{"numero_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_sha256": "fd2c2d78624f9ce77fc01428deff80a17b31c92c3134d63c751073539d9cf2f0", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1927/11_01/bmtnabg_1927-11_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1927/11_01/bmtnabg_1927-11_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c001", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.1", "titre_corps": "Inhalt", "titre_sommaire": "Inhalt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.1", "debut_caractere": 100, "fin_caractere_exclue": 277, "texte": "Inhalt\nHerwarth Waiden: Sowjet-Russland\nVitezlaw Nezval: Das Herz der Spieluhr\nRudolf Blümner: Kleist-Feier\nSidney Hunt: Zeichnungen\nKonferenz für Soziologie der Kunst in Moskau"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c002", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "105", "page_fin": "107", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.2", "titre_corps": "Sowjet-Russland : Verbrecher Kolonie Die Kommune der 0 G P U", "titre_sommaire": "Sowjet-Russland : Verbrecher Kolonie Die Kommune der 0 G P U", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3731, "texte": "Sowjet-Russland\nVerbrecher Kolonie\nDie Kommune der 0 G P U\nHerwarth Walden\nZwar nimmt man außerhalb der USSR an,\ndaß die Bolschewisien eine Abart von Men-\nschenfressern sind, die abgesehen von dieser\nTätigkeit zunächst die Fremden und dann\ngegenseitig sich selber und berau-\nben. Trotzdem kennt man auch dort Ver-\nbrecher, sozusagen bürgerliche Verbrecher.\nAlso Leute, die, wie in anderen Ländern mit\nOrdnung und Kirche, sich berufsmäßig mit\nMord, Raub, Diebstahl und Vergewaltigung\nbefassen. Diese Leute wurden im alten Ruß-\nland mit vieljährigen Zuchthausstrafen verse-\nhen. Da im sozialistischen Staat die private\nBeschäftigung mit diesen Berufen ebenfalls\nnicht gestattet ist oder unter Strafe gestellt\nwird, begann man sich mit dem Problem\nzu befassen, wie man diese Leute zu Mit-\ngliedern wenigstens der sozialistischen Ge-\nsellschaft machen könne. Studienmaterial war\nin Zuchthäusern des alten Rußlands reich-\nlich vorhanden. Dserjinsky, Führer der\nTscheka, also amtlicher Menschenfresser der\nUSSR, begab sich vor einigen Jahren per-\nsönlich in diese humanen Rettungsanstalten\ndes Zarismus, in denen man sich bemühte,\nunordentliche Mitglieder der bürgerlichen Ge-\nsellschaft durch Prügel, schlechtes Essen und\nSonderstrafen der bürgerlichen Gesellschaft\nzurückzugewinnen und sie in den Kreis der\nallgemeinen und insbesondere der christlichen\nMenschenliebe wieder einzuordnen. Die Kirche\nscheute nicht einmal die Kosten, den nötigen\nzweckentsprechenden Apparat auf eigenes Ri-\nsiko einzurichten. Jeder Gefangene bekam so-\ngar seine eigene feinverschlossene Zelle, um\nsich ungestört von menschlicher Gesellschaft\ndem Dienst Gottes widmen zu können. Dser-\njinsky fand die Heilerfolge der Unternehmun-\ngen für den gegenwärtigen sozialistischen\nStaat nicht ausreichend. Die Erziehung zum\nallgemeinen und grundsätzlichen Menschen-\nfressertum muß auf eine andere Weise durch-\ngeführt werden. Er suchte sich etwa hundert\nVerbrecher aus, die ihm für seine Zwecke\ngeeignet erschienen, und hielt ihnen etwa\nfolgende Rede: „Genossen, man hat es für\nrichtig gehalten, eine anders geartete Ordnung\nzwischen den Menschen herzustellen. Ihr seid\nfrei. Da ihr aber weder zu schlafen noch\nzu essen habt und sich nicht jeden Moment\ndie Gelegenheit ergibt, in euerem früheren\nBeruf zu arbeiten, seid ihr eingeladen, eine\nkleine Villa zu beziehen, die uns ein Scho-\nkoladenfabrikant unfreiwillig zur Verfügung\ngestellt hat. Leider sind wir arm und können\neuch nicht ernähren. Wir haben aber eine\nkleine Fabrik, in der ihr sofort arbei-\nten könnt, wenn ihr wollt. Ihr werdet dafür\ns'O' gut oder so schlecht wie ein Arbeiter\nbezahlt werden. Auch ist ein Genosse da,\nder euch gern zeigt, wie man mit den Ma-\nschinen umgeht. Nach euerer Arbeit könnt\nihr auch schreiben, lesen und rechnen lernen.\nDas sind die Künste der ehemaligen Gesell-\nschaft, die man euch nicht beigebracht hat,\num auch unordentliche Mitglieder der Ge-\nsellschaft zu erzeugen und dadurch mensch=\nliches Besserungsmaterial zu gewinnen. Wir\nsind auch bereit, euch etwas Vorschuß zu\ngeben, weil ihr nicht sofort verdient. Der\nVorschuß wird natürlich von euerem Arbeits-\nlohn abgezogen. Ueberlegt euch meinen Vor-\nschlag.\" Die hundert Mann setzten sich leicht\nüberrascht zusammen. Selbst die Gefängnisse\nwaren nicht so verschlossen, daß sie nichts\nvon den verbrecherischen Taten der sozia-\nlistischen Gesellschaft gehört hätten. Sie wa-\nren also mißtrauisch. Offenbar hatte man vor,\nsie in irgendeinen weltentlegenen Winkel zu\nschleppen und sie zu ermorden, um sie ihrer\nKleidung und ihrer Habseligkeiten zu be-\nrauben. Was man mit einem Fremdwort so-\nzialisieren nennt. Da der Aufenthalt im Zucht-\nhaus auch nicht besonders reizvoll war, be-\nschloß man, den Vorschlag anzunehmen und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3874, "texte": "sich seiner Haut zu wehren, so gut es gehen\nwürde. Am nächsten Morgen fuhr man drei-\nßig Kilometer weit von Moskau fort und kam\nauf einem hübsch gelegenen Landsitz an, der\neinem Mitglied sogar als Betätigungsfeld aus\nseinem Beruf bestens bekannt war. Er wun-\nderte sich nur darüber, daß sämtliche Stein-\nmauern und Gitter mit Stacheldraht recht un-\nvorsichtig völlig entfernt waren. Auch Sol-\ndaten und Wächter waren nirgends zu sehen,\nwas das Mißtrauen erheblich steigerte. Selbst\nHunde waren nicht vorhanden. Nur einige\nKatzen spielten im Garten und außer dem\nObermenschenfresser Dserjinsky waren nur\nzwei jüngere Leute anwesend, die als Ob-\njekte für oder zur Gewalttätigkeit nicht ge-\neignet erschienen. Jeder einzelne von der\nVerbrecherkolonie könnte spielend mit zehn\nvon denen aufnehmen.\nDa die Sache scheinbar ziemlich ungefähr-\nlich aussah, beschloß man zu bleiben. Es\nwar ihnen auch für die Folge nicht möglich\nfestzustellen, worin der sozialistische Betrug\nbestand. Sie hatten anständige Betten. Zwar\nnicht jeder ein einzelnes Zimmer wie der\nSchokoladenfabrikant. Der hat aber in weiser\nVoraussicht seine Zimmer bereits so groß\ngebaut, daß zwanzig Menschen bequem in\neinem Zimmer schlafen konnten. Das Essen\nwar gut und billiger als in Moskau. Die Ma-\nschinen waren da und der eine junge Mann\nzeigte ihnen ohne jede Schimpferei die Hand-\ngriffe. Einige kannten sie. Die begannen so-\nfort zu arbeiten. Die anderen sahen sich eine\nWeile die Sache an, und da die Maschinen\nkein Gift spuckten und sich ganz normal be-\nnahmen, gingen die übrigen auch ans Werk.\nNur etwa sieben zogen es vor, sich erst\nnoch einmal nach ihrem alten Beruf in Mos-\nkau umzusehen und waren recht erstaunt, daß\nman sie tatsächlich ziehen ließ. Nach acht-\nstündiger Arbeit, unterbrochen von einer ein-\nstündigen Mittagspause, sah man sich die Na-\ntur etwas an. Nach einer weiteren Stunde\nwurden sie von dem anderen jungen Mann\nfreundlichst eingeladen, in den Klub zu kom-\nmen. Man setzte sich in einem Raum zu-\nsammen, den man früher als Salon zu be-\nzeichnen pflegte. Der junge Mann schlug\nihnen ein Programm für die Abende vor,\nwie es sich für jeden anständigen Klub ge-\nhört, An drei Abenden beschloß man, sich\ndie Künste anzueignen, die die Möglichkeit\nzur alleinigen Beschäftigung geben. Lesen\nund Schreiben. Die es schon konnten, fanden\neine eigene Bibliothek. Wenn ihnen die vor-\nhandenen Bücher nicht gefielen, konnten sie\nsich andere Bücher bestellen. Am vierten\nAbend beschloß man, Musik zu machen, am\nfünften Abend Theater zu spielen, am sechsten\nAbend Vorträge zu halten und zu diskutieren.\nIm Sommer trieb man an diesen drei Aben-\nden Sport. Die sich für besondere Dinge in-\nteressierten, wie Landwirtschaft, Technik und\nPolitik, taten sich zu besonderen Zirkeln zu-\nsammen, um sichs weiter auszubilden. Die\nBauern des Dorfes betrachteten diese Kolo-\nnie mit höchstem Mißtrauen. Sie wandten\nsich sogar an die Regierung mit der Bitte,\ndie Kolonie aus ihrem Dorf zu entfernen. Die\nRegierung tat das, was sie überall bei Ein-\ngaben zu tun pflegt: sie lehnte ab. In der\nFabrik wurde eifrig gearbeitet. Fast keiner\nbegnügte sich mit dem monatlichen Grund-\nlohn von dreißig Rubeln. Durch Akkordar-\nbeit und durch Stücklohn werden monatlich\nsiebzig bis zweihundert Rubel verdient. Die\nAbende für den einfachen Schulunterricht wur-\nden schon nach wenigen Monaten frei und\nfür wissenschaftlichen Unterricht und theo-\nretische Berufsfortbildung verwandt. Die Ko-\nlonisten gründen mit ihrem ersparten Geld\neine Konsumgenossenschaft, der die Regie-\nrung im Anfang Kredit gibt. Auch die Bau-\nern fangen an dort einzukaufen, da die Waren\nbilliger als im Dorfe sind und größere\nAuswahl vorhanden ist. Man hat sich mit\nder Kolonie ausgesöhnt, die ihre Freizeit von\nSonnabend mittag bis Montag früh im Dorf\nverbringt. Nach anderthalb Jahren haben sich\nbereits zwanzig Bauerntöchter mit Kolonisten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1951, "texte": "und mit Zustimmung der Eltern verheiratet.\nDie Kolonie soll vergrößert werden. Die Auf-\nträge häufen sich, die Fabrik muß erweitert\nwerden. Man braucht neue Menschen. Die\njährliche Generalversammlung der Kolonie er-\nhält von der Regierung die Erlaubnis, Dele-\ngierte zu wählen, die aus den Gefängnissen\nneue Genossen für die Arbeiterkommune aus-\nsuchen darf. Auch neue Wohnhäuser werden\ngebaut. Der Klub ladet sich Künstler für die\nAbende ein, die von ihm honoriert werden.\nSie sehen und hören Neues und lernen, wie\nsie sich selbst künstlerisch fortbilden können.\nKonflikte, die selbstverständlich vorkommen,\nwerden von einer Konfliktkommission aus\nihren Kreisen geschlichtet. Die Strafen be-\nstehen in Rügen, Lohnabzug und Verbot der\nReise nach Moskau über Sonntag. In kurzer\nZeit soll die Kolonie jetzt bis auf tausend\nMitglieder erweitert werden. Und das neue\ngroße Ereignis wird auf der wöchentlich\nzweimal erscheinenden geschriebenen Wand-\nzeitung mitgeteilt: man wird Frauen und\nMädchen aufnehmen. In der Wandzeitung\nwird erklärt, die Kolonie sei so weit fort-\ngeschritten, daß sie den Versuch unterneh-\nmen könne, Arbeit und Kultur den gefange-\nnen Frauen beizubringen, die ihrerseits wie-\nder durch die Eigenschaften der Frau den\nMännern helfen sollen.\nEine Fabrik für Strickwaren ist bereits einge-\nrichtet, ein reichsdeutscher Meister als Leh-\nrer angestellt. Er hat vorläufig nur eine\nAngst, wie er die teueren Rohstoffe vor Dieb-\nstahl schützen soll. Ein Kolonist beruhigt\nihn, hier bestiehlt man nur sich selbst. Wer\nam Anfang zum Beispiel seine Schlafdecke\nstphl und verkaufte, bekam einfach keine neue\ngeliefert. Er mußte also sich seine Decke\nzurückkaufen, falls er nicht frieren wollte.\nWer seine Rohstoffe verkauft, kann eben\nnicht arbeiten, verdient also kein Geld. Außer-\ndem kann ihn die Kolonie auf ihren Be-\nschluß ausstoßen. Das Gefängnis nimmt ihn\nnicht wieder auf, weil er frei ist und die\nVerbrecher verachten die Kolonisten"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c003", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "109", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.3", "titre_corps": "Strafvollzug", "titre_sommaire": "Strafvollzug", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.5", "debut_caractere": 1953, "fin_caractere_exclue": 3745, "texte": "Strafvollzug\nDie Justiz in der USSR ist eine bewußte Klas-\nsenjustiz. Der Staat wird stets eine Organi-\nsation der herrschenden Klasse sein. Seine\nVerfassung und seine Gesetzgebung ist die\nFeststellung der tatsächlichen Machtverhält-\nnisse. Die deutsche Republik gestattet der\nJustiz, die Beziehungen der gegenwärtigen\nMenschen nach einer vergangenen Machtpe-\nriode zu beurteilen und zu verurteilen. Diese\nMethode ist noch weniger objektiv als die\nKlassenjustiz. In der USSR sah man die ro-\nmantische Ideologie der akademischen Rich-\nter voraus, man nahm ihnen die Macht und\nsetzte Volksgerichte ein. Sie bestehen zu 90\nProzent nur aus Laien, erst bei den obersten\nGerichten befinden sich auch Berufsjuristen,\nwesentlich mit beratenden Funktionen. Auch\nder Strafvollzug ist nach neuen Grundsätzen\ngeregelt. Man geht davon aus, die Verurteil-\nten zu werktätigen Mtigliedern der Gesell-\nschaft zu erziehen und sie hierfür durch die\nnötigen Kenntnisse und Mittel vorzubereiten.\nMan übersieht, daß der größte Teil von Ei-\ngentumsvergehen aus Not und ein großer\nTeil anderer Vergehen durch schlechte Ein-\nflüsse entstanden ist. Das strengste Zucht-\nhaus in der USSR ist die Isolieranstalt in\nLefortowo bei Moskau. Ein früheres Mili-\ntärzellengefängnis, in dem sich zurzeit 451\nGefangene befinden. Hier sind die schwersten\nVerbrecher untergebracht, von denen viele zu\nder höchst zulässigen Strafe von zehn Jah-\nren Zuchthaus verurteilt worden sind. Todes-\nstrafe existiert nur für politische Verbrechen\nund Spionage, die nur durch den Sonderge-\nrichtshof der OGPU, der zentralen politi-\nschen Verwaltungsbehörde der Union ver-\nhängt wird. Aeußerlich der übliche Zucht-\nhausapparat. Besichtigung nur mit Genehmi-\ngung des Volkskommissariats für innere An-\ngelegenheiten. Wächter mit Gewehren bewaff-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3990, "texte": "net. Eingang durch zahllose verschlossene\nund gesicherte Türen. Jede einzelne von ei-\nnem Wächter bewacht. Nach dem Oeffnen\nder letzten Tür befindet man sich plötzlich\nin einer Fabrik. Das ehemalige Verwaltungs-\ngebäude. Hunderte von Zuchthäuslern in\nihrer gewöhnlichen Kleidung an den Maschi-\nnen Jeder Gefangene hat gesetzlich das Recht\nauf Arbeit. Falls er nichts gelernt hat, wird\ner nach seiner Wahl angelernt. Die Arbeit\nist nur ein Recht, nicht ein Zwang. Von\ndiesem Recht machen zurzeit nur zwei Ge-\nfangene keinen Gebrauch. Ein Fürst, wegen\nHochverrats verurteilt, der auch in seiner Zelle\nnicht empfängt. Und ein Pope, verurteilt we-\ngen Anstiftung zum Mord eines Arbeiterkor-\nrespondenten. Er empfängt, hat sich eine\nkleine Privatkirche mit allen Schikanen in\nseiner Zelle eingerichtet und vertreibt sich\nden Tag in seiner Popenkleidung mit Beten.\nDie Strafe wird in der Verurteilung gesehen.\nNach der Verurteilung gibt es außer der Frei-\nheitsbeschränkung nach außen keine Bestra-\nfung. Deshalb wird auch den Gefangenen die\neigene Kleidung gelassen. Die Arbeit wird\nvom ersten Tage an bezahlt. Der Gefan-\ngene verdient durchschnittlich im Monat drei-\nßig bis vierzig Rubel, im Stücklohn zum\nTeil bedeutend mehr. Ein Drittel des Lohns\nwird ihm im Anfang sogar auf Vorschuß aus-\ngezahlt, den er zu eigenen Einkäufen in der\nKantine für besondere Lebensmittel, Zigaret-\nten, Bücher usw. verwenden kann. Ueber\nsein gesamtes Einkommen kann er insoweit\nfrei verfügen, als er einen Teil seinen Ange-\nhörigen schicken lassen kann, das übrige Geld\nnach Verbüßung der Strafe bar ausgezahlt\nbekommt. Die Gefängnisverwaltung hat das\nRecht, Anträge auf Erlaß der Strafe bis zur\nHälfte der Zeit bei der zuständigen Behörde\nzu stellen, falls der Gefangene sich gut führt\nund gut arbeitet. Diesen Anträgen wird\ngrundsätzlich stattgegeben. Es wird auch für\ndie unmittelbare Anstellung des Gefangenen\nnach seiner Entlassung in einer Fabrik, in\neinein Betrieb oder in einem Büro gesorgt.\nDie Arbeitszeit ist acht Stunden von acht bis\nfünf mit einer Stunde Mittagspause. Nacht-\narbeit dauert sechs Stunden. Von fünf bis\nsechs Spaziergang\" im Gefängnishof mit dem\nRecht der unbeaufsichtigten freien Unterhal-\ntung. Um sechs Uhr beginnt die Kulturarbeit,\nan der sich fast alle Gefangenen beteiligen.\nMan hat die ehemalige Betkapelle zu einem\nArbeiterklub eingerichtet. Hier finden Kon-\nzerte, Theatervorstellungen der Gefangenen,\nVorträge und Vorlesungen statt. Da den Ge-\nfangenen zurzeit der alte Flügel nicht mehr\ngenügt, haben sie beschlossen, aus zusam-\nmengelegten eigenen Mitteln sich einen neuen\nanzuschaffen. Auch in der Betkapelle muß-\nten sich die Gefangenen in Isolierzellen auf-\nhalten, damit sie nicht miteinander Fühlung\nnehmen konnten. Diese Zellen sind in Zim-\nmer für die einzelnen Lehrzirkel umgebaut.\nDer wichtigste Zirkel ist für Liquidierung des\nAnalphabetentums. Niemand verläßt das Ge-\nfängnis, ohne lesen, schreiben und rechnen\nzu können. Es sind ferner Zirkel für Politik\nund für Spezialunterricht auf den Gebieten\nder Landwirtschaft, Industrie, der Berufe und\nder allgemeinen Kultur errichtet. Alle wich-\ntigen Zeitungen liegen aus. Der Gefangene\nkann sich auch auf eigene Kosten Zeitungen\nabonnieren. Das Gefängnis hat ferner eine\nLeihbibliothek und Buchhandlung. Zwei Ge-\nfangene haben eine Frisierstube errichtet, die\ndie Gefangenen besonders stark vor dem Be-\nsuch ihrer Angehörigen benutzen. Diese Be-\nsuche sind einmal wöchentlich gestattet. Man\ndarf sich aber nur durch Gitterfenster unter-\nhalten, zwischen denen ein breiter Gang liegt.\nPakete dürfen beliebig nach Untersuchung\ndes Inhalts übergeben werden. Die Mahl-\nzeiten am Mittag und am Abend haben ein\nGewicht von anderthalb Pfund, der Kalorien-\ngehalt ist amtlich vorgeschrieben und darf von\nden Gefangenen kontrolliert werden. Mittags\ngibt es Borschzsch, eine dicke Suppe mit ver-\nschiedenen Gemüsen und einem großen Stück\nFleisch. Abends Kascha, eine nahrhafte Grütze\nund Fleisch. Morgens wird nur kochendes"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3321, "texte": "Wasser verabreicht. Tee kaufen sich die Ge-\nfangenen selbst in der Kantine. Das Essen\nwird außerordentlich hygienisch in Kupferkes-\nseln zubereitet. Das Eßgeschirr besteht aus\nAluminium. Das Essen ist schmackhaft, wo-\nvon ich mich selbst überzeugt habe. Die\nGefangenen können nach ihrem Belieben in\nihren Zellen einzeln oder gruppenweise es-\nsen. Das Gefängnis hat eigene Krankenzim-\nmer, ein Ambulatorium und ein Zahnheilin-\nstitut. Auf die Pflege und Erhaltung der\nZähne wird von der Gefängnisleitung beson-\nderes Gewicht gelegt. Seit einigen Monaten\nwerden alle Zellen mit Radioapparaten ein-\ngerichtet. In der Hälfte der Zellen sind sie\nbereits in Betrieb. Strafen für Schlägereien,\nBeschimpfungen und tätliche Angriffe gegen\ndie Wachen bestehen in sieben Tage Iso-\nlierhaft, also Verweigerung der Arbeit und\ndes entsprechenden Lohnes. Diese Haft darf\nhöchstens auf weitere sieben Tage ausge-\ndehnt werden. Eine weitere Strafe ist die\nEntziehung des Spaziergangs für je zwei Tage.\nBei außerordentlichem, tobsuchtartigem Be-\ntragen darf bis zur Beruhigung eine Zwangs-\njacke angewandt werden. Bei der Anlegung\nmuß eine Kommission von neun Personen an-\nwesend sein, zu der der Gefängnisleiter, der\nGefängnisarzt und einige Gefangene gehören\nmüssen. Diese Strafe brauchte in dem letzten\nJahr nicht einmal verhängt zu werden. Die\nGefangenen haben vollkommenes Beschwerde-\nrecht, auch gegen die Gefängnisleitung. Sie\nist verpflichtet, jede schriftliche Beschwerde\nder vorgesetzten Behörde zu übergeben. Der\nStaatsanwalt ist nicht nur Ankläger, nach der\nVerurteilung ist er Verteidiger der Verurteil-\nten. Er ist verpflichtet, sich jede Woche in\ndas Gefängnis zu begeben und mit jedem Ge-\nfangenen persönlich zu sprechen. Schon da-\ndurch ist es ausgeschlossen, daß Beschwerden\nunterschlagen werden können. Die Gewinne\naus der Arbeit der Gefangenen müssen zum\nTeil für die Verbesserung der Werkstätten\nund neue Anlagen verwandt werden. Die Ge-\nfängnisleitung klagt nur über Raummangel.\nDas Haus ist ja für diese Art des Strafvoll-\nzugs nicht gebaut worden. Man hat bereits\ndie Keller zu Arbeitsräumen umgewandelt. Es\nmuß gegenüber Gerüchten festgestellt wer-\ndem, daß dem Besucher alles gezeigt, jede\nTür geöffnet und jede Frage beantwortet wird.\nEs ist auch gestattet, mit jedem Gefangenen\neinzeln und ohne Zeugen zu sprechen.\nDas ist das Leben in der strengsten Strafan-\nstalt. In den übrigen Gefängnissen gibt es\nnoch weitere, pädagogisch beachtenswerte Er-\nleichterungen. So erhalten die Gefangenen,\ndie Angehörigen haben die Erlaubnis, von\nSonnabend mittag bis Montag früh ihre An-\ngehörigen zu besuchen und sich bei ihnen\naufzuhalten. Arbeitende Gefangene mit mehr-\njährigen Strafen erhalten jährlich vierzehn\nTage Erholungsurlaub mit kostenloser Un-\nterbringung in ein Erholungsheim. Hart-\nnäckige. nichtbesserungsfähige Gefangene\nwerden nach Abbüßung der Strafe nach be-\nstimmten Kolonien Sibiriens verbannt. Sie\nleben dort frei, dürfen nur die Kolonie nicht\nverlassen.\nMan übernimmt soviel aus dem Ausland.\nHier in der USSR ist eine praktisch erprobte\nMethode des Strafvollzugs gefunden, die den\ngrößten Teil der Gefangenen zu nützlichen\nund sogar zu qualifizierten Mitgliedern der\nGesellschaft macht, das soziale Unrecht der\nGesellschaft an Individuen sühnt und außer-\ndem den Staat ideell und materiell entlastet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c004", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "110", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.4", "titre_corps": "Der Chef des Dorfes in Podolien", "titre_sommaire": "Der Chef des Dorfes in Podolien", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.7", "debut_caractere": 3323, "fin_caractere_exclue": 3736, "texte": "Der Chef des Dorfes in\nPodolien\nManövergelände. Am Rande, unweit des Dor-\nfes, versammeln sich Hunderte von Pferden\nder Kavallerie der USSR zur Ruhe. Die\nFlugzeuge der russischen Konstruktion sind\nin den Zelthallen geborgen. Das Lager leuch-\ntet unter der weißen Abendsonne der weiten\nukrainischen Ebene. Soldaten der Roten Ar-\nmee ziehen truppweise in die umliegenden\nDörfer. Nach den Dienststunden sind sie frei"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3863, "texte": "und gehen ohne Urlaubsschein, wohin sie\nwollen. Alle Aviatiker aber mit Kommandeur\nund Orchester begeben sich geschlossen in\ndas westliche Dorf. Hundertfünfzig Gehöfte.\nZweitausend Einwohner. Mit Krankenhaus,\nSchule, Mutterschutz und Säuglingsheim. Die\nBehörde, der Dorfsowjet, hat zwei einfache,\naber auffallend saubere Zimmer in einem\nHolzhaus. Das behördliche Material, Akten\nund Archiv in einer Truhe. Zwei Stühle,\neine lange Bank, und ein großer Tisch. Hin-\nter ihm Krassni Ugolok, der rote Winkel,\nder sich in jeder Behörde der USSR findet.\nHauptsächlich Bilder von Lenin und den füh-\nrenden Männern der Republik. Alles um-\nkränzt mit Blumen und Fähnchen. An den\nübrigen Wänden Verordnungen. Keine Ver-\nbote, sondern Mitteilungen, wo und wie man\nam schnellsten einfachsten Auskunft,\nRat und Hilfe in den Angelegenheiten des\ntäglichen Lebens bekommt. Im zweiten Zim-\nmer des Sowjets sitzt der Sekretär der Or-\nganisation zur gegenseitigen Hilfe der Bau-\nernschaft. Beitrag monatlich fünfzig Kope-\nken. Von diesen Beiträgen werden landwirt-\nschaftliche Bedarfsartikel angeschafft, die der\nEinzelne sich nicht leisten kann. Ein Sowjet\nwird von den Bewohnern des Dorfes gewählt.\nDer Sowjet wählt aus sich heraus eine aus-\nführende Behörde, die die eigentliche und\ntatsächliche Verwaltung darstellt, dem Sow-\njet aber verantwortlich ist.\nHinter dem Sowjethaus hat sich in einem\ngroßen alten Naturgarten das gesamte Dorf\nversammelt. Mit Kindern. Zwischen den\nDorfbewohnern lagern viele Soldaten, vor\nallem Aviatiker. Büchsensammlung. Auf-\nschrift: Unsere Antwort an Chamberlain: Frei-\nwillige Beiträge zur Erbauung eines Luft-\ngeschwaders. Abbruch für die Verteidigung\nder USSR. Selbst in diesem armen Dorf sind\ndie Büchsen schnell voll. Heute ist große\nFeier. Die fünfzigste Luftschifferabteilung\nwird Chef des Dorfes, das vielleicht früher\nunter dem Protektorat irgendeiner Prinzessin\nstand. Die spendete in solchen Fällen bei der\nUebernahme etwa einen silbernen Humpen.\nDie Luftschifferabteilung hingegen übernimmt\nals Chef des Dorfes die kulturelle Bildung\nund die militärische Ausbildung der Bewoh-\nner zur Verteidigung des Landes. Viele Re-\nden werden gehalten. Der Vorsitzende des\nDorfsowjets betont, daß die Rote Armee der\nwaffengeübte Teil der werktätigen Bevölke-\nrung ist. Der Kommandeur erklärt, daß die\nArmee nur als Volksteil fühlt und empfindet.\nDie Abteilung betrachtet es als große Ehre,\ndem Dorf helfen zu können. Man werde\nsich gemeinsam .politisch fortbilden, kultu-\nrelle Vorträge sollen gehalten werden, das\nOrchester werde zur Belustigung und Erhei-\nterung dienen. Männer, Frauen und Kinder\nwerden lernen, wie man den Angriff eng-\nlischer Luftschiffe abwehren könne. Bauern\nbeteuern, daß sie sogar die Ernte sofort ver-\nlassen werden, um die Sowjetrepublik und\nihre Führer zu verteidigen. Die Versammlung\nerhebt sich jubelnd, die Kapelle spielt die\nInternationale, die elektrische Beleuchtung\ndes Gartens, die neue Errungenschaft, glänzt\nauf. Drei Stunden sind indessen vergangen.\nOhne Ermüdung, ohne Essen und Trinken\nhaben alle Teilnehmer der Feier gefolgt. Als\nNachspiel Theatervorstellung, gespielt von\nSoldaten und Bauern. Ein großer nationali-\nsierter Saal mit elektrischer Beleuchtung und\nBühne. Ganz überfüllt. Jeder Gang, jede Tür\ndicht besetzt. Orchesterspiel. Vorhang. Der\njunge Bauer geht freudig zur Roten Armee.\nDie Eltern sind Gegner der Sowejtmacht,\nlassen sich aber gerade durch die Taten und\nHandlungen ihres Sohnes bekehren. Es wird\nsehr gut gespielt. Man merkt, daß das Thea-\nter Stanislawskis nur eine Steigerung ur-\nsprünglicher schauspielerischer Begabung des\nrussischen Volkes ist. Ende der Vorstellung\nein Uhr. Die Soldaten ziehen zum Lager,\nsingend, der Mond liegt spielerisch über dem\nBug. Die Dorfbewohner stehen vor ihren\nkleinen weißen Hütten, die Nachbarn spre-\nchen eifrig noch weiter über Politik und\nKrieg."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c005", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "112", "image_debut": 9, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.5", "titre_corps": "Dispensair", "titre_sommaire": "Dispensair", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3816, "texte": "Dispensair\nEin altes einstöckiges Haus in einer Haupt-\nstraße Moskaus. Durch drei Torbögen und\ndrei Höfe. Ein zweistöckiges Gebäude. Li-\nnoleum, gewaschene Wände, Karbolgeruch.\nViele Menschen auf breiten Fluren. Sie lesen,\nzittern, träumen. Gruppen unterhalten sich\nmit Männern in weißen Kitteln. Aus vielen\nTüren kommen und gehen Menschen. In\neinem kleinen Saal eine Versammlung auf\nSchulbänken. Am Vorstandstisch ein Arzt,\nein Arbeiter und eine Aerztin. Sie berichtet\nder Versammlung als Mitglied der Sanitäts-\nkommission einer Fabrik über den Zustand\nder hygienischen Einrichtungen. Diese Kom-\nmission hat jedes Unternehmen der USSR.\nSie besteht aus gewählten Arbeitern, die der\nGesamtheit verantwortlich sind. Es wird nicht\nnur kontrolliert, es werden Besserungsvor-\nschläge gemacht und deren Durchführung\nüberwacht. Alle diese Kommissionen arbeiten\nauch zusammen mit den Dispensairs. Sie gibt\nes für soziale Krankheiten: Tuberkulose, Al-\nkoholismus, Narkotismus und venerische\nKrankheiten. Sie arbeiten alle nach den glei-\nchen Grundsätzen: schnellste Heilung, Auf-\nklärung der Kranken und Vorbeugung der\nKrankheiten. In dem Moskauer Dispensair\nfür venerische Krankheiten arbeiten dreißig\nAerzte. Sie werden nur zugelassen, wenn sie\njahrelange klinische und praktische Erfahrung\nhaben. Bei jedem schwierigeren Fall werden\nsofort die bedeutendsten Professoren hinzu-\ngezogen. Die Tendenz ist so schnell und so\ngründlich wie möglich zu heilen, um weitere\nAnsteckung zu verhindern. Jedem Kranken\nwird sofort seine Krankheit, Ursachen, Folgen\nund Heilungsmethode auch durch bildliche\nDarstellung erklärt. Wenn der Kranke die\nBehandlung zu unterbrechen versucht, geht\nder Arzt zu ihm in die Wohnung und über-\nredet ihn im Interesse der Volksgesundheit\nund im eigenen Interesse zur Fortsetzung. Der\ngrößte Wert wird auf die Feststellung der\nHerkunft der Krankheit gelegt. Der behan-\ndelnde Arzt hat die Pflicht, nicht eher Ruhe\nzu geben, bis der Kranke seine gesamte Fa-\nmilie zur Untersuchung in das Dispensair ge-\nbracht hat. Nach der letzten Statistik sind\nunter 1070 Familienmitgliedern von Kranken\n950 krank gewesen. Die Aerzte werden stän-\ndig darauf hingewiesen, daß sie mit dem\ngrößten Takt und der größten seelischen\nSchonung vorgehen müssen. Sie versuchen\nauf alle Weise die Freundschaft und das Zu-\ntrauen des Kranken zu gewinnen, damit er\nihnen selbst seine Familie zuführt. In den\nWarteräumen sind ständig jüngere Aerzte, die\nsich mit den Wartenden über ihre Krankheit\nunterhalten und aufklären. Für besonders\nSchüchterne ist ein Fragekasten angebracht.\nFr •agen und Antworten werden an den Wand-\ntafeln aufgehängt. Vom Dispensair werden\nständige Wanderausstellungen veranstaltet.\nAuf großen Tafeln bildliche Darstellungen der\nKrankheit und ihre Folgen, wenn man sie\nnicht behandeln läßt. Diese Ausstellungen\nfinden in sämtlichen Betrieben und Büros\nstatt. Während der Arbeitspausen sind Aerzte\nbei der Ausstellung anwesend, die erklären\nund Fragen beantworten. Die Behandlung\nund die Arzneien sind völlig kostenlos. Das\nDispensair für venerische Krankheiten ist im\nletzten Berichtsjahr von 280 000 Personen be-\nsucht worden. Da das System, Behandlung,\nAufklärung und Vorbeugung große Erfolge\nerzielt, macht man die größten Anstrengun-\ngen, überall in der USSR Dispensairs zu er-\nrichten. Moskau hat bisher sechs. In die Ge-\nbiete, die noch keine derartigen Institute ha-\nben, werden Aerztekommissionen gesandt, na-\nmentlich nach dem fernen Osten. In einzel-\nnen Städten und Dorfgemeinden wird die ge-\nsamte Bevölkerung, Männer, Frauen und Kin-\nder, auf venerische Krankheiten untersucht\nund ambulatorisch behandelt. Die Haupt-\nschwierigkeit für die Aerzte dort ist, das Volk\ndavon zu überzeugen, daß Krankheiten keine\ngottgewollten Unternehmungen sind. Sämt-\nliche Aerzte sind Staatsangestellte. Privat-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 897, "texte": "Praxis der Aerzte ist so gut wie gar nicht vor-\nhanden. Das Gehalt für Stadtärzte und Land-\närzte ist gleich. Es soll dadurch erreicht\nwerden, daß die Aerzte sich nicht in den\nGroßstädten ansammeln. Das monatliche Ein-\nkommen istzurzeit durchschnittlich HO Ru-\nbel, das durch einige Nebeneinnahmen sich\nbis 150 Rubel erhöht. Die Gehälter werden\nständig gesteigert. Die Aerzte sind in der Ge-\nwerkschaft der Meizinarbdeiter organisiert.\nSie umfaßt alle Personen vom Spezialisten\nbis zur Scheuerfrau, die im Heilwesen be-\nschäftigt sind. Durch diese gewerkschaftliche\nZusammenfassung ist ein außerordentlich gün-\nstiges kollegiales Verhältnis zwischen den ein-\nzelnen Berufskategorien entstanden und der\nAkademikerhochmut gänzlich verschwunden.\nSämtliche ärztliche Institute haben Beschwerde-\nund Kontrollkommissionen der. Kranken, von\ndenen sogar der Chefarzt zur Verantwortung\ngezogen werden kann."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c006", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.6", "titre_corps": "Konferenz für Soziologie der Kunst in Moskau im Jahr 1927", "titre_sommaire": "Konferenz für Soziologie der Kunst in Moskau im Jahr 1927", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.10", "debut_caractere": 899, "fin_caractere_exclue": 2765, "texte": "Konferenz für Soziologie der Kunst\nin Moskau im Jahr 1927\nIn der modernen Kunstwissenschaft beginnt\ndie soziologische Methode immer mehr an\nBedeutung zu gewinnen. Auf keinem Gebiete\nder Kunst istzurzeit eine ernste historisch\ngegründete Forschung ohne Erwägung der\nsozialen Faktoren, ohne Erschließung der\nKunst als gesellschaftliche Erscheinung mög-\nlich. Zu welcher Schule der eine oder der\nandere Forscher auch gehören mag, er kann\nheutzutage den Problemen der Soziologie der\nKunst gegenüber sich nicht gleichgültig ver-\nhalten.\nZugleich mit der wachsenden Bedeutung der\nsoziologischen Methode für das Studium der\nKunstwissenschaft trägt jede literarische Neu-\nerscheinung auf diesem Gebiet natürlich zur\nKomplizierung des Problems bei. Es ist nun\nan der Zeit, die Erfolge der soziologischen\nMethode auf den verschiedenen Gebieten der\nKunst wie in ihrer theoretischen Erarbeitung\neiner umfassenden Uebersicht zu unterziehen.\nDas Organisationsbüro faßte daher den Bn-\nschluß, im Dezember 1927 in Moskau eine\nKonferenz für Soziologie der Kunst zu ver-\nanstalten. Obgleich diese Konferenz ihrem\nAufbau nach nicht den Charakter einer inter-\nnationalen Konferenz trägt, ist die Teilnahme\nwesteuropäischer Fachgelehrten an den Ar-\nbeiten dennoch äußerst erwünscht. Diese Teil-\nnahme kann in Form selbständiger Referate,\nwie in der Durcharbeitung der Referate an-\nderer Konferenzteilnehmer sich äußern.\nEinladungen zur Teilnahme an dieser Konfe-\nrenz wurden bereits an eine Reihe bedeuten-\nder Fachgelehrte zugesandt, die Anhänger der\nAnwendung der soziologischen Methode in\nder Kunstwissenschaft sind.\nUeber alle mit der Konferenz verbundenen\nFragen erteilt Auskunft das Organisationsbüro\nder Konferenz für Soziologie der Kunst. Ad-\nresse: Organisationsbüro der Konferenz für\nSoziologie der Kunst Glavnauka Volkskom-\nmissariat für Bildungswesen (Narcompros)\nMoskau USSR"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c007", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.7", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "Sidney Hunt", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": 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"https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2322, "texte": "Das Herz der Spieluhr\nVITEZLAV NEZVAL\n\nBerechtigte Übertragung aus dem Tchechidien\nvon Grete Reiner\nI.\nEinmal kommen wir so weit\ndaß wir den weißen Handschuh abstreifen\nihr habt nur einen einzigen Punkt des Rings\nbetrachtet\nund die Wirklichkeit ging in Farben 1 önen\nund Düften\ndie Uhr geht aber das ist etwas andres\ndas ist etwas andres als Wissenschaft\naber das ist etwas andres als eine neue\nKravatte kaufen und gut hinsehn\naber das ist etwas andres als gut erwägen\nDas ist das Herz der Spieluhr\nII.\nZum Schluß ladet ihr einen Tapezierer ein\nder Gärtner hat am Abend Lampions im\nSpargel entzündet\nund zwischen rosa Himbeeren schläft eine\nRaupe\nWeinen wir nicht\nOh dieser bizarren Schönheit im grünen Pelz\nIII.\nDieses japanische Bild das du mir schenktest\nhabe ich einmal im Gedränge verloren\nes ist nicht nötig so weit zu reisen\nhabt ihr schon die Spitzen auf der Brust eurer\nGeliebten bemerkt?\nDas ist der ganze Sinn der Poesie\nIV.\nEin Vogel hat sich in die Rosen gesetzt und\neinen Flügel gebrochen\neinmal habt ihr von diesen Vögeln gelernt\naber der Vogel hat sich in die Rosen gesetzt\neinen Flügel gebrochen und schwieg\nden Lauten des Flügelhorns lauschend\nV.\nOh rosa Mühlen\nein Stern fiel in die Uhr und dreht sich!\nZiehn wir alle Sterne auf\nwenn euch jemand verriet\nund fliegen wir näher an sie heran\nDie Kreolinnen in Buenos Aires leuchten auf\nder Promenade\nim Aeroplan\nund im Taschenspiegel\nVI.\nEin Falter hat sich in einen Schrein gesetzt\nDie durchbohrten Falter haben wir am\nmeisten bedauert\nAber ihr habt die Worte mit einem Dolch\ndurchbohrt\nIch habe einen Brief ans Herz gedrückt und\nbin gestorben\nVII.\nim Kalender ist es Monat Mai\nAch Sechzehnjährige ach Siebenundzwanzig-\njährige\nIm Kalender ist es Monat Mai\nund ihr habt einen Kopf Arme und Beine\nich möchte mich in Küsse Worte und Düfte\nverwandeln\nund zerfallen\nwie Löwenzahn\nVIII.\nWindmühlen der Jahreszeiten\nIm Sommer Nachtviolen und ein Feuerwerk\nim Grünen\nDer Frühling spielt dir früh ein Lied\nauf Zuckerharfe mit Aristontönen\nIm Herbst Spazierengehen Spazierengehen\nim strengen Parke mit Fontainen\nIm Winter dann der Muse nur zum Fächer\ndienen\nIX.\nWindmühle der Liebe und der Weltgegenden\nAuf deinem Nachttisch Poudre lnconnu\nDie Chinaseide\nBand mit Mandelbaumgeruche\nFurchtbarer Dolch kriecht\nUnterm roten Tuche\nSüd Liebe Lippe Scharlachäpfel Poesie"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1488, "texte": "X.\nDer Mikado lacht\nwie Hans\nim Glücke\nein Handschuh vorbereitet zum Duell\nXI.\nXII.\nJournale\nM.anche Journale gleichen dem Ozean\nWem wird mein Journal genannt Sirene\ngleichen?\nXIII.\nLiebe läuft längs Zitronengetränken .\nlustige Gymnastik der Augen\nOh meine süßen Bonbons\nwohin läuft dieser amüsante Schnellzug\nvon Aug zu Aug in euer grünes Arkadien\nSchnee ist von rosa Ornamenten durchflochten\ntatsächlich fabelhaftes Gefrorenes\nOh schlaft meine Wanzen\nOh schlaft Kardinäle\nXIV.\nBegebenheit\nZuerst haben wir gedacht daß es ein geheimes\nZeichen sei\nes konnte ein Menü sein\nes war ein Kalender\neine Glühlampe hing ausgebrannt über ihm\nbis einmal ein weißer Mensch vorüber ging\neine Frau und ihr weißes Gesicht\nach ja es war nur ein Kalender\n0\nan den Monat entsinne ich mich nicht mehr\noffenbar leuchtete er nicht\noffenbar war es der Neu-Mond-Monat\nXV.\nUnsere kleinen Weibchen sind unsere großen\nHeldinnen\nununterbrochen telefonieren sie euch\nach im Herzen das Glöckchen spielt ewig\nmit dir\neine jede von ihnen ruft Hallo\nlegt das Hörrohr fort\nund läßt dich bis in den Tod warten\nW e 11\nW e 1 t-licht\nW e 1 t-ferne\nW e 1 t-schmerz\nW e 1 t-dame\n\\V e 1 t-llchkeit\nW e 1 t-mann\nWelt\nXVI.\nXVII.\nEinmal kommen wir so weit\ndaß wir die alte Zivilisation ausziehen\nund alle Wirklichkeiten sind ultraviolett\naber 17 Gedichte sind etwas anderes\naber das ist etwas anderes als sich etwas\nvornehmen\naber das ist etwas anderes als ein Gedicht\ngut erwägen und niederschreiben\nDas ist das Herz der Spieluhr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c009", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.8.1", "titre_corps": "[Illustration sans titre]", "titre_sommaire": "[Illustration sans titre]", "signature_source": "Sidney Hunt", "controle": "bornes données par la 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Sie verwechseln das mit dem\nSchießen.\nNummer 29: Diese Stätte wird uns ein\nHeiligtum bleiben. Der Schuß vom 21. No-\nvember 1811 ist nicht umsonst gefallen.\nKönnte es heute noch geschehen, daß eine\nEingabe um 20 Louisdor, falls sie den For-\nmalitäten entspricht, sage und schreibe zwei\nMonate in der Kanzlei liegen bleibt, bis sie,\nwie beim vorliegenden Toten, den Vermerk\nerhält: „Z. d. A„ da der p. v. Kleist 21.11.11.\nnicht mehr lebt.\" Wir weisen das mit Ent-\nrüstung von uns.\nChor der 33: Und erheben flammenden\nProtest.\nNummer 29: Auch lebt heute ein an-\nderes Geschlecht von Dichtern, das, durch\nSport hinlänglich gestählt, dem Hunger einen\ndauerhafteren Widerstand zu leisten in der\nLage ist. (Rufe: Es lebe der Sport!) Lassen\nSie uns darum in dieser Weihestunde ge-\nloben, in der Förderung des Sports nimmer\nzu ruhen, eingedenk des Spruchs: Mens sana\nin corpore sano. (Rufe: ~Bravo.\" ~Sehr\nrichtig.\" „Wir geloben es in corpore.\")\nNummer 30: Ich danke den Vorrednern\nfür ihre klug abgewogenen Worte. Auch ich\nschließe mich den Worten des Dichters: In\nStaub usw. aus jubelnder Kehle an. Die Ku-\ngel vom 21. 11. 1811 hat reife Früchte ge-\ntragen. Wie ein Mene Tekel steht sie vor\ndem Geiste der schaffenden Geister. Wie eine\nStimme aus dem Grabe ruft sie unseren rin-\ngenden Poeten zu: Harrt aus, auch eure Zeit\nwird kommen. Es war das schönste Vorrecht\ndes Genies, von seiner Zeit nicht verstanden\nzu werden. Die Kugel vom Kleinen Wann-\nsee hat auch darin Wandel geschaffen. Heute\nbraucht sich kein Genie zu erschießen. (Rufe:\nBravo!) Die moderne Technik hat Garan-\ntien geschaffen, wie sie vor hundert Jahren\nkaum geahnt wurden. Jeder darf heute zu\nWorte kommen. Wir hören alle.\nNummer 20 zu 21 (leise): Mit Ausnahme\ndes Genies. Pscht!\nNummer 31: Ist auch ein freimütiges\nWort erlaubt? Schon die Angst, daß wir ein\nGenie in den Tod treiben könnten, treibt uns\n— (Rufe: Sehr gut!) — treibt uns zur An-\nerkennung auf breitester Basis. Aus dem\nLeben unseres Volks ist Kleist schlechthin\nnicht mehr wegzudenken. Würden wir Kleist\nso lieben, wenn er sich nicht erschossen\nhätte? Nein, die Kugel vom Kleinen Wannsee\nhat uns für immer die Augen geöffnet.\nNummer 32: Auch ich mache mir des\nDichters Wort zu eigen: In Staub und so\nweiter. Wahrlich, hier hat ein Poet mit eher-\nnem Griffel vorausgeahnt, was heute zur\nbitteren Wahrheit geworden ist. Wer das\nvermag, der hat den Besten seiner Zeit ge-\nnügt. Nehmt alles nur in allem. Und also\nbraucht heute kein Geist mehr zu verhungern.\nWo fünf satt werden, wird auch ein Sechster\nsatt. (Ruf: Goldene Worte!)\nNummer 33: Ehe wir uns in den rau-\nschenden Festtrubel stürzen, lege ich als letz-\nter, aber Kleists Herzen nicht der letzte (Ruf:\nSehr gut!) namens der Lustbarkeitssteuerbe-\nhörde meiner Stadt diesen Kranz nieder.\nWiegt er auch jene 20 Louisdor nicht auf,\ndie einst durch ein bedauerliches Versehen\ndem Dichter nicht mehr zugehen konnten,"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3281, "texte": "so repräsentiert er doch eine Summe, von\nder heute ein Dichter, bei bescheidener Le-\nbensführung, einen Monat in Saus und Braus\nleben könnte. Solche Opfer mögen denen zum\nTrost gereichen, deren Donnerwort nicht an\nunser Ohr dringt, weil wir allzumal Men-\nschen sind. Sage keiner in frevler Ueber-\nhebung, daß er das Genie auf Kanonenschuß-\nweite erkenne. Wir wollen lieber zwölf\nDutzend Librettisten namens der Regierung\nherzlich zum siebzigsten Geburtstag gratu-\nlieren, ehe daß wir dulden werden, daß auch\nnur einer den Weg nach Wannsee gehen soll.\nUnser teures Grab, das Golgatha der deut-\nschen Dichtung, es lebe hoch!\nInzwischen haben die Gesangvereine Bran-\ndenburgs rings um die Bürgermeister Auf-\nstellung genommen. Aus vielen tausend be-\ngeisterten Kehlen erbraust der Choral: „In\nStaub mit allen Feinden Brandenburgs.\"\nErster Akt\nSzenarium der ersten Szene. Die ärmliche\nDachkammer des Dichters X. Der Dichter\nhat seiner Frau ein neues Drama vorgelesen.\nSie sagt: „Ich habe nichts verstanden\". Er\nversucht, ihr die dichterischen Schönheiten\nzu erklären. Hier muß man ahnen, daß wir\nes mit einem Genie zu tun haben (Kern des\nStückes, zugleich schwierige Aufgabe). Endlich\nsagt die Frau: „Du bist verrückt!\" -— Der\nDichter klagt über die Kälte. Sie: „Schmeiß\ndeine Dramen in den Ofen.\" Schwerer Kampf\ndes Dichters, dann wirft er Manuskripte in\nden Ofen. Stimme von oben: „Da sind Kul-\nturschätze von unermeßlichem Wert unwieder-\nbringlich verloren gegangen.\"\nVerwandlung\nSzenarium der zweiten Szene. Das drama-\nturgische Büro eines Theaters.\nDramaturg: Nicht aktuell.\nDichter: Es hat die Nerven unserer Zeit.\nDramaturg: Die Nerven unserer Zeit\nsind Auto, Flugzeug, Elektrizität, Maschine,\nRadio und Jazz. Auch ist in keinem Akt von\nFreiheit die Rede.\nDichter: Direkt nicht.\nDramaturg: Auch vermisse ich eine\nTendenz.\nDichter: Es hatte eine Tendenz. Sie ist\naber sozusagen in der Dichtung verdampft.\nDramaturg: Eine politische Tendenz ist\nheute wichtiger als das Dichterische.\nDichter: Ich gehöre keiner Partei an.\nDramaturg (lacht sich schief): Wer hat\ndenn das verlangt?\nDichter: Ich teile die Ansichten keiner\nPartei.\nDramaturg (fällt vor Lachen vom Stuhl):\nSie gehören einer entschwundenen Epoche an.\nSie sind dreißig Jahre zu spät geboren. Für\nwen schreiben Sie eigentlich, (Der Dichter ist\nfassungslos.) Am vorteilhaftesten schreiben\nSie für reiche Leute. Am besten äußern Sie\nsich gegen den Kapitalismus und die Borniert-\nheit der Satten. Je reicher der Theaterbe-\nsucher ist, um so größer ist der Jocus, daß\nman nur im Theater auf ihn schießt.\nDichter: Dann kann ich mich gleich be-\ngraben lassen.\nDramaturg: Es wird Jhnen an Applaus\nnicht fehlen.\nZweiter Akt\n1. Szene. Szenarium: Die Bühne stellt das\ngroße Stadion dar. Die Zuschauerbänke sind\nfast leer. Aufmarsch der Verbände, an Fah-\nnen und Inschriften erkennbar: „Verband der\nKleistforscher\", „Verband Deutscher Kleist-\nausstellungen\", „Vereinigung' der Kleistregis-\nseure\", „Bund deutscher Kleistrezitatoren\",\n„Gesellschaft zur Erforschung von Kleists\nWürzburger Reise\", „Akademischer Kleistver-\nein\", „Gruppe der Kleistbuchhandlungen\",\n„Die Anwohner der Kleiststraße\", „Kartell\nDeutscher Kleist-Dielenbesitzer\" usf. usf. Ver-\nkäufer und Verkäuferinnen in schmucker\nTracht verkaufen Kleist-Zigaretten, Kleist-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2633, "texte": "Schokolade und Kleist-Ballons, die Kleists\nDramentitel als Aufschrift tragen. Eine Jazz-\nkapelle spielt das Meistersinger-Vorspiel.\nUeberall herrscht fröhliches Festtreiben und\nausgelassene Stimmung.\n2. Szene. Szenarium: Das „Festspiel im\nFestspiel\": „Die Dichtung im Sport\". In\nlosen Szenen wird gezeigt, wie die heutige\nDichtergeneration durch Sport zum Dicbten\nund Ausharren gestählt wird. Ein älterer\nDichter schleudert einige Speere, worauf er in\nder Lage ist, ein langes Epos aus dem Steg-\nreif zu dichten. Einige Dichter klettern auf\nStangen und diktieren, wieder unten ange-\nlangt. Romane in die Schreibmaschinen Lust-\nund Trauerspiele entstehen schon nach kur-\nzem Hürdenlauf. Die Lyriker werden schon\nnach wenigen Kniebeugen produktionsfähig.\nDer Jubel der Versammlung kennt keine\nGrenzen. Am Mikrophon steht Alfred Braun\nund gibt dem deutschen Volk Kenntnis vom\nwürdevollen Verlauf der Kleistfeier.\nDritter Akt\n1. Szene. Szenarium: Das große Kleist-\nBankett. Rede folgt auf Rede. Stelle aus\nder großen Hauptrede: Und wenn unser guter\nHeinrich jetzt von seiner Unsterblichkeit\nherabsehen könnte, wie wir hier zu feucht-\nfröhlichem Tun versammelt sind, er wäre der\nerste, der uns zuriefe: „Recht so, ihr Lieben.\nIm Geiste bin ich bei euch!\" (Ungeheuer\nJubel, Pfropfen knallen, Gläser klirren.)\n2. Szene. Szenarium: Dachstube des Dich-\nters. Er sitzt, zum Skelett abgemagert, auf\neinem alten Rohrstuhl, hat den Kopfhörer\numgeschnallt und folgt in sichtbarer Span-\nnung (Minenspiel!) dem würdevollen Verlauf\nder Kleistfeier. Nach zwei Stunden legt er den\nörer hin, holt aus der Speisekammer einen\nRevolver und erschießt sich.\nNachspiel\nSzenarium: Hundert Jahre später am Grabe\ndes Dichters X, um das dreiunddreißig Bür-\ngermeister stehen. Alle halten Ansprachen.\nBürgermeister 33: Ehe wir uns in den\nrauschenden Festsaal begeben, wo wir den\ngroßen Toten erst so recht feiern wollen, las-\nsen sie mich noch einmal sagen, daß uns\ndieses Grab ein Heiligtum und eine sichere\nGewähr für die Zukunft ist. Die Kugel vom\n18. Oktober 1927 hat die Geister mächtig auf\ngerüttelt. Vor hundert Jahren trieb eine grau-\nsame Zeit die Sportgewandten zum Dichten\nan. Wir weisen die Unmenschlichkeit mit Ent-\nrüstung von uns.\nDie 33 Bürgermeister: Und erhe-\nben flammenden Protest.\nNummer 33: Denn der Schuß in der\nDachkammer hat uns die Binde von den\nAugen gerissen. Wer da immer im Sport\nseinen Mann stellt, wird uns auch als Jün-\nger in Apoll eo ipso willkommen sein.\nNummer 20 zu 21 (leise): Mit Ausnahme\ndes Genies! Pscht!\nBürgermeister 33 (mit erhobener Stim-\nme): Mens sana in corpore sanol!!\nAlle dreiunddreißig: In corpore! 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Ausstellung\nWiederhold\nKonstuktive Gemalde\nGesamtscliaii\nGeoffnet yon 10—6\nSonntags von 11—2\nBilder - Verleih\nv .-«af\niff 112 -\n•>\n-.9 . \" •• *, .\nAbende\nim\nSturm\nTanz / / Gymnastik\nKorperkultur / Kunst\nAnfang 81/2 Uhr\nVerkauf von Kunst werken auf Ratenzahlung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c015", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[104]", "page_fin": "[104]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[104]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.2", "debut_caractere": 344, "fin_caractere_exclue": 402, "texte": "Society des Nations\nInstitut de Cooperation\nIntellectuelle"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c016", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[104]", "page_fin": "[104]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[104]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.2", "debut_caractere": 404, "fin_caractere_exclue": 718, "texte": "MOUSEION\nBULLETIN de I'OFFICE INTERNATIONAL\ndes MUSEES\nParaft en avril, aout, decembre\nAbonnement un an: FRANCE 25 Francs.\nAutres Pays 1.50 Dollar\nLe numSro France 10 F. autres pays 50 cts.\nRedaction: 2 rue Montpensier Paris\nAdministration: LES PRESSES UNIYER-\nSAIRES DE FRANCE\n49 Boulevard Saint-Michel Paris (s°)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c017", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[104]", "page_fin": "[104]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[104]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.2", "debut_caractere": 720, "fin_caractere_exclue": 1196, "texte": "I TAGESCHRONIK |\n| DER KUNST |\ng Rudolf Gotreh Verlag g\ng 129 Boul. Sebastopol. §§\n1 Paris 11 I\n| DIE LEBENDIGSTE FRAN- I\n■ ZOSISCHE KUNSTZEIT- I\n| SCHRIFT |\nI DIE ERSTE DEUTSCHE 1\n1 REVUE, DIE AUS PARIS |\n| KOMMT |\njg Abonnment Mk. 15.— pro Jahr, g\nM Mk. 4.— vierteljahrlich. 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JAHR\nHRIFT FDR MUSIK\n192*7\n»Heute die einzige deutsche\nZeitschrift, die neuer Musik\nmit Sinn und Ernst zu-\ngewandt ist«\nA. Einstein\nim »Neuen M usiklexikon«\nAbonnieren Sie\nVijahrlich (3 Hefte) Mark 2.—\nProbehefte kostenlos\nwwmem\nSCHRIFTLEITUNG: HANS MERSMANN\nVERLAG: B. SCHOTT'S SOHNE\nGeschaftsstelle-. Berlin W 35. 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BAUHAUSWERSTATTEN\ngeheftet Mk. 6 ..mo\nin Leinei^^unde^^lk^\nL. MOHOLy-NAGY, Malerei, Photographie, Film\ngeheftet Mk. 7\nin Leinen gebunden,M.k^__j\n\"wT kANDINSKy, Punkt und Linie zur Flache\ngekeftet Mk. 15\nin Leiner^gebur^ii|BMK^S\nJ. J. P. 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Goll, Gropius, Grosz, Heartfield, Herzfelde,\nHonzl, Chochol, Jung, Kassak, Kiesler, Kisdi, Krejcar, Lu\nMarten, W. Mehring, Micic, Moholy-Nagy, Nezval, Obrtel,\nOud, Picabia, G. Pohl, Poliansky, Pone, Mies van der Rohe,\nSeifert, Schiirer, Schwitters, Si'ma, Teige, Tzara, Vaclavek,\nWeisskopf, Wesfheim, Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seifen. Format 23 X5l cm, davon\n40 Seiten Illustrationen, Musikbeilagen/Redaktion\nder Front / Dr.B.Vaclavek / BrOnn 15-Schimitz /\nVasekgasse 11, Tschechosiowakei / Text der\ntschechisch, deutsch und franzosisch mit deutschen\nund franzcsischen Resumees\nPreis 16 Mk / In der Sturm-Buchhandlung vorratig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c024", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.20", "debut_caractere": 2225, "fin_caractere_exclue": 2812, "texte": "Franc\net des Industries de Luxe\nGegriindef von Henry Lapauze / Erscheinf zu Beginn jedes\nMonafs als Band von 60 bis 100 Seifen Quarfformaf\n(25 :32) mif zahlreichen Abbildungen\nDie Redakfion verdjfenflichf Beifrdge der anerkannfen\nSchriffsfeller und Krifiker alter Lander Europas. 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Wirtsehaft\nOrgan der „Geselkchaft der Freunde des\nneuen Kußland in Deutschland''\nSchriftleitung: Erich Baron / Berlin-Pankow / Kavalierstr. 10\nr,Das Neue Rutland\" im IV. Jahrgang als grofies\nMagazin des Osfens ist die Zeitschrift, die durch\nsachkundige Beitrage hervorragender deutscher\nund russischer Mitarbeiter am besten über den\nIwirtschaftlichen und kulturellen Neuaufbau ||\nRufilands unterridhtet gf\nJedes Heft ist reich illustriert\nDeutsche Mitarbeiter: Dr. Graf Arco, Klemperer, Bru o\nWalter, Artur Holitscher, Oberregierungsrat Dr. Roede,\nProf. Dr. Schaxel, Dr. Helene Stocker, General Schonaich,\n| Architekt Taut, Heinrich Vogeler u. a. m. §§\nRussi s di e Mitarbeiter: Volkskommissar Lunatsdharski,\nSemaschk \\ Trotzki, Tschitscherin, ferner O. D. Kameneva,\nKollontai, Krupskaja, die Professoren Goldstein, Ipatiew,\nRamsin,Waldhauer,dieKunstl rMeyerhold,Eisenstein u.a m.\nDoppelheffe zu M I.— Abonnement h dbjahrlich M 3.—\ndurch Gesellschaft dr Freunde des neu.n Ruscland\nIE ich Baron / Berlin-Pankow / Kavalierstrasse 10 M\nHill 111 111 lllli Postscheck-Konto No. 74358 m^^SM"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c027", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.21", "debut_caractere": 1232, "fin_caractere_exclue": 1636, "texte": "I Casa d'Arte II\nI\nBRAGAGLIA\nModerne Kunstausstellungen: Theater der\nUnabhangigen / Buchhandlung / Verlag\nKunstgewerbe\nTerme Romane di Via Avignonesi 8 / Rom 4\n. .v.-: . :■ ... ■ • ' . ..\nv./.'.-\nVERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nVORZUGS-ANGEBOT\nHerwarth Walden:\nEinblick in Kunst\nDie beste Einfuhrung\" in den\nExpressionismus und Kubismus\n70 Abbildungen, 4 faibige Kunstbeilagen\nStatt RM 6.50 nur RM 2.£50 jS"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1927-11-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1927-11_01#c028", "volume": "bmtnabg_1927-11_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.21", "debut_caractere": 1638, "fin_caractere_exclue": 2117, "texte": "W. Jffarzillier § Co. Berlin W * (Jruneroaldstrasse 14-15\nGegrundet 1851 Hofspediteur S. M. des Konigs von Spanien Gegrundef 185\nSpedition u. Mobelfransporfe, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u.i i jeder Art. Liefer ang\n' uni Empfang nach u d von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslanies. 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Heft\n\nInhalt\nHerwarth Waiden: Sowjet-Russland\nVitezlaw Nezval: Das Herz der Spieluhr\nRudolf Blümner: Kleist-Feier\nSidney Hunt: Zeichnungen\nKonferenz für Soziologie der Kunst in Moskau\n\nFARBIGE KUNSTDRUCKE\nJEDES BLATT 1,50 MARK / DIE MIT * VERSEHENEN 1 MARK\nALEXANDER ARCHIPENKO: Frau/ Aquarell\nMARC CHAGALL: Akt / Aquarell / Interieur /\nGem aide / On dit (Der Jude) / Aquarell, Kut-\nscher / Aquarell / Der Coiffeur / Aquarell /'\nIch und das Dorf / Gemalde\nROBERT DELAUNAY: Aquarell\nTOUR DONAS: Frau mit Yase / Gemalde,\nFrau und Kind / Gemalde\nNATALIE GONTSCHAROWA: Theater-\ndekorationen®\nREINHARD GOERING: Zwei Aquarelle\nJACOB A VAN HEEMSKERCK: Bild 68 /\nGemalde / Insel / Gemalde\nJOHANNES ITTEN: Gemalde eines Kindes\nKANDINSKY: Aquarell 2, Aquarell 6\nPAUL KLEE: Spiel der Krafte einer Land-\nschaft I Aquarell / Giftbeeren / Aquarell\nFERNAND LEGER: Kontrast der Formen /\nG emalde\nFRANZ MARC: Pferde / Aquarell\nLOUIS MARCOUSSIS: Stilleben / Aquarell\nJEAN METZINGER: Landschaft / Gemalde\nMOHOLY-NAGY: Schwarz-orange-gelb / Gemalde\nGEORG MUCHE: Und schied das Licht /\nGemalde\nPANNAGGI: Zug in Bewegung / Gemalde\nPERI: Strasse / Gemalde\nLOTHAR SCHREYER: Biihnenfarbform*\nKURT SCHWITTERS: Farbige Merzzeichng.\nGINO SEVERINI: Pan-Pan-Tanz im Monico\n/ Gemalde\nNELL WALDEN: Todfriibling / Gemalde,\nFarbige Zeichnung, Segel / Aquarell\nSUDSEEGOTZE *\nVERLAG DER STURM"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[104]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.2", "texte": "Kimstausstellung\nDER STURM\nBERLIN W 9 / Potsdamer Str. 134 a I\nNovember 1927\n164. Ausstellung\nWiederhold\nKonstuktive Gemalde\nGesamtscliaii\nGeoffnet yon 10—6\nSonntags von 11—2\nBilder - Verleih\nv .-«af\niff 112 -\n•>\n-.9 . \" •• *, .\nAbende\nim\nSturm\nTanz / / Gymnastik\nKorperkultur / Kunst\nAnfang 81/2 Uhr\nVerkauf von Kunst werken auf Ratenzahlung\n\nSociety des Nations\nInstitut de Cooperation\nIntellectuelle\n\nMOUSEION\nBULLETIN de I'OFFICE INTERNATIONAL\ndes MUSEES\nParaft en avril, aout, decembre\nAbonnement un an: FRANCE 25 Francs.\nAutres Pays 1.50 Dollar\nLe numSro France 10 F. autres pays 50 cts.\nRedaction: 2 rue Montpensier Paris\nAdministration: LES PRESSES UNIYER-\nSAIRES DE FRANCE\n49 Boulevard Saint-Michel Paris (s°)\n\nI TAGESCHRONIK |\n| DER KUNST |\ng Rudolf Gotreh Verlag g\ng 129 Boul. Sebastopol. §§\n1 Paris 11 I\n| DIE LEBENDIGSTE FRAN- I\n■ ZOSISCHE KUNSTZEIT- I\n| SCHRIFT |\nI DIE ERSTE DEUTSCHE 1\n1 REVUE, DIE AUS PARIS |\n| KOMMT |\njg Abonnment Mk. 15.— pro Jahr, g\nM Mk. 4.— vierteljahrlich. H\ng Redaktionelle Leitung: ROLF HENKL g\ng Verlangen Sie ein Probeexemplar! g\nliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniitiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiJiiiiiiiiiiiiiiijj\n\nELOS\nZEITSC\n6. JAHR\nHRIFT FDR MUSIK\n192*7\n»Heute die einzige deutsche\nZeitschrift, die neuer Musik\nmit Sinn und Ernst zu-\ngewandt ist«\nA. Einstein\nim »Neuen M usiklexikon«\nAbonnieren Sie\nVijahrlich (3 Hefte) Mark 2.—\nProbehefte kostenlos\nwwmem\nSCHRIFTLEITUNG: HANS MERSMANN\nVERLAG: B. SCHOTT'S SOHNE\nGeschaftsstelle-. Berlin W 35. Steglitze\nStr. 27 112 Postscheckkonto: Berlin 194-25"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.3", "texte": "Sowjet-Russland\nVerbrecher Kolonie\nDie Kommune der 0 G P U\nHerwarth Walden\nZwar nimmt man außerhalb der USSR an,\ndaß die Bolschewisien eine Abart von Men-\nschenfressern sind, die abgesehen von dieser\nTätigkeit zunächst die Fremden und dann\ngegenseitig sich selber und berau-\nben. Trotzdem kennt man auch dort Ver-\nbrecher, sozusagen bürgerliche Verbrecher.\nAlso Leute, die, wie in anderen Ländern mit\nOrdnung und Kirche, sich berufsmäßig mit\nMord, Raub, Diebstahl und Vergewaltigung\nbefassen. Diese Leute wurden im alten Ruß-\nland mit vieljährigen Zuchthausstrafen verse-\nhen. Da im sozialistischen Staat die private\nBeschäftigung mit diesen Berufen ebenfalls\nnicht gestattet ist oder unter Strafe gestellt\nwird, begann man sich mit dem Problem\nzu befassen, wie man diese Leute zu Mit-\ngliedern wenigstens der sozialistischen Ge-\nsellschaft machen könne. Studienmaterial war\nin Zuchthäusern des alten Rußlands reich-\nlich vorhanden. Dserjinsky, Führer der\nTscheka, also amtlicher Menschenfresser der\nUSSR, begab sich vor einigen Jahren per-\nsönlich in diese humanen Rettungsanstalten\ndes Zarismus, in denen man sich bemühte,\nunordentliche Mitglieder der bürgerlichen Ge-\nsellschaft durch Prügel, schlechtes Essen und\nSonderstrafen der bürgerlichen Gesellschaft\nzurückzugewinnen und sie in den Kreis der\nallgemeinen und insbesondere der christlichen\nMenschenliebe wieder einzuordnen. Die Kirche\nscheute nicht einmal die Kosten, den nötigen\nzweckentsprechenden Apparat auf eigenes Ri-\nsiko einzurichten. Jeder Gefangene bekam so-\ngar seine eigene feinverschlossene Zelle, um\nsich ungestört von menschlicher Gesellschaft\ndem Dienst Gottes widmen zu können. Dser-\njinsky fand die Heilerfolge der Unternehmun-\ngen für den gegenwärtigen sozialistischen\nStaat nicht ausreichend. Die Erziehung zum\nallgemeinen und grundsätzlichen Menschen-\nfressertum muß auf eine andere Weise durch-\ngeführt werden. Er suchte sich etwa hundert\nVerbrecher aus, die ihm für seine Zwecke\ngeeignet erschienen, und hielt ihnen etwa\nfolgende Rede: „Genossen, man hat es für\nrichtig gehalten, eine anders geartete Ordnung\nzwischen den Menschen herzustellen. Ihr seid\nfrei. Da ihr aber weder zu schlafen noch\nzu essen habt und sich nicht jeden Moment\ndie Gelegenheit ergibt, in euerem früheren\nBeruf zu arbeiten, seid ihr eingeladen, eine\nkleine Villa zu beziehen, die uns ein Scho-\nkoladenfabrikant unfreiwillig zur Verfügung\ngestellt hat. Leider sind wir arm und können\neuch nicht ernähren. Wir haben aber eine\nkleine Fabrik, in der ihr sofort arbei-\nten könnt, wenn ihr wollt. Ihr werdet dafür\ns'O' gut oder so schlecht wie ein Arbeiter\nbezahlt werden. Auch ist ein Genosse da,\nder euch gern zeigt, wie man mit den Ma-\nschinen umgeht. Nach euerer Arbeit könnt\nihr auch schreiben, lesen und rechnen lernen.\nDas sind die Künste der ehemaligen Gesell-\nschaft, die man euch nicht beigebracht hat,\num auch unordentliche Mitglieder der Ge-\nsellschaft zu erzeugen und dadurch mensch=\nliches Besserungsmaterial zu gewinnen. Wir\nsind auch bereit, euch etwas Vorschuß zu\ngeben, weil ihr nicht sofort verdient. Der\nVorschuß wird natürlich von euerem Arbeits-\nlohn abgezogen. Ueberlegt euch meinen Vor-\nschlag.\" Die hundert Mann setzten sich leicht\nüberrascht zusammen. Selbst die Gefängnisse\nwaren nicht so verschlossen, daß sie nichts\nvon den verbrecherischen Taten der sozia-\nlistischen Gesellschaft gehört hätten. Sie wa-\nren also mißtrauisch. Offenbar hatte man vor,\nsie in irgendeinen weltentlegenen Winkel zu\nschleppen und sie zu ermorden, um sie ihrer\nKleidung und ihrer Habseligkeiten zu be-\nrauben. Was man mit einem Fremdwort so-\nzialisieren nennt. Da der Aufenthalt im Zucht-\nhaus auch nicht besonders reizvoll war, be-\nschloß man, den Vorschlag anzunehmen und"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.4", "texte": "sich seiner Haut zu wehren, so gut es gehen\nwürde. Am nächsten Morgen fuhr man drei-\nßig Kilometer weit von Moskau fort und kam\nauf einem hübsch gelegenen Landsitz an, der\neinem Mitglied sogar als Betätigungsfeld aus\nseinem Beruf bestens bekannt war. Er wun-\nderte sich nur darüber, daß sämtliche Stein-\nmauern und Gitter mit Stacheldraht recht un-\nvorsichtig völlig entfernt waren. Auch Sol-\ndaten und Wächter waren nirgends zu sehen,\nwas das Mißtrauen erheblich steigerte. Selbst\nHunde waren nicht vorhanden. Nur einige\nKatzen spielten im Garten und außer dem\nObermenschenfresser Dserjinsky waren nur\nzwei jüngere Leute anwesend, die als Ob-\njekte für oder zur Gewalttätigkeit nicht ge-\neignet erschienen. Jeder einzelne von der\nVerbrecherkolonie könnte spielend mit zehn\nvon denen aufnehmen.\nDa die Sache scheinbar ziemlich ungefähr-\nlich aussah, beschloß man zu bleiben. Es\nwar ihnen auch für die Folge nicht möglich\nfestzustellen, worin der sozialistische Betrug\nbestand. Sie hatten anständige Betten. Zwar\nnicht jeder ein einzelnes Zimmer wie der\nSchokoladenfabrikant. Der hat aber in weiser\nVoraussicht seine Zimmer bereits so groß\ngebaut, daß zwanzig Menschen bequem in\neinem Zimmer schlafen konnten. Das Essen\nwar gut und billiger als in Moskau. Die Ma-\nschinen waren da und der eine junge Mann\nzeigte ihnen ohne jede Schimpferei die Hand-\ngriffe. Einige kannten sie. Die begannen so-\nfort zu arbeiten. Die anderen sahen sich eine\nWeile die Sache an, und da die Maschinen\nkein Gift spuckten und sich ganz normal be-\nnahmen, gingen die übrigen auch ans Werk.\nNur etwa sieben zogen es vor, sich erst\nnoch einmal nach ihrem alten Beruf in Mos-\nkau umzusehen und waren recht erstaunt, daß\nman sie tatsächlich ziehen ließ. Nach acht-\nstündiger Arbeit, unterbrochen von einer ein-\nstündigen Mittagspause, sah man sich die Na-\ntur etwas an. Nach einer weiteren Stunde\nwurden sie von dem anderen jungen Mann\nfreundlichst eingeladen, in den Klub zu kom-\nmen. Man setzte sich in einem Raum zu-\nsammen, den man früher als Salon zu be-\nzeichnen pflegte. Der junge Mann schlug\nihnen ein Programm für die Abende vor,\nwie es sich für jeden anständigen Klub ge-\nhört, An drei Abenden beschloß man, sich\ndie Künste anzueignen, die die Möglichkeit\nzur alleinigen Beschäftigung geben. Lesen\nund Schreiben. Die es schon konnten, fanden\neine eigene Bibliothek. Wenn ihnen die vor-\nhandenen Bücher nicht gefielen, konnten sie\nsich andere Bücher bestellen. Am vierten\nAbend beschloß man, Musik zu machen, am\nfünften Abend Theater zu spielen, am sechsten\nAbend Vorträge zu halten und zu diskutieren.\nIm Sommer trieb man an diesen drei Aben-\nden Sport. Die sich für besondere Dinge in-\nteressierten, wie Landwirtschaft, Technik und\nPolitik, taten sich zu besonderen Zirkeln zu-\nsammen, um sichs weiter auszubilden. Die\nBauern des Dorfes betrachteten diese Kolo-\nnie mit höchstem Mißtrauen. Sie wandten\nsich sogar an die Regierung mit der Bitte,\ndie Kolonie aus ihrem Dorf zu entfernen. Die\nRegierung tat das, was sie überall bei Ein-\ngaben zu tun pflegt: sie lehnte ab. In der\nFabrik wurde eifrig gearbeitet. Fast keiner\nbegnügte sich mit dem monatlichen Grund-\nlohn von dreißig Rubeln. Durch Akkordar-\nbeit und durch Stücklohn werden monatlich\nsiebzig bis zweihundert Rubel verdient. Die\nAbende für den einfachen Schulunterricht wur-\nden schon nach wenigen Monaten frei und\nfür wissenschaftlichen Unterricht und theo-\nretische Berufsfortbildung verwandt. Die Ko-\nlonisten gründen mit ihrem ersparten Geld\neine Konsumgenossenschaft, der die Regie-\nrung im Anfang Kredit gibt. Auch die Bau-\nern fangen an dort einzukaufen, da die Waren\nbilliger als im Dorfe sind und größere\nAuswahl vorhanden ist. Man hat sich mit\nder Kolonie ausgesöhnt, die ihre Freizeit von\nSonnabend mittag bis Montag früh im Dorf\nverbringt. Nach anderthalb Jahren haben sich\nbereits zwanzig Bauerntöchter mit Kolonisten"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.5", "texte": "und mit Zustimmung der Eltern verheiratet.\nDie Kolonie soll vergrößert werden. Die Auf-\nträge häufen sich, die Fabrik muß erweitert\nwerden. Man braucht neue Menschen. Die\njährliche Generalversammlung der Kolonie er-\nhält von der Regierung die Erlaubnis, Dele-\ngierte zu wählen, die aus den Gefängnissen\nneue Genossen für die Arbeiterkommune aus-\nsuchen darf. Auch neue Wohnhäuser werden\ngebaut. Der Klub ladet sich Künstler für die\nAbende ein, die von ihm honoriert werden.\nSie sehen und hören Neues und lernen, wie\nsie sich selbst künstlerisch fortbilden können.\nKonflikte, die selbstverständlich vorkommen,\nwerden von einer Konfliktkommission aus\nihren Kreisen geschlichtet. Die Strafen be-\nstehen in Rügen, Lohnabzug und Verbot der\nReise nach Moskau über Sonntag. In kurzer\nZeit soll die Kolonie jetzt bis auf tausend\nMitglieder erweitert werden. Und das neue\ngroße Ereignis wird auf der wöchentlich\nzweimal erscheinenden geschriebenen Wand-\nzeitung mitgeteilt: man wird Frauen und\nMädchen aufnehmen. In der Wandzeitung\nwird erklärt, die Kolonie sei so weit fort-\ngeschritten, daß sie den Versuch unterneh-\nmen könne, Arbeit und Kultur den gefange-\nnen Frauen beizubringen, die ihrerseits wie-\nder durch die Eigenschaften der Frau den\nMännern helfen sollen.\nEine Fabrik für Strickwaren ist bereits einge-\nrichtet, ein reichsdeutscher Meister als Leh-\nrer angestellt. Er hat vorläufig nur eine\nAngst, wie er die teueren Rohstoffe vor Dieb-\nstahl schützen soll. Ein Kolonist beruhigt\nihn, hier bestiehlt man nur sich selbst. Wer\nam Anfang zum Beispiel seine Schlafdecke\nstphl und verkaufte, bekam einfach keine neue\ngeliefert. Er mußte also sich seine Decke\nzurückkaufen, falls er nicht frieren wollte.\nWer seine Rohstoffe verkauft, kann eben\nnicht arbeiten, verdient also kein Geld. Außer-\ndem kann ihn die Kolonie auf ihren Be-\nschluß ausstoßen. Das Gefängnis nimmt ihn\nnicht wieder auf, weil er frei ist und die\nVerbrecher verachten die Kolonisten\n\nStrafvollzug\nDie Justiz in der USSR ist eine bewußte Klas-\nsenjustiz. Der Staat wird stets eine Organi-\nsation der herrschenden Klasse sein. Seine\nVerfassung und seine Gesetzgebung ist die\nFeststellung der tatsächlichen Machtverhält-\nnisse. Die deutsche Republik gestattet der\nJustiz, die Beziehungen der gegenwärtigen\nMenschen nach einer vergangenen Machtpe-\nriode zu beurteilen und zu verurteilen. Diese\nMethode ist noch weniger objektiv als die\nKlassenjustiz. In der USSR sah man die ro-\nmantische Ideologie der akademischen Rich-\nter voraus, man nahm ihnen die Macht und\nsetzte Volksgerichte ein. Sie bestehen zu 90\nProzent nur aus Laien, erst bei den obersten\nGerichten befinden sich auch Berufsjuristen,\nwesentlich mit beratenden Funktionen. Auch\nder Strafvollzug ist nach neuen Grundsätzen\ngeregelt. Man geht davon aus, die Verurteil-\nten zu werktätigen Mtigliedern der Gesell-\nschaft zu erziehen und sie hierfür durch die\nnötigen Kenntnisse und Mittel vorzubereiten.\nMan übersieht, daß der größte Teil von Ei-\ngentumsvergehen aus Not und ein großer\nTeil anderer Vergehen durch schlechte Ein-\nflüsse entstanden ist. Das strengste Zucht-\nhaus in der USSR ist die Isolieranstalt in\nLefortowo bei Moskau. Ein früheres Mili-\ntärzellengefängnis, in dem sich zurzeit 451\nGefangene befinden. Hier sind die schwersten\nVerbrecher untergebracht, von denen viele zu\nder höchst zulässigen Strafe von zehn Jah-\nren Zuchthaus verurteilt worden sind. Todes-\nstrafe existiert nur für politische Verbrechen\nund Spionage, die nur durch den Sonderge-\nrichtshof der OGPU, der zentralen politi-\nschen Verwaltungsbehörde der Union ver-\nhängt wird. Aeußerlich der übliche Zucht-\nhausapparat. Besichtigung nur mit Genehmi-\ngung des Volkskommissariats für innere An-\ngelegenheiten. Wächter mit Gewehren bewaff-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.6", "texte": "net. Eingang durch zahllose verschlossene\nund gesicherte Türen. Jede einzelne von ei-\nnem Wächter bewacht. Nach dem Oeffnen\nder letzten Tür befindet man sich plötzlich\nin einer Fabrik. Das ehemalige Verwaltungs-\ngebäude. Hunderte von Zuchthäuslern in\nihrer gewöhnlichen Kleidung an den Maschi-\nnen Jeder Gefangene hat gesetzlich das Recht\nauf Arbeit. Falls er nichts gelernt hat, wird\ner nach seiner Wahl angelernt. Die Arbeit\nist nur ein Recht, nicht ein Zwang. Von\ndiesem Recht machen zurzeit nur zwei Ge-\nfangene keinen Gebrauch. Ein Fürst, wegen\nHochverrats verurteilt, der auch in seiner Zelle\nnicht empfängt. Und ein Pope, verurteilt we-\ngen Anstiftung zum Mord eines Arbeiterkor-\nrespondenten. Er empfängt, hat sich eine\nkleine Privatkirche mit allen Schikanen in\nseiner Zelle eingerichtet und vertreibt sich\nden Tag in seiner Popenkleidung mit Beten.\nDie Strafe wird in der Verurteilung gesehen.\nNach der Verurteilung gibt es außer der Frei-\nheitsbeschränkung nach außen keine Bestra-\nfung. Deshalb wird auch den Gefangenen die\neigene Kleidung gelassen. Die Arbeit wird\nvom ersten Tage an bezahlt. Der Gefan-\ngene verdient durchschnittlich im Monat drei-\nßig bis vierzig Rubel, im Stücklohn zum\nTeil bedeutend mehr. Ein Drittel des Lohns\nwird ihm im Anfang sogar auf Vorschuß aus-\ngezahlt, den er zu eigenen Einkäufen in der\nKantine für besondere Lebensmittel, Zigaret-\nten, Bücher usw. verwenden kann. Ueber\nsein gesamtes Einkommen kann er insoweit\nfrei verfügen, als er einen Teil seinen Ange-\nhörigen schicken lassen kann, das übrige Geld\nnach Verbüßung der Strafe bar ausgezahlt\nbekommt. Die Gefängnisverwaltung hat das\nRecht, Anträge auf Erlaß der Strafe bis zur\nHälfte der Zeit bei der zuständigen Behörde\nzu stellen, falls der Gefangene sich gut führt\nund gut arbeitet. Diesen Anträgen wird\ngrundsätzlich stattgegeben. Es wird auch für\ndie unmittelbare Anstellung des Gefangenen\nnach seiner Entlassung in einer Fabrik, in\neinein Betrieb oder in einem Büro gesorgt.\nDie Arbeitszeit ist acht Stunden von acht bis\nfünf mit einer Stunde Mittagspause. Nacht-\narbeit dauert sechs Stunden. Von fünf bis\nsechs Spaziergang\" im Gefängnishof mit dem\nRecht der unbeaufsichtigten freien Unterhal-\ntung. Um sechs Uhr beginnt die Kulturarbeit,\nan der sich fast alle Gefangenen beteiligen.\nMan hat die ehemalige Betkapelle zu einem\nArbeiterklub eingerichtet. Hier finden Kon-\nzerte, Theatervorstellungen der Gefangenen,\nVorträge und Vorlesungen statt. Da den Ge-\nfangenen zurzeit der alte Flügel nicht mehr\ngenügt, haben sie beschlossen, aus zusam-\nmengelegten eigenen Mitteln sich einen neuen\nanzuschaffen. Auch in der Betkapelle muß-\nten sich die Gefangenen in Isolierzellen auf-\nhalten, damit sie nicht miteinander Fühlung\nnehmen konnten. Diese Zellen sind in Zim-\nmer für die einzelnen Lehrzirkel umgebaut.\nDer wichtigste Zirkel ist für Liquidierung des\nAnalphabetentums. Niemand verläßt das Ge-\nfängnis, ohne lesen, schreiben und rechnen\nzu können. Es sind ferner Zirkel für Politik\nund für Spezialunterricht auf den Gebieten\nder Landwirtschaft, Industrie, der Berufe und\nder allgemeinen Kultur errichtet. Alle wich-\ntigen Zeitungen liegen aus. Der Gefangene\nkann sich auch auf eigene Kosten Zeitungen\nabonnieren. Das Gefängnis hat ferner eine\nLeihbibliothek und Buchhandlung. Zwei Ge-\nfangene haben eine Frisierstube errichtet, die\ndie Gefangenen besonders stark vor dem Be-\nsuch ihrer Angehörigen benutzen. Diese Be-\nsuche sind einmal wöchentlich gestattet. Man\ndarf sich aber nur durch Gitterfenster unter-\nhalten, zwischen denen ein breiter Gang liegt.\nPakete dürfen beliebig nach Untersuchung\ndes Inhalts übergeben werden. Die Mahl-\nzeiten am Mittag und am Abend haben ein\nGewicht von anderthalb Pfund, der Kalorien-\ngehalt ist amtlich vorgeschrieben und darf von\nden Gefangenen kontrolliert werden. Mittags\ngibt es Borschzsch, eine dicke Suppe mit ver-\nschiedenen Gemüsen und einem großen Stück\nFleisch. Abends Kascha, eine nahrhafte Grütze\nund Fleisch. Morgens wird nur kochendes"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.7", "texte": "Wasser verabreicht. Tee kaufen sich die Ge-\nfangenen selbst in der Kantine. Das Essen\nwird außerordentlich hygienisch in Kupferkes-\nseln zubereitet. Das Eßgeschirr besteht aus\nAluminium. Das Essen ist schmackhaft, wo-\nvon ich mich selbst überzeugt habe. Die\nGefangenen können nach ihrem Belieben in\nihren Zellen einzeln oder gruppenweise es-\nsen. Das Gefängnis hat eigene Krankenzim-\nmer, ein Ambulatorium und ein Zahnheilin-\nstitut. Auf die Pflege und Erhaltung der\nZähne wird von der Gefängnisleitung beson-\nderes Gewicht gelegt. Seit einigen Monaten\nwerden alle Zellen mit Radioapparaten ein-\ngerichtet. In der Hälfte der Zellen sind sie\nbereits in Betrieb. Strafen für Schlägereien,\nBeschimpfungen und tätliche Angriffe gegen\ndie Wachen bestehen in sieben Tage Iso-\nlierhaft, also Verweigerung der Arbeit und\ndes entsprechenden Lohnes. Diese Haft darf\nhöchstens auf weitere sieben Tage ausge-\ndehnt werden. Eine weitere Strafe ist die\nEntziehung des Spaziergangs für je zwei Tage.\nBei außerordentlichem, tobsuchtartigem Be-\ntragen darf bis zur Beruhigung eine Zwangs-\njacke angewandt werden. Bei der Anlegung\nmuß eine Kommission von neun Personen an-\nwesend sein, zu der der Gefängnisleiter, der\nGefängnisarzt und einige Gefangene gehören\nmüssen. Diese Strafe brauchte in dem letzten\nJahr nicht einmal verhängt zu werden. Die\nGefangenen haben vollkommenes Beschwerde-\nrecht, auch gegen die Gefängnisleitung. Sie\nist verpflichtet, jede schriftliche Beschwerde\nder vorgesetzten Behörde zu übergeben. Der\nStaatsanwalt ist nicht nur Ankläger, nach der\nVerurteilung ist er Verteidiger der Verurteil-\nten. Er ist verpflichtet, sich jede Woche in\ndas Gefängnis zu begeben und mit jedem Ge-\nfangenen persönlich zu sprechen. Schon da-\ndurch ist es ausgeschlossen, daß Beschwerden\nunterschlagen werden können. Die Gewinne\naus der Arbeit der Gefangenen müssen zum\nTeil für die Verbesserung der Werkstätten\nund neue Anlagen verwandt werden. Die Ge-\nfängnisleitung klagt nur über Raummangel.\nDas Haus ist ja für diese Art des Strafvoll-\nzugs nicht gebaut worden. Man hat bereits\ndie Keller zu Arbeitsräumen umgewandelt. Es\nmuß gegenüber Gerüchten festgestellt wer-\ndem, daß dem Besucher alles gezeigt, jede\nTür geöffnet und jede Frage beantwortet wird.\nEs ist auch gestattet, mit jedem Gefangenen\neinzeln und ohne Zeugen zu sprechen.\nDas ist das Leben in der strengsten Strafan-\nstalt. In den übrigen Gefängnissen gibt es\nnoch weitere, pädagogisch beachtenswerte Er-\nleichterungen. So erhalten die Gefangenen,\ndie Angehörigen haben die Erlaubnis, von\nSonnabend mittag bis Montag früh ihre An-\ngehörigen zu besuchen und sich bei ihnen\naufzuhalten. Arbeitende Gefangene mit mehr-\njährigen Strafen erhalten jährlich vierzehn\nTage Erholungsurlaub mit kostenloser Un-\nterbringung in ein Erholungsheim. Hart-\nnäckige. nichtbesserungsfähige Gefangene\nwerden nach Abbüßung der Strafe nach be-\nstimmten Kolonien Sibiriens verbannt. Sie\nleben dort frei, dürfen nur die Kolonie nicht\nverlassen.\nMan übernimmt soviel aus dem Ausland.\nHier in der USSR ist eine praktisch erprobte\nMethode des Strafvollzugs gefunden, die den\ngrößten Teil der Gefangenen zu nützlichen\nund sogar zu qualifizierten Mitgliedern der\nGesellschaft macht, das soziale Unrecht der\nGesellschaft an Individuen sühnt und außer-\ndem den Staat ideell und materiell entlastet.\n\nDer Chef des Dorfes in\nPodolien\nManövergelände. Am Rande, unweit des Dor-\nfes, versammeln sich Hunderte von Pferden\nder Kavallerie der USSR zur Ruhe. Die\nFlugzeuge der russischen Konstruktion sind\nin den Zelthallen geborgen. Das Lager leuch-\ntet unter der weißen Abendsonne der weiten\nukrainischen Ebene. Soldaten der Roten Ar-\nmee ziehen truppweise in die umliegenden\nDörfer. Nach den Dienststunden sind sie frei"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.8", "texte": "und gehen ohne Urlaubsschein, wohin sie\nwollen. Alle Aviatiker aber mit Kommandeur\nund Orchester begeben sich geschlossen in\ndas westliche Dorf. Hundertfünfzig Gehöfte.\nZweitausend Einwohner. Mit Krankenhaus,\nSchule, Mutterschutz und Säuglingsheim. Die\nBehörde, der Dorfsowjet, hat zwei einfache,\naber auffallend saubere Zimmer in einem\nHolzhaus. Das behördliche Material, Akten\nund Archiv in einer Truhe. Zwei Stühle,\neine lange Bank, und ein großer Tisch. Hin-\nter ihm Krassni Ugolok, der rote Winkel,\nder sich in jeder Behörde der USSR findet.\nHauptsächlich Bilder von Lenin und den füh-\nrenden Männern der Republik. Alles um-\nkränzt mit Blumen und Fähnchen. An den\nübrigen Wänden Verordnungen. Keine Ver-\nbote, sondern Mitteilungen, wo und wie man\nam schnellsten einfachsten Auskunft,\nRat und Hilfe in den Angelegenheiten des\ntäglichen Lebens bekommt. Im zweiten Zim-\nmer des Sowjets sitzt der Sekretär der Or-\nganisation zur gegenseitigen Hilfe der Bau-\nernschaft. Beitrag monatlich fünfzig Kope-\nken. Von diesen Beiträgen werden landwirt-\nschaftliche Bedarfsartikel angeschafft, die der\nEinzelne sich nicht leisten kann. Ein Sowjet\nwird von den Bewohnern des Dorfes gewählt.\nDer Sowjet wählt aus sich heraus eine aus-\nführende Behörde, die die eigentliche und\ntatsächliche Verwaltung darstellt, dem Sow-\njet aber verantwortlich ist.\nHinter dem Sowjethaus hat sich in einem\ngroßen alten Naturgarten das gesamte Dorf\nversammelt. Mit Kindern. Zwischen den\nDorfbewohnern lagern viele Soldaten, vor\nallem Aviatiker. Büchsensammlung. Auf-\nschrift: Unsere Antwort an Chamberlain: Frei-\nwillige Beiträge zur Erbauung eines Luft-\ngeschwaders. Abbruch für die Verteidigung\nder USSR. Selbst in diesem armen Dorf sind\ndie Büchsen schnell voll. Heute ist große\nFeier. Die fünfzigste Luftschifferabteilung\nwird Chef des Dorfes, das vielleicht früher\nunter dem Protektorat irgendeiner Prinzessin\nstand. Die spendete in solchen Fällen bei der\nUebernahme etwa einen silbernen Humpen.\nDie Luftschifferabteilung hingegen übernimmt\nals Chef des Dorfes die kulturelle Bildung\nund die militärische Ausbildung der Bewoh-\nner zur Verteidigung des Landes. Viele Re-\nden werden gehalten. Der Vorsitzende des\nDorfsowjets betont, daß die Rote Armee der\nwaffengeübte Teil der werktätigen Bevölke-\nrung ist. Der Kommandeur erklärt, daß die\nArmee nur als Volksteil fühlt und empfindet.\nDie Abteilung betrachtet es als große Ehre,\ndem Dorf helfen zu können. Man werde\nsich gemeinsam .politisch fortbilden, kultu-\nrelle Vorträge sollen gehalten werden, das\nOrchester werde zur Belustigung und Erhei-\nterung dienen. Männer, Frauen und Kinder\nwerden lernen, wie man den Angriff eng-\nlischer Luftschiffe abwehren könne. Bauern\nbeteuern, daß sie sogar die Ernte sofort ver-\nlassen werden, um die Sowjetrepublik und\nihre Führer zu verteidigen. Die Versammlung\nerhebt sich jubelnd, die Kapelle spielt die\nInternationale, die elektrische Beleuchtung\ndes Gartens, die neue Errungenschaft, glänzt\nauf. Drei Stunden sind indessen vergangen.\nOhne Ermüdung, ohne Essen und Trinken\nhaben alle Teilnehmer der Feier gefolgt. Als\nNachspiel Theatervorstellung, gespielt von\nSoldaten und Bauern. Ein großer nationali-\nsierter Saal mit elektrischer Beleuchtung und\nBühne. Ganz überfüllt. Jeder Gang, jede Tür\ndicht besetzt. Orchesterspiel. Vorhang. Der\njunge Bauer geht freudig zur Roten Armee.\nDie Eltern sind Gegner der Sowejtmacht,\nlassen sich aber gerade durch die Taten und\nHandlungen ihres Sohnes bekehren. Es wird\nsehr gut gespielt. Man merkt, daß das Thea-\nter Stanislawskis nur eine Steigerung ur-\nsprünglicher schauspielerischer Begabung des\nrussischen Volkes ist. Ende der Vorstellung\nein Uhr. Die Soldaten ziehen zum Lager,\nsingend, der Mond liegt spielerisch über dem\nBug. Die Dorfbewohner stehen vor ihren\nkleinen weißen Hütten, die Nachbarn spre-\nchen eifrig noch weiter über Politik und\nKrieg."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.9", "texte": "Dispensair\nEin altes einstöckiges Haus in einer Haupt-\nstraße Moskaus. Durch drei Torbögen und\ndrei Höfe. Ein zweistöckiges Gebäude. Li-\nnoleum, gewaschene Wände, Karbolgeruch.\nViele Menschen auf breiten Fluren. Sie lesen,\nzittern, träumen. Gruppen unterhalten sich\nmit Männern in weißen Kitteln. Aus vielen\nTüren kommen und gehen Menschen. In\neinem kleinen Saal eine Versammlung auf\nSchulbänken. Am Vorstandstisch ein Arzt,\nein Arbeiter und eine Aerztin. Sie berichtet\nder Versammlung als Mitglied der Sanitäts-\nkommission einer Fabrik über den Zustand\nder hygienischen Einrichtungen. Diese Kom-\nmission hat jedes Unternehmen der USSR.\nSie besteht aus gewählten Arbeitern, die der\nGesamtheit verantwortlich sind. Es wird nicht\nnur kontrolliert, es werden Besserungsvor-\nschläge gemacht und deren Durchführung\nüberwacht. Alle diese Kommissionen arbeiten\nauch zusammen mit den Dispensairs. Sie gibt\nes für soziale Krankheiten: Tuberkulose, Al-\nkoholismus, Narkotismus und venerische\nKrankheiten. Sie arbeiten alle nach den glei-\nchen Grundsätzen: schnellste Heilung, Auf-\nklärung der Kranken und Vorbeugung der\nKrankheiten. In dem Moskauer Dispensair\nfür venerische Krankheiten arbeiten dreißig\nAerzte. Sie werden nur zugelassen, wenn sie\njahrelange klinische und praktische Erfahrung\nhaben. Bei jedem schwierigeren Fall werden\nsofort die bedeutendsten Professoren hinzu-\ngezogen. Die Tendenz ist so schnell und so\ngründlich wie möglich zu heilen, um weitere\nAnsteckung zu verhindern. Jedem Kranken\nwird sofort seine Krankheit, Ursachen, Folgen\nund Heilungsmethode auch durch bildliche\nDarstellung erklärt. Wenn der Kranke die\nBehandlung zu unterbrechen versucht, geht\nder Arzt zu ihm in die Wohnung und über-\nredet ihn im Interesse der Volksgesundheit\nund im eigenen Interesse zur Fortsetzung. Der\ngrößte Wert wird auf die Feststellung der\nHerkunft der Krankheit gelegt. Der behan-\ndelnde Arzt hat die Pflicht, nicht eher Ruhe\nzu geben, bis der Kranke seine gesamte Fa-\nmilie zur Untersuchung in das Dispensair ge-\nbracht hat. Nach der letzten Statistik sind\nunter 1070 Familienmitgliedern von Kranken\n950 krank gewesen. Die Aerzte werden stän-\ndig darauf hingewiesen, daß sie mit dem\ngrößten Takt und der größten seelischen\nSchonung vorgehen müssen. Sie versuchen\nauf alle Weise die Freundschaft und das Zu-\ntrauen des Kranken zu gewinnen, damit er\nihnen selbst seine Familie zuführt. In den\nWarteräumen sind ständig jüngere Aerzte, die\nsich mit den Wartenden über ihre Krankheit\nunterhalten und aufklären. Für besonders\nSchüchterne ist ein Fragekasten angebracht.\nFr •agen und Antworten werden an den Wand-\ntafeln aufgehängt. Vom Dispensair werden\nständige Wanderausstellungen veranstaltet.\nAuf großen Tafeln bildliche Darstellungen der\nKrankheit und ihre Folgen, wenn man sie\nnicht behandeln läßt. Diese Ausstellungen\nfinden in sämtlichen Betrieben und Büros\nstatt. Während der Arbeitspausen sind Aerzte\nbei der Ausstellung anwesend, die erklären\nund Fragen beantworten. Die Behandlung\nund die Arzneien sind völlig kostenlos. Das\nDispensair für venerische Krankheiten ist im\nletzten Berichtsjahr von 280 000 Personen be-\nsucht worden. Da das System, Behandlung,\nAufklärung und Vorbeugung große Erfolge\nerzielt, macht man die größten Anstrengun-\ngen, überall in der USSR Dispensairs zu er-\nrichten. Moskau hat bisher sechs. In die Ge-\nbiete, die noch keine derartigen Institute ha-\nben, werden Aerztekommissionen gesandt, na-\nmentlich nach dem fernen Osten. In einzel-\nnen Städten und Dorfgemeinden wird die ge-\nsamte Bevölkerung, Männer, Frauen und Kin-\nder, auf venerische Krankheiten untersucht\nund ambulatorisch behandelt. Die Haupt-\nschwierigkeit für die Aerzte dort ist, das Volk\ndavon zu überzeugen, daß Krankheiten keine\ngottgewollten Unternehmungen sind. Sämt-\nliche Aerzte sind Staatsangestellte. Privat-"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.10", "texte": "Praxis der Aerzte ist so gut wie gar nicht vor-\nhanden. Das Gehalt für Stadtärzte und Land-\närzte ist gleich. Es soll dadurch erreicht\nwerden, daß die Aerzte sich nicht in den\nGroßstädten ansammeln. Das monatliche Ein-\nkommen istzurzeit durchschnittlich HO Ru-\nbel, das durch einige Nebeneinnahmen sich\nbis 150 Rubel erhöht. Die Gehälter werden\nständig gesteigert. Die Aerzte sind in der Ge-\nwerkschaft der Meizinarbdeiter organisiert.\nSie umfaßt alle Personen vom Spezialisten\nbis zur Scheuerfrau, die im Heilwesen be-\nschäftigt sind. Durch diese gewerkschaftliche\nZusammenfassung ist ein außerordentlich gün-\nstiges kollegiales Verhältnis zwischen den ein-\nzelnen Berufskategorien entstanden und der\nAkademikerhochmut gänzlich verschwunden.\nSämtliche ärztliche Institute haben Beschwerde-\nund Kontrollkommissionen der. Kranken, von\ndenen sogar der Chefarzt zur Verantwortung\ngezogen werden kann.\n\nKonferenz für Soziologie der Kunst\nin Moskau im Jahr 1927\nIn der modernen Kunstwissenschaft beginnt\ndie soziologische Methode immer mehr an\nBedeutung zu gewinnen. Auf keinem Gebiete\nder Kunst istzurzeit eine ernste historisch\ngegründete Forschung ohne Erwägung der\nsozialen Faktoren, ohne Erschließung der\nKunst als gesellschaftliche Erscheinung mög-\nlich. Zu welcher Schule der eine oder der\nandere Forscher auch gehören mag, er kann\nheutzutage den Problemen der Soziologie der\nKunst gegenüber sich nicht gleichgültig ver-\nhalten.\nZugleich mit der wachsenden Bedeutung der\nsoziologischen Methode für das Studium der\nKunstwissenschaft trägt jede literarische Neu-\nerscheinung auf diesem Gebiet natürlich zur\nKomplizierung des Problems bei. Es ist nun\nan der Zeit, die Erfolge der soziologischen\nMethode auf den verschiedenen Gebieten der\nKunst wie in ihrer theoretischen Erarbeitung\neiner umfassenden Uebersicht zu unterziehen.\nDas Organisationsbüro faßte daher den Bn-\nschluß, im Dezember 1927 in Moskau eine\nKonferenz für Soziologie der Kunst zu ver-\nanstalten. Obgleich diese Konferenz ihrem\nAufbau nach nicht den Charakter einer inter-\nnationalen Konferenz trägt, ist die Teilnahme\nwesteuropäischer Fachgelehrten an den Ar-\nbeiten dennoch äußerst erwünscht. Diese Teil-\nnahme kann in Form selbständiger Referate,\nwie in der Durcharbeitung der Referate an-\nderer Konferenzteilnehmer sich äußern.\nEinladungen zur Teilnahme an dieser Konfe-\nrenz wurden bereits an eine Reihe bedeuten-\nder Fachgelehrte zugesandt, die Anhänger der\nAnwendung der soziologischen Methode in\nder Kunstwissenschaft sind.\nUeber alle mit der Konferenz verbundenen\nFragen erteilt Auskunft das Organisationsbüro\nder Konferenz für Soziologie der Kunst. Ad-\nresse: Organisationsbüro der Konferenz für\nSoziologie der Kunst Glavnauka Volkskom-\nmissariat für Bildungswesen (Narcompros)\nMoskau USSR"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.11", "texte": "Sidney Hunt"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.12", "texte": "Das Herz der Spieluhr\nVITEZLAV NEZVAL\n\nBerechtigte Übertragung aus dem Tchechidien\nvon Grete Reiner\nI.\nEinmal kommen wir so weit\ndaß wir den weißen Handschuh abstreifen\nihr habt nur einen einzigen Punkt des Rings\nbetrachtet\nund die Wirklichkeit ging in Farben 1 önen\nund Düften\ndie Uhr geht aber das ist etwas andres\ndas ist etwas andres als Wissenschaft\naber das ist etwas andres als eine neue\nKravatte kaufen und gut hinsehn\naber das ist etwas andres als gut erwägen\nDas ist das Herz der Spieluhr\nII.\nZum Schluß ladet ihr einen Tapezierer ein\nder Gärtner hat am Abend Lampions im\nSpargel entzündet\nund zwischen rosa Himbeeren schläft eine\nRaupe\nWeinen wir nicht\nOh dieser bizarren Schönheit im grünen Pelz\nIII.\nDieses japanische Bild das du mir schenktest\nhabe ich einmal im Gedränge verloren\nes ist nicht nötig so weit zu reisen\nhabt ihr schon die Spitzen auf der Brust eurer\nGeliebten bemerkt?\nDas ist der ganze Sinn der Poesie\nIV.\nEin Vogel hat sich in die Rosen gesetzt und\neinen Flügel gebrochen\neinmal habt ihr von diesen Vögeln gelernt\naber der Vogel hat sich in die Rosen gesetzt\neinen Flügel gebrochen und schwieg\nden Lauten des Flügelhorns lauschend\nV.\nOh rosa Mühlen\nein Stern fiel in die Uhr und dreht sich!\nZiehn wir alle Sterne auf\nwenn euch jemand verriet\nund fliegen wir näher an sie heran\nDie Kreolinnen in Buenos Aires leuchten auf\nder Promenade\nim Aeroplan\nund im Taschenspiegel\nVI.\nEin Falter hat sich in einen Schrein gesetzt\nDie durchbohrten Falter haben wir am\nmeisten bedauert\nAber ihr habt die Worte mit einem Dolch\ndurchbohrt\nIch habe einen Brief ans Herz gedrückt und\nbin gestorben\nVII.\nim Kalender ist es Monat Mai\nAch Sechzehnjährige ach Siebenundzwanzig-\njährige\nIm Kalender ist es Monat Mai\nund ihr habt einen Kopf Arme und Beine\nich möchte mich in Küsse Worte und Düfte\nverwandeln\nund zerfallen\nwie Löwenzahn\nVIII.\nWindmühlen der Jahreszeiten\nIm Sommer Nachtviolen und ein Feuerwerk\nim Grünen\nDer Frühling spielt dir früh ein Lied\nauf Zuckerharfe mit Aristontönen\nIm Herbst Spazierengehen Spazierengehen\nim strengen Parke mit Fontainen\nIm Winter dann der Muse nur zum Fächer\ndienen\nIX.\nWindmühle der Liebe und der Weltgegenden\nAuf deinem Nachttisch Poudre lnconnu\nDie Chinaseide\nBand mit Mandelbaumgeruche\nFurchtbarer Dolch kriecht\nUnterm roten Tuche\nSüd Liebe Lippe Scharlachäpfel Poesie"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.13", "texte": "Sidney Hunt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.14", "texte": "X.\nDer Mikado lacht\nwie Hans\nim Glücke\nein Handschuh vorbereitet zum Duell\nXI.\nXII.\nJournale\nM.anche Journale gleichen dem Ozean\nWem wird mein Journal genannt Sirene\ngleichen?\nXIII.\nLiebe läuft längs Zitronengetränken .\nlustige Gymnastik der Augen\nOh meine süßen Bonbons\nwohin läuft dieser amüsante Schnellzug\nvon Aug zu Aug in euer grünes Arkadien\nSchnee ist von rosa Ornamenten durchflochten\ntatsächlich fabelhaftes Gefrorenes\nOh schlaft meine Wanzen\nOh schlaft Kardinäle\nXIV.\nBegebenheit\nZuerst haben wir gedacht daß es ein geheimes\nZeichen sei\nes konnte ein Menü sein\nes war ein Kalender\neine Glühlampe hing ausgebrannt über ihm\nbis einmal ein weißer Mensch vorüber ging\neine Frau und ihr weißes Gesicht\nach ja es war nur ein Kalender\n0\nan den Monat entsinne ich mich nicht mehr\noffenbar leuchtete er nicht\noffenbar war es der Neu-Mond-Monat\nXV.\nUnsere kleinen Weibchen sind unsere großen\nHeldinnen\nununterbrochen telefonieren sie euch\nach im Herzen das Glöckchen spielt ewig\nmit dir\neine jede von ihnen ruft Hallo\nlegt das Hörrohr fort\nund läßt dich bis in den Tod warten\nW e 11\nW e 1 t-licht\nW e 1 t-ferne\nW e 1 t-schmerz\nW e 1 t-dame\n\\V e 1 t-llchkeit\nW e 1 t-mann\nWelt\nXVI.\nXVII.\nEinmal kommen wir so weit\ndaß wir die alte Zivilisation ausziehen\nund alle Wirklichkeiten sind ultraviolett\naber 17 Gedichte sind etwas anderes\naber das ist etwas anderes als sich etwas\nvornehmen\naber das ist etwas anderes als ein Gedicht\ngut erwägen und niederschreiben\nDas ist das Herz der Spieluhr"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.15", "texte": "Sidney Hunt"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.16", "texte": "Kleist-Feier\nDramatischer Entwurf\nRudolf Blümner\nVorspiel\n33 Bürgermeister stehen um Kleists Grab.\nBürgermeister Nr. 28: Und nicht an-\nders als die verehrten Kollegen Nummer 3,\n8, 11, 16, 21 und 25 schließe ich mit dem Ruf:\n„In Staub mit allen Feinden Brandenburgs.\"\nBürgermeister Nr. 3 zu Nr. 11: Der\nKollege scheint auch nur den Prinzen von\nHornberg zu kennen.\nNummer 11: Homburg, Kollege, nicht\nHornberg. Sie verwechseln das mit dem\nSchießen.\nNummer 29: Diese Stätte wird uns ein\nHeiligtum bleiben. Der Schuß vom 21. No-\nvember 1811 ist nicht umsonst gefallen.\nKönnte es heute noch geschehen, daß eine\nEingabe um 20 Louisdor, falls sie den For-\nmalitäten entspricht, sage und schreibe zwei\nMonate in der Kanzlei liegen bleibt, bis sie,\nwie beim vorliegenden Toten, den Vermerk\nerhält: „Z. d. A„ da der p. v. Kleist 21.11.11.\nnicht mehr lebt.\" Wir weisen das mit Ent-\nrüstung von uns.\nChor der 33: Und erheben flammenden\nProtest.\nNummer 29: Auch lebt heute ein an-\nderes Geschlecht von Dichtern, das, durch\nSport hinlänglich gestählt, dem Hunger einen\ndauerhafteren Widerstand zu leisten in der\nLage ist. (Rufe: Es lebe der Sport!) Lassen\nSie uns darum in dieser Weihestunde ge-\nloben, in der Förderung des Sports nimmer\nzu ruhen, eingedenk des Spruchs: Mens sana\nin corpore sano. (Rufe: ~Bravo.\" ~Sehr\nrichtig.\" „Wir geloben es in corpore.\")\nNummer 30: Ich danke den Vorrednern\nfür ihre klug abgewogenen Worte. Auch ich\nschließe mich den Worten des Dichters: In\nStaub usw. aus jubelnder Kehle an. Die Ku-\ngel vom 21. 11. 1811 hat reife Früchte ge-\ntragen. Wie ein Mene Tekel steht sie vor\ndem Geiste der schaffenden Geister. Wie eine\nStimme aus dem Grabe ruft sie unseren rin-\ngenden Poeten zu: Harrt aus, auch eure Zeit\nwird kommen. Es war das schönste Vorrecht\ndes Genies, von seiner Zeit nicht verstanden\nzu werden. Die Kugel vom Kleinen Wann-\nsee hat auch darin Wandel geschaffen. Heute\nbraucht sich kein Genie zu erschießen. (Rufe:\nBravo!) Die moderne Technik hat Garan-\ntien geschaffen, wie sie vor hundert Jahren\nkaum geahnt wurden. Jeder darf heute zu\nWorte kommen. Wir hören alle.\nNummer 20 zu 21 (leise): Mit Ausnahme\ndes Genies. Pscht!\nNummer 31: Ist auch ein freimütiges\nWort erlaubt? Schon die Angst, daß wir ein\nGenie in den Tod treiben könnten, treibt uns\n— (Rufe: Sehr gut!) — treibt uns zur An-\nerkennung auf breitester Basis. Aus dem\nLeben unseres Volks ist Kleist schlechthin\nnicht mehr wegzudenken. Würden wir Kleist\nso lieben, wenn er sich nicht erschossen\nhätte? Nein, die Kugel vom Kleinen Wannsee\nhat uns für immer die Augen geöffnet.\nNummer 32: Auch ich mache mir des\nDichters Wort zu eigen: In Staub und so\nweiter. Wahrlich, hier hat ein Poet mit eher-\nnem Griffel vorausgeahnt, was heute zur\nbitteren Wahrheit geworden ist. Wer das\nvermag, der hat den Besten seiner Zeit ge-\nnügt. Nehmt alles nur in allem. Und also\nbraucht heute kein Geist mehr zu verhungern.\nWo fünf satt werden, wird auch ein Sechster\nsatt. (Ruf: Goldene Worte!)\nNummer 33: Ehe wir uns in den rau-\nschenden Festtrubel stürzen, lege ich als letz-\nter, aber Kleists Herzen nicht der letzte (Ruf:\nSehr gut!) namens der Lustbarkeitssteuerbe-\nhörde meiner Stadt diesen Kranz nieder.\nWiegt er auch jene 20 Louisdor nicht auf,\ndie einst durch ein bedauerliches Versehen\ndem Dichter nicht mehr zugehen konnten,"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.17", "texte": "so repräsentiert er doch eine Summe, von\nder heute ein Dichter, bei bescheidener Le-\nbensführung, einen Monat in Saus und Braus\nleben könnte. Solche Opfer mögen denen zum\nTrost gereichen, deren Donnerwort nicht an\nunser Ohr dringt, weil wir allzumal Men-\nschen sind. Sage keiner in frevler Ueber-\nhebung, daß er das Genie auf Kanonenschuß-\nweite erkenne. Wir wollen lieber zwölf\nDutzend Librettisten namens der Regierung\nherzlich zum siebzigsten Geburtstag gratu-\nlieren, ehe daß wir dulden werden, daß auch\nnur einer den Weg nach Wannsee gehen soll.\nUnser teures Grab, das Golgatha der deut-\nschen Dichtung, es lebe hoch!\nInzwischen haben die Gesangvereine Bran-\ndenburgs rings um die Bürgermeister Auf-\nstellung genommen. Aus vielen tausend be-\ngeisterten Kehlen erbraust der Choral: „In\nStaub mit allen Feinden Brandenburgs.\"\nErster Akt\nSzenarium der ersten Szene. Die ärmliche\nDachkammer des Dichters X. Der Dichter\nhat seiner Frau ein neues Drama vorgelesen.\nSie sagt: „Ich habe nichts verstanden\". Er\nversucht, ihr die dichterischen Schönheiten\nzu erklären. Hier muß man ahnen, daß wir\nes mit einem Genie zu tun haben (Kern des\nStückes, zugleich schwierige Aufgabe). Endlich\nsagt die Frau: „Du bist verrückt!\" -— Der\nDichter klagt über die Kälte. Sie: „Schmeiß\ndeine Dramen in den Ofen.\" Schwerer Kampf\ndes Dichters, dann wirft er Manuskripte in\nden Ofen. Stimme von oben: „Da sind Kul-\nturschätze von unermeßlichem Wert unwieder-\nbringlich verloren gegangen.\"\nVerwandlung\nSzenarium der zweiten Szene. Das drama-\nturgische Büro eines Theaters.\nDramaturg: Nicht aktuell.\nDichter: Es hat die Nerven unserer Zeit.\nDramaturg: Die Nerven unserer Zeit\nsind Auto, Flugzeug, Elektrizität, Maschine,\nRadio und Jazz. Auch ist in keinem Akt von\nFreiheit die Rede.\nDichter: Direkt nicht.\nDramaturg: Auch vermisse ich eine\nTendenz.\nDichter: Es hatte eine Tendenz. Sie ist\naber sozusagen in der Dichtung verdampft.\nDramaturg: Eine politische Tendenz ist\nheute wichtiger als das Dichterische.\nDichter: Ich gehöre keiner Partei an.\nDramaturg (lacht sich schief): Wer hat\ndenn das verlangt?\nDichter: Ich teile die Ansichten keiner\nPartei.\nDramaturg (fällt vor Lachen vom Stuhl):\nSie gehören einer entschwundenen Epoche an.\nSie sind dreißig Jahre zu spät geboren. Für\nwen schreiben Sie eigentlich, (Der Dichter ist\nfassungslos.) Am vorteilhaftesten schreiben\nSie für reiche Leute. Am besten äußern Sie\nsich gegen den Kapitalismus und die Borniert-\nheit der Satten. Je reicher der Theaterbe-\nsucher ist, um so größer ist der Jocus, daß\nman nur im Theater auf ihn schießt.\nDichter: Dann kann ich mich gleich be-\ngraben lassen.\nDramaturg: Es wird Jhnen an Applaus\nnicht fehlen.\nZweiter Akt\n1. Szene. Szenarium: Die Bühne stellt das\ngroße Stadion dar. Die Zuschauerbänke sind\nfast leer. Aufmarsch der Verbände, an Fah-\nnen und Inschriften erkennbar: „Verband der\nKleistforscher\", „Verband Deutscher Kleist-\nausstellungen\", „Vereinigung' der Kleistregis-\nseure\", „Bund deutscher Kleistrezitatoren\",\n„Gesellschaft zur Erforschung von Kleists\nWürzburger Reise\", „Akademischer Kleistver-\nein\", „Gruppe der Kleistbuchhandlungen\",\n„Die Anwohner der Kleiststraße\", „Kartell\nDeutscher Kleist-Dielenbesitzer\" usf. usf. Ver-\nkäufer und Verkäuferinnen in schmucker\nTracht verkaufen Kleist-Zigaretten, Kleist-"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.18", "texte": "Schokolade und Kleist-Ballons, die Kleists\nDramentitel als Aufschrift tragen. Eine Jazz-\nkapelle spielt das Meistersinger-Vorspiel.\nUeberall herrscht fröhliches Festtreiben und\nausgelassene Stimmung.\n2. Szene. Szenarium: Das „Festspiel im\nFestspiel\": „Die Dichtung im Sport\". In\nlosen Szenen wird gezeigt, wie die heutige\nDichtergeneration durch Sport zum Dicbten\nund Ausharren gestählt wird. Ein älterer\nDichter schleudert einige Speere, worauf er in\nder Lage ist, ein langes Epos aus dem Steg-\nreif zu dichten. Einige Dichter klettern auf\nStangen und diktieren, wieder unten ange-\nlangt. Romane in die Schreibmaschinen Lust-\nund Trauerspiele entstehen schon nach kur-\nzem Hürdenlauf. Die Lyriker werden schon\nnach wenigen Kniebeugen produktionsfähig.\nDer Jubel der Versammlung kennt keine\nGrenzen. Am Mikrophon steht Alfred Braun\nund gibt dem deutschen Volk Kenntnis vom\nwürdevollen Verlauf der Kleistfeier.\nDritter Akt\n1. Szene. Szenarium: Das große Kleist-\nBankett. Rede folgt auf Rede. Stelle aus\nder großen Hauptrede: Und wenn unser guter\nHeinrich jetzt von seiner Unsterblichkeit\nherabsehen könnte, wie wir hier zu feucht-\nfröhlichem Tun versammelt sind, er wäre der\nerste, der uns zuriefe: „Recht so, ihr Lieben.\nIm Geiste bin ich bei euch!\" (Ungeheuer\nJubel, Pfropfen knallen, Gläser klirren.)\n2. Szene. Szenarium: Dachstube des Dich-\nters. Er sitzt, zum Skelett abgemagert, auf\neinem alten Rohrstuhl, hat den Kopfhörer\numgeschnallt und folgt in sichtbarer Span-\nnung (Minenspiel!) dem würdevollen Verlauf\nder Kleistfeier. Nach zwei Stunden legt er den\nörer hin, holt aus der Speisekammer einen\nRevolver und erschießt sich.\nNachspiel\nSzenarium: Hundert Jahre später am Grabe\ndes Dichters X, um das dreiunddreißig Bür-\ngermeister stehen. Alle halten Ansprachen.\nBürgermeister 33: Ehe wir uns in den\nrauschenden Festsaal begeben, wo wir den\ngroßen Toten erst so recht feiern wollen, las-\nsen sie mich noch einmal sagen, daß uns\ndieses Grab ein Heiligtum und eine sichere\nGewähr für die Zukunft ist. Die Kugel vom\n18. Oktober 1927 hat die Geister mächtig auf\ngerüttelt. Vor hundert Jahren trieb eine grau-\nsame Zeit die Sportgewandten zum Dichten\nan. Wir weisen die Unmenschlichkeit mit Ent-\nrüstung von uns.\nDie 33 Bürgermeister: Und erhe-\nben flammenden Protest.\nNummer 33: Denn der Schuß in der\nDachkammer hat uns die Binde von den\nAugen gerissen. Wer da immer im Sport\nseinen Mann stellt, wird uns auch als Jün-\nger in Apoll eo ipso willkommen sein.\nNummer 20 zu 21 (leise): Mit Ausnahme\ndes Genies! Pscht!\nBürgermeister 33 (mit erhobener Stim-\nme): Mens sana in corpore sanol!!\nAlle dreiunddreißig: In corpore! In\ncorpore!"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.19", "texte": "Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nKunstler- Postkarten / Verlag Der Sturm\nNack Gemalden, Zeichnungen nnd Bildwerken folgender Kunstler:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincenc Benes\nUmberto Boccioni 112 / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacobavan Heemskerckf/3\nSigrid Hjert6n Griinewald\nAlexei yon Jawlensky\nBela KMkr\nKandinsky / 8\nPaul Klee\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger / 2\nAugust Macke 112\nFranz Marc 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nGeorg Schrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\nFritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nNell Walden\n\"William Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Nainen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\n■'0 t\n\nDichtungen von HERWARTH WALDEN\nDas Buch der Mensckenliebe / Roman Die Harte der Weltenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben Die Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe Glaube / Komitragodie\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib / Komitragodie / B Mark\nKind / Tragodie Trieb / Eine burgerliche Komitragodie Menschen / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark\n\nMonatsschrift Der Sturm\nDie fuhrende Zeitschrift der neuen Kunst"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.20", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung'- Lothar Schreyer Berlin W 9 / Verlag Der Sturm G. m. J'\nBerlin ¥9 Potsdamer Strasse 134 a / Fernruf Lützow 4443 / Postscheckkonto Berlin 120658\nAuslieferung für SSSR Meschrabpom / Moskau / Twerskaj a Jamskaja 3\nDruck • Alb. Sayffaerth ö. m. b. H. / Berlin-Schöneberg / Kolonnenstrasse 26\n\nVerlag ALBERT LANGEN in Munchcn\nBAUHAIiSBUCHER\n7\nWALTER GROPIUS, Internationale Ardiitektur\ngeheftet Mk. 5 T . < <\nin Leinen gebunden Mk. 7\nPAUL KLEE, Padagogisdies Skizzenbuch\ngeheftet Mk. 6\nin Leinen gebunden_Mk._B\nEIN VERSUCHSHAUS DES BAUHAUSES\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk.\nDIE BUHNE IM BAUHAUS\ngeheftet Mk. 5\nin Leinen gebunden Mk. 7\nPIET MONDRIAN, Neue Gestaltung\ngeheftet Mk. 3\nin Lemen^eminde^^^^\nTHEO VAN DOESBURG, Grundbegriffe der neuen\ngeheftet Mk. 5 gestaltenden Kunst\nin Leinen gebunden_Mk17\nNEUE ARtSEITEN D. BAUHAUSWERSTATTEN\ngeheftet Mk. 6 ..mo\nin Leinei^^unde^^lk^\nL. MOHOLy-NAGY, Malerei, Photographie, Film\ngeheftet Mk. 7\nin Leinen gebunden,M.k^__j\n\"wT kANDINSKy, Punkt und Linie zur Flache\ngekeftet Mk. 15\nin Leiner^gebur^ii|BMK^S\nJ. J. P. OUD Hollandische Ardhitektur\ngeheftet Mk. 6 112\nin Leinen gebunden Mk. 9\n\nInternationaler Almanach der\nmodernen Aktivitat der Gegenwart\nEnthalt alle Gebiete des modernen Schaffens in\nder Wortkunst, der Musik, dem Theater, den\nbildenden Kunsfen, dem Film, der Archifekfur,\nder indusfriellen Produktion, der Wissenschaif\nund der Kultur iiberhaupt\nEs haben beigefragen: Antheil, Arp, Baumelster, Behne, Bechei\ndie polnische Gruppe der Revue „BIok\", Corbusier, Cernf k\nDoesburgh, Iv. Goll, Gropius, Grosz, Heartfield, Herzfelde,\nHonzl, Chochol, Jung, Kassak, Kiesler, Kisdi, Krejcar, Lu\nMarten, W. Mehring, Micic, Moholy-Nagy, Nezval, Obrtel,\nOud, Picabia, G. Pohl, Poliansky, Pone, Mies van der Rohe,\nSeifert, Schiirer, Schwitters, Si'ma, Teige, Tzara, Vaclavek,\nWeisskopf, Wesfheim, Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seifen. Format 23 X5l cm, davon\n40 Seiten Illustrationen, Musikbeilagen/Redaktion\nder Front / Dr.B.Vaclavek / BrOnn 15-Schimitz /\nVasekgasse 11, Tschechosiowakei / Text der\ntschechisch, deutsch und franzosisch mit deutschen\nund franzcsischen Resumees\nPreis 16 Mk / In der Sturm-Buchhandlung vorratig\n\nFranc\net des Industries de Luxe\nGegriindef von Henry Lapauze / Erscheinf zu Beginn jedes\nMonafs als Band von 60 bis 100 Seifen Quarfformaf\n(25 :32) mif zahlreichen Abbildungen\nDie Redakfion verdjfenflichf Beifrdge der anerkannfen\nSchriffsfeller und Krifiker alter Lander Europas. Ihre\ndokumenfarischen Sfudien und akfuellen Chroniken biefen\nein vollsfandiges Bild der Akfivifdf der Ktinsfe auf der\nganzen Erde\nAbonnemenf Frankreich 150 francs £g|\nAusland 200 francs\nMan abonnierf in alien B uchhandlungen und divekt beim Vstlag\nLa Renaissance de L'Art Franpais / 10-11 Rue Royale / Paris"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.21", "texte": "mm\nmam\n.\nPIANOo\nFLU6EL\no < c 56 x <y\nw!\nH?\nFRIEDR\nEBERT STRASSE 6\n\nDas neue Rußiand\nC?:V\nMM\nill\n•, -V. sft.-,-A\n5 $\ntil\nZeitschrift fur Kultur u. Wirtsehaft\nOrgan der „Geselkchaft der Freunde des\nneuen Kußland in Deutschland''\nSchriftleitung: Erich Baron / Berlin-Pankow / Kavalierstr. 10\nr,Das Neue Rutland\" im IV. Jahrgang als grofies\nMagazin des Osfens ist die Zeitschrift, die durch\nsachkundige Beitrage hervorragender deutscher\nund russischer Mitarbeiter am besten über den\nIwirtschaftlichen und kulturellen Neuaufbau ||\nRufilands unterridhtet gf\nJedes Heft ist reich illustriert\nDeutsche Mitarbeiter: Dr. Graf Arco, Klemperer, Bru o\nWalter, Artur Holitscher, Oberregierungsrat Dr. Roede,\nProf. Dr. Schaxel, Dr. Helene Stocker, General Schonaich,\n| Architekt Taut, Heinrich Vogeler u. a. m. §§\nRussi s di e Mitarbeiter: Volkskommissar Lunatsdharski,\nSemaschk \\ Trotzki, Tschitscherin, ferner O. D. Kameneva,\nKollontai, Krupskaja, die Professoren Goldstein, Ipatiew,\nRamsin,Waldhauer,dieKunstl rMeyerhold,Eisenstein u.a m.\nDoppelheffe zu M I.— Abonnement h dbjahrlich M 3.—\ndurch Gesellschaft dr Freunde des neu.n Ruscland\nIE ich Baron / Berlin-Pankow / Kavalierstrasse 10 M\nHill 111 111 lllli Postscheck-Konto No. 74358 m^^SM\n\nI Casa d'Arte II\nI\nBRAGAGLIA\nModerne Kunstausstellungen: Theater der\nUnabhangigen / Buchhandlung / Verlag\nKunstgewerbe\nTerme Romane di Via Avignonesi 8 / Rom 4\n. .v.-: . :■ ... ■ • ' . ..\nv./.'.-\nVERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nVORZUGS-ANGEBOT\nHerwarth Walden:\nEinblick in Kunst\nDie beste Einfuhrung\" in den\nExpressionismus und Kubismus\n70 Abbildungen, 4 faibige Kunstbeilagen\nStatt RM 6.50 nur RM 2.£50 jS\n\nW. Jffarzillier § Co. Berlin W * (Jruneroaldstrasse 14-15\nGegrundet 1851 Hofspediteur S. M. des Konigs von Spanien Gegrundef 185\nSpedition u. Mobelfransporfe, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u.i i jeder Art. Liefer ang\n' uni Empfang nach u d von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslanies. Transportve sxherungen a ler Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Kiinstl r / der Secession / des \\erl>andes\nDeutsche Illustratoren und Haussixditeure des „Stirin\""}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "124", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192711-01.1.22", "texte": "Sturm - Druckabteilung\nBriefbogen\nBriefumschlage\nPostkarten\nBesuchskarten\nQu ittu ngen\nRechnungen\nProspekte\nAnze i g en\n<9\n0>\nC\nN>\nA\nc\no\no\n♦\no\n/a\n/\n<0\nHerstellung\nsamtlicher\nDrue ksac hen\nnach Anordnung u.\nunter Aufsicht von\nKiinst'ern. Ein- und\nmehrfarbiger Druck\nSchnelle Lieferung\nBerlin W 9 / Potsdamer Str 183 a"}]}