{"numero_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_sha256": "ce48f93992ba8739265c28bb794e229bfc705c9bff597c515988bbbb03dedb41", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1921/06/05_01/bmtnabg_1921-06-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1921/06/05_01/bmtnabg_1921-06-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Rudolf Bauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.1", "debut_caractere": 51, "fin_caractere_exclue": 74, "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "112", "image_debut": 3, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.2", "titre_corps": "Unter den Sinnen : Dichtung zwischen Menschen", "titre_sommaire": "Unter den Sinnen : Dichtung zwischen Menschen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.3", "debut_caractere": 68, "fin_caractere_exclue": 2554, "texte": "Unter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden\n\nBist Du schon wieder da. Siehst Du Erna\nes ist noch nicht einmal Mittag.\nWo ist Vater\nSei vergnügt, dass er nicht zu Hause ist.\nIhr seht mich heut zum letzten Mal.\nDas ist ja schrecklich\nArme Geschöpfe seid Ihr\nWir danken für das Mitleid der grossen\nDame. Komm Erna. Auf Wiedersehen in\neiner anderen Welt.\nIst Mutter zu Hause\nWir wollten ihr gerade entgegen gehen, Vater.\nBeeilt Euch, aber was machst du denn\nNichts\nWarum ist der Tisch noch nicht gedeckt.\nDas kann ich Dir nicht sagen, Vater.\nNiemand sorgt für mich. Dazu hat man\nvier Töchter. Was stierst Du mich so an\nIch sehe Dich nicht an, Vater.\nStier mich nicht so dumm an. Ich werde\ndoch wohl noch meinen Bart tragen dürfen\nwie es mir beliebt\nWie es Dir beliebt\nOder hast Du etwas dagegen.\nIch\nOder wer sonst.\nWas wolllest Du mit der Schere in der\nNacht, Vater,\nLass mich mit Deinen albernen Träumen\nzufrieden.\nIch träume nie, Vater.\nWas für ein lächerlicher Blödsinn. Ich\nwerde nachts von Dir eine Schere\nfordern.\nDu hast es getan, Vater,\nDu wagst es also, mich Lügen zu strafen.\nIch will Tänzerin werden.\nBist Du verrückt. Abgesehen von allem\nanderen, in unserer Familie wird man nicht\nTänzerin.\nMein Wille ist unabänderlich. Trotzdem\nbitte ich um Deine Erlaubnis.\nSolche Frechheit ist mir noch nicht vor-\ngekommen. Du hast überhaupt nichts zu\nwollen. Ich habe über Dich zu bestimmen.\nDamit ist die Sache erledigt.\nSo werde ich auf Deine Erlaubnis verzichten.\nMir ist nur meine Hand zu schade, um\nmich an Dir zu vergreifen.\nDeine Hand hat sich oft vergriffen.\nDas hat man von der Gefühlsduselei, wenn\nman immer auf die Weiber hört. Ganz an-\nders hätte ich Euch Bande anfassen sollen.\nVielleicht hättest Du dann schon früher\neine Schere suchen müssen.\nIch schlage Dich in Stücke, Du Balg. Dass\nman so an seinen Kindern gestraft wird.\nMan könnte sich die Haare ausraufen.\nDas haben schon andere getan.\nWas sagst Du.\nIch bitte um die Erlaubnis, Tänzerin zu\nwerden.\nNie. Meinen Kopf zum Pfände.\nEr ist in meiner Hand.\nDu hast den Verstand verloren.\nIch habe Deine Ehre in meiner Hand.\nDas wollen wir doch mal sehen.\nBitte.\nVerflucht. Du weisst alles.\nIch wünsche Deine Unterstützung nur so\nlange, bis ich mir eigne Mittel verschafft habe.\nDu wirst begreifen, dass es mein grösstes\nBestreben Ist, es schnell zu erreichen.\nUnd Mutter\nDas ist Deine Sache.\nAber Du weisst doch ganz genau, dass Mutter\nnicht auf mich hört.\nIch überlasse es Deinem Willen, sie zu über-\nzeugen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3233, "texte": "Dass ich so mit mir sprechen lassen muss.\nUnd Deine Schwestern.\nIch habe nichts mehr mit meinen Schwestern\nzu tun.\nUnd wirst Du schweigen.\nIhr habt mich oft genug geschlagen, weil\nich schweige.\nWerde ich mich wirklich auf Dich verlassen\nkönnen.\nSoweit ich mich auf Dich verlassen kann.\nDas ist Erpressung.\nWer geschlagen wird, wehrt sich.\nDu darfst nicht allzu schlimm von mir\ndenken, Friedel. Was hat man Dir von\nmir erzählt.\nIch weiss nichts mehr.\nWollen wir nicht Deinen Plan 'hoch einmal\nvernünftig besprechen.\nWir sind doch einig.\nSchliesslich istTänzerin ja nichts Schlimmes.\nTanz ist eben eine Kunst, wie, sagen wir,\nMusik.\nNun gehe ich.\nWillst Du nicht dabei sein, wenn ich Mutter\nmeinen Entschluss mitteile.\nIhr werdet Euch am besten allein verstän-\ndigen.\nSie sind viel zu alt, Tänzerin zu werden.\nIch bin Tänzerin.\nWarum kommen Sie denn zu mir. Warum\nhalten Sie mich auf. Sie stellen sich die\nKunst etwas zu leicht vor, mein Fräulein.\nAls ich durch die Strassen zu Ihnen ging,\ntanzte ich. Schwebte ich. Ich beugte mich\nvor dem Glanz Ihres Namens. Jetzt sitze\nich als armes Mädchen bei einem alten\nMann.\nSie sollten sich schämen. Ich habe mir\nmein Leben und meine Kunst verdienen\nmüssen. Die Stunde kostet dreissig Mark.\nIch kann nicht jeden Backfisch umsonst\nausbilden, der sich zur Kunst berufen fühlt.\nSie hätten zehn Jahre früher kommen\nmüssen. Sie sind zu alt. Zu alt. Zu alt.\nIch empfehle mich.\nIch bin ausser mir.\nWarum bist Du gekommen.\nVater hat den Verstand verloren. Wie kann\ner hierzu seine Einwilligung geben. Wie\nliederlich Dein Haar aussieht. Pack Deine\nSachen zusammen, wir fahren nach Haus,\nIch bleibe.\nDu hast zu gehorchen.\nIch habe die Erlaubnis meines Vaters.\nDein Vater kann Dir keine hundert Mark\nmonatlich geben. Wir können doch Deinet-\nwegen nicht verhungern. Zu Hause kostest\nDu nichts. Wo fünf satt werden, kommen\nauch sechs durch.\nIch verzichte auf jedes Geld.\nIch kenne Dich besser. Du willst Dich\nherumtreiben. Das ist Dein ganzer Plan.\nDie Schande will ich nicht überleben.\nIch bin müde, Mutter, lass mich.\nUnd ich mache bei dem Regen diesen weiten\nWeg in die Stadt und Du bist müde.\nIch bin müde.\nIch habe Dein Bett heut neu bezogen. Wir\nwollen den letzten Zug nicht versäumen.\nKomm mein Kind in Güte.\nMutter, immer weiter soll ich mein Leben\nversäumen.\nGrossmutter hat Kuchen für Euch gebacken.\nSie warten alle auf Dich.\nMutter, warum kannst Du mich nicht lassen,\nWeil Du mein liebes Kind bist, Friedel.\nDu fühlst nicht, was ich möchte.\nSo sag es doch.\nDas kann ich nicht sagen.\nSo denken alle jungen Mädchen in Deinem\nAlter.\nNein Mutter.\nDu willst immer eine Ausnahme sein.\nVielleicht bin ich zu alt für Dich.\nm •\nDas ist wieder Deine Überhebung. Ich\nwerde Deinem hohen Flug nicht folgen\nkönnen. |\nOder ich bin zu jung für mich, Mutter.\nMit Worten kannst Du mich nicht dumm\nmachen. Du bist eben nicht mit Güte zu\nbehandeln. Pack Deine Sachen. Komm.\nGeh.\nSo sprichst Du zu Deiner Mutter.\nGeh. Oder ich gehe.\nMir wird ganz dunkel vor den Augen.\nNun hast Du mich auch aus der Fremde\nvertrieben.\nWohin gehst Du.\nWohin ich vertrieben werde.\nHaben Sie sich verirrt, mein Fräulein.\nIch bin aus der Fremde vertrieben.\nIhre Füsse schweben.\nIch bin eine Tänzerin auf der Strasse,\nSind Sie nicht müde."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3304, "texte": "Bin ich müde, werde ich weiter und weiter\nvertrieben.\nRuhen Sie sich hier in meinem Hause.\nIch habe kein Geld. Ruhe ist kostbar.\nMeine Fenster sind weit geöffnet. Und mein\nParadiesvogel aus dem Osten schwingt im\nGeäst meines Mondbaumes. Sein Gezweig\numrankt das Kreuz. Glas spiegelt das\nSchwingen.\nAlle Gärten blühen neben meiner Strasse.\nMein Herz schwingt im Schweben meiner\nFüsse. Meine Arme kreuzen meinen Leib.\nMeine Augen sind weit geöffnet. Mein Herz\nwacht strassab, strassab.\nHinter dem Hause verliert sich die Strasse.\nWenn einer fühlte, was ich möchte.\nIch will Dich auf meinen Schoss nehmen,\ndass Dein Herz im Schweben ruhe.\nFühlt einer, was ich möchte. 0, ich bin\neine Tänzerin auf der Strasse. Blüht aus\nDeinem Schoss ein Mondbaum, schweigt\nDein Paradiesvogel zur Nachtwach meines\nHerzens. Dreissig Mark kostet die kostbare\nStunde.\nPass auf, ein Wagen.\nDie Strasse verliert sich hinter dem Haus.\nFährt der Wagen zurück, meine Füsse jagen\nvorauf, meinem Schweben vorauf, meine\nKniee zittern in Deinem Schoss.\nDas Bett ist unberührt. Haben Sie nicht\ngeschlafen.\nIch wachte in Ruhe neben dem Bett auf\nder Erde.\nIhre Augen sind Klagen in alle Helle.\nIhre Augen sind Helle in meine Klagen.\nUnd klagt die Tänzerin auf der Strasse\nImmer kommen Wagen, denen ich weichen\nmuss.\nDas Leben führt zurück.\nIch eile voran bis zum Rande.\nSie können dem Leben nicht ausweichen.\nImmer führt es zurück.\nGlauben Sie an Gott.\nIch glaube an die Menschen.\nIch verachte die Menschen.\nSie glauben an sich.\nIch verachte mich. Weil alle Menschen\ndas Leben achten.\nLeben ist Menschsein.\nSie sind von einem anderen Sterne.\nMein Stern ist die Erde. Ein Stern ist die\nErde. Man muss unter sich sein können.\nIch kann nicht leben auf der Erde.\nNoch sind Sie fremd dem Leben.\nWenn mich doch einer lieben könnte.\nNoch sind Sie fremd der Liebe.\nWenn ich doch alle lieben könnte.\nSind Sie Kind. Sind Sie Frau\nEine Tänzerin bin ich auf der Strasse.\nBleiben Sie.\nIch schwebe.\nIch halte Sie.\nHaltlos bin ich.\nIch zwinge Sie.\nWenn einer wüsste, was ich möchte.\nKomm auf meinen Schoss.\nIch liege auf der Erde.\nSchossist die Erde.\n•3\nNun, hast Du Dir heute endlich die Uhr\ngekauft.\nIch habe es mir anders überlegt. Wozu\nkontrolliert man eigentlich die Zeit.\nZum Zeitvertreib.\nDie Zeit vertreibt sich von selbst.\nNur, wenn man sie sich vertreibt.\nDir fällt es schwer. Du treibst Dich genug\ndazu herum.\nDas macht die Liebe mit ihrem Triebe.\nIch danke.\nFriedel hofft jeden Tag auf ihren Sieg.\nMich ekelt es vor dieser Gemeinheit.\nDu bist noch weit zurück mein Lieber.\nIch finde es unmoralisch, dass eine Frau\nmeinetwegen leiden soll.\nDu verstehst Dich eben nicht auf Weiber.\nIch liebe die Schönheit der Frau.\nDavon wird sie nicht satt, mein Lieber.\nIch werde stets die Frauen vor Euch Roh-\nlingen schützen.\nFrag mal eine Frau ehrlich. Je roher desto\nbesser.\nIch kenne keine Frauen.\nDeine Kleine ist wohl geschlechtslos.\nIch habe keine Kleine.\nDu kannst mir doch nicht einreden, dass\nDu den guten Mond so stille angehst.\nWillst Du mir helfen.\nIch habe Praxis in allen Lebenslagen.\nDu darfst mich nicht auslachen.\nWelche Karre hast Du denn verfahren.\nDrei Tage warte ich vergebens.\nNur die Weiber laufen lassen, wenn sie untreu\nsind, desto schneller kommen sie zurück.\nIch kann nicht ohne sie leben.\nDu hast ja keine Ahnung, was Leben ist."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3632, "texte": "Sie ist so sanft in ihrer Wildheit. Sie ist\nso wild in ihrer Sanftmut. Jedem Mann\nfällt sie zum Raube.\nLass ihr doch ihr Vergnügen.\nDu hast Talent zum lieben Gott.\nIst das Deine Freundschaft.\nAlso gut, ich werde mal mit ihr sprechen,\ntrotzdem es verrückt ist.\nSie ist verschwunden.\nAuf der lumpigen Erde wird man sie doch\nwiederfinden.\nIch weiss keinen Weg.\nDas ist doch höchst einfach. Ich lasse ein\nMädchen bei ihren Alten anrufen, eine gute\nFreundin, verstehst Du, und die Sache ist\ngemacht.\nUnd wenn man keine Auskunft gibt\nDa wird eben ein Auskunftsbüro beauftragt.\nMensch, Deine Sorgen möchte ich haben.\nSieh mal die beiden Mädchen. Hübsche,\nfrische Gesichter, aber saumässig angezogen.\nDu bist hinter jedem Mädchen her\nWas man nimmt, hat man. Nun meine\nDamen, fürchten Sie sich nicht.\nLassen Sie uns zufrieden.\nDiese Bank ist gerade für zwei Paare ge-\nschaffen. Siegfried, wo rennst Du hin.\nBelästigen Sie uns nicht.\nDumme Gänse.\nDer hat sich aber geärgert, nicht Erna.\nOb das nicht Friedeis Primaner war.\nDer war doch nicht mehr auf der Schule.\nDer andere, der fortlief. Er schrie ihm\ndoch Siegfried nach.\nWie kann man sich um Gymnasiasten\nkümmern. Bei mir fängt der Mensch erst\nmit dem Künstler an.\nFriedel hat doch Mut.\nWas das für ein Mut ist. Wenn es darauf\nankommt, ich laufe jeden Tag fort, wenn\ner es will.\nZu Haus ist es nicht mehr auszuhalten.\nImmerzu liegen sich die Alten in den\nHaaren.\nVater ist jetzt ziemlich bescheiden.\nWenn Mutter nur nicht immer heulen würde.\nDas macht mich ganz nervös.\nJedenfalls habe ich meine Schuhe durch-\ngesetzt. Erna, es ist doch herrlich, geliebt\nzu werden.\nOb er merken wird, dass Du neue Schuhe\nanhast?\nEr merkt alles. Er hat ein so scharfes Auge.\nWenn er sich doch nur erklären wollte.\nDu denkst immer nur ans Heiraten. Ich\nwill nur geliebt werden.\nIch glaube, er verdient ganz schön.\nWie kannst Du glauben, dass er an so etwas\ndenkt, er ist durch und durch Künstler.\nMan muss doch etwas praktisch sein.\nLass mich an der Ecke sitzen. Da spiegelt\nsich der Lack schön. Fällt das Kleid so\ngut.\nMan sieht Deine ganzen Beine.\nAber in der Stellung wirkt es doch ganz\nnatürlich, oder sieht es gemacht aus\nDer linke Strumpf hat ein kleines Loch.\nDas macht nichts. Er wird doch nicht alles\nsehen.\nMich würde das genieren.\nImmer noch besser als gestopft. Ich finde,\nso ein kleines Loch wirkt ganz natürlich.\nVielleicht wäre es ganz klug, wenn ich Euch\neine Weile allein liesse. Vielleicht erklärt\ner sich dann schneller.\nDu bist wirklich noch ziemlichfdumm, Erna.\nEs reizt ihn doch gerade, dass er mich nie\nallein haben kann.\nDu bist fabelhaft überlegen Martha.\n*•\nÜberlegen. Darauf kommt es im Leben an.\nWenn Du in der richtigen Umgebung wärst,\nich glaube, alles würde Dir zu Füssen liegen.\nSprich recht intim weiter. Wir wollen so\ntun, als ob wir ihn nicht bemerken. Das\nmacht sich gut.\nWas soll ich denn sprechen.\nDas ist doch ganz gleich, Du bist zu dumm.\nSag meinetwegen die Glocke auf.\nNun, meine Damen, in so angeregtem Ge-\nspräch\nWo kommen Sie plötzlich her. Wir haben\nSie garnicht bemerkt.\nBeinah wäre es mir nicht möglich gewesen\nzu erscheinen. Unser politischer Redakteur\nist erkrankt und ich muss ihn vertreten.\nSie leben doch nur der Kunst.\nPolitik ist so einfach. Gehirn und die Sache\nist gemacht. Ich bin energisch für den\nPazifismus eingetreten.\nDas wird wohl grosses Aufsehen machen.\nIch sehe alles geistig. Darf ich Sie auf et-\nwas aufmerksam machen, ohne dass Sie\nmir böse sind.\nIhnen kann ich nicht böse sein.\nSie haben ein grosses Loch in Ihrem Strumpf.\nDie Seide ist jetzt so schlecht. Ich habe\ndie Strümpfe gerade gekauft.\nZu schade,,dass ich mich nicht beherrschen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3523, "texte": "kann. Durch dieses Loch könnte ich auf\neine weisse Wiese blicken.\nErzählen Sie mir doch mehr von der Po-\nlitik. Wir interessieren uns nämlich glühend\ndafür.\nDer Friede ist die Harmonie der Seelen,\nsage ich zu meinen Lesern. Die rohe Ge-\nwalt muss von der Erde verschwinden.\nDer Kampf des Geistes ist die Würde des\nMenschen. Verflucht. Dass die Leute nicht\ndie Wurzeln entfernen können.\nSie haben sich doch nicht weh getan. Wollen\nSie sich nicht setzen.\nDanke. Die Würde des Menschen ist in\ndie Hand des Künstlers gegeben.\nSie haben eine richtige Frauenhand.\nDie Kraft des Geistes ist nicht von der\nMaterie abhängig. Ich handle nur im Namen\nmeiner sittlichen Mission.\nSie sind doch sonst für die freie Liebe ge-\nwesen.\nAls Politiker muss man auch auf die kleinen\nFreuden des Lebens verzichten können.\nWenigstens theoretisch.\nGott sei dank.\nWie meinen Sie.\nDass es noch eine sittliche Mission auf der\nErde gibt.\nWürden Sie dafür kämpfen können.\nIch interessiere mich glühend für die Sitt-\nlichkeit.\nEs sind sehr ernste Probleme, über die ich\nmir heute bei meinem Artikel klar gewor-\nden bin. Ihnen traue ich zu, dass Sie meine\nHaltung würdigen werden. Die Bänke\nsollten wenigstens eine Lehne haben.\nDie Ehe ist eine unmoralische Einrichtung.\nIch werde nie heiraten.\nWir müssen nach Hause gehen, Martha.\nSie langweilen sich bei tieferen Gesprächen.\nEs hat ja doch keinen Zweck.\nKommt da nicht Vater.\nAuf Wiedersehen morgen.\nIch stelle Sie einfach vor.\nIch gehe der Roheit aus dem Wege. Meine\nNerven sind zu fein organisiert.\nIst der feige.\nMacht es Dir etwa Spass, Dich mit Vater\nzu unterhalten.\nDas ist ja ein Fremder.\nWie schön er über die Sittlichkeit gesprochen\nhat. Hätte ich doch nur andere Strümpfe\nangezogen.\nEigentlich ist er dafür noch viel zu jung.\n; i 4 » • . , .\nIch fühle mich durch sein geistiges Ver-\ntrauen geadelt.\nDas ist doch Annas Doktor.\nVerstehst Du, wie man sich in den verlieben\nkann.\nAnna ist eben Theoretikerin des Glücks.\nIch bin für die freie Liebe. Und für die\nSittlichkeit. Komm, sonst ödet uns der\nEsel an.\nGuten Abend meine Damen.\nWir wollen nicht stören.\nWir werden uns nun bald menschlich näher\ntreten. Ich bin aufrichtig glücklich, zu so\nschönen und begabten Schwägerinnen zu\nkommen,\nDass Sie uns überhaupt neben Anna be-\nmerken.\nIch bestrebe mich stets, Auge und Herz für\nalles Schöne, Wahre und Gute offen zu\nhalten.\nEs wird also Ernst mit der Anna.\nDiese Bemerkung ist sehr geistreich. Schon\nder grosse Dichter sagt, dass das Leben\nernst ist. Ich möchte mit einer kleinen\nVariation sagen, heiter ist die Anna.\nDas gerade kann man von Anna nicht\nsagen.\nEs ist die Heiterkeit im übertragenen Sinne.\nNicht die Heiterkeit, die lacht, die Heiter-\nkeit im Sinne von Horaz.\nDie alten Griechen finde ich langweilig.\nDarf ich Sie darauf aufmerksam machen,\ndass Horaz ein Römer ist, zu dem ich schon\nals Primaner ein besonderes Verhältnis\nhatte.\nHoffentlich wird Anna nicht eifersüchtig.\nGerade im Geistigen treffen wir uns. Horaz\nerhebt die Seelen. Ihn zu übersetzen ge-\nhört zu den Zielen meines Lebens.\nUnd was wird Anna unterdessen machen.\nSie wird mir sehr nützlich sein. Sie hat\neine schöne Handschrift und wird mir alles\nins Reine schreiben.\nIch würde mich weigern.\nWenn ich erst verheiratet bin, werden wir\nuns schon in diesem Sinne menschlich\nnäher kommen. Anna hat mir viel Gutes\nvon Ihnen erzählt. Bei dem nahen Grade\nunserer zukünftigen Verwandtschaft hoffe\nich bald das trauliche Du anwenden zu\ndürfen.\nVersprechen Sie sich viel Reiz davon.\nIch bin mir nicht bewusst, Ihre Ironie ver-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3554, "texte": "dient zu haben. Die Ziele meines Lebens\nsind durchaus auf das Edle gerichtet.\nAuf das Verhältnis mit Horaz, dem Römer.\nNun verstehe ich erst, was mir Anna von\nIhnen erzählt hat.\nViel Gutes, was ich Euch beiden edlen\nMenschen wünsche. Komm Martha.\nSeien Sie nicht böse, aber Sie haben mich\nsehr gereizt.\nSchwägerinnen sind nun einmal reizend.\nTrotzdem weichen wir der reizenden Braut.\nWir winden Dir den Jungfernkranz, Anna.\nWas habt Ihr denn.\nKein Verhältnis mit Horaz, dem Römer.\nHaben Sie dich beleidigt, Ernst.\nJunge Mädchen können einen Mann nicht\nbeleidigen.\nIch habe es gewusst, dass Ihr aneinander\ngeraten werdet.\nDas dürlte wohl nicht der richtige Aus-\ndruck sein.\nErna meint es sicher nicht böse, sie ist nur\nin dem Alter.\nDieses Alter finde ich geschmacklos. Für\nmich fängt der Mensch erst mit der reifen\nPersönlichkeit an. Ausserdem ziehen sich\nDeine Schwestern an wie es sich für Mäd-\nchen aus guter Familie nicht schickt.\nErna ist sehr eigenartig.\nEigenart ist etwas Inneres. Du müsstest\nauf deine jüngeren Schwestern veredelnd\nwirken. Ohne ihnen zu nahe treten zu\nwollen ist man doch allzu leicht geneigt\nund zwar mit einem gewissen, nicht ab-\nzustreitendem Recht, von diesen äusseren\nfreien Sitten in Kleidung und Sprache auf\neine gewisse Sittenlosigkeit der Lebensauf-\nfassung zu schliessen.\nIch habe gar keine Macht über sie.\nDie gute Familie ist ein sittliches Phänomen,\ndas verpflichtet. So bin ich überzeugt, dass\nDeine Schwestern keinen Sinn für die Wahr-\nheit haben.\nMan kommt aber mit der Wahrheit nicht\ndurch das Leben.\nLügen ist unsittlich. V\nDu musst nicht so streng sein, Ernst. Wie\noft habe ich lügen müssen, um Dich sehen\nzu können.\nDas ist auch etwas anderes. Bei Dir ist\ndas Lügen nur ein Mittel gewesen, das auf\neinen sittlichen Zweck gerichtet gewesen ist.\nDas sagst Du jetzt aus Liebe.\nDurchaus nicht, die Ehe ist ein sittlicher\nZweck. Hoffentlich haben Deine Schwestern\nnicht Verhältnisse.\nWirst Du Sonntag kommen.\nDeine Antwort ist wieder einmal unlogisch.\nIch kann nichts unlogisches vertragen.\nDu bist heute so hart.\nJetzt kommt der Ernst des Lebens, mein\nKind. Ich fühle mich eins mit Dir in der\nAuffassung, dass die Ehe ein sittliches Phä-\nnomen ist. Wir werden beide trachten,\ndarnach zu leben.\nLiebst Du mich denn ein klein wenig.\nDie Liebe versteht sich von selbst. Alles\nandere muss erarbeitet werden. Wie glück-\nlich werden wir beide werden.\nDu bist ein grosser guter Mensch,\nErnst.\nNoch nicht. Aber ich bestrebe mich, es zu\nwerden. Und Du wirst mir helfen mein\nLieb.\nMein Schatz willst Du mir nicht einen Kuss\ngeben.\nAm Sonntag werde ich reinen Herzens vor\nden Eltern zum ersten Mal Deinen Rosen-\nmund berühren.\nEndlich.\nEndlich bist Du fertig.\nSehe ich nicht zu dick in rosa aus.\nSteck doch eine Rose in den Gürtel.\nUnd sei recht freundlich zu ihm Mutter.\nWann sollen wir kommen, Mutter.\nWarum hast Du dein rosa Kleid angezogen,\nErna. So kann Anna nicht auffallen.\nWenn er nur auf die Kleider sieht, kann\ner mir leid tun.\nDu hast kein Gefühl für Deine Schwester.\nAls Dein Vater um mich anhielt, gingen die\nTanten in schwarz. Martha, Du auch in\nrosa.\nRosa ist eben unsere Lieblingsfarbe, nicht,\nErna.\nWarum quält Ihr mich so.\nRosa steht Dir garnicht, Anna. Ich hätte an\nDeiner Steele das Rraunseidene genommen.\nIhr geht jetzt aus dem Zimmer, Kinder und\nkommt erst, wenn wir Euch rufen. Der\nHerr Doktor soll nicht glauben, dass wir\nalle nur auf ihn gewartet haben. Und Ihr\nzieht Euch sofort um. Ist mein Haar in\nOrdnung, Anna. Hier liegt schon wieder\nPapier auf der Erde. Wo bleibt denn Vater.\nMann. Mann.\nJa."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1894, "texte": "Wo bleibst Du denn. Es ist doch die höchste\nZeit. Ist der Wein aufgezogen.\nDer Gehrock sieht doch schon etwas ab-\ngetragen aus.\nAlles stürzt auf mich in der letzten Minute\nein. Warum hast Du das nicht früher sagen\nkönnen. Man hätte ihn kanten können.\nVater, sei recht freundlich zu ihm.\nWie Du aussiehst, Mann. Das macht einen\nzu schlechten Eindruck. Zieh ihn aus. Wir\nwollen den Rock schnell kanten, Anna.\nDu fängst auf der einen Seite an und ich\nauf der anderen. Gott sei Dank, dass ich\nBand stets im Hause habe. Schnell das\nNähzeug. Wo ist denn die Schere\nIch könnte mir doch einen anderen Rock\nanziehen.\nEine Verlobung ohne Gehrock ist unmöglich.\nSchnell, Anna. Nimm die Blumen fort.\nWir legen ihn auf den Tisch. Mach nur\ngrosse Stiche.\nIch kann nicht Mutter. Ich bin zu aufgeregt.\nNie denkt Ihr an Eure Eltern. Was soll der\nDoktor von mir denken, wenn Dein Vater\nso herumgeht.\nEr ist ein so guter Mensch, Mutter\nGut hin gut her, oder willst Du etwa, dass\nihm unsere Verhältnisse gleich in die Augen\nstechen.\nIch habe mich gestochen, Mutter\nMach die Augen auf, dummes Ding. Schnell,\nschnell\nWas Du mir immer für Sorgen machst, Frau\nDu machst Dir doch keine Sorgen. Deinet-\nwegen könnten wir alle verlumpt herum-\ngehen. Wenn ich nicht überall die Augen\noffen hätte\nDas Band reicht nicht, Mutter\nEs klingelt\nKomm, schnell alles zusammen. Er kann\nruhig etwas warten. Das macht nur einen\nguten Eindruck\nWenn er weggeht, Mutter\nEr geht nicht weg. Du ötfnest und vergiss\nnicht ihm zu sagen, dass unser Mädchen\nverreist ist\nIch kann ihn doch nicht so belügen, Mutter\nNotlügen sind erlaubt\nEs klingelt wieder, Frau\nDas ist ein Leben. Nie etwas in Ordnung.\nAlles in der letzten Minute. Hätte ich Dich\nnur nie geheiratet. Meine guten Eltern ha-\nben mich immer gewarnt. Weine doch nicht,\ndumme Trine. Das macht keinen guten\nEindruck. Und die Schere ist nirgends zu\nfinden. Komm Du. Wie ich Dich hasse."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.2.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Rudolf Bauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 23, "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "114", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.4", "titre_corps": "Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus : Briefe gegen Paul Westheim", "titre_sommaire": "Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus : Briefe gegen Paul Westheim", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.12", "debut_caractere": 94, "fin_caractere_exclue": 3895, "texte": "Zur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\n\nNeunter Brief\nDass Sie in nicht ferner Zeit sich über die\ngegenstandslose Malerei äussern werden,\nhabe ich bekanntlich früher gewusst als\nSie. Seit langem propagieren Sie Künstler\nund reproduzieren deren Werke, die Sie\nohne eine Anerkennung Kandinskys ab-\nlehnen müssten. Wer freilich, wie Sie,\nohne ein inneres Verhältnis zu den Künsten\nsich mit ihnen abgibt, muss wahllos für\nGutes und Schlechtes eintreten, wie es ihm\nZufall, Gelegenheit oder emsiges Bemühen\nzutragen. Es mag also sein, dass Sie selbst\nnichts von der Notwendigkeit empfinden,\nentweder Kandinsky nicht länger einen\nkrummen Hund zu schelten oder gegen\nalles, was der absoluten Kunst verdächtig\nist, mit gleicher Beschränktheit zu wüten.\nBisher taten Sie weder das eine noch das\nandere. Sie tadelten Kandinsky und pro-\npagierten absolute Kunst, — immer voraus-\ngesetzt, dass deren Schöpfer nicht etwa im\nSturm ausstellten. Denn warum soll ich\nSie nicht endlich einmal mit einem kräftigen\n.\nStoss dahin schleudern, wo der Hund be-\ngraben liegt? Es hat noch Keinem bei Ihnen\ngeschadet, dass er dem Sturm „entlaufen\"\nwar. Maler und Bildhauer, deren Arbeiten\nSie im Sturm nicht der Rede wert fanden,\nwurden Ihnen lieblich und angenehm, weil\nsie aus irgendeiner Kinderei mit dem Sturm\n»böse* waren. Je mehr Tratsch sie Ihnen\nzutrugen, umso mehr schwärmten Sie für\nKubismus und absolute Malerei. Was\nWunder, dass auch Kandinskys „gigantische\nTunkpapiere\" anfingen, Ihnen weniger\nmiserabel zu erscheinen. Herr Brass hat\nes Ihnen gesteckt, dass ein deutscher Haupt-\nmann, Baehr geheissen, vor zwei Jahren\nin den Angelegenheiten Kandinskys eine\nKonferenz bei Waiden hatte. Und wenn\nIhnen Herr Brass mitgeteilt hat, dass in\ndieser Konferenz Dinge zur Sprache kamen,\n„die hart an der Grenze des Ehrenrührigen\nlagen\", so muss ich Herrn Brass zustimmen.\nEs war sogar sehr ehrenrührig für Herrn\nBaehr, Einiges zu behaupten, das Herr\nWaiden durch einen Brief Kandinskys\nwiderlegen konnte. Es war hart an der\nGrenze des Ehrenrührigen für Herrn Baehr,\nund noch etwas über die Grenze hinaus,\ndass Waiden ihn in dieser Konferenz vor\nfünf Zeugen einen Lügner nannte, — worauf\nsich Herr Baehr bestens empfahl. Aber\nHerr Brass, der es nicht für unwürdig hält,\nSie mit Material gegen den Sturm zu ver-\nsehen, hat Ihnen noch einiges Andere ge-\nsteckt, das in dieser Konferenz sich zuge-\ntragen hat. Er schachtelt zu dem Zweck\nseinem Gestecke einen Brief ein, den er am\n23. Oktober 1919 an Herrn Rudolf Bauer\ngerichtet hat: „Bedeutend schärfer und hart\nan der Grenze des Ehrenrührigen sind da-\ngegen die Angriffe, die Herr Richter und\nHerr Hauptmann Baehr in jener Konferenz\ngegen Herrn Waiden richteten und die Herr\nWaiden nicht entkräften konnte.\" Darin\nnun kann ich Herrn Brass nur zum Teil\nRecht geben. Herr Richter kramte damals\neinen kleinen Zivilprozess aus, den er wegen\neines in Budapest verloren gegangenen\nBildes vor Jahren gegen den Sturm ange-\nstrengt hatte. Es handelte sich um 100 Mark\nund um einen Bagatellprozess, an dessen\nEinzelheiten sich zu erinnern Waiden wahr-\nhaftig keine Verpflichtung hatte. Nun war\nes allerdings nicht sehr vornehm, dass Herr\nRichter, der mit zweideutiger Rede den\nVerlust des Bildes anzweifelte, die Ent-\nkräftigung seiner Verdächtigung von Herrn\nWaiden sozusagen aus dem Stegreif ver-\nlangte, nachdem er sich vermutlich wie ein\nSchulbube auf den Fall präpariert hatte.\nEs war nicht sehr vornehm, aber nicht\nhart an der Grenze des Ehrenrührigen. Hart\nan der Grenze des Ehrenrührigen, wie der\nLieblingsausdruck des Herrn Brass lautet,\noder etwas über diese Grenze hinaus war\nes dagegen, dass Herr Richter mit zwei-\ndeutiger Rede Dinge behauptete, deren Un-\nwahrheit ihm bekannt sein musste.\nWenn Herr Brass auf diese Bagatelle noch"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4345, "texte": "heute Wert legt, wenn ihm daran liegt, die\nVerdächtigung des Herrn Richter widerlegt\nzu sehen, so möge er sich in das Büro des\nHerrn Rechtsanwalts Dr. Feige begeben und\nsich die Handakten dieses lumpigen Pro-\nzesses Richter gegen Sturm vorlegen lassen.\nDa kann er sich überzeugen, dass es hart\nüber die Grenze des Ehrenrührigen ging,\nwenn Herr Richter für einen läppischen\nProzess wegen eines in Budapest verloren\ngegangenen Bildchens ein so schlechtes\nGedächtnis hatte. Herr Brass möge sich,\nwenn ihm an der Wahrheit wirklich etwas\ngelegen ist, aus den Handakten des Herrn\nDr. Feige den Brief vorlegen lassen, aus\ndem hervorgeht, das jenes Bild in Budapest\nverloren gegangen und nicht etwa,\nwie Herr Richter mit zweigespaltener Zunge\nandeutete, verkauft worden war. Sein\nVerdacht war freilich so kindisch, dass\nman sich schämt, dagegen nur den Mund\naufzutun. Aber ich will zu seinen Gunsten\nannehmen, dass er es seinerzeit nicht für\nnötig gehalten hat, sich das Urteil durch-\nzulesen. Man hat Herrn Richter kurze Zeit\nnach der Konferenz und nach Einsicht der\nAkten den Tatbestand noch einmal ins Ge-\ndächtnis gebracht und ihn ersucht, sich der\nWiederholung seiner sinnlosen Verdächti-\ngung zu enthalten. Er scheint das so wört-\nlich genommen zu haben, dass er vergass,\ndie Herren Cesar Klein, Brass und Baehr\nvon seinem schlechten Gedächtnis und\nseiner unbegründeten Verdächtigung zu\nunterrichten. Da aber Herr Brass in seinem\nan Herrn Bauer gerichteten Schreiben vom\n23. Oktober 1919, das Sie mitsamt seiner\nübrigen Denunziation jetzt veröffentlicht\nhaben, über mangelnde Widerlegung des\nHerrn Richter klagt, so will ich meinerseits\nHerrn Brass an das Folgende erinnern:\nAm 1. April 1920 habe ich an den bekannten\nZwischenträger Pielemann folgenden Brief\ngeschrieben:\n„Sehr geehrter Herr Zwischenträger. Ich\nbin Zeuge gewesen, als Herr Brass am\n3. Januar 1920 in seiner eigenen Wohnung\nund in Gegenwart zahlreicher Personen\neine saure Gurke mit Haut und Haar ver-\nspeist hat. Sie können das Herrn Brass\nmitteilen, damit er nicht glaubt, ich hätte\ndiese Handlung vergessen, die hart an der\nGrenze des Ehrenrührigen liegt.\"\nSo schrieb ich an den Zwischenträger Piele-\nmann am i. April 1920. Seitdem warte\nich vergeblich auf eine öffentliche Wider-\nlegung der Angriffe — oder auf eine Be-\nleidigungsklage. — Sapienti sat und dass ich\nden wirren Brief des Herrn Brass erst\ndurch Ihren sehr gering geschätzten Artikel\nkennen gelernt habe, ist beinahe neben-\nsächlich. Herr Rudolf Bauer war damals\nverreist, er hatte keine Gelegenheit, den\nBrief der Generalversammlung der Inter-\nnationalen Vereinigung E. V. vorzulegen.\nDagegen habe ich damals den Fall Brass,\nso wie ich ihn Herrn Brass schriftlich fixiert\nhatte, der Generalversammlung vorgelegt.\nSie hat mein Verhalten in diesem Fall ein-\nstimmig gebilligt. Ich glaube gern, dass\nHerr Brass keine Lust hatte, mir die Wahr-\nheit des fixierten Tatbestandes zu bestätigen,\ndenn ich habe damals einen Brief des Herrn\nBrass verlesen, in dem er nach seinem Aus-\nscheiden aus der Internationalen Vereinigung\ndas Folgende schrieb:\n„Im Übrigen werde ich niemals etwas unter-\nnehmen, was den Interessen des Sturm\nirgendwie entgegensteht, sondern werde\nmich im Gegenteil bemühen, sein Ansehen\nzu heben, und seine Interessen zu vertreten,\nwo es auch sei. Mein Austritt aus der\nI. V. etc. hat mit meinem Verhältnis zum\nSturm nichts zu tun. Ich - betrachte mich\nnach wie vor als sein Mitarbeiter.\nMit vorzüglicher Hochachtung\nIhr ergebener Hans Brass.\"\nMit diesen Worten war Herr Brass dem\nSturm „entlaufen\". Und wenn ich hinzu-\nfüge, dass Der Sturm es war, der auf weitere\nAusstellungen des Herrn Brass verzichtete,\nso werden Sie die Intensität besser als bis-\nher verstehen, mit der Herr Brass Sie in der\nAusübung Ihres Gewerbes unterstützt hat.\nSie werden diesmal auf den Witz verzichten,\ndass man sich im Sturm ein Attest ver-\nschafft habe. Meine Wortauslegungskünste\nhaben sich an dem Schreiben des Herrn\nBrass versucht, wie Sie es wünschten. Viel\ngabs nicht auszulegen, aber für Sie\neine doppelte Enttäuschung. Der einzige\nEffekt des Brassschen Briefes war, dass Sie\nvon Stund an über Kandinskys. Malerei\nanders als bisher zu urteilen begannen.\n„Wenn dieser Fabrikant minderwertiger\nTunkpapiere mit dem Sturm bös ist, dann\nsind diese sogenannten absoluten und mir\nso unverständlichen Malereien doch nicht"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4358, "texte": "ganz von der Hand zu weisen.\" So über-\nlegten Sie. Und um dem Problem der\ngegenstandslosen Malerei vollends auf den\nGrund zu kommen, erfanden Sie gar noch\neine Klage Kandinskys gegen den Sturm.\nDiese trügerische Idee kann Sie zwar\nkünstlerisch nicht sonderlich erleuchtet\nhaben, aber Sie gab Ihnen den festen Vor-\nsatz, mit der absoluten Malerei Frieden zu\nschliessen. Auch konnte Ihnen nicht länger\nentgehen, dass Sie mit Ihrer Antipathie\ngegen Kandinsky ein einsamer Mann ge-\nworden waren. Auf Ihrer Seite blieben\nwohl noch Leute wie Fritz Stahl und Kurt\nGlaser. Und auch Franz Servaes wird stets\nbereit sein, Ihnen den Rang streitig zu\nmachen. Aber wenn ich mich diesmal\nnicht sehr täusche, behagt Ihnen diese Ge-\nsellschaft gar nicht. Zwar Ihr kolle-\ngiales Verhältnis kann ausgezeichnet sein,\nwenigstens was die Beobachtung der Urbanen\nUmgangsformen betrifft. Sonst mögen sich\ndie Kollegen sonderbare Gedanken über Sie\nmachen. Sie würden sich selbst nicht\nwundern, wenn die Herren die Achseln\nzucken und äussern: „Der Westheim glaubt\nselbst nicht an den ganzen expressionis-\ntischen und kubistischen Schwindel. Dafür\nist er ein viel zu kluger und geistreicher\nKopf, ein grundgelehrtes Haus und ein\ntrefflich vorgebildeter Kunsthistoriker.\" Sie\nmachen sich aus dem einen so wenig wie\naus dem andern, weil Sie selbst wissen,\ndass Sie mal dafür sind und mal dagegen.\nDie Umgangsformen aber bleiben korrekt.\n„Tag, lieber Kollege, wie geht's?\" — „Danke,\nes macht sich!\" — „Immer noch für den\nverrückten Kubismus?\" — „Selbstverständ-\nlich, man will doch leben!\" — „Aber ge-\nwiss doch!\" — „Wiedersehen, Kollege!\" —\n„Wiedersehen!\" Durchaus korrekt. Un-\nsympathisch ist es nur, in puncto Kandinsky\nmit Leuten konform zu gehen, die sich in\nder Beurteilung neuer Kunst bei Gross und\nKlein um jeden Kredit gebracht haben.\n„Stahl und Westheim stimmen darin über-\nein \" wie sich das anhört! Und doch\nist Ihnen entgangen, dass „Glaser und\nWestheim\" nicht viel besser klingt. Wie\nkonnten Sie so unvorsichtig sein, kürzlich\nin der Frankfurter Zeitung sich auf Glaser\nzu berufen, um Puni eins auszuwischen.\nHaben Sie denn in den vergangenen Jahren\nden Reichtum Ihrer Schimpfworte so voll-\nkommen vergeudet, dass Sie Glasers Worte\nvom „sauren Kitsch\" zitieren müssen?\nFreilich waren es die Arbeiten Kurt\nSchwitters, die Glaser für sauren Kitsch\nhielt, jenes Kurt Schwitters, gegen den Sie\nselbst zur Zeit noch in der Defensive\nkämpfen. Aber trotzdem olim meminisse\njuvabit, dass Sie in der Aprilnummer Ihres\nBlattns, zunächst klein und unauffällig,\nwenigstens den Namen Kurt Schwitters und\ndas Wort „Merz\" als existierend anerkannt\nhaben. Das ist ein Anfang und es wird Sie\nnoch mehr Kunststücke kosten, bis Sie sich\nauf seine Seite geschlagen haben, als wäre\nvorher nichts geschehen. Denn was Sie\nbisher über Schwitters geschrieben haben,\ndrückt Ihnen schon schwer genug aufs Herz.\nWenn Sie von mir einen Rat annehmen\nwollen, so schreiben Sie vielleicht ein paar\nZeilen an Schwitters, Hannover, da und da.\nFragen Sie ihn, ob er ein paar nette kleine\nDifferenzen mit dem Sturm für Sie übrig\nhat, Unterschlagungen werden bevorzugt,\naber auch das geringste Missverständnis\nwird dankbar angenommen. Verlangen Sie\nProspekt, garantierte f. f. Verdächtigungen,\nabsolut widerruffrei. Klagen Sie ihm Ihr\nMalheur mit Campendonk — — ja, sagen\nSie, Herr Westheim, ä propos Campen-\ndank: Was haben Sie für unsausstehliche\npolemische Manieren? Sie verbreiten in\nIhrem Blatt eine für den Sturm ehren-\nrührige Behauptung Campendonks. Ich\nbringe ein Facsimile Campendonks, durch\ndas ich gleich zwei Lügen auf einmal auf-\ndecke. Und jetzt schreiben Sie von neuem:\n„Es lässt sich weder bestreiten noch wider-\nrufen.\" An Ihrer Bosheit habe ich nie ge-\nzweifelt. Aber jetzt zweifle ich, dass Sie\nIhre Sinne zu gebrauchen wissen. Sie\nkönnen wohl nicht lesen? Campendonk\nbat, man möge ihn als Lehrer der Sturm\"\nschule militärisch reklamieren. Verstehen\nSie das nicht? Ich glaubs, dass Sie bei\nCampendonks Widerruf Galle gespuckt\nhaben. Aber dass Sie dabei so ganz und\ngar jede Haltung verlieren, dass Sie in\neiner Fussnote wie ein eigensinniger Schul-\njunge heulen: Der Campendonk hat's aber\ngesagt! Oder sich zuletzt auf den Boden\nwerfen, den Widerruf Ihrer Leichenfledderer-\nPostkarte bejammern und sich auf „einen\ndeutschen Museumsdirektor und die Frau\neines sehr bekannten deutschen Malers\""}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4372, "texte": "berufen, zwei „durchaus zuverlässige Per-\nsonen\"! Warum haben Sie denn wider-\nrufen, wenn die zwei ehrenwerten Ver-\nleumder durchaus zuverlässige Personen\nwaren? Vermutlich, weil Sie dahinter ge-\nkommen waren, dass diese ehrenwerte\nEhrabschneider nicht ganz zuverlässig waren.\nNamen nennen, Herr Westheim. Wer ist\nder Museumsdirektor, der, anstatt sich um\nseine Klamotten zu kümmern, anderen\nLeuten Verbrechen andichtet, die so dumm\nund unmöglich sind, dass selbst Sie\nnicht daran geglaubt, sondern nur aus\nLust am Bösen Ihre Schand - Postkarte\nan mich gerichtet haben. Wer war die alte\nVettel, auch genannt Frau eines sehr be-\nkannten Malers, die so gemein ist wie ein\nredlicher verleumderischer deutscher Mu-\nseumsdirektor? Nennen Sie mir gefälligst\ndie Namen dieser vortrefflichen, von Ihnen\nso hoch geschätzten hausierenden Ehrab-\nschneider! — So jede Haltung zu verlieren\nund zu winseln, ein durchaus zuverlässiger\nVerleumder und eine hochachtbare Ver-\nleumderin hätten es Ihnen noch gestern\ngesagt und doch hätten Sie widerrufen\nmüssen! So jede Haltung zu verlieren,\nund das in der Fussnote eines Artikels, der\nso stolz anfing: Paul Westheim / Gegen-\nstandslose Kunst, so stolz anfing und mit\nso klugem Bedacht geschrieben war. Es\nist erst wenige Jahre her, dass Sie nicht\nso bedachtsam waren. Da erschien an\neinem hässlichen Tage das Kunstblatt, das\nsich ganz besonders für die neue Bewegung\nin der Kunst einsetzen wollte. Und Sie,\nHerr Westheim, hatten die Kühnheit, die\nLeitung zu übernehmen, Sie, der wie kein\nanderer der deutschen Kunstrichter als Be-\nschimpfer dieser neuen Kunst für immer\nkompromittiert war. Was, um Gottes Willen,\nmag damals in Ihrem Gewissen vorgegangen\nsein? Ich kann nur glauben: gar nichts.\nOder Sie haben sich gedacht: Was ich bis-\nher geschrieben habe, das weiss morgen\nkein Mensch mehr. Gestern war ich da-\ngegen, heute bin ich dafür. Und da ich\ndamals nicht sagen konnte, warum ich da-\ngegen war, so brauche ich heute nicht zu\nwissen, warum ich dafür bin. Und noch\nweniger brauche ich es zu sagen. Niemand\nwird von mir verlangen, dass ich den un-\nerklärlichen Wechsel meiner Ansichten er-\n»\nklären soll. Es gibt nichts zu erklären. —\nSo dachten Sie vor einigen Jahren. Heute bin\nich nicht mehr der einzige, der Ihnen auf\ndie Finger sieht. Heute getrauen Sie sich\nnicht mehr, mit einem hocus pocus fidibus\nals rabiater Anhänger Kandinskys aufzu-\ntreten. Aber Sie sind jetzt fest entschlossen,\n• •\nden Übergang zu ihm und zur absoluten\nMalerei zu vollziehen. Schweigen Sie.\nWidersprechen Sie nicht. Sie sind ent-\nschlossen, weil Sie müssen. Sie sind ent-\nschlossen, jetzt diesen Übergang zu mas-\nkieren. Schritt für Schritt. Und eben\nhaben Sie mit Ihrem Artikel Gegenstands-\nlose Kunst einen Hauptschritt getan. „Wie\nfange ich es an,\" so räsonnierten Sie, „dass\nich zwar die absolute Malerei nicht nur\ngrundsätzlich anerkenne, sondern auch den\nAnschein erwecke, als hätte ich grundsätz-\nlich nie etwas gegen sie geäussert. Und\nwie tue ich das, ohne mich festzulegen,\nsodass ich zwar jederzeit vollends als An-\nhänger Kandinskys gelten, aber auch stets\nbeweisen kann, dass ich meine Anschau-\nungen über ihn nicht geändert habe? Ein\nschwieriges Uuternehmen, wie es scheint,\naber für mich, Paul Westheim, ein Kinder-\nspiel.\" Und nun stürzen Sie sich ins Chaos\nund beweisen, dass alle absoluten und ab-\nstrakten Malereien olle Kamellen sind.\nSchon Adam und Eva verfertigten Tunk-\npapiere und alles war besser als die Bilder\nKandinskys. Aber Kandinsky hat dies ge-\nsagt und Kandinsky hat das gesagt und es\ngibt von Kandinsky ein häufig reproduziertes\nBild, was zwar schlechtes Deutsch ist, aber\nbesonderes Interesse verdient, weil es in\ndas Werden dieser gegenstandslosen Malerei\neinen Einblick bietet, der mehr sagt als alles,\nwas Westheim je dagegen geschrieben hat.\nUnd Kandinsky hinten und Kandinsky vorn\nund es gibt eine folgerichtige Entwicklung\nvom ersten malenden Schimpansen bis zu\nKandinsky — — und nur eines haben Sie\nvergessen, Herr Westheim: über Ihre Kan-\ndinsky-Exegese das richtige Motto zu setzen:\n„Und Kandinsky? Das Lebenswerk, das er\njetzt in einer Sonderausstellung des Sturm\nvorzuführen wagt, wird endlich doch zu\nder Überzeugung verhelfen, dass um ihn\nherum schon zu viel der Worte gemacht\nsind.\"\nSo schrieben Sie, Herr Westheim, ~am\n23. Oktober 1912. Heute wissen Sie, dass\ndiese Sonderausstellung nicht einmal Ihnen"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4351, "texte": "• t\nzu solcher Überzeugung verholfen hat.\nFreilich waren Sie damals noch ein ganz\nkleiner Junge und machten von dem Vor-\nrecht der Jugend Gebrauch, auf den Händen\nzu laufen und sich in dieser übermütigen\nStellung Kandinskys Bilder anzusehen.\nHeute stehen Sie mit Ihren zwei Beinen\nfest auf dieser wankenden Erde und\nsprechen über Kandinsky, als ob Sie vor\nihm Respekt hätten, — was ich weder\ntadle noch lobe. Ich verlange nicht, dass\nSie noch heute auf Kandinsky so lästerlich\nschimpfen wie ehemals. Ich tadle Sie,\num es Ihnen zum hundertsten Mal zu sagen,\nweil Sie fortfahren, Ihre Mei-\nnungsänderung zu verschwei-\ngen oder zu verschleiern. Jetzt\nsoll es aussehen, als ob Ihr früheres un-\nüberlegtes Drauflosschimpfen auf wohlbe-\ndachte und tiefbegründete Bedenken aufge-\nbaut gewesen sei, die Sie noch heute teilen.\nHätten Sie vor neun Jahren so geschrieben\nwie jetzt, so wären Sie zwar immer noch\nnicht zu loben gewesen. Aber man hätte\nsich damit begnügt, Sie zu denjenigen\nzu zählen, die Kandinskys Grösse nicht be-\ngreifen können, die nicht einsehen, dass\nseine Kunst kein „romantischer Subjektivis-\nmus ist, der im Vagen bleibt\". Der Ro-\nmantiker und der Subjektivist sind nämlich\nSie und Ihr Sehen und Empfinden bleibt\nim Vagen stecken. Musikkritiker pflegen\nauch nicht sehr musikalisch zu sein, aber\nsie können wenigstens Noten lesen. Sie\nkönnen nicht einmal das und so hat Ihr\nganzer Artikel, der so stolz begann und so\nbedächtig verfasst war, nur nekrologische\nBedeutung. In siebenzig Jahren, wenn Sie\nnach menschlicher Berechnung das Zeitliche\nverflucht hat, wird Einer in der Schule\naufgerufen und gefragt werden: Woher\nstammt die Redensart: Urteilen wie ein\nWestheim? Und dann soll er das Jahr\nnennen, in dem Westheim anfing, sich zu\nKandinsky zu bekehren. Aber der arme\nKerl hat vergessen, im Konversationslexikon\nnachzusehen und nun muss er hundertmal\nzuhause schreiben: Im Jahre 1921 fing\nWestheim an, sich zu Kandinsky zu be-\nkehren. Und diesen Fluch trägt er mit\nsich durchs Leben und verfasst zwölf Jahre\nspäter eine Doktordissertation über die\nEntstehung des Ausdrucks „Ein Westheim\",\nnebst einem Anhang über die Schimpfworte\nin Ihren Schriften unter besonderer Be-\nrücksichtigung des Wortes „Betrieb\". Er\nwirds schwer haben, der arme Junge, wenn\ner erst bis in die Fussnote Ihres Artikels\nhinuntergestiegen ist, dorthin, wo Sie an-\nfangen, jede Haltung zu verlieren. Er wirds\nschwer haben, wenn er an den Satz kommt:\n„Der Betrieb, den der Sturm jahrelang mit\nWauer, Neil W7alden usw. gemacht hat, ist\nmänniglich bekannt.\" Wenn nur Sie oder\nHerr Campendonk endlich sagen wollten,\nwer dieser Künstler „usw.\" ist. Raus mit\nder Sprache, Ihr trefflichen, wackeren\nBurschen. Und was „männiglich\" bedeutet,\nweiss ich schon gar nicht.- Wahrscheinlich\nhaben Sie den Satz im fünfzehnten Jahr-\nhundert geschrieben. Ihr beide, Sie und\nHerr Campendonk, Ihr schreibt Frechheit\nund Leichenfledderer, männiglich oder es\ngibt von Kandinsky, wenn irgend ein Bild\nin Euer Gehirn nicht hineinpasst. Hat man\nSie zu fragen, was für Bilder ausgestellt\nwerden dürfen? Was geht Sie, Herr West-\nheim, der Sturm an? Gar nichts — ausser,\ndass Sie heute ohne die Arbeit, die Qualen\nund Entbehrungen und ohne die Einsicht,\ndie beispiellose Erkenntnis von Kunst«\nwerken, die Waiden seit zehn Jahren im\nSturm der ganzen \"Welt gezeigt hat, heute\nentweder verhungern müssten oder noch\ntörichteres Zeug schreiben würden als Sie\njetzt schon tun. Neid, Neid, Herr West-\nheim, Neid treibt Sie zu der Verzweiflung\nfortgesetzter Verdächtigungen. Neid und\ndie Überzeugung Ihrer Wertlosigkeit. Sehen\nSie sich vor, dass Sie mir nie unter die\nAugen kommen. Ich würde nicht blöde\nsein und Ihnen zu kosten geben, was die\nKünstler, die Ihre Schützlinge sind, von\nIhnen denken, sagen und verbreiten. Viel\nunterscheidet es sich nicht von dem, was\nich von Ihnen sage. Und ich würde noch\neinmal nicht blöde sein und Ihnen für die\n„dienstbeflissene Feder\", die Sie mich\ntituliert haben, eine Rechnung vorsetzen,\ndie auf Ihrer Seite keine Schulden übrig\nliesse. Es gibt keinen Hallunken, der Ihnen\nglaubt, dass ich eine .dienstbeflissene*\nFeder sei oder führe, — da mich Ihr ewiges\nGliche schon anwidert. Und niemand weiss\nbesser als Sie, dass ich aus innerster Über-\nzeugung so denke wie ich schreibe. Ich\ndiene niemandem und schütze Künste und\nKünstler gegen Sie. Was ich behaupte,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3439, "texte": "das beweise ich so scharf und so gewissen-\nhaft, wie noch nichts bewiesen wurde.\nDas ist es, was mir den Sieg über Sie gibt.\nZeigen Sie mir die Stelle meiner Briefe, in\nder ich mich je zu einer Beleidigung habe\nhinreissen lassen. Sie werfen mir Taschen-\nspielerkunststücke vor und schreiben von\ncorriger la fortune nnd sogar von Ver-\nfälschungen'? So zeigen Sie mir doch die\nStelle, wo ich auch nur eines Ihrer Worte\ngefälscht, geändert oder weggelassen hätte,\nwas für den Sinn, die Bedeutung und den\nvollkommenen Zusammenhang erforderlich\nwar. Mir und dem deutschen Kunst-\npublikum wäre nicht damit gedient, wenn\nich, wie Sie es tun, Beleidigungen über\nBeleidigungen, Verdächtigungen über Ver-\ndächtigungen häufte. Ich will Ihnen sogar\ndas Becht lassen, in der Verzweiflung über\neine aussichtslose Polemik sich durch\nprivate Verdächtigungen zu retten. Aber\nSie begnügen sich mit Andeutungen, fassen\nIhre Verdächtigungen so, dass man Sie\nnicht verklagen kann und bilden sich ein,\nSie hätten keine Zeit zu beweisen oder Sie\nhätten etwas Besseres zu tun. Ich wüsste\nnicht, was ich Besseres tun könnte, als\neinen Menschen Ihrer Art so wahr zu\nschildern, wie in meinen Briefen geschieht.\nWiderlege ich Ihre Verdächtigungen durch\nBriefe und Dokumente jeder Art, dann\nwollen Sie sich totlachen über Leute, die\nsich „Atteste\" verschaffen. So sieht Ihr\nGeständnia aus, dass Sie Unrecht begangen\nhaben. Und Ihr Herr Brass brüstet sich\nnoch damit, er denke nicht daran, Waiden\nein Attest auszustellen, — da er nämlich\nnicht imstande ist, mich Lügen zu strafen.\nSie sprechen Verdächtigungen aus, die so\nunglaublich und töricht sind, dass ich mich\nschäme, sie ernst zu nehmen. Was machen\nSie da wieder für ein Geschrei über einen\nFall Feininger? Ein langes und lautes Ge-\nschrei, aus dem man immer wieder die\nWorte „Schwindel\" und „beschwindeln\"\nheraushört, wie jedesmal, wenn Ihnen ein\nBeweis den Garaus machen konnte. Leugne\nich etwa, dass Sie von „Schwindel\" und\n„Beschwindeln\" geschrieben haben? Habe\nich aber nicht mein Wort gegeben, dass\nich alles, alles, was Sie gegen uns er-\nfunden haben, widerlegen werde? Und\nhat Ihnen Ihr Fall Franz Marc und Ihr\nFall Gampendonk noch nicht bewiesen,\ndass ich es gründlich tue, sodass nichts\nübrig bleibt, keine Lücke und kein Best?\nUnd so, dass Sie nicht nur vor meinen\nFreunden, sondern auch vor den Ihrigen\ngerichtet sind. Ich müsste ein erbärmliches\nGewissen haben, wenn ich die Zeit nicht\nabwarten könnte. Und Sie werden sich,\nwenns gefällig ist, auch gedulden, selbst\ndann, wenn Sie in jeder Nummer Ihres\nVerdächtigungsblattes über einen Fall\nChagall Zeter und Mordio schreien. Wenn\nFrau Bubiner Sie noch nicht belehrt hat,\ndass Sie geruht haben, sie gnädigst miss-\nzuverstehen, sie wird es gewiss noch tun,\ndarauf müssen Sie gefasst sein. So gewiss,\nals der Maler Iwan Puni mit Grüssen von\nMarc Chagall zum Sturm gekommen ist\nund mit Chagalls Bat, sich in Berlin voll\nVertrauen an den Sturm zu wenden. Das\nist kein Attest, (las ich mir verschafft habe.\nDas ist auch nicht meine Widerlegung Ihres\nFalles Chagall, so wenig wie der Brief\nBubiners. Aber es ist eine Widerlegung so\ngut wie der Brief Bubiners. Denken Sie\nüber dieses Geheimnis nach und wenn Sie\nes nicht durchschauen, so fahren Sie in\nTeufels Namen mit Ihren Verdächtigungen\nfort, bis der Geist Sie aufgibt.\nAber vermeiden Sie es, die persönliche\nBekanntschaft von „Sancho-Blümner\" zu\nmachen. „Sancho\" würde Ihnen wehe tun.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.4.1", "titre_corps": "Liebeserklärung", "titre_sommaire": "Liebeserklärung", "signature_source": "Oskar Fischer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "Oskar Fischer: Liebeserklärung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.5", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.18", "debut_caractere": 3441, "fin_caractere_exclue": 3750, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Unter den Sinnen\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Neunter Brief\nHermann Grämlich: Gedichte\nRudolf Bauer: Zeichnung\nOskar Fischer: Liebeserklärung / Zeichnung\nKurt Schwitters: Merzzeichnung rä / Farbendruck\nJuni 1921"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-06-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-06-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1921-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "104", "page_fin": "104", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.2.6", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 92, "texte": "VE RL AG DER STURM /G.M.B. 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Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. 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Kurt Schwitters\n18 Mark\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n90 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nAlexander Archipenko: Aquarell\n9 Mark\nLouis Marcoussis: Aquarell\n9 Mark\nKurt Schwitters: Merzzeichnung ra\n9 Mark\nRudolf Bliimner\nDer Geist des Kubismus und die Ktinste\nMit Abbildungen\n18 Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.1", "texte": "MONATSSCHRIFT /\nZWÖLFTER JAHRGANG / SECHSTES HEFT\n\nRudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.2", "texte": "VE RL AG DER STURM /G.M.B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm / Zwolfter Jahrgang\nErscheint am fiinften jedes Monats\nMit mehrf arbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDaueifbezug / Ein Jahr 60 Mark / tin Halbjahr\n36 Mark / Einzelheft 7 Mark 50 Pfennige\nVollstSndige Exemplare des 1. bis 11. Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\n\nBiicher\nFranz Richard Bchrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 7 Mark 50 Pfennige / Gebunden 12 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUcbertcufel / Tragodie\nIhr still es Gluck / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 6 Mark / Gebunden 9 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n12 Mark / Zweite Auflage\nKandinsky-Album\nMit 60 Abbildungen\n36 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n6 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n9 Mark / Sonderausgabe 80 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n7 Mark 50 Pfennige / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n7 Mark 50 Pfennige / Zweite Auflage\nWllhelm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n6 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n6 Mark\n\nNacht\n4 Mark 50 Pfennige\nDie neue Kunst\n4 Mark 50 Pfennige\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n12 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 24 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 24 Mark\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n9 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n45 Mark / Gebunden 60 Mark\nDie neue Malerei / Einfuhrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n12 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n9 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n12 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie HSrte der Weltenliebe / Roman\n12 Mark / Gebunden 15 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragodie\n9 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Bucb 3 Mark\nKind I Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 6 Mark\nSturm-Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 3 Mark\nSturm\"Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 12 Mark\nI Marc Chagall\nII Alexander Archipenko\n111 Paul Klee\n\nVERZEICHNISSEDES VE R L A\nSTURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nFortsetzung\n\nUnter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden\n\nBist Du schon wieder da. Siehst Du Erna\nes ist noch nicht einmal Mittag.\nWo ist Vater\nSei vergnügt, dass er nicht zu Hause ist.\nIhr seht mich heut zum letzten Mal.\nDas ist ja schrecklich\nArme Geschöpfe seid Ihr\nWir danken für das Mitleid der grossen\nDame. Komm Erna. Auf Wiedersehen in\neiner anderen Welt.\nIst Mutter zu Hause\nWir wollten ihr gerade entgegen gehen, Vater.\nBeeilt Euch, aber was machst du denn\nNichts\nWarum ist der Tisch noch nicht gedeckt.\nDas kann ich Dir nicht sagen, Vater.\nNiemand sorgt für mich. Dazu hat man\nvier Töchter. Was stierst Du mich so an\nIch sehe Dich nicht an, Vater.\nStier mich nicht so dumm an. Ich werde\ndoch wohl noch meinen Bart tragen dürfen\nwie es mir beliebt\nWie es Dir beliebt\nOder hast Du etwas dagegen.\nIch\nOder wer sonst.\nWas wolllest Du mit der Schere in der\nNacht, Vater,\nLass mich mit Deinen albernen Träumen\nzufrieden.\nIch träume nie, Vater.\nWas für ein lächerlicher Blödsinn. Ich\nwerde nachts von Dir eine Schere\nfordern.\nDu hast es getan, Vater,\nDu wagst es also, mich Lügen zu strafen.\nIch will Tänzerin werden.\nBist Du verrückt. Abgesehen von allem\nanderen, in unserer Familie wird man nicht\nTänzerin.\nMein Wille ist unabänderlich. Trotzdem\nbitte ich um Deine Erlaubnis.\nSolche Frechheit ist mir noch nicht vor-\ngekommen. Du hast überhaupt nichts zu\nwollen. Ich habe über Dich zu bestimmen.\nDamit ist die Sache erledigt.\nSo werde ich auf Deine Erlaubnis verzichten.\nMir ist nur meine Hand zu schade, um\nmich an Dir zu vergreifen.\nDeine Hand hat sich oft vergriffen.\nDas hat man von der Gefühlsduselei, wenn\nman immer auf die Weiber hört. Ganz an-\nders hätte ich Euch Bande anfassen sollen.\nVielleicht hättest Du dann schon früher\neine Schere suchen müssen.\nIch schlage Dich in Stücke, Du Balg. Dass\nman so an seinen Kindern gestraft wird.\nMan könnte sich die Haare ausraufen.\nDas haben schon andere getan.\nWas sagst Du.\nIch bitte um die Erlaubnis, Tänzerin zu\nwerden.\nNie. Meinen Kopf zum Pfände.\nEr ist in meiner Hand.\nDu hast den Verstand verloren.\nIch habe Deine Ehre in meiner Hand.\nDas wollen wir doch mal sehen.\nBitte.\nVerflucht. Du weisst alles.\nIch wünsche Deine Unterstützung nur so\nlange, bis ich mir eigne Mittel verschafft habe.\nDu wirst begreifen, dass es mein grösstes\nBestreben Ist, es schnell zu erreichen.\nUnd Mutter\nDas ist Deine Sache.\nAber Du weisst doch ganz genau, dass Mutter\nnicht auf mich hört.\nIch überlasse es Deinem Willen, sie zu über-\nzeugen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.4", "texte": "Dass ich so mit mir sprechen lassen muss.\nUnd Deine Schwestern.\nIch habe nichts mehr mit meinen Schwestern\nzu tun.\nUnd wirst Du schweigen.\nIhr habt mich oft genug geschlagen, weil\nich schweige.\nWerde ich mich wirklich auf Dich verlassen\nkönnen.\nSoweit ich mich auf Dich verlassen kann.\nDas ist Erpressung.\nWer geschlagen wird, wehrt sich.\nDu darfst nicht allzu schlimm von mir\ndenken, Friedel. Was hat man Dir von\nmir erzählt.\nIch weiss nichts mehr.\nWollen wir nicht Deinen Plan 'hoch einmal\nvernünftig besprechen.\nWir sind doch einig.\nSchliesslich istTänzerin ja nichts Schlimmes.\nTanz ist eben eine Kunst, wie, sagen wir,\nMusik.\nNun gehe ich.\nWillst Du nicht dabei sein, wenn ich Mutter\nmeinen Entschluss mitteile.\nIhr werdet Euch am besten allein verstän-\ndigen.\nSie sind viel zu alt, Tänzerin zu werden.\nIch bin Tänzerin.\nWarum kommen Sie denn zu mir. Warum\nhalten Sie mich auf. Sie stellen sich die\nKunst etwas zu leicht vor, mein Fräulein.\nAls ich durch die Strassen zu Ihnen ging,\ntanzte ich. Schwebte ich. Ich beugte mich\nvor dem Glanz Ihres Namens. Jetzt sitze\nich als armes Mädchen bei einem alten\nMann.\nSie sollten sich schämen. Ich habe mir\nmein Leben und meine Kunst verdienen\nmüssen. Die Stunde kostet dreissig Mark.\nIch kann nicht jeden Backfisch umsonst\nausbilden, der sich zur Kunst berufen fühlt.\nSie hätten zehn Jahre früher kommen\nmüssen. Sie sind zu alt. Zu alt. Zu alt.\nIch empfehle mich.\nIch bin ausser mir.\nWarum bist Du gekommen.\nVater hat den Verstand verloren. Wie kann\ner hierzu seine Einwilligung geben. Wie\nliederlich Dein Haar aussieht. Pack Deine\nSachen zusammen, wir fahren nach Haus,\nIch bleibe.\nDu hast zu gehorchen.\nIch habe die Erlaubnis meines Vaters.\nDein Vater kann Dir keine hundert Mark\nmonatlich geben. Wir können doch Deinet-\nwegen nicht verhungern. Zu Hause kostest\nDu nichts. Wo fünf satt werden, kommen\nauch sechs durch.\nIch verzichte auf jedes Geld.\nIch kenne Dich besser. Du willst Dich\nherumtreiben. Das ist Dein ganzer Plan.\nDie Schande will ich nicht überleben.\nIch bin müde, Mutter, lass mich.\nUnd ich mache bei dem Regen diesen weiten\nWeg in die Stadt und Du bist müde.\nIch bin müde.\nIch habe Dein Bett heut neu bezogen. Wir\nwollen den letzten Zug nicht versäumen.\nKomm mein Kind in Güte.\nMutter, immer weiter soll ich mein Leben\nversäumen.\nGrossmutter hat Kuchen für Euch gebacken.\nSie warten alle auf Dich.\nMutter, warum kannst Du mich nicht lassen,\nWeil Du mein liebes Kind bist, Friedel.\nDu fühlst nicht, was ich möchte.\nSo sag es doch.\nDas kann ich nicht sagen.\nSo denken alle jungen Mädchen in Deinem\nAlter.\nNein Mutter.\nDu willst immer eine Ausnahme sein.\nVielleicht bin ich zu alt für Dich.\nm •\nDas ist wieder Deine Überhebung. Ich\nwerde Deinem hohen Flug nicht folgen\nkönnen. |\nOder ich bin zu jung für mich, Mutter.\nMit Worten kannst Du mich nicht dumm\nmachen. Du bist eben nicht mit Güte zu\nbehandeln. Pack Deine Sachen. Komm.\nGeh.\nSo sprichst Du zu Deiner Mutter.\nGeh. Oder ich gehe.\nMir wird ganz dunkel vor den Augen.\nNun hast Du mich auch aus der Fremde\nvertrieben.\nWohin gehst Du.\nWohin ich vertrieben werde.\nHaben Sie sich verirrt, mein Fräulein.\nIch bin aus der Fremde vertrieben.\nIhre Füsse schweben.\nIch bin eine Tänzerin auf der Strasse,\nSind Sie nicht müde."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.5", "texte": "Bin ich müde, werde ich weiter und weiter\nvertrieben.\nRuhen Sie sich hier in meinem Hause.\nIch habe kein Geld. Ruhe ist kostbar.\nMeine Fenster sind weit geöffnet. Und mein\nParadiesvogel aus dem Osten schwingt im\nGeäst meines Mondbaumes. Sein Gezweig\numrankt das Kreuz. Glas spiegelt das\nSchwingen.\nAlle Gärten blühen neben meiner Strasse.\nMein Herz schwingt im Schweben meiner\nFüsse. Meine Arme kreuzen meinen Leib.\nMeine Augen sind weit geöffnet. Mein Herz\nwacht strassab, strassab.\nHinter dem Hause verliert sich die Strasse.\nWenn einer fühlte, was ich möchte.\nIch will Dich auf meinen Schoss nehmen,\ndass Dein Herz im Schweben ruhe.\nFühlt einer, was ich möchte. 0, ich bin\neine Tänzerin auf der Strasse. Blüht aus\nDeinem Schoss ein Mondbaum, schweigt\nDein Paradiesvogel zur Nachtwach meines\nHerzens. Dreissig Mark kostet die kostbare\nStunde.\nPass auf, ein Wagen.\nDie Strasse verliert sich hinter dem Haus.\nFährt der Wagen zurück, meine Füsse jagen\nvorauf, meinem Schweben vorauf, meine\nKniee zittern in Deinem Schoss.\nDas Bett ist unberührt. Haben Sie nicht\ngeschlafen.\nIch wachte in Ruhe neben dem Bett auf\nder Erde.\nIhre Augen sind Klagen in alle Helle.\nIhre Augen sind Helle in meine Klagen.\nUnd klagt die Tänzerin auf der Strasse\nImmer kommen Wagen, denen ich weichen\nmuss.\nDas Leben führt zurück.\nIch eile voran bis zum Rande.\nSie können dem Leben nicht ausweichen.\nImmer führt es zurück.\nGlauben Sie an Gott.\nIch glaube an die Menschen.\nIch verachte die Menschen.\nSie glauben an sich.\nIch verachte mich. Weil alle Menschen\ndas Leben achten.\nLeben ist Menschsein.\nSie sind von einem anderen Sterne.\nMein Stern ist die Erde. Ein Stern ist die\nErde. Man muss unter sich sein können.\nIch kann nicht leben auf der Erde.\nNoch sind Sie fremd dem Leben.\nWenn mich doch einer lieben könnte.\nNoch sind Sie fremd der Liebe.\nWenn ich doch alle lieben könnte.\nSind Sie Kind. Sind Sie Frau\nEine Tänzerin bin ich auf der Strasse.\nBleiben Sie.\nIch schwebe.\nIch halte Sie.\nHaltlos bin ich.\nIch zwinge Sie.\nWenn einer wüsste, was ich möchte.\nKomm auf meinen Schoss.\nIch liege auf der Erde.\nSchossist die Erde.\n•3\nNun, hast Du Dir heute endlich die Uhr\ngekauft.\nIch habe es mir anders überlegt. Wozu\nkontrolliert man eigentlich die Zeit.\nZum Zeitvertreib.\nDie Zeit vertreibt sich von selbst.\nNur, wenn man sie sich vertreibt.\nDir fällt es schwer. Du treibst Dich genug\ndazu herum.\nDas macht die Liebe mit ihrem Triebe.\nIch danke.\nFriedel hofft jeden Tag auf ihren Sieg.\nMich ekelt es vor dieser Gemeinheit.\nDu bist noch weit zurück mein Lieber.\nIch finde es unmoralisch, dass eine Frau\nmeinetwegen leiden soll.\nDu verstehst Dich eben nicht auf Weiber.\nIch liebe die Schönheit der Frau.\nDavon wird sie nicht satt, mein Lieber.\nIch werde stets die Frauen vor Euch Roh-\nlingen schützen.\nFrag mal eine Frau ehrlich. Je roher desto\nbesser.\nIch kenne keine Frauen.\nDeine Kleine ist wohl geschlechtslos.\nIch habe keine Kleine.\nDu kannst mir doch nicht einreden, dass\nDu den guten Mond so stille angehst.\nWillst Du mir helfen.\nIch habe Praxis in allen Lebenslagen.\nDu darfst mich nicht auslachen.\nWelche Karre hast Du denn verfahren.\nDrei Tage warte ich vergebens.\nNur die Weiber laufen lassen, wenn sie untreu\nsind, desto schneller kommen sie zurück.\nIch kann nicht ohne sie leben.\nDu hast ja keine Ahnung, was Leben ist."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.6", "texte": "Sie ist so sanft in ihrer Wildheit. Sie ist\nso wild in ihrer Sanftmut. Jedem Mann\nfällt sie zum Raube.\nLass ihr doch ihr Vergnügen.\nDu hast Talent zum lieben Gott.\nIst das Deine Freundschaft.\nAlso gut, ich werde mal mit ihr sprechen,\ntrotzdem es verrückt ist.\nSie ist verschwunden.\nAuf der lumpigen Erde wird man sie doch\nwiederfinden.\nIch weiss keinen Weg.\nDas ist doch höchst einfach. Ich lasse ein\nMädchen bei ihren Alten anrufen, eine gute\nFreundin, verstehst Du, und die Sache ist\ngemacht.\nUnd wenn man keine Auskunft gibt\nDa wird eben ein Auskunftsbüro beauftragt.\nMensch, Deine Sorgen möchte ich haben.\nSieh mal die beiden Mädchen. Hübsche,\nfrische Gesichter, aber saumässig angezogen.\nDu bist hinter jedem Mädchen her\nWas man nimmt, hat man. Nun meine\nDamen, fürchten Sie sich nicht.\nLassen Sie uns zufrieden.\nDiese Bank ist gerade für zwei Paare ge-\nschaffen. Siegfried, wo rennst Du hin.\nBelästigen Sie uns nicht.\nDumme Gänse.\nDer hat sich aber geärgert, nicht Erna.\nOb das nicht Friedeis Primaner war.\nDer war doch nicht mehr auf der Schule.\nDer andere, der fortlief. Er schrie ihm\ndoch Siegfried nach.\nWie kann man sich um Gymnasiasten\nkümmern. Bei mir fängt der Mensch erst\nmit dem Künstler an.\nFriedel hat doch Mut.\nWas das für ein Mut ist. Wenn es darauf\nankommt, ich laufe jeden Tag fort, wenn\ner es will.\nZu Haus ist es nicht mehr auszuhalten.\nImmerzu liegen sich die Alten in den\nHaaren.\nVater ist jetzt ziemlich bescheiden.\nWenn Mutter nur nicht immer heulen würde.\nDas macht mich ganz nervös.\nJedenfalls habe ich meine Schuhe durch-\ngesetzt. Erna, es ist doch herrlich, geliebt\nzu werden.\nOb er merken wird, dass Du neue Schuhe\nanhast?\nEr merkt alles. Er hat ein so scharfes Auge.\nWenn er sich doch nur erklären wollte.\nDu denkst immer nur ans Heiraten. Ich\nwill nur geliebt werden.\nIch glaube, er verdient ganz schön.\nWie kannst Du glauben, dass er an so etwas\ndenkt, er ist durch und durch Künstler.\nMan muss doch etwas praktisch sein.\nLass mich an der Ecke sitzen. Da spiegelt\nsich der Lack schön. Fällt das Kleid so\ngut.\nMan sieht Deine ganzen Beine.\nAber in der Stellung wirkt es doch ganz\nnatürlich, oder sieht es gemacht aus\nDer linke Strumpf hat ein kleines Loch.\nDas macht nichts. Er wird doch nicht alles\nsehen.\nMich würde das genieren.\nImmer noch besser als gestopft. Ich finde,\nso ein kleines Loch wirkt ganz natürlich.\nVielleicht wäre es ganz klug, wenn ich Euch\neine Weile allein liesse. Vielleicht erklärt\ner sich dann schneller.\nDu bist wirklich noch ziemlichfdumm, Erna.\nEs reizt ihn doch gerade, dass er mich nie\nallein haben kann.\nDu bist fabelhaft überlegen Martha.\n*•\nÜberlegen. Darauf kommt es im Leben an.\nWenn Du in der richtigen Umgebung wärst,\nich glaube, alles würde Dir zu Füssen liegen.\nSprich recht intim weiter. Wir wollen so\ntun, als ob wir ihn nicht bemerken. Das\nmacht sich gut.\nWas soll ich denn sprechen.\nDas ist doch ganz gleich, Du bist zu dumm.\nSag meinetwegen die Glocke auf.\nNun, meine Damen, in so angeregtem Ge-\nspräch\nWo kommen Sie plötzlich her. Wir haben\nSie garnicht bemerkt.\nBeinah wäre es mir nicht möglich gewesen\nzu erscheinen. Unser politischer Redakteur\nist erkrankt und ich muss ihn vertreten.\nSie leben doch nur der Kunst.\nPolitik ist so einfach. Gehirn und die Sache\nist gemacht. Ich bin energisch für den\nPazifismus eingetreten.\nDas wird wohl grosses Aufsehen machen.\nIch sehe alles geistig. Darf ich Sie auf et-\nwas aufmerksam machen, ohne dass Sie\nmir böse sind.\nIhnen kann ich nicht böse sein.\nSie haben ein grosses Loch in Ihrem Strumpf.\nDie Seide ist jetzt so schlecht. Ich habe\ndie Strümpfe gerade gekauft.\nZu schade,,dass ich mich nicht beherrschen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.7", "texte": "kann. Durch dieses Loch könnte ich auf\neine weisse Wiese blicken.\nErzählen Sie mir doch mehr von der Po-\nlitik. Wir interessieren uns nämlich glühend\ndafür.\nDer Friede ist die Harmonie der Seelen,\nsage ich zu meinen Lesern. Die rohe Ge-\nwalt muss von der Erde verschwinden.\nDer Kampf des Geistes ist die Würde des\nMenschen. Verflucht. Dass die Leute nicht\ndie Wurzeln entfernen können.\nSie haben sich doch nicht weh getan. Wollen\nSie sich nicht setzen.\nDanke. Die Würde des Menschen ist in\ndie Hand des Künstlers gegeben.\nSie haben eine richtige Frauenhand.\nDie Kraft des Geistes ist nicht von der\nMaterie abhängig. Ich handle nur im Namen\nmeiner sittlichen Mission.\nSie sind doch sonst für die freie Liebe ge-\nwesen.\nAls Politiker muss man auch auf die kleinen\nFreuden des Lebens verzichten können.\nWenigstens theoretisch.\nGott sei dank.\nWie meinen Sie.\nDass es noch eine sittliche Mission auf der\nErde gibt.\nWürden Sie dafür kämpfen können.\nIch interessiere mich glühend für die Sitt-\nlichkeit.\nEs sind sehr ernste Probleme, über die ich\nmir heute bei meinem Artikel klar gewor-\nden bin. Ihnen traue ich zu, dass Sie meine\nHaltung würdigen werden. Die Bänke\nsollten wenigstens eine Lehne haben.\nDie Ehe ist eine unmoralische Einrichtung.\nIch werde nie heiraten.\nWir müssen nach Hause gehen, Martha.\nSie langweilen sich bei tieferen Gesprächen.\nEs hat ja doch keinen Zweck.\nKommt da nicht Vater.\nAuf Wiedersehen morgen.\nIch stelle Sie einfach vor.\nIch gehe der Roheit aus dem Wege. Meine\nNerven sind zu fein organisiert.\nIst der feige.\nMacht es Dir etwa Spass, Dich mit Vater\nzu unterhalten.\nDas ist ja ein Fremder.\nWie schön er über die Sittlichkeit gesprochen\nhat. Hätte ich doch nur andere Strümpfe\nangezogen.\nEigentlich ist er dafür noch viel zu jung.\n; i 4 » • . , .\nIch fühle mich durch sein geistiges Ver-\ntrauen geadelt.\nDas ist doch Annas Doktor.\nVerstehst Du, wie man sich in den verlieben\nkann.\nAnna ist eben Theoretikerin des Glücks.\nIch bin für die freie Liebe. Und für die\nSittlichkeit. Komm, sonst ödet uns der\nEsel an.\nGuten Abend meine Damen.\nWir wollen nicht stören.\nWir werden uns nun bald menschlich näher\ntreten. Ich bin aufrichtig glücklich, zu so\nschönen und begabten Schwägerinnen zu\nkommen,\nDass Sie uns überhaupt neben Anna be-\nmerken.\nIch bestrebe mich stets, Auge und Herz für\nalles Schöne, Wahre und Gute offen zu\nhalten.\nEs wird also Ernst mit der Anna.\nDiese Bemerkung ist sehr geistreich. Schon\nder grosse Dichter sagt, dass das Leben\nernst ist. Ich möchte mit einer kleinen\nVariation sagen, heiter ist die Anna.\nDas gerade kann man von Anna nicht\nsagen.\nEs ist die Heiterkeit im übertragenen Sinne.\nNicht die Heiterkeit, die lacht, die Heiter-\nkeit im Sinne von Horaz.\nDie alten Griechen finde ich langweilig.\nDarf ich Sie darauf aufmerksam machen,\ndass Horaz ein Römer ist, zu dem ich schon\nals Primaner ein besonderes Verhältnis\nhatte.\nHoffentlich wird Anna nicht eifersüchtig.\nGerade im Geistigen treffen wir uns. Horaz\nerhebt die Seelen. Ihn zu übersetzen ge-\nhört zu den Zielen meines Lebens.\nUnd was wird Anna unterdessen machen.\nSie wird mir sehr nützlich sein. Sie hat\neine schöne Handschrift und wird mir alles\nins Reine schreiben.\nIch würde mich weigern.\nWenn ich erst verheiratet bin, werden wir\nuns schon in diesem Sinne menschlich\nnäher kommen. Anna hat mir viel Gutes\nvon Ihnen erzählt. Bei dem nahen Grade\nunserer zukünftigen Verwandtschaft hoffe\nich bald das trauliche Du anwenden zu\ndürfen.\nVersprechen Sie sich viel Reiz davon.\nIch bin mir nicht bewusst, Ihre Ironie ver-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.8", "texte": "dient zu haben. Die Ziele meines Lebens\nsind durchaus auf das Edle gerichtet.\nAuf das Verhältnis mit Horaz, dem Römer.\nNun verstehe ich erst, was mir Anna von\nIhnen erzählt hat.\nViel Gutes, was ich Euch beiden edlen\nMenschen wünsche. Komm Martha.\nSeien Sie nicht böse, aber Sie haben mich\nsehr gereizt.\nSchwägerinnen sind nun einmal reizend.\nTrotzdem weichen wir der reizenden Braut.\nWir winden Dir den Jungfernkranz, Anna.\nWas habt Ihr denn.\nKein Verhältnis mit Horaz, dem Römer.\nHaben Sie dich beleidigt, Ernst.\nJunge Mädchen können einen Mann nicht\nbeleidigen.\nIch habe es gewusst, dass Ihr aneinander\ngeraten werdet.\nDas dürlte wohl nicht der richtige Aus-\ndruck sein.\nErna meint es sicher nicht böse, sie ist nur\nin dem Alter.\nDieses Alter finde ich geschmacklos. Für\nmich fängt der Mensch erst mit der reifen\nPersönlichkeit an. Ausserdem ziehen sich\nDeine Schwestern an wie es sich für Mäd-\nchen aus guter Familie nicht schickt.\nErna ist sehr eigenartig.\nEigenart ist etwas Inneres. Du müsstest\nauf deine jüngeren Schwestern veredelnd\nwirken. Ohne ihnen zu nahe treten zu\nwollen ist man doch allzu leicht geneigt\nund zwar mit einem gewissen, nicht ab-\nzustreitendem Recht, von diesen äusseren\nfreien Sitten in Kleidung und Sprache auf\neine gewisse Sittenlosigkeit der Lebensauf-\nfassung zu schliessen.\nIch habe gar keine Macht über sie.\nDie gute Familie ist ein sittliches Phänomen,\ndas verpflichtet. So bin ich überzeugt, dass\nDeine Schwestern keinen Sinn für die Wahr-\nheit haben.\nMan kommt aber mit der Wahrheit nicht\ndurch das Leben.\nLügen ist unsittlich. V\nDu musst nicht so streng sein, Ernst. Wie\noft habe ich lügen müssen, um Dich sehen\nzu können.\nDas ist auch etwas anderes. Bei Dir ist\ndas Lügen nur ein Mittel gewesen, das auf\neinen sittlichen Zweck gerichtet gewesen ist.\nDas sagst Du jetzt aus Liebe.\nDurchaus nicht, die Ehe ist ein sittlicher\nZweck. Hoffentlich haben Deine Schwestern\nnicht Verhältnisse.\nWirst Du Sonntag kommen.\nDeine Antwort ist wieder einmal unlogisch.\nIch kann nichts unlogisches vertragen.\nDu bist heute so hart.\nJetzt kommt der Ernst des Lebens, mein\nKind. Ich fühle mich eins mit Dir in der\nAuffassung, dass die Ehe ein sittliches Phä-\nnomen ist. Wir werden beide trachten,\ndarnach zu leben.\nLiebst Du mich denn ein klein wenig.\nDie Liebe versteht sich von selbst. Alles\nandere muss erarbeitet werden. Wie glück-\nlich werden wir beide werden.\nDu bist ein grosser guter Mensch,\nErnst.\nNoch nicht. Aber ich bestrebe mich, es zu\nwerden. Und Du wirst mir helfen mein\nLieb.\nMein Schatz willst Du mir nicht einen Kuss\ngeben.\nAm Sonntag werde ich reinen Herzens vor\nden Eltern zum ersten Mal Deinen Rosen-\nmund berühren.\nEndlich.\nEndlich bist Du fertig.\nSehe ich nicht zu dick in rosa aus.\nSteck doch eine Rose in den Gürtel.\nUnd sei recht freundlich zu ihm Mutter.\nWann sollen wir kommen, Mutter.\nWarum hast Du dein rosa Kleid angezogen,\nErna. So kann Anna nicht auffallen.\nWenn er nur auf die Kleider sieht, kann\ner mir leid tun.\nDu hast kein Gefühl für Deine Schwester.\nAls Dein Vater um mich anhielt, gingen die\nTanten in schwarz. Martha, Du auch in\nrosa.\nRosa ist eben unsere Lieblingsfarbe, nicht,\nErna.\nWarum quält Ihr mich so.\nRosa steht Dir garnicht, Anna. Ich hätte an\nDeiner Steele das Rraunseidene genommen.\nIhr geht jetzt aus dem Zimmer, Kinder und\nkommt erst, wenn wir Euch rufen. Der\nHerr Doktor soll nicht glauben, dass wir\nalle nur auf ihn gewartet haben. Und Ihr\nzieht Euch sofort um. Ist mein Haar in\nOrdnung, Anna. Hier liegt schon wieder\nPapier auf der Erde. Wo bleibt denn Vater.\nMann. Mann.\nJa."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.9", "texte": "Rudolf Bauer: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.10", "texte": "Wo bleibst Du denn. Es ist doch die höchste\nZeit. Ist der Wein aufgezogen.\nDer Gehrock sieht doch schon etwas ab-\ngetragen aus.\nAlles stürzt auf mich in der letzten Minute\nein. Warum hast Du das nicht früher sagen\nkönnen. Man hätte ihn kanten können.\nVater, sei recht freundlich zu ihm.\nWie Du aussiehst, Mann. Das macht einen\nzu schlechten Eindruck. Zieh ihn aus. Wir\nwollen den Rock schnell kanten, Anna.\nDu fängst auf der einen Seite an und ich\nauf der anderen. Gott sei Dank, dass ich\nBand stets im Hause habe. Schnell das\nNähzeug. Wo ist denn die Schere\nIch könnte mir doch einen anderen Rock\nanziehen.\nEine Verlobung ohne Gehrock ist unmöglich.\nSchnell, Anna. Nimm die Blumen fort.\nWir legen ihn auf den Tisch. Mach nur\ngrosse Stiche.\nIch kann nicht Mutter. Ich bin zu aufgeregt.\nNie denkt Ihr an Eure Eltern. Was soll der\nDoktor von mir denken, wenn Dein Vater\nso herumgeht.\nEr ist ein so guter Mensch, Mutter\nGut hin gut her, oder willst Du etwa, dass\nihm unsere Verhältnisse gleich in die Augen\nstechen.\nIch habe mich gestochen, Mutter\nMach die Augen auf, dummes Ding. Schnell,\nschnell\nWas Du mir immer für Sorgen machst, Frau\nDu machst Dir doch keine Sorgen. Deinet-\nwegen könnten wir alle verlumpt herum-\ngehen. Wenn ich nicht überall die Augen\noffen hätte\nDas Band reicht nicht, Mutter\nEs klingelt\nKomm, schnell alles zusammen. Er kann\nruhig etwas warten. Das macht nur einen\nguten Eindruck\nWenn er weggeht, Mutter\nEr geht nicht weg. Du ötfnest und vergiss\nnicht ihm zu sagen, dass unser Mädchen\nverreist ist\nIch kann ihn doch nicht so belügen, Mutter\nNotlügen sind erlaubt\nEs klingelt wieder, Frau\nDas ist ein Leben. Nie etwas in Ordnung.\nAlles in der letzten Minute. Hätte ich Dich\nnur nie geheiratet. Meine guten Eltern ha-\nben mich immer gewarnt. Weine doch nicht,\ndumme Trine. Das macht keinen guten\nEindruck. Und die Schere ist nirgends zu\nfinden. Komm Du. Wie ich Dich hasse.\n\nFortsetzung folgt\n\nGedichte\nDer sterbende Mensch\nHermann Gramlich\n\nZwitschert Schwalbe weiter ziehn\nSchwingt die seidne Sehnsuchtsschaukel\nUnd dein Herz zersprengt den harten Felsen-\nstein\nUnd die eingemauerten Tore fallen\nQuellen können springen\nund sie fliessen durch die Adern über moos-\nbespülte Wälderwurzel wiesen\nAlle wollen Deine messerscharfen Wunden\nkühlen\nund die Blumen sind um Dich versammelt\nstehn mit grossen sanften Augen\nund mit führenden Gesichtchen vor Dir\nalle wollen Deine Herzenswunde und die\nheisse Stirne küssen\nDann schlägt Dein Sterben noch einmal die\nAugen auf\nund lächelt schmerzensselig über so viel Güte\nGanz weit\nhinter dem Mond\nIm Licht der Sonne\nsteht Gott, die Kraft\nspielt mit der Erde kugeln\nSonne glüht\nErde blüht\nin buntes Farbenflutenfliessen\nfliessen\ngoldene Glutengarbensterne\nFunken glühn\nsprühn Licht\nGischt zischt\nspritzt\nUnd der Wald schlägt das verträumte\nAuge auf\nHallen schallen Schatten\nFrohgewölbte Tore kehlen\nQuellen\nsprudeln\nblättern\ntanz\nNacht\nLichter wachen\nErde schläft"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.11", "texte": "Kurt Schwitters: Merzzeichnung rä\nVierfarbendruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.12", "texte": "Welt\ndünstelt\nsterben.\nSehnsucht\nim Tag verirrt\nsteigt zu den Sternen\nwill\nDich\nGott\nfinden.\n\nZur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\n\nNeunter Brief\nDass Sie in nicht ferner Zeit sich über die\ngegenstandslose Malerei äussern werden,\nhabe ich bekanntlich früher gewusst als\nSie. Seit langem propagieren Sie Künstler\nund reproduzieren deren Werke, die Sie\nohne eine Anerkennung Kandinskys ab-\nlehnen müssten. Wer freilich, wie Sie,\nohne ein inneres Verhältnis zu den Künsten\nsich mit ihnen abgibt, muss wahllos für\nGutes und Schlechtes eintreten, wie es ihm\nZufall, Gelegenheit oder emsiges Bemühen\nzutragen. Es mag also sein, dass Sie selbst\nnichts von der Notwendigkeit empfinden,\nentweder Kandinsky nicht länger einen\nkrummen Hund zu schelten oder gegen\nalles, was der absoluten Kunst verdächtig\nist, mit gleicher Beschränktheit zu wüten.\nBisher taten Sie weder das eine noch das\nandere. Sie tadelten Kandinsky und pro-\npagierten absolute Kunst, — immer voraus-\ngesetzt, dass deren Schöpfer nicht etwa im\nSturm ausstellten. Denn warum soll ich\nSie nicht endlich einmal mit einem kräftigen\n.\nStoss dahin schleudern, wo der Hund be-\ngraben liegt? Es hat noch Keinem bei Ihnen\ngeschadet, dass er dem Sturm „entlaufen\"\nwar. Maler und Bildhauer, deren Arbeiten\nSie im Sturm nicht der Rede wert fanden,\nwurden Ihnen lieblich und angenehm, weil\nsie aus irgendeiner Kinderei mit dem Sturm\n»böse* waren. Je mehr Tratsch sie Ihnen\nzutrugen, umso mehr schwärmten Sie für\nKubismus und absolute Malerei. Was\nWunder, dass auch Kandinskys „gigantische\nTunkpapiere\" anfingen, Ihnen weniger\nmiserabel zu erscheinen. Herr Brass hat\nes Ihnen gesteckt, dass ein deutscher Haupt-\nmann, Baehr geheissen, vor zwei Jahren\nin den Angelegenheiten Kandinskys eine\nKonferenz bei Waiden hatte. Und wenn\nIhnen Herr Brass mitgeteilt hat, dass in\ndieser Konferenz Dinge zur Sprache kamen,\n„die hart an der Grenze des Ehrenrührigen\nlagen\", so muss ich Herrn Brass zustimmen.\nEs war sogar sehr ehrenrührig für Herrn\nBaehr, Einiges zu behaupten, das Herr\nWaiden durch einen Brief Kandinskys\nwiderlegen konnte. Es war hart an der\nGrenze des Ehrenrührigen für Herrn Baehr,\nund noch etwas über die Grenze hinaus,\ndass Waiden ihn in dieser Konferenz vor\nfünf Zeugen einen Lügner nannte, — worauf\nsich Herr Baehr bestens empfahl. Aber\nHerr Brass, der es nicht für unwürdig hält,\nSie mit Material gegen den Sturm zu ver-\nsehen, hat Ihnen noch einiges Andere ge-\nsteckt, das in dieser Konferenz sich zuge-\ntragen hat. Er schachtelt zu dem Zweck\nseinem Gestecke einen Brief ein, den er am\n23. Oktober 1919 an Herrn Rudolf Bauer\ngerichtet hat: „Bedeutend schärfer und hart\nan der Grenze des Ehrenrührigen sind da-\ngegen die Angriffe, die Herr Richter und\nHerr Hauptmann Baehr in jener Konferenz\ngegen Herrn Waiden richteten und die Herr\nWaiden nicht entkräften konnte.\" Darin\nnun kann ich Herrn Brass nur zum Teil\nRecht geben. Herr Richter kramte damals\neinen kleinen Zivilprozess aus, den er wegen\neines in Budapest verloren gegangenen\nBildes vor Jahren gegen den Sturm ange-\nstrengt hatte. Es handelte sich um 100 Mark\nund um einen Bagatellprozess, an dessen\nEinzelheiten sich zu erinnern Waiden wahr-\nhaftig keine Verpflichtung hatte. Nun war\nes allerdings nicht sehr vornehm, dass Herr\nRichter, der mit zweideutiger Rede den\nVerlust des Bildes anzweifelte, die Ent-\nkräftigung seiner Verdächtigung von Herrn\nWaiden sozusagen aus dem Stegreif ver-\nlangte, nachdem er sich vermutlich wie ein\nSchulbube auf den Fall präpariert hatte.\nEs war nicht sehr vornehm, aber nicht\nhart an der Grenze des Ehrenrührigen. Hart\nan der Grenze des Ehrenrührigen, wie der\nLieblingsausdruck des Herrn Brass lautet,\noder etwas über diese Grenze hinaus war\nes dagegen, dass Herr Richter mit zwei-\ndeutiger Rede Dinge behauptete, deren Un-\nwahrheit ihm bekannt sein musste.\nWenn Herr Brass auf diese Bagatelle noch"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.13", "texte": "Oskar Fischer: Liebeserklärung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.14", "texte": "heute Wert legt, wenn ihm daran liegt, die\nVerdächtigung des Herrn Richter widerlegt\nzu sehen, so möge er sich in das Büro des\nHerrn Rechtsanwalts Dr. Feige begeben und\nsich die Handakten dieses lumpigen Pro-\nzesses Richter gegen Sturm vorlegen lassen.\nDa kann er sich überzeugen, dass es hart\nüber die Grenze des Ehrenrührigen ging,\nwenn Herr Richter für einen läppischen\nProzess wegen eines in Budapest verloren\ngegangenen Bildchens ein so schlechtes\nGedächtnis hatte. Herr Brass möge sich,\nwenn ihm an der Wahrheit wirklich etwas\ngelegen ist, aus den Handakten des Herrn\nDr. Feige den Brief vorlegen lassen, aus\ndem hervorgeht, das jenes Bild in Budapest\nverloren gegangen und nicht etwa,\nwie Herr Richter mit zweigespaltener Zunge\nandeutete, verkauft worden war. Sein\nVerdacht war freilich so kindisch, dass\nman sich schämt, dagegen nur den Mund\naufzutun. Aber ich will zu seinen Gunsten\nannehmen, dass er es seinerzeit nicht für\nnötig gehalten hat, sich das Urteil durch-\nzulesen. Man hat Herrn Richter kurze Zeit\nnach der Konferenz und nach Einsicht der\nAkten den Tatbestand noch einmal ins Ge-\ndächtnis gebracht und ihn ersucht, sich der\nWiederholung seiner sinnlosen Verdächti-\ngung zu enthalten. Er scheint das so wört-\nlich genommen zu haben, dass er vergass,\ndie Herren Cesar Klein, Brass und Baehr\nvon seinem schlechten Gedächtnis und\nseiner unbegründeten Verdächtigung zu\nunterrichten. Da aber Herr Brass in seinem\nan Herrn Bauer gerichteten Schreiben vom\n23. Oktober 1919, das Sie mitsamt seiner\nübrigen Denunziation jetzt veröffentlicht\nhaben, über mangelnde Widerlegung des\nHerrn Richter klagt, so will ich meinerseits\nHerrn Brass an das Folgende erinnern:\nAm 1. April 1920 habe ich an den bekannten\nZwischenträger Pielemann folgenden Brief\ngeschrieben:\n„Sehr geehrter Herr Zwischenträger. Ich\nbin Zeuge gewesen, als Herr Brass am\n3. Januar 1920 in seiner eigenen Wohnung\nund in Gegenwart zahlreicher Personen\neine saure Gurke mit Haut und Haar ver-\nspeist hat. Sie können das Herrn Brass\nmitteilen, damit er nicht glaubt, ich hätte\ndiese Handlung vergessen, die hart an der\nGrenze des Ehrenrührigen liegt.\"\nSo schrieb ich an den Zwischenträger Piele-\nmann am i. April 1920. Seitdem warte\nich vergeblich auf eine öffentliche Wider-\nlegung der Angriffe — oder auf eine Be-\nleidigungsklage. — Sapienti sat und dass ich\nden wirren Brief des Herrn Brass erst\ndurch Ihren sehr gering geschätzten Artikel\nkennen gelernt habe, ist beinahe neben-\nsächlich. Herr Rudolf Bauer war damals\nverreist, er hatte keine Gelegenheit, den\nBrief der Generalversammlung der Inter-\nnationalen Vereinigung E. V. vorzulegen.\nDagegen habe ich damals den Fall Brass,\nso wie ich ihn Herrn Brass schriftlich fixiert\nhatte, der Generalversammlung vorgelegt.\nSie hat mein Verhalten in diesem Fall ein-\nstimmig gebilligt. Ich glaube gern, dass\nHerr Brass keine Lust hatte, mir die Wahr-\nheit des fixierten Tatbestandes zu bestätigen,\ndenn ich habe damals einen Brief des Herrn\nBrass verlesen, in dem er nach seinem Aus-\nscheiden aus der Internationalen Vereinigung\ndas Folgende schrieb:\n„Im Übrigen werde ich niemals etwas unter-\nnehmen, was den Interessen des Sturm\nirgendwie entgegensteht, sondern werde\nmich im Gegenteil bemühen, sein Ansehen\nzu heben, und seine Interessen zu vertreten,\nwo es auch sei. Mein Austritt aus der\nI. V. etc. hat mit meinem Verhältnis zum\nSturm nichts zu tun. Ich - betrachte mich\nnach wie vor als sein Mitarbeiter.\nMit vorzüglicher Hochachtung\nIhr ergebener Hans Brass.\"\nMit diesen Worten war Herr Brass dem\nSturm „entlaufen\". Und wenn ich hinzu-\nfüge, dass Der Sturm es war, der auf weitere\nAusstellungen des Herrn Brass verzichtete,\nso werden Sie die Intensität besser als bis-\nher verstehen, mit der Herr Brass Sie in der\nAusübung Ihres Gewerbes unterstützt hat.\nSie werden diesmal auf den Witz verzichten,\ndass man sich im Sturm ein Attest ver-\nschafft habe. Meine Wortauslegungskünste\nhaben sich an dem Schreiben des Herrn\nBrass versucht, wie Sie es wünschten. Viel\ngabs nicht auszulegen, aber für Sie\neine doppelte Enttäuschung. Der einzige\nEffekt des Brassschen Briefes war, dass Sie\nvon Stund an über Kandinskys. Malerei\nanders als bisher zu urteilen begannen.\n„Wenn dieser Fabrikant minderwertiger\nTunkpapiere mit dem Sturm bös ist, dann\nsind diese sogenannten absoluten und mir\nso unverständlichen Malereien doch nicht"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.15", "texte": "ganz von der Hand zu weisen.\" So über-\nlegten Sie. Und um dem Problem der\ngegenstandslosen Malerei vollends auf den\nGrund zu kommen, erfanden Sie gar noch\neine Klage Kandinskys gegen den Sturm.\nDiese trügerische Idee kann Sie zwar\nkünstlerisch nicht sonderlich erleuchtet\nhaben, aber Sie gab Ihnen den festen Vor-\nsatz, mit der absoluten Malerei Frieden zu\nschliessen. Auch konnte Ihnen nicht länger\nentgehen, dass Sie mit Ihrer Antipathie\ngegen Kandinsky ein einsamer Mann ge-\nworden waren. Auf Ihrer Seite blieben\nwohl noch Leute wie Fritz Stahl und Kurt\nGlaser. Und auch Franz Servaes wird stets\nbereit sein, Ihnen den Rang streitig zu\nmachen. Aber wenn ich mich diesmal\nnicht sehr täusche, behagt Ihnen diese Ge-\nsellschaft gar nicht. Zwar Ihr kolle-\ngiales Verhältnis kann ausgezeichnet sein,\nwenigstens was die Beobachtung der Urbanen\nUmgangsformen betrifft. Sonst mögen sich\ndie Kollegen sonderbare Gedanken über Sie\nmachen. Sie würden sich selbst nicht\nwundern, wenn die Herren die Achseln\nzucken und äussern: „Der Westheim glaubt\nselbst nicht an den ganzen expressionis-\ntischen und kubistischen Schwindel. Dafür\nist er ein viel zu kluger und geistreicher\nKopf, ein grundgelehrtes Haus und ein\ntrefflich vorgebildeter Kunsthistoriker.\" Sie\nmachen sich aus dem einen so wenig wie\naus dem andern, weil Sie selbst wissen,\ndass Sie mal dafür sind und mal dagegen.\nDie Umgangsformen aber bleiben korrekt.\n„Tag, lieber Kollege, wie geht's?\" — „Danke,\nes macht sich!\" — „Immer noch für den\nverrückten Kubismus?\" — „Selbstverständ-\nlich, man will doch leben!\" — „Aber ge-\nwiss doch!\" — „Wiedersehen, Kollege!\" —\n„Wiedersehen!\" Durchaus korrekt. Un-\nsympathisch ist es nur, in puncto Kandinsky\nmit Leuten konform zu gehen, die sich in\nder Beurteilung neuer Kunst bei Gross und\nKlein um jeden Kredit gebracht haben.\n„Stahl und Westheim stimmen darin über-\nein \" wie sich das anhört! Und doch\nist Ihnen entgangen, dass „Glaser und\nWestheim\" nicht viel besser klingt. Wie\nkonnten Sie so unvorsichtig sein, kürzlich\nin der Frankfurter Zeitung sich auf Glaser\nzu berufen, um Puni eins auszuwischen.\nHaben Sie denn in den vergangenen Jahren\nden Reichtum Ihrer Schimpfworte so voll-\nkommen vergeudet, dass Sie Glasers Worte\nvom „sauren Kitsch\" zitieren müssen?\nFreilich waren es die Arbeiten Kurt\nSchwitters, die Glaser für sauren Kitsch\nhielt, jenes Kurt Schwitters, gegen den Sie\nselbst zur Zeit noch in der Defensive\nkämpfen. Aber trotzdem olim meminisse\njuvabit, dass Sie in der Aprilnummer Ihres\nBlattns, zunächst klein und unauffällig,\nwenigstens den Namen Kurt Schwitters und\ndas Wort „Merz\" als existierend anerkannt\nhaben. Das ist ein Anfang und es wird Sie\nnoch mehr Kunststücke kosten, bis Sie sich\nauf seine Seite geschlagen haben, als wäre\nvorher nichts geschehen. Denn was Sie\nbisher über Schwitters geschrieben haben,\ndrückt Ihnen schon schwer genug aufs Herz.\nWenn Sie von mir einen Rat annehmen\nwollen, so schreiben Sie vielleicht ein paar\nZeilen an Schwitters, Hannover, da und da.\nFragen Sie ihn, ob er ein paar nette kleine\nDifferenzen mit dem Sturm für Sie übrig\nhat, Unterschlagungen werden bevorzugt,\naber auch das geringste Missverständnis\nwird dankbar angenommen. Verlangen Sie\nProspekt, garantierte f. f. Verdächtigungen,\nabsolut widerruffrei. Klagen Sie ihm Ihr\nMalheur mit Campendonk — — ja, sagen\nSie, Herr Westheim, ä propos Campen-\ndank: Was haben Sie für unsausstehliche\npolemische Manieren? Sie verbreiten in\nIhrem Blatt eine für den Sturm ehren-\nrührige Behauptung Campendonks. Ich\nbringe ein Facsimile Campendonks, durch\ndas ich gleich zwei Lügen auf einmal auf-\ndecke. Und jetzt schreiben Sie von neuem:\n„Es lässt sich weder bestreiten noch wider-\nrufen.\" An Ihrer Bosheit habe ich nie ge-\nzweifelt. Aber jetzt zweifle ich, dass Sie\nIhre Sinne zu gebrauchen wissen. Sie\nkönnen wohl nicht lesen? Campendonk\nbat, man möge ihn als Lehrer der Sturm\"\nschule militärisch reklamieren. Verstehen\nSie das nicht? Ich glaubs, dass Sie bei\nCampendonks Widerruf Galle gespuckt\nhaben. Aber dass Sie dabei so ganz und\ngar jede Haltung verlieren, dass Sie in\neiner Fussnote wie ein eigensinniger Schul-\njunge heulen: Der Campendonk hat's aber\ngesagt! Oder sich zuletzt auf den Boden\nwerfen, den Widerruf Ihrer Leichenfledderer-\nPostkarte bejammern und sich auf „einen\ndeutschen Museumsdirektor und die Frau\neines sehr bekannten deutschen Malers\""}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.16", "texte": "berufen, zwei „durchaus zuverlässige Per-\nsonen\"! Warum haben Sie denn wider-\nrufen, wenn die zwei ehrenwerten Ver-\nleumder durchaus zuverlässige Personen\nwaren? Vermutlich, weil Sie dahinter ge-\nkommen waren, dass diese ehrenwerte\nEhrabschneider nicht ganz zuverlässig waren.\nNamen nennen, Herr Westheim. Wer ist\nder Museumsdirektor, der, anstatt sich um\nseine Klamotten zu kümmern, anderen\nLeuten Verbrechen andichtet, die so dumm\nund unmöglich sind, dass selbst Sie\nnicht daran geglaubt, sondern nur aus\nLust am Bösen Ihre Schand - Postkarte\nan mich gerichtet haben. Wer war die alte\nVettel, auch genannt Frau eines sehr be-\nkannten Malers, die so gemein ist wie ein\nredlicher verleumderischer deutscher Mu-\nseumsdirektor? Nennen Sie mir gefälligst\ndie Namen dieser vortrefflichen, von Ihnen\nso hoch geschätzten hausierenden Ehrab-\nschneider! — So jede Haltung zu verlieren\nund zu winseln, ein durchaus zuverlässiger\nVerleumder und eine hochachtbare Ver-\nleumderin hätten es Ihnen noch gestern\ngesagt und doch hätten Sie widerrufen\nmüssen! So jede Haltung zu verlieren,\nund das in der Fussnote eines Artikels, der\nso stolz anfing: Paul Westheim / Gegen-\nstandslose Kunst, so stolz anfing und mit\nso klugem Bedacht geschrieben war. Es\nist erst wenige Jahre her, dass Sie nicht\nso bedachtsam waren. Da erschien an\neinem hässlichen Tage das Kunstblatt, das\nsich ganz besonders für die neue Bewegung\nin der Kunst einsetzen wollte. Und Sie,\nHerr Westheim, hatten die Kühnheit, die\nLeitung zu übernehmen, Sie, der wie kein\nanderer der deutschen Kunstrichter als Be-\nschimpfer dieser neuen Kunst für immer\nkompromittiert war. Was, um Gottes Willen,\nmag damals in Ihrem Gewissen vorgegangen\nsein? Ich kann nur glauben: gar nichts.\nOder Sie haben sich gedacht: Was ich bis-\nher geschrieben habe, das weiss morgen\nkein Mensch mehr. Gestern war ich da-\ngegen, heute bin ich dafür. Und da ich\ndamals nicht sagen konnte, warum ich da-\ngegen war, so brauche ich heute nicht zu\nwissen, warum ich dafür bin. Und noch\nweniger brauche ich es zu sagen. Niemand\nwird von mir verlangen, dass ich den un-\nerklärlichen Wechsel meiner Ansichten er-\n»\nklären soll. Es gibt nichts zu erklären. —\nSo dachten Sie vor einigen Jahren. Heute bin\nich nicht mehr der einzige, der Ihnen auf\ndie Finger sieht. Heute getrauen Sie sich\nnicht mehr, mit einem hocus pocus fidibus\nals rabiater Anhänger Kandinskys aufzu-\ntreten. Aber Sie sind jetzt fest entschlossen,\n• •\nden Übergang zu ihm und zur absoluten\nMalerei zu vollziehen. Schweigen Sie.\nWidersprechen Sie nicht. Sie sind ent-\nschlossen, weil Sie müssen. Sie sind ent-\nschlossen, jetzt diesen Übergang zu mas-\nkieren. Schritt für Schritt. Und eben\nhaben Sie mit Ihrem Artikel Gegenstands-\nlose Kunst einen Hauptschritt getan. „Wie\nfange ich es an,\" so räsonnierten Sie, „dass\nich zwar die absolute Malerei nicht nur\ngrundsätzlich anerkenne, sondern auch den\nAnschein erwecke, als hätte ich grundsätz-\nlich nie etwas gegen sie geäussert. Und\nwie tue ich das, ohne mich festzulegen,\nsodass ich zwar jederzeit vollends als An-\nhänger Kandinskys gelten, aber auch stets\nbeweisen kann, dass ich meine Anschau-\nungen über ihn nicht geändert habe? Ein\nschwieriges Uuternehmen, wie es scheint,\naber für mich, Paul Westheim, ein Kinder-\nspiel.\" Und nun stürzen Sie sich ins Chaos\nund beweisen, dass alle absoluten und ab-\nstrakten Malereien olle Kamellen sind.\nSchon Adam und Eva verfertigten Tunk-\npapiere und alles war besser als die Bilder\nKandinskys. Aber Kandinsky hat dies ge-\nsagt und Kandinsky hat das gesagt und es\ngibt von Kandinsky ein häufig reproduziertes\nBild, was zwar schlechtes Deutsch ist, aber\nbesonderes Interesse verdient, weil es in\ndas Werden dieser gegenstandslosen Malerei\neinen Einblick bietet, der mehr sagt als alles,\nwas Westheim je dagegen geschrieben hat.\nUnd Kandinsky hinten und Kandinsky vorn\nund es gibt eine folgerichtige Entwicklung\nvom ersten malenden Schimpansen bis zu\nKandinsky — — und nur eines haben Sie\nvergessen, Herr Westheim: über Ihre Kan-\ndinsky-Exegese das richtige Motto zu setzen:\n„Und Kandinsky? Das Lebenswerk, das er\njetzt in einer Sonderausstellung des Sturm\nvorzuführen wagt, wird endlich doch zu\nder Überzeugung verhelfen, dass um ihn\nherum schon zu viel der Worte gemacht\nsind.\"\nSo schrieben Sie, Herr Westheim, ~am\n23. Oktober 1912. Heute wissen Sie, dass\ndiese Sonderausstellung nicht einmal Ihnen"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.17", "texte": "• t\nzu solcher Überzeugung verholfen hat.\nFreilich waren Sie damals noch ein ganz\nkleiner Junge und machten von dem Vor-\nrecht der Jugend Gebrauch, auf den Händen\nzu laufen und sich in dieser übermütigen\nStellung Kandinskys Bilder anzusehen.\nHeute stehen Sie mit Ihren zwei Beinen\nfest auf dieser wankenden Erde und\nsprechen über Kandinsky, als ob Sie vor\nihm Respekt hätten, — was ich weder\ntadle noch lobe. Ich verlange nicht, dass\nSie noch heute auf Kandinsky so lästerlich\nschimpfen wie ehemals. Ich tadle Sie,\num es Ihnen zum hundertsten Mal zu sagen,\nweil Sie fortfahren, Ihre Mei-\nnungsänderung zu verschwei-\ngen oder zu verschleiern. Jetzt\nsoll es aussehen, als ob Ihr früheres un-\nüberlegtes Drauflosschimpfen auf wohlbe-\ndachte und tiefbegründete Bedenken aufge-\nbaut gewesen sei, die Sie noch heute teilen.\nHätten Sie vor neun Jahren so geschrieben\nwie jetzt, so wären Sie zwar immer noch\nnicht zu loben gewesen. Aber man hätte\nsich damit begnügt, Sie zu denjenigen\nzu zählen, die Kandinskys Grösse nicht be-\ngreifen können, die nicht einsehen, dass\nseine Kunst kein „romantischer Subjektivis-\nmus ist, der im Vagen bleibt\". Der Ro-\nmantiker und der Subjektivist sind nämlich\nSie und Ihr Sehen und Empfinden bleibt\nim Vagen stecken. Musikkritiker pflegen\nauch nicht sehr musikalisch zu sein, aber\nsie können wenigstens Noten lesen. Sie\nkönnen nicht einmal das und so hat Ihr\nganzer Artikel, der so stolz begann und so\nbedächtig verfasst war, nur nekrologische\nBedeutung. In siebenzig Jahren, wenn Sie\nnach menschlicher Berechnung das Zeitliche\nverflucht hat, wird Einer in der Schule\naufgerufen und gefragt werden: Woher\nstammt die Redensart: Urteilen wie ein\nWestheim? Und dann soll er das Jahr\nnennen, in dem Westheim anfing, sich zu\nKandinsky zu bekehren. Aber der arme\nKerl hat vergessen, im Konversationslexikon\nnachzusehen und nun muss er hundertmal\nzuhause schreiben: Im Jahre 1921 fing\nWestheim an, sich zu Kandinsky zu be-\nkehren. Und diesen Fluch trägt er mit\nsich durchs Leben und verfasst zwölf Jahre\nspäter eine Doktordissertation über die\nEntstehung des Ausdrucks „Ein Westheim\",\nnebst einem Anhang über die Schimpfworte\nin Ihren Schriften unter besonderer Be-\nrücksichtigung des Wortes „Betrieb\". Er\nwirds schwer haben, der arme Junge, wenn\ner erst bis in die Fussnote Ihres Artikels\nhinuntergestiegen ist, dorthin, wo Sie an-\nfangen, jede Haltung zu verlieren. Er wirds\nschwer haben, wenn er an den Satz kommt:\n„Der Betrieb, den der Sturm jahrelang mit\nWauer, Neil W7alden usw. gemacht hat, ist\nmänniglich bekannt.\" Wenn nur Sie oder\nHerr Campendonk endlich sagen wollten,\nwer dieser Künstler „usw.\" ist. Raus mit\nder Sprache, Ihr trefflichen, wackeren\nBurschen. Und was „männiglich\" bedeutet,\nweiss ich schon gar nicht.- Wahrscheinlich\nhaben Sie den Satz im fünfzehnten Jahr-\nhundert geschrieben. Ihr beide, Sie und\nHerr Campendonk, Ihr schreibt Frechheit\nund Leichenfledderer, männiglich oder es\ngibt von Kandinsky, wenn irgend ein Bild\nin Euer Gehirn nicht hineinpasst. Hat man\nSie zu fragen, was für Bilder ausgestellt\nwerden dürfen? Was geht Sie, Herr West-\nheim, der Sturm an? Gar nichts — ausser,\ndass Sie heute ohne die Arbeit, die Qualen\nund Entbehrungen und ohne die Einsicht,\ndie beispiellose Erkenntnis von Kunst«\nwerken, die Waiden seit zehn Jahren im\nSturm der ganzen \"Welt gezeigt hat, heute\nentweder verhungern müssten oder noch\ntörichteres Zeug schreiben würden als Sie\njetzt schon tun. Neid, Neid, Herr West-\nheim, Neid treibt Sie zu der Verzweiflung\nfortgesetzter Verdächtigungen. Neid und\ndie Überzeugung Ihrer Wertlosigkeit. Sehen\nSie sich vor, dass Sie mir nie unter die\nAugen kommen. Ich würde nicht blöde\nsein und Ihnen zu kosten geben, was die\nKünstler, die Ihre Schützlinge sind, von\nIhnen denken, sagen und verbreiten. Viel\nunterscheidet es sich nicht von dem, was\nich von Ihnen sage. Und ich würde noch\neinmal nicht blöde sein und Ihnen für die\n„dienstbeflissene Feder\", die Sie mich\ntituliert haben, eine Rechnung vorsetzen,\ndie auf Ihrer Seite keine Schulden übrig\nliesse. Es gibt keinen Hallunken, der Ihnen\nglaubt, dass ich eine .dienstbeflissene*\nFeder sei oder führe, — da mich Ihr ewiges\nGliche schon anwidert. Und niemand weiss\nbesser als Sie, dass ich aus innerster Über-\nzeugung so denke wie ich schreibe. Ich\ndiene niemandem und schütze Künste und\nKünstler gegen Sie. Was ich behaupte,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.18", "texte": "das beweise ich so scharf und so gewissen-\nhaft, wie noch nichts bewiesen wurde.\nDas ist es, was mir den Sieg über Sie gibt.\nZeigen Sie mir die Stelle meiner Briefe, in\nder ich mich je zu einer Beleidigung habe\nhinreissen lassen. Sie werfen mir Taschen-\nspielerkunststücke vor und schreiben von\ncorriger la fortune nnd sogar von Ver-\nfälschungen'? So zeigen Sie mir doch die\nStelle, wo ich auch nur eines Ihrer Worte\ngefälscht, geändert oder weggelassen hätte,\nwas für den Sinn, die Bedeutung und den\nvollkommenen Zusammenhang erforderlich\nwar. Mir und dem deutschen Kunst-\npublikum wäre nicht damit gedient, wenn\nich, wie Sie es tun, Beleidigungen über\nBeleidigungen, Verdächtigungen über Ver-\ndächtigungen häufte. Ich will Ihnen sogar\ndas Becht lassen, in der Verzweiflung über\neine aussichtslose Polemik sich durch\nprivate Verdächtigungen zu retten. Aber\nSie begnügen sich mit Andeutungen, fassen\nIhre Verdächtigungen so, dass man Sie\nnicht verklagen kann und bilden sich ein,\nSie hätten keine Zeit zu beweisen oder Sie\nhätten etwas Besseres zu tun. Ich wüsste\nnicht, was ich Besseres tun könnte, als\neinen Menschen Ihrer Art so wahr zu\nschildern, wie in meinen Briefen geschieht.\nWiderlege ich Ihre Verdächtigungen durch\nBriefe und Dokumente jeder Art, dann\nwollen Sie sich totlachen über Leute, die\nsich „Atteste\" verschaffen. So sieht Ihr\nGeständnia aus, dass Sie Unrecht begangen\nhaben. Und Ihr Herr Brass brüstet sich\nnoch damit, er denke nicht daran, Waiden\nein Attest auszustellen, — da er nämlich\nnicht imstande ist, mich Lügen zu strafen.\nSie sprechen Verdächtigungen aus, die so\nunglaublich und töricht sind, dass ich mich\nschäme, sie ernst zu nehmen. Was machen\nSie da wieder für ein Geschrei über einen\nFall Feininger? Ein langes und lautes Ge-\nschrei, aus dem man immer wieder die\nWorte „Schwindel\" und „beschwindeln\"\nheraushört, wie jedesmal, wenn Ihnen ein\nBeweis den Garaus machen konnte. Leugne\nich etwa, dass Sie von „Schwindel\" und\n„Beschwindeln\" geschrieben haben? Habe\nich aber nicht mein Wort gegeben, dass\nich alles, alles, was Sie gegen uns er-\nfunden haben, widerlegen werde? Und\nhat Ihnen Ihr Fall Franz Marc und Ihr\nFall Gampendonk noch nicht bewiesen,\ndass ich es gründlich tue, sodass nichts\nübrig bleibt, keine Lücke und kein Best?\nUnd so, dass Sie nicht nur vor meinen\nFreunden, sondern auch vor den Ihrigen\ngerichtet sind. Ich müsste ein erbärmliches\nGewissen haben, wenn ich die Zeit nicht\nabwarten könnte. Und Sie werden sich,\nwenns gefällig ist, auch gedulden, selbst\ndann, wenn Sie in jeder Nummer Ihres\nVerdächtigungsblattes über einen Fall\nChagall Zeter und Mordio schreien. Wenn\nFrau Bubiner Sie noch nicht belehrt hat,\ndass Sie geruht haben, sie gnädigst miss-\nzuverstehen, sie wird es gewiss noch tun,\ndarauf müssen Sie gefasst sein. So gewiss,\nals der Maler Iwan Puni mit Grüssen von\nMarc Chagall zum Sturm gekommen ist\nund mit Chagalls Bat, sich in Berlin voll\nVertrauen an den Sturm zu wenden. Das\nist kein Attest, (las ich mir verschafft habe.\nDas ist auch nicht meine Widerlegung Ihres\nFalles Chagall, so wenig wie der Brief\nBubiners. Aber es ist eine Widerlegung so\ngut wie der Brief Bubiners. Denken Sie\nüber dieses Geheimnis nach und wenn Sie\nes nicht durchschauen, so fahren Sie in\nTeufels Namen mit Ihren Verdächtigungen\nfort, bis der Geist Sie aufgibt.\nAber vermeiden Sie es, die persönliche\nBekanntschaft von „Sancho-Blümner\" zu\nmachen. „Sancho\" würde Ihnen wehe tun.\n\nRudolf Blümner\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Unter den Sinnen\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Neunter Brief\nHermann Grämlich: Gedichte\nRudolf Bauer: Zeichnung\nOskar Fischer: Liebeserklärung / Zeichnung\nKurt Schwitters: Merzzeichnung rä / Farbendruck\nJuni 1921"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "[121]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.19", "texte": "VERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMusik\nHcrwarth Walden\nGesammclte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werk l*—3\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFur Gesang und Klavier / Je 4 Mark 50 Pfennige\nBruder Liederlich / Werk 5l\nFur Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nEntbictung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nZchn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 24 Mark\nDie Judentochter / Werk11171 / 6 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFur Gesang und Klavier / 4 Mark 50. Pfennige\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFur Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\n\nSturm-Karten\nJede Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nGampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm'Ausstellungskataloge\nMitAbbildungen\nAlexander Archipenko Skupina ,—~ 112\nMolzahn Gino Severini\nJe 90 Pfennige\nTour Donas —NellWalden / Franz Marc /1 wan Puni\nJe 3 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMil 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n4 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJeder Kunstdruck 7 Mark 50 Pfennige\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4 Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 YvetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 9 Mark\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nMarcoussis: Stilleben\nNell Walden: Aquarell\n\nSturm^Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nAusstellung von neuen Werken fiber\nasiatische Kunst und Philosophie\nVerkauf guter Biicher und Kunstdrucke\n\nVERZEICHNJSSE DBS VERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "[122]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210605-01.1.20", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoff net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\n\nAchtundneunzigste Ausstellung\nJuni/Juli 1921\nRudolf Bauer\nVjera Biller\nGesamtschau dcs Sturm\n\n' . — .fl \" !• ' . •' i , ' ; ' I ■\nTageskarte 2 Mark\n\nNeunundneunzigste Ausstellung\nJuli/August 1921\nPaul Klce\nGesamtschau des Sturm\nEroffnung: 17. Juli 1921\n\nST* tt n htc A D 17 TVT T\\ T7 Jcden Mittwoch 73/4 Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nX U Xv 1V1 * xjL D J—4 IN ±J i-i Potsdamer Strafie 134a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Bltimner / Rezitation\nHcrwarth Walden / Musik\nKarten 8, 6 und 4 Mark an der Abendkasse und im Vorverkauf Sturm-Buchhandlung / Potsdamer Strafie 138 a\nj jrl I Wiederbeginn 7. September 1921\n\nDcr Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen April:\nRom / New York / Paris\n\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung von\nSturm -Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und Landern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafle 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSturm'Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nIV. Kurt Schwitters\n18 Mark\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n90 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nAlexander Archipenko: Aquarell\n9 Mark\nLouis Marcoussis: Aquarell\n9 Mark\nKurt Schwitters: Merzzeichnung ra\n9 Mark\nRudolf Bliimner\nDer Geist des Kubismus und die Ktinste\nMit Abbildungen\n18 Mark"}]}