{"numero_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_sha256": "f978af44003094a1bbd487dd191422a95e50b5f2e68774abcde72a29d5275c12", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1923/03/01_01/bmtnabg_1923-03-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1923/03/01_01/bmtnabg_1923-03-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.1", "titre_corps": "Oscar Nerlinger: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Oscar Nerlinger: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.1", "debut_caractere": 104, "fin_caractere_exclue": 153, "texte": "Oscar Nerlinger: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "36", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.2", "titre_corps": "Schreibereiüber Bilder", "titre_sommaire": "Schreibereiüber Bilder", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.3", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 3459, "texte": "Schreibereiüber Bilder\n\nWTer es unternimmt, Einführungen in ein\nkünstlerisches Werk zu schreiben, begeht\neine Torheit. Noch heute sind die beiden\nunfreundlichen Berufe der Kunstgeschichtler\nund Kunstkritiker an der Arbeit, Kunst-\n/\nwerke zu zerreden und zu zerschreiben.\nDenn sie haben nicht gelernt, dass diese\nArbeit unnützlich ist, die Sinne unfähig\nmacht und den Charakter verdirbt. Der\nKritiker, der ein gebratenes Huhn zerlegt,\nist mitunter nützlich, wenn auch nicht tier-\nfreundlich. Der Kritiker, der ein Bild zer-\nlegt, ist nicht kunstfreundlich und immer\nunnützlich. Ein zerlegtes Bild kann niemand\nverdauen wie gebratene Hühnerleichen. Es\nist Unsitte geworden, geschlachtete Bilder\nals Einführung in ein Bild zu geben. Das\nist nicht menschenfreundlich an den Menschen\ngehandelt, die ein Bild haben wollen. Das\nist so traurig, dass die Menschen über die\nKritiker nicht lachen können; denn töten\nist eine Handlung, bei der mindestens die\nZuschauer nicht lachen können. Den\nMenschen die Kunst suchen, preisen sich\ndiese Kritiker an. Wir können es nicht\nhindern. Aber wir wollen laut sagen, dass\nkein Schlächter jemals jemandem ein Leben-\ndes geben kann und will.\nKunst suchen alle Menschen. Wer die Kunst\nausser sich sucht, findet sie nicht. Wer\nKunstwerke sammelt, hat darum noch nicht\ndie Kunst gefunden. Sammeln von Kunst-\nwerken hat nur den einen Sinn: sie vor\nder Feindschaft der Nichtkunst zu retten.\nDas ist nicht der Sinn der Kunstgeschichte.\nDie Kunstgeschichte sammelt Werke, ohne\nHandwerke und Geistwerke zu erkennen.\nSie kann daher weder die Kenntnisse der\nHandwerke noch die Kenntnisse der Geist-\nwerke übermitteln. Wer in der Kunstge-\nschichte Kunst sucht, ist auf sich angewiesen.\nDer Kunstgeschichtler ist dem Suchenden\nder untauglichste Führer. Denn der Kunst-\ngeschichtler weiss nicht, was er findet. Der\nBeruf verkümmert ihm die Sinne, das Bild\nzu sehen. Die wissenschaftliche Beschäfti-\ngung mit dem Bilde ist kunstabgewandt.\nDer Mensch, den der Wissenschaftler un-\ngebildet nennt, ist meist kunstnah. Die\nKunstfernen können die Kunstnahen niemals\nüberreden. Dass sie es versuchen, können\nwir nicht hindern. Aber wir können von\nihnen fordern, dass sie die Tatsachen, die\nmit Kunst nichts zu tun haben, ohne\nFälschung und aus Kenntnis der Tatsachen\nsagen. Allen Mitmenschen aber ist zu sagen:\nDie Tatsachen der Kunstgeschichte sind un-\nwesentlich für die Kunst.\nDer verbreitetste Irrtum ist die Annahme,\ndas Kunsterlebnis werde gefördert durch\ndie Kenntnis vieler Tatsachen aus dem\npersönlichen Leben des Künstlers. Es ist\ndas der Aberglaube derer, die ein Ver-\nständnis von Kunstwerken für möglich halten.\nDas Kunstwerk kann nicht durch den Ver-\nstand aufgenommen werden. Das Kunst-\nwerk wird durch einen Sinn aufge-\nnommen, der nur irreführend mit einem\nWort bezeichnet werden kann. Die Kunst-\ngeschichte kennt das Leben der Künstler\nnur aus den Wirkungen der Künstler. Eine\nArt dieser Wirkungen sind die Kunstwerke»\nDie Summe aller Wirkungen ist das äussere\nLeben des Künstlers. Die Kenntnis der\nUrsachen kann aber nicht erreicht werden\ndurch eine noch so grosse Kenntnis der\nWirkungen. Die Ursachen, das gesamte\ninnere Leben, sind der Aufnahme durch die\näusseren Sinne und der Aufnahme durch\nden Verstand verschlossen. Jedes Kunst-\nwerk ist ein Organismus. Zwischen mehre-\nren Kunstwerken bestehen keine anderen\nZusammenhänge als die Gemeinsamkeit des\ninneren Lebens, das sich in jedem Werk"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4393, "texte": "anders auswirkt. Nur eine kunstferne Zeit,\ndie nicht über den Verstand hinausleben\nkann, glaubt im Verstehen ein Mass der\nKunst zu haben, nur eine solche Zeit konnte\nden Indizienbeweis, den Rückschluss er-\nfinden. Aus den Tatsachen des Leben der\nKünstler glaubt die Kunstgeschichte auf das\nKunsterlebnis der geschaffenen Werke\nschliessen zu können. Die Kunstwissen-\nschaft hat ihre Unkenntnis der Kunst von\nder irrigen Annahme, dass man durch Ver-\ngleichen verschiedener Kunstwerke oder\ndurch Vergleichen von Kunstwerken mit\nTatsächlichkeiten des äusseren Lebens das\neinzelne Kunstwerk erkennen könne. Dass\neine Methode, die von solcher Annahme\nausgeht, falsch ist, und nicht nur für das\nErlebnis des Kunstwerkes, sondern grund-\nsätzlich falsch ist, muss von der berufs-\nmässigen Wissenschaft bestritten werden,\nso lange sie an den Verstand als ihr letztes\nWerkzeug glaubt. Noch immer glaubt man\nan das vermeintliche Gesetz der Entwick-\nlung in der Kunst. Kritiker und Kunst-\ngeschichtler leiten den Expressionismus aus\ndem Impressionismus ab, „abstrahieren\" Na-\nturformen bis sogenannte kubistische Formen\nentstehen, reden über unsere Abhängigkeit\nvon Negerarbeiten und Kinderarbeiten. Je\nnach dem Standpunkt des Schreibers ist\ndann die Entwicklung zu unserer Kunst ein\nAufstieg oder ein Zerfall. Die Selbstver-\nständlichkeit, dass der Entwicklungsbegriff\nnur eine Anschauungsmethode ist, die als\nsolche das Wesen des Angeschauten nicht\nverändern kann, wird nicht verstanden.\nEs gibt nur Kunst und Nichtkunst. Es gibt\nkeine schwächeren oder stärkeren Künstler.\nDie persönlichen Schwächen oder Stärken\ndes Künstlers sind für das Kunstwerk be-\nlanglos. Es ist menschlich, dass die Mit-\nwelt sich für die Schwäche und Stärke des\nKünstlers interessiert, wenn sie das Werk\nnicht sehen kann. Wir dürfen daher das\nInteresse für die Persönlichkeit des Künstlers\nnicht fördern. Gewiss ist der Maler, der\ndas Bild malt, für uns etwas anderes als\n*\nder Pinsel, mit dem der Maler malt. Aber\nfür die Gestaltungskraft, die sich im Bild\nverkörpert, ist auch der Maler nur das\nWerkzeug. Alle Maler sind verschieden,\nwie alle Pinsel verschieden sind, aber die\nGestaltungskraft ist immer die eine, die\nsich für den Rhythmus, den sie gestalten\nwill, das geeignete Werkzeug schafft. Nur\nwer die Gestaltungskraft unmittelbar auf\nsich wirken lässt, hat die Kunst. Werk-\nzeugkunde ist unwesentlich für das Kunst-\nerlebnis. Kenntnis des persönlichen Lebens\ndes Künstlers ist Werkzeugkunde. Diese\nWerkzeugkunde haben wir nicht. Nur die\nGestaltungskraft hat sie. Nur Kritiker bilden\nsich ein, es besser zu wissen als die Ge-\nstaltungskraft oder glauben der Gestaltungs -\nkraft ihre Anerkennung schuldig zu sein.\nAus solchem Unfug kommen die Weltan-\nschauungen und persönlichen Meinungen\nund öffentlichen Meinungen. Diese drei\nTeufel haben sich gegen den Sinn des Ex-\npressionismus verschworen. Da sie nichts\nwissen, verbreiten sie Gerüchte. Lügen\nwerden nicht dadurch beseitigt, dass man\nsie dementiert, sondern dadurch, dass man\nnicht lügt. Jede Lüge aber nimmt dem\nMenschen innere Sehkraft. Wir dürfen\nnicht etwas mehr oder weniger Wahres\nüber den Künstler erzählen. Aber wir\nmüssen eins tun: den Menschen die Werke\nzeigen, und wenn das nicht möglich ist,\nden Menschen sagen, wo sie die Werke\nfinden.\nDie Kunsterziehung, unterstützt von Kunst-\nkritik und Kunstwissenschaft, hat den\nMenschen abgewöhnt, Bilder zu sehen. Da-\nfür hat man die Menschen gelehrt, Bilder\nzu zerdenken. Es ist gewiss nichts Schlimmes,\nwenn Menschen sich Gedanken über ein\nBild machen. Töricht ist nur zu denken,\ndurch Gedanken über das Bild könne man\ndas Kunstwerk erleben. Solange das Bild\nnoch Gedanken auslöst, sind wir noch nicht\nzum Erlebnis des Bildes bereit. Wirkungen\ndes Bildes werden festgestellt, also die\nLebendigkeit des Bildes, aber die Fest-\nstellung der Lebendigkeit ist keine Erkennt-\nnis des Lebens. Das gedankliche Verhält-\nnis zwischen Bild und Betrachter wird\nfestgestellt. Es ist je nach der gedanklichen\nSphäre der verschiedenen Betrachter ver-\nschieden. Das Bild scheint erst dadurch\nzu leben, dass der Betrachter sich etwas\nüber das Bild denkt. Tot, nichtssagend\nnennt er das Bild, bei dem er sich nichts\ndenken kann. Die Gedanken werden ab-\ngeleitet aus dem Gegenständlichen des Bildes\nund der Vorstellungswelt des Betrachters.\nDas Gegenständliche, das in seiner Vor-\nstellungswelt liegt, findet er gut; was ausser-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4397, "texte": "halb seiner Vorstellungswelt liegt, hält er\nfür verrückt und, wenn er es entschuldigen\nwill, für aussergewöhnlich oder märchen-\nhaft. Gemäss seines Denkens wendet er\ndie Logik seiner Erfahrungssätze auf das\nBild an und vergisst, dass seine Logik eben-\nso brüchig ist wie seine Erfahrung. Er\nkonstruiert unmögliche Gedanken aus den\nTiteln einzelner Bilder. Er glaubt, wenn\ner den Titel lesen kann, nicht nur zu\nwissen, was sich der Künstler gedacht habe,\nals er das Bild malte, sondern auch, was\ner habe malen wollen. • Dieser sehr ver-\nbreiteten Dummheit folgt dann gern die\nFrechheit, der Künstler habe gar nicht ge-\nmalt, was er malen wollte. So führt das\nZerdenken des Bildes immer weiter fort\nvon dem Kunsterlebnis, das sich nur durch\ndie Hingabe an das Werk erschliesst.\nDie Hingabe an das Werk ist keine Ge-\nfühlsduselei. Viele Menschen glauben näm-\nlich, der Gefahr des Zerdenken zu entgehen,\nwenn sie das Bild zerfühlen. Sie nennen\nes „Einfühlen\". Es gibt eine ganze Wissen-\nschaft hierfür, die Aesthetik. Es gibt auch\nheute noch Aesthetiker, die glauben, dass\nihre Lustgefühle und Unlustgefühle mit dem\nErlebnis des Kunstwerkes etwas zu tun\nhaben. Die Unklarheit wissenschaftlicher\nKöpfe wird durch eine ebenso grosse Ver-\nworrenheit der Gefühlswelt der Aesthetiker\nergänzt. Sie glauben, sich dem Kunstwerk\nhinzugeben, wenn sie sich in das Gewirr\nihrer Gefühle hineinreden. Wer jemals\neine dieser Kunstbetrachtungen gelesen hat,\nmuss glauben, dass er die Ausbrüche eines\nMenschen gelesen hat, der gern irr-\nsinnig sein möchte. Die Welt der Kunst\naber hat eine Klarheit, von der nur die\nMathematik eine Vorstellung geben kann.\nWeder Phantasie noch Phantasterei führen\nzu ihr. Romantische Berauschungen und\nein Ausleben der Triebe verschliessen den\nWeg zur Kunst. Das Kunstwerk hält strengste\n• •\nOrdnung des Geistes. Erst die Überwindung\nder Körpertriebe offenbart diese Ordnung.\nSolange wir ethisch oder gar moralisch be-\nstimmt das Kunstwerk betrachten, ist es\nverschlossen. Das tiefste Mitleid mit dem\nvermeintlich dargestellten leidenden Leben\nmacht das Kunsterlebnis ebenso unmöglich\nwie der Ekel vor der vermeintlich darge-\nstellten Unzucht. Es ist ein Irrtum, dass\ndie Kunst Gefühle darstelle. Das Kunst-\nwerk löst Gefühle aus bei denen, die keine\nKunst haben. Je mehr Gefühle es auslöst,\ndesto mannigfaltiger ist die Gefühlswelt des\nBetrachters. Die Gefühle des Betrachters\nzeigen sein gefühlsmässiges Verhältnis zum\nBild an. Vom Bild selbst geben sie nichts.\nDie Relativität ist keine Erkenntnis. Wer\ndas Kunstwerk erkennt, hat die Kunst.\nManche Menschen suchen den Schlüssel\nzur Kunst in der Kenntnis des Handwerks.\nFür die meisten Betrachter ist die Kennt-\nnis des Handwerks eine theoretische. Da-\nher überschätzen sie das Handwerk und\nunterschätzen es auch. Sie unterschätzen\nes; denn sie wissen nicht, dass es im Hand-\nwerk Begrenzungen für die Gestaltung des\nWerkes nicht gibt. Sie überschätzen das\nHandwerk: denn sie glauben, dass das\nGeistwerk in irgendeiner Abhängigkeit vom\nHandwerk stände. Sie wissen nur eines:\ndass sie Fachleute sind. Diese Fachleute\nsind entweder begeistert von dem Hand-\nwerk eines Künstlers oder machen es ver-\nächtlich. Sie wollen es verächtlich machen,\nwenn sie sagen, dass die Kinder bessere\nBilder malen als die Expressionisten. Sie\nglauben nämlich, dass das Kind das Hand-\nwerk nicht versteht, weil es das Handwerk\nnicht gelernt hat. Das Kind aber, das\nBilder zeichnet und malt, hat das Hand-\nwerk, und die Fachleute wenden Jahre\nihres Lebens an, damit das Kind die Gabe\nwieder verliere. Sie wissen nicht, dass\njedem Menschen die Gabe der Kunst und\ndamit auch die Gabe der handwerklichen\nAusführung gegeben ist, es aber jedem\nMenschen überlassen ist, diese Gabe zu\npflegen oder zu verkümmern. Darum ist\nihnen Kinderkunst ebenso unheimlich wie\nVolkskunst. Wer Kinderkunst und Volks-\nkunst erkennt, muss auch erkennen, dass der\nsogenannte Künstlerberuf die Erscheinung\neiner kunstlosen Zeit ist. Die Fachleute\nsehen das Handwerk, aber nicht das Geist-\nwerk. Sie sehen nur die Tat-Sache, nicht\naber die Ur-Sache und sind daher fern von\nder Erkenntnis der Kunst.\nWer uns fragt, wie er das Kunstwerk er-\nkennen könne, dem müssen wir die Ant-\nwort weigern. Wer einen anderen Menschen\nfragt, wie er leben soll, wird keine Ant-\nwort bekommen, die ihm hilft. In jedes\nMenschen Innerstes ist seine Hilfe gelegt.\nDie Menschen verlieren sich, weil sie ihr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 662, "texte": "Innerstes nicht suchen. Die Menschen ver-\nderben, weil sie Verderbliches in ihr In-\nnerstes einlassen. Die verlorenen und die\nverdorbenen Menschen erkennen die Kunst\nnicht. Nur wer sich wiederfindet und\nwiederreinigt, dem gibt sein Innerstes das\nErkennen. Dann kann er die Kunst. Dann\nerkennt er die Kunst. Das wissen und\nwussten stets alle Wissenden. Darum\nhandeln wir wie der Wissende Theophrastus\nParazelsus von Hohenheimb tat und sagte:\n„Wir wollen unsern Sinn und Gedanken,\nHerz und Gemüt den Dummen nicht zeigen\nnoch geben, und beschliessen also unsere\nMauer mit einem guten Schlüssel, von wegen\nder Idioten, die aller Künste Feinde sind.\"\n\nLothar Schreyer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "38", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.3", "titre_corps": "Welträtsel?", "titre_sommaire": "Welträtsel?", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.6", "debut_caractere": 664, "fin_caractere_exclue": 3939, "texte": "Welträtsel?\nWilliam Wauer\n\nRaum und Zeit sind rein „gedacht\" (als Ab-\nstrakta) ohne Weiteres wesentlich gleich\nund identisch. Die Differenzierung beginnt\nund nimmt nach dem Zentrum ihrer\nAusdehnung hin nach der „Wirklichkeit\"\nauf den Augenblick zu, in dem sie als\nkonkret und schlechthin different erscheinen,\nzerlegt und verschieden in der Wahr-\nnehmung.\nRaum und Zeit sind als All, Ewigkeit, Un-\nendlichkeit undifferenziert ein und dasselbe.\nAls Empfindung, Körper, Bewegung er-\nscheinen sie völlig verschieden, ja gegen-\nsätzlich (obgleich sie im Augenblick der\nWahrnehmung in dieser als eine Einheit\nzusammenfallen).\nSteht hier die Unwirklichkeit (der rein ge-\ndachten „absoluten\" Dinge an sich)im Gegen-\nsatze zur Wirklichkeit (den Dingen, wie sie\nsind)? Oder handelt es sich um ein müssiges\nSpiel mit „Anschauungen\" und wechselnden\nStandpunkten? Oder ist Denken extensiv,\nwie Empfinden intensiv ist? Vermuten wir\nein Ziel, weil wir einen Ausgangspunkt\nkennen? Sind wir im Ausgangspunkt und\nsuchen wir ein Ziel? Liegt das Ziel vielleicht\nim Ausgangspunkt? Sind alles nur mensch-\nliche Projektionen-intensive und extensive?\nKehren wir immer wieder zu uns selbst\nzurück?\nDas sind die Fragen.\nMan fragt nur, wo man der Antwort sicher\nist, sonst hätte Fragen keinen Zweck. Oder\ndarf man auch zwecklos fragen? Dann wird\nFragen zu einer leeren Sprachform. Sprach-\nlogisch und Sprachgeistgefülltist nur die\nFrage, die ihrer Gegengestaltung in der Ant-\ni\nwortform gewiss ist; denn dasselbe Sprach-\nbedürfnis, dieselbe Sprachnotwendigkeit fragt\nund antwortet.\nOder fragt der „Geist\"?\nGeist ist nur als Sprache wahrnehmbar,\nwie Zeit nur als Bewegung wahrgenommen\nwird. „Geist\" ist als Begriff nur Eigen-\nschaftskennzeichnung wie Zeit: die charak-\nterisierte Seite eines Vorganges. Also fragt\ndoch die Sprache. Sie ist immer geistig,\nwie Bewegung immer zeitlich ist. Was ist\ndann Sprache?\nSprache ist etwas zwischen Menschen und\nim Menschen. Zwischen Menschen Mit-\nteilungsmittel, im Menschen Sinnverbindung.\nSinn hat eine körperliche, seelische und\ngeistige Bedeutung. Aber jeder Sinn forscht\nund alle Sinne forschen. Sie prüfen, ver-\ngleichen, stellen fest. Auch wenn die Sinne\nfragen, auch wenn der Geist-Sinn fragt,\nforschen sie, forscht er. Forschen aber\nheisst an der Antwort arbeiten, die Antwort\nschaffen.\nGestaltet der Geist-Sinn erst die Frage, so\nist auch die Antwort nur eine Frage der\nZeit. Fragegestaltung und Antwortgestaltung\nsind nichts anderes als reine Sprach-\nformungen. Sprachformungen sind Sinn-\ngestaltungen.\nWir fordern einen Sinn und geben einen\nSinn durch die Sinne. Wir wollen Sinn\nund gestalten Sinn durch die Worte. „Sinn\"\nist der Beziehungswert der Dinge zum\nMenschen.\nDer Sinn jeder Frage ist der Sinn ihrer\nAntwort; das heisst: der Beziehungswert\nvon Frage und Antwort ist der gleiche.\nDer Geist-Sinn, der fragt: gibt es „Gott\"?\n-hat den Gottbegriff bereits gestaltet. Also\nist die Antwort sinngemäss schon erfolgt,\nder Beziehungswert schon festgestellt.\nDie Frage: woher kommt das Leben? hat\nnur „Sinn\", wenn der Sinn wieder sinnlich\nantwortet: das Leben kommt aus den Sinnen.\nEs ist der Sinn der Sinne, das heisst der\nSinn aller Sinnbeziehungen. — Diese Antwort\nbedeutet nicht etwa ein Ausweichen vor\nder „wirklichen\" Frage — sie ist ihre „letzte\""}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2514, "texte": "Beantwortung. Denn wenn die „wirkliche\"\nFrage etwa hören wollte: das Woher des\nLebens ist unklar und unbekannt, hätte sie\nkeinen Sinn mehr, sie wäre sinnlos. Jeder\nSinn „lebt\" allein in der Wahrnehmung.\nAlles Leben ist in den Sinnen. Nichtwahr-\ngenommenes Leben gibt es nicht. Leben\nohne Beziehung zu den Sinnen ist Unsinn:\nes ist nicht Leben.\nj.\nEs gibt keine Welträtsel. „Wie entstand\ndie Welt?\" ist eine Sprachform, die erst\nSinn erhält durch eine entsprechende Ant-\nwortform. Fragt der Sinn, antwortet der\nSinn als Sprache: die Welt entstand durch\nmich. Die Weltanschauung, die Welterkennt-\nnis, die Weltfrage — ich habe sie ange-\nschaut, ich habe sie erkannt, ich habe sie\nin Frage gestellt, über alle Fragen gestellt;\ndenn sie ist i n mi r. Ich selbst bin die\nWelt, ihr Sinn, ihr Rätsel. Und ich bin\n9\nkein Rätsel: ich bin „Sprach \"-formgewordene\nLautsinnlichkeit, geistig, seelisch, körperlich.\nFrage und Antwort sind mir nur Ausdrucks-\ngestaltung.\nWenn sich also All (Sein und Nichtsein),\nUnendlichkeit (Raum) und Ewigkeit (Zeit)\nden Sinnen entziehen, und abstrakt und\nabsolut gleich sind in ihrer Unsinnlichkeit,\nin ihrer Beziehungslosigkeit zum Sinnlichen\n— sind sie auch keine Begriffe der Sinne\nmehr — sind unbrauchbar, unfassbar für\njeden Sinn.\nNach Übersinnlichem zu fragen, ist sinnlos,\nzwecklos auch für den Sinn fordernden und\nSinn forschenden Geist-Sinn. Er fordert\nund forscht, weil 'er sich ohne Sinn nicht\n„ausdrücken\" kann, weil er ihn für die\nSprachgestaltung braucht. Der Geist kann\nohne sinnvolle Sprachgestaltung nicht leben\nnicht einmal ein Gedanke kommt ohne\nsprachlichen Ausdruck zustande, selbst\nDenken bleibt ohne ihn sinnlos und sinn-\nloses Denken ist ein Widerspruch in sich.\nEs steht fest: Übersinnliches ist auch ge-\ndacht, nicht Sinnvolles ist sprachlich nicht\nzu gestalten, also nicht zu denken, es wird\nUnsinn, sobald der Gestaltungsversuch unter-\nnommen wird. Denn nur die Sinne ge-\nstalten sinnvoll, auch das Denken. Alles\nGedachte bleibt sinnlich.\nEs gibt auch für das „reine\" Denken nichts\nÜbersinnliches.\nAll, Unendlichkeit, Ewigkeit sind Summie-\nrungsbegriffe von Zeit- und Raum-Wahr-\nnehmungserscheinungen und darum wesent-\nlich mit solchen und unter sich identisch.\nUnsere Sinne fragen alle Fragen und geben\nalle Antworten. Sie geben alle Rätsel auf\nund sind ihre Lösungen selbst, denn alles\noffenbaren uns unsere Sinne, auch den\nletzten Sinn ihrer selbst in der Sprache, in\nder Denkgestaltung.\nIm Anfang war das Wort. Und das Wort\nwar Gott.\nUnd „Gott\" schuf die Welt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "37", "page_fin": "37", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.3.1", "titre_corps": "Oscar Nerlinger: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Oscar Nerlinger: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "37", "url_page": 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2538, "texte": "offenbar offenbar\ndie Stadt stürmte neben uns hin sie wirbelte hin und her\nmitunter bäumte sie sich ich sah den plumpen Strohhut meines vaters\nschwimmend über dem schneeglas von der apotheke bis zum dreieinigkeitsdenkmal und zurück\nseinerzeit glaubte der alte ich werde in meinem einundzwanzigsten jähre kaplan\nim pfarrhaus zu neuhäusel\ndoch genau zehn jähre früher frass ich rauch in herrn spornis schmiede\nder alte kam nur mehr selten zu uns nachhause\nspäter soff er auch meine wohlerwogene zukunft ein und pisste sie samt dem bier aus\nverliebte sich in eine alte aufräumerin die haare fielen ihm aus und\ner ging nur mit zigeunern um\n25 april 1907\nich machte mich auf den weg nach paris mit dem holzschnitzer\ndie kleinstadt stand in der pfütze und spielte drehorgel\nich ziehe von dir meine flügel o heiliger Christoph du wirst nie der söhn deines vaters werden\nein betrunkener weinte krokodilstränen an die wand des hotels zum goldenen löwen gelehnt\nich fühlte nun sei alles aus\nmich durchliefen rote schienen und in türmen erklangen glocken\nglocken\ntauben machten purzelbäume über dächern\nrichtiger gesagt galoppierten sie im sonnenwagen\ndie neue glocke der franziskaner hat bereits fast gesungen\nwer im begriff ist einzuschlafen der putze die bleistangen blank\ndie stunden gespenstern auf weissen Schäferhunden\nich fühlte nun sei alles aus\ni •\n♦\nSchnapskrämer und kurzwarenhändler sperrten ihre läden zu *\ngehe nur kamerad gehe nur zurück zu den kindern\nräder rollen nicht mehr rückwärts\nman wird nach und nach flügge und schaut ins nichts\nwo das leben in den eigenen schwänz beisst\nins nichts o dschiramari .\no lebli\no BUmm BUmm\ndas schiff aber wackelte mit uns wie eine Wöchnerin\nund hinter unserem rücken schob jemand die kulissen ineinander\ndas war der erste durchgeschnittene tag meines lebens\nfackeln lohten in mir\nund abgründe\npapagallum\no fumigo\npapagallum\nauf ufern krähten kupferrote vögel in gruppen zu je zwanzig\nauf bäumen schaukelten gehenkte und krähten ebenfalls\nwir aber hatten einundzwanzig jähre\ndem holzschnitzer kräuselten sich hässliche rosenrote haare aus dem kinn\nansonsten ging es uns gut\nnur eben der durchmesse!* unseres magens\numsonst zogen wir die schrauben an\ndie ochsen machten sich immer wieder auf den weg durch die stoppeln\nund zuweilen konnten wir unsere äugen kaum mehr von den knöcheln der mädchen abkratzen?\nda gellten die cymbeln in mir immer auf\nin wien schliefen wir drei tage auf dem pflaster\nnachher entwanden wir uns endgültig unserem eigenen selbst\n.was heisst denn eigentlich Zivilisation"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2678, "texte": "man beschmiert sich mit irgendeiner glasur und fängt an vor den lausen zu schaudern\nwas heisst eigentlich familienzugehörigkeit\nman verlängert sich die nabelschnur mit einem zeug von der art eines seidenbandes\nwas heisst eigentlich gottesfurcht\nman fängt an zu fürchten auf dass man nicht zu fürchten braucht\nwir nieteten uns die landstrassen auf die sohle und sonne zog mit uns im räum auf goldenen\nmeilenbeinen\nglaubt mir elephant ist nicht grösser als floh\nda rot nicht röter als weiss\nund dennoch gingen wir weiter\nweiter kamaralogos und stellen wir bilanz auf\nziehn wir doch sowieso den kürzeren\nund da öffneten sich uns die äugen\nund tief sind wir geworden wie schwarze brunnen in bergwerkgegend\nund gingen und gingen\ndreizehn engel gingen uns voran\ngleichfalls zu fuss\nund sie sangen uns von unserer jugend\nwir waren schon typische landstreicher mit wohlerzogenen flöhen unter der achselhöhle\nwir liebten die frucht die in den graben fiel\ndie sauere milch\nund die kassen der jüdischen kultusgemeinden\nund es kamen uns die brüder von allenthalben entgegen\nmit allen möglichen sprachen der weit und mit merkwürdig ziegelfarbenen gesichtern\nalle hatten einen speziellen geruch\nund etliche waren von den kilometern abgehobelt und anderen war der mund noch milch-\nfeucht von den eutern der mutter\ndie wege lagen in weissen daunen unter uns\ndie telegraphendrähte verknoteten sich und schrieben kabbalistische zeichen auf den himmel\nabends sahen wir wie zwischen den beinen der weiber die blumen ersprossen\nwir aber waren Vegetarier und Weiberfeinde\nund zerrten uns durch\npassau\naachen\nAntwerpen\nder holzschnitzer magerte ab wie ein dorn und sein bart wurde über und über rot\nmir wuchsen bald gedichte und hadschurawälder im köpf\nlichtflüsse durchschwammen ratten zweimal vor uns\n—- — ''■ )■\nauf grossen flössen gemustert mit hosenknöpfen und vogeleiern\nin postämtern harrten meiner briefe der geliebten\ndoch ich wusste die nächte seien am meisten verlaust\nso arbeitete ich denn nächtlich an meinen gedichten die aus meinem köpfe wie goldbe-\nhaarte lämmlein hervorkamen\nkein zweifei das sind die hilflosesten tiere\ndoch versteckt jemand die füsse hinter den ohren\nso rieseln rollbalken erschrocken hinunter\ndas ist unser leben\ndie zollwächter drücken bei jeder haltesteile eine Stampiglie auf unser herz\nund wir schwimmen nur weiter dem morgen zu\nfürwahr es wäre gescheiter wenn jedermann mit süssholz oder kartoffelzucker schacherte\nteilt euch die weit ein in der ihr labt\nuns ist es leicht wir gehen täglich fünfzig kilometer aus ihr hinaus\nin tunnels auf dem rückgrat von bergen und in den schweigsamen deutschen wäldern\nwir spüren den geruch frischen düngers auf den feldern"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2967, "texte": "die berge kehren sich zuweilen um und die bäume schlagen zithern im winde\ndie bäume sind im gründe genommen geschwängerte mädchen\naber schauen wir es uns genauer an so sind auch die grenzsteine schwangere mädchen\nleise sprechen sie untereinander und sagen\ngeht er weg so begehe ich einen selbstmord\ngestern säumte ich tagsüber windeln mit goldenem fädchen\nich taufe es dann engelchen und hänge ihm diamantene kirschen in die ohren\noder sie sagen einfach soviel\nmänner sind allesamt hinkende hunde\nberge beugen sich schon ganz über uns\ndie riesenschlange aber verschlingt ganz skrupellos die sonne\nzu guter letzt werde ich noch zum dichter - , j\nnur die ratschen gut aufgezogen stiften doch das meiste unheil die breiten hüften fräulein\nannas\ngestern schickte ich zwei gedichte nachhause an das tagblatt unabhängiges Ungarn\nund abermals fielen wir zurück nach Stuttgart\nsassen beim tisch der bettler assen powidlkuchen\nund das herz eines steyrischen bauers leuchtete von den balken herunter\nim hofe des nachbarhauses las die HEILSARMEE eine messe\nflöten und klarinetten schrillten unter den sterne n\nwir sahen die gelben glaseulen sich über den jungen müttern herüberbeugen\no gottes lamm das die Sünden der weit nimmt\nim holzschnitzer begann der halbchristus sich wieder zu regen und er wollte durchaus reden\nhalt er das fressmaul brüllte der steyrische bauer\ner schob uns sein herz hart vor die nase\nseht ihr ist es von sieben rostigen dolchen durchstochen\ndie sieben lügen meiner geliebten sind das in mir o brüderchen\nseht ihr die grüne krempe hier auf seiner rechten seite\ndas ist das letzte beissen meines wirtes daran o brüderchen\nsechsundzwanzig jähre bin ich alt und sauber morgentau war mein leben\nim winter kehrte ich volle tage vor unserem hause im sommer erntete ich fettes getreide\nweh weh doch das menschenschicksal ist wie ein —\njeder hatte die äugen offen und hinteivden mauern sahen wir wie die weit den härenen\nmantel wendet\nbudapest—paris—berlin—kamtschatka—sankt petersburg\nder holzschnitzer war schon besoffen aus seinen äugen träufelte die traurigkeit wie aus kanälen\ndie schreie strebten immer mehr nach den ecken um ihre lunten zu löschen\nschwöret fortan nur an die zaubermacht des reinen unterhosenbandes zu glauben\nsprach ich ganz unerwartet\nund sah wie meine stimme aus dem nachbarhof herüberdringt\nich bin ein dichter mithin muss ich es wissen\ndie laternen brennen gut weil zweimal turatamo\nund sie sind mit petroleum gefüllt\nmir war verteufelt bitter zumute ich hätte den armen leuten gerne etwas geschenkt\n«\ndoch traten die sterne vom posten\ndie dreizehn engel schlafen jetzt offenbar mit aufgerissenem munde auf der dachbodenstiege*\ndu lieber gott\nvon den wänden marschieren die wanzen in roten truppen herunter\njedermann salze seine nasenspitze ein\nseht wie das leben kurz ist\naber wir werden doch zu katern auf den pariser feuermauern\neiapopeia schlafe mein kindchen\nman schläft ein da wird das horizontale zum vertikalen\nund umgekehrt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1925, "texte": "aus himmel traten tintenkinder hervor\nfolgt mir durch den garten\nam anderen ufer des flusses schläfert maria ihr kind ein\njeder klappe die riegel über dem verstand zu\nauf dem fussboden fosforeszierten meine erinnerungen in gelben pfützen\nin den winkeln öffneten sich die rucksäcke und schickten sich wie toll zu bellen an\nwie maria das kind\nwiegte ich den ganzen rahmen im schoss\nund weiter und weiter hinab\nseht da sind die schames mit ihrer anderthalb mark\nseufzer verglasen\nblumen blümein\no da bist du denn auch\nich und du\nauf dir\nich\nbinde nur deine kniee an mich\nweibchen\nsilbersalamander\npapagei\ngoldschnur an meinem leben\nObstbaum\nabgerissener stern\noweh oweh\njeder schraube die glaspfropfen an\ndie stunden traten aus ihren sternkäfigen heraus\nund mit den langen korknasen wendeten sich die elephanten nach osten\ndie erste stimme die ich vernahm war das gebrüll eines grammophons von den periferien\nder holzschnitzer konnte an diesem morgen nicht aufstehen\nich werde krepieren sagte er ich werde krepieren\ndie bettlerkönigin stand ihm mit riesengrossem spülkübel zu häupten\naus der uhr kam der kuckuck mit dem beinernen köpf und verbeugte sich ehrerbietig\nich werde krepieren winselte der holzschnitzer ich werde krepieren\nund jeder sah den tod\nzweimal durch das zimmer schreiten\nwarum aber gingest du mein bruder\nwarum\nnoch triebst du die herde von der weide nicht heimwärts\nin den gelben haaren zündest du dir die laterne noch nicht einmal an\nund auch die schlangen schlafen noch alle in deinen äugen\no kümmre dich nicht um die garstige kaffekanne sie biss in den\neilenbogen der magd und jetzt liegen beide in anderen umständen\nich werde krepieren kreischte der holzschnitzer ich werde krepieren\nund die häuser beugten sich in langem takt der kirche zu\nein schimmelfohlen schob noch den köpf durch das fenster hinein\nund wieherte\nAus dem Gedichtband: Ma'Buch von Ludwig Kassik / Soeben im Verlag Der Sturm erschienen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "41", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.4.1", "titre_corps": "Paul Klee: Giftbeeren / Vielfarbendruck", "titre_sommaire": "Paul Klee: Giftbeeren / Vielfarbendruck", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "41", "url_page": 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ver-\nschlossenen Türen\nDie Nacht raunt das Mondlied mir zu mit\nheissem Atem\nund das Mondmeer rauscht zu meinen Füssen\nMeine müden Augen können nicht ruhen in\nder Nacht beim Rauschen des Mondmeers\nund raunt das Mondlied zu Harfentönen\nkönnen meine müden Augen nicht ruhen\nIch sehe hochgewölbt\ndie Erde\nin den Himmel\nund Sterne singen weichvereint\nein weites Singen\nmir voran\nin die Nacht\nzerströmen Sterne in das Dunkel\nsingen viele Tausendstimmen\nsingen tausend Tausendstimmen\nund\nAuggesenkt\nHochgewölbt\ndie Erde in den Himmel neigt\nmuss ich meine Hände falten\n\nUnd alles Blut zerschreit\nWir wollen unser Lächeln heimlich bergen\nWir suchen Ungesagtes leidlos zu umlauschen\nUnd blühen himmelauf ins grosse Schweigen\nUnd Deine Hand ruht aus im Schatten\nmüder Abendwolken\nDu schaust mit weiten Augen träumerisch die\nwundertiefen Täler Deiner heissen Nächte\nDu weilst weitab an fremden Ufern ferner\nEndlichkeit\nWir wollen unser Lächeln heimlich bergen\nIch aber will zur Sternenandacht leise läuten\nIch senke meine Stirn in Deinen Schoss\nUnd Fliessen weissen Mondlichts hebt uns\nauf —\nOb alle Stunden gleichen Namen tragen\nAtmet schwerer Deine Blütenbrust\nUnd alles Blut färbt Deine weichen Wangen\nZerschreit den Schleier wehen Windes\nNun senkst Du Deine Stirn in meinen Schoss\nSo still ist es um uns\nDa Deine Lippen mir entgegen brennen\nSo still ist es im Abendschein der vielen\nTausendsterne\nUnd silberrot wacht lachend mir Dein\nMorgenmund\nIch küsse Dich im Schreiten grauen Alltags\nUnd Du\nWie Tropfentau im Sommermai\nWenn Rosen liedvoll Dir im Haar verblühen\nLass mich leise weinen\nIch sterne alle unvergossnen Tränen\nUm unser letztes Traurigsein"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 538, "texte": "Und blute blasser schon aus vielen Wunden\nNun brennen meine Lippen Dir entgegen\nUnd küssen Dich im Wiegen weiter Wälder\nIch bin in allen Gluten Deiner Sonne\nIch trage alles Licht in meinen Strahlen-\nhänden\nHin zur Erde\nUnd lege Deinen Leib in weiche Sommer-\nwolken\nZwei Blumen blühen frühlingsfrüh ver-\nschämt\nUnd sehnen seidensacht den warmen Schoss\nt\nUnd nun sind wir im Werden allen Mensch-\nseins eingeschlossen\nIn brustzerrissnen Nächten seelsang über-\nblüht\nUnd unser Blut steigt ewigauf\nUnd zeitlos eilen unsre Stunden in das Nichts"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c009", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.5.1", 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Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.5.3", "titre_corps": "Alle Tage", "titre_sommaire": "Alle Tage", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.15", "debut_caractere": 482, "fin_caractere_exclue": 1313, "texte": "Alle Tage\nHimmelüberall am frühen Morgen\ngehe ich in den Tag\nund mein Weg führt immer weiter\nIch stehe in einsamer Strasse allein\nund der Himmel über mir ist dunkel\nund das rauschende Leben geht mir 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"pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.5.4", "titre_corps": "Und alles Blut zerschreit", "titre_sommaire": "Und alles Blut zerschreit", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.15", "debut_caractere": 1315, "fin_caractere_exclue": 2397, "texte": "Und alles Blut zerschreit\nWir wollen unser Lächeln heimlich bergen\nWir suchen Ungesagtes leidlos zu umlauschen\nUnd blühen himmelauf ins grosse Schweigen\nUnd Deine Hand ruht aus im Schatten\nmüder Abendwolken\nDu schaust mit weiten Augen träumerisch die\nwundertiefen Täler Deiner heissen Nächte\nDu weilst weitab an fremden Ufern ferner\nEndlichkeit\nWir wollen unser Lächeln heimlich bergen\nIch aber will zur Sternenandacht leise läuten\nIch senke meine Stirn in Deinen Schoss\nUnd Fliessen weissen Mondlichts hebt uns\nauf —\nOb alle Stunden gleichen Namen tragen\nAtmet schwerer Deine Blütenbrust\nUnd alles Blut färbt Deine weichen Wangen\nZerschreit den Schleier wehen Windes\nNun senkst Du Deine Stirn in meinen Schoss\nSo still ist es um uns\nDa Deine Lippen mir entgegen brennen\nSo still ist es im Abendschein der vielen\nTausendsterne\nUnd silberrot wacht lachend mir Dein\nMorgenmund\nIch küsse Dich im Schreiten grauen Alltags\nUnd Du\nWie Tropfentau im Sommermai\nWenn Rosen liedvoll Dir im Haar verblühen\nLass mich leise weinen\nIch sterne alle unvergossnen Tränen\nUm unser letztes Traurigsein"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 538, "texte": "Und blute blasser schon aus vielen Wunden\nNun brennen meine Lippen Dir entgegen\nUnd küssen Dich im Wiegen weiter Wälder\nIch bin in allen Gluten Deiner Sonne\nIch trage alles Licht in meinen Strahlen-\nhänden\nHin zur Erde\nUnd lege Deinen Leib in weiche Sommer-\nwolken\nZwei Blumen blühen frühlingsfrüh ver-\nschämt\nUnd sehnen seidensacht den warmen Schoss\nt\nUnd nun sind wir im Werden allen Mensch-\nseins eingeschlossen\nIn brustzerrissnen Nächten seelsang über-\nblüht\nUnd unser Blut steigt ewigauf\nUnd zeitlos eilen unsre Stunden in das Nichts"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "48", "image_debut": 16, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.6", "titre_corps": "Neue Reisekopfbücher : 1) Berlin", "titre_sommaire": "Neue Reisekopfbücher : 1) Berlin", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.16", "debut_caractere": 540, "fin_caractere_exclue": 3947, "texte": "Neue Reisekopfbücher\n1) Berlin\n\nNotizen (21. Februar 1923)\nBerlin ist die Hauptstadt der Vereinigten\nStaaten von Europa.\nDie Stadt liegt in irgend einer Himmels-\nrichtung vom Neckar, vom Rhein, von der\nElbe und von der Donau gleich weit ent-\nfernt, von diesen Flüssen, die von trostlosen\nDichtungen umwogt sind. Oder botanisch\ngesprochen überwuchert. Warum die ver-\nehrlichen Industriekonzerne noch immer\nnicht die Vereinigten Staaten von Europa\ngegründet haben, die doch sonst im Gründen\nvon Tochter-, Sohn- und Enkelgesellschaften\nrecht geübt sind und die, unschöpferisch\nwie Industriekonzerne sind, einfach Amerika\nnachzuahmen haben. Die Mark-undFranken-\ndrückerei einiger Leute ist ein Privatver-\ngnügen. Es stört die übrige Menschheit so\nerheblich, dass die Herren von den Kon-\nzernen sich doch einmal in ihren Vergnü-\ngungen belästigt fühlen dürften. Wenn die\nVielen vielleicht einmal merken, wie leicht\ndieses Vergnügen zu stören ist.\nJedenfalls: die Hauptstadt der Vereinigten\nStaaten von Europa ist vorhanden.\nBerlin ist unpersönlich. Die Stadt hat den\nVorzug, dass sich an ihr die grossen Per-\nsönlichkeiten den Kopf zerbrochen haben,\nwas durchaus im Interesse der Menschheit\nliegt. Die Architekten haben vergeblich\ndiese Stadt zu zieren versucht, trotzdem\nman ihr ganz Bayern, das halbe Griechen-\nland und einen Rest Italien aufgezwängt\nhat. Auch der Expressionismus der gross-\nund kleinbürgerlichen Kunsthändler ist\nvergebens angewandt worden. In wenigen\nWochen hat Berlin den alten und den\nneuen Schwindel verdaut und vergraut.\n'S\nSelbst Architekten, die Dresden ver-\nmalen und die Alpen glasieren wollen,\nselbst ihnen hat Berlin den Rücken gekehrt.\nBerlin hat einen breiten Rücken. Berlin\nist der Sitz sämtlicher Reichs-, Landes- und\nGrosstadtbehörden. Sie sind so eingerichtet,\ndass ganz Europa in ihnen mit verwaltet\nwerden kann. Sie sind Muster dafür, wie\nMaschinen konstruiert sein müssen. Jede\nMaschine existiert für sich ohne Rücksicht\nauf das äussere Leben. Maschinen sind\nOrganismen, die mit anderen Organismen\nnichts zu tun haben, genau wie die Menschen.\nDas Unglück entsteht erst bei der Verbin-\ndung von Organismen. Sympathien sind\nwie bei den Menschen leicht zu erkennen.\nDie Post hat ein gewisses Interesse für die\nEisenbahn, die Eisenbahn leider wieder\nweniger für die Post aber mehr für die\nFinanzen. Die Finanzen interessieren sich\nweniger für den Handel aber destomehr\nfür die Reichswehr, in den Vorzeiten Krieg\ngenannt. Die Reichswehr wieder für die\nLandwirtschaft, die Landwirtschaft mehr\nfür das Innere, während das Innere sich\nnicht für das Auswärtige, wohl aber für die\nVerhütung von Wissenschaft, Kunst und\nVolksbildung interessiert. Dagegen ist nichts\nzu machen, da sich Liebe bekanntlich nicht\nerzwingen lässt.\nBerlin hat einen sozialistischen Magistrat,\nder das Wesen der Privatwirtschaft ergründet.\nDarunter versteht er, alles so billig wie\nmöglich an die Privatwirtschaft zu\nFür alle Sitze der Behörden hat Berlin den\nunbekümmerten breiten Rücken. Für diese\nStadt sind Abstraktionen nicht vorhanden.\nDiese Einrichtungen sind intellektuelle\nFreuden für die Bürger im Geist.\nFür die Bürger im Geist hat Berlin einen\nweiteren Gehirnsport: die grosse Tagespresse.\nDas sind Inseratenunternehmungen, die das\nTrustsystem erkannt haben und für den\nkleinen Mann und die kleine Frau als Zu-\ngabe zu den weniger interessanten Inseraten\ngrosse Politik und grosse Kunst liefern."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4373, "texte": "Die grosse Politik für den kleinen Mann\nüber dem Strich, die grosse Kunst für die\nkleine Frau unter dem Strich. Dieser Strich\nist nicht abstrakt, sondern cicero halbfett\ngedruckt. Manchmal auch nur corpus. Die\nPolitik wird von den Chefredakteuren per-\nsönlich wahrgenommen, wodurch auch die\nbetreffenden Ministerien allerlei Neuigkeiten\nerfahren. Wie etwa Krieg- und Friedens-\nschlüsse, Geld- und Welthandel, Fälle und\nUnfälle und was so der Mensch nicht braucht.\nDurch Inserate werden eben Beziehungen\nhergestellt. Diese Art kaufmännischer Tätig-\nkeit pflegt man öffentliche Meinung zu\nnennen. Die guten Berliner müssen sich\nwirklich wundern, was sie alles gemeint\nhaben.\nUnter dem Strich geht es mit der Kunst hoch\nher. Hierzu sind Beziehungen nicht so wichtig.\nEs werden deshalb von den Inseraten-\nTrusts Herren angestellt, auch wenn sie\ngar keine Beziehung zur Kunst haben. Be-\nziehungen zur Kunst sind übrigens verdächtig,\nda sie für das Auge des kleinen Mannes\nund für das Herz der kleinen Frau und\numgekehrt mit der braven Erotik verwandt\noder verschwägert ist. Deshalb verlangt\ndie Presse (das ist wieder ein anderer Aus-\ndruck für die hiesige öffentliche Meinung)\nvon den Künstlern ein warmes Herz und\nein seelenvolles Auge. Für Musik ist ausser-\ndem Gemüt erforderlich. Auch gut phrasierte\nGedanken werden anerkannt, insbesondere\naus der Vorzeit und in Jamben. Von den\nKünsten ist das Theater bei der Berliner\nPresse am meisten beliebt, weil sich darüber\nam einfachsten schreiben lässt. Man braucht\nnur erzählen, was andere erzählt haben und\neinen Herrn im Kostüm brutal und eine\nDame ohne Kostüm reizend zu finden. Mit\nder Musikkritik ist es etwas schwieriger,\nweil man von Tönen nichts erzählen kann.\nDafür kann man aber die Takte zählen und\nauf die Pedale sehen. Sehr schwierig ist\nes mit der bildenden Kunst. Der Verband\nBerliner Kunstkritiker weiss nur, dass man\ngenügend lange verstorbene Künstler gut zu\nfinden und schöpferische Künstler schlecht\nzu finden hat, so lange sie im Sturm aus-\nstellen. Im Sturm kann man nämlich\nschlecht sehen.\nFür die Wissenschaft wird durch die Be-\nkanntgabe der Reisen Einsteins und der Er-\nnennung von Professoren gesorgt.\nBerlin hat viele Zeitschriften. Das sind\nUnternehmungen, die nur beschränkte In-\nseratenbeziehungen haben und deshalb. nur\nüber eine kleinere öffentliche Meinung ver-\nfügen. Da es kein Geschäft ist, beschäftigt\nman sich hier meistens mit der sogenannten\nKunst. Hier schreiben um mehr oder\nweniger gutgedruckte Klischees einige Herren\nKlischees herum, weil die Herren sonst\nnichts Besonderes zu sagen haben. Für\ndie gebildeten Leute wird in einer älteren\nKunstzeitschrift Rembrandt und Liebermann\n/\nentdeckt, für die ungebildeten in einem\nneueren Kunstblatt die schöpferischen\nKünstler der Gegenwart, nachdem seinem\nChef Der Sturm recht unsanft den Hut von\nden Augen gerissen hat. Wobei allerdings\ndie Augen leider mit verloren gingen.\nBerlin aber ist gegen Gehirnsport. Berlin\ntanzt und ist glücklich im Blauen Vogel.\nIm Westen Berlins liegt Russland. Berlin\nist sehr gross und deshalb die Hauptstadt\nder Vereinigten Staaten von Europa. Und\nBerlin hat wie die alte Hauptstadt Europas,\nRom, nur ein Forum der Kunst. Das heisst\nDer blaue Vogel. Näheres hierüber siehe\nAsien, Zeitschrift Der Sturm, XIII. Jahrgang,\n4. Heft. Ist das keine grosse Stadt, in der\ndie Russen im Westen, die Deutschen im\nSüden und die Italiener im Norden leben.\nEine Stadt, in der die Deutschen französisch,\ndie Russen deutsch, die Japaner gebrochen\ndeutsch und die Italiener englisch sprechen.\nWenn sich die Berliner Kaufleute hingegen\namüsieren wollen, fahren sie nach dem\nVorort Leipzig. Dort finden die bekannt\ngewordenen Messen statt, die für die Religion\ndes Handels pfleglich sorgen. Berlin selbst\nist ziemlich unreligiös. Die etwas Religiösen\ngehen in den demokratischen Klub, die Un-\nreligiösen in die Freireligiöse Gemeinde.\n* . i •\nBerlin ist eine Stadt der Tatsachen. In\ndiesem Zusammenhang ist besonders der\nVerlag Ullstein rühmlich zu erwähnen. Er\nstellt alles fest, was ist. Und zwar nicht\nnur, was in Berlin ist. Deshalb muss ihm\nBerlin besonders dankbar sein. So hat er\nzum Beispiel den Dichter Däubler eigens\nausgesandt, um festzustellen, ob es Athen\nwirklich gibt. Bis dahin war der Glaube\nan Athen freibleibend. Andere Herren\nschickte der Verlag nach Tiflis, Peking,\nBernau in der Mark, Paris, Essen an der"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1465, "texte": "jetzt sehr bekannt gewordenen Ruhr, Sowjet-\nMoskau, an das rote Meer und in das\nschwarze Afrika. Selbst die Propyläen\nhat er nach Berlin verlegt. Der Verlag\nUllstein hat Herrn Gerhart Hauptmann als\nFortsetzungsdichter entlarvt und durch die\nB. Z. a. M. ein Gleichgewicht zum 8 Uhr\nAbendblatt hergestellt. Ullstein ist zeitlos\nwie Berlin. Er hat das Verdienst, den\nsentimentalen Berliner Tageblatt-Typ nach\nTreuenbrietzen zurückgedrängt zu haben.\nDas Klima Berlins ist sehr gesund, ganz im\nGegensatz zu seinem Eisenbahnknotenpunkt\nMünchen. In Berlin ist es nicht besonders\nkalt. Der Doktor Fritz Stern hat das Klima\nauf die eindeutige chemische Formel ge-\nbracht: es schnegnet.\nJedes bessere Haus in Berlin hat zwei öffent-\nliche Dielen, die eine im ersten, die andere\nim zweiten Stock. Im ersten Stock trinkt\nman chemischen Wein, im zweiten Mocca\nsimpel. Die Berliner sind nämlich die gut-\nmütigste Nation der Erde.\nDie Berliner haben eine eigene Sprache,\ndie ausser ihnen nur die Russen verstehen.\nAuf hochdeutsch heisst sie Berliner Dialekt.\nSie wird nur von den echten Berlinern ge-\nsprochen, die auf der ganzen Erde, aber\nnicht in Berlin zu finden sind.\nBerlin ist Amerika als Mikrokosmus. Berlin\nist zeitlose Bewegung und zeitloses Leben.\nVielleicht haben die Vereinigten Staaten von\nAmerika ein Berlin.\nZu Berlin aber fehlen die Vereinigten Staaten\nvon Europa.\nMan soll sie schleunigst gründen.\nNicht nur wegen Berlin.\nAber um Europas willen.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.7", "titre_corps": "An unsere Abonnenten!", "titre_sommaire": "An unsere Abonnenten!", "signature_source": "Verlag Der Sturm G. m. b. 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Die jetzige Schlüsselzahl ist 2000.\nWir bitten unsere Abonnenten, den Betrag\nvon M 4000.— für das, 2. Quartal 1923 bis\nspätestens 31. März 1923 auf unser Post-\nscheckkonto Berlin N.W. 7 Nr. 120658 ein-\nzuzahlen.\nUm unseren Abonnenten die Fortsetzung\ndes Abonnements zu erleichtern, haben wir\nuns ausserdem entschlossen, von den sonst\nüblichen Nachforderungen für das erste\nQuartal abzusehen.\nUnseren ausländischen Abonnenten haben\nwir den Preis für ein Vierteljahr in aus-\nländischer W7ährung angegeben. Der An-\nzeigenteil dieses Heftes bringt nochmals\neine Aufstellung der Bezugspreise für die\nverschiedenen Länder. Wir bitten auch\nunsere ausländischen Abonnenten, soweit\nsie nicht bereits das 2. Quartal bezahlt\nhaben, uns den für ihr Land geltenden\nBetrag in ihrer Landeswährung oder in\nder Umrechnung zum Tageskurse einzu-\nsenden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.8", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.18", "debut_caractere": 2886, "fin_caractere_exclue": 3239, "texte": "Inhalt\nLothar Schreyer: Schreiberei über Bilder\nWilliam Wauer: Welträtsel'?\nLudwig Kassak: das pferd stirbt und die vögel fliegen hinaus\nKurt Heinar: Gedichte\nHerwarth Waiden: Neue Reisekopf biicher / 1) Berlin\nOscar Neriinger: Holzschnitt\nJozef Peeters: Linoleumschnitt\nPaul Klee: Giftbeeren / Vielfarbendruck / Mit Genehmigung von Hans Goltz\nMärz 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 842, "texte": "W. Harzillicr & Co. * Berlin W * Cruncwaldsfr. 1415\noefirundet 1854 Hoi - Spedlteure S. PI. des Konigs von Spanlen ©enmnaet i»54\nillllllllflllllllllllllllllllljllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllillllllllllllllllilllllllllllllllllllllll\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder ArtLieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nIn# und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii::iiiiiii!miiiiitiii[iiiiiiiiiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiEiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nt\nSpeditenre des Wlrtschoitilciien verbendes Dildender Kttnstler. der rrelen Secession,\ndes ¥erban;des Dentsch.er lliustratoren [und Hausspediteure des ..Sturm\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.2", "debut_caractere": 844, "fin_caractere_exclue": 1069, "texte": "Dudidrudterei Rldiard Sleln Nadif\nBERLIN N54 / BRUNNENSTRASSE 188/190\nFE RNS PRE CH* ANS CHL USS: NORDEN Nr. 3393\nliefert samtliche Drucksachen,\neiti* und mehrfarbig, schnell, gut und billig\n' ■■■■■ — mwrnmrnummm ■■■■■■!■■ mm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.2", "debut_caractere": 1071, "fin_caractere_exclue": 1355, "texte": "Papierlabiitt-Lager L. 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Marz\nDonnerstag den 15. 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Pes. . . 0.90\n„ Brasilien: Milrcis 3.—\n„ Bulgarien: Leva . . ....... ... 42.—\n„ Chile: Pes 3.—\n„ Danemark: Kronen . . . 2.70\n„ Finnland: Mka. . . . . , . . 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen ...... 12.—\n„ Grossbritannien: Schilling . ..... 2.6\n„ Japan: Yen. 1.20\n„ Italien: Lire 7.5\n„ Jugoslawien: Dinar .......... 16.5\n„ Niederlande: Gulden . ........ 1.5\n„ Norwegen: Kronen .......... 3.—\n„ Portugal: Milreis 9.—\n„ Rumanien: Lei . 45.—\n„ Schweden: Kronen 2.10\n„ Schweiz: Franken. 3.—\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc 9.—\n„ U. S. 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Jahrgangs nur noch in wenigen Eicmplaren vorhandcn je Grundpreis\n20 Mark / 9. bis 12. Jahrgang Grundpreis 10 Mark / 1. bis 5. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte alter\nJahrgMnge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und nummerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originate sind verkauflich.\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten /1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis 20 Pfennig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c027", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "50", "page_fin": "50", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.20", "debut_caractere": 1001, "fin_caractere_exclue": 1327, "texte": "KUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSJE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet tag lie h von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechset\nHundertsiebzehnte Ausstellung\nMar z 1923\nHundertachtzehnte Ausstellung\nApril 1923\nWilliam Waucr\nEmilio Pettoruti / Buenos'Aires\nSturnvGesamtschau\nSturm-Gesamtschau"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c028", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "50", "page_fin": "50", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.20", "debut_caractere": 1329, "fin_caractere_exclue": 2204, "texte": "Bucher aus dcm Vcrlag Der Sturm mit neuen Grundpreisen\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut / Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Hejnicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus and die Kunste / 4 Mark\nLothar Schrejer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturm'Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJeder Band 5 Mark\nV Maler des Expressionismus / 15 Farbdrucke:\nChagall I Kandinsky / Marc usw. / 12 Mark\nKokoschka'Mappe: Menschenkopfe / 15 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-03-01-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-03-01_01#c029", "volume": "bmtnabg_1923-03-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "50", "page_fin": "50", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.20", "debut_caractere": 2206, "fin_caractere_exclue": 2304, "texte": "Die Grundpreise sind mit der jeweils festgesetzten Schlusselzahl zu multiplizieren. 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Harzillicr & Co. * Berlin W * Cruncwaldsfr. 1415\noefirundet 1854 Hoi - Spedlteure S. PI. des Konigs von Spanlen ©enmnaet i»54\nillllllllflllllllllllllllllllljllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllillllllllllllllllilllllllllllllllllllllll\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder ArtLieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nIn# und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii::iiiiiii!miiiiitiii[iiiiiiiiiiiii[iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiEiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nt\nSpeditenre des Wlrtschoitilciien verbendes Dildender Kttnstler. der rrelen Secession,\ndes ¥erban;des Dentsch.er lliustratoren [und Hausspediteure des ..Sturm\".\n\nDudidrudterei Rldiard Sleln Nadif\nBERLIN N54 / BRUNNENSTRASSE 188/190\nFE RNS PRE CH* ANS CHL USS: NORDEN Nr. 3393\nliefert samtliche Drucksachen,\neiti* und mehrfarbig, schnell, gut und billig\n' ■■■■■ — mwrnmrnummm ■■■■■■!■■ mm\n\nPapierlabiitt-Lager L. 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Marz\nabends 7 x/2 Uhr\ningeborg\nLacour-Torrup\nxanze\nlaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nKartenvorverkauf Sturm # Buch#\nhandlung, Potsdamer StraCe 138 a\n\nDas be steGeschenk fur Grofi und Klein\nP A P IERFARBniAPPC\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIERFAR B B I L D E R\nvon unerreichter Schonheit / Geschiitzt in alien Kulturstaaten\n' < \"\nBishererschienen:\nPafama A =25 Farben j hochkunstlerisches\nPafama B =22 Farben Vorlagenwerk fur jede Mappe\nPafama C =22 Farben Gebrauchsanweisung\nPafama Stern =11 Farben fiinfsprachig\nJCcikrmittd 7\n3f£nmstmaweY JVtaOkastenl\nZu bezichen durch\nPAFAMA WALDEN &. CO. / BERLIN W 9\nPOTSDAMER STRASSE 134 a"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.3", "texte": "MONATSSCHRIFT / HE^^GEBER^JE^^Rm'^^j\n\nSchreibereiüber Bilder\n\nWTer es unternimmt, Einführungen in ein\nkünstlerisches Werk zu schreiben, begeht\neine Torheit. Noch heute sind die beiden\nunfreundlichen Berufe der Kunstgeschichtler\nund Kunstkritiker an der Arbeit, Kunst-\n/\nwerke zu zerreden und zu zerschreiben.\nDenn sie haben nicht gelernt, dass diese\nArbeit unnützlich ist, die Sinne unfähig\nmacht und den Charakter verdirbt. Der\nKritiker, der ein gebratenes Huhn zerlegt,\nist mitunter nützlich, wenn auch nicht tier-\nfreundlich. Der Kritiker, der ein Bild zer-\nlegt, ist nicht kunstfreundlich und immer\nunnützlich. Ein zerlegtes Bild kann niemand\nverdauen wie gebratene Hühnerleichen. Es\nist Unsitte geworden, geschlachtete Bilder\nals Einführung in ein Bild zu geben. Das\nist nicht menschenfreundlich an den Menschen\ngehandelt, die ein Bild haben wollen. Das\nist so traurig, dass die Menschen über die\nKritiker nicht lachen können; denn töten\nist eine Handlung, bei der mindestens die\nZuschauer nicht lachen können. Den\nMenschen die Kunst suchen, preisen sich\ndiese Kritiker an. Wir können es nicht\nhindern. Aber wir wollen laut sagen, dass\nkein Schlächter jemals jemandem ein Leben-\ndes geben kann und will.\nKunst suchen alle Menschen. Wer die Kunst\nausser sich sucht, findet sie nicht. Wer\nKunstwerke sammelt, hat darum noch nicht\ndie Kunst gefunden. Sammeln von Kunst-\nwerken hat nur den einen Sinn: sie vor\nder Feindschaft der Nichtkunst zu retten.\nDas ist nicht der Sinn der Kunstgeschichte.\nDie Kunstgeschichte sammelt Werke, ohne\nHandwerke und Geistwerke zu erkennen.\nSie kann daher weder die Kenntnisse der\nHandwerke noch die Kenntnisse der Geist-\nwerke übermitteln. Wer in der Kunstge-\nschichte Kunst sucht, ist auf sich angewiesen.\nDer Kunstgeschichtler ist dem Suchenden\nder untauglichste Führer. Denn der Kunst-\ngeschichtler weiss nicht, was er findet. Der\nBeruf verkümmert ihm die Sinne, das Bild\nzu sehen. Die wissenschaftliche Beschäfti-\ngung mit dem Bilde ist kunstabgewandt.\nDer Mensch, den der Wissenschaftler un-\ngebildet nennt, ist meist kunstnah. Die\nKunstfernen können die Kunstnahen niemals\nüberreden. Dass sie es versuchen, können\nwir nicht hindern. Aber wir können von\nihnen fordern, dass sie die Tatsachen, die\nmit Kunst nichts zu tun haben, ohne\nFälschung und aus Kenntnis der Tatsachen\nsagen. Allen Mitmenschen aber ist zu sagen:\nDie Tatsachen der Kunstgeschichte sind un-\nwesentlich für die Kunst.\nDer verbreitetste Irrtum ist die Annahme,\ndas Kunsterlebnis werde gefördert durch\ndie Kenntnis vieler Tatsachen aus dem\npersönlichen Leben des Künstlers. Es ist\ndas der Aberglaube derer, die ein Ver-\nständnis von Kunstwerken für möglich halten.\nDas Kunstwerk kann nicht durch den Ver-\nstand aufgenommen werden. Das Kunst-\nwerk wird durch einen Sinn aufge-\nnommen, der nur irreführend mit einem\nWort bezeichnet werden kann. Die Kunst-\ngeschichte kennt das Leben der Künstler\nnur aus den Wirkungen der Künstler. Eine\nArt dieser Wirkungen sind die Kunstwerke»\nDie Summe aller Wirkungen ist das äussere\nLeben des Künstlers. Die Kenntnis der\nUrsachen kann aber nicht erreicht werden\ndurch eine noch so grosse Kenntnis der\nWirkungen. Die Ursachen, das gesamte\ninnere Leben, sind der Aufnahme durch die\näusseren Sinne und der Aufnahme durch\nden Verstand verschlossen. Jedes Kunst-\nwerk ist ein Organismus. Zwischen mehre-\nren Kunstwerken bestehen keine anderen\nZusammenhänge als die Gemeinsamkeit des\ninneren Lebens, das sich in jedem Werk"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.4", "texte": "anders auswirkt. Nur eine kunstferne Zeit,\ndie nicht über den Verstand hinausleben\nkann, glaubt im Verstehen ein Mass der\nKunst zu haben, nur eine solche Zeit konnte\nden Indizienbeweis, den Rückschluss er-\nfinden. Aus den Tatsachen des Leben der\nKünstler glaubt die Kunstgeschichte auf das\nKunsterlebnis der geschaffenen Werke\nschliessen zu können. Die Kunstwissen-\nschaft hat ihre Unkenntnis der Kunst von\nder irrigen Annahme, dass man durch Ver-\ngleichen verschiedener Kunstwerke oder\ndurch Vergleichen von Kunstwerken mit\nTatsächlichkeiten des äusseren Lebens das\neinzelne Kunstwerk erkennen könne. Dass\neine Methode, die von solcher Annahme\nausgeht, falsch ist, und nicht nur für das\nErlebnis des Kunstwerkes, sondern grund-\nsätzlich falsch ist, muss von der berufs-\nmässigen Wissenschaft bestritten werden,\nso lange sie an den Verstand als ihr letztes\nWerkzeug glaubt. Noch immer glaubt man\nan das vermeintliche Gesetz der Entwick-\nlung in der Kunst. Kritiker und Kunst-\ngeschichtler leiten den Expressionismus aus\ndem Impressionismus ab, „abstrahieren\" Na-\nturformen bis sogenannte kubistische Formen\nentstehen, reden über unsere Abhängigkeit\nvon Negerarbeiten und Kinderarbeiten. Je\nnach dem Standpunkt des Schreibers ist\ndann die Entwicklung zu unserer Kunst ein\nAufstieg oder ein Zerfall. Die Selbstver-\nständlichkeit, dass der Entwicklungsbegriff\nnur eine Anschauungsmethode ist, die als\nsolche das Wesen des Angeschauten nicht\nverändern kann, wird nicht verstanden.\nEs gibt nur Kunst und Nichtkunst. Es gibt\nkeine schwächeren oder stärkeren Künstler.\nDie persönlichen Schwächen oder Stärken\ndes Künstlers sind für das Kunstwerk be-\nlanglos. Es ist menschlich, dass die Mit-\nwelt sich für die Schwäche und Stärke des\nKünstlers interessiert, wenn sie das Werk\nnicht sehen kann. Wir dürfen daher das\nInteresse für die Persönlichkeit des Künstlers\nnicht fördern. Gewiss ist der Maler, der\ndas Bild malt, für uns etwas anderes als\n*\nder Pinsel, mit dem der Maler malt. Aber\nfür die Gestaltungskraft, die sich im Bild\nverkörpert, ist auch der Maler nur das\nWerkzeug. Alle Maler sind verschieden,\nwie alle Pinsel verschieden sind, aber die\nGestaltungskraft ist immer die eine, die\nsich für den Rhythmus, den sie gestalten\nwill, das geeignete Werkzeug schafft. Nur\nwer die Gestaltungskraft unmittelbar auf\nsich wirken lässt, hat die Kunst. Werk-\nzeugkunde ist unwesentlich für das Kunst-\nerlebnis. Kenntnis des persönlichen Lebens\ndes Künstlers ist Werkzeugkunde. Diese\nWerkzeugkunde haben wir nicht. Nur die\nGestaltungskraft hat sie. Nur Kritiker bilden\nsich ein, es besser zu wissen als die Ge-\nstaltungskraft oder glauben der Gestaltungs -\nkraft ihre Anerkennung schuldig zu sein.\nAus solchem Unfug kommen die Weltan-\nschauungen und persönlichen Meinungen\nund öffentlichen Meinungen. Diese drei\nTeufel haben sich gegen den Sinn des Ex-\npressionismus verschworen. Da sie nichts\nwissen, verbreiten sie Gerüchte. Lügen\nwerden nicht dadurch beseitigt, dass man\nsie dementiert, sondern dadurch, dass man\nnicht lügt. Jede Lüge aber nimmt dem\nMenschen innere Sehkraft. Wir dürfen\nnicht etwas mehr oder weniger Wahres\nüber den Künstler erzählen. Aber wir\nmüssen eins tun: den Menschen die Werke\nzeigen, und wenn das nicht möglich ist,\nden Menschen sagen, wo sie die Werke\nfinden.\nDie Kunsterziehung, unterstützt von Kunst-\nkritik und Kunstwissenschaft, hat den\nMenschen abgewöhnt, Bilder zu sehen. Da-\nfür hat man die Menschen gelehrt, Bilder\nzu zerdenken. Es ist gewiss nichts Schlimmes,\nwenn Menschen sich Gedanken über ein\nBild machen. Töricht ist nur zu denken,\ndurch Gedanken über das Bild könne man\ndas Kunstwerk erleben. Solange das Bild\nnoch Gedanken auslöst, sind wir noch nicht\nzum Erlebnis des Bildes bereit. Wirkungen\ndes Bildes werden festgestellt, also die\nLebendigkeit des Bildes, aber die Fest-\nstellung der Lebendigkeit ist keine Erkennt-\nnis des Lebens. Das gedankliche Verhält-\nnis zwischen Bild und Betrachter wird\nfestgestellt. Es ist je nach der gedanklichen\nSphäre der verschiedenen Betrachter ver-\nschieden. Das Bild scheint erst dadurch\nzu leben, dass der Betrachter sich etwas\nüber das Bild denkt. Tot, nichtssagend\nnennt er das Bild, bei dem er sich nichts\ndenken kann. Die Gedanken werden ab-\ngeleitet aus dem Gegenständlichen des Bildes\nund der Vorstellungswelt des Betrachters.\nDas Gegenständliche, das in seiner Vor-\nstellungswelt liegt, findet er gut; was ausser-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.5", "texte": "halb seiner Vorstellungswelt liegt, hält er\nfür verrückt und, wenn er es entschuldigen\nwill, für aussergewöhnlich oder märchen-\nhaft. Gemäss seines Denkens wendet er\ndie Logik seiner Erfahrungssätze auf das\nBild an und vergisst, dass seine Logik eben-\nso brüchig ist wie seine Erfahrung. Er\nkonstruiert unmögliche Gedanken aus den\nTiteln einzelner Bilder. Er glaubt, wenn\ner den Titel lesen kann, nicht nur zu\nwissen, was sich der Künstler gedacht habe,\nals er das Bild malte, sondern auch, was\ner habe malen wollen. • Dieser sehr ver-\nbreiteten Dummheit folgt dann gern die\nFrechheit, der Künstler habe gar nicht ge-\nmalt, was er malen wollte. So führt das\nZerdenken des Bildes immer weiter fort\nvon dem Kunsterlebnis, das sich nur durch\ndie Hingabe an das Werk erschliesst.\nDie Hingabe an das Werk ist keine Ge-\nfühlsduselei. Viele Menschen glauben näm-\nlich, der Gefahr des Zerdenken zu entgehen,\nwenn sie das Bild zerfühlen. Sie nennen\nes „Einfühlen\". Es gibt eine ganze Wissen-\nschaft hierfür, die Aesthetik. Es gibt auch\nheute noch Aesthetiker, die glauben, dass\nihre Lustgefühle und Unlustgefühle mit dem\nErlebnis des Kunstwerkes etwas zu tun\nhaben. Die Unklarheit wissenschaftlicher\nKöpfe wird durch eine ebenso grosse Ver-\nworrenheit der Gefühlswelt der Aesthetiker\nergänzt. Sie glauben, sich dem Kunstwerk\nhinzugeben, wenn sie sich in das Gewirr\nihrer Gefühle hineinreden. Wer jemals\neine dieser Kunstbetrachtungen gelesen hat,\nmuss glauben, dass er die Ausbrüche eines\nMenschen gelesen hat, der gern irr-\nsinnig sein möchte. Die Welt der Kunst\naber hat eine Klarheit, von der nur die\nMathematik eine Vorstellung geben kann.\nWeder Phantasie noch Phantasterei führen\nzu ihr. Romantische Berauschungen und\nein Ausleben der Triebe verschliessen den\nWeg zur Kunst. Das Kunstwerk hält strengste\n• •\nOrdnung des Geistes. Erst die Überwindung\nder Körpertriebe offenbart diese Ordnung.\nSolange wir ethisch oder gar moralisch be-\nstimmt das Kunstwerk betrachten, ist es\nverschlossen. Das tiefste Mitleid mit dem\nvermeintlich dargestellten leidenden Leben\nmacht das Kunsterlebnis ebenso unmöglich\nwie der Ekel vor der vermeintlich darge-\nstellten Unzucht. Es ist ein Irrtum, dass\ndie Kunst Gefühle darstelle. Das Kunst-\nwerk löst Gefühle aus bei denen, die keine\nKunst haben. Je mehr Gefühle es auslöst,\ndesto mannigfaltiger ist die Gefühlswelt des\nBetrachters. Die Gefühle des Betrachters\nzeigen sein gefühlsmässiges Verhältnis zum\nBild an. Vom Bild selbst geben sie nichts.\nDie Relativität ist keine Erkenntnis. Wer\ndas Kunstwerk erkennt, hat die Kunst.\nManche Menschen suchen den Schlüssel\nzur Kunst in der Kenntnis des Handwerks.\nFür die meisten Betrachter ist die Kennt-\nnis des Handwerks eine theoretische. Da-\nher überschätzen sie das Handwerk und\nunterschätzen es auch. Sie unterschätzen\nes; denn sie wissen nicht, dass es im Hand-\nwerk Begrenzungen für die Gestaltung des\nWerkes nicht gibt. Sie überschätzen das\nHandwerk: denn sie glauben, dass das\nGeistwerk in irgendeiner Abhängigkeit vom\nHandwerk stände. Sie wissen nur eines:\ndass sie Fachleute sind. Diese Fachleute\nsind entweder begeistert von dem Hand-\nwerk eines Künstlers oder machen es ver-\nächtlich. Sie wollen es verächtlich machen,\nwenn sie sagen, dass die Kinder bessere\nBilder malen als die Expressionisten. Sie\nglauben nämlich, dass das Kind das Hand-\nwerk nicht versteht, weil es das Handwerk\nnicht gelernt hat. Das Kind aber, das\nBilder zeichnet und malt, hat das Hand-\nwerk, und die Fachleute wenden Jahre\nihres Lebens an, damit das Kind die Gabe\nwieder verliere. Sie wissen nicht, dass\njedem Menschen die Gabe der Kunst und\ndamit auch die Gabe der handwerklichen\nAusführung gegeben ist, es aber jedem\nMenschen überlassen ist, diese Gabe zu\npflegen oder zu verkümmern. Darum ist\nihnen Kinderkunst ebenso unheimlich wie\nVolkskunst. Wer Kinderkunst und Volks-\nkunst erkennt, muss auch erkennen, dass der\nsogenannte Künstlerberuf die Erscheinung\neiner kunstlosen Zeit ist. Die Fachleute\nsehen das Handwerk, aber nicht das Geist-\nwerk. Sie sehen nur die Tat-Sache, nicht\naber die Ur-Sache und sind daher fern von\nder Erkenntnis der Kunst.\nWer uns fragt, wie er das Kunstwerk er-\nkennen könne, dem müssen wir die Ant-\nwort weigern. Wer einen anderen Menschen\nfragt, wie er leben soll, wird keine Ant-\nwort bekommen, die ihm hilft. In jedes\nMenschen Innerstes ist seine Hilfe gelegt.\nDie Menschen verlieren sich, weil sie ihr"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.6", "texte": "Innerstes nicht suchen. Die Menschen ver-\nderben, weil sie Verderbliches in ihr In-\nnerstes einlassen. Die verlorenen und die\nverdorbenen Menschen erkennen die Kunst\nnicht. Nur wer sich wiederfindet und\nwiederreinigt, dem gibt sein Innerstes das\nErkennen. Dann kann er die Kunst. Dann\nerkennt er die Kunst. Das wissen und\nwussten stets alle Wissenden. Darum\nhandeln wir wie der Wissende Theophrastus\nParazelsus von Hohenheimb tat und sagte:\n„Wir wollen unsern Sinn und Gedanken,\nHerz und Gemüt den Dummen nicht zeigen\nnoch geben, und beschliessen also unsere\nMauer mit einem guten Schlüssel, von wegen\nder Idioten, die aller Künste Feinde sind.\"\n\nLothar Schreyer\n\nWelträtsel?\nWilliam Wauer\n\nRaum und Zeit sind rein „gedacht\" (als Ab-\nstrakta) ohne Weiteres wesentlich gleich\nund identisch. Die Differenzierung beginnt\nund nimmt nach dem Zentrum ihrer\nAusdehnung hin nach der „Wirklichkeit\"\nauf den Augenblick zu, in dem sie als\nkonkret und schlechthin different erscheinen,\nzerlegt und verschieden in der Wahr-\nnehmung.\nRaum und Zeit sind als All, Ewigkeit, Un-\nendlichkeit undifferenziert ein und dasselbe.\nAls Empfindung, Körper, Bewegung er-\nscheinen sie völlig verschieden, ja gegen-\nsätzlich (obgleich sie im Augenblick der\nWahrnehmung in dieser als eine Einheit\nzusammenfallen).\nSteht hier die Unwirklichkeit (der rein ge-\ndachten „absoluten\" Dinge an sich)im Gegen-\nsatze zur Wirklichkeit (den Dingen, wie sie\nsind)? Oder handelt es sich um ein müssiges\nSpiel mit „Anschauungen\" und wechselnden\nStandpunkten? Oder ist Denken extensiv,\nwie Empfinden intensiv ist? Vermuten wir\nein Ziel, weil wir einen Ausgangspunkt\nkennen? Sind wir im Ausgangspunkt und\nsuchen wir ein Ziel? Liegt das Ziel vielleicht\nim Ausgangspunkt? Sind alles nur mensch-\nliche Projektionen-intensive und extensive?\nKehren wir immer wieder zu uns selbst\nzurück?\nDas sind die Fragen.\nMan fragt nur, wo man der Antwort sicher\nist, sonst hätte Fragen keinen Zweck. Oder\ndarf man auch zwecklos fragen? Dann wird\nFragen zu einer leeren Sprachform. Sprach-\nlogisch und Sprachgeistgefülltist nur die\nFrage, die ihrer Gegengestaltung in der Ant-\ni\nwortform gewiss ist; denn dasselbe Sprach-\nbedürfnis, dieselbe Sprachnotwendigkeit fragt\nund antwortet.\nOder fragt der „Geist\"?\nGeist ist nur als Sprache wahrnehmbar,\nwie Zeit nur als Bewegung wahrgenommen\nwird. „Geist\" ist als Begriff nur Eigen-\nschaftskennzeichnung wie Zeit: die charak-\nterisierte Seite eines Vorganges. Also fragt\ndoch die Sprache. Sie ist immer geistig,\nwie Bewegung immer zeitlich ist. Was ist\ndann Sprache?\nSprache ist etwas zwischen Menschen und\nim Menschen. Zwischen Menschen Mit-\nteilungsmittel, im Menschen Sinnverbindung.\nSinn hat eine körperliche, seelische und\ngeistige Bedeutung. Aber jeder Sinn forscht\nund alle Sinne forschen. Sie prüfen, ver-\ngleichen, stellen fest. Auch wenn die Sinne\nfragen, auch wenn der Geist-Sinn fragt,\nforschen sie, forscht er. Forschen aber\nheisst an der Antwort arbeiten, die Antwort\nschaffen.\nGestaltet der Geist-Sinn erst die Frage, so\nist auch die Antwort nur eine Frage der\nZeit. Fragegestaltung und Antwortgestaltung\nsind nichts anderes als reine Sprach-\nformungen. Sprachformungen sind Sinn-\ngestaltungen.\nWir fordern einen Sinn und geben einen\nSinn durch die Sinne. Wir wollen Sinn\nund gestalten Sinn durch die Worte. „Sinn\"\nist der Beziehungswert der Dinge zum\nMenschen.\nDer Sinn jeder Frage ist der Sinn ihrer\nAntwort; das heisst: der Beziehungswert\nvon Frage und Antwort ist der gleiche.\nDer Geist-Sinn, der fragt: gibt es „Gott\"?\n-hat den Gottbegriff bereits gestaltet. Also\nist die Antwort sinngemäss schon erfolgt,\nder Beziehungswert schon festgestellt.\nDie Frage: woher kommt das Leben? hat\nnur „Sinn\", wenn der Sinn wieder sinnlich\nantwortet: das Leben kommt aus den Sinnen.\nEs ist der Sinn der Sinne, das heisst der\nSinn aller Sinnbeziehungen. — Diese Antwort\nbedeutet nicht etwa ein Ausweichen vor\nder „wirklichen\" Frage — sie ist ihre „letzte\""}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.7", "texte": "Oscar Nerlinger: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.8", "texte": "Beantwortung. Denn wenn die „wirkliche\"\nFrage etwa hören wollte: das Woher des\nLebens ist unklar und unbekannt, hätte sie\nkeinen Sinn mehr, sie wäre sinnlos. Jeder\nSinn „lebt\" allein in der Wahrnehmung.\nAlles Leben ist in den Sinnen. Nichtwahr-\ngenommenes Leben gibt es nicht. Leben\nohne Beziehung zu den Sinnen ist Unsinn:\nes ist nicht Leben.\nj.\nEs gibt keine Welträtsel. „Wie entstand\ndie Welt?\" ist eine Sprachform, die erst\nSinn erhält durch eine entsprechende Ant-\nwortform. Fragt der Sinn, antwortet der\nSinn als Sprache: die Welt entstand durch\nmich. Die Weltanschauung, die Welterkennt-\nnis, die Weltfrage — ich habe sie ange-\nschaut, ich habe sie erkannt, ich habe sie\nin Frage gestellt, über alle Fragen gestellt;\ndenn sie ist i n mi r. Ich selbst bin die\nWelt, ihr Sinn, ihr Rätsel. Und ich bin\n9\nkein Rätsel: ich bin „Sprach \"-formgewordene\nLautsinnlichkeit, geistig, seelisch, körperlich.\nFrage und Antwort sind mir nur Ausdrucks-\ngestaltung.\nWenn sich also All (Sein und Nichtsein),\nUnendlichkeit (Raum) und Ewigkeit (Zeit)\nden Sinnen entziehen, und abstrakt und\nabsolut gleich sind in ihrer Unsinnlichkeit,\nin ihrer Beziehungslosigkeit zum Sinnlichen\n— sind sie auch keine Begriffe der Sinne\nmehr — sind unbrauchbar, unfassbar für\njeden Sinn.\nNach Übersinnlichem zu fragen, ist sinnlos,\nzwecklos auch für den Sinn fordernden und\nSinn forschenden Geist-Sinn. Er fordert\nund forscht, weil 'er sich ohne Sinn nicht\n„ausdrücken\" kann, weil er ihn für die\nSprachgestaltung braucht. Der Geist kann\nohne sinnvolle Sprachgestaltung nicht leben\nnicht einmal ein Gedanke kommt ohne\nsprachlichen Ausdruck zustande, selbst\nDenken bleibt ohne ihn sinnlos und sinn-\nloses Denken ist ein Widerspruch in sich.\nEs steht fest: Übersinnliches ist auch ge-\ndacht, nicht Sinnvolles ist sprachlich nicht\nzu gestalten, also nicht zu denken, es wird\nUnsinn, sobald der Gestaltungsversuch unter-\nnommen wird. Denn nur die Sinne ge-\nstalten sinnvoll, auch das Denken. Alles\nGedachte bleibt sinnlich.\nEs gibt auch für das „reine\" Denken nichts\nÜbersinnliches.\nAll, Unendlichkeit, Ewigkeit sind Summie-\nrungsbegriffe von Zeit- und Raum-Wahr-\nnehmungserscheinungen und darum wesent-\nlich mit solchen und unter sich identisch.\nUnsere Sinne fragen alle Fragen und geben\nalle Antworten. Sie geben alle Rätsel auf\nund sind ihre Lösungen selbst, denn alles\noffenbaren uns unsere Sinne, auch den\nletzten Sinn ihrer selbst in der Sprache, in\nder Denkgestaltung.\nIm Anfang war das Wort. Und das Wort\nwar Gott.\nUnd „Gott\" schuf die Welt.\n\ndas pferd stirbt und die vögel fliegen hinaus\nLudwig Kassák\n\ndie zeit wieherte damals vielmehr öffnete sie papageienhaft flügel\nich sage ein breitgeöffnetes rotes tor\nmit meiner geliebten der schwarze diamanten ins gesicht gemauert waren\nund in ihrer Verzweiflung drei kinder schleppte\nsass ich da unter fabriksschloten\nwir wussten morgen krümmt es sich\nho schupp ho schupp\nsie sagte du gehst mir fort KASSAKCHEN und ich verdorre auf dem brettl\nund auf herrn nadlers klecksereien\n• •\noffenbar offenbar\nder herrgott vergisst die schönen frauen\nschon kam der holzschnitzer ein halbchristus\njung war er und roch jämmerlich nach Wahrheit\nmorgen sind wir über die ungarische grenze\nin der tat hm jawohl"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.9", "texte": "offenbar offenbar\ndie Stadt stürmte neben uns hin sie wirbelte hin und her\nmitunter bäumte sie sich ich sah den plumpen Strohhut meines vaters\nschwimmend über dem schneeglas von der apotheke bis zum dreieinigkeitsdenkmal und zurück\nseinerzeit glaubte der alte ich werde in meinem einundzwanzigsten jähre kaplan\nim pfarrhaus zu neuhäusel\ndoch genau zehn jähre früher frass ich rauch in herrn spornis schmiede\nder alte kam nur mehr selten zu uns nachhause\nspäter soff er auch meine wohlerwogene zukunft ein und pisste sie samt dem bier aus\nverliebte sich in eine alte aufräumerin die haare fielen ihm aus und\ner ging nur mit zigeunern um\n25 april 1907\nich machte mich auf den weg nach paris mit dem holzschnitzer\ndie kleinstadt stand in der pfütze und spielte drehorgel\nich ziehe von dir meine flügel o heiliger Christoph du wirst nie der söhn deines vaters werden\nein betrunkener weinte krokodilstränen an die wand des hotels zum goldenen löwen gelehnt\nich fühlte nun sei alles aus\nmich durchliefen rote schienen und in türmen erklangen glocken\nglocken\ntauben machten purzelbäume über dächern\nrichtiger gesagt galoppierten sie im sonnenwagen\ndie neue glocke der franziskaner hat bereits fast gesungen\nwer im begriff ist einzuschlafen der putze die bleistangen blank\ndie stunden gespenstern auf weissen Schäferhunden\nich fühlte nun sei alles aus\ni •\n♦\nSchnapskrämer und kurzwarenhändler sperrten ihre läden zu *\ngehe nur kamerad gehe nur zurück zu den kindern\nräder rollen nicht mehr rückwärts\nman wird nach und nach flügge und schaut ins nichts\nwo das leben in den eigenen schwänz beisst\nins nichts o dschiramari .\no lebli\no BUmm BUmm\ndas schiff aber wackelte mit uns wie eine Wöchnerin\nund hinter unserem rücken schob jemand die kulissen ineinander\ndas war der erste durchgeschnittene tag meines lebens\nfackeln lohten in mir\nund abgründe\npapagallum\no fumigo\npapagallum\nauf ufern krähten kupferrote vögel in gruppen zu je zwanzig\nauf bäumen schaukelten gehenkte und krähten ebenfalls\nwir aber hatten einundzwanzig jähre\ndem holzschnitzer kräuselten sich hässliche rosenrote haare aus dem kinn\nansonsten ging es uns gut\nnur eben der durchmesse!* unseres magens\numsonst zogen wir die schrauben an\ndie ochsen machten sich immer wieder auf den weg durch die stoppeln\nund zuweilen konnten wir unsere äugen kaum mehr von den knöcheln der mädchen abkratzen?\nda gellten die cymbeln in mir immer auf\nin wien schliefen wir drei tage auf dem pflaster\nnachher entwanden wir uns endgültig unserem eigenen selbst\n.was heisst denn eigentlich Zivilisation"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.10", "texte": "man beschmiert sich mit irgendeiner glasur und fängt an vor den lausen zu schaudern\nwas heisst eigentlich familienzugehörigkeit\nman verlängert sich die nabelschnur mit einem zeug von der art eines seidenbandes\nwas heisst eigentlich gottesfurcht\nman fängt an zu fürchten auf dass man nicht zu fürchten braucht\nwir nieteten uns die landstrassen auf die sohle und sonne zog mit uns im räum auf goldenen\nmeilenbeinen\nglaubt mir elephant ist nicht grösser als floh\nda rot nicht röter als weiss\nund dennoch gingen wir weiter\nweiter kamaralogos und stellen wir bilanz auf\nziehn wir doch sowieso den kürzeren\nund da öffneten sich uns die äugen\nund tief sind wir geworden wie schwarze brunnen in bergwerkgegend\nund gingen und gingen\ndreizehn engel gingen uns voran\ngleichfalls zu fuss\nund sie sangen uns von unserer jugend\nwir waren schon typische landstreicher mit wohlerzogenen flöhen unter der achselhöhle\nwir liebten die frucht die in den graben fiel\ndie sauere milch\nund die kassen der jüdischen kultusgemeinden\nund es kamen uns die brüder von allenthalben entgegen\nmit allen möglichen sprachen der weit und mit merkwürdig ziegelfarbenen gesichtern\nalle hatten einen speziellen geruch\nund etliche waren von den kilometern abgehobelt und anderen war der mund noch milch-\nfeucht von den eutern der mutter\ndie wege lagen in weissen daunen unter uns\ndie telegraphendrähte verknoteten sich und schrieben kabbalistische zeichen auf den himmel\nabends sahen wir wie zwischen den beinen der weiber die blumen ersprossen\nwir aber waren Vegetarier und Weiberfeinde\nund zerrten uns durch\npassau\naachen\nAntwerpen\nder holzschnitzer magerte ab wie ein dorn und sein bart wurde über und über rot\nmir wuchsen bald gedichte und hadschurawälder im köpf\nlichtflüsse durchschwammen ratten zweimal vor uns\n—- — ''■ )■\nauf grossen flössen gemustert mit hosenknöpfen und vogeleiern\nin postämtern harrten meiner briefe der geliebten\ndoch ich wusste die nächte seien am meisten verlaust\nso arbeitete ich denn nächtlich an meinen gedichten die aus meinem köpfe wie goldbe-\nhaarte lämmlein hervorkamen\nkein zweifei das sind die hilflosesten tiere\ndoch versteckt jemand die füsse hinter den ohren\nso rieseln rollbalken erschrocken hinunter\ndas ist unser leben\ndie zollwächter drücken bei jeder haltesteile eine Stampiglie auf unser herz\nund wir schwimmen nur weiter dem morgen zu\nfürwahr es wäre gescheiter wenn jedermann mit süssholz oder kartoffelzucker schacherte\nteilt euch die weit ein in der ihr labt\nuns ist es leicht wir gehen täglich fünfzig kilometer aus ihr hinaus\nin tunnels auf dem rückgrat von bergen und in den schweigsamen deutschen wäldern\nwir spüren den geruch frischen düngers auf den feldern"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.11", "texte": "Paul Klee: Giftbeeren / Vielfarbendruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.12", "texte": "die berge kehren sich zuweilen um und die bäume schlagen zithern im winde\ndie bäume sind im gründe genommen geschwängerte mädchen\naber schauen wir es uns genauer an so sind auch die grenzsteine schwangere mädchen\nleise sprechen sie untereinander und sagen\ngeht er weg so begehe ich einen selbstmord\ngestern säumte ich tagsüber windeln mit goldenem fädchen\nich taufe es dann engelchen und hänge ihm diamantene kirschen in die ohren\noder sie sagen einfach soviel\nmänner sind allesamt hinkende hunde\nberge beugen sich schon ganz über uns\ndie riesenschlange aber verschlingt ganz skrupellos die sonne\nzu guter letzt werde ich noch zum dichter - , j\nnur die ratschen gut aufgezogen stiften doch das meiste unheil die breiten hüften fräulein\nannas\ngestern schickte ich zwei gedichte nachhause an das tagblatt unabhängiges Ungarn\nund abermals fielen wir zurück nach Stuttgart\nsassen beim tisch der bettler assen powidlkuchen\nund das herz eines steyrischen bauers leuchtete von den balken herunter\nim hofe des nachbarhauses las die HEILSARMEE eine messe\nflöten und klarinetten schrillten unter den sterne n\nwir sahen die gelben glaseulen sich über den jungen müttern herüberbeugen\no gottes lamm das die Sünden der weit nimmt\nim holzschnitzer begann der halbchristus sich wieder zu regen und er wollte durchaus reden\nhalt er das fressmaul brüllte der steyrische bauer\ner schob uns sein herz hart vor die nase\nseht ihr ist es von sieben rostigen dolchen durchstochen\ndie sieben lügen meiner geliebten sind das in mir o brüderchen\nseht ihr die grüne krempe hier auf seiner rechten seite\ndas ist das letzte beissen meines wirtes daran o brüderchen\nsechsundzwanzig jähre bin ich alt und sauber morgentau war mein leben\nim winter kehrte ich volle tage vor unserem hause im sommer erntete ich fettes getreide\nweh weh doch das menschenschicksal ist wie ein —\njeder hatte die äugen offen und hinteivden mauern sahen wir wie die weit den härenen\nmantel wendet\nbudapest—paris—berlin—kamtschatka—sankt petersburg\nder holzschnitzer war schon besoffen aus seinen äugen träufelte die traurigkeit wie aus kanälen\ndie schreie strebten immer mehr nach den ecken um ihre lunten zu löschen\nschwöret fortan nur an die zaubermacht des reinen unterhosenbandes zu glauben\nsprach ich ganz unerwartet\nund sah wie meine stimme aus dem nachbarhof herüberdringt\nich bin ein dichter mithin muss ich es wissen\ndie laternen brennen gut weil zweimal turatamo\nund sie sind mit petroleum gefüllt\nmir war verteufelt bitter zumute ich hätte den armen leuten gerne etwas geschenkt\n«\ndoch traten die sterne vom posten\ndie dreizehn engel schlafen jetzt offenbar mit aufgerissenem munde auf der dachbodenstiege*\ndu lieber gott\nvon den wänden marschieren die wanzen in roten truppen herunter\njedermann salze seine nasenspitze ein\nseht wie das leben kurz ist\naber wir werden doch zu katern auf den pariser feuermauern\neiapopeia schlafe mein kindchen\nman schläft ein da wird das horizontale zum vertikalen\nund umgekehrt"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.13", "texte": "Jozef Peeters: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.14", "texte": "aus himmel traten tintenkinder hervor\nfolgt mir durch den garten\nam anderen ufer des flusses schläfert maria ihr kind ein\njeder klappe die riegel über dem verstand zu\nauf dem fussboden fosforeszierten meine erinnerungen in gelben pfützen\nin den winkeln öffneten sich die rucksäcke und schickten sich wie toll zu bellen an\nwie maria das kind\nwiegte ich den ganzen rahmen im schoss\nund weiter und weiter hinab\nseht da sind die schames mit ihrer anderthalb mark\nseufzer verglasen\nblumen blümein\no da bist du denn auch\nich und du\nauf dir\nich\nbinde nur deine kniee an mich\nweibchen\nsilbersalamander\npapagei\ngoldschnur an meinem leben\nObstbaum\nabgerissener stern\noweh oweh\njeder schraube die glaspfropfen an\ndie stunden traten aus ihren sternkäfigen heraus\nund mit den langen korknasen wendeten sich die elephanten nach osten\ndie erste stimme die ich vernahm war das gebrüll eines grammophons von den periferien\nder holzschnitzer konnte an diesem morgen nicht aufstehen\nich werde krepieren sagte er ich werde krepieren\ndie bettlerkönigin stand ihm mit riesengrossem spülkübel zu häupten\naus der uhr kam der kuckuck mit dem beinernen köpf und verbeugte sich ehrerbietig\nich werde krepieren winselte der holzschnitzer ich werde krepieren\nund jeder sah den tod\nzweimal durch das zimmer schreiten\nwarum aber gingest du mein bruder\nwarum\nnoch triebst du die herde von der weide nicht heimwärts\nin den gelben haaren zündest du dir die laterne noch nicht einmal an\nund auch die schlangen schlafen noch alle in deinen äugen\no kümmre dich nicht um die garstige kaffekanne sie biss in den\neilenbogen der magd und jetzt liegen beide in anderen umständen\nich werde krepieren kreischte der holzschnitzer ich werde krepieren\nund die häuser beugten sich in langem takt der kirche zu\nein schimmelfohlen schob noch den köpf durch das fenster hinein\nund wieherte\nAus dem Gedichtband: Ma'Buch von Ludwig Kassik / Soeben im Verlag Der Sturm erschienen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.15", "texte": "Gedichte\nKurt Heinar\n\nMondüberher\nMeine Hände leuchten\nSilberfliessen\nTräumen dunkle Gassen mir in die Nacht\nder ersten Stunden\nschweigt der Mond\nSchlafen Ruhe in den Schatten\nHimmelnah\ndie hohen Mauern\nwollen lieber endelos\n♦\nin die hellen Nächte träumen\nAmen\n• •\nÜber Wolken sein\n\nSo oder So\nIn den Schoss gefaltet\nBleibt die Erde grün\nSingt der Vogel vor\nWinkt lockt leise Paradies\nWeit die Erde scheint\nWill der Eine licht\nSinken leise Beide\nSingt der Vogel vor\nVersunken\nZwei\n\nAlle Tage\nHimmelüberall am frühen Morgen\ngehe ich in den Tag\nund mein Weg führt immer weiter\nIch stehe in einsamer Strasse allein\nund der Himmel über mir ist dunkel\nund das rauschende Leben geht mir vorüber\nHimmelüberall\ngehe ich in den Tag\nund meine Augen sind müde vor ver-\nschlossenen Türen\nDie Nacht raunt das Mondlied mir zu mit\nheissem Atem\nund das Mondmeer rauscht zu meinen Füssen\nMeine müden Augen können nicht ruhen in\nder Nacht beim Rauschen des Mondmeers\nund raunt das Mondlied zu Harfentönen\nkönnen meine müden Augen nicht ruhen\nIch sehe hochgewölbt\ndie Erde\nin den Himmel\nund Sterne singen weichvereint\nein weites Singen\nmir voran\nin die Nacht\nzerströmen Sterne in das Dunkel\nsingen viele Tausendstimmen\nsingen tausend Tausendstimmen\nund\nAuggesenkt\nHochgewölbt\ndie Erde in den Himmel neigt\nmuss ich meine Hände falten\n\nUnd alles Blut zerschreit\nWir wollen unser Lächeln heimlich bergen\nWir suchen Ungesagtes leidlos zu umlauschen\nUnd blühen himmelauf ins grosse Schweigen\nUnd Deine Hand ruht aus im Schatten\nmüder Abendwolken\nDu schaust mit weiten Augen träumerisch die\nwundertiefen Täler Deiner heissen Nächte\nDu weilst weitab an fremden Ufern ferner\nEndlichkeit\nWir wollen unser Lächeln heimlich bergen\nIch aber will zur Sternenandacht leise läuten\nIch senke meine Stirn in Deinen Schoss\nUnd Fliessen weissen Mondlichts hebt uns\nauf —\nOb alle Stunden gleichen Namen tragen\nAtmet schwerer Deine Blütenbrust\nUnd alles Blut färbt Deine weichen Wangen\nZerschreit den Schleier wehen Windes\nNun senkst Du Deine Stirn in meinen Schoss\nSo still ist es um uns\nDa Deine Lippen mir entgegen brennen\nSo still ist es im Abendschein der vielen\nTausendsterne\nUnd silberrot wacht lachend mir Dein\nMorgenmund\nIch küsse Dich im Schreiten grauen Alltags\nUnd Du\nWie Tropfentau im Sommermai\nWenn Rosen liedvoll Dir im Haar verblühen\nLass mich leise weinen\nIch sterne alle unvergossnen Tränen\nUm unser letztes Traurigsein"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.16", "texte": "Und blute blasser schon aus vielen Wunden\nNun brennen meine Lippen Dir entgegen\nUnd küssen Dich im Wiegen weiter Wälder\nIch bin in allen Gluten Deiner Sonne\nIch trage alles Licht in meinen Strahlen-\nhänden\nHin zur Erde\nUnd lege Deinen Leib in weiche Sommer-\nwolken\nZwei Blumen blühen frühlingsfrüh ver-\nschämt\nUnd sehnen seidensacht den warmen Schoss\nt\nUnd nun sind wir im Werden allen Mensch-\nseins eingeschlossen\nIn brustzerrissnen Nächten seelsang über-\nblüht\nUnd unser Blut steigt ewigauf\nUnd zeitlos eilen unsre Stunden in das Nichts\n\nNeue Reisekopfbücher\n1) Berlin\n\nNotizen (21. Februar 1923)\nBerlin ist die Hauptstadt der Vereinigten\nStaaten von Europa.\nDie Stadt liegt in irgend einer Himmels-\nrichtung vom Neckar, vom Rhein, von der\nElbe und von der Donau gleich weit ent-\nfernt, von diesen Flüssen, die von trostlosen\nDichtungen umwogt sind. Oder botanisch\ngesprochen überwuchert. Warum die ver-\nehrlichen Industriekonzerne noch immer\nnicht die Vereinigten Staaten von Europa\ngegründet haben, die doch sonst im Gründen\nvon Tochter-, Sohn- und Enkelgesellschaften\nrecht geübt sind und die, unschöpferisch\nwie Industriekonzerne sind, einfach Amerika\nnachzuahmen haben. Die Mark-undFranken-\ndrückerei einiger Leute ist ein Privatver-\ngnügen. Es stört die übrige Menschheit so\nerheblich, dass die Herren von den Kon-\nzernen sich doch einmal in ihren Vergnü-\ngungen belästigt fühlen dürften. Wenn die\nVielen vielleicht einmal merken, wie leicht\ndieses Vergnügen zu stören ist.\nJedenfalls: die Hauptstadt der Vereinigten\nStaaten von Europa ist vorhanden.\nBerlin ist unpersönlich. Die Stadt hat den\nVorzug, dass sich an ihr die grossen Per-\nsönlichkeiten den Kopf zerbrochen haben,\nwas durchaus im Interesse der Menschheit\nliegt. Die Architekten haben vergeblich\ndiese Stadt zu zieren versucht, trotzdem\nman ihr ganz Bayern, das halbe Griechen-\nland und einen Rest Italien aufgezwängt\nhat. Auch der Expressionismus der gross-\nund kleinbürgerlichen Kunsthändler ist\nvergebens angewandt worden. In wenigen\nWochen hat Berlin den alten und den\nneuen Schwindel verdaut und vergraut.\n'S\nSelbst Architekten, die Dresden ver-\nmalen und die Alpen glasieren wollen,\nselbst ihnen hat Berlin den Rücken gekehrt.\nBerlin hat einen breiten Rücken. Berlin\nist der Sitz sämtlicher Reichs-, Landes- und\nGrosstadtbehörden. Sie sind so eingerichtet,\ndass ganz Europa in ihnen mit verwaltet\nwerden kann. Sie sind Muster dafür, wie\nMaschinen konstruiert sein müssen. Jede\nMaschine existiert für sich ohne Rücksicht\nauf das äussere Leben. Maschinen sind\nOrganismen, die mit anderen Organismen\nnichts zu tun haben, genau wie die Menschen.\nDas Unglück entsteht erst bei der Verbin-\ndung von Organismen. Sympathien sind\nwie bei den Menschen leicht zu erkennen.\nDie Post hat ein gewisses Interesse für die\nEisenbahn, die Eisenbahn leider wieder\nweniger für die Post aber mehr für die\nFinanzen. Die Finanzen interessieren sich\nweniger für den Handel aber destomehr\nfür die Reichswehr, in den Vorzeiten Krieg\ngenannt. Die Reichswehr wieder für die\nLandwirtschaft, die Landwirtschaft mehr\nfür das Innere, während das Innere sich\nnicht für das Auswärtige, wohl aber für die\nVerhütung von Wissenschaft, Kunst und\nVolksbildung interessiert. Dagegen ist nichts\nzu machen, da sich Liebe bekanntlich nicht\nerzwingen lässt.\nBerlin hat einen sozialistischen Magistrat,\nder das Wesen der Privatwirtschaft ergründet.\nDarunter versteht er, alles so billig wie\nmöglich an die Privatwirtschaft zu\nFür alle Sitze der Behörden hat Berlin den\nunbekümmerten breiten Rücken. Für diese\nStadt sind Abstraktionen nicht vorhanden.\nDiese Einrichtungen sind intellektuelle\nFreuden für die Bürger im Geist.\nFür die Bürger im Geist hat Berlin einen\nweiteren Gehirnsport: die grosse Tagespresse.\nDas sind Inseratenunternehmungen, die das\nTrustsystem erkannt haben und für den\nkleinen Mann und die kleine Frau als Zu-\ngabe zu den weniger interessanten Inseraten\ngrosse Politik und grosse Kunst liefern."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.17", "texte": "Die grosse Politik für den kleinen Mann\nüber dem Strich, die grosse Kunst für die\nkleine Frau unter dem Strich. Dieser Strich\nist nicht abstrakt, sondern cicero halbfett\ngedruckt. Manchmal auch nur corpus. Die\nPolitik wird von den Chefredakteuren per-\nsönlich wahrgenommen, wodurch auch die\nbetreffenden Ministerien allerlei Neuigkeiten\nerfahren. Wie etwa Krieg- und Friedens-\nschlüsse, Geld- und Welthandel, Fälle und\nUnfälle und was so der Mensch nicht braucht.\nDurch Inserate werden eben Beziehungen\nhergestellt. Diese Art kaufmännischer Tätig-\nkeit pflegt man öffentliche Meinung zu\nnennen. Die guten Berliner müssen sich\nwirklich wundern, was sie alles gemeint\nhaben.\nUnter dem Strich geht es mit der Kunst hoch\nher. Hierzu sind Beziehungen nicht so wichtig.\nEs werden deshalb von den Inseraten-\nTrusts Herren angestellt, auch wenn sie\ngar keine Beziehung zur Kunst haben. Be-\nziehungen zur Kunst sind übrigens verdächtig,\nda sie für das Auge des kleinen Mannes\nund für das Herz der kleinen Frau und\numgekehrt mit der braven Erotik verwandt\noder verschwägert ist. Deshalb verlangt\ndie Presse (das ist wieder ein anderer Aus-\ndruck für die hiesige öffentliche Meinung)\nvon den Künstlern ein warmes Herz und\nein seelenvolles Auge. Für Musik ist ausser-\ndem Gemüt erforderlich. Auch gut phrasierte\nGedanken werden anerkannt, insbesondere\naus der Vorzeit und in Jamben. Von den\nKünsten ist das Theater bei der Berliner\nPresse am meisten beliebt, weil sich darüber\nam einfachsten schreiben lässt. Man braucht\nnur erzählen, was andere erzählt haben und\neinen Herrn im Kostüm brutal und eine\nDame ohne Kostüm reizend zu finden. Mit\nder Musikkritik ist es etwas schwieriger,\nweil man von Tönen nichts erzählen kann.\nDafür kann man aber die Takte zählen und\nauf die Pedale sehen. Sehr schwierig ist\nes mit der bildenden Kunst. Der Verband\nBerliner Kunstkritiker weiss nur, dass man\ngenügend lange verstorbene Künstler gut zu\nfinden und schöpferische Künstler schlecht\nzu finden hat, so lange sie im Sturm aus-\nstellen. Im Sturm kann man nämlich\nschlecht sehen.\nFür die Wissenschaft wird durch die Be-\nkanntgabe der Reisen Einsteins und der Er-\nnennung von Professoren gesorgt.\nBerlin hat viele Zeitschriften. Das sind\nUnternehmungen, die nur beschränkte In-\nseratenbeziehungen haben und deshalb. nur\nüber eine kleinere öffentliche Meinung ver-\nfügen. Da es kein Geschäft ist, beschäftigt\nman sich hier meistens mit der sogenannten\nKunst. Hier schreiben um mehr oder\nweniger gutgedruckte Klischees einige Herren\nKlischees herum, weil die Herren sonst\nnichts Besonderes zu sagen haben. Für\ndie gebildeten Leute wird in einer älteren\nKunstzeitschrift Rembrandt und Liebermann\n/\nentdeckt, für die ungebildeten in einem\nneueren Kunstblatt die schöpferischen\nKünstler der Gegenwart, nachdem seinem\nChef Der Sturm recht unsanft den Hut von\nden Augen gerissen hat. Wobei allerdings\ndie Augen leider mit verloren gingen.\nBerlin aber ist gegen Gehirnsport. Berlin\ntanzt und ist glücklich im Blauen Vogel.\nIm Westen Berlins liegt Russland. Berlin\nist sehr gross und deshalb die Hauptstadt\nder Vereinigten Staaten von Europa. Und\nBerlin hat wie die alte Hauptstadt Europas,\nRom, nur ein Forum der Kunst. Das heisst\nDer blaue Vogel. Näheres hierüber siehe\nAsien, Zeitschrift Der Sturm, XIII. Jahrgang,\n4. Heft. Ist das keine grosse Stadt, in der\ndie Russen im Westen, die Deutschen im\nSüden und die Italiener im Norden leben.\nEine Stadt, in der die Deutschen französisch,\ndie Russen deutsch, die Japaner gebrochen\ndeutsch und die Italiener englisch sprechen.\nWenn sich die Berliner Kaufleute hingegen\namüsieren wollen, fahren sie nach dem\nVorort Leipzig. Dort finden die bekannt\ngewordenen Messen statt, die für die Religion\ndes Handels pfleglich sorgen. Berlin selbst\nist ziemlich unreligiös. Die etwas Religiösen\ngehen in den demokratischen Klub, die Un-\nreligiösen in die Freireligiöse Gemeinde.\n* . i •\nBerlin ist eine Stadt der Tatsachen. In\ndiesem Zusammenhang ist besonders der\nVerlag Ullstein rühmlich zu erwähnen. Er\nstellt alles fest, was ist. Und zwar nicht\nnur, was in Berlin ist. Deshalb muss ihm\nBerlin besonders dankbar sein. So hat er\nzum Beispiel den Dichter Däubler eigens\nausgesandt, um festzustellen, ob es Athen\nwirklich gibt. Bis dahin war der Glaube\nan Athen freibleibend. Andere Herren\nschickte der Verlag nach Tiflis, Peking,\nBernau in der Mark, Paris, Essen an der"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.18", "texte": "jetzt sehr bekannt gewordenen Ruhr, Sowjet-\nMoskau, an das rote Meer und in das\nschwarze Afrika. Selbst die Propyläen\nhat er nach Berlin verlegt. Der Verlag\nUllstein hat Herrn Gerhart Hauptmann als\nFortsetzungsdichter entlarvt und durch die\nB. Z. a. M. ein Gleichgewicht zum 8 Uhr\nAbendblatt hergestellt. Ullstein ist zeitlos\nwie Berlin. Er hat das Verdienst, den\nsentimentalen Berliner Tageblatt-Typ nach\nTreuenbrietzen zurückgedrängt zu haben.\nDas Klima Berlins ist sehr gesund, ganz im\nGegensatz zu seinem Eisenbahnknotenpunkt\nMünchen. In Berlin ist es nicht besonders\nkalt. Der Doktor Fritz Stern hat das Klima\nauf die eindeutige chemische Formel ge-\nbracht: es schnegnet.\nJedes bessere Haus in Berlin hat zwei öffent-\nliche Dielen, die eine im ersten, die andere\nim zweiten Stock. Im ersten Stock trinkt\nman chemischen Wein, im zweiten Mocca\nsimpel. Die Berliner sind nämlich die gut-\nmütigste Nation der Erde.\nDie Berliner haben eine eigene Sprache,\ndie ausser ihnen nur die Russen verstehen.\nAuf hochdeutsch heisst sie Berliner Dialekt.\nSie wird nur von den echten Berlinern ge-\nsprochen, die auf der ganzen Erde, aber\nnicht in Berlin zu finden sind.\nBerlin ist Amerika als Mikrokosmus. Berlin\nist zeitlose Bewegung und zeitloses Leben.\nVielleicht haben die Vereinigten Staaten von\nAmerika ein Berlin.\nZu Berlin aber fehlen die Vereinigten Staaten\nvon Europa.\nMan soll sie schleunigst gründen.\nNicht nur wegen Berlin.\nAber um Europas willen.\n\nHerwarth Walden\n\nAn unsere Abonnenten!\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nWir haben in den ersten drei Monaten\ndieses Jahres unseren Abonnenten die Zeit-\nschrift „Der Sturm\" zu einem Preis geliefert,\nder nicht einmal die Herstellungskosten er-\nreichte. Um den dauernden Preiserhöhungen,\nzu denen uns die ungeheuere Verteuerung\nvon Papier und Druck zwingt, eine\nfest errechenbare Grundlage zu geben,\nhaben wir auch für die Zeitschrift einen\nGrundpreis eingeführt, der mit der je-\nweiligen Schlüsselzahl des Buchhändler-\nbörsenvereins zu multiplizieren ist. Der\nGrundpreis für das Vierteljahr beträgt\nM 2.—. Die jetzige Schlüsselzahl ist 2000.\nWir bitten unsere Abonnenten, den Betrag\nvon M 4000.— für das, 2. Quartal 1923 bis\nspätestens 31. März 1923 auf unser Post-\nscheckkonto Berlin N.W. 7 Nr. 120658 ein-\nzuzahlen.\nUm unseren Abonnenten die Fortsetzung\ndes Abonnements zu erleichtern, haben wir\nuns ausserdem entschlossen, von den sonst\nüblichen Nachforderungen für das erste\nQuartal abzusehen.\nUnseren ausländischen Abonnenten haben\nwir den Preis für ein Vierteljahr in aus-\nländischer W7ährung angegeben. Der An-\nzeigenteil dieses Heftes bringt nochmals\neine Aufstellung der Bezugspreise für die\nverschiedenen Länder. Wir bitten auch\nunsere ausländischen Abonnenten, soweit\nsie nicht bereits das 2. Quartal bezahlt\nhaben, uns den für ihr Land geltenden\nBetrag in ihrer Landeswährung oder in\nder Umrechnung zum Tageskurse einzu-\nsenden.\n\nInhalt\nLothar Schreyer: Schreiberei über Bilder\nWilliam Wauer: Welträtsel'?\nLudwig Kassak: das pferd stirbt und die vögel fliegen hinaus\nKurt Heinar: Gedichte\nHerwarth Waiden: Neue Reisekopf biicher / 1) Berlin\nOscar Neriinger: Holzschnitt\nJozef Peeters: Linoleumschnitt\nPaul Klee: Giftbeeren / Vielfarbendruck / Mit Genehmigung von Hans Goltz\nMärz 1923"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.19", "texte": "Neuerscheinungen des Verlags Der Sturm\nAlbert Gleizes: Vom Kubismus * Die Mittcl zu scincm Verstandnis\nMit 17 Abbildungen nach Werken von Braque \" Gleizes > Juan Gris ' Leger \" Marcoussis '\nMetzinger ' Picasso « Severini - Archipenko u. a. ' Grundpreis 4 Mark\n\nNeue Farbdrucke des Verlags Der Sturm\nMarc Chagall:\nIch und das Dorf ' Gemalde * Grundpreis 1,50 Mark\n•; - '• • •\nJohannes Itten:\nBildnis eines Kindes ' Gemalde - Grundpreis 1,50 Mark\nPeri:\nStrasse ' Gemalde < Grundpreis 1 Mark\nMichael Larionoff und Natalie Gontscharowa:\nTheaterdekorationen und Kostumskizzen ' Grundpreis je 1 Mark\nGeorg Muche:\nUnd das Licht schied \" Grundpreis 1 Mark\n* N' ' „\nDurch alle Buchhandlungcn oder vom Verlag Der Sturm / Berlin W9 / zu beziehen\n\n»MELOS«\nInternationale Zeitschrift fur moderne Musik\nHerausgegeben von Fritz Windisch ?\nDEUT S C H\nENGLISCH\nFRANZOSISCH\n'r ' r ' -\nDie einzige\nMusikkultur-Zeitschrift\nin 3 Sprachen unter Mitarbeit der\nhervorragendsten Musikkapazitaten\ndes In- und Auslandes\nBesuchen Sie die\nMelos-Kammermusik-Veranstaltungen\nMELOS-VELRAG\nG. m. b. H.\nBerlin-Niederschonhausen\nLindeiistraße 35 b\n\nAuslandspreise fur die Zeitschrift\n„Der Sturm\"\nDas Abonnemcnt fur cin Vierteljahr betragt:\nfur Argcntinien: Pap. Pes. . . 0.90\n„ Brasilien: Milrcis 3.—\n„ Bulgarien: Leva . . ....... ... 42.—\n„ Chile: Pes 3.—\n„ Danemark: Kronen . . . 2.70\n„ Finnland: Mka. . . . . , . . 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen ...... 12.—\n„ Grossbritannien: Schilling . ..... 2.6\n„ Japan: Yen. 1.20\n„ Italien: Lire 7.5\n„ Jugoslawien: Dinar .......... 16.5\n„ Niederlande: Gulden . ........ 1.5\n„ Norwegen: Kronen .......... 3.—\n„ Portugal: Milreis 9.—\n„ Rumanien: Lei . 45.—\n„ Schweden: Kronen 2.10\n„ Schweiz: Franken. 3.—\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc 9.—\n„ U. S. A.: Dollar ............ 0.60"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230301-01.1.20", "texte": "Veränderung sämtlicher Preise jederzeit vorbehalten\nVerantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer / Verlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W\nDruck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18\n\nMONATSSCHRIFT DER STURM / Vierzehnter Jahrgang\nErscheint am fiinften jeden Monats\nMit mehrfarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets vom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug: Ein Vierteljahr Grundpreis 2 Mark / Ausland: 3 Schweizer Franken / Einzelheft Grundpreis 1 Mark\nVollst&ndige Exemplare des 6. bis 8. Jahrgangs nur noch in wenigen Eicmplaren vorhandcn je Grundpreis\n20 Mark / 9. bis 12. Jahrgang Grundpreis 10 Mark / 1. bis 5. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte alter\nJahrgMnge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und nummerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originate sind verkauflich.\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten /1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis 20 Pfennig\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSJE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet tag lie h von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechset\nHundertsiebzehnte Ausstellung\nMar z 1923\nHundertachtzehnte Ausstellung\nApril 1923\nWilliam Waucr\nEmilio Pettoruti / Buenos'Aires\nSturnvGesamtschau\nSturm-Gesamtschau\n\nBucher aus dcm Vcrlag Der Sturm mit neuen Grundpreisen\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut / Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Hejnicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf Blumner\nDer Geist des Kubismus and die Kunste / 4 Mark\nLothar Schrejer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturm'Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJeder Band 5 Mark\nV Maler des Expressionismus / 15 Farbdrucke:\nChagall I Kandinsky / Marc usw. / 12 Mark\nKokoschka'Mappe: Menschenkopfe / 15 Mark\n\nDie Grundpreise sind mit der jeweils festgesetzten Schlusselzahl zu multiplizieren. Zur Zeit: 2000\n\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung von\nSturm-Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stldten und Landern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\nPoitschcckkonto deo Verlag* Der Sturm: Berlin NW71120658\n\nNeu erschienen:\nLudwig Kassak:\nMa-Buch / Gedichte\nAus dem Ungarischen ubertragen von Andreas Gaspar\nGrundpreis: 3 Mark\nKurt Schwitters:\nDie Blume Anna / Eine Gedichtsammlung aus den\nJahren 1918-1922\nGrundpreis: Mark 2.50"}]}