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Es\nsind nur einige Minuten bis zu meinen Auf-\ntritt. Ich spiele den Octavio. Her mit dem\nPanzer. Halt — erst Maske. Maskä! Ich\nwerde heute ganz einfach meine große Brille\naufsetzen. Oben, Garderobier, in meinem\nWohnzimmer auf dem Schreibtisch links.\nAch, du lieber Gott, die hat ja gar keinen\nschwarzen Hornrand. Ich stehe noch in Unter-\nkleidern. Gott im Himmel, ich spiele ja gar\nnicht den Octavio. Den spielt ja der — der —\nder. Ich spiele ja den — den — den da. Das\nKerlchen, den kleinen Mann. Gott sei gedankt,\nGott. Da hab ich noch Zeit. Da passiert unten\nnoch vieles. Aber sie singt ja schon. Die\nhaben da unten ein Tempo. Was hab ich zu\nsagen? Das Buch geht ja nicht auf.\nHaben Sie kein größeres Buch? Was\nhab ich denn zu sagen? Was ist mein\nerster Satz? „Sie können ganz langsam\nsprechen, der Souffleur sagt Ihnen alles\nvor.\" Ich komme doch gleich. Machen\nSie hinten zu. Wie heißt der Satz? „Razzia\nfür den nämlichen Tonfall.\" Richtig, jetzt\nfällt es mir ein. Ich hatte gestern sogar einen\nErfolg, als ich hinaustrat und diese Worte\nsagte. Richtig: „Razzia für den nämlichen\nTonfall.\" Razzia! Razzia! Ich hab es ge-\nsprochen, wie man sagt: Gnade, oh Herr,\nGnade! Im flehenden Ton, wie ein Bettel-\nmönch. Oder wie man sagt: Gnade für meine\nMutter. Razzia für den nämlichen Tonfall!\nMit Zittern in der Stimme. Es hatte Eindruck\ngemacht. Ich weiß selbst nicht, warum. Ich\nverstehe den Satz gar nicht. Friseur, ich kann\ndoch nicht so hinausgehen. Ungeschminkt und\nmit dem Kneifer. So ist's recht. Machen Sie\nmir das Gesicht ganz dunkel. Gnade, oh Herr,\nGnade. Das ist ja ganz falsch. „Razzia für\nden nämlichen Tonfall\", das kann man doch\nnicht so sprechen wie: Gnade für meine Toch-\nter. Aber es hat gefallen. Niemand lächelte.\nKeiner spottete. Keiner war dagegen. Und\nalle hatten es hören müssen. Eine so kleine\nRolle und ein einziger Satz und ich bin oben-\ndrein der Jüngste. Aber auch der König blieb\nganz ernst. Und er stand sogar mit dem\nRücken gegen das Publikum. Ist das meine\nMütze? Die ist ja aus Katun, geblümtes\nMuster, lila. Ach so, die Perrücke ist gleich\ndran. Das ist gut, das geht schnell. Ruff,\nrufi, ruff. Das macht mich viel kleiner. Jetzt\nversteh ich: Razzia heißt — was heißt das?\nIch kann's ja sehen. Jetzt sehe ich es ja.-\n„Razzia für den nämlichen Tonfall.\" Hab\nich's schon gesagt? Ich erinnere mich\ngar nicht. Und jetzt steht in der Rolle: Oben\nrechts gegen die Sterne ab. Aha, aha, jetzt\nversteh ich alles. Aha, ich komme selbstver-\nständlich von den Sternen, deswegen „Razzia\nfür den nämlichen Tonfall!\" Ich komme von\nden Sternen, trete dann etwa vier Meter in\ndie Breite und sieben bis acht Meter hoch;\nauf. Alles schwarzes Glanzpapier mit eini-\ngen goldenen Sternen drauf. Und dann, wie\ngesagt, ganz oben rechts in der Ecke ab in die:\nSterne.\nDaß Schauspieler vom Theater träumen, ist\nnichts ungewöhnliches. Es ist um so häufiger,\nje weniger sie in der Wirklichkeit auftreten.\nSeitdem mich das Theater als unverdaulichen\nBissen ausgespuckt hat, träume ich oft von\nRollen, deren Text mir unbekannt ist, vom\nAnkleiden, das nicht zu Ende kommt und von\nTexten, die in Büchern nicht zu finden sind.\nSoweit ist der Traum leicht zu deuten. Daß\nich aber den Octavio spielen sollte, bereitet\nmeiner Auslegung größere Schwierigkeiten.\nIch habe niemals in meinem Leben eine Auf-\nführung des Wallenstein gesehen, habe nie in\neiner Vorstellung des Wallenstein, auch nicht\nals Statist, mitgewirkt. Der Traum geschah\nin der Nacht vom 6. zum 7. Oktober um 4.15\nfrüh. Am Tage vorher hatte ich den Besuch\neines jungen Schauspielers gehabt, der mir"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4698, "texte": "allerlei aus der Zeit seines Engagements am\nMeininger Theater erzählte. Auch ging mir\ngrade in diesen Tagen durch den Kopf, daß\nich in der schönen Lage wäre, in der nächsten\nZeit mein fünfundzwanzigjähriges Bühnen-\njubiläum zu feiern, da ich am 16. Oktober 1900\n' ; i » i.\nzum ersten Mal am Meininger Hoftheater auf-\ngetreten war (avis au lecteur). Damals wurde\ndas Meininger Hoftheater von dem längst ver-\nstorbenen Intendanzrat Paul Richard gelei-\ntet, der mein Onkel war und mit seinem wah-\nren Namen Paul Richard Blümner hieß. Er\nhatte seinerzeit zu den sogenannten Säulen\ndes Meininger reisenden Hoftheaters gehört\nund seinerseits den Octavio als eine seiner\nGlanzleistungen angesehen. So kam es, daß\ner mir vor fünfundzwanzig Jahren gleichzeitig\nmit der Perrücke des Julius Cäsar und des\nCajetan aus der Braut von Messina auch die\nPerrücke des Octavio mit den Worten dedi-\nzierte: „Und das, lieber Rudolf, ist die be-\nrühmte Octavio-Perrücke.\" Wenn mich die\nErinnerung nicht täuscht, habe ich sie nur ein\neinziges Mal getragen, als ein Bauer in Anzen-\ngrubers Komödie „Die Trutzige\", da ich die\nWorte zu sagen hatte: „Na, Zertinger, du\ntrinkst ja heut gar net.\" Später habe ich alle\nPerrücken für eine Mark das Stück verkauft.\nNun wird es Freud besser sagen können als\nich, ob ich mit dieser Ausdeutung meines\nTraumes auf dem richtigen Wege bin. Was\naber die kleine Rolle angeht, das Kerlchen,\nden kleinen Mann, der sich eine Katunmütze\naufsetzen soll, so scheint mir der Sinn dieser\nTräumerei wenig zweifelhaft. Denn da wird\nes sich wohl um die träumerische Erscheinung\nmeiner schauspielerischen Vergangenheit han-\ndeln. Aus der Zeit einer einigermaßen konden-\nsierten schauspielerischen Tätigkeit, die ich\nam Deutschen Theater hatte, erinnere ich\nmich, daß ich des öfteren Rollen nicht auffin-\nden konnte, die mir doch bestimmt übergeben\nworden waren. Hinterher fand ich sie regel-\nmäßig in der Billettasche eines Anzugs, den\nich einige Zeit nicht getragen hatte. Es war\nwirklich selten mehr als ein Satz, mit dem\nich mich der Kritik und der Ewigkeit einzuprä-\ngen hatte. Aber warum sollte dieses kleine\nKerlchen einen so sonderbaren Text sprechen:\nRazzia für den nämlichen Tonfall. Was den\nTonfall allein anbetrifft, so nimmt es mich\nfreilich nicht weiter Wunder, daß ich von ihm\nträume. Denn ich nehme seit zwanzig Jah-\nren das Recht für mich in Anspruch, dem Ton-\nfall der menschlichen Sprache durch zahl-\nreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen\neine größere Beachtung verschafft zu haben.\nIch nehme außerdem das Recht für mich in\nAnspruch, daß ich der erste Schauspieler ge-\nwesen bin, der den Tonfall als das dominie-\nrende Material der Schauspielkunst erkannt\nund bewußt benutzt hat. Ich weiß, daß auch\nandere Schauspieler ihre Sprache melodisie-\nren, da sie das irgendwie doch schon tun\nmüssen, ob sie wollen oder nicht. Meine Lehre\nsagt aber, daß ihr Tonfall von der Materie,\nvom Stück, vom Inhalt, vom Satz und Sinn\ngelenkt wird. Meinen Tonfall regiert nur der\nRhythmus. Ich habe in den letzten Wochen\nvielfache Versuche gemacht, einigen Schau-\nspielerinnen das schematische, ewig gleiche,\ndas immer nämliche (nämlich kommt näm-\nlich von dem Wort Name) ihres Tonfalls, der\nam Wort und am Sinn hängt, abzugewöhnen.\nEs war vergeblich gewesen. Zwei Welten\nstanden sich sozusagen vis-ä-vis. Ich hatte\nauch, um ein Geständnis abzulegen, in den\nletzten Wochen unliebsame Gelegenheiten,\nim Radio einige Herren und Damen ihren\newig gleichen (nämlichen) Tonfall verbreiten\nzu hören. „Meine Herrschaften\", rief ich,\n„Sie sprechen ja alle Zeilen gleich. Sie geben\nja allen Gedichten den nämlichen Tonfall. Es\nist eine öffentliche Plage!\" Sie hörten mich\nnicht und ich dachte, wenn man die Polizei\ngegen diesen Tonfall zu Hilfe rufen könnte.\nMan müßte eine Razzia auf diesen Tonfall\nveranstalten. Dieser Tonfall, der ein öffent-\nlicher Skandal ist, müßte endlich einmal poli-\nzeilich ausgehoben werden, wie eine Verbre-\ncherbande. Man muß eine Razzia auf ihn\nmachen. Ja, auf ihn, auf ihn. Auf den\nTonfall. Warum aber, Gott im Himmel, träume\nich „für den Tonfall?\" Ich weiß es nicht. Ich\nweiß es noch nicht. Es wird schon seinen\nGrund gehabt haben. Razzia — auf. Viel-\nleicht störte mich Musikalischen die Häufung\nder Vokale. Razzia — für — ah, das klingt\nphonetisch schon besser. Und nun zeigt sich,\ndaß mein Tonfall richtig war: flehend wie ein\nBettelmönch bat ich um Razzia, wie man sagt:\nGnade, oh Herr, Gnade für meine unschuldige\nTochter. Ich flehte um Razzia als um das ein-\nzige Heilmittel gegen den ewig nämlichen\nkonventionellen Tonfall, um das einzige Heil-\nmittel für, ja für den Tonfall. Ich be-\nschäme Freud. „Razzia für den nämlichen\nTonfall\". Der Tonfall kommt von den Ster-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 284, "texte": "nen, vom Wandel der Sterne, die ihm ihren\nRhythmus geborgt haben und er kehrt zu den\nSternen zurück, um sich dankbar dem Rhyth-\nmus der Planeten wiederzugeben. Ab oben\nrechts zu den Sternen. Ueber schwarzes\nGlanzpapier, das mit wenigen, wenigen Ster-\nnen bestreut ist.\n\nRudolf Blümner"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.3", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.5", "debut_caractere": 286, "fin_caractere_exclue": 1542, "texte": "Gedichte\nLothar Schreyer\n\nLeben\nDer Strom von Blut bäumt über den steilen\nFels\nDas Feuer bebt\nDie Täler füllen sich mit Brausen\nDie Menschen wallen in die Welt\nDas Jauchzen dröhnt\nDie Kinder werden geboren\nDie Mädchen verhüllen ihren Leib\nDie Knaben treiben die Pferde\nDie Blicke der Jungfrauen empfangen die\nBlicke der Jünglinge\nDer Mann hebt das Schwert und den Pflug\nDie Mutter singt über der Wiege\nMann und Weib graben die Erde\nDer Greis beugt sich tief und die Greisin beugt\nsich tief\nDie Erde begräbt den Körper des alten Mannes\nDie Blumen über der Erde blühen auf dem\nGrab der alten Frau\nDie Kinder geben sich die Hand und gehen\nDie einsame Mutter lächelt mild\nDie Woge rollt glitzernd an den Strand\nDu wirfst Dein Fühlen in die Welt\nUnd lebst\n\nAngst\nIn Mondnacht weint die Mutter ihren Schmerz\nDie Kinder lächeln einsam in dem Schlaf\nDie Männer wachen trüb und wachen über\nFrauenleichen eifervoll\nDas ist der Tag der Angst\nDie falsche Sonne schüttet das Geschmeide\nauf der Jungfrau Brust\nDie Steine fallen klirrend auf der Jungfrau\nBrust\nGelächter schneidet in das sanfte Wehen der\nGeburt\nUnd es zerreißt der Leib der Welt\nAus offnem Auge starrt erloschner Stern\nDie welken Kränze zerwehen\nDie trauernden Summen singen das ver-\ngessene Lied zu spät"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Wer Augen hat,\nder sehe!\nIch höre den Chor der Stillen, derer, die miß-\nvergnügt im Lande ringsum sitzen, Tiefsinns-\nverschroben sich abgekehrt haben von Aller-\nwelts-Gedanken und Allerwelts-Parteien. Er-\ngeben den Afterweisen und Charlatanen, die\nihre altertümlich seßhaften Denkgewohnheiten\nschonen und sie gar rühmlich überhöhen\ndurch ihre Ichologie und Superstition der\nAfterpsychologie. Ich sehe die Werke der\nWeisheitsphilosophie und des Tatdenkens:\nwurmverwandelt ließen sie das Wort hinter\nsich und endlose Filmrollen seichten Ge-\nschwätzes streifen in die Luft. Ich sehe die\nerhabenen Köpfe innerhalb ihrer vier Pfähle,\nda Tatdenken, Weisheitsdenken, Führungs-\ndenken den Tabaksdunst wölken, und behag-\nlich Schlummerrollen und Sofa die Wanken-\nden stützen. Ich sehe Mittelbürger, Pfahl-\nbürger, wahlergeben den Impotenten, demütig\nbereit, ihr Scherflein auf die Altäre der\nmenschlich allzumenschlichen Notdurft jener\nTatdenkenden, Weisheitsdenkenden, Füh-\nrungsdenkenden zu entrichten, um an dem\nGlück der Selbstbewunderung und Selbst-\nüberhöhung teilzunehmen.\nTatdenken verkündet sich selbst die philoso-\nphische Unsterblichkeit. Eine Produktion in\nDeutschland von jährlich 3—4000 urorigina-\nlen philosophischen Büchern, welche Deutsch-\nland erweist als Land der Weisheit, hat im\nTatdenker ihren Gipfel gefunden.\nDie Abderiten hätten den Tatdenker zu ihrem\nGott erwählt. Aus den Tiefen der tastenden\nStille von 3000 philosophischen deutschen\nWerken hat sich der Münchhausen der deut-\nschen Philosophie*) in die Könnensschwebe\nemporgerückt, da er nun Tatdenkend, Weis-\nheitsdenkend, Führungsdenkend: Spannun-\n*) Tatdenker Willy Schlüter"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2613, "texte": "gen, Gegensatz-Härten, Klassenkampf und\nalle andere Misere im Raum, da sich die\nirdischen Gegenstände im Wege sind, schwin-\ngend überwindet. Setzen wir uns die Nacht-\nmütze aufs Ohr, zünden wir uns die Pfeife\nan, rollen wir uns auf das fabelhafte Sofa\ndes Tatdenkens, senken wir das Haupt in die\nblauen Rauchwolken und lauschen germa-\nnisch-biologischem Säuseln:\n„Wem das führende Leben das Raum- und\nZeitschaffende ist, das im Orte und im Zeit-\nmoment Signale für die Steuerungsaufgaben\nder lebenden Führungseinheit des Ichs wür-\ndigt, der wird auch mit den Meldungen des\nGefühls und der Sinne und der Bewertung\ndes Leibes für das Auffangen ihrer Kunde Hin-\nweise auf die Eigenlage und das Eigenkönnen\nentfalten, die das Sondergliedwesen der Per-\nsönlichkeit so fundieren, daß eine abstrakte\nAblehnung des gewiß klärungsbedürftigen Be-\ngriffs „Einzelwesen\" sich sachlich sehr er-\nschwert . . . Man vermißt den Uebergang zu\neiner geschmeidigeren Metasystemie, die\nSystematisierbares und Unsystematisierbares\nauf das Rätsel der überintellektuellen Lebens-\ntotalität koordiniert und sich mit stetig fort-\nschreitender Aufhellung der Seele begnügt,\nstatt mit alles vorweg erliegenden Definitio-\nnen einer Scheingeschlossenheit zu konstruie-\nren, die ja doch den Weg alles Vergänglichen\ngeht.\"\nDieser Tatdenker — ach, wie sehr ist er in\n<las Leben verliebt! Fehlt aber nicht eines\nall diesen Führungsdenkenden, die Führung\nimaginieren kraft des biologischen Schemas:\ndie Selbst-Kontrolle, Konfrontation des Gei-\nstes gegenüber dem Leben? Wer von ihnen\nkann vor dem Richterstuhle bestehen, wel-\ncher dieser biologischen Pfaffen und Druiden?\nWenn das Leben darin besteht, die Wolken-\nschwebe zu erreichen, dann, alter Hegel,\nhaben wir umsonst Sofa und Pfeife abge-\nschafft. 0, perennierender Staub auf deinem\nWege, Jahrtausend der Maschinen vor uns:\nnicht den Pfaffendienst, nicht die Hätschelung\nder Windelweichen, die von hinten den\nMaschinenmenschen küssen, und ihm auf die\nStirn, die eisenharte, den Breiumschlag weis-\nheitsdenkender Eklektik verabfolgen — euch\nallen schlage hoch das Gelächter!\n„Heut ist uns Opfermut in-Gott-schwebe, das\nLosgekommensein von jedem Haften an Zu-\nfallsnot, das Freigewordensein für stetes Neu-\nbeginnen, Neuvollenden. Wir erkennen, daß\nalles Denken, Lieben, Führen zunächst sich\nfallen lassen muß in Gott, ihm ganz sich\nopfern. Opferbereitschaft, Eingestelltheit auf\nGemeinschafsdienst mit jedem Hauch . .\nO, lernbegieriger Famulus der großen\nSchwätzer und Pfaffen, erwäge, wie dieser\n„Gott in Schwebe\" gleicht dem quieszierenden\nGebilde im Wolkendunste göttlicher Havanna!\n\nErlauch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "162", "image_debut": 6, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.5", "titre_corps": "Dichtungen", "titre_sommaire": "Dichtungen", "signature_source": "Anton Schnack", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.6", "debut_caractere": 2615, "fin_caractere_exclue": 3914, "texte": "Dichtungen\nAnton Schnack\n\nFlieger\nLange war leer das Gewölbe des Himmels,\ngerötet, betönt, beworfen mit Rauch\nmanchmal. Dann er aus Wolkigem stieß,\nPlötzlich und unnahbar. — Ein zweiter im An-\nzug, doch dunkel fast,\nHoch und unendlich entfernt. Wolken am\nRande, schwärzlich berahmt; Mondsichel,\nmilchig, verblaßt;\nDazu ein Raum, blau; dazu ein Gewitter im\nGrund, dazu ein Turm, der stand in die\nLuft wie ein erzener Spieß . . .\nWie einer sah scharf spähend empor, hob sich\nein Dritter aus Rauch, schnurrend, hob\nsich ein andrer aus grünlichem Dunst,\nWanderte über den Wald, näher, ganz nah,\nirgendwo rollte ein Schuß, hart und ge-\nmein, Vögel flogen verstört über ein\nuraltes Schloß.\nDa sie so rauschten, ballten sich Wölkchen\nins Hohe, wurden zur Schar, blühten die\ndie Decke entlang mit hinzuckendem\nLichtwurf, bebend und kurz, sprengte zur\nFront hin ein Troß;\nIrgendwo rollte Gewitter, immer dunkel,\nurhaft, brach in die Dämmerung Schrek-\nken und purpurne Brunst. —\nEiner zog ab verschluckt von Gewölk, kam\nniemals mehr wieder, einer trieb schwan-\nkend zu Sternen, die nördlich aufwuch-\nsen, schwer überkam in das Dunkel, ein\nRauch\nFuhr bläulich ihm nach, säulend und lang;\nnur der zuletzt aus dem Oestlichen stach\nRauschte nach vorn . . . Vorne da lag eine\nStadt mit Lagern voll Stroh, Gezeiten,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3425, "texte": "goldenen Läden, glühte von Lichtern ein\nSieb,\nStanden Truppen im Glied, tranken Pferde\naus Bronnen, dämmerten Bollwerke, hüg-\nlich aus Gras und rauschendem Strauch,\nAber einer fiel abwärts, müd gegen Abend,\nmitten in Wildnis, mitten in Unkraut, leb-\nlos, getötet, als in der Stadt, in den brök-\nkelnden Häusern schauriges Feuer aus-\nbrach.\nDer Rückzug\nDer dunkelste Strom, das Drehen vieler Räder\nin -hohe Nacht hinein, lichtlos, gefüllt mit\nLärm. Da sprachen Stimmen, Ruf ver-\nwuchs mit Ruf. —\nDurch Schmutz und Schmiere, kniehoch, leh-\nmig, durch Wasser, Löcher, durch zer-\nstampfte Felder. Rückwärts der Him-\nmel rötlich, bläulich, grün.\nAuch ganz in Weiß, auch ganz in Schwarz mit\ngelben Schnüren. Rückwärts die Ränder\nvoller Brand, voll vielem Feuerblüh'n,\nVoll Rauch und Wolken, voll Ungewittern,\nniederbrechend, polternd über Länder-\nstriche .. . Doch vorne klappte tausend-\nfacher Huf,\nSchrie einer gellend, scharf, fiel einer unter\nRäder, knarrend, mit knirschendem Ge-\nbein, im klirrenden Geschirr brach endend\nhin ein Gaul,\nMit Schaum am Mund, Blutflocken. — Dann\nDörfer, tot, voll Trümmer; Gestein; ver-\nmooste Gärten. Man fiel in Schlaf und\nRast,\nDoch and're lagen knallend gegen den, der\nvorbrach aus Gehölzen, Gräben; und\nandre waren westlicher auf Sturm und\ndumpfe Schüsse stundenlang gefaßt,\nAuf Reiter, auf Battrien, auf geschloss'ne\nBataillone. Aus hundert Dörfern schlug\nder Brand noch stinkig, greulich, faul.\nUnd wie sie trabten nördlich schon, mit\nWagen, überladen, schon stundenweit\nentfernt, schon ganz verklungen, klein,\nWar noch der Groll, der dunkle, dumpfe,\ntolle; war noch der Himmel ganz\nbespritzt, hellrot, wie zarter Wein,\nDoch war's ein Feuerschwaden, der aus so\ndreißig Dörfern kam, aus Holz, aus Teer,\naus Ställen, Dielen, aus flachen Dächern,\nprächtig knisternd, schwarz aus Stein,\nAus Meierhöfen, aus Gevierten, Winkeln; da\ndas Gewölk der Nacht, dort Säulen\nFeuers, Unruhe, Sprengung, ganz gewal-\ntige Zerstörung und Schnur der Fuhren\nVoll Drähten, Decken, Heu, voll alten Dingen,\nMist und Tand. Versinkende im Schlamm,\nZertretene, Zerstampfte, Hingebroch'ne,\noh Abend, hoch erbrausender, oh unbe-\nkannter Städte dunkle unerhörte Uhren,\nOh silbernes Konzert im Park, oh Glanz der\nfröhlich Schmausenden: unnahbar, weit\nentfernt, entrückt dem Wirrsal, Tod, dem\nMord, der Uebermüdung und den Feuer-\nspuren . . .\nSexus\nOh Knie, oh Gnade: wer lag schreiend so vor\nDir wie ich, gesteilt, gereckt, entblößt,\nIn voller Nacht, in Gärten, mailich; der junge\nMond im Ast;\nDich, weißes Fleisch, Dich Süßigkeit, beaderte,\nmit Armen warm umfaßt;\nHaar rann hinab, im Nacken, Achseln, wirre\nWildnis, fließend aufgelöst! —\nSo Aufgewölbtes (fabelhaft); oh, ich schrie\nWorte aus von dem, von allem, von dem\nPurpurprunk,\nVon knisternder Verseidigung, von Land, dem\nleiblichen, von Brunnen, Fluß,\nVon Sternen weiß zu Häupten, von Ueber-\nflutungen, von eingebiss'nem Kuß,\nDem Schein der Schenkel, ros'nem Knöchel,\nvon menschgeword'nem Wasser, Schale,\nScham und Trunk.\nEwiges Elfenbein, gemeißelt; oh, die Brust,\ngefüllt, verprallend, rötlich, rund, gemacht\nUm zu durchstrahlen Samtverschnürung,\nGras der Gärten, sommerliche Nacht;\nUnd, oh der Leib, oh wie? wer spräch es aus\ndies Wunderding, verblaßt,\nMit Streifen, Sternen, oh gewunden, oh, so\nwär ich schamlos fast\nDies hinzumalen: schneelich, schimmernd;\ndies, wo lag die Hand\nAufzuckend, fiebervoll; dies, wo ich schwül\nverendete und dunkelrot verschwand."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c008", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "161", "page_fin": "161", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.5.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Karl Heinz Kroll", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 54, "texte": "Karl Heinz Kroll: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c009", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "162", "page_fin": "163", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.6", "titre_corps": "Traumbild", "titre_sommaire": "Traumbild", "signature_source": "Rudolf Blümner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.8", "debut_caractere": 3427, "fin_caractere_exclue": 3529, "texte": "Traumbild\nRudolf Blümner\n\nWährend der Inflation haben sich viele Men-\nschen eine Schnelleber zugelegt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c010", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "163", "page_fin": "163", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.6.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt", "signature_source": "Karl Heinz Kroll", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 54, "texte": "Karl Heinz Kroll: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c011", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "164", "page_fin": "166", "image_debut": 10, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.7", "titre_corps": "Der Goethemensch", "titre_sommaire": "Der Goethemensch", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4581, "texte": "Der Goethemensch\n\nAuf diesen Klamotten, die die Welt bedeuten\n— verzeihen Herr Geheimrat — auf dieser\nwunderschönen grünen Erde genannt Deutsch-\nland herrscht totale Finsternis. Trotzdem\nuniverselle Menschen stets den Antrag ge-\nstellt haben, eine bessere Beleuchtung anzu-\nschaffen. Aber manche Braut ist ewig und\nfinster. Immerhin lernt sie zu, wie jede, der\nder längste schöne Wahnfried mal zerreißt.\nEntzwei sagte Herr Schiller, zwei Seelen ach\nhauchte Herr Goethe. Der Deutsche, der Hin-\ndenburg, Gerhart Hauptmann und das Pulver\nerfunden hat, brachte auch das faustische\nMenschenuniversum seiner genialen Selbst-\nbezichtigung auf die Erde. Und die Braut,\ndas heißt die Anwartschaft auf Zeugung, die\nin dem sogenannten Volkskörper lebt, weiß\nheute noch in jedem neu erscheinenden Buch\nein Zitat oder einen Vorspruch einzuflicken,\nsolange die Aussteuer der 32 Bände Weimarer\nVorverfassung reicht. So wartet also die\ndeutsche Volksseele als Iphigenie gekleidet\nnoch immer auf die Klärung des zweiten Teils\nzum Faust, denn der hat Tiefe. Hat Herr\nSpengler schon aus dem ersten Teil des\nfaustischen Menschen eine ganze Kultur ge-\nmacht, die untergehen soll im Abendland,\nwelcher Morgen könnte da erst aus den Tiefen\ndes zweiten Teils aufschimmern, wenn man\ndie noch dunklen Glanzlichter fassen könnte.\nNietzsche stellte umgekehrt den gefaßten\nSchimmer des Schnittmusterbogens der Welt-\nordnung als apollinisch voran und gab den\nzweiten Teil des unvermeidlichen Dualismus\nzur ungehindert dionysischen Benutzung frei.\nAntithese oder Widerspruch nannte Herr He-\ngel etwas früher den zweiten Passus eines\nlogischen Vorgangs, dessen erster Teil These\noder aufgestellte Behauptung ist, und er\nprophezeite eine stets darauf folgende Syn-\nthese. Das mag in Absoluten richtig sein,\ndoch nicht zwischen Maas und Memel, Be-\nsatzungszonen eingerechnet. Der Deutsche,\nder einer überall gelesenen Bekanntmachung\nzufolge nicht nur Dichter, sondern auch Den-\nker ist, drückte sich an diesem logischen Drei-\nbein Hegels vorbei und griff mit Schopenhauer\nals standhaftes Zweibein freudig, das heißt\npessimistisch, in die Welt als Wille und Vor-\nstellung. Hier ausgleichshalber mit Vorliebe in\nden zweiten Teil, die Vorstellung, deren ele-\ngante Blässe im Musterbild „Helena\" ja be-\nreits den zweiten Fausthandschuh so an-\nziehend machte, auch wenn er keinem Leben-\nden paßte. Schließlich stellten sich so viel\nRequisiten dramatischer Selbstbezichtigung\nvor den Willen, daß jede Krümmung und jede\nAsphaltluke des Lebenswegs mit guten Vor-\nsatzpapieren klassischer Dichter zur Hölle\ngepflastert ist. „Where there is a will, there\nis a way\" sagt der Engländer. „Ueb immer\nTreu und Redlichkeit\" singt der Deutsche zu\nMozarts Melodie: ein Mädchen oder Weib-\nchen wünscht Papageno sich. Ja, Papa Genus\nbleibt sich treu und redlich singt er sich was\nandres vor als was er meint. Man soll die\nVorstellung nicht vor dem Willen loben und\nmancher ist dadurch zu Ende ehe er seinen\nWillen gezeigt hat. Dann schlägt man auf den\nTisch wie Bismarck oder läßt seine Hand ver-\ndorren wie Scheidemann und unterschreibt\neinen Vertrag. Versaille heißt die Kanaille.\nMan kann auch eine Verfassung ändern wenn\nman glaubt, sich in den schriftlichen Begleit-\nerscheinungen zu den Revolutionen des Welt-\ngeists vergriffen zu haben. Aber schwieriger\nist es, sich eine reale Fassung ohne ideologi-\nsche Reklamefläche zu geben.\nDer Werdegang eines gut von Gemüt durch-\nwachsenen Deutschen muß einmal in seiner\nganzen Bildungshaftigkeit begriffen werden.\nZwischen Abendschoppen und Morgenzeitung\ngezeugt reiht sich dieser Typ nach einigen\nJahren blecherner Spielzeugzerstörung in die\nOrdnung der Schulbänke ein. Hier läutet ihm\nnach Fibel, Kopfrechnen, Religion sehr bald\ndie Glocke zum ersten Aufstrich schillernder\nBildung. Bei Goethe beginnt die Glocke zu\nwandeln und ihr moralischer Wackeltopp\npflichtet dem Lehrer bei, daß auch Sonntags\ndie Frühstückspause nicht zu lang genommen\nwerden darf. Dann steigen die Griechen aus\nder Versenkung der Spickzettel, die die rich-\ntige Norm für deutsches Versmaß erfunden\nhaben und deren Kothurn noch heute jeder\nhirngymnastischen Besohlanstalt vorklappert.\nAls kümmerliche Vorläufer Preußens werden\nnatürlich Sparta und Rom erwähnt. Der\nübrige Teil ist Stapelung von Wissenskapital\nals Konzession an reale Bedürfnisse, verdient\ndaher nicht mit zinsfreien Idealen in eine\nReihe gestellt zu werden. Man soll nicht\nsagen, daß der Heimatsinn des Weltbürgers zu\nkurz kommt. Stets bleibt Teils Apfelschuß\nder Stolz aller Schützengilden, die Jung-\nfrau von Orleans wird immer noch vom Leben"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4646, "texte": "unberührt umschwärmt, Maria Stuart ist und\nbleibt das Zwiebelmuster des Tränenreizes.\nSolche ganz großen Gestalten, vom Schiller\ngeliefert, machen die zwischen den Jahres-\nzahlen der Schlachten am Qranikus und bei\nSedan geschehende Geschichte körperhaft und\nbürgerweltlich. Die Schicksalshand der ober-\ngelehrten Vorstellungen greift bei der Einjäh-\nrigenprüfung der Eintagsfliegen Toga und\nBaerenfell mit einem Griff zusammen und der\nHausmacherschnitt des modernen Mitteleuro-\npäers flitzt von der Stange.\nIst dieser Bildungsgang zu Ende, so pfeift der\nnun erwachsene Halbwuchs nicht mehr auf die\ngereimten Weisheiten der Alten, die ungereimt\nund täglich neu die Spatzen von den Dächern\npfeifen, sondern er steht in klassischer Pose\nals Herkules am Scheidewege, die Flötentöne\nsind vergangen und die Wattemuskeln geblie-\nben. Das Gedächtnis schlürft fortan im Zita-\nterich des angelernten Krebsgangs, leise zieht\ndurch das Gemüt ein blecherner Papphelm von\nSchiller, ein Frankfurter Daktylus rennt\njiddisch über die Straße, wo auch der Omni-\nbus des Lebens hält.\nVom Deutschen wurde als höchstes Glück der\nErdenkinder die „Persönlichkeit\" auf einen\nGemeinplatz ohne Verkehrsordnung herab-\ngezogen und als vorzügliches Mittel gegen\nunser maschinelles Zeitalter empfohlen. Wenn\nman sich einer Logik nicht entziehen kann und\ndeshalb reden muß, schildert man frei nach\nund durch Hegel zunächst die Antithese oder\ndas Gegenteil. Also bitte geehrter Herr Anti,\nwo ist keine Maschinerie? Die Gemütsver-\nsorgung durch Gartenlaube, die Interessen-\nspeisung durch Radio, der Bildungsdung des\nmitteleuropäischen Hausgewächses durch\nMarlitt und May, Zeitung und Parlament,\nSipo und Briefträger, Straßenreinigung und\nKonfirmandenunterricht sind als Mechanisie-\nrung des Körper- und Seelenzuschnitts bald\nerkannt. Zu schweigen von der Zifferordnung\nder Verkehrsbahnen, der täglichen Wieder-\nholung des Wegs vom Frühstücksaufschnitt\ndes Lokal-Anzeigers oder der Roten Fahne\nzum WC., dem Step des Normalpulses oder\ndem rhythmisch-metrischen Zwang der in Zeit\numgesetzten Schrittlänge des 1,70 m Normal-\nmenschen, gegen dessen Eintönigkeit die Frei-\nheit persönlicher Intensitätswahl mehr oder\nminder fruchtbar opponiert. So bleibt schließ-\nlich als einziger unmaschineller Vorgang die\nWut eines biologischen Etwas auf die Lange-\nweile maschineller Wiederholungen, sie tritt\nals schöpferische Vehemenz auf, die alle bis-\nher bekannten Stabilisierungen aus dem Ge-\nleise wirft und rhythmische Aenderung an ein\nneues Metrum bindet. Es ist der Natur längst\nbekannt, daß sie durch solche Synthesen zur\nProduktion kommt. Die These „Wille\" wir-\nbelt ein bißchen Staub auf, die Antithese „Vor-\nstellung\" macht in der Spiegelgalerie der Re-\nflektionen ein Bild davon, dessen umgekehrte\nOptik „Bewußtsein\" heißt und inmitten dieses\nZaubers erhebt sich synthetisch das Produkt\n„Persönlichkeit\", das ebenso weiter will als\nnicht anders kann. Das verbliebene allgemeine\nund geheime Wahlrecht zur Richtung im\nweiteren Fortleben liefert Stoff für philosophi-\nsche Lebensverwertung, deren Erzeugnisse als\nIdeen oder, in praktischen Verkehr umgesetzt,\nals Dogmen bekannt sind. Das Leben ist da-\nmit reflektiv eingesperrt und kann nur Maschi-\nnen treiben. Man muß sich aber zu deren\nWert bekennen und begreifen, daß es die\nMechanisierungen sind und nur sein konnten,\ndie den Willen anregen.\nDie Selbstherrlichkeit jedes Dogmas ist ein\nabstraktes Auto mit Einsteigezwang für\nEchauffeure oder Führer. Das Trittbrett im\nKopf nagelt die Welt nicht zu, sondern erhebt\nden Schritt zum Ideal. Welch besonntes\nOmnibusdach ist „Nächstenliebe\", wenn man\nunbequeme Glatzen bespucken darf. Wäh-\nrend der Fahrt nicht aufstehen. Wie gewun-\nden geht die Treppe zur „Freiheit\", wo oben\nLuft greifbar in die Locken fährt und der\nFahrpreis sowieso feststeht. Bitte die Draht-\nleitung nicht berühren. Innerliche Menschen\nfahren geschlossen, wo es nicht zieht. Also\nmang das Publikum. „Schönheit\" ist ein\nPlüschpolster, in das sich jede geliebte Run-\ndung muffen läßt. Vorsicht beim Absprin-\ngen! „Tiefe\", ein ähnlicher Ledersitz wie\n„Entwicklung\", doch mit gelähmter Sprung-\nfederbereitschaft. Man spürt die Erschütte-\nrungen stärker und der hölzerne Unterbau\nunsres Antigehirns vermittelt feste Grund-\nsätze. Modernerem Schwebebedürfnis sei das\nFlugzeug „Nirwana\" empfohlen, das über dir.\nUnebenheiten aller Pflasterköpfe hinweghebt.\nFallschirme werden von der Gesellschaft ge-\nliefert. Die neuere Ballastabwerfung heißt\n„Nihil\", von Rilke auch „Gott\" genannt, und\nwer dabei auf seinem Standpunkt bleibt, fährt\nim „Relativismus\". Da bleibt kein Einstein\nauf dem andern, sondern alles ist Bewegung."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2988, "texte": "Jeder Autotyp, jedes Ideeselbst ist praktischen\nBedürfnissen angepaßt in mehreren Linien der\nRichtungsabsicht seiner Benutzung zugäng-\nlich, und die allgemeine Währung setzt die\nVerpflichtung des Einzelnen fest. Keine von\nder Bewußtseinskontrolle geknipste Forde-\nrung gilt zweimal, wenn man nicht mogelt.\nNoch jeder Zauberlehrling wurde aber vom\nBesen beherrscht und ersehnt die Rückkehr\ndes Meisters, daß er dem Pinsel eins aus-\nwische. Daher die vielen Meister der Gegen-\nwart vom indischen Bindedraht Tagore bis\nzum deutschen Starkbier Häußer. In dieser\nYorfrühlingsverfassung der Ideen knebelt der\nScheuertrog der Realwelt nach seinem Er-\nmessen Wasser auf die Stufen „nur für Herr-\nschaften\". Wen das Leben nicht packt, daß\ner den eignen Bannspruch findet, der jagt als\nPapagei fremden Geplappers im Haus umher.\nDie Maschine mechanisiert den zugelaufnen\nFinder, der den Erfinderlohn des Suchens\ndurch angelernte Sprüche verscherzt.\nIn dem seit Bestehen der Menschheit kreisen-\nden Verkehr hat plötzlich ein Mitfahrer\nnamens Urgoetz das Phänomen entdeckt,\ndas zwischen Maschinenzwang verschiedner\nFormen wählen darf und die Freiheit hat,\nZwangsmaschinen nach eignem Belieben zu\nbauen. Er wurde deshalb der Götze der\nDeutschen, die gern eine alte Katze im neuen\nSack kaufen. Die Nichtmaschine oder Per-\nsönlichkeit wurde bereits in Griechenland zur\nbesseren Durchführung des Krieges zwischen\nAthen und Sparta oder zur Gründung des\nEuropäertums erfunden, von Petrarka, einem\nChauffeur der Omnibuslinie „Sexualidee\" neu\nangekurbelt und nach ihrer Einführung im\nNorden von dem Kulturadvokaten Winkel-\nmann etwas eintönig lackiert. So fand der\nUrgötz Deutschlands ein fertiges System vor,\ndas, in neugotischer Farbenpracht und mit sei-\nnem Namen versehen, aus den Expressions-\nExplosionen des Seelenbenzins der gemäßig-\nten Zone einen Fahrtrekord aufstellen mußte,\nder sich im Herzen Europas festbiß. Frei-\nfahrten der Väter werden manchmal erst im\nvierten oder fünften Glied bezahlt. So muß\nzur Kostendeckung des inneren Aufwands an\ngebildeter Plüschausstattung das deutsche\nHerz bei jeder ähnlichen Ausfahrt noch des\nRekordmanns gedenken und in stiller Kurbe-\nlung rasch eine Wegkurve des unvergeß-\nlichen Lebenswegs berühren. Ehret eure Mei-\nster und wenn sie Wilhelm heißen. Die Garage\nWeimar wird zum Museum umgebaut und im\nNachschlagebuch jedes Gehirnspinds sind\nAuerbachs Kellerasseln, Götzens Einladung\nan die Umwelt, Gretchens Schönheitsmittel,\nder ewig weibliche Lift, Hermanns ungekoste-\ntes Familienglück, Faust's Seelenzwielicht,\nTassos versalzene Lorbeersuppe, Egmonts\ngedämpfter Trommelgang und andre Aus-\nblicke gotischer Innenschaufenster in unver-\nwüstlichen Klischees eingebrannt.\nNur diese Nation konnte den Buchdruck er-\nfinden, um Autoritäten aus Papiersärgen zu\nzitieren und die Bleichsucht eigner Lebens-\ntänze durch Erhitzung um gekalkte Vorbilder\nin Kontrast zu heben. Der Goethemensch ist\ngegen Nachahmung durch andre Nationen\ngesetzlich geschützt.\n\nThomas Ring"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c012", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "166", "page_fin": "166", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.8", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Alexander Mette", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.12", "debut_caractere": 2990, "fin_caractere_exclue": 3660, "texte": "Gedichte\nAlexander Mette\n\nPorträt H. 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Das aufgeweckte\nVolksbewußtsein jedes Einzelnen braucht\nlange Zeit, um völlig aufzuwachen. Das ist\naber schade, unpraktisch und gar nicht tapfer.\n*\nDer Kommissar für Wohlfahrt und Belusti-\ngung weist hierdurch auf einen Apparat hin,\nder infolge seiner leichten Handhabung allen\nMenschen gewissermaßen ans Herz gelegt\nwerden muß. Aus der Gebrauchsanweisung\ngeht hervor, daß das Instrument sogar an den\nMund gelegt werden soll.\nEs dient der Sauberkeit sowie der begabten\nHandhabung in treuer Einheit wohlgemut.\nDenn es besteht aus einem gemeinen Stuben-\nbesen oder Zimmerschrubber, dessen Hohlstiel\nsinnvoll zu einer Flöte ausgeartet ist. Die Be-\nhörde hofft, daß so der Barrikadenkampf hin-\ntertrieben werden kann, indem der Kommu-\nnismus zwischen Handwerk und Mundwerk\nvon allen Radiofreunden im trauten Heim voll-\nzogen werden wird. Der optimistische Dezer-\nnent schreibt unter Ziffer sechs: „Fege jeder\nedle Mitmensch und Genosse sich eins im\nStillen und blase er sich durch das ventilierte\nVerpusterohr den feinen Glasstaub politischer\nErregung von der Leber alle Nasen lang.\nWenn das geschieht am dürren Besenholz,\nSie sollen doch sehen, unsere Hausfrauen be-\nkommen wieder Lust zum Fegen. Ein wahres\nFegefeuer wird in ihnen erlohen. Die\nbrennendsten Lohnfragen werden darin ver-\nstummen. Und alles geht friedlich mit Musik\nvonstatten. Auch die Teppiche und die Ganz-\nMatten werden mit Etüden bekehrt. Es geht\nendlich voran. Jeder Laie wird in kurzer Zeit\nein fertiger Dilettant. Er folgt einfach dem\nvoranspringenden Nasenbein, dringt säubernd\nin die kleinsten Winkelchen seiner Gewohn-\nheit, zwitschert sich ab und zu eins auf seiner\nFegschalmei, und bessert seine seelische Po-\nsamenterie zusehends. Ganze Konzerte und\nOperetten, von Musik-Konzernen ganz zu\nschweigen, werden sich hören und sehen\nlassen. Kurz, diese Apparate werden die\nPhysiologie der westeuropäischen Unkultur\nberücken und barock bereichern.\nDer Herr Dezernent hat bürgerliche Qualitä-\nten, muß man zugeben. Doktor Bierfreund\nheißt er infolgedessen, sozusagen „auch\nEiner\".\nNach dem Gebrauch wird der Fagottschrubber\ngeschüttelt und über Nacht, mit den Borsten\ngen Himmel, kaltgestellt. Denn das Mund-\nwasser gefriert leicht, wenn es nicht gut ab-\nläuft. Sollten dennoch Gefriererscheinungen\nzu bemerken sein, haut man morgens kräftig\nden Apparat kurzerhand um die Litfaßsäule,\ndamit die betroffenen Eiszapfen warm werden.\nDer Flötenstiel wird dann sehr bald auf den\nGedanken platzen, eisern zu erstarken. Er hält\nauch länger, wenn man ihn kurz hält.\nDem Erfinder, einem gewissen Kasematt, sei\nes anbei gestattet, seine unterschiedlichen Er-\nfahrungen mit den ersten Flötbesen bekannt-\nzugeben. Genosse Kasematt hatte fünf Ver-\nsuchsfeger im Keller angestellt, um nicht zu\nsagen, „an die Wand gestellt\". Zwei davon\nalterten und ergrauten rasch und gingen, so\nspukhaft es klingen mag, offenbar aus einem\nnaheliegenden Rohr-Atavismus, geradenwegs\nin die Binse n. Die drei übrigen blieben\nstandhaft. Kasematt grübelte tief und tiefer,\nwarum sich wohl nur jene zwei aus dem\nKellerstaube gemacht haben mochten. Hatten\ndenn die anderen etwa andere soziale Bedin-\ngungen gehabt. Hatten sie, die Zurückgeblie-\nbenen etwa innere Anlässe, gewissermaßen\nUnbeweggründe in ihren Holzköpfen gehabt,\nstatische Bedenken gar, die ihnen zugeraunt\nhaben mochten: „Bleibt, o bleibt, es ist Musik\nim Anzüge!\" — Es war eine schockschwere\nNot für Kasematt, den Problematiker, gewe-\nsen. Endlich aber drang auch in seinen Keller\nLicht, und er erkannte Mäuse, Singmäuse, eine\nAbart der gemeinen Hausmaus, die der Bota-\nniker mit dem Namen mus musculus bezeich-\nnet. Diese Musikanten hatten Nacht um Nacht\nauf den drei standhaften Flötbesen gespielt\nund getanzt, so lieblich getanzt und so artig\ngepfiffen, daß die Katzen Reißaus genommen\nund die Besen ihre Lust gehabt hatten. La-\nchend, erlöst und dankbar fing Kasematt die\nentzückenden Tierchen, die ihn seit Wochen\nvor der abscheulichen Katzenmusik seines\nHinterhauses bewahrt hatten, lud sie in eine\nmöblierte Pappschachtel und trug sie vorsich-\ntig auf den geräumigen Trockenboden des\nHauses, wo sie sich zu seiner Freude alsbald\num ihr Hundertfaches vermehrten und zu-\ngleich an den Kartoffeln der kunstfeindlichen\nUntermieter, die eine Schnapsbrennerei eröff-\nnen wollten, zum Wohle des ganzen deutschen\nVolkes schadlos hielten.\nDie drei klugen Flötbesen aber kamen dabei"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4349, "texte": "gleichfalls in den Dachspeicher. Kasematt je-\ndoch, der seit diesem Spuk einen außerordent-\nlich unruhigen Schlaf vollführte, er ver-\nbrauchte während zweier Nachtstunden mehr\nSchnarch als ein reaktionärer Abgeordneter in\nsämtlichen Tagungen eines ganzen Jahres.\nKasematt hatte sich inzwischen angewöhnt,\nseine vorlaute Bettlägrigkeit durch kleine\nnächtliche Spaziergänge auf den knirschenden\nPappdächern der benachbarten Häuser zu\n*\nhintergehen. Es war eine glasklare\nFrostnacht im Januar vorigen Jahres, mit\nblauem Vollmondgesang über allen Antennen,\ndie Schornsteine hatten zwerghafte Riesen-\ngebirge und richtige Schneekoppen auf ihre\nRußränder getürmt, und Kasematt, der abge-\nhärtete Peripatetiker, was auf deutschplatt\nsoviel wie Wandervogel bedeutet, erging sich\nfürbaß und barfuß im Dachschnee und schaute\nmit vergnügten Sinnen auf sein besterntes\nNachthemd hin.\nPlötzlich, er traute seinen Hühneraugen kaum,\nbolzte er mit einer großen Zehe gegen eine ge-\nöffnete Dachluke. „Fuß und Co.\" fluchte er,\n„seit wann öffnet sich mein eigenes Boden-\nfenster von selber!\" Und ehe er noch begin-\nnen konnte, dieses neue mechanische Wunder\nzu untersuchen, erblickte er etwa zehn Schritte\nvor sich seine drei schlauen Flötbesen auf dem\nDache. Sie bewegten sich in aller Gemüts-\nruhe, ganz parallel und diszipliniert, wie es\neben klassenbewußte Besen zu tun pflegen,\ndenen der bessere Mensch die Flötentöne bei-\ngebracht hat. „Hol mich die Feuerwehr, das\nmuß man gesehen haben,\" flüsterte sich Kase-\nmatt in den Bart.\n„Heda! Hallo! Schtopp!\" kommandierte er\nin die Winterfrische.\nDie drei Ausreißer erschraken, sahen sich ver-\ndutzt um und erstarrten hastdunichtgesehen\nzu Blitzableitern. Ganz charakterfest stan-\nden sie mimikry auf dem Boden ihrer\nGesinnung, die Haarkästen bei Fuß, die\nZierichte mit Strippen oben im Raum. Was\nnun. Kasematt hastete in seine Wohnung,\nflitzte in die Hosen und schoß treppab zum\nnächsten Feuermelder . . . Alarm, Dachstuhl\nHindernisstraße acht!!!\"\nKeuchend stürmte er zum Dach hinauf und\nfand die Gefechtslage unverändert. Da nahte\nein Geklingel, und, je näher es kam, desto\nrascher senkten die drei Besen die Köpfe, bis\nsie, elegant und ohne det. üblichen Knall, flach\nhinschlugen. Als die mechanische Leiter des\nAutomobillöschzuges gleich einem empörten\nGewissen der Ordnung über der Dachrinne\nerschien, waren die drei Schlauköpfe wieder\nin der Dachluke verschwunden, die sich höh-\nnisch schloß und den Genossen Kasematt der\ngefoppten Feuerwehr überließ. Der Brand-\ninspektor Marske backpfeifte ihn mit dem\nBeil und schmiß ihn kurzentschlossen über\ndas Hauptgesims. Er sah noch die ganze\nFassade an sich hochschießen und paukte mit\ndem Kopf in das Sprungtuch. Als er nach\nvier Wochen im Irrenhause aus der Ohnmacht\nfiel, erfuhr er, daß er zu lebenslänglichem\nZuchthaus wegen Brandstiftung in Tateinheit\nmit Beamtenbeleidigung verdonnert worden\nwar. Berufung ausgeschlossen.\nDas sind lehrreiche Erfahrungen eines Erfin-\nders.\nDer Dezernent Bierfreund fügt hinzu: „Um\nähnliche Vorkommnisse in Zukunft zu verhin-\ndern, wird den Besitzern von Flötbesen und\nFagottschrubbern die Verpflichtung auferlegt,\nsich nachts einen sogenannten Aufsichtrat mit\nMauserpistole und Kontrolluhr zu halten. Die-\nser ist gedungen, vom Beginn der Dunkelheit\nbis zum Sonnenaufgang alle zehn Minuten mit\nseinem klappernden Schlüsselbein durch die\nstille Nacht, heilige Nacht zu gehen, einen\nSchreckschuß abzufeuern und die Kontroll-\nziffer zu stechen, ohne mit der Wimper zu\nzucken. Bei klarem Wetter genügt ein tauber\nNachtwächter, dem es keiner anmerkt.\"\nSoweit die Behörde.\nWir erfahren soeben, daß größere Haushalte,\nHotels, Fahrstühle, Kirchen und andere Be-\ndürfnisanstalten neuerdings wegen der dunk-\nlen Hautfarbe der Nacht pfiffige Schwarze an-\nstellen, die leichter überraschend bald hier,\nbald dort sein können.\nDer wachthabende OBER neben dem Rabbi-\nner kauert in diesem Falle am Hängeboden\nund bläst den kleinsten Handfeger im Schlaf,\nden putzigsten Rabitzwandfeger, der quer ge-\nflötet wird, und in der feinsten Gesellschaft\nplötzlich meisterhaft nonchalant aus der\nBrusttasche gepflückt werden kann, um der\nallergnädigsten Tischdame mit einem zarten\nMenuett die Dampfnudeln vom Hals zu\nbürsten.\nUnd endlich der Original-ES-Moll-Flöten-\nhandfeger, mit dem sogar der fettigste Voll-\nbart chemisch gereinigt und dazu der entspre-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 181, "texte": "chende Vormund gefegt werden können,\nmeine Lieben, der ist beileibe der eigentliche\nSchornsteinfeger des Herzens, zumal im teu-\nren Vaterland.\nHoch lebe Viktor Kasematt.\n\nOtto Nebel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c020", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "169", "page_fin": "172", "image_debut": 19, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.14", "titre_corps": "Merfüsermär", "titre_sommaire": "Merfüsermär", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.19", "debut_caractere": 183, "fin_caractere_exclue": 4389, "texte": "Merfüsermär\nEs war da auch ein kleines armes Kind\nnamens Hertha aus der Stadt Wien, weil Wien\nnach dem Weltkriege eine arme Stadt war.\nDiese kleine Hertha hatte auch ein Ei vom\nalten Hahnepeter bekommen, weil sie zufällig\nauch mit bei Hahnemanns gewesen war, als\nHahnepeter seinerzeit seine 13 Eier legte. Sie\nwar so arm, daß sie nicht das Geld hatte, sich\ndas Ei ausbrüten zu lassen, und sie hatte auch\nkeine Beziehungen, etwa, daß die Mücken oder\nFliegen das Ei ausgebrütet hätten. Sie\nhatte noch nicht einmal Blumen. Da sie das\nEi aber doch gerne ausgebrütet haben wollte,\nso nahm sie es in die Hand. Ihr müßt Euch\ndas nur einmal vorstellen, was es bedeutet,\nsolch ein Ei 13 Tage und 13 Nächte in der\nHand zu halten, ohne es zu zerdrücken. Und\nHertha, das arme Kind, brachte dieses Wun-\nder fertig. 13 Tage und 13 Nächte hielt sie\ndas Hahnepeterei in der Hand, und wenn die\nEihand lahm geworden war, legte sie es\nin die andere. Das Ei wurde ganz weich\nvon dem vielen Anfassen, und die arme\nHertha drückte ihre dürren Fingerchen darin\nab. Und nach 13 Tagen, als sie so daran\nherumknetete, wurde die Masse plötzlich\ndehnbar, zog lange Fäden, wirbelte sich auf,\nwurde größer und größer und nahm die voll-\nständig unsichtbare Form eines Trianeders\nan. Ihr könnt alle Lexika durchblättern, Ihr\nfindet nicht einmal den Namen eines Triane-\nders dort verzeichnet, denn es ist ein Vehikel,\nwie es nur in der Dimension des Mars vor-\nkommt. Man kann damit nicht auf den\nStraßen, auf oder unter Wasser fahren, auch\nnicht in der Luft, sondern am besten fährt es,\nwo keine Luft ist. Die Marser, d. h. die Unter-\ntanen der Dimension des Mars, benutzen es\nviel zum Reisen im Aether des Weltenraumes.\nDenn die sind sehr reiselustig, weil sie von\nden Engländern abstammen. Wir können sie\nnicht sehen, denn sie leben in der vierten\nDimension. Sie selbst sehen aber alles, d. h.\nsich selbst sehen sie auch nicht. Sie leben in\nder gesamten Einflußsphäre des Mars, also\nauch teilweise auf Erde, Mond oder Piffikon.\nVielleicht treiben sie ihre Kurzweil mit uns und\nwir, die in der dritten Dimension leben, mer-\nken nicht einmal etwas davon. Auch Hertha\nmerkte das Trianeder nicht, welches sie aus-\ngebrütet hatte, bis sie plötzlich durch ein\nParafi berührt wurde.\nDurch Berühren mit dem Parafi an dem soge-\nnannten Blitzableiter, oder wie man es in an-\nderen Gegenden nennt, dem Musikknochen,\ndas heißt jenem Nervenstrang am Arme kurz\nunterhalb des Ellenbogens machen die Marser\nihnen genehme Menschen plötzlich marsisch,\nman nennt das auf der Welt: einen Schlag\nkriegen. Der Mensch kriegt einen Schlag,\nfällt um und ist eine Leiche. Das heißt nur,\nseine dreidimensionale Einkleidung verleicht,\nwährend die vierdimensionale Seele, das heißt\ndie, wo nicht sauer ist, treibt ab in ihre ihr\neigentümliche Vierdimensionalität. Man kann\nsich das als Mensch kaum vorstellen, aber die\nSeele bleibt, was sie war, sie wirft nur ihren\nBallast ab, und ist nun plötzlich Marsier ge-\nworden. Hertha hatte anfangs gedacht, das\nEi wäre ihr unter den Händen zerschmolzen,\nals es sich in einen Trianeder verdimensioniert\nhatte. Denn sie sah nur die Knetflatschen,\ndie dabei heruntertropften. Die Seele des\nHahnepetereis, die ein Trianeder war, konnte\nsie nicht sehen. Da machte sie einen blöd-\nsinnigen Mund und deshalb berührte sie aus\nGutmütigkeit ein zufällig vorbeireisender\nMarsier mit dem Parrafi. Jetzt wurde sie\nmarsisch, und man nannte sie Poldeli. Es\nwar ein seltener Fall, daß ein junger Mensch\nschon einen Schlag bekommt, meist bekom-\nmen erst ältere Herrschaften Schläge, Ge-\nheimräte und so, die durch ihre Gelehrsam-\nkeit den Marsbewohnern aufgefallen sind,\nund die sich quasi selbst in ihre Vierdimensio-\nnalität hineingearbeitet hatten. Wenn nun\naber die Dreidimensionalität bei so einem Ge-\nheimrat, der einen Schlag bekam, zu stark\nwar, so blieb der Körper einstweilen teilweise\ndreidimensional und wurde teilweise mar-\nsisch. Son halber Geheimrat lebt dann im\nReich des Mars, der Rest bleibt erdgebunden.\nDie Menschen nennen das: der Herr Geheim-\nrat ist durch einen Schlag linksseitig gelähmt.\nEines Tages aber holt sich die zweite Hälfte\ndes Herrn Geheimrat die erst nach, und nun\nsagen die Menschen, die stets großes Ma-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4482, "texte": "Gefühl füreinander haben: „Nun ist der Herr\nGeheimrat plötzlich durch einen plötzlichen\nTod erlöst worden.\" Uebrigens nennen sich\ndie Marsier selbst Merfüsier. Und solch ein\nTrianeder nennen sie Proun. In der vierten\nDimension können die Merfüsier nicht sehen,\nsondern sie fehnen. Fehnen heißt Aufnehmen\nvierdimensionaler Wirklichkeit durch einen\nSinn, der bei uns Menschen in unserer Erd-\ngebundenheit gebunden ist. Das Dreidimen-\nsionale jedoch kann der Merfüsier sehen,\nhören, riechen, schmecken, fühlen, genau wie\nwir Menschen.\nZu jener Zeit arbeitete in Ambri-Sotto, am\nSüdabhang des heiligen St. Gotthard, ein\nMann namens Lissitzky aus Witebsk bei\nMoskau. Schon als Kind hatte er in seinem\nWesen viel Transcendentales gehabt, indem\ner nur die andere Seite der Welt liebte, die\nmetaphysische oder merfüsische. Dieser\nLissitzky arbeitete an der Erfindung des\nProun, das heißt, er wollte ein Fahrzeug bauen\nzur Ueberwindung des unendlichen Raumes,\num neue, vorher nicht geahnte Natur zu ent-\ndecken. Und bei Lissitzky arbeitete ein\nElsässer aus jener Gegend, wo sich Deutsche\nund Franzosen seit Jahrhunderten Gute Nacht\nsagen, genannt Hans Arp, ein Wißbegehrer\nund leidenschaftlicher Verehrer von allem\nTranscendentalen, und daher auch von Lis-\nsitzkys Prounen. Dieser Hans Arp konnte\nnicht nur im Kaffeesatz der Sterne lesen, er\nlas sogar im Sande und las überall und las\nin den Prounen von Lissitzky, daß ein Berg-\nrutsch von außergewöhnlicher Größe sich\nam 26. Juli 1926 bei Ambri-Sotto ereignen\nwürde. Vierundzwanzig Stunden vorher hatte\nArp an alle Journalisten der Welt telegraphiert\nund sie von dem Bergrutsch unterrichtet, der\nin 24 Stunden stattzufinden die hohe Ehre\nhaben würde. Und tatsächlich hatte er die\nhohe Ehre. Und zwar genau nach 24 Stun-\nden und zwar genau an der von Arp vorher be-\nzeichneten Stelle und war von außergewöhn-\nlicher Größe. Der Eindruck in der Welt war\nganz ungeheuer. Man wußte nicht, ob man\nmehr über die Proune staunen sollte, in denen\nso etwas zu lesen stand, oder über den begab-\nten Wißbegehrer, der es lesen konnte. Man\nunternahm Prozessionen nach Ambri-Sotto,\num Arp wie einen Ichneumon zu verehren, je-\ndoch begab sich dieser, ohne von dem welt-\nlichen Geschrei viel Notiz zu nehmen, mittels\neines ausgezeichneten Fernrohrs auf den\ngegenüberliegenden Berg, kroch in eine Glet-\nscherspalte und las von dort aus, indem er\nhalb gebückt auf der linken Hand stand, das\nTrümmerfeld ab, wies jegliche Nahrung und\nErfrischung zurück, lehnte es sogar ab, als\nman ihm eine Wärmflasche bringen wollte,\nsondern las und las, bis er die Sprache ver-\nstand, ohne Diktionär. Und neben sich sam-\nmelte er riesige Haufen abgelesener Steine.\nDarauf berichtete er das Resultat an alle Jour-\nnalisten, und sie erfuhren, daß ein Wesen\nvom Mars, ein ehemaliges Wiener Ferienkind\nnamens Hertha Maßlieb aus Wien, 12jährig\nbei einer Frau Dr. Batke in Bern, infolge von\nSchlag plötzlich verstorben wäre. Dieses We-\nsen sei Marsierin geworden und habe dann\ndiesen Bergrutsch verursacht, um ihren An-\ngehörigen damit einen Brief zu schreiben. Der\nBergrutsch wurde jetzt von allen Seiten photo-\ngraphiert, und die Behörden forschten nach\nden tatsächlichen Unterlagen, wobei es sich\nherausstellte, daß in der Tat im Jahre 1922\nein Wiener Ferienkind namens Hertha Maß-\nlieb bei einer Frau Dr. Batke in Bern infolge\nvon Schlaganfall das Zeitliche gesegnet hatte.\nDie Ueberraschung unter den Journalisten war\nso groß, daß nun auch Frau Dr. Batke photo-\ngraphiert und neben den Bildern des Berg-\nrutsches und Hans Arps in allen illustrierten\nJournalen abgebildet wurde, und man bat den\nArp, dessen Ruhm nun Allgemeingut aller Ge-\nbildeten geworden war, um nähere Angaben\nüber Wesen und Inhalt des Briefes. Wir\nhaben den von Hans Arp ursprünglich in\nSchwyzer Dütsch überlieferten Brief folgen-\ndermaßen übersetzt und veröffentlichen ihn\nunter jedem Vorbehalt, einschließlich des Ver-\nfilmungsrechtes :\nLiebe Mutter!\nDu denkst jetzt, ich wäre vor zwei Jahren\nam Schlag gestorben, aber Du irrst. Denn\nich bin Merfüsierin geworden. Ich wurde\nseinerzeit in der Schweiz geparafiet, d. h.\nmeine materielle Hülle fiel von mir ab, und\nich durchlebe den Mars und bin sehr oft bei\nDir, Du merkst es nur nicht. Denn was Ihr\nden Mars nennt, ist bloß seine Materie, weil\nIhr nur materiell denken und aufnehmen\nkönnt. Es ist der dreidimensionale Kern\ndes Mars, aber Mars ist alles, wie die Erde\nalles ist und wie alles gleich alles ist, wenn\nIhr nur wollt und nicht materiell sondern"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4528, "texte": "vierdimensional denkt. Die sogenannten\nKanelüren des Mars aber sind der materielle\nWirbel, bei dem die konstruktive Aufteilung\nder ganzen Welt beginnt. Als ich ankam,\nwurde ich in eine Badewanne gesteckt, ich\nbekam riesiges Heimweh, und da entdeckte\nich das Paradies, welches Ihr in Eurer Erd-\ngebundenheit nicht finden könnt. Das Para-\ndies liegt nämlich so günstig, daß es von\nSchiffen nicht erreicht werden kann, ob-\ngleich es weiter nichts ist als eine kleine\nInsel im Stillen Ozean. Und zwar hat man\nes dadurch erreicht, daß die Insel Paradies\nweder auf einem der graden Längengrade,\noder dazu parallelen Linien, noch auf einem\nder gebogenen Breitengrade gebaut wurde.\nDaher kann es weder von graden noch von\ngebogenen Linien erreicht werden, die\nSchiffe können es allenfalls am Horizonte\nliegen sehen, können aber nicht hinfahren,\nda Schiffe nur auf graden resp. gebogenen\nLinien fahren können. Uebrigens ist die\nVegetation durchaus irdisch dreidimensio-\nnal im Paradiese. Es leben dort Menschen,\nTiere und Pflanzen genau wie auf der Erde,\nnur ein wenig verweichlicht, weil es dort\nkeinen Konkurrenzkampf gibt. Ich möchte\ndort für mein Leben nicht sein. Uebrigens\nbin ich selbst dreimal so groß wie das ge-\nsamte Paradies, einschließlich Onkel Unge-\nflochten, Onkel Pluvinel, Onkel Gustav Pfi-\nzer, Onkel Breitensträtter und Onkel Her-\nwie, sowie Tante Rainer Maria. Ich habe\nauch schon mein Sonntagskleid zerrissen,\nübrigens reißt alles. Eine Zeit hat es hier\ngar nicht geregnet, und da wurde es zu\nwässerig. Darum habe ich viele Tränen\num Euch vergossen, zu Hause ist eben zu\nHause. Die Hauptnahrung der Merfüsier ist\nund bleibt aber, genau wie die der Schwyzer\nder Milchkaffee . . .\nHier hörte der Brief auf, weil der Bergrutsch\nmittlerweile bis an das Dorf Ambri-Sotto ge-\nlangt war.\nIm Paradies ereignete sich inzwischen folgen-\nder Vorfall. Hans Breitensträtter, ehemaliger\nSchwergewichtsmeister von Deutschland, ge-\nnannt der blonde Hans, war seinerzeit am 29.\nFebruar 1924 durch Paul Samson Körner aus\nZwickau in Sachsen exgeboxt worden. Zu\njener Zeit war im Paradiese ein neuer Engel\nangekommen namens Hans Breitensträtter,\nvon dem gesagt wurde, daß er boxen könne.\nOnkel Ungeflochten nannte ihn sofort „blon-\nder Hans\" und bat ihn, er möchte den Kindern\ndoch einmal etwas vorboxen. „0 ja,\" sagte\nHahnemann, „Onkel Hans soll uns was vor-\nboxen.\" Die Kinder hüpften um den blonden\nHans herum und sagten: „Box uns mal, lieber\nOnkel Hans, box uns mal\" und sie boxten sich\ngegenseitig in die Seite und boxten Onkel\nUngeflochten in die Seite und Onkel Pfizer\nbekam sogar einen von den verpönten Nieren-\nschlägen. Aber Onkel Hans wollte nicht\nboxen und sagte: „Wenn ich erst boxe, müßt\nIhr doch alle zu Boden.\" Hertha beobachtete\ndies alles in ihrer vierdimensionalen Ungebun-\ndenheit und wartete den Moment ab, wo sie\nirgendwo durch ihr Eingreifen die Handlung\nin Verwirrung setzen könnte. Plötzlich sagte\nOnkel Stefan: „Hier zieht es.\" Darauf sagte\nOnkel Ungeflochten: „Das kommt von dem\nrauhen Winde, mein lieber Herr Stefan\nGeorge.\" Darauf sagte Onkel Alfred Kerr:\n„Dann muß der Wind abgehobelt werden, da-\nmit er glatt wird, so habe ich es im Yankee-\nLand gesehen.\" „0 ja, Onkel Kerr,\" sagten\ndie Kinder, „der Wind muß abgehobelt wer-\nden, der Wind muß glatt gehobelt werden.\"\n„Aber wie?\" fragte Onkel Pfizer. Da sagte\nOnkel Hans: „Wenn mir jemand den Hobel\nerfindet, will ich den Wind abhobeln, Kraft\ngenug habe ich durch mein Training.\" Darauf\nsagte Onkel Peter: „Ich habe schon ganz an-\ndere Dinger geschoben, und wem ich ins Auge\nschaue, der fliegt in die nächste Ecke! Wenn\nwir den Wind abhobeln wollen, so muß er\ndurch eine riesige Röhre von quadratischem\nDurchmesser gepresst werden.\" „Sie meinen\nwohl Röhle,\" meinte darauf Onkel Gropius.\n„Nein Röhre,\" sagte darauf Peter Röhl, und\ner sagte das so laut, daß Onkel Moholy sich\nsofort auf ein daneben liegendes rotes Quadrat\nsetzte, indem er sagte: „Denn wo ein Bauhaus\nist, da laß Dich ruhig nieder, böse Menschen\nkennen keine Quadrate!\"\nUnd nun wurde auf quadratischer Grundlage\neine riesenhafte Röhre gebaut. Das sah sehr\ndrollig aus, grade im Paradiese neben den\nzwetschenfressenden Löwen. Oben blieb\ndas flache Dach der Röhre teilweise offen,\ndamit eine Fläche entstand, an der der Wind\nglatt gehobelt werden konnte. Die eine Seite\nwurde nach oben hin verlängert und als Füh-\nrungsschiene für den Hobel ausgebildet. Und\nnun kam der Tischler Schlemmer und brachte\neinen riesigen Windhobel. Es war ein üblicher\nTischlerhobel, nur bedeutend größer und stär-"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3971, "texte": "ker ausgebildet. Die Schneide war mit Dia-\nmanten besetzt, um dem wilden Winde jede\nRauhigkeit zu nehmen. Peter Röhl hob mit\neinem einzigen Griff den Hobel auf das Dach\nder Röhre, worauf Breitensträtter begeistert\nsagte: „Der Mann gefällt mir, mit dem möchte\nich wohl gern mal boxen.\" „0 ja,\" sagten die\nKinder, „jetzt will Onkel Hans doch noch\nboxen,\" und stellten sich alle im Quadrat auf.\n„Kinder,\" sagte Peter Röhl, „laßt mich erst den\nWind abhobeln. Nachher lassen wir Drachen\nsteigen und dann wird auch geboxt.\" Darauf\nzog er sich einen Matrosenanzug an und sah\nnun aus wie ein oller ehrlicher Seemann.\nJetzt wurde Onkel Kerr an die eine Seite der\nquadratischen Röhre gesetzt und mußte mit\nbeiden Backen in die Röhre blasen. „Jetzt\nkiekt der wenigstens doch auch mal in die\nRöhre,\" sagte Onkel Ungeflochten. Onkel\nStefan mußte sich an die andere Seite der\nRöhre setzen und sagen, ob es zöge. Darauf\nsprach er wie ein Metronom:\ntaktack, taktack, taktack, taktack, taktacktak,\ntaktack, taktack, taktack, taktack, hier zieht\nes!\nOnkel Kerr mußte aber ruhig weiter blasen,\nund Onkel Stefan mußte ruhig sitzen bleiben,\nwenn es auch zog, und da fing Peter Röhl an,\nden Wind oben glatt zu hobeln. Es flogen\nSpäne nach allen Seiten, so daß im Stillen\nOzean ein fürchterlicher Wirbelwind entstand.\nSo schrecklich hobelte der olle ehrliche See-\nmann. Onkel Kerr blies mit beiden Backen,\nund an der anderen Seite, wo Onkel Stefan\nsaß, zog es kein bißchen mehr. Auf diese\nWeise erreichte man es, die scharfen See-\nwinde im Paradiese zu besänftigen, denn alle\nWinde wurden durch die quadratische Röhle\ngeleitet, wo man ihnen oben die Rauhigkeit\nabhobelte.\nZur Seite aber stand Breitensträtter und\närgerte sich, daß Peter hobelte und nicht er.\nDie vierdimensionale Hertha sah immer noch\ninaktiv zu. Plötzlich ging Breitensträtter auf\nPeter Röhl zu und gab ihm eine Ohrfeige. Da-\nrauf sagte Peter: „Sie wollen mich wohl be-\nleidigen?\" „Im Gegenteil,\" sagte der blonde\nHans, „Sie haben mich schon lange beleidigt\ndurch Ihr herausforderndes Benehmen an der\nquadratischen Röhle.\" „Nein, Sie mich,\" sagte\nPeter Röhl. „Nein, Sie mich,\" sagte Hans\nBreitensträtter. „Nein, Sie mich!\" „Nein,\nSie mich!\" „Sie mich!\" „Sie mich!\" „Sie\nmich!\" „Sie mich!\" „Sie mich!\" „Sie\nmich!\" „Hier will natürlich mal wieder kei-\nner beleidigen,\" sagte Onkel Ungekochten,\nund er war der Einzige, der nicht zitterte.\nPeter Röhl nahm jetzt eine königliche Miene\nan, fast so vornehm wie ein Hofkutscher, und\nsagte: „Mein Herr, erwarten Sie meine Hosen-\nträger!\" Darauf zog er sich zurück. Hertha\nsah immer noch inaktiv zu. Jetzt suchte sich\nPeter Röhl seine Hosenträger aus. Pluvinel\nwar ihm zu alt, Ungeflochten nicht „Rhenan\"\ngenug, Onkel Stefan war ihm zu akademisch,\nwohingegen er Werfel zu kindlich fand.\nWas blieb ihm also übrig, er ernannte\nfeierlich Onkel Gustav Pfizer und Onkel\nHugo von Hoffmannstal zu seinen Hosenträ-\ngern, indem er ihre Brust mit roten Quadra-\nten schmückte.\nPlötzlich erschienen die Hosenträger Onkel\nRöhls in der Wohnung des Herrn stud. rer.\nbox Hans Breitensträtter. Gustav Pfizer\nüberreichte ihm einen Blumenstrauß, und\nOnkel Hugo sagte: „Peter Röhl fühlt sich be-\nleidigt, wollen Sie revocieren, oder ich er-\nwarte Ihre Sekundaner.\" Darauf suchte sich\nOnkel Hans Breitensträtter seine beiden\nKartellträger aus. Er nahm Onkel Paul\nSamson Körner und Onkel Rudolf Blüm-\nner. Darauf begaben sich die beiden\nKartellträger Breitensträtters zu den beiden\nHosenträger des Herrn Peter Röhl, und Dr.\nRudolf Blümner sagte: „A ngol a i n a.\"\nDa erhoben sich alle vier und beteten ein kur-\nzes Menetekel. Bei dem Worte Upharsi sagte\nOnkel Hugo: „Ich schlage schwere Säbel mit\nhalber Bandage vor. „Nein,\" sagte Onkel\nGustav, „ich meine eine Nacktpartie.\" Und\nnun sagte Onkel Paul Samson: „Ich schlage\nboxen vor!\" Sein Vorschlag wurde geneh-\nmigt, und Hans Breitensträtter erhielt 14 Tage\nZeit, um Boxen zu lernen. 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Homo. Homo\nsapiens. Allso taufte sich DAS UNTIER selber.\nSelbstlos. Sachlich. Fachlich. Tierkund, tier-\nfreund, zoologisch. Logisch. Weise. Und\nparteilos seffaschtändlich. Eben homo sapiens.\nAuf allen Zweien. Keiner Einar. Nur nicht\nwanken mit der Hünenleiter. Nur nicht. 810 ß\nnicht. Immer höcher! Kühner turnen. Salto.\nMorituri. Evoe! Sowas lebt nicht. Nicht der\nRede wert. Sapiens honoris causa. Selbst-\nVER-SORGER. Keine Sorge. Särge, Särge!\nEhret euern AHN, den alten Affen-WAHN.\nSowas stirbt nicht an sich selber. Hebt sich.\nHält sich. Steht sich gut, entgeht sich nicht.\nFällt sich auf, entfällt sich nicht. Hoppla,\nicht und ahnt ES nicht. Gestern noch\nin UR und RU. Ruhe hin, Ruhe her. Über-\nmorgen widerlustig. Morgen listig. Heute feige.\nRuhet sanft. Menschen, Menschen sein wir\nAlle. Nichts dagegen. Tut der Name nichts\nzur Sache, macht NICHTS, ewig tut sich was.\nTutet: „Homo sapiens!\" Alle."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c027", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "174", "page_fin": "175", "image_debut": 24, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.19", "titre_corps": "Musik", "titre_sommaire": "Musik", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.24", "debut_caractere": 1320, "fin_caractere_exclue": 3812, "texte": "Musik\n\nKonzert\nKein Mensch kann mehr als er kann. Sie auch\nhier, Herr Doktor. Meine Freunde sagen alle,\nich müsse unbedingt Strawinsky hören, er wäre\nso überaus modern. Programm Nummer fünf\nTrio nach Pergolese von Strawinsky. Brock-\nhaus Konversationslexikon: Pergolese, Giovanni\nBattsta, italienischer Komponist, geb. 3. Januar\n17 lOzuJesi im Kirchenstaat . . Tonschöpfungen\nerlangten eine grosse Berühmtheit . . in ihnen\nhat das Rührende und Gesangliche einen wahr-\nhaft schönen und angemessenen Ausdruck ge-\nfunden. Ausdruck gleich Expressionismus. Also\ndas ist Neuaufarbeiten und Wenden. Motten-\nschäden werden beseitigt. Etwa wie in der\nwerten Literatur die Literaten Werfel und Hasen-\nclever, Euripides und Sophokles expressionistisch\nverbrämen. Die vergessen allerdings, die Motten-\nschäden zu beseitigen. Kein Mensch kann mehr\nals er kann. Aber kein Mensch soll so tun,\ni\nals ob er mehr kann, was er nicht kann. Sowjet-\nrussland hat für diesen Zweck seinen Strawinsky.\nWir in der völkischen Republik Deuschland\nhaben dafür den Richard Strauss. Der setzt\nauch irgendwo Dissonanzen hinein und glaubt\nsicher, atonal auf Musikfreunde zu wirken. Bach,\nJohann Sebastian, ist entschieden der bessere\nJazzband-Komponist. Mehr Expressionist. Mehr\nlogische Konstruktion. Weniger rührend und\ngesanglich. .Dafür mehr Musiker. Nur sollte\nman Bach nicht von Georg Schumann leiten\nlassen, der als Direktor der Singakademie mit\nallen Göttern bei Bach verlassen ist. Man darf\nnicht wegen des Wortes H-moll-Messe die\nMusik wegtäuschen lassen. Strawinsky spielt\npersönlich Klavier. Mit zierlich flatternden\nHänden haut er gesanglich daneben. Mit\nintellektuellem Bewusstsein des Danebenhauens.\nDaneben ist nicht immer Kunst. Dafür ver-\nhaut er auch den Rossignol. Gesanglich. Nur\nkeine Angst, er haut gar nicht, er tut nur so.\nHinter der Nachtigall, hierzulande ist sie eine\nFrauensperson, stellt sich mir mein Nachbar\nals Mitglied des Vereins deutscher Faustkämpfer\nvor. Beweis: die Faust. Er hat im Krieg\nalles umgelegt. Nur mit der Faust. Er stellt\nsich für die Kunst zur Verfügung. Man müsse\ndreinhauen. Er liebe die zarte Musik wie\nStrawinsky, gesanglich und rührend und nicht\ndie verfluchten Expressionisten. Das ist die\nNormalstimme des Volkes. Zur Orientierung\nfür die Musikkritik: Das Neue ist nicht immer\ngut. Und das Gute muss nicht neu, es muss\ngut sein.\nDie Brautwahl\nWenn man so aus der Gegenwart nach Char-\nlottenburg kommt, schläft man erstaunt in der\nStädtischen Oper ein. Und träumt von"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1717, "texte": "der Jugendzeit in Greifswald, wo sich die Kon-\nsistorialräte und Pensionsinhaberinnen an guter\nMusik ergötzen. Künstler und Künstlerinnen\nsind immer romantisch. Da ist auch jener edle\nMann mit der Bartmischung zwischen Christus\nund Fliegendem Holländer. Und das blond-\nondulierte Mädchen mit Dut, Kindeslächeln und\nFrauenreife. Und der Kunstmaler mit der Kunst-\npalette. Und der missliebige jüdische Baron,\nden das Gold adelt und der den Adel vergoldet.\nUnd der alte Junggeselle als junger Altgeselle,\nder in den Dut verliebt ist. Ferner sind alle\nVögel schon da, die Mutter Natur, das Grauen\nder Nacht, die Nacht des Grauens. Text und\nMusik von Ferruccio Busoni. Er ruht auf dem\nstädtischen Friedhof und seine Werke folgen\nihm nach. Die Städtische Oper erfüllt die be-\nkannte Ehrenpflicht, weil ihr amtlich nichts Bes-\nseres bekannt ist. Dem Pianisten Busoni ist\nkein menschlicher Komponist fremd geblieben\nund er hat sie ohne seine Art verwendet. Durch\nE. T. A. Hoffmann angeregt, hat er die gesamte\nbessere Musik phantastisch-komisch und komisch-\nphantasielos durcheinander geschrieben. In der\ndritten Szene gibt es ein Feuerwerk auf der\nBühne, das allgemein freudig auffällt. In den\nweiteren fünf Szenen ereignet sich nichts mehr.\nDas Orchester der Städtischen Oper wird von der\nBerufsfeuerwehr gestellt. Sänger und Sängerinnen\nsingen anstandslos mit jenem Anstand, der sich\nfür ein amtliches Unternehmen geziemt. Von\ndem Dichter Busoni eine Probe:\nEin gutes Bild, ein Kunstwerk!\nGanz nach dem Leben von histor'scher\nWahrheit!\nDie mir dazu riet, Albertine,\nSie hat fürwahr die richt'ge Spürnase!\nIn der Friedrichstadt aber zwitschert der Blaue\nVogel aus Rußland. Das ist, vielleicht, keine\nKunst.\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c028", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "176", "image_debut": 25, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.20", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Rudolf Schmitt Sulzthal", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.25", "debut_caractere": 1719, "fin_caractere_exclue": 3541, "texte": "Gedichte\nRudolf Schmitt Sulzthal\n\nFür den toten Freund\nDie Geier haben ihren Raub davongetragen,\nauf dem schroffen Felsgrat schimmern noch\neinige\nweiße\nFlöckchen . . .\nein Greis kommt, hebt sie hoch und läßt sie am\nHimmel den Mördern nachjagen\nschwarz und groß.\nAus schwarzem Wald schreit dein Antlitz auf\n: f«,t\nweisser See zerrissen von wildem Stein,\neingebrochen in die lichte Wiese einer mond-\nbeschneeten Stirne.\nDie zerschmetterte Hand kann keinen : Stern\nhalten,\ndas Auge wird nie von den düsteren Schatten\nbefreit\nund die Nebel immer über die klaren Wasser\n» '\ni\nkeuchen.\nIch kann nicht die löschende Flamme deinem\nHerzen entzünden ;\noder die Nacht über die verlassenen Schultern\nsenken,\ndein Mund nahm mir nicht die Schuld von\nder erstorbenen Jugend.\nZerbrechen mir auch die Tränen,\ndein Schweigen brennt über mich\nund wird den Weg erwintern.\n\nUnsere liebeszerlichtet Nacht\nSilberlachen schüttet die weissen Blütenzweige\ndeines Herzens,\nflamme Monde stürzen jauchzend über meinen\ndunklen Scheitel,\ni\nGoldnetz deiner Arme glüht wirr Blut entleuchtet!\nIch trinke die rote Seligkeit deiner tauübersegneten\nLippen,\nNacht deiner im schwarzen Feuer auflodernden\nLavaglutaugen\nzersingt der meerumbrennten Stirne blauen\nDämmer brausend!\nUnsere Seelen sind himmelzerglänzendes Geist-\nLicht,\nunsere Küsse sind strahlennachtgefunkelzer-\nsprühende Sterndiamanten,\ndie Allerglitzernd unser Sonnen-Sein umtanzen!\nIn uns stürzt Sonnenwein betrunken Gott,\nwir halten ihn im roten Feuergraben unsres\nGipfelflammensturms,\nwir sinken hoch auf blauen Türmen sternen-\nglockenläutender Erdglücklichkeit,\nO lodert Augen, blühend schwarze Nächte,\nentbrennt aus weissen Meeren, dunkle Sonnen\nbrauset, glutet, stürzet,\nHaare bräunet Gold, erflammet, leuchtet über\nGischten lichter Mädchenkörper\nSterne meiner Brust zerglühet nachtverworren"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 745, "texte": "schwirre güldner Tanz und Wirbel juble blauer\nKüsse kelchentglänzte Sprühefeuer\no stürmet hoch ihr weissen Wellen, Schlangen-\nengel, Palmen goldgesteilt aus hellzerschneeten\nLiliengärten,\nschäumet, blitzet, silberblüht und nachtet end-\nlich über Purpurwiesen Sonnenrot zerschmolzner\nGottesstirne!\nSonne blutgestürzt in grüne Hirne,\ndunkel nachtverglühen aufgerissne Wunden roter\nhasszerschreiter Hütten\nund von grellen, gelben Blitzen herzzerfetzte\nBlütenleibe.\nVerspaltne Schädel klagen Mensch, zerschlitzte\nKnochen seufzen Gott\no weisse Stachel nichtend trümmern\nund Augen fallen jähen Tod.\nVerweinte Erde fleht die Hände,\nklaggebleicht das sonngeküßte Haar,\no Flammen, die verratnes Herz zerlodern,\nüber schwarze Geier blühen alle Sterne auf."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c029", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "175", "page_fin": "175", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.21", "titre_corps": "Bier- und Kognacunterlage", "titre_sommaire": "Bier- und Kognacunterlage", "signature_source": "Friedrich Entelmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.26", "debut_caractere": 747, "fin_caractere_exclue": 2718, "texte": "Bier- und Kognacunterlage\nFriedrich Entelmann\nMädchenaugenaulschlag mit auffallender Brust-\nrundung, kleiner Fuß im Halbschuh heller\nStrumpf, Stimme erotisierend wie weichgechla-\ngenes Blech, das mich zittern macht. „Warum\nzittern Sie?\" „Ich zittre nach Dir.\" „Meine\nSchwester hat großen schwarzen Hut mit Reiher\nweiß, sie wollte kommen.\" —• Straße hinter\nBuden, schwarz einsam, entfernte Seitensterne\nLampen. Pressen der Leiber. Ich küsse sie heiß\nohne Unterbrechung — „ O, Gott!\" „Warum, o,\nGott ?\" „ Sie drücken mich ja so. \" — bestrohter\nHut mit Silberband und Goldfädchen durch-\nzogen von zurückgebogenem Blondkopf fällt,\nwild sauge ihn in Mund — „Ich muß meine\nSchwester suchen.\" — V2IO, 11,12 Uhr. Dunkle\nChaussee, dicke Stämme garnieren, Gefallenes\nHerbstlaub Regenaufgeweicht, duftend, Schritt-\ndämpfend, Straße asphaltiert, Autos lautlos,\nlichtvoll vorbei. Mein Herz jubelt, blondes\nMädchen am Arm lacht selten, ich mache»\nMenschen ernst oder erröte Wangen. Schräg\nfällt Baumschatten, vorne breiter werdend steil\nschießt hoch an Gartengitter, welches schweigen\nPark gittert „Frieda! \" Mund, Brust, Schenkel\nhellblaues Auge, das Andere dunkelschwarz\nim Schatten. Schwarzes Kleid silberbekantet\nerlaubt kleinen Ausschnitt am Hals, der weiß\nhervorsteigt. Steigen Stand. Kühle Hand\nmacht Mädchen erschauern an strotzend Brust,\nWarze bebt, lebt. Kein Sommer, kein Winter,\nnicht Hunger, Sorgen, nur Mädchen mit Brust,\nSchenkel rund. „Sie wollen das, was sie alle\nwollen.\" „Dafür gibt es nur Männer und\nWeiber.\" „Meine Lippen bluten.\" Jetzt koste\nich ihr Blut auf meinen Lippen, es schmeckt\nstark.— „Nein nicht, lassen Sie das!\" ~Sei\ndoch nicht so, es sieht ja niemand.\" „Nein wenn\nauch.\" — Beinah erreichter Himmel. „O, nein,\nnicht!!\" — Autosonne, klar, gemein, brutal.—\nHaltung, man friert. \"Ich werde nach Hause\ngehen.\" „Ja, gehn Sie man, Sie wohnen ja\nweit.\" Blutend Lippen kosten, dann taumelnd,\nmatt, Chaussee, Herbstlaub feucht, schimmernd,\nfeucht wohlduftend.—"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c032", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "176", "page_fin": "176", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.22", "titre_corps": "Inhalt:", "titre_sommaire": "Inhalt:", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.26", "debut_caractere": 2720, "fin_caractere_exclue": 3461, "texte": "Inhalt:\nRudolf Blümner: Razzia 157\nLothar Schreyer: Gedichte . . .159\nErl auch: Tatdenker 159\nAnton Schnack: Dichtungen . . .160\nRudolf Blümner: Traumbild . . . 162\nThomas Ring: Der Goethemensch . 164\nAlexander Mette: Gedichte . . .166\nOtto Nebel: Verpusterohre . . . .167\nKurt Schwitters: Merf ilsermär . . 169\nKurt Liebmann: Gedichte . • 173\nOtto Nebel: Homo sapiens honoris causal74\nHerwarth Waiden: Musik. . -.174\nSchmitt Sulzthal: Gedichte . . .175\nEntel m a n n : Bier- u. Kongnacunterlage 176\nBerichtigung 172\nCarl Heinz Kroll: Linoleumschnitt 161\nCarl Heinz Kroll: Linoleumschnitt 163\nMan Ray: Photo Adolf Loos\nFernand L6g e r : Nature morte\nFernand Leger: Elements mecaniques\nHugo Scheiber: Porträtzeichnung\nNovember / Dezember 1925"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c033", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[156]", "page_fin": "[156]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[156]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 722, "texte": "9AA A A AA A AA A AAAA A A AA A A A A A A A A A A ,4 A A A A Affi\n(►\nHBHIHPRHHHHHHHs * SPPE\ni!ill(!!!li!lllll!ll!IIIIIIIII!il!!ll!!llll!llllllllllllill!lilllljlll!lllll[!ll!!lll!ll!l!ll!llll!ll!l!llll!l![|!|![|!lllll!l!l ►\nSchweizer Monatsschrift fOrt\n3\nDAS W ERK\n3\nI\n•v\n; v\n\"-iAV'.; / ' j\n- ■\nARCHITEKTUR\nKUNSTGEWERBE\nFREIE KUNST\n■ ' ' , \" • ' • '\n3 V\n3 Organ der schopferischen\nI Krafte in der Schweiz\nItffl\nSondernummer fiber die\nKunst des Auslandes:\nFebruar 1923: Bchw e d en\nMai 1925: Amerika\n4\nbevorstehend: Belgien\nSchriftleitung:\nDr. J. 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[m ~|f|i l«d. M. BIDIPI\nEDIZIONI D'ARTE\nALBERTO MARTINI\n11 Tetiteatro\n(II teatro suli'acqua)\nGrande libro in formato m. 0,30 X 0,40 contenente\n46 riproduzioni in nero ed a colori di scenografie,\ncostumi, bozzetti teatrali ecc. Prefazione e testo\ndi Emanuele di Castelbarco.\nEdizione die gran lusso, riiegata incarto\nnatura d'editore con fregi in oro, 500\ncopie L. 150.-\n50 Esemplari su carta speciale,\nnumerati, rilegati in tutta pelle . . . L. 300.\nALBERTO MARTINI\nMisteri\nGrande albo di lusso in formato m. 0,43 X 0,55\ncontenente 6 Ntografie original! precedute da un\ncommento lirico di Emanuele di Castelbarco.\nRara e preziosa opera limitata a soli\n50 esemplari numerati e firmati dali*\nartista. 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Freiheit der Kunst\nCharles Erskine Scott Wood - Anblick der Natur\nProf. Max Schippei - Das Agrarprogramm der engiischen\n\"\" \"\"\"\"\"\"\" Liberaien\nDr. Richard Kleineibst - Englische und deutschnationale\nPolitik\nProf. Anna Siemsen- Schulprobieme in England undbeiuns\nLisbeth Stern - Zum Weg der Frau\nDie staatliche Elektrhitfitswirtschaft | Walther Pahl — ZurUok-\ndrangung der weibiichen Arbeit | Dr.Meta Corssen — Vonri Nordlicht\nDr. Waiter Gordon — Kant und iarx | Prof Conrad Schmidt —\nGedankendrama | Dr. Klax Hochdorf Verfcehrsfragen | Hartmuth\nMerleker — Hindenburg | Dr. Hermann Schiitzinger —' Die Toten:\nOttiiie Ba&der, Moritz Heimann, Georg von $ayrt Friedrlch Schar:\nund aniieres mehr\nPrcbehefte stehen auf Veriangen jederzelt kostenfrei zur Verfugung.\nDem unterz ichneten Verlag ist die Mltteilung von Adressen will-\nkommen112 an die die Zusendung von Frobehaften ratiloh ersoheint*\nYei»lag d©p Socialis tl sell en\nG. m. b. 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RM 18.—\nRomantik-Land\nEin deutscher Friihling in Wort und Bild. Ausgewahlt\nund eingeleitet v. Ludwig Benninghoff 242Seiten\nUmfang Großoktavformat 16 Kunstdrucktafeln mit\nBildern von Caspar David Friedrich, Blechen, Schwind\nRethel, Cornelius, Runge u. a.\nIn Ganzleinen geb. 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Narzillier & 60. Berlin HI -: - Orunewalds(rafie 14-\nGegrUndet 1854 Hofspediteure 8. M. des Kdnigs von Spanien Gegrundet 1854\nSped/i/on and Mobeltransporte, Perpaakang and Lagerang\nvon 6emaiden and Kanstgegenstanden jedep Art\nL/eferang and Empiang nach and von alien Kanst-\naasltellangen des In* and Haslandes. Transporioer-\nficherangen aller Art.\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kunstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jilustratoren und Hausspediteure des „Sturm\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1925-11-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabg_1925-11_01#c044", "volume": "bmtnabg_1925-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "178", "page_fin": "178", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.28", "debut_caractere": 379, "fin_caractere_exclue": 1735, "texte": "Junge Kunff\nJEine Sammlung von Monographien iiber Kunstler unserer Zeit\nJeder Band dieser icings t in ffunderttausenden von Exemplar en verbreiteten Sammlung hat ein farbig§s Titelbild, 32 ganz-\nseitige Tafeln und enthalt im Textteil neben der Einfiihrung eine Selbstbiographie des Kunstlers, format <9° Preis in\nHalbleinen M. 2*50. Je Bdndchen als „ Bibliotheh der Jung en Kunst\" in einem Bande Jfalbleinen M* 20*—\n• , ; , • • ' 11 ' ■1\nMe vlelseitigsten and wohlfeilsten\nCresclienkbllcher fur den Freund moderner Kanst\nBd. /. RE/HE\n1. Max Pechstein v. Biermann,\n2. Auflage\n2. Paula Modersohn v. Uphoff,\n2. Auflage\n3. Bern hard Hoetger v. Uphoff,\n2. Auflage\n4. Autobiographische Plauderei v.\nLudwig Meidner, 2. Auflage\n5. Cdsar Klein v. DSubler, 2. Aufl.\n6. Fr. Heckendorf v. Kirchner,\n2. Auflage\n7. Rudolf Großmann v. Hausenstein\n8. Hugo Krayn v. Schwarz, 2. Aufl.\nP. RE/HE\n9. Willy Jaeckel v. Cohn-Wiener\n10. Edwin Scharff v. Pfister\n11. Maurice de Vlaminck v.Henry\n12. Wilhelm Morgner v.'Frieg\n13. Paul Klee v. von Wedderkop\n14. Josef Eberz v. Zahn\n15. Andrd Derain v. Henry\n16. K. Schmidt-Rottluff v. Valentiner\n3. REIHE\n17. Heinrich Campendonk v.\nBiermann\n18. Emy Roeder v. Kuhn\n19. Oskar Moll v. Braune\n20. Marie Uhden v. Graf\n21. George Grosz v. Wolfradt\n22. 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Z. im 4. Jahrgang\n. *\nMifarbeiter des iaufenden Jahrgangs:\nF. Busoni I Egon Wellesz\nFritz J ode / Heinz Tiessen\nPh. Jarnach I Prof. o. Hornbostel\nProf. H. Springer / Max Sleuogt\nProf. Kurt Sachs / Ernst Kurth\nund uiele andere\nSchriftleitung: Dp. 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G., Ziirich\nAuslieferung fur Deutschland:\nSpeyer & Peters, Berlin, Unter den Linden 39\nProbenummern bereitwillig\n\n«££& ounfcliA Ul ITOIA £?«£\nCm W|r|(! _ l[||ro|l . [m ~|f|i l«d. M. BIDIPI\nEDIZIONI D'ARTE\nALBERTO MARTINI\n11 Tetiteatro\n(II teatro suli'acqua)\nGrande libro in formato m. 0,30 X 0,40 contenente\n46 riproduzioni in nero ed a colori di scenografie,\ncostumi, bozzetti teatrali ecc. Prefazione e testo\ndi Emanuele di Castelbarco.\nEdizione die gran lusso, riiegata incarto\nnatura d'editore con fregi in oro, 500\ncopie L. 150.-\n50 Esemplari su carta speciale,\nnumerati, rilegati in tutta pelle . . . L. 300.\nALBERTO MARTINI\nMisteri\nGrande albo di lusso in formato m. 0,43 X 0,55\ncontenente 6 Ntografie original! precedute da un\ncommento lirico di Emanuele di Castelbarco.\nRara e preziosa opera limitata a soli\n50 esemplari numerati e firmati dali*\nartista. Le pietre litografiche dopo\nla tiratura vennero cancellate . . .L. 2000.-\n4 Esemplari rarissimi in sanguigna . .L. 3000.-\n\nRevue Germanique\nLille / 55 Rue Brule=Maison\nI Peri odi que trimestriel ■\n| Abonnement 30 Frs. pour l'dtrianger B\nI Informations sur Je mouvement I\net les travaux philolo- I\ngiques en All.magne aux Pays-\nBas et en Scandinavie\n\nINTEGRAL\nRE9UE DE SINTHESE MODERNE da SEULE\nQf^OUPEMENTd'AVANTGARDE ROUMAINE\nPARAISSANT CHACQUE MOIS\nDiRIQE Par an Comite bucarestois et parisien\nREDACTION : M. H. Max?. Calea Pictoriei 79 Et. I\nBUCAREST-ROUMANIE\n\n■■11l i win in mil\n3s at d; Art e\nR A G A G LI A\nModerne Kunstausstellungen / Theater der\nUnabhangigen / Buchhandlung / Verlag\nKunstgewerbe\nTerme Romane di Via Avignonesi, 8\nRom 4\n\nVerlangen Bie« bltte, aim Probdheft!\niiiiiiiiiuiiiiiiiiiTiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiuiifgiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nZum Verstandnis des modernen kultureden und pclitischen\nLebens unentbehrlich Ist die Lektiire der Zeitschrift\nSozialistische Monatshef Is\nHerausgeber JOSEPH BLOCH\nPreis pro Quartal 2,25 Mark, Einzelheft 75 Pfennig\nVorzugsausgabe (auf besonders schonem Papier) pro\nQuartal 4,50 Mark, Einzelheft 1,50 Mark\nDas Novembarheft eothilt:\nProf. Hugo Lindemann - Die Seibsiverwaitung im Partei-\nprogramm\nDr. Ludwig Quessel (M. d. R) - Der Rheinpakt, Auf-\n— erstehung und Bedrohung\nWolfqano Heine (Ehem. preuß. Staatsmin.)-Fur die\n. Freiheit der Kunst\nCharles Erskine Scott Wood - Anblick der Natur\nProf. Max Schippei - Das Agrarprogramm der engiischen\n\"\" \"\"\"\"\"\"\" Liberaien\nDr. Richard Kleineibst - Englische und deutschnationale\nPolitik\nProf. Anna Siemsen- Schulprobieme in England undbeiuns\nLisbeth Stern - Zum Weg der Frau\nDie staatliche Elektrhitfitswirtschaft | Walther Pahl — ZurUok-\ndrangung der weibiichen Arbeit | Dr.Meta Corssen — Vonri Nordlicht\nDr. Waiter Gordon — Kant und iarx | Prof Conrad Schmidt —\nGedankendrama | Dr. Klax Hochdorf Verfcehrsfragen | Hartmuth\nMerleker — Hindenburg | Dr. Hermann Schiitzinger —' Die Toten:\nOttiiie Ba&der, Moritz Heimann, Georg von $ayrt Friedrlch Schar:\nund aniieres mehr\nPrcbehefte stehen auf Veriangen jederzelt kostenfrei zur Verfugung.\nDem unterz ichneten Verlag ist die Mltteilung von Adressen will-\nkommen112 an die die Zusendung von Frobehaften ratiloh ersoheint*\nYei»lag d©p Socialis tl sell en\nG. m. b. H., BERLIN W. 35"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.3", "texte": "MONATSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\n\nRazzia\nAusdeutung des Traums\n\nIch stürze in die Garderobe und brülle. Es\nsind nur einige Minuten bis zu meinen Auf-\ntritt. Ich spiele den Octavio. Her mit dem\nPanzer. Halt — erst Maske. Maskä! Ich\nwerde heute ganz einfach meine große Brille\naufsetzen. Oben, Garderobier, in meinem\nWohnzimmer auf dem Schreibtisch links.\nAch, du lieber Gott, die hat ja gar keinen\nschwarzen Hornrand. Ich stehe noch in Unter-\nkleidern. Gott im Himmel, ich spiele ja gar\nnicht den Octavio. Den spielt ja der — der —\nder. Ich spiele ja den — den — den da. Das\nKerlchen, den kleinen Mann. Gott sei gedankt,\nGott. Da hab ich noch Zeit. Da passiert unten\nnoch vieles. Aber sie singt ja schon. Die\nhaben da unten ein Tempo. Was hab ich zu\nsagen? Das Buch geht ja nicht auf.\nHaben Sie kein größeres Buch? Was\nhab ich denn zu sagen? Was ist mein\nerster Satz? „Sie können ganz langsam\nsprechen, der Souffleur sagt Ihnen alles\nvor.\" Ich komme doch gleich. Machen\nSie hinten zu. Wie heißt der Satz? „Razzia\nfür den nämlichen Tonfall.\" Richtig, jetzt\nfällt es mir ein. Ich hatte gestern sogar einen\nErfolg, als ich hinaustrat und diese Worte\nsagte. Richtig: „Razzia für den nämlichen\nTonfall.\" Razzia! Razzia! Ich hab es ge-\nsprochen, wie man sagt: Gnade, oh Herr,\nGnade! Im flehenden Ton, wie ein Bettel-\nmönch. Oder wie man sagt: Gnade für meine\nMutter. Razzia für den nämlichen Tonfall!\nMit Zittern in der Stimme. Es hatte Eindruck\ngemacht. Ich weiß selbst nicht, warum. Ich\nverstehe den Satz gar nicht. Friseur, ich kann\ndoch nicht so hinausgehen. Ungeschminkt und\nmit dem Kneifer. So ist's recht. Machen Sie\nmir das Gesicht ganz dunkel. Gnade, oh Herr,\nGnade. Das ist ja ganz falsch. „Razzia für\nden nämlichen Tonfall\", das kann man doch\nnicht so sprechen wie: Gnade für meine Toch-\nter. Aber es hat gefallen. Niemand lächelte.\nKeiner spottete. Keiner war dagegen. Und\nalle hatten es hören müssen. Eine so kleine\nRolle und ein einziger Satz und ich bin oben-\ndrein der Jüngste. Aber auch der König blieb\nganz ernst. Und er stand sogar mit dem\nRücken gegen das Publikum. Ist das meine\nMütze? Die ist ja aus Katun, geblümtes\nMuster, lila. Ach so, die Perrücke ist gleich\ndran. Das ist gut, das geht schnell. Ruff,\nrufi, ruff. Das macht mich viel kleiner. Jetzt\nversteh ich: Razzia heißt — was heißt das?\nIch kann's ja sehen. Jetzt sehe ich es ja.-\n„Razzia für den nämlichen Tonfall.\" Hab\nich's schon gesagt? Ich erinnere mich\ngar nicht. Und jetzt steht in der Rolle: Oben\nrechts gegen die Sterne ab. Aha, aha, jetzt\nversteh ich alles. Aha, ich komme selbstver-\nständlich von den Sternen, deswegen „Razzia\nfür den nämlichen Tonfall!\" Ich komme von\nden Sternen, trete dann etwa vier Meter in\ndie Breite und sieben bis acht Meter hoch;\nauf. Alles schwarzes Glanzpapier mit eini-\ngen goldenen Sternen drauf. Und dann, wie\ngesagt, ganz oben rechts in der Ecke ab in die:\nSterne.\nDaß Schauspieler vom Theater träumen, ist\nnichts ungewöhnliches. Es ist um so häufiger,\nje weniger sie in der Wirklichkeit auftreten.\nSeitdem mich das Theater als unverdaulichen\nBissen ausgespuckt hat, träume ich oft von\nRollen, deren Text mir unbekannt ist, vom\nAnkleiden, das nicht zu Ende kommt und von\nTexten, die in Büchern nicht zu finden sind.\nSoweit ist der Traum leicht zu deuten. Daß\nich aber den Octavio spielen sollte, bereitet\nmeiner Auslegung größere Schwierigkeiten.\nIch habe niemals in meinem Leben eine Auf-\nführung des Wallenstein gesehen, habe nie in\neiner Vorstellung des Wallenstein, auch nicht\nals Statist, mitgewirkt. Der Traum geschah\nin der Nacht vom 6. zum 7. Oktober um 4.15\nfrüh. Am Tage vorher hatte ich den Besuch\neines jungen Schauspielers gehabt, der mir"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.4", "texte": "allerlei aus der Zeit seines Engagements am\nMeininger Theater erzählte. Auch ging mir\ngrade in diesen Tagen durch den Kopf, daß\nich in der schönen Lage wäre, in der nächsten\nZeit mein fünfundzwanzigjähriges Bühnen-\njubiläum zu feiern, da ich am 16. Oktober 1900\n' ; i » i.\nzum ersten Mal am Meininger Hoftheater auf-\ngetreten war (avis au lecteur). Damals wurde\ndas Meininger Hoftheater von dem längst ver-\nstorbenen Intendanzrat Paul Richard gelei-\ntet, der mein Onkel war und mit seinem wah-\nren Namen Paul Richard Blümner hieß. Er\nhatte seinerzeit zu den sogenannten Säulen\ndes Meininger reisenden Hoftheaters gehört\nund seinerseits den Octavio als eine seiner\nGlanzleistungen angesehen. So kam es, daß\ner mir vor fünfundzwanzig Jahren gleichzeitig\nmit der Perrücke des Julius Cäsar und des\nCajetan aus der Braut von Messina auch die\nPerrücke des Octavio mit den Worten dedi-\nzierte: „Und das, lieber Rudolf, ist die be-\nrühmte Octavio-Perrücke.\" Wenn mich die\nErinnerung nicht täuscht, habe ich sie nur ein\neinziges Mal getragen, als ein Bauer in Anzen-\ngrubers Komödie „Die Trutzige\", da ich die\nWorte zu sagen hatte: „Na, Zertinger, du\ntrinkst ja heut gar net.\" Später habe ich alle\nPerrücken für eine Mark das Stück verkauft.\nNun wird es Freud besser sagen können als\nich, ob ich mit dieser Ausdeutung meines\nTraumes auf dem richtigen Wege bin. Was\naber die kleine Rolle angeht, das Kerlchen,\nden kleinen Mann, der sich eine Katunmütze\naufsetzen soll, so scheint mir der Sinn dieser\nTräumerei wenig zweifelhaft. Denn da wird\nes sich wohl um die träumerische Erscheinung\nmeiner schauspielerischen Vergangenheit han-\ndeln. Aus der Zeit einer einigermaßen konden-\nsierten schauspielerischen Tätigkeit, die ich\nam Deutschen Theater hatte, erinnere ich\nmich, daß ich des öfteren Rollen nicht auffin-\nden konnte, die mir doch bestimmt übergeben\nworden waren. Hinterher fand ich sie regel-\nmäßig in der Billettasche eines Anzugs, den\nich einige Zeit nicht getragen hatte. Es war\nwirklich selten mehr als ein Satz, mit dem\nich mich der Kritik und der Ewigkeit einzuprä-\ngen hatte. Aber warum sollte dieses kleine\nKerlchen einen so sonderbaren Text sprechen:\nRazzia für den nämlichen Tonfall. Was den\nTonfall allein anbetrifft, so nimmt es mich\nfreilich nicht weiter Wunder, daß ich von ihm\nträume. Denn ich nehme seit zwanzig Jah-\nren das Recht für mich in Anspruch, dem Ton-\nfall der menschlichen Sprache durch zahl-\nreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen\neine größere Beachtung verschafft zu haben.\nIch nehme außerdem das Recht für mich in\nAnspruch, daß ich der erste Schauspieler ge-\nwesen bin, der den Tonfall als das dominie-\nrende Material der Schauspielkunst erkannt\nund bewußt benutzt hat. Ich weiß, daß auch\nandere Schauspieler ihre Sprache melodisie-\nren, da sie das irgendwie doch schon tun\nmüssen, ob sie wollen oder nicht. Meine Lehre\nsagt aber, daß ihr Tonfall von der Materie,\nvom Stück, vom Inhalt, vom Satz und Sinn\ngelenkt wird. Meinen Tonfall regiert nur der\nRhythmus. Ich habe in den letzten Wochen\nvielfache Versuche gemacht, einigen Schau-\nspielerinnen das schematische, ewig gleiche,\ndas immer nämliche (nämlich kommt näm-\nlich von dem Wort Name) ihres Tonfalls, der\nam Wort und am Sinn hängt, abzugewöhnen.\nEs war vergeblich gewesen. Zwei Welten\nstanden sich sozusagen vis-ä-vis. Ich hatte\nauch, um ein Geständnis abzulegen, in den\nletzten Wochen unliebsame Gelegenheiten,\nim Radio einige Herren und Damen ihren\newig gleichen (nämlichen) Tonfall verbreiten\nzu hören. „Meine Herrschaften\", rief ich,\n„Sie sprechen ja alle Zeilen gleich. Sie geben\nja allen Gedichten den nämlichen Tonfall. Es\nist eine öffentliche Plage!\" Sie hörten mich\nnicht und ich dachte, wenn man die Polizei\ngegen diesen Tonfall zu Hilfe rufen könnte.\nMan müßte eine Razzia auf diesen Tonfall\nveranstalten. Dieser Tonfall, der ein öffent-\nlicher Skandal ist, müßte endlich einmal poli-\nzeilich ausgehoben werden, wie eine Verbre-\ncherbande. Man muß eine Razzia auf ihn\nmachen. Ja, auf ihn, auf ihn. Auf den\nTonfall. Warum aber, Gott im Himmel, träume\nich „für den Tonfall?\" Ich weiß es nicht. Ich\nweiß es noch nicht. Es wird schon seinen\nGrund gehabt haben. Razzia — auf. Viel-\nleicht störte mich Musikalischen die Häufung\nder Vokale. Razzia — für — ah, das klingt\nphonetisch schon besser. Und nun zeigt sich,\ndaß mein Tonfall richtig war: flehend wie ein\nBettelmönch bat ich um Razzia, wie man sagt:\nGnade, oh Herr, Gnade für meine unschuldige\nTochter. Ich flehte um Razzia als um das ein-\nzige Heilmittel gegen den ewig nämlichen\nkonventionellen Tonfall, um das einzige Heil-\nmittel für, ja für den Tonfall. Ich be-\nschäme Freud. „Razzia für den nämlichen\nTonfall\". Der Tonfall kommt von den Ster-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.5", "texte": "nen, vom Wandel der Sterne, die ihm ihren\nRhythmus geborgt haben und er kehrt zu den\nSternen zurück, um sich dankbar dem Rhyth-\nmus der Planeten wiederzugeben. Ab oben\nrechts zu den Sternen. Ueber schwarzes\nGlanzpapier, das mit wenigen, wenigen Ster-\nnen bestreut ist.\n\nRudolf Blümner\n\nGedichte\nLothar Schreyer\n\nLeben\nDer Strom von Blut bäumt über den steilen\nFels\nDas Feuer bebt\nDie Täler füllen sich mit Brausen\nDie Menschen wallen in die Welt\nDas Jauchzen dröhnt\nDie Kinder werden geboren\nDie Mädchen verhüllen ihren Leib\nDie Knaben treiben die Pferde\nDie Blicke der Jungfrauen empfangen die\nBlicke der Jünglinge\nDer Mann hebt das Schwert und den Pflug\nDie Mutter singt über der Wiege\nMann und Weib graben die Erde\nDer Greis beugt sich tief und die Greisin beugt\nsich tief\nDie Erde begräbt den Körper des alten Mannes\nDie Blumen über der Erde blühen auf dem\nGrab der alten Frau\nDie Kinder geben sich die Hand und gehen\nDie einsame Mutter lächelt mild\nDie Woge rollt glitzernd an den Strand\nDu wirfst Dein Fühlen in die Welt\nUnd lebst\n\nAngst\nIn Mondnacht weint die Mutter ihren Schmerz\nDie Kinder lächeln einsam in dem Schlaf\nDie Männer wachen trüb und wachen über\nFrauenleichen eifervoll\nDas ist der Tag der Angst\nDie falsche Sonne schüttet das Geschmeide\nauf der Jungfrau Brust\nDie Steine fallen klirrend auf der Jungfrau\nBrust\nGelächter schneidet in das sanfte Wehen der\nGeburt\nUnd es zerreißt der Leib der Welt\nAus offnem Auge starrt erloschner Stern\nDie welken Kränze zerwehen\nDie trauernden Summen singen das ver-\ngessene Lied zu spät\n\nTatdenker\n\nTatdenken — Weisheitsdenken —\ndenken!\nWer Ohren hat, der höre! Wer Augen hat,\nder sehe!\nIch höre den Chor der Stillen, derer, die miß-\nvergnügt im Lande ringsum sitzen, Tiefsinns-\nverschroben sich abgekehrt haben von Aller-\nwelts-Gedanken und Allerwelts-Parteien. Er-\ngeben den Afterweisen und Charlatanen, die\nihre altertümlich seßhaften Denkgewohnheiten\nschonen und sie gar rühmlich überhöhen\ndurch ihre Ichologie und Superstition der\nAfterpsychologie. Ich sehe die Werke der\nWeisheitsphilosophie und des Tatdenkens:\nwurmverwandelt ließen sie das Wort hinter\nsich und endlose Filmrollen seichten Ge-\nschwätzes streifen in die Luft. Ich sehe die\nerhabenen Köpfe innerhalb ihrer vier Pfähle,\nda Tatdenken, Weisheitsdenken, Führungs-\ndenken den Tabaksdunst wölken, und behag-\nlich Schlummerrollen und Sofa die Wanken-\nden stützen. Ich sehe Mittelbürger, Pfahl-\nbürger, wahlergeben den Impotenten, demütig\nbereit, ihr Scherflein auf die Altäre der\nmenschlich allzumenschlichen Notdurft jener\nTatdenkenden, Weisheitsdenkenden, Füh-\nrungsdenkenden zu entrichten, um an dem\nGlück der Selbstbewunderung und Selbst-\nüberhöhung teilzunehmen.\nTatdenken verkündet sich selbst die philoso-\nphische Unsterblichkeit. Eine Produktion in\nDeutschland von jährlich 3—4000 urorigina-\nlen philosophischen Büchern, welche Deutsch-\nland erweist als Land der Weisheit, hat im\nTatdenker ihren Gipfel gefunden.\nDie Abderiten hätten den Tatdenker zu ihrem\nGott erwählt. Aus den Tiefen der tastenden\nStille von 3000 philosophischen deutschen\nWerken hat sich der Münchhausen der deut-\nschen Philosophie*) in die Könnensschwebe\nemporgerückt, da er nun Tatdenkend, Weis-\nheitsdenkend, Führungsdenkend: Spannun-\n*) Tatdenker Willy Schlüter"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.6", "texte": "gen, Gegensatz-Härten, Klassenkampf und\nalle andere Misere im Raum, da sich die\nirdischen Gegenstände im Wege sind, schwin-\ngend überwindet. Setzen wir uns die Nacht-\nmütze aufs Ohr, zünden wir uns die Pfeife\nan, rollen wir uns auf das fabelhafte Sofa\ndes Tatdenkens, senken wir das Haupt in die\nblauen Rauchwolken und lauschen germa-\nnisch-biologischem Säuseln:\n„Wem das führende Leben das Raum- und\nZeitschaffende ist, das im Orte und im Zeit-\nmoment Signale für die Steuerungsaufgaben\nder lebenden Führungseinheit des Ichs wür-\ndigt, der wird auch mit den Meldungen des\nGefühls und der Sinne und der Bewertung\ndes Leibes für das Auffangen ihrer Kunde Hin-\nweise auf die Eigenlage und das Eigenkönnen\nentfalten, die das Sondergliedwesen der Per-\nsönlichkeit so fundieren, daß eine abstrakte\nAblehnung des gewiß klärungsbedürftigen Be-\ngriffs „Einzelwesen\" sich sachlich sehr er-\nschwert . . . Man vermißt den Uebergang zu\neiner geschmeidigeren Metasystemie, die\nSystematisierbares und Unsystematisierbares\nauf das Rätsel der überintellektuellen Lebens-\ntotalität koordiniert und sich mit stetig fort-\nschreitender Aufhellung der Seele begnügt,\nstatt mit alles vorweg erliegenden Definitio-\nnen einer Scheingeschlossenheit zu konstruie-\nren, die ja doch den Weg alles Vergänglichen\ngeht.\"\nDieser Tatdenker — ach, wie sehr ist er in\n<las Leben verliebt! Fehlt aber nicht eines\nall diesen Führungsdenkenden, die Führung\nimaginieren kraft des biologischen Schemas:\ndie Selbst-Kontrolle, Konfrontation des Gei-\nstes gegenüber dem Leben? Wer von ihnen\nkann vor dem Richterstuhle bestehen, wel-\ncher dieser biologischen Pfaffen und Druiden?\nWenn das Leben darin besteht, die Wolken-\nschwebe zu erreichen, dann, alter Hegel,\nhaben wir umsonst Sofa und Pfeife abge-\nschafft. 0, perennierender Staub auf deinem\nWege, Jahrtausend der Maschinen vor uns:\nnicht den Pfaffendienst, nicht die Hätschelung\nder Windelweichen, die von hinten den\nMaschinenmenschen küssen, und ihm auf die\nStirn, die eisenharte, den Breiumschlag weis-\nheitsdenkender Eklektik verabfolgen — euch\nallen schlage hoch das Gelächter!\n„Heut ist uns Opfermut in-Gott-schwebe, das\nLosgekommensein von jedem Haften an Zu-\nfallsnot, das Freigewordensein für stetes Neu-\nbeginnen, Neuvollenden. Wir erkennen, daß\nalles Denken, Lieben, Führen zunächst sich\nfallen lassen muß in Gott, ihm ganz sich\nopfern. Opferbereitschaft, Eingestelltheit auf\nGemeinschafsdienst mit jedem Hauch . .\nO, lernbegieriger Famulus der großen\nSchwätzer und Pfaffen, erwäge, wie dieser\n„Gott in Schwebe\" gleicht dem quieszierenden\nGebilde im Wolkendunste göttlicher Havanna!\n\nErlauch\n\nDichtungen\nAnton Schnack\n\nFlieger\nLange war leer das Gewölbe des Himmels,\ngerötet, betönt, beworfen mit Rauch\nmanchmal. Dann er aus Wolkigem stieß,\nPlötzlich und unnahbar. — Ein zweiter im An-\nzug, doch dunkel fast,\nHoch und unendlich entfernt. Wolken am\nRande, schwärzlich berahmt; Mondsichel,\nmilchig, verblaßt;\nDazu ein Raum, blau; dazu ein Gewitter im\nGrund, dazu ein Turm, der stand in die\nLuft wie ein erzener Spieß . . .\nWie einer sah scharf spähend empor, hob sich\nein Dritter aus Rauch, schnurrend, hob\nsich ein andrer aus grünlichem Dunst,\nWanderte über den Wald, näher, ganz nah,\nirgendwo rollte ein Schuß, hart und ge-\nmein, Vögel flogen verstört über ein\nuraltes Schloß.\nDa sie so rauschten, ballten sich Wölkchen\nins Hohe, wurden zur Schar, blühten die\ndie Decke entlang mit hinzuckendem\nLichtwurf, bebend und kurz, sprengte zur\nFront hin ein Troß;\nIrgendwo rollte Gewitter, immer dunkel,\nurhaft, brach in die Dämmerung Schrek-\nken und purpurne Brunst. —\nEiner zog ab verschluckt von Gewölk, kam\nniemals mehr wieder, einer trieb schwan-\nkend zu Sternen, die nördlich aufwuch-\nsen, schwer überkam in das Dunkel, ein\nRauch\nFuhr bläulich ihm nach, säulend und lang;\nnur der zuletzt aus dem Oestlichen stach\nRauschte nach vorn . . . Vorne da lag eine\nStadt mit Lagern voll Stroh, Gezeiten,"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "161", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.7", "texte": "Karl Heinz Kroll: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "162", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.8", "texte": "goldenen Läden, glühte von Lichtern ein\nSieb,\nStanden Truppen im Glied, tranken Pferde\naus Bronnen, dämmerten Bollwerke, hüg-\nlich aus Gras und rauschendem Strauch,\nAber einer fiel abwärts, müd gegen Abend,\nmitten in Wildnis, mitten in Unkraut, leb-\nlos, getötet, als in der Stadt, in den brök-\nkelnden Häusern schauriges Feuer aus-\nbrach.\nDer Rückzug\nDer dunkelste Strom, das Drehen vieler Räder\nin -hohe Nacht hinein, lichtlos, gefüllt mit\nLärm. Da sprachen Stimmen, Ruf ver-\nwuchs mit Ruf. —\nDurch Schmutz und Schmiere, kniehoch, leh-\nmig, durch Wasser, Löcher, durch zer-\nstampfte Felder. Rückwärts der Him-\nmel rötlich, bläulich, grün.\nAuch ganz in Weiß, auch ganz in Schwarz mit\ngelben Schnüren. Rückwärts die Ränder\nvoller Brand, voll vielem Feuerblüh'n,\nVoll Rauch und Wolken, voll Ungewittern,\nniederbrechend, polternd über Länder-\nstriche .. . Doch vorne klappte tausend-\nfacher Huf,\nSchrie einer gellend, scharf, fiel einer unter\nRäder, knarrend, mit knirschendem Ge-\nbein, im klirrenden Geschirr brach endend\nhin ein Gaul,\nMit Schaum am Mund, Blutflocken. — Dann\nDörfer, tot, voll Trümmer; Gestein; ver-\nmooste Gärten. Man fiel in Schlaf und\nRast,\nDoch and're lagen knallend gegen den, der\nvorbrach aus Gehölzen, Gräben; und\nandre waren westlicher auf Sturm und\ndumpfe Schüsse stundenlang gefaßt,\nAuf Reiter, auf Battrien, auf geschloss'ne\nBataillone. Aus hundert Dörfern schlug\nder Brand noch stinkig, greulich, faul.\nUnd wie sie trabten nördlich schon, mit\nWagen, überladen, schon stundenweit\nentfernt, schon ganz verklungen, klein,\nWar noch der Groll, der dunkle, dumpfe,\ntolle; war noch der Himmel ganz\nbespritzt, hellrot, wie zarter Wein,\nDoch war's ein Feuerschwaden, der aus so\ndreißig Dörfern kam, aus Holz, aus Teer,\naus Ställen, Dielen, aus flachen Dächern,\nprächtig knisternd, schwarz aus Stein,\nAus Meierhöfen, aus Gevierten, Winkeln; da\ndas Gewölk der Nacht, dort Säulen\nFeuers, Unruhe, Sprengung, ganz gewal-\ntige Zerstörung und Schnur der Fuhren\nVoll Drähten, Decken, Heu, voll alten Dingen,\nMist und Tand. Versinkende im Schlamm,\nZertretene, Zerstampfte, Hingebroch'ne,\noh Abend, hoch erbrausender, oh unbe-\nkannter Städte dunkle unerhörte Uhren,\nOh silbernes Konzert im Park, oh Glanz der\nfröhlich Schmausenden: unnahbar, weit\nentfernt, entrückt dem Wirrsal, Tod, dem\nMord, der Uebermüdung und den Feuer-\nspuren . . .\nSexus\nOh Knie, oh Gnade: wer lag schreiend so vor\nDir wie ich, gesteilt, gereckt, entblößt,\nIn voller Nacht, in Gärten, mailich; der junge\nMond im Ast;\nDich, weißes Fleisch, Dich Süßigkeit, beaderte,\nmit Armen warm umfaßt;\nHaar rann hinab, im Nacken, Achseln, wirre\nWildnis, fließend aufgelöst! —\nSo Aufgewölbtes (fabelhaft); oh, ich schrie\nWorte aus von dem, von allem, von dem\nPurpurprunk,\nVon knisternder Verseidigung, von Land, dem\nleiblichen, von Brunnen, Fluß,\nVon Sternen weiß zu Häupten, von Ueber-\nflutungen, von eingebiss'nem Kuß,\nDem Schein der Schenkel, ros'nem Knöchel,\nvon menschgeword'nem Wasser, Schale,\nScham und Trunk.\nEwiges Elfenbein, gemeißelt; oh, die Brust,\ngefüllt, verprallend, rötlich, rund, gemacht\nUm zu durchstrahlen Samtverschnürung,\nGras der Gärten, sommerliche Nacht;\nUnd, oh der Leib, oh wie? wer spräch es aus\ndies Wunderding, verblaßt,\nMit Streifen, Sternen, oh gewunden, oh, so\nwär ich schamlos fast\nDies hinzumalen: schneelich, schimmernd;\ndies, wo lag die Hand\nAufzuckend, fiebervoll; dies, wo ich schwül\nverendete und dunkelrot verschwand.\n\nTraumbild\nRudolf Blümner\n\nWährend der Inflation haben sich viele Men-\nschen eine Schnelleber zugelegt."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "163", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.9", "texte": "Karl Heinz Kroll: Linoleumschnitt / Vom Stock gedruckt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "164", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.10", "texte": "Der Goethemensch\n\nAuf diesen Klamotten, die die Welt bedeuten\n— verzeihen Herr Geheimrat — auf dieser\nwunderschönen grünen Erde genannt Deutsch-\nland herrscht totale Finsternis. Trotzdem\nuniverselle Menschen stets den Antrag ge-\nstellt haben, eine bessere Beleuchtung anzu-\nschaffen. Aber manche Braut ist ewig und\nfinster. Immerhin lernt sie zu, wie jede, der\nder längste schöne Wahnfried mal zerreißt.\nEntzwei sagte Herr Schiller, zwei Seelen ach\nhauchte Herr Goethe. Der Deutsche, der Hin-\ndenburg, Gerhart Hauptmann und das Pulver\nerfunden hat, brachte auch das faustische\nMenschenuniversum seiner genialen Selbst-\nbezichtigung auf die Erde. Und die Braut,\ndas heißt die Anwartschaft auf Zeugung, die\nin dem sogenannten Volkskörper lebt, weiß\nheute noch in jedem neu erscheinenden Buch\nein Zitat oder einen Vorspruch einzuflicken,\nsolange die Aussteuer der 32 Bände Weimarer\nVorverfassung reicht. So wartet also die\ndeutsche Volksseele als Iphigenie gekleidet\nnoch immer auf die Klärung des zweiten Teils\nzum Faust, denn der hat Tiefe. Hat Herr\nSpengler schon aus dem ersten Teil des\nfaustischen Menschen eine ganze Kultur ge-\nmacht, die untergehen soll im Abendland,\nwelcher Morgen könnte da erst aus den Tiefen\ndes zweiten Teils aufschimmern, wenn man\ndie noch dunklen Glanzlichter fassen könnte.\nNietzsche stellte umgekehrt den gefaßten\nSchimmer des Schnittmusterbogens der Welt-\nordnung als apollinisch voran und gab den\nzweiten Teil des unvermeidlichen Dualismus\nzur ungehindert dionysischen Benutzung frei.\nAntithese oder Widerspruch nannte Herr He-\ngel etwas früher den zweiten Passus eines\nlogischen Vorgangs, dessen erster Teil These\noder aufgestellte Behauptung ist, und er\nprophezeite eine stets darauf folgende Syn-\nthese. Das mag in Absoluten richtig sein,\ndoch nicht zwischen Maas und Memel, Be-\nsatzungszonen eingerechnet. Der Deutsche,\nder einer überall gelesenen Bekanntmachung\nzufolge nicht nur Dichter, sondern auch Den-\nker ist, drückte sich an diesem logischen Drei-\nbein Hegels vorbei und griff mit Schopenhauer\nals standhaftes Zweibein freudig, das heißt\npessimistisch, in die Welt als Wille und Vor-\nstellung. Hier ausgleichshalber mit Vorliebe in\nden zweiten Teil, die Vorstellung, deren ele-\ngante Blässe im Musterbild „Helena\" ja be-\nreits den zweiten Fausthandschuh so an-\nziehend machte, auch wenn er keinem Leben-\nden paßte. Schließlich stellten sich so viel\nRequisiten dramatischer Selbstbezichtigung\nvor den Willen, daß jede Krümmung und jede\nAsphaltluke des Lebenswegs mit guten Vor-\nsatzpapieren klassischer Dichter zur Hölle\ngepflastert ist. „Where there is a will, there\nis a way\" sagt der Engländer. „Ueb immer\nTreu und Redlichkeit\" singt der Deutsche zu\nMozarts Melodie: ein Mädchen oder Weib-\nchen wünscht Papageno sich. Ja, Papa Genus\nbleibt sich treu und redlich singt er sich was\nandres vor als was er meint. Man soll die\nVorstellung nicht vor dem Willen loben und\nmancher ist dadurch zu Ende ehe er seinen\nWillen gezeigt hat. Dann schlägt man auf den\nTisch wie Bismarck oder läßt seine Hand ver-\ndorren wie Scheidemann und unterschreibt\neinen Vertrag. Versaille heißt die Kanaille.\nMan kann auch eine Verfassung ändern wenn\nman glaubt, sich in den schriftlichen Begleit-\nerscheinungen zu den Revolutionen des Welt-\ngeists vergriffen zu haben. Aber schwieriger\nist es, sich eine reale Fassung ohne ideologi-\nsche Reklamefläche zu geben.\nDer Werdegang eines gut von Gemüt durch-\nwachsenen Deutschen muß einmal in seiner\nganzen Bildungshaftigkeit begriffen werden.\nZwischen Abendschoppen und Morgenzeitung\ngezeugt reiht sich dieser Typ nach einigen\nJahren blecherner Spielzeugzerstörung in die\nOrdnung der Schulbänke ein. Hier läutet ihm\nnach Fibel, Kopfrechnen, Religion sehr bald\ndie Glocke zum ersten Aufstrich schillernder\nBildung. Bei Goethe beginnt die Glocke zu\nwandeln und ihr moralischer Wackeltopp\npflichtet dem Lehrer bei, daß auch Sonntags\ndie Frühstückspause nicht zu lang genommen\nwerden darf. Dann steigen die Griechen aus\nder Versenkung der Spickzettel, die die rich-\ntige Norm für deutsches Versmaß erfunden\nhaben und deren Kothurn noch heute jeder\nhirngymnastischen Besohlanstalt vorklappert.\nAls kümmerliche Vorläufer Preußens werden\nnatürlich Sparta und Rom erwähnt. Der\nübrige Teil ist Stapelung von Wissenskapital\nals Konzession an reale Bedürfnisse, verdient\ndaher nicht mit zinsfreien Idealen in eine\nReihe gestellt zu werden. Man soll nicht\nsagen, daß der Heimatsinn des Weltbürgers zu\nkurz kommt. Stets bleibt Teils Apfelschuß\nder Stolz aller Schützengilden, die Jung-\nfrau von Orleans wird immer noch vom Leben"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "165", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.11", "texte": "unberührt umschwärmt, Maria Stuart ist und\nbleibt das Zwiebelmuster des Tränenreizes.\nSolche ganz großen Gestalten, vom Schiller\ngeliefert, machen die zwischen den Jahres-\nzahlen der Schlachten am Qranikus und bei\nSedan geschehende Geschichte körperhaft und\nbürgerweltlich. Die Schicksalshand der ober-\ngelehrten Vorstellungen greift bei der Einjäh-\nrigenprüfung der Eintagsfliegen Toga und\nBaerenfell mit einem Griff zusammen und der\nHausmacherschnitt des modernen Mitteleuro-\npäers flitzt von der Stange.\nIst dieser Bildungsgang zu Ende, so pfeift der\nnun erwachsene Halbwuchs nicht mehr auf die\ngereimten Weisheiten der Alten, die ungereimt\nund täglich neu die Spatzen von den Dächern\npfeifen, sondern er steht in klassischer Pose\nals Herkules am Scheidewege, die Flötentöne\nsind vergangen und die Wattemuskeln geblie-\nben. Das Gedächtnis schlürft fortan im Zita-\nterich des angelernten Krebsgangs, leise zieht\ndurch das Gemüt ein blecherner Papphelm von\nSchiller, ein Frankfurter Daktylus rennt\njiddisch über die Straße, wo auch der Omni-\nbus des Lebens hält.\nVom Deutschen wurde als höchstes Glück der\nErdenkinder die „Persönlichkeit\" auf einen\nGemeinplatz ohne Verkehrsordnung herab-\ngezogen und als vorzügliches Mittel gegen\nunser maschinelles Zeitalter empfohlen. Wenn\nman sich einer Logik nicht entziehen kann und\ndeshalb reden muß, schildert man frei nach\nund durch Hegel zunächst die Antithese oder\ndas Gegenteil. Also bitte geehrter Herr Anti,\nwo ist keine Maschinerie? Die Gemütsver-\nsorgung durch Gartenlaube, die Interessen-\nspeisung durch Radio, der Bildungsdung des\nmitteleuropäischen Hausgewächses durch\nMarlitt und May, Zeitung und Parlament,\nSipo und Briefträger, Straßenreinigung und\nKonfirmandenunterricht sind als Mechanisie-\nrung des Körper- und Seelenzuschnitts bald\nerkannt. Zu schweigen von der Zifferordnung\nder Verkehrsbahnen, der täglichen Wieder-\nholung des Wegs vom Frühstücksaufschnitt\ndes Lokal-Anzeigers oder der Roten Fahne\nzum WC., dem Step des Normalpulses oder\ndem rhythmisch-metrischen Zwang der in Zeit\numgesetzten Schrittlänge des 1,70 m Normal-\nmenschen, gegen dessen Eintönigkeit die Frei-\nheit persönlicher Intensitätswahl mehr oder\nminder fruchtbar opponiert. So bleibt schließ-\nlich als einziger unmaschineller Vorgang die\nWut eines biologischen Etwas auf die Lange-\nweile maschineller Wiederholungen, sie tritt\nals schöpferische Vehemenz auf, die alle bis-\nher bekannten Stabilisierungen aus dem Ge-\nleise wirft und rhythmische Aenderung an ein\nneues Metrum bindet. Es ist der Natur längst\nbekannt, daß sie durch solche Synthesen zur\nProduktion kommt. Die These „Wille\" wir-\nbelt ein bißchen Staub auf, die Antithese „Vor-\nstellung\" macht in der Spiegelgalerie der Re-\nflektionen ein Bild davon, dessen umgekehrte\nOptik „Bewußtsein\" heißt und inmitten dieses\nZaubers erhebt sich synthetisch das Produkt\n„Persönlichkeit\", das ebenso weiter will als\nnicht anders kann. Das verbliebene allgemeine\nund geheime Wahlrecht zur Richtung im\nweiteren Fortleben liefert Stoff für philosophi-\nsche Lebensverwertung, deren Erzeugnisse als\nIdeen oder, in praktischen Verkehr umgesetzt,\nals Dogmen bekannt sind. Das Leben ist da-\nmit reflektiv eingesperrt und kann nur Maschi-\nnen treiben. Man muß sich aber zu deren\nWert bekennen und begreifen, daß es die\nMechanisierungen sind und nur sein konnten,\ndie den Willen anregen.\nDie Selbstherrlichkeit jedes Dogmas ist ein\nabstraktes Auto mit Einsteigezwang für\nEchauffeure oder Führer. Das Trittbrett im\nKopf nagelt die Welt nicht zu, sondern erhebt\nden Schritt zum Ideal. Welch besonntes\nOmnibusdach ist „Nächstenliebe\", wenn man\nunbequeme Glatzen bespucken darf. Wäh-\nrend der Fahrt nicht aufstehen. Wie gewun-\nden geht die Treppe zur „Freiheit\", wo oben\nLuft greifbar in die Locken fährt und der\nFahrpreis sowieso feststeht. Bitte die Draht-\nleitung nicht berühren. Innerliche Menschen\nfahren geschlossen, wo es nicht zieht. Also\nmang das Publikum. „Schönheit\" ist ein\nPlüschpolster, in das sich jede geliebte Run-\ndung muffen läßt. Vorsicht beim Absprin-\ngen! „Tiefe\", ein ähnlicher Ledersitz wie\n„Entwicklung\", doch mit gelähmter Sprung-\nfederbereitschaft. Man spürt die Erschütte-\nrungen stärker und der hölzerne Unterbau\nunsres Antigehirns vermittelt feste Grund-\nsätze. Modernerem Schwebebedürfnis sei das\nFlugzeug „Nirwana\" empfohlen, das über dir.\nUnebenheiten aller Pflasterköpfe hinweghebt.\nFallschirme werden von der Gesellschaft ge-\nliefert. Die neuere Ballastabwerfung heißt\n„Nihil\", von Rilke auch „Gott\" genannt, und\nwer dabei auf seinem Standpunkt bleibt, fährt\nim „Relativismus\". Da bleibt kein Einstein\nauf dem andern, sondern alles ist Bewegung."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "166", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.12", "texte": "Jeder Autotyp, jedes Ideeselbst ist praktischen\nBedürfnissen angepaßt in mehreren Linien der\nRichtungsabsicht seiner Benutzung zugäng-\nlich, und die allgemeine Währung setzt die\nVerpflichtung des Einzelnen fest. Keine von\nder Bewußtseinskontrolle geknipste Forde-\nrung gilt zweimal, wenn man nicht mogelt.\nNoch jeder Zauberlehrling wurde aber vom\nBesen beherrscht und ersehnt die Rückkehr\ndes Meisters, daß er dem Pinsel eins aus-\nwische. Daher die vielen Meister der Gegen-\nwart vom indischen Bindedraht Tagore bis\nzum deutschen Starkbier Häußer. In dieser\nYorfrühlingsverfassung der Ideen knebelt der\nScheuertrog der Realwelt nach seinem Er-\nmessen Wasser auf die Stufen „nur für Herr-\nschaften\". Wen das Leben nicht packt, daß\ner den eignen Bannspruch findet, der jagt als\nPapagei fremden Geplappers im Haus umher.\nDie Maschine mechanisiert den zugelaufnen\nFinder, der den Erfinderlohn des Suchens\ndurch angelernte Sprüche verscherzt.\nIn dem seit Bestehen der Menschheit kreisen-\nden Verkehr hat plötzlich ein Mitfahrer\nnamens Urgoetz das Phänomen entdeckt,\ndas zwischen Maschinenzwang verschiedner\nFormen wählen darf und die Freiheit hat,\nZwangsmaschinen nach eignem Belieben zu\nbauen. Er wurde deshalb der Götze der\nDeutschen, die gern eine alte Katze im neuen\nSack kaufen. Die Nichtmaschine oder Per-\nsönlichkeit wurde bereits in Griechenland zur\nbesseren Durchführung des Krieges zwischen\nAthen und Sparta oder zur Gründung des\nEuropäertums erfunden, von Petrarka, einem\nChauffeur der Omnibuslinie „Sexualidee\" neu\nangekurbelt und nach ihrer Einführung im\nNorden von dem Kulturadvokaten Winkel-\nmann etwas eintönig lackiert. So fand der\nUrgötz Deutschlands ein fertiges System vor,\ndas, in neugotischer Farbenpracht und mit sei-\nnem Namen versehen, aus den Expressions-\nExplosionen des Seelenbenzins der gemäßig-\nten Zone einen Fahrtrekord aufstellen mußte,\nder sich im Herzen Europas festbiß. Frei-\nfahrten der Väter werden manchmal erst im\nvierten oder fünften Glied bezahlt. So muß\nzur Kostendeckung des inneren Aufwands an\ngebildeter Plüschausstattung das deutsche\nHerz bei jeder ähnlichen Ausfahrt noch des\nRekordmanns gedenken und in stiller Kurbe-\nlung rasch eine Wegkurve des unvergeß-\nlichen Lebenswegs berühren. Ehret eure Mei-\nster und wenn sie Wilhelm heißen. Die Garage\nWeimar wird zum Museum umgebaut und im\nNachschlagebuch jedes Gehirnspinds sind\nAuerbachs Kellerasseln, Götzens Einladung\nan die Umwelt, Gretchens Schönheitsmittel,\nder ewig weibliche Lift, Hermanns ungekoste-\ntes Familienglück, Faust's Seelenzwielicht,\nTassos versalzene Lorbeersuppe, Egmonts\ngedämpfter Trommelgang und andre Aus-\nblicke gotischer Innenschaufenster in unver-\nwüstlichen Klischees eingebrannt.\nNur diese Nation konnte den Buchdruck er-\nfinden, um Autoritäten aus Papiersärgen zu\nzitieren und die Bleichsucht eigner Lebens-\ntänze durch Erhitzung um gekalkte Vorbilder\nin Kontrast zu heben. Der Goethemensch ist\ngegen Nachahmung durch andre Nationen\ngesetzlich geschützt.\n\nThomas Ring\n\nGedichte\nAlexander Mette\n\nPorträt H. Sp.\nUmottert spell\nKopf rosa zart pastell\nund kneife Augen\nkniff kneift kneif der Mund\nund spell das Haar fluh ätherblond versprengt\nversprengt der Blick\nversprengt und hell der Blick\nversprengt verspringt der Kopf\nbreit und versprengt der Kopf\nund wölber Schädel warmlichtrot spreng in\nden Aether spreng versprengt\nsprüht Blitz\nversprüht in nerve Blitze\nstrohhellverklirrt\nknirr kneif Geknister nervig ätherhell und\nblondverblichen kniff.\n\nMöven\nDie schlage Litze Welle säumt und kämmt\nfalltauch hinüber\nweiß zerbricht der Raum\nund\nschwebe gleite Leiber stelm die Luft\nund schwarze bohre maske Blicke Schnäbel\nHälse dröhn und drelm."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.13", "texte": "Hugo Scheiber: Porträtzeichnung"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.14", "texte": "Man Ray: Photo Adolf Loos"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.15", "texte": "Fernand Léger: Nature morte"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.16", "texte": "Fernand Léger: Elements mécaniques"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "167", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.17", "texte": "Verpusterohre\n\nAuch die Flötbesen und Fagottschrubber kom-\nmen in Pan-Europa leider immer noch viel\nzu selten zur Privatsache. Das aufgeweckte\nVolksbewußtsein jedes Einzelnen braucht\nlange Zeit, um völlig aufzuwachen. Das ist\naber schade, unpraktisch und gar nicht tapfer.\n*\nDer Kommissar für Wohlfahrt und Belusti-\ngung weist hierdurch auf einen Apparat hin,\nder infolge seiner leichten Handhabung allen\nMenschen gewissermaßen ans Herz gelegt\nwerden muß. Aus der Gebrauchsanweisung\ngeht hervor, daß das Instrument sogar an den\nMund gelegt werden soll.\nEs dient der Sauberkeit sowie der begabten\nHandhabung in treuer Einheit wohlgemut.\nDenn es besteht aus einem gemeinen Stuben-\nbesen oder Zimmerschrubber, dessen Hohlstiel\nsinnvoll zu einer Flöte ausgeartet ist. Die Be-\nhörde hofft, daß so der Barrikadenkampf hin-\ntertrieben werden kann, indem der Kommu-\nnismus zwischen Handwerk und Mundwerk\nvon allen Radiofreunden im trauten Heim voll-\nzogen werden wird. Der optimistische Dezer-\nnent schreibt unter Ziffer sechs: „Fege jeder\nedle Mitmensch und Genosse sich eins im\nStillen und blase er sich durch das ventilierte\nVerpusterohr den feinen Glasstaub politischer\nErregung von der Leber alle Nasen lang.\nWenn das geschieht am dürren Besenholz,\nSie sollen doch sehen, unsere Hausfrauen be-\nkommen wieder Lust zum Fegen. Ein wahres\nFegefeuer wird in ihnen erlohen. Die\nbrennendsten Lohnfragen werden darin ver-\nstummen. Und alles geht friedlich mit Musik\nvonstatten. Auch die Teppiche und die Ganz-\nMatten werden mit Etüden bekehrt. Es geht\nendlich voran. Jeder Laie wird in kurzer Zeit\nein fertiger Dilettant. Er folgt einfach dem\nvoranspringenden Nasenbein, dringt säubernd\nin die kleinsten Winkelchen seiner Gewohn-\nheit, zwitschert sich ab und zu eins auf seiner\nFegschalmei, und bessert seine seelische Po-\nsamenterie zusehends. Ganze Konzerte und\nOperetten, von Musik-Konzernen ganz zu\nschweigen, werden sich hören und sehen\nlassen. Kurz, diese Apparate werden die\nPhysiologie der westeuropäischen Unkultur\nberücken und barock bereichern.\nDer Herr Dezernent hat bürgerliche Qualitä-\nten, muß man zugeben. Doktor Bierfreund\nheißt er infolgedessen, sozusagen „auch\nEiner\".\nNach dem Gebrauch wird der Fagottschrubber\ngeschüttelt und über Nacht, mit den Borsten\ngen Himmel, kaltgestellt. Denn das Mund-\nwasser gefriert leicht, wenn es nicht gut ab-\nläuft. Sollten dennoch Gefriererscheinungen\nzu bemerken sein, haut man morgens kräftig\nden Apparat kurzerhand um die Litfaßsäule,\ndamit die betroffenen Eiszapfen warm werden.\nDer Flötenstiel wird dann sehr bald auf den\nGedanken platzen, eisern zu erstarken. Er hält\nauch länger, wenn man ihn kurz hält.\nDem Erfinder, einem gewissen Kasematt, sei\nes anbei gestattet, seine unterschiedlichen Er-\nfahrungen mit den ersten Flötbesen bekannt-\nzugeben. Genosse Kasematt hatte fünf Ver-\nsuchsfeger im Keller angestellt, um nicht zu\nsagen, „an die Wand gestellt\". Zwei davon\nalterten und ergrauten rasch und gingen, so\nspukhaft es klingen mag, offenbar aus einem\nnaheliegenden Rohr-Atavismus, geradenwegs\nin die Binse n. Die drei übrigen blieben\nstandhaft. Kasematt grübelte tief und tiefer,\nwarum sich wohl nur jene zwei aus dem\nKellerstaube gemacht haben mochten. Hatten\ndenn die anderen etwa andere soziale Bedin-\ngungen gehabt. Hatten sie, die Zurückgeblie-\nbenen etwa innere Anlässe, gewissermaßen\nUnbeweggründe in ihren Holzköpfen gehabt,\nstatische Bedenken gar, die ihnen zugeraunt\nhaben mochten: „Bleibt, o bleibt, es ist Musik\nim Anzüge!\" — Es war eine schockschwere\nNot für Kasematt, den Problematiker, gewe-\nsen. Endlich aber drang auch in seinen Keller\nLicht, und er erkannte Mäuse, Singmäuse, eine\nAbart der gemeinen Hausmaus, die der Bota-\nniker mit dem Namen mus musculus bezeich-\nnet. Diese Musikanten hatten Nacht um Nacht\nauf den drei standhaften Flötbesen gespielt\nund getanzt, so lieblich getanzt und so artig\ngepfiffen, daß die Katzen Reißaus genommen\nund die Besen ihre Lust gehabt hatten. La-\nchend, erlöst und dankbar fing Kasematt die\nentzückenden Tierchen, die ihn seit Wochen\nvor der abscheulichen Katzenmusik seines\nHinterhauses bewahrt hatten, lud sie in eine\nmöblierte Pappschachtel und trug sie vorsich-\ntig auf den geräumigen Trockenboden des\nHauses, wo sie sich zu seiner Freude alsbald\num ihr Hundertfaches vermehrten und zu-\ngleich an den Kartoffeln der kunstfeindlichen\nUntermieter, die eine Schnapsbrennerei eröff-\nnen wollten, zum Wohle des ganzen deutschen\nVolkes schadlos hielten.\nDie drei klugen Flötbesen aber kamen dabei"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "168", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.18", "texte": "gleichfalls in den Dachspeicher. Kasematt je-\ndoch, der seit diesem Spuk einen außerordent-\nlich unruhigen Schlaf vollführte, er ver-\nbrauchte während zweier Nachtstunden mehr\nSchnarch als ein reaktionärer Abgeordneter in\nsämtlichen Tagungen eines ganzen Jahres.\nKasematt hatte sich inzwischen angewöhnt,\nseine vorlaute Bettlägrigkeit durch kleine\nnächtliche Spaziergänge auf den knirschenden\nPappdächern der benachbarten Häuser zu\n*\nhintergehen. Es war eine glasklare\nFrostnacht im Januar vorigen Jahres, mit\nblauem Vollmondgesang über allen Antennen,\ndie Schornsteine hatten zwerghafte Riesen-\ngebirge und richtige Schneekoppen auf ihre\nRußränder getürmt, und Kasematt, der abge-\nhärtete Peripatetiker, was auf deutschplatt\nsoviel wie Wandervogel bedeutet, erging sich\nfürbaß und barfuß im Dachschnee und schaute\nmit vergnügten Sinnen auf sein besterntes\nNachthemd hin.\nPlötzlich, er traute seinen Hühneraugen kaum,\nbolzte er mit einer großen Zehe gegen eine ge-\nöffnete Dachluke. „Fuß und Co.\" fluchte er,\n„seit wann öffnet sich mein eigenes Boden-\nfenster von selber!\" Und ehe er noch begin-\nnen konnte, dieses neue mechanische Wunder\nzu untersuchen, erblickte er etwa zehn Schritte\nvor sich seine drei schlauen Flötbesen auf dem\nDache. Sie bewegten sich in aller Gemüts-\nruhe, ganz parallel und diszipliniert, wie es\neben klassenbewußte Besen zu tun pflegen,\ndenen der bessere Mensch die Flötentöne bei-\ngebracht hat. „Hol mich die Feuerwehr, das\nmuß man gesehen haben,\" flüsterte sich Kase-\nmatt in den Bart.\n„Heda! Hallo! Schtopp!\" kommandierte er\nin die Winterfrische.\nDie drei Ausreißer erschraken, sahen sich ver-\ndutzt um und erstarrten hastdunichtgesehen\nzu Blitzableitern. Ganz charakterfest stan-\nden sie mimikry auf dem Boden ihrer\nGesinnung, die Haarkästen bei Fuß, die\nZierichte mit Strippen oben im Raum. Was\nnun. Kasematt hastete in seine Wohnung,\nflitzte in die Hosen und schoß treppab zum\nnächsten Feuermelder . . . Alarm, Dachstuhl\nHindernisstraße acht!!!\"\nKeuchend stürmte er zum Dach hinauf und\nfand die Gefechtslage unverändert. Da nahte\nein Geklingel, und, je näher es kam, desto\nrascher senkten die drei Besen die Köpfe, bis\nsie, elegant und ohne det. üblichen Knall, flach\nhinschlugen. Als die mechanische Leiter des\nAutomobillöschzuges gleich einem empörten\nGewissen der Ordnung über der Dachrinne\nerschien, waren die drei Schlauköpfe wieder\nin der Dachluke verschwunden, die sich höh-\nnisch schloß und den Genossen Kasematt der\ngefoppten Feuerwehr überließ. Der Brand-\ninspektor Marske backpfeifte ihn mit dem\nBeil und schmiß ihn kurzentschlossen über\ndas Hauptgesims. Er sah noch die ganze\nFassade an sich hochschießen und paukte mit\ndem Kopf in das Sprungtuch. Als er nach\nvier Wochen im Irrenhause aus der Ohnmacht\nfiel, erfuhr er, daß er zu lebenslänglichem\nZuchthaus wegen Brandstiftung in Tateinheit\nmit Beamtenbeleidigung verdonnert worden\nwar. Berufung ausgeschlossen.\nDas sind lehrreiche Erfahrungen eines Erfin-\nders.\nDer Dezernent Bierfreund fügt hinzu: „Um\nähnliche Vorkommnisse in Zukunft zu verhin-\ndern, wird den Besitzern von Flötbesen und\nFagottschrubbern die Verpflichtung auferlegt,\nsich nachts einen sogenannten Aufsichtrat mit\nMauserpistole und Kontrolluhr zu halten. Die-\nser ist gedungen, vom Beginn der Dunkelheit\nbis zum Sonnenaufgang alle zehn Minuten mit\nseinem klappernden Schlüsselbein durch die\nstille Nacht, heilige Nacht zu gehen, einen\nSchreckschuß abzufeuern und die Kontroll-\nziffer zu stechen, ohne mit der Wimper zu\nzucken. Bei klarem Wetter genügt ein tauber\nNachtwächter, dem es keiner anmerkt.\"\nSoweit die Behörde.\nWir erfahren soeben, daß größere Haushalte,\nHotels, Fahrstühle, Kirchen und andere Be-\ndürfnisanstalten neuerdings wegen der dunk-\nlen Hautfarbe der Nacht pfiffige Schwarze an-\nstellen, die leichter überraschend bald hier,\nbald dort sein können.\nDer wachthabende OBER neben dem Rabbi-\nner kauert in diesem Falle am Hängeboden\nund bläst den kleinsten Handfeger im Schlaf,\nden putzigsten Rabitzwandfeger, der quer ge-\nflötet wird, und in der feinsten Gesellschaft\nplötzlich meisterhaft nonchalant aus der\nBrusttasche gepflückt werden kann, um der\nallergnädigsten Tischdame mit einem zarten\nMenuett die Dampfnudeln vom Hals zu\nbürsten.\nUnd endlich der Original-ES-Moll-Flöten-\nhandfeger, mit dem sogar der fettigste Voll-\nbart chemisch gereinigt und dazu der entspre-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "169", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.19", "texte": "chende Vormund gefegt werden können,\nmeine Lieben, der ist beileibe der eigentliche\nSchornsteinfeger des Herzens, zumal im teu-\nren Vaterland.\nHoch lebe Viktor Kasematt.\n\nOtto Nebel\n\nMerfüsermär\nEs war da auch ein kleines armes Kind\nnamens Hertha aus der Stadt Wien, weil Wien\nnach dem Weltkriege eine arme Stadt war.\nDiese kleine Hertha hatte auch ein Ei vom\nalten Hahnepeter bekommen, weil sie zufällig\nauch mit bei Hahnemanns gewesen war, als\nHahnepeter seinerzeit seine 13 Eier legte. Sie\nwar so arm, daß sie nicht das Geld hatte, sich\ndas Ei ausbrüten zu lassen, und sie hatte auch\nkeine Beziehungen, etwa, daß die Mücken oder\nFliegen das Ei ausgebrütet hätten. Sie\nhatte noch nicht einmal Blumen. Da sie das\nEi aber doch gerne ausgebrütet haben wollte,\nso nahm sie es in die Hand. Ihr müßt Euch\ndas nur einmal vorstellen, was es bedeutet,\nsolch ein Ei 13 Tage und 13 Nächte in der\nHand zu halten, ohne es zu zerdrücken. Und\nHertha, das arme Kind, brachte dieses Wun-\nder fertig. 13 Tage und 13 Nächte hielt sie\ndas Hahnepeterei in der Hand, und wenn die\nEihand lahm geworden war, legte sie es\nin die andere. Das Ei wurde ganz weich\nvon dem vielen Anfassen, und die arme\nHertha drückte ihre dürren Fingerchen darin\nab. Und nach 13 Tagen, als sie so daran\nherumknetete, wurde die Masse plötzlich\ndehnbar, zog lange Fäden, wirbelte sich auf,\nwurde größer und größer und nahm die voll-\nständig unsichtbare Form eines Trianeders\nan. Ihr könnt alle Lexika durchblättern, Ihr\nfindet nicht einmal den Namen eines Triane-\nders dort verzeichnet, denn es ist ein Vehikel,\nwie es nur in der Dimension des Mars vor-\nkommt. Man kann damit nicht auf den\nStraßen, auf oder unter Wasser fahren, auch\nnicht in der Luft, sondern am besten fährt es,\nwo keine Luft ist. Die Marser, d. h. die Unter-\ntanen der Dimension des Mars, benutzen es\nviel zum Reisen im Aether des Weltenraumes.\nDenn die sind sehr reiselustig, weil sie von\nden Engländern abstammen. Wir können sie\nnicht sehen, denn sie leben in der vierten\nDimension. Sie selbst sehen aber alles, d. h.\nsich selbst sehen sie auch nicht. Sie leben in\nder gesamten Einflußsphäre des Mars, also\nauch teilweise auf Erde, Mond oder Piffikon.\nVielleicht treiben sie ihre Kurzweil mit uns und\nwir, die in der dritten Dimension leben, mer-\nken nicht einmal etwas davon. Auch Hertha\nmerkte das Trianeder nicht, welches sie aus-\ngebrütet hatte, bis sie plötzlich durch ein\nParafi berührt wurde.\nDurch Berühren mit dem Parafi an dem soge-\nnannten Blitzableiter, oder wie man es in an-\nderen Gegenden nennt, dem Musikknochen,\ndas heißt jenem Nervenstrang am Arme kurz\nunterhalb des Ellenbogens machen die Marser\nihnen genehme Menschen plötzlich marsisch,\nman nennt das auf der Welt: einen Schlag\nkriegen. Der Mensch kriegt einen Schlag,\nfällt um und ist eine Leiche. Das heißt nur,\nseine dreidimensionale Einkleidung verleicht,\nwährend die vierdimensionale Seele, das heißt\ndie, wo nicht sauer ist, treibt ab in ihre ihr\neigentümliche Vierdimensionalität. Man kann\nsich das als Mensch kaum vorstellen, aber die\nSeele bleibt, was sie war, sie wirft nur ihren\nBallast ab, und ist nun plötzlich Marsier ge-\nworden. Hertha hatte anfangs gedacht, das\nEi wäre ihr unter den Händen zerschmolzen,\nals es sich in einen Trianeder verdimensioniert\nhatte. Denn sie sah nur die Knetflatschen,\ndie dabei heruntertropften. Die Seele des\nHahnepetereis, die ein Trianeder war, konnte\nsie nicht sehen. Da machte sie einen blöd-\nsinnigen Mund und deshalb berührte sie aus\nGutmütigkeit ein zufällig vorbeireisender\nMarsier mit dem Parrafi. Jetzt wurde sie\nmarsisch, und man nannte sie Poldeli. Es\nwar ein seltener Fall, daß ein junger Mensch\nschon einen Schlag bekommt, meist bekom-\nmen erst ältere Herrschaften Schläge, Ge-\nheimräte und so, die durch ihre Gelehrsam-\nkeit den Marsbewohnern aufgefallen sind,\nund die sich quasi selbst in ihre Vierdimensio-\nnalität hineingearbeitet hatten. Wenn nun\naber die Dreidimensionalität bei so einem Ge-\nheimrat, der einen Schlag bekam, zu stark\nwar, so blieb der Körper einstweilen teilweise\ndreidimensional und wurde teilweise mar-\nsisch. Son halber Geheimrat lebt dann im\nReich des Mars, der Rest bleibt erdgebunden.\nDie Menschen nennen das: der Herr Geheim-\nrat ist durch einen Schlag linksseitig gelähmt.\nEines Tages aber holt sich die zweite Hälfte\ndes Herrn Geheimrat die erst nach, und nun\nsagen die Menschen, die stets großes Ma-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "170", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.20", "texte": "Gefühl füreinander haben: „Nun ist der Herr\nGeheimrat plötzlich durch einen plötzlichen\nTod erlöst worden.\" Uebrigens nennen sich\ndie Marsier selbst Merfüsier. Und solch ein\nTrianeder nennen sie Proun. In der vierten\nDimension können die Merfüsier nicht sehen,\nsondern sie fehnen. Fehnen heißt Aufnehmen\nvierdimensionaler Wirklichkeit durch einen\nSinn, der bei uns Menschen in unserer Erd-\ngebundenheit gebunden ist. Das Dreidimen-\nsionale jedoch kann der Merfüsier sehen,\nhören, riechen, schmecken, fühlen, genau wie\nwir Menschen.\nZu jener Zeit arbeitete in Ambri-Sotto, am\nSüdabhang des heiligen St. Gotthard, ein\nMann namens Lissitzky aus Witebsk bei\nMoskau. Schon als Kind hatte er in seinem\nWesen viel Transcendentales gehabt, indem\ner nur die andere Seite der Welt liebte, die\nmetaphysische oder merfüsische. Dieser\nLissitzky arbeitete an der Erfindung des\nProun, das heißt, er wollte ein Fahrzeug bauen\nzur Ueberwindung des unendlichen Raumes,\num neue, vorher nicht geahnte Natur zu ent-\ndecken. Und bei Lissitzky arbeitete ein\nElsässer aus jener Gegend, wo sich Deutsche\nund Franzosen seit Jahrhunderten Gute Nacht\nsagen, genannt Hans Arp, ein Wißbegehrer\nund leidenschaftlicher Verehrer von allem\nTranscendentalen, und daher auch von Lis-\nsitzkys Prounen. Dieser Hans Arp konnte\nnicht nur im Kaffeesatz der Sterne lesen, er\nlas sogar im Sande und las überall und las\nin den Prounen von Lissitzky, daß ein Berg-\nrutsch von außergewöhnlicher Größe sich\nam 26. Juli 1926 bei Ambri-Sotto ereignen\nwürde. Vierundzwanzig Stunden vorher hatte\nArp an alle Journalisten der Welt telegraphiert\nund sie von dem Bergrutsch unterrichtet, der\nin 24 Stunden stattzufinden die hohe Ehre\nhaben würde. Und tatsächlich hatte er die\nhohe Ehre. Und zwar genau nach 24 Stun-\nden und zwar genau an der von Arp vorher be-\nzeichneten Stelle und war von außergewöhn-\nlicher Größe. Der Eindruck in der Welt war\nganz ungeheuer. Man wußte nicht, ob man\nmehr über die Proune staunen sollte, in denen\nso etwas zu lesen stand, oder über den begab-\nten Wißbegehrer, der es lesen konnte. Man\nunternahm Prozessionen nach Ambri-Sotto,\num Arp wie einen Ichneumon zu verehren, je-\ndoch begab sich dieser, ohne von dem welt-\nlichen Geschrei viel Notiz zu nehmen, mittels\neines ausgezeichneten Fernrohrs auf den\ngegenüberliegenden Berg, kroch in eine Glet-\nscherspalte und las von dort aus, indem er\nhalb gebückt auf der linken Hand stand, das\nTrümmerfeld ab, wies jegliche Nahrung und\nErfrischung zurück, lehnte es sogar ab, als\nman ihm eine Wärmflasche bringen wollte,\nsondern las und las, bis er die Sprache ver-\nstand, ohne Diktionär. Und neben sich sam-\nmelte er riesige Haufen abgelesener Steine.\nDarauf berichtete er das Resultat an alle Jour-\nnalisten, und sie erfuhren, daß ein Wesen\nvom Mars, ein ehemaliges Wiener Ferienkind\nnamens Hertha Maßlieb aus Wien, 12jährig\nbei einer Frau Dr. Batke in Bern, infolge von\nSchlag plötzlich verstorben wäre. Dieses We-\nsen sei Marsierin geworden und habe dann\ndiesen Bergrutsch verursacht, um ihren An-\ngehörigen damit einen Brief zu schreiben. Der\nBergrutsch wurde jetzt von allen Seiten photo-\ngraphiert, und die Behörden forschten nach\nden tatsächlichen Unterlagen, wobei es sich\nherausstellte, daß in der Tat im Jahre 1922\nein Wiener Ferienkind namens Hertha Maß-\nlieb bei einer Frau Dr. Batke in Bern infolge\nvon Schlaganfall das Zeitliche gesegnet hatte.\nDie Ueberraschung unter den Journalisten war\nso groß, daß nun auch Frau Dr. Batke photo-\ngraphiert und neben den Bildern des Berg-\nrutsches und Hans Arps in allen illustrierten\nJournalen abgebildet wurde, und man bat den\nArp, dessen Ruhm nun Allgemeingut aller Ge-\nbildeten geworden war, um nähere Angaben\nüber Wesen und Inhalt des Briefes. Wir\nhaben den von Hans Arp ursprünglich in\nSchwyzer Dütsch überlieferten Brief folgen-\ndermaßen übersetzt und veröffentlichen ihn\nunter jedem Vorbehalt, einschließlich des Ver-\nfilmungsrechtes :\nLiebe Mutter!\nDu denkst jetzt, ich wäre vor zwei Jahren\nam Schlag gestorben, aber Du irrst. Denn\nich bin Merfüsierin geworden. Ich wurde\nseinerzeit in der Schweiz geparafiet, d. h.\nmeine materielle Hülle fiel von mir ab, und\nich durchlebe den Mars und bin sehr oft bei\nDir, Du merkst es nur nicht. Denn was Ihr\nden Mars nennt, ist bloß seine Materie, weil\nIhr nur materiell denken und aufnehmen\nkönnt. Es ist der dreidimensionale Kern\ndes Mars, aber Mars ist alles, wie die Erde\nalles ist und wie alles gleich alles ist, wenn\nIhr nur wollt und nicht materiell sondern"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "171", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.21", "texte": "vierdimensional denkt. Die sogenannten\nKanelüren des Mars aber sind der materielle\nWirbel, bei dem die konstruktive Aufteilung\nder ganzen Welt beginnt. Als ich ankam,\nwurde ich in eine Badewanne gesteckt, ich\nbekam riesiges Heimweh, und da entdeckte\nich das Paradies, welches Ihr in Eurer Erd-\ngebundenheit nicht finden könnt. Das Para-\ndies liegt nämlich so günstig, daß es von\nSchiffen nicht erreicht werden kann, ob-\ngleich es weiter nichts ist als eine kleine\nInsel im Stillen Ozean. Und zwar hat man\nes dadurch erreicht, daß die Insel Paradies\nweder auf einem der graden Längengrade,\noder dazu parallelen Linien, noch auf einem\nder gebogenen Breitengrade gebaut wurde.\nDaher kann es weder von graden noch von\ngebogenen Linien erreicht werden, die\nSchiffe können es allenfalls am Horizonte\nliegen sehen, können aber nicht hinfahren,\nda Schiffe nur auf graden resp. gebogenen\nLinien fahren können. Uebrigens ist die\nVegetation durchaus irdisch dreidimensio-\nnal im Paradiese. Es leben dort Menschen,\nTiere und Pflanzen genau wie auf der Erde,\nnur ein wenig verweichlicht, weil es dort\nkeinen Konkurrenzkampf gibt. Ich möchte\ndort für mein Leben nicht sein. Uebrigens\nbin ich selbst dreimal so groß wie das ge-\nsamte Paradies, einschließlich Onkel Unge-\nflochten, Onkel Pluvinel, Onkel Gustav Pfi-\nzer, Onkel Breitensträtter und Onkel Her-\nwie, sowie Tante Rainer Maria. Ich habe\nauch schon mein Sonntagskleid zerrissen,\nübrigens reißt alles. Eine Zeit hat es hier\ngar nicht geregnet, und da wurde es zu\nwässerig. Darum habe ich viele Tränen\num Euch vergossen, zu Hause ist eben zu\nHause. Die Hauptnahrung der Merfüsier ist\nund bleibt aber, genau wie die der Schwyzer\nder Milchkaffee . . .\nHier hörte der Brief auf, weil der Bergrutsch\nmittlerweile bis an das Dorf Ambri-Sotto ge-\nlangt war.\nIm Paradies ereignete sich inzwischen folgen-\nder Vorfall. Hans Breitensträtter, ehemaliger\nSchwergewichtsmeister von Deutschland, ge-\nnannt der blonde Hans, war seinerzeit am 29.\nFebruar 1924 durch Paul Samson Körner aus\nZwickau in Sachsen exgeboxt worden. Zu\njener Zeit war im Paradiese ein neuer Engel\nangekommen namens Hans Breitensträtter,\nvon dem gesagt wurde, daß er boxen könne.\nOnkel Ungeflochten nannte ihn sofort „blon-\nder Hans\" und bat ihn, er möchte den Kindern\ndoch einmal etwas vorboxen. „0 ja,\" sagte\nHahnemann, „Onkel Hans soll uns was vor-\nboxen.\" Die Kinder hüpften um den blonden\nHans herum und sagten: „Box uns mal, lieber\nOnkel Hans, box uns mal\" und sie boxten sich\ngegenseitig in die Seite und boxten Onkel\nUngeflochten in die Seite und Onkel Pfizer\nbekam sogar einen von den verpönten Nieren-\nschlägen. Aber Onkel Hans wollte nicht\nboxen und sagte: „Wenn ich erst boxe, müßt\nIhr doch alle zu Boden.\" Hertha beobachtete\ndies alles in ihrer vierdimensionalen Ungebun-\ndenheit und wartete den Moment ab, wo sie\nirgendwo durch ihr Eingreifen die Handlung\nin Verwirrung setzen könnte. Plötzlich sagte\nOnkel Stefan: „Hier zieht es.\" Darauf sagte\nOnkel Ungeflochten: „Das kommt von dem\nrauhen Winde, mein lieber Herr Stefan\nGeorge.\" Darauf sagte Onkel Alfred Kerr:\n„Dann muß der Wind abgehobelt werden, da-\nmit er glatt wird, so habe ich es im Yankee-\nLand gesehen.\" „0 ja, Onkel Kerr,\" sagten\ndie Kinder, „der Wind muß abgehobelt wer-\nden, der Wind muß glatt gehobelt werden.\"\n„Aber wie?\" fragte Onkel Pfizer. Da sagte\nOnkel Hans: „Wenn mir jemand den Hobel\nerfindet, will ich den Wind abhobeln, Kraft\ngenug habe ich durch mein Training.\" Darauf\nsagte Onkel Peter: „Ich habe schon ganz an-\ndere Dinger geschoben, und wem ich ins Auge\nschaue, der fliegt in die nächste Ecke! Wenn\nwir den Wind abhobeln wollen, so muß er\ndurch eine riesige Röhre von quadratischem\nDurchmesser gepresst werden.\" „Sie meinen\nwohl Röhle,\" meinte darauf Onkel Gropius.\n„Nein Röhre,\" sagte darauf Peter Röhl, und\ner sagte das so laut, daß Onkel Moholy sich\nsofort auf ein daneben liegendes rotes Quadrat\nsetzte, indem er sagte: „Denn wo ein Bauhaus\nist, da laß Dich ruhig nieder, böse Menschen\nkennen keine Quadrate!\"\nUnd nun wurde auf quadratischer Grundlage\neine riesenhafte Röhre gebaut. Das sah sehr\ndrollig aus, grade im Paradiese neben den\nzwetschenfressenden Löwen. Oben blieb\ndas flache Dach der Röhre teilweise offen,\ndamit eine Fläche entstand, an der der Wind\nglatt gehobelt werden konnte. Die eine Seite\nwurde nach oben hin verlängert und als Füh-\nrungsschiene für den Hobel ausgebildet. Und\nnun kam der Tischler Schlemmer und brachte\neinen riesigen Windhobel. Es war ein üblicher\nTischlerhobel, nur bedeutend größer und stär-"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "172", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.22", "texte": "ker ausgebildet. Die Schneide war mit Dia-\nmanten besetzt, um dem wilden Winde jede\nRauhigkeit zu nehmen. Peter Röhl hob mit\neinem einzigen Griff den Hobel auf das Dach\nder Röhre, worauf Breitensträtter begeistert\nsagte: „Der Mann gefällt mir, mit dem möchte\nich wohl gern mal boxen.\" „0 ja,\" sagten die\nKinder, „jetzt will Onkel Hans doch noch\nboxen,\" und stellten sich alle im Quadrat auf.\n„Kinder,\" sagte Peter Röhl, „laßt mich erst den\nWind abhobeln. Nachher lassen wir Drachen\nsteigen und dann wird auch geboxt.\" Darauf\nzog er sich einen Matrosenanzug an und sah\nnun aus wie ein oller ehrlicher Seemann.\nJetzt wurde Onkel Kerr an die eine Seite der\nquadratischen Röhre gesetzt und mußte mit\nbeiden Backen in die Röhre blasen. „Jetzt\nkiekt der wenigstens doch auch mal in die\nRöhre,\" sagte Onkel Ungeflochten. Onkel\nStefan mußte sich an die andere Seite der\nRöhre setzen und sagen, ob es zöge. Darauf\nsprach er wie ein Metronom:\ntaktack, taktack, taktack, taktack, taktacktak,\ntaktack, taktack, taktack, taktack, hier zieht\nes!\nOnkel Kerr mußte aber ruhig weiter blasen,\nund Onkel Stefan mußte ruhig sitzen bleiben,\nwenn es auch zog, und da fing Peter Röhl an,\nden Wind oben glatt zu hobeln. Es flogen\nSpäne nach allen Seiten, so daß im Stillen\nOzean ein fürchterlicher Wirbelwind entstand.\nSo schrecklich hobelte der olle ehrliche See-\nmann. Onkel Kerr blies mit beiden Backen,\nund an der anderen Seite, wo Onkel Stefan\nsaß, zog es kein bißchen mehr. Auf diese\nWeise erreichte man es, die scharfen See-\nwinde im Paradiese zu besänftigen, denn alle\nWinde wurden durch die quadratische Röhle\ngeleitet, wo man ihnen oben die Rauhigkeit\nabhobelte.\nZur Seite aber stand Breitensträtter und\närgerte sich, daß Peter hobelte und nicht er.\nDie vierdimensionale Hertha sah immer noch\ninaktiv zu. Plötzlich ging Breitensträtter auf\nPeter Röhl zu und gab ihm eine Ohrfeige. Da-\nrauf sagte Peter: „Sie wollen mich wohl be-\nleidigen?\" „Im Gegenteil,\" sagte der blonde\nHans, „Sie haben mich schon lange beleidigt\ndurch Ihr herausforderndes Benehmen an der\nquadratischen Röhle.\" „Nein, Sie mich,\" sagte\nPeter Röhl. „Nein, Sie mich,\" sagte Hans\nBreitensträtter. „Nein, Sie mich!\" „Nein,\nSie mich!\" „Sie mich!\" „Sie mich!\" „Sie\nmich!\" „Sie mich!\" „Sie mich!\" „Sie\nmich!\" „Hier will natürlich mal wieder kei-\nner beleidigen,\" sagte Onkel Ungekochten,\nund er war der Einzige, der nicht zitterte.\nPeter Röhl nahm jetzt eine königliche Miene\nan, fast so vornehm wie ein Hofkutscher, und\nsagte: „Mein Herr, erwarten Sie meine Hosen-\nträger!\" Darauf zog er sich zurück. Hertha\nsah immer noch inaktiv zu. Jetzt suchte sich\nPeter Röhl seine Hosenträger aus. Pluvinel\nwar ihm zu alt, Ungeflochten nicht „Rhenan\"\ngenug, Onkel Stefan war ihm zu akademisch,\nwohingegen er Werfel zu kindlich fand.\nWas blieb ihm also übrig, er ernannte\nfeierlich Onkel Gustav Pfizer und Onkel\nHugo von Hoffmannstal zu seinen Hosenträ-\ngern, indem er ihre Brust mit roten Quadra-\nten schmückte.\nPlötzlich erschienen die Hosenträger Onkel\nRöhls in der Wohnung des Herrn stud. rer.\nbox Hans Breitensträtter. Gustav Pfizer\nüberreichte ihm einen Blumenstrauß, und\nOnkel Hugo sagte: „Peter Röhl fühlt sich be-\nleidigt, wollen Sie revocieren, oder ich er-\nwarte Ihre Sekundaner.\" Darauf suchte sich\nOnkel Hans Breitensträtter seine beiden\nKartellträger aus. Er nahm Onkel Paul\nSamson Körner und Onkel Rudolf Blüm-\nner. Darauf begaben sich die beiden\nKartellträger Breitensträtters zu den beiden\nHosenträger des Herrn Peter Röhl, und Dr.\nRudolf Blümner sagte: „A ngol a i n a.\"\nDa erhoben sich alle vier und beteten ein kur-\nzes Menetekel. Bei dem Worte Upharsi sagte\nOnkel Hugo: „Ich schlage schwere Säbel mit\nhalber Bandage vor. „Nein,\" sagte Onkel\nGustav, „ich meine eine Nacktpartie.\" Und\nnun sagte Onkel Paul Samson: „Ich schlage\nboxen vor!\" Sein Vorschlag wurde geneh-\nmigt, und Hans Breitensträtter erhielt 14 Tage\nZeit, um Boxen zu lernen. Hertha aber sah\ninaktiv zu, womit wir dieses Märchen be-\nschließen wollen.\n\nBerichtigung\nBeim Abdruck der Gedichte von Hans Arp\n„Weißt du schwärzt du\" sind die Trennungs-\nstriche zwischen den Gedichten fortgeblieben.\nDas zweite Gedicht beginnt mit der Zeile „er\nnimmt zwei Vögel ab\"; das dritte Gedicht\n„unter jedem Erdteil sitzt ein großer Vogel\nund singt\"; das vierte Gedicht „das mündlich\ngerät nimmt nicht notiz von dem verplapp\"."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "173", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.23", "texte": "Gedichte\nKurt Liebmann\n\nEinem Rossebändiger\nDu schwebst und federst\nhaschst im Schweben\nbebtoll zuck\ndie Zügellust des steilen Pferds\nund\nsteilst mit auf\nflammsteil im Lodern der Gelenke\nflackernd\nschlängelst dich\ndich deine schlanken Hüften\nbiegst dich wild zum wilden Wieherruf\nzum Schrei des Tiergotts\ngier und jauchz\nund\njauchzt im Flackern dampf er Flanken\ntänzelst kreist\nund\nrast im Feuerpeitschen\nspürst und haschst\nschwebst klar\nim schweifen Kreis des stöhnen Tiers\nund springst\nund schwebst\nund herrschst die bäumend zittren Flanken\nzügelst Knirschen\nSonnen kreisen in die Bahnen\nWüsten härtet\nHerrschen kreist die Welten\ndu und du\ndu herrschst\ndu schwebst und reitest\ntänzelst\nstürmst\nund\nherrschst die Welt\n\nWasserfall Mond Frühling\nBlühstäubend schäumt das Fluten\nbäumt\nund\nsäult Kristall geräusche\ngibt sich hin dem Fall\nund\nfällt\nund\nplätschert Silberknospen\nplitschert kling\nund Dröhnen fängt den Fall\nund\nStampfen Heulen Gischten\nschluckt das Zischen\ntrinkt die Silberstimmchen\nflittren Tropfgewebe\nzieht und ebbt\nund\nstampft\nund\ngleissweiss zieht der Fluss\nund\nAhnen spriesst\ndie Wiesen baden Silber\nBlüten tanzen\nder Himmel sprüht Metall\nda singt der Mond\ndie leisen Vögel schweben\nsingt\nund\ndröhnt\nund brüllend steigt der Fluss\nder Fall bäumt auf\nKaskaden steigen\nsteigen büschelnd Flammenbüsche\nzischen auf\nund\nbohren säulen\nstossen in das Blut des Monds\nund\nTosen Dröhnen\nAtmen Brüllen\nschreiend wirrt der Mensch\ngreift Herz\n/\nund\nflieht verwirrt\n\nAn den Frühling der Erde\nSchon rollt die Erde strahlender in den Raum\nauf Strahlensohlen tanzen die Sterne,\nund Sterne strahlen aus dem Schoss der Erde\nLeuchtender pulsen Kristalle aus Tiefen\nund\nleuchtende Tiefen schleudern die Säulen des\nLichts in die Himmel\nund strahlender immer donnert der Ball um\nden Kreis\nund\nkreisen Feuer\nFlammen kreisen\ndas Flammenkreisen stiebt das All\ndas Allrad flammt\nund\nRädern rollt\nund zischt die Funken auf die Erde"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "174", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.24", "texte": "tost und flammt\nund\nFlammenblumen blüht die Erde\nFunkenwiesen\ndie Blütenfunken schweben tanzen\nKnospen lichten\nund\n* +\naus den Mädchenbrüsten brechen Flammen\nauf Loderrossen reiten Jünglingskörper\nund Körper gleissen\nbrennen Menschenkörper\nund\nwirbelloh vertaumelt Mensch\nverwirrt\nund\nschleudert Ahnen Tasten Sehnen\nsehngestreckt\nins All\n\nHomo sapiens honoris causa\n(Omnibus)\nOtto Nebel\nTja, da habt ihr den Salut. Homo. Homo\nsapiens. Allso taufte sich DAS UNTIER selber.\nSelbstlos. Sachlich. Fachlich. Tierkund, tier-\nfreund, zoologisch. Logisch. Weise. Und\nparteilos seffaschtändlich. Eben homo sapiens.\nAuf allen Zweien. Keiner Einar. Nur nicht\nwanken mit der Hünenleiter. Nur nicht. 810 ß\nnicht. Immer höcher! Kühner turnen. Salto.\nMorituri. Evoe! Sowas lebt nicht. Nicht der\nRede wert. Sapiens honoris causa. Selbst-\nVER-SORGER. Keine Sorge. Särge, Särge!\nEhret euern AHN, den alten Affen-WAHN.\nSowas stirbt nicht an sich selber. Hebt sich.\nHält sich. Steht sich gut, entgeht sich nicht.\nFällt sich auf, entfällt sich nicht. Hoppla,\nicht und ahnt ES nicht. Gestern noch\nin UR und RU. Ruhe hin, Ruhe her. Über-\nmorgen widerlustig. Morgen listig. Heute feige.\nRuhet sanft. Menschen, Menschen sein wir\nAlle. Nichts dagegen. Tut der Name nichts\nzur Sache, macht NICHTS, ewig tut sich was.\nTutet: „Homo sapiens!\" Alle.\n\nMusik\n\nKonzert\nKein Mensch kann mehr als er kann. Sie auch\nhier, Herr Doktor. Meine Freunde sagen alle,\nich müsse unbedingt Strawinsky hören, er wäre\nso überaus modern. Programm Nummer fünf\nTrio nach Pergolese von Strawinsky. Brock-\nhaus Konversationslexikon: Pergolese, Giovanni\nBattsta, italienischer Komponist, geb. 3. Januar\n17 lOzuJesi im Kirchenstaat . . Tonschöpfungen\nerlangten eine grosse Berühmtheit . . in ihnen\nhat das Rührende und Gesangliche einen wahr-\nhaft schönen und angemessenen Ausdruck ge-\nfunden. Ausdruck gleich Expressionismus. Also\ndas ist Neuaufarbeiten und Wenden. Motten-\nschäden werden beseitigt. Etwa wie in der\nwerten Literatur die Literaten Werfel und Hasen-\nclever, Euripides und Sophokles expressionistisch\nverbrämen. Die vergessen allerdings, die Motten-\nschäden zu beseitigen. Kein Mensch kann mehr\nals er kann. Aber kein Mensch soll so tun,\ni\nals ob er mehr kann, was er nicht kann. Sowjet-\nrussland hat für diesen Zweck seinen Strawinsky.\nWir in der völkischen Republik Deuschland\nhaben dafür den Richard Strauss. Der setzt\nauch irgendwo Dissonanzen hinein und glaubt\nsicher, atonal auf Musikfreunde zu wirken. Bach,\nJohann Sebastian, ist entschieden der bessere\nJazzband-Komponist. Mehr Expressionist. Mehr\nlogische Konstruktion. Weniger rührend und\ngesanglich. .Dafür mehr Musiker. Nur sollte\nman Bach nicht von Georg Schumann leiten\nlassen, der als Direktor der Singakademie mit\nallen Göttern bei Bach verlassen ist. Man darf\nnicht wegen des Wortes H-moll-Messe die\nMusik wegtäuschen lassen. Strawinsky spielt\npersönlich Klavier. Mit zierlich flatternden\nHänden haut er gesanglich daneben. Mit\nintellektuellem Bewusstsein des Danebenhauens.\nDaneben ist nicht immer Kunst. Dafür ver-\nhaut er auch den Rossignol. Gesanglich. Nur\nkeine Angst, er haut gar nicht, er tut nur so.\nHinter der Nachtigall, hierzulande ist sie eine\nFrauensperson, stellt sich mir mein Nachbar\nals Mitglied des Vereins deutscher Faustkämpfer\nvor. Beweis: die Faust. Er hat im Krieg\nalles umgelegt. Nur mit der Faust. Er stellt\nsich für die Kunst zur Verfügung. Man müsse\ndreinhauen. Er liebe die zarte Musik wie\nStrawinsky, gesanglich und rührend und nicht\ndie verfluchten Expressionisten. Das ist die\nNormalstimme des Volkes. Zur Orientierung\nfür die Musikkritik: Das Neue ist nicht immer\ngut. Und das Gute muss nicht neu, es muss\ngut sein.\nDie Brautwahl\nWenn man so aus der Gegenwart nach Char-\nlottenburg kommt, schläft man erstaunt in der\nStädtischen Oper ein. Und träumt von"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "175", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.25", "texte": "der Jugendzeit in Greifswald, wo sich die Kon-\nsistorialräte und Pensionsinhaberinnen an guter\nMusik ergötzen. Künstler und Künstlerinnen\nsind immer romantisch. Da ist auch jener edle\nMann mit der Bartmischung zwischen Christus\nund Fliegendem Holländer. Und das blond-\nondulierte Mädchen mit Dut, Kindeslächeln und\nFrauenreife. Und der Kunstmaler mit der Kunst-\npalette. Und der missliebige jüdische Baron,\nden das Gold adelt und der den Adel vergoldet.\nUnd der alte Junggeselle als junger Altgeselle,\nder in den Dut verliebt ist. Ferner sind alle\nVögel schon da, die Mutter Natur, das Grauen\nder Nacht, die Nacht des Grauens. Text und\nMusik von Ferruccio Busoni. Er ruht auf dem\nstädtischen Friedhof und seine Werke folgen\nihm nach. Die Städtische Oper erfüllt die be-\nkannte Ehrenpflicht, weil ihr amtlich nichts Bes-\nseres bekannt ist. Dem Pianisten Busoni ist\nkein menschlicher Komponist fremd geblieben\nund er hat sie ohne seine Art verwendet. Durch\nE. T. A. Hoffmann angeregt, hat er die gesamte\nbessere Musik phantastisch-komisch und komisch-\nphantasielos durcheinander geschrieben. In der\ndritten Szene gibt es ein Feuerwerk auf der\nBühne, das allgemein freudig auffällt. In den\nweiteren fünf Szenen ereignet sich nichts mehr.\nDas Orchester der Städtischen Oper wird von der\nBerufsfeuerwehr gestellt. Sänger und Sängerinnen\nsingen anstandslos mit jenem Anstand, der sich\nfür ein amtliches Unternehmen geziemt. Von\ndem Dichter Busoni eine Probe:\nEin gutes Bild, ein Kunstwerk!\nGanz nach dem Leben von histor'scher\nWahrheit!\nDie mir dazu riet, Albertine,\nSie hat fürwahr die richt'ge Spürnase!\nIn der Friedrichstadt aber zwitschert der Blaue\nVogel aus Rußland. Das ist, vielleicht, keine\nKunst.\n\nHerwarth Walden\n\nGedichte\nRudolf Schmitt Sulzthal\n\nFür den toten Freund\nDie Geier haben ihren Raub davongetragen,\nauf dem schroffen Felsgrat schimmern noch\neinige\nweiße\nFlöckchen . . .\nein Greis kommt, hebt sie hoch und läßt sie am\nHimmel den Mördern nachjagen\nschwarz und groß.\nAus schwarzem Wald schreit dein Antlitz auf\n: f«,t\nweisser See zerrissen von wildem Stein,\neingebrochen in die lichte Wiese einer mond-\nbeschneeten Stirne.\nDie zerschmetterte Hand kann keinen : Stern\nhalten,\ndas Auge wird nie von den düsteren Schatten\nbefreit\nund die Nebel immer über die klaren Wasser\n» '\ni\nkeuchen.\nIch kann nicht die löschende Flamme deinem\nHerzen entzünden ;\noder die Nacht über die verlassenen Schultern\nsenken,\ndein Mund nahm mir nicht die Schuld von\nder erstorbenen Jugend.\nZerbrechen mir auch die Tränen,\ndein Schweigen brennt über mich\nund wird den Weg erwintern.\n\nUnsere liebeszerlichtet Nacht\nSilberlachen schüttet die weissen Blütenzweige\ndeines Herzens,\nflamme Monde stürzen jauchzend über meinen\ndunklen Scheitel,\ni\nGoldnetz deiner Arme glüht wirr Blut entleuchtet!\nIch trinke die rote Seligkeit deiner tauübersegneten\nLippen,\nNacht deiner im schwarzen Feuer auflodernden\nLavaglutaugen\nzersingt der meerumbrennten Stirne blauen\nDämmer brausend!\nUnsere Seelen sind himmelzerglänzendes Geist-\nLicht,\nunsere Küsse sind strahlennachtgefunkelzer-\nsprühende Sterndiamanten,\ndie Allerglitzernd unser Sonnen-Sein umtanzen!\nIn uns stürzt Sonnenwein betrunken Gott,\nwir halten ihn im roten Feuergraben unsres\nGipfelflammensturms,\nwir sinken hoch auf blauen Türmen sternen-\nglockenläutender Erdglücklichkeit,\nO lodert Augen, blühend schwarze Nächte,\nentbrennt aus weissen Meeren, dunkle Sonnen\nbrauset, glutet, stürzet,\nHaare bräunet Gold, erflammet, leuchtet über\nGischten lichter Mädchenkörper\nSterne meiner Brust zerglühet nachtverworren"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "176", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.26", "texte": "schwirre güldner Tanz und Wirbel juble blauer\nKüsse kelchentglänzte Sprühefeuer\no stürmet hoch ihr weissen Wellen, Schlangen-\nengel, Palmen goldgesteilt aus hellzerschneeten\nLiliengärten,\nschäumet, blitzet, silberblüht und nachtet end-\nlich über Purpurwiesen Sonnenrot zerschmolzner\nGottesstirne!\nSonne blutgestürzt in grüne Hirne,\ndunkel nachtverglühen aufgerissne Wunden roter\nhasszerschreiter Hütten\nund von grellen, gelben Blitzen herzzerfetzte\nBlütenleibe.\nVerspaltne Schädel klagen Mensch, zerschlitzte\nKnochen seufzen Gott\no weisse Stachel nichtend trümmern\nund Augen fallen jähen Tod.\nVerweinte Erde fleht die Hände,\nklaggebleicht das sonngeküßte Haar,\no Flammen, die verratnes Herz zerlodern,\nüber schwarze Geier blühen alle Sterne auf.\n\nBier- und Kognacunterlage\nFriedrich Entelmann\nMädchenaugenaulschlag mit auffallender Brust-\nrundung, kleiner Fuß im Halbschuh heller\nStrumpf, Stimme erotisierend wie weichgechla-\ngenes Blech, das mich zittern macht. „Warum\nzittern Sie?\" „Ich zittre nach Dir.\" „Meine\nSchwester hat großen schwarzen Hut mit Reiher\nweiß, sie wollte kommen.\" —• Straße hinter\nBuden, schwarz einsam, entfernte Seitensterne\nLampen. Pressen der Leiber. Ich küsse sie heiß\nohne Unterbrechung — „ O, Gott!\" „Warum, o,\nGott ?\" „ Sie drücken mich ja so. \" — bestrohter\nHut mit Silberband und Goldfädchen durch-\nzogen von zurückgebogenem Blondkopf fällt,\nwild sauge ihn in Mund — „Ich muß meine\nSchwester suchen.\" — V2IO, 11,12 Uhr. Dunkle\nChaussee, dicke Stämme garnieren, Gefallenes\nHerbstlaub Regenaufgeweicht, duftend, Schritt-\ndämpfend, Straße asphaltiert, Autos lautlos,\nlichtvoll vorbei. Mein Herz jubelt, blondes\nMädchen am Arm lacht selten, ich mache»\nMenschen ernst oder erröte Wangen. Schräg\nfällt Baumschatten, vorne breiter werdend steil\nschießt hoch an Gartengitter, welches schweigen\nPark gittert „Frieda! \" Mund, Brust, Schenkel\nhellblaues Auge, das Andere dunkelschwarz\nim Schatten. Schwarzes Kleid silberbekantet\nerlaubt kleinen Ausschnitt am Hals, der weiß\nhervorsteigt. Steigen Stand. Kühle Hand\nmacht Mädchen erschauern an strotzend Brust,\nWarze bebt, lebt. Kein Sommer, kein Winter,\nnicht Hunger, Sorgen, nur Mädchen mit Brust,\nSchenkel rund. „Sie wollen das, was sie alle\nwollen.\" „Dafür gibt es nur Männer und\nWeiber.\" „Meine Lippen bluten.\" Jetzt koste\nich ihr Blut auf meinen Lippen, es schmeckt\nstark.— „Nein nicht, lassen Sie das!\" ~Sei\ndoch nicht so, es sieht ja niemand.\" „Nein wenn\nauch.\" — Beinah erreichter Himmel. „O, nein,\nnicht!!\" — Autosonne, klar, gemein, brutal.—\nHaltung, man friert. \"Ich werde nach Hause\ngehen.\" „Ja, gehn Sie man, Sie wohnen ja\nweit.\" Blutend Lippen kosten, dann taumelnd,\nmatt, Chaussee, Herbstlaub feucht, schimmernd,\nfeucht wohlduftend.—\n\nInhalt:\nRudolf Blümner: Razzia 157\nLothar Schreyer: Gedichte . . .159\nErl auch: Tatdenker 159\nAnton Schnack: Dichtungen . . .160\nRudolf Blümner: Traumbild . . . 162\nThomas Ring: Der Goethemensch . 164\nAlexander Mette: Gedichte . . .166\nOtto Nebel: Verpusterohre . . . .167\nKurt Schwitters: Merf ilsermär . . 169\nKurt Liebmann: Gedichte . • 173\nOtto Nebel: Homo sapiens honoris causal74\nHerwarth Waiden: Musik. . -.174\nSchmitt Sulzthal: Gedichte . . .175\nEntel m a n n : Bier- u. Kongnacunterlage 176\nBerichtigung 172\nCarl Heinz Kroll: Linoleumschnitt 161\nCarl Heinz Kroll: Linoleumschnitt 163\nMan Ray: Photo Adolf Loos\nFernand L6g e r : Nature morte\nFernand Leger: Elements mecaniques\nHugo Scheiber: Porträtzeichnung\nNovember / Dezember 1925"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "177", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.27", "texte": "VERLAG PER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Walde\nDie beste Einfiihrung in den\nExpressionismus, Kubismus a. a.\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLaderipreis Halbieinen gebunden M 6,50\nFONFTE AUFL A G E\n\nDie drei WeihnachtsbQcher 1925\niTi\nDeutsche Weltanschauung\nEin Buch zur Selbstbesinnung von Karl Weidel\n372 Seiten Umfang Quartfirmat 20 Kunstdrucktafeln\nmit Bildern von Klinger, Bocklin, Schwind, Thoma\nHodler, Rethel, Diirer, Fidus, Weise u. a.\nIn Ganzleinen gebunden RM B.—\nGepragte Form\nZeugnisseunserer seelischenSchSpferkraftdargeboten\nvon Ludwig Benninghoff 464 Seiten Umfang\nQuartformat rnit 70 zuin Teil farbigen Abbildungen\nnach Gemalden, Zeichnungen, Radierungen von Ph.\nO.Runge, Caspar David Friedrich, Matthias Griinewald\netc. Skulpturen und Bildweiken aus den Bamberger-,\nBraunschweiger-, Liibecker- und Wormser-Domen,\nder Elisabethkirche zu Marburg u. a.\nIn Halbleinen geb* RVI 12.— In Halbleder geb. RM 18.—\nRomantik-Land\nEin deutscher Friihling in Wort und Bild. Ausgewahlt\nund eingeleitet v. Ludwig Benninghoff 242Seiten\nUmfang Großoktavformat 16 Kunstdrucktafeln mit\nBildern von Caspar David Friedrich, Blechen, Schwind\nRethel, Cornelius, Runge u. a.\nIn Ganzleinen geb. PM 6.50\nWent das Leben mehr ist als Essen und Trinken, wem der fau*\nstische Drang nach Eikenntnis, diese spezifisch dcutsche geistige\nEigenart, ein Tei.l seines Lebensinhaltes bedeutet, dem\npiese Werke Erquickung der Seele sein, Erbauung und Freude\nHanseatlsehe Verlasscmstalt Hamburg\n\nGd W\n# '\n5? <?\nKunstausstellong Oer Sturm\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a I\nft November\nPierre Flonquet\nDezember 1925\nSturm -Gesamtschau\n\" ' / ..\nBei Ankauf von\nKunstwerken sind Raten-\n— zahlungen gestattet —\nS1\n<\nO* <>\n-V\n°D\nAuskunft\nLutzow 4443\nJeden Mittwoch 7% Uhr: Sturm-Cabaret\n\n.a\nDeutsche\n••\nZeitung\nDie Zeitschrift der\nGegenwart\nliberal! erhaltlich\nEinzelheft Abonnement3M\nvierteljahrlich frei Haus\nha a ■\nVerlag\nvon Poddebski & Co.\nBerlin SW 48\nVerl. Hedemann - Strasse 5\nTelefon: Kurfilrst 70 40\n\n01. Narzillier & 60. Berlin HI -: - Orunewalds(rafie 14-\nGegrUndet 1854 Hofspediteure 8. M. des Kdnigs von Spanien Gegrundet 1854\nSped/i/on and Mobeltransporte, Perpaakang and Lagerang\nvon 6emaiden and Kanstgegenstanden jedep Art\nL/eferang and Empiang nach and von alien Kanst-\naasltellangen des In* and Haslandes. Transporioer-\nficherangen aller Art.\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kunstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher Jilustratoren und Hausspediteure des „Sturm\""}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "178", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192511-01.1.28", "texte": "Verantw irtl ch für d 8 Schrifleitung: Lothar Sohreyer, Berlin W 9 | Verlag der Sturm Q. b. H. Berlin W9, Potsdamer Strasse 134 a Fe nrufs\nLützow 4443 | Postscheckkonto: Berlin 120 653 | Druck: Äaba-Express, Buchdruckerei des Westens, Berlin W 57, Grossgorsohenstrasse 41\nZeitschrift Der Sturm jährlich Mark 12 / halbjährlich Mark 6 / vierteljährlich Mark 3 / Einzelheft 1 Mark\n\nJunge Kunff\nJEine Sammlung von Monographien iiber Kunstler unserer Zeit\nJeder Band dieser icings t in ffunderttausenden von Exemplar en verbreiteten Sammlung hat ein farbig§s Titelbild, 32 ganz-\nseitige Tafeln und enthalt im Textteil neben der Einfiihrung eine Selbstbiographie des Kunstlers, format <9° Preis in\nHalbleinen M. 2*50. Je Bdndchen als „ Bibliotheh der Jung en Kunst\" in einem Bande Jfalbleinen M* 20*—\n• , ; , • • ' 11 ' ■1\nMe vlelseitigsten and wohlfeilsten\nCresclienkbllcher fur den Freund moderner Kanst\nBd. /. RE/HE\n1. Max Pechstein v. Biermann,\n2. Auflage\n2. Paula Modersohn v. Uphoff,\n2. Auflage\n3. Bern hard Hoetger v. Uphoff,\n2. Auflage\n4. Autobiographische Plauderei v.\nLudwig Meidner, 2. Auflage\n5. Cdsar Klein v. DSubler, 2. Aufl.\n6. Fr. Heckendorf v. Kirchner,\n2. Auflage\n7. Rudolf Großmann v. Hausenstein\n8. Hugo Krayn v. Schwarz, 2. Aufl.\nP. RE/HE\n9. Willy Jaeckel v. Cohn-Wiener\n10. Edwin Scharff v. Pfister\n11. Maurice de Vlaminck v.Henry\n12. Wilhelm Morgner v.'Frieg\n13. Paul Klee v. von Wedderkop\n14. Josef Eberz v. Zahn\n15. Andrd Derain v. Henry\n16. K. Schmidt-Rottluff v. Valentiner\n3. REIHE\n17. Heinrich Campendonk v.\nBiermann\n18. Emy Roeder v. Kuhn\n19. Oskar Moll v. Braune\n20. Marie Uhden v. Graf\n21. George Grosz v. Wolfradt\n22. Maria Laurencin v. von\nWedderkop\n23. Max Unold v. Hausenstein\n24. Erich Waske v. Kirchner\n\nARDT & BIERMANN / VERLAG / LEIPZIG\n\nMelos\nZeitschrift fur JYlusik\nErsdisint z. Z. im 4. Jahrgang\n. *\nMifarbeiter des iaufenden Jahrgangs:\nF. Busoni I Egon Wellesz\nFritz J ode / Heinz Tiessen\nPh. Jarnach I Prof. o. Hornbostel\nProf. H. Springer / Max Sleuogt\nProf. Kurt Sachs / Ernst Kurth\nund uiele andere\nSchriftleitung: Dp. Hans Mepsmonn\n\nPre/s dee Einzelheftes 1 Mark\nJahnesabonnement (12 HefleJ JO Mark\nProbertummer gratis vom VerJag\nMEIj OS- V Bit la g g. m. b. h.\nBerlin - Friedenau / Stubenrauchsfrasse 40\n\nDER ANBRUCH\nI\nDie Revue des modernen Hustlers\nQeleitet von Paul Stefan\nVII. jahrgang\nWas ist der Anbruch?\nlangweilig, durchschnittiich,\nwUrdevoll, „tiefschilrfend\", „feinsinnig\"\nEr ist lebendig, unbeschwert, spGrsinnig.\nWas will der Anbruch?\nEr will nicht belehren, verwirren, Wast mit-\nschleppen, Giiter wahren, Belange vertreten.\nEr will anregen, helfen, bejahen, vorwMs-\nbiicken, schauen, aussprechen.\nWas bringt der Anbruch ?\nAufsatze, Berichte, Glossen, Notizen, Bilder,\nSonderhefte\nEin lebendiges Bild der Musik\n,11 1\ndieser Zeit. 112\nYerlange sine Prohenummer: Sle flherzeugt 1\nDer Anbruch Redaktion Wien 1., Karlspl. 6"}]}