{"numero_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_sha256": "cff14f5271e0d90f3a05b0f5cb73241a3a8bcb334bc31947e07115b786aa0357", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1925/04_01/bmtnabg_1925-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1925/04_01/bmtnabg_1925-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c001", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt 3 / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt 3 / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.1", "debut_caractere": 188, "fin_caractere_exclue": 245, "texte": "Otto Nebel: Linoleumschnitt 3 / 1925 / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c002", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "54", "image_debut": 3, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.2", "titre_corps": "Das entdeckte Gehirn", "titre_sommaire": "Das entdeckte Gehirn", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.3", "debut_caractere": 55, "fin_caractere_exclue": 3261, "texte": "Das entdeckte Gehirn\nWilliam Wauer\n\nVorwort\n„Die Entdeckung des Gehirns\" ist ein Erfolg\nund ein Triumph der Wissenschaftlichkeit\nunserer Zeit. Verdankt sie auch ihr entschei-\ndendes Beobachtungsmaterial einem Zufall —\ndas Verdienst der Forschung bleibt un-\nbestritten.\nIn meinen hier vorliegenden Vorträgen habe\nich versucht, auf Grund des wissenschaft-\nlichen, geschichtlichen und philologisch-philo-\nsophischen Materials einige summarische\nKonsequenzen zu ziehen, die ebenfalls wie\nEntdeckungen anmuten können — die ich\nselbst anfänglich für Entdeckungen hielt. Daß\nes in Wahrheit nur Aufdeckungen sind, was\nich bringe, wurde mir erst klar bei Beschaf-\nfung und Durchsicht der Beweise für meine\nAnschauungen, Schon das Denken zum Bei-\nspiel Buddhas — beiläufig fünfhundert Jahre\nvor unserer Zeitrechnung —, das über unsere\nnaturwissenschaftlichen und anatomischen\nKenntnisse nicht verfügte, unterscheidet sich\nvon meinem ebenfalls spekulativ und analy-\ntisch errungenen wesentlich nicht (außer in\nseiner klimatisch bedingten negativen Lebens-\neinstellung),\nDas menschliche Denken hat also seit dem\nWerden des menschlichen Gehirns eine fest-\nstellbare und zu beobachtende Entwicklung\nüber seine mit dem Sinnen- und Gehirnbau\ngegebenen Bedingtheiten hinaus nicht mehr\ngemacht. Die Arten sind konstant. Auch\ndie menschliche. Die „Alten\" dachten so gut\nwie wir.\nSo wenig wie Atmung, Herzschlag und Ver-\ndauen ist die Funktion des Denkorgans höher\nzu treiben. Sie ist auch nicht anders und\nhöher zu bewerten als jede lebenswichtige\nFunktion, Auch der Geistkörper, der „Astral-\nleib\", unterliegt bestimmtem und begrenztem\nStoffwechsel, wie alles Lebendige.\nMein Beweismaterial kann ich annähernd\nnicht einmal andeuten, geschweige denn an-\nführen. Jedem meiner Leser wird es zu-\nströmen, wenn er seinen Sinn darauf einstellt.\nBei dem ungeheuerlichen Umfang des Stoffes\nund Themas ist es selbstverständlich, daß in\ndrei kurzen Vorlesungen mein Standpunkt\nnur skizziert werden konnte.\nSo kann das vorliegende Buch nicht mehr\ngeben als den Umriß einer Anleitung zu\neigenem Denken, Forschen und Beobachten\n— zu erneutem Selbstdenken. Schließlich\nkann auch ein dickes Buch nicht mehr be-\nwirken.\nDas Denken als physisches und\npsychisches Phänomen\nEs sind schwere Probleme von entscheiden-\nder Wichtigkeit für jeden einzelnen und für\nalle, vor die ich Sie stellen will.\nIch möchte über das Denken mit Ihnen\nsprechen, über das Denken als solches\nschlechthin, über altes Denken und über ein\nneues Denken.\nAlles, was wir unter die Sammelbezeichnung\nKunst, Wissenschaft, Religion und Philosophie\nzusammendrängen — der ganze menschliche\nWertbesitz — besteht aus nichts anderem als\naus den Erzeugnissen des Denkens.\nWenn ich meine Vorlesungen unter die Ge-\nsamtbezeichnung: „Biosophie\" zusammen-\ngefaßt habe, so zeigt Ihnen diese Kennzeich-\nnung schon das neue Ziel, zu dem ich Sie\nführen möchte, und den Weg, auf welchem\nich Sie vom Alten zum Neuen zu leiten ge-\ndenke.\nDer Begriff: „Biosophie\" ist als Bezeichnung\neiner neuen Geistesdisziplin wissenschaftlich\nnoch nicht geprägt worden, aber seine Prä-\ngung liegt nahe und ist notwendig.\nSeit Darwin uns die Augen geöffnet hat für\ndie Entwicklungsgeschichte der Lebewesen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4188, "texte": "und andere Forscher am Ausbau der neuen\nNaturanschauung erfolgreich und entschei-\ndend weitergewirkt haben — so daß man\nheute von einer biologischen Einstellung bei-\nnahe der gesamten modernen Geistesarbeit\nsprechen kann — ist der Schritt von den bio-\ngenetischen Tatsachen zu einem biosophi-\nschen Denken ebenso selbstverständlich wie\nunvermeidbar.\nDieser Schritt muß zu neuen Betrachtungs-\nweisen und zu neuen Wertungen alles Natur-\ngeschehens führen, die für Denken nur noch\ndie Lebensmöglichkeiten und Lebensnotwen-\ndigkeiten als maßgeblich gelten lassen.\nDie Biosophie wird als Denkweise völlige\nFreiheit und Unabhängigkeit von lebensfrem-\nden und lebensfeindlichen Kategorien und\nkategorischen Forderungen bedeuten.\nSie wird auch den spekulativen Idealismus in\ndie Schranken der Erfahrung zurückweisen\nmüssen und die Tyrannei aller traditionellen\nVorurteile abschütteln.\nSie fordert nicht Denkfreiheit — sie erringt\nund erzwingt sie auf Grund ihrer unanfecht-\nbaren wissenschaftlichen Fundamentierung.\nDa sie das Leben aber denkend völlig erfaßt,\nwie sie vom Leben völlig erfaßt ist, wird sie\nauch jede Art menschlicher Geistigkeit ein-\nbegreifen.\nBiosophie heißt: Lebensweisheit,\nUnter Lebensweisheit verstand man bisher\nden feuilletonistischen Abfall der philosophi-\nschen und wissenschaftlichen Geistesarbeit,\nder flach genug war — um populär zu werden.\nDieser Abfall stammte noch dazu aus dem\npraktischen Teil des gelehrten Denkens, der\nnie für sehr vornehm galt.\nKünftighin wird man unter Lebensweisheit\ndas Wissen vom Leben und vom Lebendigen\nverstehen müssen: die „Weisheit des Lebens\".\nAber angesichts der bisherigen Einstellung\nder großen Geister und Denker zum Leben\nkann man die Frage nach dem Werte des\n„Denkens überhaupt\" nicht umgehen.\nWarum wird gedacht? Warum soll der\nMensch denken?\nDer naive Mensch denkt, um sich das Leben\nzu erleichtern.\nDer wirkliche Denker denkt — nicht nur\nscheinbar, sondern im Ernst —, um das Leben\nzu erschweren.\nDas ist weder ein Witz noch eine absurde Be-\nhauptung: es ist leicht, sie zu beweisen.\nMan betrachte nur die Gehirnleistungen un-\nserer bedeutendsten Denkmeister; fast alle\nhaben ihr ganzes Denken gegen das Leben\neingesetzt, um es zu schmähen, herabzu-\nsetzen, ja zu beschmutzen, und es ihren Mit-\nmenschen möglichst schwer, verächtlich und\nunerträglich zu machen.\nDiese verheerende Sinnlosigkeit, die ein Bio-\nsoph nur als eine senile Perversität empfinden\nkann, hat denn auch ihre unausbleiblichen\nlogischen Auswirkungen gehabt. Um nichts\nin der Welt sind im Laufe der Menschheits-\nentwicklung mehr Leben grausam vernichtet\nworden als um diese Denkerleistungen, um\ndie philosophischen und religiösen „Lehren\".\nDer Wahnsinn, der durch Denken Mensch\ngegen Mensch zur Bestie werden läßt, anstatt\nihn über sie zu erheben, erweist aber den\nfürchterlichen Ernst der Frage nach dem\nWerte und Zwecke des menschlichen\nDenkens.\nDie Aufwerfung dieser Frage ist in unseren\nTagen um so dringender, als wir wiederum\ndabei sind, uns um Denkdifferenzen und Mei-\nnungsunterschiede die Ehre abzuschneiden\nund die Hälse zu brechen. Denkschablonen\nüben wieder ihre unerhörte und schimpfliche\nTyrannei.\nNur eine maßlose Ueberschätzung des Wertes\nbestimmter menschlicher Denkweisen oder\nein furchtbarer Irrtum über seinen Zweck\nkann solche unmenschlichen Folgen zeitigen.\nDa wird Selbstbestimmung zur höchsten\nPflicht.\nEinen Irrtum über die Notwendigkeit und\nNützlichkeit des Denkens dürfte es eigentlich\nnicht geben. Jeden einzelnen lehrt die eigene\ntägliche Erfahrung, daß das Denken ein sehr\ngeeignetes Mittel ist, sich das Leben zu er-\nleichtern, es sicherer zu gestalten und seine\nGenüsse zu vermehren. Darüber gibt es ja\nwohl unter der Mehrzahl der Menschen keine\nMeinungsverschiedenheiten. Nicht die Not-\nwendigkeit und Nützlichkeit des Denkens ist\nstrittig, der Kampf geht allein um Maß und\nArt des Denkens, um die Frage, was der\nMensch denken darf und denken soll.\nAus diesem Grunde hat man gewisse Denk-\nweisen verboten, andere kategorisch verlangt,\nhat man Denkgrenzen gezogen und ihre\nUeberschreitung bestraft.\nMan hat gewisse Denkmethoden verordnet\nwie Medizin, andere als giftig und verderblich\ngebrandmarkt. Man hat schließlich der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4189, "texte": "Menschheit, und nicht nur der jugendlichen,\nbestimmte Denkarten, besonders fromme, ein-\ngebläut. Wo alles das noch nicht helfen\nwollte, unternahm man es, durch obrigkeit-\nliche Anordnungen, durch Majoritäts-\nbeschlüsse und Gesetze das menschliche\nDenken zu regulieren, wenn man nicht gar\nglaubte, es mit Knute, Schwert und Feuer be-\neinflussen zu können.\nAll dieser lächerliche Unfug liegt nicht etwa\nhinter uns — wir erleben ihn noch.\nAber er hätte niemals sich zu so ungeheuer-\nlichen Dimensionen ausgewachsen, wie es im\nLaufe der Jahrtausende tatsächlich geschehen\nist, wenn nicht das menschliche Denken —\nauch heute noch — auf Grundlagen ruhte, die\neiner Zeit entsprachen, die noch roh und grau-\nsam genug war, Menschenschlächterei für\netwas so Gewöhnliches und Selbstverständ-\nliches zu erachten, daß sie immer und un-\nbedenklich bereit war, vermeintliche Macht-\nansprüche geglaubter Gottheiten mit Blut-\nopfern zu sänftigen.\nIn dieser Zeit beginnenden Nachdenkens war\nder Mensch überzeugt, daß hinter allem Ge-\nschehen eine vollziehende Gottheit stehe. Der\nprimitive Mensch konnte sich kein Geschehen\nohne direkten göttlichen Eingriff vorstellen.\nSo war ihm alles Geschehen Götterwirken\nund Götterwille und Erfüllung eines Gesetzes\nder zweckvollen göttlichen Weisheit.\nDiese Vorstellungen — projiziert aus plumper\nSelbsterfahrung ins Naturgeschehen — gru-\nben sich so tief in das Denken der Mensch-\nheit ein, daß wir sie auch heute noch nicht\naus unserer Tiefe haben herausreißen können.\nSelbst das exakteste wissenschaftliche Den-\nken hat die Verwurzelung seiner Denkunter-\nlagen in der Steinzeit noch kaum entdeckt\nund ist noch lange nicht entschlossen, diese\natavistischen Rückständigkeiten mit Stumpf\nund Stiel auszuroden.\nImmer noch baut sich auch das moderne\nDenken auf die Kausalität, immer noch baut\nes sich auf Gesetze im Naturgeschehen,\nimmer noch baut es sich auf die Ueberzeugung\nvon der Zweckmäßigkeit alles Geschehens\nauf.\nWer aber schuf das Naturgeschehen?\nWer setzte ihm Ordnung und Zweck?\nDie Gottheit.\nSo urteilten die Urmenschen der Steinzeit\nauch.\nUnd die moderneWissenschaft urteilt so lang 4\nnoch ebenso, wie sie an Ursachen, Gesetze\nund Zweckmäßigkeit im Naturgeschehen\nglaubt.\nDie „Ursache\" ist nichts anderes als der Ur-\naberglaube an ein bestimmtes Agens in jedem\nGeschehen, in der Umbenennung eines wissen-\nschaftlich klingenden Wortsymbols.\nDer Glaube an Gesetztes — alles Gesetz ist\nein Gesetztes — ist Aberglaube an einen Ge-\nsetzgeber — an eine sinnvolle Ordnung.\nDie Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit\nsetzt eine göttliche Einsicht und einen gött-\nlichen Willen voraus.\nIst das wissenschaftliches Denken oder\nMystizismus?\nUnsere profanen und wissenschaftlichen Er*\nfahrungen haben diese Vorstellungen alten\nDenkens einer primitiven Urzeit längst wider-\nlegt und ihre Haltlosigkeit erwiesen. Dennoch\nzögert die Wissenschaft im allgemeinen immer\nnoch, dem Beispiel einer Anzahl klarer und\nehrlicher Forscher zu folgen und dieses\nmorsche Gedankengerümpel endgültig aus der\nWerkstätte des Geistes zu entfernen.\nIch zeige Ihnen diese Zusammenhänge nur, um\nIhnen begreiflich zu machen, daß so tief\nlagernde Verknüpfungen ihrem inneren\nWesen nach immer und immer wieder primi-\ntiven und rohen Auswirkungen jeder Zeit\nVorschub leisten mußten — ich zeige sie\nIhnen, damit Ihnen die Augen dafür aufgehen,\ndaß wir hunderttausend Jahre lang Aber-\nglauben und Irrtümer kritiklos mit uns ge-\nschleppt haben, die alles Denken verwirren\nund fortgesetzt in alberne und unlösbare\nProbleme hineinstoßen. Diese Denkhemmun-\ngen haben wir bis heute noch nicht loswerden\nkönnen.\nSie werden jetzt auch einsehen, warum\nich es unternehme, das ganze Denkphänomen\nseinem Wesen nach hier von Grund aus vor\nIhnen aufzurollen. Es muß endlich der Ver-\nsuch gemacht werden, das Denken einmal\ngründlich zu durchdenken.\nDazu aber gehört völlige Voraussetzungs-\nlosigkeit und Unabhängigkeit, auch von der\nKausalität, den Naturgesetzen und der\nZweckmäßigkeitsüberzeugung der Weltord-\nnung und alles Geschehens. Denn setze ich\ndiese drei Anschauungen voraus, denke ich\nschon nach einem gegebenen Schema.\nNun werden Sie mich fragen: ist denn Denken\nohne diese drei Voraussetzungen möglich?"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4027, "texte": "Diese Frage wäre ein neues Dokument für\nunsere Denkknechtschaft.\nIhre Fesseln gilt es zu sprengen.\nIch will versuchen, in einwandfrei wissen-\nschaftlicher Weise Ihnen den Nachweis zu\nführen, daß wir Kausalität, Naturgesetze und\nZweckmäßigkeit völlig entbehren können, da\nsie eben nicht existent sind außer in der tra-\nditionellen Einbildung,\nZunächst einige Worte der Verständigung\nüber die Methode, wie ich Ihnen das phy-\nsische und psychische Phänomen des Denkens\nzu erklären versuchen will.\nErklären heißt eine Sache bis ins Letzte\ndurchsichtig machen.\nIch muß Ihnen also alles aufhellen, was zum\nDenken gehört.\nIch muß Ihnen sämtliche materiellen und\nideellen Bedingungen analysieren, von denen\ndas Denken abhängig ist und unter denen es\nzustande kommt.\nIch muß es in seine Teile zerlegen und die\nTeile wieder zusammensetzen, daß ich sie\nIhnen in Tätigkeit vorführen kann, und zwar\nso, daß Sie mir zugestehen: ja, das ist\nDenken.\nUm ganz wissenschaftlich zu verfahren, muß\nich alles Ihrer eigenen Beobachtung zugäng-\nlich machen. Aber das ist grade in diesem\nFalle einfach, da jeder von Ihnen imstande\nist, meine Untersuchungen an eigenster per-\nsönlicher Erfahrung zu kontrollieren.\nWenn ich Ihnen hier die materiellen und\nideellen Voraussetzungen einer Nähmaschine\ndemonstrieren würde, wenn ich sodann ihre\nmechanischen Bedingungen: Hebel, Schrau-\nben, Räder usw, planmäßig zusammensetzte,\nwürde ich — vorausgesetzt, daß es mir ge-\nlänge — eine Nähmaschine erhalten und\nnähen können.\nIch würde Ihnen den praktischen Beweis ge-\nliefert haben, daß die Summe der Bedingun-\ngen das Ding ausmacht und daß die sämt-\nlichen Bedingungen oder Voraussetzungen\neiner Nähmaschine — wenn sie vorhanden\nsind, mit der Nähmaschine selbst identisch\nsind,\nSie werden mir dann auch die Verallgemeine-\nrung zugeben, daß jedes Ding gleich der\nSumme seiner Bedingungen ist — vor-\nstellungsweise und real, ideell und praktisch.\nDenn die Bedingungen sind die Elemente des\nDinges und die Summe der Teile ist identisch\nmit dem Ganzen,\nWenn ich Ihnen also die Summe der Bedin-\ngungen des Denkens vorstelle, werden Sie,\nda Sie die Praxis selbst beherrschen, eine\nvöllige und kontrollierbare Erklärung des\nDenkproblems von mir erhalten haben.\nDabei muß sich auch herausstellen, ob Kau-\nsalität, Gesetz und Zweckmäßigkeit beim\nDenken vorhanden und nötig sind. Denn\nwenn sie hier im Mittelpunkt aller Wahr-\nnehmung des Naturgeschehens nicht vorhan-\nden sind, und gebraucht werden, dann sind\nsie eben nirgends vorhanden und entbehrlich.\nDenken ist als eine Funktion von einem\nfunktionierenden Organ bedingt, eben von\ndem Organ, dessen Funktion das „Denken\"\ngenannt wird.\nDieses Organ nennen wir Gehirn. Das Ge-\nhirn denkt, seine Funktion heißt Denken.\nJede Funktion ist ein Vorgang.\nJeder Vorgang ist eine Bewegung. j\nJede Bewegung ist eine Veränderung.\nJede Veränderung ist eine Ortsveränderung,\nWir wissen, daß sowohl quantitative wie\nqualitative Veränderung, also mechanische\noder chemische, im Grunde Lageveränderung\nund Umschichtung der Atome und Zellen be-\ndeutet. Der Atomzerfall, ein sogenannter\nchemischer Vorgang, beweist das aufs deut-\nlichste.\nMechanische und chemische Vorgänge sind\nDifferenzierungen der physischen Vorgänge\nin den Organen.\nSo ist auch das Denken ein physischer Vor-\ngang im Gehirn, ein Vorgang in den Ganglien\nder Gehirnnerven und Neuronen, hauptsäch-\nlich der Großhirnrinde,\nDas dürfte Ihnen bekannt sein und interes-\nsiert uns hier analytisch nicht weiter.\nEs genügt, festzustellen, daß wir bestimmte\nUmschichtungen in der Zellmasse gewisser\nGehirnteile und ihre Auswirkung Denken\nnennen.\nBestimmt wird die Umschichtung dieser Ge-\nhirnmassenteile durch Vorgänge in den\nSinnesnerven,\nDie Wahrnehmungen unserer Sinne bedingen\ndie Gehirnfunktion, Die Wahrnehmungen\nsind wiederum bedingt von spezifischen\nFunktionen der Wahrnehmungsorgane, die\nebenfalls im Gehirn mit konzentriert sind.\nAlles Bedingtsein ist komplex.\nDie Funktionen der Wahrnehmungsorgane\nsind bedingt durch ihre spezifische Organi-\nsation, durch ihren Bau,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3376, "texte": "Wir unterscheiden fünf besondere sinnliche\nWesensarten: das Gesicht, das Gehör, das\nGetast, den Geruch, den Geschmack. Diesen\nbestimmten Funktionen der verschiedenen\nWahrnehmungsorgane entsprechen durch\nEinwirkung auf das Gehirn ganz bestimmte\nFunktionen der Denkorgane.\nAus einem Gesichtseindruck kann nichts an-\nderes entstehen als eine Anschauung,\naus einem Tasteindruck nichts anderes als\nein Gefühl,\naus einem Gehörseindruck nichts anderes als\neine Empfindung,\naus einem Geruchs- oder Geschmacksein-\ndruck nichts anderes als eine Erregung be-\nstimmter Nerven- und Gehirnteile.\nJedes Denken ist also eindeutig bestimmt\ndurch sein Bedingtsein von den Sinneswahr-\nnehmungen. *\nDie Sinneswahrnehmungen sind bedingt von\nden Eindrücken und Reizen, die sie aus der\nAußenwelt, der Wirklichkeit aufnehmen.\nDie Aufnahme wiederum ist bedingt von der\nEigenart der Dinge im allgemeinen und be-\nsonderen.\nDie Sinnesorgane sind so geartet, daß sie nur\nWirkliches aufnehmen, etwa in gleicher\nWeise, wie unser Leib sich auch nur Orga-\nnisches einverleiben kann.\nDer Bedingungskomplex für das Denken ist\ndamit im großen und ganzen festgestellt.\nWir wissen, zum Denken gehörte die Wirk-\nlichkeit, gehören die Wahrnehmungen, ge-\nhört die Gehirnfunktion, wie zum Stoff-\nwechsel des menschlichen Körpers die orga-\nnische Nahrung, die Nahrungsaufnahme und\ndie Verdauung gehören.\nMan hat das Gehirn oft einen „geistigen Ma-\ngen\" genannt, und in der Tat ist der Ver-\ngleich zwischen Denken und Verdauen in\nmehr als einer Beziehung aufschlußreich. Daß\nwir mit den Wahrnehmungen aus der Wirk-\nlichkeit quasi geistige Nahrung aufnehmen,\nleuchtet ohne weiteres ein. Und wenn man\nannimmt, daß mit dem Kauen und Durch-\nspeicheln der Nahrung im Munde bereits der\nVerdauungsprozeß beginnt, kann man den\nVergleich ungestört fortführen und Denken\nmit der Verdauungsfunktion als Ganzes\ngleichstellen. Denn auch die Denkfunktion ist\nein Ganzes, das in wesentlich verschiedene\nTeile, hier also Teilfunktionen, zerfällt.\nWenn wir beim Kauen einen Pfefferkern zer-\nbeißen, beginnt auf der einen Seite mit der\nReaktion der Speichellösung auf den scharfen\nGeschmack — auf der anderen Seite mit der\nWahrnehmungskonstatierung, „daß etwas auf\nder Zunge brennt und daß dies Pfeffer ist\",\nhier das Denken — dort das Verdauen,\nAber zwischen der reinen Wahrnehmungs-\nfeststellung „es brennt\" und „das ist Pfeffer\"\nliegt noch ein Vorgang, der für das Denken\nwichtig und charakteristisch ist — nämlich\nder Uebergang vom Bemerken zum Er-\nkennen, vom Wahrnehmen zum Urteilen,\nZwischen diesen beiden Funktionstatsachen,\ndie zum Denken gehören, liegt eben eine\ndritte, nicht weniger entbehrliche —- nämlich\nein „Inbeziehungtreten\", ein Verbinden des\ngerade bemerkten „Brennens\" mit einem be-\nreits vorhandenen Wissen, mit einer Erinne-\nrung: das ist Pfeffer; denn nur Pfeffer brennt\nso. So ist aus der Wahrnehmung eine „Er-\nkenntnis\" geworden.\nWas ist geschehen?\nDurch Vergleich der eben erst gemachten Er-\nfahrung mit einer frühergemachten, noch im\nGedächtnis haftenden, ist das Zerbissene,\nBrennende als Pfeffer „wiedererkannt\" wor-\nden. Die Möglichkeit dieses Vergleichens und\nWiedererkennens bedingt aber das Denken\nüberhaupt.\nAlles Denken ist von Denken bedingt.\nWie konnte da aber Denken entstehen?\nWir kommen hier zu einer Schwierigkeit, die\nsich in der Frage ausdrückt: was war früher\n— die Eichel oder der Eichenbaum?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c003", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "53", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt 3 ? Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt 3 ? Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 57, "texte": "Otto Nebel: Linoleumschnitt 3 / 1925 / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c004", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "56", "image_debut": 8, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.3", "titre_corps": "Hellrot", "titre_sommaire": "Hellrot", "signature_source": "Fritz Entelmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.8", "debut_caractere": 3397, "fin_caractere_exclue": 4044, "texte": "Hellrot\n\nEs lebte einst ein sehr junges Mädchen in\neinem großen, finstren Walde voll grinsender\nUngeheuer mit Spott im knöchernen, von\nGalle überzogenen Herzen. Das junge Mäd-\nchen, dessen Mutter eine Birke und das\nVäterchen ein Löwenzahn war, fürchtete sich\ngar sehr, und ihr hellrot fließendes Herz\nzitterte vor Qual bei dem nahen Gefühl der\nbrutalen Unholde, die allein schon durch ihre\nmassive Schwere erdgebunden waren.\nEines Nachts nun, als der runde Mond gläubig\nleuchtete und die Gräser ruheten, schlug das\nhellrot fließende Herz wild verlangend zu den\nEltern. Das große, grade Mädchen warf den\nSchatten nach hinten und vorne, hellrot wei-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3130, "texte": "nend, wie das Herz floß. — Dieses merkten\ndie Unholde, die nicht schlafen konnten, weil\nsie im Sonnenlicht schamlos viel gefressen\nund gesoffen hatten; sie lagen stöhnend mit\nden dicken Bäuchen gen Himmel, Die\nknöchernen, nach Galle duftenden Herzen\nwaren besonders nachts zusammengekettet,\nweil sie, sechs an der Zahl, zusammen nur ein\nAuge besaßen, welches mit einem harten,\nfeisten Strang einem jeden am dummen\nHinterkopf fortbaumelte. Doch der Schatten\ndes jungen hellroten Mädchens fiel zu stark,\nso daß die Zwölftel-Augen es bemerkt hatten.\nWuchtend erhoben sie sich also, daß kleine\nTäler entstanden und fromme Bäume, die\ngrade und weiß und grün zum Himmel streb-\nten, in eine schiefe Stellung (man kann sagen\nLage) gerieten. Unter diesen Bäumen befand\nsich auch die Mutter des hellrot fließenden\nMädchens, eine ältere Birke mit weißem Haar\nund zartgrünhängenden Blättchen, zum Him-\nmel etwas blänkelnd. Diese für sie neue und\nunbequeme Lage preßte dem Bäumchen einen\nSchmerzensschrei hervor, der die ruhenden\nNachtigallen erbeben ließ und sogleich des\nMondes gläubiges Lächeln in ihren runden\nAeuglein schräg spielte. Das Schluchzen im\nWalde erscholl leise und anhaltend, die Stief-\nmütterchen weinten dazu. — Dem graden\nMädchen fuhr es aber messerscharf durch das\nfließende Herz, erblaßte stärker, wie der\nMond, den Schatten von hinten nach vorne\nwerfend, hellrot leuchtende Tränenperlen auf\nblaßgrüne Gräser und silbern schimmernde\nBlümchen fallend. — Die Erde atmete schwer\nund tanzte durch den Sternenreigen, der ruhig\nund gefühlvoll lächelte.\nIn diesem Augenblick fiel der Schatten von\nhinten auf das schleifende Auge der Unholde;\nes triefte auf vor fleischlicher Kraft und ließ\ndie vollen Bäuche wollüstig erschüttern. Das\ngrade Mädchen lag in tiefstem Schmerz auf\nseinem Schatten und bemerkte nicht das\nZittern der strotzenden Leiber. Lang zog lang,\nder Augenblick war schreckbar und grauen-\nhaft, die Ungeheuer krallten Klauen massig,\nhart, schwer in steigender Lust, sie bildeten\nzusammen eine Masse Fleisch der reißendsten\nTiere. Die Leiber wölbten sich in kreis-\nrundem Bogen zu gemeinster Farbe, das Auge\nschaukelnd mit stechender Pupille auf trau-\nernd Mädchen, schön und grade, schmerzvoll.\nFäuste ballten sinnlicher, entzückt, da kitzelte\nVater Löwenzahn, der aufgeregt stand, die\nhängend, triefend Stechpupille an empfind-\nsamer Stelle, alle Ungeheuer zuckten gewal-\ntig, ruck — und stürzten sich auf das hellrot\nweinende Herz. Dies alles sah schiefe Birke\nin weißem Haar und betete, bat — bat, und\ngrades Mädchen flog als zarter Schmetter-\nling zwischen den klobigen Fäusten zur mild\nlächelnden Nachtwolke, hinter der ein Stern\nfreudig blinkte,\nMutter starb beruhigt, das gelbweiße Haar\nsilbern zu grünem Boden hängend, Wurzeln\nzitterten fröstelnd in ungewohnter Luft, die\nmilde roch und lispelte.\nJetzt lachten die Ungeheuer, weil sie gekitzelt\nwurden, fielen mit den gebogenen Bäuchen\ngen Himmel, daß es stank, und schnarchten\nweiter, um Kraft zum nächsten Fressen zu\nsammeln.\nWie die ersten Sonnenstrahlen stiegen, saß\nein zarter Schmetterling auf einem Löwen-\nzahn und weinte hellrot.\n\nFritz Entelmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c005", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "55", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.3.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt 4 / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt 4 / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 57, "texte": "Otto Nebel: Linoleumschnitt 4 / 1915 / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c006", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "56", "page_fin": "61", "image_debut": 10, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.4", "titre_corps": "Razzia im Schemen-Viertel", "titre_sommaire": "Razzia im Schemen-Viertel", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.10", "debut_caractere": 3132, "fin_caractere_exclue": 4274, "texte": "Razzia im Schemen-Viertel\n\nSchatten-Fasching\nArbeit ist der Mühe Lohn,\nAber es ist ihr beim besten Unwillen leider\nnicht möglich, sämtlichen Kretins, Journa-\nlisten, Bücherskorpionen, Blattwanzen und\nKunstkritikern, die Knust gegen Kunst schrei-\nben und die Urdummheit vermehren helfen,\nmit einem Schlage für alle Zeiten die Schand-\nwerke zu legen. Leider. Es können daher in\njeder Gegenwart und Zukunft nur immer ein-\nzelne Preßköpfe bedachtelt werden. Das ge-\nsalzene Fegefeuer kann nie sofort jedem der\nHerren Aspiranten in die Windhose gepfef-\nfert, mit Prospekt zu sagen, gefegt werden.\nLeider, leider. Die Herrschaften hausen so in-\nfam zerstreut auf der Erde herum, wie sie\nzerstreut infam gegen Kunst stammeln, daß\nsie schon von Glück singen und sagen können,\nwenn hin und wieder Dem oder Jenem schon\nnoch das Seine geschieht. Geduld, ihr Herren.\nIhre Stunde hat gebumst. Die Zeiger schnur-\nren. Es hat dreizehn geschlagen. Haben Sie\nGeduld mit sich. Es wird schon werden. Der\nGemeine hat eben von unten anzufangen,\nwenn er unbegabt ist. Höheren Ortes wird\ner entschieden. Und erst wenn ihm vom\nPublikum der sogenannte Katarakter ver-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4363, "texte": "liehen wird, ist er hoffnungslos ein Erwach-\nsener, vollkommen fertig und am Ende, ret-\ntungslos verwachsen in sich, Zeitgenosse.\nZu spät kommt oft die Treue, Vor der\nTreue wacht die Demut, vor der De-\nmut wartet Buße, Sie ist nie auf einen be-\nstimmten Tag festzusetzen, festzulegen. Sie\nkann auch nicht befohlen werden. Die Be-\nstimmungen der Unterwelt sind ohnmächtig\nvor der Macht der Innen-Wende, Die Ein-\nwände brechen zusammen. Die Wandlung\ngeschieht im Unbegrenzten, Grenzenlos im\nLicht wartet das All der Erfüllung, Alle sollen\nerleuchtet sein, Zeuger und Zeugen der Zu-\nkunft.\nAber die Zeitgenossen leben gegenwärtig in\nder Vergangenheit, Sie haben keine Zeit, Sie\nhaben ihre Zeitung, Sie sind unter den Strich\ngesunken, in den Spalten der Spaltung ver-\nkommen, Meinungen, Um auf die Folter zu-\nrückzukommen, Man soll Menschen nicht in\ndie Presse quetschen, nicht unter die Re-\nvolverpresse drücken.\nAber sie gehen auf die Walze, Sie sind vor-\nübergehende Erscheinungen, Gespannt auf\nEtwas, das ein Nichts ist. Gespannt auf das,\nwas kommt dort von der Höh, Und ruhig\nfließt der Rhein, Sie sind überspannt. Eine\nkurze Spanne Zeit, und die Kunst hat sie\nüberspannt, Eine Brücke ist die Kunst. Eine\nKrücke ist die Zeitung.\nDer Kritiker ist der Holzarm, der die Folter\n* '\nbedient.\nDer Politiker vernagelt den Sarg, in dem die\nScheintoten schlafen. Es ist eine Lust, zu\nüberleben.\nDie Kunst findet den Menschen nicht mehr\nunter den Lebenden, Das muß sich ein Philo-\nsoph, der die Ochsen auf den Trab, und die\nGänse mit den Pinguinen zusammen in den\nGespenstergalopp bringen wird, stets gegen-\nwärtig halten.\nSchlaget das Leben, solange es schäumt, rät\nder Narr. Es ist Zeit, den Landes-Bußtag ab-\nzuschaffen. Es ist Zeit, an seiner Stelle den\nReichs-Maulschellentag zu starten. Die Leute\nlangweilen sich nur und trinken. Der Geist ist\nSpiritus. Wir brauchen einen Volksfesttag,\nan dem Etwas geschieht. Wir brauchen einen\nFeiertag, an dem zur Belustigung der Schein-\ntoten und zum Zeichen der Einkehr etwa\neinige uneinige Volksverführer, Parteibonzen,\nPutschisten, Redakteure oder Minister vor-\ngeschlagen, mit dem Knüppel vorge-\nwalkt und wieder fallen gelassen, die\nHerren Kunstkritiker aber mit ihren Mach-\nwerken vor versammelter Mannschaft, in\nPappe gebunden, geohrfeigt werden. Wir\nhätten auf diese einfache Weise, gleichsam\nim Handumdrehen eine gesunde Innenpolitur\ngeschaffen. Gegen Glockengeläute, Flaggen-\nschmuck, Bläserbünde, Riesenfeuerwerk,\nBier, Lustbarkeit und Schützenfeste, gegen\njede Art von Rummelplätzen, auf denen gutes,\nhefefreies Vollweizenbrot kostenlos gereicht\nwerden müßte, vom Reich nämlich, wenn es\neines sein wollte, würde, panem et circenses,\nder Herr Reichs-Ernährungs-Minister nichts\neinzuwenden haben. Und auch dem Herrn\nReichs-Kunstwart, der bekanntlich die Biere\nund die Lustbarkeiten versteuern zuläßt, dem\nallsodas eigentliche Innenleben der Nation\nüberanvertraut ist, ihm würde immerdar aus\nder Jugendzeit, die Dein einst war, der be-\nkränzte Paragraph vom keimenden Leben,\nder die keimfreien Biere vor der Pullizei\nschützt, voranschweben, der § 11, in dem es\nso schön heißt: Pflücket die Rosen, solange\nsie warm sind. Im Winter gibt es keine war-\nmen Rosetten,\nJedoch für den Künstler ergeben sich, solange\ner nicht Milliardär ist, zum Schutze seiner\nArbeit und zum Schutze des keimenden Le-\nbens allso, allso zum Schutze des fruchtenden\nNachlasses, einige Banalitäten und Sprüche,\ndie er für sich behalten sollte, um nicht der\nLustbarkeiten-Steuer zu unterliegen. Wenn\ner gestorben ist, ist er sowieso unsterblich.\nIst er aber noch vor seinem diesseitigen Ab-\nleben ein anerkanntischer Wohlhabicht in\nmaterieller Hinrichtung, so komme es ihm,\n(dieser Satz hat einen langen Atem), wenn er\nvon seinen zwölf gesunden Biozentren, auf\nplattdeutsch: Sinnen, sinnvolle Gebräuche\nmacht, nicht darauf an, die beiden Wirkungs-\nfelder seiner intuitiven Vitalität, die sich na-\nturgemäß stets aus dem Optischen und dem\nAkustischen zugleich und ergänzend erwei-\ntern, und sich etwa als Dichtung und Malerei\ngegen die Zeitgenossenschaft der Pinguine mit\nbeschränktem Horizonit, in Klammern: Zett-\nde-Pi-emm-bee-Ha, sperren, Gedankenpunkt,\nnicht darauf an, diese Tätigkeitsfelder durch\nkräftige Meisterboxer\nschützen zu lassen. Im Ernst. Keine Aus-\nstellung ohne Boxer mehr. Ablösung zwei-\nstündlich. Wohnung und Pflegung frei. Ihr"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4297, "texte": "spart dadurch. Nerven, Papier, Zeit. Eine\nkleine Ewigkeit. Polemiken, Intuition, Gas,\nScherereien, Elektrizitätswerke. Korrektu-\nren, Tabak und andere Glaubensgenossen,\nVor jede Ausstellung einen sogenannten\nChampignon pflanzen! Wie leicht wäre es\neinem solchen Platz-Patron, den Herren\nKunstkritikern mit den hölzernen Bücher-\nrücken einiger Dichtungen einige treffliche\nSchlaglichter aufzuzünden, diesen Blind-\nschleichern mit den Unzenhandschuhen\npfundweise einige freie Rhythmen auf die\nschillernden Anzüge zu stoßen, schlicht und\nknorke. Wumm,\nJetzt sollt ihr erfahren, was ein armer Mann\nzu tun bekommt, wenn er ohne Champignons,\ndie im übrigen auf deutschplatt; Drieschlinge\nheißen, den Schmutz aus dem Kreise seiner\nAndacht merzen muß, den die Stinkmorcheln\nals Totalausdruck ihrer gemeinsamen Un-\nnatur abladen, um die Boviste zu überzeugen,\ndaß von der Kunst ein Dreck übrigbleibt,\nwenn ein Preßkopf kritisiert. Da hat neulich\nein Ernst, der noch heute Collin heißt, vor\ndem kleinen Schaukasten in der Sturm-Aus-\nstellung, in dem ein gewisser Otto Nebel\nfahrlässigerweise einige handliche Blätter\neiner frühen Dichtung stehen ließ, um zu zei-\ngen, daß die Boviste nicht lesen können, wenn\nein Text nicht geschmiert, sondern andächtig\ngemalt wird, behauptet, öffentlich versteht\nsich, dieser Nebel sei ein Genie und sollte da-\ngegen sofort den Psychiater holen. Es wäre\nschade um den Nebel. So begabt und schon\nso verrückt. Die Fuge Unfeig ein Blödsinn.\nGrober Unfug. Auf drei Riesenblättern (Ernst\nkann nicht bis vier zählen), lauter tolles Ge-\nzeuge. Der Psychiater sollte ihn holen. Unter-\nschrift : Ernst Collin, Berliner Volkszeitung.\nWach auf, mein Volk, und singe. Hole Atem,\nmein Volk, und bringe das Motto an: Otto,\nkehre zurück, dem Volk der D e n k eist nicht\nzu helfen. Alles vergebens. Und dann, mein\nVolk, kehre den Collin mit dem kalten Fege-\nbesen in die Unterwelt zurück, in der er ge-\nheuer ist.\nLieber Genosse Collin Ernst, Sie sind im Ernst\ntotal normal. Der Nebel ist ein Idiot. Sehen\nSie weiter mit das Hirn. Ihr Blick fällt zu-\nrück in Sie. Und daheeme danach dann flim-\nmert Ihnen die Tinte in den Ohren. Das muß\nfürchterlich schmecken. Schönes Bild von\nalter, deutscher Treue. Sie sollten Ihren\nHinterkopf wärmer schonen. Vielleicht einen\nKragenschoner um die Füße schwelgen. Und\njeden Morgen vor dem Schlafengehen drei\nLiter Buttermilch auf den Rücken melken.\nBreiumschläge auf den Bauch schnallen. Da-\nmit Rad fahren. Viel mehr körperliche Bewe-\ngung beschleunigen. Unser Volk muß musku-\nlöse Ertüchtigung betreiben. Das Gewehr\nüber! Hinlegen! Auf! Setzen! Auf!\nEs genügt heute nicht mehr, o Lieber, wenn\nSie mit der Zeitung vorangehen; auch der\nStubendienst ist wichtig, Gefreiter Collin. Es\ngenügt nicht, so mal rasch durch eine Aus-\nstellung zu flitzen, nachhausezuspritzen, das\nfette Essen hinunterzuschnarchen, die Schtie-\nbel runterzutreten, und dann zur Verdauung\neine Kritik hinzusudeln, die Ihnen sauer auf-\nstoßen muß. Essen Sie Bratkartoffeln. Auf\nRand genäht. Da war vor einiger Zeit ein\nFilm angezeigt. Collin Roß, Bestimmte As-\nsoziationen mußten sofort an Sie denken, ob-\ntrotz sie sich geschworen hatten, Sie in Ewig-\nkeit zu vergessen. Gedacht soll Ihrer werden,\nsagte das Wort, Es ist ein Roß entsprungen,\nspornte das Bild. Ein Collin ist entsetzt, ga-\nloppierte der Sinn. Er sollte doch den Psy-\nchiater holen, bäumte der Satz. Das Wort-\ngewissen rief zum Sturm. Die Schlacht um\nCollin war im Zuge,\nDas ist nicht mechanisch. Das ist Kunst. Das\nist biologisch. Das ist biologisch. Das ist die\nFolge der innigen Bindung von Innen-Schau\nund Innen-Klang, geliebter Ernst. Das ist das\nLeben, lieber Freund, das Leben im Nebel der\nStunden, Das ist nicht privat. Es meißeln\nSekunden die Urschrift des Seins. Die Runen\nsind Hämmer. Die Schrecken zerstieben,\nDas Urlicht der Welten zerwettert die Schat-\nten, geliebter Ernst,\nKurz ist die Ewigkeit im Augenblick, Der\nNebel stört das Spiel der Sinne nicht. Ihm\nwird die Zeit nicht lang, den Ton der Sterne\nüber Steinen, über Stirnen, Stäuben, Städten,\nSchemen und Vergehen in das Wort zu läuten.\nNie.\nSie aber, Ernst, Sie sind total normal.\nDoch Nebel ging zum Psychiater und las ihm\nlangsam die gemalten Zeilen jener frühen\nDichtung vor.\nBrink moll Mann Kind\nVollweib Ried Sanft\nRanft\nRastrasen errast"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3629, "texte": "Herzschenk schenkst\nFülle kelcht INNEN kredenz\ntrinkt leer!\nleuchten Hände Voran\nVerloren umlauscht\nnimm Wahr\nTief gottet Groß\nWeit wächst Rein\nWELT\nSEIN\nER\nGeist\nUR scheint ES\nDer Onkel Doktor schwieg ergriffen. Dann\nlas ihm Nebel Ihre hausgemachten Zeilen\nlangsam, aber sicher vor. Sie wissen doch\nnoch, Genosse Collin, Sie hatten gleich die\nersten der gemalten Worte gefälscht und um-\ngeschmiert zu:\nBronk Moll Monn Kond,\ndamit der Nebel da-\nmit zum Psychiater und so. Bronk moll Monn\nKond, Als das der Onkel Psychiater hörte,\nda schwieg er aber nicht mehr länger. Der\nDoktor redete und sprach: „Dieser Ernst,\nScherz beiseite, leidet unter pathologischen\nStörungen des Sehvermögens, das sich noch\ndazu zu verzinsen scheint. Vermutlich hat er\ndie Zeile bewußt gefälscht. Dann ist er ein\nsogenannter Maniker. Schizophren. Vielleicht\nhat er ein schweres Neptun-Quadrat auf der\nSonne seines Radixhoroskops, Neptun in\nJungfrau dazu. Solche Autisten sind darum\nbesonders unangenehm, weil man sie von\nstaatswegen nicht interniert. Genau wie der\nStaat selber. Wer die Menschen vor diesen\nKranken warnt, tut ein gutes Werk. Im Ernst.\"\nAllso sprach der Psychiater.\nHart auf Hart\nMühe ist der Arbeit Lohn.\nDie Wiederholung kann künstlerisch sein.\nVariationen holen ein Motiv wieder, das sich\nerinnert, indem es sich äußert. Kunstkritiker\nwiederholen sich unkünstlerisch. Sie erinnern\nsich, sich einmal geäußert zu haben. Sie er-\nwischen Etwas und stellen es fes t, obgleich\nes allein unfest, nämlich aus der Bewegung zu\nerkennen ist. Sie verwechseln ein Movens\nmit einem Motor, Geistigkeit mit Intellekt,\nGestaltung mit Mechanik, Kaleidoskope mit\nFugen, und Gleichnisse mit Titeln. Wenn sie\ndas eine Zeit lang betrieben haben, legen sie\nsich den Titel: Kenner zu. Erkennende sind\nBekenner. Der Kritiker ist dem Wesen fremd.\nEr ist unwesentlich in Allem,\nHerr Willi Wolfradt ist ein Kenner. Ein Cice-\nrone. Weiß schon. Cicerone, auf deutsch-\nplatt nach Duden: Fremden-Führer. Er führt\ndie Engen an der Nase in die Irre. Herr Willi\nWolfradt. Der Name des Herrn sei gelobt.\nNicht jeder kann gegen seinen Namen, Dafür\nkann keiner. Der Name dieses Herrn ließe\nsich einigermaßen fugieren. Die Gesamtfirma\nenthält ein Neun-Runen-Thema, Es gibt\nkeinen Zufall,\nWIL OFR ADT\nVielleicht macht sich ein gewiegter Epigone\neine Fuge daraus, einen Namen damit. Man\nkann nie wissen. Die Talente liegen in der\nLuft, Sie hängen nur so herum, Wolfradt\nschreibt auch. Für Kenner, für Kunstfreunde,\nfür Künstler und für Sammler, Besprechung\nvon Ausstellungen en gros, Westheimschüler,\nHaltet aus. Erst runterreißen, dann loben,\n(Kandinsky.) Wenn es nicht mehr anders\ngeht. Einen loben, zweie runterreißen. Wenn\nes geht. Wenn es nicht angeht, es aber doch\nspaßeshalber versuchen. Für Kenner- Den\nDritten auf allen Vieren umzingeln. Für\nKunstfreunde, Fünfe gerade sein lassen, ob-\ngleich sie in Wirklichkeit krumme Hunde\nsind. Dagegen einen Geraden dafür umbiegen.\nFür Sammler, Nun grade. Den Sechsten für\nden Ersten halten. Auf den Siebenten hin-\nweisen: Gebt Acht. Alle Neune. Der Mai ist\ngekommen. April, April, die Pinguine halten\nden Zehnten für den Zweiten, Es ist voll-\nbracht, Kunstkritik, Gegen Künstler. Für\nKenner.\nUnd allso sprach Willi, der Wolfradt, nach-\ndem er Dexel gelobt und Schwitters verrissen\nhatte,: „Interessanter ist der Kandinskyschü-\nler Otto Nebel mit präzis und fein kaleidos-\nkopierten Formenspielen, deren thematische\nVorstellungen („Hart auf Hart\", „Schatten-\nFasching\") jedoch nicht so zwingend heraus-\ngestaltet sind, daß die Titel wirklich unver-\ntauschbar wären. Unsägliche Mühe schwen-\ndet Nebel an Versuche, ein Gedicht als"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2812, "texte": "Schriftbild, Klangbild, Rhythmenbild und syn-\nthetisch dann als Urbild auszudrücken. Seine\nMethode ist nicht künstlerisch, sondern\nmechanisch. Er übersetzt wie der Hersteller\neiner Geheimschrift. Seine „Fuge Unfeig\" ist\neinfach Unfug.\" —\nPunkt. Gedankenstrich.\nKopf ab. Für Kenner. Für Künstler. Für\nSammler. Für Kunstfreunde.\nCicerone, 1925,\nKeine Ausstellung ohne Boxer mehr. Ihr\nspart dadurch den Schatten-Fasching.\nLieber Herr Wolfradt, Sie sind ein Mordskerl.\nWie machen Sie das eigentlich, wenn Sie\nunsern Freund Dexel zum Beispiel loben, ob-\ngleich er im Sturm ausstellt, und wenn Sie\nkurz darauf eine andere Sturm-Ausstellung\nmit Ihrem Unfug verwechseln, Fragezeichen,\nDa stimmt doch etwas nicht. Vielleicht liegt\nder Fehler doch in Ihnen, Vielleicht, lieber\nalter Herr, versuchen Sie einmal, den gewal-\ntigen Unterschied zwischen „sagen\" und\n„sägen\", und den noch gewaltigeren Unter-\nschied zwischen einem Formenspiel und\neinem Bilde, und den gigantischen Unter-\nschied zwischen einem Kaleidoskop und einer\nFuge präzis und fein zu präzisieren. Da ist\nein Schied unter. Für Kenner, Indem und\nweil nämlich zum Beispiel ein Kaleidoskop\nnimmer in seinem Innersten komponiert nach\nkünstlerischen Gesetzen, sondern, entschul-\ndigen Sie den präzisen Ausdruck, sozusagen\nmechanisch allerlei durcheinander-\npurzeln läßt, das sich zu variablen Ornamen-\nten immerhin ordnet, ist ein Kaleidoskop just\ndas Gegenspiel zu einer Fuge, die nicht und\nnie und nimmer mechanisch, sondern künst-\nlerisch komponiert, was mit Unfug schon des-\nhalb nichts zu schaffen hat, Komma, weil das\nFügen und Sichfügen der Werkteile ein\nGeschehen ist, das mit Fug und Recht aller\nKomponenten des überpersönlichen Wirkens\ngeschieht.\nGeschieht, lieber Herr, Es ist nichts zu\nmachen. Daher der Name: Fuge. Sie ver-\nwechseln nicht nur Titel, sondern auch\nGrundbegriffe, Sie sollten Ihre schwere Mühe\nkurz und klein sägen. Aber sie ist unsäglich,\ndenn sie ist zu leicht gemacht sich, Ihr\nKaleika, das auch in jedem anderen Kritiker\ndie sogenannte thematische Galavorstellung\nund den Galimathias regiert, was von Regie\nkommt, und hier ausnahmsweise „rehschiert\"\nzu sprechen ist, verhindert auch Sie, Bilder\nund andere Fugierungen genau so primär und\nurkünstlerisch, wie sie geschahen, zu erleben.\nFür Kenner. Da Sie, lieber Herr, für Künst-\nler zu schreiben trachten, müssen Sie danach\ntrachten, nicht gegen Künstler zu schreiben,\ndie schreiben können, weil es geschieht. Den\nSammlern machen Sie, Herr Wolfradt, sonst\nauch in Zukunft einfach Unfug vor. Davor\nsollten die Herren hierdurch mit vorzüglicher\nAußerachtlassung bewahrt werden. Der Ge-\nmeine muß von unten anfangen, und nie von\noben herab tun. Wo die Fuge geschieht, ist\noben. Unter uns. Für Kenner.\nKopf hoch, alter Herr, es wird schon werden,\nArbeit ist der Mühe Preis.\n\nOtto Nebel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c007", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.4.1", "titre_corps": "Hotel zu Nizza", "titre_sommaire": "Hotel zu Nizza", "signature_source": "Adolf Loos", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Adolf Loos: Hotel zu Nizza"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c008", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.4.2", "titre_corps": "Gruppe von zwanzig Villen. Die Dächer werden von den obersten Zimmern der rückwärts liegenden Villen als Gärten benutzt", "titre_sommaire": "Gruppe von zwanzig Villen. Die Dächer werden von den obersten Zimmern der rückwärts liegenden Villen als Gärten benutzt", "signature_source": "Adolf Loos", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 131, "texte": "Adolf Loos: Gruppe von zwanzig Villen. Die Dächer werden von den obersten Zimmern der rückwärts liegenden Villen als Gärten benutzt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c009", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "59", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.4.3", "titre_corps": "Linoleumschnitt 1924 E H / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt 1924 E H / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "G. den Decker", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 60, "texte": "G. den Decker: Linoleumschnitt 1924 E H / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c010", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "62", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.5", "titre_corps": "Bildung und Kunst", "titre_sommaire": "Bildung und Kunst", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.17", "debut_caractere": 2814, "fin_caractere_exclue": 3802, "texte": "Bildung und Kunst\n\nToilettengeheimnisse\nDer Verleger Kiepenheuer aus Potsdam hat\neine Privatzeitschrift herausgegeben, die sich\nTabatiere nennt. Sie enthält die Eintragun-\ngen und Inschriften, die der familiäre, lite-\nrarische und künstlerische Verkehr dieses\nVerlegers an die Wände der Stätte schreibt,\noder richtiger dichtet, die man laut Anschlag\nauf der Straße nicht vor dem Ordnen der\nKleider verlassen soll. Es ist nützlich, Men-\nschen im ungeordneten Zustand zu sehen. Es\nist verdienstvoll, wenn ein Verleger seine\nMitarbeiter entkleidet. Es ist wertvoll, daß\ndas Berliner Tageblatt Kenntnis von diesen\nEnthüllungen gibt. Die Gattin des Verlegers\ndichtet über ihr trautes Heim:\n„Das schönste Klosett auf Erden\nist dieser schöne Ort.\nv ' -\nNach ihm in Freud' und Leide\nZieht es mich immerfort.\nWeihnachten 1924\nBettina Kiepenheuer\"\nDie Dame braucht die Oeffentlichkeit nicht\nzu scheuen.\nEin anderes Gedicht heißt:\n„Mein lieber, lieber Kiepenheuer,\nSitz' ich hier so auf Tante Meuer,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3803, "texte": "Was tu ich mit all diese Sprüch' an de Wänd',\nWenn vergebens nach 'nem Blättchen greifen\ndie Händ'.\nSo will mir's nicht aus'm Sinn\nLeg' zur Vor- und Nachsorge unser\nKunst b 1 a 11 hin,\nUeberall, wo man sitzt, für Herren, für die\nDame,\nHelfen wir aus und machen Reklame.\nPaul Westheim\"\nHiermit ist der eindeutige Beweis erbracht,\nwas Herr Paul Westheim von sich und von\nseinem Kunstblatt denkt. Das sind unsere\nFeinde, meine Freunde.\nAnfrage\nIm redaktionellen Teil des Börsenblattes für\nden deutschen Buchhandel steht folgende An-\nfrage: „Könnte mir jemand Titel, Verlag und\nPreis nachstehend beschriebenen Bildes mit-\nteilen: Im Hintergrund schneebedeckte Berg-\nketten im mattrötlichen Schein; Vordergrund:\nHalle mit Säulen; am Rande der Halle liegt\neine Frauengestalt hingestreckt, während sich\neine zweite Gestalt im Licht des Alpen-\nglühens über sie beugt. Größe ungefähr\n30X50 cm.\" Die Größe bezieht sich auf das\nAlpenglühen und nicht etwa auf die zweite\nGestalt. Das Bild hängt in den Vereinigten\nMuseen der schönen Künste und wird für\njeden Preis gemalt. Es wäre demnach nur\nnoch die Mitteilung erwünscht, warum die\neine Person hingestreckt liegt. Vielleicht\näußert sich Herr Dr. Max Deri darüber.\nKeine Fehlbitte\n,»Hochgeehrte Schriftleitung I Seit Jahren mit\ndem Aufbau eines großzügigen Verlagsunter-\nnehmens zur Pflege der Romantik beschäftigt,\nbeginne ich nunmehr, nach Ueberwindung der\nGeldentwertung, mit aller Kraft aufs neue\nan der Verwirklichung meiner Lebensauf-\ngabe: die deutsche Volksseele zu retten vor\ndem Gifthauch schnödester Selbstsucht und\nverhärteter Gleichgültigkeit gegen das Gött-\nliche im Menschen, zu arbeiten. Hierzu bitte\nich die gesamte deutsche Presse des In- und\nAuslandes um Mithilfe, eingedenk der großen\nBedeutung, die sie als Kulturträgerin täglich\nerfüllt. Tragen Sie meine Idee in Ihre brei-\ntesten Leserkreise und machen Sie sie so zu\neiner Sache des ganzen Volkes. Immer zer-\nmürbender pocht ja eine gänzlich entseelte\nZukunft des Maschinenzeitalters auf die Ge-\nhirne ein. Dem muß mit aller Kraft sittlicher\nVerantwortlichkeit entgegengetreten werden\noder unser deutsches Volk ist das der Dichter\nund Denker gewesen und erreicht den Tief-\nstand amerikanischen Krämergeistes! In der\nHoffnung, keine Fehlbitte zu tun, mit deut-\nschem Gruß.\"\nWährend der Geldentwertung konnte die\nVolksseele sich seinswegen vergiften lassen.\nDas Göttliche im Menschen brachte zu wenig\nein. Und die Amerikaner werden sich ärgern,\ndaß sie, ätsch, nicht gerettet werden sollen,\nweil sie nur eine amerikanische Volksseele\nhaben. Der Herr Verleger hat persönlich ge-\ndichtet „Die schöne Müllerin\", komische\nSpieloper, „Vineta\", romantische Oper, „Die\nTotentrud\", romantische Oper, deren Urauf-\nführung für das Jahr 1926 vorausgesagt wird.\nSo ein Krämergeist will. Zur Entgiftung wer-\nden die Bücher des Herrn Gramsch empfoh-\nlen. Sie heißen schlicht „Und dennoch\", „Ganz\ndein\" und „Weiße Segel\". Die Herren Schrift-\nsteller und Kritiker bekommen diese Bücher\nzur Besprechung. „Sollte man diese Zusiche-\nrung nicht erfüllen, so darf der Verlag nach\nAblauf genannter Frist die Bücher abzüglich\n25 Prozent Verlegernachlaß berechnen.\" Die\nLeute mit amerikanischem Krämergeist sollen\nsich wenigstens nicht umsonst entgiftet haben.\nJa, das Maschinenzeitalter pocht.\nWohnungsmangel und Metaphysik\nin Magdeburg\nöder\nDie fröhl. Fr.\n280 b. tr. £e*\nbenSfmb. u. f. tu\nb liebeöoöe, fürfora.\nButter? 2öeg. QBof*\nmihafintf« f. 42}\nSöto., gefb., tabeltofe\nQser§angens., fo balb\nalä tttögf. s« »erbetv.\n9iur ftrebfame, fctibe\nBaubtot ob. 93cam(e a.\nb. £be. <te>o £aitbn>irt*\nfd&aft betrb. n>.), b.\n$r. u. ®let§ aber auch\ne. frteblb. u. frö&i.\n$t. au fd&äfc, n>ifTeiu\nn>erb. geb., ju fcbtb.\n(etrtl. a. #orl. 5. j&aus*\nbaltfbrg.) an b. 9Kgb.\n3titung unt 0. 706«\nAbgekürztes Verfahren.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c011", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "64", "image_debut": 19, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.6", "titre_corps": "Aus unserer Korrespondenz : Sturm-Ausstellung in Dresden", "titre_sommaire": "Aus unserer Korrespondenz : Sturm-Ausstellung in Dresden", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4270, "texte": "Aus unserer Korrespondenz\nSturm-Ausstellung in Dresden\n\nBerlin, den 6, 4, 25\nNeue Kunst Fides\nDresden\nSehr geehrter Herr Probst!\nDa Sie weder bei meinen beiden Führungen,\nnoch bei meinem Abendvortrag in Ihren Räu-\nmen anwesend waren, muß ich Ihnen schrift-\nlich mitteilen, was ich Ihnen sonst direkt ge-\nsagt hätte. Sie werden bereits durch Ihre\nAngestellten erfahren haben, daß mich die\nArt, wie Sie unsere Kollektion ausgestellt\nhaben, mit der größten Entrüstung erfüllt hat,\nHerr Kesting hatte mir bereits mitgeteilt, daß\nSie von den übersandten 105 Bildern circa\n40 nicht gehängt hatten. Ein flüchtiger Blick\nin die Ausstellung konnte jeden überzeugen,\ndaß die Weglassung dieser Bilder nicht auf\nRaummangel beruhte. Die meisten der Wände\nwaren nicht nur nicht ausgenützt, sondern\nmeist nur ganz spärlich behängt. Bei einer\nsachgemäßen Verteilung hätten sich sogar,\nwie ich mich gründlich überzeugt habe, eine\nweit größere Anzahl von Bildern als die 105\nübersandten hängen lassen, ohne daß eine\nUeberfüllung eingetreten wäre. Das Prinzip,\nnach dem Sie diese 40 Bilder ausgeschlossen\nhaben, ist mir freilich unerklärlich geblieben.\nSie haben nicht nur große und bedeutende\nWerke, wie etwa das große Gemälde von\nJohannes Itten, von dessen allgemein aner-\nkannter Bedeutung auch Sie gelegentlich ge-\nhört haben müssen, weggelassen, sondern\nauch mittlere, kleinere und kleinste Bilder,\nwie z. B. Aquarelle und Zeichnungen von\nChagall, Molzahn, Gleizes, Wauer u. a,,\nvon denen man noch Dutzende bequem,\nkünstlerisch und wirksam hätte hängen\nkönnen, nicht ausgestellt, Sie haben sich\nsogar für berechtigt gehalten, von Aurel\nBern&th überhaupt nichts zu hängen, ob-\ngleich selbst ein in künstlerischen Dingen\nUngeschulter auf den ersten Blick den hohen\nkünstlerischen Rang dieser Bilder hätte er-\nkennen müssen. Von den drei Bildern der\nTour Donas haben Sie gerade das nicht aus-\ngestellt, das jeder Unbefangene als das Be-\ndeutendste der drei übersandten erkennen\nwird. Peris große Konstruktion haben Sie\nnicht gehängt, obgleich Sie wissen mußten,\nwie wichtig es war, daß ein größeres Bild\ndieses Malers gezeigt wird, den schon seit\nlängerer Zeit selbst diejenigen Kritiker und\nSchriftsteller als einen Künstler ersten Ran-\nges erkennen, die aus übler Gewohnheit uns\ngern etwas am Zeuge flicken. Sie haben\nferner von den 5 Bildern Kurt Schwitters\ndrei, darunter zwei große und wesentliche,\nnicht gehängt, obgleich Sie mich ausdrücklich\ngebeten hatten, es in der Kollektion ja nicht\nan Bildern von Schwitters fehlen zu lassen,\nSie haben weiterhin das große und ausge-\nzeichnete Bild von Topp „Bild mit zwei Ge-\nstalten , sämtliche Arbeiten von William\nWauer und ein Bild von Zadkine, einem\nMaler von internationalem Ruf, nicht ge-\nhängt, Ich wiederhole, daß für alle diese\nFortlassungen nicht der geringste Grund vor-\nlag. Und wenn ich auch den Verdacht habe,\ndaß Sie einige Bilder deswegen nicht gehängt\nhaben, weil Sie sich nicht fähig fühlen, ihren\nWert zu erkennen, oder was noch schlimmer\nwäre, weil Sie sich nach dem Geschwätz\neiniger nicht maßgebender Kunstschriftsteller\nrichten, so muß ich doch wiederum Bedenken\ntragen, dieses zu glauben, wenn ich erwäge,\ndaß Sie Bilder von längst anerkanntem Rang\nausgeschieden haben. Aber die Aeußerung,\ndie Sie über die Kollektion bereits vorher zu\nHerrn Kesting und auch mir gegenüber getan\nhaben, läßt mich deutlich erkennen, daß Sie\nzwar diese Bilder bequem hätten ausstellen\nkönnen, aber nicht ausstellen wollten.\nSie mußten wissen, daß die Ausstellung bei\nWeglassung dieser Bilder, da jeder Maler nur\nmit wenigen Arbeiten vertreten sein konnte,\neinen ganz unvollkommenen Eindruck\nmachen mußte, und daß damit gerade ihr\nHauptzweck verfehlt wurde, nämlich die\nReichhaltigkeit der künstlerischen Produktion\nauf dem Gebiete des Expressionismus, seine\nerstaunliche Mannigfaltigkeit, das immer wie-\nder neue und eigene Gepräge der verschiede-\nnen Kunstwerke zu zeigen und so dem immer-\nhin gutwilligen Publikum und der ganz gewiß\nböswilligen Kritik sowie den Kunsthändlern,\ndie zu früh gejubelt hatten, zu beweisen, daß\nder Expressionismus nicht tot ist, sondern\nganz im Gegenteil lebendig genug, und immer\nwieder neue Erscheinungsformen hervor-\nbringt. Es konnte Ihnen nicht verborgen\nbleiben, daß Sie durch Ihre eigenmächtige,"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3809, "texte": "gänzlich willkürliche und sinnlose Zerstücke-\nlung einer von uns mit Mühe, Ueberlegung\nund Sorgfalt zusammengestellten und um-\nfassenden Kollektion die Ausstellung von An-\nfang an ruiniert hatten. Durch diese Zer-\nstückelung war sie bereits vernichtet. Aber\ndamit haben Sie sich nicht begnügt. Sie haben\naußerdem die Bilder in einer Weise zur Aus-\nstellung gebracht, die jedem Kunstsinn und\njedem Kunstgeschmack ins Gesicht schlägt.\nIch habe bei meiner Anwesenheit in Ihren\nAusstellungsräumen den Ausdruck meiner\nEmpörung und Entrüstung über diese Art,\nBilder zu hängen, nicht zurückgehalten. Ich\nmuß Ihnen diese Wahrheit sagen, daß das,\nwas ich gesehen habe, selbst meine schlimm-\nsten Befürchtungen überstiegen hat. Daß Sie\nimstande wären, Bilder nach künstlerischen\nGrundsätzen zu hängen, gegen die Sie von\nvorn herein eingestandenermaßen das üb-\nliche Vorurteil der Kunstfeinde hatten, da-\nvon war ich, ebenfalls von vornherein, über-\nzeugt. Aber daß Sie es fertigbringen sollten,\ndie Jbilder in einem solchen tollen Durchein-\nander, wie ich es erblickt habe, an die Wände\nzu hängen, das hatte ich doch nicht für\nmenschenmöglich gehalten. Wenn jemand\ndarüber gegrübelt hätte, wie er die Bilder\naufhängen könnte, um zu versuchen, sie ad\nabsurdum zu führen, er hätte es nicht anders\nmachen können. Die Zusammenstellung der\nBilder, wie Sie sie vorgenommen haben, war\nwirklich ein grauenvoller Anblick. Ich habe\nnicht zwei Bilder gefunden, die in richtigem\nMaß und Sinn zueinander hängen. Selbst von\ndem primitiven Grundsatz, daß man die\nGraphik von den Gemälden trennt, scheinen\nSie nichts zu wissen, oder sie hatten die son-\nderbare Idee, daß in der Zusammenstellung\neiner feinlinigen Zeichnung mit einem bunten\nOelgemälde ein besonderer Reiz liege.\nWelche Idee ferner, rechts und links von\neinem Gemälde von Rudolf Bauer zwei Bilder\nvon Charchoune zu hängen, die zueinander\npassen wie die Faust aufs Auge. Nicht ein\nBild hängt an einer richtigen Stelle, nicht eins\nhängt so, daß es sich zum nächsten schickt.\nEs ist ein Durcheinander und ein Mangel an\nGeschmack, der heutzutage wahrhaftig sei-\nnesgleichen suchen muß. Wir waren voll-\nkommen im Recht, als wir so sehr darauf\ndrangen, das Hängen selbst zu besorgen. Und\nwenn Sie behaupten wollen, daß die Bilder,\nso wie ich sie angetroffen habe, gut gehängt\nwaren, um so schlimmer! Welches aber auch\ndie Gründe für diese Hängeweise, die mich\nmit Wut und Entsetzen erfüllte, gewesen sein\nmögen, so muß ich Ihnen den Vorwurf\nmachen, daß Sie durch Ihr eigenmächtiges\nVerhalten die Ausstellung von vornherein\nzerstört und uns sowie die Künstler des\nSturm auf das schwerste geschädigt, den\nKünstlern auch eine erhebliche Beleidigung\nhaben zuteil werden lassen.\nDem Vorschlag einer Ihrer Angestellten, die\nAusstellung heute, Montag, zu entfernen,\nhabe ich wahrhaftig nicht widersprechen\nkönnen. Es ist besser, gar nicht auszustellen,\nals die besten Bilder in solcher verhöhnenden\nWeise zusammenzustellen. Ich erwarte von\nIhnen nicht die geringste Rechtfertigung, da\nes gar keine Entschuldigung für Sie gibt. So-\nwohl wir wie auch Herr Kesting haben Ihnen\nunsere Hilfe angeboten, da wir von vorn-\nherein an Ihrer Fähigkeit, Bilder zu hängen,\nzweifelten. Ein anerkennenswerter Grund,\nes abzulehnen, lag für Sie nicht vor. Sie\nmüssen also andere Gründe gehabt haben.\nEs versteht sich von selbst, daß wir alle\nunsere Künstler davon benachrichtigen, in\nwelcher Weise Sie sich erlaubt haben, sich\nzum unberufenen Richter ihrer Arbeiten und\ngleichzeitig zu ihrem Schädiger zu machen.\nOb wir juristisch ein Recht haben, die Aus-\nstellung zurückzuziehen, will ich nicht unter-\nsuchen. Es ist auch wohl überflüssig, da es\nvermutlich Ihrem Wunsche entspricht, von\neiner Ausstellung befreit zu werden, die\nIhnen von Anfang an unbequem war.\nHochachtungsvoll\n\nDr. Rudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c012", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "64", "page_fin": "64", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.7", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.20", "debut_caractere": 3811, "fin_caractere_exclue": 4216, "texte": "Inhalt:\nWilliam Wauer: Das entdeckte Gehirn . . , . 49\nOtto Nebel: Linoleumschnitt 53\nFritz Entelmann: Hellrot 54\nOtto Nebel: Linoleumschnitt 55\nOtto Nebel: Razzia im Schemenviertel ..... 56\nG. den Decker: Linoleumschnitt . 59\nHerwarth Waiden: Bildung und Kunst ..... 61\nRudolf Blümner: Aus unserer Korrespondenz , . 63\nAdolf Loos: Hotel zu Nizza (Beilage)\nAdolf Loos: Architektonischer Grundriß (Beilage)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c013", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.8", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 804, "texte": "°NE UE\nRUSSLAND\nMonatsschrift fur Kultur- u. Wirtschafts-\nFragen / herausgegeben von der\nGESELLSCHAFT DER FREUNDE\nDES NEUEN RUSSLAND.\nSchriftlg. Erich Baron, Bln.-Pankow, Kavalierstr.lo\n„DAS NEUE RUSSLAND\"\nist die einzige Zeitschr ift, die durch ssch-\nkundige BeitrSge hervorragender rus-\nsischer und deutscher Mitarbeiter zuver-\nlcissige Informationen iiber den kultu-\nrellen und wirtschaftlichen Neuaufbau\nRutilands vermittelt. DieZeitschrift dient\ndamit zugleich der Forderung der kultu-\nrellen und wirtschaftlichen Verstandi-\ngung Deutschlands und Rußlands.\nDer Preis der Zeitschriit betragt lur das Einzelheft\nM. 0.60, Itir das Doppelheft M. I.—, fur das Viertel-\njahrsabbonnement M. 1.50. — Fur Mitglieder der\n„Qesellschaft\" ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag\nvon M. 5.— pro Vierteljahr inbegrifien."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c014", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.9", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.2", "debut_caractere": 806, "fin_caractere_exclue": 1365, "texte": "Neue franzosische Revue\nIndividual isti sche Heft e\nStud i en und Dokumente\n•. 1 •\n'1\n■A- : \\\n.V'& .V.rtSt\n;.'W\nX' -*rV.J J' , f-i ' ' 1.! Tv •\n:{v;'\n: , : >\nr ■ i\n'M ■ i*\n;'ir:\nJenseits der freiphiloso-\nphischen Auslegung und\nder sozialen, sinnlichen und\nfreien TStigkeit in Frank-\nreich wird der internatio-\ni\nnalen Arbeiterbewegung\nbreiter Raum gew&hrt.\n. ' ■ ' '\nDie Revue erscheint alle 20 Tage. / Abonnement: 5 Hefte\n5 francs /10 Hefte 10 francs / I Heft 1 franc 25\nAlle Korrespo n d en z en an die Redaktion\nLueurs/Lyon / Frankreich, 232, rue Garibaldi"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c015", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.2", "debut_caractere": 1367, "fin_caractere_exclue": 1592, "texte": "VERLAG „DER STURM\" / BERLIN W 9\nHerwarth Waldens\nCinblidf in Kunst\nDie beste Einliihrung in den\nExpressionismus, Kubismus u. a.\n70 Abbildungen / 4farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M 6.50\nFCNFTEA U F L A G E"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c016", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.11", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.2", "debut_caractere": 1594, "fin_caractere_exclue": 1715, "texte": "PL*\nEine moderne rumanische\nKunst- u. Literatur-Zeitschrift\nDirektoren: J. VINCA und M. )ANCO\nStr. Trinitatii 29\nBUCAREST"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c017", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[48]", "page_fin": "[48]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.2", "debut_caractere": 1717, "fin_caractere_exclue": 1937, "texte": "INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT\nKALENDER DER NEUEN KUNST UND DER GEGENWART\n.\nDIREKTION LIOUBOMIR MIT\nHp\nH\nELGRAD * OBILITCHEV VENATZ 36\nFOhrende Zeitschrift, die unver&ffentlichte\nManuskripte in alien Sprachen derWelt bringt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c018", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[65]", "page_fin": "[65]", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "[65]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1170, "texte": "y.f- r\nHerausgeber: HERWARTH WALDE N\n,y\nn\n■\n■ 5\nv • ■ i V —*•\n,\nI ,\n;,•» iv.fr ' ' t\nV * r v .\n? < • » •,; •\nwfc-.\nj: ' \" ,V\" V'-\\\n' 1 ]) ,? ....\n■' Nt \\\\ :\n?V- ~il ■ *; \"> •' *, • *\n» {vf •. £ ■\n> > •( . : ; 'j\n\\'v ■'? '\";\n■'V- ' >;;\n, V' •• 'I' ,r- A 14* l*. ■ :\nDie\n16. jahrgang 1925\nMonatschrift\n]edes Heft 1 Mark 50 pfennig\n]ahrgang 1925: 12 Mark\nV '■* ' , ,t'! \" ' >' \\{ • ' J «\nEin halbes ]ahr: 8 Mark\nEin Vierteljahr; 4 Mark\n, • iiy\nr r\ni* \" ••. ,<\n■ ■ 'u'V-\n▼ ▼\nd6r Zeitschrift Der Sturm\nDie Zeitschrift Der Sturm wurde im Jahre 1910 durch Herwarth\nWalden als Wochenschrift begrundet. Sie wurde spater in eine\nMonatschrift umgewandelt. Nur im ]ahr 1924 erschien sie als Viertel=\njahrschrift mit Monatsberichten.\nWer sich über die Entwicklung der gesamten neuen Kunst, der\nDichtung, der Malerei, der piastik unterrichfen will, findet in den\nJahrgangen „Sturm\" das reichste Material.\nPreise der friiheren Jahrgange:\n1.—4. Jahrgang: vergriffen\n5.—7. Jahrgang: je 12 Mark\n8. jahrgang: vergriffen\n9.—-15. Jahrgang: je 12 Mark\n'■* ' *t- V\nIf:\nhi *\nV<r \\ <i '\n• P • ; ; -.v' \"\n;\n112 .... - ■ • ' •\ni\nM\n' :fl( fl •>. ./ ■' ■ ••:\n' ' ; •, A' ■ • i; *ij\n'. • v-; /, * - J"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c019", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[66]", "page_fin": "[66]", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "[66]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.22", "debut_caractere": 243, "fin_caractere_exclue": 332, "texte": "STURM-ABENDE IN DER\nJEDEN MITTWOCH 71/„ UHR /\nSTURM-AUSSTELLUNG\nPOTSDAMER STRASSE 134 A I"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c020", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[66]", "page_fin": "[66]", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "[66]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.22", "debut_caractere": 334, "fin_caractere_exclue": 577, "texte": "APRIL\n1\nWaldemar Eckertz\nAus eignen Dichtungen\n8\nRudolf Blumner\nRezitation\nHerwarth Walden\nLieder und Gesange\nGesang: Mdrga Handel-\nMarben\nTschechische\nMusik\n\\ . /\nSlowakische und mahrische\nVolkslieder\nGesang: Ana Kratky\nKlavier: Miroslav Pone"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c021", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[66]", "page_fin": "[66]", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "[66]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.22", "debut_caractere": 579, "fin_caractere_exclue": 696, "texte": "STURM-AUSSTELLUNG\nBERLIN W 9, POTSDANIER STRASSE 134 A I\nr mmm\nApril 1925\nOscar Nerllnger\nAdolf Hilllic\nHugo Sdieiber"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c022", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[66]", "page_fin": "[66]", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "[66]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.22", "debut_caractere": 698, "fin_caractere_exclue": 805, "texte": "ist die Nummer\nI Sturmbuchhandlung\nin der Potsdamer o*\ngtrayWir erwarten 016\n' - T. ' i ■»\nHochachtungsvoli"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-04-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-04_01#c023", "volume": "bmtnabg_1925-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[66]", "page_fin": "[66]", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "[66]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.22", "debut_caractere": 807, "fin_caractere_exclue": 1310, "texte": "W. Marziliier & Co. Berlin W * GrunewaldstraGe 14-15\nGegriindet 1854- Hofspediteure 8. M. des Koniys von Spanien Gegriindet 1854\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- und Auslandes :: Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kiinstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des „Sturm\" '"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.1", "texte": "BraH tfjf-w k l ■_, 112 SW ?5&3&% ;V''\n9BHB& SBiBHi IMEI HMtew, *&££& t&Xr JbESSHLc IHL £sj&ji_ J»|RSE\nMONATSCHRIFT / HERAUSGEBER:\nHERWARTH WALDEH\n16.1AHRGAHG\nBERLIN / APRIL 1925\n4. HEFT\n\nOtto Nebel: Linoleumschnitt 3 / 1925 / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.2", "texte": "°NE UE\nRUSSLAND\nMonatsschrift fur Kultur- u. Wirtschafts-\nFragen / herausgegeben von der\nGESELLSCHAFT DER FREUNDE\nDES NEUEN RUSSLAND.\nSchriftlg. Erich Baron, Bln.-Pankow, Kavalierstr.lo\n„DAS NEUE RUSSLAND\"\nist die einzige Zeitschr ift, die durch ssch-\nkundige BeitrSge hervorragender rus-\nsischer und deutscher Mitarbeiter zuver-\nlcissige Informationen iiber den kultu-\nrellen und wirtschaftlichen Neuaufbau\nRutilands vermittelt. DieZeitschrift dient\ndamit zugleich der Forderung der kultu-\nrellen und wirtschaftlichen Verstandi-\ngung Deutschlands und Rußlands.\nDer Preis der Zeitschriit betragt lur das Einzelheft\nM. 0.60, Itir das Doppelheft M. I.—, fur das Viertel-\njahrsabbonnement M. 1.50. — Fur Mitglieder der\n„Qesellschaft\" ist der Bezug im Mitgliedsbeitrag\nvon M. 5.— pro Vierteljahr inbegrifien.\n\nNeue franzosische Revue\nIndividual isti sche Heft e\nStud i en und Dokumente\n•. 1 •\n'1\n■A- : \\\n.V'& .V.rtSt\n;.'W\nX' -*rV.J J' , f-i ' ' 1.! Tv •\n:{v;'\n: , : >\nr ■ i\n'M ■ i*\n;'ir:\nJenseits der freiphiloso-\nphischen Auslegung und\nder sozialen, sinnlichen und\nfreien TStigkeit in Frank-\nreich wird der internatio-\ni\nnalen Arbeiterbewegung\nbreiter Raum gew&hrt.\n. ' ■ ' '\nDie Revue erscheint alle 20 Tage. / Abonnement: 5 Hefte\n5 francs /10 Hefte 10 francs / I Heft 1 franc 25\nAlle Korrespo n d en z en an die Redaktion\nLueurs/Lyon / Frankreich, 232, rue Garibaldi\n\nVERLAG „DER STURM\" / BERLIN W 9\nHerwarth Waldens\nCinblidf in Kunst\nDie beste Einliihrung in den\nExpressionismus, Kubismus u. a.\n70 Abbildungen / 4farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M 6.50\nFCNFTEA U F L A G E\n\nPL*\nEine moderne rumanische\nKunst- u. Literatur-Zeitschrift\nDirektoren: J. VINCA und M. )ANCO\nStr. Trinitatii 29\nBUCAREST\n\nINTERNATIONALE ZEITSCHRIFT\nKALENDER DER NEUEN KUNST UND DER GEGENWART\n.\nDIREKTION LIOUBOMIR MIT\nHp\nH\nELGRAD * OBILITCHEV VENATZ 36\nFOhrende Zeitschrift, die unver&ffentlichte\nManuskripte in alien Sprachen derWelt bringt."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nDas entdeckte Gehirn\nWilliam Wauer\n\nVorwort\n„Die Entdeckung des Gehirns\" ist ein Erfolg\nund ein Triumph der Wissenschaftlichkeit\nunserer Zeit. Verdankt sie auch ihr entschei-\ndendes Beobachtungsmaterial einem Zufall —\ndas Verdienst der Forschung bleibt un-\nbestritten.\nIn meinen hier vorliegenden Vorträgen habe\nich versucht, auf Grund des wissenschaft-\nlichen, geschichtlichen und philologisch-philo-\nsophischen Materials einige summarische\nKonsequenzen zu ziehen, die ebenfalls wie\nEntdeckungen anmuten können — die ich\nselbst anfänglich für Entdeckungen hielt. Daß\nes in Wahrheit nur Aufdeckungen sind, was\nich bringe, wurde mir erst klar bei Beschaf-\nfung und Durchsicht der Beweise für meine\nAnschauungen, Schon das Denken zum Bei-\nspiel Buddhas — beiläufig fünfhundert Jahre\nvor unserer Zeitrechnung —, das über unsere\nnaturwissenschaftlichen und anatomischen\nKenntnisse nicht verfügte, unterscheidet sich\nvon meinem ebenfalls spekulativ und analy-\ntisch errungenen wesentlich nicht (außer in\nseiner klimatisch bedingten negativen Lebens-\neinstellung),\nDas menschliche Denken hat also seit dem\nWerden des menschlichen Gehirns eine fest-\nstellbare und zu beobachtende Entwicklung\nüber seine mit dem Sinnen- und Gehirnbau\ngegebenen Bedingtheiten hinaus nicht mehr\ngemacht. Die Arten sind konstant. Auch\ndie menschliche. Die „Alten\" dachten so gut\nwie wir.\nSo wenig wie Atmung, Herzschlag und Ver-\ndauen ist die Funktion des Denkorgans höher\nzu treiben. Sie ist auch nicht anders und\nhöher zu bewerten als jede lebenswichtige\nFunktion, Auch der Geistkörper, der „Astral-\nleib\", unterliegt bestimmtem und begrenztem\nStoffwechsel, wie alles Lebendige.\nMein Beweismaterial kann ich annähernd\nnicht einmal andeuten, geschweige denn an-\nführen. Jedem meiner Leser wird es zu-\nströmen, wenn er seinen Sinn darauf einstellt.\nBei dem ungeheuerlichen Umfang des Stoffes\nund Themas ist es selbstverständlich, daß in\ndrei kurzen Vorlesungen mein Standpunkt\nnur skizziert werden konnte.\nSo kann das vorliegende Buch nicht mehr\ngeben als den Umriß einer Anleitung zu\neigenem Denken, Forschen und Beobachten\n— zu erneutem Selbstdenken. Schließlich\nkann auch ein dickes Buch nicht mehr be-\nwirken.\nDas Denken als physisches und\npsychisches Phänomen\nEs sind schwere Probleme von entscheiden-\nder Wichtigkeit für jeden einzelnen und für\nalle, vor die ich Sie stellen will.\nIch möchte über das Denken mit Ihnen\nsprechen, über das Denken als solches\nschlechthin, über altes Denken und über ein\nneues Denken.\nAlles, was wir unter die Sammelbezeichnung\nKunst, Wissenschaft, Religion und Philosophie\nzusammendrängen — der ganze menschliche\nWertbesitz — besteht aus nichts anderem als\naus den Erzeugnissen des Denkens.\nWenn ich meine Vorlesungen unter die Ge-\nsamtbezeichnung: „Biosophie\" zusammen-\ngefaßt habe, so zeigt Ihnen diese Kennzeich-\nnung schon das neue Ziel, zu dem ich Sie\nführen möchte, und den Weg, auf welchem\nich Sie vom Alten zum Neuen zu leiten ge-\ndenke.\nDer Begriff: „Biosophie\" ist als Bezeichnung\neiner neuen Geistesdisziplin wissenschaftlich\nnoch nicht geprägt worden, aber seine Prä-\ngung liegt nahe und ist notwendig.\nSeit Darwin uns die Augen geöffnet hat für\ndie Entwicklungsgeschichte der Lebewesen"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.4", "texte": "und andere Forscher am Ausbau der neuen\nNaturanschauung erfolgreich und entschei-\ndend weitergewirkt haben — so daß man\nheute von einer biologischen Einstellung bei-\nnahe der gesamten modernen Geistesarbeit\nsprechen kann — ist der Schritt von den bio-\ngenetischen Tatsachen zu einem biosophi-\nschen Denken ebenso selbstverständlich wie\nunvermeidbar.\nDieser Schritt muß zu neuen Betrachtungs-\nweisen und zu neuen Wertungen alles Natur-\ngeschehens führen, die für Denken nur noch\ndie Lebensmöglichkeiten und Lebensnotwen-\ndigkeiten als maßgeblich gelten lassen.\nDie Biosophie wird als Denkweise völlige\nFreiheit und Unabhängigkeit von lebensfrem-\nden und lebensfeindlichen Kategorien und\nkategorischen Forderungen bedeuten.\nSie wird auch den spekulativen Idealismus in\ndie Schranken der Erfahrung zurückweisen\nmüssen und die Tyrannei aller traditionellen\nVorurteile abschütteln.\nSie fordert nicht Denkfreiheit — sie erringt\nund erzwingt sie auf Grund ihrer unanfecht-\nbaren wissenschaftlichen Fundamentierung.\nDa sie das Leben aber denkend völlig erfaßt,\nwie sie vom Leben völlig erfaßt ist, wird sie\nauch jede Art menschlicher Geistigkeit ein-\nbegreifen.\nBiosophie heißt: Lebensweisheit,\nUnter Lebensweisheit verstand man bisher\nden feuilletonistischen Abfall der philosophi-\nschen und wissenschaftlichen Geistesarbeit,\nder flach genug war — um populär zu werden.\nDieser Abfall stammte noch dazu aus dem\npraktischen Teil des gelehrten Denkens, der\nnie für sehr vornehm galt.\nKünftighin wird man unter Lebensweisheit\ndas Wissen vom Leben und vom Lebendigen\nverstehen müssen: die „Weisheit des Lebens\".\nAber angesichts der bisherigen Einstellung\nder großen Geister und Denker zum Leben\nkann man die Frage nach dem Werte des\n„Denkens überhaupt\" nicht umgehen.\nWarum wird gedacht? Warum soll der\nMensch denken?\nDer naive Mensch denkt, um sich das Leben\nzu erleichtern.\nDer wirkliche Denker denkt — nicht nur\nscheinbar, sondern im Ernst —, um das Leben\nzu erschweren.\nDas ist weder ein Witz noch eine absurde Be-\nhauptung: es ist leicht, sie zu beweisen.\nMan betrachte nur die Gehirnleistungen un-\nserer bedeutendsten Denkmeister; fast alle\nhaben ihr ganzes Denken gegen das Leben\neingesetzt, um es zu schmähen, herabzu-\nsetzen, ja zu beschmutzen, und es ihren Mit-\nmenschen möglichst schwer, verächtlich und\nunerträglich zu machen.\nDiese verheerende Sinnlosigkeit, die ein Bio-\nsoph nur als eine senile Perversität empfinden\nkann, hat denn auch ihre unausbleiblichen\nlogischen Auswirkungen gehabt. Um nichts\nin der Welt sind im Laufe der Menschheits-\nentwicklung mehr Leben grausam vernichtet\nworden als um diese Denkerleistungen, um\ndie philosophischen und religiösen „Lehren\".\nDer Wahnsinn, der durch Denken Mensch\ngegen Mensch zur Bestie werden läßt, anstatt\nihn über sie zu erheben, erweist aber den\nfürchterlichen Ernst der Frage nach dem\nWerte und Zwecke des menschlichen\nDenkens.\nDie Aufwerfung dieser Frage ist in unseren\nTagen um so dringender, als wir wiederum\ndabei sind, uns um Denkdifferenzen und Mei-\nnungsunterschiede die Ehre abzuschneiden\nund die Hälse zu brechen. Denkschablonen\nüben wieder ihre unerhörte und schimpfliche\nTyrannei.\nNur eine maßlose Ueberschätzung des Wertes\nbestimmter menschlicher Denkweisen oder\nein furchtbarer Irrtum über seinen Zweck\nkann solche unmenschlichen Folgen zeitigen.\nDa wird Selbstbestimmung zur höchsten\nPflicht.\nEinen Irrtum über die Notwendigkeit und\nNützlichkeit des Denkens dürfte es eigentlich\nnicht geben. Jeden einzelnen lehrt die eigene\ntägliche Erfahrung, daß das Denken ein sehr\ngeeignetes Mittel ist, sich das Leben zu er-\nleichtern, es sicherer zu gestalten und seine\nGenüsse zu vermehren. Darüber gibt es ja\nwohl unter der Mehrzahl der Menschen keine\nMeinungsverschiedenheiten. Nicht die Not-\nwendigkeit und Nützlichkeit des Denkens ist\nstrittig, der Kampf geht allein um Maß und\nArt des Denkens, um die Frage, was der\nMensch denken darf und denken soll.\nAus diesem Grunde hat man gewisse Denk-\nweisen verboten, andere kategorisch verlangt,\nhat man Denkgrenzen gezogen und ihre\nUeberschreitung bestraft.\nMan hat gewisse Denkmethoden verordnet\nwie Medizin, andere als giftig und verderblich\ngebrandmarkt. Man hat schließlich der"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.5", "texte": "Menschheit, und nicht nur der jugendlichen,\nbestimmte Denkarten, besonders fromme, ein-\ngebläut. Wo alles das noch nicht helfen\nwollte, unternahm man es, durch obrigkeit-\nliche Anordnungen, durch Majoritäts-\nbeschlüsse und Gesetze das menschliche\nDenken zu regulieren, wenn man nicht gar\nglaubte, es mit Knute, Schwert und Feuer be-\neinflussen zu können.\nAll dieser lächerliche Unfug liegt nicht etwa\nhinter uns — wir erleben ihn noch.\nAber er hätte niemals sich zu so ungeheuer-\nlichen Dimensionen ausgewachsen, wie es im\nLaufe der Jahrtausende tatsächlich geschehen\nist, wenn nicht das menschliche Denken —\nauch heute noch — auf Grundlagen ruhte, die\neiner Zeit entsprachen, die noch roh und grau-\nsam genug war, Menschenschlächterei für\netwas so Gewöhnliches und Selbstverständ-\nliches zu erachten, daß sie immer und un-\nbedenklich bereit war, vermeintliche Macht-\nansprüche geglaubter Gottheiten mit Blut-\nopfern zu sänftigen.\nIn dieser Zeit beginnenden Nachdenkens war\nder Mensch überzeugt, daß hinter allem Ge-\nschehen eine vollziehende Gottheit stehe. Der\nprimitive Mensch konnte sich kein Geschehen\nohne direkten göttlichen Eingriff vorstellen.\nSo war ihm alles Geschehen Götterwirken\nund Götterwille und Erfüllung eines Gesetzes\nder zweckvollen göttlichen Weisheit.\nDiese Vorstellungen — projiziert aus plumper\nSelbsterfahrung ins Naturgeschehen — gru-\nben sich so tief in das Denken der Mensch-\nheit ein, daß wir sie auch heute noch nicht\naus unserer Tiefe haben herausreißen können.\nSelbst das exakteste wissenschaftliche Den-\nken hat die Verwurzelung seiner Denkunter-\nlagen in der Steinzeit noch kaum entdeckt\nund ist noch lange nicht entschlossen, diese\natavistischen Rückständigkeiten mit Stumpf\nund Stiel auszuroden.\nImmer noch baut sich auch das moderne\nDenken auf die Kausalität, immer noch baut\nes sich auf Gesetze im Naturgeschehen,\nimmer noch baut es sich auf die Ueberzeugung\nvon der Zweckmäßigkeit alles Geschehens\nauf.\nWer aber schuf das Naturgeschehen?\nWer setzte ihm Ordnung und Zweck?\nDie Gottheit.\nSo urteilten die Urmenschen der Steinzeit\nauch.\nUnd die moderneWissenschaft urteilt so lang 4\nnoch ebenso, wie sie an Ursachen, Gesetze\nund Zweckmäßigkeit im Naturgeschehen\nglaubt.\nDie „Ursache\" ist nichts anderes als der Ur-\naberglaube an ein bestimmtes Agens in jedem\nGeschehen, in der Umbenennung eines wissen-\nschaftlich klingenden Wortsymbols.\nDer Glaube an Gesetztes — alles Gesetz ist\nein Gesetztes — ist Aberglaube an einen Ge-\nsetzgeber — an eine sinnvolle Ordnung.\nDie Ueberzeugung von der Zweckmäßigkeit\nsetzt eine göttliche Einsicht und einen gött-\nlichen Willen voraus.\nIst das wissenschaftliches Denken oder\nMystizismus?\nUnsere profanen und wissenschaftlichen Er*\nfahrungen haben diese Vorstellungen alten\nDenkens einer primitiven Urzeit längst wider-\nlegt und ihre Haltlosigkeit erwiesen. Dennoch\nzögert die Wissenschaft im allgemeinen immer\nnoch, dem Beispiel einer Anzahl klarer und\nehrlicher Forscher zu folgen und dieses\nmorsche Gedankengerümpel endgültig aus der\nWerkstätte des Geistes zu entfernen.\nIch zeige Ihnen diese Zusammenhänge nur, um\nIhnen begreiflich zu machen, daß so tief\nlagernde Verknüpfungen ihrem inneren\nWesen nach immer und immer wieder primi-\ntiven und rohen Auswirkungen jeder Zeit\nVorschub leisten mußten — ich zeige sie\nIhnen, damit Ihnen die Augen dafür aufgehen,\ndaß wir hunderttausend Jahre lang Aber-\nglauben und Irrtümer kritiklos mit uns ge-\nschleppt haben, die alles Denken verwirren\nund fortgesetzt in alberne und unlösbare\nProbleme hineinstoßen. Diese Denkhemmun-\ngen haben wir bis heute noch nicht loswerden\nkönnen.\nSie werden jetzt auch einsehen, warum\nich es unternehme, das ganze Denkphänomen\nseinem Wesen nach hier von Grund aus vor\nIhnen aufzurollen. Es muß endlich der Ver-\nsuch gemacht werden, das Denken einmal\ngründlich zu durchdenken.\nDazu aber gehört völlige Voraussetzungs-\nlosigkeit und Unabhängigkeit, auch von der\nKausalität, den Naturgesetzen und der\nZweckmäßigkeitsüberzeugung der Weltord-\nnung und alles Geschehens. Denn setze ich\ndiese drei Anschauungen voraus, denke ich\nschon nach einem gegebenen Schema.\nNun werden Sie mich fragen: ist denn Denken\nohne diese drei Voraussetzungen möglich?"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.6", "texte": "Diese Frage wäre ein neues Dokument für\nunsere Denkknechtschaft.\nIhre Fesseln gilt es zu sprengen.\nIch will versuchen, in einwandfrei wissen-\nschaftlicher Weise Ihnen den Nachweis zu\nführen, daß wir Kausalität, Naturgesetze und\nZweckmäßigkeit völlig entbehren können, da\nsie eben nicht existent sind außer in der tra-\nditionellen Einbildung,\nZunächst einige Worte der Verständigung\nüber die Methode, wie ich Ihnen das phy-\nsische und psychische Phänomen des Denkens\nzu erklären versuchen will.\nErklären heißt eine Sache bis ins Letzte\ndurchsichtig machen.\nIch muß Ihnen also alles aufhellen, was zum\nDenken gehört.\nIch muß Ihnen sämtliche materiellen und\nideellen Bedingungen analysieren, von denen\ndas Denken abhängig ist und unter denen es\nzustande kommt.\nIch muß es in seine Teile zerlegen und die\nTeile wieder zusammensetzen, daß ich sie\nIhnen in Tätigkeit vorführen kann, und zwar\nso, daß Sie mir zugestehen: ja, das ist\nDenken.\nUm ganz wissenschaftlich zu verfahren, muß\nich alles Ihrer eigenen Beobachtung zugäng-\nlich machen. Aber das ist grade in diesem\nFalle einfach, da jeder von Ihnen imstande\nist, meine Untersuchungen an eigenster per-\nsönlicher Erfahrung zu kontrollieren.\nWenn ich Ihnen hier die materiellen und\nideellen Voraussetzungen einer Nähmaschine\ndemonstrieren würde, wenn ich sodann ihre\nmechanischen Bedingungen: Hebel, Schrau-\nben, Räder usw, planmäßig zusammensetzte,\nwürde ich — vorausgesetzt, daß es mir ge-\nlänge — eine Nähmaschine erhalten und\nnähen können.\nIch würde Ihnen den praktischen Beweis ge-\nliefert haben, daß die Summe der Bedingun-\ngen das Ding ausmacht und daß die sämt-\nlichen Bedingungen oder Voraussetzungen\neiner Nähmaschine — wenn sie vorhanden\nsind, mit der Nähmaschine selbst identisch\nsind,\nSie werden mir dann auch die Verallgemeine-\nrung zugeben, daß jedes Ding gleich der\nSumme seiner Bedingungen ist — vor-\nstellungsweise und real, ideell und praktisch.\nDenn die Bedingungen sind die Elemente des\nDinges und die Summe der Teile ist identisch\nmit dem Ganzen,\nWenn ich Ihnen also die Summe der Bedin-\ngungen des Denkens vorstelle, werden Sie,\nda Sie die Praxis selbst beherrschen, eine\nvöllige und kontrollierbare Erklärung des\nDenkproblems von mir erhalten haben.\nDabei muß sich auch herausstellen, ob Kau-\nsalität, Gesetz und Zweckmäßigkeit beim\nDenken vorhanden und nötig sind. Denn\nwenn sie hier im Mittelpunkt aller Wahr-\nnehmung des Naturgeschehens nicht vorhan-\nden sind, und gebraucht werden, dann sind\nsie eben nirgends vorhanden und entbehrlich.\nDenken ist als eine Funktion von einem\nfunktionierenden Organ bedingt, eben von\ndem Organ, dessen Funktion das „Denken\"\ngenannt wird.\nDieses Organ nennen wir Gehirn. Das Ge-\nhirn denkt, seine Funktion heißt Denken.\nJede Funktion ist ein Vorgang.\nJeder Vorgang ist eine Bewegung. j\nJede Bewegung ist eine Veränderung.\nJede Veränderung ist eine Ortsveränderung,\nWir wissen, daß sowohl quantitative wie\nqualitative Veränderung, also mechanische\noder chemische, im Grunde Lageveränderung\nund Umschichtung der Atome und Zellen be-\ndeutet. Der Atomzerfall, ein sogenannter\nchemischer Vorgang, beweist das aufs deut-\nlichste.\nMechanische und chemische Vorgänge sind\nDifferenzierungen der physischen Vorgänge\nin den Organen.\nSo ist auch das Denken ein physischer Vor-\ngang im Gehirn, ein Vorgang in den Ganglien\nder Gehirnnerven und Neuronen, hauptsäch-\nlich der Großhirnrinde,\nDas dürfte Ihnen bekannt sein und interes-\nsiert uns hier analytisch nicht weiter.\nEs genügt, festzustellen, daß wir bestimmte\nUmschichtungen in der Zellmasse gewisser\nGehirnteile und ihre Auswirkung Denken\nnennen.\nBestimmt wird die Umschichtung dieser Ge-\nhirnmassenteile durch Vorgänge in den\nSinnesnerven,\nDie Wahrnehmungen unserer Sinne bedingen\ndie Gehirnfunktion, Die Wahrnehmungen\nsind wiederum bedingt von spezifischen\nFunktionen der Wahrnehmungsorgane, die\nebenfalls im Gehirn mit konzentriert sind.\nAlles Bedingtsein ist komplex.\nDie Funktionen der Wahrnehmungsorgane\nsind bedingt durch ihre spezifische Organi-\nsation, durch ihren Bau,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.7", "texte": "Otto Nebel: Linoleumschnitt 3 / 1925 / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.8", "texte": "Wir unterscheiden fünf besondere sinnliche\nWesensarten: das Gesicht, das Gehör, das\nGetast, den Geruch, den Geschmack. Diesen\nbestimmten Funktionen der verschiedenen\nWahrnehmungsorgane entsprechen durch\nEinwirkung auf das Gehirn ganz bestimmte\nFunktionen der Denkorgane.\nAus einem Gesichtseindruck kann nichts an-\nderes entstehen als eine Anschauung,\naus einem Tasteindruck nichts anderes als\nein Gefühl,\naus einem Gehörseindruck nichts anderes als\neine Empfindung,\naus einem Geruchs- oder Geschmacksein-\ndruck nichts anderes als eine Erregung be-\nstimmter Nerven- und Gehirnteile.\nJedes Denken ist also eindeutig bestimmt\ndurch sein Bedingtsein von den Sinneswahr-\nnehmungen. *\nDie Sinneswahrnehmungen sind bedingt von\nden Eindrücken und Reizen, die sie aus der\nAußenwelt, der Wirklichkeit aufnehmen.\nDie Aufnahme wiederum ist bedingt von der\nEigenart der Dinge im allgemeinen und be-\nsonderen.\nDie Sinnesorgane sind so geartet, daß sie nur\nWirkliches aufnehmen, etwa in gleicher\nWeise, wie unser Leib sich auch nur Orga-\nnisches einverleiben kann.\nDer Bedingungskomplex für das Denken ist\ndamit im großen und ganzen festgestellt.\nWir wissen, zum Denken gehörte die Wirk-\nlichkeit, gehören die Wahrnehmungen, ge-\nhört die Gehirnfunktion, wie zum Stoff-\nwechsel des menschlichen Körpers die orga-\nnische Nahrung, die Nahrungsaufnahme und\ndie Verdauung gehören.\nMan hat das Gehirn oft einen „geistigen Ma-\ngen\" genannt, und in der Tat ist der Ver-\ngleich zwischen Denken und Verdauen in\nmehr als einer Beziehung aufschlußreich. Daß\nwir mit den Wahrnehmungen aus der Wirk-\nlichkeit quasi geistige Nahrung aufnehmen,\nleuchtet ohne weiteres ein. Und wenn man\nannimmt, daß mit dem Kauen und Durch-\nspeicheln der Nahrung im Munde bereits der\nVerdauungsprozeß beginnt, kann man den\nVergleich ungestört fortführen und Denken\nmit der Verdauungsfunktion als Ganzes\ngleichstellen. Denn auch die Denkfunktion ist\nein Ganzes, das in wesentlich verschiedene\nTeile, hier also Teilfunktionen, zerfällt.\nWenn wir beim Kauen einen Pfefferkern zer-\nbeißen, beginnt auf der einen Seite mit der\nReaktion der Speichellösung auf den scharfen\nGeschmack — auf der anderen Seite mit der\nWahrnehmungskonstatierung, „daß etwas auf\nder Zunge brennt und daß dies Pfeffer ist\",\nhier das Denken — dort das Verdauen,\nAber zwischen der reinen Wahrnehmungs-\nfeststellung „es brennt\" und „das ist Pfeffer\"\nliegt noch ein Vorgang, der für das Denken\nwichtig und charakteristisch ist — nämlich\nder Uebergang vom Bemerken zum Er-\nkennen, vom Wahrnehmen zum Urteilen,\nZwischen diesen beiden Funktionstatsachen,\ndie zum Denken gehören, liegt eben eine\ndritte, nicht weniger entbehrliche —- nämlich\nein „Inbeziehungtreten\", ein Verbinden des\ngerade bemerkten „Brennens\" mit einem be-\nreits vorhandenen Wissen, mit einer Erinne-\nrung: das ist Pfeffer; denn nur Pfeffer brennt\nso. So ist aus der Wahrnehmung eine „Er-\nkenntnis\" geworden.\nWas ist geschehen?\nDurch Vergleich der eben erst gemachten Er-\nfahrung mit einer frühergemachten, noch im\nGedächtnis haftenden, ist das Zerbissene,\nBrennende als Pfeffer „wiedererkannt\" wor-\nden. Die Möglichkeit dieses Vergleichens und\nWiedererkennens bedingt aber das Denken\nüberhaupt.\nAlles Denken ist von Denken bedingt.\nWie konnte da aber Denken entstehen?\nWir kommen hier zu einer Schwierigkeit, die\nsich in der Frage ausdrückt: was war früher\n— die Eichel oder der Eichenbaum?\n\nFortsetzung folgt\n\nHellrot\n\nEs lebte einst ein sehr junges Mädchen in\neinem großen, finstren Walde voll grinsender\nUngeheuer mit Spott im knöchernen, von\nGalle überzogenen Herzen. Das junge Mäd-\nchen, dessen Mutter eine Birke und das\nVäterchen ein Löwenzahn war, fürchtete sich\ngar sehr, und ihr hellrot fließendes Herz\nzitterte vor Qual bei dem nahen Gefühl der\nbrutalen Unholde, die allein schon durch ihre\nmassive Schwere erdgebunden waren.\nEines Nachts nun, als der runde Mond gläubig\nleuchtete und die Gräser ruheten, schlug das\nhellrot fließende Herz wild verlangend zu den\nEltern. Das große, grade Mädchen warf den\nSchatten nach hinten und vorne, hellrot wei-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.9", "texte": "Otto Nebel: Linoleumschnitt 4 / 1915 / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.10", "texte": "nend, wie das Herz floß. — Dieses merkten\ndie Unholde, die nicht schlafen konnten, weil\nsie im Sonnenlicht schamlos viel gefressen\nund gesoffen hatten; sie lagen stöhnend mit\nden dicken Bäuchen gen Himmel, Die\nknöchernen, nach Galle duftenden Herzen\nwaren besonders nachts zusammengekettet,\nweil sie, sechs an der Zahl, zusammen nur ein\nAuge besaßen, welches mit einem harten,\nfeisten Strang einem jeden am dummen\nHinterkopf fortbaumelte. Doch der Schatten\ndes jungen hellroten Mädchens fiel zu stark,\nso daß die Zwölftel-Augen es bemerkt hatten.\nWuchtend erhoben sie sich also, daß kleine\nTäler entstanden und fromme Bäume, die\ngrade und weiß und grün zum Himmel streb-\nten, in eine schiefe Stellung (man kann sagen\nLage) gerieten. Unter diesen Bäumen befand\nsich auch die Mutter des hellrot fließenden\nMädchens, eine ältere Birke mit weißem Haar\nund zartgrünhängenden Blättchen, zum Him-\nmel etwas blänkelnd. Diese für sie neue und\nunbequeme Lage preßte dem Bäumchen einen\nSchmerzensschrei hervor, der die ruhenden\nNachtigallen erbeben ließ und sogleich des\nMondes gläubiges Lächeln in ihren runden\nAeuglein schräg spielte. Das Schluchzen im\nWalde erscholl leise und anhaltend, die Stief-\nmütterchen weinten dazu. — Dem graden\nMädchen fuhr es aber messerscharf durch das\nfließende Herz, erblaßte stärker, wie der\nMond, den Schatten von hinten nach vorne\nwerfend, hellrot leuchtende Tränenperlen auf\nblaßgrüne Gräser und silbern schimmernde\nBlümchen fallend. — Die Erde atmete schwer\nund tanzte durch den Sternenreigen, der ruhig\nund gefühlvoll lächelte.\nIn diesem Augenblick fiel der Schatten von\nhinten auf das schleifende Auge der Unholde;\nes triefte auf vor fleischlicher Kraft und ließ\ndie vollen Bäuche wollüstig erschüttern. Das\ngrade Mädchen lag in tiefstem Schmerz auf\nseinem Schatten und bemerkte nicht das\nZittern der strotzenden Leiber. Lang zog lang,\nder Augenblick war schreckbar und grauen-\nhaft, die Ungeheuer krallten Klauen massig,\nhart, schwer in steigender Lust, sie bildeten\nzusammen eine Masse Fleisch der reißendsten\nTiere. Die Leiber wölbten sich in kreis-\nrundem Bogen zu gemeinster Farbe, das Auge\nschaukelnd mit stechender Pupille auf trau-\nernd Mädchen, schön und grade, schmerzvoll.\nFäuste ballten sinnlicher, entzückt, da kitzelte\nVater Löwenzahn, der aufgeregt stand, die\nhängend, triefend Stechpupille an empfind-\nsamer Stelle, alle Ungeheuer zuckten gewal-\ntig, ruck — und stürzten sich auf das hellrot\nweinende Herz. Dies alles sah schiefe Birke\nin weißem Haar und betete, bat — bat, und\ngrades Mädchen flog als zarter Schmetter-\nling zwischen den klobigen Fäusten zur mild\nlächelnden Nachtwolke, hinter der ein Stern\nfreudig blinkte,\nMutter starb beruhigt, das gelbweiße Haar\nsilbern zu grünem Boden hängend, Wurzeln\nzitterten fröstelnd in ungewohnter Luft, die\nmilde roch und lispelte.\nJetzt lachten die Ungeheuer, weil sie gekitzelt\nwurden, fielen mit den gebogenen Bäuchen\ngen Himmel, daß es stank, und schnarchten\nweiter, um Kraft zum nächsten Fressen zu\nsammeln.\nWie die ersten Sonnenstrahlen stiegen, saß\nein zarter Schmetterling auf einem Löwen-\nzahn und weinte hellrot.\n\nFritz Entelmann\n\nRazzia im Schemen-Viertel\n\nSchatten-Fasching\nArbeit ist der Mühe Lohn,\nAber es ist ihr beim besten Unwillen leider\nnicht möglich, sämtlichen Kretins, Journa-\nlisten, Bücherskorpionen, Blattwanzen und\nKunstkritikern, die Knust gegen Kunst schrei-\nben und die Urdummheit vermehren helfen,\nmit einem Schlage für alle Zeiten die Schand-\nwerke zu legen. Leider. Es können daher in\njeder Gegenwart und Zukunft nur immer ein-\nzelne Preßköpfe bedachtelt werden. Das ge-\nsalzene Fegefeuer kann nie sofort jedem der\nHerren Aspiranten in die Windhose gepfef-\nfert, mit Prospekt zu sagen, gefegt werden.\nLeider, leider. Die Herrschaften hausen so in-\nfam zerstreut auf der Erde herum, wie sie\nzerstreut infam gegen Kunst stammeln, daß\nsie schon von Glück singen und sagen können,\nwenn hin und wieder Dem oder Jenem schon\nnoch das Seine geschieht. Geduld, ihr Herren.\nIhre Stunde hat gebumst. Die Zeiger schnur-\nren. Es hat dreizehn geschlagen. Haben Sie\nGeduld mit sich. Es wird schon werden. Der\nGemeine hat eben von unten anzufangen,\nwenn er unbegabt ist. Höheren Ortes wird\ner entschieden. Und erst wenn ihm vom\nPublikum der sogenannte Katarakter ver-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.11", "texte": "Adolf Loos: Hotel zu Nizza"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.12", "texte": "Adolf Loos: Gruppe von zwanzig Villen. Die Dächer werden von den obersten Zimmern der rückwärts liegenden Villen als Gärten benutzt"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.13", "texte": "liehen wird, ist er hoffnungslos ein Erwach-\nsener, vollkommen fertig und am Ende, ret-\ntungslos verwachsen in sich, Zeitgenosse.\nZu spät kommt oft die Treue, Vor der\nTreue wacht die Demut, vor der De-\nmut wartet Buße, Sie ist nie auf einen be-\nstimmten Tag festzusetzen, festzulegen. Sie\nkann auch nicht befohlen werden. Die Be-\nstimmungen der Unterwelt sind ohnmächtig\nvor der Macht der Innen-Wende, Die Ein-\nwände brechen zusammen. Die Wandlung\ngeschieht im Unbegrenzten, Grenzenlos im\nLicht wartet das All der Erfüllung, Alle sollen\nerleuchtet sein, Zeuger und Zeugen der Zu-\nkunft.\nAber die Zeitgenossen leben gegenwärtig in\nder Vergangenheit, Sie haben keine Zeit, Sie\nhaben ihre Zeitung, Sie sind unter den Strich\ngesunken, in den Spalten der Spaltung ver-\nkommen, Meinungen, Um auf die Folter zu-\nrückzukommen, Man soll Menschen nicht in\ndie Presse quetschen, nicht unter die Re-\nvolverpresse drücken.\nAber sie gehen auf die Walze, Sie sind vor-\nübergehende Erscheinungen, Gespannt auf\nEtwas, das ein Nichts ist. Gespannt auf das,\nwas kommt dort von der Höh, Und ruhig\nfließt der Rhein, Sie sind überspannt. Eine\nkurze Spanne Zeit, und die Kunst hat sie\nüberspannt, Eine Brücke ist die Kunst. Eine\nKrücke ist die Zeitung.\nDer Kritiker ist der Holzarm, der die Folter\n* '\nbedient.\nDer Politiker vernagelt den Sarg, in dem die\nScheintoten schlafen. Es ist eine Lust, zu\nüberleben.\nDie Kunst findet den Menschen nicht mehr\nunter den Lebenden, Das muß sich ein Philo-\nsoph, der die Ochsen auf den Trab, und die\nGänse mit den Pinguinen zusammen in den\nGespenstergalopp bringen wird, stets gegen-\nwärtig halten.\nSchlaget das Leben, solange es schäumt, rät\nder Narr. Es ist Zeit, den Landes-Bußtag ab-\nzuschaffen. Es ist Zeit, an seiner Stelle den\nReichs-Maulschellentag zu starten. Die Leute\nlangweilen sich nur und trinken. Der Geist ist\nSpiritus. Wir brauchen einen Volksfesttag,\nan dem Etwas geschieht. Wir brauchen einen\nFeiertag, an dem zur Belustigung der Schein-\ntoten und zum Zeichen der Einkehr etwa\neinige uneinige Volksverführer, Parteibonzen,\nPutschisten, Redakteure oder Minister vor-\ngeschlagen, mit dem Knüppel vorge-\nwalkt und wieder fallen gelassen, die\nHerren Kunstkritiker aber mit ihren Mach-\nwerken vor versammelter Mannschaft, in\nPappe gebunden, geohrfeigt werden. Wir\nhätten auf diese einfache Weise, gleichsam\nim Handumdrehen eine gesunde Innenpolitur\ngeschaffen. Gegen Glockengeläute, Flaggen-\nschmuck, Bläserbünde, Riesenfeuerwerk,\nBier, Lustbarkeit und Schützenfeste, gegen\njede Art von Rummelplätzen, auf denen gutes,\nhefefreies Vollweizenbrot kostenlos gereicht\nwerden müßte, vom Reich nämlich, wenn es\neines sein wollte, würde, panem et circenses,\nder Herr Reichs-Ernährungs-Minister nichts\neinzuwenden haben. Und auch dem Herrn\nReichs-Kunstwart, der bekanntlich die Biere\nund die Lustbarkeiten versteuern zuläßt, dem\nallsodas eigentliche Innenleben der Nation\nüberanvertraut ist, ihm würde immerdar aus\nder Jugendzeit, die Dein einst war, der be-\nkränzte Paragraph vom keimenden Leben,\nder die keimfreien Biere vor der Pullizei\nschützt, voranschweben, der § 11, in dem es\nso schön heißt: Pflücket die Rosen, solange\nsie warm sind. Im Winter gibt es keine war-\nmen Rosetten,\nJedoch für den Künstler ergeben sich, solange\ner nicht Milliardär ist, zum Schutze seiner\nArbeit und zum Schutze des keimenden Le-\nbens allso, allso zum Schutze des fruchtenden\nNachlasses, einige Banalitäten und Sprüche,\ndie er für sich behalten sollte, um nicht der\nLustbarkeiten-Steuer zu unterliegen. Wenn\ner gestorben ist, ist er sowieso unsterblich.\nIst er aber noch vor seinem diesseitigen Ab-\nleben ein anerkanntischer Wohlhabicht in\nmaterieller Hinrichtung, so komme es ihm,\n(dieser Satz hat einen langen Atem), wenn er\nvon seinen zwölf gesunden Biozentren, auf\nplattdeutsch: Sinnen, sinnvolle Gebräuche\nmacht, nicht darauf an, die beiden Wirkungs-\nfelder seiner intuitiven Vitalität, die sich na-\nturgemäß stets aus dem Optischen und dem\nAkustischen zugleich und ergänzend erwei-\ntern, und sich etwa als Dichtung und Malerei\ngegen die Zeitgenossenschaft der Pinguine mit\nbeschränktem Horizonit, in Klammern: Zett-\nde-Pi-emm-bee-Ha, sperren, Gedankenpunkt,\nnicht darauf an, diese Tätigkeitsfelder durch\nkräftige Meisterboxer\nschützen zu lassen. Im Ernst. Keine Aus-\nstellung ohne Boxer mehr. Ablösung zwei-\nstündlich. Wohnung und Pflegung frei. Ihr"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.14", "texte": "spart dadurch. Nerven, Papier, Zeit. Eine\nkleine Ewigkeit. Polemiken, Intuition, Gas,\nScherereien, Elektrizitätswerke. Korrektu-\nren, Tabak und andere Glaubensgenossen,\nVor jede Ausstellung einen sogenannten\nChampignon pflanzen! Wie leicht wäre es\neinem solchen Platz-Patron, den Herren\nKunstkritikern mit den hölzernen Bücher-\nrücken einiger Dichtungen einige treffliche\nSchlaglichter aufzuzünden, diesen Blind-\nschleichern mit den Unzenhandschuhen\npfundweise einige freie Rhythmen auf die\nschillernden Anzüge zu stoßen, schlicht und\nknorke. Wumm,\nJetzt sollt ihr erfahren, was ein armer Mann\nzu tun bekommt, wenn er ohne Champignons,\ndie im übrigen auf deutschplatt; Drieschlinge\nheißen, den Schmutz aus dem Kreise seiner\nAndacht merzen muß, den die Stinkmorcheln\nals Totalausdruck ihrer gemeinsamen Un-\nnatur abladen, um die Boviste zu überzeugen,\ndaß von der Kunst ein Dreck übrigbleibt,\nwenn ein Preßkopf kritisiert. Da hat neulich\nein Ernst, der noch heute Collin heißt, vor\ndem kleinen Schaukasten in der Sturm-Aus-\nstellung, in dem ein gewisser Otto Nebel\nfahrlässigerweise einige handliche Blätter\neiner frühen Dichtung stehen ließ, um zu zei-\ngen, daß die Boviste nicht lesen können, wenn\nein Text nicht geschmiert, sondern andächtig\ngemalt wird, behauptet, öffentlich versteht\nsich, dieser Nebel sei ein Genie und sollte da-\ngegen sofort den Psychiater holen. Es wäre\nschade um den Nebel. So begabt und schon\nso verrückt. Die Fuge Unfeig ein Blödsinn.\nGrober Unfug. Auf drei Riesenblättern (Ernst\nkann nicht bis vier zählen), lauter tolles Ge-\nzeuge. Der Psychiater sollte ihn holen. Unter-\nschrift : Ernst Collin, Berliner Volkszeitung.\nWach auf, mein Volk, und singe. Hole Atem,\nmein Volk, und bringe das Motto an: Otto,\nkehre zurück, dem Volk der D e n k eist nicht\nzu helfen. Alles vergebens. Und dann, mein\nVolk, kehre den Collin mit dem kalten Fege-\nbesen in die Unterwelt zurück, in der er ge-\nheuer ist.\nLieber Genosse Collin Ernst, Sie sind im Ernst\ntotal normal. Der Nebel ist ein Idiot. Sehen\nSie weiter mit das Hirn. Ihr Blick fällt zu-\nrück in Sie. Und daheeme danach dann flim-\nmert Ihnen die Tinte in den Ohren. Das muß\nfürchterlich schmecken. Schönes Bild von\nalter, deutscher Treue. Sie sollten Ihren\nHinterkopf wärmer schonen. Vielleicht einen\nKragenschoner um die Füße schwelgen. Und\njeden Morgen vor dem Schlafengehen drei\nLiter Buttermilch auf den Rücken melken.\nBreiumschläge auf den Bauch schnallen. Da-\nmit Rad fahren. Viel mehr körperliche Bewe-\ngung beschleunigen. Unser Volk muß musku-\nlöse Ertüchtigung betreiben. Das Gewehr\nüber! Hinlegen! Auf! Setzen! Auf!\nEs genügt heute nicht mehr, o Lieber, wenn\nSie mit der Zeitung vorangehen; auch der\nStubendienst ist wichtig, Gefreiter Collin. Es\ngenügt nicht, so mal rasch durch eine Aus-\nstellung zu flitzen, nachhausezuspritzen, das\nfette Essen hinunterzuschnarchen, die Schtie-\nbel runterzutreten, und dann zur Verdauung\neine Kritik hinzusudeln, die Ihnen sauer auf-\nstoßen muß. Essen Sie Bratkartoffeln. Auf\nRand genäht. Da war vor einiger Zeit ein\nFilm angezeigt. Collin Roß, Bestimmte As-\nsoziationen mußten sofort an Sie denken, ob-\ntrotz sie sich geschworen hatten, Sie in Ewig-\nkeit zu vergessen. Gedacht soll Ihrer werden,\nsagte das Wort, Es ist ein Roß entsprungen,\nspornte das Bild. Ein Collin ist entsetzt, ga-\nloppierte der Sinn. Er sollte doch den Psy-\nchiater holen, bäumte der Satz. Das Wort-\ngewissen rief zum Sturm. Die Schlacht um\nCollin war im Zuge,\nDas ist nicht mechanisch. Das ist Kunst. Das\nist biologisch. Das ist biologisch. Das ist die\nFolge der innigen Bindung von Innen-Schau\nund Innen-Klang, geliebter Ernst. Das ist das\nLeben, lieber Freund, das Leben im Nebel der\nStunden, Das ist nicht privat. Es meißeln\nSekunden die Urschrift des Seins. Die Runen\nsind Hämmer. Die Schrecken zerstieben,\nDas Urlicht der Welten zerwettert die Schat-\nten, geliebter Ernst,\nKurz ist die Ewigkeit im Augenblick, Der\nNebel stört das Spiel der Sinne nicht. Ihm\nwird die Zeit nicht lang, den Ton der Sterne\nüber Steinen, über Stirnen, Stäuben, Städten,\nSchemen und Vergehen in das Wort zu läuten.\nNie.\nSie aber, Ernst, Sie sind total normal.\nDoch Nebel ging zum Psychiater und las ihm\nlangsam die gemalten Zeilen jener frühen\nDichtung vor.\nBrink moll Mann Kind\nVollweib Ried Sanft\nRanft\nRastrasen errast"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.15", "texte": "G. den Decker: Linoleumschnitt 1924 E H / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.16", "texte": "Herzschenk schenkst\nFülle kelcht INNEN kredenz\ntrinkt leer!\nleuchten Hände Voran\nVerloren umlauscht\nnimm Wahr\nTief gottet Groß\nWeit wächst Rein\nWELT\nSEIN\nER\nGeist\nUR scheint ES\nDer Onkel Doktor schwieg ergriffen. Dann\nlas ihm Nebel Ihre hausgemachten Zeilen\nlangsam, aber sicher vor. Sie wissen doch\nnoch, Genosse Collin, Sie hatten gleich die\nersten der gemalten Worte gefälscht und um-\ngeschmiert zu:\nBronk Moll Monn Kond,\ndamit der Nebel da-\nmit zum Psychiater und so. Bronk moll Monn\nKond, Als das der Onkel Psychiater hörte,\nda schwieg er aber nicht mehr länger. Der\nDoktor redete und sprach: „Dieser Ernst,\nScherz beiseite, leidet unter pathologischen\nStörungen des Sehvermögens, das sich noch\ndazu zu verzinsen scheint. Vermutlich hat er\ndie Zeile bewußt gefälscht. Dann ist er ein\nsogenannter Maniker. Schizophren. Vielleicht\nhat er ein schweres Neptun-Quadrat auf der\nSonne seines Radixhoroskops, Neptun in\nJungfrau dazu. Solche Autisten sind darum\nbesonders unangenehm, weil man sie von\nstaatswegen nicht interniert. Genau wie der\nStaat selber. Wer die Menschen vor diesen\nKranken warnt, tut ein gutes Werk. Im Ernst.\"\nAllso sprach der Psychiater.\nHart auf Hart\nMühe ist der Arbeit Lohn.\nDie Wiederholung kann künstlerisch sein.\nVariationen holen ein Motiv wieder, das sich\nerinnert, indem es sich äußert. Kunstkritiker\nwiederholen sich unkünstlerisch. Sie erinnern\nsich, sich einmal geäußert zu haben. Sie er-\nwischen Etwas und stellen es fes t, obgleich\nes allein unfest, nämlich aus der Bewegung zu\nerkennen ist. Sie verwechseln ein Movens\nmit einem Motor, Geistigkeit mit Intellekt,\nGestaltung mit Mechanik, Kaleidoskope mit\nFugen, und Gleichnisse mit Titeln. Wenn sie\ndas eine Zeit lang betrieben haben, legen sie\nsich den Titel: Kenner zu. Erkennende sind\nBekenner. Der Kritiker ist dem Wesen fremd.\nEr ist unwesentlich in Allem,\nHerr Willi Wolfradt ist ein Kenner. Ein Cice-\nrone. Weiß schon. Cicerone, auf deutsch-\nplatt nach Duden: Fremden-Führer. Er führt\ndie Engen an der Nase in die Irre. Herr Willi\nWolfradt. Der Name des Herrn sei gelobt.\nNicht jeder kann gegen seinen Namen, Dafür\nkann keiner. Der Name dieses Herrn ließe\nsich einigermaßen fugieren. Die Gesamtfirma\nenthält ein Neun-Runen-Thema, Es gibt\nkeinen Zufall,\nWIL OFR ADT\nVielleicht macht sich ein gewiegter Epigone\neine Fuge daraus, einen Namen damit. Man\nkann nie wissen. Die Talente liegen in der\nLuft, Sie hängen nur so herum, Wolfradt\nschreibt auch. Für Kenner, für Kunstfreunde,\nfür Künstler und für Sammler, Besprechung\nvon Ausstellungen en gros, Westheimschüler,\nHaltet aus. Erst runterreißen, dann loben,\n(Kandinsky.) Wenn es nicht mehr anders\ngeht. Einen loben, zweie runterreißen. Wenn\nes geht. Wenn es nicht angeht, es aber doch\nspaßeshalber versuchen. Für Kenner- Den\nDritten auf allen Vieren umzingeln. Für\nKunstfreunde, Fünfe gerade sein lassen, ob-\ngleich sie in Wirklichkeit krumme Hunde\nsind. Dagegen einen Geraden dafür umbiegen.\nFür Sammler, Nun grade. Den Sechsten für\nden Ersten halten. Auf den Siebenten hin-\nweisen: Gebt Acht. Alle Neune. Der Mai ist\ngekommen. April, April, die Pinguine halten\nden Zehnten für den Zweiten, Es ist voll-\nbracht, Kunstkritik, Gegen Künstler. Für\nKenner.\nUnd allso sprach Willi, der Wolfradt, nach-\ndem er Dexel gelobt und Schwitters verrissen\nhatte,: „Interessanter ist der Kandinskyschü-\nler Otto Nebel mit präzis und fein kaleidos-\nkopierten Formenspielen, deren thematische\nVorstellungen („Hart auf Hart\", „Schatten-\nFasching\") jedoch nicht so zwingend heraus-\ngestaltet sind, daß die Titel wirklich unver-\ntauschbar wären. Unsägliche Mühe schwen-\ndet Nebel an Versuche, ein Gedicht als"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.17", "texte": "Schriftbild, Klangbild, Rhythmenbild und syn-\nthetisch dann als Urbild auszudrücken. Seine\nMethode ist nicht künstlerisch, sondern\nmechanisch. Er übersetzt wie der Hersteller\neiner Geheimschrift. Seine „Fuge Unfeig\" ist\neinfach Unfug.\" —\nPunkt. Gedankenstrich.\nKopf ab. Für Kenner. Für Künstler. Für\nSammler. Für Kunstfreunde.\nCicerone, 1925,\nKeine Ausstellung ohne Boxer mehr. Ihr\nspart dadurch den Schatten-Fasching.\nLieber Herr Wolfradt, Sie sind ein Mordskerl.\nWie machen Sie das eigentlich, wenn Sie\nunsern Freund Dexel zum Beispiel loben, ob-\ngleich er im Sturm ausstellt, und wenn Sie\nkurz darauf eine andere Sturm-Ausstellung\nmit Ihrem Unfug verwechseln, Fragezeichen,\nDa stimmt doch etwas nicht. Vielleicht liegt\nder Fehler doch in Ihnen, Vielleicht, lieber\nalter Herr, versuchen Sie einmal, den gewal-\ntigen Unterschied zwischen „sagen\" und\n„sägen\", und den noch gewaltigeren Unter-\nschied zwischen einem Formenspiel und\neinem Bilde, und den gigantischen Unter-\nschied zwischen einem Kaleidoskop und einer\nFuge präzis und fein zu präzisieren. Da ist\nein Schied unter. Für Kenner, Indem und\nweil nämlich zum Beispiel ein Kaleidoskop\nnimmer in seinem Innersten komponiert nach\nkünstlerischen Gesetzen, sondern, entschul-\ndigen Sie den präzisen Ausdruck, sozusagen\nmechanisch allerlei durcheinander-\npurzeln läßt, das sich zu variablen Ornamen-\nten immerhin ordnet, ist ein Kaleidoskop just\ndas Gegenspiel zu einer Fuge, die nicht und\nnie und nimmer mechanisch, sondern künst-\nlerisch komponiert, was mit Unfug schon des-\nhalb nichts zu schaffen hat, Komma, weil das\nFügen und Sichfügen der Werkteile ein\nGeschehen ist, das mit Fug und Recht aller\nKomponenten des überpersönlichen Wirkens\ngeschieht.\nGeschieht, lieber Herr, Es ist nichts zu\nmachen. Daher der Name: Fuge. Sie ver-\nwechseln nicht nur Titel, sondern auch\nGrundbegriffe, Sie sollten Ihre schwere Mühe\nkurz und klein sägen. Aber sie ist unsäglich,\ndenn sie ist zu leicht gemacht sich, Ihr\nKaleika, das auch in jedem anderen Kritiker\ndie sogenannte thematische Galavorstellung\nund den Galimathias regiert, was von Regie\nkommt, und hier ausnahmsweise „rehschiert\"\nzu sprechen ist, verhindert auch Sie, Bilder\nund andere Fugierungen genau so primär und\nurkünstlerisch, wie sie geschahen, zu erleben.\nFür Kenner. Da Sie, lieber Herr, für Künst-\nler zu schreiben trachten, müssen Sie danach\ntrachten, nicht gegen Künstler zu schreiben,\ndie schreiben können, weil es geschieht. Den\nSammlern machen Sie, Herr Wolfradt, sonst\nauch in Zukunft einfach Unfug vor. Davor\nsollten die Herren hierdurch mit vorzüglicher\nAußerachtlassung bewahrt werden. Der Ge-\nmeine muß von unten anfangen, und nie von\noben herab tun. Wo die Fuge geschieht, ist\noben. Unter uns. Für Kenner.\nKopf hoch, alter Herr, es wird schon werden,\nArbeit ist der Mühe Preis.\n\nOtto Nebel\n\nBildung und Kunst\n\nToilettengeheimnisse\nDer Verleger Kiepenheuer aus Potsdam hat\neine Privatzeitschrift herausgegeben, die sich\nTabatiere nennt. Sie enthält die Eintragun-\ngen und Inschriften, die der familiäre, lite-\nrarische und künstlerische Verkehr dieses\nVerlegers an die Wände der Stätte schreibt,\noder richtiger dichtet, die man laut Anschlag\nauf der Straße nicht vor dem Ordnen der\nKleider verlassen soll. Es ist nützlich, Men-\nschen im ungeordneten Zustand zu sehen. Es\nist verdienstvoll, wenn ein Verleger seine\nMitarbeiter entkleidet. Es ist wertvoll, daß\ndas Berliner Tageblatt Kenntnis von diesen\nEnthüllungen gibt. Die Gattin des Verlegers\ndichtet über ihr trautes Heim:\n„Das schönste Klosett auf Erden\nist dieser schöne Ort.\nv ' -\nNach ihm in Freud' und Leide\nZieht es mich immerfort.\nWeihnachten 1924\nBettina Kiepenheuer\"\nDie Dame braucht die Oeffentlichkeit nicht\nzu scheuen.\nEin anderes Gedicht heißt:\n„Mein lieber, lieber Kiepenheuer,\nSitz' ich hier so auf Tante Meuer,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.18", "texte": "Was tu ich mit all diese Sprüch' an de Wänd',\nWenn vergebens nach 'nem Blättchen greifen\ndie Händ'.\nSo will mir's nicht aus'm Sinn\nLeg' zur Vor- und Nachsorge unser\nKunst b 1 a 11 hin,\nUeberall, wo man sitzt, für Herren, für die\nDame,\nHelfen wir aus und machen Reklame.\nPaul Westheim\"\nHiermit ist der eindeutige Beweis erbracht,\nwas Herr Paul Westheim von sich und von\nseinem Kunstblatt denkt. Das sind unsere\nFeinde, meine Freunde.\nAnfrage\nIm redaktionellen Teil des Börsenblattes für\nden deutschen Buchhandel steht folgende An-\nfrage: „Könnte mir jemand Titel, Verlag und\nPreis nachstehend beschriebenen Bildes mit-\nteilen: Im Hintergrund schneebedeckte Berg-\nketten im mattrötlichen Schein; Vordergrund:\nHalle mit Säulen; am Rande der Halle liegt\neine Frauengestalt hingestreckt, während sich\neine zweite Gestalt im Licht des Alpen-\nglühens über sie beugt. Größe ungefähr\n30X50 cm.\" Die Größe bezieht sich auf das\nAlpenglühen und nicht etwa auf die zweite\nGestalt. Das Bild hängt in den Vereinigten\nMuseen der schönen Künste und wird für\njeden Preis gemalt. Es wäre demnach nur\nnoch die Mitteilung erwünscht, warum die\neine Person hingestreckt liegt. Vielleicht\näußert sich Herr Dr. Max Deri darüber.\nKeine Fehlbitte\n,»Hochgeehrte Schriftleitung I Seit Jahren mit\ndem Aufbau eines großzügigen Verlagsunter-\nnehmens zur Pflege der Romantik beschäftigt,\nbeginne ich nunmehr, nach Ueberwindung der\nGeldentwertung, mit aller Kraft aufs neue\nan der Verwirklichung meiner Lebensauf-\ngabe: die deutsche Volksseele zu retten vor\ndem Gifthauch schnödester Selbstsucht und\nverhärteter Gleichgültigkeit gegen das Gött-\nliche im Menschen, zu arbeiten. Hierzu bitte\nich die gesamte deutsche Presse des In- und\nAuslandes um Mithilfe, eingedenk der großen\nBedeutung, die sie als Kulturträgerin täglich\nerfüllt. Tragen Sie meine Idee in Ihre brei-\ntesten Leserkreise und machen Sie sie so zu\neiner Sache des ganzen Volkes. Immer zer-\nmürbender pocht ja eine gänzlich entseelte\nZukunft des Maschinenzeitalters auf die Ge-\nhirne ein. Dem muß mit aller Kraft sittlicher\nVerantwortlichkeit entgegengetreten werden\noder unser deutsches Volk ist das der Dichter\nund Denker gewesen und erreicht den Tief-\nstand amerikanischen Krämergeistes! In der\nHoffnung, keine Fehlbitte zu tun, mit deut-\nschem Gruß.\"\nWährend der Geldentwertung konnte die\nVolksseele sich seinswegen vergiften lassen.\nDas Göttliche im Menschen brachte zu wenig\nein. Und die Amerikaner werden sich ärgern,\ndaß sie, ätsch, nicht gerettet werden sollen,\nweil sie nur eine amerikanische Volksseele\nhaben. Der Herr Verleger hat persönlich ge-\ndichtet „Die schöne Müllerin\", komische\nSpieloper, „Vineta\", romantische Oper, „Die\nTotentrud\", romantische Oper, deren Urauf-\nführung für das Jahr 1926 vorausgesagt wird.\nSo ein Krämergeist will. Zur Entgiftung wer-\nden die Bücher des Herrn Gramsch empfoh-\nlen. Sie heißen schlicht „Und dennoch\", „Ganz\ndein\" und „Weiße Segel\". Die Herren Schrift-\nsteller und Kritiker bekommen diese Bücher\nzur Besprechung. „Sollte man diese Zusiche-\nrung nicht erfüllen, so darf der Verlag nach\nAblauf genannter Frist die Bücher abzüglich\n25 Prozent Verlegernachlaß berechnen.\" Die\nLeute mit amerikanischem Krämergeist sollen\nsich wenigstens nicht umsonst entgiftet haben.\nJa, das Maschinenzeitalter pocht.\nWohnungsmangel und Metaphysik\nin Magdeburg\nöder\nDie fröhl. Fr.\n280 b. tr. £e*\nbenSfmb. u. f. tu\nb liebeöoöe, fürfora.\nButter? 2öeg. QBof*\nmihafintf« f. 42}\nSöto., gefb., tabeltofe\nQser§angens., fo balb\nalä tttögf. s« »erbetv.\n9iur ftrebfame, fctibe\nBaubtot ob. 93cam(e a.\nb. £be. <te>o £aitbn>irt*\nfd&aft betrb. n>.), b.\n$r. u. ®let§ aber auch\ne. frteblb. u. frö&i.\n$t. au fd&äfc, n>ifTeiu\nn>erb. geb., ju fcbtb.\n(etrtl. a. #orl. 5. j&aus*\nbaltfbrg.) an b. 9Kgb.\n3titung unt 0. 706«\nAbgekürztes Verfahren.\n\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.19", "texte": "Aus unserer Korrespondenz\nSturm-Ausstellung in Dresden\n\nBerlin, den 6, 4, 25\nNeue Kunst Fides\nDresden\nSehr geehrter Herr Probst!\nDa Sie weder bei meinen beiden Führungen,\nnoch bei meinem Abendvortrag in Ihren Räu-\nmen anwesend waren, muß ich Ihnen schrift-\nlich mitteilen, was ich Ihnen sonst direkt ge-\nsagt hätte. Sie werden bereits durch Ihre\nAngestellten erfahren haben, daß mich die\nArt, wie Sie unsere Kollektion ausgestellt\nhaben, mit der größten Entrüstung erfüllt hat,\nHerr Kesting hatte mir bereits mitgeteilt, daß\nSie von den übersandten 105 Bildern circa\n40 nicht gehängt hatten. Ein flüchtiger Blick\nin die Ausstellung konnte jeden überzeugen,\ndaß die Weglassung dieser Bilder nicht auf\nRaummangel beruhte. Die meisten der Wände\nwaren nicht nur nicht ausgenützt, sondern\nmeist nur ganz spärlich behängt. Bei einer\nsachgemäßen Verteilung hätten sich sogar,\nwie ich mich gründlich überzeugt habe, eine\nweit größere Anzahl von Bildern als die 105\nübersandten hängen lassen, ohne daß eine\nUeberfüllung eingetreten wäre. Das Prinzip,\nnach dem Sie diese 40 Bilder ausgeschlossen\nhaben, ist mir freilich unerklärlich geblieben.\nSie haben nicht nur große und bedeutende\nWerke, wie etwa das große Gemälde von\nJohannes Itten, von dessen allgemein aner-\nkannter Bedeutung auch Sie gelegentlich ge-\nhört haben müssen, weggelassen, sondern\nauch mittlere, kleinere und kleinste Bilder,\nwie z. B. Aquarelle und Zeichnungen von\nChagall, Molzahn, Gleizes, Wauer u. a,,\nvon denen man noch Dutzende bequem,\nkünstlerisch und wirksam hätte hängen\nkönnen, nicht ausgestellt, Sie haben sich\nsogar für berechtigt gehalten, von Aurel\nBern&th überhaupt nichts zu hängen, ob-\ngleich selbst ein in künstlerischen Dingen\nUngeschulter auf den ersten Blick den hohen\nkünstlerischen Rang dieser Bilder hätte er-\nkennen müssen. Von den drei Bildern der\nTour Donas haben Sie gerade das nicht aus-\ngestellt, das jeder Unbefangene als das Be-\ndeutendste der drei übersandten erkennen\nwird. Peris große Konstruktion haben Sie\nnicht gehängt, obgleich Sie wissen mußten,\nwie wichtig es war, daß ein größeres Bild\ndieses Malers gezeigt wird, den schon seit\nlängerer Zeit selbst diejenigen Kritiker und\nSchriftsteller als einen Künstler ersten Ran-\nges erkennen, die aus übler Gewohnheit uns\ngern etwas am Zeuge flicken. Sie haben\nferner von den 5 Bildern Kurt Schwitters\ndrei, darunter zwei große und wesentliche,\nnicht gehängt, obgleich Sie mich ausdrücklich\ngebeten hatten, es in der Kollektion ja nicht\nan Bildern von Schwitters fehlen zu lassen,\nSie haben weiterhin das große und ausge-\nzeichnete Bild von Topp „Bild mit zwei Ge-\nstalten , sämtliche Arbeiten von William\nWauer und ein Bild von Zadkine, einem\nMaler von internationalem Ruf, nicht ge-\nhängt, Ich wiederhole, daß für alle diese\nFortlassungen nicht der geringste Grund vor-\nlag. Und wenn ich auch den Verdacht habe,\ndaß Sie einige Bilder deswegen nicht gehängt\nhaben, weil Sie sich nicht fähig fühlen, ihren\nWert zu erkennen, oder was noch schlimmer\nwäre, weil Sie sich nach dem Geschwätz\neiniger nicht maßgebender Kunstschriftsteller\nrichten, so muß ich doch wiederum Bedenken\ntragen, dieses zu glauben, wenn ich erwäge,\ndaß Sie Bilder von längst anerkanntem Rang\nausgeschieden haben. Aber die Aeußerung,\ndie Sie über die Kollektion bereits vorher zu\nHerrn Kesting und auch mir gegenüber getan\nhaben, läßt mich deutlich erkennen, daß Sie\nzwar diese Bilder bequem hätten ausstellen\nkönnen, aber nicht ausstellen wollten.\nSie mußten wissen, daß die Ausstellung bei\nWeglassung dieser Bilder, da jeder Maler nur\nmit wenigen Arbeiten vertreten sein konnte,\neinen ganz unvollkommenen Eindruck\nmachen mußte, und daß damit gerade ihr\nHauptzweck verfehlt wurde, nämlich die\nReichhaltigkeit der künstlerischen Produktion\nauf dem Gebiete des Expressionismus, seine\nerstaunliche Mannigfaltigkeit, das immer wie-\nder neue und eigene Gepräge der verschiede-\nnen Kunstwerke zu zeigen und so dem immer-\nhin gutwilligen Publikum und der ganz gewiß\nböswilligen Kritik sowie den Kunsthändlern,\ndie zu früh gejubelt hatten, zu beweisen, daß\nder Expressionismus nicht tot ist, sondern\nganz im Gegenteil lebendig genug, und immer\nwieder neue Erscheinungsformen hervor-\nbringt. Es konnte Ihnen nicht verborgen\nbleiben, daß Sie durch Ihre eigenmächtige,"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.20", "texte": "gänzlich willkürliche und sinnlose Zerstücke-\nlung einer von uns mit Mühe, Ueberlegung\nund Sorgfalt zusammengestellten und um-\nfassenden Kollektion die Ausstellung von An-\nfang an ruiniert hatten. Durch diese Zer-\nstückelung war sie bereits vernichtet. Aber\ndamit haben Sie sich nicht begnügt. Sie haben\naußerdem die Bilder in einer Weise zur Aus-\nstellung gebracht, die jedem Kunstsinn und\njedem Kunstgeschmack ins Gesicht schlägt.\nIch habe bei meiner Anwesenheit in Ihren\nAusstellungsräumen den Ausdruck meiner\nEmpörung und Entrüstung über diese Art,\nBilder zu hängen, nicht zurückgehalten. Ich\nmuß Ihnen diese Wahrheit sagen, daß das,\nwas ich gesehen habe, selbst meine schlimm-\nsten Befürchtungen überstiegen hat. Daß Sie\nimstande wären, Bilder nach künstlerischen\nGrundsätzen zu hängen, gegen die Sie von\nvorn herein eingestandenermaßen das üb-\nliche Vorurteil der Kunstfeinde hatten, da-\nvon war ich, ebenfalls von vornherein, über-\nzeugt. Aber daß Sie es fertigbringen sollten,\ndie Jbilder in einem solchen tollen Durchein-\nander, wie ich es erblickt habe, an die Wände\nzu hängen, das hatte ich doch nicht für\nmenschenmöglich gehalten. Wenn jemand\ndarüber gegrübelt hätte, wie er die Bilder\naufhängen könnte, um zu versuchen, sie ad\nabsurdum zu führen, er hätte es nicht anders\nmachen können. Die Zusammenstellung der\nBilder, wie Sie sie vorgenommen haben, war\nwirklich ein grauenvoller Anblick. Ich habe\nnicht zwei Bilder gefunden, die in richtigem\nMaß und Sinn zueinander hängen. Selbst von\ndem primitiven Grundsatz, daß man die\nGraphik von den Gemälden trennt, scheinen\nSie nichts zu wissen, oder sie hatten die son-\nderbare Idee, daß in der Zusammenstellung\neiner feinlinigen Zeichnung mit einem bunten\nOelgemälde ein besonderer Reiz liege.\nWelche Idee ferner, rechts und links von\neinem Gemälde von Rudolf Bauer zwei Bilder\nvon Charchoune zu hängen, die zueinander\npassen wie die Faust aufs Auge. Nicht ein\nBild hängt an einer richtigen Stelle, nicht eins\nhängt so, daß es sich zum nächsten schickt.\nEs ist ein Durcheinander und ein Mangel an\nGeschmack, der heutzutage wahrhaftig sei-\nnesgleichen suchen muß. Wir waren voll-\nkommen im Recht, als wir so sehr darauf\ndrangen, das Hängen selbst zu besorgen. Und\nwenn Sie behaupten wollen, daß die Bilder,\nso wie ich sie angetroffen habe, gut gehängt\nwaren, um so schlimmer! Welches aber auch\ndie Gründe für diese Hängeweise, die mich\nmit Wut und Entsetzen erfüllte, gewesen sein\nmögen, so muß ich Ihnen den Vorwurf\nmachen, daß Sie durch Ihr eigenmächtiges\nVerhalten die Ausstellung von vornherein\nzerstört und uns sowie die Künstler des\nSturm auf das schwerste geschädigt, den\nKünstlern auch eine erhebliche Beleidigung\nhaben zuteil werden lassen.\nDem Vorschlag einer Ihrer Angestellten, die\nAusstellung heute, Montag, zu entfernen,\nhabe ich wahrhaftig nicht widersprechen\nkönnen. Es ist besser, gar nicht auszustellen,\nals die besten Bilder in solcher verhöhnenden\nWeise zusammenzustellen. Ich erwarte von\nIhnen nicht die geringste Rechtfertigung, da\nes gar keine Entschuldigung für Sie gibt. So-\nwohl wir wie auch Herr Kesting haben Ihnen\nunsere Hilfe angeboten, da wir von vorn-\nherein an Ihrer Fähigkeit, Bilder zu hängen,\nzweifelten. Ein anerkennenswerter Grund,\nes abzulehnen, lag für Sie nicht vor. Sie\nmüssen also andere Gründe gehabt haben.\nEs versteht sich von selbst, daß wir alle\nunsere Künstler davon benachrichtigen, in\nwelcher Weise Sie sich erlaubt haben, sich\nzum unberufenen Richter ihrer Arbeiten und\ngleichzeitig zu ihrem Schädiger zu machen.\nOb wir juristisch ein Recht haben, die Aus-\nstellung zurückzuziehen, will ich nicht unter-\nsuchen. Es ist auch wohl überflüssig, da es\nvermutlich Ihrem Wunsche entspricht, von\neiner Ausstellung befreit zu werden, die\nIhnen von Anfang an unbequem war.\nHochachtungsvoll\n\nDr. Rudolf Blümner\n\nInhalt:\nWilliam Wauer: Das entdeckte Gehirn . . , . 49\nOtto Nebel: Linoleumschnitt 53\nFritz Entelmann: Hellrot 54\nOtto Nebel: Linoleumschnitt 55\nOtto Nebel: Razzia im Schemenviertel ..... 56\nG. den Decker: Linoleumschnitt . 59\nHerwarth Waiden: Bildung und Kunst ..... 61\nRudolf Blümner: Aus unserer Korrespondenz , . 63\nAdolf Loos: Hotel zu Nizza (Beilage)\nAdolf Loos: Architektonischer Grundriß (Beilage)"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "[65]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.21", "texte": "y.f- r\nHerausgeber: HERWARTH WALDE N\n,y\nn\n■\n■ 5\nv • ■ i V —*•\n,\nI ,\n;,•» iv.fr ' ' t\nV * r v .\n? < • » •,; •\nwfc-.\nj: ' \" ,V\" V'-\\\n' 1 ]) ,? ....\n■' Nt \\\\ :\n?V- ~il ■ *; \"> •' *, • *\n» {vf •. £ ■\n> > •( . : ; 'j\n\\'v ■'? '\";\n■'V- ' >;;\n, V' •• 'I' ,r- A 14* l*. ■ :\nDie\n16. jahrgang 1925\nMonatschrift\n]edes Heft 1 Mark 50 pfennig\n]ahrgang 1925: 12 Mark\nV '■* ' , ,t'! \" ' >' \\{ • ' J «\nEin halbes ]ahr: 8 Mark\nEin Vierteljahr; 4 Mark\n, • iiy\nr r\ni* \" ••. ,<\n■ ■ 'u'V-\n▼ ▼\nd6r Zeitschrift Der Sturm\nDie Zeitschrift Der Sturm wurde im Jahre 1910 durch Herwarth\nWalden als Wochenschrift begrundet. Sie wurde spater in eine\nMonatschrift umgewandelt. Nur im ]ahr 1924 erschien sie als Viertel=\njahrschrift mit Monatsberichten.\nWer sich über die Entwicklung der gesamten neuen Kunst, der\nDichtung, der Malerei, der piastik unterrichfen will, findet in den\nJahrgangen „Sturm\" das reichste Material.\nPreise der friiheren Jahrgange:\n1.—4. Jahrgang: vergriffen\n5.—7. Jahrgang: je 12 Mark\n8. jahrgang: vergriffen\n9.—-15. Jahrgang: je 12 Mark\n'■* ' *t- V\nIf:\nhi *\nV<r \\ <i '\n• P • ; ; -.v' \"\n;\n112 .... - ■ • ' •\ni\nM\n' :fl( fl •>. ./ ■' ■ ••:\n' ' ; •, A' ■ • i; *ij\n'. • v-; /, * - J"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "[66]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192504-01.1.22", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Schreyer, Berlin W 9 / Verlag: Der Sturm G.m.b.H., Berlin W9, Potsdamer Straße 134 a\nFernruf: Lutzow 4443 / Postscheckkonto: Berlin 120658 / Druck: Max Noster, Berlin SW 68 Alexandrinenstraße 110\n\nSTURM-ABENDE IN DER\nJEDEN MITTWOCH 71/„ UHR /\nSTURM-AUSSTELLUNG\nPOTSDAMER STRASSE 134 A I\n\nAPRIL\n1\nWaldemar Eckertz\nAus eignen Dichtungen\n8\nRudolf Blumner\nRezitation\nHerwarth Walden\nLieder und Gesange\nGesang: Mdrga Handel-\nMarben\nTschechische\nMusik\n\\ . /\nSlowakische und mahrische\nVolkslieder\nGesang: Ana Kratky\nKlavier: Miroslav Pone\n\nSTURM-AUSSTELLUNG\nBERLIN W 9, POTSDANIER STRASSE 134 A I\nr mmm\nApril 1925\nOscar Nerllnger\nAdolf Hilllic\nHugo Sdieiber\n\nist die Nummer\nI Sturmbuchhandlung\nin der Potsdamer o*\ngtrayWir erwarten 016\n' - T. ' i ■»\nHochachtungsvoli\n\nW. Marziliier & Co. Berlin W * GrunewaldstraGe 14-15\nGegriindet 1854- Hofspediteure 8. M. des Koniys von Spanien Gegriindet 1854\nSpedition und Mobeltransporte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemalden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- und Auslandes :: Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kiinstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des „Sturm\" '"}]}