{"numero_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_sha256": "0e774bf4a165988c4cda6ca6c907211ac40bf6781c6907be3083291d45d8b498", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1923/07/01_01/bmtnabg_1923-07-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1923/07/01_01/bmtnabg_1923-07-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Hans Haffenrichter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.1", "debut_caractere": 161, "fin_caractere_exclue": 217, "texte": "Hans Haffenrichter: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "98", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.2", "titre_corps": "Befreiung", "titre_sommaire": "Befreiung", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.3", "debut_caractere": 32, "fin_caractere_exclue": 3541, "texte": "Befreiung\n\nDie Welt ist aus den Fugen. Der Schrank\nklafft und an ihrem Inhalt kann sich die\nfreie Wirtschaft uneingeschränkt bereichern.\nSelbst die Fugen werden zum Kurs frei-\nbleibend verkauft und gehandelt. Die freie\nWirtschaft schafft keine Werte, sie schafft\nsie fort. Irgenddorthin, wo das Gold im\nStahlkasten klingt, wobei Klingen nur das\nSymbol der geistigen Menschheit bedeutet.\nDie geistige Menschheit hat es gut. Denn\nsie ist wertbeständig. Sie hat fixe Ideale\nund fixe Ideen. Sie tauscht Ideale gegen\nIdeen und Ideen gegen Ideale, dass die\nFixer ihr Vergnügen hätten, wenn diese\nWertobjekte an der Börse zugelassen wären.\nDas unbeliebte geistige Deutschland begibt\nsich indessen auf Reisen. Der Chefredakteur\nder Vossischen Zeitung bestätigt dem König\nvon Schweden, dass er herzliches Taktgefühl\nhabe. Der Theaterkritiker des Berliner\nTageblatts bestätigt Spanien den Glanz seiner\nSonne. Der Dichter Eulenberg trägt den\nAmerikanern seine Nach-Dichtungen vor.\nProfessor Einstein klärt den Mikado über\ndie Relativität aller Dinge auf, einschliesslich\nder Fixsterne. Der Oberbürgermeister von\nCassel Dänemark über die Ursachen der\ndeutschen Revolution, Doktor med. Arthur\nSchnitzler Schweden über die Erotik und\nKaiser Wilhelm der Zweite Holland über\ndie schlechte deutsche Theaterkunst. Kurz:\ndie geistige Menschheit macht sich. Sie ist\nauch in dem beliebteren übrigen Europa\nnicht besser. Das liegt an der Ueberschätzung\ndes Geistes. Geist ist eine kluge Ausrede\nfür faule Leute. Deswegen gibt es besonders\nviele Menschen, die ohne Hingabe des Körpers\nden Geist bedienen. Dafür aber mit ganzer\nSeele. Sie reden sich und anderen ein, dass\nder Geist die Welt beherrscht, trotzdem sie\nzur Zeit aus den Fugen gegangen ist. Dafür\nkann aber nur die menschliche Unvoll-\nkommenheit, die nur im Geiste vollkommen\nist. Resultat: Wertbeständigkeit des Handelns.\nEs wird nur gehandelt. Nicht nur deine\nSache, deine Sachen werden gehandelt.\nSchon die Römer verstanden dieses Geschäft:\nTua res agitur. Nur klingt es auf lateinisch\ngeistiger, weil man Handeln mit Tun\ngetauscht und getäuscht hat. Getan wird\nnichts. Hingegen gehandelt und allenfalls\nverhandelt. Soweit dieses Geschäft in Massen\nbetrieben wird, nennt man es wohlwollend\nPolitik. Hier wird nicht die Masse verkauft,\nhier werden die Massen verschleudert. Man\nhat die Ware mit dem Begriff Nation\netikettiert. Man hat der Ware auch ein\nLand gegeben, wo sie aufgestapelt wird.\nDieses Land heisst in der UeberSetzung\naller Sprachen gleich. Es heisst Vaterland.\nDie beliebten Väter gehen auf Reisen und\nverkaufen die Länder, dass die Welt aus\nden Fugen kracht. Die Mütter jammern\nüber die Erde und die Kinder mit ihnen, bis\ndie SöhneVäter werden und gleichfalls Länder\nund Schwestern verkaufen können. Damit\ndie Massen ihren Verkauf bestens oder auf\nTermin nur geistig empfinden, hat man\nihnen einen Obervater erfunden, der sie alle\nverprügeln darf. In älteren Zeiten nannte\nman ihn König, in neueren Präsident. Und\ndamit die liebe Seele auch ihre Ruhe hat,\nwurde noch der Gottvater erfunden, der\ndie Massen nach dem belanglosen körper-\nlichen Tode weiterhin bestrafen darf. Dem\nVolke, den Völkern wurde also von den\nHändlern Religion und Nationalgefühl be-\nliehen, und zwar gänzlich zinslos. Die\nGeistigen, die sowieso nichts zu tun haben,\nstürzten sich mit Begeisterung auf diese\nkostenlosen Leihgaben. Sie entwickelten\nsie so konkret, dass sie zunächst ihnen selbst\ndie Hälse brachen. Da lagen sie nun ohne\nKopf, aber der Geist lebet ewiglich. Religion"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2088, "texte": "und Nationalgefühl sind eine Speditionsidee.\nDie Massen bewegen sich fast kostenlos,\nund das ist ein Gewinn, dorthin, wo sie\nverbraucht werden sollen. Sie werden\nverbrannt, weil die freie Wirtschaft die\nVorräte räumen muss. Des lieben Handels\nwegen. Das Feuer wird gelöscht. Die freie\nWirtschaft muss wieder Werte schaffen.\nNach vorherigem grossen Ausverkauf der\nBrandstätten. Für die Spedition der Trümmer\nwird sogar bezahlt. Gut bezahlt. Denn\nTrümmer sind Rohstoffe, aus denen Werte\ngeschaffen werden. Schliesslich war alles\nnicht böse gemeint. Der Geist wird lebendig.\nDer Geist erhält Nahrung. Geschichten\nwerden erzählt und erfunden und aus ihnen\nwird Geschichte gemacht. Geschichte ein\nLokalbericht. Ein entsetzlicher Anblick bot\nsich dar. Durch das Heldentum eines Vaters\nwurde ein Sohn gerettet, auf dass er Vater\nwerde und Länder und Massen verkaufen\nkönne. Dichter bringen die ganze Geschichte\nwieder in gereimte Fugen, Künstler malen\ndank ihrer Einbildungskraft Feuer nebst\nHelden, als ob es noch brennt, und Steine\nwerden über die Verbrannten zusammenge-\nhauen, als ob sie noch leben. Jetzt tritt die\nReligion in ihre ewigen Rechte. Die Massen\nwerden versöhnt. Von ihrer Existenz haben\nsie zwar nie etwas gemerkt, sie ist ihnen\nstets nur von ihren Herrschern und Händlern\neingebläut und von den Dichtern und\nKünstlern angeblaut worden. Die Welt\nkommt wieder in die Fugen. Von der Stirne\nheiss rinnen muss der Schweiss der Gesellen,\nsoll der Händler den Meister loben. Gegen-\nleistung: der Segen kommt von oben. Das\nist nicht etwa die Einbildungskraft aller\nNationaldichter, das ist die Welt in den\nFugen. Der Takt des Norden wird beklatscht,\ndie Sonne des Südens genehmigt, die Rela-\ntivität im Osten bejubelt und im Westen\nwird verhandelt.\nVölker Europas. Die Welt ist nicht aus\nden Fugen, nicht einmal die Erde. Die\nVerwaltung der Erde ist es. Lasst eure\nGüter nicht verwalten, weder die heiligsten\nnoch die unheiligen. Verwaltet selbst, was\neuch Wert bedeutet. Lasst nicht mit\neuch handeln. Tut etwas. Dass ihr\ndas Leben leben könnt. Das Leben dieser\nErde.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "99", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.3", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Ingeborg Lacour-Torrup", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.4", "debut_caractere": 2090, "fin_caractere_exclue": 3194, "texte": "Gedichte\nIngeborg Lacour-Torrup\n\nKlage\nKind ich Dir\nDeine Hand soll auf meiner Stirn ruhen\nMeine Augen suchten Dich auf der Erde\nNun öffneten sich Dir meine Augen\nMein Herz suchte Dich in der Welt\nNun öffnete sich Dir mein Herz\nDu sollst meine Augen küssen\nUnd Du sollst mein Herz trösten\nDir offen liegen meine Augen\nUnd Dir offen liegt mein Herz\nSchwer ruht Deine Hand auf mir\nDeine Hand will meine Augen schliessen\nUnd Deine Hand will mein Herz stumm\nmachen\n\nTanz\nRast die schwinge Sonne schalle Räder\nSonne Singen\nSonne Tönen Schwingen\nSterne\nSterne greifen Kinde\nLachen hüpfen\nSpringen hüpfe blanke Sterne\nSpritzen\nFunken schnellen trennen suchen suchen\nEinen einen\nReigen schreiten wiegen\nWiegen wiegen schneller\nLaufen laufen\nSchwingschwang\nSterne\nSterne jagen Sterne\nSprung\nUnd Fassen\nSonne Singen\nReigen\nDreht die glänze Scheibe Mond der Fahrt\n\nLeiden\nEine grosse wilde Sonne klirrt der Tag\nZucken klinge Hiebe surre Schneide\nMorden morden\nMenschen morden Menschen\nHerzen kalten stechen Augen blinze Stiche\nViele Tränen trinkt die kalte Erde\nLieber Lieber\nSchütze\nBreite deine warmen Hände\nSegne"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 743, "texte": "Nacht — die süssen Sterne fromm und Friede\nLieber\nLieber\nTod\nVerlitten\n\nAhnen\nDunkel gleitet schmeiche Schatten\nHeben sanfte Hände wandeln\nSchatten reihen Schatten stumme Bilde\nUnd Winde Winde\nSchattenwinde küssen müde Wange\nGleiten Tränen in den Wind\nSchweige Schatten reihen ohne Ende\nWandeln schwebe Reigen\nNahen\nNahen fernen nahen wandeln\nSenken halten\nWandeln nahen halten\nBlicken wandeln blicken\nNeigen nah und neigen\nTief öffnet sich ein dunkler Schoss\nWölbt sich und weitet sanft\nTraumsüss und leer\nMir\nMir\n\nAngst\nLäuft mein Hirn so viele leere Kreise\nErdum\nLäuft mein Herz so viele leere Wege\nErdum\nLaufen viele leere Kreise um mein Hirn\nLaufen viele leere Wege um mein Herz\nKreise\nIrre\nLeer\nUnd Wege\nViele viele leere Wege\nErdum\nIrre"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.4", "titre_corps": "Für die Jugend", "titre_sommaire": "Für die Jugend", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.5", "debut_caractere": 745, "fin_caractere_exclue": 3196, "texte": "Für die Jugend\n\nEs gibt keine alte und junge Kunst. Die\nKunst ist zeitlos. Das Leben erlöst von der\nZeit. Die Kunst ist Leben. Die Schöpfer-\nkraft kennt kein Werden und Vergehen.\nSie ist immer da. Sie ist da im Wandel\nder Form. Die Menschen werden geboren\nund sterben. Die Formen werden geschaffen\nund vernichtet Die Schöpferkraft strömt\nunwandelbar aus dem Reich jenseits von\nGeburt und Tod. In diesem dritten Reich\nleben wir, so wir schöpferisch sind.\nDie jungen Menschen sind Träger dieses\nReiches und die alten Menschen sollen seine\nHüter sein. Was der Mensch in sich trägt,\ndas kann er behüten, so er erkannt hat,\nwas ihm anvertraut ist. Alle Menschen\nsind trächtig der Schöpferkraft, und wir\ngebären, solange wir diese Schöpferkraft\nbehüten.\nWir haben diese Kraft als Kinder gefühlt\nund als Jünglinge gewusst. Nun wir Jünglinge\nsind, müssen wir handeln, wie wir wissen\nund fühlen. Das Gewissen ist die Einheit\nvon Wissen und Fühlen. Das Wissen, das\nwir fühlen, und das Fühlen, das wir wissen,\nist der Grund, aus dem wir handeln müssen,\nwenn wir auf uns stehen wollen, wenn wir\nverständig sein wollen, wenn wir \"mens\"\nhaben, wenn wir Mensch sind.\nDer Mensch, der im Gewissen haftet, der\ngewissenhafte Mensch, wird immer neu ge-\nboren und gebärt immer neu. Ihn nennen\nwir wahrhaft jung. Nur er lebt. Der Mensch,\nder sich vom Gewissen löst, ist tot; denn\ner weiss nicht mehr, was er fühlt. Darum\nwird er hart und geht in die Irre und ver-\nnichtet.\nDie Künstler sind berufen, ohne Unterlass\ndie Schöpferkraft zu künden, dass alle den\nRuf hören, dass wir alle aus der Irre ihres\nNichts rufen, bis niemand mehr vernichten\nkann, weil jeder lebt.\nDie Kunst verkündet die Ordnung des Le-\nbens. Wir nennen diese Ordnung im Wissen\nGesetz und im Fühlen Liebe. Dass die\nLiebe das Gesetz der Menschen werde, ist\nZiel unserer Tat.\nSolange wir gegen das Gesetz fehlen, fallen\nwir. Solange wir unseren Fall fühlen,\nkönnen wir aufstehen. Je weniger wir in\ndie Gesetzlosigkeit fallen, umso näher sind\nwir der Auferstehung des Menschen. Der\nMensch soll auf sich stehen. Der in sich\naufrechte Mensch ist der aufrichtige Mensch.\nIn der Wahrhaftigkeit des äusseren Lebens\nleuchtet die Wahrheit des inneren Lebens.\nDie Wahrheit erkennt in sich, wer den Irr-\ntum an sich erfährt. Aber der Irrtum be-\ngreift die Wahrheit nie. Darum begreifen\nwir die schöpferische Kraft nur, soweit wir\ndas Unschöpferische, den Irrtum verlassen:\nWir irren immer, wo wir nicht bereit sind,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3093, "texte": "uns zu opfern. Je mehr wir uns erkennen,\ndesto mehr müssen wir opfern. Je auf-\nrechter wir uns erkennen, desto richtiger\nerkennen wir die anderen, desto mehr er-\nkennen wir das Rechte im andern und\nnehmen sein Unrecht als einen Irrtum aut uns.\nDer Künstler, der das Gesetz des Lebens,\ndie Liebe verlässt, verliert die Gesetze der\nKunst. Die Gesetze der Kunst sind dem\nKünstler gegeben, damit er in ihnen das\nGesetz des Lebens, die Liebe erkenne und\nals ein Wissender nach seinem Gewissen\nhandle.\nWir fühlen die Stunde der Entscheidung\nfür alle Schöpferischen. Heute scheiden\nsich die Menschen, die bewusst nur in der\näusseren Welt leben, von denen, die be-\nwusst die Erkenntnisse ihrer inneren Welt\nin äusseres Leben wandeln. Heute wird\nnur bestehen, wer sich auf sein Gewissen\nstellt. Nur wer es vermag, das Licht der\nEinheit alles Lebens in seinem Innern zu\nenthüllen, bereitet um sich die Helle und\ndie Wärme, in der das Leben behütet ist.\nEs kommt darauf an, dass wir das Gewissen\nbejahen. Wollen wir das Gewissen hören,\nso können wir es hören. Rufen wir das\nGewissen, so antwortet es uns. Antworten\nwir ihm, so ist unser Tun verantwortlich.\nNur wer sein Gewissen findet, hat sich\nwirklich gefunden und vermag zu wirken.\nAlle andere Wirkung ist Täuschung. Wer\ngewissenlos zu wirken versucht, täuscht die\nanderen und hindert dort, wo er helfen\nwill. Viele wollen anderen helfen, weil\nsie sich nicht helfen können. Nur wer steht,\nkann die anderen halten, dass sie nicht\nfallen. Wer sich halten lässt, verlasse sich\nnicht auf den Halt, sondern werde sich der\neigenen Kraft gewiss.\nDer Künstler bildet die Bilder seiner inneren\nWelt. Schöpft er sie aus der Einheit alles\nLebens, so vermag alles wirkende Leben\ndas Bild zu sehen. Das Wort, das er aus\nder Fülle seines Gewissens spricht, wird\ngehört von allen Wissenden. So spricht\ner das Wort aller und zeigt das Gefühl\naller. So ist er frei von den Fesseln der\nirrenden Person. In der Welt der schöpfe-\nrischen Kräfte begegnen sich Mensch zu\nMensch und finden sich die Strahlen zum\nLicht Das ist das Leben der Kunst. Es\nist das Leben der Natur. Denn die Kunst\nist die Entsprechung der Natur. Die Natur\nwirkt schöpferisch ohne Unterlass. Gestal-\nten wir unser Menschenleben schöpferisch\nohne Unterlass, so leben wir natürlich.\nDie Kunst ist Erscheinung der inneren Natur\nin der äusseren Natur. Wenn uns die\nAeusserung der inneren Natur selbstver-\nständlich wird, stehen wir auf uns selbst,\nsind wir unserer Schöpferkraft bewusst und\ngebären aus unserem Gewissen das Leben.\nDas Gewissen ist unsere innere Natur, dass\nunser Gewissen frei werde, müssen wir die\näussere Natur zwingen. Aus dem Zwang\nwird die Freiheit geboren.\nDie Freiheit des Gewissens ist die Wieder-\ngeburt des Menschen. Wer frei leidet,\nlernt frei schaffen. Wer frei schafft, zwingt\nkeinen Unfreien. Wer frei lebt, hat die\nSchöpferkraft empfangen.\nDas Gewissen heilt. Es ist der Heiland.\nWenn es herrscht, ist der Mensch aufer-\nstanden von seinem Fall. Das Gewissen\nherrscht, wenn wir ihm dienen.\nDamit der Mensch heil werde, müssen wir\nunserem Gewissen dienen.\n\nLothar Schreyer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.5", "titre_corps": "Sechs Sprüche", "titre_sommaire": "Sechs Sprüche", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.6", "debut_caractere": 3095, "fin_caractere_exclue": 3720, "texte": "Sechs Sprüche\nLothar Schreyer\n\nI\nAusser Gott ist Nichts\nSo wir ausser Gott sind sind wir Nichts\nDann ist unser Tun Nichts\nDann ist unser Leiden Nichts\nNichts ist ausser Gott\nDarum sind wir in Gott\nDarum ist unser Tun in Gott\nDarum ist unser Leiden in Gott\nSo wir Nichts sind sind wir in Gott\nNichts ist in Gott\nSo wir ausser Gott sind sind wir in Gott\nSo wir in Gott sind sind wir ausser Gott\nSo wir in Gott sind sind wir Nichts\nWir sind Nichts\nII\nIn Gott ist Alles\nSo wir in Gott sind sind wir Alles\nDarum ist unser Tun Alles\nDarum ist unser Leiden Alles\nGott ist in allem\nDarum ist Gott in uns\nDarum ist Gott in unserem Tun"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2383, "texte": "Darum ist Gott in unserem Leiden\nSo wir Alles sind sind wir in Gott\nSo Gott in uns ist sind wir in Gott\nSo wir in Gott sind ist Gott in uns\nSo Gott in Allem ist sind wir in Allem\nWir sind Alles\nIII\nGott ist unerkennbar\nDas Nichts ist unerkennbar\nDa Gott im Menschen istist Gott im\nMenschen unerkennbar\nDa der Mensch in Gott istist der Mensch\nin Gott unerkennbar\nUnser unerkennbares Tun ist in Gott\nUnser unerkennbares Leiden ist in Gott\nDa wir Nichts sind sind wir unerkennbar\nDa ausser uns Nichts ist sind wir Alles\nAlles ist unerkennbar\nSo wir ausser Gott sind sind wir unerkennbar\nSo Gott ausser uns ist sind wir Nichts\nSo wir unerkennbar sind ist Nichts ausser\nuns\nSo wir unerkennbar sind ist Nichts in uns\nDas alles ist unerkennbar\nIV\nIn Gott ist die Liebe\nDa Gott im Menschen istist die Liebe in uns\nDa unser Tun nichts istist unsere Liebe Nichts\nDa wir Alles sind ist die Liebe Alles\nSo wir ausser uns sind sind wir in der Liebe\nSo wir in uns sind sind wir in der Liebe\nNichts ist ausser der Liebe\nAlles ist die Liebe\nUnerkennbar ist die Liebe\nDarum lieben wir und sind Nichts\nDarum lieben wir und haben Alles\nSo wir Alles sind und Nichts haben lieben\nwir\nSo wir Liebe haben sind wir\nDa wir sind müssen wir lieben\nDa die Liebe in uns ist können wir lieben\nDa wir in der Liebe sind wollen wir lieben\nLieben wir so sind wir in Gott\nSo lieben wir Gott\nV\nIn Gott ist der Zwang\nIn Gott sind wir zur Liebe gezwungen\nIn Gott ist die Freiheit\nIn Gott sind wir zur Freiheit gezwungen\nWir haben die Liebe frei\nWählen wir den Zwang so finden wir die\nFreiheit\nWählen wir die Freiheit so zwingt uns die Liebe\nDer unfreie Mensch wird gezwungen in Gott\nDer lieblose Mensch wird frei in Gott\nDer Zwang ist die Ordnung der Liebe\nDie Freiheit ist die Liebe der Ordnung\nDie Ordnung der Liebe ist das Gesetz in Gott\nDie Liebe der Ordnung ist das Stehen unter\ndem Gesetz in Gott\nKeine Freiheit ist ausser in Gott\nNichts zwingt uns ausser Allem in Gott\nVI\nIn Gott ist der Mensch\nAlso ist Gott im Menschen und um den\nMenschen\nAlso leidet Gott das Leiden des Menschen\nAlso handelt Gott das Handeln des Menschen\nAlles opfert der Mensch was nicht in Gott ist\nNichts empfängt der Mensch ausser Allem\nwas in Gott ist\nDer Mensch ist in Gott geboren\nIm Menschen ist Gott empfangen\nWenn der Mensch sich opfert wird Gott\ngeboren\nWenn Gott sich opfert wird der Mensch\nempfangen\nDer Mensch ist das Kind in Gott"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "101", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.5.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Hans Haffenrichter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 56, "texte": "Hans Haffenrichter: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c012", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "106", "image_debut": 8, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.6", "titre_corps": "Neue Gestaltung in der Musik : Möglichkeiten des Grammophons", "titre_sommaire": "Neue Gestaltung in der Musik : Möglichkeiten des Grammophons", "signature_source": "L. Moholy-Nagy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.8", "debut_caractere": 2385, "fin_caractere_exclue": 3252, "texte": "Neue Gestaltung in der Musik\nMöglichkeiten des Grammophons\nL. Moholy-Nagy\n\nUnter den heutigen musikalischen Versuchen\nspielen die Untersuchungen mit den Ver-\nstärkeröhren, welche einen neuen Weg in\nder Herstellung aller akustischen Erschei-\nnungen ermöglichen, eine grosse Rolle. Die\nBestrebungen der italienischen Bruitisten,\nneue Instrumente mit neuer Tonbildung\nzu konstruieren, sind durch die Versuche\nmit der Verstärkeröhre als Einheitsinstru-\nment, mit dem alle Arten akustischer\nPhänomene erzeugbar sind, im weitesten\nMasse erfüllt. Aber mit dieser Möglichkeit\nallein ist nicht alles erschöpft, was für die\nUmgestaltung der Musik zu erwarten wäre.\nIch weise auf den ausgezeichneten Artikel\nvon P. Mondrian: Die neue Ge-\nstaltung in der Musik und die\nitalienischen Bruitisten (De Stijl)\nhin, worin er die Grundlagen zur Erneue-\nrung der Tongestaltung analysiert"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4085, "texte": "Er sagt unter anderem: „Die Musik kann\nsich nicht entwickeln durch Bereicherung\nan Tönen oder Verfeinerung, noch durch\nVerstärkung der Töne, sondern durch die\nAufhebung der Dualität zwischen dem In-\ndividuellen und dem Universalen, zwischen\ndem Natürlichen und dem Geistigen; das\nheisst, dass die Erreichung des Gleichge-\nwichtes des Menschen das Ziel aller Gestal-\ntung ist.\" Er sagt weiter: „Die Geräusche\nin der Natur ergeben sich aus einer gleich-\nzeitigen und fortdauernden Verschmelzung.\nDie alte Musik hat, indem sie teilweise\ndiese Verschmelzung und die Fortdauer\nzerstörte, aus dem Geräusch Töne abge-\nleitet und sie in einer bestimmten Harmo-\nnie geordnet. Um zu einer mehr univer-\nsalen Gestaltung zu gelangen, wird die\nneue Musik eine neue Ordnung der Töne\nund Nichttöne (bestimmter Geräusche)\nwagen müssen. Das Wesentliche ist, uns\nin der Gestaltung von dem „Natürlichen\",\nvon dem „Animalischen\" befreien, dessen\ncharakteristische Merkmale Verschmelzung\nund Wiederholung sind. Will man die\nVerschmelzung und damit die Herrschaft des\nIndividualistischen vermeiden, so müssen\ndie Instrumente Töne derart bilden, dass\nsowohl Wellenlänge wie Schwingungszahl\nso gleichmässig wie nur möglich bleiben.\nDemnach müssen die Instrumente derart\ngebaut sein, dass es möglich wird, jedes\nNachschwingen mit plötzlichem Ruck ab-\nzubrechen. Man kann sich ohne eine an-\ndere Technik und ohne andere Instrumente\ndiese Gestaltung nicht vorstellen.\"\nDiese Forderungen, insofern sie durch\ntechnische Erfindungen äusserlich er-\nreicht werden können, werden durch die\nInanspruchnahme der Verstärkeröhre auch\nverwirklicht.\nMeine Bestrebung auf demselben Gebiet\nder Umgestaltungsversuche in der Musik\nist eine andere und steht in enger Verbin-\ndung mit dem Gedankengang von Mondrian.\nIch übergehe in den folgenden Ausführun-\ngen die Beweggründe zu der neuen Ton-\ngestaltung, ich zeige nur eine Möglichkeit\nzu ihrer Verwirklichung mit Hilfe eines\nneuen Ausdruckmittels.\nIch schlug vor, aus dem Grammo-\nphon als aus einem Reproduktionsinstru-\nment ein produktives zu schaffen, so, dass\nauf der Platte ohne vorherige akustische\nExistenzen durch Einkratzen der dazu nö-\ntigen Ritzschriftreihen das akustische Phä-\nnomen selbst entsteht.\nDa die Beschreibung dieses Vorgangs dort als\nBeispiel zu einem anderen Gedanken diente,\nhabe ich nur kurz die Möglichkeiten, aber\nnicht die ausführlichen Beweise aufgezählt,\ndie zu der Umgestaltung unserer bis-\nherigen musikalischen Auffassung auf die-\nsem Wege führen. Spekulativ ist klar:\n1. Durch das Feststellen eines Ritzschrift-\nABC ist das Generalinstrument geschaffen,\ndas alle bisherigen Instrumente über-\nflüssig macht.\n2. Die graphischen Zeichen ermöglichen\ndie Aufstellung einer neuen graphisch-\nmechanischen Tonleiter*), das heisst das\nEntstehen einer neuen mechanischen\nHarmonie, indem man die einzelnen\ngraphischen Zeichen untersucht und ihre\nVerhältnisse in ein Gesetz bringt. (Hier\nist die heute noch utopisch klingende\nErwägung zu nennen: graphische Dar-\nstellungen auf Grund strenger Verhältnis-\nGesetzmässigkeiten in die Musik zu\nübertragen.)\n3. Der Komponist kann seine Komposition\nselbst schon auf der Platte reproduktions-\nbereit schaffen, also er ist nicht ange-\nwiesen auf das absolute Können des\nInterpretierenden. Dieser hat bis jetzt\nmeistens seine eigenen Seelenerlebnisse\nin die in Noten aufgeschriebene Kompo-\nsition hineinzuschmuggeln vermocht.\nDie neue Möglichkeit des Grammophons\nwird die heutige dilettantische Musik-\nerziehung auf eine gesundere Basis stellen.\nStatt der vielen „Reproduktionstalente\",\ndie mit der wirklichen Tongestal-\ntung weder aktiv noch passiv etwas zu\ntun haben, werden die Menschen zu\nwirklich Musikaufnehmenden oder\nGestaltenden erzogen.\n4. Die Einführung dieses Systems bei Mu-\nsikaufFührungen würde ebenfalls eine\nwesentliche Erleichterung geben: Unab-\nhängigkeit von grossen Orchesterunter-\nnehmungen; ungeheure Verbreitung der\nschöpferischen Originale durch das ein-\nfache Mittel.\n*) Unsere heutige Tonleiter ist vielleicht tausend\nJahre alt und ihrer Enge heute zu folgen nicht un-\nbedingt notwendig."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2332, "texte": "(Die Leistungsfähigkeit des Grammophons\nwurde in der letzten Zeit durch einige tech-\nnische Verbesserungen vorzüglich gefördert.\nEs gibt unter anderem zwei wichtige Er-\nfindungen auf diesem Gebiet. Die eine\narbeitet mit elektrischem Betrieb und die\nandere mit einer neuen Membranerfindung\n- und gibt schon fast vollkommen reibungs-\nlose Wiederholung hineingespielter Werke.\nIch denke, wenn wir sie wirklich als For-\nderung haben, werden wir in kürzester\nZeit technisch einwandfreie Apparate be-\nsitzen.)\nDie praktischen Versuche mit dem Grammo-\nphon auf musikschöpferischem Gebiet glaube\nich so zu beginnen:\n1. Da die Ritzen in der auf mechanischem\nWege entstandenen Platte mikroskopisch\nklein sind, muss zu allererst ein Mittel\ngefunden werden, von einer grossen\nRitzschriftplatte, die mit der Hand\nbequem zu bearbeiten ist, auf technisch-\nmechanischem Wege Verkleinerungen\nim Format der heute üblichen Platten\nzu erzielen. Am besten, man lässt eine\nheutige Grammophon (reproduktions)-\nplatte photographieren und von der\nPhotographie ein Photo- oder Autotypie-\nKlischee auf zinkographischem, galvano-\nplastischem Wege herstellen. Wenn\ndiese Platte nur annähernd spielbar\nwäre, ist die Grundlage für die Weiter-\narbeit auf diese Weise gesichert.\n2. Studium der graphischen Zeichen der\nverschiedensten (gleichzeitig und isoliert\nertönenden) akustischen Phänomene.\nInanspruchnahme von Projektionsappa-\nraten. Film. (Darüber gibt es schon\nin physikalischen Spezialstudien ein-\ngehende Beschreibungen.)\n3. Untersuchungen mechanisch-metallischer,\nmineralischer Klänge. Der Versuch,\ndaraus — vorläufig graphisch — eine\neigene Sprache zu bilden. Besondere\nAchtung auf die Zeichen, die durch\ndie verschiedenen Klangfarben hervor-\ngerufen werden.\n4. Herstellung — graphisch — der grössten\nKontrastverhältnisse. (Bevor man die\nVersuche auf der Wachsplatte anfängt,\nist zu empfehlen, mit einer Nadel auf\nverschiedenen Grammophon(reproduk-\ntions)platten, den graphischen Wellen-\nlinien der Musik, deren Gestaltungsfolge\ndem den Versuch Ausführenden bekannt\nist, nachzugehen, um ein Gefühl für die\ngraphische Darstellung zu bekommen.)\n5. Dann kämen Improvisationen\nauf der Wachsplatte in Frage, deren\nklangliche Resultate theoretisch nicht\nabzusehen, von denen aber grosse An-\nregungen zu erwarten sind, da das Mittel\nuns ziemlich unbekannt ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c013", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "103", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.6.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Oscar Nerlinger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Oscar Nerlinger: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[105]", "page_fin": "[105]", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.6.2", "titre_corps": "Jozef Peetcrs: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Jozef Peetcrs: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Jozef Peeters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "[105]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 51, "texte": "Jozef Peetcrs: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c015", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "108", "image_debut": 12, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.7", "titre_corps": "Antwerpen März Sonne", "titre_sommaire": "Antwerpen März Sonne", "signature_source": "M. Seuphor", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.12", "debut_caractere": 2334, "fin_caractere_exclue": 3871, "texte": "Antwerpen März Sonne\nM. Seuphor\n\nDie Uhr des Liebfrauenturms ist in Repa-\nratur und die zwei glitzernden Kreise,\nzwischen denen noch gestern die Stunden\nschlenderten, sind ein starres Symbol auf\ndie Ewigkeit.\nAls die Stunde geschlagen hatte, an der der\nHimmel sich entscheiden würde, haben die\nZeiger sich begegnet und das Wort ist\nFleisch geworden. Die Winterregen hatten\ndie Schwerter eingerostet: sie sind zerschla-\ngen worden durch die Witzigkeit deiner\nAugen und ein Klecks Tauben, sind die\nScherben bezaubert worden durch das\nLiedchen des Leierkastens. Nachher bringt\nein Flugzeug sie zurück in die Gestalt\nMillionen Flugblättchen, die die Neuigkeiten\nüber die Stadt verbreiten oder sterbensmüde\nsich in die Scheide schweben lassen, die\nFlügel herabhängend, wie die Möwe, be-\ntäubt durch die Säfte dieses ersten schönen\nTages.\nDie Zeit hat stillgestanden und alle beque-\nmen Träume von Monako und Lugano\n(nichtfixierte Pastelle gut erhalten, hinter\nGlas mit hohen Passe-partout mit schwer\nvergoldeten Leisten) sind jetzt realisiert\nworden in dem einzigen Aquarell: die\nScheide und die Aussicht auf die Scheide\nund das Feuerwerk auf der Scheide, das\nheftig aufsprudelt aus dem neuen Jugend-\nbrunnen dem Bette entsprungen.\nWarum die Stadt heute Fest und weisse\nFahnen hat will ich dir erzählen:\nJesus, der Mann Nazareths, ist auf dem\nWege nach unserer Stadt, er bringt die\nlang ersehnte Freude, den lang ersehnten\nFrühling mit. Nachher, als die Sonne am\nhöchsten steht, kommt er mit dem neuen\nTransatlantiker „Belgenland\" die Scheide"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2689, "texte": "heraufgefahren. Drei Kanonenschüsse, wenn\ndie Mäste über den Poldern sichtbar wer-\nden, drei Kanonenschüsse, wenn das Schiff\nin den Hafen einfährt, und drei Salven bei\nden ersten drei Schritten des heiligen\nMannes auf unserem Boden werden für\nseine Glorie bürgen.\nEs ist deshalb, dass die ganze Stadt ge-\nschmückt ist, dass jedes Haus beflaggt ist,\ndass jedermann zu Fuss so leichten Schrittes\nso glatter Stirn ist\nDenn Jesus spricht heute abend auf dem\nGrossen Markt, es wird Beleuchtung mit\nroten und gelben Ballons geben, es wird\nzehn Fanfaren geben, um die Zwischen-\nakte mit Tanzmusik zu illustrieren.\nDenn es wird viel Freude geben und alles\numsonst sein.\nDenn das Reich der Liebe wird ausgeläutet\nwerden und das des Friedens wird als nah\nverkündet werden.\nEr wird reden über Vögelchen und Fisch-\nchen, über Kühlein und Kälblein, von dem\nOchsen auf dem Esel: über den Löwen\nund die Schlange als Haustiere, über Ein-\nstein, die teure Butter und seine junge Zeit,\nüber den Vertrag von Versailles und den\nunheilbaren Magenkrebs, über unsere de-\nmokratische Zeit und den Militarismus,\nüber das Jahrhundertfest von Renan und\ndie Politik über Mauras und\nDaudet und den Stil des Propheten, über\nJudas, über die Blume, das Wasser, die\nFrüchte der Erde, die Sonne und die Schön-\nheit des Lebens.\nEr wird reden über Russland und ein Vater-\nunser lesen zur Gesundung Lenins.\nEr wird reden über die Sterne und zu den\nBürokraten sagen: Habet Ihr gesehen, wie\nviele Züge dieser eine Stern mit dem\nMädchen Eurer Sonntage gemeinsam hat.\nAuf die Bitte eines Bengels wird er die\nHausarbeit für den Schuljungen aufheben.\nEr wird Breughel und Uilenspiegel ver-\nherrlichen, Borms befreien und den Vlamen\neine Hochschule geben.\nEr wird die Mädchen „Zuckerherzchen\"\nund die Jungen „Leckermäuler\" nennen.\nIhm zu Ehren werden die Dockarbeiter\nvierzehn Tage lang mit Ketten und Kisten\nspielen statt zu arbeiten.\nIhm zu Ehren werden an den kommenden\nTagen in allen Kirchen grosse Maskenbälle\nstattfinden, zu denen schwarze Trachten\nkeinen Einlass finden werden.\nIhm zu Ehren werden die Music-Hall-\nArtisten diese Woche ihre Nummern auf\ndem öffentlichen Platze zur Schau bringen.\nIhm zu Ehren werden alle Fehden auf-\nhören, und alle Schulden und aller Hass\nund alle Armut und alle Krankheit und\nalles Uebel.\nDie Zeit hat stillgestanden. Heute morgen\nist die Welt in eine grosse Feuersbrunst\numgewandelt worden, deshalb ist das Reich\nder Liebe ausgeläutet worden, deshalb ist\ndas Reich des Friedens nahe an diesem\nersten schönen Tag des Jahres.\nHeute abend spricht Jesus\nauf dem Grossen Markt.\nSeine Stimme ist Musik für Sterbliche\nund das Leben ist da draussen.\nAus dem Holländischen übersetzt von A. C. Willink"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c016", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.7.1", "titre_corps": "Pan-Pan-Tanz im Monico / Gemälde / Vielfarbendruck", "titre_sommaire": "Pan-Pan-Tanz im Monico / Gemälde / Vielfarbendruck", "signature_source": "Ginio Severini", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 65, "texte": "Gino Severini: Pan-Pan-Tanz im Monico / Gemälde / Vielfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "109", "image_debut": 14, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.8", "titre_corps": "Arpt the trapdrummer", "titre_sommaire": "Arpt the trapdrummer", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.14", "debut_caractere": 2691, "fin_caractere_exclue": 3905, "texte": "Arpt the trapdrummer\n\n1\nDie schwarzen Silben und halb gespaltenen\nNonpareillezeilen fallen aus den schlecht-\ngefügten Dauben des Urfasses. Die Heiz-\nkörper in den Fahnenstangen erlöschen.\nAuf den Ruf cordons s. v. p. purzeln aus\nden Nüstern der Blumen die vierzimmrigen\nKatastrophen, Unvermittelt heizen die Lebe-\nmänner persönlich ihre Zentauren und fah-\nren auf Kugellagern um die Hörseikammer.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nMit Recht fragt sich am andern Morgen\nbeim Aufräumen der Katakomben der mit\nSchimmel gefütterte Diener ach er leidet\nso an Zwergen wo das lichte Gewimmel\nder Winde geblieben ist. Kleine wie Monde\ngeschwungene Boote voll Masken rollen\nauf Zahnrädern fort. Am Purpurmund\nhängen die leeren Engelswaben.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nVom 10. Lebensjahr bis 11 Uhr vormittags\nist eine lange Zeit, doch nicht lange genug,\num für eine hungrige Familie Geld zusam-\nmenzukratzen. Der erste Familienvater\ntanzt jammernd um die Welt. Unter seine\nSohlen hat er sich flinke Eichkätzchen ge-\nbunden« In seinen Augen hängt das kranz-\numwundene Willkommenschild. Manu pro-\npria verjagt er die Böcke von den Ein-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3529, "texte": "Gängen seiner Frau. Er tritt, um keine\nschwarzen Gedanken aufkommen zu lassen,\nseinen männlichen Mitreisenden gegen die\nTekeier.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nEndlich werden handliche und porträt-\nähnliche Büsten von Arp gegossen und\nunter das Volk verteilt.\n2\nAuf Wunsch wird die Armada zum hun-\ndertsten mal geschlagen. Die Ertrunkenen\nmit glühenden Bojen im Maul und Lampen-\nschirmen auf dem Kopf ziehen auf den\nWogen der Begeisterung die Darmdampfer\nund Skelettfische hinter sich her. Die\nSohlen der wandernden Wasserrecken\nklatschen vorüber. Die besessene Greisin\nauf dem Afterast gehört zum Räderwerk\ndes Meeres.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nEin kunstliebender samenreicher und eigen-\nhändiger König stiftet die erste Vase. Sie\nhat sechs Gummibrüste wie Knöpfe über-\neinandergereiht. Der Adamsapfel bringt\nverdientermassen die Koloratur wieder zu\nEhren. Die Vase ist ein riesengrosses\nknochenloses Schneewigwam und hat wie\nalle schönen Menschen zu beiden Seiten\nHenkel.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDie Damenriege, die Frauen der Vielfarbig-\nkeit genannt, bewegen die Winde durch\nFreiturnen. Die Zementzunge beleckt die\nSpazierstöcke der Minnesänger, die Leicht-\ndorne Buonarottis die Souffleurkästen voll\ninwendiger Städte, die weichen Meineide\ndie Schuhe, aus denen stinkendes Fleisch\nwächst, und die Sommerzahlen.\n3\nUm Mittag werden die Uhren auf Mitter-\nnacht gestellt. Aus dem Himmel voller\nböser Zungen fallen die diplomierten Wasser-\nfälle. Um die petikürten Kreuzigungen flie-\ngen die kleinen Skelette in schwarzen Uni-\nformen und schwingen die Retorten mit\nScheidewasser. In die Wipperkonservatorien\nwerden die Schienen gelegt, auf denen die\nTalgkurtisanen und himmlischen Prellböcke\nherangefahren kommen.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDer Kuckuck fliegt mit seiner Uhr auf dem\nRücken fort. Das Feuerross streicht seinen\nmartialischen Schnurrbart. Die Blume legt\ndampfend an die Landungsbrücke an.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDer erste Sepiaknochen erblickt das Licht\nder Welt. Das Volk umarmt sich, ruft zivio\nund wünscht sich innere Zufriedenheit und\nWadenbinden im Salat. Der erste Prophet\ntritt auf und klaftert hundert Lichtjahre.\nDa er vorsichtigerweise nur zweidimensial\nist, kann er leicht durch eine kleine Drehung\nseine Fassade einer zu deutlichen Kontrolle\nentziehen und ist als perfideler Sohn Dadas\nanzusprechen. Er zählt die ewigen Gesetze\nan seinen Rockknöpfen ab. Zufolge kanzlei-\nischer Fertigung ist es ihm gleichgültig,\nGemeingut irgend eines Volkes zu werden.\nSein eiserner Bestandteil ist eine Samariter-\nfossilie. Mit Hilfe des Sextanten schneidet\ner sich saftige Gemsen aus dem Hintern\nseiner freundlichen Frau Nachbarin. Auch\nbeim Auftreten des Propheten umarmt sich\ndas Volk, weint und löscht Strassenlaternen\naus.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDie schwarzen Livreen senken sich in das\nWeltgebäude nieder und verhüllen end-\ngültig die Möbelwagen voller Nürnberger\nZwiebeln, die Retina der Münzen, die Kur-\ntaxen in Zitterkübeln, die versteigerten\nSchneemänner mit den unreifen Augen, die\ntelurischen Gugeln, die Rehe ohne Trensen,\ndie Pflanzen in Burgunderblusen, die tro-\npischen Fabriken aus Gummi und die\nVolksaufläufe hinter den Turbinen aus\nTufstein. Dröhnend fällt das Tor des Dada-\nhauses zu.\n\nHans Arp"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "112", "image_debut": 15, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.9", "titre_corps": "Varia memorabilia", "titre_sommaire": "Varia memorabilia", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.15", "debut_caractere": 3531, "fin_caractere_exclue": 3719, "texte": "Varia memorabilia\nRudolf Blümner\nMit kollegialem Gruss\nVon einem bekannten Verleger, dessen\nUnternehmen staatliche Unterstützung ge-\nniesst, erhielt die Leitung des Sturm dieses\nSchreiben:"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3790, "texte": "Wir beabsichtigen, das in Ihrem Verlag er-\nschienene Prachtwerk gleichfalls herauszu-\ngeben. Wir schlagen Ihnen vor, dass Sie\nuns die Matern und die Klischees für einige\nZeit leihweise überlassen. Das Papier\nwerden wir selbst liefern. Selbstverständ-\nlich erhalten Sie die Matern und die\nKlischees nach erfolgter Drucklegung\nzurück.\nDas ist, wie wenn einer sagt: Sie haben da\nein herrliches Automobil. Ich schlage\nIhnen vor, dass Sie es mir überlassen.\nDas Benzin liefere ich selbst.\nHandelsüsanzen\nEin Schuhfabrikant sandte einen Angestellten\nnach Berlin. Dieser musste sich vor den\nGeschäften postieren, die Waren des Fa-\nbrikanten verkauften. Hier machte sich\nder Angestellte an die Kunden heran, liess\nsich ihre Namen und Adressen geben und\nerbot sich, ihnen die Schuhe frei ab Fabrik\nzur Hälfte des Preises zu liefern.\nDas ist, wie wenn ein Maler in der Aus-\nstellung Interessenten abfängt und sich er-\nbietet, ihnen die Bilder nach Schluss der\nAusstellung frei ab Atelier billiger zu ver-\nkaufen.\nDer Vergleich hinkt. Denn das erste ist\nnoch nie vorgekommen. Das zweite habe\nich schon häufig erlebt. Es ist die noch\nwenig bekannte Ausbeutung der Aussteller\ndurch die Künstler.\nBeitrag zur Faust-Forschung\nGoethe hat es den Kritikern und Journalisten\nallezeit gut gegeben. Es ist herzerquickend,\nwenn er den Mephisto sagen lässt:\nDenn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein\nWort zur rechten Zeit sich ein.\nHinter diesem Mephisto steckt nicht der sar-\nkastische Goethe, der sich über begrifflose\nWorte lustig macht, es ist der grosse Charak-\nteristiker (hihi!), der den Mephisto wie einen\nDozenten des Feuilletonismus reden lässt.\nEs ist die Kunst der banalen Zeitungsphrase,\nin die er den Schüler einweihen lässt.\nWie? Goethe sollte als Mephisto, Mephisto\nals Goethe einen solchen Unsinn äussern?\nWo Begriffe fehlen, soll sich ein Wort\neinstellen? Das hat auch Goethe nicht\ngeglaubt. Oder ich muss mit Düntzer sagen:\nHierin irrt Goethe. Auch das dümmste\nWort, das je erfunden worden ist, der\nDadaismus, hat einen Begriff. Es ist die\nAlbernheit von Menschen, die bereits mutiert\nhaben und ihre Albernheit gegen Entree\nbeweisen wollen, damit die Leute sagen\nkönnen: wir hättens nicht geglaubt, dass\nes eine solche Albernheit gibt. Und auch\ndas hat sein Gutes. Denn es beweist den\nJournalisten, die sich in solchen Fällen auf\nGoethe und Mephisto berufen, dass sich kein\nWort einstellen kann, wenn der Begriff fehlt.\nDer Begriff ist immer vor dem Wort da.\nWo Begriffe sind, wird sich zur rechten oder\nunrechten Zeit ein Wort einstellen. Es wäre\nverdienstvoller, wenn sie nach dem Begriff\ndes Wortes suchen, das sie nicht begreifen.\nAber ehe sie sich diese Mühe machen, berufen\nsie sich lieber auf einen Unsinn, sagen wir,\nMephistos.\nDas Erkenntnisproblem\nMan erinnert sich, dass vor zehn oder zwölf\nJahren, als die ersten Werke der neuen\nMalerei zu sehen waren, mit Ausnahme von\nzwei bis drei Schriftstellern die berufsmässige\nKritik die neue Kunst ablehnte. Man weiss\nauch, dass sich hierin einiges geändert hat.\nEs gibt heute eine Anzahl von Berufskritikern,\ndie mit verschieden geartetem und verschie-\nden gesteigertem Verständnis über die neue\nKunst urteilen. Unter ihnen sind nur wenige,\ndie es mit ganzem Verständnis tun, und\neinige, die ohne Urteil etwas aus Mode mit-\nmachen, das keine Mode ist. Die Mehrzahl\ndieser Urteiler steht der neuen Kunst so\nratlos gegenüber wie einst und scheint nicht\neinmal zu bemerken, dass die neue Kunst,\ndie der Kritiker des Berliner Tageblatts seit\nJahr und Tag für tot erklärt, lebendig ist,\nsich vermehrt und verbreitet.\nZu alledem habe ich noch ein Weiteres\nzu bemerken.\nAuch diejenigen, die von der neuen Kunst,\nihrer geistigen Tendenz und ihrer Notwen-\ndigkeit durchdrungen sind, können nur hoffen,\ndass diese Kunst einst auch diejenigen über-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3946, "texte": "zeugen werde, die aus der öffentlichen\nBeurteilung von Kunstwerken sich einen\nBeruf und eine wirtschaftliche Existenz-\nmöglichkeit gemacht haben. Ob eine solche\nZeit kommen wird, können auch diese\nDurchdrungenen nicht sagen. Die zehn bis\nzwölf Jahre reichen nicht aus, um eine\njüngere Generation dort zuzulassen, wo durch\nverbreitete Zeitungen und Zeitschriften Ein-\nfluss ausgeübt wird. Das mag noch einmal\nzehn bis zwölf Jahre dauern und vermutlich\nlänger. Aber es ist möglich, dass die heute\nnoch fortdauernde Verbreitung der neuen\nKunst, die das Publikum zu ihr zwingt,\nendlich auch jene berufsmässigen Beurteiler\nergreifen wird.\nIch setze den Fall, dass diese Urteiler mit\nwenigen Ausnahmen die neue Kunst als\nKunst anerkennen und vielleicht sogar er-\nkennen, dass die frühere Malerei, auch sie\nmit wenigen Ausnahmen, auf schlechten\nWegen war. Welche Folgerungen müssten\ndie berufsmässigen Kritiker daraus ziehen?\nWenn wir vergessen wollen, dass noch nie-\nmals einer dieser Art seine eigenen Irr-\ntümer zugegeben hat, würde es genügen,\ndass sie den Irrtum ihrer zünftigen Vor-\ngänger eingestehen? Dass sie sogar öffent-\nlich versprechen, sich diesen ungeheuren\nIrrtum zur Warnung dienen zu lassen und\nsich wenigstens ein jeder für seine eigene\nPerson und für den Rest seines Lebens zu\nbessern? Oder müssten diese berufsmässi-\ngen Urteiler erkennen, dass sie gerade dann\nihre vollkommene, ich hätte Lust zu sagen\nstandesgemässe Unfähigkeit gezeigt haben,\nals sie zum ersten Mal seit vielen hunderten\nvon Jahren Gelegenheit hatten, ihre Fähig-\nkeit zu zeigen? Ist die gesamte Tätigkeit\neiner Berufsklasse nicht wertlos, wenn ihre\nAngehörigen in der einzigen Zeit, da es seit\nvielen hunderten von Jahren etwas zu kri-\ntisieren gab, nicht das Mindeste erkennen\nund unterscheiden konnten? Die Kritiker\nwerden in Zukunft behaupten, in jener Zeit,\ndie noch unsre ist, sei die Kritik minder-\nwertig gewesen. „Heute\", so wird einer\nschreiben, „kann es nicht mehr geschehen,\ndass eine grosse Begabung nicht sofort er-\nkannt wird.\" Und dieser Kritiker wird in\ndem gleichen Artikel irgendeinen Schmier-\nfinken für ein Genie erklären, um zu be-\nweisen, wie sich alles geändert hat.\nWird heute Einer aus innerer Neigung den\nBeruf eines Teufelbeschwörers ergreifen?\nOder wird er, auch wenn einige Neigung\nbei ihm bestehen sollte, soviel Einsicht haben,\ndass er seine Unfähigkeit, Teufel auszutreiben\nerkennt?\nEinen Teufelbeschwörer erklärt man für\neinen Charlatan. Und wir wollen hoffen,\ndass man einstauch diejenigen für Charlatane\nhalten wird, die sich für die Beurteilung\nneuer Kunstwerke von Verlegern Geld zahlen\nlassen.\nÜber ihre Kraft\nDie deutsche Regierung liess nicht nur be-\nkanntgeben, dass sie allerlei unternimmt,\num den Devisenhandel einzuschränken und\ndie Valuta der Mark zu heben, sie hat auch\neinige Massregeln getroffen:\nGoethe äussert sich darüber wie folgt:\n„Einem grossen Uebel zusehen, sich mit\nHoffnungen schmeicheln, der Zeit vertrauen,\netwa einmal dreinschlagen, wie im Fast-\nnachtsspiel, dass es klatscht, und man doch\netwas zu tun scheint, wenn man nichts tun\nmöchte, heisst das nicht, sich verdächtig\nmachen, als sähe man dem Devisenhandel\nmit Vergnügen zu, den man nicht erregen,\nwohl aber hegen möchte?\"\nDamit hat der Altmeister den Nagel sozu-\nsagen wieder einmal ins Schwarze getroffen.\nCochon et frere\nDarf der Künstler mit seinem Kritiker, darf\nder Kritiker mit seinem Künstler verkehren?\nDas ist, wie wenn man fragt: Darf der\nMensch philosophieren? Lichtenberg meinte,\nder Mensch solls bleiben lassen, wenn ihn\nseine Privatphilosophie schnurstracks an den\nGalgen bringt. Wenn der Kritiker und der\nKünstler etwas mehr sind als unnütze\nGlieder der menschlichen Gesellschaft, dann\nkann zwar der Kritiker dem Künstler so\ngut wie nichts bieten, aber der Kritiker\nwird vom Künstler Manches lernen können.\nSoweit ich aber sehe, wirkt der Umgang\nauf beide entsittlichend. Wenn der Kriti-\nker den Maler einen Farbenkleckser nennt,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2150, "texte": "hinterher aber, da er sich von der Berühmt-\nheit des Künstlers eingeholt sieht, weder\nMühe noch Reisekosten scheut, um beim\nKünstler Tee zu trinken, so braucht man\nkeinen von den Beiden hoch zu schätzen.\nIch habe es mein Leben lang vermieden,\ndie Bekanntschaft von Kritikern zu machen.\nEs liess sich oft nicht vermeiden, wenn ich\nnicht ausser für einen selbständigen Men-\nschen auch noch für einen unhöflichen\ngelten wollte. Ich habe aber nur schlechte\nErfahrungen gemacht. Denn, um die Wahr-\nheit zu sagen, ich fand stets den Beifall\nder Kritiker, die mich nicht persönlich\nkannten, und verlor ihr Lob, nachdem sie\nmich kennen gelernt und erkannt hatten,\ndass ich ihnen in Allem überlegen war.\nIm übrigen habe ich die Beobachtung ge-\nmacht, dass die Bekanntschaft mit dem\nKritiker verschiedene Wirkungen hat, die\naber auf der gleichen Ursache beruhen.\nDie Kritiker haben bei aller Unfähigkeit\neine ernste Auffassung ihres Berufes, oder\nes liegt ihnen wenigstens daran, dass es so\nscheinen möchte. Sie sind um nichts so\nsehr besorgt, als um den Ruf ihrer Unpar-\nteilichkeit. Um diese stets an den Tag zu\nlegen, sind sie sogar bereit, einen Künstler,\nden sie persönlich kennen, zu tadeln, ob-\ngleich sie ihn früher, als sie ihn nicht\nkannten, bei gleicher Leistung gelobt hatten.\nEs gibt andere Kritiker, die einen Künstler\nerst dann zu loben beginnen, wenn sie\nseine persönliche Bekanntschaft gemacht\nhaben, es sei denn, dass der Künstler bei\nsolcher Gelegenheit erkennen lässt, wie\ngering er den Kritiker als Lober und als\nTadler schätzt. Nun aber loben sie ihn\nnicht nur aus Eitelkeit, sondern in der Er-\nkenntnis, dass der Künstler ein Mensch wie\nandere ist. Denn der Kritiker ist selbst\nnur ein Mensch und das gar ein eben so\nvorurteilsvoller wie irgend ein Spiesser.\nAuch er lässt sich gern überzeugen, dass\nder Schöpfer des beschimpften Kunstwerks\nnicht nur Arme und Beine wie jeder An-\ndere hat, dass er nicht nur wie ein Anderer\ngekleidet geht, dass er sogar ein ganz netter\nKerl ist,\nWen's juckt, der möge sich kratzen.\nUnd wenn ihm das nicht hilft, will\nich ihm die eben beschriebene Trans-\nfiguration schwarz auf weiss vor die Nase\nhalten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c019", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.10", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.18", "debut_caractere": 2152, "fin_caractere_exclue": 2662, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Befreiung\nIngeborg Lacour'Torrup: Gedichte\nLothar Schreyer: Für die Jugend\nLothar Schreyer: Sechs Sprüche\nL. MoholyNagy: Neue Gestaltung in der Musik\nM. Seuphor: Antwerpen März Sonne\nHans Arp: Arpt the trapdrummer\nRudolf Blümner: Varia memorabilia\nHans Haffenrichter; Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nOscar Neriinger: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nJozef Peeters: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nGino Severini: Pan-Pan-Tanz im Monico / Gemälde / Vielfarbendruck\nJuli 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 75, "texte": "VOM 10. 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St. |\n| Die OrganisationderFreunde der neuen Kunsl [\nmm m\n| Satzung und Aufnahme durch den Verlag Der Sturm [\n| Berlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a I\nmm m\niiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiitiitiiiiiiitiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuiiiuiiiiiiHiiiiii"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c023", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.2", "debut_caractere": 969, "fin_caractere_exclue": 1111, "texte": "MANOMETRE\nlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiniIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIHII\nZeitsdirift\nin\nmehreren\nSprachen\n49 Cours Qambelta\nLyon\nProbenummer gratis"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-07-01-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-07-01_01#c024", "volume": "bmtnabg_1923-07-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.2", "debut_caractere": 1113, "fin_caractere_exclue": 1649, "texte": "Das beste Geschenk fur Grofi und Klein\nIA- N A\nJmmL dmm JmmL M* <1111^\nPAPIERiHira4PPi\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIERFARBBILDER\nvon unerreichter Schonheit / Geschiitzt in alien Kulturstaaten\nPafama A\nPafama .B\nPafama C\nPafama Stern\nBisher erschienen:\nI\n= 25 Farben 1 hochkiinstlerisches\n= 22 Farben 1 Vorlagenwerk fur jede Mappe\n22 Farben\n= 11 Farben\nGebrauchsanweisung\nfiinfsprachig\nXeArmltfel?\nJXunstfnMi|»pe ? yMmiSkastem. 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Die Grundzahl\nbetragt wie bisher 2 die jetzige Schliissel'\nzahl des Buchhandler'Borsenvereins ist 12000.\nDer Abonnementspreis betragt somit M. 24000.\nEs liegt im Interesse unserer Abonnenten,\ndie Einzahlung unverziiglich zu bewirken,\nda fur spatere Einzahlungen die dann gel-'\ntende erhohte Schliisselzahl in Anrechnung\nkommt. Nach dem 15. Juli erfolgt Em'\nziehung durch Nachnahme.\nUnsere auslandischen Abonnenten bitten wir,\nuns den fur ihr Land geltenden Betrag in\nWahrung ihres Landes oder in Umrechnung\nzum Tageskurs einzusenden. 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SABBIO\nPALERMO - VIA CASTRO 250 - PALERMO\nLA COLLABORAZIONE E'LIBERA\nCercansi Coi rispondenti ed Agenfi di Publicity\nGiovani Aulori! publicate i vj\nromanzi, novelle, liriche ec. presso\nLa Casa Edilrice E. 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Pes * .'. . 1.\n„ Brasilien: Milreis 3.—\n„ Bulgarien: Leva . . 42.—\n„ Chile: Pes. ............... 3.—\n„ Danemark: Kronen .......... 3.—\n„ Deutsch'Oesterreich: ost. Kronen 16000.—\n„ Finnland: Mka. ............ 12.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 6.—\n„ Griechenland: Drachmen ...... 24.—\n„ Grossbritannien: Schilling...... 2.6\n„ Japan: Yen 1.20\n„ Italien: Lire 9.—\n„ Jugoslawien: Dinar 26.—\n„ Niederlande: Gulden . 1.5\n„ Nor we gen: Kronen 3.—\n„ Portugal: Milreis 9.—\n„ Rumanien: Lei . 60.—\n„ Schweden: Kronen . 3.—\n„ Schweiz: Franken. . 3.—\n„ Sowjet'RuBland: Schweizer Franken 3.—\n„ Spanien: Pesetas 3.—\n„ Tschechoslovakei: Kc . 9.—\n„ Ungarn: Kronen 1000.—\n„ U. S. 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Umschlagseite / Einzelheft\nGrundzahl 1\nVollstSndige Exemplare dcs 6. und 7. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplarcn vorhanden Grundpreis\njc 20 / 9. bis 13. Jahrgang Grundpreis 10 Mark / 1. bis 5. und 8. Jahrgang vcrgriffen / Einzelhcftc alter\nJahrgSnge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und numerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeicbnungen Kunstdrjicke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. 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Zur Zeit: 12000\nFur das Ausland: Grundzahl = Schweizer Franken\nPostscheckkonto des Verlags\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte / 4. Auflage / 3 Mark\nTropfblut / Gedichte / gebunden 7 Mark\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band\n5 Mark\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3 Mark\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3 Mark\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / Mark 2.50\nRudolf BJumner\nDer Geist des Kubismus und die Kiinste / 4 Mark\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / Mark 1.50\nDer Sturm; Berlin NW7 i 120658\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei\nEinfuhrung in den Expressionismus / 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 3 Mark\nSturnvBilderbucher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. 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MAI BIS 1 OKTOBER 1923\nAUSSTELLUNG Ftlß MALEREI / GRAPHIK / PLASTIK\n\nt»»SISM < 112.\nSReuaettltdje\n<gelite s*atalo(je\nuttb QBerlt\n<8 efsmacf&olle\nSSrofc&iiren\n©pefctalttSt: Sfte&vfar&enbrutf\nBERLIN NO 18\nWassmann-strasse 27\nlei. KOnlgstaat 0269.1176\n\nDudidnifherei Richard Stein Nadif.\nHHnHHMHIHHnnnHBHHHMMHHHHIMHHHHBHnHMHMIHHWHMHfIHHHHHHBr\nBERLIN N54 / BRUNNENSTRASSE 188/190\nFERNS PRECH* ANSCHLUSS: NORDEN Nr. 3393\nliefert samtliche Drudcsachen,\neina und mehrfarbig, schnell, gut und billig\nlIIIIIIIIIIIII9IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIII9UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIHIIUIIIIUIIHIIIHIIIIIIIIII\n2 _\nI Gesellschaft der Sturmfreunde\n1 G. d. St. |\n| Die OrganisationderFreunde der neuen Kunsl [\nmm m\n| Satzung und Aufnahme durch den Verlag Der Sturm [\n| Berlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a I\nmm m\niiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiitiitiiiiiiitiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuiiiuiiiiiiHiiiiii\n\nMANOMETRE\nlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiniIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIHII\nZeitsdirift\nin\nmehreren\nSprachen\n49 Cours Qambelta\nLyon\nProbenummer gratis\n\nDas beste Geschenk fur Grofi und Klein\nIA- N A\nJmmL dmm JmmL M* <1111^\nPAPIERiHira4PPi\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIERFARBBILDER\nvon unerreichter Schonheit / Geschiitzt in alien Kulturstaaten\nPafama A\nPafama .B\nPafama C\nPafama Stern\nBisher erschienen:\nI\n= 25 Farben 1 hochkiinstlerisches\n= 22 Farben 1 Vorlagenwerk fur jede Mappe\n22 Farben\n= 11 Farben\nGebrauchsanweisung\nfiinfsprachig\nXeArmltfel?\nJXunstfnMi|»pe ? yMmiSkastem. F\nZu beziehen durch\nPAFAMA WALDEN & CO. / BERLIN W 9\nPOTSDAMER STRASSE 134 a"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.3", "texte": "MONATSSCHI^^E^^GEBERIHE^^^^^^^\n\nBefreiung\n\nDie Welt ist aus den Fugen. Der Schrank\nklafft und an ihrem Inhalt kann sich die\nfreie Wirtschaft uneingeschränkt bereichern.\nSelbst die Fugen werden zum Kurs frei-\nbleibend verkauft und gehandelt. Die freie\nWirtschaft schafft keine Werte, sie schafft\nsie fort. Irgenddorthin, wo das Gold im\nStahlkasten klingt, wobei Klingen nur das\nSymbol der geistigen Menschheit bedeutet.\nDie geistige Menschheit hat es gut. Denn\nsie ist wertbeständig. Sie hat fixe Ideale\nund fixe Ideen. Sie tauscht Ideale gegen\nIdeen und Ideen gegen Ideale, dass die\nFixer ihr Vergnügen hätten, wenn diese\nWertobjekte an der Börse zugelassen wären.\nDas unbeliebte geistige Deutschland begibt\nsich indessen auf Reisen. Der Chefredakteur\nder Vossischen Zeitung bestätigt dem König\nvon Schweden, dass er herzliches Taktgefühl\nhabe. Der Theaterkritiker des Berliner\nTageblatts bestätigt Spanien den Glanz seiner\nSonne. Der Dichter Eulenberg trägt den\nAmerikanern seine Nach-Dichtungen vor.\nProfessor Einstein klärt den Mikado über\ndie Relativität aller Dinge auf, einschliesslich\nder Fixsterne. Der Oberbürgermeister von\nCassel Dänemark über die Ursachen der\ndeutschen Revolution, Doktor med. Arthur\nSchnitzler Schweden über die Erotik und\nKaiser Wilhelm der Zweite Holland über\ndie schlechte deutsche Theaterkunst. Kurz:\ndie geistige Menschheit macht sich. Sie ist\nauch in dem beliebteren übrigen Europa\nnicht besser. Das liegt an der Ueberschätzung\ndes Geistes. Geist ist eine kluge Ausrede\nfür faule Leute. Deswegen gibt es besonders\nviele Menschen, die ohne Hingabe des Körpers\nden Geist bedienen. Dafür aber mit ganzer\nSeele. Sie reden sich und anderen ein, dass\nder Geist die Welt beherrscht, trotzdem sie\nzur Zeit aus den Fugen gegangen ist. Dafür\nkann aber nur die menschliche Unvoll-\nkommenheit, die nur im Geiste vollkommen\nist. Resultat: Wertbeständigkeit des Handelns.\nEs wird nur gehandelt. Nicht nur deine\nSache, deine Sachen werden gehandelt.\nSchon die Römer verstanden dieses Geschäft:\nTua res agitur. Nur klingt es auf lateinisch\ngeistiger, weil man Handeln mit Tun\ngetauscht und getäuscht hat. Getan wird\nnichts. Hingegen gehandelt und allenfalls\nverhandelt. Soweit dieses Geschäft in Massen\nbetrieben wird, nennt man es wohlwollend\nPolitik. Hier wird nicht die Masse verkauft,\nhier werden die Massen verschleudert. Man\nhat die Ware mit dem Begriff Nation\netikettiert. Man hat der Ware auch ein\nLand gegeben, wo sie aufgestapelt wird.\nDieses Land heisst in der UeberSetzung\naller Sprachen gleich. Es heisst Vaterland.\nDie beliebten Väter gehen auf Reisen und\nverkaufen die Länder, dass die Welt aus\nden Fugen kracht. Die Mütter jammern\nüber die Erde und die Kinder mit ihnen, bis\ndie SöhneVäter werden und gleichfalls Länder\nund Schwestern verkaufen können. Damit\ndie Massen ihren Verkauf bestens oder auf\nTermin nur geistig empfinden, hat man\nihnen einen Obervater erfunden, der sie alle\nverprügeln darf. In älteren Zeiten nannte\nman ihn König, in neueren Präsident. Und\ndamit die liebe Seele auch ihre Ruhe hat,\nwurde noch der Gottvater erfunden, der\ndie Massen nach dem belanglosen körper-\nlichen Tode weiterhin bestrafen darf. Dem\nVolke, den Völkern wurde also von den\nHändlern Religion und Nationalgefühl be-\nliehen, und zwar gänzlich zinslos. Die\nGeistigen, die sowieso nichts zu tun haben,\nstürzten sich mit Begeisterung auf diese\nkostenlosen Leihgaben. Sie entwickelten\nsie so konkret, dass sie zunächst ihnen selbst\ndie Hälse brachen. Da lagen sie nun ohne\nKopf, aber der Geist lebet ewiglich. Religion"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.4", "texte": "und Nationalgefühl sind eine Speditionsidee.\nDie Massen bewegen sich fast kostenlos,\nund das ist ein Gewinn, dorthin, wo sie\nverbraucht werden sollen. Sie werden\nverbrannt, weil die freie Wirtschaft die\nVorräte räumen muss. Des lieben Handels\nwegen. Das Feuer wird gelöscht. Die freie\nWirtschaft muss wieder Werte schaffen.\nNach vorherigem grossen Ausverkauf der\nBrandstätten. Für die Spedition der Trümmer\nwird sogar bezahlt. Gut bezahlt. Denn\nTrümmer sind Rohstoffe, aus denen Werte\ngeschaffen werden. Schliesslich war alles\nnicht böse gemeint. Der Geist wird lebendig.\nDer Geist erhält Nahrung. Geschichten\nwerden erzählt und erfunden und aus ihnen\nwird Geschichte gemacht. Geschichte ein\nLokalbericht. Ein entsetzlicher Anblick bot\nsich dar. Durch das Heldentum eines Vaters\nwurde ein Sohn gerettet, auf dass er Vater\nwerde und Länder und Massen verkaufen\nkönne. Dichter bringen die ganze Geschichte\nwieder in gereimte Fugen, Künstler malen\ndank ihrer Einbildungskraft Feuer nebst\nHelden, als ob es noch brennt, und Steine\nwerden über die Verbrannten zusammenge-\nhauen, als ob sie noch leben. Jetzt tritt die\nReligion in ihre ewigen Rechte. Die Massen\nwerden versöhnt. Von ihrer Existenz haben\nsie zwar nie etwas gemerkt, sie ist ihnen\nstets nur von ihren Herrschern und Händlern\neingebläut und von den Dichtern und\nKünstlern angeblaut worden. Die Welt\nkommt wieder in die Fugen. Von der Stirne\nheiss rinnen muss der Schweiss der Gesellen,\nsoll der Händler den Meister loben. Gegen-\nleistung: der Segen kommt von oben. Das\nist nicht etwa die Einbildungskraft aller\nNationaldichter, das ist die Welt in den\nFugen. Der Takt des Norden wird beklatscht,\ndie Sonne des Südens genehmigt, die Rela-\ntivität im Osten bejubelt und im Westen\nwird verhandelt.\nVölker Europas. Die Welt ist nicht aus\nden Fugen, nicht einmal die Erde. Die\nVerwaltung der Erde ist es. Lasst eure\nGüter nicht verwalten, weder die heiligsten\nnoch die unheiligen. Verwaltet selbst, was\neuch Wert bedeutet. Lasst nicht mit\neuch handeln. Tut etwas. Dass ihr\ndas Leben leben könnt. Das Leben dieser\nErde.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nIngeborg Lacour-Torrup\n\nKlage\nKind ich Dir\nDeine Hand soll auf meiner Stirn ruhen\nMeine Augen suchten Dich auf der Erde\nNun öffneten sich Dir meine Augen\nMein Herz suchte Dich in der Welt\nNun öffnete sich Dir mein Herz\nDu sollst meine Augen küssen\nUnd Du sollst mein Herz trösten\nDir offen liegen meine Augen\nUnd Dir offen liegt mein Herz\nSchwer ruht Deine Hand auf mir\nDeine Hand will meine Augen schliessen\nUnd Deine Hand will mein Herz stumm\nmachen\n\nTanz\nRast die schwinge Sonne schalle Räder\nSonne Singen\nSonne Tönen Schwingen\nSterne\nSterne greifen Kinde\nLachen hüpfen\nSpringen hüpfe blanke Sterne\nSpritzen\nFunken schnellen trennen suchen suchen\nEinen einen\nReigen schreiten wiegen\nWiegen wiegen schneller\nLaufen laufen\nSchwingschwang\nSterne\nSterne jagen Sterne\nSprung\nUnd Fassen\nSonne Singen\nReigen\nDreht die glänze Scheibe Mond der Fahrt\n\nLeiden\nEine grosse wilde Sonne klirrt der Tag\nZucken klinge Hiebe surre Schneide\nMorden morden\nMenschen morden Menschen\nHerzen kalten stechen Augen blinze Stiche\nViele Tränen trinkt die kalte Erde\nLieber Lieber\nSchütze\nBreite deine warmen Hände\nSegne"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.5", "texte": "Nacht — die süssen Sterne fromm und Friede\nLieber\nLieber\nTod\nVerlitten\n\nAhnen\nDunkel gleitet schmeiche Schatten\nHeben sanfte Hände wandeln\nSchatten reihen Schatten stumme Bilde\nUnd Winde Winde\nSchattenwinde küssen müde Wange\nGleiten Tränen in den Wind\nSchweige Schatten reihen ohne Ende\nWandeln schwebe Reigen\nNahen\nNahen fernen nahen wandeln\nSenken halten\nWandeln nahen halten\nBlicken wandeln blicken\nNeigen nah und neigen\nTief öffnet sich ein dunkler Schoss\nWölbt sich und weitet sanft\nTraumsüss und leer\nMir\nMir\n\nAngst\nLäuft mein Hirn so viele leere Kreise\nErdum\nLäuft mein Herz so viele leere Wege\nErdum\nLaufen viele leere Kreise um mein Hirn\nLaufen viele leere Wege um mein Herz\nKreise\nIrre\nLeer\nUnd Wege\nViele viele leere Wege\nErdum\nIrre\n\nFür die Jugend\n\nEs gibt keine alte und junge Kunst. Die\nKunst ist zeitlos. Das Leben erlöst von der\nZeit. Die Kunst ist Leben. Die Schöpfer-\nkraft kennt kein Werden und Vergehen.\nSie ist immer da. Sie ist da im Wandel\nder Form. Die Menschen werden geboren\nund sterben. Die Formen werden geschaffen\nund vernichtet Die Schöpferkraft strömt\nunwandelbar aus dem Reich jenseits von\nGeburt und Tod. In diesem dritten Reich\nleben wir, so wir schöpferisch sind.\nDie jungen Menschen sind Träger dieses\nReiches und die alten Menschen sollen seine\nHüter sein. Was der Mensch in sich trägt,\ndas kann er behüten, so er erkannt hat,\nwas ihm anvertraut ist. Alle Menschen\nsind trächtig der Schöpferkraft, und wir\ngebären, solange wir diese Schöpferkraft\nbehüten.\nWir haben diese Kraft als Kinder gefühlt\nund als Jünglinge gewusst. Nun wir Jünglinge\nsind, müssen wir handeln, wie wir wissen\nund fühlen. Das Gewissen ist die Einheit\nvon Wissen und Fühlen. Das Wissen, das\nwir fühlen, und das Fühlen, das wir wissen,\nist der Grund, aus dem wir handeln müssen,\nwenn wir auf uns stehen wollen, wenn wir\nverständig sein wollen, wenn wir \"mens\"\nhaben, wenn wir Mensch sind.\nDer Mensch, der im Gewissen haftet, der\ngewissenhafte Mensch, wird immer neu ge-\nboren und gebärt immer neu. Ihn nennen\nwir wahrhaft jung. Nur er lebt. Der Mensch,\nder sich vom Gewissen löst, ist tot; denn\ner weiss nicht mehr, was er fühlt. Darum\nwird er hart und geht in die Irre und ver-\nnichtet.\nDie Künstler sind berufen, ohne Unterlass\ndie Schöpferkraft zu künden, dass alle den\nRuf hören, dass wir alle aus der Irre ihres\nNichts rufen, bis niemand mehr vernichten\nkann, weil jeder lebt.\nDie Kunst verkündet die Ordnung des Le-\nbens. Wir nennen diese Ordnung im Wissen\nGesetz und im Fühlen Liebe. Dass die\nLiebe das Gesetz der Menschen werde, ist\nZiel unserer Tat.\nSolange wir gegen das Gesetz fehlen, fallen\nwir. Solange wir unseren Fall fühlen,\nkönnen wir aufstehen. Je weniger wir in\ndie Gesetzlosigkeit fallen, umso näher sind\nwir der Auferstehung des Menschen. Der\nMensch soll auf sich stehen. Der in sich\naufrechte Mensch ist der aufrichtige Mensch.\nIn der Wahrhaftigkeit des äusseren Lebens\nleuchtet die Wahrheit des inneren Lebens.\nDie Wahrheit erkennt in sich, wer den Irr-\ntum an sich erfährt. Aber der Irrtum be-\ngreift die Wahrheit nie. Darum begreifen\nwir die schöpferische Kraft nur, soweit wir\ndas Unschöpferische, den Irrtum verlassen:\nWir irren immer, wo wir nicht bereit sind,"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.6", "texte": "uns zu opfern. Je mehr wir uns erkennen,\ndesto mehr müssen wir opfern. Je auf-\nrechter wir uns erkennen, desto richtiger\nerkennen wir die anderen, desto mehr er-\nkennen wir das Rechte im andern und\nnehmen sein Unrecht als einen Irrtum aut uns.\nDer Künstler, der das Gesetz des Lebens,\ndie Liebe verlässt, verliert die Gesetze der\nKunst. Die Gesetze der Kunst sind dem\nKünstler gegeben, damit er in ihnen das\nGesetz des Lebens, die Liebe erkenne und\nals ein Wissender nach seinem Gewissen\nhandle.\nWir fühlen die Stunde der Entscheidung\nfür alle Schöpferischen. Heute scheiden\nsich die Menschen, die bewusst nur in der\näusseren Welt leben, von denen, die be-\nwusst die Erkenntnisse ihrer inneren Welt\nin äusseres Leben wandeln. Heute wird\nnur bestehen, wer sich auf sein Gewissen\nstellt. Nur wer es vermag, das Licht der\nEinheit alles Lebens in seinem Innern zu\nenthüllen, bereitet um sich die Helle und\ndie Wärme, in der das Leben behütet ist.\nEs kommt darauf an, dass wir das Gewissen\nbejahen. Wollen wir das Gewissen hören,\nso können wir es hören. Rufen wir das\nGewissen, so antwortet es uns. Antworten\nwir ihm, so ist unser Tun verantwortlich.\nNur wer sein Gewissen findet, hat sich\nwirklich gefunden und vermag zu wirken.\nAlle andere Wirkung ist Täuschung. Wer\ngewissenlos zu wirken versucht, täuscht die\nanderen und hindert dort, wo er helfen\nwill. Viele wollen anderen helfen, weil\nsie sich nicht helfen können. Nur wer steht,\nkann die anderen halten, dass sie nicht\nfallen. Wer sich halten lässt, verlasse sich\nnicht auf den Halt, sondern werde sich der\neigenen Kraft gewiss.\nDer Künstler bildet die Bilder seiner inneren\nWelt. Schöpft er sie aus der Einheit alles\nLebens, so vermag alles wirkende Leben\ndas Bild zu sehen. Das Wort, das er aus\nder Fülle seines Gewissens spricht, wird\ngehört von allen Wissenden. So spricht\ner das Wort aller und zeigt das Gefühl\naller. So ist er frei von den Fesseln der\nirrenden Person. In der Welt der schöpfe-\nrischen Kräfte begegnen sich Mensch zu\nMensch und finden sich die Strahlen zum\nLicht Das ist das Leben der Kunst. Es\nist das Leben der Natur. Denn die Kunst\nist die Entsprechung der Natur. Die Natur\nwirkt schöpferisch ohne Unterlass. Gestal-\nten wir unser Menschenleben schöpferisch\nohne Unterlass, so leben wir natürlich.\nDie Kunst ist Erscheinung der inneren Natur\nin der äusseren Natur. Wenn uns die\nAeusserung der inneren Natur selbstver-\nständlich wird, stehen wir auf uns selbst,\nsind wir unserer Schöpferkraft bewusst und\ngebären aus unserem Gewissen das Leben.\nDas Gewissen ist unsere innere Natur, dass\nunser Gewissen frei werde, müssen wir die\näussere Natur zwingen. Aus dem Zwang\nwird die Freiheit geboren.\nDie Freiheit des Gewissens ist die Wieder-\ngeburt des Menschen. Wer frei leidet,\nlernt frei schaffen. Wer frei schafft, zwingt\nkeinen Unfreien. Wer frei lebt, hat die\nSchöpferkraft empfangen.\nDas Gewissen heilt. Es ist der Heiland.\nWenn es herrscht, ist der Mensch aufer-\nstanden von seinem Fall. Das Gewissen\nherrscht, wenn wir ihm dienen.\nDamit der Mensch heil werde, müssen wir\nunserem Gewissen dienen.\n\nLothar Schreyer\n\nSechs Sprüche\nLothar Schreyer\n\nI\nAusser Gott ist Nichts\nSo wir ausser Gott sind sind wir Nichts\nDann ist unser Tun Nichts\nDann ist unser Leiden Nichts\nNichts ist ausser Gott\nDarum sind wir in Gott\nDarum ist unser Tun in Gott\nDarum ist unser Leiden in Gott\nSo wir Nichts sind sind wir in Gott\nNichts ist in Gott\nSo wir ausser Gott sind sind wir in Gott\nSo wir in Gott sind sind wir ausser Gott\nSo wir in Gott sind sind wir Nichts\nWir sind Nichts\nII\nIn Gott ist Alles\nSo wir in Gott sind sind wir Alles\nDarum ist unser Tun Alles\nDarum ist unser Leiden Alles\nGott ist in allem\nDarum ist Gott in uns\nDarum ist Gott in unserem Tun"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.7", "texte": "Hans Haffenrichter: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.8", "texte": "Darum ist Gott in unserem Leiden\nSo wir Alles sind sind wir in Gott\nSo Gott in uns ist sind wir in Gott\nSo wir in Gott sind ist Gott in uns\nSo Gott in Allem ist sind wir in Allem\nWir sind Alles\nIII\nGott ist unerkennbar\nDas Nichts ist unerkennbar\nDa Gott im Menschen istist Gott im\nMenschen unerkennbar\nDa der Mensch in Gott istist der Mensch\nin Gott unerkennbar\nUnser unerkennbares Tun ist in Gott\nUnser unerkennbares Leiden ist in Gott\nDa wir Nichts sind sind wir unerkennbar\nDa ausser uns Nichts ist sind wir Alles\nAlles ist unerkennbar\nSo wir ausser Gott sind sind wir unerkennbar\nSo Gott ausser uns ist sind wir Nichts\nSo wir unerkennbar sind ist Nichts ausser\nuns\nSo wir unerkennbar sind ist Nichts in uns\nDas alles ist unerkennbar\nIV\nIn Gott ist die Liebe\nDa Gott im Menschen istist die Liebe in uns\nDa unser Tun nichts istist unsere Liebe Nichts\nDa wir Alles sind ist die Liebe Alles\nSo wir ausser uns sind sind wir in der Liebe\nSo wir in uns sind sind wir in der Liebe\nNichts ist ausser der Liebe\nAlles ist die Liebe\nUnerkennbar ist die Liebe\nDarum lieben wir und sind Nichts\nDarum lieben wir und haben Alles\nSo wir Alles sind und Nichts haben lieben\nwir\nSo wir Liebe haben sind wir\nDa wir sind müssen wir lieben\nDa die Liebe in uns ist können wir lieben\nDa wir in der Liebe sind wollen wir lieben\nLieben wir so sind wir in Gott\nSo lieben wir Gott\nV\nIn Gott ist der Zwang\nIn Gott sind wir zur Liebe gezwungen\nIn Gott ist die Freiheit\nIn Gott sind wir zur Freiheit gezwungen\nWir haben die Liebe frei\nWählen wir den Zwang so finden wir die\nFreiheit\nWählen wir die Freiheit so zwingt uns die Liebe\nDer unfreie Mensch wird gezwungen in Gott\nDer lieblose Mensch wird frei in Gott\nDer Zwang ist die Ordnung der Liebe\nDie Freiheit ist die Liebe der Ordnung\nDie Ordnung der Liebe ist das Gesetz in Gott\nDie Liebe der Ordnung ist das Stehen unter\ndem Gesetz in Gott\nKeine Freiheit ist ausser in Gott\nNichts zwingt uns ausser Allem in Gott\nVI\nIn Gott ist der Mensch\nAlso ist Gott im Menschen und um den\nMenschen\nAlso leidet Gott das Leiden des Menschen\nAlso handelt Gott das Handeln des Menschen\nAlles opfert der Mensch was nicht in Gott ist\nNichts empfängt der Mensch ausser Allem\nwas in Gott ist\nDer Mensch ist in Gott geboren\nIm Menschen ist Gott empfangen\nWenn der Mensch sich opfert wird Gott\ngeboren\nWenn Gott sich opfert wird der Mensch\nempfangen\nDer Mensch ist das Kind in Gott\n\nNeue Gestaltung in der Musik\nMöglichkeiten des Grammophons\nL. Moholy-Nagy\n\nUnter den heutigen musikalischen Versuchen\nspielen die Untersuchungen mit den Ver-\nstärkeröhren, welche einen neuen Weg in\nder Herstellung aller akustischen Erschei-\nnungen ermöglichen, eine grosse Rolle. Die\nBestrebungen der italienischen Bruitisten,\nneue Instrumente mit neuer Tonbildung\nzu konstruieren, sind durch die Versuche\nmit der Verstärkeröhre als Einheitsinstru-\nment, mit dem alle Arten akustischer\nPhänomene erzeugbar sind, im weitesten\nMasse erfüllt. Aber mit dieser Möglichkeit\nallein ist nicht alles erschöpft, was für die\nUmgestaltung der Musik zu erwarten wäre.\nIch weise auf den ausgezeichneten Artikel\nvon P. Mondrian: Die neue Ge-\nstaltung in der Musik und die\nitalienischen Bruitisten (De Stijl)\nhin, worin er die Grundlagen zur Erneue-\nrung der Tongestaltung analysiert"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.9", "texte": "Oscar Nerlinger: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.10", "texte": "Er sagt unter anderem: „Die Musik kann\nsich nicht entwickeln durch Bereicherung\nan Tönen oder Verfeinerung, noch durch\nVerstärkung der Töne, sondern durch die\nAufhebung der Dualität zwischen dem In-\ndividuellen und dem Universalen, zwischen\ndem Natürlichen und dem Geistigen; das\nheisst, dass die Erreichung des Gleichge-\nwichtes des Menschen das Ziel aller Gestal-\ntung ist.\" Er sagt weiter: „Die Geräusche\nin der Natur ergeben sich aus einer gleich-\nzeitigen und fortdauernden Verschmelzung.\nDie alte Musik hat, indem sie teilweise\ndiese Verschmelzung und die Fortdauer\nzerstörte, aus dem Geräusch Töne abge-\nleitet und sie in einer bestimmten Harmo-\nnie geordnet. Um zu einer mehr univer-\nsalen Gestaltung zu gelangen, wird die\nneue Musik eine neue Ordnung der Töne\nund Nichttöne (bestimmter Geräusche)\nwagen müssen. Das Wesentliche ist, uns\nin der Gestaltung von dem „Natürlichen\",\nvon dem „Animalischen\" befreien, dessen\ncharakteristische Merkmale Verschmelzung\nund Wiederholung sind. Will man die\nVerschmelzung und damit die Herrschaft des\nIndividualistischen vermeiden, so müssen\ndie Instrumente Töne derart bilden, dass\nsowohl Wellenlänge wie Schwingungszahl\nso gleichmässig wie nur möglich bleiben.\nDemnach müssen die Instrumente derart\ngebaut sein, dass es möglich wird, jedes\nNachschwingen mit plötzlichem Ruck ab-\nzubrechen. Man kann sich ohne eine an-\ndere Technik und ohne andere Instrumente\ndiese Gestaltung nicht vorstellen.\"\nDiese Forderungen, insofern sie durch\ntechnische Erfindungen äusserlich er-\nreicht werden können, werden durch die\nInanspruchnahme der Verstärkeröhre auch\nverwirklicht.\nMeine Bestrebung auf demselben Gebiet\nder Umgestaltungsversuche in der Musik\nist eine andere und steht in enger Verbin-\ndung mit dem Gedankengang von Mondrian.\nIch übergehe in den folgenden Ausführun-\ngen die Beweggründe zu der neuen Ton-\ngestaltung, ich zeige nur eine Möglichkeit\nzu ihrer Verwirklichung mit Hilfe eines\nneuen Ausdruckmittels.\nIch schlug vor, aus dem Grammo-\nphon als aus einem Reproduktionsinstru-\nment ein produktives zu schaffen, so, dass\nauf der Platte ohne vorherige akustische\nExistenzen durch Einkratzen der dazu nö-\ntigen Ritzschriftreihen das akustische Phä-\nnomen selbst entsteht.\nDa die Beschreibung dieses Vorgangs dort als\nBeispiel zu einem anderen Gedanken diente,\nhabe ich nur kurz die Möglichkeiten, aber\nnicht die ausführlichen Beweise aufgezählt,\ndie zu der Umgestaltung unserer bis-\nherigen musikalischen Auffassung auf die-\nsem Wege führen. Spekulativ ist klar:\n1. Durch das Feststellen eines Ritzschrift-\nABC ist das Generalinstrument geschaffen,\ndas alle bisherigen Instrumente über-\nflüssig macht.\n2. Die graphischen Zeichen ermöglichen\ndie Aufstellung einer neuen graphisch-\nmechanischen Tonleiter*), das heisst das\nEntstehen einer neuen mechanischen\nHarmonie, indem man die einzelnen\ngraphischen Zeichen untersucht und ihre\nVerhältnisse in ein Gesetz bringt. (Hier\nist die heute noch utopisch klingende\nErwägung zu nennen: graphische Dar-\nstellungen auf Grund strenger Verhältnis-\nGesetzmässigkeiten in die Musik zu\nübertragen.)\n3. Der Komponist kann seine Komposition\nselbst schon auf der Platte reproduktions-\nbereit schaffen, also er ist nicht ange-\nwiesen auf das absolute Können des\nInterpretierenden. Dieser hat bis jetzt\nmeistens seine eigenen Seelenerlebnisse\nin die in Noten aufgeschriebene Kompo-\nsition hineinzuschmuggeln vermocht.\nDie neue Möglichkeit des Grammophons\nwird die heutige dilettantische Musik-\nerziehung auf eine gesundere Basis stellen.\nStatt der vielen „Reproduktionstalente\",\ndie mit der wirklichen Tongestal-\ntung weder aktiv noch passiv etwas zu\ntun haben, werden die Menschen zu\nwirklich Musikaufnehmenden oder\nGestaltenden erzogen.\n4. Die Einführung dieses Systems bei Mu-\nsikaufFührungen würde ebenfalls eine\nwesentliche Erleichterung geben: Unab-\nhängigkeit von grossen Orchesterunter-\nnehmungen; ungeheure Verbreitung der\nschöpferischen Originale durch das ein-\nfache Mittel.\n*) Unsere heutige Tonleiter ist vielleicht tausend\nJahre alt und ihrer Enge heute zu folgen nicht un-\nbedingt notwendig."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "[105]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.11", "texte": "Jozef Peetcrs: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.12", "texte": "(Die Leistungsfähigkeit des Grammophons\nwurde in der letzten Zeit durch einige tech-\nnische Verbesserungen vorzüglich gefördert.\nEs gibt unter anderem zwei wichtige Er-\nfindungen auf diesem Gebiet. Die eine\narbeitet mit elektrischem Betrieb und die\nandere mit einer neuen Membranerfindung\n- und gibt schon fast vollkommen reibungs-\nlose Wiederholung hineingespielter Werke.\nIch denke, wenn wir sie wirklich als For-\nderung haben, werden wir in kürzester\nZeit technisch einwandfreie Apparate be-\nsitzen.)\nDie praktischen Versuche mit dem Grammo-\nphon auf musikschöpferischem Gebiet glaube\nich so zu beginnen:\n1. Da die Ritzen in der auf mechanischem\nWege entstandenen Platte mikroskopisch\nklein sind, muss zu allererst ein Mittel\ngefunden werden, von einer grossen\nRitzschriftplatte, die mit der Hand\nbequem zu bearbeiten ist, auf technisch-\nmechanischem Wege Verkleinerungen\nim Format der heute üblichen Platten\nzu erzielen. Am besten, man lässt eine\nheutige Grammophon (reproduktions)-\nplatte photographieren und von der\nPhotographie ein Photo- oder Autotypie-\nKlischee auf zinkographischem, galvano-\nplastischem Wege herstellen. Wenn\ndiese Platte nur annähernd spielbar\nwäre, ist die Grundlage für die Weiter-\narbeit auf diese Weise gesichert.\n2. Studium der graphischen Zeichen der\nverschiedensten (gleichzeitig und isoliert\nertönenden) akustischen Phänomene.\nInanspruchnahme von Projektionsappa-\nraten. Film. (Darüber gibt es schon\nin physikalischen Spezialstudien ein-\ngehende Beschreibungen.)\n3. Untersuchungen mechanisch-metallischer,\nmineralischer Klänge. Der Versuch,\ndaraus — vorläufig graphisch — eine\neigene Sprache zu bilden. Besondere\nAchtung auf die Zeichen, die durch\ndie verschiedenen Klangfarben hervor-\ngerufen werden.\n4. Herstellung — graphisch — der grössten\nKontrastverhältnisse. (Bevor man die\nVersuche auf der Wachsplatte anfängt,\nist zu empfehlen, mit einer Nadel auf\nverschiedenen Grammophon(reproduk-\ntions)platten, den graphischen Wellen-\nlinien der Musik, deren Gestaltungsfolge\ndem den Versuch Ausführenden bekannt\nist, nachzugehen, um ein Gefühl für die\ngraphische Darstellung zu bekommen.)\n5. Dann kämen Improvisationen\nauf der Wachsplatte in Frage, deren\nklangliche Resultate theoretisch nicht\nabzusehen, von denen aber grosse An-\nregungen zu erwarten sind, da das Mittel\nuns ziemlich unbekannt ist.\n\nAntwerpen März Sonne\nM. Seuphor\n\nDie Uhr des Liebfrauenturms ist in Repa-\nratur und die zwei glitzernden Kreise,\nzwischen denen noch gestern die Stunden\nschlenderten, sind ein starres Symbol auf\ndie Ewigkeit.\nAls die Stunde geschlagen hatte, an der der\nHimmel sich entscheiden würde, haben die\nZeiger sich begegnet und das Wort ist\nFleisch geworden. Die Winterregen hatten\ndie Schwerter eingerostet: sie sind zerschla-\ngen worden durch die Witzigkeit deiner\nAugen und ein Klecks Tauben, sind die\nScherben bezaubert worden durch das\nLiedchen des Leierkastens. Nachher bringt\nein Flugzeug sie zurück in die Gestalt\nMillionen Flugblättchen, die die Neuigkeiten\nüber die Stadt verbreiten oder sterbensmüde\nsich in die Scheide schweben lassen, die\nFlügel herabhängend, wie die Möwe, be-\ntäubt durch die Säfte dieses ersten schönen\nTages.\nDie Zeit hat stillgestanden und alle beque-\nmen Träume von Monako und Lugano\n(nichtfixierte Pastelle gut erhalten, hinter\nGlas mit hohen Passe-partout mit schwer\nvergoldeten Leisten) sind jetzt realisiert\nworden in dem einzigen Aquarell: die\nScheide und die Aussicht auf die Scheide\nund das Feuerwerk auf der Scheide, das\nheftig aufsprudelt aus dem neuen Jugend-\nbrunnen dem Bette entsprungen.\nWarum die Stadt heute Fest und weisse\nFahnen hat will ich dir erzählen:\nJesus, der Mann Nazareths, ist auf dem\nWege nach unserer Stadt, er bringt die\nlang ersehnte Freude, den lang ersehnten\nFrühling mit. Nachher, als die Sonne am\nhöchsten steht, kommt er mit dem neuen\nTransatlantiker „Belgenland\" die Scheide"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.13", "texte": "Gino Severini: Pan-Pan-Tanz im Monico / Gemälde / Vielfarbendruck"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.14", "texte": "heraufgefahren. Drei Kanonenschüsse, wenn\ndie Mäste über den Poldern sichtbar wer-\nden, drei Kanonenschüsse, wenn das Schiff\nin den Hafen einfährt, und drei Salven bei\nden ersten drei Schritten des heiligen\nMannes auf unserem Boden werden für\nseine Glorie bürgen.\nEs ist deshalb, dass die ganze Stadt ge-\nschmückt ist, dass jedes Haus beflaggt ist,\ndass jedermann zu Fuss so leichten Schrittes\nso glatter Stirn ist\nDenn Jesus spricht heute abend auf dem\nGrossen Markt, es wird Beleuchtung mit\nroten und gelben Ballons geben, es wird\nzehn Fanfaren geben, um die Zwischen-\nakte mit Tanzmusik zu illustrieren.\nDenn es wird viel Freude geben und alles\numsonst sein.\nDenn das Reich der Liebe wird ausgeläutet\nwerden und das des Friedens wird als nah\nverkündet werden.\nEr wird reden über Vögelchen und Fisch-\nchen, über Kühlein und Kälblein, von dem\nOchsen auf dem Esel: über den Löwen\nund die Schlange als Haustiere, über Ein-\nstein, die teure Butter und seine junge Zeit,\nüber den Vertrag von Versailles und den\nunheilbaren Magenkrebs, über unsere de-\nmokratische Zeit und den Militarismus,\nüber das Jahrhundertfest von Renan und\ndie Politik über Mauras und\nDaudet und den Stil des Propheten, über\nJudas, über die Blume, das Wasser, die\nFrüchte der Erde, die Sonne und die Schön-\nheit des Lebens.\nEr wird reden über Russland und ein Vater-\nunser lesen zur Gesundung Lenins.\nEr wird reden über die Sterne und zu den\nBürokraten sagen: Habet Ihr gesehen, wie\nviele Züge dieser eine Stern mit dem\nMädchen Eurer Sonntage gemeinsam hat.\nAuf die Bitte eines Bengels wird er die\nHausarbeit für den Schuljungen aufheben.\nEr wird Breughel und Uilenspiegel ver-\nherrlichen, Borms befreien und den Vlamen\neine Hochschule geben.\nEr wird die Mädchen „Zuckerherzchen\"\nund die Jungen „Leckermäuler\" nennen.\nIhm zu Ehren werden die Dockarbeiter\nvierzehn Tage lang mit Ketten und Kisten\nspielen statt zu arbeiten.\nIhm zu Ehren werden an den kommenden\nTagen in allen Kirchen grosse Maskenbälle\nstattfinden, zu denen schwarze Trachten\nkeinen Einlass finden werden.\nIhm zu Ehren werden die Music-Hall-\nArtisten diese Woche ihre Nummern auf\ndem öffentlichen Platze zur Schau bringen.\nIhm zu Ehren werden alle Fehden auf-\nhören, und alle Schulden und aller Hass\nund alle Armut und alle Krankheit und\nalles Uebel.\nDie Zeit hat stillgestanden. Heute morgen\nist die Welt in eine grosse Feuersbrunst\numgewandelt worden, deshalb ist das Reich\nder Liebe ausgeläutet worden, deshalb ist\ndas Reich des Friedens nahe an diesem\nersten schönen Tag des Jahres.\nHeute abend spricht Jesus\nauf dem Grossen Markt.\nSeine Stimme ist Musik für Sterbliche\nund das Leben ist da draussen.\nAus dem Holländischen übersetzt von A. C. Willink\n\nArpt the trapdrummer\n\n1\nDie schwarzen Silben und halb gespaltenen\nNonpareillezeilen fallen aus den schlecht-\ngefügten Dauben des Urfasses. Die Heiz-\nkörper in den Fahnenstangen erlöschen.\nAuf den Ruf cordons s. v. p. purzeln aus\nden Nüstern der Blumen die vierzimmrigen\nKatastrophen, Unvermittelt heizen die Lebe-\nmänner persönlich ihre Zentauren und fah-\nren auf Kugellagern um die Hörseikammer.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nMit Recht fragt sich am andern Morgen\nbeim Aufräumen der Katakomben der mit\nSchimmel gefütterte Diener ach er leidet\nso an Zwergen wo das lichte Gewimmel\nder Winde geblieben ist. Kleine wie Monde\ngeschwungene Boote voll Masken rollen\nauf Zahnrädern fort. Am Purpurmund\nhängen die leeren Engelswaben.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nVom 10. Lebensjahr bis 11 Uhr vormittags\nist eine lange Zeit, doch nicht lange genug,\num für eine hungrige Familie Geld zusam-\nmenzukratzen. Der erste Familienvater\ntanzt jammernd um die Welt. Unter seine\nSohlen hat er sich flinke Eichkätzchen ge-\nbunden« In seinen Augen hängt das kranz-\numwundene Willkommenschild. Manu pro-\npria verjagt er die Böcke von den Ein-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.15", "texte": "Gängen seiner Frau. Er tritt, um keine\nschwarzen Gedanken aufkommen zu lassen,\nseinen männlichen Mitreisenden gegen die\nTekeier.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nEndlich werden handliche und porträt-\nähnliche Büsten von Arp gegossen und\nunter das Volk verteilt.\n2\nAuf Wunsch wird die Armada zum hun-\ndertsten mal geschlagen. Die Ertrunkenen\nmit glühenden Bojen im Maul und Lampen-\nschirmen auf dem Kopf ziehen auf den\nWogen der Begeisterung die Darmdampfer\nund Skelettfische hinter sich her. Die\nSohlen der wandernden Wasserrecken\nklatschen vorüber. Die besessene Greisin\nauf dem Afterast gehört zum Räderwerk\ndes Meeres.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nEin kunstliebender samenreicher und eigen-\nhändiger König stiftet die erste Vase. Sie\nhat sechs Gummibrüste wie Knöpfe über-\neinandergereiht. Der Adamsapfel bringt\nverdientermassen die Koloratur wieder zu\nEhren. Die Vase ist ein riesengrosses\nknochenloses Schneewigwam und hat wie\nalle schönen Menschen zu beiden Seiten\nHenkel.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDie Damenriege, die Frauen der Vielfarbig-\nkeit genannt, bewegen die Winde durch\nFreiturnen. Die Zementzunge beleckt die\nSpazierstöcke der Minnesänger, die Leicht-\ndorne Buonarottis die Souffleurkästen voll\ninwendiger Städte, die weichen Meineide\ndie Schuhe, aus denen stinkendes Fleisch\nwächst, und die Sommerzahlen.\n3\nUm Mittag werden die Uhren auf Mitter-\nnacht gestellt. Aus dem Himmel voller\nböser Zungen fallen die diplomierten Wasser-\nfälle. Um die petikürten Kreuzigungen flie-\ngen die kleinen Skelette in schwarzen Uni-\nformen und schwingen die Retorten mit\nScheidewasser. In die Wipperkonservatorien\nwerden die Schienen gelegt, auf denen die\nTalgkurtisanen und himmlischen Prellböcke\nherangefahren kommen.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDer Kuckuck fliegt mit seiner Uhr auf dem\nRücken fort. Das Feuerross streicht seinen\nmartialischen Schnurrbart. Die Blume legt\ndampfend an die Landungsbrücke an.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDer erste Sepiaknochen erblickt das Licht\nder Welt. Das Volk umarmt sich, ruft zivio\nund wünscht sich innere Zufriedenheit und\nWadenbinden im Salat. Der erste Prophet\ntritt auf und klaftert hundert Lichtjahre.\nDa er vorsichtigerweise nur zweidimensial\nist, kann er leicht durch eine kleine Drehung\nseine Fassade einer zu deutlichen Kontrolle\nentziehen und ist als perfideler Sohn Dadas\nanzusprechen. Er zählt die ewigen Gesetze\nan seinen Rockknöpfen ab. Zufolge kanzlei-\nischer Fertigung ist es ihm gleichgültig,\nGemeingut irgend eines Volkes zu werden.\nSein eiserner Bestandteil ist eine Samariter-\nfossilie. Mit Hilfe des Sextanten schneidet\ner sich saftige Gemsen aus dem Hintern\nseiner freundlichen Frau Nachbarin. Auch\nbeim Auftreten des Propheten umarmt sich\ndas Volk, weint und löscht Strassenlaternen\naus.\nSoviel für heute doch da es schon morgen\nist fahre ich unverzüglich weiter.\nDie schwarzen Livreen senken sich in das\nWeltgebäude nieder und verhüllen end-\ngültig die Möbelwagen voller Nürnberger\nZwiebeln, die Retina der Münzen, die Kur-\ntaxen in Zitterkübeln, die versteigerten\nSchneemänner mit den unreifen Augen, die\ntelurischen Gugeln, die Rehe ohne Trensen,\ndie Pflanzen in Burgunderblusen, die tro-\npischen Fabriken aus Gummi und die\nVolksaufläufe hinter den Turbinen aus\nTufstein. Dröhnend fällt das Tor des Dada-\nhauses zu.\n\nHans Arp\n\nVaria memorabilia\nRudolf Blümner\nMit kollegialem Gruss\nVon einem bekannten Verleger, dessen\nUnternehmen staatliche Unterstützung ge-\nniesst, erhielt die Leitung des Sturm dieses\nSchreiben:"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.16", "texte": "Wir beabsichtigen, das in Ihrem Verlag er-\nschienene Prachtwerk gleichfalls herauszu-\ngeben. Wir schlagen Ihnen vor, dass Sie\nuns die Matern und die Klischees für einige\nZeit leihweise überlassen. Das Papier\nwerden wir selbst liefern. Selbstverständ-\nlich erhalten Sie die Matern und die\nKlischees nach erfolgter Drucklegung\nzurück.\nDas ist, wie wenn einer sagt: Sie haben da\nein herrliches Automobil. Ich schlage\nIhnen vor, dass Sie es mir überlassen.\nDas Benzin liefere ich selbst.\nHandelsüsanzen\nEin Schuhfabrikant sandte einen Angestellten\nnach Berlin. Dieser musste sich vor den\nGeschäften postieren, die Waren des Fa-\nbrikanten verkauften. Hier machte sich\nder Angestellte an die Kunden heran, liess\nsich ihre Namen und Adressen geben und\nerbot sich, ihnen die Schuhe frei ab Fabrik\nzur Hälfte des Preises zu liefern.\nDas ist, wie wenn ein Maler in der Aus-\nstellung Interessenten abfängt und sich er-\nbietet, ihnen die Bilder nach Schluss der\nAusstellung frei ab Atelier billiger zu ver-\nkaufen.\nDer Vergleich hinkt. Denn das erste ist\nnoch nie vorgekommen. Das zweite habe\nich schon häufig erlebt. Es ist die noch\nwenig bekannte Ausbeutung der Aussteller\ndurch die Künstler.\nBeitrag zur Faust-Forschung\nGoethe hat es den Kritikern und Journalisten\nallezeit gut gegeben. Es ist herzerquickend,\nwenn er den Mephisto sagen lässt:\nDenn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein\nWort zur rechten Zeit sich ein.\nHinter diesem Mephisto steckt nicht der sar-\nkastische Goethe, der sich über begrifflose\nWorte lustig macht, es ist der grosse Charak-\nteristiker (hihi!), der den Mephisto wie einen\nDozenten des Feuilletonismus reden lässt.\nEs ist die Kunst der banalen Zeitungsphrase,\nin die er den Schüler einweihen lässt.\nWie? Goethe sollte als Mephisto, Mephisto\nals Goethe einen solchen Unsinn äussern?\nWo Begriffe fehlen, soll sich ein Wort\neinstellen? Das hat auch Goethe nicht\ngeglaubt. Oder ich muss mit Düntzer sagen:\nHierin irrt Goethe. Auch das dümmste\nWort, das je erfunden worden ist, der\nDadaismus, hat einen Begriff. Es ist die\nAlbernheit von Menschen, die bereits mutiert\nhaben und ihre Albernheit gegen Entree\nbeweisen wollen, damit die Leute sagen\nkönnen: wir hättens nicht geglaubt, dass\nes eine solche Albernheit gibt. Und auch\ndas hat sein Gutes. Denn es beweist den\nJournalisten, die sich in solchen Fällen auf\nGoethe und Mephisto berufen, dass sich kein\nWort einstellen kann, wenn der Begriff fehlt.\nDer Begriff ist immer vor dem Wort da.\nWo Begriffe sind, wird sich zur rechten oder\nunrechten Zeit ein Wort einstellen. Es wäre\nverdienstvoller, wenn sie nach dem Begriff\ndes Wortes suchen, das sie nicht begreifen.\nAber ehe sie sich diese Mühe machen, berufen\nsie sich lieber auf einen Unsinn, sagen wir,\nMephistos.\nDas Erkenntnisproblem\nMan erinnert sich, dass vor zehn oder zwölf\nJahren, als die ersten Werke der neuen\nMalerei zu sehen waren, mit Ausnahme von\nzwei bis drei Schriftstellern die berufsmässige\nKritik die neue Kunst ablehnte. Man weiss\nauch, dass sich hierin einiges geändert hat.\nEs gibt heute eine Anzahl von Berufskritikern,\ndie mit verschieden geartetem und verschie-\nden gesteigertem Verständnis über die neue\nKunst urteilen. Unter ihnen sind nur wenige,\ndie es mit ganzem Verständnis tun, und\neinige, die ohne Urteil etwas aus Mode mit-\nmachen, das keine Mode ist. Die Mehrzahl\ndieser Urteiler steht der neuen Kunst so\nratlos gegenüber wie einst und scheint nicht\neinmal zu bemerken, dass die neue Kunst,\ndie der Kritiker des Berliner Tageblatts seit\nJahr und Tag für tot erklärt, lebendig ist,\nsich vermehrt und verbreitet.\nZu alledem habe ich noch ein Weiteres\nzu bemerken.\nAuch diejenigen, die von der neuen Kunst,\nihrer geistigen Tendenz und ihrer Notwen-\ndigkeit durchdrungen sind, können nur hoffen,\ndass diese Kunst einst auch diejenigen über-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.17", "texte": "zeugen werde, die aus der öffentlichen\nBeurteilung von Kunstwerken sich einen\nBeruf und eine wirtschaftliche Existenz-\nmöglichkeit gemacht haben. Ob eine solche\nZeit kommen wird, können auch diese\nDurchdrungenen nicht sagen. Die zehn bis\nzwölf Jahre reichen nicht aus, um eine\njüngere Generation dort zuzulassen, wo durch\nverbreitete Zeitungen und Zeitschriften Ein-\nfluss ausgeübt wird. Das mag noch einmal\nzehn bis zwölf Jahre dauern und vermutlich\nlänger. Aber es ist möglich, dass die heute\nnoch fortdauernde Verbreitung der neuen\nKunst, die das Publikum zu ihr zwingt,\nendlich auch jene berufsmässigen Beurteiler\nergreifen wird.\nIch setze den Fall, dass diese Urteiler mit\nwenigen Ausnahmen die neue Kunst als\nKunst anerkennen und vielleicht sogar er-\nkennen, dass die frühere Malerei, auch sie\nmit wenigen Ausnahmen, auf schlechten\nWegen war. Welche Folgerungen müssten\ndie berufsmässigen Kritiker daraus ziehen?\nWenn wir vergessen wollen, dass noch nie-\nmals einer dieser Art seine eigenen Irr-\ntümer zugegeben hat, würde es genügen,\ndass sie den Irrtum ihrer zünftigen Vor-\ngänger eingestehen? Dass sie sogar öffent-\nlich versprechen, sich diesen ungeheuren\nIrrtum zur Warnung dienen zu lassen und\nsich wenigstens ein jeder für seine eigene\nPerson und für den Rest seines Lebens zu\nbessern? Oder müssten diese berufsmässi-\ngen Urteiler erkennen, dass sie gerade dann\nihre vollkommene, ich hätte Lust zu sagen\nstandesgemässe Unfähigkeit gezeigt haben,\nals sie zum ersten Mal seit vielen hunderten\nvon Jahren Gelegenheit hatten, ihre Fähig-\nkeit zu zeigen? Ist die gesamte Tätigkeit\neiner Berufsklasse nicht wertlos, wenn ihre\nAngehörigen in der einzigen Zeit, da es seit\nvielen hunderten von Jahren etwas zu kri-\ntisieren gab, nicht das Mindeste erkennen\nund unterscheiden konnten? Die Kritiker\nwerden in Zukunft behaupten, in jener Zeit,\ndie noch unsre ist, sei die Kritik minder-\nwertig gewesen. „Heute\", so wird einer\nschreiben, „kann es nicht mehr geschehen,\ndass eine grosse Begabung nicht sofort er-\nkannt wird.\" Und dieser Kritiker wird in\ndem gleichen Artikel irgendeinen Schmier-\nfinken für ein Genie erklären, um zu be-\nweisen, wie sich alles geändert hat.\nWird heute Einer aus innerer Neigung den\nBeruf eines Teufelbeschwörers ergreifen?\nOder wird er, auch wenn einige Neigung\nbei ihm bestehen sollte, soviel Einsicht haben,\ndass er seine Unfähigkeit, Teufel auszutreiben\nerkennt?\nEinen Teufelbeschwörer erklärt man für\neinen Charlatan. Und wir wollen hoffen,\ndass man einstauch diejenigen für Charlatane\nhalten wird, die sich für die Beurteilung\nneuer Kunstwerke von Verlegern Geld zahlen\nlassen.\nÜber ihre Kraft\nDie deutsche Regierung liess nicht nur be-\nkanntgeben, dass sie allerlei unternimmt,\num den Devisenhandel einzuschränken und\ndie Valuta der Mark zu heben, sie hat auch\neinige Massregeln getroffen:\nGoethe äussert sich darüber wie folgt:\n„Einem grossen Uebel zusehen, sich mit\nHoffnungen schmeicheln, der Zeit vertrauen,\netwa einmal dreinschlagen, wie im Fast-\nnachtsspiel, dass es klatscht, und man doch\netwas zu tun scheint, wenn man nichts tun\nmöchte, heisst das nicht, sich verdächtig\nmachen, als sähe man dem Devisenhandel\nmit Vergnügen zu, den man nicht erregen,\nwohl aber hegen möchte?\"\nDamit hat der Altmeister den Nagel sozu-\nsagen wieder einmal ins Schwarze getroffen.\nCochon et frere\nDarf der Künstler mit seinem Kritiker, darf\nder Kritiker mit seinem Künstler verkehren?\nDas ist, wie wenn man fragt: Darf der\nMensch philosophieren? Lichtenberg meinte,\nder Mensch solls bleiben lassen, wenn ihn\nseine Privatphilosophie schnurstracks an den\nGalgen bringt. Wenn der Kritiker und der\nKünstler etwas mehr sind als unnütze\nGlieder der menschlichen Gesellschaft, dann\nkann zwar der Kritiker dem Künstler so\ngut wie nichts bieten, aber der Kritiker\nwird vom Künstler Manches lernen können.\nSoweit ich aber sehe, wirkt der Umgang\nauf beide entsittlichend. Wenn der Kriti-\nker den Maler einen Farbenkleckser nennt,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.18", "texte": "hinterher aber, da er sich von der Berühmt-\nheit des Künstlers eingeholt sieht, weder\nMühe noch Reisekosten scheut, um beim\nKünstler Tee zu trinken, so braucht man\nkeinen von den Beiden hoch zu schätzen.\nIch habe es mein Leben lang vermieden,\ndie Bekanntschaft von Kritikern zu machen.\nEs liess sich oft nicht vermeiden, wenn ich\nnicht ausser für einen selbständigen Men-\nschen auch noch für einen unhöflichen\ngelten wollte. Ich habe aber nur schlechte\nErfahrungen gemacht. Denn, um die Wahr-\nheit zu sagen, ich fand stets den Beifall\nder Kritiker, die mich nicht persönlich\nkannten, und verlor ihr Lob, nachdem sie\nmich kennen gelernt und erkannt hatten,\ndass ich ihnen in Allem überlegen war.\nIm übrigen habe ich die Beobachtung ge-\nmacht, dass die Bekanntschaft mit dem\nKritiker verschiedene Wirkungen hat, die\naber auf der gleichen Ursache beruhen.\nDie Kritiker haben bei aller Unfähigkeit\neine ernste Auffassung ihres Berufes, oder\nes liegt ihnen wenigstens daran, dass es so\nscheinen möchte. Sie sind um nichts so\nsehr besorgt, als um den Ruf ihrer Unpar-\nteilichkeit. Um diese stets an den Tag zu\nlegen, sind sie sogar bereit, einen Künstler,\nden sie persönlich kennen, zu tadeln, ob-\ngleich sie ihn früher, als sie ihn nicht\nkannten, bei gleicher Leistung gelobt hatten.\nEs gibt andere Kritiker, die einen Künstler\nerst dann zu loben beginnen, wenn sie\nseine persönliche Bekanntschaft gemacht\nhaben, es sei denn, dass der Künstler bei\nsolcher Gelegenheit erkennen lässt, wie\ngering er den Kritiker als Lober und als\nTadler schätzt. Nun aber loben sie ihn\nnicht nur aus Eitelkeit, sondern in der Er-\nkenntnis, dass der Künstler ein Mensch wie\nandere ist. Denn der Kritiker ist selbst\nnur ein Mensch und das gar ein eben so\nvorurteilsvoller wie irgend ein Spiesser.\nAuch er lässt sich gern überzeugen, dass\nder Schöpfer des beschimpften Kunstwerks\nnicht nur Arme und Beine wie jeder An-\ndere hat, dass er nicht nur wie ein Anderer\ngekleidet geht, dass er sogar ein ganz netter\nKerl ist,\nWen's juckt, der möge sich kratzen.\nUnd wenn ihm das nicht hilft, will\nich ihm die eben beschriebene Trans-\nfiguration schwarz auf weiss vor die Nase\nhalten.\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Befreiung\nIngeborg Lacour'Torrup: Gedichte\nLothar Schreyer: Für die Jugend\nLothar Schreyer: Sechs Sprüche\nL. MoholyNagy: Neue Gestaltung in der Musik\nM. Seuphor: Antwerpen März Sonne\nHans Arp: Arpt the trapdrummer\nRudolf Blümner: Varia memorabilia\nHans Haffenrichter; Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nOscar Neriinger: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nJozef Peeters: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nGino Severini: Pan-Pan-Tanz im Monico / Gemälde / Vielfarbendruck\nJuli 1923"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19230701-01.1.19", "texte": "Neuerscheinungen des Verlags Der Sturm\nAlbert Gleizes: Vom Kubismus \" Die Mittel zu seinem Verstandnis\nMit 17 Abbildungen nach Werken von Braque ' Gleizes ' Juan Gris \" Leger ' Marcoussis \"\nMetzinger - Picasso ' Severini - Archipenko u. a. ' Grundzahl 4\n\nNeue Farbdrucke dcs Vcrlags\nDcr Sturm\nMarc Chagall:\nIch und das Dorf / Gemalde / Grundzahl 3\nJohannes Ittcn:\nBildnis eines Kindes / Gemalde / Grundzahl 2\nT> •\n♦\nX Vl 1 ♦\nStrasse / Gemalde / Grundzahl 2\nFranz Marc:\nPferde / Aquarell / Grundzahl 2\nGcorg Muche:\nUnd das Licht schied / Grundzahl 2\nDurch alle Buchhandlungen oder vom\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9 / zu beziehen\n\nAn unsere Abonncntcn!\nWir bitten unsere Abonnenten, den Abon'\nnementspreis fur das dritte Vierteljahr 1923\nunverztiglich auf unser Postscheck' Konto\nBerlin 120658 einzuzahlien. Die Grundzahl\nbetragt wie bisher 2 die jetzige Schliissel'\nzahl des Buchhandler'Borsenvereins ist 12000.\nDer Abonnementspreis betragt somit M. 24000.\nEs liegt im Interesse unserer Abonnenten,\ndie Einzahlung unverziiglich zu bewirken,\nda fur spatere Einzahlungen die dann gel-'\ntende erhohte Schliisselzahl in Anrechnung\nkommt. Nach dem 15. Juli erfolgt Em'\nziehung durch Nachnahme.\nUnsere auslandischen Abonnenten bitten wir,\nuns den fur ihr Land geltenden Betrag in\nWahrung ihres Landes oder in Umrechnung\nzum Tageskurs einzusenden. Wir bringen\nnochmals eine Aufstellung der Bezugspreise\nfur die verschiedenen Lander.\n\n„Sicilia d'Oggi\"\nRivista Mensile lllustrata di\nLettere, Arte, Scienze.Varieta\nTiratura4000copie — Formatoin-8 — Pag. 48\nUN NUI1ERO - L. 15\nABBONAMENTO ANNUO L. 15\nDirezione e Amministrazione:\nCasa Edilrice E. SABBIO\nPALERMO - VIA CASTRO 250 - PALERMO\nLA COLLABORAZIONE E'LIBERA\nCercansi Coi rispondenti ed Agenfi di Publicity\nGiovani Aulori! publicate i vj\nromanzi, novelle, liriche ec. presso\nLa Casa Edilrice E. SABBIO\nVIA CASTRO 250-275 - PALERMO\n\nAuslandspreise ftir die Zeitschrift\n,,Der Sturm\"\nDas Abonncment fur ein Vierteljahr betragt:\nftir Argcntinicn: Pap. 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H. / Berlin W 9\nDruck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglicfa von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\nHunderteinundz wanzigste Ausstellung Hundertzweiundzwanzigste Ausstcllung\nJuli 1923 August 1923\nSturm ' Gesamtschau\nDie jungen Oatien / Gast' Ausstellung\n\nMONATSSCHRIFT DER STURM / Vicrzchnter Jahrgang\nErscheint am funften jedes Monats\nMit mehrfarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets vom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug fur Deutschland: Ein Vierteljahr Grundzahl 2 / Ausland: siehe 3. Umschlagseite / Einzelheft\nGrundzahl 1\nVollstSndige Exemplare dcs 6. und 7. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplarcn vorhanden Grundpreis\njc 20 / 9. bis 13. Jahrgang Grundpreis 10 Mark / 1. bis 5. und 8. Jahrgang vcrgriffen / Einzelhcftc alter\nJahrgSnge Grundpreis 1 Mark\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und numerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeicbnungen Kunstdrjicke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbuhne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundpreis 0.20\n\nBticher aus dcm Verlag Der Sturm mit neuen Grundzahlen\nDie Grundzahlen sind mit der jeweils festgesetzten Schliisselzahl zu multiplizieren. Zur Zeit: 12000\nFur das Ausland: Grundzahl = Schweizer Franken\nPostscheckkonto des Verlags\nAugust Stramm\nDu / Liebesgedichte / 4. 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