{"numero_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_sha256": "ddd55188565063ef5915ad828fccb1334bff79d4447d60e37660137a8d0bcd48", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1921/09/05_01/bmtnabg_1921-09-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1921/09/05_01/bmtnabg_1921-09-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-09-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.2.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Jacoba van Heemskerck", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.1", "debut_caractere": 88, "fin_caractere_exclue": 120, "texte": "Jacoba van Heemskerck: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-09-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "158", "image_debut": 3, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.2.2", "titre_corps": "Buss Schrei", "titre_sommaire": "Buss Schrei", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.3", "debut_caractere": 56, "fin_caractere_exclue": 1278, "texte": "Buss Schrei\nLothar Schreyer\n\nMännerf-Frauen Wir lügen\nWir huren\nWir morden\nSchande Wir Erde\nIch und Du\nIch und Du\nLieben Lachen\nLachen Lieben\nHeulen Tat\nWir Wir Wir Wir Wir Wir\nMänner Bekenne\nBekenne\nBekenne\nBekenne\nFrauen Bekenne\nBekenne\nBekenne\nBekenne\nMänner Frauen Schuld\nIch werfe Mich\nStaub\nIch liege Mich\nIch\nFrauen Tier auf Mir\nMänner Frauen Ich leide\nMänner Bruder\nFrauen Männer Hasser Fleisch\nFessel Fleisch\nHunger und krank\nFuss um Fuss\nMänner Leer\nFrauen Weit\nMänner Leer\nMänner? Frauen Verlassen\nMann Büsse Dich nackt\nSchamlos steht Du\nSchamlos in Brüdern\nDie schamlosen Schwes-\ntern wachsen nackt\nSieh welch ein Mensch\nDich finde ich nicht\nArm\nVerdammt\nKomm mit komm mit\nHass Ich\nOhnmacht Ich\nFlucht\nDir Dir Dein Du\nIch sterbe allein\nHüter über meinem Tod\nLächler in Leiden\nHändler mit Menschen\nVerführer\nZerreiss Deinen Mantel\n% Ich habe kein Kleid\nIch weine auf Deine Fet-\nzen\nIch speie auf Deine Fetzen\nGeh zu den Menschen\nMann Frau Weh tut die Liebe\nDie Tat ist schlecht\nSchwache Arme umar-\nmen den Wüsten nicht\nEinsam wartet Ich\nIch starrt bodenlose Wunde\nWandelst Du weit am\nUferrund\nSingt Liebe in meinen\nSturm\nMann Lüger\nTäuscher\nVerräter\nIn Todwüste bin ich\ngeworfen\nIn Todwüste trägst Du\nDich nicht"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1684, "texte": "Um Lebende schmeichelt\nmein 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Toten\nUm die Erde wandeln\ndie Leichen\nDer Schlüssel der Gruft\nist verschlungen\nDer Rächer gebiert die\nGerichteten\nHier bin Ich\nHier bin Ich\nMann Erlösen\nErbarmen\nErbe Du\nSünde\nArmut\nDemut\nMut um Mensch\nRund um Rund um\nUm Um Um Um\n**\nMänner Frauen Das zerweste Gesicht\nWild starrt das Mutter-\nhaupt\nErde schändet die Schwe-\nster\nDie Auferstandnen Ver-\ndammten\nLeben Leben\nFluch donnert in Himmel\nLaster platzt\nFrauen Lüstern umarmen die\nLeichen\nMänner Entrollt die Rlume das\nGift in die Meere\nFrauen Lust der Geschlechter\nLust Lust\nMänner Der Schlund umzüngelt die\nSterne\nMänner Frauen Sterben im Leben\nMann ist in Weib getürmt\nWeib ist aus Mann geris-\nsen\nZerrissen\nFleisch umwittert den\nGeist\nFrauen Verfaulen Wir"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1701, "texte": "Männer Aeserfrass\nFrauen Wehgeburt\nMänner Wehgeschlecht\nIn die Erde Erde\nErdentief in Erde Erde\nWurzel\nBlüht die Blume in den\nHimmel Tag\nBlüht der Mensch in Hölle\nNacht\nSturm nachtet nichtet\nStürme\nNieder in die Scham\nNieder in die Sünde\nStummen Tote\nSchreien Tote\nUnd kein Leben lebt\nKein Leben\n-Mann In die Nacht gezogen\nWeh zerbrennen\nMenschen über unter\nMenschen\nKeinem tun wir das Gute\nNiemand tut uns das Gute\nGewissen Zerwissen\nReue um nichts\nReue umsonst\nUm alles gewesen\nUm nichts geworden\nTot tot tot tot\nMänner Frauen Auf mir die Last\nAuf mir der Bruder\nAuf mir aller Brüder alle\nLeichen\nStrafe und Recht\n» Urteil ewiges Teil\nDas Gesetz\nMein Recht ist Dein Recht\nGerichtet\nGerecht ist der Richter\nDas Schwert des Herrn\nkreuzt die Erde\nLiebe sternt Feuer in\n— mich\nGerichtet auf\nGerichtet auf\nOpferleben\nOpfertod\nMenschenopfer\nOpfergott\nHeult das Wort Fürmich\nSchlägt das Wort Fürmich\nIch trage das Wort Fürmich\nIch trage Gott\nSo bricht mein Herz\nSo lieg ich im Staub\nSo trag ich Schuld\nUnd bin ein Mensch\nFrauen Menschen\nMänner Menschen\nMänner Frauen Und bin ein Mensch ge-\nboren\nFrau Himmelsgnade\nKind\nLeid\nErdengnade\nDir dient mein Tod\nTief im Staube\nReue lächelt\nWunder wandert\nTrag ich Dich im Staube\nBlut vergossen\nMein Sohn\nNimm Deine Magd\nMein Herr\nMänner Frauen Muttertorheit\nMutter\nBlüht Blutlüge Mutter\nSünde flutet aus dem Blut-\nschooss Mich\n- Unschuld\nUnschuld\nDie Ungeborenen weinen\numweinen\nFeuer\nFeuer\nDie Mondsichel blitzt in\ndas Fleisch\nGier frisst die Schlange\nliebendes Aas\nAus mir aus mir aus mir\nDas Mondschiff zerschellt\nan dem Herz\nNacht\nNacht\nMutterhure kreist\nWeh kreist die Welt\nAusgeworfener Mensch\nUmmüttern\nMutterhure anbeten wir\nAnbetung dem Menschen\nBrust auf"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1569, "texte": "Scham auf\nDas bist Du\nDu bist Ich\nBuhle Pfuhl Buhlerin\nAas\nAas\nFrau Menschensohn\nErdenkind\nNicht zürnt der Mensch\nNicht unzüchtetderMensch\nNicht schwört der Mensch\nNicht widersteht dem Bö-\nsen der Mensch\nMensch ist der Mensch\nIch leide Menschmutter Dir\nUeber aller Mutter Schooss\nUeber aller Mutter Herz\nAller Mutter Sohn\nMänner Frauen Muttertod\nErlösung von aller Mutter\nErlöschung des Weib-\ngeschlecht\nFeuer steht Mann\nFeuer frisst Hure\nSternstimme dröhnt\nNicht Ich bin gerufen\nNicht Ich bin gerufen\nMich malmen die Sterne\nMich bersten die Schläge\nDurchbohren\nIch bin die letzte Tat ohn\nEnde\nUnd denken Schuld\nUnd schmerzen Schuld\nKein Wort ist verloren\nIn alle Zeit versäumt\nIn alle Zeit zu spät\nSchauder der Reue frisst\nHunger der Reue frisst\nMich durch Mich\nIch öffne mein Haupt\nIch öffne mein Herz\nWeh stürmt mich die\nWeh stürmt mich die\nIch glänze das Blut\nIch flamme\nAsche weht Herz\nAsche weht Haupt\nUmhüllen\nUmschütten\nZerarmen\nZerkeuschen\nZerleibt der Menschleib\nZergeistet der Menschgeist\n. Nichtmensch\nNichtmensch\nMann Nichtmenschgeburt\nWerdegeburt\n\" Wiedergeburt\nErheben\nZer wandeln\nErnichten\nZerlichten\nKreisen umkreisen der\nKreis\nMänner Frauen Mensch in Erde\nSonne in Erde\nErde in Sonne\nMann Sonne in Mensch\nGeschieht Geschöpf\nUrmorgen der letzte Tag\nEwige Nacht umsinken\nMitte\nAllgleiche\nAll Ein\nEin\nMänner Frauen Ich allein in Mensch\nIch Wende\nIch tu die Tat\nBusse\nBusse\nNimm\nKomm\nStaubgeworfen lieg ich\ngeöffnet\nTöte mich\nGebäre Mich\nFremder\nGeliebter\nRetter\nFeuer\nWach wach\nWach wach\nWach wach\nAlle Menschen sind entzwei\nAlle Menschen sind ver-\nloren"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 849, "texte": "Alle Menschen suchen All\nVerlassen\nIch lasse Dich nicht\nDich\nDich lasse ich nicht\nDich\nNicht lasse ich Dich\nDich\nLasse Dich nicht Ich\nDich\nIch lasse Dich nicht\nDich\nMann Der Retter\nMann Frau Schläft\nMann In mir\nMann Frau Träumt in mir der Retter\nIch bin Dein Haus\nIch bin Dein Grab\nIch bin Dein Schutz\nMänner Frauen Du bist\nDu\nDu bist\nDu\nDu bist\nDu\nDu bist\nMann Du\nMann Frau Du wunde uns\nDu\nDu wandle uns\nDu\nDu wecke uns\nDu\nDu wache uns\nDu\ni-' • .\nMann Nimm\nNimm\n*\nMENSCHENSCHREI\nMänner Frauen Gib\nWehen alle Kinder\nGib\nAlle Kinder tragen Men-\nschen\nGib\nAlle Kinder lieben Men-\nschen\nGib\nSterben alle Kinder\nGib\nAlleKinderlebenMenschen\nUeber uns\nUeber uns\nWort in Mensch\nWirf\nWerk in Mensch\nWirf\nMensch in Mensch\nWirf\nHier bin Ich\nDu\nFrau Mensch\nFrauen Mensch\nMensch\nMensch\nMensch\nMänner Nimm\nMann Mensch\nMensch\nMensch\nMensch\nMänner Frauen Du\nMensch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-09-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "157", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.2.4", "titre_corps": "Unter den Sinnen : Dichtung zwischen Menschen", "titre_sommaire": "Unter den Sinnen : Dichtung zwischen Menschen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.8", "debut_caractere": 1094, "fin_caractere_exclue": 1153, "texte": "Unter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.8", "debut_caractere": 1168, "fin_caractere_exclue": 1380, "texte": "Was verschafft mir die Ehre, meine Gnädigste\nSie kennen mich sicher nicht mehr.\nAber meine Gnädigste. Ich habe Sie so oft\nmit Ihrem Fräulein Schwester gesehen.\nWo ist Friedel\nDas kann ich Ihnen leider nicht sagen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3283, "texte": "Wie kann ich sie nur finden\nIst etwas bei Ihnen zu Hause geschehen.\nVerzeihen Sie, dass ich Sie gestört habe\nWenn ich Ihnen sonst einmal dienlich sein\nkann\nGuten Abend\nGnädige Frau hatten noch einen Schirm\nGuten Abend Herr Baron\nSie hier, das ist ja reizend, haben Sie mich\ngesucht.\nJetzt bin ich verloren\nAlso ich komme morgen nach zwei zu\nIhnen.\nWeg. Nun hat sie doch Ihren Schirm ver-\ngessen.\nIst die Dame öfters hier.\nNein Herr Baron. Ich habe sie das erste\nmal gesehen. Sie war kaum zwei Minuten\ndrin.\nIst jemand da.\nDer gnädige Herr ist allein\nGuten Adend Frauchen. Nun wieder ver-\nnünftig.\nDas Essen ist fertig.\nDas ist brav. Und nachher sollst Du auch\nzur Belohnung die neuen Apparate sehen.\nIsst Du denn nicht.\nDanke. Ich bin krank.\nWenn man keinen Appetit hat, soll man\nnicht essen. Es klingelt. Bleib nur. Das\nist sicher der Bote mit den Apparaten.\nWenn ich nur Mut hätte.\nDu hast also schon Geheimnisse vor mir.\nErnst\nWeisst Du, was ich hinter meinem Rücken\nhabe\nNicht schlagen bitte.\nEin so schlechtes Gewissen hast Du. Bitte\nDein Schirm\nWas willst Du mit meinem Schirm.\nDu gibst also zu, dass es Dein Schirm ist.\nDas wollen wir zunächst einmal feststellen.\nWo hast Du ihn stehen lassen.\nIch\nKeine Ausreden. Was hast Du /bei dem\nBankier zu tun. Ohne mein Wissen.\nHör mich ruhig an Ernst.\nJetzt ist mir alles klar. Jetzt durchschaue\nich Dich. Nie ist ein Mensch so hinter-\ngangen worden.\nErnst\nNatürlich, ein Prolet wie ich ist für Dich\nund Deine Familie kein Mensch. Dem\ndarf man kein Geld anvertrauen. Als ob\nich es durchbrächte. Aber da wird mir\neine Komödie vorgespielt, an der Du Dich\nbeteiligst, nur damit ich die Mitgift nicht\nin die Hand bekomme.\nSchweig. So hat man mich hintergangen.\nDie Tochter wird mir gütigst anvertraut.\nAber ihr Geld wird zum Bankier gebracht,\ndamit der Prolet sich nichts aneignet. Ich\nbin gut genug dazu Dich zu ernähren.\nJetzt wirst Du mir sofort reinen Wein\neinschenken. Wieviel Geld besitzst Du.\nWie konnte ich mich so täuschen.\nKeine Ausreden bitte. Ich verlange als\nDein Ehemann unzweideutige Antworten\nLass mich gehen.\nNein meine Liebe, so leicht geht das nicht,\nich habe das Gesetz für mich. Endlich\nhabe ich in der Gesellschaft Fuss gefasst.\nMich wird niemand wieder herausstossen.\nUnd Du am wenigsten\nFurchtbar\nNun sei mal wieder ein vernünftiges Frau-\nchen. Ich werde Dir doch das Geld nicht\ndurchbringen. Aber wenn Du etwas logisch\ndenkst, musst Du doch einsehen, dass ich\nals Ehemann über den Yermögensstand\nmeiner Frau Bescheid wissen muss. Schon\nzur Wahrung Deiner Interessen.\nDu hast doch gewusst, dass ich nichts\nhabe.\nUm so mehr Vertrauen sollst Du mir\nschenken, da ich Dich in diesem Glauben\ngeheiratet habe. Schliesslich trifft ja die\nSchuld vor allem Deine Eltern.\nIch habe Dir nichts mehr zu sagen.\nDu bleibst also verstockt. Gut. Ich nehme\nRücksicht auf Deine Krankheit. Unter diesen\nUmständen werde ich natürlich heute nacht\ndas Zimmer nicht mit Dir teilen. Ich hoffe,\ndass Du Dich morgen früh auf Deine\nPflichten besonnen haben wirst. Ich werde\ndie Nacht der leidenden Menscheit opfern\nFriedel\nAlso Du bist nun verheiratet.\nWie ich Dich gesucht habe\nDu bist ganz unverändert\nWie eine grosse Dame siehst Du aus.\nBist Du nun glücklich.\nFriedel\nWenigstens brauchen wir beide nicht mehr\nzu lügen.\nMan muss immer lügen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2772, "texte": "Aber jetzt nur, wenn man will.\nKannst Du mir helfen.\nDu hast doch einen Mann\nDu nicht.\nViele. Alle.\nFriedel.\nIch brauche keine Hilfe\nMein Mann. Er ist niedrig.\nSo musst Du ihn hoch nehmen.\nFriedel.\nDie Männer nehmen nur, was sie brauchen,\noder zu brauchen glauben. Dann möchten\nSie uns am liebsten wegwerfen oder noch\nlieber töten.\nWir sind nicht ohne Schuld, denn wir\nwollen es.\nWir wollen irgend einen Mann auf irgend\nein paar Minuten. Sie wollen eine be-\nstimmte Frau für immer, auch wenn sie\nsie nicht mehr wollen.\nDas ist die Treue des Mannes\nDie Menschen überschätzen die Liebe, sie\nist ein Spiel.\nDas sagst Du.\nMänner brauchen Frauen. Und Frauen\nMänner. Aber kein Mann eine Frau und\nkeine Frau einen Mann.\nWie glücklich Du bist in deiner Freiheit.\nIst es Freiheit, wenn ich brauche.\nWann sind wir frei\nWenn wir dreissig sind oder vierzig.\nOder fünfzig. Wenn wir endlich dieses\nLiebesspiel überwunden haben.\nUnd was soll man bis dahin tun\nLieben\nUnd was soll ich tun.\nLieben.\nIch ekle mich vor ihm.\nNimm einen andern.\nIch schäme^mich.\nZu spielen\nIch kann, ich muss treu sein.\nUnd wenn das Blut nicht will\nIch muss treu sein.\nUnd wenn das Blut sich geirrt hat.\nSo muss ich büssen.\nSchwester\nFriedel\nDu lebst zum 1 Mitleid. Zur Mitfreude\nitsä\nlebe ich.\nDu bist glücklich.\nAber ich freue mich nicht.\nWas suchst Du.\nWas ich nicht finde. Was wir nicht fin-\nden. Eine Tänzerin möchte ich sein auf der\nStrasse. Ohne Augen müsste die Strasse\nsein. Glücklich ist nur wer für sich,\ndurch sich, in sich schwebt.\nGlücklich wäre ich, wenn ich für den\nandern, durch den andern in dem andern\nlebte.\nDer andere lebt nicht\nIch muss ihn finden\nEr lebt nicht.\nIch habe ihn gefunden.\nDer nur für Dich lebt.\nEr hat für alle andern gelebt, so dass er\nnun nur noch für mich leben wird.\nDu wirst Dich wieder irren.\nDiesmal irre ich mich nicht\nWer sagt Dir das.\nMein Herz.\nDas Herz treibt das Blut, und das Blut\nlügt\nAlso brauchst Du meine Hilfe nicht\nDu sollst ihn sehen.\nUnd wenn ich es nicht glaube.\nDu musst es glauben.\nAlso brauche ich ihn nicht zu sehen.\nDu musst ihn sehen, weil ich glücklich\nbin.\nDas Glück zu dreien\nDu sollst an das Glück zu zweien glauben.\nFürchtest Du Dich nicht.\nFürchten.\nDass ich die zweite werden könnte.\nFriedel\nIch wollte es bisse mir einer die Kehle\ndurch\nDu musst den Glauben an die Menschen\nwiederfinden.\nWo ich mir keinen Herzschlag mehr glau-\nben kann.\nJetzt kommt er. Jetzt darfst Du ihn nicht\ntreffen aber morgen, morgen musst Du\nwiederkommen.\nJetzt ist es wie bei den Eltern. Ich gehe\nwieder heimlich die Hintertreppe\nBist Du mir böse.\nDu mit Deinem Glück für andere.\nVerzeihen Sie meine Gnädigste\nBitte\nSie kennen mich nicht mehr\nSie sind der Freund von Siegfried\nVerzeihen Sie, Sie sind ja eine grosse\nDame geworden.\nDas wollten Sie mir mitteilen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3254, "texte": "Sie kommen aus diesem Haus.\nHaben Sie Bekannte dort\nMein Arzt wohnt hier\nMein Schwager\nDas also ist ihre Schwester\nSie sind in Behandlung\nDarf ich Sie begleiten\nWartet meine Schwester nicht auf Sie\nIch treffe Ihren Herrn Schwager auch später.\nSie machen es sich leicht. Sie sind immer\nder zweite.\nIch verstehe nicht. Uebrigens habe ich\nnicht den Vorzug Ihre Frau Schwester zu\nkennen.\nAlso bin ich wenigstens nicht die Dritte.\nBitte.\nWenn Sie mich zu Siegfried begleiten wollen.\nWarum haben Sie gestern geweint.\nDas hat er Ihnen erzählt.\nWir haben als Freunde keine Geheimnisse\nvor einander.\nFahren wir lieber etwas in die frische Luft.\nAuto\nIst der Herr Doktor zu sprechen\nVerzeihung\nWomit habe ich Sie erschrocken, gnädige\nFrau\nIch dachte, ich vermutete, ich wartete\nEs ist doch Sprechstunde\nMein Mann muss gleich zurück sein, wenn\nSie hier\nIch bin Kollege. Sie sind krank gnädige\nFrau\nUebermüdung\nIch schätze Ihren Gatten ausserordentlich.\nSeine grundlegende Arbeit über Hysterie\nveranlasst mich ihn zu besuchen.\nEs wird meinen Mann sicher sehr freuen,\ndas zu hören.\nDer Kollege kennt die Frauen, er hat sie\nmit einer.logischen Schärfe seziert\nDas ist Ihre Ueberzeugung.\nSie interessieren sich für das Thema, gnä-\ndige Frau\nMein Mann hat mir die Arbeit bisher nicht\ngezeigt.\nSie ist auch nicht für Laien. Ich finde es\nauch sehr rücksichtsvoll, wie es Ihr Herr\nGemahl als Mensch sicher ist. Um so\nmehr, da die Frau doch sozusagen das\nObjekt seiner Kritik ist.\nIch verstehe nichts von solchen Dingen.\nSie müssten sich dafür interessieren gnädige\nFrau. Die natürliche Erklärung jedes so-\ngenannten psychischen Vorgangs leuchtet\nmir um so mehr ein, als ich selbst früher\nnicht . frei von sogenannten psychischen\nAnwandlungen gewesen bin.\nJetzt haben Sie die Seele überwunden.\nUeberwunden dürfte nicht das richtige\nWort sein. Aber ich kann mir jetzt jeden\npsychischen Vorgang erklären. Wenigstens\nbei der Frau.\nSo erklären Sie mir doch wie ich bin.\nDazu dürfte Ihr Herr Gemahl besonders in\ndiesem Fall der Berufenste sein.\nIch leide unsagbar\nUnd was sagt Ihr Herr Gemahl dazu\nMein Mann versteht mich nicht.\nSie müssen Vertrauen zu ihm haben gnä-\ndige Frau. Sich in seine Behandlung be-\ngeben\nZu Ihnen als Arzt hätte ich Vertrauen.\nAllerdings muss ich zugeben, gnädige Frau,\ndass der eigne Gatte vielleicht doch nicht\nimmer objektiv genug ist\nHelfen Sie mir.\nEine Behandlung könnte ich nur im Ein-\nverständnis von Ihrem Herrn Gemahl über-\nnehmen.\nWenn ich Sie bitte mir zu helfen.\nIch müsste Sie über so intime menschliche\nDinge fragen\nFragen Sie\nSie erinnern mich so sehr. * Aber es ist\nnicht möglich.\nWas ist nicht möglich\nEs ist schon halb fünf\nSie müssen mir helfen. {|| jjlp 0\nDas Problem ist nach der Analyse Ihres\nGatten höchst einfach. Aber seine Auffas-\nsung würde sie vielleicht verletzen.\nReden Sie.\nKurz und hart gesagt. Alle Frauen sind\nhysterisch.\nWas ist das\nJa, gnädige Frau. Das ist eben das Pro-\nblem. Nehmen Sie ein Beispiel an. Ein\njunges Mädchen liebt mich und ich liebe\nes. Die äusseren Bedingungen sind selbst-\nverständlich erfüllt. Das junge Mädchen\nwill mich nicht heiraten. Wie würden\nSie da urteilen.\nDas Mädchen liebt Sie nicht genug zum\nHeiraten.\nWenn ich Sie aber versichere gnädige Frau,\ndass das junge Mädchen, Verzeihung aber"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1542, "texte": "Sie sind ja Frau, und sogar Frau eines\nArztes, bereit ist sich mir zu ergeben, was\nich natürlich ablehnte\nSie sprechen von einem Beispiel.\nUm ganz offen zu sein gnädige Frau, es\nist mein eigner Fall, und die Arbeit Ihres\nGatten hat mir die Erklärung gegeben.\nWelche Erklärung.\nEs liegt einfach eine hysterische Hemmung\nvor, gnädige Frau.\nWas ist das, hysterische Hemmung.\nDas führt auf das rein medizinische Gebiet\ngnädige Frau, das Ihnen leider als Laie\nverschlossen ist.\nUnd mein Mann kann diese hysterischen\nHemmungen heilen.\nEr hat wenigstens das Grundsätzliche des\nProblems gelöst.\nUnd an so etwas glauben Sie.\nIch verstehe Ihre Frage nicht gnädige Frau\nMit Ihren Augen\nGnädige Frau\nHalten Sie mich also für hysterisch\nIch habe darüber kein Urteil gnädige Frau\nFrauen sind sehr empfindlich\nIch bin ausserordentlich sensibel gnädige Frau\nJunge Mädchen noch mehr.\nEs ist mir nicht einmal gegeben zu verletzen.\nIhre Augen knien\nWie sagen Sie gnädige Frau\nHelfen Sie mir doch\nIch bin überrascht und erschüttert\nSie sind treu\nGnädige Frau\nHelfen Sie mir vor meinem Mann\nDas ist furchtbar.\nFürchten Sie sich. Helfen Sie mir fort.\nWenn ich geahnt hätte\nSo wären Sie nicht gekommen, aber Sie\nmussten kommen.\nIch habe!! Grosses Mitleid mit Ihnen.\nWTeiter nichts.\nSie miissten liegen, bei offnen Fenstern,\nzum Garten\nWollen Sie bei mir sitzen\nJa\nUnd mich auf die Stirn küssen\nJa\nAuch auf den Hals\nNicht weinen bitte\nGehen Sie schnell ehe mein Mann kommt.\nSie dürfen ihn nicht treffen\nWann sehe ich Sie wieder\nIch bin um sieben an der Strassenecke."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-09-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.2.4.1", "titre_corps": "Femme se coiffant / Terracotta", "titre_sommaire": "Femme se coiffant / Terracotta", "signature_source": "Alexander Archipenko", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 52, "texte": "Alexander Archipenko: Femme se coiffant / Terracotta"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-09-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "163", "page_fin": "163", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.2.4.2", "titre_corps": "Der Wurf / Zeichnung", "titre_sommaire": "Der Wurf / Zeichnung", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 35, "texte": "William Wauer: Der Wurf / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-09-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-09-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1921-09-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "168", "image_debut": 14, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.2.5", "titre_corps": "Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus : Briefe gegen Paul Westheim", "titre_sommaire": "Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus : Briefe gegen Paul Westheim", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.14", "debut_caractere": 1578, "fin_caractere_exclue": 3628, "texte": "Zur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\n\nSeit meinem letzten Brief sind Sie über das\nunterrichtet, was Sie in Ihrer „nebenbei\"\ngetanen Aeusserung behauptet haben. Da\nSie es zuvor nicht zu wissen schienen, Be-\nhauptetes leugneten und Widerrufenes\nvon Neuem behaupteten, so bedurfte es\neiner umständlichen Beweisführung. Es\nzeigte sich, dass acht Künstler, die nicht bloss\nSturm-Künstler waren, dem Geschäftsbetrieb\ndes Herrn Waiden entliefen. Dann stellte\nsich heraus, dass Waiden an einem dieser\nEntlaufenen, der schon im Grabe lag, ein\nabscheuliches Verbrechen begangen hatte.\nEs bestand auch der dringende Verdacht,\ndass an zwei anderen Toten zum mindesten\nVergehen begangen waren, deren rechtliche\nCharakterisierung Sie mir zu überlassen\nscheinen. Die Beweisaufnahme schloss\nmit der Feststellung, dass Sie niemals, mit\nkeiner Silbe, auch nicht dem Sinne nach,\nHerwarth Waiden einer unreellen Handlung\nverdächtigten. Dieses ganze kunterbunte\nZeug haben Sie behauptet, teils gleich-\nzeitig, teils hintereinander, und in dem einen\nwie in dem andern Fall muss man ein\nTausendsassa sein, um es zuwege zu brin-\ngen. Ich glaube Ihnen keine zu grosse\nEhre zu erweisen, wenn ich Ihre wider-\nsprechenden Behauptungen so ernst nehme,\ndass ich die eine behandle wie die andere.\nAuch gestehe ich, dass mir gar nichts an-\nderes übrig bleibt. Selbst wenn ich jede\nIhrer Behauptungen widerlegt habe, muss\nich darauf gefasst sein, dass Sie mit einer\nneuen Lesart Ihrer Nebenbemerkung auf-\ntreten, und ich bin schon jetzt neugierig,\nwas für Spässe Sie sich noch ausdenken\nwerden. Wer so viele syntaktische und\nstilistische Fehler macht wie Sie, und oben-\ndrein mehr erraten und vermuten lassen\nmöchte,\"als er behaupten oder gar beweisen\nwill, dem darf es nicht schwer fallen, noch\nein Dutzend Varianten seiner angeblich\nwahren Meinung zu finden. Ich hoffe auch,\ndass. Sie es nicht als eine Anmassung be-\ntrachten, wenn ich sogleich l selbst Ihre\nAufmerksamkeit auf das Nächstliegende\nlenke. Haben Sie wirklich irgend etwas"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4323, "texte": "behauptet? Haben Sie nicht eine Frage\ngestellt? Es hat etwas Rätselhaftes, dass\nSie eine solche Chance sich entgehen lassen.\nIch würde mich nicht wundern, wenn Sie\netwa Ihre Frage, warum Künstler dem Ge-\nschäftsbetrieb des Herrn Waiden entlaufen,\nfür eine rein rhetorische ausgeben, um\nsich aus der Affäre zu ziehen. Wenn Sie\nes bemerkten, dass Sie damit erst recht\netwas behaupten, so wäre Hexerei im\nSpiel. Auch würde es mich nicht in Er-\nstaunen setzen, wenn Sie die Beantwortung\nIhrer Frage von den Lesern des Kunst-\nblattes erwartet haben wollen. Ihre Aus-\nsichten für eine solche Ausrede waren so\ngünstig, dass ich staune, sie von Ihnen noch\nnicht vernommen zu haben. Was Sie\nschreiben, kann auch ohne Fragezeichen in\njeder Rätselecke als Rösselsprung passieren.\nSo sehr ich mich aber wundere, dass Sie\nauf so viele Ausreden noch nicht verfallen\nsind, muss ich Sie doch loben, dass Sie\nvon ihnen keinen Gebrauch gemacht haben.\nAls Verdienst kann ich es Ihnen freilich\nnicht anrechnen. Mag Ihnen auch nicht\nentgangen sein, wie geschickt Sie die Be-\nantwortung Ihrer Frage selbst besorgt haben,\nso hatten Sie doch auch eine Ahnung, wie\nungeschickt die Antworten selbst verfasst\nsind. Wenn nur diejenigen entlaufen, die\nnicht nur oder bloss nur „Sturm-\nkünstler\" sind, dann war Ihre Frage weder\nan den Wind noch an die Leser des Kunst-\nblattes gerichtet. Die Frage ist beantwortet,\nso mangelhaft es auch geschehen sei. Die\nKünstler entlaufen, wenn oder weil sie\nnicht nur oder bloss nur „Sturm-\nkünstler\" sind. Andere scheinen auf das\nEntlaufen zu verzichten. Und also ist der\nGrund, nach dem Sie fragen, eben darin\nzu suchen, dass Jene nicht nur oder\nbloss nur „Sturmkünstler\" sind. Frei-\nlich muss der Grund noch immer gesucht\nwerden. Und darum ist Ihre versteckte\nAntwort nur eine halbe, mit der einem\nDurchschnittsleser nicht gedient sein kann,\nbesonders dann nicht, wenn er dahinter-\nkommt, dass Ihre halbe Antwort gar keine\nist. Wenn Sie mir den Gefallen tun wollen,\nin einem lateinischen Wörterbuch nachzu-\nschlagen, will ich Ihnen gern beweisen,\ndass Ihre so geschickt wie ungeschickt\nuntergebrachte Antwort eine contradictio\nin adjecto ist. Alle Künstler, die nicht\nnur „Sturmkünstler\" sind, entlaufen.\nNicht nur? Nicht nur „Sturm-\nkünstler\"? Was sind sie denn? Sie,\nHerr Westheim, sind nicht nur oder\nnicht bloss nur ein Schriftsteller,\nsondern ein Kunstschriftsteller. Und also\nsind Sie ein Schriftsteller. Und also sind\njene .Sturmkünstler\", die entlaufen, „Sturm-\nkünstler\". Und also sind sie garnicht\nentlaufen. Aber Sie wären der Erste, der\nmir lieber das Gegenteil zugibt, dass näm-\nlich ein entlaufener „Sturmkünstler\" kein\n„Sturmkünstler\" mehr ist. Oder Sie voll-\nführen mit Ihrem „Entlaufen\" einen Aus-\nlegungstanz, dass mir schwindlig wird.\nIhr „Entlaufen\" kann mir den Hals\nkosten. Das ist ein Wort, mit dem ein\nMann wie Sie alles behaupten und nichts\nbestreiten kann, oder auch alles bestreiten\nund nichts behaupten, je nachdem. Das\nist ein Wort, mit dem Sie Ihre Existenz\nweginterpretieren können. Mit diesem Wort\nkönnen Sie mich dreimal in einem Atem\neinen Lügner schelten, wenn ich nur den\nMund autmache, um Sie ja richtig auszu-\nlegen. Ich möchte glauben, dass ein Hund\nseinem Eigentümer entlaufen kann. Auch\ngab es Sklaven, die ihrem Herrn entliefen.\nUnd ich möchte zu behaupten wagen, dass\netwas von Hörigkeit und Zugehörigkeit ge-\ndacht werden kann, wenn Künstler ent-\nlaufen. Sie dürften dem Sturm oder\nHerwarth Waiden gehört haben, ohne\ndass ich weiss, ob ich damit Ihren Geschmack\ntreffe. Sie werden nicht sagen, „entlaufen\"\nbedeute die Zubereitung einer Eierspeise,\nnicht wahr, Herr Westheim? Vielleicht\nwollen Sie bedenken, dass Ihr eigener Herr\nBrass, da er uns bei Ihnen anzeigte, „die\ndem Kunsthändler Waiden verschriebenen\nKünstler\" erwähnte und auch von Künst-\nlern sprach, „die in Abhängigkeit von Herrn\nWaiden stehen\". Sie werden Rücksicht\nauf diese Auslegung nehmen, ehe Sie be-\nhaupten, unter „entlaufen\" sei die Herstel-\nlung von Kesseln für hochgradige Tempe-\nraturen zu verstehen. Ich will Ihnen\nzugeben, dass Herrn Brass daran gelegen\nwar, seine Ausdrücke, wenn nicht gerade\nbeleidigend, so doch kränkend und ver-\nächtlich zu wählen. Da ich schon bewiesen\nhabe, dass er dem Sturm garnicht entlaufen\nwar, sondern versprochen hatte, sich in\nalle Zukunft Gloria des Sturm ein-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4365, "texte": "zusetzen, fühlte er sich ganz besonders\nverletzt, als der Sturm sich von ihm zu-\nrückzog. Und da er durch nichts an den\nSturm gefesselt war, musste er so tun, als\nob er Fesseln gesprengt hätte. Sie sowohl\nwie ich haben es also Herrn Brass zu\ndanken, wenn wir uns bald verständigt\nhaben werden, wie Ihr „Entlaufen\" richtig\nauszulegen sei. Obendrein haben wir noch\nden Vorteil, dass wir wissen, was Sturm-\nkünstler sind, wenn Sie das Wort zwischen\nAnführungszeichen setzen. Es ist eine\nLust zu sehen, dass zwei Männer wie Brass\nund Westheim so einig sind in ihrem\nDenken, dass der eine sagen kann, was der\nandere vergessen hat. Künstler, die in\nAbhängigkeit von Herrn Waiden stehen,\nKünstler wie Franz Marc und Hans Brass,\ndie bekanntlich Herrn Waiden verschrieben\nwaren, nennen Sie „Sturmkünstler\". Und\nnun könnte man sich mit Ruhe ansehen,\nwie diese Künstler dem Geschäftsbetrieb\ndes Herrn Waiden entlaufen, wenn Sie nicht\nbehauptet hätten, dass Sie ausnahmsweise\nunter dem „Geschäftsbetrieb\" den Kunst-\nbetrieb verstehen. Da habe ich wieder\neinmal die Wahl, welchem von den beiden\nWestheims ich glauben soll. Wie Sie mit\ndiesem „Geschäftsbetrieb\" nach dem Lum-\npenpack hinüberschielen, das sich darunter\nsein Teil denken soll. Das ist ein Wort,\ndas mit einem Schlag mehr ausrichtet, als\nspaltenlange Verdächtigungen. Wenn sich\nHerr Brass beleidigt fühlt, weil man auf\nihn verzichtet kann, schreibt er an die\n„Kunsthandlung Der Sturm\", sozusagen mit\nder „Ihnen gebührenden Hochachtung\".\nWenn Sie das künstlerische Lebenswerk\neines Mannes, vor dem Sie sich ins tiefste\nLoch verkriechen müssten, beschimpfen\nwollen, nennen Sie es einen „Geschäfts-\nbetrieb\" und denken, das ist Wermuth. Da\nhaben wir wieder eines jener Wörter, mit\ndenen sich ein Westheim als Auslegungs-\nPrestidigitateur kann sehen lassen. Und ich\nhabe es nicht einmal nötig, Ihnen einige\nMusterausreden einzublasen, da Sie schon\nselbst darauf gekommen sind. Denn Sie\nnennen, kurz entschlossen, denjenigen einen\nSchwindler, der Sie beim Wort nimmt\nund einen Geschäftsbetrieb für einen Ge-\nschäftsbetrieb hält. Sie schelten es eine\nplumpe und dreiste Unterstellung, wenn\nman Sie wörtlich zitiert, anstatt in einem\n„Geschäftsbetrieb\" einen Kunstbetrieb zu\nerkennen. Mit keiner Silbe, nicht\neinmal dem Sinne nach, haben Sie\nbehauptet, dass Künstler dem Geschäfts-\nbetrieb entlaufen. Aber Ihr „Geschäfts-\nbetrieb\" hat seine Geschichte. Ihren „Ge-\nschäftsbetrieb\" kennt man schon. Und wenn\nman auch nicht wüsste, wie Sie das Wort\nschon ein halbes Dutzend Mal ausgelegt haben,\nso bliebe ein Geschäftsbetrieb noch immer\nder Betrieb eines Geschäfts, und es wären\nimmer noch die „Geschäfte\", denen Ihre\nKünstler entlaufen sind. Und Sie wollen\ngewiss nicht sagen, dass Ihre Entlaufenen\nvor reellen Geschäften Reissaus nehmen.\nEs müssen schon unsaubere Dinge vorge-\nkommen sein, wenn Sie Ihre kostbare Zeit\ndamit verbringen, sich selbst nach dem\nGrunde des Entlaufens zu fragen. Dass\netwa Künstler sich vor reellen Geschäften\nzurückziehen, so etwas Läppisches erzählen\nselbst Sie Ihren Lesern nicht. Haben Sie\nalles verstanden? Oder soll ich zur Ab-\nwechslung ein paar Fragen an Sie richten?\nWarum genügte es Ihnen nicht, von Künst-\nlern zu schreiben, die dem Sturm ent-\nlaufen? Sind Sie ein Poet, der um Lebens\noder Sterbens Willen für den Begriff ein\nBild setzen muss? Oder sind Sie nur ein\nJournalist, der ein künstlerisches Unter-\nnehmen einen Geschäftsbetrieb nennt, um\nvon ihm mit der „gebührenden Hochachtung\"\nzu sprechen? Oder sind Sie ein Westheim,\ndem noch die letzte Ausrede bleibt, dass\nKünstler aus ideellen Gründen einem Ge-\nschäftsbetrieb entlaufen? Dann aber haben\nSie vergessen, dass Ihre Frage und Ihre\nAntwort auf verschiedenen Blättern stehen.\nSo ist es richtig. Erst fragt man, warum\nKünstler einem Geschäftsbetrieb entlaufen,\nund einige Monate später, wenn man den\nGeschältsbetrieb mit Leichenberaubung,\nUnterschlagung und Uebervorteilung inter-\npretiert hat, sind die Künstler nur aus\nideellen Gründen entlaufen. Und nun warte\nich noch darauf, dass Sie sagen, allen\nLeichenberaubungen und Eigentumsver-\ngehen zum Trotz seien Ihre Künstler aus\nideellen Gründen entlaufen! Aber ist es\nauch wirklich wahr, dass Sie einige Monate\nvergehen lassen, ehe Sie Ihre eigene Frage\nbeantworten? Haben Sie nicht Ihrer ersten\nFrage eine zweite auf dem Fusse folgen\nlassen? Und wenn auch Ihre eine Antwort"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4358, "texte": "weniger als gar keine war, so könnte doch\nvielleicht die zweite eine sein. Und da\nausserdem diese zweite Frage einer der\nspassigsten Sätze ist, die Sie je verfasst\nhaben, so wird es sich auch sonst lohnen,\ndiesen Satz noch einmal durchzulesen.\n„Sollte der Grund der Aufregung vielleicht\nsein, dass gerade Künstler dieser Art immer\nmehr Vertrauen zum Kunstblatt zu fassen\nscheinen?\"\nIch muss freilich gestehen, dass ich mich\nwohl vergeblich bemühen werde, diesen\nSatz ganz zu begreifen. So gross ist der\nMissbrauch, den Sie da mit der deutschen\nSprache treiben, und der Mangel an Logik.\nVon welcher Aufregung sprechen Sie denn?\nWer regt sich auf? Die Künstler etwa?\nEs muss wohl so sein, da ich nicht wiisste,\nan wen Sie sonst denken könnten. Aber\nwie denn? Warum regen sich Künstler\n„dieser Art\" auf? Weil sie Vertrauen zum\nKunstblatt zu fassen scheinen? Scheinen?\nScheinen? Dieses „scheinen\" muss\nihnen entschlüpft sein. Wir müssen es\nnoch einmal lesen. Die Künstler Ihrer\nGattung regen sich auf, weil sie Vertrauen\nzum Kunstblatt zu fassen scheinen. Wer\nsagt „scheinen\"? Ich glaube, Sie,\nHerr Westheim. Und also sind Sie der-\njenige, dem die Künstler ein solches Ver-\ntrauen zu fassen scheinen. Beim Teufel,\nda ist es kein Wunder, wenn die Künstler\nnervös werden. Ich würde mich auch nicht\nwenig aufregen, wenn Sie so etwas von mir\nglaubten. Wenn Sie vermuten, dass die\nKünstler immer mehr Vertrauen zum Kunst-\nblatt fassen, sollen sich da die Künstler\nnicht aufregen? Aber um wieder ernst-\nhaft zu sprechen, will ich Ihnen jetzt auf\nden Kopf zusagen, dass dieses „scheinen\"\nIhnen entschlüpft ist. So etwas Komisches\nwollten Sie nicht sagen. Und ich will es\nzu meinem eigenen Nachteil darauf an-\nkommen lassen, Ihren Satz so hinzuschrei-\nben, wie Sie ihn gedacht hatten:\n„Sollte der Grund der Aufregung vielleicht\nsein, dass Künstler dieser Art immer mehr\nVertrauen zum Kunstblatt fassen?\"\nFassen, Herr Westheim, fassen wollten Sie\nschreiben, nicht zu fassen scheinen.\nFür diese Verkürzung Ihres drolligen Satzes\nsind Sie mir einen Dank schuldig. Jetzt\nregen sich die Künstler nicht mehr darüber\nauf, dass Sie bei ihnen ein Vertrauen zum\nKunstblatt vermuten, sondern über ihren\neigenen Unverstand. Und da begreift man\ndie Aufregung gleich besser. Die Herr-\nschaften haben alle Ursache, sich über ihr\nVertrauen aufzuregen. Es sieht sogar aus,\nals hätten sie vor Aufregung den Kopf ver-\nloren. Sie sind so aufgeregt über ihr Ver-\ntrauen zum Kunstblatt, dass sie dem Ge-\nschäftsbetrieb des Herrn Waiden entlaufen.\nUnd darumLeichenräuberundDefraudanten.\nDer Grund des Entlaufens ist das Vertrauen\nzum Kunstblatt! Dieses, Herr Westheim, ist\nnun schon die elfte Auslegung Ihrer Ver-\ndächtigung, wenn ich richtig gezählt habe.\nUnd es ist ausserdem ein so grosser Wider-\nsinn, wie es eine Beleidigung der Herren\nEntlaufenen ist. Franz Marc, August Macke\nund Hermann Essig sind gestorben, weil\nsie immer mehr Vertrauen zum Kunstblatt\nfassten. Und einige Lebende haben Sie im\nVerdacht, dass sie zu einem Blatt Vertrauen\nfassen, dessen Herausgeber sich solche Witze\nerlaubt. Vertrauen? Zu Ihnen? Was, Herr\nWestheim, denken Sie von sich? Halten Sie\nsich im Ernst für einen Schriftsteller oder\nKritiker, zu dem ein einziger Künstler\nwahres, ehrliches Vertrauen haben kann?\nOder wissen Sie so gut wie ich, dass alle\nKünstler über Sie nicht anders denken wie\nich selbst über Sie urteile und schreibe?\nWenn Sie nicht wissen, ob Sie es wissen\ndürfen, dann hören Sie von mir: Sie wissen\nes! Ja, Herr Westheim, so etwas Spassiges\ngibts in Ihrem Leben. Sie wissen, was Sie\nnoch nicht zu wissen wagen. Vertrauen zu\nIhnen? Und so gross ist dieses Vertrauen,\ndass die Künstler ihren Verstand verlieren?\nWenn irgend ein Hans Dampf in allen\nexpressionistischen Gassen in Ihrem Blatt\nüber einen unserer Künstler schreibt, ist es\neine Schande für den Künstler? Eine grosse\nEhre mag es nicht sein, aber warum eine\nSchande? Ich war einst mit einem Kunst-\nkritiker befreundet. Seitdem er mich ge-\ntadelt hatte, fand er sich genötigt, mich\nnicht mehr zu grüssen. Hatte er ein\nschlechtes Gewissen? Warum müssen\nKünstler, die ihren Einzug ins Kunstblatt\ngehalten haben, dem Sturm entlaufen?\nHeisst das nicht, das Schamgefühl über-\ntreiben? Dass Künstler, die Ihnen Repro-\nduktionen gestatten, oder denen Sie diese\nGunst gewähren, oft kein Prima Gewissen\nmehr haben, würde ich glauben, wenn"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3419, "texte": "ich es nicht wüsste. Aber dass sie sich\ndarüber bis zur Besinnungslosigkeit und\nDummheit aufregen sollen, nein, Herr West-\nheim, das dürfen Sie Niemandem weis\nmachen. Wenn sich Einer der Opfer künst-\nlerischen Glaubens ein paar Jahre durch-\ngehungert und die Beschimpfungen mitge-\nmacht hat, die er von Ihnen erdulden muss,\nweil er seine Bilder im Sturm zeigt, wenn\nihm die treufürsorgende Gattin das Paradies\ngezeigt hat, in das er schnurstracks hinein-\nrennt, sowie er dem Sturm entlaufen ist,\nwenn er vor Ihren Beschimpfungen für den\nBagatellpreis einer Treulosigkeit sicher sein\nkann, lebwohl, mein tapferer Streiter! Ich\nwill ihn nicht bewundern. Aber weil ich\nihn nicht schmähe, braucht er selbst sich\nnicht für so verworfen zu halten, dass er\nVerbrechen zwischen uns ersinnen muss.\nJa, Herr Westheim, nun habe ich Sie end-\nlich, endlich verstanden. Es sind meine\nSchuldner, die sich mit mir verzanken\nmüssen. Oh, was muss ich für ein Schuft\nwerden, damit sie mich nicht zu bezahlen\nbrauchen. Ein vlämischer Schriftsteller\nkam nach Deutschland. Er besuchte Her-\nwarth Waiden und begeisterte sich für ihn\nin Worten und Artikeln. Und nachdem\nihm Waiden mit einem Darlehen aus der\nNot geholfen hatte, und da der Vlame das\nGeld nicht zurückzahlen wollte, — nun,\nHerr Westheim, was tat er da? Sie solltens\nerraten. Der liebe Mensch schrieb einen\nArtikel gegen Herwarth Waiden. Hat einer\ndem Sturm seine Förderung und die allge-\nmeine Anerkennung zu verdanken, so muss\nes ihn wohl in Aufregung versetzen, wenn\ner etwas unternimmt, das wie Vertrauen\nzum Kunstblatt aussieht. Und was tut er\nin seiner Aufregung? Er entläuft, das heisst\ner geht mit sich oder mit Ihnen zu rate,\nwie er entlaufen sein könnte. So ein\nStümper ist keiner, dass er dafür keinen\nGrund ersinnen könnte, und wenn es meine\nNase wäre oder eine Zeichnung von Rudolf\nBauer. Wenn mans so betrachtet, dann sieht\nes wirklich aus, als hätten Sie Ihre grosse\nFrage nach dem Grunde des Entlaufens\nnicht so übel beantwortet. Sogar besser\nals Sie glauben. In ihrer Verwirrung und\nScham vergessen die Künstler, dass sie dem\nnicht entlaufen können, an das sie nie ge-\nbunden waren, — bis auf einen, Herr West-\nheim, mit dem ich Ihnen noch einen Yer-\ndruss bereiten werde. Die andern aber,\ndie ihrer Freiheit entliefen, um sich in einen\ngoldenen Käfig sperren zu lassen, könnten\nes schon nötig haben, sich von Ihnen se-\nkundieren zu lassen. Wer entlaufen sein\nwill, ohne dass er entlaufen war, und darum\ndie albernsten Gründe erfindet, für den\nwüsste ich keinen besseren Grund, als das\nVertrauen zu einem Kunstblatt und zu einem\nWestheim. Mehr kann ich für Ihre Antwort\nnicht tun, als in ihr den Sinn eines solchen\nUnsinns zu finden. Und also ist auch Ihre\neigene zweite Beantwortung Ihrer grossen\nFrage nicht besser als gar keine. Noch\nimmer fragen Sie vergeblich, warum Künstler\ndem Geschäftsbetrieb des Herrn Waiden\nentlaufen. Die drei Toten können Ihnen\nden Mund nicht mehr stopfen, um vor Ihnen\nRuhe zu haben. Einige Lebende haben den\nMut gefunden und es sich verbeten, dass\nsie von Ihnen zu Begaunerten gemacht\nwerden. Oder war das auch eine plumpe\nund dreiste Unterstellung? Waren Klee,\nFeininger und Jawlensky auch Schwindler\nund Fälscher, als sie Ihre zweideutigen Ver-\ndächtigungen so eindeutig verstanden wie\nWaiden und ich? Vor einem Jahr haben\nSie vergessen, darüber nachzudenken. 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H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm / Zwolfter Jahrgang\nErscheint am fiinften jedcs Monats\nMitmehrfarbigeiiKunstbeilagen,Holzschnitten(stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 60 Mark / Ein Halbjahr\n36 Mark / Einzelheft 7 Mark 50 Pfennige\nVollstandige Exemplare des 1. bis 11. Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\n\nBticher\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\nGeheftet 9 Mark / Gebunden 15 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gluck / Drama\nEin Taubcnschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 9 Mark / Gebunden 15 Mark\nKurt HeynicKe\nRings fallen Sterne / Gedichte\n12 Mark / Zweite Auflage\nKandinsKy- Album\nMit 60 Abbildungen\n60 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n9 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n15 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n9 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n9 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken trSumt / Gedichte\n9 Mark / Gebunden 12 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n9 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n9 Mark\n\nNacht\n6 Mark\nDie neue Kunst\n5 Mark\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n12 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 30 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 30 Mark\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n9 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n75 Mark / Gebunden 100 Mark\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n12 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n12 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n15 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie Harte der Weltenliebe / Boman\n15 Mark / Gebunden 20 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragodie\n12 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSunde / Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 7 Mark 50 Pfennige\nSturm-Biicher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm-Bilderhucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 18 Mark\nI Hare Chagall\nII Alexander ArchipenKo\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\n\nVERZEICHNISSE DES VERLA\nGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nBuss Schrei\nLothar Schreyer\n\nMännerf-Frauen Wir lügen\nWir huren\nWir morden\nSchande Wir Erde\nIch und Du\nIch und Du\nLieben Lachen\nLachen Lieben\nHeulen Tat\nWir Wir Wir Wir Wir Wir\nMänner Bekenne\nBekenne\nBekenne\nBekenne\nFrauen Bekenne\nBekenne\nBekenne\nBekenne\nMänner Frauen Schuld\nIch werfe Mich\nStaub\nIch liege Mich\nIch\nFrauen Tier auf Mir\nMänner Frauen Ich leide\nMänner Bruder\nFrauen Männer Hasser Fleisch\nFessel Fleisch\nHunger und krank\nFuss um Fuss\nMänner Leer\nFrauen Weit\nMänner Leer\nMänner? Frauen Verlassen\nMann Büsse Dich nackt\nSchamlos steht Du\nSchamlos in Brüdern\nDie schamlosen Schwes-\ntern wachsen nackt\nSieh welch ein Mensch\nDich finde ich nicht\nArm\nVerdammt\nKomm mit komm mit\nHass Ich\nOhnmacht Ich\nFlucht\nDir Dir Dein Du\nIch sterbe allein\nHüter über meinem Tod\nLächler in Leiden\nHändler mit Menschen\nVerführer\nZerreiss Deinen Mantel\n% Ich habe kein Kleid\nIch weine auf Deine Fet-\nzen\nIch speie auf Deine Fetzen\nGeh zu den Menschen\nMann Frau Weh tut die Liebe\nDie Tat ist schlecht\nSchwache Arme umar-\nmen den Wüsten nicht\nEinsam wartet Ich\nIch starrt bodenlose Wunde\nWandelst Du weit am\nUferrund\nSingt Liebe in meinen\nSturm\nMann Lüger\nTäuscher\nVerräter\nIn Todwüste bin ich\ngeworfen\nIn Todwüste trägst Du\nDich nicht"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.4", "texte": "Um Lebende schmeichelt\nmein Wort\nDie Ungebornen zerreis-\nsen mein Fleisch\nAufschreit • der Nicht-\nmensch\nMensch treib ich aus\nMensch nichtet Ich\nIch kreist.\n.\nMENSCHENSCHREI\nMänner Frauen Sternstimme raucht\nGrimm\nHeulen knirschen Heulen\nWeltherzpforte splittert\nLoh\nBleich wächst der Rächer\nFuss tritt die Sonne\nHand sticht den Mond\nHaupt kaut die Erde\nAus der Brust bohrt der\nSchlüssel der Tiefe\nDer Schlüssel des Himmels\nöffnet den Abgrund\nHerr\nHerr\nUeber uns Herr\nWTinden die Heere hoch\nWürgen Lüsten Gieren\nWühlen\nManndurch Weibdurch\nnachten Sünden\nIch mich Ich\nFeuer\nDas Schwert des Rächers\nmäht\nFrauen Die feurige Jungfrau küsst\ndie reine Stirn\nMänner Die reine Jungfrau küsst\nFeuer in Stirn\nFrauen Die Geliebten der Jung-\nfrau stehen steil in die\nErde\nMänner Im Schooss der Jungfrau\nkniet der Rächer\nMänner Frauen Dem Schlund entbrausen\ndie Wehen\nErde bricht\nHimmel stürzt\nSingt singt die Jungfrau,\nsingt\nHand heben die Toten\nHaupt heben die Toten\nFuss heben die Toten\nUm die Erde wandeln\ndie Leichen\nDer Schlüssel der Gruft\nist verschlungen\nDer Rächer gebiert die\nGerichteten\nHier bin Ich\nHier bin Ich\nMann Erlösen\nErbarmen\nErbe Du\nSünde\nArmut\nDemut\nMut um Mensch\nRund um Rund um\nUm Um Um Um\n**\nMänner Frauen Das zerweste Gesicht\nWild starrt das Mutter-\nhaupt\nErde schändet die Schwe-\nster\nDie Auferstandnen Ver-\ndammten\nLeben Leben\nFluch donnert in Himmel\nLaster platzt\nFrauen Lüstern umarmen die\nLeichen\nMänner Entrollt die Rlume das\nGift in die Meere\nFrauen Lust der Geschlechter\nLust Lust\nMänner Der Schlund umzüngelt die\nSterne\nMänner Frauen Sterben im Leben\nMann ist in Weib getürmt\nWeib ist aus Mann geris-\nsen\nZerrissen\nFleisch umwittert den\nGeist\nFrauen Verfaulen Wir"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.5", "texte": "Männer Aeserfrass\nFrauen Wehgeburt\nMänner Wehgeschlecht\nIn die Erde Erde\nErdentief in Erde Erde\nWurzel\nBlüht die Blume in den\nHimmel Tag\nBlüht der Mensch in Hölle\nNacht\nSturm nachtet nichtet\nStürme\nNieder in die Scham\nNieder in die Sünde\nStummen Tote\nSchreien Tote\nUnd kein Leben lebt\nKein Leben\n-Mann In die Nacht gezogen\nWeh zerbrennen\nMenschen über unter\nMenschen\nKeinem tun wir das Gute\nNiemand tut uns das Gute\nGewissen Zerwissen\nReue um nichts\nReue umsonst\nUm alles gewesen\nUm nichts geworden\nTot tot tot tot\nMänner Frauen Auf mir die Last\nAuf mir der Bruder\nAuf mir aller Brüder alle\nLeichen\nStrafe und Recht\n» Urteil ewiges Teil\nDas Gesetz\nMein Recht ist Dein Recht\nGerichtet\nGerecht ist der Richter\nDas Schwert des Herrn\nkreuzt die Erde\nLiebe sternt Feuer in\n— mich\nGerichtet auf\nGerichtet auf\nOpferleben\nOpfertod\nMenschenopfer\nOpfergott\nHeult das Wort Fürmich\nSchlägt das Wort Fürmich\nIch trage das Wort Fürmich\nIch trage Gott\nSo bricht mein Herz\nSo lieg ich im Staub\nSo trag ich Schuld\nUnd bin ein Mensch\nFrauen Menschen\nMänner Menschen\nMänner Frauen Und bin ein Mensch ge-\nboren\nFrau Himmelsgnade\nKind\nLeid\nErdengnade\nDir dient mein Tod\nTief im Staube\nReue lächelt\nWunder wandert\nTrag ich Dich im Staube\nBlut vergossen\nMein Sohn\nNimm Deine Magd\nMein Herr\nMänner Frauen Muttertorheit\nMutter\nBlüht Blutlüge Mutter\nSünde flutet aus dem Blut-\nschooss Mich\n- Unschuld\nUnschuld\nDie Ungeborenen weinen\numweinen\nFeuer\nFeuer\nDie Mondsichel blitzt in\ndas Fleisch\nGier frisst die Schlange\nliebendes Aas\nAus mir aus mir aus mir\nDas Mondschiff zerschellt\nan dem Herz\nNacht\nNacht\nMutterhure kreist\nWeh kreist die Welt\nAusgeworfener Mensch\nUmmüttern\nMutterhure anbeten wir\nAnbetung dem Menschen\nBrust auf"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.6", "texte": "Scham auf\nDas bist Du\nDu bist Ich\nBuhle Pfuhl Buhlerin\nAas\nAas\nFrau Menschensohn\nErdenkind\nNicht zürnt der Mensch\nNicht unzüchtetderMensch\nNicht schwört der Mensch\nNicht widersteht dem Bö-\nsen der Mensch\nMensch ist der Mensch\nIch leide Menschmutter Dir\nUeber aller Mutter Schooss\nUeber aller Mutter Herz\nAller Mutter Sohn\nMänner Frauen Muttertod\nErlösung von aller Mutter\nErlöschung des Weib-\ngeschlecht\nFeuer steht Mann\nFeuer frisst Hure\nSternstimme dröhnt\nNicht Ich bin gerufen\nNicht Ich bin gerufen\nMich malmen die Sterne\nMich bersten die Schläge\nDurchbohren\nIch bin die letzte Tat ohn\nEnde\nUnd denken Schuld\nUnd schmerzen Schuld\nKein Wort ist verloren\nIn alle Zeit versäumt\nIn alle Zeit zu spät\nSchauder der Reue frisst\nHunger der Reue frisst\nMich durch Mich\nIch öffne mein Haupt\nIch öffne mein Herz\nWeh stürmt mich die\nWeh stürmt mich die\nIch glänze das Blut\nIch flamme\nAsche weht Herz\nAsche weht Haupt\nUmhüllen\nUmschütten\nZerarmen\nZerkeuschen\nZerleibt der Menschleib\nZergeistet der Menschgeist\n. Nichtmensch\nNichtmensch\nMann Nichtmenschgeburt\nWerdegeburt\n\" Wiedergeburt\nErheben\nZer wandeln\nErnichten\nZerlichten\nKreisen umkreisen der\nKreis\nMänner Frauen Mensch in Erde\nSonne in Erde\nErde in Sonne\nMann Sonne in Mensch\nGeschieht Geschöpf\nUrmorgen der letzte Tag\nEwige Nacht umsinken\nMitte\nAllgleiche\nAll Ein\nEin\nMänner Frauen Ich allein in Mensch\nIch Wende\nIch tu die Tat\nBusse\nBusse\nNimm\nKomm\nStaubgeworfen lieg ich\ngeöffnet\nTöte mich\nGebäre Mich\nFremder\nGeliebter\nRetter\nFeuer\nWach wach\nWach wach\nWach wach\nAlle Menschen sind entzwei\nAlle Menschen sind ver-\nloren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.7", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.8", "texte": "Alle Menschen suchen All\nVerlassen\nIch lasse Dich nicht\nDich\nDich lasse ich nicht\nDich\nNicht lasse ich Dich\nDich\nLasse Dich nicht Ich\nDich\nIch lasse Dich nicht\nDich\nMann Der Retter\nMann Frau Schläft\nMann In mir\nMann Frau Träumt in mir der Retter\nIch bin Dein Haus\nIch bin Dein Grab\nIch bin Dein Schutz\nMänner Frauen Du bist\nDu\nDu bist\nDu\nDu bist\nDu\nDu bist\nMann Du\nMann Frau Du wunde uns\nDu\nDu wandle uns\nDu\nDu wecke uns\nDu\nDu wache uns\nDu\ni-' • .\nMann Nimm\nNimm\n*\nMENSCHENSCHREI\nMänner Frauen Gib\nWehen alle Kinder\nGib\nAlle Kinder tragen Men-\nschen\nGib\nAlle Kinder lieben Men-\nschen\nGib\nSterben alle Kinder\nGib\nAlleKinderlebenMenschen\nUeber uns\nUeber uns\nWort in Mensch\nWirf\nWerk in Mensch\nWirf\nMensch in Mensch\nWirf\nHier bin Ich\nDu\nFrau Mensch\nFrauen Mensch\nMensch\nMensch\nMensch\nMänner Nimm\nMann Mensch\nMensch\nMensch\nMensch\nMänner Frauen Du\nMensch\n\nGedicht\nVlatislav Goth\nWenn bestehender säumend weil soll\nHat es Wortschall wohl getan\nBleibet fliehenden täglich Hausgut\nSendet Seligen köstlich Vorwort\nHeiliger Wachstag, hoher Nachtsturm\nBlüte bringt uns alle dahin.\n° TT« , • <t /•\"* _i <\n\nUnter den Sinnen\nDichtung zwischen Menschen\nHerwarth Walden\n\nFortsetzung\n\nWas verschafft mir die Ehre, meine Gnädigste\nSie kennen mich sicher nicht mehr.\nAber meine Gnädigste. Ich habe Sie so oft\nmit Ihrem Fräulein Schwester gesehen.\nWo ist Friedel\nDas kann ich Ihnen leider nicht sagen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.9", "texte": "Wie kann ich sie nur finden\nIst etwas bei Ihnen zu Hause geschehen.\nVerzeihen Sie, dass ich Sie gestört habe\nWenn ich Ihnen sonst einmal dienlich sein\nkann\nGuten Abend\nGnädige Frau hatten noch einen Schirm\nGuten Abend Herr Baron\nSie hier, das ist ja reizend, haben Sie mich\ngesucht.\nJetzt bin ich verloren\nAlso ich komme morgen nach zwei zu\nIhnen.\nWeg. Nun hat sie doch Ihren Schirm ver-\ngessen.\nIst die Dame öfters hier.\nNein Herr Baron. Ich habe sie das erste\nmal gesehen. Sie war kaum zwei Minuten\ndrin.\nIst jemand da.\nDer gnädige Herr ist allein\nGuten Adend Frauchen. Nun wieder ver-\nnünftig.\nDas Essen ist fertig.\nDas ist brav. Und nachher sollst Du auch\nzur Belohnung die neuen Apparate sehen.\nIsst Du denn nicht.\nDanke. Ich bin krank.\nWenn man keinen Appetit hat, soll man\nnicht essen. Es klingelt. Bleib nur. Das\nist sicher der Bote mit den Apparaten.\nWenn ich nur Mut hätte.\nDu hast also schon Geheimnisse vor mir.\nErnst\nWeisst Du, was ich hinter meinem Rücken\nhabe\nNicht schlagen bitte.\nEin so schlechtes Gewissen hast Du. Bitte\nDein Schirm\nWas willst Du mit meinem Schirm.\nDu gibst also zu, dass es Dein Schirm ist.\nDas wollen wir zunächst einmal feststellen.\nWo hast Du ihn stehen lassen.\nIch\nKeine Ausreden. Was hast Du /bei dem\nBankier zu tun. Ohne mein Wissen.\nHör mich ruhig an Ernst.\nJetzt ist mir alles klar. Jetzt durchschaue\nich Dich. Nie ist ein Mensch so hinter-\ngangen worden.\nErnst\nNatürlich, ein Prolet wie ich ist für Dich\nund Deine Familie kein Mensch. Dem\ndarf man kein Geld anvertrauen. Als ob\nich es durchbrächte. Aber da wird mir\neine Komödie vorgespielt, an der Du Dich\nbeteiligst, nur damit ich die Mitgift nicht\nin die Hand bekomme.\nSchweig. So hat man mich hintergangen.\nDie Tochter wird mir gütigst anvertraut.\nAber ihr Geld wird zum Bankier gebracht,\ndamit der Prolet sich nichts aneignet. Ich\nbin gut genug dazu Dich zu ernähren.\nJetzt wirst Du mir sofort reinen Wein\neinschenken. Wieviel Geld besitzst Du.\nWie konnte ich mich so täuschen.\nKeine Ausreden bitte. Ich verlange als\nDein Ehemann unzweideutige Antworten\nLass mich gehen.\nNein meine Liebe, so leicht geht das nicht,\nich habe das Gesetz für mich. Endlich\nhabe ich in der Gesellschaft Fuss gefasst.\nMich wird niemand wieder herausstossen.\nUnd Du am wenigsten\nFurchtbar\nNun sei mal wieder ein vernünftiges Frau-\nchen. Ich werde Dir doch das Geld nicht\ndurchbringen. Aber wenn Du etwas logisch\ndenkst, musst Du doch einsehen, dass ich\nals Ehemann über den Yermögensstand\nmeiner Frau Bescheid wissen muss. Schon\nzur Wahrung Deiner Interessen.\nDu hast doch gewusst, dass ich nichts\nhabe.\nUm so mehr Vertrauen sollst Du mir\nschenken, da ich Dich in diesem Glauben\ngeheiratet habe. Schliesslich trifft ja die\nSchuld vor allem Deine Eltern.\nIch habe Dir nichts mehr zu sagen.\nDu bleibst also verstockt. Gut. Ich nehme\nRücksicht auf Deine Krankheit. Unter diesen\nUmständen werde ich natürlich heute nacht\ndas Zimmer nicht mit Dir teilen. Ich hoffe,\ndass Du Dich morgen früh auf Deine\nPflichten besonnen haben wirst. Ich werde\ndie Nacht der leidenden Menscheit opfern\nFriedel\nAlso Du bist nun verheiratet.\nWie ich Dich gesucht habe\nDu bist ganz unverändert\nWie eine grosse Dame siehst Du aus.\nBist Du nun glücklich.\nFriedel\nWenigstens brauchen wir beide nicht mehr\nzu lügen.\nMan muss immer lügen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.10", "texte": "Aber jetzt nur, wenn man will.\nKannst Du mir helfen.\nDu hast doch einen Mann\nDu nicht.\nViele. Alle.\nFriedel.\nIch brauche keine Hilfe\nMein Mann. Er ist niedrig.\nSo musst Du ihn hoch nehmen.\nFriedel.\nDie Männer nehmen nur, was sie brauchen,\noder zu brauchen glauben. Dann möchten\nSie uns am liebsten wegwerfen oder noch\nlieber töten.\nWir sind nicht ohne Schuld, denn wir\nwollen es.\nWir wollen irgend einen Mann auf irgend\nein paar Minuten. Sie wollen eine be-\nstimmte Frau für immer, auch wenn sie\nsie nicht mehr wollen.\nDas ist die Treue des Mannes\nDie Menschen überschätzen die Liebe, sie\nist ein Spiel.\nDas sagst Du.\nMänner brauchen Frauen. Und Frauen\nMänner. Aber kein Mann eine Frau und\nkeine Frau einen Mann.\nWie glücklich Du bist in deiner Freiheit.\nIst es Freiheit, wenn ich brauche.\nWann sind wir frei\nWenn wir dreissig sind oder vierzig.\nOder fünfzig. Wenn wir endlich dieses\nLiebesspiel überwunden haben.\nUnd was soll man bis dahin tun\nLieben\nUnd was soll ich tun.\nLieben.\nIch ekle mich vor ihm.\nNimm einen andern.\nIch schäme^mich.\nZu spielen\nIch kann, ich muss treu sein.\nUnd wenn das Blut nicht will\nIch muss treu sein.\nUnd wenn das Blut sich geirrt hat.\nSo muss ich büssen.\nSchwester\nFriedel\nDu lebst zum 1 Mitleid. Zur Mitfreude\nitsä\nlebe ich.\nDu bist glücklich.\nAber ich freue mich nicht.\nWas suchst Du.\nWas ich nicht finde. Was wir nicht fin-\nden. Eine Tänzerin möchte ich sein auf der\nStrasse. Ohne Augen müsste die Strasse\nsein. Glücklich ist nur wer für sich,\ndurch sich, in sich schwebt.\nGlücklich wäre ich, wenn ich für den\nandern, durch den andern in dem andern\nlebte.\nDer andere lebt nicht\nIch muss ihn finden\nEr lebt nicht.\nIch habe ihn gefunden.\nDer nur für Dich lebt.\nEr hat für alle andern gelebt, so dass er\nnun nur noch für mich leben wird.\nDu wirst Dich wieder irren.\nDiesmal irre ich mich nicht\nWer sagt Dir das.\nMein Herz.\nDas Herz treibt das Blut, und das Blut\nlügt\nAlso brauchst Du meine Hilfe nicht\nDu sollst ihn sehen.\nUnd wenn ich es nicht glaube.\nDu musst es glauben.\nAlso brauche ich ihn nicht zu sehen.\nDu musst ihn sehen, weil ich glücklich\nbin.\nDas Glück zu dreien\nDu sollst an das Glück zu zweien glauben.\nFürchtest Du Dich nicht.\nFürchten.\nDass ich die zweite werden könnte.\nFriedel\nIch wollte es bisse mir einer die Kehle\ndurch\nDu musst den Glauben an die Menschen\nwiederfinden.\nWo ich mir keinen Herzschlag mehr glau-\nben kann.\nJetzt kommt er. Jetzt darfst Du ihn nicht\ntreffen aber morgen, morgen musst Du\nwiederkommen.\nJetzt ist es wie bei den Eltern. Ich gehe\nwieder heimlich die Hintertreppe\nBist Du mir böse.\nDu mit Deinem Glück für andere.\nVerzeihen Sie meine Gnädigste\nBitte\nSie kennen mich nicht mehr\nSie sind der Freund von Siegfried\nVerzeihen Sie, Sie sind ja eine grosse\nDame geworden.\nDas wollten Sie mir mitteilen."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.11", "texte": "Alexander Archipenko: Femme se coiffant / Terracotta"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.12", "texte": "Sie kommen aus diesem Haus.\nHaben Sie Bekannte dort\nMein Arzt wohnt hier\nMein Schwager\nDas also ist ihre Schwester\nSie sind in Behandlung\nDarf ich Sie begleiten\nWartet meine Schwester nicht auf Sie\nIch treffe Ihren Herrn Schwager auch später.\nSie machen es sich leicht. Sie sind immer\nder zweite.\nIch verstehe nicht. Uebrigens habe ich\nnicht den Vorzug Ihre Frau Schwester zu\nkennen.\nAlso bin ich wenigstens nicht die Dritte.\nBitte.\nWenn Sie mich zu Siegfried begleiten wollen.\nWarum haben Sie gestern geweint.\nDas hat er Ihnen erzählt.\nWir haben als Freunde keine Geheimnisse\nvor einander.\nFahren wir lieber etwas in die frische Luft.\nAuto\nIst der Herr Doktor zu sprechen\nVerzeihung\nWomit habe ich Sie erschrocken, gnädige\nFrau\nIch dachte, ich vermutete, ich wartete\nEs ist doch Sprechstunde\nMein Mann muss gleich zurück sein, wenn\nSie hier\nIch bin Kollege. Sie sind krank gnädige\nFrau\nUebermüdung\nIch schätze Ihren Gatten ausserordentlich.\nSeine grundlegende Arbeit über Hysterie\nveranlasst mich ihn zu besuchen.\nEs wird meinen Mann sicher sehr freuen,\ndas zu hören.\nDer Kollege kennt die Frauen, er hat sie\nmit einer.logischen Schärfe seziert\nDas ist Ihre Ueberzeugung.\nSie interessieren sich für das Thema, gnä-\ndige Frau\nMein Mann hat mir die Arbeit bisher nicht\ngezeigt.\nSie ist auch nicht für Laien. Ich finde es\nauch sehr rücksichtsvoll, wie es Ihr Herr\nGemahl als Mensch sicher ist. Um so\nmehr, da die Frau doch sozusagen das\nObjekt seiner Kritik ist.\nIch verstehe nichts von solchen Dingen.\nSie müssten sich dafür interessieren gnädige\nFrau. Die natürliche Erklärung jedes so-\ngenannten psychischen Vorgangs leuchtet\nmir um so mehr ein, als ich selbst früher\nnicht . frei von sogenannten psychischen\nAnwandlungen gewesen bin.\nJetzt haben Sie die Seele überwunden.\nUeberwunden dürfte nicht das richtige\nWort sein. Aber ich kann mir jetzt jeden\npsychischen Vorgang erklären. Wenigstens\nbei der Frau.\nSo erklären Sie mir doch wie ich bin.\nDazu dürfte Ihr Herr Gemahl besonders in\ndiesem Fall der Berufenste sein.\nIch leide unsagbar\nUnd was sagt Ihr Herr Gemahl dazu\nMein Mann versteht mich nicht.\nSie müssen Vertrauen zu ihm haben gnä-\ndige Frau. Sich in seine Behandlung be-\ngeben\nZu Ihnen als Arzt hätte ich Vertrauen.\nAllerdings muss ich zugeben, gnädige Frau,\ndass der eigne Gatte vielleicht doch nicht\nimmer objektiv genug ist\nHelfen Sie mir.\nEine Behandlung könnte ich nur im Ein-\nverständnis von Ihrem Herrn Gemahl über-\nnehmen.\nWenn ich Sie bitte mir zu helfen.\nIch müsste Sie über so intime menschliche\nDinge fragen\nFragen Sie\nSie erinnern mich so sehr. * Aber es ist\nnicht möglich.\nWas ist nicht möglich\nEs ist schon halb fünf\nSie müssen mir helfen. {|| jjlp 0\nDas Problem ist nach der Analyse Ihres\nGatten höchst einfach. Aber seine Auffas-\nsung würde sie vielleicht verletzen.\nReden Sie.\nKurz und hart gesagt. Alle Frauen sind\nhysterisch.\nWas ist das\nJa, gnädige Frau. Das ist eben das Pro-\nblem. Nehmen Sie ein Beispiel an. Ein\njunges Mädchen liebt mich und ich liebe\nes. Die äusseren Bedingungen sind selbst-\nverständlich erfüllt. Das junge Mädchen\nwill mich nicht heiraten. Wie würden\nSie da urteilen.\nDas Mädchen liebt Sie nicht genug zum\nHeiraten.\nWenn ich Sie aber versichere gnädige Frau,\ndass das junge Mädchen, Verzeihung aber"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.13", "texte": "William Wauer: Der Wurf / Zeichnung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.14", "texte": "Sie sind ja Frau, und sogar Frau eines\nArztes, bereit ist sich mir zu ergeben, was\nich natürlich ablehnte\nSie sprechen von einem Beispiel.\nUm ganz offen zu sein gnädige Frau, es\nist mein eigner Fall, und die Arbeit Ihres\nGatten hat mir die Erklärung gegeben.\nWelche Erklärung.\nEs liegt einfach eine hysterische Hemmung\nvor, gnädige Frau.\nWas ist das, hysterische Hemmung.\nDas führt auf das rein medizinische Gebiet\ngnädige Frau, das Ihnen leider als Laie\nverschlossen ist.\nUnd mein Mann kann diese hysterischen\nHemmungen heilen.\nEr hat wenigstens das Grundsätzliche des\nProblems gelöst.\nUnd an so etwas glauben Sie.\nIch verstehe Ihre Frage nicht gnädige Frau\nMit Ihren Augen\nGnädige Frau\nHalten Sie mich also für hysterisch\nIch habe darüber kein Urteil gnädige Frau\nFrauen sind sehr empfindlich\nIch bin ausserordentlich sensibel gnädige Frau\nJunge Mädchen noch mehr.\nEs ist mir nicht einmal gegeben zu verletzen.\nIhre Augen knien\nWie sagen Sie gnädige Frau\nHelfen Sie mir doch\nIch bin überrascht und erschüttert\nSie sind treu\nGnädige Frau\nHelfen Sie mir vor meinem Mann\nDas ist furchtbar.\nFürchten Sie sich. Helfen Sie mir fort.\nWenn ich geahnt hätte\nSo wären Sie nicht gekommen, aber Sie\nmussten kommen.\nIch habe!! Grosses Mitleid mit Ihnen.\nWTeiter nichts.\nSie miissten liegen, bei offnen Fenstern,\nzum Garten\nWollen Sie bei mir sitzen\nJa\nUnd mich auf die Stirn küssen\nJa\nAuch auf den Hals\nNicht weinen bitte\nGehen Sie schnell ehe mein Mann kommt.\nSie dürfen ihn nicht treffen\nWann sehe ich Sie wieder\nIch bin um sieben an der Strassenecke.\n\nFortsetzung folgt\nZwölfter Brief\n\nZur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\n\nSeit meinem letzten Brief sind Sie über das\nunterrichtet, was Sie in Ihrer „nebenbei\"\ngetanen Aeusserung behauptet haben. Da\nSie es zuvor nicht zu wissen schienen, Be-\nhauptetes leugneten und Widerrufenes\nvon Neuem behaupteten, so bedurfte es\neiner umständlichen Beweisführung. Es\nzeigte sich, dass acht Künstler, die nicht bloss\nSturm-Künstler waren, dem Geschäftsbetrieb\ndes Herrn Waiden entliefen. Dann stellte\nsich heraus, dass Waiden an einem dieser\nEntlaufenen, der schon im Grabe lag, ein\nabscheuliches Verbrechen begangen hatte.\nEs bestand auch der dringende Verdacht,\ndass an zwei anderen Toten zum mindesten\nVergehen begangen waren, deren rechtliche\nCharakterisierung Sie mir zu überlassen\nscheinen. Die Beweisaufnahme schloss\nmit der Feststellung, dass Sie niemals, mit\nkeiner Silbe, auch nicht dem Sinne nach,\nHerwarth Waiden einer unreellen Handlung\nverdächtigten. Dieses ganze kunterbunte\nZeug haben Sie behauptet, teils gleich-\nzeitig, teils hintereinander, und in dem einen\nwie in dem andern Fall muss man ein\nTausendsassa sein, um es zuwege zu brin-\ngen. Ich glaube Ihnen keine zu grosse\nEhre zu erweisen, wenn ich Ihre wider-\nsprechenden Behauptungen so ernst nehme,\ndass ich die eine behandle wie die andere.\nAuch gestehe ich, dass mir gar nichts an-\nderes übrig bleibt. Selbst wenn ich jede\nIhrer Behauptungen widerlegt habe, muss\nich darauf gefasst sein, dass Sie mit einer\nneuen Lesart Ihrer Nebenbemerkung auf-\ntreten, und ich bin schon jetzt neugierig,\nwas für Spässe Sie sich noch ausdenken\nwerden. Wer so viele syntaktische und\nstilistische Fehler macht wie Sie, und oben-\ndrein mehr erraten und vermuten lassen\nmöchte,\"als er behaupten oder gar beweisen\nwill, dem darf es nicht schwer fallen, noch\nein Dutzend Varianten seiner angeblich\nwahren Meinung zu finden. Ich hoffe auch,\ndass. Sie es nicht als eine Anmassung be-\ntrachten, wenn ich sogleich l selbst Ihre\nAufmerksamkeit auf das Nächstliegende\nlenke. Haben Sie wirklich irgend etwas"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.15", "texte": "behauptet? Haben Sie nicht eine Frage\ngestellt? Es hat etwas Rätselhaftes, dass\nSie eine solche Chance sich entgehen lassen.\nIch würde mich nicht wundern, wenn Sie\netwa Ihre Frage, warum Künstler dem Ge-\nschäftsbetrieb des Herrn Waiden entlaufen,\nfür eine rein rhetorische ausgeben, um\nsich aus der Affäre zu ziehen. Wenn Sie\nes bemerkten, dass Sie damit erst recht\netwas behaupten, so wäre Hexerei im\nSpiel. Auch würde es mich nicht in Er-\nstaunen setzen, wenn Sie die Beantwortung\nIhrer Frage von den Lesern des Kunst-\nblattes erwartet haben wollen. Ihre Aus-\nsichten für eine solche Ausrede waren so\ngünstig, dass ich staune, sie von Ihnen noch\nnicht vernommen zu haben. Was Sie\nschreiben, kann auch ohne Fragezeichen in\njeder Rätselecke als Rösselsprung passieren.\nSo sehr ich mich aber wundere, dass Sie\nauf so viele Ausreden noch nicht verfallen\nsind, muss ich Sie doch loben, dass Sie\nvon ihnen keinen Gebrauch gemacht haben.\nAls Verdienst kann ich es Ihnen freilich\nnicht anrechnen. Mag Ihnen auch nicht\nentgangen sein, wie geschickt Sie die Be-\nantwortung Ihrer Frage selbst besorgt haben,\nso hatten Sie doch auch eine Ahnung, wie\nungeschickt die Antworten selbst verfasst\nsind. Wenn nur diejenigen entlaufen, die\nnicht nur oder bloss nur „Sturm-\nkünstler\" sind, dann war Ihre Frage weder\nan den Wind noch an die Leser des Kunst-\nblattes gerichtet. Die Frage ist beantwortet,\nso mangelhaft es auch geschehen sei. Die\nKünstler entlaufen, wenn oder weil sie\nnicht nur oder bloss nur „Sturm-\nkünstler\" sind. Andere scheinen auf das\nEntlaufen zu verzichten. Und also ist der\nGrund, nach dem Sie fragen, eben darin\nzu suchen, dass Jene nicht nur oder\nbloss nur „Sturmkünstler\" sind. Frei-\nlich muss der Grund noch immer gesucht\nwerden. Und darum ist Ihre versteckte\nAntwort nur eine halbe, mit der einem\nDurchschnittsleser nicht gedient sein kann,\nbesonders dann nicht, wenn er dahinter-\nkommt, dass Ihre halbe Antwort gar keine\nist. Wenn Sie mir den Gefallen tun wollen,\nin einem lateinischen Wörterbuch nachzu-\nschlagen, will ich Ihnen gern beweisen,\ndass Ihre so geschickt wie ungeschickt\nuntergebrachte Antwort eine contradictio\nin adjecto ist. Alle Künstler, die nicht\nnur „Sturmkünstler\" sind, entlaufen.\nNicht nur? Nicht nur „Sturm-\nkünstler\"? Was sind sie denn? Sie,\nHerr Westheim, sind nicht nur oder\nnicht bloss nur ein Schriftsteller,\nsondern ein Kunstschriftsteller. Und also\nsind Sie ein Schriftsteller. Und also sind\njene .Sturmkünstler\", die entlaufen, „Sturm-\nkünstler\". Und also sind sie garnicht\nentlaufen. Aber Sie wären der Erste, der\nmir lieber das Gegenteil zugibt, dass näm-\nlich ein entlaufener „Sturmkünstler\" kein\n„Sturmkünstler\" mehr ist. Oder Sie voll-\nführen mit Ihrem „Entlaufen\" einen Aus-\nlegungstanz, dass mir schwindlig wird.\nIhr „Entlaufen\" kann mir den Hals\nkosten. Das ist ein Wort, mit dem ein\nMann wie Sie alles behaupten und nichts\nbestreiten kann, oder auch alles bestreiten\nund nichts behaupten, je nachdem. Das\nist ein Wort, mit dem Sie Ihre Existenz\nweginterpretieren können. Mit diesem Wort\nkönnen Sie mich dreimal in einem Atem\neinen Lügner schelten, wenn ich nur den\nMund autmache, um Sie ja richtig auszu-\nlegen. Ich möchte glauben, dass ein Hund\nseinem Eigentümer entlaufen kann. Auch\ngab es Sklaven, die ihrem Herrn entliefen.\nUnd ich möchte zu behaupten wagen, dass\netwas von Hörigkeit und Zugehörigkeit ge-\ndacht werden kann, wenn Künstler ent-\nlaufen. Sie dürften dem Sturm oder\nHerwarth Waiden gehört haben, ohne\ndass ich weiss, ob ich damit Ihren Geschmack\ntreffe. Sie werden nicht sagen, „entlaufen\"\nbedeute die Zubereitung einer Eierspeise,\nnicht wahr, Herr Westheim? Vielleicht\nwollen Sie bedenken, dass Ihr eigener Herr\nBrass, da er uns bei Ihnen anzeigte, „die\ndem Kunsthändler Waiden verschriebenen\nKünstler\" erwähnte und auch von Künst-\nlern sprach, „die in Abhängigkeit von Herrn\nWaiden stehen\". Sie werden Rücksicht\nauf diese Auslegung nehmen, ehe Sie be-\nhaupten, unter „entlaufen\" sei die Herstel-\nlung von Kesseln für hochgradige Tempe-\nraturen zu verstehen. Ich will Ihnen\nzugeben, dass Herrn Brass daran gelegen\nwar, seine Ausdrücke, wenn nicht gerade\nbeleidigend, so doch kränkend und ver-\nächtlich zu wählen. Da ich schon bewiesen\nhabe, dass er dem Sturm garnicht entlaufen\nwar, sondern versprochen hatte, sich in\nalle Zukunft Gloria des Sturm ein-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.16", "texte": "zusetzen, fühlte er sich ganz besonders\nverletzt, als der Sturm sich von ihm zu-\nrückzog. Und da er durch nichts an den\nSturm gefesselt war, musste er so tun, als\nob er Fesseln gesprengt hätte. Sie sowohl\nwie ich haben es also Herrn Brass zu\ndanken, wenn wir uns bald verständigt\nhaben werden, wie Ihr „Entlaufen\" richtig\nauszulegen sei. Obendrein haben wir noch\nden Vorteil, dass wir wissen, was Sturm-\nkünstler sind, wenn Sie das Wort zwischen\nAnführungszeichen setzen. Es ist eine\nLust zu sehen, dass zwei Männer wie Brass\nund Westheim so einig sind in ihrem\nDenken, dass der eine sagen kann, was der\nandere vergessen hat. Künstler, die in\nAbhängigkeit von Herrn Waiden stehen,\nKünstler wie Franz Marc und Hans Brass,\ndie bekanntlich Herrn Waiden verschrieben\nwaren, nennen Sie „Sturmkünstler\". Und\nnun könnte man sich mit Ruhe ansehen,\nwie diese Künstler dem Geschäftsbetrieb\ndes Herrn Waiden entlaufen, wenn Sie nicht\nbehauptet hätten, dass Sie ausnahmsweise\nunter dem „Geschäftsbetrieb\" den Kunst-\nbetrieb verstehen. Da habe ich wieder\neinmal die Wahl, welchem von den beiden\nWestheims ich glauben soll. Wie Sie mit\ndiesem „Geschäftsbetrieb\" nach dem Lum-\npenpack hinüberschielen, das sich darunter\nsein Teil denken soll. Das ist ein Wort,\ndas mit einem Schlag mehr ausrichtet, als\nspaltenlange Verdächtigungen. Wenn sich\nHerr Brass beleidigt fühlt, weil man auf\nihn verzichtet kann, schreibt er an die\n„Kunsthandlung Der Sturm\", sozusagen mit\nder „Ihnen gebührenden Hochachtung\".\nWenn Sie das künstlerische Lebenswerk\neines Mannes, vor dem Sie sich ins tiefste\nLoch verkriechen müssten, beschimpfen\nwollen, nennen Sie es einen „Geschäfts-\nbetrieb\" und denken, das ist Wermuth. Da\nhaben wir wieder eines jener Wörter, mit\ndenen sich ein Westheim als Auslegungs-\nPrestidigitateur kann sehen lassen. Und ich\nhabe es nicht einmal nötig, Ihnen einige\nMusterausreden einzublasen, da Sie schon\nselbst darauf gekommen sind. Denn Sie\nnennen, kurz entschlossen, denjenigen einen\nSchwindler, der Sie beim Wort nimmt\nund einen Geschäftsbetrieb für einen Ge-\nschäftsbetrieb hält. Sie schelten es eine\nplumpe und dreiste Unterstellung, wenn\nman Sie wörtlich zitiert, anstatt in einem\n„Geschäftsbetrieb\" einen Kunstbetrieb zu\nerkennen. Mit keiner Silbe, nicht\neinmal dem Sinne nach, haben Sie\nbehauptet, dass Künstler dem Geschäfts-\nbetrieb entlaufen. Aber Ihr „Geschäfts-\nbetrieb\" hat seine Geschichte. Ihren „Ge-\nschäftsbetrieb\" kennt man schon. Und wenn\nman auch nicht wüsste, wie Sie das Wort\nschon ein halbes Dutzend Mal ausgelegt haben,\nso bliebe ein Geschäftsbetrieb noch immer\nder Betrieb eines Geschäfts, und es wären\nimmer noch die „Geschäfte\", denen Ihre\nKünstler entlaufen sind. Und Sie wollen\ngewiss nicht sagen, dass Ihre Entlaufenen\nvor reellen Geschäften Reissaus nehmen.\nEs müssen schon unsaubere Dinge vorge-\nkommen sein, wenn Sie Ihre kostbare Zeit\ndamit verbringen, sich selbst nach dem\nGrunde des Entlaufens zu fragen. Dass\netwa Künstler sich vor reellen Geschäften\nzurückziehen, so etwas Läppisches erzählen\nselbst Sie Ihren Lesern nicht. Haben Sie\nalles verstanden? Oder soll ich zur Ab-\nwechslung ein paar Fragen an Sie richten?\nWarum genügte es Ihnen nicht, von Künst-\nlern zu schreiben, die dem Sturm ent-\nlaufen? Sind Sie ein Poet, der um Lebens\noder Sterbens Willen für den Begriff ein\nBild setzen muss? Oder sind Sie nur ein\nJournalist, der ein künstlerisches Unter-\nnehmen einen Geschäftsbetrieb nennt, um\nvon ihm mit der „gebührenden Hochachtung\"\nzu sprechen? Oder sind Sie ein Westheim,\ndem noch die letzte Ausrede bleibt, dass\nKünstler aus ideellen Gründen einem Ge-\nschäftsbetrieb entlaufen? Dann aber haben\nSie vergessen, dass Ihre Frage und Ihre\nAntwort auf verschiedenen Blättern stehen.\nSo ist es richtig. Erst fragt man, warum\nKünstler einem Geschäftsbetrieb entlaufen,\nund einige Monate später, wenn man den\nGeschältsbetrieb mit Leichenberaubung,\nUnterschlagung und Uebervorteilung inter-\npretiert hat, sind die Künstler nur aus\nideellen Gründen entlaufen. Und nun warte\nich noch darauf, dass Sie sagen, allen\nLeichenberaubungen und Eigentumsver-\ngehen zum Trotz seien Ihre Künstler aus\nideellen Gründen entlaufen! Aber ist es\nauch wirklich wahr, dass Sie einige Monate\nvergehen lassen, ehe Sie Ihre eigene Frage\nbeantworten? Haben Sie nicht Ihrer ersten\nFrage eine zweite auf dem Fusse folgen\nlassen? Und wenn auch Ihre eine Antwort"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.17", "texte": "weniger als gar keine war, so könnte doch\nvielleicht die zweite eine sein. Und da\nausserdem diese zweite Frage einer der\nspassigsten Sätze ist, die Sie je verfasst\nhaben, so wird es sich auch sonst lohnen,\ndiesen Satz noch einmal durchzulesen.\n„Sollte der Grund der Aufregung vielleicht\nsein, dass gerade Künstler dieser Art immer\nmehr Vertrauen zum Kunstblatt zu fassen\nscheinen?\"\nIch muss freilich gestehen, dass ich mich\nwohl vergeblich bemühen werde, diesen\nSatz ganz zu begreifen. So gross ist der\nMissbrauch, den Sie da mit der deutschen\nSprache treiben, und der Mangel an Logik.\nVon welcher Aufregung sprechen Sie denn?\nWer regt sich auf? Die Künstler etwa?\nEs muss wohl so sein, da ich nicht wiisste,\nan wen Sie sonst denken könnten. Aber\nwie denn? Warum regen sich Künstler\n„dieser Art\" auf? Weil sie Vertrauen zum\nKunstblatt zu fassen scheinen? Scheinen?\nScheinen? Dieses „scheinen\" muss\nihnen entschlüpft sein. Wir müssen es\nnoch einmal lesen. Die Künstler Ihrer\nGattung regen sich auf, weil sie Vertrauen\nzum Kunstblatt zu fassen scheinen. Wer\nsagt „scheinen\"? Ich glaube, Sie,\nHerr Westheim. Und also sind Sie der-\njenige, dem die Künstler ein solches Ver-\ntrauen zu fassen scheinen. Beim Teufel,\nda ist es kein Wunder, wenn die Künstler\nnervös werden. Ich würde mich auch nicht\nwenig aufregen, wenn Sie so etwas von mir\nglaubten. Wenn Sie vermuten, dass die\nKünstler immer mehr Vertrauen zum Kunst-\nblatt fassen, sollen sich da die Künstler\nnicht aufregen? Aber um wieder ernst-\nhaft zu sprechen, will ich Ihnen jetzt auf\nden Kopf zusagen, dass dieses „scheinen\"\nIhnen entschlüpft ist. So etwas Komisches\nwollten Sie nicht sagen. Und ich will es\nzu meinem eigenen Nachteil darauf an-\nkommen lassen, Ihren Satz so hinzuschrei-\nben, wie Sie ihn gedacht hatten:\n„Sollte der Grund der Aufregung vielleicht\nsein, dass Künstler dieser Art immer mehr\nVertrauen zum Kunstblatt fassen?\"\nFassen, Herr Westheim, fassen wollten Sie\nschreiben, nicht zu fassen scheinen.\nFür diese Verkürzung Ihres drolligen Satzes\nsind Sie mir einen Dank schuldig. Jetzt\nregen sich die Künstler nicht mehr darüber\nauf, dass Sie bei ihnen ein Vertrauen zum\nKunstblatt vermuten, sondern über ihren\neigenen Unverstand. Und da begreift man\ndie Aufregung gleich besser. Die Herr-\nschaften haben alle Ursache, sich über ihr\nVertrauen aufzuregen. Es sieht sogar aus,\nals hätten sie vor Aufregung den Kopf ver-\nloren. Sie sind so aufgeregt über ihr Ver-\ntrauen zum Kunstblatt, dass sie dem Ge-\nschäftsbetrieb des Herrn Waiden entlaufen.\nUnd darumLeichenräuberundDefraudanten.\nDer Grund des Entlaufens ist das Vertrauen\nzum Kunstblatt! Dieses, Herr Westheim, ist\nnun schon die elfte Auslegung Ihrer Ver-\ndächtigung, wenn ich richtig gezählt habe.\nUnd es ist ausserdem ein so grosser Wider-\nsinn, wie es eine Beleidigung der Herren\nEntlaufenen ist. Franz Marc, August Macke\nund Hermann Essig sind gestorben, weil\nsie immer mehr Vertrauen zum Kunstblatt\nfassten. Und einige Lebende haben Sie im\nVerdacht, dass sie zu einem Blatt Vertrauen\nfassen, dessen Herausgeber sich solche Witze\nerlaubt. Vertrauen? Zu Ihnen? Was, Herr\nWestheim, denken Sie von sich? Halten Sie\nsich im Ernst für einen Schriftsteller oder\nKritiker, zu dem ein einziger Künstler\nwahres, ehrliches Vertrauen haben kann?\nOder wissen Sie so gut wie ich, dass alle\nKünstler über Sie nicht anders denken wie\nich selbst über Sie urteile und schreibe?\nWenn Sie nicht wissen, ob Sie es wissen\ndürfen, dann hören Sie von mir: Sie wissen\nes! Ja, Herr Westheim, so etwas Spassiges\ngibts in Ihrem Leben. Sie wissen, was Sie\nnoch nicht zu wissen wagen. Vertrauen zu\nIhnen? Und so gross ist dieses Vertrauen,\ndass die Künstler ihren Verstand verlieren?\nWenn irgend ein Hans Dampf in allen\nexpressionistischen Gassen in Ihrem Blatt\nüber einen unserer Künstler schreibt, ist es\neine Schande für den Künstler? Eine grosse\nEhre mag es nicht sein, aber warum eine\nSchande? Ich war einst mit einem Kunst-\nkritiker befreundet. Seitdem er mich ge-\ntadelt hatte, fand er sich genötigt, mich\nnicht mehr zu grüssen. Hatte er ein\nschlechtes Gewissen? Warum müssen\nKünstler, die ihren Einzug ins Kunstblatt\ngehalten haben, dem Sturm entlaufen?\nHeisst das nicht, das Schamgefühl über-\ntreiben? Dass Künstler, die Ihnen Repro-\nduktionen gestatten, oder denen Sie diese\nGunst gewähren, oft kein Prima Gewissen\nmehr haben, würde ich glauben, wenn"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.18", "texte": "ich es nicht wüsste. Aber dass sie sich\ndarüber bis zur Besinnungslosigkeit und\nDummheit aufregen sollen, nein, Herr West-\nheim, das dürfen Sie Niemandem weis\nmachen. Wenn sich Einer der Opfer künst-\nlerischen Glaubens ein paar Jahre durch-\ngehungert und die Beschimpfungen mitge-\nmacht hat, die er von Ihnen erdulden muss,\nweil er seine Bilder im Sturm zeigt, wenn\nihm die treufürsorgende Gattin das Paradies\ngezeigt hat, in das er schnurstracks hinein-\nrennt, sowie er dem Sturm entlaufen ist,\nwenn er vor Ihren Beschimpfungen für den\nBagatellpreis einer Treulosigkeit sicher sein\nkann, lebwohl, mein tapferer Streiter! Ich\nwill ihn nicht bewundern. Aber weil ich\nihn nicht schmähe, braucht er selbst sich\nnicht für so verworfen zu halten, dass er\nVerbrechen zwischen uns ersinnen muss.\nJa, Herr Westheim, nun habe ich Sie end-\nlich, endlich verstanden. Es sind meine\nSchuldner, die sich mit mir verzanken\nmüssen. Oh, was muss ich für ein Schuft\nwerden, damit sie mich nicht zu bezahlen\nbrauchen. Ein vlämischer Schriftsteller\nkam nach Deutschland. Er besuchte Her-\nwarth Waiden und begeisterte sich für ihn\nin Worten und Artikeln. Und nachdem\nihm Waiden mit einem Darlehen aus der\nNot geholfen hatte, und da der Vlame das\nGeld nicht zurückzahlen wollte, — nun,\nHerr Westheim, was tat er da? Sie solltens\nerraten. Der liebe Mensch schrieb einen\nArtikel gegen Herwarth Waiden. Hat einer\ndem Sturm seine Förderung und die allge-\nmeine Anerkennung zu verdanken, so muss\nes ihn wohl in Aufregung versetzen, wenn\ner etwas unternimmt, das wie Vertrauen\nzum Kunstblatt aussieht. Und was tut er\nin seiner Aufregung? Er entläuft, das heisst\ner geht mit sich oder mit Ihnen zu rate,\nwie er entlaufen sein könnte. So ein\nStümper ist keiner, dass er dafür keinen\nGrund ersinnen könnte, und wenn es meine\nNase wäre oder eine Zeichnung von Rudolf\nBauer. Wenn mans so betrachtet, dann sieht\nes wirklich aus, als hätten Sie Ihre grosse\nFrage nach dem Grunde des Entlaufens\nnicht so übel beantwortet. Sogar besser\nals Sie glauben. In ihrer Verwirrung und\nScham vergessen die Künstler, dass sie dem\nnicht entlaufen können, an das sie nie ge-\nbunden waren, — bis auf einen, Herr West-\nheim, mit dem ich Ihnen noch einen Yer-\ndruss bereiten werde. Die andern aber,\ndie ihrer Freiheit entliefen, um sich in einen\ngoldenen Käfig sperren zu lassen, könnten\nes schon nötig haben, sich von Ihnen se-\nkundieren zu lassen. Wer entlaufen sein\nwill, ohne dass er entlaufen war, und darum\ndie albernsten Gründe erfindet, für den\nwüsste ich keinen besseren Grund, als das\nVertrauen zu einem Kunstblatt und zu einem\nWestheim. Mehr kann ich für Ihre Antwort\nnicht tun, als in ihr den Sinn eines solchen\nUnsinns zu finden. Und also ist auch Ihre\neigene zweite Beantwortung Ihrer grossen\nFrage nicht besser als gar keine. Noch\nimmer fragen Sie vergeblich, warum Künstler\ndem Geschäftsbetrieb des Herrn Waiden\nentlaufen. Die drei Toten können Ihnen\nden Mund nicht mehr stopfen, um vor Ihnen\nRuhe zu haben. Einige Lebende haben den\nMut gefunden und es sich verbeten, dass\nsie von Ihnen zu Begaunerten gemacht\nwerden. Oder war das auch eine plumpe\nund dreiste Unterstellung? Waren Klee,\nFeininger und Jawlensky auch Schwindler\nund Fälscher, als sie Ihre zweideutigen Ver-\ndächtigungen so eindeutig verstanden wie\nWaiden und ich? Vor einem Jahr haben\nSie vergessen, darüber nachzudenken. Holen\nSies nach oder lassen Sie mich die Arbeit\n%•\nfür Sie besorgen!\n\nInhalt\nLothar Schreyer: Buss Schrei\nVlatislav Goth: Gedicht\nHerwarth Waiden: Uuter den Sinnen / Eine Dichtung zwischen Menschen\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Zwölfter Brief\n<■ '\njacoba van Heemskerck: Zeichnung\nWilliam Wauer: Der Wurf / Zeichnung\nAlexander Archipenko: Femme se coifFant / Terracotta\nSeptember 1921\n\nRudolf Blümner"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.19", "texte": "VERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMusiK\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werk 11—3\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFiir Gesang und Klavier / Je 6 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier / 6 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 6 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 30 Mark\nDie Judentochter / Werk 17* / 10 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 7 Mark 50 Pfennige\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 9 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFiir Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\n\nSturm-Karten\nJedc Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\n\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacoba van Heemskerck 3\nHjerten-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\n\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nKurt Schwitters 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm' Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 1 Mark\nTour Donas —NellWalden / Franz Marc / Iwan Puni\nJe 3 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n6 Mark\n\nKunstdrucKe aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier <\nJeder Kunstdruck 10 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14 \\ ,\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere/ Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nKandxnsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopf e: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 Y vetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige KunstdrucKe\nJedes Blatt 15 Mark\n* •\nAlexander Archipenko: Aquarell\nWilli Baumeister: Grosse und kleine Figur\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nMarcoussis: Stilleben\nNell Walden: Todfriihling\n\nSturm'Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Liitzow 4443\nExpressionistische Kunst und Dichtung\nAuslandische Bticher\nVerkauf guter Biicher und Kunstdrucke\n\nVERZEICHNJSSE DES VERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19210905-01.1.20", "texte": "V t\nAnzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\n\nHundertste Ausstellung\nSeptember 1921\nZchn Jahre Sturm / Gesamtschau\nHunderterste Ausstellung\nOktober 1921\nNell Walden\nGesamtschau des Sturm\nTageskarte 2 Mark\n\nSTURM-ABENDE J e d e n Mittwoch 7 s/4 Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nStandige Mitwirkende: Rudolf Rlumner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nKarten 8, 6 und 4 Mark an der Abendkasse und im Vorverkauf Sturm-Buchhandlung / Potsdamcr Strafie 138 a\n\nDcr Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nNew'York / Paris / Hannover\n\nDer Sturm iibernimmt die Veranstaltung von\nSturm -Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stadten und Landern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVcrlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSturm'BiJderbucher\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n100 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nLouis Marcoussis: Aquarell\n15 Mark\nKurt Schwitters: Merzzeichnung ra\n15 Mark\n■ ' r ' ' i 5 1\nRudolf Bliimner\nr J\nDer Geist des Kubismus und die Ktinste\nMit Abbildungen\n20 Mark\nDie Reproduktion der Zeichnung „Ohnmacht der\nWidersacher\" von Paul Klee in Heft 8 erfolgte mit\nGenehmigung von Hans Goltz-Miinchen."}]}