nich das Geld hernehmen.\nSchliesslich kommt alles darauf hinaus,\ndass ich zahlen soll.\nIch kann das Geld doch nicht zusammen-\nstehlen. Mädchen in diesem Alter brauchen\neben mehr.\nDu verwöhnst sie eben.\nEs ist eine Schande, wie die Mädchen\nherumlaufen. In keine Gesellschaft trauen\nsie sich mehr. Wo sollen Herren sie kennen\nlernen.\nIn unserem Hause, wie es sich gehört.\nWer verkehrt denn bei uns. Deine paar\nalten ehemaligen Regimentskameraden.\nDu solltest mit etwas mehr Achtung über\nmeine Freunde sprechen.\nDu bist ja so grenzenlos dumm. Du hast\nniemals das Leben verstanden. Ich gehe\nin ein Sanatorium. Ich halte es nicht mehr\naus. Und gelernt haben die Mädchen\nauch nichts, dass sie wenigstens selbst ihr\nGeld verdienen könnten, da Du es nicht\nhast. j\nMeine Töchter brauchen nichts verdienen.\nDas verbietet mein Stolz. Du willst sie wo-\nmöglich in ein Geschäft stecken, damit sie\nliederlich werden. Töchter gehören in die\nFamilie.\nIch kann sie nicht mehr bewachen. Mir\ngehorcht keine. Ich werde verrückt. Ich\nhalte es nicht mehr aus.\nWarum traust Du den Mädchen immer\nBöses zu. Sie wissen, was sie ihrer Familie\nschuldig sind.\nDen ganzen Nachmittag sind sie schon fort.\nAlle vier. Nicht einmal zum Abendbrot\nkönnen sie da sein.\nMahlzeit.\nGehst Du aus?\nHeut ist Mittwoch, meine einzige Erholung\nin der Woche.\nDu tust überhaupt weiter nichts als Dich\nerholen.\nUnerhört. Willst Du mir mein Unglück\nvorwerfen.\nZehn Jahre lebst Du schon auf Dein Un-\nglück. Und lässt Deine Familie von den\npaar lumpigen Zinsen leben. Such Dir\nendlich etwas Einträgliches. So alt bist Du\ndoch schliesslich nicht.\nEs ist schon neun Uhr. Jeden Mittwoch\nlasse ich die Kameraden warten. Ich bin\nvor zwölf zurück.\nMeinetwegen brauchst Du überhaupt nicht\nmehr nach Haus zu kommen.\nKomm, Anna, sei vernünftig und gib mir\neinen Kuss\nScher Dich zum Teufel\nIst mein Mantel abgebürstet?\nIch bin nicht Dein Dienstmädchen\nEine schöne Wirtschaft in diesem Hause.\nIch lasse mir eben zuviel gefallen. Aber\nich sage Dir, nächstens werde ich einmal\ngründlich durchgreifen.\nHier sind drei Rechnungen zu bezahlen.\nRechnungen, Rechnungen. Das ist das Ein-\nzige, was ich zu hören bekomme\nDas ist mein letzter Abend in Deinem Hause\nIch verbiete Dir hiermit, heute auszugehen.\nGuten Abend."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.4", "texte": "Ich möchte mich von allen Männern küssen\nlassen.\nUnd mir versagst Du alles.\nDu bist ein Junge\nIch bin so alt wie Du\nMänner fangen erst mit fünfunddreissig an\nDa sind sie schon verlebt. Aber ich habe\nLeidenschaft.\nDu wirst mein Page\nIch habe Dich ganz unwirklich lieb. Hör\nmal ernsthaft zu, Friedel, ich weiss im\nLeben ganz genau Bescheid. In vier Jahren\nbin ich mündig, dann bekomme ich mein\nganzes Geld ausgezahlt und wir können\nuns sofort heiraten\nGlaubst Du, dass ich auf Dich warten brauche\nDu kennst das Leben garnicht, Friedel.\nIch will Dir nicht wehe tun, aber Ihr habt\ndoch kein Geld\nDas ist eine Frechheit. Woher weisst Du das ?\nIch werde Dir wunderbare Kleider aus Bast-\nseide kaufen. Bastseide muss Dir entzückend\nstehen.\nIch mag Bastseide nicht\nIch kaufe Dir was Du willst. Ich gebe Dir\nmein ganzes Geld und Du allein sollst\ndarüber bestimmen. Nicht einmal fragen\nbrauchst Du mich\nIch habe immer was ich will\nBei mir brauchst Du doch nicht stolz zu\nsein, Friedel. Und wenn Dir vier Jahre\nzu lang sind, ich habe einen Freund, der\nmir jetzt schon Geld verschaffen kann:\nImmer protzst Du mit Deinem Geld. Du\nbist ein grässlich nüchterner Junge\nWas soll ich Dir schenken\nEinen Flügel\nWas willst Du mit einem Flügel\nNun fragst Du schon genau wie Vater.\nWozu musst Du das wissen, wenn Du alles\nschenken willst\nAber Deine Eltern werden sich doch wundern,\nwenn plötzlich ein Flügel bei Euch an-\nkommt.\nDu musst nur dafür sorgen, dass er Mitt-\nwoch abend ankommt. Da geht Vater\nkneipen und Mutter jedesmal zu ihren\nEltern, um nie wiederzukommen.\nIst Dein Vater so schlecht zu ihr\nMutter ist eine alte Schraube\nGott sei Dank, ich habe keine Eltern\nKannst Du denn machen was Du willst\nMein alter Pastor glaubt mir alles\nMeine Eltern glauben mir nichts, aber ich\nmache doch was ich will.\nDein Vater sieht sehr vornehm aus\nMutter ist zu ihrem Glück sehr dumm\nWenn ich Dich doch auf der Stelle heiraten\nkönnte\nIch habe Dir bereits tausend Mal gesagt,\ndass ich Dich nie heiraten werde und über-\nhaupt keinen Mann\nDu wirst auch einmal älter und dann musst\nDu heiraten\nWie spät ist es?\nBekomme ich einen Kuss, wenn Du den\nFlügel hast\nDu bist genau so gemein wie alle\nIch liebe Dich unendlich\nIst das Schenken? Gute Nacht.\nKommst Du morgen wieder\nWenn ich Laune dazu habe\nAlso nächsten Mittwoch kommt der Flügel\nDen andern Flügel lasse Dir wachsen, mein\nEngel.\nFriedel\nAnna\nGehst Du jetzt erst nach Haus\nGut, dass ich Dich treffe\nHoffentlich sind die andern schon da\nMutter wird wohl schon für immer bei den\nGrosseltern sein\nEr hat heute seinen Doktor gemacht\nDann bist Du also bald erlöst\nWenn er nur Glück mit der Praxis hat. Er\nist zu bescheiden\nFrauen gehen gern zu Ärzten\nIch würde es nie tun\nDu bist eine richtige Tante\nWenn ich Deinen Mut hätte\nIch darf doch öfters bei Euch schlafen, wenn\nIhr eine Wohnung habt\nErnst hat ein wunderbares Abzahlungsge-\nschäft entdeckt. Für wenig Geld bekommt\ner eine ganze Einrichtung gleich geliefert\nIch schenke Euch einen Flügel zur Hochzeit\nWas Du immer für tolle Ideen hast. Erstens\nhast Du kein Geld und zweitens spiele ich\nnicht Klavier.\nEin Flügel macht sich immer gut im Warte-\nzimmer\nWir müssen uns beeilen\nDer Abend ist so schön. Hast Du Geld\nIch muss doch für die Wohnung sparen\nWenn Du mir etwas leihst, lade ich Dich\nzu Eis ein."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.5", "texte": "Du kannst es mir doch nie wieder geben.\nDas wollen wir erst einmal abwarten\nMutter ist sicher ausser sich\nDas ist sie schon sowieso. Da kann es auch\nruhig zehn werden\nWenn ich doch nur schon in meinem Heim\nwäre\nIhr müsstet in ein Dorf ziehen\nErnst will doch in die Sinfonie-Konzerte\ngehen.\nDu wirst indessen Deine Kleinen lehren\nSpeere werfen und die Götter ehren.\nDu bist unverschämt, Friedel\nUnd Du bist verschämt Fragt sich, was\nbesser ist. Was wollen wir heute Mutter\nvorschwindeln\nDir wird schon was einfallen. Jedenfalls\nwaren wir zusammen.\nSagen wir wieder Konzert. Das klingt immer\nam anständigsten\nBist du wieder mit dem Jungen zusammen\ngewesen\nDas geht doch Dich nichts an\nWenn Vater erfährt, dass Du mit einem\nJuden sprichst\nJuden sind die besten Christen. Ausserdem\nist er kein Jude mehr und ausserdem er-\nfährt Vater nichts, Du wirst doch nicht\npetzen.\nAber Friedel, wo Du mir immer hilfst\nMan hat schon seine Sorge mit den grossen\nSchwestern\nWir müssen jetzt unbedingt hinauf\nBist Du ängstlich, Konzerte sind nie vor\nhalb zehn aus.\nNiemand zu Haus\nDas habe ich mir gedacht. Kinder ich habe\neinen Hunger\nHast Du eine Ahnung, wo Martha und Erna\nsind\nDie kleben immer zusammen. Die paar\nBrote. Das lohnt sich garnicht anzufangen\nIch bin ganz satt\nLiebe macht Hunger. Das Mittag habe ich\nstehen lassen. Son Zeug esse ich nicht\nDu tust, als ob Du Millionärin bist\nWenn man es schon nicht ist, muss man\nes sich wenigstens einbilden\nWar da nicht jemand an der Tür?\nKommt mal rein. Die Bude ist leer\nIst Mutter schon lange fort?\nMeint Ihr, dass wir Euch vertreten. Wo\nhabt Ihr Euch denn rumgetrieben\nWas Du immer für hässliche Ausdrücke\nhast, Friedel.\nTu nur nicht so fein\nErna und ich haben im Park gelesen\nBei der Dunkelheit\nEr ist ein grosser Dichter, nicht Erna\nWer denn\nDu interessierst Dich ja nicht für Kunst\nDu mit Deiner Kunst\nWarum musst Du immer Martha ärgern,\nF riedel\n\"Weil sie sich so hat. Mir braucht Ihr\ndoch nichts vorzuschwindeln\nIch kann alles vertreten was ich tue\nEuch helfe ich nicht mehr aus der Patsche\nRed doch nicht mit der Göre, Martha\nIhr könnt Euch als siamesische Zwillinge\nausstellen lassen\nDu hast Dich doch sicher wieder mit Jungen\nrum getrieben\nJetzt vergisst sie die ganze Feinheit. Bitte,\nich bin mit Anna im Konzert gewesen\nWundervoll dieser Beethoven\nWas sie uns vormachen will, nicht Erna.\nSie kann kaum die Wacht am Rhein singen\nDass überlässt sie Euch\nWarum können wir uns nicht vertragen\nWir sind sehr verträglich, nicht Erna. Aber\nmit Euch beiden kann kein Mensch aus-\nkommen.\nWas Ihr immer mit der Martha vorhabt\nSie ist die Wacht und Du bist der Rhein.\nMahlzeit. Ich gehe schlafen\nMorgen wird es wieder einen schönen Krach\ngeben\nEs braust ein Ruf wie Donnerhall\nSie hat gar keine Scham, nicht Erna\nDu kannst mir ja etwas von Deiner pumpen.\nKommst Du schlafen Anna\nIch bin sehr müde\nBeethoven strengt an, nicht Erna\nAls ob wir auf das Theater reinfallen\nDiesmal war es Konzert meine Damen.\nKomm Anna.\nAnna ist die reinste Null\nDas finde ich auch\nWarum mag sie immer zu der Göre halten\nSie bemuttert sie\nDie braucht keine Mutter\nMeinst Du\nWenn ich ihr doch mal eins auswischen\nkönnte\nWie könnte man sie nur ducken"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.6", "texte": "Sie ist imstande und verpetzt uns\nSchade, dass wir alle von einander ab-\nhängig sind\nWar es nicht wundervoll. Dieser edle\nMensch\nSeine Stimme ist wie Musik\nUnd seine Hand. Hast Du seine Hand be-\ntrachtet\nEin wundervoller Brillantring\nDu bist noch immer zu äusserlich. Erna.\nDiese Linie. Ich könnte immer knien\nOb er es ehrlich mit uns meint\nIch bewundere seine Grösse\nAls Du einmal Deinen Kopf zurückbogst\nund das Licht auf Deinen Hals fiel, brannten\nseine Augen\nDu bist viel zu äusserlich Erna. Ich sehe\nso etwas nie. Er wird an ein neues Werk\ngedacht haben\nIch möchte auch so edel werden wie Du\nWenn ich nur wüsste, wo ich ein neues\nKleid herbekomme. Er liebt grün so sehr.\nDu kannst mein grünes gern bekommen\nDu bist wirklich rührend, Erna. Aber ich\nschäme mich zu Tode, wenn er merkt, dass\nMutter es schon zweimal gekantet hat\nGlaubst Du, dass dieser grosse Mensch so\netwas sieht\nNichts ist beschämender als Armut\nDu bist so tief Martha. Was Du alles so\nnebenbei sagst\nJetzt legen wir uns schlafen und zünden\ndie Marienkerze an. Du kommst mit in\nmein Bett und wir lesen dann sein Weihe-\nspiel. Ach mein Gott. Wenn ich doch\nkatholisch wäre\nDer Unterricht soll viel anstrengender sein\nDann könnte ich meine Sünden beichten\nDu bist so edel Martha\nKomm zu Bett. Wir wollen die Erlösungs-\nstunde feiern.\nAnna\nJa\nSchläfst Du schon\nIch kann nicht schlafen\nEs ist doch schon spät\nMir ist zu heiss\nWas machst Du\nIch halte die Decken nicht aus\nDu wirst Dich erkälten\nIst zugeriegelt\nSoll ich Licht machen\nIch werde lesen\nDu liegist wieder ohne Hemd, Friedet\nBin ich schön\nFriedel\nIch meine, werden mich die Männer schön\nfinden\nMan braucht nur einem Mann zu gefallen\nSag mir mal auf Ehrenwort, hat Dich Dein\nErnst schon gesehen\nFriedel\nIch verstehe nicht, wie Du das aushältst.\nDabei bist Du schon vierundzwanzig\nErnst ist viel zu ehrenhaft\nOb er Dich nun so küsst oder so\nUnd ich habe keinen Mut\nMut hätte ich schon, wenn mir nur einer\ngefallen würde\nKönntest Du\nSieh mal meine Beine. Sie sind doch ganz\nhübsch und lang.\nAuf was für Gedanken Du kommst\nWenn ich nur schönere Strümpfe hätte\nManchmal habe ich Angst um Dich\nGlaubst Du, die Beiden haben etwas mit-\neinander\nWelche Beiden\nMartha und Erna\nAuf was für Gedanken Du kommst. Sie\nsind doch beide Mädchen\nDu bist ein neugebornes Kind. Gute Nacht.\nMach das Licht aus.\nFriedel\nWas denn\nEs ist schrecklich, Mädchen zu sein\nDu bist eine Tante\nWenn ich könnte wie ich wollte\nIch werde wohl zum Ballet gehen\nWas sagst Du\nDann werden mich alle Männer lieben\nDass Du meine Schwester bist\nGute Nacht Frau Doktor\nWas kostet ein Flügel\nWillst Du einen kaufen\nIch brauche übrigens dringend Tausende.\nWillst Du sie mir verschaffen\nHast Du ein Verhältnis\nIch will mir eine Uhr kaufen\nWer bekommt sie\nWer soll sie bekommen. Einmal muss der\nMensch doch eine anständige Uhr haben\nSeit wann bist Du so anspruchsvoll\nEinmal muss der Mensch doch was von\nseinem Gelde haben. Mir ist die Pastoren-\nwirtschaft jetzt einfach zuwider"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.7", "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.8", "texte": "Das Geld ist ja sicher. Du sollst es be-\nkommen, wenn Du mir ehrlich sagst, wo-\nzu Du es brauchst\nIch will mir die Uhr nicht entgehen lassen,\ndie ich neulich sah\nDeshalb erkundigst Du Dich nach dem\nPreis eines Flügels\nIst das verfänglich\nZu dem Flügel wird wohl ein Engel gehören\nBlödsinn. Hast Du schon jemals gehört,\ndass man einem Engel Flügel schenkt\nDu könntest mir Deine Kleine abtreten\nWelche Kleine\nDu verstehst ja doch nichts vernünftiges\nmit ihr anzufangen\nMich ekelt diese Sprache\nWeil du ein Junge bist\nWillst Du mir das Geld geben oder nicht\nSchrei mich doch nicht so an. Also gut.\nMorgen. Willst Du heute Abend mitkommen\nMorgen macht mir der Alte einen mörde-\nrischen Krach\nDu verkümmerst total. Ich habe eine Bar\nentdeckt sage ich Dir. Da verkehren Damen\nvom richtigen Ballet\nIch mag die Weiber nicht\nDas sind keine Weiber. Barone und Grafen\nlecken sich die Finger nach ihnen\nIch habe kein Talent dazu\nDu bist eine Memme\nDas lass ich mir nicht sagen\nDer Mensch muss sich eben überwinden.\n• •\nAuf die Überwindung kommt es an. Und\nohne Weiber geht es eben nicht.\nIch habe eben meine Ideale\nKeuschheit ist lächerlich mein Junge. Männer\nmüssen Erfahrung sammeln. Die Knutsch erei\nverdirbt Dir nur die Gesundheit.\nDu darfst mich aber zu nichts zwingen\nWas hast Du für Vorstellungen Junge.\nMeinst Du, diese Damen werden sich nach\nDir reissen. Du kannst zufrieden sein, wenn\nman Dich überhaupt bemerkt.\nWas soll ich also da\nErfahrung sammeln mein Junge. Mal sehen,\nwie ich mit sowas umspringe\nBildest Du Dir ein, dass ich Dich bewundern\nwerde\nAls ob mir etwas an Deiner Bewunderung\nliegt. Nur aus reiner Freundschaft nehme\nich Dich mit. Dein Pastor wird Dir sicher\nnicht die Lebensfreude beibringen.\nDu musst mich aber rausreden\nIch sage dem Mann einfach, dass wir in\neinem Konzert gewesen sind. Das macht\nsich immer am anständigsten. Und nach-\nher haben wir Abendbrot gegessen.\nWir werden doch keine Bekannten treffen.\nDeine Bekannten wenigstens haben kein\nGeld dafür übrig.\nAlso meine Damen, rückt doch etwas näher\nran. Kinder, was sagt Ihr zu dem Witz\nMensch, hast Du einen schönen Vollbart.\nGehst Du damit täglich zum Friseur\nUm diesen Vollbart haben mich schon\nmeine sämtlichen Kameraden beneidet.\nDu musst ihn Dir aber mal färben lassen.\nStiebelwichse soll sehr gut sein. Die Würde\ngeht freilich flöten.\nZieh doch den Jubelgreis nicht so auf.\nRück zu mir Alter. Willst du nicht eine\nFlasche Sekt schmeissen\nSekt schmeckt mir nicht.\nSeine Alte wird ihm nicht genug Geld mit-\ngegeben haben.\nEr trägt ja keinen Ring. Du bist doch nicht\nverheiratet Alter\nIch bin geschieden.\nLass dich nicht mit der ein. Die powert\nalle Leute aus. Ich zum Beispiel trink nur\nRheinwein.\nDeutscher Wein und deutsche Frauen.\nUnd mit dem Färben hab ich nur Spass\ngemacht. Ich finde die paar weissen Haare\nganz schic.\nDas sieht so väterlich aus.\nNun lass aber wenigstens den Rheinwein\nkommen Alter, wir können doch hier nicht\nLokal schinden.\nDer Ober soll mal die Karte bringen\nDamit Du das Billigste raussuchst. Da\nkommt ja ein guter Bekannter\nDer sieht aber sehr jüdisch aus.\nLass sie ruhig laufen, Vaterchen. Ich ver-\nkehre nicht mit Juden.\nJetzt trinken wir die Flasche Rheinwein\nganz alleine\nNicht wahr, Vaterchen, Deine Friedelist\nein artiges Kind\nWas sagst Du?\nDass Deine Friedel ein artiges, braves Kind\nist\nDu kennst meine Friedel\nNa und ob. Wenn man immerzu zusammen\nist\nSo So. Wo trifft man sie denn?\nHeute Abend bei Dir"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.9", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.10", "texte": "Bei mir\nDu hast wohl schon einen weg\nMeine Friedel\nSelbstverständlich bin ich Deine Friedel.\nLange noch besser als die andern.\nSag mal Baron. Dein Freund ist wohl stumm\nNeuling mein Engel\nSitze ich Ihnen vielleicht zu nah?\nBitte\nWissen Sie, sonst bin ich ganz friedlich,\naber dieser Vollbartonkel hat mich aus\nder Fassung gebracht.\nWer ist denn das mein Engel\nWissen Sie Herr, — Herr, — wie heisst denn\nDein Freund, Baron\nSiegfried\nWissen Sie Herr Siegfried, sone Jubelgreise\nsind eklig anspruchsvoll und zahlen nichts\nIch kenne die Sorte.\nWollen wir ihn uzen, mein Engel\nIch möchte ihm wahnsinnig gern ein Stück\nvon seinem Vollbart abschneiden. Sieh nur\nBaron, wie die Friedel sich hat.\nWas sagen Sie\nAuf einmal wird er ganz lebendig, der junge\nMann. Lassen Sie sich nur nicht mit der\nein. Die ist eine Schlampe.\nDu musst Dich ranhalten mit der Schere\nmein Engel, der Alte scheint abzuschieben.\nDonnerwetter sehen Sie sich doch vor, alter\nMann. Ich habe meine Füsse auch nicht\ngestohlen.\nWas wollen Sie von mir\nSie sollen sich vorsehen.\nSie wissen wohl nicht, wen Sie vor sich haben\nEinen alten Esel\nHau dem Jubelgreis doch eine runter, Gustav\nMeine Herren, gehen Sie doch auseinander\nKomm Vaterchen, dem Gustav bist du nicht\ngewachsen\nDas wollen wir doch mal sehen. Ich bin\nLeutnant ausser Diensten Sie dummer Ben-\ngel\nAber bitte, meine Herrschaften bleiben Sie\ndoch sitzen, gehen Sie doch auseinander,\nzum Donnerwetter.\nIhnen werde ich einmal japanisch kommen,\nSie Leulnant ausser Diensten\nLass doch meinen Vaterchen, Gustav. Gott\ner blutet.\nIch schliesse mein Lokal, wenn Sie nicht\nBuhe geben.\nWer hat denn das Licht ausgemacht. Alle\nbrennen mir mit der Zeche durch\nDu, Baron, ich hab ihn, ich hab ihn\nWas hast du, mein Engel\nAber Mund halten. Den halben Vollbart.\nBist Du toll\nWarum wollte er keinen Sekt schmeissen.\nNun kann den Vaterchen seine Tochter\ntrösten\nKomm, steh auf, Vaterchen. Auf der Strasse\nwird dir wieder besser.\nWie können Sie den alten Herrn so hart\nanfassen\nSeien Sie ganz still, Sie Budiker. Sonst\nbringe ich Ihnen auch noch das Japanische\nbei.\nNichts für ungut. Aber man muss doch\nmenschlich sein.\nIch gehe.\nWo willst du hin\nIch finde es widerlich\nDas ist Uebung, Herr Siegfried. Heute war\nes noch ganz gemütlich. Wo lasse ich nur\nden Vollbart.\nWas tun Sie\nSeien Sie doch einmal Kavalier und lassen\nSie die paar Haare in der Tasche stecken.\nDu verstehst keinen Spaas\nOber, bringen Sie Sekt. Drei Flaschen.\nAuf einmal wird er vernünftig. Lass mich\nman machen, Baron. Ich verstehe mich\nauf Dachse\nDu kannst ja ordentlich trinken. Schon\neine Flasche leer\nKann ich mich zu Euch setzen\nWo ist denn denn Dein Vaterchen\nDas war mir zu genant, denkt mal, diese\nGemeinheit, in der Dunkelheit hat man ihm\nden halben Vollbart abgeschnitten. Mit so-\nwas kann man doch nicht auf der Strasse\ngehen.\nSo eine Frechheit, nicht Baron. Wer mag\ndem Jubelgreis das angetan haben\nSie heissen Friedel, mein Fräulein\nDu, der fliegt auf Dich\nWollen Sie ein Glas Sekt mit mir trinken.\nMit einemmal kann er reden, Baron\nZwei\nSie haben schönes Haar\nDu kannst ruhig Du zu mir sagen\nIch liebe Ihren Namen sehr.\nWeiter nichts\nWarum verkehren Sie hier\nUm so nette Menschen wie Dich zu treffen\nIch finde es hier widerlich\nIch kann mir auch was Schöneres denken"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.11", "texte": "Robert Delaunay: Saint Severin / Gemälde"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.12", "texte": "Sie sollten nicht hierher gehen\nMan steht so allein im Leben. Ohne An-\nhang. Und muss sich von so einem alten\nKerl anfassen lassen\nHat er Sie angefasst\nUnd was er noch auf der Strasse von mir\nwollte\nFühren Sie Ihr Leben nicht aus freien\nStücken\nIch bin eine Waise\nIch auch\nSie sind mir auch gleich so sympathisch auf-\ngefallen\nIch liebe Ihren Namen sehr\nEr gefällt allgemein\nWas sagen Sie\nleh meine vornehmen Menschen. Kommen\nSie doch ein wenig näher heran\nSie sind Tänzerin\nLeidenschaftlich\nMein Freund sagte mir, dass Sie beim\nBallet sind\nDa schunkele ich auch mit\nLieben Sie den Tanz als Kunst\nDas ist doch keine Kunst, dazu habe ich\nkein Geld\nIch werde Ihnen das Geld verschaffen\nWollen wir nicht zu mir gehen\nIch muss bald nach hause\nDu hast doch keine Eltern\nIch bin noch nicht mündig\nDie Männer haben keinen Mut. Die jungen\nLeute noch weniger. Und die Alten sind\nwiderlich\nSie sind gerächt\nWas bin ich\nDer Alte hat seine Strafe\nDoch nicht von Dir\nIch habe ihm den Vollbart abgeschnitten\nDas glaube ich nicht\nFühlen Sie meine Tache\nDonnerwetter, wie Du glühst\nDu Siegfried, wir müssen gehen\nKommst Du nicht mit mir, Baron\nIch muss den Säugling nach Hause bringen\nAber Du kommst doch morgen wieder.\nAlso Siegfried heisst Du. Ein schöner Name.\nDu, ich werde dich Siegfriedel nennen\nNun, mein Junge, war es nun schön\nKommen die fünf Flaschen Sekt auf Ihre\nRechnung, Herr Baron\nWir begleiten Euch\nWir haben es sehr eilig. Komm Siegfried\nAlso auf Morgen\nAuf Morgen mein Engel.\nWas ist Friedel\nVater klopft\nWer ist denn bei Dir\nIch natürlich Vater\nIst Mutter zu Haus\nIch weiss nicht, Vater\nMutter ist bei den Grosseltern\nHabt ihr eine Schere\nSie wird wohl in Mutters Nähkasten sein,\nVater\nWas willst Du mit der Schere in der Nacht\nWo ist Mutters Nähkasten\nSie wird ihn wohl eingeschlossen haben\nHabt Ihr denn keine Schere\nWozu soll ich eine Schere haben, Vater\nMutters Schlüssel werden wohl im Körb-\nchen liegen, Vater\nIn welchem Körbchen, Anna\nSoll ich aufstehen und ihn suchen\nSchlaft nur weiter. Ich werde es schon\nfinden\nWas willst Du mit der Schere in der Nacht,\nVater\nIch habe mich geschnitten\nDu hast Dich geschnitten\nSchlaft nur weiter. Gute Nacht.\nWas mag mit Vater sein, Friedel\nBesoffen\nFriedel, wie Du redest\nWie soll man das sonst nennen. Gute Nacht.\nGuten Morgen\nGuten Morgen\nGuten Morgen\nVater wie siehst Du aus\nWie soll ich denn aussehen\nGuten Morgen Vater. Wo ist denn Dein\nBart\nGuten Morgen Vater\nWas habt Ihr denn\nDer schöne Bart\nDu siehst ganz entstellt aus\nTrinkt Euren Kaffee und lasst mich meine\nZeitung lesen\nVater\nWas ist denn schon wieder\nDas Büffet ist ja aufgebrochen\nUnd der Schrank auch\nHier müssen Einbrecher gewesen sein\nHier ist alles durcheinander geworfen\nWas ist aufgebrochen\nLeg doch die dumme Zeitung fort"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.13", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.14", "texte": "Überlege Dir gefälligst, mit wem Du sprichst\nWir müssen das Silber zählen\nEure Mutter wird wohl nicht zugeschlossen\nhaben\nDas vergisst Mutter nie\nMan sieht doch deutlich die Gewalt\nNicht einmal die Zeitung kann man lesen.\nIch sehe keine Spur von Gewalt\nDu hast wohl die Schere gesucht, Vater\nWas für eine Schere\nDu hast doch heute Nacht danach gefragt\nIch? Das musst Du geträumt haben\nIch träume nicht von Scheren\nDu bist wie Deine Mutter. Nicht einmal\nam Morgen hat man Ruhe\nWillst Du mir nicht Geld schenken, Vater-\nchen ich brauche neue Schuhe, nicht\nErna\nMartha kann nicht mehr damit gehen, Vater\nIhr müsst Euch einschränken. Es sind\nschwere Zeiten. Ich tue es auch. Nicht\ndas geringste gönne ich mir\nIch werde mir mein Geld selbst verdienen\nDas hat ein Mädchen Deines Standes nicht\nnötig\nDu hast doch kein Geld, Vater\nIch verbitte mir diesen Ton\nDadurch wird auch nichts geändert\nEine Unverschämtheit sondergleichen. Man\nsollte Dich auf die Strasse schmeissen.\nBitte Vater\nDazu hat man sich nun sein ganzes Leben\nabgemüht. Das ist der Dank\nDank wofür Vater\nHinaus mit Dir, oder ich vergreife mich\nSei gut, Friedel\nIhr seid alle feige\nDas Balg soll mir nicht unter die Augen\nkommen\nWillst Du mir nicht Geld geben, Vater-\nchen\nWarum nennst Du mich immer Vaterchen.\nIch kann das Wort nicht mehr hören\nSo haben wir doch aber immer gesagt,\nVaterchen\nIhr habt mir aufs Wort zu gehorchen. Ihr\nseid meine Kinder\nWenn Du mir diesmal Geld gibst, Vaterchen,\nwill ich auch nie wieder was von Dir haben\nMartha braucht die Schuhe wirklich dringend,\nVaterchen\nQuält doch Vater nicht so\nAn der Anna nehmt Euch ein Beispiel.\nDie verlangt nie etwas. So geht es nicht\nweiter. Wo wartlhr überhaupt gestern Abend\nIm Konzert\nWir hatten Freikarten bekommen, Vater\nDass Ihr Euch nicht rumtreibt Mädels.\nDass Ihr meinem Namen keine Schande\nmacht. Ueberall lauern die Gefahren.\nDie Asdur Sinfonie ist ganz herrlich Yaterchen.\nWas gehen mich Eure Sinfonien an. Nicht\neinmal die Zeitung kann man lesen. Ich\ngehe.\nWas sollen wir Mutter sagen\nDas ist meine Sache\nNun drückt er sich wieder\nEr hat doch das Geld nicht Martha\nDann soll er sich nicht vier Töchter anschaffen\nWir müssen eben für uns selbst sorgen\nEr soll lieber weniger kneipen. Was hat\ner nur mit seinem Bart gemacht, Erna\nVielleicht will er jünger aussehen\nIst er fort\nVon Dir wollte er eine Schere, Friedel\nMir ist die ganze Sache klar. In seinem\nZustand wollte er sich plötzlich den Bart\nabschneiden, hat überall nach der Schere\ngesucht und dabei alle Schränke erbrochen.\nMutter wird Augen machen\nIch gehe aus dem Hause\nLust hätte man schon, aber wo sollen wir\nhin\nUeberall ist es besser als hier\nWir können uns zwar nicht leiden, Friedel,\naber wir müssen mehr zusammen halten\nIhr seid ja doch feige\nDu kannst nur grosse Worte reden. Hast\nDu mehr Rechte als wir\nWas sind wir für arme Menschen\nIch werde Euch beweisen, dass ich mehr\nerreiche, tch habe dieses ewige Sorgen\nund Lügen satt\nWenn ich doch wenigstens die Schuhe be-\nkommen hätte\nIhr Beide seid Gänse\nWas sind wir doch für arme Menschen\nIch gehe\nFriedel\nHab nur keine Angst, zu Mittag ist sie\nwieder da\nGut, dass ich Sie treffe\nSie suchen mich. Mich suchen Sie\nIch bleibe nicht zu Hause. Ich will fort.\nSofort\nIch werde Dir helfen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.15", "texte": "Ich brauche keine Hilfe. Ich gehe zum\nBallet. Du sollst mir nur den Weg sagen\nDu darfst nicht zum Ballet gehen. Das ist\nschrecklich. Man wird gemein.\nDas sind Kindereien\nDu willst mir in meinen Lebenserfahrungen\nnicht glauben. Aber ich weiss ganz genau\nBescheid. Erst gestern war ich wieder mit\neinigen Tänzerinnen zusammen\nWie einfach es für Dich ist, mir zu helfen.\nDu machst mich mit einer dieser Damen\nbekannt und sie wird mir schon das weitere\nsagen.\nAbends sitzen sie in den Lokalen und trin-\nken Sekt\nNun\nUnd was sonst noch alles geschieht\nNun\nSie lassen sich anfassen\nDu bist ein kleiner Junge. Muss man lassen\nDu hast keine Lebenserfahrung, Die Leute\nsind roh und stark. Da kannst Du Dich nicht\nwehren.\nNiemandem geschieht, was er nicht gesche-\nhen haben will.\nWenn Du nur einmal erlebt hättest, was\nich fast jeden Abend erlebe.\nGestern zum Beispiel. Da kenne ich unter\nanderen eine junge Dame, die Deinen Na-\nmen trägt. Ein alter Kerl beleidigt sie.\nIch springe auf um ihr beizustehen, werde\nvon zehn Männern überwältigt. Sie weiss\nsich nicht mehr zu helfen, in ihrer Ver-\nzweiflung nimmt sie eine Schere vom Tisch\nund schneidet dem Kerl den halben Voll-\nbart ab.\nDas ist gelogen\nImmer denkst Du, dass ich aufschneide.\nAber diesmal werde ich es Dir beweisen.\nBitte\nWas ist das\nDer Beweis\nPfui Teufel!\nDabei sah der Mann sehr vornehm aus\nJetzt bin ich frei!\nWas ist Dir. Deine Stimme klingt, dass\nmein Blut verdorrt\nJetzt bin ich frei. Gib mir das Haar\nWas willst Du damit\nMeine Freiheit bezahlen\n\nFortsetzung folgt.\n\nGedichte\nKurt Liebmann\n\nSinkt um\nAhnfrösteln bettet Kopf in knoche Schultern\nvogelkahl\nund\ntastet Licht der kargen Scham\nin\nleere Nacht.\nErsticktes Rufen\nschliesst\ndie zittre Blüte\nkauert schlaf\nund\nwurzelschlüpf\nliedlind gewiegt\nund\nOeden rinnen\nnie\nund\nnie\nferneise Hand weint Winken\nnie\nund\nKnieen schlägt die Hände vor das Schluchzen\nsinken\nfernen\nfernsten\nstummen\nstumm\nIch liege an den Ufern ruferlösten Raums\nKaum öffnet Auge\nküsst\nund\nblüht\ntotlieben Hauch\nin das Gefieder meiner Brust\nBlutstern springt weh\nund knickt\nsinkt um\nund\num\nhauch\num.\n\nSchlucht\nHohnzackt\nund\nzerrt das Bäumen\ntrommeltoll\nzu stöhnem Tanz auf scherber Qual\nzerfetzen"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.16", "texte": "hetzen\nwürgen\ndrehen\nschwinden\nwinden\nschnellen Lippen\ntigerrot\ndem Fliehen in den Nacken\nbrechen\nstirnen\nmeerzerbrüllen\nklippen Klagen\nzacken\nspitzen\nfelsen Baum\nschrillherhinüber\nhohl\nund\nFrucht des Mords\nVerzweiflung schaufelt Tiefen\nTiefen steigen\nsteigen\nstürzen\nsteigen\nhöhen\nfassen\nfallen\nLachen schlägt dem Flehen ins Gesicht\nglasknirschzersplittert\nwehen irren\nirren\nbluten\nkrallen\nstarren\nKind pflückt Sonne aus vergreistem Stein.\n\nAbendgekniet\nWiese wiegt Schlaf\nentschlafen geht die Trauer unter\nbleicht\nund\nUnten quillt\nund\nQuellen falten Beten\nSchweigen hebt die Nacht\nund\nheben\nheben\nenden nie\nnie enden\nwölben\nsäulen Arme\nbeben\nstrecken\nhin\ndem Kuss\nnur Du\ngefunden\nbirgt Dich Trauermantel meiner Träne\nDu Mein\nDu blumes Fleisch\nDu süsser Leib\nSchlange rollt Perlen um Deinen Hals\nDein Haar wacht auf\nund\nrauscht die Harfen\nzu dem Ton des Monds\ndann\nheben uns die Sterne an die Brust.\n\nZur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\nAchter Brief\n\nDas Tempo, in dem ich den „Fall Campen-\ndonk\" behandle, scheint Ihrem Fassungs-\nvermögen bei aller meiner Bedächtigkeit\nzu schnell zu sein. Es sieht aus, als läge\nIhnen daran, die rasche Folge Ihrer Ent-\ntäuschungen eine kleine Weile autzuhalten.\nDenn einen Bericht über die Puni-Ausstellung\ndes Sturm, der am 24. März 1921, einen\nMonat nach Beendigung der Ausstellung, in\nder Frankfurter Zeitung erschien, könnten\nSie schon vier Wochen früher verfasst\nhaben, als Ihnen der Schreck über Ihr Un-\nglück im Fall Campendonk noch nicht in\ndie Glieder gefahren war. Es sieht so aus,\nals wünschten Sie eine Atempause. Und\nda Sie heute nicht nur Anderen, sondern\nbeinahe auch mir leid tun, so will ich Ihnen\ndiese Erholung gönnen. Wenn es nur eine\nwird! Denn Ihr kleiner Artikel zeichnet\nsich weniger durch Ihre bewährte Urteils-\nlosigkeit aus, als dadurch, dass er zur guten\nHälfte auf die Fälschung eines Zitats ge-\ngründet ist» Ihr kleiner Artikel lautet, so-\nweit er uns hier interessiert:\n„Herz der Kunst/' Das ist nicht ein dritter\nBruder des Winnetou: „Herz der Kunst\"\nist eine Pointe, die dem leider zu früh ver-\nstorbenen „Taifun\"- Schilderer, Hermann"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.17", "texte": "112 • 4 '■ * ; u\nEssig, entgehen musste. „Herz der Kunst\"\nist der Reklametitel, mit dem ein Berliner\nKunsthändler sich von einer dienstbeflissenen\nFeder in seinen eigenen Ausstellungskata-\nlogen feierlichst hat belehnen lassen. Es\ngibt in Berlin nur einen Kunsthändler, der\nso — bescheiden und so geschmackvoll ist:\nHerwarth Waiden, den Mann vom Sturm.\n„Herz der Kunst\" zeigte im letzten Monat\ndie Ausstellung eines Russen, namens Puni,\nder .... Aber „Herz der Kunst\" lässt\nstolz verkünden, „dass Herwarth Waiden\nsich noch nie geirrt hat\". Gewiss, bei Puni\nhat er sich auch geirrt. Selbst ein halb\nblinder Mensch muss sehen, dass das, wie\nGlaser sich ausdrückt, der „saure Kitsch\"\nist. .. . Nein, „Herz der Kunst\" bleibt sich\newig treu, „Herz der Kunst\" ....\nEs ist selbstverständlich, dass einer, der den\nTaifun geschrieben hat, Ihnen „leider zu\nfrüh\" gestorben ist. Denn ausser diesem\nRoman haben Sie wohl keines seiner Werke\ngelesen. Ich würde also sagen: Sparen Sie\nsich diese journalistisch abgenutzten Prasen,\n— wenn ich Ihnen einen solchen Verzicht\nzumuten dürfte. Es ist eine hässliche Vor-\nJ\nStellung, Sie über den Tod eines begabten\nMenschen Schmerz äussern zu hören. Haben\nSie sich um den lebenden Hermann Essig\ngekümmert? Den Teufel haben Sie nach\nihm gefragt. Herwarth Waiden und ich\nhaben an einem Abend mehr für Her-\nmann Essig getan, als tausend Andere, die\nihm verpflichtet waren, in Jahren.\nUnd damit genug von Ihrem „leider zu früh\nverstorben\", das Sie Anderen nachschreiben.\nAber freilich werden Sie es kaum eilig\nhaben, von mir zu erfahren, worin Ihre\nFälschung bestanden habe, da Sie es so\ngut wissen wie ich. Und es tut auch nichts\nzur Sache, ob es der Puni-Katalog war,\nwie man nach Ihrer Darstellung annehmen\nmuss, oder ein anderer Katalog, aus dem\nSie bewusst falsch zitieren. So falsch, dass\nman zweifeln könnte, ob Sie auch wirklich\naus jenem Katalog zitieren wollten, in dem\nein vor Jahren erschienener Aufsatz des\nKunstschriftstellers L. H. Neitzel abgedruckt\nwar. Und doch können es nur diese Sätze\ngewesen sein:\n„So sei Der Sturm zuerst ein Herz, worin\ndas ungebrochene Leben stürmisch schlägt.\nEin Herz, aus dessen Kammern und Vor-\nhöfen wundervolle Reichtümer an Kunst-\nBegeisterung und heiterem Schaffen leuchten.\nEin Herz und viele Menschen .... Herz\nund Glaube sind der weiche Kern des\nSturm . . . .\"\nUnd nun, Herr Westheim, lesen Sie nach,\nwas Sie aus diesen Sätzen gemacht haben\nund lassen Sie mich hören, wodurch Sie\nsich berechtigt glaubten, Neitzels Satze so\ngrob zu entstellen, dass sie sich von einer\nFälschung durch nichts unterscheiden. Ihre\nWut darüber, dass Neitzels Aufsatz auch\nein Lexikon der Schimpfworte enthielt,\nmit denen die deutschen Kunstkritiker einst\ndie neue Kunst empfangen hatten, diese\nWut ist keine ausreichende Entschuldigung.\nAuch dann nicht, wenn Sie einige dieser\nSchimpfworte als Ihr geistiges Eigentum\nerkannt haben sollten, aus der schrecklichen\nZeit, da Sie noch für kein Kunstblatt zu\nsorgen hatten. Aber ohne diese Textent-\nstellung konnten Sie sich freilich eine\nEhrenkränkung des Sturm oder Waldens\nkaum versprechen. Und auch das ist eine\nWestheimiade, dass Sie erst ein Zitat nach\nBelieben verändern müssen, um einmal\nauf einem Dutzend Zeilen etwas Satirisches\nzuwege zu bringen. „Herz der Kunst ist\nder Reklametitel, mit dem ein Berliner\nKunthändler sich von einer dienstbeflissenen\nfeierlichst hat belehnen lassen.\"\nWenn nur der Mitarbeiter des Kunstblatts,\nL. H. Neitzel, für diese Beleidigung Sie nicht\ngelegentlich mit dem Stock behandelt. Sie\ntrauen wohl einem Kunslschriftsteller keine\neigene Meinung mehr zu? Und „feierlichst\"\nliess man sich belehnen? Und „belehnen\"?\nSie wissen ja garnicht, was „belehnen\" be-\ndeutet! Nein, Herr Westheim, das sind\nalles die unüberlegten journalistischen Re-\ndensarten, vor denen ich Sie schon so oft\ngewarnt habe. Sie bringen damit Ihre\nschwächliche Satire um die letzte Wirkung\nund schädigen Ihr Ansehen — sozusagen.\nAber im Ernst, ich glaube nicht, dass Herr\nNeitzel so viel Geduld mit Ihnen haben\nwird wie ich. Weil er schon vor fünf\nJahren mehr von der neuen Kunst verstand\nals Sie in den nächsten zehn Jahren be-\ngreifen werden, schimpfen Sie ihn eine\n„dienstbeflissene Feder\" und lassen ihn in\nder Frankfurter Zeitung blödes Zeug reden,\ndas ihn lächerlich machen soll. Sehen Sie\nsich beizeiten vor. Schreiben Sie ihm,\nklären Sie ihn auf und bitten Sie ihn um"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.18", "texte": "Entschuldigung. Sie können hinzufügen,\ndass Sie schon seit Jahren oft nicht wissen,\nwas Sie schreiben, dass Sie im journalis-\ntischen Getriebe herangewachsen sind und\nsich darum an die üblichen Cliches halten\nmüssen, und was dergleichen mehr zu er-\nwähnen wäre. Sie werden schon das Rich-\ntige treffen und ich wünsche Ihnen guten\nErfolg. Aber jetzt müssen wir uns auf die\nBeine machen. Wir haben noch einen\nweiten Weg, und mich dünkt, Sie hätten\nsich genugsam erholt. Nur dass ich Ihnen\nnoch ein paar Worte über Puni sagen\nkönnte. Ich schlage vor, wir halten es mit\nihm, wie Sie es seit einigen Jahren mit den\nKünstlern machen, die Sie früher für Clowns\ngehalten haben, zum Beispiel Archipenko.\nHeute lassen Sie sich für ihn in Stücke\nhauen, — was leider auch nur eine Redens-\nart ist. Aber ein Blitzkerl sind Sie doch.\nVielleicht sind wir die Toren, die auf Ihre\nKritiken hereinfallen. Vielleicht sitzen Sie\nschon da und rechnen den Tag aus, an\ndem Sie einPuni-Heft des Kunstblatts heraus-\ngeben. Und ich wette, Sie haben das Ma-\nterial für die ganze Nummer schon bei-\nsammen. Aber jetzt genug davon. Munter,\nHerr Westheim, und mit allen Kräften zu-\nrück zu Ihrem „Fall Campendonk.\"\n* *\n*\nWir sind uns, wie Sie sich erinnern, darin\neinig geworden, dass Campendonks spon-\ntanes Schreiben eine doppelte Unwahrheit\nenthielt. Er hatte sich einverstanden er-\nklärt, unter den Lehrern der Sturmschule\ngenannt zu werden, und jahrelang nichts\ndagegen eingewendet. Er hatte sogar da-\nrum ersucht, dass ihn Der Sturm als Lehrer\nder Schule reklamiere. Es war also eine\nzweite Unwahrheit, wenn er sein Fortgehen\nvom Sturm mit eineip jahrelangen „Vor-\ngeben \" seines Namens als Sturmlehrer\nmotivierte. Und nun wollen wir uns den\nGründen zuwenden, die Campendonk in\nerster Reihe genannt hat. Es müssen wohl\ndie wichtigeren gewesen sein.\nDas, was mich veranlasste, vom\nSturm fortzugehen, war mehr der ekelhafte\nBetrieb mit Wauer, Neil Waiden und wie\ndie Grössen alle heissen, und die Frech-\nheit, mit welcher deren Produkte als höchste\nKunst angepriesen wurde.\"\nDieser Satz scheint ruhige und sachliche\nMenschen zur Empörung und zur Ünsach-\nlichkeit herauszufordern. Er ist so kühn\nund so verletzend, dass man seinem Ver-\nfasser das Zeugnis des Mutes nicht versageil\nmöchte. Wer sich so äussert, ohne sich\nmit sachlichen Unterlagen abzugeben,\nscheint auch nicht zu verlangen, dass man\nihm mit Gegenbeweisen komme. „Ekelhaft\n— Betrieb — Frechheit — Produkte — an-\npreisen.\" Wer seine Anklage aus solchen\nWorten formt, will selbst weniger beweisen,\nals Anderen einen Schimpf antun. Wer\ndas Tun eines Anderen eine Frechheit\nnennt, erhebt der wohl selbst Anspruch\ndarauf, dass man mit ihm gesittet rede\noder diskutiere? Ist er nicht vielmehr\ndarum so mutig, weil er es darauf an-\nkommen lässt, dass der Beschimpfte ihn\nkörperlich züchtigt ? Weil er nämlich das\nbisschen Geldstrafe wegen öffentlicher Be-\nleidigung gern hinnimmt, wenn nur die\nWelt erfahren habe, dass jenes Treiben ekel-\nhaft und jenes Tun eine Frechheit genannt\nworden war? Und weil der Beschimpfte\nauch darum von einer gerichtlichen Be-\nstrafung keine Genugtuung erhoffen kann,\nweil die Form der Beschimpfung nichts\nenthält, was der Beschimpfte zu wider-\nlegen hätte. Aber es gibt allerlei, was den\nMut eines Campendonk fraglich macht.\nZu den Beschimpften gehört eine Frau, und\nCampendonk musste nicht mit Bestimmt-\nheit annehmen, dass sie die Beschimpfung\nmit einem Schlag ins Gesicht erwidern\nwerde. Nicht mit Bestimmtheit, obgleich\nsie nicht die einzige Frau wäre, die sich\nmutiger zeigt als ein mutiger Beschimpfer.\nAber vielleicht hatte Campendonk von\nWauer oder von Herwarth Waiden, dem\nMann der Beschimpften und indirekt selbst\nBeschimpften, die körperliche Züchtigung\nzu gewärtigen? Oder konnte er damit\nrechnen, dass Raum und Zeit die Empörung\ngesitteter Menschen zur Ruhe bringen wer-\nden? Aber wenn unter diesen Erwägungen\nCampendonks grosser Mut schwindet,\nso bleibt vielleicht der kleinere Mut\nzu retten, dass er die Unnannehmlichkeit\neiner gerichtlichen Bestrafung um seiner\nÜberzeugung willen gern erdulden wollte.\nDoch grade um den Ruf dieses kleinen\nMutes ist es ganz besonders schlecht be-\nstellt. Denn ich habe den Brief schon ver-\nöffentlicht, in dem Campendonk seine Be-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.19", "texte": "schimpfungen samt und sonders Und mit\ndem Ausdruck des grössten Bedauerns zurück-\nnimmt. Und danach schiene alles abgetan\nund erledigt, wenn nicht der Widerruf aus-\nschliesslich gegenüber Wauer erfolgt wäre,\nund wenn nicht Campendonk hinterher ein-\ngestanden hätte, dass seine Beschimpfungen\nzur Veröffentlichung bestimmt gewesen\nwaren. Dieses Geständnis hat Wauer ver-\nanlasst, auf den Widerruf zu pfeifen. So-\nlange Campendonk der öffentlichen\nBeleidigung nur dringend verdächtig\nwar, mochte er mit seinem Widerruf davon-\nkommen. Nach dem Geständnis hatte er\ndafür zu sorgen, dass sein Widerruf im\nKunstblatt zum Abdruck kam, — gleich-\ngültig, ob Sie selbst Wauer so etwas ver-\nsprochen hatten oder nicht. Der öffent-\nliche Widerruf erfolgte nicht. Sie halten\nbeide Ihre öffentlichen Beschimpfungen\naufrecht. Sie sollen jetzt die Folgen tragen.\nIch will mich nicht zu lange bei der Frage\naufhalten, was Campendonk unter einem\n„ekelhaften Betrieb\" versteht. „Betrieb\" ist\nauch eines der Worte, deren ursprünglichem\nBegriff keine verletzende Bedeutung zu-\nkommt. Auf ein künstlerisches Unternehmen\nangewendet, wird es zum allgemein ver-\nständlichen Schimpfwort, und .ekelhaft\" ist\nnur eine Steigerung des Begriffs. Da es\nnicht fraglich ist, dass Campendonk unter\ndem „ekelhaften Betrieb\" alles verstanden\nhaben will, was die Beschimpften künst-\nlerisch mit dem Sturm verband und an\ndie Oeffentlichkeit kam, so habe ich mich\nfürs nächste nur der Mühe zu unterziehen,\nEiniges historisch genau zu verzeichnen.\nIm Februar 1918 hat die Zeitschrift Der\nSturm zum ersten Mal drei Zeichnungen\nWauers reproduziert. Zwei dieser Zeich-\nnungen, „Sehnsucht\" und „Tanz\", sind im\nNovember 1919 als Kunstdrucke erschienen.\nJe eine Zeichnung enthielt ferner das April-\nund Juli-Heft 1918 und das Februar-Heft\n1919. Im März 1918 hatte Der Sturm zum\nersten Mal Arbeiten Wauers ausgestellt:\nsechs kleine Plastiken und achtzehn Zeich-\nnungen. Nachdem in den späteren Monaten\ndie kleinen Plastiken noch einige Male ge-\nzeigt worden waren, fand im März 1919\ndie erste und bisher einzige grössere Aus-\nstellung Wauers statt. Seitdem wurden\nauf jeder Gesamtschau des Sturm einige\ndieser Werke gezeigt. An den auswärtigen\nAusstellungen des Sturm war Wauer in\ndem gleichen Verhältnis wie die übrigen\nKünstler des Sturm vertreten. Mit Aus-\nnahme eines grossen Gemäldes, das auf\neiner Gesamtschau des Sturm im Oktober\n1919 ausgestellt war, sind neue Arbeiten\nWauers nicht mehr gezeigt worden. Auch\ndieses Gemälde hing nur sehr kurze Zeit,\nda es gleich in den ersten Tagen der Aus-\nstellung verkauft wurde. Und ich will\nhinzufügen, dass sich Wauer damals nur\nauf mein Drängen zur Vollendung und Aus-\nstellung dieses Bildes entschlossen hat.\nDieses war der „ekelhafte Betrieb\" mit\nWauer. Dass seine Werke irgendwo im\nSturm oder an einer anderen Stelle als\nhöchste Kunst „angepriesen\" wurden, muss\nauf einem Irrtum Campendonks beruhen.\nUnd die „Frechheit\", mit der dies geschehen\nsein soll, lässt sich also nicht länger be-\nhaupten oder gar beweisen. Doch will ich\ngestehen, dass dieses nur richtig ist, soweit\ndie Zeit bis zu Campendonks Entlaufen in\nFrage kommt. In meinem neuen Buch\n„Der Geist des Kubismus und die Künste\"\nhabe ich Wauers Plastiken auf Seite 41-42\nals höchste Kunst gepriesen. Ich rate Herrn\nCampendonk, mein Urteil über Wauer nicht\neine Frechheit zu nennen. Das würde ihm\nnoch schlechter bekommen als alles, was\ner bisher angestellt hat.\nWorin bestand der „Betrieb\" mit Neil\nWaiden? Sie hat stets nur Teilausstellungen\nim Sturm veranstaltet. Sie zeigte auf ihrer\nersten Ausstellung im April 1917 einund-\nfünfzig Arbeiten, im Mai 1918 dreiund-\nsechzig und im Mai 1919 vierundziebzig\nArbeiten. Die Zeitschrift Der Sturm hat\neine einzige Zeichnung im April 1918 ver-\nöffentlicht. Campendonk sah darin einen\nekelhaften Betrieb und eine Frechheit und\nentlief im November 1919 dem Sturm.\nUeber Zurücksetzung hat er sich nie be-\nklagt und er hatte auch keine Ursache da-\nzu. Die Zeitschrift Der Sturm hat vom\nFebruar 1916 bis April 1917 vierzehn Holz-\nschnitte Campendonks veröffentlicht. Im\nMärz 1912 hat der Sturm seine allerersten\nVersuche ausgestellt und seit dieser Zeit\nin Teil- und Gesamtausstellungen, in jeder\nGesamtschau und in auswärtigen Aus-\nstellungen alles das gezeigt, was Campen-\ndonk zu diesem Zweck dem Sturm i'iber-\nsandt hatte. In Folge der Härtnäckigkeit, mit"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.20", "texte": "der Campendonks Werke jahrelang durch\nden Sturm ausgestellt wurden, ist er end-\nlich so vollkommen durchgesetzt worden,\ndass selbst Sie ihn anerkannten und Zing-\nlers Kabinett ihm ein vorteilhaftes Anerbie-\nten machen konnte. Diese Hartnäckigkeit\nwürde ich noch keinen ekelhaften Betrieb\nund keine Frechheit nennen. Aber Ihnen,\nHerr Westheim, scheint es zuviel gewesen\nzu sein. Sie nennen Campendonk einen\nKünstler, „den Der Sturm schon der Pro-\npaganda nach, die er jahrelang für ihn\ngemacht hat, nicht zu den Unwichtigsten\ngezählt haben dürfte.\" „Schon der Propa-\nganda nach!\" Sie sind ein sonderbarer\nMensch. Entweder denken Sie verkehrt\noder Sie schreiben verkehrt. Sie schlagen\nden Esel und meinen den Sack. Dem Sturm\nwollen Sie eins versetzen, aber Sie treffen\nIhren eigenen Schützling, wenn Sie die\nReproduktion seiner Holzschnitte eine Pro-\npaganda nennen. Sie verraten, wie Sie\ndamals über diese Holzschnitte gedacht\nhaben, und Campendonk könnte Sie wegen\ndieser verächtlichen Bezeichnung zur Rede\nstellen, wenn er riskieren wollte, es mit\nseinem Propagandisten Westheim zu ver-\nderben. Mir wird er es nicht zugeben, dass\ndie Reproduktion seiner Holzschnitte und\nseine Ausstellungen im Sturm eine Frechheit\nund ein ekelhafter Betrieb gewesen seien.\nVielleicht ist er so liebenswürdig, uns eine\nAufklärung zu geben, unter welchen Um-\nständen man Ausstellungen und Reproduk-\ntionen so titulieren darf.\nSeeshaupt, 16. 1. 21.\nHerrn William Wauer.\nSehr geehrter Herr.\n.... Der Austritt aus dem Sturm geschah\n. . . . lediglich, weil ich mich mit der\nProduktion mancher neu hinzugekommener\nSturmkünstler nicht einverstanden erklären\nkonnte und ich das Empfinden hatte, dass\nich nunmehr auch die Verbindung .. . lösen\nmusste. — Am wenigsten einverstanden war\nich mit den Arbeiten von Ihnen und Neil\nWaiden, und zwar nicht aus dem Grunde,\nweil Sie Plastiken machten und Frau N.W.\nBilder malte; dagegen hätte ich gewiss nicht\nprotestiert, aber mir schien es nicht ange-\nbracht zu sein, dass allererste Versuche\nvon Leuten, welche bis dahin der bilden-\nden Kunst . . . vollkommen fernstanden,\nvom Sturm in einer für mein Gefühl über-\ntriebenen Weise propagiert wurden. Diese\nPropaganda war es, welche mich erboste ...\nHochachtungsvoll Campendonk.\nWas wollen wir zu diesen Aufklärungen\nsagen, Herr Westheim? Noch haben wir\ndie Wahl. Wenn es Campendonk im Sturm\nnicht mehr gefiel, warum sollte er ihm\nnicht entlaufen? Glauben Sie, ich hätte\ndarüber auch nur eine Zeile geschrieben?\nNicht einmal wegen der paar Unwahrheiten,\ndie der Brief enthält. Denn es ist nichts\nals Rederei, dass Der Sturm für Wauer\nund Neil Waiden eine übertriebene Pro-\npaganda gemacht habe. Die Rederei wird\nzum Geschwätz, wenn Campendonk hinzu-\nfügt: „Für mein Gefühl übertrieben\", und\nsie wird zum Gefasel, wenn dieses Gefühl\nauch noch erklärt werden soll: „dass aller-\nerste Versuche von Leuten, die bisher der\nKunst fernstanden . . . Jetzt nämlich,\nHerr Westheim, sind wir auf dem Grund.\nEndlich wissen wir, was ein ekelhafter\nBetrieb und eine Frechheit ist. Allererste\nVersuche — aber ich will nicht kleinlich\nsein. Ich will Campendonk auf diese Worte\nnicht festnageln. Er hat es offen heraus-\ngesagt, dass er mit Wauers und Neil\nWaldens Bildern nicht einverstanden war.\nSie gefielen ihm nicht, diese sechs Zeich-\nnungen Wauers und die eine Zeichnung\nNeil Waldens. Und da entlief er dem\nSturm. Zu Zingler's Kabinett in Frankfurt\nam Main, das ihm vertragliche Garantien\ngab, niemals einen allerersten Versuch in\ndie Nähe seiner Bilder zu hängen, zu stellen\noder zu legen. Das ist ein Standpunkt.\nDer Campendonk hält etwas auf sich und\nseine Nachbarschaft. Schund mag rechts\nund links von ihm hängen, nur keine aller-\nersten Versuche. Er hat ja auch mit Ihnen,\nHerr Westheim, einen Vertrag geschlossen,\ndass Sie im Kunstblatt keine allerersten\nVersuche reproduzieren. Sie haben es ihm\nmit leichtem Herzen versprochen, weil Sie\nnicht wissen können, ob ein allererster Ver-\nsuch etwas taugt oder nicht. Es war ein\nStandpunkt. Die sieben Zeichnungen ge-\nfielen ihm nicht. Warum, geht Wauer\nnichts an. Aber wenn er durchaus will,\nsoll er es erfahren: weil es allererste Ver-\nsuche waren. Ich will zum zweiten Mal\nnicht kleinlich sein, „Allererste Versuche\"\nnennt man Bilder, die — sagen wir —\ndie Campendonk nicht gefallen. Ein aller-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.21", "texte": "erster Versuch könnte schon ein Wurf sein.\n(Sie verstehen das bildlich, Herr Westheim.\nIch meine nicht Wauers Zeichnung „Der\nWurf\", die in der Privatsammlung Waiden\nzu sehen ist.) Ein allererster Versuch\nkönnte besser sein als Campendonks bestes\nBild. Wauer hätte sich bedanken sollen,\ndass Campendonk den „ekelhaften Betrieb\"\nsozusagen als „allererste Versuche\" erklärt.\nStatt dessen war dieser Wauer so naiv,\nCampendonk den Star zu stechen. Als ob\nZeichnungen und Plastiken an Vortrefflich-\nkeit gewinnen, weil ihr Schöpfer malte und\nmodellierte, als Campendonk noch keine\nBriefe schreiben konnte. Es war naiv,\nCampendonk den Star stechen zu wollen.\nUnd doch nicht so ganz naiv.\n„Seeshaupt, den 30. 1. 21.\nSehr geehrter Herr Wauer,\n«... natürlich habe ich mit meinem Glauben,\ndass Ihre Plastik Ihre erste künstlerische\nProduktion sei, unrecht, und ich werde\nden Schwätzern, welche mir derartige Dinge\nerzählen, nächstens die Tür weisen.\nHochachtungsvoll\nCampendonk. *\nNun schlägt's dreizehn. Was will der\nCampendonk tun? Den Schwätzern, die\nihm derartige Dinge erzählen, nächstens\ndie Tür weisen? Die armen Kerle! Wer\nsind denn diese Schwätzer? Und die Tür\nweisen? Und nächstens? Sapperlot, die\nscheinen nicht weit von ihm zu wohnen,\nda diese Kapitalshandlung in nächster Aus-\nsicht steht. Aber warum gleich die Tür\nweisen? Sind die Schwätzer daran schuld,\ndass Campendonk ein paar Zeichnungen\nWauers missfielen? — Wollen Sie dem\nCampendonk einen Gefallen tun, Herr\nWestheim? Flehen Sie ihn an, er möge\nden Schwätzern nicht die Türe weisen. Es\nkostet Sie ein Wort. Ich muss sonst glauben,\ndass die Schwätzer Campendonk ins Un-\nglück gebracht haben, dass Campendonk\ndie Plastiken nur darum so schlecht fand,\nweil er Wauer für einen Anfänger hielt.\nAber vielleicht lege ich den Campendonk\nfalsch an. Vielleicht sind die Schwätzer\nnur daran schuld, dass sich Campendonk\nzu gar so gemeinen Ausdrücken hat hin-\nreissen lassen. Die Plastiken und die\nZeichnungen gefallen ihm zwar heute noch\nnicht. Aber da sie keine allerersten Versuche\nsind, gab es auch keinen ekelhaften Betrieb\nund keine Frechheit. Vielleicht hätte\nCampendonk den halben oder ganzen spon-\ntanen Brief nicht geschrieben. Den Vertrag\nmit Zingler hat er nur geschlossen, weil er\nWauer für einen Anfänger hielt. Hätten\nihm das die Schwätzer nicht eingeredet,\ner wäre heute noch beim Sturm. Vielleicht\nwürde er sich glücklich schätzen, neben\nden Werken Wauers, des grössten deutschen\nPlastikers, seine eigenen Werke zu sehen,\ndie nicht vom grössten deutschen Maler\nstammen, wie er selbst weiss. Vielleicht\nhätte er auch einen Profit davon haben\nkönnen, dass Wauer einer der wenigen\ndeutschen Künstler ist, die in den\nKreisen um Gleizes bewundert werden\nund die den deutschen Expressionismus\ndort zu Ansehen gebracht haben, nach-\ndem der Westheim'sche Kunstblatt «Ex-\npressionismus bei den Franzosen so trau-\nrige Vorstellungen von der deutschen Kunst\nerweckt hatte. Vielleicht, ja — vielleicht!\nDenn jetzt ist es an der Zeit, dieser scheuss-\nlichen Hydra aus verschlungenen und ver-\nknoteten Briefen mit eins die Köpfe abzu-\nschlagen und den Brief zu veröffentlichen,\nmit dem Campendonk am 27.November 1919\nWaiden seinen Austritt aus dem Sturm an-\ngezeigt hat.\n„Seeshaupt, 27. 11. 1919.\nLieber Herr Waiden,\nich habe heute ein Vertragsangebot von\nZinglers Kabinett angenommen. Wenn es\nIhnen angenehm ist, so wird mein Ver-\nhältnis zum Sturm nicht sehr verändert\nwerden, d. h. ich werde die Arbeiten,\nwelche nun bei Ihnen sind, dort lassen und\nständig ergänzen. — Dieses werde ich sogar\nvon nun an besser können, da die Verkäufe\nim Atelier, wodurch ich in letzter Zeit dem\nSturm gar keine Bilder mehr schicken\nkonnte, jetzt wegfallen. — So bekämen Sie\nalso mehr Arbeiten von mir . . . Das erste,\nwas Sie bekommen, werden Drucke von\nzehn neuen Stöcken sein.\nMit herzlichen Grüssen von Haus zu Haus\nIhr\nCampendonk.*\nWas wünschen Sie noch über den Fall\nCampendonk zuhören? Am liebsten nichts\nmehr? Das ist einmal etwas, das ich Ihnen\nglaube. Aber ich bin noch nicht am Ende.\nZwar die Unwahrheiten, mit denen Campen-\ndonk Sie bedient hat, sind bewiesen. Aber"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.22", "texte": "dieser Campendonk brachte es sogar fertig,\nan Wauer zu allem Unglück auch noch\ndiesen Satz zu schreiben:\n„Diese Propaganda war es, welche mich\nerboste und ich bedaure heute ausser-\nordentlich, Herrn Waiden dies nicht schon\nbei meiner Austrittserklärung eingestanden\nzu haben.\"\nDer arme Kerl hätte den ganzen Brief be-\ndauern müssen, den er damals an Waiden\ngeschrieben hat, wenn er Ihnen und Wauer\nheute weismachen will, er sei aus künst-\nlerischen Gründen ausgeschieden. Denn\ndieser Brief beweist, dass er nicht aus\nkünstlerischen Gründen ausgeschieden ist.\nDieser Brief beweist, dass er durch keinen\nVertrag an den Sturm gebunden war, dass\ner es leicht genug hatte, dem Sturm zu\nentlaufen, sobald ihm Jemand ein gutes\nAnerbieten machte. Der Brief beweist aber\nauch, dass er dem Sturm überhaupt nicht\nentlaufen ist. Der Brief beweist, dass\nCampendonk beim Sturm bleiben wollte, —\nwenn es nämlich Waiden angenehm wäre.\nCampendonk freut sich, in Zukunft wieder\nengere Beziehungen zum Sturme aufnehmen\nzu können. Er wird mehr Bilder senden\nkönnen als bisher. Er kündigt schon neue\nHolzschnitte an.\nJa, Herr Westheim, mit Ihrem Fall Campen-\ndonk haben Sie einen guten Griff getan.\nNun wissen Sie, wie Campendonk dem\nSturm entlaufen ist. Oder wenn Sie es\njetzt weniger wissen sollten als vorher,\nweil Sie in dem Wirrwar von Briefen,\nWiderrufen und zurückgenommenen Wider-\nrufen den wahren Grund vergessen haben,\ndann will ich Sie auch heute wieder mit\nder Nase darauf stossen. Doch sehen Sie\nsich vor. Es ist da schmutzig und stinkig.\nCampendonk war dem Sturm entlaufen,\nweil er ihm entlaufen sein muss t e. Weil\nCampendonk Ihnen, seinem grossen Freunde\nWestheim, den Dienst nicht versagen wollte,\ndass er dem Sturm entlaufen sei, um\njeden Preis entlaufen sei. Und weil\ner lieber so viele Unwahrheiten sagen\nwollte, dass ich sie nicht mehr zählen kann,\nals dass er es mit Ihnen verdorben hätte.\nNiemand wird Sie um den Triumph be-\nneiden, einen ausgezeichneten Künstler so\ntief hinuntergeschleudert zu haben. In\ndiesem Land gibt es also Künstler, die\nUnwahrheiten auf Unwahrheiten häufen, um\nvon einem Westheim nicht vergessen zu\nwerden. Dieses Land und diese Künstler\nverdienen ihren Westheim. Sie haben ihm\nlängst verziehen, was er einst über sie ge-\nschrieben hatte. Sie stellen ihre künstler-\nische und menschliche Würde tiefer als die\nErwähnung in einem Blatt, dass nicht ein-\nmal den Wert eines Kurszettels hat. Denn\nwas sollte selbst Campendonk sonst an\nIhnen schätzen? Er muss heulen und Sie\nverwünschen, dass Sie dieses aus ihm ge-\nmacht haben. Und wenn er Ihnen dreimal\ndie Erlaubnis gab, seine unflätigen Be-\nschimpfungen und seine Unwahrheiten ab-\nzudrucken, so bleiben Sie doch sein Ver-\nführer. Denn das sehen jetzt auch Sie ein,\ndass der arme Teufel solche Gemeinheiten\nspontan nicht geschrieben hätte, wenn er\nes auch tausendmal vergessen hat, dass er\nseinen künstlerischen Namen Waiden und\ndem Sturm zu verdanken hat. Waiden\nbrauchte es nicht zu verlernen, Dank von\nKünstlern zu erhalten, für die er sich Jahre\nlang von Ihnen, Herr Westheim, aufs mass-\nloseste hat beschimpfen lassen. Campen-\ndonk vergilt es ihm auf seine Weise. Nun\naber soll er seine Buhe haben. Wenn der\nKopf fällt, ist die ganze Henkerei nicht\nmehr der Bede wert.\n\nRudolf Blümner\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Unter den Sinnen\nKurt Liebmann: Gedichte\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Achter Brief\nMarc Chagall: Zeichnung\nRudolf Bauer: Zwei Zeichnungen\nRobert Delaunay: Saint Severin / Gemälde / Tondruck"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.23", "texte": "VERLAG DER STURM / G.M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMusik\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werkli—3\nDichtungen yon Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 4 Mark 50 Pfennige\nBruder Liederlich / Werk 5l\nFiir Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 24 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 6 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nSchwertertanz / Werk 18\nFur Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\n\nSturm-Karten\nJedc Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kunstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\n\"Willi Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjert6n-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 90 Pfennige\nTour Donas —NellWalden / Franz Marc / Iwan Puni\nJe 3 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n4 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\ngFJIW »l 1\nAuf Japanpapier\nJeder Kunstdruck 7 Mark 50 Pfennige\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuruckbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II '\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe; 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4 Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 YvetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 9 Mark\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 4 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nNell Walden: Aquarell\n\nSturm'Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Lfitzow 4443\nVom 1. Mai bis 1. Juni:\nAusstellung von neuen Werken fiber asiatische\nKunst und Philosophie\nVerkauf guter Bucher und Kunstdrucke\n\nVERZEICHNISSE DES VERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210505-01.1.24", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN f 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\nSiebenundneunzigste Ausstellung\nMai 1921\nv\nJ\nRobert Delaunay\nGesamtschau dcs Sturm\nTageskarte 2 Mark\n/\nAchtundneunzigste Ausstellung\nJuni 1921\nRudolf Bauer\nVjera Biller\nGesamtschau des Sturm\n\nST* TT D T17T A T> T7 TVT T\\ T7 Jeden Mittwoch 7% Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nJ. U =K JLV1 * j\\. D Jlli IN U £j Potsdamer StraBe 134 a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Bltimner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\n%\n/S' . •\nKarten 8, 6 und 4 Mark an der Abendkasse und im Vorverkauf Sturm'Buchhandlung / Potsdamer StraBe 138 a\n\nDer Sturm / Berlin\nL\nAuswartige Ausstellungen April:\n'\nBreslau / Rom / New> York / Paris\n\nDer Sturm iibernimmt die Veranstaltung von\nSturm - Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StMdten und Landern.\nDer Sturm vermittelt n u r den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandfge Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSturm'Bilderbiicher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nIV. Kurt Schwitters\n18 Mark\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n90 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nAlexander Archipenko: Aquarell\n9 Mark\nLouis Marcoussis: Aquarell\n9 Mark\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste\nMit Abbildungen\n18 Mark"}]}