{"numero_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_sha256": "82372ba66f8b38ffcd2aabba7bab3782a7fda4c27c656fff9f57fe79c55b1ef3", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1922/06/05_01/bmtnabg_1922-06-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1922/06/05_01/bmtnabg_1922-06-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.1", "titre_corps": "Komposition / Zeichnung", "titre_sommaire": "Komposition / Zeichnung", "signature_source": "Peri", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.1", "debut_caractere": 93, "fin_caractere_exclue": 122, "texte": "Peri: Komposition / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "83", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.2", "titre_corps": "Asien", "titre_sommaire": "Asien", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.3", "debut_caractere": 56, "fin_caractere_exclue": 3377, "texte": "Asien\n\nAuch Bierwirte sind durchaus nicht minder-\nwertig. Auch gegen Kaufleute ist nichts\neinzuwenden. Auch nichts gegen russische\nJuden. Hingegen ist der Geist Europas\nbedenklich. Er wird vertreten durch Pro-\nfessoren im Gehrock mit braunen Schuhen,\ndurch Künstler in Cafes ohne Musik und durch\nAkademiker in Cafes mit Musik. Soweit\ndiese Künstler und Akademiker wirtschaft-\nlich Proletarier sind, fühlen sie sich zu\nFührern des Volkes berufen. Steckt jemand\nsein Geld in sie hinein, werden sie sogar\nFührer der Nation. Solange und bis da-\nhin zahlen die gläubigen arbeitenden jun-\ngen Mädchen für sie.\nWarum soll man nicht glauben? Ziele sind\nunerheblich. Auf den Glauben kommt es an.\nDer Mensch ist gut, sagt die junge Literatur.\nSie ist nicht jung, diese Literatur. Denn\ndie Literatur ist der Geist Europas, der\nLeben und Sinne und Kunst zu begrifflichen\nDingen gemacht hat. Man kann gegen den\nGlauben protestieren. Aber der Protest ist\nnie ein Glaube gewesen. Der Glaube ist\nKampf. Und Kampf ist Glaube.\nIn Europa glaubt man an Personen. An\nPersönlichkeiten. Goethe hat es schon\ngesagt. Höchstes Glück auf Erden. Der\nBierwirt ist keine Persönlichkeit. Er ver-\nzapft Bier. Geist ist besser und sogar billiger.\nEr ist sehr billig, der Geist Europas. Er bildet\nsich etwas ein, weil er abgestanden ist und\nnicht einmal Bier aus seinen alten Schläuchen\ngibt. Der Kaufmann beruhigt sein händ-\nlerisches Gewissen mit ihm, auf blutige\nSchlachten folgt Gesang und Tanz. Alles\nbringt Gewinn. Man muss es nur nicht aus-\nüben, die Schlacht und den Gesang und\nden Tanz. Man muss es andere ausüben\nlassen. Dann blüht der Handel und es muss\ndoch Frühling und Sommer und Herbst und\nWinter werden.\nDer neue Geist Europas macht die Geschäfte\ndamit, das Volk zu befreien. Zu diesem\nZweck begibt sich die Wissenschaft nach\nLesbos, die Kunst nach Weimar und die\nPolitik nach Genua. Zwar keine Völker-\nwanderung, aber die Persönlichkeiten sind\nwieder einmal auf Reisen. Der König von\nItalien fährt auf dem Schlachtschiff mit\nGesang und Tanz zu Herrn Tschitscherin, der\ngerade den Erzbischof von Genua empfängt,\nbei dem sich vorher Herr Rathenau die\nWeihen geholt hat. Die Menschen sind gut. In\nWeimar wird Goetheendlich auf eine mecha-\nnische Formel gebracht, da Hindenburg end-\ngültig vernagelt ist. Und Herr Dr. Hirschfeld,\nder grosse, gründet Freundschaft auf Freund-\nschaft. So machen sich alle alten Geister\nganz neu. Das Volk aber ist nicht im Ge-\nringsten darauf gespannt, was für ein Geist\nverzapft wird. Es lässt die Persönlichkeiten\nsich entgeistern und kämpft. Die Künstler\ngreifen ebenso dilettantisch wie in die Kunst\nin die Politik ein, halten sich aber per-\nsönlich wenigstens in den Cafes zurück.\nDie jungen Mädchen überbringen indessen\ndie Refehle der Führer. Auch nachts.\nAuch zu Fuss. Führer können nur in Autos\noder in Tanks gelenkt werden. Sie müssen\nsich für das Allgemeinwohl schonen. Von\ndem alten Geist Europas wird als gesund\nnur die Lues übernommen.\nIndessen spielt Asien in Schöneberg, wie\neben Asien spielt. Das europäische Russland\nwächst zum russischen Europa. Die Steppe\ndehnt sich über Städte aus. Die Steppe\nist keine Leere. Die Steppe ist Weite.\nAugen sehen über Mauern den blauen\nVogel. Der zwitschert auf der Ebene, dass\ndie Sinne erwachen. Kein Gedanke trübt\ndie Weite. Hier ist Gemeinschaft zwischen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4245, "texte": "Wort und Ton und Farbe. Hier ist ein\nGleichnis ewiger Menschlichkeit. Hier ist\nKunst. liier spielt Asien und Europa lächelt.\nEuropa lächelt überlegen. Ist es überlegen,\nzu lächeln. Ueberlegt man sich das Lächeln.\nWird man durch Lächeln überlegen. Oder\nist das Lächeln nicht überlegen. Das\nLächeln ist überlegen. Ueberlegen dem\nüberlegenem Lächeln. Europa freut sich,\ndass Asien spielt. Europa spielt mit. Euro-\npa, das bisher gehandelt hat. Und seine\nHandlungen bedacht hat. Bedacht hat, bis\ndass es Asien lachen\" machte. Bis dass es\nüber sich lachte. Ohne Grund lachte. Lieber\nalle Gründe lachte, \\veil alle Gründe lächer-\nlich sind. Und über alle Gründe schliesst\nsich der Boden. Und auf dem Boden hebt\nsich ein Tanzen. Menschen tanzen ohne\nGrund, Menschen lächeln ohne Grund.\nMenschen finden Menschen. Menschen sind\nMenschen. Hier blühen braune Augen.\nHier ranken blonde Haare. Hier spricht der\nMond und die Bäume springen. Hier schweigt\nder Mensch und die Tiere flüstern. Hier\nsingt ein Stern und die Götter stürzen. Hier\nweint ein Haus und die Puppen lieben.\nDer Bierwirt denkt und die Denker klingen.\nDer blaue Vogel springt von Herz zu Sinn.\nDas Lächeln hüpft über erdschwere Erde.\nAlle Gründe sind nun geschlossen. Alle\nBerge in sich versunken. In schwarzbraun-\nblauen Augen jubelt Glück. Das Glück der\nSekunde, zu Stunden geweitet.\n0 mein blauer Vogel im Flügelschlag\nschwingender Kometen.\nPaul Barchan im Berliner Tageblatt: „Mit\netlichem Bangen ging man hin, nach dem\näusseren Schöneberg. Doch es kam ganz\nanders. War zu Anfang man auch spröde,\nso geriet man bald in helles Entzücken.\nDas Nationalrussische ist doch unverwüst-\nlich. Eine Mordskraft steckt drin. Und\nist es als Leben auch getötet, als Kunst lebt\nes fort. Also zuckt das herausgerissene\nHerz noch, ist das Lebewesen auch erlegt!\"\nDieser Paul Barchan ist als Lebewesen\nnicht erlegt, lebt aber als Kunst im Berliner\nTageblatt fort. Eine Mordskraft steckt da-\nrin. Nicht totzukriegen. War zu Anfang\nman auch spröde, schliesslich musste selbst\nHerr Barchan lächeln, der kleine Kritiker\ndes grossen Tageblatts. Und man auch war\n**i>■ i \\ * '\nspröde, alle Männer mussten lächeln. Alle\nMänner wurden erlegt. Und zwar von dem,\nworüber sie zu herrschen glauben: von der\nKunst.\nDurch Johann Strauss Vater ist Oesterreich\nüberschätzt worden. Es endete bekanntlich\nmit einem Wellkrieg zur Erhaltung von\nJohann Strauss Vater. Aber der stammt aus\nAsien. Nur ein mangelnder Ortssinn konnte\nihn für einen Oesterreicher halten. Gibt\nes doch die Bäckerin E. Pofirjewa und\nden Friseur G. N e 1 i d o w und den Mond\nA. Damansky. Die werden es bezeugen,\ndass Johann Strauss nicht aus einem Winkel\ndes Winkels Europa stammt. Und wenn\nman diesen drei Zeugen nicht glauben will,\nso beweist es die Landschaft und die Ort-\nschaft von A. Chudjakow. Das sind\nkeine Menschen, Europäer, die euch der\nblaue Vogel gebracht hat, das sind keine Künst-\nler, Europäer, die euch in das bessere Jenseits\nverschicken, damit ihr sie auf Erden zahlt.\nDas sind Kunstwerke. Das ist ein Ton-\nfarbformgebilde, Erde ohne Kunstschwere,\nKunst ohne Erdschwere, das ist das Lächeln.\nUnd heisst einfach: Nummer 8, Mondschein-\npolka oder der verliebte Friseur. Dabei\nkann man sich etwas denken. Aber nur\ndabei kann man sich etwas denken. Plötz-\nlich tanzen Töne und Farben singen und\nFormen bewegen sich. Und blaue Vögel sen-\nken sich in aller Hirne. Und alle Hirne\nlächeln, lächeln, lächeln. Kein Busse ver-\nsteht mehr russisch und kein Deutscher\nliesst gründlich den Text nach, übertragen\nvon Paul Barchan, aber alle schwingen\nim Gezweig der Kunst. Nicht einmal der\nDenker fällt hinunter.\nDa singt die Bäuerin V. Arenzvari\n„Abends spät im Walde\". Im Wald von\nXenia Boguslavskaja. Sie darf ihn\nnicht loben, weil ich sie persönlich kenne,\nsagt Herr Barchan. Ich kenne Dich nicht,\nXenia Boguslavskaja, hier bist du ausser\nDir und über Dich. Hier ist ein Kunstwerk,\ndass Du trägst, dass Dich getragen hat.\nWenn es auch keine Kunst zu loben ist,\nist Tadeln keine Kunst. Nie kennt der\nKünster das Kunstwerk, doch im Kunstwerk\nerkennt er sich. Als Teil des Teils, dessen\ner teilhaftig wurde. Und wenn Dein Wald\nam Abend hell elektrisch glüht, hier ist\nder Wald aus vielen Wäldern gestaltet.\nHier singt die Bäuerin V. Arenzvari"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2829, "texte": "die Töne Deiner Farben, Xenia Boguslavskaja.\nHier singen Farben Töne und Töne leuchten.\nUnd Töne leuchten Farben. Und Farben\nsingen Töne. Nummer 11: Bei Zigeunern.\nEin Bild aus dem alten Moskau. Die\nStimme der A. Koltschefskaja ist\neine Stimme, die das Dasein von Liedern\nentschuldigt. Die die menschliche Stimme\nzu einen Kunstwerkzeug macht. Die Stim-\nme der Koltschefskaja ist eine Fülle von\nTonformen, so, dass die Fülle der Stimmen\nals eine Tonform entgegen klingt. Und die\nBewegung des Kaufmanns Duvan-\nTorzoff, eines herzlichen Ausbeuters,\nist eine Bewegung, die sich rhythmisch\nmit der bewegten Masse der Zigeuner und\nZigeunerinnen zu einem Kreise rundet, Bild\nwird. Hier ist das optische Phänomen\nerkannt und gestaltet.\nUnd wie vollendet ist diese farbige Zeich-\nnung gestaltet, die „Time is money\" heisst.\nDieses Spiel ist ein wesentliches Beispiel\nfür das Unwesentliche des Gegenständlichen\nund der Aussage in der Kunst. Denn das\nKunstwerk ist die Beziehung und die Be-\nwegung der Linien I. Chadschi gegen die\nLinien der E. Awach. Alles Sichtbare\nwird optisch wahrgenommen. Es kommt\ndaher für die Kunst auf die Sichtbarkeit und\nnicht auf die Wahrnehmung an. Hingegen\nwird die Wahrnehmung und auch das\nWahrgenommene nur durch künstlerische\nMittel sichtbar.\nUnd alle gegenwärtigen Theater Europas\nsind künstlerisch durch diese kleine Scene\nerledigt, die sich schlecht und unrecht\nmusikalisches Drama nennt: „Der König\nrief seinen Tambour\". Hier ist das Theater\ndurch Kunst exledigt. Hier ist eine orga-\nganische Verbindung von Farbe, Form,\nTon und Tonfall geschaffen, die in ihrer\nsinnlichen Vollendung übersinnlich wirkt.\nHier werden die Sinne nicht gereizt, hier\nsind sie befriedigt. Hier wird das Kunst-\nwerk ungeteilt und unmittelbar aufgenom-\nmen. Hier hört das Auge und sieht das\nOhr zeitlos im gleichen Raum und raum-\nlos in gleicher Zeit. Die Geschlossenheil\nder Bewegung wird Bewegung der Ge-\nschlossenheit. Hier ist der Moment über-\nzeitlicht und das Moment iiberräumlicht.\nHier wird der Flügelschlag schwingender\nKometen zum Kreisen schweifender Plane-\nten. Die Ewigkeit ist sinnfällig geworden.\nErdfällig gesprochen: Regie: I. Duvan-\nTorz o 112 f. \" Dekoration und Kostüme:\nP. Tschelischtschew. Mitwirkende:\nI. Dubrowskv, I, Chadschi,\nV. Arenzvari, E. Awach, 1. Tartakow,\nG. N e 1 i d o w.\nMorgen kommt wieder ein Tag. Und nach\nder Nacht wird es übermorgen. Die Wis-\nsenschaft geht auf das Festland zurück,\ndie Kunst in die Vereinigten Staaten und\ndie Politik nach Haag. Europa wird immer\nvornehmer. Jetzt ist der Professor Minister\nund der Bierwirt Grüssonkel und der Künst-\nler Denker.\nDie Kunst ist frei für den Glauben.\nDie Kunst ist vogelfrei.\nWie du frei bist, mein blauer Vogel. Wie\nfrei du bist im Flügelschlag.\nFliegst durch Bindung. Bindest durch\nFliegen.\nWir wollen fröhlich sein.\n\nHerwarth Walden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "84", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.3", "titre_corps": "Jäh", "titre_sommaire": "Jäh", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.5", "debut_caractere": 2831, "fin_caractere_exclue": 3108, "texte": "Jäh\n\nGebeugt\nkniet Zittern\nAhnen\nSinken\nfelsenhager\nwiegend\nLippen schluchtgesperrt\nund\ntrinkt\ndas Rieseln\nund\ndas Auge\nErdenauge\nblättert\nbleich\nzermiidend\nGrau verspült\naus Hängen\nTraubenbogen\nschlingert\nPerlenplätschern\nhin\nschwimmt hin\nim Glanz der heben Nacht\nglanzsperren"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 510, "texte": "heben\nsplittern Spitzen\nkanten\nwachsen\nblocken\nzittern Schmerzensadern\nschreigesprenkelt\nFlimmer\nflammt der Fels\ndie Schlucht\nda fliehen Menschen\nrückwärts\nvor\nß\naufbrechen Wasser\nmähnen\nwimmeln\nkreisen\nbleichen Ängste\nMond reicht Hände\nhebt\nqualmt Blau\ndie Leiber sinken\nWürmern\nringeln\nfaden\nschlingen\nfallen\nFüsse spreizt das Schwert\ndie Donner recken\nbrausen\nbrüllen\nStaub versinkt\nKrystalle säulen\ntiefen\nkanten\nkränzen\nkuppeln\nschleicht die Stille Kraterasche\nAsche\nrinnt\ndas Herz der Welt\n\nKurt Liebmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "92", "image_debut": 6, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.4", "titre_corps": "TRAN 25 Sämischgares Rindleder : Sämischgares Rindleder", "titre_sommaire": "TRAN 25 Sämischgares Rindleder : Sämischgares Rindleder", "signature_source": "KURT MERZ SCHWITTERS", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.6", "debut_caractere": 512, "fin_caractere_exclue": 542, "texte": "TRAN2/5\nSämischgares Rindleder"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.6", "debut_caractere": 564, "fin_caractere_exclue": 1414, "texte": "Achtung! (126367) Achtung!\nFilze aller Art\n(Kann nach der Weise: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall\" gesungen werden.)\nWie die nicht abfliessende Mutterbrust erkrankt dem Wurzelechten die nicht abfliessende\nSeele. Wer ist wurzelecht? Herr Lange ist wurzelecht. Warum ist Herr Lange wurzel-\necht? Weil er das Echte bei der Wurzel fast und entwurzelt, weil er den „Pulsschlag\nlebendigen Blutes spürt\", und zwar bei den soeben entwurzelten Echten. Wollen Sie mal\nmeinen lebendigen Pulsschlag spüren? (Der Vorderschluss vereint Gracie mit Bequemlich-\nkeit.) Ziehen Sie nur dreist Ihr Korsett aus.\n„Bei den greisen Sturmleuten (Ausgestellt haben z. B. Klee, Neil Waiden, Archipenko,\nMarcoussis.) ist dieser Handgriff (gemeint ist wahrscheinlich die Notbremse.) allerdings\nvergeblich.\" Schade, Sie hätten sonst den Zug auch schon längst zum Stehen gebracht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3259, "texte": "(Nicht auf den Fussboden spucken!) Jugendlich ist dagegen z.B. Rohlfs. Der ist echt,\nwährend Herr Lange wurzelecht ist. (auch links gedreht.)\n[ Äeuteabenb 8 ttfyv\nentfcf)Uef fanft ttad)\nfetterer\nanfielt ttnfer aller\nßiefclittg, ber\nBubi\nim martert $Uter t>on\n10 Minuten.\nWeil er keinen Handgriff hat. Soll ich Ihnen mal einen Handgriff\nzeigen, Herr Lange? Herr Lange ist auch Könner. („Die Wurzelechten,\ndie Könner.\")\nWas soll das nun wieder heissen? Herr Lange ist wurzelecht, weil\ner Könner ist, und ist Könner, weil er wurzelecht ist. Weil er keine\nNotbremse hat. (auch rechts gedreht.) Herr Lange kann schreiben,\nkann lange schreiben. Die Quantität machts bei den Wurzelechten. „Das sind so ein\npaar Tatsachen\", um mich der Worte dieses Wurzelechten zu bedienen, „die man sich als\naufmerksamer Zeitbeobachter merkt\".\nFilze aller Art\nSoLange der Vorrat reicht.\nIch fasse die Sache so auf: die Wurzel des Echten ist die Hand, die beim Pferde aus dem\nHinten zurückgreift in bessere Zeiten. Ich erinnere an die herrlichen mittelalterischen\nKentauern. Herrn Langes Kritik ist „mildes Lachen\", pardon, seine „mildeste Kritik ist heiseres\nLachen\", pardon „heileres\" wollte ich schreiben. „Sich über so etwas\" (gemeint ist die\nKunst.) aufzuregen, oder darüber zu schimpfen, ist absolut unnötig.\" Relativ unnötig\nwürde ich sagen.\nDas sind goldene Worte,\nwert, weit gehört zu werden und tief in die Seele jedes deutschen Alle Filze\nSattlermeisters einzudringen. In tiefer Trauer:\nFamilie MERZ.\nK, . - Daher dieses wurzelechte Lachen dieses heiseren Herrn Lange, ohne\nipSbl Handgriff, ohne Schimpfen. Herr Lange steht eben über der Kunst.\nIch sehe eben, dass ich mich verschrieben habe, nicht „heiseren\",\nsondern „heiteren\" Herrn Lange muss es heissen. Ernst ist der Lehmann, heiser die Wurzel.\nHabt Ihr schon einmal einen heiseren Hund bellen hören: Kritiker bellen manchmal heiser,\nHerr Lange nicht. - Darum „meine Lieben, nun schimpft mir bitte nicht gleich über diesen\nWurzelkranken, wenn Ihr zu 74 meschugge geworden\" diese Träne gelesen habt, „werft\nauch bitte nicht den Wurzelechten mit diesen rasenden Sturmgesellen (z. B. Chagall,\nSchwitters, Bauer) in die Wolfsschlucht\". Wahrscheinlich sollen aus Bauer Kugeln gegossen\nwerden, mit denen der wurzelechte Freischütz gegen die Kunst schiesst. In Kugelform\nist der Bauer und der Chagall immerhin geniessbar. Lasst den Wurzelkranken, meine\nLieben, denn wie die nicht abkugelnde Mutterbrust, erkrankt dem nicht abfliessenden Kri-\ntiker die nicht abfliessende Wurzel. So ein Lange muss der Kritik erhalten bleiben, er\ndarf nicht abfliessen.\nDas sind goldene Worte,\nwert, weit gehört zu werden und tief in die Seele jedes deutschen o _ _ r\nSattlermeisters einzudringen. «iivTt)\nPETROLEUM\nDeshalb lässt Herr Lange seine nicht abfliessende Wurzelseele überfliessen: „Der Expres-\nsionismus, oder besser gesagt das, was die Vertreter dieser Richtung wollen, (Herr Lange\nist Generalvertreter des Expressionismus für Göttingen.) (Pardon, Wurzelvertreter.) — das\nhat mit dem Tamtam und den ornamentalen Floskeln derer um Waiden garnichts gemein.\"\nHerr Lange ist nämlich Kenner, nicht abfliessender, wurzelechter Kenner. Schon am ver-\ngangenen Mittwoch hat er einen Vortrag des Herrn Waldmann, wahrscheinlich über Expres-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3190, "texte": "sionismus, gesehen. Oder sagt man gehört, wie bei Opern? Herrjeh, was man in Göltin-\ngen doch alles riechen kann! Herr Lange hat als aufmerksamer Zeitbeobachter zugehört\nund kann nun über Expressionismus schreiben. D. h. damit soll nicht gesagt sein, dass\ner überhaupt schreiben könnte.\n'4 c 4 4 4\nLeichenpferdedecken\nA\nHervorragende Neuheiten.\nverlangen\nAnsichtssendungen.\nJedenfalls soviel ich es beurteilen kann, müssen die Herren Kunstkritiker immer erst et-\nwas gelesen oder gehört haben, bevor sie riechen können. Sehen kann kein Kritiker für\ndie bildende Kunst, vielleicht kann der Musikkritiker sehen.\nHerr Lange schreibt nun, und zwar so: „Eine geistige Bewegung, — und das ist nun ein-\nmal der Expressionismus, — (das hat Herr Lange jedenfalls beim Waldmannvortrag ge-\nlernt.) mit den Abstrusitäten verkalkter Jünglinge töten zu wollen, ist töricht.\" Meint\nHerr Lange nun sich mit „verkalkter Jüngling\"? Sollte er seine Kritik eine „Abstrusität\"\nnennen? Nein. Er meint die ausgestellten Sturmkünstler und deren Werke. Deshalb habe\nich mir vom Sturm die Liste der in Göttingen ausgestellten Künstler schicken lassen. Ich\nwollte doch einmal wissen, wer ausser mir ein verkalkter Jüngling ist. Ich bin entsetzt.\nDas hätte ich von Klee nicht gedacht. Verkalkter Klee! Essen sie keine Bohnen, Herr\nKlee. Auch Chagall, Campendonk, Gleizes, Leger, Mark, Schrimpf und viele andere sind\ndemnach verkalkte Jünglinge, während bei Wauer und Archipenko hin und wieder famose\nFarbenharmonien auffallen. In Kugelform.\nSAMMLER und Kunstfreunde! kauft\nkeine Kalkkünstler, kauft wurzelechte Nauens! — der Wurzelvertreter.\n1 2 3 4 5 6 7 8 9 40 11 12 13 14\nW ER? Spezialität:\nDerselbe Kopfhaare\nKäiberhaare\nkann mir gestohlen werden!\nHerr Nauen ist nicht verkalkt, auch nicht Jüngling, sondern Träger jener Bewegung, die\nman Expressionismus nennt.\nWie die nicht abfliessende Mutterbrust, entwurzelt den Wurzelechten die kritische Seele\nbetr» Lange, wurzelechter Generalvertreter für Expressionismus und reelle Kunst an der\nGöttinger Zeitung.\nHerr Lange lässt seine kritische Mutterbrust über und über überfliessen.\nIwHml „Herwarth Waiden . . zeichnete sich durch lange Haare und durch eine,\nsagen wir Nonchalance in Puncto Körperhygiene aus, die Heiterkeit und\nAbscheu in gleicher Weise erregten\". Daher das heisere Lachen. Pfui\nPudel, Herr Waiden, was muss ich hören! Und ich habe Sie stets für so\nsauber gehalten und als meinen „Vater und Gott\", den Gott für verkalkte Jünglinge, ver-\nehrt. Können Sie denn nicht ein wenig hygienischer werden? Sauberkeit ist der halbe\nKalk. Statt sich mit Kalkklees und|Kalkchagalls und Kalkmolzähnen zu umgeben, sollten\nSie lieber alle Jahre nehmen. Ihre Stellung als Gott erlegt Ihnen Pflichten auf.\nSie müssen repräsentatieren für die Kalkindustrie. Oder wollen Sie lieber Herrn Lange\nwegen Beleidigung verklagen? Grund dazu hätten Sie vielleicht.\nzu 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Roth\nzu Nun zu Herrn Lange.\nzu Hören Sie einmal aufmerksam zu, wie ein Zeitbeobachter. Ich will Sie jung machen.\nDenn nicht der Sturm ist greisenhaft, wie Sie dreist sagen, nicht Puni, Neil Waiden,\nZU Marcoussis, sondern wenn jemand greisenhaft ist, können nur, ja entschuldigen Sie,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3831, "texte": "dass ich das sagen muss, nur Sie es sein. Es ist hart, mit einem Male zu hören, dass\nman ein verkalkter Jüngling ist. Es gibt aber Leute, die nie jung gewesen sind. Ich will\nIhnen nun sagen, was Kunst eigentlich so richtig ist.\nA Ix. T J Darauf hiermit Und nun\nAllC L/CuCf unsere Hand! schlagt ein!\nWenn Sie nämlich schreiben wollen, müssen Sie nämlich sowieso erst wissen, worüber.\nSie haben ganz recht, wenn Sie weinen, Sie können nichts dazu, in Göttingen — Weinen\nSie bitte nicht mit voller Nase, Sie noch weniger riechen können, was Kunst ist.\n„bezw.\" heisst bezwecks.\nAlso Ihre Nase. Sie schreiben: „Die Disziplinlosigkeit, die lächerliche Aufgeblasenheit, die\ngeistige Austrocknung, das spielerische Hinweggländeln . . das alles macht uns die Gesell-\nschaft so unbehaglich.\" Das alles werfen Sie Klee, Archipenko, mir, Chagall, Marc vor,\nbesonders meinen sich spreizenden Konsorten, also etwa Fischer, Baumeister oder Klee.\nAber das sind Ihre werten eignen Unarten. Ich nenne Ihre Kritik lächerlich aufgeblasen,\ndisziplinlos, u. s. w. Was sagen Sie nun?\nHaben wir aber erst die Macht\ndurch engen Zusammenschluss, dann liebe Meister, lasst uns ja nicht\nmachtgierig werden.\nSehen Sie, ich gländele nicht so leicht über Ihre spielerische Ausgeblasenheit und die\nlächerliche Austrocknung Ihrer sich spreizenden Konsortien hinweg. Sie werfen uns vor,\nkeine anständige Modellskizze machen zu können. Können Sie das beweisen? Bitte! Ich\nselbst kann leider (scala dei.) sehr anständig abmalen. Ich könnte z. B. jeden K . . k . .\nkunstk . . k . .kritiker so dämlich abmalen, wie er aussieht, Begenschirm, links gedreht,\nbei Fuss. Sie können es mir nicht beweisen. Ich kann ihnen aber am Fusse Ihrer Be-\nsprechung in der Göttinger Ztg. vom 3. 3. beweisen, dass Sie keine anständige Kritik\nschreiben können. Sie können aus mindestens zwei Gründen nicht sachlich kritisieren,\nund zwar zweitens, weil sie von Kunst keinen Geruch haben. Ich will Sie einmallkünst-\niiL»\nlerisch aufklären. Vor allen Dingen merken Sie sich, dass man Bilder mit der Nase sieht.\nUnd wenn Ihnen Herr Waldmann etwas anderes sagt, so zeigen Sie ihm Ihre echte Wur-\nzel. Sodann werde ich Ihnen zur Belehrung einige Ausdrücke desselben Waiden citieren,\nden Sie beschimpft haben. Sie verleumden Waiden. Lügen haben kurze Beine. Soll ich\nIhnen mal ein kurzes Bein um die Ohren hauen? Nämlich Herwarth Waiden schreibt im\nvierten Sturmheft 1922 über den Shimmy. Bei dieser Gelegenheit schreibt er nebenbei\neinige Sentenzen über die Kunst, die das Wesentliche so gut treffen, dass ich es nicht\nbesser glaube mit Worten ausdrücken zu können: „So nüchtern es auch in der Idee wirkt,\nKunst entsteht nur durch die Gestaltung von Ton- Wort- und Farbform-Beziehungen.\nDer Wert eines Kunstwerkes besteht nicht in der Idee, sondern in der Gestaltung. Ge-\nstaltete Bewegung ist Kunst.\" Sehr klar unterscheidet dann Waiden unter körperlicher,\noptischer und akustischer Bewegung. Es gibt Kritiker, die meinen, Bewegung wäre, wenn\nsich etwas bewegt. Malerei ist aber gestaltete optische Bewegung. Ich sehe, hier ist's aus\nmit Ihrem Auffassungsvermögen. Machen sie doch bitte den Mund zu! Sonst sage ich\nnichts weiter. Und jetzt werden Sie mein „kleines aus Zeuglappen geklebtes Dingelchen\"\nnicht mehr ein „nettes Ornament\" nennen, wenn Sie bitte einmal die Bewegung darin ge-\nrochen haben werden. Sie wollen doch wohl nicht behaupten, die bekannte Beethovensche\nMondscheinsonate wäre ein kleines aus Törnen zusammengeklebtes Dingelchen und ein\nnettes Ornament? Aber mit dem Mund können Sie nicht sehen, auch nicht riechen. Ma-\nchen Sie doch bitte endlich Ihren netten Mund mal zu! Wollen Sie bitte Ihren Mund auf-\nreissen, Herr Kritiker! So ist's gut! Mund auf! Mund zu! Mund auf! Mund zu! Kritiker\nmüssen gut dressiert werden, Bauf, runler, rauf, Pünktchen drauf. Was ist das? Ein"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3363, "texte": "Und dann schreiben Sie bitte nicht wieder, dass Klee, Archipenko, Chagall, Schwittens,\nCampendonk u. a. m. auf die Zeitgenossen, die nicht alle werden, geschäftstüchtig spe-\nkulierten. Machen Sie nur gut den Mund immer auf und zu. Das steht Ihnen so gut zu\nGesicht. Ich sehe übrigens, dass Sie einige Künstler mit „fingerspitzenfeinem Takt\" her-\nausnehmen aus der Reihe der Geschäftsspekulanten, wie Klee, es sind dieses Künstler,\ndie, „mit fingerspitzenfeinem Takt\" herausgeholt haben, was dieser Kunst wenigstens ein\nwenig Beachtung sichert, die nicht so „disziplinlos aufgeblasen\" sind, wie ich z. B.\nBesonders erwähnen Sie Kandinsky, von dem nämlich nichts in Göttingen ausgestellt war,\nund Katharina Schäffner, die nie zum Sturm gehört hat, weil Sie unkünstlerische Karrika-\nturen macht. Diese Kath, Schäffner wird mir gerade mit fingerspitzenfeiner Sicherheit als\nMusterbeispiel gegenübergestellt, lange bevor ich mich „spreizte\". Sie schuf Kunst, lange\nbevor ich mich mit „meinen Konsorten spreizte\". Machen Sie lieber zur Übung mal den\nMund auf.\nMund zu!\nMund auf!\nMund zu!\nAn die Kaserne, marschmarsch!\nHinlegen, marschmarsch!\nÜber und unter Wasser, marschmarsch!\nWeckgelreten!\nWas? Hierbleiben, marschmarsch! Ich werde Euch fingerspitzen-\nfeinen Takt beibiegen! Wie die nicht abfliessende Fingerspitze marschmarsch erkrankt dem\nmundaufreissenden Kritiker die weckgetretene Kaserne.\nJa, Vater, und ich helfe»\nPreise: Normal\nKnie entreisse der Rose. —\nÜrigens glauben Sie nicht, Herr Lange, durch Ihre Verleumdungen der Kunst schaden zu\nkönnen. Sie können es eben so wenig, wie der Torfmann, der Torf Torf ruft, oder Herr\nWestheim, der bekannte Herausgeber des verstorbenen Kunstblattes. Nehmen Sie sich\nauch nicht zu tragisch, dass ich Ihnen überhaupt antworte, ich habe auch Herrn Westlieim\ngeantwortet, der sich auch nicht tragisch nimmt. Herr Westheim kann nämlich auch die\nEntwicklung der Kunst nicht mehr aufhalten, ebenso wie der Torfmann, wenn er auch\nnoch so laut Torf, Torf ruft. Sonst sind gewisse Ähnlichkeiten zwischen Herrn Westheim\nund dem Torfmann. Der Torfmann handelt auch mit einer Ware, die ihn nicht wärmt.\nIhnen, Herr Lange, habe ich geantwortet, weil Sie so entsetzlich albern, so unsagbar\nkomisch geschrieben hatten, dass ich glaubte, einem Menschen helfen zu müssen. Ihr Fall\nist nämlich typisch, wie Westheims Fall. Ihr Fall ist mir sonst gleichgültig, Sie fallen,\nwie Westheim, ganz allein. Wie ein wurzelkranker Baum.\n0, Schatz, wenn du das tätest, mir einen Pralinee an die Hose nähtest! Ihr Fall ist\nweiter nichts, als typisch, Herr Lange. Tausende von Kritikern „spreizen sich\", wie Sie\nund „sabbeln\" wie Sie. Ich bitte diese tausend Kritikusse, ihr sämischgares Rindleder\nhiermit als gegerbt zu betrachten. Aber an sich wäre es auch unnötig, diesen 1000 das Leder\nzu gerben, es ist sowieso sämischgar. Und die 1000 Sabbelspreizer können die Entwick-\nlung doch nicht mehr aufhalten, ebensowenig wie Herr Westheim. 1000 mal 1000 Künstler\nschaffen die neue Zeit. Das sind so ein paar Tatsachen, die man sich als unaufmerksamer\nSabbelspreizer merken sollte. Gerade die verkalkten Jünglinge, z. B. Klee, Bauer, Busch,\nGöhring, Molzahn, Puni, Wauer und die verkalkte Jungfrau Neil Waiden, schaffen die\nneue Zeit; nicht aber Ihr Herr Nauen oder der nicht verkalkte Jüngling Rohlfs. Diese\nHerren versperren nur den Kalkern den Weg."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2973, "texte": "telle\nA\n„An der Spitze der Innungen aber müssen Männer\nstehen, die bereit und fähig sind, zu arbeiten, für\nEhrgeizler gibts dort keine Plätze. Sehr viele\nInnungen leiden leider daran, daß nicht die\nrichtigen Männer an ihrer Spitze stehen, während\nsich solche sicherlich in ihren Reihen befinden.\nGebt der Familie das rechte Oberhaupt, das sie\ngut? niit Liebe und rechtem Verständnis aber auch\nmit treuei Hingabe für die Sache führt, dann wird auch der Erfolg nicht ausbleiben, die\nAngehöligen werden sich gern um ihn scharen, sie werden in der Innung das Heim und\nden Hort finden, die sie suchen und brauchen, sie wird ihnen jederzeit das sein, was sie\nsein soll, eine Pflegestätte echt kollegialer Gesinnung, eine Erziehungsstätte guter, braver,\nstrebsamer Handwerksmeister und treuer, zuverlässiger Staatsbürger.\" Bravo!\n— wird Friede sein?\nIch entnehme diese herlichen Worte der Deutschen Sattler- und Tapeziererzeitung, der\nich auch das Wort Tran entnommen habe. Jeder Kritiker sollte ein Jahr praktisch Sattler\nlernen. Sie dagegen schreiben: „Der jeweils letzte dernier cri fand im Sturm seinen be-\ngeisterten Lobiedner, wenn er nur recht reisserisch war\"» Ihr dernier cri ist zwar recht\nherunter reisserisch, doch findet er z. B. im Sturm keinen Lobredner. Solch eine Behaup-\ntung, wie die Ihre, ist nämlich eine Irreführung schlimmster Art. Sie meinen natürlich nicht\nIhren dernier cri, sondern den etwa von Klee oder Bauer. Sturmkünstler haben aber\nkeinen dernier cri, sondern nur Kunst. Ich vermute, Sie sind garnicht orientiert, oder\nwollen verleum den. Jedenfalls ist es bekannt, dass der Sturm sich den dernier cri, z. B»\nden Dadaismus des Herrn Hülsenbeck stets ferngehalten hat.\nMax, kehre zurück!\nin die Arme deiner trauernden Familie, die\ndich mit offenen Armen empfangen wird.\nIn Verbindung mit Ihrem Satze: „So blieb der Sturm immer jung, weil er heute munter\nverbrannte, was er gestern angebetet\", wird Ihre Verleumdung rund wie eine Kugel»\nN. B. ist das Wort „hatte\" zu ergänzen.\nDie Andeutungs ' Biene\nist die eingetragene Schutzmarke des allem echten\nK UN ST-HONIGS\nder genau so gelb aussieht, wie der wirkliche Bienen-\nhonig, und vor diesem einen höchst delikaten bit-\nteren Geschmack voraus hat.\nEs ist nämlich gerade das Verdienst des Sturm und besonders seines Leiters Herwarth Waiden,\ndass er allein und gegen die Meute der blöden Kritiker die Kunst, nicht den dernier cri,\nunserer Zeit durchgesetzt hat. Ich bewundere Herwarth Waiden um seine selbstlose Kon-\nsequenz, mit der er immer wieder für die Kunst gegen den Unflat der Kritik und das sich\nbreit machen der Nachahmer gekämpft hat. Die Wahrheit ist ein Licht, das Motten blen-\ndet. Herwarth Waiden aber ist der konsequenteste Mensch in der Kunst unserer Zeit.\nWollen Sie ihm verübeln, wenn er den konsequenten Künstlern gegenüber den Inkonse-\nquenten den Vorzug gibt?\nStanz\nAlso Männer habt ihr schon,\ndie berufen sind zu Führern Eurer guten\nSache in jeder fachlichen und sachlichen Weise»"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 415, "texte": "Kommt nun\ndeutsche Sattlermeister\nKommt nun\ndeutsche Sattlermeister\nalle nach Hamburg\nund helft den Bund erneuern\nund eng zusammenzuschweißen.\n„Auf nach Hamburg\" muß es heißen\nIn den deutschen Sattler--Kreisen,\nDenn die große Ausstellung\nBringt das Handwerk gut in Schwung.\nwie überhaupt die daran interessierten gewerblichen Stände in jeder Weise nur gefördert\nwerden sollen.\nHochachtungsvoll\n\nKURT MERZ SCHWITTERS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "84", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.5", "titre_corps": "Vierteltonmusik", "titre_sommaire": "Vierteltonmusik", "signature_source": "Jörg Mager", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.14", "debut_caractere": 417, "fin_caractere_exclue": 2354, "texte": "Vierteltonmusik\nJörg Mager\nSchon das Altertum, die Griechen, besassen\neine Vierteltontheorie. In der griechischen\nMusiktheorie tritt der Viertelton bereits so.be-\nbestimmt und selbstständig auf, dass man mit\nHelmholtz a nnehmen darf,die Alten hätten die\nr '\nVierteltöne auch praktisch verwertet. Richard\nStein, der im Folgenden noch öfter erwähnte\nVierteltonforscher, bemerkt hierzu, dass Ge-\nvaert, Fortlage und Bellermann u. a. nicht\nan eine griechische Vierteltonpraxis glauben;\nim Mittelalter habe man aber einmal so\nsehr für griechische Vierteltonmusik ge-\nschwärmt, dass noch jetzt in den Museen\nKlaviere zu finden seien mit eignen Tasten\nfür fls und ges! Natürlich bilde ich mir\nnicht ein, dass ich als Lehrerorganist mit\nder dilettantisch-musikalischen Ausbildung\ndes Lehrerseminars durch mein Viertelton-\ninteresse auf einen umwälzenden Gedanken\n-gekommen sei. Als ich auf der Suche nach\nLiteratur über Vierteltöne nichts finden\nkonnte als eine Stelle im Helmholtz, dachte\nich mir einfach: die berufenen Musiker und\nAkustikerhaben das Vierteltonproblem längst\nwie ein „perpetuum mobile\" als unfrucht-\nbar, undiskutierbar erkannt, und verworfen.\nJede weitere Beschäftigung mit dem Viertel-\nton erschien mir daher als Energiever-\nschwendung und Anmassung, bis sich mir\neines Tages Vierteltöne in persona, leib-\nhaftige Vierteltöne aufdrängten! Durch die\ntropische Hitze des Sommers 1911 wurde\nunsere Kirchenorgel derart verstimmt, dass\nmanche Register die seltsamsten Ton-\nmischungen erklingen Hessen. Da sich einige\nbesonders bestechende Zusammenklänge auf\ndas Mittönen von Vierteltönen zurückführen\nliessen, konnte ich dem Gelüste nicht wieder-\nstehen, durch Vermischung von Halb-und\nVierteltönen neue Harmonien aufzuspüren.\nAn der Kirchenorgel ging das nicht; sie\nmusste alsbald für den Kirchendienst wieder\n„rein\" gestimmt werden. Aber mit einer\nAnzahl Orgelpfeifen wollte ich nun einige\nVierteltonversuche wagen. Die bekannte"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4394, "texte": "Orgelbaufirma Sieinmeyer, Öttingen in\nSchwaben, stellte mir eine Kiste voll nagel-\nneuer Zinnpfeifen zur Verfügung. Diese\nPfeifen konnten sehr leicht um einen Viertel-\nton tiefer oder höher gestimmt werden. Dabei\nverfuhr ich natürlich nicht physikalisch-\nwissenschaftlich, sondern musikalisch-em-\npirisch. Ich stimmte solange hinauf oder\nhinab und zwar mit Hilfe des Klaviers, bis\nich z. B. bei einer c-Pfeife eine Tonerhöhung\nerreicht hatte, die — dem Ohre nach —\ngleich weit von dem c und dem eis ent-\nfernt war, also in der Mitte zwischen diesen\nzwei Tönen „lag\".\nMein Viertelton ist also die Hälfte des tempe-\nrierten Halbtones; mit Hilfe des Oktaven-\nmasses 41 'U m (m-Millioktav), wie mir der\nbekannte Vorkämpfer für die Eitzsche-Ton-\nwortgesangsmethode, Raimund Heuler,\nWürzburg berechnete. Meine Buben bliesen\nnun solche Viertelton-Pfeifen an, während\nich auf dem Klaviere hierzu Halbtöne an-\nschlug. Es ergaben sich dadurch nicht\nwenige, so interessante Tonmischungen, dass\nich nun auch den weiteren Schritt wagen\nwollte, ein eigenes Instrument zu schaffen,\num darauf solche Viertelton-Experimental-\nmusik treiben zu können. Bevor ich mich\naber als Proletarier zu den hierzu nötigen\nfinanziellen Opfern verstehen konnte, wollte\nich mich doch erst noch von einer musi-\nkalischen Autorität beraten lassen, natürlich\nvon einem musikalischen „Modernisten\".\nKurzweg schrieb ich an Richard Strauss und\nerhielt 1911 die Mitteilung: „Die Frage der\nViertelstöne ist sicher sehr interessant und\neingehenden Studiums immerhin wert. Ob\nunsere Musik wirklich dieser feineren Diffe-\nrenzierung zusteuert, darüber masse ich mir\nkein Urteil an. Ich werde wohl für den\nRest meines Lebens mit der Halbton-Ton-\nleiter auskommen.\"\nNatürlich schöpfte ich aus diesen aufmun-\nternden Worten neuen Mut für meine Ver-\nsuche, und ohne mit meiner Kasse lange\nRücksprache zu halten, beauftragte ich die\nOrgelbaufirma Steinmeyer nach meinen\nAngaben ein Vierteltonharmonium zu bauen.\nInzwischen fiel mir ein Aufsatz über „Zi-\ngeunertonleitern und Vierteltonmusik\" von\nGeorg Capellen, München („Hochland\"-\nFebruarheft 1911) in die Hände.\nGeorg Capellen führt hier u. a. aus, dass „die\nEntscheidung über die Einführung die Ent-\nWicklung der Vierteltonmusik im Okzident\nfallen müsse\". Er hat seine Zigeunerton-\nleitern auf der Müllerschen Akkordzither\n„Monopol\" dargestellt. Er stimmte z. B.\nden As Dur Klang und C moll Klang in\nreiner, den G Dur und H moll Klang in\ntemperierter Stimmung und zwar in zwei-\nerlei Weise. Entweder werden alle Töne\nrein gestimmt, dadurch entstehen „zwei\nwundervolle klingende Dur Akkorde\" und\nschärfere, herbere Mollklänge. Oder es wird\nein reiner As Dur und G moll Klang ge-\nstimmt und der G Dur und H moll Klang\naber temperiert genommen. „Dadurch wür-\nden die Akkordnuancen noch mannigfal-\ntiger\". Capellen spricht dabei den Wunsch\naus, „es wäre sehr schön, wenn es ein ein-\nfaches, billiges wohlklingendes Instrument\ngäbe, an dem diese Umstimmungen leicht\nausgeführt und studiert werden könnten\".\nDieser Wunsch Capellens war mir eine\nwertvolle Bestätigung für die Richtigkeit\nmeines Harmoniumprojektes.\nCapellen machte mich auf seinen Aufsatz\n„Viertellöne als wesentliche Tonleiterstufen\"\n(Märzheft der „Musik\" 1912) aufmerksam.\nIch erfuhr hierin von der 53-stufigen gleich-\nschwebenden Temperatur, die schon\nHelmholtz, G. Engel, Drobisch, Tanaka als\nbrauchbar empfahlen, von den 36 Stufen\nHugo Riemanns und dem 18-dritteltonsystem\nBusonis; ferner von den zwei Konzert-\nstücken für Violincello und Klavier von\nBichard H. Stein (im Vierteltonsystem). Be-\nsonders ermutigte mich ein Zitat aus Geisslers\nAufsatz „Sehnsucht nach den Vierleltönen\"\n(Januarheft der Neuen Musikzeitung 1908),\ndas einer Vierteltonbroschüre nicht vorent-\nhalten werden darf: „Was wir heute selbst-\ngefällig als Chromatik bezeichnen, ist im\nGrunde nur eine ziemlich rohe Entharmonik,\nvon der uns mit der Zeit zu befreien eine\nNotwendigkeit sein wird\".\nBei all seinem Interesse, seinem Eifer für\ndie Vierteltonforschung verhält sich Capellen\nzur Viertelton-Musik recht kleingläubig.\nWährend ich Richard Stein als den Viertel-\ntonoptimisten anführen will, möchte ich\nCapellen als den Viertelton-Skeptiker be-\nzeichnen. Jetzt schon können manche seiner\nHauptbedenken entkräftet werden. In je-\nnem Aufsatze zweifelt er „ob wir wirklich\nim Stande sind, Bruchtonstufen als selbst-\nständige Töne zu hören und zu unter-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4297, "texte": "scheiden\". Mäh erinnere sich dieses Ein-\nwan des bei der Schilderung der erstenViertel-\nton-Harmoniumsversuche! Diese irrige\nMeinung Capellens veranlasste ihn dann zu\nder irrigen Folgerung: „Wenn somit kleinere\nDistanzen als der Halbton von uns nicht\nals neue, selbständige Tonwerte wahrge-\nnommen und unterschieden werden können,\nso ist die Forderung und Aufstellung be-\nsonderer Viertelföne (nach Stein Vorschlag)\nfür unsere gegenwärtige Musik unpraktisch\nund überflüssig\". Capellens Skeptizismus\nist wahrscheinlich darauf zurückzuführen,\ndass er seine Bruchionstufen nur auf der\nAkkordzither darstellte. Seine Befürchtung,\ndass das Notenbild zu kompliziert werden\nwürde, vermag gewiss schon die Noten-\nbeilage zu widerlegen. Nicht ganz Unrecht\nhat aber Capellens Zweifel, ob durch Vier-\nteltöne ein noch viel höherer Klangzauber\nals durch die chromatischen Halbtöne er-\nreicht werde\". Einen viel höheren Klang-\nzauber wird uns der Viertelton wohl kaum\nbringen können; müssen wir aber den\nVierteltönen nicht schon sehr dankbar sein,\nwenn sie uns erst einmal ähnliche, gleich-\nartige, aber ganz neuartige, bisher un-\ngehörte Klänge geben können?\nTrotz diesem Viertelton-Pessimismus befür-\nwortet Capellen den Bau „klavierartiger In-\nstrumente auf fixierbaren Bruch tonstufen\"\nund gibt zu, dass hierzu „nur unsere zwölf-\nstufige Materialleiter die Grundlage für\nvierteltonweise Tonveränderungen bilden\nkann.\"\nWurde ich auch von dem Skeptizismus\nCapellens auch etwas angesteckt und dadurch\nmein Enthusiasmus etwas geringer, so\nhatte man in diesem Aufsatze doch selbst\ndie Zustimmung eines Skeptikers zur Vier-\nton-Harmonium-Konstruktion! Und wenn\nauch Freunde bedauerten, dass ich mich\nnun nicht als den ersten Viertelton-Forscher\nbezeichnen konnte, — vom wirklichen ersten,\nkannte R, Stein, ich nur seiner\nCellokomposition Namen! —, ich war eher\nfroh, nun nicht mehr der einzige Viertelton-\nVerrückte zu sein uud die „verrückte Ver-\nschwendung\" zum Bau eines Viertelton-\nHarmoniums gewagt zu haben! — Durch\nCapellen auf R. Stein aufmerksam gemacht,\nfühlte ich mich verpflichtet, mich mit Stein\nin Verbindung zu setzen. Durch Willy von\nMoellendorff wurde ich mit R. Steins\n„Zwei Konzertstücke für Violine und Kla-\nvier\", bekannt und erkannte in dem Nach-\nwort und Beilage zu diesen Konzertstücken\ndie erste und bedeutendste Vierteltonver-\nöffentlichung.\nAls Organist hatte ich instinktiv das Harmo-\nnium zum Viertelton-Experiment gewählt;\nKlaviere lassen sich auch viel schwerer\nfür die 24 stufige Tonleiter einrichten.\nNatürlich freute es mich sehr, als ich spä-\nter bei Helmholtz und Jonquiere las, dass\nfür Tonexperimente das Harmonium am\nzwecksmässigsten sei; die Zungenstimmen\nkönnen sehr fein gestimmt werden, haben\neine grosse Zahl von Obertönen und hal-\nten die Stimmung unabhängig von Wärme\nund Witterung nahezu unverändert bei.\nDeshalb schufen sich die Tonforscher schon\neine Reihe eigner Versuchsharmonien wie\ndas Bosanquetsche Harmonium, das Helm-\nholtzsche, das Enharmonium von Tanake,\ndas Harmonium, Steiner-Austerlitz, das\nEitzsche Hamonium und das im Folgenden\nnoch näher zu erwähnende bichromatische\nHarmonium des Berlin Viertelton-Forscher\nWilly von Moellendorf.\nMein Vierlelton-Harmonium, das mir dann\nvom Patentamt als G.-M. N. 506093 geschützt\nwurde, ist zweimanualig; das Obermanual\nlässt seine Töne um einen Viertelton höher\nerklingen; man\"hätte sie natürlich auch um\neinen viertel Ton tiefer stimmen können;\ndas Unter- oder Hauptmanual hat das her-\nkömmliche Halbtonsystem.\nDieses Vierfelton-Instrument ermöglicht vor\nallem einmal die Wahrnehmung des Vier-\nteltons. Man ist überrascht, wie deutlich\ndieses kleinste Intervall des Vierteltons von\njedem normalen Ohre wahrgenommen wer-\nden kann! Die Viertelton-Leiter erscheint\ndem Ohre sogleich als eine logisch, organisch\ngegliederte Tonreihe. „Eine physische Um-\nbildung des Gehörs\", (F. A. Geissler „die\nSehnsucht nach den Vierteltönen\" (Neue\nMusikzeitung, Januarheft 1908) ist nicht nö-\ntig-\nDas Hin- und Hergleiten der Hände zwischen\nOber- und Untermanual beim Wechsel mit\nVierteltönen und Halbtönen bringt freilich\neine Spielerschwerung mit sich; umständlich\nist besonders der Griff mit einer Hand auf\nbeide Manuale zugleich beim Zusammen-\nspiel von Viertelton und Halbton. Da es\naber bei der Erforschung der Vierfelton-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4324, "texte": "Verwendungsmöglichkeiten vorerst nur um\neinfache, Tonsätze Tonbewegungen handeln\nkann, zieht man sich bei diesem Auf- und\nAbstieg zwischen den beiden Klaviaturen\ngewiss keine Fingerverrenkung zu.\nDie Moellendorffsche Viertelton-Klaviatur (D.\nB. P. N. 285850) hat diese Spielerschwerung\nbeseitigt. Der verdiente Berliner Viertelton-\nforscher Willy von Moellendorff ist Erfinder\ndieser Viertelton-Klaviatur. Durch Ver-\nschmälerung der schwarzen Tasten und\nBeschneidung der weissen gewann Moellen-\ndorff Platz für eine eigene braune Viertel-\ntontastatur. Die drei Tastenarfen liegen in\ndrei Etagen übereinander; durch ein Abstell-\nregister kann die Viertelton-Tastur ausge-\nschaltet werden. Moellendorff nennt sein\nInstrument „bichromatisches Harmonium.\"\nSchon die ersten Versuche mit dem Viertel-\nton drängten das Bedürfnis auf nach Namen\nfür die Vierteltöne und nach sinngemässen\nVorzeichen für die Notenschrift. Bezüglich\nder Benennung der Töne schien mir genü-\ngend, den herkömmlichen Notennamen bei\nViertelton-Erhöhung ein „o\" bei Vertiefung\nein „u\" anzuhängen. Das erhöhte g heisst\nalso go, das vertiefte gu. Man hat dabei\nden mnemotechnischen Vorteil durch „o\"\nan „oben\", durch „u\" an „unten\" erinnert\nzu werden.\nFür die Notenschrift verwende ich erst die\nDreieckzeichen v und A, nahm aber bald\ndie auch in der Pedalapplikatur üblichen\nHakenzeichen: A, mit Spitze nach oben für\nViertelton-Erhöhung und V, Spitze nach\nunten für Viertelton-Vertiefung. Diese zwei\nHaken lassen sich auch leicht den fis-und\nbe-Vorzeichen anfügen wie in dem Noten-\nanhang ersichtlich ist.\nWilly von Moellendorff benennt die Viertel-\ntöne „hoch-c\" und „tief-c\" und gibt mit\ndem Winkelzeichen j~ die Erhöhung und\ndie Erniedrigung um einen Viertelton mit\ndem Bogen c an.\nBichard Stein nennt die Vierteltöne aufwärts\nc, cos, h, hos, hesos usw. Steins Vorzeichen\n(siehe Notenanhang) dürften wohl die\neinfachsten und zweckmässigsten sein; beim\nDurchspielen seiner Noten kommen sie mir\naber immer noch schwer erkennbar vor,\nvielleicht wegen ihrer Ähnlichkeit mit den\nüblichen Kreuz- und Be-Zeichen.\nFast jedesmal, wenn sich Interessenten zur\nBesichtigung meines Harmoniums einfanden,\nspielten sie auf gut Glück drauf los in der\nMeinung, neue märchenhafte Harmonien zu\nvernehmen. Welche Enttäuschung, wenn\ndass Zauberinstrument nur ein brodelndes\nChaos ächzender, heulender Töne von sich\ngab. Die Enttäuschung schwand aber bald,\nwenn ich den Viertelton-Ungläubigen etwa\ndas erste Notensätzchen des Anhangs vor-\nspielte. Die gleiche Tonreihe darauf ohne\nVierteltöne gespielt, erschien dann allen\nohne Ausnahme weniger fein und wohlklin-\ngend als in der Darstellung mit dem\nViertelton.\nSolcher Verwendungsmöglichkeiten, bei\ndenen der Viertelton als Durchgangston den\nHalbton in Schalten stellt, gibt es sehr viele.\n• •\nSchon diese Überlegenheit gibt der Viertelton-\nMusik Existenzberechtigung, R. Stein und\nvon Moellendorff haben in ihren Veröffent-\nlichungen genug ähnliche Notensätzchen\nbekannt gegeben.\nDie Benutzung der Vierteltöne als Durch-\ngangs« und Wechseltöne ist aber erst das\nAnfangsstadium der Viertelton-Praxis, das\nschon jetzt weit überholt ist durch die\nVerwendung von Akkorden aus Vierteltönen\n••\nzu Leitakkorden, Übergangs- und Modula-\ntionsmehrklängen. Besonders für die Mo-\ndulation ergeben sich da verheissende Per-\nspektiven. Man sehe sich die Beispeile des\nAnhanges und die von Stein und von\nMoellendorff veröffentlichten an.\nDie Gebrauchsfähigkeit des Vierteltons zu\nDurchgangstönen und Durchgangsakkorden\nunterschätzte ich anfangs so sehr, dass mir\ndie Forderung eigene Viertelton-Instrumente\nzu bauen dieses scheinbar geringen Nutzens\nwegen übertrieben erschien. Erst wenn\nsich mit Hilfe der Vierteltöne auch neue\nHarmonien, neue Akkorde bilden liessen,\nwäre ein Instrumentenbau zu rechtfertigen,\nmeinte ich. Als Hauptzweck meines Har-\nmoniums erachte ich, die Möglichkeit zu\nprüfen, ob sich die Vierteltöne mit den\nHalbtönen zu brauchbaren Neuklängen mi-\nschen lassen. Denn die Durchgangsver-\nwendbarkeit des Vierteltons erscheint mir\ndurch die Veröffentlichungen Bichard Steins\nund von Möllendorfs genügend erwiesen.\nSelbstverständlich können wir zur Zeit gar\nnicht genug Bearbeitungen dieses neuen\nTonmaterials haben, nur ein grosser Stab\nvon Bearbeitern vermag das Viertelton-Prob-\nlem zu bewältigen. Wer bei mir als Laien"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1866, "texte": "das hochwissenschäftliche akustische Be-\ngründungsmaterial vermisst, der möge be-\ndenken, dass selbst der moderne Akustiker\nDr. phil. Alf. Jonqutere in seiner Akustik\n(Verlag Fernau, Leipzig) als höchste Klang-\nprüfungsinstanz das Ohr anerkennt! Uebri-\ngens redet Stein selbst den Fachmusikern\nund den Musikkonservatorien Vernachlässi-\ngung des akustischen Studiums nach.\nMit meinen beiden Laienohren fand ich\nnun schon nach einigen wenigen Proben,\ndass sich die Vierteltöne nicht so ohne\nweiteres mit den Halbtönen „paaren\". Durch-\nschnittlich verhalten sie sich zu den Halb-\ntönen ziemlich widerhaarig. Für Dissonan-\nzenfeinschmecker bieten diese Zwieträchtia-\no\nkeiten, Protestschreie, Revolten bei der\n„Vermählung\" von Viertelton und Halbton\nwillkommene Leckerbissen. Der konser-\nvative Musiker, ich will nicht gleich sagen,\nder Musikphilister, wird auf Grund solcher\nwillkürlichen Neumischungen versucht sein,\ndie Vierteltonmusik als Kakophonie feierlich\nzu verdammen. Willy Moellendorff hat in\nseinem Aufsatz „Musik mit Vierteltönen\"\n(Rheinische Musik- und Theaterzeitung 1916)\nsolche Viertelton-Missklänge köstlich ge-\nschildert; z. B.: „Endlich erscheint auch der\nneue und auf den ersten Blick höchst wild\nsich gebärdende Akkord hoch gis, hoch- es,\nd, völlig gezähmt, sobald man nur aul\nseinen wilden Bachen den Maulkorb des\nWechselnoten-Zwanges stülpt, ihn also in\ndieser Weise auftreten lässt: a, fis, d, —\nhoch gis, eis, d, — a, fis, d. — Das Untier\nfrisst einem dann sozusagen aus der Hand!\nMan sieht jedenfalls: viele der neuen\nIntervalle und Akkorde werden sich durch\nirgendwelche, noch dazu altbewährte pä-\ndagogische Mittel zu nützlichen Gliedern der\nneuen Ton-Gesellschaft erziehen lassen. Aber\nleider nicht alle! 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An unser\nfuturistisches Ballett.\"\nKinder der Zeit\n„Mutti\" rief Karlchen „sieh mal die schöne\nMerzzeichnung\". — — „Aber Karlchen,\ndas ist ja ein Aquarell.\" „Ach ja, es\nist nur gemalt.\"\nWunder der Technik\n„Ein riesengrosser Vogel zog hoch in den\nLüften, einem Aeroplan vergleichbar, über\nmeinem Haupte dahin\", — schrieb ein\nSchriftsteller in seinen Reisebriefen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.7", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.18", "debut_caractere": 2828, "fin_caractere_exclue": 3091, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Asien\nKurt Liebmann; Jäh\nKurt Schwitters: Tran —\nJörg Mager: Vierteltonmusik\nRudolf Blümner: Urheber-Rechte / Original-Tragödien\nPeri: Komposition / Zeichnung\nMichael Larionow: Dekorationsskizze zu einem Ballett / Dreifarbendruck\nJuni 1922"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 96, "texte": "V E R L AG DER STURM / G. 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' ■ -r' V '\nHundertachte Ausstellung\nAugust 1922\nGdsta\nZadkine\nSturm^Gesamtschau\nTageskarte 3 Mark\nSturm - Ausstellungskataloge\nit Abbildungen\nAlexander Archipenko\nMolzahn\nJe 6 Mark\nSkupina\nGino Severini\nTour Donas—Nell Waldcn / Franz Marc / Iwan Pan!\nHundertste Ausstellung\nJe 10 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n15 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1922-06-05-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1922-06-05_01#c022", "volume": "bmtnabg_1922-06-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.20", "debut_caractere": 877, "fin_caractere_exclue": 1066, "texte": "STURM'ABENDE Jeden Mittwoch 7 % Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nWfederbegxnn: Mittwoch, den 6. 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H.\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LUTZOW 4443\n\nMonatsschrift Der Sturm / Dreizehntes Jahr,\nErscheint am fiinften jedes Monats\nMit mehr f arbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets\nvom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug / Eiu Jahr 180 Mark / Ein Halbjahr\n90 Mark / Einzelheft 20 Mark\nAusland; 300 Mark\nVollstHndige Exemplare des 5. bis 11* Jahrgangs\nnur noch in wenigen Exemplaren vorhanden je\n300 Mark / 1. bis 4. und 8, Jahrgang vergriffen.\nEinzelheftc allcr JahrgSnge jc 20 Mark.\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm\nsind signierte und nummerierte Handdrucke, von\nden meisten Zeichnungen Kunstdrucke kaufiich\nzu erwerben. Die Originate sind verkauflich,\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Ex-\ns ■\npressionisten\n1. bis 8. Folge / 15 Mark\n\nBucher\nFranz Richard Behrau\nfllutbiate / Gedichte\nGeheftet 20 Mark / Gebunden 80 Mark\nRndolf Blumner\nDer Geist des Kubismas and die KSnste\nMit Abbildungen 35 Mark\n*\nHermann Essig\nDcr Frauenmut / Lustspiel\nUeberteufcl / Tragodie\nIhr stiiles Gluck / Drama\nBin Taubenschlag / Lustspiel\nNapoleons Aufstieg / Tragodie\nDer Wetterfrosch / ErzShlung\nJedes Buch 30 Mark / Gebunden 40 Mart\nKurt HeynicHe\nRings fallen Sterne / Gedichte\n20 Mark / Zweite Auflage\nAdolf Knoblanch\nDie schwarze Fahne / Eine Dichtung\ni\n20 Mark\nKreis des Anfangs / Fruhe Gedichte\n30 Mark / Sonderausgabe 100 Mark\nErnst Marcus\nDas Problem der exzentrischen EmpSndung und\nseine Ldsung\n30 Mark / Zweite Auflage\nDas Erkenntnisproblem\n30 Mark / Zweite Auflage\nWilhelm lunge\nDas Denken traumt / Gedichte\n20 Mark\n• ' Si > i ■ •\nj-.--' -'-v/\n\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapitela\n30 Mark / Sonderausgabe 100 Mark\nLothar Schreyer\nMeer / Sehnte / Mann / Drameii:\n20 Mark\nNacht\n15 Mark\nJungfrau / Drama\nvergriffen\nDie neue Kunst\n12 Mark\nAugust Stratum\nDu / Liebesgedichte\n25 Mark / Dritte Auflage\nTropfblut / Gedichte\nGebunden 60 Mark\nGesammelte Dramen\nZwei Bande\nJeder Band gebunden 60 Mark\nHas Verworn\nKeltische Kunst / Mit Abbildungen\n20 Mark >\n#\nHerwarth Walden\nExpressionismus / Die Kunstwende\nMit 140 Abbildungen\n800 Mark\nNur noch in wenigen Exemplaren voi*handen\nMuseumsausgabe vergriffen\nDie neue Malerei / Einfuhrung in deh Expression\nnismus / Mit 16 Abbildungen\n25 Mark / Dritte Auflage\nGesammelte Schriften / Band I\nKunstmaler\n30 Mark\nj\nDas Buch der Menschenliebe\n30 Mark / Sonderausgabe 60 Mark / Zweite Auflage\nDie H&rte der Weltenliebe / Roman\n30 Mark / Gebunden 45 Mark\nSonderausgabe (Auflage 10) 150 Mark -\nWeib / Komitragddie\n40 Mark / Sonderausgabe 150 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSunde / Spiel an der Liebe\nLeizte Liebe / Komitragddie\nGlaube / Komitragodie !\nJedes Buch 12 Mark\nKind I Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 20 Mark\nWilliam Wauer\nTheater als Kunstwerk\n\"20 Mark"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nAsien\n\nAuch Bierwirte sind durchaus nicht minder-\nwertig. Auch gegen Kaufleute ist nichts\neinzuwenden. Auch nichts gegen russische\nJuden. Hingegen ist der Geist Europas\nbedenklich. Er wird vertreten durch Pro-\nfessoren im Gehrock mit braunen Schuhen,\ndurch Künstler in Cafes ohne Musik und durch\nAkademiker in Cafes mit Musik. Soweit\ndiese Künstler und Akademiker wirtschaft-\nlich Proletarier sind, fühlen sie sich zu\nFührern des Volkes berufen. Steckt jemand\nsein Geld in sie hinein, werden sie sogar\nFührer der Nation. Solange und bis da-\nhin zahlen die gläubigen arbeitenden jun-\ngen Mädchen für sie.\nWarum soll man nicht glauben? Ziele sind\nunerheblich. Auf den Glauben kommt es an.\nDer Mensch ist gut, sagt die junge Literatur.\nSie ist nicht jung, diese Literatur. Denn\ndie Literatur ist der Geist Europas, der\nLeben und Sinne und Kunst zu begrifflichen\nDingen gemacht hat. Man kann gegen den\nGlauben protestieren. Aber der Protest ist\nnie ein Glaube gewesen. Der Glaube ist\nKampf. Und Kampf ist Glaube.\nIn Europa glaubt man an Personen. An\nPersönlichkeiten. Goethe hat es schon\ngesagt. Höchstes Glück auf Erden. Der\nBierwirt ist keine Persönlichkeit. Er ver-\nzapft Bier. Geist ist besser und sogar billiger.\nEr ist sehr billig, der Geist Europas. Er bildet\nsich etwas ein, weil er abgestanden ist und\nnicht einmal Bier aus seinen alten Schläuchen\ngibt. Der Kaufmann beruhigt sein händ-\nlerisches Gewissen mit ihm, auf blutige\nSchlachten folgt Gesang und Tanz. Alles\nbringt Gewinn. Man muss es nur nicht aus-\nüben, die Schlacht und den Gesang und\nden Tanz. Man muss es andere ausüben\nlassen. Dann blüht der Handel und es muss\ndoch Frühling und Sommer und Herbst und\nWinter werden.\nDer neue Geist Europas macht die Geschäfte\ndamit, das Volk zu befreien. Zu diesem\nZweck begibt sich die Wissenschaft nach\nLesbos, die Kunst nach Weimar und die\nPolitik nach Genua. Zwar keine Völker-\nwanderung, aber die Persönlichkeiten sind\nwieder einmal auf Reisen. Der König von\nItalien fährt auf dem Schlachtschiff mit\nGesang und Tanz zu Herrn Tschitscherin, der\ngerade den Erzbischof von Genua empfängt,\nbei dem sich vorher Herr Rathenau die\nWeihen geholt hat. Die Menschen sind gut. In\nWeimar wird Goetheendlich auf eine mecha-\nnische Formel gebracht, da Hindenburg end-\ngültig vernagelt ist. Und Herr Dr. Hirschfeld,\nder grosse, gründet Freundschaft auf Freund-\nschaft. So machen sich alle alten Geister\nganz neu. Das Volk aber ist nicht im Ge-\nringsten darauf gespannt, was für ein Geist\nverzapft wird. Es lässt die Persönlichkeiten\nsich entgeistern und kämpft. Die Künstler\ngreifen ebenso dilettantisch wie in die Kunst\nin die Politik ein, halten sich aber per-\nsönlich wenigstens in den Cafes zurück.\nDie jungen Mädchen überbringen indessen\ndie Refehle der Führer. Auch nachts.\nAuch zu Fuss. Führer können nur in Autos\noder in Tanks gelenkt werden. Sie müssen\nsich für das Allgemeinwohl schonen. Von\ndem alten Geist Europas wird als gesund\nnur die Lues übernommen.\nIndessen spielt Asien in Schöneberg, wie\neben Asien spielt. Das europäische Russland\nwächst zum russischen Europa. Die Steppe\ndehnt sich über Städte aus. Die Steppe\nist keine Leere. Die Steppe ist Weite.\nAugen sehen über Mauern den blauen\nVogel. Der zwitschert auf der Ebene, dass\ndie Sinne erwachen. Kein Gedanke trübt\ndie Weite. Hier ist Gemeinschaft zwischen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.4", "texte": "Wort und Ton und Farbe. Hier ist ein\nGleichnis ewiger Menschlichkeit. Hier ist\nKunst. liier spielt Asien und Europa lächelt.\nEuropa lächelt überlegen. Ist es überlegen,\nzu lächeln. Ueberlegt man sich das Lächeln.\nWird man durch Lächeln überlegen. Oder\nist das Lächeln nicht überlegen. Das\nLächeln ist überlegen. Ueberlegen dem\nüberlegenem Lächeln. Europa freut sich,\ndass Asien spielt. Europa spielt mit. Euro-\npa, das bisher gehandelt hat. Und seine\nHandlungen bedacht hat. Bedacht hat, bis\ndass es Asien lachen\" machte. Bis dass es\nüber sich lachte. Ohne Grund lachte. Lieber\nalle Gründe lachte, \\veil alle Gründe lächer-\nlich sind. Und über alle Gründe schliesst\nsich der Boden. Und auf dem Boden hebt\nsich ein Tanzen. Menschen tanzen ohne\nGrund, Menschen lächeln ohne Grund.\nMenschen finden Menschen. Menschen sind\nMenschen. Hier blühen braune Augen.\nHier ranken blonde Haare. Hier spricht der\nMond und die Bäume springen. Hier schweigt\nder Mensch und die Tiere flüstern. Hier\nsingt ein Stern und die Götter stürzen. Hier\nweint ein Haus und die Puppen lieben.\nDer Bierwirt denkt und die Denker klingen.\nDer blaue Vogel springt von Herz zu Sinn.\nDas Lächeln hüpft über erdschwere Erde.\nAlle Gründe sind nun geschlossen. Alle\nBerge in sich versunken. In schwarzbraun-\nblauen Augen jubelt Glück. Das Glück der\nSekunde, zu Stunden geweitet.\n0 mein blauer Vogel im Flügelschlag\nschwingender Kometen.\nPaul Barchan im Berliner Tageblatt: „Mit\netlichem Bangen ging man hin, nach dem\näusseren Schöneberg. Doch es kam ganz\nanders. War zu Anfang man auch spröde,\nso geriet man bald in helles Entzücken.\nDas Nationalrussische ist doch unverwüst-\nlich. Eine Mordskraft steckt drin. Und\nist es als Leben auch getötet, als Kunst lebt\nes fort. Also zuckt das herausgerissene\nHerz noch, ist das Lebewesen auch erlegt!\"\nDieser Paul Barchan ist als Lebewesen\nnicht erlegt, lebt aber als Kunst im Berliner\nTageblatt fort. Eine Mordskraft steckt da-\nrin. Nicht totzukriegen. War zu Anfang\nman auch spröde, schliesslich musste selbst\nHerr Barchan lächeln, der kleine Kritiker\ndes grossen Tageblatts. Und man auch war\n**i>■ i \\ * '\nspröde, alle Männer mussten lächeln. Alle\nMänner wurden erlegt. Und zwar von dem,\nworüber sie zu herrschen glauben: von der\nKunst.\nDurch Johann Strauss Vater ist Oesterreich\nüberschätzt worden. Es endete bekanntlich\nmit einem Wellkrieg zur Erhaltung von\nJohann Strauss Vater. Aber der stammt aus\nAsien. Nur ein mangelnder Ortssinn konnte\nihn für einen Oesterreicher halten. Gibt\nes doch die Bäckerin E. Pofirjewa und\nden Friseur G. N e 1 i d o w und den Mond\nA. Damansky. Die werden es bezeugen,\ndass Johann Strauss nicht aus einem Winkel\ndes Winkels Europa stammt. Und wenn\nman diesen drei Zeugen nicht glauben will,\nso beweist es die Landschaft und die Ort-\nschaft von A. Chudjakow. Das sind\nkeine Menschen, Europäer, die euch der\nblaue Vogel gebracht hat, das sind keine Künst-\nler, Europäer, die euch in das bessere Jenseits\nverschicken, damit ihr sie auf Erden zahlt.\nDas sind Kunstwerke. Das ist ein Ton-\nfarbformgebilde, Erde ohne Kunstschwere,\nKunst ohne Erdschwere, das ist das Lächeln.\nUnd heisst einfach: Nummer 8, Mondschein-\npolka oder der verliebte Friseur. Dabei\nkann man sich etwas denken. Aber nur\ndabei kann man sich etwas denken. Plötz-\nlich tanzen Töne und Farben singen und\nFormen bewegen sich. Und blaue Vögel sen-\nken sich in aller Hirne. Und alle Hirne\nlächeln, lächeln, lächeln. Kein Busse ver-\nsteht mehr russisch und kein Deutscher\nliesst gründlich den Text nach, übertragen\nvon Paul Barchan, aber alle schwingen\nim Gezweig der Kunst. Nicht einmal der\nDenker fällt hinunter.\nDa singt die Bäuerin V. Arenzvari\n„Abends spät im Walde\". Im Wald von\nXenia Boguslavskaja. Sie darf ihn\nnicht loben, weil ich sie persönlich kenne,\nsagt Herr Barchan. Ich kenne Dich nicht,\nXenia Boguslavskaja, hier bist du ausser\nDir und über Dich. Hier ist ein Kunstwerk,\ndass Du trägst, dass Dich getragen hat.\nWenn es auch keine Kunst zu loben ist,\nist Tadeln keine Kunst. Nie kennt der\nKünster das Kunstwerk, doch im Kunstwerk\nerkennt er sich. Als Teil des Teils, dessen\ner teilhaftig wurde. Und wenn Dein Wald\nam Abend hell elektrisch glüht, hier ist\nder Wald aus vielen Wäldern gestaltet.\nHier singt die Bäuerin V. Arenzvari"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.5", "texte": "die Töne Deiner Farben, Xenia Boguslavskaja.\nHier singen Farben Töne und Töne leuchten.\nUnd Töne leuchten Farben. Und Farben\nsingen Töne. Nummer 11: Bei Zigeunern.\nEin Bild aus dem alten Moskau. Die\nStimme der A. Koltschefskaja ist\neine Stimme, die das Dasein von Liedern\nentschuldigt. Die die menschliche Stimme\nzu einen Kunstwerkzeug macht. Die Stim-\nme der Koltschefskaja ist eine Fülle von\nTonformen, so, dass die Fülle der Stimmen\nals eine Tonform entgegen klingt. Und die\nBewegung des Kaufmanns Duvan-\nTorzoff, eines herzlichen Ausbeuters,\nist eine Bewegung, die sich rhythmisch\nmit der bewegten Masse der Zigeuner und\nZigeunerinnen zu einem Kreise rundet, Bild\nwird. Hier ist das optische Phänomen\nerkannt und gestaltet.\nUnd wie vollendet ist diese farbige Zeich-\nnung gestaltet, die „Time is money\" heisst.\nDieses Spiel ist ein wesentliches Beispiel\nfür das Unwesentliche des Gegenständlichen\nund der Aussage in der Kunst. Denn das\nKunstwerk ist die Beziehung und die Be-\nwegung der Linien I. Chadschi gegen die\nLinien der E. Awach. Alles Sichtbare\nwird optisch wahrgenommen. Es kommt\ndaher für die Kunst auf die Sichtbarkeit und\nnicht auf die Wahrnehmung an. Hingegen\nwird die Wahrnehmung und auch das\nWahrgenommene nur durch künstlerische\nMittel sichtbar.\nUnd alle gegenwärtigen Theater Europas\nsind künstlerisch durch diese kleine Scene\nerledigt, die sich schlecht und unrecht\nmusikalisches Drama nennt: „Der König\nrief seinen Tambour\". Hier ist das Theater\ndurch Kunst exledigt. Hier ist eine orga-\nganische Verbindung von Farbe, Form,\nTon und Tonfall geschaffen, die in ihrer\nsinnlichen Vollendung übersinnlich wirkt.\nHier werden die Sinne nicht gereizt, hier\nsind sie befriedigt. Hier wird das Kunst-\nwerk ungeteilt und unmittelbar aufgenom-\nmen. Hier hört das Auge und sieht das\nOhr zeitlos im gleichen Raum und raum-\nlos in gleicher Zeit. Die Geschlossenheil\nder Bewegung wird Bewegung der Ge-\nschlossenheit. Hier ist der Moment über-\nzeitlicht und das Moment iiberräumlicht.\nHier wird der Flügelschlag schwingender\nKometen zum Kreisen schweifender Plane-\nten. Die Ewigkeit ist sinnfällig geworden.\nErdfällig gesprochen: Regie: I. Duvan-\nTorz o 112 f. \" Dekoration und Kostüme:\nP. Tschelischtschew. Mitwirkende:\nI. Dubrowskv, I, Chadschi,\nV. Arenzvari, E. Awach, 1. Tartakow,\nG. N e 1 i d o w.\nMorgen kommt wieder ein Tag. Und nach\nder Nacht wird es übermorgen. Die Wis-\nsenschaft geht auf das Festland zurück,\ndie Kunst in die Vereinigten Staaten und\ndie Politik nach Haag. Europa wird immer\nvornehmer. Jetzt ist der Professor Minister\nund der Bierwirt Grüssonkel und der Künst-\nler Denker.\nDie Kunst ist frei für den Glauben.\nDie Kunst ist vogelfrei.\nWie du frei bist, mein blauer Vogel. Wie\nfrei du bist im Flügelschlag.\nFliegst durch Bindung. Bindest durch\nFliegen.\nWir wollen fröhlich sein.\n\nHerwarth Walden.\n\nJäh\n\nGebeugt\nkniet Zittern\nAhnen\nSinken\nfelsenhager\nwiegend\nLippen schluchtgesperrt\nund\ntrinkt\ndas Rieseln\nund\ndas Auge\nErdenauge\nblättert\nbleich\nzermiidend\nGrau verspült\naus Hängen\nTraubenbogen\nschlingert\nPerlenplätschern\nhin\nschwimmt hin\nim Glanz der heben Nacht\nglanzsperren"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.6", "texte": "heben\nsplittern Spitzen\nkanten\nwachsen\nblocken\nzittern Schmerzensadern\nschreigesprenkelt\nFlimmer\nflammt der Fels\ndie Schlucht\nda fliehen Menschen\nrückwärts\nvor\nß\naufbrechen Wasser\nmähnen\nwimmeln\nkreisen\nbleichen Ängste\nMond reicht Hände\nhebt\nqualmt Blau\ndie Leiber sinken\nWürmern\nringeln\nfaden\nschlingen\nfallen\nFüsse spreizt das Schwert\ndie Donner recken\nbrausen\nbrüllen\nStaub versinkt\nKrystalle säulen\ntiefen\nkanten\nkränzen\nkuppeln\nschleicht die Stille Kraterasche\nAsche\nrinnt\ndas Herz der Welt\n\nKurt Liebmann\n\nTRAN2/5\nSämischgares Rindleder\n\n(Der Wurzelechte.)\n\nAchtung! (126367) Achtung!\nFilze aller Art\n(Kann nach der Weise: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall\" gesungen werden.)\nWie die nicht abfliessende Mutterbrust erkrankt dem Wurzelechten die nicht abfliessende\nSeele. Wer ist wurzelecht? Herr Lange ist wurzelecht. Warum ist Herr Lange wurzel-\necht? Weil er das Echte bei der Wurzel fast und entwurzelt, weil er den „Pulsschlag\nlebendigen Blutes spürt\", und zwar bei den soeben entwurzelten Echten. Wollen Sie mal\nmeinen lebendigen Pulsschlag spüren? (Der Vorderschluss vereint Gracie mit Bequemlich-\nkeit.) Ziehen Sie nur dreist Ihr Korsett aus.\n„Bei den greisen Sturmleuten (Ausgestellt haben z. B. Klee, Neil Waiden, Archipenko,\nMarcoussis.) ist dieser Handgriff (gemeint ist wahrscheinlich die Notbremse.) allerdings\nvergeblich.\" Schade, Sie hätten sonst den Zug auch schon längst zum Stehen gebracht."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.7", "texte": "Peri: Komposition / Zeichnung"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.8", "texte": "(Nicht auf den Fussboden spucken!) Jugendlich ist dagegen z.B. Rohlfs. Der ist echt,\nwährend Herr Lange wurzelecht ist. (auch links gedreht.)\n[ Äeuteabenb 8 ttfyv\nentfcf)Uef fanft ttad)\nfetterer\nanfielt ttnfer aller\nßiefclittg, ber\nBubi\nim martert $Uter t>on\n10 Minuten.\nWeil er keinen Handgriff hat. Soll ich Ihnen mal einen Handgriff\nzeigen, Herr Lange? Herr Lange ist auch Könner. („Die Wurzelechten,\ndie Könner.\")\nWas soll das nun wieder heissen? Herr Lange ist wurzelecht, weil\ner Könner ist, und ist Könner, weil er wurzelecht ist. Weil er keine\nNotbremse hat. (auch rechts gedreht.) Herr Lange kann schreiben,\nkann lange schreiben. Die Quantität machts bei den Wurzelechten. „Das sind so ein\npaar Tatsachen\", um mich der Worte dieses Wurzelechten zu bedienen, „die man sich als\naufmerksamer Zeitbeobachter merkt\".\nFilze aller Art\nSoLange der Vorrat reicht.\nIch fasse die Sache so auf: die Wurzel des Echten ist die Hand, die beim Pferde aus dem\nHinten zurückgreift in bessere Zeiten. Ich erinnere an die herrlichen mittelalterischen\nKentauern. Herrn Langes Kritik ist „mildes Lachen\", pardon, seine „mildeste Kritik ist heiseres\nLachen\", pardon „heileres\" wollte ich schreiben. „Sich über so etwas\" (gemeint ist die\nKunst.) aufzuregen, oder darüber zu schimpfen, ist absolut unnötig.\" Relativ unnötig\nwürde ich sagen.\nDas sind goldene Worte,\nwert, weit gehört zu werden und tief in die Seele jedes deutschen Alle Filze\nSattlermeisters einzudringen. In tiefer Trauer:\nFamilie MERZ.\nK, . - Daher dieses wurzelechte Lachen dieses heiseren Herrn Lange, ohne\nipSbl Handgriff, ohne Schimpfen. Herr Lange steht eben über der Kunst.\nIch sehe eben, dass ich mich verschrieben habe, nicht „heiseren\",\nsondern „heiteren\" Herrn Lange muss es heissen. Ernst ist der Lehmann, heiser die Wurzel.\nHabt Ihr schon einmal einen heiseren Hund bellen hören: Kritiker bellen manchmal heiser,\nHerr Lange nicht. - Darum „meine Lieben, nun schimpft mir bitte nicht gleich über diesen\nWurzelkranken, wenn Ihr zu 74 meschugge geworden\" diese Träne gelesen habt, „werft\nauch bitte nicht den Wurzelechten mit diesen rasenden Sturmgesellen (z. B. Chagall,\nSchwitters, Bauer) in die Wolfsschlucht\". Wahrscheinlich sollen aus Bauer Kugeln gegossen\nwerden, mit denen der wurzelechte Freischütz gegen die Kunst schiesst. In Kugelform\nist der Bauer und der Chagall immerhin geniessbar. Lasst den Wurzelkranken, meine\nLieben, denn wie die nicht abkugelnde Mutterbrust, erkrankt dem nicht abfliessenden Kri-\ntiker die nicht abfliessende Wurzel. So ein Lange muss der Kritik erhalten bleiben, er\ndarf nicht abfliessen.\nDas sind goldene Worte,\nwert, weit gehört zu werden und tief in die Seele jedes deutschen o _ _ r\nSattlermeisters einzudringen. «iivTt)\nPETROLEUM\nDeshalb lässt Herr Lange seine nicht abfliessende Wurzelseele überfliessen: „Der Expres-\nsionismus, oder besser gesagt das, was die Vertreter dieser Richtung wollen, (Herr Lange\nist Generalvertreter des Expressionismus für Göttingen.) (Pardon, Wurzelvertreter.) — das\nhat mit dem Tamtam und den ornamentalen Floskeln derer um Waiden garnichts gemein.\"\nHerr Lange ist nämlich Kenner, nicht abfliessender, wurzelechter Kenner. Schon am ver-\ngangenen Mittwoch hat er einen Vortrag des Herrn Waldmann, wahrscheinlich über Expres-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.9", "texte": "sionismus, gesehen. Oder sagt man gehört, wie bei Opern? Herrjeh, was man in Göltin-\ngen doch alles riechen kann! Herr Lange hat als aufmerksamer Zeitbeobachter zugehört\nund kann nun über Expressionismus schreiben. D. h. damit soll nicht gesagt sein, dass\ner überhaupt schreiben könnte.\n'4 c 4 4 4\nLeichenpferdedecken\nA\nHervorragende Neuheiten.\nverlangen\nAnsichtssendungen.\nJedenfalls soviel ich es beurteilen kann, müssen die Herren Kunstkritiker immer erst et-\nwas gelesen oder gehört haben, bevor sie riechen können. Sehen kann kein Kritiker für\ndie bildende Kunst, vielleicht kann der Musikkritiker sehen.\nHerr Lange schreibt nun, und zwar so: „Eine geistige Bewegung, — und das ist nun ein-\nmal der Expressionismus, — (das hat Herr Lange jedenfalls beim Waldmannvortrag ge-\nlernt.) mit den Abstrusitäten verkalkter Jünglinge töten zu wollen, ist töricht.\" Meint\nHerr Lange nun sich mit „verkalkter Jüngling\"? Sollte er seine Kritik eine „Abstrusität\"\nnennen? Nein. Er meint die ausgestellten Sturmkünstler und deren Werke. Deshalb habe\nich mir vom Sturm die Liste der in Göttingen ausgestellten Künstler schicken lassen. Ich\nwollte doch einmal wissen, wer ausser mir ein verkalkter Jüngling ist. Ich bin entsetzt.\nDas hätte ich von Klee nicht gedacht. Verkalkter Klee! Essen sie keine Bohnen, Herr\nKlee. Auch Chagall, Campendonk, Gleizes, Leger, Mark, Schrimpf und viele andere sind\ndemnach verkalkte Jünglinge, während bei Wauer und Archipenko hin und wieder famose\nFarbenharmonien auffallen. In Kugelform.\nSAMMLER und Kunstfreunde! kauft\nkeine Kalkkünstler, kauft wurzelechte Nauens! — der Wurzelvertreter.\n1 2 3 4 5 6 7 8 9 40 11 12 13 14\nW ER? Spezialität:\nDerselbe Kopfhaare\nKäiberhaare\nkann mir gestohlen werden!\nHerr Nauen ist nicht verkalkt, auch nicht Jüngling, sondern Träger jener Bewegung, die\nman Expressionismus nennt.\nWie die nicht abfliessende Mutterbrust, entwurzelt den Wurzelechten die kritische Seele\nbetr» Lange, wurzelechter Generalvertreter für Expressionismus und reelle Kunst an der\nGöttinger Zeitung.\nHerr Lange lässt seine kritische Mutterbrust über und über überfliessen.\nIwHml „Herwarth Waiden . . zeichnete sich durch lange Haare und durch eine,\nsagen wir Nonchalance in Puncto Körperhygiene aus, die Heiterkeit und\nAbscheu in gleicher Weise erregten\". Daher das heisere Lachen. Pfui\nPudel, Herr Waiden, was muss ich hören! Und ich habe Sie stets für so\nsauber gehalten und als meinen „Vater und Gott\", den Gott für verkalkte Jünglinge, ver-\nehrt. Können Sie denn nicht ein wenig hygienischer werden? Sauberkeit ist der halbe\nKalk. Statt sich mit Kalkklees und|Kalkchagalls und Kalkmolzähnen zu umgeben, sollten\nSie lieber alle Jahre nehmen. Ihre Stellung als Gott erlegt Ihnen Pflichten auf.\nSie müssen repräsentatieren für die Kalkindustrie. Oder wollen Sie lieber Herrn Lange\nwegen Beleidigung verklagen? Grund dazu hätten Sie vielleicht.\nzu 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Roth\nzu Nun zu Herrn Lange.\nzu Hören Sie einmal aufmerksam zu, wie ein Zeitbeobachter. Ich will Sie jung machen.\nDenn nicht der Sturm ist greisenhaft, wie Sie dreist sagen, nicht Puni, Neil Waiden,\nZU Marcoussis, sondern wenn jemand greisenhaft ist, können nur, ja entschuldigen Sie,"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.10", "texte": "dass ich das sagen muss, nur Sie es sein. Es ist hart, mit einem Male zu hören, dass\nman ein verkalkter Jüngling ist. Es gibt aber Leute, die nie jung gewesen sind. Ich will\nIhnen nun sagen, was Kunst eigentlich so richtig ist.\nA Ix. T J Darauf hiermit Und nun\nAllC L/CuCf unsere Hand! schlagt ein!\nWenn Sie nämlich schreiben wollen, müssen Sie nämlich sowieso erst wissen, worüber.\nSie haben ganz recht, wenn Sie weinen, Sie können nichts dazu, in Göttingen — Weinen\nSie bitte nicht mit voller Nase, Sie noch weniger riechen können, was Kunst ist.\n„bezw.\" heisst bezwecks.\nAlso Ihre Nase. Sie schreiben: „Die Disziplinlosigkeit, die lächerliche Aufgeblasenheit, die\ngeistige Austrocknung, das spielerische Hinweggländeln . . das alles macht uns die Gesell-\nschaft so unbehaglich.\" Das alles werfen Sie Klee, Archipenko, mir, Chagall, Marc vor,\nbesonders meinen sich spreizenden Konsorten, also etwa Fischer, Baumeister oder Klee.\nAber das sind Ihre werten eignen Unarten. Ich nenne Ihre Kritik lächerlich aufgeblasen,\ndisziplinlos, u. s. w. Was sagen Sie nun?\nHaben wir aber erst die Macht\ndurch engen Zusammenschluss, dann liebe Meister, lasst uns ja nicht\nmachtgierig werden.\nSehen Sie, ich gländele nicht so leicht über Ihre spielerische Ausgeblasenheit und die\nlächerliche Austrocknung Ihrer sich spreizenden Konsortien hinweg. Sie werfen uns vor,\nkeine anständige Modellskizze machen zu können. Können Sie das beweisen? Bitte! Ich\nselbst kann leider (scala dei.) sehr anständig abmalen. Ich könnte z. B. jeden K . . k . .\nkunstk . . k . .kritiker so dämlich abmalen, wie er aussieht, Begenschirm, links gedreht,\nbei Fuss. Sie können es mir nicht beweisen. Ich kann ihnen aber am Fusse Ihrer Be-\nsprechung in der Göttinger Ztg. vom 3. 3. beweisen, dass Sie keine anständige Kritik\nschreiben können. Sie können aus mindestens zwei Gründen nicht sachlich kritisieren,\nund zwar zweitens, weil sie von Kunst keinen Geruch haben. Ich will Sie einmallkünst-\niiL»\nlerisch aufklären. Vor allen Dingen merken Sie sich, dass man Bilder mit der Nase sieht.\nUnd wenn Ihnen Herr Waldmann etwas anderes sagt, so zeigen Sie ihm Ihre echte Wur-\nzel. Sodann werde ich Ihnen zur Belehrung einige Ausdrücke desselben Waiden citieren,\nden Sie beschimpft haben. Sie verleumden Waiden. Lügen haben kurze Beine. Soll ich\nIhnen mal ein kurzes Bein um die Ohren hauen? Nämlich Herwarth Waiden schreibt im\nvierten Sturmheft 1922 über den Shimmy. Bei dieser Gelegenheit schreibt er nebenbei\neinige Sentenzen über die Kunst, die das Wesentliche so gut treffen, dass ich es nicht\nbesser glaube mit Worten ausdrücken zu können: „So nüchtern es auch in der Idee wirkt,\nKunst entsteht nur durch die Gestaltung von Ton- Wort- und Farbform-Beziehungen.\nDer Wert eines Kunstwerkes besteht nicht in der Idee, sondern in der Gestaltung. Ge-\nstaltete Bewegung ist Kunst.\" Sehr klar unterscheidet dann Waiden unter körperlicher,\noptischer und akustischer Bewegung. Es gibt Kritiker, die meinen, Bewegung wäre, wenn\nsich etwas bewegt. Malerei ist aber gestaltete optische Bewegung. Ich sehe, hier ist's aus\nmit Ihrem Auffassungsvermögen. Machen sie doch bitte den Mund zu! Sonst sage ich\nnichts weiter. Und jetzt werden Sie mein „kleines aus Zeuglappen geklebtes Dingelchen\"\nnicht mehr ein „nettes Ornament\" nennen, wenn Sie bitte einmal die Bewegung darin ge-\nrochen haben werden. Sie wollen doch wohl nicht behaupten, die bekannte Beethovensche\nMondscheinsonate wäre ein kleines aus Törnen zusammengeklebtes Dingelchen und ein\nnettes Ornament? Aber mit dem Mund können Sie nicht sehen, auch nicht riechen. Ma-\nchen Sie doch bitte endlich Ihren netten Mund mal zu! Wollen Sie bitte Ihren Mund auf-\nreissen, Herr Kritiker! So ist's gut! Mund auf! Mund zu! Mund auf! Mund zu! Kritiker\nmüssen gut dressiert werden, Bauf, runler, rauf, Pünktchen drauf. Was ist das? Ein"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.11", "texte": "Michael Larionow: Dekorationsskizse zu einem Ballett / Dreifarbendruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.12", "texte": "Und dann schreiben Sie bitte nicht wieder, dass Klee, Archipenko, Chagall, Schwittens,\nCampendonk u. a. m. auf die Zeitgenossen, die nicht alle werden, geschäftstüchtig spe-\nkulierten. Machen Sie nur gut den Mund immer auf und zu. Das steht Ihnen so gut zu\nGesicht. Ich sehe übrigens, dass Sie einige Künstler mit „fingerspitzenfeinem Takt\" her-\nausnehmen aus der Reihe der Geschäftsspekulanten, wie Klee, es sind dieses Künstler,\ndie, „mit fingerspitzenfeinem Takt\" herausgeholt haben, was dieser Kunst wenigstens ein\nwenig Beachtung sichert, die nicht so „disziplinlos aufgeblasen\" sind, wie ich z. B.\nBesonders erwähnen Sie Kandinsky, von dem nämlich nichts in Göttingen ausgestellt war,\nund Katharina Schäffner, die nie zum Sturm gehört hat, weil Sie unkünstlerische Karrika-\nturen macht. Diese Kath, Schäffner wird mir gerade mit fingerspitzenfeiner Sicherheit als\nMusterbeispiel gegenübergestellt, lange bevor ich mich „spreizte\". Sie schuf Kunst, lange\nbevor ich mich mit „meinen Konsorten spreizte\". Machen Sie lieber zur Übung mal den\nMund auf.\nMund zu!\nMund auf!\nMund zu!\nAn die Kaserne, marschmarsch!\nHinlegen, marschmarsch!\nÜber und unter Wasser, marschmarsch!\nWeckgelreten!\nWas? Hierbleiben, marschmarsch! Ich werde Euch fingerspitzen-\nfeinen Takt beibiegen! Wie die nicht abfliessende Fingerspitze marschmarsch erkrankt dem\nmundaufreissenden Kritiker die weckgetretene Kaserne.\nJa, Vater, und ich helfe»\nPreise: Normal\nKnie entreisse der Rose. —\nÜrigens glauben Sie nicht, Herr Lange, durch Ihre Verleumdungen der Kunst schaden zu\nkönnen. Sie können es eben so wenig, wie der Torfmann, der Torf Torf ruft, oder Herr\nWestheim, der bekannte Herausgeber des verstorbenen Kunstblattes. Nehmen Sie sich\nauch nicht zu tragisch, dass ich Ihnen überhaupt antworte, ich habe auch Herrn Westlieim\ngeantwortet, der sich auch nicht tragisch nimmt. Herr Westheim kann nämlich auch die\nEntwicklung der Kunst nicht mehr aufhalten, ebenso wie der Torfmann, wenn er auch\nnoch so laut Torf, Torf ruft. Sonst sind gewisse Ähnlichkeiten zwischen Herrn Westheim\nund dem Torfmann. Der Torfmann handelt auch mit einer Ware, die ihn nicht wärmt.\nIhnen, Herr Lange, habe ich geantwortet, weil Sie so entsetzlich albern, so unsagbar\nkomisch geschrieben hatten, dass ich glaubte, einem Menschen helfen zu müssen. Ihr Fall\nist nämlich typisch, wie Westheims Fall. Ihr Fall ist mir sonst gleichgültig, Sie fallen,\nwie Westheim, ganz allein. Wie ein wurzelkranker Baum.\n0, Schatz, wenn du das tätest, mir einen Pralinee an die Hose nähtest! Ihr Fall ist\nweiter nichts, als typisch, Herr Lange. Tausende von Kritikern „spreizen sich\", wie Sie\nund „sabbeln\" wie Sie. Ich bitte diese tausend Kritikusse, ihr sämischgares Rindleder\nhiermit als gegerbt zu betrachten. Aber an sich wäre es auch unnötig, diesen 1000 das Leder\nzu gerben, es ist sowieso sämischgar. Und die 1000 Sabbelspreizer können die Entwick-\nlung doch nicht mehr aufhalten, ebensowenig wie Herr Westheim. 1000 mal 1000 Künstler\nschaffen die neue Zeit. Das sind so ein paar Tatsachen, die man sich als unaufmerksamer\nSabbelspreizer merken sollte. Gerade die verkalkten Jünglinge, z. B. Klee, Bauer, Busch,\nGöhring, Molzahn, Puni, Wauer und die verkalkte Jungfrau Neil Waiden, schaffen die\nneue Zeit; nicht aber Ihr Herr Nauen oder der nicht verkalkte Jüngling Rohlfs. Diese\nHerren versperren nur den Kalkern den Weg."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.13", "texte": "telle\nA\n„An der Spitze der Innungen aber müssen Männer\nstehen, die bereit und fähig sind, zu arbeiten, für\nEhrgeizler gibts dort keine Plätze. Sehr viele\nInnungen leiden leider daran, daß nicht die\nrichtigen Männer an ihrer Spitze stehen, während\nsich solche sicherlich in ihren Reihen befinden.\nGebt der Familie das rechte Oberhaupt, das sie\ngut? niit Liebe und rechtem Verständnis aber auch\nmit treuei Hingabe für die Sache führt, dann wird auch der Erfolg nicht ausbleiben, die\nAngehöligen werden sich gern um ihn scharen, sie werden in der Innung das Heim und\nden Hort finden, die sie suchen und brauchen, sie wird ihnen jederzeit das sein, was sie\nsein soll, eine Pflegestätte echt kollegialer Gesinnung, eine Erziehungsstätte guter, braver,\nstrebsamer Handwerksmeister und treuer, zuverlässiger Staatsbürger.\" Bravo!\n— wird Friede sein?\nIch entnehme diese herlichen Worte der Deutschen Sattler- und Tapeziererzeitung, der\nich auch das Wort Tran entnommen habe. Jeder Kritiker sollte ein Jahr praktisch Sattler\nlernen. Sie dagegen schreiben: „Der jeweils letzte dernier cri fand im Sturm seinen be-\ngeisterten Lobiedner, wenn er nur recht reisserisch war\"» Ihr dernier cri ist zwar recht\nherunter reisserisch, doch findet er z. B. im Sturm keinen Lobredner. Solch eine Behaup-\ntung, wie die Ihre, ist nämlich eine Irreführung schlimmster Art. Sie meinen natürlich nicht\nIhren dernier cri, sondern den etwa von Klee oder Bauer. Sturmkünstler haben aber\nkeinen dernier cri, sondern nur Kunst. Ich vermute, Sie sind garnicht orientiert, oder\nwollen verleum den. Jedenfalls ist es bekannt, dass der Sturm sich den dernier cri, z. B»\nden Dadaismus des Herrn Hülsenbeck stets ferngehalten hat.\nMax, kehre zurück!\nin die Arme deiner trauernden Familie, die\ndich mit offenen Armen empfangen wird.\nIn Verbindung mit Ihrem Satze: „So blieb der Sturm immer jung, weil er heute munter\nverbrannte, was er gestern angebetet\", wird Ihre Verleumdung rund wie eine Kugel»\nN. B. ist das Wort „hatte\" zu ergänzen.\nDie Andeutungs ' Biene\nist die eingetragene Schutzmarke des allem echten\nK UN ST-HONIGS\nder genau so gelb aussieht, wie der wirkliche Bienen-\nhonig, und vor diesem einen höchst delikaten bit-\nteren Geschmack voraus hat.\nEs ist nämlich gerade das Verdienst des Sturm und besonders seines Leiters Herwarth Waiden,\ndass er allein und gegen die Meute der blöden Kritiker die Kunst, nicht den dernier cri,\nunserer Zeit durchgesetzt hat. Ich bewundere Herwarth Waiden um seine selbstlose Kon-\nsequenz, mit der er immer wieder für die Kunst gegen den Unflat der Kritik und das sich\nbreit machen der Nachahmer gekämpft hat. Die Wahrheit ist ein Licht, das Motten blen-\ndet. Herwarth Waiden aber ist der konsequenteste Mensch in der Kunst unserer Zeit.\nWollen Sie ihm verübeln, wenn er den konsequenten Künstlern gegenüber den Inkonse-\nquenten den Vorzug gibt?\nStanz\nAlso Männer habt ihr schon,\ndie berufen sind zu Führern Eurer guten\nSache in jeder fachlichen und sachlichen Weise»"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.14", "texte": "Kommt nun\ndeutsche Sattlermeister\nKommt nun\ndeutsche Sattlermeister\nalle nach Hamburg\nund helft den Bund erneuern\nund eng zusammenzuschweißen.\n„Auf nach Hamburg\" muß es heißen\nIn den deutschen Sattler--Kreisen,\nDenn die große Ausstellung\nBringt das Handwerk gut in Schwung.\nwie überhaupt die daran interessierten gewerblichen Stände in jeder Weise nur gefördert\nwerden sollen.\nHochachtungsvoll\n\nKURT MERZ SCHWITTERS\n\nVierteltonmusik\nJörg Mager\nSchon das Altertum, die Griechen, besassen\neine Vierteltontheorie. In der griechischen\nMusiktheorie tritt der Viertelton bereits so.be-\nbestimmt und selbstständig auf, dass man mit\nHelmholtz a nnehmen darf,die Alten hätten die\nr '\nVierteltöne auch praktisch verwertet. Richard\nStein, der im Folgenden noch öfter erwähnte\nVierteltonforscher, bemerkt hierzu, dass Ge-\nvaert, Fortlage und Bellermann u. a. nicht\nan eine griechische Vierteltonpraxis glauben;\nim Mittelalter habe man aber einmal so\nsehr für griechische Vierteltonmusik ge-\nschwärmt, dass noch jetzt in den Museen\nKlaviere zu finden seien mit eignen Tasten\nfür fls und ges! Natürlich bilde ich mir\nnicht ein, dass ich als Lehrerorganist mit\nder dilettantisch-musikalischen Ausbildung\ndes Lehrerseminars durch mein Viertelton-\ninteresse auf einen umwälzenden Gedanken\n-gekommen sei. Als ich auf der Suche nach\nLiteratur über Vierteltöne nichts finden\nkonnte als eine Stelle im Helmholtz, dachte\nich mir einfach: die berufenen Musiker und\nAkustikerhaben das Vierteltonproblem längst\nwie ein „perpetuum mobile\" als unfrucht-\nbar, undiskutierbar erkannt, und verworfen.\nJede weitere Beschäftigung mit dem Viertel-\nton erschien mir daher als Energiever-\nschwendung und Anmassung, bis sich mir\neines Tages Vierteltöne in persona, leib-\nhaftige Vierteltöne aufdrängten! Durch die\ntropische Hitze des Sommers 1911 wurde\nunsere Kirchenorgel derart verstimmt, dass\nmanche Register die seltsamsten Ton-\nmischungen erklingen Hessen. Da sich einige\nbesonders bestechende Zusammenklänge auf\ndas Mittönen von Vierteltönen zurückführen\nliessen, konnte ich dem Gelüste nicht wieder-\nstehen, durch Vermischung von Halb-und\nVierteltönen neue Harmonien aufzuspüren.\nAn der Kirchenorgel ging das nicht; sie\nmusste alsbald für den Kirchendienst wieder\n„rein\" gestimmt werden. Aber mit einer\nAnzahl Orgelpfeifen wollte ich nun einige\nVierteltonversuche wagen. Die bekannte"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.15", "texte": "Orgelbaufirma Sieinmeyer, Öttingen in\nSchwaben, stellte mir eine Kiste voll nagel-\nneuer Zinnpfeifen zur Verfügung. Diese\nPfeifen konnten sehr leicht um einen Viertel-\nton tiefer oder höher gestimmt werden. Dabei\nverfuhr ich natürlich nicht physikalisch-\nwissenschaftlich, sondern musikalisch-em-\npirisch. Ich stimmte solange hinauf oder\nhinab und zwar mit Hilfe des Klaviers, bis\nich z. B. bei einer c-Pfeife eine Tonerhöhung\nerreicht hatte, die — dem Ohre nach —\ngleich weit von dem c und dem eis ent-\nfernt war, also in der Mitte zwischen diesen\nzwei Tönen „lag\".\nMein Viertelton ist also die Hälfte des tempe-\nrierten Halbtones; mit Hilfe des Oktaven-\nmasses 41 'U m (m-Millioktav), wie mir der\nbekannte Vorkämpfer für die Eitzsche-Ton-\nwortgesangsmethode, Raimund Heuler,\nWürzburg berechnete. Meine Buben bliesen\nnun solche Viertelton-Pfeifen an, während\nich auf dem Klaviere hierzu Halbtöne an-\nschlug. Es ergaben sich dadurch nicht\nwenige, so interessante Tonmischungen, dass\nich nun auch den weiteren Schritt wagen\nwollte, ein eigenes Instrument zu schaffen,\num darauf solche Viertelton-Experimental-\nmusik treiben zu können. Bevor ich mich\naber als Proletarier zu den hierzu nötigen\nfinanziellen Opfern verstehen konnte, wollte\nich mich doch erst noch von einer musi-\nkalischen Autorität beraten lassen, natürlich\nvon einem musikalischen „Modernisten\".\nKurzweg schrieb ich an Richard Strauss und\nerhielt 1911 die Mitteilung: „Die Frage der\nViertelstöne ist sicher sehr interessant und\neingehenden Studiums immerhin wert. Ob\nunsere Musik wirklich dieser feineren Diffe-\nrenzierung zusteuert, darüber masse ich mir\nkein Urteil an. Ich werde wohl für den\nRest meines Lebens mit der Halbton-Ton-\nleiter auskommen.\"\nNatürlich schöpfte ich aus diesen aufmun-\nternden Worten neuen Mut für meine Ver-\nsuche, und ohne mit meiner Kasse lange\nRücksprache zu halten, beauftragte ich die\nOrgelbaufirma Steinmeyer nach meinen\nAngaben ein Vierteltonharmonium zu bauen.\nInzwischen fiel mir ein Aufsatz über „Zi-\ngeunertonleitern und Vierteltonmusik\" von\nGeorg Capellen, München („Hochland\"-\nFebruarheft 1911) in die Hände.\nGeorg Capellen führt hier u. a. aus, dass „die\nEntscheidung über die Einführung die Ent-\nWicklung der Vierteltonmusik im Okzident\nfallen müsse\". Er hat seine Zigeunerton-\nleitern auf der Müllerschen Akkordzither\n„Monopol\" dargestellt. Er stimmte z. B.\nden As Dur Klang und C moll Klang in\nreiner, den G Dur und H moll Klang in\ntemperierter Stimmung und zwar in zwei-\nerlei Weise. Entweder werden alle Töne\nrein gestimmt, dadurch entstehen „zwei\nwundervolle klingende Dur Akkorde\" und\nschärfere, herbere Mollklänge. Oder es wird\nein reiner As Dur und G moll Klang ge-\nstimmt und der G Dur und H moll Klang\naber temperiert genommen. „Dadurch wür-\nden die Akkordnuancen noch mannigfal-\ntiger\". Capellen spricht dabei den Wunsch\naus, „es wäre sehr schön, wenn es ein ein-\nfaches, billiges wohlklingendes Instrument\ngäbe, an dem diese Umstimmungen leicht\nausgeführt und studiert werden könnten\".\nDieser Wunsch Capellens war mir eine\nwertvolle Bestätigung für die Richtigkeit\nmeines Harmoniumprojektes.\nCapellen machte mich auf seinen Aufsatz\n„Viertellöne als wesentliche Tonleiterstufen\"\n(Märzheft der „Musik\" 1912) aufmerksam.\nIch erfuhr hierin von der 53-stufigen gleich-\nschwebenden Temperatur, die schon\nHelmholtz, G. Engel, Drobisch, Tanaka als\nbrauchbar empfahlen, von den 36 Stufen\nHugo Riemanns und dem 18-dritteltonsystem\nBusonis; ferner von den zwei Konzert-\nstücken für Violincello und Klavier von\nBichard H. Stein (im Vierteltonsystem). Be-\nsonders ermutigte mich ein Zitat aus Geisslers\nAufsatz „Sehnsucht nach den Vierleltönen\"\n(Januarheft der Neuen Musikzeitung 1908),\ndas einer Vierteltonbroschüre nicht vorent-\nhalten werden darf: „Was wir heute selbst-\ngefällig als Chromatik bezeichnen, ist im\nGrunde nur eine ziemlich rohe Entharmonik,\nvon der uns mit der Zeit zu befreien eine\nNotwendigkeit sein wird\".\nBei all seinem Interesse, seinem Eifer für\ndie Vierteltonforschung verhält sich Capellen\nzur Viertelton-Musik recht kleingläubig.\nWährend ich Richard Stein als den Viertel-\ntonoptimisten anführen will, möchte ich\nCapellen als den Viertelton-Skeptiker be-\nzeichnen. Jetzt schon können manche seiner\nHauptbedenken entkräftet werden. In je-\nnem Aufsatze zweifelt er „ob wir wirklich\nim Stande sind, Bruchtonstufen als selbst-\nständige Töne zu hören und zu unter-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.16", "texte": "scheiden\". Mäh erinnere sich dieses Ein-\nwan des bei der Schilderung der erstenViertel-\nton-Harmoniumsversuche! Diese irrige\nMeinung Capellens veranlasste ihn dann zu\nder irrigen Folgerung: „Wenn somit kleinere\nDistanzen als der Halbton von uns nicht\nals neue, selbständige Tonwerte wahrge-\nnommen und unterschieden werden können,\nso ist die Forderung und Aufstellung be-\nsonderer Viertelföne (nach Stein Vorschlag)\nfür unsere gegenwärtige Musik unpraktisch\nund überflüssig\". Capellens Skeptizismus\nist wahrscheinlich darauf zurückzuführen,\ndass er seine Bruchionstufen nur auf der\nAkkordzither darstellte. Seine Befürchtung,\ndass das Notenbild zu kompliziert werden\nwürde, vermag gewiss schon die Noten-\nbeilage zu widerlegen. Nicht ganz Unrecht\nhat aber Capellens Zweifel, ob durch Vier-\nteltöne ein noch viel höherer Klangzauber\nals durch die chromatischen Halbtöne er-\nreicht werde\". Einen viel höheren Klang-\nzauber wird uns der Viertelton wohl kaum\nbringen können; müssen wir aber den\nVierteltönen nicht schon sehr dankbar sein,\nwenn sie uns erst einmal ähnliche, gleich-\nartige, aber ganz neuartige, bisher un-\ngehörte Klänge geben können?\nTrotz diesem Viertelton-Pessimismus befür-\nwortet Capellen den Bau „klavierartiger In-\nstrumente auf fixierbaren Bruch tonstufen\"\nund gibt zu, dass hierzu „nur unsere zwölf-\nstufige Materialleiter die Grundlage für\nvierteltonweise Tonveränderungen bilden\nkann.\"\nWurde ich auch von dem Skeptizismus\nCapellens auch etwas angesteckt und dadurch\nmein Enthusiasmus etwas geringer, so\nhatte man in diesem Aufsatze doch selbst\ndie Zustimmung eines Skeptikers zur Vier-\nton-Harmonium-Konstruktion! Und wenn\nauch Freunde bedauerten, dass ich mich\nnun nicht als den ersten Viertelton-Forscher\nbezeichnen konnte, — vom wirklichen ersten,\nkannte R, Stein, ich nur seiner\nCellokomposition Namen! —, ich war eher\nfroh, nun nicht mehr der einzige Viertelton-\nVerrückte zu sein uud die „verrückte Ver-\nschwendung\" zum Bau eines Viertelton-\nHarmoniums gewagt zu haben! — Durch\nCapellen auf R. Stein aufmerksam gemacht,\nfühlte ich mich verpflichtet, mich mit Stein\nin Verbindung zu setzen. Durch Willy von\nMoellendorff wurde ich mit R. Steins\n„Zwei Konzertstücke für Violine und Kla-\nvier\", bekannt und erkannte in dem Nach-\nwort und Beilage zu diesen Konzertstücken\ndie erste und bedeutendste Vierteltonver-\nöffentlichung.\nAls Organist hatte ich instinktiv das Harmo-\nnium zum Viertelton-Experiment gewählt;\nKlaviere lassen sich auch viel schwerer\nfür die 24 stufige Tonleiter einrichten.\nNatürlich freute es mich sehr, als ich spä-\nter bei Helmholtz und Jonquiere las, dass\nfür Tonexperimente das Harmonium am\nzwecksmässigsten sei; die Zungenstimmen\nkönnen sehr fein gestimmt werden, haben\neine grosse Zahl von Obertönen und hal-\nten die Stimmung unabhängig von Wärme\nund Witterung nahezu unverändert bei.\nDeshalb schufen sich die Tonforscher schon\neine Reihe eigner Versuchsharmonien wie\ndas Bosanquetsche Harmonium, das Helm-\nholtzsche, das Enharmonium von Tanake,\ndas Harmonium, Steiner-Austerlitz, das\nEitzsche Hamonium und das im Folgenden\nnoch näher zu erwähnende bichromatische\nHarmonium des Berlin Viertelton-Forscher\nWilly von Moellendorf.\nMein Vierlelton-Harmonium, das mir dann\nvom Patentamt als G.-M. N. 506093 geschützt\nwurde, ist zweimanualig; das Obermanual\nlässt seine Töne um einen Viertelton höher\nerklingen; man\"hätte sie natürlich auch um\neinen viertel Ton tiefer stimmen können;\ndas Unter- oder Hauptmanual hat das her-\nkömmliche Halbtonsystem.\nDieses Vierfelton-Instrument ermöglicht vor\nallem einmal die Wahrnehmung des Vier-\nteltons. Man ist überrascht, wie deutlich\ndieses kleinste Intervall des Vierteltons von\njedem normalen Ohre wahrgenommen wer-\nden kann! Die Viertelton-Leiter erscheint\ndem Ohre sogleich als eine logisch, organisch\ngegliederte Tonreihe. „Eine physische Um-\nbildung des Gehörs\", (F. A. Geissler „die\nSehnsucht nach den Vierteltönen\" (Neue\nMusikzeitung, Januarheft 1908) ist nicht nö-\ntig-\nDas Hin- und Hergleiten der Hände zwischen\nOber- und Untermanual beim Wechsel mit\nVierteltönen und Halbtönen bringt freilich\neine Spielerschwerung mit sich; umständlich\nist besonders der Griff mit einer Hand auf\nbeide Manuale zugleich beim Zusammen-\nspiel von Viertelton und Halbton. Da es\naber bei der Erforschung der Vierfelton-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.17", "texte": "Verwendungsmöglichkeiten vorerst nur um\neinfache, Tonsätze Tonbewegungen handeln\nkann, zieht man sich bei diesem Auf- und\nAbstieg zwischen den beiden Klaviaturen\ngewiss keine Fingerverrenkung zu.\nDie Moellendorffsche Viertelton-Klaviatur (D.\nB. P. N. 285850) hat diese Spielerschwerung\nbeseitigt. Der verdiente Berliner Viertelton-\nforscher Willy von Moellendorff ist Erfinder\ndieser Viertelton-Klaviatur. Durch Ver-\nschmälerung der schwarzen Tasten und\nBeschneidung der weissen gewann Moellen-\ndorff Platz für eine eigene braune Viertel-\ntontastatur. Die drei Tastenarfen liegen in\ndrei Etagen übereinander; durch ein Abstell-\nregister kann die Viertelton-Tastur ausge-\nschaltet werden. Moellendorff nennt sein\nInstrument „bichromatisches Harmonium.\"\nSchon die ersten Versuche mit dem Viertel-\nton drängten das Bedürfnis auf nach Namen\nfür die Vierteltöne und nach sinngemässen\nVorzeichen für die Notenschrift. Bezüglich\nder Benennung der Töne schien mir genü-\ngend, den herkömmlichen Notennamen bei\nViertelton-Erhöhung ein „o\" bei Vertiefung\nein „u\" anzuhängen. Das erhöhte g heisst\nalso go, das vertiefte gu. Man hat dabei\nden mnemotechnischen Vorteil durch „o\"\nan „oben\", durch „u\" an „unten\" erinnert\nzu werden.\nFür die Notenschrift verwende ich erst die\nDreieckzeichen v und A, nahm aber bald\ndie auch in der Pedalapplikatur üblichen\nHakenzeichen: A, mit Spitze nach oben für\nViertelton-Erhöhung und V, Spitze nach\nunten für Viertelton-Vertiefung. Diese zwei\nHaken lassen sich auch leicht den fis-und\nbe-Vorzeichen anfügen wie in dem Noten-\nanhang ersichtlich ist.\nWilly von Moellendorff benennt die Viertel-\ntöne „hoch-c\" und „tief-c\" und gibt mit\ndem Winkelzeichen j~ die Erhöhung und\ndie Erniedrigung um einen Viertelton mit\ndem Bogen c an.\nBichard Stein nennt die Vierteltöne aufwärts\nc, cos, h, hos, hesos usw. Steins Vorzeichen\n(siehe Notenanhang) dürften wohl die\neinfachsten und zweckmässigsten sein; beim\nDurchspielen seiner Noten kommen sie mir\naber immer noch schwer erkennbar vor,\nvielleicht wegen ihrer Ähnlichkeit mit den\nüblichen Kreuz- und Be-Zeichen.\nFast jedesmal, wenn sich Interessenten zur\nBesichtigung meines Harmoniums einfanden,\nspielten sie auf gut Glück drauf los in der\nMeinung, neue märchenhafte Harmonien zu\nvernehmen. Welche Enttäuschung, wenn\ndass Zauberinstrument nur ein brodelndes\nChaos ächzender, heulender Töne von sich\ngab. Die Enttäuschung schwand aber bald,\nwenn ich den Viertelton-Ungläubigen etwa\ndas erste Notensätzchen des Anhangs vor-\nspielte. Die gleiche Tonreihe darauf ohne\nVierteltöne gespielt, erschien dann allen\nohne Ausnahme weniger fein und wohlklin-\ngend als in der Darstellung mit dem\nViertelton.\nSolcher Verwendungsmöglichkeiten, bei\ndenen der Viertelton als Durchgangston den\nHalbton in Schalten stellt, gibt es sehr viele.\n• •\nSchon diese Überlegenheit gibt der Viertelton-\nMusik Existenzberechtigung, R. Stein und\nvon Moellendorff haben in ihren Veröffent-\nlichungen genug ähnliche Notensätzchen\nbekannt gegeben.\nDie Benutzung der Vierteltöne als Durch-\ngangs« und Wechseltöne ist aber erst das\nAnfangsstadium der Viertelton-Praxis, das\nschon jetzt weit überholt ist durch die\nVerwendung von Akkorden aus Vierteltönen\n••\nzu Leitakkorden, Übergangs- und Modula-\ntionsmehrklängen. Besonders für die Mo-\ndulation ergeben sich da verheissende Per-\nspektiven. Man sehe sich die Beispeile des\nAnhanges und die von Stein und von\nMoellendorff veröffentlichten an.\nDie Gebrauchsfähigkeit des Vierteltons zu\nDurchgangstönen und Durchgangsakkorden\nunterschätzte ich anfangs so sehr, dass mir\ndie Forderung eigene Viertelton-Instrumente\nzu bauen dieses scheinbar geringen Nutzens\nwegen übertrieben erschien. Erst wenn\nsich mit Hilfe der Vierteltöne auch neue\nHarmonien, neue Akkorde bilden liessen,\nwäre ein Instrumentenbau zu rechtfertigen,\nmeinte ich. Als Hauptzweck meines Har-\nmoniums erachte ich, die Möglichkeit zu\nprüfen, ob sich die Vierteltöne mit den\nHalbtönen zu brauchbaren Neuklängen mi-\nschen lassen. Denn die Durchgangsver-\nwendbarkeit des Vierteltons erscheint mir\ndurch die Veröffentlichungen Bichard Steins\nund von Möllendorfs genügend erwiesen.\nSelbstverständlich können wir zur Zeit gar\nnicht genug Bearbeitungen dieses neuen\nTonmaterials haben, nur ein grosser Stab\nvon Bearbeitern vermag das Viertelton-Prob-\nlem zu bewältigen. Wer bei mir als Laien"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.18", "texte": "das hochwissenschäftliche akustische Be-\ngründungsmaterial vermisst, der möge be-\ndenken, dass selbst der moderne Akustiker\nDr. phil. Alf. Jonqutere in seiner Akustik\n(Verlag Fernau, Leipzig) als höchste Klang-\nprüfungsinstanz das Ohr anerkennt! Uebri-\ngens redet Stein selbst den Fachmusikern\nund den Musikkonservatorien Vernachlässi-\ngung des akustischen Studiums nach.\nMit meinen beiden Laienohren fand ich\nnun schon nach einigen wenigen Proben,\ndass sich die Vierteltöne nicht so ohne\nweiteres mit den Halbtönen „paaren\". Durch-\nschnittlich verhalten sie sich zu den Halb-\ntönen ziemlich widerhaarig. Für Dissonan-\nzenfeinschmecker bieten diese Zwieträchtia-\no\nkeiten, Protestschreie, Revolten bei der\n„Vermählung\" von Viertelton und Halbton\nwillkommene Leckerbissen. Der konser-\nvative Musiker, ich will nicht gleich sagen,\nder Musikphilister, wird auf Grund solcher\nwillkürlichen Neumischungen versucht sein,\ndie Vierteltonmusik als Kakophonie feierlich\nzu verdammen. Willy Moellendorff hat in\nseinem Aufsatz „Musik mit Vierteltönen\"\n(Rheinische Musik- und Theaterzeitung 1916)\nsolche Viertelton-Missklänge köstlich ge-\nschildert; z. B.: „Endlich erscheint auch der\nneue und auf den ersten Blick höchst wild\nsich gebärdende Akkord hoch gis, hoch- es,\nd, völlig gezähmt, sobald man nur aul\nseinen wilden Bachen den Maulkorb des\nWechselnoten-Zwanges stülpt, ihn also in\ndieser Weise auftreten lässt: a, fis, d, —\nhoch gis, eis, d, — a, fis, d. — Das Untier\nfrisst einem dann sozusagen aus der Hand!\nMan sieht jedenfalls: viele der neuen\nIntervalle und Akkorde werden sich durch\nirgendwelche, noch dazu altbewährte pä-\ndagogische Mittel zu nützlichen Gliedern der\nneuen Ton-Gesellschaft erziehen lassen. Aber\nleider nicht alle! Es gibt unter ihnen viel-\nmehr aiich manche, an denen vielfach\nHopfen und Malz verloren zu sein scheint.\"\nSchluss und Notenanhang folgt\n\nUrheber-Rechte\nKleine Original-Tragödien\nRudolf Blümner\nGlasarchitektur\nAuf dem Büchertisch der Kunstausstellung\nDer Sturm lag Paul Scheerbarts „Glasar-\nchitektur\". „Steht darin auch etwas\nüber Bruno Taut?\" fragte eine Dame die\nVerkäuferin.\nAus dritter Hand\nIn der Ausstellung des „Sturm\" hing ein\nGemälde von Lyonel Feininger. „Sieh\nmal, Lotte,\" sagte ein Besucher, „ganz wie\nDoktor Caligari.\"\nDie Plagiatoren\nEin Angestellter des Admiralspalastes\nmachte in den Rüro-Räumen des „Sturm\"\neine Offerte. — „Wissen Sie,\" bemerkte er\nzu dem Generaldirektor des Sturm, „woran\nmich diese Bilder erinnern? An unser\nfuturistisches Ballett.\"\nKinder der Zeit\n„Mutti\" rief Karlchen „sieh mal die schöne\nMerzzeichnung\". — — „Aber Karlchen,\ndas ist ja ein Aquarell.\" „Ach ja, es\nist nur gemalt.\"\nWunder der Technik\n„Ein riesengrosser Vogel zog hoch in den\nLüften, einem Aeroplan vergleichbar, über\nmeinem Haupte dahin\", — schrieb ein\nSchriftsteller in seinen Reisebriefen.\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Asien\nKurt Liebmann; Jäh\nKurt Schwitters: Tran —\nJörg Mager: Vierteltonmusik\nRudolf Blümner: Urheber-Rechte / Original-Tragödien\nPeri: Komposition / Zeichnung\nMichael Larionow: Dekorationsskizze zu einem Ballett / Dreifarbendruck\nJuni 1922"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.19", "texte": "VERLAG DER STU RM / G. M. B. H.\nBERLIN W9 / POTSDAMER STRASSE 134a / FERNRUF AMT LtjTZOW 4443\n\nSturm-Bucher\nAugust Stramm\nSancta Susanna\nDie Unfruchtbaren\nPeter Baum\nKyland\nJedes Sturmbuch 20 Mark\nSturm-Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI-IV je 50 Mark\nI Marc Chagall\nII Alexander ArchipenKo\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nV Maler des Expressionismuss\n15 Farbdrucke: Kand insky / Chagall/ Marc / Klee usw.\n250 Mark\nMusiK ~\nKerwarth Walden\nj\nGesammelte Tonwerke\nDann / Vergeltung / Verdammnis / Werkli—*\nDichtungen von Else Lasker-Schuler\nFur Gesang und Klavier / Je 9 Mark\nBruder Liederlich I Werk 5l\nFur Gesang und Klavier / 9 Mark\nBntbietung / Werk 92\nDichtung von Richard Dehmel\nFur Gesang und Klavier / 9 Mark\nZehn Dafnislieder / Werk 11\nZu Gedichten von Arno Holz\nFur Gesang und Klavier / 50 Mark\nEinzelausgabe No. 1\nEr hort mit ihr den Gukguk\nSchreyn / 9 Mark\nDie Judentochter / Werk 171 / 15 Mark\nAn Schwager Kronos / Werk 172\nFur Gesang und Klavier / 12 Mark\nSchwertertanz / Werk 18\nFur Klavier / 15 Mark\nDer Sturm / Heeresraarsch / Werk 21\nFur Klavier / 6 Mark\nTanz der Tdne / Werk 23\nFur Klavier / 9 Mark\n\nKunstdrucKe\nAuf Japanpapicr\nJcdcr Kunstdruck 15 Mark\nRudolf Bauer\nSchwarz-Weiss-Komposition 14\nUmberto Boccioni: Abschied / Die Abfahrenden\nDie Zuruckbleibenden\nCampendonk: Zeichnung\nMarc Chagall: IntSrieur / Der Jude / Der Geigen-\nspieler/ Die Schwangere / Essender Bauer/Madchen\nRobert Dclaunay: Der Turm\nLyonel Feininger: Klein Schmidthausen\nMark Wippach II\nJacoba van Heemskerck: Baum / Hafen\nKandinsky: Zwei Zeichnungen\n\nPaul Klce: Kriegerischer Stamm\nOskar Kokoschka: Tierbilder\nFernand Ligtr: Akt I / Akt II\nFranz Marc: Katzen\nJohannes Molzahn: Zeichnung\nGino Severini: Tango argentino\nWilliam Wauer: Sehnsucht / Tanz\nKoHoschKa-DrucKe\nAuf Costa Karton 20 Mark\nAuf Japanpapier 30 Mark\nI Portr&tzeichnungen: 1 Adolf Loos / 2 Herwarth\nWalden / 3 Karl Kraus / 4 Richard Dehmel\n5 Paul Scheerbart / 6 Yvette Guilbert / 7 Rudolf\nBlumner\nII Zeichntsngen sum Drama: Morder Hoffnung\nder Frauen\n12 verschiedene Blatter\n\nFarbigeKnnstdrucKe\nJedes Blatt 25 Mark\nAlexander Archipenko: Aquarell\nMarc Chagall: Interieur / Der Barbier\nMarc Chagall: Kutscher / On dit (Jude)\nMarc Chagall: Akt / Aquarell\nTour Donas: Frau mit Vase\nAlbert Gleizes: Gemalde\nReinhard Goering: Aquarell\nJacoba van Heemskerck: Landschaft / Gemalde\nKandinsky: Aquarell 2 / Aquarell 6\nPaul Klee: Spiel der Krafte einer Landschaft\nFernand Kontrast der Formen / GemSlde\nFranz Marc: Pferde / Aquarell\nJean Metzinger: Landschaft / Gemalde\nLouis Marcoussis: Stilleben\nLothar Schreyer: Buhnenfarbforpi\nNell Walden: 1: Todfruhling / 2: Farbige Zeichnung\nSudseegotze\n\nSturm-Marten\nJede Karte 2 Mark\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerkpn\nfolgender Kunstlerr\nAlexander Archipenko 3\nRudolf Bauer 4\nFritz Baumann 1\nWilli Baumeister 1\nVincenc Benes 1\nUmberto Boccioni 2\nCampendonk 2\nMarc Chagall 5\nRobert Delaunay 1\nLyonel Feininger 1\nAlbert Gleizes 2\nFernand 2\nAugust Macke 1\nFranz Marc 1\nCarl Mense 1\nJean Metzinger 1\nJohannes Molzahn 2\nGeorg Muche 1\nGabriele Munter 1\nNegerplastik 1\nOskar Schlemmer 1\nGeorg Schrimpf 1\nJacoba van Heemskerck 3 Kurt Schwitters 1\nHjerten-Griinewald 1\nAlexei von Jawlensky 2\nKandinsky 2\nPaul Klee 1\nOskar Kokoschka 2\nOtakar Kubin 1\nGino Severini 3\nArnold Topp 1\nMaria Uhden 1\nNell Walden 1\nWilliam Wauer 6\nMarianne Yon Werefkin!"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19220605-01.1.20", "texte": "Anzeigen werden nicht aufgenommen / Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Druck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18*\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Dhr / Monatlicher Wechseli\nHundertneunte Ausstellung\nJttli 1922\nAlbert Gleizes\nWalter Krug: Halereien aus Paplerfarbea\nPa-Fa-Ma-Ausstellung\nSturnvGesamtschau\n• • ' - \" ' ■ s\" \" 'v\n\\\n*\" »•'. ' ■ -r' V '\nHundertachte Ausstellung\nAugust 1922\nGdsta\nZadkine\nSturm^Gesamtschau\nTageskarte 3 Mark\nSturm - Ausstellungskataloge\nit Abbildungen\nAlexander Archipenko\nMolzahn\nJe 6 Mark\nSkupina\nGino Severini\nTour Donas—Nell Waldcn / Franz Marc / Iwan Pan!\nHundertste Ausstellung\nJe 10 Mark\nErster Deutscher Herbstsalon Der Sturm 1913\nMit 50 Abbildungen in Kupfertiefdruck\n15 Mark\n\nSTURM'ABENDE Jeden Mittwoch 7 % Uhr in der Kunstausstellung Der Sturm\nStandige Mitwirkende: Rudolf Blumner / Rezitation\nHerwarth Walden / Musik\nWfederbegxnn: Mittwoch, den 6. September 1922\n\nDer Sturm / Berlin\nAuswartige Ausstellungen:\nColorado / U. S. A.\nDusseldorf\n\nDcr Sturm Obernimmt die Yeranstaltung von\nSturm\"Ausstcllungcn (Gesamtschau und Einzel*\nausstellungen) in alien StSdten und Llndern.\nDcr Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kunstler, die er durch efgene Aus*\natellungen anerkennt.\n\nSturm'Buchhandlting\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 138 a\nFcrnruf Amt Liitzow 4443\nExpressionistische Kunst and Dichtung\nAuslandische Bucher\n\\\nVerkauf guter Bucher und Kunstdrucke\nNeuanzeigen Der Sturm\nOskar Kokoschka: MenschenkSpfe\n15 Blatt Portratzeichnungen auf Japanpapier\n360 Mark Mappe in Luxusausfuhrung\n\nStancUge Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechtsll"}]}