{"numero_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_sha256": "605f34cbe42b5112c68ce6dfe5d9344d03e9f22f0de38767bf9b9024239b5eac", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1922/01/05_01/bmtnabg_1922-01-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1922/01/05_01/bmtnabg_1922-01-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt", "signature_source": "Moholy-Nagy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.1", "debut_caractere": 91, "fin_caractere_exclue": 119, "texte": "Moholy-Nagy: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "3", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.2", "titre_corps": "Theater", "titre_sommaire": "Theater", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.3", "debut_caractere": 46, "fin_caractere_exclue": 3546, "texte": "Theater\n\nDer Grössenwahn der Leute, die sich Künstler\nnennen, ist eine Tatsache und nicht etwa\neine irrige Meinung des Publikums. Dieser\nGrössenwahn entsteht aus der Vorstellung\nder Persönlichkeit. Diese Vorstellung bil-\ndet sich am stärksten der Darsteller ein,\nder nicht mehr Schauspieler heissen will.\nDer Darsteller ist ein feingebildeter Mensch,\nder sich sehr ernst nimmt und an der Kunst\nein persönliches Gefallen findet. Er denkt\ndie Gedanken der Literatur nach und gibt\nsie pädagogisch bedeutsam von sich. Er\nvertritt persönlich den Literaten, der sich\npersönlich an Begriffen abgedacht hat. Alles\nwird vergeistigt, sogar die Sexualität. Die\nPersönlichkeiten und die Kritiker, die sich\nschlicht öffentliche Meinung nennen, werden\nvon jedem Schlagwort an den Kopf getroffen,\nund das Publikum langweilt sich bis zum\nAbendessen. Der Kampf an der Garderobe\nist die natürliche sinnliche Beaktion auf die\nfehlende vorgetäuschte Aktion. Das Pu-\nblikum hat nämlich den Instinkt, der dem\nEinzelnen sorgsam verbildet ist. Das Pu-\nblikum als Gesamtheit hat sogar den künst-\nlerischen Instinkt, der auch in dem Einzel-\nnen verbildet ist. Die Persönlichkeiten be-\nhaupten, dass das Publikum die ernste Kunst\nnicht mag. Und trotzdem arbeiten die Leute,\ndie sich auf das Publikum einstellen, die\nVerfasser von Operetten und Kabarettliedern,\nmit dem berühmten Ernst der grossen\nKunst. Und das Publikum nimmt diesen\nErnst ernst. Es lässt sich hier in jeder\nHinsicht erregen. Es gibt nun keine Erregung\nohne Grund. Und das Publikum, das sich hier\nerregt, besteht aus den selben Persönlich-\nkeiten, die sich für die grosse Kunst tot-\nlangweilen. Das wirkliche einzige Interesse\nfür die grosse Kunst besteht darin, eine\nPersönlichkeit zu sehen oder zu hören. Des-\nhalb geht das Publikum ins Theater.\nAlso wegen sinnlicher Eindrücke. Diese\nsinnlichen Eindrücke sind in der Operette,\nim Kabarett und besonders im Variete stär-\nker und vielfältiger als bei der hochgeehrten\nLiteratur. Darf man so grössenwahnsinnig\nsein, dem Publikum die Freude an sinn-\nlichen Eindrücken als Kulturschmach zu\nverbittern. Ist nicht vielmehr diese Grösse\nein Wahn, die Sinneseindrücke unsinnlich\nvergeistigen will. Es wird nicht gesagt,\ndass Sinneseindrücke Kunst sind. Aber Kunst\nwird nur durch die Sinne aufgenommen. Es\nkann daher keine unsinnliche Kunst geben.\nDer Mensch und der Gegenstand auf der\nBühne sind optische Eindrücke, das Wort\nund der Ton akustische. Darüber kommt\nkeine Literatur hinweg. Jede Bewegung\nauf der Bühne ist eine Veränderung der\noptischen, jeder Klang eine Veränderung\ndes akustischen Eindrucks. Kunst entsteht\ndurch die künstlerisch logische Ordnung\ndieser Bewegung. Diese Bewegung heisst in\nder Kunst Bhythmus. Es gibt kein anderes\nAusdrucksmittel für die Kunst als die Be-\nwegung, und die künstlerischen Beziehungen\nder Bewegung in Wort, Ton, Farbe und\nForm, also ihre Gestaltung, ergeben das\nKunstwerk. Es kommt also auf der Bühne\nniemals darauf an, was gesagt wird. Es\nkommt darauf an, wie die Wortverbindungen\ndurch den Tonfall künstlerisch gestaltet\nsind. Schon im Leben werden die höchsten\nund tiefsten Erregungen nicht durch das Wort\nsondern durch den unartikulierten Klang\nAusdruck. Jeder Ausdruck innerer Bewe-\ngung ist mit einer körperlichen äusseren\nBewegung verbunden. Einer Bewegung,\ndie in einer sinnfälligen und organischen\nBeziehung zum Klang und zum Gefühl sich\noffenbart. Da die Kunst nun einmal Kunst\nist und als einziges Ausdrucksmittel die\nBewegung hat, kann sie auch die Buhe nur\n*"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4450, "texte": "als Bewegung gestalten. Im Kunstwerk kann\nnicht wie im Leben automatisch gehandelt\nwerden. Denn das Kunstwerk ist zeitlich\nund räumlich beschränkt. Das künstlerische\nLeben des Kunstwerks muss sich in Zeit\nund Raum vollenden.\nDas Theater ist verfallen, weil es nicht\nmehr auf dem Grund dieser primären künst-\nlerischen Erkenntnisse aufgebaut wird. Man\nstellt Körper gegen eine Fläche, die niemals\nmit dem Körper in optische Beziehung\ntreten kann. Man suchte diesen Grundfehler\ndadurch zu verbessern, dass man die Fläche\nmit Hilfe der sogenannten Kunstmalerei\nfarbig machte. Der Erfolg ist, dass man die\nKörper störend im Bilde empfindet. Nicht\neinmal das berühmte lebende Bild entsteht.\nDenn was gehen die gestaltete Fläche die\nKörper an. Die gestaltete Fläche, das Bild,\nist ein Kunstwerk an sich. Oder ist der\nBeschauer eines Bildes durch diese Tätig-\nkeit Teil des Kunstwerks geworden. Da\nnun einige Theaterleute durch Hören-\nsagen von Persönlichkeiten und durch das\nTotsagen des Berliner Tageblatts vom Ex-\npressionismus etwas erfuhren, bestellten\nsie in ihrer Fabrik bemalte Flächen nach\nExpressionismus Art und sind nun in dem\nglücklichen Glauben, das Theater wieder\nauf die Höhe des Zeitgemässen gebracht zu\nhaben. Diese braven Kunstonkels haben\nwie die dazu gehörigen Kunsttanten nicht\nerkannt, dass es sich bei dem, was man Ex-\npressionismus nennt, um Urerkenntnisse\nkünstlerischer Anschauungen handelt. Sie\nsind unzeitgemäss, weil sie nichts mit der\nZeit zu tun haben. Nicht einmal mit der\nZeit, die selbst das Berliner Tageblatt noch\nimmer ein Jahrzehnt hinter sich lässt.\nMit der neuzeitlich bemalten Hinterwand\nkann also das Theater kein Kunstwerk ge-\nstalten. Umso weniger, als nicht einmal\nder unmögliche Versuch gemacht wird, die\nKörper in irgend eine Beziehung zur be-\nmalten Fläche zu bringen. Die Darsteller\nbewegen sich im Raum willkürlich. Sie\nzünden sich nach der Eigenart ihrer Per-\nsönlichkeit eine Zigarette an oder nicht,\nstehen, sitzen oder gehen, wie es ihnen ihre\nprächtige Natur eingibt, tun bedeutend den\nMund auf oder sprechen, wie ihnen angeblich\nder Schnabel gewachsen ist. Die Betätigung\ndes Regisseurs an diesem Unternehmen be-\nsteht darin, den Darstellern zu empfehlen, lie-\nber links zu gehen als rechts zu sitzen, oder\nrechts zu stehen und in der Mitte zu liegen.\nDie künstlerische Verantwortung trifft na-\ntürlich den Mann, der sich Regisseur nennt.\nMan denke, dass in einem Orchester jeder\nMusiker die Tonformen nach seiner Per-\nsönlichkeit auffasst. Das Zusammenspiel\nist selbstverständliche Voraussetzung. Das\nBühnenwerk wird nur durch ein äusseres\nMittel, durch den gedanklichen Inhalt\ndes Schriftwerks zusammengehalten. Die\nRevolutionäre des Theaters und der Presse,\ndie sich vor Expressionismus nicht mehr\nlassen können, erklären feierlich, das\nMoskauer Künstlerische Theater habe auf\nsie keine Wirkung mehr, oder wenigstens\nkeine zeitgemässe Wirkung, weil dieses\nTheater eben naturalistisch und nicht ex-\npressionistisch ist. Vor dem berühmten\nJahrzehnt wäre es besser gewesen. Es fehle\nnämlich Herr Stanislawsky, der aus dem\nEnsemble herausgetreten sei. Zunächst fehlt\nden Herrschaften Herr Stanislawsky nur,\nweil ihnen sein Name als Direktor des\nTheaters am besten im Gedächtnis geblieben\nist. Im übrigen hat Stanislawsky das Moskauer\nKünstlerische Theater geschaffen, damit nie-\nmand aus dem Ensemble heraustritt. Denn\ndas Ensemble besteht nicht in einem Be-\nzahlen von angestellten Persönlichkeiten,\ndie sich einmal ordentlich vor dem Publi-\nkum ausleben wollen. Das Ensemble ist\neine Gesamtheit, die sich zu Gunsten einer\ngestalteten Kunsteinheit der zufälligen Le-\nbensvielheit begibt. Naturalismus ist nach-\nahmung äusserer Dinge. Es ist der ewige\nIrrtum, dass man die Kunst nach Materiai\nwertet. Man hält es für unkünstlerisch,,\nwenn sich Leute zu Tisch setzen und essen.\nMan hält es für künstlerisch, wenn ein Herr\nin einem Panzer eine Dame mittels eines\nDolches ersticht. Man hält es für zeitge-\nmäss künstlerisch, wenn dasselbe Unter-\nnehmen im Frack mit einem Revolver vor\nsich geht. Und man hält es für expressi-\nonistisch künstlerisch, wenn der Herr in\neinem blauen Frack mit eckigem Arm nach\nhinten schiesst und die Dame in orange\ndennoch sich getroffen fühlt. So einfach\nist es nun mit der Kunst doch nicht, weil\nes nämlich viel einfacher ist. Wie schmerz-\nvoll es auch für komplizierte Persönlich-\nkeiten sein mag, Kunst ist eben nur Gestal-\ntung von T on,Wort, F arb- und F ormbeziehun-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4273, "texte": "gen. Man kann sich auch an einen künst-\nlerisch gedeckten Tisch unkünstlerisch\nhinsetzen. Man kann sich aber auch an\neinen unkünstlerisch gedeckten Tisch künst-\nlerisch hinsetzen. Die Kunst, mag man selbst\ndarunter verstehen, was man will, kann sich\nnämlich nie auf einen Teil, sondern nur\nauf das Ganze beziehen und diese Beziehun-\ngen der Teile zum Ganzen ist eben die\nKunst. Im Spiel des Moskauer Theaters\nist nichts Zufall, aber alles Gestaltung. Es\nsteht daher dem Expressionismus näher,\nals alle Versuche deutscher Bühnen.\nDie deutschen Bühnen können nur noch\nEinzelleistungen zeigen. Und auch diese\nEinzelleistungen sind zu zählen, da statt\nSchauspieler sich Intellektuelle abmühen.\nDie Herren und Damen stammen aus der\nbesten Gesellschaft, was in der Kunst aber\nnichts hilft. Die Darsteller machen aus\ndem Spiel eine Wissenschaft und die Lite-\nraten aus der Liebe einen Beigen. Nennt\nman das Ganze Expressionismus, ist die\nKennerschaft befriedigt.\nMan spielt jetzt in Berlin ein Stück von\nHerrn Bisson, das schliesslich auch nicht\nschlechter als ein Stück von Gerhart\nHauptmann ist. Beide Herren schreiben\netwas auf, was sie persönlich erlebt oder\ngehört haben. Ihren Bekannten geht es\nmeistens sehr schlecht, meistens im so-\ngenannten Innenleben, was man dann auf\nHochgriechisch Tragödie nennt. Herr\nHauptmann misst sogar die deutsche Sprache\nneuerdings nach Hexametern ab. Das Messen\nsoll übrigens gar keine so grosse Kunst\nsein. Aber immerhin hohe Kunst. Während\nHerr Bisson wenigstens den Vorzug geniesst,\naus einem Buchfranzösisch in ein Schul-\ndeutsch übersetzt zu sein. In der Vorstellung\ndieses Stückes des Herrn Bisson Die fremde\nFrau, was die Uebersetzung von Madame X\nsein soll, ist eine Einzelleistung, wie sie\nseit dem Tode von Oskar Sauer auf einer\ndeutschen Bühne nicht mehr gesehen ist.\nHier steht eine Frau auf der Bühne, Bosa\nValetti, die unpersönlich künstlerisch ge-\nstaltet. Hier steht eine Künstlerin auf der\nBühne, die das Wesen der Kunst, die Ge-\nstaltung der Beziehungen optischer und\nakustischer Momente erkannt oder triebhaft\ngefühlt hat. Sie hat das künstlerische Ge-\nheimnis erkannt, dass auch das Schweigen\ngestaltet werden muss. Dass auf der Bühne\nder Wechsel zwischen Sichtbarem und' Hö-\nrbarem in Beziehung gebracht werden muss.\nDass das Sprechen auf der Bühne nicht\nden Zweck hat, Gedanken eines Schiftbe-\nflissenen zu übermitteln. Wörter sind Ton-\nformen von Instinkten. Tonformen, die\nprimär greifen und sekundär begriffen wer-\nden können. Die unkünstlerischen Wort-\nverbindungen werden durch den Tonfall\nin eine künstlerische Verbindung gebracht.\nUeber die Begriffslogik der Sätze hinaus\nentsteht die künstlerische Logik des rhyth-\nmischen Tonfalls. Ueber die Zufälligkeit\nautomatischer Bewegungen hinaus wird die\noptisch organische Gliederung der Gliedbe-\nwegungen geschaffen. Das kann Bosa\nValetti. Sie ist nicht eine fremde Frau, auch\nnicht die fremde Frau des Herrn Bisson. Sie\nist Gestaltung von Trieben. Es ergreift nur,\nwer ergreifen kann. Wer falsch greift, oder\nwer nur so tut, als ob er greifen will oder\ngreifen kann, wird nie ergreifen. Zu be-\ngreifen, dass jemand greifen will, ist keine\nKunst. Es ist die Feststellung einer nicht\ngeschehenen Tat. Und wenn ein Tonfall\ngegen den sogenannten Sinn des Satzes\nstösst und der Satz zerfällt, bedeutet das\nnur, dass der Widerstand des unkünstleri-\nschen Satzes durch die Kraft des künstle-\nrischen Tonfalls überwunden ist. In der\nLeistung der Bosa Valetti liegt die künst-\nlerische Offenbarung vor, die man heute\nzur Unterscheidung von grundsätzlich un-\nkünstlerischen Bemühungen Expressionis-\nmus nennt.\nVom Kabarett will ich noch drei Namen\nnennen, Künstler, die triebhaft im Sinn des\nExpressionismus gestalten: Blandine\nEbinger, Lotte Werkmeister und\nAnnemarie Hase. Hingegen sind sämtliche\nHerren vom Kabarett mit dem Studium der\nhöheren Bildung und der besseren Litera-\ntur beschäftigt, sodass ihnen für das bisschen\nKunst ausser der fehlenden Begabung auch\ndie Zeit fehlt. Frauen haben überhaupt in\ndieser Zeit die stärkeren künstlerischen\nInstinkte, weil sie zum grössten Teil nicht\nWissenschaft und Kunstgeschichte studiert\nhaben. Der Gedächtniskram verstopft die\nSinne. Und zur Kunst kommt man nicht\ndurch den Sinn, sondern nur durch die\nSinne.\n\nHerwarth Walden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "5", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.3", "titre_corps": "Handbewegung", "titre_sommaire": "Handbewegung", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4381, "texte": "Handbewegung\n\nEs ist nicht meine Schuld, dass die Zeitung\nDer Deutsche noch nicht existierte, als die\nPantomime „Die vier Toten der Fiametta\"\n1911 zum ersten Male in Berlin gespielt\nwurde. Nicht, als ob ich glaube, dass der\nRedakteur der Deutschen vor zehn Jahren\nweniger Unsinn geschrieben hätte. Es ist\nmir in diesem einen Fall nur die Freude\ngenommen, den Unsinn vor zehn Jahren\nmit dem Unsinn nach zehn Jahren verglei-\nchen zu können. Der Herr Redakteur kennt\nselbstverständlich weder die Pantomime noch\ndie Musik, noch meine Absicht, noch mich.\nEr ist also durchaus unvoreingenommen. Er\nverwechselt mich sogar mit dem berühmten\nDarsteller Harry Waiden, der nun nach\nseinem Tode noch unter meiner schlechten\nMusik leiden muss. Diese Musik erregt das\nKopfschütteln der Musiker, wie der Redak-\nteur der Deutschen nach gewissenhafter\nAbstimmung der kunstuninteressierten Fach-\nkreise festgestellt hat. Nämlich der Musiker,\n„die in der Musik doch noch etwas anderes\nsuchen, als Spielerei und übermodernes\nTasten nach Ausdrucksformen\". Das macht\nnämlich der Harry Waiden. Er tastet sich\nso auf den Tasten herum und plötzlich sind\nübermoderne Ausdrucksformen da. Das ist\nkein Spiel mehr, mir scheint da schon\nHexerei im Spiel zu sein. Ich möchte für\nmeinen Tod gern wissen, was übermodernes\nTasten ist. Ich habe bisher das Tasten für\neine ziemlich einfache Sache gehalten, bei\nder man sich nicht so leicht vergreifen kann,\nwie bei den Tasten. Hingegen bekomme\nich interessante Aufschlüsse über meine\nMusik und über meine Absichten, die dem\nRedakteur der Deutschen ohne jede Kennt-\nnis der Materie nnd des Materials bestens\nbekannt sind. „Die Musik hat die Absicht,\nnur als Zweckmittel zu wirken und die\nVorgänge auf der Bühne zu illustrieren\".\nWenn das die Absicht wäre, hätte man es\nsich mit Farben leichter, wenn auch nicht\nbilliger machen können. Aber Zweckmittel\nheiligen bekanntlich die Absicht und sind\ngut gegen Husten, Ungeziefer und Heiser-\nkeit. Nun erfahre ich auch, wie ich das\nmit der Illustration des Mottentodes mache:\n„Diese Pantomime ist auf ganz anderen\nVoraussetzungen als das übliche Ballet oder\ndie herkömmliche Pantomime aufgebaut\nund inszeniert\". Das Bauen auf Vor-\naussetzungen ist jedentalls kein guter Grund,\ninsbesondere, wenn man die Absicht haben\nsollte, durch das Ballet den grundlosen\nBoden der Pantomime unter den Füssen\nzu verlieren. Für meine Anstreicherarbeit\nkonnte mir natürlich das Ballet nicht ge-\nnügen, um so weniger, als man mir eine\nnicht herkömmliche Pantomime vor die\nOhren gestellt hat. Der Redakteur der\nDeutschen ist voraussetzungslos überzeugt,\ndass ein Ballet keine Pantomime ist: „Es\ngibt keine Tänzerinnen, es gibt nur drama-\ntische Szenen, die vollkommen von der\nMusik abhängig sind, bis in die winzigste\nBewegung hinein mit der Musik korrespon-\ndieren\". Es gibt keine Tänzerinnen, die\nvollkommen korrespondieren, aber die dra-\nmatischen Szenen haben es nun wenigstens\nmit der Musik fertig gebracht. Sogar bis\nin die winzigste Bewegung, was doch die\nTänzerinnen viel leichter hätten. So eine\nKorrespondenz macht aber viel Spass: „Die\nBewegung illustriert die Musik und die\nMusik illustriert wieder umgekehrt die Be-\nwegung\". Also ein Herz und zwei Seelen.\nDer Störenfried ist nur der Redakteur der\nDeutschen, der in dieses durchaus innige\nVerhältnis seine herkömmlichen Tänzerin-\nnen eingeführt haben möchte. Die Korre-\nspondenz scheint aber doch hin und wieder,\nvielleicht durch Herrn Harry Waiden, ge-\nstört zu werden: „Wenn ein Spieler auf der\nBühne eine aus der dramatischen Situation\ngegebene Hand- oder Armbewegung aus-\nführt, so erklingt dazu am Klavier eine be-\nzeichnende musikalische Phrase.\" So habeich\nmir die Pantomime auch immer vorgestellt,\nwas sich am besten durch ein Beispiel illu-\nstrieren lässt. Eine Ohrfeige etwa ist eine\nHandbewegung aus einer dramatischen\nSituation gegeben, die zwar keine Tänzerin-\nnen, aber doch dramatische Szenen auslösen\nkann. Also ein Spieler führt sozusagen\neine Ohrfeige aus, ein anderer Spieler haut\nauf das Klavier und die Korrespondenz ist\nendgültig erledigt. Wenn die dramatischen\nSzenen keine dramatischen Situationen, also\nkeine Arm- oder Handbewegung ergeben,\nso erklingt dazu am Klavier die bezeichnende\nmusikalische Phrase: das Klavier erklingt\nnämlich überhaupt nicht. Musik ist auch\nnicht in jeder Situation geeignet. Der Herr\nRedakteur möge sich aber einmal vorstellen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2470, "texte": "wie die dramatischen Szenen mit drama-\ntischen Situationen illustriert sind, wenn\ner durch meine zufällige Kenntnis der\nPantomime erfährt, dass das Klavier über-\nhaupt nicht zu erklingen aufhört. Deshalb\nwerden auch zu den Aufführungen der\nPantomime Tennis- und Fussballspieler\nverwandt, da die Schauspieler herkömmlich\ngeübt sind, von ihren Gliedern nur den\nMund zu verwenden. Nun scheint es aber\nmit der Kunst ähnlich zu sein wie mit dem\nLeben. Es kommt immer anders als man\ndenkt. Auch so ein dramatisches Situatiön-\nchen scheint ein ganz eigenwilliges Leben\nzu führen: „Macht der Spieler aber eine\nBewegung, die aus der ganzen Situation\nheraus nicht verständlich ist, die unerwartet\nkommt, so stellt sich die Musik sofort auf\ndieses Unerwartete, gleichsam mit einem\nmusikalischen Erschrecken, mit einer schril-\nlen Dissonanz ein.\" Der Herr Redakteur\nscheint nur unliebsame Ueberraschungen\nerlebt zu haben, da sich durch ein Uner-\nwartetes bei ihm stets ein Erschrecken ein-\nstellt. Und sogar ein musikalisches. Die\nMuse scheint ihn jedenfalls nicht mit Küssen\nverwöhnt zu haben. Für ihn gibt es nur\nHandbewegungen verständlichen Charakters.\nNun stelle man sich aber die dramatische\nSituation dieses unmöglichen Harry Waiden\nvor. Er sitzt während der Pantomime ohne\nTänzerinnen, aber immerhin in inniger\nKorrespondenz mit ihr am Pianoforte und\nwartet auf das Unerwartete, damit er sich\n\"3>\nmit einer schrillen Dissonanz einstellen\nkann. Besonders schwierig scheint mir in\ndiesem Fall das Korrespondieren zu sein.\nDie Bewegung korrespondiert mit der\nMusik bis auf das Winzigste, teilt der Herr\nRedakteur mit. Ich fürchte fast, dass ihm\ndas Wort Korrespondieren nicht verständ-\nlich ist. Und zwar fürchte ich es gerade aus\nder ganzen Situation heraus. Denn wenn dem\nHarry Waiden eine Bewegung unerwartet\nkommt, wie kann der Mensch dann gleich\nmit der Musik korrespondieren. Da er-\nscheint die nicht verständliche Bewegung\nfast ein gewöhnlicher Spielertrick, vielleicht\nein Klavierspielertrick, zu sein. Ich habe\nden Harry Waiden wenigstens im Verdacht,\ndass er sich mit der nichtverständlichen\nBewegung in Korrespondenz gesetzt hat,\num diesen Redakteur aller Deutschen mit\neiner schrillen Dissonanz zu erschrecken.\nUnd alles das sollte nicht das Kopfschütteln\nder Musiker erregen. Das wäre guterdings\nnicht verständlich. Um so weniger, als der\nHerr Redakteur übermodern nach Dingen\ntastet, die er nicht greifen und also erst\nrecht nicht begreifen kann.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.7", "debut_caractere": 2472, "fin_caractere_exclue": 2958, "texte": "Gedichte\nKurt Liebmann\n\nNäher\nGlühschalen schimmern\nschweben\nweben\nglocken glühen\nzacken\ngrünen\nwiegen Augen\nbrechen Gräser\nKnochenflöten\nkreisen\nraun\nentspriessen\nspriessen Silberlaute\nSchalen\nrausch\ntrompetet Bauschen\nwallen\nstürmen\nmanteln\nmuschelt\nRufen\n112 ••\nTonen\nschwebt die Kuppe Schädel\nbergen Kanten\nFeuergärten\nKanten bergen\nBerg\nden Wolken berg\numröten\nblinkern Perlenleitern\nschlingern\nmaschen\nsträhnen\nklaffen Tiefen\nsteigen\nbäumen\nbogen Blute\nSplitterzapfen\nstehen\nrosen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1141, "texte": "röten\nzüngeln Rrande\nwölken\ndampfen\nwölken\nkreischen\nschnappen schiefen\nGlatte Hämmer\nspitzen schlangen\nringeln\nSTEHEN\nschieben Fleische\nklotzen\nschwellen\nfliessen\nschwarze Schwären\nkrieche Münder\nsiechen\nbrodeln\nspritzen Schatten\ndrehen\nteilen\nsteigen\nSTEHEN\nHeulen\ntrinkt die Erde Silberbröckel\nWehenstäuben\nsäulen\nstarren\nbogen\nbiegen\nwinden\npalmen\nsäulen\nstürmen Dornenfelder Augen\nhaken\nspitzentanzen\ntanzen\nschwingen\nSTEHEN\nKlagen\nSTEHEN\nFäuste\nSTEHEN\nstarren Flöckchen\nschwinnen\nreinen\nWüten\nSTEHEN\nRrüllen\nSTEHEN\nWachsen\nStarren\nEiseszacken\nFeuer bogen\nQualen härten\nSchimmer gärten\nSchimmern\nSTEHEN\nglitzern\nstumm\nder Glanz\nYerglänzen hebt Trompete\nkniet der Ton\nVerschauern\nRollen\nSilbern\nkreist der Ton\ndas Stehen\nKnieen\nStummen\nrollt.\n\nLippe Löckchen\nSpiegeln\nSpinnenschleier wiege Glieder\nlidern\näugen\nstechen\nsüssen Lächeln\nFüsse brüsten\nbündeln\nTraubenpralle\nMonde rollen\nspitzen\nblitzen\ngilbe Finger\nRosalächeln\nritzen\nbohren\nwippen Spitzenkniee\nknistern\ngischten\nzischen\nhüpfen\nklingeln\nzüngeln\nringeln\nschlingen Düfte\nperlen\nKniee würgen Röcheln\nstolpert Schrei\nsinkt hin\nzerbröckeln\ntrümmern\nstäuben\nWimmer steinen\nstummen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 148, "texte": "glimm\nflimmt Lächeln\nReiherringel\nneigen\nduftes Haar\numflüstern\nweich\nbetäubend\nhöhnisch schmal\nfahlsüss\nschwebt Lippe\nwiegt\nschleift\nSchleppe Gold."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Kritiker sind tot oder\nDadaisten. Ich behaupte, Herr Bein wäre\nbeides, weil das so schön geht. Seiner Rede\nfehlt die Wärme, das Flaisch, sie klappert\nwie Knochenbeine.\nAber ist er schon tot, lebt uns sein Name\nnoch und kündet es bäßeren Zukünften,\ndass der Low reineren Zeiten entgegen-\nklappert, Zeiten ohne die lächerliche Merz«\nmaierei und ohne die widerliche Anna\nBlume. Der Stimme schwendet Kopf ver-\nquer die Beine. Ja, Herr Bein, alle Neme\nkann man nich von hinten lesen. Sie\nhiessen z. B. Snieröl, wenn es noch wenig-\nstens Schmieroel wäre!\nIch bin Kriminalist, vaschtehste? Selbst-\nmord? Leider ja. Der Low hat sich so-\nlange hinten in seinen eigenen Schwanz\ngebissen, bis er tot umfuhl. (Weniger ge-\nbräuchliches Imperfekt von fallen.) Nun\nlügt er da und schreit so sehr. (Und wenn\nder Brummbär mich doch nassmacht?) Dann\nkriegt er Haue.\nIch bin Pastor und wende mich gegen Leos\nLebenswandel, besonders an seinem Lebens-\nabend, seine Grabrede auf meine Kunscht.\nWarum verallgemeinern Sie? (Gemeinheit\nim All.) Wer gibt Ihnen z. B. ein Becht,\netwas Dadaismus zu nennen, das sachlich\nMEBZ und nicht dadaist? Ich meine\nmeine Kunst. Wenn Sie nicht gut funda-\nmentiert sind, dann wenden Sie sich nur\ngleich einer anderen Brangsche zu. Ick\nwerde Ihnen mal fundamentieren!\nMEBZ bedeutet bekanntlich Toleranz in\nBezug auf alle Nebensachen, wie Material,\nMotiv; dagegen die Forderung konsequenter\nFormung zum Zwecke des Ausdrucks.\nNach diesem fundamentalen Grundsatz frage\nich Sie: Wer gibt Ihnen ein Becht dazu,\nein Kunstwerk Unsinn zu nennen, weil sein\nMotiv Unsinn war. (Toter Kritiker, hören\nSie eigentlich?) Sie verwerfen meine Kunst-\nwerke, weil Sie nicht gut fundamentiert\nsind, infolge Verwechslung des Motivs mit\nder Gestaltung. Kunst ist niemals Unsinn.\nKunst ist Logik. Jawohl, da staunen Sie!\nSie aber verwechseln die Begriffe und be-\ngreifen Ihre Verwechslung nicht.\nDe mortuis nil nisi bene, auf deutsch: Man\nsoll den Toten nicht auf die Beene niesen.\nIch niese nicht, toter Mann, hören Sie, ich\nniese nicht auf Ihre Beene, wenn ich be-\nhaupte, dass Ihr Wunsch, Merz möge doch\nbitte tot sein, der Vater Ihres Gedankens\nnebst Grabrede war. Wissen Sie, was das\nbedeutet? (Wohl lange Dein eigenes Geschrei\nnich jehört!)\nDamit Sie aber hören, dass ich noch niesen\nkann, treten Sie bitte ein paar Schritt zu-\nrück, Sie kennen ja die übliche Bückwärts-\nbewegung der 1 Herren von der Kritik.\nAbort frei. Zur Förderung der öffentlichen\nGesundheit wird dringend ersucht, nicht\nauf [den öffentlichen Boden zu spucken.\nDie Augen der Herren Kritiker dürfen auf\nbeiden Seiten nur mit Zustimmung aller\nMitreisenden geöffnet werden.\nLernen Sie erstlichmal' deklinieren: der\nHass, die Hose, das Haus.\nErgebenst"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "12", "image_debut": 10, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.6", "titre_corps": "Herwarth Walden", "titre_sommaire": "Herwarth Walden", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.10", "debut_caractere": 3007, "fin_caractere_exclue": 3242, "texte": "Gedichte\nHerwarth Walden\n\nMeine Finger krallen die Erde\nBlut schiesst auf\nDunkel dämmert\n•*\nDämmer dunkelt\nEin Baum blüht rot aus meiner Handwurzel\nFliessendes Gold ist seine Krone\nMeine Krone, die ich trage\nMeine Krone, die mich trägt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2516, "texte": "Fliesst ihr Gold über meinen Leib bis zu\nden Füssen\n0 Du Goldmantel meiner roten Sehnsucht\n0 Du Goldschatten meines roten Baumes\nBlut schiesst auf\nZwei Augen geöffnet dem Blick meiner Seele\nZwei Münder geöffnet dem Ton meines\nHerzens\nMein Herz tönt\nSterne klingen in seinem Tone\nSonnen kreisen in seinem Tone\nMenschen weinen in seinem Tone\nDu aber Du\nDu aber sollst lächeln >\nFang meinen' Ton im Saum Deiner Wangen\nNun klingen Sterne im Kreis Deiner Augen\nNun kreisen Sonnen im Klang Deines Lächeln\nNun weint einMenschim Blut Deines Herzens\nHörst Du den Ton, dem die Erde erzittert\nFühlst Du das Blut das die Welt über-\nschwemmt\nMeine Stimme ist die Glocke am Erdhimmel\nSie läutet mein Blut ein, das die Welt\nüberschwemmt\nDu aber sollst lächeln\nDein Lächeln ist der Hall meiner Glocken-\nstimme\nIn Deinem Lächeln blüht das Leid meines\nErdschmerzes\nAus Deinem Lächeln strömt mein Blut\nDich zurück\nMädchen mit der Goldkrone\nMein Herz schlägt fern\nDu aber sollst lächeln\nMir sollst Du lächeln\nIch wandle durch die Gassen aller Herzen\nMein Fuss stockt an der Kammer\nBlut sickert zag\nAus jeder Kammer seufzt ein schweres\nSchweigen\nUnd alle Gassen schliessen sich zum Kreis\nSchmal ist der Pfad, der durch die Herzen\nführt\nUnd stockt der Fuss, das Schweigen lockt\nihn weiter\nBlut sickert zag\nIch wandle schwer und wandle\nIm Lächeln Deines Auges spielt ein Bluts-\ntropfen\nDein Mund irrt zitternd auf allen Lippen\nWenn sich Dein Mund schliesst will ich\nihn aufküssen\nBlind verblendet\nViele Lippen spiegeln sich im Lächeln\nDeines Auges\nHinten auf der Mondstrasse schreiten zwei\nFüsse an schimmernden Knöcheln\nLärm schwärmt auf\n0 Du Talsanftmut meiner steigenden Berg-\nhärte\nBollt Stein auf Stein unter weichen Füssen\nGrollt Lärm auf Lärm über heissen Wolken\nStaubt Kern auf Kern an schimmernde\nKnöchel\nEin Ton tropft auf die Mondstrasse\nErklingt von Welt zu Welt\nEin Korn zertreten rollt unter weichen Füsse\nBollt hinab\nzerspellt\nzerklingt\nEine harte stumme Wand steilt die Mond-\nstrasse\nBergt auf sich zum Himmel\nBirgt in sich den Himmel\nNun schweigt der Ton von Welt zu Welt\nZwei kleine Füsse tanzen an schimmernden\nKnöcheln auf der Mondstrasse\nSchweigen 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mich\nWäger\nTasche\nSüchter\nTropfstein\nWäger\nSüchter\nUmhau\nWäger\nTrippeln\nSüchter\nWäger\nSüchter\nWirbelkopf\n>\nEiner\nKrume\nSterner\nElfte dreiundsiebzig\nEiner\nSchaft\nStern er\nDickicht\nEiner\nEhelich\nSterner\nStrick\nEiner\nFrüchte\nSterner\nSinken verspät\nEiner\nSterner\nBrot\nEingeflüstert\nReine\nJacke jähr\nLieb"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 930, "texte": "Lebe lava\nReine\nZugfeder\nLieb\nFri sie frieren\nReine\nMüsst\nLieb\nBienenkrob brau\nReine\nSpätspann\nLieb\nSchutzschwach\nReine\nSellerie\nLieb\nWeisswein\nReine\nBindenbis\nLieb\nSpeichelspeiche\nReine\nSicher Ventil\nLieb\nSprudel Feuerspritz\nReine\nLieb\nZichorie\nAngst vor der Freiheit\nPeitscher\nNähren\nKrieger\nZweiunddreissige\nPeitscher\nSchal\nKrieger\nWendepunkt\nPeitscher\nEinklammern\nKrieger\nNachgeben\nrp ••\nlrane\nZuckerrohr\nSünde\nSchullehrerschublade\nrp ••\nlrane\n. Durchdürfen\nSünde\nWackel wache\nm ••\nTrane\nTragen\nSünde\nErschrocken gebrannt\nTräne\nEignet\nSünde\nKinderkirche\nnn ••\nIrane\nStreich\nSünde\nNiet Nonne\nrn ••\nTrane\nEhr\nSünde\nTrotzen\nfT\"! ••\nlrane\nLöwenzahn\nSünde\nIch habe das getan\nLeide\nGlühlampenglut\nToder\nGreis\nLeide\nKolben\nToder\nWipfelwinzie\nLeide\nBarde\nToder\nAufschwung\nFreund\nBlute\nBeschwerde\nFreund\nBeerenbaum\nBlute\nGehr\nFreund\nBlute\nLaute\nGrausem\nTierer\nKniescheibe\nWeib\nTierer\nSchiffsuntergang\nWeib\nStrassenpflaster\nTierer\n. Roh"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 639, "texte": "Weib\nWehr\nTierer\nNimmt\nWeib\nSenkblick\nMann\nUm Sonne Hof\nMir\nBitte\nMann\nMir\nKehr um\nMann\nMir\nSchranke feger\nUnbedingt\nBruder\nMensch\nrr% ••\nlur\nBruder\nBestech\nMensch\nZucken kand\nBruder\nTorweg Schlag\nMensch\nEile überfliess\nUnausgeschöpft\nLeuchten\nSamen\nLeuchten\nSamen\nLeuchten\nBezeug\nSamen\nWas Menschen zu geben haben\nWellen\nWart gegen\nLebe\nAkazie ähnlicht\nWellen\nWeil Weihrauchfass\nLebe\nTrösten\nWellen\nRechne abreise\nLebe\nVolksvogel\nWellen\nLebe\nKomm\nDie umklammerten Sterne\nJunge\nFriede\nJunge\nFriede\nBahnvor\nJunge\nSchade\nFriede\nJunge\nLanb\nFriede\nBehauptung\nFreier\nWürmchen\nBeter\nKaraffe\nFreier\nBeter\nHeira\nFreier\nSchnattern\nBeter\nSchildkräte"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c013", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "16", "page_fin": "16", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.8", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.18", "debut_caractere": 641, "fin_caractere_exclue": 944, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Theater\nHerwarth Waiden: Handbewegung\nKurt^Liebmann: Gedichte\nKurt Schwitters: Tran 21\nHerwarth Waiden: Gedichte\nFranz Richard Behrens: Die Erde der Gottschreie\nMoholyNagy: Linoleumschnitt\nKurt Schwitters: Zeichnung\nMarc Chagall: Der Coiffeur / Aquarell / Farbendruck\nJanuar 1922"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c014", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 91, "texte": "VERLAGDER STURM / G. 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Jahrgangs\nje 80 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nYon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. 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TUT > A R T7 1ST rv XJ J e d e n erstcn und dritten Mittwoch 7 3/4 Uhr in der\nO X U XV 1VX * XX D D IN X-/ XZi Kunstausstellung Der Sturm Potsdamer Stra&e 134 a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden. / Musik\nKarten 6 Mark 70 Pfennig an der Abendkasse und im Vorverkauf I Potsdamerstr. iMa"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c028", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "18", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.20", "debut_caractere": 859, "fin_caractere_exclue": 1277, "texte": "Der Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nGiessen ' Antwerpen\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung vo*\nSturm \"Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stadten und Landern*\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf Ton\nWerken der Kunstler, die er durch eigene Aus*\nstellungen anerkennt.\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-01-05-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-01-05_01#c029", "volume": "bmtnabg_1922-01-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "18", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.20", "debut_caractere": 1279, "fin_caractere_exclue": 1567, "texte": "Neuanzeigen Dcr Sturm\nSturm'Bilderbiicher\nV. Maler des Expressionism us\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw«\n100 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nMarc Chagall: Jttde\n15 Mark\nKurt Schwittcrs: Merzzeictmiing rr\n15 Mark\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus und die Kimste\nMit Abbildungen\n90 Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT /\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nDREIZEHNTER JAHRGANG / ERSTES HEFT\n\nMoholy-Nagy: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.2", "texte": "VERLAGDER STURM / G. M. B. H.\nBerlin w 9 ✓ potsdamer strasse 134a / fernruf amt lutzow 4443\n\nMonatsschrift Dcr Sturm / Dreizehnter Jahrg.\nErscheint am fiinften jedcs Monats\nMitmehrfarbigenKunstbeilagentHolzschnitten(stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 90 Mark / Ein Halhjahr\n50 Mark / Einzelheft 10 Mark\nVollstandige Exemplare des !♦ bis 11. Jahrgangs\nje 80 Mark / 3. und 4. Jahrgang vergriffen.\nYon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originate sind verkauflich.\n\nBucher\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\nGeheftet 9 Mark / Gebunden 15 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gliick / Drama\nBin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 9 Mark / Gebunden 15 Mark\nKurt fieynicKe\nRings fallen Sterne / Gedichte\n12 Mark / Zweite Auflage\nHandinsKy- Album\nMit 60 Abbildungen\n90 Mark\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dicbtung\n9 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n15 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n$ Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n9 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Runge\nDas Denken trlumt / Gedichte\n9 Mark / Gebunden 12 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n9 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nLotlar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n9 Mark\n\nNacht\n6 Mark\nDie neue Kunst\n5 Mark\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte\n12 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 30 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 30 Mark\nMas Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n9 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n100 Mark\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n12 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n12 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n15 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\n15 Mark / Gebunden 20 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 90 Mark\nWeib / Komitragodie\n12 Mark / Sonderausgabe 90 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Spiel an der Liebe\nLeizte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 4 Mark 50 Pfennige\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine burgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 7 Mark 50 Pfennige\nSturm-Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 4 Mark 50 Pfennige\nSturm-Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 24 Mark\nI Marc Chagall\nII Alexander ArchipenKo\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\n\nVERZEICHNISSE DES\nVERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.3", "texte": "MONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nTheater\n\nDer Grössenwahn der Leute, die sich Künstler\nnennen, ist eine Tatsache und nicht etwa\neine irrige Meinung des Publikums. Dieser\nGrössenwahn entsteht aus der Vorstellung\nder Persönlichkeit. Diese Vorstellung bil-\ndet sich am stärksten der Darsteller ein,\nder nicht mehr Schauspieler heissen will.\nDer Darsteller ist ein feingebildeter Mensch,\nder sich sehr ernst nimmt und an der Kunst\nein persönliches Gefallen findet. Er denkt\ndie Gedanken der Literatur nach und gibt\nsie pädagogisch bedeutsam von sich. Er\nvertritt persönlich den Literaten, der sich\npersönlich an Begriffen abgedacht hat. Alles\nwird vergeistigt, sogar die Sexualität. Die\nPersönlichkeiten und die Kritiker, die sich\nschlicht öffentliche Meinung nennen, werden\nvon jedem Schlagwort an den Kopf getroffen,\nund das Publikum langweilt sich bis zum\nAbendessen. Der Kampf an der Garderobe\nist die natürliche sinnliche Beaktion auf die\nfehlende vorgetäuschte Aktion. Das Pu-\nblikum hat nämlich den Instinkt, der dem\nEinzelnen sorgsam verbildet ist. Das Pu-\nblikum als Gesamtheit hat sogar den künst-\nlerischen Instinkt, der auch in dem Einzel-\nnen verbildet ist. Die Persönlichkeiten be-\nhaupten, dass das Publikum die ernste Kunst\nnicht mag. Und trotzdem arbeiten die Leute,\ndie sich auf das Publikum einstellen, die\nVerfasser von Operetten und Kabarettliedern,\nmit dem berühmten Ernst der grossen\nKunst. Und das Publikum nimmt diesen\nErnst ernst. Es lässt sich hier in jeder\nHinsicht erregen. Es gibt nun keine Erregung\nohne Grund. Und das Publikum, das sich hier\nerregt, besteht aus den selben Persönlich-\nkeiten, die sich für die grosse Kunst tot-\nlangweilen. Das wirkliche einzige Interesse\nfür die grosse Kunst besteht darin, eine\nPersönlichkeit zu sehen oder zu hören. Des-\nhalb geht das Publikum ins Theater.\nAlso wegen sinnlicher Eindrücke. Diese\nsinnlichen Eindrücke sind in der Operette,\nim Kabarett und besonders im Variete stär-\nker und vielfältiger als bei der hochgeehrten\nLiteratur. Darf man so grössenwahnsinnig\nsein, dem Publikum die Freude an sinn-\nlichen Eindrücken als Kulturschmach zu\nverbittern. Ist nicht vielmehr diese Grösse\nein Wahn, die Sinneseindrücke unsinnlich\nvergeistigen will. Es wird nicht gesagt,\ndass Sinneseindrücke Kunst sind. Aber Kunst\nwird nur durch die Sinne aufgenommen. Es\nkann daher keine unsinnliche Kunst geben.\nDer Mensch und der Gegenstand auf der\nBühne sind optische Eindrücke, das Wort\nund der Ton akustische. Darüber kommt\nkeine Literatur hinweg. Jede Bewegung\nauf der Bühne ist eine Veränderung der\noptischen, jeder Klang eine Veränderung\ndes akustischen Eindrucks. Kunst entsteht\ndurch die künstlerisch logische Ordnung\ndieser Bewegung. Diese Bewegung heisst in\nder Kunst Bhythmus. Es gibt kein anderes\nAusdrucksmittel für die Kunst als die Be-\nwegung, und die künstlerischen Beziehungen\nder Bewegung in Wort, Ton, Farbe und\nForm, also ihre Gestaltung, ergeben das\nKunstwerk. Es kommt also auf der Bühne\nniemals darauf an, was gesagt wird. Es\nkommt darauf an, wie die Wortverbindungen\ndurch den Tonfall künstlerisch gestaltet\nsind. Schon im Leben werden die höchsten\nund tiefsten Erregungen nicht durch das Wort\nsondern durch den unartikulierten Klang\nAusdruck. Jeder Ausdruck innerer Bewe-\ngung ist mit einer körperlichen äusseren\nBewegung verbunden. Einer Bewegung,\ndie in einer sinnfälligen und organischen\nBeziehung zum Klang und zum Gefühl sich\noffenbart. Da die Kunst nun einmal Kunst\nist und als einziges Ausdrucksmittel die\nBewegung hat, kann sie auch die Buhe nur\n*"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.4", "texte": "als Bewegung gestalten. Im Kunstwerk kann\nnicht wie im Leben automatisch gehandelt\nwerden. Denn das Kunstwerk ist zeitlich\nund räumlich beschränkt. Das künstlerische\nLeben des Kunstwerks muss sich in Zeit\nund Raum vollenden.\nDas Theater ist verfallen, weil es nicht\nmehr auf dem Grund dieser primären künst-\nlerischen Erkenntnisse aufgebaut wird. Man\nstellt Körper gegen eine Fläche, die niemals\nmit dem Körper in optische Beziehung\ntreten kann. Man suchte diesen Grundfehler\ndadurch zu verbessern, dass man die Fläche\nmit Hilfe der sogenannten Kunstmalerei\nfarbig machte. Der Erfolg ist, dass man die\nKörper störend im Bilde empfindet. Nicht\neinmal das berühmte lebende Bild entsteht.\nDenn was gehen die gestaltete Fläche die\nKörper an. Die gestaltete Fläche, das Bild,\nist ein Kunstwerk an sich. Oder ist der\nBeschauer eines Bildes durch diese Tätig-\nkeit Teil des Kunstwerks geworden. Da\nnun einige Theaterleute durch Hören-\nsagen von Persönlichkeiten und durch das\nTotsagen des Berliner Tageblatts vom Ex-\npressionismus etwas erfuhren, bestellten\nsie in ihrer Fabrik bemalte Flächen nach\nExpressionismus Art und sind nun in dem\nglücklichen Glauben, das Theater wieder\nauf die Höhe des Zeitgemässen gebracht zu\nhaben. Diese braven Kunstonkels haben\nwie die dazu gehörigen Kunsttanten nicht\nerkannt, dass es sich bei dem, was man Ex-\npressionismus nennt, um Urerkenntnisse\nkünstlerischer Anschauungen handelt. Sie\nsind unzeitgemäss, weil sie nichts mit der\nZeit zu tun haben. Nicht einmal mit der\nZeit, die selbst das Berliner Tageblatt noch\nimmer ein Jahrzehnt hinter sich lässt.\nMit der neuzeitlich bemalten Hinterwand\nkann also das Theater kein Kunstwerk ge-\nstalten. Umso weniger, als nicht einmal\nder unmögliche Versuch gemacht wird, die\nKörper in irgend eine Beziehung zur be-\nmalten Fläche zu bringen. Die Darsteller\nbewegen sich im Raum willkürlich. Sie\nzünden sich nach der Eigenart ihrer Per-\nsönlichkeit eine Zigarette an oder nicht,\nstehen, sitzen oder gehen, wie es ihnen ihre\nprächtige Natur eingibt, tun bedeutend den\nMund auf oder sprechen, wie ihnen angeblich\nder Schnabel gewachsen ist. Die Betätigung\ndes Regisseurs an diesem Unternehmen be-\nsteht darin, den Darstellern zu empfehlen, lie-\nber links zu gehen als rechts zu sitzen, oder\nrechts zu stehen und in der Mitte zu liegen.\nDie künstlerische Verantwortung trifft na-\ntürlich den Mann, der sich Regisseur nennt.\nMan denke, dass in einem Orchester jeder\nMusiker die Tonformen nach seiner Per-\nsönlichkeit auffasst. Das Zusammenspiel\nist selbstverständliche Voraussetzung. Das\nBühnenwerk wird nur durch ein äusseres\nMittel, durch den gedanklichen Inhalt\ndes Schriftwerks zusammengehalten. Die\nRevolutionäre des Theaters und der Presse,\ndie sich vor Expressionismus nicht mehr\nlassen können, erklären feierlich, das\nMoskauer Künstlerische Theater habe auf\nsie keine Wirkung mehr, oder wenigstens\nkeine zeitgemässe Wirkung, weil dieses\nTheater eben naturalistisch und nicht ex-\npressionistisch ist. Vor dem berühmten\nJahrzehnt wäre es besser gewesen. Es fehle\nnämlich Herr Stanislawsky, der aus dem\nEnsemble herausgetreten sei. Zunächst fehlt\nden Herrschaften Herr Stanislawsky nur,\nweil ihnen sein Name als Direktor des\nTheaters am besten im Gedächtnis geblieben\nist. Im übrigen hat Stanislawsky das Moskauer\nKünstlerische Theater geschaffen, damit nie-\nmand aus dem Ensemble heraustritt. Denn\ndas Ensemble besteht nicht in einem Be-\nzahlen von angestellten Persönlichkeiten,\ndie sich einmal ordentlich vor dem Publi-\nkum ausleben wollen. Das Ensemble ist\neine Gesamtheit, die sich zu Gunsten einer\ngestalteten Kunsteinheit der zufälligen Le-\nbensvielheit begibt. Naturalismus ist nach-\nahmung äusserer Dinge. Es ist der ewige\nIrrtum, dass man die Kunst nach Materiai\nwertet. Man hält es für unkünstlerisch,,\nwenn sich Leute zu Tisch setzen und essen.\nMan hält es für künstlerisch, wenn ein Herr\nin einem Panzer eine Dame mittels eines\nDolches ersticht. Man hält es für zeitge-\nmäss künstlerisch, wenn dasselbe Unter-\nnehmen im Frack mit einem Revolver vor\nsich geht. Und man hält es für expressi-\nonistisch künstlerisch, wenn der Herr in\neinem blauen Frack mit eckigem Arm nach\nhinten schiesst und die Dame in orange\ndennoch sich getroffen fühlt. So einfach\nist es nun mit der Kunst doch nicht, weil\nes nämlich viel einfacher ist. Wie schmerz-\nvoll es auch für komplizierte Persönlich-\nkeiten sein mag, Kunst ist eben nur Gestal-\ntung von T on,Wort, F arb- und F ormbeziehun-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.5", "texte": "gen. Man kann sich auch an einen künst-\nlerisch gedeckten Tisch unkünstlerisch\nhinsetzen. Man kann sich aber auch an\neinen unkünstlerisch gedeckten Tisch künst-\nlerisch hinsetzen. Die Kunst, mag man selbst\ndarunter verstehen, was man will, kann sich\nnämlich nie auf einen Teil, sondern nur\nauf das Ganze beziehen und diese Beziehun-\ngen der Teile zum Ganzen ist eben die\nKunst. Im Spiel des Moskauer Theaters\nist nichts Zufall, aber alles Gestaltung. Es\nsteht daher dem Expressionismus näher,\nals alle Versuche deutscher Bühnen.\nDie deutschen Bühnen können nur noch\nEinzelleistungen zeigen. Und auch diese\nEinzelleistungen sind zu zählen, da statt\nSchauspieler sich Intellektuelle abmühen.\nDie Herren und Damen stammen aus der\nbesten Gesellschaft, was in der Kunst aber\nnichts hilft. Die Darsteller machen aus\ndem Spiel eine Wissenschaft und die Lite-\nraten aus der Liebe einen Beigen. Nennt\nman das Ganze Expressionismus, ist die\nKennerschaft befriedigt.\nMan spielt jetzt in Berlin ein Stück von\nHerrn Bisson, das schliesslich auch nicht\nschlechter als ein Stück von Gerhart\nHauptmann ist. Beide Herren schreiben\netwas auf, was sie persönlich erlebt oder\ngehört haben. Ihren Bekannten geht es\nmeistens sehr schlecht, meistens im so-\ngenannten Innenleben, was man dann auf\nHochgriechisch Tragödie nennt. Herr\nHauptmann misst sogar die deutsche Sprache\nneuerdings nach Hexametern ab. Das Messen\nsoll übrigens gar keine so grosse Kunst\nsein. Aber immerhin hohe Kunst. Während\nHerr Bisson wenigstens den Vorzug geniesst,\naus einem Buchfranzösisch in ein Schul-\ndeutsch übersetzt zu sein. In der Vorstellung\ndieses Stückes des Herrn Bisson Die fremde\nFrau, was die Uebersetzung von Madame X\nsein soll, ist eine Einzelleistung, wie sie\nseit dem Tode von Oskar Sauer auf einer\ndeutschen Bühne nicht mehr gesehen ist.\nHier steht eine Frau auf der Bühne, Bosa\nValetti, die unpersönlich künstlerisch ge-\nstaltet. Hier steht eine Künstlerin auf der\nBühne, die das Wesen der Kunst, die Ge-\nstaltung der Beziehungen optischer und\nakustischer Momente erkannt oder triebhaft\ngefühlt hat. Sie hat das künstlerische Ge-\nheimnis erkannt, dass auch das Schweigen\ngestaltet werden muss. Dass auf der Bühne\nder Wechsel zwischen Sichtbarem und' Hö-\nrbarem in Beziehung gebracht werden muss.\nDass das Sprechen auf der Bühne nicht\nden Zweck hat, Gedanken eines Schiftbe-\nflissenen zu übermitteln. Wörter sind Ton-\nformen von Instinkten. Tonformen, die\nprimär greifen und sekundär begriffen wer-\nden können. Die unkünstlerischen Wort-\nverbindungen werden durch den Tonfall\nin eine künstlerische Verbindung gebracht.\nUeber die Begriffslogik der Sätze hinaus\nentsteht die künstlerische Logik des rhyth-\nmischen Tonfalls. Ueber die Zufälligkeit\nautomatischer Bewegungen hinaus wird die\noptisch organische Gliederung der Gliedbe-\nwegungen geschaffen. Das kann Bosa\nValetti. Sie ist nicht eine fremde Frau, auch\nnicht die fremde Frau des Herrn Bisson. Sie\nist Gestaltung von Trieben. Es ergreift nur,\nwer ergreifen kann. Wer falsch greift, oder\nwer nur so tut, als ob er greifen will oder\ngreifen kann, wird nie ergreifen. Zu be-\ngreifen, dass jemand greifen will, ist keine\nKunst. Es ist die Feststellung einer nicht\ngeschehenen Tat. Und wenn ein Tonfall\ngegen den sogenannten Sinn des Satzes\nstösst und der Satz zerfällt, bedeutet das\nnur, dass der Widerstand des unkünstleri-\nschen Satzes durch die Kraft des künstle-\nrischen Tonfalls überwunden ist. In der\nLeistung der Bosa Valetti liegt die künst-\nlerische Offenbarung vor, die man heute\nzur Unterscheidung von grundsätzlich un-\nkünstlerischen Bemühungen Expressionis-\nmus nennt.\nVom Kabarett will ich noch drei Namen\nnennen, Künstler, die triebhaft im Sinn des\nExpressionismus gestalten: Blandine\nEbinger, Lotte Werkmeister und\nAnnemarie Hase. Hingegen sind sämtliche\nHerren vom Kabarett mit dem Studium der\nhöheren Bildung und der besseren Litera-\ntur beschäftigt, sodass ihnen für das bisschen\nKunst ausser der fehlenden Begabung auch\ndie Zeit fehlt. Frauen haben überhaupt in\ndieser Zeit die stärkeren künstlerischen\nInstinkte, weil sie zum grössten Teil nicht\nWissenschaft und Kunstgeschichte studiert\nhaben. Der Gedächtniskram verstopft die\nSinne. Und zur Kunst kommt man nicht\ndurch den Sinn, sondern nur durch die\nSinne.\n\nHerwarth Walden."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.6", "texte": "Handbewegung\n\nEs ist nicht meine Schuld, dass die Zeitung\nDer Deutsche noch nicht existierte, als die\nPantomime „Die vier Toten der Fiametta\"\n1911 zum ersten Male in Berlin gespielt\nwurde. Nicht, als ob ich glaube, dass der\nRedakteur der Deutschen vor zehn Jahren\nweniger Unsinn geschrieben hätte. Es ist\nmir in diesem einen Fall nur die Freude\ngenommen, den Unsinn vor zehn Jahren\nmit dem Unsinn nach zehn Jahren verglei-\nchen zu können. Der Herr Redakteur kennt\nselbstverständlich weder die Pantomime noch\ndie Musik, noch meine Absicht, noch mich.\nEr ist also durchaus unvoreingenommen. Er\nverwechselt mich sogar mit dem berühmten\nDarsteller Harry Waiden, der nun nach\nseinem Tode noch unter meiner schlechten\nMusik leiden muss. Diese Musik erregt das\nKopfschütteln der Musiker, wie der Redak-\nteur der Deutschen nach gewissenhafter\nAbstimmung der kunstuninteressierten Fach-\nkreise festgestellt hat. Nämlich der Musiker,\n„die in der Musik doch noch etwas anderes\nsuchen, als Spielerei und übermodernes\nTasten nach Ausdrucksformen\". Das macht\nnämlich der Harry Waiden. Er tastet sich\nso auf den Tasten herum und plötzlich sind\nübermoderne Ausdrucksformen da. Das ist\nkein Spiel mehr, mir scheint da schon\nHexerei im Spiel zu sein. Ich möchte für\nmeinen Tod gern wissen, was übermodernes\nTasten ist. Ich habe bisher das Tasten für\neine ziemlich einfache Sache gehalten, bei\nder man sich nicht so leicht vergreifen kann,\nwie bei den Tasten. Hingegen bekomme\nich interessante Aufschlüsse über meine\nMusik und über meine Absichten, die dem\nRedakteur der Deutschen ohne jede Kennt-\nnis der Materie nnd des Materials bestens\nbekannt sind. „Die Musik hat die Absicht,\nnur als Zweckmittel zu wirken und die\nVorgänge auf der Bühne zu illustrieren\".\nWenn das die Absicht wäre, hätte man es\nsich mit Farben leichter, wenn auch nicht\nbilliger machen können. Aber Zweckmittel\nheiligen bekanntlich die Absicht und sind\ngut gegen Husten, Ungeziefer und Heiser-\nkeit. Nun erfahre ich auch, wie ich das\nmit der Illustration des Mottentodes mache:\n„Diese Pantomime ist auf ganz anderen\nVoraussetzungen als das übliche Ballet oder\ndie herkömmliche Pantomime aufgebaut\nund inszeniert\". Das Bauen auf Vor-\naussetzungen ist jedentalls kein guter Grund,\ninsbesondere, wenn man die Absicht haben\nsollte, durch das Ballet den grundlosen\nBoden der Pantomime unter den Füssen\nzu verlieren. Für meine Anstreicherarbeit\nkonnte mir natürlich das Ballet nicht ge-\nnügen, um so weniger, als man mir eine\nnicht herkömmliche Pantomime vor die\nOhren gestellt hat. Der Redakteur der\nDeutschen ist voraussetzungslos überzeugt,\ndass ein Ballet keine Pantomime ist: „Es\ngibt keine Tänzerinnen, es gibt nur drama-\ntische Szenen, die vollkommen von der\nMusik abhängig sind, bis in die winzigste\nBewegung hinein mit der Musik korrespon-\ndieren\". Es gibt keine Tänzerinnen, die\nvollkommen korrespondieren, aber die dra-\nmatischen Szenen haben es nun wenigstens\nmit der Musik fertig gebracht. Sogar bis\nin die winzigste Bewegung, was doch die\nTänzerinnen viel leichter hätten. So eine\nKorrespondenz macht aber viel Spass: „Die\nBewegung illustriert die Musik und die\nMusik illustriert wieder umgekehrt die Be-\nwegung\". Also ein Herz und zwei Seelen.\nDer Störenfried ist nur der Redakteur der\nDeutschen, der in dieses durchaus innige\nVerhältnis seine herkömmlichen Tänzerin-\nnen eingeführt haben möchte. Die Korre-\nspondenz scheint aber doch hin und wieder,\nvielleicht durch Herrn Harry Waiden, ge-\nstört zu werden: „Wenn ein Spieler auf der\nBühne eine aus der dramatischen Situation\ngegebene Hand- oder Armbewegung aus-\nführt, so erklingt dazu am Klavier eine be-\nzeichnende musikalische Phrase.\" So habeich\nmir die Pantomime auch immer vorgestellt,\nwas sich am besten durch ein Beispiel illu-\nstrieren lässt. Eine Ohrfeige etwa ist eine\nHandbewegung aus einer dramatischen\nSituation gegeben, die zwar keine Tänzerin-\nnen, aber doch dramatische Szenen auslösen\nkann. Also ein Spieler führt sozusagen\neine Ohrfeige aus, ein anderer Spieler haut\nauf das Klavier und die Korrespondenz ist\nendgültig erledigt. Wenn die dramatischen\nSzenen keine dramatischen Situationen, also\nkeine Arm- oder Handbewegung ergeben,\nso erklingt dazu am Klavier die bezeichnende\nmusikalische Phrase: das Klavier erklingt\nnämlich überhaupt nicht. Musik ist auch\nnicht in jeder Situation geeignet. Der Herr\nRedakteur möge sich aber einmal vorstellen,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.7", "texte": "wie die dramatischen Szenen mit drama-\ntischen Situationen illustriert sind, wenn\ner durch meine zufällige Kenntnis der\nPantomime erfährt, dass das Klavier über-\nhaupt nicht zu erklingen aufhört. Deshalb\nwerden auch zu den Aufführungen der\nPantomime Tennis- und Fussballspieler\nverwandt, da die Schauspieler herkömmlich\ngeübt sind, von ihren Gliedern nur den\nMund zu verwenden. Nun scheint es aber\nmit der Kunst ähnlich zu sein wie mit dem\nLeben. Es kommt immer anders als man\ndenkt. Auch so ein dramatisches Situatiön-\nchen scheint ein ganz eigenwilliges Leben\nzu führen: „Macht der Spieler aber eine\nBewegung, die aus der ganzen Situation\nheraus nicht verständlich ist, die unerwartet\nkommt, so stellt sich die Musik sofort auf\ndieses Unerwartete, gleichsam mit einem\nmusikalischen Erschrecken, mit einer schril-\nlen Dissonanz ein.\" Der Herr Redakteur\nscheint nur unliebsame Ueberraschungen\nerlebt zu haben, da sich durch ein Uner-\nwartetes bei ihm stets ein Erschrecken ein-\nstellt. Und sogar ein musikalisches. Die\nMuse scheint ihn jedenfalls nicht mit Küssen\nverwöhnt zu haben. Für ihn gibt es nur\nHandbewegungen verständlichen Charakters.\nNun stelle man sich aber die dramatische\nSituation dieses unmöglichen Harry Waiden\nvor. Er sitzt während der Pantomime ohne\nTänzerinnen, aber immerhin in inniger\nKorrespondenz mit ihr am Pianoforte und\nwartet auf das Unerwartete, damit er sich\n\"3>\nmit einer schrillen Dissonanz einstellen\nkann. Besonders schwierig scheint mir in\ndiesem Fall das Korrespondieren zu sein.\nDie Bewegung korrespondiert mit der\nMusik bis auf das Winzigste, teilt der Herr\nRedakteur mit. Ich fürchte fast, dass ihm\ndas Wort Korrespondieren nicht verständ-\nlich ist. Und zwar fürchte ich es gerade aus\nder ganzen Situation heraus. Denn wenn dem\nHarry Waiden eine Bewegung unerwartet\nkommt, wie kann der Mensch dann gleich\nmit der Musik korrespondieren. Da er-\nscheint die nicht verständliche Bewegung\nfast ein gewöhnlicher Spielertrick, vielleicht\nein Klavierspielertrick, zu sein. Ich habe\nden Harry Waiden wenigstens im Verdacht,\ndass er sich mit der nichtverständlichen\nBewegung in Korrespondenz gesetzt hat,\num diesen Redakteur aller Deutschen mit\neiner schrillen Dissonanz zu erschrecken.\nUnd alles das sollte nicht das Kopfschütteln\nder Musiker erregen. Das wäre guterdings\nnicht verständlich. Um so weniger, als der\nHerr Redakteur übermodern nach Dingen\ntastet, die er nicht greifen und also erst\nrecht nicht begreifen kann.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nKurt Liebmann\n\nNäher\nGlühschalen schimmern\nschweben\nweben\nglocken glühen\nzacken\ngrünen\nwiegen Augen\nbrechen Gräser\nKnochenflöten\nkreisen\nraun\nentspriessen\nspriessen Silberlaute\nSchalen\nrausch\ntrompetet Bauschen\nwallen\nstürmen\nmanteln\nmuschelt\nRufen\n112 ••\nTonen\nschwebt die Kuppe Schädel\nbergen Kanten\nFeuergärten\nKanten bergen\nBerg\nden Wolken berg\numröten\nblinkern Perlenleitern\nschlingern\nmaschen\nsträhnen\nklaffen Tiefen\nsteigen\nbäumen\nbogen Blute\nSplitterzapfen\nstehen\nrosen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.8", "texte": "röten\nzüngeln Rrande\nwölken\ndampfen\nwölken\nkreischen\nschnappen schiefen\nGlatte Hämmer\nspitzen schlangen\nringeln\nSTEHEN\nschieben Fleische\nklotzen\nschwellen\nfliessen\nschwarze Schwären\nkrieche Münder\nsiechen\nbrodeln\nspritzen Schatten\ndrehen\nteilen\nsteigen\nSTEHEN\nHeulen\ntrinkt die Erde Silberbröckel\nWehenstäuben\nsäulen\nstarren\nbogen\nbiegen\nwinden\npalmen\nsäulen\nstürmen Dornenfelder Augen\nhaken\nspitzentanzen\ntanzen\nschwingen\nSTEHEN\nKlagen\nSTEHEN\nFäuste\nSTEHEN\nstarren Flöckchen\nschwinnen\nreinen\nWüten\nSTEHEN\nRrüllen\nSTEHEN\nWachsen\nStarren\nEiseszacken\nFeuer bogen\nQualen härten\nSchimmer gärten\nSchimmern\nSTEHEN\nglitzern\nstumm\nder Glanz\nYerglänzen hebt Trompete\nkniet der Ton\nVerschauern\nRollen\nSilbern\nkreist der Ton\ndas Stehen\nKnieen\nStummen\nrollt.\n\nLippe Löckchen\nSpiegeln\nSpinnenschleier wiege Glieder\nlidern\näugen\nstechen\nsüssen Lächeln\nFüsse brüsten\nbündeln\nTraubenpralle\nMonde rollen\nspitzen\nblitzen\ngilbe Finger\nRosalächeln\nritzen\nbohren\nwippen Spitzenkniee\nknistern\ngischten\nzischen\nhüpfen\nklingeln\nzüngeln\nringeln\nschlingen Düfte\nperlen\nKniee würgen Röcheln\nstolpert Schrei\nsinkt hin\nzerbröckeln\ntrümmern\nstäuben\nWimmer steinen\nstummen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.9", "texte": "Moholy-Nagy: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.10", "texte": "glimm\nflimmt Lächeln\nReiherringel\nneigen\nduftes Haar\numflüstern\nweich\nbetäubend\nhöhnisch schmal\nfahlsüss\nschwebt Lippe\nwiegt\nschleift\nSchleppe Gold.\n\nTran 21\nRede am Grabe Leo Reins\nSchwitters\n(In der Berliner Börsenzeitung 547 v.27.11.21)\nZunächst behaupte ich, Herr Kritiker Leo\nBein wäre tot. Kritiker sind tot oder\nDadaisten. Ich behaupte, Herr Bein wäre\nbeides, weil das so schön geht. Seiner Rede\nfehlt die Wärme, das Flaisch, sie klappert\nwie Knochenbeine.\nAber ist er schon tot, lebt uns sein Name\nnoch und kündet es bäßeren Zukünften,\ndass der Low reineren Zeiten entgegen-\nklappert, Zeiten ohne die lächerliche Merz«\nmaierei und ohne die widerliche Anna\nBlume. Der Stimme schwendet Kopf ver-\nquer die Beine. Ja, Herr Bein, alle Neme\nkann man nich von hinten lesen. Sie\nhiessen z. B. Snieröl, wenn es noch wenig-\nstens Schmieroel wäre!\nIch bin Kriminalist, vaschtehste? Selbst-\nmord? Leider ja. Der Low hat sich so-\nlange hinten in seinen eigenen Schwanz\ngebissen, bis er tot umfuhl. (Weniger ge-\nbräuchliches Imperfekt von fallen.) Nun\nlügt er da und schreit so sehr. (Und wenn\nder Brummbär mich doch nassmacht?) Dann\nkriegt er Haue.\nIch bin Pastor und wende mich gegen Leos\nLebenswandel, besonders an seinem Lebens-\nabend, seine Grabrede auf meine Kunscht.\nWarum verallgemeinern Sie? (Gemeinheit\nim All.) Wer gibt Ihnen z. B. ein Becht,\netwas Dadaismus zu nennen, das sachlich\nMEBZ und nicht dadaist? Ich meine\nmeine Kunst. Wenn Sie nicht gut funda-\nmentiert sind, dann wenden Sie sich nur\ngleich einer anderen Brangsche zu. Ick\nwerde Ihnen mal fundamentieren!\nMEBZ bedeutet bekanntlich Toleranz in\nBezug auf alle Nebensachen, wie Material,\nMotiv; dagegen die Forderung konsequenter\nFormung zum Zwecke des Ausdrucks.\nNach diesem fundamentalen Grundsatz frage\nich Sie: Wer gibt Ihnen ein Becht dazu,\nein Kunstwerk Unsinn zu nennen, weil sein\nMotiv Unsinn war. (Toter Kritiker, hören\nSie eigentlich?) Sie verwerfen meine Kunst-\nwerke, weil Sie nicht gut fundamentiert\nsind, infolge Verwechslung des Motivs mit\nder Gestaltung. Kunst ist niemals Unsinn.\nKunst ist Logik. Jawohl, da staunen Sie!\nSie aber verwechseln die Begriffe und be-\ngreifen Ihre Verwechslung nicht.\nDe mortuis nil nisi bene, auf deutsch: Man\nsoll den Toten nicht auf die Beene niesen.\nIch niese nicht, toter Mann, hören Sie, ich\nniese nicht auf Ihre Beene, wenn ich be-\nhaupte, dass Ihr Wunsch, Merz möge doch\nbitte tot sein, der Vater Ihres Gedankens\nnebst Grabrede war. Wissen Sie, was das\nbedeutet? (Wohl lange Dein eigenes Geschrei\nnich jehört!)\nDamit Sie aber hören, dass ich noch niesen\nkann, treten Sie bitte ein paar Schritt zu-\nrück, Sie kennen ja die übliche Bückwärts-\nbewegung der 1 Herren von der Kritik.\nAbort frei. Zur Förderung der öffentlichen\nGesundheit wird dringend ersucht, nicht\nauf [den öffentlichen Boden zu spucken.\nDie Augen der Herren Kritiker dürfen auf\nbeiden Seiten nur mit Zustimmung aller\nMitreisenden geöffnet werden.\nLernen Sie erstlichmal' deklinieren: der\nHass, die Hose, das Haus.\nErgebenst\n\nGedichte\nHerwarth Walden\n\nMeine Finger krallen die Erde\nBlut schiesst auf\nDunkel dämmert\n•*\nDämmer dunkelt\nEin Baum blüht rot aus meiner Handwurzel\nFliessendes Gold ist seine Krone\nMeine Krone, die ich trage\nMeine Krone, die mich trägt"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.11", "texte": "Marc Chagall: Der Coiffeur / Aquarell / Farbendruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.12", "texte": "Fliesst ihr Gold über meinen Leib bis zu\nden Füssen\n0 Du Goldmantel meiner roten Sehnsucht\n0 Du Goldschatten meines roten Baumes\nBlut schiesst auf\nZwei Augen geöffnet dem Blick meiner Seele\nZwei Münder geöffnet dem Ton meines\nHerzens\nMein Herz tönt\nSterne klingen in seinem Tone\nSonnen kreisen in seinem Tone\nMenschen weinen in seinem Tone\nDu aber Du\nDu aber sollst lächeln >\nFang meinen' Ton im Saum Deiner Wangen\nNun klingen Sterne im Kreis Deiner Augen\nNun kreisen Sonnen im Klang Deines Lächeln\nNun weint einMenschim Blut Deines Herzens\nHörst Du den Ton, dem die Erde erzittert\nFühlst Du das Blut das die Welt über-\nschwemmt\nMeine Stimme ist die Glocke am Erdhimmel\nSie läutet mein Blut ein, das die Welt\nüberschwemmt\nDu aber sollst lächeln\nDein Lächeln ist der Hall meiner Glocken-\nstimme\nIn Deinem Lächeln blüht das Leid meines\nErdschmerzes\nAus Deinem Lächeln strömt mein Blut\nDich zurück\nMädchen mit der Goldkrone\nMein Herz schlägt fern\nDu aber sollst lächeln\nMir sollst Du lächeln\nIch wandle durch die Gassen aller Herzen\nMein Fuss stockt an der Kammer\nBlut sickert zag\nAus jeder Kammer seufzt ein schweres\nSchweigen\nUnd alle Gassen schliessen sich zum Kreis\nSchmal ist der Pfad, der durch die Herzen\nführt\nUnd stockt der Fuss, das Schweigen lockt\nihn weiter\nBlut sickert zag\nIch wandle schwer und wandle\nIm Lächeln Deines Auges spielt ein Bluts-\ntropfen\nDein Mund irrt zitternd auf allen Lippen\nWenn sich Dein Mund schliesst will ich\nihn aufküssen\nBlind verblendet\nViele Lippen spiegeln sich im Lächeln\nDeines Auges\nHinten auf der Mondstrasse schreiten zwei\nFüsse an schimmernden Knöcheln\nLärm schwärmt auf\n0 Du Talsanftmut meiner steigenden Berg-\nhärte\nBollt Stein auf Stein unter weichen Füssen\nGrollt Lärm auf Lärm über heissen Wolken\nStaubt Kern auf Kern an schimmernde\nKnöchel\nEin Ton tropft auf die Mondstrasse\nErklingt von Welt zu Welt\nEin Korn zertreten rollt unter weichen Füsse\nBollt hinab\nzerspellt\nzerklingt\nEine harte stumme Wand steilt die Mond-\nstrasse\nBergt auf sich zum Himmel\nBirgt in sich den Himmel\nNun schweigt der Ton von Welt zu Welt\nZwei kleine Füsse tanzen an schimmernden\nKnöcheln auf der Mondstrasse\nSchweigen tönt\nKlingt\nrauscht\nschreit\nheult\nschreit\nrauscht\nklingt\ntönt\nhallt\nverhallt\nMorgen ist es auf der Erde\nVerschüttete Augen\nVerschüchterter Mund\nVerzittertes Herz\nBluthund kauert zwischen Brüsten\nSpreitzt die Augen\nBlühen Vögel heller im Dunkel\nLechzen Zungen süsser am Stein\nDuckt sich bäumt sich jagt Nacken herab\nder Bluthund\nSingt ein Kind zwischen Kraut und Unkraut:"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.13", "texte": "Kurt Schwitters: Zeichnung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.14", "texte": "Zwei blanke Scheidemünzen\nZwei blanke Scheideherzen\nEr herzt meine Münze\nKraut zwischen Unkraut münz ich mein Herz\nArmer Hund Du wirst geschlagen\nReicher Hund Du wirst geküsst\nReicher Hund Du wirst geschlagen\nArmer Hund Du wirst geküsst\nKraut zwischen Unkraut klettert herzdurch\nDie Jungfrau blüht\n\nDie Erde der Gottschreie\nFranz Richard Behrens\nLothar Schreyer der Isadora Duncan und dem\nSmolny in Petrograd\nSolange\nFriede\nKreuz\nLeide\nGrösser\nFriede\nVergisst\nLeide\nFällt Gefäss\nFriede\nFriede Flugfei\nLeide\nEhrenhabe\nFriede\nVorder\nLeide\nDachrinne\nFriede\nStören\nSteigung\nLieb\nZehnte zeich zeilt\nSüchter\nSchrein\nLieb\nEigen eignen\nSüchter\nRieht\nLieb\nAuslassen lief\nSüchter\nSollen\nReine\nAbwart\nEiner\nTrocknet\nReine\nPrüfstein\nEiner\nStelle\nReine\nReschiessen\nEiner\nAbguss\nReine\nFang fall\nEiner\nWas das Herr nicht will\nSünde\nPendelpein\nPeitscher\nSünde\nVater verredet Veilchen\nPeitscher\nTauchen\nSünde\nKerl\nPeitscher\nBedingung\nToder\nQuerweg durchmarsch\nKrieger\nAuszieh\nToder\nHundertfünfunddreissigster\nKrieger\nIm grund\nToder\nRüssel bücken\nKrieger\nUntertasse\nToder\nMelone\nKrieger\nFeige Rlätter bohren\nToder\nTrommel\nKrieger\nAnzieh\nToder\nFroschfrost\nKrieger"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.15", "texte": "Gegeben\nLeide\nIrane\nLeide\nGrenzen halt an\nFT* ••\nIrane\nLeide\nBrennen brauch\nIrane\nKaninchen\nWarum ist es jetzt so\nMensch\nFlottenflucht\nFreund\nBeich\nMensch\nAn steck Stand\nFreund\nMensch\nEtwa Essigflasche\nFreund\nBannen\nGeringster Aufwand\nBruder\nMolke Finstermond\nBlute\nFußsoldat\nBruder\nZuber zoll\nBlute\nEntzünde\nBruder\nMag gerissen\nBlute\nUnterstreich\nBruder\nSam schliessen\nBlute\nSalz\nBruder\nTräufeln treff\nBlute\nBürde über\nBruder\nTag schüler\nBlute\nLaubhaar Bank sie\nBruder\nVorzieh vorbestell\nBlute\nGleich\nBruder\nLicht freit Führerfremde\nBlute\nSelbst\nMir\nGummi\nTierer\nEberesche\nMir\nTierer\nGlastür\nMir\nScheitelscheide\nTierer\nLösch\nZwischen\nMann\nKnöchel\nWeib\nSchmier\nMann\nStichkupfer\nWeib\nSummen\nMann\nTeuer\nWeib\nBeiter\nMann\nWird Land\nWeil\nKastanie\nMann\nKeuchen\nWeib\nDie Welt ist jung\nGrüner\nJacht scheint Jahr\nLeuchten\nKühl\nGrüner\nNutzen\nLeuchten\nGrüner\nTulpentrunk\nLeuchten\nHemd"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.16", "texte": "Gäbe es keine Welt\nl.ebe\nZündung\nSamen\nSiedel\nLebe\nKaiserkahl\nSamen\nGeräum\nLebe\nHe Herd\nSamen\nGeleise\nLebe\nSamen\nHarn\nUnversehrt\nSchenker\nHütte\nJunge\nSchenker\nSteig teilt Einsturz\nJunge\nEinseh\nSchenker\nAster\nJunge\nHeimchen\nSenkrechte Sonnenstrahlen\nFreuer\nGespenst gestirn\nFriede\nGehren\nFreuer\nDurchstich queren\nFriede\nGefäll\nFreuer\nFleischhack\nFriede\nSchütterung\nFreuer\nSchnürschuh\nFriede\nTrampeln\nFreuer\nDanke\nFriede\nHinweg\nFreuer\nFriede\nWöchnerin\nSendung\nImmer\nPflanzen fracht\nFreier\nKlatschen\nImmer\nStuck Stufengang\nFreier\nZeug\nImmer\nFreier\nKiirass\nIch zersplittere mich\nWäger\nTasche\nSüchter\nTropfstein\nWäger\nSüchter\nUmhau\nWäger\nTrippeln\nSüchter\nWäger\nSüchter\nWirbelkopf\n>\nEiner\nKrume\nSterner\nElfte dreiundsiebzig\nEiner\nSchaft\nStern er\nDickicht\nEiner\nEhelich\nSterner\nStrick\nEiner\nFrüchte\nSterner\nSinken verspät\nEiner\nSterner\nBrot\nEingeflüstert\nReine\nJacke jähr\nLieb"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.17", "texte": "Lebe lava\nReine\nZugfeder\nLieb\nFri sie frieren\nReine\nMüsst\nLieb\nBienenkrob brau\nReine\nSpätspann\nLieb\nSchutzschwach\nReine\nSellerie\nLieb\nWeisswein\nReine\nBindenbis\nLieb\nSpeichelspeiche\nReine\nSicher Ventil\nLieb\nSprudel Feuerspritz\nReine\nLieb\nZichorie\nAngst vor der Freiheit\nPeitscher\nNähren\nKrieger\nZweiunddreissige\nPeitscher\nSchal\nKrieger\nWendepunkt\nPeitscher\nEinklammern\nKrieger\nNachgeben\nrp ••\nlrane\nZuckerrohr\nSünde\nSchullehrerschublade\nrp ••\nlrane\n. Durchdürfen\nSünde\nWackel wache\nm ••\nTrane\nTragen\nSünde\nErschrocken gebrannt\nTräne\nEignet\nSünde\nKinderkirche\nnn ••\nIrane\nStreich\nSünde\nNiet Nonne\nrn ••\nTrane\nEhr\nSünde\nTrotzen\nfT\"! ••\nlrane\nLöwenzahn\nSünde\nIch habe das getan\nLeide\nGlühlampenglut\nToder\nGreis\nLeide\nKolben\nToder\nWipfelwinzie\nLeide\nBarde\nToder\nAufschwung\nFreund\nBlute\nBeschwerde\nFreund\nBeerenbaum\nBlute\nGehr\nFreund\nBlute\nLaute\nGrausem\nTierer\nKniescheibe\nWeib\nTierer\nSchiffsuntergang\nWeib\nStrassenpflaster\nTierer\n. Roh"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.18", "texte": "Weib\nWehr\nTierer\nNimmt\nWeib\nSenkblick\nMann\nUm Sonne Hof\nMir\nBitte\nMann\nMir\nKehr um\nMann\nMir\nSchranke feger\nUnbedingt\nBruder\nMensch\nrr% ••\nlur\nBruder\nBestech\nMensch\nZucken kand\nBruder\nTorweg Schlag\nMensch\nEile überfliess\nUnausgeschöpft\nLeuchten\nSamen\nLeuchten\nSamen\nLeuchten\nBezeug\nSamen\nWas Menschen zu geben haben\nWellen\nWart gegen\nLebe\nAkazie ähnlicht\nWellen\nWeil Weihrauchfass\nLebe\nTrösten\nWellen\nRechne abreise\nLebe\nVolksvogel\nWellen\nLebe\nKomm\nDie umklammerten Sterne\nJunge\nFriede\nJunge\nFriede\nBahnvor\nJunge\nSchade\nFriede\nJunge\nLanb\nFriede\nBehauptung\nFreier\nWürmchen\nBeter\nKaraffe\nFreier\nBeter\nHeira\nFreier\nSchnattern\nBeter\nSchildkräte\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Theater\nHerwarth Waiden: Handbewegung\nKurt^Liebmann: Gedichte\nKurt Schwitters: Tran 21\nHerwarth Waiden: Gedichte\nFranz Richard Behrens: Die Erde der Gottschreie\nMoholyNagy: Linoleumschnitt\nKurt Schwitters: Zeichnung\nMarc Chagall: Der Coiffeur / Aquarell / Farbendruck\nJanuar 1922"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.19", "texte": "RLAG DER STURM / G. M. B.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW\n\nMnsiK\nHerwarth Walden\nGesammelte Tonwcrke\nDann / V,ergeltung / Vcrdammnis / Werk l*—3\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFur Gesang und Klavier / Je 6 Mark\nBruder Licdcrlich / Werk 51\nFur Gesang und Klavier / 6 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 6 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 30 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 10 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFur Gesang und Klavier / 7 Mark 50 Pfennigs\nSchwertertanz / Werk 18\nFur Klavier / 9 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 3 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFur Klavier / 4 Mark 50 Pfennige\n\nfturm-Karten\nJede Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kunstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nGampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Grunewald 1 Gino Severini 3\nAlexei von Jawlensky 2 Arnold Topp 1\nKandinsky 2 Maria Uhden 1\nPaul Klee 1 Nell Walden 1\nGskar Kokoschka 2 William Wauer 6\nOtakar Kubin 1 Marianne von Werefkin 1\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\n\nSturm-Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 1 Mark\nTour Donas —Nell Walden / Franz Marc / Iwan Puni\nJe 3 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abildungen in Kupfertiefdruck\nf Mark\n\nKnnstdracKe aus dcm Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapicr\nJcder Kunstdruck 10 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuruckbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\n/\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Landschaft\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4Richard Dehmel/5Paul Scheerbart/6 YvetteGuilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand L£ger: Akt\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige Kunstdruc&e\nJedes Blatt 15 Mark\nAlexander Archipenko: Aquarell\nWilli Baumeister: Grosse und kleine Figur\nMarc Chagall: Interieur / Aquarell\nMarc Chagall: Kutscher / Aquarell\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nMarcoussis: Stilleben\nNell Walden: Todfruhling\n\nSturm'Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Ltitzow 4443\nExpressionistische Kunst und Dichtung\nAuslandische Bucher\nVerkauf guter Bucher and Kunstdrucke\n\nVERZEICHNiSSH DBS VERLAGS DER STURM KOSTENLOS"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220105-01.1.20", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreycr\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Bcrlia IVO IS\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr/Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\nHutidertvierte Ausstellung Hundertfiinfte Ausstellung\nJanuar 1922 Februar 1922\nArnold Topp Moholy-Nagy\nAdolf Bauer 'Saar Peri\nGesamtschau des Sturm SturnvGesamtschau\nTageskarte 2 Mark\n\nQ TP T T T? TUT > A R T7 1ST rv XJ J e d e n erstcn und dritten Mittwoch 7 3/4 Uhr in der\nO X U XV 1VX * XX D D IN X-/ XZi Kunstausstellung Der Sturm Potsdamer Stra&e 134 a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden. / Musik\nKarten 6 Mark 70 Pfennig an der Abendkasse und im Vorverkauf I Potsdamerstr. iMa\n\nDer Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nGiessen ' Antwerpen\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung vo*\nSturm \"Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stadten und Landern*\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf Ton\nWerken der Kunstler, die er durch eigene Aus*\nstellungen anerkennt.\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nNeuanzeigen Dcr Sturm\nSturm'Bilderbiicher\nV. Maler des Expressionism us\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall usw«\n100 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nMarc Chagall: Jttde\n15 Mark\nKurt Schwittcrs: Merzzeictmiing rr\n15 Mark\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus und die Kimste\nMit Abbildungen\n90 Mark"}]}