{"numero_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_sha256": "b3c09763292403353782434fe72f7264edad4dfa585c0f570232738ff4b04f0e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1921/12/05_01/bmtnabg_1921-12-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1921/12/05_01/bmtnabg_1921-12-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-12-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.2.1", "titre_corps": "Akt / Zeichnung", "titre_sommaire": "Akt / Zeichnung", "signature_source": "Fernand Léger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.1", "debut_caractere": 90, "fin_caractere_exclue": 120, "texte": "Fernand Léger: Akt / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-12-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "204", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.2.2", "titre_corps": "AUFRUF! : (ein Epos)", "titre_sommaire": "AUFRUF! : (ein Epos)", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.3", "debut_caractere": 70, "fin_caractere_exclue": 1896, "texte": "AUFRUF!\n(ein Epos)\n\nWas ist ein Abstinent? V-N-N-V\nKein anderer Beruf ist so eng mit dem Laufe der Jahreszeiten verknüpft.\nAbstinent 1™ Geschlechts sein. Uas letztere\nhat mehr Anlage dazu.\n(FACHTIERARZT für\nHUNDEKRANKHEITEN.)\n- - 9 -\nQuarzlampenbehandlung („Höhensonne\".)\nKU Elektrotherapie — kupieren in Tlorfofe KU KU\nSprechzeit 10—12 $\n[Zweigniederlage Berlin.]\nInsbesondere wird Wert gelegt auf reifes politisches Urteil, hervorragend gewandte,\nklare und fesselnde\nAusdrucksForm\nDer hannoversche MALER Kurt und die Fähigkeit, den Ereignissen auf dem Fusse\nSchwitters veröffentlicht in der folgend alle Tagesfragen in leitenden Artikeln in\nZeitschrift „DER STURM\" nach- erschöpfender und formvollendeter Weise zu be-\nstehende Dichtung: handeln. (LÄRM LINKS.)\nAn ANNA BLUME!\n(Name und Verpackung gesetzlich geschützt.) (D. R. P. MERZ?) (D. R. G. M.)\n/////////////// ARBEITER!\nJe mehr die Untersuchungen und Veröffentlichungen über den Weltkrieg die verbrecherischen\nTaten des alten Regimes dem Volke zum Bewusstsein bringen (Gottverdammter Mistbauer,\nkannste nich hören?), desto frecher erhebt die Reaktion, die heute in der Deutschnationalen\nVolkspartei verkörpert wird (0, dit is een widerlichen Menschen, isses!), ihr Haupt. Ich\nersehe darin den aus dem Innersten kommenden Ausdruck des Entschlusses aller vater-\nländischen Kreise, die Schwere dieser Zeit gemeinsam zu tragen (Zurück zur einsamen\nMutter Roma!), bis das Bittere der uns auferlegten Prüfung überwunden ist. (Militärdik-\ntatur.) Angebote und Stilproben aus der letzten Zeit, Lebenslauf und Bild erbeten. (Der\nVerkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten.)\n(Es wird das Jahr stark und scharf hergehen.)\nDie Menge versperrte die Strassen, und der Kraftwagen wurde in wenigen Minuten von\nder Menge angehalten, wobei beide Lokomotiven stark beschädigt wurden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3755, "texte": "O du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich liebe dir!\nDu deiner dich dir, ich dir, du mir. — Wir?\n(Die letzte Kraftanspannung der Bolschewisten.) Sechs Zugbeamte wurden verletzt, darunter\ndrei erheblich, und immer wieder erscholl der Ruf: „Hoch Hindenburg!\" und „Hoch\nLudendorfF\" und „Nieder mit der Reaktion\"!\n(Das gehört beiläufig nicht hierher.)\nDie Anwesenheit des Feldmarschalls und die Achtung vor diesem Manne sollen das\nFEUERCHEN abgeben, an dem DAS nationalistische Süppchen zum Sieden gebracht\nwird. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. (Guten Appetit!)\nICH FLETSCHE Eisbeine.\n(Stürmische Pfuirufe.)\nIn diesem Augenblick schwang sich (La morale est l'6pine dorsale des imbeciles.) ein\nStudent auf das Trittbrett und rief: „Strassen versperren! Wie während des ganzen\nKrieges, so gilt auch heute mein ganzes Denken des Vaterlandes Zukunft. Die erste An-\nnahme, dass falsche Weichenstellung vorliege, hat sich als irrig erwiesen. Es ist Zeit,\ndass die Schweinereien im Kinowesen aufhören. Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer?\nWir wollen sie wecken! Du bist. — Bist du? — (Ehrabschneiderei.) Lass sie sagen, sie\nwissen nicht, wie der Kirchturm steht. (Glissando.)\nSeriöser Herr, welcher\nsehr gut Klavier spielt,\nfindet dauerndes sehr\nbehagliches HEIM bei\neinz. älterer DAME in\nschöner Wohnlage.\nWir wollen sie wecken!\nWIR WOLLEN SIE WECKEN!\nDie grosse Zahl an Toten und Verwundeten ist zweifellos\ndarauf zurückzuführen, dass in dem Zuge, wie gewöhn-\nlich, auch eine grosse Anzahl Schmuggler sich befanden,\ndie in Blechdosen und am ganzen Körper verborgen\n96 prozentigen Spiritus bei sich führten.\nKeine kalten Umschläge!\nAber man muss die Ohren steif halten, und jeder, der Ehre und Liebe fürs Vaterland hat,\nmuss alles daran setzen, um der Arbeiterschaft ein sozialistisches Weihnachtsgeschenk in\nden Schoss zu legen. Sie werden es nie begreifen. Inzwischen hatten vor dem Reichs-\ntagsgebäude etwa 100000 Personen Aufstellung genommen. (Wenn sone Geige angewärmt\nis, denn gehtse besser.) Schüler, Studenten und andere radaulustige Elemente werden zu\nunerlaubten nationalistischen und monarchistischen Strassendemonstrationen veranlasst.\n(Also Fritz, nun rede keinen Ton weiter!) Lebhafter Beifall rechts, Zischen links und im\nCentrum. Du trägst den Hut auf deinen Füssen und wanderst auf die Hände, auf den\nHänden wanderst du. (Wissenschaftliche Forschungsergebnisse.) Dieses Wort Friedrichs\ndes Grossen müssen wir uns mehr denn je vor Augen halten, in vielen Millionen von\nBänden verbreitet, in keiner Familie dürfen dieselben fehlen. Denn der, der; die, die;\nda da goldet Glotur.\nPlötzlich sprang ein Student auf ein Automobil und hielt eine Rede des Inhalts, dass man\num keinen Preis Deutschlands grössten Feldherrn wie einen dummen Jungen vor dem\nAusschuss verhören lassen dürfe. Schul- und Polizeibehörden scheinen zu schlafen.\nHallo deine roten Kleider, in weisse Falten zersägt. (Kleider, die sich zur Einsegnung\neignen.) Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich dir! — Du deiner dich dir, ich dir, du,\nmir. — Wir? — Er schloss mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Abstinent will immer\ndes Bruders Hüter sein und bläst, wo's ihn nicht brennt. Das gehört beiläufig in die\nkalte Glut. Die Menge sang: „Heil Dir im Siegerkranz.\"\nARRFITFB 112 Parteigenossen! erscheint in Massen zu unseren Kundgebungen\nriIVDILI 1 CiSX« gegen die reaktionäre alldeutsche Hetze für Republik und\nDemokratie, Bieter mit &er iKetwfoffon! — Die Verluste Deutschlands bis zum 31. Oktober 1918\nbetragen 60 Tote und 113 Verwundete. 21 Tote sind bisher geborgen. Die Toten und\nVerwundeten stammen meist aus der Gegend von Ratibor, zum Teil sind es auch bekannte\nSchmuggler. In diesem AUGEN blick KAM der Generalfeldmarschall heran. Ernst und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3760, "texte": "schwer ist die Zeit, aber weiterkämpfen und wirken müssen wir mit allen Kräften bis\nzum ehrenvollen Ende.\nDIE ANGESEHENSTEN MITARBEITER\nbürgen dafür, dass auch der Inhalt dieses Jahres #abwechslungsreich und lebendig gestaltet\nwird. Die Menge umdrängte das Auto und brach in begeisterte Hochrufe aus:\nRote Blume, Rote Anna Blume, S Der Gen^i-\nfeldmarschall lehnte sich aus dem Fenster und rief der begeisterten Menge zu:\nPreisfrage. 1. Anna Blume hat ein Vogel.\n2. Anna Blume ist rot.\n3. Welche Farbe hat der Vogel?\nWenn Sie die Kollektion noch nicht haben sollten, schreiben Sie sofort, damit wir Ihnen\ndieselbe zusenden. In diesem Augenblick wurde die Versammlung von der Sicherheits-\nwehr aufgelöst. Engros zu beziehen durch sämtliche Drogenhandlungen. (Ich kann mich\nauch mal irren, aber in diesem Falle ist ein Irrtum ausgeschlossen.)\nIch danke Ihnen für die Huldigungen, aber Ein unheimliches Bild boten einige der\njetzt muss ich nach Hause, ich habe zu Insassen, denen es gelang, aus dem Zuge\narbeiten. Blau ist die Farbe deines gelben zu springen, die aber infolge des bei\nHaares. Ihnen verborgenen Spiritus in Brand ge-\nrieten und nun als lebende Fackeln auf\nden Feldern herumrasten, bis sie zusammen-\nDarauf fuhr das Auto davon. brachen.\nDie „Jungfrau\" weiss in allen dich interessierenden Dingen Bescheid; sie ist unerschöpf-\nlich in Unterhaltungen und Spielen. In unserem Vaterlande gibt es eine Monatsschrift\nfür Kultur und Künste, die sich „Der Sturm\" nennt. Mit voller Wucht stürmen die Feinde\nimmer aufs neue gegen unsere Front, jedoch ohne die gewollten Erfolge. In dieser Zeit,\nwo soviel Zündstoff aufgespeichert liegt, sollte man sich vor jedem Funken hüten. Es\nwird kein Mensch daran zweifeln, dass die in erster Linie für Hindenburg veranstalteten\nOvationen durchaus spontan und keine umstürzlerischen Programmnummern sind. Die\n„Jungfrau\" will dich lehren, selbst eine brave deutsche Jungfrau zu werden. Lokalpatrioten\nwird schwarz vor den Augen bei dieser Nachricht. Der Historiker ist ein Utopist. Einige,\nnamentlich geklebte, sind nur geschmackvoll, ohne die Zerquetschten. An alles dieses\nmüssen wir denken, wenn jetzt das Vaterland zur 9. Kriegsanleihe ruft. (Rot ist das\nGirren deines grünen Vogels.) Es geht ums Ganze, um Sein oder Nichtsein unseres Vater-\nlandes. Auch der Martinstag ist solch ein alter deutscher Kalendertag. Du schlichtes\nMädchen im Alltagskleid, du liebes grünes Tier, ich liebe dir! Du, deiner, dich, dir, ich\ndir, du mir. — Wir? Daher muss jeder Kriegsanleihe zeichnen.\nT\\T\"p TT Iji* AT Ta sammelt allwöchentlich einen frohen Kreis junger\nvJ IN i-J 1/Xv LJ Mädchen um sich zu einem Plauderstündchen.\n(Das soll man garnich sagen!) Da es sicherlich nicht viele gibt, die diese Art von Kunst\nund Kultur begreifen (Gerade diese Butzemänner.), so erkennt man unschwer, wie weit\ndie Welt (Da kann man aber albern bei werden.) unter dem Niveau der Futuristen, Ku-\nbisten, Dadaisten und anderer Isten steht. Der Abstinent ist intolerant und will die Welt\nzu dem bekehren, was ihm die Gelehrten in den Kopf gesetzt haben, und was bei ihm\nzur fixen Idee geworden ist. Dieser explodierte und verursachte Brände. Die Toten sind\nstark verkohlt, zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. (Das gehört beiläufig in die\nGlutenkiste.) Die „Jungfrau\" handelt sich immer wieder und nur allein um die Nutzbar-\nmachung des Bodens für unsere Ernähruug. (Konservierungsmethoden.) Als vermisst\nwerden 260 000 Mann gemeldet, wovon aber ein grosser Teil ebenfalls nicht mehr unter\nden Lebenden weilen wird. (Der Ackerbau ist des Landmanns Arbeit) Ueber 6 Millionen\nMenschen sind der Grippe zum Opfer gefallen. Die scheinen ihre Gedichte grundsätzlich\nso zu fassen, dass mann sich nichts dabei denken kann. (Bitte?) Das ist der Fehler!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2513, "texte": "Der Abstinent hat in der Regel eine ge-\nmeine, robuste Gesundheit, und seine\nKinder sind noch gesünder.\nDie „Jungfrau\" verhilft entfernt wohnen-\nden Jungfrauen zum Briefwechsel und\ngibt auf jede Frage eine Antwort.\nDer Abstinent will immer lesen. Da-\ndurch nistet sich seine Idee immer\nfester ein.\nDie „Jungfrau\" will dir in ernsten und\nheiteren Stunden zur Seite stehen, sie\nwill dir beistehen, deinen lieben Eltern\nFreude zu bereiten. I\nDer Abstinent ist ansteckend. (Ia Kriegs-\ngewinnlerfleisch in Form von Mettwurst.)\nDie„ Jungfrau\" hat schon eine stattliche\nZahl von Jungfrauen um sich versam-\nmelt und ladet auch dich ein, als frische\nJungfrau in deren Reihen einzutreten.\n(In 8 Tagen bekomme ich eine bessere\nLeiche.) Sonst ist dem\nAbstinenten\nnichts Ehrenrühriges nachzusagen.\nLeider!\nDie Teilnehmer ordneten sich draussen zu einem gewaltigen Demonstrationszuge. Anna\nBlume, Anna, A-N- N - A, ich träufle deinen Namen, Dein Name tropft wie weiches\nRindertalg. Dort fanden die Demonstranten die Strasse gesperrt. Sie erzählt ihnen wunder-\nnette, hübsche Geschichten und gedankentiefe Märchen und entrollt in wechselndem Ge-\nwände Bilder aus Kunst und Natur, vom Ernst und der Freude des Lebens. Sie begaben\nsich darauf vor das Reichsfinanzministerium, brachten Pfuirufe auf Erzberger aus und\nsangen schliesslich „Heil dir im Siegerkranz\" und „An Anna Blume.\"\nNach getaner Arbeit die geistige Erholung. Weisst du es, Anna, weisst du es schon, man\nkann dich auch von hinten lesen, und du, du Herrlichste von allen (abrupt), du bist von\nhinten, wie von vorne: „A-N-N-A\". Verlangen Sie zur Ansicht, ohne Verbindlichkeit,\n• •\nfranko gegen franko, Muster! Über die Streiklage selbst meldet unser Berliner R-Korrespon-\ndent, dass sie sich entschieden gegen vorgestern gebessert hat. Wegen Aufgabe des Artikels\nverkaufe, solange Vorrat reicht, in prima Sattlerware. Rindertalg träufelt streicheln über\nmeinen Rücken. In Rücksicht auf den Belagerungszustand bitte ich jedoch von weiteren\nKundgebungen absehen zu wollen. (Aufhebung des roten Vollzugsrates.) Sie geleitet\nsolcherweise ihre Getreuen schwesterlich durch die Mädchenjahre hindurch, lehrt hier be-\ngreifen, dort bewundern, ermuntert dazu, die eigenen Geistesgaben im Sinne des Schönen\nund Guten zu erziehen und zu vertiefen. Anna Blume, du tropfes Tier, ich liebe Dir!\n(Das Lieblingsblatt der Mädchenwelt.)\nSeriöser Herr, welcher\nsehr gut Klavier spielt,\nfindet dauerndes sehr\nbehagliches HEIM bei\neinz. älterer DAME in\nschöner Wohnlage.\n\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-12-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "205", "page_fin": "205", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.2.3", "titre_corps": "Akt / Zeichnung", "titre_sommaire": "Akt / Zeichnung", "signature_source": "Fernand Léger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", 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Liebe\nSteine atmen Berggedunkel\nSteine atmen\nSchlicht bricht Licht\nSteine atmen\nLicht zerbricht\nUnd ein Funke streift die blinden Augen\nBlindgeblendet\nBlindverblendet\nStreift der Funken Funke streift\nSteine atmen nahen Morgens\nGib den Funken mir der Blendung\nGib das Licht mir der Verblendung\nIch bin der Berg seine Steine atmen\nGib mir den Funken hin zum Tode\nZum Tode hin am nahen Morgen\nAus dem Schreien meines Blutes springt\nder Funke\nAus dem Schreiten meines Blutes funkt die\nFlamme\nSteine atmen\nSchlicht bricht Licht\nGib mir den klingenden Funken im Berg-\nabgedunkel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-12-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "213", "image_debut": 8, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain 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Salz\nGegenerde\nGrüner\nMannware\nMann\nLokomotive loslassen\nGrüner\nLos\nMann\nKleider kehren\nGrüner\nMatte\nMann\nSchwanger Schwarzwurzel\nGrüner\nZwitschern\nMann\nMittag Mittelfinger\nGrüner\nPropfenzieher\nMann\nVorgehen vorgreifen\nGrüner\nFlüchten\nMann\nHärter Hacke"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1011, "texte": "Gesetz\nWäger\nFällig\nLebe\nVormittag\nWäger\nHöllenholz\nLebe\nLeichenverbrennung\nWäger\nLebe\nSchwert\nJenseits\nrjn ••\n1 rane\nSehnitte\nToder\nOber Kiefer\nffl ••\nI rane\nSprühregen\nToder\nHarkt Harmonika\nnn ••\nlrane\nTrauerstreifen\nToder\nZapfen\nrr* ••\nlrane\nZähig\nToder\nZunge findet zurecht\nlrane\nBinden\nGemein\nFreuer\nSünde\nMaulwurfshügel\nFreuer\nSünde\nPfote\nFreuer\nZurufen\nSünde\nHornisse hört Hufeisen\nWie du bist\nBruder\nMilder\nMir\nRothaut kehlt\nBruder\nWeis weiter\nMir\n\\\nHöllenstein holpert\nBruder\nSpielen Spinnerei\nMir\nScharfschänd\nBruder\nRegenwurm\nEntzweiung vom Volk\nBlute\nWellen\nKlapphut klagt\nBlute\nWinzig\nWellen\nMeute\nBlute\nWellen\nStröme\nSommer ist so leicht abgewartet\nSchenker\nErschrak brach\nrp •\nIlerer\nLiebling\nSchenker\nRageherz Herzschlag\nTierer\nTrennen\nSchenker\nLandstrasser Streichenhaus\nTierer\nPetersilie\nSchenker\nHöcker Hochverrat\nTierer\nTierkraft\nSchenker\nZahn\nTierer\nSchenker\nTierer\nSchenker\nStoss springt auf\nVerlangen\nSüchter\nTannenzapfen\nImmer\nFolgen foltern\nSüchter\nStroh decke\nImmer\nStrumpfband\nSüchter"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 868, "texte": "Liebhaber\nImmer\nKröte krümmt\nSüchter\nLeichenzug\nImmer\nVerfallen\nVerfaulen\nSüchter\nWindstille\nImmer\nZuvor\nleh dränge dich\nPeitscher\nBeter\nPeitscher\nStreiten\nBeter\nPeitscher\nZählt Tag\nBeter\nApfelsine\nDer Tiermensch überbricht die Erde\nLeuchten\nKrieger\nLeuchten\nKrieger\nWochentag\nLeuchten\nSägemühle\nKrieger\nEinundzwanzig\nBegebenheit\nLieb\nLichterstimme\nWeib\nLieb\nGummi\nWeib\nVorhersagen\nLieb\nGekannt\nWeib\nGrüsse\nUrsprung\nEiner\nWürfelbecher\nSamen\nLäuter\nEiner\nHolzhauerschuh\nSamen\nFindelhaus\nEiner\nStrohhalm\nSamen\nHorchen\nEiner\nSamen\nEiner\nSamen\nEiner\nSamen\nEiner\nKrempe\nSamen\nTiefer\nEiner\nSamen\nKröte\nGeh dem Blute vor\nJunge\nHonigkuchen\nMensch\nJunge\nMensch\nStreichen treten tun\nJunge\nMensch\nZarte zappeln zank\nErweis\nFreier\nRadebreche\nReine\nMeteormieder\nFreier\nSame\nReine\nFreier\nScheiden\nReine\nGehirn geigt\nBeharren\nWellen\nGoldung\nSünde\nWard zeihen\nWellen\nSünde\nLeim\nWellen"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 946, "texte": "Gehen Gang\nSünde\nTragen Trieb\nWellen\nSchleier\nSünde\nHermin her herrsch\nWellen\nHeissen heiz\nSünde\nFestwerk\nFeuerlärm\nWellen\nAussteigen absteigen\nSünde\nZug Saalloch ein\nWellen\nSünde\nLammfleisch\nWo alles schon da ist\nFreier\nVorzimmer\nSamen\nBei\nFreier\nSpiegel\nSamen\nFreier\nDreitag\nSamen\nWeiss\nVer schrieben\nMir\nHaben können\nSterner\nMüde nennen\nMir\nWalze karte Wand\nSterner\nZügel\nMir\nKlumpen\nSterner\nMir\nWerf unter an\nDie Not des Tieres\nMensch\nFische Flache\nKrieger\nTeil gegen Teil\nMensch\nApfel Aprikosen\nKrieger\nGehölz\nMensch\nAuf ersteh führ auf\nKrieger\nÜbriger Tod\nrp ••\nlrane\nFlammen\nWäger\nSchlössen\nrp ..\nlrane\nWäger\nPol\nrp ••\nTrane\nSterbe\nWäger\nnn ••\nlrane\nDarf an\nWäger\nMag mich blühen\nFriede\nUntere\nSchenker\nBrennen drischt\nFriede\nSchenker\nTruthenne Hase\nFriede\nSchieke\nSchenker\nBegegnen beglaub\nWesen\nImmer\nStille stimmen\nGrüner\nPfützenpforte\nImmer\nSchwülschwind\nGrüner\nMädchen machen\nImmer\nWiegen will\nGrüner\nWurmwurf\nImmer\nGrüner\nLieber paar"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 998, "texte": "Bleiben\nPeitscher\nVieh\nLieb\nKannte laden\nPeitscher\nKniekehle\nLieb\nWachs wade\nPeitscher\nSonder\nLieb\nTurm spuckt aus\nPeitscher\nLieb\nPeitscher\nWächter\nLieb\nKriegsschiff Krippe\nPeitscher\nLieb\nDraussen\nAllstaub\nSterner\nSamstag\nPeitscher\nHerd hart\nSterner\nPeitscher\nStolpert Stockstoppelfeld\nSterner\nBei\nPeitscher\nStern er\nGeflügel\nPeitscher\nSpeerspei\nSterner\nSchwester\nPeitscher\nEins zehnt zweiunddreissig\nSterner\nPeitscher\nVerstauchen versteh\nZeugung\nGrüner\nMischmittelmutung\nMensch\nZwie Zwillungszwerg\nGrüner\nTadel ladet\nMensch\nDrillen droh\nGrüner\nBergberitten\nMensch\nT auaufspringen\nGrüner\nAnschlag\nMensch\nDas Ich der Scham\nLieb\nHebenhol\nSünde\nWenden wusste wollte\nLieb\nTräne treff\nSünde\nGeziehen\nLieb\nFort fragt\nSünde\nKnöpfen knurren ofen\nLieb\nLässig wächst zu\nSünde\nDammdampf dämpfen\nLieb\nGift gegen gegen\nSünde\nGib allen\nSchenker\nTraum Treler\nMir\nZuckerei\nSchenker\nKarren Kartoffel\nMir\nBringen Pfahl\nSchenker\nMir\nGeronnen schon\ninsich\nFreier\nReblaus\nTräne\nBrust\nFreier\nrr* \"\nTrane\nWanderung\nFreier"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 581, "texte": "Besuch\nTräne\nFreier\nEinbruch\nrp ••\nlrane\nBekleid\nFreier\nZeit\nTräne\nLichtert\nFreier\nFischbein\nrp ••\nlrane\nFreier\nm ..\nTrane\nDass die Sterne dort stehen\nfp ••\nlrane\nLiedet\nMir\nZirkelzinne\nrp ••\nlrane\nHinter\nMir\nZelt\nrp\nTrane\nFing\nMir\nMöglich\nLieb\nHalte weh\nGrüner\nUnter unterlassen\nLieb\nFrüchte\nGrüner\nWeisel machen weiss\nLieb\nSchlosel Schluck\nGrüner\nFlaggt\nrp ••\nlrane\nSüdwind\nLieb\nViehmarkt\nrp ••\nTrane\nLieb\nPolfahrt\nrp •#\nI rane\nDreh\nLieb\nZuckerzucht\nWenn ein Mensch etwas glaubt\nSterner\nMag misst Pfiff\nWäger\nSterner\nFlucht Flügel Flugsand\nWäger\nSterner\nFesselfern\nWäger\nFliessen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-12-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.2.5.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Marc Chagall", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": 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"signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.15", "debut_caractere": 583, "fin_caractere_exclue": 665, "texte": "Zur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.15", "debut_caractere": 686, "fin_caractere_exclue": 1864, "texte": "Wo ich Ihren Artikel vom April 1920 einst\nverlassen hatte, um nach einigen der Ent-\nlaufenen zu sehen, fahren Sie fort: „Da es\nHerrn Waiden scheinbar zu langweilig ist,\nseine früheren Sturm-Nummern anzusehen,\nhofften wir ihm eine Mühe abzunehmen,\nwenn wir einmal ein paar Abbildungen\ndaraus reproduzierten, die seine Konsequenz\nbeweisen. In der Tat, das, was er jetzt\nbringt: Wauer, Bauer, Neil Waiden, Schwit-\nters ist im Wesen das gleiche.\"\nWenn ich Ihr Alter nach Ihrem sprachlichen\nAusdruck schätzen soll, müssen Sie noch in\nden frühesten Entwicklungsjahren sein. Um\nso erstaunlicher ist es, wie häufig Sie in\ndieser kurzen Zeit das schnelle Altern\nIhrer Kunstanschauungen erlebt haben.\nSind wirklich erst anderthalb Jahre ver-\ngangen, seitdem Sie dieses geschrieben\nhaben? Wauer, Bauer, Neil Waiden und\nSch witters! Es mag sein, dass Sie über\ndie drei ersten auch heute noch falsch\norientiert sind. Was aber gäben Sie, wenn Sie\nden Schwitters aus Ihrem Aprilscherz her-\nausinterpretieren könnten. Das war eine\nverwünschte Feder, die Ihnen den Streich\nspielte, mit Schwitters durchzugehen, als\nSie für die Aenderung Ihrer Ansichten ei-\nnen soliden Grund auf längere Frist zu"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4391, "texte": "legen hofften. Es muss eine von den Federn\ngewesen sein, mit denen Sie im Jahr 1913\nüber die neue Kunst schrieben. Hatten\nSie wirklich damals nichts mehr zu ver-\nlieren? Ich kenne einige Kritiker, die schon\nvor dem April 1920 Wauer, Bauer, Neil\nWaiden am liebsten in einem Wort geschrie-\nben hätten. Und es gab eine Zeit, da brüllte\ndas Chor: Wauer, Bauer und Neil Waiden.\nUnd das Echo wiederholte: Wauer, Bauer,\nund Neil Waiden, bis keiner mehr wusste,\nwer's zuerst gerufen hatte. Demjenigen,\nder sich zum mindesten den geistigen Vater\ndieses Triple-Klischees nennen darf, haben\nSie nicht nur die Vaterfreude verdorben,\nsondern auch die ganze Redensart in Miss-\nkredit gebracht. Sie wollten den Pelion\nauf den Ossa häufen, der, wenn ich mich\nrecht erinnere, schon auf den Olymp ge-\nstülpt war. \"Und Schwitters\" schrien Sie,\num derjenige zu sein, der bei dem Gebrüll\nüber den längsten Text verfügte. Was\nhilfts, dass Sie sich heute das Haar raufen\nund die Stunde verwünschen, in der Sie\nsich wieder einmal zu einer Nicht-Aner-\nkennung haben hinreissen lassen. Mir ist\nfreilich nicht bang, dass Sie mit Hilfe Ihrer\nTechnik aus dem Kummer herausfinden\nwerden. Denn aus welchem Grund hätten\nSie den Schwitters loben sollen? War er\nein Heiliger? Wenn in dem gleichen Monat\nApril Herr Adolf Behne ein Merzbild\nSchwitters für die National-Galerie empfahl,\nwas ging Sie das an? Und doch wüsste\nich gern, wie Sie mir eine Frage beantworten.\nWenn Herwarth Waiden ein Taugenichts\nist, weil er Schwitters \"bringt\", wie Sie's\nnennen, was halten Sie dann von Adolf\nBehne, der eines und desselben Schwitters\ngrösstes Merzbild gleich in der National-\nGalerie sehen möchte? Und ebenso gerne\nwüsste ich, wie Herr Behne über Sie ur-\nteilt, da Sie Wauer, Bauer und Neil Waiden\nsozusagen via Behne-Schwitters in die Na-\ntional-Galerie hineinfluchen. Wenn Wauer,\nBauer und Neil Waiden nach Westheim\ndem Schwitters gleich sind, so gehören sie,\nwenn man den Behne durch den Westheim\nergänzt, gleichfalls in die National-Galerie.\nDas ist die Regeldetri der Kunstkritik und\nein verzwickter Handel. Bei einem subtilen\nEhrgefühl dürften Sie voreinander nicht\neinmal die Hüte lüften. Einer kann sich\nbeim andern allemal im Spiegel sehen.\nAber keiner mag vom andern etwas lernen.\nDenn wo sich der eine, der Westheim heisst,\nganz irrt, täuscht sich der andere noch zu\ndrei Vierteln. Und wenn so einer den\nSchwitters für eine Landskraft ersten Ranges\nhält, brauchen Sie noch keinen Heiligen in\nihm zu sehen. Da er obendrein weder ein\nDenunziant noch ein Selbst-Entlaufener war,\nso mochten Sie von seinen Bildern für eine\ngute Weile nicht einmal offiziell etwas ver-\nstehen. Wenn Ihnen der Kerl erst ein paar\nhandfeste Differenzen geliefert hat, werden\nsich auch seine Bilder bessern. Und sollte\nsich zeigen, dass ihn ein Kunsthändler fest\nan die Hand nimmt, dann können Sie aus\nihm einen gemachten Mann machen. Bis\ndahin setzen Sie sich für Leute ein, die in\nden Schwitters vergafft sind. Und damit,\nHerr Westheim, bringen Sie den Beweis für\nIhren bösen Willen, — falls noch ein\nSonderling herumlaufen sollte, der dran\nzweifelt. Denn man braucht kein Kunst-\nschütze zu sein, um zu bemerken, dass\neiner die Flinte verkehrt hält. Sie tadeln\nsogar den, der ins Schwarze trifft, da Sie\ngefälligst die Güte haben werden, mir das\nnicht als plumpe und dreiste Unterstellung\nzu vermerken. Ich würde gern was prophe-\nzeihen, wenn ich nicht glaubte, dass Ihnen\nmehr einfallen wird als mir, womit Sie in\nein paar Jahren Ihr neues Urteil über\nSchwitters mit dem alten ausbalancieren\nkönnen. Aus dem ehemaligen Akrobaten\nKandinsky haben Sie zuletzt einen hoch-\nfeinen Esoteriker gemacht. Der Schwitters\nkann es bei Ihnen zu was bringen. Viel-\nleicht wird er einmal sagen: Ich erwachte\nund war von Westheim gelobt. Und darum\nwird es die höchste Zeit, dass wir erfahren,\nwie Sie im April 1920 so recht genau über\nden Schwitters geurteilt haben. Zwar glaube\nich mich zu erinnern, dass Sie ihn und\nseine Konsorten den Fröhlich und Loe gleich-\nstellten. Aber wer möchte sich getrauen,\n• •\nIhre Äusserungen mit dem gemeinen Ver-\nstand auszulegen? Und da ich's noch ein-\nmal lese, bin ich glücklich, mich weder\nauf mein ausgezeichnetes Gedächtnis noch\nauf den gemeinen Verstand verlassen zu\nhaben:\n„In der Tat, das, was er jetzt bringt: Wauer,\nBauer, Neil Waiden, Schwitters ist im Wesen\ndas gleiche.\"\nIch kann mir Einen vorstellen, der Ihnen"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4414, "texte": "im Wesen so sehr gleicht, dass ich ihn für\nPaul Westheim halten müsste. Von Ihnen\naber sollte er sich durch die Reinheit des\nStils und die Genauigkeit des sprachlichen\nAusdrucks bedeutend unterscheiden. Dieser\nandere Westheim, der Sie leider nicht sind,\ndürfte sonst alle Fehler des wirklichen West-\nheim haben, und ich brauchte mich mit ihm\nnur halb so vielzu plagen. AuchAnderehaben\nsich viel Mühe mit Menschen gemacht, die\nsie für allgemeine und ganz besondere\nSchädlinge hielten. Aber während sie nicht\nzweifeln konnten, was. sich ihre Herren\nGegner gedacht hatten, als sie dieses und\njenes schrieben, muss ich auf allen Wegen\nnachsehen, was Sie denn überhaupt ge-\nschrieben haben. Ihr Stil ist so minder-\nwertig, Ihr sprachlicher Ausdruck so lässig,\ndass ich ihn für beabsichtigt hielte, wenn ich\nIhnen eine solche Geschicklichkeit zutrauen\ndürfte. „Das, was er jetzt bringt,\nWauer, Bauer, Neil Waiden,\nSchwitters \" Aha, er bringt\njetzt! Und wohin bringt er? Darüber\nmüssen Sie mich aufklären. Denn wenn\nSie mich etwa belehren wollen, dass Sie\ndie deutsche Syntax nicht kennen, so ist\ndas weder eine Neuigkeit noch eine Auf-\nklärung. Wohin also bringt er jetzt? Und\nwas bringt er? Wie sieht das Schwitters\naus, das er jetzt bringt? Oh, wären Sie\ndoch der andere Westheim. Der hätte ge-\nschrieben, dass die Zeichnungen des Kurt\nSchwitters, die Herwarth Waiden im Sturm\nreproduziert hat, jenen der Fröhlich und\nLoe gleichen. Und dann hätte er sein\nManuskript zerrissen, weil ihm die Torheit\nseiner Behauptung durch die Eindeutigkeit\nder Sprache zum Bewusstsein gekommen\nwäre. Le style est I'homme meme. Davon\nhaben Sie noch nichts gehört oder Sie haben\nes nie begriffen. Es war nicht übertrieben,\nals ich sagte, der andere Westheim könnte\nmir nicht die halbe Arbeit machen. Ver-\nsuchen Sie sich in einem klaren Ausdruck\nund einem reinen Stil und Sie werden nichts\nmehr zu schreiben haben. Die Sprache\nselbst wird Ihnen die Nichtigkeit Ihrer Ver-\ndächtigungen beweisen wie die Torheit Ihrer\nUrteile. Es mag neu für Sie sein, dass die\nWörter das Denken leiten. Es ist Ihre Un-\nfähigkeit, sich in einer klaren Sprache zu\näussern, die Sie so besonders unfähig macht,\nüber Kunstwerke zu urteilen. Es ist die\nLässigkeit Ihrer Sprache und Ihre Verach-\ntung des Worts, die Sie zu bösen Taten\ntreibt. Wer Wort und Sprache missachtet\nwie Sie, beschuldigt andere schwerer Ver-\ngehen und glaubt, er habe nichts zu be-\nrichtigen. Und er schreibt: Das, was er\njetzt bringt. Ich möchte Ihr Geschrei nicht\nhören, wenn ich Ihnen auf den Kopf zu-\nsage, dass Sie unter dem Schwitters, das\ner jetzt bringt, die Zeichnungen des Malers\nKurt Schwitters verstehen und nichts anderes.\nSo, Herr Westheim, verfälsche und ver-\nschwindele ich Ihre Sätze. Das ist so eine\n„Giftmischerei, gebraut auf der Hinter-\ntreppe des Sturm\". Sie werden mir jetzt\nvielleicht zugeben, dass man Gift mischen\nund zur Not brauen kann, und dass nur\nein ABC-Schütze im stände ist, Giftmische-\nreien zu „brauen\". Aber Sie werden mir\nnicht sagen können, ob das Gift auf den\nHintertreppen gefährlicher gemischt oder\ngebraut wird. Leute Ihrer Art, die sich nur\nin Redensarten und Klischees äussern, schrei-\nben wohl von Hintertreppen-Romanen, ohne\nsich etwas vorzustellen. Auch mag es sein,dass\nauf den Hintertreppen Romane besonderer\nArt gelesen werden. Aber nur Sie bilden\nsich ein, dass es die Beschäftigung der\nDienstmädchen und kleinen Leute sei, auf\nHintertreppen Gift zu brauen. Und von\ndieser Art ist Ihr Denken und Schreiben\nauch dann, wenn Sie sich an die Kunst\nheranmachen oder Ihre Verdächtigungen\nin die Welt setzen. Warum haben Sie so\nviel zu leugnen und wissen doch nicht, was\nes zu berichtigen gäbe? Weil Sies beim\nNiederschreiben nicht gewusst haben, wie\nviel törichtes Zeug in Ihren Sätzen steckt.\nJetzt staunen Sie, dass die Zeichnungen des\nKurt Schwitters denen des Fröhlich und\ndes Loe gleichen. Und wenn Sie es be-\nstreiten, eine solche hahnebüchene Torheit\njemals geschrieben zu haben, so will ich\nIhnen Spasses halber Recht geben. I m\nWesen, Herr Westheim, im Wesen\nist das Schwitters das gleiche wie die Zeich-\nnungen von Fröhlich und Loe. Nur dürfen\nSie nicht glauben, dass ich mir den Kopt\nzerbreche, was Sie wohl unter dem Wesen\neiner Zeichnung verstehen mögen. Denn\nwenn Sie sich dabei so viel gedacht haben,\nwie bei der Giftmischerei, die auf Hinter-\ntreppen gebraut wird, dann ist Ihr „Wesen\"\nganz gewiss ein Nichts. Entweder wollen"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1692, "texte": "Sie darüber philosophieren, dass für Ihren\ntiefen Geist eine Nachtigall im Wesen das\ngleiche ist wie eine Zwiebel oder Sie\nwollen behaupten, dass eine Zeichnung des\nSchwitters und des Loe für Sie Jacke wie Hose\nist. Und also weiss man jetzt, dass Sie auch\ndiese Kleidungsstücke nicht unterscheiden\nkönnen. Aber damit der Spass wieder ein\nEnde habe, will ich Sie besser verstehen\nals Sie selbst. Solange Sie nicht mit den\nArmen in die Beinkleider fahren, will ich\nglauben, dass sogar Sie eine abstrakte Zeich-\nnung des Schwitters von einer gegenständ-\nlichen Karikatur aus dem Jahr 1910 unter-\nscheiden können. Als Sie einmal von\nGründen sprachen, an die Sie selbst nicht\nglaubten, halfen Sie sich damit, dass Sie\ndiese Dummheiten trifftigere Gründe\nnannten als Himmel und Hölle. Wenn Sie\neine Zeichnung des Schwitters einer anderen\ngleichstellen, von der sie sich unterscheidet,\nwie eine Nachtigall von einer Zwiebel oder\nvice versa, müssen die beiden Zeichnungen\nim Wesen das gleiche sein. Und wenn\nSie damit sagen wollen, dass die Maler\nFröhlich und Loe in der Entwicklung der\nneuen Malerei eine so bedeutende Rolle\nspielen wie Kurt Schwitters, so haben Sie\netwas verdrehtes obendrein noch so schlecht\nwie möglich ausgedrückt. Eher würde ich\nglauben, dass Sie den Schwitters für einen\nKarikaturisten aus dem Jahr 1910 halten,\nwenn Sie nicht einige Monate später die\nZeichnungen der Fröhlich und Loe für\n„klägliche Bildchen\" erklärt hätten. Und\nnun lass ich Ihnen die Wahl, ob Sie sich\ndie Finger abbeissen wollen oder es für\nbequemer halten, mich einen Schwindler\nund Fälscher zu nennen, nachdem ich Ihnen\nbewiesen habe, wie Sie im April 1920 über\nKurt Schwitters urteilten.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1921-12-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1921-12-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1921-12-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.2.7", "titre_corps": "Grotesken", "titre_sommaire": "Grotesken", "signature_source": "Willy Knobloch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.18", "debut_caractere": 1694, "fin_caractere_exclue": 2849, "texte": "Grotesken\nWilly Knobloch\nBordell\n(J. v. 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Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. 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H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMonatsschrift Dcr Sturm / Zwolfter Jahrgang\nErscheint am fiinften jedes Monats\nMit mehrf arbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 60 Mark / Ein Halbjahr\n36 Mark / Einzelheft 7 Mark 50 Pfennige\nVoIlstSndige Exemplare dcs 1. bis 11. Jahrgangs\nje 60 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\n\nBucher\nFranz Richard Behrens\nJBlutblute / Gedichte\nGeheftet 9 Mark / Gebunden 15 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUebertcufcl / Tragodie\nIhr stilles Gltick / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 9 Mark / Gebunden 15 Mark\nKurt HeynicKe\nRings fallen Sterne / Gedichte\n12 Mark / Zweite Auflage\nKandinsKy- Album\nMit 60 Abbildungen\n60 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n9 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n15 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n9 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n9 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken traumt / Gedichte\n9 Mark / Gebunden 12 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n9 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n9 Mark\n\nNacht\n6 Mark\nDie neue Kunst\n5 Mark\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n12 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden BO Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 30 Mark\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n9 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n75 Mark / Gebunden 100 Mark\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n12 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n12 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n15 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\n15 Mark / Gebunden 20 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragodie\n12 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nStinde / Spiel an der Liebe\nLeizte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 7 Mark 50 Pfennige\nSturm-Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm-Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 24 Mark\nI Hare Chagall\nII Alexander ArchipenKo\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\n\nVERZEICHNISSE DES YERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.3", "texte": "nt D CTIIDU\nL/LK o 1UKM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nAUFRUF!\n(ein Epos)\n\nWas ist ein Abstinent? V-N-N-V\nKein anderer Beruf ist so eng mit dem Laufe der Jahreszeiten verknüpft.\nAbstinent 1™ Geschlechts sein. Uas letztere\nhat mehr Anlage dazu.\n(FACHTIERARZT für\nHUNDEKRANKHEITEN.)\n- - 9 -\nQuarzlampenbehandlung („Höhensonne\".)\nKU Elektrotherapie — kupieren in Tlorfofe KU KU\nSprechzeit 10—12 $\n[Zweigniederlage Berlin.]\nInsbesondere wird Wert gelegt auf reifes politisches Urteil, hervorragend gewandte,\nklare und fesselnde\nAusdrucksForm\nDer hannoversche MALER Kurt und die Fähigkeit, den Ereignissen auf dem Fusse\nSchwitters veröffentlicht in der folgend alle Tagesfragen in leitenden Artikeln in\nZeitschrift „DER STURM\" nach- erschöpfender und formvollendeter Weise zu be-\nstehende Dichtung: handeln. (LÄRM LINKS.)\nAn ANNA BLUME!\n(Name und Verpackung gesetzlich geschützt.) (D. R. P. MERZ?) (D. R. G. M.)\n/////////////// ARBEITER!\nJe mehr die Untersuchungen und Veröffentlichungen über den Weltkrieg die verbrecherischen\nTaten des alten Regimes dem Volke zum Bewusstsein bringen (Gottverdammter Mistbauer,\nkannste nich hören?), desto frecher erhebt die Reaktion, die heute in der Deutschnationalen\nVolkspartei verkörpert wird (0, dit is een widerlichen Menschen, isses!), ihr Haupt. Ich\nersehe darin den aus dem Innersten kommenden Ausdruck des Entschlusses aller vater-\nländischen Kreise, die Schwere dieser Zeit gemeinsam zu tragen (Zurück zur einsamen\nMutter Roma!), bis das Bittere der uns auferlegten Prüfung überwunden ist. (Militärdik-\ntatur.) Angebote und Stilproben aus der letzten Zeit, Lebenslauf und Bild erbeten. (Der\nVerkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten.)\n(Es wird das Jahr stark und scharf hergehen.)\nDie Menge versperrte die Strassen, und der Kraftwagen wurde in wenigen Minuten von\nder Menge angehalten, wobei beide Lokomotiven stark beschädigt wurden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.4", "texte": "O du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne, ich liebe dir!\nDu deiner dich dir, ich dir, du mir. — Wir?\n(Die letzte Kraftanspannung der Bolschewisten.) Sechs Zugbeamte wurden verletzt, darunter\ndrei erheblich, und immer wieder erscholl der Ruf: „Hoch Hindenburg!\" und „Hoch\nLudendorfF\" und „Nieder mit der Reaktion\"!\n(Das gehört beiläufig nicht hierher.)\nDie Anwesenheit des Feldmarschalls und die Achtung vor diesem Manne sollen das\nFEUERCHEN abgeben, an dem DAS nationalistische Süppchen zum Sieden gebracht\nwird. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. (Guten Appetit!)\nICH FLETSCHE Eisbeine.\n(Stürmische Pfuirufe.)\nIn diesem Augenblick schwang sich (La morale est l'6pine dorsale des imbeciles.) ein\nStudent auf das Trittbrett und rief: „Strassen versperren! Wie während des ganzen\nKrieges, so gilt auch heute mein ganzes Denken des Vaterlandes Zukunft. Die erste An-\nnahme, dass falsche Weichenstellung vorliege, hat sich als irrig erwiesen. Es ist Zeit,\ndass die Schweinereien im Kinowesen aufhören. Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer?\nWir wollen sie wecken! Du bist. — Bist du? — (Ehrabschneiderei.) Lass sie sagen, sie\nwissen nicht, wie der Kirchturm steht. (Glissando.)\nSeriöser Herr, welcher\nsehr gut Klavier spielt,\nfindet dauerndes sehr\nbehagliches HEIM bei\neinz. älterer DAME in\nschöner Wohnlage.\nWir wollen sie wecken!\nWIR WOLLEN SIE WECKEN!\nDie grosse Zahl an Toten und Verwundeten ist zweifellos\ndarauf zurückzuführen, dass in dem Zuge, wie gewöhn-\nlich, auch eine grosse Anzahl Schmuggler sich befanden,\ndie in Blechdosen und am ganzen Körper verborgen\n96 prozentigen Spiritus bei sich führten.\nKeine kalten Umschläge!\nAber man muss die Ohren steif halten, und jeder, der Ehre und Liebe fürs Vaterland hat,\nmuss alles daran setzen, um der Arbeiterschaft ein sozialistisches Weihnachtsgeschenk in\nden Schoss zu legen. Sie werden es nie begreifen. Inzwischen hatten vor dem Reichs-\ntagsgebäude etwa 100000 Personen Aufstellung genommen. (Wenn sone Geige angewärmt\nis, denn gehtse besser.) Schüler, Studenten und andere radaulustige Elemente werden zu\nunerlaubten nationalistischen und monarchistischen Strassendemonstrationen veranlasst.\n(Also Fritz, nun rede keinen Ton weiter!) Lebhafter Beifall rechts, Zischen links und im\nCentrum. Du trägst den Hut auf deinen Füssen und wanderst auf die Hände, auf den\nHänden wanderst du. (Wissenschaftliche Forschungsergebnisse.) Dieses Wort Friedrichs\ndes Grossen müssen wir uns mehr denn je vor Augen halten, in vielen Millionen von\nBänden verbreitet, in keiner Familie dürfen dieselben fehlen. Denn der, der; die, die;\nda da goldet Glotur.\nPlötzlich sprang ein Student auf ein Automobil und hielt eine Rede des Inhalts, dass man\num keinen Preis Deutschlands grössten Feldherrn wie einen dummen Jungen vor dem\nAusschuss verhören lassen dürfe. Schul- und Polizeibehörden scheinen zu schlafen.\nHallo deine roten Kleider, in weisse Falten zersägt. (Kleider, die sich zur Einsegnung\neignen.) Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich dir! — Du deiner dich dir, ich dir, du,\nmir. — Wir? — Er schloss mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Abstinent will immer\ndes Bruders Hüter sein und bläst, wo's ihn nicht brennt. Das gehört beiläufig in die\nkalte Glut. Die Menge sang: „Heil Dir im Siegerkranz.\"\nARRFITFB 112 Parteigenossen! erscheint in Massen zu unseren Kundgebungen\nriIVDILI 1 CiSX« gegen die reaktionäre alldeutsche Hetze für Republik und\nDemokratie, Bieter mit &er iKetwfoffon! — Die Verluste Deutschlands bis zum 31. Oktober 1918\nbetragen 60 Tote und 113 Verwundete. 21 Tote sind bisher geborgen. Die Toten und\nVerwundeten stammen meist aus der Gegend von Ratibor, zum Teil sind es auch bekannte\nSchmuggler. In diesem AUGEN blick KAM der Generalfeldmarschall heran. Ernst und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.5", "texte": "schwer ist die Zeit, aber weiterkämpfen und wirken müssen wir mit allen Kräften bis\nzum ehrenvollen Ende.\nDIE ANGESEHENSTEN MITARBEITER\nbürgen dafür, dass auch der Inhalt dieses Jahres #abwechslungsreich und lebendig gestaltet\nwird. Die Menge umdrängte das Auto und brach in begeisterte Hochrufe aus:\nRote Blume, Rote Anna Blume, S Der Gen^i-\nfeldmarschall lehnte sich aus dem Fenster und rief der begeisterten Menge zu:\nPreisfrage. 1. Anna Blume hat ein Vogel.\n2. Anna Blume ist rot.\n3. Welche Farbe hat der Vogel?\nWenn Sie die Kollektion noch nicht haben sollten, schreiben Sie sofort, damit wir Ihnen\ndieselbe zusenden. In diesem Augenblick wurde die Versammlung von der Sicherheits-\nwehr aufgelöst. Engros zu beziehen durch sämtliche Drogenhandlungen. (Ich kann mich\nauch mal irren, aber in diesem Falle ist ein Irrtum ausgeschlossen.)\nIch danke Ihnen für die Huldigungen, aber Ein unheimliches Bild boten einige der\njetzt muss ich nach Hause, ich habe zu Insassen, denen es gelang, aus dem Zuge\narbeiten. Blau ist die Farbe deines gelben zu springen, die aber infolge des bei\nHaares. Ihnen verborgenen Spiritus in Brand ge-\nrieten und nun als lebende Fackeln auf\nden Feldern herumrasten, bis sie zusammen-\nDarauf fuhr das Auto davon. brachen.\nDie „Jungfrau\" weiss in allen dich interessierenden Dingen Bescheid; sie ist unerschöpf-\nlich in Unterhaltungen und Spielen. In unserem Vaterlande gibt es eine Monatsschrift\nfür Kultur und Künste, die sich „Der Sturm\" nennt. Mit voller Wucht stürmen die Feinde\nimmer aufs neue gegen unsere Front, jedoch ohne die gewollten Erfolge. In dieser Zeit,\nwo soviel Zündstoff aufgespeichert liegt, sollte man sich vor jedem Funken hüten. Es\nwird kein Mensch daran zweifeln, dass die in erster Linie für Hindenburg veranstalteten\nOvationen durchaus spontan und keine umstürzlerischen Programmnummern sind. Die\n„Jungfrau\" will dich lehren, selbst eine brave deutsche Jungfrau zu werden. Lokalpatrioten\nwird schwarz vor den Augen bei dieser Nachricht. Der Historiker ist ein Utopist. Einige,\nnamentlich geklebte, sind nur geschmackvoll, ohne die Zerquetschten. An alles dieses\nmüssen wir denken, wenn jetzt das Vaterland zur 9. Kriegsanleihe ruft. (Rot ist das\nGirren deines grünen Vogels.) Es geht ums Ganze, um Sein oder Nichtsein unseres Vater-\nlandes. Auch der Martinstag ist solch ein alter deutscher Kalendertag. Du schlichtes\nMädchen im Alltagskleid, du liebes grünes Tier, ich liebe dir! Du, deiner, dich, dir, ich\ndir, du mir. — Wir? Daher muss jeder Kriegsanleihe zeichnen.\nT\\T\"p TT Iji* AT Ta sammelt allwöchentlich einen frohen Kreis junger\nvJ IN i-J 1/Xv LJ Mädchen um sich zu einem Plauderstündchen.\n(Das soll man garnich sagen!) Da es sicherlich nicht viele gibt, die diese Art von Kunst\nund Kultur begreifen (Gerade diese Butzemänner.), so erkennt man unschwer, wie weit\ndie Welt (Da kann man aber albern bei werden.) unter dem Niveau der Futuristen, Ku-\nbisten, Dadaisten und anderer Isten steht. Der Abstinent ist intolerant und will die Welt\nzu dem bekehren, was ihm die Gelehrten in den Kopf gesetzt haben, und was bei ihm\nzur fixen Idee geworden ist. Dieser explodierte und verursachte Brände. Die Toten sind\nstark verkohlt, zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. (Das gehört beiläufig in die\nGlutenkiste.) Die „Jungfrau\" handelt sich immer wieder und nur allein um die Nutzbar-\nmachung des Bodens für unsere Ernähruug. (Konservierungsmethoden.) Als vermisst\nwerden 260 000 Mann gemeldet, wovon aber ein grosser Teil ebenfalls nicht mehr unter\nden Lebenden weilen wird. (Der Ackerbau ist des Landmanns Arbeit) Ueber 6 Millionen\nMenschen sind der Grippe zum Opfer gefallen. Die scheinen ihre Gedichte grundsätzlich\nso zu fassen, dass mann sich nichts dabei denken kann. (Bitte?) Das ist der Fehler!"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.6", "texte": "Der Abstinent hat in der Regel eine ge-\nmeine, robuste Gesundheit, und seine\nKinder sind noch gesünder.\nDie „Jungfrau\" verhilft entfernt wohnen-\nden Jungfrauen zum Briefwechsel und\ngibt auf jede Frage eine Antwort.\nDer Abstinent will immer lesen. Da-\ndurch nistet sich seine Idee immer\nfester ein.\nDie „Jungfrau\" will dir in ernsten und\nheiteren Stunden zur Seite stehen, sie\nwill dir beistehen, deinen lieben Eltern\nFreude zu bereiten. I\nDer Abstinent ist ansteckend. (Ia Kriegs-\ngewinnlerfleisch in Form von Mettwurst.)\nDie„ Jungfrau\" hat schon eine stattliche\nZahl von Jungfrauen um sich versam-\nmelt und ladet auch dich ein, als frische\nJungfrau in deren Reihen einzutreten.\n(In 8 Tagen bekomme ich eine bessere\nLeiche.) Sonst ist dem\nAbstinenten\nnichts Ehrenrühriges nachzusagen.\nLeider!\nDie Teilnehmer ordneten sich draussen zu einem gewaltigen Demonstrationszuge. Anna\nBlume, Anna, A-N- N - A, ich träufle deinen Namen, Dein Name tropft wie weiches\nRindertalg. Dort fanden die Demonstranten die Strasse gesperrt. Sie erzählt ihnen wunder-\nnette, hübsche Geschichten und gedankentiefe Märchen und entrollt in wechselndem Ge-\nwände Bilder aus Kunst und Natur, vom Ernst und der Freude des Lebens. Sie begaben\nsich darauf vor das Reichsfinanzministerium, brachten Pfuirufe auf Erzberger aus und\nsangen schliesslich „Heil dir im Siegerkranz\" und „An Anna Blume.\"\nNach getaner Arbeit die geistige Erholung. Weisst du es, Anna, weisst du es schon, man\nkann dich auch von hinten lesen, und du, du Herrlichste von allen (abrupt), du bist von\nhinten, wie von vorne: „A-N-N-A\". Verlangen Sie zur Ansicht, ohne Verbindlichkeit,\n• •\nfranko gegen franko, Muster! Über die Streiklage selbst meldet unser Berliner R-Korrespon-\ndent, dass sie sich entschieden gegen vorgestern gebessert hat. Wegen Aufgabe des Artikels\nverkaufe, solange Vorrat reicht, in prima Sattlerware. Rindertalg träufelt streicheln über\nmeinen Rücken. In Rücksicht auf den Belagerungszustand bitte ich jedoch von weiteren\nKundgebungen absehen zu wollen. (Aufhebung des roten Vollzugsrates.) Sie geleitet\nsolcherweise ihre Getreuen schwesterlich durch die Mädchenjahre hindurch, lehrt hier be-\ngreifen, dort bewundern, ermuntert dazu, die eigenen Geistesgaben im Sinne des Schönen\nund Guten zu erziehen und zu vertiefen. Anna Blume, du tropfes Tier, ich liebe Dir!\n(Das Lieblingsblatt der Mädchenwelt.)\nSeriöser Herr, welcher\nsehr gut Klavier spielt,\nfindet dauerndes sehr\nbehagliches HEIM bei\neinz. älterer DAME in\nschöner Wohnlage.\n\nKurt Schwitters"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.7", "texte": "Fernand Léger: Akt / Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.8", "texte": "Gedichte\nHerwarth Walden\nKlingt Deine Stimme aus vieler Tage Ferne\nEine silberne Kugel springt auf mein Herz\ndass es tönt\ntönt es zurück aus vieler Nächte Ferne\no meine nächtlichen Tage\no meine taglichen Nächte\nMein Herz springt eine silberne Kugel in\nden Klang Deiner Ferne\nImmer läutet der Laut Deiner Stimme zu Dir\nMeine Blutwolke jagt meinem Herzen voran\nDein Leib ist meine bebende Erde\nFerne Ferne\nImmer läutet der Laut Deiner Stimme zu mir\n* #\n*\nUnd im Schreien meines Blutes\nUnd im Schreiten meines Blutes\nUnd im Bluten meines Schreiens\nUnd im Bluten meines Schreitens\nWandelt still ein Klingen nahen Morgens\nSchlicht bricht Licht aus Qualgedunkel\nBerge atmen Steingesprenkel\nIst der Tod nun meine Liebe\nHin zum Tod sprengt auf die Hoffnung\nHin zum Tod springt her die Liebe\nSteine atmen Berggedunkel\nSteine atmen\nSchlicht bricht Licht\nSteine atmen\nLicht zerbricht\nUnd ein Funke streift die blinden Augen\nBlindgeblendet\nBlindverblendet\nStreift der Funken Funke streift\nSteine atmen nahen Morgens\nGib den Funken mir der Blendung\nGib das Licht mir der Verblendung\nIch bin der Berg seine Steine atmen\nGib mir den Funken hin zum Tode\nZum Tode hin am nahen Morgen\nAus dem Schreien meines Blutes springt\nder Funke\nAus dem Schreiten meines Blutes funkt die\nFlamme\nSteine atmen\nSchlicht bricht Licht\nGib mir den klingenden Funken im Berg-\nabgedunkel\n\nDie Erde der Gottschreie\nFranz Richard Behrens\n\nLothar Schreyer der Isadora Duncan und dem\nSmolny in Petrograd\nAufgabe\nFreund\nHabe Hand\nSterner\nZerren\nFreund\nStern er\nStumpf\nFreund\nGährt Gasrohr\nSterner\nSchiefertafel\nFreund\nLeber leckt\nSterner Streitig\nFreund\nWespe wettet Eifer\nSterner\nHexenhieb\nFreund\nSammel Salz\nSterner\nKnieknicks\nFreund\nSammel Salz\nGegenerde\nGrüner\nMannware\nMann\nLokomotive loslassen\nGrüner\nLos\nMann\nKleider kehren\nGrüner\nMatte\nMann\nSchwanger Schwarzwurzel\nGrüner\nZwitschern\nMann\nMittag Mittelfinger\nGrüner\nPropfenzieher\nMann\nVorgehen vorgreifen\nGrüner\nFlüchten\nMann\nHärter Hacke"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.9", "texte": "Marc Chagall: Zeichnung"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.10", "texte": "Gesetz\nWäger\nFällig\nLebe\nVormittag\nWäger\nHöllenholz\nLebe\nLeichenverbrennung\nWäger\nLebe\nSchwert\nJenseits\nrjn ••\n1 rane\nSehnitte\nToder\nOber Kiefer\nffl ••\nI rane\nSprühregen\nToder\nHarkt Harmonika\nnn ••\nlrane\nTrauerstreifen\nToder\nZapfen\nrr* ••\nlrane\nZähig\nToder\nZunge findet zurecht\nlrane\nBinden\nGemein\nFreuer\nSünde\nMaulwurfshügel\nFreuer\nSünde\nPfote\nFreuer\nZurufen\nSünde\nHornisse hört Hufeisen\nWie du bist\nBruder\nMilder\nMir\nRothaut kehlt\nBruder\nWeis weiter\nMir\n\\\nHöllenstein holpert\nBruder\nSpielen Spinnerei\nMir\nScharfschänd\nBruder\nRegenwurm\nEntzweiung vom Volk\nBlute\nWellen\nKlapphut klagt\nBlute\nWinzig\nWellen\nMeute\nBlute\nWellen\nStröme\nSommer ist so leicht abgewartet\nSchenker\nErschrak brach\nrp •\nIlerer\nLiebling\nSchenker\nRageherz Herzschlag\nTierer\nTrennen\nSchenker\nLandstrasser Streichenhaus\nTierer\nPetersilie\nSchenker\nHöcker Hochverrat\nTierer\nTierkraft\nSchenker\nZahn\nTierer\nSchenker\nTierer\nSchenker\nStoss springt auf\nVerlangen\nSüchter\nTannenzapfen\nImmer\nFolgen foltern\nSüchter\nStroh decke\nImmer\nStrumpfband\nSüchter"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.11", "texte": "Marc Chagall: On dit / Aquarell / Vierfarbendruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.12", "texte": "Liebhaber\nImmer\nKröte krümmt\nSüchter\nLeichenzug\nImmer\nVerfallen\nVerfaulen\nSüchter\nWindstille\nImmer\nZuvor\nleh dränge dich\nPeitscher\nBeter\nPeitscher\nStreiten\nBeter\nPeitscher\nZählt Tag\nBeter\nApfelsine\nDer Tiermensch überbricht die Erde\nLeuchten\nKrieger\nLeuchten\nKrieger\nWochentag\nLeuchten\nSägemühle\nKrieger\nEinundzwanzig\nBegebenheit\nLieb\nLichterstimme\nWeib\nLieb\nGummi\nWeib\nVorhersagen\nLieb\nGekannt\nWeib\nGrüsse\nUrsprung\nEiner\nWürfelbecher\nSamen\nLäuter\nEiner\nHolzhauerschuh\nSamen\nFindelhaus\nEiner\nStrohhalm\nSamen\nHorchen\nEiner\nSamen\nEiner\nSamen\nEiner\nSamen\nEiner\nKrempe\nSamen\nTiefer\nEiner\nSamen\nKröte\nGeh dem Blute vor\nJunge\nHonigkuchen\nMensch\nJunge\nMensch\nStreichen treten tun\nJunge\nMensch\nZarte zappeln zank\nErweis\nFreier\nRadebreche\nReine\nMeteormieder\nFreier\nSame\nReine\nFreier\nScheiden\nReine\nGehirn geigt\nBeharren\nWellen\nGoldung\nSünde\nWard zeihen\nWellen\nSünde\nLeim\nWellen"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.13", "texte": "Gehen Gang\nSünde\nTragen Trieb\nWellen\nSchleier\nSünde\nHermin her herrsch\nWellen\nHeissen heiz\nSünde\nFestwerk\nFeuerlärm\nWellen\nAussteigen absteigen\nSünde\nZug Saalloch ein\nWellen\nSünde\nLammfleisch\nWo alles schon da ist\nFreier\nVorzimmer\nSamen\nBei\nFreier\nSpiegel\nSamen\nFreier\nDreitag\nSamen\nWeiss\nVer schrieben\nMir\nHaben können\nSterner\nMüde nennen\nMir\nWalze karte Wand\nSterner\nZügel\nMir\nKlumpen\nSterner\nMir\nWerf unter an\nDie Not des Tieres\nMensch\nFische Flache\nKrieger\nTeil gegen Teil\nMensch\nApfel Aprikosen\nKrieger\nGehölz\nMensch\nAuf ersteh führ auf\nKrieger\nÜbriger Tod\nrp ••\nlrane\nFlammen\nWäger\nSchlössen\nrp ..\nlrane\nWäger\nPol\nrp ••\nTrane\nSterbe\nWäger\nnn ••\nlrane\nDarf an\nWäger\nMag mich blühen\nFriede\nUntere\nSchenker\nBrennen drischt\nFriede\nSchenker\nTruthenne Hase\nFriede\nSchieke\nSchenker\nBegegnen beglaub\nWesen\nImmer\nStille stimmen\nGrüner\nPfützenpforte\nImmer\nSchwülschwind\nGrüner\nMädchen machen\nImmer\nWiegen will\nGrüner\nWurmwurf\nImmer\nGrüner\nLieber paar"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.14", "texte": "Bleiben\nPeitscher\nVieh\nLieb\nKannte laden\nPeitscher\nKniekehle\nLieb\nWachs wade\nPeitscher\nSonder\nLieb\nTurm spuckt aus\nPeitscher\nLieb\nPeitscher\nWächter\nLieb\nKriegsschiff Krippe\nPeitscher\nLieb\nDraussen\nAllstaub\nSterner\nSamstag\nPeitscher\nHerd hart\nSterner\nPeitscher\nStolpert Stockstoppelfeld\nSterner\nBei\nPeitscher\nStern er\nGeflügel\nPeitscher\nSpeerspei\nSterner\nSchwester\nPeitscher\nEins zehnt zweiunddreissig\nSterner\nPeitscher\nVerstauchen versteh\nZeugung\nGrüner\nMischmittelmutung\nMensch\nZwie Zwillungszwerg\nGrüner\nTadel ladet\nMensch\nDrillen droh\nGrüner\nBergberitten\nMensch\nT auaufspringen\nGrüner\nAnschlag\nMensch\nDas Ich der Scham\nLieb\nHebenhol\nSünde\nWenden wusste wollte\nLieb\nTräne treff\nSünde\nGeziehen\nLieb\nFort fragt\nSünde\nKnöpfen knurren ofen\nLieb\nLässig wächst zu\nSünde\nDammdampf dämpfen\nLieb\nGift gegen gegen\nSünde\nGib allen\nSchenker\nTraum Treler\nMir\nZuckerei\nSchenker\nKarren Kartoffel\nMir\nBringen Pfahl\nSchenker\nMir\nGeronnen schon\ninsich\nFreier\nReblaus\nTräne\nBrust\nFreier\nrr* \"\nTrane\nWanderung\nFreier"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.15", "texte": "Besuch\nTräne\nFreier\nEinbruch\nrp ••\nlrane\nBekleid\nFreier\nZeit\nTräne\nLichtert\nFreier\nFischbein\nrp ••\nlrane\nFreier\nm ..\nTrane\nDass die Sterne dort stehen\nfp ••\nlrane\nLiedet\nMir\nZirkelzinne\nrp ••\nlrane\nHinter\nMir\nZelt\nrp\nTrane\nFing\nMir\nMöglich\nLieb\nHalte weh\nGrüner\nUnter unterlassen\nLieb\nFrüchte\nGrüner\nWeisel machen weiss\nLieb\nSchlosel Schluck\nGrüner\nFlaggt\nrp ••\nlrane\nSüdwind\nLieb\nViehmarkt\nrp ••\nTrane\nLieb\nPolfahrt\nrp •#\nI rane\nDreh\nLieb\nZuckerzucht\nWenn ein Mensch etwas glaubt\nSterner\nMag misst Pfiff\nWäger\nSterner\nFlucht Flügel Flugsand\nWäger\nSterner\nFesselfern\nWäger\nFliessen\n\nZur Geschichte des Sturm und\ndes deutschen Journalismus\nBriefe gegen Paul Westheim\n\nFünfzehnter Brief\n\nWo ich Ihren Artikel vom April 1920 einst\nverlassen hatte, um nach einigen der Ent-\nlaufenen zu sehen, fahren Sie fort: „Da es\nHerrn Waiden scheinbar zu langweilig ist,\nseine früheren Sturm-Nummern anzusehen,\nhofften wir ihm eine Mühe abzunehmen,\nwenn wir einmal ein paar Abbildungen\ndaraus reproduzierten, die seine Konsequenz\nbeweisen. In der Tat, das, was er jetzt\nbringt: Wauer, Bauer, Neil Waiden, Schwit-\nters ist im Wesen das gleiche.\"\nWenn ich Ihr Alter nach Ihrem sprachlichen\nAusdruck schätzen soll, müssen Sie noch in\nden frühesten Entwicklungsjahren sein. Um\nso erstaunlicher ist es, wie häufig Sie in\ndieser kurzen Zeit das schnelle Altern\nIhrer Kunstanschauungen erlebt haben.\nSind wirklich erst anderthalb Jahre ver-\ngangen, seitdem Sie dieses geschrieben\nhaben? Wauer, Bauer, Neil Waiden und\nSch witters! Es mag sein, dass Sie über\ndie drei ersten auch heute noch falsch\norientiert sind. Was aber gäben Sie, wenn Sie\nden Schwitters aus Ihrem Aprilscherz her-\nausinterpretieren könnten. Das war eine\nverwünschte Feder, die Ihnen den Streich\nspielte, mit Schwitters durchzugehen, als\nSie für die Aenderung Ihrer Ansichten ei-\nnen soliden Grund auf längere Frist zu"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.16", "texte": "legen hofften. Es muss eine von den Federn\ngewesen sein, mit denen Sie im Jahr 1913\nüber die neue Kunst schrieben. Hatten\nSie wirklich damals nichts mehr zu ver-\nlieren? Ich kenne einige Kritiker, die schon\nvor dem April 1920 Wauer, Bauer, Neil\nWaiden am liebsten in einem Wort geschrie-\nben hätten. Und es gab eine Zeit, da brüllte\ndas Chor: Wauer, Bauer und Neil Waiden.\nUnd das Echo wiederholte: Wauer, Bauer,\nund Neil Waiden, bis keiner mehr wusste,\nwer's zuerst gerufen hatte. Demjenigen,\nder sich zum mindesten den geistigen Vater\ndieses Triple-Klischees nennen darf, haben\nSie nicht nur die Vaterfreude verdorben,\nsondern auch die ganze Redensart in Miss-\nkredit gebracht. Sie wollten den Pelion\nauf den Ossa häufen, der, wenn ich mich\nrecht erinnere, schon auf den Olymp ge-\nstülpt war. \"Und Schwitters\" schrien Sie,\num derjenige zu sein, der bei dem Gebrüll\nüber den längsten Text verfügte. Was\nhilfts, dass Sie sich heute das Haar raufen\nund die Stunde verwünschen, in der Sie\nsich wieder einmal zu einer Nicht-Aner-\nkennung haben hinreissen lassen. Mir ist\nfreilich nicht bang, dass Sie mit Hilfe Ihrer\nTechnik aus dem Kummer herausfinden\nwerden. Denn aus welchem Grund hätten\nSie den Schwitters loben sollen? War er\nein Heiliger? Wenn in dem gleichen Monat\nApril Herr Adolf Behne ein Merzbild\nSchwitters für die National-Galerie empfahl,\nwas ging Sie das an? Und doch wüsste\nich gern, wie Sie mir eine Frage beantworten.\nWenn Herwarth Waiden ein Taugenichts\nist, weil er Schwitters \"bringt\", wie Sie's\nnennen, was halten Sie dann von Adolf\nBehne, der eines und desselben Schwitters\ngrösstes Merzbild gleich in der National-\nGalerie sehen möchte? Und ebenso gerne\nwüsste ich, wie Herr Behne über Sie ur-\nteilt, da Sie Wauer, Bauer und Neil Waiden\nsozusagen via Behne-Schwitters in die Na-\ntional-Galerie hineinfluchen. Wenn Wauer,\nBauer und Neil Waiden nach Westheim\ndem Schwitters gleich sind, so gehören sie,\nwenn man den Behne durch den Westheim\nergänzt, gleichfalls in die National-Galerie.\nDas ist die Regeldetri der Kunstkritik und\nein verzwickter Handel. Bei einem subtilen\nEhrgefühl dürften Sie voreinander nicht\neinmal die Hüte lüften. Einer kann sich\nbeim andern allemal im Spiegel sehen.\nAber keiner mag vom andern etwas lernen.\nDenn wo sich der eine, der Westheim heisst,\nganz irrt, täuscht sich der andere noch zu\ndrei Vierteln. Und wenn so einer den\nSchwitters für eine Landskraft ersten Ranges\nhält, brauchen Sie noch keinen Heiligen in\nihm zu sehen. Da er obendrein weder ein\nDenunziant noch ein Selbst-Entlaufener war,\nso mochten Sie von seinen Bildern für eine\ngute Weile nicht einmal offiziell etwas ver-\nstehen. Wenn Ihnen der Kerl erst ein paar\nhandfeste Differenzen geliefert hat, werden\nsich auch seine Bilder bessern. Und sollte\nsich zeigen, dass ihn ein Kunsthändler fest\nan die Hand nimmt, dann können Sie aus\nihm einen gemachten Mann machen. Bis\ndahin setzen Sie sich für Leute ein, die in\nden Schwitters vergafft sind. Und damit,\nHerr Westheim, bringen Sie den Beweis für\nIhren bösen Willen, — falls noch ein\nSonderling herumlaufen sollte, der dran\nzweifelt. Denn man braucht kein Kunst-\nschütze zu sein, um zu bemerken, dass\neiner die Flinte verkehrt hält. Sie tadeln\nsogar den, der ins Schwarze trifft, da Sie\ngefälligst die Güte haben werden, mir das\nnicht als plumpe und dreiste Unterstellung\nzu vermerken. Ich würde gern was prophe-\nzeihen, wenn ich nicht glaubte, dass Ihnen\nmehr einfallen wird als mir, womit Sie in\nein paar Jahren Ihr neues Urteil über\nSchwitters mit dem alten ausbalancieren\nkönnen. Aus dem ehemaligen Akrobaten\nKandinsky haben Sie zuletzt einen hoch-\nfeinen Esoteriker gemacht. Der Schwitters\nkann es bei Ihnen zu was bringen. Viel-\nleicht wird er einmal sagen: Ich erwachte\nund war von Westheim gelobt. Und darum\nwird es die höchste Zeit, dass wir erfahren,\nwie Sie im April 1920 so recht genau über\nden Schwitters geurteilt haben. Zwar glaube\nich mich zu erinnern, dass Sie ihn und\nseine Konsorten den Fröhlich und Loe gleich-\nstellten. Aber wer möchte sich getrauen,\n• •\nIhre Äusserungen mit dem gemeinen Ver-\nstand auszulegen? Und da ich's noch ein-\nmal lese, bin ich glücklich, mich weder\nauf mein ausgezeichnetes Gedächtnis noch\nauf den gemeinen Verstand verlassen zu\nhaben:\n„In der Tat, das, was er jetzt bringt: Wauer,\nBauer, Neil Waiden, Schwitters ist im Wesen\ndas gleiche.\"\nIch kann mir Einen vorstellen, der Ihnen"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.17", "texte": "im Wesen so sehr gleicht, dass ich ihn für\nPaul Westheim halten müsste. Von Ihnen\naber sollte er sich durch die Reinheit des\nStils und die Genauigkeit des sprachlichen\nAusdrucks bedeutend unterscheiden. Dieser\nandere Westheim, der Sie leider nicht sind,\ndürfte sonst alle Fehler des wirklichen West-\nheim haben, und ich brauchte mich mit ihm\nnur halb so vielzu plagen. AuchAnderehaben\nsich viel Mühe mit Menschen gemacht, die\nsie für allgemeine und ganz besondere\nSchädlinge hielten. Aber während sie nicht\nzweifeln konnten, was. sich ihre Herren\nGegner gedacht hatten, als sie dieses und\njenes schrieben, muss ich auf allen Wegen\nnachsehen, was Sie denn überhaupt ge-\nschrieben haben. Ihr Stil ist so minder-\nwertig, Ihr sprachlicher Ausdruck so lässig,\ndass ich ihn für beabsichtigt hielte, wenn ich\nIhnen eine solche Geschicklichkeit zutrauen\ndürfte. „Das, was er jetzt bringt,\nWauer, Bauer, Neil Waiden,\nSchwitters \" Aha, er bringt\njetzt! Und wohin bringt er? Darüber\nmüssen Sie mich aufklären. Denn wenn\nSie mich etwa belehren wollen, dass Sie\ndie deutsche Syntax nicht kennen, so ist\ndas weder eine Neuigkeit noch eine Auf-\nklärung. Wohin also bringt er jetzt? Und\nwas bringt er? Wie sieht das Schwitters\naus, das er jetzt bringt? Oh, wären Sie\ndoch der andere Westheim. Der hätte ge-\nschrieben, dass die Zeichnungen des Kurt\nSchwitters, die Herwarth Waiden im Sturm\nreproduziert hat, jenen der Fröhlich und\nLoe gleichen. Und dann hätte er sein\nManuskript zerrissen, weil ihm die Torheit\nseiner Behauptung durch die Eindeutigkeit\nder Sprache zum Bewusstsein gekommen\nwäre. Le style est I'homme meme. Davon\nhaben Sie noch nichts gehört oder Sie haben\nes nie begriffen. Es war nicht übertrieben,\nals ich sagte, der andere Westheim könnte\nmir nicht die halbe Arbeit machen. Ver-\nsuchen Sie sich in einem klaren Ausdruck\nund einem reinen Stil und Sie werden nichts\nmehr zu schreiben haben. Die Sprache\nselbst wird Ihnen die Nichtigkeit Ihrer Ver-\ndächtigungen beweisen wie die Torheit Ihrer\nUrteile. Es mag neu für Sie sein, dass die\nWörter das Denken leiten. Es ist Ihre Un-\nfähigkeit, sich in einer klaren Sprache zu\näussern, die Sie so besonders unfähig macht,\nüber Kunstwerke zu urteilen. Es ist die\nLässigkeit Ihrer Sprache und Ihre Verach-\ntung des Worts, die Sie zu bösen Taten\ntreibt. Wer Wort und Sprache missachtet\nwie Sie, beschuldigt andere schwerer Ver-\ngehen und glaubt, er habe nichts zu be-\nrichtigen. Und er schreibt: Das, was er\njetzt bringt. Ich möchte Ihr Geschrei nicht\nhören, wenn ich Ihnen auf den Kopf zu-\nsage, dass Sie unter dem Schwitters, das\ner jetzt bringt, die Zeichnungen des Malers\nKurt Schwitters verstehen und nichts anderes.\nSo, Herr Westheim, verfälsche und ver-\nschwindele ich Ihre Sätze. Das ist so eine\n„Giftmischerei, gebraut auf der Hinter-\ntreppe des Sturm\". Sie werden mir jetzt\nvielleicht zugeben, dass man Gift mischen\nund zur Not brauen kann, und dass nur\nein ABC-Schütze im stände ist, Giftmische-\nreien zu „brauen\". Aber Sie werden mir\nnicht sagen können, ob das Gift auf den\nHintertreppen gefährlicher gemischt oder\ngebraut wird. Leute Ihrer Art, die sich nur\nin Redensarten und Klischees äussern, schrei-\nben wohl von Hintertreppen-Romanen, ohne\nsich etwas vorzustellen. Auch mag es sein,dass\nauf den Hintertreppen Romane besonderer\nArt gelesen werden. Aber nur Sie bilden\nsich ein, dass es die Beschäftigung der\nDienstmädchen und kleinen Leute sei, auf\nHintertreppen Gift zu brauen. Und von\ndieser Art ist Ihr Denken und Schreiben\nauch dann, wenn Sie sich an die Kunst\nheranmachen oder Ihre Verdächtigungen\nin die Welt setzen. Warum haben Sie so\nviel zu leugnen und wissen doch nicht, was\nes zu berichtigen gäbe? Weil Sies beim\nNiederschreiben nicht gewusst haben, wie\nviel törichtes Zeug in Ihren Sätzen steckt.\nJetzt staunen Sie, dass die Zeichnungen des\nKurt Schwitters denen des Fröhlich und\ndes Loe gleichen. Und wenn Sie es be-\nstreiten, eine solche hahnebüchene Torheit\njemals geschrieben zu haben, so will ich\nIhnen Spasses halber Recht geben. I m\nWesen, Herr Westheim, im Wesen\nist das Schwitters das gleiche wie die Zeich-\nnungen von Fröhlich und Loe. Nur dürfen\nSie nicht glauben, dass ich mir den Kopt\nzerbreche, was Sie wohl unter dem Wesen\neiner Zeichnung verstehen mögen. Denn\nwenn Sie sich dabei so viel gedacht haben,\nwie bei der Giftmischerei, die auf Hinter-\ntreppen gebraut wird, dann ist Ihr „Wesen\"\nganz gewiss ein Nichts. Entweder wollen"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.18", "texte": "Sie darüber philosophieren, dass für Ihren\ntiefen Geist eine Nachtigall im Wesen das\ngleiche ist wie eine Zwiebel oder Sie\nwollen behaupten, dass eine Zeichnung des\nSchwitters und des Loe für Sie Jacke wie Hose\nist. Und also weiss man jetzt, dass Sie auch\ndiese Kleidungsstücke nicht unterscheiden\nkönnen. Aber damit der Spass wieder ein\nEnde habe, will ich Sie besser verstehen\nals Sie selbst. Solange Sie nicht mit den\nArmen in die Beinkleider fahren, will ich\nglauben, dass sogar Sie eine abstrakte Zeich-\nnung des Schwitters von einer gegenständ-\nlichen Karikatur aus dem Jahr 1910 unter-\nscheiden können. Als Sie einmal von\nGründen sprachen, an die Sie selbst nicht\nglaubten, halfen Sie sich damit, dass Sie\ndiese Dummheiten trifftigere Gründe\nnannten als Himmel und Hölle. Wenn Sie\neine Zeichnung des Schwitters einer anderen\ngleichstellen, von der sie sich unterscheidet,\nwie eine Nachtigall von einer Zwiebel oder\nvice versa, müssen die beiden Zeichnungen\nim Wesen das gleiche sein. Und wenn\nSie damit sagen wollen, dass die Maler\nFröhlich und Loe in der Entwicklung der\nneuen Malerei eine so bedeutende Rolle\nspielen wie Kurt Schwitters, so haben Sie\netwas verdrehtes obendrein noch so schlecht\nwie möglich ausgedrückt. Eher würde ich\nglauben, dass Sie den Schwitters für einen\nKarikaturisten aus dem Jahr 1910 halten,\nwenn Sie nicht einige Monate später die\nZeichnungen der Fröhlich und Loe für\n„klägliche Bildchen\" erklärt hätten. Und\nnun lass ich Ihnen die Wahl, ob Sie sich\ndie Finger abbeissen wollen oder es für\nbequemer halten, mich einen Schwindler\nund Fälscher zu nennen, nachdem ich Ihnen\nbewiesen habe, wie Sie im April 1920 über\nKurt Schwitters urteilten.\n\nRudolf Blümner\n\nGrotesken\nWilly Knobloch\nBordell\n(J. v. B. zu Eigen)\nVerkugelt zucken jähgeraste Wolken\nDas Bluten aller Monde streifen Lichter\nBeschattet sinken rotgestreifte Menschen-\nleiber . . . .\nAus all den Trümmern weinen Augen\nHochweissbegeifert strotzen welkgefleckte\nDirnenbrüste\nUnd in dem hohen Spiegel weinen Jachen\nNecken schlanke Leiber\nVerzittert wonnen alle Knabenlüste\ngurrdunkel schwüles Leidenquälen\nUnd Augen zeigen ihre malten Künste\nDas Weib verlässt verdirnt das Wogen-\nschäumen\nUnd lässt die Knaben gelblich sie belachen ..\nHerbst\nWarum müssen denn die Pferde Sättel tragen\nWenn doch im Westen alle Kurse steigen . .\nDas Wesen dieser Tiere heisst ja Pferde\nUnd Stuten sind nur für die Wiesen\nWenn alle Menschen goldne Nägel hätten\nDann würden Präsidenten niemals Hemden\ntragen\nUnd Hessen Leute friedlich ihre Suppe\nlöffeln\nJähe Nacht\ns\nIch weiss bedeckte Wege zu entlauben\nUnd muss doch täglich Stuben fegen\nDas Kommen meiner Freunde sinnt nur\nGrinsen\nUnd ich muss alle Schriften lesen\nDoch einer Frau beschmutztes Laken\nlockt nicht mal Spatzen zum Bespeien\nIch sehe rote grüne Kugeln\nHerrgott ich falle\nfalle\nAch meine Hose muss gebügelt werden.\n\nInhalt\nKurt Schwitters: Aufruf / Ein Epos\nHerwarth Waiden: Gedichte\nFranz Richard Behrens: Die Erde der Gottschreie\nRudolf Blümner: Zur Geschichte des Sturm und des deutschen Journalismus / Briefe gegen\nPaul Westheim / Fünfzehnter Brief\nWilly Knobloch: Grotesken\nFernand Leger: Akt / Zeichnung\nMarc Chagall: Zeichnung\nMarc Chagall: On dit / Aquarell / Vierfarbdruck\nDezember 1921"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.19", "texte": "VERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMusiK\nHerwarth Walden\nGesammclte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werk l1—3\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFur Gesang und Klavier / Je 6 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\na\nFur Gesang und Klavier / 6 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 6 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 30 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 10 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFur Gesang und Klavier / 7 Mark 50 Pfennige\nSchwertertanz I Werk 18\nFur Klavier / 9 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFur Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\n\nSturm-Harten\nJede Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\n\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nYincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacoba van Heemskerck 3\nHjerten-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\n\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nKurt Schwitters 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMitAbbildungen-\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 1 Mark\nTour Donas —NellWalden / Franz Marc / Iwan Puni\nJe 3 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\n6 Mark\n\nKunstdrucKe aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJeder Kunstdruck 10 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turin\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Bauin / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4Richard Dehmel/5Paul Scheerbart/6 YvetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige KunstdrucKe\nJedes Blatt 15 Mark\nAlexander Archipenko: Aquarell\nWilli Baumeister: Grosse und kleine Figur\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nMarcoussis: Stilleben\nNell Walden: Todfriihling\n\nSturm^Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFcrnruf Amt Ltitzow 4443 \"\nExpressionistischc Kunst und Dichtung\nAuslandischc Biicher\nVerkauf guter Biicher und Kunstdrucke\n\nVERZEICHNJSSE DES VERLA\nGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19211205-01.1.20", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\n\nHundertdritte Ausstellung\nDczember 1921\nErich Buchholz\nVersteigerungsausstellung von Wcrkcn\n(Bilder und Graphik) der Meister des Staatlichen\nBauhauses / Weimar: Feininger / Itten / Klee /\nMarcKs / Muche / Schlemmer / Schreyer / Der Erlos\ndcr Werke, Geschcnke der Kiinstler, fliesst dem\nStiftungsfonds des Staatlichen Bauhauses zu.\nVersteigerang: Oonnerstag, den 15. Dezember,\n10 Uhr vormittags.\n\nHundertvierte Ausstellung\nJanuar 1922\nArnold Topp\nAdolf Bauer ✓ Saar\nGesamtschau des Sturm\n\nTageskarte\n2 Mark\n\nSfri tt t) if 7f a X3 Tj TVT T\\ 17 Jcden ersten und dritten Mittwoch 7 3/4 Uhr in der\nX U Xv. 1VX * ii X5 J_i IN i-r xZi Kunstausstellung Der Sturm Potsdamer Strafle 134a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nKarten 6 Mark 70 Pfennig an der Abendkasse und im Vorverkauf Sturm-Buchhandlung / Potsdamerstr. 138 a\n\nDcr Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nNew'York\n\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung von\nSturm - Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und Landern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer StraBe 134 a / Gartcnhaus rechts II\n\nNeuanzcigen Der Sturm\nSturm'Bilderbucher\nV. Maler des Expressionismus\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw.\n100 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nLouis Marcoussis: Aquarell\n15 Mark J|'|i H II I I 11f\nKurt Schwitters: Merzzeichnung ra\n15 Mark\nRudolf Blumner\nDer Geist dcs Kubismus und die Ktinste\nMit Abbildungen\n20 Mark"}]}