{"numero_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_sha256": "6ea21d8b280bf8911e7843cf89175f1a54dcfb8391fc41de372dad602201d204", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1925/10_01/bmtnabg_1925-10_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1925/10_01/bmtnabg_1925-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c001", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Pierre Flouquet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.1", "debut_caractere": 100, "fin_caractere_exclue": 153, "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c002", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "137", "page_fin": "140", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.2", "titre_corps": "Aktive Handelsbilanz", "titre_sommaire": "Aktive Handelsbilanz", "signature_source": "Walter Krug", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.3", "debut_caractere": 77, "fin_caractere_exclue": 3513, "texte": "Aktive Handelsbilanz\n\n„Achtung! Achtung! — Hier ist Berlingrad im\nJahre 3000.\"\nMeine Damen und Herren. Sie hören jetzt\neinen Vortrag über „Niveaufeste im Jahre\n1925, von Herrn Oberstudienrat — Professor\n— Doktor „Vierstein!\" — Darf ich bitten\nHerr O. P. D.\nMeine Damen und Herren! Der tragische Fall\nder 840ten Kommission ist noch frisch in aller\nGedächtnis! Abermals mußten an die fünfzig\nunserer ersten Fachgelehrten und Geschichts-\nforscher, nach nur einjährigem Studium in der\ngedruckten Hinterlassenschaft des vergange-\nnen Jahrtausends, als gehirnpestinfiziert unse-\nren Heilanstalten überwiesen werden.\nDie üble Beulenbildung, die sich im Verlaufe\nihrer Erkrankung an den Schädeldächern\nzeigte, führen unsere medizinischen Kapazi-\ntäten auf das Tätigkeitsfeld gerade dieser\nKommission zurück. Sie war beauftragt, die\nwirtschaftlichen Zustände Anno 1925 zu stu-\ndieren.\nm\nDas traurige Ende dieser Kommission wage-\nmutiger Geschichtsknappen hätte vermieden\nwerden können, wenn man diesen Schluß be-\nreits aus dem Fall des genialen Forschers\nZweistein gezogen hätte, der sich mit dem-\nselben Studienmaterial beschäftigt hat. Hierin\nscheint sich der Gehirnpest-Erreger in Rein-\nkultur zu befinden.\nDie Art der Infektion zeigt besonders typisch\nder Fall „Zweistein\": Befremdete schon sein\nVortrag über den Zusammenstoß der Erde mit\ndem Papierkometen 1925, den er zwar ver-\nhältnismäßig logisch mit der ungeheuren\nPapiermasse jener Zeit zu beweisen suchte,\ndie, selbst wenn die ganze Erde damals be-\nwaldet gewesen wäre, nicht allein aus diesem\nHolze hätte hergestellt werden können. Als\ndann sein Korreferent das Wort hatte und\nseine These bezweifelte, schwenkte plötzlich\nZweistein einen kleinen Zettel und sang mitten\nin die Rede seines Kollegen hinein ein uraltes\nWiegenlied „Weißt du wieviel Sternlein\nstehen\". Alles wurde stutzig, besonders über\nden eigenartigen Text, den er dem Liede\nunterlegte. Er sang: „Million — Billion —\nTrillion — Quadrillon — Roggen — Renten\n— Goldmarkzahl.\" Erst glaubte man an\nirgend ein „Heureka\" Zweisteins, aber als er\ndas Lied unaufhörlich intonierte, mußte man\nihn den herbeigerufenen Wärtern überlassen.\nDiese nahmen ihm denn das Zettelchen aus\ns\nder Hand, und es erwies sich als ein uralter\nGeldschein mit dem rätselhaften Aufdruck\n„1 Billion Mark\".\n■ - . •• ■ ; >,«• ■ '\nInzwischen ist nun regierungsseitig die be-\nkannte „Warnung an Alle\" erlassen worden,\nworin besondere Vorsicht beim Studium der\nDruckschriften empfohlen wird, di e aus den\nJahren von 1900—1950 stammen, wegen der\nhohen Infektionsgefahr.\nZu bemerken wäre hierbei, daß alle Erkran-\nkungen sich eigentlich nur bei ernsthaftem\nStudium der Schriften jenes Jahrhunderts ge-\nzeigt haben.\nWer sich mit der Materie nur unterhaltend be-\nfaßt, oder in der Lage ist, ihren grotesken Irr-\nsinn herauszudestillieren, bleibt völlig keim-\nfrei! —\nDafi jeder Idiotismus stark komische Seiten\nhat, ist ja allgemein bekannt, meist läßt aber\ndas schmerzliche Mitleid mit dem armen Irren\ndas Lachen nicht aufkommen.\nNun, meine werten Hörer, jene armen Irren,\ndie uns heute den Stoff zum Lachen bieten\nwerden, deckt schon über ein Jahrtausend der\ngrüne Rasen bzw. das Krematorium. So kön-\nnen wir denn beruhigt das Lachen entsiegeln,\ndas sie als „komisch Verwirrte\", also Narren\nin Reinkultur, in der Einrichtung ihrer Niveau-\nfeste auf Flaschen gezogen haben.\nDie Niveaufeste dienten dem Zwecke der Er-\nforschung des Bildungsniveaus eines Ortes"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4369, "texte": "oder Landes und waren Volksfeste riesigsten\nAusmaßes, mit gewaltigem Klimbim und\nTamtam.\nWie ich schon in meinem vorigen Vortrag\nerwähnte, ist die Zeit um 1925 herum durch\neinen richtiggehenden Bildungskolapps ge-\nkennzeichnet, der auch die eigentliche Ursache\n| \" \" •<= s - ; .•• •. •• .< •\nihrer unwiderstehlichen Komik ist.\nAlle, vom geringsten Arbeiter bis hinauf zum\njeweiligen Landeshaupt, konnten nicht genug\nBildung in sich aufnehmen. Das ganze Land\nWar übersät von Volksbildungsparteien mit\nsehr langen gebildeten Titeln, die man ihrer\nLänge wegen abkürzte. Um einige solche zu\nnennen, die V. S. P. D. im Lande der Dichter\nund Denker, die D. N. V. P. ebendaselbst. Die\ni - •\nerstere nannte sich „Vorurteilsloses Seminar\nProletarischer Denker\", die andere „Denker\nNiveau-Vervollkommnungs-Partei\" u. s. f.\nOrganisiert wurde dieser gewaltige Volksbil-\ndungsapparat durch das Tagesschrifttum, da-\nmals kurz „Presse\" genannt, wegen ihres\nr ,*,.•■. .1-\ngeradezu hydraulischen Bildungsdruckes, den\nsie ausübte.\nSie registierte und verherrlichte alle Landes-\nund Weltbildungsrekorde; sie veranstaltete\ndie Bildungsolympiaden, und ihr ist auch die\nEinrichtung der Niveaufeste zuzuschreiben,\ni. / »\nals Werkzeug zur Nivellierung der Bildung.\nAuf den Niveaufesten wurde durch ein sinn-\n■ i \\ J 4 ~ , . k\nreiches Frage- und Antwortsystem „Niveau\"\nermittelt, dergestalt, daß die jeweils dümmste\nFrage als Meeresspiegel galt, von dem aus\nnivelliert wurde und die beste Antwort als das\nhöchste Niveau anzusprechen war. Je höher\ndie Differenz zwischen Frage und Antwort\nwar, je höher galt das Bildungsniveau des\nOrtes oder Landes.\n\"X •\nIn den Tagen der Niveaufeste, sie dauerten\nmitunter wochenlang, beriefen die großen Bil-\n.' • , -r / - r •\ndungsparteien große Volksversammlungen\nein, in denen dann diejenigen längere Referate\nhielten, die für sich „Niveau\" beanspruchten,\nwie man damals sagte. In der sich dann stets\nanschließenden Diskussion wurden diese\nNiveauforderer möglichst saudumm von dem\nübrigen Versammlungs-Meeresspiegel befragt.\nErgab sich aus den Antworten ein genügendes\nNiveau, so ordnete man den Redner vom übri-\ngen Meeresspiegel ab, und nannte er sich\ndann Abgeordneter.\nDas Ab-Ordnen fand stets am letzten und\ngrößten Festtage dieser Veranstaltungen\ndurch Wahlakt statt.\nMit der Erringung der Abordnung war nun\nkeinesfalls etwa die Niveauprüfung abge-\nschlossen.\nEs war nur, um mich bildlich auszudrücken,\ndie erste Schutzhütte beim Aufstieg zum Bil-\ndungsmassiv erreicht.\nDoch lag diese Schutzhütte, um im Bilde zu\nbleiben, schon erklecklich hoch, so daß zu\nihr bereits eine stattliche Zahl von Serpen-\ntinen zu überwinden war. Es gab freilich\nauch kürzere Wege zu ihr. Dies waren je-\ndoch nur wenigen bekannte Schleich- und\nSchmuggelpfade, gefährlich und dunkel.\nVon der Schutzhütte „Abgeordneter\" aus be-\ngann dann der gefährlichere aber lohnendere\nAufstieg zum Gral, dem Ministergral. Dieser\nwar das Sehnsuchtsziel aller Niveautouristen\nwegen der fabelhaften Aussichten dort oben.\n; , i\nDie eigentlichen Gipfel des Bildungsmassivs\ngelang es nur wenigen und sehr geübten Klet-\ntereren zu erreichen. Ihre eifrigen, stets von\nundurchdringlichem Nebel umhüllten Häupter,\nwären auch gerade kein sehr erstrebenswer-\ntes Ziel gewesen.\nDennoch gierte der Niveautourist danach,\nwenigstens einen von ihnen, entweder die\nReichskanzel oder den Präsidentenstuhl zu\nerklimmen, wenn auch viele Marterln von der\nSchutzhütte aufwärts die Stellen bezeichne-\nten, wo wagemutige Kletterer abgestürzt\nwaren. Zwar hatte man an den gefährlichsten\nStellen bereits Auffangevorrichtungen in Form\nvon bequemen Abgeordnetensesseln ange-\nbracht, so daß hier zum mindesten der Sturz\nins Bodenlose vermieden war.\nDer gefährliche Sturz vom Gral machte nicht\nam Meeresspiegel halt, sondern der Todes-\nkandidat durchschlug denselben und fand sein\nunrühmliches Grab in Schlamm und Algen\nunter der Oberfläche.\nDas mir im Original-Dokument vorliegende\nProtokoll einer solchen Niveaufestversamm-\n\" V , .\nlung verzeichnet nun als Anwärter auf das\nSchutzhütten-Niveau des Abgeordneten einen\nNationalökonomen. Pleitestudenten könnte\nman sie nennen, denn sie hatten vom Lande\nden Auftrag, alle guten Pleiten zu studieren,\num Handel und Wandel damaliger Zeit nütz-\nliche Winke geben zu können, wie das End-\nziel dieser Volksbetätigung, der gewinnbrin-\ngende Konkurs am besten zu erreichen sei."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3791, "texte": "Nach seinem Referat also meldete sich zum\nWorte Hans Döskopp, von Beifallstrampeln\nbegrüßt, denn er hatte schon eine gewisse\nBerühmtheit erlangt im „saudummen Frage-\nstellen\". Sie müssen sich vorstellen, meine\nwerten Hörer, daß mindestens ebenso wichtig\nwie die kluge Antwort, also das Niveau, die\nsaudumme Frage war, wenn sich der Frager\nauch dabei blamierte.\nWomit wollte man sonst Niveau messen? Sie\nwar so notwendig wie der bekannte Platin-\nMeterstock in Paris seinerzeit. Auch dieser\nPlatinstock mit Zentimeter-Gravierung ist ein\nkostbares Denkmal jenes Bildungsfimmels.\nDurch Jahrzehnte lange Aufmessung unserer\nErde, und unter unglaublich komplizierten\nBerechnungen hatte man ihn hergestellt, an-\nstatt einfach nach Uebereinkommen ein\nx-beliebiges Maß in Platin zu kratzen.\nHerr Meeresspiegel Hans Döskopp begehrte\nalso vom Referenten zu wissen, was „aktive\nHandelsbilanz\" sei. Wörtlich sagte er: „Alle\nLeute wüßten es heute oder gäben sich den\nAnschein zu wissen, aber alle Auskünfte\nhierüber genügten ihm nicht. Man hätte ihm\nz. B. gesagt, ein Land müsse, um zu einer akti-\nven Handelsbilanz zu kommen, mehr ver-\nals einkaufen, sonst geriete es in Schulden,\nwas man dann passive Handelsbilanz nenne.\nEr gäbe zu, daß sein Volk, das Volk der Dich-\nter und Denker, ein außergewöhnlich kluges\nVolk sei und auf aktive Handelsbilanz achte,\naber im Laufe der Jahre würden die anderen\nVölker doch einmal ebenso klug werden, und\ndann würde z. B. das eine sagen „Nu, wollen's\nse kaufen schöne Baumwolle für'n Dollar? Nu,\nwird sagen das andere, werd' ich kaufen\nBaumwolle für einen Dollar, wenn se kaufen\nschöne Maßanzüge für zwei Dollar! Wird\nsagen, das erste: Nu, werd ich kaufen Maß-\nanzüge für zwei Dollar, wenn se kaufen Baum-\nwolle für vier Dollar!\"\nDiese Frage Hans Döskopps stellte einen\nDämlichkeits-Rekord dar! An diesem Mee-\nresspiegel-Horizont war wirklich kein Hoff-\nnungsland zu entdecken. Wie gletscherhaft\nhoch mußte sich nach solcher Frage das\nNiveau des Referenten zeigen, denn schon\ndamals waren die dümmsten Fragen am\nschwersten zu beantworten.\n„Ich muß zur Bibel greifen\", sagte lächelnd\nder Referent, „um mich Ihnen auch nur eini-\ngermaßen verständlich zu machen.\"\nDas war den National-Oekonomen damaliger\nZeit überhaupt schwer, weil ihre Darlegungen\nzumeist aus Gleichungen mit Unbekannten\nbestanden, mitunter sehr großen Unbekann-\nten, und, trotz des gewaltigen Bildungs-\nniveaus damals, war Mathematik schon vor\ntausend Jahren schrecklich unbeliebt.\nKain, fuhr der Redner fort, war ja nach dem\nbekannten Morde an seinem guten Bruder\nAbel auch der einzige aktive Mensch auf\nErden und ging doch auch zu anderen\nMenschen. Hier verzeichnet das Protokoll\neine brausende Beifallsdemonstration, die den\nRiedner buchstäblich am Weitersprechen hin-\nderte. Er hatte wirklich „Niveau\" gezeigt,\nund errang denn auch in seiner Person sofort\nden Finanzministergrad, ohne erst die Schutz-\nhütte des Abgeordneten zu benutzen. Es war\naber auch der berühmte Währungs-Ingenieur\nSchacht, dem die billionenmalige Teilung einer\nGoldmark und die Umformung der Billion-\nGoldatome zu einem Papierblatt von 69 qcm\nGröße gelungen war, die man Rentenmark\ngenannt hat, weil sie ihren Erfindern nam-\nhafte Renten gebracht hatte. Diese Papier-\nRentenmark verhielt sich bei der Goldprobe\nwie echtes Edelmetall.\nLeider ist sein Verfahren mit ihm zu Kremato-\nrium gegangen. Nur seine ökonomische Ant-\nwort ist uns in diesem Dokument als ein kost-\nbares Denkmal überliefert.\nAls Denkmal einer Zeit, in der es noch wirk-\nliche geborene, geradezu erdhaft-urwüchsige\nIdioten gab.\nMeine Damen und Herren! Der Vortrag des\nHerrn Oberstudienrat Professor Doktor Vier-\nstein ist beendet. Auf Wiederhören am näch-\nsten Sturmabend. Wir geben Ihnen wie üblich\ndie genaue Zeit an: Es war das Jahr 1925.\n\nWalter Krug"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c003", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "139", "page_fin": "139", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Pierre Flouquet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c004", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "140", "page_fin": "143", "image_debut": 6, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.3", "titre_corps": "Seestück", "titre_sommaire": "Seestück", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.6", "debut_caractere": 3793, "fin_caractere_exclue": 4142, "texte": "Seestück\n\nAnfangs war der Dampfer zu klein. Aber bald\nschon ersoffen alle Seekranken. Sie hatten\nsich über ihre Gerbmägen weg über Steuer-\nbord geschwelgt. Der Kapitän spuckte nach\nLee und schnallte den Eimer vor. Ihm konnte\nes also gleich sein.\nEs war ein sogenannter Drei-Rad-Dampfer.\nWenn man die Notbremse scharf anzog, fuhr\ner sofort seitwärts."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4377, "texte": "Unten saß ein Regierungsrat und trat die Pe-\ndale. Den hatten die Bonzen in der Tretmühle\nabgebaut, obgleich er stets ein besserer Rad-\nfahrer gewesen war. Konrad Kniestecher\nhieß er, Hauptmann der Landwehr adee.\nWeiß der Teufel warum, aber der Mann war\nverdächtig. Sei es, weil er Linkshänder war,\nsei es, weil sein jüngster Schwiegerhahn repu-\nblikanisch krähte, Konrad Kniestecher war\nder Landesregierung ein Dorn im Zahn.\nKurz und entschlossen stach er in See. Den\nalten Feldstecher mit Kölnischem Wasser ge-\nfüllt, fertig war das Marineglas. Ab und zu\nhob er einen Zierschluck heraus, propfte\ndoppelt zu und rülpste diskret: „Jau, jau!\"\nSein Hochdeutsch hatte er leichten Herzens\nauf die hohe Wasserkante gelegt. Zumute\nwar ihm auf seinem Tretsattel gleich einem\ngewissen Hauptmann, der Anno 1914 beim\nersten Ueberfall auf die flämischen Windmüh-\nlen von Bovekeerke vor versammelter\nMannschaft spornstreichs aus dem Bock-\nsattel in die Jauche klatschte.\n„Wer Flandern eine Grube gräbt\", hatte der\nBauer gedacht, dem sie kurz darauf den\nSchädel einschlugen. „Slächt Wädder von\nDaag, Mynheer\", hatte er gesagt, als Haupt-\nmann Konrad aus dem Mist gekrochen war.\nDas waren noch Zeiten, spintisierte Knie-\nstecher zurück. Da war man noch ein ange-\nsehener Mann, da saß man noch fest im Sattel.\nDie Spiralfedern unter ihm quietschten vor\nVergnügen. Er schnellte in die Gegenwart\nhoch. Hurtig trat er sein Triebwerk, und der\nDampfer wurde oben immer geräumiger.\nDoch die Verluste ließen den Kapitän kalt\nlächeln. Sigismund Stühr, ein Philosoph,\ndurch und durch trocken hinter den Ohren,\nhaßte begeisternd allen Fremdenverkehr. Daß\ner seinen Kasten „Dampfer\" und noch dazu\n„Den Fliegenden Edamer\" nannte, war nichts\nals eine List, gar nichts weiter.\nWer den kurzen Meer-Kremser im Hafen vor\nAnker reiten sah, wer ihn nur roch, wer ihn\ndampfen hörte oder gar pfeifen sah, den packte\nZutrauen auf den ersten Pfiff. Denn es war\neine russisch-römische Kaffeemaschine ein-\ngebaut am Heck. Ihr Volldampf schlauchte\nsich außenbords bis zum Schorn vorwärts und\nmündete aus der Messingsirene in jenem magi-\nschen Geheule, das unser Freund Stühr den\nFremden um die Ohren schlug.\nIm Schornrohr selber befand sich das soge-\nnannte Stampf- und Schlinger-Werk, ein\ngeniales Patent des Kapitäns, allerwärts\npreisgekrönt. Dieses Schwenkgetriebe er-\nzeugte im Umkreise von hundert Meerknoten\nHalbmesser nicht nur Ebbe und Flut, sondern\nauch ganz besonders jede Art regulierbaren\nSeegangs. Der Fachmann kennt ähnliche An-\nlagen von den Automobilen her, die bekannt-\nlich auch mit vier Gängen auffahren und auf\ndiese Weise ihre Zylinder putzen. Der ganze\nUnterschied bestünde demnach in der senk-\nrechten Anordnung des Zylinders, der wegen\ndes benötigten Winddruckes hier möglichst\nhoch hinaus wollte. Jawohl, der ganze Unter-\nschied bestand darauf. Denn nur so wurden\nStampfen und Schlingern des Fahrzeuges\ngleichsam durch einen blechernen Empor-\nkömmling gewährleistet. Außerdem war eine\nbleierne Bummkugel im oberen Teile des\nSchornrohres so geschickt und verschieblich\nangebracht, daß „Der Fliegende Edamer\"\nbeim Hochfegen der Balancierkugel jederzeit\ndas Gleichgewicht verlieren konnte.\nSigismund Stühr blickte auf seine ergiebige\nFremdenpraxis zurück. In den schönen Som-\nmermonaten der letzten Jahrzehnte hatte er\nauf unterschiedlichen Fährten zwischen der\nStamminsel Stralhidden und dem Fremden-\nhandelshafen Seesund durch systematisches\nUeberbordschaukeln täglich rund zwohundert\nFremde, sogenannte Seelen, unschädlich ge-\nmacht. An der zielbewußten Säuberung der\npaneuropäischen Küsten wirkte er Hand in\nHand mit dem Ex-Regierungsrat Kniestecher\nund dem internationalen Kopfjäger-Bund von\nStralhidden, als welcher seinerseits wiederum\ndie beiden Eminenzen mit jovialen Gold-\nprämien bedachte. Die Jagdgebiete wurden\nin geheimen Sitzungen rein wissenschaftlich\nvorherbestimmt. Sie wechselten von Saison\nzu Saison.\nDas Schiffspersonal blieb alle Jahre hindurch\nbeschränkt auf die Schwermatrosen Malte und\nPitt, zwei seefeste Wetterbässe aus Mecken\nan der Peene. Sie dienten dem Ganzen, mit\nRucksack und Fallschirm als Fremde getakelt,\nvorbildlich segensreich. Ihre goldenen Her-\nzen gingen dabei nicht unter. Tauchte näm-\nlich einer der Passagiere trotz schwerstem\nkünstlichen Unwetter beim schönsten Wetter\naus dem vierten Seegang etwa wieder aus\nden Fluten, um rasch nach der Uhr zu sehen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 967, "texte": "oder dergleichen, begannen Malte und Pitt\njedesmal dasselbe Rettungsmanöver zu spie-\nlen. Malte brüllte plötzlich: „Hüllfeee, Mann\nüber Bord!\" Dann schmiß er den Rucksack\nab, holte die Enterstange mit dem Krumm-\nhaken und stieß dem Genossen Pitt vor den\nFallschirm. Der, nicht faul, wenn es galt,\nriß die Notbremse herum, brüllte: „Frau über\nBord!\" und sprang in die See, die sich sofort\nberuhigte, da der Stampfer seitwärts fuhr.\nDer überraschte Fremde im Salzwasser zog\nschon vergeblich die Uhr auf, da er sich ge-\nrettet wähnte, und Pitt ging an dessen Stelle\nbewußt unter. Er tauchte aber nur. Kurze\nZeit später war der Fremde jählings abge-\nsackt. Vielleicht hatte ihn ein Hai gefressen.\nAllein Pitt gluckste prustend wieder hoch, und\nwurde von Malte mit der Stange eingeholt.\nTreffliche Burschen, die beiden. Exakt und\nhilfsbereit, wo immer die Natur von Unnatu-\nren bedroht zu sein schien.\nVortreffliche Seeleute alle viere.\nNatur auf allen vieren.\n\nOtto Nebel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c005", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "141", "page_fin": "141", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.3.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Pierre Flouquet", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c006", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "143", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.4", "titre_corps": "Das Fort", "titre_sommaire": "Das Fort", "signature_source": "Anton Schnack", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.9", "debut_caractere": 969, "fin_caractere_exclue": 2486, "texte": "Das Fort\nAnton Schnack\nMächtig sein Ruf über die Maß, rollend, ver-\nrollend. Groß um die Zeit der Gestirne,\nGrausig zur Nacht. Brütend lag es im Schnee,\nWinterwolken darüber, hell umlichtet.\nAufstiegen Raketen rötlicher Färbung über\ndem Gewühl der Kanonade, Geschwader\nwaren gesichtet\nIn unnahbarer Höhe. Dörfer umwirbelte Licht;\nwer schlief hier einst, neigte die Stirne\nIm Traum, wer ging mit Früchten, gelb, durch\ndie Keller, wer ritt Pferde im Abend? Nun\nBlassen die Sterne vor Feuersbrünsten, nun\nbricht sein Ruf, das sonst nur lauerte,\ngrollend zu Tal; in Schächten\nStieren die Männer, weit westwärts her, be-\nfuhren einst Meere in normannischer Wind-\nnacht, erwartet von Weibern ob Fische sie\nbrächten,\nOder sahen Mond feurigen Südens, den\nSchnee der Berge und silbernen Oliven-\nHain, schlenderten im Hafen, wo Frauen\nAlgiers tanzten in grünen Schuhn.\nLange Abende trollend im Rauch der Groß-\nstadt, nun kauernd mit hartem Hirn in\nNässe, die trieft\nVon Stein und Wölbung, erschüttert von\nSchlägen, von Qualen umfahren, von Gas\nbetäubt,\nVergiftung im Mund und Wehmut. Fern\nflüstern Geigen, der Fluß der Heimat\nrauscht blau im Eise,\nSchwärme von Vögeln flattern über Wald,\nam Morgen Kindertanz, am Abend Kirch-\ngang des Nachts, in Abenteurerbücher\nheiß vertieft.\nJetzt starr ins Dunkel stierend, vorn weiße\nFeuer in der Finsternis und Rauch im Turm,\ngepanzert; im Schutt die Toten,J leicht\nüberrieselt und bestäubt\nVon Steinsand, Kalk und Blässe, umkocht von\nSprengung, Blut, Verbrennung, rotem\nFeuerkreise . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c007", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "143", "page_fin": "144", "image_debut": 9, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.5", "titre_corps": "Der Hilfsregisseur", "titre_sommaire": "Der Hilfsregisseur", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.9", "debut_caractere": 2488, "fin_caractere_exclue": 3504, "texte": "Der Hilfsregisseur\n\nDer Filmregisseur betritt das Lokal. Ledern\numgürtet der Mantel bis zur oberen Knielinie\nden durchgeistigten Körper. Gamaschen in\nprangenden Farben täuschen sportgeartete\nBeine vor. Und aus den Resten seiner Haare\nwehen die Musen. Sein Blick ist gleichsam ins\nLeere gerichtet. Er sieht alles nicht, sieht\naber unter kraftgefalteten Brauen, daß alles\nsieht. Hinter ihm, ohne den Abstand zu\nmessen, schreitet im Hermelinchencape die zu\nmachende Diva. Sie schleudert Blicke voll\nverachtender Zukunft verächtlich auf das Ge-\nsindel. An nicht weißgescheuertem Tisch\nzittern die kleinen Hellen ängstlich anein-\nander, ein einsames Brötchen birgt sich an den\nmütterlichen Busen des Mostrichtopfes, das\nkunstvolle Gebäude der Zahnstocher knickt\nzusammen und die Mädchen und Knaben im\nKreise suchen Haltung und nehmen Stellung.\nEr wird vielleicht drehen und für sie alle wird\nsich alles wenden. Sie wenden halblaut den\nKopf nach ihm, aber er dreht sich nicht. Wenn\nman ihm das Manuskript zustecken könnte."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4463, "texte": "Es hat noch keinen richtigen Schluß, aber das\nliebt er. Für Schlüsse hat er stets eigene\nIdeen. Man darf ihm nicht vorgreifen. Manus-\nkripte mit Schluß sind an sich erledigt. Man\nkann ihn aber nicht ansprechen, denn er hat\neine Dame bei sich. Damen des Hilfsregis-\nseurs lieben es nicht, daß ihn Komparsen an-\nsprechen. Hier ist er Mensch, darf es aber\nwegen der Begleitumständlichkeit nicht sein.\nWas solll man machen. Telefonisch nie zu er-\nreichen. Persönlich nie zu sprechen. Der Hilfs-\nunterregisseur hat nichts zu sagen. Und das\nManuskript des Freundes ist so geschrieben,\ndaß jede Komparse ihre Eignung als Diva be-\nleuchten lassen kann. Der Dichter hat weder\ndie Zähne der Tagesfreundin noch die Beine\nder vergessen. Auch die Zu-\nkünftige kann sich in den Hüften wiegen. Und\ndie Kleine kann winken. Sie kann nichts,\naber sie kann winken. Sie ist eine Meisterin\ndes Winkens. Sie ist die Verkörperung des\nWinkens. Sie winkt und alle kommen. Sie\nwinkt ab und alle bleiben. Der Dichter hat\nauch fürsorglich nicht vergessen, daß jene\nFreundin einen Stoff von den Sandwichinseln\nbesitzt, aus dem sich manches machen läßt.\nEr hat die Handlung deswegen auf die Sand-\nwichinseln verlegt. Und dadurch dem Stoff\neinen Platz im Film gesichert. Aber man kann\nIhm das Manuskript nicht geben. Es ihm\nschicken heißt, es nach sechs Monaten unge-\nlesen abholen. Unterdessen muß der Mensch\ndoch leben. Man findet allgemein, daß die\nDame des Hilfsregisseurs zunächst einmal\nkeine Dame ist. Daß die dünne blonde Ober-\nschicht aus dem Schwarzwald stammt. Daß\nsie Rot von einer deutschen Firma auflegt.\nDaß sie ißt, als ob sie sich gesund machen will.\nDaß sie Kirsch trinkt, wer weiß weshalb. Daß\nsie vor allem kein Gesicht hat und daß sie den\nHilfsregisseur mit geheuren Dingen gewon-\nnen haben muß. Jetzt blickt der Hilfsregisseur\nin das Abendblatt. Erste Spalte von oben.\nWer hat eine Zeitung bei sich. Er wendet die\nAugen nicht von der ersten Spalte oben. Was\nsteht da? China. Aber er sucht doch nur\nein Gut, warum interessiert er sich für\nChina? Man hat von dem Hilfsunterregis-\nseur gehört, der sich manchmal an den\nTisch der Komparsen stellt, daß ein Gut in der\nMark gesucht wird, weil die Direktion Spa-\nnien nicht bewilligt hat. Wieder ein Problem.\nWo soll man die Sandwichinseln finden. An\nder Havel soll so etwas liegen. Aber der\nEigentümer ist ein Prolet. Er läßt die Künstler\nnicht rauf. Das mit China ist bedenklich. Er\nliest noch immer erste Spalte oben. Und die\nDiva ist schon bei der Nachspeise, einem\nSchnitzel. Jetzt hat sie sich wenigstens einen\nFleck auf das Hermelinchen gemacht. Sie\nverlangt warmes Wasser, wie unschick. Erst\nspielt sie wer weiß wen, und nachher hat sie\nAngst um das falsche Hermelinchen. Der Hilfs-\nregisseur winkt lässig mit dem Seidel. Die\nFreundin von morgen hat ihr Knie in Gesichts-\nhöhe gebracht, nicht ohne vorher sinnvoll dem\nMostrichtopf unvermutet einen Stoß gege-\nben zu haben. Der rollt sich nämlich auf den\nSchoß des Crepe de Saison-Kleides, worauf\nvermutet oberhalb des Schoßes ein Wutgeheul\ndie luftartige Oberschicht durchschneidet. Der\nHilfsregisseur steht auf, ganz Hilfsregisseur,\nseine Brust weitet sich, seine Augen schweifen\nhin und zurück. Er geht telefonieren. Die\nDiva merkt es kaum. Sie ist jetzt wieder bei\nder Vorspeise, dem Vierten Schnitzel. Die\nDame mit Knie geht telefonieren. Schon\nkommt sie mit Kopfschmerzen zurück, zahlt\ndas kleine Helle und muß schlafen gehen. Die\nLuft ist eben schlecht. Der Hilfsregisseur\nkommt zurück, umledert seinen durchgeistig-\nten Körper, spricht einige gütige Worte zu der\nDiva, erzitternd hören die Komparsen die\nWorte: Konferenz mit der Direktion wegen\neiner Großaufnahme. Er legt einen noch be-\ngütigenderen Reichskassenschein indiskret\nmitten auf den Tisch. Was die Leute verdie-\nnen. Und verläßt das Lokal, die Augen ins\nLeere gerichtet. Der Dichter stellt fest, daß\nes beinahe geglückt Wenn die Freun-\ndin mit dem Stoff nicht gerade ein paar Minu-\nten vorher weggegangen wäre, hätte er ihm\nden Weg verstellen und sie ihn vielleicht an-\nsprechen können. Da wollen die Frauen\nimmer raffiniert sein, sie muß doch im engen\nRaum vor der Telefonzelle gestanden haben,\nnichts gehört und nichts gesehen. Das hätte\ner anders gemacht. Wenn er nur auf die Idee\nmit dem Telefonieren gekommen wäre. Aber\nder Hilfsregisseur ist fort, man muß hoffen,\ndaß er morgen wiederkommt. Oder an einem\nder nächsten Tage. Dann wird die Verbin-\ndung bei dem Telefon hergestellt.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c008", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.6", "titre_corps": "Der Vogel", "titre_sommaire": "Der Vogel", "signature_source": "Brancusi", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 19, "texte": "Brancusi: Der Vogel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c009", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.11", "titre_corps": "Gespräche in Berlin bei Nacht", "titre_sommaire": "Gespräche in Berlin bei Nacht", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.16", "debut_caractere": 1047, "fin_caractere_exclue": 2784, "texte": "Gespräche in Berlin bei Nacht\nHerwarth Walden\nHerzen verwelken auf trockenem Asphalt\nSie müssen nicht glauben, daß ich mit jedem\nmitgehe. Meine Tante ist vom Uradel. Sie\nkönnen sich erkundigen, ich werde Ihnen die\nAdresse geben.\nMeine Frau hat gleich gesagt, daß die Ostsee\nteuer ist. Sie muß zehn Mark für den Tag\nzahlen und ein halbes Pfund Aufschnitt dazu\nkaufen. Dafür sind aber in Zingst nur\nschwarzweißrote Badeanzüge gestattet. Es\nmacht sich, es macht sich. Bald haben wir die\nguten Zeiten wieder.\nIch bin eine alte Frau, junger Herr, und habe\nmein ganzes Leben lang den Berliner Lokal-\nanzeiger verkauft. Recht muß Recht bleiben.\nLesen Sie mal heute das Geständnis vom Poli-\nzeipräsidenten. Die Sozis haben uns armes\nVolk ruiniert. Aber wir werden es ihnen\nschon geben, wenn wir wieder am Ruder sind.\nSehen Sie, wenn Stinnes nur Devisen gekauft\nhätte, wäre ihm das nicht passiert. Man soll\nnichts unternehmen, man soll nur unternehmen\nlassen.\nUnd ich sage Ihnen, Herr Kollege, ich sage\nnur: ceterum censeo: man soll nicht auf die\nGefängnisärzte schimpfen. Wovon sollen die\nKollegen leben, wenn sie nur Dienst tun? Und\nder Professor Lewin hätte sich etwas kolle-\ngialer verhalten sollen.\nThomas Mann hat den langen Atem. Man\nkommt wenigstens auf seine Kosten. Diese\nKurzschreiberei' müßte als Wucher bestraft\nwerden. Schließlich ist doch unsereins nicht\ndazu da, für die Herren Dichter zu denken.\nMan hat in diesen Zeiten andere Sorgen.\nEs waren ganz überflüssige Kosten, die\nSchilder für die Budapester Straße zu erneu-\nern. Das weiß doch nun nachgerade jedes\nKind, daß sie Friedrich Ebert-Straße heißt.\nDer Impressionismus soll wieder modern sein.\nIch habe meinen Liebermann doch zu früh\nverkauft. Kunst ist ein faules Geschäft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c014", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "146", "page_fin": "148", "image_debut": 16, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.12", "titre_corps": "Riesin Weltstärke", "titre_sommaire": "Riesin Weltstärke", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.16", "debut_caractere": 2786, "fin_caractere_exclue": 3327, "texte": "Riesin Weltstärke\n\nEs war eine Reckin, die spielte geprallte Kraft\nauf den Golfplätzen ihrer Meerbusen. Das\nHeldenmaß ihrer Schrittlängen war so über-\nmenschlich, daß sie die männlichsten Klub-\nsesselschultern an die Wand drückte. Wenn\nsie ging, sprang vom herrischen Profil ihrer\nNase ein blitzender Blick rasch über die Un-\ntergrundgeleise ihres Schoßes und im Bogen\nnach hinten die Fahnenstange hinauf, um von\nder Spitze die Hausflagge eines Kaiserschlos-\nses in die Gegend zu hissen. Dies „Wir\" des\nBlickhäuptlings klappte jeden Mann zum"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2114, "texte": "Untertan. Aus Brunhilds Gnaden senkte sich\nein Messingwinkel von fünfundvierzig Grad\nstahlblau in die Zirbel des Sklaven, daß sie\ngrün wurde. So spielten ihre kleinen Zehen\nFußball, ohne daß die großen es für nötig\nfanden, einen Kopfball zu gewähren. Wenn\nbeim Morgenritt der Mund als Reitgerte die\nMonokel ihrer Mitbereiter zu Mücken zer-\nknipste, war kein Herbstnebel zur Frühlings-\nsonne zu bekehren. Wenn beim Tee die\nelektrischen Glühfäden um ihre entblößten\nStahlpolster klirrten, dann sprang durch die\nmännlichsten Aufbäumungen ein abwinkender\nFurchthase, weil das Auge von der Schulter-\nfurche in Schwindel abstürzte. Mancher wurde\nvom Gletscher seiner Spaltung zermahlen.\nWenn beim Sängerkrieg das Reiherparadies\nihrer Wartburg die Nasenkeller des Logen-\nschließers kitzelte, daß sein unterdrücktes\nHusten zu bauchreden begann, dann glotzten\ndie Stielaugen des ganzen Horchhofes nicht\ndem Sänger in den Mund, sondern hinauf zum\nunbebrüteten Puderkopfei, bis die Kreissäge\nihres Fächers den Faden der Bewunderung\nabdrehte. Kein König wagte sich anders als\nmatt auf das Schachbrett ihres Leibes zu\nsetzen, so daß weder Springer, Läufer noch\nTurm zu entfalten war, nur die Dame auf dem\nWunschbett, in das sich alles zaubern läßt,\nhielt einigermaßen Stand. Aber was hilft das\nwo kein König sich stellt, und Bauern sind nur\nRiesenspielzeug in den Schachzügen der Bur-\ngen, die sie je nach Schwarz oder Weiß ab-\ngrasen. Sie gewann also immer ihre eigne\nPartie und das ist langweilig durch Inzüchti-\ngung der Faust. Jeder weiße holt seinen\nschwarzen Erdteil und boxt farbig auf der\nBeifallskiste, um sich die Eintönigkeit der\nMilchsäure zu Blausäure zu schlagen. So\nbrach ein schwarzer' Sonnenfried in das\nTennisnetz der sportlichen Bespannung ihres\nKörpers ein. Die Bälle flogen, der Kies\nknirschte und roter Lippenwulst der Box-\nhandschuhe zerbrach die weißen Kreidelinien\nzum Tanz der Schneidezähne. So stürzte ein\nSegel in neue Sturmrichtung und folgte bei\nSchlaf und Wachen der Spur, die sie vom\nBurg verließ zu Welttribünen meisterlich auf-\ntrieb. Riesin Weltstärke ist nicht klein zu\nkriegen.\n\nThomas Ring"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c015", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "147", "page_fin": "147", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.12.1", "titre_corps": "Holzschnitt", "titre_sommaire": "Holzschnitt", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 21, "texte": "Hans Arp: Holzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c016", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "148", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.13", "titre_corps": "Blühkreis", "titre_sommaire": "Blühkreis", "signature_source": "Otto Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.18", "debut_caractere": 2116, "fin_caractere_exclue": 3296, "texte": "Blühkreis\nOtto Nebel\nDer Sommer ist ein guter Mann mit seiner\nBienenborte rings\nsein Thal liegt voller Thaler weit\ndie rollen in die Höhe\nsie rollen in die Höhle hoch\nder Hochwald wallt gen Kuckucksheim\nihn hat das Licht gerufen\ndie Hummel weckt den Honig ein\nder mürbe Köhler fällt verkohlt vom Stamm\nvom Stammbaum tief so weit vom Stamm\nnun mahlt die Mühle eitel Wind\nund drunten windet Regenwurm weil ihn der\nRegen wurmen tut in seiner Winzig-\nkehle\nkein Berg mag ihn verbergen\ndie Zwerge holen Pilze heim\nihr Pelz ist Moos vom Veilchenstein\ndie Flöte weckt den Abend auf\nein Donner wölbt die Halle schwer\nder Leuchtturm türmt die Nacht umum\nund Sterne fallen in den Blitz\nund Niemand kennt den toten Mann an seiner\nBienenborte rings\nder Sommer ist ein leichter Tod\nder herbste Schnitter ist der letzte Herbst\ner letzt den Sturm mit Wolkenblut\njetzt ist das große Licht verletzt\nschon sieben Zwerge Schnee zu sieben\nsie achten nicht des Stiebens\nihr Pelz ist Moos vom Veilchenstein\nSchneewittchen nimmt die Hasen lieb\nEis heißt das Herz der Nächte nun\nheiß brennt die Traumesflamme traut\nder Baum der Beter wächst gen Innenlenz\nund ruht und glüht und blüht im immertiefen\nBlut."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c017", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "148", "page_fin": "151", "image_debut": 18, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.14", "titre_corps": "Steuerliches", "titre_sommaire": "Steuerliches", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.18", "debut_caractere": 3298, "fin_caractere_exclue": 3731, "texte": "Steuerliches\n\nIch habe meine Reise verschoben und zwar\nad calendas graecas. Dieser schöne Aus-\ndruck, wer entsinnt sich nicht seiner mit\nFreude und Rührung, diese schöne Ausdruck\nhilft mir über die Schwere meines Ent-\nschlusses hinweg. Vielleicht komme ich doch\nnoch etwas früher zu dieser Reise, aber zur\nZeit harren meiner höhere Pflichten. Auch\ndieser Ausdruck erinnert mich wieder und\nzwar an die beste klassische Zeit. Aber aus-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4492, "texte": "druck hin, Ausdruck her, der Ausdruck ist es,\nder mich zurückhält. Es sind sogar Ausdrücke,\nAusdrücke, die die vorgesetzten Behörden\nanzuwenden belieben, wenn sie den Nachge-\nsetzten zu einer spontanen Zahlungstätigkeit\nanzueifern wünschen. Es sind die Steuern der\nWahrheit. Nur ein Ausdruck ist ziemlich klar\nund allgemeinverständlich, „daß mir (uns) be-\nkannt ist, daß die Voranmeldung als Steuer-\nklärung im Sinne der Reichsabgabenordnung\ngilt und ich (wir) hiermit versichere (n), die\nvorstehenden Angaben unter Berücksichti-\ngung der nachstehenden Erläuterungen nach\nbestem Wissen und Gewissen gemacht zu\nhaben.\" Das ist ein schlichter Ausdruck der\nvorgesetzten Behörde. Der Sinn der Reichs-\nabgabenordnung ist mir zwar bisher ver-\nschlossen geblieben, aber man kann ja schließ-\nlich die nachstehenden Erläuterungen berück-\nsichtigen, um sein Wissen und gleichsam sein\nGewissen zu machen oder gemacht zu haben,\nwenigstens in Bezug auf die vorstehenden An-\ngaben. In Bezug scheint mir schon ein Schritt\nin jene Ausdrucksphären zu sein, in die sich\ndie Behörden unentschlossen verschlossen\nhaben. Als ich meine Augen auf die nach-\nstehenden Erläuterungen schweifen ließ, und\nals ich den Entschluß gefaßt hatte, sie mir zu\neigen zu machen, konnte ich nicht anders, als\ndie calendae graecae auf meinen Schreibtisch\nzu stellen, wo Rosen stehen müßten. Da ich\nmfr aber mein ungeschorenes Gewissen vor-\nbehalten wollte, bat ich eine welterfahrene\nDame zu mir, um gemeinsam mit ihr nach\nbestem Wissen und Gewissen zu verfahren.\nDamen wissen mit dem Geld, und um so etwas\nscheint es sich zu handeln, im allgemeinen\nbesser Bescheid. Sie haben meistens einen\nHaushalt zu führen, während die Behörden\nnur einen Staatshaushalt führen, mit dem be-\nkanntlich niemals Staat zu machen ist. Die\nDame setzte sich zu mir, selbstverständlich in\ndem gebührenden Abstand, sodaß ich immer-\nhin ihr Profil ad calendas graecas betrachten\nkonnte. Profil ist allerdings wieder ein Aus-\ndruck, der aber nicht unter die Reichsangaben-\nabordnung fällt. Ich machte die Dame mit\ndem Ernst ihres Besuches bekannt und bat sie,\nmich so sachlich bleiben zu lassen, wie es die\nvorstehenden Angaben unter Berücksichti-\ngung der nachstehenden Erläuterungen erfor-\nderlich scheinen lassen. Die Dame war zum\nGlück sowieso sachlich im Wissen zugänglich\nund ich schlug deshalb vor, uns durch die sinn-\nfälligen Beispiele gleich in das Wissen und\nGewissen der Voranmeldung als Steuer-\nerklärung einzuleben. Selbstverständlich\nunter Ausschluß jedweden Lebens. Hören\nSie, meine Dame Komma sagte ich und ich\nmußte unmittelbar, ich könnte fast sagen\nnolens volens, an unseren lieben Fünfziger\nThomas Mann denken, so fein kam mir dieser\nbeinahe behördliche Satz vor, hören Sie Kom-\nma meine Dame, jenes Beispiel: „Ein verhei-\nrateter kaufmännischer Angestellter mit zwei\nminderjährigen Kindern bezieht im Kalender-\njahr 1925 ein monatliches Gehalt von 600 RM.\"\n„Bei welcher Firma\", fragte die welterfahrene\nDame. Ein monatliches Gehalt von 600 RM.\nNun die Herren auf dem Finanzamt haben es\ndazu. Wenigstens das Papier ist geduldig.\nAuch das behördliche. Und wie romantisch.\nDieser Angestellte verdient nur 600 RM,\ndas reicht kaum für die Schlagsahne. Und\nwenn man mit einiger Phantasie annehmen\nwollte, daß das eine minderjährige Ge-\nschöpf womöglich ein Mädchen ist, das wo-\nmöglich seine Augen zu einem Hänger aus\nCrepe de chine erhebt, doch bleiben wir bei\nder Reichsgabenanabordnung. „Er hat im\nzweiten Kalendervierteljahr 1925 eine ein-\nmalige Abschlußgratifikation von 6000 RM. er-\nhalten.\" Ein Beispiel des Unternehmer-\nwuchers. Der Mann gibt zwar eine Gratifi-\nkation von 6000 RM., läßt sich aber dafür\ngleich den Abschluß quittieren. Nun, die\nFinanzämter kennen das Unternehmertum.\nBis hierin ist die Sache mit Ausnahme der Zah-\nlung durchaus verständlich. „Dann unterlie-\ngen der Vorauszahlung (wach auf mein Sinn\nund Herze, die welterfahrene Dame hat wirk-\nlich ein schönes Profil, man könnte auch sagen\nlieblich) für das zweite Kalenderviertel-\njahr 1925 3 X 600 RM. = 1800 RM.\n+ 6000 „\nzusammen 7800 RM.\nHiervon ist der steuerfreie\nLohnbetrag mit 200 „\nabzuziehen. Die Vorauszahlung\nist also zu berechnen von 7600 RM.\nWarum ist das obengenannte Gehalt nun Lohn\ngeworden? Arbeit ist doch der Mühe Lohn,\n4 _\nGehalt macht aber mehr Arbeit. Zweihundert\nMark sind offenbar durch den Sinn der Reichs-\nabgabenanordnung stuerfrei. Das kann man\nzwar nicht wissen, aber sich denken. Fest\nsteht, daß die Vorauszahlung zu berechnen ist."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1710, "texte": "Nämlich einfach so: „Bei gleichzeitiger Ver-\nteilung der Abschlußgratifikation auf das\nganze Kalenderjahr 1925 würde sich ein vier-\nteljährliches Einkommen von 1800 + 1500 RM.\n= 3300 RM. ergeben. Für die Bemessung des\nSatzes sind daher nur 1800 + XA von\n6000 = 3300 RM. zugrundezulegen, das heißt\nfür die ersten 3000 RM. 10 v. H., für die wei-\nteren Beträge 15 v. H. Hierauf sind die im\nWege des Steuerabzuges vom Arbeitslohn\neinbehaltenen Beträge anzurechnen.\" Das ist\nnur das Beispiel. Die Bemessung des Satzes\nist ein Weg des Steuerabzuges, der nach Rom\nführeh könnte. Die welterfahrene Dame ist\nihrerseits ganz versonnen und versucht die\nweiteren Beträge zugrundezulegen, wobei sich\ndas vollkommenste Profil zugrunde richten\nkann. Meine Sinne schweifen von den 1800\n+ Vi der Erläuterung zu den Gliedern der\nDame, die auf dem Fußboden ihr natürliches\nEnde zu nehmen pflegen. Die Strumpf-\nindustrie ist doch sehr entwickelt. Sie gibt\nsinnfällige Beispiele unter Besichtigung der\nnachstehenden Erläuterungen. Wir versichern\nbeide, daß wir die Vorabgabenanordnung im\nSinne der Erläuterungsanmeldung nach\nbestem Gewissen und ohne Wissen machen\nwerden, wenn uns die vorgesetzte Behörde\nzunächst in den Bezug der Barmittel des ver-\nheirateten Angestellten mit den zwei führen*\n•• - • -«* ■ ... * . ...\nden minderjährigen Kindern setzen wird. Wir\nzahlen auch noch für die steuerfreien 200 RM.\n-1- a/4 im Wege des Steuerabzuges, be-\nschließen zunächst, das letzte Achtel der ange-\nbrochenen Nacht bei der ehrsamen Mutter\nNatur zuzubringen und uns morgen wieder zu\nweiterem heiteren Beispiel zusammenzutun..\nMit ihr Arm in Arm bis ad calendas graecas.\nOhne die Behörden in die* Schranken zu\nfordern.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c018", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "149", "page_fin": "149", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.14.1", "titre_corps": "Holzschnitt", "titre_sommaire": "Holzschnitt", "signature_source": "Hans Arp", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 21, "texte": "Hans Arp: Holzschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c019", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "151", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.15", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Walther G. Oschilewski", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.21", "debut_caractere": 1712, "fin_caractere_exclue": 2363, "texte": "Gedichte\nWalther G. Oschilewski\nDie Straße glänzt\nIn bunten Bäumen schäumt der Mond\nDu trägst den Weihrauch meiner Liebe duf-\ntend um den Hals\nDie Straße glänzt t\nDer Sommerwind wiegt warm das Licht der\n. Nacht\nTiefeingeschneit hängt Stern in unserem\nHaar\nWir lächeln blütenwund\nDie Wolke reift im Arm\nDie Straße glänzt\nWir fliegen in den Kranz des Monds. . •'\nDie Nacht singt leis auf\nIrgendein Lied tränt den Hang unseres\nHerzens\nAber Mond blüht eine Lilie silbern in meiner\nHand.\nWir Sternen uns eine einsame Straße.\nVor deiner Kammer sitzt ein Traum\nNarzissen blühen aus deinem Leib\nWir flammen im Wind unseren Weg\nIn der Stadt rauscht die Heimat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c020", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "151", "page_fin": "152", "image_debut": 21, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.16", "titre_corps": "Eingestampft : Nicht einmal ein Abwehr", "titre_sommaire": "Eingestampft : Nicht einmal ein Abwehr", "signature_source": "Kurt Liebmann ; Nicht einmal eine Abwehr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.21", "debut_caractere": 2365, "fin_caractere_exclue": 3632, "texte": "Eingestampft\n\nNicht einmal eine Abwehr\nAn Herrn Guido K. Brand Berlin\nI.\n) : * *\nWarum verfolgen Sie mich.\nIch habe doch nichts mit Ihrer Literatur zu\ntun, für die Sie schreiben und fürchten.\nWas wollen Sie von mir.\nWarum verfolgen Sie mich in so widerlich\ngehässiger Art.\nSie schrieben 1924 in der Literatur (26. Jahr-\n*•t•» - . . ■\ngang des Literarischen Echo) über mich:\n„Nun kann man ja dichten nicht lernen, aber\nEinsicht in sich selbst kann man üben. Möge\nihm dazu ein praktischer Beruf helfen.\"\nIch arbeite seit fünf Jahren in einem prakti-\nschen Beruf, der zwar nicht Berufung ist.\nSie schreiben 1925 (Die Literatur, 27. Jahr-\ngang des Literarischen Echo): „Was er sonst\"\nbietet, ist hemmungslose Wut gegen ein an-\nständiges Deutsch und verbohrter Haß gegen\ndie zünftige Kritik. . , . beschließt das Buch,\n• ■ •• ■' »'\nvon dem alles bis auf den Aufsatz über\nStramm eingestampft werden kann.\"\nSo wissen Sie denn: Nichts auch nicht das\nGeringste vom Menschen und der Erde kann\nverloren gehen. Und für alles wird Rechen-\nschaft gefordert. Was nützt es darum, wenn\nich meine Dichtungen, die nicht meine sind,\neinstampfen lasse. Sie sind. Ebenso wie das\nvon Ihnen kläglich Geschriebene. Auch wenn\n■ • ' '\ndie 27 Jahrgänge der Literatur eingestampft\nwürden. - . • ."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2785, "texte": "Aber die Erde ist voller Kreise und Kräfte, ge-\nnannt die himmlischen und die höllischen.\nDie Höllischen\nII.\nDie „Vossische Zeitung\" nennt meine Gestal-\ntungen „Verspäteten Expressionismus\", be-\nlehrt mich, daß „Inbrunst aus dem Innern\nkommt, niemals aus der Gewaltsamkeit der\nWorte wächst.\" Weiß, daß „die lyrische\nDichtung, deren beste Vertreter sich zur Be-\ntrachtung und Verherrlichung ewiger Dinge:\nGott, Natur, Liebe zurückgefunden haben,\nund die wieder alle Möglichkeiten sinnvoller\nSprache nützen, seit Jahren einen anderen\nWeg geht.\" Ich aber schreibe Expressionis-\nmus, „der vor sechs Jahren in einigen Kreisen\nmodern war.\"\nWas soll man dazu sagen.\nMit aller Inbrunst, die wahrlich auch ohne Be-\nstätigung der Vossischen Zeitung für Staats-\nund gelehrte Sachen aus dem Innern der Welt\nwächst, soll es aber für die Zeiten gesagt\nsein: Das, was hier „verspätet\" Gestalt\ngewinnt, ist der Anfang eines KOSMOS,\nder aus dem Blut gestaltet wird. Und ohne\nvorherige ergebenste Anfrage bei den Herren\nVertretern der Dinge Gott & Co. Bei Gott!\nUnd der Expressionismus, den jeder fortge-\nschrittene Tintenschwätzer als überwunden\nbegrinst, ist nicht zu überwinden. Er ist\nnur unendlich auszuweiten. Für Generatio-\nnen. Nicht aber von den Vertretern, die\nsich zur Betrachtung und Verherrlichung zu-\nrückgefunden haben. Sie haben heimgefun-\nden. Wohl aber von denen, die Opfer sind\nund schauen.\nIII.\n„ . . . Was aber die Kunstkritik anlangt, so\nuntersucht sie, wie wir eben andeuteten,\nden innern, idealen, oder ästhetischen\nWerth des Kunstwerks, und heißt in sofern\nästhetische Kritik, oder sie beurteilt nur\ndie äußere körperliche und mechanische\nBearbeitung, die regelmäßige Anwendung\nder Werkzeuge und Darstellungsmittel der\nKunst oder eines Gewerbes, und heißt in\nsofern technische oder technologische Kri-\ntik. So wie jede wahre Kritik endlich sich\nvon der unächten durch Freiheit und\nGründlichkeit zugleich unterscheidet, so\nunterscheidet sich auch der Kritiker, Be-\nurteiler, Kunstrichter von dem Kritikaster,\nKrittler oder Afterkritiker, d. h. nicht dem-\njenigen, welcher das zu Beurtheilende\nstreng beurtheilt, sondern demjenigen,\nwelcher entweder Alles beurtheilt, oder\ndessen Urtheil ohne objectiven Grund und\nNotwendigkeit, mithin nur eine Meinung,\ni ■ , ' ' ..\n— sey sie auch noch so zuversichtlich aus-\ngesprochen, — oder immer nur ein Tadel\nist, und zwar gewöhnlich aus Uebelwollen,\nNeid etc. erzeugt, oder auf willkührliche\nund conventioneile Gesetze, welche hier\nnichts entscheiden, oder endlich nur\nauf Kleinigkeiten und anscheinende Fehler\ngründet. ...\"\nConversations-Lexicon oder encyclopädi-\nsches Handwörterbuch für gebildete Stände.\nFünfter Band. J. bis L. Leipzig und Alten-\nburg. F. A. Brockhaus 1815.\nIV.\nKritikaster, Krittler oder Afterkritiker.\n\nKurt Liebmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c021", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.17", "titre_corps": "Traum", "titre_sommaire": "Traum", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.22", "debut_caractere": 2787, "fin_caractere_exclue": 2935, "texte": "Traum\nRudolf Blümner\nVon welchen Katastrophen\nSind die Flüsse getroffen?\nSind sie vom Osten nach Westen geflossen?\nNein — sie haben sich erschossen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c022", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "152", "page_fin": "152", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.18", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.22", "debut_caractere": 2937, "fin_caractere_exclue": 3657, "texte": "Inhalt:\nWalter Krug: Aktive Handelsbilanz , 137\nOtto Nebel: Seestück, . . , . , ,140\nAnton Schnack: Das Fort , , , .143\nHerwarth Waiden: Der Hilfsregisseur 143\nHans Arp : weißt du schwärzt du , , 145\nHerwarth Waiden: Gespräche in\nBerlin bei Nacht , 146\nThomas Ring: Riesin Weltstärke . 14&\nOtto Nebel: Blühkreis 148\n*\nHerwarth Waiden: Steuerliches .148\nWalter G. 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BID'PI\nEDIZIONI D'ARTE\nALBERTO MARTINI\n31 Fanlasie bizzarre e crudeli\nprecedute dalla biabolica immagine di Nicol\nPaganini e dal rltratto dell'uomo pallido.\n25 copie in nero con quattro punte secche\noriginal! a different! colori, legate in\ntutta pelle L. 350.-\n40 cople in sanguigna con tre punte\nsecche originali a differenti colori,\nlegate in tutta pelle . L 300.-\n100 copie in bistro con una punta secca\noriginate in nero legate in rnezza\npelle .. . ...«■ . .. . 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Berlin) - Berlin vor den\nStadtverordnetenwahlen\nDr. Bruno Borchardt - Kultur- und Schulpoiitik itn Parte i-\n\" programm\nCharles Erskine Scott Wood - Tod und Leben\nDr. Regina Barkan - Die soziaJe Tat Nietzsches\nDr. Adolf Behne - Das Biid als kategorischer Imperativ\nLisbeth Stern - Pawlowa\nInternationale Sozialpolitik - Dr. Lydia Eger - Wtrtschaftsproblere\nIndians - Prof. SSax Schippel - Der \"Athirwind\" » Dr. Walter Gordon -\nKatholtzismus und Kulturwende - Dr. Theodor Siegfried - Donau-\nesefringen und Venedig - Max gutting - Die Situation des Theaters -\nGerhart Scherler - Die Kongokolonle - Hermann Kranold * Die Teton:\nAristide Bruant, Edmund Fischer, Felix Klein, Georg Molenar, Erio\nSatie, Georg Schweinfurth; und anderet metir\nProbehefte etehen aufVerlangen jederzeit kostenfrel zur Verfiigung.\nDem unterzelchneten Verlag ist die Mitteilung von Adressen will*\nkommen, an die die Zusendung von Probeneften ratlich erscheint.\ndea? So&latl<stis©M#n Manatslitfte\nG. m. b. 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Derlagsanftalt / Hamburg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c031", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "153", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.23", "debut_caractere": 1150, "fin_caractere_exclue": 1348, "texte": "Kunstausstellong Per Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a'•\nOktober 1925 H November 1925\nJan Zrzavy I Pierre Floupet\nPlakate der I. 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Berlin IU\nGronewaldsfralie 14-15\nGegriindet 1854 Hofspediteure S. M. des KOnigs von Spanien GegrQndet 1854\nSped it ion und Mobeltransporte, Verpackung und bagerung\nvon 6emaiden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunst»\nausfte/lungen des In- und Buslandes. Transpopfuer~\nficherungen oiler Art*\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender KDnstier / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutseher Jllustratoren und Hausspediteure des ~Sturm\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c034", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "154", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.24", "debut_caractere": 293, "fin_caractere_exclue": 2110, "texte": "Neue\nkunstlerische Probleme\nNachexpressionismus m?»9«Shi!h£f.«aliBmuB'Er°bbe'eTe der neuesten EuropSischen Ma'erel. Von Dr. Franz lloh. Ca. 155 Saltan\nv«9ivmaiiiu« mit 87 Abbildungen auf Tafeln. In Halbleinen oa. M. 8.50. Die Kunst der aauan Saohllchkalt fast allar\ndflr flfllimfcLifr Zum i?rs^?n Ma!e abflebHdet, beschrieben, weittragend iedeutet. Die eineehneidende Umsteliung\nMnstieriseheji und getstigen Ansohauung, die Weltdeutung von heute und morgwit wird hier umrieeen\nNeue Maierei in Ungarn D?nfl»o^tR|KA'J.tL >(Baßndh2 dv S*\"»\"lung Die junge Kunst In Europe\". Harautgaber Prof.\nKa.lat einen kntischen Jberbhclc über die Stilentwickiung der ungarisohen lateral in den ietzten 25 Jahren\nDie neue Maierei in Holland Jr.titVi.'.' ?'.\"J If\" '\"\"\"\"» »°i« i«»i» *»»« *\nKunstb.strebu<ig.n «r MM. M 2LS& iHMXn* «*-, ■ »>«»»«■•\nI Berliner Lofcalanzeiger\nGandhara-Kutscha-Turfan R\".PSfBJr ■ff.rti'Bftl!\"1'1'\" !•\"!\",v™ E\"\"« •■\"■•b>ni\nuMf.mlna.rF.™ «n,„ Ob.ua* b fc«*■»\nUnH 7° ♦ i Ul! m •f'®f «SpStsnf->.e in Zentralasien\" bekannt wurde und von hervorragender Bedeutuno fiir die Runs*\nAMMm\"mn ¥eran<Chau,iohen d\" ,m T\"4 Saaagta, daa den\n: , « , • . • / t.\nDie bitligsten Geschenkbucher fiir den Kunstfreund\nImpress! on is inus und Expressionismus F?S»EiT.,:xlb.!?.?*SSSr.h\"h\",S?\nHa;b(AiKi»n n 9 inh » 11 • 7„- *«!riA-u is • , ® nBsu 6 rg ot, Mil 24 Abbildungen. 30. Tautend. In\ndes | Lhriften OfterPSeBjangate KuSwegTng8 1\"\" neUB AUBdrUCk 1 °ie nBue Ste,,un» 2ur Hat«r I Zar\nDer ism SB? wb &±* fc\nBerliner Lokal-Anzeiger\nExotische Kunst / Afrika and Ozeanien\nVon Eokart von Sydow. Mit 45 Abbildungen und einer Tafei.\ntreffende und dankbar za begrQa.ende EinVuhrnng QebUnd6n \"2~ E ne \"•«,lm Groaaen *.\nM Hannoverscner Kurler\n— ■■ - ' «■—■«!■■■ mmivaiesßmmmmmamammmmmunmma\\mmmmmmam\nKlinkhardt & BlGrmsnn j Vorlac) | Loipzig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-10-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-10_01#c035", "volume": "bmtnabg_1925-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "154", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.24", "debut_caractere": 2112, "fin_caractere_exclue": 2583, "texte": "Melos\nZeitschrift fun JYlusik\nErscheint z. 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JAHRGANG\nOKTOBER 1925 / BERLIN\n10. HEFT\n\nPierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[136]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.2", "texte": "DAS WERK\nSchweizer Monatsschrift fur\nARCHITEKTUR I\nKUNSTQEWERBE\nFREIE KUNST\n3 Organ der schopferischen t\ni Krafte in der Schweiz \\\nSondernummer iiber die\n| Kunst des Auslandes:\ni Februar 1923: Schweden\nJ Mai 1925: Amer ik a\n3 bevorstehend: Bel glen\nSchriftleitung:\nDr. J. Qant n e r / Miihlebachstrasse 54 Ziirich\nVerlag:\n< Gebr. Fretz A. G., Ziirich\nAusiieferung fiir Deutschland:\n< Speyer& Peters, Berlin, Unter den Linden 39\nProbenummern bereitwiilig £»■\n<4 ►\nWVYVYVTTYYWWTVTVrfVWWWWrTrfTYYTVYf®\n\n»:.& BBTTEGA DIPOESIA gtiri\n14 Cm llilrlee - Litnrii - tail Hrt! BID'PI\nEDIZIONI D'ARTE\nALBERTO MARTINI\n31 Fanlasie bizzarre e crudeli\nprecedute dalla biabolica immagine di Nicol\nPaganini e dal rltratto dell'uomo pallido.\n25 copie in nero con quattro punte secche\noriginal! a different! colori, legate in\ntutta pelle L. 350.-\n40 cople in sanguigna con tre punte\nsecche originali a differenti colori,\nlegate in tutta pelle . L 300.-\n100 copie in bistro con una punta secca\noriginate in nero legate in rnezza\npelle .. . ...«■ . .. . L. 200* *\n\nRevue Germanique\nLille / 55 Rue Brule*Maison\nPSriodique trimestriel\nAbonneraent 30 Frs. pour P&ranger\nInformations sur le raouvement\net les travaux philolo-\ngiques en Alleraagne aux Pays-\nBas et en Scandinavie —\n\nINTEGRAL\nREVUE DE SINTHESE MODERNE du SEULE\nGROUPEMENT d' A9ANTGARDE ROUMAINE\nPARAiSSANT CHACQUE MOIS\n'I\nDIRIQE Par an Comite bacarestois et parisien\nREDACTION: M.H.Max?. Galea Victoriel 79 Et. I\nBUCAREST-ROUMANIE\n\nPeriodico mensile della\nCa s a d'Arte\nBRAGAGLIA\nROMA 4 - VIA AVIGNONESI, 8\nCONTO CORR. POSTALE\n\nV«»plangen Sie* bitte, #iss Pfob«li«fft!\n111111111111! jllllimillllflllllllllllHllllllllllllllllllllltltlllllllllilllUlllllllltllllilß\nZum Verstandnis des modernen kulturellen und poiitischen\nLebens unentbehrtich ist die Lektiire der Zeitschrift\nSozialistischeMonatshefte\nHerausgebep JOSEPH BLOCH\nPreis pro Quartal 2,25 Mark, Elnzelheft 75 Pfennig\nVorzugsausgabe (auf besonders schdnem Papier) pro\nQuartal 4.50 Mark, Elnzelheft 1,50 Mark\nDas Oktoberheft enth&lt:\nDr. Max Quarck - Das neue Parteiprogramm\nDr. Ludwig Quessel (M. d. R.) ■ Genf, Heidelberg u.Locarno\nProf. Max Schippel - Englands handelspolitische\nBeschwerden\nJulius KaUski - Die Zukunft der Reparationspolitik\nWilhelm Reimann (Stadtv. i. Berlin) - Berlin vor den\nStadtverordnetenwahlen\nDr. Bruno Borchardt - Kultur- und Schulpoiitik itn Parte i-\n\" programm\nCharles Erskine Scott Wood - Tod und Leben\nDr. Regina Barkan - Die soziaJe Tat Nietzsches\nDr. Adolf Behne - Das Biid als kategorischer Imperativ\nLisbeth Stern - Pawlowa\nInternationale Sozialpolitik - Dr. Lydia Eger - Wtrtschaftsproblere\nIndians - Prof. SSax Schippel - Der \"Athirwind\" » Dr. Walter Gordon -\nKatholtzismus und Kulturwende - Dr. Theodor Siegfried - Donau-\nesefringen und Venedig - Max gutting - Die Situation des Theaters -\nGerhart Scherler - Die Kongokolonle - Hermann Kranold * Die Teton:\nAristide Bruant, Edmund Fischer, Felix Klein, Georg Molenar, Erio\nSatie, Georg Schweinfurth; und anderet metir\nProbehefte etehen aufVerlangen jederzeit kostenfrel zur Verfiigung.\nDem unterzelchneten Verlag ist die Mitteilung von Adressen will*\nkommen, an die die Zusendung von Probeneften ratlich erscheint.\ndea? So&latl<stis©M#n Manatslitfte\nG. m. b. H., BERLIN W 35\n| ■.V-\" i,\nr• *''■< .. h, ■.\n\\ ■ \\ -M'\nKill"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "137", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.3", "texte": "DER STURM\n• ; • '• ' ' ■ ' 's ,\nMONATSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nAktive Handelsbilanz\n\n„Achtung! Achtung! — Hier ist Berlingrad im\nJahre 3000.\"\nMeine Damen und Herren. Sie hören jetzt\neinen Vortrag über „Niveaufeste im Jahre\n1925, von Herrn Oberstudienrat — Professor\n— Doktor „Vierstein!\" — Darf ich bitten\nHerr O. P. D.\nMeine Damen und Herren! Der tragische Fall\nder 840ten Kommission ist noch frisch in aller\nGedächtnis! Abermals mußten an die fünfzig\nunserer ersten Fachgelehrten und Geschichts-\nforscher, nach nur einjährigem Studium in der\ngedruckten Hinterlassenschaft des vergange-\nnen Jahrtausends, als gehirnpestinfiziert unse-\nren Heilanstalten überwiesen werden.\nDie üble Beulenbildung, die sich im Verlaufe\nihrer Erkrankung an den Schädeldächern\nzeigte, führen unsere medizinischen Kapazi-\ntäten auf das Tätigkeitsfeld gerade dieser\nKommission zurück. Sie war beauftragt, die\nwirtschaftlichen Zustände Anno 1925 zu stu-\ndieren.\nm\nDas traurige Ende dieser Kommission wage-\nmutiger Geschichtsknappen hätte vermieden\nwerden können, wenn man diesen Schluß be-\nreits aus dem Fall des genialen Forschers\nZweistein gezogen hätte, der sich mit dem-\nselben Studienmaterial beschäftigt hat. Hierin\nscheint sich der Gehirnpest-Erreger in Rein-\nkultur zu befinden.\nDie Art der Infektion zeigt besonders typisch\nder Fall „Zweistein\": Befremdete schon sein\nVortrag über den Zusammenstoß der Erde mit\ndem Papierkometen 1925, den er zwar ver-\nhältnismäßig logisch mit der ungeheuren\nPapiermasse jener Zeit zu beweisen suchte,\ndie, selbst wenn die ganze Erde damals be-\nwaldet gewesen wäre, nicht allein aus diesem\nHolze hätte hergestellt werden können. Als\ndann sein Korreferent das Wort hatte und\nseine These bezweifelte, schwenkte plötzlich\nZweistein einen kleinen Zettel und sang mitten\nin die Rede seines Kollegen hinein ein uraltes\nWiegenlied „Weißt du wieviel Sternlein\nstehen\". Alles wurde stutzig, besonders über\nden eigenartigen Text, den er dem Liede\nunterlegte. Er sang: „Million — Billion —\nTrillion — Quadrillon — Roggen — Renten\n— Goldmarkzahl.\" Erst glaubte man an\nirgend ein „Heureka\" Zweisteins, aber als er\ndas Lied unaufhörlich intonierte, mußte man\nihn den herbeigerufenen Wärtern überlassen.\nDiese nahmen ihm denn das Zettelchen aus\ns\nder Hand, und es erwies sich als ein uralter\nGeldschein mit dem rätselhaften Aufdruck\n„1 Billion Mark\".\n■ - . •• ■ ; >,«• ■ '\nInzwischen ist nun regierungsseitig die be-\nkannte „Warnung an Alle\" erlassen worden,\nworin besondere Vorsicht beim Studium der\nDruckschriften empfohlen wird, di e aus den\nJahren von 1900—1950 stammen, wegen der\nhohen Infektionsgefahr.\nZu bemerken wäre hierbei, daß alle Erkran-\nkungen sich eigentlich nur bei ernsthaftem\nStudium der Schriften jenes Jahrhunderts ge-\nzeigt haben.\nWer sich mit der Materie nur unterhaltend be-\nfaßt, oder in der Lage ist, ihren grotesken Irr-\nsinn herauszudestillieren, bleibt völlig keim-\nfrei! —\nDafi jeder Idiotismus stark komische Seiten\nhat, ist ja allgemein bekannt, meist läßt aber\ndas schmerzliche Mitleid mit dem armen Irren\ndas Lachen nicht aufkommen.\nNun, meine werten Hörer, jene armen Irren,\ndie uns heute den Stoff zum Lachen bieten\nwerden, deckt schon über ein Jahrtausend der\ngrüne Rasen bzw. das Krematorium. So kön-\nnen wir denn beruhigt das Lachen entsiegeln,\ndas sie als „komisch Verwirrte\", also Narren\nin Reinkultur, in der Einrichtung ihrer Niveau-\nfeste auf Flaschen gezogen haben.\nDie Niveaufeste dienten dem Zwecke der Er-\nforschung des Bildungsniveaus eines Ortes"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "138", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.4", "texte": "oder Landes und waren Volksfeste riesigsten\nAusmaßes, mit gewaltigem Klimbim und\nTamtam.\nWie ich schon in meinem vorigen Vortrag\nerwähnte, ist die Zeit um 1925 herum durch\neinen richtiggehenden Bildungskolapps ge-\nkennzeichnet, der auch die eigentliche Ursache\n| \" \" •<= s - ; .•• •. •• .< •\nihrer unwiderstehlichen Komik ist.\nAlle, vom geringsten Arbeiter bis hinauf zum\njeweiligen Landeshaupt, konnten nicht genug\nBildung in sich aufnehmen. Das ganze Land\nWar übersät von Volksbildungsparteien mit\nsehr langen gebildeten Titeln, die man ihrer\nLänge wegen abkürzte. Um einige solche zu\nnennen, die V. S. P. D. im Lande der Dichter\nund Denker, die D. N. V. P. ebendaselbst. Die\ni - •\nerstere nannte sich „Vorurteilsloses Seminar\nProletarischer Denker\", die andere „Denker\nNiveau-Vervollkommnungs-Partei\" u. s. f.\nOrganisiert wurde dieser gewaltige Volksbil-\ndungsapparat durch das Tagesschrifttum, da-\nmals kurz „Presse\" genannt, wegen ihres\nr ,*,.•■. .1-\ngeradezu hydraulischen Bildungsdruckes, den\nsie ausübte.\nSie registierte und verherrlichte alle Landes-\nund Weltbildungsrekorde; sie veranstaltete\ndie Bildungsolympiaden, und ihr ist auch die\nEinrichtung der Niveaufeste zuzuschreiben,\ni. / »\nals Werkzeug zur Nivellierung der Bildung.\nAuf den Niveaufesten wurde durch ein sinn-\n■ i \\ J 4 ~ , . k\nreiches Frage- und Antwortsystem „Niveau\"\nermittelt, dergestalt, daß die jeweils dümmste\nFrage als Meeresspiegel galt, von dem aus\nnivelliert wurde und die beste Antwort als das\nhöchste Niveau anzusprechen war. Je höher\ndie Differenz zwischen Frage und Antwort\nwar, je höher galt das Bildungsniveau des\nOrtes oder Landes.\n\"X •\nIn den Tagen der Niveaufeste, sie dauerten\nmitunter wochenlang, beriefen die großen Bil-\n.' • , -r / - r •\ndungsparteien große Volksversammlungen\nein, in denen dann diejenigen längere Referate\nhielten, die für sich „Niveau\" beanspruchten,\nwie man damals sagte. In der sich dann stets\nanschließenden Diskussion wurden diese\nNiveauforderer möglichst saudumm von dem\nübrigen Versammlungs-Meeresspiegel befragt.\nErgab sich aus den Antworten ein genügendes\nNiveau, so ordnete man den Redner vom übri-\ngen Meeresspiegel ab, und nannte er sich\ndann Abgeordneter.\nDas Ab-Ordnen fand stets am letzten und\ngrößten Festtage dieser Veranstaltungen\ndurch Wahlakt statt.\nMit der Erringung der Abordnung war nun\nkeinesfalls etwa die Niveauprüfung abge-\nschlossen.\nEs war nur, um mich bildlich auszudrücken,\ndie erste Schutzhütte beim Aufstieg zum Bil-\ndungsmassiv erreicht.\nDoch lag diese Schutzhütte, um im Bilde zu\nbleiben, schon erklecklich hoch, so daß zu\nihr bereits eine stattliche Zahl von Serpen-\ntinen zu überwinden war. Es gab freilich\nauch kürzere Wege zu ihr. Dies waren je-\ndoch nur wenigen bekannte Schleich- und\nSchmuggelpfade, gefährlich und dunkel.\nVon der Schutzhütte „Abgeordneter\" aus be-\ngann dann der gefährlichere aber lohnendere\nAufstieg zum Gral, dem Ministergral. Dieser\nwar das Sehnsuchtsziel aller Niveautouristen\nwegen der fabelhaften Aussichten dort oben.\n; , i\nDie eigentlichen Gipfel des Bildungsmassivs\ngelang es nur wenigen und sehr geübten Klet-\ntereren zu erreichen. Ihre eifrigen, stets von\nundurchdringlichem Nebel umhüllten Häupter,\nwären auch gerade kein sehr erstrebenswer-\ntes Ziel gewesen.\nDennoch gierte der Niveautourist danach,\nwenigstens einen von ihnen, entweder die\nReichskanzel oder den Präsidentenstuhl zu\nerklimmen, wenn auch viele Marterln von der\nSchutzhütte aufwärts die Stellen bezeichne-\nten, wo wagemutige Kletterer abgestürzt\nwaren. Zwar hatte man an den gefährlichsten\nStellen bereits Auffangevorrichtungen in Form\nvon bequemen Abgeordnetensesseln ange-\nbracht, so daß hier zum mindesten der Sturz\nins Bodenlose vermieden war.\nDer gefährliche Sturz vom Gral machte nicht\nam Meeresspiegel halt, sondern der Todes-\nkandidat durchschlug denselben und fand sein\nunrühmliches Grab in Schlamm und Algen\nunter der Oberfläche.\nDas mir im Original-Dokument vorliegende\nProtokoll einer solchen Niveaufestversamm-\n\" V , .\nlung verzeichnet nun als Anwärter auf das\nSchutzhütten-Niveau des Abgeordneten einen\nNationalökonomen. Pleitestudenten könnte\nman sie nennen, denn sie hatten vom Lande\nden Auftrag, alle guten Pleiten zu studieren,\num Handel und Wandel damaliger Zeit nütz-\nliche Winke geben zu können, wie das End-\nziel dieser Volksbetätigung, der gewinnbrin-\ngende Konkurs am besten zu erreichen sei."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "139", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.5", "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "140", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.6", "texte": "Nach seinem Referat also meldete sich zum\nWorte Hans Döskopp, von Beifallstrampeln\nbegrüßt, denn er hatte schon eine gewisse\nBerühmtheit erlangt im „saudummen Frage-\nstellen\". Sie müssen sich vorstellen, meine\nwerten Hörer, daß mindestens ebenso wichtig\nwie die kluge Antwort, also das Niveau, die\nsaudumme Frage war, wenn sich der Frager\nauch dabei blamierte.\nWomit wollte man sonst Niveau messen? Sie\nwar so notwendig wie der bekannte Platin-\nMeterstock in Paris seinerzeit. Auch dieser\nPlatinstock mit Zentimeter-Gravierung ist ein\nkostbares Denkmal jenes Bildungsfimmels.\nDurch Jahrzehnte lange Aufmessung unserer\nErde, und unter unglaublich komplizierten\nBerechnungen hatte man ihn hergestellt, an-\nstatt einfach nach Uebereinkommen ein\nx-beliebiges Maß in Platin zu kratzen.\nHerr Meeresspiegel Hans Döskopp begehrte\nalso vom Referenten zu wissen, was „aktive\nHandelsbilanz\" sei. Wörtlich sagte er: „Alle\nLeute wüßten es heute oder gäben sich den\nAnschein zu wissen, aber alle Auskünfte\nhierüber genügten ihm nicht. Man hätte ihm\nz. B. gesagt, ein Land müsse, um zu einer akti-\nven Handelsbilanz zu kommen, mehr ver-\nals einkaufen, sonst geriete es in Schulden,\nwas man dann passive Handelsbilanz nenne.\nEr gäbe zu, daß sein Volk, das Volk der Dich-\nter und Denker, ein außergewöhnlich kluges\nVolk sei und auf aktive Handelsbilanz achte,\naber im Laufe der Jahre würden die anderen\nVölker doch einmal ebenso klug werden, und\ndann würde z. B. das eine sagen „Nu, wollen's\nse kaufen schöne Baumwolle für'n Dollar? Nu,\nwird sagen das andere, werd' ich kaufen\nBaumwolle für einen Dollar, wenn se kaufen\nschöne Maßanzüge für zwei Dollar! Wird\nsagen, das erste: Nu, werd ich kaufen Maß-\nanzüge für zwei Dollar, wenn se kaufen Baum-\nwolle für vier Dollar!\"\nDiese Frage Hans Döskopps stellte einen\nDämlichkeits-Rekord dar! An diesem Mee-\nresspiegel-Horizont war wirklich kein Hoff-\nnungsland zu entdecken. Wie gletscherhaft\nhoch mußte sich nach solcher Frage das\nNiveau des Referenten zeigen, denn schon\ndamals waren die dümmsten Fragen am\nschwersten zu beantworten.\n„Ich muß zur Bibel greifen\", sagte lächelnd\nder Referent, „um mich Ihnen auch nur eini-\ngermaßen verständlich zu machen.\"\nDas war den National-Oekonomen damaliger\nZeit überhaupt schwer, weil ihre Darlegungen\nzumeist aus Gleichungen mit Unbekannten\nbestanden, mitunter sehr großen Unbekann-\nten, und, trotz des gewaltigen Bildungs-\nniveaus damals, war Mathematik schon vor\ntausend Jahren schrecklich unbeliebt.\nKain, fuhr der Redner fort, war ja nach dem\nbekannten Morde an seinem guten Bruder\nAbel auch der einzige aktive Mensch auf\nErden und ging doch auch zu anderen\nMenschen. Hier verzeichnet das Protokoll\neine brausende Beifallsdemonstration, die den\nRiedner buchstäblich am Weitersprechen hin-\nderte. Er hatte wirklich „Niveau\" gezeigt,\nund errang denn auch in seiner Person sofort\nden Finanzministergrad, ohne erst die Schutz-\nhütte des Abgeordneten zu benutzen. Es war\naber auch der berühmte Währungs-Ingenieur\nSchacht, dem die billionenmalige Teilung einer\nGoldmark und die Umformung der Billion-\nGoldatome zu einem Papierblatt von 69 qcm\nGröße gelungen war, die man Rentenmark\ngenannt hat, weil sie ihren Erfindern nam-\nhafte Renten gebracht hatte. Diese Papier-\nRentenmark verhielt sich bei der Goldprobe\nwie echtes Edelmetall.\nLeider ist sein Verfahren mit ihm zu Kremato-\nrium gegangen. Nur seine ökonomische Ant-\nwort ist uns in diesem Dokument als ein kost-\nbares Denkmal überliefert.\nAls Denkmal einer Zeit, in der es noch wirk-\nliche geborene, geradezu erdhaft-urwüchsige\nIdioten gab.\nMeine Damen und Herren! Der Vortrag des\nHerrn Oberstudienrat Professor Doktor Vier-\nstein ist beendet. Auf Wiederhören am näch-\nsten Sturmabend. Wir geben Ihnen wie üblich\ndie genaue Zeit an: Es war das Jahr 1925.\n\nWalter Krug\n\nSeestück\n\nAnfangs war der Dampfer zu klein. Aber bald\nschon ersoffen alle Seekranken. Sie hatten\nsich über ihre Gerbmägen weg über Steuer-\nbord geschwelgt. Der Kapitän spuckte nach\nLee und schnallte den Eimer vor. Ihm konnte\nes also gleich sein.\nEs war ein sogenannter Drei-Rad-Dampfer.\nWenn man die Notbremse scharf anzog, fuhr\ner sofort seitwärts."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "141", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.7", "texte": "Pierre Flouquet: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "142", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.8", "texte": "Unten saß ein Regierungsrat und trat die Pe-\ndale. Den hatten die Bonzen in der Tretmühle\nabgebaut, obgleich er stets ein besserer Rad-\nfahrer gewesen war. Konrad Kniestecher\nhieß er, Hauptmann der Landwehr adee.\nWeiß der Teufel warum, aber der Mann war\nverdächtig. Sei es, weil er Linkshänder war,\nsei es, weil sein jüngster Schwiegerhahn repu-\nblikanisch krähte, Konrad Kniestecher war\nder Landesregierung ein Dorn im Zahn.\nKurz und entschlossen stach er in See. Den\nalten Feldstecher mit Kölnischem Wasser ge-\nfüllt, fertig war das Marineglas. Ab und zu\nhob er einen Zierschluck heraus, propfte\ndoppelt zu und rülpste diskret: „Jau, jau!\"\nSein Hochdeutsch hatte er leichten Herzens\nauf die hohe Wasserkante gelegt. Zumute\nwar ihm auf seinem Tretsattel gleich einem\ngewissen Hauptmann, der Anno 1914 beim\nersten Ueberfall auf die flämischen Windmüh-\nlen von Bovekeerke vor versammelter\nMannschaft spornstreichs aus dem Bock-\nsattel in die Jauche klatschte.\n„Wer Flandern eine Grube gräbt\", hatte der\nBauer gedacht, dem sie kurz darauf den\nSchädel einschlugen. „Slächt Wädder von\nDaag, Mynheer\", hatte er gesagt, als Haupt-\nmann Konrad aus dem Mist gekrochen war.\nDas waren noch Zeiten, spintisierte Knie-\nstecher zurück. Da war man noch ein ange-\nsehener Mann, da saß man noch fest im Sattel.\nDie Spiralfedern unter ihm quietschten vor\nVergnügen. Er schnellte in die Gegenwart\nhoch. Hurtig trat er sein Triebwerk, und der\nDampfer wurde oben immer geräumiger.\nDoch die Verluste ließen den Kapitän kalt\nlächeln. Sigismund Stühr, ein Philosoph,\ndurch und durch trocken hinter den Ohren,\nhaßte begeisternd allen Fremdenverkehr. Daß\ner seinen Kasten „Dampfer\" und noch dazu\n„Den Fliegenden Edamer\" nannte, war nichts\nals eine List, gar nichts weiter.\nWer den kurzen Meer-Kremser im Hafen vor\nAnker reiten sah, wer ihn nur roch, wer ihn\ndampfen hörte oder gar pfeifen sah, den packte\nZutrauen auf den ersten Pfiff. Denn es war\neine russisch-römische Kaffeemaschine ein-\ngebaut am Heck. Ihr Volldampf schlauchte\nsich außenbords bis zum Schorn vorwärts und\nmündete aus der Messingsirene in jenem magi-\nschen Geheule, das unser Freund Stühr den\nFremden um die Ohren schlug.\nIm Schornrohr selber befand sich das soge-\nnannte Stampf- und Schlinger-Werk, ein\ngeniales Patent des Kapitäns, allerwärts\npreisgekrönt. Dieses Schwenkgetriebe er-\nzeugte im Umkreise von hundert Meerknoten\nHalbmesser nicht nur Ebbe und Flut, sondern\nauch ganz besonders jede Art regulierbaren\nSeegangs. Der Fachmann kennt ähnliche An-\nlagen von den Automobilen her, die bekannt-\nlich auch mit vier Gängen auffahren und auf\ndiese Weise ihre Zylinder putzen. Der ganze\nUnterschied bestünde demnach in der senk-\nrechten Anordnung des Zylinders, der wegen\ndes benötigten Winddruckes hier möglichst\nhoch hinaus wollte. Jawohl, der ganze Unter-\nschied bestand darauf. Denn nur so wurden\nStampfen und Schlingern des Fahrzeuges\ngleichsam durch einen blechernen Empor-\nkömmling gewährleistet. Außerdem war eine\nbleierne Bummkugel im oberen Teile des\nSchornrohres so geschickt und verschieblich\nangebracht, daß „Der Fliegende Edamer\"\nbeim Hochfegen der Balancierkugel jederzeit\ndas Gleichgewicht verlieren konnte.\nSigismund Stühr blickte auf seine ergiebige\nFremdenpraxis zurück. In den schönen Som-\nmermonaten der letzten Jahrzehnte hatte er\nauf unterschiedlichen Fährten zwischen der\nStamminsel Stralhidden und dem Fremden-\nhandelshafen Seesund durch systematisches\nUeberbordschaukeln täglich rund zwohundert\nFremde, sogenannte Seelen, unschädlich ge-\nmacht. An der zielbewußten Säuberung der\npaneuropäischen Küsten wirkte er Hand in\nHand mit dem Ex-Regierungsrat Kniestecher\nund dem internationalen Kopfjäger-Bund von\nStralhidden, als welcher seinerseits wiederum\ndie beiden Eminenzen mit jovialen Gold-\nprämien bedachte. Die Jagdgebiete wurden\nin geheimen Sitzungen rein wissenschaftlich\nvorherbestimmt. Sie wechselten von Saison\nzu Saison.\nDas Schiffspersonal blieb alle Jahre hindurch\nbeschränkt auf die Schwermatrosen Malte und\nPitt, zwei seefeste Wetterbässe aus Mecken\nan der Peene. Sie dienten dem Ganzen, mit\nRucksack und Fallschirm als Fremde getakelt,\nvorbildlich segensreich. Ihre goldenen Her-\nzen gingen dabei nicht unter. Tauchte näm-\nlich einer der Passagiere trotz schwerstem\nkünstlichen Unwetter beim schönsten Wetter\naus dem vierten Seegang etwa wieder aus\nden Fluten, um rasch nach der Uhr zu sehen"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "143", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.9", "texte": "oder dergleichen, begannen Malte und Pitt\njedesmal dasselbe Rettungsmanöver zu spie-\nlen. Malte brüllte plötzlich: „Hüllfeee, Mann\nüber Bord!\" Dann schmiß er den Rucksack\nab, holte die Enterstange mit dem Krumm-\nhaken und stieß dem Genossen Pitt vor den\nFallschirm. Der, nicht faul, wenn es galt,\nriß die Notbremse herum, brüllte: „Frau über\nBord!\" und sprang in die See, die sich sofort\nberuhigte, da der Stampfer seitwärts fuhr.\nDer überraschte Fremde im Salzwasser zog\nschon vergeblich die Uhr auf, da er sich ge-\nrettet wähnte, und Pitt ging an dessen Stelle\nbewußt unter. Er tauchte aber nur. Kurze\nZeit später war der Fremde jählings abge-\nsackt. Vielleicht hatte ihn ein Hai gefressen.\nAllein Pitt gluckste prustend wieder hoch, und\nwurde von Malte mit der Stange eingeholt.\nTreffliche Burschen, die beiden. Exakt und\nhilfsbereit, wo immer die Natur von Unnatu-\nren bedroht zu sein schien.\nVortreffliche Seeleute alle viere.\nNatur auf allen vieren.\n\nOtto Nebel\n\nDas Fort\nAnton Schnack\nMächtig sein Ruf über die Maß, rollend, ver-\nrollend. Groß um die Zeit der Gestirne,\nGrausig zur Nacht. Brütend lag es im Schnee,\nWinterwolken darüber, hell umlichtet.\nAufstiegen Raketen rötlicher Färbung über\ndem Gewühl der Kanonade, Geschwader\nwaren gesichtet\nIn unnahbarer Höhe. Dörfer umwirbelte Licht;\nwer schlief hier einst, neigte die Stirne\nIm Traum, wer ging mit Früchten, gelb, durch\ndie Keller, wer ritt Pferde im Abend? Nun\nBlassen die Sterne vor Feuersbrünsten, nun\nbricht sein Ruf, das sonst nur lauerte,\ngrollend zu Tal; in Schächten\nStieren die Männer, weit westwärts her, be-\nfuhren einst Meere in normannischer Wind-\nnacht, erwartet von Weibern ob Fische sie\nbrächten,\nOder sahen Mond feurigen Südens, den\nSchnee der Berge und silbernen Oliven-\nHain, schlenderten im Hafen, wo Frauen\nAlgiers tanzten in grünen Schuhn.\nLange Abende trollend im Rauch der Groß-\nstadt, nun kauernd mit hartem Hirn in\nNässe, die trieft\nVon Stein und Wölbung, erschüttert von\nSchlägen, von Qualen umfahren, von Gas\nbetäubt,\nVergiftung im Mund und Wehmut. Fern\nflüstern Geigen, der Fluß der Heimat\nrauscht blau im Eise,\nSchwärme von Vögeln flattern über Wald,\nam Morgen Kindertanz, am Abend Kirch-\ngang des Nachts, in Abenteurerbücher\nheiß vertieft.\nJetzt starr ins Dunkel stierend, vorn weiße\nFeuer in der Finsternis und Rauch im Turm,\ngepanzert; im Schutt die Toten,J leicht\nüberrieselt und bestäubt\nVon Steinsand, Kalk und Blässe, umkocht von\nSprengung, Blut, Verbrennung, rotem\nFeuerkreise . . .\n\nDer Hilfsregisseur\n\nDer Filmregisseur betritt das Lokal. Ledern\numgürtet der Mantel bis zur oberen Knielinie\nden durchgeistigten Körper. Gamaschen in\nprangenden Farben täuschen sportgeartete\nBeine vor. Und aus den Resten seiner Haare\nwehen die Musen. Sein Blick ist gleichsam ins\nLeere gerichtet. Er sieht alles nicht, sieht\naber unter kraftgefalteten Brauen, daß alles\nsieht. Hinter ihm, ohne den Abstand zu\nmessen, schreitet im Hermelinchencape die zu\nmachende Diva. Sie schleudert Blicke voll\nverachtender Zukunft verächtlich auf das Ge-\nsindel. An nicht weißgescheuertem Tisch\nzittern die kleinen Hellen ängstlich anein-\nander, ein einsames Brötchen birgt sich an den\nmütterlichen Busen des Mostrichtopfes, das\nkunstvolle Gebäude der Zahnstocher knickt\nzusammen und die Mädchen und Knaben im\nKreise suchen Haltung und nehmen Stellung.\nEr wird vielleicht drehen und für sie alle wird\nsich alles wenden. Sie wenden halblaut den\nKopf nach ihm, aber er dreht sich nicht. Wenn\nman ihm das Manuskript zustecken könnte."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "144", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.10", "texte": "Es hat noch keinen richtigen Schluß, aber das\nliebt er. Für Schlüsse hat er stets eigene\nIdeen. Man darf ihm nicht vorgreifen. Manus-\nkripte mit Schluß sind an sich erledigt. Man\nkann ihn aber nicht ansprechen, denn er hat\neine Dame bei sich. Damen des Hilfsregis-\nseurs lieben es nicht, daß ihn Komparsen an-\nsprechen. Hier ist er Mensch, darf es aber\nwegen der Begleitumständlichkeit nicht sein.\nWas solll man machen. Telefonisch nie zu er-\nreichen. Persönlich nie zu sprechen. Der Hilfs-\nunterregisseur hat nichts zu sagen. Und das\nManuskript des Freundes ist so geschrieben,\ndaß jede Komparse ihre Eignung als Diva be-\nleuchten lassen kann. Der Dichter hat weder\ndie Zähne der Tagesfreundin noch die Beine\nder vergessen. Auch die Zu-\nkünftige kann sich in den Hüften wiegen. Und\ndie Kleine kann winken. Sie kann nichts,\naber sie kann winken. Sie ist eine Meisterin\ndes Winkens. Sie ist die Verkörperung des\nWinkens. Sie winkt und alle kommen. Sie\nwinkt ab und alle bleiben. Der Dichter hat\nauch fürsorglich nicht vergessen, daß jene\nFreundin einen Stoff von den Sandwichinseln\nbesitzt, aus dem sich manches machen läßt.\nEr hat die Handlung deswegen auf die Sand-\nwichinseln verlegt. Und dadurch dem Stoff\neinen Platz im Film gesichert. Aber man kann\nIhm das Manuskript nicht geben. Es ihm\nschicken heißt, es nach sechs Monaten unge-\nlesen abholen. Unterdessen muß der Mensch\ndoch leben. Man findet allgemein, daß die\nDame des Hilfsregisseurs zunächst einmal\nkeine Dame ist. Daß die dünne blonde Ober-\nschicht aus dem Schwarzwald stammt. Daß\nsie Rot von einer deutschen Firma auflegt.\nDaß sie ißt, als ob sie sich gesund machen will.\nDaß sie Kirsch trinkt, wer weiß weshalb. Daß\nsie vor allem kein Gesicht hat und daß sie den\nHilfsregisseur mit geheuren Dingen gewon-\nnen haben muß. Jetzt blickt der Hilfsregisseur\nin das Abendblatt. Erste Spalte von oben.\nWer hat eine Zeitung bei sich. Er wendet die\nAugen nicht von der ersten Spalte oben. Was\nsteht da? China. Aber er sucht doch nur\nein Gut, warum interessiert er sich für\nChina? Man hat von dem Hilfsunterregis-\nseur gehört, der sich manchmal an den\nTisch der Komparsen stellt, daß ein Gut in der\nMark gesucht wird, weil die Direktion Spa-\nnien nicht bewilligt hat. Wieder ein Problem.\nWo soll man die Sandwichinseln finden. An\nder Havel soll so etwas liegen. Aber der\nEigentümer ist ein Prolet. Er läßt die Künstler\nnicht rauf. Das mit China ist bedenklich. Er\nliest noch immer erste Spalte oben. Und die\nDiva ist schon bei der Nachspeise, einem\nSchnitzel. Jetzt hat sie sich wenigstens einen\nFleck auf das Hermelinchen gemacht. Sie\nverlangt warmes Wasser, wie unschick. Erst\nspielt sie wer weiß wen, und nachher hat sie\nAngst um das falsche Hermelinchen. Der Hilfs-\nregisseur winkt lässig mit dem Seidel. Die\nFreundin von morgen hat ihr Knie in Gesichts-\nhöhe gebracht, nicht ohne vorher sinnvoll dem\nMostrichtopf unvermutet einen Stoß gege-\nben zu haben. Der rollt sich nämlich auf den\nSchoß des Crepe de Saison-Kleides, worauf\nvermutet oberhalb des Schoßes ein Wutgeheul\ndie luftartige Oberschicht durchschneidet. Der\nHilfsregisseur steht auf, ganz Hilfsregisseur,\nseine Brust weitet sich, seine Augen schweifen\nhin und zurück. Er geht telefonieren. Die\nDiva merkt es kaum. Sie ist jetzt wieder bei\nder Vorspeise, dem Vierten Schnitzel. Die\nDame mit Knie geht telefonieren. Schon\nkommt sie mit Kopfschmerzen zurück, zahlt\ndas kleine Helle und muß schlafen gehen. Die\nLuft ist eben schlecht. Der Hilfsregisseur\nkommt zurück, umledert seinen durchgeistig-\nten Körper, spricht einige gütige Worte zu der\nDiva, erzitternd hören die Komparsen die\nWorte: Konferenz mit der Direktion wegen\neiner Großaufnahme. Er legt einen noch be-\ngütigenderen Reichskassenschein indiskret\nmitten auf den Tisch. Was die Leute verdie-\nnen. Und verläßt das Lokal, die Augen ins\nLeere gerichtet. Der Dichter stellt fest, daß\nes beinahe geglückt Wenn die Freun-\ndin mit dem Stoff nicht gerade ein paar Minu-\nten vorher weggegangen wäre, hätte er ihm\nden Weg verstellen und sie ihn vielleicht an-\nsprechen können. Da wollen die Frauen\nimmer raffiniert sein, sie muß doch im engen\nRaum vor der Telefonzelle gestanden haben,\nnichts gehört und nichts gesehen. Das hätte\ner anders gemacht. Wenn er nur auf die Idee\nmit dem Telefonieren gekommen wäre. Aber\nder Hilfsregisseur ist fort, man muß hoffen,\ndaß er morgen wiederkommt. Oder an einem\nder nächsten Tage. Dann wird die Verbin-\ndung bei dem Telefon hergestellt.\n\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.11", "texte": "Brancusi: Der Vogel"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.12", "texte": "Brancusi: Weibe Negerin"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.13", "texte": "Brancusi: Torso eines jungen Menschen"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.14", "texte": "Brüssel „Rue du Cubisme” Häuser von Victor Bourgeois"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "145", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.15", "texte": "Weisst du schwärzt du\n\ndie zwittrigen leiber\nl\nsind oben viereckig\nin der mitte dünn \" •\nan der seite flach\n-innen hohl\naußen glatt\nhaben ein drehbares bein\nWie ein klavierstuhl '\nund ein genital :\naus stukatur\n1 •\ni\nsie unterscheiden gut\nihren vater\nvon ihrer mutter\ni\nersterer liegt geringelt\nin einer klangfigur\nletztere ist weiblich\ndie drittigen leiber sind\noben groß und rissig \\\nwie ein erdteil\nund unten klein und fleischig\nwie ein überzwerg\nsie tragen ein rauchendes schwielenhemd\nsie blasen auf ihrer eselsposaune\nwie waldhanswurstkadetten\nia ia ia\nsie blasen wie ein vokativ geblankverster\ngondelmehlsack\nnach den Spielregeln geregelt\nsie blasen für alle fälle einmal\nund für todesfälle zweimal\nvom modenrot bis zum abendbrot\ner nimmt zwei vögel ab\ner nimmt zwei vögel zu %\n*\ner paußt grimasse auf die luft\nund unter das wasser\ner lebt tete-a-tete\npied-ä-pied\nhandgemein y.\nfuß vornehm\nund leib an leib\n•' 112 ....\nmit seinem leib\n'•V-\n-sieht er drei eier\nso ruft er\nei ei\nund zählt doch richtig\nein bei bei zwei\nzwei bei bei drei\n✓\ner hebt an der urgroßvaterstadt\ndas rechte bein hoch\nund hebt an der urgroßmutterstadt\ndas linke bein hoch j\nalles läuft bei ihm wie am Schnürchen\ner nimmt zwei vögel ab\ner nimmt zwei vögel zu\ner heißt mit vorname zwölf\nund mit familienname zwölf\ndas macht in summa vierundzwanzig\ner hat eine Vorderseite\nund eine hinterseite\ndas macht in summa sechsundzwanzig\ner hat einen rechten männerarm\nund einen linken frauenarm || !| H\ndas macht in summa achtundzwanzig\n/. . ■ \" ' i , .\n%\n1\ner huldigt der mode der doppelgängerei\nmit fahnen aus haaren\nund segeln aus federn\ner ist vorne so lange wie hinten\nalles läuft bei ihm wie am schnürchen\nohne treibriemen\n-\ner nimmt zwei vögel ab\ner nimmt zwei vögel zu\ni\nunter jedem erdteil sitzt ein großer vogel und\nsingt\nder madrigal dreht das balletkarussell\nda er aber gesellt und pumper ist\nso springt er scheel vom himmelhohen\nkatheder\ner klappt die erdteile auf\nund setzt jedem vogel futter vor\nein fingerhut voll falbenbesetzter Zwillinge\nein fingerhut voll quellender gallerte\nein fingerhut voll gezogener hälmlein\nein fingerhut voll Pyramiden\nam nationalfeiertag bürstet er die bauchfran-\nsen aller tiere\nbehor die mall die ankergalle den text der\nherdringe\npfeift die mäuse aus den zehen in den Speicher\nhörnt die flaschen alledeme wegen im lau\nund liest den nach heiligem brauch in nassen\ntüchern gewickelten mediovall\ner klappt die erdteile auf"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "146", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.16", "texte": "und setzt jedem vogel futter vor\nein fingerhut der päpstin johannin\nund ihres zerblickten krickleins\ndas ist die große mogolei\ndas mündliche gerät nimmt nicht notiz von\ndem verplapp\nvermummte muhmenwörter stehen ihm spalier\nes bändigt ein es bändigt zwölf\nes händigt zwei es händigt vier\nmit den großen daumen und kleinen zehen\nmit herabgelassenen rolläden\nwie der brei um die heißen katzen\nstreicht es seine linie so so\nstreicht er seinen strich lala\ner wendigt aus es wendigt in\nmit einem rechten auge links\nund einem linken auge rechts\nund steht der knochenkokotte nur in den\npausen zur Verfügung\nso gibt ein wort das andere\nschiebt das riegelfleisch zurück\nschnallt den bimsteinorden ab\ngrüßt mit dem frohnhut das Stelldichein\nund trägt den tod im ranzen fort\nes bändigt ein es bändigt zwölf\nes händigt zwei es händigt vier\nmit sordiniertem stimmband\nund stündlich einer stunde ellenbein und\nschienenbogen an der schnür\nist die monduhr abgelaufen\nso rollt der elbende ballast heraus\nkommandiert rührt euch\nund löscht den lichterast\n\nHans Arp\n\nGespräche in Berlin bei Nacht\nHerwarth Walden\nHerzen verwelken auf trockenem Asphalt\nSie müssen nicht glauben, daß ich mit jedem\nmitgehe. Meine Tante ist vom Uradel. Sie\nkönnen sich erkundigen, ich werde Ihnen die\nAdresse geben.\nMeine Frau hat gleich gesagt, daß die Ostsee\nteuer ist. Sie muß zehn Mark für den Tag\nzahlen und ein halbes Pfund Aufschnitt dazu\nkaufen. Dafür sind aber in Zingst nur\nschwarzweißrote Badeanzüge gestattet. Es\nmacht sich, es macht sich. Bald haben wir die\nguten Zeiten wieder.\nIch bin eine alte Frau, junger Herr, und habe\nmein ganzes Leben lang den Berliner Lokal-\nanzeiger verkauft. Recht muß Recht bleiben.\nLesen Sie mal heute das Geständnis vom Poli-\nzeipräsidenten. Die Sozis haben uns armes\nVolk ruiniert. Aber wir werden es ihnen\nschon geben, wenn wir wieder am Ruder sind.\nSehen Sie, wenn Stinnes nur Devisen gekauft\nhätte, wäre ihm das nicht passiert. Man soll\nnichts unternehmen, man soll nur unternehmen\nlassen.\nUnd ich sage Ihnen, Herr Kollege, ich sage\nnur: ceterum censeo: man soll nicht auf die\nGefängnisärzte schimpfen. Wovon sollen die\nKollegen leben, wenn sie nur Dienst tun? Und\nder Professor Lewin hätte sich etwas kolle-\ngialer verhalten sollen.\nThomas Mann hat den langen Atem. Man\nkommt wenigstens auf seine Kosten. Diese\nKurzschreiberei' müßte als Wucher bestraft\nwerden. Schließlich ist doch unsereins nicht\ndazu da, für die Herren Dichter zu denken.\nMan hat in diesen Zeiten andere Sorgen.\nEs waren ganz überflüssige Kosten, die\nSchilder für die Budapester Straße zu erneu-\nern. Das weiß doch nun nachgerade jedes\nKind, daß sie Friedrich Ebert-Straße heißt.\nDer Impressionismus soll wieder modern sein.\nIch habe meinen Liebermann doch zu früh\nverkauft. Kunst ist ein faules Geschäft.\n\nRiesin Weltstärke\n\nEs war eine Reckin, die spielte geprallte Kraft\nauf den Golfplätzen ihrer Meerbusen. Das\nHeldenmaß ihrer Schrittlängen war so über-\nmenschlich, daß sie die männlichsten Klub-\nsesselschultern an die Wand drückte. Wenn\nsie ging, sprang vom herrischen Profil ihrer\nNase ein blitzender Blick rasch über die Un-\ntergrundgeleise ihres Schoßes und im Bogen\nnach hinten die Fahnenstange hinauf, um von\nder Spitze die Hausflagge eines Kaiserschlos-\nses in die Gegend zu hissen. Dies „Wir\" des\nBlickhäuptlings klappte jeden Mann zum"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "147", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.17", "texte": "Hans Arp: Holzschnitt"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "148", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.18", "texte": "Untertan. Aus Brunhilds Gnaden senkte sich\nein Messingwinkel von fünfundvierzig Grad\nstahlblau in die Zirbel des Sklaven, daß sie\ngrün wurde. So spielten ihre kleinen Zehen\nFußball, ohne daß die großen es für nötig\nfanden, einen Kopfball zu gewähren. Wenn\nbeim Morgenritt der Mund als Reitgerte die\nMonokel ihrer Mitbereiter zu Mücken zer-\nknipste, war kein Herbstnebel zur Frühlings-\nsonne zu bekehren. Wenn beim Tee die\nelektrischen Glühfäden um ihre entblößten\nStahlpolster klirrten, dann sprang durch die\nmännlichsten Aufbäumungen ein abwinkender\nFurchthase, weil das Auge von der Schulter-\nfurche in Schwindel abstürzte. Mancher wurde\nvom Gletscher seiner Spaltung zermahlen.\nWenn beim Sängerkrieg das Reiherparadies\nihrer Wartburg die Nasenkeller des Logen-\nschließers kitzelte, daß sein unterdrücktes\nHusten zu bauchreden begann, dann glotzten\ndie Stielaugen des ganzen Horchhofes nicht\ndem Sänger in den Mund, sondern hinauf zum\nunbebrüteten Puderkopfei, bis die Kreissäge\nihres Fächers den Faden der Bewunderung\nabdrehte. Kein König wagte sich anders als\nmatt auf das Schachbrett ihres Leibes zu\nsetzen, so daß weder Springer, Läufer noch\nTurm zu entfalten war, nur die Dame auf dem\nWunschbett, in das sich alles zaubern läßt,\nhielt einigermaßen Stand. Aber was hilft das\nwo kein König sich stellt, und Bauern sind nur\nRiesenspielzeug in den Schachzügen der Bur-\ngen, die sie je nach Schwarz oder Weiß ab-\ngrasen. Sie gewann also immer ihre eigne\nPartie und das ist langweilig durch Inzüchti-\ngung der Faust. Jeder weiße holt seinen\nschwarzen Erdteil und boxt farbig auf der\nBeifallskiste, um sich die Eintönigkeit der\nMilchsäure zu Blausäure zu schlagen. So\nbrach ein schwarzer' Sonnenfried in das\nTennisnetz der sportlichen Bespannung ihres\nKörpers ein. Die Bälle flogen, der Kies\nknirschte und roter Lippenwulst der Box-\nhandschuhe zerbrach die weißen Kreidelinien\nzum Tanz der Schneidezähne. So stürzte ein\nSegel in neue Sturmrichtung und folgte bei\nSchlaf und Wachen der Spur, die sie vom\nBurg verließ zu Welttribünen meisterlich auf-\ntrieb. Riesin Weltstärke ist nicht klein zu\nkriegen.\n\nThomas Ring\n\nBlühkreis\nOtto Nebel\nDer Sommer ist ein guter Mann mit seiner\nBienenborte rings\nsein Thal liegt voller Thaler weit\ndie rollen in die Höhe\nsie rollen in die Höhle hoch\nder Hochwald wallt gen Kuckucksheim\nihn hat das Licht gerufen\ndie Hummel weckt den Honig ein\nder mürbe Köhler fällt verkohlt vom Stamm\nvom Stammbaum tief so weit vom Stamm\nnun mahlt die Mühle eitel Wind\nund drunten windet Regenwurm weil ihn der\nRegen wurmen tut in seiner Winzig-\nkehle\nkein Berg mag ihn verbergen\ndie Zwerge holen Pilze heim\nihr Pelz ist Moos vom Veilchenstein\ndie Flöte weckt den Abend auf\nein Donner wölbt die Halle schwer\nder Leuchtturm türmt die Nacht umum\nund Sterne fallen in den Blitz\nund Niemand kennt den toten Mann an seiner\nBienenborte rings\nder Sommer ist ein leichter Tod\nder herbste Schnitter ist der letzte Herbst\ner letzt den Sturm mit Wolkenblut\njetzt ist das große Licht verletzt\nschon sieben Zwerge Schnee zu sieben\nsie achten nicht des Stiebens\nihr Pelz ist Moos vom Veilchenstein\nSchneewittchen nimmt die Hasen lieb\nEis heißt das Herz der Nächte nun\nheiß brennt die Traumesflamme traut\nder Baum der Beter wächst gen Innenlenz\nund ruht und glüht und blüht im immertiefen\nBlut.\n\nSteuerliches\n\nIch habe meine Reise verschoben und zwar\nad calendas graecas. Dieser schöne Aus-\ndruck, wer entsinnt sich nicht seiner mit\nFreude und Rührung, diese schöne Ausdruck\nhilft mir über die Schwere meines Ent-\nschlusses hinweg. Vielleicht komme ich doch\nnoch etwas früher zu dieser Reise, aber zur\nZeit harren meiner höhere Pflichten. Auch\ndieser Ausdruck erinnert mich wieder und\nzwar an die beste klassische Zeit. Aber aus-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "149", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.19", "texte": "Hans Arp: Holzschnitt"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "150", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.20", "texte": "druck hin, Ausdruck her, der Ausdruck ist es,\nder mich zurückhält. Es sind sogar Ausdrücke,\nAusdrücke, die die vorgesetzten Behörden\nanzuwenden belieben, wenn sie den Nachge-\nsetzten zu einer spontanen Zahlungstätigkeit\nanzueifern wünschen. Es sind die Steuern der\nWahrheit. Nur ein Ausdruck ist ziemlich klar\nund allgemeinverständlich, „daß mir (uns) be-\nkannt ist, daß die Voranmeldung als Steuer-\nklärung im Sinne der Reichsabgabenordnung\ngilt und ich (wir) hiermit versichere (n), die\nvorstehenden Angaben unter Berücksichti-\ngung der nachstehenden Erläuterungen nach\nbestem Wissen und Gewissen gemacht zu\nhaben.\" Das ist ein schlichter Ausdruck der\nvorgesetzten Behörde. Der Sinn der Reichs-\nabgabenordnung ist mir zwar bisher ver-\nschlossen geblieben, aber man kann ja schließ-\nlich die nachstehenden Erläuterungen berück-\nsichtigen, um sein Wissen und gleichsam sein\nGewissen zu machen oder gemacht zu haben,\nwenigstens in Bezug auf die vorstehenden An-\ngaben. In Bezug scheint mir schon ein Schritt\nin jene Ausdrucksphären zu sein, in die sich\ndie Behörden unentschlossen verschlossen\nhaben. Als ich meine Augen auf die nach-\nstehenden Erläuterungen schweifen ließ, und\nals ich den Entschluß gefaßt hatte, sie mir zu\neigen zu machen, konnte ich nicht anders, als\ndie calendae graecae auf meinen Schreibtisch\nzu stellen, wo Rosen stehen müßten. Da ich\nmfr aber mein ungeschorenes Gewissen vor-\nbehalten wollte, bat ich eine welterfahrene\nDame zu mir, um gemeinsam mit ihr nach\nbestem Wissen und Gewissen zu verfahren.\nDamen wissen mit dem Geld, und um so etwas\nscheint es sich zu handeln, im allgemeinen\nbesser Bescheid. Sie haben meistens einen\nHaushalt zu führen, während die Behörden\nnur einen Staatshaushalt führen, mit dem be-\nkanntlich niemals Staat zu machen ist. Die\nDame setzte sich zu mir, selbstverständlich in\ndem gebührenden Abstand, sodaß ich immer-\nhin ihr Profil ad calendas graecas betrachten\nkonnte. Profil ist allerdings wieder ein Aus-\ndruck, der aber nicht unter die Reichsangaben-\nabordnung fällt. Ich machte die Dame mit\ndem Ernst ihres Besuches bekannt und bat sie,\nmich so sachlich bleiben zu lassen, wie es die\nvorstehenden Angaben unter Berücksichti-\ngung der nachstehenden Erläuterungen erfor-\nderlich scheinen lassen. Die Dame war zum\nGlück sowieso sachlich im Wissen zugänglich\nund ich schlug deshalb vor, uns durch die sinn-\nfälligen Beispiele gleich in das Wissen und\nGewissen der Voranmeldung als Steuer-\nerklärung einzuleben. Selbstverständlich\nunter Ausschluß jedweden Lebens. Hören\nSie, meine Dame Komma sagte ich und ich\nmußte unmittelbar, ich könnte fast sagen\nnolens volens, an unseren lieben Fünfziger\nThomas Mann denken, so fein kam mir dieser\nbeinahe behördliche Satz vor, hören Sie Kom-\nma meine Dame, jenes Beispiel: „Ein verhei-\nrateter kaufmännischer Angestellter mit zwei\nminderjährigen Kindern bezieht im Kalender-\njahr 1925 ein monatliches Gehalt von 600 RM.\"\n„Bei welcher Firma\", fragte die welterfahrene\nDame. Ein monatliches Gehalt von 600 RM.\nNun die Herren auf dem Finanzamt haben es\ndazu. Wenigstens das Papier ist geduldig.\nAuch das behördliche. Und wie romantisch.\nDieser Angestellte verdient nur 600 RM,\ndas reicht kaum für die Schlagsahne. Und\nwenn man mit einiger Phantasie annehmen\nwollte, daß das eine minderjährige Ge-\nschöpf womöglich ein Mädchen ist, das wo-\nmöglich seine Augen zu einem Hänger aus\nCrepe de chine erhebt, doch bleiben wir bei\nder Reichsgabenanabordnung. „Er hat im\nzweiten Kalendervierteljahr 1925 eine ein-\nmalige Abschlußgratifikation von 6000 RM. er-\nhalten.\" Ein Beispiel des Unternehmer-\nwuchers. Der Mann gibt zwar eine Gratifi-\nkation von 6000 RM., läßt sich aber dafür\ngleich den Abschluß quittieren. Nun, die\nFinanzämter kennen das Unternehmertum.\nBis hierin ist die Sache mit Ausnahme der Zah-\nlung durchaus verständlich. „Dann unterlie-\ngen der Vorauszahlung (wach auf mein Sinn\nund Herze, die welterfahrene Dame hat wirk-\nlich ein schönes Profil, man könnte auch sagen\nlieblich) für das zweite Kalenderviertel-\njahr 1925 3 X 600 RM. = 1800 RM.\n+ 6000 „\nzusammen 7800 RM.\nHiervon ist der steuerfreie\nLohnbetrag mit 200 „\nabzuziehen. Die Vorauszahlung\nist also zu berechnen von 7600 RM.\nWarum ist das obengenannte Gehalt nun Lohn\ngeworden? Arbeit ist doch der Mühe Lohn,\n4 _\nGehalt macht aber mehr Arbeit. Zweihundert\nMark sind offenbar durch den Sinn der Reichs-\nabgabenanordnung stuerfrei. Das kann man\nzwar nicht wissen, aber sich denken. Fest\nsteht, daß die Vorauszahlung zu berechnen ist."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "151", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.21", "texte": "Nämlich einfach so: „Bei gleichzeitiger Ver-\nteilung der Abschlußgratifikation auf das\nganze Kalenderjahr 1925 würde sich ein vier-\nteljährliches Einkommen von 1800 + 1500 RM.\n= 3300 RM. ergeben. Für die Bemessung des\nSatzes sind daher nur 1800 + XA von\n6000 = 3300 RM. zugrundezulegen, das heißt\nfür die ersten 3000 RM. 10 v. H., für die wei-\nteren Beträge 15 v. H. Hierauf sind die im\nWege des Steuerabzuges vom Arbeitslohn\neinbehaltenen Beträge anzurechnen.\" Das ist\nnur das Beispiel. Die Bemessung des Satzes\nist ein Weg des Steuerabzuges, der nach Rom\nführeh könnte. Die welterfahrene Dame ist\nihrerseits ganz versonnen und versucht die\nweiteren Beträge zugrundezulegen, wobei sich\ndas vollkommenste Profil zugrunde richten\nkann. Meine Sinne schweifen von den 1800\n+ Vi der Erläuterung zu den Gliedern der\nDame, die auf dem Fußboden ihr natürliches\nEnde zu nehmen pflegen. Die Strumpf-\nindustrie ist doch sehr entwickelt. Sie gibt\nsinnfällige Beispiele unter Besichtigung der\nnachstehenden Erläuterungen. Wir versichern\nbeide, daß wir die Vorabgabenanordnung im\nSinne der Erläuterungsanmeldung nach\nbestem Gewissen und ohne Wissen machen\nwerden, wenn uns die vorgesetzte Behörde\nzunächst in den Bezug der Barmittel des ver-\nheirateten Angestellten mit den zwei führen*\n•• - • -«* ■ ... * . ...\nden minderjährigen Kindern setzen wird. Wir\nzahlen auch noch für die steuerfreien 200 RM.\n-1- a/4 im Wege des Steuerabzuges, be-\nschließen zunächst, das letzte Achtel der ange-\nbrochenen Nacht bei der ehrsamen Mutter\nNatur zuzubringen und uns morgen wieder zu\nweiterem heiteren Beispiel zusammenzutun..\nMit ihr Arm in Arm bis ad calendas graecas.\nOhne die Behörden in die* Schranken zu\nfordern.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nWalther G. Oschilewski\nDie Straße glänzt\nIn bunten Bäumen schäumt der Mond\nDu trägst den Weihrauch meiner Liebe duf-\ntend um den Hals\nDie Straße glänzt t\nDer Sommerwind wiegt warm das Licht der\n. Nacht\nTiefeingeschneit hängt Stern in unserem\nHaar\nWir lächeln blütenwund\nDie Wolke reift im Arm\nDie Straße glänzt\nWir fliegen in den Kranz des Monds. . •'\nDie Nacht singt leis auf\nIrgendein Lied tränt den Hang unseres\nHerzens\nAber Mond blüht eine Lilie silbern in meiner\nHand.\nWir Sternen uns eine einsame Straße.\nVor deiner Kammer sitzt ein Traum\nNarzissen blühen aus deinem Leib\nWir flammen im Wind unseren Weg\nIn der Stadt rauscht die Heimat.\n\nEingestampft\n\nNicht einmal eine Abwehr\nAn Herrn Guido K. Brand Berlin\nI.\n) : * *\nWarum verfolgen Sie mich.\nIch habe doch nichts mit Ihrer Literatur zu\ntun, für die Sie schreiben und fürchten.\nWas wollen Sie von mir.\nWarum verfolgen Sie mich in so widerlich\ngehässiger Art.\nSie schrieben 1924 in der Literatur (26. Jahr-\n*•t•» - . . ■\ngang des Literarischen Echo) über mich:\n„Nun kann man ja dichten nicht lernen, aber\nEinsicht in sich selbst kann man üben. Möge\nihm dazu ein praktischer Beruf helfen.\"\nIch arbeite seit fünf Jahren in einem prakti-\nschen Beruf, der zwar nicht Berufung ist.\nSie schreiben 1925 (Die Literatur, 27. Jahr-\ngang des Literarischen Echo): „Was er sonst\"\nbietet, ist hemmungslose Wut gegen ein an-\nständiges Deutsch und verbohrter Haß gegen\ndie zünftige Kritik. . , . beschließt das Buch,\n• ■ •• ■' »'\nvon dem alles bis auf den Aufsatz über\nStramm eingestampft werden kann.\"\nSo wissen Sie denn: Nichts auch nicht das\nGeringste vom Menschen und der Erde kann\nverloren gehen. Und für alles wird Rechen-\nschaft gefordert. Was nützt es darum, wenn\nich meine Dichtungen, die nicht meine sind,\neinstampfen lasse. Sie sind. Ebenso wie das\nvon Ihnen kläglich Geschriebene. Auch wenn\n■ • ' '\ndie 27 Jahrgänge der Literatur eingestampft\nwürden. - . • ."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "152", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.22", "texte": "Aber die Erde ist voller Kreise und Kräfte, ge-\nnannt die himmlischen und die höllischen.\nDie Höllischen\nII.\nDie „Vossische Zeitung\" nennt meine Gestal-\ntungen „Verspäteten Expressionismus\", be-\nlehrt mich, daß „Inbrunst aus dem Innern\nkommt, niemals aus der Gewaltsamkeit der\nWorte wächst.\" Weiß, daß „die lyrische\nDichtung, deren beste Vertreter sich zur Be-\ntrachtung und Verherrlichung ewiger Dinge:\nGott, Natur, Liebe zurückgefunden haben,\nund die wieder alle Möglichkeiten sinnvoller\nSprache nützen, seit Jahren einen anderen\nWeg geht.\" Ich aber schreibe Expressionis-\nmus, „der vor sechs Jahren in einigen Kreisen\nmodern war.\"\nWas soll man dazu sagen.\nMit aller Inbrunst, die wahrlich auch ohne Be-\nstätigung der Vossischen Zeitung für Staats-\nund gelehrte Sachen aus dem Innern der Welt\nwächst, soll es aber für die Zeiten gesagt\nsein: Das, was hier „verspätet\" Gestalt\ngewinnt, ist der Anfang eines KOSMOS,\nder aus dem Blut gestaltet wird. Und ohne\nvorherige ergebenste Anfrage bei den Herren\nVertretern der Dinge Gott & Co. Bei Gott!\nUnd der Expressionismus, den jeder fortge-\nschrittene Tintenschwätzer als überwunden\nbegrinst, ist nicht zu überwinden. Er ist\nnur unendlich auszuweiten. Für Generatio-\nnen. Nicht aber von den Vertretern, die\nsich zur Betrachtung und Verherrlichung zu-\nrückgefunden haben. Sie haben heimgefun-\nden. Wohl aber von denen, die Opfer sind\nund schauen.\nIII.\n„ . . . Was aber die Kunstkritik anlangt, so\nuntersucht sie, wie wir eben andeuteten,\nden innern, idealen, oder ästhetischen\nWerth des Kunstwerks, und heißt in sofern\nästhetische Kritik, oder sie beurteilt nur\ndie äußere körperliche und mechanische\nBearbeitung, die regelmäßige Anwendung\nder Werkzeuge und Darstellungsmittel der\nKunst oder eines Gewerbes, und heißt in\nsofern technische oder technologische Kri-\ntik. So wie jede wahre Kritik endlich sich\nvon der unächten durch Freiheit und\nGründlichkeit zugleich unterscheidet, so\nunterscheidet sich auch der Kritiker, Be-\nurteiler, Kunstrichter von dem Kritikaster,\nKrittler oder Afterkritiker, d. h. nicht dem-\njenigen, welcher das zu Beurtheilende\nstreng beurtheilt, sondern demjenigen,\nwelcher entweder Alles beurtheilt, oder\ndessen Urtheil ohne objectiven Grund und\nNotwendigkeit, mithin nur eine Meinung,\ni ■ , ' ' ..\n— sey sie auch noch so zuversichtlich aus-\ngesprochen, — oder immer nur ein Tadel\nist, und zwar gewöhnlich aus Uebelwollen,\nNeid etc. erzeugt, oder auf willkührliche\nund conventioneile Gesetze, welche hier\nnichts entscheiden, oder endlich nur\nauf Kleinigkeiten und anscheinende Fehler\ngründet. ...\"\nConversations-Lexicon oder encyclopädi-\nsches Handwörterbuch für gebildete Stände.\nFünfter Band. J. bis L. Leipzig und Alten-\nburg. F. A. Brockhaus 1815.\nIV.\nKritikaster, Krittler oder Afterkritiker.\n\nKurt Liebmann\n\nTraum\nRudolf Blümner\nVon welchen Katastrophen\nSind die Flüsse getroffen?\nSind sie vom Osten nach Westen geflossen?\nNein — sie haben sich erschossen.\n\nInhalt:\nWalter Krug: Aktive Handelsbilanz , 137\nOtto Nebel: Seestück, . . , . , ,140\nAnton Schnack: Das Fort , , , .143\nHerwarth Waiden: Der Hilfsregisseur 143\nHans Arp : weißt du schwärzt du , , 145\nHerwarth Waiden: Gespräche in\nBerlin bei Nacht , 146\nThomas Ring: Riesin Weltstärke . 14&\nOtto Nebel: Blühkreis 148\n*\nHerwarth Waiden: Steuerliches .148\nWalter G. Oschilewski: Gedichte 151\nKurt Liebmann: Eingestampft . .151\nRudolf Blümner: Traum .... 152\nPierre Flouquet: Linoleumschnitt 139\nPierre Flouquet: Linoleumschnitt 141\nHans Ar p : Holzschnitt 147\nH a n s A r p : Holzschnitt 149\nBranc u s i: Weisse Negerin\nBrancusi: Torso eines jungen Menschen\nBrancusi: Der Vogel\nVictor Bourgeois: Rue du Cubisme\nOktober 1925"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.23", "texte": "VERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Walden:\nEinblidt in Kunß\nDie beste Einfuhrung in den\nExpressionismus, Kubismus a. a.\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLadenpreis Halbleinen gebunden M 6,50\nF ON FTE AUFLAGE\n\nGeschichten aus Alt-Island\n<|fum bet\nÜbertragen und mit einer Einfuhrung\nherausgegebenvon Walter Baetke\n118 S. Mit einer Karte u. 6 Abb. | Karl RM. 2.50\npic\nÜbertragen und mit einer Einffihrung\nherausgegeben von Walter Baetke\n144 Seitcn mit einer Karte und 4 Abb* | Kart. RM. 2.50\n3>ie goptie be* Propfoitfl\nÜbertragung und mit einer Einfuhrung\nherausgegeben von Walter Baetke\n160 S. Mit 2 Karten u. 12 Abb | Kart. RM* 3.50\n§isU bet #eSifytete\nÜbertragen und mit einer Einfiihrung\nherausgegeben von Ludwig Meyn\n137 S. Mit 5 Karten und 6 Abb. | Kart. RM. 3—\nDie herbe, wuchtige, von wilder Kraft, Abenteuerlust und\nernster, schweigender Gr6fie erfflllte Art der tjerfihmten\nisiandischen Sagas (Volkssagen) tritt uns in dieser trefflichen\nÜbersetzung eindrucksvoll vor Augen. Jeder, der echt ger*\nmanische Art in ihrer Urkraft und UnverfSlschtheit kennen\nlernen will, greife zu dicsen B&nden.\n&anfeaHfd)? Derlagsanftalt / Hamburg\n\nKunstausstellong Per Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a'•\nOktober 1925 H November 1925\nJan Zrzavy I Pierre Floupet\nPlakate der I. V.1 Sturm-Gesamtschau\nJeden Mittwoch 73/4 Uhr: Sturm-Cabaret\n\n.V.\nDeutsche\nZeitung\ne ■.\nm§\nDie Zeitschrift der\nGegenwart\nüberall erhaltlich\nEinzelheft 25 .J? Abonnement3M\nvierteljahrlich frei Haus\nVerlag\nvon Poddebski & Co.\nBerlin SW 48\nVerl. Hedemann - Strasse 5\nTelefon: Kurfurst 70 40\nS\n\n. narzillier & So. Berlin IU\nGronewaldsfralie 14-15\nGegriindet 1854 Hofspediteure S. M. des KOnigs von Spanien GegrQndet 1854\nSped it ion und Mobeltransporte, Verpackung und bagerung\nvon 6emaiden und Kunstgegenstanden jeder Art\nLieferung und Empfang nach und von alien Kunst»\nausfte/lungen des In- und Buslandes. Transpopfuer~\nficherungen oiler Art*\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender KDnstier / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutseher Jllustratoren und Hausspediteure des ~Sturm\""}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192510-01.1.24", "texte": "V*«antu**..fr!S»k ms ,*• iiÄ. .. , .... lllllillll IiIUIHIIiUI I lIUIIHUI l.1'\nfor4ntw)rtis@h für d:e Schrifleitung: Lothar Sohreyer, Barlin W 9 I Vörlaa dar «Sturm fi m h w swis« u/a _\nZeitschrift Der Sturm jährlich Mark 12 / halbjährlich Mark 6 / vierteljährlich Mark 3 / Einzeiheft 1 Mark\n\nNeue\nkunstlerische Probleme\nNachexpressionismus m?»9«Shi!h£f.«aliBmuB'Er°bbe'eTe der neuesten EuropSischen Ma'erel. Von Dr. Franz lloh. Ca. 155 Saltan\nv«9ivmaiiiu« mit 87 Abbildungen auf Tafeln. In Halbleinen oa. M. 8.50. Die Kunst der aauan Saohllchkalt fast allar\ndflr flfllimfcLifr Zum i?rs^?n Ma!e abflebHdet, beschrieben, weittragend iedeutet. Die eineehneidende Umsteliung\nMnstieriseheji und getstigen Ansohauung, die Weltdeutung von heute und morgwit wird hier umrieeen\nNeue Maierei in Ungarn D?nfl»o^tR|KA'J.tL >(Baßndh2 dv S*\"»\"lung Die junge Kunst In Europe\". Harautgaber Prof.\nKa.lat einen kntischen Jberbhclc über die Stilentwickiung der ungarisohen lateral in den ietzten 25 Jahren\nDie neue Maierei in Holland Jr.titVi.'.' ?'.\"J If\" '\"\"\"\"» »°i« i«»i» *»»« *\nKunstb.strebu<ig.n «r MM. M 2LS& iHMXn* «*-, ■ »>«»»«■•\nI Berliner Lofcalanzeiger\nGandhara-Kutscha-Turfan R\".PSfBJr ■ff.rti'Bftl!\"1'1'\" !•\"!\",v™ E\"\"« •■\"■•b>ni\nuMf.mlna.rF.™ «n,„ Ob.ua* b fc«*■»\nUnH 7° ♦ i Ul! m •f'®f «SpStsnf->.e in Zentralasien\" bekannt wurde und von hervorragender Bedeutuno fiir die Runs*\nAMMm\"mn ¥eran<Chau,iohen d\" ,m T\"4 Saaagta, daa den\n: , « , • . • / t.\nDie bitligsten Geschenkbucher fiir den Kunstfreund\nImpress! on is inus und Expressionismus F?S»EiT.,:xlb.!?.?*SSSr.h\"h\",S?\nHa;b(AiKi»n n 9 inh » 11 • 7„- *«!riA-u is • , ® nBsu 6 rg ot, Mil 24 Abbildungen. 30. Tautend. In\ndes | Lhriften OfterPSeBjangate KuSwegTng8 1\"\" neUB AUBdrUCk 1 °ie nBue Ste,,un» 2ur Hat«r I Zar\nDer ism SB? wb &±* fc\nBerliner Lokal-Anzeiger\nExotische Kunst / Afrika and Ozeanien\nVon Eokart von Sydow. Mit 45 Abbildungen und einer Tafei.\ntreffende und dankbar za begrQa.ende EinVuhrnng QebUnd6n \"2~ E ne \"•«,lm Groaaen *.\nM Hannoverscner Kurler\n— ■■ - ' «■—■«!■■■ mmivaiesßmmmmmamammmmmunmma\\mmmmmmam\nKlinkhardt & BlGrmsnn j Vorlac) | Loipzig\n\nMelos\nZeitschrift fun JYlusik\nErscheint z. Z. im 4. Jahrgang\nMi fan be iter des laufenden Jahrgangs:\nF. Busoni / Egon Wellesz\nFritz J ode / Heinz Ties sen\nPh. Jarnadi / Prof. o. Horn hostel\nProf. H. Springer / Max S/euogt\nProf. Kurt Sachs / Ernst Kurth\nund uiele an dene\nSchrfft/eitung: Dp. Hans Mepsmann\nPneis des Einzelheites 1 Mank\nJahnesabonnemenf (12 Heite) 10 Mank\nPnobenummen gnafis uom Venlag\nMBL OS- VJEML A G G. M. B. H.\nBen/in-Pniedenau / Stubennauchsfnasse 40\n\n\\?erlag Der Sturm / Berlin W 9\nsoeben erschienen\nIM GESCHWEIG DER\nE\nJj\nEBff\nu\nGedichte\nHERWARTH WALDE\nllllllllillllllllUlllHlllltllllllltliiiitlUlllllllllllillllll\nllllllillllilililllllllllillllil\ni;v\n;V. \\ ■ • ~J%i; sef\n; • -..v\n\\\nIn Ganzleinen 3 Mark"}]}