{"numero_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_sha256": "d8d91fb6e128d9d8c0c01e42356858bdd76a156b311bc50091f5ca0ae9ec2e6a", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1925/09_01/bmtnabg_1925-09_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1925/09_01/bmtnabg_1925-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c001", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.1", "titre_corps": "Faksimile eines Originalmanuskripts von August Stramm", "titre_sommaire": "Faksimile eines Originalmanuskripts von August Stramm", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.1", "debut_caractere": 166, "fin_caractere_exclue": 219, "texte": "Faksimile eines Originalmanuskripts von August Stramm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c002", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "126", "image_debut": 3, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.2", "titre_corps": "August Stramm : Zu seinem zehnjährigen Todestag Gefallen am 1. September 1915", "titre_sommaire": "August Stramm : Zu seinem zehnjährigen Todestag Gefallen am 1. September 1915", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.3", "debut_caractere": 43, "fin_caractere_exclue": 3652, "texte": "August Stramm\nZu seinem zehnjährigen Todestag\nGefallen am 1. September 1915\nRudolf Blümner\n\nEinigen wird nicht entgangen sein, daß ich\nzehn Jahre eines nicht mehr jugendlichen\nLebens, soweit ich es künstlerisch einsetzen\nkonnte, der Laut-Werdung einer neuen Dich-\ntungsweise gewidmet habe, die man im\nursprünglichen, engen und radikalen Sinn die\nexpressionistische nennt. Und da ich die\nZahl derer, die es wissen, nicht überschätzen\nwill, setze ich ausführlicher hinzu, daß zu\nAnfang und zu Ende und in der Mitte dieser\nzehnjährigen Verkündung die lyrischen\nDichtungen standen, die August Stramm der\nWelt ließ, als er am 1. September 1915 in\nRußland gefallen war. Es ist nicht diese lange\nund vielfältige Beschäftigng mit den Dichtun-\ngen August Stramms, die mich, und gar in\nbesonderem Maße, berechtigen oder befähigen\nkönnte, für einen vortrefflichen Kenner und\nBeurteiler dieser Dichtungen gehalten zu\nwerden. Vielmehr muß ich, wenn ich etwas\nähnliches für mich in Anspruch zu nehmen\nscheine, die üblichen Grenzen der Beschei-\ndenheit aus Gründen überschreiten. Und ich\nwill dabei hoffen, daß ich nicht so sehr als\nunbescheiden bekannt bin, als daß man hierin\nüberhaupt eine Unbescheidenheit erblicken\nmöchte. Nicht das Geschehen, daß ich zehn\nJahre lang August Stramms Dichtungen vor-\ngetragen habe, sondern die Klangform, in der\nes geschehen ist, hat mich befähigt, in\nStramms Dichtungen einen Blick zu tun, der,\nwenn ich ihn nicht einen tieferen nennen soll,\ndoch von einer andern Art ist, als er den\nMeisten vergönnt sein kann.\nSeit zwanzig Jahren habe ich für den Schau-\nspieler wie für den Vortragskünstler die Ge-\nsetze seines Schaffens anders formuliert, als\nes selbst heute noch die Allgemeinheit derer\nzugibt, die hierin aktiv oder passiv als Sach-\nverständige gelten. Ich habe die Torheit\neiner reproduzierenden Kunst geleugnet und\nfür den Schauspieler und Vortragskünstler\ndie Selbständigkeit einer produzierenden\nKunst in Anspruch genommen. Die Festig-\nkeit meiner Erkenntnis war nie dadurch er-\nschüttert worden, daß der überwiegende Teil\nder gesamten früheren Dichtung sich einer\nGestaltung widersetzte, die ich allein für\nwertvoll und berechtigt erkannte. Vielmehr\nhat das Mißlingen in mir nur Zweifel an der\nfrüheren Dichtung geweckt, bis die Dichtung\nAugust Stramms mich in dem überzeugt hat,\nwas durch Tradition bei mir so mangelhaft\nbezeugt gewesen war. Eine Einsicht, zu der\njeder durch absolutes Denken gelangen kann\nund die bei mir schon die Unberührbarkeit\neines Axioms erreicht hatte, war von einem\nDichter bestätigt worden. Und ich selbst\nkonnte sie fortan an seinen Dichtungen be-\nstätigen. Es ist ein merkwürdiger und neuer\nWeg zur Erkenntnis dichterischer Werte,\nund es fiele mir nicht ein, ihn zu zeigen, wenn\ner nicht gar so seltsam und des Merkens\nwürdig wäre. Denn daß er nicht der einzige\nWeg zur Erkenntnis der Stramm'schen Dich-\ntung ist, kommt keinem Einwand gleich.\nEher schon die platte Bemerkung, daß eine\nDichtung, die meiner Art zusagt, anderen\nnicht zu gefallen braucht, oder daß der\nsprachliche Ausdruck, für den ich Töne und\nMelodien habe, andere stumm läßt, die doch\nauch nicht auf den Mund gefallen sind. Aber\nkeine Art von Bescheidenheit kann mich vor\nder Erkenntnis schützen, daß die Form, in\nder ich August Stramms Dichtungen vor-\ntrage, an das innere Ohr auch jener gerührt\nhat, die aus Gewohnheit, Trägheit oder gar\naus vorgenommener Gegnerschaft gesträub-\nten Geistes zuhören. Und also wäre es\nmein Verdienst? Und nur mein Verdienst,\nwenn August Stramms Dichtungen wenig-\nstens denen erschlossen wurden, die sie aus\nmeinem Mund gehört haben. Aber ist es"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4511, "texte": "überhaupt ein Verdienst, wenn einer nicht\nanders kann? Und sagte ich nicht eben\nselbst, daß auch andere Wege zu Stramms\nErkenntnis führen? Ist es nicht das Ver-\ndienst des Dichters, daß er mir die Worte\ngegeben hat, die sich meinen Lauten fügen,\ndaß er sie mir in einer solchen Zusammen-\nfügung gegeben hat, daß sie sich der Selb-\nständigkeit meines melodischen Dranges\nfügen. Ich habe nie gesagt, daß ich mich in\nden Dienst seiner Lyrik stelle, wenn mir auch\nandere oft die Ehre erweisen wollen, in mir\neinen Aufopfernden zu sehen. Ich sehe kein\nVerdienst für mich. Nie wollte ich sein Dol-\nmetscher oder Interpret sein oder gar der\nPriester seines Wortes. Wer als Künstler\neinem anderen dienen will, als nur seiner\neigenen Kunst und sich selbst, der bleibt ein\nDiener. Aber der Künstler herrscht auch\nüber d i e Kunst, die er sich zur Hilfe nimmt.\nAber wo bin ich hingeraten? Habe ich mich\nverlaufen ? Ich verweile schon auf dem Gip-\nfel, von dem aus ich die Dichtungen August\nStramms zeigen will. In Wahrheit zeigen?\nKann ich sie sichtbar machen? Wir wollen\nuns um das eine Wort nicht streiten. Wir\nsind auf dem Gipfel. Ich habe Stramms\nWorte denen hörbar gemacht, die sie zuvor\nnicht hören konnten. Was ist Kunst? Ich\nwill mich kurz fassen: die sichtbare oder hör-\nbare Gestaltung eines Erlebnisses. Und da\nniemand die geschriebenen oder gedruckten\nBuchstaben, Worte und Sätze in ihrer nur\nsichtbaren Erscheinung für die Dichtung\nselbst nehmen wird, so muß die Dichtung\nwohl eine hörbare Gestalt haben. Mit dem\nOhr wird sie aufgenommen — ach! wurde\nsie einst aufgenommen. Aber die Ohren\nhaben sich gewöhnt, bis der Mensch das\nWort nicht mehr hörte, sondern nur noch\nseinen Begriff verstand. Bis ihm das Wort\nnur ein Begriff wurde und oft ein Begriff,\nder nicht einmal von sich selbst leben konnte.\nEin Begriff, der erst der Stützung durch an-\ndere Worte bedurfte, der mit Hilfe von Bie-\ngungen und Brechungen, von umgestalten-\nden Verrenkungen, von entstellenden Ver-\nlängerungen oder Verkürzungen eine gleich-\nmacherische Konvention schuf, die auch dem\nTörichtsten nur eine Deutung zuließ, und\ndie es als Grammatik zum höchsten Ansehen\ngebracht hat. Und sie wurde mit der Syn-\ntax und der Logik der Segen derer, die sich\nschnell verständigen wollten, und der Fluch\njener, die den Drang hatten, das Unsagbare\nzum Trotz doch sagen zu wollen. Aus die-\nser Gefangenschaft hat die Dichtung sich oft\nund oft zu befreien versucht, aber selten\nmehr Mut gefunden, als den zu einer dichte-\nrischen Freiheit, die kaum des Namens wert\nwaren. Wie stolz war sie, wenn sie es\nwagten, eine adjektivische Bildung wegzu-\nlassen, oder wenn sie sich zu einer Inversion\nentschlossen. Wenn nur der Sinn gewahrt\nblieb, wenn es nur verständlich war. Ver-\nständlich bis zur Klarheit, die ein wissen-\nschaftlicher Beweis verlangt. Und nun soll-\nten Allegorie und Symbol und der Vergleich,\nder Vergleich, der Vergleich wieder aus der\nNiederung des konventionellen Verstehens\nheraushelfen. Aber es half nichts. Das Wort\nbehielt seine konventionelle Bedeutung, die\nkeine Bedeutung mehr war, sondern eine\nAusdeutung, eine Auslegung. Das Auge\nbrauchte nur flüchtig die Buchstaben zusam-\nmenzuklauben, zusammenzulesen, zu lesen\nund der Begriff stellte sich ein. Und dann\nund dort kommt mal wieder einer, der sich\nerinnert, daß Worte gesprochen wurden, ehe\nsie geschrieben und gedruckt werden konn-\nten, und er versucht sich und andere durch\nKlang und Klangzusammenstellungen zu er-\ngötzen oder zu berauschen. Aber es war\nvergeblich. Die Begriffe herrschten über\nalles und ihre Aneinanderfügung war ein\nGang von Gedanken, zu dem das Silbenmaß\nden Takt schlug. Und Klugheit, Logik und\nWissenschaften regierten. Klug, logisch und\ndas wollen wir doch nicht vergessen, psycho-\nlogisch wurde was einst nichts als\nKlang war. Die Dichtung hatte vergessen,\ndaß das Wort das Material ihrer Ge-\nstaltung ist und nur das Wort, und\nnur das hörbare Wort. Dann, als die\nZeit erfüllt war, kam einmal ein Sonder-\nbarer und er hieß Arno Holz und entdeckte,\ndaß im Anfang der Dichtung das Wort war.\nAber sie hörten ihn nicht, denn sie wußten\nnicht, daß sie es nicht wußten. Und dann\nkam einer, der hieß August Stramm. Und er\nerlöste die Dichtung. Er befreite das Wort\nvon seiner konventionellen Bedeutung, die\nkeine Bedeutung mehr war, sondern eine\nvereinbarte Ausdeutung, gab ihm seine\nechte Bedeutung, seine Ur-Bedeutung wieder\nund führte es oft bis auf seinen verschollenen\n*\nUr-Wert zurück. Das Wort kann wieder\ngehört werden, weil es gehört werden muß."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4539, "texte": "Dieses ist das Fundament der Stramm'schen\nDichtung. Das Wort wird nicht in seiner\nengen einmaligen Ausdeutung verstan-\nden, sondern in seiner Ur-Bedeutung ge-\nhört, die vieler Ausdeutungen fähig ist.\nUnd diese Urbedeutung ist groß und gewal-\ntig. Im Anfang war das Wort. Das Wort\nist alles. Nichts ist gewaltiger als das Wort.\nNicht der hurtige Verstand findet für ein paar\nBuchstaben den einmaligen Sinn, das ganz\nandere, das mit diesen Buchstaben ge-\nmeint ist. Das Ohr läßt in die Seele das\neine Große und Vieldeutige, das der noch so\nhurtige Verstand aus dieser Fülle nicht zur\nEindeutigkeit herausreissen kann. Oder wie\nsoll ich die Ausdrücke wählen, um dieses\neine ganz begreiflich zu machen? Dieses\neine, an dem mir alles liegt, an dem die Dich-\ntung einer ganzen Welt hängt. Ich will das\nWort in seiner Urbedeutung mit dem Ton\nder Melodie vergleichen. Denn was be-\ndeutet er? Nichts. Nichts im Sinne\neiner Ausdeutung. Unendliches als Laut, der\nmit einer Schwingungszahl beziffert werden\nkann. Oder soll ich an die Farbe und die\nForm der neuen Malerei erinnern, die auch\nnicht ausgedeutet werden, sondern nichts\nmehr, aber auch nichts Geringeres bedeuten\nals alles, was diese eine Form und diese eine\nFarbe durchs Auge in unsere Sinne senken.\nSo ist das Wort in seiner Urbedeutung. So\nhat es August Stramm wieder gefühlt und\ngesetzt. Und mit dieser einen Tat hat er den\nGrund gelegt für alles, was noch folgen\nkonnte, um seine Dichtung neu und groß zu\nmachen. Wenn das Wort empfunden und\ngesetzt wird in seiner Urbedeutung, die\neinem Klang, einer Form oder einer Farbe\ngleichgewertet wird, dann kann die Verbin-\ndung dieser Worte zu einem gestalteten\nKunstwerk nicht nach den Gesetzen erfolgen,\ndie man gemeinhin für die Gesetze der Dich-\ntung gehalten hat. Nicht Grammatik und\nLogik, nicht ein Gedanke schaffen das Ge-\nfüge. Nicht Versmaß. Reim und Gleich-\nklang erheben das Gefüge zur Dichtung. Und,\nwas das Wichtigste zu sagen ist, auch nicht\ndie Form, nicht d i e Form, für die Literatur-\ngeschichte und Aesthetik jene vielen Namen\nschaffen konnten. Man ist kein formvollen-\ndeter Dichter, auch wenn man Sonnette oder\nDistichen noch so geschickt zu Wege bringt.\nDer Künstler kann die Form nicht wählen\nwie ein Kleid. Er kann Worte nicht in eine\nForm zwängen, denn sie ist in Wahrheit nur\neine Formel. Die Form des Kunstwerks ent-\nsteht mit dem Inhalt. Von ihn ist sie nicht zu\ntrennen. Denn Inhalt und Form sind eins.\nOhne Inhalt keine Form und ohne Form kein\nInhalt. Und beide entstehen durch das\nGleiche und das Eine, das allein die Kunst\nschafft, weil es allein den vielen chaotischen\nund kunstlosen Einzelheiten die neue Einheit\nund die lebendige Gestalt gibt: durch den\nRhythmus. Und wie der Rhythmus der musi-\nkalischen Melodie nicht ihr Takt und ihr\nTempo ist, sondern jenes Schreiten der Töne,\ndas nur die Seele wahrnimmt, so ist der\nRhythmus der Wortkunst dieses Schreiten\nvon Wort zu Wort, dieses Wägen von Wort\ngegen Wort, dieser Reichtum der Beziehun-\ngen, in denen ein Wort zum anderen und allen\nsteht. Kein logisches, kein grammatikalisches\nBand knüpft die Worte zur Kunst zusammen.\nJedes strahlt seinen vieldeutigen Reichtum\naus und läßt den Hörer fühlen, was in seiner\nBrust aus dieser Fülle Gleiches klingt.\nDieser Art ist die Lyrik August Stramms. Sie\nläßt den Hörer fühlen. Sie war zum ersten\nMale wieder eine Dichtung aus Urzeiten.\nWas der Leser gedruckt vor Augen hatte,\nwaren nur Zeichen, die wenige verstanden.\nNoten, die nur der Notenkundige innerlich\nhören konnte. Der Spott, der vor zehn Jahre\nund noch lange nach des Dichters Tod diese\nDichtung zu beflecken drohte, war in seinen\nUrsachen zu verstehen, so abscheulich auch\noft seine Formen gewesen sind. Wenn schon\nalles Neue bespottet wird, mußte der Spott\nStramms Dichtungen besonders treffen.\nDenn hier war alles wahrlich unerhört.\nNicht nur das alte Wort, so wohlbekannt es\nklingen mochte, wurde unbegreiflich. Der\nDichter hatte sich in seiner Erkenntnis die\ngrößte dichterische Freiheit genommen und\naus alten Stämmen neue Worte in Hülle und\nFülle gebildet. Und ich denke, es mag den\njetzigen und den kommenden Gelehrten zur\nstaunenden Arbeit gereichen, in welche tie-\nfen und geheimnisvollen Gründe des Worts\ndieser Dichter geschaut hat. Denn dieser\nPostinspektor im Reichspostamt zu Berlin,\nder schon vor dem Krieg ein Hauptmann der\nReserve und ein Doktor der Philosophie war,\ndieser Dichter, der die Dichtung von der\nHerrschaft des Gedankens befreite, hat Dich-\ntungen der schwersten Gedankenfülle ge-\nschaffen. Er hat Erkenntnissen des kosmi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4577, "texte": "sehen Geschehens Ausdruck gegeben, wäh-\nrend er nur dem reinen Wort und seiner Vor-\nwärtsbewegung zu dienen schien. Mehr als\nStramm in seinen beiden größeren lyrischen,\num nicht zu sagen epischen Dichtungen\nschauen läßt, wird der Menschengeist von\nden Himmelskörpern und ihrem Todwerden\nnicht ersinnen. Und mit diesem Tiefsinn ver-\nglichen, scheint es nur ein Kinderspiel, in\nwelcher Totalität sein Zyklus Liebesgedichte\n„Du\" alles erschöpft, was die Geschlechter\nzueinander und voneinander reißt und im\nRhythmus dieser Planeten herumschleudert.\nOder es scheint nur ein leicht tändelnder\nGeist, der in den Gedichten, die im Feld ent-\nstanden, die letzten Schleier durchblickt, bis\nin den sturen Raum, wo schon unser Kindes-\ndenken den Wahnsinn fürchtete. Wahrhaftig,\ndieser Dichter, der die Lyrik von der Herr-\nschaft des Gedankens befreit hat, braucht vor\nkeinem der Grübler zurückzuweichen, wenn\nvon der Durchdenkung der letzten Dinge die\nRede ist. Er hat es freilich kurz gemacht in\nallen Fällen. Denn alles war klar und ein\nGott gab ihm, mit wenigen Worten zu sagen,\nwas er erschaut hatte. Denn diese Worte\nhatten alle Fülle ihrer Urzeit. Die Nachwelt\nhat ihm diese Kürze oft schlecht vergolten.\nSie hat die Kürze, die zwar nicht des mensch-\nlichen Witzes Würze, aber seine Kraft ist,\nfür das Wesentliche genommen. Sie hat\nStramm, und oft mit aller Hochachtung, für\neinen Dichter des Telegrammstils gehalten,\nfür einen Baller und Raffer und hat aus dieser\nbeachtlichen Eigenschaft, aus dieser für unser\ngedrängtes Leben so brauchbaren Dichtungs-\nweise auch gar noch den Begriff des Expres-\nsionismus hergeleitet. Und einige Dutzend\nModedichter sind auf den Leim gegangen\nund haben's kurz, aber schlecht nach-\ngemacht. Oder Andere haben August Stramm\neinen Flecken- und Tupfensetzer genannt\nund so, wieder unter dreimaliger Anrufung\ndes Expressionismus, einen Pointillisten aus\nihm gemacht. Einen Pointillisten, der das\ngerade Gegenteil eines Expressionisten ist,\nweil er Zusammenhänge streicht und nur\nahnen oder vermuten läßt, anstatt durch die\nchemische Verbindung des kosmischen heili-\ngen Rhythmus die Bestandteile aneinander\nzu schweißen. Ja, so ist Stramms Dichtung\nverkannt worden und so rächt sie sich an\ndenen, die glauben, leicht mit ihr fertig zu\nwerden. Wer in Stramm nichts sieht als\neinen, der wichtige Worte setzt und das\nNebensächliche wegläßt, weil es jeder leicht\nhinzudenken kann, der mag gleich leugnen,\ndaß Stramm ein Dichter war. Es gibt keine\nNebensachen in der Kunst. Quod non est in\nactis, non est in mundo. Es ist nichts zwischen\nden Worten oder zwischen den Zeilen zu\nlesen. Es ist nicht die Frage, wo und wie\netwas zu ergänzen sei. Wer Stramms Dich-\ntungen so liest oder hört, will nicht erleben,\nsondern verstehen. Und die Wenigen, die\nneben und außer mir Stramms Dichtungen\nvortragen, glauben wohl, hier ein vortreff-\nliches Material für ihre Interpretationswut\ngefunden zu haben. Was sie immer zu tun\ngewohnt waren, darin glauben sie hier in\nüppigster Fülle schwelgen zu können. Sie\ndeuten das Wort aus, lassen Worte und Sätze\nahnen, die nicht da sind, und geben von\nStramms Rhythmus, da sie selbst keinen\nschaffen können, keine Ahnung. Eine viel-\ndeutige Großartigkeit, die jedes Herz errei-\nchen kann, zerkleinern sie bis zur Anekdote\nund Pointe, die kaum Einen in Verwunderung\nsetzen kann. Sie sind eitle Kinder der Welt\nund sie hängen an ihr, und was sie reden,\nsoll der Verstand begreifen. Und wenn sie\nTheater spielen, soll es mit Händen zu greifen\nsein und mit dem Verstand und der Psycholo-\ngie zu erfassen. Und da sie einmal so sind,\nist das Schicksal der sieben Dramen August\nStramms für lange Zeit entschieden. Max\nReinhardt tat, was er tun konnte, als er vor\neinigen Jahren Stramms „Kräfte\" zu einem\nder größten Erfolge seiner Regieführung be-\nnutzte. Denn er wußte selbst, daß er mit\nseinen besten Schauspielern einen anderen\nWeg nicht gehen konnte als den des\nrealistisch-psychologischen Stils. Er hat mit\nseiner Aufführung das Aeußerste dieser Stil-\nart erreicht. Das Drama selbst fiel dem Stil\nzum Opfer. Stramms Worte wurden die\nStützpunkte einer ergänzenden, wenn auch\nmanchmal der besten Schauspielerei. Das\nhatte Stramm nicht gewollt. Denn nichts\nwar zwischen den Worten zu lesen, zu inter-\npretieren, zu ergänzen. Worte waren zuein-\nander zu spielen, und sonst nichts. August\nStramm selbst hatte das Drama gedich-\ntet. Ohne diese Erkenntnis wird kein Re-\ngisseur Stramms Dramen spielen können.\nUnd seine Erkenntnis wird ihm erst dann\nnützen, wenn er Schauspieler findet, die da-\nrum dem Dichter am besten dienen, weil sie"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 592, "texte": "ihm nicht zu Hilfe kommen, sondern nur ihrer\neigenen Kunst dienen wollen, der rhythmi-\nsierten Sprechmelodie. Die Zukunft wird\nauch diese neue Fähigkeit schaffen. Und die\nFähigen werden hören, statt zu begreifen.\nDann werden sie den Worten des Dichters\nden Rhythmus ihrer Ur-Melodien geben,\nund die Menschheit ahnen lassen, daß der\nDichter darum ein Gottbegnadeter ist, weil\ner das Unsagbare sagen kann. Nich in aller\nMenschen Zungen. Aber mit Engelszungen.\nUnd den holden Wahnsinn wird kein Spott\nmehr treffen.\nDie Dichtungen von August Stramm sind im\nVerlag „Der Sturm\", Berlin, erschienen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c003", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "125", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Pierre Flouquet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c004", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.3", "titre_corps": "An die Führer und Lehrer des Maschinen-Menschen", "titre_sommaire": "An die Führer und Lehrer des Maschinen-Menschen", "signature_source": "Erlauch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.8", "debut_caractere": 594, "fin_caractere_exclue": 3930, "texte": "An die Führer und Lehrer des\nMaschinen-Menschen\nErlauch\nIhr Führer und Lehrer des Maschinenmen-\nschen: Ingenieure, Geistliche, Gelehrte,\nPhilosophen, Dichter und Künstler, die ihr\ndiese Lärmwelt-Maschinenwelt eingerichtet\nhabt unter der schonungslosen Herrschaft\neurer pfahlbürgerlichen Ichs, aus dürren gna-\ndenlosen Ichs so eng und qualvoll, in der\nschrecklichen Auslese durch Maschinen —\nwie werdet ihr bestehen, wenn des Grauen\nFalken Reich beginnt, und der Ichlose, Ma-\nschinenlose eure Lärmwelt in Scherben\n- . „ • '>' ' *\nVermag, ihr Gelehrten, eure Wissenschaft\nzu bestehen, die der Energie dient und der\nIndustrie: eure Chemie, Biologie, Physik\neure Gesetze des Lichts und der Kraft,\nStern-, Pflanzen- und Tierkörper, eure Er-\nkenntnisse des Sternen- und Blutkreislaufs,\nhabt ihr all eure Ergebnisse nicht in die In-\ndustrie hineingeleitet, dienen sie nicht der\nErzeugung durch Maschinen?\nVermag, ihr Geistlichen» eure Religion zu be-\nstehen, die ihr auch der Aufgabe unterordnet\nhabt, die Menschen zum wöchentlichen\nRuhetag zu rufen, zum Ausruhen von Bohr-\nmaschinen, Hochöfen, Grubenschächten,\nDynamowerken. Damit die Müden nicht zu\nschnell in den Fängen der Maschinen veren-\nden, ruft die Kirche zum siebenten Tage,\ndem Ruhetage vor den Altaren von Jehovah\nund Christ. Im Widerstreit der Kräfte des\nStreites und Hasses Aller gegen Alle, ruft\ndie Kirche die Gehetzten, durch Haß und\nWut und Empörung Erschöpften zum gemei-\nnen Wohl, gemeinen Heil, zur Nächstenliebe\nund zum Mitleid. Elende und Untergehende\nretten Salvation Army und Christian\nScience. Aber Kirche und Religion wagen\nnicht diese Lärmwelt-Maschinenwelt anzu-\ntasten und ihre Gewinner und Willigen preis-\nzugeben. Wie vermögen all diese Kirchen\nzu bestehen, die der durch Maschinen er-\ndrückten und ausgeplünderten Völker sich\nnicht erbarmen und allzu schwere Last be-\nsorgen, allzu tiefe Gefahr fürchten.\nUnd endlich, ihr Denker, wie vermögt ihr zu\nbestehen, die ihr euer Leben damit zuge-\nbracht habt, immer den Schutt eurer Vor-\ngänger wegzuräumen, damit ihr Ellenbogen-\nfreiheit bekommt, um die Welt frisch und neu\nnach euren eitlen Systemen einzurichten.\nAllein die maschinellen Systeme der großen\nKraftwerke waren euren Systemen an künst-\nlicher Erfindung und Energie immer über-\n« #\nlegen, und so suchtet ihr die euren fortan\nnach jenen zu modeln. So reicht ihr denn\nmit eufen Disziplinen logischer Gedanken-\nschärfung nicht bis in die lebendige Schöp-\nfung hinaus, dahin, wo den dürren Gedanken\ndes Systems die unermeßliche See des Gei-\nstes empfängt und ihn auslöscht im Golf-\nstrome von Dunkel und Leid.\nVon euch alten Führern sehen wir weg, von\neuch Allen, die diese Lärmwelt-Maschinen-\nwelt einrichteten und türmten. Wir hören\nund fühlen weg von euch, wenden uns auf\nden maschinenlosen Weg fort für immer.\nNicht um diese Welt zu fliehen, zu verlassen,\nund euch Gnadenlosen, Strahlenlosen den\nPlatz zu räumen, ihr Lacher und Genießer,\nsondern um eure Ichs zu fliehen, zu verlassen,\nzu enden. Leise, am untersten Saume heben\nwir den Vorhang auf, den ihr vor die\nSchöpfung gespannt habt, diesen Vorhang\naus Lärm, gedunsenen Ichbälgen und arm-\nseligen Hirnen. Wir werden den Sturm be-\nschwören, den Nebel zerreissen und der\nWelt uraltes Erbe wieder gewinnen. Die\nMaschinenlosen werden die Welt von neuem\nführen, selbst geistiger Strenge wieder\ngehorsam."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c005", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "127", "page_fin": "131", "image_debut": 9, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.4", "titre_corps": "Eine kleine Streitschrift über die Dirne", "titre_sommaire": "Eine kleine Streitschrift über die Dirne", "signature_source": "Erasmus", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4042, "texte": "Eine kleine Streitschrift über\ndie Dirne\nErasmus\n\nIch zeichne diese streitbaren Zeilen nicht mit\nmeinem bürgerlichen Namen, weil sie unper-\nsönlich sein wollen. Das Anonymat schließt\nbeim Schreiber und Leser eher die Vorurteile\naus. Diese Parerga und Paralipomena zur\nkäuflichen Liebe sind in Paris geschrieben\nworden, in der Stadt, wo das Dirnentum die\nästhetischsten aber auch die gewalttätigsten\nFormen angenommen hat. Ich sage das, um\nmanche Einzelheiten zu situieren.\n1\nDer sentimentale Dirnenroman mit sogenann-\nter Welten-Schonungsperspektive ist zu\nverachten, weil er einer Abfallserscheinung\ndes Lebens eine Bedeutung gibt, die sie im\nGemüt der sozialen Schwärmer leicht zur\nNorm steigert. Das ist auch für Charles-\nLouis-Philippe gesagt. Der kraß-realisti-\nsche Dirnenroman ist zu verachten, weil man\nseit einem halben Jahrhundert gründlich\nüber alles drum und dran Bescheid weiß. Es\ngenügt, mit dem nötigen Sinn für Wahr-\nhaftigkeit das Dirnentum zu betrachten, um\neinzusehen, daß es keine moralische, keine\nsoziale Angelegenheit ist, sondern eine Le-\nbensweise und ein Beruf, die nicht besser\nund nicht schlechter sind als alle die anderen.\nDann gelangt man dahin, wohin man gelan-\ngen muß, zur Aesthetik und zur Hygiene, zur\nBerufsästhetik und Berufshygiene. Diese\nAphorismen sind der schwache Versuch\neiner Anbahnung zu dieser Umstellung.\n2\nDie Verächter des Dirnentums unter den\nMännern räsonnieren und handeln aus Eifer-\nsucht. Aus Eifersucht gegen das weibliche\nGeschlecht. Die Männer sind ärgerlich da-\nrüber, daß die Weiber den Verkauf der Ge-\nnüsse, den sie mit ihrem Körper spenden\nkönnen, in eine soziale Form gebracht haben\nund daß diese Form, die Jahrtausende alt ist,\nihnen es erleichtert, einen Käufer für ihre\nReize zu finden. Während die Männer in\ndem Fall, wo sie mit ihrer Geschlechtskraft\nHandel treiben wollen, noch immer nicht\nrecht wissen, wie sie sich anstellen sollen\nund dem Zufall ausgeliefert sind. Es ist aber\nnichts Lächerlicheres als diese moralische\nEntrüstung der Männer über die Dirne, denn\ndie Männer haben aus reiner Verlegenheit\ndas Prinzip der Geschlechtskäuflichkeit in\ndie Ehe gebracht, indem der Bettzins in Ge-\nstalt der Mitgift der Frau erhoben wird.\n3\nDaß das Dirnentum seinen Einzug in die Ehe\nhalten konnte — vor allem durch die Kom-\nplizität des Mannes — es ist der beste Be-\nweis dafür, daß es eine Institution in der un-\ngeschriebenen Verfassung der menschlichen\nGesellschaft ist. Dirnen, Dirnen .. . jawohl,\ndas kennen wir — so sagen diese Leute! —\nDas treibt sich in Tag- und Nachtlokalen, auf\nBürgersteigen und an Straßenecken herum,\nwackelt mit dem Steiß, schminkt, färbt, koh-\nlet und erhimmelt sich über die Maßen, ver-\nschachert seinen gottgesegneten Leib und\nendet im besten Falle als Bordelleiterin oder\nAbortfrau. So urteilt man, wenn man die\nProletarierinnen der käuflichen Liebe für den\nreinsten Ausdruck des Typus nimmt. Man\nkann aber leicht erfahren, daß der Typus sich\nam raffiniertesten da realisiert, wo die\nAeußerlichkeiten reduziert sind, und das ist\ngerade in ganz bestimmten Ehen. Es fehlte\ndabei nur noch die Freizügigkeit, die die\nErleichterung der Ehescheidung glücklich\ngebracht hat.\n4\nAber lassen wir das! Die männliche Dirne\ninteressiert auch hier nur nebenbei, weil ihre\nCharaktermerkmale trotz allem noch nicht\nscharf genug ausgeprägt sind. Ich halte mich\nbeinahe ausschließlich an die weibliche\nDirne. Die Geschmeidigkeit, mit der das\nweibliche Dirnentum ausgeübt wird, scheint\nmir eine Revanche für das, was die Männer\nseit dem Adam- und Eva-Paradies an der\n«\nFrau verbrochen haben. Es ist die natürliche\nRevanche gegen die Herrschsucht des Man-\nnes, der sich ein Genußobjekt als Eigentum\nleisten will. Nun, dann soll er zahlen! Da\ner direkt oder indirekt mit seiner Arbeit zah-\nlen muß, hat die Frau ihn zu ihrem Sklaven\ngemacht. Die Männer sind sonderbare Herren\nder Schöpfung!\n5\nDie Entrüstung der „anständigen\", auf die\nEhe hin trainierten Frau über die Dirnen ist\nauch nicht viel weiter als das Geständnis\neines „Non possumus\". Das wäre ihnen be-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4318, "texte": "quem, mit raffinierter Schaustellung ihrer\nReize und vor allem mit den Heimlichkeiten\n*\ndes Flirts den Mann so gefügig zu machen,\ndaß er als „Firma\" eingefangen werden kann\nund nicht zu riskieren, daß er seine hoch-\ngespannte Libido bei der Prostituierten ent-\nlädt. Und es wäre noch viel bequemer, in aller\nGeschlechtlichkeit eine Stümperin zu sein\nund dem Mann es als Verworfenheit anzu-\nrechnen, daß er die Sexualkunst der Dirne in\nAnspruch nimmt. Wie oft hat diese und jene\nEhefrau, die nur dasteht und klagt, durch ihre\ngeschlechtliche Dürftigkeit den gutgewillten\nMann dem gescheiten Schoß der Dirne zu-\ngetrieben, denn wie hätte sonst der arme\nTeufel sich zu helfen gewußt!\nBei Gott, wie oft gerät denn so richtig ein\nbürgerlicher oder kleinbürgerlicher Coitus?\nIst denn dieses öde Getue nicht meistens\nallergröbste Täuschung? Und hat man dafür\nnicht das unheimliche Wort von den „ehe-\nlichen Pflichten\" erfunden ? Es ist erstaunlich,\ndaß nicht mehr Frauen ihren Männern und\nnicht mehr Männer ihren Frauen weglaufen.\nDer Mann ist jedenfalls besser dran, denn\nbei der Dirne weiß er was er hat.\nLassen wir doch diese verfluchte Heuchelei\nbeiseite. Seien wir unter Männern — ganz\nunter uns — doch einmal offen und gestehen\nwir: Wer hat nicht bei der Dirne geschlafen\noder wer hat nicht bei ihr schlafen wollen\nund ist nur durch allerlei unkontrollierbare\nHemmungen davon abgehalten worden ? Und\nwer hat dann noch ein Recht, sie in philiströ-\nser Selbtsgefälligkeit zu schmähen? Es gibt\nAusnahmen; ich kenne sie wohl. Das sind\ndie großen Keuschen, die ganz Reinen, die\nErlösten, die Heiligen, die außerhalb des\nJahrhunderts leben. Denen fehlt dann auch\ndas Verständnis der heutigen Welt, weil diese\nohne die Ergründung, ohne eine freimütige\nPsychologie des Dirnentums nicht verstan-\nden werden kann. Und der Welt, der heuti-\ngen und der vergangenen, fehlt auch das\nVerständnis für diese Reinen, denn von jeher\nwurden sie verstoßen und ans Kreuz ge-\nschlagen. Unter ihnen war der Nazarener,\nder seine göttliche Hand verzeihungsvoll\nüber die Dirnen ausstreckte und das Wort\nprägte, das über jedem Freudenhaus stehen\nsollte: „Wer ohne Schuld ist, werfe den\nersten Stein auf sie.\"\n7\nDie Zusammenhänge der Zivilisation mit dem\nDirnentum einmal genau, vorurteilslos, kul-\nturpsychologisch zu ergründen: wo ist der\nMann, der das wagt? Er müßte durch die\nstrenge Schule Nietzsches gegangen sein und\ndabei viel erlebt, gelebt, mit den armen, ver-\nachteten und den reichen, befehlerischen Dir-\nnen gelebt haben. Sollen wir auf ihn war-\nten? Er wird vielleicht nie geboren.\nJe mehr wir in der Zivilisation voranschrei-\nten — man merke sich, daß ich nicht von Kul-\ntur, sondern von Zivilisation spreche — um\nso weitschichtiger, hilfsmittelreicher, vielge-\nstaltiger und auch prunkvoller wird die Pro-\nstitution, um so mehr verfilzt sie sich mit\ndem, was wir in so geschmackloser und\nwahrheitswidriger Weise „die Errungen-\nschaften des menschlichen Geistes\" nennen.\nDer Bau der Luxuskraftwagen steht zu einem\ngroßen Teil im Dienst des offenen und ver-\nkappten Dirnentums, und die moderne\nHydrotherapie ist ein beliebtes Aushänge-\nschild für feinere Bordelle.\n8\nDer Typus der Dirne ist gewiß kein ethischer\nTypus. So sicher es ein Zeichen von Kultur\nist, das Vergnügen zu verfeinern, und so\nwenig wir uns darüber ärgern dürfen, daß\ndiese Verfeinerung sich in die Lasterhaftig-\nkeit hinein verzweigt, die Menschen, die ihr\nGeld damit verdienen, indem sie ihren Geist\noder ihren Leib in den Dienst des Vergnügens\nstellen, sind meist unvornehme Naturen. Es\ngelingt der Dirne auch selten, vornehm zu\nsein, dann freilich ist sie von einer hoch-\ninteressanten Vornehmheit. Lassen wir da-\nher das Ethos und jeden soziologisch-ethi-\nschen Maßstab beiseite. Aber wir Männer\nsollen doch der Frau nicht vorwerfen, daß sie\nihre Sinne verkauft, denn sie begeht dadurch\neinen an und für sich sittlich gleichgültigen\nAkt. Die Männer habens weiter gebracht;\nsie haben den Typus des Zuhälters heraus-\ngebildet. Und da fällt dem Ethiker die Wahl\nnicht schwer, zwischen dem armen Luder,\ndas den Hemdzins in den Seidenstrumpf\nsteckt und dem Helden, der im fahlen Mor-\ngenlicht den Strumpf umdreht und das sauer\nverdiente Geld versäuft und verspielt.\nSchweigt, ihr sonderbaren Herren der Schöp-\nfung : sie tun es und ihr nehmt ihnen das Bar-\ngeld ab."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4181, "texte": "9\nReden wir nicht lange hin und her: was die\n„anständigen\" Frauen gegen die Dirnen auf-\ngebracht hat, hängt nicht mit rechtschaffener\nMenschlichkeit zusammen, ist weiter nichts\nals der Zorn gegen eine überlegene Konkur-\nrenz. Ja, ja, die Konkurrenz . . . (ich muß\ndavon aufhören, sonst verfalle ich in den\nübelsten Journalismus.)\nIch habe einen feinen alten Herrn gekannt,\nder mir so um die Sechzig herum sagte:\n— der Unglückliche war übrigens zweimal\nverheiratet gewesen, aber fragt mich nur\nnicht wie — „Ich habe diesen erotischen\nDilletantismus gründlich satt, ich halte mich\nbis an mein Lebensende nur mehr an die\nVirtuosinnen der Liebe. Wenn ich mir\nordentliche Stiefel leisten will, gehe ich zu\neinem Schuster und nicht zu einem Schnell-\nsohler.\"\nUnd vor langen Jahren stand im Simplizissi-\nmus selig ein guter Witz. Ein Leutnant ist\nauf einem vornehmen Ball und seufzt: „Wenn\nich am Tag vorher in den Amorsälen war\nund dann dieses öde Getue sehe, ist es mir,\nals ob ich aus einem Rennstall in einen Kuh-\nstall käme.\"\n10\nMan braucht nicht sentimental zu sein, um\nvon der tiefen Melancholie, die alle käufliche\nLiebe durchdringt, ergriffen zu werden. Auch\nhier wird der ganze Weg der Tragik durch-\nlaufen, auch hier sind die Gefühle in para-\ndoxaler Gegensätzlichkeit gemischt, wie da,\nwo es sich um die große Sexualleidenschaft\nhandelt.\nPierre Louys, den man einen Pornographen\nschalt, der aber mehr analytische Kraft ver-\nausgabte als die Zerfaserer der „mondänen\nLiebe\", hat uns in einem kleinen Sätzchen\nder „Aventure du roi Pansole\" ein Fenster\nauf diese Traurigkeiten geöffnet: „Die\nFrauen sind auf der Welt, um sehr\nunglücklich zu sein. Oft ohne jeden Grund,\naber wenn eine Dirne zu weinen be-\nginnt, antworte ich dir, daß sie weiß wes-\nhalb . . . Weil sie mit einer Liebe spielt, die\nnie aufhört ihr zu entschlüpfen. Weil sie,\nunter zwanzig Männern, die sie verabscheut,\neinen wählt, den sie liebt, und weil dieser nur\neinen Wunsch hat, sie so schnell wie mög-\nlich zu verlassen. Weil man keine traurigere\nund mühsamere Komödie spielen kann als\ndie der zärtlichen Gefühle.\"\n11\nWenn ich Gerechtigkeit, Nachsicht und an-\ndere normale Gefühle für die Dirne fordere,\nso denke ich dabei weniger an die Kourtisane,\nfür deren Lob die Chevaliers servants des\nHellenentums, die Renaissancezeit und des\nZeitalters der großen Amoureusen ihre Fe-\nder spitzten. Die Kourtisane ist ein ästheti-\nsches und kein soziales Objekt, die ist arri-\nviert, die hat sich ihren Gotha oder ihren\nbürgerlichen Adel erschlafen und findet über-\nall Verteidiger ihrer Respektabilität. Mir liegt\nam Herzen die arme kleine Hure, die Prole-\ntarierin der Prostitution, die nur durch einen\nglänzenden Zufall in unserer miserablen Ge-\nsellschaftsordnung die Möglichkeit zum Auf-\nstieg findet. Hat man schon festgestellt, wie\nunerbittlich sich in diesem abseitigen Reich\ndie Schichtung der Klassen aufrecht erhält,\ndaß nicht einmal strahlende Schönheit im-\nstande ist, die Schranken niederzulegen, die\ndie Kourtisanen von der Plebs trennen? Der\nAufstieg ist den niederen Dirnen eher durch\nKlugheit und durch die Suggestion einer un-\ngewöhnlichen Lasterhaftigkeit — die aber\nmeistens ein Versprechen oder eine Illusion\nbleibt — als durch Schönheit möglich.\n12\nDie Bequemlichkeit, mit der die Frau in das\nDirnentum hineingleitet, während der Mann\nimmerhin Hemmungen, meist sehr starke\nHemmungen überwinden muß, sind gar nicht\nmoralischer, sondern rein physiologischer\nNatur. Das ist schon so häufig hervorgeho-\nben worden, daß ich nicht weiter darauf ein-\ngehe, leider hat man daraus nicht immer die\nKonsequenzen gezogen. Das Dirnentum, das\nheißt die Gewährung ihrer körperlichen Ge-\nnußreserven gegen soziale oder materielle\nSicherheiten oder Aequivalente, gehört zum\nallgemeinen Typus der Frau. Sie erträgt das\nganz leicht, weil sie in den Stürmen der Ero-\ntik passiv bleiben kann, ohne sie da-\ndurch illusorisch zu machen. Es gehört nun\ndie ganze Perversität unserer soziologischen\nDialektik dazu, um aus dieser psychologi-\nschen Eigentümlichkeit — die schließlich\neinen Vorzug repräsentiert — eine Schande\nzu machen.\nWeil die Grenzen zwischen uneigennütziger\nund eigennütziger Sexualität bei der Frau so"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4294, "texte": "fließend sind, weil viele unter ihnen nicht\nwissen, ob sie sich noch verschenken oder\nsich schon prostituieren, werden bei ihrer\nBeurteilung alle moralischen Motive hinfällig.\nAber der Mann, der seine sexuale Potenz ver-\nkauft, der die in ihm wallenden Hemmungen\nbewußt überwindet, und besonders der\nMann, der in irgend einer Form an den Typus\ndes Zuhälters streift, hat für sein Verhalten\nkeine Entschuldigung. Ohne daß wir dafür\naufs hohe Roß der moralischen Süffisance zu\nsteigen brauchen, dürfen wir ihn ruhig als\neinen minderwertigen Typus erklären.\n13\nBei der moralischen Ablehnung der Dirne\nlegt der Philister das Hauptgewicht auf die\nKäuflichkeit. Nehmen wir einmal an, das Ob-\njekt, das hier verkauft und gekauft wird, sei\nan und für sich verwerflich. Wenn dann der\nKaufakt dadurch eine verwerfliche Handlung\nwird, so liegt die Unehrenhaftigkeit ebenso-\nsehr beim Käufer als bei der Verkäuferin. Da\nbeim Kaufakt die Nachfrage ebenso bestim-\nmend ist wie das Angebot, ist es unzulässig,\nhier einen Unterschied aufzustellen.\nWenn das Objekt moralisch indifferent ist,\nso kann das Geschäft nur danach beurteilt\nwerden, ob es in ehrlicher Weise vollzogen\nwird. Das ist dann eine Sache der Ab-\nschätzung. Unehrlichkeit aber liegt keines-\nwegs vor, wenn der Käufer aus Dummheit\noder aus Verblendung das Objekt zu teuer\nbezahlt. Weil der Mann unter dem Druck\nseines Geschlechtstriebes mit der Dirne meist\nunvorteilhafte Geschäfte abschließt, sucht er\nsich damit zu trösten, daß er aus der Ueber-\nlegenheit der Liebesverkäuferin — die\nimmerhin noch eine zweifelhafte und durch-\naus zufällige Ueberlegenheit ist — einen\nmoralischen Defekt macht. Man kann die\nHeuchelei wahrhaftig nicht schamloser be-\ntreiben.\nWas aber all den moralischen Werturteilen\nüber die Prostitution den Boden entzieht,\nist der Umstand, daß das Objekt, das angebo-\nten und verkauft wird, einen positiven Wert\nbesitzt. Wenn man alle die systematisch ge-\nzüchteten Vorurteile beiseite setzt, so ist die\nVermittlung von Geschlechtslust, auch wenn\nsie nicht in Liebe und Hingabe oder durch\nSchenkung erfolgt, eine Steigerung des\nWohlbefindens der Menschheit und nur die\nPuritaner haben Gründe, sie geringschätzig\nabzulehnen.\nWas verkaufen denn die Dirnen? Gewiß\nkeinen Schmerz, sondern Vergnügen, sie ver-\nkaufen auch keine Kanonen, keine Giftgase\nund keine Panzerplatten. Es gibt nur eine ein-\nzige Depression : das ist die Krankheit. Und\nwenn hier alle Gefahrquellen ausgeschlossen\nwären, stände der Geschlechtsakt auch in\nseiner unvorteilhaftesten Ausprägung längst\nneutral da.\n14\nEs ist interessant, die Menschenkenntnis, also\ndie Männerkenntnis der Dirnen zu beobach-\nten und sich an dem Aufwand von professio-\nneller Klugheit, den sie manchmal anwenden,\nzu ergötzen. Bei den wissenden Dirnen kon-\nstatiert man außerdem die Abwandlung der-\nselben Gebräuche, die im Handel gang und\ngäbe sind: das raffinierte Anpreisen der Ware\nim günstigen Augenblick, das kräftige Zu-\npacken, wenn diese Taktik mehr Erfolg ver-\nspricht. Und man muß sich schon aus diesem\nGrunde daran gewöhnen, daß die Prostitution\nein Geschäft ist, wie jedes andere. Beson-\nders wir Schriftsteller brauchen und der\nDirne gegenüber nichts einzubilden. Ver-\nkaufen wir nicht unseren Geist, und manch-\nmal unsere Ehrbarkeit und Ehrlichkeit an\nden Meistbietenden? Ist die Herabwürdi-\ngung, die wir uns manchmal bieten lassen,\nnicht schlimmer und auch sozial gefährlicher\nals dies Geschäftsgebaren der Dirne?\nWas haben wir schließlich von unserem\nmoralischen Geflenne gegen das Dirnentum?\nWeil wir es nicht in seiner Gesetzmäßigkeit\nund seiner Hochanständigkeit — denn was\nist anständiger als die soignierte Befriedi-\ngung eines natürlichen Bedürfnisses — er-\nkannten und anerkannten, hat es seine Re-\nvanche genommen und sich in den Dienst der\nDümmsten und illusionslosesten Lasterhaftig-\nkeit und der grobkörnigsten Geschäfte-\nmacherei gestellt. Es verheert die Groß-\nstädte nicht durch seine korrumpierte Leib-\nlichkeit, sondern durch seine Komplizität mit\nallem, was von Parasitentum in unserer Zivi-\nlisation gezüchtet wurde. Der alte Retif\nde la Bretonne, der kein Pornograph,\nsondern ein Logiker war, ein im strengen\nrationalistischen Geist des achtzehnten Jahr-\nhunderts gewachsener Logiker, hat den Weg\ngezeigt zu gut eingerichteten Frauenhäusern,"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 488, "texte": "in denen die Lust des Fleisches von seeli-\nschem Weh möglichst gereinigt ist. Man hat\nüber ihn gelacht als über ein Kuriosum. Und\nwir haben, weil wir nicht auf ihn und seines-\ngleichen hörten, diese stupide, kostspielige,\nmit Apachentum, Alkohol, Nikotin, Kokain\nund Flagellantentum durchsetzte Prostitu-\ntion des neunzehnten und zwanzigsten Jahr-\nhunderts, die wir nur etwas durch einen\ngewissen Kultus der Nacktheit — der\naber viel zu geschäftsmäßig ist — zu rehabi-\nlitieren versuchen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c006", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.4.1", "titre_corps": "Vordemberge-Gildewart: K Nr. 5", "titre_sommaire": "Vordemberge-Gildewart: K Nr. 5", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 30, "texte": "Vordemberge-Gildewart: K Nr. 5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c007", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.5", "titre_corps": "Königin Goldspinst im Monde", "titre_sommaire": "Königin Goldspinst im Monde", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.17", "debut_caractere": 490, "fin_caractere_exclue": 3707, "texte": "Königin Goldspinst im Monde\nThomas Ring\nEine Königin hatte einen Mondbalkon, auf den\nsie flüchtete wenn nebenan im Schlaftapeten-\nwürfel die Mäuse am Rokokoschneckenbein\ndes schiefen Tischchens hochzibberten, um\ndort das harte Brot der Wirklichkeit zu krü-\nmeln. Draußen aber rauschte das Meer zum\nKnarren schwerer Fruchtbäume und der\nzackig bewegte Umriß der schwarzen Welt\nkonnte den Mondball nicht greifen. Immer\nsaß sie und spann Herbstfäden in den Früh-\nling, Frühlingsfäden in den Herbst. Von ihrem\nLeib wand sich eine Spirale zehrender und\ngaukelsatter in seine blassen Verheissungen,\ndaß die Kühle aus Händen und Füßen sich\nzusammenzog und Froschkrallen um ihr Herz\nlegte. Schließlich hielt die Blutleere nur noch\neinen durchsichtigen Amethyst in den Fin-\ngern, dessen Funkeln sich von Innen her an\nden Perlmuttwänden ihrer Haut brach. Nur\nleise streiften die feuchten Lippen des Mondes\ndie müden Zünglein auf den ungekosten Lust-\nhügeln zwischen ihren Fragearmen, bis eine\nBewußtseinsbrise ihre Schultern leibeinwärts\nbog und den Schnitt ihres Schoßes noch enger\nverbarg. Dann verwirrten sich die Rosen ihres\nSchalschutzes schringend mit dem Silber der\nGürtelspange und die schweren Goldfransen\nihres Nervengewebes rieselten bis auf den\nSamt der Fußknöchel nieder. Da wippten die\nZehhebel elektrisch hoch, daß sieh der Raum\ndrehte, sie rannte am summend leeren Bett\nvorbei, zum Rahmen hinaus und im Wendel\nder Treppe herum schoß sie irgendwo auf\nGartenscholle, aber noch weiter bis an den\nStrand, wo Krebse mit ihren Scheren die\nEwigkeit in den Tag zwickten. Da war Grön-\nland mit hochgetürmter Frostkrone über\nschüchternen Leberblümchen, und das Gehörn\noder Geweih kämpfender Rentiere und\nMoschusochsen trieb im Gesplitter den Klang\neiner Stahlfeder in ihr Herz. Das bog den\nNacken rückwärts und die Tanghaare ihres\nKopfgongs flatterten einen Kriegstanz. Weit\nhoch sprang ihr Herz und glitschte ein flacher\nKiesel über die Rücken von Walen und Rob-\nben hinweg, immer weiter sich erhitzend bis\nes brennend einsam in der Sahara lag. Da\nhörte es nachts das Gebrüll der Hungerwogen\nschleichender Löwen, tags verzuckte es in der\nBrutstille lichtprutzelnder Sonnenperlen. So\nhob sie der lachende Griff eines Fischers in\nseine geteerte Plankenschale und sie schau-\nkelte im Auf und Nieder der Fatamorgana, un-\nberührt von den Schwielen sachlicher Kraft,\nwährend unter ihr in listigen Maschen gite\nund dumme Fischlein zappelten. Und wenn\neine Festlaune des Volks ein Flugkarussell an\nden Strand trieb, dann flog sie mit breiten\nBurschen im Stahlkorb rund im Kreis, daß das\naufquietschende Geleier von Matrosenscher-\nzen in ihre Röcke hinein und zum Ohr wieder\nhinauskroch. So trieb sie die Werktagslaune\ndes Volks auch in die große Stadt, wo in\nCafes und Kinos noch die letzten Nachkom-\nmen schwieliger Hände an den Strohhalm\ngreifen, um die Zitrone des Wissens zu schlür-\nfen. Manchmal sitzt sie noch auf ihrem Mond-\nbalkon, denn der Traumhof wird immer wie-\nder rund und voll und kullert über die Hoch-\nbahnkurven der Menschen hinab in den Kanal,\nauf dem geteerte Planken ordentlich gebrann-\nte Ziegel fahren. Denn die Menschen bauen\nsich immer höher in den Himmel, vielleicht ist\ndort das Goldgespinst zu finden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c011", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "134", "image_debut": 17, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.6", "titre_corps": "Fortschritt", "titre_sommaire": "Fortschritt", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.17", "debut_caractere": 3709, "fin_caractere_exclue": 4199, "texte": "Fortschritt\n\nKleist (Heinrich von). Von dieses Dich-\nters äußerem Leben ist außer seinen Kriegs-\ndiensten am Rhein, mit seinem trefflichen\nFreunde Fouque, seinem Aufenthalt in Dres-\nden, und endlich seinem, im Verein mit seiner\nFreundin, Adolphine Sophie Henriette Vogel,\ngeb. Keber, am 21. November 1811 in einem\nnahe bei Potsdam gelegenen Gehölze voll-\nzogenen Selbstmord, in der Blüthe der Jahre,\nder Dichtkunst und der Liebe, nichts Erheb-\nliches bekannt. Diess nun ist bei Männern die-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1388, "texte": "ser Art eben nicht zu beklagen, da sie mit\nihrem Innern und Seyn zahlen. In Hinsicht\naber auf seine letzte unglückliche That,\nwelche, den Umständen nach, eher beklagt\nund bemitleidet, als lieblos gerichtet zu wer-\nden verlangt, haben die Flugblätter des Ta-\nges leider einen gleich unfrommen, wie un-\nzarten Sinn an den Tag gelegt, indem sie die\nbeiden Todten lästerlich verdammten. Hier-\nüber nun kann man nichts, als den Zuruf vor-\nbringen: richtet nicht, so werdet ihr auch\nnicht gerichtet!, ohne daß man deshalb sich\neiner schlaffen Sittlichkeit befürchten dürfte.\nIndess ist ein solches Benehmen nicht be-\nfremdend, da gerade die Schaar der Kunst-\nschwätzer und Klätscher ihn als Dichter zu\nwürdigen nicht verstand. Unbefangen aber\nvon diesem Geschnatter der literarischen\nCapitoliumsgänse, darf man ihm den Dichter-\nberuf allerdings zuerkennen, und bedauern,\ndaß er nicht länger unter uns geweilt, um\nsich mehr und mehr auszubilden.\nConversations-Lexicon oder encyclopädi-\nsches Handwörterbuch für gebildete Stände.\nFünfter Band. J bis L. Leipzig und Alten-\nburg, F. A. Brockhaus. 1815.\nDem jungen Dichter K 1 abu n d (Alfred\nHenschke) wurde in seiner Vaterstadt Cros-\nsen a. d. Oder durch Aufstellen seiner Büste\neine Ehrung bereitet. Die Breslauer Schau-\nspielerin Carla Neher hat sich mit dem Dich-\nter Klabund vermählt. (Phot. Kester & Co.)\nDie Jllustrierten 1925\n\nKurt Liebmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c012", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "132", "page_fin": "132", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.6.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Pierre Flouquet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c013", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "133", "page_fin": "133", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.6.2", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Pierre Flouquet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c014", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "134", "page_fin": "135", "image_debut": 20, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.7", "titre_corps": "Ein breiiger Inzest", "titre_sommaire": "Ein breiiger Inzest", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.20", "debut_caractere": 1390, "fin_caractere_exclue": 4106, "texte": "Ein breiiger Inzest\n\nOder das Geheimnis der Lyrik. Rudolf\nPaulsen, auch ein Ritter des blauen Dunstes,\noperiert in Nr. 8 (26. Jahrgang!) der „Schö-\nnen Literatur\" mit dem Metzgermesser an\nder deutschen Lyrik herum und sucht auf\nvier, mit Metzgerhänden gesudelten Druck-\nseiten das Geheimnis der Lyrik, das sich\nnatürlich von einem Metzger nicht finden läßt.\nWiederholung: Metzgert auf vier Drucksei-\nten der „Schönen Literatur\", der schönen,\nder Literatur, mit gänzlich stumpfem Messer\nan der Lyrik herum, wühlt und wühlt und\nwird ganz heiß und Seele.\n„Als August Stramm begann, das Wort zu\nisolieren, konnte man noch sagen, dies sei\nein wenn auch nicht eigentlich künstlerischer,\nso doch immerhin ein Weg aus der Verlotte-\nrung heraus. Man spreche sich nur einmal\nWörter wie Gott, Liebe, Sonne einige\nDutzendmal vor. Das hat schon seinen\nWert: sie werden wieder blank. Das Wort\nwird Logos oder kann es wenigstens werden.\nEs wird wieder Klang, weil es in der Isolie-\nrung ganz neu gehört wird. Hochachtung\nalso vor Stramm trotz allem!\" — Trotz\nallem . Das ist das Metzgergeheimnis.\n„Nun darf aber Klang nicht Selbstzweck\nwerden. Das Wort ist nicht Gefühls-, son-\ndern Geistesmusik. Wo das vergessen wird,\nentsteht ein breiiger Inzest der Wörter unter-\neinander. Also: „Hak / krallt / aus Seele\nDickicht / Qualstern / fahlt und zackt.\" So\nKurt Liebmann in „Schräg geöffnet.\" Nein,\nhier ist das Geheimnis der Lyrik nicht.\"\nAber:\n„Wenn Erde und Blut beide im Geiste leuch-\ntend werden, das nenne ich das Geheimnis\nder Lyrik. Sie funkeln dann durch schönen\nKlang und geben Einsicht in Höhen und Tie-\nfen, die wir sonst nicht erreichen.\" Und das\nMetzgermesser funkelt. Wühlt und wühlt.\n„Frischauf, der Leier Kraft gespannt.\" Oder:\n„Ich sah Deines Busens holde Prächte.\"\nOder: „Die Mädchen sind Blumen in Gärten,\nsie blühen und duften so süß.\" Beim Metz-\nger! Das geht selbst einem Metzger über\ndie Blutschnur. Das ist nicht das Geheimnis\nder Lyrik, um das der Metzger durch vier\nDruckseiten hindurch ausgezogen ist. „Ach,\ndürfte ich das Metzgermesser wegwerfen!\nAber noch darf ichs nicht.\" Armer Rudolf.\nWerden noch Mühsam und Toller abgemetz-\ngert. Immerhin Toller: „ ... hier (im Schwal-\nbenbuch) schwingt er sich mit seinen Ge-\nfängnisschwälben in atembare Lüfte.\" Aha,\nAtemnot! „Carl Friedrich Wiegang bietet\neinfache, ansprechende Dinge (z. B. „Mond-\nfahrt\"). Komponisten mögen sich hier um-\nsehen.\" Der Metzger metzgert sich schon\nnäher an das Geheimnis. Einfach. Anspre-\nchend. Mondfahrt. Ahnste was. Der hats\nnicht im Gehirn, der hats im Blut. „Nämlich\nJakob Kneip.\" Allerbeste uralte Tradition.\nNa endlich! Das Geheimnis! Aber das\nMetzgermesser funkelt. Friedrich Schnack!\nDer hat das lyrische Geheimnis. Schnack"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 294, "texte": "füllt jede Zeile, jede Silbe voll mit seiner\nganzen berauschten Persönlichkeit. Seine\nLandschaften, so sehr man sie anschaulich\nnennen darf, sind zugleich die süßeste Melo-\ndie für das Ohr. Und obendrein sind seine\nVerse sinnvoll. Mehr ist nicht zu verlangen.\nNEIN. JA. NEIN. JA.\n\nKurt Liebmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c015", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "135", "page_fin": "136", "image_debut": 21, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.8", "titre_corps": "Dichtung", "titre_sommaire": "Dichtung", "signature_source": "Waldemar Eckertz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.21", "debut_caractere": 296, "fin_caractere_exclue": 1486, "texte": "Dichtung\n\nKrämpfe\nschrammt\nverschrammt\ndie Inschrift\nviele Inn-Schriften\nnur Aufschrift\nsteil\nVerstand\nVerstandesmaß\nzerbündelt\nNähe\nPlaneten gluten in uns\nentbrechen\nFerne\nder Flucht\nDes Talent wird vusterzert\nentsteigt\nvustiegen\nToden\nDu kannst nur lächeln über die Krumme der\nDächer\nKrumme Gedache\nverlächtert\ndie eigene Aufschrift\nVerkrampfung\nVerdampfung\nKühle Verdämpfung\nGeruch\nGerüchte\nFluch den Flüchtigen\nverweilen\nweilen\nverweilen\nEile drängt\ndie Gewalte\nEntstehung\nEnthebung\nEntdeckung\nalle Gebiete sind flüssig\nentdeckt\nverhoben\nin die Entdeckung\nnichts ist\nverdeckt\nGefühle\nstehn\nvergittert\nGemäuer\ngewandet\ndie Höhe\ndie Tiefe\ngemessene Tiefe\nDu kannst nur lächeln\nüber die Tiefe\nder Kräfte\nKrumme Kräfte\nleuchtende Schriften\nvernachtet\nentleuchtet\nGelichte\nverloschene\nendliche Schritte\nleise\nschwierig\nschwer\nleise\ntonlos\ntraumlos\nTrennung\nvom Dunst\nder Gestaltung\nKette des Nichts\nin den Kreis\nGefühle\nschwirren\nGelichter der Schwirre\nKlang-Verirrung\nWir wollen weiter gehn\nals die Zehntausend Jahre\nder Unlust —\nDirne\nEntbrennung\nWille\nWeisung\nWalte\nEntfaltung\nEine Sekunde gewonnen\ngejauchzte Erfüllung\nerfüllt\nEine Sekunde\nGelüste\ngekichert\nLustgelache\ndie Wüste\nEinfalt"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 295, "texte": "Einfaltung\nEntfaltung\nStetigkeit\nStändigkeit\nStaub in die Lüfte\nWir wollen\nSekunden enthüllen\nGrausen der Kürze\nStrecke\ngestreckte\nEnge\nInn-Schrift\nUngeheuer umkreist das Gestirn\nalles in allem gemeißelt\nLeuchte\nGelichte\nSekunde entscheide\ndas Nahe\ndas Ferne\ndie Nähe\nder Ferne\n\nWaldemar Eckertz"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c016", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "136", "page_fin": "136", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Gant n e r / Miihlebachstrasse 54 ZUrich\nVerlag:\nGeb r. F r e t z A. 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L. 350.-\n40 copie in sanguigna con tre punte\nsecche originali a different! colori,\n! legate in tutta pelle L. 300.-\n100 copie in bistro con una punta secca\noriginate in nero legate in mezza\npelle L. 200.-"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c021", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.2", "debut_caractere": 1149, "fin_caractere_exclue": 1356, "texte": "Revue Germanique\nLille / 55 Rue Brule-Maison\nPeriodique trimestriel\nAbonnement 30 Frs. pour l'&ranger\nInformations sur le mouvement\net les travaux philolo-\ngiques en Allemagne aux Pays-\nBas et en Scandinavie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c022", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.15", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.2", "debut_caractere": 1358, "fin_caractere_exclue": 1645, "texte": "NTEG R A L\nRE9UE DE SINTHESE MODERNE du SEULE\nGF^OUPEMENTd' AVANTGAFSDE ROUMAINE\nPARAISSANT CHACQUE MOIS\n'SM.\n•3'UfV.\n• \"'V \":;i ■->'• V''i\nVl'' x ■- 1 V; '\nDIRIQE Par un Comite bucarestois et parisien\nREDACTION : M. 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Bloch\nPreis pro Quartal 2,25 M Einzelheff 75 Pi\nDie Sozialistischen Monafshefte sind stets bestrebt\ndie Stellung, die sie sich in unserm offentlichen Leben er-\nrungen haben, durch ibre gewohnten Darbietungen, die\ndie flktualitat des Tages in die Sphare wissenschaft-\nlicher Vertiefung zu rficken suchen, und durch standige\nErweiterung ibres Inhalts zu behaupten und zu befestigen.\nDie Sozialistischen Monatshefle sind die einzige deut-\nscbe Zeitscbrift, die eine systematiscb gegliederte Rund-\nschau fiber offentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und\nKultur bringt. Einem jeden wird dadurch eine fort-\nlaufende Orientierung fiber die einzelnen Gebiete ermog-\nlicht. Die einzelnen Rubriken (30 an der Zahl) werden\nvon Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen kostenfrei zur Ver-\nffigung. Dem unterzeichneten Verlag ist die Mitteilung\nvon Adressen willkommen, an die die Zusendung von\nProbeheften ratlicb erscheint.\nVerlag der Sozialistischen lonatslefie g. dim, BerlinW 35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c024", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 252, "texte": "iv.I1:\nVERLAG PER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Wald en ;\nEinblidt in Kunfl\nSDie beste Einliihrung in den\nExpressionismus, Kubismus a. a.\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M 6,50\nFON F T E AU F L AGI\nI ,|!l:!': 112,:"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c025", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "137", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Berlin W\nDrnnewaldsfraQe 14-15\nGegrUndet 1854 Hofspediteure S. M. des Kdnigs von Spanien GegrQndet 1854\nSped it ion und Mdb&lfpanspQpte,Veppackung und Lager ang\nvon Gemaiden und Runstgegenstanden jedep Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunst-\nausftellungen des In- und Buslandes. Tpanspopfver*\nfichepungen allep flpt.\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender KQnstler / der Freien Secession\ndts Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des „Sturm\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-09-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-09_01#c029", "volume": "bmtnabg_1925-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "138", "page_fin": "138", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.24", "debut_caractere": 358, "fin_caractere_exclue": 2630, "texte": "Die Sammlung „Junge Kunst\"\nhat mehr zum Verstandnfs und zur Verbreltung der werthaften\ngegenwSrtigen Malerei getan, als die Bildbuchpublikationen\naller^nden^eHegeM^\nHans Franck in der „Thiiringer Allgemeinen Zeitung\"\nJeder Band dieser ISngst in Hunderttausenden von Exempiaren verbreiteten Sammlung hat\nein farbiges Titelbild, 32 ganzseitige Tafeln und enthait im Textteil neben der EinfQhrung\neme Solbstbiographie des KOnstlers. Format B°. Preis In Halbleinen M. 2.50. Je\n8 BSndchen als „Bibliothek der jungen Kunst\" in einem Bande Halbleinen M. 20.—.\nBisher er'schienen:\nH. Reihe:\nJaeckel, Scharflf de Vlaminck,\nMorgner, Klee, Eberz, Derain,\nSchmidt-Rottluff\nV# Reihe:\nCoubine, Rohlfs, Chagall,\nGauguin, Schrimpf, Smet,\nW/jj ■ |H| NPjH||H I .JfllK Schmidtr;f Archipenko '\nDie Sammlung wird fortgesetzt.\nJahrbuch der Jungen Kunst 1924 Herausgegeben\na g. p . .. . 1 von Professor Dr. Georg Biermann\n40. Mit 56 Beitragen auf etwa 540 Seiten und ca. 500 Abbildungen auf Tafeln und Text, 2 farbigen Tafeln. 3\nan ' Laboure/ir# einer farbigen Originallithographie von Crodel und einem Holzschnitt von Masereel. Halbleinen\nM. 36. , num. Vorzugsausgabe von 100 Exempiaren in Halbleder mit Beigabe einer Lithographie, handsigniert, von Coubine M. 50.—\nSchmidtbonn schrieb im aTagebuch\": „Mit ungewohnlicher Tatkraft und Blickscharfe ist der Band zu einemorgani*\nscfeen Ganzen zusammengestelli Er wirkt ungewollt als Manifestation westlicher Kunst, als Lebensruf Europas Ei n e\nLei stung, auf di e Deut achl a n d ato Iz sein dar 112.«\nDer eKunstwart® urteilt: . . liberal! pulst Leben, tritt eigene Anschauung unbekfimmert nervor. Ein fiberreiches verdienat\nvoiles, auch durch das Bildmaterial packendes Sammelwerk. Ich kenoe kein zweites, das so vom Leben dar Gegenwart strotzt\nund es so ohne Lehrhafiigkeit allem Empfanglichen nahebringen kann. Wir wo ll en es mit allem fiachdruck\nuneingeschrankt empfehlen.\"\nKlinkhardt & Biermann / Verlag - Leipzig\nI. Reihe:\nPechstein, Modersohn, Hoetger,\nMeidner, Klein, Heckendorf,\nGrofimann, Krayn\nIV. 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Z. /'/t? -7. Jahrgang\nMitarbeiter des laufenden Jahrgangs ■\nF. Busoni / Egon Wellesz\nFritz J ode / Heinz Tlessen\nPh. Jarnach / Prof. o. Horn hostel\nProf, H. Springer / Man Sieoogt\nProf. Kurt Sachs / Ernst Kurth\nund uiele andere\nSchrift/eitung: Dr. Hans Mersmann\nPreis des Einzeiheftes 1 Mark\nJahresabonnemerit (12 Hefte) 10 Mark\nProbertummen gratis uom Verlag\nMELOS-VEMLAG G. M. B. 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V . . ' ' ' ' . ' : ' : . '- ' ' S/.t ' \" vv ' '\n16. JAHRGANG\nSEPTEMBER 1925 / BERLIN\n9. HEFT\n\nFaksimile eines Originalmanuskripts von August Stramm"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.2", "texte": "A®\nDAS WERK[\nI!l!l!lllll!lllllllllllillllllllllllll!illllllllllil!!ll]||llllllll!!llllll!llllll!llll!llllllllilllllllllillll!llllillllll!llll\nSchweizer Monatsschrift ftir ►\nARCHITEKTUR t\nKUNSTGEWERBE\nFREIE KUNST\n▼▼\n▼ t\nOrgan der schoplerischen\nKrafte in der Schweiz E\ni\n1\n| * ' . . • * • ■ - ■ , . . .\nSondernummer fiber die\nKunst des Auslandes:\nFebruar 1923: Schweden\nMai 1925: Amerika\nbevorstehend: Belgien\nt\nSchriftleitung:\nDr. J. Gant n e r / Miihlebachstrasse 54 ZUrich\nVerlag:\nGeb r. F r e t z A. G., Zflrich\nAuslieferung fiir Deutschland:\nSpeyer & Peters, Berlin, Unter den Linden 39\nProbenummern bereitwiilig\n\nBOTTEGA BIPOESIA Tr-.v.™\n\"•fT 14 tin UWn - Litireria -Cm d'lrlt B\"\"PI\nEDIZIONI D'ARTE\nALBERTO MARTINI\n31 Fantasie bizzarre e cmdeli\nprecedute dalla biabolica immagine di Nicol\nPaganini e dal ritratto dell uomo pallido.\n25 copie in nero con quattro punte secche\noriginal! a different! colori, legate in\ntutta pelle .......... L. 350.-\n40 copie in sanguigna con tre punte\nsecche originali a different! colori,\n! legate in tutta pelle L. 300.-\n100 copie in bistro con una punta secca\noriginate in nero legate in mezza\npelle L. 200.-\n\nRevue Germanique\nLille / 55 Rue Brule-Maison\nPeriodique trimestriel\nAbonnement 30 Frs. pour l'&ranger\nInformations sur le mouvement\net les travaux philolo-\ngiques en Allemagne aux Pays-\nBas et en Scandinavie\n\nNTEG R A L\nRE9UE DE SINTHESE MODERNE du SEULE\nGF^OUPEMENTd' AVANTGAFSDE ROUMAINE\nPARAISSANT CHACQUE MOIS\n'SM.\n•3'UfV.\n• \"'V \":;i ■->'• V''i\nVl'' x ■- 1 V; '\nDIRIQE Par un Comite bucarestois et parisien\nREDACTION : M. H. Max?. Calea Victoriei 79 Et. I\nBUCAREST-ROUMANIE\n111\n1111111111111l\n\nVerlangen Sie, bitte, ein Probeheft!\nZum Verstandnis des modernen kulturellen\nund politischen Lebens unentbehrlich ist die\nLektiire der\nSozialistische Monatsheffe\nHerausgeber Dr. J. Bloch\nPreis pro Quartal 2,25 M Einzelheff 75 Pi\nDie Sozialistischen Monafshefte sind stets bestrebt\ndie Stellung, die sie sich in unserm offentlichen Leben er-\nrungen haben, durch ibre gewohnten Darbietungen, die\ndie flktualitat des Tages in die Sphare wissenschaft-\nlicher Vertiefung zu rficken suchen, und durch standige\nErweiterung ibres Inhalts zu behaupten und zu befestigen.\nDie Sozialistischen Monatshefle sind die einzige deut-\nscbe Zeitscbrift, die eine systematiscb gegliederte Rund-\nschau fiber offentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und\nKultur bringt. Einem jeden wird dadurch eine fort-\nlaufende Orientierung fiber die einzelnen Gebiete ermog-\nlicht. Die einzelnen Rubriken (30 an der Zahl) werden\nvon Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen kostenfrei zur Ver-\nffigung. Dem unterzeichneten Verlag ist die Mitteilung\nvon Adressen willkommen, an die die Zusendung von\nProbeheften ratlicb erscheint.\nVerlag der Sozialistischen lonatslefie g. dim, BerlinW 35"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.3", "texte": "MONATSCHRIFT/HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nAugust Stramm\nZu seinem zehnjährigen Todestag\nGefallen am 1. September 1915\nRudolf Blümner\n\nEinigen wird nicht entgangen sein, daß ich\nzehn Jahre eines nicht mehr jugendlichen\nLebens, soweit ich es künstlerisch einsetzen\nkonnte, der Laut-Werdung einer neuen Dich-\ntungsweise gewidmet habe, die man im\nursprünglichen, engen und radikalen Sinn die\nexpressionistische nennt. Und da ich die\nZahl derer, die es wissen, nicht überschätzen\nwill, setze ich ausführlicher hinzu, daß zu\nAnfang und zu Ende und in der Mitte dieser\nzehnjährigen Verkündung die lyrischen\nDichtungen standen, die August Stramm der\nWelt ließ, als er am 1. September 1915 in\nRußland gefallen war. Es ist nicht diese lange\nund vielfältige Beschäftigng mit den Dichtun-\ngen August Stramms, die mich, und gar in\nbesonderem Maße, berechtigen oder befähigen\nkönnte, für einen vortrefflichen Kenner und\nBeurteiler dieser Dichtungen gehalten zu\nwerden. Vielmehr muß ich, wenn ich etwas\nähnliches für mich in Anspruch zu nehmen\nscheine, die üblichen Grenzen der Beschei-\ndenheit aus Gründen überschreiten. Und ich\nwill dabei hoffen, daß ich nicht so sehr als\nunbescheiden bekannt bin, als daß man hierin\nüberhaupt eine Unbescheidenheit erblicken\nmöchte. Nicht das Geschehen, daß ich zehn\nJahre lang August Stramms Dichtungen vor-\ngetragen habe, sondern die Klangform, in der\nes geschehen ist, hat mich befähigt, in\nStramms Dichtungen einen Blick zu tun, der,\nwenn ich ihn nicht einen tieferen nennen soll,\ndoch von einer andern Art ist, als er den\nMeisten vergönnt sein kann.\nSeit zwanzig Jahren habe ich für den Schau-\nspieler wie für den Vortragskünstler die Ge-\nsetze seines Schaffens anders formuliert, als\nes selbst heute noch die Allgemeinheit derer\nzugibt, die hierin aktiv oder passiv als Sach-\nverständige gelten. Ich habe die Torheit\neiner reproduzierenden Kunst geleugnet und\nfür den Schauspieler und Vortragskünstler\ndie Selbständigkeit einer produzierenden\nKunst in Anspruch genommen. Die Festig-\nkeit meiner Erkenntnis war nie dadurch er-\nschüttert worden, daß der überwiegende Teil\nder gesamten früheren Dichtung sich einer\nGestaltung widersetzte, die ich allein für\nwertvoll und berechtigt erkannte. Vielmehr\nhat das Mißlingen in mir nur Zweifel an der\nfrüheren Dichtung geweckt, bis die Dichtung\nAugust Stramms mich in dem überzeugt hat,\nwas durch Tradition bei mir so mangelhaft\nbezeugt gewesen war. Eine Einsicht, zu der\njeder durch absolutes Denken gelangen kann\nund die bei mir schon die Unberührbarkeit\neines Axioms erreicht hatte, war von einem\nDichter bestätigt worden. Und ich selbst\nkonnte sie fortan an seinen Dichtungen be-\nstätigen. Es ist ein merkwürdiger und neuer\nWeg zur Erkenntnis dichterischer Werte,\nund es fiele mir nicht ein, ihn zu zeigen, wenn\ner nicht gar so seltsam und des Merkens\nwürdig wäre. Denn daß er nicht der einzige\nWeg zur Erkenntnis der Stramm'schen Dich-\ntung ist, kommt keinem Einwand gleich.\nEher schon die platte Bemerkung, daß eine\nDichtung, die meiner Art zusagt, anderen\nnicht zu gefallen braucht, oder daß der\nsprachliche Ausdruck, für den ich Töne und\nMelodien habe, andere stumm läßt, die doch\nauch nicht auf den Mund gefallen sind. Aber\nkeine Art von Bescheidenheit kann mich vor\nder Erkenntnis schützen, daß die Form, in\nder ich August Stramms Dichtungen vor-\ntrage, an das innere Ohr auch jener gerührt\nhat, die aus Gewohnheit, Trägheit oder gar\naus vorgenommener Gegnerschaft gesträub-\nten Geistes zuhören. Und also wäre es\nmein Verdienst? Und nur mein Verdienst,\nwenn August Stramms Dichtungen wenig-\nstens denen erschlossen wurden, die sie aus\nmeinem Mund gehört haben. Aber ist es"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.4", "texte": "überhaupt ein Verdienst, wenn einer nicht\nanders kann? Und sagte ich nicht eben\nselbst, daß auch andere Wege zu Stramms\nErkenntnis führen? Ist es nicht das Ver-\ndienst des Dichters, daß er mir die Worte\ngegeben hat, die sich meinen Lauten fügen,\ndaß er sie mir in einer solchen Zusammen-\nfügung gegeben hat, daß sie sich der Selb-\nständigkeit meines melodischen Dranges\nfügen. Ich habe nie gesagt, daß ich mich in\nden Dienst seiner Lyrik stelle, wenn mir auch\nandere oft die Ehre erweisen wollen, in mir\neinen Aufopfernden zu sehen. Ich sehe kein\nVerdienst für mich. Nie wollte ich sein Dol-\nmetscher oder Interpret sein oder gar der\nPriester seines Wortes. Wer als Künstler\neinem anderen dienen will, als nur seiner\neigenen Kunst und sich selbst, der bleibt ein\nDiener. Aber der Künstler herrscht auch\nüber d i e Kunst, die er sich zur Hilfe nimmt.\nAber wo bin ich hingeraten? Habe ich mich\nverlaufen ? Ich verweile schon auf dem Gip-\nfel, von dem aus ich die Dichtungen August\nStramms zeigen will. In Wahrheit zeigen?\nKann ich sie sichtbar machen? Wir wollen\nuns um das eine Wort nicht streiten. Wir\nsind auf dem Gipfel. Ich habe Stramms\nWorte denen hörbar gemacht, die sie zuvor\nnicht hören konnten. Was ist Kunst? Ich\nwill mich kurz fassen: die sichtbare oder hör-\nbare Gestaltung eines Erlebnisses. Und da\nniemand die geschriebenen oder gedruckten\nBuchstaben, Worte und Sätze in ihrer nur\nsichtbaren Erscheinung für die Dichtung\nselbst nehmen wird, so muß die Dichtung\nwohl eine hörbare Gestalt haben. Mit dem\nOhr wird sie aufgenommen — ach! wurde\nsie einst aufgenommen. Aber die Ohren\nhaben sich gewöhnt, bis der Mensch das\nWort nicht mehr hörte, sondern nur noch\nseinen Begriff verstand. Bis ihm das Wort\nnur ein Begriff wurde und oft ein Begriff,\nder nicht einmal von sich selbst leben konnte.\nEin Begriff, der erst der Stützung durch an-\ndere Worte bedurfte, der mit Hilfe von Bie-\ngungen und Brechungen, von umgestalten-\nden Verrenkungen, von entstellenden Ver-\nlängerungen oder Verkürzungen eine gleich-\nmacherische Konvention schuf, die auch dem\nTörichtsten nur eine Deutung zuließ, und\ndie es als Grammatik zum höchsten Ansehen\ngebracht hat. Und sie wurde mit der Syn-\ntax und der Logik der Segen derer, die sich\nschnell verständigen wollten, und der Fluch\njener, die den Drang hatten, das Unsagbare\nzum Trotz doch sagen zu wollen. Aus die-\nser Gefangenschaft hat die Dichtung sich oft\nund oft zu befreien versucht, aber selten\nmehr Mut gefunden, als den zu einer dichte-\nrischen Freiheit, die kaum des Namens wert\nwaren. Wie stolz war sie, wenn sie es\nwagten, eine adjektivische Bildung wegzu-\nlassen, oder wenn sie sich zu einer Inversion\nentschlossen. Wenn nur der Sinn gewahrt\nblieb, wenn es nur verständlich war. Ver-\nständlich bis zur Klarheit, die ein wissen-\nschaftlicher Beweis verlangt. Und nun soll-\nten Allegorie und Symbol und der Vergleich,\nder Vergleich, der Vergleich wieder aus der\nNiederung des konventionellen Verstehens\nheraushelfen. Aber es half nichts. Das Wort\nbehielt seine konventionelle Bedeutung, die\nkeine Bedeutung mehr war, sondern eine\nAusdeutung, eine Auslegung. Das Auge\nbrauchte nur flüchtig die Buchstaben zusam-\nmenzuklauben, zusammenzulesen, zu lesen\nund der Begriff stellte sich ein. Und dann\nund dort kommt mal wieder einer, der sich\nerinnert, daß Worte gesprochen wurden, ehe\nsie geschrieben und gedruckt werden konn-\nten, und er versucht sich und andere durch\nKlang und Klangzusammenstellungen zu er-\ngötzen oder zu berauschen. Aber es war\nvergeblich. Die Begriffe herrschten über\nalles und ihre Aneinanderfügung war ein\nGang von Gedanken, zu dem das Silbenmaß\nden Takt schlug. Und Klugheit, Logik und\nWissenschaften regierten. Klug, logisch und\ndas wollen wir doch nicht vergessen, psycho-\nlogisch wurde was einst nichts als\nKlang war. Die Dichtung hatte vergessen,\ndaß das Wort das Material ihrer Ge-\nstaltung ist und nur das Wort, und\nnur das hörbare Wort. Dann, als die\nZeit erfüllt war, kam einmal ein Sonder-\nbarer und er hieß Arno Holz und entdeckte,\ndaß im Anfang der Dichtung das Wort war.\nAber sie hörten ihn nicht, denn sie wußten\nnicht, daß sie es nicht wußten. Und dann\nkam einer, der hieß August Stramm. Und er\nerlöste die Dichtung. Er befreite das Wort\nvon seiner konventionellen Bedeutung, die\nkeine Bedeutung mehr war, sondern eine\nvereinbarte Ausdeutung, gab ihm seine\nechte Bedeutung, seine Ur-Bedeutung wieder\nund führte es oft bis auf seinen verschollenen\n*\nUr-Wert zurück. Das Wort kann wieder\ngehört werden, weil es gehört werden muß."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.5", "texte": "Dieses ist das Fundament der Stramm'schen\nDichtung. Das Wort wird nicht in seiner\nengen einmaligen Ausdeutung verstan-\nden, sondern in seiner Ur-Bedeutung ge-\nhört, die vieler Ausdeutungen fähig ist.\nUnd diese Urbedeutung ist groß und gewal-\ntig. Im Anfang war das Wort. Das Wort\nist alles. Nichts ist gewaltiger als das Wort.\nNicht der hurtige Verstand findet für ein paar\nBuchstaben den einmaligen Sinn, das ganz\nandere, das mit diesen Buchstaben ge-\nmeint ist. Das Ohr läßt in die Seele das\neine Große und Vieldeutige, das der noch so\nhurtige Verstand aus dieser Fülle nicht zur\nEindeutigkeit herausreissen kann. Oder wie\nsoll ich die Ausdrücke wählen, um dieses\neine ganz begreiflich zu machen? Dieses\neine, an dem mir alles liegt, an dem die Dich-\ntung einer ganzen Welt hängt. Ich will das\nWort in seiner Urbedeutung mit dem Ton\nder Melodie vergleichen. Denn was be-\ndeutet er? Nichts. Nichts im Sinne\neiner Ausdeutung. Unendliches als Laut, der\nmit einer Schwingungszahl beziffert werden\nkann. Oder soll ich an die Farbe und die\nForm der neuen Malerei erinnern, die auch\nnicht ausgedeutet werden, sondern nichts\nmehr, aber auch nichts Geringeres bedeuten\nals alles, was diese eine Form und diese eine\nFarbe durchs Auge in unsere Sinne senken.\nSo ist das Wort in seiner Urbedeutung. So\nhat es August Stramm wieder gefühlt und\ngesetzt. Und mit dieser einen Tat hat er den\nGrund gelegt für alles, was noch folgen\nkonnte, um seine Dichtung neu und groß zu\nmachen. Wenn das Wort empfunden und\ngesetzt wird in seiner Urbedeutung, die\neinem Klang, einer Form oder einer Farbe\ngleichgewertet wird, dann kann die Verbin-\ndung dieser Worte zu einem gestalteten\nKunstwerk nicht nach den Gesetzen erfolgen,\ndie man gemeinhin für die Gesetze der Dich-\ntung gehalten hat. Nicht Grammatik und\nLogik, nicht ein Gedanke schaffen das Ge-\nfüge. Nicht Versmaß. Reim und Gleich-\nklang erheben das Gefüge zur Dichtung. Und,\nwas das Wichtigste zu sagen ist, auch nicht\ndie Form, nicht d i e Form, für die Literatur-\ngeschichte und Aesthetik jene vielen Namen\nschaffen konnten. Man ist kein formvollen-\ndeter Dichter, auch wenn man Sonnette oder\nDistichen noch so geschickt zu Wege bringt.\nDer Künstler kann die Form nicht wählen\nwie ein Kleid. Er kann Worte nicht in eine\nForm zwängen, denn sie ist in Wahrheit nur\neine Formel. Die Form des Kunstwerks ent-\nsteht mit dem Inhalt. Von ihn ist sie nicht zu\ntrennen. Denn Inhalt und Form sind eins.\nOhne Inhalt keine Form und ohne Form kein\nInhalt. Und beide entstehen durch das\nGleiche und das Eine, das allein die Kunst\nschafft, weil es allein den vielen chaotischen\nund kunstlosen Einzelheiten die neue Einheit\nund die lebendige Gestalt gibt: durch den\nRhythmus. Und wie der Rhythmus der musi-\nkalischen Melodie nicht ihr Takt und ihr\nTempo ist, sondern jenes Schreiten der Töne,\ndas nur die Seele wahrnimmt, so ist der\nRhythmus der Wortkunst dieses Schreiten\nvon Wort zu Wort, dieses Wägen von Wort\ngegen Wort, dieser Reichtum der Beziehun-\ngen, in denen ein Wort zum anderen und allen\nsteht. Kein logisches, kein grammatikalisches\nBand knüpft die Worte zur Kunst zusammen.\nJedes strahlt seinen vieldeutigen Reichtum\naus und läßt den Hörer fühlen, was in seiner\nBrust aus dieser Fülle Gleiches klingt.\nDieser Art ist die Lyrik August Stramms. Sie\nläßt den Hörer fühlen. Sie war zum ersten\nMale wieder eine Dichtung aus Urzeiten.\nWas der Leser gedruckt vor Augen hatte,\nwaren nur Zeichen, die wenige verstanden.\nNoten, die nur der Notenkundige innerlich\nhören konnte. Der Spott, der vor zehn Jahre\nund noch lange nach des Dichters Tod diese\nDichtung zu beflecken drohte, war in seinen\nUrsachen zu verstehen, so abscheulich auch\noft seine Formen gewesen sind. Wenn schon\nalles Neue bespottet wird, mußte der Spott\nStramms Dichtungen besonders treffen.\nDenn hier war alles wahrlich unerhört.\nNicht nur das alte Wort, so wohlbekannt es\nklingen mochte, wurde unbegreiflich. Der\nDichter hatte sich in seiner Erkenntnis die\ngrößte dichterische Freiheit genommen und\naus alten Stämmen neue Worte in Hülle und\nFülle gebildet. Und ich denke, es mag den\njetzigen und den kommenden Gelehrten zur\nstaunenden Arbeit gereichen, in welche tie-\nfen und geheimnisvollen Gründe des Worts\ndieser Dichter geschaut hat. Denn dieser\nPostinspektor im Reichspostamt zu Berlin,\nder schon vor dem Krieg ein Hauptmann der\nReserve und ein Doktor der Philosophie war,\ndieser Dichter, der die Dichtung von der\nHerrschaft des Gedankens befreite, hat Dich-\ntungen der schwersten Gedankenfülle ge-\nschaffen. Er hat Erkenntnissen des kosmi-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.6", "texte": "sehen Geschehens Ausdruck gegeben, wäh-\nrend er nur dem reinen Wort und seiner Vor-\nwärtsbewegung zu dienen schien. Mehr als\nStramm in seinen beiden größeren lyrischen,\num nicht zu sagen epischen Dichtungen\nschauen läßt, wird der Menschengeist von\nden Himmelskörpern und ihrem Todwerden\nnicht ersinnen. Und mit diesem Tiefsinn ver-\nglichen, scheint es nur ein Kinderspiel, in\nwelcher Totalität sein Zyklus Liebesgedichte\n„Du\" alles erschöpft, was die Geschlechter\nzueinander und voneinander reißt und im\nRhythmus dieser Planeten herumschleudert.\nOder es scheint nur ein leicht tändelnder\nGeist, der in den Gedichten, die im Feld ent-\nstanden, die letzten Schleier durchblickt, bis\nin den sturen Raum, wo schon unser Kindes-\ndenken den Wahnsinn fürchtete. Wahrhaftig,\ndieser Dichter, der die Lyrik von der Herr-\nschaft des Gedankens befreit hat, braucht vor\nkeinem der Grübler zurückzuweichen, wenn\nvon der Durchdenkung der letzten Dinge die\nRede ist. Er hat es freilich kurz gemacht in\nallen Fällen. Denn alles war klar und ein\nGott gab ihm, mit wenigen Worten zu sagen,\nwas er erschaut hatte. Denn diese Worte\nhatten alle Fülle ihrer Urzeit. Die Nachwelt\nhat ihm diese Kürze oft schlecht vergolten.\nSie hat die Kürze, die zwar nicht des mensch-\nlichen Witzes Würze, aber seine Kraft ist,\nfür das Wesentliche genommen. Sie hat\nStramm, und oft mit aller Hochachtung, für\neinen Dichter des Telegrammstils gehalten,\nfür einen Baller und Raffer und hat aus dieser\nbeachtlichen Eigenschaft, aus dieser für unser\ngedrängtes Leben so brauchbaren Dichtungs-\nweise auch gar noch den Begriff des Expres-\nsionismus hergeleitet. Und einige Dutzend\nModedichter sind auf den Leim gegangen\nund haben's kurz, aber schlecht nach-\ngemacht. Oder Andere haben August Stramm\neinen Flecken- und Tupfensetzer genannt\nund so, wieder unter dreimaliger Anrufung\ndes Expressionismus, einen Pointillisten aus\nihm gemacht. Einen Pointillisten, der das\ngerade Gegenteil eines Expressionisten ist,\nweil er Zusammenhänge streicht und nur\nahnen oder vermuten läßt, anstatt durch die\nchemische Verbindung des kosmischen heili-\ngen Rhythmus die Bestandteile aneinander\nzu schweißen. Ja, so ist Stramms Dichtung\nverkannt worden und so rächt sie sich an\ndenen, die glauben, leicht mit ihr fertig zu\nwerden. Wer in Stramm nichts sieht als\neinen, der wichtige Worte setzt und das\nNebensächliche wegläßt, weil es jeder leicht\nhinzudenken kann, der mag gleich leugnen,\ndaß Stramm ein Dichter war. Es gibt keine\nNebensachen in der Kunst. Quod non est in\nactis, non est in mundo. Es ist nichts zwischen\nden Worten oder zwischen den Zeilen zu\nlesen. Es ist nicht die Frage, wo und wie\netwas zu ergänzen sei. Wer Stramms Dich-\ntungen so liest oder hört, will nicht erleben,\nsondern verstehen. Und die Wenigen, die\nneben und außer mir Stramms Dichtungen\nvortragen, glauben wohl, hier ein vortreff-\nliches Material für ihre Interpretationswut\ngefunden zu haben. Was sie immer zu tun\ngewohnt waren, darin glauben sie hier in\nüppigster Fülle schwelgen zu können. Sie\ndeuten das Wort aus, lassen Worte und Sätze\nahnen, die nicht da sind, und geben von\nStramms Rhythmus, da sie selbst keinen\nschaffen können, keine Ahnung. Eine viel-\ndeutige Großartigkeit, die jedes Herz errei-\nchen kann, zerkleinern sie bis zur Anekdote\nund Pointe, die kaum Einen in Verwunderung\nsetzen kann. Sie sind eitle Kinder der Welt\nund sie hängen an ihr, und was sie reden,\nsoll der Verstand begreifen. Und wenn sie\nTheater spielen, soll es mit Händen zu greifen\nsein und mit dem Verstand und der Psycholo-\ngie zu erfassen. Und da sie einmal so sind,\nist das Schicksal der sieben Dramen August\nStramms für lange Zeit entschieden. Max\nReinhardt tat, was er tun konnte, als er vor\neinigen Jahren Stramms „Kräfte\" zu einem\nder größten Erfolge seiner Regieführung be-\nnutzte. Denn er wußte selbst, daß er mit\nseinen besten Schauspielern einen anderen\nWeg nicht gehen konnte als den des\nrealistisch-psychologischen Stils. Er hat mit\nseiner Aufführung das Aeußerste dieser Stil-\nart erreicht. Das Drama selbst fiel dem Stil\nzum Opfer. Stramms Worte wurden die\nStützpunkte einer ergänzenden, wenn auch\nmanchmal der besten Schauspielerei. Das\nhatte Stramm nicht gewollt. Denn nichts\nwar zwischen den Worten zu lesen, zu inter-\npretieren, zu ergänzen. Worte waren zuein-\nander zu spielen, und sonst nichts. August\nStramm selbst hatte das Drama gedich-\ntet. Ohne diese Erkenntnis wird kein Re-\ngisseur Stramms Dramen spielen können.\nUnd seine Erkenntnis wird ihm erst dann\nnützen, wenn er Schauspieler findet, die da-\nrum dem Dichter am besten dienen, weil sie"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.7", "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.8", "texte": "ihm nicht zu Hilfe kommen, sondern nur ihrer\neigenen Kunst dienen wollen, der rhythmi-\nsierten Sprechmelodie. Die Zukunft wird\nauch diese neue Fähigkeit schaffen. Und die\nFähigen werden hören, statt zu begreifen.\nDann werden sie den Worten des Dichters\nden Rhythmus ihrer Ur-Melodien geben,\nund die Menschheit ahnen lassen, daß der\nDichter darum ein Gottbegnadeter ist, weil\ner das Unsagbare sagen kann. Nich in aller\nMenschen Zungen. Aber mit Engelszungen.\nUnd den holden Wahnsinn wird kein Spott\nmehr treffen.\nDie Dichtungen von August Stramm sind im\nVerlag „Der Sturm\", Berlin, erschienen.\n\nAn die Führer und Lehrer des\nMaschinen-Menschen\nErlauch\nIhr Führer und Lehrer des Maschinenmen-\nschen: Ingenieure, Geistliche, Gelehrte,\nPhilosophen, Dichter und Künstler, die ihr\ndiese Lärmwelt-Maschinenwelt eingerichtet\nhabt unter der schonungslosen Herrschaft\neurer pfahlbürgerlichen Ichs, aus dürren gna-\ndenlosen Ichs so eng und qualvoll, in der\nschrecklichen Auslese durch Maschinen —\nwie werdet ihr bestehen, wenn des Grauen\nFalken Reich beginnt, und der Ichlose, Ma-\nschinenlose eure Lärmwelt in Scherben\n- . „ • '>' ' *\nVermag, ihr Gelehrten, eure Wissenschaft\nzu bestehen, die der Energie dient und der\nIndustrie: eure Chemie, Biologie, Physik\neure Gesetze des Lichts und der Kraft,\nStern-, Pflanzen- und Tierkörper, eure Er-\nkenntnisse des Sternen- und Blutkreislaufs,\nhabt ihr all eure Ergebnisse nicht in die In-\ndustrie hineingeleitet, dienen sie nicht der\nErzeugung durch Maschinen?\nVermag, ihr Geistlichen» eure Religion zu be-\nstehen, die ihr auch der Aufgabe unterordnet\nhabt, die Menschen zum wöchentlichen\nRuhetag zu rufen, zum Ausruhen von Bohr-\nmaschinen, Hochöfen, Grubenschächten,\nDynamowerken. Damit die Müden nicht zu\nschnell in den Fängen der Maschinen veren-\nden, ruft die Kirche zum siebenten Tage,\ndem Ruhetage vor den Altaren von Jehovah\nund Christ. Im Widerstreit der Kräfte des\nStreites und Hasses Aller gegen Alle, ruft\ndie Kirche die Gehetzten, durch Haß und\nWut und Empörung Erschöpften zum gemei-\nnen Wohl, gemeinen Heil, zur Nächstenliebe\nund zum Mitleid. Elende und Untergehende\nretten Salvation Army und Christian\nScience. Aber Kirche und Religion wagen\nnicht diese Lärmwelt-Maschinenwelt anzu-\ntasten und ihre Gewinner und Willigen preis-\nzugeben. Wie vermögen all diese Kirchen\nzu bestehen, die der durch Maschinen er-\ndrückten und ausgeplünderten Völker sich\nnicht erbarmen und allzu schwere Last be-\nsorgen, allzu tiefe Gefahr fürchten.\nUnd endlich, ihr Denker, wie vermögt ihr zu\nbestehen, die ihr euer Leben damit zuge-\nbracht habt, immer den Schutt eurer Vor-\ngänger wegzuräumen, damit ihr Ellenbogen-\nfreiheit bekommt, um die Welt frisch und neu\nnach euren eitlen Systemen einzurichten.\nAllein die maschinellen Systeme der großen\nKraftwerke waren euren Systemen an künst-\nlicher Erfindung und Energie immer über-\n« #\nlegen, und so suchtet ihr die euren fortan\nnach jenen zu modeln. So reicht ihr denn\nmit eufen Disziplinen logischer Gedanken-\nschärfung nicht bis in die lebendige Schöp-\nfung hinaus, dahin, wo den dürren Gedanken\ndes Systems die unermeßliche See des Gei-\nstes empfängt und ihn auslöscht im Golf-\nstrome von Dunkel und Leid.\nVon euch alten Führern sehen wir weg, von\neuch Allen, die diese Lärmwelt-Maschinen-\nwelt einrichteten und türmten. Wir hören\nund fühlen weg von euch, wenden uns auf\nden maschinenlosen Weg fort für immer.\nNicht um diese Welt zu fliehen, zu verlassen,\nund euch Gnadenlosen, Strahlenlosen den\nPlatz zu räumen, ihr Lacher und Genießer,\nsondern um eure Ichs zu fliehen, zu verlassen,\nzu enden. Leise, am untersten Saume heben\nwir den Vorhang auf, den ihr vor die\nSchöpfung gespannt habt, diesen Vorhang\naus Lärm, gedunsenen Ichbälgen und arm-\nseligen Hirnen. Wir werden den Sturm be-\nschwören, den Nebel zerreissen und der\nWelt uraltes Erbe wieder gewinnen. Die\nMaschinenlosen werden die Welt von neuem\nführen, selbst geistiger Strenge wieder\ngehorsam."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.9", "texte": "Eine kleine Streitschrift über\ndie Dirne\nErasmus\n\nIch zeichne diese streitbaren Zeilen nicht mit\nmeinem bürgerlichen Namen, weil sie unper-\nsönlich sein wollen. Das Anonymat schließt\nbeim Schreiber und Leser eher die Vorurteile\naus. Diese Parerga und Paralipomena zur\nkäuflichen Liebe sind in Paris geschrieben\nworden, in der Stadt, wo das Dirnentum die\nästhetischsten aber auch die gewalttätigsten\nFormen angenommen hat. Ich sage das, um\nmanche Einzelheiten zu situieren.\n1\nDer sentimentale Dirnenroman mit sogenann-\nter Welten-Schonungsperspektive ist zu\nverachten, weil er einer Abfallserscheinung\ndes Lebens eine Bedeutung gibt, die sie im\nGemüt der sozialen Schwärmer leicht zur\nNorm steigert. Das ist auch für Charles-\nLouis-Philippe gesagt. Der kraß-realisti-\nsche Dirnenroman ist zu verachten, weil man\nseit einem halben Jahrhundert gründlich\nüber alles drum und dran Bescheid weiß. Es\ngenügt, mit dem nötigen Sinn für Wahr-\nhaftigkeit das Dirnentum zu betrachten, um\neinzusehen, daß es keine moralische, keine\nsoziale Angelegenheit ist, sondern eine Le-\nbensweise und ein Beruf, die nicht besser\nund nicht schlechter sind als alle die anderen.\nDann gelangt man dahin, wohin man gelan-\ngen muß, zur Aesthetik und zur Hygiene, zur\nBerufsästhetik und Berufshygiene. Diese\nAphorismen sind der schwache Versuch\neiner Anbahnung zu dieser Umstellung.\n2\nDie Verächter des Dirnentums unter den\nMännern räsonnieren und handeln aus Eifer-\nsucht. Aus Eifersucht gegen das weibliche\nGeschlecht. Die Männer sind ärgerlich da-\nrüber, daß die Weiber den Verkauf der Ge-\nnüsse, den sie mit ihrem Körper spenden\nkönnen, in eine soziale Form gebracht haben\nund daß diese Form, die Jahrtausende alt ist,\nihnen es erleichtert, einen Käufer für ihre\nReize zu finden. Während die Männer in\ndem Fall, wo sie mit ihrer Geschlechtskraft\nHandel treiben wollen, noch immer nicht\nrecht wissen, wie sie sich anstellen sollen\nund dem Zufall ausgeliefert sind. Es ist aber\nnichts Lächerlicheres als diese moralische\nEntrüstung der Männer über die Dirne, denn\ndie Männer haben aus reiner Verlegenheit\ndas Prinzip der Geschlechtskäuflichkeit in\ndie Ehe gebracht, indem der Bettzins in Ge-\nstalt der Mitgift der Frau erhoben wird.\n3\nDaß das Dirnentum seinen Einzug in die Ehe\nhalten konnte — vor allem durch die Kom-\nplizität des Mannes — es ist der beste Be-\nweis dafür, daß es eine Institution in der un-\ngeschriebenen Verfassung der menschlichen\nGesellschaft ist. Dirnen, Dirnen .. . jawohl,\ndas kennen wir — so sagen diese Leute! —\nDas treibt sich in Tag- und Nachtlokalen, auf\nBürgersteigen und an Straßenecken herum,\nwackelt mit dem Steiß, schminkt, färbt, koh-\nlet und erhimmelt sich über die Maßen, ver-\nschachert seinen gottgesegneten Leib und\nendet im besten Falle als Bordelleiterin oder\nAbortfrau. So urteilt man, wenn man die\nProletarierinnen der käuflichen Liebe für den\nreinsten Ausdruck des Typus nimmt. Man\nkann aber leicht erfahren, daß der Typus sich\nam raffiniertesten da realisiert, wo die\nAeußerlichkeiten reduziert sind, und das ist\ngerade in ganz bestimmten Ehen. Es fehlte\ndabei nur noch die Freizügigkeit, die die\nErleichterung der Ehescheidung glücklich\ngebracht hat.\n4\nAber lassen wir das! Die männliche Dirne\ninteressiert auch hier nur nebenbei, weil ihre\nCharaktermerkmale trotz allem noch nicht\nscharf genug ausgeprägt sind. Ich halte mich\nbeinahe ausschließlich an die weibliche\nDirne. Die Geschmeidigkeit, mit der das\nweibliche Dirnentum ausgeübt wird, scheint\nmir eine Revanche für das, was die Männer\nseit dem Adam- und Eva-Paradies an der\n«\nFrau verbrochen haben. Es ist die natürliche\nRevanche gegen die Herrschsucht des Man-\nnes, der sich ein Genußobjekt als Eigentum\nleisten will. Nun, dann soll er zahlen! Da\ner direkt oder indirekt mit seiner Arbeit zah-\nlen muß, hat die Frau ihn zu ihrem Sklaven\ngemacht. Die Männer sind sonderbare Herren\nder Schöpfung!\n5\nDie Entrüstung der „anständigen\", auf die\nEhe hin trainierten Frau über die Dirnen ist\nauch nicht viel weiter als das Geständnis\neines „Non possumus\". Das wäre ihnen be-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.10", "texte": "quem, mit raffinierter Schaustellung ihrer\nReize und vor allem mit den Heimlichkeiten\n*\ndes Flirts den Mann so gefügig zu machen,\ndaß er als „Firma\" eingefangen werden kann\nund nicht zu riskieren, daß er seine hoch-\ngespannte Libido bei der Prostituierten ent-\nlädt. Und es wäre noch viel bequemer, in aller\nGeschlechtlichkeit eine Stümperin zu sein\nund dem Mann es als Verworfenheit anzu-\nrechnen, daß er die Sexualkunst der Dirne in\nAnspruch nimmt. Wie oft hat diese und jene\nEhefrau, die nur dasteht und klagt, durch ihre\ngeschlechtliche Dürftigkeit den gutgewillten\nMann dem gescheiten Schoß der Dirne zu-\ngetrieben, denn wie hätte sonst der arme\nTeufel sich zu helfen gewußt!\nBei Gott, wie oft gerät denn so richtig ein\nbürgerlicher oder kleinbürgerlicher Coitus?\nIst denn dieses öde Getue nicht meistens\nallergröbste Täuschung? Und hat man dafür\nnicht das unheimliche Wort von den „ehe-\nlichen Pflichten\" erfunden ? Es ist erstaunlich,\ndaß nicht mehr Frauen ihren Männern und\nnicht mehr Männer ihren Frauen weglaufen.\nDer Mann ist jedenfalls besser dran, denn\nbei der Dirne weiß er was er hat.\nLassen wir doch diese verfluchte Heuchelei\nbeiseite. Seien wir unter Männern — ganz\nunter uns — doch einmal offen und gestehen\nwir: Wer hat nicht bei der Dirne geschlafen\noder wer hat nicht bei ihr schlafen wollen\nund ist nur durch allerlei unkontrollierbare\nHemmungen davon abgehalten worden ? Und\nwer hat dann noch ein Recht, sie in philiströ-\nser Selbtsgefälligkeit zu schmähen? Es gibt\nAusnahmen; ich kenne sie wohl. Das sind\ndie großen Keuschen, die ganz Reinen, die\nErlösten, die Heiligen, die außerhalb des\nJahrhunderts leben. Denen fehlt dann auch\ndas Verständnis der heutigen Welt, weil diese\nohne die Ergründung, ohne eine freimütige\nPsychologie des Dirnentums nicht verstan-\nden werden kann. Und der Welt, der heuti-\ngen und der vergangenen, fehlt auch das\nVerständnis für diese Reinen, denn von jeher\nwurden sie verstoßen und ans Kreuz ge-\nschlagen. Unter ihnen war der Nazarener,\nder seine göttliche Hand verzeihungsvoll\nüber die Dirnen ausstreckte und das Wort\nprägte, das über jedem Freudenhaus stehen\nsollte: „Wer ohne Schuld ist, werfe den\nersten Stein auf sie.\"\n7\nDie Zusammenhänge der Zivilisation mit dem\nDirnentum einmal genau, vorurteilslos, kul-\nturpsychologisch zu ergründen: wo ist der\nMann, der das wagt? Er müßte durch die\nstrenge Schule Nietzsches gegangen sein und\ndabei viel erlebt, gelebt, mit den armen, ver-\nachteten und den reichen, befehlerischen Dir-\nnen gelebt haben. Sollen wir auf ihn war-\nten? Er wird vielleicht nie geboren.\nJe mehr wir in der Zivilisation voranschrei-\nten — man merke sich, daß ich nicht von Kul-\ntur, sondern von Zivilisation spreche — um\nso weitschichtiger, hilfsmittelreicher, vielge-\nstaltiger und auch prunkvoller wird die Pro-\nstitution, um so mehr verfilzt sie sich mit\ndem, was wir in so geschmackloser und\nwahrheitswidriger Weise „die Errungen-\nschaften des menschlichen Geistes\" nennen.\nDer Bau der Luxuskraftwagen steht zu einem\ngroßen Teil im Dienst des offenen und ver-\nkappten Dirnentums, und die moderne\nHydrotherapie ist ein beliebtes Aushänge-\nschild für feinere Bordelle.\n8\nDer Typus der Dirne ist gewiß kein ethischer\nTypus. So sicher es ein Zeichen von Kultur\nist, das Vergnügen zu verfeinern, und so\nwenig wir uns darüber ärgern dürfen, daß\ndiese Verfeinerung sich in die Lasterhaftig-\nkeit hinein verzweigt, die Menschen, die ihr\nGeld damit verdienen, indem sie ihren Geist\noder ihren Leib in den Dienst des Vergnügens\nstellen, sind meist unvornehme Naturen. Es\ngelingt der Dirne auch selten, vornehm zu\nsein, dann freilich ist sie von einer hoch-\ninteressanten Vornehmheit. Lassen wir da-\nher das Ethos und jeden soziologisch-ethi-\nschen Maßstab beiseite. Aber wir Männer\nsollen doch der Frau nicht vorwerfen, daß sie\nihre Sinne verkauft, denn sie begeht dadurch\neinen an und für sich sittlich gleichgültigen\nAkt. Die Männer habens weiter gebracht;\nsie haben den Typus des Zuhälters heraus-\ngebildet. Und da fällt dem Ethiker die Wahl\nnicht schwer, zwischen dem armen Luder,\ndas den Hemdzins in den Seidenstrumpf\nsteckt und dem Helden, der im fahlen Mor-\ngenlicht den Strumpf umdreht und das sauer\nverdiente Geld versäuft und verspielt.\nSchweigt, ihr sonderbaren Herren der Schöp-\nfung : sie tun es und ihr nehmt ihnen das Bar-\ngeld ab."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.11", "texte": "Vordemberge-Gildewart: K Nr. 5"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.12", "texte": "Vordemberge-Gildewart: Rot konstruiert"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.13", "texte": "HUGO SCHEIBER: Zeichnung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.14", "texte": "Faksimile eines Originalmanuskripts von August Stramm"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.15", "texte": "9\nReden wir nicht lange hin und her: was die\n„anständigen\" Frauen gegen die Dirnen auf-\ngebracht hat, hängt nicht mit rechtschaffener\nMenschlichkeit zusammen, ist weiter nichts\nals der Zorn gegen eine überlegene Konkur-\nrenz. Ja, ja, die Konkurrenz . . . (ich muß\ndavon aufhören, sonst verfalle ich in den\nübelsten Journalismus.)\nIch habe einen feinen alten Herrn gekannt,\nder mir so um die Sechzig herum sagte:\n— der Unglückliche war übrigens zweimal\nverheiratet gewesen, aber fragt mich nur\nnicht wie — „Ich habe diesen erotischen\nDilletantismus gründlich satt, ich halte mich\nbis an mein Lebensende nur mehr an die\nVirtuosinnen der Liebe. Wenn ich mir\nordentliche Stiefel leisten will, gehe ich zu\neinem Schuster und nicht zu einem Schnell-\nsohler.\"\nUnd vor langen Jahren stand im Simplizissi-\nmus selig ein guter Witz. Ein Leutnant ist\nauf einem vornehmen Ball und seufzt: „Wenn\nich am Tag vorher in den Amorsälen war\nund dann dieses öde Getue sehe, ist es mir,\nals ob ich aus einem Rennstall in einen Kuh-\nstall käme.\"\n10\nMan braucht nicht sentimental zu sein, um\nvon der tiefen Melancholie, die alle käufliche\nLiebe durchdringt, ergriffen zu werden. Auch\nhier wird der ganze Weg der Tragik durch-\nlaufen, auch hier sind die Gefühle in para-\ndoxaler Gegensätzlichkeit gemischt, wie da,\nwo es sich um die große Sexualleidenschaft\nhandelt.\nPierre Louys, den man einen Pornographen\nschalt, der aber mehr analytische Kraft ver-\nausgabte als die Zerfaserer der „mondänen\nLiebe\", hat uns in einem kleinen Sätzchen\nder „Aventure du roi Pansole\" ein Fenster\nauf diese Traurigkeiten geöffnet: „Die\nFrauen sind auf der Welt, um sehr\nunglücklich zu sein. Oft ohne jeden Grund,\naber wenn eine Dirne zu weinen be-\nginnt, antworte ich dir, daß sie weiß wes-\nhalb . . . Weil sie mit einer Liebe spielt, die\nnie aufhört ihr zu entschlüpfen. Weil sie,\nunter zwanzig Männern, die sie verabscheut,\neinen wählt, den sie liebt, und weil dieser nur\neinen Wunsch hat, sie so schnell wie mög-\nlich zu verlassen. Weil man keine traurigere\nund mühsamere Komödie spielen kann als\ndie der zärtlichen Gefühle.\"\n11\nWenn ich Gerechtigkeit, Nachsicht und an-\ndere normale Gefühle für die Dirne fordere,\nso denke ich dabei weniger an die Kourtisane,\nfür deren Lob die Chevaliers servants des\nHellenentums, die Renaissancezeit und des\nZeitalters der großen Amoureusen ihre Fe-\nder spitzten. Die Kourtisane ist ein ästheti-\nsches und kein soziales Objekt, die ist arri-\nviert, die hat sich ihren Gotha oder ihren\nbürgerlichen Adel erschlafen und findet über-\nall Verteidiger ihrer Respektabilität. Mir liegt\nam Herzen die arme kleine Hure, die Prole-\ntarierin der Prostitution, die nur durch einen\nglänzenden Zufall in unserer miserablen Ge-\nsellschaftsordnung die Möglichkeit zum Auf-\nstieg findet. Hat man schon festgestellt, wie\nunerbittlich sich in diesem abseitigen Reich\ndie Schichtung der Klassen aufrecht erhält,\ndaß nicht einmal strahlende Schönheit im-\nstande ist, die Schranken niederzulegen, die\ndie Kourtisanen von der Plebs trennen? Der\nAufstieg ist den niederen Dirnen eher durch\nKlugheit und durch die Suggestion einer un-\ngewöhnlichen Lasterhaftigkeit — die aber\nmeistens ein Versprechen oder eine Illusion\nbleibt — als durch Schönheit möglich.\n12\nDie Bequemlichkeit, mit der die Frau in das\nDirnentum hineingleitet, während der Mann\nimmerhin Hemmungen, meist sehr starke\nHemmungen überwinden muß, sind gar nicht\nmoralischer, sondern rein physiologischer\nNatur. Das ist schon so häufig hervorgeho-\nben worden, daß ich nicht weiter darauf ein-\ngehe, leider hat man daraus nicht immer die\nKonsequenzen gezogen. Das Dirnentum, das\nheißt die Gewährung ihrer körperlichen Ge-\nnußreserven gegen soziale oder materielle\nSicherheiten oder Aequivalente, gehört zum\nallgemeinen Typus der Frau. Sie erträgt das\nganz leicht, weil sie in den Stürmen der Ero-\ntik passiv bleiben kann, ohne sie da-\ndurch illusorisch zu machen. Es gehört nun\ndie ganze Perversität unserer soziologischen\nDialektik dazu, um aus dieser psychologi-\nschen Eigentümlichkeit — die schließlich\neinen Vorzug repräsentiert — eine Schande\nzu machen.\nWeil die Grenzen zwischen uneigennütziger\nund eigennütziger Sexualität bei der Frau so"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.16", "texte": "fließend sind, weil viele unter ihnen nicht\nwissen, ob sie sich noch verschenken oder\nsich schon prostituieren, werden bei ihrer\nBeurteilung alle moralischen Motive hinfällig.\nAber der Mann, der seine sexuale Potenz ver-\nkauft, der die in ihm wallenden Hemmungen\nbewußt überwindet, und besonders der\nMann, der in irgend einer Form an den Typus\ndes Zuhälters streift, hat für sein Verhalten\nkeine Entschuldigung. Ohne daß wir dafür\naufs hohe Roß der moralischen Süffisance zu\nsteigen brauchen, dürfen wir ihn ruhig als\neinen minderwertigen Typus erklären.\n13\nBei der moralischen Ablehnung der Dirne\nlegt der Philister das Hauptgewicht auf die\nKäuflichkeit. Nehmen wir einmal an, das Ob-\njekt, das hier verkauft und gekauft wird, sei\nan und für sich verwerflich. Wenn dann der\nKaufakt dadurch eine verwerfliche Handlung\nwird, so liegt die Unehrenhaftigkeit ebenso-\nsehr beim Käufer als bei der Verkäuferin. Da\nbeim Kaufakt die Nachfrage ebenso bestim-\nmend ist wie das Angebot, ist es unzulässig,\nhier einen Unterschied aufzustellen.\nWenn das Objekt moralisch indifferent ist,\nso kann das Geschäft nur danach beurteilt\nwerden, ob es in ehrlicher Weise vollzogen\nwird. Das ist dann eine Sache der Ab-\nschätzung. Unehrlichkeit aber liegt keines-\nwegs vor, wenn der Käufer aus Dummheit\noder aus Verblendung das Objekt zu teuer\nbezahlt. Weil der Mann unter dem Druck\nseines Geschlechtstriebes mit der Dirne meist\nunvorteilhafte Geschäfte abschließt, sucht er\nsich damit zu trösten, daß er aus der Ueber-\nlegenheit der Liebesverkäuferin — die\nimmerhin noch eine zweifelhafte und durch-\naus zufällige Ueberlegenheit ist — einen\nmoralischen Defekt macht. Man kann die\nHeuchelei wahrhaftig nicht schamloser be-\ntreiben.\nWas aber all den moralischen Werturteilen\nüber die Prostitution den Boden entzieht,\nist der Umstand, daß das Objekt, das angebo-\nten und verkauft wird, einen positiven Wert\nbesitzt. Wenn man alle die systematisch ge-\nzüchteten Vorurteile beiseite setzt, so ist die\nVermittlung von Geschlechtslust, auch wenn\nsie nicht in Liebe und Hingabe oder durch\nSchenkung erfolgt, eine Steigerung des\nWohlbefindens der Menschheit und nur die\nPuritaner haben Gründe, sie geringschätzig\nabzulehnen.\nWas verkaufen denn die Dirnen? Gewiß\nkeinen Schmerz, sondern Vergnügen, sie ver-\nkaufen auch keine Kanonen, keine Giftgase\nund keine Panzerplatten. Es gibt nur eine ein-\nzige Depression : das ist die Krankheit. Und\nwenn hier alle Gefahrquellen ausgeschlossen\nwären, stände der Geschlechtsakt auch in\nseiner unvorteilhaftesten Ausprägung längst\nneutral da.\n14\nEs ist interessant, die Menschenkenntnis, also\ndie Männerkenntnis der Dirnen zu beobach-\nten und sich an dem Aufwand von professio-\nneller Klugheit, den sie manchmal anwenden,\nzu ergötzen. Bei den wissenden Dirnen kon-\nstatiert man außerdem die Abwandlung der-\nselben Gebräuche, die im Handel gang und\ngäbe sind: das raffinierte Anpreisen der Ware\nim günstigen Augenblick, das kräftige Zu-\npacken, wenn diese Taktik mehr Erfolg ver-\nspricht. Und man muß sich schon aus diesem\nGrunde daran gewöhnen, daß die Prostitution\nein Geschäft ist, wie jedes andere. Beson-\nders wir Schriftsteller brauchen und der\nDirne gegenüber nichts einzubilden. Ver-\nkaufen wir nicht unseren Geist, und manch-\nmal unsere Ehrbarkeit und Ehrlichkeit an\nden Meistbietenden? Ist die Herabwürdi-\ngung, die wir uns manchmal bieten lassen,\nnicht schlimmer und auch sozial gefährlicher\nals dies Geschäftsgebaren der Dirne?\nWas haben wir schließlich von unserem\nmoralischen Geflenne gegen das Dirnentum?\nWeil wir es nicht in seiner Gesetzmäßigkeit\nund seiner Hochanständigkeit — denn was\nist anständiger als die soignierte Befriedi-\ngung eines natürlichen Bedürfnisses — er-\nkannten und anerkannten, hat es seine Re-\nvanche genommen und sich in den Dienst der\nDümmsten und illusionslosesten Lasterhaftig-\nkeit und der grobkörnigsten Geschäfte-\nmacherei gestellt. Es verheert die Groß-\nstädte nicht durch seine korrumpierte Leib-\nlichkeit, sondern durch seine Komplizität mit\nallem, was von Parasitentum in unserer Zivi-\nlisation gezüchtet wurde. Der alte Retif\nde la Bretonne, der kein Pornograph,\nsondern ein Logiker war, ein im strengen\nrationalistischen Geist des achtzehnten Jahr-\nhunderts gewachsener Logiker, hat den Weg\ngezeigt zu gut eingerichteten Frauenhäusern,"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.17", "texte": "in denen die Lust des Fleisches von seeli-\nschem Weh möglichst gereinigt ist. Man hat\nüber ihn gelacht als über ein Kuriosum. Und\nwir haben, weil wir nicht auf ihn und seines-\ngleichen hörten, diese stupide, kostspielige,\nmit Apachentum, Alkohol, Nikotin, Kokain\nund Flagellantentum durchsetzte Prostitu-\ntion des neunzehnten und zwanzigsten Jahr-\nhunderts, die wir nur etwas durch einen\ngewissen Kultus der Nacktheit — der\naber viel zu geschäftsmäßig ist — zu rehabi-\nlitieren versuchen.\n\nKönigin Goldspinst im Monde\nThomas Ring\nEine Königin hatte einen Mondbalkon, auf den\nsie flüchtete wenn nebenan im Schlaftapeten-\nwürfel die Mäuse am Rokokoschneckenbein\ndes schiefen Tischchens hochzibberten, um\ndort das harte Brot der Wirklichkeit zu krü-\nmeln. Draußen aber rauschte das Meer zum\nKnarren schwerer Fruchtbäume und der\nzackig bewegte Umriß der schwarzen Welt\nkonnte den Mondball nicht greifen. Immer\nsaß sie und spann Herbstfäden in den Früh-\nling, Frühlingsfäden in den Herbst. Von ihrem\nLeib wand sich eine Spirale zehrender und\ngaukelsatter in seine blassen Verheissungen,\ndaß die Kühle aus Händen und Füßen sich\nzusammenzog und Froschkrallen um ihr Herz\nlegte. Schließlich hielt die Blutleere nur noch\neinen durchsichtigen Amethyst in den Fin-\ngern, dessen Funkeln sich von Innen her an\nden Perlmuttwänden ihrer Haut brach. Nur\nleise streiften die feuchten Lippen des Mondes\ndie müden Zünglein auf den ungekosten Lust-\nhügeln zwischen ihren Fragearmen, bis eine\nBewußtseinsbrise ihre Schultern leibeinwärts\nbog und den Schnitt ihres Schoßes noch enger\nverbarg. Dann verwirrten sich die Rosen ihres\nSchalschutzes schringend mit dem Silber der\nGürtelspange und die schweren Goldfransen\nihres Nervengewebes rieselten bis auf den\nSamt der Fußknöchel nieder. Da wippten die\nZehhebel elektrisch hoch, daß sieh der Raum\ndrehte, sie rannte am summend leeren Bett\nvorbei, zum Rahmen hinaus und im Wendel\nder Treppe herum schoß sie irgendwo auf\nGartenscholle, aber noch weiter bis an den\nStrand, wo Krebse mit ihren Scheren die\nEwigkeit in den Tag zwickten. Da war Grön-\nland mit hochgetürmter Frostkrone über\nschüchternen Leberblümchen, und das Gehörn\noder Geweih kämpfender Rentiere und\nMoschusochsen trieb im Gesplitter den Klang\neiner Stahlfeder in ihr Herz. Das bog den\nNacken rückwärts und die Tanghaare ihres\nKopfgongs flatterten einen Kriegstanz. Weit\nhoch sprang ihr Herz und glitschte ein flacher\nKiesel über die Rücken von Walen und Rob-\nben hinweg, immer weiter sich erhitzend bis\nes brennend einsam in der Sahara lag. Da\nhörte es nachts das Gebrüll der Hungerwogen\nschleichender Löwen, tags verzuckte es in der\nBrutstille lichtprutzelnder Sonnenperlen. So\nhob sie der lachende Griff eines Fischers in\nseine geteerte Plankenschale und sie schau-\nkelte im Auf und Nieder der Fatamorgana, un-\nberührt von den Schwielen sachlicher Kraft,\nwährend unter ihr in listigen Maschen gite\nund dumme Fischlein zappelten. Und wenn\neine Festlaune des Volks ein Flugkarussell an\nden Strand trieb, dann flog sie mit breiten\nBurschen im Stahlkorb rund im Kreis, daß das\naufquietschende Geleier von Matrosenscher-\nzen in ihre Röcke hinein und zum Ohr wieder\nhinauskroch. So trieb sie die Werktagslaune\ndes Volks auch in die große Stadt, wo in\nCafes und Kinos noch die letzten Nachkom-\nmen schwieliger Hände an den Strohhalm\ngreifen, um die Zitrone des Wissens zu schlür-\nfen. Manchmal sitzt sie noch auf ihrem Mond-\nbalkon, denn der Traumhof wird immer wie-\nder rund und voll und kullert über die Hoch-\nbahnkurven der Menschen hinab in den Kanal,\nauf dem geteerte Planken ordentlich gebrann-\nte Ziegel fahren. Denn die Menschen bauen\nsich immer höher in den Himmel, vielleicht ist\ndort das Goldgespinst zu finden.\n\nFortschritt\n\nKleist (Heinrich von). Von dieses Dich-\nters äußerem Leben ist außer seinen Kriegs-\ndiensten am Rhein, mit seinem trefflichen\nFreunde Fouque, seinem Aufenthalt in Dres-\nden, und endlich seinem, im Verein mit seiner\nFreundin, Adolphine Sophie Henriette Vogel,\ngeb. Keber, am 21. November 1811 in einem\nnahe bei Potsdam gelegenen Gehölze voll-\nzogenen Selbstmord, in der Blüthe der Jahre,\nder Dichtkunst und der Liebe, nichts Erheb-\nliches bekannt. Diess nun ist bei Männern die-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.18", "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "133", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.19", "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "134", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.20", "texte": "ser Art eben nicht zu beklagen, da sie mit\nihrem Innern und Seyn zahlen. In Hinsicht\naber auf seine letzte unglückliche That,\nwelche, den Umständen nach, eher beklagt\nund bemitleidet, als lieblos gerichtet zu wer-\nden verlangt, haben die Flugblätter des Ta-\nges leider einen gleich unfrommen, wie un-\nzarten Sinn an den Tag gelegt, indem sie die\nbeiden Todten lästerlich verdammten. Hier-\nüber nun kann man nichts, als den Zuruf vor-\nbringen: richtet nicht, so werdet ihr auch\nnicht gerichtet!, ohne daß man deshalb sich\neiner schlaffen Sittlichkeit befürchten dürfte.\nIndess ist ein solches Benehmen nicht be-\nfremdend, da gerade die Schaar der Kunst-\nschwätzer und Klätscher ihn als Dichter zu\nwürdigen nicht verstand. Unbefangen aber\nvon diesem Geschnatter der literarischen\nCapitoliumsgänse, darf man ihm den Dichter-\nberuf allerdings zuerkennen, und bedauern,\ndaß er nicht länger unter uns geweilt, um\nsich mehr und mehr auszubilden.\nConversations-Lexicon oder encyclopädi-\nsches Handwörterbuch für gebildete Stände.\nFünfter Band. J bis L. Leipzig und Alten-\nburg, F. A. Brockhaus. 1815.\nDem jungen Dichter K 1 abu n d (Alfred\nHenschke) wurde in seiner Vaterstadt Cros-\nsen a. d. Oder durch Aufstellen seiner Büste\neine Ehrung bereitet. Die Breslauer Schau-\nspielerin Carla Neher hat sich mit dem Dich-\nter Klabund vermählt. (Phot. Kester & Co.)\nDie Jllustrierten 1925\n\nKurt Liebmann\n\nEin breiiger Inzest\n\nOder das Geheimnis der Lyrik. Rudolf\nPaulsen, auch ein Ritter des blauen Dunstes,\noperiert in Nr. 8 (26. Jahrgang!) der „Schö-\nnen Literatur\" mit dem Metzgermesser an\nder deutschen Lyrik herum und sucht auf\nvier, mit Metzgerhänden gesudelten Druck-\nseiten das Geheimnis der Lyrik, das sich\nnatürlich von einem Metzger nicht finden läßt.\nWiederholung: Metzgert auf vier Drucksei-\nten der „Schönen Literatur\", der schönen,\nder Literatur, mit gänzlich stumpfem Messer\nan der Lyrik herum, wühlt und wühlt und\nwird ganz heiß und Seele.\n„Als August Stramm begann, das Wort zu\nisolieren, konnte man noch sagen, dies sei\nein wenn auch nicht eigentlich künstlerischer,\nso doch immerhin ein Weg aus der Verlotte-\nrung heraus. Man spreche sich nur einmal\nWörter wie Gott, Liebe, Sonne einige\nDutzendmal vor. Das hat schon seinen\nWert: sie werden wieder blank. Das Wort\nwird Logos oder kann es wenigstens werden.\nEs wird wieder Klang, weil es in der Isolie-\nrung ganz neu gehört wird. Hochachtung\nalso vor Stramm trotz allem!\" — Trotz\nallem . Das ist das Metzgergeheimnis.\n„Nun darf aber Klang nicht Selbstzweck\nwerden. Das Wort ist nicht Gefühls-, son-\ndern Geistesmusik. Wo das vergessen wird,\nentsteht ein breiiger Inzest der Wörter unter-\neinander. Also: „Hak / krallt / aus Seele\nDickicht / Qualstern / fahlt und zackt.\" So\nKurt Liebmann in „Schräg geöffnet.\" Nein,\nhier ist das Geheimnis der Lyrik nicht.\"\nAber:\n„Wenn Erde und Blut beide im Geiste leuch-\ntend werden, das nenne ich das Geheimnis\nder Lyrik. Sie funkeln dann durch schönen\nKlang und geben Einsicht in Höhen und Tie-\nfen, die wir sonst nicht erreichen.\" Und das\nMetzgermesser funkelt. Wühlt und wühlt.\n„Frischauf, der Leier Kraft gespannt.\" Oder:\n„Ich sah Deines Busens holde Prächte.\"\nOder: „Die Mädchen sind Blumen in Gärten,\nsie blühen und duften so süß.\" Beim Metz-\nger! Das geht selbst einem Metzger über\ndie Blutschnur. Das ist nicht das Geheimnis\nder Lyrik, um das der Metzger durch vier\nDruckseiten hindurch ausgezogen ist. „Ach,\ndürfte ich das Metzgermesser wegwerfen!\nAber noch darf ichs nicht.\" Armer Rudolf.\nWerden noch Mühsam und Toller abgemetz-\ngert. Immerhin Toller: „ ... hier (im Schwal-\nbenbuch) schwingt er sich mit seinen Ge-\nfängnisschwälben in atembare Lüfte.\" Aha,\nAtemnot! „Carl Friedrich Wiegang bietet\neinfache, ansprechende Dinge (z. B. „Mond-\nfahrt\"). Komponisten mögen sich hier um-\nsehen.\" Der Metzger metzgert sich schon\nnäher an das Geheimnis. Einfach. Anspre-\nchend. Mondfahrt. Ahnste was. Der hats\nnicht im Gehirn, der hats im Blut. „Nämlich\nJakob Kneip.\" Allerbeste uralte Tradition.\nNa endlich! Das Geheimnis! Aber das\nMetzgermesser funkelt. Friedrich Schnack!\nDer hat das lyrische Geheimnis. Schnack"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "135", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.21", "texte": "füllt jede Zeile, jede Silbe voll mit seiner\nganzen berauschten Persönlichkeit. Seine\nLandschaften, so sehr man sie anschaulich\nnennen darf, sind zugleich die süßeste Melo-\ndie für das Ohr. Und obendrein sind seine\nVerse sinnvoll. Mehr ist nicht zu verlangen.\nNEIN. JA. NEIN. JA.\n\nKurt Liebmann\n\nDichtung\n\nKrämpfe\nschrammt\nverschrammt\ndie Inschrift\nviele Inn-Schriften\nnur Aufschrift\nsteil\nVerstand\nVerstandesmaß\nzerbündelt\nNähe\nPlaneten gluten in uns\nentbrechen\nFerne\nder Flucht\nDes Talent wird vusterzert\nentsteigt\nvustiegen\nToden\nDu kannst nur lächeln über die Krumme der\nDächer\nKrumme Gedache\nverlächtert\ndie eigene Aufschrift\nVerkrampfung\nVerdampfung\nKühle Verdämpfung\nGeruch\nGerüchte\nFluch den Flüchtigen\nverweilen\nweilen\nverweilen\nEile drängt\ndie Gewalte\nEntstehung\nEnthebung\nEntdeckung\nalle Gebiete sind flüssig\nentdeckt\nverhoben\nin die Entdeckung\nnichts ist\nverdeckt\nGefühle\nstehn\nvergittert\nGemäuer\ngewandet\ndie Höhe\ndie Tiefe\ngemessene Tiefe\nDu kannst nur lächeln\nüber die Tiefe\nder Kräfte\nKrumme Kräfte\nleuchtende Schriften\nvernachtet\nentleuchtet\nGelichte\nverloschene\nendliche Schritte\nleise\nschwierig\nschwer\nleise\ntonlos\ntraumlos\nTrennung\nvom Dunst\nder Gestaltung\nKette des Nichts\nin den Kreis\nGefühle\nschwirren\nGelichter der Schwirre\nKlang-Verirrung\nWir wollen weiter gehn\nals die Zehntausend Jahre\nder Unlust —\nDirne\nEntbrennung\nWille\nWeisung\nWalte\nEntfaltung\nEine Sekunde gewonnen\ngejauchzte Erfüllung\nerfüllt\nEine Sekunde\nGelüste\ngekichert\nLustgelache\ndie Wüste\nEinfalt"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "136", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.22", "texte": "Einfaltung\nEntfaltung\nStetigkeit\nStändigkeit\nStaub in die Lüfte\nWir wollen\nSekunden enthüllen\nGrausen der Kürze\nStrecke\ngestreckte\nEnge\nInn-Schrift\nUngeheuer umkreist das Gestirn\nalles in allem gemeißelt\nLeuchte\nGelichte\nSekunde entscheide\ndas Nahe\ndas Ferne\ndie Nähe\nder Ferne\n\nWaldemar Eckertz\n\nErhabenheit im Vollen\nKurt Heinar\nJa die Stunden ungetrübter Schonzeit fließen\nflink dahin\nund die Schenkel blondbelockter Sonnen-\nsöhne werden strammer\nund die Hüften schoßgewiegter Tugend-\ntöchter breit und breiter\nund der frühe Frühling schon verführt mit\nneckischer Gebärde sie zu Paaren ins\nGebüsch\nJa so sucht der Augenblick Befriedigung im\nFleische\nunerhörter Wollust voll das Bürger Weibchen\nwarm befruchtend\nund die zärtlich-wohlbewahrte Unschuld\nunbedenklich opfernd ist ob schändlichen\nVerdachtes außerehelichen Beischlafs\nehrlich es entrüstet und sinkt schelmisch\nin die Arme des betroffenen Geliebten\nnämlichen Geblüts\nJa das Leben unserer Besten höheren Ortes\nist vergnüglich\nabgetrieben treibt seit langem Ungeborenes\nflußaufwärts\nund gerührt gedenken Jetzo sie gefräßiger\nBegierden\nund im Vollbewußtsein vielgerühmter Näch-\nstenliebe suchen nächtens sie am jeweils\ntauglichen Objekt wahres Volkstum zu\nbeweisen und beeilen sich des Tagdoms\nSpitze heimlich zu ersteigen und zur\nAbendandacht priesterlich ihr Angesicht\nzu schminken\n\nVolkslied\nOtto Nebel\nArbeiter\nIhr da\nKerl da\nKopf DU\nMann DU\nWeib da\nHerz DU\nKind DU\nLeid\nund\nDU\nund\nDU\nund\nDU\nWIR ALLE sind\nWIR haben NICHTS\nund\ngeben ALLES Denen da\nja\nDenen da\nja\nJenen\nWIR ALLE sind die Geber\nSie nehmen Uns das Leben\nUns\nKotzt das Sterben an\n\nInhalt:\nRudolf Blümner: August Stramm 121\nErla u c h: An die Führer und Lehrer\ndes Maschinen-Menschen. ... 126\nErasmus: Eine kleine Streitschrift über\ndie Dirne 127\nThomas Ring: Königin Goldspinst\nim Monde\nKurt Lieb m a nn Fortschritt .... 131\nKurt Lieb mann: Ein breiiger Inzest. 134\nWaldemar Eckertz: Dichtung. . 135\nKurt Heinar: Erhabenheit im Vollen 136\nOtto Nebel: Volkslied 136\nPierre Flouquet: Linoleumschnitt . 125\nPierre Flouquet: Linoleumschnitt. 132\nPierre Flouquet: Linoleumschnitt. 133\nVordemberge-Gildewart: K Nr. 5\nVordem berge-Gil de wart: Rot konstruiert\nHugo Scheiber: Zeichnung\nAugust Stramm: Faksimile eines\nSeptember 1925 Originalmanuskripts"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.23", "texte": "iv.I1:\nVERLAG PER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Wald en ;\nEinblidt in Kunfl\nSDie beste Einliihrung in den\nExpressionismus, Kubismus a. a.\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M 6,50\nFON F T E AU F L AGI\nI ,|!l:!': 112,:\n\nM\n1\n2\nH Socbcn crfd;kn: n\n1 Der Tabttentrager I\nH Sluscclefenc ©ebid)te bes =\n| (Srafett $Rortfj £>frasttnfc I\nU §ercmsgegeben r>on 33runo ©olj-Setpjig jj\n§§ liber 170 Sciten mit 37 93ilbecn nad> ©e- |§\nJ malben unb Seidmungen SUfreb 2tet£els a«f 2Katt- ||\n§j Kunftbrucf. gn Seineri geb. 9H. 6.—. ||\nH ©<is Stetjpolle bicfcc neucn 6tra<3>tt>iisausgabe liegt em- M\n§§ mal tn berSsefd)tantung auf.bie©ebicf)te, bic f>eute nod), M\n=§ befonbets !n bet beutfd>en gugenb, lebenbig jtnb, fobann m\nH tn bee ctnbrurfsDoUen Serfcbmeljung jtpifd)cn ben ||\ns ©ebid>ten btefes bebeutenbenS3altabenbid)ters n\nM unb ben SMlbern 2Ufreb 9?et£els, bic faft §1\n§{ u>ie glluftrationen ju ben €>tra<fy- g\nH n>itsfd)en ©ebid)ten anmuten. =\ngj \"l\"\"MHimi|||||||j||||||||WllM\"\"M\" M\n| <&awourg 36 J\n!l!lll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllll!lllllll!lllllll!llli!lll!llllll!lllllllllllllll!lll!lllllllll!llllllillilllP\n\nKunstausstellung Oer Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a'•\nSeptember 1925\nGruppe K I Gemalde\nMax Qlderoek / Webereien\nCarl-Beinz Sroll / Gemalde\nSturm^Gesamtschau\nGeoffnet\n10—6 Uhr\n\\\nSonntag\n11—2 Uhr\nJeden\nMittwoch\nSturm-Alien lie\n\nDeutsche\n•t\nZeitung\nDie Zeitschrift der\nGegenwart\niiberall erhaltlich\nEinzelheft Abonnement3M\nvierteljahrlich frei Haus\nVerlag\nvon Poddebski & Co.\nBerlin SW 48\nVerl. Hedemann - Strasse 5\nTelefon: Kurfiirst 70 40\n\nHarzillier s Co. Berlin W\nDrnnewaldsfraQe 14-15\nGegrUndet 1854 Hofspediteure S. M. des Kdnigs von Spanien GegrQndet 1854\nSped it ion und Mdb&lfpanspQpte,Veppackung und Lager ang\nvon Gemaiden und Runstgegenstanden jedep Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunst-\nausftellungen des In- und Buslandes. Tpanspopfver*\nfichepungen allep flpt.\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender KQnstler / der Freien Secession\ndts Verbandes Deutscher Jllustratoren und Hausspediteure des „Sturm\""}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192509-01.1.24", "texte": "Verantwortlich für dhe * Lothar Schleyer, Bsriin W 9 | Verlan dsr Sturiti ö m h M PapiSn wo Pnforia»ai« <s*, «9. _ r „\nLiltzow 4443 | Postscheckkontos Berlin 120658 | Druck: Aaba-Express, Buchdruckerei des Westens, Berlin W 57, Grossgörschenstr&sse ?\nZeitschrift Der Sturm jährlich Mark 12 / halbjährlich Mark 6 / vierteljährlich Mark 3 / Einzelheft 1 Mark\n\nDie Sammlung „Junge Kunst\"\nhat mehr zum Verstandnfs und zur Verbreltung der werthaften\ngegenwSrtigen Malerei getan, als die Bildbuchpublikationen\naller^nden^eHegeM^\nHans Franck in der „Thiiringer Allgemeinen Zeitung\"\nJeder Band dieser ISngst in Hunderttausenden von Exempiaren verbreiteten Sammlung hat\nein farbiges Titelbild, 32 ganzseitige Tafeln und enthait im Textteil neben der EinfQhrung\neme Solbstbiographie des KOnstlers. Format B°. Preis In Halbleinen M. 2.50. Je\n8 BSndchen als „Bibliothek der jungen Kunst\" in einem Bande Halbleinen M. 20.—.\nBisher er'schienen:\nH. Reihe:\nJaeckel, Scharflf de Vlaminck,\nMorgner, Klee, Eberz, Derain,\nSchmidt-Rottluff\nV# Reihe:\nCoubine, Rohlfs, Chagall,\nGauguin, Schrimpf, Smet,\nW/jj ■ |H| NPjH||H I .JfllK Schmidtr;f Archipenko '\nDie Sammlung wird fortgesetzt.\nJahrbuch der Jungen Kunst 1924 Herausgegeben\na g. p . .. . 1 von Professor Dr. Georg Biermann\n40. Mit 56 Beitragen auf etwa 540 Seiten und ca. 500 Abbildungen auf Tafeln und Text, 2 farbigen Tafeln. 3\nan ' Laboure/ir# einer farbigen Originallithographie von Crodel und einem Holzschnitt von Masereel. Halbleinen\nM. 36. , num. Vorzugsausgabe von 100 Exempiaren in Halbleder mit Beigabe einer Lithographie, handsigniert, von Coubine M. 50.—\nSchmidtbonn schrieb im aTagebuch\": „Mit ungewohnlicher Tatkraft und Blickscharfe ist der Band zu einemorgani*\nscfeen Ganzen zusammengestelli Er wirkt ungewollt als Manifestation westlicher Kunst, als Lebensruf Europas Ei n e\nLei stung, auf di e Deut achl a n d ato Iz sein dar 112.«\nDer eKunstwart® urteilt: . . liberal! pulst Leben, tritt eigene Anschauung unbekfimmert nervor. Ein fiberreiches verdienat\nvoiles, auch durch das Bildmaterial packendes Sammelwerk. Ich kenoe kein zweites, das so vom Leben dar Gegenwart strotzt\nund es so ohne Lehrhafiigkeit allem Empfanglichen nahebringen kann. Wir wo ll en es mit allem fiachdruck\nuneingeschrankt empfehlen.\"\nKlinkhardt & Biermann / Verlag - Leipzig\nI. Reihe:\nPechstein, Modersohn, Hoetger,\nMeidner, Klein, Heckendorf,\nGrofimann, Krayn\nIV. Reihe:\nvan Gogh,(Doppeibd.),Rousseau,\nSchelfhout, Nauen, Cezanne,\nKisling, Macke\n111, Reihe:\nCampendonk, Roeder, Moll,\nUhden, Grosz, Laurencin,\nUnold, Waske\nVI. Reihe ;\nKandinsky, Pellegrini,\nGotsch, Matisse,\nFeininger, Hofer\nDix,\nKubin,\n\nZeitschrift fur Musik\nA if -»*\nErscheint z. Z. /'/t? -7. Jahrgang\nMitarbeiter des laufenden Jahrgangs ■\nF. Busoni / Egon Wellesz\nFritz J ode / Heinz Tlessen\nPh. Jarnach / Prof. o. Horn hostel\nProf, H. Springer / Man Sieoogt\nProf. Kurt Sachs / Ernst Kurth\nund uiele andere\nSchrift/eitung: Dr. Hans Mersmann\nPreis des Einzeiheftes 1 Mark\nJahresabonnemerit (12 Hefte) 10 Mark\nProbertummen gratis uom Verlag\nMELOS-VEMLAG G. M. B. H.\n*\\ 'j...., ' ( . *\nBeri/n-Pr/edenau / 40\n\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nsoeben erschienen\n1H r.ESCHWEir, DER\nE\nu\nJLU\nJU\nGedichte\nHERWARTH WALDEN\nlllltlliillllßllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllii\nIlillllKllllllllllllltlllllllll\nIn Ganzleinen 3 Mark"}]}