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Damit will ich zu\nverstehen geben, dass diese Dichtung, ohne\ndes theatralischen Apparats zu bedürfen,\ndoch nur in ihrer Verklanglichung voll-\nkommen aufgenommen werden kann. Man\nirrt sich freilich, wenn man im Gegensatz\nhierzu den Abdruck einer Dichtung in un-\nserer deutschen Sprache für ein Vollkom-\nmenes ansieht. Wörter bestehen in Schrift\nund Druck aus Buchstaben, und diese sind\nehemalige Bilder, gegenwärtige Zeichen für\nLaute und Geräusche, die fast allen Men-\nschen gemeinsam sind, von ihnen auf gleiche\nWeise gebildet und gehört werden. Frei-\nlich fehlt es nicht an Unterschieden, da\nweder die Schriftzeichen unserer Sprache\nnoch anderer, soweit ich sie kenne, genügen,\num die vielfachen Arten in Tönen und Ge-\nräuschen des menschlichen Sprechens an-\nzudeuten. Gar keine Zeichen aber gibt es\nfür die menschliche Sprechmelodie, we-\nnigstens keine allgemein üblichen und ver-\nständlichen. Jeder Mensch gibt den anein-\nandergereihten Worten seine eigene Melodie\nund legt sie im Stillen dem Gelesenen unter.\nEs gibt kein Wort und keine Verbindung\nvon Wörtern, die ihre hörbare Melodie\nin sich tragen. Wie ich in einer absoluten\nDichtung die Bildung vieler Vokale und\nKonsonanten beabsichtige, lässt sich nur\nin beschränktem Mass ausdrücken. Ob\nein Vokal kurz oder lang sei, kann ich\nfreilich durch die allgemein verständlichen\nZeichen erkennen lassen, wie auch die\nSilbenbetonung durch die Akzentsetzung.\nBeide zusammen scheinen mir ein\noptisches Uebermass an Druckzeichen zu\nenthalten, wodurch Lesen und Aufnahme\nungewohnter Wörter eher erschwert als\nerleichtert würden. Will ich mich aber\nbeschränken, so wähle ich die Akzent-\nsetzung, weil die Silbenbetonung immerhin\neine annähernde Vorstellung des Metrums\ngibt, das wiederum einer Aufnahme\ndes Rhythmischen zu Hilfe kommen soll.\nVöllig verzichten muss ich jedoch auf irgend-\nwelche Andeutung des sprechmelo-\ndischen Rhythmus. Und man wird be-\ngreifen, warum dieser Mangel den Abdruck\neiner absoluten Dichtung unvollkommener\nlässt als den einer Dichtung, die aus be-\nkannten Wörtern besteht und doch den\ngleichen Mangel hat. Denn meine Dichtung\nist nicht nur zusammen mit der rhyth-\nmisierten Sprechmelodie entstanden, son-\ndern, so merkwürdig das scheinen mag,\nnach Entstehung von Sprechmelodie und\nklanglichem Rhythmus. Ein Gefühlsinhalt,\nder bereits seine Gestaltung durch rhyth-\nmisierte Sprechmelodie gefunden hatte, ver-\nlangte die Bereicherung durch die Verschie-\ndenartigkeit von Geräuschen und Tönen.\nDer Gestaltungsprozess war etwa so, wie\nwir ihn in August Stramms Dichtung: Die\nMenschheit, lesen:\nMäuler\nGähnen\nGähnen klappen\nKlappen schnappen\nSchnappen\nLaute\nLaute Laute\nSchüttern Ohren\nHorchen Horchen\nSchärfen Horchen\nSchwingen Schreie\n11 •• np ••\nlone lone\nRufe Rufe\nKlappen Klarren\nKlirren Klingen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3973, "texte": "Surren Wummert\nBrummen Schnurren\nGurren Gnurren\nGurgeln grurgeln\nPstn Pstn\nHsstn Hsstn\nRurren Rurren\nRurren Rurren\nSammeln Sammeln\nSammeln Stammeln\nWorte Worte Worte\nWort\nDas Wort!\nWenn ich mich bei den Mängeln der Druck-\nwiedergabe und der Aufnahme doch zum\nAbdruck entschlossen habe, so drängen mich\ndazu äussere, zum Teil absonderliche\nGründe.\nMeine früheste Ahnung einer absoluten\nDichtung geht auf etwa zwanzig Jahre zu-\nrück. Seit dieser Zeit habe ich als Schau-\nspieler stets die Möglichkeit einer absoluten,\nvon der Dichtung unabhängigen Schauspiel-\nkunst behauptet und in vielen Schriften zu\nbeweisen gesucht. Ich habe mich jahre-\nlang damit begnügt, den absoluten schau-\nspielerischen oder rezitatorischen Vortrag,\nsogar in der Verbindung mit dem Wort,\nrein theoretisch festzustellen. Ich habe oft\nausgesprochen, dass dem schöpferischen\nSchauspieler die Wörter der Dichtung ein\nHindernis sein müssen, während sie für\nunsere unschöpferischen Schauspieler das\nHilfsmittel ihrer Klangbildung sind.\nDie besten von ihnen verlugen wohl über\neigene Melodien, aber nur auf der Grund-\nlage von Wörtern und Sätzen und nur,\nwenn diese eine Bedeutung haben.\nUnsere Schauspieler spielen eine Bedeutung.\nUnd man muss sie noch loben, wenn sie\nnicht die Bedeutung der Wörter, sondern\ndes Ganzen spielen. Ohne die Grundlage\ndieser Bedeutungen sind sie stumm, un-\nschöpferisch. Meine eigenen Bemühungen,\neine selbständige schöpferische Melodie vor-\nzutragen, musste in der nicht-expressionis-\ntischen Dichtung entweder ganz unterbleiben\noder zu einem Zwiespalt zwischen meiner\nrhythmisierten Melodie und den meist un-\nrhythmischen, bestenfalls metrischen Sätzen\njener früheren Dichtungen führen. Erst die\nexpressionistische Dichtung, das ist die be-\ngrifflich alogische, künstlerisch logische Ver-\nBindung der Wörter, ermöglichte durch\nihren Rhythmus eine sprechmelodische\nRhythmisierung, die zu einer Einheit führen\nkonnte. Aber selbst diese expressionistische\nDichtung (Stramm, Waiden, Schreyer,\nBehrens, Allwohn, Liebmann, Heynicke)\nsetzte meiner künstlerischen Freiheit die\nGrenzen der gegebenen Wörter, ihrer Kon-\nsonanten und Vokale. Es ist nicht nur die\ndeutsche Sprache, in der alle Wörter ihre\nursprüngliche Bildung und damit ihre\nUrkraft verloren haben. Und wie der Maler\nFarbformen nach Belieben, also unabhängig\nvon einer Bedeutung, zur Gestaltung zu-\nsammensetzt, der Komponist Töne rhyth-\nmisch nach vollkommener Freiheit anein-\nanderreiht, so stelle ich Konsonanten und\nVokalenach künstlerischen Gesetzen zu-\nsammen. Mein erster Versuch einer solchen\nGestaltung liegt schon viele Jahre zurück.\nIch veröffentliche jetzt eine Arbeit, die vor\neinem Jahr vollendet wurde, weil mich die\nZeit dazu drängt. Derartiges pflegt selten\nein Einziger zu unternehmen. Und wenn\nich auch nicht so ehrgeizig bin, durchaus\nder Erste sein zu wollen, so habe ich doch\nkeine Ursache, mir später einmal den Vor-\nwurf der Nachahmung machen zu lassen.\nMein Bedauern, die Dichtung vor der Auf-\nführung veröffentlichen zu müssen, wird\ndadurch verringert, dass nicht jeder Leser\ndie Aufführung erlebt hätte. Und bei den\nUnkünstlerischen würde sie mich vor An-\ngriffen doch nicht schützen. Sie werden\nwieder ihr übliches Gezeter erheben und\nkönnen nun ihre abgestandenen Witze über\nLallen und Stammeln endlich an den Mann\nbringen. Sie haben nur zu bedauern, dass\nsie dieses Mal von einem Missbrauch der\ndeutschen Sprache beim besten Willen nicht\nreden können. Ich muss sogar das\nSchlimmste befürchten, dass sie mich für\neinen Dadaisten halten. Ich will sie für\nheute in dem Irrtum lassen. Und da ich\nvon ihnen überhaupt nichts verlange,\nbrauchen sie sich auch nicht die Mühe zu\nnehmen, den organischen Bau meiner\nabsoluten Dichtung zu erforschen. Dem\nkünstlerischen Leser werden meine Ab-\nsichten so wenig entgehen wie die Wirkung.\nEr wird nicht nur die tieferen Zusammen-\nhänge aller Laute und Wortbildungen er-\nkennen, sondern auch aus den verwendeten\nGeräuschen und Lauten, den daraus gebil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 542, "texte": "deten Silben und Wortfolgen sich eine le-\nbendige Vorstellung bilden. Er wird sogar\nmanches von einer thematischen Entwick-\nlung und von einer Durcharbeitung der\nMotive gewahren.\nMeinen kommenden Nachahmern rate ich,\nes nicht zu leicht zu nehmen. Die blosse\nWillkür ergibt ein Nichts. Und einige\nschöne Laute und Bildungen schaffen keinen\nRhythmus und keine Gestaltung. Erst wenn\nAlles zu Allem in eine notwendige innere\nBeziehung gebracht ist, kann eine Endform\nentstehen, in der nichts unentbehrlich oder\nänderbar erscheint.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-07-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-07-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1921-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "126", "image_debut": 5, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.2.5", "titre_corps": "Ango laïna", "titre_sommaire": "Ango laïna", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.5", "debut_caractere": 544, "fin_caractere_exclue": 1829, "texte": "Ango laïna\n\nEine absolute Dichtung\nRudolf Blümner\nErste Stimme\nZweite Stimme\nOiai laela oia ssisialu\nEnsüdio tr£sa südio mischnumi\nIa lon stuäz\nBrorr schjatt\nOiäzo tsuigulu\nUa sesa masuö tülü\nUa sesa maschiatö torö\nOi sengu gädse andola\nOi ändo sengu\nSengu ändola\nOi sengu\nGädse\nIna\nLeiola\nKbaö\nSagör\nKadö\nKadö mai tiüsi\nSuijo angola\nSchu mai sitä ka lio sengu\nIa pendo äla\nPendu siolo\nTorö torö\nMengädse gädse se\nUlläi tiotülo\nZialu nia myö\nSesa sesa\nLu snegan lilulei\nTo kärta tor\nTo läsra sisafan\nTo balan fäsan edomir\nTo tresa tresa trösa mischnumi\nUiagö\nIa Ion schtazümatu\nIa Ion laschör\nLillte möe sagör\nLilite moe\nKja ha hü hia-i\nNiölo zägan elra-\nHiotoro\nEo tänja tänja\nMoläi hysialo\nEo zisu fijo 6mba ü teviolo\nUa ssivo uä\nLaina uä\nToliatör sagün\nIa kärta tor\nIa läsra sisafan\nIa bälan fäsan edomir\nIa tresa tresa tresa-\nUija sagör\nTailä tailä\nSchi oblaimono\nGbomoloe oe oe oe\nAngo laina bobandö jo-ö\nAngo laina sjujulö jo-6\nAngo laina dschastjadschast jo-ö\nTailä tailä\nSia 6nyo enya\nLu lialo lu leiula\nLu leja 16ja lioleiulu\nAngo laina kbämyo\nAngo laina nyome\nAngo laina edue\nAngo laina ängola\nLaina na\nLaina la\nLaö\nLaö aliösa ssirio sengu loe\nAi tschirio tr6va tschirio nyome\nAliösa lüija bobandö jo-ö\nAliösa lüija sjujulö jo-ö\nAliösa lüija dschastjadschäst jo-ö\nTailä tailä"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1486, "texte": "Sia enyo enya\nAliösa lüija kbämyo\nAliosa lüija nfome\nAliösa lüija edue\nAliösa ala\nLiösa la\nLaö.\nLaö tülü\nJ schenschun mischnumi\nAi zügim ai tard ai brui huö\nMasuö tsagarätsa tsuigulu\nMoijame sagün ia lon schtazümato\nIa lon laschör\nAi tülü s6ngu moija mischnumi\nOiäzo oiazo\nr|i •• « 1 ••\nlulu tulu\nStuäz brorr schjatt\nTülü tülü\nOäli nydo\nZialu nia myö\nLu lialo lu leiula\nLu leja leja lioleiulu\nArriatör\nSaijü hialöt\nUi soä soä rre uija hiyijimini\nIa hijaijimini\nOiai la6la oia sisialu\nChualä uade ui sesa s£sala\nUialö uiagä uirrä\nFranfrä riarä cadö.\nCadö cadö ia lon cadö\nssussija schlüjim\nMojam6 tiuti\nAliösa ala\nAla moi tiuti\nTiuti tiuti taila tiuti tiuti\nMui abba hialo mui äbba sengu\nAbba mengadse abba mischnumi\nEnsüdio valo embamyolo\nTualo myo\nTuälo sendo\nTuälo füjo\nTualo schijo haira ziu isa muöl\nSchu mai sitä ka lio sengu\nUäse\nTo kärta tor\nAhüija 106\nTo läsra sisafan\nAhüija loe\nTo bälan fäsan edomir\nAhüija loe\nTo tr6sa tresa mischnumi\nLasio tötoro\nHüija moe\nAngolaina kbämyo\nSchualö suad6 kbao\nKbaö angolaina ter kbao\nLu lialo lu leiula lu leja leja le-\nSchotta tarö _\nSuijo ängola\nSsigim ssissegim\nSsöra schaöra tor\nSadaim ochroöz\nKronkröst\nHolratüst\nAi äjulo\nArrüro ärruo ruö uo oüo\nJa hyija lyö\nHya eja luä\nI külja ssam\nUi äla siö—\nNiölo zagan elratüst schubalö\nNiölo zägan elratüst kronkröst\nNiölo zägan—\nAliäzo hijan hialot\nHiayio toliatör schaö\nSchaö aliösa ssisio sengu loe\nMui äbba s6ngu abba nyome\nt\nAliösa luijo nyo moe\nLuijo välo chualä\nEnsüdio valo\nSüdio toliatör"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 659, "texte": "Hiayio toliatör schaö\nSchaö aliäzo hijim hialot\nMojame soiagü o-ia esa- mejamyni-\nUäo-uaö-uö-oüo\nHia ssisiala\nÖrre schiilja rro\nLu lialo leiula leja-\nLasio tötoro\nMosiätan ejo\nMaschiato löo\nMoliäno üo\nTiadan o\nLusia fu\nE e e\nStyan\nHyat\nElja\nRüof\nMa\nMya\nSchlöa\nHüa hüalo\nHuäo-huaö-huo-hu-huoö-o\nSchu mai sita ka lio sengu\nI eja\nAlo\nMyu\nSsirio\nSsa\nSehuä\nÄra\nNiija\nStuaz\nBrorr\nSchjatt\nUi ai laela — oia ssisialu\nTo tr&sa tresa tresa mischnumi\nIa lon schtazümato\nAngolaina la\nLu lialo lu leiula\nLu leja leja lioleiolu\nA tüalo myo\nMyo tüalo\nMy ango ina\nAngo gädse la\nSchia sengu ina\nSengu ina la\nMy ango sengu\nS6ngu ängola\nMengadse\nSengu\nIna\nLeiola\nKbaö\nSagör\nKadö"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-07-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-07-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1921-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "125", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.2.6", "titre_corps": "Marc Chagall: Zeichnung", "titre_sommaire": "Marc Chagall: Zeichnung", "signature_source": "Marc Chagall", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, 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Man merkt gleich die gute\nTradition. Der Schrank ist wohl schon sehr\nalt\nVon Grossmutter\nKöstlich. Dieser Duft der guten alten Zeit.\nIch sehe die ehrwürdige Dame förmlich\nvor mir. Mit ihrer weissen Spitzenhaube.\nIch habe Grossmutter nicht gekannt.\nIch kenne das aus Bildern.\nWillst Du nicht Platz nehmen Ernst\nDieses Bild ist sehr interessant. Stellt es\ndie Frau Grossmutter dar\nMeine Tante\nDie Familienähnlichkeit ist unverkennbar.\nSo werden Sie auch einmal aussehen, Fräu-\nlein Anna. Es muss eine sehr vornehme\nFrau sein, Ihre Frau Tante\nSie kann uns Kinder nicht leiden\nUnd dieses Silber. Das ist sicher uralter\nFamilienbesitz\nIch hasse es. Jeden Tag musste ich es als\nKind blank putzen\nEdles Gut will gepflegt werden\nDu bist so merkwürdig, Ernst\nWenn meine gute Mutter das erlebt hätte.\nEs war ihr einziger Wunsch, dass ich ein-\nmal in eine vornehme Familie hineinheirate"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3572, "texte": "Ich hätte Deine Mutter sehr geliebt, Ernst\nEs war eine einfache Frau, aber von unbe-\nschreiblicher Herzensgüte\nHast Du mich ein wenig lieb Ernst\nIhre Eltern werden doch nichts gegen mich\neinzuwenden haben\nEntschuldigen Sie, dass wir Sie etwas haben\nwarten lassen müssen.\nGnädige Frau. Herr Baron. Es ist mir ein\ngrosses Vergnügen.\nWillst Du uns allein lassen, meine Tochter\nBitte setzen Sie sich doch, Herr Doktor\nIn dieser feierlichsten Stunde meines Lebens\nWollen Sie ein Glas Wein trinken\nGnädige Frau, Herr Baron. Ihr Fräulein\nTochter hat Sie zweifellos über den Zweck\nmeines Kommens unterrichtet. Wenn Sie\nmir die Ehre erweisen wollen, mich in den\nSchoss Ihrer Familie aufzunehmen, so wer-\nde ich bemüht sein, Ihr Fräulein Tochter\nwie eine zarte Blume zu hüten und zu pfle-\ngen und sie so glücklich zu machen, wie\nes in meinen schwachen Kräften steht. Ich\nwerde trachten, unser Leben nach dem\nBeispiel des hochverehrten Elternpaares\neinzurichten.\nEs fällt uns schwer, Herr Doktor, unser\nKind aus dem Hause zu geben. Aber Gott\nhat es so eingerichtet, dass die Kinder dem\nfremden Mann folgen. Werden Sie glück-\nlich, wie wir es in unserer Ehe geworden\nsind.\nGnädige Frau. Herr Baron. Ihre Wahl\nsoll auf keinen Unwürdigen gefallen sein.\nIch will Anna vorbereiten. Das Weitere\nwird mein Mann mit Ihnen besprechen.\nDarauf wollen wir zunächst mal ein Glas\nWein trinken, Herr Doktor,\nHerr Baron, ich trinke eigentlich grund-\nsätzlich keinen Wein.\nSie werden doch ein Glas Wein in diesem\nfeierlichen Moment nicht verschmähen.\nAls Arzt sind mir die bösen Folgen des\nAlkohols leider nur zu bekannt.\nDa habe ich die grössere Erfahrung junger\nFreund. Die Weiber haben mir den Rock\nso schlecht genäht. Es ist ein Skandal.\nDie Handwerker sind stets unzuverlässig.\nAlso Prost. Ich darf Ihnen bei dieser Ge-\nlegenheit doch gleich das trauliche Du an-\nbieten.\nHerr Baron, diese Ehre\nImmer gemütlich. Also höre mal, wie\nheisst Du eigentlich mit Vornamen.\nErnst, Herr Baron, Ernst.\nAlso höre mal, Ernst, Ihr müsst Euch nun\nso durchhelfen. Geld können wir der Anna\nnicht mitgeben. Kinder kosten viel. Ich\nsage das gleich ohne Umschweife. Geld ist\nnicht das wahre Glück.\nIch werde arbeiten, Herr Baron.\nDiese Geldheiraten finde ich vom mora-\nlischen Standpunkt aus widerlich.\nIch teile Ihre Ansicht, Herr Baron.\nWie ist es denn, kannst Du denn eine Frau\nernähren\nWir werden uns zunächst etwas einschrän-\nken müssen, Herr Baron. Die Liebe ist\nblind.\nIch habe sehr gute Beziehungen, wie Du\nDir denken kannst. Meine Leute müssen\nsich alle bei Dir operieren lassen. Gott sei\nDank gibt es keine Krankheiten in unserer\nFamilie.\nDas ist das gute, alte deutsche Blut.\nUnd wenn Du mal Professor werden willst,\nmein Vetter sitzt an der Quelle.\nIch fasse meinen Beruf durchaus ernst auf,\nHerr Baron. Ich kämpfe für die leidende\nMenschheit.\nTrink doch aus. Siehst Du, es geht ganz\ngut. Eine feine Marke.\nIch verstehe mich nicht auf Wein, aber er\nist hervorragend.\nUnd die Weiber weinen sich aus.\nSie haben einen gesunden Humor, Herr\nBaron.\nFrau. Anna. Wo bleibt Ihr denn. Es ist\nalles in Ordnung.\nHier, Herr Doktor, nehmen Sie mein liebes\nKind. Und werdet glücklich.\nFräulein Anna.\nNun gebt Euch doch einen richtigen Kuss.\nWenn Sie gestatten gnädige Frau. Herr\nBaron.\nEndlich.\nUnd nun wollen wir die jungen Liebesleute\nallein lassen. Komm Frauchen.\nKüsse mich Ernst.\nSpäter.\nDu liebst mich sicher nicht mehr, weil Du\nnun alles weisst.\nDie körperliche Berührung soll nur im\nhöchsten Taumel geschehen.\nDu bist sehr hart.\nLiebes Kind, man muss sich einschränken\nkönnen. In jeder Hinsicht. Ich habe stets"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3511, "texte": "nach einem Plan gelebt und Du siehst\nselbst, wie weit ich es gebracht habe.\nIch sehne mich aus der Enge fort.\nIn der Enge liegt das Glück geborgen. Wie\nsoll man sich in der Weite zurecht finden.\nDu bist sehr klug, Ernst. Aber manchmal\nverzweifle ich an der Klugheit.\nDas ist eben die Klugheit, nicht zu ver-\nzweifeln.\nWenn ich doch einmal so recht kindisch\nsein könnte.\nIch schätze es an Dir, dass Du so sehr\nvernünftig bist. Mit der Logik hapert es\nja noch manchmal. Doch bedenke ich wohl,\ndass Du eine Frau bist\nDu musst mich viel küssen, Ernst\nDas werden wir uns für die Feierstunden\ndes Lebens aufsparen. Es gibt keinen Ge-\nnuss ohne Oekonomie.\nIch werde sehr sparsam sein, Ernst. Ich\nallein habe es von Mutter gelernt. Aber mit\nder Liebe darfst Du nicht sparen.\nSieh mal, liebes Kind, ich als Arzt kenne\ndie sogenannte Liebe ganz genau. Schliess-\nlich ist sie doch nur ein simpler physio-\nlogischer Vorgang. Es wird ihm nur all-\ngemein eine zu grosse Bedeutung beige-\nmessen.\nHätte ich doch viel, viel Geld\nIch bin mir nicht bewusst, Dir einen Vor-\nwurf gemacht zu haben\nMasslos würde ich verschwenden. Du\nbrauchtest nichts zu arbeiten, könntest ganz\nder Wissenschaft leben und der Kunst\nArbeit ist des Bürgers Zierde, hat der grosse\nDichter gesagt, und das ist Wahrheit. Wir\nwollen frei und offen der Wahrheit ins Ge-\nsicht schauen, mein Lieb\nEs wäre entsetzlich, wenn Friedel doch\nrecht hätte\nWer ist das\nDie verlorene Tochter\nAuch in den vornehmsten Familien kommen\nsolche Unglücksfälle vor. Aber die Familie\nist heilig. Ich schätze Deine Frau Mutter\nund Deinen Herrn Vater bereits so, dass\nich unbedingt auf ihrer Seite stehe.\nSo darfst Du nicht über Friedel reden\nDas Wort dürfte wohl doch nicht richtig\ngewählt sein. Warum weinst Du\nIch fürchte mich vor dem Leben. Plötzlich\nHysterie. Beruhige Dich, Kind. Ich werde\nDir als Arzt helfen, sie zu bekämpfen\nNun habt Ihr Euch ordentlich abgeküsst\nHerr Baron\nAnna in Tränen. Dazu hast Du doch in\nder Ehe Zeit genug\nBist Du glücklich mein Kind\nMutter\nWohin. Wohin\nEin kleiner hysterischer Anfall, hochver-\nehrte gnädige Frau. Es ist in diesem Fall\nam besten, den Patienten ganz sich selbst\nzu überlassen.\nAnna ist sonst so vernünftig\nIch bin ja kein Arzt, aber wenn ich an\nDeiner Stelle und in Deinem Alter gewesen\nwär, ich hätte meine Braut lieber ordentlich\nabgeküsst\nSie nehmen es ihr nicht übel, Herr Doktor.\nEs stürmt alles so auf sie ein. So etwas\nkönnen nur Frauen verstehen.\nHochverehrte gnädige Frau, ich werde Ihr\nFräulein Tochter glücklich machen. Das\nist eines meiner Lebensziele. Aber die\nWissenschaft hat mich durchaus zum Me-\nthodiker gemacht\nWir dürfen Sie doch heute zum Abend-\nessen erwarten. Nur im engsten Kreise.\nDie nächsten Verwandten\nIch bin glücklich, Ihre hochverehrte Familie\nkennen zu lernen. Aber Sie dürfen sich\nmeinetwegen keine Umstände machen. Ich\ndarf mich wohl von Anna verabschieden.\nGehen Sie in ihr Zimmer. Hier den Gang\ngeradeaus. Liebesleute müssen alles allein\nunter sich abmachen.\nGuten Tag, meine Damen\nIch stelle mich Ihnen als glücklicher Bräu-\ntigam und zukünftiger Schwager vor\nBesten Glückwunsch\nViele Glückwünsche\nMeine Anwesenheit hat Sie doch hoffentlich\nnicht vertrieben\nSie überschätzen sich\nSeien Sie nicht hart zu mir, Fräulein Erna.\nIch werde mich Ihnen beiden stets als\nBruder zeigen\nWir haben uns Ihretwegen schon anschreien\nlassen\nIch bin mir nicht bewusst, Ihnen irgend\nwie zu nahe getreten zu sein\nWir wüssten auch nicht, wie Sie das machen\nsollten\nSie werden mich jetzt bald näher kennen\nlernen"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3434, "texte": "Zunächst wird doch Anna das Vergnügen\nhaben\nWir kennen uns ganz genau. Wir haben\nuns bereits fürs ganze Leben ausgesprochen\nSie sollten sich einen Hund anschaffen\nIch habe kein Interesse für Tiere\nAber Sie sollten sich doch einen Hund an-\nschaffen. Wir müssen hinauf. Gesegnete\nMahlzeit\nAuf Wiedersehen heute Abend\nDeine Lippen sind blass\nIch friere\nBist Du eine Tänzerin auf der Strasse\nMeine Füsse taumeln im Schlag eines Herzens\nMein Herz steht still im Staunen\nMein Auge staunt im Ton Deiner Stimme\nMeine Stimme hört den Flug Deiner Füsse\nGehemmt meine Schritte. Nun bin ich eine\nTagwandlerin auf der Strasse. Dumpf die\nNacht. Qual des Schlafes. Traum tötet\nWachen. Wo kann ich mich verstecken\nAufgerissen harrt meine Herzkammer. Auf-\ngetan ein Blutbett\nMeine Füsse sind wund\nDeine Füsse tragen die Strasse\nDie Erde brennt\nKühle die Füsse in meinem Blut ehe es\nversiegt\nFärben es meine Tränen heller. Blut fliesst\nüber mich. Mein Auge ist der Quell des\nMeeres\nMeine Erde versinkt im Rauschen unge-\nweinter Tränen\nErde versinkt\n0 Du meine Tagwandlerin auf der Strasse\nErde versinkt und ich zerfliesse. Wo halte\nich mich, wie halte ich mich\nVersinkt meine Erde, ströme Du durch\nmich, färbt mein Blut Deine Tränen röter,\n0 Du wesenloses Wesen meiner Erdliebe,\nstockt mein Herz vor verhaltenem Schrei,\nschwinde mein Leben, dass ich einmal im\nSchwinden es fühle.\nGönn mir den Laut des verhaltenen Schreis,\ngönn mir den Klang ungeweinter Tränen,\ngönn mir den Sprung ins Erdlose. Denn\nich bin eine Tänzerin auf der Strasse. Die\nStrasse lacht. Meine Füsse lächeln. Hüpfen\nüber einen, der mich liebt. 0, dass ich\nnicht versinken kann, da ich versunken\nversinke\nKomm in mein Herz\nHalte mich, ich kann mich nicht halten\nFriedel\nWas wollen Sie noch von mir\nIch musste Dich wiederfinden. Ueberall\nhabe ich gesucht. Nun finde ich Dich auf\nder Strasse\nLassen Sie mich doch auf der Strasse gehen.\nGönnen Sie mir die Strasse, die allen gehört\nIch habe mich sehr um Dich gesorgt\nSorglos bin ich von Euch allen gegangen\nSie können doch nicht auf der Strasse\nleben. Ich werde Dir eine Wohnung mieten,\nDu sollst Dich um nichts sorgen dürfen.\nIch wohne still in einem Herzen\nWovon lebst Du\nVon Blut und Tränen\nDu wirst immer seltsamer. Glaub mir, ich\nverstehe Dich. Aber Geld regiert die Welt.\nGeld gilt nicht in meiner Welt\nDas sind Uebertreibungen\nTreibe ich über alle Ufer, wollen Sie mich\nmit Geld halten\nIch werde Dir jede Freiheit gönnen, nur\nmusst Du mich für Dich sorgen lassen\nSorglos bin ich\nSorgloser ist es für Dich, ich finde Dich,\nals dass Deine Familie Dich sucht\nNiemand vermisst mich\nDeine Schwester hat sich verlobt\nIch kann keine Kinder haben. Ich will\nnicht mehr sorgen\nIch trage Dein blaues Band um meinen Arm\nSehen Sie sich doch vor, die Strasse ist\nnicht zum Plaudern\nUm Himmels Willen, was ist Dir geschehen.\nKannst Du aufstehen.\nSchreiben Sie sich meinen Namen auf,\nKutscher. Sie haben keine Schuld. Das\njunge Mädchen braucht doch nicht auf dem\nDamm sorglos zu tändeln\nSie wird mit dem Schreck davon gekommen\nsein. Können Sie nicht aufstehen\nStütz Dich auf mich. Kannst Du nicht auf-\nstehen\nWo wohnen Sie denn. Ich will Sie gern\nhinfahren\nGeben Sie mir den Arm. Es ist gleich gut.\nEs muss gehen. Ich muss gehen. Was\nstarren die Leute.\nDu kannst ja nicht stehen. Kutscher. Ich\nhebe Dich in den Wagen. Wo wohnst Du\nEine Tänzerin bin ich auf der Strasse.\nFahren Sie in das nächste Hotel.\nEine Verwandte von mir ist auf der Strasse"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3126, "texte": "angefahren worden. Sie klagt über Schmer-\nzen in den Füssen.\nIch übe zwar seit einem Jahrzehnt keine\nPraxis mehr aus, aber ich bin natürlich\nbereit\nVerzeihen Sie, ich schickte den Burschen\nnach dem nächsten Arzt\nEr hat wohl mein Schild einmal gesehen.\nIn dieser entlegenen Strasse am Ende der\nStadt wohnt natürlich kein Arzt. Wo liegt\ndie Dame\nBitte\nIch warte hier auf Sie\nNun mein Fräulein, es wird schon nicht\nso schlimm sein. Ich bin der Arzt. Wo\nhaben Sie denn Schmerzen. Nehmen Sie\ndoch bitte einmal die Decke von dem Kopf\nDie Stimme tönt in meinem Blute\nDu. Mein Paradiesvogel. Was ist hier ge-\nschehen.\nEine Tänzerin bin ich auf der Strasse.\nMeine Füsse sind gebrochen\nUnmöglich. Lass mich die Decke abnehmen\nWarum hat man Dich gerufen. Du darfst\nmich nicht in Schmerzen sehen\nLass mich die Schmerzen nehmen. Bitte.\nDu sollst mich nicht berühren\nUnd willst Du nicht wieder wandern können,\nmeine süsse Tänzerin auf der Strasse. So.\nGanz sanft ziehe ich die Decke fort. Nun\nmuss ich Dir Schuh und Strümpfe aus-\nziehen\nWenn es sein muss, will ich es selbst tun.\nDu darfst Dich nicht bewegen\nDie Schuh sind schmutzig. Deine weissen\nFinger\nUnsinn. So.\nDie Strümpfe haben sicher Löcher\nNun bekomme ich wirklich die Strümpfe\nnicht ab. Ich habe so lange keine Frau\nEs ist schon wieder gut. Ich habe keine\nSchmerzen mehr.\nIch reisse sie einfach ab. So.\nDu darfst mich nicht berühren\nIch tue nicht weh. Kann Dir nicht weh\ntun. Die schönen, schönen Füsse. Hände\nsind es.\nDornen sind in ihnen\nWarum bist Du nicht in mir geblieben\nDornen blühen unter Deinen Händen\nEs wird alles wieder gut werden. Nun\nmusst Du viele Wochen liegen. Wo willst\nDu liegen. In meinem Gartenzimmer beugt\nder Baum sich Deinen Füssen\nJetzt will ich aufstehen\nIch lasse einen Wagen holen\nEr wird mich überfahren\nIch werde Dich in den Wagen tragen\nDie Dornen stechen. Leg Deine Hand auf\nmeine Füsse\nIch lege meinen Mund auf Deine Füsse\nWie sie stechen, die Dornen\nGleich bin ich wieder hier\nMeine Füsse sind sicher schmutzig\nGleich trage ich Dich zu mir\nIch habe Durst. Er soll aber nicht hinein-«\nkommen\nIch hole Dir alles, Wasser und Erde und\nHimmel\nIst es schlimm Herr Doktor\nKnöchelbruch\nEs ist doch heilbar\nWie sind Sie mit der Dame verwandt\nSie ist meine Freundin\nWo wohnen die Eltern\nSie ist von ihnen fortgegangen\n#\nIch werde alles nötige besorgen und die\nDame vorläufig in meine Wohnung nehmen.\nWollen Sie mir bitte die Personalien auf-\nschreiben.\nWas wollen die Leichenträger von mir\nEs sind Krankenwärter mein liebes Fräulein,\ndie Sie zu mir bringen wollen\nSie haben eine Totenbahre\nSie dürfen sich nicht bewegen. Glauben\nSie, dass ich Ihnen Böses tun werde\nDie Leute blicken so böse, weil Sie mich\ntragen müssen.\nIch lege Sie selbst auf die Bahre.\nWerden Sie manchmal an mein Grab\nkommen\nSie träumen, bald sind Sie wieder gesund.\nSie sind wohl nie krank gewesen\nIch bin nicht tot.\nIch trage Sie ganz vorsichtig, dass die bö-\nsen Dornen nicht stechen\nSie dürfen meine Hand nicht loslassen\nIch bleibe bei Ihnen, bis Sie ganz gesund\nsind\nIch muss doch viele Wochen liegen\nVielleicht geht es schneller als ich denke\nIch möchte viele viele Wochen ruhn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-07-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-07-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1921-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.2.7.1", "titre_corps": "Grosse und kleine Figur / Tondruck", "titre_sommaire": "Grosse und kleine Figur / Tondruck", "signature_source": "Willi Baumeister", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 52, "texte": "Willi Baumeister: Grosse und kleine Figur / Tondruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-07-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-07-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1921-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "134", "image_debut": 14, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.2.8", "titre_corps": "Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus : Briefe gegen Paul Westheim Zehnter Brief", "titre_sommaire": "Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus : Briefe gegen Paul Westheim Zehnter Brief", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4253, "texte": "Zur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\nZehnter Brief\nNicht der äussere Umstand, dass ich zum\nzehnten Mal gegen Sie schreibe, sondern\nein rhythmisches Bedürfnis drängt mich,\nselbst einmal Atem zu holen und zurück-\nzuschauen. Und während ich mich be-\ntrachte, finde ich schon bestätigt, was ich\nin meinem ersten Brief als Motto setzte:\n„Wer mit Schmutz kämpft, wird ihn,\nSieger oder Besiegter, besudelt verlassen.\"\nAber ich weiss nicht, wie ich es bei einem\nsolchen Kampf vermeiden soll, von Dreck-\nspritzern getroffen zu werden. Sowohl „Ihr\"\nFall Marc wie „Ihr\" Fall Campendonk haben\nbewiesen, wie notwendig es war, bei dem\nWegräumen die Schmutzhaufen so umständ-\nlich wie gründlich anzupacken. Aber eben\nmeine Gründlichkeit mag es auch verursacht\nhaben, dass die Leser das Ganze teilweise\naus dem Gesicht verloren und sich nicht\ngenügend einprägten, um was es noch immer\ngeht. Sie erinnern sich, dass ich mir eine\nZeitlang einbildete, mit einigen satirischen\nBemerkungen Ihnen das Handwerk legen\nzu können. Ich hatte Sie schlecht gekannt.\nDenn dann kam Ihre Leichenfledderer-\nPostkarte. Und erst, als Sie sich weigerten,\nIhre Pflicht zu tun und an der Stelle, wo\nSie Ihre Verdächtigungen hingefetzt hatten,\nIhre abscheuliche Verleumdung zu bekennen,\nda erkannte ich Sie ganz. Da wusste ich,\ndass die Abrechnung mit einem Jahrzehnt\ndeutscher Kunstkritik nur den Titel Ihres\nNamens tragen könne. Ich schlug zunächt\nda zu, wo ich Lust hatte, ohne mich um\nIhr Geschrei zu kümmern, ich hätte einige\nHaufen schmutziger Verdächtigungen darum\nanerkannt, weil ich nicht Hände genug\nhatte, sie gleichzeitig mit den andern weg-\nzuräumen. Heute, da wir die Fälle Marc\nund Campendonk hinter uns haben und\nmeine Schläge Sie und zu meinem wahr-\nhaften Bedauern auch Campendonk so\nschwer getroffen haben, dass Sie wenigstens\nüber diese Fälle nur noch wimmern,\nheute kann ich es mir zumuten, einmal den\nmühsamen Weg von vorn zu gehen. Sie\nwerden es dabei ertragen müssen, manches\nzum zweiten Mal zu vernehmen. Und da\nich entschlossen bin, es Ihnen ein drittes\nund viertes Mal und noch öfter zu sagen,\nso mögen Sie nur auch diesen Brief sorg-\nfältig lesen. Sie werden mir zutrauen, dass\nich einiges hinzufüge, auf das Sie nicht ge-\nfasst waren.\nAls Herwarth Waiden vor zehn Jahren den\nführenden Künstlern der neuen Malerei, da\nsie sich fast überall abgewiesen sahen, eine\nGelegenheit gab, ihre Werke zu zeigen, ge-\nhörten Sie zu den Kritikern, die sich über\ndie neue Kunst so äusserten, wie Kritiker\nzu allen Zeiten über Neues und Grosses\ngeurteilt haben und in Ewigkeit urteilen\nWerden. Sie lehnten diese Kunst ab. Und\nSie taten das in einem Stil und mit Aus-\ndrücken, die sich von denen anderer Kunst-\nkritiker an Roheit und Unfähigkeit des Ur-\nteils durch nichts unterschieden. Aber da\nSie mit Beharrlichkeit den Miss verstehen den\nspielen, muss ich Ihnen heute recht aus-\ndrücklich und zweifelsfrei eine Konzession\nmachen. Ich will Ihnen sagen, dass Sie in\nder Roheit der gewählten Schimpfworte,\nin der vollkommenen Beschränktheit des\nUrteils damals von Einigen oder Vielen\nübertreffen wurden. Diesem merkwürdigen\nZugeständnis muss ich aber gleich etwas\nviel Merkwürdigeres hinterdreinschicken.\nWas ich Ihnen eben sagte, ist vermutlich\neine Unwahrheit, deren wegen ich alle\nMenschen um Verzeihung bitte. Es ist sogar\nganz gewiss eine Unwahrheit. Ich bringe\nder Sache dieses Opfer. Diese Unwahrheit\nmache ich zur Wahrheit. Ich befehle, dass\nes wahr sei. Ich will fest daran glauben,\ndass es damals Schriftsteller gegeben hat,\ndie es im Beschimpfen der neuen Kunst,\nder Künstler, des Sturm und Herwarth\nWaldens schlimmer getrieben haben als Sie.\nUnd darum haben Sie ein Recht, zu fragen,\nwarum man Ihnen Ihre damaligen Urteile\nschwerer vorwirft als Anderen. Aber wirft\nman Sie Ihnen überhaupt vor? Sie wussten\ndamals Triftiges gegen die neue Kunst so\nwenig einzuwenden wie die Andern. Denn\nda Sie die neuen Kunstwerke nicht nur\nfür die Arbeiten unfähiger oder schwach-\nbegabter Maler hielten, sondern für die Pro-\ndukte von Clowns, Akrobaten, Schwindlern\nund Bluffern, so glaubten Sie zu einer Be-\n• •\ngründung Ihrer Äusserungen keine Ursache\nzu haben. Auch Sie dachten, dass der neu-\nmodische Schwindel in der kürzesten Zeit"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4402, "texte": "vorübergehen werde. Nachdem Sie aber\nlange geglaubt und gehofft hatten, fingen\nSie an zu bemerken, dass in der europäischen\nMalerei eine vollkommene Kunstwende ein-\ngetreten war. Ob diese Beobachtung Sie\nveranlasst hat, ein Kunstblatt herauszugeben,\ndas sich besonders der neuen Kunst an-\nnehmen sollte, ob Herr Kiepenheuer vor\nIhnen auf diesen Gedanken kam, das weiss\nich nicht. Was aber Herrn Kiepenheuer\nveranlasst hat, für seinen Zier- und Gemüse-\ngarten einen Bock anzustellen, das weiss\nauch der allwissende Gott nicht. Oder\nwollen Sie mir sagen, woher es der All-\nwissende wissen konnte, dass sich der Bock\nin einen Gärtner verwandeln werde? In\neinen schlechten Gärtner zwar, der Rosen\nvom gemeinen Unkraut nicht unterscheiden\nkann und den Mist mit Früchten verwechselt.\nAber mag es nun zugegangen sein, wie\nimmer, Sie trauten sich die Fähigkeit zu,\nfortan für dieselbe Kunst einzutreten, gegen\ndie Sie vorher mit den abscheulichsten\nAusdrücken geschrieben hatten. Ich habe\nin einem meiner früheren Briefe Ihnen be-\ngreiflich zu machen versucht, warum ein\nSchriftsteller verpflichtet ist, es öffentlich\nzu bekennen und zu begründen, wenn er\nsich zu einem Wechsel seiner ebenso öffent-\nlich geäusserten Ansichten getrieben sieht.\nDieses Bekenntnis und die Begründung sind\ndie Ehre des Schriftstellers und ganz be-\nsonders des Kritikers. Sie haben den\nWechsel Ihres Urteils nicht bekannt und\nnicht begründet und damit bewiesen, dass\nSie keine künstlerischen Gründe\nhatten, für die neue Kunst einzutreten, wie\nSie früher auch keine Gründe, sondern nur\nSpott gegen sie vorzubringen wussten.\nSie zogen es vor, den Anschein zu erwecken,\nals wären Sie seit Beginn der neuen Kunst-\nbewegung ihr anerkennender Kritiker, ihr\nwarmer Freund und Förderer gewesen.\nSie Hessen es auch ruhig geschehen, dass\neinige Einfaltspinsel Sie für alles das hielten.\nDiese Lächerlichkeit konnte man sich grade\nnoch gefallen lassen. Es lag in dem ganzen\nVorgang etwas Natürliches. Die gesamte\ndeutsche Presse und insbesondere die Kunst-\nkritik war seit Jahren darin einig, dass alle\nKunstwerke, die Der Sturm ausstellte, alle\nDichtungen, die Der Sturm veröffentlichte,\nzwar nicht getadelt, aber verrissen\nwerden müssen. Nicht wahr, Herr West-\nheim, darin wart Ihr alle einig, und es\nhatte nicht einmal einer Vereinbarung be-\ndurft. Man war aus Instinkt einig, aus\nInstinkt gegen das Neue und Grosse. Aber\ndas Neue hörte eines Tages auf, so ganz\nneu zu sein, und da es gross und gewallig\nwar, so errang es den Sieg über die\nMenschen. Diesem Sieg mussten sich\nschliesslich auch die Kunstrichter beugen.\nUnd was geschah nun? Gingen die alten\nSünder hin und bekannten, dass sie sich\nin Herwarth Waiden, dem Sturm, seiner\nKunst und seinen Künstlern fürchterlich\ngeirrt hatten? Nein, mein Herr, das taten\nsie nicht. Sie hattens auch sozusagen nicht\nmehr nötig. Es gab so viele Ausstellungen,\nin denen dieses und jenes Stück von der\nneuen Kunst zu sehen war, so viele Kunst-\nhandlungen, in denen Werke des Sturm\nwie aus dem Schlamm auftauchten, dass\nman sich zur neuen Kunst bekehren oder\nwenigstens bekennen konnte, ohne über\nHerwarth Waiden und den Sturm ein\nlobendes oder bereuendes Wort zu sagen.\nUnd dann gab es auch ein Kunstblatt. Und\nweil es nicht im Verlag des Sturm erschien,\nweil nicht Herwarth Waiden derjenige war,\nder all das verrückte Zeug abbildete, so\nkonnte man diese nickelnagelneue Kunst,\ndie da Herr Westheim mit feinem Spürsinn\nentdeckt hatte, endlich mit Gottes Hilfe\nloben. Wie ich Ihnen sagte, es war ein\nhöchst natürlicher unnatürlicher Vorgang.\nVielleicht dachten jene Narren, die Sie für\nden Erfinder der neuen Kunst ausgaben,\nes müssten doch wohl grosse Kunstwerke\nsein, wenn ihr grimmigster Feind sich zu\nihnen bekehrt habe. Vielleicht dachten sie\nauch gar nichts. Vielleicht wollten nur die\nKrähen einer andern Krähe die Augen nicht\naushacken. Es war so natürlich, dass man\nüber Sie sowohl wie über die Einfaltspinsel,\ndie Sie für den Entdecker des Kubismus\nhielten, lächeln konnte. Und es war keine\nDreistigkeit, sondern etwas weniger, keine\nDummheit, sondern Ihr Verhängnis, dass\nSie rim Jahre 1918 im Dezemberheft des\nKunstblatts dieses schrieben:\n.Das Erscheinen eines Buches Kunstwende\n(im Verlag Der Sturm) gibt Adolf Beline\nAnlass, sich in den Sozialistischen Monats-\nheften auseinanderzusetzen mit den kleinen\nAblegern der Marc, Chagall, Archipenko,\nKandinsky, Klee, Feininger, dem, was man"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3642, "texte": "jetzt unter dem Schlagwort „Sturmkunst\"\nder Öffentlichkeit aufzupropagieren ver-\nsucht.\"\nSie haben sich später so gestellt, als wären\nSie, da Sie still für sich Ihre Förderung der\nneuen Kunst betrieben, von Herwarth\nWaiden „angerempelt\" worden, womit Sie\nausdrücken wollten, Herwarth Waiden\nhabe grundlos Händel mit Ihnen angefangen.\nNun sehen Sie, und andere sehen es auch,\ndass Sie derjenige waren, der heraus-\nforderte. Herr Behne hatte so etwas wie\neine Art von kleinem Recht, den Sturm\neinmal „anzurempeln\". Er war bis dahin\nso etwas wie ein Commilitone gewesen.\nEr hatte von Anfang an als einer der\nWenigen mitgestritten und ausge-\nhalten, solange er noch jung war und Lust\nhatte. Damals aber hatte ihn der Krieg\nund ein erniedrigender militärischer Sub-\nalterndienst zu einem grämlichen, ver-\ndrossenen Mann gemacht. Darum will ich\nes nicht versuchen, ihn zu belehren, wie\nsehr er sich kritisch täuschte, als er\nglaubte, einige jüngere Künstler zu noch\nhöherem Ruhm einiger allgemein Aner-\nkannter herabsetzen zu müssen. Das haben\ndie Verdrossenen zu allen Zeiten getan.\nEr hat sich später einmal darüber lustig\ngemacht, dass Der Sturm einige Zeichnungen\ndes begabten Karlsruher Malers Oskar\nFischer zeigte. Aber er hat später Gründe\ngefunden, sich für Oskar Fischer so sehr\nins Zeug zu legen, dass er nun sogar dem\nSturm vorwarf, er nehme sich dieses jungen\nMalers nicht genügend an. Herr Behne hat\ndiesen Wechsel seiner Anschauung vor-\ngenommen, ohne seinen Irrtum zu gestehen\noder gar zu begründen. Und das beweist,\ndass selbst einem Mitstreiter in seiner Ver-\ndrossenheit so etwas passieren kann. Es\nlässt auch vermuten, dass sein Pro und\nKontra locker sitzt. Er ist begeistert von\nKurt Schwitters. Aber auch von Herrn\nGolyscheff. Er möchte gern, aber er will\nnicht immer. Herr Behne also hat als ein\nehemaliger Commilitone den Sturm „ange-\nrempelt\". Und eben weil es eine An-\nrempelung war, hat man dieses burschikose\nBetragen mit burschikosem Humor sich fürs\nerste gefallen lassen. Wenn aber Sie, Herr\nWestheim, der kein Mitstreiter, sondern ein\nWidersacher war, glaubten, Sie könnten\nsich auch einmal eine Anrempelung leisten,\nso hatten Sie vergessen, dass Ihnen das\nnicht billig ist, was Herrn Behne recht sein\nmochte. Denn da hatten Sie sich eine\nKritik angemasst, zu der Sie vor der Öffent-\nlichkeit und vor Ihrem Gewissen längst\njedes Recht verloren hatten. Und nun\nwiederhole ich Ihnen, dass Waiden bis zum\nDezember 1918 mit keinem Wort daran er-\ninnert hatte, wie aus einem ci-devant-Bock\ndurch eine mysteriöse Metamorphose ein\nGärtner geworden war. Da kam Ihre\nHerausforderung. Der klassische Be-\nschimpfer von Chagall, Archipenko, Kan-\ndinsky, Klee, Feininger und vielen Anderen\nhatte die Entdeckung gemacht, dass alle\ndiese Schmierfinken, diese Clowns und\nBluffer, diese Attraktionen dritten Grades\nbereits ihre Ableger gefunden hätten. Es\nwar eine Herausforderung. Im Sturm\nschändete man Ihre Heroen und Lieblinge,\nindem man Künstler wie Muche, Topp,\nMolzahn, Fischer und Schwitters ausstellte.\nIhr bewunderter Kandinsky wurde durch\nRudolf Bauer befleckt. Es war eine Heraus-\nforderung. Sie glaubten wahrhaftig, Waiden\nhabe vergessen, dass Sie sich vor Jahren ein\nMonument kritischer Unfähigkeit gesetzt\nhatten. Und so spielten Sie einmal\npompös den grossen expressionistischen\nEntdecker und Förderer, so pompös, dass\nWaiden endlich von Ihrer Entdecker-\nund Fördererpose genug gesehen hatte. Da\nversetzte er Ihnen den ersten Schlag. Denn\nwie sah der Entdecker und Förderer Chagalls\nin Wahrheit aus? Wie sah der Mann aus,\nder sich heute untersteht, über Kunst zu\nurteilen? 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Er schickt\ndrei Bilder nach Berlin, die gewidmet\nsind: 1. Seiner Braut, 2. Christus, 3. Russ'\nland, den Eseln und den Andern. Im\nInteresse des guten Geschmackes, der\neiner Malersbraut ja ohne weiteres zu\nkonzedieren ist, wollen wir nicht an-'\nnehmen, dass die gehörnte Bestie, die\noben zwischen ein paar Schenkeln empor\"\ntaucht, ein Stück Selbsterkenntnis des so\nfreigebig widmenden Autors ist.\nHaben Sie gelesen, Angeklagter, wollte sagen,\nHerr Westheim? Geben Sie zu, diese Per-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4314, "texte": "versitäten über den „Kumpan\" Marc Chagall\ngeschrieben zu haben? Und in welcher\nEigenschaft haben Sie das geschrieben?\nAls Bierzapfer? Als Mitarbeiter des Or-\ngans für Friseurgehilfen? — So tun Sie\ndoch endlich den Mund auf! Ich halte\nSie für fähig, dass Sie mich für den\nVerfasser ausgeben wollen. Oder dass\nich meine fortune corrigiert habe, da\nich doch an der Ihrigen nichts verbessern\nkann. Also heraus mit der Sprache!\nSie wissen es nicht mehr? Ja, das\nmag sein, dass Sie nicht mehr wissen,\nwas Sie geschrieben haben. Darum\nwill ich es darauf ankommen lassen, ob\nman mir zutraut, dass ich Kritiken des\nHerrn Westheim nachschreiben kann, ohne\neine Silbe daran zu ändern. Es war eine\nHerausforderung. Aber nachdem Waiden\nIhre Beschimpfung des Kumpans Chagall\nin Erinnerung gebracht hatte, da, Herr\nWestheim, begingen Sie keinen Selbstmord.\nDenn Sie wussten, dass Sie mit diesem\nUrteil den Kritiker Westheim längst ge-\nmordet hatten. Auch Herr Kiepenheuer\ntat nicht das, was ihm zur Ehre gereicht\nhätte. Er packte Sie nicht beim Kragen\nund befreite sich von Ihnen, sondern liess\nSie weiter den Westheim spielen. Und\nselbst Waiden sah sich abermals ein Jahr\ndiesen Unfug an, dass der Erzbeschimpfer\nder Kunst sich für ihren Förderer ausgab\nund ausgeben liess, — da ja doch diese\nKunst inzwischen anerkannt worden war.\nDass aber im Herbst 1919 Einer sich die\nTollheit aller Tollheiten leistete, Sie, Paul\nWestheim, den „gewiss unverdächtigen Vor-\nkämpfer des Expressionismus\" zu nennen,—\ndas, nicht wahr, Herr Westheim, Sie ver-\nstehen mich? Suchen Sie sich selbst ein\nWort dafür. Sie, Paul Westheim, den\n„ gewiss unverdächtigen Vorkämpfer des\n„Expressionismus\" zu nennen! Grosser\nGott im Himmel, ich hätte es mich beinahe\neine Reise kosten lassen, den von Angesicht\nzu Angesicht zu sehen, der Paul Westheim\nden „gewiss unverdächtigen Vor-\nkämpfer des Expressionismus\" genannt hat.\nWird er aussehen wie ein Mensch? An der\nStelle des Kopfes wird er die Füsse tragen.\nEr ging auf dem Kopf. „Paul Westheim,\nder gewiss unverdächtige Vorkämpfer des\nExpressionismus\" schrieb die Mole, indem\nsie die Feder zwischen die Zehen des\nlinken Fusses klemmte. Und als Sie das\nlasen, Herr Westheim, da stiessen Sie eine\nLache aus, so grässlich, als hätten Sie\nnoch immer über eine Plastik von\nArchipenko, über ein Bild von Campen-\ndonk oder drei Bilder von Chagall\nein paar Dutzend Zeilen herunterzulachen.\nWie schauerlich Sie lachen können, wenn\nSie einer, der auf dem Kopf läuft, für den\ngewiss unverdächtigen Vorkämpfer des Ex-\npressionismus hält! Das also kann einem\ngeschehen, der mit der grossen Zehe kriti-\nsiert, dass er den einzigen, gewiss\nverdächtigen Vorkämpfer des\nExpressionismus für „gewiss un-\nverdächtig hält. Nun, Herr Westheim, Sie\nhaben gelacht, Sie haben sich beinah tot\ngelacht. Und wer so gelacht hat, dass er dem\nTod ins Auge sah, — ja, erinnern Sie sich\ndenn nicht an Ihr entsetzendes Gelächter?\nAber das müssen Sie doch wissen! Ich höre\nSie heute noch lachen, — sehen Sie selbst,\nwie Sie mich mit Ihrem grausigen Lachen\naus der Fassung bringen, denn ich wollte\nsagen: als man Sie, ja Sie, Herr Westheim,\nals man Sie den gewiss unverdächtigen\nVorkämpfer des Expressionismus genannt\nhatte, da schlug Sie Waiden zum zweiten\nMal aufs Haupt. Und nun lasst uns sehen,\no Genossen einer Zeit, in der ein Westheim\nein gewiss unverdächtiger Vorkämpfer von\nGott weiss was genannt werden kann, nun\nlasst uns sehen, was Herr Westheim tat.\nGing er hin und gestand? Oder bereute er?\nOder leugnete er? Er schrieb im April 1920\ndieses und jenes gegen den Sturm. Er ver-\nsuchte — ah, ganz recht, das waren ja Sie\nselbst, Herr Westheim, also Sie versuchten,\neinige Worte zu Ihrer Rechtfertigung anein-\nanderzureihen. Aber da Sie Ihre fürchter-\nliche V ergangenheit nicht aus der Welt heraus-\njonglieren konnten, so wurde daraus ein\nGestrüpp von Sätzen, an dem Sie sich selbst\naufhängen mussten. Jawohl, Herr West-\nheim, das waren Ihre berühmten Sätze von\nderEntwicklungKandinskys aus der Banalität\nheraus. Künstler müssen sich erst entwickeln,\nehe ein Westheim sagen kann: Bravo, das\nnenn ich mir einen Expressionismus, der sich\ngewaschen hat! Und es war wohl das\nwenigste, das man von einem, der sich\nherausreden muss, verlangen kann, wenn\nSie sich nicht grade auf Chagall beriefen.\nOder sagen Sie mir, Herr Westheim, warum"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3247, "texte": "beriefen Sie sich denn nicht auf Chagall?\nHatte sich der „Kumpan\" nicht ganz nett\nentwickelt seit jenen Bildern, über die Sie\nsich in Hohn und Spott tot gelacht haben?\nStatt dessen radebrechen Sie was von einer\nEntwicklung Kandinskys. Als ob Sie über\nseine früheren Bilder geschimpft hät-\nten ! Nein, Sie Schwerenöter, — über seine\nletzten Bilder, über seine „sogenannten\"\nabsoluten Malereien hatten Sie Ihre\nFlüche ausgestossen. Reden Sie sich doch\nnicht mit solchen Flausen heraus. Aber\nfreilich, ich wüsste selbst nichts, gar nichts,\nwas Sie zu Ihrer Rechtfertigung hätten vor-\nbringen dürfen. Und da Sie in Ihrer Ver-\nlegenheit das Unglück hatten, sich auf\nKandinskys Malereien zu berufen, so muss-\nten Sie ihn obendrein nolens volens, das\nheisst auf deutsch: ob Sie wollten oder\nnicht, anerkennen oder gar loben. Aber\nweil Sie das noch immer nicht verdaut\nhaben wollen, obgleich ich es Ihnen mit\n«•\nOl und mit Essig angemacht hatte, so will\nich es Ihnen noch einmal sagen und so oft\nwiederholen, bis Sie es endlich begriffen\nhaben: Wollten Sie in dem verdrehtesten\nSatz, den Sie je gedeichselt haben, Kandins-\nky nicht anerkennen, dann durften Sie\nsich auf ihn nicht berufen. Haben Sie es\nendlich verstanden? Aber wenn ich Ihre\nüberzwerchen Sätze auseinandernehme, dann\nschreien Sie, ich hätte Gift gebraut. Ihnen\nmags bitter schmecken und schlecht be-\nkommen. Und natürlich wussten Sie selbst,\ndass Ihre Rausredereien mit der Entwicklung\nKandinskys aus der Banalität heraus nichts\nals faule Fische waren. Es musste etwas\nanderes geschehen, das Sie zwar ebenso\nwenig reinwaschen, dafür aber als Rache\ngenossen werden konnte. „Ich will es\nWaiden heimzahlen, dass er mir die Maske\ndes Gärtners vom Gesicht gerissen hat.\"\nSo dachten Sie. Und Leute Ihrer Art waren\nin solchen Fällen nie verlegen, wie sie\nRache nehmen werden. Sie setzen sich in\neine Retourkutsche oder behaupten, der an-\ndere habe silberne Lötfei gestohlen. Sie ent-\nschlossen sich zu beidem. Und so schrieben\nSie zunächst einiges, um zu beweisen, dass\nauch (auch ist ein lustiges Wort, nicht wahr,\nMonsieur?) Waiden nicht immer konsequent\ngewesen sei. [Auch er habe einmal — auch\ner habe — hm, was schrieben Sie doch\ngleich, Herr Westheim, — ah, eben fällts\nmir ein, auch Waiden habe einmal des\nAbends vergessen, die Uhr aufzuziehen.\nNein, ich irre mich, es war nichts so\nSchlimmes. Sie schrieben, er habe —\nnun? — schrieben Sie nicht etwas von\neiner gezähmten Taube oder von einem —\nwie nennt man die Dinger? — Dass ich\nmich über einem so schlechten Gedächtnis\nertappen muss! Ich werde meine stock-\ntaube Muhme bitten, mir das Kunstblatt\nzurückzugeben. In früheren Jahren las sie\nabends vor dem Einschlafen gern eine\nStunde im Kochbuch. Seitdem sie so\nschlecht hört, zieht sie es vor, im Kunst-\nblatt zu lesen. Mein Wort, ich lasse mir\ndas Heft zurückgeben und dann sollen Sie\nIhre Antwort haben. Nur müssen Sie mich\nnicht treiben. Es wird einen Kampf mit\nder Muhme kosten. Und ich werde genötigt\nsein, vorher über einiges andere mit Ihnen\nabzurechnen. Denn ich erinnere mich sehr\ngut, dass hinter der gezähmten Taube etwas\nvon silbernen Löffeln zu lesen war und\nvon „Künstlern, die dem Sturm entlaufen\nsind\". Ich werde versuchen, es aus dem\nKopf wiederzugeben.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-07-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-07-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1921-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.2.10", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.18", "debut_caractere": 3249, "fin_caractere_exclue": 3593, "texte": "Inhalt\nRudolf Blümner: Die absolute Dichtung\nRudolf Blümner: Ango lai'na\nHerwarth Waiden: Unter den Sinnen / Eine Dichtung zwischen Menschen\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Zehnter Brief\nMarc Chagall: Zeichnung\nWilli Baumeister: Grosse und kleine Figur / Tondruck\nJuli 1921"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-07-05-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-07-05_01#c012", "volume": "bmtnabg_1921-07-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Kurt Schwitters\n18 Mark\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n90 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nAlexander Archipenko: Aquarell\n9 Mark\nLouis Marcoussis: Aquarell\n9 Mark\nKurt Schwitters: Merzzeichnung ra\n9 Mark\nRudolf Bliimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste\nMit Abbildungen\n18 Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.1", "texte": "*WF <Sg®Ä\ns£\nm «ffia! Sng| iSSp jsBBR |j| |9g|j J&S&&\nHuE '' mPilfi |&gp }'. /S&» i^fe^ti\n?p_ ' . y. .'. > ■'- ■''\"in*.-' *''\nHl jaswwf W$S& «pH» J f&jfiÜ fi! sei «älnl\nmm gg» ■ Wm ffll ff Sp S Ih£\n81 ,iSm 9EBi HB Ilm 11111 m I M «B I ■\nJqShP ■Ej§?>' «■ mH& j||j®# S *ö'; ja!® fsR ■'?■ - |||;' ■ $a §|§&\n.<4Shjf fnSsl SiBBi & HBF 1ÜH« llwt M gäs$ S wm fin»\nW8L jMm$äm? Wm J&s\nMONATSSCHRIFT /\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nZWÖLFTER JAHRGANG / SIEBENTES HEFT\n\nMarc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[120]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.2", "texte": "VERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / FERNRUF AMT LÜTZOW 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm / Zwölfter Jahrgang\nErscheint am fünften jedes Monats\nMit mehrfarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 60 Mark / Ein Halbjahr\n36 Mark / Einzelheft 7 Mark 50 Pfennige\nVollständige Exemplare des 1. bis 11. Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon allen Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke käuflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkäuflich.\n\nBücher\nFranz Richard Behrens\nBlutblüte / Gedichte\nGeheftet 7 Mark 50 Pfennige / Gebunden 12 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragödie\nIhr stilles Glück / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragödie\nDer Wetterfrosch / Erzählung\nJedes Buch 6 Mark / Gebunden 9 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte\n12 Mark / Zweite Auflage\nKandinsky-Album\nMit 60 Abbildungen\n36 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n6 Mark\n( *\nKreis des Anfangs / Frühe Gedichte\n9 Mark / Sonderausgabe 30 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Lösung\n7 Mark 50 Pfennige / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n7 Mark 50 Pfennige / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken träumt / Gedichte\n6 Mark / Gebunden 9 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\nG Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n6 Mark\nNacht\n4 Mark 50 Pfennige\nDie neue Kunst\n4 Mark 50 Pfennige\nAugust Stramm 6\nDu / Liebesgedichte\n12 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 24 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bände\nJeder Band gebunden 24 Mark\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n9 Mark\nHerwarth Waiden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n45 Mark / Gebunden 60 Mark\nDie neue Malerei / Einführung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n12 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n9 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n12 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie Härte der Weltenliebe / Roman\n12 Mark / Gebunden 15 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragödie\n9 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSünde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragödie\nGlaube / Komitragödie\nJedes Buch 3 Mark\nKind / Tragödie >\nTrieb / Eine bürgerliche Komilragödie\nMenschen / Tragödie\nJedes Buch 6 Mark\nSturm-Bücher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 3 Mark\nSturm-Bilderbücher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 12 Mark\nI Marc Chagall\nII Alexander Archipenko\n111 Paul Klee\nVERZEICHNISSE DES VERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nDie absolute Dichtung\n\nEs war meine Absicht, die Dichtung Ango\nlaina erst dann zu veröffentlichen, wenn ich\ndurch eine Aufführung ihr künstlerisches Ziel\nvollkommen gezeigt hätte. Damit will ich zu\nverstehen geben, dass diese Dichtung, ohne\ndes theatralischen Apparats zu bedürfen,\ndoch nur in ihrer Verklanglichung voll-\nkommen aufgenommen werden kann. Man\nirrt sich freilich, wenn man im Gegensatz\nhierzu den Abdruck einer Dichtung in un-\nserer deutschen Sprache für ein Vollkom-\nmenes ansieht. Wörter bestehen in Schrift\nund Druck aus Buchstaben, und diese sind\nehemalige Bilder, gegenwärtige Zeichen für\nLaute und Geräusche, die fast allen Men-\nschen gemeinsam sind, von ihnen auf gleiche\nWeise gebildet und gehört werden. Frei-\nlich fehlt es nicht an Unterschieden, da\nweder die Schriftzeichen unserer Sprache\nnoch anderer, soweit ich sie kenne, genügen,\num die vielfachen Arten in Tönen und Ge-\nräuschen des menschlichen Sprechens an-\nzudeuten. Gar keine Zeichen aber gibt es\nfür die menschliche Sprechmelodie, we-\nnigstens keine allgemein üblichen und ver-\nständlichen. Jeder Mensch gibt den anein-\nandergereihten Worten seine eigene Melodie\nund legt sie im Stillen dem Gelesenen unter.\nEs gibt kein Wort und keine Verbindung\nvon Wörtern, die ihre hörbare Melodie\nin sich tragen. Wie ich in einer absoluten\nDichtung die Bildung vieler Vokale und\nKonsonanten beabsichtige, lässt sich nur\nin beschränktem Mass ausdrücken. Ob\nein Vokal kurz oder lang sei, kann ich\nfreilich durch die allgemein verständlichen\nZeichen erkennen lassen, wie auch die\nSilbenbetonung durch die Akzentsetzung.\nBeide zusammen scheinen mir ein\noptisches Uebermass an Druckzeichen zu\nenthalten, wodurch Lesen und Aufnahme\nungewohnter Wörter eher erschwert als\nerleichtert würden. Will ich mich aber\nbeschränken, so wähle ich die Akzent-\nsetzung, weil die Silbenbetonung immerhin\neine annähernde Vorstellung des Metrums\ngibt, das wiederum einer Aufnahme\ndes Rhythmischen zu Hilfe kommen soll.\nVöllig verzichten muss ich jedoch auf irgend-\nwelche Andeutung des sprechmelo-\ndischen Rhythmus. Und man wird be-\ngreifen, warum dieser Mangel den Abdruck\neiner absoluten Dichtung unvollkommener\nlässt als den einer Dichtung, die aus be-\nkannten Wörtern besteht und doch den\ngleichen Mangel hat. Denn meine Dichtung\nist nicht nur zusammen mit der rhyth-\nmisierten Sprechmelodie entstanden, son-\ndern, so merkwürdig das scheinen mag,\nnach Entstehung von Sprechmelodie und\nklanglichem Rhythmus. Ein Gefühlsinhalt,\nder bereits seine Gestaltung durch rhyth-\nmisierte Sprechmelodie gefunden hatte, ver-\nlangte die Bereicherung durch die Verschie-\ndenartigkeit von Geräuschen und Tönen.\nDer Gestaltungsprozess war etwa so, wie\nwir ihn in August Stramms Dichtung: Die\nMenschheit, lesen:\nMäuler\nGähnen\nGähnen klappen\nKlappen schnappen\nSchnappen\nLaute\nLaute Laute\nSchüttern Ohren\nHorchen Horchen\nSchärfen Horchen\nSchwingen Schreie\n11 •• np ••\nlone lone\nRufe Rufe\nKlappen Klarren\nKlirren Klingen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.4", "texte": "Surren Wummert\nBrummen Schnurren\nGurren Gnurren\nGurgeln grurgeln\nPstn Pstn\nHsstn Hsstn\nRurren Rurren\nRurren Rurren\nSammeln Sammeln\nSammeln Stammeln\nWorte Worte Worte\nWort\nDas Wort!\nWenn ich mich bei den Mängeln der Druck-\nwiedergabe und der Aufnahme doch zum\nAbdruck entschlossen habe, so drängen mich\ndazu äussere, zum Teil absonderliche\nGründe.\nMeine früheste Ahnung einer absoluten\nDichtung geht auf etwa zwanzig Jahre zu-\nrück. Seit dieser Zeit habe ich als Schau-\nspieler stets die Möglichkeit einer absoluten,\nvon der Dichtung unabhängigen Schauspiel-\nkunst behauptet und in vielen Schriften zu\nbeweisen gesucht. Ich habe mich jahre-\nlang damit begnügt, den absoluten schau-\nspielerischen oder rezitatorischen Vortrag,\nsogar in der Verbindung mit dem Wort,\nrein theoretisch festzustellen. Ich habe oft\nausgesprochen, dass dem schöpferischen\nSchauspieler die Wörter der Dichtung ein\nHindernis sein müssen, während sie für\nunsere unschöpferischen Schauspieler das\nHilfsmittel ihrer Klangbildung sind.\nDie besten von ihnen verlugen wohl über\neigene Melodien, aber nur auf der Grund-\nlage von Wörtern und Sätzen und nur,\nwenn diese eine Bedeutung haben.\nUnsere Schauspieler spielen eine Bedeutung.\nUnd man muss sie noch loben, wenn sie\nnicht die Bedeutung der Wörter, sondern\ndes Ganzen spielen. Ohne die Grundlage\ndieser Bedeutungen sind sie stumm, un-\nschöpferisch. Meine eigenen Bemühungen,\neine selbständige schöpferische Melodie vor-\nzutragen, musste in der nicht-expressionis-\ntischen Dichtung entweder ganz unterbleiben\noder zu einem Zwiespalt zwischen meiner\nrhythmisierten Melodie und den meist un-\nrhythmischen, bestenfalls metrischen Sätzen\njener früheren Dichtungen führen. Erst die\nexpressionistische Dichtung, das ist die be-\ngrifflich alogische, künstlerisch logische Ver-\nBindung der Wörter, ermöglichte durch\nihren Rhythmus eine sprechmelodische\nRhythmisierung, die zu einer Einheit führen\nkonnte. Aber selbst diese expressionistische\nDichtung (Stramm, Waiden, Schreyer,\nBehrens, Allwohn, Liebmann, Heynicke)\nsetzte meiner künstlerischen Freiheit die\nGrenzen der gegebenen Wörter, ihrer Kon-\nsonanten und Vokale. Es ist nicht nur die\ndeutsche Sprache, in der alle Wörter ihre\nursprüngliche Bildung und damit ihre\nUrkraft verloren haben. Und wie der Maler\nFarbformen nach Belieben, also unabhängig\nvon einer Bedeutung, zur Gestaltung zu-\nsammensetzt, der Komponist Töne rhyth-\nmisch nach vollkommener Freiheit anein-\nanderreiht, so stelle ich Konsonanten und\nVokalenach künstlerischen Gesetzen zu-\nsammen. Mein erster Versuch einer solchen\nGestaltung liegt schon viele Jahre zurück.\nIch veröffentliche jetzt eine Arbeit, die vor\neinem Jahr vollendet wurde, weil mich die\nZeit dazu drängt. Derartiges pflegt selten\nein Einziger zu unternehmen. Und wenn\nich auch nicht so ehrgeizig bin, durchaus\nder Erste sein zu wollen, so habe ich doch\nkeine Ursache, mir später einmal den Vor-\nwurf der Nachahmung machen zu lassen.\nMein Bedauern, die Dichtung vor der Auf-\nführung veröffentlichen zu müssen, wird\ndadurch verringert, dass nicht jeder Leser\ndie Aufführung erlebt hätte. Und bei den\nUnkünstlerischen würde sie mich vor An-\ngriffen doch nicht schützen. Sie werden\nwieder ihr übliches Gezeter erheben und\nkönnen nun ihre abgestandenen Witze über\nLallen und Stammeln endlich an den Mann\nbringen. Sie haben nur zu bedauern, dass\nsie dieses Mal von einem Missbrauch der\ndeutschen Sprache beim besten Willen nicht\nreden können. Ich muss sogar das\nSchlimmste befürchten, dass sie mich für\neinen Dadaisten halten. Ich will sie für\nheute in dem Irrtum lassen. Und da ich\nvon ihnen überhaupt nichts verlange,\nbrauchen sie sich auch nicht die Mühe zu\nnehmen, den organischen Bau meiner\nabsoluten Dichtung zu erforschen. Dem\nkünstlerischen Leser werden meine Ab-\nsichten so wenig entgehen wie die Wirkung.\nEr wird nicht nur die tieferen Zusammen-\nhänge aller Laute und Wortbildungen er-\nkennen, sondern auch aus den verwendeten\nGeräuschen und Lauten, den daraus gebil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.5", "texte": "deten Silben und Wortfolgen sich eine le-\nbendige Vorstellung bilden. Er wird sogar\nmanches von einer thematischen Entwick-\nlung und von einer Durcharbeitung der\nMotive gewahren.\nMeinen kommenden Nachahmern rate ich,\nes nicht zu leicht zu nehmen. Die blosse\nWillkür ergibt ein Nichts. Und einige\nschöne Laute und Bildungen schaffen keinen\nRhythmus und keine Gestaltung. Erst wenn\nAlles zu Allem in eine notwendige innere\nBeziehung gebracht ist, kann eine Endform\nentstehen, in der nichts unentbehrlich oder\nänderbar erscheint.\n\nRudolf Blümner\n\nAngo laïna\n\nEine absolute Dichtung\nRudolf Blümner\nErste Stimme\nZweite Stimme\nOiai laela oia ssisialu\nEnsüdio tr£sa südio mischnumi\nIa lon stuäz\nBrorr schjatt\nOiäzo tsuigulu\nUa sesa masuö tülü\nUa sesa maschiatö torö\nOi sengu gädse andola\nOi ändo sengu\nSengu ändola\nOi sengu\nGädse\nIna\nLeiola\nKbaö\nSagör\nKadö\nKadö mai tiüsi\nSuijo angola\nSchu mai sitä ka lio sengu\nIa pendo äla\nPendu siolo\nTorö torö\nMengädse gädse se\nUlläi tiotülo\nZialu nia myö\nSesa sesa\nLu snegan lilulei\nTo kärta tor\nTo läsra sisafan\nTo balan fäsan edomir\nTo tresa tresa trösa mischnumi\nUiagö\nIa Ion schtazümatu\nIa Ion laschör\nLillte möe sagör\nLilite moe\nKja ha hü hia-i\nNiölo zägan elra-\nHiotoro\nEo tänja tänja\nMoläi hysialo\nEo zisu fijo 6mba ü teviolo\nUa ssivo uä\nLaina uä\nToliatör sagün\nIa kärta tor\nIa läsra sisafan\nIa bälan fäsan edomir\nIa tresa tresa tresa-\nUija sagör\nTailä tailä\nSchi oblaimono\nGbomoloe oe oe oe\nAngo laina bobandö jo-ö\nAngo laina sjujulö jo-6\nAngo laina dschastjadschast jo-ö\nTailä tailä\nSia 6nyo enya\nLu lialo lu leiula\nLu leja 16ja lioleiulu\nAngo laina kbämyo\nAngo laina nyome\nAngo laina edue\nAngo laina ängola\nLaina na\nLaina la\nLaö\nLaö aliösa ssirio sengu loe\nAi tschirio tr6va tschirio nyome\nAliösa lüija bobandö jo-ö\nAliösa lüija sjujulö jo-ö\nAliösa lüija dschastjadschäst jo-ö\nTailä tailä"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.6", "texte": "Sia enyo enya\nAliösa lüija kbämyo\nAliosa lüija nfome\nAliösa lüija edue\nAliösa ala\nLiösa la\nLaö.\nLaö tülü\nJ schenschun mischnumi\nAi zügim ai tard ai brui huö\nMasuö tsagarätsa tsuigulu\nMoijame sagün ia lon schtazümato\nIa lon laschör\nAi tülü s6ngu moija mischnumi\nOiäzo oiazo\nr|i •• « 1 ••\nlulu tulu\nStuäz brorr schjatt\nTülü tülü\nOäli nydo\nZialu nia myö\nLu lialo lu leiula\nLu leja leja lioleiulu\nArriatör\nSaijü hialöt\nUi soä soä rre uija hiyijimini\nIa hijaijimini\nOiai la6la oia sisialu\nChualä uade ui sesa s£sala\nUialö uiagä uirrä\nFranfrä riarä cadö.\nCadö cadö ia lon cadö\nssussija schlüjim\nMojam6 tiuti\nAliösa ala\nAla moi tiuti\nTiuti tiuti taila tiuti tiuti\nMui abba hialo mui äbba sengu\nAbba mengadse abba mischnumi\nEnsüdio valo embamyolo\nTualo myo\nTuälo sendo\nTuälo füjo\nTualo schijo haira ziu isa muöl\nSchu mai sitä ka lio sengu\nUäse\nTo kärta tor\nAhüija 106\nTo läsra sisafan\nAhüija loe\nTo bälan fäsan edomir\nAhüija loe\nTo tr6sa tresa mischnumi\nLasio tötoro\nHüija moe\nAngolaina kbämyo\nSchualö suad6 kbao\nKbaö angolaina ter kbao\nLu lialo lu leiula lu leja leja le-\nSchotta tarö _\nSuijo ängola\nSsigim ssissegim\nSsöra schaöra tor\nSadaim ochroöz\nKronkröst\nHolratüst\nAi äjulo\nArrüro ärruo ruö uo oüo\nJa hyija lyö\nHya eja luä\nI külja ssam\nUi äla siö—\nNiölo zagan elratüst schubalö\nNiölo zägan elratüst kronkröst\nNiölo zägan—\nAliäzo hijan hialot\nHiayio toliatör schaö\nSchaö aliösa ssisio sengu loe\nMui äbba s6ngu abba nyome\nt\nAliösa luijo nyo moe\nLuijo välo chualä\nEnsüdio valo\nSüdio toliatör"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.7", "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.8", "texte": "Hiayio toliatör schaö\nSchaö aliäzo hijim hialot\nMojame soiagü o-ia esa- mejamyni-\nUäo-uaö-uö-oüo\nHia ssisiala\nÖrre schiilja rro\nLu lialo leiula leja-\nLasio tötoro\nMosiätan ejo\nMaschiato löo\nMoliäno üo\nTiadan o\nLusia fu\nE e e\nStyan\nHyat\nElja\nRüof\nMa\nMya\nSchlöa\nHüa hüalo\nHuäo-huaö-huo-hu-huoö-o\nSchu mai sita ka lio sengu\nI eja\nAlo\nMyu\nSsirio\nSsa\nSehuä\nÄra\nNiija\nStuaz\nBrorr\nSchjatt\nUi ai laela — oia ssisialu\nTo tr&sa tresa tresa mischnumi\nIa lon schtazümato\nAngolaina la\nLu lialo lu leiula\nLu leja leja lioleiolu\nA tüalo myo\nMyo tüalo\nMy ango ina\nAngo gädse la\nSchia sengu ina\nSengu ina la\nMy ango sengu\nS6ngu ängola\nMengadse\nSengu\nIna\nLeiola\nKbaö\nSagör\nKadö\n\nUnter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden\n\nFortsetzung\n\nKommen Sie herein, Herr Doktor\nHaben Sie geweint, Fräulein Anna\nDie Eltern werden gleich kommen.\nHoffentlich komme ich Ihren Herren Eltern\nnicht ungelegen\nErnst\nSie haben ein schönes Heim, Fäulein Anna.\nIch liebe das. Man merkt gleich die gute\nTradition. Der Schrank ist wohl schon sehr\nalt\nVon Grossmutter\nKöstlich. Dieser Duft der guten alten Zeit.\nIch sehe die ehrwürdige Dame förmlich\nvor mir. Mit ihrer weissen Spitzenhaube.\nIch habe Grossmutter nicht gekannt.\nIch kenne das aus Bildern.\nWillst Du nicht Platz nehmen Ernst\nDieses Bild ist sehr interessant. Stellt es\ndie Frau Grossmutter dar\nMeine Tante\nDie Familienähnlichkeit ist unverkennbar.\nSo werden Sie auch einmal aussehen, Fräu-\nlein Anna. Es muss eine sehr vornehme\nFrau sein, Ihre Frau Tante\nSie kann uns Kinder nicht leiden\nUnd dieses Silber. Das ist sicher uralter\nFamilienbesitz\nIch hasse es. Jeden Tag musste ich es als\nKind blank putzen\nEdles Gut will gepflegt werden\nDu bist so merkwürdig, Ernst\nWenn meine gute Mutter das erlebt hätte.\nEs war ihr einziger Wunsch, dass ich ein-\nmal in eine vornehme Familie hineinheirate"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.9", "texte": "Ich hätte Deine Mutter sehr geliebt, Ernst\nEs war eine einfache Frau, aber von unbe-\nschreiblicher Herzensgüte\nHast Du mich ein wenig lieb Ernst\nIhre Eltern werden doch nichts gegen mich\neinzuwenden haben\nEntschuldigen Sie, dass wir Sie etwas haben\nwarten lassen müssen.\nGnädige Frau. Herr Baron. Es ist mir ein\ngrosses Vergnügen.\nWillst Du uns allein lassen, meine Tochter\nBitte setzen Sie sich doch, Herr Doktor\nIn dieser feierlichsten Stunde meines Lebens\nWollen Sie ein Glas Wein trinken\nGnädige Frau, Herr Baron. Ihr Fräulein\nTochter hat Sie zweifellos über den Zweck\nmeines Kommens unterrichtet. Wenn Sie\nmir die Ehre erweisen wollen, mich in den\nSchoss Ihrer Familie aufzunehmen, so wer-\nde ich bemüht sein, Ihr Fräulein Tochter\nwie eine zarte Blume zu hüten und zu pfle-\ngen und sie so glücklich zu machen, wie\nes in meinen schwachen Kräften steht. Ich\nwerde trachten, unser Leben nach dem\nBeispiel des hochverehrten Elternpaares\neinzurichten.\nEs fällt uns schwer, Herr Doktor, unser\nKind aus dem Hause zu geben. Aber Gott\nhat es so eingerichtet, dass die Kinder dem\nfremden Mann folgen. Werden Sie glück-\nlich, wie wir es in unserer Ehe geworden\nsind.\nGnädige Frau. Herr Baron. Ihre Wahl\nsoll auf keinen Unwürdigen gefallen sein.\nIch will Anna vorbereiten. Das Weitere\nwird mein Mann mit Ihnen besprechen.\nDarauf wollen wir zunächst mal ein Glas\nWein trinken, Herr Doktor,\nHerr Baron, ich trinke eigentlich grund-\nsätzlich keinen Wein.\nSie werden doch ein Glas Wein in diesem\nfeierlichen Moment nicht verschmähen.\nAls Arzt sind mir die bösen Folgen des\nAlkohols leider nur zu bekannt.\nDa habe ich die grössere Erfahrung junger\nFreund. Die Weiber haben mir den Rock\nso schlecht genäht. Es ist ein Skandal.\nDie Handwerker sind stets unzuverlässig.\nAlso Prost. Ich darf Ihnen bei dieser Ge-\nlegenheit doch gleich das trauliche Du an-\nbieten.\nHerr Baron, diese Ehre\nImmer gemütlich. Also höre mal, wie\nheisst Du eigentlich mit Vornamen.\nErnst, Herr Baron, Ernst.\nAlso höre mal, Ernst, Ihr müsst Euch nun\nso durchhelfen. Geld können wir der Anna\nnicht mitgeben. Kinder kosten viel. Ich\nsage das gleich ohne Umschweife. Geld ist\nnicht das wahre Glück.\nIch werde arbeiten, Herr Baron.\nDiese Geldheiraten finde ich vom mora-\nlischen Standpunkt aus widerlich.\nIch teile Ihre Ansicht, Herr Baron.\nWie ist es denn, kannst Du denn eine Frau\nernähren\nWir werden uns zunächst etwas einschrän-\nken müssen, Herr Baron. Die Liebe ist\nblind.\nIch habe sehr gute Beziehungen, wie Du\nDir denken kannst. Meine Leute müssen\nsich alle bei Dir operieren lassen. Gott sei\nDank gibt es keine Krankheiten in unserer\nFamilie.\nDas ist das gute, alte deutsche Blut.\nUnd wenn Du mal Professor werden willst,\nmein Vetter sitzt an der Quelle.\nIch fasse meinen Beruf durchaus ernst auf,\nHerr Baron. Ich kämpfe für die leidende\nMenschheit.\nTrink doch aus. Siehst Du, es geht ganz\ngut. Eine feine Marke.\nIch verstehe mich nicht auf Wein, aber er\nist hervorragend.\nUnd die Weiber weinen sich aus.\nSie haben einen gesunden Humor, Herr\nBaron.\nFrau. Anna. Wo bleibt Ihr denn. Es ist\nalles in Ordnung.\nHier, Herr Doktor, nehmen Sie mein liebes\nKind. Und werdet glücklich.\nFräulein Anna.\nNun gebt Euch doch einen richtigen Kuss.\nWenn Sie gestatten gnädige Frau. Herr\nBaron.\nEndlich.\nUnd nun wollen wir die jungen Liebesleute\nallein lassen. Komm Frauchen.\nKüsse mich Ernst.\nSpäter.\nDu liebst mich sicher nicht mehr, weil Du\nnun alles weisst.\nDie körperliche Berührung soll nur im\nhöchsten Taumel geschehen.\nDu bist sehr hart.\nLiebes Kind, man muss sich einschränken\nkönnen. In jeder Hinsicht. Ich habe stets"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.10", "texte": "nach einem Plan gelebt und Du siehst\nselbst, wie weit ich es gebracht habe.\nIch sehne mich aus der Enge fort.\nIn der Enge liegt das Glück geborgen. Wie\nsoll man sich in der Weite zurecht finden.\nDu bist sehr klug, Ernst. Aber manchmal\nverzweifle ich an der Klugheit.\nDas ist eben die Klugheit, nicht zu ver-\nzweifeln.\nWenn ich doch einmal so recht kindisch\nsein könnte.\nIch schätze es an Dir, dass Du so sehr\nvernünftig bist. Mit der Logik hapert es\nja noch manchmal. Doch bedenke ich wohl,\ndass Du eine Frau bist\nDu musst mich viel küssen, Ernst\nDas werden wir uns für die Feierstunden\ndes Lebens aufsparen. Es gibt keinen Ge-\nnuss ohne Oekonomie.\nIch werde sehr sparsam sein, Ernst. Ich\nallein habe es von Mutter gelernt. Aber mit\nder Liebe darfst Du nicht sparen.\nSieh mal, liebes Kind, ich als Arzt kenne\ndie sogenannte Liebe ganz genau. Schliess-\nlich ist sie doch nur ein simpler physio-\nlogischer Vorgang. Es wird ihm nur all-\ngemein eine zu grosse Bedeutung beige-\nmessen.\nHätte ich doch viel, viel Geld\nIch bin mir nicht bewusst, Dir einen Vor-\nwurf gemacht zu haben\nMasslos würde ich verschwenden. Du\nbrauchtest nichts zu arbeiten, könntest ganz\nder Wissenschaft leben und der Kunst\nArbeit ist des Bürgers Zierde, hat der grosse\nDichter gesagt, und das ist Wahrheit. Wir\nwollen frei und offen der Wahrheit ins Ge-\nsicht schauen, mein Lieb\nEs wäre entsetzlich, wenn Friedel doch\nrecht hätte\nWer ist das\nDie verlorene Tochter\nAuch in den vornehmsten Familien kommen\nsolche Unglücksfälle vor. Aber die Familie\nist heilig. Ich schätze Deine Frau Mutter\nund Deinen Herrn Vater bereits so, dass\nich unbedingt auf ihrer Seite stehe.\nSo darfst Du nicht über Friedel reden\nDas Wort dürfte wohl doch nicht richtig\ngewählt sein. Warum weinst Du\nIch fürchte mich vor dem Leben. Plötzlich\nHysterie. Beruhige Dich, Kind. Ich werde\nDir als Arzt helfen, sie zu bekämpfen\nNun habt Ihr Euch ordentlich abgeküsst\nHerr Baron\nAnna in Tränen. Dazu hast Du doch in\nder Ehe Zeit genug\nBist Du glücklich mein Kind\nMutter\nWohin. Wohin\nEin kleiner hysterischer Anfall, hochver-\nehrte gnädige Frau. Es ist in diesem Fall\nam besten, den Patienten ganz sich selbst\nzu überlassen.\nAnna ist sonst so vernünftig\nIch bin ja kein Arzt, aber wenn ich an\nDeiner Stelle und in Deinem Alter gewesen\nwär, ich hätte meine Braut lieber ordentlich\nabgeküsst\nSie nehmen es ihr nicht übel, Herr Doktor.\nEs stürmt alles so auf sie ein. So etwas\nkönnen nur Frauen verstehen.\nHochverehrte gnädige Frau, ich werde Ihr\nFräulein Tochter glücklich machen. Das\nist eines meiner Lebensziele. Aber die\nWissenschaft hat mich durchaus zum Me-\nthodiker gemacht\nWir dürfen Sie doch heute zum Abend-\nessen erwarten. Nur im engsten Kreise.\nDie nächsten Verwandten\nIch bin glücklich, Ihre hochverehrte Familie\nkennen zu lernen. Aber Sie dürfen sich\nmeinetwegen keine Umstände machen. Ich\ndarf mich wohl von Anna verabschieden.\nGehen Sie in ihr Zimmer. Hier den Gang\ngeradeaus. Liebesleute müssen alles allein\nunter sich abmachen.\nGuten Tag, meine Damen\nIch stelle mich Ihnen als glücklicher Bräu-\ntigam und zukünftiger Schwager vor\nBesten Glückwunsch\nViele Glückwünsche\nMeine Anwesenheit hat Sie doch hoffentlich\nnicht vertrieben\nSie überschätzen sich\nSeien Sie nicht hart zu mir, Fräulein Erna.\nIch werde mich Ihnen beiden stets als\nBruder zeigen\nWir haben uns Ihretwegen schon anschreien\nlassen\nIch bin mir nicht bewusst, Ihnen irgend\nwie zu nahe getreten zu sein\nWir wüssten auch nicht, wie Sie das machen\nsollten\nSie werden mich jetzt bald näher kennen\nlernen"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.11", "texte": "Willi Baumeister: Grosse und kleine Figur / Tondruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.12", "texte": "Zunächst wird doch Anna das Vergnügen\nhaben\nWir kennen uns ganz genau. Wir haben\nuns bereits fürs ganze Leben ausgesprochen\nSie sollten sich einen Hund anschaffen\nIch habe kein Interesse für Tiere\nAber Sie sollten sich doch einen Hund an-\nschaffen. Wir müssen hinauf. Gesegnete\nMahlzeit\nAuf Wiedersehen heute Abend\nDeine Lippen sind blass\nIch friere\nBist Du eine Tänzerin auf der Strasse\nMeine Füsse taumeln im Schlag eines Herzens\nMein Herz steht still im Staunen\nMein Auge staunt im Ton Deiner Stimme\nMeine Stimme hört den Flug Deiner Füsse\nGehemmt meine Schritte. Nun bin ich eine\nTagwandlerin auf der Strasse. Dumpf die\nNacht. Qual des Schlafes. Traum tötet\nWachen. Wo kann ich mich verstecken\nAufgerissen harrt meine Herzkammer. Auf-\ngetan ein Blutbett\nMeine Füsse sind wund\nDeine Füsse tragen die Strasse\nDie Erde brennt\nKühle die Füsse in meinem Blut ehe es\nversiegt\nFärben es meine Tränen heller. Blut fliesst\nüber mich. Mein Auge ist der Quell des\nMeeres\nMeine Erde versinkt im Rauschen unge-\nweinter Tränen\nErde versinkt\n0 Du meine Tagwandlerin auf der Strasse\nErde versinkt und ich zerfliesse. Wo halte\nich mich, wie halte ich mich\nVersinkt meine Erde, ströme Du durch\nmich, färbt mein Blut Deine Tränen röter,\n0 Du wesenloses Wesen meiner Erdliebe,\nstockt mein Herz vor verhaltenem Schrei,\nschwinde mein Leben, dass ich einmal im\nSchwinden es fühle.\nGönn mir den Laut des verhaltenen Schreis,\ngönn mir den Klang ungeweinter Tränen,\ngönn mir den Sprung ins Erdlose. Denn\nich bin eine Tänzerin auf der Strasse. Die\nStrasse lacht. Meine Füsse lächeln. Hüpfen\nüber einen, der mich liebt. 0, dass ich\nnicht versinken kann, da ich versunken\nversinke\nKomm in mein Herz\nHalte mich, ich kann mich nicht halten\nFriedel\nWas wollen Sie noch von mir\nIch musste Dich wiederfinden. Ueberall\nhabe ich gesucht. Nun finde ich Dich auf\nder Strasse\nLassen Sie mich doch auf der Strasse gehen.\nGönnen Sie mir die Strasse, die allen gehört\nIch habe mich sehr um Dich gesorgt\nSorglos bin ich von Euch allen gegangen\nSie können doch nicht auf der Strasse\nleben. Ich werde Dir eine Wohnung mieten,\nDu sollst Dich um nichts sorgen dürfen.\nIch wohne still in einem Herzen\nWovon lebst Du\nVon Blut und Tränen\nDu wirst immer seltsamer. Glaub mir, ich\nverstehe Dich. Aber Geld regiert die Welt.\nGeld gilt nicht in meiner Welt\nDas sind Uebertreibungen\nTreibe ich über alle Ufer, wollen Sie mich\nmit Geld halten\nIch werde Dir jede Freiheit gönnen, nur\nmusst Du mich für Dich sorgen lassen\nSorglos bin ich\nSorgloser ist es für Dich, ich finde Dich,\nals dass Deine Familie Dich sucht\nNiemand vermisst mich\nDeine Schwester hat sich verlobt\nIch kann keine Kinder haben. Ich will\nnicht mehr sorgen\nIch trage Dein blaues Band um meinen Arm\nSehen Sie sich doch vor, die Strasse ist\nnicht zum Plaudern\nUm Himmels Willen, was ist Dir geschehen.\nKannst Du aufstehen.\nSchreiben Sie sich meinen Namen auf,\nKutscher. Sie haben keine Schuld. Das\njunge Mädchen braucht doch nicht auf dem\nDamm sorglos zu tändeln\nSie wird mit dem Schreck davon gekommen\nsein. Können Sie nicht aufstehen\nStütz Dich auf mich. Kannst Du nicht auf-\nstehen\nWo wohnen Sie denn. Ich will Sie gern\nhinfahren\nGeben Sie mir den Arm. Es ist gleich gut.\nEs muss gehen. Ich muss gehen. Was\nstarren die Leute.\nDu kannst ja nicht stehen. Kutscher. Ich\nhebe Dich in den Wagen. Wo wohnst Du\nEine Tänzerin bin ich auf der Strasse.\nFahren Sie in das nächste Hotel.\nEine Verwandte von mir ist auf der Strasse"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.13", "texte": "angefahren worden. Sie klagt über Schmer-\nzen in den Füssen.\nIch übe zwar seit einem Jahrzehnt keine\nPraxis mehr aus, aber ich bin natürlich\nbereit\nVerzeihen Sie, ich schickte den Burschen\nnach dem nächsten Arzt\nEr hat wohl mein Schild einmal gesehen.\nIn dieser entlegenen Strasse am Ende der\nStadt wohnt natürlich kein Arzt. Wo liegt\ndie Dame\nBitte\nIch warte hier auf Sie\nNun mein Fräulein, es wird schon nicht\nso schlimm sein. Ich bin der Arzt. Wo\nhaben Sie denn Schmerzen. Nehmen Sie\ndoch bitte einmal die Decke von dem Kopf\nDie Stimme tönt in meinem Blute\nDu. Mein Paradiesvogel. Was ist hier ge-\nschehen.\nEine Tänzerin bin ich auf der Strasse.\nMeine Füsse sind gebrochen\nUnmöglich. Lass mich die Decke abnehmen\nWarum hat man Dich gerufen. Du darfst\nmich nicht in Schmerzen sehen\nLass mich die Schmerzen nehmen. Bitte.\nDu sollst mich nicht berühren\nUnd willst Du nicht wieder wandern können,\nmeine süsse Tänzerin auf der Strasse. So.\nGanz sanft ziehe ich die Decke fort. Nun\nmuss ich Dir Schuh und Strümpfe aus-\nziehen\nWenn es sein muss, will ich es selbst tun.\nDu darfst Dich nicht bewegen\nDie Schuh sind schmutzig. Deine weissen\nFinger\nUnsinn. So.\nDie Strümpfe haben sicher Löcher\nNun bekomme ich wirklich die Strümpfe\nnicht ab. Ich habe so lange keine Frau\nEs ist schon wieder gut. Ich habe keine\nSchmerzen mehr.\nIch reisse sie einfach ab. So.\nDu darfst mich nicht berühren\nIch tue nicht weh. Kann Dir nicht weh\ntun. Die schönen, schönen Füsse. Hände\nsind es.\nDornen sind in ihnen\nWarum bist Du nicht in mir geblieben\nDornen blühen unter Deinen Händen\nEs wird alles wieder gut werden. Nun\nmusst Du viele Wochen liegen. Wo willst\nDu liegen. In meinem Gartenzimmer beugt\nder Baum sich Deinen Füssen\nJetzt will ich aufstehen\nIch lasse einen Wagen holen\nEr wird mich überfahren\nIch werde Dich in den Wagen tragen\nDie Dornen stechen. Leg Deine Hand auf\nmeine Füsse\nIch lege meinen Mund auf Deine Füsse\nWie sie stechen, die Dornen\nGleich bin ich wieder hier\nMeine Füsse sind sicher schmutzig\nGleich trage ich Dich zu mir\nIch habe Durst. Er soll aber nicht hinein-«\nkommen\nIch hole Dir alles, Wasser und Erde und\nHimmel\nIst es schlimm Herr Doktor\nKnöchelbruch\nEs ist doch heilbar\nWie sind Sie mit der Dame verwandt\nSie ist meine Freundin\nWo wohnen die Eltern\nSie ist von ihnen fortgegangen\n#\nIch werde alles nötige besorgen und die\nDame vorläufig in meine Wohnung nehmen.\nWollen Sie mir bitte die Personalien auf-\nschreiben.\nWas wollen die Leichenträger von mir\nEs sind Krankenwärter mein liebes Fräulein,\ndie Sie zu mir bringen wollen\nSie haben eine Totenbahre\nSie dürfen sich nicht bewegen. Glauben\nSie, dass ich Ihnen Böses tun werde\nDie Leute blicken so böse, weil Sie mich\ntragen müssen.\nIch lege Sie selbst auf die Bahre.\nWerden Sie manchmal an mein Grab\nkommen\nSie träumen, bald sind Sie wieder gesund.\nSie sind wohl nie krank gewesen\nIch bin nicht tot.\nIch trage Sie ganz vorsichtig, dass die bö-\nsen Dornen nicht stechen\nSie dürfen meine Hand nicht loslassen\nIch bleibe bei Ihnen, bis Sie ganz gesund\nsind\nIch muss doch viele Wochen liegen\nVielleicht geht es schneller als ich denke\nIch möchte viele viele Wochen ruhn\n\nFortsetzung folgt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.14", "texte": "Zur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\nZehnter Brief\nNicht der äussere Umstand, dass ich zum\nzehnten Mal gegen Sie schreibe, sondern\nein rhythmisches Bedürfnis drängt mich,\nselbst einmal Atem zu holen und zurück-\nzuschauen. Und während ich mich be-\ntrachte, finde ich schon bestätigt, was ich\nin meinem ersten Brief als Motto setzte:\n„Wer mit Schmutz kämpft, wird ihn,\nSieger oder Besiegter, besudelt verlassen.\"\nAber ich weiss nicht, wie ich es bei einem\nsolchen Kampf vermeiden soll, von Dreck-\nspritzern getroffen zu werden. Sowohl „Ihr\"\nFall Marc wie „Ihr\" Fall Campendonk haben\nbewiesen, wie notwendig es war, bei dem\nWegräumen die Schmutzhaufen so umständ-\nlich wie gründlich anzupacken. Aber eben\nmeine Gründlichkeit mag es auch verursacht\nhaben, dass die Leser das Ganze teilweise\naus dem Gesicht verloren und sich nicht\ngenügend einprägten, um was es noch immer\ngeht. Sie erinnern sich, dass ich mir eine\nZeitlang einbildete, mit einigen satirischen\nBemerkungen Ihnen das Handwerk legen\nzu können. Ich hatte Sie schlecht gekannt.\nDenn dann kam Ihre Leichenfledderer-\nPostkarte. Und erst, als Sie sich weigerten,\nIhre Pflicht zu tun und an der Stelle, wo\nSie Ihre Verdächtigungen hingefetzt hatten,\nIhre abscheuliche Verleumdung zu bekennen,\nda erkannte ich Sie ganz. Da wusste ich,\ndass die Abrechnung mit einem Jahrzehnt\ndeutscher Kunstkritik nur den Titel Ihres\nNamens tragen könne. Ich schlug zunächt\nda zu, wo ich Lust hatte, ohne mich um\nIhr Geschrei zu kümmern, ich hätte einige\nHaufen schmutziger Verdächtigungen darum\nanerkannt, weil ich nicht Hände genug\nhatte, sie gleichzeitig mit den andern weg-\nzuräumen. Heute, da wir die Fälle Marc\nund Campendonk hinter uns haben und\nmeine Schläge Sie und zu meinem wahr-\nhaften Bedauern auch Campendonk so\nschwer getroffen haben, dass Sie wenigstens\nüber diese Fälle nur noch wimmern,\nheute kann ich es mir zumuten, einmal den\nmühsamen Weg von vorn zu gehen. Sie\nwerden es dabei ertragen müssen, manches\nzum zweiten Mal zu vernehmen. Und da\nich entschlossen bin, es Ihnen ein drittes\nund viertes Mal und noch öfter zu sagen,\nso mögen Sie nur auch diesen Brief sorg-\nfältig lesen. Sie werden mir zutrauen, dass\nich einiges hinzufüge, auf das Sie nicht ge-\nfasst waren.\nAls Herwarth Waiden vor zehn Jahren den\nführenden Künstlern der neuen Malerei, da\nsie sich fast überall abgewiesen sahen, eine\nGelegenheit gab, ihre Werke zu zeigen, ge-\nhörten Sie zu den Kritikern, die sich über\ndie neue Kunst so äusserten, wie Kritiker\nzu allen Zeiten über Neues und Grosses\ngeurteilt haben und in Ewigkeit urteilen\nWerden. Sie lehnten diese Kunst ab. Und\nSie taten das in einem Stil und mit Aus-\ndrücken, die sich von denen anderer Kunst-\nkritiker an Roheit und Unfähigkeit des Ur-\nteils durch nichts unterschieden. Aber da\nSie mit Beharrlichkeit den Miss verstehen den\nspielen, muss ich Ihnen heute recht aus-\ndrücklich und zweifelsfrei eine Konzession\nmachen. Ich will Ihnen sagen, dass Sie in\nder Roheit der gewählten Schimpfworte,\nin der vollkommenen Beschränktheit des\nUrteils damals von Einigen oder Vielen\nübertreffen wurden. Diesem merkwürdigen\nZugeständnis muss ich aber gleich etwas\nviel Merkwürdigeres hinterdreinschicken.\nWas ich Ihnen eben sagte, ist vermutlich\neine Unwahrheit, deren wegen ich alle\nMenschen um Verzeihung bitte. Es ist sogar\nganz gewiss eine Unwahrheit. Ich bringe\nder Sache dieses Opfer. Diese Unwahrheit\nmache ich zur Wahrheit. Ich befehle, dass\nes wahr sei. Ich will fest daran glauben,\ndass es damals Schriftsteller gegeben hat,\ndie es im Beschimpfen der neuen Kunst,\nder Künstler, des Sturm und Herwarth\nWaldens schlimmer getrieben haben als Sie.\nUnd darum haben Sie ein Recht, zu fragen,\nwarum man Ihnen Ihre damaligen Urteile\nschwerer vorwirft als Anderen. Aber wirft\nman Sie Ihnen überhaupt vor? Sie wussten\ndamals Triftiges gegen die neue Kunst so\nwenig einzuwenden wie die Andern. Denn\nda Sie die neuen Kunstwerke nicht nur\nfür die Arbeiten unfähiger oder schwach-\nbegabter Maler hielten, sondern für die Pro-\ndukte von Clowns, Akrobaten, Schwindlern\nund Bluffern, so glaubten Sie zu einer Be-\n• •\ngründung Ihrer Äusserungen keine Ursache\nzu haben. Auch Sie dachten, dass der neu-\nmodische Schwindel in der kürzesten Zeit"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.15", "texte": "vorübergehen werde. Nachdem Sie aber\nlange geglaubt und gehofft hatten, fingen\nSie an zu bemerken, dass in der europäischen\nMalerei eine vollkommene Kunstwende ein-\ngetreten war. Ob diese Beobachtung Sie\nveranlasst hat, ein Kunstblatt herauszugeben,\ndas sich besonders der neuen Kunst an-\nnehmen sollte, ob Herr Kiepenheuer vor\nIhnen auf diesen Gedanken kam, das weiss\nich nicht. Was aber Herrn Kiepenheuer\nveranlasst hat, für seinen Zier- und Gemüse-\ngarten einen Bock anzustellen, das weiss\nauch der allwissende Gott nicht. Oder\nwollen Sie mir sagen, woher es der All-\nwissende wissen konnte, dass sich der Bock\nin einen Gärtner verwandeln werde? In\neinen schlechten Gärtner zwar, der Rosen\nvom gemeinen Unkraut nicht unterscheiden\nkann und den Mist mit Früchten verwechselt.\nAber mag es nun zugegangen sein, wie\nimmer, Sie trauten sich die Fähigkeit zu,\nfortan für dieselbe Kunst einzutreten, gegen\ndie Sie vorher mit den abscheulichsten\nAusdrücken geschrieben hatten. Ich habe\nin einem meiner früheren Briefe Ihnen be-\ngreiflich zu machen versucht, warum ein\nSchriftsteller verpflichtet ist, es öffentlich\nzu bekennen und zu begründen, wenn er\nsich zu einem Wechsel seiner ebenso öffent-\nlich geäusserten Ansichten getrieben sieht.\nDieses Bekenntnis und die Begründung sind\ndie Ehre des Schriftstellers und ganz be-\nsonders des Kritikers. Sie haben den\nWechsel Ihres Urteils nicht bekannt und\nnicht begründet und damit bewiesen, dass\nSie keine künstlerischen Gründe\nhatten, für die neue Kunst einzutreten, wie\nSie früher auch keine Gründe, sondern nur\nSpott gegen sie vorzubringen wussten.\nSie zogen es vor, den Anschein zu erwecken,\nals wären Sie seit Beginn der neuen Kunst-\nbewegung ihr anerkennender Kritiker, ihr\nwarmer Freund und Förderer gewesen.\nSie Hessen es auch ruhig geschehen, dass\neinige Einfaltspinsel Sie für alles das hielten.\nDiese Lächerlichkeit konnte man sich grade\nnoch gefallen lassen. Es lag in dem ganzen\nVorgang etwas Natürliches. Die gesamte\ndeutsche Presse und insbesondere die Kunst-\nkritik war seit Jahren darin einig, dass alle\nKunstwerke, die Der Sturm ausstellte, alle\nDichtungen, die Der Sturm veröffentlichte,\nzwar nicht getadelt, aber verrissen\nwerden müssen. Nicht wahr, Herr West-\nheim, darin wart Ihr alle einig, und es\nhatte nicht einmal einer Vereinbarung be-\ndurft. Man war aus Instinkt einig, aus\nInstinkt gegen das Neue und Grosse. Aber\ndas Neue hörte eines Tages auf, so ganz\nneu zu sein, und da es gross und gewallig\nwar, so errang es den Sieg über die\nMenschen. Diesem Sieg mussten sich\nschliesslich auch die Kunstrichter beugen.\nUnd was geschah nun? Gingen die alten\nSünder hin und bekannten, dass sie sich\nin Herwarth Waiden, dem Sturm, seiner\nKunst und seinen Künstlern fürchterlich\ngeirrt hatten? Nein, mein Herr, das taten\nsie nicht. Sie hattens auch sozusagen nicht\nmehr nötig. Es gab so viele Ausstellungen,\nin denen dieses und jenes Stück von der\nneuen Kunst zu sehen war, so viele Kunst-\nhandlungen, in denen Werke des Sturm\nwie aus dem Schlamm auftauchten, dass\nman sich zur neuen Kunst bekehren oder\nwenigstens bekennen konnte, ohne über\nHerwarth Waiden und den Sturm ein\nlobendes oder bereuendes Wort zu sagen.\nUnd dann gab es auch ein Kunstblatt. Und\nweil es nicht im Verlag des Sturm erschien,\nweil nicht Herwarth Waiden derjenige war,\nder all das verrückte Zeug abbildete, so\nkonnte man diese nickelnagelneue Kunst,\ndie da Herr Westheim mit feinem Spürsinn\nentdeckt hatte, endlich mit Gottes Hilfe\nloben. Wie ich Ihnen sagte, es war ein\nhöchst natürlicher unnatürlicher Vorgang.\nVielleicht dachten jene Narren, die Sie für\nden Erfinder der neuen Kunst ausgaben,\nes müssten doch wohl grosse Kunstwerke\nsein, wenn ihr grimmigster Feind sich zu\nihnen bekehrt habe. Vielleicht dachten sie\nauch gar nichts. Vielleicht wollten nur die\nKrähen einer andern Krähe die Augen nicht\naushacken. Es war so natürlich, dass man\nüber Sie sowohl wie über die Einfaltspinsel,\ndie Sie für den Entdecker des Kubismus\nhielten, lächeln konnte. Und es war keine\nDreistigkeit, sondern etwas weniger, keine\nDummheit, sondern Ihr Verhängnis, dass\nSie rim Jahre 1918 im Dezemberheft des\nKunstblatts dieses schrieben:\n.Das Erscheinen eines Buches Kunstwende\n(im Verlag Der Sturm) gibt Adolf Beline\nAnlass, sich in den Sozialistischen Monats-\nheften auseinanderzusetzen mit den kleinen\nAblegern der Marc, Chagall, Archipenko,\nKandinsky, Klee, Feininger, dem, was man"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.16", "texte": "jetzt unter dem Schlagwort „Sturmkunst\"\nder Öffentlichkeit aufzupropagieren ver-\nsucht.\"\nSie haben sich später so gestellt, als wären\nSie, da Sie still für sich Ihre Förderung der\nneuen Kunst betrieben, von Herwarth\nWaiden „angerempelt\" worden, womit Sie\nausdrücken wollten, Herwarth Waiden\nhabe grundlos Händel mit Ihnen angefangen.\nNun sehen Sie, und andere sehen es auch,\ndass Sie derjenige waren, der heraus-\nforderte. Herr Behne hatte so etwas wie\neine Art von kleinem Recht, den Sturm\neinmal „anzurempeln\". Er war bis dahin\nso etwas wie ein Commilitone gewesen.\nEr hatte von Anfang an als einer der\nWenigen mitgestritten und ausge-\nhalten, solange er noch jung war und Lust\nhatte. Damals aber hatte ihn der Krieg\nund ein erniedrigender militärischer Sub-\nalterndienst zu einem grämlichen, ver-\ndrossenen Mann gemacht. Darum will ich\nes nicht versuchen, ihn zu belehren, wie\nsehr er sich kritisch täuschte, als er\nglaubte, einige jüngere Künstler zu noch\nhöherem Ruhm einiger allgemein Aner-\nkannter herabsetzen zu müssen. Das haben\ndie Verdrossenen zu allen Zeiten getan.\nEr hat sich später einmal darüber lustig\ngemacht, dass Der Sturm einige Zeichnungen\ndes begabten Karlsruher Malers Oskar\nFischer zeigte. Aber er hat später Gründe\ngefunden, sich für Oskar Fischer so sehr\nins Zeug zu legen, dass er nun sogar dem\nSturm vorwarf, er nehme sich dieses jungen\nMalers nicht genügend an. Herr Behne hat\ndiesen Wechsel seiner Anschauung vor-\ngenommen, ohne seinen Irrtum zu gestehen\noder gar zu begründen. Und das beweist,\ndass selbst einem Mitstreiter in seiner Ver-\ndrossenheit so etwas passieren kann. Es\nlässt auch vermuten, dass sein Pro und\nKontra locker sitzt. Er ist begeistert von\nKurt Schwitters. Aber auch von Herrn\nGolyscheff. Er möchte gern, aber er will\nnicht immer. Herr Behne also hat als ein\nehemaliger Commilitone den Sturm „ange-\nrempelt\". Und eben weil es eine An-\nrempelung war, hat man dieses burschikose\nBetragen mit burschikosem Humor sich fürs\nerste gefallen lassen. Wenn aber Sie, Herr\nWestheim, der kein Mitstreiter, sondern ein\nWidersacher war, glaubten, Sie könnten\nsich auch einmal eine Anrempelung leisten,\nso hatten Sie vergessen, dass Ihnen das\nnicht billig ist, was Herrn Behne recht sein\nmochte. Denn da hatten Sie sich eine\nKritik angemasst, zu der Sie vor der Öffent-\nlichkeit und vor Ihrem Gewissen längst\njedes Recht verloren hatten. Und nun\nwiederhole ich Ihnen, dass Waiden bis zum\nDezember 1918 mit keinem Wort daran er-\ninnert hatte, wie aus einem ci-devant-Bock\ndurch eine mysteriöse Metamorphose ein\nGärtner geworden war. Da kam Ihre\nHerausforderung. Der klassische Be-\nschimpfer von Chagall, Archipenko, Kan-\ndinsky, Klee, Feininger und vielen Anderen\nhatte die Entdeckung gemacht, dass alle\ndiese Schmierfinken, diese Clowns und\nBluffer, diese Attraktionen dritten Grades\nbereits ihre Ableger gefunden hätten. Es\nwar eine Herausforderung. Im Sturm\nschändete man Ihre Heroen und Lieblinge,\nindem man Künstler wie Muche, Topp,\nMolzahn, Fischer und Schwitters ausstellte.\nIhr bewunderter Kandinsky wurde durch\nRudolf Bauer befleckt. Es war eine Heraus-\nforderung. Sie glaubten wahrhaftig, Waiden\nhabe vergessen, dass Sie sich vor Jahren ein\nMonument kritischer Unfähigkeit gesetzt\nhatten. Und so spielten Sie einmal\npompös den grossen expressionistischen\nEntdecker und Förderer, so pompös, dass\nWaiden endlich von Ihrer Entdecker-\nund Fördererpose genug gesehen hatte. Da\nversetzte er Ihnen den ersten Schlag. Denn\nwie sah der Entdecker und Förderer Chagalls\nin Wahrheit aus? Wie sah der Mann aus,\nder sich heute untersteht, über Kunst zu\nurteilen? So, meine Zeitgenossen und\nNachfahren, urteilt\n\nWestheim über Marc Chagall:\n\nDa gebührt seinem Kumpan, dem Marc\nChagall, doch der Vorrang. Er schickt\ndrei Bilder nach Berlin, die gewidmet\nsind: 1. Seiner Braut, 2. Christus, 3. Russ'\nland, den Eseln und den Andern. Im\nInteresse des guten Geschmackes, der\neiner Malersbraut ja ohne weiteres zu\nkonzedieren ist, wollen wir nicht an-'\nnehmen, dass die gehörnte Bestie, die\noben zwischen ein paar Schenkeln empor\"\ntaucht, ein Stück Selbsterkenntnis des so\nfreigebig widmenden Autors ist.\nHaben Sie gelesen, Angeklagter, wollte sagen,\nHerr Westheim? Geben Sie zu, diese Per-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.17", "texte": "versitäten über den „Kumpan\" Marc Chagall\ngeschrieben zu haben? Und in welcher\nEigenschaft haben Sie das geschrieben?\nAls Bierzapfer? Als Mitarbeiter des Or-\ngans für Friseurgehilfen? — So tun Sie\ndoch endlich den Mund auf! Ich halte\nSie für fähig, dass Sie mich für den\nVerfasser ausgeben wollen. Oder dass\nich meine fortune corrigiert habe, da\nich doch an der Ihrigen nichts verbessern\nkann. Also heraus mit der Sprache!\nSie wissen es nicht mehr? Ja, das\nmag sein, dass Sie nicht mehr wissen,\nwas Sie geschrieben haben. Darum\nwill ich es darauf ankommen lassen, ob\nman mir zutraut, dass ich Kritiken des\nHerrn Westheim nachschreiben kann, ohne\neine Silbe daran zu ändern. Es war eine\nHerausforderung. Aber nachdem Waiden\nIhre Beschimpfung des Kumpans Chagall\nin Erinnerung gebracht hatte, da, Herr\nWestheim, begingen Sie keinen Selbstmord.\nDenn Sie wussten, dass Sie mit diesem\nUrteil den Kritiker Westheim längst ge-\nmordet hatten. Auch Herr Kiepenheuer\ntat nicht das, was ihm zur Ehre gereicht\nhätte. Er packte Sie nicht beim Kragen\nund befreite sich von Ihnen, sondern liess\nSie weiter den Westheim spielen. Und\nselbst Waiden sah sich abermals ein Jahr\ndiesen Unfug an, dass der Erzbeschimpfer\nder Kunst sich für ihren Förderer ausgab\nund ausgeben liess, — da ja doch diese\nKunst inzwischen anerkannt worden war.\nDass aber im Herbst 1919 Einer sich die\nTollheit aller Tollheiten leistete, Sie, Paul\nWestheim, den „gewiss unverdächtigen Vor-\nkämpfer des Expressionismus\" zu nennen,—\ndas, nicht wahr, Herr Westheim, Sie ver-\nstehen mich? Suchen Sie sich selbst ein\nWort dafür. Sie, Paul Westheim, den\n„ gewiss unverdächtigen Vorkämpfer des\n„Expressionismus\" zu nennen! Grosser\nGott im Himmel, ich hätte es mich beinahe\neine Reise kosten lassen, den von Angesicht\nzu Angesicht zu sehen, der Paul Westheim\nden „gewiss unverdächtigen Vor-\nkämpfer des Expressionismus\" genannt hat.\nWird er aussehen wie ein Mensch? An der\nStelle des Kopfes wird er die Füsse tragen.\nEr ging auf dem Kopf. „Paul Westheim,\nder gewiss unverdächtige Vorkämpfer des\nExpressionismus\" schrieb die Mole, indem\nsie die Feder zwischen die Zehen des\nlinken Fusses klemmte. Und als Sie das\nlasen, Herr Westheim, da stiessen Sie eine\nLache aus, so grässlich, als hätten Sie\nnoch immer über eine Plastik von\nArchipenko, über ein Bild von Campen-\ndonk oder drei Bilder von Chagall\nein paar Dutzend Zeilen herunterzulachen.\nWie schauerlich Sie lachen können, wenn\nSie einer, der auf dem Kopf läuft, für den\ngewiss unverdächtigen Vorkämpfer des Ex-\npressionismus hält! Das also kann einem\ngeschehen, der mit der grossen Zehe kriti-\nsiert, dass er den einzigen, gewiss\nverdächtigen Vorkämpfer des\nExpressionismus für „gewiss un-\nverdächtig hält. Nun, Herr Westheim, Sie\nhaben gelacht, Sie haben sich beinah tot\ngelacht. Und wer so gelacht hat, dass er dem\nTod ins Auge sah, — ja, erinnern Sie sich\ndenn nicht an Ihr entsetzendes Gelächter?\nAber das müssen Sie doch wissen! Ich höre\nSie heute noch lachen, — sehen Sie selbst,\nwie Sie mich mit Ihrem grausigen Lachen\naus der Fassung bringen, denn ich wollte\nsagen: als man Sie, ja Sie, Herr Westheim,\nals man Sie den gewiss unverdächtigen\nVorkämpfer des Expressionismus genannt\nhatte, da schlug Sie Waiden zum zweiten\nMal aufs Haupt. Und nun lasst uns sehen,\no Genossen einer Zeit, in der ein Westheim\nein gewiss unverdächtiger Vorkämpfer von\nGott weiss was genannt werden kann, nun\nlasst uns sehen, was Herr Westheim tat.\nGing er hin und gestand? Oder bereute er?\nOder leugnete er? Er schrieb im April 1920\ndieses und jenes gegen den Sturm. Er ver-\nsuchte — ah, ganz recht, das waren ja Sie\nselbst, Herr Westheim, also Sie versuchten,\neinige Worte zu Ihrer Rechtfertigung anein-\nanderzureihen. Aber da Sie Ihre fürchter-\nliche V ergangenheit nicht aus der Welt heraus-\njonglieren konnten, so wurde daraus ein\nGestrüpp von Sätzen, an dem Sie sich selbst\naufhängen mussten. Jawohl, Herr West-\nheim, das waren Ihre berühmten Sätze von\nderEntwicklungKandinskys aus der Banalität\nheraus. Künstler müssen sich erst entwickeln,\nehe ein Westheim sagen kann: Bravo, das\nnenn ich mir einen Expressionismus, der sich\ngewaschen hat! Und es war wohl das\nwenigste, das man von einem, der sich\nherausreden muss, verlangen kann, wenn\nSie sich nicht grade auf Chagall beriefen.\nOder sagen Sie mir, Herr Westheim, warum"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.18", "texte": "beriefen Sie sich denn nicht auf Chagall?\nHatte sich der „Kumpan\" nicht ganz nett\nentwickelt seit jenen Bildern, über die Sie\nsich in Hohn und Spott tot gelacht haben?\nStatt dessen radebrechen Sie was von einer\nEntwicklung Kandinskys. Als ob Sie über\nseine früheren Bilder geschimpft hät-\nten ! Nein, Sie Schwerenöter, — über seine\nletzten Bilder, über seine „sogenannten\"\nabsoluten Malereien hatten Sie Ihre\nFlüche ausgestossen. Reden Sie sich doch\nnicht mit solchen Flausen heraus. Aber\nfreilich, ich wüsste selbst nichts, gar nichts,\nwas Sie zu Ihrer Rechtfertigung hätten vor-\nbringen dürfen. Und da Sie in Ihrer Ver-\nlegenheit das Unglück hatten, sich auf\nKandinskys Malereien zu berufen, so muss-\nten Sie ihn obendrein nolens volens, das\nheisst auf deutsch: ob Sie wollten oder\nnicht, anerkennen oder gar loben. Aber\nweil Sie das noch immer nicht verdaut\nhaben wollen, obgleich ich es Ihnen mit\n«•\nOl und mit Essig angemacht hatte, so will\nich es Ihnen noch einmal sagen und so oft\nwiederholen, bis Sie es endlich begriffen\nhaben: Wollten Sie in dem verdrehtesten\nSatz, den Sie je gedeichselt haben, Kandins-\nky nicht anerkennen, dann durften Sie\nsich auf ihn nicht berufen. Haben Sie es\nendlich verstanden? Aber wenn ich Ihre\nüberzwerchen Sätze auseinandernehme, dann\nschreien Sie, ich hätte Gift gebraut. Ihnen\nmags bitter schmecken und schlecht be-\nkommen. Und natürlich wussten Sie selbst,\ndass Ihre Rausredereien mit der Entwicklung\nKandinskys aus der Banalität heraus nichts\nals faule Fische waren. Es musste etwas\nanderes geschehen, das Sie zwar ebenso\nwenig reinwaschen, dafür aber als Rache\ngenossen werden konnte. „Ich will es\nWaiden heimzahlen, dass er mir die Maske\ndes Gärtners vom Gesicht gerissen hat.\"\nSo dachten Sie. Und Leute Ihrer Art waren\nin solchen Fällen nie verlegen, wie sie\nRache nehmen werden. Sie setzen sich in\neine Retourkutsche oder behaupten, der an-\ndere habe silberne Lötfei gestohlen. Sie ent-\nschlossen sich zu beidem. Und so schrieben\nSie zunächst einiges, um zu beweisen, dass\nauch (auch ist ein lustiges Wort, nicht wahr,\nMonsieur?) Waiden nicht immer konsequent\ngewesen sei. [Auch er habe einmal — auch\ner habe — hm, was schrieben Sie doch\ngleich, Herr Westheim, — ah, eben fällts\nmir ein, auch Waiden habe einmal des\nAbends vergessen, die Uhr aufzuziehen.\nNein, ich irre mich, es war nichts so\nSchlimmes. Sie schrieben, er habe —\nnun? — schrieben Sie nicht etwas von\neiner gezähmten Taube oder von einem —\nwie nennt man die Dinger? — Dass ich\nmich über einem so schlechten Gedächtnis\nertappen muss! Ich werde meine stock-\ntaube Muhme bitten, mir das Kunstblatt\nzurückzugeben. In früheren Jahren las sie\nabends vor dem Einschlafen gern eine\nStunde im Kochbuch. Seitdem sie so\nschlecht hört, zieht sie es vor, im Kunst-\nblatt zu lesen. Mein Wort, ich lasse mir\ndas Heft zurückgeben und dann sollen Sie\nIhre Antwort haben. Nur müssen Sie mich\nnicht treiben. Es wird einen Kampf mit\nder Muhme kosten. Und ich werde genötigt\nsein, vorher über einiges andere mit Ihnen\nabzurechnen. Denn ich erinnere mich sehr\ngut, dass hinter der gezähmten Taube etwas\nvon silbernen Löffeln zu lesen war und\nvon „Künstlern, die dem Sturm entlaufen\nsind\". Ich werde versuchen, es aus dem\nKopf wiederzugeben.\n\nRudolf Blümner\n\nInhalt\nRudolf Blümner: Die absolute Dichtung\nRudolf Blümner: Ango lai'na\nHerwarth Waiden: Unter den Sinnen / Eine Dichtung zwischen Menschen\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Zehnter Brief\nMarc Chagall: Zeichnung\nWilli Baumeister: Grosse und kleine Figur / Tondruck\nJuli 1921"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.19", "texte": "VERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / FERNRUF AMT LÜTZOW 4443\n\nMusik\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werk 11—3\nOichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFur Gesang und Klavier / Je 4 Mark 50 Pfennige\nBruder Liederlich / Werk 5l\nFiir Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nEntbietung / Werk 92\nDiehtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 24 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 6 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 6 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\n\nSturrri'Kaften\nJede Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kunstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeisier 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerlen-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm'Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 90 Pfennige\nTour Donas —Nell Walden / Franz Marc / Iwan Puni\nJe B Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n4 Mark\n\nKunstdrucke aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJeder Kunstdruck 7 Mark 50 Pfennige\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/ Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baurn /Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4 Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 Y vetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 9 Mark\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nMarcoussis: Stilleben\nNell Walden: Aquarell\n\nSturm'Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nExpressionistische Kunst und Dichtung\nAuslandische Biicher\nVerkauf guter Biicher und Kunstdrucke\n\nVERZEICHNJSSE DES VERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210705-01.1.20", "texte": "KUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeöffnet täglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\nAnzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nAchtundneunzigste Ausstellung\nJuni 1921 bis 15. Juli 1921\nRudolf Bauer\nVjera Biller\nGesamtschau des Sturm\n\nTageskarte 2 Mark\n\nNeunundneunzigste Ausstellung\n16. Juli 1921 bis 26. August 1921\nPaul Klee\nGesamtschau des Sturm\nEroffnung:. 17. Juli 1921\n\nV*. •>?-<_ _ ■ » I'\nHundertste Ausstellung : Gesamtschau / Zehn Jahrc Sturm / Erciffnung 28. August 1921\n\nSTURM'ABENDE Jeden Mittwoch 73/4 Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nKarten 8, 6 und 4 Mark an der Abendkassc und im Vorverkauf Sturm-Buchhandlung / Potsdamer Strafie 138 a\nWiederbeginn 7. September 1921\n\nDer Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen April :\nRom / New-'York / Paris\n\nDer Sturm iibernimmt die Veranstaltung von\nSturm-Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und LSndern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstellc fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSturm'Bilderbiichcr\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nIV. Kurt Schwitters\n18 Mark\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n90 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nAlexander Archipenko: Aquarell\n9 Mark\nLouis Marcoussis: Aquarell\n9 Mark\nKurt Schwitters: Merzzeichnung ra\n9 Mark\nRudolf Bliimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste\nMit Abbildungen\n18 Mark"}]}