{"numero_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_sha256": "9d925503ec040dfed9497103041122fc785547db546bd848022fb15478082b5d", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1926/11_01/bmtnabg_1926-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1926/11_01/bmtnabg_1926-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c001", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.1", "titre_corps": "Lajos Ebneth: Komposition", "titre_sommaire": "Lajos Ebneth: Komposition", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.1", "debut_caractere": 73, "fin_caractere_exclue": 98, "texte": "Lajos Ebneth: Komposition"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c002", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.2", "titre_corps": "Table of Contents", "titre_sommaire": "Table of Contents", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.3", "debut_caractere": 114, "fin_caractere_exclue": 221, "texte": "Herwarth Walden\nAlexander Mette\nErich Arendt\nThomas Ring\nHeimweh\nLeere\nGedichte\nDie Krise des Imperialismus"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "117", "image_debut": 5, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.3", "titre_corps": "Herwarth Walden", "titre_sommaire": "Herwarth Walden", "signature_source": "Heim-Weh", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3293, "texte": "Herwarth Walden\nHeim-Weh\nDie Gaslampe spielt elektrische Krone. Der\nGlühstrumpf hat sein natürliches Ende ge-\nfunden und hat sich gegen alle Gesetze\n, / t\nder Natur in eine elektrische Birne verwandelt.\nDie Birne ist mit der Mutter Erde durch\neinen Schlauch verbunden, der den Strom\nder Birne entzieht, um einer zweiten Birne\nzu Licht zu verhelfen. Die zweite Birne\nräkelt sich auf goldener Säule, die mitten\nin einer blumigen Landschaft aus Strick-\nwolle steht. Die Landschaft schützt einen\n.Tisch aus echtem Holz, während sie ihrer-\nseits wieder durch Leinwand geschützt wird.\nDas Leinen seinerseits wird gegen den\nDruck der Säule durch Bast geschützt, das\naus Schönheitsgründen kreisrund zum Qua-\ndrat des Tisches gehalten ist. Hinter dem\nTisch räkelt sich ein Sofa. Es wird gegen\nden Umfall durch zwei Holzsäulen ge-\nschützt, sein Plüsch aus Farblosigkeit durch\nsinnvolle Verwendung von Lackenresten\ngeschont. Über dem Sofa platzt ein Stück\nHolz in den Raum, das sich mit zwei\nNägeln angstvoll an die Wand klemmt.\nAuf diesem Holz hat sich ein Stück Gips\nniedergelassen, das je nach Geschmack an\nden einen oder den andern Meister erinnert.\nLinks und rechts neben dem Gips ver-\nsucht irrsinnig gewordenes Eisen Blumen\ndarzustellen, nicht ohne schamvoll seine\nBlosse mit Bronze zu verdecken. Über\ndem Gips blickt ein nichtwohlwollender\nHerr unter Glas auf die Birne, der der\nStrumpf weichen musste. Der Herr blickt\nsogar durch die Birne bis zur Wand gegen-\nüber, an der die Gattin, die teure, auch\nnicht wohlwollend auf das Bett blickt, in\ndem fremde Menschen schlafen, die eigent-\nlich nicht zur Familie gehören. Sie hängt,\ndie Gattin, an einem Nagel zu ihrem Sarge\nund ihr Auge blickt wehmütig auf das\nVertiko neben dem Bett. Die fremden\ni ••\nMenschen. Was wissen sie von dem sil-\nbernen Myrthenzweig unter der Glaskuppel,\nt\nden sie sich nach fünfundzwanzigjähriger\nBedrückung durch den Herrn gegenüber\nvon ihrem Spargroschen erworben und durch\nihn hat schenken lassen. Er hat die\nSchenkung nur ein Jahr überlebt und sie\nallein auf dieser Erde zurückgelassen. Den\nRest der Spargroschen hat das würdige\nBegräbnis gekostet. Mit Kaffee und Kuchen\nDie beiden Hündchen neben dem Myrthen-\nzweig stammen zwar nicht aus dem Aus-\nland, dafür sind sie aus Steingut. Der\neine Hund hat den Schweif verloren, seit-\ndem sie nicht selbst das Zimmer mehr be-\nwohnt. Drei Generationen der Familie\nhaben den Schweif nebst Hund geschont,\nbis jene fremden Menschen in die geheiligten\nRäume der Familie eingedrungen sind.\nSelbst der Gatte wusste, was er den Hunden\nschuldig ist. Selbst, wenn er vom Stamm-\ntisch nach Hause eilte, machte er den feier-\nlichen Bogen um das Vertiko, auf dem die\nRosen aus Steingut, die Schäferin aus\nMajolika und der eiserne Kanzler aus Blech\nausserdem stehen. Das Bett ist nicht aus-\n• * l 1\ngenutzt. Zwei Menschen bot es sechsund-\nzwanzig Jahre Platz. Jetzt wird es von\neinem einzigen Fräulein benutzt. Die\nAugen der Gattin ausser Diensten blicken\nmissbilligend auf die Person, die für ihr\nschweres Geld allein leicht und bequem in\ndem Bett schiäff, das durch Gottes Fügung\nfür zwei Personen bestimmt ist. Natürlich\nfür verheiratete Personen. Diese eine Person\nschläft. In einem unziemlichen Hemd, wie\nes dieses Haus nicht erlebt hat. Diese\nPerson schläft und zwo Birnen brennen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3009, "texte": "Die Gattin möchte am liebsten vom Nagel\nfallen, wenn das Glas nicht so teuer wäre.\nImmerhin bewegt sie sich etwas. Das\nFräulein erwacht, springt hastig auf den\nkalten Boden, betritt die deutsche Brücke,\ndie sechsundzwanzig Jahre geschont ist\nund löscht das Licht. Im Dunkeln tastet\nes sich zum Bett zurück, stösst an das\nVertiko, die Hündchen schwanken. Der\nzweite Schweif liegt einsam vor dem eisernen\nKanzler, als wäre es ein Stück von ihm.\nDie durchdringenden Augen der Gattin\nsehen jenes weisse glänzende Stück Elend\nund der Nagel erzittert in der Mauer.\nMarie, was ist passiert. Was haben Sie mit\nmeinem Hund gemacht.\nIch habe seit gestern Abend das Zimmer\nnicht betreten, gnädige Frau.\nDann muss es also diese Person gemacht\nhaben. Das hat man davon, wenn man\nfremde Leute aufnimmt. Wenn man diese\nBolschewisten in unser Land lässt, die keinen\nRespekt vor fremdem Eigentum haben.\nMein seliger Mann war nicht umsonst gegen\ndie Russen. Statt dass alleinstehende so-\ngenannte Damen froh sind ein Heim zu\nfinden, gehen sie mit den Sachen um, als\nob sie sich in Rußland befinden. Das muß\nsich eine Witwe bieten lassen.\nWir können es ja mit Syndetikon versuchen,\ngnädige Frau.\nSie haben nicht für solche Personen Partei\nzu ergreifen. In meinem Hause gibt es keine\ngeklebten Sachen. Und in der Republik\nwerden so gute Stücke nicht mehr ge-\nmacht.\nAber der andere Hund hat ja auch keinen\nSchweif mehr gehabt, gnädige Frau.\nKümmern Sie sich nicht um meine An-\ngelegenheiten. Wischen Sie lieber den\nStaub ab, der liegt meterhoch. Natürlich,\nwas interessiert diese Ausländerinnen der\nStaub, aber Hemden tragen sie, dass man\nsich schämen muss. Und die Brücke hat\nauch eine Falte. Ich nehme der Person\neinfach alle Kunstgegenstände fort. Wozu\nsoll man es den Leuten nett und angenehm\nmachen.\nIch glaube, da kommt das Fräulein.\nSie bleiben als Zeugin hier, Marie.\nMein Zimmer ist noch nicht fertig.\nWas ist meinem Hund geschehen.\nWas für ein Hund\nSie scheinen zu vergessen, dass Sie in\nDeutschland leben.\nIch habe noch nie einen Hund in der Pension\ngesehen.\nSie wohnen in keiner Pension, Fräulein,\nSie sind in einem Familienheim. Wollen\nSie etwa behaupten, dass Marie den Hund\nzerbrochen hat. Mit Lügen kommen Sie\nhier in Deutschland nicht weiter.\nDas soll ein Hund sein. Ich habe ihn mir\nnoch nie angesehen.\nAber zerschlagen können Sie ihn. Wissen\nSie, was er für mich bedeutet.\nIch werde Ihnen den Schaden bezahlen.\nBezahlen. Bezahlen. Den Schaden können\nSie nicht bezahlen, Fräulein. Und meine\nErinnerungen, die an diesem Hund haften.\nDie Augen meiner Mutter und Großmutter\nhaben auf ihn geschaut. Das kann freilich\nnur ein deutsches Gemüt verstehen. Wir\nsind hier noch nicht verdorben.\nIch muss arbeiten. Ich bedauere sehr, ich\nwollte Sie wirklich nicht verletzen. Ich\nweiss wirklich nicht, wie es geschehen\nsein kann.\nMit Ausreden können Sie sich nicht rein-\nwaschen. Beide Hunde ohne Schweife.\nGnädige Frau, der eine\nMischen Sie sich nicht in meine Angelegen-\nheiten, Marie. Was stehen Sie überhaupt\nhier herum."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2944, "texte": "Gnädige Frau wollten doch eine Zeugin.\nScheren Sie sich hinaus. Ich brauche\nkeine Zeugen. Übrigens möchte ich Sie\nbitten, Fräulein, keine Herren zu empfangen.\nWir haben hier in Deutschland andere\nSitten.\nGnädige Frau, ich kann doch nichts dafür,\nwenn Freunde\nWir kennen hier in Deutschland keine\nFreunde. Auch möchte ich Sie bitten,\nnicht zu rauchen. Selbst mein seliger\nGatte hat es in diesem Zimmer unterlassen.\nDen Geruch bekommt man aus dem Plüsch\nnicht mehr heraus.\nWenn ich gewusst hätte\nNun muss ich einmal deutsch mit Ihnen\nreden, Fräulein. Wenn ich gewusst hätte,\nwer Sie sind, hätte ich Sie nicht in mein\nFamilienheim aufgenommen. Oder glauben\nSie, dass die paar Mark Miete eine Ent-\nschädigung darstellen. Glauben Sie, dass\nich zum Spass mein Zimmer weggebe und\nausländischen Damen ein Dach über dem\nHaupt gewähre. Mein seliger Gatte war\nObersekretär. Hier hängt er. Vielleicht haben\nSie ihn auch noch nicht gesehen. Er hat\nalle Kriege mitgemacht. Wenn er wüsste,\ndass in seinem Heim\nIch bin bereit das Heim sofort zu verlassen\nSie werden schon sehen, ob noch ausser\nmir jemand Bolschewisten aufnimmt\nIch bin keine Bolschewistin\nDas kann jeder sagen. Aber so mit Ihrem\nBenehmen werden Sie hier in Deutschland\nkein Glück haben. Ich schicke Ihnen gleich\ndie Rechnung. Marie, das Fräulein zieht\naus. Bleiben Sie so lange im Zimmer.\nKann ich bei Ihnen ein Zimmer bekommen.\nSind sie alleinstehend.\nIch studiere.\nEigentlich nehme ich alleinstehende Damen\nnicht auf. Ich bin Witwe.\nIch bin Ausländerin.\nDie Miete muss bei mir vorausgezahlt\nwerden. Ich bin Witwe. Sind Sie viel zu\nHause.\nIch studiere.\nIch vermiete lieber an Personen, die nicht\nviel zu Hause sind. Es gibt immer Ärger\nmit der Lichtrechnung.\nWir können ja etwas ausmachen.\nNachher gibt es immer Ärger. Elektrizität\nist schön, aber teuer. Sie können sich ja\ndas Zimmer ansehen. Ein gutes Bett mit\nechter Matratze. Für die Kleider habe ich\nein paar Nägel angebracht. Leider bin ich\ndurch den Tod meines Mannes gezwungen,\nzu vermieten und daher darauf änicht ein-\ngerichtet, fremde Personen aufzunehmen.\nBügel bekommen Sie ja für ein paar Pfennig.\nDas Vertiko ist völlig zu Ihrer Benutzung,\nbis auf das letzte Fach unten. Ich muss\nda meine Decken unterbringen. So viel\nWäsche werden Sie auch nicht haben.\nAusserdem ist noch Platz in den Kästen\nunter dem Waschtisch. Nur der unterste\nKasten ist verschlossen. Da pflege ich\nmeine Sommerblusen aufzubewahren. Den\nSchreibtisch habe ich so gestellt, dass er\ngleich als Nachttisch benutzt werden kann.\nDie Kasten werden Sie wohl nicht brauchen.\nDa habe ich wichtige Papiere von meinem\nverstorbenen Mann aufbewahrt. Sie sind\naber für Fremde ohne jeden Wert. Die\nPhotographien werden Sie wohl nicht\nstören, es sind alles liebe Verwandte von\nmir und sie schmücken das Zimmer.\nWenn Sie aber nicht genug Platz zum\nSchreiben haben, können Sie den Wasch-\ntisch benutzen. Tinte geht auch von Marmor\nleichter fort. Unsere schönen Teppiche habe"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2919, "texte": "ich alle eingemottet, es ist auch so gesünder.\nSpiegel haben die jungen Damen meistens\nselber. Mein Schwager hat ein solches\nGeschäft, Sie können dort durch mich einen\nbilliger kaufen, wenn Sie keinen haben.\nUnd schliesslich müssen Sie an den Vorteil\ndenken, dass Sie nicht in einem ungemüt-\nlichen Hotel wohnen, ohne Bequemlichkeit.\nSie sind hier wie zu Hause. Sie bekommen\ndasselbe Frühstück was wir nehmen. Wir\ntrinken Malzkaffee, der ist bekömmlicher.\nDa ich Diabetikerin bin, trotzdem man es\nmir nicht ansieht, gebe ich Sacharin.\nBrötchen bekommen wir täglich frisch.\nUnd die Butter beziehe ich vom Lande.\nDass meine Tochter Klavier studiert, wird\nSie weiter nicht stören. Sie spielt künst-\nlerisch. Sie übt nur morgens und abends\nvon sechs bis zehn, weil Sie von zehn\nbis sechs eine Stellung hat. Ausser\nIhnen wohnen nur noch vier ältere Damen\nhier. Alle aus sehr guten Häusern. Rauchen\nist bei mir nicht gestattet. Es passiert\nzu viel in Berlin. Sonst haben Sie jede\nFreiheit, die Sie wollen. Nur müssen Sie\num zehn Uhr zu Hause sein. Ich gebe\nkeinen Hausschlüssel. Das ist mir zu\ngefährlich.\nDas Zimmer ist mir zu klein.\n\" / /\nUnd das sagen Sie jetzt, wo der Vertrag\nperfekt ist und wir uns über alles geeinigt\nhaben. Ich kann Ihre Bemerkung nur als\nsofortige Kündigung für den nächsten Ersten\nauffassen. Aber Sie werden es bereuen.\nAusländerinnen machen viel mehr Arbeit.\nIch habe nicht gemietet.\nUnser deutsches Recht ist berühmt. Die\nFolgen haben Sie sich selber zuzuschreiben.\nWir lassen uns nicht ausbeuten.\nNun steht es draussen auf der grossen\nStrasse. Die wenigen Laternen verdunkeln\ndas Dunkel. Die wenigen müden Bäume\nstützen sich auf eiserne Stangen. Die\nwenigen Autos treiben das Wasser auf die\neinsamen Steige. Es steht zitternd vor\nder Haustür aus Schmiedeeisen. Es hält\nden kleinen Koffer vor die Brust. Unbe-\nkümmert fällt der Regen auf den Kummer.\nUnentschlossen geht es in den Abend.\nDer dünne Mund verschliesst ein Seufzen.\nDie tiefen Augen blicken auf die schmalen\nFüsse ohne zu sehen.\nFräulein sehen Sie doch hin, wo Sie gehen.\nDas Blut schiesst hinunter. In den Augen\nTränen.\nDie Strasse dehnt sich über den Abend\nin die Unendlichkeit.\nDahinten weit liegt die Heimat, die keine\nHeimat mehr ist.\nUnd hier ist das Familienheim, zittern zwei\nFalten über den Mund.\nWo wollen Sie hin, Fräulein.\nLassen Sie mich.\nSie haben schmale Füsse und es regnet.\nGehen wir in dieses Kaffee,\nWas wollen Sie von mir.\nEinen Kaffee mit Ihnen trinken.\n• •\nÜber den Kuchen liegen graue Papierbogen\nüber den fünf Tischen hängen Hindenburg\nund Herr Müller, der Gründer des Unter-\nnehmens in Eichenrahmen. Ein Plakat\npreist das Berliner Pilsner, das schäumt.\nDer Pianist lässt das Meer weit hinaus\ni\nerglänzen. Der Kellner bestimmt Feierabend.\nIch möchte noch zwei Kaffee.\nDie warme Küche ist geschlossen.\nAlso zwei Bier.\nDie Herrschaften müssen aber in fünf\nMinuten gehen.\nGehen wir gleich.\nSie müssen etwas ruhen."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1053, "texte": "Ich bin nicht müde, aber ich bin sehr müde,\nSie sind Ausländerin.\nJa.\nDarf ich Ihnen den Koffer fortstellen.\nIch friere.\nWarum haben Sie geweint.\nIch friere.\nWo wohnen Sie.\nIn einem Familienheim.\nIst es angenehm.\nEs ist ein Familienheim.\nWarum wohnen Sie nicht allein.\nMan lässt uns nicht allein wohnen.\nWer ist uns.\nDie Ausländer und besonders die Aus-\nländerinnen.\nWarum wollen Sie denn hier wohnen.\nWeil wir aus der Ferne dieses Land lieben\nund ehren, das so viel hat und gibt, wie\nman in der Ferne sagt.\nSie sind enttäuscht.\nMan lässt uns nicht. Man lässt uns nicht\n.\nes lieben und verehren, wie wir es von\nder Ferne wollen.\nWer tut das.\nAlle.\nVielleicht haben sie besonders schlechte\nErfahrungen.\nDie Herrschaften müssen gehen. Es ist\nFeierabend.\nFeier. Abend.\nDarf ich Sie begleiten.\nIch gehe nirgends hin.\nSie können doch nicht auf der Strasse\nbleiben.\nHier ist Feier. Hier ist Ruhe.\nWollen Sie zu mir kommen.\nIch will einmal allein sein. Weit ist die\nStrasse.\nIch schäme mich für dieses grosse Land,\ndas keinen Raum für deine schmalen\nFüsse hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.4", "titre_corps": "Alexander Mette", "titre_sommaire": "Alexander Mette", "signature_source": "Leere", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3041, "texte": "Alexander Mette\nLeere\nDer nackte Mensch steht vor der Kälte\nWeite helle Winternacht frierbleich. Glas\ngläsert Fensterfreie. Gläsert Leere. Das\nJahr durchkältet. Alt. Das zwanzigste Jahr-\nhundert blauverbleicht die Ebenen Europa.\nAnzug schlottert tuchbreit und webefest\ngastglases Hirn.\nSterne Himmelweite und die bleiche Schnee-\nleere Europa. Die Züge Soldaten vor 100,\n200, 300, 400 Jahren zogen hier. Strapazen-\nzerfressene Soldateska Napoleons, Friedrichs,\nBanden Räuberzüge der Heere des sieb-\nzehnten Jahrhundert. Behangen mit der\nTrommel des Trommelschlägers. Gegliederte\nSchädel, scharfäugige Geier unter Feldherrn-\nhüten , zusammengefallene Schmalgestalten\nnervvibrierender bewusster Sinnträger der\nzu vollführenden Aktionen zwischen sich:\nMenge und Führer auf dem Wege zu Irgend-\netwas, das gemacht werden soll. Warum?\nDas gemacht werden soll!\nJemand hat das Grosse vor. Tat. Die Städte\nüberschimmert Himmel. Sternbild blinkfunkt.\nSonst ist weite Leere, die Kälte Nacht, nur\ndass Pferde gehn und warme leiblich fühl-\nbare Vollstrecker von diesem Etwas sind,\ndas Wille heissen will. Es gilt etwas. Es\ngilt die Wege hinter sich bringen. Es gilt\ndas Ziel fassen. Es gilt dem Gegner.\nGegner ziehen zielentgegen. Wohin? Hin!\nUnd her! Das Land liegt leer. Wer füllt\nWeite, Fläche, ewig Gestrecktes? Die Ferne\ndehnt ewig. Der leere Sternraum blinkt\ndie Kälte Ewigkeit über die Willen weg.\nDie Ahnung: Treffen, Schlacht, Zusammen-\nstoss, Aufstoss der Tore, Hitze, Leben, Blut,\nVerströmen, Du Feind Du Freund und\nJagen Raffen Schlagen Haben setzt rote\nLichter: „Dort\" an irgendeine Stelle Horizont.\nDer Sieger hat. Der Sieger wird das Fass-\nliche haben. Das Da. Das Dort. Er fasst\ndas Haben. Er hat das Fassliche. Die lohe\nGlut Haben, in Gewalt, „Du Erde, wir haben\nDich\", „Ihr Städte, wir haben Euch\", brennt\nWärme in die Kälte Nichts. Der Taktiker\nder Schlachten hegt die harre Hoffnung der\nMenge Menschen, die nichts hat, kein Ende\nsieht, nichts sieht, Kälte fühlt, bleiche Bläue\nflieht und flichflucht und das Ende: Dich\nhaben, greifen, fassen, fassen um, verfassen\nsucht.\nGedanken, die die traurige Minute herum-\nsteuern wollen: Wir sind voraus. Wir. Weit!\nWir Nichttäter. Das Tun ist tot. Ist Nichts-\ntun Tod, wenn Tun tot ist? Wir sind die\nscharfen Seher Sperber um die Gurgel jeder\nVorstellung, die wir abhalftern wie der\nSchnitter ehmals dünnscharf schnittig mit\nder Schneide Sense Korn. Keine Wölbung\nHimmel über gestaltetem Winkel Stadt Land\nLandschaft, die vor dem Auge unserer\nempfängnissicheren Sehkraft hindurch nicht\nin die Fläche dieser Leere Weltraum zurück-\nbog. Physiognomien, Bauten, Gestaltetes\nvon Menschenhänden: dies alles Geistige\ndurchfrass die Einlebung in jede Regung\nvom Mensshen vorwärts in die Höhe Welt.\nUnd wir in Allem Stehenden haben diese\neine grosse Leere Raumweite allem zu\nHäupten als das letzte Rätsel näher offen-\nausgestreckt vor uns — wie der Mann mit\nder Steinaxt Krokodil und Drache, vor\ndenen er auswich und die er doch erjagen\nwollte irgendwann, wieder, wenn der Eifer\n„vorwärts!\" ihn anblies."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.5", "titre_corps": "Lajos Ebneth: Komposition", "titre_sommaire": "Lajos Ebneth: Komposition", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 25, "texte": "Lajos Ebneth: Komposition"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "122", "image_debut": 12, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.6", "titre_corps": "Erich Arendt/Gedichte", "titre_sommaire": "Erich Arendt/Gedichte", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1071, "texte": "Erich Arendt/Gedichte\n\nHerzfall\nDein Leib reint Himmel\nlichtert hell die Helle lichterlicht\nSeele schauert\nwellet Meere\nstummtieft mich.\nLilien kelcht der Blick\nund mich *\ngekniet\nJahre tropfen ab\nGekniet.\nDu wächst, wächst und rieset\n;|• „ \\\nund himmelt riesennah\nund\nv\\, . '\ngottschmieg\nrund\numrundet rund das All\nund mich\ngekniet\nvor dich.\n) i\nUnd Zagen zittert\nKoset dich\nBitten Demuten Schwingen Stolz\nUnd\nDich ■ ,\nund Dich\nGrünen spriesst den Jauchz entgegen\nDir das Leben Vollgesprengt.\nUnd mich\nGekniet\nDas Spät.\nDu?!\nWeh!\nund Weh! ,\nDas Lassen?\nZittern, Zagen\nDich\nund Dich\nLachen eiselt Eis\nUnd\nMir?\nKlittern Herzblut\nSchnitten riss\ndas Weh\n•'. - l\nZittern Zagen\nDich nur Dich\nUnd\neist\nWürgen schringt und schringt\nund schringt\nKosen zögert Dich\nUnd'\nEist\nMessert\nSchläfenklerr mir riss die Stirn.\nHimmel pecht Schwarzblitz\nAbt\nUnd\nLächeln schmerzt Dir nach\nund ' \\\ninst\nKosen zagt\nund Tränen wringt und wringt den Schlund\nund\nwringt\nrinnt der Tränen.\n. \\\nZagen zagt\nV\nverzachtet\nZieht\nUnd Eisein eist\nUnd ;\nEis\nund Eis und Eis\nsprungt tief das Herz\nhindurch.\nI"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1343, "texte": "Glück\nEinsam\nHimmel küsst Mund\nUnd\nZwitschern stirnt das Dunkel\nRuhe reift blond\nden frieden Traum\nTräumen gondelt\ngoldent.\nMüde mondet um die Welt\nUnd\nSchweigen\nSchweigen\nMondeinsamt\nsteigt.\nGolmt\ndas\nWerden.\n\nGeburt\nEwig und Nacht\nStille schwagt\nTagen nachtet\nSternen fahlt\nNacht verhallt kahl\nGrabt zages Kreissen ein\nLahfen schwahlt wähl\nSchwarzen schwahlt\nvernachtet.\nMutterherz glockt\nFahlen hebt\nund\nglockt und glockt\naufsternt Jubelglock\nund Herzgeläut\nGlockt das All\nGlocken\nRauschen\nGlocken\nStürmen\nGlocken Schwallen Schallen Prallen\nBranden überall das All\nLichtschwallrundung prallt\nder Himmel springt\nNacht knallt weiss und grell\nGrell und grell\nWeisser Schrei\nZerschellt der Leib\nUnd\nEngel Neigen Grössen Kuss\nUnd\nStaunen augt\ndas schwanke Schwanken.\n\nHerbst\nSchlammen, Modern, Wesen, Greinen\nGräber stieren grinse Kreuze\nWinde stöhnern\nbleich\nverschleifen\nFahlen gähnt vertan und lahst.\nSchwärze lischt den leichen Himmel\nMond spritzt spill das Gelbe gilb\nFeuchte blanket wank Gemäuer.\nKrümmen Adern Schlappt Versacken\nMund höhlt hohl\nDie Leere schiimpft\nKichern krillt zerzerr\nZergehret\nWelk verschleckt das Gehen lift\nLeben duckt die schwarze Kugel\nHin den Nebel knill geknüllt\nStinken Säften Nebeln Fliessen\nAugen bröckeln maisch\nund nach\ndas Lieben\nBlicke schwammen lall — —\nUnd\nNoch ver kreischend\nAste streizen zarren Tod."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.6.1", "titre_corps": "Herzfall", "titre_sommaire": "Herzfall", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.12", "debut_caractere": 23, "fin_caractere_exclue": 1071, "texte": "Herzfall\nDein Leib reint Himmel\nlichtert hell die Helle lichterlicht\nSeele schauert\nwellet Meere\nstummtieft mich.\nLilien kelcht der Blick\nund mich *\ngekniet\nJahre tropfen ab\nGekniet.\nDu wächst, wächst und rieset\n;|• „ \\\nund himmelt riesennah\nund\nv\\, . 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Betrachten wir daraufhin\ndie Ordnung in einem primitiven Stamm\noder einer Anzahl Menschen die unter pri-\nmitiven Lebensverhältnissen etwas gemein-\nsames tun wollen, so sehn wir alle Ver-\nschiedenheiten der Anlage bei einer Unge-\nschiedenheit an Rechten wirksam. Wer im\ngegebenen Äugenblick eine führende Idee\nhat, dem folgen die andern, nach der\nLeistung tritt er wieder in die Kollektivität\nein und folgt dem lebendigen Fluss des\nGeschehens. An wen im gegebenen Au-\ngenblick eine besondere Arbeit herantritt,\ndie er bewältigen kann, der verrichtet sie,\nohne dass er dadurch verpflichtet ist, stets\nsolche Arbeiten zu tun. Diese Ordnung\nlässt sich nicht erhalten, sobald in der über-\nwiegenden Zahl von Einzelmenschen der\nEgozentrismus den Kollektivismus überwiegt.\nDer Zeitpunkt dafür muss eintreten durch\nbeginnende Ermüdung und durch verstärkte\nAnspannung des Gesamtwillens. Bei Er-\nmüdung — Zerlegung der Kollektivität in\nEinzelinteressen — sondert sich eine Schicht\naus, die immer mehr das Gleichmass fest-\nbestehenden Erlebniskapitals im Fortschritt\nsucht, die in der wechselnden Lebens-\nproblematik den ruhenden Faktor in der\nWiederholung bestimmter Dinge erhält. Es\nentsteht der Typ des Verwalters und Nutz-\nniessers, des Bewahrers von Formen und\nGebräuchen, des Erhalters der Regelmässig-\nkeit, in jedem Falle eine Mittelschicht, die\ndie Tradition weiterträgt, mit ihrem Ueber-\nhandnehmen aber die Aktivität der ganzen\n\\\nGemeinschaft lahmlegen kann.\n112\nBei stärkeren Forderungen von aussen\nzüchtet sich aus innerer Anspannung\nganz von selbst eine Führerschicht. Da-\ndurch entsteht ausser der Mittelschicht der\nlangsamsten Anpassung und der Traditions-\nbewahrung ein oberer und ein unterer\nExponent der Gesellschaft, auf denen die\nAnlage und zweckmässige Gruppierung des\nGanzen wie die Arbeit der Durchführung\nruht. Je anspannender das Verhältnis\nzwischen dem Gestaltungswillen der Kollekti-\nvität und den für die Gestaltung im realen\nDasein gegebenen Bedingungen ist, umso\nschärfer ist die Auswahl im Heranzüchten\nbesonderer Führerbefähigungen, einer Klasse\ndie um die alle Handlungen der Gemein-\nschaft bewegenden Absichten weiss und die\nErfinderkraft auf knappste Zweckmässigkeit\ndarin richtet. So geschieht die Auslese der\nHäuptlinge und des Kriegsadels oder des\nKultadels, wenn junge Völkerschaften auf\ndem Plan der Geschichte mit anderen in\nWettbewerb treten, so vollzieht sich eine\n(\nAuslese bei jedem Gemeinschaftsunter-\nnehmen, das mit anderen in Wettbewerb\ntritt. Die Grund-Dialektik (das Hin und Her\nder Probleme) im persönlichen Leben des\nFührers bekommt damit einschneidendere\nFolgen für das Ganze, weil seine Tätigkeit\nmehr mit den Angelegenheiten Anderer als\nmit eignen verknüpft ist. Ein sich immer\nwiederholender dialektischer Irrtum der\nFührerschicht hat bisher zum Niedergang\njedes Gemeinschaftsunternehmens geführt.\nDie Notwendigkeit der Disziplin im Daseins-\nkampfe des Ganzen fordert die Erteilung\nder Befehlsgewalt an die Führer. Der\nkleinste Fehler in der Selbstkontrolle läßt\nX >\nsofort eine Verwechslung zwischen über-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3440, "texte": "persönlichen und persönlichen Rechten zu.\nDer Bau von Sanssouci, Friedrichs 11. Vor-\neingenommenheit für französische Kultur,\ndie Errichtung der Berliner Siegesallee oder\nNikolaus Glaube an die göttliche Sendung\nRasputins sind verhängnisvollere Irrtümer\nals die Tabakspfeife und das Bierglas des\nkleinen Mannes. Irrtümer des Führers wären\nohne negative Folgen, wenn er im Banne\nkritischer und im Kollektivsinne richtiger\nBeobachtung durch die von ihm geführte\nGemeinschaft bliebe. Die traditionser-\nhaltende Mittelschicht hingegen hat ein\nInteresse daran, zukünftige Beunruhigung\nihrer Lage möglichst auszuschalten und legt\ndie weitere Aktivität desjenigen, der ihre\ngegenwärtige Lage herbeigeführt hat, lahm\nindem sie gerade seine persönlichen\nTendenzen und Aeusserungen vergöttert.\nFür ermüdete Kollektivzustände lässt sich\nder, Satz aufstellen: das dem Bürger gültige\nSymbol ist stets die Negation der wesent-\nlichen Leistung des Führers. Der Krück-\nstock und der feudale Terassenbau Friedrichs\nals persönliche Extravaganzen beruhigen\nden der es ablehnt, das Umwälzende an\nFriedrichs Staatsidee (Dienerschaft des Be-\nfehlenden) auf sich anzuwenden. Dergeniale\nFührer schaltet deshalb seinen persönlichen\nAusdruck, durch dessen Kultivierung allein er\nbeliebt werden kann, in seine funktionären\nMittel ein, um dem Verlangen der Traditions-\nschicht nach Ruhe persönliche Sicherheit\nzu geben. Dadurch ruht aber die Kontrolle\nauf ihm selbst und je komplizierter die\nStaatsmaschinerie oder die Gesamtlage für\nden Betrieb von Staatsmaschinerien über-\nhaupt wird, umso näher liegen Irrtümer.\nUm nicht an eignen Formen oder am zähen\nWiderstand der Traditionsmasse zu ver-\nsklaven braucht der Führer den Kontakt\nmit einem gesellschaftlichen Exponenten,\nder die zur Durchführung geschichtlicher\nLeistungen nötige anpassende und aus-\ngleichende Arbeit ausdrückt.\nDer Staatsmann, Geschäftsmann oder geistige\nFührer wählt seine exponierte Stellung und\ndas Einhalten ihrer Konsequenzen, auch\nauf vererbtem Posten bleibt ihm wenigstens\ndie für das Ganze verhängnisvolle Freiheit,\nsich den erwachsenden Verpflichtungen zu\nüberpersönlicher Leistung zu entziehen.\nDiese Freiheit besteht nicht für den unteren\nExponenten der Gesellschaft. Die Schicht\nder Arbeitenden ist zwangsläufig mit fremden\nDingen verknüpft, sie produziert die Über-\nschüsse an unmittelbarer Leistung, von\ndenen das Ganze lebt. Der einzelne Arbeiter\nkann im gegebenen System langsam auf-\nrücken, durch persönliche Umgehung des\nfür seine Schicht bestehenden Allgemein-\nzwangs zum Nutzniesser und Antreiber,\nim demokratischen Kompromisstaate auch\nzum Führer werden. Es könnte ihm so-\ngar gelingen, als Einzelner eine Aktion\ngegen ein herrschendes System zu ent-\nfesseln, da er die Folgewirkung dieses\nSystems in der unteren Schicht kennt und\ndurch seine Führerbegabung den Zündstoff\nzur Explosion abgeben kann. So wartete\nzur Zeit der Reformation die Masse der\nBauern und Kleinbürger auf die politische\nKonsequenz Luthers, als er sich mit der\nBegründung einer dynastisch gestützten\nkirchlichen Demokratie begnügte. Der\nemporgekommene Führer kämpft aber stets\nallein gegen ein eingesessenes System und\nseine alles einbegreifenden dialektischen\nVorurteile, muss sich mit Teilerfolgen be-\ngnügen (Lincoln) oder wird selbst zur\nKompromisfigur (Ebert). Er kann gün-\nstigstenfalls die geschichtliche Konsequenz\nhinauszögern, bis die Schicht seiner Her-\nkunft sich ihrer aktiven Aufgabe bewusst"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3414, "texte": "wird. Diese besteht darin, dass von ihr\ndie Umschichtung ausgehen muss wenn ein\nKollektivsystem sich an Egoismen und\nihren weiterwirken den Irrtümern verbraucht\nhat. Im Sklaven wider Willen stellt sich\ndie Dialektik des Lebens am Härtesten und\nUnmittelbarsten auf. Gibt er, von keinem\nEhrgeiz dazu getrieben, seine Kraft an\nüberpersönliche Dinge aus ohne persönlich\nzu erleben, wofür er es tut, so muss der\ngesunde Egoismus revoltieren. So wird\ndie Schicht, die die Folgen der Zielstellungen\nAnderer trägt, zum Korrektor der Lebens-\nformen. Ihr Denken schult sich durch\ndie logische Kausalität bestimmter Ein-\nschränkungen, ihr Wille wird durch Ver-\nsagen menschlicher Notwendigkeiten ge-\nweckt und da es sich um Gemeinsamkeit\nder Not handelt, wird sie zum Schooss\nkollektiver Erneuerung. Deshalb kann die\ngeschichtlich-biologische Umwälzung nur\nMassenaktion sein.\nImperialismus ist der auf ein Staatssystem\nübertragene Egozentrismus. Die Konse-\nquenzen sind für die Lebensaktion eines\nEinzelnen wie für die einer Gruppe von\nEinzelwesen im Prinzipiellen gleich. Der\nEinzelmensch als Zellenstaat ist ein Bild\ndes Ganzen: Befehlsschicht ist Nerven- und\nGehirnaktion, Erhalter- und Nutzniesser-\nschicht ist das Zellgewebe, Arbeitsschicht\nsind Blut und Säfteumlauf. In der Kausa-\nlität geschichtlicher Vorgänge des Menschen\nwie des Staates ist jede Frühzeit vom Feu-\ndalismus, jede Spätzeit vom Kapitalismus\nbeherrscht und die Forderungen eines Kriegs-\noder Arbeitsproletariats treiben zu er-\nneuernden Krisen. Wird eine Aktion aus-\ngelöst, so reisst die Befehlsschicht zur neuen\nZielstellung, die diktatorische Gewalt eines\nFeudalismus von Begriffen und Vorstellungen\ngibt dem Ganzen Richtung und Plan. Hat\nder Vorgang die geschichtliche Kulmination\nüberschritten, so fordert das Festigungs-\nbedürfnis des biologischen Kapitalismus in\nder Zellstruktur ihr Recht der Stabilisierung,\ndie Nutzniessung einer erreichten Position.\nAn den Funktionen des Bluts und der Säfte,\nder Lebenshaltung des Proletariats zeigt\nsich aber die biologische Richtigkeit oder\nUnrichtigkeit. Sie tragen die Konsequenzen\nund aus ihnen steigen die Forderungen\nnicht einzelner Bedürfnisse sondern des\nkollektiven Ganzen auf. Säfte und Blut\nproduzieren die Ueberschiisse, die ebenso\nErhalter- und Führerzellen nähren und um-\nwandeln. Deshalb haben revolutionäre Be-\nwegungen instinktiv die Farbe des Bluts\ngewählt, als Ausdruck ihres Kampfes gegen\nideologische Weltfremdheit und neurotisch\nirrenden Ehrgeiz verbrauchter Feudalisten\nwie gegen hysterische Lebensformen der an\nsinnlose Mechanisierungen sich klam-\nmernden Kapitalisten. Im Kommunismus\nist die Massenaktion erwacht, die aus lebens-\nkräftigem Flusse heraus Führer zu anderen\nZielen wie Verwalter anderer Lebenszellen\nbestimmt und die lebendige Kontrolle aller\nFunktionen des Menschheitsganzen ver-\nlangt. Der künftige Führer muss aber be-\ndenken, dass es sich bei den zu erwartenden\nMassengeschehnissen um Korrektionen\nbandelt, die erst den Weg für neue Ziel-\nstellungen frei legen.\nDie kommende Erneuerung rechnet mit\nanderen Bedingungen als sie für die ge-\nschichtlichen Krisen des Altertums bestanden.\nIn Babylon, Assyrien, Aegypten, Indien,\nChina, Griechenland, Rom hat sich voll-\nzogen, was sich zuletzt in den Staaten-\ngründungen der Völkerwanderung und des\nspäteren europäischen Ostens wiederholt\nhat: der Kollektivwille junger Völker warf\nsich auf Kulturen schwächerer Feudal-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3448, "texte": "Ordnung oder bereits kapitalistischer Stag-\nnierung, bewies dadurch die Ursprünglich-\nkeit seines Daseinsrechts. Das Volk war\n„blutsmässig\" stärker. Die Ueberwundenen\nwurden zu Leibeigenen, hatten „niedere\"\nArbeiten zu verrichten, während die Sieger\nFührung und Organisierung in Händen\nbehielten. So war also auch dein Krieger-\nproletariat des siegenden Volks eine gewisse\nFührer- oder Geniesserstelie gesichert und\ndie Aussicht auf diesen Gewinn konnte sich\nder Imperialismus erhalten. Napoleon wusste\ngeschickt mit diesem Ehrgeiz zu rechnen\nund betrog dadurch das französische Volk\num das Erbe seiner Revolution. So hatte\nsich noch 1914 die Ideologie deutscher\nGymnasiasten den Einmarsch in Belgien\nvorgestellt, ohne durch Maschinengewehre\nbelehrt zu werden, dass die bisherigen\nBelehrer auf Bestellung alte Bilder für\nGegenwart und Zukunft verausgabt hatten.\nJetzt wendet sich das schlechte Führer-\ngewissen der Verführten gegen die aus dem\nBlut aufsteigende Konsequenz.\nDas Verfahren feudalen Gründersystems auf\nKosten andrer Nationen ist heute weder in\nEuropa noch in den Kolonien mit dauerndem\nErfolg anwendbar. Der europäische Ka-\npitalismus -- zuerst notwendige Basis wirt-\nschaftlichen Ausgleichs, friedlichen Gewinns\nund dadurch des Austauschs von Kultur-\ngütern — ist die Schlinge in der sich das\nimperialistische System fängt und abwürgt.\nDer imperialistische Machtanspruch durch\nGewalt erweist sich als unrentabel, da die Ver-\nluste des Siegers heute kaum geringer sind\nals die des Besiegten, die Daseinbedingungen\nder arbeitenden Klasse verschärfen sich mit\nBeibehaltung des kapitalistischen Systems\nimmer mehr und überall gleichmäßig. Da-\ndurch werden die Arbeitenden aller Länder\nzum wirtschaftlich kausalen Denken erzogen\nund geben dem Willen des unteren Ex-\nponenten der Gesellschaft Wucht und Rich-\ntung. Die Sklavenaufstände des Altertums\nkonnten niedergeschlagen werden, da sie als\nMassenaktionen nicht umfassend genug oder\nin der Richtung ihres Angriffs nicht über-\nsichtlich genug geleitet waren. Nur die\nMilitärrevolte germanischer Söldner in\nrömischen Diensten konnte in Zusammen-\nhang mit der Völkerwanderung den Zu-\nsammenbruch des römischen Imperiums be-\nbewirken. Sie führte aber letzten Endes zur\nGründung neuer Feudalstaaten. Auch die see-\nlische Slavenrevolte, das Christentum, wurde\nvon antiken Philosophen und Staatsmännern\nim geistigen Feudalsystem einer Kirchen-\ngründung aufgefangen, die im Papsttum die\nimperalistische Konsequenz zog, die welt-\nlichen Staaten erst zu bekämpfen, solange\nes ging und sie dann transcendental zu\nsichern. So mussten die europäischen\nBauernkriege stets von den vereinigten Im-\nperialismen niedergemacht werden — in\nParallele zum jetzigen Völkerbund der das\nProletariat abzuwürgen strebt — und auch\nder Protestantismus begriff nicht die Sen-\ndung des Urchristentums, sondern ent-\nwickelte sich zur nordeuropäischen Form\nimperalistischer Metaphysik.\nWir stehn vor Massenaktionen, die eine\ngrundsätzliche Aenderung des bisherigen\nLebenssystems der Staaten bringen. Die\nKrise bleibt akut und muss zu Katastrophen\nführen, weil der Glaube an das alte Lebens-\nsystem zu fest eingesessen ist, das System\naber die arbeitenden Massen zur Revolte\nführen muss. Das Wesentliche am Neuen\nist die Verneinung imperialistischer Methoden\nund die Formung staatlichen Lebens aus\ndem Kollektivwillen der ganzen Menschheit\nheraus. Der gesunde Instinkt wehrt sich,\ndie Regelung der allen Menschen gemein-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2438, "texte": "samen Fragen noch länger den Zankapfel\nnationaler Egoismen bleiben zu lassen,\nwenn die Wahrung egoistischer Allüren\nso teuer erkauft werden soll. Kinder\nhaben sich ihr Leben lang um eine Sache\ngeschlagen und erkennen zum ersten\nMal, es sei möglich, dass dies Ding\nallen gehöre, aber die Spannung falsch\ngeleiteten Ehrgeizes hetzt zu neuen An-\nsprüchen auf Vorherrschaft. Der Faschis-\nmus ist ehrlich, will aber die geschlagenen\nGlieder mit blutleerem Angriffsgeist —\nNervenüberreizung infolge historischer Fixie-\nrung — zusammenreissen. Die Demokratie\näst faul und gedankenlos und ruht im\nAugenblick ohne den nächsten zu bedenken,\nmuss dadurch das unhaltbare kapitalistische\nSystem bestätigen. Die diplomatische\nRoutine imperialistischer Staatsführung, von\nihrem System versklavt, getrieben durch\nKonzerne und die von wenigen Punkten\nder Erde aus geleiteten Finanzbedingungen,\nkann Bündnissen, d. h. neuen Kriegsab-\nmachungen, nicht entgehen. Die Schau-\nplätze der Kämpfe werden da sein, von\nwo die Spätformen des Imperialismus am\nstärksten sich bedroht fühlen: Russland,\nChina und dadurch weckt Europa die\nMassen Asiens wie Rom die Massen Nord-\neuropas weckte. Die Krankheitszellen neu-\nrotischer Missleitungen im Staatenkörper\nEuropas können allein durch das gesunde\nMisstrauen proletarischer Kontrolle un-\nschädlich gemacht werden. Kein Einzel-\nterror, sondern Massenaktionen können\nAenderung bringen, da es sich um Systeme\nund nicht um Persönlichkeiten handelt\nAuch die kommende Gemeinschaftsform\nwird die Auslese einer Führerschaft be-\nwirken. Das Wesentliche an der kommu-\nnistischen Neuordnung ist aber, dass der\nFührer nie seine kollektive Aufgabe ver\ngisst und durch ein Rätesystem kontrolliert\nwird, sofort also von den Folgewirkungen\nseiner Entscheidungen unterrichtet und der\nGemeinschaft gegenüber verantwortlich ist.\nDer historische Materialismus, der nicht\nNatur und Mensch gegenüberstellt, sondern\ndie Geschichte der Menschheit der Natur-\nkausalität eingliedert, kennt keinen „Geistes-\nadel''. Dass in der Konsequenz hiervon\nalle materiellen Vorzugsrechte wegfallen\nmüssen, ist der Grund der Angriffe aller\nfeudalen oder kapitalistischen Intellektuellen.\nHier muss jeder die klare Scheidung in\nsich vollziehen und sich bewusst sein, dass\ndie natürliche Reaktion des Blutes auf un-\nnatürliche organische Zustände, die durch\ndas angenommene Diktat einer geistigen\n„Uebernatur\" geheiligt werden sollen, nicht\nausbleiben kann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c014", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "2", "page_fin": "2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.10", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 350, "texte": "Kunstausstellung\nDer Sturm\nBerlin W9 / Pots darner Strasse 134 a I\nNovember 1926\n155. 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MOHOLY-NAGY, Malerei, Photograghie, Film\ngeheftet Mk. 7\nin Leinen gebunden Mk. 9\nw. KANDINSKY, Punkt und Linie zu Fl&che\ngeheftet Mk. 15\nki Leinen gebunden Mk. 18"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c022", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.4", "debut_caractere": 780, "fin_caractere_exclue": 1492, "texte": "LA RENAISSANCE\nDE L'ART FRANQAIS\nET DES INDUSTRIES DE LUXE\nfond£e par HENRY LAPAUZE, publie au commen-\ncement de chaque mois, un fascicule de 60 h 80\npages, format in 4° raisin (25:32) contenant de\nnombreuses illustrations.\nLA REDACTION de La Renaissance de I'Art\nPranQais et des Industries de Luxe com-\nprend les 6crivains et les critiques les plus autoris6s\nde tousles pays d'Europe. Ses 6tudes docu-\nmentaires et ses chroniques d'actualit£s offrent un\ntableau constamment tenu A jour de L 'ACTIVITY\nDES ARTS DANS LE MONDE ENTIER.\ni\nAbonnements:\nFrance . ... 100 francs\nStranger ... 150 —\nOn s'abonne chez tousles Libraires et &\nLA RENAISSANCE\nDE L'ART FRANQAIS\nET DES INDUSTRIES DE LUXE\n10, Rue Royale / PARIS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c023", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.4", "debut_caractere": 1494, "fin_caractere_exclue": 2440, "texte": "MANDBUCH DBS KUNSTMARKTES\nKUNSTsADRESSBUCH\nFOR DAS DEUTSCHE REICH, DANZIQ U. DEUTSCH-OSTERREICH\nDas erste umfassende Kunstadressbuch mit fiber 40000 Qualitatsadressen\n... Die einzelnen Qruppen sind allenthalben mit unsaglichen Miihen\nzusammengefafit und aufierordentlich bequem und handlich aufge-\nzahlt. Eia glanzendes Hilfsmittel und eine xvafire Fundgrube fur\njeden Interessierten des weiten Qebiets der Kunst ist hier geschaffen...\nVossische Zeitung\n... Ein bis ins Detail durchdachtes, mit aufierordentlicher Sorgfalt,\nmit seltenem Fleifi zusammengetragenes, ungemein iibersichtliches\nNachscfilagewerk, das jedem Kunstsammier, Kunstfreund, jedem auch\nnur mittelbar Interessierten mllkommen und wichtig sein durfte...\n8- IJhr-Abendblatt\n816 Seiten\nin Halbleinen\ngebunden\nPreis\nRM. 25—\n'V-v? 4\nAntiqua -Verlagsgesellschaft Hermann Kalkoff Berlin W 8\nTaubenstr. 44/45\nVorr&tig bei der Sturm-Buchhandlung Berlin W 9 Potsdamer Strasse 138 a\nII\nII"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c024", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 949, "texte": "Der Sturm / Berlin W 9\n• ' . N v\nKunstler-Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincenc Benes\nUmber to Boecioni 112 / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck 112/ 3\nSigrid Hjerten Griinewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kadar\nKandineky / 3\nPaul Klee\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger /' 2\nAugust Macke 112\nFranz Marc 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nGeorg Schrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\n'\nFritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nNell Walden\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nJ - V . . • . - ' * . , ....... • '\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c025", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "129", "page_fin": "129", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.21", "debut_caractere": 951, "fin_caractere_exclue": 1692, "texte": "Dichtungen von Herwarth Waiden\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nGlaube / Komitragodie\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nSckriften von Herwarth Walden\nWeib I Komitragodie\n3 Mark\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte\nGebimden in Ganzleinen 3 Mark\nDie neue Malerei / Mit zahlreichen Abbildungen / 5. 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(£$ werben\n£wr $«nfg«tt)osnf)<it€n wa&r&aft rwolutioniert.\n2B*nn tin nod) fo fct)arffinnig<r $iat|jemati!er,\nmt H sUb«rt Cmjfcin |t»*tfenoi itf, im lo*\nflifdjen $enten nid)t geniujenb gefdjult ift, fo\nfann feme SdMuffolgerung aus=\nfallen. <£tn folder <£infhm§ itf\nijitx unmiberleglid) nad)gemefen. 2>ajer *mrb\nimffctn J)tcr mit feinen etgenen SBaffen aufs\n§*upt g«fd)lag«n. problem, burd) bas\ntx ju fetnen fallen golgewngen gelangte, if!\nalfo »i«ber $ur 2)<batte gegeben, unb em\n3serfud) £u feine* Sofung xoixb f)ter »orje»\nfd)lag«n. — MeS in adern t»irb ftd) bit <je*\nfamte Sftobewe iiberjeugen, nist sUbert\n(EinfUin, fonbsrn in $Baf)rf)eit Smmanuel Kant\nbas SBeltbilb t»a|>r{>aft re&oiutiomert &at. 3n\n<£rnfl $larcus xoixb bie gufunft ben ed)ten\n<£tben £ants begrufcn lernen. 2)ie Sftitmelt\nefjrt nut 3eit nid)t (frrngfeitege offen. 3stele\nfinb (£in <se=\nbanfe, erne SBafurfjett, »U fit fctefe* SBerf\nbewelfi ttirb nut alle taufenfe 3«&re tinmal\n%tbasi unb #nt&e<ft* S. J.\nMark 1,25\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9\nDurch jede guteßuchhandlung'oder d'rekt\nvom Verlag Der Sturm zu besiehen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c027", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.22", "debut_caractere": 278, "fin_caractere_exclue": 419, "texte": "Zum Verstaminis des modernen fculturellen und\npolitischen Lebens tinentbehrlich ist die Lektiire der\nZeitschrift ■'\nSOZIALISTISCHE MOMTSHEFTE"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c028", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.22", "debut_caractere": 421, "fin_caractere_exclue": 1864, "texte": "Herausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartai 2,25 Mark, Einzelheft 75 Pfennig / Vorzugsausgab*\n(auf besonders schonem Papier) pro Quartai 4,50 M / Einzelheft 1,50 M\nDas Septemberheft 1926 enthalt:\nKarl Hildenbravid (Mitglied des Reichstags und Reichsrats)\nFiir eine parlamentarische Arbeitsgemeinschaft\nProf. Max Schippel / Industrie und Arbeiterklasse\nJulius Kaliski I Der Eisenpakt\nDr. Ludwig Quossel (Mitglied d. Reichstags) / Deutschland in Gent\nArno Nadel / Pegasus\nWolfgang Hsins (Ehem. preuss. Staatsminister) / Die Beamten\nder Republik — Dr. OftO KarutZ / Siedelungsverfahren und Siede-\nlungsergebnisse seit 1919 — Hlltgart Vlslhabar / Franz Ton Assisi —\nDie Sozialistische Internationale und der Volkerbund / Wally Zepler\n— Die Genossenschaften im fascistischen Italien / Dr. Reinhard Weber\n— Rasse und Kultur / Dr. Max Hodann — Leben und Leistung Max\nWebers / Prof. Conrad Schmidt — Musikfeste? / Dr. Max Butting —•\nDie Agrarenquete / Dr. Pritz Baade — Die Architekturausstellung der\nNovembergruppe / Lud wig Hilberseimer — Raphael Silberstein / Dr.\nKarl Kollwitx — Die Toten: Hermann Greulich, Max Grunvrald,\nGeorg Friedrich Knapp, Ernst Mehlich, Anton Nemec, Nikolaj Tschcheidse\nKonrad von Wangenheim\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfiigung.\nDem Verlag ist die Mitteilung Ton Adressen will-\nkommen, an die die Zusendung von Probeheften ratlich erscheint.\nVerlag der Sozialistischen Monatshefte\nBERLIN W 35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c029", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "130", "page_fin": "130", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Jahrgangs:\nApril Expressionismus\nrMai Afrika und Sudsee-Kunst\nJuni Theater\nJuli Tanz und Plastik\nAugust Sturmabende Dichtungen\nSeptember: Wilhelm Ostwald\n»\nSCHRIFTLEITUNG: HERWARTH WALDEN\nVerlag Der Sturm Berlin W9 Potsdamer Strasse 134 a\nFernruf Liitzow 4443: Postscheckkonto Berlin 120658\nVerlagsverzeichnisse kostenlos vom Verlag Der Sturm\nJedes Heft hat zahl-\nreiche Abbildungen\n*\nJahresbezug . M 12\nhalbjahrlich . M 6\nEinzelheft . . M 1\nMitglieder der\nGesellschaft der\nSturmfreunde E. V.\nerhalten die Zeit-\nschrift satzungsge -\nmaß zum halben\nPre is e"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c036", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.23", "debut_caractere": 661, "fin_caractere_exclue": 936, "texte": "TEATRO\n\"** Revue internationale du nouveau art\ndramatique\nHerausgegeben von\nRUGGERO YASARI\n„„a LUIGI ALESSIO\nElle s'interesse de faire connaitre en\nItalie le theatre vivant de toute nation\nAbonnement d'une annee (12 Hefte)\nLIRE 40\nEdizioni Rinascimento\nTorino, Via Saluzzo 41"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1926-11-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1926-11_01#c037", "volume": "bmtnabg_1926-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "131", "page_fin": "131", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Berlin W » Grunewaldstr. 14-15\nGegriindet 1854\nHofspediteure S. M. des Konigs von Spanien\nSpadition u. Mobeltransporte, Verpackung u. Lagerung von\nGemalden und Kunstgegenstanden jeder Art. Lieferung und\nEmpfang nach und von alien Kunstausstellungen des In-\nund Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nGegriindet 1854\nSpediteure d. Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kunstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher lllustratoren und Hausspediteure des „Sturm11"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.1", "texte": "17. JAHRGANG\nBERLIN / NOVEMBER 1926\n8. HEFT\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER\n\nLajos Ebneth: Komposition"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.2", "texte": "Kunstausstellung\nDer Sturm\nBerlin W9 / Pots darner Strasse 134 a I\nNovember 1926\n155. Ausstellung\nKurt Schwitters\nLajos Ebneth\nArnold Topp\nGeoff net von 10—6\nSonntags von 11—2\nLesesaal mit 70 auslan-\ndischen Zeitschriften\nBilderverleih\nJeden Mittwoch\n8 2 Uhr\nSturm-\nAbsnde\nNach der Vorstellnng\nTANZ I Jazzband\nVerkauf von Kunstwerken auf Ratenzahlung\n\nContimporanul\nErste Zeitschrift der rumanischen\nmodernen Kunstgruppe\nInternationale Kunstmanifestation u.\njahrliche Ausstellungen\nDirektion: I. Vinea u. Marcel lancu\nRedaktion: Str. Trinit&jli 35\nBukarest Rumanien\n\nII\nI!\nMusikalien mi Instrumente\nkauft man bei\nBreitkopf & Hartel\nBerlin W 9, Potsdamer Strafie 21a\nLlttzow 1692 und 8647\n\nLesesaal der Kunstausstellung Der\nBerlin W 9 I Potsdamer Strasse 134 a I\n\n70 Zeitscliriften: Kun s t\nLiter atur J Musik\n\naus folgenden Landern: Agypten / Argentinien /\nBelgiert / Datiemark / Frankreich / Qrofibritannien\nItalien / Jugoslavien / Mexiko / Niederlande / Oster-\nreich / Polen / Rumanien / San Salvador / Schweiz\nSow jet-Rutland / Tsehechoslowakei / U. S. A.\n\nGeoffnet taglich von 10—6 Uhr Sonntags von 11—2\nFur Ausstellungsbesucher unentgeltliche Benutzung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.3", "texte": "17. JAHRGANG\nBERLIN / NOVEMBER 1926\n8. HEFT\nDER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nNovember 1926\n\nHerwarth Walden\nAlexander Mette\nErich Arendt\nThomas Ring\nHeimweh\nLeere\nGedichte\nDie Krise des Imperialismus"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.4", "texte": "Verlag Albert Langen in Miinchen\nB A U HAUSBCCHE R\n1m WALTER GROPIUS, Internationale Architektur\ngeheftet Mk. 5\nI in Leinen gebunden Mk. 7\nz\n3\n4\n5\n6\n7\n8\n9\nPAUL KLEE, PSdagogisches Skizzenbuch\ngeheftet Mk. 6\nin Leinen gebunden Mk. 8\nBIN VERSUCHSHAUS DBS BAUHAUSES\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk. 7\nDIE BOHNE IM BAUHAUS\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk. 7\nPIET MONDRIAN, Neue Gestaltung\ngeheftet Mk. $\nin Leinen gebunden Mk. 5\nTHEO VAN DOESBURG, Grundbegriffe der neucn\ngeheftet Mk. 5 gestaltenden Kunst\nin Leinen gebunden Mk 7\nNEUE ARBEITEN DER BAUHAUSWERKSTATTEN\ngeheftet Mk. 6\nin Leinen gebunden Mk. 8\nL. MOHOLY-NAGY, Malerei, Photograghie, Film\ngeheftet Mk. 7\nin Leinen gebunden Mk. 9\nw. KANDINSKY, Punkt und Linie zu Fl&che\ngeheftet Mk. 15\nki Leinen gebunden Mk. 18\n\nLA RENAISSANCE\nDE L'ART FRANQAIS\nET DES INDUSTRIES DE LUXE\nfond£e par HENRY LAPAUZE, publie au commen-\ncement de chaque mois, un fascicule de 60 h 80\npages, format in 4° raisin (25:32) contenant de\nnombreuses illustrations.\nLA REDACTION de La Renaissance de I'Art\nPranQais et des Industries de Luxe com-\nprend les 6crivains et les critiques les plus autoris6s\nde tousles pays d'Europe. Ses 6tudes docu-\nmentaires et ses chroniques d'actualit£s offrent un\ntableau constamment tenu A jour de L 'ACTIVITY\nDES ARTS DANS LE MONDE ENTIER.\ni\nAbonnements:\nFrance . ... 100 francs\nStranger ... 150 —\nOn s'abonne chez tousles Libraires et &\nLA RENAISSANCE\nDE L'ART FRANQAIS\nET DES INDUSTRIES DE LUXE\n10, Rue Royale / PARIS\n\nMANDBUCH DBS KUNSTMARKTES\nKUNSTsADRESSBUCH\nFOR DAS DEUTSCHE REICH, DANZIQ U. DEUTSCH-OSTERREICH\nDas erste umfassende Kunstadressbuch mit fiber 40000 Qualitatsadressen\n... Die einzelnen Qruppen sind allenthalben mit unsaglichen Miihen\nzusammengefafit und aufierordentlich bequem und handlich aufge-\nzahlt. Eia glanzendes Hilfsmittel und eine xvafire Fundgrube fur\njeden Interessierten des weiten Qebiets der Kunst ist hier geschaffen...\nVossische Zeitung\n... Ein bis ins Detail durchdachtes, mit aufierordentlicher Sorgfalt,\nmit seltenem Fleifi zusammengetragenes, ungemein iibersichtliches\nNachscfilagewerk, das jedem Kunstsammier, Kunstfreund, jedem auch\nnur mittelbar Interessierten mllkommen und wichtig sein durfte...\n8- IJhr-Abendblatt\n816 Seiten\nin Halbleinen\ngebunden\nPreis\nRM. 25—\n'V-v? 4\nAntiqua -Verlagsgesellschaft Hermann Kalkoff Berlin W 8\nTaubenstr. 44/45\nVorr&tig bei der Sturm-Buchhandlung Berlin W 9 Potsdamer Strasse 138 a\nII\nII"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.5", "texte": "Herwarth Walden\nHeim-Weh\nDie Gaslampe spielt elektrische Krone. Der\nGlühstrumpf hat sein natürliches Ende ge-\nfunden und hat sich gegen alle Gesetze\n, / t\nder Natur in eine elektrische Birne verwandelt.\nDie Birne ist mit der Mutter Erde durch\neinen Schlauch verbunden, der den Strom\nder Birne entzieht, um einer zweiten Birne\nzu Licht zu verhelfen. Die zweite Birne\nräkelt sich auf goldener Säule, die mitten\nin einer blumigen Landschaft aus Strick-\nwolle steht. Die Landschaft schützt einen\n.Tisch aus echtem Holz, während sie ihrer-\nseits wieder durch Leinwand geschützt wird.\nDas Leinen seinerseits wird gegen den\nDruck der Säule durch Bast geschützt, das\naus Schönheitsgründen kreisrund zum Qua-\ndrat des Tisches gehalten ist. Hinter dem\nTisch räkelt sich ein Sofa. Es wird gegen\nden Umfall durch zwei Holzsäulen ge-\nschützt, sein Plüsch aus Farblosigkeit durch\nsinnvolle Verwendung von Lackenresten\ngeschont. Über dem Sofa platzt ein Stück\nHolz in den Raum, das sich mit zwei\nNägeln angstvoll an die Wand klemmt.\nAuf diesem Holz hat sich ein Stück Gips\nniedergelassen, das je nach Geschmack an\nden einen oder den andern Meister erinnert.\nLinks und rechts neben dem Gips ver-\nsucht irrsinnig gewordenes Eisen Blumen\ndarzustellen, nicht ohne schamvoll seine\nBlosse mit Bronze zu verdecken. Über\ndem Gips blickt ein nichtwohlwollender\nHerr unter Glas auf die Birne, der der\nStrumpf weichen musste. Der Herr blickt\nsogar durch die Birne bis zur Wand gegen-\nüber, an der die Gattin, die teure, auch\nnicht wohlwollend auf das Bett blickt, in\ndem fremde Menschen schlafen, die eigent-\nlich nicht zur Familie gehören. Sie hängt,\ndie Gattin, an einem Nagel zu ihrem Sarge\nund ihr Auge blickt wehmütig auf das\nVertiko neben dem Bett. Die fremden\ni ••\nMenschen. Was wissen sie von dem sil-\nbernen Myrthenzweig unter der Glaskuppel,\nt\nden sie sich nach fünfundzwanzigjähriger\nBedrückung durch den Herrn gegenüber\nvon ihrem Spargroschen erworben und durch\nihn hat schenken lassen. Er hat die\nSchenkung nur ein Jahr überlebt und sie\nallein auf dieser Erde zurückgelassen. Den\nRest der Spargroschen hat das würdige\nBegräbnis gekostet. Mit Kaffee und Kuchen\nDie beiden Hündchen neben dem Myrthen-\nzweig stammen zwar nicht aus dem Aus-\nland, dafür sind sie aus Steingut. Der\neine Hund hat den Schweif verloren, seit-\ndem sie nicht selbst das Zimmer mehr be-\nwohnt. Drei Generationen der Familie\nhaben den Schweif nebst Hund geschont,\nbis jene fremden Menschen in die geheiligten\nRäume der Familie eingedrungen sind.\nSelbst der Gatte wusste, was er den Hunden\nschuldig ist. Selbst, wenn er vom Stamm-\ntisch nach Hause eilte, machte er den feier-\nlichen Bogen um das Vertiko, auf dem die\nRosen aus Steingut, die Schäferin aus\nMajolika und der eiserne Kanzler aus Blech\nausserdem stehen. Das Bett ist nicht aus-\n• * l 1\ngenutzt. Zwei Menschen bot es sechsund-\nzwanzig Jahre Platz. Jetzt wird es von\neinem einzigen Fräulein benutzt. Die\nAugen der Gattin ausser Diensten blicken\nmissbilligend auf die Person, die für ihr\nschweres Geld allein leicht und bequem in\ndem Bett schiäff, das durch Gottes Fügung\nfür zwei Personen bestimmt ist. Natürlich\nfür verheiratete Personen. Diese eine Person\nschläft. In einem unziemlichen Hemd, wie\nes dieses Haus nicht erlebt hat. Diese\nPerson schläft und zwo Birnen brennen."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.6", "texte": "Die Gattin möchte am liebsten vom Nagel\nfallen, wenn das Glas nicht so teuer wäre.\nImmerhin bewegt sie sich etwas. Das\nFräulein erwacht, springt hastig auf den\nkalten Boden, betritt die deutsche Brücke,\ndie sechsundzwanzig Jahre geschont ist\nund löscht das Licht. Im Dunkeln tastet\nes sich zum Bett zurück, stösst an das\nVertiko, die Hündchen schwanken. Der\nzweite Schweif liegt einsam vor dem eisernen\nKanzler, als wäre es ein Stück von ihm.\nDie durchdringenden Augen der Gattin\nsehen jenes weisse glänzende Stück Elend\nund der Nagel erzittert in der Mauer.\nMarie, was ist passiert. Was haben Sie mit\nmeinem Hund gemacht.\nIch habe seit gestern Abend das Zimmer\nnicht betreten, gnädige Frau.\nDann muss es also diese Person gemacht\nhaben. Das hat man davon, wenn man\nfremde Leute aufnimmt. Wenn man diese\nBolschewisten in unser Land lässt, die keinen\nRespekt vor fremdem Eigentum haben.\nMein seliger Mann war nicht umsonst gegen\ndie Russen. Statt dass alleinstehende so-\ngenannte Damen froh sind ein Heim zu\nfinden, gehen sie mit den Sachen um, als\nob sie sich in Rußland befinden. Das muß\nsich eine Witwe bieten lassen.\nWir können es ja mit Syndetikon versuchen,\ngnädige Frau.\nSie haben nicht für solche Personen Partei\nzu ergreifen. In meinem Hause gibt es keine\ngeklebten Sachen. Und in der Republik\nwerden so gute Stücke nicht mehr ge-\nmacht.\nAber der andere Hund hat ja auch keinen\nSchweif mehr gehabt, gnädige Frau.\nKümmern Sie sich nicht um meine An-\ngelegenheiten. Wischen Sie lieber den\nStaub ab, der liegt meterhoch. Natürlich,\nwas interessiert diese Ausländerinnen der\nStaub, aber Hemden tragen sie, dass man\nsich schämen muss. Und die Brücke hat\nauch eine Falte. Ich nehme der Person\neinfach alle Kunstgegenstände fort. Wozu\nsoll man es den Leuten nett und angenehm\nmachen.\nIch glaube, da kommt das Fräulein.\nSie bleiben als Zeugin hier, Marie.\nMein Zimmer ist noch nicht fertig.\nWas ist meinem Hund geschehen.\nWas für ein Hund\nSie scheinen zu vergessen, dass Sie in\nDeutschland leben.\nIch habe noch nie einen Hund in der Pension\ngesehen.\nSie wohnen in keiner Pension, Fräulein,\nSie sind in einem Familienheim. Wollen\nSie etwa behaupten, dass Marie den Hund\nzerbrochen hat. Mit Lügen kommen Sie\nhier in Deutschland nicht weiter.\nDas soll ein Hund sein. Ich habe ihn mir\nnoch nie angesehen.\nAber zerschlagen können Sie ihn. Wissen\nSie, was er für mich bedeutet.\nIch werde Ihnen den Schaden bezahlen.\nBezahlen. Bezahlen. Den Schaden können\nSie nicht bezahlen, Fräulein. Und meine\nErinnerungen, die an diesem Hund haften.\nDie Augen meiner Mutter und Großmutter\nhaben auf ihn geschaut. Das kann freilich\nnur ein deutsches Gemüt verstehen. Wir\nsind hier noch nicht verdorben.\nIch muss arbeiten. Ich bedauere sehr, ich\nwollte Sie wirklich nicht verletzen. Ich\nweiss wirklich nicht, wie es geschehen\nsein kann.\nMit Ausreden können Sie sich nicht rein-\nwaschen. Beide Hunde ohne Schweife.\nGnädige Frau, der eine\nMischen Sie sich nicht in meine Angelegen-\nheiten, Marie. Was stehen Sie überhaupt\nhier herum."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.7", "texte": "Gnädige Frau wollten doch eine Zeugin.\nScheren Sie sich hinaus. Ich brauche\nkeine Zeugen. Übrigens möchte ich Sie\nbitten, Fräulein, keine Herren zu empfangen.\nWir haben hier in Deutschland andere\nSitten.\nGnädige Frau, ich kann doch nichts dafür,\nwenn Freunde\nWir kennen hier in Deutschland keine\nFreunde. Auch möchte ich Sie bitten,\nnicht zu rauchen. Selbst mein seliger\nGatte hat es in diesem Zimmer unterlassen.\nDen Geruch bekommt man aus dem Plüsch\nnicht mehr heraus.\nWenn ich gewusst hätte\nNun muss ich einmal deutsch mit Ihnen\nreden, Fräulein. Wenn ich gewusst hätte,\nwer Sie sind, hätte ich Sie nicht in mein\nFamilienheim aufgenommen. Oder glauben\nSie, dass die paar Mark Miete eine Ent-\nschädigung darstellen. Glauben Sie, dass\nich zum Spass mein Zimmer weggebe und\nausländischen Damen ein Dach über dem\nHaupt gewähre. Mein seliger Gatte war\nObersekretär. Hier hängt er. Vielleicht haben\nSie ihn auch noch nicht gesehen. Er hat\nalle Kriege mitgemacht. Wenn er wüsste,\ndass in seinem Heim\nIch bin bereit das Heim sofort zu verlassen\nSie werden schon sehen, ob noch ausser\nmir jemand Bolschewisten aufnimmt\nIch bin keine Bolschewistin\nDas kann jeder sagen. Aber so mit Ihrem\nBenehmen werden Sie hier in Deutschland\nkein Glück haben. Ich schicke Ihnen gleich\ndie Rechnung. Marie, das Fräulein zieht\naus. Bleiben Sie so lange im Zimmer.\nKann ich bei Ihnen ein Zimmer bekommen.\nSind sie alleinstehend.\nIch studiere.\nEigentlich nehme ich alleinstehende Damen\nnicht auf. Ich bin Witwe.\nIch bin Ausländerin.\nDie Miete muss bei mir vorausgezahlt\nwerden. Ich bin Witwe. Sind Sie viel zu\nHause.\nIch studiere.\nIch vermiete lieber an Personen, die nicht\nviel zu Hause sind. Es gibt immer Ärger\nmit der Lichtrechnung.\nWir können ja etwas ausmachen.\nNachher gibt es immer Ärger. Elektrizität\nist schön, aber teuer. Sie können sich ja\ndas Zimmer ansehen. Ein gutes Bett mit\nechter Matratze. Für die Kleider habe ich\nein paar Nägel angebracht. Leider bin ich\ndurch den Tod meines Mannes gezwungen,\nzu vermieten und daher darauf änicht ein-\ngerichtet, fremde Personen aufzunehmen.\nBügel bekommen Sie ja für ein paar Pfennig.\nDas Vertiko ist völlig zu Ihrer Benutzung,\nbis auf das letzte Fach unten. Ich muss\nda meine Decken unterbringen. So viel\nWäsche werden Sie auch nicht haben.\nAusserdem ist noch Platz in den Kästen\nunter dem Waschtisch. Nur der unterste\nKasten ist verschlossen. Da pflege ich\nmeine Sommerblusen aufzubewahren. Den\nSchreibtisch habe ich so gestellt, dass er\ngleich als Nachttisch benutzt werden kann.\nDie Kasten werden Sie wohl nicht brauchen.\nDa habe ich wichtige Papiere von meinem\nverstorbenen Mann aufbewahrt. Sie sind\naber für Fremde ohne jeden Wert. Die\nPhotographien werden Sie wohl nicht\nstören, es sind alles liebe Verwandte von\nmir und sie schmücken das Zimmer.\nWenn Sie aber nicht genug Platz zum\nSchreiben haben, können Sie den Wasch-\ntisch benutzen. Tinte geht auch von Marmor\nleichter fort. Unsere schönen Teppiche habe"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.8", "texte": "ich alle eingemottet, es ist auch so gesünder.\nSpiegel haben die jungen Damen meistens\nselber. Mein Schwager hat ein solches\nGeschäft, Sie können dort durch mich einen\nbilliger kaufen, wenn Sie keinen haben.\nUnd schliesslich müssen Sie an den Vorteil\ndenken, dass Sie nicht in einem ungemüt-\nlichen Hotel wohnen, ohne Bequemlichkeit.\nSie sind hier wie zu Hause. Sie bekommen\ndasselbe Frühstück was wir nehmen. Wir\ntrinken Malzkaffee, der ist bekömmlicher.\nDa ich Diabetikerin bin, trotzdem man es\nmir nicht ansieht, gebe ich Sacharin.\nBrötchen bekommen wir täglich frisch.\nUnd die Butter beziehe ich vom Lande.\nDass meine Tochter Klavier studiert, wird\nSie weiter nicht stören. Sie spielt künst-\nlerisch. Sie übt nur morgens und abends\nvon sechs bis zehn, weil Sie von zehn\nbis sechs eine Stellung hat. Ausser\nIhnen wohnen nur noch vier ältere Damen\nhier. Alle aus sehr guten Häusern. Rauchen\nist bei mir nicht gestattet. Es passiert\nzu viel in Berlin. Sonst haben Sie jede\nFreiheit, die Sie wollen. Nur müssen Sie\num zehn Uhr zu Hause sein. Ich gebe\nkeinen Hausschlüssel. Das ist mir zu\ngefährlich.\nDas Zimmer ist mir zu klein.\n\" / /\nUnd das sagen Sie jetzt, wo der Vertrag\nperfekt ist und wir uns über alles geeinigt\nhaben. Ich kann Ihre Bemerkung nur als\nsofortige Kündigung für den nächsten Ersten\nauffassen. Aber Sie werden es bereuen.\nAusländerinnen machen viel mehr Arbeit.\nIch habe nicht gemietet.\nUnser deutsches Recht ist berühmt. Die\nFolgen haben Sie sich selber zuzuschreiben.\nWir lassen uns nicht ausbeuten.\nNun steht es draussen auf der grossen\nStrasse. Die wenigen Laternen verdunkeln\ndas Dunkel. Die wenigen müden Bäume\nstützen sich auf eiserne Stangen. Die\nwenigen Autos treiben das Wasser auf die\neinsamen Steige. Es steht zitternd vor\nder Haustür aus Schmiedeeisen. Es hält\nden kleinen Koffer vor die Brust. Unbe-\nkümmert fällt der Regen auf den Kummer.\nUnentschlossen geht es in den Abend.\nDer dünne Mund verschliesst ein Seufzen.\nDie tiefen Augen blicken auf die schmalen\nFüsse ohne zu sehen.\nFräulein sehen Sie doch hin, wo Sie gehen.\nDas Blut schiesst hinunter. In den Augen\nTränen.\nDie Strasse dehnt sich über den Abend\nin die Unendlichkeit.\nDahinten weit liegt die Heimat, die keine\nHeimat mehr ist.\nUnd hier ist das Familienheim, zittern zwei\nFalten über den Mund.\nWo wollen Sie hin, Fräulein.\nLassen Sie mich.\nSie haben schmale Füsse und es regnet.\nGehen wir in dieses Kaffee,\nWas wollen Sie von mir.\nEinen Kaffee mit Ihnen trinken.\n• •\nÜber den Kuchen liegen graue Papierbogen\nüber den fünf Tischen hängen Hindenburg\nund Herr Müller, der Gründer des Unter-\nnehmens in Eichenrahmen. Ein Plakat\npreist das Berliner Pilsner, das schäumt.\nDer Pianist lässt das Meer weit hinaus\ni\nerglänzen. Der Kellner bestimmt Feierabend.\nIch möchte noch zwei Kaffee.\nDie warme Küche ist geschlossen.\nAlso zwei Bier.\nDie Herrschaften müssen aber in fünf\nMinuten gehen.\nGehen wir gleich.\nSie müssen etwas ruhen."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.9", "texte": "Ich bin nicht müde, aber ich bin sehr müde,\nSie sind Ausländerin.\nJa.\nDarf ich Ihnen den Koffer fortstellen.\nIch friere.\nWarum haben Sie geweint.\nIch friere.\nWo wohnen Sie.\nIn einem Familienheim.\nIst es angenehm.\nEs ist ein Familienheim.\nWarum wohnen Sie nicht allein.\nMan lässt uns nicht allein wohnen.\nWer ist uns.\nDie Ausländer und besonders die Aus-\nländerinnen.\nWarum wollen Sie denn hier wohnen.\nWeil wir aus der Ferne dieses Land lieben\nund ehren, das so viel hat und gibt, wie\nman in der Ferne sagt.\nSie sind enttäuscht.\nMan lässt uns nicht. Man lässt uns nicht\n.\nes lieben und verehren, wie wir es von\nder Ferne wollen.\nWer tut das.\nAlle.\nVielleicht haben sie besonders schlechte\nErfahrungen.\nDie Herrschaften müssen gehen. Es ist\nFeierabend.\nFeier. Abend.\nDarf ich Sie begleiten.\nIch gehe nirgends hin.\nSie können doch nicht auf der Strasse\nbleiben.\nHier ist Feier. Hier ist Ruhe.\nWollen Sie zu mir kommen.\nIch will einmal allein sein. Weit ist die\nStrasse.\nIch schäme mich für dieses grosse Land,\ndas keinen Raum für deine schmalen\nFüsse hat."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.10", "texte": "Alexander Mette\nLeere\nDer nackte Mensch steht vor der Kälte\nWeite helle Winternacht frierbleich. Glas\ngläsert Fensterfreie. Gläsert Leere. Das\nJahr durchkältet. Alt. Das zwanzigste Jahr-\nhundert blauverbleicht die Ebenen Europa.\nAnzug schlottert tuchbreit und webefest\ngastglases Hirn.\nSterne Himmelweite und die bleiche Schnee-\nleere Europa. Die Züge Soldaten vor 100,\n200, 300, 400 Jahren zogen hier. Strapazen-\nzerfressene Soldateska Napoleons, Friedrichs,\nBanden Räuberzüge der Heere des sieb-\nzehnten Jahrhundert. Behangen mit der\nTrommel des Trommelschlägers. Gegliederte\nSchädel, scharfäugige Geier unter Feldherrn-\nhüten , zusammengefallene Schmalgestalten\nnervvibrierender bewusster Sinnträger der\nzu vollführenden Aktionen zwischen sich:\nMenge und Führer auf dem Wege zu Irgend-\netwas, das gemacht werden soll. Warum?\nDas gemacht werden soll!\nJemand hat das Grosse vor. Tat. Die Städte\nüberschimmert Himmel. Sternbild blinkfunkt.\nSonst ist weite Leere, die Kälte Nacht, nur\ndass Pferde gehn und warme leiblich fühl-\nbare Vollstrecker von diesem Etwas sind,\ndas Wille heissen will. Es gilt etwas. Es\ngilt die Wege hinter sich bringen. Es gilt\ndas Ziel fassen. Es gilt dem Gegner.\nGegner ziehen zielentgegen. Wohin? Hin!\nUnd her! Das Land liegt leer. Wer füllt\nWeite, Fläche, ewig Gestrecktes? Die Ferne\ndehnt ewig. Der leere Sternraum blinkt\ndie Kälte Ewigkeit über die Willen weg.\nDie Ahnung: Treffen, Schlacht, Zusammen-\nstoss, Aufstoss der Tore, Hitze, Leben, Blut,\nVerströmen, Du Feind Du Freund und\nJagen Raffen Schlagen Haben setzt rote\nLichter: „Dort\" an irgendeine Stelle Horizont.\nDer Sieger hat. Der Sieger wird das Fass-\nliche haben. Das Da. Das Dort. Er fasst\ndas Haben. Er hat das Fassliche. Die lohe\nGlut Haben, in Gewalt, „Du Erde, wir haben\nDich\", „Ihr Städte, wir haben Euch\", brennt\nWärme in die Kälte Nichts. Der Taktiker\nder Schlachten hegt die harre Hoffnung der\nMenge Menschen, die nichts hat, kein Ende\nsieht, nichts sieht, Kälte fühlt, bleiche Bläue\nflieht und flichflucht und das Ende: Dich\nhaben, greifen, fassen, fassen um, verfassen\nsucht.\nGedanken, die die traurige Minute herum-\nsteuern wollen: Wir sind voraus. Wir. Weit!\nWir Nichttäter. Das Tun ist tot. Ist Nichts-\ntun Tod, wenn Tun tot ist? Wir sind die\nscharfen Seher Sperber um die Gurgel jeder\nVorstellung, die wir abhalftern wie der\nSchnitter ehmals dünnscharf schnittig mit\nder Schneide Sense Korn. Keine Wölbung\nHimmel über gestaltetem Winkel Stadt Land\nLandschaft, die vor dem Auge unserer\nempfängnissicheren Sehkraft hindurch nicht\nin die Fläche dieser Leere Weltraum zurück-\nbog. Physiognomien, Bauten, Gestaltetes\nvon Menschenhänden: dies alles Geistige\ndurchfrass die Einlebung in jede Regung\nvom Mensshen vorwärts in die Höhe Welt.\nUnd wir in Allem Stehenden haben diese\neine grosse Leere Raumweite allem zu\nHäupten als das letzte Rätsel näher offen-\nausgestreckt vor uns — wie der Mann mit\nder Steinaxt Krokodil und Drache, vor\ndenen er auswich und die er doch erjagen\nwollte irgendwann, wieder, wenn der Eifer\n„vorwärts!\" ihn anblies."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.11", "texte": "Lajos Ebneth: Komposition"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.12", "texte": "Erich Arendt/Gedichte\n\nHerzfall\nDein Leib reint Himmel\nlichtert hell die Helle lichterlicht\nSeele schauert\nwellet Meere\nstummtieft mich.\nLilien kelcht der Blick\nund mich *\ngekniet\nJahre tropfen ab\nGekniet.\nDu wächst, wächst und rieset\n;|• „ \\\nund himmelt riesennah\nund\nv\\, . '\ngottschmieg\nrund\numrundet rund das All\nund mich\ngekniet\nvor dich.\n) i\nUnd Zagen zittert\nKoset dich\nBitten Demuten Schwingen Stolz\nUnd\nDich ■ ,\nund Dich\nGrünen spriesst den Jauchz entgegen\nDir das Leben Vollgesprengt.\nUnd mich\nGekniet\nDas Spät.\nDu?!\nWeh!\nund Weh! ,\nDas Lassen?\nZittern, Zagen\nDich\nund Dich\nLachen eiselt Eis\nUnd\nMir?\nKlittern Herzblut\nSchnitten riss\ndas Weh\n•'. - l\nZittern Zagen\nDich nur Dich\nUnd\neist\nWürgen schringt und schringt\nund schringt\nKosen zögert Dich\nUnd'\nEist\nMessert\nSchläfenklerr mir riss die Stirn.\nHimmel pecht Schwarzblitz\nAbt\nUnd\nLächeln schmerzt Dir nach\nund ' \\\ninst\nKosen zagt\nund Tränen wringt und wringt den Schlund\nund\nwringt\nrinnt der Tränen.\n. \\\nZagen zagt\nV\nverzachtet\nZieht\nUnd Eisein eist\nUnd ;\nEis\nund Eis und Eis\nsprungt tief das Herz\nhindurch.\nI"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.13", "texte": "Lajos Ebneth: Komposition"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.14", "texte": "Glück\nEinsam\nHimmel küsst Mund\nUnd\nZwitschern stirnt das Dunkel\nRuhe reift blond\nden frieden Traum\nTräumen gondelt\ngoldent.\nMüde mondet um die Welt\nUnd\nSchweigen\nSchweigen\nMondeinsamt\nsteigt.\nGolmt\ndas\nWerden.\n\nGeburt\nEwig und Nacht\nStille schwagt\nTagen nachtet\nSternen fahlt\nNacht verhallt kahl\nGrabt zages Kreissen ein\nLahfen schwahlt wähl\nSchwarzen schwahlt\nvernachtet.\nMutterherz glockt\nFahlen hebt\nund\nglockt und glockt\naufsternt Jubelglock\nund Herzgeläut\nGlockt das All\nGlocken\nRauschen\nGlocken\nStürmen\nGlocken Schwallen Schallen Prallen\nBranden überall das All\nLichtschwallrundung prallt\nder Himmel springt\nNacht knallt weiss und grell\nGrell und grell\nWeisser Schrei\nZerschellt der Leib\nUnd\nEngel Neigen Grössen Kuss\nUnd\nStaunen augt\ndas schwanke Schwanken.\n\nHerbst\nSchlammen, Modern, Wesen, Greinen\nGräber stieren grinse Kreuze\nWinde stöhnern\nbleich\nverschleifen\nFahlen gähnt vertan und lahst.\nSchwärze lischt den leichen Himmel\nMond spritzt spill das Gelbe gilb\nFeuchte blanket wank Gemäuer.\nKrümmen Adern Schlappt Versacken\nMund höhlt hohl\nDie Leere schiimpft\nKichern krillt zerzerr\nZergehret\nWelk verschleckt das Gehen lift\nLeben duckt die schwarze Kugel\nHin den Nebel knill geknüllt\nStinken Säften Nebeln Fliessen\nAugen bröckeln maisch\nund nach\ndas Lieben\nBlicke schwammen lall — —\nUnd\nNoch ver kreischend\nAste streizen zarren Tod."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.15", "texte": "Lajos Ebneth: Komposition"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.16", "texte": "Thomas Ring\nDie Krise des Imperialismus\nEs wird von den Verteidigern des alten\nSystems eingewandt, dass die einzelnen\nMenschen von Natur verschieden seien und\ndass „Gleichmacherei'' gleichbedeutend mit\nVerflachung sei. Betrachten wir daraufhin\ndie Ordnung in einem primitiven Stamm\noder einer Anzahl Menschen die unter pri-\nmitiven Lebensverhältnissen etwas gemein-\nsames tun wollen, so sehn wir alle Ver-\nschiedenheiten der Anlage bei einer Unge-\nschiedenheit an Rechten wirksam. Wer im\ngegebenen Äugenblick eine führende Idee\nhat, dem folgen die andern, nach der\nLeistung tritt er wieder in die Kollektivität\nein und folgt dem lebendigen Fluss des\nGeschehens. An wen im gegebenen Au-\ngenblick eine besondere Arbeit herantritt,\ndie er bewältigen kann, der verrichtet sie,\nohne dass er dadurch verpflichtet ist, stets\nsolche Arbeiten zu tun. Diese Ordnung\nlässt sich nicht erhalten, sobald in der über-\nwiegenden Zahl von Einzelmenschen der\nEgozentrismus den Kollektivismus überwiegt.\nDer Zeitpunkt dafür muss eintreten durch\nbeginnende Ermüdung und durch verstärkte\nAnspannung des Gesamtwillens. Bei Er-\nmüdung — Zerlegung der Kollektivität in\nEinzelinteressen — sondert sich eine Schicht\naus, die immer mehr das Gleichmass fest-\nbestehenden Erlebniskapitals im Fortschritt\nsucht, die in der wechselnden Lebens-\nproblematik den ruhenden Faktor in der\nWiederholung bestimmter Dinge erhält. Es\nentsteht der Typ des Verwalters und Nutz-\nniessers, des Bewahrers von Formen und\nGebräuchen, des Erhalters der Regelmässig-\nkeit, in jedem Falle eine Mittelschicht, die\ndie Tradition weiterträgt, mit ihrem Ueber-\nhandnehmen aber die Aktivität der ganzen\n\\\nGemeinschaft lahmlegen kann.\n112\nBei stärkeren Forderungen von aussen\nzüchtet sich aus innerer Anspannung\nganz von selbst eine Führerschicht. Da-\ndurch entsteht ausser der Mittelschicht der\nlangsamsten Anpassung und der Traditions-\nbewahrung ein oberer und ein unterer\nExponent der Gesellschaft, auf denen die\nAnlage und zweckmässige Gruppierung des\nGanzen wie die Arbeit der Durchführung\nruht. Je anspannender das Verhältnis\nzwischen dem Gestaltungswillen der Kollekti-\nvität und den für die Gestaltung im realen\nDasein gegebenen Bedingungen ist, umso\nschärfer ist die Auswahl im Heranzüchten\nbesonderer Führerbefähigungen, einer Klasse\ndie um die alle Handlungen der Gemein-\nschaft bewegenden Absichten weiss und die\nErfinderkraft auf knappste Zweckmässigkeit\ndarin richtet. So geschieht die Auslese der\nHäuptlinge und des Kriegsadels oder des\nKultadels, wenn junge Völkerschaften auf\ndem Plan der Geschichte mit anderen in\nWettbewerb treten, so vollzieht sich eine\n(\nAuslese bei jedem Gemeinschaftsunter-\nnehmen, das mit anderen in Wettbewerb\ntritt. Die Grund-Dialektik (das Hin und Her\nder Probleme) im persönlichen Leben des\nFührers bekommt damit einschneidendere\nFolgen für das Ganze, weil seine Tätigkeit\nmehr mit den Angelegenheiten Anderer als\nmit eignen verknüpft ist. Ein sich immer\nwiederholender dialektischer Irrtum der\nFührerschicht hat bisher zum Niedergang\njedes Gemeinschaftsunternehmens geführt.\nDie Notwendigkeit der Disziplin im Daseins-\nkampfe des Ganzen fordert die Erteilung\nder Befehlsgewalt an die Führer. Der\nkleinste Fehler in der Selbstkontrolle läßt\nX >\nsofort eine Verwechslung zwischen über-\n\nSchluss"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.17", "texte": "persönlichen und persönlichen Rechten zu.\nDer Bau von Sanssouci, Friedrichs 11. Vor-\neingenommenheit für französische Kultur,\ndie Errichtung der Berliner Siegesallee oder\nNikolaus Glaube an die göttliche Sendung\nRasputins sind verhängnisvollere Irrtümer\nals die Tabakspfeife und das Bierglas des\nkleinen Mannes. Irrtümer des Führers wären\nohne negative Folgen, wenn er im Banne\nkritischer und im Kollektivsinne richtiger\nBeobachtung durch die von ihm geführte\nGemeinschaft bliebe. Die traditionser-\nhaltende Mittelschicht hingegen hat ein\nInteresse daran, zukünftige Beunruhigung\nihrer Lage möglichst auszuschalten und legt\ndie weitere Aktivität desjenigen, der ihre\ngegenwärtige Lage herbeigeführt hat, lahm\nindem sie gerade seine persönlichen\nTendenzen und Aeusserungen vergöttert.\nFür ermüdete Kollektivzustände lässt sich\nder, Satz aufstellen: das dem Bürger gültige\nSymbol ist stets die Negation der wesent-\nlichen Leistung des Führers. Der Krück-\nstock und der feudale Terassenbau Friedrichs\nals persönliche Extravaganzen beruhigen\nden der es ablehnt, das Umwälzende an\nFriedrichs Staatsidee (Dienerschaft des Be-\nfehlenden) auf sich anzuwenden. Dergeniale\nFührer schaltet deshalb seinen persönlichen\nAusdruck, durch dessen Kultivierung allein er\nbeliebt werden kann, in seine funktionären\nMittel ein, um dem Verlangen der Traditions-\nschicht nach Ruhe persönliche Sicherheit\nzu geben. Dadurch ruht aber die Kontrolle\nauf ihm selbst und je komplizierter die\nStaatsmaschinerie oder die Gesamtlage für\nden Betrieb von Staatsmaschinerien über-\nhaupt wird, umso näher liegen Irrtümer.\nUm nicht an eignen Formen oder am zähen\nWiderstand der Traditionsmasse zu ver-\nsklaven braucht der Führer den Kontakt\nmit einem gesellschaftlichen Exponenten,\nder die zur Durchführung geschichtlicher\nLeistungen nötige anpassende und aus-\ngleichende Arbeit ausdrückt.\nDer Staatsmann, Geschäftsmann oder geistige\nFührer wählt seine exponierte Stellung und\ndas Einhalten ihrer Konsequenzen, auch\nauf vererbtem Posten bleibt ihm wenigstens\ndie für das Ganze verhängnisvolle Freiheit,\nsich den erwachsenden Verpflichtungen zu\nüberpersönlicher Leistung zu entziehen.\nDiese Freiheit besteht nicht für den unteren\nExponenten der Gesellschaft. Die Schicht\nder Arbeitenden ist zwangsläufig mit fremden\nDingen verknüpft, sie produziert die Über-\nschüsse an unmittelbarer Leistung, von\ndenen das Ganze lebt. Der einzelne Arbeiter\nkann im gegebenen System langsam auf-\nrücken, durch persönliche Umgehung des\nfür seine Schicht bestehenden Allgemein-\nzwangs zum Nutzniesser und Antreiber,\nim demokratischen Kompromisstaate auch\nzum Führer werden. Es könnte ihm so-\ngar gelingen, als Einzelner eine Aktion\ngegen ein herrschendes System zu ent-\nfesseln, da er die Folgewirkung dieses\nSystems in der unteren Schicht kennt und\ndurch seine Führerbegabung den Zündstoff\nzur Explosion abgeben kann. So wartete\nzur Zeit der Reformation die Masse der\nBauern und Kleinbürger auf die politische\nKonsequenz Luthers, als er sich mit der\nBegründung einer dynastisch gestützten\nkirchlichen Demokratie begnügte. Der\nemporgekommene Führer kämpft aber stets\nallein gegen ein eingesessenes System und\nseine alles einbegreifenden dialektischen\nVorurteile, muss sich mit Teilerfolgen be-\ngnügen (Lincoln) oder wird selbst zur\nKompromisfigur (Ebert). Er kann gün-\nstigstenfalls die geschichtliche Konsequenz\nhinauszögern, bis die Schicht seiner Her-\nkunft sich ihrer aktiven Aufgabe bewusst"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.18", "texte": "wird. Diese besteht darin, dass von ihr\ndie Umschichtung ausgehen muss wenn ein\nKollektivsystem sich an Egoismen und\nihren weiterwirken den Irrtümern verbraucht\nhat. Im Sklaven wider Willen stellt sich\ndie Dialektik des Lebens am Härtesten und\nUnmittelbarsten auf. Gibt er, von keinem\nEhrgeiz dazu getrieben, seine Kraft an\nüberpersönliche Dinge aus ohne persönlich\nzu erleben, wofür er es tut, so muss der\ngesunde Egoismus revoltieren. So wird\ndie Schicht, die die Folgen der Zielstellungen\nAnderer trägt, zum Korrektor der Lebens-\nformen. Ihr Denken schult sich durch\ndie logische Kausalität bestimmter Ein-\nschränkungen, ihr Wille wird durch Ver-\nsagen menschlicher Notwendigkeiten ge-\nweckt und da es sich um Gemeinsamkeit\nder Not handelt, wird sie zum Schooss\nkollektiver Erneuerung. Deshalb kann die\ngeschichtlich-biologische Umwälzung nur\nMassenaktion sein.\nImperialismus ist der auf ein Staatssystem\nübertragene Egozentrismus. Die Konse-\nquenzen sind für die Lebensaktion eines\nEinzelnen wie für die einer Gruppe von\nEinzelwesen im Prinzipiellen gleich. Der\nEinzelmensch als Zellenstaat ist ein Bild\ndes Ganzen: Befehlsschicht ist Nerven- und\nGehirnaktion, Erhalter- und Nutzniesser-\nschicht ist das Zellgewebe, Arbeitsschicht\nsind Blut und Säfteumlauf. In der Kausa-\nlität geschichtlicher Vorgänge des Menschen\nwie des Staates ist jede Frühzeit vom Feu-\ndalismus, jede Spätzeit vom Kapitalismus\nbeherrscht und die Forderungen eines Kriegs-\noder Arbeitsproletariats treiben zu er-\nneuernden Krisen. Wird eine Aktion aus-\ngelöst, so reisst die Befehlsschicht zur neuen\nZielstellung, die diktatorische Gewalt eines\nFeudalismus von Begriffen und Vorstellungen\ngibt dem Ganzen Richtung und Plan. Hat\nder Vorgang die geschichtliche Kulmination\nüberschritten, so fordert das Festigungs-\nbedürfnis des biologischen Kapitalismus in\nder Zellstruktur ihr Recht der Stabilisierung,\ndie Nutzniessung einer erreichten Position.\nAn den Funktionen des Bluts und der Säfte,\nder Lebenshaltung des Proletariats zeigt\nsich aber die biologische Richtigkeit oder\nUnrichtigkeit. Sie tragen die Konsequenzen\nund aus ihnen steigen die Forderungen\nnicht einzelner Bedürfnisse sondern des\nkollektiven Ganzen auf. Säfte und Blut\nproduzieren die Ueberschiisse, die ebenso\nErhalter- und Führerzellen nähren und um-\nwandeln. Deshalb haben revolutionäre Be-\nwegungen instinktiv die Farbe des Bluts\ngewählt, als Ausdruck ihres Kampfes gegen\nideologische Weltfremdheit und neurotisch\nirrenden Ehrgeiz verbrauchter Feudalisten\nwie gegen hysterische Lebensformen der an\nsinnlose Mechanisierungen sich klam-\nmernden Kapitalisten. Im Kommunismus\nist die Massenaktion erwacht, die aus lebens-\nkräftigem Flusse heraus Führer zu anderen\nZielen wie Verwalter anderer Lebenszellen\nbestimmt und die lebendige Kontrolle aller\nFunktionen des Menschheitsganzen ver-\nlangt. Der künftige Führer muss aber be-\ndenken, dass es sich bei den zu erwartenden\nMassengeschehnissen um Korrektionen\nbandelt, die erst den Weg für neue Ziel-\nstellungen frei legen.\nDie kommende Erneuerung rechnet mit\nanderen Bedingungen als sie für die ge-\nschichtlichen Krisen des Altertums bestanden.\nIn Babylon, Assyrien, Aegypten, Indien,\nChina, Griechenland, Rom hat sich voll-\nzogen, was sich zuletzt in den Staaten-\ngründungen der Völkerwanderung und des\nspäteren europäischen Ostens wiederholt\nhat: der Kollektivwille junger Völker warf\nsich auf Kulturen schwächerer Feudal-"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "127", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.19", "texte": "Ordnung oder bereits kapitalistischer Stag-\nnierung, bewies dadurch die Ursprünglich-\nkeit seines Daseinsrechts. Das Volk war\n„blutsmässig\" stärker. Die Ueberwundenen\nwurden zu Leibeigenen, hatten „niedere\"\nArbeiten zu verrichten, während die Sieger\nFührung und Organisierung in Händen\nbehielten. So war also auch dein Krieger-\nproletariat des siegenden Volks eine gewisse\nFührer- oder Geniesserstelie gesichert und\ndie Aussicht auf diesen Gewinn konnte sich\nder Imperialismus erhalten. Napoleon wusste\ngeschickt mit diesem Ehrgeiz zu rechnen\nund betrog dadurch das französische Volk\num das Erbe seiner Revolution. So hatte\nsich noch 1914 die Ideologie deutscher\nGymnasiasten den Einmarsch in Belgien\nvorgestellt, ohne durch Maschinengewehre\nbelehrt zu werden, dass die bisherigen\nBelehrer auf Bestellung alte Bilder für\nGegenwart und Zukunft verausgabt hatten.\nJetzt wendet sich das schlechte Führer-\ngewissen der Verführten gegen die aus dem\nBlut aufsteigende Konsequenz.\nDas Verfahren feudalen Gründersystems auf\nKosten andrer Nationen ist heute weder in\nEuropa noch in den Kolonien mit dauerndem\nErfolg anwendbar. Der europäische Ka-\npitalismus -- zuerst notwendige Basis wirt-\nschaftlichen Ausgleichs, friedlichen Gewinns\nund dadurch des Austauschs von Kultur-\ngütern — ist die Schlinge in der sich das\nimperialistische System fängt und abwürgt.\nDer imperialistische Machtanspruch durch\nGewalt erweist sich als unrentabel, da die Ver-\nluste des Siegers heute kaum geringer sind\nals die des Besiegten, die Daseinbedingungen\nder arbeitenden Klasse verschärfen sich mit\nBeibehaltung des kapitalistischen Systems\nimmer mehr und überall gleichmäßig. Da-\ndurch werden die Arbeitenden aller Länder\nzum wirtschaftlich kausalen Denken erzogen\nund geben dem Willen des unteren Ex-\nponenten der Gesellschaft Wucht und Rich-\ntung. Die Sklavenaufstände des Altertums\nkonnten niedergeschlagen werden, da sie als\nMassenaktionen nicht umfassend genug oder\nin der Richtung ihres Angriffs nicht über-\nsichtlich genug geleitet waren. Nur die\nMilitärrevolte germanischer Söldner in\nrömischen Diensten konnte in Zusammen-\nhang mit der Völkerwanderung den Zu-\nsammenbruch des römischen Imperiums be-\nbewirken. Sie führte aber letzten Endes zur\nGründung neuer Feudalstaaten. Auch die see-\nlische Slavenrevolte, das Christentum, wurde\nvon antiken Philosophen und Staatsmännern\nim geistigen Feudalsystem einer Kirchen-\ngründung aufgefangen, die im Papsttum die\nimperalistische Konsequenz zog, die welt-\nlichen Staaten erst zu bekämpfen, solange\nes ging und sie dann transcendental zu\nsichern. So mussten die europäischen\nBauernkriege stets von den vereinigten Im-\nperialismen niedergemacht werden — in\nParallele zum jetzigen Völkerbund der das\nProletariat abzuwürgen strebt — und auch\nder Protestantismus begriff nicht die Sen-\ndung des Urchristentums, sondern ent-\nwickelte sich zur nordeuropäischen Form\nimperalistischer Metaphysik.\nWir stehn vor Massenaktionen, die eine\ngrundsätzliche Aenderung des bisherigen\nLebenssystems der Staaten bringen. Die\nKrise bleibt akut und muss zu Katastrophen\nführen, weil der Glaube an das alte Lebens-\nsystem zu fest eingesessen ist, das System\naber die arbeitenden Massen zur Revolte\nführen muss. Das Wesentliche am Neuen\nist die Verneinung imperialistischer Methoden\nund die Formung staatlichen Lebens aus\ndem Kollektivwillen der ganzen Menschheit\nheraus. Der gesunde Instinkt wehrt sich,\ndie Regelung der allen Menschen gemein-"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "128", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.20", "texte": "samen Fragen noch länger den Zankapfel\nnationaler Egoismen bleiben zu lassen,\nwenn die Wahrung egoistischer Allüren\nso teuer erkauft werden soll. Kinder\nhaben sich ihr Leben lang um eine Sache\ngeschlagen und erkennen zum ersten\nMal, es sei möglich, dass dies Ding\nallen gehöre, aber die Spannung falsch\ngeleiteten Ehrgeizes hetzt zu neuen An-\nsprüchen auf Vorherrschaft. Der Faschis-\nmus ist ehrlich, will aber die geschlagenen\nGlieder mit blutleerem Angriffsgeist —\nNervenüberreizung infolge historischer Fixie-\nrung — zusammenreissen. Die Demokratie\näst faul und gedankenlos und ruht im\nAugenblick ohne den nächsten zu bedenken,\nmuss dadurch das unhaltbare kapitalistische\nSystem bestätigen. Die diplomatische\nRoutine imperialistischer Staatsführung, von\nihrem System versklavt, getrieben durch\nKonzerne und die von wenigen Punkten\nder Erde aus geleiteten Finanzbedingungen,\nkann Bündnissen, d. h. neuen Kriegsab-\nmachungen, nicht entgehen. Die Schau-\nplätze der Kämpfe werden da sein, von\nwo die Spätformen des Imperialismus am\nstärksten sich bedroht fühlen: Russland,\nChina und dadurch weckt Europa die\nMassen Asiens wie Rom die Massen Nord-\neuropas weckte. Die Krankheitszellen neu-\nrotischer Missleitungen im Staatenkörper\nEuropas können allein durch das gesunde\nMisstrauen proletarischer Kontrolle un-\nschädlich gemacht werden. Kein Einzel-\nterror, sondern Massenaktionen können\nAenderung bringen, da es sich um Systeme\nund nicht um Persönlichkeiten handelt\nAuch die kommende Gemeinschaftsform\nwird die Auslese einer Führerschaft be-\nwirken. Das Wesentliche an der kommu-\nnistischen Neuordnung ist aber, dass der\nFührer nie seine kollektive Aufgabe ver\ngisst und durch ein Rätesystem kontrolliert\nwird, sofort also von den Folgewirkungen\nseiner Entscheidungen unterrichtet und der\nGemeinschaft gegenüber verantwortlich ist.\nDer historische Materialismus, der nicht\nNatur und Mensch gegenüberstellt, sondern\ndie Geschichte der Menschheit der Natur-\nkausalität eingliedert, kennt keinen „Geistes-\nadel''. Dass in der Konsequenz hiervon\nalle materiellen Vorzugsrechte wegfallen\nmüssen, ist der Grund der Angriffe aller\nfeudalen oder kapitalistischen Intellektuellen.\nHier muss jeder die klare Scheidung in\nsich vollziehen und sich bewusst sein, dass\ndie natürliche Reaktion des Blutes auf un-\nnatürliche organische Zustände, die durch\ndas angenommene Diktat einer geistigen\n„Uebernatur\" geheiligt werden sollen, nicht\nausbleiben kann."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "129", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.21", "texte": "Der Sturm / Berlin W 9\n• ' . N v\nKunstler-Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincenc Benes\nUmber to Boecioni 112 / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck 112/ 3\nSigrid Hjerten Griinewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kadar\nKandineky / 3\nPaul Klee\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger /' 2\nAugust Macke 112\nFranz Marc 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nGeorg Schrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\n'\nFritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nNell Walden\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nJ - V . . • . - ' * . , ....... • '\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\n\nDichtungen von Herwarth Waiden\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nGlaube / Komitragodie\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nSckriften von Herwarth Walden\nWeib I Komitragodie\n3 Mark\nKind / Tragodie\nTrieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nMenschen / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte\nGebimden in Ganzleinen 3 Mark\nDie neue Malerei / Mit zahlreichen Abbildungen / 5. Auflage\n2 Mark\n112 x 4 A, • ' V\nGesammelte Schriften\nErster Band: Kunstmaler und Kunstkritiker\ni •\n3 Mark 1\nExpressionismtis / Die Kunstwende / Mit 140 Abbildungen\nZur Zeit vergriffen\n\nNeu erschienen:\nErnfi Marcus\nKritik\ndes Aufbaues (Syllogismus) der\ns p e z ie 11 en Relativitatstheorie\nt 33rof<pre nid>i nut bit bur<|M\n$£idt?leautig btt fae&utUn\n<Einft*ins, fonbetn\naud) erne neue 2id)t()ppotM<» buret) bit bc&\nopttfc&e SBeltbUb wtrtlid) «rfcf)emt. (£$ werben\n£wr $«nfg«tt)osnf)<it€n wa&r&aft rwolutioniert.\n2B*nn tin nod) fo fct)arffinnig<r $iat|jemati!er,\nmt H sUb«rt Cmjfcin |t»*tfenoi itf, im lo*\nflifdjen $enten nid)t geniujenb gefdjult ift, fo\nfann feme SdMuffolgerung aus=\nfallen. <£tn folder <£infhm§ itf\nijitx unmiberleglid) nad)gemefen. 2>ajer *mrb\nimffctn J)tcr mit feinen etgenen SBaffen aufs\n§*upt g«fd)lag«n. problem, burd) bas\ntx ju fetnen fallen golgewngen gelangte, if!\nalfo »i«ber $ur 2)<batte gegeben, unb em\n3serfud) £u feine* Sofung xoixb f)ter »orje»\nfd)lag«n. — MeS in adern t»irb ftd) bit <je*\nfamte Sftobewe iiberjeugen, nist sUbert\n(EinfUin, fonbsrn in $Baf)rf)eit Smmanuel Kant\nbas SBeltbilb t»a|>r{>aft re&oiutiomert &at. 3n\n<£rnfl $larcus xoixb bie gufunft ben ed)ten\n<£tben £ants begrufcn lernen. 2)ie Sftitmelt\nefjrt nut 3eit nid)t (frrngfeitege offen. 3stele\nfinb (£in <se=\nbanfe, erne SBafurfjett, »U fit fctefe* SBerf\nbewelfi ttirb nut alle taufenfe 3«&re tinmal\n%tbasi unb #nt&e<ft* S. J.\nMark 1,25\nVerlag Der Sturm\nBerlin W 9\nDurch jede guteßuchhandlung'oder d'rekt\nvom Verlag Der Sturm zu besiehen"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "130", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.22", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Lothar Sehreyer, Berlin W 9 / Verlag Der Sturm G. m. b; H.\nBerlin W 9 Potsdamer Strasse 134 a / Fernruf Lützow 4443 / Postscheckkonto Berlin 120 658\nDruck: Vereinigte Druckereien, Andermann & Schindler, Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\n\nZum Verstaminis des modernen fculturellen und\npolitischen Lebens tinentbehrlich ist die Lektiire der\nZeitschrift ■'\nSOZIALISTISCHE MOMTSHEFTE\n\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartai 2,25 Mark, Einzelheft 75 Pfennig / Vorzugsausgab*\n(auf besonders schonem Papier) pro Quartai 4,50 M / Einzelheft 1,50 M\nDas Septemberheft 1926 enthalt:\nKarl Hildenbravid (Mitglied des Reichstags und Reichsrats)\nFiir eine parlamentarische Arbeitsgemeinschaft\nProf. Max Schippel / Industrie und Arbeiterklasse\nJulius Kaliski I Der Eisenpakt\nDr. Ludwig Quossel (Mitglied d. Reichstags) / Deutschland in Gent\nArno Nadel / Pegasus\nWolfgang Hsins (Ehem. preuss. Staatsminister) / Die Beamten\nder Republik — Dr. OftO KarutZ / Siedelungsverfahren und Siede-\nlungsergebnisse seit 1919 — Hlltgart Vlslhabar / Franz Ton Assisi —\nDie Sozialistische Internationale und der Volkerbund / Wally Zepler\n— Die Genossenschaften im fascistischen Italien / Dr. Reinhard Weber\n— Rasse und Kultur / Dr. Max Hodann — Leben und Leistung Max\nWebers / Prof. Conrad Schmidt — Musikfeste? / Dr. Max Butting —•\nDie Agrarenquete / Dr. Pritz Baade — Die Architekturausstellung der\nNovembergruppe / Lud wig Hilberseimer — Raphael Silberstein / Dr.\nKarl Kollwitx — Die Toten: Hermann Greulich, Max Grunvrald,\nGeorg Friedrich Knapp, Ernst Mehlich, Anton Nemec, Nikolaj Tschcheidse\nKonrad von Wangenheim\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfiigung.\nDem Verlag ist die Mitteilung Ton Adressen will-\nkommen, an die die Zusendung von Probeheften ratlich erscheint.\nVerlag der Sozialistischen Monatshefte\nBERLIN W 35\n\nCasa d'Arte\nBRAGAGLIA\nModerne Kunstausstellungen: Theater der\nUnabhangigen : Buchhandlung : Verlag\nKunstgewerbe\nTerme Romane di Via Avignonesi 81 Rom 4\n\nYERLAG DER STURM / BERLIN ¥9\nHerwarth Walden:\nEinblick in Kunst\nDie beste BlnfQhrung in den\nExpressionlsmus und Kublsmus\n70 Abbildungen / 4 farbige Kunstbeilagen\nLadenpreig Halbleinen gebunden M 6.—\nFUNFTE AUFLAGE\n\nRevue Germanique\nLille j 55 Rue Brule-Maison\nPeriodique trimestriel\nAbonnement 30 Frs. pour l'etranger\nInformations sur le mouvement\nlitteraire et les travaux philolo-\ngiques en Allemagne aux Payg-\nBas et en Scandinavie\n\nINTEGRAL\nREVUE DE SINTHESE MODERNE du SEULE\nGROUPEMENT d'AVANTGARDE ROUMAINE\nPARAISSANT CHACQUE MOIS\nDIRIGE Par un Comite bucarestois et parisieu\nREDACTION: M. H. Maxy, Galea Victoriei 79 Et. I\nB U CAREST-ROUM AIN E\n\nKunstausstellung\nDer Sturm\nBerlin W9 / Potsdamer Strasse 134 a\nLiitzow 4443\nJeden Freitag 8 Uhr\n\nusik - Abende\nSturm\n1m\nDie junge Generation der Musiker\nAn jedem Abend Auftreten mehrerer Kunstler\nG. d. St.\n1926\nKartell in der Sturm-Buchhandfe\nPotsdamer Strasse 138 a"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "131", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.23", "texte": "Zeiischrifi Der Sturm\nAii die Aboimenten und Leser der Zeitschrift Der Sturm\nErschienene Hefte des 17. Jahrgangs:\nApril Expressionismus\nrMai Afrika und Sudsee-Kunst\nJuni Theater\nJuli Tanz und Plastik\nAugust Sturmabende Dichtungen\nSeptember: Wilhelm Ostwald\n»\nSCHRIFTLEITUNG: HERWARTH WALDEN\nVerlag Der Sturm Berlin W9 Potsdamer Strasse 134 a\nFernruf Liitzow 4443: Postscheckkonto Berlin 120658\nVerlagsverzeichnisse kostenlos vom Verlag Der Sturm\nJedes Heft hat zahl-\nreiche Abbildungen\n*\nJahresbezug . M 12\nhalbjahrlich . M 6\nEinzelheft . . M 1\nMitglieder der\nGesellschaft der\nSturmfreunde E. V.\nerhalten die Zeit-\nschrift satzungsge -\nmaß zum halben\nPre is e\n\nTEATRO\n\"** Revue internationale du nouveau art\ndramatique\nHerausgegeben von\nRUGGERO YASARI\n„„a LUIGI ALESSIO\nElle s'interesse de faire connaitre en\nItalie le theatre vivant de toute nation\nAbonnement d'une annee (12 Hefte)\nLIRE 40\nEdizioni Rinascimento\nTorino, Via Saluzzo 41\n\nJutta Klamt - Schule\nGymnastik-Tanz\nSEMINAR:\nAusbildung zur Lehrerin fur\nGYMNASTIK und TANZ\nNeuz#itliche und erfolgreichste\nLehrgrundsatze\nKLASSEN fiir BUHNENTANZ\nGYMNASTIK fur LAIEN\nBewegungsschulung fiir Schauspiel\nund Film\nIMWB\nSekretariat: Berlin W 15, Pariser Strasse 37\nFemsprecher: Oliva 3265\nAnf ragen I Prospekte!"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "132", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192611-01.1.24", "texte": "FL.O&EL.\nBERLIN ■Wl> FRIED\nPIANOS\nVMM\nmmmMMmm\nEBERT STRASSE\n\n°Extlit\njfilaman ran Jfytletie ifriatltEr\n6.—lt. ftuflage. ©attjleincn $t. 6,50\n(3n ena'ifd)er tm triage $f)omas Seller,\nto\nid) fann nid)t anberS. 3d) mug 3f)n<n fofort jtyreiben,\nid) mug 3f)nen fagen, bag id) 3&r 93ud) nid)t ge'.cfm,\nfot.6crn es erlebt f)abe. <£$ ifl grog Kuntf, bte %>fvd)<»\nlocre bet grauen fo $u aeraflgemeitwrn, bag Saufenbe\ng«rabesu ber aftiocn, fampfenben, fc&affenben grauen —\nber grauen, bte ftd) unter Sd)mersen jum ent=\naicfelt fjaben, fid) in bem $ucf) u.'kerle«inen ~ . .\n3d) bin nod) *anj unter bem <2?ei* btefeS $ud)es. Sie\nf)aben .ait Sfrem $ud)e me* geiefflet, im6 id) modjte\n3f)nen |)eidUct> Me vanb bvticfe,*. So em 33ud) $u lefen\n- tut etnem u>of)l. Iftlesanbra Jtottontap.\n3u bejte(}en burdj afle $ud)f)anblungen unb ben\n&er DTtattErt (Benerafinrt\ns3ltiknlasfe£\n\nMARTIN BORRMANN\nDas Theater\nDie Gebarden\nDas Schreiten\nDuS Sprechen\nschildert\nder Dichter\nin seinern Werk\nsuN D A\nEine Reise durch Sumatra\nMit 25 Bleistiftzeichnungen und\nAquarellen von\nSigfried Sebba\nQanzleinenband M 25«\n\nEine ungewohnlich fesselnde\nReise — ein prachtiges Ge-\nschenkwerk.\nTHOMAS MANN\n\nFrankfurter — Societats — Druckerei G. m. b. H.\nAbteilung Buchverlag Frankfurt a. Main\n\nW. Marzillier & Co. Berlin W » Grunewaldstr. 14-15\nGegriindet 1854\nHofspediteure S. M. des Konigs von Spanien\nSpadition u. Mobeltransporte, Verpackung u. Lagerung von\nGemalden und Kunstgegenstanden jeder Art. Lieferung und\nEmpfang nach und von alien Kunstausstellungen des In-\nund Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nGegriindet 1854\nSpediteure d. Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kunstler / der Freien Secession\ndes Verbandes Deutscher lllustratoren und Hausspediteure des „Sturm11"}]}