{"numero_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_sha256": "72a776f494580262425a94a7cacce2c0d40434f40efb114c373ceb26d8c3e0ce", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1925/07_01/bmtnabg_1925-07_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1925/07_01/bmtnabg_1925-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c001", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "HUGO SCHEIBER", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.1", "debut_caractere": 115, "fin_caractere_exclue": 139, "texte": "HUGO SCHEIBER: Zeichnung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c002", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "100", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.2", "titre_corps": "Die internationale Ausstellung neuer Theatertechnik in Wien : Nachworte", "titre_sommaire": "Die internationale Ausstellung neuer Theatertechnik in Wien : Nachworte", "signature_source": "Ingenieur B. F. Dolbin/Wien", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.3", "debut_caractere": 43, "fin_caractere_exclue": 3590, "texte": "Die internationale Ausstellung\nneuer Theatertechnik in Wien\nNachworte\n\nWenn sich auch durch die außerordentliche\nkünstlerische Beteiligung der Schwerpunkt\nder Ausstellung nach der künstlerischen Seite\nhin verschoben hatte, so blieb doch das Be-\nstreben deutlich, die Aufreihung der Aus-\nstellungsobjekte nach theatertechnischen Ge-\nsichtspunkten vorzunehmen.\nDer Begriff Theatertechnik allerdings so weit\ngefaßt, daß etwa Dekoration, Figurine, Schein-\nwerfer und Schauspielergeste als gleichge-\nordnete, technische Hilfsmittel und Erzielung\nder Theaterwirkung erscheinen.\nSo betrachtet erscheint es besonders verwun-\nderlich, daß die barocke Form des Theaters,\ndie Guckkastenbühne, sich durch die Jahr-\nhunderte erhalten konnte, trotzdem der Sinn\ndes Theaterspiels so mannigfaltigen Verände-\nrungen unterworfen war. Denn selbst der\nwesenverwandelnde Weg vom barocken\nPrunkschauspiel zum „Theater als moralische\nAnstalt betrachtet\" war von keiner adäquaten\nFormveränderung des Theaters begleitet.\nWährend für alle anderen Kunstgebiete die\nForderung gilt, daß der neue Inhalt die neue\nForm erzwingt, wird auf dem Gebiet des Thea-\nters noch heute versucht, die hundertfach ge-\nborstene Form des Theaters mit dem neuen\nInhalt zu füllen. Daß er durch alle Fugen sich\nverflüchtigt und daß sich ein inhaltleeres, da-\nher die Massenwirkung verfehlendes, ge-\nschmäcklerisches und bestenfalls virtuoses\nTheaterspielen ergibt, beweisen die gehäuften\nVersuche, durch technische Hilfsmittel, durch\nKniffe der Regie und der Ausstattung Wir-\nkung zu erzielen. Die Betonung der Technik\nverfolgt aber in diesem Rahmen keine Selbst-\nzwecke sondern den Zweck, den sie trotz\nKnechtung von Einzelnen stets verfolgt hat:\nEntlastung, Befreiung, Entfesslung.\nDie großen Raum und Zeit überwindenden Er-\nfindungen des neunzehnten und zwanzigsten\nJahrhunderts werden zwar im Theater ver-\nwandt, aber kaum anders als etwa die Elektri-\nzität in der Mehrzahl unserer Wohnungen:\nUrväterhausrat in elektrischer Beleuchtung.\nSie dienen bestenfalls als Injektionen für das\nin den letzten Zügen liegende alte, museale\nTheater.\nSicher wird das neue Theater eher ein Agi-\ntationslokal als ein Ort der ästhetischen Be-\nfriedigung sein müssen. Kein Zuhörer oder\nZuschauer darf sich, durch die Form des\nLogentheaters begünstigt, der Allgemeinwir-\nkung entziehen: Inhalt und Darstellung wen-\nden sich als Manifest an Alle!\nEs ist daher nicht erstaunlich, daß unter den\nzahlreichen Versuchen einer Theaterreform\ndie russischen Gestaltungen die lebendigsten\nsind, denn die Formänderung war hier nicht\nZweck, sondern elementare Begleiterschei-\nnung der inneren Umgestaltung.\nAllerdings wurde diese Umgestaltung nicht\nnur durch die Regisseure, sie wurde auch\ndurch den Umstand beschleunigt, daß die\nbrachliegende Industrie jegliche technische\nAuffrischung versagte. Ob es sich nun um\ndas Theater Tairoffs oder die Meyerholdsche\nBühne handelt, in beiden Fällen wurde der\nBühnenraum von allen Ueberbleibseln der ba-\nrocken Illusionsbühne gereinigt und das\nSchauspiel einem Schaugerüst überantwortet,\ndas in seiner vertikalen Tendenz ein neuge-\nartetes Spiel ermöglichte und förderte. Ins-\nbesondere die ersten Inszenierungen Tairoffs\nzeigen dieses Bestreben, in der Bühnengestal-\ntung Raum zu gewinnen und das Uebergreifen\ndieses Bestrebens auf Schauspieler und Wort-\ngestalt.\nDie Figurinen Alexander Wesnins zu „Phä-\ndra\" (Racine) und „Verkündigung\" (Claudel)\nerläutern den Versuch, die Gestalt des Schau-\nspielers mit Form-Gewalt auszustatten. Die\nStileinheit bedingte auch raumschaffende Ge-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4434, "texte": "sten und den Raumton (Pathos) des gespro-\nchenen Wortes.\nAber schon das Spielgerüst Wesnins „Der\nMann der Donnerstag war\" deutet auf das\nBestreben (unterstützt durch den Inhalt des\nStückes) den drei Ordinaten des Spiel-Rau-\nmes eine vierte, dynamische hinzufügen.\nGanz deutlich wird diese vierte Ordinate\ndurch Meyerhold erobert, allerdings auf Ko-\nsten des psychischen Wortgehaltes. Seine\n„biomechanische Schau\" unterdrückt die auf\nKammerwirkung ausgehende Wortpsyche zu-\ngunsten einer akrobatischen Ausdruckstechnik\ndes Schauspielers, die in ihrer Undifferenziert-\nheit Massenwirkung erzwingt. Mienenspiel\nund Kostüme sind unwesentlich und typenlos.\n#\nDas Bühnengerüst ist Akteur und unterstützt\ndie revolutionäre Massenbewegung, die den\nHauptakteur gleichsam als Ausdruck der\nMasse an die Spitze schleudert. Dieses Spiel-\nprinzip : daß der Sprecher als Ausdruck\nder Masse zu ihr spricht, ist als dynami-\nsches, im Gegensatz zu dem statischen Prin-\nzip der gewöhnlichen Guckkastenbühne zu be-\nzeichnen, auf der bestenfalls ein - Einzelner\nals Einzelner zur Masse zu sprechen\nvermag.\nBeachtenswert erscheint im Zusammenhang\nmit den unabhängig von einander zum „me-\nchanischen Ballett\" führenden Wegen der the-\natertechnischen Entwicklung des übrigen Eu-\nropa, die Unterdrückung des Wortes zugun-\nsten einer dem Ballett wesensverwandten\ngymnastischen Schau.\nDen Uebergang zu den Bestrebungen einer\nErneuerung des Theaters auf Pariser Boden\nbilden die Inszenierungen Komisarjewskys,\ndie, wesentlich aus der bildenden Kunst ge-\nholt, den Bühnenrahmen als Kompositions-\ngrenze für ein bloß mit den Augen erfaßbares\nplanes Gebilde werten. Hier ist keine Ein-\nheit erzielt: Wort und Spielgestaltung be-\ngleiten einander wie Wort und Tongestalt im\nLied.\nMehr aus der Verquickung von Forderungen\nder bildenden Kunst mit ästhetischer Wertung\nder Maschine sind die Entwürfe Fernand Le-\ngers zu „Skating Rink\" und „Creation du\nMonde\" entstanden. Die traditionsbelastete\nSphäre von Paris gestattete nicht das Her-\nausheben dieser Gestaltungen aus dem ba-\nrocken Bühnenrahmen. Der Sprung zum\nFilm war nötig, um im „Ballet mecanique\"\neine Konsequenz zu ziehen, die dem Bühnen-\nKünstler versagt war. Einen anderen Weg\nder Befreiung von der individuellen Gestalt\ndes Schauspielers zur allgemein gültigen\nType versucht Jean Hugo in seinen Figurinen\nzu „Les Maries de la Tour Eiffel\", die Gestalt\nund Gesicht des Schauspielers gänzlich um-\nhüllen.\nEin äußerlich Aehnliches gelingt dem Deut-\nschen George Grosz in den Figurinen zu Ivan\nGölls „Der neue Methusalem\", die mehr einer\nSteigerung der satirischen Tendenz als einem\nbewußten Form willen zu danken sind. Die\nFigurine will nichts weiter sein als die Ve r -\nbildli c h u n g der darzustellenden Figur.\nSie wird wie ein Schild vor die Zufallsgestalt\ndes Schauspielers gestellt, von diesem selbst\ngehalten und geführt. Sie erfordert die plane\nEntwicklung des Spieles parallel zum Zu-\nschauerraum ; also geradezu eine Steige-\nrung des Guckkastenspiels. Konsequenter\nin den Versuchen, die Typisierung der dar-\nzustellenden Gestalt über Schminktopf und\nKostüm, den Behelfen der Individual-Gestalt\nhinaus zu wagen, sind Lothar Schreyer und\nRudolf Belling. Dieser mit seinen Figurinen\nzum „Formballett\", die die menschliche Ge-\nstalt nur als motorischen Behelf benützen, sie\naber trotzdem als Gerüst erkennen lassen.\nSchreyer mit seinen Bühnenfiguren zu dem\nBühnenwerk „Mondspiel\", in denen etwa der\nAusdruck der Heiligkeit weder dem Zufalls-\nmienenspiel eines Gesichts, noch einer antlitz-\nhaften starren Maske, sondern dem das\nAntlitz ersetzenden Kreuz anver-\ntraut ist. In dieser Sphäre würde an der Stelle\ndes Kreuzes ei n Auge treten, wenn etwa die\nGestalt des Malers, ei n Ohr, wenn die Ge-\nstalt des Lauschers eindeutig, also typisch\ngegeben werden soll.\nDie allmähliche Mechanisierung der Spieler-\ngestalt mußte zwangsläufig über die Entthro-\nnung des Wortes zum mechanischen .Ballett\nführen, wo an Stelle der Psychologismen, der\nethischen oder soziologischen Tendenzen und\nder dramatischen Konflikte Musik oder me-\nchanisches Kräftespiel als Movens trat.\nBis nahe an die Grenzen dieser Entwicklung\nist die Gruppe des „Weimarer Bauhauses\" ge-\ndrungen. Ja, die Mechanisierung der Gestalt\nführte hier zu dem Wagnis, marionettenhafte\nTanzkörper aus Maschinenelementen zusam-\nmenzusetzen. Das Wagnis scheint jedoch\nbloß dort geglückt, wo die Tanzfigur jegliche\nVerwandtschaft mit Maschine und Mensch"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4467, "texte": "verleugnet: im „mechanischen Ballett\" (Kurt\nSchmidt, Teltscher, Bogler). Die Verquickung\nvon Mensch und Maschine bewirkt grauen-\nvollen Prothesenspuk, der künstlerischen\nSphäre entrückt, sobald diese Wirkung ab-\nsichtslos erfolgt. Ganz abstrakt, in seinem\nBau und seinen Wirkungen der musikalischen\nKammerkunst verwandt, die „reflektorischen\nLichtspiele\" von L. Hirschfeld-Mack. In ele-\nmentare Formen gegrenzte Farbflecke er-\nscheinen, verblassen, verschwinden, ordnen\nsich, dem Rhythmus und der Dynamik einer\nBegleitmusik gehorchend, auf einem Trans-\nparent. Die Zufallsordnung des Kaleidos-\nkopes nach künstlerischen Gesetzen auswer-\ntend.\nDie letzten Konsequenzen zieht die „elek-\ntromechanische Schau\" von El Lissitzky. Der\nMaschinenmeister ist nicht mehr Diener son-\ndern Regent. Eine Art Klaviatur vermittelt\ndie Befehle für Auftritt, Bewegung, Aktion\nder Spielmaschinen. Nur allgemeingiltige, all-\ngemeinverständliche Typen und Symbole ver-\nbürgen hier eine massenbewegende Wirkung.\nDie Schaumaschinerie ist räumlich stark be-\ntont, doch der einseitigen Sicht unterworfen.\nDie Folgerungen aus der Forderung nach viel-\nsichtiger Geltung der Raumspielfigur ließen\ndie Figurinen von Oskar Schlemmer zum\n„Triadischen Ballett\" entstehen. Die kreisei-\nförmigen Figurinen verbergen etwa die Hände\nin einer sphärisch den Leib umgebenden Hülle,\nden Kopf in einer Art Taucherhelm. Noch ist\nhier durch stilisierte Andeutung eines Ge-\nsichts ein Vorn und Hinten gegeben. Ein\nSchritt weiter, und die Führung des Mundein-\nschnitts um den ganzen Helm herum oder die\nEinsetzung von zehn Augen ergibt die R u n d-\nmaske für das im Zentrum des\nZuschauerraumes geführte, dynami-\nsche Spiel.\nDie Forderung, dem Schauspiel technisch\netwa den präzisen Ablauf einer Symphonie zu\nsichern, führte zu den Versuchen, eine Spiel-\npartitur aufzustellen. (Moholy-Nagy zu seiner\n„mechanischen Excentrik\"; Lothar Schreyer\nzu seiner „Kreuzigung\"). Die „futuristische\"\nBühnentechnik der Italiener unter Führung\nvon Enrico Prampolini erzielt mit Hilfe einer\nchromatischen Komponente und klarer archi-\ntektonischer Großformen (insbesondere Pa-\nnaggi) die Neugestaltung des Bühnenbildes.\nDie psychische Wirkung der einzelnen Farb-\ntöne des Spektrums wird bühnendynamisch\nzur Interpretation der dramatischen Hand-\nlung verwendet (das Farbentheater von A.\nRicciardi, Rom). Die Farbe spielt hier im\nChromodram (diese Wortbildung sei\nwegen des Vergleichs gestattet) zum ersten\nMale jene untermalende Rolle, die der Musik\nim Melodram zukommt. Aber auch auf die-?\nsen Wegen zur Gewinnung einer dynamischen\nKomponente wird das .mechanische Ballett\nerreicht. (Prampolini und Depero: „Psico-\nlogia di Macchina\").\nDie in ihren plastischen Elementen mechani-\nsche Szene bewegt sich in Rhythmen, die den\nBewegungen der durch mechanische Masken\nentmenschlichten Tänzer gleichgeordnet sind.\n±)er beabsichtigte Querschnitt durch die The-\naterentwicklung Europas in dieser Ausstel-\nlung legte selbstverständlich auch Entwick-\nlungsstufen blo'ß, die gegenüber den Entwick-\nlungszentren wesentlich überholt erscheinen.\nFinnen und Czechen stecken noch sehr im\nBildmäßigen der Szene. Versuche den Raum\nzu erobern, finden sich am deutlichsten bei\ndem Finnen 0. Hinvikallio, bei dem czechi-\nschen Architekten Vlatislav Hofman.\nIn Oesterreich scheinen die Versuche einer\nneuen Bühnengestaltung mehr von der tech-\nnisch-formalen Seite her unternommen. Die\n„Ringbühne\" Oskar Strnad's und die „Wür-\nfelbühne\" des Architekten Hans Fritz bedeu-\nten eine Art Oekonomisierung des Szenen-\nwechsels. Beide Bühnenformen bedingen\nkeine wesensverwandte Aenderung des\nBühnenspiels, wie dies etwa die „Normal-\nbühne\" von Kurt Schwitters mit ihren elemen-\ntaren Formen oder selbst die Stilbühne des\nStuttgarters Fritz Schuhmacher erfordert.\nDas Stegreiftheater (Dr. Moreno Levy — Ar-\nchitekt Hönigsfeld) stellt, ähnlich wie das fu-\nturistische „Theater der Ueberraschungen\"\n(Teatro della sorpresa) oder wie die „Merz-\nbühne\" von Kurt Schwitters einen heute un-\ntauglichen Versuch dar, die Masse in das\nSpiel zu ziehen. Die Improvisation, dem\nSchauspieler oder dem ins Spiel gezogenen\nZuschauer — der also zum Zuspieler wird —•\nanvertraut, ist von Gestern, wie der „bezif-\nferte Baß\" oder die „Kadenz\" des Opern-\ntenoristen.\nAuf dem Wege zum „Theater der Zeit\" liegt\nder Entwurf der „Werkstätten für Massen-\nform\", die den Spielraum zungenartig in den\nZuschauerraum ragen läßt. Ein versenk- und\nhebbarer zylindrischer Teil dieser Bühne"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1582, "texte": "trägt die Benennung „Raumbühne\", obzwar\ndas Spiel darauf bestenfalls als plastisches\nSpiel vor einem Rundprospekt bezeichnet\nwerden kann.\nDas von allen Künstlern der Ge-\ngenwart geforderte und er-\nstrebte dynamische Raumspiel\nermöglicht die „Raumbühne\" von Fried-\nrich Kiesler. Hier ist das Spielgerüst,\nin seinen inhaltlichen Bedingungen der Mey-\nerholdschen Bühne verwandt, von dem aus\nder Protagonist, gleichsam als Ausdruck\neiner revolutionären Masse auf\ndas oberste Spielplateau geschleudert, zu ihr\nzu sprechen hat. In seiner Aufgangsspirale,\nin seinem Rundbau birgt sich die Schleuder-\nkraft der Massenbewegung. Das Wesen die-\nser Bühnenform bedingt die zentrale Anlage\nwie das Raumspiel der Schauspieler; fordert\nauch in seiner letzten Konsequenz die Rund-\nmaske, die symbolische Spielgestalt,\nden Antipoden der naturalistischen\nSphäre der Bühnenwelt.\nDaß die gegenwärtige technische Gestalt die-\nser Bühne erst den Keim der reifen Gestalt\ndarstellen kann, ist selbstverständlich. Aber\nschon dieser erste Versuch muß als ebenso\ngeglückt bezeichnet werden, wie die neuar-\ntige Ausstellungsform Kieslers, die eine Art\n„Schau ohne Beschaulichkeit\" darstellt.\nDas Verdienst der Stadt Wien, den von der\nGesellschaft moderner Kunst mit Rat und Tat\ngeförderten Plan Friedrich Kieslers im Rah-\nmen des Musik- und Theaterfestes verwirk-\nlicht zu haben, kann nicht stark genug her-\nvorgehoben werden.\nDer Widerhall in den geistigen Zentren Eu-\nropas zeugt für die Keimfähigkeit dieser Ver-\nsuche einer Umgestaltung des Theaters und\ndes Ausstellungswesens.\n\nIngenieur B. F. Dolbin/Wien"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c003", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "100", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.3", "titre_corps": "Dichtungen", "titre_sommaire": "Dichtungen", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.6", "debut_caractere": 1584, "fin_caractere_exclue": 3394, "texte": "Dichtungen\nKurt Liebmann\nGräser und Sterne\nSchlanknahe beben sie immer im purpurnen\nKuß der Sterne. Auch Sonnen reihen sich per-\nlend zwischen ihre Gewebe und sie sind nahe\nallnahe näher als alle Umarmungen Liebender.\nSie pulsen das Blut in das Lichten und bräut-\nlieh zittern sie im leisesten Atem der Sterne.\nNeigend wehen sie in die Arme des Winds und\nwiegen flüsternd die Frühe.\nZu Mittag schrecken sie schräg vor der Wage\nder Welt oder kerzen empor und leuchten die\nWende der Stunden. Leuchten auch mitter-\nnachts und läuten die Mitte der NacHt.\nDie Bösen schlottern im Schrillschrei der Grä-\nser zirrr zirrr. Blut zückt aus den Wiesen\nder Erde drin baden die Sternenhelden. Schon\nA\" *\nquellen aber die Brüste der Frühe empor und\ndie zitternden die Halme hauchen den Strah-\nlen entgegen.\nIhr Blut tönt eine Harfe.\nLe corps est mort\nund die Wolken sind geöffnet und eine\nBlutharfe. Tastzitternd entzüngeln die Ge-\nwebe. Schon tanzt ein Mädchen zartelfenbein\nträgt einen Kranz blauhüpfer Flämmchen im\nHaar. Viele wehts an und sinken hin. Die\nTiere die edlen schwimmen im Atem Gottes in\ndie Welt. Vom Felsen überm Fluß hoch wirft\nsich ein Kind auf Flügeln in die Luft silbern\nund der Abend sinkt hin am Wege und röchelt.\nAber die Sonne ist ein schwarzer Diamant und\n—oh — ich weiß nicht wohin wohin. Viel-\nleicht kommt jetzt der Gottesvogel rotspan-\nnend und ich bin Raub für weite weite Ferne.\nVielleicht vielleicht — es ist schon spät.\nNachtentlang\nEs ist unendlich starr\nich wage mich nicht weiter\nmeinen Fuß umrollt ein Kopf\nunnennbar Leid vertropfend\nes klopft und klopft und klopft\nwild bäumt sich ein Geläute\nund rot Gemäuer stäubt\nmein Weinen klirrt zerfroren\nwank rankt mein Mund zum Mond\nein Vogel schlüpft durchs Haar mir\nNachtlilie züngelt zisch\nes ist viel Weh im Wehen\nund es ist spät und kalt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c004", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "101", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.4", "titre_corps": "Raumbühne", "titre_sommaire": "Raumbühne", "signature_source": "Friedrich Kiesler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 28, "texte": "Friedrich Kiesler: Raumbühne"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c005", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "106", "image_debut": 8, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.5", "titre_corps": "Das entdeckte Gehirn : Die Denkleistungen der Menschheit", "titre_sommaire": "Das entdeckte Gehirn : Die Denkleistungen der Menschheit", "signature_source": "William Wauer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 68, "texte": "Das entdeckte Gehirn\nDie Denkleistungen der Menschheit\nWilliam Wauer"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.8", "debut_caractere": 83, "fin_caractere_exclue": 3840, "texte": "Nachdem ich Ihnen in meiner ersten Vorle-\nsung über das physische und psychische Phä-\nnomen „Denken\" dargelegt und erklärt\nhabe, unter welchen Bedingungen „Denken\"\nzustande kommt und wie es stattfindet,\nmöchte ich Ihnen heute zeigen, wie sich das\nganze Menschheitsdenken aus denselben Be-\ndingungen heraus in gleicher Weise ent-\nwickelt und eindeutig bestimmt zwangsläufig\nvollzogen hat.\nAlle alten menschlichen Denkleistungen — ob\nwir sie heute noch anerkennen oder nicht —\nsind aus derselben physischen Bedingtheit\nherausgewachsen, wie unser modernes Den-\nken auch; sie tragen alle Merkmale dieser\nBedingtheit als Summe ihrer Auswirkungen,\nmit der sie identisch sind.\nAls die Bedingungen des Denkens hatten wir\nfestgestellt:\ndie Wirklichkeit,\ndie Wirklichkeitswahrnehmung,\ndie Gehirnfunktion,\ndie Sinne,\ndie Ausschleifung von Gehirnbahnen,\nAuslese und Anpassung von Unbekanntem an\nBekanntes durch den Gehirnstoffwechsel,\ndie Möglichkeit der Rückbeziehung zu bereits\nGedachtem,\ndie Gedächtnisbildung durch Umschichtung\nder Neuronen,\nTrieb- und Willensimpuls als Entlastungs-\ndrang von Nervenreizen, geistige Begabung;\ndie Umwandlung der Wirklichkeitsform der\nWahrnehmung in die abstrakte Form einer\nsinnvollen Lautwirklichkeit.\nWir hatten uns klar gemacht, daß nach Er-\nfüllung all dieser Bedingungen der sprachge-\nstaltete Gedanke als aus ihnen entstan-\nden vorhanden ist.\nUnter Bedingungen hatten wir die Elemente\ndes „Dinges\" verstanden, aus denen es zu-\nsammengesetzt ist, wie jedes Ganze aus sei-\nnen Teilen.\nIch hatte Ihnen weiter bewiesen, daß bei der\nAnalyse des Denkens nur das organisch Be-\ndingte wissenschaftlicher Untersuchung\nstandhält, daß nur Organe, Organfunktionen\nund Organisationen von Organen und Organ-\nfunktionen, organische Komplexe feststellbar\nsind, beobachtet und geprüft werden können,\nalso organische Mechanismen.\nIch hatte Ihnen klar gemacht, daß biosophi-\nsches Denken aus diesem Grunde es ableh-\nnen müsse, „Kausalität\", „Naturgesetze\"\nund die „Zweckmäßigkeit\" des Geschehens\nals wissenschaftlich in Betracht kommende\nTatsache zu bezeichnen.\nEs sei falsch, Bedingungskomplexe „Ursache\"\nzu nennen, schon aus dem Grunde, weil die\nUrsachenwirkung linear und nicht komplex\ngedacht würde;\nes sei irreführend, Zwangläufigkeit aus Be-\ndingtheit „Naturgesetze\" zu nennen, weil un-\nendlich wechselnde Zwangläufigkeit Gesetze\neinfach nicht duldet;\nes sei schief, die eindeutige Bestimmtheit aus\nBedingtsein „Zweckmäßigkeit\" zu nennen,\nweil alle „Entwicklung\" aus sich ge-\ntrieben, aber nicht von einem Außerihr,\neinem Ziel, gezogen wird.\nSchließlich hatten wir uns noch darüber ver-\nständigt, daß „Seele\" und „Ich\" eigenartige\nFunktionszusammenhänge und Zusammen-\nfassungen seien, die Seele als die Be-\nzeichnung des Bedingungskomplexes der\nWahrnehmungswirklichkeit unsrer Sinne und\nihrer Gesamtwirksamkeit und Gemeinwirt-\nschaft mit dem Denken im menschlichen Ge-\nhirn ;\ndas „Ich\" als die Bezeichnung des Bedin-\ngungskomplexes aller Gehirnfunktionen, die\nwir Erkennen und Bewußtwerden nennen.\nEndlich hatte ich das Ich als die „Lokalisa-\ntion\" des Bewußtseins bezeichnet.\nFür diese Behauptung bin ich Ihnen den Nach-\nweis ihrer organischen Unterlage noch\nschuldig.\nMit der Untersuchung der organischen Be-\ndingtheit der Konzentration des mensch-\nlichen Bewußtseins um das Ich und in das Ich\nnehme ich unsre heutige Erörterung auf, um\nsie auf die menschliche Denkleistung im Gan-\nzen auszudehnen.\nDas lebendige Werden des menschlichen Den-\nkens in seinen Hauptzügen will ich Ihnen\nvorführen.\nZunächst müssen wir uns mit dem Denk-\norgan und seiner Arbeitsweise, das\nheißt mit seiner physischen und physika-\nlischen Tätigkeit näher vertraut machen.\nEs handelt sich nicht mehr darum, die Ar-\nbeitsweise des Gehirns feststellend zu schil-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4109, "texte": "dem, wie wir es bisher getan haben, es handelt\nsich nunmehr darum, die Gehirnarbeit funk-\ntionell zu untersuchen und zu betrachten.\nEs ist naturgemäß schwierig, das lebendige\nGehirn experimentell auf seine Gegebenhei-\nten und Möglichkeiten auszuprobieren. Die\nWissenschaft war aus begreiflichen Gründen\noft auf Vermutungen und Wahrscheinlichkei-\nten in ihren Schlüssen angewiesen. Ein\nlebendes Gehirn läßt sich nicht sezieren und\nein totes funktioniert nicht.\nDer Weltkrieg hat unser Wissen von\nden Gehirnvorgängen soweit gefördert, daß\nwir im großen und ganzen nunmehr vor einem\nTatsachenmaterial stehen, das uns sichere\nFeststellungen gestattet.\nWas unsre Irrenärzte, Kliniker und Psycho-\nanalitiker an Einzelfällen beobachten konnten\nund mutmaßten, hat sich zum großen Teil be-\nstätigt — zum Teil auch widerlegen lassen.\nEs hat sich nämlich herausgestellt, daß bei\nLinksverletzungen des Gehirns, also wenn die\nlinke Gehirnhälfte in ihren Funktionen gestört\nwird, reine Gefühls- und Gesichtswahrneh-\nmungen ausschalten. Der Linksver-\nletzte kann zum Beispiel an einer „Tasse\"\nnicht mehr wahrnehmen, daß sie\n„glatt\" und „rund\" ist, er greift auch unsicher\nnach ihr.\nDamit ist der Beweis erbracht, daß die Ge-\nsichts- und Gefühlswahrnehmungen im Ge-\nhirn links, also in der linken Gehirnhälfte lo-\nkalisiert sind.\nDas unsichere Greifen — um das gleich hier\nmit festzustellen — kommt daher, daß die\nNervenstränge, die aus dem Gehirn zum Kör-\nper führen, sich unterhalb des Gehirns\nkreuz e n, so daß also die linken Gehirn-\nstränge in der rechten Körperhälfte sich aus-\nbreiten, während die rechten Gehirnnerven-\nstränge links im Körper verlaufen. Durch\ndie Störung in der linken Gehirnhälfte ist so-\nmit auch eine Irritierung der rechten Hand\ng e g e b e n.\nDie eben gemachte Feststellung, muß ich Sie\nbitten, besonders zu beachten, weil wir noch\nauf sie werden zurückgreifen müssen.\nDie Verletzung der linken Gehirnhälfte schal-\ntet also die reinen Gesichts- und Gefühls-\nwahrnehmungen aus, sie schaltet aber nach\nden gemachten Beobachtungen nicht aus\ndie Erkenntnis und das Bewußtwerden der\nVorstellung : das, was da steht, ist eine\n„Tass e\".\nDamit ist wiederum bewiesen, daß die Vor-\nstellung und Begriffsbildung\n„Tasse\" in der rechten Gehirnhälfte sich\nvollzieht.\nUmgekehrt ist festgestellt worden, daß eine\nRechtsverletzung, also eine Störung der\nFunktion der rechten Gehirnhälfte, dazu führt,\ndaß der Verwundete die Gesichts- und Ge-\nfühlswahrnehmung „rund\" und „glatt\" be-\nhält und auch sein Greifen in der Sicher-\nheit keinerlei Einbuße erfährt, während da-\ngegen das Vorstellungsvermögen und die Be-\ngriffsbildung ausfällt. Der Rechtsver-\nletzte weiß nicht mehr zu sagen, was das ist,\nwas er da als rund sieht und als glatt\nfühlt: die Erkenntnis und das Be-\nwußtwerden der Abstraktionen\nist unmöglich geworden. Die Abstraktion hat\nnicht mehr stattgefunden.\nDamit ist wiederum der Beweis geführt, daß\ndie Vorstellungs- und Begriffsbildung Rechts-\nfunktionen des Gehirns sind.\nDiese durch die Verwundungen ermöglichte\ndoppelte Beweisführung durch Vergleich und\nRückbezug erhebt die Beobachtungen über\njeden Zweifel.\nWir wissen also, daß in der rechten Gehirn-\nhälfte die verarbeiteten Wahrnehmungsein-\ndrücke aus Anschauung und Gefühl organisch\neingelagert sind und in Vorstellung und Be-\ngriff verwandelt werden, wir wissen aber noch\nnicht, wo die „Erkenntnis\" und das „Bewußt-\nwerden\" stattgefunden hat und stattfindet.\nWir unterscheiden nunmehr ein Erkennen der\nWahrnehmungen Anschauung, Gefühl, Er-\nregung, und ein Bewußtwerden der Abstrak-\ntionen : Vorstellung — Begriff — Empfindung.\nEs kann weder die rechte noch die linke\nGehirnhälfte hier in Betracht kommen, weil\ndie linke Gehirnhälfte, wie erwiesen, über-\nhaupt keine Vorstellungen und Begriffe kennt\noder Abstraktionen bildet, da sie Wahr-\nnehmungen aufnimmt.\nDie rechte Gehirnhälfte kommt aber auch nicht\nin Betracht, weil „Erkenntnis\" und „Bewußt-\nwerden\" der Wahrnehmungen ja\nauch bei Rechtsverletzung des Gehirns vor-\nhanden ist, wie wir gesehen haben.\nDas Organ für die Einordnung von Wahrneh-\nmungen und Abstraktionen in Erkenntnis und"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4199, "texte": "Bewußtsein müßte also zwischen den\nbeiden Gehirnhälften vermutet werden.\nTatsächlich ist es auch da vorhanden.\nZwischen den beiden Gehirnhälften befindet\nsich nämlich ein Organ, das wie eine Brücke\noder ein Kanal eine Verbindung herstellt\nzwischen den Gehirnhälften. Diese Verbin-\ndung wird der „Balken\" genannt.\nIn ihm kreuzen sich alle Wirkungen,\ndie aus einer Gehirnhälfte in die andere lau-\nfen; von links nach rechts, von rechts nach\nlinks.\nDieser Knotenpunkt aller Linien, die\ndie Wirkungsrichtungen sämtlicher Gehirn-\nfunktionen in ihren reziproken Beziehungen\neinschlagen, ist die organischeßasis\ndes „Ichs\", deren Nachweis ich Ihnen bis-\nher schuldig geblieben war.\nDieser Knotenpunkt besteht aus Schnittpunk-\nten all dieser Wirkungslinien in ihrem Hin und\nHer aus einer Gehirnhälfte in die andere.\nJeder „Punkt\" ist aus seinem Wesen heraus\neine Pointierung, eine Gipfelung, Zuspitzung,\neine Festnagelung und Feststellung auf\neiner denkbar kleinsten engsten Basis.\nEben einem Punkt.\nEs ist der Konzentrationspunkt unsres Be-\nwußtseins, den wir Ich nennen.\nWir verstehen jetzt, daß in dieser Durch-\ngangsstation des Gehirn-Balkens sozusagen\ndie „Registratur\" und „Buchführung\" der\n*\nganzen Gehirnproduktion liegt.\nSie heißt uns Bewußtsein und Erkenntnis, Er-\nfahrung und Gedächtnis. Wir verstehen jetzt\nauch, warum weder bei einseitigen Rechts-\nnoch bei einseitigen Linksverletzungen des\nGehirns Erkenntnisvermögen und Bewußtsein\nan sich gestört werden. Der unverletzten Ge-\nhirnhälfte bleibt der Balken immer noch zu-\ngänglich. Er liegt am geschütztesten.\nEs ist nun noch zu erklären, wo eigentlich die\nGehörswahrnehmung lokalisiert ist, Oder\ndie Geruchswahrnehmung. Oder die Ge-\nschmackswahrnehmung.\nLeider geben die gemachten oder vielmehr\nunterbliebenen Beobachtungen auf diese Fra-\ngen keine Antwort. Da aber über das Aus-\nsetzen dieser Sinnesfunktionen weder bei den\nRechts- noch Linksverletzten berichtet\nwird —\nandrerseits die Konstatierung von Erregungs-\nund Empfindungsgebilden abstrakter Art auch\nsehr schwierig sein muß,\nbleibt uns nichts anderes übrig, als analog den\nanderen Sinnes Vorgängen den naheliegenden\nSchluß zu ziehen ,daß es sich bei den Gehörs-,\nGeschmacks- und Geruchswahrnehmungen\nebenso verhalten wird, wie bei den Ge-\nsichts- und Gefühlswahrnehmungen —\ndaß also die linke Gehirnhälfte auch hier die\naufnehmende und die rechte die ver-\narbeitende sein wird.\nDiese Annahme ist umso berechtigter, als ihr\nkeinerlei Beobachtungen widersprechen, wäh-\nrend andre, wenn sie sich auch nicht direkt\nauf sie beziehen, diese Annahme unterstützen.\nEin Rechtsverletzter würde danach wohl „Ge-\nräusche\" und „Töne\", aber keine „Musik\"\nhören, während ein Linksverletzter wohl den\nEindruck von „Musik\" hätte, sich aber die\nEntstehung dieses Eindrucks nicht durch „Er-\nkennen der Töne\" würde erklären können.\nLeider sind, wie gesagt, diese Vorgänge\nnicht beobachtet worden.\nJedenfalls steht also fest, daß in der linken\nGehirnhälfte die Wahrnehmungswirklichkeit,\nin der rechten die Gedankenwirklichkeit und\ndazwischen als Verbindung beider die Er-\nkenntnismöglichkeit und das Bewußtwerden\nfunktionell eingelagert sind — eine An-\nordnung, die dem Gehirnbau und unsern\nFunktionsbeobachtungen entspricht.\nHier ist es notwendig, einige unausweichliche\nFolgerungen aus dem bisher Festgestellten\nuns recht bewußt und klar zu machen.\nDie Artung der Sinne bedingt es, daß die\nFunktion der beiden Gehirnhälften bei Auf-\nnahme und Verarbeitung verschiedenartig in\nErscheinung tritt.\nDer Gesichtssinn nimmt die Aufnahmefähig-\nkeit ganz besonders in Anspruch, also die\nlinke Gehirnhälfte.\nDurch das Auge nehmen wir fortwährend das\nGesamtbild unsrer Umwelt in uns auf: dieser\nunerhörten Inanspruchnahme der linken Ge-\nhirnhälfte entspricht in der rechten nur die\nVerarbeitung ausgesonderter Einzeleindrücke\nin „Vorstellungen\", eine Verarbeitung, die\neiner reflektierenden Spiegelung gleicht.\nDer Tastsinn muß die linke wie die rechte\nGehirnhälfte in gleicher Weise anstrengen,\nweil die Tasteindrücke, unverarbeitet oder\nverarbeitet, gleichmäßige und gleichwertige\nOrientierungen und Direktionen abgeben: ein-\nmal als Eigenschaftsfeststellungen am Körper,\nam Ding, das andere Mal als Kennzeich-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 688, "texte": "nungsabgrenzung des Begriffs, der ja nichts\nanderes ist als ein Denkkörper, ein Denkding.\nNimmt so der Tastsinn beide Gehirnhälften\ngleichmäßig in Anspruch, während der Ge-\nsichtssinn sozusagen die linke Gehirnhälfte\nüberlastet — so nimmt der Gehörssinn haupt-\nsächlich die rechte Gehirnhälfte für sich in\nAnspruch, weil der Laut als Tonerscheinung\nzu seinem abstrakten Inhalt in dem gleich un-\ngleichen Verhältnisse steht, wie die Gesamt-\nweltanschauung des Auges zu dem Einzelge-\nsicht einer Vorstellung.\nAus der einfachen Lautform der Wahrneh-\nmung wird in der rechten Gehirnhälfte der ge-\nsamte Sprachinhalt des Menschen, also seine\nden Kosmos umspannende Gedankenwelt ge-\ngeschaffen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c006", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "105", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.5.1", "titre_corps": "Bühnenbild für Romeo und Julia aufgeführt vom Nationaltheater Prag", "titre_sommaire": "Bühnenbild für Romeo und Julia aufgeführt vom Nationaltheater Prag", "signature_source": "Enrico Prampolini", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 85, "texte": "Enrico Prampolini: Bühnenbild für Romeo und Julia\naufgeführt vom Nationaltheater Prag"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c007", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "107", "image_debut": 12, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.6", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Alexander Mette", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.12", "debut_caractere": 709, "fin_caractere_exclue": 2497, "texte": "Gedichte\nAlexander Mette\n\nPorträt E. L.\nBraunlachend Auge\nglockenprang\nfängt golden Sonne\nStirne wacht\nseitabverträumend schweift ein Blick landein\nund wieder Wachen\nwach die wäge Stirn\nund brauner Kopf taucht ins Gespräch heran\nhaarfallumschnitten\nund beherztes Wort faßt blank mitt-unter\nUrteil glockt\nglockgonget kupfern\ngongschwankt durchs Gespräch\nund Blick bestätigt ernst Gedankens Schluß\nsonnhüpfend purzelt Lächeln klar und schlupf\nund flug vorüber\nund in neuen Zug muntert Gedanke\nwahrgemut tritt Wort vor Wort hin\nHand hebt Schale auf und hält fruchtrund\ndie Rede\nbog der Kopf\nfragt Frage mit\nbiegt schmitzprunk prunk und Schmitz\nund fängt die Antwort\nGlocke glock\nschlägt Herzton in die Sätze\nvogelbug\nlugt Haupt sich hüpf ins Meinen\nTräumen dann\nhebt ab in stille Ruhe\nund landein kehrt sich der Blick\nverstillt\nund weitet\nfrei\n\nGeliebte\nDu schwingst ein Hoffen in die fragescheuen\nAugen\nund beugst doch schwer das Haupt\nneigst müd den Blick\nund schwankst\nund bangst\nund zagst\nin Trug\nSo strauchelt Schritt um aufgelösten Schritt\ndahin\ngedehnt verstreicht der Tag\nvertaucht in Flucht der Zeit\nDa mild schon Abend wird\nhältst Du Dich matt gelehnt an Uferstegs\nGeländer\nAug und Blick\nverschenkt an Landgerät\nund still\nund frei\nUnd doch ist witternd Spur\nund zuckt Geladenheit\nSchon neigt sich Flügelschlag\nberauschtes Schreiten drängt in Traum und\nAtemton\nund da Geschick erwacht stürzt Blick beseelt\nin Blick\nschwingt auf\nfontänt Gestirn\nEntfaltung bogt Musik\nund Blut entfacht zu Tanz\nZu Buntheit rank und rasch sprüht knospend\nFunkenflug\nentflammt zu klarer Glut bist blühend Blüte\nDu\nund glühst\nund saugst\nund trinkst\nund bist mir Trank und Blut\nUnd Durst an Durst erfüllt ganz jäh in Kuß\nund Kelch steigt steil zu Segnung auf\nZu Frucht und Haltgefühl flammt uns Er-\nhörung"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1645, "texte": "Porträt K. L.\nSchmal äugt das Auge Mustern\ndoch es schwimmt\nund ist auch prüfend trüb\nnicht weg weicht Blick\nund weich durchschweigt er weit\nund groß und bleich der Mund\nschwimmt schweigend weich und weit\nduck\nsaltot Lächeln\nLippen schenkelspreiz\nund das Gesicht hängt weit\nund harret abgeflaggt\nund steil schirmt Koch die Stirn\nHaar wieget dunkelfalb\nund platz ein Räuspern brockt\nund falb und ungewiß\nfischottert nächtig kühl\nverschlagen Ichgefühl\nund dann aus Schächten bucht wölbt Wort\nsich trommelwucht\nund Mund faßt plötzlich an\nund schärft\nund reißt heran\nund Lärm schlägt wach die Brust\nund höhlend kelchet Lust\nbohrkreiselnd in den Schlund\nund tief aus flutem Grund wächst blüh Gebilde\nauf\nDann nach des Stroms Verlauf:\nfrag harret das Gesicht\nund nackt ins Lampenlicht äugt Auge blau\nund still\nin Sofa zirpig grill schmalgliedrig elfenbein\nschmiegt Körper knöchelfein\nTanzschuh flackt blank vom Fuß\nKrawatte glatten Zugs biegt bunt in Weste\nund gähn pumpt der bleiche Mund\nkinnunter streicht die Hand\nund Blick schwankt festgebannt\nund steht und hält sich\nschweiget weich glotzdämmer-schwimmend\nüber Lampenteich\n\nAalesund\nO Zeit\nWir stehen abendlich am Felsen\nund\nunten liegt die Stadt\nund rings das Meer hebt groß die Wogen-\nhäupter\nund\ndie Vögel fahren wild durch den Himmel\nMöwe schreit\nund laut der Lotse singt am Hafen\nund tot liegt breit die Stadt\nverglast\nund fern\nspitz spitz\nund fern\nund nah\nnah fern\nund fern\nund ewig\nnah\nund\nfern\n\nFrühlingsabend\nStern in Qeäste blau\nknosp Wege Zweige und\ndie Seele himmelflirr\nvag woge wagewund\nund Schimmer Glanzgeäst\nund unstet weich Gezweig\nund Knospe lispellieb\nreich weiche Weite reich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c008", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.6.1", "titre_corps": "Porträt E. 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L.\nBraunlachend Auge\nglockenprang\nfängt golden Sonne\nStirne wacht\nseitabverträumend schweift ein Blick landein\nund wieder Wachen\nwach die wäge Stirn\nund brauner Kopf taucht ins Gespräch heran\nhaarfallumschnitten\nund beherztes Wort faßt blank mitt-unter\nUrteil glockt\nglockgonget kupfern\ngongschwankt durchs Gespräch\nund Blick bestätigt ernst Gedankens Schluß\nsonnhüpfend purzelt Lächeln klar und schlupf\nund flug vorüber\nund in neuen Zug muntert Gedanke\nwahrgemut tritt Wort vor Wort hin\nHand hebt Schale auf und hält fruchtrund\ndie Rede\nbog der Kopf\nfragt Frage mit\nbiegt schmitzprunk prunk und Schmitz\nund fängt die Antwort\nGlocke glock\nschlägt Herzton in die Sätze\nvogelbug\nlugt Haupt sich hüpf ins Meinen\nTräumen dann\nhebt ab in stille Ruhe\nund landein kehrt sich der Blick\nverstillt\nund weitet\nfrei"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c009", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.6.2", "titre_corps": "Geliebte", "titre_sommaire": "Geliebte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.12", "debut_caractere": 1551, "fin_caractere_exclue": 2497, "texte": "Geliebte\nDu schwingst ein Hoffen in die fragescheuen\nAugen\nund beugst doch schwer das Haupt\nneigst müd den Blick\nund schwankst\nund bangst\nund zagst\nin Trug\nSo strauchelt Schritt um aufgelösten Schritt\ndahin\ngedehnt verstreicht der Tag\nvertaucht in Flucht der Zeit\nDa mild schon Abend wird\nhältst Du Dich matt gelehnt an Uferstegs\nGeländer\nAug und Blick\nverschenkt an Landgerät\nund still\nund frei\nUnd doch ist witternd Spur\nund zuckt Geladenheit\nSchon neigt sich Flügelschlag\nberauschtes Schreiten drängt in Traum und\nAtemton\nund da Geschick erwacht stürzt Blick beseelt\nin Blick\nschwingt auf\nfontänt Gestirn\nEntfaltung bogt Musik\nund Blut entfacht zu Tanz\nZu Buntheit rank und rasch sprüht knospend\nFunkenflug\nentflammt zu klarer Glut bist blühend Blüte\nDu\nund glühst\nund saugst\nund trinkst\nund bist mir Trank und Blut\nUnd Durst an Durst erfüllt ganz jäh in Kuß\nund Kelch steigt steil zu Segnung auf\nZu Frucht und Haltgefühl flammt uns Er-\nhörung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c010", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.6.3", "titre_corps": "Porträt K. 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L.\nSchmal äugt das Auge Mustern\ndoch es schwimmt\nund ist auch prüfend trüb\nnicht weg weicht Blick\nund weich durchschweigt er weit\nund groß und bleich der Mund\nschwimmt schweigend weich und weit\nduck\nsaltot Lächeln\nLippen schenkelspreiz\nund das Gesicht hängt weit\nund harret abgeflaggt\nund steil schirmt Koch die Stirn\nHaar wieget dunkelfalb\nund platz ein Räuspern brockt\nund falb und ungewiß\nfischottert nächtig kühl\nverschlagen Ichgefühl\nund dann aus Schächten bucht wölbt Wort\nsich trommelwucht\nund Mund faßt plötzlich an\nund schärft\nund reißt heran\nund Lärm schlägt wach die Brust\nund höhlend kelchet Lust\nbohrkreiselnd in den Schlund\nund tief aus flutem Grund wächst blüh Gebilde\nauf\nDann nach des Stroms Verlauf:\nfrag harret das Gesicht\nund nackt ins Lampenlicht äugt Auge blau\nund still\nin Sofa zirpig grill schmalgliedrig elfenbein\nschmiegt Körper knöchelfein\nTanzschuh flackt blank vom Fuß\nKrawatte glatten Zugs biegt bunt in Weste\nund gähn pumpt der bleiche Mund\nkinnunter streicht die Hand\nund Blick schwankt festgebannt\nund steht und hält sich\nschweiget weich glotzdämmer-schwimmend\nüber Lampenteich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c011", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.6.4", "titre_corps": "Aalesund", "titre_sommaire": "Aalesund", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.13", "debut_caractere": 1123, "fin_caractere_exclue": 1450, "texte": "Aalesund\nO Zeit\nWir stehen abendlich am Felsen\nund\nunten liegt die Stadt\nund rings das Meer hebt groß die Wogen-\nhäupter\nund\ndie Vögel fahren wild durch den Himmel\nMöwe schreit\nund laut der Lotse singt am Hafen\nund tot liegt breit die Stadt\nverglast\nund fern\nspitz spitz\nund fern\nund nah\nnah fern\nund fern\nund ewig\nnah\nund\nfern"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c012", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.6.5", "titre_corps": "Frühlingsabend", "titre_sommaire": "Frühlingsabend", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.13", "debut_caractere": 1452, "fin_caractere_exclue": 1645, "texte": "Frühlingsabend\nStern in Qeäste blau\nknosp Wege Zweige und\ndie Seele himmelflirr\nvag woge wagewund\nund Schimmer Glanzgeäst\nund unstet weich Gezweig\nund Knospe lispellieb\nreich weiche Weite reich"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c013", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "108", "image_debut": 13, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.7", "titre_corps": "La mécanique nouvelle", "titre_sommaire": "La mécanique nouvelle", "signature_source": "Albert Gleizes", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.13", "debut_caractere": 1647, "fin_caractere_exclue": 2570, "texte": "La mécanique nouvelle\n\nDe ce qui precede, il ressort que les deux prin-\ncipes, rythme et espace, sonf les deux condi-\ntions vitales de l'ceuvre de creation. Pour\nla creation de toute oeuvre plastique, nous\ndirons, pour etablir une base generale:\n„Toute creation plastique est conditionnee par\nle fait d' etre un espace rythme.\"\nPour ce qui est de la peinture, nous precise-\nrons en disant:\n„La surface plane ne revele ses proprietes for-\nmelles que par le fait du peintre.\"\n„Le tableau est la consequence de Vespace\nrythme d'une surface plane, cette surface\nplane etant la mattere brüte dont le peintre est\nl' animateur.\"\nL'espace d'une surface se revelant par\nl'etendue de cette surface enferme la notion\nde fini. Le rythme y apporte la notion d'infini.\nLe tableau - o b je t est de ce fait un\nespace limite; le liniite cornporte le statisme,\nauquel le rythme des etendues adjoint un etat\nsubjectif infini, donc dynamique."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 377, "texte": "L'espace du tableau est soumis aux lois de\nl'etendue dont la geometrie est la science. Le\nrythme des organes de l'espace est regle par\nles lois du nombre dont la science est l'arith-\nmetique.\nAus dem Essai „La peinture et ses lois\" des bedeuten-\nden französischen Malers. Sein theoretisches Haupt-\nwerk „Vom Kubismus\" ist deutsch im Verlag Der\nSturm erschienen.\n\nAlbert Gleizes"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c014", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.8", "titre_corps": "Kreis", "titre_sommaire": "Kreis", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.14", "debut_caractere": 379, "fin_caractere_exclue": 1739, "texte": "Kreis\nThomas Ring\nRuck\nerblindet Wuchtung Wollgeschlinge\nKeil rafft Bändigung erzen\nRad\nwirbeln rollen rütteln klirren\nAnfang\nLast\nt\nirden Ballung kernt Gequader\nDumpfung Traum erschwillt Zersprengen\nLust\nmilden tränen perlen schmelzen\nBindung\nSchmiede\nSplitter zwitschern Wahl Geschmeide\nfädeln Hast umbrieft Geschick\nSchnitt\näugen urteln tändeln äsen\nAtmung\nMund\nerräumen Schauung Samung Schwulst\numbogt ertasten Leben Kreisung\nMulde\ngüten nähren gaumen formen\nWurzel\nMaß\nerbauen Arme Gaben Glanz\numkraften Kernung Zügel knechten\nMacht\nraffen reichen peitschen spielen\nLicht\nDom\nernerven Brände Fackelrußen\nergnadet silbern Stufenhort\nDamm\nschützen wehren decken säumen\nErwartung\nWage\nVogel erpfeilt schwingen Strahl\nschwankt Gebälk erschmiegt Wandlung\nWoge\nwiegen schäumen wallen schweben\nEinung\nAar\nstählern Krallung fetzt Gewebe\nSchlacht Haß Tod erspreizte Unform\nAhnung\ndrängt dröhnt träuft Urwissen\nMord\nSturm\npferdet Steppenmähne Nacht blind\nreißt ersternter Blitz zerglasen\nStrom\nbranden bränden züngeln zünden\nZorn\nKraft\nerprobe Zangen zwingt Kristall\nSchliff zerschneidet Spiegelwähnen\nKarst\nbrökein schollen wälzen stemmen\nGipfel\nLuft\nerlichtet Wolkung Massen Ströme\nsanden pfeift erbreite Spannung\nLaut\nkünden blenden senden klären\nMensch\nFlügel\nschwingen horcht sternkreisen Ton\nTat springt wühle Massung\nFang\ntaumeln feinen wandeln walten\nWirken"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c015", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "111", "image_debut": 14, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.9", "titre_corps": "Kriegerische Befreiung", "titre_sommaire": "Kriegerische Befreiung", "signature_source": "An J. K ; Kurt Heinar", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.14", "debut_caractere": 1741, "fin_caractere_exclue": 2105, "texte": "Kriegerische Befreiung\nAn J. K.\n\nLächle, mein Freund, oder sei auch traurigen\nHerzens, wenn Du diese Zeilen gelesen hast,\ndie Du alsdann vernichten oder auch zu Dei-\nnen Schulzeugnissen und Polizeiausweisen\nlegen magst! Es ist gleich.\nErkenne die selbstlose Offenheit und zielbe-\nwußte Aufrichtigkeit meiner unzweideutigen\nSprache oder auch bekämpfe entschlossener"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4358, "texte": "denn je die ketzerischen Lehren des Erlö-\nsers, dessen unerschrockene Jünger unter\nden Besten des internationalen Proletariats\nsind! Es ist gleich.\nVerteidige in hausbackener Frömmigkeit\ndie lange überrannte Feste nur-moralischer\nEntrüstung oder auch besinne Dich noch —\nund lobe den Herrn, der Gewalt über Dich\nhat!\nEs ist gleich.\nDenn so oder so geschieht keinem von uns er-\nwähnenswertes Unrecht, das mich oder auch\nDich zu wohlüberlegten Taten und Tätlichkei-\nten hinreissen könnte, die im Interesse gedeih-\nlicher Volkgesundung eine strafrechtliche\nVerfolgung unumgänglich notwendig machten\nund ein meinerseits oder auch unsererseits\nnichtszusagenhabendürfendes Auf- und Ab-\ntreten auf der schwarzweißrotgelben Welt-\nbühne (der Schaubühne VII. Jahr) des Klas-\nsenstaatsgerichtshofes zum Schutze reaktio-\nnärer Potsdämlichkeiten und mörderischer\nLudenpläne zur Folge hätte und in Aburteilung\ndurch diesen Vollstreckung der Todesstrafe\noder auch nicht unter zehn Jahren Zuchthaus.\nSo oder so. Wir haben nichts zu fürchten!\nGott schütze Dich! Amen.\nLächle also, mein Freund, höhnisch erhaben\noder sei auch traurigen Herzens ehrlich be-\nkümmert ! Es ist gleich.\nDenn vorbei sind die Tage gemeinsamen Wol-\nlens und einigen Tuns. Vorbei auch die Nächte\nkühner Entschlüsse und stolzer Empörung.\nVorbei!\nDie Stunde gedankenschwerer Entscheidung\nerrichtete trennend eine starke und hohe\nMauer zwischen uns, über die hinweg sich\nunsere Hände nimmermehr finden werden.\nWenn wir auch anfangs tapfer uns mühten,\nden wider Willen begonnenen Bau mit einem\nbefreienden Krach einstürzen zu lassen, umso\neifriger und erbitterter halfen wir nachher, das\nentzweiende Werk zu vollenden. Umso fester\nfügte sich Stein an Stein. Es ist vollbracht.\nDein Heim ist Deine Welt! Die lichtlosen Ge-\ndanken Deiner schein-heiligen Einfalt scheuen\nunheilahnend die unverstandene Wirklichkeit.\nDie Triebforderungen Deiner verlorenen Ur-\nsprünglichkeit verkommen in anerzogener Un-\nlust. Die natürliche Lüsternheit erkenntnis-\nreicher Gegenwart erstirbt im Schatten\nzwanggeborener Läuterung. Die Erde ist die\nUnterwelt Deiner vorweltlichen Gestalten, de-\nRen Geister Deine Spiel- und Spießgesellen\nsind, die Dich am Narrenseil durch das Jahr-\nhundert schleifen, das Deine unbestrittenen\nFähigkeiten zu seinem Lobe rühmlichst prei-\nsen kann, da Du den Strick nicht lockern\nwirst, der Dich mit diesem Lumpenpack ver-\nbindet, das sich hinwiederum nicht lumpen\nläßt und Deine Henkersdienste bar bezahlt, auf\ndaß es lohnend für Dich ist, die gottgewollte\nRaubtier-Herrschaft machtbesessener Mas-\nsenschlächter salbungsvoll zu krönen.\nMein Heim ist die Erde, die die Welt meiner\ngott-losen Sehnsüchte und Hoffnungen ist.\nUnd die Welt von den Un-Menschen zu be-\nfreien, die die Erde besitzen und durch Besitz\nund Sitze regierend bestimmen und über be-\nsitzlose Men«schen bestimmend regieren,\nund die Welt von den Taten und Attentaten zu\nreinigen, die die Erde erschüttern, ist der In-\nhalt meines Lebens, dessen Aufgabe die Lö-\nsung der Gebundenheit im Alten und die Er-\nlösung der Menschheit im Neuen ist, was\nden Sinn meines Seins im Sein erleuchtet.\nDie Zuversicht meiner geradlinigen Unent-\nwegtheit erschöpft die Quellen tatenloser\nZweifelsucht. Die überzeugende Geschlos-\nsenheit und aufschlußreiche Ueberlegen-\nheit der allumfassenden Lehre der mutig-\nsten Wegbereiter der Welt-Revolution\nzerstören siegreich-rücksichtslos die trüge-\nrischen Traumgebilde unbegriffener Gege-\nbenheit. Haß und Unzufriedenheit in die\nGehirne und Gemüter aller Knechte und\nGeknechteten ist die frachtverheißende Saat\naus meinen übervollen Händen. Die Saat des\nRechts und der Gerechtigkeit, die Saat der\nMenschlichkeit und der Versöhnung, deren\nkeimendes Rot mit immer frischem Blute\nbis zur Blüte und endlichen Reife genährt und\ngepflegt werden muß und wird, ist Unzufrie-\ndenheit, ist Haß, ist — — Klassenhaß.\nDu schneidest peinliche Grimassen, Freund,\nund wähnst Dich himmelhoch erhoben, der\nUn-Moral und Sitten-Fäulnis gottesleugneri-\nscher Kreatur entrückt. Die selbstgewickelten\nBedenken pflichtgefüllter Professoren, die\nschröpferischen Gunstergüsse kultivierter\nFestspieldichter, die lorbiertrunkenen Ver-\nbrechen maulbewehrter Patrioten vermögen\ndennoch liebevoll die Wunderwelten Deiner\nwüsten Einsamkeit in das vergnüglichere\nDiesseits zu versetzen und Deine\nausgeruhten Fertigkeiten restlos zu be-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1295, "texte": "wegen, mit zähem Fleiß und stiller Lust dem\nteutschen Vaterland zu dienen, auf daß es Dir\nund Deinesgleichen wohlergehe immerdar.\nDas walte Gott!\nMir ist der Spießertrott gewichtiger Ver-Tre-\nter überlebter Möglichkeiten ungemein ver-\nächtlich. Jedoch die zeitverschlagenen Ge-\nbräuche totgeglaubter Eigenschaften wider-\nstehen übermütig-krampfhaft selbst beschei-\ndensten Versuchen fortschrittlicher Klärung,\ndie zu fördern Forderung und Pflicht auch\n„V o rw ä r t s\"-stürmender Rebellen ist. Und\nso will ich die Begierden bourgeoiser Eigen-\nliebe unnachsichtlich unterdrücken und die\nWillkür-Herrschaft mehrwerttoller Parasiten\nwaffenmächtig stürzen. Und das N e u eist die\nTat. Die Gespielen Deiner unwahren Tugend,\nFreund, sind Ehrgeiz und Eifersucht, die Dich\nallerorten leitend begleiten und Dein Leben\nim Beruf bestimmen, der die Mühen Deiner\nLehrzeit reichlich lohnt.\nVerrufene, sind wir berufen, neue Wege zu be-\nschreiten, der Menscheit einigendes Ziel zu\nsetzen. Ruf und Beruf nur achten wir gering,\nder bürgerlichen Sippschaft nicht verschrie-\nben. Geschriebenen Gesetzen bürgerlicher\nZuchthausordnung nicht gehorchend, gehor-\nchen wir uns selbst.\nUnd Dein Himmel ist das Reich auf\nErden.\nUnd der Himmel ist Dein Reich.\nMein Reich ist die Erde.\nUnser ist das Erdenreich.\n\nKurt Heinar"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c016", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.9.1", "titre_corps": "Lothar Schreyer: Bühnenfigur aus dem Bühnenwerk „Mondspiel“", "titre_sommaire": "Lothar Schreyer: Bühnenfigur aus dem Bühnenwerk „Mondspiel“", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 59, "texte": "Lothar Schreyer: Bühnenfigur aus dem\nBühnenwerk „Mondspiel“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c017", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.10", "titre_corps": "Unfeig eine Neunrunenfuge", "titre_sommaire": "Unfeig eine Neunrunenfuge", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.17", "debut_caractere": 1297, "fin_caractere_exclue": 2728, "texte": "Unfeig eine Neunrunenfuge\n\nNur in Regierungen gerinnt Gift zu Fenni-\nt i n\nRegierungen nie zu retten\nnein\nTeute in Tin t i n zentrifugieren\nNun einen neuen Irren fugieren\neinen Finnen\neinen feinen Figurig\nNiet Tienen in Tunren\nturnte Ringe\neinzig\neinzig turnte er einzig Ringe\nnie Ringer\nRingturner nur\neinzig nur Ringe turnte er zu Tunren in Fin-\nnien\nin Finnien turnte Niet Tienen unter Ter-\nTeegen terenzig\nnun turnt Niet nur Teer-Ringe\ntrieft Teer\nTeer trieft unter Feuergriffen\nunter Untergriffen\nTienen trieft nun unter Teer-Terenzen reinen\nTeer\neine finnige Teerfigur unter fünfzig Irren in\neiner entteerten Firnfuge\neine Firnfuge teert nie\nreine Entzentnerei\nin Ferien\nNiet Tienen turnt in Ferien Teerringe\nturnt\nturnt\nein teertriefer Unterteer-Terenz\nein ruinierter Ringeturner\nein Runter\nfini\nNur in Urru-Tirri-Tei zu entteeren unter Gnu-\nNiggern\ngern nur in N i g r i n zu entnieten\nzu enttienen\nzu entniettienen\nzu entterteegnen\nrentiert\ntifiziert\ninfinit\nIn Regierungen gerinnt Fin t i n unter Furz-\nfeuer zu Regie\nFin t i n erzeugt Renitentin\nRenitentin Furzin\nFur z i n Infinitin\nInfinitin Zeitungen\nZeitungen erzeugen Irri t i n\nIr rit in gerinnt in Teuten zu Teutereu-\nt e u\nTeutereuteu zu Tin t i n\nTintin zu Nig r i n\nNigrin negiert nur Zeit\nZeit negiert nie\nZeit zeugt Zeit zur Unzeit\nZurzeit irritiert nur Inti Riu-Fu zu Nin-\ngu-T ze\nInti Riu-Fu\neine feine Irre\neine Tee-Irre\neine Zinnterrinen-Irre unter Irren"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1118, "texte": "in Ningu-Tze trifft Inti einen Teut\neinen Rentner\nein Teut trieft nur Teutereuteu\nInti Riu-Fu zergiftet unter Irritin innen\nein Teut zergiftet eine Riu-Fu\nein Untier zerteutet eine Firnfee\nInti geigt\nInti reigengeigt\nInti geigt geigt geigt\nein Teut ferzt in Tee rein\nInti Riu-Fu zu Ningu-Tze geigt inniger\nein Teut zertritt eine Inti-Geige\neine Geige zertreten\neine Riu-Fu zerteutet\nnun trieft Riu-Fu nur Irritin\neitert zur Gruft unter Teuten\nNie zu retten unter Gnu-Regierungen\nZerfetzt Teute zu Fin i n unter Urfeuer in\nfünfzig Neunzigfetzen!\nRentiert nie\nnein\nnie\nnie\nEin Trienter tritt ein\nFernini Tinturetti\nTeute nennen Trienter: Trientiner\nTrienter nennen Teute: Terr i e r\nTerrier nennen Teute nie\nteutereuteu\nteu\nteu\nFernini Tinturetti\nTinter zu Trient\nzierig\nnettig\nein Gi n t\nein Fingierig\nfugiert nie\nfingiert Tiefe\nirritiert Teute nie\nfintet Reife\nreift nie\nTin e 112 112\nzerrinnt zu Nie-Tuff in trienter Triften\nNur in Zeitungen zu zerretten zu Nigrin\nnie zu erretten\nein Unfuger\nein Tint\nein Nein\nnie Einer\nIn Regierungen tinten nur Fingierige\nEiterei\nei\nei\nteu\nNeue Runungen in einiger Zeit\n\nOtto Nebel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c018", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.11", "titre_corps": "Gedicht", "titre_sommaire": "Gedicht", "signature_source": "Rudolf Schmitt Sulzthal", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.18", "debut_caractere": 1120, "fin_caractere_exclue": 1782, "texte": "Gedicht\nRudolf Schmitt Sulzthal\nDie Insel meiner Stirne mit den Gottdunklen\nLaubwäldern schwimmt in den seidenen\nFlammen sehnsüchtiger Mädchengebete.\nHoch über mir im Mittag züngelt der blaue\nMond ....\nmeine Liebe ist tausendherzig.\nAlle stillheißen Gebärwünsche einsam lech-\nzender Mütter werde ich mit roten Stürmen\nzur Reife bringen.\nSchon stirbt das Laub . . .\ndas Mondlicht gießt sich in gelbweißen Schnü-\nren in das Becken meiner Seele ...\nIhr Mädchen,\nsanft werden meine Lichthände Sterne in\neuren Schoß säen . . .\naber ihr Frauen . . .\nkommt mit offenen Haaren und klopfenden\nblutbebenden Brüsten,\nfür euch werde ich die Sonne in kleine Stücke\nzerhacken."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c019", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "114", "image_debut": 18, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.12", "titre_corps": "Petnikow", "titre_sommaire": "Petnikow", "signature_source": "E. Kagarow/Leningrad", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.18", "debut_caractere": 1784, "fin_caractere_exclue": 2563, "texte": "Petnikow\n\nEine eigene Erscheinung der modernen russi-\nschen Dichtung tritt uns in der Dichtung von\nGregor Petnikow entgegen. Wenn es richtig\nist, die Sprache als den ersten grundbedeuten-\nden Ausgang des dichterischen Vermögens zu\nbetrachten, so gilt es im Besonderen von den\nGedichten Petnikows. Sein Hauptgebiet ist\ndie Wortschöpfung. Er versteht es in das Ge-\nheimnis des Sprachbaus, in die intimsten\nLaut- und Wörterverhältnisse der mensch-\nlichen Sprache einzudringen. Er hat die dich-\nterische Sprache, die Wortbildung, die Syn-\ntax völlig neu gestaltet. Auf Grund des Ana-\nlogieprinzips schafft er neue Wörter, die auf\nden ersten Blick keinen Sinn haben und die\ndoch einen tiefen Sinn geben.\nDie Schöpfung neuer Wortgebilde. Beson-\nders auf dem Gebiete der Zusammensetzung"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2400, "texte": "und Ableitung tritt sie stark hervor. Wir finden\nzum Beispiel bei Petnikow sehr oft Komposita\nvon Haupt- und Eigenschaftswörtern, wie\n„swiesdopad\" (Sternenfall), krasnolistje\n(Rotgeblatt, Rotlaub), pierwozwjetjenje (Erst-\nblüte). Oder er fügt zu den bekannten Stäm-\nmen unerwartete Suffixe hinzu. So werden\nganz neue Wörter gebildet, wie Lirenj, Drem-\nlina, Swucanyi, die eine feine semasiologische\nNuance erhalten.\nAber auch neue Deklinationsformen verdan-\nken wir dem talentvollen Dichter. So bildet\ni\ner beispielsweise den Genetiv noceri von noc\n(Nacht), indem er das Suffix — er — nach der\nAnalogie anderer Wörter (Matj-materi, doc-\ndoceri), dem genetisch einer heterogenen\nGruppe angehörenden Stamm ankettet. Häu-\nfig flicht er in seine Sprache Archaismen ein\noder entnimmt die Wörter dem reichen Lexi-\nkon der Volksmundarten. Auf dem Gebiete\nder Syntax verhält er sich ebenso selbständig.\nEr unterbricht den Satzbau durch Ausruf oder\nEinschaltungen.\nMag die Anwendung solcher Wörter und For-\nmen manchmal das Auffassen und Verstehen\nbehindern, mag sie die Deutlichkeit der Ge-\ndanken beeinträchtigen, sie verleiht aber der\nDarstellung einen ganz eigenen Ton klarer\nAnschaulichkeit.\nDas alte Kunstmittel — den Endreim —\nhat Petnikow aufgegeben. Statt dessen ver-\nwendet er mit Vorliebe den Stabreim, ein Mit-\ntel, das in der primitiven Urrhytmik der ger-\nmanischen Völker die Reihen strophisch zu-\nsammenhielt, daneben auch alle anderen\nKlangfiguren. Wie musikalisch klingen zum\nBeispiel die Verse:\nLeningrad\nNacht. Im Traum das Gras\nRosen enthüllt vom Tau\nFrühlings entfesselt die Wasser\neingeprägt Himmelgeleucht.\nO! Angefrorener Traum der klaren Weiden\nTäuschender Rausch\nNah im Gesang\nWandelndes Blau\nAuflauernd in der Nacht hinweggerauscht.\nDer Stoff seiner Gedichte ist Wald und Steppe.\nNur auf diesem Bereiche schöpft er in ihrer\nKeckheit wundervolle Metaphern und Verglei-\nche. Ausdrücke wie „Garben der blühenden\nSterne\", Umrisse der verkohlten Nacht\" oder\nfolgende Zeile: „Und lange noch der Wind\nwird brennen, indem er Lein im harten Som-\nmer schütteln wird\".\nGregor Petnikow ist ein wahrer Dichter.\nSeine Dichtung ist der stürmische Aufstand\ndes befreiten Wortes gegen die Gemein-\nsprache. Petnikow fühlt die entlegensten Wur-\nzeln der Wörter, die in den Tiefen unserer Ur-\nkrache keimen. Seine Dichtung ist Laut-\ngestaltung und Sinnlichkeit in höchster\nPotenz.\n\nE. Kagarow/Leningrad"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c020", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.12.1", "titre_corps": "Mechanisches Ballett", "titre_sommaire": "Mechanisches Ballett", "signature_source": "Pannaggi", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "Pannaggi: Mechanisches Ballett"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c021", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.12.2", "titre_corps": "Triadisches Ballett", "titre_sommaire": "Triadisches Ballett", "signature_source": "Oskar Schlemmer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.19", "debut_caractere": 32, "fin_caractere_exclue": 68, "texte": "Oskar Schlemmer: Triadisches Ballett"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c022", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "118", "image_debut": 20, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.13", "titre_corps": "Nach-Sichtung", "titre_sommaire": "Nach-Sichtung", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.20", "debut_caractere": 2402, "fin_caractere_exclue": 4037, "texte": "Nach-Sichtung\n\nZeitschmerz\nGelegentlich hat der Mensch Zahnschmerzen.\nDas ist die seltene Gelegenheit, wo der\nMensch ungestört oder höchstens durch\nSchmerzen gestört lesen kann. Wenn ich In-\nseratenfabrikant wäre, auch wenn ich Inserent\nwäre, würde ich mich mit den Zahnärzten\nstellen. In ihren Warteräumen liest man alles.\nDenn man sucht Zerstreuung. Man begreift,,\nwarum Zeitungen Inserate haben. Sie geben\nalles, während man am Geist nur zehren kann.\nMan will leben, da man das Leben nicht lassen\nwill. Und während die Nerven an den Zäh-\nnen ziehen und der Herr da drinnen noch nicht\neinmal an das Ziehen seiner Nerven denkt,\nzieht das kleine Frühlingslied von Herrn Mau-\nxion dich in die Weite. Und während das\njunge Mädchen seelenvoll ihr Augenmerk auf\ndie Schokolade wirft, erzählt dir ein statt-\nlicher Herr von seiner Erfindung. Der Herr\nbeschafft den Damen Fesseln. In der Vorzeit\nsollen Damen die Herren gefesselt haben. Der\nHerr hat eine Erfindung gemacht, durch die\nFesseln selbst unter den dünnsten Seiden-\nstrümpfen hervortreten, auch wenn sie die\nNeigung gehabt haben, ohne Seidenstrümpfe\nim eigenen Fett zu ertrinken. Der Apparat\nist laut eidesstattlicher Versicherung unter\nStrümpfen unsichtbar. Er schmiegt sich nicht\netwa nur dem Körper an, er schmiegt gleich-\nsam den Körper erst heraus. Und zwar nicht\nnur an den Fesseln. Man kann ihn an jeder\nbeliebigen Stelle anlegen, soweit diese Stellen\nstatthaft sind, und sie werden wieder Stellen.\nAlles bekommt Form. Und nur für eine Reichs-\nmark auch fünfzig Reichspfennige. Wenn\nman natürlich allzu viel Stellen ohne Stellen\nhat, wird es entsprechend teurer, aber immer-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4537, "texte": "hin unsichtbar. Dann bleibt nur die Frage,\nob man den Büstenhalter mit Rückenschluß\noder mit Seitenschluß bevorzugt. Auch\ndiese Gegenstände bringen Stellen hervor\noder zurück, je nach Anlage, Ischias ist\nunter allen Umständen heilbar, wenn man\nsich die entsprechende Broschüre gegen\nBriefmarken beschafft. Die Weißheit der\nZähne kann man sich je nach seinem Lieb-\nlingskünstler aussuchen. Es gibt sogar Künst-\nler, die sich nur durch das Putzen der Zähne\nden Zeitgenossen weismachen. Das Korsett\nist jetzt Marke für die Starke, wohinter sich\nder dichterische Sinn verbirgt. Diese, poeti-\nschen und anderen Adern werden durch nicht-\ngeeignete Fachleute gelassen. Aus einem paar\nDutzend Hyazinthenzwiebeln entstehen ein\npaar Millionen Rosengärten. Gebrauchs-\nanweisung umsonst. Wenn man außerdem\nStoff hat, kann man sich einen Anzug machen\nlassen. Des allgemeinen Wissens und der\nAlfenidlöffel kann man teilzahlungshaftig\nwerden. Vergnügungen künstlerischer Art\nkosten bei Vorzeigung Dieses nur Bier- und\nLustbarkeitssteuer. Ehen sind in allen Preis-\nlagen vorhanden. Mit Einheirat in die Land-\nwirtschaft oder in die Konfektion mit Edel-\ndenkenden oder Intelligenten, mit Bürgerstolz\noder Königsthron, mit Mitgift oder Herzens-\nbildung. Neigungsehen werden mit Vorliebe\nohne Liebe gern zwischen Anhängern von\nChristus und Mammon geschlossen. Mammon\ntritt im Sinne deutschvölkischer Bestrebungen\nstets unter dem Pseudonym Freidenker auf.\nAndere Herren bieten sich wieder für Bilanz-\nverschleierung an. Man nennt das Rat in\nVermögensangelegenheiten. Kriminalkom-\nmissare, die bei der Polizei im Dienst nichts\nermitteln konnten, bieten sich jetzt außer\nDienst für Ermittelung an. Und was man alles\ntauschen kann. Einen Aschbecher gegen ein\nGrammophon, einen Papagei gegen einen\nSoziussitz, keine Wohnung gegen eine Woh-\nnung, eine Villa gegen ein Terrain, ein Terrain\ngegen eine Stube mit Küche, englisch gegen\nMusik und ein Kind gegen Abfindung. Für\neinen Zahn wird 4,50 Mark geboten, während\nder Zahn 45,— Mark hinwiederum kostet. In\ndiesem Augenblick öffnet der Herr über die\nZähne die Tür, entläßt jemandem mit gold-\nglänzendem Lächeln und entreißt dem Leser\ndie Lektüre und die Zähne. Aber man ist auf\nalles gefaßt. Denn man ist interessiert und\nmit anderen Augen sieht man nun im Aether-\nrausch die Welt. Wenn der Zahnarzt seine\nsämtlichen goldenen Zähne verkaufen würde,\nkönnte er sich selbst einen neuen Goldzahn\nleisten. Sein Mund duftet nach dem Friih-\nlingslächeln der Mona Mauxion. Ob die\nSchwester Seitenschluß oder Rückenschluß\nträgt? Sind ihre sichtbaren Stellen, soweit\nsie statthaft sind, gefesselt oder entfesselt?\nHat der Zahnarzt das Originalgemälde Still-\ntod über seinem Schreibtisch gegen eine be-\nwegte See bei Nacht getauscht? Hat er das\nInstrumentarium des allgemeinen Wissens in\nRaten erworben, so daß es zwar in seinen Be-\nsitz, aber noch nicht in sein Eigentum über-\ngegangen ist? Mit der Schwester scheint er\ndurchaus nicht brüderlich zu stehen. Sie\nträgt weiße Schuhe zu schwarzen Strümpfen,\nwas schon verdächtig ist, nicht ohne das ab-\ngebildete Orangekleid, das der Herr Saison,\nein Großunternehmer, jetzt unter jedem Preis\nfortgibt. Massenartikel für individuellen Ge-\nschmack, mit Gürtel und ohne Gürtel zu tra-\ngen. Indessen ist der Zahn gezogen, daß die\nScherben fliegen. Es wird versichert, daß es\ndie schmerzlose Methode gewesen sei, über\ndie man in den verschiedenen Inseratenteilen\nNäheres nachlesen kann. Bei zehn schmerz-\nlosen Zahnziehungen ein Schmerz gratis.\nAuch in Preußen genehmigt. Nun darf man\nnoch das ganze Elend hinunterspülen, mit rosa\nWassel, jener Farbe, die dem Leben einen\nFrühlingsschimmer verleiht. Man wird zur\nTür hinausgeöffnet und darf sich bei dem\nGeist der Zeit ausruhen. Den Zahn hat man\nder Zeit geopfert. Und die Zeit grinst zahnlos,\naber leicht vergoldet, mit Seitenschluß und\nSchokolade über die Erde.\nBürgerliches Kabarett\n„Kabarett\". Einige Herren und Damen haben\nsich zusammengetan und machen Provinz-\nvarietenummern dritten Ranges. Die orts-\nzuständige Berliner Tagespresse teilt mit, daß\ndie Kunst aus der Gegend zwischen Czerno-\nwitz und Tarnopol stammt. Ich halte es für\nunrecht, diese Ortschaften stets für Leute ver-\nantwortlich zu machen, die unter dem Beifall\nder westlichen Großstadtvororte verdienen.\nDer Conferencier erzählt abwechselnd im\nTonfall eines Provinzkomikers oder des be-\ngabten Paul Nikolaus nie abwechselnde jüdi-\nsche Witze. Jäh erhebt er seine Stimme zum\nPathos klassischer Schauschmiere und ver-\nkündet, daß der Schriftsteller Stefan Groß-"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4639, "texte": "mann anwesend sei, dem das Publikum\napplaudieren möge, weil er für ihn und seine\nwerten Mittäter eine Lanze gebrochen habe,\ndie erste Lanze gebrochen habe. Herr Stefan\nGroßmann ist bekanntlich des Lanzenspieles\nunkundig, es kommt auf eine verbogene Lanze\nmehr oder weniger nicht an. Aber selbst das\nPublikum fühlt sich frei von Großmannssucht.\nWesentlich erscheint das Publikum selbst. Da\nsitzt die bessere oder beste Gesellschaft, wie\nman Menschen mit einem Jahreseinkommen\nzu nennen pflegt, das sich nicht unter bewegt\nund die gern dreißig Mark für eine Flasche\nSekt und das fehlende Standesbewußtsein aus-\ngeben, auch wenn sie nicht eingenommen ha-\nben. Ein Improvisator fordert sie auf, ihm\nGedanken oder Sentenzen oder Zitate für ein\nzu improvisierendes Gedicht zu geben, worun-\nter man wie bei Lyrikern das Zusammenrei-\nmen gereimter Gedanken zu verstehen hat.\nDer besten Gesellschaft fällt etwa nur ein\n„Halts Maul\", „Wie du mir, so ich dir\",\n„Wohnst du denn bei deiner Alten, oder\nwohnst du ganz allein\" und least not last „Geh\nin ein Kloster, Ophelia oder lasse dich rasie-\nren\". Das wäre der bewußte Geist. Bei jeder\ndirekten oder indirekten Erwähnung von\nOrganen des Geschlechts oder des Stoffwech-\nsels oder von Exkrementen bricht die große\nWelt der Herren und Damen in herzlich\nmenschliches Gelächter aus. Tiere haben es\nnicht verschuldet, so etwas stets tierisch zu\nnennen. Das ist die bewußte Sinnlichkeit.\nAugenzwinkernde Anspielungen auf angeb-\nliche jüdische Sitten und Gebräuche, wie Un-\nsauberkeit, Betrug, Wucher werden so herz-\ninnig bejubelt, besonders vom jüdischen Pub-\nlikum, daß sie dadurch eine Bestätigung zu er-\nhalten scheinen. Das ist das bewußte Rassen-\ngefühl. Die Künstler, wie man das so nennt,\nberichten fortwährend von ihrer Gewinnsucht,\nihrer Unbildung, ihrer Unerzogenheit, ihrer\nAlmosenfreude. Und das überlogene Publi-\nkum fühlt sich tatsächlich überlegen, ohne zu\nempfinden, daß auf der Bühne Leute ihres\nStandes und ihres Stammes, ihrer Unbildung\nund ihrer Unerzogenheit stehen. Besonders\nglücklich aber ist man, wenn der Herr Künst-\nler ein Fremdwort bewußt unrichtig anwen-\ndet und die versammelte Intelligenz ihm die-\nses Fremdwort richtig, wirklich ganz richtig\nzurufen kann. Das ist bewußte Intellektualität.\nEndlich schillert ein Jazzband über dieses\nmenschliche Grauen und ein Hauch von Kunst\nwenigstens weht an dem aufbrechenden Publi-\nkum, dem lanzenbrechenden Schriftsteller und\nder brechenden Künstlerschar vorbei. Vorbei.\nWintergarten\nMehrere tausend Menschen täglich im Win-\ntergarten. Eine weltstädtische Einrichtung in\nBerlin. Ein Variete, das in keiner Erdstadt\n%\nan Leistungen überboten wird. Artisten sind\nKünstler, nicht nur weil sie viel können, nicht\nnur, weil sie Herren und Frauen ihres Mate-\nrials sind. Weil sie Künstler sind. Schöpfe-\nrische Menschen, die das Material ihres Kör-\npers, ihrer Kleidung und ihrer Apparate in\nkünstlerisch logische Beziehung zueinander\nstellen, also komponieren, also ein Kunstwerk\ngestalten. Sie sind sich bewußt, daß Kunst\nsinnfällig sein muß, die Sichtbarkeit und die\nHörbarkeit alles bedeutet und alles bedeuten\nkann. Die Deutung hängt nämlich stets vom\nBeschauer ab, der Künstler gibt das Bedeu-\ntende, nicht das Deutende. Gymnastische\nProduktionen von Walter Sayton und Partner.\nDa hätte selbst der Akademieprofessor Lede-\nrer nichts gegen einzuwenden. Ihre plasti-\nschen Darstellungen brauchen nämlich nur in\nBronze von ihm nachgeahmt zu werden und\nschon sind seine Kunstwerke nicht etwa leben-\ndig, wohl aber die Originale. Sayton und\nsein Partner aber ahmen nicht die verehrliche\nPlastik nach, sie gestalten rhythmische Bewe-\ngungen bis zur Ruhe. Jedes Glied steht in\nkünstlerisch logischer Beziehung zu den ande-\nren. Man darf nicht sagen, daß die Leistung\ndieser Artisten wie eine Plastik aussieht, man\nmuß sagen, daß eine Plastik solche Leistung\nmechanisch nachahmen kann. Mechanisch\nahmen die Marionetten von Julius Schichtl\nalles nach, als obste lebst. Sie liefern sogar\nErotik und Reiz der Erotik, den merkwürdi-\ngerweise Gebildete noch immer im Variete\nsuchen. Zu absolutem Kunstmaterial hat die\nSilvester Kremo Familie ihre Körper ausge-\nbildet. Sie machen ein Feuerwerk aus sich.\nSie fliegen, platzen, springen, fallen, mitein-\nander, aufeinander, übereinander, ineinander.\nUeberflüssig sind aber im Variete die noch\nimmer beliebten, wenigstens von der Direktion\nbeliebten, Nummern der sogenannten hohen\nKunst. Die „Deutschen Lieder in Wort und\nBild\" mit Bildchen der Laterna magica sind\nunwahres, schlechtestes Theater. So „pflegt\"\nman keine deutschen Volkslieder, indem sich\nvier Herren übliche Theaterkostüme anziehen,"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 519, "texte": "einige Fässer auf die Bühne rollen, mit leeren\nHumpen anstoßen und die teure Heimat an-\njammern. Auch ist es beinahe unmoralisch,\ndaß vier Männer zusammen ein Feinsliebchen\nbesitzen, wenn auch in verschiedenen Stimm-\nlagen. Und eine Soubrette auf dem Variete\nmuß Artistin sein, also etwas können. Es ge-\nnügt nicht, daß sie wie im Theater sich ver-\nschiedene Toiletten vor den Augen des Publi-\nkums anziehen und ausziehen kann. Denn im\nVariete ist die große Kunst der alten und der\nneuen Zeit geborgen.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c023", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.13.1", "titre_corps": "Ballet négre", "titre_sommaire": "Ballet négre", "signature_source": "Fernand Léger", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 27, "texte": "Fernand Léger: Ballet négre"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c024", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.14", "titre_corps": "Die Beamtin ihres Geschlechts", "titre_sommaire": "Die Beamtin ihres Geschlechts", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.24", "debut_caractere": 521, "fin_caractere_exclue": 4334, "texte": "Die Beamtin ihres Geschlechts\nThomas Ring\nEs war eine Frau, die wurde schon in die\n;\nStandheiligung der Ehe hineingeboren, so daß\nihr weiteres Ableben das Recht des Vorlebens\naus dem Gefühl merzte und treu den Gedan-\nkenstrich hinter dem Glueckwunsch des Stan-\ndesbeamten innehielt. Sie nahm einen Mann,\ndessen Ungeist alles überragte was je ein\nSchneider liefern konnte und der sein Licht\nnicht unter dem Scheffel stehen ließ, sondern\nin den Ofen lockte wo er ihn traf. Es traf sich\nzwischen ihnen nebenbei, während ihre Eltern\ndie Stammkürbisse zusammenpflanzten und\ndie beiden zum Gurkensalat der Mittagesse\neinander vorstellten. Der Mann schaute und\nfraß. Als der letzte Hochzeitsgast des Kir-\nchenspiels gegangen und der Bratenrock\nsorgfältig glatt gestrichen seinen Haken fand,\nder beizeiten gekrümmt war, enthüllte sie\npflichtgemäß ihre nie begangne eheliche\nPflicht. Der Mann beging, schaute und fraß.\nWährend dadurch ihr Aeltester gezeugt\nwurde fiel ihr ein, daß am Monogramm des\nBettuchs noch ein Schnörkel zur Krone fehlte.\nSie stickte ihn in Gedanken zu Ende, davon\nbehielt die Brut später den Namen Cäsar. Am\nMorgen erklärte ihr der Mann, wie Zahnbürste\nund Handtuch auf der Gewohnheit lagen, wo\ndie Reitpeitsche greifbar hing sich finden zu\nlassen, was jeder Hund als Lieblingsfleisch\nam Mundtuch zu schlingen beliebte, wie die\nMorgenerbe verteilt zu sein geruhte und be-\nackert zu sein hatte. In zwanzig Zimmer-\nflüchten befahl sie nun Dienst zum Stauben\nund Entstauben der Familienbilder, bis sie\nsich Mutter nicht fühlte zu sein hatte. Da\nwurde ein neuer Nagel eingeschlagen vom\nLakai. Nachdem die Ahnenreihe um zehn\nzugewachsen war fackelte die Ahnung, daß\nder Staatsbürger außer der Landwirtschaft\nnoch andere Pflichten habe solange, bis das\nPech der Tat in die Entscheidung tropfte.\nDie Tropfsteingrotte zog mit Ledergama-\nschung und Meinungsüberzug als fester\nKalkpol in die Unruheerscheinungen des\nHauptstadtrummelsruhrs. Die Stimme des\nFamilienhauptmanns mußte im Regierungshof\nsein Echo jagen und dem Ministersessel hel-\nfen, die Kartoffeln anzustechen ehe er sie ab-\nzog. Sie betahberte treu ihren Mitesser. Die\nfeudale Revolution stellte die Beamtin ihres\nGeschlechts um, ohne daß die Zuknöpfung\nsich änderte. Sie mußte nun lernen, wo Fe-\nderhalterfülle und Oberschreibunterlage grün\nauf die Gewohnheit tischten, wo die Akten-\ntasche greifbar hing sich finden zu lassen,\nwas jeder Gymnasiastensohn am Mundtuch\nzu schlingen sich beliebte und welches beste\nEhrenstück Cäsar war, der Achilles, Adlon,\nAlexander, Astor, Agamemmnon, Adebar,\nAlarich, Armin, Augustus an Abituriumsreife\nüberfaulte. Die zwanzig Zimmerflüchte wur-\nden nun statt von Westen nach Osten von\nOsten nach Westen zur Staubung entstaubt.\nDas Ahnenbild muß im Wirbel der Großstadt\ngepflegt werden. Trotz unermüdlicher Mühe\nsollte aber die Verrottung rottenweise durch\ndie Hausreinigung in das Haus brechen und\nden Wappenschwan zur Müllabfuhr schleu-\ndern. Undank war der Welt Getriebe, als ihr\nim Museum an griechischer Gipsblöße das un-\ngelebte Leben aufzuwärmen ging, daß die ge-\nlöste Leidenschaft eine innige Haarnadel\ntönend auf die Fliesen klang und das Vor-\nleben zu beben sich wagte. Die Beamtin schritt\ninnerlich entatmet aber stolz in dem Ent-\nschluß, den allgemeinen Menschen zu leben\nund die Köpfe ihrer Kleidengen hoben die\nAugenlider. Da traf sie zu Hause der Verrat\nals Dolchstoß in die Rücksicht. Cäsar hatte\nsich unter das Volk geworfen und lag im\nMädchenmüll der Hausreinigung. Sie hatte\nnoch die Kraft, ihn aus dem Arm der straf-\ngestreiften Küchenschabe zu reißen, die die\nLippen geschürzt hatte um die Kündigung aus-\nzusprechen. Da aber der Entartete seines\nGeschlechts die unverbrüchliche Treue zu be-\nkennen den Namen zu beflecken sich erfrechte,\nda brach ihr Herz und sie versank in einen\nHofknix."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c025", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 25, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.15", "titre_corps": "Kunst – Währung", "titre_sommaire": "Kunst – Währung", "signature_source": "Walter Krug", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3825, "texte": "Kunst - Währung\n\nKunst ist — Entbindet mich der Verpflichtung,\nden Satz zu beenden. So oft, wie die deut-\nsche Mark geteilt, ist er auch schon gedruckt\nund vorgetragen worden. Solllllten Sie den-\nnoch nicht wissen — „Nachschlagen!\" Brock-\nhaus, Meyer und tausende von Spezialwerken\ngeben erschöpfend Auskunft.\nWer persönliche Erklärung wünscht, wendet\nsich an eines der vielen Exemplare von Kunst-\nerklärern. (Vor dem Kriege traf man sie noch\nhier und da in Vorstadtkinos. Sie wurden\ndann aber dort abgeschafft.) Seitdem findet\nman sie in den Zeitungen unterm Strich und\nin der Botanik unter „Schmarotzerpflanzen\".\nWährung ist — „Halt!\" Im Lande der Dich-\nter und Denker ist solche Erklärung\nüberflüssig!\nWir Deutsche wissen: Währung ist „Hjal-\nmar Schacht\" oder „Helfferich\", je nachdem\nwas für eine Nummer Deutscher der Wissende\nist. Ich selbst weiß außerdem: „Währung ist\nMenschenwerk mit Ewigkeitswert. Währung\nist die billionmalige Teilung des „Nichts\" und\njeder Teil ist teilbare „Währung\". Währung\nist das unbegreifliche Greifbare, Währung ist\ndas Loch in der Luft mit Goldschnitt.\"\nWährung ist das Esperanto aller Nichtarbei-\nter. Währung ist der Geheim-Code des inter-\nnationalen Diebsgesindels. Aber was ich\nweiß, ist ja nicht maßgebend. Nichtdeutsche\nschlagen deshalb nach im angehäuften deut-\nschen Wissen: „Brockhaus — Meyer\", ver-\nmeiden aber um Gotteswillen einen Sachver-\nständigen zu fragen!\" —\nDer Sachverständige in Währung weiß natür-\nlich, ist aber unfähig, sich verständlich zu\nmachen, das liegt an der „Währung\" und es\ngenügt schließlich vollständig, wenn der Sach-\nverständige weiß!\n„Brehm\" hat diese Klasse der Wisser unter\n„Wiederkäuer\" eingereiht. Anmerkung: „Es\nkann mir hier ein Fehler unterlaufen sein!\"\nDann suche man einfach die Kunstsach-\nverständigen unter „Wiederkäuer\" und die\nWährungskammer unter „Schmarotzerpflan-\nzen\". Viel Zweck hats aber nicht!\n1. Lehrsatz:\nKunst und Währung sind zwei ganz gleiche,\nfelsenfest stehende, erdbebenentrückte Be-\ngriffe (können Sie noch folgen?), die als Fun-\ndamente Träger des gesamten Menschenwer-\nkes sind.\n2. Lehrsatz:\nAlle Sachverständigen sind Fachleute der\nGruppe, für die sie sachverständig sind!\nAusnahme:\nAlle Kunstsachverständigen sind Nicht-\nfachleute ihrer Gruppen. Weil Künstler nur\nKinder sind und da ist der Sachverständige so\netwas wie ein „Erwachsener!\"\nDa ich von Kunstwährung schreiben will, so\nbenutze ich als Fundament meiner Arbeit\nLehrsatz Nr. 1, und als Legitimation für mich\nLehrsatz Nr. 2; dahin ausgelegt: Noch bin ich\nnicht als Künstler anerkannt, deshalb gelte\nich als Sachverständiger!\nHistorisches\nAls Ministerpräsident „Moses\" von seiner\ngroßen Konferenz auf dem Sinai-Massiv mit\nseiner steinernen Währung herniederstieg,\nhatten seine Helfferiche und Schächte inzwi-\nschen die erste regelrechte Goldwährung er-\nfunden und tanzten wie irrsinnig um ihre neue\njüdische Rentenmark, genannt „goldenes\nKalb\", das übrigens ebensowenig geschlachtet\nwerden durfte, wie die deutsche Henne, die die\ngoldenen Eierchen legt.\nAls Moses sie so tanzen sah, packte ihn eine\nfürchterliche Wut, wohlgemerkt, weil er als\n„Höhenmensch\" sofort die ungeheure Trag-\nweite der genialen Erfindung der Goldwäh-\nrung erkannte und seine schöne Zeit ihm leid\ntat, die er mit dem lieben Gott vertan hatte\nan seiner „Währung\".\nAbgesehen davon, daß er sie ohne modernes\nSchreibgerät, Maschine und Bubitippeuse,\nselbst in Stein gekeilt hatte. Plautz! An der\nnächsten besten Felskante zertöpperte er\nseine Währung.und schuf damit den ersten\n„Trüümmerhaufen\", das erste „Schaaos\", aus\ndenen dann die Nachfolger jener Helfferiche\nund Schächte immer und immer wieder\n„Goldwährung\" machen!\nIn Anerkennung dieser Großtat des Moses,\nder Zertrümmerung seiner eigenen Arbeit zu\nGunsten der „echten Goldwährung\", beauf-\ntragte man dann später den berühmten Künst-"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1657, "texte": "ler Michelangelo, Mosessen ein paar richtige\nHörner aufzusetzen. Ja, Kunst hängt eben\neng mit Währung zusammen!\nJa, es hat in der Kunst schon lange vor Moses\n„Währung\" gegeben. Man brauchte aber eine\nKunst g o 1 d Währung, eine Immer Währung,\nund als sie die Kunsthelfferiche endlich in den\nalten Hellenen entdeckt hatten, brauchten\nsie nur noch die alten Währungen zertrüüm-\nmern, das alte „Schaaos\" schaffen und im all-\ngemeinen Wirrwarr der Kunstinflation ihre\nneue Währung aufrichten bevor Moses\nzurückkam.\nWas in der Goldwährung das „Gold\", das ist\nin der hellenischen Kunstwährung „Natur\".\nSolange wie Natur in der Kunstwährung nach-\ngewiesen werden kann, ist sie echte „Wäh-\nrung\". (Man muß sich etwas darunter vor-\nstellen können.)\nSpeziell die Deutschen haben ihrem „Kunst-\nStahl\" ein überaus empfindliches Meßwerk-\nzeug für Kunstwerte, mit dem man noch den\nbillionsten Teil Naturgehalt festzustellen ver-\nmag.\nEs gibt auch noch Anhänger der alten\nWährungen, aber der in der Hellenen-Wäh-\nrung steckende echte Naturnachahmungstrieb\nist das Gold, das Kunstgold, nachdem die\nMenschheit verlangt! Da werden eben lang-\nsam die alten Währungen geopfert.\nDas sieht selbst ein Laie, daß „Venus\" in der\n„Kunst\" ein so guter Begriff ist wie „Gold\"\nin der „Währung\". Zum Greifen, diese Ve-\nnus, aber nur für „Stilaugen\", wie das Gold\nin der Währung nur für Reichsbänke.\n— „Gold und Venus \" —\nNichts kann euch erschüttern, nichts euch ent-\nfernen! Recke dich, strecke dich, Gold, stets\nbist du Währung! Und du liebe, alte, traute\nVenus, bleibe auf deinem Kunstsockel erhaben\nüber alle Stänker, eine Hand als Büstenhalter,\neine als Gedankenlenker.\n\nWalter Krug"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c026", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.16", "titre_corps": "Gedicht", "titre_sommaire": "Gedicht", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.26", "debut_caractere": 1659, "fin_caractere_exclue": 2229, "texte": "Gedicht\nHerwarth Walden\nMein Auge lauscht dem Beben deines\n[Mundes\nLippen keimen auf und winken\nZögern zagen sehren zehren\nFlüchten zwischen weisse Zähne\nBergen schmal sich in die Tiefe\nBrennen auf und suchen Dich\nLockt Dein Herz sie tief und tiefer\nBlut springt auf\nSchwellen herzschwer Deine Lippen\nBrandglut sprengt weisse Wände\nDeine Lippen greifen Ferne\nMeine Augen lauschen hören sehen\nFühlen jagen klagen schlagen\nFallen Dir nieder\nKomm\nAus dem Gedichtband: Im Geschweig\nder Liebe / erscheint Anfang Sep-\ntember im Verlag Der Sturm Berlin I\nin Ganzleinen 3,— Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c027", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.17", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.26", "debut_caractere": 2231, "fin_caractere_exclue": 3049, "texte": "Inhalt:\nB. F. Dolb i n : Die internationale Ausstellung\nneuer Theatertechnik in Wien .... 97\nKurt Liebmann: Gedichte .... 100\nWilliam Wauer: Das entdeckte\nGehirn 102\nAlexander Mette: Gedichte . . . 106\nAlbert Gleizes: La mecanique\nnouvelle 107\nThomas Ring: Kreis 108\nKurt Heinar : Kriegerische Befreiung . 108\nOtto Nebel: Unfeig eine Neunrunen-\nfuge 111\nRudolf Schmitt Sulzthal: Gedicht . 112\nE. Kagarow: Petnikow 112\nHerwarth Waiden : Nach-Sichtung . 114\nThomas Ring: Die Beamtin ihres\nGeschlechts 118\nWalter Krug: Kunst-Währung. . -.119\nHerwarth Waiden: Gedicht . . • 120\nFriedrich Kiesler: Raumbühne .101\nEnrico Prampolini: Bühnenbild . 105\nLothar Schreyer: Bühnenfigur . . 109\nPannaggi: Mechanisches Ballett . . .113\nOskar Schlemmer: Triadisches\nBallett 113\nFernand Leger: Ballett negre . . .117\nJuli / August 1925"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c028", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 577, "texte": "DAS WERK\n||||||i!llllllllllllllllllllll!!ll!illlllllllllllllllllllllll!lllllll!lllllllllllllllllllll|j||||||||||||IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII\nSchweizer Monatsschrift fur\nARCHITEKTUR\nKUNSTGEWERBE\nFREIE KUNST\nTT\nT\nI-' * !\nOrgan der schopferischen\nKralte in der Schweiz\nSondernummer iiber die\nKunst des Auslandes:\nFebruar 1923: Schweden\nMai 1925: Amerika\nbevorstehend: Beigien\nSchriftleitung:\nDr. J. Gant n e r, Miihlebachstrasse 54 ZUrich\nVerlag:\nG eb r. Fretz A. G., Zurich\nAuslieferuhg fiir Deutschland:\nSpeyer & Peters, Berlin, Unter den Unden 39\nProbenummern bereitwilligst\n\" ,V4"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c029", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.2", "debut_caractere": 579, "fin_caractere_exclue": 1160, "texte": "Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig\nlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII\nSoeben erscheint\nin siebenter, neubearbeiteter Auflage:\n■ . . -:1f fry ■ ■.: • ,\n' ' iv'V ■ ,4 ; ■\n.. V ~ y. ■■ • i •- .\n12 Halblederb&nde\nOber 160000 Artikel auf 20000 Spalten Text, rund\n5000 Abbildungen und Karten im Text, fast 800 z. T.\nfarbige Bildertafeln und Karten, über 200 Textbeilagen\nDie Bande / und 11 kosten je 30 Mark\nSie beziehen das Werk\ndurch jede gute Buchhandlung\nund erhalten dort auch kostenfrei\nausfUhrliche Ankundigungen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c030", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.2", "debut_caractere": 1162, "fin_caractere_exclue": 1384, "texte": "Revue Germanique\nLille / 55 Rue Brule»Maison\nPeriodique trimestriel ■\nAbonnement 30 Frs. poor I'etranger I\nInformations sur le mouvement I\net les travaux philolo- I\ngiques en Allemagne aux Pays-\nBas et en Scandinavie —«■—■"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c031", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[96]", "page_fin": "[96]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.2", "debut_caractere": 1386, "fin_caractere_exclue": 1598, "texte": "INTEGRAL\nREVUE DE SINTHESE MODERHE da. 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Bloch\nPre is pro Quart a I 2,25 M. Einzelheft 75 Pf,\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt\ndie Stellung, die sie sich in unserm offentlichen Leben er~\nrungen haben, durch ihre gewohnten Darbietungen, die\ndie flktualitat des Tages in die Sphare wissenschaft-\nlicher Vertiefung zu riicken suchen, und durch standige\nErweiterung ibres Inhalts zu behaupten und zu befestigeni\nDie Sozialistischen Monatshefte sind die einzige deut-\nscbe Zeitschrift, die eine systematisch gegliederte Rund-\nschau iiber offentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und\nKultur bringt. Einem jeden wird dadurch eine fort-\nlaufende Orientierung iiber die einzelnen Gebiete ermog-\nlicht. Die einzelnen Rubriken (30 an der Zahl) werden\nvon Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen kostenfrei zur Ver-\nfiigung. Dem unterzeichneten Verlag ist die Mitteilung\nvon Adressen willkommen, an die die Zusendung von\nProbeheften ratlich erscheint*\nVerlag der Sozialistischen Monatshefte g. mAH, BerlinW 35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c033", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 249, "texte": "VERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Walden:\nEinbliA in Kunfi\n■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■I\nDie beste Einfiihrung in den\nExpressionismus, Kubismus u. a.\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M. 6,50\nFONFTE AUFLAGE"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c034", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.27", "debut_caractere": 251, "fin_caractere_exclue": 562, "texte": "n\nrpf\niSv-\n•KSP*1\nDie Geschichte einer Wanderschaft von\nAlfred Pfarre\n284 S. Mit 41 Abb. / In Leinen geb. M. 4,50\nAls Handwerksbursche von Hamburg nach\nRom. Erlebnisse auf der Landstrasse. Zwi-\nschen Vagabunden und Abenteurern. 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Narzillier s Co. Berlin IV -: ■ GruneuioldstroDe 14-15\nGegrundet 1854 Hofspediteure S. M. des Konigs von Spanien Gegrundet 1854\nSped it ion unc! Mobeltransp orte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemaiden und Kunsfgegensfcinden jeder Brt\nLieferung und Empfong nach und uon alien Kunst-\nausffellungen des In- und Buslandes. Transpoptoer~\nficherungen alien Brt.\n** * ■ ■ \\ \\ ' ,|f .I,'. \\ :-{l\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender KQnstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des ~Sturm\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-07-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-07_01#c038", "volume": "bmtnabg_1925-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.28", "debut_caractere": 276, "fin_caractere_exclue": 2537, "texte": "„Junge Kunst\"\nhat mehr zum VerstSndnis und zup Verbreitung der werthaften\ngegenwartigen Malerei getan, als die Bildbuchpublikationen\naller andern Verleger insgesamt\nHans Franck in der „Thtlringer Allgemeinen Zeitung\":\nJeder Fand dieser langst in Hunderttausenden von Exemplaren verbreiteten Sammlung hat\nein farbiges Titelbild, 32 ganzseitige Tafeln und enthSlt im Textteil neben der Einftihrung\neine Selbstbiographie des Kiinstlers. Format B°. Preis in Haibleinen M. 2.50. Je\n8 BSndchen als ~B>bliothek der jungen Kunst\" in einem Bande Haibleinen M. 20.—.\nI. Reihe:\nPechstein, Modersohn, Hoetger,\nMeidner, Klein, Heckendorf,\nGrofimann, Krayn\nIV. Reihe:\nvan Gogh,(Doppelbd.),Rousseau,\nSchelfhout, Nauen, Cezanne,\nKisling, Macke\nBisher erschienen:\n11. Reihe:\nJaeckel, Scharff, de Vlaminck,\nMorgner, Klee, Eberz, Derain,\nSchmidt-Rottluff\nV. Reihe:\nCoubine, Rohlfs, Chagall,\nGauguin, Schrimpf, Smet,\nSchmidt, Archipenko\nDie Sammlung wird fortgesetzt.\n111. Reihe:\nCampeiidonk, Roeder, Moll,\nUhden, Grosz, Laurencin,\nUnold, Waske\nVI. Reihe :\nKandinsky, Pellegrini,\nGotsch, Matisse,\nFeininger, Hofer\nDix,\nKubin,\nHerausgegeben\nvon Professor Dr. Georg Biermann\nJahrbuch der Jungen Kunst 1924,\n4». Mit 56 BeitrSgen auf etwa 540 Seiten mid ea. sQ&Abbildungen auf Tafeln und Text, 2 farbigen Tafeln, 3 Originallithographien\nvon Dix, Marchand, Laboureur, einer farbigen Originallithographie von Crodel und einem Holzschnitt von Masereel. Halblemen\nM. 36.—. num. Vorzugsausgabe von 100 Exemplaren in Halbleder mit Beigabe einer Lithographie, handsigniert, von Coubine M. 50.—.\nWilhelm Schmidtbonn schrieb im „Tage buchM: „Mit ungewohnlicher Tatkraft und Blickscharfe ist der Band zu einemorgani-\nscben Ganzen zusammengestellt. Er wirkt ungcwollt als Manifestation westlicher Kunst, als Lebensruf Europas. Eine\nLeistung, auf die Deutschland stolz sein darf.tt\nDer flKunstwarttt urteilt: . . fiberall pulst Leben, tritt eigene Anschauung unbekiimmert nervor. Ein überreiches verdienst-\nvoiles, auch durch das Bildmaterial packendes Sammelwerk. kh kenne kein zweites, das so vom Leben der Gegenwart strotzt\nund es so ohne Lehrhaftigkeit allem Empfanglichen nahebringen kann. 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Z. im 4. Jahrgang\nJYlitarbeiter des laufenden Jahrgangs:\nF. Busoni, Eg on Wellesz,\nFritz Jocle, Heinz FUesen,\nPh. Jariiach, Prof. u. Hornbostel,\nProf. H. springer, Man 5/euogt,\nProf. Kurt Sachs, Ernst Kurth\nund uiele andere.\nSchriftleitung: Dr Hans JYlersmann\n♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦\nPre is des Einzelheftes 1,— M.\nJahresabonnement (12 Hefte) 10,— JYI.\nProbenummer gratis uom Verlag\nMJELOS-VJEBLAG G. M. B. 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M. 45,—,\n„Faratilip\", jene Liebeslegenden aus der Siidsee\nsind Phantasien eines primitiven -Volkes iiber Mann\nund Weib und Gott, der sie gesehaffen, daß sie sich\nvereinen und freudig fortpflanzen. Hier wird die\nBegebenheit zur elementaren Entdeckung des Ein-\nzelnen und die Stimme der Lust zum gottlichen\nRuf. „Faraulip\" sei alien empfohlen, die Erotik ohne\nVerhiillung in der ganzen Nacktbeit ihrer heiligen\nSendung erkennen wollen.\nBerliner lageblatt\nDiese Legenden sind neben dem Buch vom Tee,\ndas er fur den lnselverlag zeichnete, Matheys\nschonstes Buch.\nFranz Blei\nDie Tragik der modernen Malerei\nzeigt sich in\nEMIL SZITTYA\nMALERSCHICKSALE\n14 Portrats mit 8 Bilderbeigaben\nKaschiert M. 3,75. 20 Exemplare a. Biitten in Halbpergament M. 15,—\nDargeslellte : van Gogh — Henri Rosseau — TV. Dressier\nDix — Wrubel — Dr. Wagner — Davringhausen\nLaurencin — OK. Borislawkaja —Chagall—Kokoschka\nDelaunay — B. C. 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HEFT\n\nHUGO SCHEIBER: Zeichnung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[96]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.2", "texte": "DAS WERK\n||||||i!llllllllllllllllllllll!!ll!illlllllllllllllllllllllll!lllllll!lllllllllllllllllllll|j||||||||||||IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII\nSchweizer Monatsschrift fur\nARCHITEKTUR\nKUNSTGEWERBE\nFREIE KUNST\nTT\nT\nI-' * !\nOrgan der schopferischen\nKralte in der Schweiz\nSondernummer iiber die\nKunst des Auslandes:\nFebruar 1923: Schweden\nMai 1925: Amerika\nbevorstehend: Beigien\nSchriftleitung:\nDr. J. Gant n e r, Miihlebachstrasse 54 ZUrich\nVerlag:\nG eb r. Fretz A. G., Zurich\nAuslieferuhg fiir Deutschland:\nSpeyer & Peters, Berlin, Unter den Unden 39\nProbenummern bereitwilligst\n\" ,V4\n\nVerlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig\nlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIiIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII\nSoeben erscheint\nin siebenter, neubearbeiteter Auflage:\n■ . . -:1f fry ■ ■.: • ,\n' ' iv'V ■ ,4 ; ■\n.. V ~ y. ■■ • i •- .\n12 Halblederb&nde\nOber 160000 Artikel auf 20000 Spalten Text, rund\n5000 Abbildungen und Karten im Text, fast 800 z. T.\nfarbige Bildertafeln und Karten, über 200 Textbeilagen\nDie Bande / und 11 kosten je 30 Mark\nSie beziehen das Werk\ndurch jede gute Buchhandlung\nund erhalten dort auch kostenfrei\nausfUhrliche Ankundigungen\n\nRevue Germanique\nLille / 55 Rue Brule»Maison\nPeriodique trimestriel ■\nAbonnement 30 Frs. poor I'etranger I\nInformations sur le mouvement I\net les travaux philolo- I\ngiques en Allemagne aux Pays-\nBas et en Scandinavie —«■—■\n\nINTEGRAL\nREVUE DE SINTHESE MODERHE da. SEULE\nGROUPEMENTd'AVANTGARDE ROUMAINE\nPARAISSANT CHACQUE MOIS\nDIRIGE Par un Comite bucarestois et parisien\nREDACTION : M. H. Max?. Galea Victoriei 79 Et. I\nBUGAREST-ROUMANIE\n\nVerlangen Sie, bitte, ein Probeheft!\nZum Verstandnis des modernen kulturellen\nund politischen Lebens unentbehrlich ist die\nLektiire der\nSozialistische Monatshefte\nHerausgeber Dr. J. Bloch\nPre is pro Quart a I 2,25 M. Einzelheft 75 Pf,\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt\ndie Stellung, die sie sich in unserm offentlichen Leben er~\nrungen haben, durch ihre gewohnten Darbietungen, die\ndie flktualitat des Tages in die Sphare wissenschaft-\nlicher Vertiefung zu riicken suchen, und durch standige\nErweiterung ibres Inhalts zu behaupten und zu befestigeni\nDie Sozialistischen Monatshefte sind die einzige deut-\nscbe Zeitschrift, die eine systematisch gegliederte Rund-\nschau iiber offentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und\nKultur bringt. Einem jeden wird dadurch eine fort-\nlaufende Orientierung iiber die einzelnen Gebiete ermog-\nlicht. Die einzelnen Rubriken (30 an der Zahl) werden\nvon Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen kostenfrei zur Ver-\nfiigung. Dem unterzeichneten Verlag ist die Mitteilung\nvon Adressen willkommen, an die die Zusendung von\nProbeheften ratlich erscheint*\nVerlag der Sozialistischen Monatshefte g. mAH, BerlinW 35"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.3", "texte": "MONATSCHRIFT/HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nDie internationale Ausstellung\nneuer Theatertechnik in Wien\nNachworte\n\nWenn sich auch durch die außerordentliche\nkünstlerische Beteiligung der Schwerpunkt\nder Ausstellung nach der künstlerischen Seite\nhin verschoben hatte, so blieb doch das Be-\nstreben deutlich, die Aufreihung der Aus-\nstellungsobjekte nach theatertechnischen Ge-\nsichtspunkten vorzunehmen.\nDer Begriff Theatertechnik allerdings so weit\ngefaßt, daß etwa Dekoration, Figurine, Schein-\nwerfer und Schauspielergeste als gleichge-\nordnete, technische Hilfsmittel und Erzielung\nder Theaterwirkung erscheinen.\nSo betrachtet erscheint es besonders verwun-\nderlich, daß die barocke Form des Theaters,\ndie Guckkastenbühne, sich durch die Jahr-\nhunderte erhalten konnte, trotzdem der Sinn\ndes Theaterspiels so mannigfaltigen Verände-\nrungen unterworfen war. Denn selbst der\nwesenverwandelnde Weg vom barocken\nPrunkschauspiel zum „Theater als moralische\nAnstalt betrachtet\" war von keiner adäquaten\nFormveränderung des Theaters begleitet.\nWährend für alle anderen Kunstgebiete die\nForderung gilt, daß der neue Inhalt die neue\nForm erzwingt, wird auf dem Gebiet des Thea-\nters noch heute versucht, die hundertfach ge-\nborstene Form des Theaters mit dem neuen\nInhalt zu füllen. Daß er durch alle Fugen sich\nverflüchtigt und daß sich ein inhaltleeres, da-\nher die Massenwirkung verfehlendes, ge-\nschmäcklerisches und bestenfalls virtuoses\nTheaterspielen ergibt, beweisen die gehäuften\nVersuche, durch technische Hilfsmittel, durch\nKniffe der Regie und der Ausstattung Wir-\nkung zu erzielen. Die Betonung der Technik\nverfolgt aber in diesem Rahmen keine Selbst-\nzwecke sondern den Zweck, den sie trotz\nKnechtung von Einzelnen stets verfolgt hat:\nEntlastung, Befreiung, Entfesslung.\nDie großen Raum und Zeit überwindenden Er-\nfindungen des neunzehnten und zwanzigsten\nJahrhunderts werden zwar im Theater ver-\nwandt, aber kaum anders als etwa die Elektri-\nzität in der Mehrzahl unserer Wohnungen:\nUrväterhausrat in elektrischer Beleuchtung.\nSie dienen bestenfalls als Injektionen für das\nin den letzten Zügen liegende alte, museale\nTheater.\nSicher wird das neue Theater eher ein Agi-\ntationslokal als ein Ort der ästhetischen Be-\nfriedigung sein müssen. Kein Zuhörer oder\nZuschauer darf sich, durch die Form des\nLogentheaters begünstigt, der Allgemeinwir-\nkung entziehen: Inhalt und Darstellung wen-\nden sich als Manifest an Alle!\nEs ist daher nicht erstaunlich, daß unter den\nzahlreichen Versuchen einer Theaterreform\ndie russischen Gestaltungen die lebendigsten\nsind, denn die Formänderung war hier nicht\nZweck, sondern elementare Begleiterschei-\nnung der inneren Umgestaltung.\nAllerdings wurde diese Umgestaltung nicht\nnur durch die Regisseure, sie wurde auch\ndurch den Umstand beschleunigt, daß die\nbrachliegende Industrie jegliche technische\nAuffrischung versagte. Ob es sich nun um\ndas Theater Tairoffs oder die Meyerholdsche\nBühne handelt, in beiden Fällen wurde der\nBühnenraum von allen Ueberbleibseln der ba-\nrocken Illusionsbühne gereinigt und das\nSchauspiel einem Schaugerüst überantwortet,\ndas in seiner vertikalen Tendenz ein neuge-\nartetes Spiel ermöglichte und förderte. Ins-\nbesondere die ersten Inszenierungen Tairoffs\nzeigen dieses Bestreben, in der Bühnengestal-\ntung Raum zu gewinnen und das Uebergreifen\ndieses Bestrebens auf Schauspieler und Wort-\ngestalt.\nDie Figurinen Alexander Wesnins zu „Phä-\ndra\" (Racine) und „Verkündigung\" (Claudel)\nerläutern den Versuch, die Gestalt des Schau-\nspielers mit Form-Gewalt auszustatten. Die\nStileinheit bedingte auch raumschaffende Ge-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.4", "texte": "sten und den Raumton (Pathos) des gespro-\nchenen Wortes.\nAber schon das Spielgerüst Wesnins „Der\nMann der Donnerstag war\" deutet auf das\nBestreben (unterstützt durch den Inhalt des\nStückes) den drei Ordinaten des Spiel-Rau-\nmes eine vierte, dynamische hinzufügen.\nGanz deutlich wird diese vierte Ordinate\ndurch Meyerhold erobert, allerdings auf Ko-\nsten des psychischen Wortgehaltes. Seine\n„biomechanische Schau\" unterdrückt die auf\nKammerwirkung ausgehende Wortpsyche zu-\ngunsten einer akrobatischen Ausdruckstechnik\ndes Schauspielers, die in ihrer Undifferenziert-\nheit Massenwirkung erzwingt. Mienenspiel\nund Kostüme sind unwesentlich und typenlos.\n#\nDas Bühnengerüst ist Akteur und unterstützt\ndie revolutionäre Massenbewegung, die den\nHauptakteur gleichsam als Ausdruck der\nMasse an die Spitze schleudert. Dieses Spiel-\nprinzip : daß der Sprecher als Ausdruck\nder Masse zu ihr spricht, ist als dynami-\nsches, im Gegensatz zu dem statischen Prin-\nzip der gewöhnlichen Guckkastenbühne zu be-\nzeichnen, auf der bestenfalls ein - Einzelner\nals Einzelner zur Masse zu sprechen\nvermag.\nBeachtenswert erscheint im Zusammenhang\nmit den unabhängig von einander zum „me-\nchanischen Ballett\" führenden Wegen der the-\natertechnischen Entwicklung des übrigen Eu-\nropa, die Unterdrückung des Wortes zugun-\nsten einer dem Ballett wesensverwandten\ngymnastischen Schau.\nDen Uebergang zu den Bestrebungen einer\nErneuerung des Theaters auf Pariser Boden\nbilden die Inszenierungen Komisarjewskys,\ndie, wesentlich aus der bildenden Kunst ge-\nholt, den Bühnenrahmen als Kompositions-\ngrenze für ein bloß mit den Augen erfaßbares\nplanes Gebilde werten. Hier ist keine Ein-\nheit erzielt: Wort und Spielgestaltung be-\ngleiten einander wie Wort und Tongestalt im\nLied.\nMehr aus der Verquickung von Forderungen\nder bildenden Kunst mit ästhetischer Wertung\nder Maschine sind die Entwürfe Fernand Le-\ngers zu „Skating Rink\" und „Creation du\nMonde\" entstanden. Die traditionsbelastete\nSphäre von Paris gestattete nicht das Her-\nausheben dieser Gestaltungen aus dem ba-\nrocken Bühnenrahmen. Der Sprung zum\nFilm war nötig, um im „Ballet mecanique\"\neine Konsequenz zu ziehen, die dem Bühnen-\nKünstler versagt war. Einen anderen Weg\nder Befreiung von der individuellen Gestalt\ndes Schauspielers zur allgemein gültigen\nType versucht Jean Hugo in seinen Figurinen\nzu „Les Maries de la Tour Eiffel\", die Gestalt\nund Gesicht des Schauspielers gänzlich um-\nhüllen.\nEin äußerlich Aehnliches gelingt dem Deut-\nschen George Grosz in den Figurinen zu Ivan\nGölls „Der neue Methusalem\", die mehr einer\nSteigerung der satirischen Tendenz als einem\nbewußten Form willen zu danken sind. Die\nFigurine will nichts weiter sein als die Ve r -\nbildli c h u n g der darzustellenden Figur.\nSie wird wie ein Schild vor die Zufallsgestalt\ndes Schauspielers gestellt, von diesem selbst\ngehalten und geführt. Sie erfordert die plane\nEntwicklung des Spieles parallel zum Zu-\nschauerraum ; also geradezu eine Steige-\nrung des Guckkastenspiels. Konsequenter\nin den Versuchen, die Typisierung der dar-\nzustellenden Gestalt über Schminktopf und\nKostüm, den Behelfen der Individual-Gestalt\nhinaus zu wagen, sind Lothar Schreyer und\nRudolf Belling. Dieser mit seinen Figurinen\nzum „Formballett\", die die menschliche Ge-\nstalt nur als motorischen Behelf benützen, sie\naber trotzdem als Gerüst erkennen lassen.\nSchreyer mit seinen Bühnenfiguren zu dem\nBühnenwerk „Mondspiel\", in denen etwa der\nAusdruck der Heiligkeit weder dem Zufalls-\nmienenspiel eines Gesichts, noch einer antlitz-\nhaften starren Maske, sondern dem das\nAntlitz ersetzenden Kreuz anver-\ntraut ist. In dieser Sphäre würde an der Stelle\ndes Kreuzes ei n Auge treten, wenn etwa die\nGestalt des Malers, ei n Ohr, wenn die Ge-\nstalt des Lauschers eindeutig, also typisch\ngegeben werden soll.\nDie allmähliche Mechanisierung der Spieler-\ngestalt mußte zwangsläufig über die Entthro-\nnung des Wortes zum mechanischen .Ballett\nführen, wo an Stelle der Psychologismen, der\nethischen oder soziologischen Tendenzen und\nder dramatischen Konflikte Musik oder me-\nchanisches Kräftespiel als Movens trat.\nBis nahe an die Grenzen dieser Entwicklung\nist die Gruppe des „Weimarer Bauhauses\" ge-\ndrungen. Ja, die Mechanisierung der Gestalt\nführte hier zu dem Wagnis, marionettenhafte\nTanzkörper aus Maschinenelementen zusam-\nmenzusetzen. Das Wagnis scheint jedoch\nbloß dort geglückt, wo die Tanzfigur jegliche\nVerwandtschaft mit Maschine und Mensch"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.5", "texte": "verleugnet: im „mechanischen Ballett\" (Kurt\nSchmidt, Teltscher, Bogler). Die Verquickung\nvon Mensch und Maschine bewirkt grauen-\nvollen Prothesenspuk, der künstlerischen\nSphäre entrückt, sobald diese Wirkung ab-\nsichtslos erfolgt. Ganz abstrakt, in seinem\nBau und seinen Wirkungen der musikalischen\nKammerkunst verwandt, die „reflektorischen\nLichtspiele\" von L. Hirschfeld-Mack. In ele-\nmentare Formen gegrenzte Farbflecke er-\nscheinen, verblassen, verschwinden, ordnen\nsich, dem Rhythmus und der Dynamik einer\nBegleitmusik gehorchend, auf einem Trans-\nparent. Die Zufallsordnung des Kaleidos-\nkopes nach künstlerischen Gesetzen auswer-\ntend.\nDie letzten Konsequenzen zieht die „elek-\ntromechanische Schau\" von El Lissitzky. Der\nMaschinenmeister ist nicht mehr Diener son-\ndern Regent. Eine Art Klaviatur vermittelt\ndie Befehle für Auftritt, Bewegung, Aktion\nder Spielmaschinen. Nur allgemeingiltige, all-\ngemeinverständliche Typen und Symbole ver-\nbürgen hier eine massenbewegende Wirkung.\nDie Schaumaschinerie ist räumlich stark be-\ntont, doch der einseitigen Sicht unterworfen.\nDie Folgerungen aus der Forderung nach viel-\nsichtiger Geltung der Raumspielfigur ließen\ndie Figurinen von Oskar Schlemmer zum\n„Triadischen Ballett\" entstehen. Die kreisei-\nförmigen Figurinen verbergen etwa die Hände\nin einer sphärisch den Leib umgebenden Hülle,\nden Kopf in einer Art Taucherhelm. Noch ist\nhier durch stilisierte Andeutung eines Ge-\nsichts ein Vorn und Hinten gegeben. Ein\nSchritt weiter, und die Führung des Mundein-\nschnitts um den ganzen Helm herum oder die\nEinsetzung von zehn Augen ergibt die R u n d-\nmaske für das im Zentrum des\nZuschauerraumes geführte, dynami-\nsche Spiel.\nDie Forderung, dem Schauspiel technisch\netwa den präzisen Ablauf einer Symphonie zu\nsichern, führte zu den Versuchen, eine Spiel-\npartitur aufzustellen. (Moholy-Nagy zu seiner\n„mechanischen Excentrik\"; Lothar Schreyer\nzu seiner „Kreuzigung\"). Die „futuristische\"\nBühnentechnik der Italiener unter Führung\nvon Enrico Prampolini erzielt mit Hilfe einer\nchromatischen Komponente und klarer archi-\ntektonischer Großformen (insbesondere Pa-\nnaggi) die Neugestaltung des Bühnenbildes.\nDie psychische Wirkung der einzelnen Farb-\ntöne des Spektrums wird bühnendynamisch\nzur Interpretation der dramatischen Hand-\nlung verwendet (das Farbentheater von A.\nRicciardi, Rom). Die Farbe spielt hier im\nChromodram (diese Wortbildung sei\nwegen des Vergleichs gestattet) zum ersten\nMale jene untermalende Rolle, die der Musik\nim Melodram zukommt. Aber auch auf die-?\nsen Wegen zur Gewinnung einer dynamischen\nKomponente wird das .mechanische Ballett\nerreicht. (Prampolini und Depero: „Psico-\nlogia di Macchina\").\nDie in ihren plastischen Elementen mechani-\nsche Szene bewegt sich in Rhythmen, die den\nBewegungen der durch mechanische Masken\nentmenschlichten Tänzer gleichgeordnet sind.\n±)er beabsichtigte Querschnitt durch die The-\naterentwicklung Europas in dieser Ausstel-\nlung legte selbstverständlich auch Entwick-\nlungsstufen blo'ß, die gegenüber den Entwick-\nlungszentren wesentlich überholt erscheinen.\nFinnen und Czechen stecken noch sehr im\nBildmäßigen der Szene. Versuche den Raum\nzu erobern, finden sich am deutlichsten bei\ndem Finnen 0. Hinvikallio, bei dem czechi-\nschen Architekten Vlatislav Hofman.\nIn Oesterreich scheinen die Versuche einer\nneuen Bühnengestaltung mehr von der tech-\nnisch-formalen Seite her unternommen. Die\n„Ringbühne\" Oskar Strnad's und die „Wür-\nfelbühne\" des Architekten Hans Fritz bedeu-\nten eine Art Oekonomisierung des Szenen-\nwechsels. Beide Bühnenformen bedingen\nkeine wesensverwandte Aenderung des\nBühnenspiels, wie dies etwa die „Normal-\nbühne\" von Kurt Schwitters mit ihren elemen-\ntaren Formen oder selbst die Stilbühne des\nStuttgarters Fritz Schuhmacher erfordert.\nDas Stegreiftheater (Dr. Moreno Levy — Ar-\nchitekt Hönigsfeld) stellt, ähnlich wie das fu-\nturistische „Theater der Ueberraschungen\"\n(Teatro della sorpresa) oder wie die „Merz-\nbühne\" von Kurt Schwitters einen heute un-\ntauglichen Versuch dar, die Masse in das\nSpiel zu ziehen. Die Improvisation, dem\nSchauspieler oder dem ins Spiel gezogenen\nZuschauer — der also zum Zuspieler wird —•\nanvertraut, ist von Gestern, wie der „bezif-\nferte Baß\" oder die „Kadenz\" des Opern-\ntenoristen.\nAuf dem Wege zum „Theater der Zeit\" liegt\nder Entwurf der „Werkstätten für Massen-\nform\", die den Spielraum zungenartig in den\nZuschauerraum ragen läßt. Ein versenk- und\nhebbarer zylindrischer Teil dieser Bühne"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.6", "texte": "trägt die Benennung „Raumbühne\", obzwar\ndas Spiel darauf bestenfalls als plastisches\nSpiel vor einem Rundprospekt bezeichnet\nwerden kann.\nDas von allen Künstlern der Ge-\ngenwart geforderte und er-\nstrebte dynamische Raumspiel\nermöglicht die „Raumbühne\" von Fried-\nrich Kiesler. Hier ist das Spielgerüst,\nin seinen inhaltlichen Bedingungen der Mey-\nerholdschen Bühne verwandt, von dem aus\nder Protagonist, gleichsam als Ausdruck\neiner revolutionären Masse auf\ndas oberste Spielplateau geschleudert, zu ihr\nzu sprechen hat. In seiner Aufgangsspirale,\nin seinem Rundbau birgt sich die Schleuder-\nkraft der Massenbewegung. Das Wesen die-\nser Bühnenform bedingt die zentrale Anlage\nwie das Raumspiel der Schauspieler; fordert\nauch in seiner letzten Konsequenz die Rund-\nmaske, die symbolische Spielgestalt,\nden Antipoden der naturalistischen\nSphäre der Bühnenwelt.\nDaß die gegenwärtige technische Gestalt die-\nser Bühne erst den Keim der reifen Gestalt\ndarstellen kann, ist selbstverständlich. Aber\nschon dieser erste Versuch muß als ebenso\ngeglückt bezeichnet werden, wie die neuar-\ntige Ausstellungsform Kieslers, die eine Art\n„Schau ohne Beschaulichkeit\" darstellt.\nDas Verdienst der Stadt Wien, den von der\nGesellschaft moderner Kunst mit Rat und Tat\ngeförderten Plan Friedrich Kieslers im Rah-\nmen des Musik- und Theaterfestes verwirk-\nlicht zu haben, kann nicht stark genug her-\nvorgehoben werden.\nDer Widerhall in den geistigen Zentren Eu-\nropas zeugt für die Keimfähigkeit dieser Ver-\nsuche einer Umgestaltung des Theaters und\ndes Ausstellungswesens.\n\nIngenieur B. F. Dolbin/Wien\n\nDichtungen\nKurt Liebmann\nGräser und Sterne\nSchlanknahe beben sie immer im purpurnen\nKuß der Sterne. Auch Sonnen reihen sich per-\nlend zwischen ihre Gewebe und sie sind nahe\nallnahe näher als alle Umarmungen Liebender.\nSie pulsen das Blut in das Lichten und bräut-\nlieh zittern sie im leisesten Atem der Sterne.\nNeigend wehen sie in die Arme des Winds und\nwiegen flüsternd die Frühe.\nZu Mittag schrecken sie schräg vor der Wage\nder Welt oder kerzen empor und leuchten die\nWende der Stunden. Leuchten auch mitter-\nnachts und läuten die Mitte der NacHt.\nDie Bösen schlottern im Schrillschrei der Grä-\nser zirrr zirrr. Blut zückt aus den Wiesen\nder Erde drin baden die Sternenhelden. Schon\nA\" *\nquellen aber die Brüste der Frühe empor und\ndie zitternden die Halme hauchen den Strah-\nlen entgegen.\nIhr Blut tönt eine Harfe.\nLe corps est mort\nund die Wolken sind geöffnet und eine\nBlutharfe. Tastzitternd entzüngeln die Ge-\nwebe. Schon tanzt ein Mädchen zartelfenbein\nträgt einen Kranz blauhüpfer Flämmchen im\nHaar. Viele wehts an und sinken hin. Die\nTiere die edlen schwimmen im Atem Gottes in\ndie Welt. Vom Felsen überm Fluß hoch wirft\nsich ein Kind auf Flügeln in die Luft silbern\nund der Abend sinkt hin am Wege und röchelt.\nAber die Sonne ist ein schwarzer Diamant und\n—oh — ich weiß nicht wohin wohin. Viel-\nleicht kommt jetzt der Gottesvogel rotspan-\nnend und ich bin Raub für weite weite Ferne.\nVielleicht vielleicht — es ist schon spät.\nNachtentlang\nEs ist unendlich starr\nich wage mich nicht weiter\nmeinen Fuß umrollt ein Kopf\nunnennbar Leid vertropfend\nes klopft und klopft und klopft\nwild bäumt sich ein Geläute\nund rot Gemäuer stäubt\nmein Weinen klirrt zerfroren\nwank rankt mein Mund zum Mond\nein Vogel schlüpft durchs Haar mir\nNachtlilie züngelt zisch\nes ist viel Weh im Wehen\nund es ist spät und kalt."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.7", "texte": "Friedrich Kiesler: Raumbühne"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.8", "texte": "Das entdeckte Gehirn\nDie Denkleistungen der Menschheit\nWilliam Wauer\n\nFortsetzung\n\nNachdem ich Ihnen in meiner ersten Vorle-\nsung über das physische und psychische Phä-\nnomen „Denken\" dargelegt und erklärt\nhabe, unter welchen Bedingungen „Denken\"\nzustande kommt und wie es stattfindet,\nmöchte ich Ihnen heute zeigen, wie sich das\nganze Menschheitsdenken aus denselben Be-\ndingungen heraus in gleicher Weise ent-\nwickelt und eindeutig bestimmt zwangsläufig\nvollzogen hat.\nAlle alten menschlichen Denkleistungen — ob\nwir sie heute noch anerkennen oder nicht —\nsind aus derselben physischen Bedingtheit\nherausgewachsen, wie unser modernes Den-\nken auch; sie tragen alle Merkmale dieser\nBedingtheit als Summe ihrer Auswirkungen,\nmit der sie identisch sind.\nAls die Bedingungen des Denkens hatten wir\nfestgestellt:\ndie Wirklichkeit,\ndie Wirklichkeitswahrnehmung,\ndie Gehirnfunktion,\ndie Sinne,\ndie Ausschleifung von Gehirnbahnen,\nAuslese und Anpassung von Unbekanntem an\nBekanntes durch den Gehirnstoffwechsel,\ndie Möglichkeit der Rückbeziehung zu bereits\nGedachtem,\ndie Gedächtnisbildung durch Umschichtung\nder Neuronen,\nTrieb- und Willensimpuls als Entlastungs-\ndrang von Nervenreizen, geistige Begabung;\ndie Umwandlung der Wirklichkeitsform der\nWahrnehmung in die abstrakte Form einer\nsinnvollen Lautwirklichkeit.\nWir hatten uns klar gemacht, daß nach Er-\nfüllung all dieser Bedingungen der sprachge-\nstaltete Gedanke als aus ihnen entstan-\nden vorhanden ist.\nUnter Bedingungen hatten wir die Elemente\ndes „Dinges\" verstanden, aus denen es zu-\nsammengesetzt ist, wie jedes Ganze aus sei-\nnen Teilen.\nIch hatte Ihnen weiter bewiesen, daß bei der\nAnalyse des Denkens nur das organisch Be-\ndingte wissenschaftlicher Untersuchung\nstandhält, daß nur Organe, Organfunktionen\nund Organisationen von Organen und Organ-\nfunktionen, organische Komplexe feststellbar\nsind, beobachtet und geprüft werden können,\nalso organische Mechanismen.\nIch hatte Ihnen klar gemacht, daß biosophi-\nsches Denken aus diesem Grunde es ableh-\nnen müsse, „Kausalität\", „Naturgesetze\"\nund die „Zweckmäßigkeit\" des Geschehens\nals wissenschaftlich in Betracht kommende\nTatsache zu bezeichnen.\nEs sei falsch, Bedingungskomplexe „Ursache\"\nzu nennen, schon aus dem Grunde, weil die\nUrsachenwirkung linear und nicht komplex\ngedacht würde;\nes sei irreführend, Zwangläufigkeit aus Be-\ndingtheit „Naturgesetze\" zu nennen, weil un-\nendlich wechselnde Zwangläufigkeit Gesetze\neinfach nicht duldet;\nes sei schief, die eindeutige Bestimmtheit aus\nBedingtsein „Zweckmäßigkeit\" zu nennen,\nweil alle „Entwicklung\" aus sich ge-\ntrieben, aber nicht von einem Außerihr,\neinem Ziel, gezogen wird.\nSchließlich hatten wir uns noch darüber ver-\nständigt, daß „Seele\" und „Ich\" eigenartige\nFunktionszusammenhänge und Zusammen-\nfassungen seien, die Seele als die Be-\nzeichnung des Bedingungskomplexes der\nWahrnehmungswirklichkeit unsrer Sinne und\nihrer Gesamtwirksamkeit und Gemeinwirt-\nschaft mit dem Denken im menschlichen Ge-\nhirn ;\ndas „Ich\" als die Bezeichnung des Bedin-\ngungskomplexes aller Gehirnfunktionen, die\nwir Erkennen und Bewußtwerden nennen.\nEndlich hatte ich das Ich als die „Lokalisa-\ntion\" des Bewußtseins bezeichnet.\nFür diese Behauptung bin ich Ihnen den Nach-\nweis ihrer organischen Unterlage noch\nschuldig.\nMit der Untersuchung der organischen Be-\ndingtheit der Konzentration des mensch-\nlichen Bewußtseins um das Ich und in das Ich\nnehme ich unsre heutige Erörterung auf, um\nsie auf die menschliche Denkleistung im Gan-\nzen auszudehnen.\nDas lebendige Werden des menschlichen Den-\nkens in seinen Hauptzügen will ich Ihnen\nvorführen.\nZunächst müssen wir uns mit dem Denk-\norgan und seiner Arbeitsweise, das\nheißt mit seiner physischen und physika-\nlischen Tätigkeit näher vertraut machen.\nEs handelt sich nicht mehr darum, die Ar-\nbeitsweise des Gehirns feststellend zu schil-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.9", "texte": "dem, wie wir es bisher getan haben, es handelt\nsich nunmehr darum, die Gehirnarbeit funk-\ntionell zu untersuchen und zu betrachten.\nEs ist naturgemäß schwierig, das lebendige\nGehirn experimentell auf seine Gegebenhei-\nten und Möglichkeiten auszuprobieren. Die\nWissenschaft war aus begreiflichen Gründen\noft auf Vermutungen und Wahrscheinlichkei-\nten in ihren Schlüssen angewiesen. Ein\nlebendes Gehirn läßt sich nicht sezieren und\nein totes funktioniert nicht.\nDer Weltkrieg hat unser Wissen von\nden Gehirnvorgängen soweit gefördert, daß\nwir im großen und ganzen nunmehr vor einem\nTatsachenmaterial stehen, das uns sichere\nFeststellungen gestattet.\nWas unsre Irrenärzte, Kliniker und Psycho-\nanalitiker an Einzelfällen beobachten konnten\nund mutmaßten, hat sich zum großen Teil be-\nstätigt — zum Teil auch widerlegen lassen.\nEs hat sich nämlich herausgestellt, daß bei\nLinksverletzungen des Gehirns, also wenn die\nlinke Gehirnhälfte in ihren Funktionen gestört\nwird, reine Gefühls- und Gesichtswahrneh-\nmungen ausschalten. Der Linksver-\nletzte kann zum Beispiel an einer „Tasse\"\nnicht mehr wahrnehmen, daß sie\n„glatt\" und „rund\" ist, er greift auch unsicher\nnach ihr.\nDamit ist der Beweis erbracht, daß die Ge-\nsichts- und Gefühlswahrnehmungen im Ge-\nhirn links, also in der linken Gehirnhälfte lo-\nkalisiert sind.\nDas unsichere Greifen — um das gleich hier\nmit festzustellen — kommt daher, daß die\nNervenstränge, die aus dem Gehirn zum Kör-\nper führen, sich unterhalb des Gehirns\nkreuz e n, so daß also die linken Gehirn-\nstränge in der rechten Körperhälfte sich aus-\nbreiten, während die rechten Gehirnnerven-\nstränge links im Körper verlaufen. Durch\ndie Störung in der linken Gehirnhälfte ist so-\nmit auch eine Irritierung der rechten Hand\ng e g e b e n.\nDie eben gemachte Feststellung, muß ich Sie\nbitten, besonders zu beachten, weil wir noch\nauf sie werden zurückgreifen müssen.\nDie Verletzung der linken Gehirnhälfte schal-\ntet also die reinen Gesichts- und Gefühls-\nwahrnehmungen aus, sie schaltet aber nach\nden gemachten Beobachtungen nicht aus\ndie Erkenntnis und das Bewußtwerden der\nVorstellung : das, was da steht, ist eine\n„Tass e\".\nDamit ist wiederum bewiesen, daß die Vor-\nstellung und Begriffsbildung\n„Tasse\" in der rechten Gehirnhälfte sich\nvollzieht.\nUmgekehrt ist festgestellt worden, daß eine\nRechtsverletzung, also eine Störung der\nFunktion der rechten Gehirnhälfte, dazu führt,\ndaß der Verwundete die Gesichts- und Ge-\nfühlswahrnehmung „rund\" und „glatt\" be-\nhält und auch sein Greifen in der Sicher-\nheit keinerlei Einbuße erfährt, während da-\ngegen das Vorstellungsvermögen und die Be-\ngriffsbildung ausfällt. Der Rechtsver-\nletzte weiß nicht mehr zu sagen, was das ist,\nwas er da als rund sieht und als glatt\nfühlt: die Erkenntnis und das Be-\nwußtwerden der Abstraktionen\nist unmöglich geworden. Die Abstraktion hat\nnicht mehr stattgefunden.\nDamit ist wiederum der Beweis geführt, daß\ndie Vorstellungs- und Begriffsbildung Rechts-\nfunktionen des Gehirns sind.\nDiese durch die Verwundungen ermöglichte\ndoppelte Beweisführung durch Vergleich und\nRückbezug erhebt die Beobachtungen über\njeden Zweifel.\nWir wissen also, daß in der rechten Gehirn-\nhälfte die verarbeiteten Wahrnehmungsein-\ndrücke aus Anschauung und Gefühl organisch\neingelagert sind und in Vorstellung und Be-\ngriff verwandelt werden, wir wissen aber noch\nnicht, wo die „Erkenntnis\" und das „Bewußt-\nwerden\" stattgefunden hat und stattfindet.\nWir unterscheiden nunmehr ein Erkennen der\nWahrnehmungen Anschauung, Gefühl, Er-\nregung, und ein Bewußtwerden der Abstrak-\ntionen : Vorstellung — Begriff — Empfindung.\nEs kann weder die rechte noch die linke\nGehirnhälfte hier in Betracht kommen, weil\ndie linke Gehirnhälfte, wie erwiesen, über-\nhaupt keine Vorstellungen und Begriffe kennt\noder Abstraktionen bildet, da sie Wahr-\nnehmungen aufnimmt.\nDie rechte Gehirnhälfte kommt aber auch nicht\nin Betracht, weil „Erkenntnis\" und „Bewußt-\nwerden\" der Wahrnehmungen ja\nauch bei Rechtsverletzung des Gehirns vor-\nhanden ist, wie wir gesehen haben.\nDas Organ für die Einordnung von Wahrneh-\nmungen und Abstraktionen in Erkenntnis und"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.10", "texte": "Bewußtsein müßte also zwischen den\nbeiden Gehirnhälften vermutet werden.\nTatsächlich ist es auch da vorhanden.\nZwischen den beiden Gehirnhälften befindet\nsich nämlich ein Organ, das wie eine Brücke\noder ein Kanal eine Verbindung herstellt\nzwischen den Gehirnhälften. Diese Verbin-\ndung wird der „Balken\" genannt.\nIn ihm kreuzen sich alle Wirkungen,\ndie aus einer Gehirnhälfte in die andere lau-\nfen; von links nach rechts, von rechts nach\nlinks.\nDieser Knotenpunkt aller Linien, die\ndie Wirkungsrichtungen sämtlicher Gehirn-\nfunktionen in ihren reziproken Beziehungen\neinschlagen, ist die organischeßasis\ndes „Ichs\", deren Nachweis ich Ihnen bis-\nher schuldig geblieben war.\nDieser Knotenpunkt besteht aus Schnittpunk-\nten all dieser Wirkungslinien in ihrem Hin und\nHer aus einer Gehirnhälfte in die andere.\nJeder „Punkt\" ist aus seinem Wesen heraus\neine Pointierung, eine Gipfelung, Zuspitzung,\neine Festnagelung und Feststellung auf\neiner denkbar kleinsten engsten Basis.\nEben einem Punkt.\nEs ist der Konzentrationspunkt unsres Be-\nwußtseins, den wir Ich nennen.\nWir verstehen jetzt, daß in dieser Durch-\ngangsstation des Gehirn-Balkens sozusagen\ndie „Registratur\" und „Buchführung\" der\n*\nganzen Gehirnproduktion liegt.\nSie heißt uns Bewußtsein und Erkenntnis, Er-\nfahrung und Gedächtnis. Wir verstehen jetzt\nauch, warum weder bei einseitigen Rechts-\nnoch bei einseitigen Linksverletzungen des\nGehirns Erkenntnisvermögen und Bewußtsein\nan sich gestört werden. Der unverletzten Ge-\nhirnhälfte bleibt der Balken immer noch zu-\ngänglich. Er liegt am geschütztesten.\nEs ist nun noch zu erklären, wo eigentlich die\nGehörswahrnehmung lokalisiert ist, Oder\ndie Geruchswahrnehmung. Oder die Ge-\nschmackswahrnehmung.\nLeider geben die gemachten oder vielmehr\nunterbliebenen Beobachtungen auf diese Fra-\ngen keine Antwort. Da aber über das Aus-\nsetzen dieser Sinnesfunktionen weder bei den\nRechts- noch Linksverletzten berichtet\nwird —\nandrerseits die Konstatierung von Erregungs-\nund Empfindungsgebilden abstrakter Art auch\nsehr schwierig sein muß,\nbleibt uns nichts anderes übrig, als analog den\nanderen Sinnes Vorgängen den naheliegenden\nSchluß zu ziehen ,daß es sich bei den Gehörs-,\nGeschmacks- und Geruchswahrnehmungen\nebenso verhalten wird, wie bei den Ge-\nsichts- und Gefühlswahrnehmungen —\ndaß also die linke Gehirnhälfte auch hier die\naufnehmende und die rechte die ver-\narbeitende sein wird.\nDiese Annahme ist umso berechtigter, als ihr\nkeinerlei Beobachtungen widersprechen, wäh-\nrend andre, wenn sie sich auch nicht direkt\nauf sie beziehen, diese Annahme unterstützen.\nEin Rechtsverletzter würde danach wohl „Ge-\nräusche\" und „Töne\", aber keine „Musik\"\nhören, während ein Linksverletzter wohl den\nEindruck von „Musik\" hätte, sich aber die\nEntstehung dieses Eindrucks nicht durch „Er-\nkennen der Töne\" würde erklären können.\nLeider sind, wie gesagt, diese Vorgänge\nnicht beobachtet worden.\nJedenfalls steht also fest, daß in der linken\nGehirnhälfte die Wahrnehmungswirklichkeit,\nin der rechten die Gedankenwirklichkeit und\ndazwischen als Verbindung beider die Er-\nkenntnismöglichkeit und das Bewußtwerden\nfunktionell eingelagert sind — eine An-\nordnung, die dem Gehirnbau und unsern\nFunktionsbeobachtungen entspricht.\nHier ist es notwendig, einige unausweichliche\nFolgerungen aus dem bisher Festgestellten\nuns recht bewußt und klar zu machen.\nDie Artung der Sinne bedingt es, daß die\nFunktion der beiden Gehirnhälften bei Auf-\nnahme und Verarbeitung verschiedenartig in\nErscheinung tritt.\nDer Gesichtssinn nimmt die Aufnahmefähig-\nkeit ganz besonders in Anspruch, also die\nlinke Gehirnhälfte.\nDurch das Auge nehmen wir fortwährend das\nGesamtbild unsrer Umwelt in uns auf: dieser\nunerhörten Inanspruchnahme der linken Ge-\nhirnhälfte entspricht in der rechten nur die\nVerarbeitung ausgesonderter Einzeleindrücke\nin „Vorstellungen\", eine Verarbeitung, die\neiner reflektierenden Spiegelung gleicht.\nDer Tastsinn muß die linke wie die rechte\nGehirnhälfte in gleicher Weise anstrengen,\nweil die Tasteindrücke, unverarbeitet oder\nverarbeitet, gleichmäßige und gleichwertige\nOrientierungen und Direktionen abgeben: ein-\nmal als Eigenschaftsfeststellungen am Körper,\nam Ding, das andere Mal als Kennzeich-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.11", "texte": "Enrico Prampolini: Bühnenbild für Romeo und Julia\naufgeführt vom Nationaltheater Prag"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.12", "texte": "nungsabgrenzung des Begriffs, der ja nichts\nanderes ist als ein Denkkörper, ein Denkding.\nNimmt so der Tastsinn beide Gehirnhälften\ngleichmäßig in Anspruch, während der Ge-\nsichtssinn sozusagen die linke Gehirnhälfte\nüberlastet — so nimmt der Gehörssinn haupt-\nsächlich die rechte Gehirnhälfte für sich in\nAnspruch, weil der Laut als Tonerscheinung\nzu seinem abstrakten Inhalt in dem gleich un-\ngleichen Verhältnisse steht, wie die Gesamt-\nweltanschauung des Auges zu dem Einzelge-\nsicht einer Vorstellung.\nAus der einfachen Lautform der Wahrneh-\nmung wird in der rechten Gehirnhälfte der ge-\nsamte Sprachinhalt des Menschen, also seine\nden Kosmos umspannende Gedankenwelt ge-\ngeschaffen.\n\nFortsetzung folgt\n\nGedichte\nAlexander Mette\n\nPorträt E. L.\nBraunlachend Auge\nglockenprang\nfängt golden Sonne\nStirne wacht\nseitabverträumend schweift ein Blick landein\nund wieder Wachen\nwach die wäge Stirn\nund brauner Kopf taucht ins Gespräch heran\nhaarfallumschnitten\nund beherztes Wort faßt blank mitt-unter\nUrteil glockt\nglockgonget kupfern\ngongschwankt durchs Gespräch\nund Blick bestätigt ernst Gedankens Schluß\nsonnhüpfend purzelt Lächeln klar und schlupf\nund flug vorüber\nund in neuen Zug muntert Gedanke\nwahrgemut tritt Wort vor Wort hin\nHand hebt Schale auf und hält fruchtrund\ndie Rede\nbog der Kopf\nfragt Frage mit\nbiegt schmitzprunk prunk und Schmitz\nund fängt die Antwort\nGlocke glock\nschlägt Herzton in die Sätze\nvogelbug\nlugt Haupt sich hüpf ins Meinen\nTräumen dann\nhebt ab in stille Ruhe\nund landein kehrt sich der Blick\nverstillt\nund weitet\nfrei\n\nGeliebte\nDu schwingst ein Hoffen in die fragescheuen\nAugen\nund beugst doch schwer das Haupt\nneigst müd den Blick\nund schwankst\nund bangst\nund zagst\nin Trug\nSo strauchelt Schritt um aufgelösten Schritt\ndahin\ngedehnt verstreicht der Tag\nvertaucht in Flucht der Zeit\nDa mild schon Abend wird\nhältst Du Dich matt gelehnt an Uferstegs\nGeländer\nAug und Blick\nverschenkt an Landgerät\nund still\nund frei\nUnd doch ist witternd Spur\nund zuckt Geladenheit\nSchon neigt sich Flügelschlag\nberauschtes Schreiten drängt in Traum und\nAtemton\nund da Geschick erwacht stürzt Blick beseelt\nin Blick\nschwingt auf\nfontänt Gestirn\nEntfaltung bogt Musik\nund Blut entfacht zu Tanz\nZu Buntheit rank und rasch sprüht knospend\nFunkenflug\nentflammt zu klarer Glut bist blühend Blüte\nDu\nund glühst\nund saugst\nund trinkst\nund bist mir Trank und Blut\nUnd Durst an Durst erfüllt ganz jäh in Kuß\nund Kelch steigt steil zu Segnung auf\nZu Frucht und Haltgefühl flammt uns Er-\nhörung"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.13", "texte": "Porträt K. L.\nSchmal äugt das Auge Mustern\ndoch es schwimmt\nund ist auch prüfend trüb\nnicht weg weicht Blick\nund weich durchschweigt er weit\nund groß und bleich der Mund\nschwimmt schweigend weich und weit\nduck\nsaltot Lächeln\nLippen schenkelspreiz\nund das Gesicht hängt weit\nund harret abgeflaggt\nund steil schirmt Koch die Stirn\nHaar wieget dunkelfalb\nund platz ein Räuspern brockt\nund falb und ungewiß\nfischottert nächtig kühl\nverschlagen Ichgefühl\nund dann aus Schächten bucht wölbt Wort\nsich trommelwucht\nund Mund faßt plötzlich an\nund schärft\nund reißt heran\nund Lärm schlägt wach die Brust\nund höhlend kelchet Lust\nbohrkreiselnd in den Schlund\nund tief aus flutem Grund wächst blüh Gebilde\nauf\nDann nach des Stroms Verlauf:\nfrag harret das Gesicht\nund nackt ins Lampenlicht äugt Auge blau\nund still\nin Sofa zirpig grill schmalgliedrig elfenbein\nschmiegt Körper knöchelfein\nTanzschuh flackt blank vom Fuß\nKrawatte glatten Zugs biegt bunt in Weste\nund gähn pumpt der bleiche Mund\nkinnunter streicht die Hand\nund Blick schwankt festgebannt\nund steht und hält sich\nschweiget weich glotzdämmer-schwimmend\nüber Lampenteich\n\nAalesund\nO Zeit\nWir stehen abendlich am Felsen\nund\nunten liegt die Stadt\nund rings das Meer hebt groß die Wogen-\nhäupter\nund\ndie Vögel fahren wild durch den Himmel\nMöwe schreit\nund laut der Lotse singt am Hafen\nund tot liegt breit die Stadt\nverglast\nund fern\nspitz spitz\nund fern\nund nah\nnah fern\nund fern\nund ewig\nnah\nund\nfern\n\nFrühlingsabend\nStern in Qeäste blau\nknosp Wege Zweige und\ndie Seele himmelflirr\nvag woge wagewund\nund Schimmer Glanzgeäst\nund unstet weich Gezweig\nund Knospe lispellieb\nreich weiche Weite reich\n\nLa mécanique nouvelle\n\nDe ce qui precede, il ressort que les deux prin-\ncipes, rythme et espace, sonf les deux condi-\ntions vitales de l'ceuvre de creation. Pour\nla creation de toute oeuvre plastique, nous\ndirons, pour etablir une base generale:\n„Toute creation plastique est conditionnee par\nle fait d' etre un espace rythme.\"\nPour ce qui est de la peinture, nous precise-\nrons en disant:\n„La surface plane ne revele ses proprietes for-\nmelles que par le fait du peintre.\"\n„Le tableau est la consequence de Vespace\nrythme d'une surface plane, cette surface\nplane etant la mattere brüte dont le peintre est\nl' animateur.\"\nL'espace d'une surface se revelant par\nl'etendue de cette surface enferme la notion\nde fini. Le rythme y apporte la notion d'infini.\nLe tableau - o b je t est de ce fait un\nespace limite; le liniite cornporte le statisme,\nauquel le rythme des etendues adjoint un etat\nsubjectif infini, donc dynamique."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.14", "texte": "L'espace du tableau est soumis aux lois de\nl'etendue dont la geometrie est la science. Le\nrythme des organes de l'espace est regle par\nles lois du nombre dont la science est l'arith-\nmetique.\nAus dem Essai „La peinture et ses lois\" des bedeuten-\nden französischen Malers. Sein theoretisches Haupt-\nwerk „Vom Kubismus\" ist deutsch im Verlag Der\nSturm erschienen.\n\nAlbert Gleizes\n\nKreis\nThomas Ring\nRuck\nerblindet Wuchtung Wollgeschlinge\nKeil rafft Bändigung erzen\nRad\nwirbeln rollen rütteln klirren\nAnfang\nLast\nt\nirden Ballung kernt Gequader\nDumpfung Traum erschwillt Zersprengen\nLust\nmilden tränen perlen schmelzen\nBindung\nSchmiede\nSplitter zwitschern Wahl Geschmeide\nfädeln Hast umbrieft Geschick\nSchnitt\näugen urteln tändeln äsen\nAtmung\nMund\nerräumen Schauung Samung Schwulst\numbogt ertasten Leben Kreisung\nMulde\ngüten nähren gaumen formen\nWurzel\nMaß\nerbauen Arme Gaben Glanz\numkraften Kernung Zügel knechten\nMacht\nraffen reichen peitschen spielen\nLicht\nDom\nernerven Brände Fackelrußen\nergnadet silbern Stufenhort\nDamm\nschützen wehren decken säumen\nErwartung\nWage\nVogel erpfeilt schwingen Strahl\nschwankt Gebälk erschmiegt Wandlung\nWoge\nwiegen schäumen wallen schweben\nEinung\nAar\nstählern Krallung fetzt Gewebe\nSchlacht Haß Tod erspreizte Unform\nAhnung\ndrängt dröhnt träuft Urwissen\nMord\nSturm\npferdet Steppenmähne Nacht blind\nreißt ersternter Blitz zerglasen\nStrom\nbranden bränden züngeln zünden\nZorn\nKraft\nerprobe Zangen zwingt Kristall\nSchliff zerschneidet Spiegelwähnen\nKarst\nbrökein schollen wälzen stemmen\nGipfel\nLuft\nerlichtet Wolkung Massen Ströme\nsanden pfeift erbreite Spannung\nLaut\nkünden blenden senden klären\nMensch\nFlügel\nschwingen horcht sternkreisen Ton\nTat springt wühle Massung\nFang\ntaumeln feinen wandeln walten\nWirken\n\nKriegerische Befreiung\nAn J. K.\n\nLächle, mein Freund, oder sei auch traurigen\nHerzens, wenn Du diese Zeilen gelesen hast,\ndie Du alsdann vernichten oder auch zu Dei-\nnen Schulzeugnissen und Polizeiausweisen\nlegen magst! Es ist gleich.\nErkenne die selbstlose Offenheit und zielbe-\nwußte Aufrichtigkeit meiner unzweideutigen\nSprache oder auch bekämpfe entschlossener"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.15", "texte": "Lothar Schreyer: Bühnenfigur aus dem\nBühnenwerk „Mondspiel“"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.16", "texte": "denn je die ketzerischen Lehren des Erlö-\nsers, dessen unerschrockene Jünger unter\nden Besten des internationalen Proletariats\nsind! Es ist gleich.\nVerteidige in hausbackener Frömmigkeit\ndie lange überrannte Feste nur-moralischer\nEntrüstung oder auch besinne Dich noch —\nund lobe den Herrn, der Gewalt über Dich\nhat!\nEs ist gleich.\nDenn so oder so geschieht keinem von uns er-\nwähnenswertes Unrecht, das mich oder auch\nDich zu wohlüberlegten Taten und Tätlichkei-\nten hinreissen könnte, die im Interesse gedeih-\nlicher Volkgesundung eine strafrechtliche\nVerfolgung unumgänglich notwendig machten\nund ein meinerseits oder auch unsererseits\nnichtszusagenhabendürfendes Auf- und Ab-\ntreten auf der schwarzweißrotgelben Welt-\nbühne (der Schaubühne VII. Jahr) des Klas-\nsenstaatsgerichtshofes zum Schutze reaktio-\nnärer Potsdämlichkeiten und mörderischer\nLudenpläne zur Folge hätte und in Aburteilung\ndurch diesen Vollstreckung der Todesstrafe\noder auch nicht unter zehn Jahren Zuchthaus.\nSo oder so. Wir haben nichts zu fürchten!\nGott schütze Dich! Amen.\nLächle also, mein Freund, höhnisch erhaben\noder sei auch traurigen Herzens ehrlich be-\nkümmert ! Es ist gleich.\nDenn vorbei sind die Tage gemeinsamen Wol-\nlens und einigen Tuns. Vorbei auch die Nächte\nkühner Entschlüsse und stolzer Empörung.\nVorbei!\nDie Stunde gedankenschwerer Entscheidung\nerrichtete trennend eine starke und hohe\nMauer zwischen uns, über die hinweg sich\nunsere Hände nimmermehr finden werden.\nWenn wir auch anfangs tapfer uns mühten,\nden wider Willen begonnenen Bau mit einem\nbefreienden Krach einstürzen zu lassen, umso\neifriger und erbitterter halfen wir nachher, das\nentzweiende Werk zu vollenden. Umso fester\nfügte sich Stein an Stein. Es ist vollbracht.\nDein Heim ist Deine Welt! Die lichtlosen Ge-\ndanken Deiner schein-heiligen Einfalt scheuen\nunheilahnend die unverstandene Wirklichkeit.\nDie Triebforderungen Deiner verlorenen Ur-\nsprünglichkeit verkommen in anerzogener Un-\nlust. Die natürliche Lüsternheit erkenntnis-\nreicher Gegenwart erstirbt im Schatten\nzwanggeborener Läuterung. Die Erde ist die\nUnterwelt Deiner vorweltlichen Gestalten, de-\nRen Geister Deine Spiel- und Spießgesellen\nsind, die Dich am Narrenseil durch das Jahr-\nhundert schleifen, das Deine unbestrittenen\nFähigkeiten zu seinem Lobe rühmlichst prei-\nsen kann, da Du den Strick nicht lockern\nwirst, der Dich mit diesem Lumpenpack ver-\nbindet, das sich hinwiederum nicht lumpen\nläßt und Deine Henkersdienste bar bezahlt, auf\ndaß es lohnend für Dich ist, die gottgewollte\nRaubtier-Herrschaft machtbesessener Mas-\nsenschlächter salbungsvoll zu krönen.\nMein Heim ist die Erde, die die Welt meiner\ngott-losen Sehnsüchte und Hoffnungen ist.\nUnd die Welt von den Un-Menschen zu be-\nfreien, die die Erde besitzen und durch Besitz\nund Sitze regierend bestimmen und über be-\nsitzlose Men«schen bestimmend regieren,\nund die Welt von den Taten und Attentaten zu\nreinigen, die die Erde erschüttern, ist der In-\nhalt meines Lebens, dessen Aufgabe die Lö-\nsung der Gebundenheit im Alten und die Er-\nlösung der Menschheit im Neuen ist, was\nden Sinn meines Seins im Sein erleuchtet.\nDie Zuversicht meiner geradlinigen Unent-\nwegtheit erschöpft die Quellen tatenloser\nZweifelsucht. Die überzeugende Geschlos-\nsenheit und aufschlußreiche Ueberlegen-\nheit der allumfassenden Lehre der mutig-\nsten Wegbereiter der Welt-Revolution\nzerstören siegreich-rücksichtslos die trüge-\nrischen Traumgebilde unbegriffener Gege-\nbenheit. Haß und Unzufriedenheit in die\nGehirne und Gemüter aller Knechte und\nGeknechteten ist die frachtverheißende Saat\naus meinen übervollen Händen. Die Saat des\nRechts und der Gerechtigkeit, die Saat der\nMenschlichkeit und der Versöhnung, deren\nkeimendes Rot mit immer frischem Blute\nbis zur Blüte und endlichen Reife genährt und\ngepflegt werden muß und wird, ist Unzufrie-\ndenheit, ist Haß, ist — — Klassenhaß.\nDu schneidest peinliche Grimassen, Freund,\nund wähnst Dich himmelhoch erhoben, der\nUn-Moral und Sitten-Fäulnis gottesleugneri-\nscher Kreatur entrückt. Die selbstgewickelten\nBedenken pflichtgefüllter Professoren, die\nschröpferischen Gunstergüsse kultivierter\nFestspieldichter, die lorbiertrunkenen Ver-\nbrechen maulbewehrter Patrioten vermögen\ndennoch liebevoll die Wunderwelten Deiner\nwüsten Einsamkeit in das vergnüglichere\nDiesseits zu versetzen und Deine\nausgeruhten Fertigkeiten restlos zu be-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.17", "texte": "wegen, mit zähem Fleiß und stiller Lust dem\nteutschen Vaterland zu dienen, auf daß es Dir\nund Deinesgleichen wohlergehe immerdar.\nDas walte Gott!\nMir ist der Spießertrott gewichtiger Ver-Tre-\nter überlebter Möglichkeiten ungemein ver-\nächtlich. Jedoch die zeitverschlagenen Ge-\nbräuche totgeglaubter Eigenschaften wider-\nstehen übermütig-krampfhaft selbst beschei-\ndensten Versuchen fortschrittlicher Klärung,\ndie zu fördern Forderung und Pflicht auch\n„V o rw ä r t s\"-stürmender Rebellen ist. Und\nso will ich die Begierden bourgeoiser Eigen-\nliebe unnachsichtlich unterdrücken und die\nWillkür-Herrschaft mehrwerttoller Parasiten\nwaffenmächtig stürzen. Und das N e u eist die\nTat. Die Gespielen Deiner unwahren Tugend,\nFreund, sind Ehrgeiz und Eifersucht, die Dich\nallerorten leitend begleiten und Dein Leben\nim Beruf bestimmen, der die Mühen Deiner\nLehrzeit reichlich lohnt.\nVerrufene, sind wir berufen, neue Wege zu be-\nschreiten, der Menscheit einigendes Ziel zu\nsetzen. Ruf und Beruf nur achten wir gering,\nder bürgerlichen Sippschaft nicht verschrie-\nben. Geschriebenen Gesetzen bürgerlicher\nZuchthausordnung nicht gehorchend, gehor-\nchen wir uns selbst.\nUnd Dein Himmel ist das Reich auf\nErden.\nUnd der Himmel ist Dein Reich.\nMein Reich ist die Erde.\nUnser ist das Erdenreich.\n\nKurt Heinar\n\nUnfeig eine Neunrunenfuge\n\nNur in Regierungen gerinnt Gift zu Fenni-\nt i n\nRegierungen nie zu retten\nnein\nTeute in Tin t i n zentrifugieren\nNun einen neuen Irren fugieren\neinen Finnen\neinen feinen Figurig\nNiet Tienen in Tunren\nturnte Ringe\neinzig\neinzig turnte er einzig Ringe\nnie Ringer\nRingturner nur\neinzig nur Ringe turnte er zu Tunren in Fin-\nnien\nin Finnien turnte Niet Tienen unter Ter-\nTeegen terenzig\nnun turnt Niet nur Teer-Ringe\ntrieft Teer\nTeer trieft unter Feuergriffen\nunter Untergriffen\nTienen trieft nun unter Teer-Terenzen reinen\nTeer\neine finnige Teerfigur unter fünfzig Irren in\neiner entteerten Firnfuge\neine Firnfuge teert nie\nreine Entzentnerei\nin Ferien\nNiet Tienen turnt in Ferien Teerringe\nturnt\nturnt\nein teertriefer Unterteer-Terenz\nein ruinierter Ringeturner\nein Runter\nfini\nNur in Urru-Tirri-Tei zu entteeren unter Gnu-\nNiggern\ngern nur in N i g r i n zu entnieten\nzu enttienen\nzu entniettienen\nzu entterteegnen\nrentiert\ntifiziert\ninfinit\nIn Regierungen gerinnt Fin t i n unter Furz-\nfeuer zu Regie\nFin t i n erzeugt Renitentin\nRenitentin Furzin\nFur z i n Infinitin\nInfinitin Zeitungen\nZeitungen erzeugen Irri t i n\nIr rit in gerinnt in Teuten zu Teutereu-\nt e u\nTeutereuteu zu Tin t i n\nTintin zu Nig r i n\nNigrin negiert nur Zeit\nZeit negiert nie\nZeit zeugt Zeit zur Unzeit\nZurzeit irritiert nur Inti Riu-Fu zu Nin-\ngu-T ze\nInti Riu-Fu\neine feine Irre\neine Tee-Irre\neine Zinnterrinen-Irre unter Irren"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.18", "texte": "in Ningu-Tze trifft Inti einen Teut\neinen Rentner\nein Teut trieft nur Teutereuteu\nInti Riu-Fu zergiftet unter Irritin innen\nein Teut zergiftet eine Riu-Fu\nein Untier zerteutet eine Firnfee\nInti geigt\nInti reigengeigt\nInti geigt geigt geigt\nein Teut ferzt in Tee rein\nInti Riu-Fu zu Ningu-Tze geigt inniger\nein Teut zertritt eine Inti-Geige\neine Geige zertreten\neine Riu-Fu zerteutet\nnun trieft Riu-Fu nur Irritin\neitert zur Gruft unter Teuten\nNie zu retten unter Gnu-Regierungen\nZerfetzt Teute zu Fin i n unter Urfeuer in\nfünfzig Neunzigfetzen!\nRentiert nie\nnein\nnie\nnie\nEin Trienter tritt ein\nFernini Tinturetti\nTeute nennen Trienter: Trientiner\nTrienter nennen Teute: Terr i e r\nTerrier nennen Teute nie\nteutereuteu\nteu\nteu\nFernini Tinturetti\nTinter zu Trient\nzierig\nnettig\nein Gi n t\nein Fingierig\nfugiert nie\nfingiert Tiefe\nirritiert Teute nie\nfintet Reife\nreift nie\nTin e 112 112\nzerrinnt zu Nie-Tuff in trienter Triften\nNur in Zeitungen zu zerretten zu Nigrin\nnie zu erretten\nein Unfuger\nein Tint\nein Nein\nnie Einer\nIn Regierungen tinten nur Fingierige\nEiterei\nei\nei\nteu\nNeue Runungen in einiger Zeit\n\nOtto Nebel\n\nGedicht\nRudolf Schmitt Sulzthal\nDie Insel meiner Stirne mit den Gottdunklen\nLaubwäldern schwimmt in den seidenen\nFlammen sehnsüchtiger Mädchengebete.\nHoch über mir im Mittag züngelt der blaue\nMond ....\nmeine Liebe ist tausendherzig.\nAlle stillheißen Gebärwünsche einsam lech-\nzender Mütter werde ich mit roten Stürmen\nzur Reife bringen.\nSchon stirbt das Laub . . .\ndas Mondlicht gießt sich in gelbweißen Schnü-\nren in das Becken meiner Seele ...\nIhr Mädchen,\nsanft werden meine Lichthände Sterne in\neuren Schoß säen . . .\naber ihr Frauen . . .\nkommt mit offenen Haaren und klopfenden\nblutbebenden Brüsten,\nfür euch werde ich die Sonne in kleine Stücke\nzerhacken.\n\nPetnikow\n\nEine eigene Erscheinung der modernen russi-\nschen Dichtung tritt uns in der Dichtung von\nGregor Petnikow entgegen. Wenn es richtig\nist, die Sprache als den ersten grundbedeuten-\nden Ausgang des dichterischen Vermögens zu\nbetrachten, so gilt es im Besonderen von den\nGedichten Petnikows. Sein Hauptgebiet ist\ndie Wortschöpfung. Er versteht es in das Ge-\nheimnis des Sprachbaus, in die intimsten\nLaut- und Wörterverhältnisse der mensch-\nlichen Sprache einzudringen. Er hat die dich-\nterische Sprache, die Wortbildung, die Syn-\ntax völlig neu gestaltet. Auf Grund des Ana-\nlogieprinzips schafft er neue Wörter, die auf\nden ersten Blick keinen Sinn haben und die\ndoch einen tiefen Sinn geben.\nDie Schöpfung neuer Wortgebilde. Beson-\nders auf dem Gebiete der Zusammensetzung"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.19", "texte": "Pannaggi: Mechanisches Ballett\n\nOskar Schlemmer: Triadisches Ballett"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.20", "texte": "und Ableitung tritt sie stark hervor. Wir finden\nzum Beispiel bei Petnikow sehr oft Komposita\nvon Haupt- und Eigenschaftswörtern, wie\n„swiesdopad\" (Sternenfall), krasnolistje\n(Rotgeblatt, Rotlaub), pierwozwjetjenje (Erst-\nblüte). Oder er fügt zu den bekannten Stäm-\nmen unerwartete Suffixe hinzu. So werden\nganz neue Wörter gebildet, wie Lirenj, Drem-\nlina, Swucanyi, die eine feine semasiologische\nNuance erhalten.\nAber auch neue Deklinationsformen verdan-\nken wir dem talentvollen Dichter. So bildet\ni\ner beispielsweise den Genetiv noceri von noc\n(Nacht), indem er das Suffix — er — nach der\nAnalogie anderer Wörter (Matj-materi, doc-\ndoceri), dem genetisch einer heterogenen\nGruppe angehörenden Stamm ankettet. Häu-\nfig flicht er in seine Sprache Archaismen ein\noder entnimmt die Wörter dem reichen Lexi-\nkon der Volksmundarten. Auf dem Gebiete\nder Syntax verhält er sich ebenso selbständig.\nEr unterbricht den Satzbau durch Ausruf oder\nEinschaltungen.\nMag die Anwendung solcher Wörter und For-\nmen manchmal das Auffassen und Verstehen\nbehindern, mag sie die Deutlichkeit der Ge-\ndanken beeinträchtigen, sie verleiht aber der\nDarstellung einen ganz eigenen Ton klarer\nAnschaulichkeit.\nDas alte Kunstmittel — den Endreim —\nhat Petnikow aufgegeben. Statt dessen ver-\nwendet er mit Vorliebe den Stabreim, ein Mit-\ntel, das in der primitiven Urrhytmik der ger-\nmanischen Völker die Reihen strophisch zu-\nsammenhielt, daneben auch alle anderen\nKlangfiguren. Wie musikalisch klingen zum\nBeispiel die Verse:\nLeningrad\nNacht. Im Traum das Gras\nRosen enthüllt vom Tau\nFrühlings entfesselt die Wasser\neingeprägt Himmelgeleucht.\nO! Angefrorener Traum der klaren Weiden\nTäuschender Rausch\nNah im Gesang\nWandelndes Blau\nAuflauernd in der Nacht hinweggerauscht.\nDer Stoff seiner Gedichte ist Wald und Steppe.\nNur auf diesem Bereiche schöpft er in ihrer\nKeckheit wundervolle Metaphern und Verglei-\nche. Ausdrücke wie „Garben der blühenden\nSterne\", Umrisse der verkohlten Nacht\" oder\nfolgende Zeile: „Und lange noch der Wind\nwird brennen, indem er Lein im harten Som-\nmer schütteln wird\".\nGregor Petnikow ist ein wahrer Dichter.\nSeine Dichtung ist der stürmische Aufstand\ndes befreiten Wortes gegen die Gemein-\nsprache. Petnikow fühlt die entlegensten Wur-\nzeln der Wörter, die in den Tiefen unserer Ur-\nkrache keimen. Seine Dichtung ist Laut-\ngestaltung und Sinnlichkeit in höchster\nPotenz.\n\nE. Kagarow/Leningrad\n\nNach-Sichtung\n\nZeitschmerz\nGelegentlich hat der Mensch Zahnschmerzen.\nDas ist die seltene Gelegenheit, wo der\nMensch ungestört oder höchstens durch\nSchmerzen gestört lesen kann. Wenn ich In-\nseratenfabrikant wäre, auch wenn ich Inserent\nwäre, würde ich mich mit den Zahnärzten\nstellen. In ihren Warteräumen liest man alles.\nDenn man sucht Zerstreuung. Man begreift,,\nwarum Zeitungen Inserate haben. Sie geben\nalles, während man am Geist nur zehren kann.\nMan will leben, da man das Leben nicht lassen\nwill. Und während die Nerven an den Zäh-\nnen ziehen und der Herr da drinnen noch nicht\neinmal an das Ziehen seiner Nerven denkt,\nzieht das kleine Frühlingslied von Herrn Mau-\nxion dich in die Weite. Und während das\njunge Mädchen seelenvoll ihr Augenmerk auf\ndie Schokolade wirft, erzählt dir ein statt-\nlicher Herr von seiner Erfindung. Der Herr\nbeschafft den Damen Fesseln. In der Vorzeit\nsollen Damen die Herren gefesselt haben. Der\nHerr hat eine Erfindung gemacht, durch die\nFesseln selbst unter den dünnsten Seiden-\nstrümpfen hervortreten, auch wenn sie die\nNeigung gehabt haben, ohne Seidenstrümpfe\nim eigenen Fett zu ertrinken. Der Apparat\nist laut eidesstattlicher Versicherung unter\nStrümpfen unsichtbar. Er schmiegt sich nicht\netwa nur dem Körper an, er schmiegt gleich-\nsam den Körper erst heraus. Und zwar nicht\nnur an den Fesseln. Man kann ihn an jeder\nbeliebigen Stelle anlegen, soweit diese Stellen\nstatthaft sind, und sie werden wieder Stellen.\nAlles bekommt Form. Und nur für eine Reichs-\nmark auch fünfzig Reichspfennige. Wenn\nman natürlich allzu viel Stellen ohne Stellen\nhat, wird es entsprechend teurer, aber immer-"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.21", "texte": "hin unsichtbar. Dann bleibt nur die Frage,\nob man den Büstenhalter mit Rückenschluß\noder mit Seitenschluß bevorzugt. Auch\ndiese Gegenstände bringen Stellen hervor\noder zurück, je nach Anlage, Ischias ist\nunter allen Umständen heilbar, wenn man\nsich die entsprechende Broschüre gegen\nBriefmarken beschafft. Die Weißheit der\nZähne kann man sich je nach seinem Lieb-\nlingskünstler aussuchen. Es gibt sogar Künst-\nler, die sich nur durch das Putzen der Zähne\nden Zeitgenossen weismachen. Das Korsett\nist jetzt Marke für die Starke, wohinter sich\nder dichterische Sinn verbirgt. Diese, poeti-\nschen und anderen Adern werden durch nicht-\ngeeignete Fachleute gelassen. Aus einem paar\nDutzend Hyazinthenzwiebeln entstehen ein\npaar Millionen Rosengärten. Gebrauchs-\nanweisung umsonst. Wenn man außerdem\nStoff hat, kann man sich einen Anzug machen\nlassen. Des allgemeinen Wissens und der\nAlfenidlöffel kann man teilzahlungshaftig\nwerden. Vergnügungen künstlerischer Art\nkosten bei Vorzeigung Dieses nur Bier- und\nLustbarkeitssteuer. Ehen sind in allen Preis-\nlagen vorhanden. Mit Einheirat in die Land-\nwirtschaft oder in die Konfektion mit Edel-\ndenkenden oder Intelligenten, mit Bürgerstolz\noder Königsthron, mit Mitgift oder Herzens-\nbildung. Neigungsehen werden mit Vorliebe\nohne Liebe gern zwischen Anhängern von\nChristus und Mammon geschlossen. Mammon\ntritt im Sinne deutschvölkischer Bestrebungen\nstets unter dem Pseudonym Freidenker auf.\nAndere Herren bieten sich wieder für Bilanz-\nverschleierung an. Man nennt das Rat in\nVermögensangelegenheiten. Kriminalkom-\nmissare, die bei der Polizei im Dienst nichts\nermitteln konnten, bieten sich jetzt außer\nDienst für Ermittelung an. Und was man alles\ntauschen kann. Einen Aschbecher gegen ein\nGrammophon, einen Papagei gegen einen\nSoziussitz, keine Wohnung gegen eine Woh-\nnung, eine Villa gegen ein Terrain, ein Terrain\ngegen eine Stube mit Küche, englisch gegen\nMusik und ein Kind gegen Abfindung. Für\neinen Zahn wird 4,50 Mark geboten, während\nder Zahn 45,— Mark hinwiederum kostet. In\ndiesem Augenblick öffnet der Herr über die\nZähne die Tür, entläßt jemandem mit gold-\nglänzendem Lächeln und entreißt dem Leser\ndie Lektüre und die Zähne. Aber man ist auf\nalles gefaßt. Denn man ist interessiert und\nmit anderen Augen sieht man nun im Aether-\nrausch die Welt. Wenn der Zahnarzt seine\nsämtlichen goldenen Zähne verkaufen würde,\nkönnte er sich selbst einen neuen Goldzahn\nleisten. Sein Mund duftet nach dem Friih-\nlingslächeln der Mona Mauxion. Ob die\nSchwester Seitenschluß oder Rückenschluß\nträgt? Sind ihre sichtbaren Stellen, soweit\nsie statthaft sind, gefesselt oder entfesselt?\nHat der Zahnarzt das Originalgemälde Still-\ntod über seinem Schreibtisch gegen eine be-\nwegte See bei Nacht getauscht? Hat er das\nInstrumentarium des allgemeinen Wissens in\nRaten erworben, so daß es zwar in seinen Be-\nsitz, aber noch nicht in sein Eigentum über-\ngegangen ist? Mit der Schwester scheint er\ndurchaus nicht brüderlich zu stehen. Sie\nträgt weiße Schuhe zu schwarzen Strümpfen,\nwas schon verdächtig ist, nicht ohne das ab-\ngebildete Orangekleid, das der Herr Saison,\nein Großunternehmer, jetzt unter jedem Preis\nfortgibt. Massenartikel für individuellen Ge-\nschmack, mit Gürtel und ohne Gürtel zu tra-\ngen. Indessen ist der Zahn gezogen, daß die\nScherben fliegen. Es wird versichert, daß es\ndie schmerzlose Methode gewesen sei, über\ndie man in den verschiedenen Inseratenteilen\nNäheres nachlesen kann. Bei zehn schmerz-\nlosen Zahnziehungen ein Schmerz gratis.\nAuch in Preußen genehmigt. Nun darf man\nnoch das ganze Elend hinunterspülen, mit rosa\nWassel, jener Farbe, die dem Leben einen\nFrühlingsschimmer verleiht. Man wird zur\nTür hinausgeöffnet und darf sich bei dem\nGeist der Zeit ausruhen. Den Zahn hat man\nder Zeit geopfert. Und die Zeit grinst zahnlos,\naber leicht vergoldet, mit Seitenschluß und\nSchokolade über die Erde.\nBürgerliches Kabarett\n„Kabarett\". Einige Herren und Damen haben\nsich zusammengetan und machen Provinz-\nvarietenummern dritten Ranges. Die orts-\nzuständige Berliner Tagespresse teilt mit, daß\ndie Kunst aus der Gegend zwischen Czerno-\nwitz und Tarnopol stammt. Ich halte es für\nunrecht, diese Ortschaften stets für Leute ver-\nantwortlich zu machen, die unter dem Beifall\nder westlichen Großstadtvororte verdienen.\nDer Conferencier erzählt abwechselnd im\nTonfall eines Provinzkomikers oder des be-\ngabten Paul Nikolaus nie abwechselnde jüdi-\nsche Witze. Jäh erhebt er seine Stimme zum\nPathos klassischer Schauschmiere und ver-\nkündet, daß der Schriftsteller Stefan Groß-"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.22", "texte": "mann anwesend sei, dem das Publikum\napplaudieren möge, weil er für ihn und seine\nwerten Mittäter eine Lanze gebrochen habe,\ndie erste Lanze gebrochen habe. Herr Stefan\nGroßmann ist bekanntlich des Lanzenspieles\nunkundig, es kommt auf eine verbogene Lanze\nmehr oder weniger nicht an. Aber selbst das\nPublikum fühlt sich frei von Großmannssucht.\nWesentlich erscheint das Publikum selbst. Da\nsitzt die bessere oder beste Gesellschaft, wie\nman Menschen mit einem Jahreseinkommen\nzu nennen pflegt, das sich nicht unter bewegt\nund die gern dreißig Mark für eine Flasche\nSekt und das fehlende Standesbewußtsein aus-\ngeben, auch wenn sie nicht eingenommen ha-\nben. Ein Improvisator fordert sie auf, ihm\nGedanken oder Sentenzen oder Zitate für ein\nzu improvisierendes Gedicht zu geben, worun-\nter man wie bei Lyrikern das Zusammenrei-\nmen gereimter Gedanken zu verstehen hat.\nDer besten Gesellschaft fällt etwa nur ein\n„Halts Maul\", „Wie du mir, so ich dir\",\n„Wohnst du denn bei deiner Alten, oder\nwohnst du ganz allein\" und least not last „Geh\nin ein Kloster, Ophelia oder lasse dich rasie-\nren\". Das wäre der bewußte Geist. Bei jeder\ndirekten oder indirekten Erwähnung von\nOrganen des Geschlechts oder des Stoffwech-\nsels oder von Exkrementen bricht die große\nWelt der Herren und Damen in herzlich\nmenschliches Gelächter aus. Tiere haben es\nnicht verschuldet, so etwas stets tierisch zu\nnennen. Das ist die bewußte Sinnlichkeit.\nAugenzwinkernde Anspielungen auf angeb-\nliche jüdische Sitten und Gebräuche, wie Un-\nsauberkeit, Betrug, Wucher werden so herz-\ninnig bejubelt, besonders vom jüdischen Pub-\nlikum, daß sie dadurch eine Bestätigung zu er-\nhalten scheinen. Das ist das bewußte Rassen-\ngefühl. Die Künstler, wie man das so nennt,\nberichten fortwährend von ihrer Gewinnsucht,\nihrer Unbildung, ihrer Unerzogenheit, ihrer\nAlmosenfreude. Und das überlogene Publi-\nkum fühlt sich tatsächlich überlegen, ohne zu\nempfinden, daß auf der Bühne Leute ihres\nStandes und ihres Stammes, ihrer Unbildung\nund ihrer Unerzogenheit stehen. Besonders\nglücklich aber ist man, wenn der Herr Künst-\nler ein Fremdwort bewußt unrichtig anwen-\ndet und die versammelte Intelligenz ihm die-\nses Fremdwort richtig, wirklich ganz richtig\nzurufen kann. Das ist bewußte Intellektualität.\nEndlich schillert ein Jazzband über dieses\nmenschliche Grauen und ein Hauch von Kunst\nwenigstens weht an dem aufbrechenden Publi-\nkum, dem lanzenbrechenden Schriftsteller und\nder brechenden Künstlerschar vorbei. Vorbei.\nWintergarten\nMehrere tausend Menschen täglich im Win-\ntergarten. Eine weltstädtische Einrichtung in\nBerlin. Ein Variete, das in keiner Erdstadt\n%\nan Leistungen überboten wird. Artisten sind\nKünstler, nicht nur weil sie viel können, nicht\nnur, weil sie Herren und Frauen ihres Mate-\nrials sind. Weil sie Künstler sind. Schöpfe-\nrische Menschen, die das Material ihres Kör-\npers, ihrer Kleidung und ihrer Apparate in\nkünstlerisch logische Beziehung zueinander\nstellen, also komponieren, also ein Kunstwerk\ngestalten. Sie sind sich bewußt, daß Kunst\nsinnfällig sein muß, die Sichtbarkeit und die\nHörbarkeit alles bedeutet und alles bedeuten\nkann. Die Deutung hängt nämlich stets vom\nBeschauer ab, der Künstler gibt das Bedeu-\ntende, nicht das Deutende. Gymnastische\nProduktionen von Walter Sayton und Partner.\nDa hätte selbst der Akademieprofessor Lede-\nrer nichts gegen einzuwenden. Ihre plasti-\nschen Darstellungen brauchen nämlich nur in\nBronze von ihm nachgeahmt zu werden und\nschon sind seine Kunstwerke nicht etwa leben-\ndig, wohl aber die Originale. Sayton und\nsein Partner aber ahmen nicht die verehrliche\nPlastik nach, sie gestalten rhythmische Bewe-\ngungen bis zur Ruhe. Jedes Glied steht in\nkünstlerisch logischer Beziehung zu den ande-\nren. Man darf nicht sagen, daß die Leistung\ndieser Artisten wie eine Plastik aussieht, man\nmuß sagen, daß eine Plastik solche Leistung\nmechanisch nachahmen kann. Mechanisch\nahmen die Marionetten von Julius Schichtl\nalles nach, als obste lebst. Sie liefern sogar\nErotik und Reiz der Erotik, den merkwürdi-\ngerweise Gebildete noch immer im Variete\nsuchen. Zu absolutem Kunstmaterial hat die\nSilvester Kremo Familie ihre Körper ausge-\nbildet. Sie machen ein Feuerwerk aus sich.\nSie fliegen, platzen, springen, fallen, mitein-\nander, aufeinander, übereinander, ineinander.\nUeberflüssig sind aber im Variete die noch\nimmer beliebten, wenigstens von der Direktion\nbeliebten, Nummern der sogenannten hohen\nKunst. Die „Deutschen Lieder in Wort und\nBild\" mit Bildchen der Laterna magica sind\nunwahres, schlechtestes Theater. So „pflegt\"\nman keine deutschen Volkslieder, indem sich\nvier Herren übliche Theaterkostüme anziehen,"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.23", "texte": "Fernand Léger: Ballet négre"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.24", "texte": "einige Fässer auf die Bühne rollen, mit leeren\nHumpen anstoßen und die teure Heimat an-\njammern. Auch ist es beinahe unmoralisch,\ndaß vier Männer zusammen ein Feinsliebchen\nbesitzen, wenn auch in verschiedenen Stimm-\nlagen. Und eine Soubrette auf dem Variete\nmuß Artistin sein, also etwas können. Es ge-\nnügt nicht, daß sie wie im Theater sich ver-\nschiedene Toiletten vor den Augen des Publi-\nkums anziehen und ausziehen kann. Denn im\nVariete ist die große Kunst der alten und der\nneuen Zeit geborgen.\n\nHerwarth Walden\n\nDie Beamtin ihres Geschlechts\nThomas Ring\nEs war eine Frau, die wurde schon in die\n;\nStandheiligung der Ehe hineingeboren, so daß\nihr weiteres Ableben das Recht des Vorlebens\naus dem Gefühl merzte und treu den Gedan-\nkenstrich hinter dem Glueckwunsch des Stan-\ndesbeamten innehielt. Sie nahm einen Mann,\ndessen Ungeist alles überragte was je ein\nSchneider liefern konnte und der sein Licht\nnicht unter dem Scheffel stehen ließ, sondern\nin den Ofen lockte wo er ihn traf. Es traf sich\nzwischen ihnen nebenbei, während ihre Eltern\ndie Stammkürbisse zusammenpflanzten und\ndie beiden zum Gurkensalat der Mittagesse\neinander vorstellten. Der Mann schaute und\nfraß. Als der letzte Hochzeitsgast des Kir-\nchenspiels gegangen und der Bratenrock\nsorgfältig glatt gestrichen seinen Haken fand,\nder beizeiten gekrümmt war, enthüllte sie\npflichtgemäß ihre nie begangne eheliche\nPflicht. Der Mann beging, schaute und fraß.\nWährend dadurch ihr Aeltester gezeugt\nwurde fiel ihr ein, daß am Monogramm des\nBettuchs noch ein Schnörkel zur Krone fehlte.\nSie stickte ihn in Gedanken zu Ende, davon\nbehielt die Brut später den Namen Cäsar. Am\nMorgen erklärte ihr der Mann, wie Zahnbürste\nund Handtuch auf der Gewohnheit lagen, wo\ndie Reitpeitsche greifbar hing sich finden zu\nlassen, was jeder Hund als Lieblingsfleisch\nam Mundtuch zu schlingen beliebte, wie die\nMorgenerbe verteilt zu sein geruhte und be-\nackert zu sein hatte. In zwanzig Zimmer-\nflüchten befahl sie nun Dienst zum Stauben\nund Entstauben der Familienbilder, bis sie\nsich Mutter nicht fühlte zu sein hatte. Da\nwurde ein neuer Nagel eingeschlagen vom\nLakai. Nachdem die Ahnenreihe um zehn\nzugewachsen war fackelte die Ahnung, daß\nder Staatsbürger außer der Landwirtschaft\nnoch andere Pflichten habe solange, bis das\nPech der Tat in die Entscheidung tropfte.\nDie Tropfsteingrotte zog mit Ledergama-\nschung und Meinungsüberzug als fester\nKalkpol in die Unruheerscheinungen des\nHauptstadtrummelsruhrs. Die Stimme des\nFamilienhauptmanns mußte im Regierungshof\nsein Echo jagen und dem Ministersessel hel-\nfen, die Kartoffeln anzustechen ehe er sie ab-\nzog. Sie betahberte treu ihren Mitesser. Die\nfeudale Revolution stellte die Beamtin ihres\nGeschlechts um, ohne daß die Zuknöpfung\nsich änderte. Sie mußte nun lernen, wo Fe-\nderhalterfülle und Oberschreibunterlage grün\nauf die Gewohnheit tischten, wo die Akten-\ntasche greifbar hing sich finden zu lassen,\nwas jeder Gymnasiastensohn am Mundtuch\nzu schlingen sich beliebte und welches beste\nEhrenstück Cäsar war, der Achilles, Adlon,\nAlexander, Astor, Agamemmnon, Adebar,\nAlarich, Armin, Augustus an Abituriumsreife\nüberfaulte. Die zwanzig Zimmerflüchte wur-\nden nun statt von Westen nach Osten von\nOsten nach Westen zur Staubung entstaubt.\nDas Ahnenbild muß im Wirbel der Großstadt\ngepflegt werden. Trotz unermüdlicher Mühe\nsollte aber die Verrottung rottenweise durch\ndie Hausreinigung in das Haus brechen und\nden Wappenschwan zur Müllabfuhr schleu-\ndern. Undank war der Welt Getriebe, als ihr\nim Museum an griechischer Gipsblöße das un-\ngelebte Leben aufzuwärmen ging, daß die ge-\nlöste Leidenschaft eine innige Haarnadel\ntönend auf die Fliesen klang und das Vor-\nleben zu beben sich wagte. Die Beamtin schritt\ninnerlich entatmet aber stolz in dem Ent-\nschluß, den allgemeinen Menschen zu leben\nund die Köpfe ihrer Kleidengen hoben die\nAugenlider. Da traf sie zu Hause der Verrat\nals Dolchstoß in die Rücksicht. Cäsar hatte\nsich unter das Volk geworfen und lag im\nMädchenmüll der Hausreinigung. Sie hatte\nnoch die Kraft, ihn aus dem Arm der straf-\ngestreiften Küchenschabe zu reißen, die die\nLippen geschürzt hatte um die Kündigung aus-\nzusprechen. Da aber der Entartete seines\nGeschlechts die unverbrüchliche Treue zu be-\nkennen den Namen zu beflecken sich erfrechte,\nda brach ihr Herz und sie versank in einen\nHofknix."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.25", "texte": "Kunst - Währung\n\nKunst ist — Entbindet mich der Verpflichtung,\nden Satz zu beenden. So oft, wie die deut-\nsche Mark geteilt, ist er auch schon gedruckt\nund vorgetragen worden. Solllllten Sie den-\nnoch nicht wissen — „Nachschlagen!\" Brock-\nhaus, Meyer und tausende von Spezialwerken\ngeben erschöpfend Auskunft.\nWer persönliche Erklärung wünscht, wendet\nsich an eines der vielen Exemplare von Kunst-\nerklärern. (Vor dem Kriege traf man sie noch\nhier und da in Vorstadtkinos. Sie wurden\ndann aber dort abgeschafft.) Seitdem findet\nman sie in den Zeitungen unterm Strich und\nin der Botanik unter „Schmarotzerpflanzen\".\nWährung ist — „Halt!\" Im Lande der Dich-\nter und Denker ist solche Erklärung\nüberflüssig!\nWir Deutsche wissen: Währung ist „Hjal-\nmar Schacht\" oder „Helfferich\", je nachdem\nwas für eine Nummer Deutscher der Wissende\nist. Ich selbst weiß außerdem: „Währung ist\nMenschenwerk mit Ewigkeitswert. Währung\nist die billionmalige Teilung des „Nichts\" und\njeder Teil ist teilbare „Währung\". Währung\nist das unbegreifliche Greifbare, Währung ist\ndas Loch in der Luft mit Goldschnitt.\"\nWährung ist das Esperanto aller Nichtarbei-\nter. Währung ist der Geheim-Code des inter-\nnationalen Diebsgesindels. Aber was ich\nweiß, ist ja nicht maßgebend. Nichtdeutsche\nschlagen deshalb nach im angehäuften deut-\nschen Wissen: „Brockhaus — Meyer\", ver-\nmeiden aber um Gotteswillen einen Sachver-\nständigen zu fragen!\" —\nDer Sachverständige in Währung weiß natür-\nlich, ist aber unfähig, sich verständlich zu\nmachen, das liegt an der „Währung\" und es\ngenügt schließlich vollständig, wenn der Sach-\nverständige weiß!\n„Brehm\" hat diese Klasse der Wisser unter\n„Wiederkäuer\" eingereiht. Anmerkung: „Es\nkann mir hier ein Fehler unterlaufen sein!\"\nDann suche man einfach die Kunstsach-\nverständigen unter „Wiederkäuer\" und die\nWährungskammer unter „Schmarotzerpflan-\nzen\". Viel Zweck hats aber nicht!\n1. Lehrsatz:\nKunst und Währung sind zwei ganz gleiche,\nfelsenfest stehende, erdbebenentrückte Be-\ngriffe (können Sie noch folgen?), die als Fun-\ndamente Träger des gesamten Menschenwer-\nkes sind.\n2. Lehrsatz:\nAlle Sachverständigen sind Fachleute der\nGruppe, für die sie sachverständig sind!\nAusnahme:\nAlle Kunstsachverständigen sind Nicht-\nfachleute ihrer Gruppen. Weil Künstler nur\nKinder sind und da ist der Sachverständige so\netwas wie ein „Erwachsener!\"\nDa ich von Kunstwährung schreiben will, so\nbenutze ich als Fundament meiner Arbeit\nLehrsatz Nr. 1, und als Legitimation für mich\nLehrsatz Nr. 2; dahin ausgelegt: Noch bin ich\nnicht als Künstler anerkannt, deshalb gelte\nich als Sachverständiger!\nHistorisches\nAls Ministerpräsident „Moses\" von seiner\ngroßen Konferenz auf dem Sinai-Massiv mit\nseiner steinernen Währung herniederstieg,\nhatten seine Helfferiche und Schächte inzwi-\nschen die erste regelrechte Goldwährung er-\nfunden und tanzten wie irrsinnig um ihre neue\njüdische Rentenmark, genannt „goldenes\nKalb\", das übrigens ebensowenig geschlachtet\nwerden durfte, wie die deutsche Henne, die die\ngoldenen Eierchen legt.\nAls Moses sie so tanzen sah, packte ihn eine\nfürchterliche Wut, wohlgemerkt, weil er als\n„Höhenmensch\" sofort die ungeheure Trag-\nweite der genialen Erfindung der Goldwäh-\nrung erkannte und seine schöne Zeit ihm leid\ntat, die er mit dem lieben Gott vertan hatte\nan seiner „Währung\".\nAbgesehen davon, daß er sie ohne modernes\nSchreibgerät, Maschine und Bubitippeuse,\nselbst in Stein gekeilt hatte. Plautz! An der\nnächsten besten Felskante zertöpperte er\nseine Währung.und schuf damit den ersten\n„Trüümmerhaufen\", das erste „Schaaos\", aus\ndenen dann die Nachfolger jener Helfferiche\nund Schächte immer und immer wieder\n„Goldwährung\" machen!\nIn Anerkennung dieser Großtat des Moses,\nder Zertrümmerung seiner eigenen Arbeit zu\nGunsten der „echten Goldwährung\", beauf-\ntragte man dann später den berühmten Künst-"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.26", "texte": "ler Michelangelo, Mosessen ein paar richtige\nHörner aufzusetzen. Ja, Kunst hängt eben\neng mit Währung zusammen!\nJa, es hat in der Kunst schon lange vor Moses\n„Währung\" gegeben. Man brauchte aber eine\nKunst g o 1 d Währung, eine Immer Währung,\nund als sie die Kunsthelfferiche endlich in den\nalten Hellenen entdeckt hatten, brauchten\nsie nur noch die alten Währungen zertrüüm-\nmern, das alte „Schaaos\" schaffen und im all-\ngemeinen Wirrwarr der Kunstinflation ihre\nneue Währung aufrichten bevor Moses\nzurückkam.\nWas in der Goldwährung das „Gold\", das ist\nin der hellenischen Kunstwährung „Natur\".\nSolange wie Natur in der Kunstwährung nach-\ngewiesen werden kann, ist sie echte „Wäh-\nrung\". (Man muß sich etwas darunter vor-\nstellen können.)\nSpeziell die Deutschen haben ihrem „Kunst-\nStahl\" ein überaus empfindliches Meßwerk-\nzeug für Kunstwerte, mit dem man noch den\nbillionsten Teil Naturgehalt festzustellen ver-\nmag.\nEs gibt auch noch Anhänger der alten\nWährungen, aber der in der Hellenen-Wäh-\nrung steckende echte Naturnachahmungstrieb\nist das Gold, das Kunstgold, nachdem die\nMenschheit verlangt! Da werden eben lang-\nsam die alten Währungen geopfert.\nDas sieht selbst ein Laie, daß „Venus\" in der\n„Kunst\" ein so guter Begriff ist wie „Gold\"\nin der „Währung\". Zum Greifen, diese Ve-\nnus, aber nur für „Stilaugen\", wie das Gold\nin der Währung nur für Reichsbänke.\n— „Gold und Venus \" —\nNichts kann euch erschüttern, nichts euch ent-\nfernen! Recke dich, strecke dich, Gold, stets\nbist du Währung! Und du liebe, alte, traute\nVenus, bleibe auf deinem Kunstsockel erhaben\nüber alle Stänker, eine Hand als Büstenhalter,\neine als Gedankenlenker.\n\nWalter Krug\n\nGedicht\nHerwarth Walden\nMein Auge lauscht dem Beben deines\n[Mundes\nLippen keimen auf und winken\nZögern zagen sehren zehren\nFlüchten zwischen weisse Zähne\nBergen schmal sich in die Tiefe\nBrennen auf und suchen Dich\nLockt Dein Herz sie tief und tiefer\nBlut springt auf\nSchwellen herzschwer Deine Lippen\nBrandglut sprengt weisse Wände\nDeine Lippen greifen Ferne\nMeine Augen lauschen hören sehen\nFühlen jagen klagen schlagen\nFallen Dir nieder\nKomm\nAus dem Gedichtband: Im Geschweig\nder Liebe / erscheint Anfang Sep-\ntember im Verlag Der Sturm Berlin I\nin Ganzleinen 3,— Mark\n\nInhalt:\nB. F. Dolb i n : Die internationale Ausstellung\nneuer Theatertechnik in Wien .... 97\nKurt Liebmann: Gedichte .... 100\nWilliam Wauer: Das entdeckte\nGehirn 102\nAlexander Mette: Gedichte . . . 106\nAlbert Gleizes: La mecanique\nnouvelle 107\nThomas Ring: Kreis 108\nKurt Heinar : Kriegerische Befreiung . 108\nOtto Nebel: Unfeig eine Neunrunen-\nfuge 111\nRudolf Schmitt Sulzthal: Gedicht . 112\nE. Kagarow: Petnikow 112\nHerwarth Waiden : Nach-Sichtung . 114\nThomas Ring: Die Beamtin ihres\nGeschlechts 118\nWalter Krug: Kunst-Währung. . -.119\nHerwarth Waiden: Gedicht . . • 120\nFriedrich Kiesler: Raumbühne .101\nEnrico Prampolini: Bühnenbild . 105\nLothar Schreyer: Bühnenfigur . . 109\nPannaggi: Mechanisches Ballett . . .113\nOskar Schlemmer: Triadisches\nBallett 113\nFernand Leger: Ballett negre . . .117\nJuli / August 1925"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.27", "texte": "VERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Walden:\nEinbliA in Kunfi\n■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■I\nDie beste Einfiihrung in den\nExpressionismus, Kubismus u. a.\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M. 6,50\nFONFTE AUFLAGE\n\nn\nrpf\niSv-\n•KSP*1\nDie Geschichte einer Wanderschaft von\nAlfred Pfarre\n284 S. Mit 41 Abb. / In Leinen geb. M. 4,50\nAls Handwerksbursche von Hamburg nach\nRom. Erlebnisse auf der Landstrasse. Zwi-\nschen Vagabunden und Abenteurern. Span-\nnende Schilderung von wirklich Erlebtem\nHanseatische Verlagsanstalt / Hamburg\n\nKunslausstellung Per Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134a'-\nAugust 1925\nWiederhold / Gemalde\n\" { .si/:-,\"-', \"- - -< ''' ■' , . -\nMax Olderock / Webereien\nCarl-Heinz Kroll / Gemalde\nSturm^Gesamtsohau\n(A\n(D\nV\nrt-\n-0\n3\n<D\n1\n<0\nM\nUi\nCD\nSeptember\n\nDeutsche\nIrenvi rf ritsel\nZeitung.\nDie Zeitschrift der\nGegenwart\nüberall erhaltlich\nEinzelheft 25J?: Abonnement 3M.\nvierteljahrlich frei Haus\nVerlag\nvon Poddebski & Co.\nBerlin SW 48\nVerl, Hedemann - Strasse 5\nTelefon: Kurfiirst 70 402.\n\n. Narzillier s Co. Berlin IV -: ■ GruneuioldstroDe 14-15\nGegrundet 1854 Hofspediteure S. M. des Konigs von Spanien Gegrundet 1854\nSped it ion unc! Mobeltransp orte, Verpackung und Lagerung\nvon Gemaiden und Kunsfgegensfcinden jeder Brt\nLieferung und Empfong nach und uon alien Kunst-\nausffellungen des In- und Buslandes. Transpoptoer~\nficherungen alien Brt.\n** * ■ ■ \\ \\ ' ,|f .I,'. \\ :-{l\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender KQnstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des ~Sturm\""}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192507-01.1.28", "texte": "Verantwartl ch für de Schrifleitung: Lothar Schreyer, Berlin W 9 | Verlag der Sturm G. m. b. H. Berlin W 9, Potsdamer Strasse 134 a Fernruf:\nLützow 4443 | Postscheckkonto: Berlin 120 658 | Druck: Aaba-Express, Buchdruckerei des Westens, Berlin W 57, Grossgörschenstrasse 41.\n\n„Junge Kunst\"\nhat mehr zum VerstSndnis und zup Verbreitung der werthaften\ngegenwartigen Malerei getan, als die Bildbuchpublikationen\naller andern Verleger insgesamt\nHans Franck in der „Thtlringer Allgemeinen Zeitung\":\nJeder Fand dieser langst in Hunderttausenden von Exemplaren verbreiteten Sammlung hat\nein farbiges Titelbild, 32 ganzseitige Tafeln und enthSlt im Textteil neben der Einftihrung\neine Selbstbiographie des Kiinstlers. Format B°. Preis in Haibleinen M. 2.50. Je\n8 BSndchen als ~B>bliothek der jungen Kunst\" in einem Bande Haibleinen M. 20.—.\nI. Reihe:\nPechstein, Modersohn, Hoetger,\nMeidner, Klein, Heckendorf,\nGrofimann, Krayn\nIV. Reihe:\nvan Gogh,(Doppelbd.),Rousseau,\nSchelfhout, Nauen, Cezanne,\nKisling, Macke\nBisher erschienen:\n11. Reihe:\nJaeckel, Scharff, de Vlaminck,\nMorgner, Klee, Eberz, Derain,\nSchmidt-Rottluff\nV. Reihe:\nCoubine, Rohlfs, Chagall,\nGauguin, Schrimpf, Smet,\nSchmidt, Archipenko\nDie Sammlung wird fortgesetzt.\n111. Reihe:\nCampeiidonk, Roeder, Moll,\nUhden, Grosz, Laurencin,\nUnold, Waske\nVI. Reihe :\nKandinsky, Pellegrini,\nGotsch, Matisse,\nFeininger, Hofer\nDix,\nKubin,\nHerausgegeben\nvon Professor Dr. Georg Biermann\nJahrbuch der Jungen Kunst 1924,\n4». Mit 56 BeitrSgen auf etwa 540 Seiten mid ea. sQ&Abbildungen auf Tafeln und Text, 2 farbigen Tafeln, 3 Originallithographien\nvon Dix, Marchand, Laboureur, einer farbigen Originallithographie von Crodel und einem Holzschnitt von Masereel. Halblemen\nM. 36.—. num. Vorzugsausgabe von 100 Exemplaren in Halbleder mit Beigabe einer Lithographie, handsigniert, von Coubine M. 50.—.\nWilhelm Schmidtbonn schrieb im „Tage buchM: „Mit ungewohnlicher Tatkraft und Blickscharfe ist der Band zu einemorgani-\nscben Ganzen zusammengestellt. Er wirkt ungcwollt als Manifestation westlicher Kunst, als Lebensruf Europas. Eine\nLeistung, auf die Deutschland stolz sein darf.tt\nDer flKunstwarttt urteilt: . . fiberall pulst Leben, tritt eigene Anschauung unbekiimmert nervor. Ein überreiches verdienst-\nvoiles, auch durch das Bildmaterial packendes Sammelwerk. kh kenne kein zweites, das so vom Leben der Gegenwart strotzt\nund es so ohne Lehrhaftigkeit allem Empfanglichen nahebringen kann. Wir wollen es mit allem Nachdruck\nuneingeschrankt empfehlen.\"\nKlinkhardt & Biermann - Verlag - Leipzig\n\nZeitschrift fur Musik\nErscheint z. Z. im 4. Jahrgang\nJYlitarbeiter des laufenden Jahrgangs:\nF. Busoni, Eg on Wellesz,\nFritz Jocle, Heinz FUesen,\nPh. Jariiach, Prof. u. Hornbostel,\nProf. H. springer, Man 5/euogt,\nProf. Kurt Sachs, Ernst Kurth\nund uiele andere.\nSchriftleitung: Dr Hans JYlersmann\n♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦*♦♦♦♦♦\nPre is des Einzelheftes 1,— M.\nJahresabonnement (12 Hefte) 10,— JYI.\nProbenummer gratis uom Verlag\nMJELOS-VJEBLAG G. M. B. H.\nBerlin-Friedenau j Stubenrauchsfnasse 40\n\nAufgehoben wurde die Beschlagnahme von\nFaraulip\nLiebeslegenden aus der Siidsee\nGesammelt von Paul Hambruch\nMit 32 mehrfarbigen Originallithographien und einem\nachtfarbigen Uraschlag\nvon Georg Alexander Mathey\nin farbigem Pappband mit Schutzkarton in Alfgo!d M. 14\n50 Exemplars in Glanzseide, sign. M. 45,—,\n„Faratilip\", jene Liebeslegenden aus der Siidsee\nsind Phantasien eines primitiven -Volkes iiber Mann\nund Weib und Gott, der sie gesehaffen, daß sie sich\nvereinen und freudig fortpflanzen. Hier wird die\nBegebenheit zur elementaren Entdeckung des Ein-\nzelnen und die Stimme der Lust zum gottlichen\nRuf. „Faraulip\" sei alien empfohlen, die Erotik ohne\nVerhiillung in der ganzen Nacktbeit ihrer heiligen\nSendung erkennen wollen.\nBerliner lageblatt\nDiese Legenden sind neben dem Buch vom Tee,\ndas er fur den lnselverlag zeichnete, Matheys\nschonstes Buch.\nFranz Blei\nDie Tragik der modernen Malerei\nzeigt sich in\nEMIL SZITTYA\nMALERSCHICKSALE\n14 Portrats mit 8 Bilderbeigaben\nKaschiert M. 3,75. 20 Exemplare a. Biitten in Halbpergament M. 15,—\nDargeslellte : van Gogh — Henri Rosseau — TV. Dressier\nDix — Wrubel — Dr. Wagner — Davringhausen\nLaurencin — OK. Borislawkaja —Chagall—Kokoschka\nDelaunay — B. C. Andersen — Derain\n„Das sind die besten Kunstessays unserer Zeit\"\nPaul Hatoqny\nJohannes Asmus Verlag\nHamburg 1. Hermannstrasse 20"}]}