{"numero_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_sha256": "ae2d5a61f3075d77d9b7a4777b00ba30b367ac2483a7d6c2e14be5f993980b26", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1923/11/01_01/bmtnabg_1923-11-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1923/11/01_01/bmtnabg_1923-11-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.1", "titre_corps": "Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Hans Mattis Teutsch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.1", "debut_caractere": 107, "fin_caractere_exclue": 160, "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "162", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.2", "titre_corps": "Weit und weiter — weiter", "titre_sommaire": "Weit und weiter — weiter", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.3", "debut_caractere": 56, "fin_caractere_exclue": 3087, "texte": "Weit und weiter — weiter\n\nDer Sturm treibt in das fünfzehnte Jahr.\nViel hat er vertrieben, was ohne Wurzel\nsich hoch über den Boden reckte. Viel\nhat er vernichtet, was sich Leben aus dem\nSein lieh statt aus dem Schein. Denn das\nSein der Sonne und der Kunst ist ihr\nScheinen. Von diesem Scheinen lebt das Sein.\nDer Sturm braucht kein Interesse. Der\nSturm hat keine Interessen. Was fällt, fällt.\nWas abfällt, fällt ab. Nicht ist der Sturm\nda, aufzurichten. Nur wer ihm standhält,\nsteht im Sturm.\nNicht was standhält, wird gesehen. Nur\nwas fällt, wird wehleidig betrachtet. Ge-\nwesen. Rührung weint in der Zeit. Kunst\nist unmenschlich.\nAber die Kunstmenschen interessieren sich\nfür die Zeit. Sie interessieren sich nicht\nfür das Geschaffene des Sturm, sie inter-\nessieren sich für die Geschäfte des Sturm.\nUnd krächzen: Abrechnung.\nDie Abrechnung steht in den Büchern, die\nnicht die Welt bedeuten. Selbst diese\nZahlen werden zeugen, wenn auch die\nZeugen nicht mehr zählen. Die Menschen,\ndie Ränke erfinden, statt Kunst zu finden,\nmögen diese Bücher ohne Interessen mit\nInteresse prüfen. Die Verluste übersteigen\nselbst ihre Einbildungskraft an Gewinnen.\nDie Verluste sind unser Gewinn.\nWir haben gewonnen, weil wir verlieren\nkönnen.\nWir haben zu verlieren.\nDenn wir sind im Sturm, der über die\nErde heult.\nUns ist die Schönheit im Sturm.\nUnser ist die Schönheit des Sturms.\nDenn der Sturm ist ohne die Wirklichkeit,\ndie dem Sturm verfällt.\nEs gibt nichts Komischeres als Feindschaft.\nFeindschaft ist Schwäche. Man wird böse.\nWarum ist man nicht gut. Warum wird\nman nicht gut. Das Endziel der Kultur-\nmenschheit heisst: Abrechnung. Kultur\nheisst zählen können. Und rechnen. Die\nganze Jugend wird verrechnet und das\nAlter will von der Jugend leben. Die\ntiefste Verachtung der Kulturmenschheit\ndrückt sich in dem Satz aus, dass jemand\nnicht bis drei zählen könne. Und Afrika\nhabe x Prozent Analphabeten. Und die\nProzente sind der Weisheit letzter Schluss.\nDer Weisheit letzter Abschluss. Uebertrag\nzugunsten der Kultur. Abrechnung lür das\nHundert. Wer das nicht kann, wer das\nnicht tut, der zählt nicht mit. Wo zählt\nman nicht mit. Zahlen beweisen nicht\nalles. Zahlen beweisen nichts. Zahlen be-\nweisen nur Zahlen. Zahlen stehen auf\nScheinen, die der Kulturmenschheit das\nSein sind. Der Feind, diese freundliche\nBezeichnung, sucht stets nach Scheinen,\ndas heisst nach Quittungen über die Leistung\nanderer. Bald steht er rechts, bald steht\ner links, der Feind. Feinde, die sich zu-\nsammenzählen, nennen sich gern Kämpfer\nfür die heiligsten Güter der Nation. Besser\nhiesse es, für die Scheingüter einer ande-\nren Nation. Sowie etwas Güter wird, ist\nes nicht mehr gut. Denn das Gute ist un-\nberechenbar. Unzählbar. Ungezählt. Nur\nder Feind zählt seine Gegner. Der Freund\nhat nie seine Feinde gezählt.\nGut sein heisst eine Leistung um der\nLeistung willen leisten. Also ohne Berech-\nnung. Auch ohne Berechnung der Wirkung.\nSelbst dem Kaufmann, dem Kulturträger\nder Menschheit, ist der Mensch gut, auf\ndessen Leistung er vertraut. Er glaubt an"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1029, "texte": "ihn oder kulturell gesagt: ergibt ihm Kredit.\nDer Mensch ist gut, dem Glaube Leistung\nist. Nicht aber Leistung Glaube. Leistung\nist die sinngemässe oder sinnliche Gestal-\ntung des Nichtgestaltetcn. Die Güte der\nLeistung ist ihre Gestaltung und nicht ihre\nVerwertung. Die Verwertung der Leistung\nist nur Zweck für die Menschen, die bis\ndrei zählen können.\nFeindschaft ist verhinderte Besitzgier.\nEigentum ist eine seelische Forderung. Wenn\nder Mensch aber an die Seele dieser For-\nderung nicht glaubt; findet man ihn eigen-\ntümlich. Die Forderung ist die Eigentüm-\nlichkeit der Seele. Und im übrigen eine\nRechnung. Und zwar eine überschriebene\nRechnung.\nWir zählen nicht unsere Jahre. Wir zählen\nnichts auf. Auch keine Leistungen. Denn\nsie geschehen um der Leistung willen. Uns\nsuchen nicht Gestalten. Wir gestalten das\nSuchen. Wir gestalten das Treiben im\nGetrieb der Triebe. Treibend Getriebene.\nGetrieben Treibende. Künstler. Schaffende\nGeschaffene. Geschaffene Schaffende.\nDie Leistung um der Leistung willen.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "165", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.3", "titre_corps": "Tai-a-oh", "titre_sommaire": "Tai-a-oh", "signature_source": "Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.4", "debut_caractere": 1031, "fin_caractere_exclue": 3965, "texte": "Tai-a-oh\n\nTai a oh: es ist schwer zu deuten. Viel-\nleicht ist es das Meer. Wenn seine Bran-\ndung verbissen ringt mit Klippe und Felsen,\nsingen Wasser und Stein aus gemeinsamer\nKehle den Urgesang der Elemente, der aus\nFeindschaft geboren ist: Tai-a-oh.\nOder es ist der Himmel, der über dem\nMeer und den Inseln gewaltiger liegt als\nüber dem grossen Land. Seiner Tage Blau\nbeginnt zu tönen und begnadete Wesen\nhören jene Musik der Sphären, mit der die\nGötter sich loben darum, dass sie sind.\nTai-a-oh, es sind die südlichen durchsich-\ntigen Nächte, aber nur Menschen mit walt-\nsaraer Sehnsucht sinken ganz bis auf ihren\nGrund, steigen völlig empor in den Glanz,\nder sie erhöht über alle Erlebnisse.\nVielleicht war es der Urlaut, welcher un-\nerlöst rang in dem, den ich nennen muss\nwie ihn und alles, das ihn umgab:\nTai-a-oh.\nAlles ist Tai-a-oh: Die Insel, die Tiere, die\nBäume, das Meer.\nLeicht könnte man diese Landoase in der\nWasserwüste abschreiten von Sonnenaufgang\nbis Sonnenmittag, doch es ist niemand da,\nder solches mit Vernunft vollbrächte, denn\nTai-a-oh, das Wesen, ist ohne Vernunft.\nEs sind Jahre her, da zerspellte im Wirbel\ndes Taifun an den verborgenen Klippen\ndas Schiff. Es fiel auseinander wie gespal-\ntenes Holz und die tosende Nacht frass alle\nMenschen bis auf einen, und der war ein\nKind.\nGezeugt mit einem Weibe, das sich der\nKapitän in einer südlichen Hafenstadt ge-\ngriffen hatte und die zur seltsamen Natur\ndes Rauhlings so passte, dass er sie aufs\nSchiff nahm, wo sie einen Koch und manch-\nmal einen Seemann ersetzte, war dies Kind\nunbeachtet und verwahrlost zu den ersten\nwenigen Lebensjahren herangewachsen. Es\nfühlte kaum die ersten Regungen der\nSprache, aber sein Körper war der Ent-\nwicklung seines Kopfes weit voraus.\nDa geschah das Ereignis. Den Schiffbruch\nüberlebte dieses Kind allein von allen, die\nuntergingen, in einer Kiste, geklemmt\nzwischen ungelösten Balken, trugen es die\nWellen an den Strand der Insel.\nSei es, dass seine noch weiche Stirn ge-\nschlagen wurde an hartes Holz, sei es, dass\nerste Bewusstheit des Lebens aufkeimte,\num schon den Schrecken des Todes im\nHalbschlaf der Seele empfinden zu müssen\nund damit niedergeschlagen zu werden, das\nWunder ward Grausamkeit zugleich:\nDie lallenden Laute der Sprache wurden\nzerstört, über die kurze Vergangenheit sei-\nnes Lebens rollten dichte Schatten, die\nGefilde des Wahnsinns taten sich auf.\nAber der schiffbrüchige Knabe starb nicht,\ndoppelt stark standen die Instinkte des\nLeibes bereit, sich das Leben der Muskeln\nund des Frasses zu erhalten, ein tierischer\nErhaltungstrieb kam hervor, das Kind be-\ngann sich auf der Insel zu bewegen.\nDas ist Tai-a-oh. Und jetzt ist er erwach-\nsen und stark wie ein Urwaldvieh. Seine\nHaut ist tiefbraun, aber er spiegelt sich nie\nim Wasser, er weiss nichts von sich, er\nkann nicht denken.\nEin Fell harter Haare liegt verschlungen\nüber seinem Leibe, Brust, Rücken und\nSchenkel schützend durch dichten Wuchs."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3962, "texte": "So hat Tai nicht not, die Hülle von Tieren\nüber sich zu werfen, wie die Könige der\nWilden, Er geht ganz nackend und weiss\nnicht, was Scham ist.\nAn Pflanzen, Palmen und niederen Säuge-\ntieren ist die Insel reich, die Sonne ist bis\nauf Wochen im Jahr immer gleich prall\nüber dem Eiland. Alle Feuchtigkeit kommt\nvom Meer. Nur ein Bach süssen Wassers\nrauscht aus dem verklommenen Dickicht\ndes Waldes und geht zwischen nackten\nFelsen ins Meer.\nUrzeit warf mit einem Feuerstrahl die Insel\nhoch, mit vielen anderen und grösseren im\nUmkreis; als die Erde unter den Wassern\nwiederum riss, nahm sie die anderen\nmit hinab. Dieses Eiland aber ist ge-\nblieben, inmitten einer gemiedenen Wasser-\nwüste, weitab von der Strasse der Schiff-\nfahrt.\nSo lebt Tai. Er ist kein Mensch mehr,\nseine Sinne sind diesseitig, dem Frass er-\ngeben, mehr ist nicht in ihm. Es gibt\nEier der Vögel in Felsspalten und hohen\nBäumen, und Tai klettert wie eine Wild-\nkatze. Fische sind im Meer. Tai schwimmt\nbesser als ein Hai, so schwimmend kämpft\ner mit Raubtischen. Niederes Nagezeug\nverschont er, aber die Vögel liebt Tai zu\ngreifen, die nahe am Felsen streichen.\nWie zwischen Sauriern seiner Urvorfahren\nlebt Tai-a-oh, nichts unterscheidet ihn vom\nLeben seiner vorallerzeitlichen Eltern. Der\nTropfen Wildblut aus jener Zeit ist ge-\nwachsen, die Seele, welche in Jahrtausen-\nden die verlorene Menschheit zurückzuer-\nobern begann, ist vom Irrsinn erdrückt.\nUrblut ist Sieger.\nAber doch, da ist ein Rest geblieben. Ein\nTropfen Seelensinn ist eingeklemmt, der\nbeginnt manchmal zu sehmerzen. Das sind\ndie Stunden, in denen zuckendes Geleucht\ndas verlorene Hirn zu erhellen scheint.\nDann sitzt das braune Wesen auf einer\numschäumten Klippe und aus seiner ver-\nquollenen Brust löst sich jener Laut, der\nAusdruck für alles ist, was sein Sehen und\nHören bedrängt: Tai-a-oli.\nBis auf jenen Spalt Licht in seinem Innern\nist Tai Tier, ja, es wäre besser zu sagen:\nDer Wahnsinn ist das einzig Menschliche\nan ihm. Er unterscheidet ihn im Wesen\nvon Vogel, Fisch und Ratte.\nEr ist der Natur verbunden, die ihn um-\ngibt. Ihre Gezeiten bestimmen sein Dasein,\naber er fühlt dies nicht, alles in ihm ist\nuntertänig, der Sonne, der Nacht, dem\nWind, dem Tau.\nIst die Regenzeit da, überrinnt Schlaf auch\nihn, schwer von der Müdigkeit eines\nsonnenvollen Jahres verkriecht er sich in\nseinen Höhlenspalt und enthält sich der\nNahrung.\nSpielt der Sturm auf dem Meere, einer\ntausendfüssig trabenden Elefantenherde\ngleich kommen die Wogen der Insel nahe,\nfürchtet sich Tai nicht. Aber er ringt\nauch nicht mit dem Wetter. Wie ein\nKlumpen Erde kauert er am Rand seiner\nFelsenspalte und seine Augen stechen ins\nToben der trächtigen Winde. Eine Palme\nschwankt zur Erde, ein Baum lässt sich\nentwurzeln, die Lianen an ihm zerreissen:\nTai ist ruhig.\nNach solchen Stürmen ist die Luft entladen\nund wie ein Wildtier nach dem Gewitter\nder reineren Luft entgegenatmet, so gibt\nsich auch Tai der Gelöstheit der Gräser\nund Bäume und Tiere hin. Mit wiegendem\nGang und geschmeidigen Gliedern hebt er\nsich abwärts zum Strand und läuft die\nBreite der beruhigten Wellen ab.\nVielleicht kehrt der Hauch der zerstörten\nDenkfähigkeit schattenhaft wieder: so war\nes damals und das sucht er.\nAber wiederum in einer Nacht, als Blitz\nund Donner sich über dem Scheitel der\nInsel treffen, mischt sich in das Wutgezeter\nder berstenden Wolken die Lärmkanone\neines Schiffes. Quer über die geballt im\nKreise rasenden Schwarzwolken knallt ein\nFlammenschein, wieder und wieder, bis er\nauf einmal wächst zum glühenden Rot, die\nSturmwolken in seine blutigen Farben\ntauchend.\nDa schüttelt sich Tai, das sah er nie —,\nund geht in seine Höhle und verfällt in\nSchlaf.\nDer Morgen treibt ihn zum Strand. Eine\nunbekannte Macht reisst ihn heute hin und\nher, springende Unruhe betont Schritt und\nGebärde. Tai watet durch die seichten\nWasser, schwimmt ein Stück und verhält\ndann auf der Klippe, welche ihm sonst\nzum Ruheplatz dient, wenn er matt ist vom\nFang der Fische."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4230, "texte": "Er kriecht auf das noch kühle Gestein; es\nschwillt die Sonne und hebt sich weit über\nden Horizont, steigend und stetig. Aber\njetzt, als Tai sich das Wasser vom Leib\nschüttelt und die Glieder an den Steinen\nhinaufreckt, geht jäh ein Ruck durch ihn.\nDas hat er nie gesehen. Er ist starr. Seine\nAugen drehen sich weiss in den braunen\nbebuschten Höhlen, er stiert mit vorgewor-\nfener Unterlippe, mit schwingendem Ober-\nkörper auf die Stelle, wo das Meer eine\nebene Wandung in den Stein gebissen hat.\nDiese Fläche ist nicht leer.\nJa, er hat solches nie gesehen. Er kriecht\nauf Hand und Fuss näher. Tais Gesicht\nverlässt das Bild nicht. Er will denken\nund kann nicht. Sein Hirn beginnt sich zu\ndrehen, nun hockt er und ist Erwartung.\nNichts bewegt sich. Nichts. Das Weib ist\ntot. Der angespülte Rest des verbrannten\nSchiffes, vor dessen Flackerschein Tai sich\nverkrochen hatte in die Nacht seiner Höhle,\nliegt vor ihm. Dieses Weib ist übrig vom\nSchiftbruch.\nStück für Stück springt Tai näher. Lallen\nentfliegt ihm. Plötzlich wirft er die Hände\nhoch und legt sie auf die Frau. Nichts\ngeschieht. Das Meer rauscht. Die Sonne\nsteigt brennender. Tai aber fürchtet sich.\nSo sitzt er. Stunden. Im Meerwind, ein\nbraunes Tier. Die Lippen stossen seinen\nAtem pfeifend aus, aber keinen Laut. Der\nTropfen Seele in ihm zermartert sich, er\nwill sich bewegen und kann nicht.\nImmer glühender wird die Sonne. See-\nvögel flattern dreister, Tai rührt sich nicht.\nDie Tote ist nicht entstellt. Sie wird ge-\nschwommen haben bis hierher, dann hat\nein Herzschlag ihr kämpfendes Leben im\nStich gelassen und es ist zu Ende gewesen.\nDas dünne Gewand ist noch nass an den\nLeib gepresst. Tai-a-oh sieht alles. Die\nBrüste, welche jungfräulich prall empor-\nstehen, das weiche Becken breit und for-\ndernd, schlanke Säulen makelloser Füsse\nund das geschlossene Antlitz unknochig\nund fein, darum gelegt schwarzes feuchtes\nHaar wie ein tröstender Kranz. Tai weiss\nnicht, was er sieht.\nVon ferne kräuselt bereits Flut das Meer.\nKlippe zu Klippe wird überspült, näher\nrollen die steigenden Gewässer.\nTai richtet sich hoch. Er beugt den Kopf\nwie ein Stier den Nacken zum Kampf. Es\ngurgelt aus seiner gewaltigen Brust. Und\njetzt greift er die Tote und wirft sich mit\nihr ins Meer, inselwärts. Schon wandert\nkurze Dämmerung heim in die Nacht.\nDer Weg zur Höhle ist schwer, Tai klebt\nam Gestein mit der Last, aber er zwingt\nihn. Drückt sich einwärts, immer stumpf\nlautlos und mit dem Rätsel auf den Hän-\nden. Jetzt lässt er die Frau sich entgleiten,\naber dann tastet er über den nassen Leib.\nImmer etwas will ihn erdrücken. Er\nschüttelt es ab wie ein lästiges Getier.\nSchlafen geht Tai-a-oh und legt sich neben\nseine Beute, dicht — und wärmt mit sei-\nnem Körperblut eine Tote.\nLicht des neuen Morgens sticht herein.\nEinwehende heisse Luft hebt die Starre\ndes Todes nicht auf, die Fäulnis beginnt.\nTai ist aufgewacht und er sieht es, er sieht:\ndas ist der Tod. Denn er hat ihn ebenso\nwalten gesehen im Reiche der Vögel, Fische\nund Landtiere.\nTai bleibt. Er wartet. Schleppt die Leiche\nwieder heraus in die lichte Luft des Tags.\nEntwirrt grob den Leib von den Kleidern.\nSieht und sieht einen nackten Leib.\nDie Sonne stösst Tai in den Nacken, Luft\ndurchwühlt seine Haut. Insekten nähern\nsich der Toten. Tai bemerkt alles. Und\njetzt wirft sein Ruf die Einsamkeit um, Tai\nklagt um sich, klagt um die Tote, klagt:\nrn • rn • rn • i\nlai, lai, lai-a-oh ....\nJetzt, jetzt rollt der Tropfen Seele und er\nrollt in ein Labyrinth. Er ist verloren, er\nkehrt nie mehr wieder. Alles erloschen,\nkein Weg mehr im Hirn.\nTai gibt der Nacht zurück ihr Geschenk,\ndie Nacht hat ihn genarrt. Mit der Insel\nim Rücken schreitet er ins Meer. Ein wenig\nSeele mehr in diesem Wesen, die See wäre\nihm eine Gottheit geworden, anzubeten.\nNein, nichts: Tai ist ein Tier. Aber doch:\ner gibt zurück, er lässt nicht liegen. Der\nTropfen Seele rollt.\nTai schreitet, er schwimmt nicht. Er hält\ndie Tote fest, starr. Wogen kommen gierig,\ner will nicht schwimmen. Tai kämpft nicht\nmehr. Der Tropfen Seele rollt heimwärts.\nJetzt ist er frei. Das Gefäss ist zerbrochen.\nTai!!! schreit sich die brandende Woge\ndie Felsen hinauf. Der schweigende Stein\nlässt die Wasser bersten, und sie entfallen,\nklagend verlöschend: a-oh."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 182, "texte": "Heim gehen die Tropfen in den Schoss der\nSee, wie die Seelen heimkehren in die Welt\nder Geister. Aber sie kommen immer\nwieder, die Wasser wie die Seelen.\nTai - a - oh.\n\nKurt Heynicke"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "165", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.4", "titre_corps": "Mar Baltico", "titre_sommaire": "Mar Baltico", "signature_source": "Vasari", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.7", "debut_caractere": 184, "fin_caractere_exclue": 1800, "texte": "Mar Baltico\nVasari\nMar Baltico. —\nAddormentato su un malerasso d'alghe:\nEpidermide lambita\ndalle labbra — velluto della neve.\nDue delfini\nmaldestri danzatori\nballonzolano\nrancido fox-trott.\nLevigato agile dorso rapido hatel d'acciaio\nsfiora la mia capigliatura:\nebbrezza violenta\ncarezza di creola cubana.\nTransatlantico:\nSferzante lingua bolognese\nUiulato di donna turca\nin smanie isteriche parigine.\nF reddo.\nPescecane in frac\nimpenitente omosessuale\nfrequentatore Palast-Europa\nPotsdamerstrasse.\nVestito a Piccadilly\nGoffi inchini indurito provinciale.\nMi öftre\nuna botliglia di autentico Whisky. —\nTre balene innamorate della musica\ndi Herwarth Waiden\nscimiottano\nIda Andorffy.\nOmero\nmai stato cieco\npilota imperterrito un Ansaldo\nfumando\nuno smisurato sigaro Avana.\nCroce, Gentile, Gesareo\nl'inseguono a perdifiato\nsu una superdreadnought\nbarcollante sotto i\n5000.000.000 m!\ndell'Uiade Odissea.\nOrchestra\n10.000 pinguini\nintona\nMarcia Tannhäuser\n100.000\n500.000\nacciughe\npiroetlano una danza argentala. —\nFreddo. —\nFreddo intenso. —\nCircerone\ncapo-lribü pellirossa\nsmaltisce una sbornia\nda antropofago\nsul suo yacht\ndecorato da Prampolini\nE rinnova\nl'amicizia\njroncata sui banchi ginnasiali\noffrendomi un\npreparato da Nabuccodonosor\nsuo prccetlore\ndi lingua francese.\n68\nvergini negre\n(Salvation Army)\nmi fanno i massaggi\ncon efferrata libidine\ne mi mettono\nil piü inglese\ndei miei frac. —\nSalone di cristallo:\nAria impregnala di cocaina\nOra ballo contento\nil jazzband\ncon Celly de Rheidt\ninfagottata\ncome balia romana.\nLa regina Taitu\nmaestra di danze classiehe\nurla in inglese:\nMessieurs, le dine est servi. —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c005", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "167", "image_debut": 7, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.7", "debut_caractere": 1802, "fin_caractere_exclue": 2085, "texte": "Gedichte\nHans Arp\n\nBefiederte Steine\n\n1\nDie Könige kämmen Wälder zücken bezechte\nVögel und reiten verschont auf eisernen\nSpazierstöcken in die Thermen.\nDie wachsenden Tiere tanzen auf gläsernen\nKothurnen.\nDie Stämme messen sich Vögel an.\nDie gegeisselten Vögel verbluten im Säulenhof"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.8", "debut_caractere": 55, "fin_caractere_exclue": 588, "texte": "2\nPeitschen knallen und aus den Bergen kom-\nmen die gescheitelten Schatten der Hirten.\nSchwarze Eier und Narrenschellen stürzen\nvon den Bäumen.\nGewitter Pauken und Trommeln bespringen\ndie Ohren des Esels.\nFlügel streiten Blumen.\nQuellen regen sich in den Augen der Eber.\n3\nLachende Tiere schäumen aus eisernen\nKannen.\nDie Wolkenwalzen drängen die Tiere aus\nihren Kernen und Steinen.\nNackt stehn Hufe auf steinalten Steinen\nmäuschenstill hei Zweigen und Gräten.\nGeweihe spiessen Schneekugeln.\nAuf Stühlen galoppieren die Könige in die"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.9", "debut_caractere": 55, "fin_caractere_exclue": 601, "texte": "Berge und predigen das Dezemberhorn.\nLasst Strohbrücken nieder.\nBringt Eisenbriefe lautlos und gut hörbar.\nIn der Eisflasche gefrieren Turteltauben.\n4\nIm Januar schneit es Graphit in das Ziegenfell.\nIm Februar zeigt sich der Strauss aus Kreide-\nsternen und weissem Licht.\nIm März balzt der Würgengel und die Ziegel\nund Falter flattern fort und die Sterne\nschaukeln in ihren Ringen und die Wind-\nfangblumen rasseln an ihren Ketten und\ndie Prinzessinnen singen in ihren Nebel-\ntöpfen.\nWer eilt auf kleinen Fingern und Flügeln\nden Morgenwinden nach."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c006", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "166", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.5.2", "titre_corps": "Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Holzschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Hans Mattis Teutsch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c008", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "165", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Donkre\nlyning. Roode daken. Yuile Straten. Doffe\nglinstering. Yan ruigen rullen stadsomtrek.\nWeeldrig saamgedrongen. Barst 't licht\nopen. Schuw weerkaatst. Licht omzaald.\nDe donkerte vervaagt. 7t Water staalgrys\ngestaald. Blauwe rimpeling. Hooge licht-\nkring.\nD'einder blinkt. Trans verlucht. Wind-\ngerucht 'n kraai vliegt op. n Tweede volgt.\nDe derde verbolgd.\nKrast aaklig schor. Boven in de boomen.\nIs wegver, boomhoog 'n wilde vlucht ge-\nkomen.\nRumoer rilt door de reven. Ruchtig.\nYerbreidt 't licht zieh vluchtig\nOver stad en land. Luchtig.\nWeerkaatst op huis en gracht\nOneindig zacht . . . .\n\nAvondpark\nBoomen\nKomen\nDroomen\nOogen\nBogen\nVoorover\nIn loover\nFluit\nTapuit\nSchril\nStil\nDoor\nKoor\nHerhaald\nOmzaald\nDaalt\nAvond —\nStond"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c010", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.6.1", "titre_corps": "Fantasien", "titre_sommaire": "Fantasien", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.10", "debut_caractere": 26, "fin_caractere_exclue": 670, "texte": "Fantasien\nI\nAls wilde vlammen\nKronklend omlaag\nIn 't lichte verre\nVan den schemeravend\nBuigt hartstochtsmoe\nDe ranke schaduw\nVan 'n mild gelaat\nOver aarde's tranenzee.\nVreemd\nHaar lach die verklonk in 't zeegedruisch.\nII\n's Avonds stond ik aan 't Strand\nWit blonk der duinen zand\n— Waar bleef je leven nu? —\nMaar neen . . ♦ . ik wist\nJe stem hier voor my\nIn de branding\nGinds\nNog even\nTritt je lach\nIk fluister\nZacht je naam\nEn schrei ...\nIII\nVreemd ons denken op deez 'aard\nEr is geen licht geen duisternis\nNog de. weerlichtschyn\nVan een droef gezicht\nYerpletterd\nValien wy de diepte in\nOntkracht\nOntzield\nVerloren\nOns verder leven\nArm\nWereld."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c011", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.6.2", "titre_corps": "Morgenscheemring", "titre_sommaire": "Morgenscheemring", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.10", "debut_caractere": 672, "fin_caractere_exclue": 1319, "texte": "Morgenscheemring\nGrauwe scheemring* Hooge torens. 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Jahr-\nhunderts geboren stürzt sich auf diesen\nKünstler. Gemartert Lust und Qual in Licht\ngehoben schwebt Menschkörper nun. Offen\ndem Ton. Mund-OefFnung. Mundsturz. All-\nTon rauscht ihm.\nLichtet Archipenko den Leib. Reisst zufäl-\nlige Materie zur Ewig-Linie. Staltet Kan-\ndinsky Ur-Stern-Welt sternend Farbe lind\nForm. Schlägt Stramm das Wort aus\nFeuern. Fällt die Vision des Wort-Ton-\nKünstlers auf die Sprachmasse Kunstwerk\nund schafft neue Welt. Er ist es; Wort-\nTon-Gestalter. Rudolf Blümner."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 980, "texte": "Trägt nicht vor. Nicht die „Idee\" einer\nDichtung. Harft nicht Gefühle und sekun-\ndäre Musiken eines Gedichts. Entreisst dem\nWortkunstwerk Ur-Kern. Gestaltet diesen\nim Bhythmus und Ordnung seines Vortrages.\nSchafft das Objektive des Kunst-Sprechens.\nOrdnung. Klarheit. Nicht Schmuck phan-\ntastisch ausschweifend Deklamation. Zen-\ntraler Rhythmus säult in den auf das\nWesentliche gedrängten Worttonreihen des\nneuen Sprechers. Gestaltung!\nHören die Deutschen. Die Deutschen sollen\nhören! Stosst durch den Nebel von Lvris-\n*/\nmus Kothurn Gedanken-Pose romantischer\nUnordnung Gefühls Weichlichkeit Unsach-\nlich keit. Hier tönt ein Mund. Ein Stern-\nschlund tönt unmittelbare Gewalt und Tiefe.\n„Menschheit\" reisst in die Wirbel des Un-\nmittelbaren wie kosmische Ordnung und\nSchauer Bachscher Musik.\nEr einzig! Verlieh dem kosmischen\nRhythmus in den Gesetzen seiner Sprache\nGestalt. Wo ist die Kathedrale, die jene\nWorthöhen umfängt.\nDie Kathedrale. Der Sternmund. Der TON.\n\nKurt Liebmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c014", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "172", "image_debut": 11, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.8", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Franz Hoffmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.11", "debut_caractere": 982, "fin_caractere_exclue": 2593, "texte": "Gedichte\nFranz Hoffmann\n\nLustblüte Maria\nDa\nin jedem Mädchen du\nMaria du\nan der Gott nichts vergass\nZier Schöne Glanz\nArme leuchtend\nWasser\nLuft\nSchalen des Lichtes Hände\nund Sternegaben\nOrions Gürtel deine Lende —\no Spindel\nLust\nmein Leib zersticht sich an dir\nich muss jauchzend schrein\ndrei grosse Sprünge macht mein Herz:\ndie Sonne geht in Freudentänzen\nder goldne Eber schiesst ins Meer\nder Stein sprüht hell am Himmel —\nich muss jauchzend schrein\ndu du\nSegel hoch\nmein LustschifF kommt gefahren\nevoe\ndie Masten stehn\nauf allen Meeren Strömen Seen\nglänzende Türme\nevoe\nSegel hoch\nAuferstehn\nMaria Ostara —\nauf allen Meeren\nStrömen\nallen Wegen\nin jedem Mädchen mir entgegen\ndu\nBlüte Maria\nOstara\n\nFür dich Maria\n\nMaria Viole\nMaria Primel\nMaria Hauch der Schlüsselblume\nnun will Frühling dich empfangen\nBlumen und Violen so blau\nKnospen am Strauch, am Hang\nkleine gelbe Lattichblumen\nBirken mit Perlenschnüren\nMädchen in windlosem Haar\nund Knaben mit weissen 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Den\nMännern wuchsen Fahnen aus den Ell-\nbogen, die Frauen lagen in den Kanälen\nund Hessen schwarzes Gebrüll zum Himmel\nsteigen. Ein Stein fing an zu rollen und\nstiess einen Skorpion, der Skorpion zwickte\neinen Hund, der Hund lief und biss ein\nPferd, das Pferd bäumte sich und versetzte\neinem Menschen einen Tritt, der Mensch\nbiss in die Kehle seiner Mutter und sagte:\nwarum hast du mich geboren? Der Schatten\nfrass unaufhaltsam, den Bauch zum Zer-\nplatzen, er klatschte mit den Händen und\nlief mit einer Schnelligkeit, dass die Ver-\nfolger ihn beinahe aus dem Auge verloren.\nDie Glasfiguren sagten: der Schatten ist\nlächerlich und dumm. Dümmer und\nlächerlicher, wie eine verdorbene Wanduhr.\nUnd doch werden wir mit ihm nicht fertig.\nStille Trauer, erblühein unserem Herzen! —\nSie schwammen über die Wiesen.\nDie Nacht war gross, die Menschen waren\nüberall unglücklich. In grossen Gruppen\nstanden sie im Freien und schauten auf\nden Himmel. Aber sie sahen nichts, ver-\ngebens galoppierten mit Feuer im Munde\ndie Glasfiguren zwischen den Wolken. Es\nwar ganz still unter dem Wasser und über\ndem Wasser. Vom Baum fiel ein Eisen-\napfel, zerbarst in Schnitte, aus dem Gehäuse\nflog kreischend eine rote Fledermaus und\nspuckte in die traurigen Gesichter. Die\nVögel verkrochen sich unter die Erde. Man\nerwürgte einen Hund. Regen fiel.\nUnten, aus den Dachkammern, strömt Jodo-\nformgeruch und verbundene Köpfe beugen\nsich aus den Fenstern.\nEin blasser Beamter legt sich vor den Zug\nund öffnet seine undurchsichtige Brust.\nIhr kleinen Waisen! Glasfäden schleppt\nihr in den kotigen Strassen und seid er-\nschrocken: wer rast mit Mondaugen hinter\neuren Röckchen!\nAus den Schlachthäusern schweben mit\ngrossen Kuheutern die Seelen empor und\nentfliehen in die Kammern, in die Abtritte\nund unter die Betten der Menschen.\nJungfrau! Du kannst in kein Kino mehr\ngehen, dein Goldhaar ist ausgegangen.\nDer Friedhof fliegt über die Stadt und lässt\ngiftige Gase vor die Pforten fallen.\nSchöne weisse Frau vergiftet ihre sieben\nTöchter.\nLegt euch quer übereinander, wie die Lei-\nchen lind lasset den Turm der Unglück-\nseligkeit aufbrechen. Jetzt gibt es viele\nTote. Jetzt ist auch schon die Luft Gift,\nvielleicht wird sie den Feind töten. Viel-\nleicht stolpert er über jenen Kuss, den sich\nzwei fremde Menschen im Strassen graben\ngeben. Vielleicht stürzt er herunter und\nstirbt schrecklichen Todes. Vielleicht er-\nreichen ihn die Glasfiguren!\nEr drehte sich in der Luft um und stürzte\nschreiend herunter. Eine grosse graue\nLache bildete sich um seinen Körper —\nvielleicht Blut? Die Verfolger fassten sich\nan der Hand, sausten ihm mit beklomme-\nnem Herzen nach, Bald werden sie ihn ein-\nholen. Die Friedhöfe erglänzten.\nDoch die mittlere Glasfigur schrie plötzlich\nauf, blieb stehen, verwandelte sich in dichte\nErde, stieg mit zugeklappten Flügeln rasch\nzur Erde nieder. Da lag ein Mensch mit\neiner blutenden Wunde, die wie ein Solitär\nauf seiner Stirne leuchtete. Sie setzte sich\nneben ihn. Die zwei Glasfiguren rannten\ndem Schatten nach, aber ihre Füsse waren\nlangsam und zitternd, wie die der Seil-\ntänzer. Und der Schatten lachte wie ein\nHirsch über den Wäldern. Die Glasfiguren\nstreckten die Arme aus, sie ermatteten. Sie\nhingen in der Luft, ein Gähnen des Grauens\nspannte ihren Mund, der Schatten enteilte\nund schwenkte wie eine langgestreckte\nLinie hinter die Mauern. Die mittlere Glas-\nfigur sass unten auf der Erde, neben dem\nkranken Menschen und weinte. — Warum\nhast du uns verlassen'? — klang von Wei-\ntem die schmerzliche Frage, klang und\nerstarb zwischen den Rollen. Aber der\nKörper des Krankenwärters war bereits in\ntaube Erde verwandelt und die Tränen\numfingen ihn, wie ein unsichtbarer Dralit-\nkäfig. Die Glasfiguren hingen über dem\nWald und keuchten.\n— Nie? — fragte die Aelteste und der Kopf\nfiel ihr auf die Brust.\nDie Jüngste sagte: Blut, Blut, überall Blut,\nund jetzt wird das letzte Tier sterben.\nDer Kranke erhob sich ächzend vom\nPflaster, er hustete und wischte sich den\nSchweiss von der Stirne. — Komm! —\nsagte die Glasfigur und griff ihm mit barm-\nherziger Hand unter die Achsel. Aber der\nKranke liess sich wieder auf den Asphalt\nnieder. •"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.17", "debut_caractere": 33, "fin_caractere_exclue": 1277, "texte": "— Wohin? — fragte er und spuckte aus. —\nDie Spitäler sind voll und übrigens will\nich auch nicht in stinkenden Kabinen ster-\nben. Hier wiederkäue ich still, strecke\nmanchmal den Fuss aus, die Menschen\nstolpern und fallen auf die Nase. Darüber\nlache ich. —\nEs war kalt, im grossen Wind klirrten die\nGlaslampen, eingewickelte Ratten liefen mit\nstarkem Jodoformgeruch aus den Kanälen\nheraus. Der Kranke fing sich eine mit\nlangen Fingern, zerbrach sie in zwei Stücke\nund ass sie auf. Die Glasfigur sagte:\n— Ich liebe dich, denn der leidende Mensch\nist sanft und gut, wie ein Bissen Brot. Auch\ni<?h will leiden. Stich mir die Stirne durch!\n— Die Menschen würdigen es nicht genü-\ngend, dass ich unglücklich bin — sagte der\nKranke. — Warum binden sie mir keinen\nKranz aus Veilchen und Anemonen um das\nHaupt? Zur Strafe biss ich gestern meiner\nFrau das linke Ohr ab. Es war geschmack-\nlos. —\n— Ich will leiden — sagte die Glasfigur und\nschlug die Stirnc gegen das Pflaster.\nEs war so kalt, dass das Kalb im Leibe\nder Kuh erfror. Vor dem Ausschank schau-\nkelle eine lila Blechlaterne im Wind, viele\nMenschen hinkten durch die Türe, ihre\nKöpfe leuchteten wie Glutenkisten.\n— Guten Abend , . . guten Abend! — sagten\nsie, murmelten und entschwebten über dem"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2745, "texte": "Friedhof. Der Kranke beugte sich ihnen\nmit langem Halse nach und biss sie in die\nFersen. In den Strassen krochen wie Würmer\ngrossköpfige, gelbe Kinder herum.\n— Ich werde sie zertreten — sagte der\nKranke — denn unziemlich kitzeln sie mir\ndie kranken Sohlen. Wer erbarmt sich\nmeiner, der ich arm und unglücklich bin?\n— Stich mir die Stirne durch! — sagte die\nGlasfigur.\nDer Wind zerbrach die Laternen, die\nScherben fielen auf den Asphalt. Ein durch-\nleuchtetes Spital liess sich vor ihnen zur\nErde nieder, die Thermometer klirrten und\naus den Fenslern beugten sich weissgeklei-\ndete Krüppel und zeigten ihnen die Zungen.\nDer Kranke wütete und schäumte. — Ich\nbin kränker als jene — schrie er — zündet\ndas Spital an. Oh, grosser Engel, hebe\ndeine Augenlider auf und betrachte diese\nVerfluchten! —\nDas Spital verschwand, ein breiter Fried-\nhof streckte sich vor ihnen im Schnee aus.\nDie Toten sassen auf der Erde und lasen sich\ngegenseitig ihre Grabinschriften vor. Der Wind\nlegte sich, der Friedhofswächter schnarchte\nund die kleinen Schnecken krochen lang-\nsam die Mondstrahlen hinauf. Das Licht\ndes gegenüberliegenden Cafehauses schlug\nüber die Mauer.\n— Ich will leiden — sagte die Glasfigur —\nund die verschnupften Menschen pflegen! —\nDer Kranke klopfte ihm auf den Bauch. —\nSagen Sie nicht solche Sachen — sagte er\n— sonst werde ich schwach. Schon habe\nich Kopfweh! —\nEs wurde Sommer, die Schwalben flogen\num die Schänke herum, der Kranke wollte\nnicht aufstehen. Im Winter sagte die Glas-\nfigur: gehen wir jetzt! Der Kranke wurde\nimmer schwächer. Mit seinem Arm griff\ner in das Fenster des Wirtshauses, hob\neinen Krug voll Rosmarinduft über die\nStirne. Wenn ihn die Glasfigur berührte,\nmagerte er sofort ab. Nach Jahren konnte\ner nur mehr mit ersterbender Stimme\nfluchen. Die Glasfigur flog auf das Dach\nund schaute traurig auf die Erde zurück.\nDer Kranke setzte sich mit sichtbarer Er-\nleichterung auf und ass schnell eine Ratte.\n— Wetten wir! — sagte er — ich wäre an\ndieser chronischen Augenentzündung gestor-\nben. Wer kann einen solchen Glanz aus-\nhalten? Ehren wir sein verehrungswürdiges\nAndenken mit einem Turm aus schönem\nRosenquarz und schwenken wir auf den\nKnien massive Liliensträusser! —\n— Wieviel Zeit haben wir vergeudet! —\nsagten die Glasfiguren, als die Mittlere zurück-\nkehrte. Ihre Brust war dunkel, ihr Hals ge-\nbogen und ihre Hände in Scherben geschlagen.\nDer Vogel sagte: Tanzen wir im Gras, wenn\ndie Sonne aufgeht! Die Glasfiguren fassten\nsich an der Hand, überholten den Schatten,\nbohrten ihm ein Loch in den Bauch. Alles\nkam heraus, was drinnen war: das Feuer,\ndie Häuser, die Tiere, die Blumenstöcke,\ndie Erde, der Bräutigam, die Braut und\ndie Menschen. Die Engel niesten. 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SeSkvmittel F\n3f£wa.nstwmee.Mfij9e 1 Jtlatfoasteml\nZu beziehen durch Warenhauser, Spielwaren* und Lehrmittelhandlungen oder durch\nSTURMsBUCHHANDLUNG / BERLIN W 9\nPOTSDAMER STRASSt 138a"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c031", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[177]", "page_fin": "[177]", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "[177]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 322, "texte": "Neuerscheinungen des Verlags Der Sturm\nVI: Maler des Expressionismus / Zweite Folge\n15 Farbdrucke nach Gemalden von Marc Chagall / Robert Delaunay / Tour Donas / Albert Gleizes\nJohanna Itten / Paul Klee / Louis Marcoussis / Jean Metzinger / Georg Muche / Peri / Lothar Schreyer\nKurt Schwitters / Nell Walden / Grundzahl 10"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c032", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[177]", "page_fin": "[177]", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "[177]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.19", "debut_caractere": 324, "fin_caractere_exclue": 780, "texte": "V oranzeige:\nZu W eihnachten erscheint im V erlag Der Sturm\nLothar Schreyer / Handschriften\nBuch I\nAngeltis Silesius / Spriiche\nSieben Spriiche bandgeschrieben / Sicbcn ganzseitige\nFederzeichnungen / in handgemaltem Umschlag ge»\nbunden\nEinmalige vom Kiinstler hergcstelltc Auflage in\n10 Exemplaren\nNr. 1—3 auf echtem Japan / handsigniert\nNr. 4—10 auf gutcm Zeichenkarton\nPreis bei Vorausbestellung bis 15. 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Umschlagseite / Einzelheft\nGrundzahl 1\nVollstSndige Exemplare dcs 5. bis 7. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden / Grundzahl\njc 15 I 9. bis 13. Jahrgang Grundzahl je 8 / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelheftc alter Jahr'\ngange Grundzahl 1\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und numerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbiihne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundzahl 0.20"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1923-11-01-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1923-11-01_01#c040", "volume": "bmtnabg_1923-11-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[178]", "page_fin": "[178]", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "[178]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.20", "debut_caractere": 1295, "fin_caractere_exclue": 2371, "texte": "Bticher aus dcm Verlag Dcr Sturm mit Goldmarkpreisen\nDie Goldmarkpreise sind mit der jeweils festgesetzten amtlichen Schlusselzahl zu multiplizieren.\nFur das Ausland: Grundzahl = Schweizer Franken\nPostscheckkonto des Verlags Der Sturm: Berlin 120658\nAugust Stramm\nDa I Liebesgedichte / 4. Auflage / 2\nTropfblut / Gedichte / gebunden / 5\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band 5\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 2\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 2.50\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / 2\nRudolf Bltimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 3\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / 1\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressionis-\nmus I 2\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 2\nSturrrvBilderbticher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. 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Potsdamer Strasse 138 a / Laden\nFernruf: Amt Liitzow 4443\n2. 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Auflage\nDie Neuauflage dieses wichtigen Buches wird seit Jahren erwartet\n\nC.***,sl4 * <0.\n9Zeuaeitlicf>e\nf«d>cW\ngeitte\n3eitf ct>rif(en\nuttb SBerfe\n®ef contact t>olle\n93rof$tiren\nepejialitftt: SJfteljrfar&enbrucf\nBERLIN NO 18\nWassmann-Strasse 27\nTel. Kdnigsiad! 8269.1176\n\nD\nutiidrutifierel Rldiard Stein Nadii.\nBERLIN N54 / BRUNNENSTRASSE 188/190\nFE RNS PRE CH = ANSCHL USS: NORDEN Nr. 3393\nliefert samtlidie Drucksachen,\nein= und mehrfarbig, schnell, gut und billig\n\nmi lit iiiiiiiiiiiiiuiiiii 11111 nun iiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiitiiiiiiiimiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiuimmiiiiiiiiiiiiiiii\nmm wm\nI Gesellschaft der Sturmfreunde\nI G. d. St.1\n| DieOrganisationderFreundederneuenKunst e\nmm mm\n\\ Satzung und Aufnahme durch den Verlag Der Sturm =\ni Berlin W 9 / Potsdamer Sirafee 134 a |\nlUIIUUIIIUIUUIUIUUUUIUIUIIUIUUUUIIIIIIIIUIIUUIUUUIUUUIUIIUIUIIIIUIIIIIUUIIIUIIUUIIUUIIIUIUIUIIIIIU\n\n\"NOI„\nInternalionale Zeilschrift\nder Futuristen\nHerausgeber: Enrico Prampolini\nRedaktion: Ruggero Vasari und\nVittorio Orazi\nDirektion und Administration:\nVia Tronto 89 — Rom (36)\nRedaktion: Via Treviso 19A —\nRom (50)\nErsdieint monatlidi u. reproduziert\nWerKe bester moderner Kiinstler\nDauerbezugspreis jahrl. (12 Hefte)\n40 Lire\n\nHET OVERZICHT\nDirektlon: Fernant Berckelaers und Jozef Peeters\nDie einzige Monatsschrift des internationalen\nVortrupps in niederlandischer Sprache\nStandige Rubriken: radikale Kunst, Musik,\nPhilosophie, international© Politik,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\netc.\nPreis jedes einzelnen reich illustrierten Heftes in kunstlerisch.\nUmschlag, 24 Seiten, Format 25X32, Fr. 2.—, Abonnement\n(12Hefte) Fr. 16.—, Frankreich Fr. 20.—, Niederlande fl. 4.25.\nRedaktion und Verwaltung\nAntwerpen (Beigien) Chaussee deTurnhoutlos\n\nDie Drucke der Schau\nErster Band\nKurt Liebmann / Schrag geoffnet\nKreis Gedichte. Mit Zeichnung- Thomas Ring-.\nIn Kartonumschlag-. Grundzahl 1.50\nZweiter Band\nKurt Liebmann / Kreuzigung\nNovelle. In Kartonumschlag. Grundzahl 1.50\nKARL RAUCH VERLAG / DESSAU\nPostscheck 15203 Magdeburg / V ersand direkt Nachnahme od.V oreinsendung §\n\nP A » f A ~ n A\nPAPIiRFARBIiiAPPE\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIERFARBBILDER\nvon unerreichter Schonheit / Geschiitzt in alien Kulturstaaten\n0% escftfi/f xgungsspief ? SeSkvmittel F\n3f£wa.nstwmee.Mfij9e 1 Jtlatfoasteml\nZu beziehen durch Warenhauser, Spielwaren* und Lehrmittelhandlungen oder durch\nSTURMsBUCHHANDLUNG / BERLIN W 9\nPOTSDAMER STRASSt 138a"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nWeit und weiter — weiter\n\nDer Sturm treibt in das fünfzehnte Jahr.\nViel hat er vertrieben, was ohne Wurzel\nsich hoch über den Boden reckte. Viel\nhat er vernichtet, was sich Leben aus dem\nSein lieh statt aus dem Schein. Denn das\nSein der Sonne und der Kunst ist ihr\nScheinen. Von diesem Scheinen lebt das Sein.\nDer Sturm braucht kein Interesse. Der\nSturm hat keine Interessen. Was fällt, fällt.\nWas abfällt, fällt ab. Nicht ist der Sturm\nda, aufzurichten. Nur wer ihm standhält,\nsteht im Sturm.\nNicht was standhält, wird gesehen. Nur\nwas fällt, wird wehleidig betrachtet. Ge-\nwesen. Rührung weint in der Zeit. Kunst\nist unmenschlich.\nAber die Kunstmenschen interessieren sich\nfür die Zeit. Sie interessieren sich nicht\nfür das Geschaffene des Sturm, sie inter-\nessieren sich für die Geschäfte des Sturm.\nUnd krächzen: Abrechnung.\nDie Abrechnung steht in den Büchern, die\nnicht die Welt bedeuten. Selbst diese\nZahlen werden zeugen, wenn auch die\nZeugen nicht mehr zählen. Die Menschen,\ndie Ränke erfinden, statt Kunst zu finden,\nmögen diese Bücher ohne Interessen mit\nInteresse prüfen. Die Verluste übersteigen\nselbst ihre Einbildungskraft an Gewinnen.\nDie Verluste sind unser Gewinn.\nWir haben gewonnen, weil wir verlieren\nkönnen.\nWir haben zu verlieren.\nDenn wir sind im Sturm, der über die\nErde heult.\nUns ist die Schönheit im Sturm.\nUnser ist die Schönheit des Sturms.\nDenn der Sturm ist ohne die Wirklichkeit,\ndie dem Sturm verfällt.\nEs gibt nichts Komischeres als Feindschaft.\nFeindschaft ist Schwäche. Man wird böse.\nWarum ist man nicht gut. Warum wird\nman nicht gut. Das Endziel der Kultur-\nmenschheit heisst: Abrechnung. Kultur\nheisst zählen können. Und rechnen. Die\nganze Jugend wird verrechnet und das\nAlter will von der Jugend leben. Die\ntiefste Verachtung der Kulturmenschheit\ndrückt sich in dem Satz aus, dass jemand\nnicht bis drei zählen könne. Und Afrika\nhabe x Prozent Analphabeten. Und die\nProzente sind der Weisheit letzter Schluss.\nDer Weisheit letzter Abschluss. Uebertrag\nzugunsten der Kultur. Abrechnung lür das\nHundert. Wer das nicht kann, wer das\nnicht tut, der zählt nicht mit. Wo zählt\nman nicht mit. Zahlen beweisen nicht\nalles. Zahlen beweisen nichts. Zahlen be-\nweisen nur Zahlen. Zahlen stehen auf\nScheinen, die der Kulturmenschheit das\nSein sind. Der Feind, diese freundliche\nBezeichnung, sucht stets nach Scheinen,\ndas heisst nach Quittungen über die Leistung\nanderer. Bald steht er rechts, bald steht\ner links, der Feind. Feinde, die sich zu-\nsammenzählen, nennen sich gern Kämpfer\nfür die heiligsten Güter der Nation. Besser\nhiesse es, für die Scheingüter einer ande-\nren Nation. Sowie etwas Güter wird, ist\nes nicht mehr gut. Denn das Gute ist un-\nberechenbar. Unzählbar. Ungezählt. Nur\nder Feind zählt seine Gegner. Der Freund\nhat nie seine Feinde gezählt.\nGut sein heisst eine Leistung um der\nLeistung willen leisten. Also ohne Berech-\nnung. Auch ohne Berechnung der Wirkung.\nSelbst dem Kaufmann, dem Kulturträger\nder Menschheit, ist der Mensch gut, auf\ndessen Leistung er vertraut. Er glaubt an"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.4", "texte": "ihn oder kulturell gesagt: ergibt ihm Kredit.\nDer Mensch ist gut, dem Glaube Leistung\nist. Nicht aber Leistung Glaube. Leistung\nist die sinngemässe oder sinnliche Gestal-\ntung des Nichtgestaltetcn. Die Güte der\nLeistung ist ihre Gestaltung und nicht ihre\nVerwertung. Die Verwertung der Leistung\nist nur Zweck für die Menschen, die bis\ndrei zählen können.\nFeindschaft ist verhinderte Besitzgier.\nEigentum ist eine seelische Forderung. Wenn\nder Mensch aber an die Seele dieser For-\nderung nicht glaubt; findet man ihn eigen-\ntümlich. Die Forderung ist die Eigentüm-\nlichkeit der Seele. Und im übrigen eine\nRechnung. Und zwar eine überschriebene\nRechnung.\nWir zählen nicht unsere Jahre. Wir zählen\nnichts auf. Auch keine Leistungen. Denn\nsie geschehen um der Leistung willen. Uns\nsuchen nicht Gestalten. Wir gestalten das\nSuchen. Wir gestalten das Treiben im\nGetrieb der Triebe. Treibend Getriebene.\nGetrieben Treibende. Künstler. Schaffende\nGeschaffene. Geschaffene Schaffende.\nDie Leistung um der Leistung willen.\n\nHerwarth Walden\n\nTai-a-oh\n\nTai a oh: es ist schwer zu deuten. Viel-\nleicht ist es das Meer. Wenn seine Bran-\ndung verbissen ringt mit Klippe und Felsen,\nsingen Wasser und Stein aus gemeinsamer\nKehle den Urgesang der Elemente, der aus\nFeindschaft geboren ist: Tai-a-oh.\nOder es ist der Himmel, der über dem\nMeer und den Inseln gewaltiger liegt als\nüber dem grossen Land. Seiner Tage Blau\nbeginnt zu tönen und begnadete Wesen\nhören jene Musik der Sphären, mit der die\nGötter sich loben darum, dass sie sind.\nTai-a-oh, es sind die südlichen durchsich-\ntigen Nächte, aber nur Menschen mit walt-\nsaraer Sehnsucht sinken ganz bis auf ihren\nGrund, steigen völlig empor in den Glanz,\nder sie erhöht über alle Erlebnisse.\nVielleicht war es der Urlaut, welcher un-\nerlöst rang in dem, den ich nennen muss\nwie ihn und alles, das ihn umgab:\nTai-a-oh.\nAlles ist Tai-a-oh: Die Insel, die Tiere, die\nBäume, das Meer.\nLeicht könnte man diese Landoase in der\nWasserwüste abschreiten von Sonnenaufgang\nbis Sonnenmittag, doch es ist niemand da,\nder solches mit Vernunft vollbrächte, denn\nTai-a-oh, das Wesen, ist ohne Vernunft.\nEs sind Jahre her, da zerspellte im Wirbel\ndes Taifun an den verborgenen Klippen\ndas Schiff. Es fiel auseinander wie gespal-\ntenes Holz und die tosende Nacht frass alle\nMenschen bis auf einen, und der war ein\nKind.\nGezeugt mit einem Weibe, das sich der\nKapitän in einer südlichen Hafenstadt ge-\ngriffen hatte und die zur seltsamen Natur\ndes Rauhlings so passte, dass er sie aufs\nSchiff nahm, wo sie einen Koch und manch-\nmal einen Seemann ersetzte, war dies Kind\nunbeachtet und verwahrlost zu den ersten\nwenigen Lebensjahren herangewachsen. Es\nfühlte kaum die ersten Regungen der\nSprache, aber sein Körper war der Ent-\nwicklung seines Kopfes weit voraus.\nDa geschah das Ereignis. Den Schiffbruch\nüberlebte dieses Kind allein von allen, die\nuntergingen, in einer Kiste, geklemmt\nzwischen ungelösten Balken, trugen es die\nWellen an den Strand der Insel.\nSei es, dass seine noch weiche Stirn ge-\nschlagen wurde an hartes Holz, sei es, dass\nerste Bewusstheit des Lebens aufkeimte,\num schon den Schrecken des Todes im\nHalbschlaf der Seele empfinden zu müssen\nund damit niedergeschlagen zu werden, das\nWunder ward Grausamkeit zugleich:\nDie lallenden Laute der Sprache wurden\nzerstört, über die kurze Vergangenheit sei-\nnes Lebens rollten dichte Schatten, die\nGefilde des Wahnsinns taten sich auf.\nAber der schiffbrüchige Knabe starb nicht,\ndoppelt stark standen die Instinkte des\nLeibes bereit, sich das Leben der Muskeln\nund des Frasses zu erhalten, ein tierischer\nErhaltungstrieb kam hervor, das Kind be-\ngann sich auf der Insel zu bewegen.\nDas ist Tai-a-oh. Und jetzt ist er erwach-\nsen und stark wie ein Urwaldvieh. Seine\nHaut ist tiefbraun, aber er spiegelt sich nie\nim Wasser, er weiss nichts von sich, er\nkann nicht denken.\nEin Fell harter Haare liegt verschlungen\nüber seinem Leibe, Brust, Rücken und\nSchenkel schützend durch dichten Wuchs."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.5", "texte": "So hat Tai nicht not, die Hülle von Tieren\nüber sich zu werfen, wie die Könige der\nWilden, Er geht ganz nackend und weiss\nnicht, was Scham ist.\nAn Pflanzen, Palmen und niederen Säuge-\ntieren ist die Insel reich, die Sonne ist bis\nauf Wochen im Jahr immer gleich prall\nüber dem Eiland. Alle Feuchtigkeit kommt\nvom Meer. Nur ein Bach süssen Wassers\nrauscht aus dem verklommenen Dickicht\ndes Waldes und geht zwischen nackten\nFelsen ins Meer.\nUrzeit warf mit einem Feuerstrahl die Insel\nhoch, mit vielen anderen und grösseren im\nUmkreis; als die Erde unter den Wassern\nwiederum riss, nahm sie die anderen\nmit hinab. Dieses Eiland aber ist ge-\nblieben, inmitten einer gemiedenen Wasser-\nwüste, weitab von der Strasse der Schiff-\nfahrt.\nSo lebt Tai. Er ist kein Mensch mehr,\nseine Sinne sind diesseitig, dem Frass er-\ngeben, mehr ist nicht in ihm. Es gibt\nEier der Vögel in Felsspalten und hohen\nBäumen, und Tai klettert wie eine Wild-\nkatze. Fische sind im Meer. Tai schwimmt\nbesser als ein Hai, so schwimmend kämpft\ner mit Raubtischen. Niederes Nagezeug\nverschont er, aber die Vögel liebt Tai zu\ngreifen, die nahe am Felsen streichen.\nWie zwischen Sauriern seiner Urvorfahren\nlebt Tai-a-oh, nichts unterscheidet ihn vom\nLeben seiner vorallerzeitlichen Eltern. Der\nTropfen Wildblut aus jener Zeit ist ge-\nwachsen, die Seele, welche in Jahrtausen-\nden die verlorene Menschheit zurückzuer-\nobern begann, ist vom Irrsinn erdrückt.\nUrblut ist Sieger.\nAber doch, da ist ein Rest geblieben. Ein\nTropfen Seelensinn ist eingeklemmt, der\nbeginnt manchmal zu sehmerzen. Das sind\ndie Stunden, in denen zuckendes Geleucht\ndas verlorene Hirn zu erhellen scheint.\nDann sitzt das braune Wesen auf einer\numschäumten Klippe und aus seiner ver-\nquollenen Brust löst sich jener Laut, der\nAusdruck für alles ist, was sein Sehen und\nHören bedrängt: Tai-a-oli.\nBis auf jenen Spalt Licht in seinem Innern\nist Tai Tier, ja, es wäre besser zu sagen:\nDer Wahnsinn ist das einzig Menschliche\nan ihm. Er unterscheidet ihn im Wesen\nvon Vogel, Fisch und Ratte.\nEr ist der Natur verbunden, die ihn um-\ngibt. Ihre Gezeiten bestimmen sein Dasein,\naber er fühlt dies nicht, alles in ihm ist\nuntertänig, der Sonne, der Nacht, dem\nWind, dem Tau.\nIst die Regenzeit da, überrinnt Schlaf auch\nihn, schwer von der Müdigkeit eines\nsonnenvollen Jahres verkriecht er sich in\nseinen Höhlenspalt und enthält sich der\nNahrung.\nSpielt der Sturm auf dem Meere, einer\ntausendfüssig trabenden Elefantenherde\ngleich kommen die Wogen der Insel nahe,\nfürchtet sich Tai nicht. Aber er ringt\nauch nicht mit dem Wetter. Wie ein\nKlumpen Erde kauert er am Rand seiner\nFelsenspalte und seine Augen stechen ins\nToben der trächtigen Winde. Eine Palme\nschwankt zur Erde, ein Baum lässt sich\nentwurzeln, die Lianen an ihm zerreissen:\nTai ist ruhig.\nNach solchen Stürmen ist die Luft entladen\nund wie ein Wildtier nach dem Gewitter\nder reineren Luft entgegenatmet, so gibt\nsich auch Tai der Gelöstheit der Gräser\nund Bäume und Tiere hin. Mit wiegendem\nGang und geschmeidigen Gliedern hebt er\nsich abwärts zum Strand und läuft die\nBreite der beruhigten Wellen ab.\nVielleicht kehrt der Hauch der zerstörten\nDenkfähigkeit schattenhaft wieder: so war\nes damals und das sucht er.\nAber wiederum in einer Nacht, als Blitz\nund Donner sich über dem Scheitel der\nInsel treffen, mischt sich in das Wutgezeter\nder berstenden Wolken die Lärmkanone\neines Schiffes. Quer über die geballt im\nKreise rasenden Schwarzwolken knallt ein\nFlammenschein, wieder und wieder, bis er\nauf einmal wächst zum glühenden Rot, die\nSturmwolken in seine blutigen Farben\ntauchend.\nDa schüttelt sich Tai, das sah er nie —,\nund geht in seine Höhle und verfällt in\nSchlaf.\nDer Morgen treibt ihn zum Strand. Eine\nunbekannte Macht reisst ihn heute hin und\nher, springende Unruhe betont Schritt und\nGebärde. Tai watet durch die seichten\nWasser, schwimmt ein Stück und verhält\ndann auf der Klippe, welche ihm sonst\nzum Ruheplatz dient, wenn er matt ist vom\nFang der Fische."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.6", "texte": "Er kriecht auf das noch kühle Gestein; es\nschwillt die Sonne und hebt sich weit über\nden Horizont, steigend und stetig. Aber\njetzt, als Tai sich das Wasser vom Leib\nschüttelt und die Glieder an den Steinen\nhinaufreckt, geht jäh ein Ruck durch ihn.\nDas hat er nie gesehen. Er ist starr. Seine\nAugen drehen sich weiss in den braunen\nbebuschten Höhlen, er stiert mit vorgewor-\nfener Unterlippe, mit schwingendem Ober-\nkörper auf die Stelle, wo das Meer eine\nebene Wandung in den Stein gebissen hat.\nDiese Fläche ist nicht leer.\nJa, er hat solches nie gesehen. Er kriecht\nauf Hand und Fuss näher. Tais Gesicht\nverlässt das Bild nicht. Er will denken\nund kann nicht. Sein Hirn beginnt sich zu\ndrehen, nun hockt er und ist Erwartung.\nNichts bewegt sich. Nichts. Das Weib ist\ntot. Der angespülte Rest des verbrannten\nSchiffes, vor dessen Flackerschein Tai sich\nverkrochen hatte in die Nacht seiner Höhle,\nliegt vor ihm. Dieses Weib ist übrig vom\nSchiftbruch.\nStück für Stück springt Tai näher. Lallen\nentfliegt ihm. Plötzlich wirft er die Hände\nhoch und legt sie auf die Frau. Nichts\ngeschieht. Das Meer rauscht. Die Sonne\nsteigt brennender. Tai aber fürchtet sich.\nSo sitzt er. Stunden. Im Meerwind, ein\nbraunes Tier. Die Lippen stossen seinen\nAtem pfeifend aus, aber keinen Laut. Der\nTropfen Seele in ihm zermartert sich, er\nwill sich bewegen und kann nicht.\nImmer glühender wird die Sonne. See-\nvögel flattern dreister, Tai rührt sich nicht.\nDie Tote ist nicht entstellt. Sie wird ge-\nschwommen haben bis hierher, dann hat\nein Herzschlag ihr kämpfendes Leben im\nStich gelassen und es ist zu Ende gewesen.\nDas dünne Gewand ist noch nass an den\nLeib gepresst. Tai-a-oh sieht alles. Die\nBrüste, welche jungfräulich prall empor-\nstehen, das weiche Becken breit und for-\ndernd, schlanke Säulen makelloser Füsse\nund das geschlossene Antlitz unknochig\nund fein, darum gelegt schwarzes feuchtes\nHaar wie ein tröstender Kranz. Tai weiss\nnicht, was er sieht.\nVon ferne kräuselt bereits Flut das Meer.\nKlippe zu Klippe wird überspült, näher\nrollen die steigenden Gewässer.\nTai richtet sich hoch. Er beugt den Kopf\nwie ein Stier den Nacken zum Kampf. Es\ngurgelt aus seiner gewaltigen Brust. Und\njetzt greift er die Tote und wirft sich mit\nihr ins Meer, inselwärts. Schon wandert\nkurze Dämmerung heim in die Nacht.\nDer Weg zur Höhle ist schwer, Tai klebt\nam Gestein mit der Last, aber er zwingt\nihn. Drückt sich einwärts, immer stumpf\nlautlos und mit dem Rätsel auf den Hän-\nden. Jetzt lässt er die Frau sich entgleiten,\naber dann tastet er über den nassen Leib.\nImmer etwas will ihn erdrücken. Er\nschüttelt es ab wie ein lästiges Getier.\nSchlafen geht Tai-a-oh und legt sich neben\nseine Beute, dicht — und wärmt mit sei-\nnem Körperblut eine Tote.\nLicht des neuen Morgens sticht herein.\nEinwehende heisse Luft hebt die Starre\ndes Todes nicht auf, die Fäulnis beginnt.\nTai ist aufgewacht und er sieht es, er sieht:\ndas ist der Tod. Denn er hat ihn ebenso\nwalten gesehen im Reiche der Vögel, Fische\nund Landtiere.\nTai bleibt. Er wartet. Schleppt die Leiche\nwieder heraus in die lichte Luft des Tags.\nEntwirrt grob den Leib von den Kleidern.\nSieht und sieht einen nackten Leib.\nDie Sonne stösst Tai in den Nacken, Luft\ndurchwühlt seine Haut. Insekten nähern\nsich der Toten. Tai bemerkt alles. Und\njetzt wirft sein Ruf die Einsamkeit um, Tai\nklagt um sich, klagt um die Tote, klagt:\nrn • rn • rn • i\nlai, lai, lai-a-oh ....\nJetzt, jetzt rollt der Tropfen Seele und er\nrollt in ein Labyrinth. Er ist verloren, er\nkehrt nie mehr wieder. Alles erloschen,\nkein Weg mehr im Hirn.\nTai gibt der Nacht zurück ihr Geschenk,\ndie Nacht hat ihn genarrt. Mit der Insel\nim Rücken schreitet er ins Meer. Ein wenig\nSeele mehr in diesem Wesen, die See wäre\nihm eine Gottheit geworden, anzubeten.\nNein, nichts: Tai ist ein Tier. Aber doch:\ner gibt zurück, er lässt nicht liegen. Der\nTropfen Seele rollt.\nTai schreitet, er schwimmt nicht. Er hält\ndie Tote fest, starr. Wogen kommen gierig,\ner will nicht schwimmen. Tai kämpft nicht\nmehr. Der Tropfen Seele rollt heimwärts.\nJetzt ist er frei. Das Gefäss ist zerbrochen.\nTai!!! schreit sich die brandende Woge\ndie Felsen hinauf. Der schweigende Stein\nlässt die Wasser bersten, und sie entfallen,\nklagend verlöschend: a-oh."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.7", "texte": "Heim gehen die Tropfen in den Schoss der\nSee, wie die Seelen heimkehren in die Welt\nder Geister. Aber sie kommen immer\nwieder, die Wasser wie die Seelen.\nTai - a - oh.\n\nKurt Heynicke\n\nMar Baltico\nVasari\nMar Baltico. —\nAddormentato su un malerasso d'alghe:\nEpidermide lambita\ndalle labbra — velluto della neve.\nDue delfini\nmaldestri danzatori\nballonzolano\nrancido fox-trott.\nLevigato agile dorso rapido hatel d'acciaio\nsfiora la mia capigliatura:\nebbrezza violenta\ncarezza di creola cubana.\nTransatlantico:\nSferzante lingua bolognese\nUiulato di donna turca\nin smanie isteriche parigine.\nF reddo.\nPescecane in frac\nimpenitente omosessuale\nfrequentatore Palast-Europa\nPotsdamerstrasse.\nVestito a Piccadilly\nGoffi inchini indurito provinciale.\nMi öftre\nuna botliglia di autentico Whisky. —\nTre balene innamorate della musica\ndi Herwarth Waiden\nscimiottano\nIda Andorffy.\nOmero\nmai stato cieco\npilota imperterrito un Ansaldo\nfumando\nuno smisurato sigaro Avana.\nCroce, Gentile, Gesareo\nl'inseguono a perdifiato\nsu una superdreadnought\nbarcollante sotto i\n5000.000.000 m!\ndell'Uiade Odissea.\nOrchestra\n10.000 pinguini\nintona\nMarcia Tannhäuser\n100.000\n500.000\nacciughe\npiroetlano una danza argentala. —\nFreddo. —\nFreddo intenso. —\nCircerone\ncapo-lribü pellirossa\nsmaltisce una sbornia\nda antropofago\nsul suo yacht\ndecorato da Prampolini\nE rinnova\nl'amicizia\njroncata sui banchi ginnasiali\noffrendomi un\npreparato da Nabuccodonosor\nsuo prccetlore\ndi lingua francese.\n68\nvergini negre\n(Salvation Army)\nmi fanno i massaggi\ncon efferrata libidine\ne mi mettono\nil piü inglese\ndei miei frac. —\nSalone di cristallo:\nAria impregnala di cocaina\nOra ballo contento\nil jazzband\ncon Celly de Rheidt\ninfagottata\ncome balia romana.\nLa regina Taitu\nmaestra di danze classiehe\nurla in inglese:\nMessieurs, le dine est servi. —\n\nGedichte\nHans Arp\n\nBefiederte Steine\n\n1\nDie Könige kämmen Wälder zücken bezechte\nVögel und reiten verschont auf eisernen\nSpazierstöcken in die Thermen.\nDie wachsenden Tiere tanzen auf gläsernen\nKothurnen.\nDie Stämme messen sich Vögel an.\nDie gegeisselten Vögel verbluten im Säulenhof"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.8", "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\n2\nPeitschen knallen und aus den Bergen kom-\nmen die gescheitelten Schatten der Hirten.\nSchwarze Eier und Narrenschellen stürzen\nvon den Bäumen.\nGewitter Pauken und Trommeln bespringen\ndie Ohren des Esels.\nFlügel streiten Blumen.\nQuellen regen sich in den Augen der Eber.\n3\nLachende Tiere schäumen aus eisernen\nKannen.\nDie Wolkenwalzen drängen die Tiere aus\nihren Kernen und Steinen.\nNackt stehn Hufe auf steinalten Steinen\nmäuschenstill hei Zweigen und Gräten.\nGeweihe spiessen Schneekugeln.\nAuf Stühlen galoppieren die Könige in die"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.9", "texte": "Hans Mattis Teutsch: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nBerge und predigen das Dezemberhorn.\nLasst Strohbrücken nieder.\nBringt Eisenbriefe lautlos und gut hörbar.\nIn der Eisflasche gefrieren Turteltauben.\n4\nIm Januar schneit es Graphit in das Ziegenfell.\nIm Februar zeigt sich der Strauss aus Kreide-\nsternen und weissem Licht.\nIm März balzt der Würgengel und die Ziegel\nund Falter flattern fort und die Sterne\nschaukeln in ihren Ringen und die Wind-\nfangblumen rasseln an ihren Ketten und\ndie Prinzessinnen singen in ihren Nebel-\ntöpfen.\nWer eilt auf kleinen Fingern und Flügeln\nden Morgenwinden nach."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.10", "texte": "Gedichte\nSjoerd Broersma\n\nFantasien\nI\nAls wilde vlammen\nKronklend omlaag\nIn 't lichte verre\nVan den schemeravend\nBuigt hartstochtsmoe\nDe ranke schaduw\nVan 'n mild gelaat\nOver aarde's tranenzee.\nVreemd\nHaar lach die verklonk in 't zeegedruisch.\nII\n's Avonds stond ik aan 't Strand\nWit blonk der duinen zand\n— Waar bleef je leven nu? —\nMaar neen . . ♦ . ik wist\nJe stem hier voor my\nIn de branding\nGinds\nNog even\nTritt je lach\nIk fluister\nZacht je naam\nEn schrei ...\nIII\nVreemd ons denken op deez 'aard\nEr is geen licht geen duisternis\nNog de. weerlichtschyn\nVan een droef gezicht\nYerpletterd\nValien wy de diepte in\nOntkracht\nOntzield\nVerloren\nOns verder leven\nArm\nWereld.\n\nMorgenscheemring\nGrauwe scheemring* Hooge torens. Donkre\nlyning. Roode daken. Yuile Straten. Doffe\nglinstering. Yan ruigen rullen stadsomtrek.\nWeeldrig saamgedrongen. Barst 't licht\nopen. Schuw weerkaatst. Licht omzaald.\nDe donkerte vervaagt. 7t Water staalgrys\ngestaald. Blauwe rimpeling. Hooge licht-\nkring.\nD'einder blinkt. Trans verlucht. Wind-\ngerucht 'n kraai vliegt op. n Tweede volgt.\nDe derde verbolgd.\nKrast aaklig schor. Boven in de boomen.\nIs wegver, boomhoog 'n wilde vlucht ge-\nkomen.\nRumoer rilt door de reven. Ruchtig.\nYerbreidt 't licht zieh vluchtig\nOver stad en land. Luchtig.\nWeerkaatst op huis en gracht\nOneindig zacht . . . .\n\nAvondpark\nBoomen\nKomen\nDroomen\nOogen\nBogen\nVoorover\nIn loover\nFluit\nTapuit\nSchril\nStil\nDoor\nKoor\nHerhaald\nOmzaald\nDaalt\nAvond —\nStond\n\nRudolf Blümner\n\nStrahl-Kristall Wort-Ton-Erlebnis dem Kreis\nder Kunst-Einheit und -Wende des 20. Jahr-\nhunderts geboren stürzt sich auf diesen\nKünstler. Gemartert Lust und Qual in Licht\ngehoben schwebt Menschkörper nun. Offen\ndem Ton. Mund-OefFnung. Mundsturz. All-\nTon rauscht ihm.\nLichtet Archipenko den Leib. Reisst zufäl-\nlige Materie zur Ewig-Linie. Staltet Kan-\ndinsky Ur-Stern-Welt sternend Farbe lind\nForm. Schlägt Stramm das Wort aus\nFeuern. Fällt die Vision des Wort-Ton-\nKünstlers auf die Sprachmasse Kunstwerk\nund schafft neue Welt. Er ist es; Wort-\nTon-Gestalter. Rudolf Blümner."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.11", "texte": "Trägt nicht vor. Nicht die „Idee\" einer\nDichtung. Harft nicht Gefühle und sekun-\ndäre Musiken eines Gedichts. Entreisst dem\nWortkunstwerk Ur-Kern. Gestaltet diesen\nim Bhythmus und Ordnung seines Vortrages.\nSchafft das Objektive des Kunst-Sprechens.\nOrdnung. Klarheit. Nicht Schmuck phan-\ntastisch ausschweifend Deklamation. Zen-\ntraler Rhythmus säult in den auf das\nWesentliche gedrängten Worttonreihen des\nneuen Sprechers. Gestaltung!\nHören die Deutschen. Die Deutschen sollen\nhören! Stosst durch den Nebel von Lvris-\n*/\nmus Kothurn Gedanken-Pose romantischer\nUnordnung Gefühls Weichlichkeit Unsach-\nlich keit. Hier tönt ein Mund. Ein Stern-\nschlund tönt unmittelbare Gewalt und Tiefe.\n„Menschheit\" reisst in die Wirbel des Un-\nmittelbaren wie kosmische Ordnung und\nSchauer Bachscher Musik.\nEr einzig! Verlieh dem kosmischen\nRhythmus in den Gesetzen seiner Sprache\nGestalt. Wo ist die Kathedrale, die jene\nWorthöhen umfängt.\nDie Kathedrale. Der Sternmund. Der TON.\n\nKurt Liebmann\n\nGedichte\nFranz Hoffmann\n\nLustblüte Maria\nDa\nin jedem Mädchen du\nMaria du\nan der Gott nichts vergass\nZier Schöne Glanz\nArme leuchtend\nWasser\nLuft\nSchalen des Lichtes Hände\nund Sternegaben\nOrions Gürtel deine Lende —\no Spindel\nLust\nmein Leib zersticht sich an dir\nich muss jauchzend schrein\ndrei grosse Sprünge macht mein Herz:\ndie Sonne geht in Freudentänzen\nder goldne Eber schiesst ins Meer\nder Stein sprüht hell am Himmel —\nich muss jauchzend schrein\ndu du\nSegel hoch\nmein LustschifF kommt gefahren\nevoe\ndie Masten stehn\nauf allen Meeren Strömen Seen\nglänzende Türme\nevoe\nSegel hoch\nAuferstehn\nMaria Ostara —\nauf allen Meeren\nStrömen\nallen Wegen\nin jedem Mädchen mir entgegen\ndu\nBlüte Maria\nOstara\n\nFür dich Maria\n\nMaria Viole\nMaria Primel\nMaria Hauch der Schlüsselblume\nnun will Frühling dich empfangen\nBlumen und Violen so blau\nKnospen am Strauch, am Hang\nkleine gelbe Lattichblumen\nBirken mit Perlenschnüren\nMädchen in windlosem Haar\nund Knaben mit weissen Stangen\nMaria jubelndes Osterspiel\nnun will Frühling dich empfangen —\njunge Kraft, Saat\ndie schon im Sprosse schmeckt\nein junger Eschenschaft\ndaran ist Winterdunkel zerbrochen\nein helles Getön kommt in der Luft\nTagvogel hat seine weissen Klauen\nein raffer Adler\nüber schwere Nächte gesenkt\nund bald, o\nunter seinen Glanzschwingen\nflattern\ndie seltsamen Sternenvögel\nein Silberfasanenschweif wird noch die Nacht\no bald bald\nbald will der Tag nicht mehr vergehn —\n0 Maria Nächteblüte\ntrarira\nich bin so froh\nein Bär aus seiner Höhle nun\nwieder froh durch Knospenbüsche bricht\nund ein wilder Vogel Töne stösst\nwenn auf Bergen Morgenröte rauscht\ntrarira"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.12", "texte": "M. H. Maxy: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nwir fahren über Berg und Aun\nschon pfeifen wilde Enteilflügel\nschon hing ein Storchkran in der Luft\ndie ganze Erde wie Frosch im Schnabel\ntrarira\nwir fliegen über Berg und Aun\nSchwalben der Lust\n*\nJesus bei Maria sass\nWorte hingen\nperlten\nTöne schweigend\nwuchsen\ntropften\nMaria Stirn\nempfangende weisse Schale\nSeele Dunkelheit erblühte\nweltaufblühendes Geschehn\nJesu Worte Jesu Wunder\nJesu Weltdurchschütterung\nMaria Hände bangen\nMaria Schultern schauern\nMaria Augen schachten tief\nund Jesu Lippen tauen tauen\nfern süsse Betörung\nIch\nIch\nIcli-Gott\ndas dunkelschwere Gift\nWorte"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.13", "texte": "M. H. Maxy: Holzschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nMannesworte sind dunkler Flieder\naus täubenden Kelchen quillt schwerer Duft\nJesu Worte Jesu Wunder\nJesus dunkler Mann im Tropfetraum\ndein Mund tropft schweren Wein\ndein Blick schlägt Nächte auf\nMaria Leib durchschauert ganz\nglüht\nverfärbt\nein Apfelbaum\nweiss\nund voll mit roten Blüten\nEntzückung Betäubung\nda ging\nlief\nJesu Hand dunkelbrennend lief\nüberlief Marias Haupt\nSternfunken in Marias nachtrauschem Haar\nrote Fackeln auf den Wangen\nSternensturz durch Brüste\ndie Hand lief\nMarias Nacken stürzte kühlheissen Abhang\nkristallene Lust!\nO segelnde Hand\no segelhohe Nacht\nJesus\nmachtbewusst\nreckte\nstählte\nerraffte — holte"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.14", "texte": "aus Jähstem\ngrösste Wehr\nglühte\nhämmerte\nnachtstahldunkle Blüte\nLuzifer!\nMaria Geranienranke\nMaria Feuergeranien Umbrannte\nTropfblüte Maria\nTraube\ndrängende\nMaria Traube Erde erfüllt\nund ich\nJesus weiten Schrittes kommt\nJesus Auge und Handsegel hisst\nBlüte Maria erschauert und grüsst —\nTon\nLeib\nWort\nBlut drängt Gestalten ab\nzitternde\nBlut hebt segelnde Hand\no deiner Haare heisses Schwarz\no glühe Dunkelheit\nBlut quirlt dunkelschwere Lust\nich\nJesus unter Tropfgehängen steht\nBlüte Maria atmet\nwogt\npurpurne Scham\ndie Lippe rote Wolke brennt —\no Mund\nroter Bogen\nund\nHaar dunkelbrennendes Meer\nLustbögen jauchzt hoch ich\nJesus Luzifer\nKarfunkel\nschauerliche Tiefe\nAbgrund\no ich\nAbgrundglühn und heisse Scham\nmein Blut zerlustet meine Scham\nzerlustete Schani Maria empfängt\nVerwirrung\nXerlustung\nBlutstern Maria weh unter Tropfgehängen\nhängt —\nNacht\nund Träne\nund Jesus geht\nnoch unter Rippe und Wimper Scham und\n* * Glühn\nJesus ging\nLustbögen nun entspannt\ndie Rosengehänge klirren im Wind\ndie Feuergeranien sind schwarze Büschel\nsonnenmüde\nund Maria Arme hängen welk\nund Maria Blut schreit Stern\ndu Stern?\nder Stern ging\nEinsamkeit\nWüste\nSand und spitzer Stein\nBlut schreit unter meinem Fuss\nWeib\nJesus zerschreitet das Blut\nJesus zerblutet das Weib\nZerlichtung Scham\no mein heller Schrei\nIch\nuiul Maria Blut schreit Stern\nDu!\necholos verhallt mein Schrei\no ich\no Wüste | 1 l'jj! ;J l| i\n\nGedichte\nDem Freunde Rudolf Wernicke\nWerner Schumitz\nSeele dunkler Gluten Blut\nSucht wölkender Hände\nTraumtief Leben Urgrund\nWanderer Wunder Staunen\nSchächte Münder aufgetan saugen\nTauchen\nTiefe wallendes Land\nWachwandeln in Nacht\nWogende Strasse\nWölkender Schleier\nSchwankender Wuchs\nNahender Ferne\nLösende Träume\nWellen\nLichtschaum blaudunkler Tiefe\nErwachende Räume . . .\nDu Mann\nHerz-Dämmerung\nAus Nacht hervor\nSchöpfer aus träumenden Welten\nDu\nMann\nStürmen schutzlos hingegeben"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.15", "texte": "Aus Bangnis Herzens lichtsprühen mächtige\nSonnen\nDu trägst dein Herz hinaus in die Wunder.\nSturm peitscht berstet zerbricht wirft hinab\nDonnern Felsen Sturz knirscht Holz stöhnt\nKlaffen Wunden Blut\nWolken ballen meutejagen zerreissen\nGellen Schreie\nDröhnt Schreckruf gellt zergellt\nBrausende taumelnde brüllende stöhnende\nNacht:\nGebiert\nHand\nWeisse Hand\nFormt\nLächelnd\nVerwundert scheu\nUnerbittlich\nSturmantlitz\nSturmseele\nSturmmantel\nSturm spricht: ich bin\nSturm ward Gestalt . .\nJohanna\nPunkt Kreis singt\nNachtigall Einsamkeit\nWirft hin Strasse\nSehnsucht Quellen\nWandert schwer wund\nSterne\nDir\nAtemkreisen\nSingt\nTrinkt All in Eins\nRieselt lind klingt\nSingt\nSeele stahlschwarze Nacht\nBricht Licht blinkt\nSchwingt\nHaar Seele Traum Du Ich\nNahe nah . .\nHand spricht\nDicht\nSüss umschlungen fern fern nah . . .\n0 mein Denken\nDu\nDich.\nIch\nTropft sprüht\nGlut Bernstein Schimmer Licht Licht\nDurchbricht Seele Ich\nDich Gold dunkelblond\nRollt rollt\nZu Füssen Dir Mir\nIch singt Dich\nDich ringt Mich\nIch Wir Ich Dir Ich Mir\nFeuergold Glück Glück\nFlöt Drossel flöt flöt\nBlautaumelflug\nRein Dir Dich um Mich\nBänder wehen liehen\nSüss heiss\nAtem süd heiss süd\nKlingt Lied\nBraust Lied\nRauscht Meer\nSchäumt\nWolke wander wander Wolke\nDir Mir über\nDir Mir Uns . . .\nFelsen hochgefäustete Türme\nKrachend niederstürzende Gewalten\nFrei\nIch\nAtmend\nTanzend\nArme Hochjubel\nIn die Sterne in die Sterne\nBefreiung\nErde Leben Wälder\nMenschen\n0\nIch\nAllein\nMitten unirauscht Nacht der Sterne\nIch innen\nMir allein\nFelsen kühl kalt\nFaust Kraft\nRasende Bewegung Ruhe\nRuhe rasende Bewegung\nSingt\nSingt brausende Nachtwelt . . .\n\nBlaue Glasfiguren\nTibor Déry\n\nSchluss\n\n— Sag dreimal: Goldapfel! — flüsterte\nder Schatten und setzte ein junges Ehepaar\nauf die Spitze seiner Zunge."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.16", "texte": "Die Glasfiguren starrten zilternd auf die\nin den Strassen brüllende Menge. Den\nMännern wuchsen Fahnen aus den Ell-\nbogen, die Frauen lagen in den Kanälen\nund Hessen schwarzes Gebrüll zum Himmel\nsteigen. Ein Stein fing an zu rollen und\nstiess einen Skorpion, der Skorpion zwickte\neinen Hund, der Hund lief und biss ein\nPferd, das Pferd bäumte sich und versetzte\neinem Menschen einen Tritt, der Mensch\nbiss in die Kehle seiner Mutter und sagte:\nwarum hast du mich geboren? Der Schatten\nfrass unaufhaltsam, den Bauch zum Zer-\nplatzen, er klatschte mit den Händen und\nlief mit einer Schnelligkeit, dass die Ver-\nfolger ihn beinahe aus dem Auge verloren.\nDie Glasfiguren sagten: der Schatten ist\nlächerlich und dumm. Dümmer und\nlächerlicher, wie eine verdorbene Wanduhr.\nUnd doch werden wir mit ihm nicht fertig.\nStille Trauer, erblühein unserem Herzen! —\nSie schwammen über die Wiesen.\nDie Nacht war gross, die Menschen waren\nüberall unglücklich. In grossen Gruppen\nstanden sie im Freien und schauten auf\nden Himmel. Aber sie sahen nichts, ver-\ngebens galoppierten mit Feuer im Munde\ndie Glasfiguren zwischen den Wolken. Es\nwar ganz still unter dem Wasser und über\ndem Wasser. Vom Baum fiel ein Eisen-\napfel, zerbarst in Schnitte, aus dem Gehäuse\nflog kreischend eine rote Fledermaus und\nspuckte in die traurigen Gesichter. Die\nVögel verkrochen sich unter die Erde. Man\nerwürgte einen Hund. Regen fiel.\nUnten, aus den Dachkammern, strömt Jodo-\nformgeruch und verbundene Köpfe beugen\nsich aus den Fenstern.\nEin blasser Beamter legt sich vor den Zug\nund öffnet seine undurchsichtige Brust.\nIhr kleinen Waisen! Glasfäden schleppt\nihr in den kotigen Strassen und seid er-\nschrocken: wer rast mit Mondaugen hinter\neuren Röckchen!\nAus den Schlachthäusern schweben mit\ngrossen Kuheutern die Seelen empor und\nentfliehen in die Kammern, in die Abtritte\nund unter die Betten der Menschen.\nJungfrau! Du kannst in kein Kino mehr\ngehen, dein Goldhaar ist ausgegangen.\nDer Friedhof fliegt über die Stadt und lässt\ngiftige Gase vor die Pforten fallen.\nSchöne weisse Frau vergiftet ihre sieben\nTöchter.\nLegt euch quer übereinander, wie die Lei-\nchen lind lasset den Turm der Unglück-\nseligkeit aufbrechen. Jetzt gibt es viele\nTote. Jetzt ist auch schon die Luft Gift,\nvielleicht wird sie den Feind töten. Viel-\nleicht stolpert er über jenen Kuss, den sich\nzwei fremde Menschen im Strassen graben\ngeben. Vielleicht stürzt er herunter und\nstirbt schrecklichen Todes. Vielleicht er-\nreichen ihn die Glasfiguren!\nEr drehte sich in der Luft um und stürzte\nschreiend herunter. Eine grosse graue\nLache bildete sich um seinen Körper —\nvielleicht Blut? Die Verfolger fassten sich\nan der Hand, sausten ihm mit beklomme-\nnem Herzen nach, Bald werden sie ihn ein-\nholen. Die Friedhöfe erglänzten.\nDoch die mittlere Glasfigur schrie plötzlich\nauf, blieb stehen, verwandelte sich in dichte\nErde, stieg mit zugeklappten Flügeln rasch\nzur Erde nieder. Da lag ein Mensch mit\neiner blutenden Wunde, die wie ein Solitär\nauf seiner Stirne leuchtete. Sie setzte sich\nneben ihn. Die zwei Glasfiguren rannten\ndem Schatten nach, aber ihre Füsse waren\nlangsam und zitternd, wie die der Seil-\ntänzer. Und der Schatten lachte wie ein\nHirsch über den Wäldern. Die Glasfiguren\nstreckten die Arme aus, sie ermatteten. Sie\nhingen in der Luft, ein Gähnen des Grauens\nspannte ihren Mund, der Schatten enteilte\nund schwenkte wie eine langgestreckte\nLinie hinter die Mauern. Die mittlere Glas-\nfigur sass unten auf der Erde, neben dem\nkranken Menschen und weinte. — Warum\nhast du uns verlassen'? — klang von Wei-\ntem die schmerzliche Frage, klang und\nerstarb zwischen den Rollen. Aber der\nKörper des Krankenwärters war bereits in\ntaube Erde verwandelt und die Tränen\numfingen ihn, wie ein unsichtbarer Dralit-\nkäfig. Die Glasfiguren hingen über dem\nWald und keuchten.\n— Nie? — fragte die Aelteste und der Kopf\nfiel ihr auf die Brust.\nDie Jüngste sagte: Blut, Blut, überall Blut,\nund jetzt wird das letzte Tier sterben.\nDer Kranke erhob sich ächzend vom\nPflaster, er hustete und wischte sich den\nSchweiss von der Stirne. — Komm! —\nsagte die Glasfigur und griff ihm mit barm-\nherziger Hand unter die Achsel. Aber der\nKranke liess sich wieder auf den Asphalt\nnieder. •"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.17", "texte": "Natalie Gontscharowa: Espagnole\n\n— Wohin? — fragte er und spuckte aus. —\nDie Spitäler sind voll und übrigens will\nich auch nicht in stinkenden Kabinen ster-\nben. Hier wiederkäue ich still, strecke\nmanchmal den Fuss aus, die Menschen\nstolpern und fallen auf die Nase. Darüber\nlache ich. —\nEs war kalt, im grossen Wind klirrten die\nGlaslampen, eingewickelte Ratten liefen mit\nstarkem Jodoformgeruch aus den Kanälen\nheraus. Der Kranke fing sich eine mit\nlangen Fingern, zerbrach sie in zwei Stücke\nund ass sie auf. Die Glasfigur sagte:\n— Ich liebe dich, denn der leidende Mensch\nist sanft und gut, wie ein Bissen Brot. Auch\ni<?h will leiden. Stich mir die Stirne durch!\n— Die Menschen würdigen es nicht genü-\ngend, dass ich unglücklich bin — sagte der\nKranke. — Warum binden sie mir keinen\nKranz aus Veilchen und Anemonen um das\nHaupt? Zur Strafe biss ich gestern meiner\nFrau das linke Ohr ab. Es war geschmack-\nlos. —\n— Ich will leiden — sagte die Glasfigur und\nschlug die Stirnc gegen das Pflaster.\nEs war so kalt, dass das Kalb im Leibe\nder Kuh erfror. Vor dem Ausschank schau-\nkelle eine lila Blechlaterne im Wind, viele\nMenschen hinkten durch die Türe, ihre\nKöpfe leuchteten wie Glutenkisten.\n— Guten Abend , . . guten Abend! — sagten\nsie, murmelten und entschwebten über dem"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.18", "texte": "Friedhof. Der Kranke beugte sich ihnen\nmit langem Halse nach und biss sie in die\nFersen. In den Strassen krochen wie Würmer\ngrossköpfige, gelbe Kinder herum.\n— Ich werde sie zertreten — sagte der\nKranke — denn unziemlich kitzeln sie mir\ndie kranken Sohlen. Wer erbarmt sich\nmeiner, der ich arm und unglücklich bin?\n— Stich mir die Stirne durch! — sagte die\nGlasfigur.\nDer Wind zerbrach die Laternen, die\nScherben fielen auf den Asphalt. Ein durch-\nleuchtetes Spital liess sich vor ihnen zur\nErde nieder, die Thermometer klirrten und\naus den Fenslern beugten sich weissgeklei-\ndete Krüppel und zeigten ihnen die Zungen.\nDer Kranke wütete und schäumte. — Ich\nbin kränker als jene — schrie er — zündet\ndas Spital an. Oh, grosser Engel, hebe\ndeine Augenlider auf und betrachte diese\nVerfluchten! —\nDas Spital verschwand, ein breiter Fried-\nhof streckte sich vor ihnen im Schnee aus.\nDie Toten sassen auf der Erde und lasen sich\ngegenseitig ihre Grabinschriften vor. Der Wind\nlegte sich, der Friedhofswächter schnarchte\nund die kleinen Schnecken krochen lang-\nsam die Mondstrahlen hinauf. Das Licht\ndes gegenüberliegenden Cafehauses schlug\nüber die Mauer.\n— Ich will leiden — sagte die Glasfigur —\nund die verschnupften Menschen pflegen! —\nDer Kranke klopfte ihm auf den Bauch. —\nSagen Sie nicht solche Sachen — sagte er\n— sonst werde ich schwach. Schon habe\nich Kopfweh! —\nEs wurde Sommer, die Schwalben flogen\num die Schänke herum, der Kranke wollte\nnicht aufstehen. Im Winter sagte die Glas-\nfigur: gehen wir jetzt! Der Kranke wurde\nimmer schwächer. Mit seinem Arm griff\ner in das Fenster des Wirtshauses, hob\neinen Krug voll Rosmarinduft über die\nStirne. Wenn ihn die Glasfigur berührte,\nmagerte er sofort ab. Nach Jahren konnte\ner nur mehr mit ersterbender Stimme\nfluchen. Die Glasfigur flog auf das Dach\nund schaute traurig auf die Erde zurück.\nDer Kranke setzte sich mit sichtbarer Er-\nleichterung auf und ass schnell eine Ratte.\n— Wetten wir! — sagte er — ich wäre an\ndieser chronischen Augenentzündung gestor-\nben. Wer kann einen solchen Glanz aus-\nhalten? Ehren wir sein verehrungswürdiges\nAndenken mit einem Turm aus schönem\nRosenquarz und schwenken wir auf den\nKnien massive Liliensträusser! —\n— Wieviel Zeit haben wir vergeudet! —\nsagten die Glasfiguren, als die Mittlere zurück-\nkehrte. Ihre Brust war dunkel, ihr Hals ge-\nbogen und ihre Hände in Scherben geschlagen.\nDer Vogel sagte: Tanzen wir im Gras, wenn\ndie Sonne aufgeht! Die Glasfiguren fassten\nsich an der Hand, überholten den Schatten,\nbohrten ihm ein Loch in den Bauch. Alles\nkam heraus, was drinnen war: das Feuer,\ndie Häuser, die Tiere, die Blumenstöcke,\ndie Erde, der Bräutigam, die Braut und\ndie Menschen. Die Engel niesten. Der\nVogel sagte: es ist nichts geschehen.\nEnde\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Weit und weiter — weiter\nKurt Heynicke: Tai-a-oh\nVasari: Mar Baltico\nHans Arp: Gedichte\nSjoerd Broersma: Gedichte\nKurt Liebmann: Rudolf Blümner\nFranz Hoffmann: Gedichte\nWerner Schumitz: Gedichte\nTibor Dery: Blaue Glasfiguren\nHans Mattis Teutsch: Zwei Holzschnitte / Vom Stock gedruckt\nM. H. Maxy: Zwei Holzschnitte /' Vom Stock gedruckt\nNatalie Gontscharowa: Espagnole\nNovember 1923 Das Dezemberheft erscheint zu Weihnachten"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "[177]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.19", "texte": "Neuerscheinungen des Verlags Der Sturm\nVI: Maler des Expressionismus / Zweite Folge\n15 Farbdrucke nach Gemalden von Marc Chagall / Robert Delaunay / Tour Donas / Albert Gleizes\nJohanna Itten / Paul Klee / Louis Marcoussis / Jean Metzinger / Georg Muche / Peri / Lothar Schreyer\nKurt Schwitters / Nell Walden / Grundzahl 10\n\nV oranzeige:\nZu W eihnachten erscheint im V erlag Der Sturm\nLothar Schreyer / Handschriften\nBuch I\nAngeltis Silesius / Spriiche\nSieben Spriiche bandgeschrieben / Sicbcn ganzseitige\nFederzeichnungen / in handgemaltem Umschlag ge»\nbunden\nEinmalige vom Kiinstler hergcstelltc Auflage in\n10 Exemplaren\nNr. 1—3 auf echtem Japan / handsigniert\nNr. 4—10 auf gutcm Zeichenkarton\nPreis bei Vorausbestellung bis 15. Dezember:\nNr. 1—3 24 Goldmark\nNr. 4—10 12 Goldmark\n\n„Sicjlia d'Oggi\"\nRivista Mensile lllustrata di\nLetiere, Arte, Scienze^ariefa\nTiiatura 4000 copie — Formoto in-8 — Pag. 48\nUN NUMERO L. IS\nABBON AMENTO ANNUO L. 15\ni\nDirezione e Amministrazione:\nCasa Editrice E. SABBIO\nPALERMO - VIA CASTRO 250 - PALERMO\nLA COLLABORAZIONE E'LIBERA\nCercansi Corrispondenti ed Agenti di Publicity\nGiovani Autori! publicate i vj\nromanzi, novelle, liriche ec. presso\nLa Casa Edilrice E. SABBIO\nVIA CASTRO 250-275 - PALERMO\n\nTENTATIVES\nUnter den modernen franzosichen\n\"Revues d'avant garde\" ist\n\"TENTATIVES\"\ndie am schonsten und vor-\nnehmsten ausgestattete Zeitschrift.\nSie erscheint vierteljahrlich mit\ncirca 120 Seiten. Text grofi-oct.\nSie bringt iiber 50 Holzschnitte\nin jedem Heft, veroffentlicht\nRomane, Essays, Erzahlungen, Ge-\ndichte und Chroniken aller Lander.\nEin Sonderheft iiber Stendhal\nerscheint im Dezember\nHerausgeber: HENRY PETIOT\nRedaktion und Verwaltung:\nChambery / 2 Place Porte-Reine\nBezugspreis: Einzelheft 5 francs\nJahresabonnement 20 francs.\n\nAuslandspreise fur die Zeitschrift\n„Der Sturm\"\nDas Abonncment fur cin Halbjahr betragt:\nftir Argentinien: Pap. Pes. 2. -\n„ Brasilien: Milreis 6.—\n„ Bulgaricn: Leva 84.—\n„ Chile: Pes 6.—\n„ Danemark: Kronen 6.—\n„ Deutsch'Oesterreich: ost. Kronen 32000.—\n„ Finnland: Mka. 24.—\n„ Frankreich, Belgien, Luxemburg: Fr. 12.—\nft Griechenland: Drachmen 48.—\ntt Grossbritannien: Schilling 5.—\ntt Japan: Yen. 2.40\ntt Italien: Lire 18.—\nt, Jugoslawien: Dinar . . . . 52.—\nNiederlande: Gulden 3.—\ntt Norwegen: Kronen 6.—\nt, Portugal: Milreis 18.—\n| Rumanien: Lei 120.—\n„ Schweden: Kronen 6.—\ntt Schweiz: Franken 6.—\nt, Sowjet'RuBland: Schweizer Franken 6.—\n„ Spanien: Pesetas 6.—\ntt Tschechoslovakei: Kc. ........ 18.—\nt, Ungarn: Kronen 30000.—\ntt U. S. A.: Dollar 2.—"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "[178]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg19231101-01.1.20", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer / Verlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9\nDruck: C. Basista & Co. / Berlin NO 18\n\nKUNSTAUSSTELLUNG DER STURM\nBERLIN f 9 / POTSDAMER STRASSE 134a / AM POTSDAMER PLATZ\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr/Sonntags von 11—2 Uhr / Monatlicher Wechsel\n\nHund ertfunfundz wanzigste Ausstellung\nNovember 1923\nErnst Oscar Albrecht\nAnne Reibstein ✓ Albrecht\nSturm^Gesamtschau\n\nHundertsechsundzwanzigste Ausstcllung\nDezember 1923\nBela Kadar\nSturrrvGesamtschau\n\nMONATSSCHRIFT DER STURM / Vierzehntcr Jahrgang\nErscheint Mittc jedes Monats\nMit mehrfarbigen Kunstbeilagen, Holzschnitten (stets vom Stock gedruckt) und Zeichnungen\nDauerbezug fur Deutschland: Ein Vierteljahr Grundzahl 2 / Ausland: siehe 3. Umschlagseite / Einzelheft\nGrundzahl 1\nVollstSndige Exemplare dcs 5. bis 7. Jahrgangs nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden / Grundzahl\njc 15 I 9. bis 13. Jahrgang Grundzahl je 8 / 1. bis 4. und 8. Jahrgang vergriffen / Einzelheftc alter Jahr'\ngange Grundzahl 1\nVon alien Holzschnitten der Zeitschrift Der Sturm sind signierte und numerierte Handdrucke, von den\nmeisten Zeichnungen Kunstdrucke kauflich zu erwerben. Die Originale sind verkauflich.\nSturmbiihne / Jahrbuch des Theaters der Expressionisten / 1. bis 8. Folge / jede Folge Grundzahl 0.20\n\nBticher aus dcm Verlag Dcr Sturm mit Goldmarkpreisen\nDie Goldmarkpreise sind mit der jeweils festgesetzten amtlichen Schlusselzahl zu multiplizieren.\nFur das Ausland: Grundzahl = Schweizer Franken\nPostscheckkonto des Verlags Der Sturm: Berlin 120658\nAugust Stramm\nDa I Liebesgedichte / 4. Auflage / 2\nTropfblut / Gedichte / gebunden / 5\nGesammelte Dichtungen / 2 Bande / Jeder Band 5\nPaul Scheerbart\nGlasarchitektur / In 111 Kapiteln / 2\nErnst Marcus\nDas Erkenntnisproblem / 2.50\nKurt Heynicke\nRings fallen Sterne / Gedichte / 2\nRudolf Bltimner\nDer Geist des Kubismus und die Kunste / 3\nLothar Schreyer\nDie neue Kunst / 1\nHerwarth Walden\nDie neue Malerei / Einfiihrung in den Expressionis-\nmus I 2\nDas Buch der Menschenliebe / Roman / 2\nSturrrvBilderbticher\nGanzseitige Abbildungen der Hauptwerke\nI Marc Chagall / 2. Auflage\nII Alexander Archipenko\nIII Paul Klee\nIV Kurt Schwitters\nJedes Buch 3\nV Maler des Expressionismus / Fiinfzehn Farb-\ndrucke: Chagall / Kandinsky / Franz Marc u. a. / 10\nVI Maler des Expressionismus / Zweite Folge /10\nXokoschka-Mappe: Menschenkopfe / 12\n\nDcr Sturm iibernimmt die Veranstaltung von\nSturm - Ausstellungen (Gesamtschau und Einzel-\nausstellungen) in alien Stadten und LSndern.\nDer Sturm vermittelt nur den Verkauf von\nWerken der Kiinstler, die er durch eigene Aus-\nstellungen anerkennt.\nStandige Verkaufsstelle fur Graphik\nVerlag Der Sturm G. m. b. H.\nPotsdamer Strafie 134 a / Gartenhaus rechts II\n\nSturm'Buchhandlungen\n1. Potsdamer Strasse 138 a / Laden\nFernruf: Amt Liitzow 4443\n2. Kurfurstendamm 150 / Laden\nFernruf: Amt Uhland 5646\nBiicher / Graphik / Musikalien\nBestellungen, auch vom Ausland, werden\nzuglich erledigt\n\nV eranderung samtlicher Preise jederzeit vorbehalten"}]}