{"numero_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_sha256": "b4fa627cf8b67eede429cf56898dc245010de2d452ce01f608c409e6aa9469ca", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1923/10/01_01/bmtnabg_1923-10-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1923/10/01_01/bmtnabg_1923-10-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Moholy-Nagy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.1", "debut_caractere": 160, "fin_caractere_exclue": 209, "texte": "Moholy-Nagy: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "145", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.2", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.3", "debut_caractere": 57, "fin_caractere_exclue": 1055, "texte": "Jacoba van Heemskerck\nHerwarth Walden\nUnd wieder ist ein Künstler dem Tod ver-\nfallen, ein Künstler im Sturm des Ge-\nschehens. Sie fallen im Rauschen gestalten-\nden Schaffens. Und die Kunst lebt Lebt\ndurch sie alle über aller Tod hinaus. Nicht\nmehr als Sinnbild. Als Bild aller Sinne.\nAus der Kraft der Sinne hat Jacoba van\nHeemskerck die Bilder geschaffen, die die\nWTelt bedeuten. Die die Welt deuten.\nWasser und Berg und Baum sind ihre\noptischen Eindrücke, die malerische Mittel\nihrer Bildgestaltung wurden. Die Bewegung\ndes Elements wird Element der Bewegung.\nNaturform Kunstform. Eindruck Ausdruck.\nErdteile werden in Kunstteile gewandelt.\nKunstteile zum Bild zusammengeschlossen.\nDenn Leben besteht aus Leben. Kunst\nentsteht aus Kunst. Das ist das Leben\nder Kunst. Jacoba van Heemskerck hat\nder Kunst gelebt. Mit allem Denken und\nSinnen und Trachten. Sie ist der Kunst\nverfallen, die über den Tod erhebt. Denn\nnur in der Kunst lebt das Leben über das\nLeben. Ihr Leben lebt als Kunst gestaltet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "145", "page_fin": "148", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.3", "titre_corps": "Erziehung der künstlerischen Kräfte", "titre_sommaire": "Erziehung der künstlerischen Kräfte", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.3", "debut_caractere": 1057, "fin_caractere_exclue": 3182, "texte": "Erziehung der künstlerischen\n\nKräfte\nKünstlerische Kräfte sind Schöpferkräfte.\nSie wirken durch den Menschen. Ihr Werk\nist Verkündigung der inneren Welt, ist\nDarstellung der Gesetze, durch die die\ninnere Welt in der äusseren Welt herrscht.\nDiese Herrschaft ist Gestaltung. Der Mensch\nschöpft aus der inneren Welt und stellt\ndas Gesetz hin. Die Gesetze sind klar, ein-\ndeutig und umfassen eine Vielheit von\nMöglichkeiten. Je nach seiner Einsicht\nwählt der Mensch eine mögliche Gestalt\nfür das Werk. Wer gesetzmässig lebt und\nwirkt, lebt und wirkt schöpferisch.\nDie künstlerischen Kräfte schaffen Kunst-\nwerke. Nach dem Zweck eines Kunstwerkes\nzu fragen, ist zwecklos. Das Kunstwerk\nhat einen Sinn. Alle Kunstwerke haben\neinen Sinn: den einen Sinn, die geistige\nOrdnung der Materie zu verkünden.\nErziehung ist Pflege des Organismus. Die\nErziehung pflegt den Organismus so, dass\ner sich bilden kann. Jeder Organismus\nstrebt danach, in seiner äusseren Welt ein\nBild seiner inneren Welt zu sein. Die Er-\nziehung erhebt die innere Welt zum Be-\nwusstsein und pflegt das Wachstum der\näusseren Welt als selbstverständliche Wir-\nkung der inneren Welt.\nErziehung der schöpferischen Kräfte pflegt\ndie Erkenntnis der Gesetze des Lebens\ndurch das Erleben dieser Gesetze. Sie\nlässt tun nach diesem Gesetz und nicht\nanders.\nErziehung der künstlerischen Kräfte pflegt\ndie Fähigkeit, die geistige Ordnung der\nMaterie zu verkünden. Die geistige Ordnung\nverkünden kann nur, wer in geistiger Ord-\nnung lebt. Wer lebt, wie er erkennt, wer\ntut, wie er verkündet, ist erzogen.\nEs ist die Aufgabe eines jeden Menschen,\nsich selbst zu erziehen. Die Erzieher\nhaben ihm hierzu die Möglichkeit zu geben.\nSich selbst haben sie als Beispiel zu geben.\nNiemals dürfen sie sich als Vorbild hin-\nstellen. Sobald das geschieht, entstehen\nNachbilder. Das Nachbild ist unschöpferisch,\ntot; denn es ist nicht eigen.\nErziehungsgemeinschaft ist eine Gemein-\nschaft von Menschen, die sich selbst er-\nziehen. Solche Gemeinschaften sind Familie.\nSchule, Volk. Ist in der Gemeinschaft ein\nErzogener, was sehr selten vorkommt, so\nist er das Beispiel und die Mitte. Um ihn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4171, "texte": "schliessen sich die noch Unerzogenen in\nnatürlicher Ordnung. Er vermag zu führen,\nwo Unvernunft und Irrtum keinen Weg\nwissen. Er führt dadurch, dass er sich\nselbst führt. Er kann, darf und will die\nUnvernünftigen und Irrenden nicht zwingen.\nJeder muss den Weg selbst finden. Der\nFührer hat durch sein Beispiel zu zeigen,\ndass der Mensch einen Weg hat.\nIn den meisten Erziehungsgemeinschaften\nsind nur Irrende und Suchende. Die Men-\nschen suchen sich und irren, solange sie\nausser sich suchen. Eine solche Erziehungs-\ngemeinschaft hat Bestand und in ihr kann\nder einzelne zum Ziel gelangen, solange\njeder einzelne das Grundgesetz der Gemein-\nschaft hält: dieses Gesetz ist: Toleranz\ngegen den Irrtum des anderen. Wer die-\nses Gesetz bricht, zerstört die Gemeinschaft.\nDie Gemeinschaft ist nicht dadurch zu\nretten, dass der Gesetzbrecher ausgestossen\nwird. Die Gemeinschaft ist nur dadurch\nzu retten, dass der Gesetzbrecher sich frei-\nwillig ausschliesst.\nIn vielen Erziehungsgemeinschaften, fast\nallen grösseren, herrscht die Unvernunft.\nDann besteht die Gemeinschaft nur dem\nNamen nach. Eine Erziehung ist unmög-\nlich. Die Kräfte werden ausgebeutet und\nunterdrückt. Der schöpferische Mensch\nwird vernichtet. Der vernünftige Mensch\nverlässt die Unvernunft. Er verlässt die\neingebildete Gemeinschaft, die unvernünftige\nFamilie, die unvernünftige Schule. Ist die\nGemeinschaft so gross, dass er sie nicht\nverlassen kann — nur das Volk ist diese\nGemeinschaft —, so ist seine Aufgabe, sich\nder Vernunft zum Opfer zu bringen, indem\ner immer wieder die Vernunft verkündet\nund lebt.\nJeder Mensch kann sich erziehen, wenn er\nsich nicht selbst oder eine eingebildete Ge-\nmeinschaft ihn nicht hindert. Jeder Mensch\nhat schöpferische Kraft. Jeder Mensch hat\nkünstlerische Kraft. Es ist ein Irrtum, an-\nnehmen, dass nicht jeder Mensch Kunst-\nwerke schaffen könne. Wer das annimmt,\nleugnet die Volkskunst und vergisst, dass\ndie Kunstwerke des Individualismus die\nletzten Reste oder heute vielleicht wieder\nersten Anfänge einer Volkskunst sind. Es\nist Unvernunft, die schöpferische Kraft des\nMenschen zu brechen. Ehe wir uns von\nsolcher Unvernunft und solchem Irrtum\nnicht freimachen, bleiben die schöpferischen\nKräfte unerzogen.\nWir sind Glieder der Erziehungsgemein-\nschaft Volk. In unserem Volk herrscht die\nUnvernunft. Die Revolution hat die Herr-\nschaft der Unvernunft dem Volk zum Be-\nwusstsein gebracht. Wir haben die Auf-\ngabe, die Vernunft zum Bewusstsein zu\nbringen. Vernunft ist Gesetzmässigkeit,\nOrdnung. Erkenntnis der schöpferischen\nKräfte und Erziehung der künstlerischen\nKräfte ist das Mittel, die Vernunft, die ver-\nnünftige Ordnung des Geistes in der Materie\nallen zum Bewusstsein zu bringen.\nDie Erziehung der künstlerischen Kräfte\nsoll Aufgabe der Schule sein. In der\nSchule herrscht meist Irrtum, oft Unver-\nnunft. Herrscht Unvernunft, so werden die\nkünstlerischen Kräfte ausgebeutet oder\nunterdrückt, sie können nicht ordentlich\nwachsen. Die Menschen werden unordent-\nlich und ihre Werke unschöpferisch.\nHerrscht der Irrtum, so können sich trotz-\ndem die künstlerischen Kräfte bilden unter\nder Toleranz aller Glieder der Gemeinschaft.\nII\nAus diesen Sätzen ergeben sich folgende\nErkenntnisse für die Erziehung der künst-\nlerischen Kräfte:\n1. Es wird keine Berufskünstler\nmehr geben.\nIn jedem Menschen sollen die künstlerischen\nKräfte erzogen sein, dass er Kunstwerke\nschaffen kann. Das Schaffen von Kunst-\nwerken wird so selbstverständlich sein, wie\nes heute selbstverständlich ist, dass der\nMensch lesen und schreiben kann. Nie-\nmand kann heute Lesen und Schreiben als\nBeruf ausüben, aber kein Beruf ist denk-\nbar ohne Lesen und Schreiben. So wird\nkein Beruf denkbar sein ohne künstlerisches\nGestalten. Wir schreiben heute einen Brief\nund können andern Menschen unsere innere\nWelt mitteilen. Mit derselben Schreibfähig-\nkeit schreiben wir einen chemischen Unter-\nsuchungsbericht. Ebenso werden wir später\nunsere innere Welt im Kunstwerk aus-\ndrücken können mit derselben Fähigkeit,\nmit der wir unseren Beruf gestaltend ord-\nnen. Der Künstler als Beruf wird als ein\nIrrtum angesehen werden, dem eine unge-\nordnete Zeit verfiel.\nWas sollen wir dazu tun? Tolerant sein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4088, "texte": "gegen die Berufskünstler, die im Irrtum\nleben. Selbst den Irrtum nicht mitmachen.\nUnsere künstlerische Kraft wirken lassen in\nAgpbeit, die Handlung der verkündeten Ge-\nsetze ist. Es darf uns nicht genügen, im\nKunstwerk die Gesetze zu verkünden. Wir\nmüssen die Gesetze über das Kunstwerk\nhinaus in der geordneten Materie betätigen.\nDer Verkünder des Wortes wird ein Voll-\nbringer seiner Worte sein. Der Mensch\nordnet sich und die Gemeinschaft. Um\ndas Ziel zu erkennen, müssen wir zuerst\nwissen, dass die Ordnung unter Menschen\ndie Liebe ist, und nur durch die Liebe die\nMenschen geordnet werden können.\n2. Es wird keine Kunstschulen\nmehr geben.\nAlle Schulen, die den Berufskünstler er-\nziehen, sind schon heute überflüssig. Mit\nder Gründung der ersten Kunstgewerbe-\nschule wurde das sinnfällig. Leider war\nes in wenigen Jahren vergessen, sodass\ndiese Schulen immer berufskünstlerischer\nwurden, und heute eine ordentlichere, also\nkünstlerischere Arbeit an den Gewerbe-\nschulen geleistet wird. Die programma-\ntische Vereinigung von Kunstakademie\n(expressionistischer Künstler) und Kunst-\ngewerbeschule brachte dann das Staatliche\nBauhaus in Weimar. Wir wissen heute,\ndass diese Vereinigung gegen die Vernunft\nwar. Denn es wurde versucht, einen\nFehler mit einem zweiten Fehler zu korri-\ngieren. Es wird keine Bauhäuser geben,\nebensowenig wie Akademien und Kunst-\ngewerbeschulen. Aber in jeder Schule\nwerden die Kinder von klein auf die Ge-\nsetze der künstlerischen Gestaltung erlernen\nund in eigener schöpferischer Arbeit er-\nleben. Wie ein Lehrer auch im Lesen\nund Schreiben unterrichtet, so wird ein\nLehrer auch in der Harmonielehre der\nKunstgestalt unterrichten. Und dieser Unter-\nricht wird der Mittelpunkt des ganzen\nSchultages sein. Denn die Gesetze des\ninneren Lebens werden hier unmittelbar\nerkannt.\nWas sollen wir dazu tun? Den Irrtum auf-\ndecken. Nicht mehr mitarbeiten an den\nKunstschulen. Dazu helfen, dass die Volks-\nschule eine Einheitsschule und Gemein-\nschaftsschule der künstlerischen Kräfte\nwerde.\n3. Es wird keine Kunstkritiker\nmehr geben.\nDer Mensch wird nicht mehr über der\nArbeit eines anderen als Richter urteilen.\nEr wird selbst schöpferisch sein und die\nSchöpferkraft des anderen erleben. Urtei-\nlen wird nur der Schöpferische über sich\nselbst. Nur er kann und wird seine Irr-\ntümer und Fehler verdammen, weil nur er\nselbst sie beseitigen kann. Er wird seine\nkritische Fähigkeit positiv wenden und sie\nder Kunstwissenschaft nutzbar machen. Die\nKunstwissenschaft sammelt und ordnet die\nGesetze, die im Kunstwerk gestaltet sind.\nDie Kunstwissenschaft gibt die Harmonie-\nlehre der Kunstgestalt. Durch die Harmo-\nnielehre hat der Lehrer die Begriffe, sein\nWissen von der Kunst mitzuteilen. Sie ist\ndie allgemeine Kenntnis der Gesetze der\nkünstlerischen Kräfte. Anstelle der Kritik\nüber Künstler und Kunstwerke haben die\nMenschen Hingabe an die eigene Arbeit und\nHingabe an den anderen Menschen.\nWas sollen wir dazu tun? Die Kunstkritik\nnicht beachten. Nur Richter über sich\nselbst sein. Wissen, dass die Kraft der\nBegabung Sache des Charakters ist. Mit-\narbeiten an der Sammlung und Ordnung\nder künstlerischen Kräfte. Die Harmonie-\nlehre der Kunstgestalt aus dem Leben er-\nkennen. Im Urteil über sich das Ur-Teil\ndes Ganzen finden und sich so allem\nSchöpferischem verbinden.\n4. Es wird keinen Kunsthandel\nmehr geben.\nDa es keine Berufskünstler mehr geben\nwird, geht die Kunst nicht nach Brot. Da\nalle Händler Künstler sein werden, wird\nes weder Ausbeutung noch Unterdrückung\nder künstlerischen Kräfte geben. Die Ge-\nmeinschaft von Künstlern kann und wird\nes nicht dulden, dass irgend ein Kunstwerk\nSpekulationsobjekt wird. Die Kunstwerke\nsind grundsätzlich Geschenke. Werden sie\ndurch einen geordneten Handel Handels-\nobjekte, so wird der Handel keinen Gewinn\nerzielen aus einem besonderen Kunstwert.\nDie unterschiedlichen Werturteile haben\naufgehört. Das Werk ist ein Kunstwerk\noder nicht. Der Händlerertrag wird vom\nHändler aus seiner eigenen Tätigkeit, nicht\naus der des Künstlers erzielt.\nWas sollen wir dazu tun? Nicht mit den\nKunsthändlern arbeiten, denen die Kunst"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2418, "texte": "fremd ist. Nicht mit den Kunsthändlern\narbeiten, die Kompromisse in künstlerischen\nAngelegenheiten aus Geschäftsrücksichten\nmachen. Nicht mit den Kunsthändlern\narbeiten, denen Künstler und Kunstwerke\nSpekulationsobjekt sind. Kunstwerke ver-\nschenken. Wenn wir Kunstwerke für das\ntägliche Brot verkaufen müssen, dann so\nverkaufen, dass die Kunstwerke nicht Luxus-\nobjekte für reiche Sammler sind. An den\nPreisen werdet ihr heute erkennen, welche\nKünstler in ihrem Leben schöpferisch sind\noder nicht. Nur wer auch im Leben Künst-\nler ist, wird wahrhaft leben.\nIII\nFreunde! Wie lange noch wollen wir\nzögern. Lange genug haben wir das Falsche\ngetan, obwohl wir das Richtige wissen.\nImmer wieder haben wir die Stimme des\nGewissens gehört und haben dennoch ge-\nzögert. Wenn wir noch länger zögern,\ngeht die Stunde der Entscheidung vorbei»\nund wir haben uns nicht entschieden. Ent-\nscheiden wir uns nicht zum Rechten, so\nverlieren wir die Kraft der Kunst.\nDie Kräfte des Gewissens sind untrennbar\nvon den Kräften des Gestaltens. Wer gegen\nsein Gewissen handelt, lähmt seine künst-\nlerische Kraft. Gut, dass wir es noch er-\nkennen können. Dann haben wir noch die\nKraft, uns zu lösen aus der Enge. Die\nFreiheit, das ist der unbeirrte Gehorsam\ngegenüber der Wahrhaftigkeit des Gewissens,\nist die Meisterschaft, die wir erwerben\nsollen. Wir aber sind der Lüge gefolgt,\ndem Kompromiss. Niemals können wir\ndas Rechte erreichen, indem wir das Falsche\ntun. Niemals kann sich das Rechte aus\ndem Falschen entwickeln. Das Rechte ist\nda, sobald wir das Falsche verlassen.\nJeder von uns weiss, wo er beginnen muss,\num sein Gewissen zu erfüllen. Ich will\nbeginnen und lege mein Lehramt am Staat-\nlichen Bauhaus in Weimar nieder.\nFreunde! Keine Entscheidung ist ohne\nOpfer, keine Erkenntnis ohne Verzicht.\nAber nur die Entscheidung des Menschen\nist recht, bei der der Mensch nur gegen\nseinen Irrtum kämpft und nicht gegen die\nUnvernunft der anderen.\nDer Kampf gegen sich selbst, die Reinigung\nvom Lügenhaften ist eine Reinigung des\ninneren Menschen. Wer diese Reinigung\nerlebt, in dem leuchtet die Kraft des\nLebens als ein Licht.\nDiese Reinigung ist Erziehung unseres inne-\nren Lebens.\nWir müssen unbeirrt das Falsche verlassen.\nWir müssen Geduld haben mit denen, die\ndas Falsche tun. Wenn wir selbst das\nRechte tun und unter dem Zwang eines\nguten Gewissens unser Werk gestalten, dann\nwirken wir als Mensch. Das ist gewiss.\n\nLothar Schreyer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "151", "image_debut": 6, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.4", "titre_corps": "Der Fall Berliner Tageblatt", "titre_sommaire": "Der Fall Berliner Tageblatt", "signature_source": "Herwarth Waiden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.6", "debut_caractere": 2420, "fin_caractere_exclue": 4025, "texte": "Der Fall Berliner Tageblatt\n\nDas Berliner Tageblatt gefällt sich in einem\nFall Stramm. W7er ist August Stramm,\nfragen die erstaunten Leser des Berliner\nTageblattes. Nie sind sie bisher mit diesem\nNamen behelligt worden. Der Herr, der\nsonst im Berliner Tageblatt die Tänzerinnen\nbeschreibt, hat eine „Anklage\" gegen den\nSturm gedichtet. Mit richtigem Material.\nZeugen: Die W'itwe. Der Sturm hat Ver-\nbrechen auf Verbrechen begangen. Er hat\ndie Witwe über auswärtige Aufführungen\nder Werke August Stramins nicht unter-\nrichtet. Sie haben zwar nicht stattgefunden.\nAber sie hätten doch stattgefunden haben\nkönnen. Der Sturm hat in unverantwort-\nlicher Weise „grosszügig Werke des Dich-\nters an das valutästarke Ausland ver-\nschenkt\". Nämlich der ungarischen Zeit-\nschrift Ma die Erlaubnis zum Abdruck eines\nGedichtes gegeben. Was weder er noch\nsonst jemand hätte verhindern können.\nDer Sturm hat die Witwe nicht von der\nAufführung einer Oper nach einem Drama\nvon August Stramm unterrichtet. Er hat\ndiese Nachricht zwar selbst nicht bekom-\nmen und selbst im Berliner Tageblatt keine\nVoranzeige davon gefunden. Diesem Blatt,\ndas nur für August Stramm lebt und stirbt.\nDer Rechtsanwalt der Witwe hat angeblich\nirgendwelche Akten verloren. Das Berliner\nTageblatt macht selbstverständlich den\nSturm dafür verantwortlich. Besonders\nempört ist der Tanzmeister des Berliner\nTageblattes über ein Schreiben, das Herr\nDr. Blümner an jemand gerichtet haben\nsoll, in dem es heisst: „Wenn Frau Stramm\nkein Geld bekommen hat, wird wohl auch\nkeines eingegangen sein\". Und dann heisst\nes mit hohem, falschem Pathos: „Was ist,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3760, "texte": "Herr Dr. Blümner, mit den Werken Stramins\ngeschehen?\" Jetzt möchten aber die Leser\ndes Berliner Tageblattes wirklich gern\nwissen, wer dieser August Stramm ist.\nAugust Stramm ist der entscheidende und\ngrösste Wortkünstler dieser Zeit. Seit\nHeinrich von Kleist hat es in Deutschland\nkeinen bedeutenderen gegeben. Seine Werke\nwurden nirgends angenommen und nirgends\nveröffentlicht. Nur im Sturm. Als sie in\nder Zeitschrift Der Sturm zuerst erschienen,\nfand das übliche Hohngelächter der ge-\nsamten deutschen Presse statt. Die deutsche\nPresse konnte sich garnicht im unberech-\ntigten Nachdruck genug tun. Nur, um\ndiese „deutschen Geistesprodukte\" mit ihrem\neigenen deutschen Geist zu verhöhnen. So-\nweit es nicht geschah, schwieg die Presse.\nDas Berliner Tageblatt in besonders gross-\nzügiger Weise. Die allernächsten Ver-\nwandten des Dichters hielten ihn für ver-\nrückt. Zeuge: August Stramm. Nachdem\nDer Sturm, Rudolf Blümner und ich mit\nallen erdenkbaren Frechheiten und Pöbe-\nleien fast ein Jahrzehnt lang von den Ver-\ntretern des deutschen Geistes überschüttet\nworden sind, nachdem wir diesen Künstler\ngegen die Verwandtschaft, gegen die Presse\nund gegen das Publikum durchgesetzt\nhaben, nachdem man nun beginnt, zu sehen,\neinzusehen und aufzusehen, nach diesen\nQualen und Kämpfen kommt der Tanz-\nredakteur des Berliner Tageblattes und\nfragt uns: „Was ist mit den Werken\nStramms geschehen?\" Er fragt noch mehr:\n„Wo sind die Akten des Vertragsbruches?\"\nDamit meint der Herr die Akten, die nach\nAussage seiner Zeugin angeblich der Rechts-\nanwalt seiner Zeugin verloren hat. Diese\nAkten enthalten unsere Feststellungsklage\ngegen die Witwe, dass wir in jeder Hin-\nsicht rechtmässig gehandelt haben. Das\nSchiedsgericht hat es uns bestätigt. Ein\nBeisitzer dieses Gerichts ist bekanntlich ein\nMitglied des Verbandes der deutschen\nBühnenschriftsteller. Frage des Berliner\nTageblattes: „Welcher Art, Schutz verband\nder Bühnenschriftsteller, war Deine Hilfe\nin diesem Falle?\" Antwort: Der offizielle\nVertreter des Verbandes der deutschen\nBühnenschriftsteller. Und nun im Stil des\nHerrn Sudermann, eines Autors, für den\ndas Berliner Tageblatt seit Jahrzehnten\nkämpft und leidet: „Es geht hier nicht um\nStramm, nicht lim diese Frau, mit der\nSchindluder getrieben wurde, sondern es\ngeht um die Würde des Standes der geisti-\ngen Arbeiter, der hier erniedrigt und be-\nleidigt wurde.\" Schindluder ist höchstens\nvon dieser Frau mit der Redaktion des.\nBerliner Tageblattes getrieben worden, der\nich gern den guten Glauben zuspreche,\nwenn es sich um Angriffe gegen den Sturm\nhandelt. Die Würde des Standes der geisti-\ngen Arbeiter, der sich offenbar beleidigt\nund erniedrigt fühlt, kann nicht besser als\ndurch die Wiedergabe eines Gedichtes ge-\nkennzeichnet werden, das mit Begeisterung\nin der gesamten deutschen Presse im Jahre\n1914 veröffentlicht wurde. Das Gedicht\nheisst:\n0\ni\nAu\nGust! Du bist\ndas grösste\nSchaf-\nfende\ndichterisch\ne\nGenie des\nJahr-\nhunde-\nrts!\n14\nTage\nSchützengraben\nwürden dich\nku-\nrieren.\nDieses Gedicht ist noch 1915 in den Zei-\ntungen veröffentlicht worden, nachdem\nAugust Stramm bereits nach 70 Schlachten\nund Gefechten als Hauptmann gefallen war.\nDamals wusste das Berliner Tageblatt aller-\ndings noch nichts von August Stramm.\nDenn sonst wäre es nicht zu verstehen, wie\nein Blatt von dem hohen ethischen Rang\nund von der Macht des Berliner Tageblattes\nes unterlassen hätte, gegen die Verhöhnung\neines Gefallenen vorzugehen, dem es im\nSeptember 1923 hohen künstlerischen Rang\nzuerkennt. Ich verstehe diese Methode der\nWiedergutmachung durchaus. Es ist der\nberühmte Dolchstoss von hinten. Der\nRedakteur des Berliner Tageblattes will\nrückwärts entdecken und muss daher zu-\nnächst einmal die Leute beseitigen, die\nwissen, dass schon entdeckt ist. Das Ber-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2060, "texte": "liner Tageblatt lässt sich bekanntlich nicht\ndie geringste Gelegenheit entgehen, Goethe\noder Rembrandt zu entdecken. Man kann\nhäufig genug Anmerkungen über diese bei-\nden geistigen Arbeiter unter dem bekannten\nStrich finden. Aber sie sind nicht Monopol.\nAuch andere Zeitungen haben sie bereits\nentdeckt. Hier ist vielleicht ein Fall, wo\nman die Konkurrenz schlagen kann. Und\nsinngemäss verfällt der Redakteur des\nTageblattes vom Ethos ins Geschäft: „Wir\nerhalten jeden dritten Tag beinahe die Er-\nhöhung der Börsenschlüsselzahl und mel-\nden es weiter.\" (Sie muss es heissen, aber\ndas ist nicht so wichtig.) „Wir melden\nheute den Fall August Stramm. Wir wer-\nden nicht aufhören, an die klipp und klare\nAntwort zu erinnern.\" Die klipp und klare\nAntwort ist zwar nicht deutsch, aber trotz-\ndem erhält die Redaktion des Berliner\nTageblattes klipp und klar und unverzüg-\nlich die Antwort. Nach vier Tagen ver-\nöffentlicht das Berliner Tageblatt folgendes:\n„Aus den uns vorgelegten Akten haben wir\nfestgestellt, dass das Vorgehen des Verlages\nin allen juristischen Punkten korrekt war,\ndass Frau Stramm in allen juristischen\nPunkten unrecht hat.\"\nUnd darum Sodom und Gomorrha! Und\ndarum Ethos und Börsenschlüsselzahl! Und\ndarum Schindluder und Würde der deut-\nschen Geistesarbeiter! Nun wäre alles in\nschönster Ordnung. Uebrig bleibt die Be-\nleidigung und der Fall Berliner Tageblatt.\nUnd August Stramm.\nAuf die Zurücknahme der Beleidigung\nkommt es mir persönlich nicht an. Ich\nhabe zuviel Leid gefühlt, um mich je be-\nleidigt zu fühlen. Auf das Berliner Tage-\nblatt kommt es noch weniger an. Es ist\nein Nachrichtenblatt wie viele, das im so-\ngenannten Kunstteil zu spät und zu schlecht\nbedient wird.\nWenn aber der Stand der geistigen Arbeiter\nim Berliner Tageblatt sühnen will, so gibt\nes nur eine Sühne: Lasst durch Berufene\nEuren Lesern sagen, wer August Stramm\nist und was August Stramm bedeutet!\nSo werdet und könnt Ihr auch der Witwe\nund den Kindern dieses Mannes in ihrem\nLeben helfen. Und das war doch wohl der\nSinn des Ethos Eures „Falles\".\n\nHerwarth Waiden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "149", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.4.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Moholy-Nagy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "149", "url_page": 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Suschen geht zum Sonntags-\ntanz\nDoris wieder Resede\nAkazien geigen Verlassen Vergangen\nBlasse Stunde durstet alles Tand\nWünsche schwalben Rebenatmen\nGanzen Tag betet Töchterlein geschenktes\nHerz\nTausig baden lerchener Herbst\nLinde flimmert Schnee lass liegen\nGoldbrücke Wiege See Agnete\nHinsprang Tröpflein blute Dorothee\nLass weinen weiss und schlank\nSchleier Schwan schub Schlafkammer\nAnnelein\nGold gewaschen mein Hochzeitstag\nSeidenhemd meiner Mutter Mondschein-\nscharlach\nHannelore darf nicht tanzen\nSieben Schlösser blinken sieben Kerzen\nespenblühen dunkelblau\nSieben Mühlen streuen Magret Haar kaneel\nHände gelbe Heide\nBraunzausen Marie blosse Ferse Hasel-\nstaudespritzen\nRosentrompeter Sommermai du Hübsche\ndu Feine\nGeh barfuss blaustorch Kleegrün Strumpf-\nband\nSchneide scharfes Stroh und bind im Schilf\nein Seidenfädchen um die Zeh\nApfelgrau Augenecken sommerlangschlafen\nbaldvorbei\nElse hat mich Liebste geht mit mir\nLieb bei Liebe geht im Abend Tag am\nhellsten\nAlle Berge sind Silberbrüste und alle Mäd-\nchen sind Särge\nLeblicht leuchten bring brenn Licht\nHoch über alle Berge Bursche Bast Rosmarin\nUebersüsse Knospe lacht ins Sargtuch übers\nJahr\nGretel trägt rote Schuhe\nSchürze Schürze bist du mein\nBegrabt mich am Sonntag vor der Kirchentür\nRöschen Nüssepflücken Gerstebinden Distel-\nstechen\nZeit bringt Rosen schlaf in grüne Seide\nBruder willst du ein Mädchen betrügen\nIns Heu zum hederle zum fitz und federle\nSchifft mich übern Rhein jucht schnedri\nwedri sasa\nSchifft mich übern Rhein jucht jeri jeri\njerei\nDie allerjüngste der drei Schwestern will\nden Knaben haben\nIch liebe dich allein wenn die Linde\nKirm es tanz\nIch habs gewagt jelänger jelieber Jasmin\nHolderblut\nMaiwunsch zerreisst Gertrauts Mainacht\nMaikranz\nKarfunkelbunte Blumen drücken Brüste\nmeine Arme\nZiere Zeitlose zitter gewachsen gefieder\nRosenbrechen rauten Strauch ein Trauer ent-\nzwei\nHüte dich Abendtanz\nRosenschneien Petersilien rote Lilien\n*\nGelbe Lilien Kirschen Weiden achtzehn\nJahre\nGespiele gleissen rosin Kiesel Kreide Brüst-\nchen rockenkrause\nAlle Lerchen fliehen was ich möchte Sterne\nhin und her\nSternenblinde kiisst mich mein Schönster\nVeilchennacht\nFrag alle Verliebte ich kriege ich kriege wo\nwird\nKuckuck Büschel Levkoje\nAufbinde dein flachsenes Haar meergriiuer\nNelken und Rosenorangen\nKerzen verbrannten rotes Mieder\nSichel klingen Sichel rauschen Korn und\nKlee\nBubenleben loben Godegei dich Giseldrut\nSüsser rosenwarmer Mund\nKomm und mache mich gesund\nGrün steht die Linde\nPriedel vor allem."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c007", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "154", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain 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Eine lange Narbe zog sich über\nihre Stirne, ihre Flügel waren rissig und\nfahl wie Holz.\nAls es Abend ward, bogen sie um die Ecke.\n— Bleib stehen — riefen sie — bleib\nstehen! —\nSie waren sehr müde, doch liefen sie weiter.\nAm Ufer des Baumwollensees nahmen sie\nAnlauf und übersprangen drei Stunden.\nEine zertretene Sekunde blieb mit blutenden\nGliedern auf dem Weg liegen. Längs der\nAllee sprangen Schusterbuben herum und\nzeigten den Glasfiguren ihre roten Hinleren.\n— Lasst uns hinunterspucken! — sagte die\nJüngste. Doch sie war ausser Atem!\nAuf dem Dach des Zollamtes tanzte ein\ngrosser Vogel. Eine dicht gedrängte Menge\nstand im Hof und starrte mit offenem Mund\nauf das Dach. Ein Neger kroch hinauf,\nküsste den Vogel, verschlang ihn dann. —\nGebt mir in Fett gebackene Mehlspeisen\nund Oelfrüchte! — rief er hinunter, umarmte\nden Mond und tanzte. Der Schatten packle\nihn im Flug und frass ihn auf. Ein anderer\nVogel sang und verband die leuchtenden\nKöpfe der Türme mit Wolkenhaut. Es\nwurde finster. Dieser Vogel musste darum\nsterben.\n— Man inuss die blaue Zitronenblume von\nder Spitze des Blitzableiters abschneiden\n— sagte der Postbeamte und telegrafierte\ndie Weisung nach Sidney, Neu-Zeeland und\nnach dem Kap der guten Hoffnung.\nDer Totengräber sagte: Küsse den Erdboden\nund streu dir brennendes Natrium auf die\nHaare. In zwei Monaten wird deine schöne\nSchweizerkuh siebenfach kalben.\nEr küsste die Erde. In der Nacht ging er\nin den Stall, das Gesinde zog am Strick\nsoeben das siebente Kalb aus dem Mutter-\nleibe der Kuh. Alle waren erstaunt. Doch\nder Schatten stürmte hinter dem Stall\nhervor und verschlang die Erstaunten, die\nSchweizerkuh, die sieben Kälber, den\nHerren, den Totengräber, die elektrischen\nBirnen und das Heu aus dem Stall. Nur\neine Spinne blieb auf dem Türpfosten am\nLeben, in der Früh flog sie fort und er-\nzählte den Glasfiguren, was sich zugetragen\nhatte.\n— Ein unwürdiger Gegner! — sagten diese\n—er verwüstet die Wunder, Aber er weiss\nnoch nicht, dass sich in den Lücken der\nZeit seltsame Geschöpfe verbergen. Er wird\nam Schlag sterben, als Folge von Ueber-\nernährung. —\nSie liefen weiter, unter ihren Füssen erglänzte\ndas Schienennetz der asiatischen Hauptstadt.\nEin Zug pfiff via Avricourt-Ostende, auf\ndem Dach der Schlafwagen lag der Schatten\nund schnarchte. In der Mitte des hinun-\nlichen Reiches sass ein gelber Mensch in\neinem Turm und sang. Tote Kulis und\nund fruchtbeladene Flösse schwammen in\nrosafarbigem Nebel auf dem Jang-ce-kiang,\naus dem Munde des Steuermanns flog ein\ngoldener Drachen heraus, drehte sich\nleuchtend über dem Wasser und zeigte den\nWeg. — Hört ihr die singenden Türme\nlängs des Ufers? — fragten die Glasfiguren\neinander und nickten gerührt mit den\neckigen Köpfen. Auf einer Wiese blies ein\nSchäfer die Schalmei, weisse Mäuse und\nsanfte Affen weideten zwischen dem Kaktus-\nSeine Geliebte stand unbeweglich in einem\nHügel, auf ihren unzähligen Zitzen sassen\ngelbe Tauben, gelinder Wind wehte, himmel-\nblauer Sommer, — du sanftes Liebchen! —\nsagte der Schäfer und küsste ihren mond-\nleuchtenden Bauch. Die Kinder schnitzten\nGötter aus Mandelkernen und ein betrunkener\nBildhauer fing seinen entschwebenden Atem\nein, knetete eine rote und goldene Pagode,\ntrat betend ein und kam niemehr zum\nVorschein.\nDer Chinesenkaiser nickte mit dem Kopf.\nDie Weissen zogen ein, das Denkmal der\nKuh stürzte zusammen.\n— Was sind das für Tiere? — fragten die\nEingeborenen.\n— Gebt ihnen Mandelmilch und mitleid-\nvolle Märchen! — sagten sie — vielleicht\nbesänftigen sie sich. —\nSie tanzten um das Feuer, auf dem Reis-\nsuppe kochte. Assen duftende Wurzeln.\nIhr Haar zurückgekämmt, grosser Sturm\nentstand, grosser Schrecken, wo der Fluss\nden Schlamm ausspie. Die Tempelschwellen\nstreichelten sie, schlechte Dämonen fliegt\nweg, tut uns nichts zuleide, auf unserer\nHandfläche haben alle Kinder Platz. Grosses\nUnglück!"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4269, "texte": "Ein Braunschweiger Handelsgehilfe riss an\ndem Zopf des Kaisers, der Kaiser tanzte.\n— Der da hat eine Zunge, wie ein Tisch-\nläufer — sagte der Schatten und frass den\nallerunschuldigsten chinesischen Jüngling\nauf. Die Glasfiguren kamen zu spät. Es\nwar Freitag und der Dreizehnte des Monats,\nzwei Jahre dauerte es, bis sie den Suez-\nkanal hinter sich hatten, in der Nähe von\nFaubourg Saint Martin stiegen sie zu Boden.\nDer Schatten tanzte auf dem Kopf, trommelte,\npfiff und spuckte heftige Feuer vor Freude.\n— Wer sind jene Blossärschigen? fragte\nein Bauer und zeigte mit dem Finger gen\nHimmel. Sein Sohn nahm Steine und\nbewarf die Glasfiguren. — Was willst du?\n— fragte die Aelteste und blieb haushoch\nüber ihm schwebend stehen. — Sie werden\nuns unsere Hühner stehlen! — jammerte der\nBauer, riss sich das Haar aus, heulte und\ntanzte die Kamarinskaja. Sein Sohn schlug\nein Kreuz und spuckte in die Luft. — Du\nmusst Grossmamachen Bücken einölen —\nsagte er. — Bring die Wolfsfalle heraus! —\nschrie der Alte und hob drohend die Faust.\nZiegenmist auf den Kreuzweg Vater! — sagte\nder Lummel. — Haben sie nicht Pferde-\nfiisse? — fragte der Alte. Der Junge spuckte\naus, der Vater ebenfalls. — werde deine\nMutter prügeln — sagte er dann, beide\nberuhigten sich und gingen nachhause. Die\nmüden Glasfiguren setzten ihren Weg fort.\n— Sie laufen umsonst — sagte jemand,\nstellte den Motor ab und sprang aus dem\nAuto. — Ohne Argus kein Erfolg! Argus\nAuge sieht alles! Diskrete Informationen\nund Geschäftsgebahren!\nEr überreichte den Glasfiguren eine Visit-\nkarte. Im selben Augenblick erschien ihr\nText mit elektrischen Buchstaben auch auf\ndem Beton der Landstrasse und das Auto\nzeigte die Erscheinung mit heftigen Schellen\nan.\n—- Der, den sie suchen — sagte der Detektiv\n— fliegt auf der zweiundvierzigsten Luft-\nlinie unter dem Prokyon und dem musi-\nzierenden Stab Jakobs. Heute können wir\nihn nicht mehr einholen. Aber meine\nGehilfen sind ihm auf der Spur. Die\nArbeit edelt, begeben wir uns zur Buhe. —\nDas Auto bog vor der breiten Terrasse\nder Missisippi-Bar ein, aus dem Boseneis\nstiegen Konzerte, der Portier drehte die\nelektrische Kurbel. Die geheime Versamm-\nlung wurde im Zimmer Nr. 72 abgehalten\nin vollkommener Finsternis. Jedermann\nschnarchte, nur die Glasfiguren leuchteten\nund disputierten.\n— Morgen punkt 11 Uhr werden wir ihn\neinholen — sagte der Detektiv. — Bitte um\n*\neinen Cheque auf die Unsterblichkeit und\num einige Engelhaar-Aktien für meine\nGehilfen!\n— Erst wenn wir ihn eingeholt haben —\nsagten die Glasfiguren. Der Detektiv ver-\nbeugte sich bis zur Erde. — Dieses Miss-\ntrauen ist verletzend, aber begreiflich —\nsagte er. Ein junges Weib flatterte durch\ndas Zimmer in einem chrisantemen ge-\nschmückten Seidenpijama, der Detektiv\nflatterte ihr nach. Beide verschwanden\nhinter dem Zentralheizapparat. Blaue und\nrote Drähte hingen durch das Fenster und\nauf einer Glasplatte bewegte sich klar\nersichtlich das Telegrafbild des flüchtenden\nSchatten. Man klopfte, ein Neger trat ein,\nbrachte Whysky mit Sodawasser, und\nherzliche Grüsse von Barmixer. — Achtung\nSpion! — flüsterte der Detektiv hinter dem\nHeizapparat, rosafarbiger Nebel füllte das\nZimmer und die Glasfiguren entschwebten.\nDer Detektiv holte sie im Hotel Savoy ein.\n— Türen absperren! — sagte er atemlos\nund drehte das Licht ab. Durch das Fenster\nstieg ein eleganter Herr in das Zimmer,\nhob die schwarzen Schwalbenschwänze\nseines Fracks in die Höhe und staubte sie\ngewissenhaft ab. Der Gedankentelegrafist\n— stellte der Detektiv vor. Der Fremde\nverbeugte sich höflich. — Ich bin unter dem\nZeichen des Krebses geboren — sagte er —\nund reise in meiner eigenen Yacht zwischen\nden Sphären herum. Am 28. Feber vorigen\nJahres wäre ich beinahe am Fleischvergiftung\ngestorben. Aber ich lebe und die Wahrheit\nüber alles! Eine hübsche Jungfrau gefällig? —\nZur Sache — sagten die Glasfiguren und\nerglänzten müde im Dämmerlicht des\nZimmers. Der Auf nahmeapparat des Fremden\nsetzte sich rasselnd in Bewegung, streute\nblaue Funken und zog lange rote Bänder\naus den WTolken. Der Mond kroch, wie\nein trächtiges Tier, mit gewaltigem Bauch\nlangsam vor das Fenster.\n— Die Gedanken des Schatten! — sagte\nknarrend der Telegrafist. — Die heutige\nBörse war freundlich . . . hoffnungsvolle\nStimmung ... in den Anilinfabriken muss"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4141, "texte": "die Produktion gesteigert werden . . . berr\nberr . . . blonde Jungfrau, blonde Jungfrau,\nverbrenne mir nicht die Gedärme . . .\n. . . ich lustwandelte schon unter den\nPalmen Brioni's, und hinter meiner Stirne\ntrage ich Gedichte, an den Füssen Galoschen,\naber wer kennt meine Seele, Seele . . .\nlaliala . . . Seele . . . ich habe Hunger,\ndas ist ein Unglück und Madame Sindral's\nBusen ist mit Sternen besät . . . morgen\nun 14 Uhr . . ♦ berr . . . berr . . .\n— Infolge fremder Einwirkung Verbindung\ngestört — sagte der Telegrafist und steckte\ndie Bänder in die Tasche, Der Mond er-\nschien von Neuem vor dem Fenster und\nkroch summend in entgegengesetzter Rich-\ntung fort. Gazellen bewegten sich in der\nSommerlandschaft. Eine alte Dame in\nMieder starb fantasierend im Wald, mit\nFeuer um den Kopf.\nSie galoppierten wie das Licht. Die Züge\nund die Flüsse unter ihnen blieben zurück,\nsie schrieen und schwammen in der Luft,\num 14, Uhr mussten sie den Norfolker\nBahnhof erreichen, wo die Sterne abgefer-\ntigt werden. — Böh-böh — sagten sie\nkeuchend und wischten sich den Tau von\nder Stirne. — Langer Weg, . . . schwerer\nWeg . . . nicht ermüden! . . . nein ... —\nManolescu, der grosse Hoteldieb lief lautlos\ndurch den Korridor, die schwarzen Augen-\nwimper hingen ihm bis zum Boden hinunter,\ner drang in das Zimmer ein. In seiner\nHand die Davy Lampe zitterte nicht. Die\nzerstreut herumliegenden Kleider schläferte\nChloroform ein. — Verrat — schrie der\nDetektiv, der Schatten entfloh hohnlachend\nmit dem geraubten Geheimnis. Die Glas-\nfiguren kamen zu spät. Der Gedanken-\ntelegrafist lag mit blutender Stirne tot in\nder Tiefe eines Abgrundes.\n— Bleib stehen! — riefen die Glasfiguren\n— bleib stehen! —\nDer Schatten beugte sich zur Erde und\nergriff den Rosinenbart eines Pilgers, hob\nihn hoch, schüttelte ihn in der Luft. Die\nDie Kühe wandten ihm ihr Gesicht zu und\nbrüllten. Sie gaben blutige Milch.\nWarum tanzest du? — fragte die Grossmutter\nihr Enkelkind. —- Ich habe gekochte Körner\ngebracht, zerstosse sie vor der Türe! —\nDer Schatten frass die gekochten Körner\nauf.\nIn einem kleinen Bach badeten Hasen.\nDer Jüngste hielt ein Bouquet im Maul,\nder Schatten entriss es ihm und frass es\nauf. Kleines Tier, du musst sterben!\nSanft seien deine Tage Kind! dessen\nTrompete der Wegelagerer raubte. Und\ndu junges Weib die in ihrem Herzen\nzwischen roten Sammtpölstern das Andenken\neines Seidenstrumpfes aufbewahrst, verhülle\ndein Gesicht und beweine dein verlorenes\nLeben! Die himbeerduftenden Erinnerungen\nhat man dir genommen alter Herr! Die\nstarken Beine des Wandergesellen aufge-\nfressen, er trennte die siamesischen Zwillinge,\nmit einem Fliegenwedel schlug er die\nTaube tot, die du in deiner Hand getragen,\njunger Ingenieur! — Bleib stehen, bleib\nstehen! — riefen die Glasfiguren.\nÜber der Stadt holten sie ihn ein. Ihre\nFüsse verlängerten sich, sie fassten sich an\nder Hand, lachten und kreischten. Die\nMenschen starrten mit offenem Mund in\ndie Höhe, sie winkten mit Tüchern, liessen\nSignalballons steigen. Die Züge blieben\nstehen, dicker Dampf quoll zum Himmel,\ndie unterirdische Bahn stürzte sich auf die\nRingstrassen. Denn der Schatten stolperte\nüber den letzten Blick eines Sterbenden\nund sauste mit dickem Bauch zwischen die\nFabrikkamine. Und die Glasfiguren drangen\nvor.\nHängt die roten Teppische vor die Fenster,\nzündet die Magnesiumkerzen an und tanzet\ndie Carmagnola, in den hellen Schlaf-\nzimmern !\nDie Verfolger klappten die Flügel zusammen\nund stürzten sich wie brennende Pfeile\nauf die Strassen. Doch der Älteste blieb\nplötzlich stehen, warf einen Blick gegen den\nHimmel und stiess einen durchdringenden\nSchrei aus.\nDann flog er mit einem einzigen Schlag\nseiner Flügel zum Kirchturm, auf dem der\nTote langsam gegen den Himmel kroch.\nDer Schatten erhob sich und verschwand\nwiehernd vor Lachen zwischen den Marmor-\ntischen eines musikalischen Kaffehauses.\nDie Glasfiguren keuchten, liessen sich\nmüde auf einen Kamin nieder, wo sie im\nAugenblick russig und rauchig wurden,\nwie ein Stück Bauernspeck. Die Älteste\nschwamm mit ausgebreiteten Armen hinter\ndem Toten einher.\n— Warum hast du uns verlassen? —\nklang von weitem die schmerzliche Frage,"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3920, "texte": "X / * ' .\nklang und erstarb zwischen den Rollen.\nDoch der Flüchtling verschwand mit tauben\nOhren hinter den Lämmerwolken. Die\nGlasfiguren sassen auf dem Kamin und\nkeuchten.\n— Nie? — fragte die Jüngste und der Kopf\nsank ihr auf die Brust.\nDie zweite sagte: Kleine Küchlein ver-\nstummten unter der Klaviatur.\nIndessen bewegte sich der Tote in schnur-\ngerader Linie rasch vorwärts. Bald\nschwitzte er, zog sich den Rock aus und\nschwamm in Hemdärmeln dahin. Die\nGlasfigur konnte mit ihm nicht Schritt\nhalten. Von unten blitzte noch hie und\nda der Reflektor eines Autos auf oder das\nGakkern einer Henne kreuzte behend ihre\nBahn, dann wurde es still. Nach einer\nWoche fing es an zu schneien. Seitwärts,\nvon den Plejaden blies grosser Wind,\nGewaltige rote Kugeln schwebten über\nihren Köpfen, ein Meteor pipste in der\nHöhe und es war kalt wie im Inneren einer\nausgelöschten Gaslaterne.\n— Wohin gehst du? — fragte das Gesicht\ndes Mondes.\n— Dorthin, wohin die Toten — sagte die\nGlasfigur und blieb einen Augenblick stehen,\num sich auszuschnaufen.\n— Im Dunkeln sind alle Kühe schwarz —\nsagte der Mond. — Geh zurück auf deinen\nPlatz! —\nAber die Glasfigur war schon enteilt, mit\nraschen Schritten hinter dem laufenden\nToten. Der Mond blieb zurück, der Grosse\nBär schlenderte beleuchtet vorbei. Seine\nlange Zunge schleifte hinter ihm her, wie\nein Laufteppich aus Transparenten.\n— Nimm eine Stimmgabel! — sagte er —\nund schlag sie dir auf die Stirne. Vielleicht\nkommst du zu dir! —\n— Warum? — fragte die Glasfigur. — Mich\nschwängert die würdevolle und flammende\nLiebe des Jenseits. Ich will den Engeln\ndienen. —\nDer Grosse Bär gähnte mit rotem Mund,\nspuckte aus. Pflanzenartige Tiere flogen\nim Raum herum, eine lila Fledermaus\nsummte und stürzte erdwärts hinab. —\nBleib stehen, bleib stehen — rief die Glas-\nfigur dem rasch enteilenden Toten nach.\n— Ich bin schon ganz ausser Atem, nie\nwerde ich dich einholen. —\nDer Tote setzte sich auf einen Nebelfleck\nund niesste. — Beeilen sie sich! — sagte\ner, — schon bin ich verschnupft. Warum\nhaben sie sich keinen Dion-Bouton 36 HP\ngekauft oder einen Wanderer-Touren wagen?\nDie Toten reiten schnell. —\n— Ich liebe dich — sagte die Glasfigur\nund flammte auf. — Du bist schön, wie\neine entbrannte Nelke, die über einem\nMeerauge schwebt. Nimm mich mit auf\ndeinen Weg! —\n— Wer ist wohl an meine Stelle getreten? —\nsagte der Tote. Mein ganzes Leben lang\nwar ich Beamter und muss nun plötzlich\neine andere Laufbahn ergreifen. Meine\nKinder sind stark und gesund und werden\nihren Platz in Ehren behaupten. Aber wer\nwird mich versorgen?\n— Ich verachte die irdischen Leiden —\nsagte die Glasfigur. — In der Nähe des Orion\nwill ich leben, als unbewusste unsittliche\nKraft. Lehre mir es. Ich liebe dich! —\n— Ich kann wohl behaupten — sagte der\nTote — dass ich das Fabrikations verfahren\ndes Senftgases vervollkommnet habe. Es\nschnürt die Lunge zu, entlockt dem\nAuge Tränen und macht den Gegner\nkampfunfähig. Hingegen ist das Levithin,\ndas das Fleisch von den Knochen frisst,\nnoch schwer zu handhaben. Offerte ohne\nVerbindlichkeit —\n— Ich liebe dich! — sagte die Glasfigur\nund schlug sich mit der Faust auf die\nglanzlose Stirne. — Leben wir der Gegen-\nwart! Lehre mir dein überirdisches\nSchweben. Ich liebe dich! —\n— Kennen Sie Robinson's Insel? — fragte\nder Tote. — Ihr wahrer Name ist Tristan\nda Cunha. Ich verbrachte dort einen Tag,\nals ich nach Montevideo schiffte —\nDie Glasfigur hob die Hand und verscheuchte\neinen gelben Meteor, der ihr nervös um\nden Kopf flatterte. Dann warf sie sich auf\ndie Knie. Ein veilchenblau leuchtender\nNebelkreis eilte an ihnen vorbei, mit\nverschwommener Moll-Musik.\n— Mein Weg führt zu Gott — sagte sie. —\nAber welcher ist dieser Weg? —\nDer Tote wackelte rasch von dannen.\n— Was kümmert es mich? — sagte er.\n— Glauben Sie, ich habe keine grösseren\nSorgen? Ich muss meinen Grossvater\nsuchen, dem ich versprochen habe, ihm\ndas Ergebnis meiner Untersuchungen mit-\nzuteilen. —"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3213, "texte": "Hinter Nebel flog ein alter Leichnam mit\ngeschlossenen Augen. Geschwaerzte Schwae-\nne schwammen schreiend über der Menge.\nOben war grosses Gedränge. — Sahen Sie\nnicht Miss Jackson ? — kreischte ein\nSäugling, in der linken Hand eine grosse\nSchnarre drehend. Ein junger Toter stellte\nsich höflich vor. — Ich habe meine Tele-\nfonnummer vergessen — sagte er — Berlin-\nLützow . . . aber weiter . . .? Gedunsene\nWasserleichen schwebten wie Luftballons,\nwelche Schande! — Fernrohr . . . Fern-\nrohr! — rief man — für einen Penny kann\nman auf die Erde hinunterschauen. —\nJemand ass ein Butterbrot. — Wo sind die\nEngel? — fragte die Glasfigur verzweifelt.\n— Hier suchen Sie Engel? — sagte eine\nFrau. — Kommen Sie denn nicht von der\nErde? —\nIn der Ferne brummelte noch das Gesicht\ndes Mondes, plötzlich entstand Klavier-\nbrausen, der schaukelnde Schatten eines\ngrossen Elefanten tauchte aus der Tiefe\nempor, die Toten zerstieben in alle Richtungen\nund die Glasfigur blieb allein im Raum.\nSie griff mit der Hand nach hinten, denn\nsie verspürte einen gelinden Stoss in der\nGegend ihres Gesässes.\n— Wie viel Zeit haben wir vergeudet? —\nsagten die Glasfiguren, als die Älteste zu-\nrückkehrte. Ihre Stirne war glanzlos, aus\nden Knieen starrten Dornen und die Gebet-\nbänder hingen zerbrochen aus ihrem Mund.\nAbends bogen sie um die Ecke.\n— Bleib stehen — riefen sie — bleib\nstehen! —\nSie keuchten müde und sagten: Langer\nWeg . . . schwerer Weg . . nicht ermüden\n. . nein . .\nDer Schatten rollte auf einer Schwefel-\nkugel durch die Texasstreet. Ein ver-\nführerisches Lächeln hing ihm von den\nPferdezähnen und aus seinen Augen strahlte\ndie verehrungswürdige Traurigkeit alter\nJungfern. Er hob den Rock hoch und\nkreischte mit dünner Stimme zwischen den\nBogenlampen. Das dauerte drei Jahre.\n— Was isst Du? — fragte er eine alte Frau,\ndie auf der Schwelle sass.\n— Nichts! — sagte die alte Frau.\nSie gingen zu zweit weiter. Ein tiefer\nTintenfisch schwamm in den Kanälen,\nsteckte manchmal seinen Kopf heraus und\nschaute mit roten Augen auf das Trottoir.\nAuf einer Bank unter einem Baum lag ein\nGoldgräber.\n— Was isst du? — fragte der Schatten\nund tanzte einen leisen Shimmy zwischen\nden Sträuchern.\n— Nichts! — sagte der Goldgräber, legte\ndie Hand an die Stirne und bespie die\nkieselige Promenade. Schreiend lief er\nihnen nach. Der Schatten streute Nordlicht\naus seinem Rock zwischen die Menge.\n— Was isst du? — fragte er.\n— Wenig — sagte der Jäger und trat in\ndie Reihe. Sie schrieen und die spiriti-\nstischen Tische schwebten tänzelnd über\nihren Köpfen.\n— Daraus wird grosses Unglück! — sagten\ndie Glasfiguren und liefen rasch, wie er-\nschreckte Lämmer in die Stadt. Der\nSchatten hatte schon seit Monaten nichts\ngegessen, sein Bauch war rot vor Hunger,\ner schaute sieb zufrieden seine Herde an\nund tat mit der Zunge so: tje-tje. Die\nTierchen horchten erschrocken auf. Vom\nHimmel tropfte Speichel. Sie liefen ver-\nwirrt herum. Die Wachtfeuer verlöschten.\nEs wurde finster. Eine Hyäne und ein\nHund fingen an einen grossen Turm zu\nbauen, aber sie konnten ihn nicht beenden.\nIm Meer schliefen die elektrischen Fische\n*\nein. Eine Frau gebar ein Kind, das Kind\nverheiratete sich, Enkel streichelten seinen\nlangen Bart, es starb. 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MarzililerdCo. * Berlin w»sronewaldslr.l4ls\noegrunuei 1834 Hoi - Spedlteure S. PL des Kdnigs von Spanlen oegrunaei issi\niniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiMiiiiiiiiiKi\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nIn# und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiii::iiiiiiiiii!iiiiiiniiiiii!i:it!!!iiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiii\nSpedlteure des WlrtschGitilcteen Verbanties isiidender NUnstler. der frelen Secession,\ndes Verbandes Deutscher liiustratoren und Hausspedlteure des ..Sturm\"."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[144]", "page_fin": "[144]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[144]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.2", "debut_caractere": 825, "fin_caractere_exclue": 991, "texte": "S^euseitUc^e\nSeine\nSettfdjrtften\nuxxt> SBerfe\n©efcsntacft>one\n93rofd)iiren\n6pejialitftt: $ftesrfatfcenbrucf\nBERLIN NO 18\nWassmann-strasse 21\nTel. 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3FSl<o.£fomstem 11\n_ M-Jta\nEE Zu beziehen durch Warenhauser, Spielwaren# und Lehrmittelhandlungen oder durch S\n| SIURMiBUGHHANDLUNG / BERLIN W9 |\n| POTSDAMER STRASSfc 138 a g\nrrt+y WtOKB\nI^ltlIlil!liliSltjitiiU!!!ll!!il!!lllUllin!ililil!l!!iilIii!tl!]ll!lllil!ilillill!lifllliltllUlllilill!ll!ll!IIIIIIIIIililfilll{]t!lllll!illil2Sitll!illll!llllll!lilllllllllllllllliliilllllll!lillllU!3!iSI!^"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c020", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 322, "texte": "Neucrscheinungen des Verlags Dcr Sturm\nVI: Maler dcs Expressionismus / Zweite Folgc\n15 Farbdrucke nach Gemalden von Marc Chagall / Robert Delaunaj / Tour Donas / Albert Gleizes\nJohanna Itten / Paul Klee / Louis Marcoussis / Jean Metzinger / Georg Muche / Peri / Lothar Schrejer\nKurt Schwitters / Nell Walden / Grundzahl 12"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c021", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.19", "debut_caractere": 324, "fin_caractere_exclue": 757, "texte": "Neue Farbdruckc dcs Verlags\nDer Sturm\nGino Severini:\nPan-Pan-Tanz im Monico / Gemalde / Grundzahl 3\nMarc Chagall:\nIch und das Dorf / Gemalde / Grundzahl 3\nJohannes Itten:\nBildnis eines Kindes / Gemalde / Grundzahl 2\nTr\"\\ 0\n♦\nX vi X •\nStrasse / Gemalde / Grundzahl 2\nFranz Marc:\nPferde / Aquarell / Grundzahl 2\nGcorg Muche:\nUnd schied das Licht / Grundzahl 2\nDurch alle Buchhandlungen oder vom\nVerlag Der Sturm / Berlin W9/zu beziehen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c022", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.19", "debut_caractere": 759, "fin_caractere_exclue": 1210, "texte": "„Sicilia d'Oggi\"\nRivista Mensile lllustrata di\nLeltere, Arte, Scienze.Vafieta\nTi; atura 4000 copie — Formato in-8 — Pag. 48\nUN NUMERO L,15\nABBONAMENTO ANNUO L. 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Pes. . . . .... . 2. —\n„ Brasilien: Milreis . . . . . .... . . 6.—\n„ Bulgarien: Leva ............ 84.—\n„ Chile: Pes 6\\—\n„ Danemark: Kronen. . . .... ... 6.—\n„ Deutsch-'Oesterreich: ost. Kronen 32000 —\nn Finnland: Mka. . . . . . . . , . .> . . 24.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 12.—\n„ Griechenland: Drachmen . . . . . . 48.—\n„ Grossbritannien: Schilling. . . .... . 5.—\n„ Japan: Yen. 2.40\n„ Italien: Lire .............. 18.—\nn Jugoslawien: Dinar . . . . . . . . . . 52.—\n„ Niederlande: Gu1den......... 3.—\n„ Norwegen: Kronen .......... 6.—\nw Portugal: Milreis 18.—\nM Rumanien: Lei ........... 120.—\n„ Schweden: Kronen .......... 6.—\n„ Schweiz: Franken. . . . . . . . . . . 6.—\n„ Sowjet'-Rußland: Schweizer Franken 6.—\n„ Spanien: Pesetas ....... . . . . 6.—\n„ Tschechoslovakei: Kc. ........ 18.—\n„ Ungarn: Kronen .... . .. . . 20000.—\nw U. S. 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Umschlagseite / Einzelheft\nGrundzahl 1\nVollstandige Exemplare des 5, bis 7. Jahrgangs nur noch in wcnigcn Exemplaren vorhanden / Grundzahl\njc 20 I 9. bis 13. Jahrgang Grundzahl 10 / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte alter Jahr-\ngSnge Grundzahl 1 ,\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und numerierte Handdrucke, ron den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbiihne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundzahl 0.20"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c029", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "162", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.20", "debut_caractere": 1333, "fin_caractere_exclue": 1584, "texte": "Biicher aus dcm Verlag Dcr Sturm mit fcstcn Grundzahlen\nDie Grundzahlen sind mit derje weils festgesetzten ajntlichen Schliisselzahl zu multiplizieren.\nFur das Ausland: Grundzahl = Schweizer Franken\nPostscheckkonto des Vcrlaga Dcr Storm: Berlin 120658"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c030", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "162", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.20", "debut_caractere": 1586, "fin_caractere_exclue": 1960, "texte": "August Stramm\nDu J Liebesgedichte / 4. Auflage / 3\nTropfblut / Gedichte / gebunden / 7\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band 5\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / 2.50\nRudolf Blfimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 4\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / 1.50"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c031", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "162", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.20", "debut_caractere": 1962, "fin_caractere_exclue": 2408, "texte": "Herwarth Walden\nDie neue Malerei / Einfuhrung in den Expressionis-\nmus / 3\nDas Bach der Menschenliebe / Roman / 3\nSturnvßildcrbuchcr\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall J 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\n111 Paul Klee\nIV Kurt Schwittcrs\nJedes Bach 5\nV Maler des Expressionismus / Funfzehn Farb-\ndracke: Chagall / Kandinsky / Franz Marc a. a. / 15\nVI Haler des Expressionismus / Zweite Folge\nKokoschka-Happe: Menschenkopfe / 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c032", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "162", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.20", "debut_caractere": 2410, "fin_caractere_exclue": 2766, "texte": "Der Sturm fibernimmt die Veranstaltung von\nSturm' Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel'\nausstellungen) in alien Stidten und Llndern.\nDer Sturm vermittelt nu r den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\nStandige Vcrkaufsstclle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. 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Potsdamer Strasse 138 a / Laden\nFernruf: Amt Liitzow 4443\n2. Kurfurstendamm ISO / Laden\nFernruf: Amt Uhland 5646\nBficher / Graphik / Husikalien\nBestellungen, auch vom Ausland, werden\nzuglich erledigt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-10-01-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-10-01_01#c034", "volume": "bmtnabg_1923-10-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "162", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.20", "debut_caractere": 2994, "fin_caractere_exclue": 3048, "texte": "V eranderang samtlicher Pre is c jederzeit vorbehalten"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.1", "texte": "mm mm\nAB MBrcjSfiUUg^k\nH MBfcg| hhH * hb \" Jm&Sm B|rag£fflsiH^\nMONATSSCHRIFT /\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nVIERZEHNTER JAHRGANG / ZEHNTES HEFT / OKTOBER 1923\n\nMoholy-Nagy: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[144]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.2", "texte": "W. MarzililerdCo. * Berlin w»sronewaldslr.l4ls\noegrunuei 1834 Hoi - Spedlteure S. PL des Kdnigs von Spanlen oegrunaei issi\niniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiaiiiiiiiiMiiiiiiiiiKi\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen des\nIn# und Auslandes Transportversicherungen jeder Art.\niiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiii::iiiiiiiiii!iiiiiiniiiiii!i:it!!!iiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiii\nSpedlteure des WlrtschGitilcteen Verbanties isiidender NUnstler. der frelen Secession,\ndes Verbandes Deutscher liiustratoren und Hausspedlteure des ..Sturm\".\n\nS^euseitUc^e\nSeine\nSettfdjrtften\nuxxt> SBerfe\n©efcsntacft>one\n93rofd)iiren\n6pejialitftt: $ftesrfatfcenbrucf\nBERLIN NO 18\nWassmann-strasse 21\nTel. HOniasladt 8269.1176\n\nD\nodidrudferei Ridiard Slcin Nadif.\nin\nBERLIN N54 / BR UNNENSTRASSE 188/190\nFERNSPRECH.ANSCHLUSS: NORDEN Nr. 3393\nliefert sa mtlich e Drucksachen,\neiti* und mehrfarbig, sdinell, gut und bilUg\n\niiiiiMiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiHiiiiiHiiiiiimiiiiiiiiiiHiiiitiuiiHiiHiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nmm •\nGesellschaft der Siurmfreunde\n| G. d. St. |\nI Di e Organisation der Freunde der neuen Kunst |\nmm\nmm mm\nmm\n1 Satzung und Aufnahme durch den Verlag Der Sturm =\n| Berlin W 9 / Potsdamer Slrafee 134 a \\\niiiiuimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiimiiiiiiiiuiiiiiuitiiiiiiiiitiiiiiiiimiiiiiiiiiimiuiiuiHiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiu\n\nrrNOI„\nInternationale Zeilschrift\nder Futuristen\nHerausgeber: Enrico Prampolini\nRedaktion: Ruggero Vasari und\nVittoria Orazi\nDirekfion und Administration:\nVia Tronto 89 — Rom (36)\nRedaktion: Via Treviso 19 A —\nRom (50)\nErscheint monatlich u. reproduziert\nWerke bester moderner Kunstler\nDauerbezugspreis jahrl. (12 Hefte)\n40 Lire\n\nIm Verlag Der Sturm ersdtienen Bremen ran nermann Esslg\n■9\nmmmmmmmmmmammmmmmmmmaßmm\nDer Ueberteufel / Tragodie\nUrauffiihrung* am Staatlichen Schauspielhaus in Berlin / September 1923\nDer Frauenmut / Lustspiel\nV.« \" '\nIhr stilles Gliick / Drama\ni >\nJcdes Buch Grundzahl 2:50\nnsn\n\nA — 112 A - I*l A\nPAPIERFABBniAPPI\nivi**\nC-m -va\nmw/ti\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert •=§\nPAPIERFAR B B I L D E R j\nvon unerreichter Schonheit / Geschutzt in alien Kulturstaaten 1\n_ tMesdhiifti&iainslt&s&iettl §\nf| Jjfi* rasrfmrafflippe ? 3FSl<o.£fomstem 11\n_ M-Jta\nEE Zu beziehen durch Warenhauser, Spielwaren# und Lehrmittelhandlungen oder durch S\n| SIURMiBUGHHANDLUNG / BERLIN W9 |\n| POTSDAMER STRASSfc 138 a g\nrrt+y WtOKB\nI^ltlIlil!liliSltjitiiU!!!ll!!il!!lllUllin!ililil!l!!iilIii!tl!]ll!lllil!ilillill!lifllliltllUlllilill!ll!ll!IIIIIIIIIililfilll{]t!lllll!illil2Sitll!illll!llllll!lilllllllllllllllliliilllllll!lillllU!3!iSI!^"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WAL DEN\n\nJacoba van Heemskerck\nHerwarth Walden\nUnd wieder ist ein Künstler dem Tod ver-\nfallen, ein Künstler im Sturm des Ge-\nschehens. Sie fallen im Rauschen gestalten-\nden Schaffens. Und die Kunst lebt Lebt\ndurch sie alle über aller Tod hinaus. Nicht\nmehr als Sinnbild. Als Bild aller Sinne.\nAus der Kraft der Sinne hat Jacoba van\nHeemskerck die Bilder geschaffen, die die\nWTelt bedeuten. Die die Welt deuten.\nWasser und Berg und Baum sind ihre\noptischen Eindrücke, die malerische Mittel\nihrer Bildgestaltung wurden. Die Bewegung\ndes Elements wird Element der Bewegung.\nNaturform Kunstform. Eindruck Ausdruck.\nErdteile werden in Kunstteile gewandelt.\nKunstteile zum Bild zusammengeschlossen.\nDenn Leben besteht aus Leben. Kunst\nentsteht aus Kunst. Das ist das Leben\nder Kunst. Jacoba van Heemskerck hat\nder Kunst gelebt. Mit allem Denken und\nSinnen und Trachten. Sie ist der Kunst\nverfallen, die über den Tod erhebt. Denn\nnur in der Kunst lebt das Leben über das\nLeben. Ihr Leben lebt als Kunst gestaltet.\n\nErziehung der künstlerischen\n\nKräfte\nKünstlerische Kräfte sind Schöpferkräfte.\nSie wirken durch den Menschen. Ihr Werk\nist Verkündigung der inneren Welt, ist\nDarstellung der Gesetze, durch die die\ninnere Welt in der äusseren Welt herrscht.\nDiese Herrschaft ist Gestaltung. Der Mensch\nschöpft aus der inneren Welt und stellt\ndas Gesetz hin. Die Gesetze sind klar, ein-\ndeutig und umfassen eine Vielheit von\nMöglichkeiten. Je nach seiner Einsicht\nwählt der Mensch eine mögliche Gestalt\nfür das Werk. Wer gesetzmässig lebt und\nwirkt, lebt und wirkt schöpferisch.\nDie künstlerischen Kräfte schaffen Kunst-\nwerke. Nach dem Zweck eines Kunstwerkes\nzu fragen, ist zwecklos. Das Kunstwerk\nhat einen Sinn. Alle Kunstwerke haben\neinen Sinn: den einen Sinn, die geistige\nOrdnung der Materie zu verkünden.\nErziehung ist Pflege des Organismus. Die\nErziehung pflegt den Organismus so, dass\ner sich bilden kann. Jeder Organismus\nstrebt danach, in seiner äusseren Welt ein\nBild seiner inneren Welt zu sein. Die Er-\nziehung erhebt die innere Welt zum Be-\nwusstsein und pflegt das Wachstum der\näusseren Welt als selbstverständliche Wir-\nkung der inneren Welt.\nErziehung der schöpferischen Kräfte pflegt\ndie Erkenntnis der Gesetze des Lebens\ndurch das Erleben dieser Gesetze. Sie\nlässt tun nach diesem Gesetz und nicht\nanders.\nErziehung der künstlerischen Kräfte pflegt\ndie Fähigkeit, die geistige Ordnung der\nMaterie zu verkünden. Die geistige Ordnung\nverkünden kann nur, wer in geistiger Ord-\nnung lebt. Wer lebt, wie er erkennt, wer\ntut, wie er verkündet, ist erzogen.\nEs ist die Aufgabe eines jeden Menschen,\nsich selbst zu erziehen. Die Erzieher\nhaben ihm hierzu die Möglichkeit zu geben.\nSich selbst haben sie als Beispiel zu geben.\nNiemals dürfen sie sich als Vorbild hin-\nstellen. Sobald das geschieht, entstehen\nNachbilder. Das Nachbild ist unschöpferisch,\ntot; denn es ist nicht eigen.\nErziehungsgemeinschaft ist eine Gemein-\nschaft von Menschen, die sich selbst er-\nziehen. Solche Gemeinschaften sind Familie.\nSchule, Volk. Ist in der Gemeinschaft ein\nErzogener, was sehr selten vorkommt, so\nist er das Beispiel und die Mitte. Um ihn"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.4", "texte": "schliessen sich die noch Unerzogenen in\nnatürlicher Ordnung. Er vermag zu führen,\nwo Unvernunft und Irrtum keinen Weg\nwissen. Er führt dadurch, dass er sich\nselbst führt. Er kann, darf und will die\nUnvernünftigen und Irrenden nicht zwingen.\nJeder muss den Weg selbst finden. Der\nFührer hat durch sein Beispiel zu zeigen,\ndass der Mensch einen Weg hat.\nIn den meisten Erziehungsgemeinschaften\nsind nur Irrende und Suchende. Die Men-\nschen suchen sich und irren, solange sie\nausser sich suchen. Eine solche Erziehungs-\ngemeinschaft hat Bestand und in ihr kann\nder einzelne zum Ziel gelangen, solange\njeder einzelne das Grundgesetz der Gemein-\nschaft hält: dieses Gesetz ist: Toleranz\ngegen den Irrtum des anderen. Wer die-\nses Gesetz bricht, zerstört die Gemeinschaft.\nDie Gemeinschaft ist nicht dadurch zu\nretten, dass der Gesetzbrecher ausgestossen\nwird. Die Gemeinschaft ist nur dadurch\nzu retten, dass der Gesetzbrecher sich frei-\nwillig ausschliesst.\nIn vielen Erziehungsgemeinschaften, fast\nallen grösseren, herrscht die Unvernunft.\nDann besteht die Gemeinschaft nur dem\nNamen nach. Eine Erziehung ist unmög-\nlich. Die Kräfte werden ausgebeutet und\nunterdrückt. Der schöpferische Mensch\nwird vernichtet. Der vernünftige Mensch\nverlässt die Unvernunft. Er verlässt die\neingebildete Gemeinschaft, die unvernünftige\nFamilie, die unvernünftige Schule. Ist die\nGemeinschaft so gross, dass er sie nicht\nverlassen kann — nur das Volk ist diese\nGemeinschaft —, so ist seine Aufgabe, sich\nder Vernunft zum Opfer zu bringen, indem\ner immer wieder die Vernunft verkündet\nund lebt.\nJeder Mensch kann sich erziehen, wenn er\nsich nicht selbst oder eine eingebildete Ge-\nmeinschaft ihn nicht hindert. Jeder Mensch\nhat schöpferische Kraft. Jeder Mensch hat\nkünstlerische Kraft. Es ist ein Irrtum, an-\nnehmen, dass nicht jeder Mensch Kunst-\nwerke schaffen könne. Wer das annimmt,\nleugnet die Volkskunst und vergisst, dass\ndie Kunstwerke des Individualismus die\nletzten Reste oder heute vielleicht wieder\nersten Anfänge einer Volkskunst sind. Es\nist Unvernunft, die schöpferische Kraft des\nMenschen zu brechen. Ehe wir uns von\nsolcher Unvernunft und solchem Irrtum\nnicht freimachen, bleiben die schöpferischen\nKräfte unerzogen.\nWir sind Glieder der Erziehungsgemein-\nschaft Volk. In unserem Volk herrscht die\nUnvernunft. Die Revolution hat die Herr-\nschaft der Unvernunft dem Volk zum Be-\nwusstsein gebracht. Wir haben die Auf-\ngabe, die Vernunft zum Bewusstsein zu\nbringen. Vernunft ist Gesetzmässigkeit,\nOrdnung. Erkenntnis der schöpferischen\nKräfte und Erziehung der künstlerischen\nKräfte ist das Mittel, die Vernunft, die ver-\nnünftige Ordnung des Geistes in der Materie\nallen zum Bewusstsein zu bringen.\nDie Erziehung der künstlerischen Kräfte\nsoll Aufgabe der Schule sein. In der\nSchule herrscht meist Irrtum, oft Unver-\nnunft. Herrscht Unvernunft, so werden die\nkünstlerischen Kräfte ausgebeutet oder\nunterdrückt, sie können nicht ordentlich\nwachsen. Die Menschen werden unordent-\nlich und ihre Werke unschöpferisch.\nHerrscht der Irrtum, so können sich trotz-\ndem die künstlerischen Kräfte bilden unter\nder Toleranz aller Glieder der Gemeinschaft.\nII\nAus diesen Sätzen ergeben sich folgende\nErkenntnisse für die Erziehung der künst-\nlerischen Kräfte:\n1. Es wird keine Berufskünstler\nmehr geben.\nIn jedem Menschen sollen die künstlerischen\nKräfte erzogen sein, dass er Kunstwerke\nschaffen kann. Das Schaffen von Kunst-\nwerken wird so selbstverständlich sein, wie\nes heute selbstverständlich ist, dass der\nMensch lesen und schreiben kann. Nie-\nmand kann heute Lesen und Schreiben als\nBeruf ausüben, aber kein Beruf ist denk-\nbar ohne Lesen und Schreiben. So wird\nkein Beruf denkbar sein ohne künstlerisches\nGestalten. Wir schreiben heute einen Brief\nund können andern Menschen unsere innere\nWelt mitteilen. Mit derselben Schreibfähig-\nkeit schreiben wir einen chemischen Unter-\nsuchungsbericht. Ebenso werden wir später\nunsere innere Welt im Kunstwerk aus-\ndrücken können mit derselben Fähigkeit,\nmit der wir unseren Beruf gestaltend ord-\nnen. Der Künstler als Beruf wird als ein\nIrrtum angesehen werden, dem eine unge-\nordnete Zeit verfiel.\nWas sollen wir dazu tun? Tolerant sein"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.5", "texte": "gegen die Berufskünstler, die im Irrtum\nleben. Selbst den Irrtum nicht mitmachen.\nUnsere künstlerische Kraft wirken lassen in\nAgpbeit, die Handlung der verkündeten Ge-\nsetze ist. Es darf uns nicht genügen, im\nKunstwerk die Gesetze zu verkünden. Wir\nmüssen die Gesetze über das Kunstwerk\nhinaus in der geordneten Materie betätigen.\nDer Verkünder des Wortes wird ein Voll-\nbringer seiner Worte sein. Der Mensch\nordnet sich und die Gemeinschaft. Um\ndas Ziel zu erkennen, müssen wir zuerst\nwissen, dass die Ordnung unter Menschen\ndie Liebe ist, und nur durch die Liebe die\nMenschen geordnet werden können.\n2. Es wird keine Kunstschulen\nmehr geben.\nAlle Schulen, die den Berufskünstler er-\nziehen, sind schon heute überflüssig. Mit\nder Gründung der ersten Kunstgewerbe-\nschule wurde das sinnfällig. Leider war\nes in wenigen Jahren vergessen, sodass\ndiese Schulen immer berufskünstlerischer\nwurden, und heute eine ordentlichere, also\nkünstlerischere Arbeit an den Gewerbe-\nschulen geleistet wird. Die programma-\ntische Vereinigung von Kunstakademie\n(expressionistischer Künstler) und Kunst-\ngewerbeschule brachte dann das Staatliche\nBauhaus in Weimar. Wir wissen heute,\ndass diese Vereinigung gegen die Vernunft\nwar. Denn es wurde versucht, einen\nFehler mit einem zweiten Fehler zu korri-\ngieren. Es wird keine Bauhäuser geben,\nebensowenig wie Akademien und Kunst-\ngewerbeschulen. Aber in jeder Schule\nwerden die Kinder von klein auf die Ge-\nsetze der künstlerischen Gestaltung erlernen\nund in eigener schöpferischer Arbeit er-\nleben. Wie ein Lehrer auch im Lesen\nund Schreiben unterrichtet, so wird ein\nLehrer auch in der Harmonielehre der\nKunstgestalt unterrichten. Und dieser Unter-\nricht wird der Mittelpunkt des ganzen\nSchultages sein. Denn die Gesetze des\ninneren Lebens werden hier unmittelbar\nerkannt.\nWas sollen wir dazu tun? Den Irrtum auf-\ndecken. Nicht mehr mitarbeiten an den\nKunstschulen. Dazu helfen, dass die Volks-\nschule eine Einheitsschule und Gemein-\nschaftsschule der künstlerischen Kräfte\nwerde.\n3. Es wird keine Kunstkritiker\nmehr geben.\nDer Mensch wird nicht mehr über der\nArbeit eines anderen als Richter urteilen.\nEr wird selbst schöpferisch sein und die\nSchöpferkraft des anderen erleben. Urtei-\nlen wird nur der Schöpferische über sich\nselbst. Nur er kann und wird seine Irr-\ntümer und Fehler verdammen, weil nur er\nselbst sie beseitigen kann. Er wird seine\nkritische Fähigkeit positiv wenden und sie\nder Kunstwissenschaft nutzbar machen. Die\nKunstwissenschaft sammelt und ordnet die\nGesetze, die im Kunstwerk gestaltet sind.\nDie Kunstwissenschaft gibt die Harmonie-\nlehre der Kunstgestalt. Durch die Harmo-\nnielehre hat der Lehrer die Begriffe, sein\nWissen von der Kunst mitzuteilen. Sie ist\ndie allgemeine Kenntnis der Gesetze der\nkünstlerischen Kräfte. Anstelle der Kritik\nüber Künstler und Kunstwerke haben die\nMenschen Hingabe an die eigene Arbeit und\nHingabe an den anderen Menschen.\nWas sollen wir dazu tun? Die Kunstkritik\nnicht beachten. Nur Richter über sich\nselbst sein. Wissen, dass die Kraft der\nBegabung Sache des Charakters ist. Mit-\narbeiten an der Sammlung und Ordnung\nder künstlerischen Kräfte. Die Harmonie-\nlehre der Kunstgestalt aus dem Leben er-\nkennen. Im Urteil über sich das Ur-Teil\ndes Ganzen finden und sich so allem\nSchöpferischem verbinden.\n4. Es wird keinen Kunsthandel\nmehr geben.\nDa es keine Berufskünstler mehr geben\nwird, geht die Kunst nicht nach Brot. Da\nalle Händler Künstler sein werden, wird\nes weder Ausbeutung noch Unterdrückung\nder künstlerischen Kräfte geben. Die Ge-\nmeinschaft von Künstlern kann und wird\nes nicht dulden, dass irgend ein Kunstwerk\nSpekulationsobjekt wird. Die Kunstwerke\nsind grundsätzlich Geschenke. Werden sie\ndurch einen geordneten Handel Handels-\nobjekte, so wird der Handel keinen Gewinn\nerzielen aus einem besonderen Kunstwert.\nDie unterschiedlichen Werturteile haben\naufgehört. Das Werk ist ein Kunstwerk\noder nicht. Der Händlerertrag wird vom\nHändler aus seiner eigenen Tätigkeit, nicht\naus der des Künstlers erzielt.\nWas sollen wir dazu tun? Nicht mit den\nKunsthändlern arbeiten, denen die Kunst"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.6", "texte": "fremd ist. Nicht mit den Kunsthändlern\narbeiten, die Kompromisse in künstlerischen\nAngelegenheiten aus Geschäftsrücksichten\nmachen. Nicht mit den Kunsthändlern\narbeiten, denen Künstler und Kunstwerke\nSpekulationsobjekt sind. Kunstwerke ver-\nschenken. Wenn wir Kunstwerke für das\ntägliche Brot verkaufen müssen, dann so\nverkaufen, dass die Kunstwerke nicht Luxus-\nobjekte für reiche Sammler sind. An den\nPreisen werdet ihr heute erkennen, welche\nKünstler in ihrem Leben schöpferisch sind\noder nicht. Nur wer auch im Leben Künst-\nler ist, wird wahrhaft leben.\nIII\nFreunde! Wie lange noch wollen wir\nzögern. Lange genug haben wir das Falsche\ngetan, obwohl wir das Richtige wissen.\nImmer wieder haben wir die Stimme des\nGewissens gehört und haben dennoch ge-\nzögert. Wenn wir noch länger zögern,\ngeht die Stunde der Entscheidung vorbei»\nund wir haben uns nicht entschieden. Ent-\nscheiden wir uns nicht zum Rechten, so\nverlieren wir die Kraft der Kunst.\nDie Kräfte des Gewissens sind untrennbar\nvon den Kräften des Gestaltens. Wer gegen\nsein Gewissen handelt, lähmt seine künst-\nlerische Kraft. Gut, dass wir es noch er-\nkennen können. Dann haben wir noch die\nKraft, uns zu lösen aus der Enge. Die\nFreiheit, das ist der unbeirrte Gehorsam\ngegenüber der Wahrhaftigkeit des Gewissens,\nist die Meisterschaft, die wir erwerben\nsollen. Wir aber sind der Lüge gefolgt,\ndem Kompromiss. Niemals können wir\ndas Rechte erreichen, indem wir das Falsche\ntun. Niemals kann sich das Rechte aus\ndem Falschen entwickeln. Das Rechte ist\nda, sobald wir das Falsche verlassen.\nJeder von uns weiss, wo er beginnen muss,\num sein Gewissen zu erfüllen. Ich will\nbeginnen und lege mein Lehramt am Staat-\nlichen Bauhaus in Weimar nieder.\nFreunde! Keine Entscheidung ist ohne\nOpfer, keine Erkenntnis ohne Verzicht.\nAber nur die Entscheidung des Menschen\nist recht, bei der der Mensch nur gegen\nseinen Irrtum kämpft und nicht gegen die\nUnvernunft der anderen.\nDer Kampf gegen sich selbst, die Reinigung\nvom Lügenhaften ist eine Reinigung des\ninneren Menschen. Wer diese Reinigung\nerlebt, in dem leuchtet die Kraft des\nLebens als ein Licht.\nDiese Reinigung ist Erziehung unseres inne-\nren Lebens.\nWir müssen unbeirrt das Falsche verlassen.\nWir müssen Geduld haben mit denen, die\ndas Falsche tun. Wenn wir selbst das\nRechte tun und unter dem Zwang eines\nguten Gewissens unser Werk gestalten, dann\nwirken wir als Mensch. Das ist gewiss.\n\nLothar Schreyer\n\nDer Fall Berliner Tageblatt\n\nDas Berliner Tageblatt gefällt sich in einem\nFall Stramm. W7er ist August Stramm,\nfragen die erstaunten Leser des Berliner\nTageblattes. Nie sind sie bisher mit diesem\nNamen behelligt worden. Der Herr, der\nsonst im Berliner Tageblatt die Tänzerinnen\nbeschreibt, hat eine „Anklage\" gegen den\nSturm gedichtet. Mit richtigem Material.\nZeugen: Die W'itwe. Der Sturm hat Ver-\nbrechen auf Verbrechen begangen. Er hat\ndie Witwe über auswärtige Aufführungen\nder Werke August Stramins nicht unter-\nrichtet. Sie haben zwar nicht stattgefunden.\nAber sie hätten doch stattgefunden haben\nkönnen. Der Sturm hat in unverantwort-\nlicher Weise „grosszügig Werke des Dich-\nters an das valutästarke Ausland ver-\nschenkt\". Nämlich der ungarischen Zeit-\nschrift Ma die Erlaubnis zum Abdruck eines\nGedichtes gegeben. Was weder er noch\nsonst jemand hätte verhindern können.\nDer Sturm hat die Witwe nicht von der\nAufführung einer Oper nach einem Drama\nvon August Stramm unterrichtet. Er hat\ndiese Nachricht zwar selbst nicht bekom-\nmen und selbst im Berliner Tageblatt keine\nVoranzeige davon gefunden. Diesem Blatt,\ndas nur für August Stramm lebt und stirbt.\nDer Rechtsanwalt der Witwe hat angeblich\nirgendwelche Akten verloren. Das Berliner\nTageblatt macht selbstverständlich den\nSturm dafür verantwortlich. Besonders\nempört ist der Tanzmeister des Berliner\nTageblattes über ein Schreiben, das Herr\nDr. Blümner an jemand gerichtet haben\nsoll, in dem es heisst: „Wenn Frau Stramm\nkein Geld bekommen hat, wird wohl auch\nkeines eingegangen sein\". Und dann heisst\nes mit hohem, falschem Pathos: „Was ist,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.7", "texte": "Moholy-Nagy: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.8", "texte": "Herr Dr. Blümner, mit den Werken Stramins\ngeschehen?\" Jetzt möchten aber die Leser\ndes Berliner Tageblattes wirklich gern\nwissen, wer dieser August Stramm ist.\nAugust Stramm ist der entscheidende und\ngrösste Wortkünstler dieser Zeit. Seit\nHeinrich von Kleist hat es in Deutschland\nkeinen bedeutenderen gegeben. Seine Werke\nwurden nirgends angenommen und nirgends\nveröffentlicht. Nur im Sturm. Als sie in\nder Zeitschrift Der Sturm zuerst erschienen,\nfand das übliche Hohngelächter der ge-\nsamten deutschen Presse statt. Die deutsche\nPresse konnte sich garnicht im unberech-\ntigten Nachdruck genug tun. Nur, um\ndiese „deutschen Geistesprodukte\" mit ihrem\neigenen deutschen Geist zu verhöhnen. So-\nweit es nicht geschah, schwieg die Presse.\nDas Berliner Tageblatt in besonders gross-\nzügiger Weise. Die allernächsten Ver-\nwandten des Dichters hielten ihn für ver-\nrückt. Zeuge: August Stramm. Nachdem\nDer Sturm, Rudolf Blümner und ich mit\nallen erdenkbaren Frechheiten und Pöbe-\nleien fast ein Jahrzehnt lang von den Ver-\ntretern des deutschen Geistes überschüttet\nworden sind, nachdem wir diesen Künstler\ngegen die Verwandtschaft, gegen die Presse\nund gegen das Publikum durchgesetzt\nhaben, nachdem man nun beginnt, zu sehen,\neinzusehen und aufzusehen, nach diesen\nQualen und Kämpfen kommt der Tanz-\nredakteur des Berliner Tageblattes und\nfragt uns: „Was ist mit den Werken\nStramms geschehen?\" Er fragt noch mehr:\n„Wo sind die Akten des Vertragsbruches?\"\nDamit meint der Herr die Akten, die nach\nAussage seiner Zeugin angeblich der Rechts-\nanwalt seiner Zeugin verloren hat. Diese\nAkten enthalten unsere Feststellungsklage\ngegen die Witwe, dass wir in jeder Hin-\nsicht rechtmässig gehandelt haben. Das\nSchiedsgericht hat es uns bestätigt. Ein\nBeisitzer dieses Gerichts ist bekanntlich ein\nMitglied des Verbandes der deutschen\nBühnenschriftsteller. Frage des Berliner\nTageblattes: „Welcher Art, Schutz verband\nder Bühnenschriftsteller, war Deine Hilfe\nin diesem Falle?\" Antwort: Der offizielle\nVertreter des Verbandes der deutschen\nBühnenschriftsteller. Und nun im Stil des\nHerrn Sudermann, eines Autors, für den\ndas Berliner Tageblatt seit Jahrzehnten\nkämpft und leidet: „Es geht hier nicht um\nStramm, nicht lim diese Frau, mit der\nSchindluder getrieben wurde, sondern es\ngeht um die Würde des Standes der geisti-\ngen Arbeiter, der hier erniedrigt und be-\nleidigt wurde.\" Schindluder ist höchstens\nvon dieser Frau mit der Redaktion des.\nBerliner Tageblattes getrieben worden, der\nich gern den guten Glauben zuspreche,\nwenn es sich um Angriffe gegen den Sturm\nhandelt. Die Würde des Standes der geisti-\ngen Arbeiter, der sich offenbar beleidigt\nund erniedrigt fühlt, kann nicht besser als\ndurch die Wiedergabe eines Gedichtes ge-\nkennzeichnet werden, das mit Begeisterung\nin der gesamten deutschen Presse im Jahre\n1914 veröffentlicht wurde. Das Gedicht\nheisst:\n0\ni\nAu\nGust! Du bist\ndas grösste\nSchaf-\nfende\ndichterisch\ne\nGenie des\nJahr-\nhunde-\nrts!\n14\nTage\nSchützengraben\nwürden dich\nku-\nrieren.\nDieses Gedicht ist noch 1915 in den Zei-\ntungen veröffentlicht worden, nachdem\nAugust Stramm bereits nach 70 Schlachten\nund Gefechten als Hauptmann gefallen war.\nDamals wusste das Berliner Tageblatt aller-\ndings noch nichts von August Stramm.\nDenn sonst wäre es nicht zu verstehen, wie\nein Blatt von dem hohen ethischen Rang\nund von der Macht des Berliner Tageblattes\nes unterlassen hätte, gegen die Verhöhnung\neines Gefallenen vorzugehen, dem es im\nSeptember 1923 hohen künstlerischen Rang\nzuerkennt. Ich verstehe diese Methode der\nWiedergutmachung durchaus. Es ist der\nberühmte Dolchstoss von hinten. Der\nRedakteur des Berliner Tageblattes will\nrückwärts entdecken und muss daher zu-\nnächst einmal die Leute beseitigen, die\nwissen, dass schon entdeckt ist. Das Ber-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.9", "texte": "liner Tageblatt lässt sich bekanntlich nicht\ndie geringste Gelegenheit entgehen, Goethe\noder Rembrandt zu entdecken. Man kann\nhäufig genug Anmerkungen über diese bei-\nden geistigen Arbeiter unter dem bekannten\nStrich finden. Aber sie sind nicht Monopol.\nAuch andere Zeitungen haben sie bereits\nentdeckt. Hier ist vielleicht ein Fall, wo\nman die Konkurrenz schlagen kann. Und\nsinngemäss verfällt der Redakteur des\nTageblattes vom Ethos ins Geschäft: „Wir\nerhalten jeden dritten Tag beinahe die Er-\nhöhung der Börsenschlüsselzahl und mel-\nden es weiter.\" (Sie muss es heissen, aber\ndas ist nicht so wichtig.) „Wir melden\nheute den Fall August Stramm. Wir wer-\nden nicht aufhören, an die klipp und klare\nAntwort zu erinnern.\" Die klipp und klare\nAntwort ist zwar nicht deutsch, aber trotz-\ndem erhält die Redaktion des Berliner\nTageblattes klipp und klar und unverzüg-\nlich die Antwort. Nach vier Tagen ver-\nöffentlicht das Berliner Tageblatt folgendes:\n„Aus den uns vorgelegten Akten haben wir\nfestgestellt, dass das Vorgehen des Verlages\nin allen juristischen Punkten korrekt war,\ndass Frau Stramm in allen juristischen\nPunkten unrecht hat.\"\nUnd darum Sodom und Gomorrha! Und\ndarum Ethos und Börsenschlüsselzahl! Und\ndarum Schindluder und Würde der deut-\nschen Geistesarbeiter! Nun wäre alles in\nschönster Ordnung. Uebrig bleibt die Be-\nleidigung und der Fall Berliner Tageblatt.\nUnd August Stramm.\nAuf die Zurücknahme der Beleidigung\nkommt es mir persönlich nicht an. Ich\nhabe zuviel Leid gefühlt, um mich je be-\nleidigt zu fühlen. Auf das Berliner Tage-\nblatt kommt es noch weniger an. Es ist\nein Nachrichtenblatt wie viele, das im so-\ngenannten Kunstteil zu spät und zu schlecht\nbedient wird.\nWenn aber der Stand der geistigen Arbeiter\nim Berliner Tageblatt sühnen will, so gibt\nes nur eine Sühne: Lasst durch Berufene\nEuren Lesern sagen, wer August Stramm\nist und was August Stramm bedeutet!\nSo werdet und könnt Ihr auch der Witwe\nund den Kindern dieses Mannes in ihrem\nLeben helfen. Und das war doch wohl der\nSinn des Ethos Eures „Falles\".\n\nHerwarth Waiden\n\nFriedel, die Deutsche\nKurt Heynicke, dem Freunde\nFranz Richard Behrens\nSchläfst du Priedel\nSchläfst du noch mein Leben\nDer Tag fängt an zu strahlen\nSterne erbleichen Mädchenglühen goldbach-\nbloss\nUnter Sonne Diamant perlbeherzte Tausend-\nschön\nDunkle Buchengasse jedes Mädchenfenster\nDorfverborgen schnee Blut mädchen Schäfer-\nweide\nWeisses Mädchen verschläft den Sternhimmel\nWiesen Veilchen flieht in die Morgenröte\nDrei Sterne blinken wie heisst die Kleine\nMädchenlust fensterklirrt Knabenhaben\nKönigskinder jägerjagen Frühlingnichter-\nscheinen\nFreifrau vom See flieht durch die Rosen-\ngestade\nFahr mich lodernd feldeinwärts hinüber\nZaudernder Geliebtenfuss\nGib die Sichel blanke Schwester\nGib mir die Wälder gib mir das Rieseln\nim Bach\nAbendsonne begräbt meinen Mädchennamen\nAbendwolke verwelkt müden Wassermond\nWillst du tanzen\nSpät am grünen Herzspalt junge Mutter\nlinke Finsternis\nLotte gelehnt an Bräutigams Tür\nHirte im Blütenregen Dreschergesell\nSternfrage erinnert Schimmermund\nDie kühle Erle gesehen\nEntschlüpfe der erküssten Heckenrose Wege-\nstehen\nDu gabst mir Blumen und Fingerring\nIm Frühlingschatten Maibänder Rosen-\nerwachen\nWindmilder Büsche Rosenglanz Strauss-\npflückengehen\nKühler Krug kränzt grünen Keller tür-\nbebändert\nBräutchen Belinde Taufeuerschneide berg-\ngeboren\nLiebes Lieschen mädel Matrosensang\nBlauaugmädle fensteroffen grüner Garten\nMeiner Maimaid Süden Traute\nMut rote gelbe Kragen lache Bläue\nRosen und Violen rasch schmaust der Tod\nRuhig schmunzelt der Tod"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.10", "texte": "Schwesterlein Suschen geht zum Sonntags-\ntanz\nDoris wieder Resede\nAkazien geigen Verlassen Vergangen\nBlasse Stunde durstet alles Tand\nWünsche schwalben Rebenatmen\nGanzen Tag betet Töchterlein geschenktes\nHerz\nTausig baden lerchener Herbst\nLinde flimmert Schnee lass liegen\nGoldbrücke Wiege See Agnete\nHinsprang Tröpflein blute Dorothee\nLass weinen weiss und schlank\nSchleier Schwan schub Schlafkammer\nAnnelein\nGold gewaschen mein Hochzeitstag\nSeidenhemd meiner Mutter Mondschein-\nscharlach\nHannelore darf nicht tanzen\nSieben Schlösser blinken sieben Kerzen\nespenblühen dunkelblau\nSieben Mühlen streuen Magret Haar kaneel\nHände gelbe Heide\nBraunzausen Marie blosse Ferse Hasel-\nstaudespritzen\nRosentrompeter Sommermai du Hübsche\ndu Feine\nGeh barfuss blaustorch Kleegrün Strumpf-\nband\nSchneide scharfes Stroh und bind im Schilf\nein Seidenfädchen um die Zeh\nApfelgrau Augenecken sommerlangschlafen\nbaldvorbei\nElse hat mich Liebste geht mit mir\nLieb bei Liebe geht im Abend Tag am\nhellsten\nAlle Berge sind Silberbrüste und alle Mäd-\nchen sind Särge\nLeblicht leuchten bring brenn Licht\nHoch über alle Berge Bursche Bast Rosmarin\nUebersüsse Knospe lacht ins Sargtuch übers\nJahr\nGretel trägt rote Schuhe\nSchürze Schürze bist du mein\nBegrabt mich am Sonntag vor der Kirchentür\nRöschen Nüssepflücken Gerstebinden Distel-\nstechen\nZeit bringt Rosen schlaf in grüne Seide\nBruder willst du ein Mädchen betrügen\nIns Heu zum hederle zum fitz und federle\nSchifft mich übern Rhein jucht schnedri\nwedri sasa\nSchifft mich übern Rhein jucht jeri jeri\njerei\nDie allerjüngste der drei Schwestern will\nden Knaben haben\nIch liebe dich allein wenn die Linde\nKirm es tanz\nIch habs gewagt jelänger jelieber Jasmin\nHolderblut\nMaiwunsch zerreisst Gertrauts Mainacht\nMaikranz\nKarfunkelbunte Blumen drücken Brüste\nmeine Arme\nZiere Zeitlose zitter gewachsen gefieder\nRosenbrechen rauten Strauch ein Trauer ent-\nzwei\nHüte dich Abendtanz\nRosenschneien Petersilien rote Lilien\n*\nGelbe Lilien Kirschen Weiden achtzehn\nJahre\nGespiele gleissen rosin Kiesel Kreide Brüst-\nchen rockenkrause\nAlle Lerchen fliehen was ich möchte Sterne\nhin und her\nSternenblinde kiisst mich mein Schönster\nVeilchennacht\nFrag alle Verliebte ich kriege ich kriege wo\nwird\nKuckuck Büschel Levkoje\nAufbinde dein flachsenes Haar meergriiuer\nNelken und Rosenorangen\nKerzen verbrannten rotes Mieder\nSichel klingen Sichel rauschen Korn und\nKlee\nBubenleben loben Godegei dich Giseldrut\nSüsser rosenwarmer Mund\nKomm und mache mich gesund\nGrün steht die Linde\nPriedel vor allem.\n\nDigte\n\nHarald Landt Momberg\nKommumstvise\nIW\nvi\ngrses faner Oscar Hansen\nsang i Sondermarken\ntre trsee truer trods\nentotrefemsex Arbejderblade\nrest av Solidaritet\nse\nop\nsynger Internationale"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.11", "texte": "M. H. Maxy: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.12", "texte": "Pisk\ndu\nregn regner blinde gader\nved vi väde hvad\ntelefon fem syvogtredve Nora\nThager Thagersen Karl V\nvi\nos\nhvisker Internationale\nSkrig\njeg\nskrald skräler tre pä hjarnet\nbrudte Isenker blodig\nblik blä gräner grses\nRobert Richard D A 0 betjente\ntretten tusind og tre kvart\nrad\nvi\nräber Internationale\nRejs\njer\nfordamte hser pä jorden\nhalvfed korpus radt blsek\nskudt skidt skal og kan\nvsek det hele dad og djgevel alle\nErnst Christiansen 27a\ntys\ndu\ntier Internationale\nFa\nSa\nred fane Axel Larsen\nvand i glasset glider\np • n 1 r» • i • r*\nfri fraek frejdig fro\nkvindekomite i indre bydel\nsolen sträler altid smukt\ntil\nslut\njubler Internationale\nLa Victoire\n10%\nhalvt uskyldige\nse side 2\nsyphilis serieux\npharmacie den rade mäne\nauto auto\ntraitement discret\nStore forräd ingen efterspargsel\nLondon\nZürich\nWashington\nla Haye la Haye\nAlhambra\nMenneskets anatomi til at äbne og klappe\nouvre ta vulve\n125 rue de la Roquette\nmethode francais\nmit hjaerte er en kirkegärd\nBarsenstiger\nvareprisen stiger\nvareäger\näget synker\n7 og 1\nresten tusind\n107 a\nHvad skal man sige til damerne?\nl'inimitable lit national\nresultats des courses\ntheatres-concerts-cinemas\nnoctambules\nbedste kur for impotens\nC'est la vraie question!\n\nRayos X\nRogelio Buendia\nEl corazön y la caverna . . .\nKoch.\nLa luz color de manzana.\nMe lo trajeron tosiendo.\nFiebre.\nEi corazön tras la pantalla.\nSus manos agudas\ncomo dos garras.\nTos.\nMe lo trajeron sangrando\ncomo una llaga.\nTic-tac — Tic-tac.\nEl pulso galopaba,\ny yo corri tras el pulso\nen carrara acelerada.\nEl corazön dislocado\ndebajo de la pantalla.\nOzono.\nLuminosidad\nde gruta bajo del agua.\nEl cerebro enloquecia\ny el corazön galopaba.\nAus dem soeben erschienenen Gedichtband\nLa Rueda de Color"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.13", "texte": "Blaue Glasfiguren\nTibor Dery\n\nFortsetzung\n\n— Wie viel Zeit haben wir vergeudet! —\nsagten die Glasfiguren, als die Jüngste zu-\nrückkehrte. Eine lange Narbe zog sich über\nihre Stirne, ihre Flügel waren rissig und\nfahl wie Holz.\nAls es Abend ward, bogen sie um die Ecke.\n— Bleib stehen — riefen sie — bleib\nstehen! —\nSie waren sehr müde, doch liefen sie weiter.\nAm Ufer des Baumwollensees nahmen sie\nAnlauf und übersprangen drei Stunden.\nEine zertretene Sekunde blieb mit blutenden\nGliedern auf dem Weg liegen. Längs der\nAllee sprangen Schusterbuben herum und\nzeigten den Glasfiguren ihre roten Hinleren.\n— Lasst uns hinunterspucken! — sagte die\nJüngste. Doch sie war ausser Atem!\nAuf dem Dach des Zollamtes tanzte ein\ngrosser Vogel. Eine dicht gedrängte Menge\nstand im Hof und starrte mit offenem Mund\nauf das Dach. Ein Neger kroch hinauf,\nküsste den Vogel, verschlang ihn dann. —\nGebt mir in Fett gebackene Mehlspeisen\nund Oelfrüchte! — rief er hinunter, umarmte\nden Mond und tanzte. Der Schatten packle\nihn im Flug und frass ihn auf. Ein anderer\nVogel sang und verband die leuchtenden\nKöpfe der Türme mit Wolkenhaut. Es\nwurde finster. Dieser Vogel musste darum\nsterben.\n— Man inuss die blaue Zitronenblume von\nder Spitze des Blitzableiters abschneiden\n— sagte der Postbeamte und telegrafierte\ndie Weisung nach Sidney, Neu-Zeeland und\nnach dem Kap der guten Hoffnung.\nDer Totengräber sagte: Küsse den Erdboden\nund streu dir brennendes Natrium auf die\nHaare. In zwei Monaten wird deine schöne\nSchweizerkuh siebenfach kalben.\nEr küsste die Erde. In der Nacht ging er\nin den Stall, das Gesinde zog am Strick\nsoeben das siebente Kalb aus dem Mutter-\nleibe der Kuh. Alle waren erstaunt. Doch\nder Schatten stürmte hinter dem Stall\nhervor und verschlang die Erstaunten, die\nSchweizerkuh, die sieben Kälber, den\nHerren, den Totengräber, die elektrischen\nBirnen und das Heu aus dem Stall. Nur\neine Spinne blieb auf dem Türpfosten am\nLeben, in der Früh flog sie fort und er-\nzählte den Glasfiguren, was sich zugetragen\nhatte.\n— Ein unwürdiger Gegner! — sagten diese\n—er verwüstet die Wunder, Aber er weiss\nnoch nicht, dass sich in den Lücken der\nZeit seltsame Geschöpfe verbergen. Er wird\nam Schlag sterben, als Folge von Ueber-\nernährung. —\nSie liefen weiter, unter ihren Füssen erglänzte\ndas Schienennetz der asiatischen Hauptstadt.\nEin Zug pfiff via Avricourt-Ostende, auf\ndem Dach der Schlafwagen lag der Schatten\nund schnarchte. In der Mitte des hinun-\nlichen Reiches sass ein gelber Mensch in\neinem Turm und sang. Tote Kulis und\nund fruchtbeladene Flösse schwammen in\nrosafarbigem Nebel auf dem Jang-ce-kiang,\naus dem Munde des Steuermanns flog ein\ngoldener Drachen heraus, drehte sich\nleuchtend über dem Wasser und zeigte den\nWeg. — Hört ihr die singenden Türme\nlängs des Ufers? — fragten die Glasfiguren\neinander und nickten gerührt mit den\neckigen Köpfen. Auf einer Wiese blies ein\nSchäfer die Schalmei, weisse Mäuse und\nsanfte Affen weideten zwischen dem Kaktus-\nSeine Geliebte stand unbeweglich in einem\nHügel, auf ihren unzähligen Zitzen sassen\ngelbe Tauben, gelinder Wind wehte, himmel-\nblauer Sommer, — du sanftes Liebchen! —\nsagte der Schäfer und küsste ihren mond-\nleuchtenden Bauch. Die Kinder schnitzten\nGötter aus Mandelkernen und ein betrunkener\nBildhauer fing seinen entschwebenden Atem\nein, knetete eine rote und goldene Pagode,\ntrat betend ein und kam niemehr zum\nVorschein.\nDer Chinesenkaiser nickte mit dem Kopf.\nDie Weissen zogen ein, das Denkmal der\nKuh stürzte zusammen.\n— Was sind das für Tiere? — fragten die\nEingeborenen.\n— Gebt ihnen Mandelmilch und mitleid-\nvolle Märchen! — sagten sie — vielleicht\nbesänftigen sie sich. —\nSie tanzten um das Feuer, auf dem Reis-\nsuppe kochte. Assen duftende Wurzeln.\nIhr Haar zurückgekämmt, grosser Sturm\nentstand, grosser Schrecken, wo der Fluss\nden Schlamm ausspie. Die Tempelschwellen\nstreichelten sie, schlechte Dämonen fliegt\nweg, tut uns nichts zuleide, auf unserer\nHandfläche haben alle Kinder Platz. Grosses\nUnglück!"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.14", "texte": "Ein Braunschweiger Handelsgehilfe riss an\ndem Zopf des Kaisers, der Kaiser tanzte.\n— Der da hat eine Zunge, wie ein Tisch-\nläufer — sagte der Schatten und frass den\nallerunschuldigsten chinesischen Jüngling\nauf. Die Glasfiguren kamen zu spät. Es\nwar Freitag und der Dreizehnte des Monats,\nzwei Jahre dauerte es, bis sie den Suez-\nkanal hinter sich hatten, in der Nähe von\nFaubourg Saint Martin stiegen sie zu Boden.\nDer Schatten tanzte auf dem Kopf, trommelte,\npfiff und spuckte heftige Feuer vor Freude.\n— Wer sind jene Blossärschigen? fragte\nein Bauer und zeigte mit dem Finger gen\nHimmel. Sein Sohn nahm Steine und\nbewarf die Glasfiguren. — Was willst du?\n— fragte die Aelteste und blieb haushoch\nüber ihm schwebend stehen. — Sie werden\nuns unsere Hühner stehlen! — jammerte der\nBauer, riss sich das Haar aus, heulte und\ntanzte die Kamarinskaja. Sein Sohn schlug\nein Kreuz und spuckte in die Luft. — Du\nmusst Grossmamachen Bücken einölen —\nsagte er. — Bring die Wolfsfalle heraus! —\nschrie der Alte und hob drohend die Faust.\nZiegenmist auf den Kreuzweg Vater! — sagte\nder Lummel. — Haben sie nicht Pferde-\nfiisse? — fragte der Alte. Der Junge spuckte\naus, der Vater ebenfalls. — werde deine\nMutter prügeln — sagte er dann, beide\nberuhigten sich und gingen nachhause. Die\nmüden Glasfiguren setzten ihren Weg fort.\n— Sie laufen umsonst — sagte jemand,\nstellte den Motor ab und sprang aus dem\nAuto. — Ohne Argus kein Erfolg! Argus\nAuge sieht alles! Diskrete Informationen\nund Geschäftsgebahren!\nEr überreichte den Glasfiguren eine Visit-\nkarte. Im selben Augenblick erschien ihr\nText mit elektrischen Buchstaben auch auf\ndem Beton der Landstrasse und das Auto\nzeigte die Erscheinung mit heftigen Schellen\nan.\n—- Der, den sie suchen — sagte der Detektiv\n— fliegt auf der zweiundvierzigsten Luft-\nlinie unter dem Prokyon und dem musi-\nzierenden Stab Jakobs. Heute können wir\nihn nicht mehr einholen. Aber meine\nGehilfen sind ihm auf der Spur. Die\nArbeit edelt, begeben wir uns zur Buhe. —\nDas Auto bog vor der breiten Terrasse\nder Missisippi-Bar ein, aus dem Boseneis\nstiegen Konzerte, der Portier drehte die\nelektrische Kurbel. Die geheime Versamm-\nlung wurde im Zimmer Nr. 72 abgehalten\nin vollkommener Finsternis. Jedermann\nschnarchte, nur die Glasfiguren leuchteten\nund disputierten.\n— Morgen punkt 11 Uhr werden wir ihn\neinholen — sagte der Detektiv. — Bitte um\n*\neinen Cheque auf die Unsterblichkeit und\num einige Engelhaar-Aktien für meine\nGehilfen!\n— Erst wenn wir ihn eingeholt haben —\nsagten die Glasfiguren. Der Detektiv ver-\nbeugte sich bis zur Erde. — Dieses Miss-\ntrauen ist verletzend, aber begreiflich —\nsagte er. Ein junges Weib flatterte durch\ndas Zimmer in einem chrisantemen ge-\nschmückten Seidenpijama, der Detektiv\nflatterte ihr nach. Beide verschwanden\nhinter dem Zentralheizapparat. Blaue und\nrote Drähte hingen durch das Fenster und\nauf einer Glasplatte bewegte sich klar\nersichtlich das Telegrafbild des flüchtenden\nSchatten. Man klopfte, ein Neger trat ein,\nbrachte Whysky mit Sodawasser, und\nherzliche Grüsse von Barmixer. — Achtung\nSpion! — flüsterte der Detektiv hinter dem\nHeizapparat, rosafarbiger Nebel füllte das\nZimmer und die Glasfiguren entschwebten.\nDer Detektiv holte sie im Hotel Savoy ein.\n— Türen absperren! — sagte er atemlos\nund drehte das Licht ab. Durch das Fenster\nstieg ein eleganter Herr in das Zimmer,\nhob die schwarzen Schwalbenschwänze\nseines Fracks in die Höhe und staubte sie\ngewissenhaft ab. Der Gedankentelegrafist\n— stellte der Detektiv vor. Der Fremde\nverbeugte sich höflich. — Ich bin unter dem\nZeichen des Krebses geboren — sagte er —\nund reise in meiner eigenen Yacht zwischen\nden Sphären herum. Am 28. Feber vorigen\nJahres wäre ich beinahe am Fleischvergiftung\ngestorben. Aber ich lebe und die Wahrheit\nüber alles! Eine hübsche Jungfrau gefällig? —\nZur Sache — sagten die Glasfiguren und\nerglänzten müde im Dämmerlicht des\nZimmers. Der Auf nahmeapparat des Fremden\nsetzte sich rasselnd in Bewegung, streute\nblaue Funken und zog lange rote Bänder\naus den WTolken. Der Mond kroch, wie\nein trächtiges Tier, mit gewaltigem Bauch\nlangsam vor das Fenster.\n— Die Gedanken des Schatten! — sagte\nknarrend der Telegrafist. — Die heutige\nBörse war freundlich . . . hoffnungsvolle\nStimmung ... in den Anilinfabriken muss"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.15", "texte": "Jacoba van Heemskerck: Insel / Gemälde / Vielfarbendruck"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.16", "texte": "die Produktion gesteigert werden . . . berr\nberr . . . blonde Jungfrau, blonde Jungfrau,\nverbrenne mir nicht die Gedärme . . .\n. . . ich lustwandelte schon unter den\nPalmen Brioni's, und hinter meiner Stirne\ntrage ich Gedichte, an den Füssen Galoschen,\naber wer kennt meine Seele, Seele . . .\nlaliala . . . Seele . . . ich habe Hunger,\ndas ist ein Unglück und Madame Sindral's\nBusen ist mit Sternen besät . . . morgen\nun 14 Uhr . . ♦ berr . . . berr . . .\n— Infolge fremder Einwirkung Verbindung\ngestört — sagte der Telegrafist und steckte\ndie Bänder in die Tasche, Der Mond er-\nschien von Neuem vor dem Fenster und\nkroch summend in entgegengesetzter Rich-\ntung fort. Gazellen bewegten sich in der\nSommerlandschaft. Eine alte Dame in\nMieder starb fantasierend im Wald, mit\nFeuer um den Kopf.\nSie galoppierten wie das Licht. Die Züge\nund die Flüsse unter ihnen blieben zurück,\nsie schrieen und schwammen in der Luft,\num 14, Uhr mussten sie den Norfolker\nBahnhof erreichen, wo die Sterne abgefer-\ntigt werden. — Böh-böh — sagten sie\nkeuchend und wischten sich den Tau von\nder Stirne. — Langer Weg, . . . schwerer\nWeg . . . nicht ermüden! . . . nein ... —\nManolescu, der grosse Hoteldieb lief lautlos\ndurch den Korridor, die schwarzen Augen-\nwimper hingen ihm bis zum Boden hinunter,\ner drang in das Zimmer ein. In seiner\nHand die Davy Lampe zitterte nicht. Die\nzerstreut herumliegenden Kleider schläferte\nChloroform ein. — Verrat — schrie der\nDetektiv, der Schatten entfloh hohnlachend\nmit dem geraubten Geheimnis. Die Glas-\nfiguren kamen zu spät. Der Gedanken-\ntelegrafist lag mit blutender Stirne tot in\nder Tiefe eines Abgrundes.\n— Bleib stehen! — riefen die Glasfiguren\n— bleib stehen! —\nDer Schatten beugte sich zur Erde und\nergriff den Rosinenbart eines Pilgers, hob\nihn hoch, schüttelte ihn in der Luft. Die\nDie Kühe wandten ihm ihr Gesicht zu und\nbrüllten. Sie gaben blutige Milch.\nWarum tanzest du? — fragte die Grossmutter\nihr Enkelkind. —- Ich habe gekochte Körner\ngebracht, zerstosse sie vor der Türe! —\nDer Schatten frass die gekochten Körner\nauf.\nIn einem kleinen Bach badeten Hasen.\nDer Jüngste hielt ein Bouquet im Maul,\nder Schatten entriss es ihm und frass es\nauf. Kleines Tier, du musst sterben!\nSanft seien deine Tage Kind! dessen\nTrompete der Wegelagerer raubte. Und\ndu junges Weib die in ihrem Herzen\nzwischen roten Sammtpölstern das Andenken\neines Seidenstrumpfes aufbewahrst, verhülle\ndein Gesicht und beweine dein verlorenes\nLeben! Die himbeerduftenden Erinnerungen\nhat man dir genommen alter Herr! Die\nstarken Beine des Wandergesellen aufge-\nfressen, er trennte die siamesischen Zwillinge,\nmit einem Fliegenwedel schlug er die\nTaube tot, die du in deiner Hand getragen,\njunger Ingenieur! — Bleib stehen, bleib\nstehen! — riefen die Glasfiguren.\nÜber der Stadt holten sie ihn ein. Ihre\nFüsse verlängerten sich, sie fassten sich an\nder Hand, lachten und kreischten. Die\nMenschen starrten mit offenem Mund in\ndie Höhe, sie winkten mit Tüchern, liessen\nSignalballons steigen. Die Züge blieben\nstehen, dicker Dampf quoll zum Himmel,\ndie unterirdische Bahn stürzte sich auf die\nRingstrassen. Denn der Schatten stolperte\nüber den letzten Blick eines Sterbenden\nund sauste mit dickem Bauch zwischen die\nFabrikkamine. Und die Glasfiguren drangen\nvor.\nHängt die roten Teppische vor die Fenster,\nzündet die Magnesiumkerzen an und tanzet\ndie Carmagnola, in den hellen Schlaf-\nzimmern !\nDie Verfolger klappten die Flügel zusammen\nund stürzten sich wie brennende Pfeile\nauf die Strassen. Doch der Älteste blieb\nplötzlich stehen, warf einen Blick gegen den\nHimmel und stiess einen durchdringenden\nSchrei aus.\nDann flog er mit einem einzigen Schlag\nseiner Flügel zum Kirchturm, auf dem der\nTote langsam gegen den Himmel kroch.\nDer Schatten erhob sich und verschwand\nwiehernd vor Lachen zwischen den Marmor-\ntischen eines musikalischen Kaffehauses.\nDie Glasfiguren keuchten, liessen sich\nmüde auf einen Kamin nieder, wo sie im\nAugenblick russig und rauchig wurden,\nwie ein Stück Bauernspeck. Die Älteste\nschwamm mit ausgebreiteten Armen hinter\ndem Toten einher.\n— Warum hast du uns verlassen? —\nklang von weitem die schmerzliche Frage,"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.17", "texte": "X / * ' .\nklang und erstarb zwischen den Rollen.\nDoch der Flüchtling verschwand mit tauben\nOhren hinter den Lämmerwolken. Die\nGlasfiguren sassen auf dem Kamin und\nkeuchten.\n— Nie? — fragte die Jüngste und der Kopf\nsank ihr auf die Brust.\nDie zweite sagte: Kleine Küchlein ver-\nstummten unter der Klaviatur.\nIndessen bewegte sich der Tote in schnur-\ngerader Linie rasch vorwärts. Bald\nschwitzte er, zog sich den Rock aus und\nschwamm in Hemdärmeln dahin. Die\nGlasfigur konnte mit ihm nicht Schritt\nhalten. Von unten blitzte noch hie und\nda der Reflektor eines Autos auf oder das\nGakkern einer Henne kreuzte behend ihre\nBahn, dann wurde es still. Nach einer\nWoche fing es an zu schneien. Seitwärts,\nvon den Plejaden blies grosser Wind,\nGewaltige rote Kugeln schwebten über\nihren Köpfen, ein Meteor pipste in der\nHöhe und es war kalt wie im Inneren einer\nausgelöschten Gaslaterne.\n— Wohin gehst du? — fragte das Gesicht\ndes Mondes.\n— Dorthin, wohin die Toten — sagte die\nGlasfigur und blieb einen Augenblick stehen,\num sich auszuschnaufen.\n— Im Dunkeln sind alle Kühe schwarz —\nsagte der Mond. — Geh zurück auf deinen\nPlatz! —\nAber die Glasfigur war schon enteilt, mit\nraschen Schritten hinter dem laufenden\nToten. Der Mond blieb zurück, der Grosse\nBär schlenderte beleuchtet vorbei. Seine\nlange Zunge schleifte hinter ihm her, wie\nein Laufteppich aus Transparenten.\n— Nimm eine Stimmgabel! — sagte er —\nund schlag sie dir auf die Stirne. Vielleicht\nkommst du zu dir! —\n— Warum? — fragte die Glasfigur. — Mich\nschwängert die würdevolle und flammende\nLiebe des Jenseits. Ich will den Engeln\ndienen. —\nDer Grosse Bär gähnte mit rotem Mund,\nspuckte aus. Pflanzenartige Tiere flogen\nim Raum herum, eine lila Fledermaus\nsummte und stürzte erdwärts hinab. —\nBleib stehen, bleib stehen — rief die Glas-\nfigur dem rasch enteilenden Toten nach.\n— Ich bin schon ganz ausser Atem, nie\nwerde ich dich einholen. —\nDer Tote setzte sich auf einen Nebelfleck\nund niesste. — Beeilen sie sich! — sagte\ner, — schon bin ich verschnupft. Warum\nhaben sie sich keinen Dion-Bouton 36 HP\ngekauft oder einen Wanderer-Touren wagen?\nDie Toten reiten schnell. —\n— Ich liebe dich — sagte die Glasfigur\nund flammte auf. — Du bist schön, wie\neine entbrannte Nelke, die über einem\nMeerauge schwebt. Nimm mich mit auf\ndeinen Weg! —\n— Wer ist wohl an meine Stelle getreten? —\nsagte der Tote. Mein ganzes Leben lang\nwar ich Beamter und muss nun plötzlich\neine andere Laufbahn ergreifen. Meine\nKinder sind stark und gesund und werden\nihren Platz in Ehren behaupten. Aber wer\nwird mich versorgen?\n— Ich verachte die irdischen Leiden —\nsagte die Glasfigur. — In der Nähe des Orion\nwill ich leben, als unbewusste unsittliche\nKraft. Lehre mir es. Ich liebe dich! —\n— Ich kann wohl behaupten — sagte der\nTote — dass ich das Fabrikations verfahren\ndes Senftgases vervollkommnet habe. Es\nschnürt die Lunge zu, entlockt dem\nAuge Tränen und macht den Gegner\nkampfunfähig. Hingegen ist das Levithin,\ndas das Fleisch von den Knochen frisst,\nnoch schwer zu handhaben. Offerte ohne\nVerbindlichkeit —\n— Ich liebe dich! — sagte die Glasfigur\nund schlug sich mit der Faust auf die\nglanzlose Stirne. — Leben wir der Gegen-\nwart! Lehre mir dein überirdisches\nSchweben. Ich liebe dich! —\n— Kennen Sie Robinson's Insel? — fragte\nder Tote. — Ihr wahrer Name ist Tristan\nda Cunha. Ich verbrachte dort einen Tag,\nals ich nach Montevideo schiffte —\nDie Glasfigur hob die Hand und verscheuchte\neinen gelben Meteor, der ihr nervös um\nden Kopf flatterte. Dann warf sie sich auf\ndie Knie. Ein veilchenblau leuchtender\nNebelkreis eilte an ihnen vorbei, mit\nverschwommener Moll-Musik.\n— Mein Weg führt zu Gott — sagte sie. —\nAber welcher ist dieser Weg? —\nDer Tote wackelte rasch von dannen.\n— Was kümmert es mich? — sagte er.\n— Glauben Sie, ich habe keine grösseren\nSorgen? Ich muss meinen Grossvater\nsuchen, dem ich versprochen habe, ihm\ndas Ergebnis meiner Untersuchungen mit-\nzuteilen. —"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.18", "texte": "Hinter Nebel flog ein alter Leichnam mit\ngeschlossenen Augen. Geschwaerzte Schwae-\nne schwammen schreiend über der Menge.\nOben war grosses Gedränge. — Sahen Sie\nnicht Miss Jackson ? — kreischte ein\nSäugling, in der linken Hand eine grosse\nSchnarre drehend. Ein junger Toter stellte\nsich höflich vor. — Ich habe meine Tele-\nfonnummer vergessen — sagte er — Berlin-\nLützow . . . aber weiter . . .? Gedunsene\nWasserleichen schwebten wie Luftballons,\nwelche Schande! — Fernrohr . . . Fern-\nrohr! — rief man — für einen Penny kann\nman auf die Erde hinunterschauen. —\nJemand ass ein Butterbrot. — Wo sind die\nEngel? — fragte die Glasfigur verzweifelt.\n— Hier suchen Sie Engel? — sagte eine\nFrau. — Kommen Sie denn nicht von der\nErde? —\nIn der Ferne brummelte noch das Gesicht\ndes Mondes, plötzlich entstand Klavier-\nbrausen, der schaukelnde Schatten eines\ngrossen Elefanten tauchte aus der Tiefe\nempor, die Toten zerstieben in alle Richtungen\nund die Glasfigur blieb allein im Raum.\nSie griff mit der Hand nach hinten, denn\nsie verspürte einen gelinden Stoss in der\nGegend ihres Gesässes.\n— Wie viel Zeit haben wir vergeudet? —\nsagten die Glasfiguren, als die Älteste zu-\nrückkehrte. Ihre Stirne war glanzlos, aus\nden Knieen starrten Dornen und die Gebet-\nbänder hingen zerbrochen aus ihrem Mund.\nAbends bogen sie um die Ecke.\n— Bleib stehen — riefen sie — bleib\nstehen! —\nSie keuchten müde und sagten: Langer\nWeg . . . schwerer Weg . . nicht ermüden\n. . nein . .\nDer Schatten rollte auf einer Schwefel-\nkugel durch die Texasstreet. Ein ver-\nführerisches Lächeln hing ihm von den\nPferdezähnen und aus seinen Augen strahlte\ndie verehrungswürdige Traurigkeit alter\nJungfern. Er hob den Rock hoch und\nkreischte mit dünner Stimme zwischen den\nBogenlampen. Das dauerte drei Jahre.\n— Was isst Du? — fragte er eine alte Frau,\ndie auf der Schwelle sass.\n— Nichts! — sagte die alte Frau.\nSie gingen zu zweit weiter. Ein tiefer\nTintenfisch schwamm in den Kanälen,\nsteckte manchmal seinen Kopf heraus und\nschaute mit roten Augen auf das Trottoir.\nAuf einer Bank unter einem Baum lag ein\nGoldgräber.\n— Was isst du? — fragte der Schatten\nund tanzte einen leisen Shimmy zwischen\nden Sträuchern.\n— Nichts! — sagte der Goldgräber, legte\ndie Hand an die Stirne und bespie die\nkieselige Promenade. Schreiend lief er\nihnen nach. Der Schatten streute Nordlicht\naus seinem Rock zwischen die Menge.\n— Was isst du? — fragte er.\n— Wenig — sagte der Jäger und trat in\ndie Reihe. Sie schrieen und die spiriti-\nstischen Tische schwebten tänzelnd über\nihren Köpfen.\n— Daraus wird grosses Unglück! — sagten\ndie Glasfiguren und liefen rasch, wie er-\nschreckte Lämmer in die Stadt. Der\nSchatten hatte schon seit Monaten nichts\ngegessen, sein Bauch war rot vor Hunger,\ner schaute sieb zufrieden seine Herde an\nund tat mit der Zunge so: tje-tje. Die\nTierchen horchten erschrocken auf. Vom\nHimmel tropfte Speichel. Sie liefen ver-\nwirrt herum. Die Wachtfeuer verlöschten.\nEs wurde finster. Eine Hyäne und ein\nHund fingen an einen grossen Turm zu\nbauen, aber sie konnten ihn nicht beenden.\nIm Meer schliefen die elektrischen Fische\n*\nein. Eine Frau gebar ein Kind, das Kind\nverheiratete sich, Enkel streichelten seinen\nlangen Bart, es starb. Alles starb.\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Jacoba van Heemskerck\nLothar Schreyer: Erziehung der künstlerischen Kräfte\nHerwarth Waiden: Der Fall Berliner Tageblatt\nFranz Richard Behrens: Friedel, die Deutsche\nHarald Landt Momberg: Digte\nRogelio Buendia: Rayos X\nTibor Dery: Blaue Glasfiguren\nMoholy-Nagy: Linoleumschnitt I Vom Stock gedruckt\nM. H. Maxy: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\nJacoba van Heemskerck: Insel / Gemälde / Vielfarbendruck\nOktober 1928"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.19", "texte": "Neucrscheinungen des Verlags Dcr Sturm\nVI: Maler dcs Expressionismus / Zweite Folgc\n15 Farbdrucke nach Gemalden von Marc Chagall / Robert Delaunaj / Tour Donas / Albert Gleizes\nJohanna Itten / Paul Klee / Louis Marcoussis / Jean Metzinger / Georg Muche / Peri / Lothar Schrejer\nKurt Schwitters / Nell Walden / Grundzahl 12\n\nNeue Farbdruckc dcs Verlags\nDer Sturm\nGino Severini:\nPan-Pan-Tanz im Monico / Gemalde / Grundzahl 3\nMarc Chagall:\nIch und das Dorf / Gemalde / Grundzahl 3\nJohannes Itten:\nBildnis eines Kindes / Gemalde / Grundzahl 2\nTr\"\\ 0\n♦\nX vi X •\nStrasse / Gemalde / Grundzahl 2\nFranz Marc:\nPferde / Aquarell / Grundzahl 2\nGcorg Muche:\nUnd schied das Licht / Grundzahl 2\nDurch alle Buchhandlungen oder vom\nVerlag Der Sturm / Berlin W9/zu beziehen\n\n„Sicilia d'Oggi\"\nRivista Mensile lllustrata di\nLeltere, Arte, Scienze.Vafieta\nTi; atura 4000 copie — Formato in-8 — Pag. 48\nUN NUMERO L,15\nABBONAMENTO ANNUO L. IS\nDirezione e AmminisfrazJone:\nCasa Editrice E. SABBIO\nPALERMO - VIA CASTRO 250 - PALERMO\nLA COLLABORAZIONE E'LIBERA\nCercansi Corrispondenii ed Agenti di Publicity\n-t\nGiovani Aulori! publicate i v]\nromanzi, novelle, liriche ec. presso\nLa Casa Editrice E. SABBIO\nVIA CASTRO 250-275 - PALERMO\n\n\"TENTATI YES\"\nV\nUnter den modernen franzosichen\n\"Revues d'avant garde\" ist\n\"T ENTATIVES\"\ndie am schonsten und vor-\nnehmsten ausgestattete Zeitschrift.\nSie erscheint vierteljahrlich mit\ncirca 120 Seiten. Text groB-oct.\nSie bringt iiber 50 Holzschnitte\nin jedem Heft, veroffentlicht\nRomane, Essays, Erzahlungen, Ge-\ndichte und Chroniken aller Lander.\nEin Sonderheft iiber Stendhal\nerscheint im Dezember\nHerausgeber: HENRY PETIOT\nRedaktion und Verwaltung:\nChambery / 2 Place Porte-Reine\nBezugspreis: Einzelheft 5 francs\nJahresabonnement 20 francs.\n\nAuslandspreise fur die Zeitschrift\n„Der Sturm\"\nDas Abonnement fur ein Halbjahr betragt:\nfur Argentinien: Pap. Pes. . . . .... . 2. —\n„ Brasilien: Milreis . . . . . .... . . 6.—\n„ Bulgarien: Leva ............ 84.—\n„ Chile: Pes 6\\—\n„ Danemark: Kronen. . . .... ... 6.—\n„ Deutsch-'Oesterreich: ost. Kronen 32000 —\nn Finnland: Mka. . . . . . . . , . .> . . 24.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 12.—\n„ Griechenland: Drachmen . . . . . . 48.—\n„ Grossbritannien: Schilling. . . .... . 5.—\n„ Japan: Yen. 2.40\n„ Italien: Lire .............. 18.—\nn Jugoslawien: Dinar . . . . . . . . . . 52.—\n„ Niederlande: Gu1den......... 3.—\n„ Norwegen: Kronen .......... 6.—\nw Portugal: Milreis 18.—\nM Rumanien: Lei ........... 120.—\n„ Schweden: Kronen .......... 6.—\n„ Schweiz: Franken. . . . . . . . . . . 6.—\n„ Sowjet'-Rußland: Schweizer Franken 6.—\n„ Spanien: Pesetas ....... . . . . 6.—\n„ Tschechoslovakei: Kc. ........ 18.—\n„ Ungarn: Kronen .... . .. . . 20000.—\nw U. S. A.: Dollar 2.—"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231001-01.1.20", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer / Verlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9\nDruck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeo If net taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\n\nHundertvferundzwanzigste Ausstellung\nOktobcr 1923\nBucgeivMuhlfeld / Hans Haffenrichter\nEdmund Kcsting / Hans Mattis Tcutsch\nStur mo-Gesamtsch au\n\nHundertfunfundzwanzigste Ausstcllung\nNovember 1923\nMoritz Rubin\nSturnvGesamtschau\n\nMONATSSCHRIFT DER STURM / Vierzehnter Jahrgang\nErscheint am fiinften jedes Monats\nMit mehrlarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets vom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug fur Deutschland: Ein Vierteljahr Grundzahl 2 / Ausland: siehe 3. Umschlagseite / Einzelheft\nGrundzahl 1\nVollstandige Exemplare des 5, bis 7. Jahrgangs nur noch in wcnigcn Exemplaren vorhanden / Grundzahl\njc 20 I 9. bis 13. Jahrgang Grundzahl 10 / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelhefte alter Jahr-\ngSnge Grundzahl 1 ,\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und numerierte Handdrucke, ron den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbiihne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundzahl 0.20\n\nBiicher aus dcm Verlag Dcr Sturm mit fcstcn Grundzahlen\nDie Grundzahlen sind mit derje weils festgesetzten ajntlichen Schliisselzahl zu multiplizieren.\nFur das Ausland: Grundzahl = Schweizer Franken\nPostscheckkonto des Vcrlaga Dcr Storm: Berlin 120658\n\nAugust Stramm\nDu J Liebesgedichte / 4. Auflage / 3\nTropfblut / Gedichte / gebunden / 7\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band 5\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 3\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 3\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / 2.50\nRudolf Blfimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 4\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / 1.50\n\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei / Einfuhrung in den Expressionis-\nmus / 3\nDas Bach der Menschenliebe / Roman / 3\nSturnvßildcrbuchcr\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall J 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\n111 Paul Klee\nIV Kurt Schwittcrs\nJedes Bach 5\nV Maler des Expressionismus / Funfzehn Farb-\ndracke: Chagall / Kandinsky / Franz Marc a. a. / 15\nVI Haler des Expressionismus / Zweite Folge\nKokoschka-Happe: Menschenkopfe / 15\n\nDer Sturm fibernimmt die Veranstaltung von\nSturm' Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel'\nausstellungen) in alien Stidten und Llndern.\nDer Sturm vermittelt nu r den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\nStandige Vcrkaufsstclle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafle 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nSturm'Buchhandlung en\n1. Potsdamer Strasse 138 a / Laden\nFernruf: Amt Liitzow 4443\n2. Kurfurstendamm ISO / Laden\nFernruf: Amt Uhland 5646\nBficher / Graphik / Husikalien\nBestellungen, auch vom Ausland, werden\nzuglich erledigt\n\nV eranderang samtlicher Pre is c jederzeit vorbehalten"}]}