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Das deutsche\nVolk wird durch das Berliner Tageblatt\naber auch davon unterrichtet, was für Den-\nker unsere deutschen Tageblattdichter sind.\nUnd die Redaktion dieses Kulturorgans, die\nbekanntlich schwer unter Papier- und\nRaummangel leidet, gewährt Herrn Walter\nvon Molo anderthalb Spalten mit Ein-\nschränkung gern Raum: „Wir geben dem\nvon schöner Volksliebe durchwärmten Auf-\nsatz des Dichters Walter von Molo gern\nRaum, obgleich er unserer Meinung nach\ngeistige Erscheinungen, die sich gewiss in\nerschreckendem Masse bemerkbar gemacht\nhaben, allzu bedingunglos verallgemeinert\".\nDie geistigen Erscheinungen machen sich\nmit Hilfe des Tageblatts allerdings in er-\nschreckender Weise bemerkbar. Sie wer-\nden ganz einfach durch Druck sichtbar.\nNicht einmal das Rücken der Redaktions-\ntische ist dazu notwendig. Der durch-\nwärmte Aufsatz heisst: Ich kann nicht mehr\nschweigen! (Dabei dichtet der Mann nie\nunter drei Bänden). Und die schöne Volks-\nliebe beginnt: „Ich sage es ungern, aber es\nmuss sein: Unser Volk ist geistig umnachtet!\"\nMit Ausschluss der Mitglieder und Leser\ndes Berliner Tageblatts. Oder sollten etwa\nda auch geistige Erscheinungen sein, die\nsich in erschreckendem Masse bemerkbar\nmachen. Denker müssen beweisen. Herr\nWalter von Molo schreibt also in dem\ndurchwärmten Aufsatz: „Ich will einen Be-\nweis dafür, leider gibt es dafür tausende\nvon Beweisen, aus meinem persönlichen\nArbeitsgebiete erbringen: dazu muss ich\naber einen Satz lang erst von mir reden.\"\nEr redet zwar zehn Druckzeilen von sich,\naber die geistige Umnachtung ist wichtig\ngenug. Herr Dichter von Molo hat eine\nRoman-Triologie geschrieben, wirklich eine\nTriologie, nicht zwo, sondern drei Bände,\nvaschtehste. Es heist „Ein Volk wacht auf\".\nIch habe das Buch nicht gelesen, erfahre\naber aus dem durchwärmten Aufsatz, dass\ndas Buch geradezu erschütternde Gedanken\nenthält, was man im Berliner Tageblatt\nfür Dichtung hält. Herr von Molo hat näm-\nlich entdeckt, dass immer und überall\nLumpen und Menschen waren, wobei er\nunter Lumpen nicht die bekannten Stoffreste,\nsondern Menschen versteht. Herr Denker\nvon Molo hat ferner entdeckt, „dass immer\nund überall gesucht, geirrt und vergänglich\ngefunden wurde und wird,\" (Auflage 50000)\ndass es nur eins gibt, nicht etwa die Kuh\nin der Tüte, sondern „das Licht im Auge zu\nhaben und unbekümmert, auf kürzestem\nmöglichen Wege, guten reinen Menschheits-\nwillens voll (Durchwärmung) unrechtha-\nberisch und einig darauf loszugehen, in\nder Gewissheit: wir sind!\" Und Herr Denker\nvon Molo ist so bescheiden, diese seine\nGedanken (wach auf, mein Volk, auch\nwenn er Dich für geistig umnachtet hält)\neine „Binsenweisheit, die dem Deutschen\nso fern ist\", zu nennen. Eigentlich kann\nman nichts mehr reden. Heiss mich\nschweigen. Aber er kann doch nicht\nschweigen. Dieses verfluchte Volk muss\ndoch endlich die Binsenwahrheit fassen\nkönnen.\nWas ist ihm nun eigentlich geschehn,\ndem Denker - Dichter oder dem Volke?\nFest steht: ein Dreiband ist erschienen.\nHierauf hat das deutsche Volk in einigen\nerlesenen Exemplaren persönlich Briefe"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4422, "texte": "an den Denker-Dichter geschrieben. Dar-\nunter ein Leutnant der Reserve, ein\nSchüler, der Direktor eines Reformreal-\ngymnasiums, ein Bühnenarbeiter, eine\nDame, die heute Bolschewistin ist, ein\nObergerichtsrat und sogar ein lieber Freund\n„wenige Tage vor seinem Tode, der ihn\nplötzlich zu sich nahm\". Aus diesem\nschlichten Relativsalz bekommt man schon\ndie absolute Gewissheit, dass hier ein Dich-\nter zu seinem umnachteten Volke redet.\nDieser Freund zum Beispiel, den Herr Tod\nplötzlich zu sich nahm, (Durchwärmung)\nwar „während des Krieges begeisterter Re-\npublikaner und Fürstenhasser\". Dem Freund\nhat die Revolution das Geschäft verdorben,\nEr schrieb deshalb an den Freund von\nMolo: „Tilgen Sie in einer Neuauflage den\nAbschnitt, in dem Sie sich über den guten\nKaiser Franz lustig machen. Ihr Buch hat\nmich deswegen sehr verstimmt, es wird\nebenso auf alle wirken, die wie ich monar-\nchistisch gesinnt sind, die durch die Re-\nvolution gescheitert sind wie ich.\" Das\nist so ein kleiner Beweis von der Umnach-\ntung des deutschen Volkes. Der Dichter\nmacht sich über den guten Kaiser Franz\nlustig und dadurch den Freund böse.\nWelches gesunde Gehirn hat dieser Molo ge-\ngenüber dem geistig umnachteten deutschen\nVolke, dass er sich aus seiner heilen Haut über\nden guten Kaiser Franz lustig machen kann.\nWenn es mir nun glückte, mich über den\nguten von Molo lustig zu machen, so wür-\nden ihn vielleicht Redaktion und Leser des\nBerliner Tageblatts für geistig umnachtet\nhalten. Das wäre eine demokratische Ge-\nrechtigkeit. Aber es wird noch lustiger,\ndenn Herr von Molo beweist die Symptone\nder geistigen Unmachtung unseres Volkes\ndadurch, dass ihm „unentwegt sonderbare\nZuschriften ins Haus hagelten\". Ein Volk,\ndas nicht auf der Höhe der Denkkraft\nMoloscher Romane steht, ist tief gesunken.\nSelbst „ein Marinearbeiter\" hat dem Herrn\nvon Molo geschrieben, „dass er sich wun-\ndere zu sehen, dass Friedrich eigentlich ein\nanständiger Mensch gewesen sei und kein\nBluthund, wie er immer gehört habe.\" Man\nliest also, dass der Monarchist und der\nMarinearbeiter sich in der Mitte, in der\nPolitik der Mitte, in der Politik der Mittel-\nmässigkeit treffen. Ist dieser Mann nicht\nbescheiden, der nicht schweigen kann und\nder nun das Lehrbuch der Deutschen\nschreiben will. Ist das nicht ein Politiker,\nwie man ihn zwar nicht in der Masse,\naber massenhaft hat? Sollte man ihm nicht\ndiktatorisch die Kulturpropaganda für das\ndeutsche Volk übertragen? Ihm, der das\nLicht im Auge hat und dazu noch die Ge-\nwissheit: wir sind. Leider hat es keinen\nZweck mehr, Herrn von Molo mit dieser\nAufgabe zu molestieren, da unser Volk ja\nbereits bestens geistig umnachtet ist. Was\nmögen das für Idioten sein, die diese gan-\nzen Auflagen von allen diesen Romanen\nkaufen. Es bleibt nur die Frage: waren\ndiese Idioten geistig umnachtet, als sie die\nBücher lasen oder wurden sie es erst durch\ndie Missverständnisse, die dank der Lektüre\ndieser Romane in ihnen geweckt wurden.\nDie geistige Wachheit des Herrn von Molo\npersönlich ist im Schlaf festzustellen: er\nfunktioniert über den Parteien, was man\nauf deutsch liberal nennt, (Bezugsorgan\nBerliner Tageblatt) macht angeblich grosse\nMenschen klein und angeblich kleine Men-\nschen gross und beruft sich ausser auf das\nBerliner Tageblatt auf einen Schüler. „Ein\nSchüler beschimpfte Richard Dehmel, der\nein Werk liebe, das monarchistisch sei,\nDehmel sei doch Sozialist.\" Mit welch li-\nterarischer Feinheit wird dem geistig um-\nnachteten deutschen Volke beigebracht, dass\nRichard Dehmel sozusagen für die Romane\ndes Herrn von Molo eintrete. So ganz ne-\nbenbei durch den Brief eines Schülers.\nDer Schüler, selbstverständlich geistig unreif,\nwird des Sozialismus bezichtigt, was immer-\nhin schon eine Sache ist. Der Schüler und alle\nSchüler überhaupt haben nicht die tiefe\nEinsicht für die Politik der Mitte. Das\nLehrbuch muss geschrieben werden. Die\nSchüler, die Sozialisten und die Marinear-\nbeiter werden durch das durchwärmte\nAuge des Herrn von Molo erkennen, dass\nzum Beispiel Noske ein anständiger Mensch\ngewesen sei, kein Bluthund, sondern ein\nreiner Demokrat, dass Herr Ludendorff\nimmer und überall gesucht, geirrt und ver-\ngänglich gefunden habe. Mit der Gewiss-\nheit: wir sind. Dieses und ähnliches wird\nim Lehrbuch der Deutschen stehen. 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.6", "titre_corps": "La femme", "titre_sommaire": "La femme", "signature_source": "Louis Aragon", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.6", "debut_caractere": 430, "fin_caractere_exclue": 907, "texte": "La femme\nLouis Aragon\nLa femme enceinte dort\nPareille ä la prairie\nPareille au temps\nPareille ä la lune\n»\nLa femme enceinte\nAttend l'humeur inquiete\nMere des fleurs et des oiseaux\nQui seront peints plus tard sur le corps\nde l'enfant\nC'est un gar^on\nII chantera les airs stupides les airs fous\nQui font marcher les balan§oires\nSur sa peau de panthere blonde\nLa femme enceinte avant de s'endormir\nVoudrait etendre des peaux de mers\nDouces malgre le sei et les jurons des\nmatelots"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "68", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.7", "titre_corps": "Rue des Trois Visages : (St. Julien 1e Pauvre)", "titre_sommaire": "Rue des Trois Visages : (St. Julien 1e Pauvre)", "signature_source": "Th. Fraenkel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.6", "debut_caractere": 909, "fin_caractere_exclue": 1477, "texte": "Rue des Trois Visages\n(St. Julien 1e Pauvre)\nTh. Fraenkel\nLes buvards fonctionnaires\nL'infanterie stationnaire\nLe boulanger bossu glace son rabot\nL'addition des cheveux des maisons\nemplit de confusion le faussaire\nIi descendait au fond de l'ocean Indien\ncueillir des perles dans la bouche des\nrequins\nLa prairie brillante oü paissent les femmes\nvetues d'ecorces et de chinchilla\nest encerclee par une haie d'epines.\nMille paires d'yeux y etincellent,\nles sagaies vont partir toutes seules\nmais rue des Trois Yisages\nbas de la page\nle boulanger faussaire noie sont chat"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c012", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "68", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.8", "titre_corps": "Mon général", "titre_sommaire": "Mon général", "signature_source": "Philippe Soupault", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.6", "debut_caractere": 1479, "fin_caractere_exclue": 2003, "texte": "Mon général\nPhilippe Soupault\nPhilippe Soupault dans sa boutique\nsouffle sur les cuivres\net ouvre les tables\nun marteau pilon ä portee de sa main\net des gants de peluche mauve\npres du feu de bois harmonique\ncent sous\nAsseyez-vous sans bruit\nPlage perdue pour payer partout\nl'hiver dure neuf mois\nc'est la canicule\nles habitants sont rares\nbeaucoup sont nomades\navec des yeux mal fixes au long des rivieres\ndans les mains les arbres et les eaux glac^es\nles seules oreilles sont sur la mer\nä la limite meridionale de la foret."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c013", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "72", "image_debut": 6, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.11", "titre_corps": "Von den schönen Künsten", "titre_sommaire": "Von den schönen Künsten", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.6", "debut_caractere": 2005, "fin_caractere_exclue": 2570, "texte": "Von den schönen Künsten\n\na Tanzkunst\nIst Celly de Rheidt künstlerisch oder unsitt-\nlich. Oder beides. Oder künstlerisch im\nInteresse des Unsittlichen. Oder unsittlich\nim Interesse des Künstlerischen.\nNiemand weiss es. Jedenfalls kann sie\nnicht tanzen.\nMein herzliebe Fraue\nWas singst Du so fein\nIch sing meiner Mutter\nSchönst' Liedelein.\nReinhold Rraun, Originaldichter der Leip-\nziger Abend post vom Jahre zwoundzwanzig\nnach Christi Geburt.\n„Tanzabend Ingeborg Lacour-Torrup. Man\nwar sich anfangs nicht im Klaren, ob Knabe\noder Mädchen . . . Das lebhafte Spiel der"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3430, "texte": "ungewöhnlich kräftig entwickelten Arm-\nund Halsmuskeln . . . Eine Kraft, die der\nLäuterung ebenso bedarf, wie ihr im Be-\nreich des weiblichen Ausdrucks völlig ver-\nsagendes Tanzen. Die kräftigen Glieder\nhat sie wohl in der Gewalt.\"\nMein herzliebe Fraue, was singst üu so fein.\nOriginalkritik aus der Leipziger Abendpost\nvom Jahre zwoundzwanzig.\nOb Knabe oder Mädchen. Jedenfalls kann\nsie tanzen.\n„Bei einer Frucht ist freilich der Kern die\nHauptsache, aber auch die bunte Schale\nkann ihren Beiz haben, so lange das Innere\nnoch nicht ausgereift ist Bernhard von\nHindenburg\".\nOriginalaphorismus aus der Leipziger\nAbendpost. Eine harte Nuss in einer\nschalen Schale. Jedenfalls kann er nicht\ntanzen.\n„Ingeborg Lacour-Torrup . . . Mangel an\nechtem Gefühl, Unfähigkeit, Trauer und\nFreude auch nur- zu empfinden.\"\nOriginalkritik des Leipziger Tageblatts,\nFünfuhr Abendausgabe mit Börsenkursen.\nErkennt sie nicht. Jedenfalls kann sie tanzen.\n„Eurhythmische Kunst. Völlig überzeugend\nund das ästhetische Gefühl wohlig befrie-\ndigend waren die Tänze nach Tönen Griegs\n• *\nund Schuberts; es war, als ob der Ästhet\nund Künstler im Zuschauer . . . plötzlich\nin einem weichen Bosenhügel versänke.\"\nOriginalkritik aus derselben Nummer des\nLeipziger Tageblatts. Börse befestigt.\nKleines Geschäft. 0 Bosenhügel. 0 Kün-\nler Im Zuschauer. Jedenfalls kann sie nicht\ntanzen.\n„Tanzabend Ingeborg Lacour-Torrup. Sie\ntanzte nicht, sie tänzelte. Die Figuren hat-\nten bisweilen den antikritisierenden Stil\nThorwaldsens mit einem Einschlag franzö-\nsischer Manier.\"\nOriginalkritik aus der Neuen Leipziger\nZeitung. Neu hinzutretende Bezieher sind\nselbstverständlich auch an dem Preisaus-\nschreiben von fünfzehntausend Mark der\nNeuen Leipziger Zeitung berechtigt. Für\ndiesen antikritisierenden Kritiker scheint\nnur noch die Kritik und nicht mehr das\nGeschlecht ein Problem zu sein. Ob Knabe\noder Mädchen. Jedenfalls kann sie tanzen.\nß Wortkunst\nAus einem Turngedicht von Joachim\nBingeinatz:\nDeutsche Jungfrau, weg das Armband!\nIn die Ilose! Aus dem Bocke!\nAus dem Streckstütz in den Armstand,\nNun die Flanke. Sehr gut! Danke!\nDeutsches Mädchen Hocke! Hocke!\nEin Dichter trotz Beimen.\nStürtzt in Eure Katarakte\nLose anvertraute Schallen\nIn dem Gaukelspiel der Akte\nLasst euch mischen und begalten.\nKein Dichter, trotz Beimen.\nVerfasser Friedrich von Hasenclever.\nNoch durchschauert kaltes Grauen\nDa ichs denke, mir die Brust.\nNimmer, nimmer kann ich schauen\nDieser stillen Schuld bewusst.\nKein Dichter trotz Beimen.\nVerfasser Walter von Schiller.\nJa, man soll, mein Hasenclever\nsich mit Schiller nicht begatten\nGoethe, Heine, Werfel, Bewer\nAlles längst vertraute Schatten.\nEine Wahrheit ohne Dichtung mit Beimen.\nу Tonkunst\nEndlich wird auch die Musik fortschrittlich.\nBald kann sie ernst genommen werden.\nDie älteren Komponisten beschäftigten sich\nnur mit Tönen, die sie auf höchst merk-\nwürdige Weise zusammenstellten. Jetzt wird\nman sich bald etwas bei der Musik denken\nkönnen. Das ist um so wertvoller, als\ndie Malerei sich in Farben auflöst, bei\ndenen man sich nun garnichts denken kann.\nDie Wirkung der gedachten Musik stellt\nsich auch bereits ein: man schläft. Denken\nist nämlich sehr schwer. Herr Walther\nBathenau hat die Leitung der Konzerte\nübernommen. Unterlegter Text von Kaiser\n(Georg). Zum Schluss bleibt alles beim\nAlten.\nی Musik\nBuhe und Bewegung eines Körpers ist nur\ndurch Buhe und Bewegung eines anderen\nKörpers wahrnehmbar. Die Tonkunst wird"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4261, "texte": "vereinsteint. Alle Kenntnisse sind relativ. Ab-\nsolut ist künstlerische Erkenntnis. Absolute\nMusik, an anderen Körpern wahrnehmbar,\nist: „Whispering\", Foxtrott von John Schön-\nberger (Eric Concerto's Yankee-Jazz-Band).\nJohn Schönbergerist kein Komparativ von\nArnold Schönberg, aber umso positivere\nKunst. „Jonny\" von Friedrich Holländer,\n„Peaches in Georgia\", Fox-Trot (Jazz Band\nThe Original Picadilly Four). Der Kom-\nponist hat nicht einmal einen Namen, aber\ndafür kann er komponieren. Ein unbe-\nkannter Meister.\nΩ Variété delectat\nArtisten arbeilen und Künstler denken.\nArtisten können etwas, Künstler denken\netwas. Ein Mann hebt ein paar Eisenge-\nwichte. Viele andere denken, das können\nwir nicht. Sie fühlen eine Überlegenheit\nund sind bezwungen. Hingegen wird es\nhohe Kunst, wenn Fräulein Müller auf\nder Bühne richtige Tränen weint; trotzdem\nihre Bekannten genau wissen, dass sie\neigentlich lustig ist. Sowie die Tränen\nkommen, geht es auf die Kunst über. Das\nFräulein kann sich so verstellen, als obste\nnatürlich bist. Plötzlich beweist der Mann\ndem unterlegenen Publikum, dass seine\nGewichte aus Pappe sind. Herzliche Freude.\nAber die Wirkung der Unterlegenheit war\ndoch da. Man dachte auch nicht so sehr\nan die Schwere der Gewichte. Sie sahen\nnur sehr gross aus. Also sie sahen aus.\nAlso ein optischer Eindruck. Und der\nMann bewegte die Gewichte im Rhythmus\nder Schwere. Also Bewegung. Nur die\nTräne hat er vergessen. Der Excentric be-\nhandelt seinen Partner als Gliederpuppe.\nDenkende Menschen fürchten für die Ge-\nhirnkraft des Menschen als Gliederpuppe.\nEr wird vielleicht das Berliner Tageblatt\nnicht mehr lesen können. Oder die Kultur\nwird spurlos an ihm vorüber gehen. Im\nÜbrigen ist es sehr komisch. Herzliche\nFreude. Die Gliederpuppe, die natürliche,\nlöst diese Wirkung nicht aus. Liegt die\nKomik darin, dass ein Mensch so tut, als\nob er eine Gliederpuppe wäre. Aber wenn\neine Gliederpuppe so tut, als ob sie Mensch\nwäre, plötzlich ist es Plastik. Skulptur.\nAlso hohe Kunst. Die Plastik bewegt sich\nzwar nicht mehr, dafür ist sie sprechend\nähnlich. Man kann sich sogar denken, dass\nsie weint. Die falsche Gliederpuppe, der\nMensch nämlich, schlenkert mit den Armen.\nHerzliche Freude. Niemand kann sich der\nWirkung der Komik entziehen. Dabei\nschlenkern wir doch alle mit den Armen.\nAlso das Schlenkern kann es nicht sein.\nVielleicht hat der Mann einmal überlegt,\nin welchen Zeitabständen er schlenkert,\nwann, wo und wie oft er sich bewegt.\nÜberlegt muss er wohl haben. Denn\nam nächsten Abend wiederholt er genau\ndasselbe. Hingegen ist Fräulein Müller\nheute garnicht in Stimmung. Sie „spielt\nnicht\". Oder der Herr von der Presse\nschreibt, sie hätte viele Nüancen. Oder\nsie hätte Auffassungen. Sie lebt sich in den\nGeist ein. Man glaubt ihr bald die Jung-\nfrau von Orleans, so natürlich spielt sie sie.\nDer Herr von der Presse kennt nämlich\ndie Jungfrau persönlich, die von Orleans,\ner kann es also beurteilen. Dressierte\nAffen tanzen den Rixdorfer, als ob sie\nMenschen wären. Menschen sehen hin-\ngegen wie Affen aus, wenn sie etwas anders\nals Walzer tanzen, sagt die Ästhetik. Im\nVariete kann jemand tanzen, das heisst,\nBewegungen optisch zu einem Organismus\ngestalten. Diese Art Tanzen, das Kunst\nist, wird zur Entschuldigung grotesk ge-\nnannt. Grotesk lässt man sich nämlich\ngefallen, weil hierdurch die Absicht be-\nkundet wird, nicht einen natürlichen Men-\nschen nachzuahmen. Wie der geht und\nder steht und der fällt. Der Kunsttanz\nhingegen wird mit der Seele ausgeführt.\nDas Gesicht leidet. 0 wie ich leide. Die\nDame vergisst indessen zu tanzen, weil sie\ndoch einen Augenblick leiden muss. Macht\nnichts. Beim Leiden kann man sich be-\nstimmt etwas denken. Musik von Chopin.\nIndessen gestalten Equilibristen lebende\nBilder. Gestalten Bewegung in Bewegung.\nVariete delectat. Es werden lebende Bilder\ngestellt. Unsere klassischen Malermeister\nwerden versinnlicht. Meistens durch Damen\nmit Zinkweis und Goldbronce, persönlich\nauf den Leib geschmiert. Die Kunst wird\nvernatürlicht. Das Publikum langweilt sich\nzu Tode. Nur die Kenner denken an ihren\nMichelangelo. Er wird ihnen mit Gold-\nbronce näher gebracht. Zum Schluss be-\nwegen sich die Damen dankend, damit die\nKavaliere nicht etwa denken, sie seien aus\nStein. Auch Goldbronce lässt sich abwa-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 557, "texte": "sehen. Hingegen Herr Schauspieler Kayssler\ntut so, als ob er aus Stein sei. Er wirkt\nwie eine Plastik von Michelangelo, denkt\ndie Kennerschaft. Jedes Glied ein Klotz.\nDas ist die Monumentalität der hohen Kunst.\nUnd dass Frau Lucie Höflich ihre Rollen\nblond auffassl, wird uns täglich versichert.\nSie fasst ihr eignes Haar persönlich und\nseelisch auf. Das ist nun wieder hohe\nKunst, weil es so natürlich ist. Auf-\nfassungssache.\nWas soll man nun denken. Man soll nicht\ndenken. Alles Lebendige ist Bewegung. Und\nKunst Gestaltung der Bewegung.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c014", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.11.1", "titre_corps": "Beaux yeux sans arriére pensée", "titre_sommaire": "Beaux yeux sans arriére pensée", "signature_source": "Georges Ribemont-Dessaignes", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 59, "texte": "Georges Ribemont-Dessaignes: Beaux yeux sans arriére pensée"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "80", "image_debut": 10, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.12", "titre_corps": "Tragödie", "titre_sommaire": "Tragödie", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.10", "debut_caractere": 559, "fin_caractere_exclue": 2298, "texte": "Tragödie\n\nTran No. 22, gegen Herrn Dr. phil. et med. Weygandt\nAn andrer Werken suche stets\nDas Beste nur herauszufinden,\nAn eignen aber sei dir's Pflicht,\nVorerst die Fehler zu ergründen.\nMarie Beeg.\nAusnahme^Offerte!\ndurch Kauf direkt aus Schiffsladung\nohne Zwischenhändler kann ich\nTran\nkonkurrenzlos billig anbieten*\nZunächst nenne ich meinen Tran: „das Wasserglas in der Fliege\" und beziehe mich auf\nMarie Beeg. (Fliegen haben kurze Beine.) Ich befinde mich im Kampfe gegen die Reaktion.\n„Ein Frühlingsabend am Rhein\"\nDie Presse unserer Gegner, der Gegner moderner Kunst, kämpft mit schmutzigen Waffen,\nindem sie auf die Dummheit und Eitelkeit der Mensehen rechnet. Herr Dr. phil. et med.\nWeygandt in Hamburg schreibt z. B. von Zeit zu Zeit über die neue Kunst verwirrende\nArtikel, die wissenschaftlich ernst erscheinen sollen, aber leider nicht sind. Der Pöbel\nfreut sich natürlich, dass man an sei-\nAushang kenntlich\nne gesunde Vernunft appelliert, er ahnt ja nicht, dass seine Vernunft nicht das Organ zum\nErkennen von Kunst ist. Der Pöbel freut sich, dass ein Arzt die Ähnlichkeit zwischen\n• •\nmodernen Künstlern und Geisteskranken so deutlich demonstriert, dass der Pöbel die Ähn-\nlichkeit durch Gleichheit ersetzt.\nIn einem rheinischen Städtchen wird ein Frühlingsfest gefeiert. Der Pöbel ist zu dumm,\num von vornherein abzulehnen. Wie kann ein Arzt über Kunst überhaupt schreiben, der\ndoch höchstens nebenamtlich etwas davon versteht* Die Liedertafel Union, die sich auf\neiner Rh einfahrt befindet, hat durch ihre persönlichen Beziehungen zum Festleiter eine\nEinladung zur Teilnahme an dem Fest erhalten. Dann aber ist es überflüssig und irre-\nführend, wenn Herr Weygandt neben seinen Namen die Titel Dr. phil. et med. schreibt."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3106, "texte": "Phil, et med. sind keine Autoritätstitel bezüglich einer Urteilsfähigkeit über künstlerische Fragen.\n«SYNDETICON» es el nombre registrado y protegido por la ley.\n,Klebekraft'\nges. gesch., in Pulverform, klebt\nLeder, Stoffe, Pappen etc.\nI. Qualität\n(stark fadenziehend) ergiebig.\nSollte phil. etwa Kunstgeschichte bedeuten, so hat Herr Weygandt hier sich selbst durch\ndiesen Titel entwaffnet. Klebkraft, stark fadenziehend, hat der Kunstgeschichtler nicht.\nDurch Studium aus Büchern sind Kunstgeschichtler derart in der Aufnahmefähigkeit bor-\nniert, dass sie mit dem besten Willen das Wesen neuer Kunst durch die Anschauung,\nfadenziehend, syndetikalistisch, nicht mehr erkennen können. Als sie auf dem prächtig\ngeschmückten Festplatze eintrifft, herrscht dort bereits frohes Treiben.\nHerr Dr. phil. et med. Weygandt weiss, dass er tatsächlich nichts gegen die Kunst der\nJungen vorbringen kann, ausser seiner persönlichen Abneigung, die er sorgfältig zu ver-\nstecken sucht. Infolgedessen streut er Verdächtigungen aus, ohne zu beweisen, zieht\nParallelen ohne Lineal und bemerkt nicht, wie krumm seine Linien geworden sind.\nEine Künstlerkapelle lässt ihre lockenden Weisen ertönen und die Paare drehen sich im\nTanz. Weinlauben laden zum Verweilen ein und entgegen des Dichters Mahnung:\n„Willst wahren Du Herz und Glauben, zieh niemals an den Rhein\nUnd trink in rhein'schen Lauben nie einen Tropfen Wein\",\nfolgt man der Einladung nur zu gern, denn alles atmet Freude und Feiertagsstimmung.\nEs ist z. B. eine sinnlose Verdächtigung, zu schreiben: „Verlockend für die Kunstjünger\nwirkt sicher auch die Verachtung der Technik, wodurch mühsames Erlernen des Hand-\nwerksmässigen überflüssig erscheint.\" Ich hoffe dass meine beleidigten Kollegen dazu auch\nStellung nehmen werden wie ich. Ich selbst kann nur von mir berichten, dass ich die\nsogenannte Technik im Abmalen durchaus nicht verachte. Ich male selbst sorgfältige\nnaturalistische Portraits, man kann aber solche Naturstudien nicht als Kunst bezeichnen.\nDas Protrait ist eine wissenschaftliche Feststellung, wie jemand aussieht, die jeder be-\nliebige unkünstlerische Mensch, meinetwegen ein Arzt, ebensogut machen könnte wie ich.\nEs ist aber leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelör kricht, als dass ein Herr Dr. phil. et\nmed. etwas von Kunst begriffe.\nvorläufig\nausverkauft.\nVon dem Festleiter herzlich willkommen geheissen, dankt der Liedervater für die freund-\nliche Begrüssung und fordert die Liedertafel auf, einige Lieder zum Vortrag zu bringen.\n©ibt'S ba eine QBatyl?\nGanz einfach:\nWeil Merzbilder — enorm haltbar sind.\nEs liesse sich schliesslich noch darüber streiten, ob die Kunst oder die Nachahmung ein\ngrösseres rein technisches Können erfordert.\nWeil Merzbilder — sich deshalb im Gebrauch billig stellen.\nIch möchte zunächst\"über die Kunst schreiben. Beim Kunstwerk unterscheidet man Form\nund Inhalt. Die Form des Werkes wendet sich an die Sinne, der Inhalt an die Seele.\nDer Mensch hat fünf Sinne, und wir kennen die Sinnesorgane. (0 du, Geliebte meiner\nsiebenundzwanzig Sinne!) Aber was die Seele ist, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2906, "texte": "Weil Merzbilder — Körper und Nerven schonen.\nDeshalb muss vor allen Dingen das Kunstwerk künstlerisch geformt werden. Die sinnlich\nerkennbare Form des Kunstwerkes muss künstlerisch sein. Rücksichten aut Dinge ausser-\nhalb des eigenen Rhythmus gibt es für die künstlerische Form nicht.\nWeshalb fragt man denn gerade nach Merzbildern?\nEs ist gleichgültig, ob die Form etwas darstellt oder nicht. Die Form resultiert aus der\nVerwendung der formalen Mittel. Die Mittel der Malerei sind Malgrund, Farbe, Licht,\nLinie u. a.\nWeshalb sind denn Merzbilder so populär und beliebt?\nDer künstlerische Wille schafft aus diesen Mitteln durch rhythmische Wertung das Kunst-\nwerk. Die Beziehungen sämtlicher sinnlich erkennbaren Teile des Werkes untereinander\nsind der Rhythmus. Der künstlerischen Logik ist die verstandliche fremd und feindlich.\nDieses erzielt man am besten, wenn man seinen\nKörper möglichst gleichmässig warm hält*\nDas Fehlen der verstandlichen Logik im Kunstwerk bemerkt aber nur der, der die künst-\nlerische nicht sieht. Dem, der die künstlerische Logik erkennt, ist die verstandliche gleich-\ngültig. Ein Kompromiss, dass bald Verstand, bald rhythmisches Gefühl herrschten, wäre\nfür beide schädlich. Verstandliche Logik, wohin sie gehört, in die Wissenschaft. (2x2 = 5.)\nHierauf wird der Union aus goldenem Pokal der Ehrentrunk gereicht. Inzwischen sind\nfahrende Sänger auf dem Festplatze angekommen, die durch ihre Vorträge zur Belebung\ndes Festes beitragen.\nMan muss aus diesem Grunde darauf bedacht sein, dass\nman diese Erkältungen so schnell wie möglich los wird*\nDie Mittel der Dichtung sind Laut, Silbe, Wort, Satz, Absatz. Bei der rhythmischen Wer-\ntung der Mittel ist wichtig, dass nichts zuviel und nichts zu wenig ist, damit die Einheit\ndes Ausdrucks entsteht. Der Ausdruck ist nämlich Resultat der formalen Mittel, und nicht\nvon verständlichen Überlegungen.\nGleichmässige Körperwärme erreicht man durch häufiges\nBaden im Hause*\nNun zu Ihnen, Herr Weygandt! Ich sage es Ihnen offen, Sie halten nichts von der forma-\nlen Gestaltung. , , , _ , n\nSind denn Merzbilder etwas Besonderes?\nIhnen ist es am wichtigsten, dass Sie den Inhalt begreifen können.\nSind denn Merzbilder besser als gewöhnliche Absätze?\nKönnen Sie das nicht, so behaupten Sie frisch, der Künstler wäre mindestens den\nVerrückten ähnlich.\nWeil Merzbilder — eleganten und elastischen Gang verleihen.\nSie verwechseln die Hauptsache mit Nebensächlichem. Der Tanz nimmt seinen Fortgang.\n2X2 —6. Die Vernachlässigung der verstandlichen Logik stört Sie so sehr, dass Sie dar-\nrüber die künstlerische Logik nicht sehen. 2X2 =7. Jawohl, da staunen Sie. 2X2 =8.\nWeil Merzbilder — die holperigste Strasse zum Teppich machen.\n2x 2 = 10. Still senkt sich der Abend nieder und die leuchtenden Strahlen der unter-\ngehenden Sonne vergolden die Landschaft. Weil Sie die künstlerische Logik nicht sehen,\nstört Sie das Fehlen der verstandlichen."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2045, "texte": "Da erklingt ferner Glockenton und der Tanz bricht ab. Andächtig lauscht alles den feier-\nlichen Klängen des Ave Maria.\nDa Sie nun aber die künstlerische Logik nicht sehen können, können Sie nicht be-\nurteilen, dass ein Unterschied, ein prinzipieller, aber besonders wichtiger Unterschied\nzwischen den Arbeiten Geisteskranker und künstlerischen Arbeiten besteht; dass die Ar-\nbeiten Geisteskranker im Wesentlichen keine künstlerische Logik haben, wie leichte\nErkältungen, Schnupfen, Husten usw*\nAlles in Allem:\nWeil Merzbilder so viele Vorzüge haben, dass\nsie für Alt wie Jung unentbehrlich sind.\nNähere Auskunft wird bereitwilligst erteilt\nGAS'ANSTALT\n6 Unzen Handschuhe\nvon Emma \\\nin einem indischen Maskenkostüm. AvV* \\\nDIE D A\nKühn in das faule Fleisch der\numa\n§9* Rückseite beachten! *^Pf\nSelbstverständlich nur prinzipiell, denn es gibt natürlich unter Geisteskranken relativ ebenso\nviele Künstler, wie unter normalen Menschen, vieleicht sogar mehr, da die Beziehungen\nder Geisteskranken zur Kunst nicht durch normale menschliche Logik, etwa wie die Ihre,\nHerr Dr. phil. et med., gestört werden.\nUeberzeugen auch Sic sich mal von diesen Vorzügen, aber\ngen Sie von Ihrem Schuhmacher ausdrücklich MERZ, der Qualität\nwegen, denn es gibt auch minderwertige Gasbadeöfen« Gibt es da\neine Wahl?\nWenn Sie z. B. schreiben, ich hätte mich zu Leistungen begeistern lassen, denen eine be-\ndenkliche Ähnlichkeit mit den Erzeugnissen Schizophrener innewohnt, dann könnte\njemand mit demselben Rechte behaupten, Sie hätten eine künstlerische Urteilslosigkeit\ngezeigt, der eine bedenkliche Ähnlichkeit mit, Sie wissen ja gut Bescheid über die Namen\nder Geisteskrankheiten, jedenfalls innewohnt. Vielleicht werden Sie alt? Unsere\nGasbadeöfen in hängender und stehender Form liefern Ihnen\nohne große Mühe in 15 bis 25 Minuten ein Vollbad in je'\nder gewünschten Temperatur* Allerdings würde dieser Jemand unberück-\nsichtigt lassen, dass Sie ja garnicht blöde sind. Sie stellen sich nur urteilslos, um, ja um\nzu kompromittieren, um die Kunst zu kompromittieren."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2767, "texte": "Nach dieser kurzen Feierstimmung setzt des Festes frohes Treiben wieder ein. Oder\nwollen Sie etwa dreist behaupten, Sie hätten nicht kompromittieren wollen? Nehmen Sie\ndoch einmal ein ganz heisses Vollbad! 2X2 = 125 Grad. Oder sollten Sie etwa wirklich\nurteilslos sein und sich nur so stellen, als verständen Sie etwas von Kunst? 2X2 = 150°.\nMöglich. Jedenfalls stellen Sie sich dann verständig, um, ja um zu kompromittieren, um\ndie Kunst zu kompromittieren. 2X2 = 300 Grad Reomür, Vollbad in 5 Minuten. Soll ich\nIhnen mal sagen, was 2X2 ist? Vier mein Herr, vier, vier, vier, manchmal auch fünf, je\nnachdem, ob Sie Dr. med. oder Dr. phil. sind.\nEl SYNDETICON se endurece cn el frio; pero\nen tempcratura caliente adquiere su antiguo\nestado liquido.\nWenn Sie nicht die Absicht haben, zu kompromittieren, warum schreiben Sie dann nicht\nIhre wissenschaftlich scheinen sollenden Ausführungen in wissenschaftlichen Zeitschriften,\nsondern in Tageszeitungen, die von einem durchweg wissenschaftlich ungebildetem Publikum\ngelesen werden.\nTänzerpaare, Sänger und Sängerinnen erfreuen durch ihre Kunst und sichern sich den\nDank der Festteilnehmer?\nTäglich genommen, üben sie bei Erkrankungen auf den\nKörper ungemein\ngrosse Wirkungen\niniiTllMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiJiiiii^\naus.\nSie wissen eben, dass, obgleich die Masse der Halbgebildeten schwerfällig ist, die Gefahr\nbesieht, natürlich von Ihrem Standpunkte aus betrachtet, dass trotzdem Einzelne langsam\nbegreifen könnten, was Kunst eigentlich ist Das soll und muss aber verhindert werden.\n2X2 = 4.\nTJ , 4 1 *4. \\ er^alten Firmen aller Branchen sofort.\nJößtfCDSKcipitcil Keine Vorscbusszahlung. Streng reell\nund diskret. Bedingung gute Auskunft.\nSie vertrauen auf den Autoritätsglauben im deutschen Volke und schreiben einen wissen-\nschaftlich scheinenden Artikel für das Volk, nicht für die Wissenschaft. Voran stehen die\nAutoritätstitel med. und phil. Wesentlich ist Ihnen, zu kompromittieren, unwesentlich die\nRichtigkeit. Ich werde versuchen, meine Behauptung zu beweisen.\nIch will nicht entscheiden, ob Sie Ihre logischen Fehler kennen oder nicht, ob Sie also\nbewusst Falsches geschrieben haben, oder aus künstlerischer Urteilslosigkeit.\ngegen Schnupfen\nWirkung frappant!\nDas bleibt sich nämlich im Erfolg gleich.\n■ Hier könnte ich eine grössere Zahl von Sätzen herausgreifen um Ihnen\nDer Name zu zeigen, dass sie unhaltbare Behauptungen enthalten und geschrieben\nBRAUNS sind, um zu kompromittieren.\nbürgt für 1.) (Si wäre a6er aud) weit über bat 3itl\nE r 112 o 1 tr ' gefcfyoffett, wenn man aus beit auffallenben\n® * mtb beit pfjtKftröfen SJefdjauer »erblÄffenbeit\n(grjeugntffen moberttfler jlßnfHer fofort bie\n£)tagitofe auf Srrjtnn flelltn wollte."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2620, "texte": "Wollen Sie diesen Satz wirklich verteidigen? Lachen Sie nicht selbst, wenn Sie ihn einzeln\nserviert geniessen sollen, innerlich? Ich nehme an, Sie sind noch nicht kindisch geworden\naber* diese Behauptung ist genau so albern, als wollte jemand etwa schreiben: „Ein im\nZuschauerraum befindlicher Arzt, der einen Schauspieler einen Geisteskranken spielen sieht,\nbraucht noch nicht sofort den Schauspieler auf Irrsinn zu untersuchen, er kann das Ende\nder Scene erst abwarten.\" Das ist also Ihre ganze Weisheit. Und es lohnt sich garnicht,\ndiese Binsenweisheit auszusprechen, wenn man nicht damit den Schein erwecken wollte,\nals wäre es doch sehr notwendig, den Künstler auf Irrsinn zu prüfen. Der\nKünstler braucht nicht irrsinnig zu sein, er kann aber immerhin doch vielleicht **\nirrsinnig sein, wenn er im Kunstwerk die verständliche Logik zu Gunsten der gt\nkünstlerischen aufgibt. Das ist also Ihre ganze grosse Weisheit. Ich sage Ihnen: 0 O\nEin Künstler kann sich den Magen verdorben haben, aber er braucht sich nicht \\¥Z\nden Magen verdorben zu haben, wenn er malt. Lohnte es sich nicht für Sie, fu m\neinmal wissenschaftlich festzustellen, ob die Arbeit von Künstlern nicht eine\nbedenkliche Ähnlichkeit mit den Arbeiten Magenleidender hat? Die Anregung gebe ich\nIhnen gratis. Die Sagen des Bheins leben in Wort und Gesang auf und lassen den Zauber\nauf alle wirken.\n„Die Beben und die Minne, sie geben Dich nimmer frei,\nUnd um Verstand und Sinne bringt Dich die Loreley!\"\nNun lachen Sie wenigstens, Herr Dr. philetmed, ich finde Ihre Behauptung auch wirklich\nzu komisch.\nIch weiss Bescheid!\n£ .'S- NOTA BENE bin ich nämlich magenleidend. S- ®\n3* £ Lieber Herr Dr. Weygandt! Sie schreiben im Anfang Ihrer Besprechung * » g-Ä\nllSi in '1« Germania %Ss-\n\"«-I Morgen-Ausgabe 112 SlB\nBerlin 27. NOV. 1921 : ? _«\n® & « ° 2T- a\ns\" \" „3Wot>crne Ätttifl ober\nBoOnfirn?\nSSon\nsprof. £)r. pt)ü. et meb. 98. äö e 9 g a.n b t.\n$tutfi unb Äranftjeit, fcfjfiitbar $n>ei unwer*\n©egeitfäge!\"\nDas ist der Beginn. Was sich der Pöbel hinzudenken soll, liegt klar auf der Fussohle.\nWarum „scheinbar\" und warum die irreführende Überschrift? Wollen Sie sieh nicht selbst\nin der hier deutlich demonstrierten Weise ihren Artikel durcharbeiten, ich habe wirklich\nkeine Zeit mehr, ich habe noch mehr Antworten an Kritiker zu schreiben. O'Ha!\nInfolge der Materialbeschlagnahme\nkönnen Korbwaren zur Zeit nicht\nhergestellt werden.\nLager ist vollständig geräumt.\n„Im Zimmer liegt ein Duft von weissem Flieder „Im Zimmer liegt ein Duft von weissem Flieder,\nUnd alles atmet Liebesseligkeit.\" Ein holder Hauch der Liebesewigkeit.\"\nAnsichtsmuster zu Diensten."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2250, "texte": "Nun mache ich Sie nur noch auf folgende Sätze aufmerksam:\n~©o farnt bte ©dfytoctjer 2anbfd)aft öott „Söefanntltd) fjat ftd) ©cf)»itters aud) oon\naul M le c, bte auf SSterecfen mit bürfttg unfj ber auf einer spianfe angetroffenen ftnbltcfyen\nmarfterten Samtenbäumcfjen, überragt »on Snfcfjrift „2tnna ©lume I>at etn 230ge1\" ju\nber @d)tt)etjer flagge, a/i Sufeeub ttertfcfyer bidjterifdjen Seillungen begetflern laffen,\n@ebtlbe in einförmiger SOBteberfyoluttg bar* benen eine bebettfltdfye 2(ef)nltd)fett mit ben\nbietet, in frappanter ÜÖetfe erinnern an bte (Srjeugntffen ®cf)ijopt)rener innewohnt.\"\nSetcfynungen etneö »erblöbeten Äatatoniferä,\nber auf bie 3lufforberung, ju jeictjuen, was\nifym einfalle, bas Sölatt Rapier mit ebenfo\nunbeholfenen, fd)afät)nlid)en Bieren in lang»\nroetltger äßtebertjolung »olljei'cfynete.\" #er«\nflucht, td? fjafce gefiegt!\nWollen Sie kompromittieren oder nicht?\nVerlangen Sie, wenn Ihnen das Wohl Ihrer Familie am Herzen liegt, heute noch ausführ'\nliehen Prospekt über MERZ.\nIch will mich nicht schafähnlich wiederholen.\nEin offizielles Festessen findet nicht statt, doch hält der rühmlichst bekannte Festwirt Speisen\nbereit. (Mettfilet.) In der Zeit von B—98—9 Uhr kann zwanglos ein einfaches Abendessen ein-\ngenommen werden, bei Magen- und Verdauungsstörungen wohlschmeckende,\nleichtverdauliche und nahrhafte Speis e n.\nIch könnte noch einen Schluss schreiben, aber ich verzichte zu Gunsten des nächsten Trans.\nEl SYNDETICON tambien se puede mezclar con agua de colonia cuando este muy espeso.\nHiernach tritt der Tanz wieder voll in seine Rechte und lange noch herrscht heller Jubel\nund echt rheinische Fröhlichkeit auf dem Festplatze.\nIch will Ihnen nur noch ein Bikl zeigen aus alter Zeit, ein Bild aus der guten fdten Zeit,\nEssen Sie gern KÄSE?\nein Bild aus der lieben alten Zeit,\nKleine Knallkörper\n(Liliputmunition)\nAbsolut sicher!\nein Bild aus der schönen alten Zeit,\nNeu!! Neu!!\nMarmor' Krieger ohne Löschblatt\nein Bild aus der seligen alten Zeit,\n©er ftafferfaal mit den in 2Ba<p „naturgetreu\" natfyegetttöefen Sönnern der Seit\nein Bild aus der nie wiederkehrenden alten Zeit,\noie sieben öorouö unermef?(id?e Vorteile\nein Bild aus der alten Zeit, in der Sie sich so wohl fühlten, damit Sie nicht traurig sind:"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 375, "texte": "Und die Trompeten schmettern drein,\nDer närrische Brummbass brummt,\nBis endlich das Fest ein Ende nimmt\nUnd die Musik verstummt.\n®te werfe« bte $rage auf: tft ?etn p e?\" Unb geben bie Antwort: „<£in Drucffefyfer, e$ foll\n£ a m p e fyetßen!\"\nEt quand tu songes ia lune se couche,\nII ne se couche, il ne fait qu'ainsi.\nTibi cadaver cognosco cogito, ergo pingo.\n\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c016", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.12.1", "titre_corps": "Kostümskizze", "titre_sommaire": "Kostümskizze", "signature_source": "Michael Larionow", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "Michael Larionow: Kostümskizze"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c018", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.13", "titre_corps": "i : (Ein Manifest)", "titre_sommaire": "i : (Ein Manifest)", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.18", "debut_caractere": 377, "fin_caractere_exclue": 1967, "texte": "i\n(Ein Manifest)\nKurt Schwitters\nWas Merz ist, weiss heute jedes Kind. Was\naber ist i? i ist der mittlere Vokal des\nAlphabets und die Bezeichnung für die Kon-\nsequenz von Merz in Bezug auf intensives\nErfassen der Kunstform. Merz bedient sich\nzum Formen des Kunstwerks grosser fer-\ntiger Komplexe, die als Material gelten, um\nden Weg von der Intuition bis zur Sicht-\nbarmachung der künstlerischen Idee mög-\nlichst abzukürzen, damit nicht viele Wärme-\nverluste durch Reibung entstehen, i setzt\ndiesen Weg = null. Idee, Material und\nKunstwerk sind dasselbe, i erfasst das\nKunstwerk in der Natur. Die künstlerische\nGestaltung ist hier das Erkennen von Rhyth-\nmus und Ausdruck im Teil der Natur. Da-\nher ist hier kein Reibungsverlust, d. h. keine\nstörende Ablenkung während des Schaffens\nmöglich.\nIch fordere i, aber nicht als einzige Kunst-\nform, sondern als Spezialform.\nIn meiner Ausstellung im Mai 22 im Sturm\nsind die ersten i-Zeichnungen öffentlich aus-\ngestellt. Für die Herren Kunstkritiker füge\nich hinzu, dass es selbstverständlich ein weit\ngrösseres Können erfordert, aus der künst-\nlerisch nicht geformten Natur ein Kunst-\nwerk auszuschneiden, als aus seinem ei-\ngenen künstlerischen Gesetz ein Kunstwerk\nmit beliebigem Material zusammenzubauen.\nDas Material für die Kunst ist beliebig, es\nmuss nur geformt werden, damit ein Kunst-\nwerk daraus entsteht. Das Material für i\nist aber sehr wenig beliebig, da sich nicht\njede Natur im Ausschnitt zum Kunstwerk\ngestaltet. Daher ist i Spezialform. Aber\nes ist einmal notwendig, konsequent zu\nsein. 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Fraenkel: Rue des Trois Visages\nPhilippe Soupault: Mon general / Plage perdue pour payer partout\nHerwarth Waiden: Von den schönen Künsten *\nKurt Schwitters; Tragödie\nKurt Schwitters: i / Ein Manifest\nGeorges Ribemont'Dessaignes: Beaux yeux sans arriere pensee\nMichael Larionow: Köstümskizze\nMai 1922"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c020", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[64]", "page_fin": "[64]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[64]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 90, "texte": "VERLAG DER STURM / G.M.B.H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-05-05-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-05-05_01#c021", "volume": "bmtnabg_1922-05-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[64]", "page_fin": "[64]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[64]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.2", "debut_caractere": 92, "fin_caractere_exclue": 805, "texte": "Monatsschrift Der Sturm / Dreizehntes Jahr.\nErscheint am ftinften jedes Monats\nMil mehrf arbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Ein Jahr 180 Mark / Ein Halbjahr\n90 Mark / Einzelheft 20 Mark\nAusland: 300 Mark\nVollstandige Exemplare dcs 5. bis 11. Jahrgangs\nnur noch in wenigcn Excmplarcn vorhanden jc\n300 Mark / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen.\nEinzelheftc aller Jahrg&nge je 20 Mark.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich,\nSturmbiihnc / Jahrbuch des Theaters der Ex-\npressionisten\n1. bis 8. 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Jahrgangs\nnur noch in wenigcn Excmplarcn vorhanden jc\n300 Mark / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen.\nEinzelheftc aller Jahrg&nge je 20 Mark.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich\nzu erwerben. Die Originale sind verkauflich,\nSturmbiihnc / Jahrbuch des Theaters der Ex-\npressionisten\n1. bis 8. Folge / 15 Mark\n\nBiicher\nFranz Richard Behrens\nBlutbliite / Gedichte\nGeheftet 20 Mark / Gebunden 30 Mark\nRudolf Bltimne?\nDer Geist des Kubismus und die Ktinste\nMit Abbildungen 35 Mark\nHermann Essig\nDer Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufel / Tragodie\nIhr stilles Gluck / Drama\nEin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / Erzahiung\nJedes Buch 30 Mark / Gebunden 40 Mark\nKurt HeynicKe\nRings fallen Sterne / Gedichte\n20 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblauch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\n20 Mark\n'.t ■ - -\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n30 Mark / Sonderausgabe 100 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen Empfindung und\nseine Losung\n30 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n30 Mark / Zweite Auflage\nWiSfeelm lunge\nDas Denken traumt / Gedichte\n20 Mark\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln\n30 Mark / Sonderausgabe 100 Mark\nLothar Schreyer\nMccr / Schnte / Mann / Dramen\n20 Mark\nNacht\n15 Mark\nJungfrau / Drama\nvergriffen\nDie neue Kunst\n12 Mark\nAugust Stramm\nDu / Licbcsgedichtc\n25 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 60 Mark\nGcsammcltc Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 60 Mark\nHas Verwora\nKcltischc Kunst / Mit Abbildungen\n20 Mark\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n800 Mark\nNur noch in wenigen Exemplaren vorhanden\nMuseumsausgabe vergriffen\nDie neue Malerei / Einfuhrung in den Expressio-\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n25 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler und Kunstkritiker\n30 Mark\nv • \".4\nDas Buch der Menschenliebe\n30 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\n30 Mark / Gebunden 45 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 150 Mark\nWeib / Komitragodie\n40 Mark / Sonderausgabe 150 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Spiel an der Liebe\nLeizte Liebe / Komitragodie\nGlaube / Komitragodie\nJedes Buch 12 Mark\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 20 Mark\nWilliam Wauer\nTheater als Kunstwerk\n20 Mark"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nWer schreibt das Lehrbuch\nder Deutschen?\n\nDas Berliner Tageblatt hat ausser den\nDichtern Dr. Ludwig Fulda und Doktor\nHanns Heinz Ewers den Dichter Herrn\nWalter von Molo entdeckt. Das deutsche\nVolk wird durch das Berliner Tageblatt\naber auch davon unterrichtet, was für Den-\nker unsere deutschen Tageblattdichter sind.\nUnd die Redaktion dieses Kulturorgans, die\nbekanntlich schwer unter Papier- und\nRaummangel leidet, gewährt Herrn Walter\nvon Molo anderthalb Spalten mit Ein-\nschränkung gern Raum: „Wir geben dem\nvon schöner Volksliebe durchwärmten Auf-\nsatz des Dichters Walter von Molo gern\nRaum, obgleich er unserer Meinung nach\ngeistige Erscheinungen, die sich gewiss in\nerschreckendem Masse bemerkbar gemacht\nhaben, allzu bedingunglos verallgemeinert\".\nDie geistigen Erscheinungen machen sich\nmit Hilfe des Tageblatts allerdings in er-\nschreckender Weise bemerkbar. Sie wer-\nden ganz einfach durch Druck sichtbar.\nNicht einmal das Rücken der Redaktions-\ntische ist dazu notwendig. Der durch-\nwärmte Aufsatz heisst: Ich kann nicht mehr\nschweigen! (Dabei dichtet der Mann nie\nunter drei Bänden). Und die schöne Volks-\nliebe beginnt: „Ich sage es ungern, aber es\nmuss sein: Unser Volk ist geistig umnachtet!\"\nMit Ausschluss der Mitglieder und Leser\ndes Berliner Tageblatts. Oder sollten etwa\nda auch geistige Erscheinungen sein, die\nsich in erschreckendem Masse bemerkbar\nmachen. Denker müssen beweisen. Herr\nWalter von Molo schreibt also in dem\ndurchwärmten Aufsatz: „Ich will einen Be-\nweis dafür, leider gibt es dafür tausende\nvon Beweisen, aus meinem persönlichen\nArbeitsgebiete erbringen: dazu muss ich\naber einen Satz lang erst von mir reden.\"\nEr redet zwar zehn Druckzeilen von sich,\naber die geistige Umnachtung ist wichtig\ngenug. Herr Dichter von Molo hat eine\nRoman-Triologie geschrieben, wirklich eine\nTriologie, nicht zwo, sondern drei Bände,\nvaschtehste. Es heist „Ein Volk wacht auf\".\nIch habe das Buch nicht gelesen, erfahre\naber aus dem durchwärmten Aufsatz, dass\ndas Buch geradezu erschütternde Gedanken\nenthält, was man im Berliner Tageblatt\nfür Dichtung hält. Herr von Molo hat näm-\nlich entdeckt, dass immer und überall\nLumpen und Menschen waren, wobei er\nunter Lumpen nicht die bekannten Stoffreste,\nsondern Menschen versteht. Herr Denker\nvon Molo hat ferner entdeckt, „dass immer\nund überall gesucht, geirrt und vergänglich\ngefunden wurde und wird,\" (Auflage 50000)\ndass es nur eins gibt, nicht etwa die Kuh\nin der Tüte, sondern „das Licht im Auge zu\nhaben und unbekümmert, auf kürzestem\nmöglichen Wege, guten reinen Menschheits-\nwillens voll (Durchwärmung) unrechtha-\nberisch und einig darauf loszugehen, in\nder Gewissheit: wir sind!\" Und Herr Denker\nvon Molo ist so bescheiden, diese seine\nGedanken (wach auf, mein Volk, auch\nwenn er Dich für geistig umnachtet hält)\neine „Binsenweisheit, die dem Deutschen\nso fern ist\", zu nennen. Eigentlich kann\nman nichts mehr reden. Heiss mich\nschweigen. Aber er kann doch nicht\nschweigen. Dieses verfluchte Volk muss\ndoch endlich die Binsenwahrheit fassen\nkönnen.\nWas ist ihm nun eigentlich geschehn,\ndem Denker - Dichter oder dem Volke?\nFest steht: ein Dreiband ist erschienen.\nHierauf hat das deutsche Volk in einigen\nerlesenen Exemplaren persönlich Briefe"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.4", "texte": "an den Denker-Dichter geschrieben. Dar-\nunter ein Leutnant der Reserve, ein\nSchüler, der Direktor eines Reformreal-\ngymnasiums, ein Bühnenarbeiter, eine\nDame, die heute Bolschewistin ist, ein\nObergerichtsrat und sogar ein lieber Freund\n„wenige Tage vor seinem Tode, der ihn\nplötzlich zu sich nahm\". Aus diesem\nschlichten Relativsalz bekommt man schon\ndie absolute Gewissheit, dass hier ein Dich-\nter zu seinem umnachteten Volke redet.\nDieser Freund zum Beispiel, den Herr Tod\nplötzlich zu sich nahm, (Durchwärmung)\nwar „während des Krieges begeisterter Re-\npublikaner und Fürstenhasser\". Dem Freund\nhat die Revolution das Geschäft verdorben,\nEr schrieb deshalb an den Freund von\nMolo: „Tilgen Sie in einer Neuauflage den\nAbschnitt, in dem Sie sich über den guten\nKaiser Franz lustig machen. Ihr Buch hat\nmich deswegen sehr verstimmt, es wird\nebenso auf alle wirken, die wie ich monar-\nchistisch gesinnt sind, die durch die Re-\nvolution gescheitert sind wie ich.\" Das\nist so ein kleiner Beweis von der Umnach-\ntung des deutschen Volkes. Der Dichter\nmacht sich über den guten Kaiser Franz\nlustig und dadurch den Freund böse.\nWelches gesunde Gehirn hat dieser Molo ge-\ngenüber dem geistig umnachteten deutschen\nVolke, dass er sich aus seiner heilen Haut über\nden guten Kaiser Franz lustig machen kann.\nWenn es mir nun glückte, mich über den\nguten von Molo lustig zu machen, so wür-\nden ihn vielleicht Redaktion und Leser des\nBerliner Tageblatts für geistig umnachtet\nhalten. Das wäre eine demokratische Ge-\nrechtigkeit. Aber es wird noch lustiger,\ndenn Herr von Molo beweist die Symptone\nder geistigen Unmachtung unseres Volkes\ndadurch, dass ihm „unentwegt sonderbare\nZuschriften ins Haus hagelten\". Ein Volk,\ndas nicht auf der Höhe der Denkkraft\nMoloscher Romane steht, ist tief gesunken.\nSelbst „ein Marinearbeiter\" hat dem Herrn\nvon Molo geschrieben, „dass er sich wun-\ndere zu sehen, dass Friedrich eigentlich ein\nanständiger Mensch gewesen sei und kein\nBluthund, wie er immer gehört habe.\" Man\nliest also, dass der Monarchist und der\nMarinearbeiter sich in der Mitte, in der\nPolitik der Mitte, in der Politik der Mittel-\nmässigkeit treffen. Ist dieser Mann nicht\nbescheiden, der nicht schweigen kann und\nder nun das Lehrbuch der Deutschen\nschreiben will. Ist das nicht ein Politiker,\nwie man ihn zwar nicht in der Masse,\naber massenhaft hat? Sollte man ihm nicht\ndiktatorisch die Kulturpropaganda für das\ndeutsche Volk übertragen? Ihm, der das\nLicht im Auge hat und dazu noch die Ge-\nwissheit: wir sind. Leider hat es keinen\nZweck mehr, Herrn von Molo mit dieser\nAufgabe zu molestieren, da unser Volk ja\nbereits bestens geistig umnachtet ist. Was\nmögen das für Idioten sein, die diese gan-\nzen Auflagen von allen diesen Romanen\nkaufen. Es bleibt nur die Frage: waren\ndiese Idioten geistig umnachtet, als sie die\nBücher lasen oder wurden sie es erst durch\ndie Missverständnisse, die dank der Lektüre\ndieser Romane in ihnen geweckt wurden.\nDie geistige Wachheit des Herrn von Molo\npersönlich ist im Schlaf festzustellen: er\nfunktioniert über den Parteien, was man\nauf deutsch liberal nennt, (Bezugsorgan\nBerliner Tageblatt) macht angeblich grosse\nMenschen klein und angeblich kleine Men-\nschen gross und beruft sich ausser auf das\nBerliner Tageblatt auf einen Schüler. „Ein\nSchüler beschimpfte Richard Dehmel, der\nein Werk liebe, das monarchistisch sei,\nDehmel sei doch Sozialist.\" Mit welch li-\nterarischer Feinheit wird dem geistig um-\nnachteten deutschen Volke beigebracht, dass\nRichard Dehmel sozusagen für die Romane\ndes Herrn von Molo eintrete. So ganz ne-\nbenbei durch den Brief eines Schülers.\nDer Schüler, selbstverständlich geistig unreif,\nwird des Sozialismus bezichtigt, was immer-\nhin schon eine Sache ist. Der Schüler und alle\nSchüler überhaupt haben nicht die tiefe\nEinsicht für die Politik der Mitte. Das\nLehrbuch muss geschrieben werden. Die\nSchüler, die Sozialisten und die Marinear-\nbeiter werden durch das durchwärmte\nAuge des Herrn von Molo erkennen, dass\nzum Beispiel Noske ein anständiger Mensch\ngewesen sei, kein Bluthund, sondern ein\nreiner Demokrat, dass Herr Ludendorff\nimmer und überall gesucht, geirrt und ver-\ngänglich gefunden habe. Mit der Gewiss-\nheit: wir sind. Dieses und ähnliches wird\nim Lehrbuch der Deutschen stehen. Sie\nwerden aus ihrer geistigen Umnachtung\nauferstehen und alle Mitglieder der deutsch-\ndemokratischen Partei, Abonnenten des\nBerliner Tageblatts (Inserate zu Vorzugs-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.5", "texte": "preisen) und Käufer seiner Gentologie (Ver-\nfilmungsrecht vorbehalten) sein. Mit dem\nTitel: Ich kann nicht schreiben / durchwärm-\ntes Lehrbuch tür alle Abonnenten des\nBerliner Tageblatts.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nIwan Goll\n\nKilowatt\nMississippi\nGrosser Gott\nMillionen HP\nChöre der Knaben und Greise auf der Fifth\nAvenue\nTänzerinnen der Folies-Bergere\nUnd das Abendgebet kleiner Vororttramways\nAll 6\nElektrische Nerven zucken aus Odessa\nKranen laden die gefischten Sterne aus\nIn ihren Antennen lauert die graue Spinne\ndes Eiffelturms\nRadiogramme des Frühling laufen ein\nGong der Sonne: einzige Reklame\nMillionen Kilowatt\nAm Petroleumbrunnen steht die Witwe\nRebekka\nKein Mann wird kommen mehr!\nDie Welt erkaltet ohne Metaphysik\nAlle Präzisionsuhren sagen einen Sonnen-\nuntergang in Japan voraus\nAber die Taschenlampe des Portiers findet\nschon den Ausgang\nm\n\nElectric\nAuf die Leiter des Eiffelturms steigt der\nBlaue Maschinist\nDen Mond\nSchutzmarke für Parfüms\nUnd der Friseure Schild herabzuhängen —\nAber die Welt strahlt weiter\nKupferne Ströme rauschen die Berge herab\nRhone\nMontblanc\nMars\nElektrische Wellen fliessen durch blonde\nNacht\nDisken über uns\nDas Lachen der Bahnhöfe\nDas Perlenhalsband der Boulevards\nUnd still an eine Parklinde gelehnt\nMademoiselle Nature\nMeine Braut\n\nToboggan\nSelten fahren wir Menschen Traum oder\nToboggan\nVergnügungstour zur Wahrheit\nVon Turbinen ist die geölte Erdachse ge-\ntrieben\nDie Nitralampe der Sonne gehört der AEG\nSchrauben des Saturn\nTreibriemen der Milchstrasse\nDampf\nWieviel Kilowatt\nUngeheure Fabrik der Pferdekräfte und\nBüchsenmilch: Gott!\nDas Matterhorn schreit vor Zahnweh\nGletscherkaries\nMan muss es herausreissen\nJuno schüttet Kölnisch Wasser auf die\nZwillinge\nTraum oder Toboggan:\nDie Pfeiler der Erde sind rostig\nEinsturz der Regenbogenbrücke über dem\nOhio\nDer Acheron läuft vor Leichen über\nAlle Luftschiffe sind nur Seifenblasen der\nFreiheit\nPlatzen\n\nGedichte\nWilli Knobloch\n\nNacht\nI\nStrahlende Strahlkerzen zerstrahlen\nrotschreiende Peitschnächte\nvergellend zerklatscht verheultes Zerbrüllen\nGoldhängendes Tränschluchzen\nzerwühlt zerberstet\nzerquillt\nzerschreit\nHängende Mondberge versinnen\nund tanzen\nEinsame Leuchtkugeln verlachen\nzerkrallen\nHochaufgepeitscht schreit ein Kind\nII\nSchneesilbriges Lachen kühlt hungriges\nGieren\nFeuchtrote Wangen verhauchen goldglän-\nzendes Lachen\nEin Knabe tanzt lockend den roten Tanz\nSchwarzballendes Hängen bedeckt tief-\nwellendes Glühen\nGallklurrend bellt ein klagender Hund"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.6", "texte": "Herwarth Walden gewidmet\nHermann Gramlich\nSchlüsselblumen brechen auf\nwinken durch die Wäldertüren\nFrühling lockt mit allen Fingern\nSonne herzt das kalte Rlut\nWaldverstecke\ntiefes Lauschen\nKuckuck schmeichelt seiner Stimme\nWinter geht auf schiefen Krücken\nVeilchen neckt den Schnee\nMorgen jauchzt des Himmels zarle Perle\nin den Lüften schwebt das Paradies\nLippenwirbel heizt den Riesenäther\nSchwere sinkt aufs Knie\nstammelt Gott\n\nLa femme\nLouis Aragon\nLa femme enceinte dort\nPareille ä la prairie\nPareille au temps\nPareille ä la lune\n»\nLa femme enceinte\nAttend l'humeur inquiete\nMere des fleurs et des oiseaux\nQui seront peints plus tard sur le corps\nde l'enfant\nC'est un gar^on\nII chantera les airs stupides les airs fous\nQui font marcher les balan§oires\nSur sa peau de panthere blonde\nLa femme enceinte avant de s'endormir\nVoudrait etendre des peaux de mers\nDouces malgre le sei et les jurons des\nmatelots\n\nRue des Trois Visages\n(St. Julien 1e Pauvre)\nTh. Fraenkel\nLes buvards fonctionnaires\nL'infanterie stationnaire\nLe boulanger bossu glace son rabot\nL'addition des cheveux des maisons\nemplit de confusion le faussaire\nIi descendait au fond de l'ocean Indien\ncueillir des perles dans la bouche des\nrequins\nLa prairie brillante oü paissent les femmes\nvetues d'ecorces et de chinchilla\nest encerclee par une haie d'epines.\nMille paires d'yeux y etincellent,\nles sagaies vont partir toutes seules\nmais rue des Trois Yisages\nbas de la page\nle boulanger faussaire noie sont chat\n\nMon général\nPhilippe Soupault\nPhilippe Soupault dans sa boutique\nsouffle sur les cuivres\net ouvre les tables\nun marteau pilon ä portee de sa main\net des gants de peluche mauve\npres du feu de bois harmonique\ncent sous\nAsseyez-vous sans bruit\nPlage perdue pour payer partout\nl'hiver dure neuf mois\nc'est la canicule\nles habitants sont rares\nbeaucoup sont nomades\navec des yeux mal fixes au long des rivieres\ndans les mains les arbres et les eaux glac^es\nles seules oreilles sont sur la mer\nä la limite meridionale de la foret.\n\nVon den schönen Künsten\n\na Tanzkunst\nIst Celly de Rheidt künstlerisch oder unsitt-\nlich. Oder beides. Oder künstlerisch im\nInteresse des Unsittlichen. Oder unsittlich\nim Interesse des Künstlerischen.\nNiemand weiss es. Jedenfalls kann sie\nnicht tanzen.\nMein herzliebe Fraue\nWas singst Du so fein\nIch sing meiner Mutter\nSchönst' Liedelein.\nReinhold Rraun, Originaldichter der Leip-\nziger Abend post vom Jahre zwoundzwanzig\nnach Christi Geburt.\n„Tanzabend Ingeborg Lacour-Torrup. Man\nwar sich anfangs nicht im Klaren, ob Knabe\noder Mädchen . . . Das lebhafte Spiel der"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.7", "texte": "Georges Ribemont-Dessaignes: Beaux yeux sans arriére pensée"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.8", "texte": "ungewöhnlich kräftig entwickelten Arm-\nund Halsmuskeln . . . Eine Kraft, die der\nLäuterung ebenso bedarf, wie ihr im Be-\nreich des weiblichen Ausdrucks völlig ver-\nsagendes Tanzen. Die kräftigen Glieder\nhat sie wohl in der Gewalt.\"\nMein herzliebe Fraue, was singst üu so fein.\nOriginalkritik aus der Leipziger Abendpost\nvom Jahre zwoundzwanzig.\nOb Knabe oder Mädchen. Jedenfalls kann\nsie tanzen.\n„Bei einer Frucht ist freilich der Kern die\nHauptsache, aber auch die bunte Schale\nkann ihren Beiz haben, so lange das Innere\nnoch nicht ausgereift ist Bernhard von\nHindenburg\".\nOriginalaphorismus aus der Leipziger\nAbendpost. Eine harte Nuss in einer\nschalen Schale. Jedenfalls kann er nicht\ntanzen.\n„Ingeborg Lacour-Torrup . . . Mangel an\nechtem Gefühl, Unfähigkeit, Trauer und\nFreude auch nur- zu empfinden.\"\nOriginalkritik des Leipziger Tageblatts,\nFünfuhr Abendausgabe mit Börsenkursen.\nErkennt sie nicht. Jedenfalls kann sie tanzen.\n„Eurhythmische Kunst. Völlig überzeugend\nund das ästhetische Gefühl wohlig befrie-\ndigend waren die Tänze nach Tönen Griegs\n• *\nund Schuberts; es war, als ob der Ästhet\nund Künstler im Zuschauer . . . plötzlich\nin einem weichen Bosenhügel versänke.\"\nOriginalkritik aus derselben Nummer des\nLeipziger Tageblatts. Börse befestigt.\nKleines Geschäft. 0 Bosenhügel. 0 Kün-\nler Im Zuschauer. Jedenfalls kann sie nicht\ntanzen.\n„Tanzabend Ingeborg Lacour-Torrup. Sie\ntanzte nicht, sie tänzelte. Die Figuren hat-\nten bisweilen den antikritisierenden Stil\nThorwaldsens mit einem Einschlag franzö-\nsischer Manier.\"\nOriginalkritik aus der Neuen Leipziger\nZeitung. Neu hinzutretende Bezieher sind\nselbstverständlich auch an dem Preisaus-\nschreiben von fünfzehntausend Mark der\nNeuen Leipziger Zeitung berechtigt. Für\ndiesen antikritisierenden Kritiker scheint\nnur noch die Kritik und nicht mehr das\nGeschlecht ein Problem zu sein. Ob Knabe\noder Mädchen. Jedenfalls kann sie tanzen.\nß Wortkunst\nAus einem Turngedicht von Joachim\nBingeinatz:\nDeutsche Jungfrau, weg das Armband!\nIn die Ilose! Aus dem Bocke!\nAus dem Streckstütz in den Armstand,\nNun die Flanke. Sehr gut! Danke!\nDeutsches Mädchen Hocke! Hocke!\nEin Dichter trotz Beimen.\nStürtzt in Eure Katarakte\nLose anvertraute Schallen\nIn dem Gaukelspiel der Akte\nLasst euch mischen und begalten.\nKein Dichter, trotz Beimen.\nVerfasser Friedrich von Hasenclever.\nNoch durchschauert kaltes Grauen\nDa ichs denke, mir die Brust.\nNimmer, nimmer kann ich schauen\nDieser stillen Schuld bewusst.\nKein Dichter trotz Beimen.\nVerfasser Walter von Schiller.\nJa, man soll, mein Hasenclever\nsich mit Schiller nicht begatten\nGoethe, Heine, Werfel, Bewer\nAlles längst vertraute Schatten.\nEine Wahrheit ohne Dichtung mit Beimen.\nу Tonkunst\nEndlich wird auch die Musik fortschrittlich.\nBald kann sie ernst genommen werden.\nDie älteren Komponisten beschäftigten sich\nnur mit Tönen, die sie auf höchst merk-\nwürdige Weise zusammenstellten. Jetzt wird\nman sich bald etwas bei der Musik denken\nkönnen. Das ist um so wertvoller, als\ndie Malerei sich in Farben auflöst, bei\ndenen man sich nun garnichts denken kann.\nDie Wirkung der gedachten Musik stellt\nsich auch bereits ein: man schläft. Denken\nist nämlich sehr schwer. Herr Walther\nBathenau hat die Leitung der Konzerte\nübernommen. Unterlegter Text von Kaiser\n(Georg). Zum Schluss bleibt alles beim\nAlten.\nی Musik\nBuhe und Bewegung eines Körpers ist nur\ndurch Buhe und Bewegung eines anderen\nKörpers wahrnehmbar. Die Tonkunst wird"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.9", "texte": "vereinsteint. Alle Kenntnisse sind relativ. Ab-\nsolut ist künstlerische Erkenntnis. Absolute\nMusik, an anderen Körpern wahrnehmbar,\nist: „Whispering\", Foxtrott von John Schön-\nberger (Eric Concerto's Yankee-Jazz-Band).\nJohn Schönbergerist kein Komparativ von\nArnold Schönberg, aber umso positivere\nKunst. „Jonny\" von Friedrich Holländer,\n„Peaches in Georgia\", Fox-Trot (Jazz Band\nThe Original Picadilly Four). Der Kom-\nponist hat nicht einmal einen Namen, aber\ndafür kann er komponieren. Ein unbe-\nkannter Meister.\nΩ Variété delectat\nArtisten arbeilen und Künstler denken.\nArtisten können etwas, Künstler denken\netwas. Ein Mann hebt ein paar Eisenge-\nwichte. Viele andere denken, das können\nwir nicht. Sie fühlen eine Überlegenheit\nund sind bezwungen. Hingegen wird es\nhohe Kunst, wenn Fräulein Müller auf\nder Bühne richtige Tränen weint; trotzdem\nihre Bekannten genau wissen, dass sie\neigentlich lustig ist. Sowie die Tränen\nkommen, geht es auf die Kunst über. Das\nFräulein kann sich so verstellen, als obste\nnatürlich bist. Plötzlich beweist der Mann\ndem unterlegenen Publikum, dass seine\nGewichte aus Pappe sind. Herzliche Freude.\nAber die Wirkung der Unterlegenheit war\ndoch da. Man dachte auch nicht so sehr\nan die Schwere der Gewichte. Sie sahen\nnur sehr gross aus. Also sie sahen aus.\nAlso ein optischer Eindruck. Und der\nMann bewegte die Gewichte im Rhythmus\nder Schwere. Also Bewegung. Nur die\nTräne hat er vergessen. Der Excentric be-\nhandelt seinen Partner als Gliederpuppe.\nDenkende Menschen fürchten für die Ge-\nhirnkraft des Menschen als Gliederpuppe.\nEr wird vielleicht das Berliner Tageblatt\nnicht mehr lesen können. Oder die Kultur\nwird spurlos an ihm vorüber gehen. Im\nÜbrigen ist es sehr komisch. Herzliche\nFreude. Die Gliederpuppe, die natürliche,\nlöst diese Wirkung nicht aus. Liegt die\nKomik darin, dass ein Mensch so tut, als\nob er eine Gliederpuppe wäre. Aber wenn\neine Gliederpuppe so tut, als ob sie Mensch\nwäre, plötzlich ist es Plastik. Skulptur.\nAlso hohe Kunst. Die Plastik bewegt sich\nzwar nicht mehr, dafür ist sie sprechend\nähnlich. Man kann sich sogar denken, dass\nsie weint. Die falsche Gliederpuppe, der\nMensch nämlich, schlenkert mit den Armen.\nHerzliche Freude. Niemand kann sich der\nWirkung der Komik entziehen. Dabei\nschlenkern wir doch alle mit den Armen.\nAlso das Schlenkern kann es nicht sein.\nVielleicht hat der Mann einmal überlegt,\nin welchen Zeitabständen er schlenkert,\nwann, wo und wie oft er sich bewegt.\nÜberlegt muss er wohl haben. Denn\nam nächsten Abend wiederholt er genau\ndasselbe. Hingegen ist Fräulein Müller\nheute garnicht in Stimmung. Sie „spielt\nnicht\". Oder der Herr von der Presse\nschreibt, sie hätte viele Nüancen. Oder\nsie hätte Auffassungen. Sie lebt sich in den\nGeist ein. Man glaubt ihr bald die Jung-\nfrau von Orleans, so natürlich spielt sie sie.\nDer Herr von der Presse kennt nämlich\ndie Jungfrau persönlich, die von Orleans,\ner kann es also beurteilen. Dressierte\nAffen tanzen den Rixdorfer, als ob sie\nMenschen wären. Menschen sehen hin-\ngegen wie Affen aus, wenn sie etwas anders\nals Walzer tanzen, sagt die Ästhetik. Im\nVariete kann jemand tanzen, das heisst,\nBewegungen optisch zu einem Organismus\ngestalten. Diese Art Tanzen, das Kunst\nist, wird zur Entschuldigung grotesk ge-\nnannt. Grotesk lässt man sich nämlich\ngefallen, weil hierdurch die Absicht be-\nkundet wird, nicht einen natürlichen Men-\nschen nachzuahmen. Wie der geht und\nder steht und der fällt. Der Kunsttanz\nhingegen wird mit der Seele ausgeführt.\nDas Gesicht leidet. 0 wie ich leide. Die\nDame vergisst indessen zu tanzen, weil sie\ndoch einen Augenblick leiden muss. Macht\nnichts. Beim Leiden kann man sich be-\nstimmt etwas denken. Musik von Chopin.\nIndessen gestalten Equilibristen lebende\nBilder. Gestalten Bewegung in Bewegung.\nVariete delectat. Es werden lebende Bilder\ngestellt. Unsere klassischen Malermeister\nwerden versinnlicht. Meistens durch Damen\nmit Zinkweis und Goldbronce, persönlich\nauf den Leib geschmiert. Die Kunst wird\nvernatürlicht. Das Publikum langweilt sich\nzu Tode. Nur die Kenner denken an ihren\nMichelangelo. Er wird ihnen mit Gold-\nbronce näher gebracht. Zum Schluss be-\nwegen sich die Damen dankend, damit die\nKavaliere nicht etwa denken, sie seien aus\nStein. Auch Goldbronce lässt sich abwa-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.10", "texte": "sehen. Hingegen Herr Schauspieler Kayssler\ntut so, als ob er aus Stein sei. Er wirkt\nwie eine Plastik von Michelangelo, denkt\ndie Kennerschaft. Jedes Glied ein Klotz.\nDas ist die Monumentalität der hohen Kunst.\nUnd dass Frau Lucie Höflich ihre Rollen\nblond auffassl, wird uns täglich versichert.\nSie fasst ihr eignes Haar persönlich und\nseelisch auf. Das ist nun wieder hohe\nKunst, weil es so natürlich ist. Auf-\nfassungssache.\nWas soll man nun denken. Man soll nicht\ndenken. Alles Lebendige ist Bewegung. Und\nKunst Gestaltung der Bewegung.\n\nHerwarth Walden\n\nTragödie\n\nTran No. 22, gegen Herrn Dr. phil. et med. Weygandt\nAn andrer Werken suche stets\nDas Beste nur herauszufinden,\nAn eignen aber sei dir's Pflicht,\nVorerst die Fehler zu ergründen.\nMarie Beeg.\nAusnahme^Offerte!\ndurch Kauf direkt aus Schiffsladung\nohne Zwischenhändler kann ich\nTran\nkonkurrenzlos billig anbieten*\nZunächst nenne ich meinen Tran: „das Wasserglas in der Fliege\" und beziehe mich auf\nMarie Beeg. (Fliegen haben kurze Beine.) Ich befinde mich im Kampfe gegen die Reaktion.\n„Ein Frühlingsabend am Rhein\"\nDie Presse unserer Gegner, der Gegner moderner Kunst, kämpft mit schmutzigen Waffen,\nindem sie auf die Dummheit und Eitelkeit der Mensehen rechnet. Herr Dr. phil. et med.\nWeygandt in Hamburg schreibt z. B. von Zeit zu Zeit über die neue Kunst verwirrende\nArtikel, die wissenschaftlich ernst erscheinen sollen, aber leider nicht sind. Der Pöbel\nfreut sich natürlich, dass man an sei-\nAushang kenntlich\nne gesunde Vernunft appelliert, er ahnt ja nicht, dass seine Vernunft nicht das Organ zum\nErkennen von Kunst ist. Der Pöbel freut sich, dass ein Arzt die Ähnlichkeit zwischen\n• •\nmodernen Künstlern und Geisteskranken so deutlich demonstriert, dass der Pöbel die Ähn-\nlichkeit durch Gleichheit ersetzt.\nIn einem rheinischen Städtchen wird ein Frühlingsfest gefeiert. Der Pöbel ist zu dumm,\num von vornherein abzulehnen. Wie kann ein Arzt über Kunst überhaupt schreiben, der\ndoch höchstens nebenamtlich etwas davon versteht* Die Liedertafel Union, die sich auf\neiner Rh einfahrt befindet, hat durch ihre persönlichen Beziehungen zum Festleiter eine\nEinladung zur Teilnahme an dem Fest erhalten. Dann aber ist es überflüssig und irre-\nführend, wenn Herr Weygandt neben seinen Namen die Titel Dr. phil. et med. schreibt."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.11", "texte": "Michael Larionow: Kostümskizze"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.12", "texte": "Phil, et med. sind keine Autoritätstitel bezüglich einer Urteilsfähigkeit über künstlerische Fragen.\n«SYNDETICON» es el nombre registrado y protegido por la ley.\n,Klebekraft'\nges. gesch., in Pulverform, klebt\nLeder, Stoffe, Pappen etc.\nI. Qualität\n(stark fadenziehend) ergiebig.\nSollte phil. etwa Kunstgeschichte bedeuten, so hat Herr Weygandt hier sich selbst durch\ndiesen Titel entwaffnet. Klebkraft, stark fadenziehend, hat der Kunstgeschichtler nicht.\nDurch Studium aus Büchern sind Kunstgeschichtler derart in der Aufnahmefähigkeit bor-\nniert, dass sie mit dem besten Willen das Wesen neuer Kunst durch die Anschauung,\nfadenziehend, syndetikalistisch, nicht mehr erkennen können. Als sie auf dem prächtig\ngeschmückten Festplatze eintrifft, herrscht dort bereits frohes Treiben.\nHerr Dr. phil. et med. Weygandt weiss, dass er tatsächlich nichts gegen die Kunst der\nJungen vorbringen kann, ausser seiner persönlichen Abneigung, die er sorgfältig zu ver-\nstecken sucht. Infolgedessen streut er Verdächtigungen aus, ohne zu beweisen, zieht\nParallelen ohne Lineal und bemerkt nicht, wie krumm seine Linien geworden sind.\nEine Künstlerkapelle lässt ihre lockenden Weisen ertönen und die Paare drehen sich im\nTanz. Weinlauben laden zum Verweilen ein und entgegen des Dichters Mahnung:\n„Willst wahren Du Herz und Glauben, zieh niemals an den Rhein\nUnd trink in rhein'schen Lauben nie einen Tropfen Wein\",\nfolgt man der Einladung nur zu gern, denn alles atmet Freude und Feiertagsstimmung.\nEs ist z. B. eine sinnlose Verdächtigung, zu schreiben: „Verlockend für die Kunstjünger\nwirkt sicher auch die Verachtung der Technik, wodurch mühsames Erlernen des Hand-\nwerksmässigen überflüssig erscheint.\" Ich hoffe dass meine beleidigten Kollegen dazu auch\nStellung nehmen werden wie ich. Ich selbst kann nur von mir berichten, dass ich die\nsogenannte Technik im Abmalen durchaus nicht verachte. Ich male selbst sorgfältige\nnaturalistische Portraits, man kann aber solche Naturstudien nicht als Kunst bezeichnen.\nDas Protrait ist eine wissenschaftliche Feststellung, wie jemand aussieht, die jeder be-\nliebige unkünstlerische Mensch, meinetwegen ein Arzt, ebensogut machen könnte wie ich.\nEs ist aber leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelör kricht, als dass ein Herr Dr. phil. et\nmed. etwas von Kunst begriffe.\nvorläufig\nausverkauft.\nVon dem Festleiter herzlich willkommen geheissen, dankt der Liedervater für die freund-\nliche Begrüssung und fordert die Liedertafel auf, einige Lieder zum Vortrag zu bringen.\n©ibt'S ba eine QBatyl?\nGanz einfach:\nWeil Merzbilder — enorm haltbar sind.\nEs liesse sich schliesslich noch darüber streiten, ob die Kunst oder die Nachahmung ein\ngrösseres rein technisches Können erfordert.\nWeil Merzbilder — sich deshalb im Gebrauch billig stellen.\nIch möchte zunächst\"über die Kunst schreiben. Beim Kunstwerk unterscheidet man Form\nund Inhalt. Die Form des Werkes wendet sich an die Sinne, der Inhalt an die Seele.\nDer Mensch hat fünf Sinne, und wir kennen die Sinnesorgane. (0 du, Geliebte meiner\nsiebenundzwanzig Sinne!) Aber was die Seele ist, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.13", "texte": "Weil Merzbilder — Körper und Nerven schonen.\nDeshalb muss vor allen Dingen das Kunstwerk künstlerisch geformt werden. Die sinnlich\nerkennbare Form des Kunstwerkes muss künstlerisch sein. Rücksichten aut Dinge ausser-\nhalb des eigenen Rhythmus gibt es für die künstlerische Form nicht.\nWeshalb fragt man denn gerade nach Merzbildern?\nEs ist gleichgültig, ob die Form etwas darstellt oder nicht. Die Form resultiert aus der\nVerwendung der formalen Mittel. Die Mittel der Malerei sind Malgrund, Farbe, Licht,\nLinie u. a.\nWeshalb sind denn Merzbilder so populär und beliebt?\nDer künstlerische Wille schafft aus diesen Mitteln durch rhythmische Wertung das Kunst-\nwerk. Die Beziehungen sämtlicher sinnlich erkennbaren Teile des Werkes untereinander\nsind der Rhythmus. Der künstlerischen Logik ist die verstandliche fremd und feindlich.\nDieses erzielt man am besten, wenn man seinen\nKörper möglichst gleichmässig warm hält*\nDas Fehlen der verstandlichen Logik im Kunstwerk bemerkt aber nur der, der die künst-\nlerische nicht sieht. Dem, der die künstlerische Logik erkennt, ist die verstandliche gleich-\ngültig. Ein Kompromiss, dass bald Verstand, bald rhythmisches Gefühl herrschten, wäre\nfür beide schädlich. Verstandliche Logik, wohin sie gehört, in die Wissenschaft. (2x2 = 5.)\nHierauf wird der Union aus goldenem Pokal der Ehrentrunk gereicht. Inzwischen sind\nfahrende Sänger auf dem Festplatze angekommen, die durch ihre Vorträge zur Belebung\ndes Festes beitragen.\nMan muss aus diesem Grunde darauf bedacht sein, dass\nman diese Erkältungen so schnell wie möglich los wird*\nDie Mittel der Dichtung sind Laut, Silbe, Wort, Satz, Absatz. Bei der rhythmischen Wer-\ntung der Mittel ist wichtig, dass nichts zuviel und nichts zu wenig ist, damit die Einheit\ndes Ausdrucks entsteht. Der Ausdruck ist nämlich Resultat der formalen Mittel, und nicht\nvon verständlichen Überlegungen.\nGleichmässige Körperwärme erreicht man durch häufiges\nBaden im Hause*\nNun zu Ihnen, Herr Weygandt! Ich sage es Ihnen offen, Sie halten nichts von der forma-\nlen Gestaltung. , , , _ , n\nSind denn Merzbilder etwas Besonderes?\nIhnen ist es am wichtigsten, dass Sie den Inhalt begreifen können.\nSind denn Merzbilder besser als gewöhnliche Absätze?\nKönnen Sie das nicht, so behaupten Sie frisch, der Künstler wäre mindestens den\nVerrückten ähnlich.\nWeil Merzbilder — eleganten und elastischen Gang verleihen.\nSie verwechseln die Hauptsache mit Nebensächlichem. Der Tanz nimmt seinen Fortgang.\n2X2 —6. Die Vernachlässigung der verstandlichen Logik stört Sie so sehr, dass Sie dar-\nrüber die künstlerische Logik nicht sehen. 2X2 =7. Jawohl, da staunen Sie. 2X2 =8.\nWeil Merzbilder — die holperigste Strasse zum Teppich machen.\n2x 2 = 10. Still senkt sich der Abend nieder und die leuchtenden Strahlen der unter-\ngehenden Sonne vergolden die Landschaft. Weil Sie die künstlerische Logik nicht sehen,\nstört Sie das Fehlen der verstandlichen."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.14", "texte": "Da erklingt ferner Glockenton und der Tanz bricht ab. Andächtig lauscht alles den feier-\nlichen Klängen des Ave Maria.\nDa Sie nun aber die künstlerische Logik nicht sehen können, können Sie nicht be-\nurteilen, dass ein Unterschied, ein prinzipieller, aber besonders wichtiger Unterschied\nzwischen den Arbeiten Geisteskranker und künstlerischen Arbeiten besteht; dass die Ar-\nbeiten Geisteskranker im Wesentlichen keine künstlerische Logik haben, wie leichte\nErkältungen, Schnupfen, Husten usw*\nAlles in Allem:\nWeil Merzbilder so viele Vorzüge haben, dass\nsie für Alt wie Jung unentbehrlich sind.\nNähere Auskunft wird bereitwilligst erteilt\nGAS'ANSTALT\n6 Unzen Handschuhe\nvon Emma \\\nin einem indischen Maskenkostüm. AvV* \\\nDIE D A\nKühn in das faule Fleisch der\numa\n§9* Rückseite beachten! *^Pf\nSelbstverständlich nur prinzipiell, denn es gibt natürlich unter Geisteskranken relativ ebenso\nviele Künstler, wie unter normalen Menschen, vieleicht sogar mehr, da die Beziehungen\nder Geisteskranken zur Kunst nicht durch normale menschliche Logik, etwa wie die Ihre,\nHerr Dr. phil. et med., gestört werden.\nUeberzeugen auch Sic sich mal von diesen Vorzügen, aber\ngen Sie von Ihrem Schuhmacher ausdrücklich MERZ, der Qualität\nwegen, denn es gibt auch minderwertige Gasbadeöfen« Gibt es da\neine Wahl?\nWenn Sie z. B. schreiben, ich hätte mich zu Leistungen begeistern lassen, denen eine be-\ndenkliche Ähnlichkeit mit den Erzeugnissen Schizophrener innewohnt, dann könnte\njemand mit demselben Rechte behaupten, Sie hätten eine künstlerische Urteilslosigkeit\ngezeigt, der eine bedenkliche Ähnlichkeit mit, Sie wissen ja gut Bescheid über die Namen\nder Geisteskrankheiten, jedenfalls innewohnt. Vielleicht werden Sie alt? Unsere\nGasbadeöfen in hängender und stehender Form liefern Ihnen\nohne große Mühe in 15 bis 25 Minuten ein Vollbad in je'\nder gewünschten Temperatur* Allerdings würde dieser Jemand unberück-\nsichtigt lassen, dass Sie ja garnicht blöde sind. Sie stellen sich nur urteilslos, um, ja um\nzu kompromittieren, um die Kunst zu kompromittieren."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.15", "texte": "Nach dieser kurzen Feierstimmung setzt des Festes frohes Treiben wieder ein. Oder\nwollen Sie etwa dreist behaupten, Sie hätten nicht kompromittieren wollen? Nehmen Sie\ndoch einmal ein ganz heisses Vollbad! 2X2 = 125 Grad. Oder sollten Sie etwa wirklich\nurteilslos sein und sich nur so stellen, als verständen Sie etwas von Kunst? 2X2 = 150°.\nMöglich. Jedenfalls stellen Sie sich dann verständig, um, ja um zu kompromittieren, um\ndie Kunst zu kompromittieren. 2X2 = 300 Grad Reomür, Vollbad in 5 Minuten. Soll ich\nIhnen mal sagen, was 2X2 ist? Vier mein Herr, vier, vier, vier, manchmal auch fünf, je\nnachdem, ob Sie Dr. med. oder Dr. phil. sind.\nEl SYNDETICON se endurece cn el frio; pero\nen tempcratura caliente adquiere su antiguo\nestado liquido.\nWenn Sie nicht die Absicht haben, zu kompromittieren, warum schreiben Sie dann nicht\nIhre wissenschaftlich scheinen sollenden Ausführungen in wissenschaftlichen Zeitschriften,\nsondern in Tageszeitungen, die von einem durchweg wissenschaftlich ungebildetem Publikum\ngelesen werden.\nTänzerpaare, Sänger und Sängerinnen erfreuen durch ihre Kunst und sichern sich den\nDank der Festteilnehmer?\nTäglich genommen, üben sie bei Erkrankungen auf den\nKörper ungemein\ngrosse Wirkungen\niniiTllMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiJiiiii^\naus.\nSie wissen eben, dass, obgleich die Masse der Halbgebildeten schwerfällig ist, die Gefahr\nbesieht, natürlich von Ihrem Standpunkte aus betrachtet, dass trotzdem Einzelne langsam\nbegreifen könnten, was Kunst eigentlich ist Das soll und muss aber verhindert werden.\n2X2 = 4.\nTJ , 4 1 *4. \\ er^alten Firmen aller Branchen sofort.\nJößtfCDSKcipitcil Keine Vorscbusszahlung. Streng reell\nund diskret. Bedingung gute Auskunft.\nSie vertrauen auf den Autoritätsglauben im deutschen Volke und schreiben einen wissen-\nschaftlich scheinenden Artikel für das Volk, nicht für die Wissenschaft. Voran stehen die\nAutoritätstitel med. und phil. Wesentlich ist Ihnen, zu kompromittieren, unwesentlich die\nRichtigkeit. Ich werde versuchen, meine Behauptung zu beweisen.\nIch will nicht entscheiden, ob Sie Ihre logischen Fehler kennen oder nicht, ob Sie also\nbewusst Falsches geschrieben haben, oder aus künstlerischer Urteilslosigkeit.\ngegen Schnupfen\nWirkung frappant!\nDas bleibt sich nämlich im Erfolg gleich.\n■ Hier könnte ich eine grössere Zahl von Sätzen herausgreifen um Ihnen\nDer Name zu zeigen, dass sie unhaltbare Behauptungen enthalten und geschrieben\nBRAUNS sind, um zu kompromittieren.\nbürgt für 1.) (Si wäre a6er aud) weit über bat 3itl\nE r 112 o 1 tr ' gefcfyoffett, wenn man aus beit auffallenben\n® * mtb beit pfjtKftröfen SJefdjauer »erblÄffenbeit\n(grjeugntffen moberttfler jlßnfHer fofort bie\n£)tagitofe auf Srrjtnn flelltn wollte."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.16", "texte": "Wollen Sie diesen Satz wirklich verteidigen? Lachen Sie nicht selbst, wenn Sie ihn einzeln\nserviert geniessen sollen, innerlich? Ich nehme an, Sie sind noch nicht kindisch geworden\naber* diese Behauptung ist genau so albern, als wollte jemand etwa schreiben: „Ein im\nZuschauerraum befindlicher Arzt, der einen Schauspieler einen Geisteskranken spielen sieht,\nbraucht noch nicht sofort den Schauspieler auf Irrsinn zu untersuchen, er kann das Ende\nder Scene erst abwarten.\" Das ist also Ihre ganze Weisheit. Und es lohnt sich garnicht,\ndiese Binsenweisheit auszusprechen, wenn man nicht damit den Schein erwecken wollte,\nals wäre es doch sehr notwendig, den Künstler auf Irrsinn zu prüfen. Der\nKünstler braucht nicht irrsinnig zu sein, er kann aber immerhin doch vielleicht **\nirrsinnig sein, wenn er im Kunstwerk die verständliche Logik zu Gunsten der gt\nkünstlerischen aufgibt. Das ist also Ihre ganze grosse Weisheit. Ich sage Ihnen: 0 O\nEin Künstler kann sich den Magen verdorben haben, aber er braucht sich nicht \\¥Z\nden Magen verdorben zu haben, wenn er malt. Lohnte es sich nicht für Sie, fu m\neinmal wissenschaftlich festzustellen, ob die Arbeit von Künstlern nicht eine\nbedenkliche Ähnlichkeit mit den Arbeiten Magenleidender hat? Die Anregung gebe ich\nIhnen gratis. Die Sagen des Bheins leben in Wort und Gesang auf und lassen den Zauber\nauf alle wirken.\n„Die Beben und die Minne, sie geben Dich nimmer frei,\nUnd um Verstand und Sinne bringt Dich die Loreley!\"\nNun lachen Sie wenigstens, Herr Dr. philetmed, ich finde Ihre Behauptung auch wirklich\nzu komisch.\nIch weiss Bescheid!\n£ .'S- NOTA BENE bin ich nämlich magenleidend. S- ®\n3* £ Lieber Herr Dr. Weygandt! Sie schreiben im Anfang Ihrer Besprechung * » g-Ä\nllSi in '1« Germania %Ss-\n\"«-I Morgen-Ausgabe 112 SlB\nBerlin 27. NOV. 1921 : ? _«\n® & « ° 2T- a\ns\" \" „3Wot>crne Ätttifl ober\nBoOnfirn?\nSSon\nsprof. £)r. pt)ü. et meb. 98. äö e 9 g a.n b t.\n$tutfi unb Äranftjeit, fcfjfiitbar $n>ei unwer*\n©egeitfäge!\"\nDas ist der Beginn. Was sich der Pöbel hinzudenken soll, liegt klar auf der Fussohle.\nWarum „scheinbar\" und warum die irreführende Überschrift? Wollen Sie sieh nicht selbst\nin der hier deutlich demonstrierten Weise ihren Artikel durcharbeiten, ich habe wirklich\nkeine Zeit mehr, ich habe noch mehr Antworten an Kritiker zu schreiben. O'Ha!\nInfolge der Materialbeschlagnahme\nkönnen Korbwaren zur Zeit nicht\nhergestellt werden.\nLager ist vollständig geräumt.\n„Im Zimmer liegt ein Duft von weissem Flieder „Im Zimmer liegt ein Duft von weissem Flieder,\nUnd alles atmet Liebesseligkeit.\" Ein holder Hauch der Liebesewigkeit.\"\nAnsichtsmuster zu Diensten."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.17", "texte": "Nun mache ich Sie nur noch auf folgende Sätze aufmerksam:\n~©o farnt bte ©dfytoctjer 2anbfd)aft öott „Söefanntltd) fjat ftd) ©cf)»itters aud) oon\naul M le c, bte auf SSterecfen mit bürfttg unfj ber auf einer spianfe angetroffenen ftnbltcfyen\nmarfterten Samtenbäumcfjen, überragt »on Snfcfjrift „2tnna ©lume I>at etn 230ge1\" ju\nber @d)tt)etjer flagge, a/i Sufeeub ttertfcfyer bidjterifdjen Seillungen begetflern laffen,\n@ebtlbe in einförmiger SOBteberfyoluttg bar* benen eine bebettfltdfye 2(ef)nltd)fett mit ben\nbietet, in frappanter ÜÖetfe erinnern an bte (Srjeugntffen ®cf)ijopt)rener innewohnt.\"\nSetcfynungen etneö »erblöbeten Äatatoniferä,\nber auf bie 3lufforberung, ju jeictjuen, was\nifym einfalle, bas Sölatt Rapier mit ebenfo\nunbeholfenen, fd)afät)nlid)en Bieren in lang»\nroetltger äßtebertjolung »olljei'cfynete.\" #er«\nflucht, td? fjafce gefiegt!\nWollen Sie kompromittieren oder nicht?\nVerlangen Sie, wenn Ihnen das Wohl Ihrer Familie am Herzen liegt, heute noch ausführ'\nliehen Prospekt über MERZ.\nIch will mich nicht schafähnlich wiederholen.\nEin offizielles Festessen findet nicht statt, doch hält der rühmlichst bekannte Festwirt Speisen\nbereit. (Mettfilet.) In der Zeit von B—98—9 Uhr kann zwanglos ein einfaches Abendessen ein-\ngenommen werden, bei Magen- und Verdauungsstörungen wohlschmeckende,\nleichtverdauliche und nahrhafte Speis e n.\nIch könnte noch einen Schluss schreiben, aber ich verzichte zu Gunsten des nächsten Trans.\nEl SYNDETICON tambien se puede mezclar con agua de colonia cuando este muy espeso.\nHiernach tritt der Tanz wieder voll in seine Rechte und lange noch herrscht heller Jubel\nund echt rheinische Fröhlichkeit auf dem Festplatze.\nIch will Ihnen nur noch ein Bikl zeigen aus alter Zeit, ein Bild aus der guten fdten Zeit,\nEssen Sie gern KÄSE?\nein Bild aus der lieben alten Zeit,\nKleine Knallkörper\n(Liliputmunition)\nAbsolut sicher!\nein Bild aus der schönen alten Zeit,\nNeu!! Neu!!\nMarmor' Krieger ohne Löschblatt\nein Bild aus der seligen alten Zeit,\n©er ftafferfaal mit den in 2Ba<p „naturgetreu\" natfyegetttöefen Sönnern der Seit\nein Bild aus der nie wiederkehrenden alten Zeit,\noie sieben öorouö unermef?(id?e Vorteile\nein Bild aus der alten Zeit, in der Sie sich so wohl fühlten, damit Sie nicht traurig sind:"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.18", "texte": "Und die Trompeten schmettern drein,\nDer närrische Brummbass brummt,\nBis endlich das Fest ein Ende nimmt\nUnd die Musik verstummt.\n®te werfe« bte $rage auf: tft ?etn p e?\" Unb geben bie Antwort: „<£in Drucffefyfer, e$ foll\n£ a m p e fyetßen!\"\nEt quand tu songes ia lune se couche,\nII ne se couche, il ne fait qu'ainsi.\nTibi cadaver cognosco cogito, ergo pingo.\n\nKurt Schwitters\n\ni\n(Ein Manifest)\nKurt Schwitters\nWas Merz ist, weiss heute jedes Kind. Was\naber ist i? i ist der mittlere Vokal des\nAlphabets und die Bezeichnung für die Kon-\nsequenz von Merz in Bezug auf intensives\nErfassen der Kunstform. Merz bedient sich\nzum Formen des Kunstwerks grosser fer-\ntiger Komplexe, die als Material gelten, um\nden Weg von der Intuition bis zur Sicht-\nbarmachung der künstlerischen Idee mög-\nlichst abzukürzen, damit nicht viele Wärme-\nverluste durch Reibung entstehen, i setzt\ndiesen Weg = null. Idee, Material und\nKunstwerk sind dasselbe, i erfasst das\nKunstwerk in der Natur. Die künstlerische\nGestaltung ist hier das Erkennen von Rhyth-\nmus und Ausdruck im Teil der Natur. Da-\nher ist hier kein Reibungsverlust, d. h. keine\nstörende Ablenkung während des Schaffens\nmöglich.\nIch fordere i, aber nicht als einzige Kunst-\nform, sondern als Spezialform.\nIn meiner Ausstellung im Mai 22 im Sturm\nsind die ersten i-Zeichnungen öffentlich aus-\ngestellt. Für die Herren Kunstkritiker füge\nich hinzu, dass es selbstverständlich ein weit\ngrösseres Können erfordert, aus der künst-\nlerisch nicht geformten Natur ein Kunst-\nwerk auszuschneiden, als aus seinem ei-\ngenen künstlerischen Gesetz ein Kunstwerk\nmit beliebigem Material zusammenzubauen.\nDas Material für die Kunst ist beliebig, es\nmuss nur geformt werden, damit ein Kunst-\nwerk daraus entsteht. Das Material für i\nist aber sehr wenig beliebig, da sich nicht\njede Natur im Ausschnitt zum Kunstwerk\ngestaltet. Daher ist i Spezialform. Aber\nes ist einmal notwendig, konsequent zu\nsein. Ob das ein Kunstkritiker begreifen\nkann ?\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Wer schreibt das Lehrbuch der Deutschen?\nIwan Göll: Gedichte\nWilli Knobloch: Gedichte\nHermann Grämlich: Herwarth Waiden gewidmet\nLouis Aragon: La femme\nTh. Fraenkel: Rue des Trois Visages\nPhilippe Soupault: Mon general / Plage perdue pour payer partout\nHerwarth Waiden: Von den schönen Künsten *\nKurt Schwitters; Tragödie\nKurt Schwitters: i / Ein Manifest\nGeorges Ribemont'Dessaignes: Beaux yeux sans arriere pensee\nMichael Larionow: Köstümskizze\nMai 1922"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.19", "texte": "VERLAG DER STURM / G.M.B.H.\nBERLIN W9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nSturm-Biicher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbarcn\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 20 Mark\nSturm-Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI—-IV je 50 Mark\nI Hare Chagall\nII Alexander ArchipenKo\n111 Paul Kiee\nIV Kurt Schwitters\nV Maler des Expressionismus:\n15 Farbdrucke: Kandinsky / Chagall / Marc / Klee usw.\n250 Mark\n\nPaul Klec: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Akt I / Akt II\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Scverini: Tango argentine\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nKoKoschKa-DrucKe\nAuf Costa Karton 20 Mark\nAuf Japanpapier 30 Mark\nI Portratzeichnungen: 1 Adolf Loos / 2 Herwarth\nWalden / 3 Karl Kraus / 4 Richard Dehmel\n5 Paul Scheerbart / 6 Yvette Guilbert / 7 Rudolf\nBliimner\nII Zcichnungcn zum Drama: Morder Hoffnung\nder Frauen\n12 verschiedene Blatter\n\nFarbige HunstdrucKe\nJedes Blatt 25 Mark\nAlexander Archipenko: Aquarell\nMarc Chagall: Interieur / Der Barbier\nMarc Chagall: Kutscher / On dit (Jude)\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nTour Donas: Frau mit Vase\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heeniskercki Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Kraft e einer Landschaft\nFernand Leger: Kontrast der Formen / Gemalde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nLouis Marcoussis: Stilleben\nLothar Schreyer: Biihnenfarbform\nNell Walden: 1: Todfriihling /2: Farbige Zeichnung\nSudseegotze\n\nMusiK\nEerwarth Walden\nGcsammclte Tonwerke\nDann / Vergcltung / Vcrdammnis / Werk l*—3\nDichtungen von Else Lasker-Schiiler\nFiir Gesang und Klavier / Je 9 Mark\nBruder Liederlich / Werk 51\nFiir Gesang und Klavier / 9 Mark\nEntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFiir Gesang und Klavier / 9 Mark\nZchn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFiir Gesang und Klavier / 50 Mark\nEinzelausgabe No. 1\nEr hort mit ihr den Gukguk\nSchreyn / 9 Mark\nDie Judentochter / Werk11171 / 15 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFiir Gesang und Klavier / 12 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFiir Klavier / 15 Mark\nDer Sturm / Heeresmarsch / Werk 21\nFur Klavier / 6 Mark\nTanz der Tone / Werk 23\nFiir Klavier / 9 Mark\n\nSturm-Kartell\nJcde Karte 2 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken\nfolgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeisler 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nGampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nFernand Leger 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Grunewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne von Werefkin 1\n\nHunstdrucKe aus dem Verlag Der Sturm\nAuf Japanpapicr\nJcder Kunstdruck 15 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Wciss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuriickbleibenden\nGampendonk: Zeicbnung\nMarc Chagall: Interieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\nRobert Delaunay : Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Hafen\nXandinsky: Zwei Zeichnungen"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220505-01.1.20", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitüng: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: Druckerei für Bibliophilen / Berlin NO 18\n\nDcr Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nDenver / U. S. A.\n\nST* TT \"D \"R7T AD t? \"IVT T\"\\ T7 Jeden Mittwoch 7 3/4 Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nI u Potsdamer Straße 134 a\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nMittwoch, den 24. Mai: 200. Sturmabend\nKarten 10 Mark an der Abendkasse und im Vorverkauf / Potsdamcrstr. 138 a\n\nSturm'Buchhandlung\nBerlin W9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFernruf Amt Lutzow 4443\nExpressionistische Kunst und Dichtung\nAuslandische Bticher\nVerkauf guter Bucher und Kunstdrucke\nNeuanzeigen Der Sturm\nOskar Kokoschka: Menschenkopfe\n15 Blatt Portratzeichnungen auf Japanpapier\n360 Mark Mappe in Luxusausfuhrung\n\nDer Sturm übernimmt die Veranstaltung von\nSturm-Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stadten und Landern*\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\n\nHundertachte Ausstellung\nMai 1922\nKurt Schwitters\nL. Kosinzova'Ehrenburg\nSturm^Gesamtschau\n\nHundertneunte Ausstellung\nJuni 1922\nAlbert Gleizes\nSturm-'Gcsamtschau\n\nTageskarte 3 Mark\n\nSturm - Ausstellungskataloge\nMitAbbildungen\nAlexander Archipenko Skupina\nMolzahn Gino Severini\nJe 6 Mark\n\nTour Donas—Nell Walden/ Franz Marc / Iwan Puni\nHundertste Ausstellung\nJe 10 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n15 Mark"}]}