{"numero_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_sha256": "5ce58706bca0285ec8a43ada0f45ab0e1b71844224a095e15b02c149c6ea8c88", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1922/04/05_01/bmtnabg_1922-04-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1922/04/05_01/bmtnabg_1922-04-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.1", "titre_corps": "Akt", "titre_sommaire": "Akt", "signature_source": "Oscar Nerlinger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.1", "debut_caractere": 93, "fin_caractere_exclue": 113, "texte": "Oscar Nerlinger: Akt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "51", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.2", "titre_corps": "Shimmy", "titre_sommaire": "Shimmy", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.3", "debut_caractere": 56, "fin_caractere_exclue": 3462, "texte": "Shimmy\n\nDer Komiker singt von der guten alten Zeit.\nDa haben die Frauen noch geflochten und\ngewoben, insbesondere himmlische Rosen\nins irdische Leben. Und zwar so deutlich,\ndass sie sogar jeder Kunstkritiker erkennen\nkonnte. Heute rauchen diese Damen Zi-\ngaretten, klagt der Komiker. Emanzipation,\nvaschtehste. Die Herren hatten ihren König\nund wussten daher, wie, wo und wem zu\ngehorchen sei. Es war alles bestmöglich\neingerichtet. Hierzu noch vier Stunden\nUnterricht in den Rundtänzen und man\nbeherrschte die Lebensfreude. Es wird\nnoch festgestellt, dass es früher billiger ge-\nwesen und das Volk nicht begehrlich ge-\nwesen sei. Die Herren Götter der ver-\nschiedenen Konfessionen hatten das so\npraktisch eingerichtet, und das Volk hatte\nunter allen Umständen wenigstens die Re-\nligion im Leibe. Die bürgerliche Gesell-\nschaft liebt es, sich an diese gute alte Zeit\ndurch einen Komiker erinnern zu lassen.\nMan findet also die gute alte Zeit oder die\nGegenwart komisch. Also wird die Gegen-\nwart nicht tragisch genommen, wenigstens\nnicht von der bürgerlichen Gesellschaft.\nAllgemeine Lebensfreude. Die Bürger ha-\nben an Selbstbewusstsein gewonnen und\nfühlen sich so frei wie die Leute, die mit\nOelfarben oder Reimen hantieren und da-\ndurch dem besseren Volke die Kultur ge-\ngeben haben. Die Kultur ist eine sehr vor-\nnehme Angelegenheit. Und hierzulande,\nwo selbst die Denker dichten, Kaufleute\nund Aerzte nicht verschmähen, sich in Oel\nauszuleben, Frauen sich gehoben fühlen,\nwenn sie Mitgliedern moralischer Anstalten\nzur Verfügung liegen dürfen, hierzulande\nhaben wir eine Kultur, die Kultur, in der\ndie anderen Länder uns durchaus nicht\nunterlegen sind. Und wenn wir auch den\nGoethe haben, so können die Engländer\nebenso gut und billig aus Shakespeare\nzitieren. Und wo die Zitate fehlen, stellt\nman sich auf ein Bild von Rembrandt immer\nnoch zur rechten Zeit ein. Wir haben\nallerseits so viele Kulturen, dass wir uns\nmit dem bisschen Wurzelkram nicht mehr\nzu befassen brauchen. Die Kulturen\nwerden gesammelt, gestapelt, gedruckt, ver-\nfielfältigt, verkauft. In jeder Ausführung.\nZum Aussuchen. Für das Volk ent-\nsprechend wohlfeiler. Ohne Lederrücken\noder im Rahmen nach Bauerngeschmack.\nEs ist alles in bester Unordnung, was man\nkulturell auch künstlerische Freiheit nennt.\nDie geehrte Künstlerschaft bemüht sich,\ndas niedrige Volk unter 50000 Mark Ein-\nkommen von seiner Kulturbedeutung zu\nüberzeugen, weil die Bürgerschaft ohne Hof\nkeine Hofnarren mehr braucht. Ausser-\ndem ist die Lösung der sozialen Frage der\nNarren dadurch erschwert worden, dass\ndas Totschlagen durch den Fortschritt der\nHumanität gesetzlich geregelt wurde. Die\nKünstlerschaft wendet sich also vertrauens-\nvoll an das Volk, das es dafür heben will.\nHerr Moissi und Frau Durieux z. B. haben\nihm bereits persönlich Goethe und Schiller\nvorgelesen, und ein sozialistischer Minister\nwollte sogar seinen Lieblingsdichter\nFlaischlen dem Volke einimpfen. Also es\nsteht gut um die Kultur.\nDoch während sich noch alles mit den Ge-\nhirnen sträubt, sträubt es sich nicht mehr\nin _ Händen und Füssen. Bewegung jagt\ndurch die Masse und durch die Massen.\nDer Shimmy tanzt über verblühte Kulturen.\nDer Tanz wurde von der hohen Kunst aus-\ngeschlossen oder höchstens als Einlage\ngeduldet. Man bewunderte höchstens neben\nder Handfertigkeit der Jongleure die Fuss-\nfertigkeit der Tänzer. Dafür herrschte der\nTanz ununterbrochen zu allen Zeiten, bei"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4390, "texte": "allen Völkern, über alle Stände und Klassen.\nDer Tanz ist urgeschichtlich sicher kein\nerotisches Phänomen gewesen. Die Sinn-\nlichkeit ist ein Urtrieb, also Reiz an sich.\nSie bedarf also zur natürlichen Ausübung\nkeiner Reizsteigerung. Der Tanz in seiner\nBedeutung als erotisches Gleichnis ist be-\nreits Abstraktion. Nur künstlerisch un-\nerzogene Menschen benutzen den Tanz als\nerotisches Mittel oder erotischen Zweck.\nTanz ist Bewegung. Bewegung Voraus-\nsetzung jeder künstlerischen Erscheinung.\nGestaltete Bewegung ist Kunst. Das Be-\ndürfnis zur körperlichen Bewegung ist trieb-\nhaft selbst in den Menschen geblieben, deren\nAugen und Ohren noch nicht für optische\nund akustische Bewegungen geöffnet sind.\nDaher herrscht das Bedürfnis nach Ge-\nstaltung körperlicher Bewegung vor und\nder Tanz, eben diese Gestaltung, ist ver-\nbreiteter als die Gestaltungen, die durch\nandere Sinnesorgane aufgenommen werden.\nDer Tanz ist daher durchaus ohne Musik\ndarstellbar, gestaltbar und aufnehmbar.\nMusik zum Tanz ist bereits akustisches\nGleichnis körperlicher Bewegungsformen.\nDie körperlichen Bewegungen wurden durch\ndie musikalischen Bewegungen mechanisiert,\nwurden akademisch. Es entstand derselbe\nGrundirrtum für den Tanz wie für die\nWortkunst: die Verwechslung zwischen\nRhythmik und Metrik. Die Messung der Be-\nwegungen, die Metrik, ist beschränkt, muss\nihres Zweckes wegen so beschränkt wie\nmöglich sein. Die Bewegungen selbst, die\nRhythmen, sind unbeschränkt. Sie sind\ndurch ihre räumlichen und zeitlichen Be-\nziehungen zueinander, gegeneinander und\nmiteinander unendlich und unanfänglich. Je\ngemessener die Tanzbewegungen wurden,\ndesto gemessener wurde die Musik. Beide\nwurden nämlich mässig. Während Kunst,\nnämlich gestaltete Bewegung, zwar nicht\nmesslos, aber masslos ist. Der Tanz wurde\nnicht einfach, er wurde vereinfacht. Die\nBewegung von dem Metrum der Musik ab-\nhängig gemacht. Tanz und Tanzmusik\nwurden gebildet, statt gebildet zu werden.\nFür die Form wurde die Formel gesetzt.\nDer zweite Grundirrtum entstand: es wurde\nForm mit Formel verwechselt.\nNun entsteht die alte Erkenntnis für das\nWesen und das Wesentliche des Tanzes\nneu aus der Musik. Der Shimmy tanzt\nüber verblühte Kulturen. Der Stepp und\nder Trott ebneten ihm den Weg. Es ist\nderselbe schwere Irrtum, anzunehmen, dass\nes sich hier um eine Mode handelt, wie\nes ein Irrtum ist, den Expressionismus für\neine Richtung zu halten. Den Komponisten\nin Amerika fällt nichts ein, sagten die\nEuropäer. Richtiger gesagt: es fiel ihnen\nnur dasselbe ein, wie den Europäern, näm-\nlich Mozart und Beethoven oder R. Wagner,\nsoweit es sich um die ganz hohe Kunst\nhandelt. Oder Johann Strauss, soweit es\nsich nicht um die ganz so hohe Kunst han-\ndelt. Plötzlich fiel den dortigen Komponisten\nzwar nicht etwas ein, aber etwas auf. Die\nEingeborenen, zu denen sie nicht gehörten,\nmachten auch sozusagen Tonkunst, wenn\nauch ohne Benutzung der europäischen\nInstrumentenindustrie und ohne Kenntnis\nder höheren Kollegenschaft. Warum sollte\nman das nicht schliesslich auch verwerten.\nUnd es muss anerkannt werden, dass diese\nVerwertung von Urrhythmen ausserordent-\nlich künstlerisch erfolgt ist. Der Wert eines\nKunstwerks besteht nämlich nicht in der\nIdee, sondern in der Gestaltung. Nicht der\nSeptimenakkord, nicht die Chrysantheme\noder gar das rätselvolle Lächeln einer ge-\nmalten Dame machen ein Kunstwerk. So\nnüchtern es auch in der Idee wirkt, Kunst\nentsteht nur durch die Gestaltung von Ton-\nWort- und Farbform-Beziehungen. Das\nSaxophon ist ebenso künstlerisch wie die\nVioline. Sie sind nämlich beide unkünst-\nlerisch. Kunst entsteht nur durch ihre\nrhythmische und tonliche Verwendung.\nDerShimmy wird gespielt. Der Shimmy wird\ngetanzt. Und plötzlich herrscht der Shimmy\nüber ganz Europa. In Deutschland mit einem\neinzigen Hindernis. Es konnte bisher intel-\nlektuell nicht einwandfrei ermittelt werden,\nob man richtiger Shimmy oder Jimmy schrei-\nben müsse. Immerhin wurde er indessen\nauch in Deutschland getanzt, wo man sich\nbisher stets durch Musikprofessoren, Kunst-\nkritiker und Germanisten zu lange aufhalten\nliess. Und es ereignete sich etwas merk-\nwürdiges: viele Menschen fanden eine Be-\nziehung zum Tanz, den sie bisher als in-\ntellektuell unzulänglich abgelehnt hatten.\nNoch mehr: Berufstänzer und Berufstänze-\nrinnen konnten plötzlich im Ballsaal nicht\ntanzen. Ihre Füsse waren metrisch gefesselt.\nSie stolperten über den Rhythmus. Die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1645, "texte": "Tanzlehrer und Tanzlehrerinnen fürchteten\nden Buin ihres ruinösen Berufes. Sie kennen\nnur eine einzige Sorge, den Shimmy\ngesellschaftsfähig zu machen. Das heisst:\nihn akademisch zu formulieren. Aus dem-\nselben Grunde nehmen auch die Malprofes-\nsoren den Expressionismus in der Akademie\nauf. Auch hier besteht nur noch die ein-\nzige Schwierigkeit, zwar nicht die Schreib-\nart, aber den Ursprung des Wortes Expres-\nsionismus festzustellen. Aber der Shimmy\nlässt sich nicht einordnen, weil er selbst\nkünstlerische Ordnung ist. Er ist\nnicht Dekadenz, er ist Kadenz. Er ist freie\nGebundenheit und nicht gebundene Freiheit.\nEr ist gebildet aus künstlerischem Instinkt\nund nicht aus verbildetem Intellekt. Seine\nMusik redet nicht die Sprache der Töne,\nseine Musik tönt das Schweigen des Bedens,\ndas Unaussprechliche. Hier fassen künst-\nlerische Gesetze den Fuss und zwingen ihn\nzur rhythmischen Gestaltung. Zwar wird\nbehauptet, dass der Shimmy leichter als\nder Walzer zu erlernen sei. Der Unsinn\nist, dass man glaubt, der Wert der Kunst\nhänge von der Schwierigkeit des Erlernens\nab. Kunst kann nicht erlernt werden. Kunst\nist sehr einfach. Kunst ist so einfach wie\ndas Leben. Kunst lebt in ihren organischen\nGesetzen wie das Leben in seinen. Schwierig-\nkeiten entstehen nur dadurch, dass man sie\nkünstlich verursacht. Dass man willkürlich\nin das Unwillkürliche eingreift. Dass man\ndas Unmittelbare mittelbar macht. Die\nKunst greift das Leben. Das Leben begreift\ndie Kunst: denn immer mehr Menschen\nbeginnen, das Hören zu hören, das Sehen\nzu sehen, das Bewegen zu bewegen.\nMenschen bewegen sich.\nDer Shimmy tanzt über verblühte Kulturen\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "51", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.3", "titre_corps": "Der Mietvertrag : Theatralische Synthese", "titre_sommaire": "Der Mietvertrag : Theatralische Synthese", "signature_source": "F. T. Marinetti ; Vorhang", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.5", "debut_caractere": 1647, "fin_caractere_exclue": 3532, "texte": "Der Mietvertrag\nTheatralische Synthese\nF. T. Marinetti\nVorhang\nDas Schlafzimmer des Herrn Paul Dami.\nDurch das Halbdunkel sieht man ein weisses\nBett. Paul Dami liegt in den letzten Zügen.\nDer Freund tritt ein und wendet sich\nzum Dienstmädchen: Paul liegt im Sterben'?\nIst gar keine Hoffnung?\nDas Dienstmädchen: Kaum ein\nSchimmer von Hoffnung. Die Kugel ist\nmitten durchs Herz gegangen.\nDer Freund: Unbegreiflich! Sich wegen\ndieser Frau das Leben zu nehmen.\nDas Dienstmädchen: Aber nein!\nWegen der Wohnung hat er sich umge-\nbracht. Ich werde Ihnen das Bätsei er-\nklären. Sie wissen, dass Herr Dami wahn-\nsinnig in diese Wohnung verliebt ist. Vor\neiniger Zeit bat er den Wirt, er möge ihm\ngestatten, ein Fenster zu öffnen, das nach\nder Strasse hinausgeht. Er wollte von da\naus den grossen Festzug sehen. Und dieser\nIdiot von Wirt hats ihm nicht erlaubt. Zu-\nfällig erfuhr Herr Dami vor drei Tagen,\ndass der Wirt mit einem neuen Mieter ver-\nhandelt. Der Gedanke, dass er diese ange-\nbetete und vergötterte Wohnung verlieren\nkönne, hat ihn vor Schmerz rasend gemacht.\nDa griff er zum Bevolver und schoss sich\neine Kugel in die Brust.\nPaul Dami spricht im Fieber: Feuer! Es\nbrennt! Die Wohnung brennt! Buft die\nFeuerwehr! (Er versinkt wieder in tiefen\nSchlaf.)\nDer Arzt tritt ein, hinter ihm eine Dame,\nblond, schwarz gekleidet, sehr elegant. Sie\nnähert sich dem Bett des Sterbenden. Ihr\nGesicht ist dem Publikum zugewendet.\nDer Freund (zum Arzt): Ist hier gar\nnicht zu helfen?\nDer Arzt (ernst und feierlich): Gar nicht.\nWenn ein Herr in eine Wohnung tritt, —\nder Fall ist schwer, aber nicht ohne Hoff-\nnung auf Heilung. Tritt jedoch die Wohnung\nin den Herrn, dann gibt es keine Hoffnung\nmehr.\nIn diesem Augenblick begibt sich die Dame\nauf die andere Seite des Bettes, wobei sie\ndem Publikum den Bücken zuwendet. Man\nsieht auf ihrem Bücken ein Plakat, das die\nAufschrift trägt: Zu vermieten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "52", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.4", "titre_corps": "Jetzt kommen sie : Drama der Gegenstände", "titre_sommaire": "Jetzt kommen sie : Drama der Gegenstände", "signature_source": "F. T. 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Fauteuil\nund Stühle stehen dicht an der Wand.\nSowie sich der Vorhang gehoben hat, treten\ndurch die Gartentür der Haushofmeister\nund zwei Bediente.\nDer Haushofmeister: Jetzt kommen\nsie. Dass alles bereit ist! (Er geht hinaus).\nDie Bedienten stellen die acht Stühle in einen\nHalbkreis rechts und links vom Fauteuil.\nDann gehen sie zur Gartentür und bleiben\nauf der Schwelle stehen. Indem sie dem\nPublikum den Rücken wenden, beugen sie\nsich mit dem Oberkörper hinaus, als ob sie\nnach den Gästen ausschauen. Eine Minute\nverharren sie regungslos. Dann stürzt der\nHaushofmeister atemlos herein.\nDer Haushofmeister: Neuer Befehl.\nSie sind entsetzlich müde. Kissen! Viele\nKissen! (Er eilt hinaus).\nDie Bedienten gehen durch die rechte Tür\nhinaus. Nach einer Weile kommen sie\nzurück, mit Kissen schwer beladen. Sie\nrücken den Fauteuil in die Mitte des\nZimmers und stellen die acht Stühle um\nihn herum, sodass die Stuhllehnen dem\nFauteuil zugekehrt sind. Sie legen die Kissen\nauf Fauteuil und Stühle und in grossen\nHaufen auf den Fussboden. Dann gehen\nsie zur Gartentür und schauen nach den\nGästen aus, indem sie wieder dem Publi-\nkum den Rücken zukehren. Eine Minute\nbleiben sie unbeweglich stehen.\nDer Haushofmeister stürzt atemlos\nherein: Neuer Befehl. Sie haben Hunger.\nDen Tisch decken!\nDie Bedienten rücken den Tisch in die Mitte\ndes Zimmers und stellen den Fauteuil und\ndie Stühle rings um ihn herum. Dann\nfangen sie an den Tisch zu decken. Zuerst\nstellen sie eine grosse Vase in eine Ecke\ndes Tisches. An eine andere Stelle des\nTisches legen sie nichts als grosse Mengen\nvon Brot. Dann stellen sie acht Weinflaschen\ndicht nebeneinander. Sämtliche Gedecke\nlegen sie auf einen Haufen. Einen Stuhl\nlehnen sie dicht an den Tisch, sodass die\nhinteren Stuhlbeine in der Luft sind: Der\nPlatz ist belegt! Dann gehen sie wieder\nzur Gartentür, wo sie zwei Minuten regungs-\nlos stehen bleiben und mit vorgebeugtem\nOberkörper nach den Gästen ausschauen.\nDer Haushofmeister (stürzt herein):\nBriccat irakam e-kame! (Er eilt hinaus).\nDie Bedienten rücken den gedeckten Tisch,\nohne an ihm etwas zu verändern, an seinen\nfrüheren Platz. Den Fauteuil stellen sie in\nschrägem Winkel vor die Gartentür und\ndie acht Stühle in einer Reihe hinter ihn,\nsodass sie eine Diagonale über die ganze\nBühne bilden. Sie löschen das Licht aus.\nDie Scene ist vom Mond, der durch die\nGartentür scheint, schwach beleuchtet. Ein\nReflektor, der im linken Hintergrund des\nGartens versteckt ist, wirft einen Lichtstrahl\nauf die Scene und zeichnet auf dem Fuss-\nboden die dunklen, scharfen Schatten der\nStühle. Indem der Reflektor langsam ge-\ndreht wird, bewegen sich die Schatten lang-\nsam von Stuhl zu Stuhl bis zum Fauteuil.\nDie Bedienten kauern in einer Ecke des\nSalons. Mit geängstigten Gesichtern und\nam ganzen Leibe schlotternd, warten sie\ndarauf, dass die Stühle auf Befehl des\nFauteuils sich aus dem Zimmer begeben.\n\nVorhang"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "54", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Willi Knobloch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.6", "debut_caractere": 3127, "fin_caractere_exclue": 3466, "texte": "Gedichte\nWilli Knobloch\n\nGeben\nBelachendes Glockenklingen\nverringt wildweisses Zittern\nDie Augen meiner Mutter\nwunden\nschmerzen\nHier\nNimm es hin\n\nZusammen\nWir durchrasen verweiten Bäumen\nwildbersten gelle Pfeiler\nWir sind im See des Nachbarn\n\nHieroy\n\nKomm öffne deine weissen Nägel\nUnd reisse\nzerre\nschreie\nheule\nDoch lass die Wände stehen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1724, "texte": "Tasten\nIch will das Läuten meiner Augen klingen\nlassen\nIch will das Sehnen aJI der weiss-\ngeschmückten Pferde\nSeen plätschern\nKlagen sehnen\nVerzweifelt locken rote Pflastersteine\nUnd gellen buntdurchflüstert ihre Seelen\nWildwühldurchzittert wimpern\nDirnenaugen\nVersuchung brüllt verschmerzt das\ngelbgeglaste Auge\n\nBedrücken\nDumpfbrunstschwangre Dünste\nbrennen brausen\nwühlen wunden\nschmerzen\njähen\nzucken\nlachen\nDumpfdröhnendes Dröhnen\nzerdröhnt\nDas Schluchten\n\nSehnsucht\nGraugewühlte Bettenschreie\nzerfallen mildes Sehnsuchtsschluchzen\nZerbebtes Augenbangen\nzerfliesst die Monde stiller Tage\nAut uferlosen Bächen wellen Schwäne\nbenetzen sanglos tiefe ungekrönte Wogen\nZerbarmen brüllen schrill die Föhren\nwir wollen tanzen\n\nVersandet\nUnbegrenzte rote Wände\nzucken wildbetörte Schreie\nklagen unverloren tiefe Scham\nFallen aus den Kellern tiefer Stufen\ngrundlos strafend blind\nversandet\n\nRomantisches Fragment\nUrwalds mattgewebtes Schweigen\nströmen gellend Schwertertänze\nUnd die Monde strahlen Feste ....\nAuf des Schlosses weisser Rose\nstille Knabenaugen singen\nUnd die Mädchen stiller Mütter schweben\nBesingt das Schwirren Deiner Monde Sonnen\nIch will die Fesseln meiner Arme heben\nUnd bittend Dir die Blumen geben\ndie Blumen aus der Mutter Augen\nDie Menschenherzen jagen Rasen\ndünnbeflortes Locken Deiner Füsse\nweisses Matten Deines Blutes\n\nDämmern\nZackige milchweisse Seen\nruhen wellen beschwingte Seelen\nLaufen träge Striche Kreise\nKöpfe hängen matte Kräfte\nTrauerweiden küssen Spiegel\nNicken Traurig\nTräumen\nBleich\n\nFrühling\nMandelblüten locken bunte Blumen\nBauschen schweben Reigen rote Röckchen\nZwitschern Trillern Grünen Hauch\nJauchzen Jubeln Rote Rasen\nSchwingen Kleine Silberglocken\nSpriessen Knospen Blättern Blau"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "52", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.8", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.10", "debut_caractere": 59, "fin_caractere_exclue": 2494, "texte": "Gedichte\nHerwarth Walden\n\nMeine Hand greift sanft\nSand weicht meinen Füssen\nSand mein Gebäude\nSand meine Sonne\nSand meine Erde\nZitternd zagt mein letztes Blut in die Welt\nMein Atem gerinnt\nSand wird mauern\nAtem erstickt\nAlles blüht\nMein Haar ist bleich\n0 Du mein liebes Leben\nMorgensüsse meiner Augen\nSteine vex-sanden\nSand versteint\nAbendsüsse meiner Nacht\nBlutlos liegt ein Mensch im Sande\nMeine Nacht ist mir genommen\nNie ein Morgen mir gegeben\nNie ein Tag hat mir gehalten\nZwischen Tag und Nacht ein schwaches\nLeuchten\nSand erhebt sich heulend von der Erde\nHände Arme Füsse Beine Mund und Augen\ngreifen\nBlutlos liegt ein Mensch nun auf der Erde\nMeine Liebe ist ein harter Felsen\nWandert der Felsen\nZermalmt\nPoltert über mich fort\nAlles zerrinnt\nHält kein Mensch ihn auf\nOben spielt ein Kind\nRötet ihn mit meinem letzten Blut\nLächelt und spielt weiter auf der Erde\nKlang verklingt\nTon verklingt\nFall verklingt\nHall verklingt\nAll verklingt\nEin Tropfen zittert auf der Erde\nNun falt ich meine Hände Deinem Schosse\nMilliarden Augen glänzen auf der Erde\nMilliarden Münder blicken halb geöffnet\nMilliarden Leiber tasten in einander\nDie Sucht des Sehnens sucht mundab mund-\nauf\nIch aber falte die Hände Deinem Schosse\nVerstössen vom Leib der Erde\nVerfangen im Weltgeheul\nBefangen im Sternschweifen\nTraum bin ich meines Traums\nUnd falt ich meine Hände Deinem Schosse\nAlle Menschen ballen sich zusammen\nAlle Menschen sinken zu einander\nineinander\nDein Schossist die sehnende Erde\nIch aber kniee\nbete im Erdgeheul\nWeinen streichelt weite Weiden\nFrucht sprudelt auf aus der Wuchtwurzel\nBebende Beeren senken sich sehnend\nSinken schillern im Singen nieder\nDämmernde Tränen drängen ins Zwielicht\nLäuten Freude in schäumendes Heulen\nDumpf vermummt lullt Luft\nErde bebt schwer unterm Kelch der Glocke\nGib mir die Hand eh mich Weinen verweht\nTon poltert drohend\nMeine schwärmende Härte härmt sich\nhöre\nhör auf\nhör auf mich\neine Welle weht verwelkt in die Welt\nOeffne den Kelch meinem schwebenden Blute\nNacht scheint\nNacht hellt auf das Tagesgedunkel\nKniest du mit verschüchtertem Auge\nZittern schwingt im engenden Räume\nZittern klingt im drängenden Räume\nZittern schwirrt im raunenden Räume\nNacht scheint hell\nOeffne die Knie meinem schwebenden Blute\nRaum bricht auf\nstreift meine Hand dein verschüchtertes Auge\nPressen die Arme den Raum in die Zeit\nDunkel funkelt\nBlut verzittert\nNacht verwittert\nTag stiert in verschüchterte Augen\nDie Erde rollt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 330, "texte": "Meine Arme durchgreifen die Luft\n0 Du mein brustnaher Stern\nFern\nTräumst Du\nMir nur mir\nscheinst Du\nMeine Arme durchgreifen die Luft\nStrecken sich langbang nach dem Stern träum\n0 Du mein brustnaher Traumstern\nMeine Arme runden die Erde\nSterntraum gleitet zum Traumstern\nLeuchtet mein Herz nun glanzhoch\n0 Du mein brusttiefer Stern"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c021", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.8.1", "titre_corps": "Dekorationsskizze zu dem Ballett „Le Coq d'Or\" (1913)", "titre_sommaire": "Dekorationsskizze zu dem Ballett „Le Coq d'Or\" (1913)", "signature_source": "Gontscharowa", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 67, "texte": "Gontscharowa: Dekorationsskizze zu dem Ballett „Le Coq d'Or\" (1913)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c022", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "58", "page_fin": "61", "image_debut": 12, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.9", "titre_corps": "Dadaïsme", "titre_sommaire": "Dadaïsme", "signature_source": "G. Ribemont-Dessaignes", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.12", "debut_caractere": 332, "fin_caractere_exclue": 3995, "texte": "Dadaïsme\n\nOn a beaucoup ecrit sur le Dada'isme, mais\npoint pour le louer. Ce n'est pas moi qui\ncommencerai. On ne voit jamais tant de\nfleurs que derriere un corbillard. Puis un\nbon coup de bäton sur la lete de quelqu'un\nproduit toujours un certain effet, tandis que\nles caresses ont besoin d'etre bien ajustees.\nEnfin, je suis dada'iste et les caresses\nappliquees ä soi-meme ont un nom malfame.\nJamais une etiquette n'a eu autant d'impor-\ntance pour la marchandise qu'elle recouvre.\nBeaucoup de Dadas ne sont pas dadaisles-\nlisple deviennent pourtant du fait qu'ils sont\nqualifies tels par la foule et eux-memes.\nUne vieille femme qui se croit Socrate\ndevientlSocrate si on consent ä lui accorder\nSB\ncette personnalite.\n11 est donc tres difficile de deflnir le Da-\nda'fsme.\nNon, dit le Dada'iste en naissant. On lui\ndonne le sein.— Non — Mais il tete. Le\ntout est de s'entendre.\nLa lune n'existe pas. Ce que nous appelons\nla lune n'a aucun rapport avec la lune.\nC'est ce qui nous donne le droit de dire\nla lune existe et la lune n'existe pas.\nII y a un certain noinbre d'objets recou-\nverls d'un bandage herniaire qu'on nomme\nArt. Tout „sa\" c'est l'Art. II suffit de dire\noui, alors c'est l'Art. Mais ce bazar de-\nvient assommant. Nous disons Non. Et\nl'Art s'evapore. Le plus drole est que tout\nle monde actuellement trouve l'Art\nassommant. Rien n'amuse plus le public:\nni les expositions, ni les concerts, ni les\nmusees. Tout ce qui l'amuse est precise-\nment ce ä quoi il refuse la qualite d'Art\nMais la foule s'indigne. L'Art est assommant,\nil faut le respecter. Tout comme Dieu.\nL'Art est de droit divin. Qu'on le veuille\nou non, il y a une partie de l'Art qui a\nune action morale, et de lä, sociale. L'im-\nportance de Dieu est au fond uniquement\nsociale. Les ennemis de Dieu sont ceux\nde la Societe. Si l'on remplace Dieu par\nle Bien, ou par le Beau, tout est sauve.\nMais si l'on commence ä detruire ceci, ne\ns'attaquera-t-on pas ä cela? Oü s'arretera-\nt-on? les DadaVstes sont Jes ennemis de la\nsociete.\nUne fraclion dada'iste, celle de Berlin, est\nparliculierement politique. C'est d'ailleurs\nsa force speciale. lülle n'attache ä la forme\nartistique aucune espece d'importance, ce\nqui lui permet d'etre k son gre d'allure\nfuturiste ou autre: eile est directement en-\nnemie de la Societe.\nPourquoi detruire, demandent les indignes?\nEt pourquoi, construire? Nous n'arrivons\npas a nous interesser ä votre construction,\nsauf comme divertissement entremets. Mais\nnous voyons ä quoi eile mene: k certain\nmassacre et k certaine ruine generale. La\nconstruction bolchevik comme la capitaliste.\nEt pour ce qui est des petits edicules de\nla pensee ils revelent, pour parier morale,\nune teile bassesse, une teile ignominie, qu'on\nesten droit de se demander si ces gens\navec leur beaute, ne se foutent pas de nous.\nEt cependant nous construisons.\nOn nous le reproche, pour pouvoir dire\nque nolre construction n'est ni nouvelle,\nni interessante -- et c'est le plus grave —\nni destructive.\nSi l'on demolit la tour Eiffel, cela fait un\ntas de ferraille. Ce tas est une construction.\nNouveaute. Qu'est ce donc que les nova-\nteurs? II n'y a que des singes, fils de singes\net peres de singes qui se nourrissent de\nce qu'ils trouvent, et agissent ä la maniere\ndes singes.\nRembrandt, Ingres, Manet, Cezanne, Verlaine,\nLautreamont ne sont pas non plus nova-\nteurs. lis se deshabillent en 'montrant tantöt\nleur ventre, tantot leur dos. On ala pudeur\nde ce que l'on peut.\nOn nous jette dans les jambes le nom\nd'Hegel comme superlatif de la destruction.\nBonjour Papa. Cela vous fait plaisir? Sa\npetite negation tres sympathique n'a rien\ndetruit. Elle est triste d'ailleurs. Dans une"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4161, "texte": "Soiree que nous avons donnee au Theätre\nde l'Oeuvre, on interpretait la Premiere\nAventure Celeste de M. Antipyrine, de\nTristan Tzara. Une charmante chanteuse\nterminait la chose par Chanson triste, de\nDuparc. On vocifera bien pendant I'Aven-\nture Celeste, mais supporter la melodie fut\nimpossible; on ne laissa pas chanter Mlle\nHania Routchine. Celle-ci, attristee, disait:\nils ne savent pas que c'est du Duparc. Sa-\nvoir ou ne pas savoir, le public avait ab-\nsorbe de l'ipeca pendant une heure: Dada\netait passe par lä. C'est un autre effet que\ncelui d'Hegel.\nD'autre part, l'unique affirmation de la\ndestruction est aussi une affirmation —et\nqui prend un romantique caractere de\ndiabolisme. Detruire jusqu'ä la destruction\netait necessaire. C'est pour cela que nous\naussi pouvons faire des oeuvres d'art. II\nne s'agit pas lä de la maniere hebra'ique\nqui ne detruit tout que pour pouvoir re-\nconstruire le Temple de Jerusalem — Dieu\nn'existe pas, c'est pourquoi on peut dire\nque Dieu existe.\nQue la masse se rassure. II ne s'agit pas\nde dommages materiels. La vie est tres\nagreable avec la chaleur, la nourriture et\nle palpable de l'amour. Nous ne sommes\nque contre Dieu. Contre Dieu sous toutes\nses formes. Non, Dieu n'est pas Dieu.\nVinci n'est pas Dieu, ni Cezanne, ni Renoir,\nni Guillaume 11, ni Monsieur le President\nde la Republique, ni Picasso, ni moi, ni\ntoi, ni lui.\nNous sommes tout prets ä abandonner les\nmagnifiques acquisitions de la pensee qui\nont porte l'idiotie humaine a un si haut\npoint. II n'y a pas de verite, il n'y a pas\na en avoir. Nous avons renonce a vous\napprendre quelque chose. Nous pouvons\nvous dire la bonne aventure; cela est aussi\nsain que de vous faire sentir notre sueur.\nQuand on viole une petite Alle, on la casse.\nN'ayez pas peur, votre virginite etait une\nbulle de savon. Quand on viole une vi-\neille* femme, eile demande l'heure qu'il\nest. Pourquoi demandez-vous toujours\nl'heure qu'il est?\nII est tout ä fait l'heure que vous voulez.\nVous etes sensibles ä l'emotion esthetique.\nNous la repudions et des qu'elle apparait,\nle plus lache d'entre nous trempe le bout\nde son nez dans la crotte de perroquet.\nCe qui importe c'est certain residu des\nmots et des images. Nous ne sommes pas\nles maitres de ce residu. Ce titre appar-\ntient au public. Ce que pense de nos\noeuvres le public, nous nous en moquons.\nEt ce que nous en pensons nous-memes ....\n. . . . Nous savons oü tout se precipite des\nbue finit le plaisir du palais.\nOn peut apporter certaines precisions sur\nles opinions des Dadaistes ä l'egard de ce\nqui les entoure. lis ne tiennent pour se-\nrieuse et veridique aucune opinion humaine.\nII n'y a pas de verite quelle qu'elle soit.\nCela les libere de tout respect envers scien-\nce, art et philosophie. D'ailleurs ils ne\nrespectent rien. Les gens qui respectent\ntout les traitent de petits polissons — c'est\nd'ßtre traites d'idiots par les dits po-\nlissons. —\nSi les Dadaistes en usent ainsi avec les\nallumeurs de becs de gaz qui sont ä la\ntete, au coeur ou ä la queue de la pensee\nofficielle, officieuse, conservatrice ou revo-\nlutionnaire, c'est qu'ils savent ä quoi s'en\ntenir sur les becs de gaz, et la maniere de\nfaire de beaux eclairages.\nTout le gaz reparti ä l'esprit vient de\nquelques axiomes primordiaux absolument\nindispensables.\nCes axiomes les Dadaistes refusent d'en\nprendre livraison — quitte pour le plaisir\nä utiliser quelques consequences — la non\nverite etant traitee sur le meme pied que\nla verite.\nlis refusent de croire ä I + let I. Soit ä\nl'identite. Un et un ne font deux que\nlorsqu'on le veut bien. II n'y a pas d'ob-\njets identiques.\nAinsi choit la causalite. Toute la logique\nrepose sur l'identite d'effets produits par\nla meme cause. S'il n'y a pas de causes\nidentiques, on ne peut plus compter sur\nla fatalite d'effets prevus.\nOn peut concevoir des logiques tout autres\nque la nötre. Supposez la notion des faits\nque nous aurions en nous en eloignant\navec une vitesse plus grande que celle de\nla lumiere, et vous avez un nouvel enchai-\nnement de faits aussi fatal que le nötre.\nOn peut donc aussi bien supprimer toute\nfatalite, et supposer une suite d'objets sans\nrelation de cause ä effet."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3278, "texte": "La suppression de la logique permet la\nmauvaise foi. (Au plus fort de la discus-\nsion on peut raisonner rigoureusement,\ncela fait toujours impression). De Sorte\nqu'il est permis de recreer un univers sans\ncausalite, et de lui appliquer cependant la\ncausalite. C'est une belle source de diver-\ntissement.\nII faut le repeter, les Dadas n'inventent\nrien — en cela comme en autre chose. II\nn'y a rien ä inventer car on ne peut rien\ninventer; il n'y a que des faces differentes\ndu meme jeu de dominos. La vertu da-\nda'iste est de ne pas chanter la messe. S'il\nleur arrive parfois de commencer ä la\nchanter, on ne tarde pas ä s'apercevoir\nqu'ils ont mis ä l'avance du poivre dans\nle ciboire, afin d'eternuer au moment pa-\nthetique.\nL'Art est une maniere d'utiliser certains\nmoyens. Cette maniere est de teile impor-\ntance qu'on connait la place qui lui est\nreservee. Les Dadas sont aussi dans la\ndanse, mais il n'y a pas de danse dada'iste;\nentendez qu'il n'y a pas d'art dada'iste, ni\nde maniere dada'iste d'arranger les mots,\nles formes, ou les sons. Les moyens\nplastiques agissent plus sur la sensibilite\nque les verbaux, et pretent plus aux inter-\npretations artistiques. C'est sans doute lä\nqu'il fait voir la raison pour laquelle les\ndadai'stes abandonnent pregressivement ces\nmoyens et leur preference pour les mots.\nEt c'est aussi ä ce peu d'estime pour les\n\"arts d'agrement\" qu'ils doivent de pou-\nvoir, sans dons ni specialite, se livrer\nirrespectueusement ä tous ceux-lä.\nII n'y a pas plus de lois esthetiques que\nde lois scientifiques. Comment peut-on.\nen passant en revue les productions hu-\nmaines tirer des lois, qui ne sont que des\nparis en faveur de teile ou teile Serie\nd'oeuvres, sans montrer uniquement une\naveuglante partialite sentimentale?\ntl semble qu'on devrait commencer par\nposer l'egalite totale de toutes les oeuvres,\npuis si cela peut faire plaisir, en examiner\nles caracteres differents, ä la maniere bo-\nlanique.\nLe fait qu'il existe une oeuvre non con-\nforme ä la loi creee detruit evidemment\ncette loi. La loi (et nous ne la connais-\nsons pas) c'est l'existence meme de to u t\nce qui existe, et non ce qui devrait exister.\nL'activite des curieux peut se borner ä\nexpliquer ce que cela peut etre: exister.\nLe manque de merites artistiques de Dada\nse pare cependant de magnifiques appa-\nrences qui font battre le coeur, brulent les\nyeux, et soulevent les cheveux. On se\nmoque de Dada, mais on l'adore. Entrez\nquelque part, dada'iste, une jeune Alle vous\neclate de rire au nez, mais dans le fond\nvous offre dejä son coeur. Elle dit: Dada\nest mort, n'est-ce pas?\nCe serait en effet si joli si enfin Dada etait\nmort, et qu'en toute tranquilite une masse\nd'arrivistes pouvaient faire du Dada'isme,\ncomme ils ont fait du cubisme, et speculer\navec l'aide des bonnes ä tout faire de la\ncritique: ils voudraient savoir une fois\npour toutes la recette.\nLa jeune fille tremble delicieusement. Elle\nvoudrait que cä dure toujours — de la\nmeme main. La mort de Dada. Elle\nsourit ä son rouge ä levres. Puis pousse\nun cri et agite ses nerfs: c'est qu'elle sent\nun petit scorpion entre ses epaules.\nDemander si Dada est mort, c'est n'avoir\npas vu, et pour cause, le visage de Dada.\nNon, Mademoiselle, Dada n'est pas mort.\nMais il a des boutons.\n\nG. Ribemont-Dessaignes"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c023", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "59", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.9.1", "titre_corps": "Oscar Nerlinger: Akt", "titre_sommaire": "Oscar Nerlinger: Akt", "signature_source": "Oscar Nerlinger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 20, "texte": "Oscar Nerlinger: Akt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c024", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "62", "image_debut": 15, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.10", "titre_corps": "Musique (Musik)", "titre_sommaire": "Musique (Musik)", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.15", "debut_caractere": 3280, "fin_caractere_exclue": 4110, "texte": "Musique (Musik)\n\n„Dans l'6l6gante salle de M. Pierre Chareau,\nHerwarth Waiden avait convi6 une elite de\nses confreres pour l'audition d'importantes\npieces musicales.\" (A. Schneeberger in der\nRevue de l'Epoque vom Februar 1922) Auf\ndeutsch: Herwarth Waiden gab am 20. Januar\n1922 in Paris als erster deutscher Musiker\nein Konzert seiner eigenen Tonwerke. (Ver-\ngessenes Telegramm des BerlinerTageblatts).\n„Soiree intime par suite de l'exiguite des\nmurs, mais la musique sait soulever les\nplus lourdes barrieres et Waiden triompha\npres des sinceres amis de la musique.\" Auf\ndeutsch: Der chinesische Gesandte, der sich\nunter den Zuhörern befand, erklärte, dass\ner zum ersten Male in seinem Leben im\nStande war, ein Konzert bis zum Ende an-\nzuhören.\n„Ivan Göll avait presente l'artiste dans une\ncauserie qui, pour etre succincte, n'en"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2211, "texte": "contenait pas moins d'interessants apertjus:\nä son point de vue la musique qui suivit\ncelle de Debussy peut etre consideree comme\nune musique de transition et sans doute\nil a voulu dire que d'elle il ne fallait\nattendre les grandes oeuvres que l'öpoque\nqui s'ouvre veut realiser.\" Auf deutsch:\nAlles, was in Europa in den letzten zwanzig\nJahren komponiert wurde, kann nicht als\nder musikalische Ausdruck unserer Zeit\nangesehen werden.\n„Je ne serai pas loin de partager son avis;\nentre la musique pseudoclassique qu'il serait\nvain de vouloir renover parce que notre\nepoque reste avant tout une 6poque creatrice,\net la musique d'avant-garde dont les disson-\nnances et souvent les acrobaties restent des\njeux interessants certes, mais des jeux, il\nexiste une voie logique oü le musicien ex-\nprimera les [sensations de son £poque\nrenaissante avec puissance et volonte.\" Auf\ndeutsch: Zwischen einer Imitation der\nklassischen Musik einerseits und den künst-\nlerisch unlogischen Dissonanzen, den inten-\nsitätslosen Spielereien und ungestalteten\nEinfällen der Herren Richard Strauss,\nArnold Schönberg, Bela Bartok, Skriabine,\nHindemith, Malpiero andererseits gibt es\neine Möglichkeit, Musik der Zeit zu schaffen,\ndie ewigen Wert hat.\n„Waiden cherche ä ouvrir cette voie, qu'il\nen soit loue; sa maniere serattache surtout\nä Bach et Bach reste un de ceux qui, parmi\nles maxtres d'autrefois, peut nous redonner\nle goüt des grandes et fortes choses.\" Auf\ndeutsch: Herwarth Waiden ist der einzige\nKomponist, der seit Beethoven den Willen\nund die Kraft hat, die Seele seiner Zeit in\nMusik zu setzen, ohne von dem ewigen\nWeg zu weichen, den Bach nicht geschaffen,\naber erkannt und ewig sichtbar gemacht hat.\n„L'expressif debut de laDanse expressioniste,\nle beau crescendo de l'Elegie, le developpe-\nment fugue des deux Fragments symplio-\nniques dont l'ampleur atteint au grand\nart, etaient, ä mon sens, les parties les plus\ninteressantes du concert, en tous cas les\nplus caracteristiques. Herwarth Waiden\nles a jouees lui-meme avec une incontestable\nautorite et dans un style enthousiaste et\ngenereux dont l'emotive Sympathie sut\ncaptiver ses auditeurs.\" Auf deutsch: Musik-\nkritiker Deutschlands, schämt euch!\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c025", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "64", "image_debut": 16, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.11", "titre_corps": "Kunst in der Presse", "titre_sommaire": "Kunst in der Presse", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.16", "debut_caractere": 2213, "fin_caractere_exclue": 4363, "texte": "Kunst in der Presse\n\nDas Berliner Tageblatt beschäftigt seit Jahr-\nzehnten zwei Herren für Ablehnung der\nKunst und für die Kunst der Anlehnung.\nDie beiden Herren haben sich bisher stets\ngreifbar bewährt und freibleibend Urteile\nabgegeben. Der Herr, der für Musik und\nauf den Namen Schmidt hört, hat sich nach\nseinem eigenen gedruckten Eingeständnis\nendlich einmal entschlossen, den Pflichten\nseines Anstellungsvertrags zu genügen und\neinem Konzert der Zeitschrift „Melos\" bei-\nzuwohnen. Diese Konzerte finden seit\nmehreren Monaten statt. Herr Schmidt be-\nschwert sich, dass er das Haus finster und\ndas Tor verschlossen gefunden habe. Er\nmacht also den Veranstaltern der Melos-\nAbende einen Vorwurf daraus, dass er zu\nspät kommt. Anstatt sich nun vorzunehmen,\ndas nächste Mal nicht erst zum Schluss\neines Konzertes zu kommen, beschliesst er,\nTür und Ohr weiterhin verschlossen zu\nlassen: „Da fiel mir der philosophische\nAusspruch eines alten, mit der Bezahlung\nunzufriedenen Droschkenkutschers ein: Man\nmuss se nich fahren, man muss se loofen\nlassen ....\". Worauf man philosophisch\nund menschenfreundlich nur antworten\nkann: „Wenn er schon nicht laufen kann,\nmuss man ihn fahren lassen\".\nUnd wenn der Herr Schmidt vom Tageblatt\nauch nichts hört, so kann der Herr Stahl\ndafür nicht sehen. Er schreibt allerdings\nnur über Kunst, die bekanntlich nicht zu\nden lebenswichtigen Dingen gehört. Mit die-\nsem Stahl hat das Berliner Tageblatt vor\nJahrzehnten einen kühnen Griff getan. Er\nist der einzige Kunstkenner und der einzige\nGebildete, über den Deutschland verfügt,\nsoweit es von dem Verlag Rudolf Mosse\nabhängig ist. Herr Stahl weiss sogar, was\nKubus auf Deutsch heisst. Er übersetzt es\nzwar nicht, dieses geheimnisvolle Wort,\ntrotzdem er am 7. Februar 1922 behauptet,\ndass er es weiss, und dass Herr Professor\nBiermann, etsch, es nicht weiss. Und da-\nbei sei der Herr Professor Biermann sogar\nProfessor, und er, der Herr Stahl, sei sogar\nnicht einmal Doktor. Und trotzdem weiss\ner, was Kubus heisst. Die Abonnenten des\nBerliner Tageblatts können wirklich darauf\nstolz sein, wie das Tageblatt für seine Dauer-\nbezieher sorgt. Die Abonnenten des Berliner"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4443, "texte": "Tageblatts werden nun wieder nicht wissen,\nwas Dauerbezieher sind, weil nämlich die\nSchriftgelehrten des Tageblatts wieder nicht\ndeutsch können. Aber Stahl weiss, was\nKubus heisst. Woraus er schliesst, dass der\nExpressionismus „eine zu den Ahnen ver-\nsammelte Mode sei\". Ein kühnes Bild zwar,\ngeschaffen von dem Kunstkritiker, der weiss,\nwas Kubus heisst. Vor längerer Zeit hat\nHerr Stahl einmal folgendes festgestellt.\nEr habe ein Buch über Kubismus gelesen\nvon einem Herrn, der in Paris gewesen sei.\nDieser Herr habe von einem anderen Herrn\ngehört, dass der Kubismus gestorben sei\nund dass man nunmehr in Paris wie Ingres\nmale. Herr Stahl persönlich teilt mit, dass\ner das immer gewusst habe. Der Herr\nKubismus habe überhaupt nie gelebt. In-\nfolgedessen habe er ganz genau gewusst,\ndass dieser Herr Kubismus bald habe sterben\nmüssen. Was ihm nunmehr von dem Herrn\naus zweitem Munde bestätigt worden sei.\nJetzt hinwiederum, im Februar 1922, habe\ner, Herr Stahl, persönlich der Eröffnungs-\nfeier der Marc-Ausstellung in der National-\nGalerie beigewohnt. Er habe sogar per-\nsönlich Briefe des Malers vorlesen hören.\nEr sei sodann sogar persönlich in die Bilder-\nsäle hinaufgestiegen: „Aber es war ein Herab-\ngleiten. Die hochgezogenen Brauen sanken\nin ihre alltägliche Lage zurück. Und als\nman einen der Getreuesten nach dem Ein-\ndruck der Bilder fragte, antwortete er:\nAber die Briefe! So steht es schon heute\num das Werk eines dieser Jungen, die man\nals ewige Werte ausgeschrieben hat.\" Dies-\nmal hat Herr Stahl also aus erstem Mund\netwas gehört, worauf seine Brauen in die\nalltägliche Lage zurücksanken. Und tri-\numphierend schliesst dieser Herr Stahl aus\nder Brauenlage, dass es so schon heute um\ndas Werk dieses Jungen stehe. Anerkennens-\nwert bleibt immerhin, dass Herr Stahl per-\nsönlich in die Bildersäle hinaufgeglitten ist,\nwo er doch ruhig abwarten konnte,\nbis er den Herrn einmal in seiner alltäg-\nlichen Lage getroffen hätte. Aber so steht\nes nun einmal um den Herrn Stahl. Er\nschreit sich als ewigen Erkenntniswert aus\nund hat immer schon gewusst, was Kubus\nheisst und was sterben wird. Er persönlich\nausgenommen. Schliesslich muss man sich\ndoch für die Einheitsgemeinde erhalten.\nGanz besonders aber weiss Herr Stahl auch\nin der Zoologie Bescheid. Er hat das Leben\nder Tiere in der Jerusalemer Strasse per-\nsönlich so beobachtet, dass ihm der Franz\nMarc keinen Stier für ein Behkalb malen\nkann. Herr Stahl beruft sich sogar auf\nFranz Marc, der nach seinen Briefen sich\nselbst noch nicht genug vollkommen vor-\nkam. Und das hat der Herr Stahl mit\nseinem Scharfblick auch sofort erkannt.\nEr brauchte nur die Bilder nicht zu sehen\nund wusste trotzdem schon, was Kubus\nheisst, dass Franz Marc nicht vollkommen\nund der Expressionismus bei den Ahnen sei.\nDa staunste! Immerhin wird der Mensch\nmit dem zunehmenden Alter vorsichtiger:\n„Ein Bild, ein Ganzes in Bhythmus und\nFarbe, wie er wollte, hat er in diesen\nJahren des Suchens kaum geschaffen.\"\nKaum ist die Vorsicht des Alters. Der\nMensch kann schliesslich auch in fünf Minuten\netwas übersehen haben. Aber man kann\nnie vorsichtig genug sein: „Was wirkte und\nden Glauben an seine Kraft aufrecht erhält,\nsind zwei Dinge\". Nämlich nicht das Reh-\nkalb hat gewirkt, sondern Herr Stahl hält\nseinen Glauben an einen Hund aufrechfund\n4*\nauf einige Gelegenheitspostkarten: „Diese\nkleinen Bildchen stellen seine eigentlich\nschöpferischen Leistungen dar\". Nämlich:\n„Während sonst überall nur Absichten zu\nsehen sind, spürt man hier, wo er sich\ngehen lässt, einen aus dem Wesen strömen-\nden Willen\". Der strömende Wille, der\nsich gehen lässt, fährt den Ansichten des\nHerrn Stahl in den Weg und zwar so, dass\nder kaum verstorbene Expressionismus aus\nden Wolken fällt: „Marc wusste garnicht,\ndass er hier die neue Malerei, die er bald\nhier, bald dort in zweifelhaften Vorbildern\nsuchte, aus eigenem Gefühl gefunden hatte\".\nDas wusste Marc nicht. Dafür weiss es\nHerr Stahl, der ausserdem weiss, was Kubus\nheisst. Also, um es zusammen zu fassen:\nMarc hat aus eigenem Gefühl eine neue\nMalerei, wenigstens auf Postkarten und auf\neinzelnen Stellen von Bildern, gefunden.\nDiese neue Malerei aus eigenem Gefühl\nist eine Mode, die gestorben ist. Nach ihrem\nseligen Tode hält sie aber den Glauben an\nihre Kraft aufrecht und wirkt gelegentlich\nselbst auf Herrn Stahl. Für wen das nicht\neine klare Analyse ist, der kann unmöglich\ndie Bücher der „geistigen Führer dieser\nmerkwürdigen Kunstgemeinde\" verstehen."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2935, "texte": "Herr Stahrpersönlich soll Kanstschriftsteller\nsein, wie mir neulich ein Herr in London\ngesagt hat, der es von einem Herrn aus\nHeidelberg gehört hat.\nDas Berliner Tageblatt hat auch eine ständige\nRubrik für Geisteskrankheiten. Rubrik ist\nvielleicht übertrieben. Denn die betreffen-\nden Artikel von Psychiatern und anderen\nUngeistigen erscheinen durchschnittlich nur\naller drei Monate. Die Geisteskrankheit dieser\nPsychiater besteht darin, dass sie die zeit-\ngenössische Kunst für eine Ausgeburt ihrer\npsychiatrischen Phantasie halten. Ausser\nHerrn Fritz Stahl dürfen im Berliner Tage-\nblatt sich nur Psychiater über die Kunst\näussern. Ich vermute daher, dass Psychiater\nauf deutsch Kunstkritiker heisst, während\nHerr Stahl nach meinen obigen Feststellungen\nKunstschriftsteller ist. Das Berliner Tage-\nblatt druckt seinen Text gewöhnlich. Nur\nein einziger Satz im Text ist jemals halb-\nfett gedruckt worden, weil er ein fetter\nBissen für den hungrigen Stahl gewesen\nist. Dieser halbfette Satz heisst: „Eine vor\nkurzem veranstaltete Ausstellung in Heidel-\nberg hat gezeigt, wie nahe gerade die irren\nKünstler manchen modernen Malern in\nLinienführung und Farbenstil kommen.\nDie schöpferische Kräftesteigerung ist eben\nin gewissem Sinne nicht normal\". Da haben\nwir den Salat zu dem halbfetten Bissen.\nWas ist normal? Eine Kritik des Herrn\nStahl, die ohne schöpferische Kräftesteige-\nrung erfolgt. Oder ist die schöpferische\nKräftesteigerung normal, die einen Normalen\naus dem Häusschen bringt. Oder ist das\nHäusschen normal, in dem der Psychiater\nKunst analysiert. Oder ist die Kunst normal,\ndie sich von einem Psychiater behandeln\nlässt. Oder ist das Berliner Tageblatt nor-\nmal, dass solchen Unsinn halbfett druckt,\nWahnsinn für normal und schöpferische\nKräftesteigerung für anormal hält.\nHerr Stahl soll übrigens zum Ehrendoktor\nder Psychiatrie ernannt worden sein, wie\nich aus einem Brief weiss, der einem Irren\nin Heidelberg nicht ausgeliefert wurde.\nIm Verlag der Freiheit ist ein Herr für\nKunst angestellt, der eine Ausstellung des\nSturm in Antwerpen bespricht, ohne sie\ngesehen zu haben. Das war bisher das\nVorrecht der bürgerlichen Zeitungen. Ich\nstelle fest, dass dies jetzt auch in dem Ber-\nliner Organ der U. S. P. gestattet ist. Die-\nser Herr weiss zunächst nicht, dass es sich\num eine graphische Ausstellung handelt*\nDieser Herr kann nicht wissen, welches\nMaterial für Ausstellungen dem Sturm je-\nweilig zur Verfügung steht. Dieser Herr kann\nnicht wissen, was tatsächlich in Antwerpen\nzur Ausstellung gelangt ist, da er im güns-\ntigsten Falle einen Katalog der Ausstellung\nbesitzt, der sich bekanntlich in keiner Aus-\nstellung mit den ausgestellten Werken völlig\ndeckt. Dieser Herr weiss aber ganz genau,\ndass der Sturm keine Organisation deutscher\nKünstler, wohl aber eine internationale\nOrganisation ist. Ich weise die Behauptungen\ndieses Herrn mit ihren Ausführungen und\nihren Folgerungen als dolos zurück.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c026", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.12", "titre_corps": "Druckfehler-Berichtigung Heft 3", "titre_sommaire": "Druckfehler-Berichtigung Heft 3", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.18", "debut_caractere": 2937, "fin_caractere_exclue": 3172, "texte": "Druckfehler-Berichtigung Heft 3\nSeite 34 letzte Zeile: dans un carrosse\nSeite 45 Überschrift: Inquietudes somnolentes\nSeite 45 1. Spalte, dritte Zeile von unten:\nScies asphyxiantes-serpents ä\nSeite 48 Überschrift: La vraie jeune France"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c027", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.13", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.18", "debut_caractere": 3174, "fin_caractere_exclue": 3669, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Shimmy\nF. T. Marinetti. Der Mietsvertrag\nF. T. Marinetti: Jetzt kommen sie\nWilli Knobloch: Gedichte\nCiaire Göll: Unschlaflied\nFranz Richard Behrens: Jeder Tod ist leicht\nHerwarth Waiden: Gedichte\nG. Ribemont-Dessaignes: Dada'isme\nRudolf Blümner: Musique (Musik)\nHerwarth Waiden: Kunst in der Presse\nOscar Neriinger: Zeichnung\nMichael Larionoff: Ornement architectural\nGontscharowa: Spanische Tänzerin\nGontscharowa: Dekorationsskizze zu dem Ballet „Le Coq d'Or\"\nApril 1922"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-04-05-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-04-05_01#c028", "volume": "bmtnabg_1922-04-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.2", "debut_caractere": 46, "fin_caractere_exclue": 138, "texte": "VERLAG DER STURM / G. 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H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm / Dreizehnter Jahrg.\nErscheint am ftinften jcdes Monats\nMit mehrf arbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 120 Mark / Ein Halbjahr\n60 Mark / Einzelheft 15 Mark\nVollst&ndige Exemplare des 5. bis 11. Jahrgangs\nje 300 Hark / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\n\nBiicher\nFranz Richard Behrens\nBlutblute / Gedichte\nGeheftet 15 Mark / Gebunden 25 Mark\nHermann Essig\nDer Fraucnmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stillcs Gluck / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahlung\nJedes Buch 20 Mark / Gebunden 30 Mark\nKurt HeynicKe\nRings fallen Sterne / Gedichte\n20 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblanch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n15 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n30 Mark / Sonderausgabe 100 Mark\nErnst Marcos\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n20 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n20 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm Range\nDas Denken traumt / Gedichte\n15 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n20 Mark / Sonderausgabe 100 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Dramen\n15 Mark\nNacht\n12 Mark\n\nDie neue Kunst\n9 Mark\nAugust Stramm\nDu / Licbcsgcdichtc\n20 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 60 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 50 Mark\nMax Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n12 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n300 Mark\nMuseumsausgabe 600 Mark\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n20 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n20 Mark\nDas Buch der Menschenliebe\n20 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie HSrte der Weltenliebe / Roman\n20 Mark / Gebunden 30 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 150 Mark\nWeib I Komitragodie\n20 Mark / Sonderausgabe 150 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nStinde / Spiel an der Liebe\nLeizte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 6 Mark\nKind I Tragodie\nTrieb / Eine burgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 12 Mark\nSturm-Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 12 Mark\nSturm-Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nJe 40 Mark\nI Hare Chagall\nII Alexander ArchipenHo\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT /\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nShimmy\n\nDer Komiker singt von der guten alten Zeit.\nDa haben die Frauen noch geflochten und\ngewoben, insbesondere himmlische Rosen\nins irdische Leben. Und zwar so deutlich,\ndass sie sogar jeder Kunstkritiker erkennen\nkonnte. Heute rauchen diese Damen Zi-\ngaretten, klagt der Komiker. Emanzipation,\nvaschtehste. Die Herren hatten ihren König\nund wussten daher, wie, wo und wem zu\ngehorchen sei. Es war alles bestmöglich\neingerichtet. Hierzu noch vier Stunden\nUnterricht in den Rundtänzen und man\nbeherrschte die Lebensfreude. Es wird\nnoch festgestellt, dass es früher billiger ge-\nwesen und das Volk nicht begehrlich ge-\nwesen sei. Die Herren Götter der ver-\nschiedenen Konfessionen hatten das so\npraktisch eingerichtet, und das Volk hatte\nunter allen Umständen wenigstens die Re-\nligion im Leibe. Die bürgerliche Gesell-\nschaft liebt es, sich an diese gute alte Zeit\ndurch einen Komiker erinnern zu lassen.\nMan findet also die gute alte Zeit oder die\nGegenwart komisch. Also wird die Gegen-\nwart nicht tragisch genommen, wenigstens\nnicht von der bürgerlichen Gesellschaft.\nAllgemeine Lebensfreude. Die Bürger ha-\nben an Selbstbewusstsein gewonnen und\nfühlen sich so frei wie die Leute, die mit\nOelfarben oder Reimen hantieren und da-\ndurch dem besseren Volke die Kultur ge-\ngeben haben. Die Kultur ist eine sehr vor-\nnehme Angelegenheit. Und hierzulande,\nwo selbst die Denker dichten, Kaufleute\nund Aerzte nicht verschmähen, sich in Oel\nauszuleben, Frauen sich gehoben fühlen,\nwenn sie Mitgliedern moralischer Anstalten\nzur Verfügung liegen dürfen, hierzulande\nhaben wir eine Kultur, die Kultur, in der\ndie anderen Länder uns durchaus nicht\nunterlegen sind. Und wenn wir auch den\nGoethe haben, so können die Engländer\nebenso gut und billig aus Shakespeare\nzitieren. Und wo die Zitate fehlen, stellt\nman sich auf ein Bild von Rembrandt immer\nnoch zur rechten Zeit ein. Wir haben\nallerseits so viele Kulturen, dass wir uns\nmit dem bisschen Wurzelkram nicht mehr\nzu befassen brauchen. Die Kulturen\nwerden gesammelt, gestapelt, gedruckt, ver-\nfielfältigt, verkauft. In jeder Ausführung.\nZum Aussuchen. Für das Volk ent-\nsprechend wohlfeiler. Ohne Lederrücken\noder im Rahmen nach Bauerngeschmack.\nEs ist alles in bester Unordnung, was man\nkulturell auch künstlerische Freiheit nennt.\nDie geehrte Künstlerschaft bemüht sich,\ndas niedrige Volk unter 50000 Mark Ein-\nkommen von seiner Kulturbedeutung zu\nüberzeugen, weil die Bürgerschaft ohne Hof\nkeine Hofnarren mehr braucht. Ausser-\ndem ist die Lösung der sozialen Frage der\nNarren dadurch erschwert worden, dass\ndas Totschlagen durch den Fortschritt der\nHumanität gesetzlich geregelt wurde. Die\nKünstlerschaft wendet sich also vertrauens-\nvoll an das Volk, das es dafür heben will.\nHerr Moissi und Frau Durieux z. B. haben\nihm bereits persönlich Goethe und Schiller\nvorgelesen, und ein sozialistischer Minister\nwollte sogar seinen Lieblingsdichter\nFlaischlen dem Volke einimpfen. Also es\nsteht gut um die Kultur.\nDoch während sich noch alles mit den Ge-\nhirnen sträubt, sträubt es sich nicht mehr\nin _ Händen und Füssen. Bewegung jagt\ndurch die Masse und durch die Massen.\nDer Shimmy tanzt über verblühte Kulturen.\nDer Tanz wurde von der hohen Kunst aus-\ngeschlossen oder höchstens als Einlage\ngeduldet. Man bewunderte höchstens neben\nder Handfertigkeit der Jongleure die Fuss-\nfertigkeit der Tänzer. Dafür herrschte der\nTanz ununterbrochen zu allen Zeiten, bei"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.4", "texte": "allen Völkern, über alle Stände und Klassen.\nDer Tanz ist urgeschichtlich sicher kein\nerotisches Phänomen gewesen. Die Sinn-\nlichkeit ist ein Urtrieb, also Reiz an sich.\nSie bedarf also zur natürlichen Ausübung\nkeiner Reizsteigerung. Der Tanz in seiner\nBedeutung als erotisches Gleichnis ist be-\nreits Abstraktion. Nur künstlerisch un-\nerzogene Menschen benutzen den Tanz als\nerotisches Mittel oder erotischen Zweck.\nTanz ist Bewegung. Bewegung Voraus-\nsetzung jeder künstlerischen Erscheinung.\nGestaltete Bewegung ist Kunst. Das Be-\ndürfnis zur körperlichen Bewegung ist trieb-\nhaft selbst in den Menschen geblieben, deren\nAugen und Ohren noch nicht für optische\nund akustische Bewegungen geöffnet sind.\nDaher herrscht das Bedürfnis nach Ge-\nstaltung körperlicher Bewegung vor und\nder Tanz, eben diese Gestaltung, ist ver-\nbreiteter als die Gestaltungen, die durch\nandere Sinnesorgane aufgenommen werden.\nDer Tanz ist daher durchaus ohne Musik\ndarstellbar, gestaltbar und aufnehmbar.\nMusik zum Tanz ist bereits akustisches\nGleichnis körperlicher Bewegungsformen.\nDie körperlichen Bewegungen wurden durch\ndie musikalischen Bewegungen mechanisiert,\nwurden akademisch. Es entstand derselbe\nGrundirrtum für den Tanz wie für die\nWortkunst: die Verwechslung zwischen\nRhythmik und Metrik. Die Messung der Be-\nwegungen, die Metrik, ist beschränkt, muss\nihres Zweckes wegen so beschränkt wie\nmöglich sein. Die Bewegungen selbst, die\nRhythmen, sind unbeschränkt. Sie sind\ndurch ihre räumlichen und zeitlichen Be-\nziehungen zueinander, gegeneinander und\nmiteinander unendlich und unanfänglich. Je\ngemessener die Tanzbewegungen wurden,\ndesto gemessener wurde die Musik. Beide\nwurden nämlich mässig. Während Kunst,\nnämlich gestaltete Bewegung, zwar nicht\nmesslos, aber masslos ist. Der Tanz wurde\nnicht einfach, er wurde vereinfacht. Die\nBewegung von dem Metrum der Musik ab-\nhängig gemacht. Tanz und Tanzmusik\nwurden gebildet, statt gebildet zu werden.\nFür die Form wurde die Formel gesetzt.\nDer zweite Grundirrtum entstand: es wurde\nForm mit Formel verwechselt.\nNun entsteht die alte Erkenntnis für das\nWesen und das Wesentliche des Tanzes\nneu aus der Musik. Der Shimmy tanzt\nüber verblühte Kulturen. Der Stepp und\nder Trott ebneten ihm den Weg. Es ist\nderselbe schwere Irrtum, anzunehmen, dass\nes sich hier um eine Mode handelt, wie\nes ein Irrtum ist, den Expressionismus für\neine Richtung zu halten. Den Komponisten\nin Amerika fällt nichts ein, sagten die\nEuropäer. Richtiger gesagt: es fiel ihnen\nnur dasselbe ein, wie den Europäern, näm-\nlich Mozart und Beethoven oder R. Wagner,\nsoweit es sich um die ganz hohe Kunst\nhandelt. Oder Johann Strauss, soweit es\nsich nicht um die ganz so hohe Kunst han-\ndelt. Plötzlich fiel den dortigen Komponisten\nzwar nicht etwas ein, aber etwas auf. Die\nEingeborenen, zu denen sie nicht gehörten,\nmachten auch sozusagen Tonkunst, wenn\nauch ohne Benutzung der europäischen\nInstrumentenindustrie und ohne Kenntnis\nder höheren Kollegenschaft. Warum sollte\nman das nicht schliesslich auch verwerten.\nUnd es muss anerkannt werden, dass diese\nVerwertung von Urrhythmen ausserordent-\nlich künstlerisch erfolgt ist. Der Wert eines\nKunstwerks besteht nämlich nicht in der\nIdee, sondern in der Gestaltung. Nicht der\nSeptimenakkord, nicht die Chrysantheme\noder gar das rätselvolle Lächeln einer ge-\nmalten Dame machen ein Kunstwerk. So\nnüchtern es auch in der Idee wirkt, Kunst\nentsteht nur durch die Gestaltung von Ton-\nWort- und Farbform-Beziehungen. Das\nSaxophon ist ebenso künstlerisch wie die\nVioline. Sie sind nämlich beide unkünst-\nlerisch. Kunst entsteht nur durch ihre\nrhythmische und tonliche Verwendung.\nDerShimmy wird gespielt. Der Shimmy wird\ngetanzt. Und plötzlich herrscht der Shimmy\nüber ganz Europa. In Deutschland mit einem\neinzigen Hindernis. Es konnte bisher intel-\nlektuell nicht einwandfrei ermittelt werden,\nob man richtiger Shimmy oder Jimmy schrei-\nben müsse. Immerhin wurde er indessen\nauch in Deutschland getanzt, wo man sich\nbisher stets durch Musikprofessoren, Kunst-\nkritiker und Germanisten zu lange aufhalten\nliess. Und es ereignete sich etwas merk-\nwürdiges: viele Menschen fanden eine Be-\nziehung zum Tanz, den sie bisher als in-\ntellektuell unzulänglich abgelehnt hatten.\nNoch mehr: Berufstänzer und Berufstänze-\nrinnen konnten plötzlich im Ballsaal nicht\ntanzen. Ihre Füsse waren metrisch gefesselt.\nSie stolperten über den Rhythmus. Die"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.5", "texte": "Tanzlehrer und Tanzlehrerinnen fürchteten\nden Buin ihres ruinösen Berufes. Sie kennen\nnur eine einzige Sorge, den Shimmy\ngesellschaftsfähig zu machen. Das heisst:\nihn akademisch zu formulieren. Aus dem-\nselben Grunde nehmen auch die Malprofes-\nsoren den Expressionismus in der Akademie\nauf. Auch hier besteht nur noch die ein-\nzige Schwierigkeit, zwar nicht die Schreib-\nart, aber den Ursprung des Wortes Expres-\nsionismus festzustellen. Aber der Shimmy\nlässt sich nicht einordnen, weil er selbst\nkünstlerische Ordnung ist. Er ist\nnicht Dekadenz, er ist Kadenz. Er ist freie\nGebundenheit und nicht gebundene Freiheit.\nEr ist gebildet aus künstlerischem Instinkt\nund nicht aus verbildetem Intellekt. Seine\nMusik redet nicht die Sprache der Töne,\nseine Musik tönt das Schweigen des Bedens,\ndas Unaussprechliche. Hier fassen künst-\nlerische Gesetze den Fuss und zwingen ihn\nzur rhythmischen Gestaltung. Zwar wird\nbehauptet, dass der Shimmy leichter als\nder Walzer zu erlernen sei. Der Unsinn\nist, dass man glaubt, der Wert der Kunst\nhänge von der Schwierigkeit des Erlernens\nab. Kunst kann nicht erlernt werden. Kunst\nist sehr einfach. Kunst ist so einfach wie\ndas Leben. Kunst lebt in ihren organischen\nGesetzen wie das Leben in seinen. Schwierig-\nkeiten entstehen nur dadurch, dass man sie\nkünstlich verursacht. Dass man willkürlich\nin das Unwillkürliche eingreift. Dass man\ndas Unmittelbare mittelbar macht. Die\nKunst greift das Leben. Das Leben begreift\ndie Kunst: denn immer mehr Menschen\nbeginnen, das Hören zu hören, das Sehen\nzu sehen, das Bewegen zu bewegen.\nMenschen bewegen sich.\nDer Shimmy tanzt über verblühte Kulturen\n\nHerwarth Walden\n\nDer Mietvertrag\nTheatralische Synthese\nF. T. Marinetti\nVorhang\nDas Schlafzimmer des Herrn Paul Dami.\nDurch das Halbdunkel sieht man ein weisses\nBett. Paul Dami liegt in den letzten Zügen.\nDer Freund tritt ein und wendet sich\nzum Dienstmädchen: Paul liegt im Sterben'?\nIst gar keine Hoffnung?\nDas Dienstmädchen: Kaum ein\nSchimmer von Hoffnung. Die Kugel ist\nmitten durchs Herz gegangen.\nDer Freund: Unbegreiflich! Sich wegen\ndieser Frau das Leben zu nehmen.\nDas Dienstmädchen: Aber nein!\nWegen der Wohnung hat er sich umge-\nbracht. Ich werde Ihnen das Bätsei er-\nklären. Sie wissen, dass Herr Dami wahn-\nsinnig in diese Wohnung verliebt ist. Vor\neiniger Zeit bat er den Wirt, er möge ihm\ngestatten, ein Fenster zu öffnen, das nach\nder Strasse hinausgeht. Er wollte von da\naus den grossen Festzug sehen. Und dieser\nIdiot von Wirt hats ihm nicht erlaubt. Zu-\nfällig erfuhr Herr Dami vor drei Tagen,\ndass der Wirt mit einem neuen Mieter ver-\nhandelt. Der Gedanke, dass er diese ange-\nbetete und vergötterte Wohnung verlieren\nkönne, hat ihn vor Schmerz rasend gemacht.\nDa griff er zum Bevolver und schoss sich\neine Kugel in die Brust.\nPaul Dami spricht im Fieber: Feuer! Es\nbrennt! Die Wohnung brennt! Buft die\nFeuerwehr! (Er versinkt wieder in tiefen\nSchlaf.)\nDer Arzt tritt ein, hinter ihm eine Dame,\nblond, schwarz gekleidet, sehr elegant. Sie\nnähert sich dem Bett des Sterbenden. Ihr\nGesicht ist dem Publikum zugewendet.\nDer Freund (zum Arzt): Ist hier gar\nnicht zu helfen?\nDer Arzt (ernst und feierlich): Gar nicht.\nWenn ein Herr in eine Wohnung tritt, —\nder Fall ist schwer, aber nicht ohne Hoff-\nnung auf Heilung. Tritt jedoch die Wohnung\nin den Herrn, dann gibt es keine Hoffnung\nmehr.\nIn diesem Augenblick begibt sich die Dame\nauf die andere Seite des Bettes, wobei sie\ndem Publikum den Bücken zuwendet. Man\nsieht auf ihrem Bücken ein Plakat, das die\nAufschrift trägt: Zu vermieten\n\nJetzt kommen sie\nDrama der Gegenstände\nF. T. Marinetti\n\nEin Salon. Brennender Kronleuchter. Hinten,\nlinks, eine offene Tür nach dem Garten.\nAn der linken Seitenwand ein grosser vier-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.6", "texte": "eckiger Tisch mit bunter Decke. An der\nrechten Seitenwand, in der sich eine Tür\nbefindet, ein Fauteuil mit hoher Lehne.\nRechts vom Fauteuil vier verschiedenartige\nStühle. Links vom Fauteuil vier weitere\nStühle von verschiedenen Formen. Fauteuil\nund Stühle stehen dicht an der Wand.\nSowie sich der Vorhang gehoben hat, treten\ndurch die Gartentür der Haushofmeister\nund zwei Bediente.\nDer Haushofmeister: Jetzt kommen\nsie. Dass alles bereit ist! (Er geht hinaus).\nDie Bedienten stellen die acht Stühle in einen\nHalbkreis rechts und links vom Fauteuil.\nDann gehen sie zur Gartentür und bleiben\nauf der Schwelle stehen. Indem sie dem\nPublikum den Rücken wenden, beugen sie\nsich mit dem Oberkörper hinaus, als ob sie\nnach den Gästen ausschauen. Eine Minute\nverharren sie regungslos. Dann stürzt der\nHaushofmeister atemlos herein.\nDer Haushofmeister: Neuer Befehl.\nSie sind entsetzlich müde. Kissen! Viele\nKissen! (Er eilt hinaus).\nDie Bedienten gehen durch die rechte Tür\nhinaus. Nach einer Weile kommen sie\nzurück, mit Kissen schwer beladen. Sie\nrücken den Fauteuil in die Mitte des\nZimmers und stellen die acht Stühle um\nihn herum, sodass die Stuhllehnen dem\nFauteuil zugekehrt sind. Sie legen die Kissen\nauf Fauteuil und Stühle und in grossen\nHaufen auf den Fussboden. Dann gehen\nsie zur Gartentür und schauen nach den\nGästen aus, indem sie wieder dem Publi-\nkum den Rücken zukehren. Eine Minute\nbleiben sie unbeweglich stehen.\nDer Haushofmeister stürzt atemlos\nherein: Neuer Befehl. Sie haben Hunger.\nDen Tisch decken!\nDie Bedienten rücken den Tisch in die Mitte\ndes Zimmers und stellen den Fauteuil und\ndie Stühle rings um ihn herum. Dann\nfangen sie an den Tisch zu decken. Zuerst\nstellen sie eine grosse Vase in eine Ecke\ndes Tisches. An eine andere Stelle des\nTisches legen sie nichts als grosse Mengen\nvon Brot. Dann stellen sie acht Weinflaschen\ndicht nebeneinander. Sämtliche Gedecke\nlegen sie auf einen Haufen. Einen Stuhl\nlehnen sie dicht an den Tisch, sodass die\nhinteren Stuhlbeine in der Luft sind: Der\nPlatz ist belegt! Dann gehen sie wieder\nzur Gartentür, wo sie zwei Minuten regungs-\nlos stehen bleiben und mit vorgebeugtem\nOberkörper nach den Gästen ausschauen.\nDer Haushofmeister (stürzt herein):\nBriccat irakam e-kame! (Er eilt hinaus).\nDie Bedienten rücken den gedeckten Tisch,\nohne an ihm etwas zu verändern, an seinen\nfrüheren Platz. Den Fauteuil stellen sie in\nschrägem Winkel vor die Gartentür und\ndie acht Stühle in einer Reihe hinter ihn,\nsodass sie eine Diagonale über die ganze\nBühne bilden. Sie löschen das Licht aus.\nDie Scene ist vom Mond, der durch die\nGartentür scheint, schwach beleuchtet. Ein\nReflektor, der im linken Hintergrund des\nGartens versteckt ist, wirft einen Lichtstrahl\nauf die Scene und zeichnet auf dem Fuss-\nboden die dunklen, scharfen Schatten der\nStühle. Indem der Reflektor langsam ge-\ndreht wird, bewegen sich die Schatten lang-\nsam von Stuhl zu Stuhl bis zum Fauteuil.\nDie Bedienten kauern in einer Ecke des\nSalons. Mit geängstigten Gesichtern und\nam ganzen Leibe schlotternd, warten sie\ndarauf, dass die Stühle auf Befehl des\nFauteuils sich aus dem Zimmer begeben.\n\nVorhang\n\nGedichte\nWilli Knobloch\n\nGeben\nBelachendes Glockenklingen\nverringt wildweisses Zittern\nDie Augen meiner Mutter\nwunden\nschmerzen\nHier\nNimm es hin\n\nZusammen\nWir durchrasen verweiten Bäumen\nwildbersten gelle Pfeiler\nWir sind im See des Nachbarn\n\nHieroy\n\nKomm öffne deine weissen Nägel\nUnd reisse\nzerre\nschreie\nheule\nDoch lass die Wände stehen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.7", "texte": "Michael Lainonoff: Ornement architectural / Coulisse (1915)"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.8", "texte": "Tasten\nIch will das Läuten meiner Augen klingen\nlassen\nIch will das Sehnen aJI der weiss-\ngeschmückten Pferde\nSeen plätschern\nKlagen sehnen\nVerzweifelt locken rote Pflastersteine\nUnd gellen buntdurchflüstert ihre Seelen\nWildwühldurchzittert wimpern\nDirnenaugen\nVersuchung brüllt verschmerzt das\ngelbgeglaste Auge\n\nBedrücken\nDumpfbrunstschwangre Dünste\nbrennen brausen\nwühlen wunden\nschmerzen\njähen\nzucken\nlachen\nDumpfdröhnendes Dröhnen\nzerdröhnt\nDas Schluchten\n\nSehnsucht\nGraugewühlte Bettenschreie\nzerfallen mildes Sehnsuchtsschluchzen\nZerbebtes Augenbangen\nzerfliesst die Monde stiller Tage\nAut uferlosen Bächen wellen Schwäne\nbenetzen sanglos tiefe ungekrönte Wogen\nZerbarmen brüllen schrill die Föhren\nwir wollen tanzen\n\nVersandet\nUnbegrenzte rote Wände\nzucken wildbetörte Schreie\nklagen unverloren tiefe Scham\nFallen aus den Kellern tiefer Stufen\ngrundlos strafend blind\nversandet\n\nRomantisches Fragment\nUrwalds mattgewebtes Schweigen\nströmen gellend Schwertertänze\nUnd die Monde strahlen Feste ....\nAuf des Schlosses weisser Rose\nstille Knabenaugen singen\nUnd die Mädchen stiller Mütter schweben\nBesingt das Schwirren Deiner Monde Sonnen\nIch will die Fesseln meiner Arme heben\nUnd bittend Dir die Blumen geben\ndie Blumen aus der Mutter Augen\nDie Menschenherzen jagen Rasen\ndünnbeflortes Locken Deiner Füsse\nweisses Matten Deines Blutes\n\nDämmern\nZackige milchweisse Seen\nruhen wellen beschwingte Seelen\nLaufen träge Striche Kreise\nKöpfe hängen matte Kräfte\nTrauerweiden küssen Spiegel\nNicken Traurig\nTräumen\nBleich\n\nFrühling\nMandelblüten locken bunte Blumen\nBauschen schweben Reigen rote Röckchen\nZwitschern Trillern Grünen Hauch\nJauchzen Jubeln Rote Rasen\nSchwingen Kleine Silberglocken\nSpriessen Knospen Blättern Blau\n\nUnschlaflied\nCiaire Goll\nIch liege mit deinen Träumen\nMärchen mit Wildkatzenaugen\nJede Nacht\nTürkisblau Staunen\nSteint\nSilberne Panther fressen mein Herz\nVögel wachsen\nRosen zwitschern\nStirnschaum an goldenen Kugeln tropft\nIch liege mit deinen Träumen\nJede Nacht\nSterb ich nach dir\n\nJeder Tod ist leicht\n\nBruder\nGrüner\nLugger\nBruder\nScharlachwurm\nGrüner\nBruder\nDoppelschlitz\nGrüner\nPick"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.9", "texte": "Gontscharowa: Spanische Tänzerin (1915)"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.10", "texte": "Bruder\nLummer\nGrüner\nLunker\nBruder\n\nFranz Richard Behrens\n\nGedichte\nHerwarth Walden\n\nMeine Hand greift sanft\nSand weicht meinen Füssen\nSand mein Gebäude\nSand meine Sonne\nSand meine Erde\nZitternd zagt mein letztes Blut in die Welt\nMein Atem gerinnt\nSand wird mauern\nAtem erstickt\nAlles blüht\nMein Haar ist bleich\n0 Du mein liebes Leben\nMorgensüsse meiner Augen\nSteine vex-sanden\nSand versteint\nAbendsüsse meiner Nacht\nBlutlos liegt ein Mensch im Sande\nMeine Nacht ist mir genommen\nNie ein Morgen mir gegeben\nNie ein Tag hat mir gehalten\nZwischen Tag und Nacht ein schwaches\nLeuchten\nSand erhebt sich heulend von der Erde\nHände Arme Füsse Beine Mund und Augen\ngreifen\nBlutlos liegt ein Mensch nun auf der Erde\nMeine Liebe ist ein harter Felsen\nWandert der Felsen\nZermalmt\nPoltert über mich fort\nAlles zerrinnt\nHält kein Mensch ihn auf\nOben spielt ein Kind\nRötet ihn mit meinem letzten Blut\nLächelt und spielt weiter auf der Erde\nKlang verklingt\nTon verklingt\nFall verklingt\nHall verklingt\nAll verklingt\nEin Tropfen zittert auf der Erde\nNun falt ich meine Hände Deinem Schosse\nMilliarden Augen glänzen auf der Erde\nMilliarden Münder blicken halb geöffnet\nMilliarden Leiber tasten in einander\nDie Sucht des Sehnens sucht mundab mund-\nauf\nIch aber falte die Hände Deinem Schosse\nVerstössen vom Leib der Erde\nVerfangen im Weltgeheul\nBefangen im Sternschweifen\nTraum bin ich meines Traums\nUnd falt ich meine Hände Deinem Schosse\nAlle Menschen ballen sich zusammen\nAlle Menschen sinken zu einander\nineinander\nDein Schossist die sehnende Erde\nIch aber kniee\nbete im Erdgeheul\nWeinen streichelt weite Weiden\nFrucht sprudelt auf aus der Wuchtwurzel\nBebende Beeren senken sich sehnend\nSinken schillern im Singen nieder\nDämmernde Tränen drängen ins Zwielicht\nLäuten Freude in schäumendes Heulen\nDumpf vermummt lullt Luft\nErde bebt schwer unterm Kelch der Glocke\nGib mir die Hand eh mich Weinen verweht\nTon poltert drohend\nMeine schwärmende Härte härmt sich\nhöre\nhör auf\nhör auf mich\neine Welle weht verwelkt in die Welt\nOeffne den Kelch meinem schwebenden Blute\nNacht scheint\nNacht hellt auf das Tagesgedunkel\nKniest du mit verschüchtertem Auge\nZittern schwingt im engenden Räume\nZittern klingt im drängenden Räume\nZittern schwirrt im raunenden Räume\nNacht scheint hell\nOeffne die Knie meinem schwebenden Blute\nRaum bricht auf\nstreift meine Hand dein verschüchtertes Auge\nPressen die Arme den Raum in die Zeit\nDunkel funkelt\nBlut verzittert\nNacht verwittert\nTag stiert in verschüchterte Augen\nDie Erde rollt"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.11", "texte": "Gontscharowa: Dekorationsskizze zu dem Ballett „Le Coq d'Or\" (1913)"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.12", "texte": "Meine Arme durchgreifen die Luft\n0 Du mein brustnaher Stern\nFern\nTräumst Du\nMir nur mir\nscheinst Du\nMeine Arme durchgreifen die Luft\nStrecken sich langbang nach dem Stern träum\n0 Du mein brustnaher Traumstern\nMeine Arme runden die Erde\nSterntraum gleitet zum Traumstern\nLeuchtet mein Herz nun glanzhoch\n0 Du mein brusttiefer Stern\n\nDadaïsme\n\nOn a beaucoup ecrit sur le Dada'isme, mais\npoint pour le louer. Ce n'est pas moi qui\ncommencerai. On ne voit jamais tant de\nfleurs que derriere un corbillard. Puis un\nbon coup de bäton sur la lete de quelqu'un\nproduit toujours un certain effet, tandis que\nles caresses ont besoin d'etre bien ajustees.\nEnfin, je suis dada'iste et les caresses\nappliquees ä soi-meme ont un nom malfame.\nJamais une etiquette n'a eu autant d'impor-\ntance pour la marchandise qu'elle recouvre.\nBeaucoup de Dadas ne sont pas dadaisles-\nlisple deviennent pourtant du fait qu'ils sont\nqualifies tels par la foule et eux-memes.\nUne vieille femme qui se croit Socrate\ndevientlSocrate si on consent ä lui accorder\nSB\ncette personnalite.\n11 est donc tres difficile de deflnir le Da-\nda'fsme.\nNon, dit le Dada'iste en naissant. On lui\ndonne le sein.— Non — Mais il tete. Le\ntout est de s'entendre.\nLa lune n'existe pas. Ce que nous appelons\nla lune n'a aucun rapport avec la lune.\nC'est ce qui nous donne le droit de dire\nla lune existe et la lune n'existe pas.\nII y a un certain noinbre d'objets recou-\nverls d'un bandage herniaire qu'on nomme\nArt. Tout „sa\" c'est l'Art. II suffit de dire\noui, alors c'est l'Art. Mais ce bazar de-\nvient assommant. Nous disons Non. Et\nl'Art s'evapore. Le plus drole est que tout\nle monde actuellement trouve l'Art\nassommant. Rien n'amuse plus le public:\nni les expositions, ni les concerts, ni les\nmusees. Tout ce qui l'amuse est precise-\nment ce ä quoi il refuse la qualite d'Art\nMais la foule s'indigne. L'Art est assommant,\nil faut le respecter. Tout comme Dieu.\nL'Art est de droit divin. Qu'on le veuille\nou non, il y a une partie de l'Art qui a\nune action morale, et de lä, sociale. L'im-\nportance de Dieu est au fond uniquement\nsociale. Les ennemis de Dieu sont ceux\nde la Societe. Si l'on remplace Dieu par\nle Bien, ou par le Beau, tout est sauve.\nMais si l'on commence ä detruire ceci, ne\ns'attaquera-t-on pas ä cela? Oü s'arretera-\nt-on? les DadaVstes sont Jes ennemis de la\nsociete.\nUne fraclion dada'iste, celle de Berlin, est\nparliculierement politique. C'est d'ailleurs\nsa force speciale. lülle n'attache ä la forme\nartistique aucune espece d'importance, ce\nqui lui permet d'etre k son gre d'allure\nfuturiste ou autre: eile est directement en-\nnemie de la Societe.\nPourquoi detruire, demandent les indignes?\nEt pourquoi, construire? Nous n'arrivons\npas a nous interesser ä votre construction,\nsauf comme divertissement entremets. Mais\nnous voyons ä quoi eile mene: k certain\nmassacre et k certaine ruine generale. La\nconstruction bolchevik comme la capitaliste.\nEt pour ce qui est des petits edicules de\nla pensee ils revelent, pour parier morale,\nune teile bassesse, une teile ignominie, qu'on\nesten droit de se demander si ces gens\navec leur beaute, ne se foutent pas de nous.\nEt cependant nous construisons.\nOn nous le reproche, pour pouvoir dire\nque nolre construction n'est ni nouvelle,\nni interessante -- et c'est le plus grave —\nni destructive.\nSi l'on demolit la tour Eiffel, cela fait un\ntas de ferraille. Ce tas est une construction.\nNouveaute. Qu'est ce donc que les nova-\nteurs? II n'y a que des singes, fils de singes\net peres de singes qui se nourrissent de\nce qu'ils trouvent, et agissent ä la maniere\ndes singes.\nRembrandt, Ingres, Manet, Cezanne, Verlaine,\nLautreamont ne sont pas non plus nova-\nteurs. lis se deshabillent en 'montrant tantöt\nleur ventre, tantot leur dos. On ala pudeur\nde ce que l'on peut.\nOn nous jette dans les jambes le nom\nd'Hegel comme superlatif de la destruction.\nBonjour Papa. Cela vous fait plaisir? Sa\npetite negation tres sympathique n'a rien\ndetruit. Elle est triste d'ailleurs. Dans une"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.13", "texte": "Oscar Nerlinger: Akt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.14", "texte": "Soiree que nous avons donnee au Theätre\nde l'Oeuvre, on interpretait la Premiere\nAventure Celeste de M. Antipyrine, de\nTristan Tzara. Une charmante chanteuse\nterminait la chose par Chanson triste, de\nDuparc. On vocifera bien pendant I'Aven-\nture Celeste, mais supporter la melodie fut\nimpossible; on ne laissa pas chanter Mlle\nHania Routchine. Celle-ci, attristee, disait:\nils ne savent pas que c'est du Duparc. Sa-\nvoir ou ne pas savoir, le public avait ab-\nsorbe de l'ipeca pendant une heure: Dada\netait passe par lä. C'est un autre effet que\ncelui d'Hegel.\nD'autre part, l'unique affirmation de la\ndestruction est aussi une affirmation —et\nqui prend un romantique caractere de\ndiabolisme. Detruire jusqu'ä la destruction\netait necessaire. C'est pour cela que nous\naussi pouvons faire des oeuvres d'art. II\nne s'agit pas lä de la maniere hebra'ique\nqui ne detruit tout que pour pouvoir re-\nconstruire le Temple de Jerusalem — Dieu\nn'existe pas, c'est pourquoi on peut dire\nque Dieu existe.\nQue la masse se rassure. II ne s'agit pas\nde dommages materiels. La vie est tres\nagreable avec la chaleur, la nourriture et\nle palpable de l'amour. Nous ne sommes\nque contre Dieu. Contre Dieu sous toutes\nses formes. Non, Dieu n'est pas Dieu.\nVinci n'est pas Dieu, ni Cezanne, ni Renoir,\nni Guillaume 11, ni Monsieur le President\nde la Republique, ni Picasso, ni moi, ni\ntoi, ni lui.\nNous sommes tout prets ä abandonner les\nmagnifiques acquisitions de la pensee qui\nont porte l'idiotie humaine a un si haut\npoint. II n'y a pas de verite, il n'y a pas\na en avoir. Nous avons renonce a vous\napprendre quelque chose. Nous pouvons\nvous dire la bonne aventure; cela est aussi\nsain que de vous faire sentir notre sueur.\nQuand on viole une petite Alle, on la casse.\nN'ayez pas peur, votre virginite etait une\nbulle de savon. Quand on viole une vi-\neille* femme, eile demande l'heure qu'il\nest. Pourquoi demandez-vous toujours\nl'heure qu'il est?\nII est tout ä fait l'heure que vous voulez.\nVous etes sensibles ä l'emotion esthetique.\nNous la repudions et des qu'elle apparait,\nle plus lache d'entre nous trempe le bout\nde son nez dans la crotte de perroquet.\nCe qui importe c'est certain residu des\nmots et des images. Nous ne sommes pas\nles maitres de ce residu. Ce titre appar-\ntient au public. Ce que pense de nos\noeuvres le public, nous nous en moquons.\nEt ce que nous en pensons nous-memes ....\n. . . . Nous savons oü tout se precipite des\nbue finit le plaisir du palais.\nOn peut apporter certaines precisions sur\nles opinions des Dadaistes ä l'egard de ce\nqui les entoure. lis ne tiennent pour se-\nrieuse et veridique aucune opinion humaine.\nII n'y a pas de verite quelle qu'elle soit.\nCela les libere de tout respect envers scien-\nce, art et philosophie. D'ailleurs ils ne\nrespectent rien. Les gens qui respectent\ntout les traitent de petits polissons — c'est\nd'ßtre traites d'idiots par les dits po-\nlissons. —\nSi les Dadaistes en usent ainsi avec les\nallumeurs de becs de gaz qui sont ä la\ntete, au coeur ou ä la queue de la pensee\nofficielle, officieuse, conservatrice ou revo-\nlutionnaire, c'est qu'ils savent ä quoi s'en\ntenir sur les becs de gaz, et la maniere de\nfaire de beaux eclairages.\nTout le gaz reparti ä l'esprit vient de\nquelques axiomes primordiaux absolument\nindispensables.\nCes axiomes les Dadaistes refusent d'en\nprendre livraison — quitte pour le plaisir\nä utiliser quelques consequences — la non\nverite etant traitee sur le meme pied que\nla verite.\nlis refusent de croire ä I + let I. Soit ä\nl'identite. Un et un ne font deux que\nlorsqu'on le veut bien. II n'y a pas d'ob-\njets identiques.\nAinsi choit la causalite. Toute la logique\nrepose sur l'identite d'effets produits par\nla meme cause. S'il n'y a pas de causes\nidentiques, on ne peut plus compter sur\nla fatalite d'effets prevus.\nOn peut concevoir des logiques tout autres\nque la nötre. Supposez la notion des faits\nque nous aurions en nous en eloignant\navec une vitesse plus grande que celle de\nla lumiere, et vous avez un nouvel enchai-\nnement de faits aussi fatal que le nötre.\nOn peut donc aussi bien supprimer toute\nfatalite, et supposer une suite d'objets sans\nrelation de cause ä effet."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.15", "texte": "La suppression de la logique permet la\nmauvaise foi. (Au plus fort de la discus-\nsion on peut raisonner rigoureusement,\ncela fait toujours impression). De Sorte\nqu'il est permis de recreer un univers sans\ncausalite, et de lui appliquer cependant la\ncausalite. C'est une belle source de diver-\ntissement.\nII faut le repeter, les Dadas n'inventent\nrien — en cela comme en autre chose. II\nn'y a rien ä inventer car on ne peut rien\ninventer; il n'y a que des faces differentes\ndu meme jeu de dominos. La vertu da-\nda'iste est de ne pas chanter la messe. S'il\nleur arrive parfois de commencer ä la\nchanter, on ne tarde pas ä s'apercevoir\nqu'ils ont mis ä l'avance du poivre dans\nle ciboire, afin d'eternuer au moment pa-\nthetique.\nL'Art est une maniere d'utiliser certains\nmoyens. Cette maniere est de teile impor-\ntance qu'on connait la place qui lui est\nreservee. Les Dadas sont aussi dans la\ndanse, mais il n'y a pas de danse dada'iste;\nentendez qu'il n'y a pas d'art dada'iste, ni\nde maniere dada'iste d'arranger les mots,\nles formes, ou les sons. Les moyens\nplastiques agissent plus sur la sensibilite\nque les verbaux, et pretent plus aux inter-\npretations artistiques. C'est sans doute lä\nqu'il fait voir la raison pour laquelle les\ndadai'stes abandonnent pregressivement ces\nmoyens et leur preference pour les mots.\nEt c'est aussi ä ce peu d'estime pour les\n\"arts d'agrement\" qu'ils doivent de pou-\nvoir, sans dons ni specialite, se livrer\nirrespectueusement ä tous ceux-lä.\nII n'y a pas plus de lois esthetiques que\nde lois scientifiques. Comment peut-on.\nen passant en revue les productions hu-\nmaines tirer des lois, qui ne sont que des\nparis en faveur de teile ou teile Serie\nd'oeuvres, sans montrer uniquement une\naveuglante partialite sentimentale?\ntl semble qu'on devrait commencer par\nposer l'egalite totale de toutes les oeuvres,\npuis si cela peut faire plaisir, en examiner\nles caracteres differents, ä la maniere bo-\nlanique.\nLe fait qu'il existe une oeuvre non con-\nforme ä la loi creee detruit evidemment\ncette loi. La loi (et nous ne la connais-\nsons pas) c'est l'existence meme de to u t\nce qui existe, et non ce qui devrait exister.\nL'activite des curieux peut se borner ä\nexpliquer ce que cela peut etre: exister.\nLe manque de merites artistiques de Dada\nse pare cependant de magnifiques appa-\nrences qui font battre le coeur, brulent les\nyeux, et soulevent les cheveux. On se\nmoque de Dada, mais on l'adore. Entrez\nquelque part, dada'iste, une jeune Alle vous\neclate de rire au nez, mais dans le fond\nvous offre dejä son coeur. Elle dit: Dada\nest mort, n'est-ce pas?\nCe serait en effet si joli si enfin Dada etait\nmort, et qu'en toute tranquilite une masse\nd'arrivistes pouvaient faire du Dada'isme,\ncomme ils ont fait du cubisme, et speculer\navec l'aide des bonnes ä tout faire de la\ncritique: ils voudraient savoir une fois\npour toutes la recette.\nLa jeune fille tremble delicieusement. Elle\nvoudrait que cä dure toujours — de la\nmeme main. La mort de Dada. Elle\nsourit ä son rouge ä levres. Puis pousse\nun cri et agite ses nerfs: c'est qu'elle sent\nun petit scorpion entre ses epaules.\nDemander si Dada est mort, c'est n'avoir\npas vu, et pour cause, le visage de Dada.\nNon, Mademoiselle, Dada n'est pas mort.\nMais il a des boutons.\n\nG. Ribemont-Dessaignes\n\nMusique (Musik)\n\n„Dans l'6l6gante salle de M. Pierre Chareau,\nHerwarth Waiden avait convi6 une elite de\nses confreres pour l'audition d'importantes\npieces musicales.\" (A. Schneeberger in der\nRevue de l'Epoque vom Februar 1922) Auf\ndeutsch: Herwarth Waiden gab am 20. Januar\n1922 in Paris als erster deutscher Musiker\nein Konzert seiner eigenen Tonwerke. (Ver-\ngessenes Telegramm des BerlinerTageblatts).\n„Soiree intime par suite de l'exiguite des\nmurs, mais la musique sait soulever les\nplus lourdes barrieres et Waiden triompha\npres des sinceres amis de la musique.\" Auf\ndeutsch: Der chinesische Gesandte, der sich\nunter den Zuhörern befand, erklärte, dass\ner zum ersten Male in seinem Leben im\nStande war, ein Konzert bis zum Ende an-\nzuhören.\n„Ivan Göll avait presente l'artiste dans une\ncauserie qui, pour etre succincte, n'en"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.16", "texte": "contenait pas moins d'interessants apertjus:\nä son point de vue la musique qui suivit\ncelle de Debussy peut etre consideree comme\nune musique de transition et sans doute\nil a voulu dire que d'elle il ne fallait\nattendre les grandes oeuvres que l'öpoque\nqui s'ouvre veut realiser.\" Auf deutsch:\nAlles, was in Europa in den letzten zwanzig\nJahren komponiert wurde, kann nicht als\nder musikalische Ausdruck unserer Zeit\nangesehen werden.\n„Je ne serai pas loin de partager son avis;\nentre la musique pseudoclassique qu'il serait\nvain de vouloir renover parce que notre\nepoque reste avant tout une 6poque creatrice,\net la musique d'avant-garde dont les disson-\nnances et souvent les acrobaties restent des\njeux interessants certes, mais des jeux, il\nexiste une voie logique oü le musicien ex-\nprimera les [sensations de son £poque\nrenaissante avec puissance et volonte.\" Auf\ndeutsch: Zwischen einer Imitation der\nklassischen Musik einerseits und den künst-\nlerisch unlogischen Dissonanzen, den inten-\nsitätslosen Spielereien und ungestalteten\nEinfällen der Herren Richard Strauss,\nArnold Schönberg, Bela Bartok, Skriabine,\nHindemith, Malpiero andererseits gibt es\neine Möglichkeit, Musik der Zeit zu schaffen,\ndie ewigen Wert hat.\n„Waiden cherche ä ouvrir cette voie, qu'il\nen soit loue; sa maniere serattache surtout\nä Bach et Bach reste un de ceux qui, parmi\nles maxtres d'autrefois, peut nous redonner\nle goüt des grandes et fortes choses.\" Auf\ndeutsch: Herwarth Waiden ist der einzige\nKomponist, der seit Beethoven den Willen\nund die Kraft hat, die Seele seiner Zeit in\nMusik zu setzen, ohne von dem ewigen\nWeg zu weichen, den Bach nicht geschaffen,\naber erkannt und ewig sichtbar gemacht hat.\n„L'expressif debut de laDanse expressioniste,\nle beau crescendo de l'Elegie, le developpe-\nment fugue des deux Fragments symplio-\nniques dont l'ampleur atteint au grand\nart, etaient, ä mon sens, les parties les plus\ninteressantes du concert, en tous cas les\nplus caracteristiques. Herwarth Waiden\nles a jouees lui-meme avec une incontestable\nautorite et dans un style enthousiaste et\ngenereux dont l'emotive Sympathie sut\ncaptiver ses auditeurs.\" Auf deutsch: Musik-\nkritiker Deutschlands, schämt euch!\n\nRudolf Blümner\n\nKunst in der Presse\n\nDas Berliner Tageblatt beschäftigt seit Jahr-\nzehnten zwei Herren für Ablehnung der\nKunst und für die Kunst der Anlehnung.\nDie beiden Herren haben sich bisher stets\ngreifbar bewährt und freibleibend Urteile\nabgegeben. Der Herr, der für Musik und\nauf den Namen Schmidt hört, hat sich nach\nseinem eigenen gedruckten Eingeständnis\nendlich einmal entschlossen, den Pflichten\nseines Anstellungsvertrags zu genügen und\neinem Konzert der Zeitschrift „Melos\" bei-\nzuwohnen. Diese Konzerte finden seit\nmehreren Monaten statt. Herr Schmidt be-\nschwert sich, dass er das Haus finster und\ndas Tor verschlossen gefunden habe. Er\nmacht also den Veranstaltern der Melos-\nAbende einen Vorwurf daraus, dass er zu\nspät kommt. Anstatt sich nun vorzunehmen,\ndas nächste Mal nicht erst zum Schluss\neines Konzertes zu kommen, beschliesst er,\nTür und Ohr weiterhin verschlossen zu\nlassen: „Da fiel mir der philosophische\nAusspruch eines alten, mit der Bezahlung\nunzufriedenen Droschkenkutschers ein: Man\nmuss se nich fahren, man muss se loofen\nlassen ....\". Worauf man philosophisch\nund menschenfreundlich nur antworten\nkann: „Wenn er schon nicht laufen kann,\nmuss man ihn fahren lassen\".\nUnd wenn der Herr Schmidt vom Tageblatt\nauch nichts hört, so kann der Herr Stahl\ndafür nicht sehen. Er schreibt allerdings\nnur über Kunst, die bekanntlich nicht zu\nden lebenswichtigen Dingen gehört. Mit die-\nsem Stahl hat das Berliner Tageblatt vor\nJahrzehnten einen kühnen Griff getan. Er\nist der einzige Kunstkenner und der einzige\nGebildete, über den Deutschland verfügt,\nsoweit es von dem Verlag Rudolf Mosse\nabhängig ist. Herr Stahl weiss sogar, was\nKubus auf Deutsch heisst. Er übersetzt es\nzwar nicht, dieses geheimnisvolle Wort,\ntrotzdem er am 7. Februar 1922 behauptet,\ndass er es weiss, und dass Herr Professor\nBiermann, etsch, es nicht weiss. Und da-\nbei sei der Herr Professor Biermann sogar\nProfessor, und er, der Herr Stahl, sei sogar\nnicht einmal Doktor. Und trotzdem weiss\ner, was Kubus heisst. Die Abonnenten des\nBerliner Tageblatts können wirklich darauf\nstolz sein, wie das Tageblatt für seine Dauer-\nbezieher sorgt. Die Abonnenten des Berliner"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.17", "texte": "Tageblatts werden nun wieder nicht wissen,\nwas Dauerbezieher sind, weil nämlich die\nSchriftgelehrten des Tageblatts wieder nicht\ndeutsch können. Aber Stahl weiss, was\nKubus heisst. Woraus er schliesst, dass der\nExpressionismus „eine zu den Ahnen ver-\nsammelte Mode sei\". Ein kühnes Bild zwar,\ngeschaffen von dem Kunstkritiker, der weiss,\nwas Kubus heisst. Vor längerer Zeit hat\nHerr Stahl einmal folgendes festgestellt.\nEr habe ein Buch über Kubismus gelesen\nvon einem Herrn, der in Paris gewesen sei.\nDieser Herr habe von einem anderen Herrn\ngehört, dass der Kubismus gestorben sei\nund dass man nunmehr in Paris wie Ingres\nmale. Herr Stahl persönlich teilt mit, dass\ner das immer gewusst habe. Der Herr\nKubismus habe überhaupt nie gelebt. In-\nfolgedessen habe er ganz genau gewusst,\ndass dieser Herr Kubismus bald habe sterben\nmüssen. Was ihm nunmehr von dem Herrn\naus zweitem Munde bestätigt worden sei.\nJetzt hinwiederum, im Februar 1922, habe\ner, Herr Stahl, persönlich der Eröffnungs-\nfeier der Marc-Ausstellung in der National-\nGalerie beigewohnt. Er habe sogar per-\nsönlich Briefe des Malers vorlesen hören.\nEr sei sodann sogar persönlich in die Bilder-\nsäle hinaufgestiegen: „Aber es war ein Herab-\ngleiten. Die hochgezogenen Brauen sanken\nin ihre alltägliche Lage zurück. Und als\nman einen der Getreuesten nach dem Ein-\ndruck der Bilder fragte, antwortete er:\nAber die Briefe! So steht es schon heute\num das Werk eines dieser Jungen, die man\nals ewige Werte ausgeschrieben hat.\" Dies-\nmal hat Herr Stahl also aus erstem Mund\netwas gehört, worauf seine Brauen in die\nalltägliche Lage zurücksanken. Und tri-\numphierend schliesst dieser Herr Stahl aus\nder Brauenlage, dass es so schon heute um\ndas Werk dieses Jungen stehe. Anerkennens-\nwert bleibt immerhin, dass Herr Stahl per-\nsönlich in die Bildersäle hinaufgeglitten ist,\nwo er doch ruhig abwarten konnte,\nbis er den Herrn einmal in seiner alltäg-\nlichen Lage getroffen hätte. Aber so steht\nes nun einmal um den Herrn Stahl. Er\nschreit sich als ewigen Erkenntniswert aus\nund hat immer schon gewusst, was Kubus\nheisst und was sterben wird. Er persönlich\nausgenommen. Schliesslich muss man sich\ndoch für die Einheitsgemeinde erhalten.\nGanz besonders aber weiss Herr Stahl auch\nin der Zoologie Bescheid. Er hat das Leben\nder Tiere in der Jerusalemer Strasse per-\nsönlich so beobachtet, dass ihm der Franz\nMarc keinen Stier für ein Behkalb malen\nkann. Herr Stahl beruft sich sogar auf\nFranz Marc, der nach seinen Briefen sich\nselbst noch nicht genug vollkommen vor-\nkam. Und das hat der Herr Stahl mit\nseinem Scharfblick auch sofort erkannt.\nEr brauchte nur die Bilder nicht zu sehen\nund wusste trotzdem schon, was Kubus\nheisst, dass Franz Marc nicht vollkommen\nund der Expressionismus bei den Ahnen sei.\nDa staunste! Immerhin wird der Mensch\nmit dem zunehmenden Alter vorsichtiger:\n„Ein Bild, ein Ganzes in Bhythmus und\nFarbe, wie er wollte, hat er in diesen\nJahren des Suchens kaum geschaffen.\"\nKaum ist die Vorsicht des Alters. Der\nMensch kann schliesslich auch in fünf Minuten\netwas übersehen haben. Aber man kann\nnie vorsichtig genug sein: „Was wirkte und\nden Glauben an seine Kraft aufrecht erhält,\nsind zwei Dinge\". Nämlich nicht das Reh-\nkalb hat gewirkt, sondern Herr Stahl hält\nseinen Glauben an einen Hund aufrechfund\n4*\nauf einige Gelegenheitspostkarten: „Diese\nkleinen Bildchen stellen seine eigentlich\nschöpferischen Leistungen dar\". Nämlich:\n„Während sonst überall nur Absichten zu\nsehen sind, spürt man hier, wo er sich\ngehen lässt, einen aus dem Wesen strömen-\nden Willen\". Der strömende Wille, der\nsich gehen lässt, fährt den Ansichten des\nHerrn Stahl in den Weg und zwar so, dass\nder kaum verstorbene Expressionismus aus\nden Wolken fällt: „Marc wusste garnicht,\ndass er hier die neue Malerei, die er bald\nhier, bald dort in zweifelhaften Vorbildern\nsuchte, aus eigenem Gefühl gefunden hatte\".\nDas wusste Marc nicht. Dafür weiss es\nHerr Stahl, der ausserdem weiss, was Kubus\nheisst. Also, um es zusammen zu fassen:\nMarc hat aus eigenem Gefühl eine neue\nMalerei, wenigstens auf Postkarten und auf\neinzelnen Stellen von Bildern, gefunden.\nDiese neue Malerei aus eigenem Gefühl\nist eine Mode, die gestorben ist. Nach ihrem\nseligen Tode hält sie aber den Glauben an\nihre Kraft aufrecht und wirkt gelegentlich\nselbst auf Herrn Stahl. Für wen das nicht\neine klare Analyse ist, der kann unmöglich\ndie Bücher der „geistigen Führer dieser\nmerkwürdigen Kunstgemeinde\" verstehen."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.18", "texte": "Herr Stahrpersönlich soll Kanstschriftsteller\nsein, wie mir neulich ein Herr in London\ngesagt hat, der es von einem Herrn aus\nHeidelberg gehört hat.\nDas Berliner Tageblatt hat auch eine ständige\nRubrik für Geisteskrankheiten. Rubrik ist\nvielleicht übertrieben. Denn die betreffen-\nden Artikel von Psychiatern und anderen\nUngeistigen erscheinen durchschnittlich nur\naller drei Monate. Die Geisteskrankheit dieser\nPsychiater besteht darin, dass sie die zeit-\ngenössische Kunst für eine Ausgeburt ihrer\npsychiatrischen Phantasie halten. Ausser\nHerrn Fritz Stahl dürfen im Berliner Tage-\nblatt sich nur Psychiater über die Kunst\näussern. Ich vermute daher, dass Psychiater\nauf deutsch Kunstkritiker heisst, während\nHerr Stahl nach meinen obigen Feststellungen\nKunstschriftsteller ist. Das Berliner Tage-\nblatt druckt seinen Text gewöhnlich. Nur\nein einziger Satz im Text ist jemals halb-\nfett gedruckt worden, weil er ein fetter\nBissen für den hungrigen Stahl gewesen\nist. Dieser halbfette Satz heisst: „Eine vor\nkurzem veranstaltete Ausstellung in Heidel-\nberg hat gezeigt, wie nahe gerade die irren\nKünstler manchen modernen Malern in\nLinienführung und Farbenstil kommen.\nDie schöpferische Kräftesteigerung ist eben\nin gewissem Sinne nicht normal\". Da haben\nwir den Salat zu dem halbfetten Bissen.\nWas ist normal? Eine Kritik des Herrn\nStahl, die ohne schöpferische Kräftesteige-\nrung erfolgt. Oder ist die schöpferische\nKräftesteigerung normal, die einen Normalen\naus dem Häusschen bringt. Oder ist das\nHäusschen normal, in dem der Psychiater\nKunst analysiert. Oder ist die Kunst normal,\ndie sich von einem Psychiater behandeln\nlässt. Oder ist das Berliner Tageblatt nor-\nmal, dass solchen Unsinn halbfett druckt,\nWahnsinn für normal und schöpferische\nKräftesteigerung für anormal hält.\nHerr Stahl soll übrigens zum Ehrendoktor\nder Psychiatrie ernannt worden sein, wie\nich aus einem Brief weiss, der einem Irren\nin Heidelberg nicht ausgeliefert wurde.\nIm Verlag der Freiheit ist ein Herr für\nKunst angestellt, der eine Ausstellung des\nSturm in Antwerpen bespricht, ohne sie\ngesehen zu haben. Das war bisher das\nVorrecht der bürgerlichen Zeitungen. Ich\nstelle fest, dass dies jetzt auch in dem Ber-\nliner Organ der U. S. P. gestattet ist. Die-\nser Herr weiss zunächst nicht, dass es sich\num eine graphische Ausstellung handelt*\nDieser Herr kann nicht wissen, welches\nMaterial für Ausstellungen dem Sturm je-\nweilig zur Verfügung steht. Dieser Herr kann\nnicht wissen, was tatsächlich in Antwerpen\nzur Ausstellung gelangt ist, da er im güns-\ntigsten Falle einen Katalog der Ausstellung\nbesitzt, der sich bekanntlich in keiner Aus-\nstellung mit den ausgestellten Werken völlig\ndeckt. Dieser Herr weiss aber ganz genau,\ndass der Sturm keine Organisation deutscher\nKünstler, wohl aber eine internationale\nOrganisation ist. Ich weise die Behauptungen\ndieses Herrn mit ihren Ausführungen und\nihren Folgerungen als dolos zurück.\n\nHerwarth Walden\n\nDruckfehler-Berichtigung Heft 3\nSeite 34 letzte Zeile: dans un carrosse\nSeite 45 Überschrift: Inquietudes somnolentes\nSeite 45 1. Spalte, dritte Zeile von unten:\nScies asphyxiantes-serpents ä\nSeite 48 Überschrift: La vraie jeune France\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Shimmy\nF. T. Marinetti. Der Mietsvertrag\nF. T. Marinetti: Jetzt kommen sie\nWilli Knobloch: Gedichte\nCiaire Göll: Unschlaflied\nFranz Richard Behrens: Jeder Tod ist leicht\nHerwarth Waiden: Gedichte\nG. Ribemont-Dessaignes: Dada'isme\nRudolf Blümner: Musique (Musik)\nHerwarth Waiden: Kunst in der Presse\nOscar Neriinger: Zeichnung\nMichael Larionoff: Ornement architectural\nGontscharowa: Spanische Tänzerin\nGontscharowa: Dekorationsskizze zu dem Ballet „Le Coq d'Or\"\nApril 1922"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.19", "texte": "VERZEICHNISSE DES VERLAGS DER STÜRM KOSTENLOS\n\nVERLAG DER STURM / G. M. B. H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMasiK\nHerwarth Walden\nGcsammclte Tonwcrkc\nDann / Vcrgcltung / Verdammnis / Werk 11—3\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFur Gesang und Klavier / Je 9 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFur Gesang und Klavier / 9 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 9 Mark\nZehn Dafnisliedcr / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 50 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 15 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFur Gesang und Klavier / 12 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 15 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 6 Mark\nTanz dcr Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 9 Mark\n\nSturm-Karten\nJede Karte 1 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nFernand L6ger 2\nAugust Maeke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Miinter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nSturm\" Ausstellungskataloge\nMit Abbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 3 Mark\nTour Donas — Nell Walden / Franz Marc /1 wan Puni\nJe 5 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n6 Mark\n\nKunstdrucKe aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapier\nJcder Kunstdruck 12 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuruckbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay: Der Turm\nLyonel Feinittger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Hafen\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\nPaul Klee: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe: 1 Adolf\nLoos / 2 Herwarth Walden / 3 Karl Kraus\n4Richard Dehmel/5 Paul Scheerbart/6 Y vette Guilbert\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Leger: Akt I / Akt II\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nFarbige KunstdrucKe\nJedes Blatt 20 Mark\nAlexander Archipenko: Aquarell\nMarc Chagall: Interieur / Der Barbier\nMarc Chagall: Kutscher / On dit\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand L£ger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell ,\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nMarcoussis: Stilleben\nLothar Schreyer: Buhnenfarbform\nNell Walden: 1: Todfriihling / 2: Farbige Zeichnung\nStidseegdtze\n\nSturm'Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Ltitzow 4443\nExpressionistische Kunst und Dichtung\nAuslandische Biicher\nVerkauf guter Bucher und Kunstdrucke"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220405-01.1.20", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglicli von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\nHundertsiebente Ausstellung Hundertachte Ausstellung\nApril 1922 Mai 1922\nGeorges de Pogedaieff Kurt Schwitters\nSturm-'Gesamtschau Sturm'Gesamtschau\nTageskarte 3 Mark\n\nST TT T? TUT A 15 17 TWT n 17 Jeden ersten und dritten Mittwoch 73/4Uhr in der\n* -D Ci IN XJ X-J Kunstausstellung Der Sturm Potsdamer Strafie 134a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Bltimner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nKarten 6 Mark 70 Pfennig an der Abendkasse und im Vorverkauf Sturm-Buchhandlung / Potsdamerstr. 138 a\n\nDcr Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nDetroit U. S. A. / Frankfurt am\n\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung von\nSturm \"Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stadten und L&ndern.\nDcr Sturm vcrmittclt nur den Verkauf von\nWerken der Kunstler, die er durch eigene Aus*\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVcrlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamcr Strafie 134 a / Gartcnhaus rcchts II\n\nNeuanzeigen Der Sturm\nSturrri'Bilderbucher\n'\nV. Maler dcs Expressionismus\n15 Farbdrticke: Kandinsky / Chagall usw*\n200 Mark\nFarbige Kunstdrucke\nMarc Chagall: Jtide\n20 Mark\nTour Donas: Frau mit Vase\n20 Mark\nRudolf Bltimner\nDer Geist des Kubismus und die Kiinste\nMit Abbildungen\n30 Mark"}]}