{"numero_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_sha256": "c3f729edb6744e4839d546c2f99aac527b13c9a7bbde6d104ff668a987bec6e2", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1924/09_01/bmtnabg_1924-09_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1924/09_01/bmtnabg_1924-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c001", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.1", "titre_corps": "Porträtzeichnung", "titre_sommaire": "Porträtzeichnung", "signature_source": "Béla Kádár", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.1", "debut_caractere": 114, "fin_caractere_exclue": 143, "texte": "Béla Kádár / Porträtzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c002", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "121", "image_debut": 3, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.2", "titre_corps": "Deutsche Meisterehrung", "titre_sommaire": "Deutsche Meisterehrung", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.3", "debut_caractere": 30, "fin_caractere_exclue": 2063, "texte": "Deutsche Meisterehrung\n\nEinmal muß ich in diesem Winter zum Theater. Ich muß jemand auf Berliner\nBühnen begrüßen. Die Duse-Adeptin. Herr Zarek (München) verheißt es in\nder großen Tagespresse. Die Duse-Adeptin ist keine gewöhnliche Duse-Adeptin.\nEs ist die Tochter — Erika — die Tochter Erika von Frau Katja. Über sie enthüllt\nHerr Zarek (München) ein Geheimnis: „Nun, ich enthülle keine Geheimnisse, daß\nFrau Katja geboren ist.\" Herr Zarek (München), der Pate, weiß auch, warum Frau\n/\nKatja uns geboren ist: „um — was im nachromantischen Deutschland so selten wurde —\ngeistige Mittelpunkte zu schaffen — eine der wenigen, ganz und gar schöpferischen\nLeistungen, deren Reservat die Frau inne hat..\" Herr Zarek (München) hingegen hat\nsich das Reservat dieser Enthüllungen reserviert, um so, wenn auch nicht geistiger\nMittelpunkt, doch Pünktchen neben dem Mittelpunkt zu scheinen. Frau Katja, wie\ngesagt, wie er sagt, schafft also ganz und gar schöpferische Mittelpunkte. Um sich.\nDas nachromantische Deutschland lacht sich ins Fäustchen, daß es, etsch, nun doch\ndie Romantik hat. Da Frau Katja sich in ihrer Frauenwürde als ganz und gar Mittel-\npunkt doch etwas geniert fühlt, holt sie sich Hilfe, natürliche Hilfe, aus dem Mutter-\nleibe: „Daß indessen die Tochter — Erika — (man wird sie im Winter schon auf\nBerliner Bühnen als Duse-Adeptin begrüßen) diese Energie verstärkte — ich verrate\nes.\" Ich ist selbstverständlich Herr Zarek (München). Nachdem ich so die weiblichen\nMitglieder dieser Familie mit Hilfe des Herrn Zarek (München) den Lesern menschlich\nnähergebracht habe, bleibt uns nur noch übrig, als Reservat das Oberhaupt kennen\nzu lernen: „Kein Wort im übrigen über die materiellen Genüsse. Man soll nicht\neinen Dichter durch seine gute Küche — kompromittieren. Man behauptet jedenfalls,\nbei Hauptmanns äße man nicht besser.\" Nun heißt es, die Hüte vor Herrn Zarek\n(München) abzunehmen. Er kennt offenbar Persönlichkeiten, die bei Hauptmanns\ngegessen haben, wenn er nicht womöglich selbst Mitesser gewesen ist. Ein Dichter,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.4", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2925, "texte": "der samt Familie nicht schlechter ißt, als Familie Hauptmann. Hauptmanns haben\nes dadurch zu einem beträchtlichen Ruf gebracht. Bei Adlon ißt man gut, bei Haupt-\nmanns besser. So gut wie in der Familie können es die Restaurants eben nicht.\nMan ißt eben doch am besten bei Muttern, wenn Vater außerdem als Dichter ißt.\nHauptmanns haben also Nebenbuhler gefunden. Die Literaten buhlen bereits um\ndiesen neuen Tisch: „Man aß, man trank: es ist ja jedem (aus der Vorkriegszeit) in\nErinnerung, wie vergnüglich satt einem dann zumute ist. Nur zu gut, daß es einen\nMokka gibt.\" Ich glaube, daß Herr Zarek (München) der Mann ist, was die Franzosen\nGourmet nennen. Essen hält Leib und Seele zusammen. Nur zu gut, daß es einen\nMokka gibt. Herr Zarek (München) kann nicht mehr: „Nur vernünftig, daß man das\nArbeitszimmer in einen Rauchsaal verwandelte — die Zigaretten hätten besser sein\ndürfen — (den Fabrikanten sei der Schlußsatz der Meistersänger zu besinnlicher\nDarnachachtung empfohlen) —!\" Sehr vernünftig. Man sollte wirklich die Arbeits-\nzimmer der Dichter in Rauchsäle verwandeln, damit ihr Zweck den Wohnungsämtern\nnachzuweisen ist. Die Fabrikanten der Zigarettenindustrie lassen die Zeitung in den\nbeträchtlichen Schoß fallen und stürzen auf das Textbuch der Meistersinger, um nach-\nzusehen, wonach darnach zu achten sei. Ehret Eure deutschen Meister. Dann bannt\nihr Herrn Zarek (München). Qualität, meine Herren Fabrikanten auf i, für die\ndeutschen Meister, die ihre Arbeitszimmer in Rauchsäle verwandeln. Qualität und\nLiebesgaben. Denken Sie sich, meine Herren, diese billige Reklame. Hätten dem\nguten Geist die Zigaretten gemundet, Eure Firma wäre mit dem Namen des deutschen\nMeisters gratis in die Ewigkeit eingegangen. Und wer kann wissen, ob die Ewigkeit\nnicht auch eine Konjunktur hat. Da doch alles irdische Wesen so wie so schon Rauch\nist. Und nun kommt er, Hut ab, er, der Meister, preisgekrönt: „Eben betritt der\nMeister selbst, gesättigt, und bei vorbildlichem Humor, ein wenig pedantisch höflich,\nden Raum, um der Witwe des Professors Jaffe die Zigarette anzuzünden.\" Er kennt\nseine Marken schon, der Meister. Die Witwe muß dran glauben. Vom Meister an-\ngezündet, sitzt sie ohne weiteres Adjektivum da. Nur Herr Zarek (München) erfaßte\nden geschichtlichen Augenblick. Denn nicht nur er, der Meister selbst ist gesättigt.\nUnd infolgedessen bei vorbildlichem Humor. Auf weniger geübte Leute wie Herrn\nZarek (München) wirkt gutes Essen pathetisch. In der Tat, man möchte mehr von\ndiesem Meister wissen: „In der Tat, der enge Kreis — ich hatte auf der Zunge, zu\nsagen: der enge Freundeskreis, wäre es nicht zu großspurig für mich, mit diesem\nkühnstolzen Wort meine Anwesenheit zu beschließen — dieser kleine Kreis also war\ndoch so gewählt, daß man bei wohligen Genüssen und nicht bedeutungslosen Ge-\nsprächen passabel unter sich war, ohne Lärm und Illumination, eine gute und vor-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.5", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2983, "texte": "bildliche Feierlichkeit als atmosphärischen Kontrapunkt sozusagen.\" Warum nur so-\nzusagen dieser Lärm, wenn man doch ohne Lärm so passabel unter sich ist. Nur\ndie kühnstolze Anwesenheit des kleinen Ichs (München) hat sozusagen den atmo-\nsphärischen Kontrapunkt vorbildlich unterbrochen. Mit dem Kontrapunkt ist überhaupt\nnicht zu spaßen. Er hat sich als atmosphärischer Druck auf das Münchener Minimum\ngelegt, sodaß in der Zusammenwirkung mit den nicht bedeutungslosen Genüssen und\nden wohligen Gesprächen erhebliche Depressionen nebst Graupelschauern entstehen\nmußten. Daran hat wieder der Golfstrom schuld, der bei solchen Witterungsumlagen\nimmer großspurig herhalten muß. Atmosphäre hin, Kontrapunkt her, man möchte\nsozusagen jetzt den Freund des Freundeskreises auch einschließen: „Und dort, dieser\nein wenig an Strand und Ufer erinnernden und — hat man Phantasie — sogar an\nOstseebilder fern anklingenden Einsamkeit im Rücken der Stadt, hat er seine Villa,\ndie repräsentative, ein wenig patriarchalische Villa von hanseatisch stolzer Haltung. —\nUnd ringsum sind Schneeflächen wie Skigelände — die das Haus des würdevoll\nEinsamen zu schöpferischer Ruhe von der Aussenwelt abschließen würden, wenn nicht\nalle vierzehn Tage der Magistrat Arbeitslose zum Ausschaufeln niedlicher Schneepfade\nabkommandieren würde.\" Wo mag die Filla des vorbildlich gesättigten, würdevoll\nEinsamen liegen? Ist's Preußenland? Ist's Schwabenland? Ist's, wo am Belt die Möve\nzieht? Ostseebilder mit Schneeflächen und Skigelände in hanseatischer Unterhaltung,\nein wenig patriarchalisch. Magistrate, die Arbeitslose zum niedlichen Schaufeln Augen\nrechts hinkommandieren. Eine tolle Gegend. „Der Sommer aber öffnet die großen\nFlügel im Arbeitszimmer des Meisters und der blühende, duftige, schattige, üppig\ngrüne Park spaziert mit der Vergnüglichkeit Pans und der frechen ganz unhanseatischen\nKeckheit eines oberbayrischen Vorgebirg-Sommers bis zum Arbeitstisch des Meisters.\"\nHier sollten Zigaretten stehen. Aber sie stehen schon. Durch den üppig grünen\nPark, den blühenden, den duftigen, den schattigen, würde ich auf Bayern schließen,\nwenn ich wüßte, wo der Herr Pan plötzlich herkommt. Es sei denn, daß er neuer-\ndings beim dortigen Magistrat angestellt ist. Allerdings dürfte in Bayern ein Vor-\ngebirgsommer nicht frech sein. So etwas liebt man dort nicht. Immerhin, der Sommer\nöffnet persönlich die großen Flügel und der Meister ist teils durch die Arbeitslosen,\nteils durch Herrn Pan an der Dichtkunst verhindert. Der Meister scheint etwas mit\nder Hansa zu tun zu haben, die aber nicht mit Frau Katja zu verwechseln ist. Jetzt\nheißt es, nicht nur den Hut abzunehmen, jetzt heißt es, die Schuhe oder Stiefel aus-\nzuziehen, nun sind wir auf geheiligtem Parkettboden: „Wenn sich in diesem historischen\nRaum, der die Geburt der „Unpolitischen Betrachtungen\" wie des „Todes in Venedig\"\nmit ansah, jemand über das Hereinwachsen der Natur freut, so der Ludwig von Hoffmann"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.6", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2973, "texte": "an der Wand, mit seinen wandervogelnackten Gestalten im idealen Landschaftsraum .\"\nDer Hoffmann an der Wand sieht seine eigene Schande Gottes. So etwas. Wander-\nvogelnackte Gestalten. Im hanseatischen Bayern. Mit Magistrat und niedlichen Schau-\nfeln. Sozusagen im atmosphärischen Kontrapunkt und idealem Landschaftsraum. Und\nder Pate Nummer 2, der historische Raum, der sogar der Geburt des Todes zusieht\nund der Geburt der unpolitischen Betrachtungen. Ein toller Bursche dieser Raum.\nManche Leute erleben doch etwas. Und wenn nun der gesättigte Meister persönlich\nden Raum betritt und sich persönlich an die Geburt begibt, nicht ohne vorher die\nZigarettenschachtel vom Schreibtisch an die wandervogelnackten Gestalten hinzufeuern,\nauf daß er Platz für Papier und Goldfeder habe, und wenn er seinen vorbildlichen\nBlick auf jenen idealen Landschaftsraum wirft, über den die freche Pansnatur ihrerseits\nsich erfreut, dann ist der Lenz erwacht, der Lenz ist da. Nein, der Sommer ist da./\nOder, wie Herr Zarek (München) sagt: „Die Ausschaltung des weiblichen Prinzips im\nKomment verhindert die Bindung und Durchdringung, die Annäherung und innige\nVergemeinschaftung.\" In deutscher Übersetzung für schwerfälligere Gehirne: Gute\nDiners machen mit Damen mehr Spaß. Das männliche Prinzip verlangt aber den\nvergeistigten Ausdruck ewiger Bürgerwahrheiten, damit man das Recht auf den Freundes-\nkreis erwirbt. Es fehlt der Gesang, aber auch dieser panische Schrecken bleibt nicht\naus und noch dazu mit Laute: „Der Rheinländer hat vier im Englischen Garten\nkampierende Wandervögel aufgegabelt, blondhaarige Germanen aus der Heimat, die\nein wenig schmutzig, aber sehr sonnenbraun in ihrer Nationaltracht kamen, den Zau-\nberer zu ehren.\" Vermutlich Nationaltracht nach Hoffmanns Art. Sollte wer be-\nhaupten wollen, daß die Natur ohne Schmutz sei? Der Zauberer wird geehrt, der\nZauberer fühlt sich hochachtungsvoll geehrt: „Natürlich haben sie Tonio Kröger\ngelesen — natürlich nur dies und sonst nichts. Sie sind ganz unliterarisch und stolz\ndarauf.\" Für diese kampierenden Germanen zählt also der Zauberer nicht mehr mit.\nWas ist ihnen Thomas Kröger? Was ist ihnen Tonio Mann? Was ist ihnen der selbst\"\ngesättigte Buddelbrook? „Dafür sind sie aber emsige Ausbuddeler der verschiedenen\nTut-anch-Amons-Mumien, die im Born des altdeutschen Volksliedes verborgen ruhen.\"\nIn Bayern ist alles möglich. Da spuckt der altdeutsche Born selbst alt-ägyptische Leichen\naus. Wenigstens nach Aussage des Herrn Zarek (München). Ihm gibt auch diese\nWasserbuddelei zu denken: „Seltsamer Gegensatz: der durchaus haltungsvolle Meister,\ndie soignierte Gesellschaft, alles literarisch kluge, solid denkende und solid gebildete\nPersönlichkeiten von Grundsätzen, denen der Gastgeber mit zeremonieller Höflichkeit\ndie Zigaretten reicht — während er mit halber Wendung des Kopfes erstaunt, mit\nliterarischer Rührung, ein Lob spätgotischer Bejahung flüsternd (etwa: „Das ist ein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.7", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2758, "texte": "durchaus guter und nicht unbedeutender Einfall von Ihnen gewesen, der mir zu hohem\nGenüsse gereicht\"), und so also, halb interessiert und halb mit dem Herzen beteiligt,\ndiese blonden Burschen in ihrer gut gemeinten Hilflosigkeit betrachtet und sich müht,\nden Grund aufzuspüren über Lied und Vortrag einige artige Worte zu äußern. .\nDas geht selbst über die Höflichkeit von Zigarettenreichen. Diese ganze Huldigung\nist die größte Schmach, die mit dem kitschigen Begriff des deutschen Meisters je\nverbunden ist. Und der Herr deutsche Meister duldet sie. Diese solid denkenden\nund solid gebildeten Persönlichkeiten von Grundsätzen, diese soignierte Gesellschaft\nsind womöglich noch literarisch gerührt. Und der durchaus haltungsvolle Meister\nbejaht spätgotisch das Lob des Herrn Zarek (München) durch Schweigen. Dieser\nZauberer sagt nach dem Gesang von Wandervögeln: „Das ist ein durchaus guter und\nnicht unbedeutender Einfall von Ihnen gewesen, der mir zu hohem Genüsse gereicht.\"\nVon einem Mann, der diesen Satz sagt, behaupten viele Männer, daß er ein Dichter\nund ein Meister sei. Es gereicht mir zu hohem Genuß. Wir, Thomas, von Gottes\nGnaden Dichter von S. Fischer in der Villa am Isarstrand. Uns gereicht es zu hohem\nGenüsse, dem durchaus nicht unbedeutenden Einfall beigewohnt zu haben. Ich über-\nreiche Ihnen, meine Herren und Damen, Zigaretten als Zeichen meiner Huld für Ihre\nwohlverdiente Huldigung. Halb mit dem Herzen und halb interressiert, betrachtet\nder große Thomas sein Volk der Wandervögel, die stolz darauf sind, unliterarisch zu\nsein. Wenn man noch hört, aus welchem Anlaß Herr Thomas Mann die Last dieser\nEhren auf sich nimmt, so traut man seinen Ohren nicht: „Der Zauberer, (nennen wir\nihn nur so, wie alle Welt ihn nennt — ihn schon lange, lange Zeit nannte, bevor er\nfür sein neues Standardwork den Titel „Zauberburg\" zu wählen entschloßen war),\nfeierte Geburtstag. Einen Geburtstag schlechthin, wie ihn der Mensch meist einmal\nim Jahre zu ertragen gezwungen ist.\" Zum Glück meist ohne solche Pressehuldigungen.\nSonst wäre man gezwungen, ihn nicht zu ertragen. Herr Zarek (München) aber schließt:\n„Indiskretionen sind nur erlaubt, wenn sie das Gegenstandslose enthüllen, die Stimmung,\ndie Lebenslust, die Atmosphäre eines Hauses. Es gibt in München nicht viele der\nLebendigkeiten mehr.\" Diese Sättigungsprozedur nennt ein Literat gegenstandslos.\nDiese Singerei Stimmung. Diese Zigaretten Lebenslust. Seinen Artikel die Atmos-\nphäre eines Hauses. Diese Art Dichten und Trachten ist für die Bürger des Geistes\ndas Zentrum des Lebens. Das sind die Dichter und Denker dieser Zeit. Der Herr\naus München nennt es „Kleine Feier bei großen Leuten.\"\nWir Künstler feiern mit den kleinen Leuten.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c003", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "125", "image_debut": 8, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.3", "titre_corps": "Die Rüste-Wüste : Eine Keilschrift", "titre_sommaire": "Die Rüste-Wüste : Eine Keilschrift", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.8", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 1349, "texte": "Die Rüste-Wüste\nEine Keilschrift\n\nDer Mensch ist ein Grenzenloses, in dem der Tod keinen Raum mehr finden wird.\nAber noch gibt es UN-MENSCHEN unter uns, die zum Himmel stinken, von dessen\nAtem sie dennoch leben, ohne ES zu erleben. Der Tod ist ihr Bruder. Doch er\nhat keine Freude an Ihnen, denn sie sind verfault.\nDiese UNWESEN faseln vom nächsten KRIEGE.\nNun wohl.\nES gibt HEILSTÄTTEN, zu denen die Menschen wallen, um zu gen esen.\nES gebe allso auch eine KEILSTÄTTE, zu der die Unmenschen pilgern\nmögen, um abseits zu verwesen.\nMan kann im Übrigen KRIEGE garnicht führen.\nSie brechen nämlich aus.\nUnter GESCHWÜREN aber nur.\nMan kann doch keine PEST führen.\nHaben Sie schon erlebt, daß man einen MORDS-KERL, der ausgebrochen ist,\nnoch führen kann.\nKRIEGE führen mordsrasch ad absurdum.\nDUMM-DUMM.\nES gebe einen HAUPLATZ auf der Erde.\nAuf jedem Hofe steht ein HAUKLOTZ.\nJeder, der zu hauen trachtet, trachtet zum HAUKLOTZ nieder.\nDAS ist höflich.\nJeder, der zu hauen sich trachtet, hole seine TRACHT sich auf dem KEIL-\nPLATZ.\n«\nDAS ist sachlich.\nKEILER kriegen KEILE.\nDAS ist logisch.\nGründlich.\nDI E internationale STERN-NATION MENSCHHEIT, die E S nächstens end-\nlich geben wird, wird einen internationalen HAUPLATZ bestimmen, der\nvon NATUR schon so wüst ist, daß er nimmer öder wird werden können.\nIm Gegenteil."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.9", "debut_caractere": 51, "fin_caractere_exclue": 1838, "texte": "O aset nicht mit WÜSTEN.\nAber eine Wüste muß herhalten.\nSei eine Rüste-Wüste!\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine NOT-WENDIGKEIT, solange ES noch\nUNMENSCHEN gibt.\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine FORDERUNG aller FRIEDFERTIGEN.\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine FORDERUNG aller HÖFLICHEN.\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine FÖRDERUNG der MENSCHHEIT.\nDIE RÜSTE-WÜSTE befördert die UNMENSCHLICHkeit in das Nichts.\nDIE RÜSTE-WÜSTE dient dem internationalen GEFECHTSVER-\nKEHR sämtlicher NATIONAL -IDIO TE N.\nNur noch in der RÜSTE-WÜSTE fahren zum abschrecklichen Beispiel\ndie GRENZENWAHNSINNIGEN gegeneinander an.\nMit Tankgestank.\nNur noch in der Rüste-Wüste treffen sich die Grenzenwahnsinnigen zum Zwecke\ngegenseitiger maschinöser und chemischer Vernichtung.\nDie Rüste-Wüste simmert unter zielbewußt gelenktem VOLL-GAS (LEVISIT) —\n(neueste Verrungenschaft der antichristlichen Nächstenlüge).\nDie Rüste-Wüste wird durch Blut, Knochensplitter und Kadaver der verreckten\nSCHINDLUDER automatisch gedüngert; sie wird fruchtbar und schließlich\n• •\neine brandende Ahrenackerweite.\nDie Blutblasen zer platzen, die Pestbeulen verschwinden und entkäsen aus der\nSTERNHAUT, und allso wird das entjauchte GESTIRN ERDE endlich aller\nFRIEDEN Mutterland.\nDagegen kann doch kein vernünftiger Mensch etwas Vernünftiges einwenden möchten.\nNotwendend ist die Rüste-Wüste.\nDarum ist sie dringend not wendig.\nS i e werde mit einigen tausend katakomben KALTWASSER - HEILANSTALTEN\nlückenlos umzirkt.\nWer in einem der ehemaligen sogenannten Vaterländer das Gelüste zeigt oder verdeckt,\nan einen nächsten KRIEG zu glauben, zu denken, von ihm zu quasseln, oder ihn\nhämisch-stillschweigend in seinem Tollbregen GUT zu HEISSEN, oder diesen sinn-\nund wertlosen MORDSKLAMAUK gar für gar oder erforderlich zu halten,\nbereitet ihn vor und zu.\nEr ist ein SCHUFT."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.10", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2378, "texte": "Er ist reif zur Internierung in die Rüste-Wüste.\nEr werde sofort dorthin verschickt. Er werde dort sofort entkleidet, ja nicht un-\ngeschoren gelassen, sehr gelassen heiß- kalt -heiß geduscht, mit eisigem H 2 O\nbetroffen am Dickschädel, mit heißem Wüstensand gepudert (Knallgasgebläse), und\nvon einem der vielen arbeitslosen Irrenärzte befragt, ob er den Wunsch und scheinbar\nfreien Willen noch immer hege, in einen nächsten KRIEG zu tapern.\nBejaht er hartnäckig, werde er schnurstracks auf's HINDERLICHSTE uniformiert, luft-\ndicht bemäntelt, mit Mottenpulver eingeäschert, mit einigen Doppelzentnern Patronen\nund der dazugehörigen Maschinen-HAU-BITZE, mit Stacheldraht, Schweißfuß-Angeln,\nDynamit-Eiern, Labeflasche und BETON-BIBEL aufgeputzt, fünfzehn Male\ngeimpft, besonders hinten, südlich vom Sterz, (Hab' Sonne im Ranzen), ratzekahl,\nrasiert, geschickt verlaust, zwischen den Hosen wundgescheuert, mit sämtlichen ORDEN-\ndie es schon noch gibt, behängt, und sogleich in diesem Heldenaufzuge maschinell\nan die Front beschleunigt.\nIm Sommer findet der KRIEG unter der Erde statt, die auf 80 Grad ZELSIUS\nwarmer Zerfahrenheit wohnlich elektrisch geheizt ist. (Einheiz-Front.).\nNun darf der Patient totschlagen, was ihm vor den Tornister kimmt. (Rehomühr.)\nHat er hundert SEINESGLEICHEN um die nächsten hundert Ecken gebracht,\ndarf er einen Orden ablegen. (Marscherleichterung.) Und dann walkt der frische,\nfröhliche KRIEG weiter. Sofort.\nSolange, bis Keiner keine Parteien nicht mehr kennen tut.\nDagegen ist doch nichts Vernünftiges einzuwenden.\nKriegsberichterstatter mitbekommen nur eine Labeflasche TINTE. Berichten sie falsch,\nwerden sie in brühheiße Einzelhaft gedichtet. In der DENKER -BOX müssen sie\ntäglich vierundzwanzig Stunden entlang ihre eigenen Berichte laut und deutlich\nvor singen. Einen Stärkungsschluck aus der Pulle dürfen sie heben, aber dann hat\ndie Litanei sofort weiterzupullen, bis der Erfolg ein ENDE herbei führt.\nDagegen ist doch nichts Vernünftiges einzuwenden.\nDie RÜSTE-WÜSTE ist dringend not wendig.\nSie sollen sehen, mein Lieber, Sie werden hören, meine Liebe, sämtliche KRIEGER-\nVereine haben bald genug g ek r i eg t.\nAuch der KRIEG als WILLE und VORSTELLUNG hört auf.\nDie SAHARA liegt recht günstig. Nehmen wir die SAHARA.\nO, aset nicht mit Wüsten. Aber eine muß herhalten.\nSei eine Rüste-Wüste.\n\nOtto Nebel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c004", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "125", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.3.1", "titre_corps": "Pferde / Aquarell / Vielfarbendruck", "titre_sommaire": "Pferde / Aquarell / Vielfarbendruck", "signature_source": "Franz Marc", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 47, "texte": "Franz Marc: Pferde / Aquarell / Vielfarbendruck"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c005", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "127", "image_debut": 12, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.4", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Ingeborg Lacour- Torrup", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.12", "debut_caractere": 38, "fin_caractere_exclue": 674, "texte": "Gedichte\n\nNacht deckt die Erde\nKühne Berge kanten hart den Himmel\nTiefversunken talt das fromme Land\n*\nMeere schlagen wolkenhoch\nDie Sterne wandern fern überhimmelfern vorüber\nMut steilt die Sehnsucht hoch und starrt beklommen\nEin blasser Kindertraum ruht tief vergessen\nWundweh zerschluchzt die Klage\nHerz\nWir Armen\nDie Zeiten wandern fern überhimmelfern vorüber.\n*\nSchmiegt die weiche Nacht in meine Hände\nLächelt Dunkel Sternendämmerauge\nBlüht die weiche Nacht in meinen Händen\nDuftet\nBlüht\nDunkle Blüten schwebt die Nacht\nIch— sinke\nBlüten senken dunkle Blicke\nDecken mich\nIch sinke\nBlüten steigen sternehoch\nIch\nRuhe\nFern\nVersunken"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.13", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 564, "texte": "Vorfrühling\nSchneeregen trieft die schweige Stadt\nDie Steine glotzen\nWind schleift die tropfe Nacht um kalte Häuserecken\nVerzweiflung stapft die leeren Straßen\nStapft\nWeiter\nNur weiter immer weiter\nMeilen\nStapft\nKämpft\nDie Stirne tief dem Wind gebogen\nKämpft\nSchnee flockt zerweht\nTausend Bäche rieseln sprudeln hasten\nFuß über Fuß\nVersinkt und strauchelt stürzt\nUnd hoch\nStrahle Bogenlampen gähnen nassen Jammer\nDas lächerliche Elend weint\nUnd flucht\nLacht\nPfeift\nDie Hände in den Taschen\nLacht\nVerdammt\n\nIngeborg Lacour- Torrup"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c006", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.4.1", "titre_corps": "Nacht deckt die Erde", "titre_sommaire": "Nacht deckt die Erde", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.12", "debut_caractere": 48, "fin_caractere_exclue": 674, "texte": "Nacht deckt die Erde\nKühne Berge kanten hart den Himmel\nTiefversunken talt das fromme Land\n*\nMeere schlagen wolkenhoch\nDie Sterne wandern fern überhimmelfern vorüber\nMut steilt die Sehnsucht hoch und starrt beklommen\nEin blasser Kindertraum ruht tief vergessen\nWundweh zerschluchzt die Klage\nHerz\nWir Armen\nDie Zeiten wandern fern überhimmelfern vorüber.\n*\nSchmiegt die weiche Nacht in meine Hände\nLächelt Dunkel Sternendämmerauge\nBlüht die weiche Nacht in meinen Händen\nDuftet\nBlüht\nDunkle Blüten schwebt die Nacht\nIch— sinke\nBlüten senken dunkle Blicke\nDecken mich\nIch sinke\nBlüten steigen sternehoch\nIch\nRuhe\nFern\nVersunken"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c007", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "127", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.4.2", "titre_corps": "Vorfrühling", "titre_sommaire": "Vorfrühling", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.13", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 539, "texte": "Vorfrühling\nSchneeregen trieft die schweige Stadt\nDie Steine glotzen\nWind schleift die tropfe Nacht um kalte Häuserecken\nVerzweiflung stapft die leeren Straßen\nStapft\nWeiter\nNur weiter immer weiter\nMeilen\nStapft\nKämpft\nDie Stirne tief dem Wind gebogen\nKämpft\nSchnee flockt zerweht\nTausend Bäche rieseln sprudeln hasten\nFuß über Fuß\nVersinkt und strauchelt stürzt\nUnd hoch\nStrahle Bogenlampen gähnen nassen Jammer\nDas lächerliche Elend weint\nUnd flucht\nLacht\nPfeift\nDie Hände in den Taschen\nLacht\nVerdammt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c008", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "128", "page_fin": "128", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.6", "titre_corps": "Vorworte zur Dichtung UNFEIG", "titre_sommaire": "Vorworte zur Dichtung UNFEIG", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.15", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2378, "texte": "Vorworte zur Dichtung UNFEIG\n\nAm reinsten offenbart sich das Gesetz eines Kunstwerks in der FUGE, denn ihre\nabstrakte Struktur ist die Urgestalt der künstlerischen Gesetzhaftigkeit selber.\nAlle Werkteile geraten sowohl untereinander als auch zum Ganzen unausgesetzt\nin rhythmische Beziehungen, und der Hauch der Einung weht aus allen Teilen, die\ngetragen bleiben vom Atem des Einen, das lebt und bewegt und ruht im Bewegt-\nSEIN, auf dem ES beruht.\nDie FUGE wurde bisher in der absoluten Musik und in der reinen Malerei angewendet.\nEs gibt jedoch keinen sachlichen Grund, diese strenge Gestaltungsform, die jede\nwerkfremde Willensbetätigung ausschließt, nicht auch aus der absoluten Dichtung\nwirken zu lassen.\nWenn erkannt ist, daß die Sprache der Dichtung, oder, treffender formuliert,\ndie Dichtung der Sprache jedes ihrer Worte als Urwert empfindet, hört, wägt\nund zusammensetzt, allso komponiert, und wenn bekannt wird, daß der gedichtete\nSprache- LAUT lediglich eine akustische Variante jenes Innenklangs einer tönenden\nBeseeltheit ist, der den Musiker ergreift und zwingt, den Schall-Ton zu formen, muß\ndie Möglichkeit einer sinfonischen Dichtung eingeräumt werden.\nDazu mag erinnert werden, daß die Sprache des sinnverkehrenden Ve rke h r s nicht\ndie Sprache der Dichtung ist. Doch es soll hinzugefügt werden, daß, nachdem jene\nkauder- und plauderwelsche Verlauterei, deren sich die Sprachlosen, Vorlauten und\nSchreibfinken und Schwatzdrosseln bedienen, um sich zur nichtsnutzen Erhaltung ihrer\natemraubenden Ichtümer, Irrsale und Schindwahne etwas Nichts-Würdiges zu sagen,\nzu denkern, zu schriftein oder anzutippen, — wortgetreu niedergeschwiegen ist, jedes\nWort, das bislang dem Hören entsagte, weil es ein Klischee der Sinnlosen und\nWorttauben und Bildblinden war, ein GESCHEHEN des LAUSCHENS wird,\ndas leis und lauter dem Hören entspricht.\nUNERHÖRT sinnig wird es sich allso selber belauschen. Und allso wird es\nsich deuten und Vieles in Einem bedeuten. Und so wird es bezeugen, daß nicht\nder Wille eines Verstandes dichtet, sondern daß die buchstäbliche Dichtigkeit\neines Urklanges LAUT wird, und daß allso ein GEDICHT kein GEDACHTES\nist, sondern daß es das LAUTEN und LÄUTEN der SPRACHE-SEELE\nselber ist, und daß nur der zum Dichter wird, dessen INNIGKEIT Metall genug\nbirgt, Klöppel und Glocke, allso Werkzeug des Läutens zu sein."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.16", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2425, "texte": "Die absolute Dichtung UNFEIG ist eine Fuge um die neun Runen\nU G T\nE F N\nI R Z,\ndie im Raum einer ichfernen An-Dacht zu sinfonieren begannen, und im eigen-\nsinnigen, künstlerischen Spiel über der Sphäre der Dinglichkeiten und Hemmungs-\nlosigkeiten als Zeugen einer lauschenden Intuition zeitlos zur Innenwelt kamen.\nUnd sie erlebten im Reiche aller Möglichkeiten das Wunder einer dreieinigen Ent-\nsprechung, Sagen des Daseins und Sinne des Lebens und Wesen des Seins in Einem\nzur Sprache zu bringen.\nJene neun abstrakten Elemente der Dichtung sind einzeln genommen ohne jede\nkünstlerische Bedeutung. Sie wurden Werkmittel und empfingen im Werke ihr\nLeben durch die optische und akustische Erfassung zugleich, die sich ihrer in einigen\ntausend unterschiedlichen Zusammensetzungen bediente, und deren Beziehungen ord-\nnete, ohne auf grammatikalische und sonstige intellektuelle Einwendungen und Her-\nkommen, soweit sie dem Wesen des Schöpferischen und der Logik des Kunstwerks\nabhold oder zuwider waren, irgendwelche Rücksicht zu nehmen.\nDemgemäß ist jedes Wort der Fuge UNFEIG eine reine KOMPOSITION, eine\nabsolute Spracheschöpfung, und jede Zeile der Dichtung eine unbeirrte Fugierung\njenes Neun-Runen-Themas, dessen fordernder Eigenwille sich in jedem Werkteil\nzwingend organisch und selbstprüferisch wachsend äußern mußte, da er sich Buchstabe\num Buchstabe, Wort um Wort, Zeile um Zeile und Satz vor Satz ursprunghaft im\nBanne der kontrapunktischen Einheit bewegte, die die Ordnerin jeder reinen Komposition\nund die ortlose Vernunft jeder Schöpfung ist.\nObgleich endlich ein Kunstwerk, als ein positives und einmaliges Geschehen oberhalb\nder dreidimensionalen Unterwelt, ein Nichts voraussetzt, allso garnichts Begreifliches\nvorausschickt, erscheint es ihm nachträglich angebracht, gegenwärtigend voraus-\nsagen zu lassen, daß sich sogar eine Dichtung nicht an den spekulierenden Verstand\nwendet, und daß sie ihn noch dazu nicht anwendet, und daß der somit leerlaufende\nall-gemeine Intellekt und dessen bedauernswerte Anhänger um die fürwitzige\nGelegenheit gebracht bleiben, ihre platte Wieso- Logik wider eine zeitlose Gestalt\nder Sprache zu rüsten, deren Wesenheit im ALOGISCHEN frei wird und so frei\nbleibt, auf diese Weise das geläuterte Medium der Empfängnis aus den Fesseln seiner\nIch- Haft zu befreien.\nDas LOS der Dichtung ist ein FEST im All, und alles Reine ist Gedicht im Licht."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.17", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 485, "texte": "Ein U\nein £\nein I\nei n Enn\nein Eff\nein Ge\nein Zett\nein Te\nein Err\nneun RUNEN nur\nneun nur\nnur neun\nneun RUNEN feiern eine freie Fuge nun\nUnfug erfriert\nFEUER fing ENGEN\nUNFUG zerfriert\nEnge fing Feuer\nneunzig Zentner runter treten\nrunter\nrunter\nrunter treten\ntrifft nur TIEFE\nTiefe nur\nrufe zu fernen Ufern nur\nRufer rufe\nRufer rette ure Runen\nfeine Netze treffen reine Ringe\nrufe\nringe\nnetze\nrette\ngeige\nzeige neue Ufer\nferne neue Ringe\nneunzig NEUE"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.19", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 685, "texte": "neunzig UR E\nfünfzig Ufer\nneunzig Retteringe neue .\nfünfzig Neunzigringe\nneue\nneue\nNeuerungen\nzeuge ZEUGEN Feuerfurten\nungefeit in Feuerringen unter erzen Griffen zerfeigen Geizriffe\nZeter zerteigen\nRETTER geizt nie\nt\ngurtet ungefeit in einer feierfernen Zunft ein Frei-Genug\nzurret feine Gitternetze zu\nzu\nnur zu\nREINEN reift nun reiner ein Entgrenzen\nINNIG entengt\nentrinnet\nreitet\nnie nur unter Rettern getreu\nnie reuig gezeigt\nzu fernen Ufern nur entgrenzt\nzur FERNE fernt\nzur FIRNENFERNE\nzu\nv\nnur zu!\n*\nNette ziert ein netter Reiz\nnur ein einziger Reiz ziert fertige Zeugen\nfertig\nnie nett\nneinnein\nNie geizt ein Feuer-Zeuger\nGENIE geizt nie\nnie"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.20", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 777, "texte": "nein\nEin einziger Reiz ziert fettige Feuerzeuge\nUnfertige nie\nNunze zeigt zur Unzeit Eifer\nZentner turnen\ngerinnen in Furz\nTeifi Teifi\nGenie irrt nie\nZigeuner reiten ZIEGEN fertig\nEuterziegen\nTittenziegen\nNUTTEN\ngern greinen reizige Zierziegen\nTiere\nTiere greinen nie\nin RINNEN Geifer eitern\nUngetreue zerrt Eiter zur Unzeit\nTiger genieren Feige\nungeeignet zur Treue\nZeterziege\nZitzentier zurzeit\nRitter zeigen Eifer\nRitter neigen zur Treue\nZiegen zertreten Enteneier\nzur Ziegenreue Ritter geigen fein\nRitter ziert nie ein Trug\nRitter Retter gurtet Neigung neu\nRitter erneuern\nRitter Innig erinnert\nEnten entern Riffe\nGunter effeff unter Enten\nnie reuiger Nunzig\nreifer Fünfziger\nReffe eutern fünfzig Freier\nneunzig EIER nunzen\nFurzer greifen"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.21", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 527, "texte": "Funzen geifern eingeengt\nfeigen Trieze\ntreten Feine\nGurren giftet\nGiere geizen\nFingerziegen\nZungen fingern\nfingern in Zigeunerinnen\nnie zetert reine Zier\nnein\nnie\nGenie\n*\nEnten entern Enten\nEnten treten Enten\nTretenten entern Enten\nEnten zertreten Zeterenten\nZentnerenten zertreten Enteneier\nteure Eier\nEier teurer\nei\neinige Ziegen treten Enterinnen\ngern zertreten Enten Ziegeneier\nZiegen zetern nie\nententet\nGetritt\nei\nENTENTE\nENTENTE tritt nie\ntritt nie Enten\ntritt nie\ntritt ein\nente\nniete"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.22", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 666, "texte": "zeite\nungetreten\nZeitung\nNiete\nZeitung Zeitung\ntritt Zeitungen ein\ntritt nie in Zeitungen\nnie tritt in Zeiterungen ein\nin Zeterzeiten nie\nniete nie Nieten\nniete erze Riffe\nniete nie Enten\nnie entente Nieten\nNIETE ENTENTE\nEnte\nentniete Ententen\n\\\nentere Zeiten\nentzeite Nieten\nentzeitunge Unzeit\nzeitig zerzeite Zeitnieten\ntigere nie\nrennt nie Genie zur Unzeit\nnie genieren Eierenten\nentere Innen- Enten\nentniete Euterungen im Inneren\nReutter entete nie\nentente\nrenitente Tunten triefen Tinte\ntreffen innen Etui\nGeit ging eine Gig reffen\nging ungerufen zu Riffufern\nGeit Runge trifft Geziefer\nTennen triefen Ungeziefer\nRingertennen"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.24", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 649, "texte": "Ziffern trennen\nZiffern einen\nUngi entziffert Eine\nzittern Finger unter Geigengriffen\nzittern\nZittern\nFingerringe\nTennenringer\nRingfinger retten Riffenten\ngriffen unter Euter\nRinger ringen unter Ringern\nneunzig Zeugen runter treten\nneue Gurte engen Frenze Teig\nFritze Feut tut entern\ntut Getue\nfintet Teigen\nFinte Frenze!\nFinte Fritze!\nFinte Finte!!\nFritze Fritze!!\nTeige Teigeü\nFintenteig\nGetue entriert\nEntree fünfzig Ziegen\nuff\nfuffzig\nTritte\nfuffzig Tritte Eintritt\nteurer tuten\ntreuer tun\ntutti\nfein gerungen Fritze\nGrunzen getriezt regiert\nUngi Runge ging zur Gig gerufen\nGeit!\nNeue Rimlingen in einiger Zeit"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c010", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "132", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.6.1", "titre_corps": "Wechselndes Lichtbild 1", "titre_sommaire": "Wechselndes Lichtbild 1", "signature_source": "Nikolaus Braun", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 39, "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c011", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.6.2", "titre_corps": "Katzen", "titre_sommaire": "Katzen", "signature_source": "Franz Marc", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 18, "texte": "Franz Marc: Katzen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c012", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "139", "page_fin": "145", "image_debut": 25, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.7", "titre_corps": "Legende", "titre_sommaire": "Legende", "signature_source": "der unbefleckten Empfängnis ; Kurt Heynicke", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.25", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2133, "texte": "Legende\nvon der unbefleckten Empfängnis\n\nDie Dämmerung schlägt ihre schattigen Flügel über die Stadt. Straßen, Häuser\nund Pflasterbäume verschleiern sich im scheidenden Lichte des Tags. Es\nist Feierabend, und Fine sitzt am Fenster ihres Altmädchenzimmers, seit Jahren an\njedem Ende ihres sommerlichen Werktags. Am jenseitigen Straßenrand beginnt der\nPark, der mit seinen hohen Kastanien und breitästigen Linden ein Gewirr ver-\nschlungener Wege beschattet. Auf ihnen erwacht mit der Dunkelheit ein eigenes\nund flüsterndes Leben.\nDie dünnen Strahlen der Gaslaternen geben der Lauscherin Kunde von Wandel und\nGestalt der Liebenden da unten, denn Fine vermag von ihrem Fenster aus bis in das\nHerz des Parkes zu sehen.\nDes Mädchens Sehnsucht geht lautlos unter den nächtigen Bäumen, sie selber ist nie\ndabei. Nun hat sie das dreißigste Jahr ihres Lebens durchschritten und ihr graut vor\nder Leere eines ausgebrannten und von keinem Leidenschaftsgewitter erzitternden\nDaseinssommer.\nWenn Fine nach Mitternacht das Fenster schließt, hat ihre Seele alle Jugend auf-\ngesogen, die aus dem liebenden Volk im Park aufwärtssteigt in die schwebenden\nSommerlüfte.\nSie atmet, glücklich und erwartungsvoll und glaubt, daß ein schöner Mensch jetzt\ndurch die Türe gehen und sie in den Arm nehmen müsse.\nAber die Zeit geht hin, aus dem Frühling steigt der Sommer. Die Blumen auf den\nBeeten glühen und verwelken. Gärtner graben sie aus und setzen neue, auch diese\nentfalten sich und gehen bunt auf. An den Bäumen füllen sich die Blätter grüner\nmit Saft. Die Linden haben abgeblüht und die Kastanien sind nahe der Frucht. So\nwird es hoher Sommer.\nNie hat der ewig gleiche Gang des Jahres Fine so erregt wie zu dieser Zeit. Namenlose\nAngst ergreift sie. Mit Not ward ihr Leben geschlagen, ihr Frühling ist verblüht, der\nSommer verspricht keine Frucht. Sie fragt Gott in vielen Gebeten, es kommt keine\nAntwort. Fine sucht ihn immer und immer in den Kirchen.\nDie Stille, die in manchen Stunden unter den hohen Säulenbogen liegt, gibt dem\nMädchen Ruhe ins Herz und, mit einer feinen Trostwehmut beladen geht Fine nach\nHause."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.26", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2592, "texte": "Der Strom liegt im Dunkeln, kein Auge erkennt, ob ein Boot da fließt oder ob die\nLuft über den Wogen sich ballt zum Gesang. Doch da steht ein Lied aus übervollem\nHerzensjubel, und das Mädchen schwingt mit auf den lautlosen feinen Saiten ihres\nGefühls in diesem alten Volksgesang, der gleich dem Strom fortschwimmt und leiser\nwird in der Ferne.\nAber dann wird es still und Nacht auch in Fine. Ein Fall Tränen steigt aus ihrem\nHerzen und will aus den Augen. Der Harm ihres Lebens ist nie so bitterklar wie\nin diesem Augenblick. Aber da kommen trostvoll die beruhigenden Hände der\nGlocken vom Dom. Glück mischt sich in Fines Gesicht mit leiser Wehmut, und jetzt\nhat sie den Willen, der Muttergottes, die ein Weib ist und sie verstehen muß, ihre\nNot anheimzugeben, und sie schreitet den Glocken nach.\nDas Läuten des späten Abends schweigt. Die Kirche ist leer und sehr still. Die\newige Lampe brennt vor dem hohen Bilde, die Dämmernis zieht mit geheimen Händen\ndas Mädchen in die zitternden Kniee und die Stunde schenkt Gehör:\n„Maria, Reine, bin ich geringer als die Andern? Hast Du nicht auch geliebt Josef\nDeinen Gemahl? Einmal einsehen laß mich in den Himmel, in dem Du gewohnt hast\num Deines großen Sohnes willen! Maria, hilf!\"\nIn dieser gepreßten kargen Minute erlebt Fine in ihrem Herzen das zweischneidige\nSchwert des Weibes, welches hindurchgeht durch sein Dasein von Anbeginn der Welt,\nEmpfängnis und Wonne, Geburt und Wachsen, Verlust und des Alters Einsamkeit.\nDoch der gestaute Wille ihrer ungelebten Jugend schreit auf: Laßt es mich leben,\nwenn es sein muß nicht alles, nur einen Teil, aber leben, leben, mit allen Stücken\nmeines Leibes!\nUnd auf einmal leuchtet das Licht der Ewigen Lampe heller, höher flammt es, es ist\ndie Lampe nicht mehr, es ist eine Flammenzunge, der Heilige Geist zur ersten Pfingsten\nauf den Häuptern der Boten Gottes.\nUnd es wird von unsichtbaren Händen der Knienden Antlitz aufgehoben zum Bilde\nder alliebenden Mutter: das Gotteskind im Arme Maria leuchtet heller noch als\ndahinter die heilige Flamme und Fine erschauert und sie spürt, wie die Himmlischen\nihr das Empfinden in die Seele ankern: Ihr Wunsch ginge auf und würde Geschehnis,\naber sie werde es bitter bezahlen müssen. Denn es haben die Unerforschlichen Jedem\nseinen Weg vorgezeichnet und wer ein Abseits erzwingt, dem geschieht eine neue\nNot um dieses Zwanges willen. Heißestem Gebete gibt der hohe Lenker nach, aber\ner führt doch wieder den Irrenden hin zum gezeichneten Pfad, auf daß er endlich klug\nwerde von dem Himmlischen und solches ist am Ende Erlösung."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.28", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2693, "texte": "Also vernimmt Fine wortlos alles in sich mit offener innerer Zukunft, aber sie bleibt\nam hellsten haften am verheißenen Beginn, und als sie auf die Straße schreitet, aus\ndem Dom, in dem die Flamme erloschen ist und wieder geschrumpft zum einfachen\nMarienlicht, sehen sich die Leute um nach ihr und denken: „Welch ein schönes Weib!\"\nNun geht Fine durch den Park, an dessen anderem Ende ihre Wohnung liegt. Eine\nsatte Müdigkeit beladet ihre Glieder, sie setzt sich auf eine Bank und vergißt die Zeit.\nÜber ihr geht die Nacht durch die Blätter. Sträucher schwanken, von leisem Winde\ngestoßen. Das Mädchen schließt die Augen. Alles wird still, auch die Stadt legt\nsich nieder.\nSie fühlt den Wind, er läuft wie Menschenatem über ihre Stirn. Sie öffnet die Augen\n• und will heimwärts schreiten. Aber da ist es nicht Wind ihr vor dem Antlitz, sondern\neines Mannes Gesicht, der sich über sie beugt.\nUnd es ist Fine, als sie halb erschrocken, halb freudig über den schönen jungen\nMenschen sieht, als weiteten hinter ihm sich die blauen Dunkelheiten der Nacht und\nMaria sähe hervor aus dem Gezweige der Sträucher. Da legt Fine Kray ohne Zögern\nihre Hand in die des Mannes und folgt ihm unbesonnen.\nJetzt nun kommt der hohe Sommer, des Lebens höchste Zeit. Nicht mehr sitzt das\nMädchen am abendlichen Fenster. Nun ist sie selbst eine der Entflohenen aus Miet-\nhausenge in das Stundenland einer Liebe, und sie ist glücklich.\nSie lebt ihr Leben so stark, daß sie von dem Mann nur nimmt und nimmt. Sie ist\nviel zu erfüllt von all dem Starken um sich, daß sie die Ferne und unendliche Weite\nin des Mannes schwingendem Antlitz nicht erkennt. Dies aber ist nicht menschennahe\nan ihm, es scheint dem Himmel anzugehören. Schon ist das Laub bunt geworden,\ngolden geht ein Gürtel übers Gefild. An einem Feiertag, als Mann und Weib vom\nBerg vor der Stadt in die holde Buntheit blicken und das Auge weiden an dem schönsten\nTod der Natur, regt sichs in Fine zum ersten Male zwischen den Hüften und ihr Herz\ntut einen schweren Seufzer. Der geht über die Lippen und spricht zu dem Mann.\nDa tritt in dessen Auge jenes Übersichtige, sie gewahrt es zum ersten Male„ und ihr\nist, als sähe es durch sie hindurch, bis an den Horizont, ja abwärts, den Himmel\ndurchdringend in Urweiten, da Menschensinn nicht mehr hinreicht.\nNun nimmt er ihre Hand wie einstmals im Park: „Komm. Wir wollen beten.\" Sie\nschreiten mitsammen durch menschenvolle und lärmtolle Sonntagsstraßen, in die Stille\njener Kirche. Maria steht auf dem Altar wie an dem Abend vor drei Monden.\n*\nSchwere fällt aus den Säulenhallen, drückt nieder zur Andacht, und beugt in die Kniee.\nOrgelklang dröhnt, aber aus Unwirklichkeit."}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.29", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2194, "texte": "Fine vergeht vor der Welt und taucht in Andacht, lange. Aber als sie emporkommt\naus ihrer Versunkenheit und nach dem Mann neben ihr tastet, ist der Platz leer. Da\ngeht ein großes Beben durch den Leib des und sie fühlt das Schwert zum\nzweiten Male durch ihre Seele gehen. Knieend noch hebt sie den halben Blick auf\nzur Madonna mit der stummen Bitte: Wende ab das Leid. Aber die Madonna sieht\ngeradeaus, durch das bunte Heiligenfenster, in den Abend, der draußen liegt.\nWieder läuft die Zeit und rennt durch den Winter. Die Frucht wächst, aber Fine\nverbirgt ihren Zustand vor den Menschen und der Himmel hilft ihr. Das Kind kommt.\nEs geht aus ihrem Leibe ohne Hilfe. Niemand erfährt es.\nAlle Liebe hüllt das Neugeborene ein. Die Bangnis, daß nicht der Weggang des\nGeliebten das Opfer sei, daß die Himmlischen unendlich Schwereres wollen, unterdrückt\nFine. Wie konnte Maria so gnadenlos sein, sie, eine Mutter!\nTiefer doch ist der Weg der unbegriffenen Wesen: das Kind beginnt zu kränkeln.\nSeine Gliederchen magern, das kleine Antlitz wird fahl, Falten graben sich in die\njunge Haut.\nFine gewahrt es mit Grauen. Sie läuft zu Ärzten, die finden nichts und geben guten\nRat. Sie sorgt und nährt, das Kind zerfällt. Und überbürdet von Qual fällt das\nMädchen vor dem Bett des Knaben in die Kniee: „So wollt Ihr es mir nehmen,\nes töten, daß es mein nicht mehr sei? Laßt es doch leben, es hat Euch nichts getan!\"\nOhnmacht reißt sie zu Boden.\nAls sie dann wieder emporkommt aus der Bewußtlosigkeit, da ist ihr, als komme\ndie Mutter Gottes durch die Tür und weise mit Lächeln auf den Arm, der leer und\nohne den göttlichen Knaben ist.\nFine schwankt zum Bett und hüllt das Kind ein, daß sie den schweren Gang noch\ntue zur Morgenfrühe, und das Kind Maria bringe.\nWieder Wüllen die Kastanien im Park. Hellgrün blinkt der Rasen im Tau. Still\nsind die Straßen noch und Fine hastet hindurch, mit dem Bündel auf dem Arm,\nBrennen im Herzen.\nIn den Kirchenbüchern findet man später unter diesem Tage einen eigenen Vermerk:\n„Es sei ein Kind gefunden worden vor dem Altar Marias, und es sei ein schöner,\ngesunder und makelloser Knabe gewesen, auf seiner Stirne habe eine Flammenzunge"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.31", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 755, "texte": "gestanden und dies Zeichen habe den Geistlichen bewogen, das Kind in die Obhut\nder Kirche zu nehmen und ihm eine geistliche Erziehung angedeihen zu lassen,\"\nDieses Kind wurde ein großer Sachwalter der Kirche. Nicht äußerer Glanz fiel ihm\nzu. Aber es war so gewaltig im Wort, daß von ihm Tausende in den Schoß der\nKirche zurückgezwungen wurden, wenn er als Pater Seraphicus durch alle Länder der\nChristenheit reiste.\n. : 1 ■■■'•'. ■. i ■,\nEr sprach einmal im Jahr im Dom in der Stadt, wo man ihn gefunden hatte. Und\nman konnte Jahr für Jahr eine Frau inmitten des dichten Volkes an einer Säule\ngelehnt bitter weinen sehen. Doch es vermochte Niemand zu sagen, ob es 1 ränen\nder Freude oder der Trauer waren.\n\nKurt Heynicke"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c013", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "141", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.7.1", "titre_corps": "Wechselndes Lichtbild 2", "titre_sommaire": "Wechselndes Lichtbild 2", "signature_source": "Nikolaus Braun", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 39, "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild 2"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c014", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "144", "page_fin": "144", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.8", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 32, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.32", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 766, "texte": "Gedichte\n\nFernes Lied\nFern weht ein Lied\nAus silbernem Mondnachen schwingt es herab\nDie kühle Sichel mäht die Sternwiese ab\nDu sprichst zum Stein\nDer Stein entrollt dir\nDu sprichst zur Blume\nDie Blume verwelkt dir\nDu sprichst zum Tier\nDas Tier entflieht dir\nDu sprichst dich an\nUnd Tränen stürzen auf die Erde\nUnd deine Knie sinken in den Staub\nDu faßt die Erde\nDa zerbröckelt sie\nDu faßt das Wasser\nDa zerrinnt es\nDu faßt die Luft\nDa weht sie hin\nDu faßt das Feuer\nDa verlischt es\n\\\nEine milde Frau geht über die Sternwiese hin\nDer Schleier der Strahlen zittert und schwindet\n\nDer Ruf\nSchon ist das Flammenschwert des Zorns gesenkt\nSchon steht das Schwert der Welt herabgezogen\nauf das Haupt der Welt\nSchon blickt der Tod auf dich"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.33", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 1204, "texte": "Da ruft dich eine Stimme\nIm Zorn des Schweigens ruft dich eine Stimme\nLaut klar ruft dein Herz\nSteh auf und komm!\n\nWanderung\n\nDie Heimatlosen ziehen auf allen Straßen entlang\nDie Irrwege sind bunt von den Blumen des Feldes\nDu schaust in die Augen der Kinder und Mörder und Bettler\nRauschen rauscht im Wald\nDer Morgenwind neigt die Kronen der Bäume\nDas Gewitter brüllt um die Stämme\nDie Gefesselten zittern und zersplittern in ihrer Kraft\nDie kleinen Blumen heben ihre Sterne aus dem feuchten Moos\nDie Halme rauschen auf dem Acker\nAus dir rauscht der Brunnen\nIn dich rauscht die Welt\nDie Welle ist geworfen in den Himmelsraum\nDie Vögel sinken in den Schatten des Abends\nBreit rauscht das Meer\nDu wanderst vom Abend zum Morgen\nDer Himmel erglüht über der Nacht\nDer Himmel umarmt den bleichen Stern\nDu stehst in der Wende der Welt\nDie Menschen sehen aneinander vorbei\nDie Menschen gehen aneinander vorbei\nAus dem Gewässer schwirren die wilden Vögel\nDie silbernen Ringe zerreissen\nDie goldene Sonne kreist um das Kreuz\nDie himmlischen Fische schwimmen unbeirrt ihren Weg\nDas Samenkorn fällt und fällt und glüht\nDein Auge ist erhoben und empfängt den Strahl\n\nLothar Schreyer"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c016", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "146", "image_debut": 32, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.9", "titre_corps": "Concerto Primaverile", "titre_sommaire": "Concerto Primaverile", "signature_source": "Jablowsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 35, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.35", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 800, "texte": "Concerto Primaverile\n\nA Gabriella, condensazione musicale\n« E VIETATO FUMARE *»\n*♦ Chopin *»\n«E VIETATO SPUTARE PER TERRA»\nE' sera.\nFinestre socchiuse che lasciano entrare\nquesto terribile odore di terra bagnata\nquesto terribile odore di fiori\nquesto terribile odore di sera\ne questa raccolta penombra.\nNeil' aria\nnel buio\nil lento aleggiare\nil lieve frusciare\n(sssilenzio sssilenzio sssilenzio)\nd'una elettrica primavera.\n(Perö, che dolcezza affondare\nin questi capelli di donna\nin queste chiome odorose di rose\nin questo vento che fa palpitare\nle tende di seta.\nPerö, che dolcezza annegare\nstassera\nin questo mare di primavera.)\nQuesta sala ch'e un mondo.\nUn violino che piange lä in fondo.\nUna dama vestita di verde.\n(Perche TUTTO e vestito di verde?)\nSignorina."}, {"page_pdf": 37, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.37", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 738, "texte": "Bambina.\nPossibilitä\ndi trovare la felicitä.\nMa questo violino che piange\nche punge che soffoca estringe la gola!\nSvolazzare di sguardi discreti:\nseggiole\nspalle di donna\ncappelli a cilindro\npareti.\nOh! La magnifica ruvidezza\n* *\ndella carta di queste pareti!\nOh! La gioia, il piacere\nd'immaginare l'odore\nVIVO\nPOSITIVO\ndelle seta di queste portiere!\nOh! potere\nfar scricchiolare-guaire\ntrecento pezzetti di gesso\nsu trecento lavagne!\nAmmazzare\nla dolcezza infernale\ndi questa musica sentimentale!\nE a un tratto, finito il concerto, uno scoppio d'applaus!\nimpetuoso erompente\nveemente:\nla gioia frenetica\ndi prendere a schiaffi l'estetica.\nLa musica e morta\nW la 30 HP che attende alla porta!\n\nJablowsky"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c021", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "150", "page_fin": "150", "image_debut": 36, "image_fin": 36, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.9.1", "titre_corps": "Lichtbühne", "titre_sommaire": "Lichtbühne", "signature_source": "Nikolaus Braun", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 36, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.36", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Nikolaus Braun:\nLichtbühne"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c022", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 38, "image_fin": 38, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.9.2", "titre_corps": "Béla Kádár / Porträtzeichnung", "titre_sommaire": "Béla Kádár / Porträtzeichnung", "signature_source": "Béla Kádár", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 38, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.38", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 29, "texte": "Béla Kádár / Porträtzeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c023", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "156", "image_debut": 39, "image_fin": 42, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.10", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Fritzmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 39, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.39", "debut_caractere": 57, "fin_caractere_exclue": 753, "texte": "Gedichte\n\neinem Freunde\naus der großen wüste schneit ein blatt\ndu\ngrün in mein herz\nglocken tönen felsenbrüche\nmeine füße stottern\nfliegen wege\ntürmen blassen winden\ntauumträumt\naus langen tiefen nachten\nschwillt das lied\nmir\ndu\nherz schneit blättern\ntönen blassen\ntauumträumt\nin dir\n* :\nan schweren wölken hängen herzen\ndunkel schreiten über erden sinne\nherzblutregen über menschheitsträume\nmenschenträume tränen bluten\nmenschenträume kleben bluten\nmenschenträume leben bluten\nin schweren wölken hängen herzen\ndunkel schreiten über erden sinne\nüber tanzende sterne hüpfen sinne\nherzen brennen in nächten\nnächte leuchten grün\nblut lacht — sprudelt\nin allen pulsen der weit\nl\nein see liegt trunken"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.40", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 586, "texte": "aufgabe\nmeine tränen schlafen in deinen träumen\nmeine träume küssen deine tränen\nmeine weit sinkt tief in dein herz\nmein herz fließt zitternd in deine offenen hände\ntränen\nträumen\nträumen\ntränen\nweiten\nherzen\nherzen\nzittern\nin deine offenen hände\n\nSpiegel sterne\nhüpfen sinne\nnacht brennt\nblut lacht\ndie weit singt\nein see liegt trunken\nwasser brennen\nheißes blühen\ntrunkene Welten\nlachen\nin mir\n*\nblind hängen sterne\neng am wind\nkinder tanzen\nauf scherben meiner liebesträume\nlüge blüht trunken\ntausend jähre die nacht\nblind hängen sterne\neng am wind"}, {"page_pdf": 41, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.41", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 596, "texte": "dein duften schließt meine äugen in den tod\nmeine äugen trinken dein süsses beben\ndein sehnen trümmert meine weit\nmein lachen tanzt auf trümmern meiner weit\nduften\nbeben\nbeben\nduften\nsehnen\nweiten\nweiten\ntrümmer\ntrümmern\nlachen\nlachen\ntanzen\ntanzen\ntrümmern\nweiten\nträumen\ntränen\nherzen\nzittern\nin den tod\n*\nsehnsucht tanzt auf flammenbüschen\nwölken treiben\ntauen\ndurch tolle nächte ziehen wirre steckelspitzen\ntreiben schlagen\nwunden\nlanges schreiten durch die erde\nlanges schreiten durch den räum\nschreiten erden durch die Zeiten\nräumen Zeiten erden flüstern"}, {"page_pdf": 42, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.42", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 276, "texte": "spitzen treiben\nrunden\nV_\nauf brüste rund tanzt flammend sehnsucht\nsehnt\nauf\nnächte tauen tränen\ntropfen\nblut tropfen\nsingen\nfeuer\njauchzen\nleben\njauchzen\nleben\nin den tod\nm\nsehnsucht tanzt auf flammenbüschen\nsingt\ndas ewige lied\n\nFritzmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c024", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "154", "image_debut": 39, "image_fin": 40, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.10.1", "titre_corps": "einem Freunde", "titre_sommaire": "einem Freunde", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 39, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.39", "debut_caractere": 67, "fin_caractere_exclue": 753, "texte": "einem Freunde\naus der großen wüste schneit ein blatt\ndu\ngrün in mein herz\nglocken tönen felsenbrüche\nmeine füße stottern\nfliegen wege\ntürmen blassen winden\ntauumträumt\naus langen tiefen nachten\nschwillt das lied\nmir\ndu\nherz schneit blättern\ntönen blassen\ntauumträumt\nin dir\n* :\nan schweren wölken hängen herzen\ndunkel schreiten über erden sinne\nherzblutregen über menschheitsträume\nmenschenträume tränen bluten\nmenschenträume kleben bluten\nmenschenträume leben bluten\nin schweren wölken hängen herzen\ndunkel schreiten über erden sinne\nüber tanzende sterne hüpfen sinne\nherzen brennen in nächten\nnächte leuchten grün\nblut lacht — sprudelt\nin allen pulsen der weit\nl\nein see liegt trunken"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.40", "debut_caractere": 283, "fin_caractere_exclue": 586, "texte": "Spiegel sterne\nhüpfen sinne\nnacht brennt\nblut lacht\ndie weit singt\nein see liegt trunken\nwasser brennen\nheißes blühen\ntrunkene Welten\nlachen\nin mir\n*\nblind hängen sterne\neng am wind\nkinder tanzen\nauf scherben meiner liebesträume\nlüge blüht trunken\ntausend jähre die nacht\nblind hängen sterne\neng am wind"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c025", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "156", "image_debut": 40, "image_fin": 42, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.10.2", "titre_corps": "aufgabe", "titre_sommaire": "aufgabe", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 40, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.40", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 281, "texte": "aufgabe\nmeine tränen schlafen in deinen träumen\nmeine träume küssen deine tränen\nmeine weit sinkt tief in dein herz\nmein herz fließt zitternd in deine offenen hände\ntränen\nträumen\nträumen\ntränen\nweiten\nherzen\nherzen\nzittern\nin deine offenen hände"}, {"page_pdf": 41, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.41", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 596, "texte": "dein duften schließt meine äugen in den tod\nmeine äugen trinken dein süsses beben\ndein sehnen trümmert meine weit\nmein lachen tanzt auf trümmern meiner weit\nduften\nbeben\nbeben\nduften\nsehnen\nweiten\nweiten\ntrümmer\ntrümmern\nlachen\nlachen\ntanzen\ntanzen\ntrümmern\nweiten\nträumen\ntränen\nherzen\nzittern\nin den tod\n*\nsehnsucht tanzt auf flammenbüschen\nwölken treiben\ntauen\ndurch tolle nächte ziehen wirre steckelspitzen\ntreiben schlagen\nwunden\nlanges schreiten durch die erde\nlanges schreiten durch den räum\nschreiten erden durch die Zeiten\nräumen Zeiten erden flüstern"}, {"page_pdf": 42, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.42", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 265, "texte": "spitzen treiben\nrunden\nV_\nauf brüste rund tanzt flammend sehnsucht\nsehnt\nauf\nnächte tauen tränen\ntropfen\nblut tropfen\nsingen\nfeuer\njauchzen\nleben\njauchzen\nleben\nin den tod\nm\nsehnsucht tanzt auf flammenbüschen\nsingt\ndas ewige lied"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c026", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "161", "image_debut": 43, "image_fin": 47, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.11", "titre_corps": "Mechano-Faktur", "titre_sommaire": "Mechano-Faktur", "signature_source": "Henryk Berlewi", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 43, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.43", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2649, "texte": "Mechano-Faktur\n\nWährend der letzten fünfzehn Jahre ungefähr, in deren Verlauf die Malerei\nbis in ihre einfachsten Elemente zerlegt wurde, trat ein neuer malerischer\nFaktor in die Erscheinung, der eine dominierende Bedeutung gewann: die Faktur.\nDarunter versteht man: 1. die Oberfläche des bestrichenen Bildes selbst und zwar:\na) die Art (Richtung) der Pinselführung und des Auftrages der Farbe (als Masse),\nb) Dickheit oder Dünnheit der Farbenschicht, c) Mattheit oder Glanz, d) Rauheit oder\nGlattheit; 2. den Intensitäts- und Kondensitätsgrad der Farbe, der auch von\ndem Stofflichen der Farbe abhängig ist, die sogenannte Patina, kurz — alles, was die\nmaterielle Seite der Malerei ausmacht.\nObwohl die Existenz der Faktur schon seit den Anfängen der Malerei datiert, wurde\nihr niemals die Aufmerksamkeit zuteil, die einem den Wert eines Werkes mitent-\nscheidenden Faktor gebührt. Die Faktur existierte außerhalb des schöpferischen Bewußt-\nseins, ohne den Geist des Malers zu absorbieren. Sie war etwas Sekundäres, Aus-\nhelfendes, das man nicht entbehren konnte, aber auch nicht mehr.\nEs bedurfte erst einer großen Umwandlung in den bildenden Künsten (Expressionismus,\nKubismus, Futurismus), um die ungeheuren emotionären Möglichkeiten zu enthüllen,\ndie in der Faktur verborgen sind.\nWorin besteht die emotionäre Wirkung der Faktur?\nDer russische Fakturtheoretiker Markoff erklärt sie in seinem überaus wichtigen,\ndoch ziemlich chaotischen Buche „Faktura\" als „Geräusch\", das durch Verschmelzung\nverschiedener Eindrücke hervorgerufen wird, die von der gegebenen Faktur des Gegen-\nstandes ausgehen. Die alten Bilder, zum Beispiel die Ikonen (russische Heiligenbilder),\nerzeugen in uns kraft ihrer spezifischen Faktur ein „Geräusch\", das sich von den\n„Geräuschen\" anderer Bilder, etwa der impressionistischen, unterscheidet. Derselbe\nAutor schreibt der Faktur ausserordentliche Bedeutung zu, indem er ihre Funktion\nauf alles ausdehnt, das uns umgibt, auf die organische und unorganische Welt.\nWeder Markoff, noch die anderen Theoretiker gehen bei der Erklärung des Wesens\nder Faktur über das Rein-Materielle hinaus; sie treiben vielmehr einen reinen Kultus\ndes Materials. Die Faktur so betrachtend, machten die französischen, vornehmlich\naber die russischen Maler viele interessante Experimente. Die Apotheosierung des\ndes Materials, die laboratorischen Untersuchungen seiner Eigenheiten erreichten in\nRußland ihren Höhepunkt (Tatlin, Rodtschenko). Als Resultat all dieser Forschungen\nergab sich eine vollständige Emanzipierung der Faktur von dem Druck anderer\nmalerischer Faktoren und ihre Erhöhung zum Selbstzweck."}, {"page_pdf": 44, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.44", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2807, "texte": "Um die Wirkung der Faktur zu steigern, benutzte man Materialien, die bisher nicht\nals malerisches Hilfsmittel galten, und zwar: Zeitungsausschnitte, Kork, Glas, Sand,\nMetall und so weiter. Diese Materialien, die nebeneinander auf dem Bilde in einem\nbestimmten Rhythmus geordnet wurden, schufen einen ungewöhnlich variierten Faktur-\nAspekt, der den nur an die Faktur der naturalistischen Malerei gewöhnten Beschauer\nvollständig konsternierte.\nDas Nebeneinandersetzen mehrerer, ihrer Natur nach ganz verschiedener Materialien\nmit verschiedenen faktureilen Eigenschaften und verschiedener Dimensionalität\nmußte natürlich den flachen Charakter des Bildes modifizieren, ihn in einen Basrelief\nverwandeln. Das half natürlich der Faktur im großen Maße zur Steigerung ihrer\nEmotionskraft (größere Kontraste), verwandelte jedoch zugleich die Malerei selbst in\neine neue Art „Skulptomalerei\" (Archipenko).\nDie Malerei, die sich Dank der Faktur ihrer ursprünglichen Funktion näherte, verlor\njedoch eine ihrer spezifischen Eigenschaften: ihre Zweidimensionalität.\nErkennt man diese als wesentlich an, so muß man jeden dreidimensionalen (perspek-\ntivischen) Illusionismus wie auch jede wirkliche Plastizität als uneigentliche die Natur\nder Malerei vergewaltigende Darstellungsweise betrachten. Andererseits aber kann\nman die ungeheuren faktureilen Werke nicht negieren, die in den letzten Jahren durch\nschwere experimentelle Arbeit erreicht worden sind. Wie soll man hier zu einem\nAusgleich gelangen?\nDurch gründliche Analyse der faktureilen Wirkungen verschiedener Materialien (Sand,\nGlas, Kork, Zeitung, Holz), habe ich konstatiert, daß diese Wirkungen nicht unmittel-\nbar sind, das heißt, diese Materialien wirken auf uns nicht als solche, sondern als\nTräger verschiedener faktureller Kombinationen. Die gedruckte Zeitung als solch e\nbesitzt für uns einen gewissen Sinn: wir können sie lesen; als fakturelles Element\ndagegen verliert sie vollständig ihren utilitären Sinn, verwandelt sich in einen spe-\nzifischen, typographischen Rhythmus, der vom Inhalt der gedruckten Buchstaben völlig\nlosgelöst ist. So verwandelt sich auch das Glas als Faktur in eine Valeur, die dank\nihrer Glattheit und ihres Glanzes die größte Fähigkeit zur Kontrastierung besitzt;\nder Sand in einen körnigen, staubigen, zitternden Timbre; das Holz in ein ent-\nsprechendes Holzornament (Maserung). Man kann noch eine Menge ähnlicher Bei-\nspiele der faktureilen Transformation beibringen.\nDie Materialien verlieren durch ihre fakturelle Funktion die eigentliche Bedeutung,\nmit anderen Worten: sie werden dematerialisiert. Also haben nicht die Ma-\nterialien als solche eine Bedeutung, sondern ihre Aequivalente. Indem wir ent-\nsprechende Aequivalente für die Materialien finden, für Glas, Sand, Holz und andere,"}, {"page_pdf": 46, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.46", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 2887, "texte": "werden wir in der Lage sein, ein Resultat der faktureilen Wirkung zu erreichen, das\nmit der unmittelbaren Wirkung der Faktur des Materials selbst identisch ist.\nIndem ich mich auf dieses Prinzip der Materialäquivalenz konsequent stützte und es\nweiter entwickelte, schuf ich eine neue und selbständige Faktur, unabhängig von den\nMaterialien, die zugleich der Natur der zweidimensionalen Malerei entspricht.\nAbgesehen von der Zweckwidrigkeit der „Material-Faktur\" wegen ihres Wider-\nspruches zu der Zweidimensionalität der Malerei, muß man auch ihren Anachronismus\ngegenüber den heutigen Aufgaben der bildenden Künste unterstreichen. Die Material-\nFaktur verfügt über eine ungeheure Zahl von Mitteln — denn Materialien gibt es\nunendlich. Sie zwang den Maler zu einem dauernden Grübeln über die Geheimnisse,\ndie in jedem Material verborgen sind, trieb ihn dadurch zur Schaffung ausgesuchter,\nspitzfindiger faktureller Kombinationen. So war die Material-Faktur der Nährboden\nvon jeder Art Individualismus, Subjektivismus und ästhetischer Überaffiniertheit. Im\nGegensatz zur Zeit: statt der Einfachheit und Ökonomie der Mittel — übermäßige\nKompliziertheit, statt Klarheit — Wirrnis.\nDie Ergebnisse des fetischistischen Kultus der Materialien, der sich bereits in unzähligen\nExperimenten offenbart hat (zum Beispiel Picasso und Bracque in Frankreich, Schwitters\nund Baumeister in Deutschland, Valori Plastici in Italien), sind bedeutend und dürfen\nnicht negiert werden. Es - handelt sich darum, diese Ergebnisse gehörig zu verwerten\nund sie für die neuen Ziele zu verarbeiten. Und hier kommt uns die moderne\nindustrielle Technik zu Hilfe.\n••\nNur das Finden faktureller Äquivalente für die gesamten Materialien würde die Malerei\nzur Imitation der Fakturen von Gegenständen, wenn auch nicht der Gegenstände selbst,\nreduzieren. Die Malerei würde sich dann in eine neue Art gegenstandslosen Im-\npressionismus verwandeln, in eine Art von Illusionismus. Außerdem würde auf diese\nWeise der Anstoß zur neuen Entwicklung des Subjektivismus und des Chaotischen\ngegeben werden — wegen der Unmenge der uns umgebenden Materialien, die keiner\nakurellen Ordnung unterworfen sind. Dies wäre eine mühevolle und komplizierten\nArbeit, die uns keinen realen Nutzen brächte, abgesehen von der Anarchie auf dem\nGebiete des malerischen Schaffens. Man mußte also Äquivalente schaffen, die nicht\nä\nsozusagen einfache Photographien der Fakturen der einzelnen Materialien oder\nGegenstände sind, sondern in sich die Synthese aller faktureilen Werte enthalten,\ndie über alle Gegenstände der uns umgebenden Welt chaotisch verstreut sind.\nUm also dies Werk der Vereinigung der gesamten fakturellen Werte in einer synthetischen\nOrdnung zu vollbringen, um ein diszipliniertes fakturelles System zu schaffen, muß man\nzur schematischen Methode übergehen. Das Schema ist das einzige rationelle"}, {"page_pdf": 47, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.47", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2487, "texte": "Mittel zur Vereinfachung- jeglicher Wirrnisse, durch das man das Ziel bei größter Ökonomie\nder Mittel erreichen kann. Doch muß man in diesem Falle auch die technischen Mittel\nder Malerei entsprechend ändern, — sie den Aufgaben des Schemas anpassen. Die\nalte Maltechnik, die bis auf den heutigen Tag noch vegetiert, die alle Merkmale der\nhandwerklichen Virtuosität, des Zufälligen, besitzt, die von den jeweiligen Stimmungen\nund Launen des Malers abhängig ist, entsprach vollständig den Voraussetzungen\nder impressionistisch-naturalistischen individualistisch-subjektivistischen Auffassung von\nKunst. Die Aufgaben der Kunst kann man etwa so definieren: Brechen mit jeder\nImitation der Gegenstände (wenn sie auch noch so frei ist), Autonomie der Form,\nDisziplin, Klarheit, die einem jeden die Intention des Künstlers verständlich macht,\nSchematisierung, Geometrisierung, Präzision, die einem jeden das Ordnen der vom\nWerke empfangenen Eindrücke erleichtert. Dieser Aufgabe entspricht] die alte\nTechnik der Malerei nicht. Noch hilfloser wird diese handwerkliche Technik, sobald\nes sich um Schaffung eines neuen schematischen fakturellen Systems handelt. Und\nin diesem Falle kann nur die mechanistische Technik angewandt werden, die von\nder industriellen Technik herkommt, unabhängig von den Launen des Individuums ist\nund sich auf die exakte Funktion der Maschine stützt. Auf den Produktions-\nprinzipien der Maschine muß also die heutige Malerei, die heutige Kunst basiert\nwerden. Mit Hilfe der Mechanisierung der Faktur, der Mechanisierung der\nmalerischen Ausdrucksmittel, wird ein ganz neues Gestaltungssystem begründet.\nDas betrifft nicht nur die Malerei, sondern jegliches Schaffen.\nDas bedeutet aber nicht die Automatisierung des Schaffungsprozesses selbst. Im\nGegenteil. Durch die Mechanisierung der Mittel wird eine größere Freiheit des\nSchaffens erreicht, eine größere Inventions-Möglichkeit.\nDas alte Handwerksystem der Malerei mit seinem Ballast an naturalistisch-akademischen\nVorschriften hemmte die Freiheit der Invention. Es verschlang ein Maximum von\nSchaffensenergie und vergeudete sie an unwesentliche Dinge, an Virtuosität.\nDie Kunst muß mit allen Angewohnheiten der parfümierten, perversen, überempfind-\nlichen, hysterischen, romantischen, boudoirmäßigen, individualistischen Kunst von gestern\nbrechen. Sie muß eine neue Formsprache schaffen, die für alle zugänglich ist und\nim Einklang mit dem Rhythmus des Lebens steht.\n\nHenryk Berlewi"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c027", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 45, "image_fin": 45, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.11.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Henryk Berlewl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 45, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.45", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Henryk Berlewl / Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c028", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "164", "image_debut": 48, "image_fin": 50, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.12", "titre_corps": "Adolf Bauer-Saar", "titre_sommaire": "Adolf Bauer-Saar", "signature_source": "Heinrich Ehl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 48, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.48", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2868, "texte": "Adolf Bauer-Saar\n\nMan hat mit voller Berechtigung auf die Geistesverwandtschaft Adolf Bauer-Saars\nmit mittelalterlicher Malerei, insonderheit mit der Kunst des Fenstermosaiks\nhingewiesen. Man hat seine Aquarelle und farbigen Holzschnitte ebenso mit japanischer\nMalerei verbunden sehen wollen. In beiden Hinweisen liegt das Richtige dicht neben\ndem Grundfalschen. Wenn wir Mittelalter sagen, so meinen wir ausschließlich eine\nganz bestimmte geistige Einstellung. Ein Vergleich mit dem „Japanischen\" ist immer\nnur als Funktion der technischen Mittel gemeint. Mit mittelalterlicher Kunst ist Bauer-\nSaar innerlich und wesenhaft eben durch jenen Willen zur Ordnung des Weltganzen\ntief verbunden. Mit dem japanischen Farbenholzschnitt teilt er kaum die gefällige\nAnordnung der technischen Mittel. Sie besitzen alle Eigenschaften, die den Japan-\nmeistern der Spätzeit, an die jener Vergleich doch denkt, absichtsvoll fehlen und um\nderentwillen sie den Goncourts, diesen letzten Menschen des ancien regime, so lieb\ngewesen sein mögen: die fast bäurisch harte Bestimmtheit, die glückliche Vermeidung\nalles Geschmacklichen und Raffinierten, die innere Größe und vor allem die rück-\nsichtslose Verachtung jeder banalen Schönheit und melodiösen Feinheit. Äussere\nAnklänge können nicht über den grundsätzlichen Unterschied hinwegtäuschen. Man\nhaftet an der Oberfläche und verkennt die wesentlichen Unterschiede eingeborener\nOrdnung und willkürlicher Organisation, wenn man den farbigen Zusammenklang der\nFlächen als japanisch ansieht. Japanische Farbenholzschnitte haben fast stets etwas\nKunstgewerbliches, und es liegt darin gerade ihr größter Reiz. Auch Bauer-Saar\nbesitzt eine ausgesprochene kunstgewerbliche Begabung, die sich in ausgezeichneten\nBuchdrucken und Ornamentzeichnungen ausspricht. Zwischen hoher und dekorativer\nKunst in Bauer-Saars Arbeiten herrscht aber das gesunde Verhältnis, bei dem der\nechte Künstler es nicht unter seiner Würde, sondern für seine Aufgabe erachtet, die\nangewandte Kunst dem ominösen Bereiche des Gewerbes zu entwinden. Seine Bilder\nsind davon völlig frei, so frei, daß die dekorativen Werte, die sie wohl mitumschließen,\ndie aber nicht ihr eigentümliches Zeichen sind, erst in zweiter Linie auffallen. Bauer-Saar\nbesitzt das Dekorative wie das Mittelalter, insofern seine Weltraumlandschaften aus jenem\n„dekorativen\" Gefühl heraus entstehen, in dem auch die repräsentative Ideendarstellung\ndes Mittelalters verankert ist. An ihr ist nichts Zutat, sondern alles Wesenheit. Der erste\nund entscheidende Eindruck ist nicht der einer wie immer zu bewertenden Dekoration,\n«\nsondern der einer ganz ursprünglichen Emanation des seelischen Zustandes.\nAus ihm empfängt das Prinzip, daß Bauer-Saars Schaffen bestimmt, sein Leben. Man\nkann es nur mit dem Begriff der geistigen Ordnung kennzeichnen, die allerdings die"}, {"page_pdf": 49, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.49", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2812, "texte": "höchste Vollendung des Schönen in sich begreift. Damit ist zugleich gesagt, daß die\nLandschaften Bauer-Saars nichts gemein haben mit der Gegenständlichkeit der Ober-\nflächenerscheinung dieser Erde. Seine Landschaft ist keine Erdbeschreibung, sondern\nKosmologie, Weltraumkunde und Eröffnung des inneren Siegels der menschlichen\nApokalypse.\nDie Suggestion des Bildes bedarf zu ihrer Verwirklichung fast keiner Mittel oder\nvielmehr: das Mittel wird Gestalt und verwandelt sich in Form. Die Land-\nschaften Bauer-Saars kennen kein Motiv im üblichen Sinne. (Sie bedürfen daher auch\nkeiner literarischen Bezeichnung, die immer der Anfang vom Ende ist.) Man muß\nauf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Motiv\" zurückgehen, die nichts anderes\nals „motus\" sagen will. Bewegung ist in der Tat das ursprüngliche Element in Bauer-\nSaars Kunst. Es ist für ihn gleichbedeutend mit Erlebnis. Jedes Erlebnis setzt sich\nihm unmittelbar in Bewegung um. Seine Bilder sind nichts anderes als gemalte\nBewegung. Flächen, hinter denen man aber die Tatsachengewalt der Räume spürt.\nEs sind Urformen der Natur im Zustande ihrer primitiven Gewaltsamkeit: Berg, Ebene,\nMeer, Gestirne und Kontinente. Die menschliche Figur selbst existiert nur als Element,\nals blitzartig sich entladende Zuckung geballter Atmosphären. Sie faßt den kosmischen\nRaum einheitlich zusammen. Die Einheit ist die Bewegung. Das Bild wird bewegter\nRaum, sodaß man ein Gefühl hat, als ob die Fläche zum Räume wächst, sich in den\nunendlichen Weltraum entlädt oder aus ihm hervorgestoßen wird.\n4\nAuch die Linie ist ein Teil der Bewegung. Das Liniensystem bildet sich aus dem\nGeiste bildlichen Schöpfungsaktion. Die Linien sind nicht (häufig auch technisch nicht)\ngezeichnet. Sie grenzen daher auch nicht ab. Sie verrichten keine trennende oder\nverbindende Funktion, sondern sind aus sich selber da. Sie entstehen spontan durch\nBewegung der Flächen. So vollendet sich nach ewigen Gesetzen das Bild. Aus\ndem erregenden Schauspiel eines Machtkampfes freier Gebilde um lebenspendende\nGestaltung wird das Gesetz der Welt. Sein Sinn und sein Gesetz ist Ordnung. Der\nAufruhr der Elemente, die Revolution der Räume offenbart ihre Bestimmung und\nihren motorischen Willen, Form zu werden, nach der ewigen Ordnung des Schöpfers\nder Sonnen und Monde.\nAlle Bilder Bauer-Saars sind von dieser pantagristischen Grundstimmung getragen,\ndie lyrisch oder dramatisch vorgetragen, ihre innere Einheit in dem dynamischen Er-\nlebnis des Künstlers findet. So ist sein ganzes Werk selber eine in sich geschlossene\nEinheit, die sich aus einer reichen Vielheit zusammensetzt. Die kosmische Phantasie\nseiner Bildgedanken ist eingesponnen in ein fast märchenhaftes Heidentum, wie es\nnur noch in Niedersachsen und Ober-Bayern anzutreffen ist. Es mag daher kein"}, {"page_pdf": 50, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.50", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 2238, "texte": "Zufall sein, daß der oberbayerische Bauer heute noch seine Masken zum Tanz an-\nbindet und seine Heiligenlegende hinter Glas malt wie vor Hunderten von Jahren.\nEtwas von dieser rassemäßigen Bauernmalerei steckt in den Werken Bauer-Saars.\nWie die frühe Malerei romanischer Miniaturen und Glasfenster kennt Bauer-Saar nur\ndie Lokalfarben Rot, Blau, Grün, Gelb, Schwarz und Weiß. Sie stehen nebeneinander\nwie die ursächlichen Seelenzustände ihrer spiritualisierten Inhalte. Keine Modellierung,\nkaum Schatten, nichts was malerische Feinheiten und Tüfteleien von Licht und Luft\nangeht, es kommt ihm nur auf den Grund der Dinge und auf ihren unverhüllten\nAusdruck an. Dieses Universum von Farben, Flächen, Linien, von schicksalhaften\nBewegungen und klingenden Rhythmen ist systematisch aufgebaut wie eine musi-\nkalische Fuge. Die Kraft dissonierender Farben selbst, die jede für sich ein\nungeteiltes Gefühl beansprucht, wird von der Gewalt des ganzen Farbenorchesters\nüberwunden, sodaß eine bezwingende Harmonie sich durchsetzt. Diese Harmonik\nvon Bauer-Saars Bildgefüge scheint mir am trefflichsten durch Augustinus ausgedrückt\nwerden zu können, der sagt, die Macht der Ordnung bestehe und äussere sich darin,\ndaß beliebige und selbst an sich häßliche Gegenstände durch „ordo\" im Verein des\nUniversums schön erscheinen. So wirken auch die farbigen Dissonanzen dieser Blätter\nschön, weil sie die Überlegenheit des kosmischen Zusammenhangs enthüllen. Weil\nsie aber aber auf der Gesetzlichkeit der immanenten Farbbeziehungen beruht, weil sie\nl\nkausal begründet ist und nicht nur emanative Funktionen vertritt, darum ist sie ein\nvollgültiger Ausdrude der geistigen Ordnungstendenz, die Bauer-Saars Werk\nkennzeichnet. Aus Bauer-Saars Werk scheint mir die tiefe Überzeugung von der\nunausweichlichen Notwendigkeit zur Gestaltung zu sprechen, die von der heraufkom-\nmenden Generation verwirklicht werden wird. Ich glaube es, weil hier keine Ent-\nschiedenheit zum Kampfe zu finden ist. Zu jenem geistigem Kampfe, der auch der\nmittelalterlichen Welt als sittliche Aufgabe vorschwebte, mit der Bauer-Saar nicht\ndurch Vorbild und Nachfolgschaft verbunden ist, sondern aus deren Boden seine\nKunst erwächst.\n\nHeinrich Ehl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c029", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "165", "page_fin": "171", "image_debut": 51, "image_fin": 57, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.13", "titre_corps": "Die Bewegung der ungarischen Aktivisten", "titre_sommaire": "Die Bewegung der ungarischen Aktivisten", "signature_source": "Andreas Gáspár", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 51, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.51", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2784, "texte": "Die Bewegung der ungarischen Aktivisten\n\nDer Dichter wurzle tief in seinem Volke! — dieses Mahnwort der literarischen\nRassenschützler wurde wohl in keinem Lande so treu beherzigt und so restlos\nbefolgt, wie im Ungarn der letzten Jahrzehnte vor dem Krieg. Die ungarische Poesie\nwar von jeher für die Erde hermetisch verschlossen. Nur zur Zeit der Freiheitskriege\num die Mitte des verflossenen Jahrhunderts, wo das Volkstümliche mehr oder\nweniger in der Literatur aller Länder neu gewertet wurde, ist es der magyarischen\nDichtung vorübergehend gelungen, sich im internationalen Konzert der Künste Gehör\nzu verschaffen. Nur dieser Tatsache ist es zu verdanken, daß Petöfis Name\nund Leben im Ausland nicht so unbekannt geblieben sind, wie die Werke sämtlicher\nungarischen Dichter, Petöfi mitinbegriffen. Nach Petöfi aber hatte der völkische\nCharakter der ungarischen Dichtung einen erweiterten Sinn erhalten. Bedeutete er\nbislang das Inhaltliche einzelner Werke, so gab er von nun an die Färbung einer\nunglücklichen Literaturpolitik ab, die wesentlich darin bestand, daß der ungarische\nDichter sich an die Schollen seiner Heimat gefesselt fühlte, und eine Weiterent-\nwicklung der ungarischen Dichtung einzig und allein aus Elementen ihrer früheren\nEtappen zu ererreichen bestrebt war. Vergessen haben unsere Dichter seit Petöfi\nwenig, gelernt aber — namentlich vom Ausland — noch weniger. So war es unbe-\ndingt als eine Tat zu begrüßen, und richtig ging auch ein Sturm der Entrüstung\ndurch die gesamte konservative Presse, als Andreas Ady, einer der größten Lyriker\nunserer Generation, seine Stimme erschallen ließ; dieser Ady war nämlich so frei,\nnicht im Lande zu bleiben und sich redlich zu ernähren, sondern eine Zeitlang nach\nParis zu gehen, wo er Baudelaire, Verlaine und einige verwandte Geister, nicht\nnur dem Namen nach, kennen lernte. Das geschah nicht etwa in den achtziger\nJahren des vorigen, sondern im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Immerhin\nwar es ein bedeutender Schritt nach vorwärts, dessen Bedeutung dadurch verstärkt\nwurde, daß Ady nicht nur ein ungewöhnlich moderner Geist für das damalige\nUngarn, sondern auch ein echter Dichter war.\nTrotz allen Bemühungen der literarischen Gruppe um Ady konnte ein selbstbewußter\nund künstlerisch orientierter Anschluß des ungarischen Schrifttums an die ausländischen\nBestrebungen vor dem Kriege nicht erzielt werden. Nur der Krieg und der dadurch\nins Leben gerufene literarische Pazifismus, der ja international sein mußte, vermochte\nes, Ungarn in das internationale Kunstleben einzuschalten. Es trat eine Gruppe neuer\nund vorwiegend junger Literaten auf den Plan, die den Forderungen der Zeit ent-\nsprechend, eine antimilitaristische Propaganda entfaltete; sie war in Ungarn die einzige"}, {"page_pdf": 52, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.52", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2879, "texte": "Fürsprecherin des neuerwachten europäischen Gewissens, deren Bedeutung jedoch eine\nrein politische geblieben wäre, hätte sie nicht die Kunst und zwar aus naheliegenden\nGründen deren neueste Form, zum Ausdrucksmittel gewählt. So aber mußte eine\nneue, immer neu sein wollende Kunst entstehen, die sich von den ähnlichen Richtungen\naller übrigen Länder, vom deutschen Expressionismus und vom italienischen Futurismus\nin etwas Wesentlichem unterschied. Die Ungarn suchten zwar auch die neue Form für den\nneuen Menschen, unterstrichen aber gleichzeitig das Radikale ihrer Bestrebungen, die\nKraft des Ausdruckes, mit einem Worte ihre Aktivität. Sie waren sich als Schöpfer bewußt\nund obwohl Revolutionäre, betonten sie statt der Destruktion schon damals das Element\ndes Aufbaus, der Konstruktion, des positiven Schaffens. Sie nannten sich Aktivisten\nund gründeten die Zeitschrift „M a\" (Heute), die gegenwärtig im zehnten Jahre steht.\nDen Pazifisten der Kriegsjahre fiel bekanntlich die undankbare Aufgabe zu, sich an\ndie Spitze der Nachkriegsrevolutionen zu stellen, eine Aufgabe, der die ungarischen\nAktivisten auf künstlerischem Gebiet sich unterzogen. Damit aber war ihre\npolitische Mission so gut wie erfüllt. Der Umstand, daß die ungarischen Aktivisten\nihre Tätigkeit auch in der Epoche der in Defensive gedrängten Revolution fortgesetzt\nhaben und noch heute mit unverminderter Kraft fortsetzen, beweist, daß sie in erster\nLinie Künstler und als solche allerdings auch Revolutionäre waren, während ihre\npolitische Propaganda sich lediglich als Folge ihrer allgemeinen, durchweg aktiven\nEinstellung zu allen Lebenserscheinungen ergab. Es gibt zweierlei Revolutionäre:\nsolche, die immer Revolution machen wollen und nicht merken, daß es Epochen gibt,\nin denen sie sich mit der Revolutionsmacherei außerhalb des Lebens stellen und\nAndere, die es sind, weil sie das Leben, die Aktivität des Lebens und das Schöpferische\ninnerhalb der Grenzen dieses Lebens unbedingt bejahen. Die ungarischen Aktivisten\ngehören zur zweiten Gattung. Sie fühlen sich als lebendige Kraft. Als Menschen,\ndie sich ausdrücken wollen und deren Ausdrucksmittel die Kunst ist. Und so gehören\nsie heute zu den radikalsten Künstlern aller Länder. Nach dem Abschluß der politischen\nPeriode hob sich der konstruktive Charakter ihres Schaffens, das den Aufbau neuer\nKunst- und Gesellschaftsformen erstrebt, womöglich noch mehr hervor.\nWas wollen die Aktivisten heute.\nVor allem und auf das Entschiedenste keine Losungsworte. Diese taugen nur, wenn\neiner in aktives Stadium gelangten Revolution Ziele gesetzt werden müssen. Heute\nheißt es, den revolutionären Menschen, dem keine Möglichkeit der politischen Revolution\ngegeben ist, auf allen anderen möglichen Gebieten zum Ausdruck bringen. Für den\nKünstler ist die Kunst ein solches Gebiet. Was hier geleistet werden kann, ist eine"}, {"page_pdf": 55, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.55", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2798, "texte": "psychische Agitation, die repräsentative Äusserung des konstruktiven Menschen\nund die Erziehung anderer zum Selbstbewußtsein und zu einer künftigen Handlung.\nDie Aktivisten fühlen, daß der Konstruktivismus eine Grundlage sei, auf der man\nweiterbauen könne. Sie wollen das Gefühl der Sicherheit, das neue Gleichgewicht\nausdrücken. Sie könnten sich als aktive Konstruktivisten bezeichnen und tun es nur\ndeshalb nicht, weil dann eine Verwechslung mit dem heute als Schule auftretenden\nKonstruktivismus unvermeidlich wäre. Und sie, die heute zu den radikalsten Künstlern\naller Länder gehören, wollen keine Schule mehr. Sie haben das Element des Bauens\nmit den Konstruktivisten gemein, ohne aber einer Maschinenromantik verfallen zu\nsein. Für sie sind Kunst und Leben Wechselbegriffe, weil beide den Ausdruck des\nMenschen bedeuten, der sich instinktiv ausdrücken will. Doch verwahren sie sich\ndagegen, die Kunst als Praktikum aufzufassen. Der Künstler ist kein Mechaniker,\nkein Maschinenbauer. Der Künstler ist derjenige, der baut. Und die Welt möge\nzusehen, wie sie das vom Künstler Erbaute praktisch ausbeuten kann. Eine praktische\nKunst ist unmöglich, denn der Ausdruck des Menschen (was die Kunst einmal ist),\nwird durch alle von außen hinzugetretenen Ziele beeinträchtigt und beschränkt. Der\nAusdruck darf kein anderes Ziel haben, als den Ausdruck selbst. Nur das fertige\nKunstwerk ist es, was von Anderen als praktisch zweckmäßig gewertet und in die\nEntwickelungslinie eingestellt werden kann.\nHat diese Kunst etwas mit der l'art pour l'art der vergangenen Epochen zu tun?\nGewiß nicht, denn die aktivistische Kunst ist ein höchstpotenzierter Ausdruck des\nLebens, des im Künstler wirkenden Lebens, wogegen jede l'art pour l'art ein passives\nHineinleben des Künstlers in fertig vorgefundene Lebens- und Kunstformen bedeutet.\n. . . . \" * i\nDie zweite Frage aber lautet: Ist diese Kunst sozial? — Die Antwort auf diese\nFrage ist vielleicht die wichtigste. Sie soll daher prägnant gefaßt werden. Die\nKunst ist ein adäquater Ausdruck des Menschen, mithin muß die\nKunst des sozialen Menschen notgedrungen sozial sein.\nDie Aktivisten stellten in Ungarn ein auch der Zahl nach beträchtliches Lager dar.\nDieses Lager wurde seit der Revolution durch wiederholte Austritte vermindert. Es\nwäre ein äußerst bequemer Standpunkt, diese Tatsache einfach zu verschweigen oder\nmit der Bemerkung abzutun, daß es auch im Lager der Radikalen eine Anzahl Künstler\ngab, die den eingeschlagenen Weg nicht weiter zu gehen vermochten und nach jahre-\nlangem Bemühen vorzogen, das permanente Suchen abzuschwören. Aber die Gründe,\ndie das Ausscheiden der meisten ehemaligen Aktivisten bedingten, sind so typisch\nund von so großem theoretischen Interesse, daß wir nicht umhin können, ihrer mit"}, {"page_pdf": 56, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.56", "debut_caractere": 36, "fin_caractere_exclue": 2825, "texte": "einigen Worten zu gedenken. Die Erklärung ist schon angedeutet worden, indem\nwir auf die Gegensätze zwischen Aktivisten auf der einen und den Romantikern\nder Revolution auf der anderen Seite verwiesen. Die Aktivisten, die es heute\nnicht mehr sind, bekennen sich entweder zur Schule des Konstruktivismus oder zum\nProletkult. Die einen sind die Romantiker der Technik und und der Maschine, die\nanderen die der politischen Phrasen, die aber gewiß keine Revolution machen, nur\nAltes wiederkäuen und die Erbitterung der Masse erst recht betäuben, ja entkräften\nkönnen.\nDas letzte Abschiedswort der Aktivisten an sie ist: „Fort mit dem vorher ausgedachten\nPraktischen in der Kunst! Die Kunst hat nichts auszudrücken, was außerhalb unser\nist; die Kunst soll einzig und allein uns ausdrücken, denn wenn ich, der Künstler,\ndas Thema der Kunst bin, so bedeutet das nur, daß ich die Welt wiederspiegele\nund mehr als das kann niemand geben. Das Leben wird von mir gelebt und kann\nich es in Formen bannen, so werden diese Formen suggestiv sein.\" (Kassäk).\nDie Aktivisten leben heute zerstreut in allen Ländern meist als politische Emigranten.\nIhr Führer war von allem Anfang an und ist heute noch der Fanatiker mit sprühender\n• •\nÜberzeugungskraft Ludwig Kassak, dem es bereits vor dem Kriege gelungen ist,\ndie Seele des arbeitenden Menschen (Kassäk selbst ist aus dem Arbeiterstande hervor-\n. \\\ngegangen) mit urwüchsiger Kraft auszudrücken und den praktischen Nachweis zu\nerbringen, daß die Kunst kein expropriierter Zeitvertreib preziös lispelnder Intellektueller\nist. Ein sozialistischer Künstler im wuchtigsten Sinne des Wortes, entwickelte er sich\nnach und nach zum Dichter eines neuen Primitivismus, nachdem er kürzlich auch die\nZieraten des ihn die längste Zeit in seinem Banne haltenden Dadaismus endgültig\nabgestreift hat. Kassak beschäftigt sich übrigens bekanntlich auch mit bildenden\nKünsten und vertritt in ihnen denselben Standpunkt, wie in seinen Dichtungen. Neben\nihm sind Robert Reiter, der als Novellist bereits früher bekannte Tibor Dery, und\neine Anzahl junger Dichter als Lyriker und eine Reihe Theoretiker, unter ihnen\nErnst Kallai und der Verfasser dieser Zeilen tätig. Bemerkenswert ist, daß die\nAusdrucksformen des Aktivismus, insbesondere auf lyrischem Gebiet, eine ausgesprochene\nSchule gemacht haben, während Kassäk und die Aktivisten noch immer neue Möglich-\nkeit des Ausdrucks suchen. In den letzten Jahren ist kaum ein junger ungarischer\nLyriker aufgetreten, der sich wenigstens formal nicht epigonenhaft an jenen freien\nVers der politischen Periode Kassäks anlehnte, den er selbst bereits als überwunden\nbetrachtet. Es ist keine ungewöhnliche Erscheinung in der Literatur, daß die Epigonen\nzugleich auch Feinde sind. Die größten Feinde der „Ma\"-Bewegung aber sind ältere"}, {"page_pdf": 57, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.57", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 390, "texte": "Künstler, zumeist Schriftsteller, die es nicht verwinden können, daß sie mit grauen\nHaaren nicht imstande waren, sich der Wirkung* einer derart verteufelt radikalen\nKunst zu entziehen, daß ihre Formen, deren Nachlallen sie mit schwerer Mühe\nendlich erlernt haben, mittlerweile schon gealtert und vom Schöpfer selbst überholt\nworden sind.\n\nAndreas Gáspár"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c030", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "167", "page_fin": "167", "image_debut": 53, "image_fin": 53, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.13.1", "titre_corps": "Wechselndes Lichtbild Phase 1", "titre_sommaire": "Wechselndes Lichtbild Phase 1", "signature_source": "Nikolaus Braun", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 53, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.53", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 45, "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild Phase 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c031", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "168", "page_fin": "168", "image_debut": 54, "image_fin": 54, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.13.2", "titre_corps": "Wechselndes Lichtbild Phase 2", "titre_sommaire": "Wechselndes Lichtbild Phase 2", "signature_source": "Nikolaus Braun", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 54, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.54", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 45, "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild Phase 2"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c032", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "172", "page_fin": "173", "image_debut": 58, "image_fin": 59, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.14", "titre_corps": "Die Traumkanzel", "titre_sommaire": "Die Traumkanzel", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 58, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.58", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 1431, "texte": "Die Traumkanzel\n\n1\n••■\\;•' \" , _ . \" '\nDurch riesengroße Sanduhren rieseln Sterne.\nIn unterirdischen Gängen ist ein Gewühl von schwarzen Blumen und kristallenen Särgen.\nIn gestrecktem Lauf eilen Wappentiere zum Horizont.\nRiesengroße weiße Hasen trinken aus weißen Lavaströmen.\nEr sieht auch die Seen senkrecht wie Spiegel in den Bergen hängen\nFlieht aber nicht mit dem Laiengelichter in die Archen.\nEr bringt die Schneeernten ein\nEr lichtet die Schneeanker\nUnd aus dem Riesenvogel fällt er Kristalle aus Fleisch und Blut.\nj %\n2\nObwohl der Mond mir wie ein Spiegel gegenüberhängt schmerzt mich der Engel im\nAuge.\nAuf den Tischen laufen die Sämereien auf und pochst du an die Pflanzen so springen\nihre Blumen hervor.\nDie Löwen verenden vor ihren Schilderhäusern mit Gießkannen voll Diamanten zwischen\nden Krallen.\nDie Führer tragen Schürzen aus Holz.\nDie Vögel tragen Schuhe aus Holz.\nDie Vögel sind voll Widerhall.\nUnaufhörlich rollen ihnen die Eier aus ihren kleinen Herzen.\nIhr Scheitel trägt den Himmelsmast.\nIhre Sohlen stehen auf schreitenden Flammen.\nReißt die Schneekette so rufen sie den Herrgott an.\nSenkt sich das Himmelsrad so treten ihre Hufe auf schwarze Körner.\n3\nDie Nachtvögel tragen brennende Laternen im Gebälk ihrer Augen. 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Eigentlich hieß er Hans. Eines Tages fand Hahnemann\nein Ei, aber kein richtiges Ei, sondern es war an einer Ecke nicht rund, sondern\nplatt. Ganz platt. Ganz platt. Und zwar hatte es auf der platten Ecke gestanden.\nDas mußte Hahnemann auffallen. Darum nahm er das Ei mit und ging damit zum Onkel\nDoktor. Der aber sagte ihm, daß das kein Hühnerei wäre, auch kein Gänseei, sondern\nes wäre ein Hahnenei, und zwar das Ei von einem richtigen Hahnepeter. Ja, sagte\nHans, wie muß man das denn machen? Da setzte der Onkel Doktor seine Hornbrille\nauf und sagte, solch ein Ei brauchte genau 13 Tage hinter dem warmen Ofen zu\nliegen zum Ausbrüten. Die Mutter wollte das zuerst nicht glauben. Als aber Hahnemann\neine lange Konservendose hinter den Ofen stellte, und das Ei darauf, noch etwas\ngrünes Gras dabei, wie auf einer richtigen Wiese, da glaubte sie es doch. Nur\nfürchtete sie sich etwas, wenn der Hahnepeter schließlich rauskommen würde, was\ndann? Hahnemann beruhigte sie, sie müsse nur 13 Tage Geduld haben. Morgens\nund abends betastete Hahnemann das Ei mit dem Zeigefinger und brachte morgens\nund abends neues Grün von derselben Wiese, auf der er das Ei gefunden hatte.\nIhr müßt Euch das alle merken, wie man das macht, denn Ihr findet vielleicht auch\nmal solch ein Ei von einem richtigen Hahnepeter.\nUnd nun kam der Tag, wo der Hahnepeter aus dem Ei kriechen sollte. Das Ei war\nschon ganz warm geworden, und Hahnepeter setzte sich schon vorsichtshalber die\nBrille seiner Großmutter auf. Denn wenn der Hahnepeter herauskommen würde,\ndann könnte er leicht herunterfallen. Darum nahm Hahnemann zuletzt das Ei von\nder Konservendose herunter, wickelte es in seine Schürze und setzte sich damit dicht"}, {"page_pdf": 61, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.61", "debut_caractere": 37, "fin_caractere_exclue": 643, "texte": "an den Ofen. Mit einem Male gab es einen Kling, als ob die großen Leute mit\nWein anstoßen, und da kam der Hahnepeter aus dem Ei heraus und sagte sofort\nHahnemann wollte die Eierschalen fortwerfen, weil er vor Schreck nichts Besseres zu\nsagen wußte, aber die waren schon nicht mehr da. Und wie er den Hahnepeter\nganz vorsichtig auf den Tisch stellte, stand er sogar auf einem Bein, denn er hatte\nnur eines, und das war wie ein Kreisel.\nHahnemann mochte ihn kaum fest ansehen, aber er sah ihn doch heimlich an, und\nsah ihn immer wieder an, von allen Seiten an, und der Hahnepeter stand auf seinem\neinen Bein."}, {"page_pdf": 62, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.62", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 2485, "texte": "Als nun die Mutter hereinkam, fragte sie sofort, was man mit dem Ding wohl eigentlich\nmachen könnte ? Da meinte Hahnemann, der würde doch Eier legen, und dann hätten\nwir eine ganze Familie von Hahnepetern. Aber die Mutter meinte, das hätte doch\nauch keinen Zweck. — O doch, das hätte den Zweck, daß viele Hahnepetermärchen\nkämen.\nUnd mit einem Male fiel es Hahnemann dabei ein, daß der Hahnepeter auch „Kra\"\nsagen konnte. Wenn man nämlich den Hahnepeter am Halse unter dem Lappen\nkitzelte, so sagte er „Kra, Kra\", so ähnlich wie Kikeriki. Und als die Kinder kamen,\nkitzelten sie ihn alle erst mal mit einem Strohhalm unter dem Halse, damit er\n„Kra, Kra\" sagte. Und der Hahnepeter mußte fürchterlich lachen und sagte immer\n„Kra, Kra, Kra, Kra, Kra, Kra, Kra, Kra\".\nUnd wie ihn nun die Kinder alle kitzelten, da kitzelte eines verkehrt, es wußte selbst\nnicht wie und wo, und warum, und wir wissen es auch nicht, warum es verkehrt war.\nUnd plötzlich wurde er grasgrün, schrie furchtbar auf, sprang ein bischen in die Luft\nund legte dabei ein schwarzes Ei, und nun kitzelte jedes Kind einmal an der ver-\nkehrten Stelle. Und jedesmal legte der Hahnepeter ein schwarzes Ei. Und da es\n13 Kinder waren, so legte er 13 Eier. Und dabei bemerkten es die Kinder, daß er\nhinten eine Schraube und einen richtigen Propeller hatte.\nWenn wo ne Schraube ist, muß man auch dran drehen. So drehte Hahnemann an\nder Schraube dreimal rum, nachdem er die Mutter gefragt hatte, wie rum man drehen\nmüßte. Die Mutter aber sagte, man müßte rechtsrum drehen. Und als Hahnemann\ndreimal rumdrehte, tanzte der Hahnepeter wie eine Balletteuse. Darum drehte jetzt\nHahnemann sechsmal rum. Und als Hahnemann sechsmal rumdrehte, tanzte der\nHahnepeter wieder und erhob sich dabei etwas in die Luft. Darum drehte jetzt\nHahnemann neunmal rum. Und als Hahnemann neunmal rumdrehte, flog der Hahne-\npeter ganz hoch und sang dazu, wie wenn der Vater Violine spielt. Darum drehte\nHahnemann jetzt dreizehnmal rum auf. Und als Hahnemann dreizehnmal rumdrehte,\nflog der Hahnepeter ganz hoch, ganz schnell, noch schneller, noch viel schneller und\nsang dazu noch viel schöner, als wenn der Vater Violine spielt. Und flog höher\nund höher und kam überhaupt nicht wieder herunter. Die Kinder sahen hinter dem\nHahnepeter her, sahen sich gegenseitig an und machten betrübte und erstaunte kleine\nGesichter. Manche lachten vor Schreck, und Hahnemann mußte sogar weinen. Aber\nder Hahnepeter kam nicht wieder."}, {"page_pdf": 63, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.63", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 321, "texte": "Und da kam gerade die Mutter dazu und hörte die ganze Bescherung und tröstete\ndie Kinder und sagte, sie hätten ja noch die vielen Eier, die Hahnepeter gelegt\nhatte. 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.16", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Iwan Heilbut", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 64, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.64", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 753, "texte": "Gedichte\n\nDie Pferde von Franz Marc\nIn der Nationalgalerie\nBall klingen Pferde klotz aus lichtem Schrei\nbeugmähnig eisenkammig\nRostfeuer tanz in weißen Häuten\nstahlleibern Adel läuten flankenblühn\nAufklingen Pferde horch\nstahlkreisblank Schwüngen\nmuskelhügeln Leiber\nSchwarzsichelmähnig\nweiß in düstern Augen\nBlauschwarzmusik\nwuteisenkammig aufgeklangte Bugen\nAus Pferden stieren Pferde\ndüstre Seelen\n\nUnter Bäumen von August Macke\nIn der Nationalgalerie\nSaumrot und braun und süßer Täler Satten\nund Samen fließen rausen licht in Adern\nsanftbrüstig Heben Schauern Drängen Klingen\nstrombraune Lichtsee\nGrund glutsatter Grund\nTiefadern Quellenbluten\nsüß Drängen sehnt sucht Sehnsucht\nLeib an Leibe\nstill\nSeele dehnt sich"}, {"page_pdf": 65, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.65", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 704, "texte": "Glühen grünes Glühen\naufgrüßen Kronen\nschlank aufbraunen Stämme\nund Menschen rosensüß und weiß weichgöttlich\ninsingen drängen knospenauf\nlicht schwingen\nleisbirren Brüste Hände goldentgegen\nGrundtränenquellend Lust aus blühen Höhlen\ntiefbluhe Rauschenhöhlen tief in Bergen\nGold riesen dunkle Winde\n• •\nO rotsatt Überleuchten\nhell und höher\nauf rotsatt Tosen blutbunt süße Welle\nai Liederklingen süße Saitenlieder du Wald glutsatt\nDu Welt\n\nLöwe\nGelbleiben hauptumbuscht Bleipranke breit\nSchatten golden sonnt auf sundem Sand\n... )\nBrunstlöwinruf\nAufhauen Klauen Glieder Schweifen Wirbel\nGeprankt\nDa steht\nSpannadern Leib\nlauschhörchern\ndehnt\nreißt Fresse weit\nmaulbrülle"}, {"page_pdf": 66, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.66", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 461, "texte": "duckt\nduckt rückwärts\nduckgeduckt\nwiegt vor\nwiegt rückwärts\nwiegewiegt\nspringt\naufspringt und\nbogenhoch\nfliegt fliehen fliehen\npfeilgrad wiegt die Bahn\nmähnflattern wiegen wiegt und weugt\nbrechen aus brechen aus pfeilgrad die Bahn\npfeilgrad die Bahn\nSand Wirbelsand\nBrunstlöwinruf\nSanddonner\nLow Löwe liew läuw rönnen rennen rinnen im Wind\nBreiter breit Golddampfe\nballbogen um\nSand Sand\nGolddampfe Sand und Sand\n\nIwan Heilbut"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c036", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "178", "page_fin": "178", "image_debut": 64, "image_fin": 64, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.16.1", "titre_corps": "Die Pferde von Franz Marc", "titre_sommaire": "Die Pferde von Franz Marc", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 64, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.64", "debut_caractere": 45, "fin_caractere_exclue": 435, "texte": "Die Pferde von Franz Marc\nIn der Nationalgalerie\nBall klingen Pferde klotz aus lichtem Schrei\nbeugmähnig eisenkammig\nRostfeuer tanz in weißen Häuten\nstahlleibern Adel läuten flankenblühn\nAufklingen Pferde horch\nstahlkreisblank Schwüngen\nmuskelhügeln Leiber\nSchwarzsichelmähnig\nweiß in düstern Augen\nBlauschwarzmusik\nwuteisenkammig aufgeklangte Bugen\nAus Pferden stieren Pferde\ndüstre Seelen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c037", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "178", "page_fin": "179", "image_debut": 64, "image_fin": 65, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.16.3", "titre_corps": "Löwe", "titre_sommaire": "Löwe", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 65, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.65", "debut_caractere": 474, "fin_caractere_exclue": 704, "texte": "Löwe\nGelbleiben hauptumbuscht Bleipranke breit\nSchatten golden sonnt auf sundem Sand\n... )\nBrunstlöwinruf\nAufhauen Klauen Glieder Schweifen Wirbel\nGeprankt\nDa steht\nSpannadern Leib\nlauschhörchern\ndehnt\nreißt Fresse weit\nmaulbrülle"}, {"page_pdf": 66, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.66", "debut_caractere": 35, "fin_caractere_exclue": 447, "texte": "duckt\nduckt rückwärts\nduckgeduckt\nwiegt vor\nwiegt rückwärts\nwiegewiegt\nspringt\naufspringt und\nbogenhoch\nfliegt fliehen fliehen\npfeilgrad wiegt die Bahn\nmähnflattern wiegen wiegt und weugt\nbrechen aus brechen aus pfeilgrad die Bahn\npfeilgrad die Bahn\nSand Wirbelsand\nBrunstlöwinruf\nSanddonner\nLow Löwe liew läuw rönnen rennen rinnen im Wind\nBreiter breit Golddampfe\nballbogen um\nSand Sand\nGolddampfe Sand und Sand"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c039", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "181", "page_fin": "182", "image_debut": 67, "image_fin": 68, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.17", "titre_corps": "Städtebildchen", "titre_sommaire": "Städtebildchen", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 67, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.67", "debut_caractere": 86, "fin_caractere_exclue": 3727, "texte": "Städtebildchen\n\nI Jena\nJohann der Gutmütige steht auf dem Markt-\nplatz zu Jena. Er ist geb. und gest. und hat\nzwischendurch die Universität gegründet. Aus\ndiesem Grunde hat ihn der Künstler mit einem\nDolch außerhalb des Gewandes verplastikt. Die\nHerren, die sich mit dem Lebenswerk dieses Gut-\nmütigen vergnügen, stoßen sich deshalb noch\nheute gegenseitig den Dolch in die edleren\nOrgane. Nicht, ohne den sehr geehrten Gegner\ndurch Überreichung einer Besuchskarte davon in\nKenntnis gesetzt zu haben. Für das Gebäude,\ndas zur Vorbereitung dieses Aktes dient, haben\nZeiß selige Erben ein Bild von Herrn Hodler\nbestellt. Hodler ist der Künstler, der die Natur\nnicht mehr genau nachmachte und der deshalb\nzu den Dekadenzerscheinungen zu rechnen ist.\nDaß gerade die Hersteller von photographischen\nund optischen Apparaten der Natur einen solchen\nDolchstoß versetzten, spricht Bände, die auch\neifrig von Professoren geschrieben werden.\nProfessoren sind Herren im reiferen Lebensalter\nohne Hüte mit Huthalter. Der Huthalter soll\nbeweisen, daß die Herren sich zu den gehobenen\nStänden rechnen, die dank ihrer Bildung sich\ndas Recht, einschließlich des juristischen Rechtes,\nund den Besitz eines Hutes gesichert haben.\nAbgesehen von der Freude an der Natur be-\nschäftigen sich die Professoren mit unsinnlichen\nDingen, wie mit den Verordnungen der Reichs-\nregierung, der jeweiligen Reichsregierung, mit\nden Verordnungen vergangener Regierungen\naller Zeiten und aller Völker, mit der Existenz\nGottes, mit dem Liebesleben Goethes, mit alt-\nphilologischen Übungen in neuphilologischen\nSprachen und mit dem Untergang des Oberlehrers\nSpengler. Die Studenten bequatschen die An-\ngelegenheiten dann unter sich. Soweit es die\nWirkung der Dolchstöße zuläßt, trinken sie Bier.\nHierdurch wird die Eigenart der Deutschen zur\nmonumentalen Körperbildung erreicht, so daß\ndem Plastiker fast gar nichts mehr zu tun übrig\nbleibt. Er hat nur noch den Dolch nachzubilden.\nJena riecht nach Landwirtschaft, eine Folge der\nRostbratwürstchen. Durch Aufgießen schmutzigen\nWassers wird erreicht, daß diese Würstchen sich\nnicht verbrühen und andererseits sich des be-\nkannten Wohlgeschmacks erfreuen. Außerdem\nwird in Jena von jedem gesungen, dem der\nGesang nicht gegeben ist. Die wilderen Ele-\nmente dieser Stadt treffen sich abends in der\nParadiesdiele. Sie liegt nicht, wie ähnliche\nInstitute in Berlin, im ersten Stock, sondern auf\nder platten Erde. Selbstverständlich im Charakter\neines Korridors. Abgesehen von den Vertretern\nder Presse, sind dort alle Menschen gleich.\nEine Hausgehilfin ist zur Zeit dort gerade im\nBegriff, den Bubikopf einzuführen, ohne des-\nwegen das Recht auf Haferlschuhe aufzugeben.\nWo sie doch Gerhart Hauptmann, der bekannte\nStammgast des Hotels Adlon, auf dem Potsdamer\nPlatz trägt. Die Paradieskapelle versucht ohne\nGrazie eine Jazzband zu ironisieren. Sie spielt\ngrundsätzlich Potpourris, damit jeder zu seinem\nRecht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch kommt.\nIn früheren Zeiten haben Luther, Schiller und\nBismarck die Stadt bevölkert. Insbesondere litt\nSchiller offenbar an einer fast krankhaft zu\nnennenden Umzugsmanie, so daß kaum ein\nHaus Jenas ohne eine bronzene Notiz von dem\nZugang und Abgang dieses Teils der Bevölke-\nrung verschont geblieben ist. Jena hat eine\nStraßenbahn, die die beiden Bahnhöfe dieser\nStadt vermittelst einer sinnvollen Verwendung\nder Elektrizität verbindet» Der zweite Bahnhof\ndient nämlich ausschließlich dem Verkehr nach\nWeimar, einer Stadt, zu der man nicht so ohne\nweiteres hinfahren soll. Sonst ist das Geistes-\nleben in Jena auf der bewährten alten Höhe,\ndie dort von der Höhe kommt und Fuchsberg\ngenannt wird."}, {"page_pdf": 68, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.68", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4034, "texte": "II Weimar\n„Die StadtWeimar hat zur Zeit 28 500 Einwohner,\nworunter sich cirka 570 Katholiken und vielleicht\n180 Israeliten befinden.\" Diese Angabe verdanke\nich Woerls Reisebüchern. Auf der letzten Seite des\nFührers für Weimar durch und durch sind Post-\nkartenverse sozusagen als Anhang beigegeben,\nfür Leute, die sich ohne Schiller und Goethe\nnicht lassen können. Es sind laut Angabe des\nVerlags sogenannte „Originalverse\". Um diesem\nStädtebildchen die mir versagte aber doch nötige\nPoesie anzukreiden, sei hier zur klassischen Ver-\nwendung die Originaldichtung Nummer 1 der\nbreiteren Öffentlichkeit zugängig gemacht:\nGegrüßt sei von geweihter Stätte mir!\nAuf großer Geister Spuren wandl' ich hier;\nIn Stadt und Park, wohin das Auge schaut,\nErinn'rung grüßt uns hier, lieb und vertraut.\nWem aber etwa Woerl nicht genügt, kann auch\ndas Originalgedicht Nummer 2 von Goethe per-\nsönlich für diesen Zweck gebrauchen:\nIhr seid mir hold, ihr gönnt mir diese Träume\nSie schmeicheln mir und locken alte Reime\nMir wieder selbst, von allen Menschen fern\nWie bad' ich mich in euren Düften gern.\nZur Zeit findet in Weimar eine Tierausstellung\nstatt, die bestbekannte landwirtschaftliche Woche.\nMan hat es den Landwirten sehr übel genommen,\ndaß sie ihre Produktion in der unmittelbaren\nNähe der Produktion Goethes produziert haben.\nGoethe persönlich dachte hierin viel freund-\nwilliger und hat dieser landwirtschaftlichen An-\ngelegenheit bereits vorher in herzlicher Weise\ndie beiden folgenden Originalverse für Ansichts-\nkarten zur Verfügung gestellt:\nDer Landmann leichtem Sand den Samen an-\nvertraut\nUnd seinen Kohl dem frechen Wilde baut.\nAbgesehen von diesem Kohl gibt es in Weimar\nselbst zahlreiche Plastiken. Jeder tausendste\nEinwohner dieser Stadt erhält ein Denkmal.\nDer berühmte Kunstkritiker Lübke' hat die end-\ngültige Kunstformel für sämtliche dort geschaf-\nfenen und noch zu schaffenden Denkmäler\ngeschaffen: „Geistvoll energische Charakteristik,\ntiefe Auffassung und Wiedergabe der ganzen\nPersönlichkeit, in welcher man gleichsam den\nWiderhall ihres eigenen Wesens empfindet, adeln\ndieses Denkmal.\" Das ist ein Ruf wie Widerhall\nauf der es sich lohnt, Plastiker zü werden.\nWeimar hat außerdem eine Straßenbahn, die\nnicht fährt. Alle Wege führen zwar nach Weimar,\naber wenn man dort ist, will man dort bleiben.\nHier hat nicht in jedem Haus Schiller, hier hat\nnoch außerdem in jedem Haus Goethe gewohnt.\nDeswegen ist jedes Haus mit zwei bronzenen\nNotizen versehen. In einem sehr repräsentativen\nHause wohnte etwas abseits ein gewisser Nietzsche.\nIn meinem Woerl findet sich über diesen pp.\nNietzsche folgende Notiz: „Wenn man bedenkt,\ndaß Nietzsche nur etwa fünfzehn Jahre lang mit\nvöllig freiem Geist produktiv tätig war, so ist\nes wahrhaft zu bewundern, daß in dieser kurzen\nZeit ein so großer literarischer Reichtum ge-\nschaffen worden ist.\" Dieser Herr Nietzsche\nhat trotzdem kein besonderes Lokalinteresse\nerregt. Weimar hatte früher Großherzöge, die\nmit den Dichtern gingen, während die feineren\nKönige bekanntlich mit den teureren Sängern\ngingen. Nach dieser großen herzoglichen Zeit\nhatte man eine kleine proletarische Regierung,\nder die jetzige Rechtsregierung aus ästhetischen\nGründen etwas am Zeuge flicken will. Diese\nRegierung pavt außerdem. Paven ist kein\nSchimpfwort. Es ist eben Paven. Die aller-\nhöchste Reichsregierung, die über der Arm-\nregierung der Länder steht, hat auch etwas\ngeschaffen. Nämlich die Personalabbauverord-\nnung, Pav genannt. Wer nicht paßt, wird gepavt.\nOder in Regierungsdeutsch: es werden Spar-\nmaßnahmen getroffen. Die Weimarische Regie-\nrung, vom klassischen Wortgeist besessen, will\naus Sparsamkeitsgründen zunächst das Bauhaus\npaven. Man findet es nämlich sehr billig, daß\nman durch Ankauf von nur zwei Buchstaben\nden Titel Bauhaus in Abbauhaus umgestalten\nkann. Unter diesem Namen soll die klassische\nAkademie ihre Existenz wieder ableugnen.\nWeimars Reichtum ist seiner Ansichtskarten-\nindustrie begründet. Endlich besitzt Weimar\nein Theater, das ohne jede Verfassung ist.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c040", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "182", "page_fin": "182", "image_debut": 68, "image_fin": 68, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.18", "titre_corps": "Sonderbar", "titre_sommaire": "Sonderbar", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 68, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.68", "debut_caractere": 4036, "fin_caractere_exclue": 4132, "texte": "Sonderbar\nRudolf Blümner\nDer Hammer ist und bleibt bewiesen.\nHerzliche Grüße von Franz zu Franz."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c041", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "183", "page_fin": "184", "image_debut": 69, "image_fin": 70, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.19", "titre_corps": "Zirkus", "titre_sommaire": "Zirkus", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 69, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.69", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4749, "texte": "Zirkus\n\nDrei geharkte Sandkreise unter einem Zelt.\nZehntausend Menschen umsitzen sie. Zehntausend\nMenschen umlagern es. In den Gesichtern innen\nSpannung. In den Gesichtern außen Sehnsucht.\nDer Riesenzirkus Krone, Schönhauser Allee.\nHerr Krone, oder vielmehr Herr Direktor Krone,\nhat ein Programmheft herausgegeben, in dem\nsich ein Feuilletonist über das Wesen des Zirkus\nund über das Wesen des Herrn Direktors äußert.\nFrau Direktor Krone ist in dem feierlichen\nMoment abgebildet, wo ihr das italienische\nOffizierkorps huldigt. Herr Direktor ver-\nabschiedet das italienische Königspaar in Turin.\nDas ist im Bilde festgehalten. Außerdem läßt\nHerr Direktor mitteilen, daß er den „deutschen\nZirkus\" geschaffen hat, „er wollte die amerika-\nnische Großzügigkeit mit der deutschen Reellität\nharmonisch verbinden, deutscher Geist sollte aus\nallem heraussprechen, und dies ist ihm auch in\nglänzender Weise gelungen. Der Zirkus sollte\nnicht nur eine Unterhaltungsstätte für die breite\nMasse werden, nein, er sollte auch eine Kultur-\nstätte sein. Er sollte ethischen und kulturellen\nZwecken dienen, der breiten Masse die Kennt-\nnisse fremder Völker und Tiere vermitteln\".\nDer Zirkus ist besser als sein kulturelles Pro-\n\\\ngramm.\nKörper spielen und bilden körperliche Formen.\nKein Raum schränkt sie ein. Kein Schwer-\ngewicht zieht sie zur Erde. Die Zeit ist rhyth-\nmisch aufgeteilt. Jede Sekunde eine Leistung.\nJede Leistung in einer Sekunde. Über den\nKreisen zwischen Himmel und Erde Bewegung.\nGestaltete Bewegung. Also Kunst. Der deutsche\nGeist hat zum Glück für die Kunst das Zelt\nverlassen und hält sich höchstens noch in einigen\nZuschauern zum dauernden Schaden ihrer Ge-\nsundheit auf.\nDie Kulturstätte einschließlich der ethischen\nForderung wird durch Kamele, Tiger, Elefanten,\nPferde und ungarische Ochsen bevölkert. Die\nKamele sehen sich höchst überlegen um. Und\ndenken, so dumme Menschen. Wollen aus uns\nsogar noch eine Kulturstätte machen. Die Kamele\nsind sehr groß und daher auch überlegen. Auch\ngroße Menschen sind überlegen. Sie wurden\ndeshalb früher stets zu den höchsten Ämtern\nzugelassen. Eben wegen der Überlegenheit.\nDie ungarischen Ochsen sehen sich das Publikum\nzwar auch überlegen, aber etwas gutmütiger an.\nSie stehen offenbar dem menschlichen und ins-\nbesondere dem deutschen Geist ochsig näher.\nSie lassen sich alles gefallen. Die Reflektoren\nwirken auf ihr reflektorisches Bewußtsein. Warum\nsollen sie schließlich nicht solche Ochsen sein,\num im Kreis herumzulaufen? Da es ihnen gut\nsteht und man sie von allen Seiten betrachten\nkann. Es macht noch ganz anderen Ochsen\nFreude, von allen Seiten betrachtet zu werden.\nDie Tiger haben persönlich weniger Spaß.\nImmerhin wird durch die Höhe der menschlichen\nKultur erreicht, daß sie schön tun. Sie machen\nes nicht gern, aber was soll man schließlich\nmachen. Das Schöntun gehört zum Fortschritt,\nalso zur Kultur, schafft Beziehungen und Ver-\nbindungen. In den Momenten, wo ihnen das\nSchöntun gegen die Natur geht, wird das üb-\nliche Mittel angewandt. Ein Herr Mensch schießt.\nZunächst probeweise nur in die Luft. Hierauf\nziehen es auch die Tiere vor, schön zu tun.\nWährend die Kamele eine verzweifelnde Ähn-\nlichkeit mit intellektuellen Führern der mensch-\nlichen Gesellschaft physiognomisch haben, legen\ndie Elefanten ihr Antlitz in metaphysische Falten.\nSie sind so unglaublich groß, daß sie es sich\nwirklich nicht leisten brauchen, dem Direktor\ndas ethische Vergnügen zu stören. Auch sie\ntun schön, aber nur, weil es ihnen so komisch\nvorkommt, daß man sich ihnen überlegen fühlt.\nSie haben auch die Genugtuung, den Herrn\nDirektor auf einem Rüssel in die Höhe zu heben,\ndaß er allen Zuschauern sehr klein vorkommt.\nSie haben allerdings von ihm verschiedene\nmenschliche Eigenschaften erlernt, auf die sie\nnicht gefaßt waren. Sie lernen zum Beispiel\nkriechen. Sie kriechen voreinander. Sie kriechen\nuntereinander. Kulturstätte. Sie machen Musik\nmit den Füßen. Hohe Kunst. Alle Tiere be-\nwegen sich in geradezu vollendeter Ordnung.\nDie Elefanten, die Kamele, die Ochsen. Staats-\nbewußtsein. Das Publikum freut sich, daß die\nTiere das auch alles so brav gelernt haben.\nGanz wie unsereins. Tiere gehören zweifellos\nzu den wirtschaftlich Schwachen. Sie arbeiten\nohne Lohn und sind mit etwas Kost und viel\nPrügel sehr zufrieden. Die Zuschauer verlangen\nfür ihre Beschäftigung sogar Lohn. Besonders\nübel wird es ihnen genommen, daß sie es auch\nfür Beschäftigungslosigkeit verlangen. Wo es\ndoch eigentlich ein Vergnügen ist, sich zu be-\nschäftigen und sich nicht zu beschäftigen. Aller-\ndings hat man nicht die Musik dazu, wie die\nfremden Völker und die fremden Tiere.\nDie Pferde sind unruhiger. Ihnen ist wahr-\nscheinlich die ethische Forderung eingebläut\nworden. Sie haben Gesinnung, auch wenn sie"}, {"page_pdf": 70, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.70", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2152, "texte": "tanzen lernen mußten. Pferde, die in dem Ver-\ndacht stehen, über die Stränge zu schlagen, hat\nman aus Gründen der Ordnung mit einem Maul-\nkorb versehen. Sie müssen wegen der Geistig-\nkeit eben ihre Gefühle rein innerlich erleben.\nPferde, die sich mit dem Erreichbaren an Zucker\nbegnügen, dürfen beliebig oft das Maul aufsperren.\nZwischen dieser Hörigkeit rauscht das sichtbare\nLeben der Artisten. Schweifende Kometen, die\nihren eigenen Gesetzen und dem Willen und\nVermögen ihrer Gestaltungskraft folgen. Herren\nihres Körpers und ihrer Sinne. Menschen, die\nfreie Tiere scheinen und es in ihrem schöpfe-\nrischen Gleichnis sind. Rücksichtslos gegen den\nTod und vorsichtslos gegen das Leben. Sichtlos\nund sichtbar in der Bewegung. Sie fliegen ohne\nApparate, sie springen ohne Anstoß. Sie können\nsogar ohne Krücke gehen und stehen. Sogar\nohne die Krücke des Geistes. Sogar ohne den\ndeutschen Geist. Sogar ohne den Geist, den\nvielleicht andere Nationen gepachtet haben.\nGeist ist nämlich ein Sachwert, den man nur\npachten braucht. Geist zu kaufen ist nicht\nhandelsüblich. Mit Geist wird nicht gehandelt.\nMan kann nicht einmal sagen, daß mit Geist\nverhandelt wird. Es geht aber glänzend ohne\nGeist, wenn man sich nur das verfluchte Han-\ndeln abgewöhnen wollte. Geist ist nämlich nur\nÜbertreibung. Nämlich nur Übertreibung un-\ngelöster Triebe. Daß der Mensch nun einmal\nTriebe hat, aus Trieben geschaffen wird und aus\nTrieben schafft, mag vielleicht sehr bedauerlich\nsein, die Menschen werden es aber nicht ändern\nkönnen. Sinne lassen sich nicht ausreden.\nDie Sinne sind das Wesen der Menschen. Die\norganische Gestaltung sinnlicher Erlebnisse ist\nKunst. Geist ist ein Hilfsmittel, aber kein\nTrieb. Nur aus den Trieben entsteht das Leben.\nNur aus den Trieben entsteht das Kunstwerk.\nWas man so Kunst nennt, ist geistige Mache.\nArtisten sind Künstler.\nDarum schäme man sich nicht, in den Zirkus\nzu gehen. Man bilde ihn nur nicht zur Kultur-\nstätte um. Oder rede ihn sich als Kulturstätte\nein. Denn dadurch wird der Zirkus zu der be-\nlanglosen Zierangelegenheit erniedrigt, die man\nKultur nennt.\nGehen wir in den Zirkus.\nWir wollen Menschen sein.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c042", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[116]", "page_fin": "[116]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[116]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 137, "texte": "Contimporanul\nEinzige moderne rumanische\nKunst- und Literatur-Zeitschrift\nDirektoren: J.. Vinca und M. jailCO\nStr. 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Die Zeitschrift dient damit\nzugleich der Forderung der kulturellen und\nwirtschaftlichen Verstandigung Deutsch-\nlands und Rufilands.\nDer Preis der Zeitschrift betragt fur das Einzelheft\nM 0.60, fiir das Doppelheft M 1.—, fiir das Viertel-\njahrsabonnement M 1.50. — Fiir Mitglieder der\n„Gesellschaft\" ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag-\nvon M 5.— pro Vierteljahr inbegriffen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c046", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c046", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[116]", "page_fin": "[116]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[116]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.2", "debut_caractere": 1598, "fin_caractere_exclue": 2134, "texte": "HET OVERZICHT\nDIRECTION: FERfWNT BERCKELfIERS CIMD ]OZEF PEETERS\nDie einzige Monatsschrift des internationalen\nVortrupps in niederlandischer Sprache\nSt§ndige Rubriken: radikale Kunst. Musik,\nPhilosophie. Internationale Politik,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\netc.\nPreis jedes einzelnen reich illustrierten Heftes in kunst-\nlerischem Umschlag, 24 Seiten. Format 25 X 32, Fr. 2.—,\nAbor.nement (12 Hefte) Fr. 16—, Frankreich Fr. 20.—\nNiederlande f|. 4.25.\nRedaktion und Verwaltung\nAntwerpen (Belgien) Chaussee deTurnhoutlos"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c047", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c047", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[116]", "page_fin": "[116]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[116]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.2", "debut_caractere": 2136, "fin_caractere_exclue": 2491, "texte": "Im MERZVERLAGE,\nHannover, Waldhausenstrafie 5\"\nist erschienen:\nMERZ 1, 2, 4, 6,7,8/9: Zeitschrift MERZI je 1,50 M\nMERZ 3, 5: Mappen von Schwitters und Arp / 60\nund 30 M\nMERZ 10: Bauhausbuch\nMERZ 13: Grammophonplatte von Schwitters: Laut-\ngedichten / 20 M\nMERZ 12: der Hahnepeter, Marchen von Schwitters,\nillustriert von K. Steinitz, 50 Stuck Auflage,\n20 M"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c048", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c048", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "184", "page_fin": "184", "image_debut": 70, "image_fin": 70, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 70, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.70", "debut_caractere": 2154, "fin_caractere_exclue": 4161, "texte": "STURM-ABEND AM MITT WOCH / DEM 8. OCTOBER / 7»/4UHR\nKONZERTSAAL DER STAATLICHEN HOCHSCHULE FOR MUSIK / FASANENSTRASSE 1\nOesanasgemeinsdiaft Rosebery d' flrguto / Chorkonzert\nPROGRAMM\n1 Junges Volk, fiinfstimmiges Madrigal\n(Tanzlied nach Art der Polen) . . . .\n2 Ich wollt ein StrauGlein binden . . .\nSymphonischer Gesang nach Worten\nvon C. G. Brentano (mit Kindersolo)\n3 Wiegenlied (Kinderchor)\nNach neuerer Forschung von Fliess\n4 Wiegenlied\nCharlotte Staamann\n5 O Zauberin, leb wohl\nWanda Saile\nH. Albert\nRosebery d'Arguto\n6 Lied der Nachtigall (Kinderchor) . .\n7 Absolute symphonische Gesange . .\n8 Frohe Tage (Kinder-Kammerchor) . .\n9 Gesang der Wolga-Treidler\nSymphonischer Gesang fur drei ge-\nmischte Stimmen (in russischer Sprache\ngesungen)\n10 Douce Plainte,franzosischesVolkslied .\nKathe Lindenberg\n11 Der Konig von Yvetot ........\nFranzosisches Volkslied (Kinderchor)\n12 Englisches Madrigal\nMozart\nSchubert\nBeethoven\nEduard Grell\nRosebery d'Arguto\nSteffani\nRosebery d'Arguto\nde Breteuil\n(1624-1701)\nbearbeitet von\nKlages\nMorley-Reger\n13 Sommer ist ins Land gekommen .\nAltenglischer Kanon aus dem ersten\nDrittel des dreizehnten Jahrhunderts\n(Kloster Reading) Der alteste Kanon\nder Musikgeschichte\n14 O Susanna\nSymphonischer Gesang nach einer\namerikanischen Volksweise (Neger-\nweise) Solo: A. 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Muller\n19 A capella-Quartett mit Vierteltonen\nJagau / Lindenberg\nRosebery d'Arguto / Meller\nBeethoven-Rose-\nbery d*Arguto\n250 MITWIRKENDE\n/\nKARTEN IN DER STURM-BUCHHANDLUNG / POTSDAMER STRASSE 138A"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c049", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c049", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.71", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 347, "texte": "L' A R D I R E\nRivlsta Letteraria d'Avanguardia\nSupplemento Mensile a ~Fiamma Nera\"\nDirettore: GIUSEPPE LEONARD!\nLa piCi irrequieta e vibrante rassegua italiana\ndi nuove tendecche\nVi collaborano i piCi rappresentativi serittori\ngiovani\nAbbonamento annuo: Italia L 26 — Estero L 40 — On numero L 2\nDirezione-Amministrazione: Via Marsala 6 - Bologna"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c050", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c050", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.71", "debut_caractere": 349, "fin_caractere_exclue": 603, "texte": "STURM-AUSSTELLUNG\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a*\n#\nI SEPTEMBER 1924;\nWALDEMAR ECKERTZ / PAUL FUHRMANN\nlOKTOBER 1924:\nPERI / NELL WALDEN /HILBERSEIMER\nNOVEMBER 1924; ■\nSOOSEE I NEGER-PLASTIKEN |\nGooffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c051", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c051", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.71", "debut_caractere": 605, "fin_caractere_exclue": 1104, "texte": "W. Marzlllier & Co. Berlin W • Grunewaldstrafie 14-15\nGegr&ndet 1854 Hofspediteure S. M. des Konigs von Spanien Gegrundet 1854\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung von\nGemalden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- und Auslandes / Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kiinstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Illustratoren und Hausspediteure des „ Sturm\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c052", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c052", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.71", "debut_caractere": 1106, "fin_caractere_exclue": 1543, "texte": "cxa\ncxa\nSTURM-ABENDE IN DER STURM-AUSSTELLUNG\nJEDEN MITTWOCH 73/4 UHR / POTSDAMER STRASSE 134 A'\nHERWARTH WALDEN: DICHTUNGEN 3 §\nHERWARTH WALDEN: EIGENE SCHRIFTEN 10\nKINDERCHORE: ROSEBERY D' ARGUTO 17\nKINDERCHORE: ROSEBERY D' ARGUTO 24 &\nOTTO NEBEL: DICHTUNGEN 1 a\nROSEBERY D' ARGUTO: CHORKONZERT 8 =\nIM SAAL DER STAATLICHEN HOCHSCHULE FOR MUSIK fg «\nABSOLUTE MUSIK / FUGEN / RESPONSORIEN ® g\nMANNER- / FRAUEN- UND KINDERCHORE / SOLI 8 e"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c053", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c053", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "185", "image_debut": 71, "image_fin": 71, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 71, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.71", "debut_caractere": 1545, "fin_caractere_exclue": 1899, "texte": "BOTTEGA DI POESIA\nMAI SON D'EDITI ON-LIB RAIRIE-MAISON D'ART\nSuccesseur de la maison „Artaria\" de Ferd. Sacchi & F. — Cartes Geographiques — Guides — Plans\nTELEPH. 84-70 14, VIA DEL MONTE NAPOLEONE MILANO (13) ADR.TELEGR. BiDIPI\nLa plus moderne et la plus complete de Maisons de ce genre;\nveritable centre litteraire et artistique italien et internatwnal"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1924-09-01-c054", "article_bluemountain": "bmtnabg_1924-09_01#c054", "volume": "bmtnabg_1924-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "186", "page_fin": "186", "image_debut": 72, "image_fin": 72, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 72, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.72", "debut_caractere": 210, "fin_caractere_exclue": 1121, "texte": "VERLAG DER STURM\nERLI N W 9\nNEUERSCHEINUNGEN\nHERWARTH WALDEN\nEinblick in Kunst\nExpressiomsmus / Kubismus / Futurismus\nMit 3 Vielfarbendrucken und 70 Abbildungen nach Werken der\nMeister der neuen Kunst. Neuauflage des lange vergriffenen und\nsehr gesuchten authentischen Buches.\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 6,50 Mark\nLuxusausgaben signiert und numeriert in Halb- und Ganzleder\nALEXANDER ARCHIPENKO\nStark vergrofierte Neuauflage des Sturmbilderbuches II\nMit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen und einem Zweifarbendruck\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 4 Mark\nJACOBA VAN HEEMSKERCK\nSturmbilderbuch VII\nDas erste Werk iiber die kurzlich verstorbene fiihrende Kunstlerin\ndes Expressionismus in Holland\nZirka 50 Abbildungen und 7 Originalholzschnitte vom Stock gedruckt\nBeitrage von Poortvliet / Bliimner / Schreyer / Walden\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 8 Mark\nLuxusausgabe in Ganzleder numeriert 50 Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.1", "texte": "DER STURM\nVIERTELJAHRSCHRIFT ,\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nFÜNFZEHNTER JAHRGANG / SEPTEMBER 1924 / DRITTES HEFT\n\nBéla Kádár / Porträtzeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[116]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.2", "texte": "Contimporanul\nEinzige moderne rumanische\nKunst- und Literatur-Zeitschrift\nDirektoren: J.. Vinca und M. jailCO\nStr. Trinitatii 29\nBucarest\n\nPA - FA - MA\nPAPIERFARBMAPPE\nGesamtwerk 69 Papierfarben von hochster Farbkraft liefert\nPAPIERFA R B B I L D E R\nvon unerreichter Schonheit / Geschutzt in alien Kulturstaaten\nBeschaftigungsspiel / Lehrmiitel / Kunstmappe / Ma.lka.sten\nZu beziehen durch Warenhauser, Spielwaren- und Lehrmittelhandlungen oder durch\nSTURM / BUCHHANDLUNG / BERLI Nj W 9\nPOTSDAMER STRASSE 138 a\n\nL'AURORA\nRivista mensile del Movimento\nFuturiste Giuliano\nDirettone: Sofronio Pocarini — Gorizia\nComitato di redazione:\nG.Garmelich — E.M.Dolfi-Jablowsky / Trieste\nPrezzo L. 2—, Abbonamento annuo L. 20—\nIndirizzare tutta la corrispondenza a;\nJablowsky / Via Necker 2 / Trieste\n\nDAS\nMEUE\nRUSSIAXD\nMonatsschrift fiir Kultur- und Wirtschafts-\nfragen / herausgegeben von der\nGESELLSCHAFT DERFREUNDE\nDES NEUEN RUSSLAND.\nSchriftleitung Erich Baron, Bln-Pankow, Kavalierstr. 10\n„DAS NEUE RUSSLAND\"\nist die einzige Zeitschrift, die durch sach-\nkundige Beitrage hervorragender rus-\nsischer und deutscher Mitarbeiter zuver-\nlassige Informationen iiber den kulturellen\nund wirtschaftlichen Neuaufbau Rufilands\nvermittelt. Die Zeitschrift dient damit\nzugleich der Forderung der kulturellen und\nwirtschaftlichen Verstandigung Deutsch-\nlands und Rufilands.\nDer Preis der Zeitschrift betragt fur das Einzelheft\nM 0.60, fiir das Doppelheft M 1.—, fiir das Viertel-\njahrsabonnement M 1.50. — Fiir Mitglieder der\n„Gesellschaft\" ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag-\nvon M 5.— pro Vierteljahr inbegriffen.\n\nHET OVERZICHT\nDIRECTION: FERfWNT BERCKELfIERS CIMD ]OZEF PEETERS\nDie einzige Monatsschrift des internationalen\nVortrupps in niederlandischer Sprache\nSt§ndige Rubriken: radikale Kunst. Musik,\nPhilosophie. Internationale Politik,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\netc.\nPreis jedes einzelnen reich illustrierten Heftes in kunst-\nlerischem Umschlag, 24 Seiten. Format 25 X 32, Fr. 2.—,\nAbor.nement (12 Hefte) Fr. 16—, Frankreich Fr. 20.—\nNiederlande f|. 4.25.\nRedaktion und Verwaltung\nAntwerpen (Belgien) Chaussee deTurnhoutlos\n\nIm MERZVERLAGE,\nHannover, Waldhausenstrafie 5\"\nist erschienen:\nMERZ 1, 2, 4, 6,7,8/9: Zeitschrift MERZI je 1,50 M\nMERZ 3, 5: Mappen von Schwitters und Arp / 60\nund 30 M\nMERZ 10: Bauhausbuch\nMERZ 13: Grammophonplatte von Schwitters: Laut-\ngedichten / 20 M\nMERZ 12: der Hahnepeter, Marchen von Schwitters,\nillustriert von K. Steinitz, 50 Stuck Auflage,\n20 M"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.3", "texte": "HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nDeutsche Meisterehrung\n\nEinmal muß ich in diesem Winter zum Theater. Ich muß jemand auf Berliner\nBühnen begrüßen. Die Duse-Adeptin. Herr Zarek (München) verheißt es in\nder großen Tagespresse. Die Duse-Adeptin ist keine gewöhnliche Duse-Adeptin.\nEs ist die Tochter — Erika — die Tochter Erika von Frau Katja. Über sie enthüllt\nHerr Zarek (München) ein Geheimnis: „Nun, ich enthülle keine Geheimnisse, daß\nFrau Katja geboren ist.\" Herr Zarek (München), der Pate, weiß auch, warum Frau\n/\nKatja uns geboren ist: „um — was im nachromantischen Deutschland so selten wurde —\ngeistige Mittelpunkte zu schaffen — eine der wenigen, ganz und gar schöpferischen\nLeistungen, deren Reservat die Frau inne hat..\" Herr Zarek (München) hingegen hat\nsich das Reservat dieser Enthüllungen reserviert, um so, wenn auch nicht geistiger\nMittelpunkt, doch Pünktchen neben dem Mittelpunkt zu scheinen. Frau Katja, wie\ngesagt, wie er sagt, schafft also ganz und gar schöpferische Mittelpunkte. Um sich.\nDas nachromantische Deutschland lacht sich ins Fäustchen, daß es, etsch, nun doch\ndie Romantik hat. Da Frau Katja sich in ihrer Frauenwürde als ganz und gar Mittel-\npunkt doch etwas geniert fühlt, holt sie sich Hilfe, natürliche Hilfe, aus dem Mutter-\nleibe: „Daß indessen die Tochter — Erika — (man wird sie im Winter schon auf\nBerliner Bühnen als Duse-Adeptin begrüßen) diese Energie verstärkte — ich verrate\nes.\" Ich ist selbstverständlich Herr Zarek (München). Nachdem ich so die weiblichen\nMitglieder dieser Familie mit Hilfe des Herrn Zarek (München) den Lesern menschlich\nnähergebracht habe, bleibt uns nur noch übrig, als Reservat das Oberhaupt kennen\nzu lernen: „Kein Wort im übrigen über die materiellen Genüsse. Man soll nicht\neinen Dichter durch seine gute Küche — kompromittieren. Man behauptet jedenfalls,\nbei Hauptmanns äße man nicht besser.\" Nun heißt es, die Hüte vor Herrn Zarek\n(München) abzunehmen. Er kennt offenbar Persönlichkeiten, die bei Hauptmanns\ngegessen haben, wenn er nicht womöglich selbst Mitesser gewesen ist. Ein Dichter,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.4", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nder samt Familie nicht schlechter ißt, als Familie Hauptmann. Hauptmanns haben\nes dadurch zu einem beträchtlichen Ruf gebracht. Bei Adlon ißt man gut, bei Haupt-\nmanns besser. So gut wie in der Familie können es die Restaurants eben nicht.\nMan ißt eben doch am besten bei Muttern, wenn Vater außerdem als Dichter ißt.\nHauptmanns haben also Nebenbuhler gefunden. Die Literaten buhlen bereits um\ndiesen neuen Tisch: „Man aß, man trank: es ist ja jedem (aus der Vorkriegszeit) in\nErinnerung, wie vergnüglich satt einem dann zumute ist. Nur zu gut, daß es einen\nMokka gibt.\" Ich glaube, daß Herr Zarek (München) der Mann ist, was die Franzosen\nGourmet nennen. Essen hält Leib und Seele zusammen. Nur zu gut, daß es einen\nMokka gibt. Herr Zarek (München) kann nicht mehr: „Nur vernünftig, daß man das\nArbeitszimmer in einen Rauchsaal verwandelte — die Zigaretten hätten besser sein\ndürfen — (den Fabrikanten sei der Schlußsatz der Meistersänger zu besinnlicher\nDarnachachtung empfohlen) —!\" Sehr vernünftig. Man sollte wirklich die Arbeits-\nzimmer der Dichter in Rauchsäle verwandeln, damit ihr Zweck den Wohnungsämtern\nnachzuweisen ist. Die Fabrikanten der Zigarettenindustrie lassen die Zeitung in den\nbeträchtlichen Schoß fallen und stürzen auf das Textbuch der Meistersinger, um nach-\nzusehen, wonach darnach zu achten sei. Ehret Eure deutschen Meister. Dann bannt\nihr Herrn Zarek (München). Qualität, meine Herren Fabrikanten auf i, für die\ndeutschen Meister, die ihre Arbeitszimmer in Rauchsäle verwandeln. Qualität und\nLiebesgaben. Denken Sie sich, meine Herren, diese billige Reklame. Hätten dem\nguten Geist die Zigaretten gemundet, Eure Firma wäre mit dem Namen des deutschen\nMeisters gratis in die Ewigkeit eingegangen. Und wer kann wissen, ob die Ewigkeit\nnicht auch eine Konjunktur hat. Da doch alles irdische Wesen so wie so schon Rauch\nist. Und nun kommt er, Hut ab, er, der Meister, preisgekrönt: „Eben betritt der\nMeister selbst, gesättigt, und bei vorbildlichem Humor, ein wenig pedantisch höflich,\nden Raum, um der Witwe des Professors Jaffe die Zigarette anzuzünden.\" Er kennt\nseine Marken schon, der Meister. Die Witwe muß dran glauben. Vom Meister an-\ngezündet, sitzt sie ohne weiteres Adjektivum da. Nur Herr Zarek (München) erfaßte\nden geschichtlichen Augenblick. Denn nicht nur er, der Meister selbst ist gesättigt.\nUnd infolgedessen bei vorbildlichem Humor. Auf weniger geübte Leute wie Herrn\nZarek (München) wirkt gutes Essen pathetisch. In der Tat, man möchte mehr von\ndiesem Meister wissen: „In der Tat, der enge Kreis — ich hatte auf der Zunge, zu\nsagen: der enge Freundeskreis, wäre es nicht zu großspurig für mich, mit diesem\nkühnstolzen Wort meine Anwesenheit zu beschließen — dieser kleine Kreis also war\ndoch so gewählt, daß man bei wohligen Genüssen und nicht bedeutungslosen Ge-\nsprächen passabel unter sich war, ohne Lärm und Illumination, eine gute und vor-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.5", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nbildliche Feierlichkeit als atmosphärischen Kontrapunkt sozusagen.\" Warum nur so-\nzusagen dieser Lärm, wenn man doch ohne Lärm so passabel unter sich ist. Nur\ndie kühnstolze Anwesenheit des kleinen Ichs (München) hat sozusagen den atmo-\nsphärischen Kontrapunkt vorbildlich unterbrochen. Mit dem Kontrapunkt ist überhaupt\nnicht zu spaßen. Er hat sich als atmosphärischer Druck auf das Münchener Minimum\ngelegt, sodaß in der Zusammenwirkung mit den nicht bedeutungslosen Genüssen und\nden wohligen Gesprächen erhebliche Depressionen nebst Graupelschauern entstehen\nmußten. Daran hat wieder der Golfstrom schuld, der bei solchen Witterungsumlagen\nimmer großspurig herhalten muß. Atmosphäre hin, Kontrapunkt her, man möchte\nsozusagen jetzt den Freund des Freundeskreises auch einschließen: „Und dort, dieser\nein wenig an Strand und Ufer erinnernden und — hat man Phantasie — sogar an\nOstseebilder fern anklingenden Einsamkeit im Rücken der Stadt, hat er seine Villa,\ndie repräsentative, ein wenig patriarchalische Villa von hanseatisch stolzer Haltung. —\nUnd ringsum sind Schneeflächen wie Skigelände — die das Haus des würdevoll\nEinsamen zu schöpferischer Ruhe von der Aussenwelt abschließen würden, wenn nicht\nalle vierzehn Tage der Magistrat Arbeitslose zum Ausschaufeln niedlicher Schneepfade\nabkommandieren würde.\" Wo mag die Filla des vorbildlich gesättigten, würdevoll\nEinsamen liegen? Ist's Preußenland? Ist's Schwabenland? Ist's, wo am Belt die Möve\nzieht? Ostseebilder mit Schneeflächen und Skigelände in hanseatischer Unterhaltung,\nein wenig patriarchalisch. Magistrate, die Arbeitslose zum niedlichen Schaufeln Augen\nrechts hinkommandieren. Eine tolle Gegend. „Der Sommer aber öffnet die großen\nFlügel im Arbeitszimmer des Meisters und der blühende, duftige, schattige, üppig\ngrüne Park spaziert mit der Vergnüglichkeit Pans und der frechen ganz unhanseatischen\nKeckheit eines oberbayrischen Vorgebirg-Sommers bis zum Arbeitstisch des Meisters.\"\nHier sollten Zigaretten stehen. Aber sie stehen schon. Durch den üppig grünen\nPark, den blühenden, den duftigen, den schattigen, würde ich auf Bayern schließen,\nwenn ich wüßte, wo der Herr Pan plötzlich herkommt. Es sei denn, daß er neuer-\ndings beim dortigen Magistrat angestellt ist. Allerdings dürfte in Bayern ein Vor-\ngebirgsommer nicht frech sein. So etwas liebt man dort nicht. Immerhin, der Sommer\nöffnet persönlich die großen Flügel und der Meister ist teils durch die Arbeitslosen,\nteils durch Herrn Pan an der Dichtkunst verhindert. Der Meister scheint etwas mit\nder Hansa zu tun zu haben, die aber nicht mit Frau Katja zu verwechseln ist. Jetzt\nheißt es, nicht nur den Hut abzunehmen, jetzt heißt es, die Schuhe oder Stiefel aus-\nzuziehen, nun sind wir auf geheiligtem Parkettboden: „Wenn sich in diesem historischen\nRaum, der die Geburt der „Unpolitischen Betrachtungen\" wie des „Todes in Venedig\"\nmit ansah, jemand über das Hereinwachsen der Natur freut, so der Ludwig von Hoffmann"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.6", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nan der Wand, mit seinen wandervogelnackten Gestalten im idealen Landschaftsraum .\"\nDer Hoffmann an der Wand sieht seine eigene Schande Gottes. So etwas. Wander-\nvogelnackte Gestalten. Im hanseatischen Bayern. Mit Magistrat und niedlichen Schau-\nfeln. Sozusagen im atmosphärischen Kontrapunkt und idealem Landschaftsraum. Und\nder Pate Nummer 2, der historische Raum, der sogar der Geburt des Todes zusieht\nund der Geburt der unpolitischen Betrachtungen. Ein toller Bursche dieser Raum.\nManche Leute erleben doch etwas. Und wenn nun der gesättigte Meister persönlich\nden Raum betritt und sich persönlich an die Geburt begibt, nicht ohne vorher die\nZigarettenschachtel vom Schreibtisch an die wandervogelnackten Gestalten hinzufeuern,\nauf daß er Platz für Papier und Goldfeder habe, und wenn er seinen vorbildlichen\nBlick auf jenen idealen Landschaftsraum wirft, über den die freche Pansnatur ihrerseits\nsich erfreut, dann ist der Lenz erwacht, der Lenz ist da. Nein, der Sommer ist da./\nOder, wie Herr Zarek (München) sagt: „Die Ausschaltung des weiblichen Prinzips im\nKomment verhindert die Bindung und Durchdringung, die Annäherung und innige\nVergemeinschaftung.\" In deutscher Übersetzung für schwerfälligere Gehirne: Gute\nDiners machen mit Damen mehr Spaß. Das männliche Prinzip verlangt aber den\nvergeistigten Ausdruck ewiger Bürgerwahrheiten, damit man das Recht auf den Freundes-\nkreis erwirbt. Es fehlt der Gesang, aber auch dieser panische Schrecken bleibt nicht\naus und noch dazu mit Laute: „Der Rheinländer hat vier im Englischen Garten\nkampierende Wandervögel aufgegabelt, blondhaarige Germanen aus der Heimat, die\nein wenig schmutzig, aber sehr sonnenbraun in ihrer Nationaltracht kamen, den Zau-\nberer zu ehren.\" Vermutlich Nationaltracht nach Hoffmanns Art. Sollte wer be-\nhaupten wollen, daß die Natur ohne Schmutz sei? Der Zauberer wird geehrt, der\nZauberer fühlt sich hochachtungsvoll geehrt: „Natürlich haben sie Tonio Kröger\ngelesen — natürlich nur dies und sonst nichts. Sie sind ganz unliterarisch und stolz\ndarauf.\" Für diese kampierenden Germanen zählt also der Zauberer nicht mehr mit.\nWas ist ihnen Thomas Kröger? Was ist ihnen Tonio Mann? Was ist ihnen der selbst\"\ngesättigte Buddelbrook? „Dafür sind sie aber emsige Ausbuddeler der verschiedenen\nTut-anch-Amons-Mumien, die im Born des altdeutschen Volksliedes verborgen ruhen.\"\nIn Bayern ist alles möglich. Da spuckt der altdeutsche Born selbst alt-ägyptische Leichen\naus. Wenigstens nach Aussage des Herrn Zarek (München). Ihm gibt auch diese\nWasserbuddelei zu denken: „Seltsamer Gegensatz: der durchaus haltungsvolle Meister,\ndie soignierte Gesellschaft, alles literarisch kluge, solid denkende und solid gebildete\nPersönlichkeiten von Grundsätzen, denen der Gastgeber mit zeremonieller Höflichkeit\ndie Zigaretten reicht — während er mit halber Wendung des Kopfes erstaunt, mit\nliterarischer Rührung, ein Lob spätgotischer Bejahung flüsternd (etwa: „Das ist ein"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.7", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\ndurchaus guter und nicht unbedeutender Einfall von Ihnen gewesen, der mir zu hohem\nGenüsse gereicht\"), und so also, halb interessiert und halb mit dem Herzen beteiligt,\ndiese blonden Burschen in ihrer gut gemeinten Hilflosigkeit betrachtet und sich müht,\nden Grund aufzuspüren über Lied und Vortrag einige artige Worte zu äußern. .\nDas geht selbst über die Höflichkeit von Zigarettenreichen. Diese ganze Huldigung\nist die größte Schmach, die mit dem kitschigen Begriff des deutschen Meisters je\nverbunden ist. Und der Herr deutsche Meister duldet sie. Diese solid denkenden\nund solid gebildeten Persönlichkeiten von Grundsätzen, diese soignierte Gesellschaft\nsind womöglich noch literarisch gerührt. Und der durchaus haltungsvolle Meister\nbejaht spätgotisch das Lob des Herrn Zarek (München) durch Schweigen. Dieser\nZauberer sagt nach dem Gesang von Wandervögeln: „Das ist ein durchaus guter und\nnicht unbedeutender Einfall von Ihnen gewesen, der mir zu hohem Genüsse gereicht.\"\nVon einem Mann, der diesen Satz sagt, behaupten viele Männer, daß er ein Dichter\nund ein Meister sei. Es gereicht mir zu hohem Genuß. Wir, Thomas, von Gottes\nGnaden Dichter von S. Fischer in der Villa am Isarstrand. Uns gereicht es zu hohem\nGenüsse, dem durchaus nicht unbedeutenden Einfall beigewohnt zu haben. Ich über-\nreiche Ihnen, meine Herren und Damen, Zigaretten als Zeichen meiner Huld für Ihre\nwohlverdiente Huldigung. Halb mit dem Herzen und halb interressiert, betrachtet\nder große Thomas sein Volk der Wandervögel, die stolz darauf sind, unliterarisch zu\nsein. Wenn man noch hört, aus welchem Anlaß Herr Thomas Mann die Last dieser\nEhren auf sich nimmt, so traut man seinen Ohren nicht: „Der Zauberer, (nennen wir\nihn nur so, wie alle Welt ihn nennt — ihn schon lange, lange Zeit nannte, bevor er\nfür sein neues Standardwork den Titel „Zauberburg\" zu wählen entschloßen war),\nfeierte Geburtstag. Einen Geburtstag schlechthin, wie ihn der Mensch meist einmal\nim Jahre zu ertragen gezwungen ist.\" Zum Glück meist ohne solche Pressehuldigungen.\nSonst wäre man gezwungen, ihn nicht zu ertragen. Herr Zarek (München) aber schließt:\n„Indiskretionen sind nur erlaubt, wenn sie das Gegenstandslose enthüllen, die Stimmung,\ndie Lebenslust, die Atmosphäre eines Hauses. Es gibt in München nicht viele der\nLebendigkeiten mehr.\" Diese Sättigungsprozedur nennt ein Literat gegenstandslos.\nDiese Singerei Stimmung. Diese Zigaretten Lebenslust. Seinen Artikel die Atmos-\nphäre eines Hauses. Diese Art Dichten und Trachten ist für die Bürger des Geistes\ndas Zentrum des Lebens. Das sind die Dichter und Denker dieser Zeit. Der Herr\naus München nennt es „Kleine Feier bei großen Leuten.\"\nWir Künstler feiern mit den kleinen Leuten.\n\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.8", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie Rüste-Wüste\nEine Keilschrift\n\nDer Mensch ist ein Grenzenloses, in dem der Tod keinen Raum mehr finden wird.\nAber noch gibt es UN-MENSCHEN unter uns, die zum Himmel stinken, von dessen\nAtem sie dennoch leben, ohne ES zu erleben. Der Tod ist ihr Bruder. Doch er\nhat keine Freude an Ihnen, denn sie sind verfault.\nDiese UNWESEN faseln vom nächsten KRIEGE.\nNun wohl.\nES gibt HEILSTÄTTEN, zu denen die Menschen wallen, um zu gen esen.\nES gebe allso auch eine KEILSTÄTTE, zu der die Unmenschen pilgern\nmögen, um abseits zu verwesen.\nMan kann im Übrigen KRIEGE garnicht führen.\nSie brechen nämlich aus.\nUnter GESCHWÜREN aber nur.\nMan kann doch keine PEST führen.\nHaben Sie schon erlebt, daß man einen MORDS-KERL, der ausgebrochen ist,\nnoch führen kann.\nKRIEGE führen mordsrasch ad absurdum.\nDUMM-DUMM.\nES gebe einen HAUPLATZ auf der Erde.\nAuf jedem Hofe steht ein HAUKLOTZ.\nJeder, der zu hauen trachtet, trachtet zum HAUKLOTZ nieder.\nDAS ist höflich.\nJeder, der zu hauen sich trachtet, hole seine TRACHT sich auf dem KEIL-\nPLATZ.\n«\nDAS ist sachlich.\nKEILER kriegen KEILE.\nDAS ist logisch.\nGründlich.\nDI E internationale STERN-NATION MENSCHHEIT, die E S nächstens end-\nlich geben wird, wird einen internationalen HAUPLATZ bestimmen, der\nvon NATUR schon so wüst ist, daß er nimmer öder wird werden können.\nIm Gegenteil."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.9", "texte": "DER STURM/DR.I.TTES V I E R T E L J A H R H E F T\n\nO aset nicht mit WÜSTEN.\nAber eine Wüste muß herhalten.\nSei eine Rüste-Wüste!\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine NOT-WENDIGKEIT, solange ES noch\nUNMENSCHEN gibt.\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine FORDERUNG aller FRIEDFERTIGEN.\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine FORDERUNG aller HÖFLICHEN.\nDIE RÜSTE-WÜSTE ist eine FÖRDERUNG der MENSCHHEIT.\nDIE RÜSTE-WÜSTE befördert die UNMENSCHLICHkeit in das Nichts.\nDIE RÜSTE-WÜSTE dient dem internationalen GEFECHTSVER-\nKEHR sämtlicher NATIONAL -IDIO TE N.\nNur noch in der RÜSTE-WÜSTE fahren zum abschrecklichen Beispiel\ndie GRENZENWAHNSINNIGEN gegeneinander an.\nMit Tankgestank.\nNur noch in der Rüste-Wüste treffen sich die Grenzenwahnsinnigen zum Zwecke\ngegenseitiger maschinöser und chemischer Vernichtung.\nDie Rüste-Wüste simmert unter zielbewußt gelenktem VOLL-GAS (LEVISIT) —\n(neueste Verrungenschaft der antichristlichen Nächstenlüge).\nDie Rüste-Wüste wird durch Blut, Knochensplitter und Kadaver der verreckten\nSCHINDLUDER automatisch gedüngert; sie wird fruchtbar und schließlich\n• •\neine brandende Ahrenackerweite.\nDie Blutblasen zer platzen, die Pestbeulen verschwinden und entkäsen aus der\nSTERNHAUT, und allso wird das entjauchte GESTIRN ERDE endlich aller\nFRIEDEN Mutterland.\nDagegen kann doch kein vernünftiger Mensch etwas Vernünftiges einwenden möchten.\nNotwendend ist die Rüste-Wüste.\nDarum ist sie dringend not wendig.\nS i e werde mit einigen tausend katakomben KALTWASSER - HEILANSTALTEN\nlückenlos umzirkt.\nWer in einem der ehemaligen sogenannten Vaterländer das Gelüste zeigt oder verdeckt,\nan einen nächsten KRIEG zu glauben, zu denken, von ihm zu quasseln, oder ihn\nhämisch-stillschweigend in seinem Tollbregen GUT zu HEISSEN, oder diesen sinn-\nund wertlosen MORDSKLAMAUK gar für gar oder erforderlich zu halten,\nbereitet ihn vor und zu.\nEr ist ein SCHUFT."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.10", "texte": "DER STURM'DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nEr ist reif zur Internierung in die Rüste-Wüste.\nEr werde sofort dorthin verschickt. Er werde dort sofort entkleidet, ja nicht un-\ngeschoren gelassen, sehr gelassen heiß- kalt -heiß geduscht, mit eisigem H 2 O\nbetroffen am Dickschädel, mit heißem Wüstensand gepudert (Knallgasgebläse), und\nvon einem der vielen arbeitslosen Irrenärzte befragt, ob er den Wunsch und scheinbar\nfreien Willen noch immer hege, in einen nächsten KRIEG zu tapern.\nBejaht er hartnäckig, werde er schnurstracks auf's HINDERLICHSTE uniformiert, luft-\ndicht bemäntelt, mit Mottenpulver eingeäschert, mit einigen Doppelzentnern Patronen\nund der dazugehörigen Maschinen-HAU-BITZE, mit Stacheldraht, Schweißfuß-Angeln,\nDynamit-Eiern, Labeflasche und BETON-BIBEL aufgeputzt, fünfzehn Male\ngeimpft, besonders hinten, südlich vom Sterz, (Hab' Sonne im Ranzen), ratzekahl,\nrasiert, geschickt verlaust, zwischen den Hosen wundgescheuert, mit sämtlichen ORDEN-\ndie es schon noch gibt, behängt, und sogleich in diesem Heldenaufzuge maschinell\nan die Front beschleunigt.\nIm Sommer findet der KRIEG unter der Erde statt, die auf 80 Grad ZELSIUS\nwarmer Zerfahrenheit wohnlich elektrisch geheizt ist. (Einheiz-Front.).\nNun darf der Patient totschlagen, was ihm vor den Tornister kimmt. (Rehomühr.)\nHat er hundert SEINESGLEICHEN um die nächsten hundert Ecken gebracht,\ndarf er einen Orden ablegen. (Marscherleichterung.) Und dann walkt der frische,\nfröhliche KRIEG weiter. Sofort.\nSolange, bis Keiner keine Parteien nicht mehr kennen tut.\nDagegen ist doch nichts Vernünftiges einzuwenden.\nKriegsberichterstatter mitbekommen nur eine Labeflasche TINTE. Berichten sie falsch,\nwerden sie in brühheiße Einzelhaft gedichtet. In der DENKER -BOX müssen sie\ntäglich vierundzwanzig Stunden entlang ihre eigenen Berichte laut und deutlich\nvor singen. Einen Stärkungsschluck aus der Pulle dürfen sie heben, aber dann hat\ndie Litanei sofort weiterzupullen, bis der Erfolg ein ENDE herbei führt.\nDagegen ist doch nichts Vernünftiges einzuwenden.\nDie RÜSTE-WÜSTE ist dringend not wendig.\nSie sollen sehen, mein Lieber, Sie werden hören, meine Liebe, sämtliche KRIEGER-\nVereine haben bald genug g ek r i eg t.\nAuch der KRIEG als WILLE und VORSTELLUNG hört auf.\nDie SAHARA liegt recht günstig. Nehmen wir die SAHARA.\nO, aset nicht mit Wüsten. Aber eine muß herhalten.\nSei eine Rüste-Wüste.\n\nOtto Nebel"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.11", "texte": "Franz Marc: Pferde / Aquarell / Vielfarbendruck"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.12", "texte": "DER STURM / DRITTES VIERTELJAHR HEFT\n\nGedichte\n\nNacht deckt die Erde\nKühne Berge kanten hart den Himmel\nTiefversunken talt das fromme Land\n*\nMeere schlagen wolkenhoch\nDie Sterne wandern fern überhimmelfern vorüber\nMut steilt die Sehnsucht hoch und starrt beklommen\nEin blasser Kindertraum ruht tief vergessen\nWundweh zerschluchzt die Klage\nHerz\nWir Armen\nDie Zeiten wandern fern überhimmelfern vorüber.\n*\nSchmiegt die weiche Nacht in meine Hände\nLächelt Dunkel Sternendämmerauge\nBlüht die weiche Nacht in meinen Händen\nDuftet\nBlüht\nDunkle Blüten schwebt die Nacht\nIch— sinke\nBlüten senken dunkle Blicke\nDecken mich\nIch sinke\nBlüten steigen sternehoch\nIch\nRuhe\nFern\nVersunken"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.13", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nVorfrühling\nSchneeregen trieft die schweige Stadt\nDie Steine glotzen\nWind schleift die tropfe Nacht um kalte Häuserecken\nVerzweiflung stapft die leeren Straßen\nStapft\nWeiter\nNur weiter immer weiter\nMeilen\nStapft\nKämpft\nDie Stirne tief dem Wind gebogen\nKämpft\nSchnee flockt zerweht\nTausend Bäche rieseln sprudeln hasten\nFuß über Fuß\nVersinkt und strauchelt stürzt\nUnd hoch\nStrahle Bogenlampen gähnen nassen Jammer\nDas lächerliche Elend weint\nUnd flucht\nLacht\nPfeift\nDie Hände in den Taschen\nLacht\nVerdammt\n\nIngeborg Lacour- Torrup"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.14", "texte": "DE R STURM/DRITTES VIERTEL JAHRHEFT\n\nUNFEIG\nOtto Nebel\nEine Neun-Runen-Fuge\nzur Unzeit gegeigt\nU G T\nE F N\nI R Z"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.15", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nVorworte zur Dichtung UNFEIG\n\nAm reinsten offenbart sich das Gesetz eines Kunstwerks in der FUGE, denn ihre\nabstrakte Struktur ist die Urgestalt der künstlerischen Gesetzhaftigkeit selber.\nAlle Werkteile geraten sowohl untereinander als auch zum Ganzen unausgesetzt\nin rhythmische Beziehungen, und der Hauch der Einung weht aus allen Teilen, die\ngetragen bleiben vom Atem des Einen, das lebt und bewegt und ruht im Bewegt-\nSEIN, auf dem ES beruht.\nDie FUGE wurde bisher in der absoluten Musik und in der reinen Malerei angewendet.\nEs gibt jedoch keinen sachlichen Grund, diese strenge Gestaltungsform, die jede\nwerkfremde Willensbetätigung ausschließt, nicht auch aus der absoluten Dichtung\nwirken zu lassen.\nWenn erkannt ist, daß die Sprache der Dichtung, oder, treffender formuliert,\ndie Dichtung der Sprache jedes ihrer Worte als Urwert empfindet, hört, wägt\nund zusammensetzt, allso komponiert, und wenn bekannt wird, daß der gedichtete\nSprache- LAUT lediglich eine akustische Variante jenes Innenklangs einer tönenden\nBeseeltheit ist, der den Musiker ergreift und zwingt, den Schall-Ton zu formen, muß\ndie Möglichkeit einer sinfonischen Dichtung eingeräumt werden.\nDazu mag erinnert werden, daß die Sprache des sinnverkehrenden Ve rke h r s nicht\ndie Sprache der Dichtung ist. Doch es soll hinzugefügt werden, daß, nachdem jene\nkauder- und plauderwelsche Verlauterei, deren sich die Sprachlosen, Vorlauten und\nSchreibfinken und Schwatzdrosseln bedienen, um sich zur nichtsnutzen Erhaltung ihrer\natemraubenden Ichtümer, Irrsale und Schindwahne etwas Nichts-Würdiges zu sagen,\nzu denkern, zu schriftein oder anzutippen, — wortgetreu niedergeschwiegen ist, jedes\nWort, das bislang dem Hören entsagte, weil es ein Klischee der Sinnlosen und\nWorttauben und Bildblinden war, ein GESCHEHEN des LAUSCHENS wird,\ndas leis und lauter dem Hören entspricht.\nUNERHÖRT sinnig wird es sich allso selber belauschen. Und allso wird es\nsich deuten und Vieles in Einem bedeuten. Und so wird es bezeugen, daß nicht\nder Wille eines Verstandes dichtet, sondern daß die buchstäbliche Dichtigkeit\neines Urklanges LAUT wird, und daß allso ein GEDICHT kein GEDACHTES\nist, sondern daß es das LAUTEN und LÄUTEN der SPRACHE-SEELE\nselber ist, und daß nur der zum Dichter wird, dessen INNIGKEIT Metall genug\nbirgt, Klöppel und Glocke, allso Werkzeug des Läutens zu sein."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.16", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie absolute Dichtung UNFEIG ist eine Fuge um die neun Runen\nU G T\nE F N\nI R Z,\ndie im Raum einer ichfernen An-Dacht zu sinfonieren begannen, und im eigen-\nsinnigen, künstlerischen Spiel über der Sphäre der Dinglichkeiten und Hemmungs-\nlosigkeiten als Zeugen einer lauschenden Intuition zeitlos zur Innenwelt kamen.\nUnd sie erlebten im Reiche aller Möglichkeiten das Wunder einer dreieinigen Ent-\nsprechung, Sagen des Daseins und Sinne des Lebens und Wesen des Seins in Einem\nzur Sprache zu bringen.\nJene neun abstrakten Elemente der Dichtung sind einzeln genommen ohne jede\nkünstlerische Bedeutung. Sie wurden Werkmittel und empfingen im Werke ihr\nLeben durch die optische und akustische Erfassung zugleich, die sich ihrer in einigen\ntausend unterschiedlichen Zusammensetzungen bediente, und deren Beziehungen ord-\nnete, ohne auf grammatikalische und sonstige intellektuelle Einwendungen und Her-\nkommen, soweit sie dem Wesen des Schöpferischen und der Logik des Kunstwerks\nabhold oder zuwider waren, irgendwelche Rücksicht zu nehmen.\nDemgemäß ist jedes Wort der Fuge UNFEIG eine reine KOMPOSITION, eine\nabsolute Spracheschöpfung, und jede Zeile der Dichtung eine unbeirrte Fugierung\njenes Neun-Runen-Themas, dessen fordernder Eigenwille sich in jedem Werkteil\nzwingend organisch und selbstprüferisch wachsend äußern mußte, da er sich Buchstabe\num Buchstabe, Wort um Wort, Zeile um Zeile und Satz vor Satz ursprunghaft im\nBanne der kontrapunktischen Einheit bewegte, die die Ordnerin jeder reinen Komposition\nund die ortlose Vernunft jeder Schöpfung ist.\nObgleich endlich ein Kunstwerk, als ein positives und einmaliges Geschehen oberhalb\nder dreidimensionalen Unterwelt, ein Nichts voraussetzt, allso garnichts Begreifliches\nvorausschickt, erscheint es ihm nachträglich angebracht, gegenwärtigend voraus-\nsagen zu lassen, daß sich sogar eine Dichtung nicht an den spekulierenden Verstand\nwendet, und daß sie ihn noch dazu nicht anwendet, und daß der somit leerlaufende\nall-gemeine Intellekt und dessen bedauernswerte Anhänger um die fürwitzige\nGelegenheit gebracht bleiben, ihre platte Wieso- Logik wider eine zeitlose Gestalt\nder Sprache zu rüsten, deren Wesenheit im ALOGISCHEN frei wird und so frei\nbleibt, auf diese Weise das geläuterte Medium der Empfängnis aus den Fesseln seiner\nIch- Haft zu befreien.\nDas LOS der Dichtung ist ein FEST im All, und alles Reine ist Gedicht im Licht."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.17", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nEin U\nein £\nein I\nei n Enn\nein Eff\nein Ge\nein Zett\nein Te\nein Err\nneun RUNEN nur\nneun nur\nnur neun\nneun RUNEN feiern eine freie Fuge nun\nUnfug erfriert\nFEUER fing ENGEN\nUNFUG zerfriert\nEnge fing Feuer\nneunzig Zentner runter treten\nrunter\nrunter\nrunter treten\ntrifft nur TIEFE\nTiefe nur\nrufe zu fernen Ufern nur\nRufer rufe\nRufer rette ure Runen\nfeine Netze treffen reine Ringe\nrufe\nringe\nnetze\nrette\ngeige\nzeige neue Ufer\nferne neue Ringe\nneunzig NEUE"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.18", "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild 1"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.19", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nneunzig UR E\nfünfzig Ufer\nneunzig Retteringe neue .\nfünfzig Neunzigringe\nneue\nneue\nNeuerungen\nzeuge ZEUGEN Feuerfurten\nungefeit in Feuerringen unter erzen Griffen zerfeigen Geizriffe\nZeter zerteigen\nRETTER geizt nie\nt\ngurtet ungefeit in einer feierfernen Zunft ein Frei-Genug\nzurret feine Gitternetze zu\nzu\nnur zu\nREINEN reift nun reiner ein Entgrenzen\nINNIG entengt\nentrinnet\nreitet\nnie nur unter Rettern getreu\nnie reuig gezeigt\nzu fernen Ufern nur entgrenzt\nzur FERNE fernt\nzur FIRNENFERNE\nzu\nv\nnur zu!\n*\nNette ziert ein netter Reiz\nnur ein einziger Reiz ziert fertige Zeugen\nfertig\nnie nett\nneinnein\nNie geizt ein Feuer-Zeuger\nGENIE geizt nie\nnie"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.20", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nnein\nEin einziger Reiz ziert fettige Feuerzeuge\nUnfertige nie\nNunze zeigt zur Unzeit Eifer\nZentner turnen\ngerinnen in Furz\nTeifi Teifi\nGenie irrt nie\nZigeuner reiten ZIEGEN fertig\nEuterziegen\nTittenziegen\nNUTTEN\ngern greinen reizige Zierziegen\nTiere\nTiere greinen nie\nin RINNEN Geifer eitern\nUngetreue zerrt Eiter zur Unzeit\nTiger genieren Feige\nungeeignet zur Treue\nZeterziege\nZitzentier zurzeit\nRitter zeigen Eifer\nRitter neigen zur Treue\nZiegen zertreten Enteneier\nzur Ziegenreue Ritter geigen fein\nRitter ziert nie ein Trug\nRitter Retter gurtet Neigung neu\nRitter erneuern\nRitter Innig erinnert\nEnten entern Riffe\nGunter effeff unter Enten\nnie reuiger Nunzig\nreifer Fünfziger\nReffe eutern fünfzig Freier\nneunzig EIER nunzen\nFurzer greifen"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.21", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nFunzen geifern eingeengt\nfeigen Trieze\ntreten Feine\nGurren giftet\nGiere geizen\nFingerziegen\nZungen fingern\nfingern in Zigeunerinnen\nnie zetert reine Zier\nnein\nnie\nGenie\n*\nEnten entern Enten\nEnten treten Enten\nTretenten entern Enten\nEnten zertreten Zeterenten\nZentnerenten zertreten Enteneier\nteure Eier\nEier teurer\nei\neinige Ziegen treten Enterinnen\ngern zertreten Enten Ziegeneier\nZiegen zetern nie\nententet\nGetritt\nei\nENTENTE\nENTENTE tritt nie\ntritt nie Enten\ntritt nie\ntritt ein\nente\nniete"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.22", "texte": "DER STURM/DRITTES VIER TELJAHRHEFT\n\nzeite\nungetreten\nZeitung\nNiete\nZeitung Zeitung\ntritt Zeitungen ein\ntritt nie in Zeitungen\nnie tritt in Zeiterungen ein\nin Zeterzeiten nie\nniete nie Nieten\nniete erze Riffe\nniete nie Enten\nnie entente Nieten\nNIETE ENTENTE\nEnte\nentniete Ententen\n\\\nentere Zeiten\nentzeite Nieten\nentzeitunge Unzeit\nzeitig zerzeite Zeitnieten\ntigere nie\nrennt nie Genie zur Unzeit\nnie genieren Eierenten\nentere Innen- Enten\nentniete Euterungen im Inneren\nReutter entete nie\nentente\nrenitente Tunten triefen Tinte\ntreffen innen Etui\nGeit ging eine Gig reffen\nging ungerufen zu Riffufern\nGeit Runge trifft Geziefer\nTennen triefen Ungeziefer\nRingertennen"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.23", "texte": "Franz Marc: Katzen"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.24", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nZiffern trennen\nZiffern einen\nUngi entziffert Eine\nzittern Finger unter Geigengriffen\nzittern\nZittern\nFingerringe\nTennenringer\nRingfinger retten Riffenten\ngriffen unter Euter\nRinger ringen unter Ringern\nneunzig Zeugen runter treten\nneue Gurte engen Frenze Teig\nFritze Feut tut entern\ntut Getue\nfintet Teigen\nFinte Frenze!\nFinte Fritze!\nFinte Finte!!\nFritze Fritze!!\nTeige Teigeü\nFintenteig\nGetue entriert\nEntree fünfzig Ziegen\nuff\nfuffzig\nTritte\nfuffzig Tritte Eintritt\nteurer tuten\ntreuer tun\ntutti\nfein gerungen Fritze\nGrunzen getriezt regiert\nUngi Runge ging zur Gig gerufen\nGeit!\nNeue Rimlingen in einiger Zeit"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.25", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nLegende\nvon der unbefleckten Empfängnis\n\nDie Dämmerung schlägt ihre schattigen Flügel über die Stadt. Straßen, Häuser\nund Pflasterbäume verschleiern sich im scheidenden Lichte des Tags. Es\nist Feierabend, und Fine sitzt am Fenster ihres Altmädchenzimmers, seit Jahren an\njedem Ende ihres sommerlichen Werktags. Am jenseitigen Straßenrand beginnt der\nPark, der mit seinen hohen Kastanien und breitästigen Linden ein Gewirr ver-\nschlungener Wege beschattet. Auf ihnen erwacht mit der Dunkelheit ein eigenes\nund flüsterndes Leben.\nDie dünnen Strahlen der Gaslaternen geben der Lauscherin Kunde von Wandel und\nGestalt der Liebenden da unten, denn Fine vermag von ihrem Fenster aus bis in das\nHerz des Parkes zu sehen.\nDes Mädchens Sehnsucht geht lautlos unter den nächtigen Bäumen, sie selber ist nie\ndabei. Nun hat sie das dreißigste Jahr ihres Lebens durchschritten und ihr graut vor\nder Leere eines ausgebrannten und von keinem Leidenschaftsgewitter erzitternden\nDaseinssommer.\nWenn Fine nach Mitternacht das Fenster schließt, hat ihre Seele alle Jugend auf-\ngesogen, die aus dem liebenden Volk im Park aufwärtssteigt in die schwebenden\nSommerlüfte.\nSie atmet, glücklich und erwartungsvoll und glaubt, daß ein schöner Mensch jetzt\ndurch die Türe gehen und sie in den Arm nehmen müsse.\nAber die Zeit geht hin, aus dem Frühling steigt der Sommer. Die Blumen auf den\nBeeten glühen und verwelken. Gärtner graben sie aus und setzen neue, auch diese\nentfalten sich und gehen bunt auf. An den Bäumen füllen sich die Blätter grüner\nmit Saft. Die Linden haben abgeblüht und die Kastanien sind nahe der Frucht. So\nwird es hoher Sommer.\nNie hat der ewig gleiche Gang des Jahres Fine so erregt wie zu dieser Zeit. Namenlose\nAngst ergreift sie. Mit Not ward ihr Leben geschlagen, ihr Frühling ist verblüht, der\nSommer verspricht keine Frucht. Sie fragt Gott in vielen Gebeten, es kommt keine\nAntwort. Fine sucht ihn immer und immer in den Kirchen.\nDie Stille, die in manchen Stunden unter den hohen Säulenbogen liegt, gibt dem\nMädchen Ruhe ins Herz und, mit einer feinen Trostwehmut beladen geht Fine nach\nHause."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.26", "texte": "DER STURM'DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDer Strom liegt im Dunkeln, kein Auge erkennt, ob ein Boot da fließt oder ob die\nLuft über den Wogen sich ballt zum Gesang. Doch da steht ein Lied aus übervollem\nHerzensjubel, und das Mädchen schwingt mit auf den lautlosen feinen Saiten ihres\nGefühls in diesem alten Volksgesang, der gleich dem Strom fortschwimmt und leiser\nwird in der Ferne.\nAber dann wird es still und Nacht auch in Fine. Ein Fall Tränen steigt aus ihrem\nHerzen und will aus den Augen. Der Harm ihres Lebens ist nie so bitterklar wie\nin diesem Augenblick. Aber da kommen trostvoll die beruhigenden Hände der\nGlocken vom Dom. Glück mischt sich in Fines Gesicht mit leiser Wehmut, und jetzt\nhat sie den Willen, der Muttergottes, die ein Weib ist und sie verstehen muß, ihre\nNot anheimzugeben, und sie schreitet den Glocken nach.\nDas Läuten des späten Abends schweigt. Die Kirche ist leer und sehr still. Die\newige Lampe brennt vor dem hohen Bilde, die Dämmernis zieht mit geheimen Händen\ndas Mädchen in die zitternden Kniee und die Stunde schenkt Gehör:\n„Maria, Reine, bin ich geringer als die Andern? Hast Du nicht auch geliebt Josef\nDeinen Gemahl? Einmal einsehen laß mich in den Himmel, in dem Du gewohnt hast\num Deines großen Sohnes willen! Maria, hilf!\"\nIn dieser gepreßten kargen Minute erlebt Fine in ihrem Herzen das zweischneidige\nSchwert des Weibes, welches hindurchgeht durch sein Dasein von Anbeginn der Welt,\nEmpfängnis und Wonne, Geburt und Wachsen, Verlust und des Alters Einsamkeit.\nDoch der gestaute Wille ihrer ungelebten Jugend schreit auf: Laßt es mich leben,\nwenn es sein muß nicht alles, nur einen Teil, aber leben, leben, mit allen Stücken\nmeines Leibes!\nUnd auf einmal leuchtet das Licht der Ewigen Lampe heller, höher flammt es, es ist\ndie Lampe nicht mehr, es ist eine Flammenzunge, der Heilige Geist zur ersten Pfingsten\nauf den Häuptern der Boten Gottes.\nUnd es wird von unsichtbaren Händen der Knienden Antlitz aufgehoben zum Bilde\nder alliebenden Mutter: das Gotteskind im Arme Maria leuchtet heller noch als\ndahinter die heilige Flamme und Fine erschauert und sie spürt, wie die Himmlischen\nihr das Empfinden in die Seele ankern: Ihr Wunsch ginge auf und würde Geschehnis,\naber sie werde es bitter bezahlen müssen. Denn es haben die Unerforschlichen Jedem\nseinen Weg vorgezeichnet und wer ein Abseits erzwingt, dem geschieht eine neue\nNot um dieses Zwanges willen. Heißestem Gebete gibt der hohe Lenker nach, aber\ner führt doch wieder den Irrenden hin zum gezeichneten Pfad, auf daß er endlich klug\nwerde von dem Himmlischen und solches ist am Ende Erlösung."}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.27", "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild 2"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.28", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nAlso vernimmt Fine wortlos alles in sich mit offener innerer Zukunft, aber sie bleibt\nam hellsten haften am verheißenen Beginn, und als sie auf die Straße schreitet, aus\ndem Dom, in dem die Flamme erloschen ist und wieder geschrumpft zum einfachen\nMarienlicht, sehen sich die Leute um nach ihr und denken: „Welch ein schönes Weib!\"\nNun geht Fine durch den Park, an dessen anderem Ende ihre Wohnung liegt. Eine\nsatte Müdigkeit beladet ihre Glieder, sie setzt sich auf eine Bank und vergißt die Zeit.\nÜber ihr geht die Nacht durch die Blätter. Sträucher schwanken, von leisem Winde\ngestoßen. Das Mädchen schließt die Augen. Alles wird still, auch die Stadt legt\nsich nieder.\nSie fühlt den Wind, er läuft wie Menschenatem über ihre Stirn. Sie öffnet die Augen\n• und will heimwärts schreiten. Aber da ist es nicht Wind ihr vor dem Antlitz, sondern\neines Mannes Gesicht, der sich über sie beugt.\nUnd es ist Fine, als sie halb erschrocken, halb freudig über den schönen jungen\nMenschen sieht, als weiteten hinter ihm sich die blauen Dunkelheiten der Nacht und\nMaria sähe hervor aus dem Gezweige der Sträucher. Da legt Fine Kray ohne Zögern\nihre Hand in die des Mannes und folgt ihm unbesonnen.\nJetzt nun kommt der hohe Sommer, des Lebens höchste Zeit. Nicht mehr sitzt das\nMädchen am abendlichen Fenster. Nun ist sie selbst eine der Entflohenen aus Miet-\nhausenge in das Stundenland einer Liebe, und sie ist glücklich.\nSie lebt ihr Leben so stark, daß sie von dem Mann nur nimmt und nimmt. Sie ist\nviel zu erfüllt von all dem Starken um sich, daß sie die Ferne und unendliche Weite\nin des Mannes schwingendem Antlitz nicht erkennt. Dies aber ist nicht menschennahe\nan ihm, es scheint dem Himmel anzugehören. Schon ist das Laub bunt geworden,\ngolden geht ein Gürtel übers Gefild. An einem Feiertag, als Mann und Weib vom\nBerg vor der Stadt in die holde Buntheit blicken und das Auge weiden an dem schönsten\nTod der Natur, regt sichs in Fine zum ersten Male zwischen den Hüften und ihr Herz\ntut einen schweren Seufzer. Der geht über die Lippen und spricht zu dem Mann.\nDa tritt in dessen Auge jenes Übersichtige, sie gewahrt es zum ersten Male„ und ihr\nist, als sähe es durch sie hindurch, bis an den Horizont, ja abwärts, den Himmel\ndurchdringend in Urweiten, da Menschensinn nicht mehr hinreicht.\nNun nimmt er ihre Hand wie einstmals im Park: „Komm. Wir wollen beten.\" Sie\nschreiten mitsammen durch menschenvolle und lärmtolle Sonntagsstraßen, in die Stille\njener Kirche. Maria steht auf dem Altar wie an dem Abend vor drei Monden.\n*\nSchwere fällt aus den Säulenhallen, drückt nieder zur Andacht, und beugt in die Kniee.\nOrgelklang dröhnt, aber aus Unwirklichkeit."}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.29", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nFine vergeht vor der Welt und taucht in Andacht, lange. Aber als sie emporkommt\naus ihrer Versunkenheit und nach dem Mann neben ihr tastet, ist der Platz leer. Da\ngeht ein großes Beben durch den Leib des und sie fühlt das Schwert zum\nzweiten Male durch ihre Seele gehen. Knieend noch hebt sie den halben Blick auf\nzur Madonna mit der stummen Bitte: Wende ab das Leid. Aber die Madonna sieht\ngeradeaus, durch das bunte Heiligenfenster, in den Abend, der draußen liegt.\nWieder läuft die Zeit und rennt durch den Winter. Die Frucht wächst, aber Fine\nverbirgt ihren Zustand vor den Menschen und der Himmel hilft ihr. Das Kind kommt.\nEs geht aus ihrem Leibe ohne Hilfe. Niemand erfährt es.\nAlle Liebe hüllt das Neugeborene ein. Die Bangnis, daß nicht der Weggang des\nGeliebten das Opfer sei, daß die Himmlischen unendlich Schwereres wollen, unterdrückt\nFine. Wie konnte Maria so gnadenlos sein, sie, eine Mutter!\nTiefer doch ist der Weg der unbegriffenen Wesen: das Kind beginnt zu kränkeln.\nSeine Gliederchen magern, das kleine Antlitz wird fahl, Falten graben sich in die\njunge Haut.\nFine gewahrt es mit Grauen. Sie läuft zu Ärzten, die finden nichts und geben guten\nRat. Sie sorgt und nährt, das Kind zerfällt. Und überbürdet von Qual fällt das\nMädchen vor dem Bett des Knaben in die Kniee: „So wollt Ihr es mir nehmen,\nes töten, daß es mein nicht mehr sei? Laßt es doch leben, es hat Euch nichts getan!\"\nOhnmacht reißt sie zu Boden.\nAls sie dann wieder emporkommt aus der Bewußtlosigkeit, da ist ihr, als komme\ndie Mutter Gottes durch die Tür und weise mit Lächeln auf den Arm, der leer und\nohne den göttlichen Knaben ist.\nFine schwankt zum Bett und hüllt das Kind ein, daß sie den schweren Gang noch\ntue zur Morgenfrühe, und das Kind Maria bringe.\nWieder Wüllen die Kastanien im Park. Hellgrün blinkt der Rasen im Tau. Still\nsind die Straßen noch und Fine hastet hindurch, mit dem Bündel auf dem Arm,\nBrennen im Herzen.\nIn den Kirchenbüchern findet man später unter diesem Tage einen eigenen Vermerk:\n„Es sei ein Kind gefunden worden vor dem Altar Marias, und es sei ein schöner,\ngesunder und makelloser Knabe gewesen, auf seiner Stirne habe eine Flammenzunge"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.30", "texte": "Paul Fuhrmann / Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.31", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\ngestanden und dies Zeichen habe den Geistlichen bewogen, das Kind in die Obhut\nder Kirche zu nehmen und ihm eine geistliche Erziehung angedeihen zu lassen,\"\nDieses Kind wurde ein großer Sachwalter der Kirche. Nicht äußerer Glanz fiel ihm\nzu. Aber es war so gewaltig im Wort, daß von ihm Tausende in den Schoß der\nKirche zurückgezwungen wurden, wenn er als Pater Seraphicus durch alle Länder der\nChristenheit reiste.\n. : 1 ■■■'•'. ■. i ■,\nEr sprach einmal im Jahr im Dom in der Stadt, wo man ihn gefunden hatte. Und\nman konnte Jahr für Jahr eine Frau inmitten des dichten Volkes an einer Säule\ngelehnt bitter weinen sehen. Doch es vermochte Niemand zu sagen, ob es 1 ränen\nder Freude oder der Trauer waren.\n\nKurt Heynicke"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.32", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nGedichte\n\nFernes Lied\nFern weht ein Lied\nAus silbernem Mondnachen schwingt es herab\nDie kühle Sichel mäht die Sternwiese ab\nDu sprichst zum Stein\nDer Stein entrollt dir\nDu sprichst zur Blume\nDie Blume verwelkt dir\nDu sprichst zum Tier\nDas Tier entflieht dir\nDu sprichst dich an\nUnd Tränen stürzen auf die Erde\nUnd deine Knie sinken in den Staub\nDu faßt die Erde\nDa zerbröckelt sie\nDu faßt das Wasser\nDa zerrinnt es\nDu faßt die Luft\nDa weht sie hin\nDu faßt das Feuer\nDa verlischt es\n\\\nEine milde Frau geht über die Sternwiese hin\nDer Schleier der Strahlen zittert und schwindet\n\nDer Ruf\nSchon ist das Flammenschwert des Zorns gesenkt\nSchon steht das Schwert der Welt herabgezogen\nauf das Haupt der Welt\nSchon blickt der Tod auf dich"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.33", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDa ruft dich eine Stimme\nIm Zorn des Schweigens ruft dich eine Stimme\nLaut klar ruft dein Herz\nSteh auf und komm!\n\nWanderung\n\nDie Heimatlosen ziehen auf allen Straßen entlang\nDie Irrwege sind bunt von den Blumen des Feldes\nDu schaust in die Augen der Kinder und Mörder und Bettler\nRauschen rauscht im Wald\nDer Morgenwind neigt die Kronen der Bäume\nDas Gewitter brüllt um die Stämme\nDie Gefesselten zittern und zersplittern in ihrer Kraft\nDie kleinen Blumen heben ihre Sterne aus dem feuchten Moos\nDie Halme rauschen auf dem Acker\nAus dir rauscht der Brunnen\nIn dich rauscht die Welt\nDie Welle ist geworfen in den Himmelsraum\nDie Vögel sinken in den Schatten des Abends\nBreit rauscht das Meer\nDu wanderst vom Abend zum Morgen\nDer Himmel erglüht über der Nacht\nDer Himmel umarmt den bleichen Stern\nDu stehst in der Wende der Welt\nDie Menschen sehen aneinander vorbei\nDie Menschen gehen aneinander vorbei\nAus dem Gewässer schwirren die wilden Vögel\nDie silbernen Ringe zerreissen\nDie goldene Sonne kreist um das Kreuz\nDie himmlischen Fische schwimmen unbeirrt ihren Weg\nDas Samenkorn fällt und fällt und glüht\nDein Auge ist erhoben und empfängt den Strahl\n\nLothar Schreyer"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.34", "texte": "Oskar Nerlinger / Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.35", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nConcerto Primaverile\n\nA Gabriella, condensazione musicale\n« E VIETATO FUMARE *»\n*♦ Chopin *»\n«E VIETATO SPUTARE PER TERRA»\nE' sera.\nFinestre socchiuse che lasciano entrare\nquesto terribile odore di terra bagnata\nquesto terribile odore di fiori\nquesto terribile odore di sera\ne questa raccolta penombra.\nNeil' aria\nnel buio\nil lento aleggiare\nil lieve frusciare\n(sssilenzio sssilenzio sssilenzio)\nd'una elettrica primavera.\n(Perö, che dolcezza affondare\nin questi capelli di donna\nin queste chiome odorose di rose\nin questo vento che fa palpitare\nle tende di seta.\nPerö, che dolcezza annegare\nstassera\nin questo mare di primavera.)\nQuesta sala ch'e un mondo.\nUn violino che piange lä in fondo.\nUna dama vestita di verde.\n(Perche TUTTO e vestito di verde?)\nSignorina."}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.36", "texte": "Nikolaus Braun:\nLichtbühne"}, {"page_pdf": 37, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.37", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nBambina.\nPossibilitä\ndi trovare la felicitä.\nMa questo violino che piange\nche punge che soffoca estringe la gola!\nSvolazzare di sguardi discreti:\nseggiole\nspalle di donna\ncappelli a cilindro\npareti.\nOh! La magnifica ruvidezza\n* *\ndella carta di queste pareti!\nOh! La gioia, il piacere\nd'immaginare l'odore\nVIVO\nPOSITIVO\ndelle seta di queste portiere!\nOh! potere\nfar scricchiolare-guaire\ntrecento pezzetti di gesso\nsu trecento lavagne!\nAmmazzare\nla dolcezza infernale\ndi questa musica sentimentale!\nE a un tratto, finito il concerto, uno scoppio d'applaus!\nimpetuoso erompente\nveemente:\nla gioia frenetica\ndi prendere a schiaffi l'estetica.\nLa musica e morta\nW la 30 HP che attende alla porta!\n\nJablowsky"}, {"page_pdf": 38, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.38", "texte": "Béla Kádár / Porträtzeichnung"}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.39", "texte": "D E R S TU R M ' D R ITT E S VI E R T E L J A H R H EFT\n\nGedichte\n\neinem Freunde\naus der großen wüste schneit ein blatt\ndu\ngrün in mein herz\nglocken tönen felsenbrüche\nmeine füße stottern\nfliegen wege\ntürmen blassen winden\ntauumträumt\naus langen tiefen nachten\nschwillt das lied\nmir\ndu\nherz schneit blättern\ntönen blassen\ntauumträumt\nin dir\n* :\nan schweren wölken hängen herzen\ndunkel schreiten über erden sinne\nherzblutregen über menschheitsträume\nmenschenträume tränen bluten\nmenschenträume kleben bluten\nmenschenträume leben bluten\nin schweren wölken hängen herzen\ndunkel schreiten über erden sinne\nüber tanzende sterne hüpfen sinne\nherzen brennen in nächten\nnächte leuchten grün\nblut lacht — sprudelt\nin allen pulsen der weit\nl\nein see liegt trunken"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.40", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\naufgabe\nmeine tränen schlafen in deinen träumen\nmeine träume küssen deine tränen\nmeine weit sinkt tief in dein herz\nmein herz fließt zitternd in deine offenen hände\ntränen\nträumen\nträumen\ntränen\nweiten\nherzen\nherzen\nzittern\nin deine offenen hände\n\nSpiegel sterne\nhüpfen sinne\nnacht brennt\nblut lacht\ndie weit singt\nein see liegt trunken\nwasser brennen\nheißes blühen\ntrunkene Welten\nlachen\nin mir\n*\nblind hängen sterne\neng am wind\nkinder tanzen\nauf scherben meiner liebesträume\nlüge blüht trunken\ntausend jähre die nacht\nblind hängen sterne\neng am wind"}, {"page_pdf": 41, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.41", "texte": "DER S TURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\ndein duften schließt meine äugen in den tod\nmeine äugen trinken dein süsses beben\ndein sehnen trümmert meine weit\nmein lachen tanzt auf trümmern meiner weit\nduften\nbeben\nbeben\nduften\nsehnen\nweiten\nweiten\ntrümmer\ntrümmern\nlachen\nlachen\ntanzen\ntanzen\ntrümmern\nweiten\nträumen\ntränen\nherzen\nzittern\nin den tod\n*\nsehnsucht tanzt auf flammenbüschen\nwölken treiben\ntauen\ndurch tolle nächte ziehen wirre steckelspitzen\ntreiben schlagen\nwunden\nlanges schreiten durch die erde\nlanges schreiten durch den räum\nschreiten erden durch die Zeiten\nräumen Zeiten erden flüstern"}, {"page_pdf": 42, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.42", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHR HEFT\n\nspitzen treiben\nrunden\nV_\nauf brüste rund tanzt flammend sehnsucht\nsehnt\nauf\nnächte tauen tränen\ntropfen\nblut tropfen\nsingen\nfeuer\njauchzen\nleben\njauchzen\nleben\nin den tod\nm\nsehnsucht tanzt auf flammenbüschen\nsingt\ndas ewige lied\n\nFritzmann"}, {"page_pdf": 43, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.43", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nMechano-Faktur\n\nWährend der letzten fünfzehn Jahre ungefähr, in deren Verlauf die Malerei\nbis in ihre einfachsten Elemente zerlegt wurde, trat ein neuer malerischer\nFaktor in die Erscheinung, der eine dominierende Bedeutung gewann: die Faktur.\nDarunter versteht man: 1. die Oberfläche des bestrichenen Bildes selbst und zwar:\na) die Art (Richtung) der Pinselführung und des Auftrages der Farbe (als Masse),\nb) Dickheit oder Dünnheit der Farbenschicht, c) Mattheit oder Glanz, d) Rauheit oder\nGlattheit; 2. den Intensitäts- und Kondensitätsgrad der Farbe, der auch von\ndem Stofflichen der Farbe abhängig ist, die sogenannte Patina, kurz — alles, was die\nmaterielle Seite der Malerei ausmacht.\nObwohl die Existenz der Faktur schon seit den Anfängen der Malerei datiert, wurde\nihr niemals die Aufmerksamkeit zuteil, die einem den Wert eines Werkes mitent-\nscheidenden Faktor gebührt. Die Faktur existierte außerhalb des schöpferischen Bewußt-\nseins, ohne den Geist des Malers zu absorbieren. Sie war etwas Sekundäres, Aus-\nhelfendes, das man nicht entbehren konnte, aber auch nicht mehr.\nEs bedurfte erst einer großen Umwandlung in den bildenden Künsten (Expressionismus,\nKubismus, Futurismus), um die ungeheuren emotionären Möglichkeiten zu enthüllen,\ndie in der Faktur verborgen sind.\nWorin besteht die emotionäre Wirkung der Faktur?\nDer russische Fakturtheoretiker Markoff erklärt sie in seinem überaus wichtigen,\ndoch ziemlich chaotischen Buche „Faktura\" als „Geräusch\", das durch Verschmelzung\nverschiedener Eindrücke hervorgerufen wird, die von der gegebenen Faktur des Gegen-\nstandes ausgehen. Die alten Bilder, zum Beispiel die Ikonen (russische Heiligenbilder),\nerzeugen in uns kraft ihrer spezifischen Faktur ein „Geräusch\", das sich von den\n„Geräuschen\" anderer Bilder, etwa der impressionistischen, unterscheidet. Derselbe\nAutor schreibt der Faktur ausserordentliche Bedeutung zu, indem er ihre Funktion\nauf alles ausdehnt, das uns umgibt, auf die organische und unorganische Welt.\nWeder Markoff, noch die anderen Theoretiker gehen bei der Erklärung des Wesens\nder Faktur über das Rein-Materielle hinaus; sie treiben vielmehr einen reinen Kultus\ndes Materials. Die Faktur so betrachtend, machten die französischen, vornehmlich\naber die russischen Maler viele interessante Experimente. Die Apotheosierung des\ndes Materials, die laboratorischen Untersuchungen seiner Eigenheiten erreichten in\nRußland ihren Höhepunkt (Tatlin, Rodtschenko). Als Resultat all dieser Forschungen\nergab sich eine vollständige Emanzipierung der Faktur von dem Druck anderer\nmalerischer Faktoren und ihre Erhöhung zum Selbstzweck."}, {"page_pdf": 44, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.44", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nUm die Wirkung der Faktur zu steigern, benutzte man Materialien, die bisher nicht\nals malerisches Hilfsmittel galten, und zwar: Zeitungsausschnitte, Kork, Glas, Sand,\nMetall und so weiter. Diese Materialien, die nebeneinander auf dem Bilde in einem\nbestimmten Rhythmus geordnet wurden, schufen einen ungewöhnlich variierten Faktur-\nAspekt, der den nur an die Faktur der naturalistischen Malerei gewöhnten Beschauer\nvollständig konsternierte.\nDas Nebeneinandersetzen mehrerer, ihrer Natur nach ganz verschiedener Materialien\nmit verschiedenen faktureilen Eigenschaften und verschiedener Dimensionalität\nmußte natürlich den flachen Charakter des Bildes modifizieren, ihn in einen Basrelief\nverwandeln. Das half natürlich der Faktur im großen Maße zur Steigerung ihrer\nEmotionskraft (größere Kontraste), verwandelte jedoch zugleich die Malerei selbst in\neine neue Art „Skulptomalerei\" (Archipenko).\nDie Malerei, die sich Dank der Faktur ihrer ursprünglichen Funktion näherte, verlor\njedoch eine ihrer spezifischen Eigenschaften: ihre Zweidimensionalität.\nErkennt man diese als wesentlich an, so muß man jeden dreidimensionalen (perspek-\ntivischen) Illusionismus wie auch jede wirkliche Plastizität als uneigentliche die Natur\nder Malerei vergewaltigende Darstellungsweise betrachten. Andererseits aber kann\nman die ungeheuren faktureilen Werke nicht negieren, die in den letzten Jahren durch\nschwere experimentelle Arbeit erreicht worden sind. Wie soll man hier zu einem\nAusgleich gelangen?\nDurch gründliche Analyse der faktureilen Wirkungen verschiedener Materialien (Sand,\nGlas, Kork, Zeitung, Holz), habe ich konstatiert, daß diese Wirkungen nicht unmittel-\nbar sind, das heißt, diese Materialien wirken auf uns nicht als solche, sondern als\nTräger verschiedener faktureller Kombinationen. Die gedruckte Zeitung als solch e\nbesitzt für uns einen gewissen Sinn: wir können sie lesen; als fakturelles Element\ndagegen verliert sie vollständig ihren utilitären Sinn, verwandelt sich in einen spe-\nzifischen, typographischen Rhythmus, der vom Inhalt der gedruckten Buchstaben völlig\nlosgelöst ist. So verwandelt sich auch das Glas als Faktur in eine Valeur, die dank\nihrer Glattheit und ihres Glanzes die größte Fähigkeit zur Kontrastierung besitzt;\nder Sand in einen körnigen, staubigen, zitternden Timbre; das Holz in ein ent-\nsprechendes Holzornament (Maserung). Man kann noch eine Menge ähnlicher Bei-\nspiele der faktureilen Transformation beibringen.\nDie Materialien verlieren durch ihre fakturelle Funktion die eigentliche Bedeutung,\nmit anderen Worten: sie werden dematerialisiert. Also haben nicht die Ma-\nterialien als solche eine Bedeutung, sondern ihre Aequivalente. Indem wir ent-\nsprechende Aequivalente für die Materialien finden, für Glas, Sand, Holz und andere,"}, {"page_pdf": 45, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.45", "texte": "Henryk Berlewl / Zeichnung"}, {"page_pdf": 46, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.46", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTEL JAHRHEFT\n\nwerden wir in der Lage sein, ein Resultat der faktureilen Wirkung zu erreichen, das\nmit der unmittelbaren Wirkung der Faktur des Materials selbst identisch ist.\nIndem ich mich auf dieses Prinzip der Materialäquivalenz konsequent stützte und es\nweiter entwickelte, schuf ich eine neue und selbständige Faktur, unabhängig von den\nMaterialien, die zugleich der Natur der zweidimensionalen Malerei entspricht.\nAbgesehen von der Zweckwidrigkeit der „Material-Faktur\" wegen ihres Wider-\nspruches zu der Zweidimensionalität der Malerei, muß man auch ihren Anachronismus\ngegenüber den heutigen Aufgaben der bildenden Künste unterstreichen. Die Material-\nFaktur verfügt über eine ungeheure Zahl von Mitteln — denn Materialien gibt es\nunendlich. Sie zwang den Maler zu einem dauernden Grübeln über die Geheimnisse,\ndie in jedem Material verborgen sind, trieb ihn dadurch zur Schaffung ausgesuchter,\nspitzfindiger faktureller Kombinationen. So war die Material-Faktur der Nährboden\nvon jeder Art Individualismus, Subjektivismus und ästhetischer Überaffiniertheit. Im\nGegensatz zur Zeit: statt der Einfachheit und Ökonomie der Mittel — übermäßige\nKompliziertheit, statt Klarheit — Wirrnis.\nDie Ergebnisse des fetischistischen Kultus der Materialien, der sich bereits in unzähligen\nExperimenten offenbart hat (zum Beispiel Picasso und Bracque in Frankreich, Schwitters\nund Baumeister in Deutschland, Valori Plastici in Italien), sind bedeutend und dürfen\nnicht negiert werden. Es - handelt sich darum, diese Ergebnisse gehörig zu verwerten\nund sie für die neuen Ziele zu verarbeiten. Und hier kommt uns die moderne\nindustrielle Technik zu Hilfe.\n••\nNur das Finden faktureller Äquivalente für die gesamten Materialien würde die Malerei\nzur Imitation der Fakturen von Gegenständen, wenn auch nicht der Gegenstände selbst,\nreduzieren. Die Malerei würde sich dann in eine neue Art gegenstandslosen Im-\npressionismus verwandeln, in eine Art von Illusionismus. Außerdem würde auf diese\nWeise der Anstoß zur neuen Entwicklung des Subjektivismus und des Chaotischen\ngegeben werden — wegen der Unmenge der uns umgebenden Materialien, die keiner\nakurellen Ordnung unterworfen sind. Dies wäre eine mühevolle und komplizierten\nArbeit, die uns keinen realen Nutzen brächte, abgesehen von der Anarchie auf dem\nGebiete des malerischen Schaffens. Man mußte also Äquivalente schaffen, die nicht\nä\nsozusagen einfache Photographien der Fakturen der einzelnen Materialien oder\nGegenstände sind, sondern in sich die Synthese aller faktureilen Werte enthalten,\ndie über alle Gegenstände der uns umgebenden Welt chaotisch verstreut sind.\nUm also dies Werk der Vereinigung der gesamten fakturellen Werte in einer synthetischen\nOrdnung zu vollbringen, um ein diszipliniertes fakturelles System zu schaffen, muß man\nzur schematischen Methode übergehen. Das Schema ist das einzige rationelle"}, {"page_pdf": 47, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.47", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nMittel zur Vereinfachung- jeglicher Wirrnisse, durch das man das Ziel bei größter Ökonomie\nder Mittel erreichen kann. Doch muß man in diesem Falle auch die technischen Mittel\nder Malerei entsprechend ändern, — sie den Aufgaben des Schemas anpassen. Die\nalte Maltechnik, die bis auf den heutigen Tag noch vegetiert, die alle Merkmale der\nhandwerklichen Virtuosität, des Zufälligen, besitzt, die von den jeweiligen Stimmungen\nund Launen des Malers abhängig ist, entsprach vollständig den Voraussetzungen\nder impressionistisch-naturalistischen individualistisch-subjektivistischen Auffassung von\nKunst. Die Aufgaben der Kunst kann man etwa so definieren: Brechen mit jeder\nImitation der Gegenstände (wenn sie auch noch so frei ist), Autonomie der Form,\nDisziplin, Klarheit, die einem jeden die Intention des Künstlers verständlich macht,\nSchematisierung, Geometrisierung, Präzision, die einem jeden das Ordnen der vom\nWerke empfangenen Eindrücke erleichtert. Dieser Aufgabe entspricht] die alte\nTechnik der Malerei nicht. Noch hilfloser wird diese handwerkliche Technik, sobald\nes sich um Schaffung eines neuen schematischen fakturellen Systems handelt. Und\nin diesem Falle kann nur die mechanistische Technik angewandt werden, die von\nder industriellen Technik herkommt, unabhängig von den Launen des Individuums ist\nund sich auf die exakte Funktion der Maschine stützt. Auf den Produktions-\nprinzipien der Maschine muß also die heutige Malerei, die heutige Kunst basiert\nwerden. Mit Hilfe der Mechanisierung der Faktur, der Mechanisierung der\nmalerischen Ausdrucksmittel, wird ein ganz neues Gestaltungssystem begründet.\nDas betrifft nicht nur die Malerei, sondern jegliches Schaffen.\nDas bedeutet aber nicht die Automatisierung des Schaffungsprozesses selbst. Im\nGegenteil. Durch die Mechanisierung der Mittel wird eine größere Freiheit des\nSchaffens erreicht, eine größere Inventions-Möglichkeit.\nDas alte Handwerksystem der Malerei mit seinem Ballast an naturalistisch-akademischen\nVorschriften hemmte die Freiheit der Invention. Es verschlang ein Maximum von\nSchaffensenergie und vergeudete sie an unwesentliche Dinge, an Virtuosität.\nDie Kunst muß mit allen Angewohnheiten der parfümierten, perversen, überempfind-\nlichen, hysterischen, romantischen, boudoirmäßigen, individualistischen Kunst von gestern\nbrechen. Sie muß eine neue Formsprache schaffen, die für alle zugänglich ist und\nim Einklang mit dem Rhythmus des Lebens steht.\n\nHenryk Berlewi"}, {"page_pdf": 48, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.48", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nAdolf Bauer-Saar\n\nMan hat mit voller Berechtigung auf die Geistesverwandtschaft Adolf Bauer-Saars\nmit mittelalterlicher Malerei, insonderheit mit der Kunst des Fenstermosaiks\nhingewiesen. Man hat seine Aquarelle und farbigen Holzschnitte ebenso mit japanischer\nMalerei verbunden sehen wollen. In beiden Hinweisen liegt das Richtige dicht neben\ndem Grundfalschen. Wenn wir Mittelalter sagen, so meinen wir ausschließlich eine\nganz bestimmte geistige Einstellung. Ein Vergleich mit dem „Japanischen\" ist immer\nnur als Funktion der technischen Mittel gemeint. Mit mittelalterlicher Kunst ist Bauer-\nSaar innerlich und wesenhaft eben durch jenen Willen zur Ordnung des Weltganzen\ntief verbunden. Mit dem japanischen Farbenholzschnitt teilt er kaum die gefällige\nAnordnung der technischen Mittel. Sie besitzen alle Eigenschaften, die den Japan-\nmeistern der Spätzeit, an die jener Vergleich doch denkt, absichtsvoll fehlen und um\nderentwillen sie den Goncourts, diesen letzten Menschen des ancien regime, so lieb\ngewesen sein mögen: die fast bäurisch harte Bestimmtheit, die glückliche Vermeidung\nalles Geschmacklichen und Raffinierten, die innere Größe und vor allem die rück-\nsichtslose Verachtung jeder banalen Schönheit und melodiösen Feinheit. Äussere\nAnklänge können nicht über den grundsätzlichen Unterschied hinwegtäuschen. Man\nhaftet an der Oberfläche und verkennt die wesentlichen Unterschiede eingeborener\nOrdnung und willkürlicher Organisation, wenn man den farbigen Zusammenklang der\nFlächen als japanisch ansieht. Japanische Farbenholzschnitte haben fast stets etwas\nKunstgewerbliches, und es liegt darin gerade ihr größter Reiz. Auch Bauer-Saar\nbesitzt eine ausgesprochene kunstgewerbliche Begabung, die sich in ausgezeichneten\nBuchdrucken und Ornamentzeichnungen ausspricht. Zwischen hoher und dekorativer\nKunst in Bauer-Saars Arbeiten herrscht aber das gesunde Verhältnis, bei dem der\nechte Künstler es nicht unter seiner Würde, sondern für seine Aufgabe erachtet, die\nangewandte Kunst dem ominösen Bereiche des Gewerbes zu entwinden. Seine Bilder\nsind davon völlig frei, so frei, daß die dekorativen Werte, die sie wohl mitumschließen,\ndie aber nicht ihr eigentümliches Zeichen sind, erst in zweiter Linie auffallen. Bauer-Saar\nbesitzt das Dekorative wie das Mittelalter, insofern seine Weltraumlandschaften aus jenem\n„dekorativen\" Gefühl heraus entstehen, in dem auch die repräsentative Ideendarstellung\ndes Mittelalters verankert ist. An ihr ist nichts Zutat, sondern alles Wesenheit. Der erste\nund entscheidende Eindruck ist nicht der einer wie immer zu bewertenden Dekoration,\n«\nsondern der einer ganz ursprünglichen Emanation des seelischen Zustandes.\nAus ihm empfängt das Prinzip, daß Bauer-Saars Schaffen bestimmt, sein Leben. Man\nkann es nur mit dem Begriff der geistigen Ordnung kennzeichnen, die allerdings die"}, {"page_pdf": 49, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.49", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nhöchste Vollendung des Schönen in sich begreift. Damit ist zugleich gesagt, daß die\nLandschaften Bauer-Saars nichts gemein haben mit der Gegenständlichkeit der Ober-\nflächenerscheinung dieser Erde. Seine Landschaft ist keine Erdbeschreibung, sondern\nKosmologie, Weltraumkunde und Eröffnung des inneren Siegels der menschlichen\nApokalypse.\nDie Suggestion des Bildes bedarf zu ihrer Verwirklichung fast keiner Mittel oder\nvielmehr: das Mittel wird Gestalt und verwandelt sich in Form. Die Land-\nschaften Bauer-Saars kennen kein Motiv im üblichen Sinne. (Sie bedürfen daher auch\nkeiner literarischen Bezeichnung, die immer der Anfang vom Ende ist.) Man muß\nauf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Motiv\" zurückgehen, die nichts anderes\nals „motus\" sagen will. Bewegung ist in der Tat das ursprüngliche Element in Bauer-\nSaars Kunst. Es ist für ihn gleichbedeutend mit Erlebnis. Jedes Erlebnis setzt sich\nihm unmittelbar in Bewegung um. Seine Bilder sind nichts anderes als gemalte\nBewegung. Flächen, hinter denen man aber die Tatsachengewalt der Räume spürt.\nEs sind Urformen der Natur im Zustande ihrer primitiven Gewaltsamkeit: Berg, Ebene,\nMeer, Gestirne und Kontinente. Die menschliche Figur selbst existiert nur als Element,\nals blitzartig sich entladende Zuckung geballter Atmosphären. Sie faßt den kosmischen\nRaum einheitlich zusammen. Die Einheit ist die Bewegung. Das Bild wird bewegter\nRaum, sodaß man ein Gefühl hat, als ob die Fläche zum Räume wächst, sich in den\nunendlichen Weltraum entlädt oder aus ihm hervorgestoßen wird.\n4\nAuch die Linie ist ein Teil der Bewegung. Das Liniensystem bildet sich aus dem\nGeiste bildlichen Schöpfungsaktion. Die Linien sind nicht (häufig auch technisch nicht)\ngezeichnet. Sie grenzen daher auch nicht ab. Sie verrichten keine trennende oder\nverbindende Funktion, sondern sind aus sich selber da. Sie entstehen spontan durch\nBewegung der Flächen. So vollendet sich nach ewigen Gesetzen das Bild. Aus\ndem erregenden Schauspiel eines Machtkampfes freier Gebilde um lebenspendende\nGestaltung wird das Gesetz der Welt. Sein Sinn und sein Gesetz ist Ordnung. Der\nAufruhr der Elemente, die Revolution der Räume offenbart ihre Bestimmung und\nihren motorischen Willen, Form zu werden, nach der ewigen Ordnung des Schöpfers\nder Sonnen und Monde.\nAlle Bilder Bauer-Saars sind von dieser pantagristischen Grundstimmung getragen,\ndie lyrisch oder dramatisch vorgetragen, ihre innere Einheit in dem dynamischen Er-\nlebnis des Künstlers findet. So ist sein ganzes Werk selber eine in sich geschlossene\nEinheit, die sich aus einer reichen Vielheit zusammensetzt. Die kosmische Phantasie\nseiner Bildgedanken ist eingesponnen in ein fast märchenhaftes Heidentum, wie es\nnur noch in Niedersachsen und Ober-Bayern anzutreffen ist. Es mag daher kein"}, {"page_pdf": 50, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.50", "texte": "DER STURM/DRITTE S VIERTEL JAHRHEFT\n\nZufall sein, daß der oberbayerische Bauer heute noch seine Masken zum Tanz an-\nbindet und seine Heiligenlegende hinter Glas malt wie vor Hunderten von Jahren.\nEtwas von dieser rassemäßigen Bauernmalerei steckt in den Werken Bauer-Saars.\nWie die frühe Malerei romanischer Miniaturen und Glasfenster kennt Bauer-Saar nur\ndie Lokalfarben Rot, Blau, Grün, Gelb, Schwarz und Weiß. Sie stehen nebeneinander\nwie die ursächlichen Seelenzustände ihrer spiritualisierten Inhalte. Keine Modellierung,\nkaum Schatten, nichts was malerische Feinheiten und Tüfteleien von Licht und Luft\nangeht, es kommt ihm nur auf den Grund der Dinge und auf ihren unverhüllten\nAusdruck an. Dieses Universum von Farben, Flächen, Linien, von schicksalhaften\nBewegungen und klingenden Rhythmen ist systematisch aufgebaut wie eine musi-\nkalische Fuge. Die Kraft dissonierender Farben selbst, die jede für sich ein\nungeteiltes Gefühl beansprucht, wird von der Gewalt des ganzen Farbenorchesters\nüberwunden, sodaß eine bezwingende Harmonie sich durchsetzt. Diese Harmonik\nvon Bauer-Saars Bildgefüge scheint mir am trefflichsten durch Augustinus ausgedrückt\nwerden zu können, der sagt, die Macht der Ordnung bestehe und äussere sich darin,\ndaß beliebige und selbst an sich häßliche Gegenstände durch „ordo\" im Verein des\nUniversums schön erscheinen. So wirken auch die farbigen Dissonanzen dieser Blätter\nschön, weil sie die Überlegenheit des kosmischen Zusammenhangs enthüllen. Weil\nsie aber aber auf der Gesetzlichkeit der immanenten Farbbeziehungen beruht, weil sie\nl\nkausal begründet ist und nicht nur emanative Funktionen vertritt, darum ist sie ein\nvollgültiger Ausdrude der geistigen Ordnungstendenz, die Bauer-Saars Werk\nkennzeichnet. Aus Bauer-Saars Werk scheint mir die tiefe Überzeugung von der\nunausweichlichen Notwendigkeit zur Gestaltung zu sprechen, die von der heraufkom-\nmenden Generation verwirklicht werden wird. Ich glaube es, weil hier keine Ent-\nschiedenheit zum Kampfe zu finden ist. Zu jenem geistigem Kampfe, der auch der\nmittelalterlichen Welt als sittliche Aufgabe vorschwebte, mit der Bauer-Saar nicht\ndurch Vorbild und Nachfolgschaft verbunden ist, sondern aus deren Boden seine\nKunst erwächst.\n\nHeinrich Ehl"}, {"page_pdf": 51, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.51", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie Bewegung der ungarischen Aktivisten\n\nDer Dichter wurzle tief in seinem Volke! — dieses Mahnwort der literarischen\nRassenschützler wurde wohl in keinem Lande so treu beherzigt und so restlos\nbefolgt, wie im Ungarn der letzten Jahrzehnte vor dem Krieg. Die ungarische Poesie\nwar von jeher für die Erde hermetisch verschlossen. Nur zur Zeit der Freiheitskriege\num die Mitte des verflossenen Jahrhunderts, wo das Volkstümliche mehr oder\nweniger in der Literatur aller Länder neu gewertet wurde, ist es der magyarischen\nDichtung vorübergehend gelungen, sich im internationalen Konzert der Künste Gehör\nzu verschaffen. Nur dieser Tatsache ist es zu verdanken, daß Petöfis Name\nund Leben im Ausland nicht so unbekannt geblieben sind, wie die Werke sämtlicher\nungarischen Dichter, Petöfi mitinbegriffen. Nach Petöfi aber hatte der völkische\nCharakter der ungarischen Dichtung einen erweiterten Sinn erhalten. Bedeutete er\nbislang das Inhaltliche einzelner Werke, so gab er von nun an die Färbung einer\nunglücklichen Literaturpolitik ab, die wesentlich darin bestand, daß der ungarische\nDichter sich an die Schollen seiner Heimat gefesselt fühlte, und eine Weiterent-\nwicklung der ungarischen Dichtung einzig und allein aus Elementen ihrer früheren\nEtappen zu ererreichen bestrebt war. Vergessen haben unsere Dichter seit Petöfi\nwenig, gelernt aber — namentlich vom Ausland — noch weniger. So war es unbe-\ndingt als eine Tat zu begrüßen, und richtig ging auch ein Sturm der Entrüstung\ndurch die gesamte konservative Presse, als Andreas Ady, einer der größten Lyriker\nunserer Generation, seine Stimme erschallen ließ; dieser Ady war nämlich so frei,\nnicht im Lande zu bleiben und sich redlich zu ernähren, sondern eine Zeitlang nach\nParis zu gehen, wo er Baudelaire, Verlaine und einige verwandte Geister, nicht\nnur dem Namen nach, kennen lernte. Das geschah nicht etwa in den achtziger\nJahren des vorigen, sondern im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. Immerhin\nwar es ein bedeutender Schritt nach vorwärts, dessen Bedeutung dadurch verstärkt\nwurde, daß Ady nicht nur ein ungewöhnlich moderner Geist für das damalige\nUngarn, sondern auch ein echter Dichter war.\nTrotz allen Bemühungen der literarischen Gruppe um Ady konnte ein selbstbewußter\nund künstlerisch orientierter Anschluß des ungarischen Schrifttums an die ausländischen\nBestrebungen vor dem Kriege nicht erzielt werden. Nur der Krieg und der dadurch\nins Leben gerufene literarische Pazifismus, der ja international sein mußte, vermochte\nes, Ungarn in das internationale Kunstleben einzuschalten. Es trat eine Gruppe neuer\nund vorwiegend junger Literaten auf den Plan, die den Forderungen der Zeit ent-\nsprechend, eine antimilitaristische Propaganda entfaltete; sie war in Ungarn die einzige"}, {"page_pdf": 52, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.52", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nFürsprecherin des neuerwachten europäischen Gewissens, deren Bedeutung jedoch eine\nrein politische geblieben wäre, hätte sie nicht die Kunst und zwar aus naheliegenden\nGründen deren neueste Form, zum Ausdrucksmittel gewählt. So aber mußte eine\nneue, immer neu sein wollende Kunst entstehen, die sich von den ähnlichen Richtungen\naller übrigen Länder, vom deutschen Expressionismus und vom italienischen Futurismus\nin etwas Wesentlichem unterschied. Die Ungarn suchten zwar auch die neue Form für den\nneuen Menschen, unterstrichen aber gleichzeitig das Radikale ihrer Bestrebungen, die\nKraft des Ausdruckes, mit einem Worte ihre Aktivität. Sie waren sich als Schöpfer bewußt\nund obwohl Revolutionäre, betonten sie statt der Destruktion schon damals das Element\ndes Aufbaus, der Konstruktion, des positiven Schaffens. Sie nannten sich Aktivisten\nund gründeten die Zeitschrift „M a\" (Heute), die gegenwärtig im zehnten Jahre steht.\nDen Pazifisten der Kriegsjahre fiel bekanntlich die undankbare Aufgabe zu, sich an\ndie Spitze der Nachkriegsrevolutionen zu stellen, eine Aufgabe, der die ungarischen\nAktivisten auf künstlerischem Gebiet sich unterzogen. Damit aber war ihre\npolitische Mission so gut wie erfüllt. Der Umstand, daß die ungarischen Aktivisten\nihre Tätigkeit auch in der Epoche der in Defensive gedrängten Revolution fortgesetzt\nhaben und noch heute mit unverminderter Kraft fortsetzen, beweist, daß sie in erster\nLinie Künstler und als solche allerdings auch Revolutionäre waren, während ihre\npolitische Propaganda sich lediglich als Folge ihrer allgemeinen, durchweg aktiven\nEinstellung zu allen Lebenserscheinungen ergab. Es gibt zweierlei Revolutionäre:\nsolche, die immer Revolution machen wollen und nicht merken, daß es Epochen gibt,\nin denen sie sich mit der Revolutionsmacherei außerhalb des Lebens stellen und\nAndere, die es sind, weil sie das Leben, die Aktivität des Lebens und das Schöpferische\ninnerhalb der Grenzen dieses Lebens unbedingt bejahen. Die ungarischen Aktivisten\ngehören zur zweiten Gattung. Sie fühlen sich als lebendige Kraft. Als Menschen,\ndie sich ausdrücken wollen und deren Ausdrucksmittel die Kunst ist. Und so gehören\nsie heute zu den radikalsten Künstlern aller Länder. Nach dem Abschluß der politischen\nPeriode hob sich der konstruktive Charakter ihres Schaffens, das den Aufbau neuer\nKunst- und Gesellschaftsformen erstrebt, womöglich noch mehr hervor.\nWas wollen die Aktivisten heute.\nVor allem und auf das Entschiedenste keine Losungsworte. Diese taugen nur, wenn\neiner in aktives Stadium gelangten Revolution Ziele gesetzt werden müssen. Heute\nheißt es, den revolutionären Menschen, dem keine Möglichkeit der politischen Revolution\ngegeben ist, auf allen anderen möglichen Gebieten zum Ausdruck bringen. Für den\nKünstler ist die Kunst ein solches Gebiet. Was hier geleistet werden kann, ist eine"}, {"page_pdf": 53, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.53", "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild Phase 1"}, {"page_pdf": 54, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.54", "texte": "Nikolaus Braun:\nWechselndes Lichtbild Phase 2"}, {"page_pdf": 55, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.55", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\npsychische Agitation, die repräsentative Äusserung des konstruktiven Menschen\nund die Erziehung anderer zum Selbstbewußtsein und zu einer künftigen Handlung.\nDie Aktivisten fühlen, daß der Konstruktivismus eine Grundlage sei, auf der man\nweiterbauen könne. Sie wollen das Gefühl der Sicherheit, das neue Gleichgewicht\nausdrücken. Sie könnten sich als aktive Konstruktivisten bezeichnen und tun es nur\ndeshalb nicht, weil dann eine Verwechslung mit dem heute als Schule auftretenden\nKonstruktivismus unvermeidlich wäre. Und sie, die heute zu den radikalsten Künstlern\naller Länder gehören, wollen keine Schule mehr. Sie haben das Element des Bauens\nmit den Konstruktivisten gemein, ohne aber einer Maschinenromantik verfallen zu\nsein. Für sie sind Kunst und Leben Wechselbegriffe, weil beide den Ausdruck des\nMenschen bedeuten, der sich instinktiv ausdrücken will. Doch verwahren sie sich\ndagegen, die Kunst als Praktikum aufzufassen. Der Künstler ist kein Mechaniker,\nkein Maschinenbauer. Der Künstler ist derjenige, der baut. Und die Welt möge\nzusehen, wie sie das vom Künstler Erbaute praktisch ausbeuten kann. Eine praktische\nKunst ist unmöglich, denn der Ausdruck des Menschen (was die Kunst einmal ist),\nwird durch alle von außen hinzugetretenen Ziele beeinträchtigt und beschränkt. Der\nAusdruck darf kein anderes Ziel haben, als den Ausdruck selbst. Nur das fertige\nKunstwerk ist es, was von Anderen als praktisch zweckmäßig gewertet und in die\nEntwickelungslinie eingestellt werden kann.\nHat diese Kunst etwas mit der l'art pour l'art der vergangenen Epochen zu tun?\nGewiß nicht, denn die aktivistische Kunst ist ein höchstpotenzierter Ausdruck des\nLebens, des im Künstler wirkenden Lebens, wogegen jede l'art pour l'art ein passives\nHineinleben des Künstlers in fertig vorgefundene Lebens- und Kunstformen bedeutet.\n. . . . \" * i\nDie zweite Frage aber lautet: Ist diese Kunst sozial? — Die Antwort auf diese\nFrage ist vielleicht die wichtigste. Sie soll daher prägnant gefaßt werden. Die\nKunst ist ein adäquater Ausdruck des Menschen, mithin muß die\nKunst des sozialen Menschen notgedrungen sozial sein.\nDie Aktivisten stellten in Ungarn ein auch der Zahl nach beträchtliches Lager dar.\nDieses Lager wurde seit der Revolution durch wiederholte Austritte vermindert. Es\nwäre ein äußerst bequemer Standpunkt, diese Tatsache einfach zu verschweigen oder\nmit der Bemerkung abzutun, daß es auch im Lager der Radikalen eine Anzahl Künstler\ngab, die den eingeschlagenen Weg nicht weiter zu gehen vermochten und nach jahre-\nlangem Bemühen vorzogen, das permanente Suchen abzuschwören. Aber die Gründe,\ndie das Ausscheiden der meisten ehemaligen Aktivisten bedingten, sind so typisch\nund von so großem theoretischen Interesse, daß wir nicht umhin können, ihrer mit"}, {"page_pdf": 56, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.56", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHR HEFT\n\neinigen Worten zu gedenken. Die Erklärung ist schon angedeutet worden, indem\nwir auf die Gegensätze zwischen Aktivisten auf der einen und den Romantikern\nder Revolution auf der anderen Seite verwiesen. Die Aktivisten, die es heute\nnicht mehr sind, bekennen sich entweder zur Schule des Konstruktivismus oder zum\nProletkult. Die einen sind die Romantiker der Technik und und der Maschine, die\nanderen die der politischen Phrasen, die aber gewiß keine Revolution machen, nur\nAltes wiederkäuen und die Erbitterung der Masse erst recht betäuben, ja entkräften\nkönnen.\nDas letzte Abschiedswort der Aktivisten an sie ist: „Fort mit dem vorher ausgedachten\nPraktischen in der Kunst! Die Kunst hat nichts auszudrücken, was außerhalb unser\nist; die Kunst soll einzig und allein uns ausdrücken, denn wenn ich, der Künstler,\ndas Thema der Kunst bin, so bedeutet das nur, daß ich die Welt wiederspiegele\nund mehr als das kann niemand geben. Das Leben wird von mir gelebt und kann\nich es in Formen bannen, so werden diese Formen suggestiv sein.\" (Kassäk).\nDie Aktivisten leben heute zerstreut in allen Ländern meist als politische Emigranten.\nIhr Führer war von allem Anfang an und ist heute noch der Fanatiker mit sprühender\n• •\nÜberzeugungskraft Ludwig Kassak, dem es bereits vor dem Kriege gelungen ist,\ndie Seele des arbeitenden Menschen (Kassäk selbst ist aus dem Arbeiterstande hervor-\n. \\\ngegangen) mit urwüchsiger Kraft auszudrücken und den praktischen Nachweis zu\nerbringen, daß die Kunst kein expropriierter Zeitvertreib preziös lispelnder Intellektueller\nist. Ein sozialistischer Künstler im wuchtigsten Sinne des Wortes, entwickelte er sich\nnach und nach zum Dichter eines neuen Primitivismus, nachdem er kürzlich auch die\nZieraten des ihn die längste Zeit in seinem Banne haltenden Dadaismus endgültig\nabgestreift hat. Kassak beschäftigt sich übrigens bekanntlich auch mit bildenden\nKünsten und vertritt in ihnen denselben Standpunkt, wie in seinen Dichtungen. Neben\nihm sind Robert Reiter, der als Novellist bereits früher bekannte Tibor Dery, und\neine Anzahl junger Dichter als Lyriker und eine Reihe Theoretiker, unter ihnen\nErnst Kallai und der Verfasser dieser Zeilen tätig. Bemerkenswert ist, daß die\nAusdrucksformen des Aktivismus, insbesondere auf lyrischem Gebiet, eine ausgesprochene\nSchule gemacht haben, während Kassäk und die Aktivisten noch immer neue Möglich-\nkeit des Ausdrucks suchen. In den letzten Jahren ist kaum ein junger ungarischer\nLyriker aufgetreten, der sich wenigstens formal nicht epigonenhaft an jenen freien\nVers der politischen Periode Kassäks anlehnte, den er selbst bereits als überwunden\nbetrachtet. Es ist keine ungewöhnliche Erscheinung in der Literatur, daß die Epigonen\nzugleich auch Feinde sind. Die größten Feinde der „Ma\"-Bewegung aber sind ältere"}, {"page_pdf": 57, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.57", "texte": "DE R STURM/DRITTES VIERTELJAHR HEFT\n\nKünstler, zumeist Schriftsteller, die es nicht verwinden können, daß sie mit grauen\nHaaren nicht imstande waren, sich der Wirkung* einer derart verteufelt radikalen\nKunst zu entziehen, daß ihre Formen, deren Nachlallen sie mit schwerer Mühe\nendlich erlernt haben, mittlerweile schon gealtert und vom Schöpfer selbst überholt\nworden sind.\n\nAndreas Gáspár"}, {"page_pdf": 58, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.58", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie Traumkanzel\n\n1\n••■\\;•' \" , _ . \" '\nDurch riesengroße Sanduhren rieseln Sterne.\nIn unterirdischen Gängen ist ein Gewühl von schwarzen Blumen und kristallenen Särgen.\nIn gestrecktem Lauf eilen Wappentiere zum Horizont.\nRiesengroße weiße Hasen trinken aus weißen Lavaströmen.\nEr sieht auch die Seen senkrecht wie Spiegel in den Bergen hängen\nFlieht aber nicht mit dem Laiengelichter in die Archen.\nEr bringt die Schneeernten ein\nEr lichtet die Schneeanker\nUnd aus dem Riesenvogel fällt er Kristalle aus Fleisch und Blut.\nj %\n2\nObwohl der Mond mir wie ein Spiegel gegenüberhängt schmerzt mich der Engel im\nAuge.\nAuf den Tischen laufen die Sämereien auf und pochst du an die Pflanzen so springen\nihre Blumen hervor.\nDie Löwen verenden vor ihren Schilderhäusern mit Gießkannen voll Diamanten zwischen\nden Krallen.\nDie Führer tragen Schürzen aus Holz.\nDie Vögel tragen Schuhe aus Holz.\nDie Vögel sind voll Widerhall.\nUnaufhörlich rollen ihnen die Eier aus ihren kleinen Herzen.\nIhr Scheitel trägt den Himmelsmast.\nIhre Sohlen stehen auf schreitenden Flammen.\nReißt die Schneekette so rufen sie den Herrgott an.\nSenkt sich das Himmelsrad so treten ihre Hufe auf schwarze Körner.\n3\nDie Nachtvögel tragen brennende Laternen im Gebälk ihrer Augen. Aus ihren Kröpfen\nstürzen die Ernten auf die Tennen aus Eisen.\nDer schwarze Wagen ist vor den Berg gespannt.\nDie schwarze Glocke ist vor den Berg gespannt."}, {"page_pdf": 59, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.59", "texte": "DER BTURM/D RITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nDie Toten schleppen Sägen und Stämme zur Mole herbei.\nDie Engel landen in Körben aus Luft.\nDie Fische ergreifen den Wanderstab und rollen in Sternen dem Ausgang zu.\n4\nDer Richtbaum flattert über dem Geäder der Welt.\nAn den schwammigen Lerchen hängt der steinige Himmel voller Erddotter und Luftbälle.\nDie großen Meerschiffe sitzen in Schaukelstühlen und schaukeln.\nDie Kemenaden rollen auf Torfrädern.\nAus der reinen Wolle der Lämmerherden steigt der lachsalvenerregende schwarze\nrunde Todesstern.\nAus den Traufen der Sterne fließt Wein in Strömen.\nDie sgraffitoverzierten Totenfamilien erwachen unter Glasstürzen.\nDie Krallen halten die Glashanteln.\nKlar die Ober und Unter und die Gestalten schwatzen und vor dem Auge sieht er\nein Obere und Untere.\n\nHans Arp"}, {"page_pdf": 60, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.60", "texte": "DER S T URM / DRITTES VI E R T E L JA H R H E'FT\n\nHAHNEPETER\n\nDer Junge hieß Hahnemann. Eigentlich hieß er Hans. Eines Tages fand Hahnemann\nein Ei, aber kein richtiges Ei, sondern es war an einer Ecke nicht rund, sondern\nplatt. Ganz platt. Ganz platt. Und zwar hatte es auf der platten Ecke gestanden.\nDas mußte Hahnemann auffallen. Darum nahm er das Ei mit und ging damit zum Onkel\nDoktor. Der aber sagte ihm, daß das kein Hühnerei wäre, auch kein Gänseei, sondern\nes wäre ein Hahnenei, und zwar das Ei von einem richtigen Hahnepeter. Ja, sagte\nHans, wie muß man das denn machen? Da setzte der Onkel Doktor seine Hornbrille\nauf und sagte, solch ein Ei brauchte genau 13 Tage hinter dem warmen Ofen zu\nliegen zum Ausbrüten. Die Mutter wollte das zuerst nicht glauben. Als aber Hahnemann\neine lange Konservendose hinter den Ofen stellte, und das Ei darauf, noch etwas\ngrünes Gras dabei, wie auf einer richtigen Wiese, da glaubte sie es doch. Nur\nfürchtete sie sich etwas, wenn der Hahnepeter schließlich rauskommen würde, was\ndann? Hahnemann beruhigte sie, sie müsse nur 13 Tage Geduld haben. Morgens\nund abends betastete Hahnemann das Ei mit dem Zeigefinger und brachte morgens\nund abends neues Grün von derselben Wiese, auf der er das Ei gefunden hatte.\nIhr müßt Euch das alle merken, wie man das macht, denn Ihr findet vielleicht auch\nmal solch ein Ei von einem richtigen Hahnepeter.\nUnd nun kam der Tag, wo der Hahnepeter aus dem Ei kriechen sollte. Das Ei war\nschon ganz warm geworden, und Hahnepeter setzte sich schon vorsichtshalber die\nBrille seiner Großmutter auf. Denn wenn der Hahnepeter herauskommen würde,\ndann könnte er leicht herunterfallen. Darum nahm Hahnemann zuletzt das Ei von\nder Konservendose herunter, wickelte es in seine Schürze und setzte sich damit dicht"}, {"page_pdf": 61, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.61", "texte": "DER STURM / DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nan den Ofen. Mit einem Male gab es einen Kling, als ob die großen Leute mit\nWein anstoßen, und da kam der Hahnepeter aus dem Ei heraus und sagte sofort\nHahnemann wollte die Eierschalen fortwerfen, weil er vor Schreck nichts Besseres zu\nsagen wußte, aber die waren schon nicht mehr da. Und wie er den Hahnepeter\nganz vorsichtig auf den Tisch stellte, stand er sogar auf einem Bein, denn er hatte\nnur eines, und das war wie ein Kreisel.\nHahnemann mochte ihn kaum fest ansehen, aber er sah ihn doch heimlich an, und\nsah ihn immer wieder an, von allen Seiten an, und der Hahnepeter stand auf seinem\neinen Bein.\n\nGuten Tag!"}, {"page_pdf": 62, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.62", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nAls nun die Mutter hereinkam, fragte sie sofort, was man mit dem Ding wohl eigentlich\nmachen könnte ? Da meinte Hahnemann, der würde doch Eier legen, und dann hätten\nwir eine ganze Familie von Hahnepetern. Aber die Mutter meinte, das hätte doch\nauch keinen Zweck. — O doch, das hätte den Zweck, daß viele Hahnepetermärchen\nkämen.\nUnd mit einem Male fiel es Hahnemann dabei ein, daß der Hahnepeter auch „Kra\"\nsagen konnte. Wenn man nämlich den Hahnepeter am Halse unter dem Lappen\nkitzelte, so sagte er „Kra, Kra\", so ähnlich wie Kikeriki. Und als die Kinder kamen,\nkitzelten sie ihn alle erst mal mit einem Strohhalm unter dem Halse, damit er\n„Kra, Kra\" sagte. Und der Hahnepeter mußte fürchterlich lachen und sagte immer\n„Kra, Kra, Kra, Kra, Kra, Kra, Kra, Kra\".\nUnd wie ihn nun die Kinder alle kitzelten, da kitzelte eines verkehrt, es wußte selbst\nnicht wie und wo, und warum, und wir wissen es auch nicht, warum es verkehrt war.\nUnd plötzlich wurde er grasgrün, schrie furchtbar auf, sprang ein bischen in die Luft\nund legte dabei ein schwarzes Ei, und nun kitzelte jedes Kind einmal an der ver-\nkehrten Stelle. Und jedesmal legte der Hahnepeter ein schwarzes Ei. Und da es\n13 Kinder waren, so legte er 13 Eier. Und dabei bemerkten es die Kinder, daß er\nhinten eine Schraube und einen richtigen Propeller hatte.\nWenn wo ne Schraube ist, muß man auch dran drehen. So drehte Hahnemann an\nder Schraube dreimal rum, nachdem er die Mutter gefragt hatte, wie rum man drehen\nmüßte. Die Mutter aber sagte, man müßte rechtsrum drehen. Und als Hahnemann\ndreimal rumdrehte, tanzte der Hahnepeter wie eine Balletteuse. Darum drehte jetzt\nHahnemann sechsmal rum. Und als Hahnemann sechsmal rumdrehte, tanzte der\nHahnepeter wieder und erhob sich dabei etwas in die Luft. Darum drehte jetzt\nHahnemann neunmal rum. Und als Hahnemann neunmal rumdrehte, flog der Hahne-\npeter ganz hoch und sang dazu, wie wenn der Vater Violine spielt. Darum drehte\nHahnemann jetzt dreizehnmal rum auf. Und als Hahnemann dreizehnmal rumdrehte,\nflog der Hahnepeter ganz hoch, ganz schnell, noch schneller, noch viel schneller und\nsang dazu noch viel schöner, als wenn der Vater Violine spielt. Und flog höher\nund höher und kam überhaupt nicht wieder herunter. Die Kinder sahen hinter dem\nHahnepeter her, sahen sich gegenseitig an und machten betrübte und erstaunte kleine\nGesichter. Manche lachten vor Schreck, und Hahnemann mußte sogar weinen. Aber\nder Hahnepeter kam nicht wieder."}, {"page_pdf": 63, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.63", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nUnd da kam gerade die Mutter dazu und hörte die ganze Bescherung und tröstete\ndie Kinder und sagte, sie hätten ja noch die vielen Eier, die Hahnepeter gelegt\nhatte. Und jedes Kind bekam ein Ei, welches genau so aussah, wie das Ei, aus\ndem Hahnepeter herausgekommen war.\n\nKurt Schwitters"}, {"page_pdf": 64, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.64", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nGedichte\n\nDie Pferde von Franz Marc\nIn der Nationalgalerie\nBall klingen Pferde klotz aus lichtem Schrei\nbeugmähnig eisenkammig\nRostfeuer tanz in weißen Häuten\nstahlleibern Adel läuten flankenblühn\nAufklingen Pferde horch\nstahlkreisblank Schwüngen\nmuskelhügeln Leiber\nSchwarzsichelmähnig\nweiß in düstern Augen\nBlauschwarzmusik\nwuteisenkammig aufgeklangte Bugen\nAus Pferden stieren Pferde\ndüstre Seelen\n\nUnter Bäumen von August Macke\nIn der Nationalgalerie\nSaumrot und braun und süßer Täler Satten\nund Samen fließen rausen licht in Adern\nsanftbrüstig Heben Schauern Drängen Klingen\nstrombraune Lichtsee\nGrund glutsatter Grund\nTiefadern Quellenbluten\nsüß Drängen sehnt sucht Sehnsucht\nLeib an Leibe\nstill\nSeele dehnt sich"}, {"page_pdf": 65, "page_imprimee": "179", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.65", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nGlühen grünes Glühen\naufgrüßen Kronen\nschlank aufbraunen Stämme\nund Menschen rosensüß und weiß weichgöttlich\ninsingen drängen knospenauf\nlicht schwingen\nleisbirren Brüste Hände goldentgegen\nGrundtränenquellend Lust aus blühen Höhlen\ntiefbluhe Rauschenhöhlen tief in Bergen\nGold riesen dunkle Winde\n• •\nO rotsatt Überleuchten\nhell und höher\nauf rotsatt Tosen blutbunt süße Welle\nai Liederklingen süße Saitenlieder du Wald glutsatt\nDu Welt\n\nLöwe\nGelbleiben hauptumbuscht Bleipranke breit\nSchatten golden sonnt auf sundem Sand\n... )\nBrunstlöwinruf\nAufhauen Klauen Glieder Schweifen Wirbel\nGeprankt\nDa steht\nSpannadern Leib\nlauschhörchern\ndehnt\nreißt Fresse weit\nmaulbrülle"}, {"page_pdf": 66, "page_imprimee": "180", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.66", "texte": "DER STURM/DRITTES VIERTELJAHRHEFT\n\nduckt\nduckt rückwärts\nduckgeduckt\nwiegt vor\nwiegt rückwärts\nwiegewiegt\nspringt\naufspringt und\nbogenhoch\nfliegt fliehen fliehen\npfeilgrad wiegt die Bahn\nmähnflattern wiegen wiegt und weugt\nbrechen aus brechen aus pfeilgrad die Bahn\npfeilgrad die Bahn\nSand Wirbelsand\nBrunstlöwinruf\nSanddonner\nLow Löwe liew läuw rönnen rennen rinnen im Wind\nBreiter breit Golddampfe\nballbogen um\nSand Sand\nGolddampfe Sand und Sand\n\nIwan Heilbut"}, {"page_pdf": 67, "page_imprimee": "181", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.67", "texte": "DER STURM\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n15. JAHRGANG / MONATSBERICHT / SEPTEMBER 1924\n\nStädtebildchen\n\nI Jena\nJohann der Gutmütige steht auf dem Markt-\nplatz zu Jena. Er ist geb. und gest. und hat\nzwischendurch die Universität gegründet. Aus\ndiesem Grunde hat ihn der Künstler mit einem\nDolch außerhalb des Gewandes verplastikt. Die\nHerren, die sich mit dem Lebenswerk dieses Gut-\nmütigen vergnügen, stoßen sich deshalb noch\nheute gegenseitig den Dolch in die edleren\nOrgane. Nicht, ohne den sehr geehrten Gegner\ndurch Überreichung einer Besuchskarte davon in\nKenntnis gesetzt zu haben. Für das Gebäude,\ndas zur Vorbereitung dieses Aktes dient, haben\nZeiß selige Erben ein Bild von Herrn Hodler\nbestellt. Hodler ist der Künstler, der die Natur\nnicht mehr genau nachmachte und der deshalb\nzu den Dekadenzerscheinungen zu rechnen ist.\nDaß gerade die Hersteller von photographischen\nund optischen Apparaten der Natur einen solchen\nDolchstoß versetzten, spricht Bände, die auch\neifrig von Professoren geschrieben werden.\nProfessoren sind Herren im reiferen Lebensalter\nohne Hüte mit Huthalter. Der Huthalter soll\nbeweisen, daß die Herren sich zu den gehobenen\nStänden rechnen, die dank ihrer Bildung sich\ndas Recht, einschließlich des juristischen Rechtes,\nund den Besitz eines Hutes gesichert haben.\nAbgesehen von der Freude an der Natur be-\nschäftigen sich die Professoren mit unsinnlichen\nDingen, wie mit den Verordnungen der Reichs-\nregierung, der jeweiligen Reichsregierung, mit\nden Verordnungen vergangener Regierungen\naller Zeiten und aller Völker, mit der Existenz\nGottes, mit dem Liebesleben Goethes, mit alt-\nphilologischen Übungen in neuphilologischen\nSprachen und mit dem Untergang des Oberlehrers\nSpengler. Die Studenten bequatschen die An-\ngelegenheiten dann unter sich. Soweit es die\nWirkung der Dolchstöße zuläßt, trinken sie Bier.\nHierdurch wird die Eigenart der Deutschen zur\nmonumentalen Körperbildung erreicht, so daß\ndem Plastiker fast gar nichts mehr zu tun übrig\nbleibt. Er hat nur noch den Dolch nachzubilden.\nJena riecht nach Landwirtschaft, eine Folge der\nRostbratwürstchen. Durch Aufgießen schmutzigen\nWassers wird erreicht, daß diese Würstchen sich\nnicht verbrühen und andererseits sich des be-\nkannten Wohlgeschmacks erfreuen. Außerdem\nwird in Jena von jedem gesungen, dem der\nGesang nicht gegeben ist. Die wilderen Ele-\nmente dieser Stadt treffen sich abends in der\nParadiesdiele. Sie liegt nicht, wie ähnliche\nInstitute in Berlin, im ersten Stock, sondern auf\nder platten Erde. Selbstverständlich im Charakter\neines Korridors. Abgesehen von den Vertretern\nder Presse, sind dort alle Menschen gleich.\nEine Hausgehilfin ist zur Zeit dort gerade im\nBegriff, den Bubikopf einzuführen, ohne des-\nwegen das Recht auf Haferlschuhe aufzugeben.\nWo sie doch Gerhart Hauptmann, der bekannte\nStammgast des Hotels Adlon, auf dem Potsdamer\nPlatz trägt. Die Paradieskapelle versucht ohne\nGrazie eine Jazzband zu ironisieren. Sie spielt\ngrundsätzlich Potpourris, damit jeder zu seinem\nRecht nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch kommt.\nIn früheren Zeiten haben Luther, Schiller und\nBismarck die Stadt bevölkert. Insbesondere litt\nSchiller offenbar an einer fast krankhaft zu\nnennenden Umzugsmanie, so daß kaum ein\nHaus Jenas ohne eine bronzene Notiz von dem\nZugang und Abgang dieses Teils der Bevölke-\nrung verschont geblieben ist. Jena hat eine\nStraßenbahn, die die beiden Bahnhöfe dieser\nStadt vermittelst einer sinnvollen Verwendung\nder Elektrizität verbindet» Der zweite Bahnhof\ndient nämlich ausschließlich dem Verkehr nach\nWeimar, einer Stadt, zu der man nicht so ohne\nweiteres hinfahren soll. Sonst ist das Geistes-\nleben in Jena auf der bewährten alten Höhe,\ndie dort von der Höhe kommt und Fuchsberg\ngenannt wird."}, {"page_pdf": 68, "page_imprimee": "182", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.68", "texte": "II Weimar\n„Die StadtWeimar hat zur Zeit 28 500 Einwohner,\nworunter sich cirka 570 Katholiken und vielleicht\n180 Israeliten befinden.\" Diese Angabe verdanke\nich Woerls Reisebüchern. Auf der letzten Seite des\nFührers für Weimar durch und durch sind Post-\nkartenverse sozusagen als Anhang beigegeben,\nfür Leute, die sich ohne Schiller und Goethe\nnicht lassen können. Es sind laut Angabe des\nVerlags sogenannte „Originalverse\". Um diesem\nStädtebildchen die mir versagte aber doch nötige\nPoesie anzukreiden, sei hier zur klassischen Ver-\nwendung die Originaldichtung Nummer 1 der\nbreiteren Öffentlichkeit zugängig gemacht:\nGegrüßt sei von geweihter Stätte mir!\nAuf großer Geister Spuren wandl' ich hier;\nIn Stadt und Park, wohin das Auge schaut,\nErinn'rung grüßt uns hier, lieb und vertraut.\nWem aber etwa Woerl nicht genügt, kann auch\ndas Originalgedicht Nummer 2 von Goethe per-\nsönlich für diesen Zweck gebrauchen:\nIhr seid mir hold, ihr gönnt mir diese Träume\nSie schmeicheln mir und locken alte Reime\nMir wieder selbst, von allen Menschen fern\nWie bad' ich mich in euren Düften gern.\nZur Zeit findet in Weimar eine Tierausstellung\nstatt, die bestbekannte landwirtschaftliche Woche.\nMan hat es den Landwirten sehr übel genommen,\ndaß sie ihre Produktion in der unmittelbaren\nNähe der Produktion Goethes produziert haben.\nGoethe persönlich dachte hierin viel freund-\nwilliger und hat dieser landwirtschaftlichen An-\ngelegenheit bereits vorher in herzlicher Weise\ndie beiden folgenden Originalverse für Ansichts-\nkarten zur Verfügung gestellt:\nDer Landmann leichtem Sand den Samen an-\nvertraut\nUnd seinen Kohl dem frechen Wilde baut.\nAbgesehen von diesem Kohl gibt es in Weimar\nselbst zahlreiche Plastiken. Jeder tausendste\nEinwohner dieser Stadt erhält ein Denkmal.\nDer berühmte Kunstkritiker Lübke' hat die end-\ngültige Kunstformel für sämtliche dort geschaf-\nfenen und noch zu schaffenden Denkmäler\ngeschaffen: „Geistvoll energische Charakteristik,\ntiefe Auffassung und Wiedergabe der ganzen\nPersönlichkeit, in welcher man gleichsam den\nWiderhall ihres eigenen Wesens empfindet, adeln\ndieses Denkmal.\" Das ist ein Ruf wie Widerhall\nauf der es sich lohnt, Plastiker zü werden.\nWeimar hat außerdem eine Straßenbahn, die\nnicht fährt. Alle Wege führen zwar nach Weimar,\naber wenn man dort ist, will man dort bleiben.\nHier hat nicht in jedem Haus Schiller, hier hat\nnoch außerdem in jedem Haus Goethe gewohnt.\nDeswegen ist jedes Haus mit zwei bronzenen\nNotizen versehen. In einem sehr repräsentativen\nHause wohnte etwas abseits ein gewisser Nietzsche.\nIn meinem Woerl findet sich über diesen pp.\nNietzsche folgende Notiz: „Wenn man bedenkt,\ndaß Nietzsche nur etwa fünfzehn Jahre lang mit\nvöllig freiem Geist produktiv tätig war, so ist\nes wahrhaft zu bewundern, daß in dieser kurzen\nZeit ein so großer literarischer Reichtum ge-\nschaffen worden ist.\" Dieser Herr Nietzsche\nhat trotzdem kein besonderes Lokalinteresse\nerregt. Weimar hatte früher Großherzöge, die\nmit den Dichtern gingen, während die feineren\nKönige bekanntlich mit den teureren Sängern\ngingen. Nach dieser großen herzoglichen Zeit\nhatte man eine kleine proletarische Regierung,\nder die jetzige Rechtsregierung aus ästhetischen\nGründen etwas am Zeuge flicken will. Diese\nRegierung pavt außerdem. Paven ist kein\nSchimpfwort. Es ist eben Paven. Die aller-\nhöchste Reichsregierung, die über der Arm-\nregierung der Länder steht, hat auch etwas\ngeschaffen. Nämlich die Personalabbauverord-\nnung, Pav genannt. Wer nicht paßt, wird gepavt.\nOder in Regierungsdeutsch: es werden Spar-\nmaßnahmen getroffen. Die Weimarische Regie-\nrung, vom klassischen Wortgeist besessen, will\naus Sparsamkeitsgründen zunächst das Bauhaus\npaven. Man findet es nämlich sehr billig, daß\nman durch Ankauf von nur zwei Buchstaben\nden Titel Bauhaus in Abbauhaus umgestalten\nkann. Unter diesem Namen soll die klassische\nAkademie ihre Existenz wieder ableugnen.\nWeimars Reichtum ist seiner Ansichtskarten-\nindustrie begründet. Endlich besitzt Weimar\nein Theater, das ohne jede Verfassung ist.\n\nHerwarth Walden\n\nSonderbar\nRudolf Blümner\nDer Hammer ist und bleibt bewiesen.\nHerzliche Grüße von Franz zu Franz."}, {"page_pdf": 69, "page_imprimee": "183", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.69", "texte": "Zirkus\n\nDrei geharkte Sandkreise unter einem Zelt.\nZehntausend Menschen umsitzen sie. Zehntausend\nMenschen umlagern es. In den Gesichtern innen\nSpannung. In den Gesichtern außen Sehnsucht.\nDer Riesenzirkus Krone, Schönhauser Allee.\nHerr Krone, oder vielmehr Herr Direktor Krone,\nhat ein Programmheft herausgegeben, in dem\nsich ein Feuilletonist über das Wesen des Zirkus\nund über das Wesen des Herrn Direktors äußert.\nFrau Direktor Krone ist in dem feierlichen\nMoment abgebildet, wo ihr das italienische\nOffizierkorps huldigt. Herr Direktor ver-\nabschiedet das italienische Königspaar in Turin.\nDas ist im Bilde festgehalten. Außerdem läßt\nHerr Direktor mitteilen, daß er den „deutschen\nZirkus\" geschaffen hat, „er wollte die amerika-\nnische Großzügigkeit mit der deutschen Reellität\nharmonisch verbinden, deutscher Geist sollte aus\nallem heraussprechen, und dies ist ihm auch in\nglänzender Weise gelungen. Der Zirkus sollte\nnicht nur eine Unterhaltungsstätte für die breite\nMasse werden, nein, er sollte auch eine Kultur-\nstätte sein. Er sollte ethischen und kulturellen\nZwecken dienen, der breiten Masse die Kennt-\nnisse fremder Völker und Tiere vermitteln\".\nDer Zirkus ist besser als sein kulturelles Pro-\n\\\ngramm.\nKörper spielen und bilden körperliche Formen.\nKein Raum schränkt sie ein. Kein Schwer-\ngewicht zieht sie zur Erde. Die Zeit ist rhyth-\nmisch aufgeteilt. Jede Sekunde eine Leistung.\nJede Leistung in einer Sekunde. Über den\nKreisen zwischen Himmel und Erde Bewegung.\nGestaltete Bewegung. Also Kunst. Der deutsche\nGeist hat zum Glück für die Kunst das Zelt\nverlassen und hält sich höchstens noch in einigen\nZuschauern zum dauernden Schaden ihrer Ge-\nsundheit auf.\nDie Kulturstätte einschließlich der ethischen\nForderung wird durch Kamele, Tiger, Elefanten,\nPferde und ungarische Ochsen bevölkert. Die\nKamele sehen sich höchst überlegen um. Und\ndenken, so dumme Menschen. Wollen aus uns\nsogar noch eine Kulturstätte machen. Die Kamele\nsind sehr groß und daher auch überlegen. Auch\ngroße Menschen sind überlegen. Sie wurden\ndeshalb früher stets zu den höchsten Ämtern\nzugelassen. Eben wegen der Überlegenheit.\nDie ungarischen Ochsen sehen sich das Publikum\nzwar auch überlegen, aber etwas gutmütiger an.\nSie stehen offenbar dem menschlichen und ins-\nbesondere dem deutschen Geist ochsig näher.\nSie lassen sich alles gefallen. Die Reflektoren\nwirken auf ihr reflektorisches Bewußtsein. Warum\nsollen sie schließlich nicht solche Ochsen sein,\num im Kreis herumzulaufen? Da es ihnen gut\nsteht und man sie von allen Seiten betrachten\nkann. Es macht noch ganz anderen Ochsen\nFreude, von allen Seiten betrachtet zu werden.\nDie Tiger haben persönlich weniger Spaß.\nImmerhin wird durch die Höhe der menschlichen\nKultur erreicht, daß sie schön tun. Sie machen\nes nicht gern, aber was soll man schließlich\nmachen. Das Schöntun gehört zum Fortschritt,\nalso zur Kultur, schafft Beziehungen und Ver-\nbindungen. In den Momenten, wo ihnen das\nSchöntun gegen die Natur geht, wird das üb-\nliche Mittel angewandt. Ein Herr Mensch schießt.\nZunächst probeweise nur in die Luft. Hierauf\nziehen es auch die Tiere vor, schön zu tun.\nWährend die Kamele eine verzweifelnde Ähn-\nlichkeit mit intellektuellen Führern der mensch-\nlichen Gesellschaft physiognomisch haben, legen\ndie Elefanten ihr Antlitz in metaphysische Falten.\nSie sind so unglaublich groß, daß sie es sich\nwirklich nicht leisten brauchen, dem Direktor\ndas ethische Vergnügen zu stören. Auch sie\ntun schön, aber nur, weil es ihnen so komisch\nvorkommt, daß man sich ihnen überlegen fühlt.\nSie haben auch die Genugtuung, den Herrn\nDirektor auf einem Rüssel in die Höhe zu heben,\ndaß er allen Zuschauern sehr klein vorkommt.\nSie haben allerdings von ihm verschiedene\nmenschliche Eigenschaften erlernt, auf die sie\nnicht gefaßt waren. Sie lernen zum Beispiel\nkriechen. Sie kriechen voreinander. Sie kriechen\nuntereinander. Kulturstätte. Sie machen Musik\nmit den Füßen. Hohe Kunst. Alle Tiere be-\nwegen sich in geradezu vollendeter Ordnung.\nDie Elefanten, die Kamele, die Ochsen. Staats-\nbewußtsein. Das Publikum freut sich, daß die\nTiere das auch alles so brav gelernt haben.\nGanz wie unsereins. Tiere gehören zweifellos\nzu den wirtschaftlich Schwachen. Sie arbeiten\nohne Lohn und sind mit etwas Kost und viel\nPrügel sehr zufrieden. Die Zuschauer verlangen\nfür ihre Beschäftigung sogar Lohn. Besonders\nübel wird es ihnen genommen, daß sie es auch\nfür Beschäftigungslosigkeit verlangen. Wo es\ndoch eigentlich ein Vergnügen ist, sich zu be-\nschäftigen und sich nicht zu beschäftigen. Aller-\ndings hat man nicht die Musik dazu, wie die\nfremden Völker und die fremden Tiere.\nDie Pferde sind unruhiger. Ihnen ist wahr-\nscheinlich die ethische Forderung eingebläut\nworden. Sie haben Gesinnung, auch wenn sie"}, {"page_pdf": 70, "page_imprimee": "184", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.70", "texte": "tanzen lernen mußten. Pferde, die in dem Ver-\ndacht stehen, über die Stränge zu schlagen, hat\nman aus Gründen der Ordnung mit einem Maul-\nkorb versehen. Sie müssen wegen der Geistig-\nkeit eben ihre Gefühle rein innerlich erleben.\nPferde, die sich mit dem Erreichbaren an Zucker\nbegnügen, dürfen beliebig oft das Maul aufsperren.\nZwischen dieser Hörigkeit rauscht das sichtbare\nLeben der Artisten. Schweifende Kometen, die\nihren eigenen Gesetzen und dem Willen und\nVermögen ihrer Gestaltungskraft folgen. Herren\nihres Körpers und ihrer Sinne. Menschen, die\nfreie Tiere scheinen und es in ihrem schöpfe-\nrischen Gleichnis sind. Rücksichtslos gegen den\nTod und vorsichtslos gegen das Leben. Sichtlos\nund sichtbar in der Bewegung. Sie fliegen ohne\nApparate, sie springen ohne Anstoß. Sie können\nsogar ohne Krücke gehen und stehen. Sogar\nohne die Krücke des Geistes. Sogar ohne den\ndeutschen Geist. Sogar ohne den Geist, den\nvielleicht andere Nationen gepachtet haben.\nGeist ist nämlich ein Sachwert, den man nur\npachten braucht. Geist zu kaufen ist nicht\nhandelsüblich. Mit Geist wird nicht gehandelt.\nMan kann nicht einmal sagen, daß mit Geist\nverhandelt wird. Es geht aber glänzend ohne\nGeist, wenn man sich nur das verfluchte Han-\ndeln abgewöhnen wollte. Geist ist nämlich nur\nÜbertreibung. Nämlich nur Übertreibung un-\ngelöster Triebe. Daß der Mensch nun einmal\nTriebe hat, aus Trieben geschaffen wird und aus\nTrieben schafft, mag vielleicht sehr bedauerlich\nsein, die Menschen werden es aber nicht ändern\nkönnen. Sinne lassen sich nicht ausreden.\nDie Sinne sind das Wesen der Menschen. Die\norganische Gestaltung sinnlicher Erlebnisse ist\nKunst. Geist ist ein Hilfsmittel, aber kein\nTrieb. Nur aus den Trieben entsteht das Leben.\nNur aus den Trieben entsteht das Kunstwerk.\nWas man so Kunst nennt, ist geistige Mache.\nArtisten sind Künstler.\nDarum schäme man sich nicht, in den Zirkus\nzu gehen. Man bilde ihn nur nicht zur Kultur-\nstätte um. Oder rede ihn sich als Kulturstätte\nein. Denn dadurch wird der Zirkus zu der be-\nlanglosen Zierangelegenheit erniedrigt, die man\nKultur nennt.\nGehen wir in den Zirkus.\nWir wollen Menschen sein.\n\nHerwarth Walden\n\nSTURM-ABEND AM MITT WOCH / DEM 8. OCTOBER / 7»/4UHR\nKONZERTSAAL DER STAATLICHEN HOCHSCHULE FOR MUSIK / FASANENSTRASSE 1\nOesanasgemeinsdiaft Rosebery d' flrguto / Chorkonzert\nPROGRAMM\n1 Junges Volk, fiinfstimmiges Madrigal\n(Tanzlied nach Art der Polen) . . . .\n2 Ich wollt ein StrauGlein binden . . .\nSymphonischer Gesang nach Worten\nvon C. G. Brentano (mit Kindersolo)\n3 Wiegenlied (Kinderchor)\nNach neuerer Forschung von Fliess\n4 Wiegenlied\nCharlotte Staamann\n5 O Zauberin, leb wohl\nWanda Saile\nH. Albert\nRosebery d'Arguto\n6 Lied der Nachtigall (Kinderchor) . .\n7 Absolute symphonische Gesange . .\n8 Frohe Tage (Kinder-Kammerchor) . .\n9 Gesang der Wolga-Treidler\nSymphonischer Gesang fur drei ge-\nmischte Stimmen (in russischer Sprache\ngesungen)\n10 Douce Plainte,franzosischesVolkslied .\nKathe Lindenberg\n11 Der Konig von Yvetot ........\nFranzosisches Volkslied (Kinderchor)\n12 Englisches Madrigal\nMozart\nSchubert\nBeethoven\nEduard Grell\nRosebery d'Arguto\nSteffani\nRosebery d'Arguto\nde Breteuil\n(1624-1701)\nbearbeitet von\nKlages\nMorley-Reger\n13 Sommer ist ins Land gekommen .\nAltenglischer Kanon aus dem ersten\nDrittel des dreizehnten Jahrhunderts\n(Kloster Reading) Der alteste Kanon\nder Musikgeschichte\n14 O Susanna\nSymphonischer Gesang nach einer\namerikanischen Volksweise (Neger-\nweise) Solo: A. Meller\n15 Goldringelein\nSymphonischer fiinfstimmiger Ge-\nsang nach einer altdeutschen Weise\n16 Dem Kinde zur Nacht\nFur sechs gemischte Stimmen in\nsymphonischem Stil\n17 Wenns immer so war\nSymphonischer Gesang nach einer\naltdeutschem Weise\narrangiert von\nRosebery d\\Arguto\nRosebery d'Arguto\nRosebery d'Arguto\nH. Schmidt-Rose-\nbery d'Arguto\nRosebery d'Arguto\n18 Der freie Mann\nSymphonisches Responsorium, zwolf-\nstimmig (Manner, Frauen und Kin-\nder) mit einer Solostimme nach\nBeethovens einstimmigen Chor\nSolo: A. Muller\n19 A capella-Quartett mit Vierteltonen\nJagau / Lindenberg\nRosebery d'Arguto / Meller\nBeethoven-Rose-\nbery d*Arguto\n250 MITWIRKENDE\n/\nKARTEN IN DER STURM-BUCHHANDLUNG / POTSDAMER STRASSE 138A"}, {"page_pdf": 71, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.71", "texte": "L' A R D I R E\nRivlsta Letteraria d'Avanguardia\nSupplemento Mensile a ~Fiamma Nera\"\nDirettore: GIUSEPPE LEONARD!\nLa piCi irrequieta e vibrante rassegua italiana\ndi nuove tendecche\nVi collaborano i piCi rappresentativi serittori\ngiovani\nAbbonamento annuo: Italia L 26 — Estero L 40 — On numero L 2\nDirezione-Amministrazione: Via Marsala 6 - Bologna\n\nSTURM-AUSSTELLUNG\nBERLIN W 9 / POTSDAMER STRASSE 134 a*\n#\nI SEPTEMBER 1924;\nWALDEMAR ECKERTZ / PAUL FUHRMANN\nlOKTOBER 1924:\nPERI / NELL WALDEN /HILBERSEIMER\nNOVEMBER 1924; ■\nSOOSEE I NEGER-PLASTIKEN |\nGooffnet taglich von 10—6 Uhr / Sonntags von 11—2 Uhr\n\nW. Marzlllier & Co. Berlin W • Grunewaldstrafie 14-15\nGegr&ndet 1854 Hofspediteure S. M. des Konigs von Spanien Gegrundet 1854\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung von\nGemalden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- und Auslandes / Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kiinstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Illustratoren und Hausspediteure des „ Sturm\"\n\ncxa\ncxa\nSTURM-ABENDE IN DER STURM-AUSSTELLUNG\nJEDEN MITTWOCH 73/4 UHR / POTSDAMER STRASSE 134 A'\nHERWARTH WALDEN: DICHTUNGEN 3 §\nHERWARTH WALDEN: EIGENE SCHRIFTEN 10\nKINDERCHORE: ROSEBERY D' ARGUTO 17\nKINDERCHORE: ROSEBERY D' ARGUTO 24 &\nOTTO NEBEL: DICHTUNGEN 1 a\nROSEBERY D' ARGUTO: CHORKONZERT 8 =\nIM SAAL DER STAATLICHEN HOCHSCHULE FOR MUSIK fg «\nABSOLUTE MUSIK / FUGEN / RESPONSORIEN ® g\nMANNER- / FRAUEN- UND KINDERCHORE / SOLI 8 e\n\nBOTTEGA DI POESIA\nMAI SON D'EDITI ON-LIB RAIRIE-MAISON D'ART\nSuccesseur de la maison „Artaria\" de Ferd. Sacchi & F. — Cartes Geographiques — Guides — Plans\nTELEPH. 84-70 14, VIA DEL MONTE NAPOLEONE MILANO (13) ADR.TELEGR. BiDIPI\nLa plus moderne et la plus complete de Maisons de ce genre;\nveritable centre litteraire et artistique italien et internatwnal"}, {"page_pdf": 72, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192409-01.1.72", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung-: Lothar Schreyer, Berlin W9 / Verlag- Der Sturm G.m.b.H., Berlin W9 / Fernruf: Lützow 4443\nPostscheckkonto Berlin 120658 / Druck: WeßeKa, Berlin SW4B, Friedrichstraße 16\n\nVERLAG DER STURM\nERLI N W 9\nNEUERSCHEINUNGEN\nHERWARTH WALDEN\nEinblick in Kunst\nExpressiomsmus / Kubismus / Futurismus\nMit 3 Vielfarbendrucken und 70 Abbildungen nach Werken der\nMeister der neuen Kunst. Neuauflage des lange vergriffenen und\nsehr gesuchten authentischen Buches.\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 6,50 Mark\nLuxusausgaben signiert und numeriert in Halb- und Ganzleder\nALEXANDER ARCHIPENKO\nStark vergrofierte Neuauflage des Sturmbilderbuches II\nMit zahlreichen ganzseitigen Abbildungen und einem Zweifarbendruck\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 4 Mark\nJACOBA VAN HEEMSKERCK\nSturmbilderbuch VII\nDas erste Werk iiber die kurzlich verstorbene fiihrende Kunstlerin\ndes Expressionismus in Holland\nZirka 50 Abbildungen und 7 Originalholzschnitte vom Stock gedruckt\nBeitrage von Poortvliet / Bliimner / Schreyer / Walden\nLadenpreis in Halbleinen gebunden 8 Mark\nLuxusausgabe in Ganzleder numeriert 50 Mark"}]}