{"numero_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_sha256": "7de7739ac03401eed5e28b2e21428a07e94d607b996bd54648b72a63cd26f65a", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1923/05/01_01/bmtnabg_1923-05-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1923/05/01_01/bmtnabg_1923-05-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.1", "titre_corps": "Alexander Archipenko: Frauenfigur", "titre_sommaire": "Alexander Archipenko: Frauenfigur", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.1", "debut_caractere": 103, "fin_caractere_exclue": 136, "texte": "Alexander Archipenko: Frauenfigur"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "66", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.2", "titre_corps": "Sinn und Sinne.", "titre_sommaire": "Sinn und Sinne.", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.3", "debut_caractere": 141, "fin_caractere_exclue": 3831, "texte": "Sinn und Sinne.\n\nDas Berliner Tageblatt lässt seine alten\nHerren weiter gegen Kunst schreiben. Durch\nihre Tätigkeit sind im Ausland unsinnige\nVorstellungen vom Wesen und Wirken der\nKunst in Deutschland verbreitet. Man glaubt\ndort, dass Goethe und Schiller noch immer\njedes Jahr frisch und munter ihre Dramen\nschreiben und sie Herrn Professor Reinhardt\nzur Aufführung überlassen. Man glaubt dort,\ndass Rembrandt und Tizian jedes Jahr zehn\nGross neue Bilder für die verschiedenen\nAusstellungsgelegenheiten senden. Man glaubt\ndort, dass die Herren Hauptmann, Sudermann\nund Fulda das deutsche Geistesleben dar-\nstellen. Man sollte es dort wenigstens glauben,\nwenn das Ausland sich auf das Berliner\nTageblatt verlassen würde wie die Berliner.\nDie Abonnenten haben es gut. Sie erfahren\nvon Herrn Alfred Kerr persönlich, dass er\nzum vierten Male nach Spanien reist. Ein\nJahr vorher hat er klugerweise nicht den\nBerlinern, wohl aber den Amerikanern ein-\nzureden versucht, dass er den Expressionis-\nmus erfunden hat. So sieht der Expressionis-\nmus des Herrn Kerr aus: „Ja, ich bin in\nSpanien. Zum vierten Male in diesem Sein\n. . ♦ . Nach Bern und Genf und Verney\nund Provence Narbonne. Endlich. — Und\nwenn jemand etwa, Gott behüte, kein Dichter\nist, was er jedoch zu sein hat: so könnt' er\nes hier werden.\" Ecco, der Expressionismus.\nDas ist der Theaterkritiker, des Berliner\nTageblatts. Die Abonnenten bekommen von\nihrem Kunstkritiker Herrn Fritz Stahl einen\nAphorismus: „Bei allen langen Sätzen mit\nlangen Worten besteht die Wahrscheinlich-\nkeit, dass sie Quatsch sind.\" Hierauf schreibt\nderselbe Herr Stahl: „Diese Wahrheit ist\nwie alle Wahrheiten unbeliebt, weil dann\ndie Kunst wieder so schwer wird, wie sie\nimmer war, während sie kinderleicht ist,\nwenn als Ersatz für Gabe und Können Ab-\n#»'•' * * • -\nsichten, grossartige Redensarten und be-\nqueme Rezepte zugelassen werden, wie das.\nin der letzten Zeit der Fall war.\" Hier be-\nsteht kaum noch die Wahrscheinlichkeit, dass\ndieser Satz Quatsch sein könnte. Er ist es.\nUnd das alles, weil Herr Fritz Stahl es nun-\n• - « ' ,\nmehr für richtig hält, Kokoschka im Salon\nCassirer zu entdecken. „Kokoschka ist klüger,\nals die Lober, die ihn seit zehn Jahren als\n'< ' '\nMeister austrompeten. Dazu gehört nicht\nviel.\" Viel mehr gehört dazu, ihn nach zehn\nJahren als Meister auszutrompeten. Wenn\nHerr Stahl seine Bildung über bildende Kunst\nnur aus den Witzblättern bezieht, niuss er\nnatürlich im Jahre 1923 diesen Satz schreiben:\n• •• • . . f'\n„Dies ist die erste Ausstellung seit langer\nZeit, in der man etwas sieht, was an Ent-\nwicklung denken lässt.\" Herr Stahl hätte\nallerdings auch nicht mehr gesehen, wenn\ner die entscheidenden Ausstellungen des\nSturm pflichtgemäss besucht hätte. Denn\neine Entwicklung kann man überhaupt nicht\nsehen und am wenigsten in der Kunst. Die\nEntwicklung, Herr Stahl, zeigt sich nur im.\nBörsenteil des Berliner Tageblatts. Die Ent-\n) ' - . ..\nWicklung kann höchstens bei der Art Kunst-\nkritiker festgestellt werden, .die kurzsichtig\nwie Herr Stahl sind: sie hörsn nämlich\nallmählich die Trompeten blasen, wenn sie\nauch die Musik dann sehen. Jedenfalls hätte\nHerr Fritz Stahl das Bild von Forel schon\nvor elf Jahren im Sturm sehen können, wenn\ner damals die Absicht gehabt hätte, klüger\nzu sein, als die Lober. Heute schreibt nämlich\nHerr Stahl über dieses Bild: „Solche Porträts\n. . . -• - .. » i\nunserer geistigen und künstlerischen Grössen\nsind ein wertvolleres Geschenk ap die Nach-\nwelt . . Vor elf Jahren hat Herr Stahl\ndieselben Bilder von Kokoschka seinen Lesern\nverschwiegen oder sie beschimpft. Hingegen\nbeschwert sich der dritte Mann, Herr Fritz\n...-.„!•i • _ » i « ;\nEngel vom Berliner Tageblatt darüber, dass"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3197, "texte": "f\\\\l'* 112 i ' ' *\ndas Moskauer Kammertheater nicht natürlich\nspielt. Auch er kennt die Entwicklung,\nnämlich, „dass die Entwicklung der wahrhaft\ndramatischen Kunst andere Wege suchen\nmuss\". Herr Engel hat sich unentwirrbar\nin sein persönliches Kunstknäuel verwickelt,\ntrotzdem bewundert er „eine flügelweite op-\ntische Phantasie\". Die wird Herr Stahl nun\nwieder für unnatürlich halten. Und Herr\nEngel ist wenigstens klüger als der blinde\nSeher des Tageblatts, indem er mit einem\ngewissen Grad von Bonhomie gegen sich\nselbst äussert: „Man tut nicht schlecht daran,\ndiese Dinge nur abwartend — beschreibend\nzu begleiten.\"\nMan tut besser daran, die Trompeten blasen\nzu lassen. Nach den Bühnen-Versuchen von\nWilliam Wauer und Lothar Schreyer ist das\nMoskauer Kammertheater das einzige\nTheater Europas. Wenn deutsche Geldleute\nund Berliner Kritiker nicht so blind wären,\nhätte durch diese deutschen Künstler Berlin\ndas gehabt, was Moskau jetzt vorbildlich in\nBerlin gezeigt hat. Der Name dieses Künst-\nlers aus Russland ist Tairoff. Er bildet\nmit absoluten optischen und akustischen\nMitteln das organische Schauspiel. Er\nkümmert sich weder um Literatur noch\num Psychologie, die als Erfahrungsfest-\nstellungen nichts mit Kunst zu tun haben.\nEr überlässt die beliebten seelischen Aus-\ndeutungen dem Beschauer, wie es die\nNatur in ihrem unbegreiflichen Mangel an\nInteresse für literar-psychologische Wichtig-\nkeiten gleichfalls zu tun pflegt. Planeten\ninteressieren sich nun einmal nicht für\nGesellschaftsunordnung und Weltsauwirt-\nschaft. Künstler wie Alice Koonen, Nikolai\nZeretelli und Wladimir Sokoloff sind nicht\nzum Zweck der Stimmung oder Verstimmung\nmenschlicher Lebewesen vorhanden. Es\nhat auch keinen Zweck, beschreibend zu\nbegleiten. Zweck hat es, die Trompeten\nzu blasen. Posaunen und die Tuben. Damit\ndie Lesenden zu schreiben aufhören und\ndie Schreibenden zu lesen. Damit sie auf-\nhören. Hören. Und sehen. Hier ist das\nSpiel durch die Sinne zum Sinnen. Die\nKultur ist für die Sinnlichkeit. Worunter\nsie einen Schlafzimmerschmarren von Herrn\nSchnitzler versteht. Ohne Dessous einer\nWeltfirma. Unter solcher Sinnlichkeit firmiert\nin dieser grossartigen Kultur die Welt. Eine\nKultur, gemacht von Leuten, die Dessus für\nDessous halten und denen Dessous das Le-\nben der Sinne ist. Sie schreiben, statt zu\nsehen und sie lesen, statt zu hören. Und\nvor Sehen und Hören vergeht ihnen Sehen\nund Hören. Das ist ihnen zu empßndlich\nfür ihre kultivierten Sinne. Sie sind emp-\nfindsam geworden. Die Farbe stört ihr\nAuge und der Ton ihr Ohr. Sie denken.\nSie denken sich sogar die Kunst. Sie brauchen\nsie also garnicht. Sie brauchen also auch\ndie Sinne nicht. Und trotzdem begehren\ndie Sinne auf. In jedem Lebewesen. Sie\nzwingen sich über alles Denken fort. Sie\nzwingen sich durch alles Handeln und Lassen.\nUnd nur, wenn die Sinne einer zwingt, der\nsich durch sie zwingen lässt, entsteht durch\nihn ein Kunstwerk.\nAlfred Mombert: „Wanderer, der du dies\nliesest bei der Nachtlampe, das wirst du\nnie begreifen.\" Wanderer auf der Erde:\nMüsst ihr bei der Nachtlampe lesen, müsst\nihr lesen. Seht und hört spielen. Spielt.\nUnd wenn ihr etwas lernen wollt, lernt\nspielen. Spielend leicht ist Kunst.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "67", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.3", "titre_corps": "Rog", "titre_sommaire": "Rog", "signature_source": "Harald Landt Momberg", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.4", "debut_caractere": 3199, "fin_caractere_exclue": 3720, "texte": "Rog\nHarald Landt Momberg\nMatoaka\nRärad gyldnes blomstringstid\nPowhalans datter\nguldbund dufter blidt resedablod\nklippeblsest mäne\nsolsort bläner ojenbrynssilke\nsalv gräner greltaenkt Inskription\nAttanoughkomouck\nGuarany\nNegerkysblodbitter svselgsug\nbeblomslrer salvbladede aurikelejne\nbly blä styrtes i solraseriets blindfavn\nmadug laesker sig tungende\nSod safl triumferende\nWagangana du syngende dad\nNyamvösi nyässa usikumuli\nmasüriga sängu don bäbu dumki\nsön säni sansaninku\ndu\nblinker ded i morgenväde tiu-liu-liu-lej!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 685, "texte": "Fru Fru\nHras hras hras hras\nmangemulimaja mu mu\nbrummende\nsummende\nhraslende\nhvirvlende\nooooh!\nnatcafö\nLord Nelson\nLavendel besover libella\nskak tilbage\nfremad libella\nog hirnlen er blä\nfarvel du henblomstrede\ntavse\nmuromduogmigbekransede\nguldsynkende\ntinbladvingede rosa libella\nContrabando\nVammel sveskesaft Cecilie\nrad du\nbrun jeg\nskoledagene avbrister frem\nhjem\nbort\nhen\nog entrille pä en gyngestang\nCecilie Cecilie\nvort hjem er pä det granne hav\nSao Leopoldo\nPortugisisk forär radmer flammende\nparadisiske bjaelker grannes paraply\nsommerheraldisk vär\nred\ngran\nvaed dine laeber med floden\nvarmens spänske peberdräber\nsolen svammer over majsmarkerne\nmed kViksalvdryppende hud og här"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "67", "page_fin": "76", "image_debut": 5, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.10", "titre_corps": "Aus der Welt: „MERZ“", "titre_sommaire": "Aus der Welt: „MERZ“", "signature_source": "Kurt Schwitters ; Franz Rolan", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.5", "debut_caractere": 687, "fin_caractere_exclue": 739, "texte": "Aus der Welt: „MERZ“\nKurt Schwitters und Franz Rolan"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.5", "debut_caractere": 754, "fin_caractere_exclue": 2293, "texte": "Sch witters: (zu der bebrillten Stimme\nsich wendend:) Sie sehen:\n(ruft:) Aus Herrenhüte\nwerden die modernsten\nDamenhüte gepresst!\nDas Publikum : (die bebrillte Stimme, schrei-\nend und lebhaft gegen das\nübrige Publikum gestiku-\nlierend:) Aber nein doch!\nLassen Sie mich doch zu\nWorte kommen! — (allge-\nmeiner Zuruf:) Damenhut!!\n— (die bebrillte Stimme:)\nDas ist doch Unsinn! —\n(die behäbige Stimme:) Ich\ndenke, Unsinn wirkt kunst-\nfördernd ! — (Gelächter. Die\nFistelstimme in höchstem\nEntzücken quietschend:)\nHähähä — ä — hä! — (der\nAufgeregte, mit Stentor-\nstimme:) Jetzt komme ich\nran! — (er arbeitet sich\nnach vorn, sichanSchwitters\nwendend:) Gestatten Sie:\nmein Name ist Meyer . . —\nSchwitters: (höflich:) Ich gestatte es. —\nDas Publikum: (Gelächter.) — (der Auf-\ngeregte:) Ich verbitte mir\nWitze! — Was Sie von der\ndramatischen Verwendung\nvon allem möglichen Ma-\nterial wie Raum, Licht, be-\nliebigen Gegenständen usw.\ngesagt haben, mag seine\nRichtigkeit haben. Ob ein\nKunstwerk dabei heraus-\nkommt, hängt vom Können\ndes Leiters— also meinet-\nwegen sagen wir schon\nMerzers — ab. Aber wie\n(mit erhobener Stimme:)\ndenken Sie sich dann die\nTätigkeit der Schauspieler\ndabei, wenn ihn kein vor-\ngeschriebener Text bindet,\nund jeder, wie Sie sagen,\nschöpferisch tun kann, was\ner will, (erregt:) Das wird\nja die reinste Judenschule,\nein tolles Durcheinander\nvon Improvisationen, aus\ndem nie und nimmer\nein Kunstwerk entstehen\nkann! —\nSch witters: Sie vergessen den Merzer,\nder für das Kunstwerk ver-\nantwortlich ist. Es ist\nmöglich, fast wahr-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2719, "texte": "Scheinlich, dass im Zu-\nsammenwirken an sich frei\nschaffender Künstler und\nMaterialien Tatsachen ge-\nschaffen werden, die die\nLogik des Kunstwerkes\nstören. In diesem Falle\nmuss der Merzer durch\nschöpferisches Eingreifen\ndie Logik des Kunstwerkes\nwiederherstellen, genau in\ndemselben Sinne, wie ein\nMaler eine an sich die\nHarmonie seines Bildes\nstörende Farbe verwenden\nkann zur Erreichung eines\nbestimmten Zweckes, in-\ndem er das Bild danach\nstimmt.\nDas Publikum: (der Aufgeregte:) Da haben\nwirs ja! Es entsteht also ein\ndauerndes Improvisieren!\nErst schaffen einige Mate-\nrialien, vom Dichter, Maler\noder Bildhauer geliefert,\neine Situation. Dann wird\nein Schauspieler oder\nmehrere zugleich hinein-\ngesetzt, und jeder impro-\nvisiert lustig darauf los, frei\nnach seinem pp. Schöpfer-\nwillen. Neue Materialien\ntreten dazu je nach der\nLaune der übrigen Künstler.\nEndlich, wenn das Tohuwa-\nbohu nicht mehr zum Aus-\nhalten, ist, kommt der\nMerzer und versucht durch\nneue Improvisationen der\nverfahrenen Karre aus dem\nDreck zu helfen. Und so\nsoll ein Kunstwerk ent-\nstehen? — Niemals!! —\n(triumphierend zum Publi-\nkum:) Niemals! —\nSch witters: Sie haben Recht! —\nDas Publikum: (der Aufgeregte, verblüfft:)\nWieso? —\nSch witters: Weil Sie Recht behalten\nwollen. Sie kommen mit\neiner vorgefassten Meinung\nund wollen keine andere\ngelten lassen. Auf den\nWillen aber kommt es an.\nZum Erfassen einer neuen\nIdee gehört liebevolles Ein-\ngehen, um auf den Kern\nzu kommen. Sie beweisen,\ndass die Haselnuss unver-\ndaulich ist, indem Sie sie\nvor den Augen des Publi-\nkums mit der Schale ver-\nschlingen. Aber Ihr Be-\nweis gilt nur für Sie, nicht\nfür die Haselnuss, die nicht\nan sich, sondern für Sie\nunverdaulich ist.\nDas Publikum: (vereinzelte Zustimmung.\nDie behäbige Stimme:)\nSehr gut. — Keine Über-\nstürzung. — (die bebrillte\nStimme:) Ich dächte\n(die Fistelstimme:) Damen-\nhut! — (Gelächter.) (der\nAufgeregte zwingt sich zur\nRuhe, um seinen Platz nicht\nzu verlieren:) Ich lasse\nmich gern belehren, aber\nSie haben mir ja selbst recht\ngegebenl —\nSch witters: Weil jedes Kunstwerk\nletzten Endes seinen Wert\nglücklicher Improvisation\nverdankt. Es lässt sich\neben nicht rein rechnerisch\nvorher erklügeln, selbst\nwenn ein noch so genauer\nPlan vorliegt, und die\nÜberwindung ständig neuer,\nunvorhergesehener Schwie-\nrigkeiten erfolgt tatsächlich\ndurch immer neue Impro-\nvisationen, die dem Kunst-\nwerk die Frische und\nUrsprünglichkeit erhalten.\nJede künstlerische Intuition\noder Inspiration gelangt\nüber Improvisationen zur\nDarstellung in einem Kunst-\nwerk. Allerdings sind\ndie Improvisationen eines\nKünstlers anderer Art als\ndie eines Varietehumoristen,\ndenn sie dienen nicht\nAugenblickseffekten, son-\ndern dem künstlerischen\nSchöpfervvillen."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2794, "texte": "Das Publikum: (der Aufgeregte:) Dann\nkomme ich zu meiner ersten\nFrage zurück: Wie denken\nSie sich die Tätigkeit des\nSchauspielers auf Ihrer\nMerzbühne? —\nSchwitters: Die Tätigkeit des Schau-\nspielers auf der Merzbühne\nist eine durchaus andere\nals auf der bisherigen Bühne.\nBisher war seine Haupt-\naufgabe das Hersagen des\nDichtertextes, ohne den die\nHandlung einfach nicht\nweiterschreiten konnte.\nDas eigentlichste Gebiet des\nSchauspielers, die Kunst der\nDarstellung selber, war\nnebensächliche Begleiter-\nscheinung geworden, die,\nwenn der Schauspieler sie\nin den Vordergrund zu\ndrängen suchte, ihm den\nVorwurf der Mätzchen-\nmacherei eintrug. Bei der\nMerzbühne liegt der Fall\numgekehrt: Die Darstellung\nist die alleinige Hauptsache\nund der Darsteller bedient\nsich des Wortes nur, wenn es\nsich ihm aus eigenem künst-\nlerischem Impulse auf die\nLippen drängt. Seine Dar-\nstellung bedeutet also wirk-\nlich „Handlung\", nicht Ge-\nschwätz. Jeder Darsteller\nfindet auf der Merzbühne\neine aus bestimmten Fak-\ntoren zusammengesetzte\nSituation vor und muss so\nsensibel sein, dass er durch\ndas Zwingende der Situation\naus sich selbst heraus die\nnötigen Beziehungen schafft.\nDie Entscheidung desSchau-\nspielers auf der Merzbühne\nist eine aktive Tätigkeit,\nnicht Illustration eines\nDichterwortes. Eine lieben-\nde Mutter der früheren\nBühne sprach ergreifende\nDichterworte, um ihre Liebe\nzu zeigen, während das\nKind, dem sie galten, ent-\nweder nicht erscheinen\ndurfte oder als neben-\nsächliche Illustration her-\numstand, meist grässlich\nstörend, weil es die Auf-\nmerksamkeit ablenkte vom\nDichterwort. Der lieben-\nden Mutterdes Merzbühnen-\nwerkes stehen keineDichter-\nworte zur Verfügung, sie\nmuss in ganz anderem\nSinne „Darstellerin\" sein,\nindem sie diese Liebe aktiv\nund schöpferisch beweist\nmit jedem Herzschlag und\nmit jeder Gebärde. Das\nfrüher nebensächliche oder\nstörende Kind wird ihr zur\nHauptsache. Das herzliche,\nfröhliche und unbefangene\nEinvernehmen, wie es\nzwischen Mutter und Kind\nherrschen muss, auf der\nBühne zur Darstellung\nbringen zu können, ist die\nVorbedingung ihrer Kunst,\nund jedes ihrer Worte hat\ndieser künstlerischen Ab-\nsicht zu entsprechen. Mit\nsolchen Mitteln arbeiten und\nzugleich dieHandlung künst-\nlerisch vorwärts treiben, be-\ndeutet allerdings ein ganz\nanderes Künstlertum, als\ndie Starmatzengelehrigkeit\nder meisten unserer heuti-\ngen Theaterschülerinnen\nsich träumen lässt. Die\nRhetorik, bisher das wich-\ntigste Fach des Schau-\nspielers, wird zu einem\nnebensächlichen Mittel der\nDarstellungskunst, die nun-\nmehr unmittelbar auf die\nPsychegestelltwird.\nEs ist ganz klar, dass eine\nMenge von Schauspielern,\ndie nur auf Rhetorik ein-\ngestellt sind, für die Merz-\nbühne völlig ungeeignet\nsein werden, während\nandere durch die Befreiung\nvom Dichterwort heue\nschöpferische Kräfte ent-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2814, "texte": "falten können. Der Dichter\naber hat seinerseits völlig\nneue Möglichkeiten im Zu-\nsammenarbeiten mit diesen\nSchauspielkräften. Das We-\nsentliche des Merzbühneng-\nedankens ist eben, dass jeder\neinzelne Faktor innerhalb\nseines Gebietes schöpferisch\nselbständig bleibt und in\nabsoluter Gleichberechti-\ngung jeden anderen Faktor\nzu seinen Zwecken mitver-\nwerten kann. Das Kunst-\nwerk entsteht durch Ab-\nwerten der einzelnen Fak-\ntoren gegeneinander. Dazu\nist ein sorgfältiges Studium\nder einzelnen Faktoren\nuntereinander erforderlich,\ndenn keiner darf die ihm\nkünstlerisch gezogenen\nGrenzen überschreiten: der\nMaler bleibt selbstschöpfe-'\nrisch in seinem Fach und\nhat nicht mehr als besserer\nDekorateur nur die Regie-\nbemerkungen des Dichters\nauszuführen, sondern hat\ndas Bühnenbild frei aus\nseinem Empfinden heraus\nzu gestalten, dafür aber hat\ner auch die Freiheit der\nübrigen Faktoren zu re-\nspektieren, die er als vor-\nhandenes Material für seine\nBildwirkung zu verwenden\nhat. In unablässigem gegen-\nseitigem Studium erstarken\ndie schöpferischen Kräfte\nund im wechselseitigen Aus-\nprobieren entstehen neue\nMöglichkeiten, deren sich\nder Einzelne vorher nicht\nbewusst werden konnte,\nweil er die Fähigkeiten der\nSchwesterkunst nicht über-\nsehen konnte.\nDas Publikum: (der Aufgeregte:) Sie\nbrauchen also Proben? —\nDas ändert allerdings die\nSache! —\nSchwilters: Das Merzbühnenwerk\nbraucht mehr Proben als\njedes andere Bühnenwerk,\nweil es nicht am Schreib-\ntisch sondern auf der Bühne\nselbst entsteht. In jedem\nMoment kann die künstle-\nrisch stärkere Kraft irgend\neines Faktors den Grund-\nplan des Ganzen beeinflussen\nund verändern nach seinem\nWillen und Können. Ein\nSchauspieler kann über den\nDichter hinauswachsen und\naus einer von diesem viel-\nleicht beabsichtigten Bur-\nleske eine Tragödie machen,\naber nur durch die Kraft\nseiner Darstellungskunst,\nund der Dichter muss dieses\nKönnen, das sich ihm un-\ngeahnt bietet, als F'aktor\nweiter in Rechnung setzen.\nDer Dichter arbeitet nicht\nmehr auf Papier mit\ntoten Figuren, denen nur\nseine eigene Einbildungs-\nkraft Leben gibt, sondern\ner schafft aus dem wirk-\nlichen Leben selber, und\nseine Vorstellungen be-\nkommen alsbald ihr eigenes\nLeben und schaffen mit an\nseinem Werke. Darum ist\nauch für ihn die gewissen-\nhafte Auswahl geeigneter\nKräfte die unerlässliche\nVorbedingung. Er kann\nnicht mehr bloss sagen:\n„Jago\", sondern er braucht\nden Darsteller, der Jago zu\n• sein versteht, nicht mit des\nDichters Worten, sondern\naus sich selbst heraus.\nFindet er keinen passenden\nDarsteller, so kann er keinen\nOthello auf der Merzbühne\nspielen, wohl aber etwas\nanderes, das aus dem vor-\nhandenen Material künst-\nlerisch hervorwachsenkann.\nDas Publikum: (der Aufgeregte, nachdenk-\nlich geworden:) Mit gutem\nWillen könnte man ahnen,\nwas Sie möchten, aber\n(kopfschüttelnd) ein einiger-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2815, "texte": "Massen klares Bild gibt es\nnoch lange nicht.\nSchwitters: Das Merzbühnenwerk kann\nnur erlebt werden, es lässt\nsich weder schreiben noch\nbeschreiben, so wenig als\nman einem Wesen, das nie\nein Bild gesehen hat, klar\nmachen kann, was ein Bild\nist. Was ich hier gebe,\nist lediglich eine An-\nregung. Die Möglichkeilen\ndes Merzbühnenwerkes sind\nunbegrenzt. Die Möglich-\nkeiten des alten Dichtwerkes\nsind unendlich, die des Merz-\ngesamtkunstwerkes un-\nendlich hoch unendlich.\nWenn Neues wachsen soll,\nso ist nur nötig, dass der\nKeim entwicklungsfähig ist.\nEs ist Unsinn, die Eiche aus\nder Eichel schildern zu\nwollen. Man lasse sie\nwachsen. Wo ist die Ex-\nperimentierbühne?\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Ach\nbitte!—lch sehe ein anderes\nBedenken! — Nehmen wir\nruhig einmal an, Sie hätten\nein durch sorgfältige Proben\ngereiftes, in sich geschlosse-\nnes Merzbühnenwerk. Dann\nwird ihm als neuer Faktor\nbei der Aufführung das\nPublikum angeschlossen.\nSchwitters: Richtig. —\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Da\nliegt aber die Schwierig-\nkeit! — Sie haben selbst\ndas Publikum als Faktor\ndes Merzbühnenwerkes an-\nerkannt. Also wird es sich\nauch an der Handlung aktiv\noder passiv beteiligen\nSchwitters: Zwischen aktiv und passiv\nist kein Unterschied, da\nauch eine passive Haltung\nals aktiver Faktor zu be-\nrücksichtigen ist.\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:)\nMeinetwegen. Aber diese\nMitwirkung des Publikums\nwirft ja Ihr ganzes Kunst-\nwerk über den Haufen und\nes entsteht im besten Falle\ndoch nur eine Improvisation\nim Sinne eines Variete-\nhumoristen, die Sie vorhin\nverwarfen! —\nSchwitters: Die aktive wie die passive\nMitwirkung des Publikums\nmuss, damit sie als Kunst-\nfaktor beim Ganzen mitar-\nbeiten kann, bei den Proben\nbereits mit in Rechnung\ngesetzt werden.\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Wie\nsoll das möglich sein? —\nOder soll das Publikum\netwa auch die Proben mit-\nmachen? — (Grosses Ge-\nlächter.)\nSchwitlers: Sie sehen, Ihre letzte Frage\nbeantwortet das Publikum\nselber. Tatsächlich liegt\nder Wert des Publikums\nals Kunstfaktor darin, dass\nes unbefangen und ohne\nKenntnis der Vorarbeiten\nan das Kunstwerk heran-\ntritt und es auf sich einwir-\nken lässt. Je unbefangener\nund voraussetzungsloser ein\nPublikum ist, um so besser\nkann es sich dem Ein-\ndruck hingeben. Das Un-\nglück jedes Stiles in der\nKunst ist, dass das Publi-\nkum sich allmählich in ihn\nhineinsieht und dann wie\nein Gaul mit Scheuklappen\nherumläuft und vor allem,\nwas ausserhalb dieses Stiles\nliegt, zurückschreckt. Dieses\nUnglück lässt sich bei\nbleibenden Kunstwerken\ntragen, da die Möglichkeit\neiner Änderung des Urteils\nvorhanden ist, nicht aber\n« '\nbeim Merzbühnenwerk, das\nerlebt werden muss. Auf\nden Beifall des Publikums\nkommt es aber letzten\nEndes bei jedem Kunst-\nwerk an. Also muss der\nMerzer die Möglichkeit\nhaben, eine ablehnende"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 218, "texte": "Haltung des Publikums in\nRechnung zu setzen und\numzuwerten in einen ak-\ntiven Faktor seines Kunst-\nwerkes, wie der Maler\nSchatten braucht zur Hebung\nseiner Lichtwirkung.\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Aber\nwie? —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.10.1", "titre_corps": "Alexander Archipenko: „Boxe“ / 1913", "titre_sommaire": "Alexander Archipenko: „Boxe“ / 1913", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 35, "texte": "Alexander Archipenko: „Boxe“ / 1913"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.12", "titre_corps": "Archipenko, Belling und Westheim", "titre_sommaire": "Archipenko, Belling und Westheim", "signature_source": "Roland Schacht", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.14", "debut_caractere": 1436, "fin_caractere_exclue": 3082, "texte": "Archipenko, Belling und\nWestheim\n\nWer heute Probleme moderner Plastik er-\nörtert, wird, sollte man meinen, in erster\nLinie von Alexander Archipenko sprechen.\nArchipenko überragt nicht nur die mit mehr\noder weniger Erfolg bildhauernden Zeitge-\nnossen an Qualität und innerem Format,\ner ist auch der problemreichste, mannig-\nfaltigste, und die Kraft seiner Anregungen\nwird durch nichts besser erwiesen als durch\ndie grosse Menge seiner Nachahmer. Dies\nim „Sturm\" ausführlich darlegen zu wollen,\nhiesse Kohlen ins Ruhrgebiet tragen, dass\ndiese Ansicht insbesondere in Bildhauer-\nkreisen nicht allgemein geteilt wird, was\nwäre weniger verwunderlich? Wenn aber\njetzt von einflussreicher Seite der Versuch\ngemacht wird, Archipenko nur als einen\nvon vielen hinzustellen und historische Ver-\ndienste, die ihm zukommen, andern zuzu-\nsprechen, so ist es aus Gerechtigkeits- wie\naus Gründen der historischen Richtigkeit\nnötig, einer solchen Legendenbildung ener-\ngisch Einhalt zu tun und die Dinge zurecht-\nzurücken.\nEs handelt sich um Paul Westheims „Archi-\ntektonik des Plastischen\". Da erscheint\nArchipenko neben Leger als derjenige, der\nder die moderne, das technische Zeitalter\ncharakterisierende Umsetzung ehemals kör-\nperlich schaubarer Energiemengen ins ab-\nstrakt Technische (das Herr Westheim aller-\ndings mit abstrakt geistig gleichsetzt) reprä-\nsentiert. Leger „malt rhythmische Energie,\nmalt sie als Maler, als Kontraste von Raum-\nund Flächenwerten. Daher die plastische\nIntensität seiner Gestaltungen, dieses inner-\nliche Erfülltsein vom Dynamischen\" (Und\nhier muss ich sagen wie der Pastor, der, ver-\nsehentlich zwei Seiten seiner Bibel über-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4473, "texte": "schlagend, vorlas „Er nahm sein Bett und\n— flog davon\": Dunnerslag, dat steiht hier\nso!) Archipenkos Skulpto-Malerei „Zwei\nFrauen\" ist „vielleicht mehr\" (fast beinah\nnicht ganz und noch ein bischen!) „eine\nUebersetzung dieser neugefundenen Formen-\nwelt. Es wird reflektiert, (!) wie sie als\nplastischer Rhythmus (das ist so als wenn\nman sagt Westheims Kunstblatt) nutzbar ge-\nmacht werden könnte.\" „Für Archipenko ...\nwar das Erlebnis weniger das Motorische\nder Energie als die Eigenart dieser neuen\nAusdrucksformen (dadadada), ihre Präzision\nund die Eleganz ihrer Präzision\". „Was mir\nseine kleine Venus so bewundernswert und\nzu einer der prägnantesten Leistungen des\nBildhauers macht, ist, dass die Bronze\nwirklich auf die Präzision, diese metallische\nKnappheit und Bestimmtheit der Form-\nführung gebracht ist, wie sie Voraussetzung\nsind für das reibungslose Funktionieren des\nFeinmechanismus einer modernen Werk-\nzeugmaschine\". (Venus als Nähmaschine!)\nAlso erstens ist er reflektierend. Zweitens\narbeitet er wie ein guter Radfahrfabrikant.\nSchliesslich ist er auch noch (ich habe nicht\nRaum genug das alles zu zitieren) „raffiniert\nim Sinne des Bibelot\" und feminin.\nAlso kurz ein technisch präziser Kitschier.\nAls Beweisstücke dienen der Torso von 1913,\ndie Stehende Frau von 1921 und die Skulpto-\nmalerei „Zwei Frauen\" von 1920. Das ist\nalles, was in einem Buch über die Probleme\nmoderner Plastik von Archipenko gesagt\nwird,\nFolgen Lipschitz, Brancusi, die Leiten\nZalkalns, Zalit und Dzirkal. Und dann\nkommt — Rudolf Belling. Jetzt sollt ihr\nsehen, was 'ne Harke ist. „In Deutschland\nhat Belling bewusst und mit der ganzen\nEnergie einer Persönlichkeit, die von der\n• •\nÜberzeugung erfüllt ist, das aus der gegen-\nwärtigen Situation entscheidende Problem\nerkannt und in Angriff genommen zu haben,\nsich dem Architektonischen zugewandt.\nWobei er das Glück hatte, einmal auch —\nvielleicht ist es das Glück des Tüchtigen —\nin der „Scala\" die Möglichkeit zu finden,\nseine Absichten im Architekturraum ver-\nwirklichen zu können\". Zunächst wird\neine 1915 entstandene unausgeführt ge-\nbliebene Studie zu einer Verwundetengruppe\nbesprochen. Obgleich sie „in der Anlage\nschon verrät, wie Belling von der ersten\nselbständigen Regung an sich das Problem\ngestellt hat, das sein Skulpturschaffen be-\nstimmen soll,\" lässt sie erkennen, dass es\n„sich im Grunde um das gleiche Geslaltungs-\nprinzip handelt wie im „Sabiner(!)raub\" des\nGiovanni da Bologna. (Das aus der gegen-\nwärtigen Situation heraus entscheidende\nProblem scheint demnach schon einmal im\nBarock existiert zu haben). Die bildnerische\nAbsicht war, Bewegung — ein Zeitmoment —\n(ja, ein Zeitmoment! Dat steiht da so) ins\nRäumlich-Plastische zu transponieren.\"\nGleich darauf heisst es allerdings: „ist hier\ndie Intention, die plastische Masse aus sich\nheraus in den Raum hineinzutreiben,\" (ich\nkenne mich nun nicht mehr aus und zitiere\ndaher noch ein Stückchen weiter:) „wie die\nWindmühle gleichsam (!) Flügel auszu-\nstrecken (Belling!), Organe die eben dadurch,\ndass sie in die Sphäre hineinragen, Energie\nvon draussen auffangen und umsetzen in\nmotorische Kraft (Technik schwach!). Durch\nGliederung und Bewegung Raum zu erfassen,\nnicht nur zu erfassen, auch zu umfassen,\nLuft mitzumodellieren. Deutlicher als alle\nErklärungen (je te crois!) die (von West-\nheim) gegeben werden könnten, dürfte das\ndie Ansicht des „Dreiklang\" machen\". Und\nnun wird Belling selbst zitiert: „Für mich\nist Plastik zunächst Raumbegriff; nicht wie\nbisher auf zweidimensionale Bildwirkung\nmodellierte Illustration. Darum verarbeite\nich die Luft ebenso wie festes Material und\nerreiche, dass der Durchbruch, früher „tote\nForm\" genannt, denselben Formwert dar-\nstellt, wie seine Eingrenzung, das bearbeitete\nMaterial.\" Wir wollen uns bei der Ver-\nwechselung von Luft und Raum oder bei\ndem fabelhafte Unwissenheit verratenden\n„wie bisher\" nicht aufhallen. Es ist nicht\nnötig, dass ein Künstler sich in Worten klar\nausdrücke oder kunstgeschichtliche Kennt-\nnisse habe. Wir wollen nur freundlich\ndarauf hinweisen, dass dieser Dreiklang aus\ndem Jahre 1919, die „unausgeführt geblie-\nbene\" Studie aus dem Jahre 1915 stammt.\nMan wird gleich sehen wozu.\nDiese Mitmodellierung der Luft nun stellt\nWestheim als ein enormes Verdienst Bellings\nhin, als eine erstklassige Tat, mit der er\neinen bedeutenden Schritt aus der Enge der\nAtelierproblematik (siehe die „reflektierende\"\nArt Archipenkos) heraustrat und deren lo-\ngische Konsequenz das „ Skala\"experiment"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3495, "texte": "ist,„das endlich wieder einmal die Divergenz\nzwischen Architektur und Skulptur zu über-\nwinden sucht\", Habemus papam! Belling\nist derjenige, der jene Verbundenheit, die\nman (= Westheim) Architektonik nennt, zu-\nerst mit sieghafter Allgewalt erreicht hat.\nDas Können, die Verdienste Bellings stehen\nhier nicht zur Diskussion. Gottes Erde ist\ngross. Ich habe keinen Grund anzunehmen,\ndass Belling etwas für Westheims Dar-\nstellung kann. Aber wenn man den grossen\nArchipenko so en passant erwähnt mit\nWerken die zwar bedeutsam für ihn sind, ihn\njedoch gänzlich einseitig charakterisieren,\ndann aber ein Buch über die Probleme der\nmodernen Skulptur ausklingen lässt in einen\nBegeisterungsschrei auf Belling, so darf\nund muss darauf hingewiesen werden, dass\nder im Archipenko-Sturmbilderbuch abge-\nbildete Tanz bereits alle die Dinge enthält,\ndie Westheim und Belling Bellings Plastiken\nnachrühmen. Ich behaupte nicht, dass\nBelling Archipenko bewusst oder unbewusst\nnachgeahmt habe, es kommt häufig genug\nvor, dass in ein und derselben Zeit die\ngleichen Tendenzen oder Lösungen auf sehr\nverschiedenen Beeten wachsen. Aber dieser\nTanz stammt nicht wie Bellings Dreiklang\naus 1919, nicht wie die Skizze aus 1915,\nsondern aus 1912. Wie kommt es, dass\nWestheim das nicht — weiss? Er wird nicht\nwissen! Also warum sagt er es nicht?\nWarum bildet er von Archipenko kein Werk\nab, das darauf schliessen liesse, dass auch\ner sich mit solchen Problemen beschäftigt\nhat? Und wenn er es nicht selbst sah,\nkonnte er es einem Aufsatz Iwan Gölls von\n1920 in der Oktobernummer der „Action\"\nentnehmen. Mag Herr Westheim Archipenko\nfür einen raffinierten oder femininen Theo-\nretiker halten, was er Belling als Verdienst\nzuschreibt, war schon vorher bei Archipenko.\n(Sogar das Prinzip der Scala ist im „Plafond\"\nvon 1912 angedeutet). Und nicht ein Mal.\nMehrere Male. Jahre lang. Worauf sich\nBelling soviel zugute tut, dass er „erreichte,\ndass der Durchbruch, früher tote Form ge-\nnannt, denselben Form wert darstellt wie\nseine Eingrenzung, das bearbeitete Material\",\nwas Westheim als ein ganz besonderes Ver-\ndienst ausposaunt, ist schon da in Archi-\npenkos „Boxe\" der Sammlung Magnelli\nFlorenz, die 1913 datiert ist (abgebildet in\n„Soirdes de Paris vom 15. Juni 1914). Die\nsich kämmende Frau deren Kopf „ausge-\nspart\" ist und die durch Verwendung\nkonkaver Flächen das Problem noch ver-\ntieft, seine Lösung konzentriert, stammt aus\n1915 und ist nicht die einzige dieser Art\naus dieser Zeit. Dem Jahre 1916 entstammen\ndie kleinen Terrakottastatuetten, die das\nArchipenkoalbum des Verlages Kiepenheuer\nabbildet. Die gehende Frau von 1918, die\nstehende von 1920 haben das Problem in\nreichster Weise erweitert und abgewandelt.\n9 Jahre hindurch also lässt sich das Pro-\nplem bei Archipenko verfolgen. Schöne\nund vollständige Lösungen sind ihm ge-\nlungen. Das Ergebnis ist ein Hymnus auf\nBelling.\nIn einer Zeit, da der deutsche Zeitgenosse\nmehr denn je auf ausschliesslich deutsche\nInformationen angewiesen ist, durfte diese\nRichtigstellung nicht unterbleiben. Herr\nWestheim wird sagen, er habe keinen histo-\nrischen Abriss schreiben wollen und keiner-\nlei Vollständigkeit angestrebt. Aber wenn\nich Westheims Tätigkeit lediglich mit dem\nSatz charakterisieren wollte: Er erwies sein\nStilgefühl dadurch, dass er Gedichte Conrad\nFerdinand Meyers — Lehmbruck zuschrieb,\n(was doch eine leider nicht wegzuleugnende\nTatsache ist!) würde er sich nicht mit Recht\ngegen eine solche Charakterisierungsmethode\nwehren?\n\nDr. Roland Schacht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "79", "image_debut": 16, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.13", "titre_corps": "La Exposición de Emilio Pettoruti", "titre_sommaire": "La Exposición de Emilio Pettoruti", "signature_source": "Sem Roan", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.16", "debut_caractere": 3497, "fin_caractere_exclue": 4247, "texte": "La Exposición\nde Emilio Pettoruti\n\nDe un pais nuevo, el mäs fdrvido crisol de\nrazas de la Amdrica del Sur, llegö Emilio\nPettoruti. Nacido en La Plata, ciudad\nargentina, libre, como tantas de America, del\npeso muerto de la historia, en ella viviö\ncasi sus 20 primeros anos el pintor que\nahora expone sus cuadros en el Sturm.\nEntero su espiritu, no deformado por la\ntradiciön abrumadora ni por la costra aca-\ndemica que se agarra al alma de los artistas\nincipientes, saliö de su ciudad y emprendiö\nel viaje a Italia, colocada bajo el meridiano\narlistico que sirve de orientaciön a todos\nlos artistas del mundo. Y durante los 9\nanos que dura su permanencia en Italia,\nPettoruti, que no tiene que luchar con el\nfardo acaddmico, porque no recibiö ensenan-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3729, "texte": "fcas de nadie, busca orientaciön en el arte\nguiado por su raro amor al mismo y por\nsu reconocida honradez artistica.\nSi pudierais examinar toda su obra, veriais\nensayos, tanteos que denotan el celo de su\nbusca incesante, que son los jalones que\nmarcan su Camino en su estudio de la\nforma, de la luz y de la construcciön, yen\nlos cuales se podrä apreciar el peso de una\ntendencia pero nunca el influjo de un\nnombre, porque la independencia del\nespiritu de Pettoruti supo conservar siempre\nel equilibrio necesario para mantenerse\nerguido entre las impresiones que iba\nrecibiendo.\nExigencias de la vida le llevaron al arte\ndecorativo y con esto no quiero decir que\nel arte decorativo sea inferior ni superior\na lo que llamamos arte puro. En el prö-\nlogo al catälogo de la exposiciön que hizo\nPettoruti en la „Famiglia arstistica\" de\nMilan decia Carlo Carrä hablando de 61\nprecisamente: „Cuando un objeto es artistico,\nes puro por definiciön\" Si senalo ese hecho\nes para explicar la frecuencia con que los\ntemas decorativos aparecen en la obra de\nPettoruti. Generalizo un poco al hablar de\nsu obra y no me circunscribo ünicamente\na los 35 cuadros expuestos en el Sturm,\ncaracteristicos, ya, de su ultima manera.\nAI hablar de la obra de Pettoruti yo no\npuedo olvidar aquella 6poca realista de\nadmirables desnudos en que el artista quiere\nmedir su capacidad de objetivaciön, ni la\nposterior, inclinada al impresionismo, de\nla cual brota precisämente su estilo sintetico,\ncomo puede verse en su cuadro E1\nSolitario expuesto en Milan.\nNo puedo olvidar tampoco sus mosaicos\nporque ahi estä vertida hasta ahora la\nmayor parte del esfuerzo del joven artista\nque ademäs de introducir en ellos innova-\nciones t6cnicas empleando grandes masas\ny material irregulär sin preocupaciones\nacademicas y tradicionales, les dio sugestiön\ny armonia con la sencillez de las formas\ny la rareza de su extraordinario sintetismo.\nHasta cierto punto ese es el pasado del\nartista. El presente nos le ofrece ahora en\nla exposiciön del Sturm con unas decenas\nde cuadros expresionistas, cubistas y sinte-\ntistas que es el final que se iba adivinando\nen las inquietudes del pintor argentino.\nLo que en toda la obra de Pettoruti im-\npresiona es el sentido arquitectural que es\nquizä el elemento primordial de la pintura\ny que estä por cima del color mismo puesto\nque las fotografias de las verdaderas obras\nde arte, que sin embargo no reflejan el\ncolorido, son capaces de prnducir en noso-\ntros un efecto artistico.\nEsta cualidad se manifiesta mäs que en\nningün otro, a mi juicio, en el retrato de\nXul yen la mujer del sombrero verde, de\nuna composiciön admirable.\nObra sintetica de verdadera maestria es el\nretrato de la senora Pereno en que la cons-\ntrucciön y el color han vencido las dificul-\ntades de la t^cnica.\nEn algunas naturalezas muertas yen algunas\nconstrucciones abstractas se manifiestan los\nhermosos efectos de perspecliva que sabe\nlograr Pettoruti al emplear planos oblicuos\ny perpen diculares colocados, por decirlo asi,\nsobre una sola superficie, con una marcada\ndivisiön, en que cada zoha va cerrändose\nentono dcreciente dando a la masa un\nritmo especial.\nDe admirable colorido, producto de su\nconcienzudo estudio de la luz, son los\ncuadros del lago de Como y del lago de\nGarda.\nPero lo que hay especialmente en toda la\nobra de Pettoruti por abstracta que sea,\naunque se träte de simples prismas en afän\nconstructivo, es una plasticidad que presta\nvida al dinamismo de las lineas.\nEl Sturm, por donde ha pasado toda la\npintura nueva, lo mejor y lo mäs audaz\ndel arte puro, contarä entre los £xitos de\nsus salones el de Mayo de 1923 en que\nEmilio Pettoruti expuso esa serie de obras\nque le dan un puesto preeminente en el\narte futurista.\n\nSem Roan"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "80", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.14", "titre_corps": "Vertrauensleute", "titre_sommaire": "Vertrauensleute", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.17", "debut_caractere": 3731, "fin_caractere_exclue": 4017, "texte": "Vertrauensleute\nAus unserer Korrespondenz\n4 -■\nBerlin, den 13, April 1923\nAn die\nGrosse Deutsche Kunstausstellung Karlsruhe\nWir bitten um Mitteilung, ob sich die im\nSturm vereinigten deutschen Expressionisten\nan Ihrer Ausstellung beteiligen können.\nWenn, nach den Zeitungsmeldungen „ein"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2690, "texte": "geschlossenes Bild des gesamten deutschen\nKunstschaffens\" gegeben werden soll, ist\ndiese Absicht ohne die Beteiligung der\nKünstler des Sturm undurchführbar.\nWir sehen Ihren Nachrichten entgegen.\nHochachtungsvoll\nDer Sturm\nAn die Künstlergruppe „Der Sturm\", Berlin.\nSehr geehrte Herren!\nIn höflicher Beantwortung Ihrer Zuschrift\nteilen wir Ihnen mit, dass unsere Vertrauens-\nleute die Werke aus allen Lagern gesammelt\nhaben. Sollte Ihre Gruppe nach Ihrer\nMeinung dabei nicht genügend berücksichtigt\nworden sein, so fragen Sie bitte beim Spe-\nditeur sofort telefonisch an, ob es noch\nmöglich sein wird, eine gewählte Kollektion\nvon 10—15 Bildern und Plastiken unver-\npackt dort beizuladen. Im Falle die Sammel-\nladung aber schon abgerollt ist, so würde\nuns heute nur übrig bleiben, Sie um Zu-\nsendung von erlesener Graphik, Handzeich-\nnungen und kleinen Bildern zu bitten.\nMit einer schönen Empfehlung\nNamens der Ausstellungsleitung\nKarlsruhe, den 19. April 1913.\nBerlin, den 21. April 1923.\nAn die\nGrosse Deutsche Kunstausstellung Karlsruhe\nSehr geehrte Herren!\nWir bestätigen Ihnen mit bestem Dank Ihr\nSchreiben vom 19. dieses Monats, in dem\nSie uns in loyaler Weise Gelegenheit geben,\nuns an Ihrer Ausstellung noch zu beteiligen.\nLeider hat ein telephonischer Anruf bei\nIhrem Spediteur ergeben, dass die Sendung\nbereits abgegangen ist, sodass unsere Be-\nteiligung mit Bildern und Plastiken nicht\nmehr in Frage kommt. Wir halten es aber\nauch für richtiger, auf eine Beteiligung mit\nGraphik zu verzichten. Bei der Bedeutung,\ndie die Künstler des „Sturm\" für die mo-\nderne Malerei gehabt haben und noch heute\nhaben, da sogar die ganze neue Malerei in\nDeutschland vom Sturm ausgegangen ist,\nist wohl eine vollkommene Nichtbeteiligung\neiner mangelhaften immer noch vorzuziehen.\nSelbst bei einer sorgfältigen Auswahl wäre\nes kaum möglich, vom Wesen und Schaffen\nunserer Künstler auch nur eine annähernde\nVorstellung zu geben. Und da es immer-\nhin nicht wenige in Deutschland sind, denen\ndie führende Stellung des Sturm in der\nEntwicklung der neuen Malerei bekannt ist,\nso wäre es nicht ausgeschlossen, dass eine\nso ungenügende Beteiligung, wie sie in der\nAusstellung einiger graphischer Blätter liegt,\nsogar auch Ihrer Ausstellungsleitung un-\ngünstig ausgelegt werden könnte. Unsere\nKünstler sind es ja auch leider schon ge-\nwöhnt, dass die Ausstellungsleitungen in\nDeutschland sich für ihre Nachahmer, Nach-\näffer, Epigonen, Eklektiker, Nachläufer, Po-\npularisierer und Trivialisierer mehr inter-\nessieren als für die Primären, die Schöpfer\nund die Originale. Und das ist ausserdem\nin Deutschland seit tausend Jahren üblich.\nUnd in anderen Ländern ebenso.\nMit vorzüglicher Hochachtung\nDer Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "80", "page_fin": "80", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.15", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.18", "debut_caractere": 2692, "fin_caractere_exclue": 3112, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Sinn und Sinne\nHarald Landt Momberg: Gedichte\nKurt Schwitters und Franz Rolan: Aus der Welt: „Merz\"\nFranz Richard Behrens: Gedichte\ni\nRoland Schacht: Archipenko, Belling und Westheim\nSem Roan: La Exposiciön de Emilio Pettoruti\nDer Sturm: Vertrauensleute\nAlexander Archipenko: „Boxe\"\nAlexander Archipenko: Sitzende Frau\nAlexander Archipenko: Frauenfigur\nAlexander Archipenko: Gehende Frau\nMai 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[64]", "page_fin": "[64]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[64]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 836, "texte": "W. Plarzillier & Co. * Berlin W * Crunewaldstr. 1415\ncegmndet 1854 Hof - Spedlteure S. 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Pes . 0.90\n„ Brasilien: Milreis 3.—\n„ Bulgarien: Leva 42.—\n„ Chile: Pes 3.—\n„ Dane mark: Kronen 2.70\n„ s. Deutschland\n„ Finnland: Mka 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen 12.—\n„ Grossbritannien: Schilling 2.6\n„ Japan: Yen 1.20\n„ Italien; Lire 7.5\nn Jugoslawien: Dinar 16.5\n„ Niederlande: Gulden 1.5\n„ Norwegen: Kronen 3.—\n„ Portugal: Milreis 9.—\n„ Rumanien: Lei . 45.—\n„ Schweden: Kronen . 2.10\n„ Schweiz: Franken. 3.—\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc 9.—\n„ Ungarn: Kronen 1000.—\n„ U. S. 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Umschlag-\nseite I Einzelheft Grundzahl 1\nVollstandige Exemplare des 6. bis 8. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden je Grundpreis\n20 Mark / 9. bis 12. Jahrgang Grundpreis 10 Hark / l. bis 5. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte aller\nJahrglnge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und nummerierte_ Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkautlich.\nSturmbtihne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis 0.20"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c026", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "82", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.20", "debut_caractere": 1376, "fin_caractere_exclue": 2409, "texte": "Bucher aus dem Vcrlag Der Sturm mit neuen Grundzahlen\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut /Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf Bliimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 4 Mark\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nDie Grundzahlen sind mit der jeweils festgesetzten\nPostscheckkonto des Verlags Der\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturm'Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\n111 Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJeder Band 5 Mark\nV Maler des Expressionismus / 15 Farbdrucke:\nChagall I Kandinsky / Marc usw. / 12 Mark\nKokoschka-Mappe: Menschenkopfe / 15 Mark\nSchliisselzahl zu multiplizieren. Zur Zeit: 2500\nSturm: Berlin NW7 / 120668"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c027", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "82", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.20", "debut_caractere": 2411, "fin_caractere_exclue": 2654, "texte": "Der Sturm tibernimmt die Veranstaltung von\nSturm -Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und LSndern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kfinstler, die er durch eigene Aus*\nstellungen anerkennt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-05-01-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-05-01_01#c028", "volume": "bmtnabg_1923-05-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "82", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.20", "debut_caractere": 2656, "fin_caractere_exclue": 2767, "texte": "Standige Vcrkaufsstcllc fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. 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Plarzillier & Co. * Berlin W * Crunewaldstr. 1415\ncegmndet 1854 Hof - Spedlteure S. PI. des HOnigs von Spanien aesmndci 1554\niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nInn und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii:;iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!itii)iiiniii!iii\nSpedlteure des Wirtschaltlichen verbandes Blidender Kiinstler. der rreien Secession,\ndes Verbandes Deutsctier liiustratoren und llausspedlleure des ..Sturm\".\n\n(,#ISr4 4Co\ns?eujeittid)e\n112 a$e*\nSeine\n3eitf (^rtftett\nuttb 2Berfe\n®efsmacfuotle t\n33rof $urett\nOpestatitcit: Sfte^rfar&enfcrucf\nBERLIN NO 18\nWassmann-Strasse. 27\nTel. iionigstadt 8269.1176 j\n\n0\nudidrudterel Richard stein Nadii.\nBBM— ■■■111 1I 111l IHUfli'lf BilllliUflßßW—Bß\nBERLIN N54 / BRUNNENSTRASSE 188/190\nFERNSPRECH. ANSCHLUSS: NORDEft Nr. 3393\nliefert samtliche Drucksachen,\nein= und mehrfavbig, schnell, gut und billig\n\n'iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiuiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH\nI.f • 1\nGesellschan der Sturmfreunde\n§ G. d. St. =\n| Die Organisation der Freunde der neuen Kunst |\nmm\nM \" \"\"\n1 Satzung und Aufnahme durdi den Verlag Der Sturm i\n1 Berlin W 9 / Potsdamer Stra&e 134 a I\n;illllllllllllllllllllllllllllllllllllltllltltllllllllllllllllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlllllllllltlllllllll~\n\nMANOMETRE\nlllllllllllllllllltlMlllillllllllllltllllHlllllllilitlllll\nZeitschriff\n) in\nmehreren\nSpradien\n49 Cours Qambetla\nLyon\nProbenummer gratis\n\nHllllllllll!llllllllllll!llllllllllllllllllllllltillllll!lllilll!lllllllllllllllllllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIllllllllllllllll!lltllll!ll3Sil!lllllll!ll!llllllill!IIIIMII!llllllllll!lli!l!lllllllillllllllllllllllllllll=\nDas beste Gesch.enk fiir Grofi und Klein\nPAP I E\nFARBNAPIPE\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIER F A R B B I L D E R\nvon unerreichter Schonheit / Geschiitzt in alien Kulturstaaten\nB is h e r erschienen:\nPafama A\n*\nPafama B\nPafama C\nPafama Stern\n25 Farben\n22 Farben\nhochkiinstlerisches\nVorlagenwerk fiir jede Mappe\n22 Farben [ Gebrauchsanweisung\n11 Farben J fiirifsprachig\n£3es«#kli/)figiiragssi>ief F XeAsmittelf\nJjfunsfmappe 112 JfZafftastfen?\n*2L u beziehen durch\n*\nPAFAMA WALDEN 6, CO. / BERLIN W9\nPOTSDAMER STRASSE 134 a\nsfiiNiiuiuiitiiiiitmiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiuiiiiiiHiiiitiiiiiiiiHitiiiiiiiiiiiuiiiniiiuiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiitiiuitiuHiiiuitiiiiiiiiiiiiKiiitiifiiiiKi"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.3", "texte": "&SH«äigf tEbhebkl _ jj§lj| Jjajljgk *'*• «^*&«:\nn r EgnSS ■BH MraSßMi SB KjMSB 3BS Jv l^lspfiä?\nMONATSSCHRIFT/ HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nSinn und Sinne.\n\nDas Berliner Tageblatt lässt seine alten\nHerren weiter gegen Kunst schreiben. Durch\nihre Tätigkeit sind im Ausland unsinnige\nVorstellungen vom Wesen und Wirken der\nKunst in Deutschland verbreitet. Man glaubt\ndort, dass Goethe und Schiller noch immer\njedes Jahr frisch und munter ihre Dramen\nschreiben und sie Herrn Professor Reinhardt\nzur Aufführung überlassen. Man glaubt dort,\ndass Rembrandt und Tizian jedes Jahr zehn\nGross neue Bilder für die verschiedenen\nAusstellungsgelegenheiten senden. Man glaubt\ndort, dass die Herren Hauptmann, Sudermann\nund Fulda das deutsche Geistesleben dar-\nstellen. Man sollte es dort wenigstens glauben,\nwenn das Ausland sich auf das Berliner\nTageblatt verlassen würde wie die Berliner.\nDie Abonnenten haben es gut. Sie erfahren\nvon Herrn Alfred Kerr persönlich, dass er\nzum vierten Male nach Spanien reist. Ein\nJahr vorher hat er klugerweise nicht den\nBerlinern, wohl aber den Amerikanern ein-\nzureden versucht, dass er den Expressionis-\nmus erfunden hat. So sieht der Expressionis-\nmus des Herrn Kerr aus: „Ja, ich bin in\nSpanien. Zum vierten Male in diesem Sein\n. . ♦ . Nach Bern und Genf und Verney\nund Provence Narbonne. Endlich. — Und\nwenn jemand etwa, Gott behüte, kein Dichter\nist, was er jedoch zu sein hat: so könnt' er\nes hier werden.\" Ecco, der Expressionismus.\nDas ist der Theaterkritiker, des Berliner\nTageblatts. Die Abonnenten bekommen von\nihrem Kunstkritiker Herrn Fritz Stahl einen\nAphorismus: „Bei allen langen Sätzen mit\nlangen Worten besteht die Wahrscheinlich-\nkeit, dass sie Quatsch sind.\" Hierauf schreibt\nderselbe Herr Stahl: „Diese Wahrheit ist\nwie alle Wahrheiten unbeliebt, weil dann\ndie Kunst wieder so schwer wird, wie sie\nimmer war, während sie kinderleicht ist,\nwenn als Ersatz für Gabe und Können Ab-\n#»'•' * * • -\nsichten, grossartige Redensarten und be-\nqueme Rezepte zugelassen werden, wie das.\nin der letzten Zeit der Fall war.\" Hier be-\nsteht kaum noch die Wahrscheinlichkeit, dass\ndieser Satz Quatsch sein könnte. Er ist es.\nUnd das alles, weil Herr Fritz Stahl es nun-\n• - « ' ,\nmehr für richtig hält, Kokoschka im Salon\nCassirer zu entdecken. „Kokoschka ist klüger,\nals die Lober, die ihn seit zehn Jahren als\n'< ' '\nMeister austrompeten. Dazu gehört nicht\nviel.\" Viel mehr gehört dazu, ihn nach zehn\nJahren als Meister auszutrompeten. Wenn\nHerr Stahl seine Bildung über bildende Kunst\nnur aus den Witzblättern bezieht, niuss er\nnatürlich im Jahre 1923 diesen Satz schreiben:\n• •• • . . f'\n„Dies ist die erste Ausstellung seit langer\nZeit, in der man etwas sieht, was an Ent-\nwicklung denken lässt.\" Herr Stahl hätte\nallerdings auch nicht mehr gesehen, wenn\ner die entscheidenden Ausstellungen des\nSturm pflichtgemäss besucht hätte. Denn\neine Entwicklung kann man überhaupt nicht\nsehen und am wenigsten in der Kunst. Die\nEntwicklung, Herr Stahl, zeigt sich nur im.\nBörsenteil des Berliner Tageblatts. Die Ent-\n) ' - . ..\nWicklung kann höchstens bei der Art Kunst-\nkritiker festgestellt werden, .die kurzsichtig\nwie Herr Stahl sind: sie hörsn nämlich\nallmählich die Trompeten blasen, wenn sie\nauch die Musik dann sehen. Jedenfalls hätte\nHerr Fritz Stahl das Bild von Forel schon\nvor elf Jahren im Sturm sehen können, wenn\ner damals die Absicht gehabt hätte, klüger\nzu sein, als die Lober. Heute schreibt nämlich\nHerr Stahl über dieses Bild: „Solche Porträts\n. . . -• - .. » i\nunserer geistigen und künstlerischen Grössen\nsind ein wertvolleres Geschenk ap die Nach-\nwelt . . Vor elf Jahren hat Herr Stahl\ndieselben Bilder von Kokoschka seinen Lesern\nverschwiegen oder sie beschimpft. Hingegen\nbeschwert sich der dritte Mann, Herr Fritz\n...-.„!•i • _ » i « ;\nEngel vom Berliner Tageblatt darüber, dass"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.4", "texte": "f\\\\l'* 112 i ' ' *\ndas Moskauer Kammertheater nicht natürlich\nspielt. Auch er kennt die Entwicklung,\nnämlich, „dass die Entwicklung der wahrhaft\ndramatischen Kunst andere Wege suchen\nmuss\". Herr Engel hat sich unentwirrbar\nin sein persönliches Kunstknäuel verwickelt,\ntrotzdem bewundert er „eine flügelweite op-\ntische Phantasie\". Die wird Herr Stahl nun\nwieder für unnatürlich halten. Und Herr\nEngel ist wenigstens klüger als der blinde\nSeher des Tageblatts, indem er mit einem\ngewissen Grad von Bonhomie gegen sich\nselbst äussert: „Man tut nicht schlecht daran,\ndiese Dinge nur abwartend — beschreibend\nzu begleiten.\"\nMan tut besser daran, die Trompeten blasen\nzu lassen. Nach den Bühnen-Versuchen von\nWilliam Wauer und Lothar Schreyer ist das\nMoskauer Kammertheater das einzige\nTheater Europas. Wenn deutsche Geldleute\nund Berliner Kritiker nicht so blind wären,\nhätte durch diese deutschen Künstler Berlin\ndas gehabt, was Moskau jetzt vorbildlich in\nBerlin gezeigt hat. Der Name dieses Künst-\nlers aus Russland ist Tairoff. Er bildet\nmit absoluten optischen und akustischen\nMitteln das organische Schauspiel. Er\nkümmert sich weder um Literatur noch\num Psychologie, die als Erfahrungsfest-\nstellungen nichts mit Kunst zu tun haben.\nEr überlässt die beliebten seelischen Aus-\ndeutungen dem Beschauer, wie es die\nNatur in ihrem unbegreiflichen Mangel an\nInteresse für literar-psychologische Wichtig-\nkeiten gleichfalls zu tun pflegt. Planeten\ninteressieren sich nun einmal nicht für\nGesellschaftsunordnung und Weltsauwirt-\nschaft. Künstler wie Alice Koonen, Nikolai\nZeretelli und Wladimir Sokoloff sind nicht\nzum Zweck der Stimmung oder Verstimmung\nmenschlicher Lebewesen vorhanden. Es\nhat auch keinen Zweck, beschreibend zu\nbegleiten. Zweck hat es, die Trompeten\nzu blasen. Posaunen und die Tuben. Damit\ndie Lesenden zu schreiben aufhören und\ndie Schreibenden zu lesen. Damit sie auf-\nhören. Hören. Und sehen. Hier ist das\nSpiel durch die Sinne zum Sinnen. Die\nKultur ist für die Sinnlichkeit. Worunter\nsie einen Schlafzimmerschmarren von Herrn\nSchnitzler versteht. Ohne Dessous einer\nWeltfirma. Unter solcher Sinnlichkeit firmiert\nin dieser grossartigen Kultur die Welt. Eine\nKultur, gemacht von Leuten, die Dessus für\nDessous halten und denen Dessous das Le-\nben der Sinne ist. Sie schreiben, statt zu\nsehen und sie lesen, statt zu hören. Und\nvor Sehen und Hören vergeht ihnen Sehen\nund Hören. Das ist ihnen zu empßndlich\nfür ihre kultivierten Sinne. Sie sind emp-\nfindsam geworden. Die Farbe stört ihr\nAuge und der Ton ihr Ohr. Sie denken.\nSie denken sich sogar die Kunst. Sie brauchen\nsie also garnicht. Sie brauchen also auch\ndie Sinne nicht. Und trotzdem begehren\ndie Sinne auf. In jedem Lebewesen. Sie\nzwingen sich über alles Denken fort. Sie\nzwingen sich durch alles Handeln und Lassen.\nUnd nur, wenn die Sinne einer zwingt, der\nsich durch sie zwingen lässt, entsteht durch\nihn ein Kunstwerk.\nAlfred Mombert: „Wanderer, der du dies\nliesest bei der Nachtlampe, das wirst du\nnie begreifen.\" Wanderer auf der Erde:\nMüsst ihr bei der Nachtlampe lesen, müsst\nihr lesen. Seht und hört spielen. Spielt.\nUnd wenn ihr etwas lernen wollt, lernt\nspielen. Spielend leicht ist Kunst.\n\nHerwarth Walden\n\nRog\nHarald Landt Momberg\nMatoaka\nRärad gyldnes blomstringstid\nPowhalans datter\nguldbund dufter blidt resedablod\nklippeblsest mäne\nsolsort bläner ojenbrynssilke\nsalv gräner greltaenkt Inskription\nAttanoughkomouck\nGuarany\nNegerkysblodbitter svselgsug\nbeblomslrer salvbladede aurikelejne\nbly blä styrtes i solraseriets blindfavn\nmadug laesker sig tungende\nSod safl triumferende\nWagangana du syngende dad\nNyamvösi nyässa usikumuli\nmasüriga sängu don bäbu dumki\nsön säni sansaninku\ndu\nblinker ded i morgenväde tiu-liu-liu-lej!"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.5", "texte": "Fru Fru\nHras hras hras hras\nmangemulimaja mu mu\nbrummende\nsummende\nhraslende\nhvirvlende\nooooh!\nnatcafö\nLord Nelson\nLavendel besover libella\nskak tilbage\nfremad libella\nog hirnlen er blä\nfarvel du henblomstrede\ntavse\nmuromduogmigbekransede\nguldsynkende\ntinbladvingede rosa libella\nContrabando\nVammel sveskesaft Cecilie\nrad du\nbrun jeg\nskoledagene avbrister frem\nhjem\nbort\nhen\nog entrille pä en gyngestang\nCecilie Cecilie\nvort hjem er pä det granne hav\nSao Leopoldo\nPortugisisk forär radmer flammende\nparadisiske bjaelker grannes paraply\nsommerheraldisk vär\nred\ngran\nvaed dine laeber med floden\nvarmens spänske peberdräber\nsolen svammer over majsmarkerne\nmed kViksalvdryppende hud og här\n\nAus der Welt: „MERZ“\nKurt Schwitters und Franz Rolan\n\nFortsetzung\n\nSch witters: (zu der bebrillten Stimme\nsich wendend:) Sie sehen:\n(ruft:) Aus Herrenhüte\nwerden die modernsten\nDamenhüte gepresst!\nDas Publikum : (die bebrillte Stimme, schrei-\nend und lebhaft gegen das\nübrige Publikum gestiku-\nlierend:) Aber nein doch!\nLassen Sie mich doch zu\nWorte kommen! — (allge-\nmeiner Zuruf:) Damenhut!!\n— (die bebrillte Stimme:)\nDas ist doch Unsinn! —\n(die behäbige Stimme:) Ich\ndenke, Unsinn wirkt kunst-\nfördernd ! — (Gelächter. Die\nFistelstimme in höchstem\nEntzücken quietschend:)\nHähähä — ä — hä! — (der\nAufgeregte, mit Stentor-\nstimme:) Jetzt komme ich\nran! — (er arbeitet sich\nnach vorn, sichanSchwitters\nwendend:) Gestatten Sie:\nmein Name ist Meyer . . —\nSchwitters: (höflich:) Ich gestatte es. —\nDas Publikum: (Gelächter.) — (der Auf-\ngeregte:) Ich verbitte mir\nWitze! — Was Sie von der\ndramatischen Verwendung\nvon allem möglichen Ma-\nterial wie Raum, Licht, be-\nliebigen Gegenständen usw.\ngesagt haben, mag seine\nRichtigkeit haben. Ob ein\nKunstwerk dabei heraus-\nkommt, hängt vom Können\ndes Leiters— also meinet-\nwegen sagen wir schon\nMerzers — ab. Aber wie\n(mit erhobener Stimme:)\ndenken Sie sich dann die\nTätigkeit der Schauspieler\ndabei, wenn ihn kein vor-\ngeschriebener Text bindet,\nund jeder, wie Sie sagen,\nschöpferisch tun kann, was\ner will, (erregt:) Das wird\nja die reinste Judenschule,\nein tolles Durcheinander\nvon Improvisationen, aus\ndem nie und nimmer\nein Kunstwerk entstehen\nkann! —\nSch witters: Sie vergessen den Merzer,\nder für das Kunstwerk ver-\nantwortlich ist. Es ist\nmöglich, fast wahr-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.6", "texte": "Scheinlich, dass im Zu-\nsammenwirken an sich frei\nschaffender Künstler und\nMaterialien Tatsachen ge-\nschaffen werden, die die\nLogik des Kunstwerkes\nstören. In diesem Falle\nmuss der Merzer durch\nschöpferisches Eingreifen\ndie Logik des Kunstwerkes\nwiederherstellen, genau in\ndemselben Sinne, wie ein\nMaler eine an sich die\nHarmonie seines Bildes\nstörende Farbe verwenden\nkann zur Erreichung eines\nbestimmten Zweckes, in-\ndem er das Bild danach\nstimmt.\nDas Publikum: (der Aufgeregte:) Da haben\nwirs ja! Es entsteht also ein\ndauerndes Improvisieren!\nErst schaffen einige Mate-\nrialien, vom Dichter, Maler\noder Bildhauer geliefert,\neine Situation. Dann wird\nein Schauspieler oder\nmehrere zugleich hinein-\ngesetzt, und jeder impro-\nvisiert lustig darauf los, frei\nnach seinem pp. Schöpfer-\nwillen. Neue Materialien\ntreten dazu je nach der\nLaune der übrigen Künstler.\nEndlich, wenn das Tohuwa-\nbohu nicht mehr zum Aus-\nhalten, ist, kommt der\nMerzer und versucht durch\nneue Improvisationen der\nverfahrenen Karre aus dem\nDreck zu helfen. Und so\nsoll ein Kunstwerk ent-\nstehen? — Niemals!! —\n(triumphierend zum Publi-\nkum:) Niemals! —\nSch witters: Sie haben Recht! —\nDas Publikum: (der Aufgeregte, verblüfft:)\nWieso? —\nSch witters: Weil Sie Recht behalten\nwollen. Sie kommen mit\neiner vorgefassten Meinung\nund wollen keine andere\ngelten lassen. Auf den\nWillen aber kommt es an.\nZum Erfassen einer neuen\nIdee gehört liebevolles Ein-\ngehen, um auf den Kern\nzu kommen. Sie beweisen,\ndass die Haselnuss unver-\ndaulich ist, indem Sie sie\nvor den Augen des Publi-\nkums mit der Schale ver-\nschlingen. Aber Ihr Be-\nweis gilt nur für Sie, nicht\nfür die Haselnuss, die nicht\nan sich, sondern für Sie\nunverdaulich ist.\nDas Publikum: (vereinzelte Zustimmung.\nDie behäbige Stimme:)\nSehr gut. — Keine Über-\nstürzung. — (die bebrillte\nStimme:) Ich dächte\n(die Fistelstimme:) Damen-\nhut! — (Gelächter.) (der\nAufgeregte zwingt sich zur\nRuhe, um seinen Platz nicht\nzu verlieren:) Ich lasse\nmich gern belehren, aber\nSie haben mir ja selbst recht\ngegebenl —\nSch witters: Weil jedes Kunstwerk\nletzten Endes seinen Wert\nglücklicher Improvisation\nverdankt. Es lässt sich\neben nicht rein rechnerisch\nvorher erklügeln, selbst\nwenn ein noch so genauer\nPlan vorliegt, und die\nÜberwindung ständig neuer,\nunvorhergesehener Schwie-\nrigkeiten erfolgt tatsächlich\ndurch immer neue Impro-\nvisationen, die dem Kunst-\nwerk die Frische und\nUrsprünglichkeit erhalten.\nJede künstlerische Intuition\noder Inspiration gelangt\nüber Improvisationen zur\nDarstellung in einem Kunst-\nwerk. Allerdings sind\ndie Improvisationen eines\nKünstlers anderer Art als\ndie eines Varietehumoristen,\ndenn sie dienen nicht\nAugenblickseffekten, son-\ndern dem künstlerischen\nSchöpfervvillen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.7", "texte": "Alexander Archipenko: „Boxe“ / 1913"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.8", "texte": "Das Publikum: (der Aufgeregte:) Dann\nkomme ich zu meiner ersten\nFrage zurück: Wie denken\nSie sich die Tätigkeit des\nSchauspielers auf Ihrer\nMerzbühne? —\nSchwitters: Die Tätigkeit des Schau-\nspielers auf der Merzbühne\nist eine durchaus andere\nals auf der bisherigen Bühne.\nBisher war seine Haupt-\naufgabe das Hersagen des\nDichtertextes, ohne den die\nHandlung einfach nicht\nweiterschreiten konnte.\nDas eigentlichste Gebiet des\nSchauspielers, die Kunst der\nDarstellung selber, war\nnebensächliche Begleiter-\nscheinung geworden, die,\nwenn der Schauspieler sie\nin den Vordergrund zu\ndrängen suchte, ihm den\nVorwurf der Mätzchen-\nmacherei eintrug. Bei der\nMerzbühne liegt der Fall\numgekehrt: Die Darstellung\nist die alleinige Hauptsache\nund der Darsteller bedient\nsich des Wortes nur, wenn es\nsich ihm aus eigenem künst-\nlerischem Impulse auf die\nLippen drängt. Seine Dar-\nstellung bedeutet also wirk-\nlich „Handlung\", nicht Ge-\nschwätz. Jeder Darsteller\nfindet auf der Merzbühne\neine aus bestimmten Fak-\ntoren zusammengesetzte\nSituation vor und muss so\nsensibel sein, dass er durch\ndas Zwingende der Situation\naus sich selbst heraus die\nnötigen Beziehungen schafft.\nDie Entscheidung desSchau-\nspielers auf der Merzbühne\nist eine aktive Tätigkeit,\nnicht Illustration eines\nDichterwortes. Eine lieben-\nde Mutter der früheren\nBühne sprach ergreifende\nDichterworte, um ihre Liebe\nzu zeigen, während das\nKind, dem sie galten, ent-\nweder nicht erscheinen\ndurfte oder als neben-\nsächliche Illustration her-\numstand, meist grässlich\nstörend, weil es die Auf-\nmerksamkeit ablenkte vom\nDichterwort. Der lieben-\nden Mutterdes Merzbühnen-\nwerkes stehen keineDichter-\nworte zur Verfügung, sie\nmuss in ganz anderem\nSinne „Darstellerin\" sein,\nindem sie diese Liebe aktiv\nund schöpferisch beweist\nmit jedem Herzschlag und\nmit jeder Gebärde. Das\nfrüher nebensächliche oder\nstörende Kind wird ihr zur\nHauptsache. Das herzliche,\nfröhliche und unbefangene\nEinvernehmen, wie es\nzwischen Mutter und Kind\nherrschen muss, auf der\nBühne zur Darstellung\nbringen zu können, ist die\nVorbedingung ihrer Kunst,\nund jedes ihrer Worte hat\ndieser künstlerischen Ab-\nsicht zu entsprechen. Mit\nsolchen Mitteln arbeiten und\nzugleich dieHandlung künst-\nlerisch vorwärts treiben, be-\ndeutet allerdings ein ganz\nanderes Künstlertum, als\ndie Starmatzengelehrigkeit\nder meisten unserer heuti-\ngen Theaterschülerinnen\nsich träumen lässt. Die\nRhetorik, bisher das wich-\ntigste Fach des Schau-\nspielers, wird zu einem\nnebensächlichen Mittel der\nDarstellungskunst, die nun-\nmehr unmittelbar auf die\nPsychegestelltwird.\nEs ist ganz klar, dass eine\nMenge von Schauspielern,\ndie nur auf Rhetorik ein-\ngestellt sind, für die Merz-\nbühne völlig ungeeignet\nsein werden, während\nandere durch die Befreiung\nvom Dichterwort heue\nschöpferische Kräfte ent-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.9", "texte": "Alexander Archipenko: Sitzende Frau / 1915"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.10", "texte": "falten können. Der Dichter\naber hat seinerseits völlig\nneue Möglichkeiten im Zu-\nsammenarbeiten mit diesen\nSchauspielkräften. Das We-\nsentliche des Merzbühneng-\nedankens ist eben, dass jeder\neinzelne Faktor innerhalb\nseines Gebietes schöpferisch\nselbständig bleibt und in\nabsoluter Gleichberechti-\ngung jeden anderen Faktor\nzu seinen Zwecken mitver-\nwerten kann. Das Kunst-\nwerk entsteht durch Ab-\nwerten der einzelnen Fak-\ntoren gegeneinander. Dazu\nist ein sorgfältiges Studium\nder einzelnen Faktoren\nuntereinander erforderlich,\ndenn keiner darf die ihm\nkünstlerisch gezogenen\nGrenzen überschreiten: der\nMaler bleibt selbstschöpfe-'\nrisch in seinem Fach und\nhat nicht mehr als besserer\nDekorateur nur die Regie-\nbemerkungen des Dichters\nauszuführen, sondern hat\ndas Bühnenbild frei aus\nseinem Empfinden heraus\nzu gestalten, dafür aber hat\ner auch die Freiheit der\nübrigen Faktoren zu re-\nspektieren, die er als vor-\nhandenes Material für seine\nBildwirkung zu verwenden\nhat. In unablässigem gegen-\nseitigem Studium erstarken\ndie schöpferischen Kräfte\nund im wechselseitigen Aus-\nprobieren entstehen neue\nMöglichkeiten, deren sich\nder Einzelne vorher nicht\nbewusst werden konnte,\nweil er die Fähigkeiten der\nSchwesterkunst nicht über-\nsehen konnte.\nDas Publikum: (der Aufgeregte:) Sie\nbrauchen also Proben? —\nDas ändert allerdings die\nSache! —\nSchwilters: Das Merzbühnenwerk\nbraucht mehr Proben als\njedes andere Bühnenwerk,\nweil es nicht am Schreib-\ntisch sondern auf der Bühne\nselbst entsteht. In jedem\nMoment kann die künstle-\nrisch stärkere Kraft irgend\neines Faktors den Grund-\nplan des Ganzen beeinflussen\nund verändern nach seinem\nWillen und Können. Ein\nSchauspieler kann über den\nDichter hinauswachsen und\naus einer von diesem viel-\nleicht beabsichtigten Bur-\nleske eine Tragödie machen,\naber nur durch die Kraft\nseiner Darstellungskunst,\nund der Dichter muss dieses\nKönnen, das sich ihm un-\ngeahnt bietet, als F'aktor\nweiter in Rechnung setzen.\nDer Dichter arbeitet nicht\nmehr auf Papier mit\ntoten Figuren, denen nur\nseine eigene Einbildungs-\nkraft Leben gibt, sondern\ner schafft aus dem wirk-\nlichen Leben selber, und\nseine Vorstellungen be-\nkommen alsbald ihr eigenes\nLeben und schaffen mit an\nseinem Werke. Darum ist\nauch für ihn die gewissen-\nhafte Auswahl geeigneter\nKräfte die unerlässliche\nVorbedingung. Er kann\nnicht mehr bloss sagen:\n„Jago\", sondern er braucht\nden Darsteller, der Jago zu\n• sein versteht, nicht mit des\nDichters Worten, sondern\naus sich selbst heraus.\nFindet er keinen passenden\nDarsteller, so kann er keinen\nOthello auf der Merzbühne\nspielen, wohl aber etwas\nanderes, das aus dem vor-\nhandenen Material künst-\nlerisch hervorwachsenkann.\nDas Publikum: (der Aufgeregte, nachdenk-\nlich geworden:) Mit gutem\nWillen könnte man ahnen,\nwas Sie möchten, aber\n(kopfschüttelnd) ein einiger-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.11", "texte": "Alexander Archipenko: Frauenfigur"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.12", "texte": "Massen klares Bild gibt es\nnoch lange nicht.\nSchwitters: Das Merzbühnenwerk kann\nnur erlebt werden, es lässt\nsich weder schreiben noch\nbeschreiben, so wenig als\nman einem Wesen, das nie\nein Bild gesehen hat, klar\nmachen kann, was ein Bild\nist. Was ich hier gebe,\nist lediglich eine An-\nregung. Die Möglichkeilen\ndes Merzbühnenwerkes sind\nunbegrenzt. Die Möglich-\nkeiten des alten Dichtwerkes\nsind unendlich, die des Merz-\ngesamtkunstwerkes un-\nendlich hoch unendlich.\nWenn Neues wachsen soll,\nso ist nur nötig, dass der\nKeim entwicklungsfähig ist.\nEs ist Unsinn, die Eiche aus\nder Eichel schildern zu\nwollen. Man lasse sie\nwachsen. Wo ist die Ex-\nperimentierbühne?\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Ach\nbitte!—lch sehe ein anderes\nBedenken! — Nehmen wir\nruhig einmal an, Sie hätten\nein durch sorgfältige Proben\ngereiftes, in sich geschlosse-\nnes Merzbühnenwerk. Dann\nwird ihm als neuer Faktor\nbei der Aufführung das\nPublikum angeschlossen.\nSchwitters: Richtig. —\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Da\nliegt aber die Schwierig-\nkeit! — Sie haben selbst\ndas Publikum als Faktor\ndes Merzbühnenwerkes an-\nerkannt. Also wird es sich\nauch an der Handlung aktiv\noder passiv beteiligen\nSchwitters: Zwischen aktiv und passiv\nist kein Unterschied, da\nauch eine passive Haltung\nals aktiver Faktor zu be-\nrücksichtigen ist.\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:)\nMeinetwegen. Aber diese\nMitwirkung des Publikums\nwirft ja Ihr ganzes Kunst-\nwerk über den Haufen und\nes entsteht im besten Falle\ndoch nur eine Improvisation\nim Sinne eines Variete-\nhumoristen, die Sie vorhin\nverwarfen! —\nSchwitters: Die aktive wie die passive\nMitwirkung des Publikums\nmuss, damit sie als Kunst-\nfaktor beim Ganzen mitar-\nbeiten kann, bei den Proben\nbereits mit in Rechnung\ngesetzt werden.\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Wie\nsoll das möglich sein? —\nOder soll das Publikum\netwa auch die Proben mit-\nmachen? — (Grosses Ge-\nlächter.)\nSchwitlers: Sie sehen, Ihre letzte Frage\nbeantwortet das Publikum\nselber. Tatsächlich liegt\nder Wert des Publikums\nals Kunstfaktor darin, dass\nes unbefangen und ohne\nKenntnis der Vorarbeiten\nan das Kunstwerk heran-\ntritt und es auf sich einwir-\nken lässt. Je unbefangener\nund voraussetzungsloser ein\nPublikum ist, um so besser\nkann es sich dem Ein-\ndruck hingeben. Das Un-\nglück jedes Stiles in der\nKunst ist, dass das Publi-\nkum sich allmählich in ihn\nhineinsieht und dann wie\nein Gaul mit Scheuklappen\nherumläuft und vor allem,\nwas ausserhalb dieses Stiles\nliegt, zurückschreckt. Dieses\nUnglück lässt sich bei\nbleibenden Kunstwerken\ntragen, da die Möglichkeit\neiner Änderung des Urteils\nvorhanden ist, nicht aber\n« '\nbeim Merzbühnenwerk, das\nerlebt werden muss. Auf\nden Beifall des Publikums\nkommt es aber letzten\nEndes bei jedem Kunst-\nwerk an. Also muss der\nMerzer die Möglichkeit\nhaben, eine ablehnende"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.13", "texte": "Alexander Archipenko: Gehende Frau / 1918"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.14", "texte": "Haltung des Publikums in\nRechnung zu setzen und\numzuwerten in einen ak-\ntiven Faktor seines Kunst-\nwerkes, wie der Maler\nSchatten braucht zur Hebung\nseiner Lichtwirkung.\nDas Publikum: (die behäbige Stimme:) Aber\nwie? —\n\nFortsetzung folgt\n\nGedichte\nFranz Richard Behrens\nIch möchte nach Australien\nTranskontinent durch Mullabor\nBröcklig krauses schwärzlich Karmingrün\nZwölf Meilen Nordterritorium Bundesbank\nLichtweisslich lilabeizend stiller Tau\nWinkelspitze von Viktoria Neu Süd Wales\nQueensland\nSprenkelbausche ackerkrume rauhe Ranke\nArnhams heissester Zuckerdistrikt\nGrellerstarrter Krustenfrüchte Blutzerbeissen\nRaffinerie von Geraldton im Johnston Tal\nGlänzige Sonne gibt keinen Schein\nCoirnen soviel Samen Säumchenflecke\nSaubergrauer silberschauer leiser Wild wind\nIch lerne nie um\nDen Kerrs und Hardens\nRichten Richten\nAnteil Anteil\nEinrichten Anteilnahme\nAnteilnahme Einrichten\nStellen Stellen\nTeilnahme Teilnahme\nEinstellen aufmerksame Anteilnahme\nAufmerksame Anteilnahme Einstellen\nAufmerksamkeit Aufmerksamkeit\nAusrichten Ausrichten\nNutz und Frommen\nWird schon werden\nDer Jungfrauwurf\nFieberloser Fiebernächte Tausendgülden\nFieberkraut\nSchön reiben Salinde\nFieberheisse Fieberhitze Fieberröte\nHin und Herrutschen Salinde\nFieberflamme Fieberfröste Fieberblut\nNicht auf dem Ellbogen liegen\nFiebrisch die Fiedel Fiedler\nSie zerficken einem\nHängende Wachslichtlampe aus Beinglas\nRutenschlag\nFieberblässe Fieberfarbe schäuerchen\n\nArchipenko, Belling und\nWestheim\n\nWer heute Probleme moderner Plastik er-\nörtert, wird, sollte man meinen, in erster\nLinie von Alexander Archipenko sprechen.\nArchipenko überragt nicht nur die mit mehr\noder weniger Erfolg bildhauernden Zeitge-\nnossen an Qualität und innerem Format,\ner ist auch der problemreichste, mannig-\nfaltigste, und die Kraft seiner Anregungen\nwird durch nichts besser erwiesen als durch\ndie grosse Menge seiner Nachahmer. Dies\nim „Sturm\" ausführlich darlegen zu wollen,\nhiesse Kohlen ins Ruhrgebiet tragen, dass\ndiese Ansicht insbesondere in Bildhauer-\nkreisen nicht allgemein geteilt wird, was\nwäre weniger verwunderlich? Wenn aber\njetzt von einflussreicher Seite der Versuch\ngemacht wird, Archipenko nur als einen\nvon vielen hinzustellen und historische Ver-\ndienste, die ihm zukommen, andern zuzu-\nsprechen, so ist es aus Gerechtigkeits- wie\naus Gründen der historischen Richtigkeit\nnötig, einer solchen Legendenbildung ener-\ngisch Einhalt zu tun und die Dinge zurecht-\nzurücken.\nEs handelt sich um Paul Westheims „Archi-\ntektonik des Plastischen\". Da erscheint\nArchipenko neben Leger als derjenige, der\nder die moderne, das technische Zeitalter\ncharakterisierende Umsetzung ehemals kör-\nperlich schaubarer Energiemengen ins ab-\nstrakt Technische (das Herr Westheim aller-\ndings mit abstrakt geistig gleichsetzt) reprä-\nsentiert. Leger „malt rhythmische Energie,\nmalt sie als Maler, als Kontraste von Raum-\nund Flächenwerten. Daher die plastische\nIntensität seiner Gestaltungen, dieses inner-\nliche Erfülltsein vom Dynamischen\" (Und\nhier muss ich sagen wie der Pastor, der, ver-\nsehentlich zwei Seiten seiner Bibel über-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.15", "texte": "schlagend, vorlas „Er nahm sein Bett und\n— flog davon\": Dunnerslag, dat steiht hier\nso!) Archipenkos Skulpto-Malerei „Zwei\nFrauen\" ist „vielleicht mehr\" (fast beinah\nnicht ganz und noch ein bischen!) „eine\nUebersetzung dieser neugefundenen Formen-\nwelt. Es wird reflektiert, (!) wie sie als\nplastischer Rhythmus (das ist so als wenn\nman sagt Westheims Kunstblatt) nutzbar ge-\nmacht werden könnte.\" „Für Archipenko ...\nwar das Erlebnis weniger das Motorische\nder Energie als die Eigenart dieser neuen\nAusdrucksformen (dadadada), ihre Präzision\nund die Eleganz ihrer Präzision\". „Was mir\nseine kleine Venus so bewundernswert und\nzu einer der prägnantesten Leistungen des\nBildhauers macht, ist, dass die Bronze\nwirklich auf die Präzision, diese metallische\nKnappheit und Bestimmtheit der Form-\nführung gebracht ist, wie sie Voraussetzung\nsind für das reibungslose Funktionieren des\nFeinmechanismus einer modernen Werk-\nzeugmaschine\". (Venus als Nähmaschine!)\nAlso erstens ist er reflektierend. Zweitens\narbeitet er wie ein guter Radfahrfabrikant.\nSchliesslich ist er auch noch (ich habe nicht\nRaum genug das alles zu zitieren) „raffiniert\nim Sinne des Bibelot\" und feminin.\nAlso kurz ein technisch präziser Kitschier.\nAls Beweisstücke dienen der Torso von 1913,\ndie Stehende Frau von 1921 und die Skulpto-\nmalerei „Zwei Frauen\" von 1920. Das ist\nalles, was in einem Buch über die Probleme\nmoderner Plastik von Archipenko gesagt\nwird,\nFolgen Lipschitz, Brancusi, die Leiten\nZalkalns, Zalit und Dzirkal. Und dann\nkommt — Rudolf Belling. Jetzt sollt ihr\nsehen, was 'ne Harke ist. „In Deutschland\nhat Belling bewusst und mit der ganzen\nEnergie einer Persönlichkeit, die von der\n• •\nÜberzeugung erfüllt ist, das aus der gegen-\nwärtigen Situation entscheidende Problem\nerkannt und in Angriff genommen zu haben,\nsich dem Architektonischen zugewandt.\nWobei er das Glück hatte, einmal auch —\nvielleicht ist es das Glück des Tüchtigen —\nin der „Scala\" die Möglichkeit zu finden,\nseine Absichten im Architekturraum ver-\nwirklichen zu können\". Zunächst wird\neine 1915 entstandene unausgeführt ge-\nbliebene Studie zu einer Verwundetengruppe\nbesprochen. Obgleich sie „in der Anlage\nschon verrät, wie Belling von der ersten\nselbständigen Regung an sich das Problem\ngestellt hat, das sein Skulpturschaffen be-\nstimmen soll,\" lässt sie erkennen, dass es\n„sich im Grunde um das gleiche Geslaltungs-\nprinzip handelt wie im „Sabiner(!)raub\" des\nGiovanni da Bologna. (Das aus der gegen-\nwärtigen Situation heraus entscheidende\nProblem scheint demnach schon einmal im\nBarock existiert zu haben). Die bildnerische\nAbsicht war, Bewegung — ein Zeitmoment —\n(ja, ein Zeitmoment! Dat steiht da so) ins\nRäumlich-Plastische zu transponieren.\"\nGleich darauf heisst es allerdings: „ist hier\ndie Intention, die plastische Masse aus sich\nheraus in den Raum hineinzutreiben,\" (ich\nkenne mich nun nicht mehr aus und zitiere\ndaher noch ein Stückchen weiter:) „wie die\nWindmühle gleichsam (!) Flügel auszu-\nstrecken (Belling!), Organe die eben dadurch,\ndass sie in die Sphäre hineinragen, Energie\nvon draussen auffangen und umsetzen in\nmotorische Kraft (Technik schwach!). Durch\nGliederung und Bewegung Raum zu erfassen,\nnicht nur zu erfassen, auch zu umfassen,\nLuft mitzumodellieren. Deutlicher als alle\nErklärungen (je te crois!) die (von West-\nheim) gegeben werden könnten, dürfte das\ndie Ansicht des „Dreiklang\" machen\". Und\nnun wird Belling selbst zitiert: „Für mich\nist Plastik zunächst Raumbegriff; nicht wie\nbisher auf zweidimensionale Bildwirkung\nmodellierte Illustration. Darum verarbeite\nich die Luft ebenso wie festes Material und\nerreiche, dass der Durchbruch, früher „tote\nForm\" genannt, denselben Formwert dar-\nstellt, wie seine Eingrenzung, das bearbeitete\nMaterial.\" Wir wollen uns bei der Ver-\nwechselung von Luft und Raum oder bei\ndem fabelhafte Unwissenheit verratenden\n„wie bisher\" nicht aufhallen. Es ist nicht\nnötig, dass ein Künstler sich in Worten klar\nausdrücke oder kunstgeschichtliche Kennt-\nnisse habe. Wir wollen nur freundlich\ndarauf hinweisen, dass dieser Dreiklang aus\ndem Jahre 1919, die „unausgeführt geblie-\nbene\" Studie aus dem Jahre 1915 stammt.\nMan wird gleich sehen wozu.\nDiese Mitmodellierung der Luft nun stellt\nWestheim als ein enormes Verdienst Bellings\nhin, als eine erstklassige Tat, mit der er\neinen bedeutenden Schritt aus der Enge der\nAtelierproblematik (siehe die „reflektierende\"\nArt Archipenkos) heraustrat und deren lo-\ngische Konsequenz das „ Skala\"experiment"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.16", "texte": "ist,„das endlich wieder einmal die Divergenz\nzwischen Architektur und Skulptur zu über-\nwinden sucht\", Habemus papam! Belling\nist derjenige, der jene Verbundenheit, die\nman (= Westheim) Architektonik nennt, zu-\nerst mit sieghafter Allgewalt erreicht hat.\nDas Können, die Verdienste Bellings stehen\nhier nicht zur Diskussion. Gottes Erde ist\ngross. Ich habe keinen Grund anzunehmen,\ndass Belling etwas für Westheims Dar-\nstellung kann. Aber wenn man den grossen\nArchipenko so en passant erwähnt mit\nWerken die zwar bedeutsam für ihn sind, ihn\njedoch gänzlich einseitig charakterisieren,\ndann aber ein Buch über die Probleme der\nmodernen Skulptur ausklingen lässt in einen\nBegeisterungsschrei auf Belling, so darf\nund muss darauf hingewiesen werden, dass\nder im Archipenko-Sturmbilderbuch abge-\nbildete Tanz bereits alle die Dinge enthält,\ndie Westheim und Belling Bellings Plastiken\nnachrühmen. Ich behaupte nicht, dass\nBelling Archipenko bewusst oder unbewusst\nnachgeahmt habe, es kommt häufig genug\nvor, dass in ein und derselben Zeit die\ngleichen Tendenzen oder Lösungen auf sehr\nverschiedenen Beeten wachsen. Aber dieser\nTanz stammt nicht wie Bellings Dreiklang\naus 1919, nicht wie die Skizze aus 1915,\nsondern aus 1912. Wie kommt es, dass\nWestheim das nicht — weiss? Er wird nicht\nwissen! Also warum sagt er es nicht?\nWarum bildet er von Archipenko kein Werk\nab, das darauf schliessen liesse, dass auch\ner sich mit solchen Problemen beschäftigt\nhat? Und wenn er es nicht selbst sah,\nkonnte er es einem Aufsatz Iwan Gölls von\n1920 in der Oktobernummer der „Action\"\nentnehmen. Mag Herr Westheim Archipenko\nfür einen raffinierten oder femininen Theo-\nretiker halten, was er Belling als Verdienst\nzuschreibt, war schon vorher bei Archipenko.\n(Sogar das Prinzip der Scala ist im „Plafond\"\nvon 1912 angedeutet). Und nicht ein Mal.\nMehrere Male. Jahre lang. Worauf sich\nBelling soviel zugute tut, dass er „erreichte,\ndass der Durchbruch, früher tote Form ge-\nnannt, denselben Form wert darstellt wie\nseine Eingrenzung, das bearbeitete Material\",\nwas Westheim als ein ganz besonderes Ver-\ndienst ausposaunt, ist schon da in Archi-\npenkos „Boxe\" der Sammlung Magnelli\nFlorenz, die 1913 datiert ist (abgebildet in\n„Soirdes de Paris vom 15. Juni 1914). Die\nsich kämmende Frau deren Kopf „ausge-\nspart\" ist und die durch Verwendung\nkonkaver Flächen das Problem noch ver-\ntieft, seine Lösung konzentriert, stammt aus\n1915 und ist nicht die einzige dieser Art\naus dieser Zeit. Dem Jahre 1916 entstammen\ndie kleinen Terrakottastatuetten, die das\nArchipenkoalbum des Verlages Kiepenheuer\nabbildet. Die gehende Frau von 1918, die\nstehende von 1920 haben das Problem in\nreichster Weise erweitert und abgewandelt.\n9 Jahre hindurch also lässt sich das Pro-\nplem bei Archipenko verfolgen. Schöne\nund vollständige Lösungen sind ihm ge-\nlungen. Das Ergebnis ist ein Hymnus auf\nBelling.\nIn einer Zeit, da der deutsche Zeitgenosse\nmehr denn je auf ausschliesslich deutsche\nInformationen angewiesen ist, durfte diese\nRichtigstellung nicht unterbleiben. Herr\nWestheim wird sagen, er habe keinen histo-\nrischen Abriss schreiben wollen und keiner-\nlei Vollständigkeit angestrebt. Aber wenn\nich Westheims Tätigkeit lediglich mit dem\nSatz charakterisieren wollte: Er erwies sein\nStilgefühl dadurch, dass er Gedichte Conrad\nFerdinand Meyers — Lehmbruck zuschrieb,\n(was doch eine leider nicht wegzuleugnende\nTatsache ist!) würde er sich nicht mit Recht\ngegen eine solche Charakterisierungsmethode\nwehren?\n\nDr. Roland Schacht\n\nLa Exposición\nde Emilio Pettoruti\n\nDe un pais nuevo, el mäs fdrvido crisol de\nrazas de la Amdrica del Sur, llegö Emilio\nPettoruti. Nacido en La Plata, ciudad\nargentina, libre, como tantas de America, del\npeso muerto de la historia, en ella viviö\ncasi sus 20 primeros anos el pintor que\nahora expone sus cuadros en el Sturm.\nEntero su espiritu, no deformado por la\ntradiciön abrumadora ni por la costra aca-\ndemica que se agarra al alma de los artistas\nincipientes, saliö de su ciudad y emprendiö\nel viaje a Italia, colocada bajo el meridiano\narlistico que sirve de orientaciön a todos\nlos artistas del mundo. Y durante los 9\nanos que dura su permanencia en Italia,\nPettoruti, que no tiene que luchar con el\nfardo acaddmico, porque no recibiö ensenan-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.17", "texte": "fcas de nadie, busca orientaciön en el arte\nguiado por su raro amor al mismo y por\nsu reconocida honradez artistica.\nSi pudierais examinar toda su obra, veriais\nensayos, tanteos que denotan el celo de su\nbusca incesante, que son los jalones que\nmarcan su Camino en su estudio de la\nforma, de la luz y de la construcciön, yen\nlos cuales se podrä apreciar el peso de una\ntendencia pero nunca el influjo de un\nnombre, porque la independencia del\nespiritu de Pettoruti supo conservar siempre\nel equilibrio necesario para mantenerse\nerguido entre las impresiones que iba\nrecibiendo.\nExigencias de la vida le llevaron al arte\ndecorativo y con esto no quiero decir que\nel arte decorativo sea inferior ni superior\na lo que llamamos arte puro. En el prö-\nlogo al catälogo de la exposiciön que hizo\nPettoruti en la „Famiglia arstistica\" de\nMilan decia Carlo Carrä hablando de 61\nprecisamente: „Cuando un objeto es artistico,\nes puro por definiciön\" Si senalo ese hecho\nes para explicar la frecuencia con que los\ntemas decorativos aparecen en la obra de\nPettoruti. Generalizo un poco al hablar de\nsu obra y no me circunscribo ünicamente\na los 35 cuadros expuestos en el Sturm,\ncaracteristicos, ya, de su ultima manera.\nAI hablar de la obra de Pettoruti yo no\npuedo olvidar aquella 6poca realista de\nadmirables desnudos en que el artista quiere\nmedir su capacidad de objetivaciön, ni la\nposterior, inclinada al impresionismo, de\nla cual brota precisämente su estilo sintetico,\ncomo puede verse en su cuadro E1\nSolitario expuesto en Milan.\nNo puedo olvidar tampoco sus mosaicos\nporque ahi estä vertida hasta ahora la\nmayor parte del esfuerzo del joven artista\nque ademäs de introducir en ellos innova-\nciones t6cnicas empleando grandes masas\ny material irregulär sin preocupaciones\nacademicas y tradicionales, les dio sugestiön\ny armonia con la sencillez de las formas\ny la rareza de su extraordinario sintetismo.\nHasta cierto punto ese es el pasado del\nartista. El presente nos le ofrece ahora en\nla exposiciön del Sturm con unas decenas\nde cuadros expresionistas, cubistas y sinte-\ntistas que es el final que se iba adivinando\nen las inquietudes del pintor argentino.\nLo que en toda la obra de Pettoruti im-\npresiona es el sentido arquitectural que es\nquizä el elemento primordial de la pintura\ny que estä por cima del color mismo puesto\nque las fotografias de las verdaderas obras\nde arte, que sin embargo no reflejan el\ncolorido, son capaces de prnducir en noso-\ntros un efecto artistico.\nEsta cualidad se manifiesta mäs que en\nningün otro, a mi juicio, en el retrato de\nXul yen la mujer del sombrero verde, de\nuna composiciön admirable.\nObra sintetica de verdadera maestria es el\nretrato de la senora Pereno en que la cons-\ntrucciön y el color han vencido las dificul-\ntades de la t^cnica.\nEn algunas naturalezas muertas yen algunas\nconstrucciones abstractas se manifiestan los\nhermosos efectos de perspecliva que sabe\nlograr Pettoruti al emplear planos oblicuos\ny perpen diculares colocados, por decirlo asi,\nsobre una sola superficie, con una marcada\ndivisiön, en que cada zoha va cerrändose\nentono dcreciente dando a la masa un\nritmo especial.\nDe admirable colorido, producto de su\nconcienzudo estudio de la luz, son los\ncuadros del lago de Como y del lago de\nGarda.\nPero lo que hay especialmente en toda la\nobra de Pettoruti por abstracta que sea,\naunque se träte de simples prismas en afän\nconstructivo, es una plasticidad que presta\nvida al dinamismo de las lineas.\nEl Sturm, por donde ha pasado toda la\npintura nueva, lo mejor y lo mäs audaz\ndel arte puro, contarä entre los £xitos de\nsus salones el de Mayo de 1923 en que\nEmilio Pettoruti expuso esa serie de obras\nque le dan un puesto preeminente en el\narte futurista.\n\nSem Roan\n\nVertrauensleute\nAus unserer Korrespondenz\n4 -■\nBerlin, den 13, April 1923\nAn die\nGrosse Deutsche Kunstausstellung Karlsruhe\nWir bitten um Mitteilung, ob sich die im\nSturm vereinigten deutschen Expressionisten\nan Ihrer Ausstellung beteiligen können.\nWenn, nach den Zeitungsmeldungen „ein"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.18", "texte": "geschlossenes Bild des gesamten deutschen\nKunstschaffens\" gegeben werden soll, ist\ndiese Absicht ohne die Beteiligung der\nKünstler des Sturm undurchführbar.\nWir sehen Ihren Nachrichten entgegen.\nHochachtungsvoll\nDer Sturm\nAn die Künstlergruppe „Der Sturm\", Berlin.\nSehr geehrte Herren!\nIn höflicher Beantwortung Ihrer Zuschrift\nteilen wir Ihnen mit, dass unsere Vertrauens-\nleute die Werke aus allen Lagern gesammelt\nhaben. Sollte Ihre Gruppe nach Ihrer\nMeinung dabei nicht genügend berücksichtigt\nworden sein, so fragen Sie bitte beim Spe-\nditeur sofort telefonisch an, ob es noch\nmöglich sein wird, eine gewählte Kollektion\nvon 10—15 Bildern und Plastiken unver-\npackt dort beizuladen. Im Falle die Sammel-\nladung aber schon abgerollt ist, so würde\nuns heute nur übrig bleiben, Sie um Zu-\nsendung von erlesener Graphik, Handzeich-\nnungen und kleinen Bildern zu bitten.\nMit einer schönen Empfehlung\nNamens der Ausstellungsleitung\nKarlsruhe, den 19. April 1913.\nBerlin, den 21. April 1923.\nAn die\nGrosse Deutsche Kunstausstellung Karlsruhe\nSehr geehrte Herren!\nWir bestätigen Ihnen mit bestem Dank Ihr\nSchreiben vom 19. dieses Monats, in dem\nSie uns in loyaler Weise Gelegenheit geben,\nuns an Ihrer Ausstellung noch zu beteiligen.\nLeider hat ein telephonischer Anruf bei\nIhrem Spediteur ergeben, dass die Sendung\nbereits abgegangen ist, sodass unsere Be-\nteiligung mit Bildern und Plastiken nicht\nmehr in Frage kommt. Wir halten es aber\nauch für richtiger, auf eine Beteiligung mit\nGraphik zu verzichten. Bei der Bedeutung,\ndie die Künstler des „Sturm\" für die mo-\nderne Malerei gehabt haben und noch heute\nhaben, da sogar die ganze neue Malerei in\nDeutschland vom Sturm ausgegangen ist,\nist wohl eine vollkommene Nichtbeteiligung\neiner mangelhaften immer noch vorzuziehen.\nSelbst bei einer sorgfältigen Auswahl wäre\nes kaum möglich, vom Wesen und Schaffen\nunserer Künstler auch nur eine annähernde\nVorstellung zu geben. Und da es immer-\nhin nicht wenige in Deutschland sind, denen\ndie führende Stellung des Sturm in der\nEntwicklung der neuen Malerei bekannt ist,\nso wäre es nicht ausgeschlossen, dass eine\nso ungenügende Beteiligung, wie sie in der\nAusstellung einiger graphischer Blätter liegt,\nsogar auch Ihrer Ausstellungsleitung un-\ngünstig ausgelegt werden könnte. Unsere\nKünstler sind es ja auch leider schon ge-\nwöhnt, dass die Ausstellungsleitungen in\nDeutschland sich für ihre Nachahmer, Nach-\näffer, Epigonen, Eklektiker, Nachläufer, Po-\npularisierer und Trivialisierer mehr inter-\nessieren als für die Primären, die Schöpfer\nund die Originale. Und das ist ausserdem\nin Deutschland seit tausend Jahren üblich.\nUnd in anderen Ländern ebenso.\nMit vorzüglicher Hochachtung\nDer Sturm\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Sinn und Sinne\nHarald Landt Momberg: Gedichte\nKurt Schwitters und Franz Rolan: Aus der Welt: „Merz\"\nFranz Richard Behrens: Gedichte\ni\nRoland Schacht: Archipenko, Belling und Westheim\nSem Roan: La Exposiciön de Emilio Pettoruti\nDer Sturm: Vertrauensleute\nAlexander Archipenko: „Boxe\"\nAlexander Archipenko: Sitzende Frau\nAlexander Archipenko: Frauenfigur\nAlexander Archipenko: Gehende Frau\nMai 1923"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.19", "texte": "Neuerscheinungen des Verlags Der Sturm\nAlbert Gleizes: Vom Kubismus ' Die Mittel zu seinem Verstandnis\nMit 17 Abbildungen nach Werken von Braque ' Gleizes * Juan Gris * Leger ' Marcoussis \"\nMetzinger * Picasso ' Severini * Archipenko u. a. * Grundpreis 4 Mark\n\nNeue Farbdrucke des Verlags Der Sturm\nMarc Chagall:\nIch und das Dorf * Gemalde * Grundpreis 1,50 Mark\nJohannes Itten:\nBildnis eines Kindes ' Gemalde - Grundpreis 1,50 Mark\nPeri:\nStrasse * Gemalde ' Grundpreis 1 Mark\nMichael Larionoff und Natalie Gontscharowa:\nThcaterdckorationcn und Kostumskizzen ' Grundpreis je 1 Mark\nGeorg Muche:\nUnd das Licht schied \" Grundpreis 1 Mark\nDurch alle Buchhandlungen oder vom Verlag Dcr Sturm / Berlin W9 / zu beziehen\n\nIB\nIm Veriag Der Sturm erschien:\nRud Broby\nBlod / Digte\nIn danischer Sprache\n*\nGrundzahl: 8.— = Dfinische Kronen 5.—\nSoeben erschienen\n\nAuslandspreise fur die Zeitschrift\n„Der Sturm\"\nDas Abonnement fur cin Vicrteljahr betragt:\nfur Argentinien: Pap. Pes . 0.90\n„ Brasilien: Milreis 3.—\n„ Bulgarien: Leva 42.—\n„ Chile: Pes 3.—\n„ Dane mark: Kronen 2.70\n„ s. Deutschland\n„ Finnland: Mka 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen 12.—\n„ Grossbritannien: Schilling 2.6\n„ Japan: Yen 1.20\n„ Italien; Lire 7.5\nn Jugoslawien: Dinar 16.5\n„ Niederlande: Gulden 1.5\n„ Norwegen: Kronen 3.—\n„ Portugal: Milreis 9.—\n„ Rumanien: Lei . 45.—\n„ Schweden: Kronen . 2.10\n„ Schweiz: Franken. 3.—\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc 9.—\n„ Ungarn: Kronen 1000.—\n„ U. S. A.: Dollar 0.60"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230501-01.1.20", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer / Verlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9\nDruck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicehr Wechsel\nHundertneunzehnte Ausstellung\nMai 1923\nEmilio Pettoruti / Buenos-Aires\nRobert Storm/Petersen / Kopenhagen\nSturnvGesamtschau\nHundertzwanzigste Ausstellung\nJuni 1923\nAurcl Bcmath\nM. Szczuka / T. Zarnower / Warschau\nLothar Schrcycr\nSturm^Gcsamtschau\n\nMONATSSCHRIFT DER STURM / vie,«hn..r\nErscheint am funften jedes Monats\nMit mehrfarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets vom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbczug fiir Deutschland und Deutsch-Oesterreich: Ein Vierteljahr Grundzahl 2 / Ausland: s. 3. Umschlag-\nseite I Einzelheft Grundzahl 1\nVollstandige Exemplare des 6. bis 8. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden je Grundpreis\n20 Mark / 9. bis 12. Jahrgang Grundpreis 10 Hark / l. bis 5. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte aller\nJahrglnge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und nummerierte_ Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkautlich.\nSturmbtihne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis 0.20\n\nBucher aus dem Vcrlag Der Sturm mit neuen Grundzahlen\nAugust Stramm\nDu I Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut /Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf Bliimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 4 Mark\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nDie Grundzahlen sind mit der jeweils festgesetzten\nPostscheckkonto des Verlags Der\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturm'Bilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\n111 Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJeder Band 5 Mark\nV Maler des Expressionismus / 15 Farbdrucke:\nChagall I Kandinsky / Marc usw. / 12 Mark\nKokoschka-Mappe: Menschenkopfe / 15 Mark\nSchliisselzahl zu multiplizieren. Zur Zeit: 2500\nSturm: Berlin NW7 / 120668\n\nDer Sturm tibernimmt die Veranstaltung von\nSturm -Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien StSdten und LSndern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kfinstler, die er durch eigene Aus*\nstellungen anerkennt.\n\nStandige Vcrkaufsstcllc fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nV er£nderung sSmtlicher Preise jcderzeit vorbehalten\n\nNeu crschienen:\nLudwig Kassak:\nMa'Buch / Gedichte\nAus dem Ungarischen iibertragen von Andreas Gaspar\nGrundpreis: 3 Mark\nKurt Schwitters:\nDie Blume Anna / Eine Gedichtsammlung aus den\nJahren 1918-1922\nGrundzahl: 2 Mark"}]}