{"numero_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_sha256": "baa2cbed77d83375bd915297b07cbb7dbd5227daa29961d4e059c4a2fc03fc7c", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1923/04/01_01/bmtnabg_1923-04-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1923/04/01_01/bmtnabg_1923-04-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.1", "titre_corps": "Oskar Fischer : Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Oskar Fischer : Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.1", "debut_caractere": 105, "fin_caractere_exclue": 167, "texte": "Oskar Fischer : Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "49", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.2", "titre_corps": "Rot und Grün", "titre_sommaire": "Rot und Grün", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.3", "debut_caractere": 57, "fin_caractere_exclue": 2024, "texte": "Rot und Grün\nHerwarth Walden\nHerr Fritz Stahl vom Berliner Tageblatt\nversucht sich weiter hilflos über den Ex-\npressionismus hinwegzuhelfen, indem er ihn\ntotschreibt, nachdem er sich längst totge-\nschrieben hat, ohne je eine lebendige Zeile\nverfasst zu haben. Der falsche Expressio-\nnismus, der einzige, den Herr Stahl je ge-\nsehen hat, ist wirklich tot. Die Horden von\nMalern, die statt Rembrandt und Tod und\nTeufel die neue Kunst kopierten, haben\nsich glücklich wieder auf die „alte\" Kunst\nzurückgezogen und führen wieder ein trau-\nliches Stilleben. Nach dem klassischen\nRezept des Herrn Fritz Stahl: „Denn Kunst\nim höchsten Sinne braucht auch Müsse und\nTraum.'\" Herr Fritz Stahl wandert durch\ndie Sezessionen und stellt mit Begeisterung\nfest, dass man wieder nach seinen Re-\nzepten malt. Mit Müsse und Traum. Aber\nselbst die ältesten Altmeister sagen es ihm\nnoch nicht klar genug. Selbst Herr Corinth\nnicht: „Der Christus am Kreuz, der den\nMittelpunkt bilden soll, ist ganz in der Farbe\nsteckengeblieben.\" Herr Stahl kann vor\nlauter Farbe den Christus nicht sehen. Nur\ndie Farbe selbst ist richtig gewählt, wie es\nsich eigentlich beim Altmeister von selbst\nversteht. Nämlich rot. Nur nicht genau\nso viel oder so wenig rot, wie es Herr\nStahl für seine Müsse und seinen Traum\nbraucht: „Die geradezu kolossale Ver-\nschwendung von rot erweckt auch nicht\neinen Augenblick das Gefühl von Blut und\nWunden, sondern wirkt eben nur als Feuer-\nwerk. Sehr peinlich.\" Der Herr mit\ndiesem peinlichen Satz bildet die geradezu\nkolossale Verschwendung des Berliner Tage-\nblatts als künstlerischer Mittelpunkt. Er\nwirkt geradezu nicht als Feuerwerk.\n*\nHerr Paul Fechter von der Deutschen All-\ngemeinen Zeitung über die Sezession: „Das\nwilde Wollen ist verebbt, der Expressio-\nnismus ebenfalls (wenigstens hier): man\nmalt weiter und nähert sich wieder dem\nGewohnten an.\" Herr Fechter hat offen-\nbar nicht gemerkt, dass jetzt wieder in\nGrünkramgeschäften nur Grünkram ver-\nkauft wird."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "56", "image_debut": 3, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.3", "titre_corps": "Aus der Welt: „MERZ\"", "titre_sommaire": "Aus der Welt: „MERZ\"", "signature_source": "Kurt Schwitters ; Franz Rolan", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.3", "debut_caractere": 2026, "fin_caractere_exclue": 2831, "texte": "Aus der Welt: „MERZ\"\nKurt Schwitters und Franz Rolan\n\n! Aus Damenhüte werden die\nmodernsten Herrenhüte gepresst!\nEin Dialog mit Einwürfen aus dem Publikum\nDas Publikum: (buntesStimmgewirr)Haben\nSie gehört: Er fordert die\nMerzbühne! — Wer? —\nKurt Schwitters! — (all-\nseitiges Gelächter) — Haha!\n— Anna Blume — Quatsch!\n— (eine Damenstimme:)\nWer ist Kurt Schwitters?\n— (viele Stimmen:) Ein\nverrückter Maler! — Ein\nIdiot! — (eine Fistelstimme:)\nAnna Blume!! — Ein ver-\n«*\ndrehter Dichter! — Dada!\n— Idiot!! — (alle:) Idiot!! —\nSchwitters: Ich bin Kurt Schwitters. Ich\nfordere die Merzbühne! —\nDas Publikum: Haha! — Idiot! — Psst! —\nRuhe! — Ach was: Raus!\n—Ruhe!— Quatschkopf von\nvorne und von hinten! —\n(die Fistelstimme:) A-n-n-a\nvon vorne und von hinten!\n— (eine behäbige Stimme:)\nRuhe! Lassen Sie ihn doch"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2790, "texte": "y\nzu Worte kommen! — (die\nFistelstimme:) — Famos!\nEr soll ne Rede reden! —\nPsst! — (ein anderer:)\nMensch ist\"das ein Ulk! —\nPsssst! Ruhe! — Dada —\nPst! — Pst! — Pst! — —\n(ein Brillenglas blitzt in-\nquisitorisch auf. Ein lau-\nerndes Auge dahinter kneift\nsich halb zu und eine aka-\ndemisch gebildete Stimme\n— ob juristisch oder medi-\nzinisch ist nicht zu erkennen\n— fragt:) Sie fordern die\nMerzbühne? — Was soll\nauf ihr gespielt werden? —\nSchwitters: Merzbühnenwerke.\nDas Publikum: Hahaha — Hehehe — Hihihi\n— (die Fistelstimme:) Anna\nBlume! — (die bebrillte\nStimme:) Schön! Aber was\nsind Merzbühnenwerke und\nwer schafft sie? —\nDas Publikum: (die Fistelstimme, der nichts\nneues einfällt, kräht wieder\nin den höchsten Falset-\ntönen:) Anna Blume! —\n(aber sie wird zur Ruhe\nverwiesen:) Psst! —\nSchwitters: Merzbühnenwerke schafft\nder Merzer aus gleichbe-\nrechtigten Künstlern und\ngleichberechtigten Materi-\nalien. —\nDas Publikum: (heulend:) Son Quatsch! —\nBlödsinn! — Ein Arzt her!\n— Ein Irrenarzt!! — Merzer ?\n— Wort ohne Sinn, was\nsoll dass? — (Die bebrillte\nStimme mit höflich be-\nschwichtigender Geste gegen\ndas Publikum, gleichzeitig\nein Auge ge-\nheimen Einverständnisses\nmit dem Publikum zu-\nkneifend:) Sehr richtig: Was\nsoll das?! — Aber bitte\nRuhe meine Herrschaften,\nsonst kommen wir ja nicht\nweiter! — Wir wollen der\nSache doch einmal auf den\nGrund gehen! — (ein Aufge-\nregter:) Wrir lassen uns nicht\n♦\nzu Narren machen! — (die\nbebrillte Stimme mit einer\nVerbeugung:) Sehr richtig!\n— (sich an Schwitters\nwendend; ironisch:) Also\nwollen Sie uns gütigst er-\nklären — — —\nSchwitters: Kunst lässt sich nicht er-\nklären! —\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme, eini-\ngermassen aus dem Konzept\ngebracht:) Sehr richtig —\näh — äh — nein, ich wollte\nsagen — (in momentaner\nVerlegenheit an den Nägeln\nkauend) — allerdings —\naber sagen Sie uns doch\nwenigstens, was das Ganze\nsoll! —\nSchwitters: (in trocken dozierendem\nV /\nTon:) Der Ausdruck der\neinzelnen Teile des Merz-\nbühnenwerkes soll in seiner\nGesamtheit eine vorher be-\nstimmte Wirkung, entweder\npositiv oder negativ, her-\nvorrufen, und aus dem ver-\nwendeten Material wie\nKünstler — denn die mit-\nwirkenden Künstler: Dich-\nter, Maler, Bildhauer, Mu-\nsiker und Schauspieler sind\nauch als Material anzu-\nsehen —, Kulissen, Raum,\nhandelnde Personen\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Das\nPublikum nicht zu vergessen\n— (die behäbige Stimme:)\nSehr richtig, wir sind auch\nnoch da! —\nSchwitters: (den Faden ruhig wieder\naufnehmend:) aus dem ver-\nwendeten Material wieKünst-\nler, Kulissen, Raum, Licht,\nSchallwirkung und Publi-\nkum soll das Gesamtkunst-\nwerk zwingend hervor-\ngehen.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) So!\nSchön, aber nun erlauben\nSie mal: Wo bleibt denn\nda der Dichter, der das\nGanze vorher, ohne die\nspäter hinzutretenden Ma-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2807, "texte": "terialien — wenn Sie schon\ndie übrigen Künstler mit zu\nden Materialien rechnen\nwollen — schaffen muss? —\nSchwitters: Der wesentlichste Punkt,\nder die Merzbühne von\nallen früheren Bühnendar-\nstellungen unterscheidet, ist:\nLos vom Dichterwort! Wenn\naus der Gesamtheit der\nschöpferisch tätigen Materi-\nalien ein neues Kunstwerk\nentstehen soll, so ist die\nBindung an ein vorherge-\nschriebenes Dichterwort un-\nmöglich — an die Stelle\ndes Dichters tritt der Merzer,\nder Schöpfer des Merz-\nbühnenwerkes.\nDas Publikum: ? ? ? — (der Aufgeregte:) Er\nwill die Dichter abschaffen! -\nSchwitters: Dem Dichter stand bisher\nals einziges Ausdrucksmittel\ndas Wort zur Verfügung.\nMit dem Wort bannte er\nseine Gedanken auf Papier.\nSeine Gefühle, seine Taten\nwaren Worte. Seine Kunst\nwar, aus beschriebenem\nPapier eine Welt als ein in\nsich abgeschlossenes Ganze\nerstehen zu lassen, und sein\nKunstwerk war fertig, so-\nbald er den letzten Feder-\nstrich daran getan. Die\nForm, die der Dichter sei-\nnem Kunstwerk gibt, ob es\nGedicht, Roman, Epos oder\nDrama ist, ändert hieran\nnichts: sein Drama ist ohne\nAufführung ein ebenso fer-\ntiges Ganzes wie jede andere\nseiner Kunstschöpfungen.\nDie Aufführung ist nicht\nimstande, weder etwas hin-\nzuzufügen oder hinwegzu-\nnehmen, sie ist gerade\nherausgesagt — — über-\nflüssig! In der Kunst aber\nist alles Ueberflüssige vom\nUebel. Zwischen Albert\nBassermanns Hamlet und\nder Deklamation eines\nSchulmädchens besteht kein\nprinzipieller Unterschied,\ndenn der Hamlet ist eben-\nsowenig auf Bassermann an-\ngewiesen wie das Lied von\nder Glocke auf den vor-\ntragenden Sekundaner. In\nder Bühneaberliegen Kräfte,\ndie selbstschöpferisch tätig\nsein können, sobald man\nihnen die Freiheit gibt. Wa-\nrum soll Bassermann den\nHamlet aufsagen, der es\nnicht nötig hat? Dass ein\nSchauspieler mehr leisten\nkann, beweist jeder Zirkus-\nklown mit einer einzigen\nzwingenden Geste. Welch\ntiefe psychische Wirkung\nlöst das Heulen einer Schiffs-\nsirene aus! Man stelle die\nGleichberechtigung der zur\nVerwendung kommenden\nMaterialien wieder her,\nwerte Faktor gegen Faktor\nund verschmelze sie zu ei-\nnem untrennbaren neuen\nKunstwerk.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Aber\nwie wollen Sie denn prak-\ntisch aus dem Material\nheraus arbeiten, Publikum\neingeschlossen, ohne den\nkünstlerischen Gesamtein-\ndruck und die einheitliche\nFormung zu verlieren? —\n(im übrigen Publikum ent-\nsteht Unruhe, darum ruft\nihm die bebrillte Stimme\nbeschwichtigend zu:) Wir\ntreten in die Beweisauf-\nnahme ein! —\nSchwitters: Kunst lässt sich nicht be-\nweisen. —\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Aber\nlieber Herr, irgendwie\nmüssen Sie doch den Be-\nweis liefern, dass auf Ihrem\nneuen Wege sich überhaupt\nein Kunstwerk schaffen\nlässt!! — (der Aufgeregte:)\nMit Redensarten kommen\nwir nicht weiter! — (der\nBebrillte:) Was wollen Sie\nalso? — ? —"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2716, "texte": "Schwitters: Schaffen! — Den Beweis\neines geschlossenen Kunst-\nwerkes kann nur der Merzer\nliefern, der sich der Auf-\ngabe bewusst ist, gleich-\nzeitig Leiter, also Schöpfer\ndesGesamtkunstwerkes,und\n* Geleiteter, also Teil des\nPublikums zu sein. Leiten\nmuss er die Kräfte, die aus\ndem Material — die mit-\nwirkenden Künstler immer\nauch als Material betrach-\ntet — selbständig hervor-\nkommen. Sie tragen ihn,\nund er gibt ihnen die Rich-\ntung. Überlässt er die\nKräfte sich selbst, so zer-\nschellt das Kunstwerk, weil\njede Kraft ihre eigene Rich-\ntung nehmen wird, da sie\ndie Wirkung der anderen\nKräfte nicht zu übersehen\nvermag. Unterbindet er\naber von vornherein die\ni\nMöglichkeit selbständigen\nSchaffens für die Kräfte,\n. mit denen er wirken will,\nso wird er Autokrat und\nDramatiker im bisherigen\nSinne, und die Aufführung\nist nicht Merzbühne sondern\nIllustration eines gedich-\nteten Dramas.\nDas Publikum: ? — ? — ? — ? —\nSchwitters: (erläuternd) Das Wesent-\nliche des künstlerischen\nSchaffens ist die Schöpfer-\nkraft. Das Merzgesamtkunst-\nwerk gibt der Schöpferkraft\ndie denkbar grössten Ent-\nfaltungsmöglichkeiten. Jede\nKomponente der Merzbühne\nwird als Kraft verwendet,\nund das Ganze wird durch\nAbwerten der einzelnen\nTeile gegeneinander schöp-\nferisch gestaltet.\nDas Publikum: Hoho! — Vormachen!! —\nBilde Künstler, rede nicht!\n— (die bebrillte Stimme:)\nSehr richtig! Geben Sie\nuns ein Beispiel! —\nSchwitters: Schön! (ruft:) Licht aus!\n(Bühne, und Saal werden\ndunkel)\nDas Publikum: (die Fistelstimme:) Licht\naus! Messer raus! Haut ihn!\n(Gelächter:) Haha! (die be-\nbrillte Stimme:) Ruhe! —\n(Auf der Bühne erscheint eine transparente,\nriesengrosse Reklame:)\n! Aus Damenhüte werden die\nmodernsten Herrenhüte gepresst!\nDas Publikum: (in instinktmässig naivem\nEntzücken über die schrei-\nend bunten Farben des\nTransparents:) Ah! — Ah!\n— (Gelächter, Kichern der\nDamen) — Äh! — äh —\näh — Wie? — Was soll das?\n— (die behäbige Stimme:)\n„Aus\" regiert übrigens den\nDativ! — (der Aufgeregte;)\nNicht einmal die Ortho-\ngraphie ist richtig! — (eine\nDamenstimme:) Kann man\nwirklich aus Damenhüten\nmoderne Herrenhüte pres-\nsen? — (eine andere Damen-\nstimme:) Wo ist denn das\nGeschäft? — (der Aufge-\nregte:) Blödsinn ists! Voll-\nkommener Blödsinn!! —\n(die Fistelstimme:) Anna\nBlume! — (die bebrillte\nStimme:) Ruhe, meine\nHerrschaften! Merken Sie\nnicht, es ist eine Metapher:\nAus alten Formen er-\nstehen neue — äh — äh —\noder wie?—Herr Schwitters!\n— Herr Schwitters!! —\nDonnerwetter, machen Sie\ndoch mal Licht! — Man\nsieht ja nichts! Wo sind Sie\ndenn eigentlich? — (das\ntransparente Plakat ver-\nschwindet) — Licht! —\n(allgemeiner Ruf:) Licht!!\n— (Bühne und Zuschauer-\nraum werden hell) (die\nbebrillte Stimme:) Endlich!\n— — Also nun, Herr"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2863, "texte": "Schwitters erklären Sie uns\n— (sehr eilig:) ach nein,\nsagen Sie nicht wieder:\nKunst lässt sich nicht er-\nklären — also sagen Sie\neinfach: Was war das? —\nSchwitters: Das gewünschte Beispiel ei-\nner Merzbühnenaufführung.\n— Ich verwendete der Deut-\nlichkeit halber so wenig Ma-\nterial als möglich, denn wie\nfür die Merzbühne jedes Ma-\nterial verwendbar ist, so\nkann man auch auf jedes Ma-\nterial verzichten, zum Bei-\nspiel auch auf die Logik der\nHandlung. In diesem Falle ist\nder Charakter der Merzbü-\nhnenhandlung abstrakt. Das\nAuslöschen des Lichtes war\nan sich schon eine schöpfe-\nrische Handlung, die, (lä-\nchelnd) wie Sie wohl be-\nmerkten, auf das Publikum\nselbsttätig schöpferisch ein-\nwirkte und die verschie-\ndensten Stimmungen aus-\nlöste. Diese Einwirkung\nhätte sich bei längerer Dauer\ndramatisch steigern lassen\nüber Unruhe und Gelächter\nbis zum Unbehagen und\nZorn, und, wenn etwa das\nMoment geschlossener Tü-\nren hinzugekommen wäre,\nbis zu Schrecken und Panik.\nWenn Sie entgegnen wollen,\ndass das Auslöschen des\nLichtes eine einmalige Hand-\nlung sei, der die Dunkelheit\nals Zustand folge, der nicht\nmehr als Handlung bezeich-\nnet werden könne, so ist zu\nerwidern, dass jeder Zu-\nstand als latente Handlung\nanzusehen ist, solange er\nden Wunsch nach Aende-\nrung des Zustandes anregt.\nEs liegt nun in der Hand\ndes Merzers, das durch das\nVerdunkeln des Lichtes\nselbsttätig entstandene dra-\nmatische Moment bis zu\ndemjenigen Wirkungsgrade\nauszunutzen, den er künst-\nlerisch für geboten hält.\nIch hätte also unter Aus-\nnutzung nur dieses Licht-\nmaterials mein Beispiel einer\nMerzbühnenaufführung zu\nEnde führen können. Nur\ndieUeberzeugung,in diesem\nFalle völlig missverstanden\nzu werden — was an sich\nbei einem Kunstwerk zwar\nvöllig gleichgültig ist, hier\naber der Absicht nicht ent-\nsprach — veranlasste mich,\nweiteres Material drama-\ntisch zu verwenden. Da\nich den Wunsch nach ei-\nnem Beispiel vorausgesehen\nhatte, war ich vorbereitet.\nIch nahm ein beliebiges\nPlakat — für die Dame, die\nsich nach dem Geschäft er-\nkundigte, sei bemerkt, dass\ndieses Plakat wirklich in\neinem Geschäft in'der Oster-\nstrasse zu Hannover existiert\n— und verwandte es. Die\nWirkungen, die das hinzu-\ntretende zweite Material\nausübte, haben Sie beob-\nachten können. Es übte sie\nin absoluter Selbständigkeit\naus unter Mitbenutzung der\nfrüher vorhandenen Fak-\ntoren: Raum, Licht und\nPublikum. Sobald seine\nWirkung erschöpft war, das\nheisst dem Publikum keine\nweitere Deutungsmöglich-\nkeit mehr einfiel, riefen Sie\nselbst nach Beendigung des\nBeispiels, der ich als Merzer\nstattgab, da sie meinen Wün-\nschen entsprach. Im an-\nderen Falle konnte ich so-\nlange neue Materialien ein-\nführen — Künstler, Dar-\nsteller oder sogenannte tote\nMaterialien — als ich mich\nim Einklang mit dem Kunst-\nwerk (das Publikum eben-\nfalls als Teil des Kunst-\nwerkes gerechnet) und mei-\nnen Absichten befand."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1786, "texte": "Das Publikum: (die bebrillte Stimme:) So\nhatte das Plakat als solches\nnicht eine metaphorische\nBedeutung und Beziehung\nauf Ihre neuen Merzbühnen-\nideen?\nSchwitters: Doch! Von dem Augenblick\nan, wo Sie sie hineinlegten,\nwenigstens bestimmt.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:)\nZugegeben, da schliesslich\njeder ein Kunstwerk unter\nseinem eigenen Gesichts-\nwinkel betrachtet. — Aber\nSie sagten vorhin, das Merz-\nbühnenwerk könne auf die\nLogik der Handlung ver-\nzichten. Wie ist das mög-\nlich, dass dann noch ein\nKunstwerk entsteht? —\nSchwitters: Die Logik der Handlung\nist für die psychische Wir-\nkung nicht von entschei-\ndender Bedeutung. Sie ist\nnur eines von tausend Kunst-\nmitteln, noch dazu eines,\ndas derart abgegritfen ist,\ndass Unlogik weit stärkere\nWirkungen auszulösen im\nStande ist. Bei einem Kunst-\nwerk aber kommt es nur\n'\nauf die Logik des Kunst-\nwerkes selber an, für die\nder Merzer verantwortlich\nist. Diese wird lediglich\ndurch die psychischen Wir-\nkungen erreicht, die das\nKunstwerk auszulösen ver-\nmag.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Sie\ndenken dabei an psychische\nWirkungen im Sinne des\nGoethewortes:\n„Denn ein vollkommener\nWiderspruch bleibt gleich\ngeheimnisvoll für Kluge wie\nfür Toren.\"?\nSchwitters: Nicht auf das Geheimnis-\nvolle, sondern nur auf die\nschöpferische Kraft kommt\nes beim Kunstwerk an.\nDas Publikum: (der Aufgeregte:) Das wird\nja eine Privatunterhaltung!\nSchluss! — (die Fistel-\nstimme:) Da sprach der\nalte Auerhahn: Nun Kinder\nlasst mich auch mal ran!\n— (Gelächter) — (die be-\nhäbige Stimme:) Lasst sie\nnur reden. Wir hören zu.\n— (die Fistelstimme:) das\nkost kein Geld und Spass\nmachts doch. — (eine Da-\nmenstimme:) Ich dachte, wir\nbekämen etwas zu sehen! —\n(eine andere:) Ach ja! Wo ist\ndenn der Damenhut? — (Ge-\nlächter.Beifall:)Damenhut!!-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "53", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.3.1", "titre_corps": "Oskar Fischer: Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Oskar Fischer: Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt Vom Stock gedruckt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 80, "texte": "Oskar Fischer: Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt\nVom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Strahl"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1954, "texte": "Die Hungernden speist mein\nWehen\nDie Beladenen heb ich in\nHimmel\nDie Kranken verklärt mein\nLicht\n, Die Gefangenen binde ich frei\nIch löse die Liebe\nAlle müden Hände schlafen\nAlle müden Füsse ruhn\nAller Helfer Füsse bringen gute\nBotschaft\nAller Helfer Hände trösten\nTrauer\nWandrer wache\nTräumer ruhe Du\nRuhe wandert\nFrieden Frieden\nAllen Frieden\nHimmelsfrieden\nErdenfrieden\nHimmel über Erde\nErde in dem Himmel\nMann Weib Tiefgeboren\nAuferstanden\nKlaren Klaren\nKlingen Weiten\nSang der Höhen\nHohe Zeit\nWende Welt\nDu\nErstanden Erstanden\nLieben wir uns\nFriede uns\nFreuen wir Freien uns\nStille Freude\nStiller Freier\nAlle Welt befreit\nLicht Liebe\nIn tiefer Nacht\nMitten in Erden nacht\nLieben wir Du\nLeuchten wir Du\nFriede Du\nWeib Ich bin die Mutter Jungfrau Ich\nBlume aus reinem Schoss\nIch blühe Frucht\nIch heile Dich gut\nIch trage Dich zart\nDu hältst mich in Deiner Brust\nDir sing ich das frohe Lied\nIch bin Dein Herz\nSieh Seher Lausche\nNeig Dich in Dich\nKnie vor Dir hin\nNimm mich an Dich still\nAlle Tiere schweigen schon\nAlle Blumen blühen schon\nDie schlafenden Feinde lächeln\nmild\nDer Hasser küsst den Gehassten\nVersöhnt bist Du mein Sohn\nDu flammst in mir mein Herz\nGeh auf in alle Welt\nLichtsamen streue aus\nHeimliche Funken senk in die\nBrust der Gefallenen\nSammle ein die Verlorenen\nReinige Deinen Staub\nErglühe Dich\nHeilende Scham\nHeilige Scham\nSchaumnebel zerrinnen\nKronen kreisen hell\nZwischen Abend und Morgen\nkommt das Glück\nAuf Deinem Mund ruht der\nKuss\nUnter Deinem Fuss keimt die\nFrucht\nAus Deinem Schoss brennt die\nsternende Blüte\nGeliebte Welt\nHimmlische Jungfrau\nLiebende Erde\nHimmlische Mutter\nNimm hin\nGib Du Dich hin\nUmarme das Geschöpf\nTu nicht ein Leid\nAlle Wesen warten schon\nGebäre mich neu\nAlle Armen glauben schon\nNeu ist der Himmel\nAlle Kinder lieben schon\nNeu ist die Erde\nGebären Geburt\nGeborener Mir\nGeborener Du\nGlüh auf\nUmglühe All\nErglühe All\nAufsteigt der Stern\nLicht steigt herab\nDie Menschen glühen\nLiebe glüht\nUnd Du Du bist"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1582, "texte": "Du und Du\nDu bist Du\nMein Du\n#\nMann Weib In alle Welt\nTief in den Stein\nTief in den Staub\nSternstaub Erdstein Wehen\nStrahl\nSplitter Wolken Himmel\nDurch den Raum\nDurch die Gründe\nFüllen Leere\nLeere fallen\nRauscht die Fülle\nStrahl\nFassen alle Herzen\nR 1 utzerschla gen\nHirnzerwesen\nSäen tiefe tiefe Rurt\nErgriffen\nStrahl\n/\nMann Hinauf\nWeib Hinab\nMann In alle Enden\nWeib Hölle und Himmel\nMann Weib Erdenmensch\nMann Kreise Kreise\nWeib Wache Wandrer\nMann Weile Du\n#\nMann Weib Licht\nMann Weib Ich gebäre\nTod und Leben\nFlammen alle Zungen\nSchauen alle Augen\nGeöffnete Rrust\nGeöffnete Scham\nSündloser Sünder\nStreuen Saaten\nSegnen Samen\nWachsen Wächter\nStehen Wächter\nKünden Wächter\nStrahlen Wächter\nHüter treuen\nHüter richten\nHartes Lieben\nTrieblos Lieben\nMenschlos Lieben\nTreibt das Rad des Richters\nRichtet Menschenliebe\nLiebt der Richter\nHarter Richter\nStrahlender Richter\nRichte Richter\nRädre Rad\nWende Wender\nStrahle Strahler\nKreise Kreis\nLiebe Licht\n*\nMann Reuge Dich\nWeib Opfere Dich\nMann Rereitet\nWeib Empfangen\nMann Weib Allen\nMann Heben wir\nWeib Reinigen wir\nMann Wandeln wir\nWeib In uns tief\nMann Weib Gib hin Gib hin\nMann Weib Komm mit\nDer Rufer ruft in Dir\nEinmal Du Rufer\nDein Herz lauscht in Dir\nEinmal Du Lauscher\nLös ab die Last\nTu Licht an Deine Füsse\nTritt ein in Dich\nAuf ist die Tür\nKomm heim\nHimmel Schoss der Welt\nDu kleine Mensch\nDu Sternenkind\nTrink die Mondmilch klar\nJungfräuliche Mutter tränkt Dich\nmild.\nSpiele im Haar der himmlichen\nFrau\nPerlen rollen um die Erde\nRuhe im Leib der Tiefe sanft\nTropfen steigen in das Leben\nRerge Dich Kindlicher\nTreuen Vertrauen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 182, "texte": "Gläubiger Erdener\nAus dem Weh der Menschen\nLöse Liebe\nWeib Lieber Löser\nMann Menschenkind\nWeib Licht in Nacht\nMann Weib Erwachen\nMann Du in Du\nMann Weib Tief aus Dir\nWeib Sei Dein Du"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "57", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Nimm seine Hand. Nimm\nihre Schulter. Entzünde seinen Mund. Zer-\nbrich das Glas und verschütte das Korn.\nFass ihm die Gurgel, verbrenne das Haus.\nTöte ihn. Wir sterben nie.\n\nFrau\nsie sitzt an der Schwelle, isst aus der Hand\nnoch nie gemordet\nauch keine Milch noch aus ihren Brüsten -\ngeflossen, ganz einfach ist sie wie Stein\nweint\nund atmet laut\nnachts träumt sie mit gradem Leibe\nSchickt ihr Bronzetauben, dass sie auf ihr\nLächeln flattern und den Korntanz tanzen\nmit gewaltigen Stimmen.\n\nMutter\nflicht ihr kleines Haar und sieht darin kein\nLicht\natmet unruhig\nfindet keine Salben für ihre Füsse, findet\nkeine Zeit\nso ängstlich läuft sie auf meiner Stirne und\nwirft Brot und Funken zwischen meine Tage\nHöhlen, in denen Platin brennt und die\nWeiber ihr Haar ausbreiten\ndoch sie weicht aus und watet in Sand\nvon meinem Körper hängt sie die Wunden\nab, sammelt sie unter ihr Kissen\ndass sie ihr schmales Gesicht entzünden\nund ihr Kreuz beleben\nIn der Nacht sind keine Sterne, nur ein\nlanger Engel steht starr und schöpft Blut\nin ihr Herz. Alles ist gerade und hinter\nden Linien glänzt das Fest. Auf der\nuntersten Stufe sitzt sie, trinkt Milch und\nstreut aus der einfachen Hand Kinder vor\ndie Schwelle. Stirbt.\n\nLandschaft\nauf der Betonfläche keine Fliegen, keine\nVögel\nin zerstreuten Glaszylindern steht die Hitze\nder Schatten des Quecksilberturmes fällt\naus der Ferne\nwir laufen nackt\nzwischen Korkkugeln, die auf der gedehnten\nFläche\nlautlos rollen\nv - •\nund kreisen\num Eisensträusse, wenn sie flackern\nmanchmal ist alles kahl und wir sind einsam\nam Himmel hängt ein schwarzer Ledersack,\nelektrisch gefüllt\nschaukelt im Zug\nunser Haar und unsere Sohlen rauchen\nes wird Abend\nes wird Morgen\nwir laufen zwischen Gummistangen, sie\nschwanken, beugen sich und spannen den Weg\nScheiben schweben über ihnen\nfallen in den Kreidestaub\nauf dem Hügel\nstehen Röhren und schwarze Seidenfäden\nquellen\nhier ist es dunkel\ndie Fäden zerfliessen und zerrinnen\nunter dem Fuss\nkalt ist es und warm ist es\nin den Abend fliegen Wollkugeln mit Gas-\nlicht\nwir wandern müde im Betrieb\nimmer nackter\nzu Füssen der Walzen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "62", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.6.1", "titre_corps": "Csárdás", "titre_sommaire": "Csárdás", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.16", "debut_caractere": 21, "fin_caractere_exclue": 628, "texte": "Csárdás\nunsere Eltern sitzen an der Schwelle und\n\\ trinken Milch\ndie Kinder in der dunkelnden Stube brennen\nwie ewige Lampen\nwir drehen uns langsam auf dem Hügel\naus unseren ernsten Herzen verliert sich\nkein Weizensamen\ndrei Küsse aus Stein und aus Erde leben\nauf unserer Stirne\nund auf der flachen Hand farbige Tonfiguren,\nin die wir die Märchen verschlossen,\ndass sie erwärmen, wenn wir uns berühren\nund vor dem Tode\nWir sterben nie. 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Die gesetzmässige Einheit"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4278, "texte": "der Welt beruht daher auf der strengen\nOrganisiertheit von Bewegungs-Relationen\nder Weltkörper, wo ein jeder Teil im Ver-\nhältnis zu der Weltbewegung funktioniert.\nKonstruktivität der allseitigen Dy-\nnamik fügt die Körperteile der Welt\nzu einer dynamischen Welt-Kon-\nstruktion zusammen.\nEin jeder mikrokosmische Teil des Makro-\nkosmos beruht auf derselben konstruktiven\nGesetzmässigkeit dynamischer Gegensätze\nwie der Makrokosmos selbst. Der Mensch,\nder in seinem organischen Aufbau den\nGesetzen des dynamisch-konstruktiven Welt-\nsystems gehorchend funktioniert, ist daher\nin der Funktionalität seines organischen\nApparates bedingt von dem funktionellen\nPrinzipe des Welt-Mechanismus: der\nBewegung, das heisst, der Mensch ist ein nach\nkineto-mechanischen besetzen funktionie-\nrender Apparat. Die gesetzmässige Einheit\ndes menschlichen Organismus — homolog der\nEinheit der Welt — beruht ebenfalls auf der\nstrengen Organisiertheit von Bewegungs-\nVerhältnissen der einzelnen Organe, wo ein\njedes Organ im Verhältnisse zu der Be-\nwegungs-Einheit des Organismus funktioniert.\nKonstruktivität der gegenseitigen Dy-\nnamik fügt auch die Körper-Teile des\nMenschen zu einer dynamischen\nMensch-Konstruktion zusammen. Be-\nwegung ist die Funktion des Kosmos wie\ndes Menschen.\nJede menschliche Gestaltung und Erfindung\nauf dem Gebiete der Kunst wie im Be-\nreiche der Wissenschaft, der Gesellschaft\nund der Technik hat vor allem im Ver-\nhältnisse zu der Funktionalität des mensch-\nlichen Organismus eine Bedeutung, indem\njede schöpferische Arbeit durch ihre neue\naktive Gesetzmässigkeit die funktionellen\nMöglichkeiten des menschlichen Organismus\nerweitert. Sie zwingt das entsprechende\nmenschliche Organ, worauf sie mit ihrer\nFunktionalität primär wirkt, nach Aufhebung\nder Widerstände der Trägheit, mit der sich\ndas entsprechende Organ an die alte, be-\nreits erschöpfte Gesetzmässigkeit klammert,\nmit ihrer Aktivität die neue vitale Gesetz-\nmässigkeit aufzunehmen. Dadurch entsteht\nimmer durch den Zusammenhang des be-\ntreffenden einzelnen Organs mit der Funk-\ntionalität des gesamten Organismus eine Er-\nweiterung der Funktionsmöglichkeiten des\nmenschlichen Organismus. Zum Beispiel\nneue optische Gesetzmässigkeiten in ihrer\nMaterialisation als Farbengestaltung wirken\nprimär erweiternd auf das menschliche\nOrgan: Auge, neue akustische Gesetzmässig-\nkeiten als Ton-Gestaltung primär auf den\nakustischen Apparat: Ohr. Durch die funk-\ntionelle Zusammengehörigkeit des Ohres und\ndes Auges—siehe Hausmann: Optophonetik —\nfördernd aufeinander und durch den funk-\ntionellen Zusammenhang sämtlicher Organe\nauf den ganzen Organismus des Menschen.\nDarin besteht der ethische Wert der ge-\nstaltenden — erfinderischen — Arbeit primär,\ndass durch sie ein Gefühl der Organ-Minder-\nwertigkeit immer aufgehoben wird, und\ndaraus eine Bereicherung der organischen\nFunktions-Möglichkeiten entsteht.\nDie Notwendigkeit der Metaphysik beruht\nauf der Unvollständigkeit des menschlichen\nErkenntnisvermögens, bedingt durch die be-\nschränkte Aufnahmefähigkeit der Sinnes-\nApparate. So, dass bestimmte reale Zu-\nsammenhänge der Welt, empirisch nicht\nerfassbar, irrational erklärt — verfälscht —\nwerden müssen. Durch die Möglichkeit, die\nempirische Aufnahmefähigkeit des Menschen\nzu erweitern, nimmt proportional die Not-\nwendigkeit der Metaphysik ab und nähert\nsich der Zustand, wo das menschliche Leben\ndurch die Erweiterung der organischen\nFunktionalität seine höchste Steigerung er-\nhält.\nJetzt sollen diejenigen neuen aktiven Ge-\nsetzmässigkeiten der konstruktiven Ge-\nstaltung auf dem Gebiete der bildenden\nKunst untersucht werden, die auf gegebene\nfunktionelle Verhältnisse des menschlichen\nOrganismus bereichernd wirken. In wel-\nchem Sinne ist diese Bereicherung zu er-\nwarten?\nKonstruktivität ist, wie wir sahen, eine der\nHauptgesetzmässigkeiten des kosmischen\nwie des menschlichen Aufbaues: Konstruk-\ntivität, die auf dynamischen Gegensätzen\nkontrastierender Bewegungen beruht. Die\nKomposition, das Reproduzieren der Kon-\nstruktion der Natur und des Menschen.\nKonstruktion selbst wurde in der klassischen\nKunst nur sekundär verwendet. Im Zer-\nstörungsprozess der klassischen Kunst — der\nklassischen reproduktiven Konstruktion —\nwurde das strepge, aus der Funktionalität\ndes Kunstwerkes entstandene organisa-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3087, "texte": "torische Prinzip der Konstruktivität ver-\nnachlässigt. Erst der Kubismus wies da-\nrauf in der letzten Phase seiner Entwicklung\nwieder hin — Flächengestaltung des Bildes\nmittels kontrastierender Aufteilung der\nFläche —, aber er behielt noch immer zu •\nviel naturalistische Die Kunst-\nrichtungen nach dem Kubismus: der\nSuprematismus und der Konstrukti-\nvismus betonten zum erstenmal in\nder bildenden Kunst die strenge Or-\nganisation der menschlichen Ge-\nstaltung: die Konstruktion als primär-\nproduktives und nicht sekundär-re-\nproduktives Mittel der schöpferischen\nArbeit uud zwar immer in Bezug auf\ndie Funktionalität des Kunstwerkes\nund auf die innere Natur der ver-\nwendeten Materialien. In den bedeu-\ntendsten konstruktiven Kunstwerken ent-\nstand die exakte bis zum Knochengerüst\nvereinfachte, harte Struktur der Gestaltung\naus den elementarsten Gegensätzen seiner\nMittel: Farbe, Form, Material, Licht, Raum,\nBewegung. Im Zusammenhange mit der\nFunktionalität: der konstruktiven Bewegt-\nheit des menschlichen Organismus ist die\nVitalität-Konstruktion die funktionelle\nBedeutung der konstruktiven Kunst-\nGestaltung. Nämlich durch die strenge\nZusammenfügung der stärksten Spannungen\nentsteht die potentionelle Energie des\nstatischen Kunstwerkes, die sich in\nder Psychophysis des Betrachters trotz der\nphysischen Unbewegtheit des Kunstwerkes\nin eine intensive innere Bewegung um-\nsetzt. Die Umsetzung der potentionellen\nEnergie des Kunstwerkes in psychische in-\ntensive Bewegtheit gibt im Gegensatze zu\nder bloss auf feine Nuancierungen und Diffe-\nrenzierungen bedachten Decadence der bür-\ngerlichen Kultur das ursprüngliche Be-\nwusstsein der dynamischen Konstruk-\ntivität, das Gefühl der festen Zusammen-\ngefügtheit dynamischer gegensätzlicher\nGesetzmässigkeit, als höchste Kraft-Emp-\nfindung des Menschen, wo die Welt\nnicht mehr in unzähligen feinen Abstufungen,\nsondern in den stärksten und ursprüng-\nlichsten Gegensätzen seiner dynamischen\nDialektik erlebt wird. Stärkste Spannungen\ndes physischen Raumes mittels im realen\nRäume physisch sich bewegender kine-\ntischer Kraftsysteme wäre die weitere\nEntwicklung der bildenden Kunst Be-\nwegung als die Ur-Funktion des Kosmos\nund des Menschen, übertragen auch auf die\nmenschliche Gestaltung. Der in der Be-\ntrachtung der Kunstwerke bisher vor allem\nrezeptive Mensch soll in allen seinen Po-\ntenzen gesteigert selbst zum aktiven Faktor\nder Gestaltung werden. Die statische Kon-\nstruktion der Kunst, steckengeblieben in\n• •\neiner konstruktiven Ästhetik ohne Vitalität,\nschwächt das konstruktive Bestreben des\nMenschen nach einer neuen vitalen Lebens-\nkonstruktion. Weitergeführt als dynamisch-\nkonstruktives Kraftsystem, fügt die Kon-\nstruktivität der gegenseitigen physischen\nBewegung die Elemente der sich bewegen-\nden künstlerischen Gestaltung zusammen.\nDie in kinetische Energie, in reale\nBewegung umgewandelte potentio-\nnelle Energie des früheren physisch\nbewegungslosen Kunstwerkes wird\nhier in der unmittelbarsten Über-\ntragung der Bewegung den Menschen\nzu der stärksten Entfaltung seiner\nschöpferischen Kraft zwingen.\n\nAlfréd Kemény"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.8", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.18", "debut_caractere": 3089, "fin_caractere_exclue": 3441, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Rot und Grün\nKurt Schwitters: Aus der Welt: „Merz\"\nLothar Schreyer: Mondspiel\nKurt Heinar: Gedichte .\nTibor Dery: Gedichte\nAlfred Kemeny: Das dynamische Prinzip der Weltkonstruktion\nOskar Fischer: Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt\nOskar Fischer: Telegraphie / Linoleumschnitt\nM. H. Maxy: Berlin / Gemälde\nApril 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 783, "texte": "OegrOndel 1854\nierdCo.»\nliol-Spedlfeure §. PI. des Kdnlgs ?on Spanien\niiiiiiniiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiii\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nIn# und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiii!uiitiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiii::iticiuiiiii[iiiiiiii[iiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiimiiiiiiiitiiiiiiiuiiiiiiiiiiimiiiiiii!9iiii\nSr. 1415\nGegriindet 1854\nSpedlteure des Wirlsclsaitlictien Verbandes Dlldender KUnstler. der rrelen Secession,\ndes verbandes Deutscher illustratoren und Housspedlteure des ..Sturm**."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.2", "debut_caractere": 785, "fin_caractere_exclue": 953, "texte": "SReusettltd)e\na 112\n®etne ilataloge\n3ettf d^rtften\nuttb SBerfe\n®\n93rof<$iiren\n6pe&talttBt: Sflfe&rfar&enbruct\nBERLIN NO 18\nWassmann-Slrasse 27\nTel. 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St. |\n| Die Organisation der Freunde der neuen Kunst |\n1 Saizung und Aufnahme durch den Verlag Der Sturm |\n| Berlin W 9 / Potsdamer Stra&e 134 a |\nmm\nriiitiMiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiitiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiiiitiiiitiiitiifiiiiiiieiiiiiit\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.2", "debut_caractere": 1615, "fin_caractere_exclue": 1791, "texte": "Sturmbuhne\nlllllllllllilllllllf ItlltllllllllMllllllllHlltttlltttf\n8\n§ Auffuhrung\n| Ende April\n0\ny Genaues Datum im\nSturm zu erfrageit\nMitglieder dcr G. d. 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Pes. ........ 0.90\n„ Brasilien: Milrcis . . 3.—\n„ Bulgarien: Leva . 42.—\nff Chile. Pes. 3*\n„ Danemark: Kronen . 2.70\n„ Finnland: Mka 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen ...... 12.—\n„ Grossbritannien: Schilling 2.6\n„ Japan: Yen. 1.20\n„ Italien: Lire 7.5\n„ Jugoslawien: Dinar 16.5\n„ Niederlande: Gulden......... 1.5\n„ Norwegen: Kronen 3.—\n„ Portugal: Milreis . 9.—\n„ Rumanien: Lei 45.—\n„ Schweden: Kronen 2.10\n„ Schweiz: Franken 3.—-\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc 9.—\n„ U. S. 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Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden jc Grundpreis\n20 Mark / 9. bis 12. Jahrgang Grundpreis 10 Mark / 1. bis 5. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte alter\nJahrginge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und nummerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis Mark 0.20"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c030", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.20", "debut_caractere": 1160, "fin_caractere_exclue": 1490, "texte": "KUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN 19 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Son n tags von 11—2 Uhr / Monatlicehr Wechsel\nHundertachtzehnte Ausstellung\nApril 1923\nM. H. Maxy / Bukarest\nHundertneunzehnte Ausstellung\nHai 1923\nEmilio Pettoruti / Buenos'Aires\nSturnvGesamtschau\nSturm'Gesamtschau"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c031", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.20", "debut_caractere": 1492, "fin_caractere_exclue": 2371, "texte": "Bucher aus dcm Verlag Dcr Sturm mit neuen Grundpreisen\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut / Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus 0\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf Bltimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 4 Mark\nLothar S chrcyer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturnvBilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJeder Band 5 Mark\nV Maler des Expressionismus / 15 Farbdrucke:\nChagall I Kandinsky / Marc usw. / 12 Mark\nKokoschka-Mappe: Menschenkopfe / 15 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c032", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.20", "debut_caractere": 2373, "fin_caractere_exclue": 2616, "texte": "Der Sturm ubernimmt die Veranstaltung von\nSturm'Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und Landern.\nDer Sturm vermittelt n u r den Verkauf von\nWerken der Ktinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-04-01-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-04-01_01#c033", "volume": "bmtnabg_1923-04-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.20", "debut_caractere": 2618, "fin_caractere_exclue": 2729, "texte": "Standige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. 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PI. des Kdnlgs ?on Spanien\niiiiiiniiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiii\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nIn# und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiii!uiitiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiii::iticiuiiiii[iiiiiiii[iiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiimiiiiiiiitiiiiiiiuiiiiiiiiiiimiiiiiii!9iiii\nSr. 1415\nGegriindet 1854\nSpedlteure des Wirlsclsaitlictien Verbandes Dlldender KUnstler. der rrelen Secession,\ndes verbandes Deutscher illustratoren und Housspedlteure des ..Sturm**.\n\nSReusettltd)e\na 112\n®etne ilataloge\n3ettf d^rtften\nuttb SBerfe\n®\n93rof<$iiren\n6pe&talttBt: Sflfe&rfar&enbruct\nBERLIN NO 18\nWassmann-Slrasse 27\nTel. KUnigstadl 5269.1176\n\nBudidnicfterei Bidiard Stein Nadii.\nBERLIN N54 / BRUNNENSTRASSE 188/190\nFERNS PRE USS: NORDEN Nr. 3393\nliefert s'dmtlidie Drucksadien,\neine und mehrfarbig, sdxnell, gut und billig\n2,1111111 tillltllllllllllltlllllllllllllllltlltllllllllltllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllilllllllllllllllllllllllllllllllltllllMl'\n* S\n5 **\nI Gesellsdiaft der Sturmfreunde\n| G. d. St. |\n| Die Organisation der Freunde der neuen Kunst |\n1 Saizung und Aufnahme durch den Verlag Der Sturm |\n| Berlin W 9 / Potsdamer Stra&e 134 a |\nmm\nriiitiMiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiitiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiiiitiiiitiiitiifiiiiiiieiiiiiit\"\n\nSturmbuhne\nlllllllllllilllllllf ItlltllllllllMllllllllHlltttlltttf\n8\n§ Auffuhrung\n| Ende April\n0\ny Genaues Datum im\nSturm zu erfrageit\nMitglieder dcr G. d. St\nermdssigte Preise\n\nDas beste Geschenk fur Grofi und Klein\n■» A S» I E\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIERFARBBILDER\nvon unerreichter Schonheit / Geschiitzt in alien Kulturstaaten\nBisher erschienen:\nPafama A\nPafama B\nPafama C\nPafama Stern\n25 Farben\n22 Farben\n22 Farben\n11 Farben\nhochkiinstlerisches\nVorlagenwerk fur jede Mappe\nGebrauchsanweisung\nfiinfsprachig\njCeAnnlttel!\n3F£wmstmwg»i»el OFKaßkastenl\nZu beziehen durch\nPAFAMA WALDEN & CO. / BERLIN W9\nPOTS DAM ER STRASSE 134 a\niiiiuiiiiiiimiiiiitiiiiuiuiiiiiiiiiniiuiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiitiitiitiiiiiiiiitfifiiitiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuiiiiiiitiniiniiiiinimuiniiiHfi!"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.3", "texte": "DER STUR M\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nRot und Grün\nHerwarth Walden\nHerr Fritz Stahl vom Berliner Tageblatt\nversucht sich weiter hilflos über den Ex-\npressionismus hinwegzuhelfen, indem er ihn\ntotschreibt, nachdem er sich längst totge-\nschrieben hat, ohne je eine lebendige Zeile\nverfasst zu haben. Der falsche Expressio-\nnismus, der einzige, den Herr Stahl je ge-\nsehen hat, ist wirklich tot. Die Horden von\nMalern, die statt Rembrandt und Tod und\nTeufel die neue Kunst kopierten, haben\nsich glücklich wieder auf die „alte\" Kunst\nzurückgezogen und führen wieder ein trau-\nliches Stilleben. Nach dem klassischen\nRezept des Herrn Fritz Stahl: „Denn Kunst\nim höchsten Sinne braucht auch Müsse und\nTraum.'\" Herr Fritz Stahl wandert durch\ndie Sezessionen und stellt mit Begeisterung\nfest, dass man wieder nach seinen Re-\nzepten malt. Mit Müsse und Traum. Aber\nselbst die ältesten Altmeister sagen es ihm\nnoch nicht klar genug. Selbst Herr Corinth\nnicht: „Der Christus am Kreuz, der den\nMittelpunkt bilden soll, ist ganz in der Farbe\nsteckengeblieben.\" Herr Stahl kann vor\nlauter Farbe den Christus nicht sehen. Nur\ndie Farbe selbst ist richtig gewählt, wie es\nsich eigentlich beim Altmeister von selbst\nversteht. Nämlich rot. Nur nicht genau\nso viel oder so wenig rot, wie es Herr\nStahl für seine Müsse und seinen Traum\nbraucht: „Die geradezu kolossale Ver-\nschwendung von rot erweckt auch nicht\neinen Augenblick das Gefühl von Blut und\nWunden, sondern wirkt eben nur als Feuer-\nwerk. Sehr peinlich.\" Der Herr mit\ndiesem peinlichen Satz bildet die geradezu\nkolossale Verschwendung des Berliner Tage-\nblatts als künstlerischer Mittelpunkt. Er\nwirkt geradezu nicht als Feuerwerk.\n*\nHerr Paul Fechter von der Deutschen All-\ngemeinen Zeitung über die Sezession: „Das\nwilde Wollen ist verebbt, der Expressio-\nnismus ebenfalls (wenigstens hier): man\nmalt weiter und nähert sich wieder dem\nGewohnten an.\" Herr Fechter hat offen-\nbar nicht gemerkt, dass jetzt wieder in\nGrünkramgeschäften nur Grünkram ver-\nkauft wird.\n\nAus der Welt: „MERZ\"\nKurt Schwitters und Franz Rolan\n\n! Aus Damenhüte werden die\nmodernsten Herrenhüte gepresst!\nEin Dialog mit Einwürfen aus dem Publikum\nDas Publikum: (buntesStimmgewirr)Haben\nSie gehört: Er fordert die\nMerzbühne! — Wer? —\nKurt Schwitters! — (all-\nseitiges Gelächter) — Haha!\n— Anna Blume — Quatsch!\n— (eine Damenstimme:)\nWer ist Kurt Schwitters?\n— (viele Stimmen:) Ein\nverrückter Maler! — Ein\nIdiot! — (eine Fistelstimme:)\nAnna Blume!! — Ein ver-\n«*\ndrehter Dichter! — Dada!\n— Idiot!! — (alle:) Idiot!! —\nSchwitters: Ich bin Kurt Schwitters. Ich\nfordere die Merzbühne! —\nDas Publikum: Haha! — Idiot! — Psst! —\nRuhe! — Ach was: Raus!\n—Ruhe!— Quatschkopf von\nvorne und von hinten! —\n(die Fistelstimme:) A-n-n-a\nvon vorne und von hinten!\n— (eine behäbige Stimme:)\nRuhe! Lassen Sie ihn doch"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.4", "texte": "y\nzu Worte kommen! — (die\nFistelstimme:) — Famos!\nEr soll ne Rede reden! —\nPsst! — (ein anderer:)\nMensch ist\"das ein Ulk! —\nPsssst! Ruhe! — Dada —\nPst! — Pst! — Pst! — —\n(ein Brillenglas blitzt in-\nquisitorisch auf. Ein lau-\nerndes Auge dahinter kneift\nsich halb zu und eine aka-\ndemisch gebildete Stimme\n— ob juristisch oder medi-\nzinisch ist nicht zu erkennen\n— fragt:) Sie fordern die\nMerzbühne? — Was soll\nauf ihr gespielt werden? —\nSchwitters: Merzbühnenwerke.\nDas Publikum: Hahaha — Hehehe — Hihihi\n— (die Fistelstimme:) Anna\nBlume! — (die bebrillte\nStimme:) Schön! Aber was\nsind Merzbühnenwerke und\nwer schafft sie? —\nDas Publikum: (die Fistelstimme, der nichts\nneues einfällt, kräht wieder\nin den höchsten Falset-\ntönen:) Anna Blume! —\n(aber sie wird zur Ruhe\nverwiesen:) Psst! —\nSchwitters: Merzbühnenwerke schafft\nder Merzer aus gleichbe-\nrechtigten Künstlern und\ngleichberechtigten Materi-\nalien. —\nDas Publikum: (heulend:) Son Quatsch! —\nBlödsinn! — Ein Arzt her!\n— Ein Irrenarzt!! — Merzer ?\n— Wort ohne Sinn, was\nsoll dass? — (Die bebrillte\nStimme mit höflich be-\nschwichtigender Geste gegen\ndas Publikum, gleichzeitig\nein Auge ge-\nheimen Einverständnisses\nmit dem Publikum zu-\nkneifend:) Sehr richtig: Was\nsoll das?! — Aber bitte\nRuhe meine Herrschaften,\nsonst kommen wir ja nicht\nweiter! — Wir wollen der\nSache doch einmal auf den\nGrund gehen! — (ein Aufge-\nregter:) Wrir lassen uns nicht\n♦\nzu Narren machen! — (die\nbebrillte Stimme mit einer\nVerbeugung:) Sehr richtig!\n— (sich an Schwitters\nwendend; ironisch:) Also\nwollen Sie uns gütigst er-\nklären — — —\nSchwitters: Kunst lässt sich nicht er-\nklären! —\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme, eini-\ngermassen aus dem Konzept\ngebracht:) Sehr richtig —\näh — äh — nein, ich wollte\nsagen — (in momentaner\nVerlegenheit an den Nägeln\nkauend) — allerdings —\naber sagen Sie uns doch\nwenigstens, was das Ganze\nsoll! —\nSchwitters: (in trocken dozierendem\nV /\nTon:) Der Ausdruck der\neinzelnen Teile des Merz-\nbühnenwerkes soll in seiner\nGesamtheit eine vorher be-\nstimmte Wirkung, entweder\npositiv oder negativ, her-\nvorrufen, und aus dem ver-\nwendeten Material wie\nKünstler — denn die mit-\nwirkenden Künstler: Dich-\nter, Maler, Bildhauer, Mu-\nsiker und Schauspieler sind\nauch als Material anzu-\nsehen —, Kulissen, Raum,\nhandelnde Personen\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Das\nPublikum nicht zu vergessen\n— (die behäbige Stimme:)\nSehr richtig, wir sind auch\nnoch da! —\nSchwitters: (den Faden ruhig wieder\naufnehmend:) aus dem ver-\nwendeten Material wieKünst-\nler, Kulissen, Raum, Licht,\nSchallwirkung und Publi-\nkum soll das Gesamtkunst-\nwerk zwingend hervor-\ngehen.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) So!\nSchön, aber nun erlauben\nSie mal: Wo bleibt denn\nda der Dichter, der das\nGanze vorher, ohne die\nspäter hinzutretenden Ma-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.5", "texte": "terialien — wenn Sie schon\ndie übrigen Künstler mit zu\nden Materialien rechnen\nwollen — schaffen muss? —\nSchwitters: Der wesentlichste Punkt,\nder die Merzbühne von\nallen früheren Bühnendar-\nstellungen unterscheidet, ist:\nLos vom Dichterwort! Wenn\naus der Gesamtheit der\nschöpferisch tätigen Materi-\nalien ein neues Kunstwerk\nentstehen soll, so ist die\nBindung an ein vorherge-\nschriebenes Dichterwort un-\nmöglich — an die Stelle\ndes Dichters tritt der Merzer,\nder Schöpfer des Merz-\nbühnenwerkes.\nDas Publikum: ? ? ? — (der Aufgeregte:) Er\nwill die Dichter abschaffen! -\nSchwitters: Dem Dichter stand bisher\nals einziges Ausdrucksmittel\ndas Wort zur Verfügung.\nMit dem Wort bannte er\nseine Gedanken auf Papier.\nSeine Gefühle, seine Taten\nwaren Worte. Seine Kunst\nwar, aus beschriebenem\nPapier eine Welt als ein in\nsich abgeschlossenes Ganze\nerstehen zu lassen, und sein\nKunstwerk war fertig, so-\nbald er den letzten Feder-\nstrich daran getan. Die\nForm, die der Dichter sei-\nnem Kunstwerk gibt, ob es\nGedicht, Roman, Epos oder\nDrama ist, ändert hieran\nnichts: sein Drama ist ohne\nAufführung ein ebenso fer-\ntiges Ganzes wie jede andere\nseiner Kunstschöpfungen.\nDie Aufführung ist nicht\nimstande, weder etwas hin-\nzuzufügen oder hinwegzu-\nnehmen, sie ist gerade\nherausgesagt — — über-\nflüssig! In der Kunst aber\nist alles Ueberflüssige vom\nUebel. Zwischen Albert\nBassermanns Hamlet und\nder Deklamation eines\nSchulmädchens besteht kein\nprinzipieller Unterschied,\ndenn der Hamlet ist eben-\nsowenig auf Bassermann an-\ngewiesen wie das Lied von\nder Glocke auf den vor-\ntragenden Sekundaner. In\nder Bühneaberliegen Kräfte,\ndie selbstschöpferisch tätig\nsein können, sobald man\nihnen die Freiheit gibt. Wa-\nrum soll Bassermann den\nHamlet aufsagen, der es\nnicht nötig hat? Dass ein\nSchauspieler mehr leisten\nkann, beweist jeder Zirkus-\nklown mit einer einzigen\nzwingenden Geste. Welch\ntiefe psychische Wirkung\nlöst das Heulen einer Schiffs-\nsirene aus! Man stelle die\nGleichberechtigung der zur\nVerwendung kommenden\nMaterialien wieder her,\nwerte Faktor gegen Faktor\nund verschmelze sie zu ei-\nnem untrennbaren neuen\nKunstwerk.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Aber\nwie wollen Sie denn prak-\ntisch aus dem Material\nheraus arbeiten, Publikum\neingeschlossen, ohne den\nkünstlerischen Gesamtein-\ndruck und die einheitliche\nFormung zu verlieren? —\n(im übrigen Publikum ent-\nsteht Unruhe, darum ruft\nihm die bebrillte Stimme\nbeschwichtigend zu:) Wir\ntreten in die Beweisauf-\nnahme ein! —\nSchwitters: Kunst lässt sich nicht be-\nweisen. —\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Aber\nlieber Herr, irgendwie\nmüssen Sie doch den Be-\nweis liefern, dass auf Ihrem\nneuen Wege sich überhaupt\nein Kunstwerk schaffen\nlässt!! — (der Aufgeregte:)\nMit Redensarten kommen\nwir nicht weiter! — (der\nBebrillte:) Was wollen Sie\nalso? — ? —"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.6", "texte": "Schwitters: Schaffen! — Den Beweis\neines geschlossenen Kunst-\nwerkes kann nur der Merzer\nliefern, der sich der Auf-\ngabe bewusst ist, gleich-\nzeitig Leiter, also Schöpfer\ndesGesamtkunstwerkes,und\n* Geleiteter, also Teil des\nPublikums zu sein. Leiten\nmuss er die Kräfte, die aus\ndem Material — die mit-\nwirkenden Künstler immer\nauch als Material betrach-\ntet — selbständig hervor-\nkommen. Sie tragen ihn,\nund er gibt ihnen die Rich-\ntung. Überlässt er die\nKräfte sich selbst, so zer-\nschellt das Kunstwerk, weil\njede Kraft ihre eigene Rich-\ntung nehmen wird, da sie\ndie Wirkung der anderen\nKräfte nicht zu übersehen\nvermag. Unterbindet er\naber von vornherein die\ni\nMöglichkeit selbständigen\nSchaffens für die Kräfte,\n. mit denen er wirken will,\nso wird er Autokrat und\nDramatiker im bisherigen\nSinne, und die Aufführung\nist nicht Merzbühne sondern\nIllustration eines gedich-\nteten Dramas.\nDas Publikum: ? — ? — ? — ? —\nSchwitters: (erläuternd) Das Wesent-\nliche des künstlerischen\nSchaffens ist die Schöpfer-\nkraft. Das Merzgesamtkunst-\nwerk gibt der Schöpferkraft\ndie denkbar grössten Ent-\nfaltungsmöglichkeiten. Jede\nKomponente der Merzbühne\nwird als Kraft verwendet,\nund das Ganze wird durch\nAbwerten der einzelnen\nTeile gegeneinander schöp-\nferisch gestaltet.\nDas Publikum: Hoho! — Vormachen!! —\nBilde Künstler, rede nicht!\n— (die bebrillte Stimme:)\nSehr richtig! Geben Sie\nuns ein Beispiel! —\nSchwitters: Schön! (ruft:) Licht aus!\n(Bühne, und Saal werden\ndunkel)\nDas Publikum: (die Fistelstimme:) Licht\naus! Messer raus! Haut ihn!\n(Gelächter:) Haha! (die be-\nbrillte Stimme:) Ruhe! —\n(Auf der Bühne erscheint eine transparente,\nriesengrosse Reklame:)\n! Aus Damenhüte werden die\nmodernsten Herrenhüte gepresst!\nDas Publikum: (in instinktmässig naivem\nEntzücken über die schrei-\nend bunten Farben des\nTransparents:) Ah! — Ah!\n— (Gelächter, Kichern der\nDamen) — Äh! — äh —\näh — Wie? — Was soll das?\n— (die behäbige Stimme:)\n„Aus\" regiert übrigens den\nDativ! — (der Aufgeregte;)\nNicht einmal die Ortho-\ngraphie ist richtig! — (eine\nDamenstimme:) Kann man\nwirklich aus Damenhüten\nmoderne Herrenhüte pres-\nsen? — (eine andere Damen-\nstimme:) Wo ist denn das\nGeschäft? — (der Aufge-\nregte:) Blödsinn ists! Voll-\nkommener Blödsinn!! —\n(die Fistelstimme:) Anna\nBlume! — (die bebrillte\nStimme:) Ruhe, meine\nHerrschaften! Merken Sie\nnicht, es ist eine Metapher:\nAus alten Formen er-\nstehen neue — äh — äh —\noder wie?—Herr Schwitters!\n— Herr Schwitters!! —\nDonnerwetter, machen Sie\ndoch mal Licht! — Man\nsieht ja nichts! Wo sind Sie\ndenn eigentlich? — (das\ntransparente Plakat ver-\nschwindet) — Licht! —\n(allgemeiner Ruf:) Licht!!\n— (Bühne und Zuschauer-\nraum werden hell) (die\nbebrillte Stimme:) Endlich!\n— — Also nun, Herr"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.7", "texte": "Oskar Fischer: Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt\nVom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.8", "texte": "Schwitters erklären Sie uns\n— (sehr eilig:) ach nein,\nsagen Sie nicht wieder:\nKunst lässt sich nicht er-\nklären — also sagen Sie\neinfach: Was war das? —\nSchwitters: Das gewünschte Beispiel ei-\nner Merzbühnenaufführung.\n— Ich verwendete der Deut-\nlichkeit halber so wenig Ma-\nterial als möglich, denn wie\nfür die Merzbühne jedes Ma-\nterial verwendbar ist, so\nkann man auch auf jedes Ma-\nterial verzichten, zum Bei-\nspiel auch auf die Logik der\nHandlung. In diesem Falle ist\nder Charakter der Merzbü-\nhnenhandlung abstrakt. Das\nAuslöschen des Lichtes war\nan sich schon eine schöpfe-\nrische Handlung, die, (lä-\nchelnd) wie Sie wohl be-\nmerkten, auf das Publikum\nselbsttätig schöpferisch ein-\nwirkte und die verschie-\ndensten Stimmungen aus-\nlöste. Diese Einwirkung\nhätte sich bei längerer Dauer\ndramatisch steigern lassen\nüber Unruhe und Gelächter\nbis zum Unbehagen und\nZorn, und, wenn etwa das\nMoment geschlossener Tü-\nren hinzugekommen wäre,\nbis zu Schrecken und Panik.\nWenn Sie entgegnen wollen,\ndass das Auslöschen des\nLichtes eine einmalige Hand-\nlung sei, der die Dunkelheit\nals Zustand folge, der nicht\nmehr als Handlung bezeich-\nnet werden könne, so ist zu\nerwidern, dass jeder Zu-\nstand als latente Handlung\nanzusehen ist, solange er\nden Wunsch nach Aende-\nrung des Zustandes anregt.\nEs liegt nun in der Hand\ndes Merzers, das durch das\nVerdunkeln des Lichtes\nselbsttätig entstandene dra-\nmatische Moment bis zu\ndemjenigen Wirkungsgrade\nauszunutzen, den er künst-\nlerisch für geboten hält.\nIch hätte also unter Aus-\nnutzung nur dieses Licht-\nmaterials mein Beispiel einer\nMerzbühnenaufführung zu\nEnde führen können. Nur\ndieUeberzeugung,in diesem\nFalle völlig missverstanden\nzu werden — was an sich\nbei einem Kunstwerk zwar\nvöllig gleichgültig ist, hier\naber der Absicht nicht ent-\nsprach — veranlasste mich,\nweiteres Material drama-\ntisch zu verwenden. Da\nich den Wunsch nach ei-\nnem Beispiel vorausgesehen\nhatte, war ich vorbereitet.\nIch nahm ein beliebiges\nPlakat — für die Dame, die\nsich nach dem Geschäft er-\nkundigte, sei bemerkt, dass\ndieses Plakat wirklich in\neinem Geschäft in'der Oster-\nstrasse zu Hannover existiert\n— und verwandte es. Die\nWirkungen, die das hinzu-\ntretende zweite Material\nausübte, haben Sie beob-\nachten können. Es übte sie\nin absoluter Selbständigkeit\naus unter Mitbenutzung der\nfrüher vorhandenen Fak-\ntoren: Raum, Licht und\nPublikum. Sobald seine\nWirkung erschöpft war, das\nheisst dem Publikum keine\nweitere Deutungsmöglich-\nkeit mehr einfiel, riefen Sie\nselbst nach Beendigung des\nBeispiels, der ich als Merzer\nstattgab, da sie meinen Wün-\nschen entsprach. Im an-\nderen Falle konnte ich so-\nlange neue Materialien ein-\nführen — Künstler, Dar-\nsteller oder sogenannte tote\nMaterialien — als ich mich\nim Einklang mit dem Kunst-\nwerk (das Publikum eben-\nfalls als Teil des Kunst-\nwerkes gerechnet) und mei-\nnen Absichten befand."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.9", "texte": "Oskar Fischer: Teiegraphie / Linoleumschnitt\nVom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.10", "texte": "Das Publikum: (die bebrillte Stimme:) So\nhatte das Plakat als solches\nnicht eine metaphorische\nBedeutung und Beziehung\nauf Ihre neuen Merzbühnen-\nideen?\nSchwitters: Doch! Von dem Augenblick\nan, wo Sie sie hineinlegten,\nwenigstens bestimmt.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:)\nZugegeben, da schliesslich\njeder ein Kunstwerk unter\nseinem eigenen Gesichts-\nwinkel betrachtet. — Aber\nSie sagten vorhin, das Merz-\nbühnenwerk könne auf die\nLogik der Handlung ver-\nzichten. Wie ist das mög-\nlich, dass dann noch ein\nKunstwerk entsteht? —\nSchwitters: Die Logik der Handlung\nist für die psychische Wir-\nkung nicht von entschei-\ndender Bedeutung. Sie ist\nnur eines von tausend Kunst-\nmitteln, noch dazu eines,\ndas derart abgegritfen ist,\ndass Unlogik weit stärkere\nWirkungen auszulösen im\nStande ist. Bei einem Kunst-\nwerk aber kommt es nur\n'\nauf die Logik des Kunst-\nwerkes selber an, für die\nder Merzer verantwortlich\nist. Diese wird lediglich\ndurch die psychischen Wir-\nkungen erreicht, die das\nKunstwerk auszulösen ver-\nmag.\nDas Publikum: (die bebrillte Stimme:) Sie\ndenken dabei an psychische\nWirkungen im Sinne des\nGoethewortes:\n„Denn ein vollkommener\nWiderspruch bleibt gleich\ngeheimnisvoll für Kluge wie\nfür Toren.\"?\nSchwitters: Nicht auf das Geheimnis-\nvolle, sondern nur auf die\nschöpferische Kraft kommt\nes beim Kunstwerk an.\nDas Publikum: (der Aufgeregte:) Das wird\nja eine Privatunterhaltung!\nSchluss! — (die Fistel-\nstimme:) Da sprach der\nalte Auerhahn: Nun Kinder\nlasst mich auch mal ran!\n— (Gelächter) — (die be-\nhäbige Stimme:) Lasst sie\nnur reden. Wir hören zu.\n— (die Fistelstimme:) das\nkost kein Geld und Spass\nmachts doch. — (eine Da-\nmenstimme:) Ich dachte, wir\nbekämen etwas zu sehen! —\n(eine andere:) Ach ja! Wo ist\ndenn der Damenhut? — (Ge-\nlächter.Beifall:)Damenhut!!-\n\nFortsetzung folgt\n\nMondspiel\nLothar Schreyer\n\nMann Ich bin der Mond\nMond ist mein Ich\nIch steige still\nKomm mit\nTraumbaum wächst auf\nWelttief fällt Blick\nWeltweit wandert Ich\nWeltfern singt Mund\nWeltblume blüht\nKomm mit\nMild ist Nacht\nDunkelt der sanfte Schoss\nFunkelt der schlafende Samen\nWandeln wir hoch\nSchweben wir wach\nSchwingt der kristallene Strahl\nWogt der glühende Nachen\nSternüber Erdüber Meer der\nMeere\nIn die Mitte der Geburt\nBohren Kreisen steigt die Schale\nDich empfangen\nDich geöffnet\nDich umschlungen\nKomm mit mir\nHeim trag ich Dich\nSchon blüht Dein Bluten Gold\nSchon fliesst die Flammenfülle\nScham schimmert feucht\nDas Auge sieht den Reim der\nFrucht\nDer Mund enthüllt das Wort\nder Welt\nAus dem Schweigen\nAus dem Bangen"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.11", "texte": "M. H. Maxy: Berlin / Gemälde"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.12", "texte": "Schwingen steigen festet Kreis\num Kreise\nDich um Dich\nUnd ich gleite glänze glimme\nLöse schlimme Leide\nKeine Grenze keinem Ufer\nMenschen wehen wehen\nMenschen\nMann Weib Wehen wandern\nWunder wunden\nLauschen Tauschen\nHeim\nÖffnen Rreiten\nFliehen Fliegen\nStreuen Sammeln\nKörner Sterne\nTiefe Erde\nTropfen Tropfen\nHeim\nLassen Lösen\nFelsen Fahnen\nStröme Ränder\nSchwere Erde\nHerzen Fallen\nWeinen Augen\nLeuchten Rreiten\nFüllen Kelche\nStreuen Samen\nSammeln Samen\nWehen Sterne Wehen\nHeim\nMann Mein ist Nacht\nMein ist Mitte\nMein ist Wende\nWache Wache\nDeine Stunde\nUnerbittlich ohne Ritte\nRrenn Dein Herz\nErglänze\nKlär Dein Herz\nErsterne\nSterne strahlen in die Erde\nErde kreist in mir\nDu strahle\nRlumenüber Tiereüber\nMenschenüber\nAus Dir kreisen alle Himmel\nIch bin Du\nFüsse überwandern Höllen\nHeulen die Gebrechen\nOhne Irren ziehen Bahnen\nRlasse Angesichte dämmern\nSehnen Süchte\nUnablässig Hammerschlag\nWühlen Schluchten\nWaldgefesselt\nKlage bläst der Atem aus dem\nT a!e\nRauscht das Meer dem Meere\nRollen Wogen branden Schütten\nTrümmern\nMenschen Menschen Menschen\nUnter Dir\nDu treibst im Ring der Himmel\nDu\nHimmelumringt\nHimmelgelöst\nÜber Dir\nDir Auf\nMann Weib Vergessnes Land\nVergossnes Meer\nEntbundene Ränder\nFlattert kein Falter\nWelkt keine Rlüte\nWir\nLeuchtet das Auge\nUnwandelbar\nUnüberwindbar\nLeuchtet mein Herz\nDein Herzauge schaut\nDu Schoss\nWir\nWaches Erinnern\nVerlorenes finden\nInniges Wachsen\nHeimlich Vermählen\nFülle erfüllt\nStillt die Flamme\nTragen wir das liebe Licht\nLichte Liebe\nTruglos\nUnvergessne Liebe\nLiebe ausgegossen\nTragen Tragen\nWir\nMann Ich bin das Licht der Nacht\nDer finstre Mensch erglüht in mir\nScham weint in weichen Retten\nGebete lallen irr\nNoch hungern Kinder auf der\nErde\nNoch sterben Greise in den\nFrost der Stadt\nFern ist die Sonne\nAlle Sterne schlafen noch\nDen Durstenden fliesst mein\n. Strahl"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.13", "texte": "Die Hungernden speist mein\nWehen\nDie Beladenen heb ich in\nHimmel\nDie Kranken verklärt mein\nLicht\n, Die Gefangenen binde ich frei\nIch löse die Liebe\nAlle müden Hände schlafen\nAlle müden Füsse ruhn\nAller Helfer Füsse bringen gute\nBotschaft\nAller Helfer Hände trösten\nTrauer\nWandrer wache\nTräumer ruhe Du\nRuhe wandert\nFrieden Frieden\nAllen Frieden\nHimmelsfrieden\nErdenfrieden\nHimmel über Erde\nErde in dem Himmel\nMann Weib Tiefgeboren\nAuferstanden\nKlaren Klaren\nKlingen Weiten\nSang der Höhen\nHohe Zeit\nWende Welt\nDu\nErstanden Erstanden\nLieben wir uns\nFriede uns\nFreuen wir Freien uns\nStille Freude\nStiller Freier\nAlle Welt befreit\nLicht Liebe\nIn tiefer Nacht\nMitten in Erden nacht\nLieben wir Du\nLeuchten wir Du\nFriede Du\nWeib Ich bin die Mutter Jungfrau Ich\nBlume aus reinem Schoss\nIch blühe Frucht\nIch heile Dich gut\nIch trage Dich zart\nDu hältst mich in Deiner Brust\nDir sing ich das frohe Lied\nIch bin Dein Herz\nSieh Seher Lausche\nNeig Dich in Dich\nKnie vor Dir hin\nNimm mich an Dich still\nAlle Tiere schweigen schon\nAlle Blumen blühen schon\nDie schlafenden Feinde lächeln\nmild\nDer Hasser küsst den Gehassten\nVersöhnt bist Du mein Sohn\nDu flammst in mir mein Herz\nGeh auf in alle Welt\nLichtsamen streue aus\nHeimliche Funken senk in die\nBrust der Gefallenen\nSammle ein die Verlorenen\nReinige Deinen Staub\nErglühe Dich\nHeilende Scham\nHeilige Scham\nSchaumnebel zerrinnen\nKronen kreisen hell\nZwischen Abend und Morgen\nkommt das Glück\nAuf Deinem Mund ruht der\nKuss\nUnter Deinem Fuss keimt die\nFrucht\nAus Deinem Schoss brennt die\nsternende Blüte\nGeliebte Welt\nHimmlische Jungfrau\nLiebende Erde\nHimmlische Mutter\nNimm hin\nGib Du Dich hin\nUmarme das Geschöpf\nTu nicht ein Leid\nAlle Wesen warten schon\nGebäre mich neu\nAlle Armen glauben schon\nNeu ist der Himmel\nAlle Kinder lieben schon\nNeu ist die Erde\nGebären Geburt\nGeborener Mir\nGeborener Du\nGlüh auf\nUmglühe All\nErglühe All\nAufsteigt der Stern\nLicht steigt herab\nDie Menschen glühen\nLiebe glüht\nUnd Du Du bist"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.14", "texte": "Du und Du\nDu bist Du\nMein Du\n#\nMann Weib In alle Welt\nTief in den Stein\nTief in den Staub\nSternstaub Erdstein Wehen\nStrahl\nSplitter Wolken Himmel\nDurch den Raum\nDurch die Gründe\nFüllen Leere\nLeere fallen\nRauscht die Fülle\nStrahl\nFassen alle Herzen\nR 1 utzerschla gen\nHirnzerwesen\nSäen tiefe tiefe Rurt\nErgriffen\nStrahl\n/\nMann Hinauf\nWeib Hinab\nMann In alle Enden\nWeib Hölle und Himmel\nMann Weib Erdenmensch\nMann Kreise Kreise\nWeib Wache Wandrer\nMann Weile Du\n#\nMann Weib Licht\nMann Weib Ich gebäre\nTod und Leben\nFlammen alle Zungen\nSchauen alle Augen\nGeöffnete Rrust\nGeöffnete Scham\nSündloser Sünder\nStreuen Saaten\nSegnen Samen\nWachsen Wächter\nStehen Wächter\nKünden Wächter\nStrahlen Wächter\nHüter treuen\nHüter richten\nHartes Lieben\nTrieblos Lieben\nMenschlos Lieben\nTreibt das Rad des Richters\nRichtet Menschenliebe\nLiebt der Richter\nHarter Richter\nStrahlender Richter\nRichte Richter\nRädre Rad\nWende Wender\nStrahle Strahler\nKreise Kreis\nLiebe Licht\n*\nMann Reuge Dich\nWeib Opfere Dich\nMann Rereitet\nWeib Empfangen\nMann Weib Allen\nMann Heben wir\nWeib Reinigen wir\nMann Wandeln wir\nWeib In uns tief\nMann Weib Gib hin Gib hin\nMann Weib Komm mit\nDer Rufer ruft in Dir\nEinmal Du Rufer\nDein Herz lauscht in Dir\nEinmal Du Lauscher\nLös ab die Last\nTu Licht an Deine Füsse\nTritt ein in Dich\nAuf ist die Tür\nKomm heim\nHimmel Schoss der Welt\nDu kleine Mensch\nDu Sternenkind\nTrink die Mondmilch klar\nJungfräuliche Mutter tränkt Dich\nmild.\nSpiele im Haar der himmlichen\nFrau\nPerlen rollen um die Erde\nRuhe im Leib der Tiefe sanft\nTropfen steigen in das Leben\nRerge Dich Kindlicher\nTreuen Vertrauen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.15", "texte": "Gläubiger Erdener\nAus dem Weh der Menschen\nLöse Liebe\nWeib Lieber Löser\nMann Menschenkind\nWeib Licht in Nacht\nMann Weib Erwachen\nMann Du in Du\nMann Weib Tief aus Dir\nWeib Sei Dein Du\n\nGedichte\nKurt Heinar\n\nMohnrotleise\nTropfleis rieselweich\nLeiseweiches Tropfen\nTropfweich rieselleise Klänge\nHüllt Gestalt zu meinen Füssen\nMeine Hände hüllen die weiche Flut deiner\nHaare in meinen Schoss\ndie Flut deiner weichen Haare hüllen\nmeine Hände\nIn dir\nDu Kind\nDeine seidenen Hände raunen überquell\nraunes Rauschen fliesst in dir zu mir\nnackt haucht atemlaut\nmir deines Mundes blühen Schweigen\nSchweigen zartblüht meine Augen Weit\nGlieder blühen weiss\n*\nbang wühlt Kampf erschreien\nAngst schreit bangen weiten Feld vor mir\nTrinkt Blicken heissglüht Kelch von deinen\nLippen\nBlut rinnt in schwellen Adern\nDich\nund\nDu\nund Du\nund Sehnen grosser Arme\nSchreit\nUnd Lachen lacht\nund lindes Lachen\nBangen zagen\nsieden wühl\nIn mir\nzu dir\nDeine Augen lächeln müdesüss\nund Sehnen\nSchreit\nund Sehnen sehnt\nein lächelweites Hoffen\nDu\nund\nDich\nund Du\nUnd Winken Leise leise Hände\nMich\nIch\n\nGedicht 4\nEnde sagen wohl gewesen\nIn die kalte Hand gegriffen\nLassen Stunden schnell vergehen\nLieber Bäume Blühen Sehen\nHat es Urkraft selbst geboren\nWerden zwecklos Kräfte spielen\nUnd vereint auch siegreich sein\nWenn Verwunden Bleiben Sollen\n\nEuchgekniet\nIch sehne meine Arme\nWeit\nIch sehne Euch sehnzaubergross\nAllweltblühblut umschlinge ich Euch\nSchreitjubel jauchze ich frührot\nJubeljauchze ich schreiweit mein Leid\nEuch\nIch senke mich jubelhin nieder\nund glühglut brennt meine Augen\nHinein\nIch\nSchrei jubelweit hinauf\nIch vergesse das Sein\nIch bin das Vergessen\nIn Euch\nIch umarme Euch renkröcheltief\nEuch\nWir\n\nWider\nÜberhoch will immer scheinen\nMorgen blickt ein grosses Auge\nLeuchten aber wolkenmüde\nWill die Nacht dem Tag nicht weichen\nGlauben Freier auf meinem Weg\nLeise alle sich verbergen\nMüssen selbst die Hände fassen\nWill der Tag die Nacht vertreiben"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.16", "texte": "Gedichte\nTibor Déry\n\nCsárdás\nunsere Eltern sitzen an der Schwelle und\n\\ trinken Milch\ndie Kinder in der dunkelnden Stube brennen\nwie ewige Lampen\nwir drehen uns langsam auf dem Hügel\naus unseren ernsten Herzen verliert sich\nkein Weizensamen\ndrei Küsse aus Stein und aus Erde leben\nauf unserer Stirne\nund auf der flachen Hand farbige Tonfiguren,\nin die wir die Märchen verschlossen,\ndass sie erwärmen, wenn wir uns berühren\nund vor dem Tode\nWir sterben nie. Nimm seine Hand. Nimm\nihre Schulter. Entzünde seinen Mund. Zer-\nbrich das Glas und verschütte das Korn.\nFass ihm die Gurgel, verbrenne das Haus.\nTöte ihn. Wir sterben nie.\n\nFrau\nsie sitzt an der Schwelle, isst aus der Hand\nnoch nie gemordet\nauch keine Milch noch aus ihren Brüsten -\ngeflossen, ganz einfach ist sie wie Stein\nweint\nund atmet laut\nnachts träumt sie mit gradem Leibe\nSchickt ihr Bronzetauben, dass sie auf ihr\nLächeln flattern und den Korntanz tanzen\nmit gewaltigen Stimmen.\n\nMutter\nflicht ihr kleines Haar und sieht darin kein\nLicht\natmet unruhig\nfindet keine Salben für ihre Füsse, findet\nkeine Zeit\nso ängstlich läuft sie auf meiner Stirne und\nwirft Brot und Funken zwischen meine Tage\nHöhlen, in denen Platin brennt und die\nWeiber ihr Haar ausbreiten\ndoch sie weicht aus und watet in Sand\nvon meinem Körper hängt sie die Wunden\nab, sammelt sie unter ihr Kissen\ndass sie ihr schmales Gesicht entzünden\nund ihr Kreuz beleben\nIn der Nacht sind keine Sterne, nur ein\nlanger Engel steht starr und schöpft Blut\nin ihr Herz. Alles ist gerade und hinter\nden Linien glänzt das Fest. Auf der\nuntersten Stufe sitzt sie, trinkt Milch und\nstreut aus der einfachen Hand Kinder vor\ndie Schwelle. Stirbt.\n\nLandschaft\nauf der Betonfläche keine Fliegen, keine\nVögel\nin zerstreuten Glaszylindern steht die Hitze\nder Schatten des Quecksilberturmes fällt\naus der Ferne\nwir laufen nackt\nzwischen Korkkugeln, die auf der gedehnten\nFläche\nlautlos rollen\nv - •\nund kreisen\num Eisensträusse, wenn sie flackern\nmanchmal ist alles kahl und wir sind einsam\nam Himmel hängt ein schwarzer Ledersack,\nelektrisch gefüllt\nschaukelt im Zug\nunser Haar und unsere Sohlen rauchen\nes wird Abend\nes wird Morgen\nwir laufen zwischen Gummistangen, sie\nschwanken, beugen sich und spannen den Weg\nScheiben schweben über ihnen\nfallen in den Kreidestaub\nauf dem Hügel\nstehen Röhren und schwarze Seidenfäden\nquellen\nhier ist es dunkel\ndie Fäden zerfliessen und zerrinnen\nunter dem Fuss\nkalt ist es und warm ist es\nin den Abend fliegen Wollkugeln mit Gas-\nlicht\nwir wandern müde im Betrieb\nimmer nackter\nzu Füssen der Walzen\n\nDas dynamische Prinzip\n\nder Welt' Konstruktion im Zusammen/\nhange mit der funktionellen Bedeutung\nder konstruktiven Gestaltung\nDie Welt-Konstruktion ist aufgebaut von\ndynamischen Kontrasten zentrifugaler-zentri-\npetaler Kräfte. Die gesetzmässige Einheit"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.17", "texte": "der Welt beruht daher auf der strengen\nOrganisiertheit von Bewegungs-Relationen\nder Weltkörper, wo ein jeder Teil im Ver-\nhältnis zu der Weltbewegung funktioniert.\nKonstruktivität der allseitigen Dy-\nnamik fügt die Körperteile der Welt\nzu einer dynamischen Welt-Kon-\nstruktion zusammen.\nEin jeder mikrokosmische Teil des Makro-\nkosmos beruht auf derselben konstruktiven\nGesetzmässigkeit dynamischer Gegensätze\nwie der Makrokosmos selbst. Der Mensch,\nder in seinem organischen Aufbau den\nGesetzen des dynamisch-konstruktiven Welt-\nsystems gehorchend funktioniert, ist daher\nin der Funktionalität seines organischen\nApparates bedingt von dem funktionellen\nPrinzipe des Welt-Mechanismus: der\nBewegung, das heisst, der Mensch ist ein nach\nkineto-mechanischen besetzen funktionie-\nrender Apparat. Die gesetzmässige Einheit\ndes menschlichen Organismus — homolog der\nEinheit der Welt — beruht ebenfalls auf der\nstrengen Organisiertheit von Bewegungs-\nVerhältnissen der einzelnen Organe, wo ein\njedes Organ im Verhältnisse zu der Be-\nwegungs-Einheit des Organismus funktioniert.\nKonstruktivität der gegenseitigen Dy-\nnamik fügt auch die Körper-Teile des\nMenschen zu einer dynamischen\nMensch-Konstruktion zusammen. Be-\nwegung ist die Funktion des Kosmos wie\ndes Menschen.\nJede menschliche Gestaltung und Erfindung\nauf dem Gebiete der Kunst wie im Be-\nreiche der Wissenschaft, der Gesellschaft\nund der Technik hat vor allem im Ver-\nhältnisse zu der Funktionalität des mensch-\nlichen Organismus eine Bedeutung, indem\njede schöpferische Arbeit durch ihre neue\naktive Gesetzmässigkeit die funktionellen\nMöglichkeiten des menschlichen Organismus\nerweitert. Sie zwingt das entsprechende\nmenschliche Organ, worauf sie mit ihrer\nFunktionalität primär wirkt, nach Aufhebung\nder Widerstände der Trägheit, mit der sich\ndas entsprechende Organ an die alte, be-\nreits erschöpfte Gesetzmässigkeit klammert,\nmit ihrer Aktivität die neue vitale Gesetz-\nmässigkeit aufzunehmen. Dadurch entsteht\nimmer durch den Zusammenhang des be-\ntreffenden einzelnen Organs mit der Funk-\ntionalität des gesamten Organismus eine Er-\nweiterung der Funktionsmöglichkeiten des\nmenschlichen Organismus. Zum Beispiel\nneue optische Gesetzmässigkeiten in ihrer\nMaterialisation als Farbengestaltung wirken\nprimär erweiternd auf das menschliche\nOrgan: Auge, neue akustische Gesetzmässig-\nkeiten als Ton-Gestaltung primär auf den\nakustischen Apparat: Ohr. Durch die funk-\ntionelle Zusammengehörigkeit des Ohres und\ndes Auges—siehe Hausmann: Optophonetik —\nfördernd aufeinander und durch den funk-\ntionellen Zusammenhang sämtlicher Organe\nauf den ganzen Organismus des Menschen.\nDarin besteht der ethische Wert der ge-\nstaltenden — erfinderischen — Arbeit primär,\ndass durch sie ein Gefühl der Organ-Minder-\nwertigkeit immer aufgehoben wird, und\ndaraus eine Bereicherung der organischen\nFunktions-Möglichkeiten entsteht.\nDie Notwendigkeit der Metaphysik beruht\nauf der Unvollständigkeit des menschlichen\nErkenntnisvermögens, bedingt durch die be-\nschränkte Aufnahmefähigkeit der Sinnes-\nApparate. So, dass bestimmte reale Zu-\nsammenhänge der Welt, empirisch nicht\nerfassbar, irrational erklärt — verfälscht —\nwerden müssen. Durch die Möglichkeit, die\nempirische Aufnahmefähigkeit des Menschen\nzu erweitern, nimmt proportional die Not-\nwendigkeit der Metaphysik ab und nähert\nsich der Zustand, wo das menschliche Leben\ndurch die Erweiterung der organischen\nFunktionalität seine höchste Steigerung er-\nhält.\nJetzt sollen diejenigen neuen aktiven Ge-\nsetzmässigkeiten der konstruktiven Ge-\nstaltung auf dem Gebiete der bildenden\nKunst untersucht werden, die auf gegebene\nfunktionelle Verhältnisse des menschlichen\nOrganismus bereichernd wirken. In wel-\nchem Sinne ist diese Bereicherung zu er-\nwarten?\nKonstruktivität ist, wie wir sahen, eine der\nHauptgesetzmässigkeiten des kosmischen\nwie des menschlichen Aufbaues: Konstruk-\ntivität, die auf dynamischen Gegensätzen\nkontrastierender Bewegungen beruht. Die\nKomposition, das Reproduzieren der Kon-\nstruktion der Natur und des Menschen.\nKonstruktion selbst wurde in der klassischen\nKunst nur sekundär verwendet. Im Zer-\nstörungsprozess der klassischen Kunst — der\nklassischen reproduktiven Konstruktion —\nwurde das strepge, aus der Funktionalität\ndes Kunstwerkes entstandene organisa-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.18", "texte": "torische Prinzip der Konstruktivität ver-\nnachlässigt. Erst der Kubismus wies da-\nrauf in der letzten Phase seiner Entwicklung\nwieder hin — Flächengestaltung des Bildes\nmittels kontrastierender Aufteilung der\nFläche —, aber er behielt noch immer zu •\nviel naturalistische Die Kunst-\nrichtungen nach dem Kubismus: der\nSuprematismus und der Konstrukti-\nvismus betonten zum erstenmal in\nder bildenden Kunst die strenge Or-\nganisation der menschlichen Ge-\nstaltung: die Konstruktion als primär-\nproduktives und nicht sekundär-re-\nproduktives Mittel der schöpferischen\nArbeit uud zwar immer in Bezug auf\ndie Funktionalität des Kunstwerkes\nund auf die innere Natur der ver-\nwendeten Materialien. In den bedeu-\ntendsten konstruktiven Kunstwerken ent-\nstand die exakte bis zum Knochengerüst\nvereinfachte, harte Struktur der Gestaltung\naus den elementarsten Gegensätzen seiner\nMittel: Farbe, Form, Material, Licht, Raum,\nBewegung. Im Zusammenhange mit der\nFunktionalität: der konstruktiven Bewegt-\nheit des menschlichen Organismus ist die\nVitalität-Konstruktion die funktionelle\nBedeutung der konstruktiven Kunst-\nGestaltung. Nämlich durch die strenge\nZusammenfügung der stärksten Spannungen\nentsteht die potentionelle Energie des\nstatischen Kunstwerkes, die sich in\nder Psychophysis des Betrachters trotz der\nphysischen Unbewegtheit des Kunstwerkes\nin eine intensive innere Bewegung um-\nsetzt. Die Umsetzung der potentionellen\nEnergie des Kunstwerkes in psychische in-\ntensive Bewegtheit gibt im Gegensatze zu\nder bloss auf feine Nuancierungen und Diffe-\nrenzierungen bedachten Decadence der bür-\ngerlichen Kultur das ursprüngliche Be-\nwusstsein der dynamischen Konstruk-\ntivität, das Gefühl der festen Zusammen-\ngefügtheit dynamischer gegensätzlicher\nGesetzmässigkeit, als höchste Kraft-Emp-\nfindung des Menschen, wo die Welt\nnicht mehr in unzähligen feinen Abstufungen,\nsondern in den stärksten und ursprüng-\nlichsten Gegensätzen seiner dynamischen\nDialektik erlebt wird. Stärkste Spannungen\ndes physischen Raumes mittels im realen\nRäume physisch sich bewegender kine-\ntischer Kraftsysteme wäre die weitere\nEntwicklung der bildenden Kunst Be-\nwegung als die Ur-Funktion des Kosmos\nund des Menschen, übertragen auch auf die\nmenschliche Gestaltung. Der in der Be-\ntrachtung der Kunstwerke bisher vor allem\nrezeptive Mensch soll in allen seinen Po-\ntenzen gesteigert selbst zum aktiven Faktor\nder Gestaltung werden. Die statische Kon-\nstruktion der Kunst, steckengeblieben in\n• •\neiner konstruktiven Ästhetik ohne Vitalität,\nschwächt das konstruktive Bestreben des\nMenschen nach einer neuen vitalen Lebens-\nkonstruktion. Weitergeführt als dynamisch-\nkonstruktives Kraftsystem, fügt die Kon-\nstruktivität der gegenseitigen physischen\nBewegung die Elemente der sich bewegen-\nden künstlerischen Gestaltung zusammen.\nDie in kinetische Energie, in reale\nBewegung umgewandelte potentio-\nnelle Energie des früheren physisch\nbewegungslosen Kunstwerkes wird\nhier in der unmittelbarsten Über-\ntragung der Bewegung den Menschen\nzu der stärksten Entfaltung seiner\nschöpferischen Kraft zwingen.\n\nAlfréd Kemény\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Rot und Grün\nKurt Schwitters: Aus der Welt: „Merz\"\nLothar Schreyer: Mondspiel\nKurt Heinar: Gedichte .\nTibor Dery: Gedichte\nAlfred Kemeny: Das dynamische Prinzip der Weltkonstruktion\nOskar Fischer: Peripherie des Gleisdreiecks / Linoleumschnitt\nOskar Fischer: Telegraphie / Linoleumschnitt\nM. H. Maxy: Berlin / Gemälde\nApril 1923"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.19", "texte": "Neuerscheinungen des Verlags Der Sturm\nAlbert Gleizes: Vom Kubismus ' Die Mittcl zu seinem Verstandnis\nMit 17 Abbildungen nach Werken von Braque ' Gleizes > Juan Gris > L6ger ' Marcoussis *\nMetzinger ' Picasso * Severini * Archipenko u. a. ' Grundpreis 4 Mark\n\nNeuc Farbdrucke des Verlags Der Sturm\nMarc Chagall:\nIch und das Dorf * Gemalde ' Grundpreis 1,50 Mark\nJohannes Ittcn:\nBildnis eines Kindes ' Gemalde Grundpreis 1,50 Mark\nPeri:\nStrasse Gemalde * Grundpreis 1 Mark\nMichael Larionoff und Natalie Gontscharowa;\nTheaterdekorationen und Kostiimskizzen ' Grundpreis je 1 Mark\nGeorg Muche:\nUnd das Licht schied * Grundpreis 1 Mark\nDurch alle Buchhandlungen oder vom Verlag Dcr Sturm / Berlin W9 / zu beziehen\n\n»MELOS«\nInternationale Zeitschrift fiir moderne Musik\nHerausgegeben® von Fritz Windisch\nDEUT S C H\nENGLISCH\nFRANZOSISCH\nDie einzige\nMusikkultur-Zeitschrift\nin 3 Sprachen unter Mitarbeit der\nhervorragendsten Musikkapazitaten\ndes In- und Auslandes\nBesuchen Sie die\nMelos-Kammermusik-Veranstaltungen\nMELOS-VELRAG\nG. m. b. H.\nBerlin-Niederschonhausen\nLindenstrafie 35 b\n\nAuslandspreise fur die Zeitschrift\n„Der Sturm\"\nDas Abonnement fur ein Vierteljahr betragt:\nfur Argentinicn: Pap. Pes. ........ 0.90\n„ Brasilien: Milrcis . . 3.—\n„ Bulgarien: Leva . 42.—\nff Chile. Pes. 3*\n„ Danemark: Kronen . 2.70\n„ Finnland: Mka 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen ...... 12.—\n„ Grossbritannien: Schilling 2.6\n„ Japan: Yen. 1.20\n„ Italien: Lire 7.5\n„ Jugoslawien: Dinar 16.5\n„ Niederlande: Gulden......... 1.5\n„ Norwegen: Kronen 3.—\n„ Portugal: Milreis . 9.—\n„ Rumanien: Lei 45.—\n„ Schweden: Kronen 2.10\n„ Schweiz: Franken 3.—-\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc 9.—\n„ U. S. A.: Dollar 0.60"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230401-01.1.20", "texte": "Die Grundpreise sind mit der jeweils festgesetzten Schlüsselzahl zu multiplizieren. Zur Zeit: 2500\nPostscheckkonto des Verlags Der Starm; Berlin NW7 / 120658\nVeränderung sämtlicher Preise jederzeit vorbehalten\nVerantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer / Verlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W9\nDruck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18\n\nMONATSSCHRIFT DER STURM / Vierzehnter Jahrgang\nErscheint am ftinften jeden Monats\nMit mehrfarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets vom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug: Ein Vierteljahr Grundpreis 2 Mark / Ausland: 3 Schweizer Franken / Einzelheft Grundpreis 1 Mark\nVollstSndige Exemplare dcs 6. bis 8. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden jc Grundpreis\n20 Mark / 9. bis 12. Jahrgang Grundpreis 10 Mark / 1. bis 5. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte alter\nJahrginge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und nummerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis Mark 0.20\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN 19 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Son n tags von 11—2 Uhr / Monatlicehr Wechsel\nHundertachtzehnte Ausstellung\nApril 1923\nM. H. Maxy / Bukarest\nHundertneunzehnte Ausstellung\nHai 1923\nEmilio Pettoruti / Buenos'Aires\nSturnvGesamtschau\nSturm'Gesamtschau\n\nBucher aus dcm Verlag Dcr Sturm mit neuen Grundpreisen\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut / Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus 0\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf Bltimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 4 Mark\nLothar S chrcyer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturnvBilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJeder Band 5 Mark\nV Maler des Expressionismus / 15 Farbdrucke:\nChagall I Kandinsky / Marc usw. / 12 Mark\nKokoschka-Mappe: Menschenkopfe / 15 Mark\n\nDer Sturm ubernimmt die Veranstaltung von\nSturm'Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und Landern.\nDer Sturm vermittelt n u r den Verkauf von\nWerken der Ktinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartcnhaus rechts II\n\nNcu erschienen:\nLudwig Kassak:\nMa-Buch / Gedichte\nAus dem Ungarischen ubertragen von Andreas G&spar\nGrundpreis: 3 Mark\nKurt Schwitters:\nDie Blume Anna / Eine Gedichtsammlung aus den\nJahren 1918-1922\nGrundpreis: Mark 2.50"}]}