{"numero_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_sha256": "aa1d238550c2300a5a0203a6a816cf9ee81e0f93dedec0ded9b13efd9064cb4e", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1925/01_01/bmtnabg_1925-01_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1925/01_01/bmtnabg_1925-01_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c001", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt", "signature_source": "Oskar Herlinger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.1", "debut_caractere": 96, "fin_caractere_exclue": 133, "texte": "Oskar Herlinger: Linoleumschnitt 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c002", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "6", "image_debut": 3, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.2", "titre_corps": "Einführung zu „Maschinenangst\" von Ruggero Vasari", "titre_sommaire": "Einführung zu „Maschinenangst\" von Ruggero Vasari", "signature_source": "Gino Gori", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.3", "debut_caractere": 104, "fin_caractere_exclue": 3540, "texte": "Einführung zu „Maschinenangst\"\nvon Ruggero Vasari\n\n„Maschinenangst\" ist ein starker italienischer\nVersuch zur Befreiung vom Romantizismus.\nEin Werk, geschaffen von einem, der schein-\nbar in einem dem unsern völlig fernen Zeit-\nalter leben wird, in einer Zukunft der revo-\nlutionierten Technik, der vollkommen neuen\nlyrischen Ausdrucksform und des wahrhaft\nschöpferischen Geistes. Jene Kunstgriffe,\nderen sich auch erprobte Dichter gerne be-\ndienen, wird man hier vergebens suchen.\n„Menschenkraft gewappnet mit Stolz\"\nschreibt Vittorio Orazi, wenn er den Vorwurf\ndes Stücks behandelt, „ins Jenseits von Gut\nund Böse hinüberreichend, mit einem leiden-\nschaftlichen Hang zur Teilung des Selbst, die\naußerhalb ihrer inneren Realität ein höheres\nIch konstruiert hat und die nun zum Gipfel\nemporstrebt, bis sie durch die Ereignisse von\nder Vergeblichkeit des Kampfs, der Unwirk-\nlichkeit ihres Idols, des Unvermögens ihrer\nKraft belehrt, der eigenen Chimäre besiegt\nzum Opfer fällt.\"\nIm Kampf um die Verwirklichung seines eige-\nnen Imperativs (der nicht mehr das Ibsensche\n„Sei Du selbst\" ist, sondern „Sei mehr als Du\nselbst\") unterliegt der Mensch, und mit ihm\nstürzt sein Traum, der so wundervoll unwirk-\nliche: so spiegelt sich im Blut des Opfers nur\nder unbestimmte Umriß einer wesenlosen\nWolke.\nEin persönliches Temperament, hat der Dich-\nter Vasäri die ganze Kraft seiner Phantasie\nfür eine dramatische Konstruktion eingesetzt,\nderen Synthese in der Hauptsache mental und\nnicht formal ist. Eine Synthese, die reichen\nStoff für die szenische Realisierung bietet,\nwenn sie von einem harmonischen und ihm\nwesensgleichen Temperament unternommen\nwird.\nDas Problem der inneren Einheit zwischen\nBühnenbild und dramatischem Vorgang ist\nheute mit Schwierigkeiten geladen. Eine\nRichtung, von Gordon Craigh ausgehend,\nwill, daß die Kunst des Bühnenbildners sich\nunabhängig äußere, eine andere gemäßigtere\nRichtung möchte Bühnenbild und Drama ohne\nkünstliche Zwischenschaltungen untereinan-\nder verschmelzen. Diese letzte Richtung fin-\ndet ihre hervorragendsten Vertreter in Rein-\nhardt und Appia. Der Futurismus, zu dem\nVasari als künstlerische Persönlichkeit rech-\nnet, neigt mehr zur Autonomie des Bühnen-\nbildes.\nMaschinenangst ist ein in dieser Beziehung\ncharakteristisches Stück, weil es nicht nur\nden Gedanken des Futurismus modifiziert,\nsondern auch ein reiches Material für die\nbühnenbildliche Darstellung bietet, zu der der\nAutor ein chromatisches Orchesterkommen-\ntar von Linien und Massen erfand.\nDer Vorwurf des Stückes ist der folgende:\nIn der radiotelegraphischen Kabine einer\nWelt außerhalb von Zeit und Wirklichkeit\nwird das Nahen einer Flotte von Luftschiffen\nangezeigt. Sie bringt die Frauen, Landes-\nverwiesen durch die neue mechanisierte\nMenschheit (die, um herrschen zu können, sie\nauf einen andern Planeten verbannt hat),\nschicken sie nun eine Abgesandte, Lipa, die\naber mit Verachtung abgewiesen wird. Kein\nPaktieren zwischen der neuen Rasse und der\nFrau, die die heroische Mannheit erniedrigt.\nAber die Abgesandte wird als Geisel zurück-\nbehalten. Tonkir, den Uebermenschen, den\nSchöpfer des neuen mechanischen Kosmos,\nversucht sie: er soll zu einem normalen Leben\nzurückkehren, aus dem Uebermenschen wie-\nder zum Menschen werden; die Natur läßt\nsich nicht ungestraft bekämpfen, der Lebens-\ninstinkt nicht ohne schweren Schaden unter-\ndrücken. Tonkir zögert, — aber als die Frau\ndann weggebracht worden ist, erscheinen ihm"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4403, "texte": "drei Schatten, die Projektionen dreier\nPuppen, und reden zu ihm: seine drei Seelen:\nTraum, lebendiges Leben und der Wunsch\nnach Vernichtung. Und Tonkir reißt der un-\nwiderstehliche Wirbel mit fort. Jetzt stehen\ngegen seine Schwäche seine beiden Gefähr-\nten auf, Bacal und Singar, und beschließen,\nihn zu ermorden. Sie sind dessen aber nicht\nfähig. Auch die Frau vermag ihn nicht zu\ntöten, und will es auch nicht. Denn sie liebt\nihn. Tonkir erkennt seine Niederlage. Und\nanstatt von andern die Erfüllung seines Ge-\nschicks zu erwarten, zieht er es vor, sich\nselbst und zugleich seinen Mechanismen den\nTod zu geben durch eigene Hand. Er stirbt,\nund die ganze von ihm geschaffene mecha-\nnische Welt stürzt unrettbar in Trümmer und\nins Nichts. Ueber den Trümmern weinen die\nMaschinen. Der klagende Schrei der Sirenen\nerfüllt den Raum.\nHarmonie, bemerkt Orazi, ist die letzte und\nessentielle Bedeutung, in der die tragische\nSynthese Maschinenangst ausläuft, in schlüs-\nsiger Konsequenz der Konzeptionen des Fu-\nturismus, Das Zentralproblem liegt darin, daß\nTonkir, der Uebermensch, Schöpfer jenes\nwunderbaren Reiches, absoluter Herrscher\nüber die Menschen und Bezwinger der Ma-\nterie, der gefühlsmäßig, sexuell und pragma-\ntisch den andern Pol der Menschheit, die\nFrau besiegt hat, auf der Höhe seiner Macht\ndie Zwecklosigkeit seiner gewaltigen An-\nstrengung erkennt, erkennt, daß sein Sieg ein\nWurm ist, der ihm das Gehirn zerfrißt und\nihn rastlos hinter neuen Chimären herhetzt,\nNutzlosigkeit und Eitelkeit, noch verschärft\ndurch den Konflikt mit dem weiblichen Ge-\nschlecht, das überdauert und unveränderlich\nbleibt, und obendrein ihn durch das Spiel\ntausendfacher Suggestionen den beängstigen-\nden Gegensatz zwischen seiner mechanisier-\nten Seele und der rein menschlichen Seele\nerkennen läßt.\nTonkir lebt diesen Kontrast bis zur Ver-\nzweiflung durch, er versucht Rückkehr in die\nMenschlichkeit, — aber diese Rückkehr ist\nunmöglich . . . Da sein Glaube an sich und\nan sein Werk starb und keine Hoffnung\nbleibt, verlorene Menschlichkeit wiederzu-\nerlangen, fällt der Held als Opfer seines Ge-\nschicks.\nMan hat richtig bemerkt, daß diese tragische\nDichtung einen neuen Klassizismus bringt,\nder im Grunde die eigentliche Essenz des\nFuturismus ist. Klassizismus hier gleichbe-\ndeutend mit Harmonie, und dieser Gleichheit\nhat Orazi bereits Rechnung getragen. Aber\ndie Harmonie liegt hier in der Konzeption,\nderen Philosophie die eigentlichen Vorgänge\ndes Dramas sich unterordnet. Tonkir hat die\nGesetze der Natur und der Menschheit ver-\nletzt und zerbrochen. Mit seinem Tode löst\nsich das ungeheuerliche Reich, das er schuf,\nauf wie Nebel im Wind, und Welt und Men-\nschen bauen sich wieder auf und stellen die\nHarmonie wieder her, die für immer zerstört\nschien.\nSo daß tatsächlich die Ueberwindung\ndes Menschen nicht durch die Maschine\nerfolgt, sondern durch die Beherrschung\ndieser Maschine, Icarus, der moderne\nEroberergeist, muß sich zum Herrn des\nmechanischen Gegenspielers machen und\nnicht wie der Zentaur zum Halbtier,\nzu einem Wesen niederer Art werden.\nWenn man heute der Poesie der Maschine\neinen andern Wert beimißt, will man natür-\nlich damit nicht, wie einige verstanden haben,\ndie Größe und den Wert der Mechanisierung\nund Zahlwerdung des Menschen verherr-\nlichen, Das ist das stillschweigende Pro-\ngramm eines Materialismus, dem der Krieg\nden Todesstoß versetzte. Die dynamische\nund aktivistische Kunst, Spiegel unseres\nSeelenzustands der Eroberer und Pioniere,\npreist im Gegenteil die Maschine als Werk-\nzeug des Menschen, mit der er die Welt sich\nunterwirft. Von Jombona bis Conrad ist dies\nder Sinn des d'Annunzioschen „Navigare ne-\ncesse est\". Wenn von Marinetti ausgehend\nder Futurismus eine lyrische Verherrlichung\nder Maschine wurde, will man damit doch\nkeineswegs zu einer mechanischen Inter-\npretation der Menschen und der Welt hin-\ngelangen, Sondern: Das Lebendige und Herr-\nschende ist der Geist. Und Vasari weiß das,\n5\nDer veräußerlichte Mechanismus der Ma-\nschinen, der nicht als rein äußerer Prunk ver-\nstanden ist, bildet die lebendige Materie des\nDramas, Der Futurismus der Maschine hat\nhier nach Marinetti seinen wahren Dichter\ngefunden, der den schallenden und sausenden\nWesen Leben, Körperlichkeit und Blut leiht.\nDie Szene stellt sich mit jener Suggestion dar,\nunter der das D i n g , das Objekt sich ver-\nmenschlicht und einen neuen einheitlichen\nPersönlichkeitsakt gewinnt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4457, "texte": "Dies Temperament, das das tragische Gedicht\nMaschinenangst durchdringt, gehört der in-\nnersten Natur Vasaris an. Es ist keine lite-\nrarische oder ästhetische Uebersteigerung.\nIn den vierzig Synthesen, die Vasari für das\nfuturistische Theater schrieb, tritt es dauernd\nhervor. Und diese Synthesen sind von einer\nschönen künstlerischen Fülle, denen nie das\nZentralproblem fehlt und in denen die ästhe-\ntischen Probleme der Gegenwart stets eine\nharmonische Lösung finden. Vasari ist, wie\nleicht begreiflich, Irrationalist. Er schließt\ndie Möglichkeit aus, daß die Welt im engen\nKreise logischen Denkens enthalten sein\nkönne (und darum läßt er seine Bühnenbilder\nins Reich der Phantasie hinüber schweifen),\nund trotzdem ist sein ganzes Werk von seiner\nbesonderen Einstellung durchleuchtet: einer\nkonstruktiven Kraft von einer Geschlossen-\nheit, daß in ihrem Gerüst die umfassendsten\nProbleme der Metaphysik und der Philo-\nsophie ihre Lösung in greifbar plastischer\nForm finden. Als Beispiel führe ich seine\n„Drei Rote Feuerkugeln\" an; das\nsind drei Tragödien, die in ihrer elementaren\nEinfachheit ins Kosmische hinüberreichen.\nDer Dialog ist nicht auf wenige Worte be-\nschränkt, sondern gelöst und komplex. Die\nTragik, die von dem ganzen Drama ausgeht,\nist nicht gewollt, sondern innerlich, notwen-\ndig. Der Epilog ist kein gehirnlicher Schluß,\nsondern ein Schicksalsakt, dramatische Geste\neines Verhängnisses.\nDer tragische Prozeß hängt nicht von den Be-\ngleitumständen ab, was eine realistische Kon-\nzeption bedeuten würde; sondern er ist trans-\nzendent. Er ist eins mit dem Absoluten.\nMan lese z. B. Sentimento Anarchie oder\nFemine. Man wird eine fast religiöse Nüch-\nternheit finden, eine stilisierte Ausdrucks-\nform, die das getreue Spiegelbild der Vor-\ngänge im Wort bringt, eine Bewußtheit und\nGewissenhaftigkeit der Konstruktion, die\nüber das Phänomen des Geschehnisses hin-\nausblickt und die Welt des Zufalls in die Welt\ndes Vollkommenen, des Notwendigen, des\nImmanenten hinüberleitet.\nDie Szenographie einer so beschaffenen Dra-\nmaturgie kann sich nur der Absichten des\nDichters bewußt werden, sie interpretieren\nund in die dem Drama eigenen Formen über-\nsetzen.\nDas Drama ist, wie vorher gesagt, eine Kon-\nstruktion, die mehr als eine logische Geo-\nmetrie die Illogik der transzendentalen Re-\nalität ins Licht stellt.\nEinem aufmerksamen Leser wird es nicht\nschwer fallen, in den Arbeiten Vasaris wie in\nvielen modernen Arbeiten eine Tendenz fest-\nzustellen, die man irrtümlich mit dem Namen\nStilisierung bezeichnet, die ich aber Defor-\nmierung nennen möchte.\nDie Wirklichkeit zu deformieren war bis\ngestern eine künstlerische Laune. Ich glaube\nin meinem Aufsatz über das Argument nach-\ngewiesen zu haben, daß es sich um weit An-\nderes handelt. Das empirische Objekt ist\nnicht das Objekt der Kunst. Die Kunst drängt\ndanach, sich eines absoluten Objekts zu be-\nmächtigen, des Dings an sich. Das ist\nder letzte Inhalt, die wahre Realität.\nJedes Ding an sich schafft durch die Ex-\npansion der von ihm ausstrahlenden Kraft-\nlinien das sichtbare, empirische Ding. Auf\ndieser Einheit organisiert sich die Materie,\ndie ein Ding bildet, und gibt ihm die ewige\nForm, die es sichtbar und photographisch dar-\nstellbar macht. Und weil diese Einheiten\nmnemonisch die Richtung der Einheiten wie-\nderholen, die in der Natur jedem zu einer\nKlasse oder einem Typus von Objekten ge-\nhörigen Ding vorangehen, erscheint dies Ding\nnormal, alltäglich, gewöhnlich. Aber wenn\ndie Einheiten oder Kraftlinien eine mit ihrer\nRichtung verwandte Verteilung schaffen, or-\nganisiert sich die Materie anders und schafft\ndas verwandte Ding, das verwandte Objekt,\ndie Ausnahme, die Verschieden-\nheit, das Monstrum.\nUnd wenn der Dichter den ganzen Bereich\nder Welt studiert, die uns umgibt mit einem\nOrchester verschiedenster Phänomene, be-\ntrachtet er in jedem dieser Phänomene das\nPhänomen an sich, seine Essenz. Er erforscht\nalso die Verteilung der Kraftlinie und kann,\nwenn er will, sie variieren, wenn diese Varia-\ntion ihm neue und interessante Offenbarungen\nverheißt. Das Theater der zeitgenössischen\nAvantgarde arbeitet in diesem Sinne und er-\nweitert das Gebiet der methaphysisch-ästhe-\ntischen Forschungen und Erfahrungen. Va-\nsari gehört zu dieser Avantgarde. (Siehe:\nLa Mascherata Segli Impotent i.)\n* *\n❖\nVera Idelson hat in der Realisierung von\nMaschinenangst gezeigt, wie die Kunst der\nBühne mit der Poesie eines Dramas der Ideen\nund Deformationen wetteifern und ganz mit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4365, "texte": "ihm Eins werden kann. In der Einrichtung\nvon Maschinenangst hat sie ihre großen\nkünstlerischen Qualitäten voll bewiesen.\nWie alle Künstler der Inszenierung hat sie\nihre eigenen Gedanken über das Theater, Es\nist, wie sie behauptet, „das Essentielle des\nmenschlichen Lebens\", natürlich nicht im re-\nalistischen, sondern im transzendentalen\nSinne, Der Mensch kann für den modernen\nKünstler nicht ein rein Empirisches sein, son-\ndern die letzte, geistige Grundlage der Dinge,\n„Alles denkbare ist menschlich\", eine Phrase\nmit tief verborgenem Sinn, die genau mit der\nhöheren Warheit übereinstimmt. Das Theater\nist die Synthese des Lebens in all seinen\nAspekten durch das reformierende Prisma\nder Kunst betrachtet. Der Kunst, die den\nwahren, den unveränderlichen, den inneren\nAspekt, die Essenz der Erscheinungsform\nzeigt.\nDas Leben ist stets in Bewegung, es läuft er-\nschreckend schnell. Und es setzt sich aus so\nvielen einzelnen verschiedenen Fragmenten\nzusammen, wie die farbigen Glasstückchen in\neinem Kaleidoskop, die durch ihr Bewegen,\nDrehen sich kreuzen und die verschiedensten\nFiguren und Arabesken bilden,\nSie sammeln, und aus ihnen eine synthetische\nEinheit zu schaffen, die eine höhere Anschau-\nung des Lebens gibt, ist Zweck der Kunst. So\nverschieden, wie diese bunten Scherben sind\ndie dynamischen Momente des Lebens. Sie\nsind zu fixieren: unter ihrer äußeren Gestalt\ndie unveränderliche Essenz der Dinge zu zei-\ngen, ist die Aufgabe des Theaters.\nDrama, Tragödie, Komödie, Groteske, Ballett,\nPantomime?\n„Wir kennen die Wahrheit nicht. Sie er-\nscheint unter allen Aspekten und hüllt sich\nin die verschiedensten Gewänder\", Alle mög-\nlichen Aspekte, die ganze Tonleiter des\nMenschlichen, alle Formen des Lebens, die\nbizarrsten, abstrusesten, häßlichsten wie die\nschönsten, bilden zusammen dies bodenlose\nMeer.\nAllerdings ist auf dem Theater alles schön:\nalles ist jenseits von Gut und Böse. Alles\n«»\nist Leben.\n„Wie das Leben ist das Theater die\newige tragikomische Harlekinade der\nMenschheit,\" Allerdings verlangen wir vom\nTheater wie vom Leben, soweit es Harle-\nkinade ist, Erheiterung, Aber da es auch\nTragödien gibt, wollen wir von diesen nach\nder von alters her erkannten Realität des\nWesens der Tragik, die Darstellung des ewi-\ngen Aspekts einer idealen Menschheit, dar-\ngestellt in jeder nur möglichen Form, um\ngleichzeitig lachen und weinen zu können.\nDie Idelson eignet sich die Lehre Tai'roffs an:\nDas wahre Theater schwankt zwischen den\nbeiden Polen des Mysteriums und der Harle-\nkinade.\nAus diesem Grunde hat, wie leicht zu ver-\nstehen, die theatralische Wahrheit, ihre\nessentielle Realität, nichts mit der Wahrheit\nund Realität des täglichen Lebens zu schaffen.\nEs handelt sich um ein höheres Leben, das\nseine unerbittlichen Gesetze hat, die sich\nwieder nach den harmonischen Gesetzen\nrichten, die ein Kunstwerk beherrschen.\nDie Idelson folgt den theoretischen Gedanken\nTai'roffs, den sie als ihren Meister anerkennt;\nGedanken, die den Ausgang bilden für die\nRealisation, mit der wir uns hier beschäf-\ntigen.\nAllerdings werden von ihr die massiven Kon-\nstruktionen Tai'roffs, die sie als unpraktisch\nund schwer transportierbar erkannt hat, bei\nSchaffung des Bühnenbildes durch die An-\nwendung von Wandschirmen als Prinzip der\nkonstruktiven Oekonomie ersetzt. Im We-\nsentlichen ist es das alte Prinzip der Wand-\nschirme aus der Commedia dell Arte, aber\nin ganz moderner Art zur Anwendung ge-\nbracht. So hat sie bühnenbildnerisch in Ma-\nschinenangst eine kompakte, tragische mo-\ndern szenische Atmosphäre geschaffen, dem\nKonflikt zwischen der Menschheit und dem\nVampir Maschine angepaßt.\nIm ersten Akt verwirklicht sie das kalte,\nschreckhafte Reich der Maschine, der mecha-\nnisierten Welt schneidend in übermensch-\nlicher, metallischer Kälte, aus dem alle\nMenschlichkeit verbannt ist. Sie schuf mit\nhalb abstrakten, geometrischen, konzen-\ntrischen, präzisen Formen ein Bühnenbild, in\ndem das Eisengrau und das brennende Rot\ndes flüssigen Metalls vorherrscht.\nDie Bühnendynamik ist irreal in ihrem Ueber-\nrealismus. Im zweiten Akt (Tonkirs geheim-\nnisvollem Laboratorium) ist der ganze Auf-\nbau auf die erwähnten Wandschirme gestellt,\ndie auf der Bühne verschiedene synthetische\nRäumlichkeiten bilden. Auf der einen Seite\ndas Laboratorium mit den elektrisch beweg-\nten Maschinen und einer Reihe von Glas-\nröhren, von elektrischen Funken durchblitzt,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.7", "debut_caractere": 39, "fin_caractere_exclue": 1427, "texte": "In der Mitte bietet ein großer dunkler Wand-\nschirm den Eindruck der menschlichen In-\ntimität. Das Licht begleitet die konstruktive\nT eilung.\nAuch im dritten Akt herrscht der Wand-\nschirm vor. Dieser Akt gründet sich auf den\nKontrast der vertikalen und horizontalen\nschiefen Ebenen. Es dominiert eine große\nElektrizitätsmaschine, auf die sich die Ge-\ndanken der Menschen sammeln, die auf ihre\nMenschlichkeit verzichteten, und die Spiele\nder Elektrizität in farbigen Glasröhren, Rings-\num ein unbestimmter Raum, der sich ins un-\nendliche erstreckt, und in dem sich die tra-\ngische Pantomime der mechanischen Men-\nschen abspielt. Die endliche Zerstörung ist\nschon potenziell in der Nervosität der schiefen\nEbenen enthalten, die jeden Augenblick zu-\nsammenzustürzen und alles zu begraben\ndrohen. In diesem Akt herrscht der graue\nTon vor, ein feines Verständnis der Künst-\nlerin für die Szene, da dieser Ton ein Symbol\nsein soll für den Mechanismus unseres moder-\nnen Lebens und das Eisen der Maschine, die\nes beherrscht.\nDas Kostüm faßt die Idelson als die ver-\nkörperlichte Seele der Person.\nDie zu den Maschinen Verurteilten bewegen\nsich wie mechanische Marionetten. Jedem\nKostüm liegt die Form einer mehr oder weni-\nger wirklichen Maschine zugrunde in seiner\nKonstruktion. Aber im wesentlichen ist alles\nAbstraktion. Wie bei Tairoff löst sich bei\nder Idelson das Konkrete in diesen breit-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2527, "texte": "symbolischen und synthetischen Formen auf.\nUnter den Personen befindet sich ein gewisser\nBogo, der seine Maschine im Innern einer\nKabine bewachen muß. Er ist vom Dichter\nals Wesen zwischen Mensch und Marionette\noder Mensch und Maschine gedacht. Die\nIdelson fügt zu der herrschenden Note des\nMechanismus in diesem Wesen die der\nMenschlichkeit. Dagegen sind die Kostüme\nder zur Maschine Verurteilten aus Metall,\naus hartem farbigen Karton oder aus steifem\nLeder.\nDas Material Stoff, das schon menschlich\nist, erscheint in dem Kostüm Bogos, des\nKabinenmanns, um die Bewegung zu er-\nleichtern und dem menschlichen Körper Gel-\ntung zu gestatten. Dann ist da der Tele-\ngraphenmensch, der die drei Despoten mit der\nmechanischen und mechanisierten Welt ver-\nbindet. Er und der Mann aus der Kabine,\neine menschliche Seele, die in ihrem Gefäng-\nnis leidet, tragen über ihren menschlichen\nKleidern wie einen tragischen Scherz Käfige\nvon Metall.\nAndere Personen, wie Bacal und Singar, die\nsich freiwillig mechanisiert haben und die\nTat darstellen, tragen Kostüme, die entfernt\nan moderne Sportkleidung oder Uniformen er-\ninnern, bei denen ja bereits eine mechanisti-\nsche Note auf menschlichem Grunde sich\nfindet.\nTonkir indessen, der der schöpferische Ge-\ndanke ist, spiegelt sich natürlich als Indi-\nviduum auf der Szene in einer symbolischen\nForm wieder, als Person kaum mehr existie-\nrend, ein moderner Asket, ein blutarmer\nDenker, gequält von seiner menschlichen\nSeele. Ihn kleidet die Idelson in ein mecha-\nnisiertes Pyjama. Eine Intuition, die voll-\nständig mit den Augenblicken harmoniert,\nin denen er auf der Szene erscheint, also,\nwenn im Drama das Intime hervortritt und\nsich die Beziehung zwischen Individuum und\nMaschine löst.\nLipa dagegen, die Menschlichkeit, die er-\nlesene Weiblichkeit, wird durch ihr Kostüm\nbetont, das sie als Angehörige einer wirk-\nlichen lebendigen Welt von Fleisch und Blut\nerkennen läßt.\nSo hat die Idelson in letzter Zeit eine Per-\nsönlichkeit zu erkennen gegeben, die nicht\nnur ein Beweis ihres Talents ist, sondern auch\neine Kontinuität der Tradition russischer\nBühnenbildkunst aufzeigt, bei der man mit\nNeuerungen begann, die den Charakter der\nVereinfachung und des Spieles farbiger Lich-\nter hatte, und in den letzten Jahren in Mani-\nfestationen ausläuft, die futuristischen Cha-\nrakter angenommen haben. Aber eines Futu-\nrismus, der den praktischen Forderungen der\nBühne Rechnung trägt und gleichzeitig denen\ndes guten Geschmacks,\nAus dem Werk ~La Scenografia\",\nVerlag A. Stock, Rom.\n\nGino Gori"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c003", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.2.1", "titre_corps": "Linoliumschnitt", "titre_sommaire": "Linoliumschnitt", "signature_source": "Oskar Nerlinger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 37, "texte": "Oskar Neriinger: Linoliumsdinitt 1923"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c004", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "6", "page_fin": "14", "image_debut": 8, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.3", "titre_corps": "Fragmente aus Maschinenangst Ruggero Vasari", "titre_sommaire": "Fragmente aus Maschinenangst Ruggero Vasari", "signature_source": "Erstes Bild ; Deutsch von Lilly Nevinny", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.8", "debut_caractere": 2529, "fin_caractere_exclue": 3595, "texte": "Fragmente aus Maschinenangst\nRuggero Vasari\nErstes Bild\n\nTragische Synthese in drei Bildern\nDeutsch von Lilly Nevinny\nMaschinenreich\nEine Ecke der Luftzentrale.\nRadiokabine.\nOben einTürmchenmitAntennen\nBeim Aufgehen des Vorhangs ein\nschreibenderManninderKabine,\nNach einer Weile unterbricht er\nseine Arbeit und tritt an die\nBrustwehr.\nKabinenmann\nDie Luft erzittert heute Nacht von seltsamen\nGeräuschen. Unheilvoll tönen sie an mein\nOhr. Als peitschte .., weit... weit... im\nFernen ... ein Geierschwarm mit Gellgeläch-\nter den Aether.\n(Er drückt auf einen Knopf.)\nBogo (erscheint)\nDaß dich die allmächtige Maschine zer-\nschmettre! Nicht eine Sekunde gönnst du\nmir Ruh.\nKabinenmann\nIch wache. Nur wer die Nacht durchwacht,\nkann seine Seele an dieser göttlichen Musik\nberauschen. Die Motore singen. Die Maschi-\nnen beben. Da unten, in den Schmelzwerken,\nfressen die mächtigen Stampfhämmer, das\nFeuer der aufrührischen Metalle.\nBogo\nBerausche deine Seele, so viel du willst, doch\nstöre mich nicht in meiner Ruhe ...\nKabinenmann\nRüttle deine eingeschläferten Nerven auf."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2982, "texte": "Höre. Aechzt nicht die Luft unter der Wut-\nlast eines Feuerorkans?\nBogo (die Hände a 1 s Schallrohr an\nden Ohren)\nDu träumst... Unsere Flammennächte bren-\nnen unheilvolle Gedanken in dir auf. Es ist\ndas wilde Gebrüll der bezähmten Maschinen.\nBacals Fuß steht hart auf dieser Hölle. Men-\nschen und Maschinen stemmen ihre Seele\ngegen diesen maßlosen Herrscherwillen,\n(Lichtsignale auf einer Scheibe\nvor der Maschine.)\nKabinenmann\nEine Radiobotschaft!\n(Skandierend liest er und macht\nsich Aufzeichnungen, Bogo\nsteigt hinau f.)\nH. Bara — Kama 3-— tai —X — sallat\n— nuc,\nBogo\nWie schwierig!\nKabinenmann\nPam signalisiert: Laß uns Singar rufen.\n(Bogo drückt auf einen Knopf.\nKabinenmann geht auf seinen\nP 1 at z zur ü c k.)\nSingar (eintretend)\nWas ist?\n(Bogo steigt rasch nieder, über-\nreicht die Botschaft und geht.)\nSingar (liest)\nTausende von silbernen Luftschiffen durch-\nschwirren unsern Himmel nach allen Seiten,\nVorhuten am Himmel Pams, in Richtung\nMata, Wollen die Jupiterianer unser Reich\n*\nig .\nerobernl\n(Zum Kabinenmann.) Pam —A!\n(Der Kabinenmann dreht ein Dia-\npas it iv) Erklärt das Radio H. (Aus\neinem spiralen 112 ö r m i g e n Appa-\nrat hört man).\nStimme\nLuftschiffe verschwunden — sind ohne Be-\nsatzung — enthalten vermutlich Sprengstoffe\n— unsere Luftschiffe bei Gegenflug aus\n2000 m Höhe brennend abgestürzt.\nZweites Bild\nTonkir und die Schatten\n(Das Zimmer verfinstert sich\nnach und nach. Ein klappendes\nGeräusch. AnderWandüberdem\nDivan erhellt sich nach und nach\neinkleiner rechtwinkligerßaum,\nder in drei Flächen geteilt ist.\nDrei Puppen stehen lässig da:\neineweiße, eine rote und eine\nschwarze.)\nTonkir (sich umwendend)\nMeine Seelen rufen mich ... es sind die ech-\nten Seelen, die ich in mir entwurzelte, um\nmir eine andere zu formen .. . ich habe sie\nimmer verlacht... da sind sie nun: Puppen ..,\num mich zu ergötzen. Ich glaubte mich un-\nbesieglich... (er nimmt die Puppen\nsanft in die Arme und preßt sie\nan sich. Der rechtwinklige Raum\nverfinstert sich, Tonkir setzt\nsich.) Wie lange habe ich euch nicht mehr\ngesehen, meine Puppen. . . kleine Freundin-\nnen ... wie traurig ihr seid.,. leblos .. .\nwarum? Spiegelt sich nicht mein vergangenes\nIch in euch .. , ich liebe euch .. . ich liebe\nmeinen Leichnam. (Er legt die rote\nund die schwarze Puppe auf den\nDivan und behält die weiße in\nder Hand. Er beugt sich nach-\ndenklich über sie. Ein Schein-\nwerfer beleuchtet die Puppe.)\nAuch du. . . meine weiße Seele .. . auch du\nwillst mich verlassen?\nWeißer Schatten (kommt langsam aus\ndem Hintergrund nach vorn und\nbleibt einige Schritte vor Ton-\nkir stehen.)\nNie habe ich dich verlassen . . , ich sehne mich\nimmer nach dir ... nimm mich zu dir zurück\n.., ich beschwöre dich .. . siehst du nicht, wie\nbleich ich bin? . .. Mein Atem will ver-\nlöschen ... warum hast du mich vertrieben?\n... ich habe immer geweint. . . tränenlos sind\nmeine Augen .. . verwelkt. , meine Augen .. ,\nTonkir\nKaum verstehe ich dich... kaum erkenne ich\ndich ~. und doch warst du mein ... ich habe"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3634, "texte": "dich mit mir geschleppt. .. wie lang ... so\nlange ... so lange ...\nWeiber Schatten\nNimm mich ... ich kann nicht sterben .. .\nTonkir\nWarum störst du mich? In mir ist kein Raum\nmehr für dich. .. ich will mich nur deiner er-\ninnern ... es macht mich froh, mich deiner\nzu erinnern.\nWeißer Schatten\nIch gehöre zu dir . . .\nTonkir\nDu hast meine erste Jugend behütet... oh,\nwelche Freude, im rosenroten Schloß zu\nleben, welche Freude, deinen Puls in mir\nschlagen zu fühlen, der mich mit unendlicher\nSanftmut des Lebens erfüllte ... aber ich\nwurde ein Schwächling durch dich ~. ein\narmes kleines Nichts, zu zerbrechlich für den\nSchraubstock des Lebens ... ich sagte dir, leb\nwohl! Ich irrte durch die Welt, . . ich hatte\ndie Kraft, dich zu vergessen.\nWeißer Schatten\nEine Blume erblühte an meinem Munde . . .\ngelb und fliederfarben .. . die Blume streckte\nihre Saugarme aus ... mein Mund ist nahe ~ .\nganz nahe, und meine Lippen sind bleich . . .\nTonkir (stehtauf, hebt dasSchleier-\nende des Schattens auf und fährt\nentsetzt zurück.)\nWie häßlich ist meine Seele ... nicht wieder-\nzuerkennen! Sie ist von der Blume ange-\nfressen ... die Blume hat sie grauenhaft ent-\nstellt! (schreiend) Weg! Weg! Be-\nfleckte Seele! Unmöglich, daß du mein bist\n.., Du warst es nie ... (Der Schatten\nverschwindet. — Lange Paus e.)\nMeine irdischen Seelen ~ . ihr habt mich ge-\nrufen, um meine Qual zu erhöhen... um\nmeine letzten Augenblicke zu verbittern...\nnein! ich biete euch die Stirn .. . ich habe\neuch verleugnet. ~ ich verleugne euch .. . ich\ngehöre euch nicht mehr ... (fast im Irr-\nsinn) ich bin Tonkir, die Triebkraft dieses\nReiches, das süchtig ist nach den Planeten ...\nder Schöpfer all dieser Maschinen, die dem\nHimmel trotzen .., ich bin Tonkir.. . ich bin\nGott! Verweste Seelen, hört auf, mich zu ver-\nfolgen ... ich stoße euch zurück ... ich ver-\nfluche euch... (er schleudert die\ndreiPuppen zur Erde und läuft\nwie ein Irrsinniger hin und her,\ndie Hände in die Haare gewühlt).\nRoter Schatten (er nähert sich wie\neiner, der umarmen und an sich\npressen möchte.) Halt ein! Wanke\nnicht! Ich nur werde deine Augen mit dem\nBande des Vergessens bedecken.\nTonkir (bleibt stehen und blickt\nihn mit Entsetzen an).\nMeine rote Seele ~. lustsuchende Seele .. .\nmeine starke Seele, räche du dich nicht auch!\nRoter Schatten\nNoch halten dich meine erstickenden Fesseln.\nTonkir\nLockere deinen bösen Zauber .,, ich flehe\ndich an ...\nRoter Schatten\nIch bin die Flammenwoge, die brennt und das\nAll vereint. Ich habe dir alle Umarmungen\ngeschenkt, . . dann verband ich dich mit den\nMaschinen, und du wurdest Schöpfer ... du\nbeherrschtest die Materie . . . ich kann in dir\nnicht fremd sein . , .\nTonkir\nDie Erinnerung an dich jagt mich wirbelnd\ndurch den Flammenraum, und ich ver-\nzehre mich . . . ein Meteor. Mein Leib ist\ngesättigt von all deinen Freuden ... In meiner\nVernichtung bat ich dich immerfort, mich frei-\nzulassen . . . von neuem habe ich dein erbar-\nmungsloses Spiel erlebt und es in meinem\nAlter noch aufwühlender gefühlt. Ich will\ndich nicht fliehen. Ich liebe das Leid, das du\nmir zufügst...\nRoter Schatten\nDu überläßt mich meinem Feuer, das mich\nverzehrt ?\nT onkir\nDu allein gabst mir alles und hast mich dem\nAll verschmolzen. Ich will mich von neuem\nan dich klammern und dich nie mehr lassen\n(er kniet ihm zu Füßen, wärmt\nseine Knie und entblößt sie). Nie\nmehr lasse ich dich! (Er küßt seine\nKnie.)\nRoter Schatten\nNimm mich zurück . , . nimm mich zurück . . ,\nTonkir (er windet sich wollüstig an\nseinem Leib empor),\nWie mir deine Worte wohltun .. . wie sie mich\ntrösten.,. deine Worte sind Haschisch ,.. ich\nbin nicht mehr Tonkir, der alte Berechner"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3203, "texte": "kalter elektrischer Wellen ~, ich bin der\nfeurige Liebende von einst. Und du .. . du\nmußt noch schöner sein, meine ungestüme\nSeele ... du bist... du bist noch tausendmal\nschöner ~, Zeig mir dein Gesicht... deine\nAugen, unauslöschbarer Metallschauer ~.\ndeine ockerbleiche Haut... eine Düne von\naufreizendem Samt, über den wie ein Wurm\nmeine Liebkosungen gleiten ~. dein Gesicht\n... dein Gesicht!\n(Er enthüllt den Kopf, und der\nSchatten zeigt einen zahnlosen\nSchädel. Tonkirstößt einen wil-\nden Schrei aus und wirft sich auf\nden Div a n. Der Schatten ver-\nschwindet.)\nTonkir (mit einer Stimme, die\nnichts Menschliches mehr hat.)\nWer hat meine Maschine zertrümmert? Die\nMaschine ... wer packt mich an ~. ich er-\nsticke ... Bacal... Menschen ~, die Agonie\n... Die Maschine ~. lebe ... vibriere ...\ntöte ~.\n(Lebhafter roter Schein fällt\ndurchs Fenster; das intensive\nLebendes Maschinenreiches. Mit\nsich fortreißende Musiksyn-\nthesedertausendfachenMaschi-\nnen. Dröhnen,Knattern,Pfeifen,\nExplosionsgeräusche, Motor-\ngeratter, Klappern, Kolben-\ngewoge, gellendes Knirschen\nmechanischer Sägen usw. usw.\nHöchste Dauer eine Minute.\nPI ötzl i c h schweigt alles. Tief-\nste Finsternis, Ein Lichtstrahl\ndurchdringt die Finsternis und\nrichtet sich auf den schwarzen\nSchatten, der sich Tonkir nä-\nhert, sich neben ihn setzt, ihn\nmit den Armen umschlingt und\nihnansichzieht.)\nSchwarzer Schatten\n(mit kosender Stimme),\nIch war dir nahe ~, die einzige, die dir ganz\nnahe war... die andern begehrten dich, aber\nsie hatten sich selbst verloren ... warum hast\ndu mich nicht gerufen?\nTonkir\nFurcht... Entsetzen vor dir ... bist du also\ndoch da? ~. mein letzter Augenblick?\nSchwarzer Schatten\nImmer wachte ich über dich ~ - immer liebte\nich dich, mein Sohn ..,\nTonkir\nIn deinen Worten ... ruht sich ... mein wirrer\nGeist aus ...\nSchwarzer Schatten\n(enthüllt sein Gesicht)\nDir allein will ich mich zeigen ~. ich gehe -..\nich schreite ... von einer schwarzen Binde\numwunden ... ich stehe nie still -.. ich gehe\nruhelos .. . alle begegnen mir .. . lächeln mir\nzu und verfluchen mich; ich stürzte alle\nGipfel ein, die der Mensch auftürmte .. . ich\nführe alle Wege in die Irre -.. wohin führen\nsie? ... die Wahrheit ist im Dunkeln ~, einen\nSchimmer nach durch das Dunkel, - . immer\nin neues Dunkel.,. irren ... umherirren ...\nnichts finden... und wer dieses Licht finden\nkann, kann es nicht unterscheiden, denn\ndieses Licht ist das All.\nTonkir\nBin ... ich .. . immer ... in ~ . deiner ~ .\nGewalt...\nSchwarzer Schatten\nErhebe dich! Komm! (verschwindet).\n(Die Bühne erhellt sich. T onkir\nsteht auf, läßt furchtsam seine\nAugen umherschweifen und\nstürzt hinaus, wie von etwas Ge-\nheimnisvollem angezogen.)\nVorhang\nDrittes Bild\nDie Gehirnmaschine\nMan denke sich die Szene zwei-\ngeteilt, jedoch völlig unsicht-\nbar getrennt. Die linke, ganz\nkonstruktive Seite beherrscht\ndie Gehirnmaschine, die Gehirn-\nsynthese der drei Despoten: B a -\nca 1, Singar, T onkir.\nJeder Gedanke dieser drei wird\nvon der Maschine sofort aufge-\nfangen und dem Gesamtreich\nübermittelt. Menschen-Maschi-\nnen und Maschinen v e r d a m m t e\nfunktionieren nach den Befeh-\nlen dieser Ma s c h i n e.\nRechte Seite vollkommen leer:\nein undendlicher, unbegrenzter\nRaum."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2194, "texte": "Beim Aufgehen des Vorhangs be-\nwegen sich vier Maschinenver-\ndammte wie Automaten, Aufdem\nKopfe tragen sie einen Helm, auf\ndemzw ei winzigkleine Antennen\nfunkeln, Sie bewegen sich, bald\nlaufend, bald stehenbleibend in\nallen Richtungen, Jede Bewe-\ngung ist völlig automatisch. Sie\nsind wie im Raum schwebende\nWesen, die unsichtbaren Leit-\nfäden gehorchen,\nEindruck eines Mysteriums, Alles\nvage. Keine Monotonie, kein\nRhythmus. Nach etwa einer Mi-\nnute treten Bacal und Singar ein,\nSie scheinen erzürnt und sehen\nverachtungsvoll auf die sich all-\nmählich zurückziehenden Ma-\nschinenverdammten,\nSingar (nähert sich der Maschine\nund beobachtet aufmerksam\nihre Bewegungen,)\nBacal (setzt sich zur Seite der Ma-\nsch i n e).\nIrgend etwas beugt sich nieder ~, ich ver-\nsuche, mich aufzurecken ... es schmerzt.\nSingar\nGewiß nicht dein Alter.\nBacal\nMein Alter ist in Platin gemeißelt. Die Zeit\nnagt nicht an ihm ... Der Raum nützt es\nnicht ab.\nSingar\nWas beugt dich dann? Dein wahnsinniger\nTraum?\nBacal\nNein! Etwas klammert sich an meine Nerven.\nEine unerbittliche Kraft... beugt mich ...\nich bin wie zerkrümmt.\nSingar\nDer Materie hast du die Nerven zerbrochen\n... du hast ihr die Seele ausgerissen,\nBacal\nEs ist etwas da, der sie vergewaltigt! Es\nist etwas da, das mich überwältigt,,.\nSingar\nKommt es von den Menschen?\nBacal\nDu sagst es.\nSingar\nTonkir?!\nBacal ■ 4|\nDu sagst es.\nSingar\nTonkir ist der Vollstrecker.\nBacal\nTonkir ist der Schöpfer ... er ist alles\nWenn er mich beugt, so ist er stark.\nSingar\nTonkir ist stark.\nBacal\nWer rettet Tonkir?\nSingar\nWer rettet Tonkir?\nBacal\nIch bin wie ein Rennfahrer, den die be-\nrauschte Menge heulend mit sich reißt.., ich\nhabe die Macht verloren.\nSingar\nLipa!\nBacal\nLipa ist die Rache.\nSingar\nIch werde die Rache töten . . .\nBacal\nMan tötet nicht den, der getötet hat,.,\nSingar\nDu kannst alles.\n\\\nBacal\nNiemand wird mir folgen.\nSingar\nDein sind die Maschinen.\ns *\nBacal\nDie Maschinen ächzen.\nSingar\nDein sind die Menschen.\nBacal\nDie Menschen kichern.\nSingar\nNachgeben und vernichten,\nBacal (überrascht)\nNachgeben?\nSingar\n... und vernichten! (Paus e.)\nBacal\nAuch du fällst ab von mir!\nSingar\nIch schlage deine Verzagtheit nieder,\nBacal\nAuch du fällst ab von mir!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3142, "texte": "Singar\nDie Flammen werden den Aether verbrennen.\nBacal\nDer Kosmos ist nicht mehr unser.\nSingar\nDer das Leben war, wird die Raserei des\nTodes genießen.\nBacal\nDas reizt dich?\nSingar\nEnde des Allwagenden.\nBacal\nAuch du fällst ab von mir.\nSingar\n0 Rausch des Lebens!\nBacal\nDu rufst mir's zurück.\nSingar (verzückt)\nIch sehe (L ange P a u s e.) Der erste Funke\nsprüht in die Nacht, die die Raserei unserer\nreißenden Werkzeuge dämpft. , . erbittert\nbeben sie, tropfen das Oel und tausend . . .\nund tausend scheele Augen schmecken im\nvoraus glühende Wollust... tausend ~. hun-\nderttausend Arme strecken sich aus. , .\npressen krampfhaft., . Münder .. . Münder\nMünder suchen einander ... Küsse brüllen .. .\nWolken ... Wolken ... feuerrote Wolken ...\nDie Gehirnmaschine rast. . . die zarten Fäden\nkönnen die unendliche Gewalt nicht mehr er-\ntragen ~, Funken sprühen!, . . Und der un-\ngeheuerliche Samum umhüllt. , . durchdringt\n.. . verwandelt. . . zerschmilzt, . . Und dort!\nalle zerreißen sich und unsere Männer zer-\nfleischen einander . , . ein Schlachtgetümmel\nbetrunkener Heere ... Sturz von Ozeanen,\ndem Untergang bestimmt. (P a u se.) Wunder!\nBacal (ihn schüttelnd)\nDu rufst mir's zurück! Noch trotze ich!\nSingar\nDu schreist... du befiehlst nicht.\nBacal\nTonkir sei des Todes!\nSingar\nDeine Hand bebt! Tonkir sieht dich an!\nBacal\nIch töte Tonkir nicht. Er ist mir zu teuer ...\ner ist zu sehr unser, dieser unbezwingliche\nLeib. Ich töte seine Gedanken, diese ge-\nschliffene Sense, die alles abmäht... werde\nich seine Gedanken töten können?\n(Tragische Stille. Selbst der\nRhythmus der Gehirnmaschine\nwird matter. Tonkir erscheint,\nsich mühsam schleppend. Sein\nGesicht ist geisterhaft. Er nä-\nhert sich der Maschine. Lipaer-\nblickend, bleibt er verwirrt\nstehen, dann nähert er sich ihr\nund berührt sanft ihre Schul-\ntern.)\nTonkir\nLipa!\nLipa (öffnet die Arme und springt\nauf). Meister!\nTonkir (zeigt mit dem Finger auf\ndie Maschine).\nIst in dir auch ein Gefühl für sie erwacht? . . .\nLipa\nNein .. . nichts! Wenn ich etwas fühlte .. .\nich hätte dich töten müssen . . .\nTonkir\nMeine Gefährten haben es dir befohlen ~.\ndu hättest es nicht tun können . , . ich habe\nalles bedacht. . .\nLipa\nMeister!\nT onkir\nEs ist mir gelungen, in mein Leben zu blicken\n.. , der Eine .. . der Einzige sein? .. . Was\nimmer ich tat, ich habe es gefühlt. Es war\nNotwendigkeit für mich. Jetzt brauche ich\nes nicht mehr , . . ich habe überwunden , . ,\nLipa\nDu schufst eine Welt. . . du wirst für sie\nleben!\nTonkir (langsam)\nIch opfere mich für sie . , . ich will meinen\nGeschöpfen den allerletzten Gruß bringen , . .\ndem gigantischsten aller meiner Geschöpfe\n... Allen habe ich ein einziges Gehirn ge-\ngeben ~ . alle haben das gleiche gedacht. . .\nich lenkte ihr Leben ~ . Ich habe die Indi-\nvidualität getötet. Das ist meine Zerstörung!\n(Paus e.) Nun ~ . bitte ich dich ... laß\nmich allein ... laß mich diese letzte Schön-\nheit genießen ... dann ... das Dunkel...\nmeine Seele wird abwesend sein . . .\nLipa\nNein! Ich verlasse dich nicht. . . ich bleibe\nhier . . . ich sterbe mit dir . . .\nT onkir\nWarum willst du sterben? Lebe! Da unten\nsehe ich, wie sich Hände zum Himmel recken"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3701, "texte": "~. Hände ... Hände ... sie wogen ... sie\nwogen ... bebend ... flehend .., segnend ..,\nes sind deine Gefährtinnen ~ , Das Leben\nruft.,. das wahre Leben! ~ . Geh! Ueber-\nlaß mich meinem Gebet. , . meiner Samm-\nlung ... (Lipa geht widerstrebend,\nTonkir kniet fromm nieder und\nküßt die Maschine, Seine Stimme\nist vor Erregung halb erstickt.)\nTonkir\nDu bleibst, ~ mein Geschöpf, , , meine In-\nbrunst ... meine Liebe ~, mein Aufstieg ~,\nIch gehe ... du bist die Siegerin , , , ich der\nBesiegte,,, Deine Seele ist metallen,,,\nmeine menschlich... (die Maschine\nbeginnt zu knarren, als wollte\nsie antworten.) Dein Herz ist gerührt\n... wie es schlägt... es schlägt zu stark,,,\nJetzt, da ich dich verlasse , , , begreife ich,\nwie sehr ich dich geliebt habe.,, wie mein\nirrer Traum dich besser zu hüten wußte als\nkein Leben... wie viel von mir ich dir ge-\ngeben habe ... auch du hast mir alles dar-\ngebracht ... Geliebte ~ . Geliebte ~, zärt-\nliche ~, heftige ~. grausame Geliebte ~.\n(er erhebt sich.) Ich gehe ~, (M a -\nschine knarrt stärker und\nsprüht Funken), Bleibe bei deinen\nDespoten ... klammere dich noch mehr an\nihr Leben... Trage sie immer höher empor\n... sie wollen es ~. sie müssen es ~. Lebe\n... lebe ... Und erhöhe diese Stolzen, die\nkein anderes Ziel kennen... sie werden auf-\nhören, wenn der blitzende Sonnenadler ihre\nAugen zerstört... sie haben zu hoch empor-\ngeschaut ... (macht eine Abschieds-\ngeste mit der Hand) liebe sie ... liebe\nsie ... (er entfernt sich langsa m).\n(Die Maschine beginnt Tollwut-\nzeichen zu geben. Vielfarbige\nFlammen. Die Dünnfäden entzün-\nden sich und schmelzen. Ge-\ngurgle, Geknarre, Gekrache,\nGesumme, Geknister, Geächze\nertönt.)\nBacal (mitausgestreckten Fäusten\nherbeieilend).\nMeine Menschen ... meine Maschinen ...\nstürzt alles ein? .., Gegen wen diese Rebel-\nlion? ... Singar!... Bogo!..,\n(Beide eilen herbei.) Wer wagt es,\nsich gegen mich zu erheben? ... Ich sehe\neine rote Wolke da unten, die mein Reich\nverhüllt.,,\nSingar\nDie Menschen stehen still... mit verzerrten\nMündern .. , aufgerissenen Augen ~ . stam-\nmelnd ... sie sind alle grau .. . gelähmt. . .\nBacal (wütend)\nDie Maschinen? Die Maschinenverdammten?\nBogo\nDie Maschinen arbeiten .. ohne Kontrolle ..,\ndie Präzision ihrer Herzen ist gebrochen, , .\ndie Maschinenverdammten .. blicken stumpf-\nsinnig drein ... sie heulen und lachen ... sie\nbegreifen nichts mehr ~.\nBacal\nWelcher Mann hat blockiert... welche Hand\nhat das Steuer auf das Nichts gerichtet? ...\n(faßtsichindieHaare, Atemloses\nSchweigen, Dann ein tierisches\nWutgeheul.) Tonkir! Tonkir!... Deine\nSeele deliriert.., Tonkir ! ruft Tonkir ...\n(Bogo stürzt hinaus, sofort wie-\nderkehrend.)\nBogo\nTonkir lebt nicht mehr ... er liegt auf dem\nGesicht... sein Mund küßt die Erde\nBacal (außer sich)\nTonkir hat ein sehr bleiches Weib angebetet\n... das in einen schwarzen Mantel gehüllt\nwar... ihr Mund war viel zu rot für ihr\nbleiches Antlitz ...\n(Unvermutet erscheinen die vier\nMaschinenv e r d a m m t e n und be-\nwegen sich unter den Menschen.\nNormale Haltung. Nur die Augen\noffenbaren den Wahnsinn. Die\nMaschine erzittert. Das blen-\ndende Leuchten wird stärker.\nDann bewegen sich die Maschi-\nnenverdammten wie im Krampf,\ngestikulieren und heule n.)\nBacal (versucht einen Mann fest-\nzuhalten, der sich aber sofort\nlosreißt).\nDas Gehirn verfinstert sich ~. die Feuer-\nwolke lastet... ein Bleigebirge, schneidet\nden Atem ab... (er rennt zur Ma-\nschine). Die Maschine siegt,.. wir die\nSchöpfer .., jetzt die Sklaven!,,. Nein! nein!\nMaschiiiineeeee! Maaaschiiineeeee! Halt\nein! (er wirft sich auf die M aschi-\nne, um sie anzuhalten). Du ... du ..,\ntötest.,. alles ... alles ... allleee ... (gelb-\naufleuchtender Blitz, Bacal\nstürzt erschlagen, Augenblick-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 276, "texte": "lieh erstarren die Maschinen-\nverdammten zu Statuen, Singar\nund Bogo fallen in die Kniee. 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Welche\nGeneration durfte diese Befreiung des Rhyth-\nmus, diese Teile der Weltgestaltung, diese\nreine Offenbarung des Ursprungs, die Sie auf\ndiesen Bildern sehen, je erleben? Welche?\nUnd diese Generation, die es erleben darf,\ntobt gegen die Gnade, verlacht sie, hat nicht\ndie Menschenmacht, das ganze Kunstnörgler-\ntum einfach aus den Tempeln zu verjagen,\nGlauben Sie mir, wenn nichts mehr von der\nSchwachheit und Schwatzhaftigkeit dieses\nJahrhunderts bestehen wird, die Reinheit\ndieser Bilder wird leben! Wird leben!\nNähern Sie sich bescheiden und freudig die-\nsen Bildern, Wehren Sie sich dagegen, wenn\nSie müssen, Wehren Sie ab, wenn Sie nicht"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 232, "texte": "anders können. Aber kämpfen Sie immer\nwieder rein und ursprünglich um das Leben\ndieser Kunst. Nähern Sie sich immer wieder.\nWerben Sie um die Schönheit dieser Bilder,\nAuf daß Schönheit und Befreiung aus Ihnen\nstrahle!\n\nKurt Liebmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c017", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "15", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.6", "titre_corps": "ES", "titre_sommaire": "ES", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.21", "debut_caractere": 234, "fin_caractere_exclue": 524, "texte": "ES\nRudolf Blümner\nOrientalisches Liebesgedicht\nE s macht die Nacht\nE s leuchtet alle Sterne\nE s kreist sein Blut\nUnd Allah\nLäßt alles dies geschehen\nE s schmerzt micht\nUnd\nE s freut micht\nUnd holt das Tuch\nAus seinen Händen\nUnd wirft E s\nMir zu\nNun kommt der Schlaf\nBei mir\nDie dritte Nacht"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c018", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 21, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.7", "titre_corps": "Städtebildchen : IV. Kopenhagen", "titre_sommaire": "Städtebildchen : IV. Kopenhagen", "signature_source": "I. Ueberfahrt von Wasser zu Butter ; Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.21", "debut_caractere": 526, "fin_caractere_exclue": 3747, "texte": "Städtebildchen\nIV. Kopenhagen\nI. Ueberfahrt von Wasser zu Butter\n\nNördlich vom Osten brütet der deutsche Ge-\nsandte über Kierkegaard. Kierkegaard soll\nsich auch den deutschen Verhältnissen im\nunsinnlichen Charakter angepaßt haben,\nwenn er nach dem Weltkrieg, wie man\nden Erdkrieg zu nennen pflegt, sich in\nDeutschland satt in Dänemark befunden\nhaben würde. Lerne leiden, ohne das Amts-\ngericht Berlin-Mitte zu bemühen. Der zustän-\ndige Gerichtsvollzieher versiegelt die Eier,\ndie trotz eifrigem Brüten mit Dotter statt mit\nButter im Land der Verdenker und Verdichter\ngegessen zu werden pflegen. Der deutsche\nGesandte schreibt für die Deutsche Rund-\nschau und vergißt indessen, daß er in Kopen-\nhagen ist. Er ißt natürlich nicht dort, son-\ndern gedenkt voller Wehmut seines letzten\nAufenthalts im deutschen Speisewagen, be-\nvor er das rechtsgerichtete Land links liegen\nlassen mußte. Den Nachschmack der deut-\nschen Oeligkeit muß ihm die dänische Vor-\nspeise nach deutscher Art geben, drei Oel-\nsardinen mit Kartoffelsalat für eine seriöse\nGoldmark, Der Kartoffelsalat ist von der\nMitropa nicht einmal in Rechnung gestellt.\nGleichsam Zugabe. Das deutsche Hackstück\nmit Salzkartoffeln ist der Abschied von der\nHeimat, die noch immer nicht weiß, was es\n• •\nbedeuten soll. Sie lebt von den Märchen aus\nalten Zeiten, sie kämmt sich das semmel-\nblonde Haar, wo doch selbst italienische\nSprößlinge sich der deutschen Art trotz\nbestem Willen nicht annähern können. Däne-\nmark ist das Italien des Nordens, um mich\nauch einmal einer gepflegten Sprache zu be-\ndienen. Denn in Dänemark kann man sich\nbedienen und sogar bedienen lassen, weil es\naus einem Herrschen und Beherrschen des\nMenschen und des Menschlichen entsteht.\nZwischen Deutschland und Dänemark liegen\neine größere Anzahl Kubikmeter Wasser, die\nman zwar überfliegen, aber nicht überbrücken\nkann. Italienerinnen fürchten sich vor den\nEisbären, und die Deutschen nehmen mit\nStahlhelm und Nagelstiefeln den Kampf\ngegen die Unbilden des tropischen Nordens\nauf. Die Deutschen rüsten sich mit landes-\nkundigen Bädekern und landesunkundigen\nGebräuchen aus, bereit, den Kampf gegen die\nMutter Natur aufzunehmen, die schrecklich\nist wie alle Mütter, und sich freuen, wie\nehemals das Christentum, nunmehr die Kul-\ntur mit Thomas Mann und Konsorten den\nWilden übermitteln zu wollen, zu sollen und\nzu müssen. Die Deutschen haben die Eisen-\nbahn beim Ueberschreiten der Grenzen, das\nheißt, beim Nichthineinfallen in das Meer,\nnicht zu verlassen zwecks Vornahme zollamt-\nlicher Behandlung, Hingegen erhalten sie in-\ndessen das Recht, für eine Belohnung von\nzwanzig Goldmark unter Ausschaltung des\nRechtsweges ein bis zehn Gepäckdiebe zu er-\ngreifen. Die wilden Dänen werden ge-\nbeten, die Wagen nicht zu verlassen, Sie\ntun es trotzdem nicht. Die Zwecksvornahme\nzollamtlicher Behandlungen bietet soviel\nReize, daß sie nun gerade im Wagen bleiben.\nDas überflogene, aber nicht überbrückte\nMeer stottert mehr oder weniger aus Ehr-\nfurcht vor den Denkern und Dichtern, die\nsogar Herrn Kierkegaard kennen, wonach man\nsich nunmehr laut Verfügung des deutschen\nGesandten in Dänemark zu richten hat. Plötz-\nlich taucht gleichsam das Festland auf, das\ndie Dichter Eiland zu nennen pflegen, eine"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3020, "texte": "Lokomotive mit eitel Gold um den Hals,\nnimmt die Reste der deutschen Reichsbahn\nfreundlichst hinter sich und fährt über Butter-\nboden nach Kopenhagen,\nKopenhagen ist in Deutschland dadurch\nbestens bekannt geworden, daß in dieser\nStadt der bestbekannte Bildhauer Thorwald-\nsen mit Originalschkulpturen vertreten ist,\ndie durch ihre Fähigkeit, sich in beliebigen\nExemplaren durch Porzellan verbreiten zu\nlassen, Dänemark den Ruf einer Kulturnation\ngebracht haben, beinahe, als obste Deutsch-\nland heißt. Wir unsererseits haben bekannt-\nlich den Michel Angelo aus Italien in Gips an-\nnektiert. Die Deutschen hingegen tun in\nKopenhagen bekanntlich bedeutend den Mund\nauf, wie Goethe sagt, den wir als unser Eigen-\ngewächs ansprechen können, um mich immer\nmal wieder der gepflegten Sprache zu be-\ndienen. Wovon soll ich denn satt sein, ich\nfand doch nicht ein Blättlein (in der Mitropa\nnämlich), mäh, mäh, mäh. So klagt der\ndeutsche Kindermund, Ich, trotz allen Ab-\nleugnungen Autorität, habe es aus Kinder-\nmund gehört. Und Kinder sprechen noch\nmehr Wahrheiten als Narren, Plötzlich gibt\nes Butter, Die Deutschen haben Butter auf\ndem Kopfe. Oder sie mit Löffeln gefressen.\nDaß sie sie auf dem Kopfe haben, ist ein\nZeichen dafür, daß die deutsche Butter un-\ngesund ist. Anderenfalls kann man etwas\nBesseres damit anfangen. Daß man sie in\nDeutschland mit Löffeln fressen kann, kommt\ndaher, daß sie hierzulande in einem gleichsam\nflüssigen Zustande verabfolgt wird. Nun wen-\nden der deutsche Gesandte, Thomas Mann\nund, nach nicht nachprüfbaren Zeugenaus-\nsagen, Kierkegaard ein, daß Butter kein Geist\nist. Dafür ist aber auch Geist nicht Butter,\nEs fragt sich, oder vielmehr es fragt sich\nnicht, was besser zu verdauen ist, Verdauung\nist aber eine nur menschliche Eigenschaft,\naus der sich göttliche Nationen nichts zu\nmachen brauchen. Weil sie eben göttlich,\noder zum mindesten goethisch sind. Jeden-\nfalls ist Butter kein Einwand gegen Geist,\nGeist aber ein Vorwand ohne Butter. Um\ndiesen Schwierigkeiten ethischer Art zu ent-\ngehen, hat man die Butter einfach in Däne-\nmark umgetauft und sie Smör genannt. Was\nder Butter nicht recht ist, ist die Smör billig.\nAndere Leute lesen allerdings Romane von\nS. Fischer lieber, an dem sich kein Meer\nbefindet. Hierüber ließen sich nun psycho-\nlogische und psychoanalytische Anmerkungen\nschreiben, soweit man kein Blättlein hat, mäh,\nmäh, mäh, mäh. Aus Blättlein aber entstehen\nRomane von Thomas Mann und Marga-\nrine, mäh, mäh, mäh. Worauf man in Deutsch-\nland die Geistesnahrung erfunden hat. Die\nungeistige deutsche Bevölkerung ernährt sich\nvon den Kartoffeln, die sich in Dänemark als\nViehfutter nicht verwenden lassen. Warum\nsoll man sich seinen Magen verschmieren.\nDie deutsche Butter ist eine Liebesgabe für\nEheleute. Die dänische Butter eine Ehegabe\nfür Liebesleute, Ueber Geschmacklosigkeit\nist nicht zu streiten, Kierkegaard soll das Ver-\ndienstkreuz für Handel und Seefahrt erhalten,\nUeber Butter läßt sich nicht streiten. 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Den Vorzügen einer\nVierteljahrschrift, die eine Veröffentlichung\numfangreicher Arbeiten ermöglichte, stehen\nvielfache Nachteile gegenüber. Wir und un-\nsere Leser haben im Laufe des vergangenen\nJahres immer lebhafter das Bedürfnis emp-\nfunden, miteinander häufiger in Beziehung\nzu treten, als nur von Vierteljahr zu Viertel-\njahr. Die Lebhaftigkeit und Raschheit der\nEntwicklung, die in der neuen Kunst heute so\nerheblich ist wie einst, verlangt doch eine\nschnellere und häufigere Gelegenheit, als sie\neine Vierteljahrschrift geben kann. Insbeson-\ndere steht sie der Verwertung des rein Ak-\ntuellen immer hindernd im Wege. Die im ver-\ngangenen Jahr erschienenen Monatsberichte\nkonnten für einen solchen Mangel keinen ge-\nnügenden Ersatz bieten.\nWir bitten unsere Abonnenten und Leser, das\nspäte Erscheinen des Januarheftes mit der\ngeänderten Erscheinungsform zu entschuldi-\ngen. Das Februarheft wird bald folgen. 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Wirtschafts-\nFragen / herausgegeben von der\nGESELLSCHAFT DER FREUNDE\nDE S NEUEN RUSSLAND,\nSchriftlg. Erich Baron, Bln.-Pankow, Kavalierstr. 10\n„DAS NEUE RUSSLAND\"\nist die einzige Zeitschrift, die durch sach-\nkundige BeitrSge hervorragender rus-\nsischer und deutscher Mitarbeiter zuver-\nISssige Informationen liber den kultu-\nrellen und wirtschaftlichen Neuaufbau\nRußlands vermittelt. Die Zeitschrift dient\ndamit zugleich der Forderung der kultu-\nrelien und wirtschaftlichen Verstandi-\ngung Deutschlands und Rußlands.\nDer Preis der Zeitschrift betragt fur das Binzelheft\nM- 0,60, fur das Doppelheft M, 1.—, fur das Viertel-\njahrsabbonnement M. 1.50. — Fur Mitglieder der\nwGesellschaft* ist der Bezug im Mitghedsbeitrag\nvon M. 5,— pro Vierteljahr inbegriffen,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-01-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-01_01#c031", "volume": "bmtnabg_1925-01_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.24", "debut_caractere": 247, "fin_caractere_exclue": 962, "texte": "16. )ahrgang .1925\nMonatsschrift\nledes Heft 1 Mark 50 pfennig\nJahrgang 1925: 12 Mark\nEin halbes jahr: 8 Mark\nEin Vierteljahr: 4 Mark\n•'A\nDie Jahrgange der Zeitschrift Der Sturm\nDie Zeitschrift Der Sturm wurde im Jahre 1910 durch Herwarth\nWalden als Wochenschrift begrundet. Sie wurde spater in eine\nMonatschrift umgewandelt Nur im Jahr 1924 erschien sie als Viertel*\njahrsschrift mit Monatsberichten.\nWer sich Qber die Entwicklung der gesamten neuen Kunst, der\nDichtung, der Malerei, der Plastik unterrichten will, ftndet in den\nJahrgfingen des „Sturm\" das reichste Material.\nPreise der frGheren Jahrgange:\nI—4. jahrgang: vergriffen\n5. und 6. Jahrgang: je 12 Mark\n8. jahrgang: vergriffen\n9.—14. jahrgang: |e 12 Mark"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT/\nHERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n16. JAHRGANG\nBERLIN / )ANUAR 1925\nI.HEFT\n\nOskar Herlinger: Linoleumschnitt 1923"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.2", "texte": "STURM-ABENDE IN DER\nJEDEN MITTWOCH 7'L UHR /\nSTURM-AUSSTELLUNG\nPOTSOAMER STRASSE 134 A I\n\nJanuar\nmm\n14.\n250t Sturmaliiind\nRudolf BlQmner\nRezitation / Sturmdichtungen\n10\nV 3 s a r 1\nFuturistische Dichtungen\nHerwarth Walden\nTonwerke\nGesang: MARGA HANDEL-\nMARBEN\nRudolf Bliimner\nRezitation / Sturmdichtungen\nyf;\n_\nSturm ball im Zoo\n\n4\n11\n18.\nvv-&\n14.\nKurt Schwitte\nMarch en / Sonate\nOtto Neb\nVorlesung / Dichtungen\ne I\nAlfred Richard Meyer\nLiebes- und Haßgesange des\ngroßen Munkepunke\nKarl V o g t\nSpiel kunst des Theaters\n2. Sturm ball im Zoo\n\nSTURM-AUSSTELLUNG\nBERLIN W9, POTSDAMER STRASSE 134 A I\nIANUAR (925\nWALTER DEXEL / SCHEINESSON\n•*' ' '?\nIFEBRUAR 1925:\nOTTO NEBEL / KURT SCHWITTERS\nMARZ 1925:\nHUGO\nfieSfftiet taglich von 10—6 Uhr Sonntags von 11—2 Uhr\n\nW. Marzillier & Co. Berlin W ♦ GrunewaldstraOe 14-15\nGegrfindet 1854 Hofspediteure S. M. des Konigs von Spanien Gegrundet 1854\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLiefer ling und Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- und Auslandes :: Transpqrtversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kunstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des „Sturm\"\n\nist die Nummer\n1 Sturmbuchhandhmg\nTv \\ _ .\nin der Potsdamer •\nS!!7Wir erwarten ul6\nHochachtungsvoll"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.3", "texte": "A£sHUäSSBBHHBB|H|BSHHttBjBiHaBHBatete _ _ «namaugHiito. [ ■\nMONATSSCHRIFT/HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nEinführung zu „Maschinenangst\"\nvon Ruggero Vasari\n\n„Maschinenangst\" ist ein starker italienischer\nVersuch zur Befreiung vom Romantizismus.\nEin Werk, geschaffen von einem, der schein-\nbar in einem dem unsern völlig fernen Zeit-\nalter leben wird, in einer Zukunft der revo-\nlutionierten Technik, der vollkommen neuen\nlyrischen Ausdrucksform und des wahrhaft\nschöpferischen Geistes. Jene Kunstgriffe,\nderen sich auch erprobte Dichter gerne be-\ndienen, wird man hier vergebens suchen.\n„Menschenkraft gewappnet mit Stolz\"\nschreibt Vittorio Orazi, wenn er den Vorwurf\ndes Stücks behandelt, „ins Jenseits von Gut\nund Böse hinüberreichend, mit einem leiden-\nschaftlichen Hang zur Teilung des Selbst, die\naußerhalb ihrer inneren Realität ein höheres\nIch konstruiert hat und die nun zum Gipfel\nemporstrebt, bis sie durch die Ereignisse von\nder Vergeblichkeit des Kampfs, der Unwirk-\nlichkeit ihres Idols, des Unvermögens ihrer\nKraft belehrt, der eigenen Chimäre besiegt\nzum Opfer fällt.\"\nIm Kampf um die Verwirklichung seines eige-\nnen Imperativs (der nicht mehr das Ibsensche\n„Sei Du selbst\" ist, sondern „Sei mehr als Du\nselbst\") unterliegt der Mensch, und mit ihm\nstürzt sein Traum, der so wundervoll unwirk-\nliche: so spiegelt sich im Blut des Opfers nur\nder unbestimmte Umriß einer wesenlosen\nWolke.\nEin persönliches Temperament, hat der Dich-\nter Vasäri die ganze Kraft seiner Phantasie\nfür eine dramatische Konstruktion eingesetzt,\nderen Synthese in der Hauptsache mental und\nnicht formal ist. Eine Synthese, die reichen\nStoff für die szenische Realisierung bietet,\nwenn sie von einem harmonischen und ihm\nwesensgleichen Temperament unternommen\nwird.\nDas Problem der inneren Einheit zwischen\nBühnenbild und dramatischem Vorgang ist\nheute mit Schwierigkeiten geladen. Eine\nRichtung, von Gordon Craigh ausgehend,\nwill, daß die Kunst des Bühnenbildners sich\nunabhängig äußere, eine andere gemäßigtere\nRichtung möchte Bühnenbild und Drama ohne\nkünstliche Zwischenschaltungen untereinan-\nder verschmelzen. Diese letzte Richtung fin-\ndet ihre hervorragendsten Vertreter in Rein-\nhardt und Appia. Der Futurismus, zu dem\nVasari als künstlerische Persönlichkeit rech-\nnet, neigt mehr zur Autonomie des Bühnen-\nbildes.\nMaschinenangst ist ein in dieser Beziehung\ncharakteristisches Stück, weil es nicht nur\nden Gedanken des Futurismus modifiziert,\nsondern auch ein reiches Material für die\nbühnenbildliche Darstellung bietet, zu der der\nAutor ein chromatisches Orchesterkommen-\ntar von Linien und Massen erfand.\nDer Vorwurf des Stückes ist der folgende:\nIn der radiotelegraphischen Kabine einer\nWelt außerhalb von Zeit und Wirklichkeit\nwird das Nahen einer Flotte von Luftschiffen\nangezeigt. Sie bringt die Frauen, Landes-\nverwiesen durch die neue mechanisierte\nMenschheit (die, um herrschen zu können, sie\nauf einen andern Planeten verbannt hat),\nschicken sie nun eine Abgesandte, Lipa, die\naber mit Verachtung abgewiesen wird. Kein\nPaktieren zwischen der neuen Rasse und der\nFrau, die die heroische Mannheit erniedrigt.\nAber die Abgesandte wird als Geisel zurück-\nbehalten. Tonkir, den Uebermenschen, den\nSchöpfer des neuen mechanischen Kosmos,\nversucht sie: er soll zu einem normalen Leben\nzurückkehren, aus dem Uebermenschen wie-\nder zum Menschen werden; die Natur läßt\nsich nicht ungestraft bekämpfen, der Lebens-\ninstinkt nicht ohne schweren Schaden unter-\ndrücken. Tonkir zögert, — aber als die Frau\ndann weggebracht worden ist, erscheinen ihm"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.4", "texte": "drei Schatten, die Projektionen dreier\nPuppen, und reden zu ihm: seine drei Seelen:\nTraum, lebendiges Leben und der Wunsch\nnach Vernichtung. Und Tonkir reißt der un-\nwiderstehliche Wirbel mit fort. Jetzt stehen\ngegen seine Schwäche seine beiden Gefähr-\nten auf, Bacal und Singar, und beschließen,\nihn zu ermorden. Sie sind dessen aber nicht\nfähig. Auch die Frau vermag ihn nicht zu\ntöten, und will es auch nicht. Denn sie liebt\nihn. Tonkir erkennt seine Niederlage. Und\nanstatt von andern die Erfüllung seines Ge-\nschicks zu erwarten, zieht er es vor, sich\nselbst und zugleich seinen Mechanismen den\nTod zu geben durch eigene Hand. Er stirbt,\nund die ganze von ihm geschaffene mecha-\nnische Welt stürzt unrettbar in Trümmer und\nins Nichts. Ueber den Trümmern weinen die\nMaschinen. Der klagende Schrei der Sirenen\nerfüllt den Raum.\nHarmonie, bemerkt Orazi, ist die letzte und\nessentielle Bedeutung, in der die tragische\nSynthese Maschinenangst ausläuft, in schlüs-\nsiger Konsequenz der Konzeptionen des Fu-\nturismus, Das Zentralproblem liegt darin, daß\nTonkir, der Uebermensch, Schöpfer jenes\nwunderbaren Reiches, absoluter Herrscher\nüber die Menschen und Bezwinger der Ma-\nterie, der gefühlsmäßig, sexuell und pragma-\ntisch den andern Pol der Menschheit, die\nFrau besiegt hat, auf der Höhe seiner Macht\ndie Zwecklosigkeit seiner gewaltigen An-\nstrengung erkennt, erkennt, daß sein Sieg ein\nWurm ist, der ihm das Gehirn zerfrißt und\nihn rastlos hinter neuen Chimären herhetzt,\nNutzlosigkeit und Eitelkeit, noch verschärft\ndurch den Konflikt mit dem weiblichen Ge-\nschlecht, das überdauert und unveränderlich\nbleibt, und obendrein ihn durch das Spiel\ntausendfacher Suggestionen den beängstigen-\nden Gegensatz zwischen seiner mechanisier-\nten Seele und der rein menschlichen Seele\nerkennen läßt.\nTonkir lebt diesen Kontrast bis zur Ver-\nzweiflung durch, er versucht Rückkehr in die\nMenschlichkeit, — aber diese Rückkehr ist\nunmöglich . . . Da sein Glaube an sich und\nan sein Werk starb und keine Hoffnung\nbleibt, verlorene Menschlichkeit wiederzu-\nerlangen, fällt der Held als Opfer seines Ge-\nschicks.\nMan hat richtig bemerkt, daß diese tragische\nDichtung einen neuen Klassizismus bringt,\nder im Grunde die eigentliche Essenz des\nFuturismus ist. Klassizismus hier gleichbe-\ndeutend mit Harmonie, und dieser Gleichheit\nhat Orazi bereits Rechnung getragen. Aber\ndie Harmonie liegt hier in der Konzeption,\nderen Philosophie die eigentlichen Vorgänge\ndes Dramas sich unterordnet. Tonkir hat die\nGesetze der Natur und der Menschheit ver-\nletzt und zerbrochen. Mit seinem Tode löst\nsich das ungeheuerliche Reich, das er schuf,\nauf wie Nebel im Wind, und Welt und Men-\nschen bauen sich wieder auf und stellen die\nHarmonie wieder her, die für immer zerstört\nschien.\nSo daß tatsächlich die Ueberwindung\ndes Menschen nicht durch die Maschine\nerfolgt, sondern durch die Beherrschung\ndieser Maschine, Icarus, der moderne\nEroberergeist, muß sich zum Herrn des\nmechanischen Gegenspielers machen und\nnicht wie der Zentaur zum Halbtier,\nzu einem Wesen niederer Art werden.\nWenn man heute der Poesie der Maschine\neinen andern Wert beimißt, will man natür-\nlich damit nicht, wie einige verstanden haben,\ndie Größe und den Wert der Mechanisierung\nund Zahlwerdung des Menschen verherr-\nlichen, Das ist das stillschweigende Pro-\ngramm eines Materialismus, dem der Krieg\nden Todesstoß versetzte. Die dynamische\nund aktivistische Kunst, Spiegel unseres\nSeelenzustands der Eroberer und Pioniere,\npreist im Gegenteil die Maschine als Werk-\nzeug des Menschen, mit der er die Welt sich\nunterwirft. Von Jombona bis Conrad ist dies\nder Sinn des d'Annunzioschen „Navigare ne-\ncesse est\". Wenn von Marinetti ausgehend\nder Futurismus eine lyrische Verherrlichung\nder Maschine wurde, will man damit doch\nkeineswegs zu einer mechanischen Inter-\npretation der Menschen und der Welt hin-\ngelangen, Sondern: Das Lebendige und Herr-\nschende ist der Geist. Und Vasari weiß das,\n5\nDer veräußerlichte Mechanismus der Ma-\nschinen, der nicht als rein äußerer Prunk ver-\nstanden ist, bildet die lebendige Materie des\nDramas, Der Futurismus der Maschine hat\nhier nach Marinetti seinen wahren Dichter\ngefunden, der den schallenden und sausenden\nWesen Leben, Körperlichkeit und Blut leiht.\nDie Szene stellt sich mit jener Suggestion dar,\nunter der das D i n g , das Objekt sich ver-\nmenschlicht und einen neuen einheitlichen\nPersönlichkeitsakt gewinnt."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.5", "texte": "Dies Temperament, das das tragische Gedicht\nMaschinenangst durchdringt, gehört der in-\nnersten Natur Vasaris an. Es ist keine lite-\nrarische oder ästhetische Uebersteigerung.\nIn den vierzig Synthesen, die Vasari für das\nfuturistische Theater schrieb, tritt es dauernd\nhervor. Und diese Synthesen sind von einer\nschönen künstlerischen Fülle, denen nie das\nZentralproblem fehlt und in denen die ästhe-\ntischen Probleme der Gegenwart stets eine\nharmonische Lösung finden. Vasari ist, wie\nleicht begreiflich, Irrationalist. Er schließt\ndie Möglichkeit aus, daß die Welt im engen\nKreise logischen Denkens enthalten sein\nkönne (und darum läßt er seine Bühnenbilder\nins Reich der Phantasie hinüber schweifen),\nund trotzdem ist sein ganzes Werk von seiner\nbesonderen Einstellung durchleuchtet: einer\nkonstruktiven Kraft von einer Geschlossen-\nheit, daß in ihrem Gerüst die umfassendsten\nProbleme der Metaphysik und der Philo-\nsophie ihre Lösung in greifbar plastischer\nForm finden. Als Beispiel führe ich seine\n„Drei Rote Feuerkugeln\" an; das\nsind drei Tragödien, die in ihrer elementaren\nEinfachheit ins Kosmische hinüberreichen.\nDer Dialog ist nicht auf wenige Worte be-\nschränkt, sondern gelöst und komplex. Die\nTragik, die von dem ganzen Drama ausgeht,\nist nicht gewollt, sondern innerlich, notwen-\ndig. Der Epilog ist kein gehirnlicher Schluß,\nsondern ein Schicksalsakt, dramatische Geste\neines Verhängnisses.\nDer tragische Prozeß hängt nicht von den Be-\ngleitumständen ab, was eine realistische Kon-\nzeption bedeuten würde; sondern er ist trans-\nzendent. Er ist eins mit dem Absoluten.\nMan lese z. B. Sentimento Anarchie oder\nFemine. Man wird eine fast religiöse Nüch-\nternheit finden, eine stilisierte Ausdrucks-\nform, die das getreue Spiegelbild der Vor-\ngänge im Wort bringt, eine Bewußtheit und\nGewissenhaftigkeit der Konstruktion, die\nüber das Phänomen des Geschehnisses hin-\nausblickt und die Welt des Zufalls in die Welt\ndes Vollkommenen, des Notwendigen, des\nImmanenten hinüberleitet.\nDie Szenographie einer so beschaffenen Dra-\nmaturgie kann sich nur der Absichten des\nDichters bewußt werden, sie interpretieren\nund in die dem Drama eigenen Formen über-\nsetzen.\nDas Drama ist, wie vorher gesagt, eine Kon-\nstruktion, die mehr als eine logische Geo-\nmetrie die Illogik der transzendentalen Re-\nalität ins Licht stellt.\nEinem aufmerksamen Leser wird es nicht\nschwer fallen, in den Arbeiten Vasaris wie in\nvielen modernen Arbeiten eine Tendenz fest-\nzustellen, die man irrtümlich mit dem Namen\nStilisierung bezeichnet, die ich aber Defor-\nmierung nennen möchte.\nDie Wirklichkeit zu deformieren war bis\ngestern eine künstlerische Laune. Ich glaube\nin meinem Aufsatz über das Argument nach-\ngewiesen zu haben, daß es sich um weit An-\nderes handelt. Das empirische Objekt ist\nnicht das Objekt der Kunst. Die Kunst drängt\ndanach, sich eines absoluten Objekts zu be-\nmächtigen, des Dings an sich. Das ist\nder letzte Inhalt, die wahre Realität.\nJedes Ding an sich schafft durch die Ex-\npansion der von ihm ausstrahlenden Kraft-\nlinien das sichtbare, empirische Ding. Auf\ndieser Einheit organisiert sich die Materie,\ndie ein Ding bildet, und gibt ihm die ewige\nForm, die es sichtbar und photographisch dar-\nstellbar macht. Und weil diese Einheiten\nmnemonisch die Richtung der Einheiten wie-\nderholen, die in der Natur jedem zu einer\nKlasse oder einem Typus von Objekten ge-\nhörigen Ding vorangehen, erscheint dies Ding\nnormal, alltäglich, gewöhnlich. Aber wenn\ndie Einheiten oder Kraftlinien eine mit ihrer\nRichtung verwandte Verteilung schaffen, or-\nganisiert sich die Materie anders und schafft\ndas verwandte Ding, das verwandte Objekt,\ndie Ausnahme, die Verschieden-\nheit, das Monstrum.\nUnd wenn der Dichter den ganzen Bereich\nder Welt studiert, die uns umgibt mit einem\nOrchester verschiedenster Phänomene, be-\ntrachtet er in jedem dieser Phänomene das\nPhänomen an sich, seine Essenz. Er erforscht\nalso die Verteilung der Kraftlinie und kann,\nwenn er will, sie variieren, wenn diese Varia-\ntion ihm neue und interessante Offenbarungen\nverheißt. Das Theater der zeitgenössischen\nAvantgarde arbeitet in diesem Sinne und er-\nweitert das Gebiet der methaphysisch-ästhe-\ntischen Forschungen und Erfahrungen. Va-\nsari gehört zu dieser Avantgarde. (Siehe:\nLa Mascherata Segli Impotent i.)\n* *\n❖\nVera Idelson hat in der Realisierung von\nMaschinenangst gezeigt, wie die Kunst der\nBühne mit der Poesie eines Dramas der Ideen\nund Deformationen wetteifern und ganz mit"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.6", "texte": "ihm Eins werden kann. In der Einrichtung\nvon Maschinenangst hat sie ihre großen\nkünstlerischen Qualitäten voll bewiesen.\nWie alle Künstler der Inszenierung hat sie\nihre eigenen Gedanken über das Theater, Es\nist, wie sie behauptet, „das Essentielle des\nmenschlichen Lebens\", natürlich nicht im re-\nalistischen, sondern im transzendentalen\nSinne, Der Mensch kann für den modernen\nKünstler nicht ein rein Empirisches sein, son-\ndern die letzte, geistige Grundlage der Dinge,\n„Alles denkbare ist menschlich\", eine Phrase\nmit tief verborgenem Sinn, die genau mit der\nhöheren Warheit übereinstimmt. Das Theater\nist die Synthese des Lebens in all seinen\nAspekten durch das reformierende Prisma\nder Kunst betrachtet. Der Kunst, die den\nwahren, den unveränderlichen, den inneren\nAspekt, die Essenz der Erscheinungsform\nzeigt.\nDas Leben ist stets in Bewegung, es läuft er-\nschreckend schnell. Und es setzt sich aus so\nvielen einzelnen verschiedenen Fragmenten\nzusammen, wie die farbigen Glasstückchen in\neinem Kaleidoskop, die durch ihr Bewegen,\nDrehen sich kreuzen und die verschiedensten\nFiguren und Arabesken bilden,\nSie sammeln, und aus ihnen eine synthetische\nEinheit zu schaffen, die eine höhere Anschau-\nung des Lebens gibt, ist Zweck der Kunst. So\nverschieden, wie diese bunten Scherben sind\ndie dynamischen Momente des Lebens. Sie\nsind zu fixieren: unter ihrer äußeren Gestalt\ndie unveränderliche Essenz der Dinge zu zei-\ngen, ist die Aufgabe des Theaters.\nDrama, Tragödie, Komödie, Groteske, Ballett,\nPantomime?\n„Wir kennen die Wahrheit nicht. Sie er-\nscheint unter allen Aspekten und hüllt sich\nin die verschiedensten Gewänder\", Alle mög-\nlichen Aspekte, die ganze Tonleiter des\nMenschlichen, alle Formen des Lebens, die\nbizarrsten, abstrusesten, häßlichsten wie die\nschönsten, bilden zusammen dies bodenlose\nMeer.\nAllerdings ist auf dem Theater alles schön:\nalles ist jenseits von Gut und Böse. Alles\n«»\nist Leben.\n„Wie das Leben ist das Theater die\newige tragikomische Harlekinade der\nMenschheit,\" Allerdings verlangen wir vom\nTheater wie vom Leben, soweit es Harle-\nkinade ist, Erheiterung, Aber da es auch\nTragödien gibt, wollen wir von diesen nach\nder von alters her erkannten Realität des\nWesens der Tragik, die Darstellung des ewi-\ngen Aspekts einer idealen Menschheit, dar-\ngestellt in jeder nur möglichen Form, um\ngleichzeitig lachen und weinen zu können.\nDie Idelson eignet sich die Lehre Tai'roffs an:\nDas wahre Theater schwankt zwischen den\nbeiden Polen des Mysteriums und der Harle-\nkinade.\nAus diesem Grunde hat, wie leicht zu ver-\nstehen, die theatralische Wahrheit, ihre\nessentielle Realität, nichts mit der Wahrheit\nund Realität des täglichen Lebens zu schaffen.\nEs handelt sich um ein höheres Leben, das\nseine unerbittlichen Gesetze hat, die sich\nwieder nach den harmonischen Gesetzen\nrichten, die ein Kunstwerk beherrschen.\nDie Idelson folgt den theoretischen Gedanken\nTai'roffs, den sie als ihren Meister anerkennt;\nGedanken, die den Ausgang bilden für die\nRealisation, mit der wir uns hier beschäf-\ntigen.\nAllerdings werden von ihr die massiven Kon-\nstruktionen Tai'roffs, die sie als unpraktisch\nund schwer transportierbar erkannt hat, bei\nSchaffung des Bühnenbildes durch die An-\nwendung von Wandschirmen als Prinzip der\nkonstruktiven Oekonomie ersetzt. Im We-\nsentlichen ist es das alte Prinzip der Wand-\nschirme aus der Commedia dell Arte, aber\nin ganz moderner Art zur Anwendung ge-\nbracht. So hat sie bühnenbildnerisch in Ma-\nschinenangst eine kompakte, tragische mo-\ndern szenische Atmosphäre geschaffen, dem\nKonflikt zwischen der Menschheit und dem\nVampir Maschine angepaßt.\nIm ersten Akt verwirklicht sie das kalte,\nschreckhafte Reich der Maschine, der mecha-\nnisierten Welt schneidend in übermensch-\nlicher, metallischer Kälte, aus dem alle\nMenschlichkeit verbannt ist. Sie schuf mit\nhalb abstrakten, geometrischen, konzen-\ntrischen, präzisen Formen ein Bühnenbild, in\ndem das Eisengrau und das brennende Rot\ndes flüssigen Metalls vorherrscht.\nDie Bühnendynamik ist irreal in ihrem Ueber-\nrealismus. Im zweiten Akt (Tonkirs geheim-\nnisvollem Laboratorium) ist der ganze Auf-\nbau auf die erwähnten Wandschirme gestellt,\ndie auf der Bühne verschiedene synthetische\nRäumlichkeiten bilden. Auf der einen Seite\ndas Laboratorium mit den elektrisch beweg-\nten Maschinen und einer Reihe von Glas-\nröhren, von elektrischen Funken durchblitzt,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.7", "texte": "Oskar Neriinger: Linoliumsdinitt 1923\n\nIn der Mitte bietet ein großer dunkler Wand-\nschirm den Eindruck der menschlichen In-\ntimität. Das Licht begleitet die konstruktive\nT eilung.\nAuch im dritten Akt herrscht der Wand-\nschirm vor. Dieser Akt gründet sich auf den\nKontrast der vertikalen und horizontalen\nschiefen Ebenen. Es dominiert eine große\nElektrizitätsmaschine, auf die sich die Ge-\ndanken der Menschen sammeln, die auf ihre\nMenschlichkeit verzichteten, und die Spiele\nder Elektrizität in farbigen Glasröhren, Rings-\num ein unbestimmter Raum, der sich ins un-\nendliche erstreckt, und in dem sich die tra-\ngische Pantomime der mechanischen Men-\nschen abspielt. Die endliche Zerstörung ist\nschon potenziell in der Nervosität der schiefen\nEbenen enthalten, die jeden Augenblick zu-\nsammenzustürzen und alles zu begraben\ndrohen. In diesem Akt herrscht der graue\nTon vor, ein feines Verständnis der Künst-\nlerin für die Szene, da dieser Ton ein Symbol\nsein soll für den Mechanismus unseres moder-\nnen Lebens und das Eisen der Maschine, die\nes beherrscht.\nDas Kostüm faßt die Idelson als die ver-\nkörperlichte Seele der Person.\nDie zu den Maschinen Verurteilten bewegen\nsich wie mechanische Marionetten. Jedem\nKostüm liegt die Form einer mehr oder weni-\nger wirklichen Maschine zugrunde in seiner\nKonstruktion. Aber im wesentlichen ist alles\nAbstraktion. Wie bei Tairoff löst sich bei\nder Idelson das Konkrete in diesen breit-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.8", "texte": "symbolischen und synthetischen Formen auf.\nUnter den Personen befindet sich ein gewisser\nBogo, der seine Maschine im Innern einer\nKabine bewachen muß. Er ist vom Dichter\nals Wesen zwischen Mensch und Marionette\noder Mensch und Maschine gedacht. Die\nIdelson fügt zu der herrschenden Note des\nMechanismus in diesem Wesen die der\nMenschlichkeit. Dagegen sind die Kostüme\nder zur Maschine Verurteilten aus Metall,\naus hartem farbigen Karton oder aus steifem\nLeder.\nDas Material Stoff, das schon menschlich\nist, erscheint in dem Kostüm Bogos, des\nKabinenmanns, um die Bewegung zu er-\nleichtern und dem menschlichen Körper Gel-\ntung zu gestatten. Dann ist da der Tele-\ngraphenmensch, der die drei Despoten mit der\nmechanischen und mechanisierten Welt ver-\nbindet. Er und der Mann aus der Kabine,\neine menschliche Seele, die in ihrem Gefäng-\nnis leidet, tragen über ihren menschlichen\nKleidern wie einen tragischen Scherz Käfige\nvon Metall.\nAndere Personen, wie Bacal und Singar, die\nsich freiwillig mechanisiert haben und die\nTat darstellen, tragen Kostüme, die entfernt\nan moderne Sportkleidung oder Uniformen er-\ninnern, bei denen ja bereits eine mechanisti-\nsche Note auf menschlichem Grunde sich\nfindet.\nTonkir indessen, der der schöpferische Ge-\ndanke ist, spiegelt sich natürlich als Indi-\nviduum auf der Szene in einer symbolischen\nForm wieder, als Person kaum mehr existie-\nrend, ein moderner Asket, ein blutarmer\nDenker, gequält von seiner menschlichen\nSeele. Ihn kleidet die Idelson in ein mecha-\nnisiertes Pyjama. Eine Intuition, die voll-\nständig mit den Augenblicken harmoniert,\nin denen er auf der Szene erscheint, also,\nwenn im Drama das Intime hervortritt und\nsich die Beziehung zwischen Individuum und\nMaschine löst.\nLipa dagegen, die Menschlichkeit, die er-\nlesene Weiblichkeit, wird durch ihr Kostüm\nbetont, das sie als Angehörige einer wirk-\nlichen lebendigen Welt von Fleisch und Blut\nerkennen läßt.\nSo hat die Idelson in letzter Zeit eine Per-\nsönlichkeit zu erkennen gegeben, die nicht\nnur ein Beweis ihres Talents ist, sondern auch\neine Kontinuität der Tradition russischer\nBühnenbildkunst aufzeigt, bei der man mit\nNeuerungen begann, die den Charakter der\nVereinfachung und des Spieles farbiger Lich-\nter hatte, und in den letzten Jahren in Mani-\nfestationen ausläuft, die futuristischen Cha-\nrakter angenommen haben. Aber eines Futu-\nrismus, der den praktischen Forderungen der\nBühne Rechnung trägt und gleichzeitig denen\ndes guten Geschmacks,\nAus dem Werk ~La Scenografia\",\nVerlag A. Stock, Rom.\n\nGino Gori\n\nFragmente aus Maschinenangst\nRuggero Vasari\nErstes Bild\n\nTragische Synthese in drei Bildern\nDeutsch von Lilly Nevinny\nMaschinenreich\nEine Ecke der Luftzentrale.\nRadiokabine.\nOben einTürmchenmitAntennen\nBeim Aufgehen des Vorhangs ein\nschreibenderManninderKabine,\nNach einer Weile unterbricht er\nseine Arbeit und tritt an die\nBrustwehr.\nKabinenmann\nDie Luft erzittert heute Nacht von seltsamen\nGeräuschen. Unheilvoll tönen sie an mein\nOhr. Als peitschte .., weit... weit... im\nFernen ... ein Geierschwarm mit Gellgeläch-\nter den Aether.\n(Er drückt auf einen Knopf.)\nBogo (erscheint)\nDaß dich die allmächtige Maschine zer-\nschmettre! Nicht eine Sekunde gönnst du\nmir Ruh.\nKabinenmann\nIch wache. Nur wer die Nacht durchwacht,\nkann seine Seele an dieser göttlichen Musik\nberauschen. Die Motore singen. Die Maschi-\nnen beben. Da unten, in den Schmelzwerken,\nfressen die mächtigen Stampfhämmer, das\nFeuer der aufrührischen Metalle.\nBogo\nBerausche deine Seele, so viel du willst, doch\nstöre mich nicht in meiner Ruhe ...\nKabinenmann\nRüttle deine eingeschläferten Nerven auf."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.9", "texte": "Jozef Peeters: Linoleumschnitt/ Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.10", "texte": "Höre. Aechzt nicht die Luft unter der Wut-\nlast eines Feuerorkans?\nBogo (die Hände a 1 s Schallrohr an\nden Ohren)\nDu träumst... Unsere Flammennächte bren-\nnen unheilvolle Gedanken in dir auf. Es ist\ndas wilde Gebrüll der bezähmten Maschinen.\nBacals Fuß steht hart auf dieser Hölle. Men-\nschen und Maschinen stemmen ihre Seele\ngegen diesen maßlosen Herrscherwillen,\n(Lichtsignale auf einer Scheibe\nvor der Maschine.)\nKabinenmann\nEine Radiobotschaft!\n(Skandierend liest er und macht\nsich Aufzeichnungen, Bogo\nsteigt hinau f.)\nH. Bara — Kama 3-— tai —X — sallat\n— nuc,\nBogo\nWie schwierig!\nKabinenmann\nPam signalisiert: Laß uns Singar rufen.\n(Bogo drückt auf einen Knopf.\nKabinenmann geht auf seinen\nP 1 at z zur ü c k.)\nSingar (eintretend)\nWas ist?\n(Bogo steigt rasch nieder, über-\nreicht die Botschaft und geht.)\nSingar (liest)\nTausende von silbernen Luftschiffen durch-\nschwirren unsern Himmel nach allen Seiten,\nVorhuten am Himmel Pams, in Richtung\nMata, Wollen die Jupiterianer unser Reich\n*\nig .\nerobernl\n(Zum Kabinenmann.) Pam —A!\n(Der Kabinenmann dreht ein Dia-\npas it iv) Erklärt das Radio H. (Aus\neinem spiralen 112 ö r m i g e n Appa-\nrat hört man).\nStimme\nLuftschiffe verschwunden — sind ohne Be-\nsatzung — enthalten vermutlich Sprengstoffe\n— unsere Luftschiffe bei Gegenflug aus\n2000 m Höhe brennend abgestürzt.\nZweites Bild\nTonkir und die Schatten\n(Das Zimmer verfinstert sich\nnach und nach. Ein klappendes\nGeräusch. AnderWandüberdem\nDivan erhellt sich nach und nach\neinkleiner rechtwinkligerßaum,\nder in drei Flächen geteilt ist.\nDrei Puppen stehen lässig da:\neineweiße, eine rote und eine\nschwarze.)\nTonkir (sich umwendend)\nMeine Seelen rufen mich ... es sind die ech-\nten Seelen, die ich in mir entwurzelte, um\nmir eine andere zu formen .. . ich habe sie\nimmer verlacht... da sind sie nun: Puppen ..,\num mich zu ergötzen. Ich glaubte mich un-\nbesieglich... (er nimmt die Puppen\nsanft in die Arme und preßt sie\nan sich. Der rechtwinklige Raum\nverfinstert sich, Tonkir setzt\nsich.) Wie lange habe ich euch nicht mehr\ngesehen, meine Puppen. . . kleine Freundin-\nnen ... wie traurig ihr seid.,. leblos .. .\nwarum? Spiegelt sich nicht mein vergangenes\nIch in euch .. , ich liebe euch .. . ich liebe\nmeinen Leichnam. (Er legt die rote\nund die schwarze Puppe auf den\nDivan und behält die weiße in\nder Hand. Er beugt sich nach-\ndenklich über sie. Ein Schein-\nwerfer beleuchtet die Puppe.)\nAuch du. . . meine weiße Seele .. . auch du\nwillst mich verlassen?\nWeißer Schatten (kommt langsam aus\ndem Hintergrund nach vorn und\nbleibt einige Schritte vor Ton-\nkir stehen.)\nNie habe ich dich verlassen . . , ich sehne mich\nimmer nach dir ... nimm mich zu dir zurück\n.., ich beschwöre dich .. . siehst du nicht, wie\nbleich ich bin? . .. Mein Atem will ver-\nlöschen ... warum hast du mich vertrieben?\n... ich habe immer geweint. . . tränenlos sind\nmeine Augen .. . verwelkt. , meine Augen .. ,\nTonkir\nKaum verstehe ich dich... kaum erkenne ich\ndich ~. und doch warst du mein ... ich habe"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.11", "texte": "Bühnenbilder für „Maschinenangst\" von Ruggero Vasari\n\nVERA IDELSON 1. AKT\n\nVERA IDELSON 2. AKT"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.12", "texte": "Bühnenbilder für „Maschinenangst\" von Ruggero Vasari\n\nVERA IDELSON 5- AKT"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.13", "texte": "Kostüme für „Maschinenangst\" von Ruggero Vasari\n\nKabinenmann\n\nVERA IDELSOH\nTonkir"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.14", "texte": "Kostüme für „Maschinenanyst\" von Ruggero Vasari\n\nDie Maschinen verdammten\n\nVERA IDELSON"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.15", "texte": "dich mit mir geschleppt. .. wie lang ... so\nlange ... so lange ...\nWeiber Schatten\nNimm mich ... ich kann nicht sterben .. .\nTonkir\nWarum störst du mich? In mir ist kein Raum\nmehr für dich. .. ich will mich nur deiner er-\ninnern ... es macht mich froh, mich deiner\nzu erinnern.\nWeißer Schatten\nIch gehöre zu dir . . .\nTonkir\nDu hast meine erste Jugend behütet... oh,\nwelche Freude, im rosenroten Schloß zu\nleben, welche Freude, deinen Puls in mir\nschlagen zu fühlen, der mich mit unendlicher\nSanftmut des Lebens erfüllte ... aber ich\nwurde ein Schwächling durch dich ~. ein\narmes kleines Nichts, zu zerbrechlich für den\nSchraubstock des Lebens ... ich sagte dir, leb\nwohl! Ich irrte durch die Welt, . . ich hatte\ndie Kraft, dich zu vergessen.\nWeißer Schatten\nEine Blume erblühte an meinem Munde . . .\ngelb und fliederfarben .. . die Blume streckte\nihre Saugarme aus ... mein Mund ist nahe ~ .\nganz nahe, und meine Lippen sind bleich . . .\nTonkir (stehtauf, hebt dasSchleier-\nende des Schattens auf und fährt\nentsetzt zurück.)\nWie häßlich ist meine Seele ... nicht wieder-\nzuerkennen! Sie ist von der Blume ange-\nfressen ... die Blume hat sie grauenhaft ent-\nstellt! (schreiend) Weg! Weg! Be-\nfleckte Seele! Unmöglich, daß du mein bist\n.., Du warst es nie ... (Der Schatten\nverschwindet. — Lange Paus e.)\nMeine irdischen Seelen ~ . ihr habt mich ge-\nrufen, um meine Qual zu erhöhen... um\nmeine letzten Augenblicke zu verbittern...\nnein! ich biete euch die Stirn .. . ich habe\neuch verleugnet. ~ ich verleugne euch .. . ich\ngehöre euch nicht mehr ... (fast im Irr-\nsinn) ich bin Tonkir, die Triebkraft dieses\nReiches, das süchtig ist nach den Planeten ...\nder Schöpfer all dieser Maschinen, die dem\nHimmel trotzen .., ich bin Tonkir.. . ich bin\nGott! Verweste Seelen, hört auf, mich zu ver-\nfolgen ... ich stoße euch zurück ... ich ver-\nfluche euch... (er schleudert die\ndreiPuppen zur Erde und läuft\nwie ein Irrsinniger hin und her,\ndie Hände in die Haare gewühlt).\nRoter Schatten (er nähert sich wie\neiner, der umarmen und an sich\npressen möchte.) Halt ein! Wanke\nnicht! Ich nur werde deine Augen mit dem\nBande des Vergessens bedecken.\nTonkir (bleibt stehen und blickt\nihn mit Entsetzen an).\nMeine rote Seele ~. lustsuchende Seele .. .\nmeine starke Seele, räche du dich nicht auch!\nRoter Schatten\nNoch halten dich meine erstickenden Fesseln.\nTonkir\nLockere deinen bösen Zauber .,, ich flehe\ndich an ...\nRoter Schatten\nIch bin die Flammenwoge, die brennt und das\nAll vereint. Ich habe dir alle Umarmungen\ngeschenkt, . . dann verband ich dich mit den\nMaschinen, und du wurdest Schöpfer ... du\nbeherrschtest die Materie . . . ich kann in dir\nnicht fremd sein . , .\nTonkir\nDie Erinnerung an dich jagt mich wirbelnd\ndurch den Flammenraum, und ich ver-\nzehre mich . . . ein Meteor. Mein Leib ist\ngesättigt von all deinen Freuden ... In meiner\nVernichtung bat ich dich immerfort, mich frei-\nzulassen . . . von neuem habe ich dein erbar-\nmungsloses Spiel erlebt und es in meinem\nAlter noch aufwühlender gefühlt. Ich will\ndich nicht fliehen. Ich liebe das Leid, das du\nmir zufügst...\nRoter Schatten\nDu überläßt mich meinem Feuer, das mich\nverzehrt ?\nT onkir\nDu allein gabst mir alles und hast mich dem\nAll verschmolzen. Ich will mich von neuem\nan dich klammern und dich nie mehr lassen\n(er kniet ihm zu Füßen, wärmt\nseine Knie und entblößt sie). Nie\nmehr lasse ich dich! (Er küßt seine\nKnie.)\nRoter Schatten\nNimm mich zurück . , . nimm mich zurück . . ,\nTonkir (er windet sich wollüstig an\nseinem Leib empor),\nWie mir deine Worte wohltun .. . wie sie mich\ntrösten.,. deine Worte sind Haschisch ,.. ich\nbin nicht mehr Tonkir, der alte Berechner"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.16", "texte": "kalter elektrischer Wellen ~, ich bin der\nfeurige Liebende von einst. Und du .. . du\nmußt noch schöner sein, meine ungestüme\nSeele ... du bist... du bist noch tausendmal\nschöner ~, Zeig mir dein Gesicht... deine\nAugen, unauslöschbarer Metallschauer ~.\ndeine ockerbleiche Haut... eine Düne von\naufreizendem Samt, über den wie ein Wurm\nmeine Liebkosungen gleiten ~. dein Gesicht\n... dein Gesicht!\n(Er enthüllt den Kopf, und der\nSchatten zeigt einen zahnlosen\nSchädel. Tonkirstößt einen wil-\nden Schrei aus und wirft sich auf\nden Div a n. Der Schatten ver-\nschwindet.)\nTonkir (mit einer Stimme, die\nnichts Menschliches mehr hat.)\nWer hat meine Maschine zertrümmert? Die\nMaschine ... wer packt mich an ~. ich er-\nsticke ... Bacal... Menschen ~, die Agonie\n... Die Maschine ~. lebe ... vibriere ...\ntöte ~.\n(Lebhafter roter Schein fällt\ndurchs Fenster; das intensive\nLebendes Maschinenreiches. Mit\nsich fortreißende Musiksyn-\nthesedertausendfachenMaschi-\nnen. Dröhnen,Knattern,Pfeifen,\nExplosionsgeräusche, Motor-\ngeratter, Klappern, Kolben-\ngewoge, gellendes Knirschen\nmechanischer Sägen usw. usw.\nHöchste Dauer eine Minute.\nPI ötzl i c h schweigt alles. Tief-\nste Finsternis, Ein Lichtstrahl\ndurchdringt die Finsternis und\nrichtet sich auf den schwarzen\nSchatten, der sich Tonkir nä-\nhert, sich neben ihn setzt, ihn\nmit den Armen umschlingt und\nihnansichzieht.)\nSchwarzer Schatten\n(mit kosender Stimme),\nIch war dir nahe ~, die einzige, die dir ganz\nnahe war... die andern begehrten dich, aber\nsie hatten sich selbst verloren ... warum hast\ndu mich nicht gerufen?\nTonkir\nFurcht... Entsetzen vor dir ... bist du also\ndoch da? ~. mein letzter Augenblick?\nSchwarzer Schatten\nImmer wachte ich über dich ~ - immer liebte\nich dich, mein Sohn ..,\nTonkir\nIn deinen Worten ... ruht sich ... mein wirrer\nGeist aus ...\nSchwarzer Schatten\n(enthüllt sein Gesicht)\nDir allein will ich mich zeigen ~. ich gehe -..\nich schreite ... von einer schwarzen Binde\numwunden ... ich stehe nie still -.. ich gehe\nruhelos .. . alle begegnen mir .. . lächeln mir\nzu und verfluchen mich; ich stürzte alle\nGipfel ein, die der Mensch auftürmte .. . ich\nführe alle Wege in die Irre -.. wohin führen\nsie? ... die Wahrheit ist im Dunkeln ~, einen\nSchimmer nach durch das Dunkel, - . immer\nin neues Dunkel.,. irren ... umherirren ...\nnichts finden... und wer dieses Licht finden\nkann, kann es nicht unterscheiden, denn\ndieses Licht ist das All.\nTonkir\nBin ... ich .. . immer ... in ~ . deiner ~ .\nGewalt...\nSchwarzer Schatten\nErhebe dich! Komm! (verschwindet).\n(Die Bühne erhellt sich. T onkir\nsteht auf, läßt furchtsam seine\nAugen umherschweifen und\nstürzt hinaus, wie von etwas Ge-\nheimnisvollem angezogen.)\nVorhang\nDrittes Bild\nDie Gehirnmaschine\nMan denke sich die Szene zwei-\ngeteilt, jedoch völlig unsicht-\nbar getrennt. Die linke, ganz\nkonstruktive Seite beherrscht\ndie Gehirnmaschine, die Gehirn-\nsynthese der drei Despoten: B a -\nca 1, Singar, T onkir.\nJeder Gedanke dieser drei wird\nvon der Maschine sofort aufge-\nfangen und dem Gesamtreich\nübermittelt. Menschen-Maschi-\nnen und Maschinen v e r d a m m t e\nfunktionieren nach den Befeh-\nlen dieser Ma s c h i n e.\nRechte Seite vollkommen leer:\nein undendlicher, unbegrenzter\nRaum."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.17", "texte": "Beim Aufgehen des Vorhangs be-\nwegen sich vier Maschinenver-\ndammte wie Automaten, Aufdem\nKopfe tragen sie einen Helm, auf\ndemzw ei winzigkleine Antennen\nfunkeln, Sie bewegen sich, bald\nlaufend, bald stehenbleibend in\nallen Richtungen, Jede Bewe-\ngung ist völlig automatisch. Sie\nsind wie im Raum schwebende\nWesen, die unsichtbaren Leit-\nfäden gehorchen,\nEindruck eines Mysteriums, Alles\nvage. Keine Monotonie, kein\nRhythmus. Nach etwa einer Mi-\nnute treten Bacal und Singar ein,\nSie scheinen erzürnt und sehen\nverachtungsvoll auf die sich all-\nmählich zurückziehenden Ma-\nschinenverdammten,\nSingar (nähert sich der Maschine\nund beobachtet aufmerksam\nihre Bewegungen,)\nBacal (setzt sich zur Seite der Ma-\nsch i n e).\nIrgend etwas beugt sich nieder ~, ich ver-\nsuche, mich aufzurecken ... es schmerzt.\nSingar\nGewiß nicht dein Alter.\nBacal\nMein Alter ist in Platin gemeißelt. Die Zeit\nnagt nicht an ihm ... Der Raum nützt es\nnicht ab.\nSingar\nWas beugt dich dann? Dein wahnsinniger\nTraum?\nBacal\nNein! Etwas klammert sich an meine Nerven.\nEine unerbittliche Kraft... beugt mich ...\nich bin wie zerkrümmt.\nSingar\nDer Materie hast du die Nerven zerbrochen\n... du hast ihr die Seele ausgerissen,\nBacal\nEs ist etwas da, der sie vergewaltigt! Es\nist etwas da, das mich überwältigt,,.\nSingar\nKommt es von den Menschen?\nBacal\nDu sagst es.\nSingar\nTonkir?!\nBacal ■ 4|\nDu sagst es.\nSingar\nTonkir ist der Vollstrecker.\nBacal\nTonkir ist der Schöpfer ... er ist alles\nWenn er mich beugt, so ist er stark.\nSingar\nTonkir ist stark.\nBacal\nWer rettet Tonkir?\nSingar\nWer rettet Tonkir?\nBacal\nIch bin wie ein Rennfahrer, den die be-\nrauschte Menge heulend mit sich reißt.., ich\nhabe die Macht verloren.\nSingar\nLipa!\nBacal\nLipa ist die Rache.\nSingar\nIch werde die Rache töten . . .\nBacal\nMan tötet nicht den, der getötet hat,.,\nSingar\nDu kannst alles.\n\\\nBacal\nNiemand wird mir folgen.\nSingar\nDein sind die Maschinen.\ns *\nBacal\nDie Maschinen ächzen.\nSingar\nDein sind die Menschen.\nBacal\nDie Menschen kichern.\nSingar\nNachgeben und vernichten,\nBacal (überrascht)\nNachgeben?\nSingar\n... und vernichten! (Paus e.)\nBacal\nAuch du fällst ab von mir!\nSingar\nIch schlage deine Verzagtheit nieder,\nBacal\nAuch du fällst ab von mir!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.18", "texte": "Singar\nDie Flammen werden den Aether verbrennen.\nBacal\nDer Kosmos ist nicht mehr unser.\nSingar\nDer das Leben war, wird die Raserei des\nTodes genießen.\nBacal\nDas reizt dich?\nSingar\nEnde des Allwagenden.\nBacal\nAuch du fällst ab von mir.\nSingar\n0 Rausch des Lebens!\nBacal\nDu rufst mir's zurück.\nSingar (verzückt)\nIch sehe (L ange P a u s e.) Der erste Funke\nsprüht in die Nacht, die die Raserei unserer\nreißenden Werkzeuge dämpft. , . erbittert\nbeben sie, tropfen das Oel und tausend . . .\nund tausend scheele Augen schmecken im\nvoraus glühende Wollust... tausend ~. hun-\nderttausend Arme strecken sich aus. , .\npressen krampfhaft., . Münder .. . Münder\nMünder suchen einander ... Küsse brüllen .. .\nWolken ... Wolken ... feuerrote Wolken ...\nDie Gehirnmaschine rast. . . die zarten Fäden\nkönnen die unendliche Gewalt nicht mehr er-\ntragen ~, Funken sprühen!, . . Und der un-\ngeheuerliche Samum umhüllt. , . durchdringt\n.. . verwandelt. . . zerschmilzt, . . Und dort!\nalle zerreißen sich und unsere Männer zer-\nfleischen einander . , . ein Schlachtgetümmel\nbetrunkener Heere ... Sturz von Ozeanen,\ndem Untergang bestimmt. (P a u se.) Wunder!\nBacal (ihn schüttelnd)\nDu rufst mir's zurück! Noch trotze ich!\nSingar\nDu schreist... du befiehlst nicht.\nBacal\nTonkir sei des Todes!\nSingar\nDeine Hand bebt! Tonkir sieht dich an!\nBacal\nIch töte Tonkir nicht. Er ist mir zu teuer ...\ner ist zu sehr unser, dieser unbezwingliche\nLeib. Ich töte seine Gedanken, diese ge-\nschliffene Sense, die alles abmäht... werde\nich seine Gedanken töten können?\n(Tragische Stille. Selbst der\nRhythmus der Gehirnmaschine\nwird matter. Tonkir erscheint,\nsich mühsam schleppend. Sein\nGesicht ist geisterhaft. Er nä-\nhert sich der Maschine. Lipaer-\nblickend, bleibt er verwirrt\nstehen, dann nähert er sich ihr\nund berührt sanft ihre Schul-\ntern.)\nTonkir\nLipa!\nLipa (öffnet die Arme und springt\nauf). Meister!\nTonkir (zeigt mit dem Finger auf\ndie Maschine).\nIst in dir auch ein Gefühl für sie erwacht? . . .\nLipa\nNein .. . nichts! Wenn ich etwas fühlte .. .\nich hätte dich töten müssen . . .\nTonkir\nMeine Gefährten haben es dir befohlen ~.\ndu hättest es nicht tun können . , . ich habe\nalles bedacht. . .\nLipa\nMeister!\nT onkir\nEs ist mir gelungen, in mein Leben zu blicken\n.. , der Eine .. . der Einzige sein? .. . Was\nimmer ich tat, ich habe es gefühlt. Es war\nNotwendigkeit für mich. Jetzt brauche ich\nes nicht mehr , . . ich habe überwunden , . ,\nLipa\nDu schufst eine Welt. . . du wirst für sie\nleben!\nTonkir (langsam)\nIch opfere mich für sie . , . ich will meinen\nGeschöpfen den allerletzten Gruß bringen , . .\ndem gigantischsten aller meiner Geschöpfe\n... Allen habe ich ein einziges Gehirn ge-\ngeben ~ . alle haben das gleiche gedacht. . .\nich lenkte ihr Leben ~ . Ich habe die Indi-\nvidualität getötet. Das ist meine Zerstörung!\n(Paus e.) Nun ~ . bitte ich dich ... laß\nmich allein ... laß mich diese letzte Schön-\nheit genießen ... dann ... das Dunkel...\nmeine Seele wird abwesend sein . . .\nLipa\nNein! Ich verlasse dich nicht. . . ich bleibe\nhier . . . ich sterbe mit dir . . .\nT onkir\nWarum willst du sterben? Lebe! Da unten\nsehe ich, wie sich Hände zum Himmel recken"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.19", "texte": "~. Hände ... Hände ... sie wogen ... sie\nwogen ... bebend ... flehend .., segnend ..,\nes sind deine Gefährtinnen ~ , Das Leben\nruft.,. das wahre Leben! ~ . Geh! Ueber-\nlaß mich meinem Gebet. , . meiner Samm-\nlung ... (Lipa geht widerstrebend,\nTonkir kniet fromm nieder und\nküßt die Maschine, Seine Stimme\nist vor Erregung halb erstickt.)\nTonkir\nDu bleibst, ~ mein Geschöpf, , , meine In-\nbrunst ... meine Liebe ~, mein Aufstieg ~,\nIch gehe ... du bist die Siegerin , , , ich der\nBesiegte,,, Deine Seele ist metallen,,,\nmeine menschlich... (die Maschine\nbeginnt zu knarren, als wollte\nsie antworten.) Dein Herz ist gerührt\n... wie es schlägt... es schlägt zu stark,,,\nJetzt, da ich dich verlasse , , , begreife ich,\nwie sehr ich dich geliebt habe.,, wie mein\nirrer Traum dich besser zu hüten wußte als\nkein Leben... wie viel von mir ich dir ge-\ngeben habe ... auch du hast mir alles dar-\ngebracht ... Geliebte ~ . Geliebte ~, zärt-\nliche ~, heftige ~. grausame Geliebte ~.\n(er erhebt sich.) Ich gehe ~, (M a -\nschine knarrt stärker und\nsprüht Funken), Bleibe bei deinen\nDespoten ... klammere dich noch mehr an\nihr Leben... Trage sie immer höher empor\n... sie wollen es ~. sie müssen es ~. Lebe\n... lebe ... Und erhöhe diese Stolzen, die\nkein anderes Ziel kennen... sie werden auf-\nhören, wenn der blitzende Sonnenadler ihre\nAugen zerstört... sie haben zu hoch empor-\ngeschaut ... (macht eine Abschieds-\ngeste mit der Hand) liebe sie ... liebe\nsie ... (er entfernt sich langsa m).\n(Die Maschine beginnt Tollwut-\nzeichen zu geben. Vielfarbige\nFlammen. Die Dünnfäden entzün-\nden sich und schmelzen. Ge-\ngurgle, Geknarre, Gekrache,\nGesumme, Geknister, Geächze\nertönt.)\nBacal (mitausgestreckten Fäusten\nherbeieilend).\nMeine Menschen ... meine Maschinen ...\nstürzt alles ein? .., Gegen wen diese Rebel-\nlion? ... Singar!... Bogo!..,\n(Beide eilen herbei.) Wer wagt es,\nsich gegen mich zu erheben? ... Ich sehe\neine rote Wolke da unten, die mein Reich\nverhüllt.,,\nSingar\nDie Menschen stehen still... mit verzerrten\nMündern .. , aufgerissenen Augen ~ . stam-\nmelnd ... sie sind alle grau .. . gelähmt. . .\nBacal (wütend)\nDie Maschinen? Die Maschinenverdammten?\nBogo\nDie Maschinen arbeiten .. ohne Kontrolle ..,\ndie Präzision ihrer Herzen ist gebrochen, , .\ndie Maschinenverdammten .. blicken stumpf-\nsinnig drein ... sie heulen und lachen ... sie\nbegreifen nichts mehr ~.\nBacal\nWelcher Mann hat blockiert... welche Hand\nhat das Steuer auf das Nichts gerichtet? ...\n(faßtsichindieHaare, Atemloses\nSchweigen, Dann ein tierisches\nWutgeheul.) Tonkir! Tonkir!... Deine\nSeele deliriert.., Tonkir ! ruft Tonkir ...\n(Bogo stürzt hinaus, sofort wie-\nderkehrend.)\nBogo\nTonkir lebt nicht mehr ... er liegt auf dem\nGesicht... sein Mund küßt die Erde\nBacal (außer sich)\nTonkir hat ein sehr bleiches Weib angebetet\n... das in einen schwarzen Mantel gehüllt\nwar... ihr Mund war viel zu rot für ihr\nbleiches Antlitz ...\n(Unvermutet erscheinen die vier\nMaschinenv e r d a m m t e n und be-\nwegen sich unter den Menschen.\nNormale Haltung. Nur die Augen\noffenbaren den Wahnsinn. Die\nMaschine erzittert. Das blen-\ndende Leuchten wird stärker.\nDann bewegen sich die Maschi-\nnenverdammten wie im Krampf,\ngestikulieren und heule n.)\nBacal (versucht einen Mann fest-\nzuhalten, der sich aber sofort\nlosreißt).\nDas Gehirn verfinstert sich ~. die Feuer-\nwolke lastet... ein Bleigebirge, schneidet\nden Atem ab... (er rennt zur Ma-\nschine). Die Maschine siegt,.. wir die\nSchöpfer .., jetzt die Sklaven!,,. Nein! nein!\nMaschiiiineeeee! Maaaschiiineeeee! Halt\nein! (er wirft sich auf die M aschi-\nne, um sie anzuhalten). Du ... du ..,\ntötest.,. alles ... alles ... allleee ... (gelb-\naufleuchtender Blitz, Bacal\nstürzt erschlagen, Augenblick-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.20", "texte": "lieh erstarren die Maschinen-\nverdammten zu Statuen, Singar\nund Bogo fallen in die Kniee. Das\nLi cht verfinstert sich langsam.\nDann stimmen die Maschinen mit\nden Sirenen einen beklemmen-\nden, unheilvollen, gellenden Ge-\nsang an.)\nEnde\nRuggero Vasari\n\nDeutsch von Lilly Nevinny\n\nGedichte\nLothar Schreyer\n\nAm Tor\nDu stehst am Tor des Lichts\nAller Menschen Herzen klopfen an\nDu sinkst in die Knie und wartest\nDu sammelst dich zur Stunde der Geburt\nDie Erde schlägt dumpf in den leeren Raum\nDas Schwert des Richters wandelt durch die\nNacht\nDu beugst dein Haupt tief in den Schoß des\nSterns\nUnd wartest\n\nNacht\nDich überrinnt der Schein des Monds\nDie Büsche baden sich im Silber\nAlle Strahlen spiegeln\nAus Wesenlosem heben sich die Felsen\nDie Wasser stürzen in den Grund\nDich überrinnt der Glanz der Sterne\nDie Sterne bleichen in dem Brausen der Tiefe\nDer Nebel wallt\nDie blütelosen Bäume frieren in der Oede\nDie kleinen Vögel klagen unter nassem\nSchleier\nEine fremde Frau weint um ihr Kind\nDie Glut der Ferne weht herab\nDer Brand der Welt steigt auf um Mitternacht\n\nVorspruch zur Sturmausstellung\nDessau\n\nNachdem man sich nunmehr in dieser Stadt\n(wie übrigens in jedem Krähwinkel) immerhin\nseit einigen Jahren bemüht, zu beweisen, daß\ndie expressionistische Bewegung so etwas\nwie Hottentotteneinbruch, Bolschewismus,\nTohuwabohu, Idiotismus sei (oder vielmehr,\nman beweist es nicht, da man es nicht kann,\nman greift zur bequemsten Form der Mei-\nnungsbeeinflussung: zu eitler Schwatzhaftig-\nkeit), nachdem man also immerhin seit einigen\nJahren in dieser Stadt am Expressionismus\nvorbeiredet, soweit man ihn überhaupt gütigst\nerwähnt, nachdem man die verehrten Mit-\nbürger von dem „Unsinn\" und der „Form-\nlosigkeit\" des Expressionismus überzeugen\nwill, indem man neben guten Zeichenlehr-\nprodukten bösartigen expressionistischen\nKitsch zeigt, nachdem schließlich die Kunst-\nverweser auch dieser Stadt sich bemühen,\nden Anschluß nicht zu verpassen, indem sie\nverkünden, der Expressionismus sei tot (ob-\nwohl sie dessen Leben nie sahen), der\n„Sturm\" sei überwunden (obwohl sie dessen\nAtem nie spürten), der Expressionismus sei,\nsoweit er nicht überhaupt verweste, anti-\nseptisch konserviert, nachdem so allent-\nhalben eine Stimmung, aber eben Stim-\nmung, gegen den Expressionismus oder eine\nüberlegene (d. h, unterlegene) Nichtbeach-\ntung dieser Bewegung an der Tages- und\nZeitungsordnung ist — gestatte ich mir, Ihnen\nhiermit den toten Expressionismus vorzu-\nstellen, der so sehr lebt.\nEntscheiden Sie selbst, ob Sie in einem\nLeichenschauhaus sitzen, oder ob Ihnen das\nLeben dieser Bilder ins Blut überspringt.\nEntscheiden Sie selbst, ob diese Bilder Un-\nordnung wiedergeben oder ob sie letzte Ge-\nwalt über das Chaos, letzte Ordnung der\nkünstlerischen Gestaltung ausstrahlen.\nFühlen Sie selbst, empfinden Sie vor der\nKlarheit dieser Gestaltungen, wie armselig\ndas Geschwätz der Zünftler ist, die jenes\nschon überwunden haben wollen, was jetzt\ngerade beginnt, sich vom Mitläufertum zu be-\nfreien,\nLeben wir denn in einem Tollhaus? Welche\nGeneration durfte diese Befreiung des Rhyth-\nmus, diese Teile der Weltgestaltung, diese\nreine Offenbarung des Ursprungs, die Sie auf\ndiesen Bildern sehen, je erleben? Welche?\nUnd diese Generation, die es erleben darf,\ntobt gegen die Gnade, verlacht sie, hat nicht\ndie Menschenmacht, das ganze Kunstnörgler-\ntum einfach aus den Tempeln zu verjagen,\nGlauben Sie mir, wenn nichts mehr von der\nSchwachheit und Schwatzhaftigkeit dieses\nJahrhunderts bestehen wird, die Reinheit\ndieser Bilder wird leben! Wird leben!\nNähern Sie sich bescheiden und freudig die-\nsen Bildern, Wehren Sie sich dagegen, wenn\nSie müssen, Wehren Sie ab, wenn Sie nicht"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.21", "texte": "anders können. Aber kämpfen Sie immer\nwieder rein und ursprünglich um das Leben\ndieser Kunst. Nähern Sie sich immer wieder.\nWerben Sie um die Schönheit dieser Bilder,\nAuf daß Schönheit und Befreiung aus Ihnen\nstrahle!\n\nKurt Liebmann\n\nES\nRudolf Blümner\nOrientalisches Liebesgedicht\nE s macht die Nacht\nE s leuchtet alle Sterne\nE s kreist sein Blut\nUnd Allah\nLäßt alles dies geschehen\nE s schmerzt micht\nUnd\nE s freut micht\nUnd holt das Tuch\nAus seinen Händen\nUnd wirft E s\nMir zu\nNun kommt der Schlaf\nBei mir\nDie dritte Nacht\n\nStädtebildchen\nIV. Kopenhagen\nI. Ueberfahrt von Wasser zu Butter\n\nNördlich vom Osten brütet der deutsche Ge-\nsandte über Kierkegaard. Kierkegaard soll\nsich auch den deutschen Verhältnissen im\nunsinnlichen Charakter angepaßt haben,\nwenn er nach dem Weltkrieg, wie man\nden Erdkrieg zu nennen pflegt, sich in\nDeutschland satt in Dänemark befunden\nhaben würde. Lerne leiden, ohne das Amts-\ngericht Berlin-Mitte zu bemühen. Der zustän-\ndige Gerichtsvollzieher versiegelt die Eier,\ndie trotz eifrigem Brüten mit Dotter statt mit\nButter im Land der Verdenker und Verdichter\ngegessen zu werden pflegen. Der deutsche\nGesandte schreibt für die Deutsche Rund-\nschau und vergißt indessen, daß er in Kopen-\nhagen ist. Er ißt natürlich nicht dort, son-\ndern gedenkt voller Wehmut seines letzten\nAufenthalts im deutschen Speisewagen, be-\nvor er das rechtsgerichtete Land links liegen\nlassen mußte. Den Nachschmack der deut-\nschen Oeligkeit muß ihm die dänische Vor-\nspeise nach deutscher Art geben, drei Oel-\nsardinen mit Kartoffelsalat für eine seriöse\nGoldmark, Der Kartoffelsalat ist von der\nMitropa nicht einmal in Rechnung gestellt.\nGleichsam Zugabe. Das deutsche Hackstück\nmit Salzkartoffeln ist der Abschied von der\nHeimat, die noch immer nicht weiß, was es\n• •\nbedeuten soll. Sie lebt von den Märchen aus\nalten Zeiten, sie kämmt sich das semmel-\nblonde Haar, wo doch selbst italienische\nSprößlinge sich der deutschen Art trotz\nbestem Willen nicht annähern können. Däne-\nmark ist das Italien des Nordens, um mich\nauch einmal einer gepflegten Sprache zu be-\ndienen. Denn in Dänemark kann man sich\nbedienen und sogar bedienen lassen, weil es\naus einem Herrschen und Beherrschen des\nMenschen und des Menschlichen entsteht.\nZwischen Deutschland und Dänemark liegen\neine größere Anzahl Kubikmeter Wasser, die\nman zwar überfliegen, aber nicht überbrücken\nkann. Italienerinnen fürchten sich vor den\nEisbären, und die Deutschen nehmen mit\nStahlhelm und Nagelstiefeln den Kampf\ngegen die Unbilden des tropischen Nordens\nauf. Die Deutschen rüsten sich mit landes-\nkundigen Bädekern und landesunkundigen\nGebräuchen aus, bereit, den Kampf gegen die\nMutter Natur aufzunehmen, die schrecklich\nist wie alle Mütter, und sich freuen, wie\nehemals das Christentum, nunmehr die Kul-\ntur mit Thomas Mann und Konsorten den\nWilden übermitteln zu wollen, zu sollen und\nzu müssen. Die Deutschen haben die Eisen-\nbahn beim Ueberschreiten der Grenzen, das\nheißt, beim Nichthineinfallen in das Meer,\nnicht zu verlassen zwecks Vornahme zollamt-\nlicher Behandlung, Hingegen erhalten sie in-\ndessen das Recht, für eine Belohnung von\nzwanzig Goldmark unter Ausschaltung des\nRechtsweges ein bis zehn Gepäckdiebe zu er-\ngreifen. Die wilden Dänen werden ge-\nbeten, die Wagen nicht zu verlassen, Sie\ntun es trotzdem nicht. Die Zwecksvornahme\nzollamtlicher Behandlungen bietet soviel\nReize, daß sie nun gerade im Wagen bleiben.\nDas überflogene, aber nicht überbrückte\nMeer stottert mehr oder weniger aus Ehr-\nfurcht vor den Denkern und Dichtern, die\nsogar Herrn Kierkegaard kennen, wonach man\nsich nunmehr laut Verfügung des deutschen\nGesandten in Dänemark zu richten hat. Plötz-\nlich taucht gleichsam das Festland auf, das\ndie Dichter Eiland zu nennen pflegen, eine"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.22", "texte": "Lokomotive mit eitel Gold um den Hals,\nnimmt die Reste der deutschen Reichsbahn\nfreundlichst hinter sich und fährt über Butter-\nboden nach Kopenhagen,\nKopenhagen ist in Deutschland dadurch\nbestens bekannt geworden, daß in dieser\nStadt der bestbekannte Bildhauer Thorwald-\nsen mit Originalschkulpturen vertreten ist,\ndie durch ihre Fähigkeit, sich in beliebigen\nExemplaren durch Porzellan verbreiten zu\nlassen, Dänemark den Ruf einer Kulturnation\ngebracht haben, beinahe, als obste Deutsch-\nland heißt. Wir unsererseits haben bekannt-\nlich den Michel Angelo aus Italien in Gips an-\nnektiert. Die Deutschen hingegen tun in\nKopenhagen bekanntlich bedeutend den Mund\nauf, wie Goethe sagt, den wir als unser Eigen-\ngewächs ansprechen können, um mich immer\nmal wieder der gepflegten Sprache zu be-\ndienen. Wovon soll ich denn satt sein, ich\nfand doch nicht ein Blättlein (in der Mitropa\nnämlich), mäh, mäh, mäh. So klagt der\ndeutsche Kindermund, Ich, trotz allen Ab-\nleugnungen Autorität, habe es aus Kinder-\nmund gehört. Und Kinder sprechen noch\nmehr Wahrheiten als Narren, Plötzlich gibt\nes Butter, Die Deutschen haben Butter auf\ndem Kopfe. Oder sie mit Löffeln gefressen.\nDaß sie sie auf dem Kopfe haben, ist ein\nZeichen dafür, daß die deutsche Butter un-\ngesund ist. Anderenfalls kann man etwas\nBesseres damit anfangen. Daß man sie in\nDeutschland mit Löffeln fressen kann, kommt\ndaher, daß sie hierzulande in einem gleichsam\nflüssigen Zustande verabfolgt wird. Nun wen-\nden der deutsche Gesandte, Thomas Mann\nund, nach nicht nachprüfbaren Zeugenaus-\nsagen, Kierkegaard ein, daß Butter kein Geist\nist. Dafür ist aber auch Geist nicht Butter,\nEs fragt sich, oder vielmehr es fragt sich\nnicht, was besser zu verdauen ist, Verdauung\nist aber eine nur menschliche Eigenschaft,\naus der sich göttliche Nationen nichts zu\nmachen brauchen. Weil sie eben göttlich,\noder zum mindesten goethisch sind. Jeden-\nfalls ist Butter kein Einwand gegen Geist,\nGeist aber ein Vorwand ohne Butter. Um\ndiesen Schwierigkeiten ethischer Art zu ent-\ngehen, hat man die Butter einfach in Däne-\nmark umgetauft und sie Smör genannt. Was\nder Butter nicht recht ist, ist die Smör billig.\nAndere Leute lesen allerdings Romane von\nS. Fischer lieber, an dem sich kein Meer\nbefindet. Hierüber ließen sich nun psycho-\nlogische und psychoanalytische Anmerkungen\nschreiben, soweit man kein Blättlein hat, mäh,\nmäh, mäh, mäh. Aus Blättlein aber entstehen\nRomane von Thomas Mann und Marga-\nrine, mäh, mäh, mäh. Worauf man in Deutsch-\nland die Geistesnahrung erfunden hat. Die\nungeistige deutsche Bevölkerung ernährt sich\nvon den Kartoffeln, die sich in Dänemark als\nViehfutter nicht verwenden lassen. Warum\nsoll man sich seinen Magen verschmieren.\nDie deutsche Butter ist eine Liebesgabe für\nEheleute. Die dänische Butter eine Ehegabe\nfür Liebesleute, Ueber Geschmacklosigkeit\nist nicht zu streiten, Kierkegaard soll das Ver-\ndienstkreuz für Handel und Seefahrt erhalten,\nUeber Butter läßt sich nicht streiten. Geistig\ngedacht soll ihrer werden.\n\nHerwarth Walden\n\nAn unsere Abonnenten und\nLeser\nDer Sturm\nDer Verlag und die Redaktion haben sich ent-\nschlossen, die Zeitschrift „Der Sturm\" wie-\nder, wie in früheren Jahren, als Monatschrift\nerscheinen zu lassen. Den Vorzügen einer\nVierteljahrschrift, die eine Veröffentlichung\numfangreicher Arbeiten ermöglichte, stehen\nvielfache Nachteile gegenüber. Wir und un-\nsere Leser haben im Laufe des vergangenen\nJahres immer lebhafter das Bedürfnis emp-\nfunden, miteinander häufiger in Beziehung\nzu treten, als nur von Vierteljahr zu Viertel-\njahr. Die Lebhaftigkeit und Raschheit der\nEntwicklung, die in der neuen Kunst heute so\nerheblich ist wie einst, verlangt doch eine\nschnellere und häufigere Gelegenheit, als sie\neine Vierteljahrschrift geben kann. Insbeson-\ndere steht sie der Verwertung des rein Ak-\ntuellen immer hindernd im Wege. Die im ver-\ngangenen Jahr erschienenen Monatsberichte\nkonnten für einen solchen Mangel keinen ge-\nnügenden Ersatz bieten.\nWir bitten unsere Abonnenten und Leser, das\nspäte Erscheinen des Januarheftes mit der\ngeänderten Erscheinungsform zu entschuldi-\ngen. Das Februarheft wird bald folgen. Die\nweiteren Hefte werden den Abonnenten bis\nzum 10. eines jeden Monats zugehen.\nDie Bezugspreise der Monatschrift Der Sturm\nsind aus einer besonderen Anzeige ersichtlich.\nDer Verlag und die Redaktion"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.23", "texte": "ZEN IT INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT\nKALENDER PER NEUEN KUNST UND PER GEGENWART\nDIREKTION LIOUBOMIR MITZITCH\nBELGRAD • OBILITCHEV VENATZ 36\nFOhrende Zeitschrift, welche unverOffentlichte\nManuskripte in alien Sprachen der Welt bringt\n\nContimporanul\nEinzige moderne rumanische\nKunst- u. Literatur-Zeitschrift\nDirektoren: ). VINCA und M« ]AHCO\nStr. Trinitatii 29\nBUCAREST\n\nMET OUERZIChT\nDirektion: FERNANT BERCKELAERS und JOSEF PEETERS\nDie einzige Monatsschrift des Internationale!*\nVortrupps in niederlandischer Sprache\nStandige Rubriken: Radikaie Kunst, Musik,\nPhilosophic, internationale Politik,\nLiteratur, Wissenschaften,\nArchitektur, Kritik\nusw*\nPreis jedes einzeinea reich illustrierten Heftes in ktinst-\nlerischem Umschlag, 24 Seiten, Format 25X32, Fr. 2. ,\nAbonnement (12 Hefte) Fr. 18.—, Frankreich Fr* 20.—-\nNiederlande 11. 4.25\nRetiaktion ttttd Verwaltirag\nAntwerpen (Belgien), Chanssfie de Turnhont 10S\n\nNeue franzosische Revue\nIndividual i stische Hefte\nStud i en und Dokumente\nJenseits der freiphiloso-\nphischen Auslegung und\nder sozialen, sinnlichen und\nfreien Tatigkeit in Frank-\nreich wird der internatio-\nnal en Arbeiterbewiegung\nbreiter Raum gewShrt.\nDie Revue erscheint alle 20 Tage. / Abonnement: 5 Hefte\n5 francs /10 Hefte 10 francs /1 Heft 1 franc 25\nAlle Korrespondenzen an die Redaktion\nLueurs / Lyon / Frankreich, 232, rue Garibaldi.\n\nNEUE\nRUSSLAND\nMonatsschrift ftir Kultur- u. Wirtschafts-\nFragen / herausgegeben von der\nGESELLSCHAFT DER FREUNDE\nDE S NEUEN RUSSLAND,\nSchriftlg. Erich Baron, Bln.-Pankow, Kavalierstr. 10\n„DAS NEUE RUSSLAND\"\nist die einzige Zeitschrift, die durch sach-\nkundige BeitrSge hervorragender rus-\nsischer und deutscher Mitarbeiter zuver-\nISssige Informationen liber den kultu-\nrellen und wirtschaftlichen Neuaufbau\nRußlands vermittelt. Die Zeitschrift dient\ndamit zugleich der Forderung der kultu-\nrelien und wirtschaftlichen Verstandi-\ngung Deutschlands und Rußlands.\nDer Preis der Zeitschrift betragt fur das Binzelheft\nM- 0,60, fur das Doppelheft M, 1.—, fur das Viertel-\njahrsabbonnement M. 1.50. — Fur Mitglieder der\nwGesellschaft* ist der Bezug im Mitghedsbeitrag\nvon M. 5,— pro Vierteljahr inbegriffen,"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192501-01.1.24", "texte": "Verantwortlich für die Schriftieitung: Lothar Schreyer, Berlin W 9 / Verlage Der Sturm G. m. b. H.y Berlin W99 Potsdamer Str* 134 a\nFernruf: Lützow 4443 / Postscheckkonto: Berlin 120658 / Druck: Max Noster, Berlin SW 68, Alexandrinexisfraie llö*\n\n16. )ahrgang .1925\nMonatsschrift\nledes Heft 1 Mark 50 pfennig\nJahrgang 1925: 12 Mark\nEin halbes jahr: 8 Mark\nEin Vierteljahr: 4 Mark\n•'A\nDie Jahrgange der Zeitschrift Der Sturm\nDie Zeitschrift Der Sturm wurde im Jahre 1910 durch Herwarth\nWalden als Wochenschrift begrundet. Sie wurde spater in eine\nMonatschrift umgewandelt Nur im Jahr 1924 erschien sie als Viertel*\njahrsschrift mit Monatsberichten.\nWer sich Qber die Entwicklung der gesamten neuen Kunst, der\nDichtung, der Malerei, der Plastik unterrichten will, ftndet in den\nJahrgfingen des „Sturm\" das reichste Material.\nPreise der frGheren Jahrgange:\nI—4. jahrgang: vergriffen\n5. und 6. Jahrgang: je 12 Mark\n8. jahrgang: vergriffen\n9.—14. jahrgang: |e 12 Mark"}]}