{"numero_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_sha256": "43cdfd7c174e1dccf60b96b3c9f30a63b4cc6344eefead7aebc29e1f15b0dded", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1927/07_01/bmtnabg_1927-07_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1927/07_01/bmtnabg_1927-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c001", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.1", "titre_corps": "Table of Contents", "titre_sommaire": "Table of Contents", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.1", "debut_caractere": 106, "fin_caractere_exclue": 475, "texte": "Rudolf Blümner: N«cbtmar\nEidm. 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Aber eine Stunde später wun-\ndert sich niemand, wenn er einen Ochsen\nzum Vetter hat oder selbst durch ein Nadel-\nöhr geht. Wenn er einen Kobold auf dem\nLeib hat, der ihn piesackt und ihm das Blut\naussaugt, nichts ist selbstverständlicher. An-\ndere haben anständige Kinder. Aber ich habe\neinen Kobold auf dem Leib. Von Zeit zu\nZeit raunt er mir etwas ins Ohr von irgend-\neiner Mutter, die mit mir im dreizehnten\nGrade verwandt ist, oder was so ein Kobold\nschwatzt. Ich weiß nicht, wie ich zu der\nVaterschaft gekommen bin. Ich weiß nicht,\nseit wann er mir auf dem Leib sitzt. Der\nTeufel mag glauben, daß er noch wächst.\nIch weiß kaum, wie er aussieht. Ab und\nzu, wenn es grade niemand sieht, reiß ich\nihn mir ab und schleudere ihn ein kleines\nStück von mir. Da sitzt er schon am Bein.\nNeulich habe ich ihn so fest angepackt, daß\ner geschrieen hat und eine Weile wegflog.\nIch glaubte, er käme nicht wieder, obgleich\nich ihn im Zimmer irgendwo knurren hörte,\nwo er sich versteckt hielt. Ich stand Angst\naus, er könnte nicht wiederkommen. Die\nganze Familie versprach sich noch etwas von\nihm. Er ist mir von der Mutter aufs pein-\nlichste anvertraut worden. Wenn er nicht\nwiederkommt, wird man mich für den Mör-\nder des Käfers halten. Manchmal sieht er\nauch wirklich aus wie ein Käfer. Es ist ent-\nsetzlich, wie er sich .an den weichen Fleisch-\nteilen, besonders am Unterarm, festhält.\nWenn ich ihn in Ruhe lasse, ist er erträglich.\nAber wenn ich ihn .anfasse und wegnehmen\nwill, tut es so weh, daß ich ihn lieber leben\nlasse. Vor einem Morde würde ich zurück-\nschrecken. Es würde ein ungeheures Auf-\nsehen machen. Morgen früh schon wüßte es\ndas ganze Haus.\n„Haben Sie schon gehört/' sagt die Por-\ntierfrau zur Modistin, die vorn ihren Laden\nhat, „haben Sie schon gehört? Der Kobold\nvom Doktor oben ist seit gestern ver-\nschwunden.\"\n„Was Sie nicht sagen! Verschwunden? Sie\nmeinen, er hält sich versteckt, oder der\nDoktor weiß nicht, an welcher Stelle er ihm\ngrade sitzt. Am Bein merkt mans oft schwer,\nwenn er stillsitzt.\"\n„Das glaube ich nicht, Fräulein Louison.\nOben ist doch schon mal was vorgekommen.\nDie Leute erzählen sich allerlei. Er soll früher\nzwei Söhne gehabt haben. Aber das kann\nauch Gerede sein. Tatsache ist, daß sein\nKobold seit gestern weg ist. Man hört und\nsieht nichts mehr.\"\n~Das klingt ja gradezu gruslig. Ich bin nur\nfroh, daß die Sonne scheint. Nachts dürften\nSie mir das gar nicht erzählen.\"\nMir selbst läuft ein Schauder nach dem an-\nderen über den Leib, wenn ich an solche\nFolgen denke. Irgendwo in der Ferne, dort,\nwo das Zimmer nicht mehr deutlich zu er-\nkennen ist, steht die ganze Familie und paßt\nauf, daß ich meinem Kobold nichts zuleide\ntue. Jetzt ist er freiwillig weggeflogen. Nicht\nganz freiwillig. Ich wollte ihn vom Unter-\narm wegnehmen. Da ist er mir aus der Hand\ngerutscht und saß dann zwischen dem rech-\nten Fuß und dem Schenkel. Da wollte ich\nihn aber auch nicht haben, da hat er nichts\nzu suchen. Er sollte meinem Herzen näher\nsein, wahrhaftig. Ich hatte diese lästige Ver-\npflichtung übernommen. Es ist qualvoll, wenn\nman es mit Pflichten und Kontrakten so ge-\nnau nimmt. In dem Augenblick, als ich ihn\nvom rechten Beinende wegnehmen wollte,\nentwischte er mir und setzte sich auf das\nlinke Bein. Als ich ihn da heftig berührte,\nflog er weg. Das hat er mir angetan. Fs\nist das erstemal in meinem ganzen Leben.\nWar er gekränkt? Fühlte er sich schlecht be-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3881, "texte": "handelt? ich habe eine Todesangst, daß er\nnicht wiederkommt. Mittags läuft schon die\nganze Straße zusammen. Die Familie macht\nmich verantwortlich. Sie hängen alle an mei-\nnem Sohn. Sie wissen genau, daß er nicht\nmehr wächst. Es ist so aussichtslos, daß\njemals etwas Rechtes aus ihm werden kann.\nZeitlebens schleppt man sich mit dem Wech-\nselbalg herum. Es ist zwar keine Schande,\naber auch keine besondere Ehre. So ganz\ngenau weiß man doch nicht, wo er her-\nkommt.\nAm Mittag rotten sich einige auf der Straße.\nEs geht von Mund zu Mund: „Dem Doktor\nsein Kobold ist weg.\" Endlich fällt irgendwo\ndas Wort Mord. Geht auch von Mund zu\nMund. Man benachrichtigt die Polizei. Gleich\nkommt einer und nimmt ein Protokoll auf.\nIch bin dringend verdächtig. Ich behaupte,\nmein Kobold habe mich freiwillig verlassen.\nDer Kriminalbeamte lächelt: „Das Märchen\nkennen wir schon. Haben Sie gehört, Kol-\nlege? Freiwillig! Ihr Kobold! Wie sah er\ndenn aus? Aha. Bleiben Sie ruhig im Bett\nliegen. Wir wollen uns inzwischen mal etwas\nim Zimmer umsehen.\" Da ist auch schon\nwieder die Person, die dieses widerliche\nScheusal zur Schande der Familie geboren\nhat. Diese Heuchlerin, die ich kaum kenne.\nUnd das ist noch ein Glück. Die Heuchle-\nrin, Sie freut sich, daß der Kobold weg ist.\nAber jetzt heult sie Wasserbäche und be-\nschimpft mich. Ich sage zu den Polizisten:\n„Er muß noch irgendwo im Zimmer sein.\"\nIch erzähle, wie ich ihn von Bein zu Bein\ngeschafft habe. Ich berufe mich auf meine\nPflicht, die ich kenne. Ich erinnere an viele\nBeispiele, daß ich in ähnlichen Fällen auch\nnichts Böses getan habe. Man kennt mich,\nsage ich. Ich berufe mich auf gute Freunde,\ndie über meinen Leumund aussagen sollen.\nNiemals, so würden alle versichern, werden\nwir ihm zutrauen, daß er seinen Kobold ab-\nsichtlich beseitigt hat. Einer sagt: „Bei ihm\ndarf man sich einer solchen Tat nicht ver-\nsehen.\" „Ich glaube bestimmt,\" gibt ein an-\nderer zu Protokoll, „daß der Kobold sich fin-\nden wird. Vielleicht sitzt er heute abend\nschon wieder ganz gemütlich auf seinem\nBein.\" Wenn es gar zu einer Gerichtsver-\nhandlung kommt. Ich wäre ruiniert. Frei-\nlich höchstens ein Indizienbeweis. Der Ko-\nbold kann sich etwas getan haben. Er ist\nein wilder Bursche. Als ich ihn anfaßte und\nvom linken Bein wegnehmen wollte, hat er\nmir sogar einen Klaps versetzt. Er ist im-\nstande, sich selbst etwas anzutun, um mich\nhineinzulegen. Zum mindesten ist er fähig,\nsich zu verbergen, um mich weich zu machen,\ndamit ich ihn in Zukunft sitzen lasse, wo er\nsitzen will. Die Verhandlung müßte das alles\nergeben, wenn nicht die Mutter, dieses graue\nScheusal, so affenmäßig verliebt in ihn wäre.\n„Grade weil er so klein ist, liebe ich ihn. Er\nwar so hilflos. Und keine Aussicht, daß er\nje größer werde. Ganz darauf angewiesen,\nauf dem Vater zu leben, der sich auch dazu\nverpflichtet hatte. Und jetzt ist er vielleicht\ntot, zertreten.\" Alle Richter weinen. Es geht\neine Bewegung durch das Publikum. Meine\nSache steht nicht gut. O, dieser Sohn! Ich\nwollte, ich hätte ihn wieder. Ich werde mich\nganz nackt aufdecken. Er soll sehen, daß ich\nalles bereue. Er soll sich setzen dürfen, wohin\ner will. Er darf auch treiben, was er will,\nwenn er nur wiederkommt, wenn ihm nur\nkein Unglück zugestoßen ist. Ich höre die\nMutter schon wieder schimpfen. Jetzt hat\nsie auch die Schwiegermutter mitgebracht.\n„Wo ist der Kobold?\" schreien sie gleich-\nzeitig. „Er ist,\" stöhne ich, „er ist nur einen\nAugenblick fort. Er lebt bestimmt und er\nkommt wieder.\" „Koboldchen,\" rufen sie,\n„Koboldchen\". Aus der Ecke ruft etwas.\nKeine Feder kann es schreiben, kein Drucker\nkann es setzen. Es ist ein ä-Laut und davor\nein K oder ein Q, ich kanns nicht unter-\nscheiden. Es hört sich scheußlich an. Wie\nein Vorwurf, eine Anklage und eine Bitte.\nK—ä oder Q—ä. Und das heißt: „Da liegt\nder infame Vater, der mich nicht sitzen las-\nsen will, wo es mir gefällt. Angefaßt hat er"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1247, "texte": "mich. Versetzt hat er mich. Ich sitze lieber\nhier in der Kälte, ehe ich zu ihm zurück-\ngehe, zu dem hartherzigen Kerl. K—ä.\nQ—ä.\" Die Mutter ergreift ihren Puzi und\nträgt ihn zur Beruhigung im Zimmer auf\nund ab. Ich erkläre meine Bereitwilligkeit,\nihn wieder auf Fleisch und Bein sitzen zu\nlassen. Denn ich höre schon, wie das Urteil\ngesprochen wird, wenn sich ähnliches wieder-\nholen sollte und er wirklich einmal nicht\nwiederkommt. Sohnesmord. Ewige Verdam-\nnis. Lieber nehme ich das Biest gleich wie-\nder auf mich. Inzwischen hat er sich beru-\nhigt. Wo sind sie denn mit dem Kobold hin?\n„Hallo! Hallo! Kobold! Oder wie heißt Du?\nMach Kä! Oder Quä!\" Jetzt will er mich\nglauben machen, daß ich träume. Aber das\nist mein Arm, das ist mein Bein, und jetzt\nwerde ich die Probe machen. Ich reiße die\nAugen auf. Wo ist der Kerl? Es ist sehr\nstill und schwarze Nacht. Noch zehn Se-\nkunden, noch fünf Sekunden horche ich. Dann\nwerde ich etwas skeptisch und will alles wei-\ntere auf morgen verschieben. Dann werde ich\nsehr froh, daß die ganze grausige Verwandt-\nschaft verschwunden ist. Ich hatte sie sehr\nernst genommen und zittre noch, während ich\nschon staune, daß ich an dem Kobold nicht\ngezweifelt habe. 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2503, "texte": "Das Rotblut - Tintenfaß\nEdmund Palasovsky\nDas Tintenfaß ist tiefer als das Meer\nTiefer als der Bohrbrunnen\nO weitaus tiefer als die Fabrik\nUnd um ein Kreischen tiefer als selbst der Kuß\nUm einen Fausthieb wärmer als der Gedanke\nist das Tintenfaß\nRotblut-Tintenfaß\nMit seinen Rotorschiffen ist es volltönender\nals die Geige\nLJm ein flammendes Laster reiner als\nSchmerzen.\nHier wurde Edi geboren\nIm Tintenfaß\nDer kleine Edi, der gestorben ist\nMit unlöschbarer Glühlampe an Stelle des\nHerzens\nIn der Lampe eine Frauengeste\nEdi der gestorben ist ehe er die Autobusse\ndurch seine Lunge rinnen ließ und die rote\nRose in einer großen Eiswüste\nDer ihn gesehen hätte hätte Ach wie schön\ngesagt\nEr trug Apachenhemden\nFloren waren seine Freunde\nTief im Zement dürstend\nTraurige Tiere\nUnd in ihnen eine Begegnung\nWas wird aus den Tieren des Tintenfasses\ndie in der Luft verbrennen\nKinder begraben sie unter dem Rosenstrauch\nSie kehren zurück in die Wälder mit denen\nzuweilen die Erwachsenen spielen wenn sie\nnach Mitternacht fest die Augen schließen\nAm Morgen aber verleugnen sie sie\nObdachlos irren sie in den Eishockeystädten\nentlang der Sardinenbüchsen in den tod-\nbringenden Wintermänteln\nSie sind an die hartgebrannten Feuer gefesselt\nAn die trockenen Wasser\nAn den Schmerz der Souterrains\nBis endlich die Feuer sich erweichen und\nerwärmen\nBis endlich die Wasser sich feuchten und\nergießen\nBis endlich sich etwas auflöst und neu wird\nund die Wirbelwinde aus dem Tintenfaß\nsteigen\nUm unter den schaumweißen Hemden\nTiefinnen tiefinnen\nDie schmerzenden Särge umzuschichten\nEdis Tiere welken\nEdi hat viel geweint\nSein Kopf ist ganz eigen geworden\nLackschuhe zog er an\nAllen hätte er Frühlingsglut zwischen die\nOhren pflanzen mögen\nRings im Pariserzeich\nIn den drolligen Händen wärmte er den\nNordpol\nDann legte er sich\nEine Frau in schwarzweißem Kleid liebkoste\nihn zärtlich\nIn seinem Herzen ist das Flügelkamel schöner\nals die Ballkönigin von Lourdes\nDann war es aus\nEr sagte nur Fischlein komm heraus aus\ndem Salz\nAus dem Salz\nKinder begruben ihn unter dem Rosenstrauch\nMit der jammernden Orange an Stelle des\nHerzens\nErwachsene spielen mit ihm allnächtlich\nAber am Morgen\nAm Morgen umhüllten sie ihn mit Schwarz\nTrugen ihn zum Grab und schrieben aufs\nKreuz das Wort\nEdi\nLebte fünfundzwanzig Jahre\nSeine schönen Lackschuhe sind dageblieben\nAbend ward es\nDa kam aus dem Rotblut-Tintenfaß die mas-\nculine Orange\nEine glühende Wunde\nUnd weinend sagten die Gottschezverer\nAch wie schön\nGenau wie Edi war\nAbend ward es"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1503, "texte": "Da flog aus dem Tintenfaß das Flügelkamel\num geliebt zu werden\nGanz wie der kleinj Edi voll Veilchen und\nSünden\nDie Gottschezverer pilgerten zum Rosen-\nstrauch\nMut Edi Mut\nEs liegt nichts daran, daß du ganz wagrecht\nwurdest\nGleich fliegen nach Mekka die blutroten\nGeliebten des Tintenfasses\nSchau nur da kommen die Wirbelwinde\nDann stiegen aus dem Tintenfaß die Wirbel-\nwinde damit sie in der Seele der Fremden\ndie eingeäscherten Herden aufrütteln und\ndie vom Schlag gerührten Früchte\nMut Edi Mut\nDeine schöne Lackfußbekleidung ist\ndageblieben\nAuch wie schön du zu beten verstandest\nUnd Wirbelwinde lallten leise und mild dem\nEdi nach\nFischlein\nKomm heraus aus dem Salz aus dem Salz\nUnd da wärmten sich die Feuer\nUnd die Souterrains brachen auf\nUnd voran schritt das Fischlein\nEdi\nich danke dir daß du mich erträumt hast\nUnd da kehrte Edi zurück in das Rotblut-\nTintenfaß\nEdi der gestorben ist\nEhe er die schwarzen Paletots durch seine\nLunge geigte\nEr lebte fünfundzwanzig Jahre\nMit der unlöschbaren Glühlampe an Stelle\ndes Herzens\nUnd darin ein heißes weibliches Saxofon\nEdi hier\nEdi dort\nEdi im Tintenfaß\nUeber sirenenblauen Gefilden\nOb glühenden 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Da kamen sie zusammen\nund berieten, ihn in die menschliche Gesell-\nschaft aufzunehmen. ER sollte mithelfen, un-\nsere degenierte Kultur zu regenerieren. Aber\nes kam anders. Man ließ IHN zunächst kon-\nfirmieren, und als ER vor den Altar trat,\nsiehe, da sahen alle, daß seine neuen Hosen\nviel zu kurz waren. ER mußte wohl inzwi-\nschen schon wieder gewachsen sein, denn\nseine neuen Aermel waren auch wie einge-\nschrumpft. „Junge, wohin soll das noch ge-\nhen,\" sagte die Mutter, ~Du wächst uns\nschließlich noch allen über den Kopf.\" Tat-\nsächlich war ER schon größer als alle an-\nderen, und jetzt merkte ER es selbst. Im\nallgemeinen redete ER nicht viel, ER pflegte\nnur zu sagen: „Guten Morgen, guten Abend,\ngute Nacht\", je nach der Tageszeit, oder:\n„Ich habe Hunger, gebt mir zu essen, legt\nmich zu Bett\", je nach seinen Bedürfnissen.\nEr fragte auch nicht viel, und so vergaß er\nauch zu fragen, ob er jetzt zu wachsen auf-\nhören sollte, und wuchs deshalb weiter. ER\nwar schon größer als alle Soldaten, da kam\nman wieder zusammen, beriet und schickte\nihm eine Aufforderung, daß ER Soldat wer-\nden müsse. Das hätte fast zum Verhängnis\nfür die gesamte Menschheit werden können.\nER aber ging hin, tat wie ihm befohlen, ließ\nsich in die Kompagnie einreihen, und war\ngrößte Soldat. Eines Tages fiel es dem Leut-\nnant auf, daß der Flügelmann mindestens\nanderthalb so groß war, wie sein Nachbar.\nNun berieten die Offiziere, was hier zu tun\nwäre, denn wenn das der General bemerken\nwürde, dann würde sich der Major unmöglich\nmachen. Deshalb müßte hier ein Mittel er-\ndacht werden, den Flügelmann wieder zu ver-\nkürzen. Man ließ IHM einen Helm machen,\nder fünf Zentner wog, und den mußte ER\naufsetzen. Morgens und abends wurde ER\ngemessen; aber wenn ER auch tagsüber\netwas einschrumpfte, wuchs ER des Nachts\num so mehr. Und bald war ER doppelt\nso groß wie sein Nachbar. Und das sah\nentsetzlich aus. Der Leutnant hatte eine\nLauseangst, denn wenn es dem General auf-\nfallen würde, und wenn der Major sich da-\ndurch unmöglich gemacht haben würde, dann\nwürde ER fliegen. Den Mann schien das\nnicht weiter zu beunruhigen. Da tauchte das\nGerücht auf, in zehn Minuten würde der Ge-\nneral besichtigen. Der Leutnant wurde krank\nvor Angst, denn der Flügelmann stand baum-\nlang da. Da kam schon seine Excellenz, und\nder lange Mann stand, weil man ihn nicht\nhatte so schnell entfernen können, da. Seine\nExcellenz überzeugte sich von dem ausge-\nzeichneten Geist seiner Truppe und bemerkte\nden baumlangen Menschen gar nicht einmal.\nOb seine Excellenz ihn wirklich nicht be-\nmerkt hatte, oder ob seine Excellenz ihn\nnicht hatte bemerken wollen, das ließ sich\nnicht mehr entscheiden. Dem Major hatte\nes nicht den Hals gebrochen, nur der Leut-\nnant bekam hinterher Diarrhoe. Der Geist in\nder Truppe aber war vorzüglich. Wenn nun\naber der General wiederkommen und den\nlangen Mann bemerken sollte, dann würde\nes wahrscheinlich aus sein. Daher befahl der\nMajor kurzerhand, den Mann in Airrest zu\nstecken. Man konnte ihn stets wieder von\nNeuem in Arrest bringen, falls ER sich wei-\ngern sollte, sich zu verkürzen. Und inzwi-\nschen war der Mann schon wieder ein Stück\ngewachsen; ER wurde vor den Unteroffizier\ngerufen, der IHM kurzerhand den Befehl des\nLeutnants übermittelte, ER habe sich binnen\nfünf Minuten auf das normale Maß des nor-\nmalen Soldaten zu verkürzen. Der Herr Un-\nteroffizier wartete. Der lange Mann hatte\nsich nicht nur nicht verkürzt, sondern war im\nGegenteil noch gewachsen. Der Herr Unter-\noffizier sprach von Dienstverweigerung und\nschickte ihn sofort in Arrest. Nach abermals\nfünf Minuten meldete der wachthabende Un-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3896, "texte": "teroffizier des Arresthauses, das Arresthaus\nsei für den langen Mann nicht mehr groß\ngenug. Die Sache kam vor den Leutnant, der\nheftig erschrak. Er meldete es dem Major\nund dieser befahl, sofort ein neues Arrest-\nhaus nach den Maßen des langen Mannes\nbauen zu lassen. Der lange Mann selbst habe\nbis zu seiner Vollendung draußen zu warten.\nMan nahm Maß wie befohlen, und es wurde\nsofort gebaut. Die ganze Kompagnie baute,\nund der lange Mann stand vor dem Neubau.\nNach kaum einem Vierteljahr war das neue\nArresthaus fertig. Der Major und die ganze\nKompagnie waren anwesend, als der Arrestant\neinziehen sollte. Und siehe da, inzwischen\nwar ER so viel gewachsen, daß ER in das\nprächtige, geräumige neue Arresthaus nicht\nmehr hineinpaßte. Der Major war verzwei-\nfelt, und bemerkte gegen den Herrn Leut-\nnant, daß dieser, wenn er f)irht ein so leut-\nseliger Major wäre, in diesem Falle fliegen\nwürde, denn ein Leutnant habe kein Rinds-\nvieh zu sein. Ein einfacher Mann würde so\nviel Nachgedanken vorher gehabt haben, um\nbei dem chronischen Wachstum des langen\nMannes zu wissen, daß man die Inflation\nmit in Rechnung zu setzen habe. Mit In-\nflation bezeichnete der Major das Wachstum\ndes Mannes. Der Leutnant war verzweifelt,\nzeigte aber in Haltung und Miene nichts als\nschneidige Unterwürfigkeit. Er empfing den\nBefehl, ein neues wertbeständiges Arresthaus\nunter Berücksichtigung der Inflation bauen zu\nlassen, in welches der Mann in abermals\neinem Vierteljahr würde eingesperrt werden\nkönnen. Der lange Mann stand vor dem\nneuen Neubau und rührte sich nicht. In-\nzwischen war ER so lang geworden, daß\nman ihn von einigen höher gelegenen Straßen\nder Stadt aus bequem sehen konnte. Wie der\naufgehende Mond an dunstigen Sommer-\nabenden, so stand ER bedrohlich rh. größer\nals das größte Haus. Es gab Menschenauf-\nläufe und Unruhe. Darum mußten einige\nStraßenzüge vorübergehend für drpi Monate\ngesperrt werden. Der Leutnant ließ nun die\nEinjährigen der Kompagnie auf die Stube\nkommen, und fragte, wer die Inflation aus-\nrechnen könne, darauf rechneten drei Ein-\njährige mittels Logarithmentafel, Rechenschie-\nber und Kubikwurzel die Inflation des Mannes\naus. Der Mann wurde jetzt wieder gemes-\nsen, sein Maß als Grundzahl mit seiner In-\nflationsziffer multipliziert und nach diesem\nSchema ein Inflationsmaß für den Neubau des\ngroßen Arresthauses gefunden. Nun hatte man\naber nicht bedacht, daß der ersts Inflations-\nbau infolge seiner größeren Ausmaße längere\nZeit zum Bauen erfordern würde ils der vo-\nrige Bau. Und obgleich jetzt vier Kompag-\nnien arbeiteten, konnte das Inflationshaus\nnicht vor sechs Monaten fertiggestellt wer-\nden. Der baumlange Mann stand bedrohlich\nvor dem Neubau.\nDie Sorge der Offiziere, die das Pech hatten,\nSEINE Vorgesetzten zu sein, wich allmählich\nin dem Maße, wie das Inflationshaus nun end-\nlich fertig wurde. Zur Einweihung wurde\neine kleine interne Feier veranstaltet. Der\nMajor selbst war anwesend, als der Arrestant\ndas Haus beziehen sollte; auf den Befehl:\nAn die Kaserne marsch marsch! hinlegen\nmarsch marsch, aufstehen marsch marsch, hin-\nlegen marsch marsch, über und unter Wasser\nmarsch marsch, ins Inflationshaus marsch\nmarsch! betrat ER wie befohlen die Schwelle,\nkonnte aber die Tür nicht passieren, weil ER\ninzwischen größer geworden war, als das\nInflationshaus. ~Himmel Donnerwetter\" schrie\nder Major den Leutnant an, „welches Kamel\nhat denn diesmal den Fehler gemacht?\" Der\nLeutnant detaillierte die ganze Vorarbeit, und\nbewies, daß die Inflationsziffer richtig berech-\nnet und alles befehlsmäßig ausgeführt wäre.\n„Ich frage ja gar nicht, was richtig gemacht\nworden ist\", sagte der Major, „ich frage\nja, welches Kamel den Fehler begangen hat.\"\nDarauf erdreistete sich der Leutnant zu sagen:\n„Der Herr Major haben befohlen, das In-\nflationsmaß für drei Monate auszurechnen.\nDa das Haus aber in drei Monaten infolge\nseiner riesenhaften Ausmaße nicht hat fertig-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3899, "texte": "gestellt werden können, ist der Mann inzwi-\nschen weiter gewachsen.\" Der Major wurde\nblutrot vor Wut, sollte er etwa selbst das\nKamel gewesen sein, welches den Bock ge-\nschossen hatte, oder konnte ein Kamel über-\nhaupt keinen Bock schießen?\nEr glaubte doch wohl, daß das möglich wäre,\naber nur rein sachlich genommen an sich\nmöglich, womit nicht unbedingt gesagt wäre,\ndaß er dieses Kamel zu sein habe. Und dann\nüberhaupt welchen Bock? Er überlegte\nschnell, daß er nicht Auguste Bolte wäre,\ndrehte seinen Schnurrbart wie eine Spindel\nund befahl abermals, ein neues Arresthaus\nunter Berücksichtigung des Mannes nebst Be-\nrücksichtigung der Inflation der Zeit. Und\nüberhaupt unter Berücksichtigung der Inflation\nder Inflation zu bauen, wobei ihm dieser letz-\ntere Begriff allerdings nicht ganz klar war.\nDie drei Einjährigen errechneten nun mittels\nInflationstabelle die Wertbeständigkeit des\nHauses. Der lange Mann wurde abermals\ngemessen, und man mußte zu diesem Zweck\nein Gerüst bauen. Die Berechnung allein\nein Gerüst bauen. Die Rechnung allein\ndauerte vierzehn Tage, das Gerüst war in drei\nMonaten fertiggestellt. Man hatte ausgerech-\nnet, daß das neue Inflationshaus für den\nMann mit der ganzen Armee in dreieinhalb\nJahren so gebaut werden könnte, daß es\ndann groß genug wäre, IHN zu beherbergen.\nSollte aber inzwischen eine Seuche, eine Geld-\nentwertung oder gar ein Krieg ausbrechen,\nso würde das Haus nie fertig werden können.\nDa brach unter dem Rindvieh auf dem Gute\ndes Herrn Majors die Maul- und Klauen-\nseuche aus. Angesichts dieser neuen Schwie-\nrigkeit wurde auf Befehl des Majors die Maul-\nund Klauenseucheninflationsziffer mit in Rech-\nnung gesetzt. Ein Jahr war inzwischen gebaut\nworden und es waren Mauern von zehn Me-\nter Stärke entstanden. Zwar war inzwischen\ndie Dienstzeit des langen Mannes abgelaufen,\naber er konnte nicht aus dem Dienst entlassen\nwerden, weil er seine Strafe inzwischen noch\nnicht verbüßt hatte. Der Grundriß des neuen\nHauses war so groß, daß das königliche\nSchloß mit allen Parkanlagen, Spring-\nbrunnen, nackten Marmorfiguren, Goldfisch-\nteichen, Schwänen, Rudeln Rehen, Orange-\nrien und Gewächshäusern bequem darin hätte\nstehen können und war dabei nur ein einziger\nRaum. Die Höhe des Hauses war auf die\nzehnfache Höhe des Marktkirchenturmes er-\nrechnet worden. Innerhalb dieses einen Jahres\nhatte man schon bis zur fünffachen Höhe des\nTurmes emporgebaut. Der lange Mann selbst\nwar weit hinter der augenblicklichen Höhe\nzurückgeblieben, leider versäumte man diesen\naußergewöhnlich günstigen Moment zur Ein-\nquartierung des Mannes. Denn der Leutnant\nwar so froh, daß seine Rechnung so gut\nstimmte, und hoffte, daß der Bau in abermals\neinem Jahre endgültig fertiggestellt sein\nwürde. Dann würde er für den langen Mann\nviel zu groß sein, weil man ihn für die Größe\ndes Mannes in dreieinhalb Jahren berechnet\nhatte; und der Leutnant war stolz, wie er\ndann wohl als Berechner dieses Hauses da-\nstehen würde.\nNach abermals einem Jahre war der Bau erst\ndreiviertel fertig geworden, und das kam, wie\ndie Herren Einjährigfreiwilligen berechneten,\ndavon, daß das Bauen in der Luft schließ-\nlich schwieriger wurde, je höher desto schwie-\nriger. Daher auch war das Haus nach drei-\neinhalb Jahren nicht fertig, und als es nach\nfünf Jahren endlich fertig war, war es wieder\nzu klein. Der Major war verzweifelt. Das\nneue Arresthaus genügte, um gegebenenfalls\nnicht nur die ganze Armee, sondern das ganze\nVolk in Arrest zu befehlen; aber für den lan-\ngen Mann war es wieder zu klein. Was half\nes da, daß der Major den Leutnant ein enor-\nmes Rindsvieh nannte, davon wurde das Ar-\nresthaus nicht größer. Was half es, daß er\nzu dem Leutnant sagte: „Wenn das neue\nArresthaus nur halb so groß geworden wäre,\nwie Sie ein enormes Rindsvieh sind, Sie\nSchafskopf, so würde es für den Mann gepaßt\nhaben.\" Plötzlich überlegte der Major, daß\nman in der Architektur sachlich sein müßte."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3922, "texte": "Und da ein passendes Haus unbedingt gebaut\nwerden mußte, weil der Major nicht befördert\nwerden konnte, wenn der einmal gegebene\nBefehl, den Mann in Arrest zu bringen, etwa\nnicht ausgeführt werden könnte, befahl der\nMajor, noch ein neues Arresthaus nach seinen\nPlänen zu bauen. Als Grundriß befahl er\nden größten Truppenübungsplatz des Landes,\neine enorme Sandwüste, auf der weittragende\nGeschütze eingeschossen werden konnten. Der\nlange Mann habe sich in die Mitte zu stellen,\ndie gesamte Armee habe auf diesen Grundriß\ndas Haus so hoch zu bauen, bis es den Mann\numfassen könnte; zufällig war inzwischen kein\nKrieg, und deshalb hielt es auch der General\nfür gut, die Armee durch Bau von Arrest-\nhäusern zu beschäftigen. Seine Excellenz\nwußte nicht, daß nur ein einziges großes Ar-\nresthaus gebaut wurde. Seine Excellenz küm-\nmerte sich wenig um die Sache. Und seine\nExcellenz wußte unbegreiflicherweise immer\nnoch nichts von der Existenz des großen\nFlügelmanns. Zehn Jahre baute die gesamte\nArmee Tag und Nacht an dem Arresthause.\nInzwischen bekam der lange Mann das An-\nrecht auf den Zivilversorgungsschein, zu be-\nnützen gleich nach Abbüßung der Strafe. Die\nMauern des kraterartigen Gebäudes reichten\njetzt dem langen Mann bis an die Kniee.\nNoch nie hat die Welt einen annähernd so\ngroßen Bau gesehen, wie das angefangene\nArresthaus. Da aber der Herr Major selbst\nnur nach Gutdünken gebaut und die Inflation\nbei seinem Plane unberücksichtigt gelassen,\nso war das Haus jetzt schon, obgleich es\nnoch nicht einmal annähernd fertiggestellt\nwar, wieder zu klein für den Mann. Der\nMann war nämlich inzwischen wieder so viel\ngewachsen, daß er mit seinen Unterschenkeln,\nFüßen, Fußlappen und Stiefeln jetzt den ge-\nsamten Innenraum einnahm und einen ge-\nwaltigen Druck auf die Mauern ausübte. Der\nLeutnant ritt dauernd um den Kolossalbau\nherum und prüfte die Widerstandsfähigkeit\nder Mauern. Es wurden enorme seitliche\nStützen gebaut. Immerhin war der Major un-\nendlich stolz auf seine Idee, das Haus um\nden Mann herum zu bauen, weil es doch auf\nalle Fälle das Wachstum zurückhalten mußte.\nTatsächlich ging es eine Zeitlang gut. Da\nwuchs der Mann nur oberhalb der Mauern,\nwährend ER unten wie eingeschnürt in\nSEINEM Wachstum gehemmt blieb. ER sah\naus wie ein gepfropfter Kastanienbaum, aber\nnun kam die Schwierigkeit. Man konnte nicht\nsenkrecht auf den alten Mauern weiterbauen\nund versuchte es daher mit vorgeragter Holz-\narchitektur nach Hildesheimer Muster, weil\ndas die einzigste Möglichkeit war, das Haus\nfertigbauen zu können. Uebrigens eine wun-\nderbare alte Stadt, dieses Hildesheim. Neben\nLüneburg eine der schönsten alten Städte\nNorddeutschlands, gut erhalten, von Hanno-\nver bequem mit elektrischer Straßenbahn zu\nerreichen, billiger Sonntagsausflug. Die Haupt-\nsehenswürdigkeit ist ein tausendjähriger Ro-\nsenstock. Sie glaubens ja einfach gar nicht.\nBedenken Sie, vor tausend Jahren wuchs das\nPflänzchen schon und blüht noch. Werden\nSie erst mal tausend Jahre alt und dann jedes\nJahr noch lieben und Junge werfen, das soll\nmir mal einer nachmachen, und das alles\nper Elektrische Sonntags-Morgen. Aber ab-\ngesehen davon war das Hildesheimer Bau-\nwerk sozusagen das Knochenhauer Arrest-\nhaus, soeben bis fünfachtel von zweidrittel der\nHälfte des Mannes emporgebaut worden, da\nkonnte man infolge des Seitenwachstums nicht\nweiterbauen, weil man hätte wagerecht bauen\nmüssen. Der Major zwar befahl, wagerecht\nweiter zu bauen, aber die drei Einjährigen,\ndie damals die moderne Betonarchitektur noch\nnicht kannten, erklärten das für unmöglich.\nEs hätte wohl auch schlecht ausgesehen,\nein stilgemäßes Knochenhauerarresthaus mit\nWrightschen Baikonen, das ganze überragt\ndurch den gewaltigen Oberkörper des langen\nMannes. Plötzlich befahl der Major, den Bau\nzu unterbrechen, es war keine Frage, der\nMann würde weiterwachsen und eines Tages\ndas Knochenhauer Arresthaus sprengen, und\nman konnte ihn noch nicht einmal dafür ver-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3917, "texte": "antwortlich machen, denn ER tat, wie ihm\nbefohlen, ER stand und stand, ohne sich zu\nrühren, zehn Jahre, zwanzig\" Jahre, dreißig\nJahre, und wartete neue Befehle ab, wie ein\nguter Soldat. Das Wachsen war für ihn Na-\nturgesetz, wie der Hunger. Und der Major\nwar stets sehr beliebt und leutselig gewesen.\nEr war der Ansicht, daß man die Fehler der\nLeute aus ihren Eigentümlichkeiten erklären\nmüsse und nie bestrafen dürfe. Inzwischen\nfand wieder eine Parade statt. Der Geist\nbei der Truppe war ausgezeichnet, aber der\nGeneral bemerkte, daß überhaupt kein Flü-\ngelmann da war. Und der Flügelmann war\nnicht da, weil der lange Mann draußen im\nKnochenhauer Arresthause stand. „Warum?\"\nfragte seine Excellenz. „Weil ER, zu Befehl,\nein wenig zu lang ist\" antwortete der Major.\n„Aber das ist doch kein Grund,\" meinte der\nGeneral. „Wenn ER sich aber weigert, sich\nauf das normale Maß des normalen Soldaten\nzu verkürzen,\" antwortete der Major, „so\nerachte ich es meines Erachtens . . .\" „Seit\nwann ist es denn Mode, daß ein Major ein\neigenes Erachten hat,\" unterbrach der Ge-\nneral, „ich befehle, den Flügelmann zur\nTruppe zu entlassen.\" Ein Laufbote brachte\nden Befehl, den der lange Mann mit Ruhe\nempfing. Vorsichtig versuchte ER aus dem\nArresthause herauszutreten, aber es ging\nnicht, weil ER eingeklemmt war. Als der\nLaufbote dem General davon Meldung\nmachte, wollte es Seine Excellenz nicht glau-\nben, weil es sich Seine Excellenz einfach nicht\nvorstellen konnte, sondern steckte den Lauf-\nboten in Arrest und machte sich selbst auf\nden Weg zum neuen Arresthause. Das war\nein prächtiger Anblick. Voran ritt der Ge-\nneral, in tausend Meter Abstand der Major,\nin wiederum hundert Meter Abstand der Leut-\nnant. Nun folgten zu Fuß in zehn Meter\nAbstand das gesamte Offiziercorps, die Her-\nren Unteroffiziere, und schließlich ganz dicht\nzusammengedrängt die ganze Armee. Vor\ndem Knochenhauer Arresthause hielt der Ge-\nneral und staunte über die Maßen über den\nimposanten Bau, in dem er den Mann selbst\nfür eine überlebensgroße naturgetreue und\nhöchst geniale Kuppelanlage hielt. Das ge-\nsamte Heer umstellte den Bau. Seine Ex-\ncellenz suchte die Eingangstür, fand sie aber\nnicht, obgleich er dreimal um das Bauwerk\nrechts herum und dreimal links herum ritt.\nDarauf redete Seine Excellenz den Major an:\n„Ja, aber Potztausend, welcher Idiot hat denn\ndies Bauwerk entworfen, da fehlt ja die Ein-\ngangstür.\" Darauf erklärte der Major, daß\nder Grundriß die Eingangstür wäre, und\nmachte Seine Excellenz darauf aufmerksam,\ndaß doch der Arrestant den gesamten Innen-\nraum mit seinen Unterschenkeln einnähme,\nwährend ER ab dreiunddreißig ein Drittel\nProzent oberhalb der Kniee das Mauerwerk\nüberrage. Jetzt erst begriff Seine Excellenz,\ndaß der Arrestant die Kuppel war. Da nun\nSeine Excellenz ohnehin an Krampfadern litt,\nbekam er vor Schreck den Schlag und fiel\ntot um. Ratlos standen Major und Heer um\ndas Knochenhauer Arresthaus, plötzlich sprach\nder Herr Major: „Seine Excellenz der General\nist gefallen, umgefallen, die Armee hört auf\nmeinen Befehl, zunächst promovieren alle\nGrade. Ich werde General, der Leutnant Ma-\njor, die Unteroffiziere Leutnants, und alle\nGemeinen werden Unteroffiziere, und zwar\nsofort mit rückwirkender Kraft.\" Aber das\nheißt nicht viel bei der allgemeinen Ratlosig-\nkeit. Der neue General beriet jetzt mit dem\nneuen Major. Das Heer umstand den Ar-\nrestanten, der Arrestant wuchs, und zwar im-\nmer unter Berücksichtigung der Inflation.\nPlötzlich barsten die Mauern explosionsartig,\nund die Knochenhauer-Arresthausschale fiel\num, bevor sich die Armee retten konnte. Die\ngesamte Armee lag erschlagen unter den\nTrümmern. Der neue General und der neue\nMajor, die einzig Ueberlebenden, sahen ein-\nander dumm und etwas verstört an. Der\nneue General erklärte jetzt dem Arrestanten\nausdrücklich, daß auch ER durch den Tod\ndes Generals, seines seligen Vorgängers, zum\nUnteroffizier befördert wäre, seine Strafe gelte"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3895, "texte": "aber nicht als verbüßt, und er befahl IHM\nzu warten, bis sich Gelegenheit zum Abbüßen\nder Strafe finden würde.\nDarauf meldete der neue General Seiner Ma-\njestät dem Könige sämtliche Vorfälle. Seine\nMajestät der König wollten es erst nicht,\nglauben, weil Seine Majestät der König sich\ndas einfach nicht vorstellen konnten. Weil\naber Seine Majestät der König noch nie\nfalsche Berichte erhalten hatten, so mußten\nSeine Majestät der König es glauben, ob\nSeine Majestät es wollten oder nicht. „Und\nwo ist denn mein lieber guter Freund und\nBerater, Seine Excellenz der General?\" fragte\nSeine Majestät teilnehmend, „Auch beim Un-\nglück umgekommen?\" „Nein,\" sagte der\nneue General, „Seine Excellenz, mein seliger\nHerr Vorgänger, litten sowieso an Krampf-\nadern und haben den Schlag gekriegt, als\nSeine Excellenz den langen Mann gesehen\nhaben.\" „Haben\", wiederholte Seine Maje-\nstät der König, bleich vor Schreck, Seine\nMajestät der König dachte an bolschewistische\nUmstürzler. Sofort befahl Seine Majestät ihren\nSohn vor sich und dankte zu ihren Gunsten\nab. Neue Besen kehren gut. Der neue König\nwar ein schneidiger Offizier. Er befahl, so-\nfort eine neue Armee aus dem Boden zu\nstampfen, der neue General stampfte sofort\nmit beiden Füßen eine neue Armee aus dem\nBoden. Darauf befahl der neue König, sofort\nein Kriegsgericht zu bilden und den Mann\nabzuurteilen. „Wozu?\" fragte der neue Ge-\nneral?\" „Zum Tode\" sprach der neue König.\nDie Kriegsrichter erklärten den Mann für\nschuldig, weil ER sich weigerte, sich zu ver-\nkürzen, das wäre ein Fall von Insubordina-\ntion, die in Ausnahmefällen, d. h. in Fällen\nvon Ausnahmezuständen, und dieses wäre\nsolch ein Fall von Ausnahmezustand, mit dem\nTode bestraft würden. Der lange Mann nahm\ndas Urteil ruhig auf. „Zum Tode gehts, ich\nhabs gewußt, lebt wohl Ihr Brüder, hier die\nBrust.\" Der neue General war genügend mit\nder Materie vertraut, um instinktmäßig zu\nwissen, daß der lange Mann mit Flintenkugeln\nnicht zu töten wäre, daher rüstete er jeden\nSoldaten mit einer Maschinenkanone aus. Auf\nden Beifehl 1, 2, 3 los, schoß die gesamte neue\nArmee mit Maschinenkanonen auf den neuen\nFlügelmann, aber keine Kugel ging durch die\nHaut, weil diese viel zu dick war, nach zehn\nMinuten aber war die gesamte Armee stark\ndezimiert, weil einige Kugeln von den blanken\nMessingknöpfen zurückgeprallt waren. Wieder\nwurden wie in schweren Zeiten alle Einjähri-\ngen zusammenberufen, um zu beraten, wie\nder Flügelmann getötet werden könnte. Sie\nschlugen Starkstrom vor. Der neue General,\nder stets für Anwendung von großen Por-\ntionen war, ließ alle Elektrizität des gesamten\nReiches in zwei gewaltige Pole vereinigen,\nauf Befehl berührte der Mann gleichzeitig die\nbeiden Pole. Wie ein breiter Strom durch-\nfloß ihn die gesamte Elektrizität und glich\nsich aus, ohne ihm das geringste zu schaden.\nEs schien dem General bloß, als ob ER in-\nzwischen gewachsen wäre. Jetzt kam der\njunge König, der sich sehr vor ihm fürchtete,\nauf die Idee, dem Manne Selbstmord zu be-\nfehlen. Aber wie? Aufhängen war unmög-\nlich, weil es keine Bäume gab, die groß\ngenug gewesen wären, Scheiterhaufen war\nzwecklos, weil alles Brennmaterial des Lan-\ndes eben nur ausgereicht hätte, dem Manne\ndie Füße zu wärmen. Es gab nur eine Mög-\nlichkeit, der lange Mann müßte sich ins Meer\nstürzen und ertrinken. Auf Befehl stürzte sich\nder lange Mann ins Meer, jedoch da ER eine\ngroße Fettschicht um sich hatte, ertrank ER\nnicht, sondern schwamm oben. Von dem An-\nprall und der Wasserverdrängung aber trat\ndas Meer über seine Ufer und zerstörte die\nKüsten aller Länder.\nJetzt sah der junge König ein, daß nicht der\nlange Mann, sondern seine Fettschicht eine\nstete Gefahr für das Reich bedeutete, daher\nbefahl er dem Manne, Tag und Nacht zu\nmarschieren, bis die Fettschicht aufgezehrt\nwäre. Der Mann begann jetzt zu wandern,\nmit einem Schritt marschierte ER etwa einen\nBreitengrad, da ER unaufhörlich wanderte,"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 653, "texte": "so wurden große Landstrecken mit blühenden\nStädten unter seinen Füßen vernichtet. Aber\ndas kümmerte den jungen König nicht, weil\nja sowieso von Zeit zu Zeit größere Land-\nstrecken und blühende Städte zerstört werden\nmüssen. Darum führt ja eine: Kulturnation\nKriege. Der Dauermarsch des langen Mannes\nkonnte vielleicht mehrere Kriege ersparen.\nUnd nach vierzehn Tagen war die Fettschicht\nverschwunden, Der junge König befahl jetzt\ndem langen Manne, ins Meer zu springen, der\nlange Mann sprang ins Meer, und da ER\nnicht schwimmen konnte, und da ihn keine\nFettschicht mehr trug, sank ER unter und\nertrank Der junge König aber nahm eine\nBraut und heiratete."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c005", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "51", "page_fin": "51", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.4.1", "titre_corps": "Gebäude der Prager Messe", "titre_sommaire": "Gebäude der Prager Messe", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 24, "texte": "Gebäude der Prager Messe"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c006", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "53", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Die Lebensberechtigung und das Ziel der\nKunst ist Schaffung der neuen Menschen,\ndie die neue Gesellschaft bilden werden.\nDadurch hat die Kunst eine große Auf-\ngabe, und künstlerische; Betätigung sowie\nkünstlerischer Gejnuß, die einem Triebe ent-\nsprechen, d. h. nicht angelernt oder aner-\nzogen werde,n können, bedeuten eine große\nKraft für die neue; Gesellschaft.\n2. Wir erkennen in der Entwicklung der Kunst\nunbedingt eine einheitliche Richtung zur\nAbstraktion, und man kann nicht von Un-\nGewißheiten sprechen, bei einer lückenlosen\nEntwicklung in einer feisten Richtung. Es\nkann da nur Ungewißheiten geben für den\neinzelnen schaffenden Künstler, der sich\nnoch nicht über das Ziel klar geworden\nist. Es kann aber keine Ungewißheit da-\nrüber bestehen, daß derjenige Künstler\nnicht mehr zur Front gehört, übe|r den die\nEntwicklung bereits hinweggeschritten ist.\n3. Daß Gedanken pro und contra erscheinen,\nist selbstverständlich in dejr heutigen Zeit\nder allgemeinen Zersplitterung und bedeu-\ntet nichts dagegen, daß sich die Entwick-\nlung der Kunst logisch und elementar in\nder Richtung der Abstraktion vollzieht und\nsomit die Kunst vorbereitend ist für die\nEntwicklung der neuen Gesellschaft.\n4. Wir stellen fest, daß allerdings eine Re-\naktion in der Kunst vorhanden ist. Diese\nReaktion ist aber nur eine Kunsthändler-\nangelegenheit und keine ästhetische. Diese\nReaktion hat nicht die Kraft, die Entwick-\nlung der abstrakten Kunst irgendwie zu\nhemmen.\nBuchheister / Jahns / Nitschke / Schwitters\nVordemberge-Gildewart\nDie Abstrakten Hannover"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c014", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.8", "titre_corps": "Meierhold-Theater: Scenenbild", "titre_sommaire": "Meierhold-Theater: Scenenbild", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 29, "texte": "Meierhold-Theater: Scenenbild"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c015", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.9", "titre_corps": "Front : Internationaler Almanach der Aktivität der Gegenwart", "titre_sommaire": "Front : Internationaler Almanach der Aktivität der Gegenwart", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2170, "texte": "Front\nInternationaler Almanach\nder Aktivität der Gegenwart\nIn der Zeit einer allgemeinen politischen\nsowie kulturellen Reaktion wollen wir die\nLinie zeichnen, wo heute die wirkliche\nFront der Entwicklung, der schöpfe-\nrischen Arbeit und des Kampfes um die\nZukunft führt. Die schöpferische Arbeit ist\nvoll von Ungewißheiten. Es erscheinen Ge-\ndanken pro und contra. Wir wollten nichts\nvon der Lebendigkeit des schöpfet isclien Pro-\nzesses von heute abstreifen, deshalb haben\nwir kein Manifest gemacht, sondern haben\ndie Gedanken Vieler nebeneinandergestellt,\nmit allen ihren Widersprüchen.\nWir leben in der Zeit eines Bruches der\nWeltgeschichte. Wo wird der Boden unter\nuns zerbrechen? Werden wir uns in die neue\nWelt retten oder gehen wir mit der alten zu-\ngrunde? Man muß Ausschau halten —\nWir sind überzeugt:\nVor uns liegt die einzig mögliche Gesell-\nschaft der Zukunft: die sozialistische.\nWie wird ihre Kultur beschaffen sein?\nDie Kunst ist heute keine direkt wirkende\nKraft im Leben mehr, sie ist einer Lebens-\nzweckmäßigkeit nicht fähig. Deswegen sind\nalle direkten Lebenszwecke aus derselben\nauszuscheiden, die Kunst ist von den nicht-\nfunktionellen Elementen zu reinigen, sie ist\nauf ihre einzige Funktion, die sie zu erfüllen\nimstande ist, zurückzubringen. Das ist der\neine Weg: zur „reinen\", absoluten, „ab-\nstrakten\", elementaren Kunst. Aber da er-\nscheint die Frage: hat die Kunst überhaupt\nnoch eine Lebensberechtigung? Welcher ist\nihr Platz im Leben? Wir haben alle in der\nFront sprechen lassen, die etwas zu dieser\nFrage zu sagen hatten und es tun wollten,\ngleichgültig, ob sie das Ganze oder ein Teil-\nproblem, in unserem oder ihrem persönlichen\nSinne, theoretisch oder durch ihr Schaffen\nerfaßt haben.\nWo soll aber „der dialektische Riß\" zwischen\nder Kunst und dem Leben führen? Darüber\nsoll die Front reden.\nWir kommen zum Leben und seinen Fragen\nzurück. In neuer Gesellschaft wären wir un-\nbedingte Zivilisationsoptimisten. Heute sind\nwir es bedingt.\nDenn vor alle Dinge tritt heute eine aktuelle\nund höchste Frage, die Frage der Fragen.\nNur durch ihre Beantwortung wird auch die\n„Kultur\" vorwärtsrücken.\nt\nRedaktion der Front\nBrno XV/Tschechoslowakei"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c016", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "67", "page_fin": "67", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.10", "titre_corps": "Sterenberg: Bild", "titre_sommaire": "Sterenberg: Bild", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 16, "texte": "Sterenberg: Bild"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c017", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "68", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Goll, Gropius, Grosz, Heartfield, Herzfelde,\nHonzl, Chochol, Jung, Kassak, Kiesler, Kisch, Krejcar, Lu\nMarten, W. Mehring, Micic, Moholy-Nagy, Nezval, Obrfel,\nOud, Picabia, G. Pohl, Poliansky, Pone, Mies van der Rohe,\nSeiferf, Schurer, Schwitters, Sima, Teige, Tzara, Vaclavek,\nWeisskopf, Wesfheim, Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seiten. Format 23 X3l cm, davon\n40 Seiten Illustrationen, Musikbeilagen Redaktion\nder Front / Dr. B. Vaclavek / Brunn 15-Schimitz /\n11,Ts :hechoslowakei /Text der Beit ;ge\ntschechisch, deutsch und franzosisch mit deutschen\ni nd franz. sischen Resumees\nPreis 16 Mk / In der Sturm-Buclihandlung vorratig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c033", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "73", "page_fin": "73", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.31", "debut_caractere": 2170, "fin_caractere_exclue": 2799, "texte": "La Renaissance de L'Art Fiancais\net des Industries de Luxe\nGegriindef von Henry Lapauze / Erscheinf zu Beginn jedes\nMonafs als Band von 60 bis 100 Seifen Quarfformaf\n(25:32) mif zahlreichen Abbildungen\nDie Redakfion verdjjenflichf Beifrage der anerkannfen\nSdiriffs feller und Krifiker aller Lander Europas. Ihre\ndokumenfarischen Sfudien und akfuellen Chroniken biefen\nein vollsfa diges Eild der Akfivifaf der Kiinsfe auf der\nganzen Erde\nHAbonnemenf Frankreich 150 francs |\n~™\"\"\"~A us land 200 francs §j |§\nMan abonnierf in alien Buchhandlungen und direkf beim Verlag\nLa Renaissance de L'Art Franpais / 10-11 Rue Royale / Paris\nwm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c034", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "74", "page_fin": "74", "image_debut": 32, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 32, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.32", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 63, "texte": "H\nmm\n8\nM,\nBEtLS\"i«W9 * F-RIEDRICH EBERT STRASSE 6\nsow\nPI ANIONS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-07-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-07_01#c035", "volume": "bmtnabg_1927-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "74", "page_fin": "74", "image_debut": 32, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 32, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.32", "debut_caractere": 65, "fin_caractere_exclue": 1158, "texte": "Das neue Rußland\nZeitschrift fiir Kultur u.Wirtschaft\nOrgan der „Gesellschaft der Freunde des\nneuen Rußland in Deutschland\"\nSchriftleitung: Erich Baron / Berlin»Pankow / Kavalierstr. 10\n„Das Neue Rußland\" im IV. 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Vertlefung zu\nV? rucken luchen, und durch standige\nErweiterung ihres Inhalts zu be*\nhaupten una zu befestigen.\n£13 Die SOZIALISTISCHEN MO*\ntS § NATSHEFTE siad die einzige\n— g dcutsche Zeitschrift, die eine system\ng G matisdi gegliederte Rundschau fiber\n2 dffentttdies Leben, Wissensdiaft,\n5.<-s Kunst und Kuitur bringt. Einem\n35 .§ jeden wird dadurch eine fordaufende\nw g- Orientierung uber die einzefnenGe*\njjcu biete ermogiid>t. Die einzelnen\nS brifcen (33 an der Eah() werden von\nu.§ Fachleuten bearbeitet.\nS-6 Probehefte stehen auf Verfangen |e*\n® £ derzeitkostenfreizurVernigung.\n8 t Dem unterzeidineten Verlag 1st die\nMitteilung von Adressen will*\n'5 £ kommen, an die die Zusendung\nvon Probeheften erscheint.\nVerlag der Sozialistisdien Monatshefte\nG. m. b. H. 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Jahrgang\n4./5. Heft\n\nRudolf Blümner: N«cbtmar\nEidm. Palasovsky: Das Rotblut\nKurt Schwitters: Er\nFront\nFront gegen Fronta\nErich Arendt: Gedichte\nAbbildungen:\nMeierhold-Theater: Der Wald/Szenenbild\nMeierhold-Theater: Szenenbild\nSterenberg: Bild\nDas entfesselte Theater/Prag\nSzenenbild\nDas entfesselte Theater/Prag\nSzenenbild\nMalevitsch: Proun\nGebäude der Prager Messe\nGontscharowa: Dekoration\n\nFARBIGE KUNSTDRUCKE\nJEDES BLATT 1,50 MARK /\nALEXANDER ARCHIPENKO: Frau/Aquarell\nMARC CHAGALL: Akt / Aquarell / Interieur /\nGemalde /On dit (Der Jade) / Aquarell, Ivut-\nscher / Aquarell / Coiffeur / Aquarell /\nMi und das Dorf / Gemalde\nROBERT DELAUNAY: Aquarell\nTOUR DONAS: Frau mit Vase / Gemalde,\nFrau und Kind / Gemalde\nNATALIE GONTSCHAROWA: Theater-\ndekorationen*\nREINHARD GOERING: Zwei Aquarelle\nJACOBA VAN HEEMSKERCK; Bild 68 /\nGemalde / Insel / Gemalde\nJOHANNES ITTEN: Gemalde eines Kindes\nKANDINSKY: Aquarell 2, Aquarell 6\nPAUL KLEE: der Krafte einer Land-\nschaft I Aquareil / Giftbeeren / Aquarell\nD'E MIT * VERSEHENEN 1 MARK\nFERN AND LEGER: Kontrast der Formen /\nGemalde\nFRANZ MARC: Pferde / Aquarell\nLOUIS MARCOUSSIS: Stilleben / Aquarell\nJEAN METZIXGER: Landschaft / Gemalde\nMOHOLY-NAGY: Schwarz-orange-gelb / Gemalde\nGEORG MUCHE: Und scliied das Licht /\nGemalde\nPANNAGGI: Zu : in Bewegung / ( emaide\nPERI: StrassH / Gemalde\nLOTHAR SCHRKYER: Biihnenfarbform*\nKURT SC iAVJTTERS: Farbige Merzzeichng.\nGINO SEVERINI: Pan-Pan-Tanz im Monico\n/ Gemalde\nNELL WALDEN: Todfriihling / Gemalde1\nFarbisra Zeichnungy Segel / Aquarell\nSUDSEEGOTZE\n*\nVERLAG DER STURM"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[44]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.2", "texte": "Kunstausstellung\nDER STURM\nBERLIN W9 / Potsdamer Str. 134 a I\nJuli 1927\n160. Ausstellung\nSturm-\nGesamtscliau\nGeoffnet von 10—6\nSonntags von 11—2\nBilder = Verleih\nAbende\nim\nSturm\nTanz / / Gymnastik\nKorperkultur / Kunst\nAnfang BV2 Uhr\nBeginn: 1. September\nVerkauf von Kunstwerken auf Ratenzahlung\n\nSociete des Nations\nInstitut de Cooperation\nIntellectuelle\nMOUSEION\nBULLETIN cle I'OFFICE INTERNATIONAL\ndes MUSEES\nParaft en avril, aout decembre\nAbonnement un an: FRANCE 25 Francs.\nAutres Pays 1.50 Dollar\nLe numero France 10 F. autres pays 50 cts.\nRedaction: 2 rue Montpensier Paris\nAdministration: LES PRESSES L'NIVER-\nSA IRES DE FRANCE\n49 Boulevard Saint-Michel Paris (s°)\n\nContimporanul\nlErste Zeitschrift der rumanischen\nmodernen Kunstgruppe\nInternation ale Kunstmani festation\nu. jahrl. Ausstellungen\nDirektion: I. Vinea u. Marcel lancu\nRedaktion: Str. Trinitatii 35\nBukarest / Rumanien\n\nMusikalien u. Instrumente\n' kauft man bei '\nBreitkopf & Hartel\nBerlin W9FotsdamerStr.2La\nLiitzow 1692 und 8647\n\nJutta Klamt-Schule\nGyMNASTIK-TANZ\nBERLIN bihhh\nSEMINAR:\nAusbildung zur Lehrerin fur\nGyMNASTJK und TANZ\nNeuzeitliche und erfolgreichste\nLehrgrundsatze\nKLASSEN 112. BUHNENTAIMZ\nGyMNASTIK fur LAIEN\nBewegungsschulung fur Schauspiel\nund Film\nSekretariat: Berlin W 15 Pariser Strasse 37\nFernsprecher: Oliva 3265\nAnfragen Prospekte"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.3", "texte": "Nachtmar\nRudolf Blümner\nEhe einem die Augen zufallen, glaubt man\nnicht an Tod und Teufel und den Holzwurm,\nwenn es in Wänden und Kästen Knack und\nKrach macht. Aber eine Stunde später wun-\ndert sich niemand, wenn er einen Ochsen\nzum Vetter hat oder selbst durch ein Nadel-\nöhr geht. Wenn er einen Kobold auf dem\nLeib hat, der ihn piesackt und ihm das Blut\naussaugt, nichts ist selbstverständlicher. An-\ndere haben anständige Kinder. Aber ich habe\neinen Kobold auf dem Leib. Von Zeit zu\nZeit raunt er mir etwas ins Ohr von irgend-\neiner Mutter, die mit mir im dreizehnten\nGrade verwandt ist, oder was so ein Kobold\nschwatzt. Ich weiß nicht, wie ich zu der\nVaterschaft gekommen bin. Ich weiß nicht,\nseit wann er mir auf dem Leib sitzt. Der\nTeufel mag glauben, daß er noch wächst.\nIch weiß kaum, wie er aussieht. Ab und\nzu, wenn es grade niemand sieht, reiß ich\nihn mir ab und schleudere ihn ein kleines\nStück von mir. Da sitzt er schon am Bein.\nNeulich habe ich ihn so fest angepackt, daß\ner geschrieen hat und eine Weile wegflog.\nIch glaubte, er käme nicht wieder, obgleich\nich ihn im Zimmer irgendwo knurren hörte,\nwo er sich versteckt hielt. Ich stand Angst\naus, er könnte nicht wiederkommen. Die\nganze Familie versprach sich noch etwas von\nihm. Er ist mir von der Mutter aufs pein-\nlichste anvertraut worden. Wenn er nicht\nwiederkommt, wird man mich für den Mör-\nder des Käfers halten. Manchmal sieht er\nauch wirklich aus wie ein Käfer. Es ist ent-\nsetzlich, wie er sich .an den weichen Fleisch-\nteilen, besonders am Unterarm, festhält.\nWenn ich ihn in Ruhe lasse, ist er erträglich.\nAber wenn ich ihn .anfasse und wegnehmen\nwill, tut es so weh, daß ich ihn lieber leben\nlasse. Vor einem Morde würde ich zurück-\nschrecken. Es würde ein ungeheures Auf-\nsehen machen. Morgen früh schon wüßte es\ndas ganze Haus.\n„Haben Sie schon gehört/' sagt die Por-\ntierfrau zur Modistin, die vorn ihren Laden\nhat, „haben Sie schon gehört? Der Kobold\nvom Doktor oben ist seit gestern ver-\nschwunden.\"\n„Was Sie nicht sagen! Verschwunden? Sie\nmeinen, er hält sich versteckt, oder der\nDoktor weiß nicht, an welcher Stelle er ihm\ngrade sitzt. Am Bein merkt mans oft schwer,\nwenn er stillsitzt.\"\n„Das glaube ich nicht, Fräulein Louison.\nOben ist doch schon mal was vorgekommen.\nDie Leute erzählen sich allerlei. Er soll früher\nzwei Söhne gehabt haben. Aber das kann\nauch Gerede sein. Tatsache ist, daß sein\nKobold seit gestern weg ist. Man hört und\nsieht nichts mehr.\"\n~Das klingt ja gradezu gruslig. Ich bin nur\nfroh, daß die Sonne scheint. Nachts dürften\nSie mir das gar nicht erzählen.\"\nMir selbst läuft ein Schauder nach dem an-\nderen über den Leib, wenn ich an solche\nFolgen denke. Irgendwo in der Ferne, dort,\nwo das Zimmer nicht mehr deutlich zu er-\nkennen ist, steht die ganze Familie und paßt\nauf, daß ich meinem Kobold nichts zuleide\ntue. Jetzt ist er freiwillig weggeflogen. Nicht\nganz freiwillig. Ich wollte ihn vom Unter-\narm wegnehmen. Da ist er mir aus der Hand\ngerutscht und saß dann zwischen dem rech-\nten Fuß und dem Schenkel. Da wollte ich\nihn aber auch nicht haben, da hat er nichts\nzu suchen. Er sollte meinem Herzen näher\nsein, wahrhaftig. Ich hatte diese lästige Ver-\npflichtung übernommen. Es ist qualvoll, wenn\nman es mit Pflichten und Kontrakten so ge-\nnau nimmt. In dem Augenblick, als ich ihn\nvom rechten Beinende wegnehmen wollte,\nentwischte er mir und setzte sich auf das\nlinke Bein. Als ich ihn da heftig berührte,\nflog er weg. Das hat er mir angetan. Fs\nist das erstemal in meinem ganzen Leben.\nWar er gekränkt? Fühlte er sich schlecht be-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.4", "texte": "handelt? ich habe eine Todesangst, daß er\nnicht wiederkommt. Mittags läuft schon die\nganze Straße zusammen. Die Familie macht\nmich verantwortlich. Sie hängen alle an mei-\nnem Sohn. Sie wissen genau, daß er nicht\nmehr wächst. Es ist so aussichtslos, daß\njemals etwas Rechtes aus ihm werden kann.\nZeitlebens schleppt man sich mit dem Wech-\nselbalg herum. Es ist zwar keine Schande,\naber auch keine besondere Ehre. So ganz\ngenau weiß man doch nicht, wo er her-\nkommt.\nAm Mittag rotten sich einige auf der Straße.\nEs geht von Mund zu Mund: „Dem Doktor\nsein Kobold ist weg.\" Endlich fällt irgendwo\ndas Wort Mord. Geht auch von Mund zu\nMund. Man benachrichtigt die Polizei. Gleich\nkommt einer und nimmt ein Protokoll auf.\nIch bin dringend verdächtig. Ich behaupte,\nmein Kobold habe mich freiwillig verlassen.\nDer Kriminalbeamte lächelt: „Das Märchen\nkennen wir schon. Haben Sie gehört, Kol-\nlege? Freiwillig! Ihr Kobold! Wie sah er\ndenn aus? Aha. Bleiben Sie ruhig im Bett\nliegen. Wir wollen uns inzwischen mal etwas\nim Zimmer umsehen.\" Da ist auch schon\nwieder die Person, die dieses widerliche\nScheusal zur Schande der Familie geboren\nhat. Diese Heuchlerin, die ich kaum kenne.\nUnd das ist noch ein Glück. Die Heuchle-\nrin, Sie freut sich, daß der Kobold weg ist.\nAber jetzt heult sie Wasserbäche und be-\nschimpft mich. Ich sage zu den Polizisten:\n„Er muß noch irgendwo im Zimmer sein.\"\nIch erzähle, wie ich ihn von Bein zu Bein\ngeschafft habe. Ich berufe mich auf meine\nPflicht, die ich kenne. Ich erinnere an viele\nBeispiele, daß ich in ähnlichen Fällen auch\nnichts Böses getan habe. Man kennt mich,\nsage ich. Ich berufe mich auf gute Freunde,\ndie über meinen Leumund aussagen sollen.\nNiemals, so würden alle versichern, werden\nwir ihm zutrauen, daß er seinen Kobold ab-\nsichtlich beseitigt hat. Einer sagt: „Bei ihm\ndarf man sich einer solchen Tat nicht ver-\nsehen.\" „Ich glaube bestimmt,\" gibt ein an-\nderer zu Protokoll, „daß der Kobold sich fin-\nden wird. Vielleicht sitzt er heute abend\nschon wieder ganz gemütlich auf seinem\nBein.\" Wenn es gar zu einer Gerichtsver-\nhandlung kommt. Ich wäre ruiniert. Frei-\nlich höchstens ein Indizienbeweis. Der Ko-\nbold kann sich etwas getan haben. Er ist\nein wilder Bursche. Als ich ihn anfaßte und\nvom linken Bein wegnehmen wollte, hat er\nmir sogar einen Klaps versetzt. Er ist im-\nstande, sich selbst etwas anzutun, um mich\nhineinzulegen. Zum mindesten ist er fähig,\nsich zu verbergen, um mich weich zu machen,\ndamit ich ihn in Zukunft sitzen lasse, wo er\nsitzen will. Die Verhandlung müßte das alles\nergeben, wenn nicht die Mutter, dieses graue\nScheusal, so affenmäßig verliebt in ihn wäre.\n„Grade weil er so klein ist, liebe ich ihn. Er\nwar so hilflos. Und keine Aussicht, daß er\nje größer werde. Ganz darauf angewiesen,\nauf dem Vater zu leben, der sich auch dazu\nverpflichtet hatte. Und jetzt ist er vielleicht\ntot, zertreten.\" Alle Richter weinen. Es geht\neine Bewegung durch das Publikum. Meine\nSache steht nicht gut. O, dieser Sohn! Ich\nwollte, ich hätte ihn wieder. Ich werde mich\nganz nackt aufdecken. Er soll sehen, daß ich\nalles bereue. Er soll sich setzen dürfen, wohin\ner will. Er darf auch treiben, was er will,\nwenn er nur wiederkommt, wenn ihm nur\nkein Unglück zugestoßen ist. Ich höre die\nMutter schon wieder schimpfen. Jetzt hat\nsie auch die Schwiegermutter mitgebracht.\n„Wo ist der Kobold?\" schreien sie gleich-\nzeitig. „Er ist,\" stöhne ich, „er ist nur einen\nAugenblick fort. Er lebt bestimmt und er\nkommt wieder.\" „Koboldchen,\" rufen sie,\n„Koboldchen\". Aus der Ecke ruft etwas.\nKeine Feder kann es schreiben, kein Drucker\nkann es setzen. Es ist ein ä-Laut und davor\nein K oder ein Q, ich kanns nicht unter-\nscheiden. Es hört sich scheußlich an. Wie\nein Vorwurf, eine Anklage und eine Bitte.\nK—ä oder Q—ä. Und das heißt: „Da liegt\nder infame Vater, der mich nicht sitzen las-\nsen will, wo es mir gefällt. Angefaßt hat er"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.5", "texte": "mich. Versetzt hat er mich. Ich sitze lieber\nhier in der Kälte, ehe ich zu ihm zurück-\ngehe, zu dem hartherzigen Kerl. K—ä.\nQ—ä.\" Die Mutter ergreift ihren Puzi und\nträgt ihn zur Beruhigung im Zimmer auf\nund ab. Ich erkläre meine Bereitwilligkeit,\nihn wieder auf Fleisch und Bein sitzen zu\nlassen. Denn ich höre schon, wie das Urteil\ngesprochen wird, wenn sich ähnliches wieder-\nholen sollte und er wirklich einmal nicht\nwiederkommt. Sohnesmord. Ewige Verdam-\nnis. Lieber nehme ich das Biest gleich wie-\nder auf mich. Inzwischen hat er sich beru-\nhigt. Wo sind sie denn mit dem Kobold hin?\n„Hallo! Hallo! Kobold! Oder wie heißt Du?\nMach Kä! Oder Quä!\" Jetzt will er mich\nglauben machen, daß ich träume. Aber das\nist mein Arm, das ist mein Bein, und jetzt\nwerde ich die Probe machen. Ich reiße die\nAugen auf. Wo ist der Kerl? Es ist sehr\nstill und schwarze Nacht. Noch zehn Se-\nkunden, noch fünf Sekunden horche ich. Dann\nwerde ich etwas skeptisch und will alles wei-\ntere auf morgen verschieben. Dann werde ich\nsehr froh, daß die ganze grausige Verwandt-\nschaft verschwunden ist. Ich hatte sie sehr\nernst genommen und zittre noch, während ich\nschon staune, daß ich an dem Kobold nicht\ngezweifelt habe. Und dann gräme ich mich,\ndaß ich ihn los bin."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.6", "texte": "Das Rotblut - Tintenfaß\nEdmund Palasovsky\nDas Tintenfaß ist tiefer als das Meer\nTiefer als der Bohrbrunnen\nO weitaus tiefer als die Fabrik\nUnd um ein Kreischen tiefer als selbst der Kuß\nUm einen Fausthieb wärmer als der Gedanke\nist das Tintenfaß\nRotblut-Tintenfaß\nMit seinen Rotorschiffen ist es volltönender\nals die Geige\nLJm ein flammendes Laster reiner als\nSchmerzen.\nHier wurde Edi geboren\nIm Tintenfaß\nDer kleine Edi, der gestorben ist\nMit unlöschbarer Glühlampe an Stelle des\nHerzens\nIn der Lampe eine Frauengeste\nEdi der gestorben ist ehe er die Autobusse\ndurch seine Lunge rinnen ließ und die rote\nRose in einer großen Eiswüste\nDer ihn gesehen hätte hätte Ach wie schön\ngesagt\nEr trug Apachenhemden\nFloren waren seine Freunde\nTief im Zement dürstend\nTraurige Tiere\nUnd in ihnen eine Begegnung\nWas wird aus den Tieren des Tintenfasses\ndie in der Luft verbrennen\nKinder begraben sie unter dem Rosenstrauch\nSie kehren zurück in die Wälder mit denen\nzuweilen die Erwachsenen spielen wenn sie\nnach Mitternacht fest die Augen schließen\nAm Morgen aber verleugnen sie sie\nObdachlos irren sie in den Eishockeystädten\nentlang der Sardinenbüchsen in den tod-\nbringenden Wintermänteln\nSie sind an die hartgebrannten Feuer gefesselt\nAn die trockenen Wasser\nAn den Schmerz der Souterrains\nBis endlich die Feuer sich erweichen und\nerwärmen\nBis endlich die Wasser sich feuchten und\nergießen\nBis endlich sich etwas auflöst und neu wird\nund die Wirbelwinde aus dem Tintenfaß\nsteigen\nUm unter den schaumweißen Hemden\nTiefinnen tiefinnen\nDie schmerzenden Särge umzuschichten\nEdis Tiere welken\nEdi hat viel geweint\nSein Kopf ist ganz eigen geworden\nLackschuhe zog er an\nAllen hätte er Frühlingsglut zwischen die\nOhren pflanzen mögen\nRings im Pariserzeich\nIn den drolligen Händen wärmte er den\nNordpol\nDann legte er sich\nEine Frau in schwarzweißem Kleid liebkoste\nihn zärtlich\nIn seinem Herzen ist das Flügelkamel schöner\nals die Ballkönigin von Lourdes\nDann war es aus\nEr sagte nur Fischlein komm heraus aus\ndem Salz\nAus dem Salz\nKinder begruben ihn unter dem Rosenstrauch\nMit der jammernden Orange an Stelle des\nHerzens\nErwachsene spielen mit ihm allnächtlich\nAber am Morgen\nAm Morgen umhüllten sie ihn mit Schwarz\nTrugen ihn zum Grab und schrieben aufs\nKreuz das Wort\nEdi\nLebte fünfundzwanzig Jahre\nSeine schönen Lackschuhe sind dageblieben\nAbend ward es\nDa kam aus dem Rotblut-Tintenfaß die mas-\nculine Orange\nEine glühende Wunde\nUnd weinend sagten die Gottschezverer\nAch wie schön\nGenau wie Edi war\nAbend ward es"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.7", "texte": "Da flog aus dem Tintenfaß das Flügelkamel\num geliebt zu werden\nGanz wie der kleinj Edi voll Veilchen und\nSünden\nDie Gottschezverer pilgerten zum Rosen-\nstrauch\nMut Edi Mut\nEs liegt nichts daran, daß du ganz wagrecht\nwurdest\nGleich fliegen nach Mekka die blutroten\nGeliebten des Tintenfasses\nSchau nur da kommen die Wirbelwinde\nDann stiegen aus dem Tintenfaß die Wirbel-\nwinde damit sie in der Seele der Fremden\ndie eingeäscherten Herden aufrütteln und\ndie vom Schlag gerührten Früchte\nMut Edi Mut\nDeine schöne Lackfußbekleidung ist\ndageblieben\nAuch wie schön du zu beten verstandest\nUnd Wirbelwinde lallten leise und mild dem\nEdi nach\nFischlein\nKomm heraus aus dem Salz aus dem Salz\nUnd da wärmten sich die Feuer\nUnd die Souterrains brachen auf\nUnd voran schritt das Fischlein\nEdi\nich danke dir daß du mich erträumt hast\nUnd da kehrte Edi zurück in das Rotblut-\nTintenfaß\nEdi der gestorben ist\nEhe er die schwarzen Paletots durch seine\nLunge geigte\nEr lebte fünfundzwanzig Jahre\nMit der unlöschbaren Glühlampe an Stelle\ndes Herzens\nUnd darin ein heißes weibliches Saxofon\nEdi hier\nEdi dort\nEdi im Tintenfaß\nUeber sirenenblauen Gefilden\nOb glühenden Photographien\nEdi vom Schlag gerührte Orange\nEdi Geliebter der Fische\nEdi blutrotes Kamel\nEdi hipp Edi hopp\nEdi heiz das Tintenfaß\nDenn jünger als die Fabrik\nUnd schmerzhafter als der Gott\nUm einen Tiergarten\nUm einen eingeäscherten Tierpark\nGütiger bei weitem als der Biß\nTödlicher als die Umarmung\nUm ein Saxofon\nIst das Tintenfaß\nDas Rotblut-Tintenfaß"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.8", "texte": "ER\nKurt Schwitters\n\nER war mittlerweile ein ausgewachsener\nMensch geworden. Da kamen sie zusammen\nund berieten, ihn in die menschliche Gesell-\nschaft aufzunehmen. ER sollte mithelfen, un-\nsere degenierte Kultur zu regenerieren. Aber\nes kam anders. Man ließ IHN zunächst kon-\nfirmieren, und als ER vor den Altar trat,\nsiehe, da sahen alle, daß seine neuen Hosen\nviel zu kurz waren. ER mußte wohl inzwi-\nschen schon wieder gewachsen sein, denn\nseine neuen Aermel waren auch wie einge-\nschrumpft. „Junge, wohin soll das noch ge-\nhen,\" sagte die Mutter, ~Du wächst uns\nschließlich noch allen über den Kopf.\" Tat-\nsächlich war ER schon größer als alle an-\nderen, und jetzt merkte ER es selbst. Im\nallgemeinen redete ER nicht viel, ER pflegte\nnur zu sagen: „Guten Morgen, guten Abend,\ngute Nacht\", je nach der Tageszeit, oder:\n„Ich habe Hunger, gebt mir zu essen, legt\nmich zu Bett\", je nach seinen Bedürfnissen.\nEr fragte auch nicht viel, und so vergaß er\nauch zu fragen, ob er jetzt zu wachsen auf-\nhören sollte, und wuchs deshalb weiter. ER\nwar schon größer als alle Soldaten, da kam\nman wieder zusammen, beriet und schickte\nihm eine Aufforderung, daß ER Soldat wer-\nden müsse. Das hätte fast zum Verhängnis\nfür die gesamte Menschheit werden können.\nER aber ging hin, tat wie ihm befohlen, ließ\nsich in die Kompagnie einreihen, und war\ngrößte Soldat. Eines Tages fiel es dem Leut-\nnant auf, daß der Flügelmann mindestens\nanderthalb so groß war, wie sein Nachbar.\nNun berieten die Offiziere, was hier zu tun\nwäre, denn wenn das der General bemerken\nwürde, dann würde sich der Major unmöglich\nmachen. Deshalb müßte hier ein Mittel er-\ndacht werden, den Flügelmann wieder zu ver-\nkürzen. Man ließ IHM einen Helm machen,\nder fünf Zentner wog, und den mußte ER\naufsetzen. Morgens und abends wurde ER\ngemessen; aber wenn ER auch tagsüber\netwas einschrumpfte, wuchs ER des Nachts\num so mehr. Und bald war ER doppelt\nso groß wie sein Nachbar. Und das sah\nentsetzlich aus. Der Leutnant hatte eine\nLauseangst, denn wenn es dem General auf-\nfallen würde, und wenn der Major sich da-\ndurch unmöglich gemacht haben würde, dann\nwürde ER fliegen. Den Mann schien das\nnicht weiter zu beunruhigen. Da tauchte das\nGerücht auf, in zehn Minuten würde der Ge-\nneral besichtigen. Der Leutnant wurde krank\nvor Angst, denn der Flügelmann stand baum-\nlang da. Da kam schon seine Excellenz, und\nder lange Mann stand, weil man ihn nicht\nhatte so schnell entfernen können, da. Seine\nExcellenz überzeugte sich von dem ausge-\nzeichneten Geist seiner Truppe und bemerkte\nden baumlangen Menschen gar nicht einmal.\nOb seine Excellenz ihn wirklich nicht be-\nmerkt hatte, oder ob seine Excellenz ihn\nnicht hatte bemerken wollen, das ließ sich\nnicht mehr entscheiden. Dem Major hatte\nes nicht den Hals gebrochen, nur der Leut-\nnant bekam hinterher Diarrhoe. Der Geist in\nder Truppe aber war vorzüglich. Wenn nun\naber der General wiederkommen und den\nlangen Mann bemerken sollte, dann würde\nes wahrscheinlich aus sein. Daher befahl der\nMajor kurzerhand, den Mann in Airrest zu\nstecken. Man konnte ihn stets wieder von\nNeuem in Arrest bringen, falls ER sich wei-\ngern sollte, sich zu verkürzen. Und inzwi-\nschen war der Mann schon wieder ein Stück\ngewachsen; ER wurde vor den Unteroffizier\ngerufen, der IHM kurzerhand den Befehl des\nLeutnants übermittelte, ER habe sich binnen\nfünf Minuten auf das normale Maß des nor-\nmalen Soldaten zu verkürzen. Der Herr Un-\nteroffizier wartete. Der lange Mann hatte\nsich nicht nur nicht verkürzt, sondern war im\nGegenteil noch gewachsen. Der Herr Unter-\noffizier sprach von Dienstverweigerung und\nschickte ihn sofort in Arrest. Nach abermals\nfünf Minuten meldete der wachthabende Un-"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.9", "texte": "Gebäude der Prager Messe"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.10", "texte": "teroffizier des Arresthauses, das Arresthaus\nsei für den langen Mann nicht mehr groß\ngenug. Die Sache kam vor den Leutnant, der\nheftig erschrak. Er meldete es dem Major\nund dieser befahl, sofort ein neues Arrest-\nhaus nach den Maßen des langen Mannes\nbauen zu lassen. Der lange Mann selbst habe\nbis zu seiner Vollendung draußen zu warten.\nMan nahm Maß wie befohlen, und es wurde\nsofort gebaut. Die ganze Kompagnie baute,\nund der lange Mann stand vor dem Neubau.\nNach kaum einem Vierteljahr war das neue\nArresthaus fertig. Der Major und die ganze\nKompagnie waren anwesend, als der Arrestant\neinziehen sollte. Und siehe da, inzwischen\nwar ER so viel gewachsen, daß ER in das\nprächtige, geräumige neue Arresthaus nicht\nmehr hineinpaßte. Der Major war verzwei-\nfelt, und bemerkte gegen den Herrn Leut-\nnant, daß dieser, wenn er f)irht ein so leut-\nseliger Major wäre, in diesem Falle fliegen\nwürde, denn ein Leutnant habe kein Rinds-\nvieh zu sein. Ein einfacher Mann würde so\nviel Nachgedanken vorher gehabt haben, um\nbei dem chronischen Wachstum des langen\nMannes zu wissen, daß man die Inflation\nmit in Rechnung zu setzen habe. Mit In-\nflation bezeichnete der Major das Wachstum\ndes Mannes. Der Leutnant war verzweifelt,\nzeigte aber in Haltung und Miene nichts als\nschneidige Unterwürfigkeit. Er empfing den\nBefehl, ein neues wertbeständiges Arresthaus\nunter Berücksichtigung der Inflation bauen zu\nlassen, in welches der Mann in abermals\neinem Vierteljahr würde eingesperrt werden\nkönnen. Der lange Mann stand vor dem\nneuen Neubau und rührte sich nicht. In-\nzwischen war ER so lang geworden, daß\nman ihn von einigen höher gelegenen Straßen\nder Stadt aus bequem sehen konnte. Wie der\naufgehende Mond an dunstigen Sommer-\nabenden, so stand ER bedrohlich rh. größer\nals das größte Haus. Es gab Menschenauf-\nläufe und Unruhe. Darum mußten einige\nStraßenzüge vorübergehend für drpi Monate\ngesperrt werden. Der Leutnant ließ nun die\nEinjährigen der Kompagnie auf die Stube\nkommen, und fragte, wer die Inflation aus-\nrechnen könne, darauf rechneten drei Ein-\njährige mittels Logarithmentafel, Rechenschie-\nber und Kubikwurzel die Inflation des Mannes\naus. Der Mann wurde jetzt wieder gemes-\nsen, sein Maß als Grundzahl mit seiner In-\nflationsziffer multipliziert und nach diesem\nSchema ein Inflationsmaß für den Neubau des\ngroßen Arresthauses gefunden. Nun hatte man\naber nicht bedacht, daß der ersts Inflations-\nbau infolge seiner größeren Ausmaße längere\nZeit zum Bauen erfordern würde ils der vo-\nrige Bau. Und obgleich jetzt vier Kompag-\nnien arbeiteten, konnte das Inflationshaus\nnicht vor sechs Monaten fertiggestellt wer-\nden. Der baumlange Mann stand bedrohlich\nvor dem Neubau.\nDie Sorge der Offiziere, die das Pech hatten,\nSEINE Vorgesetzten zu sein, wich allmählich\nin dem Maße, wie das Inflationshaus nun end-\nlich fertig wurde. Zur Einweihung wurde\neine kleine interne Feier veranstaltet. Der\nMajor selbst war anwesend, als der Arrestant\ndas Haus beziehen sollte; auf den Befehl:\nAn die Kaserne marsch marsch! hinlegen\nmarsch marsch, aufstehen marsch marsch, hin-\nlegen marsch marsch, über und unter Wasser\nmarsch marsch, ins Inflationshaus marsch\nmarsch! betrat ER wie befohlen die Schwelle,\nkonnte aber die Tür nicht passieren, weil ER\ninzwischen größer geworden war, als das\nInflationshaus. ~Himmel Donnerwetter\" schrie\nder Major den Leutnant an, „welches Kamel\nhat denn diesmal den Fehler gemacht?\" Der\nLeutnant detaillierte die ganze Vorarbeit, und\nbewies, daß die Inflationsziffer richtig berech-\nnet und alles befehlsmäßig ausgeführt wäre.\n„Ich frage ja gar nicht, was richtig gemacht\nworden ist\", sagte der Major, „ich frage\nja, welches Kamel den Fehler begangen hat.\"\nDarauf erdreistete sich der Leutnant zu sagen:\n„Der Herr Major haben befohlen, das In-\nflationsmaß für drei Monate auszurechnen.\nDa das Haus aber in drei Monaten infolge\nseiner riesenhaften Ausmaße nicht hat fertig-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.11", "texte": "Malevitsch: Proun"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.12", "texte": "gestellt werden können, ist der Mann inzwi-\nschen weiter gewachsen.\" Der Major wurde\nblutrot vor Wut, sollte er etwa selbst das\nKamel gewesen sein, welches den Bock ge-\nschossen hatte, oder konnte ein Kamel über-\nhaupt keinen Bock schießen?\nEr glaubte doch wohl, daß das möglich wäre,\naber nur rein sachlich genommen an sich\nmöglich, womit nicht unbedingt gesagt wäre,\ndaß er dieses Kamel zu sein habe. Und dann\nüberhaupt welchen Bock? Er überlegte\nschnell, daß er nicht Auguste Bolte wäre,\ndrehte seinen Schnurrbart wie eine Spindel\nund befahl abermals, ein neues Arresthaus\nunter Berücksichtigung des Mannes nebst Be-\nrücksichtigung der Inflation der Zeit. Und\nüberhaupt unter Berücksichtigung der Inflation\nder Inflation zu bauen, wobei ihm dieser letz-\ntere Begriff allerdings nicht ganz klar war.\nDie drei Einjährigen errechneten nun mittels\nInflationstabelle die Wertbeständigkeit des\nHauses. Der lange Mann wurde abermals\ngemessen, und man mußte zu diesem Zweck\nein Gerüst bauen. Die Berechnung allein\nein Gerüst bauen. Die Rechnung allein\ndauerte vierzehn Tage, das Gerüst war in drei\nMonaten fertiggestellt. Man hatte ausgerech-\nnet, daß das neue Inflationshaus für den\nMann mit der ganzen Armee in dreieinhalb\nJahren so gebaut werden könnte, daß es\ndann groß genug wäre, IHN zu beherbergen.\nSollte aber inzwischen eine Seuche, eine Geld-\nentwertung oder gar ein Krieg ausbrechen,\nso würde das Haus nie fertig werden können.\nDa brach unter dem Rindvieh auf dem Gute\ndes Herrn Majors die Maul- und Klauen-\nseuche aus. Angesichts dieser neuen Schwie-\nrigkeit wurde auf Befehl des Majors die Maul-\nund Klauenseucheninflationsziffer mit in Rech-\nnung gesetzt. Ein Jahr war inzwischen gebaut\nworden und es waren Mauern von zehn Me-\nter Stärke entstanden. Zwar war inzwischen\ndie Dienstzeit des langen Mannes abgelaufen,\naber er konnte nicht aus dem Dienst entlassen\nwerden, weil er seine Strafe inzwischen noch\nnicht verbüßt hatte. Der Grundriß des neuen\nHauses war so groß, daß das königliche\nSchloß mit allen Parkanlagen, Spring-\nbrunnen, nackten Marmorfiguren, Goldfisch-\nteichen, Schwänen, Rudeln Rehen, Orange-\nrien und Gewächshäusern bequem darin hätte\nstehen können und war dabei nur ein einziger\nRaum. Die Höhe des Hauses war auf die\nzehnfache Höhe des Marktkirchenturmes er-\nrechnet worden. Innerhalb dieses einen Jahres\nhatte man schon bis zur fünffachen Höhe des\nTurmes emporgebaut. Der lange Mann selbst\nwar weit hinter der augenblicklichen Höhe\nzurückgeblieben, leider versäumte man diesen\naußergewöhnlich günstigen Moment zur Ein-\nquartierung des Mannes. Denn der Leutnant\nwar so froh, daß seine Rechnung so gut\nstimmte, und hoffte, daß der Bau in abermals\neinem Jahre endgültig fertiggestellt sein\nwürde. Dann würde er für den langen Mann\nviel zu groß sein, weil man ihn für die Größe\ndes Mannes in dreieinhalb Jahren berechnet\nhatte; und der Leutnant war stolz, wie er\ndann wohl als Berechner dieses Hauses da-\nstehen würde.\nNach abermals einem Jahre war der Bau erst\ndreiviertel fertig geworden, und das kam, wie\ndie Herren Einjährigfreiwilligen berechneten,\ndavon, daß das Bauen in der Luft schließ-\nlich schwieriger wurde, je höher desto schwie-\nriger. Daher auch war das Haus nach drei-\neinhalb Jahren nicht fertig, und als es nach\nfünf Jahren endlich fertig war, war es wieder\nzu klein. Der Major war verzweifelt. Das\nneue Arresthaus genügte, um gegebenenfalls\nnicht nur die ganze Armee, sondern das ganze\nVolk in Arrest zu befehlen; aber für den lan-\ngen Mann war es wieder zu klein. Was half\nes da, daß der Major den Leutnant ein enor-\nmes Rindsvieh nannte, davon wurde das Ar-\nresthaus nicht größer. Was half es, daß er\nzu dem Leutnant sagte: „Wenn das neue\nArresthaus nur halb so groß geworden wäre,\nwie Sie ein enormes Rindsvieh sind, Sie\nSchafskopf, so würde es für den Mann gepaßt\nhaben.\" Plötzlich überlegte der Major, daß\nman in der Architektur sachlich sein müßte."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.13", "texte": "Meierhold-Theater: Der Wald\nScenenbild"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.14", "texte": "Und da ein passendes Haus unbedingt gebaut\nwerden mußte, weil der Major nicht befördert\nwerden konnte, wenn der einmal gegebene\nBefehl, den Mann in Arrest zu bringen, etwa\nnicht ausgeführt werden könnte, befahl der\nMajor, noch ein neues Arresthaus nach seinen\nPlänen zu bauen. Als Grundriß befahl er\nden größten Truppenübungsplatz des Landes,\neine enorme Sandwüste, auf der weittragende\nGeschütze eingeschossen werden konnten. Der\nlange Mann habe sich in die Mitte zu stellen,\ndie gesamte Armee habe auf diesen Grundriß\ndas Haus so hoch zu bauen, bis es den Mann\numfassen könnte; zufällig war inzwischen kein\nKrieg, und deshalb hielt es auch der General\nfür gut, die Armee durch Bau von Arrest-\nhäusern zu beschäftigen. Seine Excellenz\nwußte nicht, daß nur ein einziges großes Ar-\nresthaus gebaut wurde. Seine Excellenz küm-\nmerte sich wenig um die Sache. Und seine\nExcellenz wußte unbegreiflicherweise immer\nnoch nichts von der Existenz des großen\nFlügelmanns. Zehn Jahre baute die gesamte\nArmee Tag und Nacht an dem Arresthause.\nInzwischen bekam der lange Mann das An-\nrecht auf den Zivilversorgungsschein, zu be-\nnützen gleich nach Abbüßung der Strafe. Die\nMauern des kraterartigen Gebäudes reichten\njetzt dem langen Mann bis an die Kniee.\nNoch nie hat die Welt einen annähernd so\ngroßen Bau gesehen, wie das angefangene\nArresthaus. Da aber der Herr Major selbst\nnur nach Gutdünken gebaut und die Inflation\nbei seinem Plane unberücksichtigt gelassen,\nso war das Haus jetzt schon, obgleich es\nnoch nicht einmal annähernd fertiggestellt\nwar, wieder zu klein für den Mann. Der\nMann war nämlich inzwischen wieder so viel\ngewachsen, daß er mit seinen Unterschenkeln,\nFüßen, Fußlappen und Stiefeln jetzt den ge-\nsamten Innenraum einnahm und einen ge-\nwaltigen Druck auf die Mauern ausübte. Der\nLeutnant ritt dauernd um den Kolossalbau\nherum und prüfte die Widerstandsfähigkeit\nder Mauern. Es wurden enorme seitliche\nStützen gebaut. Immerhin war der Major un-\nendlich stolz auf seine Idee, das Haus um\nden Mann herum zu bauen, weil es doch auf\nalle Fälle das Wachstum zurückhalten mußte.\nTatsächlich ging es eine Zeitlang gut. Da\nwuchs der Mann nur oberhalb der Mauern,\nwährend ER unten wie eingeschnürt in\nSEINEM Wachstum gehemmt blieb. ER sah\naus wie ein gepfropfter Kastanienbaum, aber\nnun kam die Schwierigkeit. Man konnte nicht\nsenkrecht auf den alten Mauern weiterbauen\nund versuchte es daher mit vorgeragter Holz-\narchitektur nach Hildesheimer Muster, weil\ndas die einzigste Möglichkeit war, das Haus\nfertigbauen zu können. Uebrigens eine wun-\nderbare alte Stadt, dieses Hildesheim. Neben\nLüneburg eine der schönsten alten Städte\nNorddeutschlands, gut erhalten, von Hanno-\nver bequem mit elektrischer Straßenbahn zu\nerreichen, billiger Sonntagsausflug. Die Haupt-\nsehenswürdigkeit ist ein tausendjähriger Ro-\nsenstock. Sie glaubens ja einfach gar nicht.\nBedenken Sie, vor tausend Jahren wuchs das\nPflänzchen schon und blüht noch. Werden\nSie erst mal tausend Jahre alt und dann jedes\nJahr noch lieben und Junge werfen, das soll\nmir mal einer nachmachen, und das alles\nper Elektrische Sonntags-Morgen. Aber ab-\ngesehen davon war das Hildesheimer Bau-\nwerk sozusagen das Knochenhauer Arrest-\nhaus, soeben bis fünfachtel von zweidrittel der\nHälfte des Mannes emporgebaut worden, da\nkonnte man infolge des Seitenwachstums nicht\nweiterbauen, weil man hätte wagerecht bauen\nmüssen. Der Major zwar befahl, wagerecht\nweiter zu bauen, aber die drei Einjährigen,\ndie damals die moderne Betonarchitektur noch\nnicht kannten, erklärten das für unmöglich.\nEs hätte wohl auch schlecht ausgesehen,\nein stilgemäßes Knochenhauerarresthaus mit\nWrightschen Baikonen, das ganze überragt\ndurch den gewaltigen Oberkörper des langen\nMannes. Plötzlich befahl der Major, den Bau\nzu unterbrechen, es war keine Frage, der\nMann würde weiterwachsen und eines Tages\ndas Knochenhauer Arresthaus sprengen, und\nman konnte ihn noch nicht einmal dafür ver-"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.15", "texte": "antwortlich machen, denn ER tat, wie ihm\nbefohlen, ER stand und stand, ohne sich zu\nrühren, zehn Jahre, zwanzig\" Jahre, dreißig\nJahre, und wartete neue Befehle ab, wie ein\nguter Soldat. Das Wachsen war für ihn Na-\nturgesetz, wie der Hunger. Und der Major\nwar stets sehr beliebt und leutselig gewesen.\nEr war der Ansicht, daß man die Fehler der\nLeute aus ihren Eigentümlichkeiten erklären\nmüsse und nie bestrafen dürfe. Inzwischen\nfand wieder eine Parade statt. Der Geist\nbei der Truppe war ausgezeichnet, aber der\nGeneral bemerkte, daß überhaupt kein Flü-\ngelmann da war. Und der Flügelmann war\nnicht da, weil der lange Mann draußen im\nKnochenhauer Arresthause stand. „Warum?\"\nfragte seine Excellenz. „Weil ER, zu Befehl,\nein wenig zu lang ist\" antwortete der Major.\n„Aber das ist doch kein Grund,\" meinte der\nGeneral. „Wenn ER sich aber weigert, sich\nauf das normale Maß des normalen Soldaten\nzu verkürzen,\" antwortete der Major, „so\nerachte ich es meines Erachtens . . .\" „Seit\nwann ist es denn Mode, daß ein Major ein\neigenes Erachten hat,\" unterbrach der Ge-\nneral, „ich befehle, den Flügelmann zur\nTruppe zu entlassen.\" Ein Laufbote brachte\nden Befehl, den der lange Mann mit Ruhe\nempfing. Vorsichtig versuchte ER aus dem\nArresthause herauszutreten, aber es ging\nnicht, weil ER eingeklemmt war. Als der\nLaufbote dem General davon Meldung\nmachte, wollte es Seine Excellenz nicht glau-\nben, weil es sich Seine Excellenz einfach nicht\nvorstellen konnte, sondern steckte den Lauf-\nboten in Arrest und machte sich selbst auf\nden Weg zum neuen Arresthause. Das war\nein prächtiger Anblick. Voran ritt der Ge-\nneral, in tausend Meter Abstand der Major,\nin wiederum hundert Meter Abstand der Leut-\nnant. Nun folgten zu Fuß in zehn Meter\nAbstand das gesamte Offiziercorps, die Her-\nren Unteroffiziere, und schließlich ganz dicht\nzusammengedrängt die ganze Armee. Vor\ndem Knochenhauer Arresthause hielt der Ge-\nneral und staunte über die Maßen über den\nimposanten Bau, in dem er den Mann selbst\nfür eine überlebensgroße naturgetreue und\nhöchst geniale Kuppelanlage hielt. Das ge-\nsamte Heer umstellte den Bau. Seine Ex-\ncellenz suchte die Eingangstür, fand sie aber\nnicht, obgleich er dreimal um das Bauwerk\nrechts herum und dreimal links herum ritt.\nDarauf redete Seine Excellenz den Major an:\n„Ja, aber Potztausend, welcher Idiot hat denn\ndies Bauwerk entworfen, da fehlt ja die Ein-\ngangstür.\" Darauf erklärte der Major, daß\nder Grundriß die Eingangstür wäre, und\nmachte Seine Excellenz darauf aufmerksam,\ndaß doch der Arrestant den gesamten Innen-\nraum mit seinen Unterschenkeln einnähme,\nwährend ER ab dreiunddreißig ein Drittel\nProzent oberhalb der Kniee das Mauerwerk\nüberrage. Jetzt erst begriff Seine Excellenz,\ndaß der Arrestant die Kuppel war. Da nun\nSeine Excellenz ohnehin an Krampfadern litt,\nbekam er vor Schreck den Schlag und fiel\ntot um. Ratlos standen Major und Heer um\ndas Knochenhauer Arresthaus, plötzlich sprach\nder Herr Major: „Seine Excellenz der General\nist gefallen, umgefallen, die Armee hört auf\nmeinen Befehl, zunächst promovieren alle\nGrade. Ich werde General, der Leutnant Ma-\njor, die Unteroffiziere Leutnants, und alle\nGemeinen werden Unteroffiziere, und zwar\nsofort mit rückwirkender Kraft.\" Aber das\nheißt nicht viel bei der allgemeinen Ratlosig-\nkeit. Der neue General beriet jetzt mit dem\nneuen Major. Das Heer umstand den Ar-\nrestanten, der Arrestant wuchs, und zwar im-\nmer unter Berücksichtigung der Inflation.\nPlötzlich barsten die Mauern explosionsartig,\nund die Knochenhauer-Arresthausschale fiel\num, bevor sich die Armee retten konnte. Die\ngesamte Armee lag erschlagen unter den\nTrümmern. Der neue General und der neue\nMajor, die einzig Ueberlebenden, sahen ein-\nander dumm und etwas verstört an. Der\nneue General erklärte jetzt dem Arrestanten\nausdrücklich, daß auch ER durch den Tod\ndes Generals, seines seligen Vorgängers, zum\nUnteroffizier befördert wäre, seine Strafe gelte"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.16", "texte": "Z Skladeb pro čtvrttónobý klair.\nStücke für Sierteltonklavier.\npièces pour piano de quart-de-tr.\nCk: J,\nH.\nJindanle.\npiu Tno^so\nQiCirodav %nc"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.18", "texte": "aber nicht als verbüßt, und er befahl IHM\nzu warten, bis sich Gelegenheit zum Abbüßen\nder Strafe finden würde.\nDarauf meldete der neue General Seiner Ma-\njestät dem Könige sämtliche Vorfälle. Seine\nMajestät der König wollten es erst nicht,\nglauben, weil Seine Majestät der König sich\ndas einfach nicht vorstellen konnten. Weil\naber Seine Majestät der König noch nie\nfalsche Berichte erhalten hatten, so mußten\nSeine Majestät der König es glauben, ob\nSeine Majestät es wollten oder nicht. „Und\nwo ist denn mein lieber guter Freund und\nBerater, Seine Excellenz der General?\" fragte\nSeine Majestät teilnehmend, „Auch beim Un-\nglück umgekommen?\" „Nein,\" sagte der\nneue General, „Seine Excellenz, mein seliger\nHerr Vorgänger, litten sowieso an Krampf-\nadern und haben den Schlag gekriegt, als\nSeine Excellenz den langen Mann gesehen\nhaben.\" „Haben\", wiederholte Seine Maje-\nstät der König, bleich vor Schreck, Seine\nMajestät der König dachte an bolschewistische\nUmstürzler. Sofort befahl Seine Majestät ihren\nSohn vor sich und dankte zu ihren Gunsten\nab. Neue Besen kehren gut. Der neue König\nwar ein schneidiger Offizier. Er befahl, so-\nfort eine neue Armee aus dem Boden zu\nstampfen, der neue General stampfte sofort\nmit beiden Füßen eine neue Armee aus dem\nBoden. Darauf befahl der neue König, sofort\nein Kriegsgericht zu bilden und den Mann\nabzuurteilen. „Wozu?\" fragte der neue Ge-\nneral?\" „Zum Tode\" sprach der neue König.\nDie Kriegsrichter erklärten den Mann für\nschuldig, weil ER sich weigerte, sich zu ver-\nkürzen, das wäre ein Fall von Insubordina-\ntion, die in Ausnahmefällen, d. h. in Fällen\nvon Ausnahmezuständen, und dieses wäre\nsolch ein Fall von Ausnahmezustand, mit dem\nTode bestraft würden. Der lange Mann nahm\ndas Urteil ruhig auf. „Zum Tode gehts, ich\nhabs gewußt, lebt wohl Ihr Brüder, hier die\nBrust.\" Der neue General war genügend mit\nder Materie vertraut, um instinktmäßig zu\nwissen, daß der lange Mann mit Flintenkugeln\nnicht zu töten wäre, daher rüstete er jeden\nSoldaten mit einer Maschinenkanone aus. Auf\nden Beifehl 1, 2, 3 los, schoß die gesamte neue\nArmee mit Maschinenkanonen auf den neuen\nFlügelmann, aber keine Kugel ging durch die\nHaut, weil diese viel zu dick war, nach zehn\nMinuten aber war die gesamte Armee stark\ndezimiert, weil einige Kugeln von den blanken\nMessingknöpfen zurückgeprallt waren. Wieder\nwurden wie in schweren Zeiten alle Einjähri-\ngen zusammenberufen, um zu beraten, wie\nder Flügelmann getötet werden könnte. Sie\nschlugen Starkstrom vor. Der neue General,\nder stets für Anwendung von großen Por-\ntionen war, ließ alle Elektrizität des gesamten\nReiches in zwei gewaltige Pole vereinigen,\nauf Befehl berührte der Mann gleichzeitig die\nbeiden Pole. Wie ein breiter Strom durch-\nfloß ihn die gesamte Elektrizität und glich\nsich aus, ohne ihm das geringste zu schaden.\nEs schien dem General bloß, als ob ER in-\nzwischen gewachsen wäre. Jetzt kam der\njunge König, der sich sehr vor ihm fürchtete,\nauf die Idee, dem Manne Selbstmord zu be-\nfehlen. Aber wie? Aufhängen war unmög-\nlich, weil es keine Bäume gab, die groß\ngenug gewesen wären, Scheiterhaufen war\nzwecklos, weil alles Brennmaterial des Lan-\ndes eben nur ausgereicht hätte, dem Manne\ndie Füße zu wärmen. Es gab nur eine Mög-\nlichkeit, der lange Mann müßte sich ins Meer\nstürzen und ertrinken. Auf Befehl stürzte sich\nder lange Mann ins Meer, jedoch da ER eine\ngroße Fettschicht um sich hatte, ertrank ER\nnicht, sondern schwamm oben. Von dem An-\nprall und der Wasserverdrängung aber trat\ndas Meer über seine Ufer und zerstörte die\nKüsten aller Länder.\nJetzt sah der junge König ein, daß nicht der\nlange Mann, sondern seine Fettschicht eine\nstete Gefahr für das Reich bedeutete, daher\nbefahl er dem Manne, Tag und Nacht zu\nmarschieren, bis die Fettschicht aufgezehrt\nwäre. Der Mann begann jetzt zu wandern,\nmit einem Schritt marschierte ER etwa einen\nBreitengrad, da ER unaufhörlich wanderte,"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.19", "texte": "Das entfesselte Theater/Prag\nScenenbild"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.20", "texte": "so wurden große Landstrecken mit blühenden\nStädten unter seinen Füßen vernichtet. Aber\ndas kümmerte den jungen König nicht, weil\nja sowieso von Zeit zu Zeit größere Land-\nstrecken und blühende Städte zerstört werden\nmüssen. Darum führt ja eine: Kulturnation\nKriege. Der Dauermarsch des langen Mannes\nkonnte vielleicht mehrere Kriege ersparen.\nUnd nach vierzehn Tagen war die Fettschicht\nverschwunden, Der junge König befahl jetzt\ndem langen Manne, ins Meer zu springen, der\nlange Mann sprang ins Meer, und da ER\nnicht schwimmen konnte, und da ihn keine\nFettschicht mehr trug, sank ER unter und\nertrank Der junge König aber nahm eine\nBraut und heiratete."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.21", "texte": "Gontscharowa:\nDekoration"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.22", "texte": "Front gegen Fronta\nNachwort zum Vorwort der Fronta\nDie Fronta schreibt in ihrem Vorwort: „Hat\ndie Kunst überhaupt noch eine Lebensbe-\nrechtigung?\" und behauptet, die Kunst hätte\nkeine direkt wirkende Kraft im Leben mehr,\ndie schöpferische Arbeit wäre voll von Un-\ngewißheiten, es erschienen Gedanken pro und\ncontra, wir lebten in einer Zeit der kultu-\nrellen Reaktion, nur durch die Beantwortung\nder Frage nach einer neuen Gesellschaft\nkönnte die Kultur vorwärts kommen.\nDem gegenüber behaupten wir:\n1. Die Lebensberechtigung und das Ziel der\nKunst ist Schaffung der neuen Menschen,\ndie die neue Gesellschaft bilden werden.\nDadurch hat die Kunst eine große Auf-\ngabe, und künstlerische; Betätigung sowie\nkünstlerischer Gejnuß, die einem Triebe ent-\nsprechen, d. h. nicht angelernt oder aner-\nzogen werde,n können, bedeuten eine große\nKraft für die neue; Gesellschaft.\n2. Wir erkennen in der Entwicklung der Kunst\nunbedingt eine einheitliche Richtung zur\nAbstraktion, und man kann nicht von Un-\nGewißheiten sprechen, bei einer lückenlosen\nEntwicklung in einer feisten Richtung. Es\nkann da nur Ungewißheiten geben für den\neinzelnen schaffenden Künstler, der sich\nnoch nicht über das Ziel klar geworden\nist. Es kann aber keine Ungewißheit da-\nrüber bestehen, daß derjenige Künstler\nnicht mehr zur Front gehört, übe|r den die\nEntwicklung bereits hinweggeschritten ist.\n3. Daß Gedanken pro und contra erscheinen,\nist selbstverständlich in dejr heutigen Zeit\nder allgemeinen Zersplitterung und bedeu-\ntet nichts dagegen, daß sich die Entwick-\nlung der Kunst logisch und elementar in\nder Richtung der Abstraktion vollzieht und\nsomit die Kunst vorbereitend ist für die\nEntwicklung der neuen Gesellschaft.\n4. Wir stellen fest, daß allerdings eine Re-\naktion in der Kunst vorhanden ist. Diese\nReaktion ist aber nur eine Kunsthändler-\nangelegenheit und keine ästhetische. Diese\nReaktion hat nicht die Kraft, die Entwick-\nlung der abstrakten Kunst irgendwie zu\nhemmen.\nBuchheister / Jahns / Nitschke / Schwitters\nVordemberge-Gildewart\nDie Abstrakten Hannover"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.23", "texte": "Meierhold-Theater: Scenenbild"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.24", "texte": "Front\nInternationaler Almanach\nder Aktivität der Gegenwart\nIn der Zeit einer allgemeinen politischen\nsowie kulturellen Reaktion wollen wir die\nLinie zeichnen, wo heute die wirkliche\nFront der Entwicklung, der schöpfe-\nrischen Arbeit und des Kampfes um die\nZukunft führt. Die schöpferische Arbeit ist\nvoll von Ungewißheiten. Es erscheinen Ge-\ndanken pro und contra. Wir wollten nichts\nvon der Lebendigkeit des schöpfet isclien Pro-\nzesses von heute abstreifen, deshalb haben\nwir kein Manifest gemacht, sondern haben\ndie Gedanken Vieler nebeneinandergestellt,\nmit allen ihren Widersprüchen.\nWir leben in der Zeit eines Bruches der\nWeltgeschichte. Wo wird der Boden unter\nuns zerbrechen? Werden wir uns in die neue\nWelt retten oder gehen wir mit der alten zu-\ngrunde? Man muß Ausschau halten —\nWir sind überzeugt:\nVor uns liegt die einzig mögliche Gesell-\nschaft der Zukunft: die sozialistische.\nWie wird ihre Kultur beschaffen sein?\nDie Kunst ist heute keine direkt wirkende\nKraft im Leben mehr, sie ist einer Lebens-\nzweckmäßigkeit nicht fähig. Deswegen sind\nalle direkten Lebenszwecke aus derselben\nauszuscheiden, die Kunst ist von den nicht-\nfunktionellen Elementen zu reinigen, sie ist\nauf ihre einzige Funktion, die sie zu erfüllen\nimstande ist, zurückzubringen. Das ist der\neine Weg: zur „reinen\", absoluten, „ab-\nstrakten\", elementaren Kunst. Aber da er-\nscheint die Frage: hat die Kunst überhaupt\nnoch eine Lebensberechtigung? Welcher ist\nihr Platz im Leben? Wir haben alle in der\nFront sprechen lassen, die etwas zu dieser\nFrage zu sagen hatten und es tun wollten,\ngleichgültig, ob sie das Ganze oder ein Teil-\nproblem, in unserem oder ihrem persönlichen\nSinne, theoretisch oder durch ihr Schaffen\nerfaßt haben.\nWo soll aber „der dialektische Riß\" zwischen\nder Kunst und dem Leben führen? Darüber\nsoll die Front reden.\nWir kommen zum Leben und seinen Fragen\nzurück. In neuer Gesellschaft wären wir un-\nbedingte Zivilisationsoptimisten. Heute sind\nwir es bedingt.\nDenn vor alle Dinge tritt heute eine aktuelle\nund höchste Frage, die Frage der Fragen.\nNur durch ihre Beantwortung wird auch die\n„Kultur\" vorwärtsrücken.\nt\nRedaktion der Front\nBrno XV/Tschechoslowakei"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.25", "texte": "Sterenberg: Bild"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.26", "texte": "Das entfesselte Theater Prag\nScenenbild"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.27", "texte": "Gedichte\nErich Arendt\nDie Mutter würgt die blassen Augen\nSonne stürzt\nDu Kindeshaupt\nder Menschen Wunden schreien Erde\nrächen auf\nblüht der Gewitterblume\nGerippe\nweißer Sturm\ngreift\nins Gräberlachen Händei\nDüstern schlingt der Schein\nund Spensten ästeu\nhängt tot ein blindenblejcher Mund\nrippen Fische Schatten\nstachelt Flammen\nglistern Blätter\nhascht Schattensang\nkeucht Flattern\nVögel\nBlitz\nund\nknochenraschelnd\nstürzt die Sonne\nder Augen Dämmeratem röcheln\nwildes Schilf\nund\nFlüstern stemmt\nund\nauf und nieder kletterhasten Sternenfüße\nSensen dürsten Korngewoge lungen\nder Menschenblicke dunkle Knospenhälse\nwühlt\nkeuchverschatte?t hagrer Hüttenwind\näugen lugen klaggeibrochen\nspalten Stirn\ndie Tiere schälen Schieferwind\nrostfressen Nägelblüten\no Mütterblut des Leibes bittre Frucht\nwelkt Glockenkranz\nim Hügelstaub der Tränen\nKinderlippen Puppenwinken\nbleichzerweint\nder Küsse sprquverlornen Steinen\nWandern äschert\nauf das bleichgestreifte Haar\ndie dünnen Krallen\nblütenhorn Gebirge\nirrt Vergessen\nmondgefetzten Weg\nSteinwunden ringen Händechöre\nDu schwarzer Sarg-\nGlas bricht das spröde Licht\nKreuze morden Sonnen\nNarben spalten\nund schwanken Blitze kahle Felsen\nDas Leid hebt schreckverstört die blasse Hand\nund sinkt\nzur Mutter\nErde\nDie Wälder runzeln himmelwelk\nden Blick"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.28", "texte": "Innig zwei im Abend\nDie Stille horcht\nDem Schweige,n unsrer Blicke\nSpät\nverfallen\nScheu\nFährt die Hand\nDich\nDu\nUnd irrt\nIn\nDämmer\nFort!\nDie Lippen sinnen nieder\nUnd liegen\nWeit\nVergessen\nAuf dem kalten Erdrand\nDein Blut\nSingt\nLeis\nHervor\nSchatten fliehen\nWarten\nZagen\nMatt\nStirbt der wandelbare Schein\nDir\nVom Gesicht\nVersargt\nBeschatten unser Denken\nDunkel umspannen verlauscht das Licht\nWeh\nStarrt\nDer Strom der Einsamkeit\nIm Wachsen gewalten Wunden\nStummen\nRäumt\nUnd\nSuchen sucht\nUnd\nReißt\nVerhascht sich an ein Stern\nSeufzen schmiegt\nUnd lehnt\nsich\nTief\nGeborgen\nUnd\nAn Dein Haupt\nZu Ruh"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.29", "texte": "Meer Sturm Vögel\nWimper wehen brausen Schatten\nGleiten stürzt\nKreuzt Blut\nDie gläserhellen Schnäbel\nFlügeln Licht\nHocken Vögel\nMeerdornenschrill\nDie bleien Wellen\nSchwingen rollen\nInseln ducken\nAngst Angst\nUnd rollen blasse harte Lüfteschreie\nRümpfen\nZerschlüpft die Wolkenfische\nGrüne Himmelssteine\nRollen Klippen\nWiegen rollen\nWellenwiegen\nRollen rümpfen\nWiegen wellen\nBäumt die Blicke\nBiegen\nWellen wiegen\nWeiche Finger um die Monde\nWiegen biegen\nLeiber Monde\nGischten helle Lippenflanken\nWiegen wilde zucken Lanzen\nNacht\nKlirrt\nUeberschäumt\nIns sternenhohle Wandern\nRufen Spannen übers Wasser\nRufe Rufe\nDunkle Schrecken hüpfen stoßen\nKichern rollen\nLicht faßt gurgelt\nWürgen Wellen\nFlatterwiehern grinst zum Strand\nDie letzten Sterne\nUns zu Füßen\nLäuten Säen blinde Sterne Fallen Blicke\nRollen wiegen\nHorchen Augen\nBlinde Wellen\nWiegen wiegen\nWeiter Ferne\nWiegen rollen blinde Sterne\nLippen\nWinken\nLiebe Hände\nWinken Lippen\nSonnen\nKüsten\nKlippen heißes Segel Land"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.30", "texte": "Verlag Der Sturm/Berlin W9\n\nKunstler- Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemalden, Zeichnungen nnd\nBildwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Baaer / 4\nVincenc Benes\nUmberto Boccioni j / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLionel Feininger\nAlbert / 2\nJacobavan Heemskercky/8\nSigrid Hj orten Griinewald\nAlexei von JawleDsky\nBel a Kadar\nKandinsky / 3\nPaul Klee\nOskar Kokoscbka / 2\nFernand Leger / 2\nAugust Macke 112\nFranz Marc 112 / 8\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele M(inter\nGeorg Schrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\nP'ritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nNell Walden\n\"William Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\n\nDichtungen von HERWARTH WALDEN\nDas Bucli der Menschfiiliebe / Roman Die Harte der Weltenliebe / Koman I\nJedes Buch 2 Maik I\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben Die Heiden / Ein Spiel mit dem Tode I\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe Glaube / Koniitragodie I\nLetzte Liebe / Komitragodie I\nJedes Bach 1 Mark I\nWeib / Komitragodie / 3 Mark I\nKind / Tragodie Trieb / Eine biirgerliclie Komitragodie Menschen / Tragodie 9\ntJedes Bach 2 Mark I\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark I\n\nMonatsschrift Der Sturm\nDie fuhrende Zeitschrift der neuen Kunst\nNeuer 18. Jahrgang\nJahr 12 M Halbjahr 6 M Heft 1 M"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.31", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleituno-: Lothar Schreyer Berlin W 9 / Verlag Der Sturm G. m. b. H.\nBerlin W 9 Potsdamer Strasse 134 a / Fernruf Lützow 4443 / Postscheckkonto Berlin 120658\nDruck: Alb. Sayffaerth G. m. b. H. / Berlin-Schöneberg / Bahnstrasse 22\n\nVerlag ALBERT LANGEN in Munchen\nBAUHAUSBUCHER\n1\n2\n3\n4\n5\n7\n$\n30\nWALTER GROPILIS, Internationale Architektur\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk. 7\nPAUL KLEE, Padagogisches\ngeheftet Mk. 6\nin Leinen gebunden Mk. 8\nEIN VERSUCHSHAUS DES BAUHAIISES\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk. 7\nDIE BuHNE IM BALIHALIS\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk. 7\nPIET MONDRIAN, Neue Gestaltung\ngeheftet Mk. 3\nin Leinen gebunden Mk. 5\n1 HEO VAN DOESBLIRG, Grundbegriffe der neuen\ngeheftet Mk. 5 gesraltenden Kun>t\n_ in Leinen gebunden Mk. 7\nNEUE ARoEITEN D. BALIH AUSWERSTaT TEN\ngeheftet Mk. 6\nin Leinen gebunden Mk. 8\nL. MOHOLV-NAGV, Malerei, Photographie, Film\ngeheftet Mk. 7\nin Leinen gebunden Mk. 9\nW. KANDINSKy, Punkt und Linie zur\ngekeftet Mk. 15\nin Leinen gebunden Mk. 18\nJ. J. P. OUD Hollandische Architektur\ngeheftet Mk. 6\nin Leinen gebunden Mk. 9\n\ni frontlM I front]\nInternationaler Almanach der\nmodernen Aktivitat der Gegenwart\nEnthalt alle Gebiefe des modernen Schaffens in\nder Wortkunsf, der Musik, dem Theater, den\nbildenden Kunsfen, dem Film, der Architektur,\nder indusfriellen Produkfion er Wissenschaft\nund der Kulfur (iberhaupf\nEs haben beigetragen: Antheil, Arp, Baumelsfer, Behne, Becher\ndie polnische Gruppe der Revue „Blok\", Corbusier, Cerni\nDoesburgh, Iv. Goll, Gropius, Grosz, Heartfield, Herzfelde,\nHonzl, Chochol, Jung, Kassak, Kiesler, Kisch, Krejcar, Lu\nMarten, W. Mehring, Micic, Moholy-Nagy, Nezval, Obrfel,\nOud, Picabia, G. Pohl, Poliansky, Pone, Mies van der Rohe,\nSeiferf, Schurer, Schwitters, Sima, Teige, Tzara, Vaclavek,\nWeisskopf, Wesfheim, Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seiten. Format 23 X3l cm, davon\n40 Seiten Illustrationen, Musikbeilagen Redaktion\nder Front / Dr. B. Vaclavek / Brunn 15-Schimitz /\n11,Ts :hechoslowakei /Text der Beit ;ge\ntschechisch, deutsch und franzosisch mit deutschen\ni nd franz. sischen Resumees\nPreis 16 Mk / In der Sturm-Buclihandlung vorratig\n\nLa Renaissance de L'Art Fiancais\net des Industries de Luxe\nGegriindef von Henry Lapauze / Erscheinf zu Beginn jedes\nMonafs als Band von 60 bis 100 Seifen Quarfformaf\n(25:32) mif zahlreichen Abbildungen\nDie Redakfion verdjjenflichf Beifrage der anerkannfen\nSdiriffs feller und Krifiker aller Lander Europas. Ihre\ndokumenfarischen Sfudien und akfuellen Chroniken biefen\nein vollsfa diges Eild der Akfivifaf der Kiinsfe auf der\nganzen Erde\nHAbonnemenf Frankreich 150 francs |\n~™\"\"\"~A us land 200 francs §j |§\nMan abonnierf in alien Buchhandlungen und direkf beim Verlag\nLa Renaissance de L'Art Franpais / 10-11 Rue Royale / Paris\nwm"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.32", "texte": "H\nmm\n8\nM,\nBEtLS\"i«W9 * F-RIEDRICH EBERT STRASSE 6\nsow\nPI ANIONS\n\nDas neue Rußland\nZeitschrift fiir Kultur u.Wirtschaft\nOrgan der „Gesellschaft der Freunde des\nneuen Rußland in Deutschland\"\nSchriftleitung: Erich Baron / Berlin»Pankow / Kavalierstr. 10\n„Das Neue Rußland\" im IV. Jahrgang als grofies\nMagazin des Osfens ist die zLeitsdirift, die durdi\nsachkundige Beitrage hervorragender deutsdier\nund russischer Mitarbeiter am besten über den\nIwirtsdiaftlichen und kulturellen Neuaufbau 9\nRulMands unterriditet 1\nJedes Heft ist reich illustriert\nDeutsche Mitarbeiter: Dr. Graf Afco,Klemperer, Bruno\nWalter, Artur Holitscher, Oberregierungsrat Dr.^oesJ?'\nProf. Dr. Sdiaxel, Dr. Helene Stodter, General ScfaSnaidi,\n§| Architekt Taut, Heinridi Vogeler u. a. m. ■\nRussisciie Mitarbeiter: Volkskommissar Lunatscharski,\nSemaschko, Trotzki, Tsdiitsdierin, ferner O. D. Kameneva,\nKollontai, Krupskaja, die Professoren Goldstein, Ipatiew,\nRamsin,Waldhauer,dieKunstkrMeyerhold,Eisenstein u.a m.\nDoppelhefte zu Mi.— Abonnement halbjahrlidi M 3.—-\ndurdi Gesellschaft Freunde des neuen Russland\nErich Baron / Berlin-Pankow / Kavalierstrasse 10\nPosts diedt-Kon to No. 743 58\n\nICasa d'Arte\nBR AG AGLIA\nModerne Kunstausstellungen: Theater der\nUnabhangigen / Buchhandlung / Verlag\nKunstgewerbe\nTerme Romane di Via Avignonesi 8 / Rom 4\n\nVERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nVORZUGS-ANGEBOT\nHerwarth Walden:\nEinblick in Kunst\nDie beste Einfiihrung in den\nExpressionismus und Kubismus\n70 Abbildungen, 4 farbige Kunstbeilagen\nStatt RM 6.50 nur RM 2—\n\nW. JCarzillier ( Co. BbjUji W * drunßwsiilstrassß 14-15\nGesrunde. 1854 Hofspediteur S. M. des Konigs von Spanien GegrOnde. 1854\nSpedition u. Mobeltransporfe, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden\nund Emnfantf nadi und von alien Kunstausstellunge\n_ des In- u. Auslandes. Transporfversidierungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes -SSSre tes^Stura\"011 ' VerbandeS\nDeutscher Illustratoren und Hausspediteure des m"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.33", "texte": "Stu r m - Druckabteilung\nBriefbogen\nBriefumschlage\nPostkarten\nQu it t u ngen\nRechnungen\nProspekte\nA n z e i g e n\nC\n>>\n,o\ns>\nO\n$\nHerstellung\nsamtl icher\nDrucksachen\nnach Anordnung u.\nunter Aufsicht von\nKQnstlern. Eln- und\nmehrfarbiger Druck\nSchnelle Lieferung\nBerlin W 9 / Potsdamer Str 138a"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192707-01.1.34", "texte": "Herausgeber: Herwarth Walden\nDie fuhrende Zeitschrift der neuen Kunst\n18. 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Die einzelnen\nS brifcen (33 an der Eah() werden von\nu.§ Fachleuten bearbeitet.\nS-6 Probehefte stehen auf Verfangen |e*\n® £ derzeitkostenfreizurVernigung.\n8 t Dem unterzeidineten Verlag 1st die\nMitteilung von Adressen will*\n'5 £ kommen, an die die Zusendung\nvon Probeheften erscheint.\nVerlag der Sozialistisdien Monatshefte\nG. m. b. H. Berlin W35\n\nL'ESPRIT NOUV\ndirection: paul dcrmec, m. seuphor, pal\npcrmancntc internationale\nzusammenarbeit aller ncu-\nschttpferischen elemente cu-\nropas\nauf 64 reich illustricrten aei-\nten: architektur, malerei, lite-\nratur, musik, theater, film,\nphotographic, spott\nMIT VIELEN DEUTSCHEN TE\npreis des abonnements (jihrlich 10 nummern)\npreis der einzclnummer RM. a.50 — Nachnah \"\nallein ftir deutschland:\nWILLI PFE\nBERLIN W50\nBAMBERGER\nTELEFON: NOLL\nL'ESPRIT NOUV\nsm\n22.50\nM. 1.70\nKAMP\nXASSE 50\n|€jf|RF 113\n\nRevue Germanique\nLille | 55 Rue Brule-Malson\nIP£riodique trimestriel I\nAbonncment 80 Frs. pour l'etranger I\nInformations sur 1c mouvement I\nJitteraire ct Ics travaux phifolo* I\ngiques en Allemagne aux Pays-\nBas et en Scandinavie ■■■■■■■■■■\n\ngrßsstes ZeitongsanssGhnittebfiro der'Welt\nAdolf Schustermann\nBerlin SO 16, Rungestraße 22-24\nGegriindet 189t\n(iefert Ausschnitte aus dem textlichen und Inseratenteil\nvon 1000 Zeitungen and Zeitschriften fiber jedes Interessen*\ngebiet. Sonderabteilunffen fur Politik, Kunst, Wissensdiaft,\nHandel, Industrie, Baubranche.\nErste Referenzen Sachgemafie Bediennng\nVerlangen Sie unverbindl. Angebot.\n\nMusikalien u. lnstrumente\n■ ■\nkauft man bei\nBreitkopf& Hart el\nBerlin W9PotsdamerBtp.2la\nLfitzow 1692 und 8647\n\njeder Art, fur Ihren Betrieb liefert\nIhnen der bekannte Dresdner Betrieb\nI\nKonigsbrficker Platz 6\n(Bitte auf diese Zeitschrift Bezug zu nehmen)\nAdressenkatalog mit ca. 6000 Serien kostenlos"}]}