{"numero_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_sha256": "90604122d8c94726deb5adc3cf00ec82c4ce9c337967210a406140d0e0b50c3f", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1924/06_01/bmtnabg_1924-06_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1924/06_01/bmtnabg_1924-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c001", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt", "signature_source": "Moholy-Nagy", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 48, "texte": "Moholy-Nagy\nLinoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c002", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[47]", "page_fin": "[47]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.2", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[47]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1061, "texte": "Inhalt\nSeite\nHcrwarth Waiden: Über allen Gipfeln 49\nLudwig Kassäk: Buch der Reinheit 70\nHeinrich Glauber: Gedichte 72\nRobert Reiter: Gesellschaft Künstler Kunstwert 75\nÄladar Tamäs: Gedichte 83\n365. Dichter: Glasuhr 84\nJoseph Nädass: Straßenbahn 58 85\nRobert Reiter: Spannung 86\nHans Ärp: Die Blumensphinx 87\nHans Arp: Gedichte 88\nLothar Schrcycr: Gedichte 93\nIwan Heilbut: Gedichte 97\nFranz Richard Behrens: Gymnasium besuchts\nBordell 100\nOtto Nebel: Schaltjahr 112\nMoholy-Nagys Schwarz-Orange-Gelb / Viel-\nfarbendruck\nLudwig Kassäk: Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 53\nLudwig Kassäk: Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 57\nMoholy-Nagy: Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 61\nMoholy-Nagy; Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 67\nLudwig Kassäk: Kiosk 73\nLudwig Kassäk: Dynamische Konstruktion 79\nA. Exter: Kostüm des Kriegs 89\nLothar Schreyer: Zeichnung 95\nHugo Scheiben Porträt des Rechtsanwalts\nGoldbaum 101\nHans Mattis Teutsch: Linoleumschnitt / Vom\nStock gedruckt 105\nOskar Fischer; Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 107\nMonatsbericht Juni 1924 113"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c003", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "69", "image_debut": 5, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.3", "titre_corps": "Über allen Gipfeln : Die metergroiäen Dichter der Gegenwart", "titre_sommaire": "Über allen Gipfeln : Die metergroiäen Dichter der Gegenwart", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1765, "texte": "Über allen Gipfeln\n\nDie metergroiäen Dichter der Gegenwart\nMit der Geistesseuche, die man Literatur nennt, ist es wie mit allen Seuchen:\nman kann sie nicht heilen, nur bekämpfen. Außerdem leben so viele\nLeute von dieser Seuche, daß ein gewisses gemeinsames Interesse an ihrer\nErhaltung vorhanden ist Es gibt viele Herren und Damen, die Literatur\nschreiben und ebensoviele, die darüber schreiben. Wenn man diese Literatur\nkünstlerisch betrachtet, so entsteht der Humor, der insbesondere den Deutschen\nfehlt. Das Lesen einer Literaturgeschichte hingegen ist Humor, namentlich\nwenn sie bis auf die Gegenwart fortgeführt ist. Zwei Professoren haben sich\njetzt um die Literatur der Gegenwart bemüht und ich habe eine Art ver-\ngleichende Literaturgeschichtengeschichte getrieben, was wieder eine Wissen-\nschaft für sich ist. Die positiven Kenntnisse haben beide Herren zweifellos\naus den Feuilletons der deutschen Tagespresse und ihrer kritischen Bericht-\nerstattung und aus einigen Anthologien gezogen. Beide Herren prüfen den\ngedanklichen Inhalt der Dichtungen, sind mit den Resultaten durchaus zufrieden\nund wenden sehr oft das Wort Expressionismus an, wodurch sie sich sehr\nmodern und radikal Vorkommen. Der eine Autor hat auf dem Streifband\nsogar festgestellt, daß er ein .lebendiges Spiegelbild des deutschen Geistes-\nlebens der letzten vier Jahrzehnte, gipfelnd in den Namen Gerhart Hauptmann,\nThomas Mann, Stefan George und Franz Werfel“ geschaffen hat. Das Spiegel-\nbild mit Gipfel ist ein Bild für sich, das lebendige Spiegelbild mit Gipfel ist\nwirklich ein Blick in das deutsche Geistesleben. Es ist der Gipfel. Warum\nsollen aber die Professoren sehen können, wenn es die Dichter nicht\ntun. Oder wenn die Dichter erst ein Bild sehen müssen, um sich davon einen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.6", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2608, "texte": "Spiegel zu machen. Zum Beispiel Herr Dauthendey, Von ihm wird\ngemeldet: „Ganze Gemälde, wirklich vorhandene oder erträumte, werden in\nWorte umgesetzt, und es ist keineswegs unbekannt, daß ein malerisches\nOriginal zu dem Gedicht Wintersonne existiert: es ist von Hans Olde und\nhängt in der Nationalgalerie zu Berlin\". In dem Gedicht zu dem Original\nheißt es: „Opalfarben schweben über dem Schnee, kaum hörbar, zart wie der\nAtem der Perlen. Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß\naus weißem Kern, steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold\nund blütenentfaltet wie eine Blume.“ Das ist zweifellos ein Spiegelbild.\nBewundernd bemerkt der Professor: „Die ganze Farbenschkala wird hier\nbenötigt, das ganze Schpektrum wird abgewandelt.“ Aber der Professor hält\ndiese Gemälde doch nicht für vollendete Gedichte, weil ihnen ein gedankliches\nMoment fehlt, was nach seiner Ansicht auch der Autor selbst bemerkt hat:\n„Aber der Dichter liebt es auch, mit einem „wie wenn , .“, „wie einer der “\n„als ob . .“, am Schlüsse ein kleines leises gedankliches Moment hinzuzusetzen,\ndas die Landschaftsskizze zu einem Gedicht abrunden soll.“ Man merkt,\nHerr Dauthendey fühlt sich durch die reine Landschaft kompromittiert. Die\ngedankliche Abrundung genügt dem Professor aber nicht. Denn „nicht um\nGedichte, sondern in der Tat um Fragmente, Skizzen, Notizen, die höchstens\neinmal für Gedichte verwendet werden könnten, handelt es sich hier. So ist\njenes scheinbar nur äußerliche Moment erklärlich, daß Dauthendey meist keine\nÜberschriften findet für seine Verse\". Das muß Herr Dauthendey dem\nProfessor in einer intimen Stunde anvertraut haben. Anders wäre es uner-\nklärlich, wie ein Gehirn auf so einen abgerundeten Gedanken kommen kann\nDas Gedicht ohne Überschrift ist wie das Bild ohne Titel. Man weiß nicht\nwas es bedeuten soll. Trotzdem finden wir auch in Herrn Dauthendey\neinen Gipfel: „So finden wir denn von Dauthendey das Malerische, rein\nmdrucksmäßige in der Impressionslyrik auf den Gipfel geführt.“ Da sitzt\ndas Malerische nun auf dem Gipfel und spiegelt sich in Original-Ölgemälden\nder Berliner Nationalgalerie.\nGanz anders steht es hingegen mit Herrn Rilke. Das ist ein toller Bursche •\nleses ganze Buch ist ein einziges Ringen mit Gott. Niemals hat sich etwas\nGleiches in der Dichtung vollzogen, wie dieses gewaltsame, unablässige Sich-\nOhren mitten .„ Gott hinein.- Das Hineinbohren scheint mir eine Verletzung\nOedfr.P„ , “nS‘amPf's z“ sd-i. Ebenso wie Dauthendey bei seinen\nGedichten relativ nnbeteiiigt ist, scheint es Rilke auch mit dem lieben Gott"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.7", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1983, "texte": "zu sein: „Nicht Rilke singt Gott, sondern Gott singt in sich selbst.\" Herr\nRilke ist nur der bescheidene Zuhörer. Die ganze Angelegenheit ist über'\nhaupt nicht ungefährlich: „Ein russischer Mönch sucht Gott mit allen Mitteln\nund um jeden Preis zu fassen und ringt mit ihm, den er um sich fühlt, in\nunauslöschlicher Inbrunst und läßt nicht locker, bevor er sich ihm nicht\ngegeben hat.“ Dieses Bild ist nicht ungefährlich zu sehen, aber Professoren\ninteressieren sich eben für die gedankliche Abrundung. Nur die Bemerkung\nmit dem Preis finde ich nicht nett. Der Rilke springt mit dem Gott um, daß\nes nur seine Art hat. Der Professor bemerkt persönlich: „Wie Gott in diesem\nBuch vergewaltigt wird und um und um nach allen Seiten gewendet, wie da\nmit Gott umgesprungen wird, wie er nur angeredet wird, wie er gebannt und\nbeschworen und nimmermehr in Ruhe gelassen wird, das geht ...\" Hier\nscheint dem Dichter offenbar eine kleine Verwechslung unterlaufen zu sein.\nEs ist mir bekannt, daß es der Gegenwart auf das Geschlecht nicht ankommt.\nUnd im Dunkeln ist es gut munkeln. Aber die Behandlung finde ich doch\ngottserbärmlich. Diese Klapphornpoesie hat bereits ausgerungen:\nDu kommst und gehst. Die Türen fallen\nviel sanfter zu, fast ohne Wehen.\nDu bist der Leiseste von allen\nDie durch die leisen Häuser gehen.\nVon einer Dame gesagt, alle Achtung vor Heinrich Heine. Aber auch die\nMädchen haben es Herrn Rilke angetan. Oder wie der Professor es nennt,\n„jener leichte Einschlag des Sozialen“:\nAlle Mädchen erwarten wen\nWenn die Bäume in Blüten stehn\nWir müssen immer nur nähen und nähen.\nDieses Nähen ist verflucht sozial. Auf wen mögen alle Mädchen warten? Etwa\nvielleicht auf die Liebe, von der kein Mensch, kein Mensch, kein Mensch, kein\nMensch nichts weiß? Jedenfalls liegt Musik in dem Gedicht, während bei\nDauthendey nur die Bilder darin lagen. Das wäre ein hübscher Vorwurf\nfür die Operettenkomponisten. Das Gedicht singt sich sozusagen selbst;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.8", "debut_caractere": 33, "fin_caractere_exclue": 1689, "texte": "Alle Mädchen erwarten wen\nJumheidi jumheida\nWenn die Bäume in Blüten stehn\nTralala\nTrala.\nAber Herr Rilke läßt nicht nur Gott, „Rilke läßt die Dinge, die ihm zum\ndichterischen Erlebnis geworden sind, nicht mehr los, ehe sie sich ihm nicht\nrestlos erschlossen haben“. Diese Anmerkung des Professors bezieht sich\nnicht mehr auf die Mädchen, sondern:\nAuf einmal weih ich viel von den Fontänen\nDen unbegreiflichen Bäumen aus Glas\nUnd weih von Zweigen, die sich abwärts wandten\nVon Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten\nVon Teichen . . . Abendhimmeln . . .\nAuf einmal! Die Dinger lassen ihn nicht mehr los:\nEs war, als ob die Dinge sich bekränzten\nSie standen licht, unendlich leicht besonnt\nEin Fühlen war in jeder Häuserfront\nUnd viele Häuser gingen auf und glänzten.\nDa kann man nur sagen: alle Achtung. Wie versteht es der Dichter, der\nHäuserfront seine Seele einzublasen, den unbegreiflichen Bäumen aus Stein.\nUnd wie diese Häuser aufgehen, als ob die Dinge sich bekränzten. Und da\nhaben wir denn, wie bei Dauthendey, endlich das „als ob“ der gedanklichen\nAbrundung. Hier liegt also zweifellos keine Skizze, sondern ein Gedicht vor\nuns. Oder wie der Professor sich vornehmer ausdrückt: „Die Dinge erhalten\nein neues Leben aus des Dichters Seele heraus und wenn irgendwo in dieser\nZeit, so haben wir hier schon Ausdrucks- und nicht mehr Eindruckskunst.“\nHurra, der Expressionismus ist also geboren. Er hat sich restlos erschlossen.\nHier bei der Häuserfront ist die Stätte. Die Türen fallen. Viel sanfter zu,\nfast ohne Wehen. Alle Mädchen erwarten wen. Nämlich den Expressionismus,\nDer Professor beweist es nochmals, die Geburt des Expressionismus aus der"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.10", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 2103, "texte": "Vergewaltigung von Gott, um jeden Preis: „Es will damit übereinstimmen,\nwenn sich auch bei Rilke schon gelegentlich Straßenbild und Landschaft in\nBewegung auflösen.“\nDie Häuser fallen hinter uns ins Knie\nDie Gassen biegen sich uns schief entgegen\nDie Plätze weichen aus . . .\nSchief ist Expressionismus und schräg ist englisch. Nun haben wir den\nSalat. Erst gehen die Häuser auf, dann fallen sie in die Knie. Wenn das\nnoch kein Landschaftsbild ist, schreibe ich eine Literaturgeschichte. Der\nandere Professor, von dem ich bisher noch nicht viel Aufhebens gemacht\nhabe, bestätigt gleichfalls, daß Rainer Maria Rilke Gottsucher ist. Hier wird\ndie erotische Darstellung noch komplizierter: „In das Objekt liebt Rilke sich\nhinein, gebiert es gleichsam von neuem aus sich heraus, und macht dadurch\nauch dessen äußere Gestalt notwendig und verständlich.“ Gleichsam durch\nHerausgebären. Auch dieser Professor der Zweite bestätigt die intimen\nBeziehungen des Herrn Rilke zu Gott. Und führt zum Beweis folgendes\nGedicht an:\nIch geh doch immer auf dich zu\nMit meinem ganzen Gehen\nDenn wer bin ich und wer bist du\nWenn wir uns nicht verstehen?\nHierzu bemerkt Professor der Zweite; „Doch dieser verträumte und einsame\nDenker ist ein großer Dichter. Seine ganz eigene Form musikalischer Bindung\nhat er sich geprägt mit Reimverschlingungen, mit Reimkünsten, doch nie\nKünsteleien.“ Ich kann beim besten Willen die Darmverschlingungen nicht\nsehen. Aber da Herr Rilke persönlich gleichsam schon bemerkt, „denn wer\nbin ich und wer bist du, wenn wir uns nicht verstehen?“ muß ich ihn doch\nmehr für einen verträumten einsamen Denker als für einen Dichter halten.\nDas sind Gedanken. Gedanken, vastehste! Aber es kommt noch toller;\n„Auch in der Schilderung der Umwelt bewährt sich Rilke als akustischer\nDichter; seine Landschaften beruhen durchaus auf Gehörsvorstellungen.*\nWenn seine Landschaften auf Gehörsvorstellungen beruhten, werden wohl seine\nGötter sich auf Geruchsvorstellungen bewegen. „Die Form ist für seine\nGedichte kein Band, sondern eine Befreiung von Erdenschwere. .Ich war"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.11", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1887, "texte": "Gesang und Gott der Vater rauscht noch in meinem Ohr' ist die Lebens-\nund Kunstformel Rilkes.“ Gott der Vater ist also doch eine Landschaft, da\ner auf einer Gehörsvorstellung beruht. Eine anständige Lebens- und Kunst-\nformel. Und wie befreit von Erdenschwere singt dieses Gedicht des akustischen\nDichters, das zwar kein Band, aber einen Bandwurm hat:\nJe mehr der Tag mit immer schwächern\nGebärden sich nach Abend neigt,\nJe mehr bist du mein Gott. Es steigt\nDein Reich wie Rauch aus allen Dächern.\nImmerhin, es hat geklappt. Es reimt sich über Kreuz mitten mang, jeder\nVers ein blanker Unsinn. Schiller fand allerdings, daß Rauch aus allen\nDächern irdisches Leben ist. Rilke verrußt damit Gott. Aber was tut man\nnicht wegen der Akustik. Ihr zuhebe muß die Optik sich verräuchern lassen.\nGehen wir mit unserem ganzen Gehen zu zwo anderen Gipfeln; „In diesem\ndunklen symbolischen Gefühl kann die Summe der Impressionen gipfeln, wie\netwa in jenen liedhaften Versen Richard Schaukals:\nÜber Wald und Wiesen liegt der Mondenschein\nZögert auf den Fliesen in das Haus herein\nGrüne Funken flimmern im verhüllten Strauch\nUnd die Flügel schimmern meiner Seele auch.\nDas Auch schimmert etwas wacklig in diese Wald- und Wiesenfliesen hinein,\nin dieses dunkle symbolische Gefühl, was Professor der Erste Herrn Schaukal\nbestätigt. Aber der Strauch verlangt sein Auch, da muß die Seele eben daran\nglauben. Das wäre das ausgesprochene symbolische Gefühl: „Oder es bleibt\nunausgesprochen und klingt nur ahnungsweise aus der summierenden Auf-\nstellung der Eindrücke heraus, wie in Hugo von Hofmannthals berühmtem\nVorfrühlingslied :\nEs läuft der Frühlingswind durch die Alleen.\nSeltsame Dinge sind in seinem Wehn.\nEr hat sich gewiegt wo Weinen war\nUnd hat sich geschmiegt in zerrüttetes Haar.\nEr schüttelte nieder Akazienblüten\nUnd kühlte die Glieder, die atmend glühten."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.12", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2120, "texte": "..Er flog mit Schweigen durch flüsternde Zimmer\nUnd löschte im Neigen der Ampel Schimmer.\nDas Tal des Hofmann lag nun im Dunkeln\nUnd Hugos Seele konnte jetzt funkeln.\nNun läuft der Professor durch seine Alleen\nEr kann die Aufstellungssumme besehn.\nJa, man sollte es nicht glauben; „Gerade an diesem Gedichte zeigt sich das\nprimitiv alogische Element der Impressionslyrik in besonderem Grade. Wie\ndas ganze Gedicht nur eine Summe von teils erdachten oder geahnten, teils\nerlebten oder gefühlten Eindrücken ist, so ist jede einzelne Strophe keineswegs\nnach inneren logischen Assoziationen, sondern nach Reim- und Klang-\nassoziationen gebaut. Man mühte denn geheimnisvolle und dunkle Be-\nziehungen zwischen den Zeilen lesen. Hier ist eine völlige Ausschaltung des\nSinnes in der Tat erreicht.“ Solch ein Unsinn ist selten geschrieben worden.\nDas Gedicht ist so sinnvoll, daß ich den Sinn ohne weiteres auf den Professor\nden Ersten ausdehnen konnte. Die erdachten Alleen und das geahnte Wehn,\ndas erlebte Zimmer und der gefühlte Ampelschimmer sind allerdings Reim-\nund Klangassoziationen, die das Getue dieser Impressionslyrik im besonderen\nGrade zeigen. Die Impressionslyriker haben etwas mit dem Klang. Das\nInstrument, mit dem sie Klänge schaffen, ist der Leierkasten. Sie erfinden\nGassenhauer ohne Lärm, was das Schöne an ihnen ist. Sie schreiben metrische\nBegleitung und halten sie für rhythmische Gestaltung. Sie glauben, das\nGedankliche zu entfernen, indem sie gedankenlos interpunktieren. Da ist\nzum Beispiel die Kunst des Herrn Stefan George. „Wundervolle Versreliefs“,\nsagt Professor der Erste;\nIhr höbet euch vom Boden auf im Takte\nIns volle Licht getauchte, lächelnd Reine\nUnd schrittet vor- und rückwärts göttlich Nackte\nDie breite Brust gewiegt auf schlankem Beine\nVon welcher Urne oder welchem Friese\nSteigt ihr ins Leben ab zum Fest gerüstet\nDie ihr euch leicht verneigtet und euch küßtet\nUnd tanzend schwankt auf weißgesternter Wiese.\nDas sind Bildchen, die man wirklich von der Urne oder dem Friese her\nhaben muß. Wundervoll, wie die breite Brust sich auf schlankem Beine"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.14", "debut_caractere": 33, "fin_caractere_exclue": 2172, "texte": "wiegt. Noch dazu in der ollen ehrlichen, göttlichen Nacktheit Und wie\ntaktfest das alles gedichtet ist. Tatä, tatä, tatä, tatä, tatä, tatä, tatäta. Da\nliegt Musike drin. Oder wie Professor der Erste sagt: „Stefan George\ndichtete die Ideale der Zeit in veredeltster Auffassung.“ Die breite Brust\ngewiegt auf schlankem Beine. Oder noch veredelter von dem taktfesten\nDichterkomponisten Jean Gilbert, was Ideale und Auffassung anbetrifft.\nDas ist das alte Lied von jungen Leuten\nDaß ein Malheur geschieht in Frühlingszeiten.\nSteigt ihr ins Leben ab zum Fest gerüstet,\nDie ihr euch leicht verneigtet und euch küßtet\nWenn blau der Bachesrand, wenn lau die Nacht,\nDann ist der Lenz im Land und dann gib acht.\nIhr höbet euch vom Boden auf im Takte\nUnd schrittet vor- und rückwärts göttlich Nackte.\nDieses Gedicht der Herren George und Gilbert ist nicht gänzlich sinnlos.\nUnd von einer bemerkenswerten Klangassoziation. „In dem Zeilenpaar ist\nein Bild des jugendlichen Heroentums gezeichnet, wie es sich mit gleicher\nEindringlichkeit sonst nur noch in ganz wenigen Versen früher ehemals\nsüdgermanischer Heldendichtung findet;\nAls sich die Knabengestalt hochaufragend und leicht\nSchwang aus dem Sattel.\"\nJa, so zwei wie die zwei gibts keine zwei mehr. Das können auch die Süd-\ngermanen nicht aushalten, ohne sich totzulachen. Oder sie müssen mit\nPauken und Trompeten zu dem Expressionismus übergehen, den die Professoren\nund die Herren der Tagespresse erfunden haben. Steigen wir zum Gipfel\nWerfel; „In ihm gipfelt vorläufig diese ganze Welle der jüngsten Lyrik. Seine\nDichtung ist eine einzige Klage über die Brutalität der Zeit und ein einziger\nSehnsuchtsschrei nach den neuen Menschen der paradiesischen Zukunft.“\nDaher der Name Expressionismus. Der Gipfel Werfel und der Gipfel George\nhaben etwas Gemeinsames, rauscht Professor der Erste: „Beide wollen ihr\nGeschlecht von Schande reinigen.“ Das sind also die Beziehungen vom\nImpressionismus zum Expressionismus. Da Werfel sein Geschlecht von der\nSchande reinigen will, beschäftigt er sich zunächst mit der Liebe. Und zwar\ngemeinsam, weil es doch ein schweres Problem ist, mit einem Herrn Becher:"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.15", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2179, "texte": "„Den Unterschied Werfels von Becher, mit dem man ihn oft in einem Atem\nnennen hört, offenbart am besten die Liebeslyrik beider Poeten,“ Man atmet\nauf, die Sache wird normaler, Ich, als Fachmann, natürlich des Expressionismus,\nhabe immer betont, man soll sich nicht davor ängstigen. Selbst Herr Becher\nvergißt trotz Expressionismus die Liebe nicht; „Becher, der sein revolutionäres\nWüten und vor allem sich selbst auch in der Liebe nicht vergißt und in\ngehackten Sätzen die krampfauflösende Wirkung seiner Liebe auf ihn selber\nschildert.“ Das soll bei der Liebe schon vor dem Expressionismus geschehen\nsein, ist mir gesagt worden. Immerhin, er vergißt vor allem sich selbst nicht.\nWerfel hingegen macht sich das Leben, insbesondere das Liebesieben, schwerer:\n„Werfel, der in seinen kunstvoll strömenden, bewegten Sätzen selbst noch\nsein Liebesglück, seine bis zum Tode gehende Verzückung und Schwärmerei\ngeradezu wie eine Schuld empfindet und wie ein unverdientes Gnadengeschenk\n- den andern, den Abgehärmten, mühselig Unterdrückten und nie Beglückten\ngegenüber.“ Zum Beispiel;\nWas rieselt heran\nIn tausend Flüßchen aus der Nacht?\nWas schaudert wohlbrennend\ndurch meine Sohlen empor?\nDie Welt umwirbt mich\nKräuter und Stengel\nSie flüstern ihr Geheimnis\nStreichelnd in meinen gehärteten Leib,\nIch höre euch unfaßbare Sprachen!\nSo etwas nennt Professor der Erste „unheimliches Erfassen der Natur“. Das\nsind kunstvoll strömend bewegte Sätze. Mir haben es namentlich die tausend\nFlüßchen angetan. Was kommt denn da. Auch die Kräuter und Stengel, die\nihr süßes Geheimnis flüstern. Und was durch seine Sohlen wohlbrennend\nemporschaudert, dürfte das berühmte neue Ethos sein: „Aber was Werfel von\nallen diesen unterscheidet, ist der Umstand, daß sich seine starke, etwas\nlarmoyante Ethik selbst mit dem Gebiet der Landschaft verknüpft. Man erkennt\ndies besonders deutlich an dem jubelnden Hymnus: .Herz frohlocke! Eine\ngute Tat habe ich getan!“ Da haben wir sie, die expressionistische Ethik.\nAber, aber; „Aber mit überraschender Wendung vereinigt sich schließlich alles\nin der Gebebten, der letzten Offenbarung des göttlichen Geistes, deren Wandeln,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.16", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 2141, "texte": "Lächeln, Atmen, den Dichter ,bis an den Tod entzückt.1 “ Die Gänsefüßchen\nweisen darauf hin, daß die Wörter „bis an den Tod entzückt“ Original-\nexpressionismus des Herrn Werfel sind. Oder wie Professor der Erste\nbis an den Tod entzückt hierüber äußert; „Man muß dergestalt von einer\nDurchgeistigung des neuen Naturgefühls bei Werfel reden.“ Bei der Geliebten\nhat schon mancher sein Naturgefühl wiedergefunden. Man muß das aber\nnicht gleich Expressionismus nennen. Doch Herr Werfel hat noch mehr getan.\nAlles wegen des Expressionismus. Er „bringt eine Spracherneuerung und eine\neigentümliche Beseelung armer, abgebrauchter, im Alltag erstorbener Worte“.\nDas ist einerseits nett, wie andererseits rührend von ihm. Das mit der Sprach-\nerneuerung macht er so;\nKomm, heiliger Geist, du schöpferisch\nDen Marmor unserer Form zerbrich\nDaß wir gemeinsam und nach oben\nWie Flammen ineinander toben.\nDer heilige Geist will aber nicht. Marmor ist hart. Da kann man halt\nnichts machen. Darum:\nAch, es ist ein Fluch in unserm Wallen\nFlüchtig muß vor uns das Feste fallen\nWas wir hatten, ist nicht mehr zu halten\nUnd am Ende bleibt uns nichts als Weinen.\nHerr Werfel braucht nicht zu weinen. Er hält das Alte noch ganz feste.\nUnd die andern halten es für Expressionismus. Ich brauche wohl nicht mehr\nausdrücklich festzustellen, daß es Kitsch ist. Nun kommt der bitterböse\nHasenclever, der nur in der Liebe sich selbst genug ist. Herr Hasenclever hat\nein Schillersches Stück „Sohn“ geschrieben, das nicht Vater des Expressionismus\nist. Professor der Erste schreibt über das bekannte Zwillingspaar: „Werfel\nüberwindet den Konflikt und kommt schon zur Versöhnung in seinem Gedichte\n.Vater und Sohn‘. Hasenclever bleibt noch beim Hass, führt den unerbittlichen\nKampf bis zum Ende und gelangt dicht bis zur Schwelle des Vatermordes,\ndie andere nach ihm dann in der Tat überschritten haben.“ Der Knabe saß\nnoch an der Schwelle, die anderen überschritten sie in der Tat und nun gings\nlos mit dem vergnügten Vatermorden. Alles auf das werte Konto des Ex-\npressionismus. Die Sache ist nämlich so: „Der zwanzigjährige Sohn, eben"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.20", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 2445, "texte": "noch Gymnasiast, durchgefallen durch die Matura, ist durch dies Erlebnis\ndennoch erwacht, in gewisser Weise reif und sehend geworden. Dieses\n„dennoch“ des Professors des Ersten wirkt etwas pädagogisch, wenn auch\nexpressionistisch. Hingegen mit den Wörtern „in gewisser Weise“ wird ihm\ndas Reifezeugnis trotz durchgefallener Matura wieder abgestritten. Die Dar-\nstellung ist etwas unklar, aber dadurch expressionistisch: „Dem Hauslehrer\ngegenüber, der dem verreisten Vater die Nachricht telegraphieren soll, ent-\nströmt sich seines Herzens ganze Bitterkeit über die Härte und Fremdheit\ndes Vaters.“ Hören wir den Sohn Hasenclever hierüber persönlich:\n„Weshalb redet er nicht mit mir über Gott? Weshalb spricht er nicht von\nFrauen? Weshalb muß ich heimlich Kant lesen, der mich nicht begeistert?\nUnd weshalb dieser Hohn über alles, was doch weltlich ist und schön?\nGlauben Sie, es genügt, wenn er mir manchmal am Abend das Sternbild des\ngroßen Bären zeigt? Er sitzt mit seiner Zigarre unten auf der Terrasse, wenn\nlängst kein Automobil mehr in die Stadt fährt. Aber ich stehe oben und\nkämpfe mit allen Göttern und sterbe vor einer Frau, die ich noch nicht kenne.\nWie oft bin ich des Nachts im Hemd über die Stiegen gewandelt, sehnsüchtig\nwie ein Geist, der keine Ruhe findet.“\nDas alles hört sich der Hauslehrer freundlichst an. Für Kant kann der Vater\nnichts, denn der Sohn liest ihn heimlich. Rührend finde ich die Sache mit\ndem Hemd. Und es kann selbstverständlich dem Sohn nicht genügen, wenn\nder Vater ihm den großen Bären aufbindet. Da gibts nur ein Mittel: Mord.\nDie Frauen werden sich schon finden, da habe ich keine Sorge um den Sohn.\nEs muß ja nicht gleich geliebt sein, Selbstmord ist in solchen Fällen auch\nangebracht. Der Sohn scheint aber im geheimen doch etwas erlebt zu haben,\ndenn „der tiefe Rausch des Erlebten und ein unbestimmtes Vorgefühl naher\nFreiheit und Entscheidung hindern ihn daran. Die Erde hat ihn wieder\".\nSo poetisch kann ein Professor schreiben. Die Erde ihrerseits ist außer sich\nvor Vergnügen, Hierauf läßt der Dichter einen Freund zum Sohne sagen:\n„Du verdankst dein Leben einem Plagiat an Faust.“ Der Professor der Erste\nvermißt an dieser Stelle, es geht augenblicklich noch gemütlich zu, eine\nBemerkung über ein Plagiat an Hofmannsthal, Da Hofmannsthal aber\nsowieso schon Goethe nachgekitscht hat, halte ich diese Bemerkung für\nentbehrlich. Hierauf wird der Sohn lyrisch;"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.21", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2521, "texte": "„Dort unten tief und herrlich ohnegleichen\nSind Wundernächte, die mich nie erreichen.\"\nDas ist wieder Expressionismus, wie er im Buche steht Wundernächte\nbezieht sich auf die zu erwartende Damenwelt. Expressionismus ist schwer,\nman muß ihn übersetzen. Jetzt kommt zum Glück der Freund, der Goethe-\nkenner: „Durch den unerwarteten Besuch des überlegenen Freundes, der die\nWelt schon kennt, und durch die vom Freund erweckte Aufmerksamkeit auf\ndie Schönheit seiner jungen Gouvernante wird der Jüngling trunken vom\nDasein und erster schüchterner Liebe. Die Welt wird von Minute zu Minute\nherrlicher vor seinem Blick.“ Das kommt davon, wenn Väter ihren\nSöhnen junge Gouvernanten halten. Und jetzt, wo die Sache im\nbesten Schwünge ist; „da kommt der Vater zurück und mit der ganzen\nFülle seines Rausches im Herzen zerbricht der Sohn zum ersten\nMale die Grenzen und bringt sich ihm dar“. Beim Impressionismus\nhat man Sonne, beim Expressionismus Rausch im Herzen, Hier hat\nman typische Unterscheidungsmerkmale. In der Seele hat der Sohn\nhingegen Sturm; „Aus dem Sturm seiner Seele heraus fordert er beredt und\nüberströmend Freiheit, Leben, Freundschaft des Vaters, Gerechtigkeit und sein\nRecht auf Persönlichkeit“ Soll heißen, auf die Gouvernante. „Aber der\nVater bewahrt seine groteske Kälte, schlägt ihm ins Gesicht und sperrt ihn\nein.“ Da kann man nur sagen Pfui Teufel oder Expressionismus. Und folge-\nrichtig kommt die Überwindung: „Innerlich hat der Sohn den Vater besiegt,\nsein Rausch ist gewachsen und leicht fällt es dem Freund, ihn nächtlich durch\ndas Fenster zu entführen.“ Wenn die Herren nicht im Rausch gewesen\nwären, hätten sie die Gouvernante sicher gleich mitgenommen. Der Professor\nder Erste sagt hingegen, alle Achtung: „Dieser Jüngling ist als eine liebens-\nwürdige und ungemein sympathische Erscheinung gezeichnet.\" Er beruft sich\nhierbei auf die Gouvernante: „Daß Gott solche Jünglinge schuf, sagt das\nFräulein voll beseeligtem Dank und nimmt damit das Wort dem Hörer oder\nLeser aus dem Munde.“ Was sagt er, aus dem Munde? Aus der Seele, Aus\ndem Herzen. Das Fräulein hat die treffenden Worte wirklich gefunden.\nWenn auch mit freundlicher Unterstützung des Dichters, Herrn Hasenclever.\nAuch der alte Gott scheint beim Expressionismus noch nicht gestorben zu\nsein: „Aber umgekehrt ist der Vater ein konzentrierter Typ aus allen Zügen\nunnatürlich väterlichen Tyrannentums.\" Dies aber nur wegen des Expressio-\nnismus, Aber umgekehrt wird selbst dem Professor dem Ersten die"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.22", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2678, "texte": "expressionistische Umdeutung dieses verfilmten Schillerkitsches leicht bedenklich:\nWenn wir so auch wissen, daß wir ihn mit den Maßstäben des Naturalismus\nbei völlig veränderter Kunstauffassung nicht mehr zu messen haben, so ver-\nführt uns dennoch der jugendliche Dichter inkonsequenterweise selbst dazu.“\nJa, Verehrtester, wenn sich auch die Kunstauffassung völlig geändert hat, was\nveranlaßt Sie, diese jugendliche Unbegabung partout zum Expressionismus\numzudeuten? Aber, Bedenken hin, Bedenken her, er geht weiter mit dem\nSohn durch Dick und Dünn: „Der Freund entführt den Sohn in eine nächt-\nliche Versammlung junger Menschen, einberufen von einem Klub zur Unter-\nhaltung der Freude und dieser Klub ist eben im Begriff, sich zu einem Bund\nzur Propaganda des Lebens zur Umgestaltung des Lebens umzubilden,“ Wir\nkommen also gerade noch zurecht. Der Freund redet im Namen Hasenclevers\neinen Leitartikel; „Denn bedenke, daß der Kampf gegen den Vater das gleiche\nist, was vor hundert Jahren die Rache an den Fürsten war. Heute sind wir\nim Recht! Damals haben gekrönte Häupter ihre Untertanen geschunden und\ngeknechtet, ihr Geld gestohlen, ihren Geist in Kerker gesperrt. Noch kann\njeder Vater ungestraft seinen Sohn hungern und schuften lassen und ihn\nhindern, große Werke zu vollenden“. Herr Hasenclever junior konnte das\ngroße Werk vollenden. Papa erlaubte es. Im Stück selbst folgt jetzt die Tat:\n-Und wirklich vermag der Freund den Sohn zu jener ungeheuren Tat. Er\nverrät dem Vater des Sohnes Aufenthalt. Der Vater läßt den jungen Flüchtling\ngefesselt durch einen Polizeikommissar zurückholen.“ Die Tragödie bricht sich\nBahn, Der Sohn schillert dem Vater gegenüber in satten Farben: .Vater\nwer kennt es heute! Ich war ein Stiefkind nur. (Dieses Nur hinkt wegen der\nPoesie hinten nach. Ich erinnere an das Schaukalsche Auch.) Habe ich je\neinen Sohn, so will ich gut machen an ihm, was mir Übles geschehen. (Das\nIst ist gleichfalls der Poesie zuliebe weggelassen,) O wunderbar großes Licht,\nkönnt ich es erleben, eines süßen Kindes Behüter zu sein.\" Womit er hoffent-\nlich nicht die Gouvernante meint. Sonst aber ganz brav geredet. „Der\nVater bleibt natürlich unbewegt, denn er hat noch ein Jahr juristische Gewalt\nüber ihn. Der Sohn wird fast zum Vatermörder, aber ehe er den schon\nerhobenen Revolver abdrückt, rührt den Vater der Schlag.“ Herr Hasenclever\nhatte sich vorgenommen, nur bis an die Schwelle zu gehen. Da mußte sich\nder ScMag rühren. Man kann allerseits beruhigt sein: „Der Sohn wird in\nie Welt gehen als ein Verkünder höchster Freiheit.“ Das Stück ist für den\ni m unter em itel „Das Recht auf die Gouvernante\" angenommen. Und"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.23", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2759, "texte": "nun ist kein Hallen mehr mit dem Expressionismus. Da ist zum Beispiel\nHerr Georg Kaiser, dem er nachgesagt wird. Und zwar aus einem einfachen\nGrunde: „Auf das Wunder der geistig-sittlichen Erneuerung des Menschen ist\ndoch bei dem reifer gewordenen Georg Kaiser alles eingestellt.\" Zu diesem\nZweck hat er zum Beispiel das Drama „Die Koralle“ geschrieben. Da geschieht\nfolgendes expressionistische Wunder: „Mitten auf einer Weltreise erfaßt die\nsittliche Erneuerung den Sohn in Gestalt tiefsten Mitleids zu den Heizern\nseines Luxusschiffes.\" Die sittliche Erneuerung in Gestalt von tiefstem Mitleid\nist ein Bild, das sich sehen läßt. Die Ethik bricht sich mitten auf der Welt-\nreise Bahn. Der Professor der Erste erzählt weiter: „Der Reichtum der väter-\nlichen Jacht, die ihm auf dem Ozean entgegenfährt, die soziale Abgestumpftheit\nund Herzensträgheit der Gäste seines Vaters und scheinbar dieses selbst\nbestärken den Sohn noch mehr.“ Am liebsten würde er sich selbst gleich\nbei der V. S. P. D. einschreiben lassen, wegen der sittlichen Erneuerung, wenn\ner nicht gerade auf dem Ozean wäre. Der expressionistische Sohn hat aber auch\neine expressionistische Schwester: „Die Tochter folgt dem Bruder nach der Heim-\nkehr, sie wird barmherzige Schwester und widmet sich den zahllosen Unfällen in\ndem väterlichen Betrieb,\" Da sollte einmal die Polizei ihr bekanntes Augenmerk\ndarauf richten. Immerhin, die Tochter hat jetzt eine Beschäftigung und zwar\neine expressionistische. Nunmehr erfährt man von dem Professor dem Ersten,\ndaß diese ganze Angelegenheit sozusagen nur das Milieu ist, die bekannte\nexpressionistische Einrichtung, während im Vordergrund der Ereignisse sich\nfolgendes abspielt: „Der Sohn ist es selbst, der in einer Arbeiterversammlung\nden Vater, vielmehr den Sekretär, den er für seinen Vater hält, das Wort\nMörder' zuruft. Sohn und Tochter verlassen den Vater.“ Das ist eine Sache.\nNun wird es aber bitter ernst: „Ein Phantast, der Herr in Grau, fordert den\nMilliardär auf, zu bekennen, daß die Bereicherung des Einzelnen die unerhörteste\nSchmach sei. Diesem Umsturz gegenüber offenbart der Milliardär seine Welt-\nordnung und sein Leben. Während sein Doppelgänger das auf den offenen\nDonnerstag gesammelte und daher leichter vermiedene Elend lindert und er-\nledigt, treibt er selbst an fernen sonnigen Küsten Angelsport. Dort hielt er auch\nseine Kinder bisher verborgen, damit sie von der Furchtbarkeit des wirklichen\nLebens nichts erführen. Und darum ist nun der Vater am tiefsten vernichtet;\n„Nicht da hinab! Dich hat ein Augenblick verstört, mich hat es ein Leben\nlang geschüttelt. So furchtbar ist das Leben!“ Der Sohn hält den Vater\nnunmehr für einen Tiger. Der Alte fühlt sich eingeholt vom Schicksal und"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.24", "debut_caractere": 47, "fin_caractere_exclue": 2701, "texte": "erschießt beherrscht von dem Willen nach einem sonnigen Leben von den\nKindheitstagen an seinen Sekretär mit dem Revolver, mit dem der Sohn\nsoeben (wie bei Hasenclever) den Vater zu töten sich versucht gefühlt hatte\nund streift die Koralle von dessen Uhrkette, um fortan als der Sekretär und\nder Mörder des Milliardärs zu gelten, als der Mann mit dem sonnigen Leben.\nUnd dieses Martyrium der Impression im Schicksal des Vaters ist geistes-\ngeschichtlich nicht weniger interessant als der expressionistische Wandel des\nSohnes.“ Da staunste. Und das alles wegen der Betriebsunfälle und des\nAngelsports. Diese Geistesschichtung zwischen dem impressionistisch gearteten\nVater und dem expressionistisch erneuerten Sohn beweist deutlich, daß\nProfessoren und andere Fachleute das für Expressionismus halten, was Quatsch\nist. Diese Verkitschung der christlichen Idee wird für eine neue Ethik, diese\ntalentlose Rhetorik für neue Kunst gehalten. Ich habe selbstverständlich das\nDrama „Die Koralle“ nie gelesen. Ich werde es auch nicht tun, da mir, ab-\ngesehen von dem Angelsport und den sonnigen Küsten, der eine Satz genügt:\n„Ich will von dem Elend nichts hören, das mich an das Furchtbare zu stark\nerinnern kann.\" Dieser Satz wird von dem Professor dem Ersten ausdrücklich\nzitiert, er muß wohl also von Bedeutung für das Drama und für den Autor\nsein. Denn der Herr Professor wird doch hoffentlich das Stück ganz gelesen\nhaben. Hierzu noch der andere zitierte Satz mit dem schönen Refrain:\n„So furchtbar ist das Leben!“ Das sind Sätze, so ungestaltet, daß keine noch\nso ungestaltete Phantasie darüber hinweghilft. Abgesehen davon, daß die\nPhantasie dieser Expressionisten nur aus der Pistole geschossen ist. Sie\nwürden auch auf keine andere Weise aus diesem Blödsinn herauskommen.\nDieser expressionistische Kaiser von Pressegnaden ist eine impressionslose Null.\nUnd weil der Unglücksmann, der sich Professor nennt, durchaus den Ex-\npressionismus an unbegabten Objekten beweisen will, muß er sich jetzt folgendes\nleisten: „Es ist interessant zu sehen, wie auch der Expressionismus sein be-\nstimmtes Verhältnis zur Antike gewinnt.\" Wie macht er das: „Franz Werfel\nhat kurz vor dem Kriege, die sich vorbereitenden Umwälzungen gleichsam\nvorausahnend, die Troerinnen des Euripides frei übertragen.\" Wie muß erst\nEuripides, der Sudermann der alten Griechen, die sich vorbereitenden Um-\nwälzungen gleichsam vorausgeahnt haben, als er die Troerinnen persönlich\nschrieb. Wenn auch die Gegenwart keine Seher hat, so hat sie also doch\nwenigstens einen Nachseher, bei dem man dann gleichsam das Nachsehen hat.\nUnd da kommt ja auch schon der Sohn, der Hasenclever: „Hasenclever"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.26", "debut_caractere": 40, "fin_caractere_exclue": 2689, "texte": "dichtet in seiner Antigone den Sophokles nicht nach, sondern um und unter\nseinen Händen wandelt sich in der Tat Antigone nun zu der Heiligen.\nSophokles ist als der unglückliche Urheber dieses geheimnisvollen Expressio-\nnismus anzusprechen: „So eben hatte Sophokles in seinen Tragödien die\nSchürzung des Schicksals, die zufällige Entstehung der schwierigen Situationen\nin die Vorgeschichte verlegt und die Tragödie in dem Augenblick erst beginnen\nlassen, in dem die unerforschlichen Gewalten furchtbar über dem Menschen\nzusammenschlagen und dieser sein Heldentum an ihnen beweisen kann.“\nDie unerforschlichen Gewalten scheinen sich eigens zu dem Zwecke zu be-\nmühen, damit die Dichter ihr Heldentum beweisen können. Sie werden ver-\nhältnismäßig einfach mit ihnen fertig, sie schießen, sie übertragen frei oder\nsie dichten um. Und die unerforschlichen Gewalten sind die blamierten.\nBeide Professoren faseln dauernd von dem neuen großen Menschentum, das\nihre Dichter predigen. Das große Menschentum dieser Dichter besteht darin,\ndaß sie sich für große Menschen halten und daß sie die anderen zum Glauben\nan ihre Größe überreden wollen. Selbst wenn diese Größen Riesen wären,\nso ist es noch keine Leistung, Riese zu sein. Und niemals eine künstlerische\nLeistung. Dieses Menschentum in der Kunst ist die große Lüge, mit der man\nsich über die Kunst hinweghelfen will. Wobei man aber nicht auf die Kunst\nverzichtet. Denn der Handel des Lebens, aus dem sich die Händel ergeben,\nsoll kunstgerecht gemacht werden, jede Handlung wird kunstgerecht gefordert.\nAlso muß das Menschentum wohl doch etwas anderes sein. Kunst ist die\nFlucht aus dem Leben geworden, das den Menschen eigentlich ganz gut gefällt.\nSie fühlen sich zur Kunst aus Rücksicht auf das höhere Leben verpflichtet,\ndas sie sich aber aus Vorsicht oder aus Nachsicht nicht sichtbar machen\nwollen. Wenn sie nämlich das höhere Leben fünf oder fünfzig Meter höher sehen\nwürden, käme es ihnen vielleicht gar nicht mehr so erkletternswert vor.\nDarum hat man die Höhe vergeistigt, während die Kunst versinnlicht. Große\nGeister halten sich immer auf der Höhe auf. Dort ist das Leben reine Luft\nund sie können sich mit ihm in aller Ruhe auseinandersetzen, weil es sich\nihnen nicht mehr in den Weg stellt. Es ist bequem, sich auseinanderzusetzen,\nwenn nichts besetzt ist. Man kann sein freies Menschentum auslegen, ohne\nirgendwo anzustoßen. Man stellt sich etwas vor, verstellt es etwas und alle\nverstehen sich. Das Ganze ist dann der höhere Standpunkt. Werden solche\nAngelegenheiten mit Begriffen festgehalten, nennt man es Literatur. Das\nganze höhere Menschentum ist eine Ausrede für ungelöste menschliche"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.27", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 1557, "texte": "Herwarth Walden\n\nProbleme. Man kann aber Probleme nicht dadurch lösen, daß man sie sich\noder anderen ausredet. Und die Darstellung dieser gewollten oder unge-\nwollten Ausreden hält man noch heute für Kunst. Die Erfindung solcher\nAusreden hält man noch heute für Phantasie. Da man das Wesen der Sinne\nnicht erkennen will oder nicht mehr erkennen kann, verdeckt man sie mit\nÜbersinnlichkeit. Die Wirklichkeit hingegen wird vergeistigt, Wirtschaft wird\nPolitik, Verwaltung Nationalität, Verwandtschaft Glaube. Womit die höheren\nBedingungen des Menschentums zu jeder Art von Vernichtung der Menschen\ngegeben sind. Diese Geister können nicht spielen, aber die Literatur verschafft\nihnen die Beispiele. Und da die Geister schief gewickelt sind, müssen sie\nsich immer mehr verwickeln und stürzen schließlich von der Höhe platt auf\nden Boden. Die Literatur nennt es dann Tragödie.\nDas, was man Expressionismus nennt, hat mit diesen Dingen und mit diesen\nDichtern nichts zu tun, Expressionismus ist Kunst. Weiter nichts. Kunst\naber ist die sinnliche Gestaltung optischer oder akustischer Phänomene, Sie\nhat keinen Geist, kann daher auch nicht verstanden werden. Sie wird nur und\nausschließlich durch die Sinne aufgenommen. Sie ist vieldeutig wie jeder\nsinnliche Eindruck. Sie wirkt unmittelbar auf die Sinne und überläßt es dem\neinzelnen, sich daraus einen Vers zu machen, der nicht mehr sinnlich auf-\nnehmen kann. Nur aus den Sinnen kann der Sinn sich bilden. 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Unsere Feinde\nsind unsere besten Freunde. Man kann sich nirgends ausschalten\nnoch einfach zurückziehen denn was ausserhalb unser ist, ist in uns\nwie der Kreis im Viereck oder umgekehrt. Haben wir etwas Neues ent-\ndeckt, so haben wir uns selbst entdeckt.\nDer Künstler schöpft stets aus sich. Der Künstler ist ein bodenloses Meer.\nDer Künstler ist eine Einheit und der Mittelpunkt der Konstruktionen.\nWir leben in kritischen Zeiten. Mit der Rasierklinge der Vernunft mähten\nwir um uns die blauen Blumen der Romantik ab. Heute ist es bereits\nnicht mehr zweifelhaft, dass der Mensch das naturwidrigste Tier auf Erden\nist. Er macht mehr als einen dummen Zickzack aus Ueberlegung. Er\nmöchte essen und gibt sich von vornherein zufrieden damit, dass er von\nder Krippe weggestossen wird, er kann die einfachsten Dinge nicht ohne\nHintersinn kapieren, sexuelle Fähigkeiten zehren ihn auf und ihm graut\nvor dem Kind.\nWir könnten getrost ausrufen: Wir brechen zusammen. Wir alle brechen\nzusammen, ehe wir noch aus unseren Augen das Schmutzwasser der Sinn-\nlosigkeit ausschütten konnten.\nDu aber sagst: Ich bin ermüdet aber nicht traurig.\nIch sehe die Wege, die sich vom Horizont in Berge aufwälzen.\nDu aber sagst: Ich bin nicht traurig!\nIch höre, wie die Tore sich an Diamantenangeln zudrehen.\nDu aber sagst: Nein! Ich bin nicht traurig!\nUnd ich fühle, wie unsere Wurzeln versickern und sich gewichtlos im Nebel\nauflösen. Nur die schwarze Spur unserer Pantoffeln bleibt im Schlamm\nzurück. Trotz alledem gehören wir noch immer zu den Glücklicheren.\nEs gibt Leute, die auf zwirndünnem Seil zwischen Himmel und Erde\nbalancieren und kopflos hin und her laufen in den geschmolzenen Gassen;\nandere, die mit abgewelkter Zündschnur auf ihren schmalen Eisenbetten\nliegen und stimmlos und knochenfarben sind wie der Tod.\nSchmerzen und Verzweiflung lodern aus mir.\nIn der Mitte des grossen Flusses stehe ich nackt. Streckte ich meine"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.29", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2053, "texte": "Ludwig Kassäk\n\nHände aus, so würde ich von der Berührung meiner Brüder einschlafen.\nOft habe ich schon in meinem Leben mich beklagt und noch mehr ge-\nflucht. Das alles aber ist nur im Schornstein mit schwarzer Kreide auf-\ngeschrieben. Es wäre gut, mit Sack und Pack aufzubrechen und spurlos\nvon diesem Jagdgebiet auszuwandern.\nVogelschnäbel sägen Stimmgabeln herab von der Höhe.\nMitunter kommt auch zu uns die Zeit, um uns auf die Handfläche zu\nnehmen und aus den Tiefen unser Selbst herauszuheben. Viele sind wir,\nvon vielen dummen Sachen müsste ich reden, und dennoch, wenn wir es\nbedenken, ist alles in uns gesät. Die Dinge prallen von hüben und drüben\nan uns und unbemerkt verwandeln wir uns in Stein oder Stahl.\nWir haben Schwerkraft und Spannungsstärke und wenn es sein muss,\nerraten wir die Lebensmöglichkeit. Nach und nach gewöhne ich mich\nauch daran, Geld auszuborgen. Obwohl es feststeht, dass ich am liebsten\ngeben möchte. So könnte ich meine Grundnatur eher ausleben, wogegen\nsie sich jetzt bloss in meinen Schriften und Bildern offenbart.\nGrosse Schneefelder sind um mich, meine Verwandten die Obstbäume\nschliefen im Winde ein.\nBrüderlos bin ich, und mir fallen die Haare aus. Meine Epigonen schreiben\nunbeholfene Artikel gegen mich. Meine Schuhe sind plump. Abgesperrt\nbin ich von den Mädchen.\nUnd kein Regen über mich und keine Sonne über mich.\nStürme kämmen weinende Lilien.\nTrotzdem sagen mir meine guten Freunde vergebens, ich soll sterben,\ndamit sie endlich auch in den Vordergrund treten. Ich bin aus festem\nStoff geknetet, zäh und rücksichtslos. Ich vermochte die revolutionären\nPhrasen in mir auszujäten. Ein Dichter, tötete ich in mir den Vers. Jetzt\ntrage ich mit ruhigem Gewissen meine Turnpantoffeln zu Grabe.\nIch möchte ein guter Mathematiker sein oder ein guter Ingenieur.\nWir sind unbarmherzig zurückgedrängt. Immerhin geschieht uns recht,\ndass wir hier sind.\nDie Perspektiven laufen durch die Glaswände.\nGrabet in euch die Unsterblichkeit des Geistes und den Widerstand des\nStoffes auf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c010", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.5", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Heinrich Glauber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.30", "debut_caractere": 41, "fin_caractere_exclue": 928, "texte": "Gedichte\nHeinrich Glauber\nMeinem Schatten jage ich nach, der aus sternlosen Städten auszog\nund meinen Sünden\no unsere reifenden Sprösslinge mit den müden Knochen\nund wir bewundern jene\ndiesseits und jenseits des Lebens\num euch das weibliche Aroma\nJeder entknote die eigene Liebe und so hat\ndie Stimme\nund auch der Gedanke\nFarbe\nKörper\nsie tragen jeden Morgen\naus dem Dichter\ndie fleischige Fünfuhrluft\nsie klappern auch die Winde zu Sinfonien\nund am Aluminiumfirmament\nzerfällt ihre Stimme dennoch\nnicht spurlos\n*\nZweijährige verteilten ihre Steckenpferde am Bergfuss\nwir streuen Weizensamen in die gelähmte Zunge\nund möchten Wunderbares sagen\nKarren und Kaffeegeruch leben in uns\nauf unser Nervensystem ritzte die Zeit ihre Fingerabdrücke\nunsere verkohlten Stimmbänder zerren sich\ndurch den magnetischen Mädchenkörper\nBrücke Eisen und Projektor geleiten uns\nunsere meerlose Bahn entlang"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c011", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.6", "titre_corps": "Kiosk", "titre_sommaire": "Kiosk", "signature_source": "Ludwig Kassäk", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 19, "texte": "Kioxk\nLudwig Kassäk"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c012", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "75", "page_fin": "82", "image_debut": 33, "image_fin": 40, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.7", "titre_corps": "Abriss: Gesellschaft Künstler Kunstwerk", "titre_sommaire": "Abriss: Gesellschaft Künstler Kunstwerk", "signature_source": "Robert Reiter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 33, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.33", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2044, "texte": "Abriss: Gesellschaft Künstler Kunstwerk\n\n1. Vor Jahrhunderten hat der Mensch die Nabelschnur, die ihn an das\nUniversum band, durchschnitten (Privatbesitzergreifung). An Stelle des\nnatürlichen Gleichgewichts des Stoffes und des Geistes Hess er ein er-\nkünsteltes Gleichgewicht (die Gesellschaftsordnung) treten.\n2. Die Kraft dieses erkünstelten Gleichgewichts wurde in dem Masse ge-\nschwächt und gelockert (gesellschaftliche Kämpfe und Konflikte), wie sich\ndas Streben nach dem natürlichen Gleichgewicht gesteigert hatte.\n3. Heute stehen wir vor der gänzlichen Verbröckelung und Aufreibung\ndieser Kraft (die Unüberbrückbarkeit gesellschaftlicher Konflikte). Diese\nVerbröckelung kommt in der Tatsache zum Ausdruck, dass der theistische\nSpiritualismus, wie auch der atheistische Materialismus sich ganz aus-\ngelebt haben. Entweder kommt zwischen Stoff und Geist (Masse und\nIndividuum) ein Ausgleich zustande, oder aber der europäische Mensch\nwird mit der ganzen Konkursmasse seiner Weltanschauungen zusammen\nversteigert werden.\n4. Jedwede Bewegung, die sich ausschliesslich im stofflichen Rahmen\nvollzieht, sie sei noch so revolutionär im Bereiche der stofflichen Welt,\nkann zwar eine neue Gesellschaftsordnung schaffen, doch wird in dieser\nder stete Kampf um das natürliche Gleichgewicht zwischen Stoff und Geist\nfortdauern. Er wird höchstens die Form wechseln, wird aber im Laufe\nder Zeit ein immer heftigeres Tempo annehmen.\n5. Die Tätigkeit der politischen Parteien (materielle Interessengruppie-\nrungen) ist vom Standpunkte des natürlichen Stoff-Geist-Gleichgewichts\nunfruchtbar, selbst dann, wenn sie sich in der Richtung des stofflichen\nKomponenten (kollektives Besitzen) dieses Gleichgewichts bewegt. Das\nnatürliche Stoff-Geist-Gleichgewicht kann mit ausschliesslich stofflichen\nMitteln, auf dem Wege rein stofflicher Zielsetzung nicht geschaffen werden.\n6. Stoffliche Mittel: die Massen der Armen das bürgerliche Sein (Wohl-\nstand) verlangen zu lassen; die Politik, dass heisst die Gesamtheit gewisser"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.34", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2193, "texte": "Methoden, mit deren Hilfe materielle Werte für Gesellschaftsklassen an-\ngeeignet und enteignet werden; die Gewalt als letztes Argument, das im\nVerhältnisse der Individuen und Klassen zueinander die konsequente Pro-\njizierung des stofflichen Lebensgefühls bedeutet.\n7. Die Lösung der Krise kann nur das Resultat der den stofflich-gesell-\nschaftlichen (Klassen-) Kampf überschreitenden Bestrebung sein, die\nin der Gleichstellung der stofflichen und geistigen schöpferischen Faktoren\ngipfelt. Dies ist die Fortsetzung des Anfangs auf einer höheren Stufe:\nStoff und Geist sind gleichzeitig, wie sie am Anfang gleichzeitig waren.\n8. Die Form dieser Bestrebung ist nicht der ausschliesslich stoffliche\n(Klassen-) Kampf, sondern die sozial-religiöse Bewegung. Sozial, das heisst\ngesellschaftlich (stofflich), weil sie die materiellen Gefängnisrahmen sprengt;\nreligiös, weil sie den Menschen in den geistigen Zusammenhang der Ein-\nheit des Universums zurückversetzt, aus dem die Auflösung des natür-\nlichen Gleichgewichts ihn herausgerissen hat.\n9. Das primäre (stofflich-geistige) Mittel dieser Bestrebung ist die\nSchaffung des Embryonalgebildes der in Stoff und Geist ausgeglichenen\nLebensform. Diese Lebensform ist nicht das Verlangen nach dem Stoff\num des Stoffes willen, sondern die Betrachtung des Stoffes als Gegenstand\ngeistiger Offenbarungen. Diese Lebensform kommt im individuellen Rahmen\nzustande und synthetisiert sich im Leben der Masse: die Lebensform der\nMasse ist die Zusammenfassung des Lebens der Individuen, die Lebens-\nform der Individuen ist der Mikrokosmos des Lebens der Masse.\n10. Der Künstler ist ein schaffender Arbeiter: er trachtet nach dem\nstofflich-geistigen Weltgleichgewicht, indem er schreibt, malt, komponiert,\nbaut. Von jedem anderen schaffenden Arbeiter (bewusster Entdecker,\nGelehrter) unterscheidet er sich erstens dadurch, dass eruiicht mit Formen-\nschemen arbeitet, nicht von fertigen logischen Resultaten ausgeht, sondern\ndas Chaos der Erscheinungen, das in Raum und Zeit unendlich ist, zum\nAusgang nimmt, um durch diesen hindurch zur neuen Form zu gelangen,\nin welcher der geistige Zusammenhang des Universums zum Ausdruck"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.35", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2113, "texte": "kommt. Zweitens dadurch, dass ihn nicht stoffliche, (die Entdeckung eines\nMechanismus zur Förderung der Produktion oder eines Serums zur Heilung\nvon Krankheiten) sondern seelische Triebfedern (die Sehnsucht nach dem\nSchaffen, die sich im schöpferischen Willen transformiert) in Bewegung setzen.\nU. Der Künstler gelangt nicht durch das Universum zum Menschen,\nnicht das Universum bringt er in Verhältnis zum Menschen, sondern stellt\nden Menschen ins Universum hinein und bringt ihn in Beziehung zu dem\nAll. Er zergliedert nicht das Ganze, um den Teil zu finden, sondern fasst\ndie Teile zusammen, synthetisiert sie, um zum Ganzen zu gelangen.\n12. Der Künstler wird in einer Gesellschaftsklasse geboren, aber entwächst\ndann dem Rlassenrahmen: die schöpferische Arbeit hat keine Klasse.\n13. Er steht nicht über den Klassen, sondern zwischen Mensch und\nUniversum: er bildet die Kohäsionskraft, die den Teil mit dem Ganzen\nverbindet. An ihm kann gemessen werden, wie weit der Teil sich aus\ndem Ganzen herausgerissen hat: im Verhältnisse des Menschen zum Men-\nschen und zum Universum ist er das Gewissen, das Rechenschaft gibt.\n14. Der Künstler als Rohäsionskraft zwischen Mensch und Universum\nmuss den Grundstein der sozial-religiösen Bestrebung legen, die den\nherausgerissenen Menschen in den universalen Mutterschoss zurückführt.\n15. Die Menschen den Stoff verlangen lassen um des Geistes willen, der\nbewegt, den Geist um des Stoffes willen, der sich bewegt die Hun-\ngernden in der Wüste bewirten, aber gleichzeitig in der Richtung der\ngeistigen Kraftlinie des Universums wirken das muss der Künstler tun.\n16. Er realisiert als erster in seiner Kunst die neue Lebensform. Er ist\nes, der Beispiel gibt, jedoch mit Thesen nicht bindet. Er zerreisst die\nZwangsjacke und sagt nicht: die wirkliche Freiheit ist der Zwang, den\nich diktiere. Er herrscht nicht, um nicht beherrscht werden zu können.\nEr überträgt die Theorie des Mehrwertes nicht auf eine Grammophon-\nplatte, er malt nicht den tugendhaften Proletarier und den verderbten\nBourgeois, sondern schafft um des Schaffens willen."}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.36", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 2046, "texte": "17. Er schafft: gleichviel, ob verstanden oder unverstanden. Aber er\nschreibt oder malt nicht auf diese und gleichzeitig auf jene Weise. Er\nkann morgens nicht abstrakt-, abends aber natur-schön schreiben oder\nmalen. Denn weh denen, die schon auf zwei Füssen zu gehen verstehen\nund sich nur deshalb wieder auf alle Viere begeben, um von den anderen\nverstanden oder genossen werden zu können.\n18. Der Künstler ist Stoff und Geist, Lebensfreude und Asket. Er ist\ndie Feuersäule, die nicht erlischt, weil Spielzeug, Schellenkappe oder\nrhythmischer Leitartikel gefordert werden, wie auch der Leuchtturm nicht\ndeshalb erlischt, weil das Schiff noch kaum den Hafen verlassen hat und\nerst nach Wochen in seinen Lichtkreis gelangen wird.\n19. Das Ergebnis des künstlerischen Schaffens ist das Kunstwerk, das\nnichts anderes ist, als sich in neuer Form zeigendes universales Leben.\nDie Form ist nicht das Gefäss des im Universalen wurzelnden Inhalts,\nsondern durch Geist bewegter Stoff: die Möglichkeit und die Art des\nSichäusserns. Ist die die Form nicht gleich mit dem, was in ihr und\ndurch sie zum Ausdruck kommt: Kunst um des Spieles willen, oder Kunst\num der Tendenz willen. Folglich: Spiel oder Tendenz, aber nicht Kunst.\n20. Der Künstler verfolgt mit dem Kunstwerk kein Ziel ausserhalb\ndes Kunstwerkes: er will dem Schamhügel seiner Geliebten kein\nLächeln entlocken, noch den Proletarier mit einer Guillotinenklinge aus-\nrüsten. Das Kunstwerk ist kein verliebtes Girren, das im Schauspiele\nder Sexualität die Zwischenzeit der Aufzüge ausfüllt, aber es will auch\nnicht überzeugen, enthüllen oder agitieren. Das Kunstwerk ist organisches\nLeben und ist als solches bestrebt, seine eigene Existenz in dem All\nvoll und ganz zu manifestieren.\n21. Das Kunstwerk ist etwas aktiv Handelndes, es lebt in sich selbst,\nunabhängig davon, ob es andere zu handeln veranlasst oder nicht. Das\nmit Tendenz eingeimpfte Gedicht oder Bild lebt nur in der Aktivität\noder Passivität anderer, hat selbst kein Leben und wird, nur zwischen"}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.39", "debut_caractere": 40, "fin_caractere_exclue": 2003, "texte": "bestimmte individuelle oder Massenverhältnisse gestellt, lebendig. Es ist\ndurch Raum- und Zeitschranken gebunden; Mensch und Gesellschaft\ntrennen es vom Universum. In der Richtung eines bestimmten Zieles\nwirkt es nur und über dieses Ziel hinaus verliert es die Lebendigkeit, die\nes aus fremden Rewegungen in sich aufnahm: es stirbt und vergeht.\n22. Das Kunstwerk wird nicht durch Formenrahmen begrenzt. Die Form\nversinnlicht bloss das, was aus der Einheit der universalen Zusammen-\nhänge durch den Künstler hindurch zum Ausdruck kommen muss. Das\nKunstwerk ist im kosmischen Sein, das in Raum und Zeit unaufhörlich\nwogt: dies verleiht ihm den Rhythmus.\n23. Das Kunstwerk wird von der Blutzirkulation des Universums ebenso\ndurchflutet wie die Pflanzen, die Sterne, der stete Kreislai f der Aenderung\nder Aggregatzustände. Die Regelung des Zeitmasses oder des Wort-\nakzentes nach bestimmten logischen Vorschriften hat mit dem Rhythmus\ndes Kunstwerkes nichts zu tun: dieser Rhythmus ist ein universales Pulsieren,\ndas weder begrenzt, noch mit logischen Sätzen geregelt werden kann.\n24. Das Kunstwerk ist eine revolutionäre Tat, die an kein Ziel gebunden\nist. Es ist revolutionär, weil es existiert und weil seine Existenz das\nvolle Leben dokumentiert; revolutionär, weil seine Form, die immer die\neinzige, folglich die gleichwertige Möglichkeit des Sichäusserns ist, die\nSchranken des Absonderns durchbricht und nackt die kosmische Einheit\nzeigt.\n25. Die Form jedes Kunstwerkes ist Bauen im Fliessen einer stets\nanders gestalteten universalen Strömung. Der Mensch, der die Zustände\nverändern will, die seine Zeit verstellen, ist ein revolutionärer Mensch.\nWenn er den Zustand schafft und in dem Stoff und Geist sich aus-\ngleichen, so ist er ein bauender, revolutionärer Mensch. Das Kunst-\nwerk ist in Stoff und Geist ausgeglichen aufgebaut, es manifestiert die\nMöglichkeit dieses Aufbaues dadurch, dass es existiert: dies verleiht ihm\nseinen revolutionären Charakter."}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.40", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 1938, "texte": "Robert Reiter\n\n26. Das Kunstwerk ist sozial, denn der in ihren Brotbestrebungen zer-\nklüfteten Gesellschaft gegenüber zeigt es die Einheit der universalen Syn-\nthese. Es ist im vollsten Sinne sozial, denn in seiner Form trägt es die\nLösung des Stoff-Problems: die Form ist kein aufrührerischer, sondern\nin Geist beruhigter Stoff. Der Mensch betrachtet das Kunstwerk, dieses\nBetrachten reisst ihn durch die Form hinaus in das Universum, führt ihn\nin den universalen seelischen Zusammenhang der Erscheinungen zurück,\naus dem die materielle Auflösung ihn herausgerissen hat. Das ist die\ngeistige Wirkung des Kunstwerkes, die dem Menschen Beligion gibt, die\nMöglichkeit, zu seinen Geschwistern: den Bäumen und den Vögeln,\nzurückzukehren.\n27. Die Bestrebung, die jetzt, wo die ersten Resultate der in der Kunst\nstattgefundenen und zum Teil noch immer stattfindenden Gärung sich\nzeigen, die Kunst an bestimmte gesellschaftliche Bewegungen binden\nund zum Agitationsmittel degradieren will, ist ein Rückfall in den\nNaturalismus: das Absterben der Kunst, denn jede Möglichkeit des\nSchaffens hört auf, wo das Kopieren beginnt. Vom Gesichtspunkte\ndieser Tatsache ist es ganz gleich, was den Gegenstand des Kopierens\nbildet: ein Landschaftsteil oder gegebene gesellschaftliche Verhältnisse.\nDas Kopieren steht auf keiner höheren Stufe, wenn es sich statt des\nStillebens auf Fabriken, marschierende Massen oder Barrikaden verlegt.\n28. Dieser Rückfall in den Naturalismus ist das unterbewusste Spiegel-\nbild des Rückganges der stofflich-revolutionären Bewegung, der sich in\nimmer schärferen Formen zeigt. Nicht auf die Kunst wirkt diese gesell-\nschaftlich-wirtschaftliche Tatsache: die Kunst trägt stets erneuernde\nrevolutionäre Möglichkeit in sich sie wirkt auf Menschen, die\nsie von der kosmischen Kraftlinie der Kunst abgelenkt, aus dem Bestreben\nnach der Synthese herausgehoben und zum Teil zurückgeworfen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c013", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "79", "image_debut": 37, "image_fin": 37, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.8", "titre_corps": "Dynamische Konstruktion", "titre_sommaire": "Dynamische Konstruktion", "signature_source": "Ludwig Kassäk", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 37, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.37", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 37, "texte": "Dynamische Konstruktion\nLudwig Kassäk"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c014", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "83", "image_debut": 41, "image_fin": 41, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.9", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Aladar Tomar", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 41, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.41", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1359, "texte": "Gedichte\nAladar Tomar\nFESTTAG schwimmt in der Luft\nund die Hilflosigkeiten brechen in jämmerliches Weinen aus\nFahnen Dampfschiffe Parlamente sind im Auge eines Weibes eingeschlafen\nund jetzt träumen sie unaufhörlich\ndie Zeit marschiert mit schwarzer Trompete über sie\nFriedhöfe siedelten mit ihren Gärten weiter und auch die Städte konnten\nsich von der sternlosen Nacht nicht verabschieden\nNiemand sucht mehr den abgefallenen Sinn der Dinge\nein ununterbrochener Tonwirbel tanzt auf der Erde\nManche glauben das sei der Krug der Freude\ngutgesinnte Gespenster schlendern herrenlos\nirgendwo auf der Landstrasse liegen unsere herrlichen Träume.\n*\nSONNE warf goldene und blaue Kuppeln\nrubinäugige Sterne klebte sie in die Fenster\ndie purpurnen Farben des Herbstes traten unbemerkt aus den Wäldern\nIn den Parken spazierten Taschendiebe mit glänzenden Monden in ihren\nTaschen versteckt\ndie Türme flatterten im Wind\nund die Bogenlampen sangen Helle\nin den Vorstädten schritt der Gesang der Armen auf gläsernen Beinen einher\nein unbekannter Musiker wurde mit ungeheurer Prozession beigesetzt\nHerbst sagte ein Kutscher und erfror auf der Landstrasse mitsamt\nseinen Pferden\nder objektlose Seufzer eines jungen Rindes bebte in der Luft\nvon den Berghängen brachen die winterlichen Propheten auf\nFeuer und Güte brachten sie in den Augen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c015", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "84", "image_debut": 42, "image_fin": 42, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.10", "titre_corps": "Glasuhr", "titre_sommaire": "Glasuhr", "signature_source": "365-er Dichter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 42, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.42", "debut_caractere": 42, "fin_caractere_exclue": 1148, "texte": "Glasuhr\nGlasäugige Gespenster ackern unsere Morgen\nMai 1922 legte vor uns die Jungfrauen mit ihren aufgeschlitzten Handflächen\nO wer gibt O wer gibt Hanfsamen meinem krepierten Vogel: das Pech\nklebte an meinen Knöcheln und ein brennender Zug von Leuten\nausgerotteten Wirbels ist darin aus ihrer Kehle blüht Guillotine\nund sie gehen\nWohin denn? wohin??\nsingende Nonnen weinen in ihrem nach Rosen riechenden Blick\n— wohin?\nJede Kirche begossen sie mit den blauen Farben der Hölle\ndie Weizentafeln quacken\ndie Wiesen sind gelb\nGelb\ndie Menschen sind grünköpfig\nNägel knarren in ihrer Kniescheibe und sie sind\nGrünköpfig\nO Welt Welt\nO weh weh weh\nO weh weh wären nur keine Maskenbälle\nwo die gefürchteten Schinken der Mädchen welken\nO Arbeiter und Menschen und Ansichtskarten vor uns\nmit ihren goldenen Reden ging die Sonne auf\nEs wurde Abend\nder Maulbeerbaum bläst Flöte\ndas Weib gebärt Rinder\nUnd rollt seine abgestumpfte Stirne auf die Gasse wo mit der Sanftmut\nder Leichenkammer sitzen in Säulen Vater Tochter Arbeiter Neger\nHolzlöffel Bürger\nund ihr hinkendes Amen brennt über den Säulen.\n(365-er Dichter)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c017", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "86", "image_debut": 44, "image_fin": 44, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.12", "titre_corps": "Spannung", "titre_sommaire": "Spannung", "signature_source": "Robert Reiter", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 44, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.44", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1202, "texte": "Spannung\nRobert Reiter\nGleichmässig sickert der Saft des Flehens, auf warme Wort-Nester wälzt\nEisblöcke die Stille\naus Weh-Schlüchten sprudelt das Schluchzen hervor und der Schatten\ndes Sturmvogels huscht durch einen zitternden Augenblick\nin Grashalmen versteinert sich der zurückgehaltene Atem\nich höre das Geräusch der Eisenfallen und durch den Riss der Unruhe\nstürzen die sündigen Engel\nich sehe den Prophetenspruch im Winde baumein, die Starrheit der\nTropfsteinblumen zieht in die Töne und Blechstücke krachen\nzwischen den Zähnen der Menschen\nan einem Zwirnfaden hängt ihr verfallenes Lachen, gailgrüne Pflanzen\nsaugen der Erde Salz und Wasser\nund die Blinden können die Sonnflecken nicht herausschütteln aus ihren\nAugen\nNebelknäuel wandert über ihnen, das ist die Nacht der Empfängnis die\nin den wachsgelben Seen versinkt\ntote Goldgräber schlafen dort auf Algenpolstern\nPechlösung rinnt aus tausend Ritzen\nTrauerhüsche flattern auf der Oberfläche, es ist an der Zeit das Senkblei\nbis an den Grund des Traumes der Bluthunde zu tauchen\ndas Gemurmel der Meere rastet in den Muscheln und die unerschütter-\nliche Ruhe des Polarsternes ist der Mittelpunkt von allem."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c018", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 45, "image_fin": 46, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.13", "titre_corps": "Die Blumensphinx", "titre_sommaire": "Die Blumensphinx", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 45, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.45", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1824, "texte": "Die Blumensphinx\n\n1\nAus den Spinnetzen lassen sich die Bettler nieder. In ihren schwarzen\nSchleppen halten sie die flaumgefütterten Monde die gestillten Lämmer\ndie Blumen ohne Kiele und die apportierenden Fledermäuse verborgen.\nVor den Zinnen der Blumen und den Vorhängen voll Sommersprossen die\nunter dem Atem einer halbwatten Halbweltlerin erzittern ziehen die sieben\nbarbarischen Brudersterne vorüber.\nIm Versteckten finden noch immer Palmsonntage statt. In Ermangelung\nvon Eseln reiten die Erlöser auf Tanderaen ein. Der König dieser Stadt\nist ein Regenbogenfresser.\n2\nAus dem Kalender fallen die gekreuzigten Blumen die Adressen der Ver-\nschollenen und die Grundsteine der Residenzen.\nIn der marmornen Gurgel liegt die aufgerollte Liederschnur.\nDie Büsten der verstorbenen grossherzigen Tiere zieren die Plätze.\nIn den Binsenkörben werden die Missgeburten die Stammbäume aus\nFleisch voll eingewachsener erotischer Blöcke die rasierten Pferde und\ndie Beutel voll Flammen fortgetragen.\nDie tausend Türme sind aus Missalen gebaut. In sie fallen aus dem\nhimmlischen Strahlenstroh das Ungeziefer und die bevölkerten Monde.\n3\nAuf den Schildpattgeleisen gleiten die Mägde heran. In ihren Schürzen\ntragen sie die rotglühenden Scherben der zerbrochenen Sonnen fort.\nIn grossen Bögen pissen die Karyatiden des Himmels die Zeit von sich\nwie Yasallensaft.\nAus dem Mast der Stadt leuchtet die grosse Ätherqualle. In das Gewölbe\nihres Bauches haben ihr die Matrosen ein Korsarenschiff gehangen.\nDie Pflanzenguillotine zieht durch die Strassen.\nDie Sabinerberge sind nicht hinreichend herabgelassen. Die Schnüre sind\nzu kurz. Durch den Spalt drängen die Kiefer der sixtinischen Gebetmühle\nund der Lynchgong vor. Auf dem Meere hüpfen die riesengrossen wahr-\nsagenden Kugeln aus schwarzer Basenerde."}, {"page_pdf": 46, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.46", "debut_caractere": 47, "fin_caractere_exclue": 552, "texte": "Hans Arp\n\n4\nZur Stimme einer Glocke dreht sich ein zerzauster Stern.\nDer Läufer auf dem die Traum- und Wolkentiere über die Berge zogen\nwird gebürstet und aufgerollt.\nDie mit Zähnen Locken und Eheringen behangenen Aaskugeln, welche\nich für ruinenbefleckte Adler halte sind die verschlungenen Gewichtssteine\nim Innern der Monumente. Die professionellen Lippen der Lappen welche\nich für schnäbelnde Brieftauben halte sind die mit Zähnen Locken und\nEheringen behangenen Aaskugeln.\nDer Wald ist ein Blasebalg."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c019", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "92", "image_debut": 46, "image_fin": 50, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.14", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 46, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.46", "debut_caractere": 554, "fin_caractere_exclue": 1083, "texte": "Gedichte\n\ndas lichtscheue paradies\nist dies diesseits\nist jenes jenseits\nwas hier ist scheucht sich auf wenn es sich setzen will\nwas dort ist staffelt sich auf\nzu dem großen rand dessen rand der rand ist\nzu der seele mit der daran befindlichen feder\nist dies diesseits\nist jenes jenseits\nvom Vorderteil fällt das blut in drei blättern\ndas Vorderteil geht vorne hinaus\ndas hinterteil geht hinten hinaus\nund die mitte bleibt stehen\ndoch bevor die mitte der mitte die mitte vorstellt\nleert sich das wasser\nund füllt sich die flasche"}, {"page_pdf": 49, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.49", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 968, "texte": "weißt du schwärzt du\nsie gehn ein quadrat\neinen kreis\neinen punkt\nund drehn sich auf dem punkt\npünktlich halb um\nund wieder halb um\nund gehn weiter\nund wollen nicht ausratten\nauf der rattenmatte\nauf der zwölftesten platte\nund kürzen das kurze\nund verlängern das lange\nund verdünnen das dünne\nund verdicken das dicke\nund bleiben sich vis a vis\nziehen sich mit Schuhlöffeln eisblumen an\nmauern welken lebendig ein\nrollen wasserballen auf\nund fegen sie\ndaß es allen gewollen ist\nohne grund unter dem unter spricht\nwie wir nach der uhr\npieken die schindeln von den linien\nund gackern dazu gack gack gack\n\ndas leyderne gebet\nim namen des Herrn der dame und des kindes\ngehe nach oben und stoße nach unten\ngehe nach unten und stoße nach oben\ngehe nach vornen und stoße nach hinten\ngehe nach hinten und stoße nach vornen\ngehe nach rechts und stoße nach links\ngehe nach links und stoße nach rechts\nim namen des Herrn der dame und des kindes"}, {"page_pdf": 50, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.50", "debut_caractere": 40, "fin_caractere_exclue": 893, "texte": "Hans Arp\n\neins um andere\nunten geht das fremde fleisch\nmit trockenem äuge\nund atmet\nund hat in jeder falte einen bauch\nlangsam kann es seinen namen sagen\nwort um wort\nzeile um zeile\nweil es ein ebenes ist\nund hinter sich herrollt\nund zu sich paßt\nund sich versteht\nund sich immer kennt\nbis auf ein falsches brett\ndreimal klopft es gegen seinen finger\nherein herein herein\ndann steht der atemumrih\nmit den quecksilberlippen\nauf seiner zunge\ndie unter ihm wegrollt\nmit viereckigen rädern\ndie sich drehen\nwenn die speichen still stehen\nund still stehen\nwenn die speichen sich drehen\njahr um jahr sind jahre ohne jahre\ntag um tag sind tage ohne tage\nso gehen auch die Schaftstiefel\nartikuliert durch den lebendigen fleischschlauch\nschritt um schritt\nungehemmt mit ihren Jahresringen\nin gut sitzenden enganliegenden käfigen\njahr um jahr sind jahre ohne jahre"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c020", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 46, "image_fin": 46, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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{"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c029", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "96", "image_debut": 54, "image_fin": 54, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.18", "titre_corps": "Empfängnis", "titre_sommaire": "Empfängnis", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 54, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.54", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 1161, "texte": "Empfängnis\nLothar Schreyer\nDie große Mutter träumt über 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stürmenden Wogen ist eine stille Straße geweht\nZwischen den Stürmen wandert der stille Wandrer dir zu"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c030", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "99", "image_debut": 55, "image_fin": 57, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.19", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Iwan Heilbut", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 55, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.55", "debut_caractere": 38, 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"debut_caractere": 563, "fin_caractere_exclue": 817, "texte": "Schicksal\nAuf einer Wolke im Sonnenbunt stand unser Segel\nDa blies auf der Wind aus dem Quellgrund des Herzens\nDie Wolke zerriss\nDu spanntest das Segel in lichte Ferne\nAuf meinem feuchten Kissen krampfen die Finger\nDie runden weiten Augen wunden dir nach"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c036", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 57, "image_fin": 57, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.19.6", "titre_corps": "Sehnsucht", "titre_sommaire": "Sehnsucht", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO 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"url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.19.7", "titre_corps": "Gedicht", "titre_sommaire": "Gedicht", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 57, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.57", "debut_caractere": 332, "fin_caractere_exclue": 512, "texte": "Gedicht\nIn meiner Brust tropft rinnt\nsinnt sturmfliesst\nmelodeit ein bluten gluten Lied\nKleine Knospen an Zweige birsten\nWeibleib birst auf\nsingt mein Honig\nströmt\nSinke in Umjubel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c038", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "111", "image_debut": 58, "image_fin": 69, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.20", "titre_corps": "Gymnasium besuchts Bordell", "titre_sommaire": "Gymnasium besuchts Bordell", "signature_source": "Franz Richard Behrens", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 58, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.58", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 1483, "texte": "Gymnasium besuchts Bordell\n\nDiese Dichtung erfordert starke Nerven\nAuch der zweite Teil erfordert starke Nerven\nDie erste Auflage erscheint mit Unterstützung der Akademie der Wissenschaften\nEine spannende Lektüre für alle die sich\nDafür interessieren Ohne Abbildungen\nGanz dazu geeignet Gemeingut der gebildeten Menschheit zu werden\nMit steigendem Genuss liest man dieses eigenartige und hochaktuelle Werk\nschnell bis zu Ende\nUm alsdann ruhiger zu Lieblingsabschnitten zurückzukehren\nDas heikle Thema ist mit einer Gründlichkeit behandelt die jedem Fach-\nmann zur Ehre gereicht\nViele Beispiele aus meiner Praxis\nDem Verfasser ist es offensichtlich um die Hebung des Volkswohls zu tun\nAllen Staatsmännern Gesetzgebern Juristen Ärzten Geistlichen Lehrern\nmöge diese treffliche Dichtung besonders empfohlen sein\nJedenfalls ist sie ein guter Ersatz für die weitverbreitete Schundliteratur\nDie schon soviel Unheil bei jungen Leuten angestiftet hat\nMöge sie recht Vielen Trost und Erbauung bringen.\nWer keinen Vater zu ermorden hat\nUnd wer mit edlen Vätern gesegnet\nWer seine Mutter nicht mehr liebt\nO Jünglinge die ihr voll Liebreiz seid\nMache dich nicht strafbar mein Junge\nOb ich meine Schwester liebe\nOb meine Geliebte 13 alt ist\n16 ist eine Zufallsziffer\nWas geht es euch an\nOhne Eid hören die Alimente von allein auf\nDu wollen wir uns\nAnsehen den schönen Film Moral und Sinnlichkeit\nDie erste Auflösung der Materie ist der Schwerpunkt des Ganzen"}, {"page_pdf": 61, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.61", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1320, "texte": "Keine Aufregung\nGhaldäa die Wiege des Menschengeschlechts\nEntdeckte den Geschlechtstrieb als Triebfeder der Fortschrittspartei\nStets steht die Hausfrau dem Gast zur Verfügung\nBeschlafe die Sache\nBabylons Gastfreundschaft wurde nie übertroffen\nDichterinnen lieben meist Geldbriefträger\nOnan Notbehelfer um die Treue zu bewahren\nDie grosse Hure und der grosse Jäger vor dem Herrn\nKalte Naturen lieben im Delirium\nJede Frau in Assyrien musste sich einmal wenigstens\nIm Tempel der Melitta einem Fremden überlassen\nDer Zeugungsakt ist nichts Schamloses\nNehmenlassen hingeben seinwerden\nSondern was Schönes\nCyperns Venusfeste Priester streichen das Geld ein\nBedürfen Enthaltsamkeit\nNousos Theleia der Skythen und die Grazien\nWie oft darf man schlafen\nDie goldenen Esel Amor und Psyche\nSchadet Unmässigkeit in der Ausübung\nDie Allerweltsvenus ist schaumgeboren\nDie ABC Gassen in Hamburg und Lille\nGoldene Vierzig Ulricusstrasse\nVenus Pandemos\nIn Indien wird die Erotik mit dem Löffel gegessen\nLingakultus oder Phalluskult\nPhalluskultus oder Lingakult\nDie Arzte irren sich\nDer Inder war das Natürliche gewohnt\nTrotzdem wendet der enthaltsame Doktor den Aderlass an\nDen Liebesgenuss über den Verkehr mit Mädchen\nDie Kunst vermehrt die Absonderung des Samens\nDie Stellung der Liebe im Trioarga"}, {"page_pdf": 62, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.62", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 1444, "texte": "Unmöglich Samen auf saugung im Blut\nSchläge und Schreie Haarzausen liebkosen\nEintritt in die Ehe\nDie Liebhaberin vor den verheirateten Frauen\nBrutalität der Brautnacht\nSolon unsterblicher Erschaffer der Freudensalons\nStellvertreter für den impotenten Ehemann\nAthen befahl seinen Auserwählten das schwarze Haar blond zu färben\nSehnsucht älterer Jungfrauen\nNun färben alle Damen die Haare mit Safran\nZuneigung und Zärtlichkeit ängstigen die Beschwängerung\nDer Missbrauch der Schminke bei der Philosophin Sappho\nDie Verzweiflung der unehelichen Mütter\nAspasia löst ihren Gürtel zwischen Bhetorik und Perikies\nBei Sokrates und Alkibiades\nUneheliche Väter verlieren leicht leichten Sinn\nDie Tugend der Lais schätzt Aristipp und Diogenes zieht sie in seine Tonne\nDas richtige Ehealter\nPhryne verteidigt Gelly de Reidt vor dem Aeropag\nDie Freundin ist die Freude der Frau auf Lesbos\nDer verdächtig kleine Öl- Efeu- und Fichtenzweig\nDer schon die alten Griechen kränzte\nRegelstörung\nKnabe Anakreon du dessen Blick noch träumt\nDich begehrt Plutarch du merkst es nicht\nWodurch unterscheiden sich Mann und Weib\nMännerumgang ist Staatenbildung\nDurch die Geschlechtsdrüse\nKein Politiker ohne Männerumgang\nVater und Mutter sollen aber nur ganz reife Menschen sein\nSchon im alten Rom fehlte es am rechten Masse Frauen\nDurch die Eierstöcke\nDie Arzte weigern sich Sabinerinnen zu heilen\nNiemand braucht sich ihrer zu schämen"}, {"page_pdf": 64, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.64", "debut_caractere": 42, "fin_caractere_exclue": 1299, "texte": "Geht die Gonorrhöe nicht weg kann der Arzt verklagt werden\nDurch den Hoden\nTiberius Nero Domitian grüssen die neue Moral\nDen Bart die Stimme die Brüste das Becken\nHafis nackte Lenden schimmern wie im Schoss die rote Bose\nVon der Psyche gar nicht zu reden\nDu der Schönen allerschönster König David\nWenn man dem Mann die Hoden wegnimmt\nEs ist mir leid um dich mein Bruder Jonathan\nDafür Eierstöcke einpflanzt\nDeine Brüste sind wie zwei Rehzwillinge\nLiebe ist immer rein\nSeraphimisch Blumengärtlein\nDem Manne fliesst die Milch\nMarias jungfräuliche Mutterschaft\nDie Frau bekommt Muskelbehaarung\nDie Rosenkreuzerbewegung kommt in Fluss\nDie Keimzellen bereiten keine Samenzellen mehr\nIsoldes zweideutiger Reinigungseid\nUnd keine Eier\nStreiche verschmitzter Weiber\nPflanzt man dem kastrierten Weib fremde Eierstöcke ein\nUrarische Erkenntnis\nSo produzieren sie Eier\nJezirah die Goldtinktur\nIm überpflanzten Hoden des kastrierten Mannes\nDie göttliche Zulassung fleischlicher Vermischung\nQuellen Samenzellen viel länger hervor\nDas Weib die Quelle der Versuchung\nNicht der Hoden macht den Mann\nGeschlechtsumgang nicht nötig für das Leben\nNicht der Eierstock macht die Frau\nSelbstkastration und Liebesmahlzeit der Cenobiten\nSie hat einen Eierstock weil sie ein Weib ist"}, {"page_pdf": 66, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.66", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1647, "texte": "Die heilige Katharina erklärt ihrem Beichtvater das Kinderkriegen der Nonnen\nEr hat einen Hoden weil er ein Mann ist\nDer heilige Origenes entmannt sich\nDas Geschlecht ist schon vor der Entstehung der Geschlechtsdrüse bestimmt\nDie Syphilis der Priester entsteht astrologisch\nDas kann kein Zufall sein\nBekämpfe die Wollust beim Beischlaf\nAuf 106 lebende Knaben 100 lebende Mädchen\nPapst Gregor wegen unzeitigen Beischlafs bestraft\nIm werdenden Knaben schlummern die Eierstöcke\nAntonius und Hieronymus treten für Maria ein\nIm werdenden Mädchen schlafen die Hoden\nMadame de Guion Fräulein Smith die heilige Elisabeth sind von Jesus entzückt\nBeim Säugling bleiben die Organe des Gegengeschlechts zurück\nJe mehr sie sich kasteien je reizender ist die Sinnlichkeit\nDie Vorsteherdrüse geht aus der Gebärmutter hervor\nEinsamkeit bedeutet Geschwisterehe\nDie Glitoris entspricht der Rute\nTrage auf Händen das Recht der ersten Nacht\nUnentwickelte Eier in den Hoden\nSündliche Ammenmieten baden in Spinnstuben\nSamenzellenanlagen in den Eierstöcken\nDie Kreuzritter gehören in den Rittersaal des Städtischen Krankenhauses\nAuch der männlichste Mann hat eine Brutdrüse\nDie Arme voll Wonne prügelt Michelangelo den holden Knaben zu Tode\nDie weiblichste Frau trägt einen feinen Flaum auf der Oberlippe\nAuch der Klopstock weiss sich süsser noch in den Armen des Freundes\nNicht unwürdig der Ewigkeit\nHabe ich einen Mann oder eine Frau vor mir\nBrautraub neigt zur Probeehe\nUm leben zu können muss man Mann und Weib sein\nProbiernächte der Bauern bei Soldatendirnen\nDie männliche Drüse düngt die männlichen Stoffe\nSodomitenlose Königssonne besorgen die Montespan Maintenon"}, {"page_pdf": 67, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.67", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 1340, "texte": "Die weibliche Drüse düngt die weiblichen Stoffe\nMaitressenmaienkönigin Marquise de la Valliere\nEin kastrierter Frosch entwickelt niemals die Daumenschwielen\nHirschpark im Boudoir\nMit Daumenschwielen umklammert der brünstige Frosch das Weibchen\nSorgfalt im Arrangement\nHoden unter die Haut wachsen die Schwielen\nDie Flucht nach Venedig aber mit der Schwägerin\nEierstöcke wirken nicht ganz so stark wie Hoden\nKantharidenbonbonorgie zu Marseille\nAber sie wirken\nUnd beim Kurfürstendammfranz\nEin fremder Pilz bringt der Lichtnelke männliche Staubbeutel bei\nJustine und Juliette\nVerzweifelte Frauen nehmen Zimt\nNinettchen\nNelken Muskat\nHortense von Holland und Katharina Parr\nBaldrian oder Rosmarin\nÜber Rousseaus Verbindungen mit Weibern\nZur Aufklärung für verheiratete Frauen\nFriedrich der Grosse dem Strafgesetz verfallen\nJahrelange Haltbarkeit\nDies ist der populärste Roman über den Alten Fritz\nUnd fesselt noch heute alle Liebhaber\nAbsolute Sicherheit auch bei etwas lässiger Handhabung\nNanu auch Lavater Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Liebe\nKeinerlei Reizung selbst der empfindlichsten Schleimhäute\nWillst feiner Goethe du mit mir gehn\nKnaben liebt ich wohl auch\nAber Goethe\nDoch lieber sind mir die Mädchen\nMit dem Mädel kannst du dich überall sehen lassen\nHab ich als Mädchen sie satt"}, {"page_pdf": 68, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.68", "debut_caractere": 33, "fin_caractere_exclue": 1590, "texte": "Christiane Vulpius\nDient sie als Knabe mir noch\nDie Anwendung wird mit Leichtigkeit von der Frau selbst besorgt\nNatürlich Charlotte von Steins antiromantischer Einfluss\nPrüfe ob Masse austritt\nSchiller flieht mit folterndem Entzücken seiner Wollust Widerstrahlen\nDrehe den Schlüssel ein viertel bis ein halb mal langsam herum\nJa ja die romantische Schule in Deutschland\nEine Ausspülung mit lauwarmem Wasser ist gut\nHölderlin ranns warm hinab ins Blut der heiligen Reben\nDoch keineswegs Erfordernis\nDas junge Deutschland schmiegt sich so vertraut an August Graf Platen\nHallermünde\nEin vollständiger Apparat genügt für vierzigmaligen Gebrauch\nRichard Wagner und die Homosexualität\nDas Glasrohr ist praktischer wie das spröde Gummirohr\nWeder Kreuzer- noch Gis-Moll-Sonate\nEine junge Frau bekommt mit Freuden ihr erstes Kind\nDoch Menschliches Allzumenschliches in und ausser der Ehe\nWenn aber im vierten Jahr das vierte kommt\nNuditäten für Nutten Grisetten Loretten\nWarum uns streiten um den besten Platz\nMontmartrealphonse Wiedenstritzi Bülowbogenlouis\nIch halte zu\nDer olle ehrliche Seemann Ruhstrat bei Lucie Berlin\nOriginaltuben mit schwachgelblicher salbenartiger Masse\nHedwig Müller mit Stallmann im Klub der Harmlosen\nMit rein theoretischen Erwägungen ist es da nicht abgetan\nProfessor Eulenburg lernt den Reichstag genau kennen\nFür alles Werden ist die Mutter wichtiger als der Vater\nAuch die Balkanländer sind mit einbegriffen\nDie geschlechtlichen Gerüche der Traumdeutung\nBeschaffenheit der Braut und des Bräutigams\nEunuchen und künstliche Instrumente"}, {"page_pdf": 69, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.69", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 703, "texte": "Franz Richard Behrens\n\nZichorie der Konkubinenkaffee\nIst Liebe eine hypnotische Suggestion\nWie stelle ich ein Horoskop für Zeugungsunfähigkeit\nDie Augendiagnose gegen den Lehmpastor Felke\nAnders als die andern geht die Prostitution durch den Magen\nNiemand braucht zu verhungern\nFür männliche Kultur\nRaum ist da für Alle\nObere untere und mittlere Friedrichstrasse\nDer böse Blick und das Versehen der Frauen\nDie einzige Wiederkunft bleibt die Niederkunft\nFünf Millionen verlieren nach dem ersten Wochenbett die Reize\nDer Perser Xerxes peitschte das Meer\nWo ist ein junges Weib\nHabe ich das göttliche Geschlechtsleben widerwärtig genug gemacht\nDu sollst nicht schwören."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c039", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "101", "image_debut": 59, "image_fin": 59, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.20.1", "titre_corps": "Porträt des Rechtsanwalts Goldbaum", "titre_sommaire": "Porträt des Rechtsanwalts Goldbaum", "signature_source": "Hugo Scheiber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 59, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.59", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 48, "texte": "Porträt des Rechtsanwalts Goldbaum\nHugo Scheiber"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c040", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 63, "image_fin": 63, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.20.2", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Hana Mallle Teutsch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 63, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.63", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 56, "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nHana Mallle Teutsch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c041", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 65, "image_fin": 65, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.20.3", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Oskar Fischer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 65, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.65", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 50, "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nOskar Fischer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c042", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 70, "image_fin": 70, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.21", "titre_corps": "Schaltjahr", "titre_sommaire": "Schaltjahr", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 70, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.70", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2268, "texte": "Schaltjahr\nOtto Nebel\nWenn der junge Liederlenz mit krausem Suppengrün am Regulator im\nVerborgenen um das erste Veilchen schlendert, und der feuchte Blödsinn\naus dem ernsten Wanderzirkus mit den Löwenmäulchen blühend um die\nWette gähnt, und die alte Logik mit der Feuerharke und dem Rucksack\nsich verduftet, dass zum Glück vom weichen Nest zu Ast von Ast die\nlinde Asta mit dem Birkenhäkchen, das die frische Mistel krümmt, offnen\nHaares aus dem Fliederbuch der Heine ihrem Mai, dem Karl, dem Grossen,\nlangsam, aber sicher, in das blonde Hünenauge fällt, und daher der treue\nBach auf flinken Stelzen kurze Riesenschritte seitlings durch die Büsche\nnimmt, wenn von Berg zu Tal das liebe Nashorn mit der schweren Pauke\nund den sanften Panzerhaxen aus dem frischbezogenen Flussbett ganz\nbehutsam um den kurzen Kugelkaktus unbestochen über grosse, bleiche\nDamenwäsche in des Herren Flaschenkeller rollt, und die zarten Wasser-\nhosen mit den Hagelfröschen und den Sturmraketen um die Lämmerkeulen\nspriessen, weil die sauren Sahnekühe ihren zähen Ziegenpeter vor den\nHirtendonner stossen, hollahi, hollaho, wenn im welken Urlaub aller\nSilberpappeln schon die warmen Rnospenkätzchen ihren grauen Star\nerdrosseln, und im Dreck die bunten Finken an den spitzen Spatzenpfützen\num den bangsten Junikäfer sich behende in die kleinen Fressen schlagen,\njumheidi, jumheida, wann die himmelhohen Lerchen, die den Bandwurm\nvon den Dichtereichen schlingen, sich zum dicken Kuckuck scheren, der\ndem Regenturm die Wasseruhr zerschmettert, dass die Schmetterlinge\naus zerschellten Glockenblumen durch die hellen Gurkenscheiben auf den\nfinstren Bockmist flattern, was die Nachtigall, ick hör dir trapsen, mit der\nZeit dem langen Zeiger läutet, der dem weisen Marabu die blinden Kneifer\nputzt, und der Lyrik keiner Heimat mit der Bassguitarre eine wundervolle\nDachtel schwalbt, dass die Klampfer mit der Scheunendeichsel um den\nheissen Brei marschieren, und dem Pilgerchor am Stullenherd die Kasserollen\nfällen, hollahi, hollaho, wenn der Frühling mit dem Heu am Ranzen mit\ndem Herbsten durch das Sinngestöber pendelt, fertig ist die Winterlaube,\nbleibt die Kirche nicht im Dorfe, nicht im Lande, olala, heidi, heida, und\nder Sommer ist daher dahin, und der Schalttag ist sein heisser Clown."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c043", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c043", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.22", "titre_corps": "Alt-Wien", "titre_sommaire": "Alt-Wien", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.71", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 871, "texte": "Alt-Wien\nRudolf Blümner\n«Bei einem Festessen in dem Empfangsraum des\nWiener Rathauses zu Ehren des Dr. Richard Strauß\nteilte der sozialdemokratische Bürgermeister Seitz\nmit, daß in der nächsten Sitzung des Gemeinderates\nDr. Richard Strauß zum Ehrenbürger von Wien\nernannt werden soll. Strauß versprach, die nächsten\nzwei Dezennien in Wien leben zu wollen.“\nIch hoffe, daß der Gemeinderat sein Wort hält,\ndas Herrn Dr. Strauß für zwei Dezennien in Wien\nfesthält. Denn die Berufung auf die Tradition ist\nin Wien seit altersher traditionell. Im Mai 1824\nwurde die Neunte Symphonie Beethovens in\nWien ausgepfiffen und verhöhnt. Im Mai 1924\nehrt die Stadt Wien einen Komponisten, der sich um\nden Niedergang der Musik hoch verdient gemacht\nhat. Das ist eine neue Verhöhnung Beethovens.\nAber der Gemeinderat von Wien fühlt sich ver-\npflichtet, es seinen Vorfahren gleich zu tun."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c044", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.23", "titre_corps": "ERLÖSUNG im LICHT", "titre_sommaire": "ERLÖSUNG im LICHT", "signature_source": "Nikolaus Braun", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.71", "debut_caractere": 873, "fin_caractere_exclue": 1779, "texte": "ERLÖSUNG im LICHT\nNikolaus Braun\nIch fertige Bilder für Sanatorien an mit eingebauter\nHöhensonne. Davor werden die Ausstellungs- und\nSanatoriumsbesucher kaffeebraun und fahren nach\n10 Minuten Betrachtens aus der Haut. Weiterhin\nschaffe ich Bilder mit Blaulicht ebenfalls für alle\nHeil- und Unheilzwecke. Von meinen neusten\nBildern gehen die Strahlen des großen englischen\nPhysikers H. Rindell - Matthews aus, die sogar einem\nMagneten das Anziehen und Abstößen abgewöhnen.\nDer Betrachter dieser Bilder fühlt sich im Nirvana-\nZustand selig erlöst. ln Parlamenten und Kaffee-\nhäusern aufgehängt, verhindern diese meine Arbeiten\nwirksamst jeden Krieg. Im übrigen können Sie das\nalles ebenso erleben, wenn Sie sich an das Wasser\nbegeben und daselbst geruhsam das Spiel des Lichtes\nbetrachtend sich hineinziehen lassen in das unendliche\nHüpfen und Kreisen der Reflexe und Sonnenabbilder.\nZur Ausstellung im Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c045", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c045", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "114", "image_debut": 71, "image_fin": 72, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.24", "titre_corps": "Die Gondel von Berlin", "titre_sommaire": "Die Gondel von Berlin", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.71", "debut_caractere": 1781, "fin_caractere_exclue": 3880, "texte": "Die Gondel von Berlin\n\nJetzt gibt es dicht beim Sturm ein Theater. Es heißt\n„Die Gondel“. Zwischen beiden liegt der Potsdamer\nPlatz. Auf ihm wird der Verkehr geregelt und\nlinksrum und rechtsrum Revolution gemacht. Zur\nBesichtigung dieser Angelegenheiten ist für das bessere\nunbeteiligte Publikum ein Cafe errichtet, das vor\nzwanzig Jahren im Stil eines Biedermeierschlafzimmers\nrenoviert wurde. Dort trinkt man den bekannten\nBerliner Cafe, der ohne Bohnen von selbst schwarz\nwird. Im helleren Zustand wird er Bouillon genannt.\nAuf einer andern Seite des Platzes hat man die Ecke\nder Piccadilly-Street nachgebaut, als obste in London\nlebst. Damit die Berliner die Örter nicht verwechseln,\nhat man das Monumentalcafe dieses Hauses Vaterland\ngenannt. Bleibt man aber auf der Seite des Aussichts-\ncafes, so kommt man logisch in die Bellevuestraße.\nHinter den Bäumen befindet sich auf der einen Seite\ndas Hotel Esplanade, in dessen Sälen man die Feste\nfeiert, die nicht fallen wollen. Auf der anderen\nSeite hinter den Bäumen liegt das Künstlerhaus. Es\nist körperliches und geistiges Eigentum des Vereins\nBerliner Künstler. Das sind Herren, die grundsätzlich\nnur Bilder malen und ausstellen, die man vor mehreren\nJahrzehnten schon einmal gemalt hat und die in zu-\nfällig leeren Läden der Potsdamer Straße in Serien\nverkauft werden. Zehn Stück zu einhundert Mark,\nzehn Stück zu zwohundert Mark. Bis zu den höchsten\nPreisen rauf. Telefonischer Anruf genügt. Besichtigung\nnicht erforderlich. Nur um Angabe wird gebeten,\nob Kniestücke oder Seestücke erwünscht sind. Neben\ndiesem Künstlerhaus liegt die Kunst. Das Theater\n„Die Gondel“. Zwei Neger singen auf der Bühne\nvon the spring time, das einzige Wort, das „man“\nversteht. Der Maler Paul Leni hat sie angezogen.\nSelbstverständlich weiß. Wegen der spring time.\nSie haben den traditionellen deutschen Schmerbauch,\nwenn auch nur in der Rockweite. Hieraus ergibt\nsich, daß sie in sich bis in die Erde sinken und\nbis an den Bühnenhimmel steigen können. Was sie\nauch mit Inbrunst tun. Nun ist aber nicht der Rock\ndie Kunst, sondern das Steigen und das Sinken. Zu"}, {"page_pdf": 72, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.72", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4237, "texte": "Herwarth Walden\n\ndiesem Zweck hat der Maler und Regisseur Leni\nden Rhythmus angewandt, von dem ein bekannter\nKunstkritiker kürzlich behauptete, es gäbe ihn garnicht,\ner sei nur eine verrückte Erfindung von mir. Immerhin\nerfolgt mit diesem Rhythmus eine Verrückung des\noptischen Bildes. Und zwar eine künstlerisch\norganisierte Verrückung, für die man in besseren\nKunstkreisen das Wort Komposition erfunden hat.\nDiese optischen und akustischen Bewegungen der\nkünstlerischen Komposition wirken so außerordentlich,\ndaß das künstlerische und das unkünstlerische Publikum\nund sogar die Berliner Kritik alles in Ordnung findet.\nNun scheint mir die Wirkung die stärkste zu sein,\ndurch die man alle erschlägt. Dieses Erschlagen ist\nzwar kein politischer, aber ein künstlerischer Beweis.\nDenn auf Berufkünstler wirken, die sich selbst dazu\nernennen, ist keine Kunst. Der Fabrikant aus Chemnitz\nist ohne Zote begeistert, deretwegen er doch eigens\nnach Berlin kommt, der Professor aus Tübingen läßt\nes sich gefallen, der Makler hört auf zu mäkeln\nund zu essen und die Damen vermissen weder\nSeele noch Körperschönheit. Man nimmt sogar die\nunnatürlichen Gesichter hin. Die Neger heißen\nBlass und Pauly. Man spielt „Seebad“. Fräulein\nGodau und Herr Blass singen Wörter wie „Bald\nwillst Du nicht, bald willst Du doch“, was gerade\nkeine absolute Lyrik ist. Hierzu hat der Komponist\nHans May Töne klangvoll zusammengestellt und\nzwar mit Hilfe des erwähnten Rhythmus. Für die\nMusik ist er nicht von mir erfunden, das ist einwandfrei\nnachzuweisen. Nun kam man auf die fernliegende\nIdee, sich nicht Meeresdekorationen serienweise aus\ndem naheliegenden Künstlerhaus zu bestellen. Der\nMaler Paul Leni hat nur drei lange Pappstreifen\nschlicht angestrichen, ohne Berliner Künstlerkunst.\nDer Regisseur Leni läßt diese Pappstreifen in dem\nRhythmus bewegen, der wieder von mir erfunden\nwurde. Die Dame Godau und der Herr Blass haben\ndie Freundlichkeit, ihre Bewegungen mit den Be-\nwegungen der Pappstreifen in die sogenannnte\nkünstlerische Logik zu bringen, die man zwar nicht\nsieht, deren Vorhandensein man aber merkt. Und\nwenn auch nur dadurch, daß man von ihr erschlagen\nwird. Zwischen den Pappstreiten bewegen sich in\neiner Kleidung, die sich dem Badekostüm nähert,\nverschiedene vorübergehende Bewohner des Meeres.\nZu Ehren der Berliner Presse liest einer sogar den\nKuxenmarkt im Wasser. Auch die Meerungeheuer,\ndie man wohlwollend Menschen nennt, verrücken sich\nauf Grund der geheimnisvollen künstlerichen Logik, bei\nder man sich nichts denken kann. Das ist auch wieder\nnicht nötig, denn dafür hat man schließlich bezahlt»\nDie Geschlossenheit der künstlerischen Komposition\nist so stark, daß nicht einmal die naturalistische\nwirkliche Schönheit des Fräulein Godau stört.\nDer Regisseur Leni hat eine Szene „dancing girls“\ngeschaffen. Das Publikum, das gern im Vorder-\ngrund lebt, ist als Hintergrund gemalt. Infolge-\ndessen bleibt den drei dancing girls, eins heißt\nFräulein Godau, nichts übrig, als mit ihrem werten\nVorderteil gegen den Hintergrund zu tanzen. Denn\nwoher sollen die girls wissen, welches das richtige\nPublikum ist. Das vordere Publikum sieht nicht\nnur hinter die Kulissen, es sieht sogar zum ersten\nmal einen Tanz von hinten. Damit das Publikum\naber weiß, wo vorn und hinten ist, hat die Direktion\nzur größeren Vorsicht an den Vordergrund einen\nFeuerwehrmann gestellt, von dem der gebildete\nTheaterbesucher weiß, daß er ganz hinten steht.\nEin Denkirrtum ist also ausgeschlossen. Und\nauf das Denken kommt es bekanntlich bei der\nKunst an. Der Regisseur hat sich gestattet,\nmeine Erfindung des Rhythmus anzuwenden. Er\nhat die typischen Bewegungen der Tiller girls zwar\ngelassen, sie aber in der Bewegung gelassen verlang-\nsamt. Hierdurch wird das Tänzerische dieser\ntypischen Bewegungen wieder intensiv sichtbar.\nBewegung steht hart und stark gegen Bewegung.\nDie Verwischungen sind fortgewischl. Und es\nentsteht ein tänzerisches Kunstwerk, was im künst-\nlerischen Sinn nicht eine Parodie ist, wie es scheint,\nsondern eine Ode. Man kann im Eindruck sich\neinmal gebildet ausdrücken, damit der Denker auch\nsein Vergnügen hat. Der künstlerische Ausdruck\naber muß gebildet werden und nicht gebildet sein.\nUnd das kann man im Theater „Die Gondel“ sehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c047", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c047", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 73, "image_fin": 73, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.26", "titre_corps": "Philosophische Walpurgisnacht", "titre_sommaire": "Philosophische Walpurgisnacht", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 73, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.73", "debut_caractere": 867, "fin_caractere_exclue": 2985, "texte": "Philosophische Walpurgisnacht\nDer unkundige Leser wird mit Erstaunen hören,\ndaß es einen Mann gab, der da behauptete, eine\nheute noch unbekannte exakte, das heißt im Range\nder Mathematik und Physik ebenbürtige, daher ganz\nund gar unanfechtbare und gänzlich neue Wissen-\nschaft entdeckt zu haben, von der man sich (wie\ner sich selbst ausdrückt) „bis dahin nichts habe\nträumen lassen“. Er wird erstaunt sein, daß dieser\nMann sich wegen seiner Entdeckung mit Kopernikus\nverglich. Er wird sagen; „Der Mann hat Mut“\noder „ein verflucht bescheidener Kerl“. Aber der\ndies sagte, war in der Tat ein sehr bescheidener,\nguter, anspruchsloser Mann, der nichts sehnlicher\nhoffte, als daß er im Jenseits nicht etwa mit seinen\ngroßen Kollegen von der Philosophie, sondern mit\nseinem alten Diener Lampe zusammentreffe und\nzwar deswegen, weil er die Gesellschaft besonders\nrechtschaffener Seelen jeder andern vorzog. Der\ndies sagte, war ferner ein Mann, der nicht nur der\nLüge, sondern auch der fahrlässigen Verletzung der\nWahrheit, besonders aber der fahrlässigen Ver-\nbreitung von Irrtümern im höchsten Grade abhold\nwar. Er war ferner ein Mann, der zuerst eine\nheute im wesentlichen anerkannte Wissenschaft von\nder Entstehung des Fixsternsystems begründete und\nzwar bis ins einzelne. Dieser Mann ist unser alter,\nlieber, den meisten Menschen nur durch dunkle\nGerüchte und sich widersprechende Zwischenträge-\nreien nicht sowohl bekannte als genannte Kant.\nAus; „Philosophische Walpurgisnacht. Vorspiel zu\nder philosophischen Trilogie von Ernst Marcus\nDas Erkenntnisproblem\nWie man mit der Radiernadel philosophiert\n2,50 Mark / Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nDie Walpurgisnacht, die nicht als Frühlingser-\nscheinung vorübergegangen ist, sondern in, um und\num Königsberg herum aufgeführt wurde, hat edle\nWelt noch dümmer gemacht, als sie schon war.\n„Die Wächter und Hüter, die als Kantforscher\nauftreten“, haben wieder gründlich dafür gesorgt,\ndaß das Problem verschüttet werde. Es gibt nur\neinen Kantkenner und einen Kantforscher. Ei\nheißt Ernst Marcus.\nSein „Erkenntnisproblem“ ist die klarste Ein-\nführung in das Werk Immanuel Kants."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c048", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c048", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 73, "image_fin": 73, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.27", "titre_corps": "Aus meinem Traumbuch", "titre_sommaire": "Aus meinem Traumbuch", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 73, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.73", "debut_caractere": 2987, "fin_caractere_exclue": 3662, "texte": "Aus meinem Traumbuch\nRudolf Blümner\nEin Engländer schrieb das Wort „Tauentzienstraße“\nvor meinen Augen so;\nTown seen Strasse\n*\nEin Theaterkritiker schrieb von einem Darsteller:\n„Er blieb uns viel vom Text schuldig. Wir werden\nden Restbetrag durch Nachnahme von ihm erheben.“\n*\nIn einem Hoftheater unseres ancien regime stellte\nsich mir ein Logenschließer als ehemaligen Intendanten\nvor. Er war nicht damit zufrieden, daß man dem\nHeldentenor ohne weitere Umstände einen Kranz\nüberreicht hatte. „An unserer Bühne sorgte ich da-\nfür, daß stets ein Vertreter meines Regiments zur\nStelle war, der den ersten Kranz erhielt. 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Vinca und M. Janco\nSh-. Trinität» 29\nBucarest"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c051", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c051", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.2", "debut_caractere": 136, "fin_caractere_exclue": 671, "texte": "HET OVERZICHT\nDirektion a Fernont Barckelaers und Jozaff Panters\nDie einzige Monatsschrift des internationalen\nVortrupps in niederländischer Sprache\nStändige Rubriken: radikale Kunst, Musik,\nPhilosophie, internationale Politik,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\netc.\nPreis jedes einzelnen reich illustrierten Heftes in künstlerischen\nUmschlag, 24 Seiten, Format 25X32, Fr. 2.—, Abonnement\n(12 Hefte) Fr. 16.—, Frankreich Fr. 20.—, Niederlande fl. 4.25.\nRedaktion und Verwaltung\nAntwerpen (Belgien) Chaussee de Turnhout 106"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c052", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c052", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.2", "debut_caractere": 673, "fin_caractere_exclue": 986, "texte": "PA-FA-MA\nGesamtwerk 69 Papierfarben von höchster Farbkraft liefert\nPAPIER FARBBILDER\nvon unerreichter Schönheit / Geschützt in allen Kulturstaaten\nnescöättlgungsspiel - Ceßrmiitel Kunstmappe - Malßasten\nZu beziehen durch Warenhäuser, Spielwaren- und Lehrmittelhandlungen oder durd,\nSTURM-BUCHHANDLUNG / BERLIN W 9"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c053", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c053", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.2", "debut_caractere": 988, "fin_caractere_exclue": 1116, "texte": "WALTHER G.\nOSCH I LEWSKI\nAUF\nFLAMMENDER\nBRÜCKE\nDIE FRÜHEN GEDICHTE\nEINES KNABEN\nGEBUNDEN\nGOLDMARK 2-\nKARL RAUCH VERLAG\nZU DESSAU"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c054", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c054", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.2", "debut_caractere": 1118, "fin_caractere_exclue": 1230, "texte": "nlftln\nDARMSTADT\n1924\nSODWESTDEUTSCHE\nKUNSTAUSSTELLUNG\nbaoen-hesser-wOrttemberg\nMATHILDENHÖHE\n17. 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September 1924\nEs finden folgende Kurse statt:\nKursus 1 / Rudolf Blümner:\nTheater, Schauspielkunst und Rhetorik\nKursus 2 / Herwarth Waiden:\nDie Dichtkunst\nKursus 3 / Lothar Schreyer:\nDie Malerei\nKursus 4 / William Wauer:\nMystische und philosophische Erlösungslehren\nder Menschheit\nT eilnehmerkarten:\nFür jeden Kursus; 20 Mark\nBesuch eines einzelnen Nachmittags: 4 Mark\nDie Kurse finden an den Wochentagen nachmittag«\n4V. Uhr statt\nAnmeldungen\nin der Kunstausstellung Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nund in der Sturm-Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 138 a\nTelephon: Lützow 4443"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c057", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c057", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 74, "image_fin": 74, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.36", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 74, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.74", "debut_caractere": 2134, "fin_caractere_exclue": 2429, "texte": "Voranzeige des Verlags\nDer Sturm / Berlin W 9\nIn Vorbereitung:\nWilliam Wauer:\nDas entdeckte Gehirn oder\nJäger Bauern und Hirten\nDie erste vollkommene Lösung des Denkproblems\nGebunden 2,50 Mark\nIm Herbst erscheinen;\nTibor Dery:\nBlaue Glasfiguren / Novellen\nSchickt Bronztauben über sie / Gedichte"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c058", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c058", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 74, "image_fin": 74, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.37", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 74, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.74", "debut_caractere": 2431, "fin_caractere_exclue": 2587, "texte": "Sturm-Sommerball\n(Ein Sommernachtsball der Ge-\nsellschaft der Sturmfreunde)\nFreitag, 20. 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St. in Dresden\nAm 22. Mai hat sich in Dresden eine Ortsgruppe\nder Gesellschaft der Sturmfreunde gebildet. 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Marzillier & Co. » Berlin W * Grunewaldstr. 14-15\nGegründet 1854 Hof-Spediteure S. M. de* Königs von Spanien Gegründet 1854\nmini\nSpedition und Möbeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemälden und Kunstgegenständen jeder Art -- Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen des\nIn- und Auslandes -- Transportversicherungen aller Art.\niimmimiiiiiiimimiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiitiiimiiiiiiiiiiimiiimiiiinmiiimimiiiiimimiiimiit\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Künstler, der Freien Secession,\ndes Verbandes Deutscher Illustratoren und Hausspediieure des „Sturm\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c061", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c061", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 75, "image_fin": 75, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.40", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 75, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.75", "debut_caractere": 599, "fin_caractere_exclue": 873, "texte": "£>iiiiiiiiiiiimimimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiii:\nÜJ\nOC\nD\nDC\n<\n-J\nCO\n'S\nCO a>\n3 Z\n03 ra\nC E\n5 E\n> <0\n< iü\n■o *\n(0 =\nw\nCO §\n0)\n52 o\nO c\nE\n3\n.52 a\n’> co\nÜC\n.E 52\n•5 I\nco |\n<a =\n® CD ® 5\nT 3 .*•\n2\ng-to I\nCO > I\n*“ o »\n5 0) -i ,\n« c\n= 5 i\nS t» =\nE =\nE =\n«* =\no 1 = S"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c062", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c062", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 75, "image_fin": 75, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.41", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 75, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.75", "debut_caractere": 875, "fin_caractere_exclue": 1053, "texte": "TENTATIVES\ndirecfeur Henry Pefiof\nnumdro spdcial j\nSTENDHAL, I\navec des inedifds !\nle numdro; IO francs |\n: abonnemenf l'un an: 30 francs I\nI j\n| £ place Porte Reine d Chambdry !"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c063", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c063", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 75, "image_fin": 75, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.42", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 75, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.75", "debut_caractere": 1055, "fin_caractere_exclue": 1868, "texte": "BOTTEGA DI POESIA\nMAISON D'fiDITION - LIBRAIRIE - MAISON D'ART\nSuccesseur de la Maison .Artaria' de Ferd. Sacchi © F. - Cartes GSographiques - Guides - Plans\n14, VIA DEL MONTE NAPOLEONE-MILANO (3)\nCa plus moderne ei la plus compleie de Maisons de ce genre;\nveriiable cenire liiieraire ei ariisiique Hallen ei international\nLES EXPOSITIONS DE BOTTEGA DI POESIA\nPendant les anne6s 1922—1923 oni eie organiseös\nLes Expositions Personelles ou d’Ensemble des\nPEINTRES ET SCULPTEURS ITALIENS CONTEMPORAINS\nPEINTRES ET SCULPTEURS BELGES CONTEMPORAINS\nDEPOT DES DESSINS, EAUX-FORTES, LITOGRAPHIES, GRAVURES\nPERIODIQUEMENT\nVENTES AUX ENCHERES DE LIVRES ANCIENS - TAPIS ORIENTAUX\nDENTELLES-DESSINS ET GRAVURES-PORCELAINES\nAusführliche Verzeichnisse kostenlos durch die\nSturm-Buchhandlung, Berlin W 9, Potsdamer Strafe 138 a"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-06-01-c064", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-06_01#c064", "volume": "bmtnabg_1924-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 76, "image_fin": 76, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.2.43", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 76, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.76", "debut_caractere": 239, "fin_caractere_exclue": 1144, "texte": "Verlag Der Sturm\nBerlin W 9\nNeuerscheinungen\nHerwarth Waiden: Einblick in Kunst\nExpressionismus / Kubismus / Futurismus\nMit 3 Vielfarbendrucken und 70 Abbildungen nach Werken der\nMeister der neuen Kunst. Neuauflage des lange vergriffenen und\nsehr gesuchten authentischen Buches.\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 6,50 Mark\nLuxusausgaben signiert und numeriert in Halb- und Ganzleder\nAlexander Archipenko\nStark vergrößerte Neuauflage des Sturaibilderbuches II\nMit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen und einem Zwei-\nfarbendruck\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 4 Mark\nJacoba van Heemskerck\nSturmbilderbuch VII\nDas erste Werk über die kürzlich verstorbene führende Künstlerin\ndes Expressionismus in Holland.\nZirka 50 Abbildungen und 7 Originalholzschnitte vom Stock gedruckt.\nBeiträge von Poortolict, Blümner, Schreyer, Waiden.\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 8 Mark\nLuxusausgaben in Ganzleder numeriert"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.1", "texte": "Moholy-Nagy\nLinoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\n\nDER STURM\nVIERTELJAHRSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n15. JAHRGANG JUNI 1924 2. HEFT"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.2", "texte": "Contimporanul\nEinzige moderne rumänische\nKunst- und Literatur-Zeitschrift\nDirektoren: J. Vinca und M. Janco\nSh-. Trinität» 29\nBucarest\n\nHET OVERZICHT\nDirektion a Fernont Barckelaers und Jozaff Panters\nDie einzige Monatsschrift des internationalen\nVortrupps in niederländischer Sprache\nStändige Rubriken: radikale Kunst, Musik,\nPhilosophie, internationale Politik,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\netc.\nPreis jedes einzelnen reich illustrierten Heftes in künstlerischen\nUmschlag, 24 Seiten, Format 25X32, Fr. 2.—, Abonnement\n(12 Hefte) Fr. 16.—, Frankreich Fr. 20.—, Niederlande fl. 4.25.\nRedaktion und Verwaltung\nAntwerpen (Belgien) Chaussee de Turnhout 106\n\nPA-FA-MA\nGesamtwerk 69 Papierfarben von höchster Farbkraft liefert\nPAPIER FARBBILDER\nvon unerreichter Schönheit / Geschützt in allen Kulturstaaten\nnescöättlgungsspiel - Ceßrmiitel Kunstmappe - Malßasten\nZu beziehen durch Warenhäuser, Spielwaren- und Lehrmittelhandlungen oder durd,\nSTURM-BUCHHANDLUNG / BERLIN W 9\n\nWALTHER G.\nOSCH I LEWSKI\nAUF\nFLAMMENDER\nBRÜCKE\nDIE FRÜHEN GEDICHTE\nEINES KNABEN\nGEBUNDEN\nGOLDMARK 2-\nKARL RAUCH VERLAG\nZU DESSAU\n\nnlftln\nDARMSTADT\n1924\nSODWESTDEUTSCHE\nKUNSTAUSSTELLUNG\nbaoen-hesser-wOrttemberg\nMATHILDENHÖHE\n17. MAI-1. OKTOBER"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[47]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.3", "texte": "Inhalt\nSeite\nHcrwarth Waiden: Über allen Gipfeln 49\nLudwig Kassäk: Buch der Reinheit 70\nHeinrich Glauber: Gedichte 72\nRobert Reiter: Gesellschaft Künstler Kunstwert 75\nÄladar Tamäs: Gedichte 83\n365. Dichter: Glasuhr 84\nJoseph Nädass: Straßenbahn 58 85\nRobert Reiter: Spannung 86\nHans Ärp: Die Blumensphinx 87\nHans Arp: Gedichte 88\nLothar Schrcycr: Gedichte 93\nIwan Heilbut: Gedichte 97\nFranz Richard Behrens: Gymnasium besuchts\nBordell 100\nOtto Nebel: Schaltjahr 112\nMoholy-Nagys Schwarz-Orange-Gelb / Viel-\nfarbendruck\nLudwig Kassäk: Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 53\nLudwig Kassäk: Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 57\nMoholy-Nagy: Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 61\nMoholy-Nagy; Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 67\nLudwig Kassäk: Kiosk 73\nLudwig Kassäk: Dynamische Konstruktion 79\nA. Exter: Kostüm des Kriegs 89\nLothar Schreyer: Zeichnung 95\nHugo Scheiben Porträt des Rechtsanwalts\nGoldbaum 101\nHans Mattis Teutsch: Linoleumschnitt / Vom\nStock gedruckt 105\nOskar Fischer; Linoleumschnitt / Vom Stock\ngedruckt 107\nMonatsbericht Juni 1924 113\n\nDer Sturm\n2. Vierteljahrheft\nJuni 1924"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.5", "texte": "Über allen Gipfeln\n\nDie metergroiäen Dichter der Gegenwart\nMit der Geistesseuche, die man Literatur nennt, ist es wie mit allen Seuchen:\nman kann sie nicht heilen, nur bekämpfen. Außerdem leben so viele\nLeute von dieser Seuche, daß ein gewisses gemeinsames Interesse an ihrer\nErhaltung vorhanden ist Es gibt viele Herren und Damen, die Literatur\nschreiben und ebensoviele, die darüber schreiben. Wenn man diese Literatur\nkünstlerisch betrachtet, so entsteht der Humor, der insbesondere den Deutschen\nfehlt. Das Lesen einer Literaturgeschichte hingegen ist Humor, namentlich\nwenn sie bis auf die Gegenwart fortgeführt ist. Zwei Professoren haben sich\njetzt um die Literatur der Gegenwart bemüht und ich habe eine Art ver-\ngleichende Literaturgeschichtengeschichte getrieben, was wieder eine Wissen-\nschaft für sich ist. Die positiven Kenntnisse haben beide Herren zweifellos\naus den Feuilletons der deutschen Tagespresse und ihrer kritischen Bericht-\nerstattung und aus einigen Anthologien gezogen. Beide Herren prüfen den\ngedanklichen Inhalt der Dichtungen, sind mit den Resultaten durchaus zufrieden\nund wenden sehr oft das Wort Expressionismus an, wodurch sie sich sehr\nmodern und radikal Vorkommen. Der eine Autor hat auf dem Streifband\nsogar festgestellt, daß er ein .lebendiges Spiegelbild des deutschen Geistes-\nlebens der letzten vier Jahrzehnte, gipfelnd in den Namen Gerhart Hauptmann,\nThomas Mann, Stefan George und Franz Werfel“ geschaffen hat. Das Spiegel-\nbild mit Gipfel ist ein Bild für sich, das lebendige Spiegelbild mit Gipfel ist\nwirklich ein Blick in das deutsche Geistesleben. Es ist der Gipfel. Warum\nsollen aber die Professoren sehen können, wenn es die Dichter nicht\ntun. Oder wenn die Dichter erst ein Bild sehen müssen, um sich davon einen\n\nDER STURM\nHERAUSGEBER HERWARTH WALDEN"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.6", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nSpiegel zu machen. Zum Beispiel Herr Dauthendey, Von ihm wird\ngemeldet: „Ganze Gemälde, wirklich vorhandene oder erträumte, werden in\nWorte umgesetzt, und es ist keineswegs unbekannt, daß ein malerisches\nOriginal zu dem Gedicht Wintersonne existiert: es ist von Hans Olde und\nhängt in der Nationalgalerie zu Berlin\". In dem Gedicht zu dem Original\nheißt es: „Opalfarben schweben über dem Schnee, kaum hörbar, zart wie der\nAtem der Perlen. Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß\naus weißem Kern, steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold\nund blütenentfaltet wie eine Blume.“ Das ist zweifellos ein Spiegelbild.\nBewundernd bemerkt der Professor: „Die ganze Farbenschkala wird hier\nbenötigt, das ganze Schpektrum wird abgewandelt.“ Aber der Professor hält\ndiese Gemälde doch nicht für vollendete Gedichte, weil ihnen ein gedankliches\nMoment fehlt, was nach seiner Ansicht auch der Autor selbst bemerkt hat:\n„Aber der Dichter liebt es auch, mit einem „wie wenn , .“, „wie einer der “\n„als ob . .“, am Schlüsse ein kleines leises gedankliches Moment hinzuzusetzen,\ndas die Landschaftsskizze zu einem Gedicht abrunden soll.“ Man merkt,\nHerr Dauthendey fühlt sich durch die reine Landschaft kompromittiert. Die\ngedankliche Abrundung genügt dem Professor aber nicht. Denn „nicht um\nGedichte, sondern in der Tat um Fragmente, Skizzen, Notizen, die höchstens\neinmal für Gedichte verwendet werden könnten, handelt es sich hier. So ist\njenes scheinbar nur äußerliche Moment erklärlich, daß Dauthendey meist keine\nÜberschriften findet für seine Verse\". Das muß Herr Dauthendey dem\nProfessor in einer intimen Stunde anvertraut haben. Anders wäre es uner-\nklärlich, wie ein Gehirn auf so einen abgerundeten Gedanken kommen kann\nDas Gedicht ohne Überschrift ist wie das Bild ohne Titel. Man weiß nicht\nwas es bedeuten soll. Trotzdem finden wir auch in Herrn Dauthendey\neinen Gipfel: „So finden wir denn von Dauthendey das Malerische, rein\nmdrucksmäßige in der Impressionslyrik auf den Gipfel geführt.“ Da sitzt\ndas Malerische nun auf dem Gipfel und spiegelt sich in Original-Ölgemälden\nder Berliner Nationalgalerie.\nGanz anders steht es hingegen mit Herrn Rilke. Das ist ein toller Bursche •\nleses ganze Buch ist ein einziges Ringen mit Gott. Niemals hat sich etwas\nGleiches in der Dichtung vollzogen, wie dieses gewaltsame, unablässige Sich-\nOhren mitten .„ Gott hinein.- Das Hineinbohren scheint mir eine Verletzung\nOedfr.P„ , “nS‘amPf's z“ sd-i. Ebenso wie Dauthendey bei seinen\nGedichten relativ nnbeteiiigt ist, scheint es Rilke auch mit dem lieben Gott"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.7", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nzu sein: „Nicht Rilke singt Gott, sondern Gott singt in sich selbst.\" Herr\nRilke ist nur der bescheidene Zuhörer. Die ganze Angelegenheit ist über'\nhaupt nicht ungefährlich: „Ein russischer Mönch sucht Gott mit allen Mitteln\nund um jeden Preis zu fassen und ringt mit ihm, den er um sich fühlt, in\nunauslöschlicher Inbrunst und läßt nicht locker, bevor er sich ihm nicht\ngegeben hat.“ Dieses Bild ist nicht ungefährlich zu sehen, aber Professoren\ninteressieren sich eben für die gedankliche Abrundung. Nur die Bemerkung\nmit dem Preis finde ich nicht nett. Der Rilke springt mit dem Gott um, daß\nes nur seine Art hat. Der Professor bemerkt persönlich: „Wie Gott in diesem\nBuch vergewaltigt wird und um und um nach allen Seiten gewendet, wie da\nmit Gott umgesprungen wird, wie er nur angeredet wird, wie er gebannt und\nbeschworen und nimmermehr in Ruhe gelassen wird, das geht ...\" Hier\nscheint dem Dichter offenbar eine kleine Verwechslung unterlaufen zu sein.\nEs ist mir bekannt, daß es der Gegenwart auf das Geschlecht nicht ankommt.\nUnd im Dunkeln ist es gut munkeln. Aber die Behandlung finde ich doch\ngottserbärmlich. Diese Klapphornpoesie hat bereits ausgerungen:\nDu kommst und gehst. Die Türen fallen\nviel sanfter zu, fast ohne Wehen.\nDu bist der Leiseste von allen\nDie durch die leisen Häuser gehen.\nVon einer Dame gesagt, alle Achtung vor Heinrich Heine. Aber auch die\nMädchen haben es Herrn Rilke angetan. Oder wie der Professor es nennt,\n„jener leichte Einschlag des Sozialen“:\nAlle Mädchen erwarten wen\nWenn die Bäume in Blüten stehn\nWir müssen immer nur nähen und nähen.\nDieses Nähen ist verflucht sozial. Auf wen mögen alle Mädchen warten? Etwa\nvielleicht auf die Liebe, von der kein Mensch, kein Mensch, kein Mensch, kein\nMensch nichts weiß? Jedenfalls liegt Musik in dem Gedicht, während bei\nDauthendey nur die Bilder darin lagen. Das wäre ein hübscher Vorwurf\nfür die Operettenkomponisten. Das Gedicht singt sich sozusagen selbst;"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.8", "texte": "DER STURM / ZWEIT ES VIERTELJAU\n\nAlle Mädchen erwarten wen\nJumheidi jumheida\nWenn die Bäume in Blüten stehn\nTralala\nTrala.\nAber Herr Rilke läßt nicht nur Gott, „Rilke läßt die Dinge, die ihm zum\ndichterischen Erlebnis geworden sind, nicht mehr los, ehe sie sich ihm nicht\nrestlos erschlossen haben“. Diese Anmerkung des Professors bezieht sich\nnicht mehr auf die Mädchen, sondern:\nAuf einmal weih ich viel von den Fontänen\nDen unbegreiflichen Bäumen aus Glas\nUnd weih von Zweigen, die sich abwärts wandten\nVon Stimmen, die mit kleiner Flamme brannten\nVon Teichen . . . Abendhimmeln . . .\nAuf einmal! Die Dinger lassen ihn nicht mehr los:\nEs war, als ob die Dinge sich bekränzten\nSie standen licht, unendlich leicht besonnt\nEin Fühlen war in jeder Häuserfront\nUnd viele Häuser gingen auf und glänzten.\nDa kann man nur sagen: alle Achtung. Wie versteht es der Dichter, der\nHäuserfront seine Seele einzublasen, den unbegreiflichen Bäumen aus Stein.\nUnd wie diese Häuser aufgehen, als ob die Dinge sich bekränzten. Und da\nhaben wir denn, wie bei Dauthendey, endlich das „als ob“ der gedanklichen\nAbrundung. Hier liegt also zweifellos keine Skizze, sondern ein Gedicht vor\nuns. Oder wie der Professor sich vornehmer ausdrückt: „Die Dinge erhalten\nein neues Leben aus des Dichters Seele heraus und wenn irgendwo in dieser\nZeit, so haben wir hier schon Ausdrucks- und nicht mehr Eindruckskunst.“\nHurra, der Expressionismus ist also geboren. Er hat sich restlos erschlossen.\nHier bei der Häuserfront ist die Stätte. Die Türen fallen. Viel sanfter zu,\nfast ohne Wehen. Alle Mädchen erwarten wen. Nämlich den Expressionismus,\nDer Professor beweist es nochmals, die Geburt des Expressionismus aus der"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.9", "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nLudwig Kassäk"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.10", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEF\n\nVergewaltigung von Gott, um jeden Preis: „Es will damit übereinstimmen,\nwenn sich auch bei Rilke schon gelegentlich Straßenbild und Landschaft in\nBewegung auflösen.“\nDie Häuser fallen hinter uns ins Knie\nDie Gassen biegen sich uns schief entgegen\nDie Plätze weichen aus . . .\nSchief ist Expressionismus und schräg ist englisch. Nun haben wir den\nSalat. Erst gehen die Häuser auf, dann fallen sie in die Knie. Wenn das\nnoch kein Landschaftsbild ist, schreibe ich eine Literaturgeschichte. Der\nandere Professor, von dem ich bisher noch nicht viel Aufhebens gemacht\nhabe, bestätigt gleichfalls, daß Rainer Maria Rilke Gottsucher ist. Hier wird\ndie erotische Darstellung noch komplizierter: „In das Objekt liebt Rilke sich\nhinein, gebiert es gleichsam von neuem aus sich heraus, und macht dadurch\nauch dessen äußere Gestalt notwendig und verständlich.“ Gleichsam durch\nHerausgebären. Auch dieser Professor der Zweite bestätigt die intimen\nBeziehungen des Herrn Rilke zu Gott. Und führt zum Beweis folgendes\nGedicht an:\nIch geh doch immer auf dich zu\nMit meinem ganzen Gehen\nDenn wer bin ich und wer bist du\nWenn wir uns nicht verstehen?\nHierzu bemerkt Professor der Zweite; „Doch dieser verträumte und einsame\nDenker ist ein großer Dichter. Seine ganz eigene Form musikalischer Bindung\nhat er sich geprägt mit Reimverschlingungen, mit Reimkünsten, doch nie\nKünsteleien.“ Ich kann beim besten Willen die Darmverschlingungen nicht\nsehen. Aber da Herr Rilke persönlich gleichsam schon bemerkt, „denn wer\nbin ich und wer bist du, wenn wir uns nicht verstehen?“ muß ich ihn doch\nmehr für einen verträumten einsamen Denker als für einen Dichter halten.\nDas sind Gedanken. Gedanken, vastehste! Aber es kommt noch toller;\n„Auch in der Schilderung der Umwelt bewährt sich Rilke als akustischer\nDichter; seine Landschaften beruhen durchaus auf Gehörsvorstellungen.*\nWenn seine Landschaften auf Gehörsvorstellungen beruhten, werden wohl seine\nGötter sich auf Geruchsvorstellungen bewegen. „Die Form ist für seine\nGedichte kein Band, sondern eine Befreiung von Erdenschwere. .Ich war"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.11", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nGesang und Gott der Vater rauscht noch in meinem Ohr' ist die Lebens-\nund Kunstformel Rilkes.“ Gott der Vater ist also doch eine Landschaft, da\ner auf einer Gehörsvorstellung beruht. Eine anständige Lebens- und Kunst-\nformel. Und wie befreit von Erdenschwere singt dieses Gedicht des akustischen\nDichters, das zwar kein Band, aber einen Bandwurm hat:\nJe mehr der Tag mit immer schwächern\nGebärden sich nach Abend neigt,\nJe mehr bist du mein Gott. Es steigt\nDein Reich wie Rauch aus allen Dächern.\nImmerhin, es hat geklappt. Es reimt sich über Kreuz mitten mang, jeder\nVers ein blanker Unsinn. Schiller fand allerdings, daß Rauch aus allen\nDächern irdisches Leben ist. Rilke verrußt damit Gott. Aber was tut man\nnicht wegen der Akustik. Ihr zuhebe muß die Optik sich verräuchern lassen.\nGehen wir mit unserem ganzen Gehen zu zwo anderen Gipfeln; „In diesem\ndunklen symbolischen Gefühl kann die Summe der Impressionen gipfeln, wie\netwa in jenen liedhaften Versen Richard Schaukals:\nÜber Wald und Wiesen liegt der Mondenschein\nZögert auf den Fliesen in das Haus herein\nGrüne Funken flimmern im verhüllten Strauch\nUnd die Flügel schimmern meiner Seele auch.\nDas Auch schimmert etwas wacklig in diese Wald- und Wiesenfliesen hinein,\nin dieses dunkle symbolische Gefühl, was Professor der Erste Herrn Schaukal\nbestätigt. Aber der Strauch verlangt sein Auch, da muß die Seele eben daran\nglauben. Das wäre das ausgesprochene symbolische Gefühl: „Oder es bleibt\nunausgesprochen und klingt nur ahnungsweise aus der summierenden Auf-\nstellung der Eindrücke heraus, wie in Hugo von Hofmannthals berühmtem\nVorfrühlingslied :\nEs läuft der Frühlingswind durch die Alleen.\nSeltsame Dinge sind in seinem Wehn.\nEr hat sich gewiegt wo Weinen war\nUnd hat sich geschmiegt in zerrüttetes Haar.\nEr schüttelte nieder Akazienblüten\nUnd kühlte die Glieder, die atmend glühten."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.12", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\n..Er flog mit Schweigen durch flüsternde Zimmer\nUnd löschte im Neigen der Ampel Schimmer.\nDas Tal des Hofmann lag nun im Dunkeln\nUnd Hugos Seele konnte jetzt funkeln.\nNun läuft der Professor durch seine Alleen\nEr kann die Aufstellungssumme besehn.\nJa, man sollte es nicht glauben; „Gerade an diesem Gedichte zeigt sich das\nprimitiv alogische Element der Impressionslyrik in besonderem Grade. Wie\ndas ganze Gedicht nur eine Summe von teils erdachten oder geahnten, teils\nerlebten oder gefühlten Eindrücken ist, so ist jede einzelne Strophe keineswegs\nnach inneren logischen Assoziationen, sondern nach Reim- und Klang-\nassoziationen gebaut. Man mühte denn geheimnisvolle und dunkle Be-\nziehungen zwischen den Zeilen lesen. Hier ist eine völlige Ausschaltung des\nSinnes in der Tat erreicht.“ Solch ein Unsinn ist selten geschrieben worden.\nDas Gedicht ist so sinnvoll, daß ich den Sinn ohne weiteres auf den Professor\nden Ersten ausdehnen konnte. Die erdachten Alleen und das geahnte Wehn,\ndas erlebte Zimmer und der gefühlte Ampelschimmer sind allerdings Reim-\nund Klangassoziationen, die das Getue dieser Impressionslyrik im besonderen\nGrade zeigen. Die Impressionslyriker haben etwas mit dem Klang. Das\nInstrument, mit dem sie Klänge schaffen, ist der Leierkasten. Sie erfinden\nGassenhauer ohne Lärm, was das Schöne an ihnen ist. Sie schreiben metrische\nBegleitung und halten sie für rhythmische Gestaltung. Sie glauben, das\nGedankliche zu entfernen, indem sie gedankenlos interpunktieren. Da ist\nzum Beispiel die Kunst des Herrn Stefan George. „Wundervolle Versreliefs“,\nsagt Professor der Erste;\nIhr höbet euch vom Boden auf im Takte\nIns volle Licht getauchte, lächelnd Reine\nUnd schrittet vor- und rückwärts göttlich Nackte\nDie breite Brust gewiegt auf schlankem Beine\nVon welcher Urne oder welchem Friese\nSteigt ihr ins Leben ab zum Fest gerüstet\nDie ihr euch leicht verneigtet und euch küßtet\nUnd tanzend schwankt auf weißgesternter Wiese.\nDas sind Bildchen, die man wirklich von der Urne oder dem Friese her\nhaben muß. Wundervoll, wie die breite Brust sich auf schlankem Beine"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.13", "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nLudwig Kassäk"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.14", "texte": "DER STURM / ZWEITE S VIERTEL JA\n\nwiegt. Noch dazu in der ollen ehrlichen, göttlichen Nacktheit Und wie\ntaktfest das alles gedichtet ist. Tatä, tatä, tatä, tatä, tatä, tatä, tatäta. Da\nliegt Musike drin. Oder wie Professor der Erste sagt: „Stefan George\ndichtete die Ideale der Zeit in veredeltster Auffassung.“ Die breite Brust\ngewiegt auf schlankem Beine. Oder noch veredelter von dem taktfesten\nDichterkomponisten Jean Gilbert, was Ideale und Auffassung anbetrifft.\nDas ist das alte Lied von jungen Leuten\nDaß ein Malheur geschieht in Frühlingszeiten.\nSteigt ihr ins Leben ab zum Fest gerüstet,\nDie ihr euch leicht verneigtet und euch küßtet\nWenn blau der Bachesrand, wenn lau die Nacht,\nDann ist der Lenz im Land und dann gib acht.\nIhr höbet euch vom Boden auf im Takte\nUnd schrittet vor- und rückwärts göttlich Nackte.\nDieses Gedicht der Herren George und Gilbert ist nicht gänzlich sinnlos.\nUnd von einer bemerkenswerten Klangassoziation. „In dem Zeilenpaar ist\nein Bild des jugendlichen Heroentums gezeichnet, wie es sich mit gleicher\nEindringlichkeit sonst nur noch in ganz wenigen Versen früher ehemals\nsüdgermanischer Heldendichtung findet;\nAls sich die Knabengestalt hochaufragend und leicht\nSchwang aus dem Sattel.\"\nJa, so zwei wie die zwei gibts keine zwei mehr. Das können auch die Süd-\ngermanen nicht aushalten, ohne sich totzulachen. Oder sie müssen mit\nPauken und Trompeten zu dem Expressionismus übergehen, den die Professoren\nund die Herren der Tagespresse erfunden haben. Steigen wir zum Gipfel\nWerfel; „In ihm gipfelt vorläufig diese ganze Welle der jüngsten Lyrik. Seine\nDichtung ist eine einzige Klage über die Brutalität der Zeit und ein einziger\nSehnsuchtsschrei nach den neuen Menschen der paradiesischen Zukunft.“\nDaher der Name Expressionismus. Der Gipfel Werfel und der Gipfel George\nhaben etwas Gemeinsames, rauscht Professor der Erste: „Beide wollen ihr\nGeschlecht von Schande reinigen.“ Das sind also die Beziehungen vom\nImpressionismus zum Expressionismus. Da Werfel sein Geschlecht von der\nSchande reinigen will, beschäftigt er sich zunächst mit der Liebe. Und zwar\ngemeinsam, weil es doch ein schweres Problem ist, mit einem Herrn Becher:"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.15", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\n„Den Unterschied Werfels von Becher, mit dem man ihn oft in einem Atem\nnennen hört, offenbart am besten die Liebeslyrik beider Poeten,“ Man atmet\nauf, die Sache wird normaler, Ich, als Fachmann, natürlich des Expressionismus,\nhabe immer betont, man soll sich nicht davor ängstigen. Selbst Herr Becher\nvergißt trotz Expressionismus die Liebe nicht; „Becher, der sein revolutionäres\nWüten und vor allem sich selbst auch in der Liebe nicht vergißt und in\ngehackten Sätzen die krampfauflösende Wirkung seiner Liebe auf ihn selber\nschildert.“ Das soll bei der Liebe schon vor dem Expressionismus geschehen\nsein, ist mir gesagt worden. Immerhin, er vergißt vor allem sich selbst nicht.\nWerfel hingegen macht sich das Leben, insbesondere das Liebesieben, schwerer:\n„Werfel, der in seinen kunstvoll strömenden, bewegten Sätzen selbst noch\nsein Liebesglück, seine bis zum Tode gehende Verzückung und Schwärmerei\ngeradezu wie eine Schuld empfindet und wie ein unverdientes Gnadengeschenk\n- den andern, den Abgehärmten, mühselig Unterdrückten und nie Beglückten\ngegenüber.“ Zum Beispiel;\nWas rieselt heran\nIn tausend Flüßchen aus der Nacht?\nWas schaudert wohlbrennend\ndurch meine Sohlen empor?\nDie Welt umwirbt mich\nKräuter und Stengel\nSie flüstern ihr Geheimnis\nStreichelnd in meinen gehärteten Leib,\nIch höre euch unfaßbare Sprachen!\nSo etwas nennt Professor der Erste „unheimliches Erfassen der Natur“. Das\nsind kunstvoll strömend bewegte Sätze. Mir haben es namentlich die tausend\nFlüßchen angetan. Was kommt denn da. Auch die Kräuter und Stengel, die\nihr süßes Geheimnis flüstern. Und was durch seine Sohlen wohlbrennend\nemporschaudert, dürfte das berühmte neue Ethos sein: „Aber was Werfel von\nallen diesen unterscheidet, ist der Umstand, daß sich seine starke, etwas\nlarmoyante Ethik selbst mit dem Gebiet der Landschaft verknüpft. Man erkennt\ndies besonders deutlich an dem jubelnden Hymnus: .Herz frohlocke! Eine\ngute Tat habe ich getan!“ Da haben wir sie, die expressionistische Ethik.\nAber, aber; „Aber mit überraschender Wendung vereinigt sich schließlich alles\nin der Gebebten, der letzten Offenbarung des göttlichen Geistes, deren Wandeln,"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.16", "texte": "DER STURM / ZWEITES VI ERTELJAHRHEFT\n\nLächeln, Atmen, den Dichter ,bis an den Tod entzückt.1 “ Die Gänsefüßchen\nweisen darauf hin, daß die Wörter „bis an den Tod entzückt“ Original-\nexpressionismus des Herrn Werfel sind. Oder wie Professor der Erste\nbis an den Tod entzückt hierüber äußert; „Man muß dergestalt von einer\nDurchgeistigung des neuen Naturgefühls bei Werfel reden.“ Bei der Geliebten\nhat schon mancher sein Naturgefühl wiedergefunden. Man muß das aber\nnicht gleich Expressionismus nennen. Doch Herr Werfel hat noch mehr getan.\nAlles wegen des Expressionismus. Er „bringt eine Spracherneuerung und eine\neigentümliche Beseelung armer, abgebrauchter, im Alltag erstorbener Worte“.\nDas ist einerseits nett, wie andererseits rührend von ihm. Das mit der Sprach-\nerneuerung macht er so;\nKomm, heiliger Geist, du schöpferisch\nDen Marmor unserer Form zerbrich\nDaß wir gemeinsam und nach oben\nWie Flammen ineinander toben.\nDer heilige Geist will aber nicht. Marmor ist hart. Da kann man halt\nnichts machen. Darum:\nAch, es ist ein Fluch in unserm Wallen\nFlüchtig muß vor uns das Feste fallen\nWas wir hatten, ist nicht mehr zu halten\nUnd am Ende bleibt uns nichts als Weinen.\nHerr Werfel braucht nicht zu weinen. Er hält das Alte noch ganz feste.\nUnd die andern halten es für Expressionismus. Ich brauche wohl nicht mehr\nausdrücklich festzustellen, daß es Kitsch ist. Nun kommt der bitterböse\nHasenclever, der nur in der Liebe sich selbst genug ist. Herr Hasenclever hat\nein Schillersches Stück „Sohn“ geschrieben, das nicht Vater des Expressionismus\nist. Professor der Erste schreibt über das bekannte Zwillingspaar: „Werfel\nüberwindet den Konflikt und kommt schon zur Versöhnung in seinem Gedichte\n.Vater und Sohn‘. Hasenclever bleibt noch beim Hass, führt den unerbittlichen\nKampf bis zum Ende und gelangt dicht bis zur Schwelle des Vatermordes,\ndie andere nach ihm dann in der Tat überschritten haben.“ Der Knabe saß\nnoch an der Schwelle, die anderen überschritten sie in der Tat und nun gings\nlos mit dem vergnügten Vatermorden. Alles auf das werte Konto des Ex-\npressionismus. Die Sache ist nämlich so: „Der zwanzigjährige Sohn, eben"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.17", "texte": "Schwarz-Orange-Gelb / Vielfarbendruck\nMoholy-Nagy"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.19", "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nMoholy-Nagy"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.20", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIE RTELJAHRHEFT\n\nnoch Gymnasiast, durchgefallen durch die Matura, ist durch dies Erlebnis\ndennoch erwacht, in gewisser Weise reif und sehend geworden. Dieses\n„dennoch“ des Professors des Ersten wirkt etwas pädagogisch, wenn auch\nexpressionistisch. Hingegen mit den Wörtern „in gewisser Weise“ wird ihm\ndas Reifezeugnis trotz durchgefallener Matura wieder abgestritten. Die Dar-\nstellung ist etwas unklar, aber dadurch expressionistisch: „Dem Hauslehrer\ngegenüber, der dem verreisten Vater die Nachricht telegraphieren soll, ent-\nströmt sich seines Herzens ganze Bitterkeit über die Härte und Fremdheit\ndes Vaters.“ Hören wir den Sohn Hasenclever hierüber persönlich:\n„Weshalb redet er nicht mit mir über Gott? Weshalb spricht er nicht von\nFrauen? Weshalb muß ich heimlich Kant lesen, der mich nicht begeistert?\nUnd weshalb dieser Hohn über alles, was doch weltlich ist und schön?\nGlauben Sie, es genügt, wenn er mir manchmal am Abend das Sternbild des\ngroßen Bären zeigt? Er sitzt mit seiner Zigarre unten auf der Terrasse, wenn\nlängst kein Automobil mehr in die Stadt fährt. Aber ich stehe oben und\nkämpfe mit allen Göttern und sterbe vor einer Frau, die ich noch nicht kenne.\nWie oft bin ich des Nachts im Hemd über die Stiegen gewandelt, sehnsüchtig\nwie ein Geist, der keine Ruhe findet.“\nDas alles hört sich der Hauslehrer freundlichst an. Für Kant kann der Vater\nnichts, denn der Sohn liest ihn heimlich. Rührend finde ich die Sache mit\ndem Hemd. Und es kann selbstverständlich dem Sohn nicht genügen, wenn\nder Vater ihm den großen Bären aufbindet. Da gibts nur ein Mittel: Mord.\nDie Frauen werden sich schon finden, da habe ich keine Sorge um den Sohn.\nEs muß ja nicht gleich geliebt sein, Selbstmord ist in solchen Fällen auch\nangebracht. Der Sohn scheint aber im geheimen doch etwas erlebt zu haben,\ndenn „der tiefe Rausch des Erlebten und ein unbestimmtes Vorgefühl naher\nFreiheit und Entscheidung hindern ihn daran. Die Erde hat ihn wieder\".\nSo poetisch kann ein Professor schreiben. Die Erde ihrerseits ist außer sich\nvor Vergnügen, Hierauf läßt der Dichter einen Freund zum Sohne sagen:\n„Du verdankst dein Leben einem Plagiat an Faust.“ Der Professor der Erste\nvermißt an dieser Stelle, es geht augenblicklich noch gemütlich zu, eine\nBemerkung über ein Plagiat an Hofmannsthal, Da Hofmannsthal aber\nsowieso schon Goethe nachgekitscht hat, halte ich diese Bemerkung für\nentbehrlich. Hierauf wird der Sohn lyrisch;"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.21", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\n„Dort unten tief und herrlich ohnegleichen\nSind Wundernächte, die mich nie erreichen.\"\nDas ist wieder Expressionismus, wie er im Buche steht Wundernächte\nbezieht sich auf die zu erwartende Damenwelt. Expressionismus ist schwer,\nman muß ihn übersetzen. Jetzt kommt zum Glück der Freund, der Goethe-\nkenner: „Durch den unerwarteten Besuch des überlegenen Freundes, der die\nWelt schon kennt, und durch die vom Freund erweckte Aufmerksamkeit auf\ndie Schönheit seiner jungen Gouvernante wird der Jüngling trunken vom\nDasein und erster schüchterner Liebe. Die Welt wird von Minute zu Minute\nherrlicher vor seinem Blick.“ Das kommt davon, wenn Väter ihren\nSöhnen junge Gouvernanten halten. Und jetzt, wo die Sache im\nbesten Schwünge ist; „da kommt der Vater zurück und mit der ganzen\nFülle seines Rausches im Herzen zerbricht der Sohn zum ersten\nMale die Grenzen und bringt sich ihm dar“. Beim Impressionismus\nhat man Sonne, beim Expressionismus Rausch im Herzen, Hier hat\nman typische Unterscheidungsmerkmale. In der Seele hat der Sohn\nhingegen Sturm; „Aus dem Sturm seiner Seele heraus fordert er beredt und\nüberströmend Freiheit, Leben, Freundschaft des Vaters, Gerechtigkeit und sein\nRecht auf Persönlichkeit“ Soll heißen, auf die Gouvernante. „Aber der\nVater bewahrt seine groteske Kälte, schlägt ihm ins Gesicht und sperrt ihn\nein.“ Da kann man nur sagen Pfui Teufel oder Expressionismus. Und folge-\nrichtig kommt die Überwindung: „Innerlich hat der Sohn den Vater besiegt,\nsein Rausch ist gewachsen und leicht fällt es dem Freund, ihn nächtlich durch\ndas Fenster zu entführen.“ Wenn die Herren nicht im Rausch gewesen\nwären, hätten sie die Gouvernante sicher gleich mitgenommen. Der Professor\nder Erste sagt hingegen, alle Achtung: „Dieser Jüngling ist als eine liebens-\nwürdige und ungemein sympathische Erscheinung gezeichnet.\" Er beruft sich\nhierbei auf die Gouvernante: „Daß Gott solche Jünglinge schuf, sagt das\nFräulein voll beseeligtem Dank und nimmt damit das Wort dem Hörer oder\nLeser aus dem Munde.“ Was sagt er, aus dem Munde? Aus der Seele, Aus\ndem Herzen. Das Fräulein hat die treffenden Worte wirklich gefunden.\nWenn auch mit freundlicher Unterstützung des Dichters, Herrn Hasenclever.\nAuch der alte Gott scheint beim Expressionismus noch nicht gestorben zu\nsein: „Aber umgekehrt ist der Vater ein konzentrierter Typ aus allen Zügen\nunnatürlich väterlichen Tyrannentums.\" Dies aber nur wegen des Expressio-\nnismus, Aber umgekehrt wird selbst dem Professor dem Ersten die"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.22", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nexpressionistische Umdeutung dieses verfilmten Schillerkitsches leicht bedenklich:\nWenn wir so auch wissen, daß wir ihn mit den Maßstäben des Naturalismus\nbei völlig veränderter Kunstauffassung nicht mehr zu messen haben, so ver-\nführt uns dennoch der jugendliche Dichter inkonsequenterweise selbst dazu.“\nJa, Verehrtester, wenn sich auch die Kunstauffassung völlig geändert hat, was\nveranlaßt Sie, diese jugendliche Unbegabung partout zum Expressionismus\numzudeuten? Aber, Bedenken hin, Bedenken her, er geht weiter mit dem\nSohn durch Dick und Dünn: „Der Freund entführt den Sohn in eine nächt-\nliche Versammlung junger Menschen, einberufen von einem Klub zur Unter-\nhaltung der Freude und dieser Klub ist eben im Begriff, sich zu einem Bund\nzur Propaganda des Lebens zur Umgestaltung des Lebens umzubilden,“ Wir\nkommen also gerade noch zurecht. Der Freund redet im Namen Hasenclevers\neinen Leitartikel; „Denn bedenke, daß der Kampf gegen den Vater das gleiche\nist, was vor hundert Jahren die Rache an den Fürsten war. Heute sind wir\nim Recht! Damals haben gekrönte Häupter ihre Untertanen geschunden und\ngeknechtet, ihr Geld gestohlen, ihren Geist in Kerker gesperrt. Noch kann\njeder Vater ungestraft seinen Sohn hungern und schuften lassen und ihn\nhindern, große Werke zu vollenden“. Herr Hasenclever junior konnte das\ngroße Werk vollenden. Papa erlaubte es. Im Stück selbst folgt jetzt die Tat:\n-Und wirklich vermag der Freund den Sohn zu jener ungeheuren Tat. Er\nverrät dem Vater des Sohnes Aufenthalt. Der Vater läßt den jungen Flüchtling\ngefesselt durch einen Polizeikommissar zurückholen.“ Die Tragödie bricht sich\nBahn, Der Sohn schillert dem Vater gegenüber in satten Farben: .Vater\nwer kennt es heute! Ich war ein Stiefkind nur. (Dieses Nur hinkt wegen der\nPoesie hinten nach. Ich erinnere an das Schaukalsche Auch.) Habe ich je\neinen Sohn, so will ich gut machen an ihm, was mir Übles geschehen. (Das\nIst ist gleichfalls der Poesie zuliebe weggelassen,) O wunderbar großes Licht,\nkönnt ich es erleben, eines süßen Kindes Behüter zu sein.\" Womit er hoffent-\nlich nicht die Gouvernante meint. Sonst aber ganz brav geredet. „Der\nVater bleibt natürlich unbewegt, denn er hat noch ein Jahr juristische Gewalt\nüber ihn. Der Sohn wird fast zum Vatermörder, aber ehe er den schon\nerhobenen Revolver abdrückt, rührt den Vater der Schlag.“ Herr Hasenclever\nhatte sich vorgenommen, nur bis an die Schwelle zu gehen. Da mußte sich\nder ScMag rühren. Man kann allerseits beruhigt sein: „Der Sohn wird in\nie Welt gehen als ein Verkünder höchster Freiheit.“ Das Stück ist für den\ni m unter em itel „Das Recht auf die Gouvernante\" angenommen. Und"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.23", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nnun ist kein Hallen mehr mit dem Expressionismus. Da ist zum Beispiel\nHerr Georg Kaiser, dem er nachgesagt wird. Und zwar aus einem einfachen\nGrunde: „Auf das Wunder der geistig-sittlichen Erneuerung des Menschen ist\ndoch bei dem reifer gewordenen Georg Kaiser alles eingestellt.\" Zu diesem\nZweck hat er zum Beispiel das Drama „Die Koralle“ geschrieben. Da geschieht\nfolgendes expressionistische Wunder: „Mitten auf einer Weltreise erfaßt die\nsittliche Erneuerung den Sohn in Gestalt tiefsten Mitleids zu den Heizern\nseines Luxusschiffes.\" Die sittliche Erneuerung in Gestalt von tiefstem Mitleid\nist ein Bild, das sich sehen läßt. Die Ethik bricht sich mitten auf der Welt-\nreise Bahn. Der Professor der Erste erzählt weiter: „Der Reichtum der väter-\nlichen Jacht, die ihm auf dem Ozean entgegenfährt, die soziale Abgestumpftheit\nund Herzensträgheit der Gäste seines Vaters und scheinbar dieses selbst\nbestärken den Sohn noch mehr.“ Am liebsten würde er sich selbst gleich\nbei der V. S. P. D. einschreiben lassen, wegen der sittlichen Erneuerung, wenn\ner nicht gerade auf dem Ozean wäre. Der expressionistische Sohn hat aber auch\neine expressionistische Schwester: „Die Tochter folgt dem Bruder nach der Heim-\nkehr, sie wird barmherzige Schwester und widmet sich den zahllosen Unfällen in\ndem väterlichen Betrieb,\" Da sollte einmal die Polizei ihr bekanntes Augenmerk\ndarauf richten. Immerhin, die Tochter hat jetzt eine Beschäftigung und zwar\neine expressionistische. Nunmehr erfährt man von dem Professor dem Ersten,\ndaß diese ganze Angelegenheit sozusagen nur das Milieu ist, die bekannte\nexpressionistische Einrichtung, während im Vordergrund der Ereignisse sich\nfolgendes abspielt: „Der Sohn ist es selbst, der in einer Arbeiterversammlung\nden Vater, vielmehr den Sekretär, den er für seinen Vater hält, das Wort\nMörder' zuruft. Sohn und Tochter verlassen den Vater.“ Das ist eine Sache.\nNun wird es aber bitter ernst: „Ein Phantast, der Herr in Grau, fordert den\nMilliardär auf, zu bekennen, daß die Bereicherung des Einzelnen die unerhörteste\nSchmach sei. Diesem Umsturz gegenüber offenbart der Milliardär seine Welt-\nordnung und sein Leben. Während sein Doppelgänger das auf den offenen\nDonnerstag gesammelte und daher leichter vermiedene Elend lindert und er-\nledigt, treibt er selbst an fernen sonnigen Küsten Angelsport. Dort hielt er auch\nseine Kinder bisher verborgen, damit sie von der Furchtbarkeit des wirklichen\nLebens nichts erführen. Und darum ist nun der Vater am tiefsten vernichtet;\n„Nicht da hinab! Dich hat ein Augenblick verstört, mich hat es ein Leben\nlang geschüttelt. So furchtbar ist das Leben!“ Der Sohn hält den Vater\nnunmehr für einen Tiger. Der Alte fühlt sich eingeholt vom Schicksal und"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.24", "texte": "DER STURM / ZWEIT ES VIERTEL] A Jj_J?_H_E_F^T\n\nerschießt beherrscht von dem Willen nach einem sonnigen Leben von den\nKindheitstagen an seinen Sekretär mit dem Revolver, mit dem der Sohn\nsoeben (wie bei Hasenclever) den Vater zu töten sich versucht gefühlt hatte\nund streift die Koralle von dessen Uhrkette, um fortan als der Sekretär und\nder Mörder des Milliardärs zu gelten, als der Mann mit dem sonnigen Leben.\nUnd dieses Martyrium der Impression im Schicksal des Vaters ist geistes-\ngeschichtlich nicht weniger interessant als der expressionistische Wandel des\nSohnes.“ Da staunste. Und das alles wegen der Betriebsunfälle und des\nAngelsports. Diese Geistesschichtung zwischen dem impressionistisch gearteten\nVater und dem expressionistisch erneuerten Sohn beweist deutlich, daß\nProfessoren und andere Fachleute das für Expressionismus halten, was Quatsch\nist. Diese Verkitschung der christlichen Idee wird für eine neue Ethik, diese\ntalentlose Rhetorik für neue Kunst gehalten. Ich habe selbstverständlich das\nDrama „Die Koralle“ nie gelesen. Ich werde es auch nicht tun, da mir, ab-\ngesehen von dem Angelsport und den sonnigen Küsten, der eine Satz genügt:\n„Ich will von dem Elend nichts hören, das mich an das Furchtbare zu stark\nerinnern kann.\" Dieser Satz wird von dem Professor dem Ersten ausdrücklich\nzitiert, er muß wohl also von Bedeutung für das Drama und für den Autor\nsein. Denn der Herr Professor wird doch hoffentlich das Stück ganz gelesen\nhaben. Hierzu noch der andere zitierte Satz mit dem schönen Refrain:\n„So furchtbar ist das Leben!“ Das sind Sätze, so ungestaltet, daß keine noch\nso ungestaltete Phantasie darüber hinweghilft. Abgesehen davon, daß die\nPhantasie dieser Expressionisten nur aus der Pistole geschossen ist. Sie\nwürden auch auf keine andere Weise aus diesem Blödsinn herauskommen.\nDieser expressionistische Kaiser von Pressegnaden ist eine impressionslose Null.\nUnd weil der Unglücksmann, der sich Professor nennt, durchaus den Ex-\npressionismus an unbegabten Objekten beweisen will, muß er sich jetzt folgendes\nleisten: „Es ist interessant zu sehen, wie auch der Expressionismus sein be-\nstimmtes Verhältnis zur Antike gewinnt.\" Wie macht er das: „Franz Werfel\nhat kurz vor dem Kriege, die sich vorbereitenden Umwälzungen gleichsam\nvorausahnend, die Troerinnen des Euripides frei übertragen.\" Wie muß erst\nEuripides, der Sudermann der alten Griechen, die sich vorbereitenden Um-\nwälzungen gleichsam vorausgeahnt haben, als er die Troerinnen persönlich\nschrieb. Wenn auch die Gegenwart keine Seher hat, so hat sie also doch\nwenigstens einen Nachseher, bei dem man dann gleichsam das Nachsehen hat.\nUnd da kommt ja auch schon der Sohn, der Hasenclever: „Hasenclever"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.25", "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nMoholy-Nagy"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.26", "texte": "D E R STURM , ZWEITES VIERTELJAHRH EFT\n\ndichtet in seiner Antigone den Sophokles nicht nach, sondern um und unter\nseinen Händen wandelt sich in der Tat Antigone nun zu der Heiligen.\nSophokles ist als der unglückliche Urheber dieses geheimnisvollen Expressio-\nnismus anzusprechen: „So eben hatte Sophokles in seinen Tragödien die\nSchürzung des Schicksals, die zufällige Entstehung der schwierigen Situationen\nin die Vorgeschichte verlegt und die Tragödie in dem Augenblick erst beginnen\nlassen, in dem die unerforschlichen Gewalten furchtbar über dem Menschen\nzusammenschlagen und dieser sein Heldentum an ihnen beweisen kann.“\nDie unerforschlichen Gewalten scheinen sich eigens zu dem Zwecke zu be-\nmühen, damit die Dichter ihr Heldentum beweisen können. Sie werden ver-\nhältnismäßig einfach mit ihnen fertig, sie schießen, sie übertragen frei oder\nsie dichten um. Und die unerforschlichen Gewalten sind die blamierten.\nBeide Professoren faseln dauernd von dem neuen großen Menschentum, das\nihre Dichter predigen. Das große Menschentum dieser Dichter besteht darin,\ndaß sie sich für große Menschen halten und daß sie die anderen zum Glauben\nan ihre Größe überreden wollen. Selbst wenn diese Größen Riesen wären,\nso ist es noch keine Leistung, Riese zu sein. Und niemals eine künstlerische\nLeistung. Dieses Menschentum in der Kunst ist die große Lüge, mit der man\nsich über die Kunst hinweghelfen will. Wobei man aber nicht auf die Kunst\nverzichtet. Denn der Handel des Lebens, aus dem sich die Händel ergeben,\nsoll kunstgerecht gemacht werden, jede Handlung wird kunstgerecht gefordert.\nAlso muß das Menschentum wohl doch etwas anderes sein. Kunst ist die\nFlucht aus dem Leben geworden, das den Menschen eigentlich ganz gut gefällt.\nSie fühlen sich zur Kunst aus Rücksicht auf das höhere Leben verpflichtet,\ndas sie sich aber aus Vorsicht oder aus Nachsicht nicht sichtbar machen\nwollen. Wenn sie nämlich das höhere Leben fünf oder fünfzig Meter höher sehen\nwürden, käme es ihnen vielleicht gar nicht mehr so erkletternswert vor.\nDarum hat man die Höhe vergeistigt, während die Kunst versinnlicht. Große\nGeister halten sich immer auf der Höhe auf. Dort ist das Leben reine Luft\nund sie können sich mit ihm in aller Ruhe auseinandersetzen, weil es sich\nihnen nicht mehr in den Weg stellt. Es ist bequem, sich auseinanderzusetzen,\nwenn nichts besetzt ist. Man kann sein freies Menschentum auslegen, ohne\nirgendwo anzustoßen. Man stellt sich etwas vor, verstellt es etwas und alle\nverstehen sich. Das Ganze ist dann der höhere Standpunkt. Werden solche\nAngelegenheiten mit Begriffen festgehalten, nennt man es Literatur. Das\nganze höhere Menschentum ist eine Ausrede für ungelöste menschliche"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.27", "texte": "DER STURM / Z WEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nHerwarth Walden\n\nProbleme. Man kann aber Probleme nicht dadurch lösen, daß man sie sich\noder anderen ausredet. Und die Darstellung dieser gewollten oder unge-\nwollten Ausreden hält man noch heute für Kunst. Die Erfindung solcher\nAusreden hält man noch heute für Phantasie. Da man das Wesen der Sinne\nnicht erkennen will oder nicht mehr erkennen kann, verdeckt man sie mit\nÜbersinnlichkeit. Die Wirklichkeit hingegen wird vergeistigt, Wirtschaft wird\nPolitik, Verwaltung Nationalität, Verwandtschaft Glaube. Womit die höheren\nBedingungen des Menschentums zu jeder Art von Vernichtung der Menschen\ngegeben sind. Diese Geister können nicht spielen, aber die Literatur verschafft\nihnen die Beispiele. Und da die Geister schief gewickelt sind, müssen sie\nsich immer mehr verwickeln und stürzen schließlich von der Höhe platt auf\nden Boden. Die Literatur nennt es dann Tragödie.\nDas, was man Expressionismus nennt, hat mit diesen Dingen und mit diesen\nDichtern nichts zu tun, Expressionismus ist Kunst. Weiter nichts. Kunst\naber ist die sinnliche Gestaltung optischer oder akustischer Phänomene, Sie\nhat keinen Geist, kann daher auch nicht verstanden werden. Sie wird nur und\nausschließlich durch die Sinne aufgenommen. Sie ist vieldeutig wie jeder\nsinnliche Eindruck. Sie wirkt unmittelbar auf die Sinne und überläßt es dem\neinzelnen, sich daraus einen Vers zu machen, der nicht mehr sinnlich auf-\nnehmen kann. Nur aus den Sinnen kann der Sinn sich bilden. Nicht aus\ndem Sinn, nur aus den Sinnen kann Kunst gestaltet werden."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.28", "texte": "DER STURM / ZWE ITES VIERTELJAHRHEFT\n\nAus dem Buch der Reinheit\n\nUm unser Herz wachen Steine, Tiere und Pflanzen. Unsere Feinde\nsind unsere besten Freunde. Man kann sich nirgends ausschalten\nnoch einfach zurückziehen denn was ausserhalb unser ist, ist in uns\nwie der Kreis im Viereck oder umgekehrt. Haben wir etwas Neues ent-\ndeckt, so haben wir uns selbst entdeckt.\nDer Künstler schöpft stets aus sich. Der Künstler ist ein bodenloses Meer.\nDer Künstler ist eine Einheit und der Mittelpunkt der Konstruktionen.\nWir leben in kritischen Zeiten. Mit der Rasierklinge der Vernunft mähten\nwir um uns die blauen Blumen der Romantik ab. Heute ist es bereits\nnicht mehr zweifelhaft, dass der Mensch das naturwidrigste Tier auf Erden\nist. Er macht mehr als einen dummen Zickzack aus Ueberlegung. Er\nmöchte essen und gibt sich von vornherein zufrieden damit, dass er von\nder Krippe weggestossen wird, er kann die einfachsten Dinge nicht ohne\nHintersinn kapieren, sexuelle Fähigkeiten zehren ihn auf und ihm graut\nvor dem Kind.\nWir könnten getrost ausrufen: Wir brechen zusammen. Wir alle brechen\nzusammen, ehe wir noch aus unseren Augen das Schmutzwasser der Sinn-\nlosigkeit ausschütten konnten.\nDu aber sagst: Ich bin ermüdet aber nicht traurig.\nIch sehe die Wege, die sich vom Horizont in Berge aufwälzen.\nDu aber sagst: Ich bin nicht traurig!\nIch höre, wie die Tore sich an Diamantenangeln zudrehen.\nDu aber sagst: Nein! Ich bin nicht traurig!\nUnd ich fühle, wie unsere Wurzeln versickern und sich gewichtlos im Nebel\nauflösen. Nur die schwarze Spur unserer Pantoffeln bleibt im Schlamm\nzurück. Trotz alledem gehören wir noch immer zu den Glücklicheren.\nEs gibt Leute, die auf zwirndünnem Seil zwischen Himmel und Erde\nbalancieren und kopflos hin und her laufen in den geschmolzenen Gassen;\nandere, die mit abgewelkter Zündschnur auf ihren schmalen Eisenbetten\nliegen und stimmlos und knochenfarben sind wie der Tod.\nSchmerzen und Verzweiflung lodern aus mir.\nIn der Mitte des grossen Flusses stehe ich nackt. Streckte ich meine"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.29", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nLudwig Kassäk\n\nHände aus, so würde ich von der Berührung meiner Brüder einschlafen.\nOft habe ich schon in meinem Leben mich beklagt und noch mehr ge-\nflucht. Das alles aber ist nur im Schornstein mit schwarzer Kreide auf-\ngeschrieben. Es wäre gut, mit Sack und Pack aufzubrechen und spurlos\nvon diesem Jagdgebiet auszuwandern.\nVogelschnäbel sägen Stimmgabeln herab von der Höhe.\nMitunter kommt auch zu uns die Zeit, um uns auf die Handfläche zu\nnehmen und aus den Tiefen unser Selbst herauszuheben. Viele sind wir,\nvon vielen dummen Sachen müsste ich reden, und dennoch, wenn wir es\nbedenken, ist alles in uns gesät. Die Dinge prallen von hüben und drüben\nan uns und unbemerkt verwandeln wir uns in Stein oder Stahl.\nWir haben Schwerkraft und Spannungsstärke und wenn es sein muss,\nerraten wir die Lebensmöglichkeit. Nach und nach gewöhne ich mich\nauch daran, Geld auszuborgen. Obwohl es feststeht, dass ich am liebsten\ngeben möchte. So könnte ich meine Grundnatur eher ausleben, wogegen\nsie sich jetzt bloss in meinen Schriften und Bildern offenbart.\nGrosse Schneefelder sind um mich, meine Verwandten die Obstbäume\nschliefen im Winde ein.\nBrüderlos bin ich, und mir fallen die Haare aus. Meine Epigonen schreiben\nunbeholfene Artikel gegen mich. Meine Schuhe sind plump. Abgesperrt\nbin ich von den Mädchen.\nUnd kein Regen über mich und keine Sonne über mich.\nStürme kämmen weinende Lilien.\nTrotzdem sagen mir meine guten Freunde vergebens, ich soll sterben,\ndamit sie endlich auch in den Vordergrund treten. Ich bin aus festem\nStoff geknetet, zäh und rücksichtslos. Ich vermochte die revolutionären\nPhrasen in mir auszujäten. Ein Dichter, tötete ich in mir den Vers. Jetzt\ntrage ich mit ruhigem Gewissen meine Turnpantoffeln zu Grabe.\nIch möchte ein guter Mathematiker sein oder ein guter Ingenieur.\nWir sind unbarmherzig zurückgedrängt. Immerhin geschieht uns recht,\ndass wir hier sind.\nDie Perspektiven laufen durch die Glaswände.\nGrabet in euch die Unsterblichkeit des Geistes und den Widerstand des\nStoffes auf."}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.30", "texte": "DER STURM / ZWEI TES VIERTEL] A H_RJMFJ\n\nGedichte\nHeinrich Glauber\nMeinem Schatten jage ich nach, der aus sternlosen Städten auszog\nund meinen Sünden\no unsere reifenden Sprösslinge mit den müden Knochen\nund wir bewundern jene\ndiesseits und jenseits des Lebens\num euch das weibliche Aroma\nJeder entknote die eigene Liebe und so hat\ndie Stimme\nund auch der Gedanke\nFarbe\nKörper\nsie tragen jeden Morgen\naus dem Dichter\ndie fleischige Fünfuhrluft\nsie klappern auch die Winde zu Sinfonien\nund am Aluminiumfirmament\nzerfällt ihre Stimme dennoch\nnicht spurlos\n*\nZweijährige verteilten ihre Steckenpferde am Bergfuss\nwir streuen Weizensamen in die gelähmte Zunge\nund möchten Wunderbares sagen\nKarren und Kaffeegeruch leben in uns\nauf unser Nervensystem ritzte die Zeit ihre Fingerabdrücke\nunsere verkohlten Stimmbänder zerren sich\ndurch den magnetischen Mädchenkörper\nBrücke Eisen und Projektor geleiten uns\nunsere meerlose Bahn entlang"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.31", "texte": "Kioxk\nLudwig Kassäk"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.33", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nAbriss: Gesellschaft Künstler Kunstwerk\n\n1. Vor Jahrhunderten hat der Mensch die Nabelschnur, die ihn an das\nUniversum band, durchschnitten (Privatbesitzergreifung). An Stelle des\nnatürlichen Gleichgewichts des Stoffes und des Geistes Hess er ein er-\nkünsteltes Gleichgewicht (die Gesellschaftsordnung) treten.\n2. Die Kraft dieses erkünstelten Gleichgewichts wurde in dem Masse ge-\nschwächt und gelockert (gesellschaftliche Kämpfe und Konflikte), wie sich\ndas Streben nach dem natürlichen Gleichgewicht gesteigert hatte.\n3. Heute stehen wir vor der gänzlichen Verbröckelung und Aufreibung\ndieser Kraft (die Unüberbrückbarkeit gesellschaftlicher Konflikte). Diese\nVerbröckelung kommt in der Tatsache zum Ausdruck, dass der theistische\nSpiritualismus, wie auch der atheistische Materialismus sich ganz aus-\ngelebt haben. Entweder kommt zwischen Stoff und Geist (Masse und\nIndividuum) ein Ausgleich zustande, oder aber der europäische Mensch\nwird mit der ganzen Konkursmasse seiner Weltanschauungen zusammen\nversteigert werden.\n4. Jedwede Bewegung, die sich ausschliesslich im stofflichen Rahmen\nvollzieht, sie sei noch so revolutionär im Bereiche der stofflichen Welt,\nkann zwar eine neue Gesellschaftsordnung schaffen, doch wird in dieser\nder stete Kampf um das natürliche Gleichgewicht zwischen Stoff und Geist\nfortdauern. Er wird höchstens die Form wechseln, wird aber im Laufe\nder Zeit ein immer heftigeres Tempo annehmen.\n5. Die Tätigkeit der politischen Parteien (materielle Interessengruppie-\nrungen) ist vom Standpunkte des natürlichen Stoff-Geist-Gleichgewichts\nunfruchtbar, selbst dann, wenn sie sich in der Richtung des stofflichen\nKomponenten (kollektives Besitzen) dieses Gleichgewichts bewegt. Das\nnatürliche Stoff-Geist-Gleichgewicht kann mit ausschliesslich stofflichen\nMitteln, auf dem Wege rein stofflicher Zielsetzung nicht geschaffen werden.\n6. Stoffliche Mittel: die Massen der Armen das bürgerliche Sein (Wohl-\nstand) verlangen zu lassen; die Politik, dass heisst die Gesamtheit gewisser"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.34", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nMethoden, mit deren Hilfe materielle Werte für Gesellschaftsklassen an-\ngeeignet und enteignet werden; die Gewalt als letztes Argument, das im\nVerhältnisse der Individuen und Klassen zueinander die konsequente Pro-\njizierung des stofflichen Lebensgefühls bedeutet.\n7. Die Lösung der Krise kann nur das Resultat der den stofflich-gesell-\nschaftlichen (Klassen-) Kampf überschreitenden Bestrebung sein, die\nin der Gleichstellung der stofflichen und geistigen schöpferischen Faktoren\ngipfelt. Dies ist die Fortsetzung des Anfangs auf einer höheren Stufe:\nStoff und Geist sind gleichzeitig, wie sie am Anfang gleichzeitig waren.\n8. Die Form dieser Bestrebung ist nicht der ausschliesslich stoffliche\n(Klassen-) Kampf, sondern die sozial-religiöse Bewegung. Sozial, das heisst\ngesellschaftlich (stofflich), weil sie die materiellen Gefängnisrahmen sprengt;\nreligiös, weil sie den Menschen in den geistigen Zusammenhang der Ein-\nheit des Universums zurückversetzt, aus dem die Auflösung des natür-\nlichen Gleichgewichts ihn herausgerissen hat.\n9. Das primäre (stofflich-geistige) Mittel dieser Bestrebung ist die\nSchaffung des Embryonalgebildes der in Stoff und Geist ausgeglichenen\nLebensform. Diese Lebensform ist nicht das Verlangen nach dem Stoff\num des Stoffes willen, sondern die Betrachtung des Stoffes als Gegenstand\ngeistiger Offenbarungen. Diese Lebensform kommt im individuellen Rahmen\nzustande und synthetisiert sich im Leben der Masse: die Lebensform der\nMasse ist die Zusammenfassung des Lebens der Individuen, die Lebens-\nform der Individuen ist der Mikrokosmos des Lebens der Masse.\n10. Der Künstler ist ein schaffender Arbeiter: er trachtet nach dem\nstofflich-geistigen Weltgleichgewicht, indem er schreibt, malt, komponiert,\nbaut. Von jedem anderen schaffenden Arbeiter (bewusster Entdecker,\nGelehrter) unterscheidet er sich erstens dadurch, dass eruiicht mit Formen-\nschemen arbeitet, nicht von fertigen logischen Resultaten ausgeht, sondern\ndas Chaos der Erscheinungen, das in Raum und Zeit unendlich ist, zum\nAusgang nimmt, um durch diesen hindurch zur neuen Form zu gelangen,\nin welcher der geistige Zusammenhang des Universums zum Ausdruck"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.35", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nkommt. Zweitens dadurch, dass ihn nicht stoffliche, (die Entdeckung eines\nMechanismus zur Förderung der Produktion oder eines Serums zur Heilung\nvon Krankheiten) sondern seelische Triebfedern (die Sehnsucht nach dem\nSchaffen, die sich im schöpferischen Willen transformiert) in Bewegung setzen.\nU. Der Künstler gelangt nicht durch das Universum zum Menschen,\nnicht das Universum bringt er in Verhältnis zum Menschen, sondern stellt\nden Menschen ins Universum hinein und bringt ihn in Beziehung zu dem\nAll. Er zergliedert nicht das Ganze, um den Teil zu finden, sondern fasst\ndie Teile zusammen, synthetisiert sie, um zum Ganzen zu gelangen.\n12. Der Künstler wird in einer Gesellschaftsklasse geboren, aber entwächst\ndann dem Rlassenrahmen: die schöpferische Arbeit hat keine Klasse.\n13. Er steht nicht über den Klassen, sondern zwischen Mensch und\nUniversum: er bildet die Kohäsionskraft, die den Teil mit dem Ganzen\nverbindet. An ihm kann gemessen werden, wie weit der Teil sich aus\ndem Ganzen herausgerissen hat: im Verhältnisse des Menschen zum Men-\nschen und zum Universum ist er das Gewissen, das Rechenschaft gibt.\n14. Der Künstler als Rohäsionskraft zwischen Mensch und Universum\nmuss den Grundstein der sozial-religiösen Bestrebung legen, die den\nherausgerissenen Menschen in den universalen Mutterschoss zurückführt.\n15. Die Menschen den Stoff verlangen lassen um des Geistes willen, der\nbewegt, den Geist um des Stoffes willen, der sich bewegt die Hun-\ngernden in der Wüste bewirten, aber gleichzeitig in der Richtung der\ngeistigen Kraftlinie des Universums wirken das muss der Künstler tun.\n16. Er realisiert als erster in seiner Kunst die neue Lebensform. Er ist\nes, der Beispiel gibt, jedoch mit Thesen nicht bindet. Er zerreisst die\nZwangsjacke und sagt nicht: die wirkliche Freiheit ist der Zwang, den\nich diktiere. Er herrscht nicht, um nicht beherrscht werden zu können.\nEr überträgt die Theorie des Mehrwertes nicht auf eine Grammophon-\nplatte, er malt nicht den tugendhaften Proletarier und den verderbten\nBourgeois, sondern schafft um des Schaffens willen."}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.36", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIER TELJAHRHEFT\n\n17. Er schafft: gleichviel, ob verstanden oder unverstanden. Aber er\nschreibt oder malt nicht auf diese und gleichzeitig auf jene Weise. Er\nkann morgens nicht abstrakt-, abends aber natur-schön schreiben oder\nmalen. Denn weh denen, die schon auf zwei Füssen zu gehen verstehen\nund sich nur deshalb wieder auf alle Viere begeben, um von den anderen\nverstanden oder genossen werden zu können.\n18. Der Künstler ist Stoff und Geist, Lebensfreude und Asket. Er ist\ndie Feuersäule, die nicht erlischt, weil Spielzeug, Schellenkappe oder\nrhythmischer Leitartikel gefordert werden, wie auch der Leuchtturm nicht\ndeshalb erlischt, weil das Schiff noch kaum den Hafen verlassen hat und\nerst nach Wochen in seinen Lichtkreis gelangen wird.\n19. Das Ergebnis des künstlerischen Schaffens ist das Kunstwerk, das\nnichts anderes ist, als sich in neuer Form zeigendes universales Leben.\nDie Form ist nicht das Gefäss des im Universalen wurzelnden Inhalts,\nsondern durch Geist bewegter Stoff: die Möglichkeit und die Art des\nSichäusserns. Ist die die Form nicht gleich mit dem, was in ihr und\ndurch sie zum Ausdruck kommt: Kunst um des Spieles willen, oder Kunst\num der Tendenz willen. Folglich: Spiel oder Tendenz, aber nicht Kunst.\n20. Der Künstler verfolgt mit dem Kunstwerk kein Ziel ausserhalb\ndes Kunstwerkes: er will dem Schamhügel seiner Geliebten kein\nLächeln entlocken, noch den Proletarier mit einer Guillotinenklinge aus-\nrüsten. Das Kunstwerk ist kein verliebtes Girren, das im Schauspiele\nder Sexualität die Zwischenzeit der Aufzüge ausfüllt, aber es will auch\nnicht überzeugen, enthüllen oder agitieren. Das Kunstwerk ist organisches\nLeben und ist als solches bestrebt, seine eigene Existenz in dem All\nvoll und ganz zu manifestieren.\n21. Das Kunstwerk ist etwas aktiv Handelndes, es lebt in sich selbst,\nunabhängig davon, ob es andere zu handeln veranlasst oder nicht. Das\nmit Tendenz eingeimpfte Gedicht oder Bild lebt nur in der Aktivität\noder Passivität anderer, hat selbst kein Leben und wird, nur zwischen"}, {"page_pdf": 37, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.37", "texte": "Dynamische Konstruktion\nLudwig Kassäk"}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.39", "texte": "DER S T U RM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nbestimmte individuelle oder Massenverhältnisse gestellt, lebendig. Es ist\ndurch Raum- und Zeitschranken gebunden; Mensch und Gesellschaft\ntrennen es vom Universum. In der Richtung eines bestimmten Zieles\nwirkt es nur und über dieses Ziel hinaus verliert es die Lebendigkeit, die\nes aus fremden Rewegungen in sich aufnahm: es stirbt und vergeht.\n22. Das Kunstwerk wird nicht durch Formenrahmen begrenzt. Die Form\nversinnlicht bloss das, was aus der Einheit der universalen Zusammen-\nhänge durch den Künstler hindurch zum Ausdruck kommen muss. Das\nKunstwerk ist im kosmischen Sein, das in Raum und Zeit unaufhörlich\nwogt: dies verleiht ihm den Rhythmus.\n23. Das Kunstwerk wird von der Blutzirkulation des Universums ebenso\ndurchflutet wie die Pflanzen, die Sterne, der stete Kreislai f der Aenderung\nder Aggregatzustände. Die Regelung des Zeitmasses oder des Wort-\nakzentes nach bestimmten logischen Vorschriften hat mit dem Rhythmus\ndes Kunstwerkes nichts zu tun: dieser Rhythmus ist ein universales Pulsieren,\ndas weder begrenzt, noch mit logischen Sätzen geregelt werden kann.\n24. Das Kunstwerk ist eine revolutionäre Tat, die an kein Ziel gebunden\nist. Es ist revolutionär, weil es existiert und weil seine Existenz das\nvolle Leben dokumentiert; revolutionär, weil seine Form, die immer die\neinzige, folglich die gleichwertige Möglichkeit des Sichäusserns ist, die\nSchranken des Absonderns durchbricht und nackt die kosmische Einheit\nzeigt.\n25. Die Form jedes Kunstwerkes ist Bauen im Fliessen einer stets\nanders gestalteten universalen Strömung. Der Mensch, der die Zustände\nverändern will, die seine Zeit verstellen, ist ein revolutionärer Mensch.\nWenn er den Zustand schafft und in dem Stoff und Geist sich aus-\ngleichen, so ist er ein bauender, revolutionärer Mensch. Das Kunst-\nwerk ist in Stoff und Geist ausgeglichen aufgebaut, es manifestiert die\nMöglichkeit dieses Aufbaues dadurch, dass es existiert: dies verleiht ihm\nseinen revolutionären Charakter."}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.40", "texte": "DER STURM / ZWEITES V IERTELJAHRHEFT\n\nRobert Reiter\n\n26. Das Kunstwerk ist sozial, denn der in ihren Brotbestrebungen zer-\nklüfteten Gesellschaft gegenüber zeigt es die Einheit der universalen Syn-\nthese. Es ist im vollsten Sinne sozial, denn in seiner Form trägt es die\nLösung des Stoff-Problems: die Form ist kein aufrührerischer, sondern\nin Geist beruhigter Stoff. Der Mensch betrachtet das Kunstwerk, dieses\nBetrachten reisst ihn durch die Form hinaus in das Universum, führt ihn\nin den universalen seelischen Zusammenhang der Erscheinungen zurück,\naus dem die materielle Auflösung ihn herausgerissen hat. Das ist die\ngeistige Wirkung des Kunstwerkes, die dem Menschen Beligion gibt, die\nMöglichkeit, zu seinen Geschwistern: den Bäumen und den Vögeln,\nzurückzukehren.\n27. Die Bestrebung, die jetzt, wo die ersten Resultate der in der Kunst\nstattgefundenen und zum Teil noch immer stattfindenden Gärung sich\nzeigen, die Kunst an bestimmte gesellschaftliche Bewegungen binden\nund zum Agitationsmittel degradieren will, ist ein Rückfall in den\nNaturalismus: das Absterben der Kunst, denn jede Möglichkeit des\nSchaffens hört auf, wo das Kopieren beginnt. Vom Gesichtspunkte\ndieser Tatsache ist es ganz gleich, was den Gegenstand des Kopierens\nbildet: ein Landschaftsteil oder gegebene gesellschaftliche Verhältnisse.\nDas Kopieren steht auf keiner höheren Stufe, wenn es sich statt des\nStillebens auf Fabriken, marschierende Massen oder Barrikaden verlegt.\n28. Dieser Rückfall in den Naturalismus ist das unterbewusste Spiegel-\nbild des Rückganges der stofflich-revolutionären Bewegung, der sich in\nimmer schärferen Formen zeigt. Nicht auf die Kunst wirkt diese gesell-\nschaftlich-wirtschaftliche Tatsache: die Kunst trägt stets erneuernde\nrevolutionäre Möglichkeit in sich sie wirkt auf Menschen, die\nsie von der kosmischen Kraftlinie der Kunst abgelenkt, aus dem Bestreben\nnach der Synthese herausgehoben und zum Teil zurückgeworfen hat."}, {"page_pdf": 41, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.41", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nGedichte\nAladar Tomar\nFESTTAG schwimmt in der Luft\nund die Hilflosigkeiten brechen in jämmerliches Weinen aus\nFahnen Dampfschiffe Parlamente sind im Auge eines Weibes eingeschlafen\nund jetzt träumen sie unaufhörlich\ndie Zeit marschiert mit schwarzer Trompete über sie\nFriedhöfe siedelten mit ihren Gärten weiter und auch die Städte konnten\nsich von der sternlosen Nacht nicht verabschieden\nNiemand sucht mehr den abgefallenen Sinn der Dinge\nein ununterbrochener Tonwirbel tanzt auf der Erde\nManche glauben das sei der Krug der Freude\ngutgesinnte Gespenster schlendern herrenlos\nirgendwo auf der Landstrasse liegen unsere herrlichen Träume.\n*\nSONNE warf goldene und blaue Kuppeln\nrubinäugige Sterne klebte sie in die Fenster\ndie purpurnen Farben des Herbstes traten unbemerkt aus den Wäldern\nIn den Parken spazierten Taschendiebe mit glänzenden Monden in ihren\nTaschen versteckt\ndie Türme flatterten im Wind\nund die Bogenlampen sangen Helle\nin den Vorstädten schritt der Gesang der Armen auf gläsernen Beinen einher\nein unbekannter Musiker wurde mit ungeheurer Prozession beigesetzt\nHerbst sagte ein Kutscher und erfror auf der Landstrasse mitsamt\nseinen Pferden\nder objektlose Seufzer eines jungen Rindes bebte in der Luft\nvon den Berghängen brachen die winterlichen Propheten auf\nFeuer und Güte brachten sie in den Augen."}, {"page_pdf": 42, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.42", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAH R_H_E_F_T\n\nGlasuhr\nGlasäugige Gespenster ackern unsere Morgen\nMai 1922 legte vor uns die Jungfrauen mit ihren aufgeschlitzten Handflächen\nO wer gibt O wer gibt Hanfsamen meinem krepierten Vogel: das Pech\nklebte an meinen Knöcheln und ein brennender Zug von Leuten\nausgerotteten Wirbels ist darin aus ihrer Kehle blüht Guillotine\nund sie gehen\nWohin denn? wohin??\nsingende Nonnen weinen in ihrem nach Rosen riechenden Blick\n— wohin?\nJede Kirche begossen sie mit den blauen Farben der Hölle\ndie Weizentafeln quacken\ndie Wiesen sind gelb\nGelb\ndie Menschen sind grünköpfig\nNägel knarren in ihrer Kniescheibe und sie sind\nGrünköpfig\nO Welt Welt\nO weh weh weh\nO weh weh wären nur keine Maskenbälle\nwo die gefürchteten Schinken der Mädchen welken\nO Arbeiter und Menschen und Ansichtskarten vor uns\nmit ihren goldenen Reden ging die Sonne auf\nEs wurde Abend\nder Maulbeerbaum bläst Flöte\ndas Weib gebärt Rinder\nUnd rollt seine abgestumpfte Stirne auf die Gasse wo mit der Sanftmut\nder Leichenkammer sitzen in Säulen Vater Tochter Arbeiter Neger\nHolzlöffel Bürger\nund ihr hinkendes Amen brennt über den Säulen.\n(365-er Dichter)"}, {"page_pdf": 43, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.43", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nStrassenbahn 58\nJosef Nädass\nMit dem 58-er Wagen fahre ich zu meiner Geliebten, die zwischen Gärten wohnt.\nWeit laufen die Schienen von dort weg und der Regen singt sein langes Lied.\nIch gehe unter seinem Kleid, ich höre zu, er hört zu, nie hat er noch meine\nHand angenommen.\nDer Regen wohnt jenseits der Rerge.\nMenschen haben die Häuser gebaut, 25 statistische Aemter wissen wie oft\ndu gegähnt hast,\nTeppiche werden geknüpft, immer neue und neue Schuhmoden sieht man\nin den Auslagen,\ndie Malerin hat schöne Arme, in den grossen Rädern liegen Leiber unter\nder Sonne.\nDer Staatsanwalt steht auf, die Zuhörer summen.\nWas soll ich Euch sagen, ich habe meine Hände gefaltet, meine Augen\nsind noch immer nicht blind,\nAber ich sitze auf einer Ottomane und die Steuer habe ich noch nicht bezahlt,\nNur eines vergesst nicht, er war 33 Jahre alt und wurde gehenkt.\nDraussen regnet’s."}, {"page_pdf": 44, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.44", "texte": "DER STURM / ZWEITES VI ERTELJAHRHEF\n\nSpannung\nRobert Reiter\nGleichmässig sickert der Saft des Flehens, auf warme Wort-Nester wälzt\nEisblöcke die Stille\naus Weh-Schlüchten sprudelt das Schluchzen hervor und der Schatten\ndes Sturmvogels huscht durch einen zitternden Augenblick\nin Grashalmen versteinert sich der zurückgehaltene Atem\nich höre das Geräusch der Eisenfallen und durch den Riss der Unruhe\nstürzen die sündigen Engel\nich sehe den Prophetenspruch im Winde baumein, die Starrheit der\nTropfsteinblumen zieht in die Töne und Blechstücke krachen\nzwischen den Zähnen der Menschen\nan einem Zwirnfaden hängt ihr verfallenes Lachen, gailgrüne Pflanzen\nsaugen der Erde Salz und Wasser\nund die Blinden können die Sonnflecken nicht herausschütteln aus ihren\nAugen\nNebelknäuel wandert über ihnen, das ist die Nacht der Empfängnis die\nin den wachsgelben Seen versinkt\ntote Goldgräber schlafen dort auf Algenpolstern\nPechlösung rinnt aus tausend Ritzen\nTrauerhüsche flattern auf der Oberfläche, es ist an der Zeit das Senkblei\nbis an den Grund des Traumes der Bluthunde zu tauchen\ndas Gemurmel der Meere rastet in den Muscheln und die unerschütter-\nliche Ruhe des Polarsternes ist der Mittelpunkt von allem."}, {"page_pdf": 45, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.45", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie Blumensphinx\n\n1\nAus den Spinnetzen lassen sich die Bettler nieder. In ihren schwarzen\nSchleppen halten sie die flaumgefütterten Monde die gestillten Lämmer\ndie Blumen ohne Kiele und die apportierenden Fledermäuse verborgen.\nVor den Zinnen der Blumen und den Vorhängen voll Sommersprossen die\nunter dem Atem einer halbwatten Halbweltlerin erzittern ziehen die sieben\nbarbarischen Brudersterne vorüber.\nIm Versteckten finden noch immer Palmsonntage statt. In Ermangelung\nvon Eseln reiten die Erlöser auf Tanderaen ein. Der König dieser Stadt\nist ein Regenbogenfresser.\n2\nAus dem Kalender fallen die gekreuzigten Blumen die Adressen der Ver-\nschollenen und die Grundsteine der Residenzen.\nIn der marmornen Gurgel liegt die aufgerollte Liederschnur.\nDie Büsten der verstorbenen grossherzigen Tiere zieren die Plätze.\nIn den Binsenkörben werden die Missgeburten die Stammbäume aus\nFleisch voll eingewachsener erotischer Blöcke die rasierten Pferde und\ndie Beutel voll Flammen fortgetragen.\nDie tausend Türme sind aus Missalen gebaut. In sie fallen aus dem\nhimmlischen Strahlenstroh das Ungeziefer und die bevölkerten Monde.\n3\nAuf den Schildpattgeleisen gleiten die Mägde heran. In ihren Schürzen\ntragen sie die rotglühenden Scherben der zerbrochenen Sonnen fort.\nIn grossen Bögen pissen die Karyatiden des Himmels die Zeit von sich\nwie Yasallensaft.\nAus dem Mast der Stadt leuchtet die grosse Ätherqualle. In das Gewölbe\nihres Bauches haben ihr die Matrosen ein Korsarenschiff gehangen.\nDie Pflanzenguillotine zieht durch die Strassen.\nDie Sabinerberge sind nicht hinreichend herabgelassen. Die Schnüre sind\nzu kurz. Durch den Spalt drängen die Kiefer der sixtinischen Gebetmühle\nund der Lynchgong vor. Auf dem Meere hüpfen die riesengrossen wahr-\nsagenden Kugeln aus schwarzer Basenerde."}, {"page_pdf": 46, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.46", "texte": "DER STURM / ZWEI TES VIERTEL J A_Jj_R_H_E_£_T\n\nHans Arp\n\n4\nZur Stimme einer Glocke dreht sich ein zerzauster Stern.\nDer Läufer auf dem die Traum- und Wolkentiere über die Berge zogen\nwird gebürstet und aufgerollt.\nDie mit Zähnen Locken und Eheringen behangenen Aaskugeln, welche\nich für ruinenbefleckte Adler halte sind die verschlungenen Gewichtssteine\nim Innern der Monumente. Die professionellen Lippen der Lappen welche\nich für schnäbelnde Brieftauben halte sind die mit Zähnen Locken und\nEheringen behangenen Aaskugeln.\nDer Wald ist ein Blasebalg.\n\nGedichte\n\ndas lichtscheue paradies\nist dies diesseits\nist jenes jenseits\nwas hier ist scheucht sich auf wenn es sich setzen will\nwas dort ist staffelt sich auf\nzu dem großen rand dessen rand der rand ist\nzu der seele mit der daran befindlichen feder\nist dies diesseits\nist jenes jenseits\nvom Vorderteil fällt das blut in drei blättern\ndas Vorderteil geht vorne hinaus\ndas hinterteil geht hinten hinaus\nund die mitte bleibt stehen\ndoch bevor die mitte der mitte die mitte vorstellt\nleert sich das wasser\nund füllt sich die flasche"}, {"page_pdf": 47, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.47", "texte": "Kostüm des Kriegs\nA. Exter"}, {"page_pdf": 49, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.49", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nweißt du schwärzt du\nsie gehn ein quadrat\neinen kreis\neinen punkt\nund drehn sich auf dem punkt\npünktlich halb um\nund wieder halb um\nund gehn weiter\nund wollen nicht ausratten\nauf der rattenmatte\nauf der zwölftesten platte\nund kürzen das kurze\nund verlängern das lange\nund verdünnen das dünne\nund verdicken das dicke\nund bleiben sich vis a vis\nziehen sich mit Schuhlöffeln eisblumen an\nmauern welken lebendig ein\nrollen wasserballen auf\nund fegen sie\ndaß es allen gewollen ist\nohne grund unter dem unter spricht\nwie wir nach der uhr\npieken die schindeln von den linien\nund gackern dazu gack gack gack\n\ndas leyderne gebet\nim namen des Herrn der dame und des kindes\ngehe nach oben und stoße nach unten\ngehe nach unten und stoße nach oben\ngehe nach vornen und stoße nach hinten\ngehe nach hinten und stoße nach vornen\ngehe nach rechts und stoße nach links\ngehe nach links und stoße nach rechts\nim namen des Herrn der dame und des kindes"}, {"page_pdf": 50, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.50", "texte": "DER STURM / ZWEITES V lERTELJAHRHE F_T\n\nHans Arp\n\neins um andere\nunten geht das fremde fleisch\nmit trockenem äuge\nund atmet\nund hat in jeder falte einen bauch\nlangsam kann es seinen namen sagen\nwort um wort\nzeile um zeile\nweil es ein ebenes ist\nund hinter sich herrollt\nund zu sich paßt\nund sich versteht\nund sich immer kennt\nbis auf ein falsches brett\ndreimal klopft es gegen seinen finger\nherein herein herein\ndann steht der atemumrih\nmit den quecksilberlippen\nauf seiner zunge\ndie unter ihm wegrollt\nmit viereckigen rädern\ndie sich drehen\nwenn die speichen still stehen\nund still stehen\nwenn die speichen sich drehen\njahr um jahr sind jahre ohne jahre\ntag um tag sind tage ohne tage\nso gehen auch die Schaftstiefel\nartikuliert durch den lebendigen fleischschlauch\nschritt um schritt\nungehemmt mit ihren Jahresringen\nin gut sitzenden enganliegenden käfigen\njahr um jahr sind jahre ohne jahre"}, {"page_pdf": 51, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.51", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nGedichte\n\nSünde\nDer weihe Baum blüht aus der Erde\nDie verbotene Frucht keimt unter der Stirne der Sonne\nDie verbotene Frucht umdunkelt die Sonne\nDie Frucht streut ihr Glühen auf alle Welt\nDie Münder der Menschen saugen an den Brüsten des verbotenen Tieres\nDer Mann erkennt das Weib\nDas Weib bekennt den Mann\nDie Kinder verkennen die Eltern\nDie Kinder verwelken\nDie Weiber zerfliehen\nDie Männer versteinen\nDas Kreuz stürzt flammend in den Stern\nNun scheidet sich die Welt\nIm Donnerruf erstirbt der Mensch und lebt\nDer Richter hält Gericht\nSo ist Liebe Zorn\nSo ist Zorn Liebe\n\nVersöhnung\nWeit um dein Haupt wiegt sich der farbne Bogen\nInmitten dreht das Rad des Lichts\nDu bist der Mensch\nDu trägst die Welt\nIn deine Wunde taucht der Speer des Lichts\nGestillt ist Blut\nZertrümmert ist das Tor der Finsternis\nDie Morgenröte gieht die heilende Helle hervor\nIn Wüstenmitte schwebt der blitzende Kristall\nDas Himmelsauge blickt in die Gestade der Unseligen und strahlt\nDie Menschen fliehen an den Saum der Erde\nNiemand will wahr sein"}, {"page_pdf": 52, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.52", "texte": "DER STURM / ZWEITE S VIERTELJA 3E Z\n\nLothar Schreyer\n\nAlle hassen das klare Wasser der Höhe\nNiemand will rein sein\nAlle trüben das Wasser der Tiefe\nDas Meer schwemmt über die Erde\nAuf letztem Gletscherberg horstet der Einsiedler riesenhaft\nIm Schweigen des Gestirns erstillt der Sturm\nNiemand hört den Schrei des Adlers\nNiemand spürt die Kralle in der Brust\nDie Worte des Einsiedlers hauchen Spiegelbilder auf das Eis\nDer große Zauberer kommt von Osten herab\nDie Gauklerkünste blühen auf seinem Weg\nDas Heiligenbild auf der Gasse wandelt in Blumen\nZwischen den Steinen lobsingen die Irren\nDie Dornenkrone höhnt auf der eitlen Stirne nackt\nDie Menschen denken\nDie Menschen zerdenken\nDie Menschen zerspielen das Glück\nDie leuchtende Kugel rollt dahin\nDie gläserne Helle zerschellt\nDas Armesünderglöcklein läutet zum Tanz\nDie blutenden Füße treten den armen Bettler auf das Haupt\nDer herrliche Krieger hält den Stern in der Hand\nDer Herr der Krieger schleudert den Stern in den Schoß der Mutter\nDer zertrümmerte Schoß der Mutter hält den Mörder im blutenden Stern\nDas Kreuz ist gesenkt in die Mutter des Menschen\nDie Mutter stirbt den Tod des Sohnes\nDie Versöhnung lebt im Kind des himmlischen Vaters\nDie guten und die bösen Früchte fallen ab\nAus aller Werke Scheiterhaufen steigt der Seelenvogel unsichtbar\nAus aller Stürme Brausen singt unhörbar das Leid der Liebe Liebeslied"}, {"page_pdf": 53, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.53", "texte": "Zeichnung\nLothar Schreyer"}, {"page_pdf": 54, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.54", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRE!\n\nEmpfängnis\nLothar Schreyer\nDie große Mutter träumt über ihrem schweren Schoß\nIm Früchtesegen liegt ein Kindlein bloß und träumt\nDas immer neue Lied summt säuselnd um den Menschenleib\nGlückhafte Segel schweben übers Meer\nDie Woge rollt und steigt und fällt und rollt\nDu hältst das himmlische Licht in dunkler Brust\nDie Strahlenknospe wächst\nIn einen fremden Garten ist der Baum gepflanzt\nDie treuen Hüter halten Wacht\nDas Himmelsauge ist ein weißes Kreuz\nDu öffnest deinen Blick zum Trost dem armen Bruder\nIn deine Kammer flieht das arme Tier\nNiemand sieht deine Tat\nIm Wogemeer bist du getauft\nDas Salz der Erde brennt auf deinem Mund\nDie toten Ertrunkenen schwimmen an dir vorbei\nDie Segel schaukeln an dir vorbei\nDie Gestirne erheben sich und sinken an dir vorbei\nDas Wasser des Lebens ist eine Träne der himmlischen Mutter\nDie himmlische Mutter hält dich auf ihrem Schoß\nDu trinkst die Träne der himmlischen Mutter\nDie Liebende nährt das Kind\nVor Tag ist die Stunde gekommen\nDie weiße Taube schwebt über dem Meer\nÜber die stürmenden Wogen ist eine stille Straße geweht\nZwischen den Stürmen wandert der stille Wandrer dir zu"}, {"page_pdf": 55, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.55", "texte": "D ER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nGedichte\n\nSchweigen\nWald wächst schlankdämmig auf\nheimt auf\nrauhvolle Schale\nSchrei eult und käuzt\nSchritt umpft Schritt umpft\nSumpf moort\nglucksilbern dunkel gluck\nglickdunkel brochen\nUmtropfen kollt und kumpft im Moos\numpf umpf\n\nSpiel im Weltraum\nLilienstreifen strahlig Zittern\nglühig weiss durch Heim der Welten\nbrunnen durch den dunklen Schrank\nVon der Erde Runden lecken\ngoldne Tropfen in die Tiefe\nHelle Silberflämmchen riesen\ntraumblau Heim\ngell Sterne klingen\nRiesel Sammet seidne Hänge\nRegen Lilien\nGolden Rail"}, {"page_pdf": 56, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.56", "texte": "DER STURM / ZWEI TES VIERTELJAHRHE FT\n\nMeine Kindheit\nTiefer Honig glecken träufeln\nLichterspiel in klinger Schale\nBlumenfeine Streifen schwingen\num ei um\ndunkelgrundig helle Schale\nRunde Augen tief einfragen\nbrauner grunder Glanz spannt Spiegel\nPfeile spielen Glück in Traumen\nHonigschale dämmertiefe\n\nEntzweit\nZwei Vögel ruhn in einem Leib\nStille Federn decken die Wiege\nHerzen breiter weiter sprengen\nWunde rot reisst Leib\nin zwei\nBunt stürmst du schlagende Fittiche aus\nFetzende Feder zittr ich am Nest\nWeh wenden die Augen grautränend\nNebel auf kahlem Land\n\nSchicksal\nAuf einer Wolke im Sonnenbunt stand unser Segel\nDa blies auf der Wind aus dem Quellgrund des Herzens\nDie Wolke zerriss\nDu spanntest das Segel in lichte Ferne\nAuf meinem feuchten Kissen krampfen die Finger\nDie runden weiten Augen wunden dir nach"}, {"page_pdf": 57, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.57", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nIwan Heilbut\n\nSehnsucht\nSumme tiefer Wald\nsumme See\nSeufze blinder See\nseufze Licht\nKlinge giesses Licht\nklinge Blut\nWeihe Blütenblut\nweihe Schwan\nSchreie Schneeschrei Schwan\nschreie Weib\nBreite dranges Weib\nbreite Mann\nWille fauster Mann\nwille Gott\nGott\nsegne Wald\nSumme tiefer Wald\nsumme See\n\nGedicht\nIn meiner Brust tropft rinnt\nsinnt sturmfliesst\nmelodeit ein bluten gluten Lied\nKleine Knospen an Zweige birsten\nWeibleib birst auf\nsingt mein Honig\nströmt\nSinke in Umjubel"}, {"page_pdf": 58, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.58", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHR HEFT\n\nGymnasium besuchts Bordell\n\nDiese Dichtung erfordert starke Nerven\nAuch der zweite Teil erfordert starke Nerven\nDie erste Auflage erscheint mit Unterstützung der Akademie der Wissenschaften\nEine spannende Lektüre für alle die sich\nDafür interessieren Ohne Abbildungen\nGanz dazu geeignet Gemeingut der gebildeten Menschheit zu werden\nMit steigendem Genuss liest man dieses eigenartige und hochaktuelle Werk\nschnell bis zu Ende\nUm alsdann ruhiger zu Lieblingsabschnitten zurückzukehren\nDas heikle Thema ist mit einer Gründlichkeit behandelt die jedem Fach-\nmann zur Ehre gereicht\nViele Beispiele aus meiner Praxis\nDem Verfasser ist es offensichtlich um die Hebung des Volkswohls zu tun\nAllen Staatsmännern Gesetzgebern Juristen Ärzten Geistlichen Lehrern\nmöge diese treffliche Dichtung besonders empfohlen sein\nJedenfalls ist sie ein guter Ersatz für die weitverbreitete Schundliteratur\nDie schon soviel Unheil bei jungen Leuten angestiftet hat\nMöge sie recht Vielen Trost und Erbauung bringen.\nWer keinen Vater zu ermorden hat\nUnd wer mit edlen Vätern gesegnet\nWer seine Mutter nicht mehr liebt\nO Jünglinge die ihr voll Liebreiz seid\nMache dich nicht strafbar mein Junge\nOb ich meine Schwester liebe\nOb meine Geliebte 13 alt ist\n16 ist eine Zufallsziffer\nWas geht es euch an\nOhne Eid hören die Alimente von allein auf\nDu wollen wir uns\nAnsehen den schönen Film Moral und Sinnlichkeit\nDie erste Auflösung der Materie ist der Schwerpunkt des Ganzen"}, {"page_pdf": 59, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.59", "texte": "Porträt des Rechtsanwalts Goldbaum\nHugo Scheiber"}, {"page_pdf": 61, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.61", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nKeine Aufregung\nGhaldäa die Wiege des Menschengeschlechts\nEntdeckte den Geschlechtstrieb als Triebfeder der Fortschrittspartei\nStets steht die Hausfrau dem Gast zur Verfügung\nBeschlafe die Sache\nBabylons Gastfreundschaft wurde nie übertroffen\nDichterinnen lieben meist Geldbriefträger\nOnan Notbehelfer um die Treue zu bewahren\nDie grosse Hure und der grosse Jäger vor dem Herrn\nKalte Naturen lieben im Delirium\nJede Frau in Assyrien musste sich einmal wenigstens\nIm Tempel der Melitta einem Fremden überlassen\nDer Zeugungsakt ist nichts Schamloses\nNehmenlassen hingeben seinwerden\nSondern was Schönes\nCyperns Venusfeste Priester streichen das Geld ein\nBedürfen Enthaltsamkeit\nNousos Theleia der Skythen und die Grazien\nWie oft darf man schlafen\nDie goldenen Esel Amor und Psyche\nSchadet Unmässigkeit in der Ausübung\nDie Allerweltsvenus ist schaumgeboren\nDie ABC Gassen in Hamburg und Lille\nGoldene Vierzig Ulricusstrasse\nVenus Pandemos\nIn Indien wird die Erotik mit dem Löffel gegessen\nLingakultus oder Phalluskult\nPhalluskultus oder Lingakult\nDie Arzte irren sich\nDer Inder war das Natürliche gewohnt\nTrotzdem wendet der enthaltsame Doktor den Aderlass an\nDen Liebesgenuss über den Verkehr mit Mädchen\nDie Kunst vermehrt die Absonderung des Samens\nDie Stellung der Liebe im Trioarga"}, {"page_pdf": 62, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.62", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nUnmöglich Samen auf saugung im Blut\nSchläge und Schreie Haarzausen liebkosen\nEintritt in die Ehe\nDie Liebhaberin vor den verheirateten Frauen\nBrutalität der Brautnacht\nSolon unsterblicher Erschaffer der Freudensalons\nStellvertreter für den impotenten Ehemann\nAthen befahl seinen Auserwählten das schwarze Haar blond zu färben\nSehnsucht älterer Jungfrauen\nNun färben alle Damen die Haare mit Safran\nZuneigung und Zärtlichkeit ängstigen die Beschwängerung\nDer Missbrauch der Schminke bei der Philosophin Sappho\nDie Verzweiflung der unehelichen Mütter\nAspasia löst ihren Gürtel zwischen Bhetorik und Perikies\nBei Sokrates und Alkibiades\nUneheliche Väter verlieren leicht leichten Sinn\nDie Tugend der Lais schätzt Aristipp und Diogenes zieht sie in seine Tonne\nDas richtige Ehealter\nPhryne verteidigt Gelly de Reidt vor dem Aeropag\nDie Freundin ist die Freude der Frau auf Lesbos\nDer verdächtig kleine Öl- Efeu- und Fichtenzweig\nDer schon die alten Griechen kränzte\nRegelstörung\nKnabe Anakreon du dessen Blick noch träumt\nDich begehrt Plutarch du merkst es nicht\nWodurch unterscheiden sich Mann und Weib\nMännerumgang ist Staatenbildung\nDurch die Geschlechtsdrüse\nKein Politiker ohne Männerumgang\nVater und Mutter sollen aber nur ganz reife Menschen sein\nSchon im alten Rom fehlte es am rechten Masse Frauen\nDurch die Eierstöcke\nDie Arzte weigern sich Sabinerinnen zu heilen\nNiemand braucht sich ihrer zu schämen"}, {"page_pdf": 63, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.63", "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nHana Mallle Teutsch"}, {"page_pdf": 64, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.64", "texte": "DER STURM / Z WEITES VIERTELJAHR H_JL_LJ\n\nGeht die Gonorrhöe nicht weg kann der Arzt verklagt werden\nDurch den Hoden\nTiberius Nero Domitian grüssen die neue Moral\nDen Bart die Stimme die Brüste das Becken\nHafis nackte Lenden schimmern wie im Schoss die rote Bose\nVon der Psyche gar nicht zu reden\nDu der Schönen allerschönster König David\nWenn man dem Mann die Hoden wegnimmt\nEs ist mir leid um dich mein Bruder Jonathan\nDafür Eierstöcke einpflanzt\nDeine Brüste sind wie zwei Rehzwillinge\nLiebe ist immer rein\nSeraphimisch Blumengärtlein\nDem Manne fliesst die Milch\nMarias jungfräuliche Mutterschaft\nDie Frau bekommt Muskelbehaarung\nDie Rosenkreuzerbewegung kommt in Fluss\nDie Keimzellen bereiten keine Samenzellen mehr\nIsoldes zweideutiger Reinigungseid\nUnd keine Eier\nStreiche verschmitzter Weiber\nPflanzt man dem kastrierten Weib fremde Eierstöcke ein\nUrarische Erkenntnis\nSo produzieren sie Eier\nJezirah die Goldtinktur\nIm überpflanzten Hoden des kastrierten Mannes\nDie göttliche Zulassung fleischlicher Vermischung\nQuellen Samenzellen viel länger hervor\nDas Weib die Quelle der Versuchung\nNicht der Hoden macht den Mann\nGeschlechtsumgang nicht nötig für das Leben\nNicht der Eierstock macht die Frau\nSelbstkastration und Liebesmahlzeit der Cenobiten\nSie hat einen Eierstock weil sie ein Weib ist"}, {"page_pdf": 65, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.65", "texte": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt\nOskar Fischer"}, {"page_pdf": 66, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.66", "texte": "Die heilige Katharina erklärt ihrem Beichtvater das Kinderkriegen der Nonnen\nEr hat einen Hoden weil er ein Mann ist\nDer heilige Origenes entmannt sich\nDas Geschlecht ist schon vor der Entstehung der Geschlechtsdrüse bestimmt\nDie Syphilis der Priester entsteht astrologisch\nDas kann kein Zufall sein\nBekämpfe die Wollust beim Beischlaf\nAuf 106 lebende Knaben 100 lebende Mädchen\nPapst Gregor wegen unzeitigen Beischlafs bestraft\nIm werdenden Knaben schlummern die Eierstöcke\nAntonius und Hieronymus treten für Maria ein\nIm werdenden Mädchen schlafen die Hoden\nMadame de Guion Fräulein Smith die heilige Elisabeth sind von Jesus entzückt\nBeim Säugling bleiben die Organe des Gegengeschlechts zurück\nJe mehr sie sich kasteien je reizender ist die Sinnlichkeit\nDie Vorsteherdrüse geht aus der Gebärmutter hervor\nEinsamkeit bedeutet Geschwisterehe\nDie Glitoris entspricht der Rute\nTrage auf Händen das Recht der ersten Nacht\nUnentwickelte Eier in den Hoden\nSündliche Ammenmieten baden in Spinnstuben\nSamenzellenanlagen in den Eierstöcken\nDie Kreuzritter gehören in den Rittersaal des Städtischen Krankenhauses\nAuch der männlichste Mann hat eine Brutdrüse\nDie Arme voll Wonne prügelt Michelangelo den holden Knaben zu Tode\nDie weiblichste Frau trägt einen feinen Flaum auf der Oberlippe\nAuch der Klopstock weiss sich süsser noch in den Armen des Freundes\nNicht unwürdig der Ewigkeit\nHabe ich einen Mann oder eine Frau vor mir\nBrautraub neigt zur Probeehe\nUm leben zu können muss man Mann und Weib sein\nProbiernächte der Bauern bei Soldatendirnen\nDie männliche Drüse düngt die männlichen Stoffe\nSodomitenlose Königssonne besorgen die Montespan Maintenon\n\nDER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFI"}, {"page_pdf": 67, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.67", "texte": "DER STURM / Z WEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie weibliche Drüse düngt die weiblichen Stoffe\nMaitressenmaienkönigin Marquise de la Valliere\nEin kastrierter Frosch entwickelt niemals die Daumenschwielen\nHirschpark im Boudoir\nMit Daumenschwielen umklammert der brünstige Frosch das Weibchen\nSorgfalt im Arrangement\nHoden unter die Haut wachsen die Schwielen\nDie Flucht nach Venedig aber mit der Schwägerin\nEierstöcke wirken nicht ganz so stark wie Hoden\nKantharidenbonbonorgie zu Marseille\nAber sie wirken\nUnd beim Kurfürstendammfranz\nEin fremder Pilz bringt der Lichtnelke männliche Staubbeutel bei\nJustine und Juliette\nVerzweifelte Frauen nehmen Zimt\nNinettchen\nNelken Muskat\nHortense von Holland und Katharina Parr\nBaldrian oder Rosmarin\nÜber Rousseaus Verbindungen mit Weibern\nZur Aufklärung für verheiratete Frauen\nFriedrich der Grosse dem Strafgesetz verfallen\nJahrelange Haltbarkeit\nDies ist der populärste Roman über den Alten Fritz\nUnd fesselt noch heute alle Liebhaber\nAbsolute Sicherheit auch bei etwas lässiger Handhabung\nNanu auch Lavater Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Liebe\nKeinerlei Reizung selbst der empfindlichsten Schleimhäute\nWillst feiner Goethe du mit mir gehn\nKnaben liebt ich wohl auch\nAber Goethe\nDoch lieber sind mir die Mädchen\nMit dem Mädel kannst du dich überall sehen lassen\nHab ich als Mädchen sie satt"}, {"page_pdf": 68, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.68", "texte": "D E K S T U RM / ZWEITES VIER T\n\nChristiane Vulpius\nDient sie als Knabe mir noch\nDie Anwendung wird mit Leichtigkeit von der Frau selbst besorgt\nNatürlich Charlotte von Steins antiromantischer Einfluss\nPrüfe ob Masse austritt\nSchiller flieht mit folterndem Entzücken seiner Wollust Widerstrahlen\nDrehe den Schlüssel ein viertel bis ein halb mal langsam herum\nJa ja die romantische Schule in Deutschland\nEine Ausspülung mit lauwarmem Wasser ist gut\nHölderlin ranns warm hinab ins Blut der heiligen Reben\nDoch keineswegs Erfordernis\nDas junge Deutschland schmiegt sich so vertraut an August Graf Platen\nHallermünde\nEin vollständiger Apparat genügt für vierzigmaligen Gebrauch\nRichard Wagner und die Homosexualität\nDas Glasrohr ist praktischer wie das spröde Gummirohr\nWeder Kreuzer- noch Gis-Moll-Sonate\nEine junge Frau bekommt mit Freuden ihr erstes Kind\nDoch Menschliches Allzumenschliches in und ausser der Ehe\nWenn aber im vierten Jahr das vierte kommt\nNuditäten für Nutten Grisetten Loretten\nWarum uns streiten um den besten Platz\nMontmartrealphonse Wiedenstritzi Bülowbogenlouis\nIch halte zu\nDer olle ehrliche Seemann Ruhstrat bei Lucie Berlin\nOriginaltuben mit schwachgelblicher salbenartiger Masse\nHedwig Müller mit Stallmann im Klub der Harmlosen\nMit rein theoretischen Erwägungen ist es da nicht abgetan\nProfessor Eulenburg lernt den Reichstag genau kennen\nFür alles Werden ist die Mutter wichtiger als der Vater\nAuch die Balkanländer sind mit einbegriffen\nDie geschlechtlichen Gerüche der Traumdeutung\nBeschaffenheit der Braut und des Bräutigams\nEunuchen und künstliche Instrumente"}, {"page_pdf": 69, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.69", "texte": "DER STURM / ZWEITES VIERTELJAHRHEFT\n\nFranz Richard Behrens\n\nZichorie der Konkubinenkaffee\nIst Liebe eine hypnotische Suggestion\nWie stelle ich ein Horoskop für Zeugungsunfähigkeit\nDie Augendiagnose gegen den Lehmpastor Felke\nAnders als die andern geht die Prostitution durch den Magen\nNiemand braucht zu verhungern\nFür männliche Kultur\nRaum ist da für Alle\nObere untere und mittlere Friedrichstrasse\nDer böse Blick und das Versehen der Frauen\nDie einzige Wiederkunft bleibt die Niederkunft\nFünf Millionen verlieren nach dem ersten Wochenbett die Reize\nDer Perser Xerxes peitschte das Meer\nWo ist ein junges Weib\nHabe ich das göttliche Geschlechtsleben widerwärtig genug gemacht\nDu sollst nicht schwören."}, {"page_pdf": 70, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.70", "texte": "Schaltjahr\nOtto Nebel\nWenn der junge Liederlenz mit krausem Suppengrün am Regulator im\nVerborgenen um das erste Veilchen schlendert, und der feuchte Blödsinn\naus dem ernsten Wanderzirkus mit den Löwenmäulchen blühend um die\nWette gähnt, und die alte Logik mit der Feuerharke und dem Rucksack\nsich verduftet, dass zum Glück vom weichen Nest zu Ast von Ast die\nlinde Asta mit dem Birkenhäkchen, das die frische Mistel krümmt, offnen\nHaares aus dem Fliederbuch der Heine ihrem Mai, dem Karl, dem Grossen,\nlangsam, aber sicher, in das blonde Hünenauge fällt, und daher der treue\nBach auf flinken Stelzen kurze Riesenschritte seitlings durch die Büsche\nnimmt, wenn von Berg zu Tal das liebe Nashorn mit der schweren Pauke\nund den sanften Panzerhaxen aus dem frischbezogenen Flussbett ganz\nbehutsam um den kurzen Kugelkaktus unbestochen über grosse, bleiche\nDamenwäsche in des Herren Flaschenkeller rollt, und die zarten Wasser-\nhosen mit den Hagelfröschen und den Sturmraketen um die Lämmerkeulen\nspriessen, weil die sauren Sahnekühe ihren zähen Ziegenpeter vor den\nHirtendonner stossen, hollahi, hollaho, wenn im welken Urlaub aller\nSilberpappeln schon die warmen Rnospenkätzchen ihren grauen Star\nerdrosseln, und im Dreck die bunten Finken an den spitzen Spatzenpfützen\num den bangsten Junikäfer sich behende in die kleinen Fressen schlagen,\njumheidi, jumheida, wann die himmelhohen Lerchen, die den Bandwurm\nvon den Dichtereichen schlingen, sich zum dicken Kuckuck scheren, der\ndem Regenturm die Wasseruhr zerschmettert, dass die Schmetterlinge\naus zerschellten Glockenblumen durch die hellen Gurkenscheiben auf den\nfinstren Bockmist flattern, was die Nachtigall, ick hör dir trapsen, mit der\nZeit dem langen Zeiger läutet, der dem weisen Marabu die blinden Kneifer\nputzt, und der Lyrik keiner Heimat mit der Bassguitarre eine wundervolle\nDachtel schwalbt, dass die Klampfer mit der Scheunendeichsel um den\nheissen Brei marschieren, und dem Pilgerchor am Stullenherd die Kasserollen\nfällen, hollahi, hollaho, wenn der Frühling mit dem Heu am Ranzen mit\ndem Herbsten durch das Sinngestöber pendelt, fertig ist die Winterlaube,\nbleibt die Kirche nicht im Dorfe, nicht im Lande, olala, heidi, heida, und\nder Sommer ist daher dahin, und der Schalttag ist sein heisser Clown.\n\nDER STURM / ZWEITES VIE RTELJAHRHEFT"}, {"page_pdf": 71, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.71", "texte": "Alt-Wien\nRudolf Blümner\n«Bei einem Festessen in dem Empfangsraum des\nWiener Rathauses zu Ehren des Dr. Richard Strauß\nteilte der sozialdemokratische Bürgermeister Seitz\nmit, daß in der nächsten Sitzung des Gemeinderates\nDr. Richard Strauß zum Ehrenbürger von Wien\nernannt werden soll. Strauß versprach, die nächsten\nzwei Dezennien in Wien leben zu wollen.“\nIch hoffe, daß der Gemeinderat sein Wort hält,\ndas Herrn Dr. Strauß für zwei Dezennien in Wien\nfesthält. Denn die Berufung auf die Tradition ist\nin Wien seit altersher traditionell. Im Mai 1824\nwurde die Neunte Symphonie Beethovens in\nWien ausgepfiffen und verhöhnt. Im Mai 1924\nehrt die Stadt Wien einen Komponisten, der sich um\nden Niedergang der Musik hoch verdient gemacht\nhat. Das ist eine neue Verhöhnung Beethovens.\nAber der Gemeinderat von Wien fühlt sich ver-\npflichtet, es seinen Vorfahren gleich zu tun.\n\nERLÖSUNG im LICHT\nNikolaus Braun\nIch fertige Bilder für Sanatorien an mit eingebauter\nHöhensonne. Davor werden die Ausstellungs- und\nSanatoriumsbesucher kaffeebraun und fahren nach\n10 Minuten Betrachtens aus der Haut. Weiterhin\nschaffe ich Bilder mit Blaulicht ebenfalls für alle\nHeil- und Unheilzwecke. Von meinen neusten\nBildern gehen die Strahlen des großen englischen\nPhysikers H. Rindell - Matthews aus, die sogar einem\nMagneten das Anziehen und Abstößen abgewöhnen.\nDer Betrachter dieser Bilder fühlt sich im Nirvana-\nZustand selig erlöst. ln Parlamenten und Kaffee-\nhäusern aufgehängt, verhindern diese meine Arbeiten\nwirksamst jeden Krieg. Im übrigen können Sie das\nalles ebenso erleben, wenn Sie sich an das Wasser\nbegeben und daselbst geruhsam das Spiel des Lichtes\nbetrachtend sich hineinziehen lassen in das unendliche\nHüpfen und Kreisen der Reflexe und Sonnenabbilder.\nZur Ausstellung im Sturm\n\nDie Gondel von Berlin\n\nJetzt gibt es dicht beim Sturm ein Theater. Es heißt\n„Die Gondel“. Zwischen beiden liegt der Potsdamer\nPlatz. Auf ihm wird der Verkehr geregelt und\nlinksrum und rechtsrum Revolution gemacht. Zur\nBesichtigung dieser Angelegenheiten ist für das bessere\nunbeteiligte Publikum ein Cafe errichtet, das vor\nzwanzig Jahren im Stil eines Biedermeierschlafzimmers\nrenoviert wurde. Dort trinkt man den bekannten\nBerliner Cafe, der ohne Bohnen von selbst schwarz\nwird. Im helleren Zustand wird er Bouillon genannt.\nAuf einer andern Seite des Platzes hat man die Ecke\nder Piccadilly-Street nachgebaut, als obste in London\nlebst. Damit die Berliner die Örter nicht verwechseln,\nhat man das Monumentalcafe dieses Hauses Vaterland\ngenannt. Bleibt man aber auf der Seite des Aussichts-\ncafes, so kommt man logisch in die Bellevuestraße.\nHinter den Bäumen befindet sich auf der einen Seite\ndas Hotel Esplanade, in dessen Sälen man die Feste\nfeiert, die nicht fallen wollen. Auf der anderen\nSeite hinter den Bäumen liegt das Künstlerhaus. Es\nist körperliches und geistiges Eigentum des Vereins\nBerliner Künstler. Das sind Herren, die grundsätzlich\nnur Bilder malen und ausstellen, die man vor mehreren\nJahrzehnten schon einmal gemalt hat und die in zu-\nfällig leeren Läden der Potsdamer Straße in Serien\nverkauft werden. Zehn Stück zu einhundert Mark,\nzehn Stück zu zwohundert Mark. Bis zu den höchsten\nPreisen rauf. Telefonischer Anruf genügt. Besichtigung\nnicht erforderlich. Nur um Angabe wird gebeten,\nob Kniestücke oder Seestücke erwünscht sind. Neben\ndiesem Künstlerhaus liegt die Kunst. Das Theater\n„Die Gondel“. Zwei Neger singen auf der Bühne\nvon the spring time, das einzige Wort, das „man“\nversteht. Der Maler Paul Leni hat sie angezogen.\nSelbstverständlich weiß. Wegen der spring time.\nSie haben den traditionellen deutschen Schmerbauch,\nwenn auch nur in der Rockweite. Hieraus ergibt\nsich, daß sie in sich bis in die Erde sinken und\nbis an den Bühnenhimmel steigen können. Was sie\nauch mit Inbrunst tun. Nun ist aber nicht der Rock\ndie Kunst, sondern das Steigen und das Sinken. Zu\n\nDER STURM\nHERAUSGEBER: HERWARTH WAIDEN\nfOnfzehnter JAHRGANG / MONATSBERICHT / juni 1924"}, {"page_pdf": 72, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.72", "texte": "Herwarth Walden\n\ndiesem Zweck hat der Maler und Regisseur Leni\nden Rhythmus angewandt, von dem ein bekannter\nKunstkritiker kürzlich behauptete, es gäbe ihn garnicht,\ner sei nur eine verrückte Erfindung von mir. Immerhin\nerfolgt mit diesem Rhythmus eine Verrückung des\noptischen Bildes. Und zwar eine künstlerisch\norganisierte Verrückung, für die man in besseren\nKunstkreisen das Wort Komposition erfunden hat.\nDiese optischen und akustischen Bewegungen der\nkünstlerischen Komposition wirken so außerordentlich,\ndaß das künstlerische und das unkünstlerische Publikum\nund sogar die Berliner Kritik alles in Ordnung findet.\nNun scheint mir die Wirkung die stärkste zu sein,\ndurch die man alle erschlägt. Dieses Erschlagen ist\nzwar kein politischer, aber ein künstlerischer Beweis.\nDenn auf Berufkünstler wirken, die sich selbst dazu\nernennen, ist keine Kunst. Der Fabrikant aus Chemnitz\nist ohne Zote begeistert, deretwegen er doch eigens\nnach Berlin kommt, der Professor aus Tübingen läßt\nes sich gefallen, der Makler hört auf zu mäkeln\nund zu essen und die Damen vermissen weder\nSeele noch Körperschönheit. Man nimmt sogar die\nunnatürlichen Gesichter hin. Die Neger heißen\nBlass und Pauly. Man spielt „Seebad“. Fräulein\nGodau und Herr Blass singen Wörter wie „Bald\nwillst Du nicht, bald willst Du doch“, was gerade\nkeine absolute Lyrik ist. Hierzu hat der Komponist\nHans May Töne klangvoll zusammengestellt und\nzwar mit Hilfe des erwähnten Rhythmus. Für die\nMusik ist er nicht von mir erfunden, das ist einwandfrei\nnachzuweisen. Nun kam man auf die fernliegende\nIdee, sich nicht Meeresdekorationen serienweise aus\ndem naheliegenden Künstlerhaus zu bestellen. Der\nMaler Paul Leni hat nur drei lange Pappstreifen\nschlicht angestrichen, ohne Berliner Künstlerkunst.\nDer Regisseur Leni läßt diese Pappstreifen in dem\nRhythmus bewegen, der wieder von mir erfunden\nwurde. Die Dame Godau und der Herr Blass haben\ndie Freundlichkeit, ihre Bewegungen mit den Be-\nwegungen der Pappstreifen in die sogenannnte\nkünstlerische Logik zu bringen, die man zwar nicht\nsieht, deren Vorhandensein man aber merkt. Und\nwenn auch nur dadurch, daß man von ihr erschlagen\nwird. Zwischen den Pappstreiten bewegen sich in\neiner Kleidung, die sich dem Badekostüm nähert,\nverschiedene vorübergehende Bewohner des Meeres.\nZu Ehren der Berliner Presse liest einer sogar den\nKuxenmarkt im Wasser. Auch die Meerungeheuer,\ndie man wohlwollend Menschen nennt, verrücken sich\nauf Grund der geheimnisvollen künstlerichen Logik, bei\nder man sich nichts denken kann. Das ist auch wieder\nnicht nötig, denn dafür hat man schließlich bezahlt»\nDie Geschlossenheit der künstlerischen Komposition\nist so stark, daß nicht einmal die naturalistische\nwirkliche Schönheit des Fräulein Godau stört.\nDer Regisseur Leni hat eine Szene „dancing girls“\ngeschaffen. Das Publikum, das gern im Vorder-\ngrund lebt, ist als Hintergrund gemalt. Infolge-\ndessen bleibt den drei dancing girls, eins heißt\nFräulein Godau, nichts übrig, als mit ihrem werten\nVorderteil gegen den Hintergrund zu tanzen. Denn\nwoher sollen die girls wissen, welches das richtige\nPublikum ist. Das vordere Publikum sieht nicht\nnur hinter die Kulissen, es sieht sogar zum ersten\nmal einen Tanz von hinten. Damit das Publikum\naber weiß, wo vorn und hinten ist, hat die Direktion\nzur größeren Vorsicht an den Vordergrund einen\nFeuerwehrmann gestellt, von dem der gebildete\nTheaterbesucher weiß, daß er ganz hinten steht.\nEin Denkirrtum ist also ausgeschlossen. Und\nauf das Denken kommt es bekanntlich bei der\nKunst an. Der Regisseur hat sich gestattet,\nmeine Erfindung des Rhythmus anzuwenden. Er\nhat die typischen Bewegungen der Tiller girls zwar\ngelassen, sie aber in der Bewegung gelassen verlang-\nsamt. Hierdurch wird das Tänzerische dieser\ntypischen Bewegungen wieder intensiv sichtbar.\nBewegung steht hart und stark gegen Bewegung.\nDie Verwischungen sind fortgewischl. Und es\nentsteht ein tänzerisches Kunstwerk, was im künst-\nlerischen Sinn nicht eine Parodie ist, wie es scheint,\nsondern eine Ode. Man kann im Eindruck sich\neinmal gebildet ausdrücken, damit der Denker auch\nsein Vergnügen hat. Der künstlerische Ausdruck\naber muß gebildet werden und nicht gebildet sein.\nUnd das kann man im Theater „Die Gondel“ sehen.\n\nAurel Bernäth\n\nBernäth ist derjenige unter den ungarischen Malern,\ndessen Gestaltung ins Visionäre ragt. Wie er da-\nbei die Erscheinungen der Natur in einer Flut von\nsamtschwarz und tiefblau umfangender nächtlicher\nDunkelheit und grün flackernden Irrlichtern auflöst\nund nach der Höhe leitet, ist typisch magyarisch.\nDieser Drang aller Kreaturen nach einem Jenseits,\nwo das Spiel oder der tragische Kampf ihrer Kräfte\nins Mythisch-Planetarische wächst, findet keine Ruhe\nbei dem Gefühl des friedlich geschlossenen Daseins-\nkreises von Tier- und Pflanzennatur. Bernäth bleibt\nauch bei der Dämonie des Seelischen nicht stehen,\ndie aus dem Antlitz des einzelnen hervorstarrt. Er\ngleitet nicht ins Traumhaft-Vergeisterte, beschwört\nkeine schreckhaft-wunderbaren Erscheinungen, Seine\nVision ist eine Steigerung und Erweiterung des\nNaturgebildes, als Bildes einer Macht, die uns"}, {"page_pdf": 73, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.73", "texte": "Ernst\n\nMenschen, trotz technischer Allerweltsfertigkeit, über-\nlegen bleibt. Wir sind nicht fähig, die Beziehungen\nerkenntnismäßig und praktisch bis ins Letzte und\nEntscheidende zu beherrschen, die unsere Erdennatur\nin einen Strom kosmischer Gewalten treiben läßt.\nDer Strom reißt ins Grenzenlose und bleibt ein\nSchauspiel mythisch-erhabener und geheimnisvoller\nNaturerscheinungen und Mächte. Diese Erschütterung\nvor dem Geheimnis der Natur, jenseits aller Grenzen\nmenschlicher Einsicht und Einflußnahme, ist ein\nromantischer Wiederklang der von Christentum und\neuropäisch-bürgerlichem Kulturdrill verschütteten heid-\nnisch-magyarischen Natur-Religiosität. Zu plastischen\nPersonifizierungen nunmehr unfähig, erhebt sie ihr\nallbewegendes mythisches Weltprinzip als eine\ngigantische Rhapsodie von Gebirgsketten, Seen,\nWolkenzügen,Planetenläufen undHimmelslichlbahnen.\n\nPhilosophische Walpurgisnacht\nDer unkundige Leser wird mit Erstaunen hören,\ndaß es einen Mann gab, der da behauptete, eine\nheute noch unbekannte exakte, das heißt im Range\nder Mathematik und Physik ebenbürtige, daher ganz\nund gar unanfechtbare und gänzlich neue Wissen-\nschaft entdeckt zu haben, von der man sich (wie\ner sich selbst ausdrückt) „bis dahin nichts habe\nträumen lassen“. Er wird erstaunt sein, daß dieser\nMann sich wegen seiner Entdeckung mit Kopernikus\nverglich. Er wird sagen; „Der Mann hat Mut“\noder „ein verflucht bescheidener Kerl“. Aber der\ndies sagte, war in der Tat ein sehr bescheidener,\nguter, anspruchsloser Mann, der nichts sehnlicher\nhoffte, als daß er im Jenseits nicht etwa mit seinen\ngroßen Kollegen von der Philosophie, sondern mit\nseinem alten Diener Lampe zusammentreffe und\nzwar deswegen, weil er die Gesellschaft besonders\nrechtschaffener Seelen jeder andern vorzog. Der\ndies sagte, war ferner ein Mann, der nicht nur der\nLüge, sondern auch der fahrlässigen Verletzung der\nWahrheit, besonders aber der fahrlässigen Ver-\nbreitung von Irrtümern im höchsten Grade abhold\nwar. Er war ferner ein Mann, der zuerst eine\nheute im wesentlichen anerkannte Wissenschaft von\nder Entstehung des Fixsternsystems begründete und\nzwar bis ins einzelne. Dieser Mann ist unser alter,\nlieber, den meisten Menschen nur durch dunkle\nGerüchte und sich widersprechende Zwischenträge-\nreien nicht sowohl bekannte als genannte Kant.\nAus; „Philosophische Walpurgisnacht. Vorspiel zu\nder philosophischen Trilogie von Ernst Marcus\nDas Erkenntnisproblem\nWie man mit der Radiernadel philosophiert\n2,50 Mark / Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nDie Walpurgisnacht, die nicht als Frühlingser-\nscheinung vorübergegangen ist, sondern in, um und\num Königsberg herum aufgeführt wurde, hat edle\nWelt noch dümmer gemacht, als sie schon war.\n„Die Wächter und Hüter, die als Kantforscher\nauftreten“, haben wieder gründlich dafür gesorgt,\ndaß das Problem verschüttet werde. Es gibt nur\neinen Kantkenner und einen Kantforscher. Ei\nheißt Ernst Marcus.\nSein „Erkenntnisproblem“ ist die klarste Ein-\nführung in das Werk Immanuel Kants.\n\nAus meinem Traumbuch\nRudolf Blümner\nEin Engländer schrieb das Wort „Tauentzienstraße“\nvor meinen Augen so;\nTown seen Strasse\n*\nEin Theaterkritiker schrieb von einem Darsteller:\n„Er blieb uns viel vom Text schuldig. Wir werden\nden Restbetrag durch Nachnahme von ihm erheben.“\n*\nIn einem Hoftheater unseres ancien regime stellte\nsich mir ein Logenschließer als ehemaligen Intendanten\nvor. Er war nicht damit zufrieden, daß man dem\nHeldentenor ohne weitere Umstände einen Kranz\nüberreicht hatte. „An unserer Bühne sorgte ich da-\nfür, daß stets ein Vertreter meines Regiments zur\nStelle war, der den ersten Kranz erhielt. Und\ndann meinetwegen dem Sänger den Kranz auf den\nBauch.“\n\nAus der Wollonie\n\nDie neue Kunst ist in Belgien durch die Gründung\nverschiedener literarischer Gruppen in die Erscheinung\ngetreten. Die Bewegung, die, wie hier alles andere,\nvon Frankreich zu erwarten war, ging von Flandern\naus. Aber schon während des Krieges erschien in\nWallonien eine Zeitschrift der radikal modernen Rich-\ntung „Resurrection“. Ihre Mitarbeiter, die sich\nseitdem bei der jüngeren Generation einen Namen\ngemacht haben, waren: Guy Boscart, Rene\nVerboom, Ernst Stadler, Charles Villdrac,\nClementPansaers, P. I. Jouve. Diese Gruppe\nveröffentlichte ihre Wochenschrift im Jahre 1918.\nNamur war ihr Zentrum. Die Veröffentlichungen dieser\nextremen Gruppe beabsichtige ich in nächster Zeit zur\nGrundlage eines eingehenden Studiums zu machen."}, {"page_pdf": 74, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.74", "texte": "Rene Liege\n\nNachdem Waffenstillstand trat ein völliger Umschwung\nin der künstlerischen Gruppierung ein. Eine der\nersten literarischen Gruppen war „Lumiere\" in\nAntwerpen. Zu ihr gehörten: Roger Avermaete,\nJan Cantre, Armand Henneuse, Joris\nMinne, Fr. van den Wijngaert und etwa\nzwanzig andere.\nZu einer weiteren Gruppe, die sich gleichfalls in\nAntwerpen bildete, „(Ja ira“ gehörten: Rene\nArcos, Leon Chenoy, Paul Colin, Willy\nKoninckx, PaulNeuhuys, Charles Plisnier,\nMarcel Sauvage, Han Ryner und zahlreiche\nandere.\nNoch im Jahre 1919 kam Arthur Petronio mit\nseiner Zeitschrift „La Revue du Feu“ von Ant-\nwerpen nach Lüttich, wo er mich und Lempereur\nHaut kennen lernte. Mit diesem und mit Georges\nLinze gründete ich damals „Le Groupe Moderne\nd’ Art.“\nEinige Zeit später gründete Petronio: „Le libre\nEssor“ zusammen mit Meurris, Vatriquant\nund anderen, sodann „ Creer“, von der sich zahl-\nreiche Mitarbeiter später trennten, um sich mit de\nRidder und seinem Kreis der „ Selection “ zuzu-\nwenden.\nEine interessante Gruppe bildete sich in Brüssel\n,7 Arts“, der die Brüder Bourgeois ange-\nhörten.\nIn einem weiteren Bericht werde ich mich über die\nmoderne Bewegung in der Wallonie noch eingehender\näußern.\n\nKunstausstellung Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nFernruf: Lützow 4443\nExpressionisten / Kubisten / Futuristen\nJuni 1924: Aurel Bernäth\nAdolf Bauer-Saar\nBenjamin Ferenczy\nJuli 1924: Sturm-Gesamtschau\ngeöffnet täglich 10—6 / Sonntags 11—2 Uhr\n\nEtwas für Sie\nsind die\nLaienkurse\ndes\nSturm-Seminar\nNeue Kurse: Beginn 1. September 1924\nEs finden folgende Kurse statt:\nKursus 1 / Rudolf Blümner:\nTheater, Schauspielkunst und Rhetorik\nKursus 2 / Herwarth Waiden:\nDie Dichtkunst\nKursus 3 / Lothar Schreyer:\nDie Malerei\nKursus 4 / William Wauer:\nMystische und philosophische Erlösungslehren\nder Menschheit\nT eilnehmerkarten:\nFür jeden Kursus; 20 Mark\nBesuch eines einzelnen Nachmittags: 4 Mark\nDie Kurse finden an den Wochentagen nachmittag«\n4V. Uhr statt\nAnmeldungen\nin der Kunstausstellung Der Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 134 a\nund in der Sturm-Buchhandlung\nBerlin W 9 / Potsdamer Straße 138 a\nTelephon: Lützow 4443\n\nVoranzeige des Verlags\nDer Sturm / Berlin W 9\nIn Vorbereitung:\nWilliam Wauer:\nDas entdeckte Gehirn oder\nJäger Bauern und Hirten\nDie erste vollkommene Lösung des Denkproblems\nGebunden 2,50 Mark\nIm Herbst erscheinen;\nTibor Dery:\nBlaue Glasfiguren / Novellen\nSchickt Bronztauben über sie / Gedichte\n\nSturm-Sommerball\n(Ein Sommernachtsball der Ge-\nsellschaft der Sturmfreunde)\nFreitag, 20. Juni\nGartensaal Zoo\nNähere Mitteilung durch den Sturm (Lützow 4443)\n\nG. d. St. in Dresden\nAm 22. Mai hat sich in Dresden eine Ortsgruppe\nder Gesellschaft der Sturmfreunde gebildet. Vor-\nsitzender ist Edmund Kesting, Semperstrafie 11"}, {"page_pdf": 75, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.75", "texte": "W. Marzillier & Co. » Berlin W * Grunewaldstr. 14-15\nGegründet 1854 Hof-Spediteure S. M. de* Königs von Spanien Gegründet 1854\nmini\nSpedition und Möbeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemälden und Kunstgegenständen jeder Art -- Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen des\nIn- und Auslandes -- Transportversicherungen aller Art.\niimmimiiiiiiimimiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiitiiimiiiiiiiiiiimiiimiiiinmiiimimiiiiimimiiimiit\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Künstler, der Freien Secession,\ndes Verbandes Deutscher Illustratoren und Hausspediieure des „Sturm\"\n\n£>iiiiiiiiiiiimimimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiii:\nÜJ\nOC\nD\nDC\n<\n-J\nCO\n'S\nCO a>\n3 Z\n03 ra\nC E\n5 E\n> <0\n< iü\n■o *\n(0 =\nw\nCO §\n0)\n52 o\nO c\nE\n3\n.52 a\n’> co\nÜC\n.E 52\n•5 I\nco |\n<a =\n® CD ® 5\nT 3 .*•\n2\ng-to I\nCO > I\n*“ o »\n5 0) -i ,\n« c\n= 5 i\nS t» =\nE =\nE =\n«* =\no 1 = S\n\nTENTATIVES\ndirecfeur Henry Pefiof\nnumdro spdcial j\nSTENDHAL, I\navec des inedifds !\nle numdro; IO francs |\n: abonnemenf l'un an: 30 francs I\nI j\n| £ place Porte Reine d Chambdry !\n\nBOTTEGA DI POESIA\nMAISON D'fiDITION - LIBRAIRIE - MAISON D'ART\nSuccesseur de la Maison .Artaria' de Ferd. Sacchi © F. - Cartes GSographiques - Guides - Plans\n14, VIA DEL MONTE NAPOLEONE-MILANO (3)\nCa plus moderne ei la plus compleie de Maisons de ce genre;\nveriiable cenire liiieraire ei ariisiique Hallen ei international\nLES EXPOSITIONS DE BOTTEGA DI POESIA\nPendant les anne6s 1922—1923 oni eie organiseös\nLes Expositions Personelles ou d’Ensemble des\nPEINTRES ET SCULPTEURS ITALIENS CONTEMPORAINS\nPEINTRES ET SCULPTEURS BELGES CONTEMPORAINS\nDEPOT DES DESSINS, EAUX-FORTES, LITOGRAPHIES, GRAVURES\nPERIODIQUEMENT\nVENTES AUX ENCHERES DE LIVRES ANCIENS - TAPIS ORIENTAUX\nDENTELLES-DESSINS ET GRAVURES-PORCELAINES\nAusführliche Verzeichnisse kostenlos durch die\nSturm-Buchhandlung, Berlin W 9, Potsdamer Strafe 138 a"}, {"page_pdf": 76, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192406-01.1.76", "texte": "Verantwort!, für die Schriftleitung: Lothar Schrcyer / Berlin W 9 / Druck: V«reinigte Kunst-Institute A.-G. vorm. Otto Troilzsch / Bln.-Schöneberg\nVerlag Der Sturm G. m. b. H. / Berlin W 9 / Fernruf: Lützow 4443 / Postscheckkonto: 120658\n\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9\nNeuerscheinungen\nHerwarth Waiden: Einblick in Kunst\nExpressionismus / Kubismus / Futurismus\nMit 3 Vielfarbendrucken und 70 Abbildungen nach Werken der\nMeister der neuen Kunst. Neuauflage des lange vergriffenen und\nsehr gesuchten authentischen Buches.\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 6,50 Mark\nLuxusausgaben signiert und numeriert in Halb- und Ganzleder\nAlexander Archipenko\nStark vergrößerte Neuauflage des Sturaibilderbuches II\nMit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen und einem Zwei-\nfarbendruck\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 4 Mark\nJacoba van Heemskerck\nSturmbilderbuch VII\nDas erste Werk über die kürzlich verstorbene führende Künstlerin\ndes Expressionismus in Holland.\nZirka 50 Abbildungen und 7 Originalholzschnitte vom Stock gedruckt.\nBeiträge von Poortolict, Blümner, Schreyer, Waiden.\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 8 Mark\nLuxusausgaben in Ganzleder numeriert"}]}