{"numero_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_sha256": "1d5b0ed4c362249531ceedde76fe6cbc40a5c056ceace399ed121b78d6e257e8", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1924/03_01/bmtnabg_1924-03_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1924/03_01/bmtnabg_1924-03_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c001", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.1", "titre_corps": "Lino V", "titre_sommaire": "Lino V", "signature_source": "Jozef Peeters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.1", "debut_caractere": 332, "fin_caractere_exclue": 358, "texte": "Jozef Peeters: Lino V 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c002", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "4", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.2", "titre_corps": "Für die Kunst gegen die Künstler", "titre_sommaire": "Für die Kunst gegen die Künstler", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.3", "debut_caractere": 41, "fin_caractere_exclue": 3676, "texte": "Für die Kunst gegen die Künstler\n\nDie Künstler organisieren sich. Sie wollen\naus der Not ihrer Wirtschaft zur Wirt-\nschaft der Not kommen. Das Bürgertum\nist sehr erfreut, dass der berühmte Ord-\nnungssinn auch in die Künstlerschaft ein-\ngeführt werden soll und man ist durch-\naus bereit, dieses Vorhaben durch Bälle\nund Feste unter Mitwirkung namhafter\nKünstler zu unterstützen. Wirtschaftliche\nVerbände werden nach dem Muster der\nGewerkschaften gegründet. Und alles, was\nmalt oder gemalt hat, was schreibt oder\ngeschrieben hat, schliesst sich zusammen.\nKünstler ist nämlich nach Ansicht der\nKünstler und der Bürger der, der sich\nausschliesslich mit Tinte, Oel, Wasser,\nGips und Tönen betätigt. Die Herren\nund Damen, die es bereits ein oder mehrere\nJahrzehnte getan haben, bekommen Rang\nund Würden und dürfen bestimmen, wer\nsich in Zukunft mit staatlicher oder städ-\ntischer Unterstützung ausschliesslich in\nTinte, Oel, Wasser, Gips und Tönen\nbetätigen darf. Das Bürgertum freut sich,\nmit den Künstlern in persönliche Beziehung\nzu treten und die Fähigkeit der Künstler\nbei den Herren geschäftlich und bei den\nDamen erotisch ausbeuten zu können. Mit\neinem Abendessen oder einem Paar Seiden-\nstrümpfen ist die Not der Künstlerschaft\nmeistens auf weitere vierundz wanzig\nStunden behoben. Die akademischen\nKünstler brauchen ausserdem noch eine\nWohnung von drei Stuben mit Gas und\nein Atelier für die Atelierfeste. Die phan-\ntastischen Künstler brauchen allenfalls noch\neine Heise nach Italien, wo die Natur sich\nbesonders zum Abmalen und zur Sanges-\nlust eignet. Die bürgerlichen Künstler\nhaben ausserdem eine Familie mit kunst-\ngewerblich begabten Kindern, für deren\nErhaltung sie das Bürgertum durchaus\nverantwortlich machen. Sie sind aber\nbereit, dafür eine Venus (in Oel), eine\nChanson oder ein Gedicht auf Gott oder\ndie Liebe zu liefern. Somit wäre eigent- ■\nlieh alles in schönster Ordnung-, sogar in\n• r\\ l i t O 7 O\neiner Ordnung der Schönheit, wenn, die\nAbnahme der betreffenden Kunstwerke\nzu einem Höchstpreis gesetzlich geregelt '\nwürde. Hierüber müssen sich die Ministe-\nrien der schönen Künste die Köpfe von\nRegierungsräten zerbrechen, die ihrerseits\ndurch die Atelierfeste sich die genügende\nSachkenntnis zur Lösung dieses national-\nökonomischen Problems zu beschaffen\nsuchen . Wenn es der Persönlichkeit eines\nKünstlers gelungen ist, einen besonders\nreizvollen gemeinverständlichen Typ von\nGott oder der Liebe durch Tinte, Oel,\nWasser, Gips oder Töne darzustellen, so-\nwird die Annahme durch die bewährte\nNachfrage geregelt, die ökonomische\nSituation der Persönlichkeit verbessert sich-\nbis zu Klubsesseln und die Persönlichkeit\ndarf ihren Namen bei Aufrufen für die- -\nallgemeine Not neben die Namen von\nwirklichen Regierüngsräten setzen; Die5\nHändler regeln wieder den Absatz nach\nden bewährten Grundsätzen der freien-\nWirtschaft, indem sie bei der Nachfrage •\nteuer verschwinden lassen, was ihnen bei\"\ndem Angebot billig zugetragen ist. Die\nHändler haben aber dafür die Fähigkeit,\nden Typ des gemeinverständlichen Gottes\nund der gemeinverständlichen Liebe kraft -\nihrer gemeinverständlichen Neigungen\nrechtzeitig freibleibend zu erkennen. Es\nstände also um die gesamte Künstlerschaft\ngar nicht so schlecht, wenn sich die Künstler\nnicht gelegentlich über oder unter den\ngömeinen Verstand begeben würden. Dass\nsie es über den gemeinen Verstand hin\ntun, kommt bekanntlich selten vor. Dass\nsie es unter dem gemeinen Verstand tun,\ngeschieht sehr oft. Ihre Begabung reicht\neben nicht dazu aus, um den ziemlieh\nunveränderlichen Typ unverändert nach-\nzuahmen. Im übrigen erhebt der Künstler\nbekanntlich die Menschheit zu den Höhen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4759, "texte": "und macht sie den Göttern gleich. Ferner\nbeschäftigen sieh zahllose Herren und\nDamen damit, zu registrieren, wie weit\ndurch die einzelne Künstlerpersönlichkeit\ndie Menschheit den Göttern gleichgemacht\nist. Soweit diese Herren und Damen es\ntäglich tun, nennt man sie Kunstkritiker,\nsoweit sie es jährlich tun, Kunstwissen-\nschaftler, soweit sie alle Götter miteinander\nvergleichen und daraus das Fazit ziehen,\nAesthetiker. Diese Berufsarten sind der\nMenschheit besonders sympathisch, die\nsich der erdichteten oder ermalten Götter-\ngleichheit noch nicht persönlich bewusst\ngeworden sind. Sie können einfach nach-\nlesen, wo sie stehen oder wie es um sie\nsteht und können sich die Arbeit des Sehens\nund Hörens ersparen. Und Regierungen\nreden sich immer auf die Kunst heraus,\nwenn sie sich in ihrer Tätigkeit auf keine\nandere Weise mehr herausreden können.\nDie Kunst bekommt dann den Ehrennamen\nKultur, wird prozentual in den Staats-\nhaushalt eingesetzt, es werden ihr sogar\nvon amtswegen besondere Gebäude er-\nrichtet, in denen Obdachlose sich erkälten,\nLiebende sich erfreuen und Kunstkenner\nfeststellen können, ob die Dinge wirklich\nalle gemalt worden sind, von denen sie\nbereits soviel gelesen haben. Hinzu kommt\nnoch die allgemeine Entdeckerfreude. Ein\nBild wird plötzlich über das andere ge-\nstellt, indem man es unter das. andere\nhängt, eine Plastik wird in die Mitte des\nSaales gerückt, damit man sie mit zwei\nAugen von allen Seiten besehen kann, von\nder allseitigen Betastungsmöglichkeit ganz\nzu schweigen, ein Komponist wird aui ein\nganz grosses Orchester gebracht und um-\ngebracht, weil die Instrumentenindustrie\nseinerzeit dem Göttlichen nicht effektiv\nnachkommen konnte, ein Dichter wird so\nGründlich beschrieben und besprochen,\nass nur noch sein Geist unsichtbar bleibt,\nder auch vorher nicht sichtbar gewesen\nist . Und wenn statistisch auf je zehntau send\nKopf der Bevölkerung ein Berufskünstler\nfestgestellt wird, so ist das Volk der Denker\nund Dichter fertig. Statistisch fertig.\nIndessen sammelt sich in den Kultui Stätten\nder Länder, in den Schulen, die durchaus\nnicht lernbegierige Jugend, um zweimal\nwöchentlich diesen groben Unfug in das\nGehirn hineingebläut zu bekommen. In den\nZeiten der 'Kulturschande mit Stock, in\n•. * *| ' ,r ,\nden Zeiten des Fortschrittes ohne Stock.\nIn jeder Schule werden drei staatlich ge-\nprüfte Herren und neuerdings auch Damen\nZeichenlehrer, Musiklehrer und Literatur-\niehrer genannt, die persönlich mit oder\nohne Stock alles das gelernt haben, Avas\nsie nun in berechtigter Wut den anderen\nbeibringen. Der Zeichenlehrer und der\nMusiklehrer werden ausserdem von den\nübrigen Kollegen als minderwertig einge-\nschätzt, weil sie sich mit den freienKünsten\nstatt mit der unfreien Wissenschaft, wenn\nauch nur zwangsläufig, befassen müssen.\nDer Literaturlehrer hat ein gewisses höheres\nAnsehen, weil er die Muttersprache an-\ngeblich beherrscht. Auch das Herrschen\nsoll eine Kunst sein. Die Kunst des\nHerrschens beruht in der Regelung. Das\nRegeln geschieht auf eine höchst einfache\nWeise. Es wird alles 'estgestellt. Was\nsich bewegt, wird geköpft. Oder, soweit\ndie Bewegung zugelassen wird, wird die\nRichtung vorgeschrieben, durch die man\nden Herrschaften nicht in den Weg laufen\nkann. In der Sprache nennt man dies\nSystem Grammatik. Am klarsten wird\ndieses System durch die Regelung des\nVerkehrs. Man hält den Verkehr einfach\nauf der einen Seite auf, wodurch er sich\nauf der anderen Seite bequem entwickeln\nkann. Oder die RegelungdesGeldverkehrs.\nMan hebt den Leuten auf der einen Seite\nalles Geld einzeln auf, wodurch es auf der\nanderen Seite bequem auf einmal aus-\ngegeben werden kann. Die Leute bekommen\nfür die Aufbewahrung Quittungen, die sie\nWieder aufheben dürfen, weil sie zum\nAusgeben wertlos sind. Dieses System\nnennt man Finanz Wirtschaft. Oder die\nRegelung der Kunst. Man bezeichnet jeden\nKörperteil durch einen Strich. Wenn die\nStriche mit den Bezeichnungen Kopf, Hals,\nBrust, Bauch, Beine in der richtigen Reihen-\nfolge verwandt werden, ist es Kunst. Ist\ndie Reihenfolge beinahe richtig, Dilettan-\ntismus. Striche in falscher Reihenfolge\nsind Kitsch. Man nennt es dann merk-\nwürdigerweise nicht Unkunst, sondern\nUnnatur. Das gleiche gilt von den Be-\nzeichnungen botanischer oder zoologischer\nBestandteile. Es gibt Leute, sogar kluge\nLeute, die genau wissen, dass der Mensch\nzwei Augen hat. Und die es der Kunst\npersönlich übelnehmen, wenn sie etwa\nein Auge zudrückt. Der göttergleiche\nMensch muss in seinem malerischen Ab-\nbild mindestens ein Kniestück ergeben.\nDie Beine allein sind höchstens für Schuh-\nreklame zulässig. Künstlerische Bäume\nwerden an den Rippen ihrer Blätter und\nHäuser an der Lotrechten erkannt. So ist\nalles ausserordentlich fein geistig geregelt.\nund mit den Farben wird noch eine Art"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4652, "texte": "Senf dazu gegeben. Kunstkritiker ver-\nmögen den englischen Senf von dem\nfranzösischen Mostrich auf den Bildern\nwenigstens zu unterscheiden und können\ndanach den Geschmack des Kunstwerkes\nwerten. Braun ist Schärfe (Monumen-\ntalität), Grau ist Süsse (Liebe). Durch\nMischung von Grau und Braun entstehen\ndie Valeurs. Hin und wieder werden die\nübrigen Farben als Zwischentöne verwandt.\nDas Bild wird selbstverständlich vorher\nganz natürlich festgestellt, indem sich eine\nDame auf den Diwan legt oder ein Greis\nsich vor ein Häuschen setzt. Kinder müssen\nauf der Landstrasse so tun, als ob sie\nlaufen, sie dürfen sich aber wegen der\nfestgestellten Striche nicht bewegen. Die\nakademische Kunst beschäftigt sich haupt-\nsächlich mit Ganzakten oder Halbakten,\nweil sie besonders dazu berufen ist, das\nGöttliche im Menschen herauszumalen.\nAusserdem kommt der Körper der Kunst\ninsoweit entgegen, als er ohne Farbe ist.\nIn der Musik sind die Harmonien durch\ndie Gesetze geregelt. Diese Regelung ist so\nsinnfällig und so zuverlässig, dass man\nnach zwei Harmonien aus Erfahrung schon\ndie nächsten zehn Harmonien kennt, so\ndass man überhaupt nicht mehr zuzuhören\nbraucht. Durch diese Regelung im Verkehr\nmit Harmonien hat sich eine besondere\nBefähigung zur ein- bis vierstimmigen\nSangeslust der Kulturmenschheit ergeben.\nAuch in der Tanzkunst hat sich diese\nRegelung bewährt. Sie ist sogar so ver-\neinfacht, dass man diese Tanzschritte, Pas\ngenannt, in ein bis zwei Stunden erlernt\nund für das ganze übrige Leben gebrauchen\nkann. Verteilt man alle diese Lehren auf\neinige Jahre, so hat man Kunstunterricht\nGenossen und ist Künstler geworden. Mit\nem Theater ist es am einfachsten. Da\nbraucht man nur zur Bühne zu gehen.\nDie endgültige Feststellung dieser Fest-\nstellungen ergibt sich erst im reiferen\nAlter, und zwar etwa vom vollendeten\nsechzehnten Lebensjahre ab. Dann ist der\nMensch Mensch geworden. Vorher war er\nnämlich kein Mensch, vor allem kein er-\nwachsener, er war Kind. Oder Jugend.\nDie Jugend ist nur zu dem Zweck vor-\nhanden, damit die reifen Menschen eine\nBeschäftigung haben. Sie sind alle Götter\ngeworden, mit dem vollendeten sechzehnten\nLebensjahre und können die Jugend gott-\nähnlich nach ihrem Ebenbilde schaffen. In\n«echzehn Jahren kann man das lebendigste\nKind regeln und es als einÖbjekt feststellen,\ndas sich nicht mehr bewegt. Es gehört\nallerdings sehr viel Kraft und Energie dazu.\nÜrn ein einziges Kind muss sich ausser der\nganzen werten Familie noch eine Horde von\nLehrem Bemühen, um zu dem gewünschten\nResultat der Reife zu kommen. Das Kind\nwehrt sich verzweifelt. Aber das stärkste\nGehirn und die gesündesten Sinne er-\nschlaffen , wenn ununterbrochen auf ihnen\nherumgetrampelt wird. Das Kind sieht\ndie Farben und stellt sie sinnlich gefasst\nzusammen. Es komponiert. Es stellt sie\nsinnlich fässbar zusammen. Es rhythmi-\nsiert. Es wählt die Farben nach ihrer\ngegenseitigen Wirkung. Es gestaltet. Das\nMaterial, rhythmisch zu einer einheitlichen\nWirkung zu gestalten, ist Kunst. Jedes\nKind ist Künstler. Aus dem schöpferischen\nTrieb nach Gestaltung sinnlicher Wahr-\nnehmungen entsteht das Kunstwerk. Aus\nden Kindern werden Menschen und aus\nden Menschen werden Künstler, aber\"sie\nsind es nicht. Weil sie nämlich Kunst\nso schlecht lernen, wie sie das Leben\nlernen. An Stelle der Triebe werden\nRegeln gesetzt. Regeln, die die Summer\nvon Erfahrungen sind. Nur dass die Er-\nfahrungen unsinnliche Abstraktionen sinn-\nlicher Erlebnisse sind. Die Erfahrungen\nder anderen aber sind Begriffe. Sie Ver-\nhindern die sinnlichen Erlebnisse, also\ndie schöpferische Kraft, sie machen aus\ndem Werk ein Werkzeug. Aus schöpfer-\nrischen Kindern entstehen menschliche\nWerkzeuge, die andere vielleicht ge-\nbrauchen, die sich selbst aber nicht ge-\nbrauchen können. Jeder Sinn und jedes\nGlied ist vernichtet, wenn es aus seiner\nvielfältigen Befähigung zu einer einfältigen\nBetätigung gemissbraucht wird. Das Auge,\ndas sogar hören kann, verlernt sogar das\nSehen. Das Ohr, das sogar sehen kann,\nverlernt c! 3 Hören. Die unendliche Be-f\nwegung der Glieder wird in eine endliche\nFormel festgelegt. Das unendliche Kreisen\ndes Gehirns in endlose Gedanken ketten\ngezwängt. Alles wird zum Werkzeug,\nUnd nicht mit dem Werkzeug, aus dem\nWerkzeug soll das Werk gestältet werden .;\n. i. ; J. .:<• .. •. »:\n; »j i 1\nNur eines fällt den Erwachseneinf \"d,en\nGöttern, gelegentlich auf. Dass ihre\nKinder als Kinder so klug waren und dass\ndiese Klugheit plötzlich verschwunden ist:\nKlugheit und Dummheit sind keine; Unter-;\nschiede der Qualität, sondern der Inten-;\nsitat. Also die Fähigkeit der schnelleren\noder langsameren Auffassung. Das Kind\nist klüger, fasst also schneller, weil es"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4043, "texte": "eben fassen kann. Nämlich sinnlich fassen.\nAuch das Unfassbare gestaltet sich sinn-\nlich, also fassbar. Die Fähigkeit der\nsinnlichen Auffassung wird pianmässig\nvernichtet. Das Kind soll nicht greifen,\nes muss begreifen. Die Griffe werden\nfestgelegt und werden Begriffe. An-\nschauungen werden nicht gesehen, son-\ndern vertreten. Und die vertretenen An-\nschauungen werden verstanden. Und die\nverstandenen Begriffe werden vertreten.\nDie Sinne werden versonnen. Und nach-\ndem man nun alles verdreht hat, ver-\n- *\nficht man eine Weltanschauung. Diese\nWeltanschauung wird Lebensklugheit ge-\nnannt, worunter man die Fähigkeit ver-\nsteht, sich hinter dem Leben vorbeizu-\ndrücken. Das will und muss allerdings\ngelernt werden. Das Kind erhält eine\nUebersicht über alle Gebiete, damit es\ndie Gebiete nicht mehr sieht. Das Kind\nwird überhört, damit es nur nicht mehr\nhört. Das Fassen wird ihm verboten,\ndamit es in die richtige Verfassung\nkommt. Es lernt sogar den guten Ge-\nschmack, damit es nicht mehr schmeckt.\nDas Resultat dieser Verziehung wird Er-\nziehung, das Resultat dieser Verbildung\nBildung genannt. Hierauf erfolgt die freie\nBerufswahl. Auch Fleiss und Faulheit\nsind nur Unterschiede der Intensität,\nnicht der Qualität. Die Triebkraft des\nMenschen nennt man Hunger. Den Hunger\ndes Geschlechtes nennt man Liebe. Den\nHunger der Sinne Kunst. Da der Ge-\nschlechtssinn nun einmal auch ein Sinn\nist, wird die Befriedigung des Geschlechts-\nsinnes allzuoft mit der Kunst verwech-\nselt, weil eben Kunst die Befriedigung\nder Sinne ist. Auge und Ohr und Zunge\nund Glieder sind dank unserer gross-\nartigen Kultur verbildet. Nun regt sich\nim jungen Menschen der Geschlechtssinn,\nder bekanntlich in der Schule aus mora-,\nlischen Gründen nicht verbildet wird.\nDie Lehrerschaft ist grundsätzlich gegen\nden Geschlechtssinn. Sie empfinden ihn\nals einen peinlichen Eingriff in ihre wohl-\nverständigen Methoden. Umsomehr, da\nsie ihn nicht lehren dürfen. Er ist nun\naber einmal in den jungen Menschen vor-\nhanden und sie haben noch nicht die\nLebensklugheit der erwachsenen Götter,\nihn zu verbergen. Sie machen sich nach\nder übrigen Methodik aus ihm einen Be-\ngriff und machen Kunst. Sie dichten und\nmalen sich das andere Geschlecht. Sie\nsuchen sich das Sinnliche zu versinn-\nlichen. Alle jungen Menschen fühlen\nsich daher zu Künstlern berufen. Und\nsie werden Berufskünstler, wenn sie ab-\nsolut nicht aus der Pubertät heraus-\nkommen. Sie machen sich Abbilder und\nglauben, Bilder geschaffen zu haben.\n\" Sie sprechen von ihrem Hunger und glauben,\nDichter zu sein. Sie haben verlernt, die\nFarben zu sehen und die Wörter zu hören.\nSie schreiben Natur und sie lesen Ge-\nfühle. Und sie sind Künstler für die\nLeute, die ihre Zeit für Schreiben und\nLesen nicht verwenden können und wollen,\nund die lieber Geschriebenes lesen und\nGelesenes sprechen. Und die Kunst wird\nam höchsten geschätzt, die keine Be-\ntätigung der Sinne der anderen erfordert.\nDie Kunst als Hunger der Sinne ist also\nkeine Angelegenheit der Kenner. Sie ist\neine Naturnotwendigkeit wie jeder Hunger.\nSie ist ein Bedürfnis der Menschheit, das\nbefriedigt werden muss. Und ebenso-\nwenig wie eine unbekömmliche Kost\noder gar eine Abstraktion der Kost\nden Magen befriedigt, ebensowenig kann\ndie Kunst dieser Berufskünstler die Sinne\nbefriedigen. Das Volk, das heisst die\nGesamtheit der Menschen, hat mit Recht\nkein lebendiges Verhältnis zu dieser Kunst.\nDie Jugend noch weniger. Denn sie\nschafft sich eine Kunst selbst, die Kunst\nist. Die nämlich den Hunger von Auge\nund Ohr befriedigt.\nKunst wird der Menschheit nur dann\netwas sein, wenn man die Jugend ge-\nwähren lässt. Wenn man die Triebe\ngestalten lässt, statt sie schematisch dar-\nzustellen.\nNur wenn sich eine Generation entschliesst,\nnicht mehr Götter für die Kinder spielen\nzu wollen, werden die Kinder spielend\naus den Göttern Menschen schaffen.\nWesen, die den Sinn der Welt aus der\nWelt der Sinne fassen, sichtbar und hör-\nbar gestalten und in der Gestaltung\nsinnliche Erlebnisse, in der Kunst das\nLeben der Sinne leben und erleben.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c003", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "6", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.3", "titre_corps": "Die flämische Kunst der Avantgarde", "titre_sommaire": "Die flämische Kunst der Avantgarde", "signature_source": "Jozef Peeters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.6", "debut_caractere": 4045, "fin_caractere_exclue": 4201, "texte": "Die flämische Kunst der Avant-\ngarde\n\nEs ist ziemlich verwegen von einer jung-\nflämischen Plastik zu reden. Klima und\nBodenbeschaffenheit dürften wohl ihren"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3572, "texte": "Einfluss ausüben und einen kleinen IJnter-\nschied zwischen unserer konstruktiven und\nder südeuropäischen, russischen und chine-\nsischen Plastik ergeben. Es gibt aber\nkeinen Unterschied, der weiter reicht\nals eine persönliche die dem\nselbst gekommenen Dräng zum Konstruk-\ntivismus (der keine internationale\neinkunft war) durchaus nicht Abbruch tut.\nDie Kunst evolutioniert nicht. Wohl aber\nändert sich der Standpunkt des Geniessers\nund meistens der des Künstlers ihr gegen-\nüber. Nun ist es vielleicht nicht ohne\nInteresse, zu erfahren, wie sich diese\nEvolution in Flandern entwickelte. Was\nunsere Propagandamittel waren und sind.\nUnsere Generation saugte den Impressio-\nnismus ein. Impressionismus war ein Ge-\nmeingut, von dessen Art man sich in\nBelgien, dem Land der Nachfolge, keine\nRechenschaft mehr ablegte. Er gab jedem\nfreie Bahn, seine Torheiten zu kultivieren.\nSo entstanden bei den Jüngeren im Jahre\n1911 aus dem Bedürfnis nach Monumen-\ntalität kurz gehaltene Umrisse in Malerei\nund Bildhauerei. Wir standen sofort in\neinem wirklichkeitsvolleren Verhältnis\n•-» ■ -\nzur Fläche und Materie, worauf und womit\nwir bilden sollten. Es entstand nicht\neine Erneuerung des Romantismus sondern\nein zweiter Romantismus. Im sozialen\nLeben äusserte sich dieses Erwachen in\neinem Bedürfnis zum religiösen Leben\nnach einer Periode von Positivismus und\nDemokratie. Als nun das flämische Volk\nin dieser Zeit zu einem frei denkenden\nVolke ward, entvogte sich auch der\nKünstler und befreite sich von früheren\nBildungsgewohnheiten.\nWährend der deutschen Besetzung machte\nman Bekanntschaft mit dem populari-\nsierten Expressionismus. Einige plagi-\nierende Impressionisten wussten ihm, sehr\nnachteilig für sich selbst, nachzuahmen.\nAndere wussten die breitere, in der\nFremde gewonnene Einsicht persönlich\nzu verwerten. Eine Gruppierung wurde\nnotwendig und sie kam unter dem Namen\n~Moderne Kunst\" nach Beendigung des\nKrieges zustande.\nDie ersten Ausstellungen im Jahre 1920\nwaren eine Offenbarung.\n- - - v ' ! 1 '\nVerschiedene Künstler, in diesemiHeft der\nZeitschrift ~Der Sturm\" durch: Werke\nvergegenwärtigt, waren unter den Mani-\nfestanten. -\n„Moderne Kunst44 blieb der einzige Orga-\nnismus in Flandern, der es mit der Avant-\ngarde Ernst nahm. Die Monatsschrift\n„Ruimte44 (Raum) erschien unter Leitung\ndes Literaten Eugecn De Bock. Schon\nim Jahre 1920 sah man die Erwünscht-\nheit eines Kongresses ein, der durch die\nInitiative des Baukünstlers Huib Hoste, des\nBaukunstkritikers Leonard und des Unter-\nzeichneten abgehalten wurde. Ein zweiter\nKongress mit internationaler Ausstellung\nder extremen Avant-garde-Kunst folgte\nim Januar 1922. Ein dritter in Brügge\nim August 1923 im Zusammenhang mit\nden flämischen wissenschaftlichen Kon-\ngressen, die jedes Jahr in einer anderen\nStadt Flanderns abgehalten, flämische und\nholländische Gelehrte zu Tausenden zu-\nsammenbringen. Unsere Kongresse haben\nnicht das ausschliessliche Ziel, Fack-\nleute zu Wortstreiten zu reizen, sie\nwollen im Geiste der Vorträge der Ge-\nsellschaft „Moderne Kunst44 gehalten,\naber in vitalerer Weise, das Publikum\nunterrichten und einweihen. Unser jüng-\nstes und sehr gelungenes Propaganda-\nmittel, das über unsere Grenze hinaus-\nreicht, ist die Monatsschrift ,,Het Over-\nzicht44 (Der Überblick) vom Schriftsteller\nF. Berckelaers und mir herausgegeben.\nUnsere Schrift ist die flämische Tribüne\nder extremen Avant-garde der ganzen\nWelt. Unser jetziges ästhetisches Ziel\nnäher zu umschreiben, wäre eine nutzlose\nArbeit, da verschiedene Abbildungen hier\nveröffentlicht hinreichend für sich selbst\nzeugen.\n\nJozef Peeters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c004", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.3.1", "titre_corps": "Lino V", "titre_sommaire": "Lino V", "signature_source": "Jozef Peeters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Jozef Peeters: Lino V 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c005", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "8", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.4", "titre_corps": "Die jüngste Literatur in Flandern", "titre_sommaire": "Die jüngste Literatur in Flandern", "signature_source": "Fernant Berckelaers Übertragen von Werner Geerts", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.8", "debut_caractere": 3574, "fin_caractere_exclue": 4269, "texte": "Die jüngste Literatur in Flandern\n\nDas Zentrum des flämisch-literarischen\nLebens, das vor einem halben Jahrhundert,\nbeim Erwachen unseres Volksbewusst-\nseins, mit Gezelle Rodenbach und Verriest\nin den kleinen Städten und Dörfern der\nProvinz West-Vlaanderen lag und mit\nTeirlinck, Van de Woestijne und andern,\num ihre Zeitschrift ~Yan Nu en Straks\",\nseit 1880 nach Gent und Brüssel überging,\ndieses Zentrum wurde durch den Krieg mit\neinem Mal in Antwerpen errichtet. Hier\nschuf das frische Blut des seperatistischen\nAktivismus eine neue Heimat für künst-\nlerische Werktätigkeit.\nMan las Dostojewsky, Nietzsche, Walt\nWhitman, Romain Rolland und tja Apolli-\nnaire! Viele studierten deutsch. — Einen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3028, "texte": "nicht geringeren, kulturkräftigeren Vorteil\nbrachte uns die holländische Presse, durch\nwelche die allzu reizenden PariserZeitungen\nersetzt wurden. — Flamingant und Kom-\nmunist waren sinnverwandt unter dem\n~schwarzen Löwen auf gelbem Feld1' —\nDichter und andere Genialitäten wurden\nauf den Strassen aus den Rinnen ge-\nschöpft.\nAber es kam ein Ende der ~guten Kriegs-\nzeit\": viele Flaminganten flüchteten nach\nHolland, wo die meisten noch heute mit\nMühe ihr Brot verdienen und wo das\nbelgische ~Gericht\" sie noch in der Ver-\nbannung hält. Viele andere wurden ins\nGefängnis geworfen. Da schrieb Wies Moens\nseinen sentimentalen ~Celbrieven\" und\nseine ersten, mit Beifall aufgenommenen\nexpressionistischen Gedichtsammlungen:\n~De Tocht\" und.,,De Boodschap\". —\nIndessen lehrten uns die wieder geöffneten\nSüdgrenzen die neuesten Strömungen aus\nParis kennen, und allmählich fing das\nantwerpensche Hafenleben seine gewohnte\nGeschäftigkeit wieder an. — Mehr noch\nals vor dem Krieg schien Antwerpen mit\nseinen zahlreichen Kinos, Bars, Dancings\nund Cafes sich der Fortsetzung der\nBreughel- und Uilenspiegel-Tradition zu\nbefleissigen. Aber auch der ~Struggle for\nLife\" wurde lästiger. Und besonders aus\ndiesem Grunde kam die grosse Läuterung\nin die Dichterschar der Kriegszeit.\nGanz vortrefflich war dann die Initiative\nvon Eugen de Bock1), der um seine\nZeitschrift ~Ruimte\" eine Reihe.radi-\nkaler Maler, Dichter und Kritiker zu\nsammeln und einem auserwählten Publikum\neine gesunde neue Arbeit geniessbar zu\nmachen wusste.\nIn ~Ruimte\" gruppierten sich: Marnix\nGijsen, Wies Moens, Gaston Burssens, Jan\nund Jozef Cantre, Prosper de Troyer, Jos\nLeonard\\ JozeJ Peeters, Paul van Ostayen,\nKarel Maes, Victor J. Brunclair. — Aber\n~Ruimte\" ging nach zwei Jahrgängen\n(1920 und 1921) zu Grunde, und was von\nihrer Gruppe übrig blieb, konnte sich fortan\nin ~Vlaamsche Arbeid\" äussern, einer\nallgemeinen Monatsschrift, geleitet von\nJozeJ Muls (einer Revue, die schon lange\nvor dem Krieg bestand, doch seit ihrem\nWiedererscheinen [1921] auch der Moderne\nRaum widmet) — und in ~Het over-\nzieh t\" begründet von dem Verfasser\ndieses Berichts und von ihm und Jozef\nPeeters geleitet.\nAber auch die Gruppe der,, Ruimte4' wurde\nderartig geläutert, dass wir, der Zeit ent-\ngegensehend, bestätigen können, dass es\nsich nur noch um den katholischen Dichter\nWies Moens handelt, der nach seiner\nBefreiung noch zwei Sammlungen, ~Opg-\nangen\" und ~Landing\" herausgab,\nPaul van Ostayen (~Music-Halls\", ~Het\nSinjaal\" und das nach dem Kriege in\nDeutschland geschriebene lange typo-\ngraphische Gedicht von den Kriegsjahren\nzu Antwerpen: ~Bezette Stad\"), und\nM. Seuphor, von dem Übersetzungen im\nSturm erschienen.\nBesonders Paul van Ostayen, das muss\nhier betont werden, kommt die Ehre zu,\ndie moderne Kunst in Flandern eingeführt\nzu haben und zwar mit einem heftig\nkritisierten, aber belangreichen Werk über\nflämische Literatur.\n1) Direktor des Kunstverlags ~E)e Sikkel'% Antwerpen\n2) Die heutige internationale von Flandern\n\nFernant Berckelaers\nÜbertragen von Werner Geerts"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c006", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.4.1", "titre_corps": "Eine schöne Frau bedarf keiner Perlen", "titre_sommaire": "Eine schöne Frau bedarf keiner Perlen", "signature_source": "J. Leonard Roselare", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 59, "texte": "J. Leonard Roeselare: Eine schöne Frau bedarf keiner Perlen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c007", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "8", "page_fin": "12", "image_debut": 10, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.5", "titre_corps": "Te Parijs in Trombe", "titre_sommaire": "Te Parijs in Trombe", "signature_source": "M. Seuphor übersetzt von A. C. 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(der Regen)\nSo vergehen Tage, Stunden Minuten\nMonate\nbis Potsdamer Platz der den Rücken\nfeindlich kehrt\nall denjenigen die aus dem Hauptbahnhof\naussteigen\n(denn es ist eine mangelhafte Pflichtver-\nsäumnis sich Weihnachten auf der Strasse\nzu zeigen)"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2586, "texte": "Der Regen — hängende Lippe\nund der einsame Schutzmann der uns den\nWeg weist.\nVom Zentrum bis Halensee\nan jedem erleuchteten Fenster umrahmter\nChristbaumschemen\nSchrecken erregend wie eine Spinne\ndie den offenen Weg flieht und die Lichter\nder Strasse\nFiisse niedergestreckt zu einem Pfeil nach\noben\ndas Heil erwartend von einer verborgenen\nLehre\napokalyptisch aufgemacht.\nAber ein sentimentales Christlied\nist unmittelbar beruhigend.\nDie Strassen von Berlin sind breit und kalt\nals' ob es alle Tage Sonntag wäre.\nDie schönen Fassaden von Charlottenburg\ngleichen wohl riesigen Fragezeichen\ndie in jedem Zimmer einen Altar verbergen\nfür die guten Geister des Stammes.\nDie Warenhäuser der Berliner Strasse\nund Kurfürstendamm\n%\nhaben kluge Zeichner\nund erfindungsreiche Impresarios\nsie bringen den Punkt des Fragezeichens\nin Bewegung\ndurch ein triefend Krähnchen mit Gobelet:\nPROBIEREN IST ANNEHMEN!\n* %\nLyrik der Tausenden in Konditoreien und\nRestaurants\nMittagtisch 3.000 ohne Wein\n8.-Z. am Mittag l'lntran. 3.e\nLes Grandes Manifestation a Berlin\nam Sonntag predigt die Heilsarmee\nvor dem Reichstagsgebäude\nmit Fahnen Fanfaren und Chor\nund keine zwanzig Menschen leider geben\nAndacht\ndem Armgeschwenke der schwerbebärteten\n. Männer.\nSie aber fixieren einen Punkt in der Luft\nund wähnen das Steuer der Welt in ihrer\nHand.\nLand des epischen Rheines und des pasto-\nralen Harzes\nAUF WIEDERSEHN!\nEtoile!\nParis est une liqueur qui monte a la tete\n(air connu)\nDie Autobusse in Gruppen beweglich wie\nGazellen\nmachen Paris bukolisch.\nWeiber — Autos — schauen feiern Feste\nShimmy — tolle runde Tänze\nAber der Mann mit dem Käppi\nhat seinen Zauberstock gezeigt\nund die Strassen werden wieder gerade.\n■\nDie sieben Kutschen auf den Mauern\nBabylons\nsind die zwölf Boulevards\n0 ETOILE\ndie über die Welt den Ruhm verbreiten\nihrer Modeblätter\nihre Bandelosigkeit\nihre Sensibilität\nihre Lebens-Hypertrophie\nzum Schaden von dem, was die Germanen\ndas ~Andere\" nennen.\nDie zwölf Sprossen von der Leiter der\nKenntnis\ntrafen ein magnetisches Zentrum bei dem\nFall Eva\n(„Mensch erkenne dich und du wirst die\nWelt kennen\")\nsie wurden die zwölf Speichen\ndes Tierriemens — Petite Ceinture\ndas ewig drehende Rad<\nA.l}or Päris\nO ETOILE-HOUBIGANT-GAPITEUX\nweiss nichts von Mythen Gott und Meta-\nphysica\nParis ist unbelesen\n— Das wilde Mädchen (Kino-Repertoire) —\nsie tanzt in ihrer schönen Ceinture\nsie lacht mit der Weisheit der Zeiten\ndass es hallt in London, in Rom, Den\nHaag und Berlin\nsie weiss wie der Duft ihres Mieders\nberauscht\nund hält da das Geheimnis ihres Lächelns\nbewahrt.\n\nM. Seuphor\nübersetzt von A. C. 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Ostayen\nZon brandt de rozelaer\nzon brandt de glasscherve\nKind\ngeef acht\nhier liggen glasscherven.\nNachtehk vlieg-en vogels van \\T\nJ MJ • 1° V\nde wilde wingerd weg\nSchrikbeladen klapperen vlerken T .\ndol\nin deemstering p\nKnakgeluid vantakken veelvuldig kort -p\nontsluieren vlerken iL\neen ogenblik\nniet-herkenbare ruimten IV\nde ruimte is van knakkende\nvlerken\nvol\nPlotseling zyn vogels T?\nschrikgeschud\nOTIS lyr\ntot-dingen-gestolten Angst"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c013", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.9", "titre_corps": "Notes", "titre_sommaire": "Notes", "signature_source": "Maurice Casteels", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.16", "debut_caractere": 1221, "fin_caractere_exclue": 3020, "texte": "Notes\nMaurice Casteels\nLe Zeedijk, boites ä matelots, musiques\nmanufacturees, negres hilares, sourires\njaunes, policemen poupins gantes de blanc,\ncorrects cofhme des jouets neufs, injures\nde filles meticuleusement propres-pour ce\nqu'on y voit-rotzak. Et entre les maisons\nrouges et les eaux vertes, etre charrie\njusqu'au Oude Schans qu'empuantissent\ndes chalands sombrant sous des charognes\naux os nus percant les chairs violettes\nornees de bubons noirs enchass6s dans\ndes plaies moisies. Et des hommes comme\ndes mouches, lä-dedans, humant le relent\ndes pourritures bleues dans la buee lourde\nd'un apres-midi de juin. Un quartier sou-\ndain, fait debätisses en haillons, marquees\nde croisees mortes et de portes baillantes\nä jamais qu'un escalier de bois vieux,\ngris, c'est probable, prolonge vers un\nmystere de crasse seculaire. Et des caves\noü s'enfoncent les Mathusalem pouilleux\naupres d'un tresor d'antiques cuivres\nhollandais, authentiques et verts. Et une\nfeminite obese, un ballot qui roule par\naccident, une surabondance de graisse\njaune que des hardes moulent, et une\nclique de gamines de dix ans, des Sarah,\nRebecca, Judith, avec des timbres cass6s\nde noceuses ou des gamins mefiants colles\nen tas silencieux comme des paquets de\nvermine. Et puis c'est l'etal des poissons\nglaireux, des plies eventrees, descabillauds\nsupplicies, hisses d'un sous-sol par des\nmains rouges et flaques ä meme le trottoir\nde briques vetustes. Dire le trafic febrile\ndu march6 juif oü les valeurs sont reve-\nlees comme des confidences ou glapies\ncomme une denonciation, oüunpersonnage\nhuileux, marchand de creme glacee, estime\nen biglant des bijoux grossiers d'or rouge.\n— Non merci, je n'achete rien.\n— Je krijgt de pest, je krijgt de\nziekte\nJ'essaie un regard explosif et la masse\nsolidaire ricane: «verrek!»"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c014", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "18", "image_debut": 16, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.10", "titre_corps": "Wenduyne-aan-zeek door", "titre_sommaire": "Wenduyne-aan-zeek door", "signature_source": "M. Seuphor", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.16", "debut_caractere": 3022, "fin_caractere_exclue": 3199, "texte": "Wenduyne-aan-zeek\ndoor\n\nReeds veertien volle dagen komt de grauwe\nhemel van myn vriend de esoterieker in\nwrang§ botsing met\nmyn algemene menselikheid.\nTiendra . . , tiendra pas."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 39, "texte": "Karel Albert: Kosmographie „Kinderlied”"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3125, "texte": "Heeds veertien volle dagen\nis er nattig dryfzand op het Strand\nen zelfs de meeuwen worden roofdieren.\nHet bewogen profiel van de weerstand in my\nis een panorama van dykvormende duinen.\nYestingen zyn nietmeer van steen\nop onze dagen, —\n's nachts hoort men hoe de golven\nbrede bressen slaan,\nmaar 's morgens zyn alweer nieuwehoogten\ngerezen\nuit de plooien van de grond,\nTiendra . . . tiendra pas.\nAlleen de kinderen hebben dat gezien\nmet hun opmerkzaamheid van echte\nkunstenaars:\nlessen zyn maar spei voor hen\n. . . en zy bouwen overmoedig nieuwe\nforten, na elke hoge ty.\nTiendra . . . tiendra pas.\nMaar de duinen speien niet,\nhun ernst verbergt een taak.\nWant achter hun stryd zyn\nde brede landouwen van Viaanderen\nkontemplatief.\nSoms spitzen de molens de oren,\nmaar de bomen\nverteilen van hoeve tot hoeve\nwat ze zien met hun gerokken nek\nen hoe de duinen\nde jacht gesloten houden, —\nen dan lezen ze voort hun brevier.\nHotelkamer zeekant-\nklubzetel nababformaat\nop grootte van myn dagelikse doening.\nBeeld van volledige rust.\nh i\nBlyheid is de slinger van deze verveling.\nTik-Tak van alle seilen\nintiem leven van alle seilen\ngezondheid en tal vergeten manieren van\nzyn\nworden tussen de bievakkeringen ontmoet\nmet open armen en een lied in top\nals aan het front van de grootstad\ndoodgewaande vrienden.\nSekonden tikken kinderstemmen aan het\noor..\nWat gaan we nu speien?\nNa Ganges-bad\nal het wemelend wit van de mensen\nvoor de seremonie van 3 uur 45:\nde zoen van het vliegtuig M. P. 23\naan de zee.\nEn devoot met een plechtige buiging\ntrekt Mevrouw zieh terug\nin haar appartement.\nWat gaan we nu speien?\nTennisbai tennisbal\nsplinterniuwe tennisbal.\n— »La Cadillac de mon oncle.«\n— »Moi je prefere la Place Vendome.«\nMyn ~Conduite interieure\" weigert zyn\ndienst.\nIdioot opent zieh myn mond\nvan geslagen verbazing voor de heel nieuwe\nwereld\ndie in je glimlach opengaat.\nDe woorden die je spreekt hebben geen\nbetekenis: zonnetekens in de lucht\nje woorden zyn een gordel belletjes rond\nmyn hals, en myn hart a giorno\nje woorden zyn maar woorden in de wind\nen myn hart a giorno in het tennisnet.\nTennisbal tennisbal\nsplinternieuwe tennisbal,\nzo slaat je blonde lach op de snaren\nzo is je blonde lach in myn handen\nna de verloren party\n. . . en later een Beethoven-motief\ndat niet wegwilt uit myn hoofd.\nDe wind akrobaat\nmaakt karpersprongen in de zon.\nTussen de duinen is er geen wind.\n— «La Cadillac de mon oncle.»\nAls terminus van de vier-en-twintig-uren\nkoers, crosscuntry van 150 kilometer,-\nvonden wy het Strand van Viaanderen\nbezet door »PUBLIEK«, het internationale\nleger der neurastenieke spermatozo'iden,\nonder lenze: ~Lui, lam, laf tot de dood\".\nHet nederig sportkostuum maakte ons\nverdacht aan fanatieke bevelhebbers, en\neen karig bestaan in de neutrale zonen\ntussen zee en duinen bleef weldra de\nenige uitkomst.\n— Daar moeten we zö voor gelopen hebben,\nzeiden de jongsten.\nDeouderen filosofeerden Sombervan ~vani\nvanam\". Ze zagen duidelik nu in de mist\nhoe alles met een zyden draadje aan de\nhemel hangt, en voelden dit dryvend\nvasteland als een schip in nood op holle zee.\nFransiskus uit het Oosten stak zyn hand\nniet toe."}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1708, "texte": "De tweede dag was de zee een strak\ngespannen boog en wy ieder een pyl\nwanhopig wachtend op zyn schot in de\neindeloosheid.\nToen kwam uw redding\no Peiro uit het Westen:\ninenting tegen »PUBLIEK«\ngeheugen van Saturniaanse Tydperken\nnovoka'fne tegen gevalle en ongevalle\nenjelen,\nNietzsche en andere Middeleeuwen.\nEn wy zagen (lusieder nu)\nde strak gespannen boog\nschedel van een meer gehikkige Konfrater\nvan weleer\n(100000 metapsychozen vroeger),\nheden Konkurrent-in-'t-groot,\nde wettelik erkende Truster.\nOnze kreet »Go-o-od« echode\nmeer dan vyf-en-zestig maal.\nVoor Hem echter\nwaren we parasieten\n(wanneer men er nu eenmal gekomen is!)\nen het antwoord bleef weg.\nGelukkig hebbe we allen een oom dood\nin Amerika.\nFifth Avenue New York City.\nMaar het bekomen van het erfdeel\nligt in eeuwig proses\ntussen ons vertrouwen\nen de Atlantiese Oseaan.\nDe Kapitein van daarboven\nvoert tyd-terwyl de schat naar 't ongekende\neil and\nin de zee van O BIOS.\nEen scheepsjongen die Mime heet\nzal er gouden pennen uit smeden\nterwyl de Swan-ridder\nop ons wordt toegezonden\nmet de fabel der arie goddelike deugden\nin portefeuille.\n— De bemanning van het landschip\ndankt de Kapitein voor deze fabel.\nWie is de stuurman van het landschip?\nHet landschip is sinds Mozes reeds\nop weg naar Singer Building.\nMaar Singer Building is geen vaststaande\nlichttoren\nin de zee van O BIOS\nen de wind in de Zeilen van het landschip\nblaast ook op Singer Building.\nZ'o ontdekten de drie zoons\n~Het Geheim van de Landbouwer\".\n— De bemanning van het landschip\ndankt de Kapitein voor deze fabel.\nEn daarom mag dit gedieht\nNiet eindigen op Cambronnewoord,\nzyn uitroepingsteken\nis het groot-lot-getal: M. SEUPHOR\n(~It is a Paramount picture\")\n\nM. Seuphor"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c015", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "17", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.11", "titre_corps": "Bild", "titre_sommaire": "Bild", "signature_source": "Paul Joostens", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 19, "texte": "Paul Joostens: Bild"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c017", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.13", "titre_corps": "Kosmographie „Kinderlied”", "titre_sommaire": "Kosmographie „Kinderlied”", "signature_source": "Karel Albert", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 39, "texte": "Karel Albert: Kosmographie „Kinderlied”"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c018", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "18", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.14", "titre_corps": "Le Dernier Prophete", "titre_sommaire": "Le Dernier Prophete", "signature_source": "Maurice Casteels", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.20", "debut_caractere": 1710, "fin_caractere_exclue": 2524, "texte": "Le Dernier Prophete\nMaurice Casteels\nII ne restait qu'un seul juste.\nLes hommes mangeaient, buvaient, forni-\nquaient et ils ne faisaient pas autre ehose.\nLe juste precha et on le earicatura pour rire.\nPour qu'on le crüt il marcha sur des\nbraises ardentes avec le sourire.\nII piqua des epingles ä chapeau dans ses\nmollets qui ne saignaient pas.\nII montra son sexe dans un music-häll.\nOn le trouva original, c'est tont ce qu'on\nlui accordait.\nII chargea sur ses epaules les sanglots\ndu monde et des environs pour singer\nles dieux et les poetes, rien n'y fit.\nUn cretin raconte qu il etait hysterique.\nAlors il dansa dans un restaurant nocturne\noü eil es etaient folles de lui.\nII les entreprit une ä une et epousa leurs\nvices bizarres.\nII les tuait ainsi sans qu'elles voulussent\nse convertir.\nLui aussi en est mort."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c019", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "20", "image_debut": 20, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.15", "titre_corps": "Automayers", "titre_sommaire": "Automayers", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.20", "debut_caractere": 2526, "fin_caractere_exclue": 3382, "texte": "Automayers\n\nMayers wollen per Auto in Gesellschaft\nfahren. Es ist schon hohe Zeit, und sie\nwarten ungeduldig auf das bestellte Auto.\nMayer dreht seinen Schnurrbart, sie zupft\nihre Locken vor dem Spiegel. Plötzlich\nsagt sie: ~Ich verstehe nicht, Emil,\nwarum das Auto nicht kommt\". Mayer\ndreht seinen Schnurrbart und bemerkt,\ndass das Auto schon lange dagestanden\nhatte. Da brüllt er vor Schreck: ~Das\nAuto steht vor der Tür!\" Um zu wider-\nsprechen antwortet sie gereizt: ~Du\nmeinst wohl hinter der Tür?\" — ~Nein,\nvor der Tür.\" — ~Nein, hinter der Tür!\"\n— ~Also vor der Tür.\" — ~Also hinter\nder Tür!\" — ~Meinetwegen hinter der\nTür.\" — ~Nein, in diesem Falle selbst-\nverständlich vor der Tür.\" — Pause.\nMayer dreht seinen Schnurrbart wie eine\nSpindel. Sie zupft ihre Locken. Das\nAuto 'steht gross da. — Nach einer Weile\nversucht er wieder: ~Das Auto steht vor"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1135, "texte": "der Tür.\" — Jetzt ist sie empört : „Nein,\nhinter der Tür!\" — ,,Nein, vor der\nTür!\" — ,,Nein, hinter der Tür!\" —\n„Vor der Tür!\" — ,,Hinter der Tür!\"\n— ,, Vor der Tür!\" — ,,Hinter der Tür!''\n— ,,Das Auto steht vor der Tür!\" —\n,,Das Auto steht hinter der Tür!\" —\n,,A1 so vor der Tür!\" — ,,Also hinter der\nTür!\" — ,,Meinetwegen hinter der Tür!\"\n— „In diesem Falle selbstverständlich\nvor der Tür!\" — Pause, Schnurrbart-\ndrehen, Lockenzupfen, das Auto steht\ngross da. Sie überlegt, wie sie den\nStreit beenden kann, ohne nachzugeben.\nPlötzlich fragt sie: „Wir steht vor der\nTür?\" — Er: ,,Hinter der Tür.\" — Pause.\n— ,,Wer steht hinter der Tür?\" — Er:\n,,Vor der Tür.\" — Ihr platzt die Geduld.\n,,Schatz\", sagt sie, ,,ich glaube, ich\nwerde verrückt.\" — Er: ,,Nein, Du.\" —\nSie: „Ich glaube, Du wirst verrückt.\" —\nEr: „Nein, ich.\" — Pause. Das Auto\nsteht gross da. Sie, verzweifelt, unter\nTränen: „Aber das Auto steht doch vor\nder Tür.\" — Er: „Nein, hinter der Tür.\"\n— Sie: „Aber das Auto steht doch hinter\nder Tür!\" — Er: „Nein, vor der Tür.\"\n— Sie, schluchzend: „Aber das Auto\nwartet doch draussen!\" — Er: „Ruhig\nwarten lassen.\"\n\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c020", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "19", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.15.1", "titre_corps": "Panneau décoratif", "titre_sommaire": "Panneau décoratif", "signature_source": "F. de Boeck", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "F. de Boeck: Panneau décoratif"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c021", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "20", "page_fin": "24", "image_debut": 22, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.16", "titre_corps": "Tropfgehänge", "titre_sommaire": "Tropfgehänge", "signature_source": "Franz Hoffmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.22", "debut_caractere": 1137, "fin_caractere_exclue": 2686, "texte": "Tropfgehänge\n\nErde lieiss gesiedet\nkräuselnde Feuer in Bäumen und Lüften\nein Mädchen\n1 ii n g'\njraim\nbrennendes Haar\nMädchen glutender Lüste\nSchilder des Nackens funkendes Sprühten\nrasche sonnendunkle Tupfen -\nund ein Bänderfliessen\nalles locker\nalles voll\nBänderbogenmuskel gestrafft\nschlank\nKnöchel Kelche\nenggerafft\no schlanke weiche Springflut des Leibes\nTropfschale die Brust —\nich stehe\nsehe\ntrinke\nDurst\nLippe hängende Wolke schwül\nTrinken\nmein Blut begehrt\nDürsten wirft Falter hin\nBeissen in schlanke Kelche\nBeissen in lustende Nacken\nSpringquell Lust jachjäh empor —\no Durst\nmich quält mein Blut\nich stehe\ntrinke\nwanke\ntaumle ins Gartenbeet\n4\naufrauscht weite Flucht roter Fingerhüte\naufrauschen glutenrote Dahlien\nein Tagpfauenauge\nlustsonnenvoll\nwirbelt auf und hin\nich gehe\nrauschbezwungen\ns o m m e r g e s i e d e t\nweibbetäubt\ngehe\nsehe\nund stehe\nalle Gefässe wirbeln empor\nSprüht unter Haar und Wimpern\nSprüht unter Sohle und Rippen\nScham\nbrennende\ndass ich mein Blut nicht dämpfen kann\nda schreitet das Schlanke\nmüde\ndunkel gebannt\nunter Tropfgehänge blutender Geranien —\nweh\nTropfglanz meiner Lust zittert\nfällt\nmein Blut in den Geranien\no alle Lust\nnichts\nScham brennt\nund heiss der Sand knirscht unter meiner\nSohle\nStengelhohe Geranien\nblaue rote Blüten spreizen\nbriinsten\nSonne heisse\nlastet Wollust nieder\nBlütenglieder öffnen\nschliessen\ntrinken Glutenfluss —\nweisse schlanke Mädchen g-ehn\nFeuerblüten\nTropf gehänge\nzwei schwere Dolden schaukeln\ndie schlanken Mädchen glutatmend stehn\noffne schöne Krüge in den Gängen\nund gehn"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2079, "texte": "o leise müder Schritt\ngeschleppt\nErde gebannt\nein Fruchttropfen schwer hängt der Kopf\nBrüste die vollen Dolden der Erdenpracht\ndu trägst deine Freude\ndu lastest nieder grosse volle Tropfen\ndeine Pracht macht meine Sinne sommer-\nmüde\nsüsser schwerer Drang und Duft\no Gärten\nschöne Mädchen schlanke Blütenstiele\ngreifen\nstengelhohe Geranienblüten spreizen\nbrünsten\nRote Fahne o Weib\ndein Haar mähnt\ndein Blut rollt\nwallende Glut\nheiss hoch\ndu —\nleise mein Blut brodelt\nlangsam ein Pfeil steigt\nhärtet\nheiss Begehr brennt\nLeib Brünstigkeit\nein jähes Zittern mähnt dein Haar\ndein stürmischer Leib\nrote Fahne o Weib\nbiegender Mast\numrauschender Baum\ndeine Arme\nSchenkel\ndeine weissen Wunder stürmen\nein Grund\nein Muschelmund will öffnen\numschliessen\npressen den Pfeil\nLüsten\nBluten\nBlut lustend soll ich zergehn\nSterne schleudern Kraft\nSehnsuchtsfackeln\nWundernacht\nMonde grün\nund hoch der weisse Bogen\nSehnsucht Licht\nund meine Kraft wühlt dunkel\nschreit\nklagender Ruf\nein Uhuvogel unter Stern und Büschen\ndass kleine Vögel schrecken auf\nElstern in Zweigen türmein gackern\ndass Frösche blähen klagen Ton\nSumpfvogel fällt vom Stein\nund Fledermaus verängstet huscht —\nmeine Kraft\no klager Ruf\nda fliehen\nund kommen\nviele dunkle Schatten\nalles will gehren raffen\ngatten\nich\nTiere Blumen Menschen —\no Nacht\nSehndebogen\no hoch die weisse schimmernde Kraft\nLicht ins Dunkel gefügt\nGold in Schächte gelegt\nStern\nDu Mir\nIch Dir\nnah\nfern nah\ndunkler Kraft erblüht!\nHoch\nsingt\nStern\nIch Du\nWeib Du\nTier\nleuchte Stern leuchte\nhoch singt Ich\nKraft\ndunkler Erde erblüht\nIch bin verbunden weher Lust\nbin denkelos\nohne grüssende Ferne zu mir\nbin liedlos\nohne jubelnden Gruss zu dir\nweiss nicht\ndas Blühen\ndas Volle\nder gestraffte metallene Klang\ndas denksichere Grüssen\nder hohe Liedergang\ndas Lachen\ndie lose flatternde Hand\nweiss nicht was alles mir entschwand —\nund nun noch du\nlüsteschwerer voller Leib\nund\nbraune weiche Flut\nbraunes Pelzfell deine Haare\ndeiner Augen lustende Sterne\ndunkle blaue lockende Tiefen\nund dein Mund\neine aufgerissne pralle Frucht\nSchale überkippt von drängendem Blut"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2194, "texte": "lustschwer\ndass du mich küsst\nKopf in weissen Flügelbögen\nmeine Kraft jäh hochgehisst\nraweh\nunter glühen Bogenlampen\ntönender Raum\nwühlende Musik\ntanzende Sonnen\nin greifen Fingern brennendes Licht\ndass du mich küsst\nraweh\nmeine Kraft goldner Eber schiesst\ndass du blutest bittest flehst\nund losstürzst\nach\nich\nweh\nzerrissen\nverworfen\nblutender Nacht verbunden\nNacht\nSonne bestieg ihr graues Ross\nschwarze Vögel breiten Flügel\naber Himmels Rosengarten blüht\nund eine hochgeschweifte weisse Braue —\nstrahl und dunkel und\nüberrundet lieblich\nblühn nun deine heissen Blumen\ndeine Küsse\nstrahl und dunkelduftend liebliche\nKamille —\no du\nschwere volle lose\ntraumerblühte Aster deines Leibes\nmein Glanz schweift über deinen Glanz\nmein Blut rauscht auf in Lustgesängen\ndu Blüherin\nGlänzerin\nRauscherin\no du —\nHaarschweif einer weissen Ferne\ntiefer Nachtglanz ist dein Leib\nund deiner Augen blaue volle\nlustende ach lustende Sterne\nund\ntäubende Kamille\nder\nDuft von deinem Kuss —-\no mit dir zu sein\nblutjubelnd hoch\nnachts über Raum und Stern\ndich küssen\ntrinken\ntief ins Nachtmeer sinken\nbis an Morgenröten\ndes Nachthimmels blassen Rosengärten\nzwei Menschen stranden\nBlut und blüh und lichtumschlungen\ntaumelnd vor Glück\nDu lachst\nund bist nicht liebegern\ndu tauchst nicht ein in Glanz\nund Glück\nund jubelleisen Stern\nträgst keinen Schweif des Lichts im Haar\ndein Haupt ist gelehnt in dunklen Brand\ntraumwirre Lieder singt dein Blut\nklopfend an Brust und Brust\nund bist doch gut\nim Rausch\nTon\nTakt\nund glühen Lampen\nbetörendes Gift\nquallösend\ngut\ndass ich nun wieder Lustgesänge\ndass ich meinen Schmerz nun\nleis in ein Lied verdränge\ndass ich allein in Nacht nun geh\nvor deinem Haus noch einmal\nblüher Traum\nrauschselig stille steh\ndass ich nicht weine\ndass ich singe\ndeinem Leibe\nheiss rausch\nohne Qual\nvorüberginge\ndass ich lächelleise geh\nvorüber Glanz und Glück\nund Jubelstern\ndunkeltiefer Nacht umhüllt\nTraumkreis\nnichts\ndas Nichts mein Tisch\ndir wird nichts mangeln\no Seele\nTücher durchblüht\nLampen\ndämmerröten deinen Raum\nnachtlieb schöne Frauen\nlauscher Stirn und lastender Hände\no kürmelnde Worte kosender Mann\nBringer der Lust\nund\nselige Sünde\nDu\nVase .\nirden Gefäss\nKessel der leise rauscht"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 907, "texte": "Gnade süssen Wein ich trinke\nheiliger Frauleib\nschenkende Geliebte\ndein Trunk macht locker\nund macht müde\nfussbannend\ndein Teppich breitet mich neben dir\nnieder\nDu der sündeseligsten Glieder ...\nHäfen\nverstrandend gebuchtet\nschwimmende Berge gipfelgerötet\nBernsteinberg gipfelnd rotfrüchtigeKoralle\nLeuchten des Meeres Phosphor Kämme\nNacken\nblaues Atoll augschimmernder See\nTangbüschel Schreckwald deine Haare\nund deine Küsse ringender Strudel zu\n, Grund\no furchtbare Gnade dein Trunk\nich will dich trinken\nSünde\nGnade\nalles ist Geschenk\ngib deine süsse schenkende Hand\nich will einbuchten dein Blut\nin mein traumverworrenes Land\nich kann dich nicht lassen\nich will dich umschliessen\nMost\nso will ich durch dich schiessen\ndu wirst mich halten\nin deine Gewölbe mich fassen\nkeltern\nsüssen\ndein gnadenreicher Wein\nich preise meine Sünde\nmeine Wunde\newig will ich dich Blutsüsse Trunkene\ntrinken\n\nFranz Hoffmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c022", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "21", "page_fin": "21", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.16.1", "titre_corps": "Verführung / Vielfarbendruck", "titre_sommaire": "Verführung / Vielfarbendruck", "signature_source": "Béla Kádár", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 40, "texte": "Béla Kádár: Verführung / Vielfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c023", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "24", "page_fin": "26", "image_debut": 26, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.17", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.26", "debut_caractere": 909, "fin_caractere_exclue": 1732, "texte": "Gedichte\n\nWoge Herbst\nSchuss\nknickt die Kniee\nbleich\nvor Blut des Wrilds\ndie uren Leiber\nwogen 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all-einsam\nKein hungriges Lichtlein tröstet den\nfinsteren Wandrer bei Nacht.\nNie eine Seele spricht; Komm es ist\nr Abend\nsiehe die Liebe erleuchtet die Kammer\nweile bei mir Welt ist am Tor.\nIn, eisigen Lüften erfrieren die Wolken\nErde ist meine Mutter und alle Toten\nin ihr\ngesäugt von der Gräber Saft im Acker\ndes Friedens\nhinsinkt mein Schlaf\nvom Wandern verwundet sind meine Füsse\nes salbt sie die eigene Träne der Not.\n\nRhythmen wider die Melancholie\n\nMeine Seele ist nichts\nein leerer Kelch in gesenkter Hand\nüber ihm ratlos das Antlitz der Trauer\nausgetrunken ganz Leid und Freude\nvom Munde des Tags\ndie Klage verronnen\ndas Lachen zerborsten\ngraue Fäden gesponnen von bitteren\nStunden ums Herz\nhochüber mir blauend der unendliche\n» »V •\nHimmel die uralte Frage wie eh'\nohne Antwort\ngegeben\ngenommen"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2626, "texte": "gestorben der Geister Gesang im\nGewoge der Lüfte\nwechselnd das Licht und die Finsternis\ndie ewigen Schritte des Alls um sich selber\nin einem hinauf und hinab durch die\nSchluchten des Leidens\nweit hinter der flüchtenden Ferse der\nGarten der Liebe\ndie Wege der Freundschaft zeithin\nverschüttet\nSchmerz ist die Welt\neintag und austag.\nHoch reiss ich von neuem den Becher\ndes Daseins\nflieg mit den Fittich der Hoffnung\ngen Anfang\nfühle mich Spiel im Lufthauch der Gottheit\nein schreitender Tanz im Gewitter bin ich\noh Erde geliebte im dunkelsten Tal!\nFallen im Herbstjahr vom Himmel\ndie Sterne\nweinen die Götter\nlächeln die Menschen\nes ahnen die Welten ihr stummes\nGeheimnis\nweinet\nes einet die Träne den Mensch und\nden Gott!\n\nWinterliches Lied\nSehnsucht.\nEs singt eine Harfe im Schnee.\n-Der Madonna Bild klagt am Föhrensteg\nstumm versinkt der Forst im Winterrauch.\nEinsam äugen die Rehe.\nDie Krähe sticht scheu durch die\nbangende Luft\nGott atmet am Hang\nan seinem Herzen erfriert die Welt.\nGäb mir der Tod diesen Traum\ngern unter weissem Fittich entschliefe\nich auch.\nWo die Himmel kühl sind\ntrinkt der Sterne Odem ein Gott\naber die Menschen erlöst nichts unter\nden Wolken.\nSehnsucht.\nDas ist das Lied unterm Schnee.\n\nSonnenwende\nGold überm Hügelschnee schläfert der Tag\nso ruhen im Schnee die ewigen\nFrühlinge immer\nstille mein Herz\nbald bist du bereit.\nNoch einmal kommen die Sterne vom\nAbgrund herauf\nund in die Hände der Nächte sinkt\nalles und alles.\nGlüht auch die Seele nach dem grossen\nGestirn\nfröstelnd\nweinen die Wipfel im Abendtann\nlausche\nim Dämmern rastet der Fluss nicht im Tal\nund die Schollen singen wilder ihres\nTodes Gesang\nSüdwind wandert herauf\nauch zu dir.\nSchwankender Zweig in gläsernen Lüften\nhinstirbt seines Winters verhaltener\nTraum\nliebliche Ahnung erlöset die Knospen\neinst werden sie blühen am Berg.\nRings oh du Abend!\nStehen nicht Welten belaubt und erblüht.\nSonnenwendfeuer leuchten die Hügel\nGlühe oh Seele\nentbrenne dich mit!\nUmflogen das Antlitz vom Abschied\nder Sonne\nwende dich, Haupt:\nso grüss ich den ersten ragenden Stern.\nHoch aus verschneiten eisigen Gipfeln\ntropft der Erlösung köstlicher Tau!\n\nAlte Mädchen\nAbwärts sinken die Hände\nim Weh noch tasten sie zitternd das Herz\nbald ist das Antlitz zerfallen,\nein Garten im Novemberwind.\nEinmal noch blühen verschüchtert\ndie Wangen\nruht glücklich ein Kind an der Mutter\nnährenden Brust\nfällt im Waldgang ein Kuss zwischen\nfremden Geliebten\nall diese Welt ist ihr lange vorbei.\nAbends im Zimmer der Einsamkeit\nstumm hocken an den Wänden\nglanzlos die Träume\nwehrlos verrinnen die Augen im Dunkel.\nBlätter gehen im Herbstwind so.\n\nKurt Heynicke"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c028", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "26", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.18.1", "titre_corps": "Melancholie", "titre_sommaire": "Melancholie", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.28", "debut_caractere": 621, "fin_caractere_exclue": 1772, "texte": "Melancholie\nAm Ende ist keine Hoffnung denn Gott.\nWir sind ein Fluss von Tränen alle.\nEs duldet die Scholle.\nEs säet der Wind.\nGebeugte Früchte im Felde die Seelen\nder Menschen\naber die Ernte erlöst in Scheuer und Spreu.\nGib, dass wir Ewiges ernten aus\nunserem Schmerz.\nNicht reichen die Götter die bittere\nSpeise z iletzt\nTod ist Brot der Ewigkeit\nwer davon isset lebt immerdar.\nEinst senken sich alle Zweige im\nvergänglichen Mond\nhin gibt sich die letzte der Blüten\nin die glühende Farbe des Herbstes\nwirft sich die Nacht.\nTalüberist alles erlöst.\nKalt am Gerippe der Wälder hängen\ndie Sterne\nhohler tönen die Brunnen von fern\nim bräunlichen Laube wühlet der Tod.\nBald hält des Herzens tollenden Lauf\nder Winter vereist\neinsam all-einsam\nKein hungriges Lichtlein tröstet den\nfinsteren Wandrer bei Nacht.\nNie eine Seele spricht; Komm es ist\nr Abend\nsiehe die Liebe erleuchtet die Kammer\nweile bei mir Welt ist am Tor.\nIn, eisigen Lüften erfrieren die Wolken\nErde ist meine Mutter und alle Toten\nin ihr\ngesäugt von der Gräber Saft im Acker\ndes Friedens\nhinsinkt mein Schlaf\nvom Wandern verwundet sind meine Füsse\nes salbt sie die eigene Träne der Not."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c029", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "26", "page_fin": "28", "image_debut": 28, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.18.2", "titre_corps": "Rhythmen wider die Melancholie", "titre_sommaire": "Rhythmen wider die Melancholie", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.28", "debut_caractere": 1774, "fin_caractere_exclue": 2154, "texte": "Rhythmen wider die Melancholie\n\nMeine Seele ist nichts\nein leerer Kelch in gesenkter Hand\nüber ihm ratlos das Antlitz der Trauer\nausgetrunken ganz Leid und Freude\nvom Munde des Tags\ndie Klage verronnen\ndas Lachen zerborsten\ngraue Fäden gesponnen von bitteren\nStunden ums Herz\nhochüber mir blauend der unendliche\n» »V •\nHimmel die uralte Frage wie eh'\nohne Antwort\ngegeben\ngenommen"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 721, "texte": "gestorben der Geister Gesang im\nGewoge der Lüfte\nwechselnd das Licht und die Finsternis\ndie ewigen Schritte des Alls um sich selber\nin einem hinauf und hinab durch die\nSchluchten des Leidens\nweit hinter der flüchtenden Ferse der\nGarten der Liebe\ndie Wege der Freundschaft zeithin\nverschüttet\nSchmerz ist die Welt\neintag und austag.\nHoch reiss ich von neuem den Becher\ndes Daseins\nflieg mit den Fittich der Hoffnung\ngen Anfang\nfühle mich Spiel im Lufthauch der Gottheit\nein schreitender Tanz im Gewitter bin ich\noh Erde geliebte im dunkelsten Tal!\nFallen im Herbstjahr vom Himmel\ndie Sterne\nweinen die Götter\nlächeln die Menschen\nes ahnen die Welten ihr stummes\nGeheimnis\nweinet\nes einet die Träne den Mensch und\nden Gott!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c030", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "27", "image_debut": 29, "image_fin": 29, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.18.2.1", "titre_corps": "Segelbild / Vielfarbendruck", "titre_sommaire": "Segelbild / Vielfarbendruck", "signature_source": "Nell Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque 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"image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.18.4", "titre_corps": "Sonnenwende", "titre_sommaire": "Sonnenwende", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.30", "debut_caractere": 1215, "fin_caractere_exclue": 2132, "texte": "Sonnenwende\nGold überm Hügelschnee schläfert der Tag\nso ruhen im Schnee die ewigen\nFrühlinge immer\nstille mein Herz\nbald bist du bereit.\nNoch einmal kommen die Sterne vom\nAbgrund herauf\nund in die Hände der Nächte sinkt\nalles und alles.\nGlüht auch die Seele nach dem grossen\nGestirn\nfröstelnd\nweinen die Wipfel im 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pleasant\ntask to me to introduce to you the\ndifferent sorts of animals you'll find\nare here on view. First come, first\nserved.\nGelegentlich des Jahreswechsels 1923 reisst\nmir endlich der bekannte Faden der Ge-\nduld. Ich hänge nun nicht mehr wie eine\nSpinne am Faden, sondern fädele ein und\nspinne mit Tinte. Wie oft habe ich meine\nErkenntnisse wohl schon in die Welt po-\nsaunt, wie oft habe ich die Kritik kritisch\nbetrachtet, ohne dass man mir am Neu-\njahrstage Kränze eingefädelt hätte. Warum\nschreiben eigentlich die Zeitungen immer\nnoch nicht: „Merz ist der Konstruktivis-"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.32", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4220, "texte": "Mus, den unsere Zeit braucht?\" Sehr\neinfach, weil ich selbst es schreibe. Aber\nsie werden schreiben: , ,Der Expressionis-\nmus ist schon längst grosser Merz ge-\nworden, nun ist auch der ganze Konstruk-\ntivismus mitsamt dem Kubismus Merz,\nnichts als MERZ. Das Kunstblatt wird\nsich Merzblatt nennen und von den After-\nmerzern fünf Jahrgänge mit Abbildungen\ndrucken. Und so werde ich auch in den\ngrossen deutschen Koncern mit eingemerzt\nwerden, wenigstens meine Brut. Dabei\nfällt mir eine Stelle aus meinem Roman\n~ Franz Müllers Drahtfrühling\" ein, die\nich mit Hans Arp im Sommer 1923 auf\nRügen gedichtet habe. Ich lasse sie folgen:\n~Das Wort Merz aber stammte von\n~,,ausmerzen\"\" und war von Herrn\n~ComMEßZienrat Katz sehr sinnreich\n~erfunden. MERZ war nämlich Ironie,\n~indem es die Lichtseiten des soge-\nnannten Dadaismus, den in Revon so\n_~ recht niemand kannte, und die Schatten-\n,,seiten des sogenannten Expressionis-\n,,mus, der in Revon mit Recht so ge-\nfürchtet war, und in dem die Herren\n, ,Westkohn und Heim wiener ihr Wesens\n~trieben, beleuchtete, wodurch die\n~Herren Westwiener und Heimkohn\n~zu phosphorescieren begannen. Nun\n, ,sind sie Glühwürmchen geworden und\n~schwirren in Berlin umher.\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, llimmre,\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, llimmre,\n~ Schimmerst mir auf Lehmbruch-\n,, wegen\n~ Mit dem Kitsch dem Geld entgegen;\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, flimmre,\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, flimmre,\n~ Zeigst im Kitschblatt expressiv\n~ Mir deinen Genitiv.\n~ (Zu singen nach bekannter Melodie.)\n~Sogleich bei dem Worte „Kitschblatt\"\n~sprang bums Dr. Rudolf Bluemner\n~mit ~,,Hurrah\" \"aus einer kleinen\n~Spieldose, welche dazu\n~ Kitschblatt, Kitschblatt über alles,\n~spielte,\n~ Über alles in der Welt,\n~ Wenn es stets zu Mistwehs Trutze\n~ Von den Schiebern Geld erhält.\n~ Von Steinpech bis zu Deffregger,\n~ Alles schmiert den Kitsch ums Geld,\n~ Kitschblatt, Kitschblatt über alles,\n~ Über alles in der Welt.\n~Dr. Rudolf Bluemner schaute sich\n~stumm ringsum. Er hatte doch was\n~von ~,,Kunstblatt\" \" gehört, und da\n~war ja gar kein Kunstblatt, da war\n~ja ein Kitschblatt. Er hatte doch\n~Westheim sprechen wollen, aber da\n„war ja gar kein Westheim. Da war\n~doch ein Wrestkohn und ein Heim-\n,,wiener, ein Heimkohn und einWest-\n,,wiener. Das w.ar doch Westheim nicht!\n~Daher wurde Dr. Bluemner 50 Jahre\n~alt und verschwand wieder in seiner\n~Dose.\"\nWarum lesen Sie immer noch nicht die\nZeitschrift Merz? Wäre es nicht ein echter\nNeujahrsspass, sich einmal ernsthaft mit\nden Fragen der Kunst zu beschäftigen?\nSie werden mit Staunen die Kluft zwischen\nMerz und Dada kennen lernen. Sie werden\nerkennen, dass der Dadaismus nichtWelt-\nanschauung, sondern nur Mittel ist, etwa\nwie ein lebendiger Tran. Sie werden\n~i\" kennen lernen. Assis sur l'horizont\nles autres vont chanter. Ruhig singen\nlassen! Aber in Verbindung mit dem\nKunstwerk, welches erst durch den\nBeschauer wird, wird alles i. Wenn\nSie selber Künstler sind, brauchen Sie\nbloss zuzupacken, und Sie haben ein\nKunstwerk. Sehen Sie, das nenne ich i.\nSie sind plötzlich selber i, indem Sie sich\nselber erfasst haben. Herr Westheim\nist plötzlich i, Herr Cohn-Wiener plötz-\nlich i, Herr Kurt Glaser plötzlich i, Herr\nFritz Stahl plötzlich bester i-Stahl. Plötz-\nlich geht ihnen selber ein i auf; die Welt\nist i, wenn sie es nur wollen? O nein,\nso einfach ist die Sache mit i nicht, und\nso steche ich ihnen ein i mit den Banali-\ntäten auf. Die Welt ist banal und zwar\numso banaler, je mehr sie sich betut;\nvoran Ludwig Meidner: Herrgott, nimm\nmeinen Dank auf meinen stammelnden\nKnieen an. Ruhig stammeln lassen. Bei\nuns heisst ein Professor Stammler. Sehen\nSie so etwas nenne ich Dada, und Sie\nkönnen sich davon nur durch Dadaismus\nbefreien; jedermann sein eigener Dadaist,\nund so erfahren Sie staunend, dass der\nDadaist der Mann ist, der Dada in sich\nüberwunden hat, also der, wie Sie alle\nsein möchten. Und plötzlich erkennen\nSie, dass Sie alle Dadaisten sind, indem\nSie Dada längst überwunden haben.\nHerr Westheim ist plötzlich Dadaist,\nHerr Cohn-Wiener ist plötzlich Dadaist,\nHerr Kurt Glaser ist plötzlich Dadaist,\nHerr Fritz Stahl ist plötzlich bester Stahl-\nDadaist und plötzlich geht ihnen ein"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.34", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3552, "texte": "Dada auf, die ganze Welt ist Dadaist;\nalles Marke Fliegentod, weil sie Dada in\nsich überwunden hat. Punkt. Leider nicht\nPunkt. So einfach ist die Sache immer\nnoch nicht, denn sie haben Dada noch\nnicht in sich überwunden; Beweiss: jeder\nKunstgelehrte behauptet, Dada wäre eine\nlängst überwundene Angelegenheit. Und\ndabei sind die Herren Kunstgelehrten\ndie für den Dada fähigsten Leute. Aber\nDada beiseite. Betrachten wir einmal\nden Dadaismus kritisch. Dadaist die\nKritik an der Kritik, Dadaist die Oppo-\nsition auf die Opposition, gelegentlich\ndes Jahreswechsels von 1923 auf 1924\nnatürlich auch. Das ist selbstverständlich\noder sind Sie anderer Ansicht? Aber Sie\ndenken, nun risse mir der Faden, der\nFaden, den ich vorher in meinem Bleistift\neingefädelt habe und plötzlich reisst\nihnen auch der Faden. Herrn Westheim\nreisst plötzlich der Faden, Herrn Cohn-\nWiener reisst plötzlich der Faden, Herrn\nKurt Glaser reisst plötzlich der Faden,\nHerrn Fritz Stahl reisst plötzlich sogar\nder Stahlfaden; und plötzlich geht ihnen\nein Faden auf. Die ganze Welt besteht\nnämlich nur aus gerissenen Faden, weil\nnämlich das Knäuel vorher zu verwirrt\nwar, und weil jeder an einem anderen\nFaden zerrt. So einfach ist die Sache\ndoch noch nicht, sehen Sie Dadaist nicht\nder zerrissene Faden, und wenn Sie es\nauch möchten, meine Herren Kunstorgane.\nDadaist der christliche Geist auf dem\nGebiete der Kunst. Dadaist nicht Kunst\naus Selbstbescheidung, Dadaist nicht\nKunst, die für die Kunst arbeitet. Dada\nsetzt sich ein für die Kunst nach Dada,\ndie Dada selbst nicht schaffen will,\nDadaist die Ausmistung des Augiasstalles.\nUnd plötzlich erkennen alle, dass auch\nsie ausmisten, und plötzlich erkennen\nalle, dass auch sie Dadaisten sind, weil\nauch sie für etwas anderes kämpfen als\nfür die Kunst. Und plötzlich ist Herr\nWestheim ein Asket, Herr Cohn-Wiener\nein Asket, Herr Kurt Glaser ein Asket,\nHerr Fritz Stahl sogar ein Stahl-Asket.\nAlle sind sie Asketen geworden. Aber\nso einfach ist die Sache doch noch nicht,\nimmer noch nicht, denn zum Asketen\ngehört der Athlet. MeineHerren Westheim,\nCohn-Wiener, Kurt Glaser, Fritz Stahl,\nSie können einfach nicht Dadaisten sein,\nweil Verneinung einer Sache zunächst\neinmal bedingt, dass man sie besessen\nhat. Sie können nicht Kunst verneinen,\nweil Sie nicht einmal vorher gewusst\nhaben, was Kunst ist. Man kann nicht\nAsket sein, ohne die Wollust des Lebens\nzu kennen, und Athlet wird man durch\nkonsequente Übung und Erfahrung auf\ndiesem Gebiete und sehen Sie, nun komme\nich zum Jahreswechsel noch zum wahren\nWesen des Dadaismus. Nämlich das\nwahre Wesen des Dadaismus existiert\nüberhaupt nicht und hat nie existiert,\nweil seine Vorkämpfer nicht fähig, nicht\nmutig und nicht dadaistisch genug waren.\nDas Wesen des Dadaismus ist das abso-\nlute Gegenteil von Kunst. Wer Kunst\nkennt, dazu Fähigkeiten, Mut, Veran-\nlassung und Gelegenheit hat, Kunst in\nihr Gegenteil umzukehren, ist Dadaist.\nUnd plötzlich drehen alle sich selbst um.\nHerr Westheim dreht sich um (zum wie-\nvielten Male?), Herr Cohn-Wiener dreht\nsich um, Herr Kurt Glaser dreht sich um,\nHerr Fritz Stahl dreht sich um, der ganze\nKoncern dreht sich um. Jetzt lesen sie\nsich von hinten und staunen selbst. Denn\nsie heissen jetzt Nrecnok, Lhats, ja, Lhats,\nResalg, Nhoc oder Reneiwnhoc, so ähn-\nlich wie Renaissance, Miehtsew, ja, da\nsteht einem Dada still. Und ich kehre\nruhig, in Worten reuig zu Merz zurück\nund verspreche Ihnen in meinen nächsten\nTränen den kompletten Dadaismus.\nDifficile est, satyram non scribere.\nEs grüssen herzlichst meine Frau und\nIhr\n\nKurt Schwitters"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c040", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 33, "image_fin": 33, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.20.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Oskar Fischer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 33, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.33", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 51, "texte": "Oskar Fischer: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c041", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "32", "page_fin": "32", "image_debut": 34, "image_fin": 34, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.21", "titre_corps": "Sterben", "titre_sommaire": "Sterben", "signature_source": "Ingeborg Lacour-Torrup", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 34, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.34", "debut_caractere": 3554, "fin_caractere_exclue": 3883, "texte": "Sterben\nIngeborg Lacour-Torrup\nFlammen sinken immer schwächer\nSchatten fallen blass und drängt den Mund\ndie staube Asche\nHaufen Grab\nWeit\nHoch\nSchwingt - schwingt\nFällt tief - fällt\nTief\nVerloschen\nMüde Sterne wanken heimwärts in die\nhohen Säle\nKerzen\nKinderhimmel lieber Gott und Strahlen\nTraum und Lachen\nSeele müde Kerze meine"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c042", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "33", "page_fin": "36", "image_debut": 35, "image_fin": 38, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.22", "titre_corps": "TAO-TE-KING", "titre_sommaire": "TAO-TE-KING", "signature_source": "Lao-Tse Deutsch Ton William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 35, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.35", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1463, "texte": "TAO-TE-KING\n\nBildschrift links: Titel und Autor / rechts: 1. Spruch\n1. Spruch\nWesenheit ,und Wesenheit sind unter-\nschiedlich\nNamen wechseln\nNamenlos ist die Wesenheit des All\nName ist das Wesen der Unterschied-\nlichkeiten\n«\nj\nWesenheit erkennt der Denkende\nNamen erfährt der Wissbegierige\nWesenheit und Name sind zwiespältig\nUnd eins\nVerbunden unergründlich\nGetrennt zwiefach dunkel\nDes Geistes Tor\n2. Spruch\nWer Schönes erkennt\nKennt auch Hässliches\nWer Gutes versteht\nWeiss auch um Böses\nSein braucht das Nichtsein selber zu sein\nSchweres das Leichte zu steigen zu sinken\nGrosses das Kleine den Raum zu ermessen\nHoch Niedrig Gemeinschaft zu wirken\nGeräusch den Klang Empfindung zu wecken\nVor das Nach die Zeit zu erfüllen\nWer erkennt löst alles Gegen\nEr wirkt ohne Tun\nBelehrt ohne Lehre\nVerschenkt ungebeten\nLebt und achtet seines Lebens nicht\nSchafft und verwertet nichts\nUnd wird reicher durch Geben\n23. Spruch\nAuf Zehen sich recken\nGibt kein Stehen\nStelzen kein Gehen\nWem sein Ich nur leuchtet\nSteht sich selbst im Lichte\nWer sich selbst gefällt\nFällt in sich selbst\nWer sich selber rühmt\nVerdirbt sich seinen Ruf\nWer sich überhebt\nGefährdet sich in seinem Stande\nAlles Getue ist schal\nUnd verrät sich selbst\nWesenheit ist sich selbst getreu\n25. Spruch\nUrwesenheit\nUreins Urall\nUranfang Ursprung\nUrständ Urwandel\nUrsein Urwirken\nUrahnung Urahnen\nWas nenne ich Ur\nNenn ichs erhaben\nErhoben ins Grösste\nErhoben ins Fernste\nErhoben ins Nächste\nErhoben in mich"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.36", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2457, "texte": "Ur Wesenheit wölbte Himmel und Erde\nSchuf Weltbau und Ordnung\nViermal hob sich das Erhabene über sich\nDer Mensch ist Erde von Erde\nErde ist Sein aus Sein\nSein ist Allwesenheit\nAllwesenheit Ul\\\n52. Spruch\nMenschtum lebt aus Muttertum\nAus Muttertum lebt Kindsein\nAus Kindsein lebt Mutterwissen\nSo lebt Menschentum aus Mutterwissen\nWiederkehr\nSein Erbe bewahren\nSein Wesen verschliessen\nHeisst sein Leben bewahren\nSein Eigen vertun\nSich selbst verlieren\nIn Sorgen und Schaffen\nHeisst sein Leben verlieren\nSein Wesen erkennen allein ist Erkenntnis\nSein Wesen pflegen allein ist Wille zum\nLeben\nSolche Einsicht und solches Leben\nLacht der Vernichtung\nIn Wahrheit unsterblich\n53. Spruch\nUr'wesenheit kreisst Wille zum Wirken\nEigenrichtung verwesentlicht Werken\nInnengerichtet ist Wesens Weg\nAussengerichtet der Wesen Begehr\nAus geplünderten Feldern und ausge-\nraubten Scheuern\nWachsen die Schlösser\nNährt sich Prunksucht und des Schwertes\nÜbermut\nVöllerei und Prahlerei\nGedeiht Schmarotzertum missdeiht Eigen-\ntum\nVerdeiht UrWesenheit\n62. Spruch\nWesenheit ist allen Menschen Schutz\nDen Guten Vorzug\nDen Bösen Rückzug\nSchöne Worte mögt ihr schätzen\nAn ihren Taten sollt ihr sie erkennen\nVornehmlich kennzeichnen sie die\nSchlechten\nKaisers Macht und der Grossen Reichtum\nkann vieles\nAber erst die Wesenheit bewährt den\nwahren Wert\nWarum sahen die Alten das Höchste darin\nSich in sich selbst zu versenken\n*\nWeil nur wer sein Wesen weiss sein\nWesen wirken kann\nWeil nur wer sein Wesen weiss auch\nvom Bösen lassen kann\nDarum ist Wesenheit allein der Menschen\nWertmass\n63. Spruch\nIn Wollen und Verzagen\nIn Tun und Versagen\nIn Vorsicht und Wagen\nWesensgleich ist Grosses und Kleines\nGutes und Böses\nMan muss Schweres leicht nehmen\nUnd das Grosse im Kleinen .erkennen\nDenn alles Schwere ballt sich aus Leichtem\nUnd alles Grosse türmt sich aus Kleinem\nSo vollbringt der Wesentliche Grösstes\nund Schwerstes\nUnd achtet beides gering\ns\nEr kennt das Geheimnis\nAlles schwer nehmen bringt leichtes\nVollenden\nWer sich zu viel zutraut versagt vor dem\nSchweren\nWer sich zu wenig zutraut verzagt vor\ndem Schweren\n64. Spruch\nNoch Ruhendes ist leicht zu halten\nNoch nicht Geformtes leicht zu meistern\nNoch Schwaches leicht zu überwinden\nDas lehrt Werdendes verhüten\nDas lehrt Gährendes in Ruhe lassen\n• ■ . - >V . .\nAus einer Wurzelfaser wächst der\nBaumriese\nDer neunstöckige Turm aus schmalem\nGrunde\nDie grösste Weite aus dem ersten Fuss\nVor dem Gewordenen steht Tun ohne\nGelegenheit"}, {"page_pdf": 38, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.38", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1119, "texte": "Vor der Tatsache verpasste Eingreifen\nseine Zeit\nDer Wesentliche steht sicher in Zeit und\nGelegenheit\nDie er nicht verpasst und nicht sucht\nDas Volk aber sieht nur das Ziel\nUnd geht irre von Anfang\nBedächte es den Anfang wie das Ende\nWar es bedächt ger und erreichte es mehr\nDer Wesentliche gibt nichts auf Ziele\nUnd hält sich zurück .\nEr begehrt nicht zu führen\nLässt sich lenken und leiten\n• *\nFolgt dem Geschehen\nUnd greift nicht ein\n67. Spruch\nGenie nennen sie Wahnsinn\nUnd Entartung weil es nicht ihrer Art ist\nZu gross ist den Kleinen was ihnen nicht\nnachartet\nDrei Gaben ehren und bewähren das\ngeniale Wesen\nEinfühlung Selbstfühlung Mitfühlung\nEinfühlung kann beschränkt sein\nSelbstfühlung kann stark sein\nMitfühlung kann hart sein\nEinfühlung gibt Sicherheit\nSelbstfühlung gibt Reichtum\nMitfühlung gibt Macht\nHeute gilt\nOhne Einfühlung Sicherheit heucheln\nOhne Selbstfühlung Reichsein vortäuschen\nOhne Mitfühlung machtgierig sein\n* %\nDas ist Entartung\nEinfühlung macht überlegen im Streit\nSelbstfühlung im Vertragen verlässlich\nIm Himmel kann leben\nWer Mitfühlung genug besitzt\n\nLao-Tse\nDeutsch Ton William Wauer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c044", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "35", "page_fin": "35", "image_debut": 37, "image_fin": 37, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.23", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Kurt Heinar", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 38, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.38", "debut_caractere": 1121, "fin_caractere_exclue": 2104, "texte": "Gedichte\nKurt Heinar\n\nSechs geschlagen\nDomgekerkert Rufen Strangseil\nHasten über .\nKlanggelächter\nSchmiegen\nTiefen\nGlockenschlag\nEilen Flüsterton gescheut\nHallgewölbt\nVerebbt\nDas graue Tongeseide\n\nErfüllung\nDas Lachen weint\nBlutblumen blüht\nDas Weinen lacht inaimorgenfroh\nFrühlingskleid grüsst tränenlos\nTausend Bruder\nTaufrisch Tausend golden Bergwand\nTausend Bruder\nSingt die Geige\nSilberblumenglocken klingt\nWeinen weint in weisse Wolken\nLachen lacht\nBlüht von der Erde\n\nErdgeschüttet\nFallen einer und einer\nund alle\nTod der Tiefe entgegen\nFallen einer\nund einer blutgebrochen\nFallen\nEiner und einer\nübereinander\nund\nich töte den Tod\nV\nich trage die Erde\nleisseiden\nin den Himmel\n\nBlondes Mädchen\nDeine Kinderaugen blicken müde\nLeise trauern weiten Weg\nBitten streichelt meine Wangen\nDeine Kinderaugen fragen Tanz\nDu blondes Mädchen\nTanzen\nTanzen über weisse Wege ;\nWeite Wege\nW eiter\nAus dem Gedichtband: Und alles Blut zerschreit,\nder Anfang April im Verlag Der Sturm erscheint"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c046", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c046", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "36", "page_fin": "36", "image_debut": 38, "image_fin": 38, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.24", "titre_corps": "Schauheit Auge und Fächer", "titre_sommaire": "Schauheit Auge und Fächer", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 38, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.38", "debut_caractere": 2106, "fin_caractere_exclue": 2365, "texte": "Schauheit Auge und Fächer\n\nIch bin kein Dichter. Denn obgleich mir\nVieles einfällt, fehlt es mir an der Ge-\nduld, es reifen zu lassen, zur Welt zu\nbringen und wahrnehmbar auszugestalten.\nAber es jammert mich, dass alle diese\nKeime verkommen sollen. Könnte ich"}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.39", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2222, "texte": "doch diese Ungeborenen in Spiritus oder\nScliösslinge in fremde Erde setzen. Oder\nAnderen einen Tipp geben. Wer hat die\nGeduld, meine Dramen zu schreiben oder\nmeine Versfragmente zu beenden? Wer\nwill sich mit meinen Filmen reichschreiben\noder sich mit meinen religiösen Gesprächen\neinen Namen machen? Wer hat Lust,\naus einigen meiner skurrilen Ideen einen\nBand Grotesken zu machen?\nEs liegt an meiner Trägheit, wenn ich ~Die\nVerschwörung des Christian Deideshainer''\nnicht geschrieben habe, diese beste\ndeutsche Komödie, in der ein königstreuer\nSchneidermeister zum Revolutionär wird\nund einen Affen verhaften lässt. Mein\nlängstes Epos beginnt mit den Worten:\nIch schlief in Wolken\nDumm verführte mich.\nAber ich habe nie eine dritte Zeile dazu\ngeschrieben und ich weiss selbst nicht,\nzu was sich meine Gespräche mit Gott\nausgewachsen hätten, wenn ich von dem\nEinfall einen ergiebigen Gebrauch gemacht\nhätte, dem Gott, der uns durch nächt-\nliche Gewitter erschreckt, den Konto-\nAuszug zu schicken. Ein anderer als\nich machte aus dem ~Bösen Herrn\nGutmann'' eine Zeitsatire, die alle\nZeiten überdauert. Und wenn es ihm\nbeikäme, dass ein Grippefall ein Ge-\nrippe fa 11 werden kann — er schriebe\neinen Band von Wortspielen, der in die\nAbgründe von Seele, Sprache und Welt\nblicken lässt. Was aber schüfe er mit\nmeinem mundvoll Lyrismen? Eine Epoche,\nmeine Herrschaften, eine neue Epoche\nwürde er, wenns erlaubt ist zu sagen,\ninaugurieren. ~Blutgerädert\", das\nwäre der Titel des Bandes lyrischer Ge-\ndichte, deren Erotisches, von einer nie\nerlebten Gewalt, so beginnt:\nDein Feuer weicht meinem Lustmaul\nund dessen tiefstes und innigstes mit den\nWorten schliesst:\nUnd meine Gedanken sinken hinauf.\nWo ist er, der mich zur Welt bringt?\nIch überlasse ihm meinen ~Zahltag des\nHerzens\" unentgeltlich und ohne Eitel-\nkeit zur Verfilmung und ich will ihm\nnoch dankbar sein, wenn er mit meiner\n~Original-Hinrichtung\" etwas an-\nzufangen oder zu beendigen weiss.\nWenn er aber meine Memoiren schreiben\nwill, soll er nicht vergessen, vor das\ndritte Buch (oder ists das vierte?) das\nMotto zu setzen:\nEher kam das Missgeschick nicht an mein\nHaus, als bis ich rings davon umgeben\nwar (aus Blümner ~Gesammfeite Träume\"\n111. Band).\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c051", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c051", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "37", "page_fin": "39", "image_debut": 39, "image_fin": 41, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.25", "titre_corps": "Der Blaue Vogel", "titre_sommaire": "Der Blaue Vogel", "signature_source": "Herwarth Walden ; H. W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 39, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.39", "debut_caractere": 2224, "fin_caractere_exclue": 4059, "texte": "Der Blaue Vogel\n\nEs gibt in Europa nur zwei Regisseure,\ndie Theater spielen können. Es sind die\nRussen Ta'irofT und Jushny. (Den drei\ndeutschen Künstlern Rudolf Blümner,\nLothar Schreyer und William Wauer\nbraucht es Der Sturm nicht zu bestätigen.)\nJushny, der Regisseur des Blauen Vogels,\nspielt fast ständig in Berlin. Die Wirkung\nseiner Kunst erprobt sich an jedem Abend\nund bei jedem Publikum. Selbst die erste\nGarnitur der Berliner Theaterkritik hat\nsich mit den üblichen Einwänden aus\nBerufsgründen die erste Garnitur der An-\nerkennung angelegt. Jedenfalls ist Jushny\nnicht von der Berliner Theaterkritik er-\nfunden worden, noch nicht einmal wirk-\nlich gefunden, trotzdem die Herren viel\nvon ihm lernen könnten. Eins bleibt er-\nstaunlich: alle Prominenten sehen sich\nwieder und wieder die Vorstellungen des\nBlauen Vogels an und wagen es, so Theater\nweiter zu spielen, wie eben Prominente\nes tun. Prominente sind Schauspieler\noder wie sie es lieber nennen, Mitglieder,\noder, wie es richtiger heissen muss, Gast-\nredner von Bühnen. Gastredner, deren\nNamen durch die Druckerkunst dem Ge-\ndächtnis des Publikums aufgedruckt wer-\nden. Sie können allenfalls im gutsitzen-\nden Frack den König spielen oder als\nDame mit und ohne Purpur über die Bühne\nschlenkern. Die anderen Herren und Damen\nauf der Bühne dienen dazu, den Auftritt\noder den Abtritt dieser Prominenten vor-\nzubereiten. Bei der Aufführung soge-\nnannter Klassiker wird noch ein bestimm-\nter, aber ebenso trostloser Text unter-\nlegt. Dekorationen werden manchmal\nvon Künstlern entworfen und von den\nausführenden Theater firmen verworfen.\nWeil die nämlich wissen, was man machen\nkann.\nJushny hat das Wesen des .Bühnenkunst-\nwerkes erkannt. Es ist die Komposition\nvon Sichtbarem und Hörbarem, die künst-\nlerisch logisch miteinander verbunden\nwerden müssen, um eine künstlerische"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.40", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4435, "texte": "Wirkung zu geben. Auch der Schau-\nspieler ist nur ein Objekt des Bühnen-\nkunstwerkes. Er ist ein Glied des Orga-\nnismus, den man Theater nennt. Der\nkünstlerische Organismus muss gestaltet\nwerden. Nur kann das Glied nicht den\nOrganismus gestalten, da sein Wesen ist,\nGlied und nicht Organismus zu sein. Die\nQualität des Schauspielers ist seine In-\ntensität, nicht seine Individualität. Wenn\nein Körper sich bewegt, ist nicht der\nKörper, sondern die Bewegung die Wir-\nkung. Wenn sich mehrere Körper be-\nwegen, ist nicht die Bewegung, sondern\ndie Richtung der Bewegung die Wirkung.\nWenn eine Stimme klingt, ist nicht die\nStimme, sondern der Klang die Wirkung.\nWenn mehrere Stimmen klingen, ist nicht\ndie Mehrheit, sondern der Zusammenklang\ndie Wirkung. Die Zusammenstellung,\nalso die Komposition von Bewegung,\nFarbe und Klang ist das Schaffen des\nBühnenkunstwerkes. Sowie es unterlassen\nwird, Farbe, Bewegung und Klang kom-\npositorisch zu gestalten, sowie man also\nnatürlich bewegen und natürlich sprechen\nlässt, wird der Kunstorganismus zerstört,\nvernichtet.\nJushny hat dieses Wesen des Kunst-\nwerkes erkannt und seine Künstlerschaft\nist es, Bewegung, Farbe und Klang\ngestalten zu können. Daher ist es für\nihn wie für jeden Künstler völlig belang-\nlos, mit welchem Stoff er arbeitet. Denn\nnicht der Stoff, die Form macht das\nKleid. Ernst und Heiterkeit sind sub-\njektive Erregungen und nicht etwa gegen-\nsätzliche Kunstmittel. Sie sind überhaupt\nkeine Kunstmittel. Ebenso wenig wie\nSchönheit und Hässlichkeit. Auch sie\nsind nur subjektive Erregungen. Warum\nmuss durchaus die Nachtigall gefallen\nund die Eule nicht, wo doch die Eule\ndes andern die Nachtigall des einen sein\nkann. Wo die Kunst nicht das geringste\nmit Gefallen zu tun hat.\nJushny spielt eine Szene, die Leierkasten\nheisst. Zwei Männer und ein Mädchen\nsingen irgendein Lied und bewegen sich\ndazu. Der eine Mann spielt einen Leier-\nkasten, der andere hat Trommel und\nSchlagzeug, das Mädchen singt. Ein\nVorgang, den man kennt. Man hat das\nüberall und oft im Leben gesehen. Leute,\ndie sich auf ihr Mitleid etwas einbilden,\npflegen in solchen Fällen die kleinste\nEinheit ihrer Währung zur Erhöhung\nihres Selbstbewusstseins fortzuwerfen.\nWährend Leute, die mit beiden Füssen\nauf der Erde stehen, nichts gebend sich\nüber Bettlerunwesen beklagen. Das ist\ndie Wirkung der Natur. Dasselbe ge-\nschieht jetzt auf der Bühne. Dieselben\nLeute lachen oder weinen. Es geht also\neine Wirkung aus, eine sinnliche Wirkung,\ndie positiv und negativ nichts mit Ethik\nzu tun hat. Auch nichts mit Aesthetik.\nDenn Bettler gelten allgemein als un-\nästhetisch. Nur Kunstmaler finden an-\ngebliche Reize. Kunstmaler können aber\nbekanntlich nicht sehen. Hier ist die\nWirkung rein künstlerisch. Weil nämlich\nnicht natürliche Menschen vor uns stehen,\nweil nämlich diese Menschen nur Träger\nvon Farbe, Klang und Bewegung sind, die\nzu einem künstlerischen Organismus ge-\nstaltet wurden. Jede Bewegung steht in\neiner Beziehung zu der anderen. Durch\ndie absolute Messung der Bewegungen\nin ihrem Verhältnis zueinander, wird jede\neinzelne Bewegung sichtbar, also sinnlich\nwirksam. Der künstlerisch ungeschulte\nMensch nennt diese Bewegungen mario-\nnettenhaft. Weil er nur an der Marionette\ndie Bewegung wahrnimmt. Weil bei\nder Marionette die Bewegung künstlerisch\ngestaltet wird. Während der natürliche\nMensch sich überhaupt nicht bewegt.\nWeil für ihn die Bewegung nur ein\nZweck ist. Erst wenn der Zweck der\nBewegung nicht erreicht wird, oder wenn\ndie Bewegung dem Zweck nicht dient,\nwird die Bewegung im Leben sichtbar.\nMan lacht über den Stolpernden, weil\nerst im Unzweckmässigen die Bewegung\nwieder sinnlich aufgenommen wird. Des-\nwegen hilft sich der Schauspieler aus\nden Gründen der Wirkung meistens mit\nStolpern, weil er sich sonst nicht sicht-\nbar bewegen kann. Wenn er geht,\ninteressiert es keinen Zuschauer. Auch\nnicht, wenn er liegt oder sitzt oder\nsteht. Weil der Zuschauer eben alle\ndiese Bewegungen nicht sichtbar ge-\nstaltet bekommt. Auch das Stolpern\ndes Schauspielers ist nicht gestaltet.\nAber der* Zuschauer lacht, weil es\ndie einzige Bewegung ist, die er aus\ndem Leben kennt. Ebenso ist es mit\ndem Sprechen und dem Singen. Der\nZuschauer hört Gedanken. Aber\nnicht ein einziges Wort kommt ihm als\nWort oder gar als Klang ins Bewusstsein.\nDamit nun irgend etwas geschieht, hilft\nsich der Schauspieler mit dem Schrei ,und\nder Dichter mit» dem Schuss. Wenn je-\nmand schreit, versteht es der Zuschauer"}, {"page_pdf": 41, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.41", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2542, "texte": ":•• . '\nohne Gedanken, weil er nämlich im Leben\nvon dem ganzen Sprechen nur den Schrei\nhört. Also auch hier liegt keine Kunst\ndes Schauspielers vor. Und der Dichter\nschiesst bekanntlich ins Leere. Bei Jushny\nwird nicht geschrieen und nicht ge-\nschossen. Die drei Körper auf der Bühne\nsingen. Die Wirkung besteht nur in der\nDynamik der Töne zueinander. Musika-\nT -11-»\nlische unkünstlerische Leute entschuldigen\nihr künstlerisches Standesbewusstsein da-\nmit, dass sie annehmen, Leierkasten-\nmänner seien eben keine Opernsänger.\nUnd wenn eben Leierkastenmänner Stimme\nhätten, müssen sie zur Bühne gehen.\nWoraus dann Opernsänger entstehen.\nOder Opernsängerinnen. Mit oder ohne\nEntschuldigung, die Wirkung ist vor-\nhanden. Sie ist weder ethisch, noch\nästhetisch, noch natürlich. Sie ist künst-\nlerisch. Die Kunst ist eben so einfach.\nSie braucht keine Apparate. Sie braucht\nnur Gestaltungsvermögen des Sichtbaren\nund des Hörbaren. Dieses Gestaltungs-\nvermögen hat Jushny. Dieses Wesen des\nKünstlerischen hat er erkannt. Und das\nergibt die absolute Wirkung, die auf\neden wirkt. Ganz gleich, ob er falschen\nkünstlerischen Unterricht genossen hat\noder ob er sich noch nie den Kopf über\nSehen und Hören zerbrochen hat, was\nfür den Kopf und das Sehen und das\nHören besser ist. Der Kopf ist das Unglück\nder Kulturmenschheit. Sie macht alles\nohne Hals über Kopf. Die Sinne sind für sie\nnur eine Gelegenheit, über sie zu denken.\nUeber das Denken haben sie die Sinne\nvergessen, die sich trotzdem erheblich\nstörend bemerkbar machen. Die Sinne\nscheinen also doch einen Sinn zu haben.\nAber seit der Mensch auf zwei Beinen\nsteht, blickt er stolz und ernst in den\nHimmel und stolpert. Stolpert sogar\nüber seine eigenen Beine. Es scheint\nalso etwas mit dem Sinn nicht in Ordnung\nzu sein, wenn die Sinne so sehr in Un-\nordnung geraten. Man müsste vielleicht\ndoch die Sinne mehr beachten, um zum\nSinn zu kommen. Und wenn man die\nWesenheit der Sinne erkannt hat, erlebt\nman den Sinn der Wesenheit. Und wenn\nman den Sinn der Wesenheit erkannt\nhat und ihn mit diesen Mitteln der Sinne\ngestaltet, ist das Kunstwerk geschaffen.\nUnd weil wir statt des Spiels ein Beispiel\nheute brauchen: hier ist ein Beispiel.\nDer Blaue Vogel. Hier ist die Kunst\nErlebnis, weil das Erlebnis zur Kunst ge-\nstaltet ist. Hier ist die Stätte, wo man\nzum Sehen und Hören gezwungen ist.\nWo man Mensch ist.\nDu blauer Vogel über der Erde.\nDas Mädchen, das allem Schauspielerischen entsagt, um\nin der Scene „Leierkasten\" Trägerin des Künstlerischen\nzu sein, heißt Valeri.\n\nHerwarth Walden\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c052", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c052", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "39", "page_fin": "39", "image_debut": 41, "image_fin": 41, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.26", "titre_corps": "Il Palo Telegrafico", "titre_sommaire": "Il Palo Telegrafico", "signature_source": "Rodolfo Alcaro", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 41, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.41", "debut_caractere": 2544, "fin_caractere_exclue": 3440, "texte": "Il Palo Telegrafico\nRodolfo Alcaro\nAlto, dal piede incatramato,\ns'erge il palo telegrafico\nnella sepolcrale oscuritä notturna\nche avviluppa il mondo.\nEregge una fitta rete\ndi fili metallici\ndie a ogni colpo di vento,\nsuonano:\nZrin . . . zrin ... tin ... tin ... . ton . . .\ntan . . . ten . . .\ntan . . .\nPovero palo: tu reggi la candela,\nanzi la personifichil\nil filo a te attaccato\ntramette appuntamenti,\nabbracciamenti, baci . . .\ne tu,\ntutto compunto ascolti\ne taci!\nAmato palo; tu äi pure la rivincita\nTu ascolti muto\nil pettegolezzo e le chiacchere;\nla miseria, la fame, la viltä\ndi colui che cosi trucemente\nti volle condannare,\ndi gleba ricoprendo\nl'mcatramato piede,\nall'assoluta,\nrigida immobilitä,\ne gioisci, freni, disperi,\nscotendo le vegetali fibre1.\nAlto, dal piede mcatramato,\nt'ergi nella notturna oscuritä\ne a ogni colpo forte di vento:\nin . . . ton . . , tin , . . ten . . . tä."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c053", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c053", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 42, "image_fin": 42, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.27", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Walther G. 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Oschilewski\n\nDuft beim Jüngling\nBrunst tropft Rot vom Leib des Abends\nViel Gott giert über uns\nDeine Liebe gewittert weit in den Sternen\nVom Einsamsein zerbricht das Blut des\nAbends\nTorbogen der Nacht!\n\nErklärung\nEs ist kein Lachen um deinen Leib\nKeine Wiese fliesst in deinen Schoss\nO, die Nächte hängen einen dunklen\nKranz um mein Gebein\nTod ist bei mir\nDu aber betest oft einen langen Traum\nDeine Hände bergen Frühling\nLachen könnte sausen\n\nVeränderung\nBlutet eine Nacht über Feld\nDunkel Mond zwischen den Gebirgen\nDein Traum blüht noch um meine Lenden\nVogel singt und fliegt zu Dir\nZerbrochener Morgen\nHerbst schäumt\n\nMadonna\nMeine Hände tragen deinen Schmerz\nTief hinab sickert die Starre des Bluts\nmein Gesicht\nO Mond, gewitterst Du in den Nächten\nDein Leib blüht Frucht\nSternst auf\nGesplitter im Rausch der Welt\nSchnee und Silber träuft dein Gesicht\n\nHalleluja\nSonne: Blut durch die Ebene des Tages\nSchrei von Bergen nach Hunger der Nacht\nBäumt sich der Strahl des Morgens\nWir tragen die Strömung morgenrot in\nden Kelch des Herzens\n\nHunger über Nacht\nMond wirft seine Knochen vor den Gang\nIn den Wäldern brechen die Träume\nDunst windet im Hirn\nAus Schutthallen des Herzens reisst\nHunger die Gedärme der Nacht\n\nBekenntnis\nIn deinen Händen wölbt sich der Nachtduft\nMondlicht ist um unseren Worten\nGott säumt\nAndacht verklärt den Gang zum Stern\nSüssigkeit der Welt senkt meinen Leib\n\nGedicht\nI\nNachts wiegt der Mond in deinen Brüsten\nIch gehe die Strasse des Lächelns in\ndeinen Leib\nDu bist unnahbar\nAber deine Stimme tanzt\nIch und Du beten die Nähe Gottes ins\nGesträuch\nWir sind in brausenden Sturmwäldern\nWir sind auf der Brücke unserer Hände\nII\nNacht hebt die Wälder in den Sturm\nSternsprung in mein Blut\nSelbst Urgewitter,\nPeitscht mein Leib die wehende Akazie\ndeines Schosses.\nAbends werf ich noch Lachen an deine\nLippen\nDuft kommenden Frühlings auf deine\nSchwelle\nTamburinenwind aus Kokoswäldern legt\n* ich Dir ans Herz.\nIn den Schmerz sinkt Haupt und Andacht\nmeiner Stimme\nNacht blättert Sterne in den wandernden\nStrom."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c054", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c054", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "40", "page_fin": "40", "image_debut": 42, "image_fin": 42, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Mohnblume! Tierchen! uner-\nreichbare Geliebte!\nnie werde ich deine rätselhaften Augen\nberühren\nküsse mich\nvergangen ist der Mond und morgen\nsterben wir\nSehnsucht ist grosse Kraft\ndiese Wiese ist unendlich\nzwischen deinen Hörnern trägst du\nschweigend unser schaukelndes Loos\nwo die Sonne scheint"}, {"page_pdf": 43, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.43", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2826, "texte": "die Ureinwohner der Erde geschlossenen\nAuges unter dir wandern, mit\nlangen Fingern ihren Atem\nbetasten, aus dem Blut fliesst\ndie Kinder sind stumm und verscheuchen\ndie Mücken\nAlles fliegt weg\ndeinem grossen Körper zu, in welchem\nDu sanft wie einen Laib\nBrot, das Unglück trägst\nspät abends\ndu beugst dich auf meine Stirne und\nsagst: bubu mein Vöglein!\nso leben wir\nso reisen wir zwischen den Zellen\nwo von den Schläfen der Toten Nordwind\nbläst\nmeine Mutter ertrunken\nund die Wolken ihren Schnabel öffnen und\nmondfarbenes Wasser\nauf die Erde giessen\ndie Flut spült niegesehene Wesen auf\nmeine Schwelle\nsie erheben sich und legen sich stumm\nin mein Bett\ndas sind die mitternächtlichen Veilchen-\nesser\ndie vier Jahreszeiten sind zu Ende und\nwir sind noch immer am Leben\ndeine Glastannen verwelkt\nunsere Kinder liegen zerstreut unter der\nErde wie Kohle\nhier fliesst kein Wasser\ndie Augen der Tiere sind entschlafen\ngrosse Sandsterne stehen über den Hügeln,\nwo Tag und Nacht Sonne brennt\ndie Lippen der Friedhöfe zerrissen\nwir können nicht sterben\nwir können nicht leben\nder Wald ist gross\ndas Meer ist schwarz\nschlaflos und heiss wie die Steine liegen\nwir unter dem Zeichen des\nKrebses, in dichter Nacht\ndie Jahre sind bewegungslos wie eine\ngerade Linie\nnur du flatterst über mir süsses Milchtier,\ngrosse Kuh!\ndie bei Mondwechsel die Wölfe und die\nSchafe gebärt, die Katzen und die\nMäuse, die Schlangen, Eidechsen,\nVögel und Fische, grüne Palmen\nentwachsen ihrer Stirne\ndas ist deine schwere Stunde und ich weine\nder Mond hebt seinen Zeigefinger, sagt: pst\nbald ist es hell, bald ist es dunkel\nich bin Mutter und lebe mit unglücklichen\nGefährten unter der Luft, du\ndort oben verlasse mich nicht\ndie magnetischen Felder entschweben\nunseren Händen\nwer öffnet ihre Tiefen, in denen mit\nblinzelnden Augen fremd'reine\nWesen warten:\nunsere Söhne, die den Tag und die Nacht\nerbauten\nfliegst du kleiner Käfer!\nleuchtender lieber Glühwurm mit dem\nsüssen Euter\nbist grösser als die Berge\nduftender als das Heu\nschon legt sich der Wind\ndas Wasser stockt\nvielleicht wären wir glücklicher wenn wir\nsterben würden\ndeiner Stirneist alle Erde entfallen, er\nsteht verstümmelt im Stern-\nregen, der Atem bleibt uns\nauf halbem Wege stecken\nwie die leeren Aehren schweben wir\nzwischen Stern und Brot schaukelt der Weg\noder morden\nmorgens Erde essen\nnachmittags Wasser trinken\nmitternachts Kinder gebären\ndie du dort oben über dem Mond, über\nder Sonne brüllst und\ndeine Jungen säugest\nlangsam und vorsichtig im unbekannten\nRaum schreitest wie ein Komet\nin den Spuren deiner Hufe brennt Milch\nam Himmel: unsere\nnächtliche Sehnsucht\nHoffnung der Berge\ngrosse Liebe\nBlut der Engel\nwir trinken und nie versiegt es\nnie versiegt es: vielleicht damit wir leben\nauch die Sonne scheint vielleicht\ndie Hügel schwanken unsicher wie der\nFlug der Käfer\n2X2 ist vier"}, {"page_pdf": 44, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.44", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 125, "texte": "nur: wandern unter dir mit silbernen\n; - Füssen!\neinmal beleckst du meine Stirne .\nalle leben wir in deinem Stall\n\nTibor Déry"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c063", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c063", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "42", "image_debut": 44, "image_fin": 44, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.29", "titre_corps": "Tran 24 / die Schwanenjungfrau : Was man kaut, wird Brei (Ernst Lehmann)", "titre_sommaire": "Tran 24 / die Schwanenjungfrau : Was man kaut, wird Brei (Ernst Lehmann)", "signature_source": "Franz Müller", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 44, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.44", "debut_caractere": 127, "fin_caractere_exclue": 210, "texte": "Tran 24 / die Schwanenjungfrau\nWas man kaut, wird Brei (Ernst Lehmann)\nFranz Müller"}, {"page_pdf": 44, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.44", "debut_caractere": 243, "fin_caractere_exclue": 1352, "texte": "Der hannoversche Maler und Dichter\nKurt Schwitters hat ein Sinnbild für die\nbrave Kritik geschaffen, das eine natur-\ngetreue Nachbildung des Querschnittes\naus den Kritiken in Tageszeitungen ist.\nDie Tagespresse über Kunst, sozusagen\nTageskunstpresse, hat ein Kinderkleidchen\nan. Keusch und tüchtig hat sie ein\nSchürzchen vorgebunden, mit Stickerei-\nbesatz natürlich, nicht zu verwechseln\nmit Stänkereibeschmutz. Beine hat sie\nkeine. Sozusagen ausverkauft. Womit\nsoll sie also gehen? Auf die Hände.\nAber die sind sozusagen ebenfalls inclu-\nsive Arme ausverkauft. Womit soll sie\nalso zupacken? Mit dem Kopfe. Aber\nder Kopf ist weiter nichts, als ein Kleider-\nhaken. Daran hängt die Tageskunst-\npresse. Womit soll sie aber denken?\nZu dem Zwecke hat ihr der Künstler\neinen Ersatzreservekopf beigegeben, wie\nman solche bei den Büsten verstorbener\naltägyptischer Könige in deren Grab-\nkammern in den Pyramiden findet. Der\nKopf hat den eigentümlich bellenden\nAusdruck der Tageskunstpresse, Brille\nauf der Nase und ein Kopftuch an Stelle\ndes fehlenden Verstandes. Die Nase ist\nrot. Wer Sorgen hat, braucht auch Likör."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c064", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c064", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "42", "image_debut": 44, "image_fin": 44, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.29.1", "titre_corps": "Sinnbild für die brave Kritik", "titre_sommaire": "Sinnbild für die brave Kritik", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 44, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.44", "debut_caractere": 212, "fin_caractere_exclue": 241, "texte": "Sinnbild für die brave Kritik"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c065", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c065", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "42", "page_fin": "44", "image_debut": 44, "image_fin": 46, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.30", "titre_corps": "Kunstschaffen", "titre_sommaire": "Kunstschaffen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 44, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.44", "debut_caractere": 1354, "fin_caractere_exclue": 3862, "texte": "Kunstschaffen\n\nUnter Erziehung versteht man die Methode\nder Erwachsenen, sich das Leben der Kinder\nund das Leben mit den Kindern leicht zu machen.\nDie Methode der Eltern und; Erzieherinnen be-\nsteht im Streicheln, Schlagen, Befehlen oder\nVerbieten, die Methode der Schule in Fest«\nsetjung eines Pensums, was der Mensch inner«\nhalb bestimmter Jahre auswendig gelernt haben\nmufv die Methode der Universitäten und Aka«\ndemien im Sichhörenlassen von Trauermeistern\nund Altgreisen, die Methode der Ministerien\nin der Feststellung der Brauchbarkeit des Pensums\nfür die jeweilige Staatsform. Die Kirche gibt\nihren Segen je nach ihrer Berücksichtigung hinzu,\nder bis zum Fluch ausarten kann. Die Kinder\nsind sehr erstaunt, was die Menschheit alles von\nihnen will und nicht will und fügen sich im\nLaufe der Jahre der physischen Gewalt. Gute Ge«\ndäditnisse werden durch Verleihung lateinischer,\nalso wissenschaftlich klingender Titel im reiferen\nAlter belohnt. Hochgeistige Menschen nennen\ndiese Scherze Pädagogik.\nIn Berlin behüten die Zentralbehörden die Päda=\ngogik, damit dem braven System nichts ge«\nschiebt.\nIn Weimar modernisiert man das Kunstgewerbe\ndurch Kunst. Die Mädchenpensionate erhalten\neinen Separatkursus, weil die genic loci dort\nSpuren von ihren Ehrentagen hinterlassen haben.\nStuttgart hat das Glück, unbekannt zu sein.\nStuttgart liegt in Württemberg. Deutschland\nweiß nur, daf3 dort ein älterer Herr mit Um«\nhängebart sidi jedem Untertan in den Schoß\nlegen konnte. Das Schlafbedürfnis der jeweiligen\nRegierung hat die strenge Beaufsichtigung des\nErziehungsystems verhindert. Einige wache\nMänner haben mit dem Erziehen einfach auf«\ngehört und dadurdi eine Oase für Kinder, oder\ndie es werden wollen, geschaffen. Der eine brave\nMann heißt Adolf Holzel. Er gab den\nSchülern der Akademie Ateliers und lief* sie ge»\nwähren. Sein Unterricht bestand im Sehenlassen,\nim Zusehen und im Aufsehen. Der Erfolg war,\ndaf3 die Akademieschüler die Kunst aufgaben oder\nKünstler wurden. Der zweite Stuttgarter heißt\nAlbredit L. Merz. Er hat es noch besser,\ndenn er hat sich nur mit Kindern zu beschäftigen.\nEr beschäftigt sich mit den Kindern, er be«\nsdiäftigt nicht die Kinder. Und da jedes Kind\nseinen Namen haben muß, heißt es.* ~Werkhaus\nmit Werkschule (Freie Akademie mit staatlich\nanerkannter Versuchsgrundschule)\". Die An»\nerkennung des Staates beruht im Gewähren*\nlassen. Der Staat sollte in diesen Angelegenheiten\ntatsächlich nur als Raumvermittlungsstelle auf«\ntreten. Auch der Staat Preußen stellte einen"}, {"page_pdf": 45, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.45", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2462, "texte": "Raum zur Verfügung und Berlin hatte Ge*\nlegenheit, die Arbeiten des Werkhauses kennen\nzu lernen. Sogar in der Potsdamer Strafte,\neiner gefährlichen Gegend, fünf Minuten vom\n„Sturm\". Der Hindruck ist überwältigend. Un«\nzählige absolute Kunstwerke sind ausgestellt,\noder richtiger aufgestellt. Die Künstler sind\nKinder von 5 bis 12 Jahren. Arbeiten in Oel,\nTusche, Holz, Draht, Messing, in jedem Material,\nDie Kunst der Südsee, Afrikas und Asiens steht\nlebendig da, trotjdem Stuttgart zweifellos in\nWürttemberg liegt. Was hat dieser Merz ge®\ntan? Er hat die Kinder gewähren lassen. Hr\nhat sie nichts gelehrt. Er hat die schöpferischen\nTriebe von Kind menschen sich entfalten lassen.\nEr hat die Triebe nicht verschüttet, er hat ihnen\nLuft und Licht gegeben, wo man versucht hat\noder versuchte, es ihnen zu nehmen. Er regt\nsie an, alles zu sehen und alles zu hören. Er\ngibt den Kindern keine Aufgaben, er läßt sie\ngeben. Er behütet ihr Wachsen vor den Er®\nwachsenen und kann es, weil er selbst Er«\nwachsener ist. Ein Erwachsener, der die Ab®\nWehr gegen die richtet, die Wehrloseren zu\nwehren suchen. Ein Erzieher, der ziehen läßt\nund vielleicht die Richtung weist, ohne daraus\neine Richtung zu machen. Denn Richtungen\nsind Wegweiser und alle Wege führen irgend®\nwohin. Und wenn man durch die Straßen\nzieht, ist das Ziehen und nicht die Straße das\nLeben. Man kann nach Stuttgart ziehen und\nin der Kunst ankommen. Man kann in Kunst\nerziehen und dabei künstlerisch verkommen.\nLehren heißt verlernen lassen. Lernen heißt,\nsich nichts lehren lassen. Man muß richten und\nnidit unterrichten. Unten und oben sind Vor®\nStellungen oder Verstellungen. Und soweit es\nStellungen sind, hängen sie nur von der Seh®\nrichtung ab. Kinder kehren gern das Oberste\nzum Untersten. Denn das Sehen, nicht das\nGesehene ist Leben.\nDa man in Deutschland immer nur über Ver®\neine oder Parteien etwas erreichen kann, so\ngründe man einen Verein gegen die pädagogische\nMißhandlung von Kindern. Da in jedem Ver®\nein und in jeder Partei bekanntlich schließlich\nnur einer etwas tut, so gebe man dann diesem\nAlbrecht Merz die ausübende Macht mit\nder jetjt recht beliebten Ermächtigung, die\nMacht auszuüben. Die Pädagogik ist eine so vor®\nnehme geistige Institution, daß sie gegen das grund®\nsätjliche Verbot ihrer Anwendung nicht den härm®\nlosesten Hochverratsputsch versuchen wird,\nHier sind zwei Zeichnungen, die eine hat ein\nsechsjähriges Kind, die zweite ein sechseinhalb»\njähriges Kind gestaltet."}, {"page_pdf": 46, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.46", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2356, "texte": "Hier einige Wortgestaltungen.\nDie Kinder sollen Rätsel machen.\nRätsel eines siebenjährigen Knaben: „Mich kann\nman nicht ergreifen. Ich erscheine immer in\nder Nacht, wenn die Menschen tief im Schlaf\nliegen. Manchmal erschrecken sie sehr, wenn\nich komme, manchmal freuen sie sich aber auch.\nIch bringe auch oft schöne Farben mit, aus\ndenen stelle ich Figuren zusammen.\" Auf«\nlösung: Der Traum.\nThema: Etwas Steigendes\n». •\nKnabe von 6V2 Jahren:\nEs steigt in die Höh\nEs saust, es steigt\nUnd wirbelt sich, in die Höh\nUnd schmeißt sich in die Höh\nJuchhei.\nEin anderer Knabe von 6V2 Jahren über das«\nselbe Thema:\nHinauf, hinauf, die Flamme steigt\nSie wogt\nSie bralt\nHinauf, hinauf\nUnd steigt und steigt\nThema: Ruhen\nKnabe von 7 Jahren:\nHie ist die Wiese weit gebreidet\nOhne Rauschen, ohne Laut\nEin leiser Wind weht durch die Blätter\nEin siebenjähriger Knabe trägt nach dem Erlebnis\neiner stürmischen Nacht während der täglichen\nMorgenfeier folgendes eigenes Gedicht vor:\nIn der Nacht da stürmt es und donner ts und kradi ts\nUnd wenn man draußen herumgeht, riecht\nmans feurig vom Blitj\nWurzeln springen, Steine schnattern, Sand fliegt\nBlätter fliegen in den Himmel hinauf\nAm Morgen legt sich der Wind ins Stille hinein\nIns Gras und ins Tal\nFreies Gedicht eines Knaben von 6V2 Jahren:\nSchneeglöcklein\nIch hab dich lieb\nSchneeglöcklein wachs mir schön\nGedicht eines Knaben von 7 Jahren:\nVom Kamel\nDu gingst über große Felsen und Gebüsche\nDu gingst durch peitschenden Regen und er\nzerriß dir deine Füße\nAber dann wurdest du in einem goldenen\nSaal mit Freuden aufgenommen. Du wurdest\nmit Sternen geschmückt und mit schönen\nTeppichen, wo an den Fransen hangen Edelsteine\nFreies Gedicht eines Knaben von 6V2 Jahren:\nRund um das Tal die Straßen hinab\nFahren fahren\nMit dem Bach und Wind\nDurchs Tal\nUeberall überall.\nt\nAls Gegenbeispiel der hohen Kunst den letjten\nVers einer unbekannten Ballade Schillers, die\nder bekannte Leipziger Bibliophile Ernst Schulz«\nBesser in Hannover gefunden und deren Echt*\nheit sofort durch Professor Dr. Georg Witkowky\nfestgestellt wurde. Die große Presse brachte\ndiesen Vers in Faksimiledruck.\nIch gehe an den Hof des Königes Karl\nDer Schutj des Holden und Schönen\nDer Hof hält in der alten Stadt Arles\nWo die Stimmen des Liedes ertönen.\nEr ist ohne Länder und ohne Reich —\nDoch ein Fräulein besitjt er den Engeln gleich.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c066", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c066", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 45, "image_fin": 45, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.30.1", "titre_corps": "Kinderzeichnung", "titre_sommaire": "Kinderzeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 45, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.45", "debut_caractere": 2464, "fin_caractere_exclue": 2479, "texte": "Kinderzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c067", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c067", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "43", "image_debut": 45, "image_fin": 45, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.30.2", "titre_corps": "Kinderzeichnung", "titre_sommaire": "Kinderzeichnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 45, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.45", "debut_caractere": 2481, "fin_caractere_exclue": 2496, "texte": "Kinderzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c068", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c068", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "44", "page_fin": "44", "image_debut": 46, "image_fin": 46, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.31", "titre_corps": "Inhaltsverzeichnis", "titre_sommaire": "Inhaltsverzeichnis", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 46, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.46", "debut_caractere": 2358, "fin_caractere_exclue": 4029, "texte": "Inhaltsverzeichnis\nSeite\nHerwarth Waiden: Für die Kunst gegen die Künstler . . 1\nJozef Peeters: Die flämische Kunst der Avantgarde , . . 4\nFernant Berckelaers: Die jüngste Literatur in Flandern . . 6\nM. Seuphor: Te Parijs in Trombe . 8\nPierre Bourgeois: Les Automates . . . . • ♦ ♦ • • . 12\nPaul v. Ostayen: Gedichte ............. 14\nMaurice Casteels: Notes 14\nM. Seuphor: Wenduyne-aan-zeek door . . . . .... 14\nMaurice Casteels: Le Dernier Prophete . . . . . . . 18\nKurt Schwitters: Automayers . . . . . . .... . . 18\nFranz Hoffmann: Tropfgehänge .... ....... 20\nKurt Liebmann: Gedichte 24\nKurt Heynicke: Gedichte . . . . . . 26\nLothar Schreyer: Gedichte 29\nKurt Schwitters: Tran 35 29\nIngeborg Lacour-Torrup: Sterben 32\nLao-Tse: Tao-Te-King . . 33\nKurt Heinar: Gedichte 36\nRudolf Blümner: Schauheit Auge und Fächer . . ... 36\nHerwarth Waiden: Der Blaue Vogel . . . ...... 37\nRodolfo Alearo: 11 Palo Telegrafico 39\nWalther G. Oschilewski: Gedichte 40\nTibor Dery: Die große Kuh 40\nFranz Müller: Tran 24, die Schwanenjungfrau . . . . . 42\nHerwarth Waiden: Kunstschaffen . . . 42\nJozef Peeters: Lino V 1923 5\nJ. Leonard Roeselare: Eine schöne Frau bedarf keiner\nPerlen . . 7\nAlf Franchen: Architektur \\ 9\nKarel Maes: Linoleumschnitt 1923 ..... i .. . 11\nVictor Bourgeois: Architektur 13\nKarel Albert: Kosmographie „Kinderlied\" 15\nPaul Joostens: Bild . . . 17\nF. D. Boeck: Panneau decoratif 19\nBäla Kädär: Verführung / Vielfarbendruck . . 21\nMoholy-Nagy: Linoleumschnittt / Vom Stock gedruckt . . 25\nNeil Waiden: Segelbild / Vielfarbendruck 27\nOskar Fischer: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt . . 31\nOskar Neriinger: Linoleumschnitt 1923 / Vom Stock\ngedruckt . . . . . 35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c069", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c069", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "45", "image_debut": 47, "image_fin": 47, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.32", "titre_corps": "Ver-Ordnung an meine Beamten", "titre_sommaire": "Ver-Ordnung an meine Beamten", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 47, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.47", "debut_caractere": 89, "fin_caractere_exclue": 2184, "texte": "Ver-Ordnung an meine Beamten\nRudolf Blümner\nIhr Herren allein könnt mich kurieren;\nich bin krank mit meinem Volke, und\ndas ist krank durch eure unnütze Weit-\nläufigkeit; ihr kostet dem Menschen-\ngeschlachte mehr Zeit auf Erden, als die\nEwigkeit einst einbringen kann. Ein\nGroschen Gewinn ist wenig wert, wenn\ner mit einem Taler erkauft wird. Ich\nverbiete euch, im nächsten Jahre bei\nLebensstrafe die Feder anzurühren, damit\nnicht aller euer Witz auf dem Papiere\nbleibt. Was habt ihr mit euren un-\nzähligen Befehlen ausgerichtet? Das\nPapier ist teuer geworden, mein Land\neine Wüste, und die Länder meiner\nNachbarn sind Gärten. Statt Federn zu\nschneiden, okuliert Fruchtbäume; ihr\nhabt viele Raupen im Kopfe, nehmt sie\neinander zur rechten Zeit aus. Lernt erst\nden Takt, ehe die Menschen nach Eurer\nPfeife tanzen sollen; tut lieber garnichts,\nals etwas Kluges zur Unzeit, und wenn\nihr wollt Flaumfedern durch ein Schlüssel-\nloch blasen, so wartet ab, dass kein\nWind gehe als der eure. Höret und\nsehet! Um dies eine bitte ich euch, die\nGeschichte ist keine Rechenmaschine, und\nwas vorbei ist, lässt sich nicht mehr\nmonieren, noch weniger ausradieren.\nHütet euch vor aller Schulphilosophie,\ndie wird nimmermehr schön und nur\nselten reif; denkt auch nicht, dass eure\nGedanken sich mit dem Protokoll schliessen\nmüssen. Seht weiter, als eure Nasen\nreichen, und steckt sie darum nicht in\nDinge, die euch nichts angehen. Heimlich\nist aller Anfang und unbewusst das Ende;\ndarum stört nichts, wo ihr nichts schaffen\nkönnt. Kontrolliert nicht ehrliche Leute;\ndie Spitzbuben lassen sich nicht kon-\ntrollieren. Nagt niemals aus Müssiggang\nan wohlerworbenen Rechten und über-\nzeugt euch, dass die Vorzeit verständig\nwar, und dass ihr auch denken müsst.\nDer Segen des Himmels wird nicht an\nden Meistbietenden, sondern an den\nMindestfordernden überlassen, darum\nfordert nie zuviel auf einmal von den\nLeuten, sondern jedesmal das Rechte.\nVersucht nur vier Wochen die Einrich-\ntungen an euch selbst, die ihr so vielen\nTausenden für die Ewigkeit gebt, und\nihr werdet erfahren, ob mehr dabei heraus-\nals hereinkommt!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c070", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c070", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 47, "image_fin": 48, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.33", "titre_corps": "Eugenie Schwarzwald", "titre_sommaire": "Eugenie Schwarzwald", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 47, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.47", "debut_caractere": 2186, "fin_caractere_exclue": 3404, "texte": "Eugenie Schwarzwald\n\nIn das erstarrte Leben bringt die Hand\ndieser Frau Bewegung. Es ist nicht die\nIland der Mutter, die mahnend streichelt\nund sich. aufgibt, weil sie sich wieder-\nfindet. Es ist nicht die Hand der\nSchwester, die Vertrautes mitteilt, um\nMitteilungen zu vertrauen. Es ist nicht\ndie Hand der Frau, die gibt, um zu\nfordern und die fordert, um zu geben.\nEs ist die Hand der Geliebten, die sich\num Schönheit sorgt, auf dass die Sorge\nSchönheit sei. Aus Wohltätigkeit wird\nWohltat. Aus Wohl Tat. Die Tat geschieht\nwegen der Tat. Und weil sie nur wegen\nder Tat geschieht, tut sie wohl.\nIdealisten und namentlich idealistische\nPolitiker nehmen es übel, wenn nicht\nalles geschieht. Deshalb tun sie nichts.\nAndere Menschen wieder haben weniger\nIdeale. Wenn viele Menschen nichts zu\nessen haben, finden sie es praktischer,\nwenn auch weniger idealistisch, ihnen\nEssen zu geben. Da dieses Problem durch\ndie Revolution nicht gelöst ist, versuchen\nsie, es durch die Küche zu lösen. Und\nes geschieht das Wunder, das Essen ist\nda. Das Finanzproblem wird gleichfalls\nganz einfach gelöst. Wer kein Geld hat,\nbraucht nicht zu zahlen. Eine Anleihe\nwird nur beim Sozialismus aufgenommen.\nMan schaltet den Zwischengewinn und"}, {"page_pdf": 48, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.48", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1373, "texte": "den Handelsgewinn aus und das Essen\nwird so billig, dass es gezahlt werden\nkann. Leute, die viel Geld übrig haben,\ngeben das nötige Betriebskapital. Oder\nwenn sie es nicht geben, wird es ihnen\nrevolutionär genommen. Und zwar mit\nder Hand der Geliebten, der alle alles\ngeben. Nun verzichtet man auf die Büro-\nkratie, die sich beim Essen nie recht\nbetätigen kann, kocht aber dafür mit\nGeschmack. Dadurch schmeckt es den\nMenschen und sie brauchen sich beim\nEssen keine Gedanken über Ideale oder\nProbleme zu machen. Und damit sie es\nbestimmt nicht tun, steht jeden Tag auf\njedem Tisch eine frische Blume.\nHierzu sind keine Vereine gegründet,\nkeine Sammlungen durch Verlage einge-\nleitet, keine Sitzungen abgehalten, keine\nPläne, Broschüren oder Flugblätter\nherausgegeben. Hierzu ist nur diese eine\nFrau, Eugenie Schwarzwald, nach Berlin\ngekommen, hat unbrauchbare Räume\nbrauchbar gemacht, hat unerfassbare Gelder\nerfasst, hat angeordnet, dass Köche\nLebensmittel verwenden, hat die Gäste\ngebeten, zu essen und die Kellnerinnen,\nzu bedienen, hat den Tisch gedeckt und\ndie Blumen geordnet. Und tausende von\nMenschen sind glücklich. Weil sie als\nMenschen essen können und weil sie wie\nMenschen essen können. LTnd diese\nWirtin tut nichts als den Gästen fü r\nihren Besuch zu danken.\nDas ist die Tat der Eugenie Schwarz-\nwald.\nIm Handel und Reden dieser Zeit die Tat.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c071", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c071", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "46", "image_debut": 48, "image_fin": 48, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.34", "titre_corps": "Reflektorisches Lichtspiel", "titre_sommaire": "Reflektorisches Lichtspiel", "signature_source": "Kurt Schwerdtfeger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 48, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.48", "debut_caractere": 1375, "fin_caractere_exclue": 2432, "texte": "Reflektorisches Lichtspiel\nKurt Schwerdtfeger\nAm 2. April werde ich im „Sturm\" 4 Kom=\nPositionen des reflectorisdien Liditspieles zeigen.\nDas reflektorische Lichtspiel ist eine Synthese\nvon Bewegung, Licht, Farbe, Form. Technischer\nWille dabei ist — ökonomisch, medianische\nBewegung durch die Hand des Menschen selbst\nals Faktor für selbsttätige, gesetjgemäfj Optik\nmit Hilfe von elektrischen — handbewegten —\nLichtquellen — so entsteht Verbindung von\nBewegung und Licht. Auswechselbare Färb«\nScheiben von Glas — vor der Lichtquelle ergeben\ndie Einheit von Bewegung, Licht, Farbe. Die\ngesamte Synthese von Bewegung, Licht, Farbe,\nForm entsteht endlich durch Strahlen der Licht«\nquellen — farbig und handbewegt — hindurch\ndurch herausgeschnittene Formelemente einer\nPappwand — kontrapunktisch organisiert. Diese\nSynthese wird als Komposition auf der Leinwand\nsichtbar. Das refiectorische Lichtspiel vollzieht\nsich in den Bezirken des Raumes und der Zeit.\nEine Lichtspielkomposition ist in ihrem Ablauf\nnicht zufällig, sondern durch Bewegungsnoten\nfestgelegt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c072", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c072", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "47", "image_debut": 48, "image_fin": 49, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.35", "titre_corps": "Expressionnisme et Humorisme", "titre_sommaire": "Expressionnisme et Humorisme", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 48, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.48", "debut_caractere": 2434, "fin_caractere_exclue": 3954, "texte": "Expressionnisme et Humorisme\n\nOffener Brief an Herrn Dominique Braga\nColläborateur cle la Revue de Geneve\nIn der Revue clc Geneve vom November\n1923 schreiben Sie auf Seite 599:\n«L'Expressionnisme allemand peut etre\neonsidere comme une maniere d'humo-\nrisme desespere, exaeerbe.»\nWie, zum Teufel, kommen Sie auf diese\nIdee? Qui est-ee qui vous a raconte eette\nblague? Es muss sich um ein Missver-\nständnis handeln. On vous a sans doute\nmonte un bäteau et fait croire que les\n«Fliegende Blätter» etaient un organe de\nl'expressionnisme allemand. Was schrei-\nben Sie denn noch?\nLa farce macabre oü il sombre souyent\nresulte des paroxysmes oü le porte-.cette\nsensation de neant, de mortelle amertume\nque l artiste sent \"partout.\nIch verstehe immer weniger von dem, was\nSie schreiben, sehr geehrter Herr Domi-\nnique Braga. Ii est possible que vous\nsoyez un lecteur assidu du «Simplizissi-\nmus» et que vous croyiez que cette revue\nillustree mene le mouvement expression-\nniste. Und was schreiben Sie denn noch?\nCarl Sternheim, qui ...\nO, mein Herr, jetzt fangen Sie an, mich\nzu interessieren. Je suis intrigue, je suis\ntout oreille, je me demande, comment\nvous pouvez sauter dun bond de l'ex-\npressionnisme allemand ä Carl Sternheim.\nVoyons ce que vous eerivez encore?\nCarl Sternheim, qui, lui, est mattre de\nces exces, reuss.it ä courir sur une ligne\nideale, sur une corde raide qui traverse\nle moncle un peil ä cote de son centre\ncle gravite. ; ,\nEn voilä une revelation ! Das habe ick\nbis auf den heutigen Tag nicht gewusst."}, {"page_pdf": 49, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.49", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2970, "texte": "Mais je veux me garder de me quereller\navec vous ä ce sujet. 11 se peut que\nCarl Sternheim soit passe maitre dans\nces exces que vous signalez et c[ue la\ncorde raide (etes-vous bien sur qu'elle\nsoit si raide que ca?) traverse le monde\nun peu ä cöte de son centre de gravite.\n(Ein wenig? 0, mein Herr Dominique\nBraga, nicht ein wenig, sondern sehr viel,\nganz und gar, vollkommen abseits der\nWelt.) Ich will Ihnen das alles zugeben.\nMais qu'est-ce que l'expressionnisme a ä\nfaire avec . . . cette galere? Ich fürchte,\ndass Sie es selbst nicht wissen. II faut\nque quelqu'idiot d'Allemand vous ait\nraconte que Carl Sternheim est un ex-\npressionniste. Oder Sie haben diesen Un-\nsinn in einigen deutschen Zeitungen und\nZeitschriften gelesen. Mais, mon eher\nmonsieur, pourquoi vous laissez vous aller\nä croire si facilement de telles sottises?\nQue n'avez-vous plutot pris la peine de\nlire un seul poeme expressionniste en lan-\ngue allemande! . . . alors vous vous seriez\npaye une bonne tranche de rire en appre-\nnant par les journaux c[ue Carl Sternheim\nest expressionniste, et . . . vous n'auriez\npas ecrit tout cela; Mais je me rappelle\nque je ne voulais pas vous chercher que-\nrelle ä ce sujet. Nein, ich will mit Ihnen\nnicht streiten. Es liegt ein Missverständnis\nvor. Qu'est-ce que vous ecrivez encore?\nHeinrich Mann, moins cerebral, est pro-\nbablement moins intelligent, a plus de\nbonne foi, ce qui lui permet de toucher\nparfois le centre de gravite, quoique dans\nun livre comme sujet il ne fasse pas la\nmoindre concession ä la tranquillite de\nl'äme, et lui aussi termine par une vision\nsatanique.\nEt c'est tout? Mehr wissen Sie nicht vom\ndeutschen Expressionismus? Das heisst\nalso, Sie wissen garnichts! Vous prouvez\nmalheureusement que vous n'avez jamais\nlu une seule ligne des expressionnistes\nallemands et malgre cela \\ous ecrivez ä\nla legere sur l'expressionnisme allemand\ndans une revue de renom! Ich will nicht\nmit Ihnen streiten, puisque vous ne con-\nnaissez pas Texpressionnisme allemand;\nmais je tiens ä vous dire que Heinrich\nMann est le le mieux c[ua-\nlifie du roman impressionniste allemand!\nImpressionistisch> Herr Dominique Braga,\nnicht expressionistisch! Et quant ä Carl\nSternheim, je le nomme: un incorrigible\nimpressionniste qui cherche peut-etre ä\nse fairepasser pour expressionniste aux\nyeux des profanes ä I'aide de quelques\nexcentricites linguistiques etrangeres au\nsujet qu'il traite ou ä la philosophie qu'il\n\">rofesse. Expressionismus ist reine Wort-\nviinst. Chez Carl Sternheim je distingue\nbien les mots, mais je ne vois ni art ni\npurte.\ni\nIch werde mich freuen, wenn Sie sich\nveranlasst sehen, an Stelle des falschen\nExpressionismus sich endlich einmal mit\ndem wahren deutschen Expressionismus\nzu beschäftigen ... et alors vous serez\nle premier ä faire amende honorable et\nä rire d'avoir un peu . . . marche, en\necoutant quelques bavarcls allemands vous\nraconter que Carl Sternheim et Heinrich\nMann etaient des expressionnistes!\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c073", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c073", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 49, "image_fin": 49, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.36", "titre_corps": "Jacoba van Heemskerck", "titre_sommaire": "Jacoba van Heemskerck", "signature_source": "R. 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Die März®\nAusstellung des Sturm ist dem Gedächtnis\ndieser Künstlerin gewidmet und zeigt nodh ein«\nmal den Gutwilligen das Beste, das diese\nKünstlerin geschaffen hat.\nGleichzeitig erschien in unserem Verlag das\nSturm-Bilderbuch VII:\nJacoba van Heemskerck\nDas Album enthält zahlreidie Reproduktionen,\nHolzschnitte, vom Stock gedruckt, sowie einige\nAufsähe, die der Welt begreiflich machen wollen,\nwas sie an dieser Malerin verloren hat. Wir\nhoffen, daß einst audi die Heimat der Jacoba\nvan Heemskerck einsehen wird, was sie ihr für\nimmer schuldig geblieben ist.\nDer Preis des Albums beträgt 8 Mark."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c074", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c074", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "47", "image_debut": 49, "image_fin": 49, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.37", "titre_corps": "Verkehrte Aufschrift", "titre_sommaire": "Verkehrte Aufschrift", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 49, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.49", "debut_caractere": 3850, "fin_caractere_exclue": 3997, "texte": "Verkehrte Aufschrift\nRudolf Blümner\n(Auf der Rückseite eines Aktendeckels)\nWir wollen straffrei werden\nUnd in allen Ländern\nNur in Liebe empfangen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c075", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c075", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 50, "image_fin": 50, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.38", "titre_corps": "Les principes humanitaristes", "titre_sommaire": "Les principes humanitaristes", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 50, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.50", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1248, "texte": "Les principes humanitaristes\nCet appel, lance en janvier 1923 par le „Premier\ngroupe humanitariste\" representant la conception\net I'action humanitaristes, a eu en Roumanie et\ndans les autres pays un echo assez puissant qui\nprouve que les idees et actes servant les as=>\npirations ä la paix et ä I'humanisation trouvent\npartout un terrain favorable pour germer.\nCet appel a ete lance ä Paris pour la premiere\nfois sous les ausplces de la „Föderation inter*\nnationale des Arts, des Lettres et des Sciences\"\net a ete signe par les membres du bureau de\ndirection de la F. I. A. L. S.:\n— HAN RYNER, BANVILLE D'HOSTEL, ALEX. MER»\nCEREAU, PAUL BRULAT, R. CANUDO, FEM COUR»\nCHE;, HENRY CHASSIN, EMILE PIGNOT, LOUIS\nRICHARD, P. »N. ROINARD, HENRY STRENTZ,\nauxquels sont venus se joindre FLORIAN PAR«\nMENTIER, E. LANTY, R. DUNCAN, AMEDEE GUIL»\nLAUME, M. LIPCHITZ et d'autres ecrivains et\nartistes de Paris.\nCe haut appui apporte ä notre initiative, nous\nencourage ä adresser notre appel ä tous ceux\nqui, de par leur oeuvre et de par leur action,\nsont tout designes ä preter leur autorite a la\nconception et ä I'action humanitaristes.\nADRESSEZ VOTRE ADHESION Ä\nEugen RELGIS\npour le\nPREMIER GROUPE HUMANITARISTE\nBUCAREST — Roumanie\nStr. Trinitätü 29 A, Scara O"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c076", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c076", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 50, "image_fin": 50, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.39", "titre_corps": "Sie gehen auf unserm Rücken spazieren", "titre_sommaire": "Sie gehen auf unserm Rücken spazieren", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 50, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.50", "debut_caractere": 1250, "fin_caractere_exclue": 3834, "texte": "Sie gehen auf unserm Rücken\nspazieren\nEs mag sein, daß Sie seit dem Jahre 1910\nAbonnent des Sturm sind oder wenigstens\nwährend einiger Jahre unsere Zeitschrift bezogen\nhaben. Aber auch diejenigen unter Ihnen, die\nnur ein halbes Duzend unserer Hefte in die\nHand bekommen haben, wissen, daß der ge=\nsamte radikalsmoderne Kunstverlag auf unserem\nRücken spazieren geht.*) Der Sturm hat ihnen\nnicht nur vorgearbeitet, er hat sich auch für\nsie aufgeopfert. Die Andern ernten, was wir\nunter Schimpf und Hohn gesät haben. Wir\naber sagen Euch: Unter allen den Künstlern,\ndie es in der Kunst und auch noch auf dem\nMarkt heute zu etwas Beträchtlichem gebracht\nhaben, ist keiner, der seinen Eintritt in die\nKunst nicht dem Sturm zu verdanken hätte.\nUnd wenn sich der eine oder andere melden\nwill, um von sich oder einem andern Anderes\nzu behaupten, so möge er sich mit dem Trost\nzurückziehen, daß er es vielleicht auf dem Markt\naber nicht in der Kunst zu etwas gebracht hat.\nSie werden sich aber noch besser überzeugen\nlassen, wenn Sie die früheren Jahrgänge des\nSturm durchblättern oder gar durchlesen. Dann\nwird es Ihnen gehen, wie es schon vielen er*\ngangen ist: Wo ist unter allen denen, die heute\nauch nur-etwas halbwegs Kluges zu schreiben,\nwas Bedeutsames zu dichten, zeichnen oder\nmalen haben, auch nur einer, der seine ersten\nSchritte nicht im Sturm getan hat, zu einer Zeit,\nals diejenigen nichts von ihm wissen wollten,\ndie heute seine Werke drucken, stechen, aus«\nstellen, verkaufen und anpreisen, gerade so, als\nob sie vor zehn oder fünfzehn Jahren nicht das\nalles für Dreck gehalten hätten? Nur Eines\nhaben sie oft vortrefflich verstanden: diese\nKünstler auf ein Niveau herunterzudrücken,\ndas es freilich begreiflich macht, wenn eben\ndieser und Jener einstmals, als er noch schlechtere\naber dafür bessere Tage sah, im Sturm mar*\nschierte.\nSie können vom Verlag Der Sturm die folgen*\nden vollständigen Jahrgänge der Zeitschrift Der\nSturm beziehen:\n'4.\nV., VI., VII., IX., X., XI., XII., XIII., XIV. Jahrgang.\nJeder dieser Jahrgänge kostet 10 Mark.\nDer 1., 11. und VIII. Jahrgang ist nur noch in\nje einem Exemplar vorrätig und kostet 30 Mark,\nDer 111. und IV. Jahrgang sind vollzählig nicht\nmehr vorhanden und diejenigen, die weiter\nsehen, als ihre Nase reicht, begreifen schon\nheute, daß es ratsam ist, sidi diejenigen Namen\nbeizeiten zu merken, die sie später auswendig\nlernen müssen, ob sie wollen oder nicht. Sie\nabonnieren die Monatsschrift Der Sturm, wo\nsie mit einem geringen Betrag gegen die\nspätere Blamage versichert sind.\n*) Siehe Monatsbericht Februar: Angenehme Promenade"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c077", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c077", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 50, "image_fin": 50, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.40", "titre_corps": "Ein Plagiat", "titre_sommaire": "Ein Plagiat", "signature_source": "R. 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B.\nRudolf Blümners „Ver»Ordnung\" ist Wort für\nWort Achim von Arnims Erzählung „Fürst\nGanzgott und Sänger Halbgott\" entnommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-03-01-c078", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-03_01#c078", "volume": "bmtnabg_1924-03_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.2.41", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 634, "texte": "W. MarziSlier & Co. # Berlin W * Grunewaldstr. 14-15\nQegribadet 1854 Hof-Spediteure S. 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Neuauflage des lange ver-\ngriffenen und sehr gesuchten authentischen Buches\nr\nHi\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 6 Mark\nLuxusausgaben signiert und numeriert in Halb- und Ganzleder\n*' pSjj ' v *. V, -'J.-'-' 7 112 ' *./ '' •> '• • •>\" .■ \" ~ v >•• \\\\ , w -fy : ' *v '* '■ 1 7-,V VV*'.'}\nAlexander Archipenko\nStark vergrofierte Neuauflage des Sturmbilderbuches II\nMit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen und einem Zwei-\nfarbendruck\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 4 Mark\n.\n%\nJacoba van Heemskerck\nSturmbilderbuch VII\ni \"i.\".' ' ■-\n■HS9\nDas erste Werk iiber die kiirzlich verstorbene fuhrende Kiinstlerin\ndes Expressionismus in Holland\nEtwa 50 Abbildungen und 7 Originalholzschnitte vom Stock\ngedruckt. Beitrage von Poortvliet, Blumner, Schreyer, Walden\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 8 Mark\nLuxusausgabe in Ganzleder numeriert"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.1", "texte": "H mm Ii M& hl. h bh isb ■ jhb\nHD- Ihh MIHrII fiiiP - üVk 4 9b\n«ffi» EHHH jg IM\nWM 1 mM IHRM&MBK MB SSSS fIH ' J/^-!^L'/-t-\n-fffflflfgni mBMBBsF nflW »QB «■& 8k JB3IHB? HBH «WffBBE BoSSS <BBwM&, ras <Srar tmBBgSS\nmm JBf BH SB HIl iL J» Mi fü m 38 B\nVIERTEL J AHRSGHRIFT\n/ HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n15. JAHRGANG\nMÄRZ 1924\n1. HEFT\n\nJozef Peeters: Lino V 1923"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.2", "texte": "W. MarziSlier & Co. # Berlin W * Grunewaldstr. 14-15\nQegribadet 1854 Hof-Spediteure S. 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Sacchi Si F. - Carles G6ographiques - Guides - Plans\n14, VIA DEL MONTE NAPOLEONE-MILANO (3)\nCa plus moderne et la plus complete de liaisons de ce genre;\nveritable centre litt&raire et artistique italien et international | i\n/ )\nLES EXPOSITIONS DE BOTTEGA DI POESIA\nPendant les anneis 1922-1923 oni Hi organisers\nLes Expositions Personelles ou d'Ensemble des\nPEINTRES ET SCULPTEURS ITALIENS CONTEMPORAINS\nPEINTRES ET SCULPTEURS BELGES CONTEMPORAINS\nDEPOT DES DESSINS, EAUX-FORTES, LITOGRAPHIES, GRAVURES\nPERIODIQUEMENT\nVENTES AUX ENCH6RES DE LIVRES ANCIENS - TAPIS ORIENTAUX\nDENTELLES-DESSINS ET GRAVURES - PORCELAINES\nAusftihrliche Verzeichnisse kostenlos durch die\nSturm - Buchhandlung, Berlin W 9, Potsdamer Sira§c 138 a\n."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.3", "texte": "DER STURM\nHERAUSGEBER: HER WARTH WALDEN\n\nFür die Kunst gegen die Künstler\n\nDie Künstler organisieren sich. Sie wollen\naus der Not ihrer Wirtschaft zur Wirt-\nschaft der Not kommen. Das Bürgertum\nist sehr erfreut, dass der berühmte Ord-\nnungssinn auch in die Künstlerschaft ein-\ngeführt werden soll und man ist durch-\naus bereit, dieses Vorhaben durch Bälle\nund Feste unter Mitwirkung namhafter\nKünstler zu unterstützen. Wirtschaftliche\nVerbände werden nach dem Muster der\nGewerkschaften gegründet. Und alles, was\nmalt oder gemalt hat, was schreibt oder\ngeschrieben hat, schliesst sich zusammen.\nKünstler ist nämlich nach Ansicht der\nKünstler und der Bürger der, der sich\nausschliesslich mit Tinte, Oel, Wasser,\nGips und Tönen betätigt. Die Herren\nund Damen, die es bereits ein oder mehrere\nJahrzehnte getan haben, bekommen Rang\nund Würden und dürfen bestimmen, wer\nsich in Zukunft mit staatlicher oder städ-\ntischer Unterstützung ausschliesslich in\nTinte, Oel, Wasser, Gips und Tönen\nbetätigen darf. Das Bürgertum freut sich,\nmit den Künstlern in persönliche Beziehung\nzu treten und die Fähigkeit der Künstler\nbei den Herren geschäftlich und bei den\nDamen erotisch ausbeuten zu können. Mit\neinem Abendessen oder einem Paar Seiden-\nstrümpfen ist die Not der Künstlerschaft\nmeistens auf weitere vierundz wanzig\nStunden behoben. Die akademischen\nKünstler brauchen ausserdem noch eine\nWohnung von drei Stuben mit Gas und\nein Atelier für die Atelierfeste. Die phan-\ntastischen Künstler brauchen allenfalls noch\neine Heise nach Italien, wo die Natur sich\nbesonders zum Abmalen und zur Sanges-\nlust eignet. Die bürgerlichen Künstler\nhaben ausserdem eine Familie mit kunst-\ngewerblich begabten Kindern, für deren\nErhaltung sie das Bürgertum durchaus\nverantwortlich machen. Sie sind aber\nbereit, dafür eine Venus (in Oel), eine\nChanson oder ein Gedicht auf Gott oder\ndie Liebe zu liefern. Somit wäre eigent- ■\nlieh alles in schönster Ordnung-, sogar in\n• r\\ l i t O 7 O\neiner Ordnung der Schönheit, wenn, die\nAbnahme der betreffenden Kunstwerke\nzu einem Höchstpreis gesetzlich geregelt '\nwürde. Hierüber müssen sich die Ministe-\nrien der schönen Künste die Köpfe von\nRegierungsräten zerbrechen, die ihrerseits\ndurch die Atelierfeste sich die genügende\nSachkenntnis zur Lösung dieses national-\nökonomischen Problems zu beschaffen\nsuchen . Wenn es der Persönlichkeit eines\nKünstlers gelungen ist, einen besonders\nreizvollen gemeinverständlichen Typ von\nGott oder der Liebe durch Tinte, Oel,\nWasser, Gips oder Töne darzustellen, so-\nwird die Annahme durch die bewährte\nNachfrage geregelt, die ökonomische\nSituation der Persönlichkeit verbessert sich-\nbis zu Klubsesseln und die Persönlichkeit\ndarf ihren Namen bei Aufrufen für die- -\nallgemeine Not neben die Namen von\nwirklichen Regierüngsräten setzen; Die5\nHändler regeln wieder den Absatz nach\nden bewährten Grundsätzen der freien-\nWirtschaft, indem sie bei der Nachfrage •\nteuer verschwinden lassen, was ihnen bei\"\ndem Angebot billig zugetragen ist. Die\nHändler haben aber dafür die Fähigkeit,\nden Typ des gemeinverständlichen Gottes\nund der gemeinverständlichen Liebe kraft -\nihrer gemeinverständlichen Neigungen\nrechtzeitig freibleibend zu erkennen. Es\nstände also um die gesamte Künstlerschaft\ngar nicht so schlecht, wenn sich die Künstler\nnicht gelegentlich über oder unter den\ngömeinen Verstand begeben würden. Dass\nsie es über den gemeinen Verstand hin\ntun, kommt bekanntlich selten vor. Dass\nsie es unter dem gemeinen Verstand tun,\ngeschieht sehr oft. Ihre Begabung reicht\neben nicht dazu aus, um den ziemlieh\nunveränderlichen Typ unverändert nach-\nzuahmen. Im übrigen erhebt der Künstler\nbekanntlich die Menschheit zu den Höhen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.4", "texte": "und macht sie den Göttern gleich. Ferner\nbeschäftigen sieh zahllose Herren und\nDamen damit, zu registrieren, wie weit\ndurch die einzelne Künstlerpersönlichkeit\ndie Menschheit den Göttern gleichgemacht\nist. Soweit diese Herren und Damen es\ntäglich tun, nennt man sie Kunstkritiker,\nsoweit sie es jährlich tun, Kunstwissen-\nschaftler, soweit sie alle Götter miteinander\nvergleichen und daraus das Fazit ziehen,\nAesthetiker. Diese Berufsarten sind der\nMenschheit besonders sympathisch, die\nsich der erdichteten oder ermalten Götter-\ngleichheit noch nicht persönlich bewusst\ngeworden sind. Sie können einfach nach-\nlesen, wo sie stehen oder wie es um sie\nsteht und können sich die Arbeit des Sehens\nund Hörens ersparen. Und Regierungen\nreden sich immer auf die Kunst heraus,\nwenn sie sich in ihrer Tätigkeit auf keine\nandere Weise mehr herausreden können.\nDie Kunst bekommt dann den Ehrennamen\nKultur, wird prozentual in den Staats-\nhaushalt eingesetzt, es werden ihr sogar\nvon amtswegen besondere Gebäude er-\nrichtet, in denen Obdachlose sich erkälten,\nLiebende sich erfreuen und Kunstkenner\nfeststellen können, ob die Dinge wirklich\nalle gemalt worden sind, von denen sie\nbereits soviel gelesen haben. Hinzu kommt\nnoch die allgemeine Entdeckerfreude. Ein\nBild wird plötzlich über das andere ge-\nstellt, indem man es unter das. andere\nhängt, eine Plastik wird in die Mitte des\nSaales gerückt, damit man sie mit zwei\nAugen von allen Seiten besehen kann, von\nder allseitigen Betastungsmöglichkeit ganz\nzu schweigen, ein Komponist wird aui ein\nganz grosses Orchester gebracht und um-\ngebracht, weil die Instrumentenindustrie\nseinerzeit dem Göttlichen nicht effektiv\nnachkommen konnte, ein Dichter wird so\nGründlich beschrieben und besprochen,\nass nur noch sein Geist unsichtbar bleibt,\nder auch vorher nicht sichtbar gewesen\nist . Und wenn statistisch auf je zehntau send\nKopf der Bevölkerung ein Berufskünstler\nfestgestellt wird, so ist das Volk der Denker\nund Dichter fertig. Statistisch fertig.\nIndessen sammelt sich in den Kultui Stätten\nder Länder, in den Schulen, die durchaus\nnicht lernbegierige Jugend, um zweimal\nwöchentlich diesen groben Unfug in das\nGehirn hineingebläut zu bekommen. In den\nZeiten der 'Kulturschande mit Stock, in\n•. * *| ' ,r ,\nden Zeiten des Fortschrittes ohne Stock.\nIn jeder Schule werden drei staatlich ge-\nprüfte Herren und neuerdings auch Damen\nZeichenlehrer, Musiklehrer und Literatur-\niehrer genannt, die persönlich mit oder\nohne Stock alles das gelernt haben, Avas\nsie nun in berechtigter Wut den anderen\nbeibringen. Der Zeichenlehrer und der\nMusiklehrer werden ausserdem von den\nübrigen Kollegen als minderwertig einge-\nschätzt, weil sie sich mit den freienKünsten\nstatt mit der unfreien Wissenschaft, wenn\nauch nur zwangsläufig, befassen müssen.\nDer Literaturlehrer hat ein gewisses höheres\nAnsehen, weil er die Muttersprache an-\ngeblich beherrscht. Auch das Herrschen\nsoll eine Kunst sein. Die Kunst des\nHerrschens beruht in der Regelung. Das\nRegeln geschieht auf eine höchst einfache\nWeise. Es wird alles 'estgestellt. Was\nsich bewegt, wird geköpft. Oder, soweit\ndie Bewegung zugelassen wird, wird die\nRichtung vorgeschrieben, durch die man\nden Herrschaften nicht in den Weg laufen\nkann. In der Sprache nennt man dies\nSystem Grammatik. Am klarsten wird\ndieses System durch die Regelung des\nVerkehrs. Man hält den Verkehr einfach\nauf der einen Seite auf, wodurch er sich\nauf der anderen Seite bequem entwickeln\nkann. Oder die RegelungdesGeldverkehrs.\nMan hebt den Leuten auf der einen Seite\nalles Geld einzeln auf, wodurch es auf der\nanderen Seite bequem auf einmal aus-\ngegeben werden kann. Die Leute bekommen\nfür die Aufbewahrung Quittungen, die sie\nWieder aufheben dürfen, weil sie zum\nAusgeben wertlos sind. Dieses System\nnennt man Finanz Wirtschaft. Oder die\nRegelung der Kunst. Man bezeichnet jeden\nKörperteil durch einen Strich. Wenn die\nStriche mit den Bezeichnungen Kopf, Hals,\nBrust, Bauch, Beine in der richtigen Reihen-\nfolge verwandt werden, ist es Kunst. Ist\ndie Reihenfolge beinahe richtig, Dilettan-\ntismus. Striche in falscher Reihenfolge\nsind Kitsch. Man nennt es dann merk-\nwürdigerweise nicht Unkunst, sondern\nUnnatur. Das gleiche gilt von den Be-\nzeichnungen botanischer oder zoologischer\nBestandteile. Es gibt Leute, sogar kluge\nLeute, die genau wissen, dass der Mensch\nzwei Augen hat. Und die es der Kunst\npersönlich übelnehmen, wenn sie etwa\nein Auge zudrückt. Der göttergleiche\nMensch muss in seinem malerischen Ab-\nbild mindestens ein Kniestück ergeben.\nDie Beine allein sind höchstens für Schuh-\nreklame zulässig. Künstlerische Bäume\nwerden an den Rippen ihrer Blätter und\nHäuser an der Lotrechten erkannt. So ist\nalles ausserordentlich fein geistig geregelt.\nund mit den Farben wird noch eine Art"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.5", "texte": "Senf dazu gegeben. Kunstkritiker ver-\nmögen den englischen Senf von dem\nfranzösischen Mostrich auf den Bildern\nwenigstens zu unterscheiden und können\ndanach den Geschmack des Kunstwerkes\nwerten. Braun ist Schärfe (Monumen-\ntalität), Grau ist Süsse (Liebe). Durch\nMischung von Grau und Braun entstehen\ndie Valeurs. Hin und wieder werden die\nübrigen Farben als Zwischentöne verwandt.\nDas Bild wird selbstverständlich vorher\nganz natürlich festgestellt, indem sich eine\nDame auf den Diwan legt oder ein Greis\nsich vor ein Häuschen setzt. Kinder müssen\nauf der Landstrasse so tun, als ob sie\nlaufen, sie dürfen sich aber wegen der\nfestgestellten Striche nicht bewegen. Die\nakademische Kunst beschäftigt sich haupt-\nsächlich mit Ganzakten oder Halbakten,\nweil sie besonders dazu berufen ist, das\nGöttliche im Menschen herauszumalen.\nAusserdem kommt der Körper der Kunst\ninsoweit entgegen, als er ohne Farbe ist.\nIn der Musik sind die Harmonien durch\ndie Gesetze geregelt. Diese Regelung ist so\nsinnfällig und so zuverlässig, dass man\nnach zwei Harmonien aus Erfahrung schon\ndie nächsten zehn Harmonien kennt, so\ndass man überhaupt nicht mehr zuzuhören\nbraucht. Durch diese Regelung im Verkehr\nmit Harmonien hat sich eine besondere\nBefähigung zur ein- bis vierstimmigen\nSangeslust der Kulturmenschheit ergeben.\nAuch in der Tanzkunst hat sich diese\nRegelung bewährt. Sie ist sogar so ver-\neinfacht, dass man diese Tanzschritte, Pas\ngenannt, in ein bis zwei Stunden erlernt\nund für das ganze übrige Leben gebrauchen\nkann. Verteilt man alle diese Lehren auf\neinige Jahre, so hat man Kunstunterricht\nGenossen und ist Künstler geworden. Mit\nem Theater ist es am einfachsten. Da\nbraucht man nur zur Bühne zu gehen.\nDie endgültige Feststellung dieser Fest-\nstellungen ergibt sich erst im reiferen\nAlter, und zwar etwa vom vollendeten\nsechzehnten Lebensjahre ab. Dann ist der\nMensch Mensch geworden. Vorher war er\nnämlich kein Mensch, vor allem kein er-\nwachsener, er war Kind. Oder Jugend.\nDie Jugend ist nur zu dem Zweck vor-\nhanden, damit die reifen Menschen eine\nBeschäftigung haben. Sie sind alle Götter\ngeworden, mit dem vollendeten sechzehnten\nLebensjahre und können die Jugend gott-\nähnlich nach ihrem Ebenbilde schaffen. In\n«echzehn Jahren kann man das lebendigste\nKind regeln und es als einÖbjekt feststellen,\ndas sich nicht mehr bewegt. Es gehört\nallerdings sehr viel Kraft und Energie dazu.\nÜrn ein einziges Kind muss sich ausser der\nganzen werten Familie noch eine Horde von\nLehrem Bemühen, um zu dem gewünschten\nResultat der Reife zu kommen. Das Kind\nwehrt sich verzweifelt. Aber das stärkste\nGehirn und die gesündesten Sinne er-\nschlaffen , wenn ununterbrochen auf ihnen\nherumgetrampelt wird. Das Kind sieht\ndie Farben und stellt sie sinnlich gefasst\nzusammen. Es komponiert. Es stellt sie\nsinnlich fässbar zusammen. Es rhythmi-\nsiert. Es wählt die Farben nach ihrer\ngegenseitigen Wirkung. Es gestaltet. Das\nMaterial, rhythmisch zu einer einheitlichen\nWirkung zu gestalten, ist Kunst. Jedes\nKind ist Künstler. Aus dem schöpferischen\nTrieb nach Gestaltung sinnlicher Wahr-\nnehmungen entsteht das Kunstwerk. Aus\nden Kindern werden Menschen und aus\nden Menschen werden Künstler, aber\"sie\nsind es nicht. Weil sie nämlich Kunst\nso schlecht lernen, wie sie das Leben\nlernen. An Stelle der Triebe werden\nRegeln gesetzt. Regeln, die die Summer\nvon Erfahrungen sind. Nur dass die Er-\nfahrungen unsinnliche Abstraktionen sinn-\nlicher Erlebnisse sind. Die Erfahrungen\nder anderen aber sind Begriffe. Sie Ver-\nhindern die sinnlichen Erlebnisse, also\ndie schöpferische Kraft, sie machen aus\ndem Werk ein Werkzeug. Aus schöpfer-\nrischen Kindern entstehen menschliche\nWerkzeuge, die andere vielleicht ge-\nbrauchen, die sich selbst aber nicht ge-\nbrauchen können. Jeder Sinn und jedes\nGlied ist vernichtet, wenn es aus seiner\nvielfältigen Befähigung zu einer einfältigen\nBetätigung gemissbraucht wird. Das Auge,\ndas sogar hören kann, verlernt sogar das\nSehen. Das Ohr, das sogar sehen kann,\nverlernt c! 3 Hören. Die unendliche Be-f\nwegung der Glieder wird in eine endliche\nFormel festgelegt. Das unendliche Kreisen\ndes Gehirns in endlose Gedanken ketten\ngezwängt. Alles wird zum Werkzeug,\nUnd nicht mit dem Werkzeug, aus dem\nWerkzeug soll das Werk gestältet werden .;\n. i. ; J. .:<• .. •. »:\n; »j i 1\nNur eines fällt den Erwachseneinf \"d,en\nGöttern, gelegentlich auf. Dass ihre\nKinder als Kinder so klug waren und dass\ndiese Klugheit plötzlich verschwunden ist:\nKlugheit und Dummheit sind keine; Unter-;\nschiede der Qualität, sondern der Inten-;\nsitat. Also die Fähigkeit der schnelleren\noder langsameren Auffassung. Das Kind\nist klüger, fasst also schneller, weil es"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.6", "texte": "eben fassen kann. Nämlich sinnlich fassen.\nAuch das Unfassbare gestaltet sich sinn-\nlich, also fassbar. Die Fähigkeit der\nsinnlichen Auffassung wird pianmässig\nvernichtet. Das Kind soll nicht greifen,\nes muss begreifen. Die Griffe werden\nfestgelegt und werden Begriffe. An-\nschauungen werden nicht gesehen, son-\ndern vertreten. Und die vertretenen An-\nschauungen werden verstanden. Und die\nverstandenen Begriffe werden vertreten.\nDie Sinne werden versonnen. Und nach-\ndem man nun alles verdreht hat, ver-\n- *\nficht man eine Weltanschauung. Diese\nWeltanschauung wird Lebensklugheit ge-\nnannt, worunter man die Fähigkeit ver-\nsteht, sich hinter dem Leben vorbeizu-\ndrücken. Das will und muss allerdings\ngelernt werden. Das Kind erhält eine\nUebersicht über alle Gebiete, damit es\ndie Gebiete nicht mehr sieht. Das Kind\nwird überhört, damit es nur nicht mehr\nhört. Das Fassen wird ihm verboten,\ndamit es in die richtige Verfassung\nkommt. Es lernt sogar den guten Ge-\nschmack, damit es nicht mehr schmeckt.\nDas Resultat dieser Verziehung wird Er-\nziehung, das Resultat dieser Verbildung\nBildung genannt. Hierauf erfolgt die freie\nBerufswahl. Auch Fleiss und Faulheit\nsind nur Unterschiede der Intensität,\nnicht der Qualität. Die Triebkraft des\nMenschen nennt man Hunger. Den Hunger\ndes Geschlechtes nennt man Liebe. Den\nHunger der Sinne Kunst. Da der Ge-\nschlechtssinn nun einmal auch ein Sinn\nist, wird die Befriedigung des Geschlechts-\nsinnes allzuoft mit der Kunst verwech-\nselt, weil eben Kunst die Befriedigung\nder Sinne ist. Auge und Ohr und Zunge\nund Glieder sind dank unserer gross-\nartigen Kultur verbildet. Nun regt sich\nim jungen Menschen der Geschlechtssinn,\nder bekanntlich in der Schule aus mora-,\nlischen Gründen nicht verbildet wird.\nDie Lehrerschaft ist grundsätzlich gegen\nden Geschlechtssinn. Sie empfinden ihn\nals einen peinlichen Eingriff in ihre wohl-\nverständigen Methoden. Umsomehr, da\nsie ihn nicht lehren dürfen. Er ist nun\naber einmal in den jungen Menschen vor-\nhanden und sie haben noch nicht die\nLebensklugheit der erwachsenen Götter,\nihn zu verbergen. Sie machen sich nach\nder übrigen Methodik aus ihm einen Be-\ngriff und machen Kunst. Sie dichten und\nmalen sich das andere Geschlecht. Sie\nsuchen sich das Sinnliche zu versinn-\nlichen. Alle jungen Menschen fühlen\nsich daher zu Künstlern berufen. Und\nsie werden Berufskünstler, wenn sie ab-\nsolut nicht aus der Pubertät heraus-\nkommen. Sie machen sich Abbilder und\nglauben, Bilder geschaffen zu haben.\n\" Sie sprechen von ihrem Hunger und glauben,\nDichter zu sein. Sie haben verlernt, die\nFarben zu sehen und die Wörter zu hören.\nSie schreiben Natur und sie lesen Ge-\nfühle. Und sie sind Künstler für die\nLeute, die ihre Zeit für Schreiben und\nLesen nicht verwenden können und wollen,\nund die lieber Geschriebenes lesen und\nGelesenes sprechen. Und die Kunst wird\nam höchsten geschätzt, die keine Be-\ntätigung der Sinne der anderen erfordert.\nDie Kunst als Hunger der Sinne ist also\nkeine Angelegenheit der Kenner. Sie ist\neine Naturnotwendigkeit wie jeder Hunger.\nSie ist ein Bedürfnis der Menschheit, das\nbefriedigt werden muss. Und ebenso-\nwenig wie eine unbekömmliche Kost\noder gar eine Abstraktion der Kost\nden Magen befriedigt, ebensowenig kann\ndie Kunst dieser Berufskünstler die Sinne\nbefriedigen. Das Volk, das heisst die\nGesamtheit der Menschen, hat mit Recht\nkein lebendiges Verhältnis zu dieser Kunst.\nDie Jugend noch weniger. Denn sie\nschafft sich eine Kunst selbst, die Kunst\nist. Die nämlich den Hunger von Auge\nund Ohr befriedigt.\nKunst wird der Menschheit nur dann\netwas sein, wenn man die Jugend ge-\nwähren lässt. Wenn man die Triebe\ngestalten lässt, statt sie schematisch dar-\nzustellen.\nNur wenn sich eine Generation entschliesst,\nnicht mehr Götter für die Kinder spielen\nzu wollen, werden die Kinder spielend\naus den Göttern Menschen schaffen.\nWesen, die den Sinn der Welt aus der\nWelt der Sinne fassen, sichtbar und hör-\nbar gestalten und in der Gestaltung\nsinnliche Erlebnisse, in der Kunst das\nLeben der Sinne leben und erleben.\n\nHerwarth Walden\n\nDie flämische Kunst der Avant-\ngarde\n\nEs ist ziemlich verwegen von einer jung-\nflämischen Plastik zu reden. Klima und\nBodenbeschaffenheit dürften wohl ihren"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.7", "texte": "Jozef Peeters: Lino V 1923"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.8", "texte": "Einfluss ausüben und einen kleinen IJnter-\nschied zwischen unserer konstruktiven und\nder südeuropäischen, russischen und chine-\nsischen Plastik ergeben. Es gibt aber\nkeinen Unterschied, der weiter reicht\nals eine persönliche die dem\nselbst gekommenen Dräng zum Konstruk-\ntivismus (der keine internationale\neinkunft war) durchaus nicht Abbruch tut.\nDie Kunst evolutioniert nicht. Wohl aber\nändert sich der Standpunkt des Geniessers\nund meistens der des Künstlers ihr gegen-\nüber. Nun ist es vielleicht nicht ohne\nInteresse, zu erfahren, wie sich diese\nEvolution in Flandern entwickelte. Was\nunsere Propagandamittel waren und sind.\nUnsere Generation saugte den Impressio-\nnismus ein. Impressionismus war ein Ge-\nmeingut, von dessen Art man sich in\nBelgien, dem Land der Nachfolge, keine\nRechenschaft mehr ablegte. Er gab jedem\nfreie Bahn, seine Torheiten zu kultivieren.\nSo entstanden bei den Jüngeren im Jahre\n1911 aus dem Bedürfnis nach Monumen-\ntalität kurz gehaltene Umrisse in Malerei\nund Bildhauerei. Wir standen sofort in\neinem wirklichkeitsvolleren Verhältnis\n•-» ■ -\nzur Fläche und Materie, worauf und womit\nwir bilden sollten. Es entstand nicht\neine Erneuerung des Romantismus sondern\nein zweiter Romantismus. Im sozialen\nLeben äusserte sich dieses Erwachen in\neinem Bedürfnis zum religiösen Leben\nnach einer Periode von Positivismus und\nDemokratie. Als nun das flämische Volk\nin dieser Zeit zu einem frei denkenden\nVolke ward, entvogte sich auch der\nKünstler und befreite sich von früheren\nBildungsgewohnheiten.\nWährend der deutschen Besetzung machte\nman Bekanntschaft mit dem populari-\nsierten Expressionismus. Einige plagi-\nierende Impressionisten wussten ihm, sehr\nnachteilig für sich selbst, nachzuahmen.\nAndere wussten die breitere, in der\nFremde gewonnene Einsicht persönlich\nzu verwerten. Eine Gruppierung wurde\nnotwendig und sie kam unter dem Namen\n~Moderne Kunst\" nach Beendigung des\nKrieges zustande.\nDie ersten Ausstellungen im Jahre 1920\nwaren eine Offenbarung.\n- - - v ' ! 1 '\nVerschiedene Künstler, in diesemiHeft der\nZeitschrift ~Der Sturm\" durch: Werke\nvergegenwärtigt, waren unter den Mani-\nfestanten. -\n„Moderne Kunst44 blieb der einzige Orga-\nnismus in Flandern, der es mit der Avant-\ngarde Ernst nahm. Die Monatsschrift\n„Ruimte44 (Raum) erschien unter Leitung\ndes Literaten Eugecn De Bock. Schon\nim Jahre 1920 sah man die Erwünscht-\nheit eines Kongresses ein, der durch die\nInitiative des Baukünstlers Huib Hoste, des\nBaukunstkritikers Leonard und des Unter-\nzeichneten abgehalten wurde. Ein zweiter\nKongress mit internationaler Ausstellung\nder extremen Avant-garde-Kunst folgte\nim Januar 1922. Ein dritter in Brügge\nim August 1923 im Zusammenhang mit\nden flämischen wissenschaftlichen Kon-\ngressen, die jedes Jahr in einer anderen\nStadt Flanderns abgehalten, flämische und\nholländische Gelehrte zu Tausenden zu-\nsammenbringen. Unsere Kongresse haben\nnicht das ausschliessliche Ziel, Fack-\nleute zu Wortstreiten zu reizen, sie\nwollen im Geiste der Vorträge der Ge-\nsellschaft „Moderne Kunst44 gehalten,\naber in vitalerer Weise, das Publikum\nunterrichten und einweihen. Unser jüng-\nstes und sehr gelungenes Propaganda-\nmittel, das über unsere Grenze hinaus-\nreicht, ist die Monatsschrift ,,Het Over-\nzicht44 (Der Überblick) vom Schriftsteller\nF. Berckelaers und mir herausgegeben.\nUnsere Schrift ist die flämische Tribüne\nder extremen Avant-garde der ganzen\nWelt. Unser jetziges ästhetisches Ziel\nnäher zu umschreiben, wäre eine nutzlose\nArbeit, da verschiedene Abbildungen hier\nveröffentlicht hinreichend für sich selbst\nzeugen.\n\nJozef Peeters\n\nDie jüngste Literatur in Flandern\n\nDas Zentrum des flämisch-literarischen\nLebens, das vor einem halben Jahrhundert,\nbeim Erwachen unseres Volksbewusst-\nseins, mit Gezelle Rodenbach und Verriest\nin den kleinen Städten und Dörfern der\nProvinz West-Vlaanderen lag und mit\nTeirlinck, Van de Woestijne und andern,\num ihre Zeitschrift ~Yan Nu en Straks\",\nseit 1880 nach Gent und Brüssel überging,\ndieses Zentrum wurde durch den Krieg mit\neinem Mal in Antwerpen errichtet. Hier\nschuf das frische Blut des seperatistischen\nAktivismus eine neue Heimat für künst-\nlerische Werktätigkeit.\nMan las Dostojewsky, Nietzsche, Walt\nWhitman, Romain Rolland und tja Apolli-\nnaire! Viele studierten deutsch. — Einen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.9", "texte": "J. Leonard Roeselare: Eine schöne Frau bedarf keiner Perlen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.10", "texte": "nicht geringeren, kulturkräftigeren Vorteil\nbrachte uns die holländische Presse, durch\nwelche die allzu reizenden PariserZeitungen\nersetzt wurden. — Flamingant und Kom-\nmunist waren sinnverwandt unter dem\n~schwarzen Löwen auf gelbem Feld1' —\nDichter und andere Genialitäten wurden\nauf den Strassen aus den Rinnen ge-\nschöpft.\nAber es kam ein Ende der ~guten Kriegs-\nzeit\": viele Flaminganten flüchteten nach\nHolland, wo die meisten noch heute mit\nMühe ihr Brot verdienen und wo das\nbelgische ~Gericht\" sie noch in der Ver-\nbannung hält. Viele andere wurden ins\nGefängnis geworfen. Da schrieb Wies Moens\nseinen sentimentalen ~Celbrieven\" und\nseine ersten, mit Beifall aufgenommenen\nexpressionistischen Gedichtsammlungen:\n~De Tocht\" und.,,De Boodschap\". —\nIndessen lehrten uns die wieder geöffneten\nSüdgrenzen die neuesten Strömungen aus\nParis kennen, und allmählich fing das\nantwerpensche Hafenleben seine gewohnte\nGeschäftigkeit wieder an. — Mehr noch\nals vor dem Krieg schien Antwerpen mit\nseinen zahlreichen Kinos, Bars, Dancings\nund Cafes sich der Fortsetzung der\nBreughel- und Uilenspiegel-Tradition zu\nbefleissigen. Aber auch der ~Struggle for\nLife\" wurde lästiger. Und besonders aus\ndiesem Grunde kam die grosse Läuterung\nin die Dichterschar der Kriegszeit.\nGanz vortrefflich war dann die Initiative\nvon Eugen de Bock1), der um seine\nZeitschrift ~Ruimte\" eine Reihe.radi-\nkaler Maler, Dichter und Kritiker zu\nsammeln und einem auserwählten Publikum\neine gesunde neue Arbeit geniessbar zu\nmachen wusste.\nIn ~Ruimte\" gruppierten sich: Marnix\nGijsen, Wies Moens, Gaston Burssens, Jan\nund Jozef Cantre, Prosper de Troyer, Jos\nLeonard\\ JozeJ Peeters, Paul van Ostayen,\nKarel Maes, Victor J. Brunclair. — Aber\n~Ruimte\" ging nach zwei Jahrgängen\n(1920 und 1921) zu Grunde, und was von\nihrer Gruppe übrig blieb, konnte sich fortan\nin ~Vlaamsche Arbeid\" äussern, einer\nallgemeinen Monatsschrift, geleitet von\nJozeJ Muls (einer Revue, die schon lange\nvor dem Krieg bestand, doch seit ihrem\nWiedererscheinen [1921] auch der Moderne\nRaum widmet) — und in ~Het over-\nzieh t\" begründet von dem Verfasser\ndieses Berichts und von ihm und Jozef\nPeeters geleitet.\nAber auch die Gruppe der,, Ruimte4' wurde\nderartig geläutert, dass wir, der Zeit ent-\ngegensehend, bestätigen können, dass es\nsich nur noch um den katholischen Dichter\nWies Moens handelt, der nach seiner\nBefreiung noch zwei Sammlungen, ~Opg-\nangen\" und ~Landing\" herausgab,\nPaul van Ostayen (~Music-Halls\", ~Het\nSinjaal\" und das nach dem Kriege in\nDeutschland geschriebene lange typo-\ngraphische Gedicht von den Kriegsjahren\nzu Antwerpen: ~Bezette Stad\"), und\nM. Seuphor, von dem Übersetzungen im\nSturm erschienen.\nBesonders Paul van Ostayen, das muss\nhier betont werden, kommt die Ehre zu,\ndie moderne Kunst in Flandern eingeführt\nzu haben und zwar mit einem heftig\nkritisierten, aber belangreichen Werk über\nflämische Literatur.\n1) Direktor des Kunstverlags ~E)e Sikkel'% Antwerpen\n2) Die heutige internationale von Flandern\n\nFernant Berckelaers\nÜbertragen von Werner Geerts\n\nTe Parijs in Trombe\n\nAntwerpens sicherer Hafen\nEs ist ein grosser Fliederbaum im Garten.\nMuguet riecht freundlich meint das Dienst-\nmädchen .\nDie Sonne improvisiert eine Sonate\nauf der Mauer wo sich der Weingarten\nbefindet\nund das ewige Orgelliedchen des Kaffees\naus der Gegend\ntanzt nonchalantdurch die irre Atmosphäre.\nDer Hund leckt die Hand des doppelten\n, Kindes.\nNun schaukelt das Kind toternst auf\nseinem hölzernen Pferd.\nNachher kommen die andern Kinder aus\nder Schule\n(Luft der Schule, vollkommen und intrige\nLuft der Straße voll Begeisterungen und\nSehnsüchte)\nsie beschmutzen den marmornen Gang\ndes schönen Rentners Haus,\nihr junges Lachen hallt durch das Treppen-\nhaus\ndie unverteidigte Festung wird spielend\neingenommen\nund es kracht etwas unter dem Scheitel\ndes alten Mannes.\nJa Bermee die Häuser sind weiss\nin den Städten von Flandern"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.11", "texte": "Alf Frauchen: Architektur"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.12", "texte": "deshalb gehen die Menschen da auf ihren\nZehen\nund du weisst nichts von ihrem Dasein.\nWeder die Flüche der Dockarbeiter\nweder das Geboller der Frachtautos\nnoch die Sirenen der Dampfer\nkönnen was daran machen.\nDie fremden business-men sind beaux\nparleurs\nund der Verrat der Politiker\nquetscht die Trommelschläge zwischen\nzwei Mauern\ndass der Widerhall wie der Donner droht\nund die Manifestanten in Kinosäle flüchten\nwo das Lächeln des Charlie sie bewirtet.\nSpaziergang\n.4»\nDein Lachen auf der Pont-des-Arts\ndein Blick bringt einen dichten Nebel\num mich\nmeine Lungen schrimpfen\nund mein Herz trieft vor Feuchtigkeit\nIndroduktion ä la vie de Paris.\n+ ' - ->-*\nDas stattliche Luftschiff\nmit seiner wichtigen Zahlenladung\noptische Bewusstheit\nMikroskopen\nTeleskopen\nSchwerkraft —\nund Gleichgewichtsempfinden\nist nun ganz hinter den Wolken ver-\nschwunden\nallein der vielfarbige Wimpel\nden der Wind rundet wie ein Regenbogen\nist hängen geblieben an der Sacre-Coeur.\nzum Zeichen des Neuen Bundes\nzwischen dem Heimweh des Montmartre-\nbec-de-gaz\nund den Göttern von Faubourg Saint\nDie breite Stirn des Platzes de la Concorde\nhat lange nachgedacht\nüber die fremden Himmelsgeschehnisse\naber in dem Augenblick dass sie\ngewonnen durch den Duft\nden Sprung nach den Blumen der Madeleine\nwagen tut\nziehen nacheifrig an die Enden des Seils\nEtoile und Louvre\n(an welchem sie fortdauernd die Bänder\nvergisst)\nund gelassen auf ihrem Kreuz\nunter dem wachsamen Auge des Chambre\ndes Deputes\nund das Lächeln der Madeleine in der\nFerne\n' ' \" *■ ' : ?\nerwartet sie den Tag der Erlösung:\nCR&VE DES MIDINETTES\nLEUR NOMBRE D&PASSE 5.000\nmeeting Place de l'Opera\nmeeting Place du Theatre Francais\nmeeting Place Vendöme\nbrouhaha seidener Kleidchen\nSchimmer der Spiegelchen\nKreuzzuar nach Place de la Concorde\no\nTant qu'il y aura des midinettes\nund halbwegs sind alle entführt.\nTriumph der Autos rund um den Obelisken\nSchubertmarsch längs den Boulevards\nundsoweiter undsoweiter\nAber\nTHÜATRE MARIVAUX\nist die Stelle wo die Weltendinge\nein Ende finden:\nDOUGLAS FAIRBANKS ■\ndans\nROBIN DES BOIS\nund alles was das Universum füllt\nist das schöne Antlitz der Myriam\nund die Gebärde des Huntington\nbreit wie ein sonniger Tag\nhoch auf wie die Fontaine des Luxembourg\nENVOI DER BALLADE!\nBerlin Gefrierpunkt\nDer Regen — hangende Lippe — nach\nMitternacht\nstolpert hinteran mit seiner Harmonika\nund seufzt bei jeder falschen Note.\nNun erst verstehe ich die Rolle der\nGHAUSSURES RAOUL\nim Pariser Leben:\nder Glühdraht und die rote Pfütze auf\ndem Gehsteg\nDer Blutgott Seine wartet auf seine Opfer-\ngabe .\nMein Hotelzimmer rue Ghampollion\nliegt auf dem eingeschlossenem Hof\n(der Regen)\nwas ist man mit comfort moderne\n(der Regen)\nohne tägliches Brot. (der Regen)\nSo vergehen Tage, Stunden Minuten\nMonate\nbis Potsdamer Platz der den Rücken\nfeindlich kehrt\nall denjenigen die aus dem Hauptbahnhof\naussteigen\n(denn es ist eine mangelhafte Pflichtver-\nsäumnis sich Weihnachten auf der Strasse\nzu zeigen)"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.13", "texte": "Karel Maes: Linoleumschnitt 1923"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.14", "texte": "Der Regen — hängende Lippe\nund der einsame Schutzmann der uns den\nWeg weist.\nVom Zentrum bis Halensee\nan jedem erleuchteten Fenster umrahmter\nChristbaumschemen\nSchrecken erregend wie eine Spinne\ndie den offenen Weg flieht und die Lichter\nder Strasse\nFiisse niedergestreckt zu einem Pfeil nach\noben\ndas Heil erwartend von einer verborgenen\nLehre\napokalyptisch aufgemacht.\nAber ein sentimentales Christlied\nist unmittelbar beruhigend.\nDie Strassen von Berlin sind breit und kalt\nals' ob es alle Tage Sonntag wäre.\nDie schönen Fassaden von Charlottenburg\ngleichen wohl riesigen Fragezeichen\ndie in jedem Zimmer einen Altar verbergen\nfür die guten Geister des Stammes.\nDie Warenhäuser der Berliner Strasse\nund Kurfürstendamm\n%\nhaben kluge Zeichner\nund erfindungsreiche Impresarios\nsie bringen den Punkt des Fragezeichens\nin Bewegung\ndurch ein triefend Krähnchen mit Gobelet:\nPROBIEREN IST ANNEHMEN!\n* %\nLyrik der Tausenden in Konditoreien und\nRestaurants\nMittagtisch 3.000 ohne Wein\n8.-Z. am Mittag l'lntran. 3.e\nLes Grandes Manifestation a Berlin\nam Sonntag predigt die Heilsarmee\nvor dem Reichstagsgebäude\nmit Fahnen Fanfaren und Chor\nund keine zwanzig Menschen leider geben\nAndacht\ndem Armgeschwenke der schwerbebärteten\n. Männer.\nSie aber fixieren einen Punkt in der Luft\nund wähnen das Steuer der Welt in ihrer\nHand.\nLand des epischen Rheines und des pasto-\nralen Harzes\nAUF WIEDERSEHN!\nEtoile!\nParis est une liqueur qui monte a la tete\n(air connu)\nDie Autobusse in Gruppen beweglich wie\nGazellen\nmachen Paris bukolisch.\nWeiber — Autos — schauen feiern Feste\nShimmy — tolle runde Tänze\nAber der Mann mit dem Käppi\nhat seinen Zauberstock gezeigt\nund die Strassen werden wieder gerade.\n■\nDie sieben Kutschen auf den Mauern\nBabylons\nsind die zwölf Boulevards\n0 ETOILE\ndie über die Welt den Ruhm verbreiten\nihrer Modeblätter\nihre Bandelosigkeit\nihre Sensibilität\nihre Lebens-Hypertrophie\nzum Schaden von dem, was die Germanen\ndas ~Andere\" nennen.\nDie zwölf Sprossen von der Leiter der\nKenntnis\ntrafen ein magnetisches Zentrum bei dem\nFall Eva\n(„Mensch erkenne dich und du wirst die\nWelt kennen\")\nsie wurden die zwölf Speichen\ndes Tierriemens — Petite Ceinture\ndas ewig drehende Rad<\nA.l}or Päris\nO ETOILE-HOUBIGANT-GAPITEUX\nweiss nichts von Mythen Gott und Meta-\nphysica\nParis ist unbelesen\n— Das wilde Mädchen (Kino-Repertoire) —\nsie tanzt in ihrer schönen Ceinture\nsie lacht mit der Weisheit der Zeiten\ndass es hallt in London, in Rom, Den\nHaag und Berlin\nsie weiss wie der Duft ihres Mieders\nberauscht\nund hält da das Geheimnis ihres Lächelns\nbewahrt.\n\nM. Seuphor\nübersetzt von A. C. W.\n\nLes Automates\n\nYoici\ntoiit de fievre et d'orgueilleuse intelligence,\nprecis comme horlogeries\net, comme des rafales,\nbrusques\nles automates\naux courts mouvements verticaux\nou bien obliques\ntendus."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.15", "texte": "Victor Bourgeois: Architektur"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.16", "texte": "Quel apostolat par la raideur!\nTels sont dans nos cites apeurees\nles savants automates recteurs:\nceux qui ne courberont-ainsi\nle veutleur orgueil sentimental-\njamais un geste createur\npour ne point renoncer(fut-ceuneseconde!)\nä la violence hardie\ndes rectitudes breves.\nlis aiment beaucoup, ces automates,\net leurs bras dechiquetent,\nparallelement,\navec celerite tragique,\nde petits gestes adorateurs\nbrises.\n*■\nMagnifiquement mecaniques\nils vont ä leur destin, ces andro'fdes,\net leurs jambes scandent,\nle decomposant avec verve,\nun minutieux emportement supreme.\nMachines, ils passent.\nEt demeureront, hommes.\nLe lyrisme urbain ne possede-t-il\ntrop d'amour en sa science\nEour ne point transformer entendresse\nätee et raide,\nl'apre industrielle?\n\nPierre Bourgeois\n\nGedichte\nPaul v. Ostayen\nZon brandt de rozelaer\nzon brandt de glasscherve\nKind\ngeef acht\nhier liggen glasscherven.\nNachtehk vlieg-en vogels van \\T\nJ MJ • 1° V\nde wilde wingerd weg\nSchrikbeladen klapperen vlerken T .\ndol\nin deemstering p\nKnakgeluid vantakken veelvuldig kort -p\nontsluieren vlerken iL\neen ogenblik\nniet-herkenbare ruimten IV\nde ruimte is van knakkende\nvlerken\nvol\nPlotseling zyn vogels T?\nschrikgeschud\nOTIS lyr\ntot-dingen-gestolten Angst\n\nNotes\nMaurice Casteels\nLe Zeedijk, boites ä matelots, musiques\nmanufacturees, negres hilares, sourires\njaunes, policemen poupins gantes de blanc,\ncorrects cofhme des jouets neufs, injures\nde filles meticuleusement propres-pour ce\nqu'on y voit-rotzak. Et entre les maisons\nrouges et les eaux vertes, etre charrie\njusqu'au Oude Schans qu'empuantissent\ndes chalands sombrant sous des charognes\naux os nus percant les chairs violettes\nornees de bubons noirs enchass6s dans\ndes plaies moisies. Et des hommes comme\ndes mouches, lä-dedans, humant le relent\ndes pourritures bleues dans la buee lourde\nd'un apres-midi de juin. Un quartier sou-\ndain, fait debätisses en haillons, marquees\nde croisees mortes et de portes baillantes\nä jamais qu'un escalier de bois vieux,\ngris, c'est probable, prolonge vers un\nmystere de crasse seculaire. Et des caves\noü s'enfoncent les Mathusalem pouilleux\naupres d'un tresor d'antiques cuivres\nhollandais, authentiques et verts. Et une\nfeminite obese, un ballot qui roule par\naccident, une surabondance de graisse\njaune que des hardes moulent, et une\nclique de gamines de dix ans, des Sarah,\nRebecca, Judith, avec des timbres cass6s\nde noceuses ou des gamins mefiants colles\nen tas silencieux comme des paquets de\nvermine. Et puis c'est l'etal des poissons\nglaireux, des plies eventrees, descabillauds\nsupplicies, hisses d'un sous-sol par des\nmains rouges et flaques ä meme le trottoir\nde briques vetustes. Dire le trafic febrile\ndu march6 juif oü les valeurs sont reve-\nlees comme des confidences ou glapies\ncomme une denonciation, oüunpersonnage\nhuileux, marchand de creme glacee, estime\nen biglant des bijoux grossiers d'or rouge.\n— Non merci, je n'achete rien.\n— Je krijgt de pest, je krijgt de\nziekte\nJ'essaie un regard explosif et la masse\nsolidaire ricane: «verrek!»\n\nWenduyne-aan-zeek\ndoor\n\nReeds veertien volle dagen komt de grauwe\nhemel van myn vriend de esoterieker in\nwrang§ botsing met\nmyn algemene menselikheid.\nTiendra . . , tiendra pas."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.17", "texte": "Karel Albert: Kosmographie „Kinderlied”"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.18", "texte": "Heeds veertien volle dagen\nis er nattig dryfzand op het Strand\nen zelfs de meeuwen worden roofdieren.\nHet bewogen profiel van de weerstand in my\nis een panorama van dykvormende duinen.\nYestingen zyn nietmeer van steen\nop onze dagen, —\n's nachts hoort men hoe de golven\nbrede bressen slaan,\nmaar 's morgens zyn alweer nieuwehoogten\ngerezen\nuit de plooien van de grond,\nTiendra . . . tiendra pas.\nAlleen de kinderen hebben dat gezien\nmet hun opmerkzaamheid van echte\nkunstenaars:\nlessen zyn maar spei voor hen\n. . . en zy bouwen overmoedig nieuwe\nforten, na elke hoge ty.\nTiendra . . . tiendra pas.\nMaar de duinen speien niet,\nhun ernst verbergt een taak.\nWant achter hun stryd zyn\nde brede landouwen van Viaanderen\nkontemplatief.\nSoms spitzen de molens de oren,\nmaar de bomen\nverteilen van hoeve tot hoeve\nwat ze zien met hun gerokken nek\nen hoe de duinen\nde jacht gesloten houden, —\nen dan lezen ze voort hun brevier.\nHotelkamer zeekant-\nklubzetel nababformaat\nop grootte van myn dagelikse doening.\nBeeld van volledige rust.\nh i\nBlyheid is de slinger van deze verveling.\nTik-Tak van alle seilen\nintiem leven van alle seilen\ngezondheid en tal vergeten manieren van\nzyn\nworden tussen de bievakkeringen ontmoet\nmet open armen en een lied in top\nals aan het front van de grootstad\ndoodgewaande vrienden.\nSekonden tikken kinderstemmen aan het\noor..\nWat gaan we nu speien?\nNa Ganges-bad\nal het wemelend wit van de mensen\nvoor de seremonie van 3 uur 45:\nde zoen van het vliegtuig M. P. 23\naan de zee.\nEn devoot met een plechtige buiging\ntrekt Mevrouw zieh terug\nin haar appartement.\nWat gaan we nu speien?\nTennisbai tennisbal\nsplinterniuwe tennisbal.\n— »La Cadillac de mon oncle.«\n— »Moi je prefere la Place Vendome.«\nMyn ~Conduite interieure\" weigert zyn\ndienst.\nIdioot opent zieh myn mond\nvan geslagen verbazing voor de heel nieuwe\nwereld\ndie in je glimlach opengaat.\nDe woorden die je spreekt hebben geen\nbetekenis: zonnetekens in de lucht\nje woorden zyn een gordel belletjes rond\nmyn hals, en myn hart a giorno\nje woorden zyn maar woorden in de wind\nen myn hart a giorno in het tennisnet.\nTennisbal tennisbal\nsplinternieuwe tennisbal,\nzo slaat je blonde lach op de snaren\nzo is je blonde lach in myn handen\nna de verloren party\n. . . en later een Beethoven-motief\ndat niet wegwilt uit myn hoofd.\nDe wind akrobaat\nmaakt karpersprongen in de zon.\nTussen de duinen is er geen wind.\n— «La Cadillac de mon oncle.»\nAls terminus van de vier-en-twintig-uren\nkoers, crosscuntry van 150 kilometer,-\nvonden wy het Strand van Viaanderen\nbezet door »PUBLIEK«, het internationale\nleger der neurastenieke spermatozo'iden,\nonder lenze: ~Lui, lam, laf tot de dood\".\nHet nederig sportkostuum maakte ons\nverdacht aan fanatieke bevelhebbers, en\neen karig bestaan in de neutrale zonen\ntussen zee en duinen bleef weldra de\nenige uitkomst.\n— Daar moeten we zö voor gelopen hebben,\nzeiden de jongsten.\nDeouderen filosofeerden Sombervan ~vani\nvanam\". Ze zagen duidelik nu in de mist\nhoe alles met een zyden draadje aan de\nhemel hangt, en voelden dit dryvend\nvasteland als een schip in nood op holle zee.\nFransiskus uit het Oosten stak zyn hand\nniet toe."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.19", "texte": "Paul Joostens: Bild"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.20", "texte": "De tweede dag was de zee een strak\ngespannen boog en wy ieder een pyl\nwanhopig wachtend op zyn schot in de\neindeloosheid.\nToen kwam uw redding\no Peiro uit het Westen:\ninenting tegen »PUBLIEK«\ngeheugen van Saturniaanse Tydperken\nnovoka'fne tegen gevalle en ongevalle\nenjelen,\nNietzsche en andere Middeleeuwen.\nEn wy zagen (lusieder nu)\nde strak gespannen boog\nschedel van een meer gehikkige Konfrater\nvan weleer\n(100000 metapsychozen vroeger),\nheden Konkurrent-in-'t-groot,\nde wettelik erkende Truster.\nOnze kreet »Go-o-od« echode\nmeer dan vyf-en-zestig maal.\nVoor Hem echter\nwaren we parasieten\n(wanneer men er nu eenmal gekomen is!)\nen het antwoord bleef weg.\nGelukkig hebbe we allen een oom dood\nin Amerika.\nFifth Avenue New York City.\nMaar het bekomen van het erfdeel\nligt in eeuwig proses\ntussen ons vertrouwen\nen de Atlantiese Oseaan.\nDe Kapitein van daarboven\nvoert tyd-terwyl de schat naar 't ongekende\neil and\nin de zee van O BIOS.\nEen scheepsjongen die Mime heet\nzal er gouden pennen uit smeden\nterwyl de Swan-ridder\nop ons wordt toegezonden\nmet de fabel der arie goddelike deugden\nin portefeuille.\n— De bemanning van het landschip\ndankt de Kapitein voor deze fabel.\nWie is de stuurman van het landschip?\nHet landschip is sinds Mozes reeds\nop weg naar Singer Building.\nMaar Singer Building is geen vaststaande\nlichttoren\nin de zee van O BIOS\nen de wind in de Zeilen van het landschip\nblaast ook op Singer Building.\nZ'o ontdekten de drie zoons\n~Het Geheim van de Landbouwer\".\n— De bemanning van het landschip\ndankt de Kapitein voor deze fabel.\nEn daarom mag dit gedieht\nNiet eindigen op Cambronnewoord,\nzyn uitroepingsteken\nis het groot-lot-getal: M. SEUPHOR\n(~It is a Paramount picture\")\n\nM. Seuphor\n\nLe Dernier Prophete\nMaurice Casteels\nII ne restait qu'un seul juste.\nLes hommes mangeaient, buvaient, forni-\nquaient et ils ne faisaient pas autre ehose.\nLe juste precha et on le earicatura pour rire.\nPour qu'on le crüt il marcha sur des\nbraises ardentes avec le sourire.\nII piqua des epingles ä chapeau dans ses\nmollets qui ne saignaient pas.\nII montra son sexe dans un music-häll.\nOn le trouva original, c'est tont ce qu'on\nlui accordait.\nII chargea sur ses epaules les sanglots\ndu monde et des environs pour singer\nles dieux et les poetes, rien n'y fit.\nUn cretin raconte qu il etait hysterique.\nAlors il dansa dans un restaurant nocturne\noü eil es etaient folles de lui.\nII les entreprit une ä une et epousa leurs\nvices bizarres.\nII les tuait ainsi sans qu'elles voulussent\nse convertir.\nLui aussi en est mort.\n\nAutomayers\n\nMayers wollen per Auto in Gesellschaft\nfahren. Es ist schon hohe Zeit, und sie\nwarten ungeduldig auf das bestellte Auto.\nMayer dreht seinen Schnurrbart, sie zupft\nihre Locken vor dem Spiegel. Plötzlich\nsagt sie: ~Ich verstehe nicht, Emil,\nwarum das Auto nicht kommt\". Mayer\ndreht seinen Schnurrbart und bemerkt,\ndass das Auto schon lange dagestanden\nhatte. Da brüllt er vor Schreck: ~Das\nAuto steht vor der Tür!\" Um zu wider-\nsprechen antwortet sie gereizt: ~Du\nmeinst wohl hinter der Tür?\" — ~Nein,\nvor der Tür.\" — ~Nein, hinter der Tür!\"\n— ~Also vor der Tür.\" — ~Also hinter\nder Tür!\" — ~Meinetwegen hinter der\nTür.\" — ~Nein, in diesem Falle selbst-\nverständlich vor der Tür.\" — Pause.\nMayer dreht seinen Schnurrbart wie eine\nSpindel. Sie zupft ihre Locken. Das\nAuto 'steht gross da. — Nach einer Weile\nversucht er wieder: ~Das Auto steht vor"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.21", "texte": "F. de Boeck: Panneau décoratif"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.22", "texte": "der Tür.\" — Jetzt ist sie empört : „Nein,\nhinter der Tür!\" — ,,Nein, vor der\nTür!\" — ,,Nein, hinter der Tür!\" —\n„Vor der Tür!\" — ,,Hinter der Tür!\"\n— ,, Vor der Tür!\" — ,,Hinter der Tür!''\n— ,,Das Auto steht vor der Tür!\" —\n,,Das Auto steht hinter der Tür!\" —\n,,A1 so vor der Tür!\" — ,,Also hinter der\nTür!\" — ,,Meinetwegen hinter der Tür!\"\n— „In diesem Falle selbstverständlich\nvor der Tür!\" — Pause, Schnurrbart-\ndrehen, Lockenzupfen, das Auto steht\ngross da. Sie überlegt, wie sie den\nStreit beenden kann, ohne nachzugeben.\nPlötzlich fragt sie: „Wir steht vor der\nTür?\" — Er: ,,Hinter der Tür.\" — Pause.\n— ,,Wer steht hinter der Tür?\" — Er:\n,,Vor der Tür.\" — Ihr platzt die Geduld.\n,,Schatz\", sagt sie, ,,ich glaube, ich\nwerde verrückt.\" — Er: ,,Nein, Du.\" —\nSie: „Ich glaube, Du wirst verrückt.\" —\nEr: „Nein, ich.\" — Pause. Das Auto\nsteht gross da. Sie, verzweifelt, unter\nTränen: „Aber das Auto steht doch vor\nder Tür.\" — Er: „Nein, hinter der Tür.\"\n— Sie: „Aber das Auto steht doch hinter\nder Tür!\" — Er: „Nein, vor der Tür.\"\n— Sie, schluchzend: „Aber das Auto\nwartet doch draussen!\" — Er: „Ruhig\nwarten lassen.\"\n\nKurt Schwitters\n\nTropfgehänge\n\nErde lieiss gesiedet\nkräuselnde Feuer in Bäumen und Lüften\nein Mädchen\n1 ii n g'\njraim\nbrennendes Haar\nMädchen glutender Lüste\nSchilder des Nackens funkendes Sprühten\nrasche sonnendunkle Tupfen -\nund ein Bänderfliessen\nalles locker\nalles voll\nBänderbogenmuskel gestrafft\nschlank\nKnöchel Kelche\nenggerafft\no schlanke weiche Springflut des Leibes\nTropfschale die Brust —\nich stehe\nsehe\ntrinke\nDurst\nLippe hängende Wolke schwül\nTrinken\nmein Blut begehrt\nDürsten wirft Falter hin\nBeissen in schlanke Kelche\nBeissen in lustende Nacken\nSpringquell Lust jachjäh empor —\no Durst\nmich quält mein Blut\nich stehe\ntrinke\nwanke\ntaumle ins Gartenbeet\n4\naufrauscht weite Flucht roter Fingerhüte\naufrauschen glutenrote Dahlien\nein Tagpfauenauge\nlustsonnenvoll\nwirbelt auf und hin\nich gehe\nrauschbezwungen\ns o m m e r g e s i e d e t\nweibbetäubt\ngehe\nsehe\nund stehe\nalle Gefässe wirbeln empor\nSprüht unter Haar und Wimpern\nSprüht unter Sohle und Rippen\nScham\nbrennende\ndass ich mein Blut nicht dämpfen kann\nda schreitet das Schlanke\nmüde\ndunkel gebannt\nunter Tropfgehänge blutender Geranien —\nweh\nTropfglanz meiner Lust zittert\nfällt\nmein Blut in den Geranien\no alle Lust\nnichts\nScham brennt\nund heiss der Sand knirscht unter meiner\nSohle\nStengelhohe Geranien\nblaue rote Blüten spreizen\nbriinsten\nSonne heisse\nlastet Wollust nieder\nBlütenglieder öffnen\nschliessen\ntrinken Glutenfluss —\nweisse schlanke Mädchen g-ehn\nFeuerblüten\nTropf gehänge\nzwei schwere Dolden schaukeln\ndie schlanken Mädchen glutatmend stehn\noffne schöne Krüge in den Gängen\nund gehn"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.23", "texte": "Béla Kádár: Verführung / Vielfarbendruck"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.24", "texte": "o leise müder Schritt\ngeschleppt\nErde gebannt\nein Fruchttropfen schwer hängt der Kopf\nBrüste die vollen Dolden der Erdenpracht\ndu trägst deine Freude\ndu lastest nieder grosse volle Tropfen\ndeine Pracht macht meine Sinne sommer-\nmüde\nsüsser schwerer Drang und Duft\no Gärten\nschöne Mädchen schlanke Blütenstiele\ngreifen\nstengelhohe Geranienblüten spreizen\nbrünsten\nRote Fahne o Weib\ndein Haar mähnt\ndein Blut rollt\nwallende Glut\nheiss hoch\ndu —\nleise mein Blut brodelt\nlangsam ein Pfeil steigt\nhärtet\nheiss Begehr brennt\nLeib Brünstigkeit\nein jähes Zittern mähnt dein Haar\ndein stürmischer Leib\nrote Fahne o Weib\nbiegender Mast\numrauschender Baum\ndeine Arme\nSchenkel\ndeine weissen Wunder stürmen\nein Grund\nein Muschelmund will öffnen\numschliessen\npressen den Pfeil\nLüsten\nBluten\nBlut lustend soll ich zergehn\nSterne schleudern Kraft\nSehnsuchtsfackeln\nWundernacht\nMonde grün\nund hoch der weisse Bogen\nSehnsucht Licht\nund meine Kraft wühlt dunkel\nschreit\nklagender Ruf\nein Uhuvogel unter Stern und Büschen\ndass kleine Vögel schrecken auf\nElstern in Zweigen türmein gackern\ndass Frösche blähen klagen Ton\nSumpfvogel fällt vom Stein\nund Fledermaus verängstet huscht —\nmeine Kraft\no klager Ruf\nda fliehen\nund kommen\nviele dunkle Schatten\nalles will gehren raffen\ngatten\nich\nTiere Blumen Menschen —\no Nacht\nSehndebogen\no hoch die weisse schimmernde Kraft\nLicht ins Dunkel gefügt\nGold in Schächte gelegt\nStern\nDu Mir\nIch Dir\nnah\nfern nah\ndunkler Kraft erblüht!\nHoch\nsingt\nStern\nIch Du\nWeib Du\nTier\nleuchte Stern leuchte\nhoch singt Ich\nKraft\ndunkler Erde erblüht\nIch bin verbunden weher Lust\nbin denkelos\nohne grüssende Ferne zu mir\nbin liedlos\nohne jubelnden Gruss zu dir\nweiss nicht\ndas Blühen\ndas Volle\nder gestraffte metallene Klang\ndas denksichere Grüssen\nder hohe Liedergang\ndas Lachen\ndie lose flatternde Hand\nweiss nicht was alles mir entschwand —\nund nun noch du\nlüsteschwerer voller Leib\nund\nbraune weiche Flut\nbraunes Pelzfell deine Haare\ndeiner Augen lustende Sterne\ndunkle blaue lockende Tiefen\nund dein Mund\neine aufgerissne pralle Frucht\nSchale überkippt von drängendem Blut"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.25", "texte": "lustschwer\ndass du mich küsst\nKopf in weissen Flügelbögen\nmeine Kraft jäh hochgehisst\nraweh\nunter glühen Bogenlampen\ntönender Raum\nwühlende Musik\ntanzende Sonnen\nin greifen Fingern brennendes Licht\ndass du mich küsst\nraweh\nmeine Kraft goldner Eber schiesst\ndass du blutest bittest flehst\nund losstürzst\nach\nich\nweh\nzerrissen\nverworfen\nblutender Nacht verbunden\nNacht\nSonne bestieg ihr graues Ross\nschwarze Vögel breiten Flügel\naber Himmels Rosengarten blüht\nund eine hochgeschweifte weisse Braue —\nstrahl und dunkel und\nüberrundet lieblich\nblühn nun deine heissen Blumen\ndeine Küsse\nstrahl und dunkelduftend liebliche\nKamille —\no du\nschwere volle lose\ntraumerblühte Aster deines Leibes\nmein Glanz schweift über deinen Glanz\nmein Blut rauscht auf in Lustgesängen\ndu Blüherin\nGlänzerin\nRauscherin\no du —\nHaarschweif einer weissen Ferne\ntiefer Nachtglanz ist dein Leib\nund deiner Augen blaue volle\nlustende ach lustende Sterne\nund\ntäubende Kamille\nder\nDuft von deinem Kuss —-\no mit dir zu sein\nblutjubelnd hoch\nnachts über Raum und Stern\ndich küssen\ntrinken\ntief ins Nachtmeer sinken\nbis an Morgenröten\ndes Nachthimmels blassen Rosengärten\nzwei Menschen stranden\nBlut und blüh und lichtumschlungen\ntaumelnd vor Glück\nDu lachst\nund bist nicht liebegern\ndu tauchst nicht ein in Glanz\nund Glück\nund jubelleisen Stern\nträgst keinen Schweif des Lichts im Haar\ndein Haupt ist gelehnt in dunklen Brand\ntraumwirre Lieder singt dein Blut\nklopfend an Brust und Brust\nund bist doch gut\nim Rausch\nTon\nTakt\nund glühen Lampen\nbetörendes Gift\nquallösend\ngut\ndass ich nun wieder Lustgesänge\ndass ich meinen Schmerz nun\nleis in ein Lied verdränge\ndass ich allein in Nacht nun geh\nvor deinem Haus noch einmal\nblüher Traum\nrauschselig stille steh\ndass ich nicht weine\ndass ich singe\ndeinem Leibe\nheiss rausch\nohne Qual\nvorüberginge\ndass ich lächelleise geh\nvorüber Glanz und Glück\nund Jubelstern\ndunkeltiefer Nacht umhüllt\nTraumkreis\nnichts\ndas Nichts mein Tisch\ndir wird nichts mangeln\no Seele\nTücher durchblüht\nLampen\ndämmerröten deinen Raum\nnachtlieb schöne Frauen\nlauscher Stirn und lastender Hände\no kürmelnde Worte kosender Mann\nBringer der Lust\nund\nselige Sünde\nDu\nVase .\nirden Gefäss\nKessel der leise rauscht"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.26", "texte": "Gnade süssen Wein ich trinke\nheiliger Frauleib\nschenkende Geliebte\ndein Trunk macht locker\nund macht müde\nfussbannend\ndein Teppich breitet mich neben dir\nnieder\nDu der sündeseligsten Glieder ...\nHäfen\nverstrandend gebuchtet\nschwimmende Berge gipfelgerötet\nBernsteinberg gipfelnd rotfrüchtigeKoralle\nLeuchten des Meeres Phosphor Kämme\nNacken\nblaues Atoll augschimmernder See\nTangbüschel Schreckwald deine Haare\nund deine Küsse ringender Strudel zu\n, Grund\no furchtbare Gnade dein Trunk\nich will dich trinken\nSünde\nGnade\nalles ist Geschenk\ngib deine süsse schenkende Hand\nich will einbuchten dein Blut\nin mein traumverworrenes Land\nich kann dich nicht lassen\nich will dich umschliessen\nMost\nso will ich durch dich schiessen\ndu wirst mich halten\nin deine Gewölbe mich fassen\nkeltern\nsüssen\ndein gnadenreicher Wein\nich preise meine Sünde\nmeine Wunde\newig will ich dich Blutsüsse Trunkene\ntrinken\n\nFranz Hoffmann\n\nGedichte\n\nWoge Herbst\nSchuss\nknickt die Kniee\nbleich\nvor Blut des Wrilds\ndie uren Leiber\nwogen rot\nrottrappelzottig\nschrei\ndurchdampfend gähn\nden Eichmorast\nzack\ngraben sich die Wurzeln\nin den Mond\nauf Kähnen\nglasen rudernd\nBlitze\ngeierflaum\nhohl\nglockt der See\nund\nträgt auf magern Armen\nweh\nden Zug der Fische\nzitterflossen\nschrägen Fische\nscharen\nglotzen\nkreisen\nziehen\nschwimmen\nfern\ndas milde ♦Sternmeer\nleer weint See\nda kauert gier der Greis\ndie spinnen Hände\nklammern Becher Gelb\ndie hüpfen Flammen Wald\nund\nTrinken\nTaumeln\nSinken\npeitscht der See\ntast\ndurch die Netze fallen Blätter\nzirrt\ndie Angst\nund\nWandern\nWandern\nstrich\nund zirr\ndie Hälse\nAugen\nsehn\nund\nschrei\nund\nWandern\nWandern\nWanderrot\n\nZwischennacht\n\nF unk\nSilberfunken Nacht\nentwölben\nknisternd\nschwebe Bergschlucht Grau\nschwebgrau\nZottgrau\nrollt Grau"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.27", "texte": "Moholy-Nagy: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.28", "texte": "schräg überkippt\ndie schweifen Pferde fliegen\nfliegen silbersträhn\nund\nSilber kichert\nplätschern\nkalken\nsteil\nschwebt der Platz\nzerschnitten\nschattentastend\nStern steht in Blau\nin Mantelblau\nin Blau\nGerippe\nneigt\nund\ntrommelt klimperspitz\ndie ritzen Lippen\nsplittern Sonne\nSonnekelch\nBlutfall aus räuchern Krater\nLicht platzt auf\nplatzt Menschen halb\ndie zappelhalben Menschen\ntanzen\nzappeltroddelschling\nder Schrei springt rot\nin Silberwellen\nfurcht der Kahn\nblüht Kinderstimmen\nChor\nHochchor\nschwell\nliliensteil\ndas Singen weht\nwild\nbrüllt\ndas Haus die Augen\nstösst die Beine\ntrümmert\nspringt\n\nKurt Liebmann\n\nGedichte\n\nMelancholie\nAm Ende ist keine Hoffnung denn Gott.\nWir sind ein Fluss von Tränen alle.\nEs duldet die Scholle.\nEs säet der Wind.\nGebeugte Früchte im Felde die Seelen\nder Menschen\naber die Ernte erlöst in Scheuer und Spreu.\nGib, dass wir Ewiges ernten aus\nunserem Schmerz.\nNicht reichen die Götter die bittere\nSpeise z iletzt\nTod ist Brot der Ewigkeit\nwer davon isset lebt immerdar.\nEinst senken sich alle Zweige im\nvergänglichen Mond\nhin gibt sich die letzte der Blüten\nin die glühende Farbe des Herbstes\nwirft sich die Nacht.\nTalüberist alles erlöst.\nKalt am Gerippe der Wälder hängen\ndie Sterne\nhohler tönen die Brunnen von fern\nim bräunlichen Laube wühlet der Tod.\nBald hält des Herzens tollenden Lauf\nder Winter vereist\neinsam all-einsam\nKein hungriges Lichtlein tröstet den\nfinsteren Wandrer bei Nacht.\nNie eine Seele spricht; Komm es ist\nr Abend\nsiehe die Liebe erleuchtet die Kammer\nweile bei mir Welt ist am Tor.\nIn, eisigen Lüften erfrieren die Wolken\nErde ist meine Mutter und alle Toten\nin ihr\ngesäugt von der Gräber Saft im Acker\ndes Friedens\nhinsinkt mein Schlaf\nvom Wandern verwundet sind meine Füsse\nes salbt sie die eigene Träne der Not.\n\nRhythmen wider die Melancholie\n\nMeine Seele ist nichts\nein leerer Kelch in gesenkter Hand\nüber ihm ratlos das Antlitz der Trauer\nausgetrunken ganz Leid und Freude\nvom Munde des Tags\ndie Klage verronnen\ndas Lachen zerborsten\ngraue Fäden gesponnen von bitteren\nStunden ums Herz\nhochüber mir blauend der unendliche\n» »V •\nHimmel die uralte Frage wie eh'\nohne Antwort\ngegeben\ngenommen"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.29", "texte": "Nell Walden: Segelbild / Vielfarbendruck"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.30", "texte": "gestorben der Geister Gesang im\nGewoge der Lüfte\nwechselnd das Licht und die Finsternis\ndie ewigen Schritte des Alls um sich selber\nin einem hinauf und hinab durch die\nSchluchten des Leidens\nweit hinter der flüchtenden Ferse der\nGarten der Liebe\ndie Wege der Freundschaft zeithin\nverschüttet\nSchmerz ist die Welt\neintag und austag.\nHoch reiss ich von neuem den Becher\ndes Daseins\nflieg mit den Fittich der Hoffnung\ngen Anfang\nfühle mich Spiel im Lufthauch der Gottheit\nein schreitender Tanz im Gewitter bin ich\noh Erde geliebte im dunkelsten Tal!\nFallen im Herbstjahr vom Himmel\ndie Sterne\nweinen die Götter\nlächeln die Menschen\nes ahnen die Welten ihr stummes\nGeheimnis\nweinet\nes einet die Träne den Mensch und\nden Gott!\n\nWinterliches Lied\nSehnsucht.\nEs singt eine Harfe im Schnee.\n-Der Madonna Bild klagt am Föhrensteg\nstumm versinkt der Forst im Winterrauch.\nEinsam äugen die Rehe.\nDie Krähe sticht scheu durch die\nbangende Luft\nGott atmet am Hang\nan seinem Herzen erfriert die Welt.\nGäb mir der Tod diesen Traum\ngern unter weissem Fittich entschliefe\nich auch.\nWo die Himmel kühl sind\ntrinkt der Sterne Odem ein Gott\naber die Menschen erlöst nichts unter\nden Wolken.\nSehnsucht.\nDas ist das Lied unterm Schnee.\n\nSonnenwende\nGold überm Hügelschnee schläfert der Tag\nso ruhen im Schnee die ewigen\nFrühlinge immer\nstille mein Herz\nbald bist du bereit.\nNoch einmal kommen die Sterne vom\nAbgrund herauf\nund in die Hände der Nächte sinkt\nalles und alles.\nGlüht auch die Seele nach dem grossen\nGestirn\nfröstelnd\nweinen die Wipfel im Abendtann\nlausche\nim Dämmern rastet der Fluss nicht im Tal\nund die Schollen singen wilder ihres\nTodes Gesang\nSüdwind wandert herauf\nauch zu dir.\nSchwankender Zweig in gläsernen Lüften\nhinstirbt seines Winters verhaltener\nTraum\nliebliche Ahnung erlöset die Knospen\neinst werden sie blühen am Berg.\nRings oh du Abend!\nStehen nicht Welten belaubt und erblüht.\nSonnenwendfeuer leuchten die Hügel\nGlühe oh Seele\nentbrenne dich mit!\nUmflogen das Antlitz vom Abschied\nder Sonne\nwende dich, Haupt:\nso grüss ich den ersten ragenden Stern.\nHoch aus verschneiten eisigen Gipfeln\ntropft der Erlösung köstlicher Tau!\n\nAlte Mädchen\nAbwärts sinken die Hände\nim Weh noch tasten sie zitternd das Herz\nbald ist das Antlitz zerfallen,\nein Garten im Novemberwind.\nEinmal noch blühen verschüchtert\ndie Wangen\nruht glücklich ein Kind an der Mutter\nnährenden Brust\nfällt im Waldgang ein Kuss zwischen\nfremden Geliebten\nall diese Welt ist ihr lange vorbei.\nAbends im Zimmer der Einsamkeit\nstumm hocken an den Wänden\nglanzlos die Träume\nwehrlos verrinnen die Augen im Dunkel.\nBlätter gehen im Herbstwind so.\n\nKurt Heynicke"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.31", "texte": "Gedichte\nLothar Schreyer\n\nEin Kind\nDas Weinen ist dein Lied in dunkler\nKammer\nBeten und Fasten hüten deine Wiege\nwiegen wiegen\nKeusch breitet Demut helle Flügel aus\nDu schaust die Nacht\nTraumschwer bebt die Erde\nDas Bad des Mondes übergiesst dich mild\nDu lächelst in die Nacht\nDeine Hände greifen den Mond\nEine gläserne Kugel fällt aus der Hand\nder Mutter\nDie Tränen tropfen tropfen\nDer Himmel weht herab\n\nDas Mädchen in der Welt\nDer Sturm geht über dich\nAus dem Abgrund des Menschen bläst\nder Sturm\nDurch alle Wände bläst der Sturm\nDie Menschen fallen\nDie Frommen hocken im Gebet\nDie Bösen tanzen\nDie Schenkel der Bösen sind mit Blumen\nbekränzt\nDie Augen der Frommen weinen\nDie Steine rollen\nEis fällt vom Mond\nDie Sterne zerbröckeln Staub\nSand fegt die Blätter herab\nDie entlaubten Bäume stehen in der\nSchärfe des grimmen Hauches\nDie Lippen kräuseln sich bitter über dem\nWort\nEin Seufzen steigt aus einem armen Herz\nEin Lichtlein sinkt in tiefe Tiefe\nIn tiefer Tiefe glimmt es auf\nDurch Sturm und Härte gehst du still\nund mild\nDie Tiefe sieht das Licht in deiner Brust\nDie Tiefe sieht den Glanz auf deiner Stirn\nDas Lächeln der Welt schwingt zärtlich\nentgegen dir\n\nDer kleine Hirte\nDer kleine Hirte hütet des Vaters Herde\nDie Lämmer weiden am Wiesenhang\nDie Wolken gehen darüber hin\nSonne und Regen gehen dahin\nDer Abend kommt und der Morgen kommt\nDie Röte entbrennt auf fernem Gipfel\nDas Lamm schläft an deiner Brust\nDer Sohn des Menschen wandelt zwischen\nden Tieren\nAufgeht über dem Feld der Stern\nDie himmlischen Hirten umstehen das Lager\nund singen\nNicht hören die Menschen in ihren Häusern\nDu trägst das Lämmlein durch die finstre\nSchlucht\nIn deinen Händen trägst du dein Licht\nDer schmale Steg zerbricht und du fällst\nnicht\nUnd deine kleine Herde weidet auf hoher\nHalde still\n\nAus der Finsternis\nIn Banden liegt der Bote des Herrn\nLebendig begraben ist der gefallene Stern\nDen Schlund der Erde füllt sein Leib\nDie Erde hockt auf seiner Brust\nSein goldenes Herz glüht im Feuer der\nTiefe\nDie Menschen flattern ins Feuer der Tiefe\nDie Schätze der Welt quellen aus der\nerstarrten Hand\nDu siehst das Licht der Nacht\nDas Auge sieht dich an\nDer Mond ist eine kalte Träne\nDer Blick der sterbenden Mutter sieht\ndich an\nDa schreist du dass die Träne fällt\nDa schreist du dass die Mutter stirbt\nDa schreist du dass die Hölle singt\nUnd dein Erbarmen bebt im Herz des\nLichts\nBlut fliesst aus deiner Brust\nUnd du gehst zu den Menschen\n\nTRAN 35\nDada ist eine Hypothese\n\nMotto: I think the world's mena-\ngerie the greatest kind of show, that\nany one could wish to see whereever\nthey may go, t'will be a pleasant\ntask to me to introduce to you the\ndifferent sorts of animals you'll find\nare here on view. First come, first\nserved.\nGelegentlich des Jahreswechsels 1923 reisst\nmir endlich der bekannte Faden der Ge-\nduld. Ich hänge nun nicht mehr wie eine\nSpinne am Faden, sondern fädele ein und\nspinne mit Tinte. Wie oft habe ich meine\nErkenntnisse wohl schon in die Welt po-\nsaunt, wie oft habe ich die Kritik kritisch\nbetrachtet, ohne dass man mir am Neu-\njahrstage Kränze eingefädelt hätte. Warum\nschreiben eigentlich die Zeitungen immer\nnoch nicht: „Merz ist der Konstruktivis-"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.32", "texte": "Mus, den unsere Zeit braucht?\" Sehr\neinfach, weil ich selbst es schreibe. Aber\nsie werden schreiben: , ,Der Expressionis-\nmus ist schon längst grosser Merz ge-\nworden, nun ist auch der ganze Konstruk-\ntivismus mitsamt dem Kubismus Merz,\nnichts als MERZ. Das Kunstblatt wird\nsich Merzblatt nennen und von den After-\nmerzern fünf Jahrgänge mit Abbildungen\ndrucken. Und so werde ich auch in den\ngrossen deutschen Koncern mit eingemerzt\nwerden, wenigstens meine Brut. Dabei\nfällt mir eine Stelle aus meinem Roman\n~ Franz Müllers Drahtfrühling\" ein, die\nich mit Hans Arp im Sommer 1923 auf\nRügen gedichtet habe. Ich lasse sie folgen:\n~Das Wort Merz aber stammte von\n~,,ausmerzen\"\" und war von Herrn\n~ComMEßZienrat Katz sehr sinnreich\n~erfunden. MERZ war nämlich Ironie,\n~indem es die Lichtseiten des soge-\nnannten Dadaismus, den in Revon so\n_~ recht niemand kannte, und die Schatten-\n,,seiten des sogenannten Expressionis-\n,,mus, der in Revon mit Recht so ge-\nfürchtet war, und in dem die Herren\n, ,Westkohn und Heim wiener ihr Wesens\n~trieben, beleuchtete, wodurch die\n~Herren Westwiener und Heimkohn\n~zu phosphorescieren begannen. Nun\n, ,sind sie Glühwürmchen geworden und\n~schwirren in Berlin umher.\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, llimmre,\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, llimmre,\n~ Schimmerst mir auf Lehmbruch-\n,, wegen\n~ Mit dem Kitsch dem Geld entgegen;\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, flimmre,\n~ Glühwürmchen, Glühwürmchen,\n~ schimmre, flimmre,\n~ Zeigst im Kitschblatt expressiv\n~ Mir deinen Genitiv.\n~ (Zu singen nach bekannter Melodie.)\n~Sogleich bei dem Worte „Kitschblatt\"\n~sprang bums Dr. Rudolf Bluemner\n~mit ~,,Hurrah\" \"aus einer kleinen\n~Spieldose, welche dazu\n~ Kitschblatt, Kitschblatt über alles,\n~spielte,\n~ Über alles in der Welt,\n~ Wenn es stets zu Mistwehs Trutze\n~ Von den Schiebern Geld erhält.\n~ Von Steinpech bis zu Deffregger,\n~ Alles schmiert den Kitsch ums Geld,\n~ Kitschblatt, Kitschblatt über alles,\n~ Über alles in der Welt.\n~Dr. Rudolf Bluemner schaute sich\n~stumm ringsum. Er hatte doch was\n~von ~,,Kunstblatt\" \" gehört, und da\n~war ja gar kein Kunstblatt, da war\n~ja ein Kitschblatt. Er hatte doch\n~Westheim sprechen wollen, aber da\n„war ja gar kein Westheim. Da war\n~doch ein Wrestkohn und ein Heim-\n,,wiener, ein Heimkohn und einWest-\n,,wiener. Das w.ar doch Westheim nicht!\n~Daher wurde Dr. Bluemner 50 Jahre\n~alt und verschwand wieder in seiner\n~Dose.\"\nWarum lesen Sie immer noch nicht die\nZeitschrift Merz? Wäre es nicht ein echter\nNeujahrsspass, sich einmal ernsthaft mit\nden Fragen der Kunst zu beschäftigen?\nSie werden mit Staunen die Kluft zwischen\nMerz und Dada kennen lernen. Sie werden\nerkennen, dass der Dadaismus nichtWelt-\nanschauung, sondern nur Mittel ist, etwa\nwie ein lebendiger Tran. Sie werden\n~i\" kennen lernen. Assis sur l'horizont\nles autres vont chanter. Ruhig singen\nlassen! Aber in Verbindung mit dem\nKunstwerk, welches erst durch den\nBeschauer wird, wird alles i. Wenn\nSie selber Künstler sind, brauchen Sie\nbloss zuzupacken, und Sie haben ein\nKunstwerk. Sehen Sie, das nenne ich i.\nSie sind plötzlich selber i, indem Sie sich\nselber erfasst haben. Herr Westheim\nist plötzlich i, Herr Cohn-Wiener plötz-\nlich i, Herr Kurt Glaser plötzlich i, Herr\nFritz Stahl plötzlich bester i-Stahl. Plötz-\nlich geht ihnen selber ein i auf; die Welt\nist i, wenn sie es nur wollen? O nein,\nso einfach ist die Sache mit i nicht, und\nso steche ich ihnen ein i mit den Banali-\ntäten auf. Die Welt ist banal und zwar\numso banaler, je mehr sie sich betut;\nvoran Ludwig Meidner: Herrgott, nimm\nmeinen Dank auf meinen stammelnden\nKnieen an. Ruhig stammeln lassen. Bei\nuns heisst ein Professor Stammler. Sehen\nSie so etwas nenne ich Dada, und Sie\nkönnen sich davon nur durch Dadaismus\nbefreien; jedermann sein eigener Dadaist,\nund so erfahren Sie staunend, dass der\nDadaist der Mann ist, der Dada in sich\nüberwunden hat, also der, wie Sie alle\nsein möchten. Und plötzlich erkennen\nSie, dass Sie alle Dadaisten sind, indem\nSie Dada längst überwunden haben.\nHerr Westheim ist plötzlich Dadaist,\nHerr Cohn-Wiener ist plötzlich Dadaist,\nHerr Kurt Glaser ist plötzlich Dadaist,\nHerr Fritz Stahl ist plötzlich bester Stahl-\nDadaist und plötzlich geht ihnen ein"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.33", "texte": "Oskar Fischer: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.34", "texte": "Dada auf, die ganze Welt ist Dadaist;\nalles Marke Fliegentod, weil sie Dada in\nsich überwunden hat. Punkt. Leider nicht\nPunkt. So einfach ist die Sache immer\nnoch nicht, denn sie haben Dada noch\nnicht in sich überwunden; Beweiss: jeder\nKunstgelehrte behauptet, Dada wäre eine\nlängst überwundene Angelegenheit. Und\ndabei sind die Herren Kunstgelehrten\ndie für den Dada fähigsten Leute. Aber\nDada beiseite. Betrachten wir einmal\nden Dadaismus kritisch. Dadaist die\nKritik an der Kritik, Dadaist die Oppo-\nsition auf die Opposition, gelegentlich\ndes Jahreswechsels von 1923 auf 1924\nnatürlich auch. Das ist selbstverständlich\noder sind Sie anderer Ansicht? Aber Sie\ndenken, nun risse mir der Faden, der\nFaden, den ich vorher in meinem Bleistift\neingefädelt habe und plötzlich reisst\nihnen auch der Faden. Herrn Westheim\nreisst plötzlich der Faden, Herrn Cohn-\nWiener reisst plötzlich der Faden, Herrn\nKurt Glaser reisst plötzlich der Faden,\nHerrn Fritz Stahl reisst plötzlich sogar\nder Stahlfaden; und plötzlich geht ihnen\nein Faden auf. Die ganze Welt besteht\nnämlich nur aus gerissenen Faden, weil\nnämlich das Knäuel vorher zu verwirrt\nwar, und weil jeder an einem anderen\nFaden zerrt. So einfach ist die Sache\ndoch noch nicht, sehen Sie Dadaist nicht\nder zerrissene Faden, und wenn Sie es\nauch möchten, meine Herren Kunstorgane.\nDadaist der christliche Geist auf dem\nGebiete der Kunst. Dadaist nicht Kunst\naus Selbstbescheidung, Dadaist nicht\nKunst, die für die Kunst arbeitet. Dada\nsetzt sich ein für die Kunst nach Dada,\ndie Dada selbst nicht schaffen will,\nDadaist die Ausmistung des Augiasstalles.\nUnd plötzlich erkennen alle, dass auch\nsie ausmisten, und plötzlich erkennen\nalle, dass auch sie Dadaisten sind, weil\nauch sie für etwas anderes kämpfen als\nfür die Kunst. Und plötzlich ist Herr\nWestheim ein Asket, Herr Cohn-Wiener\nein Asket, Herr Kurt Glaser ein Asket,\nHerr Fritz Stahl sogar ein Stahl-Asket.\nAlle sind sie Asketen geworden. Aber\nso einfach ist die Sache doch noch nicht,\nimmer noch nicht, denn zum Asketen\ngehört der Athlet. MeineHerren Westheim,\nCohn-Wiener, Kurt Glaser, Fritz Stahl,\nSie können einfach nicht Dadaisten sein,\nweil Verneinung einer Sache zunächst\neinmal bedingt, dass man sie besessen\nhat. Sie können nicht Kunst verneinen,\nweil Sie nicht einmal vorher gewusst\nhaben, was Kunst ist. Man kann nicht\nAsket sein, ohne die Wollust des Lebens\nzu kennen, und Athlet wird man durch\nkonsequente Übung und Erfahrung auf\ndiesem Gebiete und sehen Sie, nun komme\nich zum Jahreswechsel noch zum wahren\nWesen des Dadaismus. Nämlich das\nwahre Wesen des Dadaismus existiert\nüberhaupt nicht und hat nie existiert,\nweil seine Vorkämpfer nicht fähig, nicht\nmutig und nicht dadaistisch genug waren.\nDas Wesen des Dadaismus ist das abso-\nlute Gegenteil von Kunst. Wer Kunst\nkennt, dazu Fähigkeiten, Mut, Veran-\nlassung und Gelegenheit hat, Kunst in\nihr Gegenteil umzukehren, ist Dadaist.\nUnd plötzlich drehen alle sich selbst um.\nHerr Westheim dreht sich um (zum wie-\nvielten Male?), Herr Cohn-Wiener dreht\nsich um, Herr Kurt Glaser dreht sich um,\nHerr Fritz Stahl dreht sich um, der ganze\nKoncern dreht sich um. Jetzt lesen sie\nsich von hinten und staunen selbst. Denn\nsie heissen jetzt Nrecnok, Lhats, ja, Lhats,\nResalg, Nhoc oder Reneiwnhoc, so ähn-\nlich wie Renaissance, Miehtsew, ja, da\nsteht einem Dada still. Und ich kehre\nruhig, in Worten reuig zu Merz zurück\nund verspreche Ihnen in meinen nächsten\nTränen den kompletten Dadaismus.\nDifficile est, satyram non scribere.\nEs grüssen herzlichst meine Frau und\nIhr\n\nKurt Schwitters\n\nSterben\nIngeborg Lacour-Torrup\nFlammen sinken immer schwächer\nSchatten fallen blass und drängt den Mund\ndie staube Asche\nHaufen Grab\nWeit\nHoch\nSchwingt - schwingt\nFällt tief - fällt\nTief\nVerloschen\nMüde Sterne wanken heimwärts in die\nhohen Säle\nKerzen\nKinderhimmel lieber Gott und Strahlen\nTraum und Lachen\nSeele müde Kerze meine"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "33", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.35", "texte": "TAO-TE-KING\n\nBildschrift links: Titel und Autor / rechts: 1. Spruch\n1. Spruch\nWesenheit ,und Wesenheit sind unter-\nschiedlich\nNamen wechseln\nNamenlos ist die Wesenheit des All\nName ist das Wesen der Unterschied-\nlichkeiten\n«\nj\nWesenheit erkennt der Denkende\nNamen erfährt der Wissbegierige\nWesenheit und Name sind zwiespältig\nUnd eins\nVerbunden unergründlich\nGetrennt zwiefach dunkel\nDes Geistes Tor\n2. Spruch\nWer Schönes erkennt\nKennt auch Hässliches\nWer Gutes versteht\nWeiss auch um Böses\nSein braucht das Nichtsein selber zu sein\nSchweres das Leichte zu steigen zu sinken\nGrosses das Kleine den Raum zu ermessen\nHoch Niedrig Gemeinschaft zu wirken\nGeräusch den Klang Empfindung zu wecken\nVor das Nach die Zeit zu erfüllen\nWer erkennt löst alles Gegen\nEr wirkt ohne Tun\nBelehrt ohne Lehre\nVerschenkt ungebeten\nLebt und achtet seines Lebens nicht\nSchafft und verwertet nichts\nUnd wird reicher durch Geben\n23. Spruch\nAuf Zehen sich recken\nGibt kein Stehen\nStelzen kein Gehen\nWem sein Ich nur leuchtet\nSteht sich selbst im Lichte\nWer sich selbst gefällt\nFällt in sich selbst\nWer sich selber rühmt\nVerdirbt sich seinen Ruf\nWer sich überhebt\nGefährdet sich in seinem Stande\nAlles Getue ist schal\nUnd verrät sich selbst\nWesenheit ist sich selbst getreu\n25. Spruch\nUrwesenheit\nUreins Urall\nUranfang Ursprung\nUrständ Urwandel\nUrsein Urwirken\nUrahnung Urahnen\nWas nenne ich Ur\nNenn ichs erhaben\nErhoben ins Grösste\nErhoben ins Fernste\nErhoben ins Nächste\nErhoben in mich"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "34", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.36", "texte": "Ur Wesenheit wölbte Himmel und Erde\nSchuf Weltbau und Ordnung\nViermal hob sich das Erhabene über sich\nDer Mensch ist Erde von Erde\nErde ist Sein aus Sein\nSein ist Allwesenheit\nAllwesenheit Ul\\\n52. Spruch\nMenschtum lebt aus Muttertum\nAus Muttertum lebt Kindsein\nAus Kindsein lebt Mutterwissen\nSo lebt Menschentum aus Mutterwissen\nWiederkehr\nSein Erbe bewahren\nSein Wesen verschliessen\nHeisst sein Leben bewahren\nSein Eigen vertun\nSich selbst verlieren\nIn Sorgen und Schaffen\nHeisst sein Leben verlieren\nSein Wesen erkennen allein ist Erkenntnis\nSein Wesen pflegen allein ist Wille zum\nLeben\nSolche Einsicht und solches Leben\nLacht der Vernichtung\nIn Wahrheit unsterblich\n53. Spruch\nUr'wesenheit kreisst Wille zum Wirken\nEigenrichtung verwesentlicht Werken\nInnengerichtet ist Wesens Weg\nAussengerichtet der Wesen Begehr\nAus geplünderten Feldern und ausge-\nraubten Scheuern\nWachsen die Schlösser\nNährt sich Prunksucht und des Schwertes\nÜbermut\nVöllerei und Prahlerei\nGedeiht Schmarotzertum missdeiht Eigen-\ntum\nVerdeiht UrWesenheit\n62. Spruch\nWesenheit ist allen Menschen Schutz\nDen Guten Vorzug\nDen Bösen Rückzug\nSchöne Worte mögt ihr schätzen\nAn ihren Taten sollt ihr sie erkennen\nVornehmlich kennzeichnen sie die\nSchlechten\nKaisers Macht und der Grossen Reichtum\nkann vieles\nAber erst die Wesenheit bewährt den\nwahren Wert\nWarum sahen die Alten das Höchste darin\nSich in sich selbst zu versenken\n*\nWeil nur wer sein Wesen weiss sein\nWesen wirken kann\nWeil nur wer sein Wesen weiss auch\nvom Bösen lassen kann\nDarum ist Wesenheit allein der Menschen\nWertmass\n63. Spruch\nIn Wollen und Verzagen\nIn Tun und Versagen\nIn Vorsicht und Wagen\nWesensgleich ist Grosses und Kleines\nGutes und Böses\nMan muss Schweres leicht nehmen\nUnd das Grosse im Kleinen .erkennen\nDenn alles Schwere ballt sich aus Leichtem\nUnd alles Grosse türmt sich aus Kleinem\nSo vollbringt der Wesentliche Grösstes\nund Schwerstes\nUnd achtet beides gering\ns\nEr kennt das Geheimnis\nAlles schwer nehmen bringt leichtes\nVollenden\nWer sich zu viel zutraut versagt vor dem\nSchweren\nWer sich zu wenig zutraut verzagt vor\ndem Schweren\n64. Spruch\nNoch Ruhendes ist leicht zu halten\nNoch nicht Geformtes leicht zu meistern\nNoch Schwaches leicht zu überwinden\nDas lehrt Werdendes verhüten\nDas lehrt Gährendes in Ruhe lassen\n• ■ . - >V . .\nAus einer Wurzelfaser wächst der\nBaumriese\nDer neunstöckige Turm aus schmalem\nGrunde\nDie grösste Weite aus dem ersten Fuss\nVor dem Gewordenen steht Tun ohne\nGelegenheit"}, {"page_pdf": 37, "page_imprimee": "35", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.37", "texte": "Oskar Nerlinger: Linoleumschnitt 1923 / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 38, "page_imprimee": "36", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.38", "texte": "Vor der Tatsache verpasste Eingreifen\nseine Zeit\nDer Wesentliche steht sicher in Zeit und\nGelegenheit\nDie er nicht verpasst und nicht sucht\nDas Volk aber sieht nur das Ziel\nUnd geht irre von Anfang\nBedächte es den Anfang wie das Ende\nWar es bedächt ger und erreichte es mehr\nDer Wesentliche gibt nichts auf Ziele\nUnd hält sich zurück .\nEr begehrt nicht zu führen\nLässt sich lenken und leiten\n• *\nFolgt dem Geschehen\nUnd greift nicht ein\n67. Spruch\nGenie nennen sie Wahnsinn\nUnd Entartung weil es nicht ihrer Art ist\nZu gross ist den Kleinen was ihnen nicht\nnachartet\nDrei Gaben ehren und bewähren das\ngeniale Wesen\nEinfühlung Selbstfühlung Mitfühlung\nEinfühlung kann beschränkt sein\nSelbstfühlung kann stark sein\nMitfühlung kann hart sein\nEinfühlung gibt Sicherheit\nSelbstfühlung gibt Reichtum\nMitfühlung gibt Macht\nHeute gilt\nOhne Einfühlung Sicherheit heucheln\nOhne Selbstfühlung Reichsein vortäuschen\nOhne Mitfühlung machtgierig sein\n* %\nDas ist Entartung\nEinfühlung macht überlegen im Streit\nSelbstfühlung im Vertragen verlässlich\nIm Himmel kann leben\nWer Mitfühlung genug besitzt\n\nLao-Tse\nDeutsch Ton William Wauer\n\nGedichte\nKurt Heinar\n\nSechs geschlagen\nDomgekerkert Rufen Strangseil\nHasten über .\nKlanggelächter\nSchmiegen\nTiefen\nGlockenschlag\nEilen Flüsterton gescheut\nHallgewölbt\nVerebbt\nDas graue Tongeseide\n\nErfüllung\nDas Lachen weint\nBlutblumen blüht\nDas Weinen lacht inaimorgenfroh\nFrühlingskleid grüsst tränenlos\nTausend Bruder\nTaufrisch Tausend golden Bergwand\nTausend Bruder\nSingt die Geige\nSilberblumenglocken klingt\nWeinen weint in weisse Wolken\nLachen lacht\nBlüht von der Erde\n\nErdgeschüttet\nFallen einer und einer\nund alle\nTod der Tiefe entgegen\nFallen einer\nund einer blutgebrochen\nFallen\nEiner und einer\nübereinander\nund\nich töte den Tod\nV\nich trage die Erde\nleisseiden\nin den Himmel\n\nBlondes Mädchen\nDeine Kinderaugen blicken müde\nLeise trauern weiten Weg\nBitten streichelt meine Wangen\nDeine Kinderaugen fragen Tanz\nDu blondes Mädchen\nTanzen\nTanzen über weisse Wege ;\nWeite Wege\nW eiter\nAus dem Gedichtband: Und alles Blut zerschreit,\nder Anfang April im Verlag Der Sturm erscheint\n\nSchauheit Auge und Fächer\n\nIch bin kein Dichter. Denn obgleich mir\nVieles einfällt, fehlt es mir an der Ge-\nduld, es reifen zu lassen, zur Welt zu\nbringen und wahrnehmbar auszugestalten.\nAber es jammert mich, dass alle diese\nKeime verkommen sollen. Könnte ich"}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "37", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.39", "texte": "doch diese Ungeborenen in Spiritus oder\nScliösslinge in fremde Erde setzen. Oder\nAnderen einen Tipp geben. Wer hat die\nGeduld, meine Dramen zu schreiben oder\nmeine Versfragmente zu beenden? Wer\nwill sich mit meinen Filmen reichschreiben\noder sich mit meinen religiösen Gesprächen\neinen Namen machen? Wer hat Lust,\naus einigen meiner skurrilen Ideen einen\nBand Grotesken zu machen?\nEs liegt an meiner Trägheit, wenn ich ~Die\nVerschwörung des Christian Deideshainer''\nnicht geschrieben habe, diese beste\ndeutsche Komödie, in der ein königstreuer\nSchneidermeister zum Revolutionär wird\nund einen Affen verhaften lässt. Mein\nlängstes Epos beginnt mit den Worten:\nIch schlief in Wolken\nDumm verführte mich.\nAber ich habe nie eine dritte Zeile dazu\ngeschrieben und ich weiss selbst nicht,\nzu was sich meine Gespräche mit Gott\nausgewachsen hätten, wenn ich von dem\nEinfall einen ergiebigen Gebrauch gemacht\nhätte, dem Gott, der uns durch nächt-\nliche Gewitter erschreckt, den Konto-\nAuszug zu schicken. Ein anderer als\nich machte aus dem ~Bösen Herrn\nGutmann'' eine Zeitsatire, die alle\nZeiten überdauert. Und wenn es ihm\nbeikäme, dass ein Grippefall ein Ge-\nrippe fa 11 werden kann — er schriebe\neinen Band von Wortspielen, der in die\nAbgründe von Seele, Sprache und Welt\nblicken lässt. Was aber schüfe er mit\nmeinem mundvoll Lyrismen? Eine Epoche,\nmeine Herrschaften, eine neue Epoche\nwürde er, wenns erlaubt ist zu sagen,\ninaugurieren. ~Blutgerädert\", das\nwäre der Titel des Bandes lyrischer Ge-\ndichte, deren Erotisches, von einer nie\nerlebten Gewalt, so beginnt:\nDein Feuer weicht meinem Lustmaul\nund dessen tiefstes und innigstes mit den\nWorten schliesst:\nUnd meine Gedanken sinken hinauf.\nWo ist er, der mich zur Welt bringt?\nIch überlasse ihm meinen ~Zahltag des\nHerzens\" unentgeltlich und ohne Eitel-\nkeit zur Verfilmung und ich will ihm\nnoch dankbar sein, wenn er mit meiner\n~Original-Hinrichtung\" etwas an-\nzufangen oder zu beendigen weiss.\nWenn er aber meine Memoiren schreiben\nwill, soll er nicht vergessen, vor das\ndritte Buch (oder ists das vierte?) das\nMotto zu setzen:\nEher kam das Missgeschick nicht an mein\nHaus, als bis ich rings davon umgeben\nwar (aus Blümner ~Gesammfeite Träume\"\n111. Band).\n\nRudolf Blümner\n\nDer Blaue Vogel\n\nEs gibt in Europa nur zwei Regisseure,\ndie Theater spielen können. Es sind die\nRussen Ta'irofT und Jushny. (Den drei\ndeutschen Künstlern Rudolf Blümner,\nLothar Schreyer und William Wauer\nbraucht es Der Sturm nicht zu bestätigen.)\nJushny, der Regisseur des Blauen Vogels,\nspielt fast ständig in Berlin. Die Wirkung\nseiner Kunst erprobt sich an jedem Abend\nund bei jedem Publikum. Selbst die erste\nGarnitur der Berliner Theaterkritik hat\nsich mit den üblichen Einwänden aus\nBerufsgründen die erste Garnitur der An-\nerkennung angelegt. Jedenfalls ist Jushny\nnicht von der Berliner Theaterkritik er-\nfunden worden, noch nicht einmal wirk-\nlich gefunden, trotzdem die Herren viel\nvon ihm lernen könnten. Eins bleibt er-\nstaunlich: alle Prominenten sehen sich\nwieder und wieder die Vorstellungen des\nBlauen Vogels an und wagen es, so Theater\nweiter zu spielen, wie eben Prominente\nes tun. Prominente sind Schauspieler\noder wie sie es lieber nennen, Mitglieder,\noder, wie es richtiger heissen muss, Gast-\nredner von Bühnen. Gastredner, deren\nNamen durch die Druckerkunst dem Ge-\ndächtnis des Publikums aufgedruckt wer-\nden. Sie können allenfalls im gutsitzen-\nden Frack den König spielen oder als\nDame mit und ohne Purpur über die Bühne\nschlenkern. Die anderen Herren und Damen\nauf der Bühne dienen dazu, den Auftritt\noder den Abtritt dieser Prominenten vor-\nzubereiten. Bei der Aufführung soge-\nnannter Klassiker wird noch ein bestimm-\nter, aber ebenso trostloser Text unter-\nlegt. Dekorationen werden manchmal\nvon Künstlern entworfen und von den\nausführenden Theater firmen verworfen.\nWeil die nämlich wissen, was man machen\nkann.\nJushny hat das Wesen des .Bühnenkunst-\nwerkes erkannt. Es ist die Komposition\nvon Sichtbarem und Hörbarem, die künst-\nlerisch logisch miteinander verbunden\nwerden müssen, um eine künstlerische"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "38", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.40", "texte": "Wirkung zu geben. Auch der Schau-\nspieler ist nur ein Objekt des Bühnen-\nkunstwerkes. Er ist ein Glied des Orga-\nnismus, den man Theater nennt. Der\nkünstlerische Organismus muss gestaltet\nwerden. Nur kann das Glied nicht den\nOrganismus gestalten, da sein Wesen ist,\nGlied und nicht Organismus zu sein. Die\nQualität des Schauspielers ist seine In-\ntensität, nicht seine Individualität. Wenn\nein Körper sich bewegt, ist nicht der\nKörper, sondern die Bewegung die Wir-\nkung. Wenn sich mehrere Körper be-\nwegen, ist nicht die Bewegung, sondern\ndie Richtung der Bewegung die Wirkung.\nWenn eine Stimme klingt, ist nicht die\nStimme, sondern der Klang die Wirkung.\nWenn mehrere Stimmen klingen, ist nicht\ndie Mehrheit, sondern der Zusammenklang\ndie Wirkung. Die Zusammenstellung,\nalso die Komposition von Bewegung,\nFarbe und Klang ist das Schaffen des\nBühnenkunstwerkes. Sowie es unterlassen\nwird, Farbe, Bewegung und Klang kom-\npositorisch zu gestalten, sowie man also\nnatürlich bewegen und natürlich sprechen\nlässt, wird der Kunstorganismus zerstört,\nvernichtet.\nJushny hat dieses Wesen des Kunst-\nwerkes erkannt und seine Künstlerschaft\nist es, Bewegung, Farbe und Klang\ngestalten zu können. Daher ist es für\nihn wie für jeden Künstler völlig belang-\nlos, mit welchem Stoff er arbeitet. Denn\nnicht der Stoff, die Form macht das\nKleid. Ernst und Heiterkeit sind sub-\njektive Erregungen und nicht etwa gegen-\nsätzliche Kunstmittel. Sie sind überhaupt\nkeine Kunstmittel. Ebenso wenig wie\nSchönheit und Hässlichkeit. Auch sie\nsind nur subjektive Erregungen. Warum\nmuss durchaus die Nachtigall gefallen\nund die Eule nicht, wo doch die Eule\ndes andern die Nachtigall des einen sein\nkann. Wo die Kunst nicht das geringste\nmit Gefallen zu tun hat.\nJushny spielt eine Szene, die Leierkasten\nheisst. Zwei Männer und ein Mädchen\nsingen irgendein Lied und bewegen sich\ndazu. Der eine Mann spielt einen Leier-\nkasten, der andere hat Trommel und\nSchlagzeug, das Mädchen singt. Ein\nVorgang, den man kennt. Man hat das\nüberall und oft im Leben gesehen. Leute,\ndie sich auf ihr Mitleid etwas einbilden,\npflegen in solchen Fällen die kleinste\nEinheit ihrer Währung zur Erhöhung\nihres Selbstbewusstseins fortzuwerfen.\nWährend Leute, die mit beiden Füssen\nauf der Erde stehen, nichts gebend sich\nüber Bettlerunwesen beklagen. Das ist\ndie Wirkung der Natur. Dasselbe ge-\nschieht jetzt auf der Bühne. Dieselben\nLeute lachen oder weinen. Es geht also\neine Wirkung aus, eine sinnliche Wirkung,\ndie positiv und negativ nichts mit Ethik\nzu tun hat. Auch nichts mit Aesthetik.\nDenn Bettler gelten allgemein als un-\nästhetisch. Nur Kunstmaler finden an-\ngebliche Reize. Kunstmaler können aber\nbekanntlich nicht sehen. Hier ist die\nWirkung rein künstlerisch. Weil nämlich\nnicht natürliche Menschen vor uns stehen,\nweil nämlich diese Menschen nur Träger\nvon Farbe, Klang und Bewegung sind, die\nzu einem künstlerischen Organismus ge-\nstaltet wurden. Jede Bewegung steht in\neiner Beziehung zu der anderen. Durch\ndie absolute Messung der Bewegungen\nin ihrem Verhältnis zueinander, wird jede\neinzelne Bewegung sichtbar, also sinnlich\nwirksam. Der künstlerisch ungeschulte\nMensch nennt diese Bewegungen mario-\nnettenhaft. Weil er nur an der Marionette\ndie Bewegung wahrnimmt. Weil bei\nder Marionette die Bewegung künstlerisch\ngestaltet wird. Während der natürliche\nMensch sich überhaupt nicht bewegt.\nWeil für ihn die Bewegung nur ein\nZweck ist. Erst wenn der Zweck der\nBewegung nicht erreicht wird, oder wenn\ndie Bewegung dem Zweck nicht dient,\nwird die Bewegung im Leben sichtbar.\nMan lacht über den Stolpernden, weil\nerst im Unzweckmässigen die Bewegung\nwieder sinnlich aufgenommen wird. Des-\nwegen hilft sich der Schauspieler aus\nden Gründen der Wirkung meistens mit\nStolpern, weil er sich sonst nicht sicht-\nbar bewegen kann. Wenn er geht,\ninteressiert es keinen Zuschauer. Auch\nnicht, wenn er liegt oder sitzt oder\nsteht. Weil der Zuschauer eben alle\ndiese Bewegungen nicht sichtbar ge-\nstaltet bekommt. Auch das Stolpern\ndes Schauspielers ist nicht gestaltet.\nAber der* Zuschauer lacht, weil es\ndie einzige Bewegung ist, die er aus\ndem Leben kennt. Ebenso ist es mit\ndem Sprechen und dem Singen. Der\nZuschauer hört Gedanken. Aber\nnicht ein einziges Wort kommt ihm als\nWort oder gar als Klang ins Bewusstsein.\nDamit nun irgend etwas geschieht, hilft\nsich der Schauspieler mit dem Schrei ,und\nder Dichter mit» dem Schuss. Wenn je-\nmand schreit, versteht es der Zuschauer"}, {"page_pdf": 41, "page_imprimee": "39", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.41", "texte": ":•• . '\nohne Gedanken, weil er nämlich im Leben\nvon dem ganzen Sprechen nur den Schrei\nhört. Also auch hier liegt keine Kunst\ndes Schauspielers vor. Und der Dichter\nschiesst bekanntlich ins Leere. Bei Jushny\nwird nicht geschrieen und nicht ge-\nschossen. Die drei Körper auf der Bühne\nsingen. Die Wirkung besteht nur in der\nDynamik der Töne zueinander. Musika-\nT -11-»\nlische unkünstlerische Leute entschuldigen\nihr künstlerisches Standesbewusstsein da-\nmit, dass sie annehmen, Leierkasten-\nmänner seien eben keine Opernsänger.\nUnd wenn eben Leierkastenmänner Stimme\nhätten, müssen sie zur Bühne gehen.\nWoraus dann Opernsänger entstehen.\nOder Opernsängerinnen. Mit oder ohne\nEntschuldigung, die Wirkung ist vor-\nhanden. Sie ist weder ethisch, noch\nästhetisch, noch natürlich. Sie ist künst-\nlerisch. Die Kunst ist eben so einfach.\nSie braucht keine Apparate. Sie braucht\nnur Gestaltungsvermögen des Sichtbaren\nund des Hörbaren. Dieses Gestaltungs-\nvermögen hat Jushny. Dieses Wesen des\nKünstlerischen hat er erkannt. Und das\nergibt die absolute Wirkung, die auf\neden wirkt. Ganz gleich, ob er falschen\nkünstlerischen Unterricht genossen hat\noder ob er sich noch nie den Kopf über\nSehen und Hören zerbrochen hat, was\nfür den Kopf und das Sehen und das\nHören besser ist. Der Kopf ist das Unglück\nder Kulturmenschheit. Sie macht alles\nohne Hals über Kopf. Die Sinne sind für sie\nnur eine Gelegenheit, über sie zu denken.\nUeber das Denken haben sie die Sinne\nvergessen, die sich trotzdem erheblich\nstörend bemerkbar machen. Die Sinne\nscheinen also doch einen Sinn zu haben.\nAber seit der Mensch auf zwei Beinen\nsteht, blickt er stolz und ernst in den\nHimmel und stolpert. Stolpert sogar\nüber seine eigenen Beine. Es scheint\nalso etwas mit dem Sinn nicht in Ordnung\nzu sein, wenn die Sinne so sehr in Un-\nordnung geraten. Man müsste vielleicht\ndoch die Sinne mehr beachten, um zum\nSinn zu kommen. Und wenn man die\nWesenheit der Sinne erkannt hat, erlebt\nman den Sinn der Wesenheit. Und wenn\nman den Sinn der Wesenheit erkannt\nhat und ihn mit diesen Mitteln der Sinne\ngestaltet, ist das Kunstwerk geschaffen.\nUnd weil wir statt des Spiels ein Beispiel\nheute brauchen: hier ist ein Beispiel.\nDer Blaue Vogel. Hier ist die Kunst\nErlebnis, weil das Erlebnis zur Kunst ge-\nstaltet ist. Hier ist die Stätte, wo man\nzum Sehen und Hören gezwungen ist.\nWo man Mensch ist.\nDu blauer Vogel über der Erde.\nDas Mädchen, das allem Schauspielerischen entsagt, um\nin der Scene „Leierkasten\" Trägerin des Künstlerischen\nzu sein, heißt Valeri.\n\nHerwarth Walden\nH. W.\n\nIl Palo Telegrafico\nRodolfo Alcaro\nAlto, dal piede incatramato,\ns'erge il palo telegrafico\nnella sepolcrale oscuritä notturna\nche avviluppa il mondo.\nEregge una fitta rete\ndi fili metallici\ndie a ogni colpo di vento,\nsuonano:\nZrin . . . zrin ... tin ... tin ... . ton . . .\ntan . . . ten . . .\ntan . . .\nPovero palo: tu reggi la candela,\nanzi la personifichil\nil filo a te attaccato\ntramette appuntamenti,\nabbracciamenti, baci . . .\ne tu,\ntutto compunto ascolti\ne taci!\nAmato palo; tu äi pure la rivincita\nTu ascolti muto\nil pettegolezzo e le chiacchere;\nla miseria, la fame, la viltä\ndi colui che cosi trucemente\nti volle condannare,\ndi gleba ricoprendo\nl'mcatramato piede,\nall'assoluta,\nrigida immobilitä,\ne gioisci, freni, disperi,\nscotendo le vegetali fibre1.\nAlto, dal piede mcatramato,\nt'ergi nella notturna oscuritä\ne a ogni colpo forte di vento:\nin . . . ton . . , tin , . . ten . . . tä."}, {"page_pdf": 42, "page_imprimee": "40", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.42", "texte": "Gedichte\nWalther G. Oschilewski\n\nDuft beim Jüngling\nBrunst tropft Rot vom Leib des Abends\nViel Gott giert über uns\nDeine Liebe gewittert weit in den Sternen\nVom Einsamsein zerbricht das Blut des\nAbends\nTorbogen der Nacht!\n\nErklärung\nEs ist kein Lachen um deinen Leib\nKeine Wiese fliesst in deinen Schoss\nO, die Nächte hängen einen dunklen\nKranz um mein Gebein\nTod ist bei mir\nDu aber betest oft einen langen Traum\nDeine Hände bergen Frühling\nLachen könnte sausen\n\nVeränderung\nBlutet eine Nacht über Feld\nDunkel Mond zwischen den Gebirgen\nDein Traum blüht noch um meine Lenden\nVogel singt und fliegt zu Dir\nZerbrochener Morgen\nHerbst schäumt\n\nMadonna\nMeine Hände tragen deinen Schmerz\nTief hinab sickert die Starre des Bluts\nmein Gesicht\nO Mond, gewitterst Du in den Nächten\nDein Leib blüht Frucht\nSternst auf\nGesplitter im Rausch der Welt\nSchnee und Silber träuft dein Gesicht\n\nHalleluja\nSonne: Blut durch die Ebene des Tages\nSchrei von Bergen nach Hunger der Nacht\nBäumt sich der Strahl des Morgens\nWir tragen die Strömung morgenrot in\nden Kelch des Herzens\n\nHunger über Nacht\nMond wirft seine Knochen vor den Gang\nIn den Wäldern brechen die Träume\nDunst windet im Hirn\nAus Schutthallen des Herzens reisst\nHunger die Gedärme der Nacht\n\nBekenntnis\nIn deinen Händen wölbt sich der Nachtduft\nMondlicht ist um unseren Worten\nGott säumt\nAndacht verklärt den Gang zum Stern\nSüssigkeit der Welt senkt meinen Leib\n\nGedicht\nI\nNachts wiegt der Mond in deinen Brüsten\nIch gehe die Strasse des Lächelns in\ndeinen Leib\nDu bist unnahbar\nAber deine Stimme tanzt\nIch und Du beten die Nähe Gottes ins\nGesträuch\nWir sind in brausenden Sturmwäldern\nWir sind auf der Brücke unserer Hände\nII\nNacht hebt die Wälder in den Sturm\nSternsprung in mein Blut\nSelbst Urgewitter,\nPeitscht mein Leib die wehende Akazie\ndeines Schosses.\nAbends werf ich noch Lachen an deine\nLippen\nDuft kommenden Frühlings auf deine\nSchwelle\nTamburinenwind aus Kokoswäldern legt\n* ich Dir ans Herz.\nIn den Schmerz sinkt Haupt und Andacht\nmeiner Stimme\nNacht blättert Sterne in den wandernden\nStrom.\n\nDie große Kuh\n\ndie grosse Kuh fliegt immer über mir\nnachts singt und leuchtet sie in einer\nWolke\nihr schaukelnder Euter verschwindet im\nNebel\ndu Teure! Mohnblume! Tierchen! uner-\nreichbare Geliebte!\nnie werde ich deine rätselhaften Augen\nberühren\nküsse mich\nvergangen ist der Mond und morgen\nsterben wir\nSehnsucht ist grosse Kraft\ndiese Wiese ist unendlich\nzwischen deinen Hörnern trägst du\nschweigend unser schaukelndes Loos\nwo die Sonne scheint"}, {"page_pdf": 43, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.43", "texte": "die Ureinwohner der Erde geschlossenen\nAuges unter dir wandern, mit\nlangen Fingern ihren Atem\nbetasten, aus dem Blut fliesst\ndie Kinder sind stumm und verscheuchen\ndie Mücken\nAlles fliegt weg\ndeinem grossen Körper zu, in welchem\nDu sanft wie einen Laib\nBrot, das Unglück trägst\nspät abends\ndu beugst dich auf meine Stirne und\nsagst: bubu mein Vöglein!\nso leben wir\nso reisen wir zwischen den Zellen\nwo von den Schläfen der Toten Nordwind\nbläst\nmeine Mutter ertrunken\nund die Wolken ihren Schnabel öffnen und\nmondfarbenes Wasser\nauf die Erde giessen\ndie Flut spült niegesehene Wesen auf\nmeine Schwelle\nsie erheben sich und legen sich stumm\nin mein Bett\ndas sind die mitternächtlichen Veilchen-\nesser\ndie vier Jahreszeiten sind zu Ende und\nwir sind noch immer am Leben\ndeine Glastannen verwelkt\nunsere Kinder liegen zerstreut unter der\nErde wie Kohle\nhier fliesst kein Wasser\ndie Augen der Tiere sind entschlafen\ngrosse Sandsterne stehen über den Hügeln,\nwo Tag und Nacht Sonne brennt\ndie Lippen der Friedhöfe zerrissen\nwir können nicht sterben\nwir können nicht leben\nder Wald ist gross\ndas Meer ist schwarz\nschlaflos und heiss wie die Steine liegen\nwir unter dem Zeichen des\nKrebses, in dichter Nacht\ndie Jahre sind bewegungslos wie eine\ngerade Linie\nnur du flatterst über mir süsses Milchtier,\ngrosse Kuh!\ndie bei Mondwechsel die Wölfe und die\nSchafe gebärt, die Katzen und die\nMäuse, die Schlangen, Eidechsen,\nVögel und Fische, grüne Palmen\nentwachsen ihrer Stirne\ndas ist deine schwere Stunde und ich weine\nder Mond hebt seinen Zeigefinger, sagt: pst\nbald ist es hell, bald ist es dunkel\nich bin Mutter und lebe mit unglücklichen\nGefährten unter der Luft, du\ndort oben verlasse mich nicht\ndie magnetischen Felder entschweben\nunseren Händen\nwer öffnet ihre Tiefen, in denen mit\nblinzelnden Augen fremd'reine\nWesen warten:\nunsere Söhne, die den Tag und die Nacht\nerbauten\nfliegst du kleiner Käfer!\nleuchtender lieber Glühwurm mit dem\nsüssen Euter\nbist grösser als die Berge\nduftender als das Heu\nschon legt sich der Wind\ndas Wasser stockt\nvielleicht wären wir glücklicher wenn wir\nsterben würden\ndeiner Stirneist alle Erde entfallen, er\nsteht verstümmelt im Stern-\nregen, der Atem bleibt uns\nauf halbem Wege stecken\nwie die leeren Aehren schweben wir\nzwischen Stern und Brot schaukelt der Weg\noder morden\nmorgens Erde essen\nnachmittags Wasser trinken\nmitternachts Kinder gebären\ndie du dort oben über dem Mond, über\nder Sonne brüllst und\ndeine Jungen säugest\nlangsam und vorsichtig im unbekannten\nRaum schreitest wie ein Komet\nin den Spuren deiner Hufe brennt Milch\nam Himmel: unsere\nnächtliche Sehnsucht\nHoffnung der Berge\ngrosse Liebe\nBlut der Engel\nwir trinken und nie versiegt es\nnie versiegt es: vielleicht damit wir leben\nauch die Sonne scheint vielleicht\ndie Hügel schwanken unsicher wie der\nFlug der Käfer\n2X2 ist vier"}, {"page_pdf": 44, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.44", "texte": "nur: wandern unter dir mit silbernen\n; - Füssen!\neinmal beleckst du meine Stirne .\nalle leben wir in deinem Stall\n\nTibor Déry\n\nTran 24 / die Schwanenjungfrau\nWas man kaut, wird Brei (Ernst Lehmann)\nFranz Müller\n\nSinnbild für die brave Kritik\n\nDer hannoversche Maler und Dichter\nKurt Schwitters hat ein Sinnbild für die\nbrave Kritik geschaffen, das eine natur-\ngetreue Nachbildung des Querschnittes\naus den Kritiken in Tageszeitungen ist.\nDie Tagespresse über Kunst, sozusagen\nTageskunstpresse, hat ein Kinderkleidchen\nan. Keusch und tüchtig hat sie ein\nSchürzchen vorgebunden, mit Stickerei-\nbesatz natürlich, nicht zu verwechseln\nmit Stänkereibeschmutz. Beine hat sie\nkeine. Sozusagen ausverkauft. Womit\nsoll sie also gehen? Auf die Hände.\nAber die sind sozusagen ebenfalls inclu-\nsive Arme ausverkauft. Womit soll sie\nalso zupacken? Mit dem Kopfe. Aber\nder Kopf ist weiter nichts, als ein Kleider-\nhaken. Daran hängt die Tageskunst-\npresse. Womit soll sie aber denken?\nZu dem Zwecke hat ihr der Künstler\neinen Ersatzreservekopf beigegeben, wie\nman solche bei den Büsten verstorbener\naltägyptischer Könige in deren Grab-\nkammern in den Pyramiden findet. Der\nKopf hat den eigentümlich bellenden\nAusdruck der Tageskunstpresse, Brille\nauf der Nase und ein Kopftuch an Stelle\ndes fehlenden Verstandes. Die Nase ist\nrot. Wer Sorgen hat, braucht auch Likör.\n\nKunstschaffen\n\nUnter Erziehung versteht man die Methode\nder Erwachsenen, sich das Leben der Kinder\nund das Leben mit den Kindern leicht zu machen.\nDie Methode der Eltern und; Erzieherinnen be-\nsteht im Streicheln, Schlagen, Befehlen oder\nVerbieten, die Methode der Schule in Fest«\nsetjung eines Pensums, was der Mensch inner«\nhalb bestimmter Jahre auswendig gelernt haben\nmufv die Methode der Universitäten und Aka«\ndemien im Sichhörenlassen von Trauermeistern\nund Altgreisen, die Methode der Ministerien\nin der Feststellung der Brauchbarkeit des Pensums\nfür die jeweilige Staatsform. Die Kirche gibt\nihren Segen je nach ihrer Berücksichtigung hinzu,\nder bis zum Fluch ausarten kann. Die Kinder\nsind sehr erstaunt, was die Menschheit alles von\nihnen will und nicht will und fügen sich im\nLaufe der Jahre der physischen Gewalt. Gute Ge«\ndäditnisse werden durch Verleihung lateinischer,\nalso wissenschaftlich klingender Titel im reiferen\nAlter belohnt. Hochgeistige Menschen nennen\ndiese Scherze Pädagogik.\nIn Berlin behüten die Zentralbehörden die Päda=\ngogik, damit dem braven System nichts ge«\nschiebt.\nIn Weimar modernisiert man das Kunstgewerbe\ndurch Kunst. Die Mädchenpensionate erhalten\neinen Separatkursus, weil die genic loci dort\nSpuren von ihren Ehrentagen hinterlassen haben.\nStuttgart hat das Glück, unbekannt zu sein.\nStuttgart liegt in Württemberg. Deutschland\nweiß nur, daf3 dort ein älterer Herr mit Um«\nhängebart sidi jedem Untertan in den Schoß\nlegen konnte. Das Schlafbedürfnis der jeweiligen\nRegierung hat die strenge Beaufsichtigung des\nErziehungsystems verhindert. Einige wache\nMänner haben mit dem Erziehen einfach auf«\ngehört und dadurdi eine Oase für Kinder, oder\ndie es werden wollen, geschaffen. Der eine brave\nMann heißt Adolf Holzel. Er gab den\nSchülern der Akademie Ateliers und lief* sie ge»\nwähren. Sein Unterricht bestand im Sehenlassen,\nim Zusehen und im Aufsehen. Der Erfolg war,\ndaf3 die Akademieschüler die Kunst aufgaben oder\nKünstler wurden. Der zweite Stuttgarter heißt\nAlbredit L. Merz. Er hat es noch besser,\ndenn er hat sich nur mit Kindern zu beschäftigen.\nEr beschäftigt sich mit den Kindern, er be«\nsdiäftigt nicht die Kinder. Und da jedes Kind\nseinen Namen haben muß, heißt es.* ~Werkhaus\nmit Werkschule (Freie Akademie mit staatlich\nanerkannter Versuchsgrundschule)\". Die An»\nerkennung des Staates beruht im Gewähren*\nlassen. Der Staat sollte in diesen Angelegenheiten\ntatsächlich nur als Raumvermittlungsstelle auf«\ntreten. Auch der Staat Preußen stellte einen"}, {"page_pdf": 45, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.45", "texte": "Raum zur Verfügung und Berlin hatte Ge*\nlegenheit, die Arbeiten des Werkhauses kennen\nzu lernen. Sogar in der Potsdamer Strafte,\neiner gefährlichen Gegend, fünf Minuten vom\n„Sturm\". Der Hindruck ist überwältigend. Un«\nzählige absolute Kunstwerke sind ausgestellt,\noder richtiger aufgestellt. Die Künstler sind\nKinder von 5 bis 12 Jahren. Arbeiten in Oel,\nTusche, Holz, Draht, Messing, in jedem Material,\nDie Kunst der Südsee, Afrikas und Asiens steht\nlebendig da, trotjdem Stuttgart zweifellos in\nWürttemberg liegt. Was hat dieser Merz ge®\ntan? Er hat die Kinder gewähren lassen. Hr\nhat sie nichts gelehrt. Er hat die schöpferischen\nTriebe von Kind menschen sich entfalten lassen.\nEr hat die Triebe nicht verschüttet, er hat ihnen\nLuft und Licht gegeben, wo man versucht hat\noder versuchte, es ihnen zu nehmen. Er regt\nsie an, alles zu sehen und alles zu hören. Er\ngibt den Kindern keine Aufgaben, er läßt sie\ngeben. Er behütet ihr Wachsen vor den Er®\nwachsenen und kann es, weil er selbst Er«\nwachsener ist. Ein Erwachsener, der die Ab®\nWehr gegen die richtet, die Wehrloseren zu\nwehren suchen. Ein Erzieher, der ziehen läßt\nund vielleicht die Richtung weist, ohne daraus\neine Richtung zu machen. Denn Richtungen\nsind Wegweiser und alle Wege führen irgend®\nwohin. Und wenn man durch die Straßen\nzieht, ist das Ziehen und nicht die Straße das\nLeben. Man kann nach Stuttgart ziehen und\nin der Kunst ankommen. Man kann in Kunst\nerziehen und dabei künstlerisch verkommen.\nLehren heißt verlernen lassen. Lernen heißt,\nsich nichts lehren lassen. Man muß richten und\nnidit unterrichten. Unten und oben sind Vor®\nStellungen oder Verstellungen. Und soweit es\nStellungen sind, hängen sie nur von der Seh®\nrichtung ab. Kinder kehren gern das Oberste\nzum Untersten. Denn das Sehen, nicht das\nGesehene ist Leben.\nDa man in Deutschland immer nur über Ver®\neine oder Parteien etwas erreichen kann, so\ngründe man einen Verein gegen die pädagogische\nMißhandlung von Kindern. Da in jedem Ver®\nein und in jeder Partei bekanntlich schließlich\nnur einer etwas tut, so gebe man dann diesem\nAlbrecht Merz die ausübende Macht mit\nder jetjt recht beliebten Ermächtigung, die\nMacht auszuüben. Die Pädagogik ist eine so vor®\nnehme geistige Institution, daß sie gegen das grund®\nsätjliche Verbot ihrer Anwendung nicht den härm®\nlosesten Hochverratsputsch versuchen wird,\nHier sind zwei Zeichnungen, die eine hat ein\nsechsjähriges Kind, die zweite ein sechseinhalb»\njähriges Kind gestaltet.\n\nKinderzeichnung\n\nKinderzeichnung"}, {"page_pdf": 46, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.46", "texte": "Hier einige Wortgestaltungen.\nDie Kinder sollen Rätsel machen.\nRätsel eines siebenjährigen Knaben: „Mich kann\nman nicht ergreifen. Ich erscheine immer in\nder Nacht, wenn die Menschen tief im Schlaf\nliegen. Manchmal erschrecken sie sehr, wenn\nich komme, manchmal freuen sie sich aber auch.\nIch bringe auch oft schöne Farben mit, aus\ndenen stelle ich Figuren zusammen.\" Auf«\nlösung: Der Traum.\nThema: Etwas Steigendes\n». •\nKnabe von 6V2 Jahren:\nEs steigt in die Höh\nEs saust, es steigt\nUnd wirbelt sich, in die Höh\nUnd schmeißt sich in die Höh\nJuchhei.\nEin anderer Knabe von 6V2 Jahren über das«\nselbe Thema:\nHinauf, hinauf, die Flamme steigt\nSie wogt\nSie bralt\nHinauf, hinauf\nUnd steigt und steigt\nThema: Ruhen\nKnabe von 7 Jahren:\nHie ist die Wiese weit gebreidet\nOhne Rauschen, ohne Laut\nEin leiser Wind weht durch die Blätter\nEin siebenjähriger Knabe trägt nach dem Erlebnis\neiner stürmischen Nacht während der täglichen\nMorgenfeier folgendes eigenes Gedicht vor:\nIn der Nacht da stürmt es und donner ts und kradi ts\nUnd wenn man draußen herumgeht, riecht\nmans feurig vom Blitj\nWurzeln springen, Steine schnattern, Sand fliegt\nBlätter fliegen in den Himmel hinauf\nAm Morgen legt sich der Wind ins Stille hinein\nIns Gras und ins Tal\nFreies Gedicht eines Knaben von 6V2 Jahren:\nSchneeglöcklein\nIch hab dich lieb\nSchneeglöcklein wachs mir schön\nGedicht eines Knaben von 7 Jahren:\nVom Kamel\nDu gingst über große Felsen und Gebüsche\nDu gingst durch peitschenden Regen und er\nzerriß dir deine Füße\nAber dann wurdest du in einem goldenen\nSaal mit Freuden aufgenommen. Du wurdest\nmit Sternen geschmückt und mit schönen\nTeppichen, wo an den Fransen hangen Edelsteine\nFreies Gedicht eines Knaben von 6V2 Jahren:\nRund um das Tal die Straßen hinab\nFahren fahren\nMit dem Bach und Wind\nDurchs Tal\nUeberall überall.\nt\nAls Gegenbeispiel der hohen Kunst den letjten\nVers einer unbekannten Ballade Schillers, die\nder bekannte Leipziger Bibliophile Ernst Schulz«\nBesser in Hannover gefunden und deren Echt*\nheit sofort durch Professor Dr. Georg Witkowky\nfestgestellt wurde. Die große Presse brachte\ndiesen Vers in Faksimiledruck.\nIch gehe an den Hof des Königes Karl\nDer Schutj des Holden und Schönen\nDer Hof hält in der alten Stadt Arles\nWo die Stimmen des Liedes ertönen.\nEr ist ohne Länder und ohne Reich —\nDoch ein Fräulein besitjt er den Engeln gleich.\n\nHerwarth Walden\n\nInhaltsverzeichnis\nSeite\nHerwarth Waiden: Für die Kunst gegen die Künstler . . 1\nJozef Peeters: Die flämische Kunst der Avantgarde , . . 4\nFernant Berckelaers: Die jüngste Literatur in Flandern . . 6\nM. Seuphor: Te Parijs in Trombe . 8\nPierre Bourgeois: Les Automates . . . . • ♦ ♦ • • . 12\nPaul v. Ostayen: Gedichte ............. 14\nMaurice Casteels: Notes 14\nM. Seuphor: Wenduyne-aan-zeek door . . . . .... 14\nMaurice Casteels: Le Dernier Prophete . . . . . . . 18\nKurt Schwitters: Automayers . . . . . . .... . . 18\nFranz Hoffmann: Tropfgehänge .... ....... 20\nKurt Liebmann: Gedichte 24\nKurt Heynicke: Gedichte . . . . . . 26\nLothar Schreyer: Gedichte 29\nKurt Schwitters: Tran 35 29\nIngeborg Lacour-Torrup: Sterben 32\nLao-Tse: Tao-Te-King . . 33\nKurt Heinar: Gedichte 36\nRudolf Blümner: Schauheit Auge und Fächer . . ... 36\nHerwarth Waiden: Der Blaue Vogel . . . ...... 37\nRodolfo Alearo: 11 Palo Telegrafico 39\nWalther G. Oschilewski: Gedichte 40\nTibor Dery: Die große Kuh 40\nFranz Müller: Tran 24, die Schwanenjungfrau . . . . . 42\nHerwarth Waiden: Kunstschaffen . . . 42\nJozef Peeters: Lino V 1923 5\nJ. Leonard Roeselare: Eine schöne Frau bedarf keiner\nPerlen . . 7\nAlf Franchen: Architektur \\ 9\nKarel Maes: Linoleumschnitt 1923 ..... i .. . 11\nVictor Bourgeois: Architektur 13\nKarel Albert: Kosmographie „Kinderlied\" 15\nPaul Joostens: Bild . . . 17\nF. D. Boeck: Panneau decoratif 19\nBäla Kädär: Verführung / Vielfarbendruck . . 21\nMoholy-Nagy: Linoleumschnittt / Vom Stock gedruckt . . 25\nNeil Waiden: Segelbild / Vielfarbendruck 27\nOskar Fischer: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt . . 31\nOskar Neriinger: Linoleumschnitt 1923 / Vom Stock\ngedruckt . . . . . 35"}, {"page_pdf": 47, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.47", "texte": "DER STURM\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nFÜNFZEHNTER JAHRGANG / MONATSBERICHT / MÄRZ 1924\n\nVer-Ordnung an meine Beamten\nRudolf Blümner\nIhr Herren allein könnt mich kurieren;\nich bin krank mit meinem Volke, und\ndas ist krank durch eure unnütze Weit-\nläufigkeit; ihr kostet dem Menschen-\ngeschlachte mehr Zeit auf Erden, als die\nEwigkeit einst einbringen kann. Ein\nGroschen Gewinn ist wenig wert, wenn\ner mit einem Taler erkauft wird. Ich\nverbiete euch, im nächsten Jahre bei\nLebensstrafe die Feder anzurühren, damit\nnicht aller euer Witz auf dem Papiere\nbleibt. Was habt ihr mit euren un-\nzähligen Befehlen ausgerichtet? Das\nPapier ist teuer geworden, mein Land\neine Wüste, und die Länder meiner\nNachbarn sind Gärten. Statt Federn zu\nschneiden, okuliert Fruchtbäume; ihr\nhabt viele Raupen im Kopfe, nehmt sie\neinander zur rechten Zeit aus. Lernt erst\nden Takt, ehe die Menschen nach Eurer\nPfeife tanzen sollen; tut lieber garnichts,\nals etwas Kluges zur Unzeit, und wenn\nihr wollt Flaumfedern durch ein Schlüssel-\nloch blasen, so wartet ab, dass kein\nWind gehe als der eure. Höret und\nsehet! Um dies eine bitte ich euch, die\nGeschichte ist keine Rechenmaschine, und\nwas vorbei ist, lässt sich nicht mehr\nmonieren, noch weniger ausradieren.\nHütet euch vor aller Schulphilosophie,\ndie wird nimmermehr schön und nur\nselten reif; denkt auch nicht, dass eure\nGedanken sich mit dem Protokoll schliessen\nmüssen. Seht weiter, als eure Nasen\nreichen, und steckt sie darum nicht in\nDinge, die euch nichts angehen. Heimlich\nist aller Anfang und unbewusst das Ende;\ndarum stört nichts, wo ihr nichts schaffen\nkönnt. Kontrolliert nicht ehrliche Leute;\ndie Spitzbuben lassen sich nicht kon-\ntrollieren. Nagt niemals aus Müssiggang\nan wohlerworbenen Rechten und über-\nzeugt euch, dass die Vorzeit verständig\nwar, und dass ihr auch denken müsst.\nDer Segen des Himmels wird nicht an\nden Meistbietenden, sondern an den\nMindestfordernden überlassen, darum\nfordert nie zuviel auf einmal von den\nLeuten, sondern jedesmal das Rechte.\nVersucht nur vier Wochen die Einrich-\ntungen an euch selbst, die ihr so vielen\nTausenden für die Ewigkeit gebt, und\nihr werdet erfahren, ob mehr dabei heraus-\nals hereinkommt!\n\nEugenie Schwarzwald\n\nIn das erstarrte Leben bringt die Hand\ndieser Frau Bewegung. Es ist nicht die\nIland der Mutter, die mahnend streichelt\nund sich. aufgibt, weil sie sich wieder-\nfindet. Es ist nicht die Hand der\nSchwester, die Vertrautes mitteilt, um\nMitteilungen zu vertrauen. Es ist nicht\ndie Hand der Frau, die gibt, um zu\nfordern und die fordert, um zu geben.\nEs ist die Hand der Geliebten, die sich\num Schönheit sorgt, auf dass die Sorge\nSchönheit sei. Aus Wohltätigkeit wird\nWohltat. Aus Wohl Tat. Die Tat geschieht\nwegen der Tat. Und weil sie nur wegen\nder Tat geschieht, tut sie wohl.\nIdealisten und namentlich idealistische\nPolitiker nehmen es übel, wenn nicht\nalles geschieht. Deshalb tun sie nichts.\nAndere Menschen wieder haben weniger\nIdeale. Wenn viele Menschen nichts zu\nessen haben, finden sie es praktischer,\nwenn auch weniger idealistisch, ihnen\nEssen zu geben. Da dieses Problem durch\ndie Revolution nicht gelöst ist, versuchen\nsie, es durch die Küche zu lösen. Und\nes geschieht das Wunder, das Essen ist\nda. Das Finanzproblem wird gleichfalls\nganz einfach gelöst. Wer kein Geld hat,\nbraucht nicht zu zahlen. Eine Anleihe\nwird nur beim Sozialismus aufgenommen.\nMan schaltet den Zwischengewinn und"}, {"page_pdf": 48, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.48", "texte": "den Handelsgewinn aus und das Essen\nwird so billig, dass es gezahlt werden\nkann. Leute, die viel Geld übrig haben,\ngeben das nötige Betriebskapital. Oder\nwenn sie es nicht geben, wird es ihnen\nrevolutionär genommen. Und zwar mit\nder Hand der Geliebten, der alle alles\ngeben. Nun verzichtet man auf die Büro-\nkratie, die sich beim Essen nie recht\nbetätigen kann, kocht aber dafür mit\nGeschmack. Dadurch schmeckt es den\nMenschen und sie brauchen sich beim\nEssen keine Gedanken über Ideale oder\nProbleme zu machen. Und damit sie es\nbestimmt nicht tun, steht jeden Tag auf\njedem Tisch eine frische Blume.\nHierzu sind keine Vereine gegründet,\nkeine Sammlungen durch Verlage einge-\nleitet, keine Sitzungen abgehalten, keine\nPläne, Broschüren oder Flugblätter\nherausgegeben. Hierzu ist nur diese eine\nFrau, Eugenie Schwarzwald, nach Berlin\ngekommen, hat unbrauchbare Räume\nbrauchbar gemacht, hat unerfassbare Gelder\nerfasst, hat angeordnet, dass Köche\nLebensmittel verwenden, hat die Gäste\ngebeten, zu essen und die Kellnerinnen,\nzu bedienen, hat den Tisch gedeckt und\ndie Blumen geordnet. Und tausende von\nMenschen sind glücklich. Weil sie als\nMenschen essen können und weil sie wie\nMenschen essen können. LTnd diese\nWirtin tut nichts als den Gästen fü r\nihren Besuch zu danken.\nDas ist die Tat der Eugenie Schwarz-\nwald.\nIm Handel und Reden dieser Zeit die Tat.\n\nHerwarth Walden\n\nReflektorisches Lichtspiel\nKurt Schwerdtfeger\nAm 2. April werde ich im „Sturm\" 4 Kom=\nPositionen des reflectorisdien Liditspieles zeigen.\nDas reflektorische Lichtspiel ist eine Synthese\nvon Bewegung, Licht, Farbe, Form. Technischer\nWille dabei ist — ökonomisch, medianische\nBewegung durch die Hand des Menschen selbst\nals Faktor für selbsttätige, gesetjgemäfj Optik\nmit Hilfe von elektrischen — handbewegten —\nLichtquellen — so entsteht Verbindung von\nBewegung und Licht. Auswechselbare Färb«\nScheiben von Glas — vor der Lichtquelle ergeben\ndie Einheit von Bewegung, Licht, Farbe. Die\ngesamte Synthese von Bewegung, Licht, Farbe,\nForm entsteht endlich durch Strahlen der Licht«\nquellen — farbig und handbewegt — hindurch\ndurch herausgeschnittene Formelemente einer\nPappwand — kontrapunktisch organisiert. Diese\nSynthese wird als Komposition auf der Leinwand\nsichtbar. Das refiectorische Lichtspiel vollzieht\nsich in den Bezirken des Raumes und der Zeit.\nEine Lichtspielkomposition ist in ihrem Ablauf\nnicht zufällig, sondern durch Bewegungsnoten\nfestgelegt.\n\nExpressionnisme et Humorisme\n\nOffener Brief an Herrn Dominique Braga\nColläborateur cle la Revue de Geneve\nIn der Revue clc Geneve vom November\n1923 schreiben Sie auf Seite 599:\n«L'Expressionnisme allemand peut etre\neonsidere comme une maniere d'humo-\nrisme desespere, exaeerbe.»\nWie, zum Teufel, kommen Sie auf diese\nIdee? Qui est-ee qui vous a raconte eette\nblague? Es muss sich um ein Missver-\nständnis handeln. On vous a sans doute\nmonte un bäteau et fait croire que les\n«Fliegende Blätter» etaient un organe de\nl'expressionnisme allemand. Was schrei-\nben Sie denn noch?\nLa farce macabre oü il sombre souyent\nresulte des paroxysmes oü le porte-.cette\nsensation de neant, de mortelle amertume\nque l artiste sent \"partout.\nIch verstehe immer weniger von dem, was\nSie schreiben, sehr geehrter Herr Domi-\nnique Braga. Ii est possible que vous\nsoyez un lecteur assidu du «Simplizissi-\nmus» et que vous croyiez que cette revue\nillustree mene le mouvement expression-\nniste. Und was schreiben Sie denn noch?\nCarl Sternheim, qui ...\nO, mein Herr, jetzt fangen Sie an, mich\nzu interessieren. Je suis intrigue, je suis\ntout oreille, je me demande, comment\nvous pouvez sauter dun bond de l'ex-\npressionnisme allemand ä Carl Sternheim.\nVoyons ce que vous eerivez encore?\nCarl Sternheim, qui, lui, est mattre de\nces exces, reuss.it ä courir sur une ligne\nideale, sur une corde raide qui traverse\nle moncle un peil ä cote de son centre\ncle gravite. ; ,\nEn voilä une revelation ! Das habe ick\nbis auf den heutigen Tag nicht gewusst."}, {"page_pdf": 49, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.49", "texte": "Mais je veux me garder de me quereller\navec vous ä ce sujet. 11 se peut que\nCarl Sternheim soit passe maitre dans\nces exces que vous signalez et c[ue la\ncorde raide (etes-vous bien sur qu'elle\nsoit si raide que ca?) traverse le monde\nun peu ä cöte de son centre de gravite.\n(Ein wenig? 0, mein Herr Dominique\nBraga, nicht ein wenig, sondern sehr viel,\nganz und gar, vollkommen abseits der\nWelt.) Ich will Ihnen das alles zugeben.\nMais qu'est-ce que l'expressionnisme a ä\nfaire avec . . . cette galere? Ich fürchte,\ndass Sie es selbst nicht wissen. II faut\nque quelqu'idiot d'Allemand vous ait\nraconte que Carl Sternheim est un ex-\npressionniste. Oder Sie haben diesen Un-\nsinn in einigen deutschen Zeitungen und\nZeitschriften gelesen. Mais, mon eher\nmonsieur, pourquoi vous laissez vous aller\nä croire si facilement de telles sottises?\nQue n'avez-vous plutot pris la peine de\nlire un seul poeme expressionniste en lan-\ngue allemande! . . . alors vous vous seriez\npaye une bonne tranche de rire en appre-\nnant par les journaux c[ue Carl Sternheim\nest expressionniste, et . . . vous n'auriez\npas ecrit tout cela; Mais je me rappelle\nque je ne voulais pas vous chercher que-\nrelle ä ce sujet. Nein, ich will mit Ihnen\nnicht streiten. Es liegt ein Missverständnis\nvor. Qu'est-ce que vous ecrivez encore?\nHeinrich Mann, moins cerebral, est pro-\nbablement moins intelligent, a plus de\nbonne foi, ce qui lui permet de toucher\nparfois le centre de gravite, quoique dans\nun livre comme sujet il ne fasse pas la\nmoindre concession ä la tranquillite de\nl'äme, et lui aussi termine par une vision\nsatanique.\nEt c'est tout? Mehr wissen Sie nicht vom\ndeutschen Expressionismus? Das heisst\nalso, Sie wissen garnichts! Vous prouvez\nmalheureusement que vous n'avez jamais\nlu une seule ligne des expressionnistes\nallemands et malgre cela \\ous ecrivez ä\nla legere sur l'expressionnisme allemand\ndans une revue de renom! Ich will nicht\nmit Ihnen streiten, puisque vous ne con-\nnaissez pas Texpressionnisme allemand;\nmais je tiens ä vous dire que Heinrich\nMann est le le mieux c[ua-\nlifie du roman impressionniste allemand!\nImpressionistisch> Herr Dominique Braga,\nnicht expressionistisch! Et quant ä Carl\nSternheim, je le nomme: un incorrigible\nimpressionniste qui cherche peut-etre ä\nse fairepasser pour expressionniste aux\nyeux des profanes ä I'aide de quelques\nexcentricites linguistiques etrangeres au\nsujet qu'il traite ou ä la philosophie qu'il\n\">rofesse. Expressionismus ist reine Wort-\nviinst. Chez Carl Sternheim je distingue\nbien les mots, mais je ne vois ni art ni\npurte.\ni\nIch werde mich freuen, wenn Sie sich\nveranlasst sehen, an Stelle des falschen\nExpressionismus sich endlich einmal mit\ndem wahren deutschen Expressionismus\nzu beschäftigen ... et alors vous serez\nle premier ä faire amende honorable et\nä rire d'avoir un peu . . . marche, en\necoutant quelques bavarcls allemands vous\nraconter que Carl Sternheim et Heinrich\nMann etaient des expressionnistes!\n\nRudolf Blümner\n\nJacoba van Heemskerck\nR. B.\nHollands größte Malerin, die auch alle hol«\nländischen Maler überragt, ist im August 1923\ngestorben, ohne von den internationalen Hans®\nwursten in ihrem Rang und ihrer Bedeutung\nerkannt worden zu sein. Der „Sturm\" hat\nfür sie getan, was er tun konnte. Die März®\nAusstellung des Sturm ist dem Gedächtnis\ndieser Künstlerin gewidmet und zeigt nodh ein«\nmal den Gutwilligen das Beste, das diese\nKünstlerin geschaffen hat.\nGleichzeitig erschien in unserem Verlag das\nSturm-Bilderbuch VII:\nJacoba van Heemskerck\nDas Album enthält zahlreidie Reproduktionen,\nHolzschnitte, vom Stock gedruckt, sowie einige\nAufsähe, die der Welt begreiflich machen wollen,\nwas sie an dieser Malerin verloren hat. Wir\nhoffen, daß einst audi die Heimat der Jacoba\nvan Heemskerck einsehen wird, was sie ihr für\nimmer schuldig geblieben ist.\nDer Preis des Albums beträgt 8 Mark.\n\nVerkehrte Aufschrift\nRudolf Blümner\n(Auf der Rückseite eines Aktendeckels)\nWir wollen straffrei werden\nUnd in allen Ländern\nNur in Liebe empfangen."}, {"page_pdf": 50, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.50", "texte": "Les principes humanitaristes\nCet appel, lance en janvier 1923 par le „Premier\ngroupe humanitariste\" representant la conception\net I'action humanitaristes, a eu en Roumanie et\ndans les autres pays un echo assez puissant qui\nprouve que les idees et actes servant les as=>\npirations ä la paix et ä I'humanisation trouvent\npartout un terrain favorable pour germer.\nCet appel a ete lance ä Paris pour la premiere\nfois sous les ausplces de la „Föderation inter*\nnationale des Arts, des Lettres et des Sciences\"\net a ete signe par les membres du bureau de\ndirection de la F. I. A. L. S.:\n— HAN RYNER, BANVILLE D'HOSTEL, ALEX. MER»\nCEREAU, PAUL BRULAT, R. CANUDO, FEM COUR»\nCHE;, HENRY CHASSIN, EMILE PIGNOT, LOUIS\nRICHARD, P. »N. ROINARD, HENRY STRENTZ,\nauxquels sont venus se joindre FLORIAN PAR«\nMENTIER, E. LANTY, R. DUNCAN, AMEDEE GUIL»\nLAUME, M. LIPCHITZ et d'autres ecrivains et\nartistes de Paris.\nCe haut appui apporte ä notre initiative, nous\nencourage ä adresser notre appel ä tous ceux\nqui, de par leur oeuvre et de par leur action,\nsont tout designes ä preter leur autorite a la\nconception et ä I'action humanitaristes.\nADRESSEZ VOTRE ADHESION Ä\nEugen RELGIS\npour le\nPREMIER GROUPE HUMANITARISTE\nBUCAREST — Roumanie\nStr. Trinitätü 29 A, Scara O\n\nSie gehen auf unserm Rücken\nspazieren\nEs mag sein, daß Sie seit dem Jahre 1910\nAbonnent des Sturm sind oder wenigstens\nwährend einiger Jahre unsere Zeitschrift bezogen\nhaben. Aber auch diejenigen unter Ihnen, die\nnur ein halbes Duzend unserer Hefte in die\nHand bekommen haben, wissen, daß der ge=\nsamte radikalsmoderne Kunstverlag auf unserem\nRücken spazieren geht.*) Der Sturm hat ihnen\nnicht nur vorgearbeitet, er hat sich auch für\nsie aufgeopfert. Die Andern ernten, was wir\nunter Schimpf und Hohn gesät haben. Wir\naber sagen Euch: Unter allen den Künstlern,\ndie es in der Kunst und auch noch auf dem\nMarkt heute zu etwas Beträchtlichem gebracht\nhaben, ist keiner, der seinen Eintritt in die\nKunst nicht dem Sturm zu verdanken hätte.\nUnd wenn sich der eine oder andere melden\nwill, um von sich oder einem andern Anderes\nzu behaupten, so möge er sich mit dem Trost\nzurückziehen, daß er es vielleicht auf dem Markt\naber nicht in der Kunst zu etwas gebracht hat.\nSie werden sich aber noch besser überzeugen\nlassen, wenn Sie die früheren Jahrgänge des\nSturm durchblättern oder gar durchlesen. Dann\nwird es Ihnen gehen, wie es schon vielen er*\ngangen ist: Wo ist unter allen denen, die heute\nauch nur-etwas halbwegs Kluges zu schreiben,\nwas Bedeutsames zu dichten, zeichnen oder\nmalen haben, auch nur einer, der seine ersten\nSchritte nicht im Sturm getan hat, zu einer Zeit,\nals diejenigen nichts von ihm wissen wollten,\ndie heute seine Werke drucken, stechen, aus«\nstellen, verkaufen und anpreisen, gerade so, als\nob sie vor zehn oder fünfzehn Jahren nicht das\nalles für Dreck gehalten hätten? Nur Eines\nhaben sie oft vortrefflich verstanden: diese\nKünstler auf ein Niveau herunterzudrücken,\ndas es freilich begreiflich macht, wenn eben\ndieser und Jener einstmals, als er noch schlechtere\naber dafür bessere Tage sah, im Sturm mar*\nschierte.\nSie können vom Verlag Der Sturm die folgen*\nden vollständigen Jahrgänge der Zeitschrift Der\nSturm beziehen:\n'4.\nV., VI., VII., IX., X., XI., XII., XIII., XIV. Jahrgang.\nJeder dieser Jahrgänge kostet 10 Mark.\nDer 1., 11. und VIII. Jahrgang ist nur noch in\nje einem Exemplar vorrätig und kostet 30 Mark,\nDer 111. und IV. Jahrgang sind vollzählig nicht\nmehr vorhanden und diejenigen, die weiter\nsehen, als ihre Nase reicht, begreifen schon\nheute, daß es ratsam ist, sidi diejenigen Namen\nbeizeiten zu merken, die sie später auswendig\nlernen müssen, ob sie wollen oder nicht. Sie\nabonnieren die Monatsschrift Der Sturm, wo\nsie mit einem geringen Betrag gegen die\nspätere Blamage versichert sind.\n*) Siehe Monatsbericht Februar: Angenehme Promenade\n\nEin Plagiat\nR. B.\nRudolf Blümners „Ver»Ordnung\" ist Wort für\nWort Achim von Arnims Erzählung „Fürst\nGanzgott und Sänger Halbgott\" entnommen."}, {"page_pdf": 51, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.51", "texte": "O X TH U Si k JL U frv TV- 2L*\njfusfiihrlichc illusiriarto forzeichnisse ktstenlos\nyirspiol be rot i irilligsi okne Ka ufzirang\n\n'\nMUSIKINSTRIJMENTE\nMLLSlKPLaTTEN^way-\nermoglichcn. die UteoSaxfofc vorv-\nhitxsik — Cccsang una jSprache\n_ r — eina\nbcsondcrc Klasscjiirsich- c**sa?\nDie bcstai Orchcsicr, die crden\nKiinsticr tirvdJ^VGXyxrr^fliJdet-\nVOX-HAU-5\nPOTSDAMER PLAT\nB E RLIN W 9\nPOTADAMLE RSTR4\nTEL KURPORSTASI6 6309\nXJJTZOt/03A 7 t>SS4 Q355\nJSJNO&TSI+ Z&tiJTZMARKk\n\nHET OVERZICHT\nDirections Fernant Btrckclaers und Jozof P««ters\nDie einzige Monatsschrift des internationaten\nVortrupps in niederlSndischer Sprache\nStSndige Rubrlken: radikafe Kunst, Musik,\nPhilosophle, Internationale Polltlk,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\netc.\nPraia jades elnzelnen relch illustrierten Heftes tn kOnstlerischen\nUmschlag, 24 Seiten, Format 25X32, Fr, 2.-, Abonnement\n(12 Hefta) Fr. 16.—, Frankreich Fr. 20.—, Niederlande fl. 4.25.\nRediktion und Verwaltung\nAntwerpen (Belgien) Chaussee do Turnhout 105\n\nContimporanul\nEinzige moderate rumanische\nKunst- und Liieratur-Zeitschrift\nDirektoren: J. Yinca und M. Janco\nSir. Trinttaiii 29\nBucaresi\n\nPA - FA- M A\nJTj/L> Mm JL JUL X JK»\nPAPIERFARBMAPPE\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hdchster Farbkraft liefert\nPAP I ER FAR B B I L D E R\nvon unerreichter Schonheit / Geschutzt in alien Kulturstaaten\nBe&c&iiftigung&spiel m £e&rmiiiel Kunsimappe * Maltea&iem\n2u bezicheii durch Warenh&user, Spielwaren- und Lehrmittelhandlungen odcr durdi\nSTURM-BUCHHANDLUNG / BERLIN W 9\nPOTSDAM KR STRASSE 1380"}, {"page_pdf": 52, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192403-01.1.52", "texte": "V erant wörtlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer* Berlin W9 / Drock: Vereinigte Kunst-Institute A.-G* vorm. Otto Troitoch* Bln^Sehöseberg\n\nStur\nBerlin W9\nv.:«« ■.:««\nHerwarth Walden: Einblick in Kunst\nExpressionismus / Kubismus / Futurismus\nMit 3 Vielf arbendr ucken und 70 Abbildungen nach Werken\nder Meister der neuen Kunst. Neuauflage des lange ver-\ngriffenen und sehr gesuchten authentischen Buches\nr\nHi\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 6 Mark\nLuxusausgaben signiert und numeriert in Halb- und Ganzleder\n*' pSjj ' v *. V, -'J.-'-' 7 112 ' *./ '' •> '• • •>\" .■ \" ~ v >•• \\\\ , w -fy : ' *v '* '■ 1 7-,V VV*'.'}\nAlexander Archipenko\nStark vergrofierte Neuauflage des Sturmbilderbuches II\nMit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen und einem Zwei-\nfarbendruck\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 4 Mark\n.\n%\nJacoba van Heemskerck\nSturmbilderbuch VII\ni \"i.\".' ' ■-\n■HS9\nDas erste Werk iiber die kiirzlich verstorbene fuhrende Kiinstlerin\ndes Expressionismus in Holland\nEtwa 50 Abbildungen und 7 Originalholzschnitte vom Stock\ngedruckt. Beitrage von Poortvliet, Blumner, Schreyer, Walden\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 8 Mark\nLuxusausgabe in Ganzleder numeriert"}]}