{"numero_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_sha256": "4191f9aabe9ef32a4eb40b679318a4f380c89f153ecd1faaf40c8df44c0e08c3", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1928/05_01/bmtnabg_1928-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1928/05_01/bmtnabg_1928-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.1", "titre_corps": "Jules Romains: Diktator", "titre_sommaire": "Jules Romains: Diktator", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.1", "debut_caractere": 238, "fin_caractere_exclue": 291, "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nJules Romains: Diktator"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c002", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[199]", "page_fin": "[199]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.2", "titre_corps": "Gruß an Dürer Broby Johansen", "titre_sommaire": "Gruß an Dürer Broby Johansen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[199]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.3", "debut_caractere": 149, "fin_caractere_exclue": 681, "texte": "Gruß an Dürer Broby Johansen\nUnterweysung der Messung Albrecht Dürer\nAnregungen zur Erlangung einer Systemschrift Kurt Schwitters\nVom Bolschewismus Herwarth Waiden\nAmerikanische Wissenschaft Franz W. Seiwert\nGedichte herwarth Waiden\nPiu-Pius Windglocke Edmund Palasowsky\nDer Krieg Karl Vogt\nAus der Zeit für die Zeiten Herwarth Wald an\nAbbildungen:\nDrei Zeichnungen von Franz W. Seiwert\nZwei Linoleumschnitte von Sidney Hunt\nZwei Gemälde von Victor Servranckx\nEin Bühnenbild von Quido Salvini\nVier Bühnenbilder von Vlatislav Hofmann"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[199]", "page_fin": "[199]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.3", "titre_corps": "Gesellschaft der Sturmfreunde", "titre_sommaire": "Gesellschaft der Sturmfreunde", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[199]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.3", "debut_caractere": 683, "fin_caractere_exclue": 998, "texte": "Gesellschaft der Sturmfreunde\nWir bitten die Mitglieder der Gesellschaft der Sturmfreunde, ihren Mitgliedsbeitrag in Höhe von\nRM 6.— für Juli/Dezember 1928 bis zum 1. Juli einzusenden. Nach diesem Termin werden wir\nuns erlauben, den Betrag durch Postnachnahme mit dem Juliheft der Zeitschrift Der Sturm\neinzuziehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "202", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.4", "titre_corps": "Gruss an Dürer", "titre_sommaire": "Gruss an Dürer", "signature_source": "Broby Johansen / Kopenhagen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3284, "texte": "Gruss an Dürer\nBroby Johansen / Kopenhagen\nRede gehalten im Nürnberger Künstler-\nverein am 12. April 1928\nIch möchte Dürer nicht als nationalen und\nlokalen Held oder kunstgeschichtlich be-\ndeutende Persönlichkeit, sondern als aktuelle\nErscheinung begrüssen.\nWir Jungen, die wir noch so jung sind, daß\nwir noch nicht in Frieden zu leben brauchen\nund deshalb alle Kompromisse verachten,\ndie notwendig für den Frieden sind, wir, die\nwir im allgemeinen und besonderen überall\nauf der Kampflinie stehen, wir, die wir noch\nso jung sind, da wir die Überzeugung haben,\ndaß es eine Wahrheit gibt und daß wir sie\nganz besitzen. Wir stehen in der jetzigen\nEpoche in einem sehr schweren Kampf, der\nauf allen Gebieten viel schärfer ist als der\nder Generationen vor uns. Wir müssen die\nWirklichkeit auf eine ganz neue Weise er-\nobern. Wo man sich früher mit allgemeinen\nStimmungen und unbestimmten Instinkten\nzufrieden geben konnte, müssen wir heute\ndie objektiven Tatsachen nach klaren, kon-\nstruktiven Grundsätzen bezwingen.\nWir mögen nicht die formelle Feierlichkeit\nsehr gern, weil sie viel zu leicht fehlende\n00\ninnere Überzeugung decken kann. Deshalb\nspreche ich nicht vom großen Meister Albrecht\nDürer, vielmehr vom Herrn Dürer oder ich\nkönnte besser sagen Kollegen Dürer, oder\nnoch besser vom Kameraden Dürer.\nFür uns ist Dürer: Erstens der Realist, der\nkeine Stimmung macht, sondern die nüchterne\nWirklichkeit immer vor Augen hat. Wir,\ndie wir erlebt haben wie weit große Stimm-\nungen - z. B. patriotische - tragen können,\nversuchen immer wieder die nüchternen\nTatsachen klar zu beobachten und verstehen.\nZweitens isi uns Dürer der Kubist. Ein\nKünstler, der bewusst theoretisch arbeitet.\nDer in seinem ganzen Werk rationell zu\nsein sucht. Der an keine metaphysischen\ndunklen Kräfte glaubt, sondern mit dem\nklaren Scheinwerfer seines künstlerischen\nIntellekts sucht und arbeitet. Wenn man\nuns Modernen vorwirft, daß wir dem Intellekt\nzu viel vertrauen, müßte man antworten,\ndaß man diesen Vorwurf gegen Dürer richten\nsollte, weil er das durchführt, was wir\nversuchen.\nDrittens aber ist unser Dürer überhaupt\nder Ketzer, der sich gegen die Autoritäten\nauflehnt, der Freund der drei gottlosen\nMaler Hans Seebald, Berthel Beham und\nGeorg Pencz, die alle drei verbannt wurden.\nIch spreche hier nicht politisch, obwohl ich\nals junger Mensch die ganze blutige Ver-\nantwortung eines jetzigen Menschen gefühlt\nhabe und klar politisch eingestellt bin. Ich\nwill hier nur sagen, daß die ältere Generation\nuns eine Welt übergeben hat, die überall und\nauf allen Gebieten Bankrott erlitten hat.\nWir sind gezwungen, den alten Autoritäten\nsehr schroff gegenüber zu stehen. Und\nbrauchen eben deshalb, um festzustehen, die\nwenigen Vorbilder in der Geschichte, die den\nHals nicht unter das Joch gebeugt, sondern\nals Pflicht gefühlt haben, ihr Menschentum\nfrei und unbedingt herauszusagen.\nMan muß es mir verzeihen, daß ich als\nlebender Mensch es einen Augenblick als\nmeine Pflicht gefühlt habe, durch den Wald\nvon flatternden Fahnen, die Haufen von\nausgebrannten Fakeln, die schön gemalten\nSprüche und hübsch geputzten Messing-\ninitialien, die welkenden Ehrenkränze eine\nlebendige Menschenhand hinzustrecken, um\ndie warme bluterfüllte Hand des Menschen\nDürer zu erreichen. Gewiß greife ich in den\nleeren Raum."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 408, "texte": "Allein, auch ich fühle, wie diese Hand gezittert\nhat, als sie unter der grimmigen Marcusfigur\nauf das Apostelbild geschrieben hat: „Habt\nAcht auf die Schriftgelehrten, die gehen\ngern in langen Kleidern und lassen sich\ngern grüssen auf dem Markt und sitzen\ngern obenan in den Schulen und über Tisch.\nSie fressen der Witwen Häuser und wenden\nlange Gebet für. Dieselben werden desier\nmehr Verdamnuss empfahren.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "202", "page_fin": "202", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.5", "titre_corps": "Albrecht Dürer : „Unterweysung der Messung\" (MDXXV)", "titre_sommaire": "Albrecht Dürer : „Unterweysung der Messung\" (MDXXV)", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.6", "debut_caractere": 410, "fin_caractere_exclue": 2805, "texte": "Albrecht Dürer\n„Unterweysung der Messung\"\n(MDXXV)\nWelicher ein Victoria aufrichten wollt, darum\ndass er die aufrührischen Bauren überwunden\nhält, der möcht sich eins solichen Gezeugs\ndarzu gebrauchen, wie ich hernach lehren\nwill. Erstlichstz ein gevierten Siein, zehen\nSchuch ein Seiten lang und vier Schuch hoch,\nder steht noch auf einer gevierten Platten,\nzweinzigSchuch ein Seiten lang und eins hoch.\nUnd auf einen Bühel auf die vier Orter leg\ngebunden Kühe, Schaf, Schwein und allerlei.\nAber auf den oberen gevierten Stein setz\nvier Körb auf die vier Ort mit Käs, Butter,\nEier, Zwiebel und Kräuter, oder was dir\nzufällt. Darnach leg noch mitten auf diesem\nStein ein anderen gevierten Stein, ein Seiten\nsieben Schuch lang und eines Schuchs hoch.\nMitten auf diesen Stein setz ein Haberkasten,\nvier Schuch hoch, unter ein Seiten sechs\nSchuch und ein halben lang, aber oben bei\ndem Schloss sechs Schuch lang, und zu\noberst auf der Deck 4 Schuch lang. Darauf\nstütz ein Kessel, vierthalben Schuch weit,\naber im Boden nur drei Schuch. Mitten\nauf des Kessels Boden setz ein Käsenapf ein\nhalben Schuch hoch oben zweier Schuch weit,\naber am Boden nit mehr dann anderhalben,\nden deck zu mit einem dicken Teller, das\nwohl überschiess. Mitten auf das Teller\nsetz ein Butterfass drei Schuch hoch unten\nam Boden anderthalben Schuchs breit, aber\noben nur eines Schuchs weit. Doch die\nSchnaupen, daraus man geusst, soll für-\ntreffen. Mitten auf dies Butterfass setz ein\nwolgeschickten Milichkrug dritthalben Schuchs\nhoch, im Bauch ein Schuchs weit, aber oben\neins halben aber den Fuss mach unten\nweiter. Und im Milichkrug rieht auf vier\nScharren damit man das Kot zusammen-\nraspt. Die zeugt über sich fünf Schuch und\nein halben. Darum bind ein Garben, fünf\nSchuch hoch, also dass die Scharren ein\nhalben fürtreffen. Und häng daran der\nBauern Werkzeug, Hauen, Schauflen, Hacken,\nMistgabel, Drischenflegel und dergleichen.\nDarnach setz zu öberst auf die Scharren\nein Hühnerkörble und stürz darauf ein\nSchmalzhafen und setz ein traureten Bau-\nren darauf, der mit einem Schwert durch-\nstochen sei.\nItem welicher einem Trunkbolds auf sein\nBegräbnuss ein Gedächtnuss wollt aufrichten\nder möcht sich einer solieben nachfolgeten\naufgerissnen Meinung gebrauchen. Erstlich\nsein Grab, daran ein Epitaphium, das den\nWollust mit Gespött lobet. Und auf das\nGrab ein Biertunnen aufrechtstellen und\noben mit einem Brettspiel"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c006", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "206", "image_debut": 7, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.6", "titre_corps": "Anregungen zur Erlangung einer Systemschrift", "titre_sommaire": "Anregungen zur Erlangung einer Systemschrift", "signature_source": "Kurt Schwitters", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 60, "texte": "Anregungen zur Erlangung einer Systemschrift\nKurt Schwitters"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.7", "debut_caractere": 73, "fin_caractere_exclue": 1974, "texte": "Um nun zu erreichen, dafe das Schriftbild\ndem Sprachklang entspricht, muß man die\nBuchstaben untersuchen auf ihre Aehnlich-\nkeiten oder Verschiedenheiten unter ein-\nander. In Tabelle 1 habe ich die Entwick-\nlung meiner Versuche von der üblichen\nGroteskschrifl a über die systematischen\nSchriften b bis e zu der Systemschrift 112 ge-\nzeigt. Bei a sehen Sie eine grofee Aehnlich-\nkeit zwischen E und F und eine grofce Ver-\nschiedenheit zwischen E und O. Im Klange\nsind aber E und O verwandter als E und F.\nDa ist eine deutliche Unlogik, und so unter-\nscheide ich zuerst zwischen Vokalen und\nKonsonanten. Denn alle Vokale sind unter\neinander ähnlicher, als ein Vokal einem\nKonsonanten ähnlich wäre. In b habe ich\nalle Konsonanten mager, alle Vokale fett\ngeschrieben. Aber zur deutlichen Trennung\ndieser 2 Gruppen schien mir das nicht zu\ngenügen, daher habe ich in c, d, e alle\nKonsonanten mager und eckig, aber alle\nVokale feit und rund geschrieben. Es war\nmir dieses nur möglich unter Zuhilfenahme\ndes kleinen e und unter Verwendung eines\nungebräuchlichen i, welches dem bisherigen j\nmehr ähnlich sieht. Aber Sie werden sich\nüberzeugen, daß man den Text trotzdem\nsehr gut liest. Mas liest jetzt besser und\nvor allen Dingen plastischer, weil man die\nklangvollen Laute breit und deutlich sieht,\ndie klanglosen matt. Das Bild der Schrift\nähnelt schon viel mehr dem Klange. Die\nUnterschiede zwischen c, d und e sind, dafc\nich bei den Konsonanten bei c von den bis-\nherigen Minuskeln, bei d von den Majuskeln\nmehr ausgegangen bin. e hingegen ist ent-\nstanden durch Auswahl der charakteristisch-\nsten Zeichen aus c oder d, und durch\nstärkere Betonung der Vokale.\nDiese Schriften a— e können von jedem\nohne weiteres gelesen werden und könnten\nleicht eingeführt werden. Denn die Zeichen\nfür sch und ch können entweder schnell\ngelernt oder auch fortgelassen werden, indem\nman diese einfachen Laute wie bisher zu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.8", "debut_caractere": 11, "fin_caractere_exclue": 2287, "texte": "sammengesetzt schreibt. Aber ich möchte\nbei dieser Gelegenheit anregen, daß allgemein\nein Zeichen für sch und ch eingeführt wird,\ndenn die Abwesenheit eines Zeichens für\ndiese einfachen Laute ist einer der größten\nlogischen und praktischen Mängel des\nAlphabets.\nNun zu f. Dieses ist das Alphabet einer\nrein systematisch, einer rein optophonetisch\naufgebauten Schrift.\nIn Tabelle 2 sehen Sie unter 1 eine phonetische\nOrdnung aller deutlich unterscheidbaren Mit-\nlaute, die der Mensch hervorbringen kann\noder in der Sprache verwendet. Sie sehen\n6 mal 6 Reihen, in denen von oben bis\nunten nacheinander eingereiht sind die Knack-\nlaute weich, Knacklaute hart, Zischlaute weich,\nZischlaute hart, Nasenlaute und Schwinglaute.\nUnd zwar geben die senkrechten Richtlinien\nan, ob der Laut entsteht im Hals, hinteren\nGaumen, mittleren Gaumen, vorderen Gau-\nmen mit Zunge, an den Zähnen mit Zunge\noder mit den Lippen. Ich habe hier aus-\ndrücklich nicht den Klang, sondern den Ort\nder Entstehung in meine phonetische Ord-\nnung eingereiht, und das hat zwei Gründe:\ndafc auf die kleinen Nuancen keine Rücksicht\ngenommen werden soll, und daß die Inflation\nder Laute ausgeschlossen wird. Prüfen Sie,\nbitte, die Reihe von h bis 112 nach. Dieses\nist nach meinen Feststellungen die einzige\nReihe, in der sich an allen vorher bezeich-\nneten Stellen des Mundes Laute bilden\nlassen, die sprachlich verwendet werden.\n8 Quadrate sind frei geblieben. Es war mir\nnicht möglich, an diesen Stellen die ent-\n*\nsprechenden Laute zu bilden. Ob andere\nNationen dort Laute bilden können, weih\nich nicht, aber es ist als immerhin möglich\nanzunehmen, und deshalb sollen für alle\nQuadrate die Zeichen einheitlich gestaltet\nwerden. Die durch Hustelaut, Würgelaut,\nBrüllaut und Pferdelaut bezeichneten Qua-\ndrate enthalten zwar Laute, die ich bilden\nkann, aber es ist mir unbekannt, ob man\nsie in Sprachen verwendet. Bedachten wir\nnun die entstandene phonetische Ordnung,\nso sehen wir deutlich, dafe es 2 th (englisch)\ngibt, weich und hart, dah es 2 j gibt, in dem\ndeutschen Worte jedoch und in dem .fran-\nzösischen jamais, daß es 2 ch gibt, in noch\nund mich, daß es ein Gaumen-r und ein\nZungen-r gibt, daß ch, sch und ng (Angel)\nnicht zusammengesetzte, sondern einfache\nLaute sind. Anderseits vermissen wir in der"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2523, "texte": "phonetischen Tabelle die Buchstaben z und x,\nweil das zusammengesetzte Laute sind. In\ndem üblichen Alphabet, etwa in dem deut-\nschen, wird alles das, was uns hier auffällt,\nnicht berücksichtigt. Sie sehen, wie weit\ndas deutsche Alphabet von einem System\nentfernt ist.\nJetzt bilde ich eine optische Ordnung von\n6 Reihen von 6 Zeichen. Ich muß einen\nGrundsatz aufsiellen: daß alle Zeichen für\nKonsonanten mager, eckig, rechtwinklig sein\nsollen, daß sie bestehen sollen aus nur\neinem senkrechten Strich von etwa 7 Höhen-\nlängen und etwa einer Breitenlänge, und daß\nan diesem senkrechten Strich unten, mitten\nund oben, rechts und links je nach Wahl\nQuerbalken von je y8 bis 1 Breitenlänge\nangesetzt werden können, je nachdem die\nSchrift groß oder klein werden soll.\nNun entsprechen T und F meinem Gesetz.\nIch übernehme beide und bilde durch\nSpiegelung zunächst die 6 Zeichen von 2.\nIn 3 bilde ich aus diesen 6 Zeichen durch\nReihenbildung 18, und in 4 durch Vermitt-\nlung 36. Diese Liste 4 ist eine optische\nOrdnung von Zeichen nach einem formalen\nSystem. In Liste 5 ersetze ich nun die\nphonetische Ordnung 1 durch die optische\nOrdnung 4 und erhalte so eine optisch-\nphonetische Ordnung der Konsonanten. Ich\nhabe die unbrauchbaren Laute weiß gelassen,\ndie im Deutschen ungebräuchlichen schraffiert\nund die deutschen Konsonanten schwarz an-\ngetuscht.\nDie Vokale entwickle ich wieder aus der\nEntstehung. Ich bilde zunächst eine Reihe\naller deutlich unterscheidbarer Vokale, von\nder breitesten Mundstellung über die größte\nRundung zur kleinsten Rundung, das heißt\nvon ä über ö zu ü. Denn ä, ö und ü sind\nnicht Umlaute, sondern sie sind den anderen\nVokalen gleichberechtigt. Wenn man ä den\nUmlaut von a nennt, mufe man a den Um-\nlaut von e und e den von i nennen usw.\nNun gibt es ein geschlossenes und ein\noffenes o und ö. Nur bei o und ö ist der\nUnterschied von geschlossen und offen so\ngroß, daß ich diese 2 Laute trennen möchte.\nIch nehme in meiner Reihe erst jedesmal\nden geschlossenen Laut, weil das der prä-\nziseste ist. Dann ist meine phonetische\nVokalreihe: äaeiooööuü. Be-\nfrachten Sie nun die Majuskeln A, O, U ..,\ndann ergibt sich eine Reihe, die in der Mitte\ndas ganz geschlossene Zeichen O hat, vorn\nbeim A oben geschlossen, unten offen ist,\nhinten beim U umgekehrt. Ich übernehme\nA, O, U. Dann ergibt sich durch syste-\nmatische Ausarbeitung vor dem A ein um-\ngekehrtes U, vor dem U ein umgekehrtes A.\nDurch Vermittlung entsteht die Reihe der\nlangen Vokale. Durch Fortnehmen einer\nhalben Länge vorn entstehen die kurzen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2786, "texte": "Vokale, durch Fortnehmen einer halben Länge\nhinten die nasalen.\nEs ist selbstverständlich, daß sich nicht aus\neinem Buchstaben ein System frei und\nlückenlos ohne weitere willkürliche oder\nmindestens [freie Wahl entwickeln und zur\nletzten Konsequenz führen läfct. Auch wenn\ndie Wahl nach System erfolgt. Trotzdem\nist immer die größtmögliche Konsequenz\nvorzuziehen, und es ist kein Fehler, daß der\nWeg zu weiterer konsequenterer Entwicklung\noffen bleibt. Dadurch bleibt das System\nlebendig. Meine Systemschrift ist, soviel ich\nes beurteilen kann, konsequenter und syste-\nmatischer als alle mir bekannten Schriften.\nIch weife es sehr gut, daß man noch daran\narbeiten kann, und ich werde das sogar\nselbst in aller Ruhe tun.\nNun gibt es noch zusammengesetzte Buch-\nstaben. Ich lehne zunächst als unsystematisch\neine Zusammensetzung von einem Konso-\nnanten mit einem Vokal ab. Nur Vokale\neinerseits und Konsonanten anderseits setze\nich zusammen. Alle zusammengesetzten\nVokale sind zunächst kurz und nicht lang,\nwie das die deutsche Grammatik meint. Das\nSystem der Zusammensetzung ist das, dafe\nder hintere Vertikalstrich des ersten mit dem\nvorderen des zweiten Vokals verschmolzen\nwird zu einem. Dazu mu6 der zweite um\n180 Grad herumgeklappt werden, sodafc er\ndann das Aussehen des entsprechenden na-\nsalen Vokals erhält.\nNun die zusammengesetzten Konsonanten.\nDa sich praktisch das ng nicht mit anderen\neinfachen Konsonanten verbindet, so habe\nich 20 mal 20 Verbindungen im deutschen\nAlphabet, von denen aber nur ein Teil ge-\nbräuchlich ist. Auf Tabelle 3 unter C sehen\nSie die deutschen Zusammensetzungen von\nje 2 Konsonanten. Ich habe die gebräuch-\nlichsten, nach meiner Schätzung, schwarz an-\nangetuscht. Aber es ist nutzlos, etwa die\nZusammensetzungen zu lernen, denn ich\nhabe eine Methode gefunden, nach der man\nohne zu lernen, sofort lesen kann, wenn\nman nur die 20 Grundbuchstaben kennt.\nNach meinem System wird der erste Buch-\nstabe üblich gezeichnet, der zweite schräg\nnach rechts oben darüber gezeichnet, so dafe\ndie senkrechten Striche zusammenfallen.\nSollen 3 Buchstaben zusammengesetzt werden,\nso wird der dritte über die Zusammen-\nsetzung der zwei ersten noch schräg nach\nlinks oben darüber gezeichnet.\nOb man nun zusammensetzt oder nicht, ist\neine Frage der Deutlichkeit, denn es wird\nimmer klarer sein, wenn man nicht zusammen-\nsetzt. Aber es geht nicht, da& man nur das\ntz gleich z und ks gleich x verwende!. Wenn\nman aber zusammensetzt, kann man nur\nzusammensetzen, was sich zusammen spricht.\nKonsonanten zweier Silben, die sich getrennt\nsprechen, können nicht zusammengesetzt\ngeschrieben werden.\nUm zu resümieren: Die Schriften a bis e\nsind reif zum Drucken, die Schrift 112 soll eine\nAnregung sein, soll einen Weg zeigen, auf\ndem man zu einer Systemschrift kommen\nkönnte."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "203", "page_fin": "203", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.6.1", "titre_corps": "Tabelle 1", "titre_sommaire": "Tabelle 1", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.7", "debut_caractere": 62, "fin_caractere_exclue": 71, "texte": "Tabelle 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c008", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "204", "page_fin": "204", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.6.2", "titre_corps": "Tabelle 2", "titre_sommaire": "Tabelle 2", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 9, "texte": "Tabelle 2"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "205", "page_fin": "205", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.6.3", "titre_corps": "Tabelle 3", "titre_sommaire": "Tabelle 3", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.9", "debut_caractere": 2525, "fin_caractere_exclue": 2534, "texte": "Tabelle 3"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "209", "image_debut": 11, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.7", "titre_corps": "Vom Bolschewismus", "titre_sommaire": "Vom Bolschewismus", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3382, "texte": "Vom Bolschewismus\n\nLieber Regierungsrat,\nendlich komme ich zu dem versprochenen\nBrief aus USSR, Sie nennen das Land noch\nimmer hartnäckig Rufeland. Sie sind sicher\nschon in grofeer Sorge um mich. Aber ich\nlebe noch, bin nicht gefangen und befinde\nmich persönlich in dem Zustand, in dem\nSie sich zwischen Berlin und Swinemünde\nbefinden. Sie schätzen mich als objektiven\nMenschen und sind begierig, von mir die\n„Wahrheit\" über USSR zu hören. Zunächst\nkann ich Ihnen versichern, dafc die verbrei-\nteten Wahrheiten die Qualität der ehemaligen\n„Wahrheiten\" über den Weltkrieg haben.\nMan schreibt und spricht von der Gesinnung\naus, die man durch den Zufall seiner\nExistenz sich aneignet. Richtiger: die einem\nfast willenlos angeeignet wird. Eigentum\nerhält den Familiensinn, ist Ihr Wahrspruch.\nIhr Sohn muß den Schreibtisch und Ihre\nTochter das Büffet erben. Sonst pfeifen sie\nauf Elternliebe. Der goldene Ring vom\nUrgrofevater soll noch die Hand des Ur-\nenkels schmücken und ihn an die rastlose\nArbeit des Vorfahren erinnern, der diesen\nBesitz sich vom Magen abgespart hat. Auch\nwünschen Sie in Ihrem persönlichem Bett\nzu sterben. Ich kann Sie insoweit über den\nBolschewismus beruh'gen, als alle Leute in\ndem Besitz des Schreibtisches, des Büffets,\ndes Ringes und des Bettes geblieben sind.\nSelbt das kleine Landhäuschen in Thüringen\nhätten Sie behalten dürfen, wenn Sie es\nschon hätten und Thüringen im Gebiet der\nUSSR liegen würde. Aber die deutsche\nRepublik sorgt nicht genügend für die Be-\namten, wenigstens nicht so gut, dafe man\nsich das Landhäuschen absparen kann. Hin-\ngegen habe ich eine furchibare Entdeckung\ngemacht: die Bolschewisten haben die Be-\namten abgeschafft und infolgedessen auch\ndie Pension der Beamten. Man kennt nur\nStaatsangestellte, die wie alle Angestellten\nbehandelt werden. Sie bekommen nämlich\nalle Pension, wenn Sie arbeitsunfähig sind.\nMan kann allerding nicht davon träumem,\ndaß man sich ohne Arbeit, aber doch .mit\nFähigkeit nach dem vollendeten 65. Lebens-\njahr mit geringen Sorgen in das Land-\nhäuschen zurückziehen wird, das man nicht\nbesitzt. Das Leben kostet eben vor der\nPensionsfähigkeit zuviel Geld. Natürlich die\nHochfinanz muß erhalten werden. Wovon\nsoll sie sonst leben. Da müssen wir eben\nalle Opfer bringen. Und ohne freien Han-\ndel geht es nicht. Ihre verehrte Frau Gemahlin\nmuß das Recht haben, von der Wohnung im\nstandesgemäßen Westen einige Stunden weit\nnach dem Osten zu fahren, um dort Mehl\nund Gesellschaftstoiletten billiger einzukaufen\nals bei der Konkurrenz. Die Bolschewisten\nsind offenbar gegen die weiten Wege der\nHausfrauen und haben die ganze Konkur-\nrenz abgeschafft, um billige Preise zu erzie-\nlen. Sie haben sozialisiert. Hier beginnt das\nVerbrechen. Wir sind ja beide nicht Händler,\nhaben also das Recht auf Objektivität, da\nwir beim Handeln nur verlieren. Der Privat-\nhandel ist eigentlich auch nicht abgeschafft.\nJeder kann handeln und Preise machen, wie\ner will. Er wird nur lebhaft besteuert. Nur\ndie Gegenstände des täglichen Bedarfs haben\ndie berühmten Höchstpreise, interessieren\ndaher auch den Handel nicht. Wenn eine\nFrau Gemahlin, hier nennt man soetwas\nwegen Ersparung der Lungenkraft Genossin,\nvergessen hat, den Hering zum Abendbrot\neinzukaufen, rennt sie natürlich nicht in die\nKonsumgenossenschaft, bei uns Warenhaus\ngen a nnt. Sie läßt den Privathandel den Höchst-\npreis verdienen. Diese Konsumgenossen-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3610, "texte": "Schäften kennen wir ja auch in Deutschland.\nNamentlich Beamtenorganisationen haben\nsie errichtet. Das ist aber dieselbe unsittliche\nKonkurrenz gegen den freien Handel, die dem\nBolschewismus vorgeworfen wird. Mit jeder\nKonsumgenossenschaft wird der freie Händler\ngeschädigt und in seinem Gewinn gefährdet.\nDieser Egoismus der Privatpersonen schädigt\nleider auch in nichtbolschewistischen Ländern\ndie Gewinnvergnügungen der Händlerschaft.\nDie Bolschewiki haben sich nun eine teuflische\nSache ausgedacht, um von den Produzenten\nmöglichst billig Waren zu bekommen und\nmehr Waren als der Privathandel. Sie ver-\nteilen einen erheblichen Teil des Reingewinns\nbei Abschluß des Geschäftsjahrs an ihre Liefe-\nranten. Das ist höchst unsittlich. Wenn Sie,\nverehrter Herr Regierungsrat, sich zum Bei-\nspiel von Ihren Ersparnissen Aktien eines\nUnternehmens kaufen, so tun Sie es, um die\nFinanz oder die Industrie zu unterstützen.\nMan verspricht Ihnen zwar sogenannte Divi-\ndenden, die sich aber meistens in sich ver-\nrechnen. Auf die Verrechnung selbst haben\nSie keinen Einfluß und wollen es auch als\nsozialempfindender Mensch nicht haben. Die\nSozialisten hingegen sind gemeine Menschen\nmit egoistischen Instinkten: sie kontrollieren\nund lassen sich keinen blauen Dunst ober-\nhalb der nicht zu erwerbenden Landhäuschen\nvormachen. Sie wollen nichts an der Wand,\nlieber 10 Rubel in der Hand. Den Groß-\ngrundbesitzern, den Großhausbesitzern, den\nGroßindustriellen, den Bankdirektoren ist\ntatsächlich ihr „Eigentum\" genommen worden.\nSie, mein lieber Herr Regierungsrat, irren\nsich aber darin, daß es den „Diktatoren\"\nübergeben worden ist, damit sie davon bon\nleben. Auch die bolschewistische Partei hat\nes nicht bekommen, zu der etwa der ein-\nhundertundvierzigste Teil der Bevölkerung\ngehört. Das nationalisierte Eigentum wird\nzu Gunsten der gesamten Bevölkerung vom\nStaat verwaltet und produktiv verwandt. Die\nBevölkerung hat schließlich ein gewisses\nmoralisches Recht an dem Eigentum, das\ndurch ihren Hunger und ihre Steuern ent-\nstanden ist. Das Eigentum wird aber nicht\n„verteilt\", wie sie das glauben, sodaß jeder\nein paar Rubelchen bekommen hat. Von\nder Erde leben Millionen Bauern, allerdings\nkönnen die früheren Herren nicht mehr die\nBank von Monte Carlo finanzieren. Wenn\nwir hier lebten, lieber Herr Regierungsrat,\nbrauchten wir nicht die schrecklichen Miets-\nsorgen zu haben, weil wir Miele entsprechend\nunserem Einkommen zu zahlen hätten. Aller-\ndings müssen die Hausbesitzer jetzt auch nur\nvon ihrer Arbeit statt von unserer leben.\nÄhnlich ergeht es den Grußindustriellen und\nden Bankdirektoren. Daß Arbeit nicht schän-\ndet haben alle diese interessanten Berufs-\nleute selbst stets den Anderen gesagt. Aber,\nwenden Sie ein, ohne die Privatinitiative\nkann ein Großbetrieb nicht existieren. Der\nReiz zur produktiven Arbeit beginnt erst mit\n100 % Gewinn. Und die Vielen, die mit\n100 % Verlust an Gesundheit und Lebens-\nfreude arbeiten, arbeiten zweifellos ohne Reiz.\nAber werden Sie etwa glauben oder zugeben,\ndaß Sie unproduktiv arbeiten. Oder arbeiten\nSie deshalb produktiv, damit der Arbeitgeber\nden Reiz der Privatinitiative bekommt. Also\n100 % Gewinn. Ja, sagen Sie, dafür gibt er\ndas Kapital, Wir wollen in unserer Privat-\nkcrrespondenz nicht untersuchen, woher das\nKapital stammt. Aber der Gewinn, die Privat-\ninitiative kommt bestimmt von der Arbeit\nund nicht vom Kapital. Ich hoffe, daß es\nIhnen recht gut geht. Schade, daß Sie nicht\nmit mir in Moskau sind. Sie würden wirklich\nnichts vermissen. Es gibt hier gute Restau-\nrants, für die Sie schwärmen, aber in die Sie\nauch in Berlin nicht gehen. Sie haben von"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2801, "texte": "dem Verbot des Tanzes durch die Bolschewiki\ngehört. Das stimmt auch nicht. Sie könn-\nten jede Nacht hier Foxtrott tanzen, wenn\nSie auch in Berlin nicht tanzen. Es hat Sie\nnur in ihrem Freiheitsgefühl gestört, daß man\nIhnen in der USSR etwas verbieten will, was\nSie gar nicht tun wollen. Das Pflaster in\nMoskau ist allerdings scheußlich. Die kon-\nservativen Gemüter haben wenigsten die\nFreude, diese Erbschaft des Zarismus vorläufig\nnoch erhalten zu sehen. In den Papierkörben\nist uns Moskau über. Wir haben vorläufig\nnur vier auf dem Potsdamer Platz. In\nMoskau befindet sich vor jedem Haus einer.\nDas Fortwerfen von Papier und ähnlichen\nDingen kostet drei Rubel Strafe. Selbst\ndiese Freiheit ist einem genommen. Man\nmuß das Zeug durchaus in die Papierkörbe\nwerfen. Naiürlich tut das jetzt jeder, nur,\num die Einnahmen der Bolschewisten zu\nschmälern. Daher erhalten die Volkskom-\nmissare auch monatlich nur 240 Rubel. Das\nist die hiesige Bezeichnung für Minister. Nun\nwill ich Sie noch über das Schicksal der Bilder\nberuhigen. Sie gehen zwar seit Ihrer Studien-\nzeit in kein Museum mehr, haben aber von\nAugenzeugen gehört, daß die Bolschewisten\nNägel durch die Rembrandts geschlagen\nhaben, um ihre Jakobinermützen aufzuhän-\ngen. Ich habe den Eindruck, mindestens\ntausend Rembrandts in Moskau gesehen zu\nhaben. Alle leider ohne Löcher. Die Nägel\nmüssen also sehr kunstvoll entfernt sein.\nAuch die Schlösser und Villen sind nicht\nverödet, sondern bevölkert. In der Villa\neiner alten Dame zum Beispiel wohnen\nund schlafen jetzt 150 Arbeiter und Arbeite-\nrinnen. Und doch so bequem, dafe noch\nRäume für gemeinsame Mahlzeiten, für Musik\nSchach, Theater und Vorlesungen übrig sind.\nDie alte Dame soll sich übrigens in ihrem\nHaus sehr geängstigt und ihre Einsamkeit\nbeklagt haben. Auch Theater gibt es. Und\nKinos. Und Zeitungskioske mit Berliner\nZeitungen. Und Autos. Und Wodka. Und\nKaviar. Man darf alles, was man will. Und\nje mehr und je besser man arbeitet, desto\nmehr darf man. Also auch hierüber können\nSie beruhigt sein. Wenn Ihre Arbeit, ver-\nehrter Regierungsrat, der Gesamtheit mehr\nnützt, als die Arbeit des Kohlenträgers, wer-\nden Sie höher bezahlt. Sie können sogar\ntausend Rubel monatlich verdienen. Falls\nSie übersiedeln wollen, gebe ich Ihnen nur\neinen Tip: treten Sie nicht der bolsche-\nwistischen Partei bei. Ihre Mitglieder dürfen\nin Moskau unter keinen Umständen mehr\nals 240 Rubel monatlich verdienen. Das ist\nParieigrundsaiz. Als Parteilosen schätze ich\nIhre Qualität aber auf mindestens 600 Rubel\nmonatlich ein, die Sie dann auch tatsächlich\nals Parteiloser bekommen. Sie dürfen das\nIhrer Frau Gemahlin nicht antun, unter diesen\nUmständen Bolschewist zu werden. Denn\nfür die 360 Rubel mehr ohne Bolschewismus\ndarf man und kann man in Moskau alles.\nMit herzlichen Grüften\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "210", "page_fin": "210", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.8", "titre_corps": "Franz W. Seiwert: Zeichnung", "titre_sommaire": "Franz W. 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Seiwert", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3290, "texte": "Amerikanische Wissenschaft und neue Kunst\nFranz W. Seiwert\n\n„MODERNE KUNST VERGIFTET DIE\nGESINNUNG UND DIE MORAL.\"\nDIE WISSENSCHAFT VERDAMMT DIE\nSELTSAMEN BILDER UND STATUEN\nDER KUBISTEN UND FUTURISTEN ALS\nDIE WERKE VERWIRRTEN GEISTES,\nDEREN SCHLECHTEM EINFLUSS SICH\nNIEMAND ENTZIEHEN KANN, DER\nSIE BEWUNDERT.\"\n(„The Washington Post\")\nKubisten und Futuristen und all die anderen\nextremen Modernisten, welche in der Kunstwelt\ngroßes Aufsehen erregt haben, sind nach der\nAnsicht Dr. A. Kirchoffs, eines der fort-\ngeschrittensten Psychologen Europas, Opfer\neines Deliriums und die Erzeuger von geistigem\nGift.\nSelbst anormal in ihrer Art zu denken, schaffen\nsie sich zahllose Jünger und Bewunderer, die,\ngleich ihnen, ebenfalls nicht im Gleichgewicht\nsich befinden.\nDie Schönheit, die sie schaffen können, findet\ner, ist eine perverse Schönheit, und der Ge-\nschmack desjenigen, der sie bewundert, muß\nkorrupt sein.\nEin gelehrter Naturwissenschaftler machte ein-\nmal ein Experiment gerade in dieser Richtung.\nEr nahm die Werke von zehn berühmten\nMalern der futuristischen Schule und versuchte\nsie zur Erbauung der Landbewohner in der\nfranzösischen Provinz auszustellen. Diese Land-\nbewohner waren wahre Naturkinder und sehr\nempfänglich für die immer wechselnde Schön-\nheit der Natur.\nDas Resultat war ein kleiner Bürgerkrieg. Die\nwütendsten Proteste wurden von den einfachen\nDorfbewohnern erhoben, da sie sich zum Narren\ngehalten fühlten. Die dort dargestellte Schön-\nheit kannten sie nicht aus ihrer Erfahrung.\nNichts derartiges kannten sie auf der Erde, auf\nder See und am Himmel.\nDa der Aussteller es versäumt hatte, Warnungs-\ntafeln anzubringen, stieg das Kraftbewußtsein\nder in Schlachtordnung aufgestellten Bauern\nund sie stürmten seine Ausstellung. Nur fünf\nder sonderbaren Malereien wurden gerettet.\nWas absolut kein Schaden war, wie Dr. Kirchoff\nes sieht.\nAnhänger der Kunst, wie sie von den Extre-\nmisten ausgeführt wird, sind die Giftteufel oder\nAlkoholiker — findet er. Wenn sie zu Anfang\nnoch nicht sind, so werden sie durch die\nBetrachtung ihrer eigenen Kunstwerke dazu\ngemacht.\nAll dieses und noch eine Menge mehr über\ndie Verrücktheit der Futuristen und Kubisten\nist enthalten in Dr. Kirchoff's erstaunlichem\nBuch: „Der pathologische Einfluß der modernen\nKunst.\" Dem Buch sind erklärende Fußnoten\nbeigegeben von Dr. S. Freud aus Wien, der\nanscheinend der berühmteste der lebenden\nPsychologen ist. Freud stimmte mit Dr.\nKirchoff überein, als letzterer seine Experimente\nmachte.\n„Dr. Kirchoff erläßt einen öffentlichen Appell\nvon weittragender Bedeutung\", schreibt Freud.\nWenn man sagt, wie er es tut, daß wir alle\nganz allmählich vergiftet worden sind von dem\ngeistigen Gift der modernen Kunst, so ist das\nden Nagel auf den Kopf getroffen. Ich selbst\nhabe wunderliche physikalische Phänomene\nbeobachtet, die aus Hysterie resultierten, immer\nwechselnde Steckenpferde der modernen Kunst.\n„Seine systematischen Experimente und Be-\nobachtungen des Einflusses dieser Kunst auf\nunsere Generation sind eine wissenschaftliche\nEntscheidung, einzig in ihrer Art, die ein\nlebendiges Problem unserer Zeit betrifft.\"\nIn Europa hat das fortschrittliche Buch eine\ngroße Sensation herbeigeführt. Die Kubisten\nund ihre Verbündeten begaben sich in Kampf-\nstellung. Noch niemals waren derartige An-"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3661, "texte": "griffe auf ihre wunderlichen Götter gemacht\nworden, seit der ersten Zeit, da sie anfingen, die\nWelt mit ihren außergewöhnlichen Schöpfungen\nzu bestürzen. Bisher waren nur Angriffe ent-\nweder von konventionellen Laien oder alt-\nmodischen Künstlern gemacht worden, welche\nmit einfachen Linien und natürlichen Farben\nverheiratet waren. Aber keiner kann Dr. Freud\neinen altmodischen Kauz nennen, und Dr. Kir-\nchoff ist ein vielverehrter Prophet in seinem\nHeimatlande.\nDr. Kirchoff gab die Idee, die Modernisten an-\nzugreifen, während sie in verschiedenen Städten\nihre Heilslehre verkündeten und ihre Studien\nan verschiedenen Universitäten Zentral-Europas\nzu verfolgen.\n„Ich hatte eine Menge Patienten, die die Ge-\nwohnheit hatten, viel Arznei zu schlucken. Sie\nrauchten zuviel und tranken zuviel; kein\nWunder, daß sie nervöse Störungen hatten,\"\nschreibt er. „Zu meinem Erstaunen stellte ich\nfest, daß 90 % von ihnen von der modernen\nKunstbewegung eingewickelt waren.\"\n„Zuerst wollte ich an diese augenfällige Ver-\nbindung zwischen den Kunst-Ismen und diesen\nFormen der Hysterie oder noch Schlimmerem\nnicht glauben. Und so wurde ich getrieben,\nStudien über den Zusammenhang der modernen\nKunst und der Psychopathologie zu machen.\"\n„Ich fing an, diejenigen zu kontrollieren, die\ndie Ausstellungen der Futuristen besuchten,\nund ich konnte feststellen, daß daß sie alle ein\nanormales Leben führten, entweder Verbrecher\noder nervöse Kranke waren. Ich wurde zu der\nSchlußfolgerung geführt, daß die Verrücktheit\nfür moderne Kunst und gewisse psychopatho-\nlogische Symptome angegliederte Phänomene\nwaren.\"\nMit der Geduld des Wissenschaftlers, wie sie\nan den deutschen Hochschulen gezüchtet wird,\nrichtete Dr. Kirchoff ein psychoanalytisches\nLaboratorium ein, um diese Experimente weiter\nfortsetzen zu können.\nEins der reinsten Resultate seiner Untersuchun-\ngen ist die Schlußfolgerung, daß die Beweg-\ngründe der Futuristen und ihrer Nachfolger\nwahrscheinlich anormal sind und daß ihre Kunst\nauf dem Prinzip basiert, sich von der Natur\nzu entfernen. „Die Kunst unserer Vorfahren,\"\nschreibt er, „war auf den Prinzipien der Natur\nund des Lebens, des äußerlichen und inner-\nlichen, begründet.\"\n„Aber betrachten Sie die Bilder derjenigen\nModernisten wie Leger, Kandinsky, Cickowsky,\nSeiwert und Capek. Ihre Kompositionen sind\ndie unnatürlichen Anblicke von Nachtmaaren,\ndie niemals geträumt wurden. Verdrehte Ober-\nflächen und Formen, bizarre Farben und un-\nverständliche Zeichnungen sind das Ziel der\nModernisten.\"\n„Wo in der Natur finden Sie etwas den Kom-\npositionen eines Leger, eines Cickowsky und\neines Burliuk Gleichendes? Wo finden Sie die\nAnsichten nach der Vorschrift der modernen\nLeinwand-Sudler, ausgenommen in Deliriums-\nTräumen ?\"\n•\n„Der Ur-Sinn der Kunst ist Schönheit. Schön-\nheit ist natürlich. Vergleichen Sie ein Werk\nDürers oder Velasquez mit einem solchen von\neinem berühmten Futuristen.\"\n„Es ist das Wesen der modernen Kunst, die\nDinge auf eine irrsinnige Art darzustellen.\nGebrochene Formen und Linien oder geo-\nmetrische Zeichnungen vermitteln uns Bilder,\ndie nur ein pathologisches Gehirn ausdenken\nkann.\"\n„Nur diejenigen, denen gewisse Arzneien ge-\nreicht wurden, sehen ähnliche krankhafte\nBilder. Launenhafte Geschöpfe! Monströse\nObjekte! Verkehrte Formen und groteske\nSituationen! Ein Mann, der Haschisch ge-\nnossen hat, sieht abnorme Gesichte, verdrehte\nOberflächen. Der Geist des Morphinisten gibt\nsich hin und beschwört solche bizarre Farben\nund kubistische Zeichnungen herauf. Hypnoti-\nsierte Hysteriker sehen erschreckende mechani-\nsche Formen überall.\"\nDr. Kirchoff führt ein erstaunliches Experiment\nan, mit 20 jungen Kunstschülern, deren Geist"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3531, "texte": "unverdorben war, und die das Auge eines\nprimitiven Menschen hatten für die Schönheit\nder Linie und der Farbe.\nSich selbt überlassen, malten sie Objekte der\nNatur mit verschiedenem Erfolg, aber in jedem\nFalle sahen sie die Schönheit und versuchten\nsie zu reproduzieren. Dann gab er ihnen\nOpium. Jeder von ihnen, übereinstimmend mit\ndem Verfasser, malte ausgesprochen futuristische\nBilder.\n„Einige von ihnen,\" schreibt der zynische\nKirchoff, „waren ziemlich gute Bilder; wie\nsolche Bilder gut sein können, das will be-\nsagen, sie waren ziemlich schlimm.\"\nEr hat entdeckt, daß das Opium auf die Vor-\nstellung der Zeichnung wirkt, Alkohol auf die\nder Farbe, Nikotin auf die der Harmonie.\nVierzehn der 20 jungen Männer malten, als\nsie unter dem Einfluß des Giftes standen, eine\nBlume, als wenn sie ein Rad in der Luft\nwäre.\nDr. Kirchoff fand, daß, wenn seine 20 Versuchs-\nobjekte in ihrem anormalen Zustande auch\nnicht alle futuristisch malten, sie dennoch in\ndemselben Geiste redeten. Noch nicht zufrieden-\ngestellt, überredete er einige anerkannte Meister\ndes Futuristen-Kultes, sich einer Prüfung zu\nunterwerfen. Nachdem sie Narkotika genommen\nhatten, wurden sie futuristischer denn jemals\nund bedeckten Leinwände mit unheimlichen\nZeichnungen, die sie erschreckten, als sie\nin den natürlichen Zustand zurückgekehrt\nwaren.\nUeberzeugt davon, daß Gifte einen konventio-\nnellen jungen Künstler zu einem Futuristen\nmachen können, machte es sich Dr. Kirchoff\nzur Aufgabe, zu entdecken, welchen Einfluß\ndie futuristische Kunst auf einen rein lebenden\nund unberührten jungen Mann oder Frau haben\nkann, die nie Gifte gekannt haben.\nEr mietete Räume für drei gesunde junge\nFrauen, die in seine Stadt gekommen waren\num Kunst zu studieren. Er bedeckte die\nWände derselben mit ultramodernen Bildern\nund stellte „fortschrittliche\" Plastiken an\ngünstige Plätze. Eine Zeitlang widerstanden\ndie jungen Menschen, dann fingen sie an\nübermäßig zu rauchen und endlich auch zu\ntrinken.\n„All dies\", sagt Kirchoff (und der noch be-\nrühmtere Freud bestätigt es) „ist unvermeidlich.\"\nUnd Kirchoff sagt weiter:\n„Seht euch die Jünger der modernen Kunst an,\n80 % von ihnen leben ein in mancher Bezie-\nhung anormales Leben.\"\n„Nehmt ein Kind von 10 Jahren und lehrt es\nfuturistische Bilder malen während sechs Mo-\nnaten und Sie werden finden, daß seine Neigun-\ngen in allen Dingen anormal werden. Wenn\nein intelligenter Mensch während eines Monates\ndauernd diese Gebilde mit verdrehten Linien\nund verrückten Farben vor Augen hat, wird\ner unbewußt aus dem Gleichgewicht gebracht\nwerden.\"\n„Die wahre Kunst entspringt aus Lebensbe-\ngeisterung, diese Kunst ist der Ausfluß der\nDepressionen des Deliriums. Das kommt da-\nher, weil wir heutigentages so gefühlsarm sind,\nund das ist die Ursache, daß so viele junge\nLeute so gewissenlos heiraten und so bald\nbereuen.\"\nDr. Kirchoffs Experimente waren umfassend und\ner versuchte sie verständlich zu machen. Er\nexperimentierte ebenfalls mit Studenten der\n„altmodischen\" Kunst. Während ihre Schwestern\nund Brüder des futuristischen Studiums vor-\nwärts stürmten und immer wilder und wilder\nwurden, fand er sie gesund und ruhig und\nausgeglichen in einer Welt von Schönheit.\nDann experimentierte er mit sich selbst. Nach-\ndem er eine Woche damit zugebracht hatte\nZeichnungen von Lissitsky und Rosanowa zu\nkopieren, die beides moderne Berühmtheiten\nsind, fühlte er, daß er Bedürfnis nach Schnaps\nhatte, um wieder Interesse fürs Leben zu be-\nkommen. Er fing an, die Welt scheußlich zu\nfinden, während vorher alles schön gewesen\nwar."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 484, "texte": "Er konstatiert, daß es in Paris, London und\nNew York die grausigsten Verbrechen gibt, und\ndaß die Futuristen und Kubisten in diesen ver-\ndrehten Städten am stärksten vertreten sind.\nIn seinem letzten Kapitel wendet sich der Mann\nder Wissenschaft zur Religion des Trostes, in-\ndem er den Malern und Bildhauern, deren\nWerke einem Haschisch-Traum zu entspringen\nscheinen, ein kurzes Leben verspricht,\n„Gott schütze uns vor dieser modernen Kunst\"\nist das fromme Gebet mit dem er schließt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c013", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "212", "page_fin": "212", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.9.1", "titre_corps": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 28, "texte": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c014", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "214", "page_fin": "214", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.9.2", "titre_corps": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 28, "texte": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "216", "page_fin": "216", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.9.3", "titre_corps": "Franz W. 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.13", "titre_corps": "Piu-Piu's Windglocke", "titre_sommaire": "Piu-Piu's Windglocke", "signature_source": "Edmund Palasowsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2610, "texte": "Piu-Piu's Windglocke\nEdmund Palasowsky\n\nPiu her — Piu hin\nPiu-Piu ist zerbrochen.\nKleine liebende Kinderhände haben die Scheiben\naufbewahrt\nVielleicht — vielleicht nicht ganz kaputt\n(Aus Glasscheiben kann man noch eine Windglocke\nmachen)\nVielleicht — vielleicht\nBei neuem Mond, bei vollem Mond\nVielleicht bei Nacht wenn alle schlafen\nDa kommt ein Südwind irgendwoher\nUnd die Scheiben klingen zusammen\nVielleicht — vielleicht —\nUnd Piu-Piu's Stimme ertönt.\nBei neuem Mond\nDie armen warmen Kinderhände streckten sich\nüber die Glocke aus\nSie atmeten heiß sie blühten heiß\nIhr Atem war hell und wie Hauch vom Süden —\nBei vollem Mond —\nDa erklang Piu-Piu's ferne Stimme.\n„Wer ist die, die am liebsten hat Piu-Piu? —\nWen hat Piu-Piu am liebsten auf der Welt? —\nWer ist sie, die Piu-Piu am stärksten liebt? —\nWer liebt dich am meisten auf der ganzen Welt? —\nWer liebt Piu-Piu?\"\nDa weinten die Hände bei dem abwechselnden Mond\nDie mageren kleinen lieben Kinderhände —\nDas war Piu-Piu's Paternoster\nUnd nächstesmal ertönte wieder die Glocke.\n„Piu-Piu war sein Name.\nWas heißt Piu-Piu?\nDas heißt: lieb.\nEs heißt ein Traum\nVon einem der schön ist, Traum einer Schönen.\nWer war Piu-Piu? Ein armer Kerl\nOhne Hilfe ohne Trost\nBettler Piu-Piu aus hellem Nebel.\nSein Kopf war aus Frevel und Kuß —\nDu hast Piu-Piu schön erträumt\nNur hat man ihn häßlich angeschaut —\nJa, Piu-Piu hatte viele Sünden, wahrlich das war\nsein ganzes Vermögen —\nAber du sollst es wissen:\nWas du träumst, ist Frühling\nAn wen du glaubst, ist Felsen\nWen du lieb hast, ist Tannenwald —\nWas du tust: Feuer — Panorama,\nWo wohnt Piu-Piu?\nDu sollst es nicht vergessen\nWo Piu-Piu wohnt.\"\nDa leuchteten die leuchtenden Hände wie Lotos:\nPiu-Piu ist nicht zerbrochen —\nPiu-Piu wohnt in mir.\nUnd klang die Glocke\nBei Nacht als alle alle schon schliefen:\n„Sag\" nur, sag' nur: Piu-Piu ist schön\nPiu-Piu hat nichts getan —\nPiu-Piu hat viele Krümmungen viele Gezweige —\nDoch lieb1 Piu-Piu, liebe ihn.\nJetzt ist Piu-Piu klein —\nWird Piu-Piu einmal groß, ist es kein Witz mehr\nihn zu lieben!\nJetzt ist Piu-Piu finster —\nWird einmal Piu-Piu hell, ist es keine Kunst ihn\nhoch zu schätzen.\nJetzt ist Piu-Piu krank\nJetzt muß man an ihn glauben —\nWird einmal Piu-Piu mächtig\nIst es kein Witz mehr ihm treu zu sein!\nJetzt muß man Piu-Piu sehr sehr lieben.\"\nDa zuckten die Hände\nDie flammenden blühenden segnenden Hände:\nIch will mein Blut für Piu-Piu opfern.\nUnd wieder bei dem abnehmenden Mond\nDie Glocke die Glocke:\n„Sei nicht trüb!\nEs kommt Piu-Piu neu\nEr kommt an der Spitze der Schwarz-Amseln\nEr kommt an der Spitze der Teddy-Bären\nEr kommt an der Spitze der Wasserfälle."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2540, "texte": "Sei nicht trüb!\nEr kommt an der Spitze der toten Rehe\nEr kommt an der Spitze der heißesten Heißen\nEr kommt an der Spitze der blauesten Blauen.\nEr nähert sich an der Spitze der Libellen\nEr jagt vor sich Sonne und leuchtende Wolken\nEs begleiten ihn die Märchenpferde —\nEr nähert sich in Träumen, er reitet in Strahlen\nSo kommt Piu-Piu wieder.\"\nSie spielten an der Windglocke, sie spielten\nDie wunderbaren mächtigen lieben Hände\nSo spielte ihr Blut —\nPrinz von Piu-Piu (sei nicht trüb)\nHerzog der Lichter, König der Rehe!\nEs kommt Piu-Piu siegreich.\nDie Hände wie aus tiefen Neiken\nWie aus Tränen des Mondes —\nDoch hör's doch hörM\n„0 sei nicht traurig!\nWenn du lächelst —\nEs geht auch Piu-Piu wohl.\nSei nicht traurig —\nWarum Piu-Piu zur Welt gekommen\nWenn er nichts Schönes für dich kann?\nEs muß dir gut gehn! Er hat nichts anderes zu tun —\nPiu-Piu ist darum gekommen, weißt du? eben darum.\nFrierst du? oder ist dir warm?\nPiu-Piu kühl wie Mokka-Eis\nPiu-Piu heiß wie ein Kamin.\nPiu-Piu ist aus Klang.\nIn dir klingt ein Klingen\nUm dich herum wirbelt ein schöner Nebel —\nPiu-Piu ist aus hellem Nebel.\nPiu-Piu's Leib ist aus Mondseide\nDu sollst ihn anschlagen mild anschlagen —\nPiu-Piu ist riesig groß —\nIn seiner Handfläche kannst du schön schlafen.\"\nDie Hände weinten, sie weinten von neuem.\nNacht um Nacht —\nDoch hör's, doch höf!\n„Tut dir Piu-Piu sehr weh?\nEr will für dich wie die schönste Amsel pfeifen,\nEr will für dich zärtlich bellen wie der schönste\nHund —\nEr will für dich viel mehr blau sein wie die blaueste\nBlume,\nEr will für dich viel süßer sein wie rohe Tomaten\ndie du gern hast,\nEr will für dich purzeln schön wie der liebste\nBär —\nNur du sollst lächeln du sollst schön lächeln. \"\nUnd die kleine Glocke hat wie die schwärzeste\nSchwarz-Amsel gesungen,\nNur sieh's, nur sieh!\nUnd zärtlich gebellt wie der herrlichste\nBernhardiner —\nSie tanzte drollig lieb wie die lieben Teddy-Bären,\nIhr Klang war süß wie die tomatesten Tomaten\nSie klang viel mehr blau wie der blaueste Nebel —\nBei neuem Mond, bei vollem Mond\nUnd dann haben sich die lieben Hände wie im\nSpiegel erschaut —\nIn ihrer vollen Pracht und wunderbar:\nO was war es, was ich gesehen —\nWo ich drin, wo ich so schön?\nUnd heiler klang die kleine Glocke:\n„Es\nWar\nPiu-Piu's Herz.\"\nDa lächelten die Hände endlich süß.\nUnd wurde Piu-Piu hell. — —\nDoch\nEine einzige darf es nie vergessen\nWie Piu-Piu's Paternoster klingt:\nWer ist sie, die Piu-Piu am meisten liebt?\nIch.\nWen hat Piu-Piu am liebsten auf der Welt?\nMich.\nWer ist sie, die am liebsten hat Piu-Piu?\nIch.\nWer liebt Piu-Piu?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c021", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "221", "page_fin": "221", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.13.1", "titre_corps": "Jaroslav Hilbert: Falkenstejn", "titre_sommaire": "Jaroslav Hilbert: Falkenstejn", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 59, "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nJaroslav Hilbert: Falkenstejn"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c022", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "223", "page_fin": "228", "image_debut": 27, "image_fin": 32, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.14", "titre_corps": "Der Krieg : Ein Chorspiel Vorwort", "titre_sommaire": "Der Krieg : Ein Chorspiel Vorwort", "signature_source": "Karl Vogt", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3185, "texte": "Der Krieg\nEin Chorspiel\nVorwort\nKarl Vogt\n\nFür den Sprechchor ist es erforderlich, die\nchorische Sprechgestaltung mit einer Be-\nwegungsgestaltung zu verbinden.\nDas gesungene Wort erscheint als absolute\nkünstlerische Form. So ist es vom Ursprungs-\nerlebnis entfernt, von diesem abstrahiert. Im\nGegensatz dazu ist das gesprochene Wort noch im\nIrdischen verhaftet. Es bedarf, um wahr und\nlebendig zu erscheinen, der Entwicklung aus\nden Antrieben des Körpers. So ist es not-\nwendig durchblutet. So wirft das gesprochene\nWort, entwickelt aus dem Bewegungsimpuls,\ndas Spiel von Gefühl und Willen in die Klarheit\ndes Bewußtseins empor. In die Sprache. Mit\nder Entwicklung des Wortes aus der Bewegung\nwird auch die überall sich vordrängende Gefahr\nvermindert, daß das Wort als Träger seiner\nBedeutung, also intellektuell, also unkünstlerisch\ngeformt wird. Diese Gefahr zeigt sich überall\nbei den Veranstaltungen der Sprechchöre und\nauch des Theaterspiels. Schon einfache Satz-\ninhalte werden demonstriert, der Sinn der\nSätze, die Bedeutung der Worte wird vom\nSchauspieler oder vom sprechenden Chor aus-\ngemalt; niemand begreift, wie überflüssig dieses\nBemühen ist. Der Inhalt der Worte an sich\nist fast immer so einfach, daß seine überdeut-\nliche intellektuelle Gestaltung nur Verdruß er-\nregen kann. Zu gestalten ist der Gefühlsinhalt\nund der Rhythmus der Worie, der Sätze, der\nSatzbeziehungen, der Szenen, der Akte. Dann\nkommt künstlerische Wirkung erst zustande,\ndann wird statt Betonung Tonfall geformt, statt\nzerpflückter, falsch ausmalender Worteinzelheit\nein Ganzes. Im Wechselspiel von Ton und\nBewegung ermöglicht sich erst die Blutnähe,\ndie aus dem Laienspiel des Sprechchors das\nWerden einer kollektiven, neuen, zeitgemäßen,\nmonumentalen Kunstform erhoffen läßt.\n„Der gespaltene Mensch\" von Bruno Schönlank\nversucht auf direktem Darstellungswege, ohne\nRedseligkeit, das Material für den Sprechchor\nzu geben. Er schuf in seiner Diktion, in der\nFormung seiner Worte und Sätze, jene knappen,\nprägnanten Bildungen, die — geschult an dem\nVorbilde des größten neueren deutschen Sprach-\ngenies August Stramm — nicht nur dem Tempo\nund dem Konzentrationsbedürfnis der Zeit ent-\nsprechen, sondern die auch die denkbar beste\nUnterlage für eine sprachrhythmische Gestaltung\nbilden.\nDie Aktivierung des Publikums, die seit Jahr-\nzehnten von Instinktbegabten geahnt und von\nallen Theaterreformern gefordert wird, ist durch\ndie geformten Sprechchöre zu erreichen.\nDer hier folgende Auszug meiner Sprechchor-\nDichtung ist auf Grund meiner praktischen\nErfahrungen mit dem Sprechchor der Volks-\nbühne entstanden.\n112\nI. Teil\nBühne offen — dunkel — anmaßender Trommel-\nwirbel, einmal, zweimal, dreimal, viermal — da-\nzwischen immer eine tiefe, drückende Stille.\nCHOR: Die Kinder können nicht schlafen\nIn Deutschland\nSie fühlen ....\nDie Kinder können nicht schlafen\nIn Rußland\nSie ahnen ....\nDie Kinder können nicht schlafen\nIn Frankreich\nSie ängsten ....\nDie Kinder können nicht schlafen\nIn England\nSie grausen ....\nEuropas Kinder s'nd friedlos.\nFühlen das Drohen\nOpfer unmenschlich unmenschlicher Greuel.\nEIN JUNGE (steht plötzlich in fahlem Licht im\nHemdchen):\nMutti!\nEINE FRAU: Was denn, mein Junge?"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2677, "texte": "DER JUNGE: Ich habe so schlecht geträumt,\nEs war so kalt.\nVom Himmel fiel giftige Luft,\nAlle starben in einer Minute.\n(Das Licht erlischt.)\nCHOR: Europas Kinder können nicht schlafen,\nEuropas Kinder sind friedlos,\nFühlen ein Drohen,\nOpfer unmenschlich unmenschlicher Greuel.\n(Trommelwirbel, viermal, wie vorher.\nLeise Jazzmusik, nicht zu lang.)\nDIE BEHAGLICHEN: Sie liefern Weizen, gut, zu\nfünfunddreißig.\nUm neun Uhr fahre ich in mein Büro.\nJa, mit den Steuern geht's uns allen so.\nIch bin versichert noch und noch, was\nweiß ich.\nDes Sonntags meine Pfeife in der Laube.\nMein Sohn treibt Fußball, meiner boxt,\nja Sport!\nWir sitzen nur am Radio immerfort!\nDer heutigen Jugend fehlt der wahre Glaube.\nJa, Zucht und Ordnung! Meine Kuxen steigen.\nMein Auto? Fabelhaft — 70 PS.\nWas? Süße Kleine! Ganz was Zuckriges.\nDemonstration? Den Lümmeln müßt\nmans zeigen!\nPrügelt sie in die Kasernen,\nDamit sie wieder strammstehn lernen!\nDIE RAUHEN: Wolken schwarzer Essen schwälen.\nDrehbank, Schwungrad, Schmutz und Ruß,\nStumpfes übermüdes Quälen,\nEisern immergleiches Muß.\nMann der Arbeit, Mann der Arbeit!\nRiesenkran und Stundendröhnen,\nHämmer donnern schweren Falls,\nAugen beizt uns bis 2u Tränen,\nStrang des feurigen Metalls.\nUns bleibt nichts als unser Sehnen.\nHassend zischt uns Kolbenfauchen,\nGraues Gitter der Fabrik.\nMüssen letzten Atem brauchen,\nFrohn des Laufbands, Stück um Stück.\nArbeitstiere des Kapitals!\nDIE BEHAGLICHEN: Das Elend uns die Freude stört!\nWas will das Volk? Habt Ihrs gehört?\nEs gab doch immer arm und reich!\nStreik? Rebellion! Das bleibt sich gleich!\nDIE RAUHEN: Für uns der dumpfe Harm des\nMenschenseins!\nFür uns das Triebwerk und der Not Gebrest,\nStadt im Taumel des Scheins.\nIn dunklen Höfen unsere Kinder,\nIn Hinterzimmern unstr Dasein.\nWir hungrig nach Fröhlichkeit und Licht,\nO bi udergläubig Menschsein!\nDIE BEHAGLICHEN: Was soll man tun? Wir\nwerden sehn,\nDie Zeit ist hart. Vielleicht wird's gehn.\nWir müssen die Absatzmärkte verbreiten,\nDie Preise erhöhn, den Umsatz weiten.\nKommt alles in Schwung, verdient auch ihr,\nEs bleibt schon übrig.\n(Sie verschwinden)\nDIE BEAMTEN: Wir sind Beamte,\nRespekt!\nObrigkeit!\nDer Staat!\nDer Staat:\nStramm, stramm, stramm,\nAlles über einen Kamm!\nWir sind Beamte,\nRespekt!\nPflicht! Pflicht!\nStreng meinen Dienst —\nMehr nicht —\nOrdnung, Zucht!\nOrdnung, Zucht!\nEignes Denken ist verrucht.\nWir sind Beamte,\nRespekt!\nWir regieren,\nZu vieren,\nBeamte, Militär,\nUnd Kirche, Schule nebenher.\nOrdnung muß sein,\nDer Staat muß gedeih'n\nDIE UNRUHIGEN (dazwischen):\nDenkt!\nEuch selbst zu entscheiden,\nEs bleibt nicht geschenkt.\nDIE SCHLAFENDEN: Den Geist aufrühren?\nIn Zweifel verlieren?\nAlles selber bedenken?\nDie Gehirne verrenken?"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2161, "texte": "DIE UNRUHIGEN: Untertan!\nWas geht es Dich an?\nDer Staat besteht,\nDer Mensch vergeht!\nDIE BEAMTEN: Wir sind das freieste Land,\nUnsere Schule ist bekannt.\nDIE UNRUHIGEN: Da habt ihr was rechtes erwischt!\nSystem, System — Geist stört Verkehr.\nSystem, Maschine gilt euch mehr!\nDenkt!\nEuch selbst zu entscheiden,\nBleibt nicht geschenkt!\nDIE SCHLAFENDEN: Zu suchen, zu schaun\nNach diesem und dem?\nWir sind zu bequem,\nSind Fachleute am Schwitzen,\nWir bleiben schön sitzen.\nWas sollen wir denken?\nKeinen Finger verrenken!\nDIE BEAMTEN: Zucht, Ordnung muß sein,\nSaugt Weisheit, trinkt Wissen!\nTut's not, helfen Schläge,\nUnruhig zerrissen.\nSucht eigene Wege.\nGehorsam ist Pflicht!\nDIE UNRUHIGEN: Prügelt die Kinder,\nLehrer, Erzieher,\nDaß stumpf sie gehorchen.\nPrügelt auch, Eltern!\nPrügelt die Kinder,\nBrecht ihren Willen,\nDen Willen der Schwachen,\nDaß schwach sie bleiben —\nAufrecht gesonnen\nMacht nur Beschwerden.\nDuckt Euch!\nDIE BEAMTEN: Wir sind Beamte!\nRespekt!!\nObrigkeit!\nDer Staat!\nDer Staat!!\nDIE UNRUHIGEN: Die Bestimmung besteht.\nDer Mensch vergeht.\nDIE BEAMTEN: Respekt! Der Staat!\nOrdnung! Verordnung!\nImpfgesetz neu —\nDIE UNRUHIGEN: Impft! Impft!\nDie Seuche ist fort,\nDas Volk verdorrt —\nDIE SCHLAFENDEN: Der Professor muß es wissen -\nEr hat studiert.\nDIE UNRUHIGEN: O sanftes Ruhekissen:\nDie Aktie profitiert!\nDIE BEAMTEN: Fester Block\nDer Parteien.\nDIE UNRUHIGEN: Einheitsfront\nDer Papageien,\nDenkt!\nEs bleibt nicht geschenkt\nDIE SCHLAFENDEN: Der Abgeordnete muß es wissen,\nDie Partei wird's schon machen.\nDIE BEAMTEN: Ordnung, Zucht\nObrigkeit:\nWir sind Beamte,\nSind der Staat!\nDIE UNRUHIGEN: Der Mensch vergeht —\nDie Bestimmung besteht.\nDIE BEAMTEN: Stramm, stramm, stramm\nAlles über einen Kamm!\n(Leise grollende Paukenwirbel.)\nDIE BEHAGLICHEN (kommen wieder):\nAbsatzmärkte\nWir sind friedlich.\nUnsre Ehre —\nFeinde ringsum —\nWir sind friedlich —\nUnd Verträge —\nSelbstverständlich\nDIE UNRUHIGEN: Die vorne den Frieden verkünden\nUnd hinten zum Kriege sich rüsten!\nDIE BEHAGLICHEN: Ehrlose Gesellen:\nVerräter! Verräter!!\nDIE BEAMTEN: Ruhe! Ruhe!\nBürgerpflicht!\nDIE BEHAGLICHEN: Wir brauchen Marokko\nWir brauchen Erze,\nWir brauchen Bagdad,\nDen Weg nach Indien!"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1971, "texte": "DIE BEAMTEN: Für Vaterland!\nDIE BEHAGLICHEN: Absatz — Rohstoffe\nDonetzkohle,\nOel von Baku.\nDIE BEAMTEN: Fiir's Vaterland!\nDIE UNRUHIGEN: Achtung! Achtung!\nGährend Unheil!\nMenschheit! Menschheit! ~\nDIE BEAMTEN: Ruhe! Ruhe!\nDIE BEHAGLICHEN: Man beschimpft uns!\nAlte Rechte!\nWohlerworben!\nUnsere Ehre!\nDIE BEAMTEN: Unsere Ehre!\nAufruf! Sammeln!\nSteht Bereitschaft!\nDIE BEHAGLICHEN: Unsere Ehre\nStolz zu schützen:\nAufruf! Sammeln:\nStolze Jugend!\nMännertugend,\nKrieg blüht Tugend!\nDIE UNRUHIGEN: Wahn!\nAberglauben!\nKrieg sei Tugend,\nKrieg sei Stahlbad,\nBadekur.\nWahn! Wahn!\nAberglauben!\nKrieg ist Roheit!\nWächst Verbrechen,\nUnzucht Mord!\nWahn! Wahn!\nNackter Mord.\nKrieg\nMissetat!\nDIE BEHAGLICHEN: Aufruf! Aufruf!\nSchnöder Mißbrauch\nUnsres Glaubens!\nKriegserklärung!\nKrieg! Krieg! Krieg!\nDIE UNRUHIGEN: Sind wir denn angegriffen?\nKurzer, scharfer Trommelwirbel, sofort umringen sie\nDIE BEAMTEN (laut schreiend):\nLandesverrat! Landesverrat!\nKurze Pause — Stille\nDIE BEHAGLICHEN: Das Mehl?! Doppelt so teuer\nVom Ausland.\nUnd Salz? Wie, Salz?\nNur zentnerweise —\n— Im Kriege muß flott verdient werden.\nFRAUEN: Kommt wirklich Krieg?\nDIE BEHAGLICHEN: Wir sind beleidigt!\nDie Ehre des Landes!\nWir sind bedroht —\nNationale Belange!\nWir sind überfallen\nIm tiefsten Frieden,\nUnser gutes Schwert\nErkämpft unser Recht —\nGöttliche Ordnung.\nDIE UNRUHIGEN (wieder hervordrängend):\nNein! Nein!\nWir wollen nicht\nGöttliche Ordnung,\nLüge Bedrohte Ehre.\nWir wollen nicht,\nStärkere Gewalt ist unser Wille.\nPeitschschlag, Triangelklirren.\nVIER WEIBER (fackelschwingend, rennen scharf in\ndie vier Himmelsrichtungen):\nKrieg! Krieg! Krieg! Krieg!\nSofort formieren sich BEHAGLICHE und BEAMTE\nzu einem Marsch:\nKrieg! Krieg! Es ruft das Vaterland,\nDer Erbfeind ist in Haß entbrannt.\nGott segnet unsere Fahnen.\nKrieg! Krieg! Zum Schutz von Heim und Herd\nSchmach dem, der unsern Frieden stört.\nGott gib uns Segen Amen.\nSie kommen in den Hintergrund.\nVorn begegnen sich die Unruhigen mit einer\nGruppe Frauen."}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.32", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 763, "texte": "DIE UNRUHIGEN: Gott segnet die Fahnen\nJeder Mordbande,\nAn jeder Front.\nFrauen,\nSchmückt nicht mit Blumen die Gewehre,\nMädchen,\nLaßt den Mörderkittel!\nHände dampfen vom Blut.\nHängt Euch den Männern um den Hals,\nLaßt sie nicht fort!\nSie eilen nach hinten. Halbdunkel. Ausmarsch.\nFRAUEN: Wer marschiert im grauen Nebel der Frühe ?\nSöhne, Väter und Gatten und Brüder.\nMÄNNER: Dunkel droht,\nUnd die Kolonnen\nZieh'n ihm ungewiß entgegen,\nHämisch äugt das kalte Zwielicht.\nVorwärts keifen Befehle,\nAbschied würgt in der Kehle,\nHarte Straße frißt den Marschtritt.\nim Anmarschieren:\nTräume bauen uns Brücken zur Heimat\nHeimt uns in Frieden ein liebendes Herz.\nMutter!\nBraut!\nGeliebte!\nSie sind fort. 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Der Raum ohne Bewegung\nnicht sichtbar. Menschen und Gegenstände\nsind auf dem Theater nur bewegte Farbformen.\nIhre Gestaltung, die Herstellung der künstle-\nrischen Beziehungen in Optik und Akustik, das\nKunstwerk des Theaters.\nDeshalb ist Alexis Granowski ein Künstler des\nTheaters. Ein vollkommener Künstler. Ein\nGenie. Er hat das Ingenium, das Material zur\nlebendigen, sichtbaren und tönenden Wirkung\nzu bringen.\nDie Verwechslung zwischen Kunst und Leben\nhat das Leben der Kunst getötet. Sie ist Schmuck\noder Illustration geworden. Schmuck kann man\nablegen. Illustrationen beigeben. Kunst aber\nist weder Ablage noch Beigabe. Kunst ist die\nsinnliche Gestaltung des Lebendigen. Nicht des\nLebenden. Leben stirbt. Kunst lebt.\nWenn sich Literaten um das Theater kümmern,\nzeigt es die Kümmerlichkeit der Literatur. Litera-\ntur ist Abschrift. Kunst Schrift.\nDer Schriftsteller hat nichts mit dem Theater\nzu tun. Sein Künstler muß ein Tonfarbform-\nsteller sein. Geschriebenes wird nicht gesehen\nund nicht gehört. Schreiben ist ein Gedächtnis-\nmittel. Man kann sich aus dem Gedächtnis\netwas vorstellen. Richtiger: etwas nachstellen.\nKunst aber ist stellen, zusammenstellen, kom-\nponieren.\nGranowsky ist ein Tonfarbformsteller.\nMan will Kunst begreifen. Kunst ist kein Körper,\nalso ungreifbar. Also unbegreifbar. Muß man\nwirklich tasten, fassen, packen. Kann man\nnicht in die Weite sehen und in die Ferne\nhören. Wili man den Himmel fassen oder das\nGebirge begreifen oder in das Meer tasten. Ist\ndas Blatt die Schönheit der Blume oder der\nTropfen die Schönheit des Meeres.\nDie Natur gebiert oder wächst. Die Kunst\nkomponiert.\nKenntnisse sind Benennungen von Erfahrungen.\nAlso zufällig und nicht organisch. Kunstwerke\nmüssen Organismen sein.\nGranowsky schafft seine Kunstwerke unter dem\nNumen „Das Moskauer Jüdische Akademische\nTheater\". Diese Bezeichnung hat etwa den\nselben Wert wie der Name einer Person. Ein\nMerkmal. Selten ein Denkmal. Hier darf man\ndas Denkmal errichten. Vielleicht ist Granowsky\nJude. Aber es gibt keine jüdische Kunst und\nkeine christliche. Religionen sind erzwungene\nZwangsvorstellungen.\nAber, wenden die Intelligenten ein, man spielt\ndoch jüdisches Milieu. Ist das etwa die Wir-\nkung. Die künstlerische Wirkung. Warum\nwirkt ein Milieu, jedes Milieu, nicht im Leben\nauf die Sinne. Warum wirkt auch auf dem\nTheater das Milieu nicht, wenn es nur Milieu\nbleibt. Warum aber wirken die Erscheinungen\nder Natur in jedem. Milieu. Weil die Natur\naus ihren organischen Gesetzen entsteht. Und\nwenn das Kunstwerk nach den organischen\nGesetzen der Kunst gestaltet ist, wirkt es auch\nin jedem Milieu und trotz jedem Milieu. Die\nWirkung ist die Bewegung, die sinnliche Be-\nwegung, die gestaltete sinnliche Bewegung des\nSichtbaren und des Hörbaren.\nGranowsky schafft aus Erlebnis das Kunstwerk.\nNicht das Erlebnis, die Gestaltung ist die Kunst.\nUnd darum ist Granowsky ein Künstler. Ein\nvollkommener Künstler.\nScala\nAuch das Variete soll vergeistigt werden. Es\ngibt tatsächlich Leute, die die Artisten durch\neinen verbindenden Text in geistigen Kontakt\nmit dem Publikum bringen wollen. Man nennt\ndas Revue. Da die Unfähigkeit der Schauspieler\nund Schauspielerinnen immer mehr auffällt,\nsucht man hintenrum Artisten auf die Bühne\nzu bringen. Der Instinkt ist richtig. Denn\nArtisten sind eben Künstler. Sie denken nicht.\nSie gestalten. Sie machen sich sichtbar und\nhürbar. Sie machen ihren Körper zu Kunst-\nmaterial. Sie wissen, daß Kunst gestaltete Be-"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.34", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1992, "texte": "wegung ist. Sie wissen, daß jede Bewegnng,\ndaß die Beziehungen der Bewegungen zusam-\nmengestellt, komponiert und nicht gefühlt wer-\nden müssen. Nicht die Schwierigkeit der Technik,\ndie Überwindung ist die Leistung. In der Scala\nzu Berlin tritt ein Contorsionist de Mario auf.\nSeine Glieder sind ungebunden. Sie sind ab-\nsolute Formelemente gewarden, mit denen er\noptische Gestaltungen schafft. Bilder. Ohne\nInhalt. Kunst. Und er wirkt auf Hundert-\ntausende. Weil seine Technik nur noch Mittel\nist. Die Wirkung liegt in der künstlerischen\nLogik der bewegten Farbformen seines Körpers.\nLeute, die berufsmäßig Kunst befasen, sollten\ndas ansehen, um fassungslos zu werden. In\nder Ölfarbe riechen sie noch immer ein Myste-\nrium. Künstlerpsyche. Artistenkörper sind nicht\nmetaphysisch. Aber physisch. Alles geht ein.\nIn die Augen. Die Augen der Zuschauer\nleuchten. Es gibt etwas zu schauen. Denken\nist eine flüssige oder überflüssige Privatbeschäf-\ntigung. Man braucht sich hierzu nicht zu ver-\nsammeln. Das kann man unter sich abmachen,\nwenn es schon sein muß. Wenn Menschen\nzusammenkommen, sehen sie sich an. Um so\nmehr will man auf der Bühne etwas sehen.\nEtwas Sehenswertes. Gehirne werden nicht\nsichtbar. Sie gehören also nicht auf die Bühne.\nAuch die Handlung hat nichts mit Kunst zu\ntun. Die Handlung der Kunst ist eben Kunst.\nUnd das Variete hat eben das große Publikum,\nweil es etwas zu sehen gibt. Und elementare\nWirkung durch die Sinne auf die Sinne ist Kunst.\nWarum soll die Menschheit ihr Variete, ihre\nAbwechslung vom unsinnlichen und daher un-\nsinnigen Leben bei Problemen finden, die so-\ngenannte Autoren nicht einmal für sich gelöst\nhaben. Die Lösung ist das Leben, nicht aber\nseine Verstopfung. Die Russen haben das\nTheater veikörperlicht, es wieder zur Kunst\ngemacht. Die Deutschen insbesondere sind\nnoch mit dem Geist beschäftigt, haben also\nvorläufig keine Zeit für die Kunst. Die Denker\nsprechen über sie, die Dichter rechnen mit ihr.\nAber auf der Variete-Bühne lebt die Kunst."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c026", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "231", "page_fin": "231", "image_debut": 35, "image_fin": 35, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.17", "titre_corps": "Eugen O'Neill: Anna Christie", "titre_sommaire": "Eugen O'Neill: Anna Christie", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 35, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.35", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 58, "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nEugen O'Neill: Anna Christie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c027", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "232", "page_fin": "232", "image_debut": 36, "image_fin": 36, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.18", "titre_corps": "Internationale Antiquitäten- und Kunstausstellung / London", "titre_sommaire": "Internationale Antiquitäten- und Kunstausstellung / London", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 36, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.36", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3058, "texte": "Internationale Antiquitäten- und Kunstausstellung / London\nDie erste Internationale Antiquitäten- und Kunst-\nausstellung, organisiert von der Londoner Zei-\ntung „The Daily Telegraph\" wird in der Olympia-\nHalle in London vom Donnerstag, den 19. Juli\nbis Mittwoch, den 1. August 1928 stattfinden.\nDie Mitwirkung der Fachzeitschrift „Bazaar,\nExchange & Mart Staff of Experts (Connoisseurs'\nEdition)\" ist sichergestellt.\nWenn die Türen der Olympia-Halle am Donners-\ntag, den 19. Juli 1928, geöffnet werden, wird\ndas Publikum zu einer der interessantesten und\nreichhaltigsten Sammlungen antiker Schätze\nZutritt finden, die je unter einem einzigen\nDach vereint worden sind. Die bedeutendsten\nAntiquitätensammler und Kunsthändler Groß-\nbritanniens wie des Kontinents und des fernen\nOstens wurden aufgefordert, entweder als Käufer\noder als Aussteller ihrer wertvollsten Kunst-\nschätze mitzuwirken. Die Riesenfläche der\nOlympia-Halle bietet mit Leichtigkeit 80 000\nQuadratfuß reinen Ausstellungsraum, ganz ab-\ngesehen von den Längen, die außerdem 40000\nBesuchern täglich Platz bieten. Man darf er-\nwarten, daß diese erste Internationale Anti-\nquitäten-Ausstellung in der Olympia-Halle der\ngrößte Markt seiner Art werden wird, den\ndie Welt je gesehen hat, und zwar unter der\nLeitung eines Vorstandes, der aus wohl-\nbekannten Fachmännern besteht. Man hofft,\ndaß die Ausstellung eine ungeheuere An-\nziehungskraft haben wird; nicht nur für die\nAntiquitätenhändler, sondern für alle Kunst-\nkenner der ganzen Welt und für das Publikum.\nIhr Material ist so umfangreich und verschieden-\nartig, daß es jedem etwas zu bieten vermag.\nEine einzig dastehende Sammlung\nZur Ausstellung werden folgende Kunstgegen-\nstände gelangen:\nMöbel, Tapezierung, Teppiche, Wandbekleidung,\nKamine usw., Gemälde, Gravüren, Kupfer-\nstiche, Miniaturen, Silhouetten, Bücher, Manu-\nSkripte usw., Instrumente, Waffenkleidung,\nMünzen usw., Porzellan, Glaswaren, Tonwaren,\norientalische Kunstwerke, Bronzen, Elfenbein\nusw., Fächer, Spitzen, Silber, Zinn und\n„Sheffield plate\", Juwelen, allerlei Kuriositäten,\nBriefmarken usw., usw.\nDa diese Ausstellung sich als die reichste und\nhervorragendste Antiquitätensammlung erwei-\nsen wird, sollte sie einen ständigen Jahres-\nmarkt zur Folge haben.\nMitwirkung\n„The Daily Telegraph\" ersucht alle Kunstkenner\nund Fachmänner mitzuwirken. Man wird weder\nMühe noch Mittel scheuen, um diese Aus-\nstellung möglichst umfassend und wirklich\nvornehm zu gestalten. Alle Interessierten\nwerden höflichst um Ratschläge gebeten, die\nwohlwollend seitens des Ausstellungsvorstandes\nberücksichtigt werden. Die Mitwirkung der\nPresse für diese einzig dastehende Ausstellung\nist gesichert. Aber auch die Unternehmer selbst\nwerden eine weite Reklame- und Auskunfts-\nkampagne treiben, so daß alle Teile des Reich-\ntums und der Kulturwelt, von denen Kunst-\nsammler erwartet werden können, davon be-\nnachrichtigt werden.\nKatalog\nDer Katalog ist dieses großen Unternehmens\nwürdig und wird in allen großen Weltstädten\nzum Verkauf gelangen.\nAuskunft\nAuskunft erteilt Der Sturm, Berlin W 9."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c028", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2118, "texte": "Wichtige Neuerscheinung!\nDie Jllustrierte Geschichte dss Biirgerkrieges in Russland 1917—21\nbeginnt am 1. Mai d. J. in 20 Lieferungen zu erscheinen. Geringe Ueberschrei-\ntungen des Umfanges bleiben vorbehalten.\nJede Lieferung enthalt 24 Seiten Text und Abbildungen — insgesamt etwa 150\nReproduktionen —, meist unveroffentlichtes Material aus sowjetrussischen Archiven.\nEin mehrfarbiger Schutzumschlag wurde auch fur dieses Werk von J. Heartfield\nentworfen.\nEinen Monat nach der ersten Lieferung erscheint das zweite Heft, alle weiteren\nfolgen dann piinktlich in vierzehntagigen Abstanden.\nVorzugsbedingungen:\nWer bis zum 1. Juli durch Bestellung auf untenstehendem Bestellzettel sich zur\nAbnahme aller erscheinenden Hefte verpflichtet, erhalt die Lieferung zum\nSubskriptionspreis von 0.40 RM.\nund zusammen mit der Weihnachtslieferung eine Leineneinbanddecke kostenlos.\nEr erhalt also das gesamte Werk fur 8.— RML\n.9-\nNach Abschluss der Subskription kostet jedes Heft 0.50 RM., die Einbanddecke\nwird spater hinzukommenden Bestellern mit I.— RM. berechnet. Der Vorteil fur\nden Subskribenten betragt demnach 3.— RI^I.\nIm Dezember 1928 erscheint eine besondere Buchausgabe, die, in Ganzleinen gebun-\nden, 14.— RM. kosten wird.\nHier abtrennen und als Drucksache einsenden.\nIch bestelle durch:\nDIE LITERARISCHE BUCHERSTUBE (Inh. Josef Melzer), BERLIN C 2\nGrosse Prasidentenstrasse 2 Postscheckkonto: Berlin 121001\nExpl. Jllustrierte Geschichte des Biirgerkrieges in Russland 1917—21\n20 Lieferungen uud Einbandecke kostenlos auf Grund obiger Bedingungen zum Subskrip-\ntionspreis von 0.40 RM. und verpflichte mich zur Abnahme samtlicher Lieferungen.\nLesen Sie den 1. Band\nExpl. Jllustrierte Geschichte der russischen Revolution 1917\nXVI und 591 Seiten. 22S Jllustrationen. In Buckramleinen 15 RM.\nName: -----\nOrt: - ■' -\nStrasse:\n(Bitte deutlich schreiben!)\nDer Versand erfolgt Porto- und Spesenfrei. Bei Bestellungen iiber 10.— RM. erteilen\nwir einen Sonderrabatt. 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in jedem Monats-\nheft eine Fulle von Anregungen und Vor-\nbildern, sowie textliche Ratschl&ge.\nBestellen Sie das April-Heft 1928 mit 65\nAbbildungen fur RM. 3.— / Zeitgem&6e\nWohnraume aus DEUTSCHLAND / OESTER-\nREICH / ENGLAND und AMERIKA\nVierielj&hrlicher Bezugspreis RM. 6.—\nSie werden erfreut und überrascht sein\nReichillustrierier Prospekt gratis\nVsrldQSsnstsit\nALEXANDER KOCH G.m.b.H., Darmstadt W6l"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c033", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[200]", "page_fin": "[200]", "image_debut": 4, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[200]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.4", "debut_caractere": 1036, "fin_caractere_exclue": 1218, "texte": "Sturm-Laden\nBin.-Charlottenburg, Schluterstr. 54\nEckhaus Niebuhrstr. / Am Kurfurstendamm\nAusstellung;\nHermann Seewald\nNeue Bilder / Graphik\nBesichtigung\nohne Kaufzwang gern gestattef"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c034", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[233]", "page_fin": "[233]", "image_debut": 37, "image_fin": 37, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 37, "page_imprimee": "[233]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.37", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 510, "texte": "Dichtungen von HERWARTH WALDEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark H\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nSunde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib / Komitragodie / 3 Mark\nKind / Tragodie Trieb / Eine burgerliche Komitragodie Menschen / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDie Hiirte der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nGlaube / Komitragodie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c035", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[233]", "page_fin": "[233]", "image_debut": 37, "image_fin": 37, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 37, "page_imprimee": "[233]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.37", "debut_caractere": 512, "fin_caractere_exclue": 1412, "texte": "Verlag Der Sturm / Berlin W 9\nKunstler- Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemalclen, Zeichnimgen imd Bildwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Arcliipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincene Benes\nUmberto Boeeioni 112 / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunav\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck 112/ 3\nSigrid Hjerten Griinewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kadar\nKandinsky / 3\nPaul Klee\nFern and Leger / 2\nAugust. Macke J\nFranz Mare 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nGeorg Sehrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\nFritz Stuekenbers\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nOskar Kokosehka / 2\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\nfr"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c036", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[233]", "page_fin": "[233]", "image_debut": 37, "image_fin": 37, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.27", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 37, "page_imprimee": "[233]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.37", "debut_caractere": 1414, "fin_caractere_exclue": 1494, "texte": "• •-\nIM\nr>i-\n*•\np.*-:.V.v:V-.^'y.-'V\nMUSIK BAUT DER SEELE\nGOLDNE BRUCKEN\nHAUS AM"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c037", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[234]", "page_fin": "[234]", "image_debut": 38, "image_fin": 38, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 38, "page_imprimee": "[234]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.38", "debut_caractere": 264, "fin_caractere_exclue": 1376, "texte": "FRONT MFRONT\nnmn— p~ ~ \"■ ■■■■■ mmmmwm him ■■\nInternationaler Almanach der\nmodernen Aktivitat der Gegenwart\nEnthalt alle Gebiete des modernen Schaffens in\nder Wortkunst, der Musik, dem Theater, den\nbildenden Kiinsten, dem Film, der Architektur,\nder industriellen Produktion, der Wissenschaft\nund der Kultur iiberhaupt\nEs haben beigetragen: Antheil, Arp, Baumeister, Behne, Becher, die\npolnische Gruppe der Revue ~Blok'\\ Corbusier, Cernlk, Doesburg,\nIv. Goll, Gropius, Grosz, Heartfield, Herzfelde, Honzl, Chochol, Jung,\nKassak, Kiesler, Kisch, Krejcar, Lu Marten, W. Mehring, Micic,\nMoholy-Nagy, Nezval, Obrtel, Oud, Picabia, G- Potil, Poliansky, Pone,\nMies van der Rohe, Seifert, Schiirer, Schwitters, Slma, Teige, Tzara,\nVaclavek, Weisskopl, Westheim, Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seiten. Format 23X31 cm, davon 40 Seiten\nIllustrationen, Musikbeilagen / Redaktion der Front\nDr. B. Vaclavek / Briinn 15-Schimitz / Vasekgasse 11\nTschechoslowakei / Text der Beitrage tschechisch,\ndeutsch und franzosisch mit deutschen und fran-\nzosischen Resumees\nPreis 16 Mk. / In der Sturm-Buchhandlung vorratig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c038", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[234]", "page_fin": "[234]", "image_debut": 38, "image_fin": 38, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 38, "page_imprimee": "[234]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.38", "debut_caractere": 1378, "fin_caractere_exclue": 1916, "texte": "♦ Bauhausbiicher\nnouflKcrUionen in 7U/oil \\/P Y7\\ nrlAft P T All fl3 Q6 !\nBd\nneu erschienen in zweit. veranderter Auflage:\nWalter Gropius\nInternationale Architektur\nmit 96 Abbildungen\n4.-6. Tausend\nGeheftet 5 Mk., Leinen geb. 7 Mk.\nL. Moholy-Nagy\nMalerei, Fotografle, Film\nmit 100 Abbildungen\n3. — 5. Tausend\nGeheftet 7 Mk., Leinen geb. 9 Mk.\nNeuer Band der Bauhausbiicher!\nKasimir Malewitsch\nDie gegenstandslose Welt\nDie Begrundung und ErklSrung des\nruss.Suprematismus mit 92 Abb.\nGeheftet 6 Mk., Leinen geb. 8 Mk.\nALHANGErVERLAG\nMONCHEN"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c039", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[234]", "page_fin": "[234]", "image_debut": 38, "image_fin": 38, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 38, "page_imprimee": "[234]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.38", "debut_caractere": 1918, "fin_caractere_exclue": 2347, "texte": "UNSERE\nGRUNDS7ETZE:\n%\nANiE\n-4UGUST\nPOtKST\nU #L.:\nBESTE AKUSTISCHE ANLAGE\n■ , v,\"r ,r. . • • .'V'v .\n★\nAUSGEWXHLTES MATERIAL\n■. \"-Jk- '■ V'.vr- • •\nMEISTERARBEIT .\nII llilliSlllllilF\nDEUTSCHLAND: LOBAU/SA-TSCHECH SLOV•• GEORGSWALDE>\n.1 V.*, •\nLJA EHRENBURG\nPROTEST GEGEN DIE\nDie Schrift ist kostenlos zu haben in alien Buch-\nhandlungen oder unmittelbar vom Rh e i n-Ver I a g,\nDeutsche Geschaftsstelle, Stuttgart, holzgartenstr. 7"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c040", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 39, "image_fin": 39, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 39, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.39", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 555, "texte": "Organo-Kosmetikum\naus Panzertieren\nzum Einreiben.\nKeine Injektion!\nNach dem 25/30.Lebensjahre bilden sich auf der Haut Verhornungen und\nin den Verhornungen markieren sich durch die Muskelbewegungen beim\nSprechen, Lachen und dergl. Linien, Falten und Runzeln\nAmor Skin verhindert dies!\nAmor Skin unterstiitzt die stets notwendige Regeneration der Haut; die\nabgelebten Gebilde der Haut stossen sich ab. Die Haut wird und bleibt\ndurch die Pflege mit Amor Skin glatt und rosig wie in der Jugend\nJugendfrisches Aussehen!\nOllOterapia G.m.b.H. / Berlin-Grunewald"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c041", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 40, "image_fin": 40, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 40, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.40", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 490, "texte": "W. Marziilier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspeditenr S. M. des Konigs von Spianien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition u. Mobeltransporte, Verpacktmg u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden jed. Art, Lieferung\nund Emptang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des W irtschaf tlichen V erbandes Bildender\nKiinstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturmu"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c042", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 40, "image_fin": 40, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.33", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 40, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.40", "debut_caractere": 492, "fin_caractere_exclue": 576, "texte": "Herwarth Walden\nIm Geschweig der Liebe\nGedichte —— ■ —\nIn Ganzleinen gebunden 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-05-01-c043", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-05_01#c043", "volume": "bmtnabg_1928-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 40, "image_fin": 40, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.2.34", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 40, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.40", "debut_caractere": 578, "fin_caractere_exclue": 691, "texte": "Monatsschrift Der Sturm\nDie fuhrende Zeitschrift der neuen Kunsl\n19. 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Ihre\ndokumentarischen Studien und aktuellen Chroniken bieten\nein vcllstandiges Bild der Aktivitai der Kunste auf der\nganzen Erde\nHAbonnement Frartkreich 150 francs §|g§\n\"\"\" Ausland 200 francs |j|j}\nMan abonniert in alien Euchhandlungen und direkt beim Verlag\n)\nLa Renaissance deUArt Fran pais /10-11 Rueßoyale / Paris"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT\n' HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\nDie führende Zeitschrift der neuen Kunst\n19. Jahrgang / 2.-3. Heft\nBerlin / Mai-Juni 1928\n\nVlatislav Hofmann: Bühnenbild\nJules Romains: Diktator"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.2", "texte": "Wichtige Neuerscheinung!\nDie Jllustrierte Geschichte dss Biirgerkrieges in Russland 1917—21\nbeginnt am 1. Mai d. J. in 20 Lieferungen zu erscheinen. Geringe Ueberschrei-\ntungen des Umfanges bleiben vorbehalten.\nJede Lieferung enthalt 24 Seiten Text und Abbildungen — insgesamt etwa 150\nReproduktionen —, meist unveroffentlichtes Material aus sowjetrussischen Archiven.\nEin mehrfarbiger Schutzumschlag wurde auch fur dieses Werk von J. Heartfield\nentworfen.\nEinen Monat nach der ersten Lieferung erscheint das zweite Heft, alle weiteren\nfolgen dann piinktlich in vierzehntagigen Abstanden.\nVorzugsbedingungen:\nWer bis zum 1. Juli durch Bestellung auf untenstehendem Bestellzettel sich zur\nAbnahme aller erscheinenden Hefte verpflichtet, erhalt die Lieferung zum\nSubskriptionspreis von 0.40 RM.\nund zusammen mit der Weihnachtslieferung eine Leineneinbanddecke kostenlos.\nEr erhalt also das gesamte Werk fur 8.— RML\n.9-\nNach Abschluss der Subskription kostet jedes Heft 0.50 RM., die Einbanddecke\nwird spater hinzukommenden Bestellern mit I.— RM. berechnet. Der Vorteil fur\nden Subskribenten betragt demnach 3.— RI^I.\nIm Dezember 1928 erscheint eine besondere Buchausgabe, die, in Ganzleinen gebun-\nden, 14.— RM. kosten wird.\nHier abtrennen und als Drucksache einsenden.\nIch bestelle durch:\nDIE LITERARISCHE BUCHERSTUBE (Inh. Josef Melzer), BERLIN C 2\nGrosse Prasidentenstrasse 2 Postscheckkonto: Berlin 121001\nExpl. Jllustrierte Geschichte des Biirgerkrieges in Russland 1917—21\n20 Lieferungen uud Einbandecke kostenlos auf Grund obiger Bedingungen zum Subskrip-\ntionspreis von 0.40 RM. und verpflichte mich zur Abnahme samtlicher Lieferungen.\nLesen Sie den 1. Band\nExpl. Jllustrierte Geschichte der russischen Revolution 1917\nXVI und 591 Seiten. 22S Jllustrationen. In Buckramleinen 15 RM.\nName: -----\nOrt: - ■' -\nStrasse:\n(Bitte deutlich schreiben!)\nDer Versand erfolgt Porto- und Spesenfrei. Bei Bestellungen iiber 10.— RM. erteilen\nwir einen Sonderrabatt. Jede Bestellung wird prompt und billig ausgefiihit.\nDIE LITERARISCHE BDCHERSTUBE, BERLIN C 2\nPostscheckkonto; 1210 01 Inh. JOSEF MELZER Gr. Prasidentenstrasse 2"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[199]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nBerlin W9 / Potsdamer Strafte 134 a / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjahrlich 6 Mark\n\nGruß an Dürer Broby Johansen\nUnterweysung der Messung Albrecht Dürer\nAnregungen zur Erlangung einer Systemschrift Kurt Schwitters\nVom Bolschewismus Herwarth Waiden\nAmerikanische Wissenschaft Franz W. Seiwert\nGedichte herwarth Waiden\nPiu-Pius Windglocke Edmund Palasowsky\nDer Krieg Karl Vogt\nAus der Zeit für die Zeiten Herwarth Wald an\nAbbildungen:\nDrei Zeichnungen von Franz W. Seiwert\nZwei Linoleumschnitte von Sidney Hunt\nZwei Gemälde von Victor Servranckx\nEin Bühnenbild von Quido Salvini\nVier Bühnenbilder von Vlatislav Hofmann\n\nGesellschaft der Sturmfreunde\nWir bitten die Mitglieder der Gesellschaft der Sturmfreunde, ihren Mitgliedsbeitrag in Höhe von\nRM 6.— für Juli/Dezember 1928 bis zum 1. Juli einzusenden. Nach diesem Termin werden wir\nuns erlauben, den Betrag durch Postnachnahme mit dem Juliheft der Zeitschrift Der Sturm\neinzuziehen."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[200]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.4", "texte": "Gesellschaft der Sturmfreunde\nGeschaftsstelle:\nBerlin W 9, Potsdamer Str.l34a\nOrganisation der\nAnhanger der neuen Kunst\nZahllose Vergiinstigungen\nund Ermaftigungen\nMan verlange Satzung\nJahresbeitrag 12 Mark\n\nVERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Walden:\nEinblick in Kunst\nDie beste Einfiihrung in den\nExpressionismus und Kubismus\n70 Abbildungen, 4 farbige Kunstbeilagen\nstatt RM. 6,50\nRM. 2,50\n\np-\n-0\n-Hu-\n''\"\"•'\"~tt§S^k^\n\nModiten Sie\nschdner, behaglidier\nwohnen ?\nLassen Sie sich von\nAlexander Koch's „Innen-Dekoration\" beraten!\nUnsere „INNEN - DEKORATION\", Reich-\nillustrierte Monatshefte fur kunstlerische\nHeimgesialtung, bring! in jedem Monats-\nheft eine Fulle von Anregungen und Vor-\nbildern, sowie textliche Ratschl&ge.\nBestellen Sie das April-Heft 1928 mit 65\nAbbildungen fur RM. 3.— / Zeitgem&6e\nWohnraume aus DEUTSCHLAND / OESTER-\nREICH / ENGLAND und AMERIKA\nVierielj&hrlicher Bezugspreis RM. 6.—\nSie werden erfreut und überrascht sein\nReichillustrierier Prospekt gratis\nVsrldQSsnstsit\nALEXANDER KOCH G.m.b.H., Darmstadt W6l\n\nSturm-Laden\nBin.-Charlottenburg, Schluterstr. 54\nEckhaus Niebuhrstr. / Am Kurfurstendamm\nAusstellung;\nHermann Seewald\nNeue Bilder / Graphik\nBesichtigung\nohne Kaufzwang gern gestattef"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.5", "texte": "Gruss an Dürer\nBroby Johansen / Kopenhagen\nRede gehalten im Nürnberger Künstler-\nverein am 12. April 1928\nIch möchte Dürer nicht als nationalen und\nlokalen Held oder kunstgeschichtlich be-\ndeutende Persönlichkeit, sondern als aktuelle\nErscheinung begrüssen.\nWir Jungen, die wir noch so jung sind, daß\nwir noch nicht in Frieden zu leben brauchen\nund deshalb alle Kompromisse verachten,\ndie notwendig für den Frieden sind, wir, die\nwir im allgemeinen und besonderen überall\nauf der Kampflinie stehen, wir, die wir noch\nso jung sind, da wir die Überzeugung haben,\ndaß es eine Wahrheit gibt und daß wir sie\nganz besitzen. Wir stehen in der jetzigen\nEpoche in einem sehr schweren Kampf, der\nauf allen Gebieten viel schärfer ist als der\nder Generationen vor uns. Wir müssen die\nWirklichkeit auf eine ganz neue Weise er-\nobern. Wo man sich früher mit allgemeinen\nStimmungen und unbestimmten Instinkten\nzufrieden geben konnte, müssen wir heute\ndie objektiven Tatsachen nach klaren, kon-\nstruktiven Grundsätzen bezwingen.\nWir mögen nicht die formelle Feierlichkeit\nsehr gern, weil sie viel zu leicht fehlende\n00\ninnere Überzeugung decken kann. Deshalb\nspreche ich nicht vom großen Meister Albrecht\nDürer, vielmehr vom Herrn Dürer oder ich\nkönnte besser sagen Kollegen Dürer, oder\nnoch besser vom Kameraden Dürer.\nFür uns ist Dürer: Erstens der Realist, der\nkeine Stimmung macht, sondern die nüchterne\nWirklichkeit immer vor Augen hat. Wir,\ndie wir erlebt haben wie weit große Stimm-\nungen - z. B. patriotische - tragen können,\nversuchen immer wieder die nüchternen\nTatsachen klar zu beobachten und verstehen.\nZweitens isi uns Dürer der Kubist. Ein\nKünstler, der bewusst theoretisch arbeitet.\nDer in seinem ganzen Werk rationell zu\nsein sucht. Der an keine metaphysischen\ndunklen Kräfte glaubt, sondern mit dem\nklaren Scheinwerfer seines künstlerischen\nIntellekts sucht und arbeitet. Wenn man\nuns Modernen vorwirft, daß wir dem Intellekt\nzu viel vertrauen, müßte man antworten,\ndaß man diesen Vorwurf gegen Dürer richten\nsollte, weil er das durchführt, was wir\nversuchen.\nDrittens aber ist unser Dürer überhaupt\nder Ketzer, der sich gegen die Autoritäten\nauflehnt, der Freund der drei gottlosen\nMaler Hans Seebald, Berthel Beham und\nGeorg Pencz, die alle drei verbannt wurden.\nIch spreche hier nicht politisch, obwohl ich\nals junger Mensch die ganze blutige Ver-\nantwortung eines jetzigen Menschen gefühlt\nhabe und klar politisch eingestellt bin. Ich\nwill hier nur sagen, daß die ältere Generation\nuns eine Welt übergeben hat, die überall und\nauf allen Gebieten Bankrott erlitten hat.\nWir sind gezwungen, den alten Autoritäten\nsehr schroff gegenüber zu stehen. Und\nbrauchen eben deshalb, um festzustehen, die\nwenigen Vorbilder in der Geschichte, die den\nHals nicht unter das Joch gebeugt, sondern\nals Pflicht gefühlt haben, ihr Menschentum\nfrei und unbedingt herauszusagen.\nMan muß es mir verzeihen, daß ich als\nlebender Mensch es einen Augenblick als\nmeine Pflicht gefühlt habe, durch den Wald\nvon flatternden Fahnen, die Haufen von\nausgebrannten Fakeln, die schön gemalten\nSprüche und hübsch geputzten Messing-\ninitialien, die welkenden Ehrenkränze eine\nlebendige Menschenhand hinzustrecken, um\ndie warme bluterfüllte Hand des Menschen\nDürer zu erreichen. Gewiß greife ich in den\nleeren Raum."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.6", "texte": "Allein, auch ich fühle, wie diese Hand gezittert\nhat, als sie unter der grimmigen Marcusfigur\nauf das Apostelbild geschrieben hat: „Habt\nAcht auf die Schriftgelehrten, die gehen\ngern in langen Kleidern und lassen sich\ngern grüssen auf dem Markt und sitzen\ngern obenan in den Schulen und über Tisch.\nSie fressen der Witwen Häuser und wenden\nlange Gebet für. Dieselben werden desier\nmehr Verdamnuss empfahren.\"\n\nAlbrecht Dürer\n„Unterweysung der Messung\"\n(MDXXV)\nWelicher ein Victoria aufrichten wollt, darum\ndass er die aufrührischen Bauren überwunden\nhält, der möcht sich eins solichen Gezeugs\ndarzu gebrauchen, wie ich hernach lehren\nwill. Erstlichstz ein gevierten Siein, zehen\nSchuch ein Seiten lang und vier Schuch hoch,\nder steht noch auf einer gevierten Platten,\nzweinzigSchuch ein Seiten lang und eins hoch.\nUnd auf einen Bühel auf die vier Orter leg\ngebunden Kühe, Schaf, Schwein und allerlei.\nAber auf den oberen gevierten Stein setz\nvier Körb auf die vier Ort mit Käs, Butter,\nEier, Zwiebel und Kräuter, oder was dir\nzufällt. Darnach leg noch mitten auf diesem\nStein ein anderen gevierten Stein, ein Seiten\nsieben Schuch lang und eines Schuchs hoch.\nMitten auf diesen Stein setz ein Haberkasten,\nvier Schuch hoch, unter ein Seiten sechs\nSchuch und ein halben lang, aber oben bei\ndem Schloss sechs Schuch lang, und zu\noberst auf der Deck 4 Schuch lang. Darauf\nstütz ein Kessel, vierthalben Schuch weit,\naber im Boden nur drei Schuch. Mitten\nauf des Kessels Boden setz ein Käsenapf ein\nhalben Schuch hoch oben zweier Schuch weit,\naber am Boden nit mehr dann anderhalben,\nden deck zu mit einem dicken Teller, das\nwohl überschiess. Mitten auf das Teller\nsetz ein Butterfass drei Schuch hoch unten\nam Boden anderthalben Schuchs breit, aber\noben nur eines Schuchs weit. Doch die\nSchnaupen, daraus man geusst, soll für-\ntreffen. Mitten auf dies Butterfass setz ein\nwolgeschickten Milichkrug dritthalben Schuchs\nhoch, im Bauch ein Schuchs weit, aber oben\neins halben aber den Fuss mach unten\nweiter. Und im Milichkrug rieht auf vier\nScharren damit man das Kot zusammen-\nraspt. Die zeugt über sich fünf Schuch und\nein halben. Darum bind ein Garben, fünf\nSchuch hoch, also dass die Scharren ein\nhalben fürtreffen. Und häng daran der\nBauern Werkzeug, Hauen, Schauflen, Hacken,\nMistgabel, Drischenflegel und dergleichen.\nDarnach setz zu öberst auf die Scharren\nein Hühnerkörble und stürz darauf ein\nSchmalzhafen und setz ein traureten Bau-\nren darauf, der mit einem Schwert durch-\nstochen sei.\nItem welicher einem Trunkbolds auf sein\nBegräbnuss ein Gedächtnuss wollt aufrichten\nder möcht sich einer solieben nachfolgeten\naufgerissnen Meinung gebrauchen. Erstlich\nsein Grab, daran ein Epitaphium, das den\nWollust mit Gespött lobet. Und auf das\nGrab ein Biertunnen aufrechtstellen und\noben mit einem Brettspiel"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.7", "texte": "Anregungen zur Erlangung einer Systemschrift\nKurt Schwitters\n\nTabelle 1\n\nUm nun zu erreichen, dafe das Schriftbild\ndem Sprachklang entspricht, muß man die\nBuchstaben untersuchen auf ihre Aehnlich-\nkeiten oder Verschiedenheiten unter ein-\nander. In Tabelle 1 habe ich die Entwick-\nlung meiner Versuche von der üblichen\nGroteskschrifl a über die systematischen\nSchriften b bis e zu der Systemschrift 112 ge-\nzeigt. Bei a sehen Sie eine grofee Aehnlich-\nkeit zwischen E und F und eine grofce Ver-\nschiedenheit zwischen E und O. Im Klange\nsind aber E und O verwandter als E und F.\nDa ist eine deutliche Unlogik, und so unter-\nscheide ich zuerst zwischen Vokalen und\nKonsonanten. Denn alle Vokale sind unter\neinander ähnlicher, als ein Vokal einem\nKonsonanten ähnlich wäre. In b habe ich\nalle Konsonanten mager, alle Vokale fett\ngeschrieben. Aber zur deutlichen Trennung\ndieser 2 Gruppen schien mir das nicht zu\ngenügen, daher habe ich in c, d, e alle\nKonsonanten mager und eckig, aber alle\nVokale feit und rund geschrieben. Es war\nmir dieses nur möglich unter Zuhilfenahme\ndes kleinen e und unter Verwendung eines\nungebräuchlichen i, welches dem bisherigen j\nmehr ähnlich sieht. Aber Sie werden sich\nüberzeugen, daß man den Text trotzdem\nsehr gut liest. Mas liest jetzt besser und\nvor allen Dingen plastischer, weil man die\nklangvollen Laute breit und deutlich sieht,\ndie klanglosen matt. Das Bild der Schrift\nähnelt schon viel mehr dem Klange. Die\nUnterschiede zwischen c, d und e sind, dafc\nich bei den Konsonanten bei c von den bis-\nherigen Minuskeln, bei d von den Majuskeln\nmehr ausgegangen bin. e hingegen ist ent-\nstanden durch Auswahl der charakteristisch-\nsten Zeichen aus c oder d, und durch\nstärkere Betonung der Vokale.\nDiese Schriften a— e können von jedem\nohne weiteres gelesen werden und könnten\nleicht eingeführt werden. Denn die Zeichen\nfür sch und ch können entweder schnell\ngelernt oder auch fortgelassen werden, indem\nman diese einfachen Laute wie bisher zu-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.8", "texte": "Tabelle 2\n\nsammengesetzt schreibt. Aber ich möchte\nbei dieser Gelegenheit anregen, daß allgemein\nein Zeichen für sch und ch eingeführt wird,\ndenn die Abwesenheit eines Zeichens für\ndiese einfachen Laute ist einer der größten\nlogischen und praktischen Mängel des\nAlphabets.\nNun zu f. Dieses ist das Alphabet einer\nrein systematisch, einer rein optophonetisch\naufgebauten Schrift.\nIn Tabelle 2 sehen Sie unter 1 eine phonetische\nOrdnung aller deutlich unterscheidbaren Mit-\nlaute, die der Mensch hervorbringen kann\noder in der Sprache verwendet. Sie sehen\n6 mal 6 Reihen, in denen von oben bis\nunten nacheinander eingereiht sind die Knack-\nlaute weich, Knacklaute hart, Zischlaute weich,\nZischlaute hart, Nasenlaute und Schwinglaute.\nUnd zwar geben die senkrechten Richtlinien\nan, ob der Laut entsteht im Hals, hinteren\nGaumen, mittleren Gaumen, vorderen Gau-\nmen mit Zunge, an den Zähnen mit Zunge\noder mit den Lippen. Ich habe hier aus-\ndrücklich nicht den Klang, sondern den Ort\nder Entstehung in meine phonetische Ord-\nnung eingereiht, und das hat zwei Gründe:\ndafc auf die kleinen Nuancen keine Rücksicht\ngenommen werden soll, und daß die Inflation\nder Laute ausgeschlossen wird. Prüfen Sie,\nbitte, die Reihe von h bis 112 nach. Dieses\nist nach meinen Feststellungen die einzige\nReihe, in der sich an allen vorher bezeich-\nneten Stellen des Mundes Laute bilden\nlassen, die sprachlich verwendet werden.\n8 Quadrate sind frei geblieben. Es war mir\nnicht möglich, an diesen Stellen die ent-\n*\nsprechenden Laute zu bilden. Ob andere\nNationen dort Laute bilden können, weih\nich nicht, aber es ist als immerhin möglich\nanzunehmen, und deshalb sollen für alle\nQuadrate die Zeichen einheitlich gestaltet\nwerden. Die durch Hustelaut, Würgelaut,\nBrüllaut und Pferdelaut bezeichneten Qua-\ndrate enthalten zwar Laute, die ich bilden\nkann, aber es ist mir unbekannt, ob man\nsie in Sprachen verwendet. Bedachten wir\nnun die entstandene phonetische Ordnung,\nso sehen wir deutlich, dafe es 2 th (englisch)\ngibt, weich und hart, dah es 2 j gibt, in dem\ndeutschen Worte jedoch und in dem .fran-\nzösischen jamais, daß es 2 ch gibt, in noch\nund mich, daß es ein Gaumen-r und ein\nZungen-r gibt, daß ch, sch und ng (Angel)\nnicht zusammengesetzte, sondern einfache\nLaute sind. Anderseits vermissen wir in der"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.9", "texte": "phonetischen Tabelle die Buchstaben z und x,\nweil das zusammengesetzte Laute sind. In\ndem üblichen Alphabet, etwa in dem deut-\nschen, wird alles das, was uns hier auffällt,\nnicht berücksichtigt. Sie sehen, wie weit\ndas deutsche Alphabet von einem System\nentfernt ist.\nJetzt bilde ich eine optische Ordnung von\n6 Reihen von 6 Zeichen. Ich muß einen\nGrundsatz aufsiellen: daß alle Zeichen für\nKonsonanten mager, eckig, rechtwinklig sein\nsollen, daß sie bestehen sollen aus nur\neinem senkrechten Strich von etwa 7 Höhen-\nlängen und etwa einer Breitenlänge, und daß\nan diesem senkrechten Strich unten, mitten\nund oben, rechts und links je nach Wahl\nQuerbalken von je y8 bis 1 Breitenlänge\nangesetzt werden können, je nachdem die\nSchrift groß oder klein werden soll.\nNun entsprechen T und F meinem Gesetz.\nIch übernehme beide und bilde durch\nSpiegelung zunächst die 6 Zeichen von 2.\nIn 3 bilde ich aus diesen 6 Zeichen durch\nReihenbildung 18, und in 4 durch Vermitt-\nlung 36. Diese Liste 4 ist eine optische\nOrdnung von Zeichen nach einem formalen\nSystem. In Liste 5 ersetze ich nun die\nphonetische Ordnung 1 durch die optische\nOrdnung 4 und erhalte so eine optisch-\nphonetische Ordnung der Konsonanten. Ich\nhabe die unbrauchbaren Laute weiß gelassen,\ndie im Deutschen ungebräuchlichen schraffiert\nund die deutschen Konsonanten schwarz an-\ngetuscht.\nDie Vokale entwickle ich wieder aus der\nEntstehung. Ich bilde zunächst eine Reihe\naller deutlich unterscheidbarer Vokale, von\nder breitesten Mundstellung über die größte\nRundung zur kleinsten Rundung, das heißt\nvon ä über ö zu ü. Denn ä, ö und ü sind\nnicht Umlaute, sondern sie sind den anderen\nVokalen gleichberechtigt. Wenn man ä den\nUmlaut von a nennt, mufe man a den Um-\nlaut von e und e den von i nennen usw.\nNun gibt es ein geschlossenes und ein\noffenes o und ö. Nur bei o und ö ist der\nUnterschied von geschlossen und offen so\ngroß, daß ich diese 2 Laute trennen möchte.\nIch nehme in meiner Reihe erst jedesmal\nden geschlossenen Laut, weil das der prä-\nziseste ist. Dann ist meine phonetische\nVokalreihe: äaeiooööuü. Be-\nfrachten Sie nun die Majuskeln A, O, U ..,\ndann ergibt sich eine Reihe, die in der Mitte\ndas ganz geschlossene Zeichen O hat, vorn\nbeim A oben geschlossen, unten offen ist,\nhinten beim U umgekehrt. Ich übernehme\nA, O, U. Dann ergibt sich durch syste-\nmatische Ausarbeitung vor dem A ein um-\ngekehrtes U, vor dem U ein umgekehrtes A.\nDurch Vermittlung entsteht die Reihe der\nlangen Vokale. Durch Fortnehmen einer\nhalben Länge vorn entstehen die kurzen\n\nTabelle 3"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.10", "texte": "Vokale, durch Fortnehmen einer halben Länge\nhinten die nasalen.\nEs ist selbstverständlich, daß sich nicht aus\neinem Buchstaben ein System frei und\nlückenlos ohne weitere willkürliche oder\nmindestens [freie Wahl entwickeln und zur\nletzten Konsequenz führen läfct. Auch wenn\ndie Wahl nach System erfolgt. Trotzdem\nist immer die größtmögliche Konsequenz\nvorzuziehen, und es ist kein Fehler, daß der\nWeg zu weiterer konsequenterer Entwicklung\noffen bleibt. Dadurch bleibt das System\nlebendig. Meine Systemschrift ist, soviel ich\nes beurteilen kann, konsequenter und syste-\nmatischer als alle mir bekannten Schriften.\nIch weife es sehr gut, daß man noch daran\narbeiten kann, und ich werde das sogar\nselbst in aller Ruhe tun.\nNun gibt es noch zusammengesetzte Buch-\nstaben. Ich lehne zunächst als unsystematisch\neine Zusammensetzung von einem Konso-\nnanten mit einem Vokal ab. Nur Vokale\neinerseits und Konsonanten anderseits setze\nich zusammen. Alle zusammengesetzten\nVokale sind zunächst kurz und nicht lang,\nwie das die deutsche Grammatik meint. Das\nSystem der Zusammensetzung ist das, dafe\nder hintere Vertikalstrich des ersten mit dem\nvorderen des zweiten Vokals verschmolzen\nwird zu einem. Dazu mu6 der zweite um\n180 Grad herumgeklappt werden, sodafc er\ndann das Aussehen des entsprechenden na-\nsalen Vokals erhält.\nNun die zusammengesetzten Konsonanten.\nDa sich praktisch das ng nicht mit anderen\neinfachen Konsonanten verbindet, so habe\nich 20 mal 20 Verbindungen im deutschen\nAlphabet, von denen aber nur ein Teil ge-\nbräuchlich ist. Auf Tabelle 3 unter C sehen\nSie die deutschen Zusammensetzungen von\nje 2 Konsonanten. Ich habe die gebräuch-\nlichsten, nach meiner Schätzung, schwarz an-\nangetuscht. Aber es ist nutzlos, etwa die\nZusammensetzungen zu lernen, denn ich\nhabe eine Methode gefunden, nach der man\nohne zu lernen, sofort lesen kann, wenn\nman nur die 20 Grundbuchstaben kennt.\nNach meinem System wird der erste Buch-\nstabe üblich gezeichnet, der zweite schräg\nnach rechts oben darüber gezeichnet, so dafe\ndie senkrechten Striche zusammenfallen.\nSollen 3 Buchstaben zusammengesetzt werden,\nso wird der dritte über die Zusammen-\nsetzung der zwei ersten noch schräg nach\nlinks oben darüber gezeichnet.\nOb man nun zusammensetzt oder nicht, ist\neine Frage der Deutlichkeit, denn es wird\nimmer klarer sein, wenn man nicht zusammen-\nsetzt. Aber es geht nicht, da& man nur das\ntz gleich z und ks gleich x verwende!. Wenn\nman aber zusammensetzt, kann man nur\nzusammensetzen, was sich zusammen spricht.\nKonsonanten zweier Silben, die sich getrennt\nsprechen, können nicht zusammengesetzt\ngeschrieben werden.\nUm zu resümieren: Die Schriften a bis e\nsind reif zum Drucken, die Schrift 112 soll eine\nAnregung sein, soll einen Weg zeigen, auf\ndem man zu einer Systemschrift kommen\nkönnte."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.11", "texte": "Vom Bolschewismus\n\nLieber Regierungsrat,\nendlich komme ich zu dem versprochenen\nBrief aus USSR, Sie nennen das Land noch\nimmer hartnäckig Rufeland. Sie sind sicher\nschon in grofeer Sorge um mich. Aber ich\nlebe noch, bin nicht gefangen und befinde\nmich persönlich in dem Zustand, in dem\nSie sich zwischen Berlin und Swinemünde\nbefinden. Sie schätzen mich als objektiven\nMenschen und sind begierig, von mir die\n„Wahrheit\" über USSR zu hören. Zunächst\nkann ich Ihnen versichern, dafc die verbrei-\nteten Wahrheiten die Qualität der ehemaligen\n„Wahrheiten\" über den Weltkrieg haben.\nMan schreibt und spricht von der Gesinnung\naus, die man durch den Zufall seiner\nExistenz sich aneignet. Richtiger: die einem\nfast willenlos angeeignet wird. Eigentum\nerhält den Familiensinn, ist Ihr Wahrspruch.\nIhr Sohn muß den Schreibtisch und Ihre\nTochter das Büffet erben. Sonst pfeifen sie\nauf Elternliebe. Der goldene Ring vom\nUrgrofevater soll noch die Hand des Ur-\nenkels schmücken und ihn an die rastlose\nArbeit des Vorfahren erinnern, der diesen\nBesitz sich vom Magen abgespart hat. Auch\nwünschen Sie in Ihrem persönlichem Bett\nzu sterben. Ich kann Sie insoweit über den\nBolschewismus beruh'gen, als alle Leute in\ndem Besitz des Schreibtisches, des Büffets,\ndes Ringes und des Bettes geblieben sind.\nSelbt das kleine Landhäuschen in Thüringen\nhätten Sie behalten dürfen, wenn Sie es\nschon hätten und Thüringen im Gebiet der\nUSSR liegen würde. Aber die deutsche\nRepublik sorgt nicht genügend für die Be-\namten, wenigstens nicht so gut, dafe man\nsich das Landhäuschen absparen kann. Hin-\ngegen habe ich eine furchibare Entdeckung\ngemacht: die Bolschewisten haben die Be-\namten abgeschafft und infolgedessen auch\ndie Pension der Beamten. Man kennt nur\nStaatsangestellte, die wie alle Angestellten\nbehandelt werden. Sie bekommen nämlich\nalle Pension, wenn Sie arbeitsunfähig sind.\nMan kann allerding nicht davon träumem,\ndaß man sich ohne Arbeit, aber doch .mit\nFähigkeit nach dem vollendeten 65. Lebens-\njahr mit geringen Sorgen in das Land-\nhäuschen zurückziehen wird, das man nicht\nbesitzt. Das Leben kostet eben vor der\nPensionsfähigkeit zuviel Geld. Natürlich die\nHochfinanz muß erhalten werden. Wovon\nsoll sie sonst leben. Da müssen wir eben\nalle Opfer bringen. Und ohne freien Han-\ndel geht es nicht. Ihre verehrte Frau Gemahlin\nmuß das Recht haben, von der Wohnung im\nstandesgemäßen Westen einige Stunden weit\nnach dem Osten zu fahren, um dort Mehl\nund Gesellschaftstoiletten billiger einzukaufen\nals bei der Konkurrenz. Die Bolschewisten\nsind offenbar gegen die weiten Wege der\nHausfrauen und haben die ganze Konkur-\nrenz abgeschafft, um billige Preise zu erzie-\nlen. Sie haben sozialisiert. Hier beginnt das\nVerbrechen. Wir sind ja beide nicht Händler,\nhaben also das Recht auf Objektivität, da\nwir beim Handeln nur verlieren. Der Privat-\nhandel ist eigentlich auch nicht abgeschafft.\nJeder kann handeln und Preise machen, wie\ner will. Er wird nur lebhaft besteuert. Nur\ndie Gegenstände des täglichen Bedarfs haben\ndie berühmten Höchstpreise, interessieren\ndaher auch den Handel nicht. Wenn eine\nFrau Gemahlin, hier nennt man soetwas\nwegen Ersparung der Lungenkraft Genossin,\nvergessen hat, den Hering zum Abendbrot\neinzukaufen, rennt sie natürlich nicht in die\nKonsumgenossenschaft, bei uns Warenhaus\ngen a nnt. Sie läßt den Privathandel den Höchst-\npreis verdienen. Diese Konsumgenossen-"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.12", "texte": "Schäften kennen wir ja auch in Deutschland.\nNamentlich Beamtenorganisationen haben\nsie errichtet. Das ist aber dieselbe unsittliche\nKonkurrenz gegen den freien Handel, die dem\nBolschewismus vorgeworfen wird. Mit jeder\nKonsumgenossenschaft wird der freie Händler\ngeschädigt und in seinem Gewinn gefährdet.\nDieser Egoismus der Privatpersonen schädigt\nleider auch in nichtbolschewistischen Ländern\ndie Gewinnvergnügungen der Händlerschaft.\nDie Bolschewiki haben sich nun eine teuflische\nSache ausgedacht, um von den Produzenten\nmöglichst billig Waren zu bekommen und\nmehr Waren als der Privathandel. Sie ver-\nteilen einen erheblichen Teil des Reingewinns\nbei Abschluß des Geschäftsjahrs an ihre Liefe-\nranten. Das ist höchst unsittlich. Wenn Sie,\nverehrter Herr Regierungsrat, sich zum Bei-\nspiel von Ihren Ersparnissen Aktien eines\nUnternehmens kaufen, so tun Sie es, um die\nFinanz oder die Industrie zu unterstützen.\nMan verspricht Ihnen zwar sogenannte Divi-\ndenden, die sich aber meistens in sich ver-\nrechnen. Auf die Verrechnung selbst haben\nSie keinen Einfluß und wollen es auch als\nsozialempfindender Mensch nicht haben. Die\nSozialisten hingegen sind gemeine Menschen\nmit egoistischen Instinkten: sie kontrollieren\nund lassen sich keinen blauen Dunst ober-\nhalb der nicht zu erwerbenden Landhäuschen\nvormachen. Sie wollen nichts an der Wand,\nlieber 10 Rubel in der Hand. Den Groß-\ngrundbesitzern, den Großhausbesitzern, den\nGroßindustriellen, den Bankdirektoren ist\ntatsächlich ihr „Eigentum\" genommen worden.\nSie, mein lieber Herr Regierungsrat, irren\nsich aber darin, daß es den „Diktatoren\"\nübergeben worden ist, damit sie davon bon\nleben. Auch die bolschewistische Partei hat\nes nicht bekommen, zu der etwa der ein-\nhundertundvierzigste Teil der Bevölkerung\ngehört. Das nationalisierte Eigentum wird\nzu Gunsten der gesamten Bevölkerung vom\nStaat verwaltet und produktiv verwandt. Die\nBevölkerung hat schließlich ein gewisses\nmoralisches Recht an dem Eigentum, das\ndurch ihren Hunger und ihre Steuern ent-\nstanden ist. Das Eigentum wird aber nicht\n„verteilt\", wie sie das glauben, sodaß jeder\nein paar Rubelchen bekommen hat. Von\nder Erde leben Millionen Bauern, allerdings\nkönnen die früheren Herren nicht mehr die\nBank von Monte Carlo finanzieren. Wenn\nwir hier lebten, lieber Herr Regierungsrat,\nbrauchten wir nicht die schrecklichen Miets-\nsorgen zu haben, weil wir Miele entsprechend\nunserem Einkommen zu zahlen hätten. Aller-\ndings müssen die Hausbesitzer jetzt auch nur\nvon ihrer Arbeit statt von unserer leben.\nÄhnlich ergeht es den Grußindustriellen und\nden Bankdirektoren. Daß Arbeit nicht schän-\ndet haben alle diese interessanten Berufs-\nleute selbst stets den Anderen gesagt. Aber,\nwenden Sie ein, ohne die Privatinitiative\nkann ein Großbetrieb nicht existieren. Der\nReiz zur produktiven Arbeit beginnt erst mit\n100 % Gewinn. Und die Vielen, die mit\n100 % Verlust an Gesundheit und Lebens-\nfreude arbeiten, arbeiten zweifellos ohne Reiz.\nAber werden Sie etwa glauben oder zugeben,\ndaß Sie unproduktiv arbeiten. Oder arbeiten\nSie deshalb produktiv, damit der Arbeitgeber\nden Reiz der Privatinitiative bekommt. Also\n100 % Gewinn. Ja, sagen Sie, dafür gibt er\ndas Kapital, Wir wollen in unserer Privat-\nkcrrespondenz nicht untersuchen, woher das\nKapital stammt. Aber der Gewinn, die Privat-\ninitiative kommt bestimmt von der Arbeit\nund nicht vom Kapital. Ich hoffe, daß es\nIhnen recht gut geht. Schade, daß Sie nicht\nmit mir in Moskau sind. Sie würden wirklich\nnichts vermissen. Es gibt hier gute Restau-\nrants, für die Sie schwärmen, aber in die Sie\nauch in Berlin nicht gehen. Sie haben von"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "209", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.13", "texte": "dem Verbot des Tanzes durch die Bolschewiki\ngehört. Das stimmt auch nicht. Sie könn-\nten jede Nacht hier Foxtrott tanzen, wenn\nSie auch in Berlin nicht tanzen. Es hat Sie\nnur in ihrem Freiheitsgefühl gestört, daß man\nIhnen in der USSR etwas verbieten will, was\nSie gar nicht tun wollen. Das Pflaster in\nMoskau ist allerdings scheußlich. Die kon-\nservativen Gemüter haben wenigsten die\nFreude, diese Erbschaft des Zarismus vorläufig\nnoch erhalten zu sehen. In den Papierkörben\nist uns Moskau über. Wir haben vorläufig\nnur vier auf dem Potsdamer Platz. In\nMoskau befindet sich vor jedem Haus einer.\nDas Fortwerfen von Papier und ähnlichen\nDingen kostet drei Rubel Strafe. Selbst\ndiese Freiheit ist einem genommen. Man\nmuß das Zeug durchaus in die Papierkörbe\nwerfen. Naiürlich tut das jetzt jeder, nur,\num die Einnahmen der Bolschewisten zu\nschmälern. Daher erhalten die Volkskom-\nmissare auch monatlich nur 240 Rubel. Das\nist die hiesige Bezeichnung für Minister. Nun\nwill ich Sie noch über das Schicksal der Bilder\nberuhigen. Sie gehen zwar seit Ihrer Studien-\nzeit in kein Museum mehr, haben aber von\nAugenzeugen gehört, daß die Bolschewisten\nNägel durch die Rembrandts geschlagen\nhaben, um ihre Jakobinermützen aufzuhän-\ngen. Ich habe den Eindruck, mindestens\ntausend Rembrandts in Moskau gesehen zu\nhaben. Alle leider ohne Löcher. Die Nägel\nmüssen also sehr kunstvoll entfernt sein.\nAuch die Schlösser und Villen sind nicht\nverödet, sondern bevölkert. In der Villa\neiner alten Dame zum Beispiel wohnen\nund schlafen jetzt 150 Arbeiter und Arbeite-\nrinnen. Und doch so bequem, dafe noch\nRäume für gemeinsame Mahlzeiten, für Musik\nSchach, Theater und Vorlesungen übrig sind.\nDie alte Dame soll sich übrigens in ihrem\nHaus sehr geängstigt und ihre Einsamkeit\nbeklagt haben. Auch Theater gibt es. Und\nKinos. Und Zeitungskioske mit Berliner\nZeitungen. Und Autos. Und Wodka. Und\nKaviar. Man darf alles, was man will. Und\nje mehr und je besser man arbeitet, desto\nmehr darf man. Also auch hierüber können\nSie beruhigt sein. Wenn Ihre Arbeit, ver-\nehrter Regierungsrat, der Gesamtheit mehr\nnützt, als die Arbeit des Kohlenträgers, wer-\nden Sie höher bezahlt. Sie können sogar\ntausend Rubel monatlich verdienen. Falls\nSie übersiedeln wollen, gebe ich Ihnen nur\neinen Tip: treten Sie nicht der bolsche-\nwistischen Partei bei. Ihre Mitglieder dürfen\nin Moskau unter keinen Umständen mehr\nals 240 Rubel monatlich verdienen. Das ist\nParieigrundsaiz. Als Parteilosen schätze ich\nIhre Qualität aber auf mindestens 600 Rubel\nmonatlich ein, die Sie dann auch tatsächlich\nals Parteiloser bekommen. Sie dürfen das\nIhrer Frau Gemahlin nicht antun, unter diesen\nUmständen Bolschewist zu werden. Denn\nfür die 360 Rubel mehr ohne Bolschewismus\ndarf man und kann man in Moskau alles.\nMit herzlichen Grüften\n\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "210", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.14", "texte": "Franz W. Seiwert: Zeichnung"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "211", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.15", "texte": "Amerikanische Wissenschaft und neue Kunst\nFranz W. Seiwert\n\n„MODERNE KUNST VERGIFTET DIE\nGESINNUNG UND DIE MORAL.\"\nDIE WISSENSCHAFT VERDAMMT DIE\nSELTSAMEN BILDER UND STATUEN\nDER KUBISTEN UND FUTURISTEN ALS\nDIE WERKE VERWIRRTEN GEISTES,\nDEREN SCHLECHTEM EINFLUSS SICH\nNIEMAND ENTZIEHEN KANN, DER\nSIE BEWUNDERT.\"\n(„The Washington Post\")\nKubisten und Futuristen und all die anderen\nextremen Modernisten, welche in der Kunstwelt\ngroßes Aufsehen erregt haben, sind nach der\nAnsicht Dr. A. Kirchoffs, eines der fort-\ngeschrittensten Psychologen Europas, Opfer\neines Deliriums und die Erzeuger von geistigem\nGift.\nSelbst anormal in ihrer Art zu denken, schaffen\nsie sich zahllose Jünger und Bewunderer, die,\ngleich ihnen, ebenfalls nicht im Gleichgewicht\nsich befinden.\nDie Schönheit, die sie schaffen können, findet\ner, ist eine perverse Schönheit, und der Ge-\nschmack desjenigen, der sie bewundert, muß\nkorrupt sein.\nEin gelehrter Naturwissenschaftler machte ein-\nmal ein Experiment gerade in dieser Richtung.\nEr nahm die Werke von zehn berühmten\nMalern der futuristischen Schule und versuchte\nsie zur Erbauung der Landbewohner in der\nfranzösischen Provinz auszustellen. Diese Land-\nbewohner waren wahre Naturkinder und sehr\nempfänglich für die immer wechselnde Schön-\nheit der Natur.\nDas Resultat war ein kleiner Bürgerkrieg. Die\nwütendsten Proteste wurden von den einfachen\nDorfbewohnern erhoben, da sie sich zum Narren\ngehalten fühlten. Die dort dargestellte Schön-\nheit kannten sie nicht aus ihrer Erfahrung.\nNichts derartiges kannten sie auf der Erde, auf\nder See und am Himmel.\nDa der Aussteller es versäumt hatte, Warnungs-\ntafeln anzubringen, stieg das Kraftbewußtsein\nder in Schlachtordnung aufgestellten Bauern\nund sie stürmten seine Ausstellung. Nur fünf\nder sonderbaren Malereien wurden gerettet.\nWas absolut kein Schaden war, wie Dr. Kirchoff\nes sieht.\nAnhänger der Kunst, wie sie von den Extre-\nmisten ausgeführt wird, sind die Giftteufel oder\nAlkoholiker — findet er. Wenn sie zu Anfang\nnoch nicht sind, so werden sie durch die\nBetrachtung ihrer eigenen Kunstwerke dazu\ngemacht.\nAll dieses und noch eine Menge mehr über\ndie Verrücktheit der Futuristen und Kubisten\nist enthalten in Dr. Kirchoff's erstaunlichem\nBuch: „Der pathologische Einfluß der modernen\nKunst.\" Dem Buch sind erklärende Fußnoten\nbeigegeben von Dr. S. Freud aus Wien, der\nanscheinend der berühmteste der lebenden\nPsychologen ist. Freud stimmte mit Dr.\nKirchoff überein, als letzterer seine Experimente\nmachte.\n„Dr. Kirchoff erläßt einen öffentlichen Appell\nvon weittragender Bedeutung\", schreibt Freud.\nWenn man sagt, wie er es tut, daß wir alle\nganz allmählich vergiftet worden sind von dem\ngeistigen Gift der modernen Kunst, so ist das\nden Nagel auf den Kopf getroffen. Ich selbst\nhabe wunderliche physikalische Phänomene\nbeobachtet, die aus Hysterie resultierten, immer\nwechselnde Steckenpferde der modernen Kunst.\n„Seine systematischen Experimente und Be-\nobachtungen des Einflusses dieser Kunst auf\nunsere Generation sind eine wissenschaftliche\nEntscheidung, einzig in ihrer Art, die ein\nlebendiges Problem unserer Zeit betrifft.\"\nIn Europa hat das fortschrittliche Buch eine\ngroße Sensation herbeigeführt. Die Kubisten\nund ihre Verbündeten begaben sich in Kampf-\nstellung. Noch niemals waren derartige An-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "212", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.16", "texte": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "213", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.17", "texte": "griffe auf ihre wunderlichen Götter gemacht\nworden, seit der ersten Zeit, da sie anfingen, die\nWelt mit ihren außergewöhnlichen Schöpfungen\nzu bestürzen. Bisher waren nur Angriffe ent-\nweder von konventionellen Laien oder alt-\nmodischen Künstlern gemacht worden, welche\nmit einfachen Linien und natürlichen Farben\nverheiratet waren. Aber keiner kann Dr. Freud\neinen altmodischen Kauz nennen, und Dr. Kir-\nchoff ist ein vielverehrter Prophet in seinem\nHeimatlande.\nDr. Kirchoff gab die Idee, die Modernisten an-\nzugreifen, während sie in verschiedenen Städten\nihre Heilslehre verkündeten und ihre Studien\nan verschiedenen Universitäten Zentral-Europas\nzu verfolgen.\n„Ich hatte eine Menge Patienten, die die Ge-\nwohnheit hatten, viel Arznei zu schlucken. Sie\nrauchten zuviel und tranken zuviel; kein\nWunder, daß sie nervöse Störungen hatten,\"\nschreibt er. „Zu meinem Erstaunen stellte ich\nfest, daß 90 % von ihnen von der modernen\nKunstbewegung eingewickelt waren.\"\n„Zuerst wollte ich an diese augenfällige Ver-\nbindung zwischen den Kunst-Ismen und diesen\nFormen der Hysterie oder noch Schlimmerem\nnicht glauben. Und so wurde ich getrieben,\nStudien über den Zusammenhang der modernen\nKunst und der Psychopathologie zu machen.\"\n„Ich fing an, diejenigen zu kontrollieren, die\ndie Ausstellungen der Futuristen besuchten,\nund ich konnte feststellen, daß daß sie alle ein\nanormales Leben führten, entweder Verbrecher\noder nervöse Kranke waren. Ich wurde zu der\nSchlußfolgerung geführt, daß die Verrücktheit\nfür moderne Kunst und gewisse psychopatho-\nlogische Symptome angegliederte Phänomene\nwaren.\"\nMit der Geduld des Wissenschaftlers, wie sie\nan den deutschen Hochschulen gezüchtet wird,\nrichtete Dr. Kirchoff ein psychoanalytisches\nLaboratorium ein, um diese Experimente weiter\nfortsetzen zu können.\nEins der reinsten Resultate seiner Untersuchun-\ngen ist die Schlußfolgerung, daß die Beweg-\ngründe der Futuristen und ihrer Nachfolger\nwahrscheinlich anormal sind und daß ihre Kunst\nauf dem Prinzip basiert, sich von der Natur\nzu entfernen. „Die Kunst unserer Vorfahren,\"\nschreibt er, „war auf den Prinzipien der Natur\nund des Lebens, des äußerlichen und inner-\nlichen, begründet.\"\n„Aber betrachten Sie die Bilder derjenigen\nModernisten wie Leger, Kandinsky, Cickowsky,\nSeiwert und Capek. Ihre Kompositionen sind\ndie unnatürlichen Anblicke von Nachtmaaren,\ndie niemals geträumt wurden. Verdrehte Ober-\nflächen und Formen, bizarre Farben und un-\nverständliche Zeichnungen sind das Ziel der\nModernisten.\"\n„Wo in der Natur finden Sie etwas den Kom-\npositionen eines Leger, eines Cickowsky und\neines Burliuk Gleichendes? Wo finden Sie die\nAnsichten nach der Vorschrift der modernen\nLeinwand-Sudler, ausgenommen in Deliriums-\nTräumen ?\"\n•\n„Der Ur-Sinn der Kunst ist Schönheit. Schön-\nheit ist natürlich. Vergleichen Sie ein Werk\nDürers oder Velasquez mit einem solchen von\neinem berühmten Futuristen.\"\n„Es ist das Wesen der modernen Kunst, die\nDinge auf eine irrsinnige Art darzustellen.\nGebrochene Formen und Linien oder geo-\nmetrische Zeichnungen vermitteln uns Bilder,\ndie nur ein pathologisches Gehirn ausdenken\nkann.\"\n„Nur diejenigen, denen gewisse Arzneien ge-\nreicht wurden, sehen ähnliche krankhafte\nBilder. Launenhafte Geschöpfe! Monströse\nObjekte! Verkehrte Formen und groteske\nSituationen! Ein Mann, der Haschisch ge-\nnossen hat, sieht abnorme Gesichte, verdrehte\nOberflächen. Der Geist des Morphinisten gibt\nsich hin und beschwört solche bizarre Farben\nund kubistische Zeichnungen herauf. Hypnoti-\nsierte Hysteriker sehen erschreckende mechani-\nsche Formen überall.\"\nDr. Kirchoff führt ein erstaunliches Experiment\nan, mit 20 jungen Kunstschülern, deren Geist"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "214", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.18", "texte": "Sidney Hunt: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "215", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.19", "texte": "unverdorben war, und die das Auge eines\nprimitiven Menschen hatten für die Schönheit\nder Linie und der Farbe.\nSich selbt überlassen, malten sie Objekte der\nNatur mit verschiedenem Erfolg, aber in jedem\nFalle sahen sie die Schönheit und versuchten\nsie zu reproduzieren. Dann gab er ihnen\nOpium. Jeder von ihnen, übereinstimmend mit\ndem Verfasser, malte ausgesprochen futuristische\nBilder.\n„Einige von ihnen,\" schreibt der zynische\nKirchoff, „waren ziemlich gute Bilder; wie\nsolche Bilder gut sein können, das will be-\nsagen, sie waren ziemlich schlimm.\"\nEr hat entdeckt, daß das Opium auf die Vor-\nstellung der Zeichnung wirkt, Alkohol auf die\nder Farbe, Nikotin auf die der Harmonie.\nVierzehn der 20 jungen Männer malten, als\nsie unter dem Einfluß des Giftes standen, eine\nBlume, als wenn sie ein Rad in der Luft\nwäre.\nDr. Kirchoff fand, daß, wenn seine 20 Versuchs-\nobjekte in ihrem anormalen Zustande auch\nnicht alle futuristisch malten, sie dennoch in\ndemselben Geiste redeten. Noch nicht zufrieden-\ngestellt, überredete er einige anerkannte Meister\ndes Futuristen-Kultes, sich einer Prüfung zu\nunterwerfen. Nachdem sie Narkotika genommen\nhatten, wurden sie futuristischer denn jemals\nund bedeckten Leinwände mit unheimlichen\nZeichnungen, die sie erschreckten, als sie\nin den natürlichen Zustand zurückgekehrt\nwaren.\nUeberzeugt davon, daß Gifte einen konventio-\nnellen jungen Künstler zu einem Futuristen\nmachen können, machte es sich Dr. Kirchoff\nzur Aufgabe, zu entdecken, welchen Einfluß\ndie futuristische Kunst auf einen rein lebenden\nund unberührten jungen Mann oder Frau haben\nkann, die nie Gifte gekannt haben.\nEr mietete Räume für drei gesunde junge\nFrauen, die in seine Stadt gekommen waren\num Kunst zu studieren. Er bedeckte die\nWände derselben mit ultramodernen Bildern\nund stellte „fortschrittliche\" Plastiken an\ngünstige Plätze. Eine Zeitlang widerstanden\ndie jungen Menschen, dann fingen sie an\nübermäßig zu rauchen und endlich auch zu\ntrinken.\n„All dies\", sagt Kirchoff (und der noch be-\nrühmtere Freud bestätigt es) „ist unvermeidlich.\"\nUnd Kirchoff sagt weiter:\n„Seht euch die Jünger der modernen Kunst an,\n80 % von ihnen leben ein in mancher Bezie-\nhung anormales Leben.\"\n„Nehmt ein Kind von 10 Jahren und lehrt es\nfuturistische Bilder malen während sechs Mo-\nnaten und Sie werden finden, daß seine Neigun-\ngen in allen Dingen anormal werden. Wenn\nein intelligenter Mensch während eines Monates\ndauernd diese Gebilde mit verdrehten Linien\nund verrückten Farben vor Augen hat, wird\ner unbewußt aus dem Gleichgewicht gebracht\nwerden.\"\n„Die wahre Kunst entspringt aus Lebensbe-\ngeisterung, diese Kunst ist der Ausfluß der\nDepressionen des Deliriums. Das kommt da-\nher, weil wir heutigentages so gefühlsarm sind,\nund das ist die Ursache, daß so viele junge\nLeute so gewissenlos heiraten und so bald\nbereuen.\"\nDr. Kirchoffs Experimente waren umfassend und\ner versuchte sie verständlich zu machen. Er\nexperimentierte ebenfalls mit Studenten der\n„altmodischen\" Kunst. Während ihre Schwestern\nund Brüder des futuristischen Studiums vor-\nwärts stürmten und immer wilder und wilder\nwurden, fand er sie gesund und ruhig und\nausgeglichen in einer Welt von Schönheit.\nDann experimentierte er mit sich selbst. Nach-\ndem er eine Woche damit zugebracht hatte\nZeichnungen von Lissitsky und Rosanowa zu\nkopieren, die beides moderne Berühmtheiten\nsind, fühlte er, daß er Bedürfnis nach Schnaps\nhatte, um wieder Interesse fürs Leben zu be-\nkommen. Er fing an, die Welt scheußlich zu\nfinden, während vorher alles schön gewesen\nwar."}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "216", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.20", "texte": "Franz W. Seiwert: Zeichnung\n\nFranz W. Seiwert: Zeichnung"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "217", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.21", "texte": "Er konstatiert, daß es in Paris, London und\nNew York die grausigsten Verbrechen gibt, und\ndaß die Futuristen und Kubisten in diesen ver-\ndrehten Städten am stärksten vertreten sind.\nIn seinem letzten Kapitel wendet sich der Mann\nder Wissenschaft zur Religion des Trostes, in-\ndem er den Malern und Bildhauern, deren\nWerke einem Haschisch-Traum zu entspringen\nscheinen, ein kurzes Leben verspricht,\n„Gott schütze uns vor dieser modernen Kunst\"\nist das fromme Gebet mit dem er schließt.\n\nVictor Servranckx: Gemälde 1924"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "218", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.22", "texte": "Herwarth Walden / Gedichte\nVerschüttete Augen\nVerschüchterter Mund\nVerzittertes Herz\nBluthund kauert zwischen Brüsten\nSpreizt die Augen\nBlühen Vögel heller im Dunkel\nLechzen Zungen süßer am Stein\nDuckt sich bäumt sich jagt Nacken herab\nder Bluthund\nSingt ein Kind zwischen Kraut und Unkraut\nZwei blanke Scheidemünzen\nZwei blanke Scheideherzen\nEr herzt meine Münze\nKraut zwischen Unkraut münz ich mein Herz\nArmer Hund du wirst geschlagen\nReicher Hund du wirst geküßt\nKraut zwischen Unkraut klettert herzdurch\nDie Jungfrau blüht\nBrüllt die Erde heiß eisern durch viele Rohre\nHeiß heiser\nFeuer schmettert den Himmel auf\nStahl platzt\nBäume zersplittern die Luft\nHerzen zerreißen\nBlut schäumt träumende Wässer auf\nDein Auge singt süß\nEine Sonnenblume senkt ihr blondes Haupt\nFruchtbar bar der Furcht\nDein süßes Auge singt Leben\nLeises Leben siegsingt über heisere Erdschreie\nEine Kinderträne löscht alle Feuer aus\nEine Kinderträne keimt eine stille Knospe auf\n0 Du mein Jungkind\nO Du mein Jungmädchen\n0 Du meine Jungfrau\nHeult die Erde alle Tode auf\nImmer keimt das Leben dem Singen eines\nsüßen Auges\nDeines Auges\nEine Sonnenblume senkt ihr blondes Haupt\nHinten auf der Mondstraße schreiten zwei Füße\nan schimmernden Knöcheln.\nLärm schwärmt auf.\nDu Talsanftmut meiner steigenden Berghärte\nRollt Stein auf Stein unter weichen Füßen\nGrollt Lärm auf Lärm über heißen Wolken\nStaubt Kern auf Kern an schimmernde Knöchel\nEin Ton tropft auf die Mondstraße\nEr klingt von Welt zu Welt\nEin Korn zertreten rollt er unter weichen Füßen\nRollt hinab\nzerspellt\nzerklingt\nEine harte stumme Wand steilt die Mondstraße\nBergt auf sich zum Himmel\nBirgt in sich den Himmel\nNun schweigt der Ton von Welt zu Welt\nZwei kleine Füße tanzen an schimmernden\nKnöcheln auf der Mondstraße\nSchweigen tönt\nKlingt\nrauscht\nschreit\nheult\nschreit\nrauscht\nklingt\ntönt \"\nhallt\nverhallt\nMorgen ist es auf der Erde\nIch wandle durch die Qassen aller Herzen\nMein Fuß stockt an der Kammer\nBlut sickert zag\nAus jeder Kammer seufzt ein schweres Schweigen\nUnd alle Gassen schließen sich zum Kreise\nSchmal ist der Pfad, der durch die Herzen führt\nUnd stockt der Fuß, das Schweigen lockt ihn\nweiter\nBlut sickert zag\nIch wandle schwer und wandle\nAus dem Gedichtband „Im Geschweig der Liebe\" von Herwarth Waiden / Verlag Der Sturm / Ganzleinen 3 RM"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "219", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.23", "texte": "Victor Servranckx: Gemälde 1922"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "220", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.24", "texte": "Piu-Piu's Windglocke\nEdmund Palasowsky\n\nPiu her — Piu hin\nPiu-Piu ist zerbrochen.\nKleine liebende Kinderhände haben die Scheiben\naufbewahrt\nVielleicht — vielleicht nicht ganz kaputt\n(Aus Glasscheiben kann man noch eine Windglocke\nmachen)\nVielleicht — vielleicht\nBei neuem Mond, bei vollem Mond\nVielleicht bei Nacht wenn alle schlafen\nDa kommt ein Südwind irgendwoher\nUnd die Scheiben klingen zusammen\nVielleicht — vielleicht —\nUnd Piu-Piu's Stimme ertönt.\nBei neuem Mond\nDie armen warmen Kinderhände streckten sich\nüber die Glocke aus\nSie atmeten heiß sie blühten heiß\nIhr Atem war hell und wie Hauch vom Süden —\nBei vollem Mond —\nDa erklang Piu-Piu's ferne Stimme.\n„Wer ist die, die am liebsten hat Piu-Piu? —\nWen hat Piu-Piu am liebsten auf der Welt? —\nWer ist sie, die Piu-Piu am stärksten liebt? —\nWer liebt dich am meisten auf der ganzen Welt? —\nWer liebt Piu-Piu?\"\nDa weinten die Hände bei dem abwechselnden Mond\nDie mageren kleinen lieben Kinderhände —\nDas war Piu-Piu's Paternoster\nUnd nächstesmal ertönte wieder die Glocke.\n„Piu-Piu war sein Name.\nWas heißt Piu-Piu?\nDas heißt: lieb.\nEs heißt ein Traum\nVon einem der schön ist, Traum einer Schönen.\nWer war Piu-Piu? Ein armer Kerl\nOhne Hilfe ohne Trost\nBettler Piu-Piu aus hellem Nebel.\nSein Kopf war aus Frevel und Kuß —\nDu hast Piu-Piu schön erträumt\nNur hat man ihn häßlich angeschaut —\nJa, Piu-Piu hatte viele Sünden, wahrlich das war\nsein ganzes Vermögen —\nAber du sollst es wissen:\nWas du träumst, ist Frühling\nAn wen du glaubst, ist Felsen\nWen du lieb hast, ist Tannenwald —\nWas du tust: Feuer — Panorama,\nWo wohnt Piu-Piu?\nDu sollst es nicht vergessen\nWo Piu-Piu wohnt.\"\nDa leuchteten die leuchtenden Hände wie Lotos:\nPiu-Piu ist nicht zerbrochen —\nPiu-Piu wohnt in mir.\nUnd klang die Glocke\nBei Nacht als alle alle schon schliefen:\n„Sag\" nur, sag' nur: Piu-Piu ist schön\nPiu-Piu hat nichts getan —\nPiu-Piu hat viele Krümmungen viele Gezweige —\nDoch lieb1 Piu-Piu, liebe ihn.\nJetzt ist Piu-Piu klein —\nWird Piu-Piu einmal groß, ist es kein Witz mehr\nihn zu lieben!\nJetzt ist Piu-Piu finster —\nWird einmal Piu-Piu hell, ist es keine Kunst ihn\nhoch zu schätzen.\nJetzt ist Piu-Piu krank\nJetzt muß man an ihn glauben —\nWird einmal Piu-Piu mächtig\nIst es kein Witz mehr ihm treu zu sein!\nJetzt muß man Piu-Piu sehr sehr lieben.\"\nDa zuckten die Hände\nDie flammenden blühenden segnenden Hände:\nIch will mein Blut für Piu-Piu opfern.\nUnd wieder bei dem abnehmenden Mond\nDie Glocke die Glocke:\n„Sei nicht trüb!\nEs kommt Piu-Piu neu\nEr kommt an der Spitze der Schwarz-Amseln\nEr kommt an der Spitze der Teddy-Bären\nEr kommt an der Spitze der Wasserfälle."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "221", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.25", "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nJaroslav Hilbert: Falkenstejn"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "222", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.26", "texte": "Sei nicht trüb!\nEr kommt an der Spitze der toten Rehe\nEr kommt an der Spitze der heißesten Heißen\nEr kommt an der Spitze der blauesten Blauen.\nEr nähert sich an der Spitze der Libellen\nEr jagt vor sich Sonne und leuchtende Wolken\nEs begleiten ihn die Märchenpferde —\nEr nähert sich in Träumen, er reitet in Strahlen\nSo kommt Piu-Piu wieder.\"\nSie spielten an der Windglocke, sie spielten\nDie wunderbaren mächtigen lieben Hände\nSo spielte ihr Blut —\nPrinz von Piu-Piu (sei nicht trüb)\nHerzog der Lichter, König der Rehe!\nEs kommt Piu-Piu siegreich.\nDie Hände wie aus tiefen Neiken\nWie aus Tränen des Mondes —\nDoch hör's doch hörM\n„0 sei nicht traurig!\nWenn du lächelst —\nEs geht auch Piu-Piu wohl.\nSei nicht traurig —\nWarum Piu-Piu zur Welt gekommen\nWenn er nichts Schönes für dich kann?\nEs muß dir gut gehn! Er hat nichts anderes zu tun —\nPiu-Piu ist darum gekommen, weißt du? eben darum.\nFrierst du? oder ist dir warm?\nPiu-Piu kühl wie Mokka-Eis\nPiu-Piu heiß wie ein Kamin.\nPiu-Piu ist aus Klang.\nIn dir klingt ein Klingen\nUm dich herum wirbelt ein schöner Nebel —\nPiu-Piu ist aus hellem Nebel.\nPiu-Piu's Leib ist aus Mondseide\nDu sollst ihn anschlagen mild anschlagen —\nPiu-Piu ist riesig groß —\nIn seiner Handfläche kannst du schön schlafen.\"\nDie Hände weinten, sie weinten von neuem.\nNacht um Nacht —\nDoch hör's, doch höf!\n„Tut dir Piu-Piu sehr weh?\nEr will für dich wie die schönste Amsel pfeifen,\nEr will für dich zärtlich bellen wie der schönste\nHund —\nEr will für dich viel mehr blau sein wie die blaueste\nBlume,\nEr will für dich viel süßer sein wie rohe Tomaten\ndie du gern hast,\nEr will für dich purzeln schön wie der liebste\nBär —\nNur du sollst lächeln du sollst schön lächeln. \"\nUnd die kleine Glocke hat wie die schwärzeste\nSchwarz-Amsel gesungen,\nNur sieh's, nur sieh!\nUnd zärtlich gebellt wie der herrlichste\nBernhardiner —\nSie tanzte drollig lieb wie die lieben Teddy-Bären,\nIhr Klang war süß wie die tomatesten Tomaten\nSie klang viel mehr blau wie der blaueste Nebel —\nBei neuem Mond, bei vollem Mond\nUnd dann haben sich die lieben Hände wie im\nSpiegel erschaut —\nIn ihrer vollen Pracht und wunderbar:\nO was war es, was ich gesehen —\nWo ich drin, wo ich so schön?\nUnd heiler klang die kleine Glocke:\n„Es\nWar\nPiu-Piu's Herz.\"\nDa lächelten die Hände endlich süß.\nUnd wurde Piu-Piu hell. — —\nDoch\nEine einzige darf es nie vergessen\nWie Piu-Piu's Paternoster klingt:\nWer ist sie, die Piu-Piu am meisten liebt?\nIch.\nWen hat Piu-Piu am liebsten auf der Welt?\nMich.\nWer ist sie, die am liebsten hat Piu-Piu?\nIch.\nWer liebt Piu-Piu?"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "223", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.27", "texte": "Der Krieg\nEin Chorspiel\nVorwort\nKarl Vogt\n\nFür den Sprechchor ist es erforderlich, die\nchorische Sprechgestaltung mit einer Be-\nwegungsgestaltung zu verbinden.\nDas gesungene Wort erscheint als absolute\nkünstlerische Form. So ist es vom Ursprungs-\nerlebnis entfernt, von diesem abstrahiert. Im\nGegensatz dazu ist das gesprochene Wort noch im\nIrdischen verhaftet. Es bedarf, um wahr und\nlebendig zu erscheinen, der Entwicklung aus\nden Antrieben des Körpers. So ist es not-\nwendig durchblutet. So wirft das gesprochene\nWort, entwickelt aus dem Bewegungsimpuls,\ndas Spiel von Gefühl und Willen in die Klarheit\ndes Bewußtseins empor. In die Sprache. Mit\nder Entwicklung des Wortes aus der Bewegung\nwird auch die überall sich vordrängende Gefahr\nvermindert, daß das Wort als Träger seiner\nBedeutung, also intellektuell, also unkünstlerisch\ngeformt wird. Diese Gefahr zeigt sich überall\nbei den Veranstaltungen der Sprechchöre und\nauch des Theaterspiels. Schon einfache Satz-\ninhalte werden demonstriert, der Sinn der\nSätze, die Bedeutung der Worte wird vom\nSchauspieler oder vom sprechenden Chor aus-\ngemalt; niemand begreift, wie überflüssig dieses\nBemühen ist. Der Inhalt der Worte an sich\nist fast immer so einfach, daß seine überdeut-\nliche intellektuelle Gestaltung nur Verdruß er-\nregen kann. Zu gestalten ist der Gefühlsinhalt\nund der Rhythmus der Worie, der Sätze, der\nSatzbeziehungen, der Szenen, der Akte. Dann\nkommt künstlerische Wirkung erst zustande,\ndann wird statt Betonung Tonfall geformt, statt\nzerpflückter, falsch ausmalender Worteinzelheit\nein Ganzes. Im Wechselspiel von Ton und\nBewegung ermöglicht sich erst die Blutnähe,\ndie aus dem Laienspiel des Sprechchors das\nWerden einer kollektiven, neuen, zeitgemäßen,\nmonumentalen Kunstform erhoffen läßt.\n„Der gespaltene Mensch\" von Bruno Schönlank\nversucht auf direktem Darstellungswege, ohne\nRedseligkeit, das Material für den Sprechchor\nzu geben. Er schuf in seiner Diktion, in der\nFormung seiner Worte und Sätze, jene knappen,\nprägnanten Bildungen, die — geschult an dem\nVorbilde des größten neueren deutschen Sprach-\ngenies August Stramm — nicht nur dem Tempo\nund dem Konzentrationsbedürfnis der Zeit ent-\nsprechen, sondern die auch die denkbar beste\nUnterlage für eine sprachrhythmische Gestaltung\nbilden.\nDie Aktivierung des Publikums, die seit Jahr-\nzehnten von Instinktbegabten geahnt und von\nallen Theaterreformern gefordert wird, ist durch\ndie geformten Sprechchöre zu erreichen.\nDer hier folgende Auszug meiner Sprechchor-\nDichtung ist auf Grund meiner praktischen\nErfahrungen mit dem Sprechchor der Volks-\nbühne entstanden.\n112\nI. Teil\nBühne offen — dunkel — anmaßender Trommel-\nwirbel, einmal, zweimal, dreimal, viermal — da-\nzwischen immer eine tiefe, drückende Stille.\nCHOR: Die Kinder können nicht schlafen\nIn Deutschland\nSie fühlen ....\nDie Kinder können nicht schlafen\nIn Rußland\nSie ahnen ....\nDie Kinder können nicht schlafen\nIn Frankreich\nSie ängsten ....\nDie Kinder können nicht schlafen\nIn England\nSie grausen ....\nEuropas Kinder s'nd friedlos.\nFühlen das Drohen\nOpfer unmenschlich unmenschlicher Greuel.\nEIN JUNGE (steht plötzlich in fahlem Licht im\nHemdchen):\nMutti!\nEINE FRAU: Was denn, mein Junge?"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "224", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.28", "texte": "DER JUNGE: Ich habe so schlecht geträumt,\nEs war so kalt.\nVom Himmel fiel giftige Luft,\nAlle starben in einer Minute.\n(Das Licht erlischt.)\nCHOR: Europas Kinder können nicht schlafen,\nEuropas Kinder sind friedlos,\nFühlen ein Drohen,\nOpfer unmenschlich unmenschlicher Greuel.\n(Trommelwirbel, viermal, wie vorher.\nLeise Jazzmusik, nicht zu lang.)\nDIE BEHAGLICHEN: Sie liefern Weizen, gut, zu\nfünfunddreißig.\nUm neun Uhr fahre ich in mein Büro.\nJa, mit den Steuern geht's uns allen so.\nIch bin versichert noch und noch, was\nweiß ich.\nDes Sonntags meine Pfeife in der Laube.\nMein Sohn treibt Fußball, meiner boxt,\nja Sport!\nWir sitzen nur am Radio immerfort!\nDer heutigen Jugend fehlt der wahre Glaube.\nJa, Zucht und Ordnung! Meine Kuxen steigen.\nMein Auto? Fabelhaft — 70 PS.\nWas? Süße Kleine! Ganz was Zuckriges.\nDemonstration? Den Lümmeln müßt\nmans zeigen!\nPrügelt sie in die Kasernen,\nDamit sie wieder strammstehn lernen!\nDIE RAUHEN: Wolken schwarzer Essen schwälen.\nDrehbank, Schwungrad, Schmutz und Ruß,\nStumpfes übermüdes Quälen,\nEisern immergleiches Muß.\nMann der Arbeit, Mann der Arbeit!\nRiesenkran und Stundendröhnen,\nHämmer donnern schweren Falls,\nAugen beizt uns bis 2u Tränen,\nStrang des feurigen Metalls.\nUns bleibt nichts als unser Sehnen.\nHassend zischt uns Kolbenfauchen,\nGraues Gitter der Fabrik.\nMüssen letzten Atem brauchen,\nFrohn des Laufbands, Stück um Stück.\nArbeitstiere des Kapitals!\nDIE BEHAGLICHEN: Das Elend uns die Freude stört!\nWas will das Volk? Habt Ihrs gehört?\nEs gab doch immer arm und reich!\nStreik? Rebellion! Das bleibt sich gleich!\nDIE RAUHEN: Für uns der dumpfe Harm des\nMenschenseins!\nFür uns das Triebwerk und der Not Gebrest,\nStadt im Taumel des Scheins.\nIn dunklen Höfen unsere Kinder,\nIn Hinterzimmern unstr Dasein.\nWir hungrig nach Fröhlichkeit und Licht,\nO bi udergläubig Menschsein!\nDIE BEHAGLICHEN: Was soll man tun? Wir\nwerden sehn,\nDie Zeit ist hart. Vielleicht wird's gehn.\nWir müssen die Absatzmärkte verbreiten,\nDie Preise erhöhn, den Umsatz weiten.\nKommt alles in Schwung, verdient auch ihr,\nEs bleibt schon übrig.\n(Sie verschwinden)\nDIE BEAMTEN: Wir sind Beamte,\nRespekt!\nObrigkeit!\nDer Staat!\nDer Staat:\nStramm, stramm, stramm,\nAlles über einen Kamm!\nWir sind Beamte,\nRespekt!\nPflicht! Pflicht!\nStreng meinen Dienst —\nMehr nicht —\nOrdnung, Zucht!\nOrdnung, Zucht!\nEignes Denken ist verrucht.\nWir sind Beamte,\nRespekt!\nWir regieren,\nZu vieren,\nBeamte, Militär,\nUnd Kirche, Schule nebenher.\nOrdnung muß sein,\nDer Staat muß gedeih'n\nDIE UNRUHIGEN (dazwischen):\nDenkt!\nEuch selbst zu entscheiden,\nEs bleibt nicht geschenkt.\nDIE SCHLAFENDEN: Den Geist aufrühren?\nIn Zweifel verlieren?\nAlles selber bedenken?\nDie Gehirne verrenken?"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "225", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.29", "texte": "Quido Salvini: Bühnenbild\nMassimo Bontempelli: Nostra Dea"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "226", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.30", "texte": "DIE UNRUHIGEN: Untertan!\nWas geht es Dich an?\nDer Staat besteht,\nDer Mensch vergeht!\nDIE BEAMTEN: Wir sind das freieste Land,\nUnsere Schule ist bekannt.\nDIE UNRUHIGEN: Da habt ihr was rechtes erwischt!\nSystem, System — Geist stört Verkehr.\nSystem, Maschine gilt euch mehr!\nDenkt!\nEuch selbst zu entscheiden,\nBleibt nicht geschenkt!\nDIE SCHLAFENDEN: Zu suchen, zu schaun\nNach diesem und dem?\nWir sind zu bequem,\nSind Fachleute am Schwitzen,\nWir bleiben schön sitzen.\nWas sollen wir denken?\nKeinen Finger verrenken!\nDIE BEAMTEN: Zucht, Ordnung muß sein,\nSaugt Weisheit, trinkt Wissen!\nTut's not, helfen Schläge,\nUnruhig zerrissen.\nSucht eigene Wege.\nGehorsam ist Pflicht!\nDIE UNRUHIGEN: Prügelt die Kinder,\nLehrer, Erzieher,\nDaß stumpf sie gehorchen.\nPrügelt auch, Eltern!\nPrügelt die Kinder,\nBrecht ihren Willen,\nDen Willen der Schwachen,\nDaß schwach sie bleiben —\nAufrecht gesonnen\nMacht nur Beschwerden.\nDuckt Euch!\nDIE BEAMTEN: Wir sind Beamte!\nRespekt!!\nObrigkeit!\nDer Staat!\nDer Staat!!\nDIE UNRUHIGEN: Die Bestimmung besteht.\nDer Mensch vergeht.\nDIE BEAMTEN: Respekt! Der Staat!\nOrdnung! Verordnung!\nImpfgesetz neu —\nDIE UNRUHIGEN: Impft! Impft!\nDie Seuche ist fort,\nDas Volk verdorrt —\nDIE SCHLAFENDEN: Der Professor muß es wissen -\nEr hat studiert.\nDIE UNRUHIGEN: O sanftes Ruhekissen:\nDie Aktie profitiert!\nDIE BEAMTEN: Fester Block\nDer Parteien.\nDIE UNRUHIGEN: Einheitsfront\nDer Papageien,\nDenkt!\nEs bleibt nicht geschenkt\nDIE SCHLAFENDEN: Der Abgeordnete muß es wissen,\nDie Partei wird's schon machen.\nDIE BEAMTEN: Ordnung, Zucht\nObrigkeit:\nWir sind Beamte,\nSind der Staat!\nDIE UNRUHIGEN: Der Mensch vergeht —\nDie Bestimmung besteht.\nDIE BEAMTEN: Stramm, stramm, stramm\nAlles über einen Kamm!\n(Leise grollende Paukenwirbel.)\nDIE BEHAGLICHEN (kommen wieder):\nAbsatzmärkte\nWir sind friedlich.\nUnsre Ehre —\nFeinde ringsum —\nWir sind friedlich —\nUnd Verträge —\nSelbstverständlich\nDIE UNRUHIGEN: Die vorne den Frieden verkünden\nUnd hinten zum Kriege sich rüsten!\nDIE BEHAGLICHEN: Ehrlose Gesellen:\nVerräter! Verräter!!\nDIE BEAMTEN: Ruhe! Ruhe!\nBürgerpflicht!\nDIE BEHAGLICHEN: Wir brauchen Marokko\nWir brauchen Erze,\nWir brauchen Bagdad,\nDen Weg nach Indien!"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "227", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.31", "texte": "DIE BEAMTEN: Für Vaterland!\nDIE BEHAGLICHEN: Absatz — Rohstoffe\nDonetzkohle,\nOel von Baku.\nDIE BEAMTEN: Fiir's Vaterland!\nDIE UNRUHIGEN: Achtung! Achtung!\nGährend Unheil!\nMenschheit! Menschheit! ~\nDIE BEAMTEN: Ruhe! Ruhe!\nDIE BEHAGLICHEN: Man beschimpft uns!\nAlte Rechte!\nWohlerworben!\nUnsere Ehre!\nDIE BEAMTEN: Unsere Ehre!\nAufruf! Sammeln!\nSteht Bereitschaft!\nDIE BEHAGLICHEN: Unsere Ehre\nStolz zu schützen:\nAufruf! Sammeln:\nStolze Jugend!\nMännertugend,\nKrieg blüht Tugend!\nDIE UNRUHIGEN: Wahn!\nAberglauben!\nKrieg sei Tugend,\nKrieg sei Stahlbad,\nBadekur.\nWahn! Wahn!\nAberglauben!\nKrieg ist Roheit!\nWächst Verbrechen,\nUnzucht Mord!\nWahn! Wahn!\nNackter Mord.\nKrieg\nMissetat!\nDIE BEHAGLICHEN: Aufruf! Aufruf!\nSchnöder Mißbrauch\nUnsres Glaubens!\nKriegserklärung!\nKrieg! Krieg! Krieg!\nDIE UNRUHIGEN: Sind wir denn angegriffen?\nKurzer, scharfer Trommelwirbel, sofort umringen sie\nDIE BEAMTEN (laut schreiend):\nLandesverrat! Landesverrat!\nKurze Pause — Stille\nDIE BEHAGLICHEN: Das Mehl?! Doppelt so teuer\nVom Ausland.\nUnd Salz? Wie, Salz?\nNur zentnerweise —\n— Im Kriege muß flott verdient werden.\nFRAUEN: Kommt wirklich Krieg?\nDIE BEHAGLICHEN: Wir sind beleidigt!\nDie Ehre des Landes!\nWir sind bedroht —\nNationale Belange!\nWir sind überfallen\nIm tiefsten Frieden,\nUnser gutes Schwert\nErkämpft unser Recht —\nGöttliche Ordnung.\nDIE UNRUHIGEN (wieder hervordrängend):\nNein! Nein!\nWir wollen nicht\nGöttliche Ordnung,\nLüge Bedrohte Ehre.\nWir wollen nicht,\nStärkere Gewalt ist unser Wille.\nPeitschschlag, Triangelklirren.\nVIER WEIBER (fackelschwingend, rennen scharf in\ndie vier Himmelsrichtungen):\nKrieg! Krieg! Krieg! Krieg!\nSofort formieren sich BEHAGLICHE und BEAMTE\nzu einem Marsch:\nKrieg! Krieg! Es ruft das Vaterland,\nDer Erbfeind ist in Haß entbrannt.\nGott segnet unsere Fahnen.\nKrieg! Krieg! Zum Schutz von Heim und Herd\nSchmach dem, der unsern Frieden stört.\nGott gib uns Segen Amen.\nSie kommen in den Hintergrund.\nVorn begegnen sich die Unruhigen mit einer\nGruppe Frauen."}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "228", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.32", "texte": "DIE UNRUHIGEN: Gott segnet die Fahnen\nJeder Mordbande,\nAn jeder Front.\nFrauen,\nSchmückt nicht mit Blumen die Gewehre,\nMädchen,\nLaßt den Mörderkittel!\nHände dampfen vom Blut.\nHängt Euch den Männern um den Hals,\nLaßt sie nicht fort!\nSie eilen nach hinten. Halbdunkel. Ausmarsch.\nFRAUEN: Wer marschiert im grauen Nebel der Frühe ?\nSöhne, Väter und Gatten und Brüder.\nMÄNNER: Dunkel droht,\nUnd die Kolonnen\nZieh'n ihm ungewiß entgegen,\nHämisch äugt das kalte Zwielicht.\nVorwärts keifen Befehle,\nAbschied würgt in der Kehle,\nHarte Straße frißt den Marschtritt.\nim Anmarschieren:\nTräume bauen uns Brücken zur Heimat\nHeimt uns in Frieden ein liebendes Herz.\nMutter!\nBraut!\nGeliebte!\nSie sind fort. Vorn rechts stehen Frauen,\nlinks ältere Männer.\nALLE: Die Saat geht auf!\n\nVlatislav Hofmann: Bühnenbild\nHamlet / Stadttheater Frag"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "229", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.33", "texte": "Aus der Zeit für die Zeiten\nHerwarth Walden\nMoskauer Jüdisches Kammertheater\nBewegung ist alles. Der Raum ohne Bewegung\nnicht sichtbar. Menschen und Gegenstände\nsind auf dem Theater nur bewegte Farbformen.\nIhre Gestaltung, die Herstellung der künstle-\nrischen Beziehungen in Optik und Akustik, das\nKunstwerk des Theaters.\nDeshalb ist Alexis Granowski ein Künstler des\nTheaters. Ein vollkommener Künstler. Ein\nGenie. Er hat das Ingenium, das Material zur\nlebendigen, sichtbaren und tönenden Wirkung\nzu bringen.\nDie Verwechslung zwischen Kunst und Leben\nhat das Leben der Kunst getötet. Sie ist Schmuck\noder Illustration geworden. Schmuck kann man\nablegen. Illustrationen beigeben. Kunst aber\nist weder Ablage noch Beigabe. Kunst ist die\nsinnliche Gestaltung des Lebendigen. Nicht des\nLebenden. Leben stirbt. Kunst lebt.\nWenn sich Literaten um das Theater kümmern,\nzeigt es die Kümmerlichkeit der Literatur. Litera-\ntur ist Abschrift. Kunst Schrift.\nDer Schriftsteller hat nichts mit dem Theater\nzu tun. Sein Künstler muß ein Tonfarbform-\nsteller sein. Geschriebenes wird nicht gesehen\nund nicht gehört. Schreiben ist ein Gedächtnis-\nmittel. Man kann sich aus dem Gedächtnis\netwas vorstellen. Richtiger: etwas nachstellen.\nKunst aber ist stellen, zusammenstellen, kom-\nponieren.\nGranowsky ist ein Tonfarbformsteller.\nMan will Kunst begreifen. Kunst ist kein Körper,\nalso ungreifbar. Also unbegreifbar. Muß man\nwirklich tasten, fassen, packen. Kann man\nnicht in die Weite sehen und in die Ferne\nhören. Wili man den Himmel fassen oder das\nGebirge begreifen oder in das Meer tasten. Ist\ndas Blatt die Schönheit der Blume oder der\nTropfen die Schönheit des Meeres.\nDie Natur gebiert oder wächst. Die Kunst\nkomponiert.\nKenntnisse sind Benennungen von Erfahrungen.\nAlso zufällig und nicht organisch. Kunstwerke\nmüssen Organismen sein.\nGranowsky schafft seine Kunstwerke unter dem\nNumen „Das Moskauer Jüdische Akademische\nTheater\". Diese Bezeichnung hat etwa den\nselben Wert wie der Name einer Person. Ein\nMerkmal. Selten ein Denkmal. Hier darf man\ndas Denkmal errichten. Vielleicht ist Granowsky\nJude. Aber es gibt keine jüdische Kunst und\nkeine christliche. Religionen sind erzwungene\nZwangsvorstellungen.\nAber, wenden die Intelligenten ein, man spielt\ndoch jüdisches Milieu. Ist das etwa die Wir-\nkung. Die künstlerische Wirkung. Warum\nwirkt ein Milieu, jedes Milieu, nicht im Leben\nauf die Sinne. Warum wirkt auch auf dem\nTheater das Milieu nicht, wenn es nur Milieu\nbleibt. Warum aber wirken die Erscheinungen\nder Natur in jedem. Milieu. Weil die Natur\naus ihren organischen Gesetzen entsteht. Und\nwenn das Kunstwerk nach den organischen\nGesetzen der Kunst gestaltet ist, wirkt es auch\nin jedem Milieu und trotz jedem Milieu. Die\nWirkung ist die Bewegung, die sinnliche Be-\nwegung, die gestaltete sinnliche Bewegung des\nSichtbaren und des Hörbaren.\nGranowsky schafft aus Erlebnis das Kunstwerk.\nNicht das Erlebnis, die Gestaltung ist die Kunst.\nUnd darum ist Granowsky ein Künstler. Ein\nvollkommener Künstler.\nScala\nAuch das Variete soll vergeistigt werden. Es\ngibt tatsächlich Leute, die die Artisten durch\neinen verbindenden Text in geistigen Kontakt\nmit dem Publikum bringen wollen. Man nennt\ndas Revue. Da die Unfähigkeit der Schauspieler\nund Schauspielerinnen immer mehr auffällt,\nsucht man hintenrum Artisten auf die Bühne\nzu bringen. Der Instinkt ist richtig. Denn\nArtisten sind eben Künstler. Sie denken nicht.\nSie gestalten. Sie machen sich sichtbar und\nhürbar. Sie machen ihren Körper zu Kunst-\nmaterial. Sie wissen, daß Kunst gestaltete Be-"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "230", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.34", "texte": "wegung ist. Sie wissen, daß jede Bewegnng,\ndaß die Beziehungen der Bewegungen zusam-\nmengestellt, komponiert und nicht gefühlt wer-\nden müssen. Nicht die Schwierigkeit der Technik,\ndie Überwindung ist die Leistung. In der Scala\nzu Berlin tritt ein Contorsionist de Mario auf.\nSeine Glieder sind ungebunden. Sie sind ab-\nsolute Formelemente gewarden, mit denen er\noptische Gestaltungen schafft. Bilder. Ohne\nInhalt. Kunst. Und er wirkt auf Hundert-\ntausende. Weil seine Technik nur noch Mittel\nist. Die Wirkung liegt in der künstlerischen\nLogik der bewegten Farbformen seines Körpers.\nLeute, die berufsmäßig Kunst befasen, sollten\ndas ansehen, um fassungslos zu werden. In\nder Ölfarbe riechen sie noch immer ein Myste-\nrium. Künstlerpsyche. Artistenkörper sind nicht\nmetaphysisch. Aber physisch. Alles geht ein.\nIn die Augen. Die Augen der Zuschauer\nleuchten. Es gibt etwas zu schauen. Denken\nist eine flüssige oder überflüssige Privatbeschäf-\ntigung. Man braucht sich hierzu nicht zu ver-\nsammeln. Das kann man unter sich abmachen,\nwenn es schon sein muß. Wenn Menschen\nzusammenkommen, sehen sie sich an. Um so\nmehr will man auf der Bühne etwas sehen.\nEtwas Sehenswertes. Gehirne werden nicht\nsichtbar. Sie gehören also nicht auf die Bühne.\nAuch die Handlung hat nichts mit Kunst zu\ntun. Die Handlung der Kunst ist eben Kunst.\nUnd das Variete hat eben das große Publikum,\nweil es etwas zu sehen gibt. Und elementare\nWirkung durch die Sinne auf die Sinne ist Kunst.\nWarum soll die Menschheit ihr Variete, ihre\nAbwechslung vom unsinnlichen und daher un-\nsinnigen Leben bei Problemen finden, die so-\ngenannte Autoren nicht einmal für sich gelöst\nhaben. Die Lösung ist das Leben, nicht aber\nseine Verstopfung. Die Russen haben das\nTheater veikörperlicht, es wieder zur Kunst\ngemacht. Die Deutschen insbesondere sind\nnoch mit dem Geist beschäftigt, haben also\nvorläufig keine Zeit für die Kunst. Die Denker\nsprechen über sie, die Dichter rechnen mit ihr.\nAber auf der Variete-Bühne lebt die Kunst."}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "231", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.35", "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nEugen O'Neill: Anna Christie"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "232", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.36", "texte": "Internationale Antiquitäten- und Kunstausstellung / London\nDie erste Internationale Antiquitäten- und Kunst-\nausstellung, organisiert von der Londoner Zei-\ntung „The Daily Telegraph\" wird in der Olympia-\nHalle in London vom Donnerstag, den 19. Juli\nbis Mittwoch, den 1. August 1928 stattfinden.\nDie Mitwirkung der Fachzeitschrift „Bazaar,\nExchange & Mart Staff of Experts (Connoisseurs'\nEdition)\" ist sichergestellt.\nWenn die Türen der Olympia-Halle am Donners-\ntag, den 19. Juli 1928, geöffnet werden, wird\ndas Publikum zu einer der interessantesten und\nreichhaltigsten Sammlungen antiker Schätze\nZutritt finden, die je unter einem einzigen\nDach vereint worden sind. Die bedeutendsten\nAntiquitätensammler und Kunsthändler Groß-\nbritanniens wie des Kontinents und des fernen\nOstens wurden aufgefordert, entweder als Käufer\noder als Aussteller ihrer wertvollsten Kunst-\nschätze mitzuwirken. Die Riesenfläche der\nOlympia-Halle bietet mit Leichtigkeit 80 000\nQuadratfuß reinen Ausstellungsraum, ganz ab-\ngesehen von den Längen, die außerdem 40000\nBesuchern täglich Platz bieten. Man darf er-\nwarten, daß diese erste Internationale Anti-\nquitäten-Ausstellung in der Olympia-Halle der\ngrößte Markt seiner Art werden wird, den\ndie Welt je gesehen hat, und zwar unter der\nLeitung eines Vorstandes, der aus wohl-\nbekannten Fachmännern besteht. Man hofft,\ndaß die Ausstellung eine ungeheuere An-\nziehungskraft haben wird; nicht nur für die\nAntiquitätenhändler, sondern für alle Kunst-\nkenner der ganzen Welt und für das Publikum.\nIhr Material ist so umfangreich und verschieden-\nartig, daß es jedem etwas zu bieten vermag.\nEine einzig dastehende Sammlung\nZur Ausstellung werden folgende Kunstgegen-\nstände gelangen:\nMöbel, Tapezierung, Teppiche, Wandbekleidung,\nKamine usw., Gemälde, Gravüren, Kupfer-\nstiche, Miniaturen, Silhouetten, Bücher, Manu-\nSkripte usw., Instrumente, Waffenkleidung,\nMünzen usw., Porzellan, Glaswaren, Tonwaren,\norientalische Kunstwerke, Bronzen, Elfenbein\nusw., Fächer, Spitzen, Silber, Zinn und\n„Sheffield plate\", Juwelen, allerlei Kuriositäten,\nBriefmarken usw., usw.\nDa diese Ausstellung sich als die reichste und\nhervorragendste Antiquitätensammlung erwei-\nsen wird, sollte sie einen ständigen Jahres-\nmarkt zur Folge haben.\nMitwirkung\n„The Daily Telegraph\" ersucht alle Kunstkenner\nund Fachmänner mitzuwirken. Man wird weder\nMühe noch Mittel scheuen, um diese Aus-\nstellung möglichst umfassend und wirklich\nvornehm zu gestalten. Alle Interessierten\nwerden höflichst um Ratschläge gebeten, die\nwohlwollend seitens des Ausstellungsvorstandes\nberücksichtigt werden. Die Mitwirkung der\nPresse für diese einzig dastehende Ausstellung\nist gesichert. Aber auch die Unternehmer selbst\nwerden eine weite Reklame- und Auskunfts-\nkampagne treiben, so daß alle Teile des Reich-\ntums und der Kulturwelt, von denen Kunst-\nsammler erwartet werden können, davon be-\nnachrichtigt werden.\nKatalog\nDer Katalog ist dieses großen Unternehmens\nwürdig und wird in allen großen Weltstädten\nzum Verkauf gelangen.\nAuskunft\nAuskunft erteilt Der Sturm, Berlin W 9."}, {"page_pdf": 37, "page_imprimee": "[233]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.37", "texte": "Dichtungen von HERWARTH WALDEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark H\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nSunde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib / Komitragodie / 3 Mark\nKind / Tragodie Trieb / Eine burgerliche Komitragodie Menschen / Tragodie\nJedes Buch 2 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nDie Hiirte der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nGlaube / Komitragodie\n\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nKunstler- Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemalclen, Zeichnimgen imd Bildwerken folgender Kiinstler:\nAlexander Arcliipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincene Benes\nUmberto Boeeioni 112 / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunav\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck 112/ 3\nSigrid Hjerten Griinewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kadar\nKandinsky / 3\nPaul Klee\nFern and Leger / 2\nAugust. Macke J\nFranz Mare 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nGeorg Sehrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\nFritz Stuekenbers\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nOskar Kokosehka / 2\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\nfr\n\n• •-\nIM\nr>i-\n*•\np.*-:.V.v:V-.^'y.-'V\nMUSIK BAUT DER SEELE\nGOLDNE BRUCKEN\nHAUS AM"}, {"page_pdf": 38, "page_imprimee": "[234]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.38", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Fritz Harnisch, Berlin W 9 Verlag Der Sturm G. m. b. .\nBerlin W 9 Potsdamer Strasse 134 a / Fernruf Lützow 4443 / Postscheckkonto Berlin\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\n\nFRONT MFRONT\nnmn— p~ ~ \"■ ■■■■■ mmmmwm him ■■\nInternationaler Almanach der\nmodernen Aktivitat der Gegenwart\nEnthalt alle Gebiete des modernen Schaffens in\nder Wortkunst, der Musik, dem Theater, den\nbildenden Kiinsten, dem Film, der Architektur,\nder industriellen Produktion, der Wissenschaft\nund der Kultur iiberhaupt\nEs haben beigetragen: Antheil, Arp, Baumeister, Behne, Becher, die\npolnische Gruppe der Revue ~Blok'\\ Corbusier, Cernlk, Doesburg,\nIv. Goll, Gropius, Grosz, Heartfield, Herzfelde, Honzl, Chochol, Jung,\nKassak, Kiesler, Kisch, Krejcar, Lu Marten, W. Mehring, Micic,\nMoholy-Nagy, Nezval, Obrtel, Oud, Picabia, G- Potil, Poliansky, Pone,\nMies van der Rohe, Seifert, Schiirer, Schwitters, Slma, Teige, Tzara,\nVaclavek, Weisskopl, Westheim, Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seiten. Format 23X31 cm, davon 40 Seiten\nIllustrationen, Musikbeilagen / Redaktion der Front\nDr. B. Vaclavek / Briinn 15-Schimitz / Vasekgasse 11\nTschechoslowakei / Text der Beitrage tschechisch,\ndeutsch und franzosisch mit deutschen und fran-\nzosischen Resumees\nPreis 16 Mk. / In der Sturm-Buchhandlung vorratig\n\n♦ Bauhausbiicher\nnouflKcrUionen in 7U/oil \\/P Y7\\ nrlAft P T All fl3 Q6 !\nBd\nneu erschienen in zweit. veranderter Auflage:\nWalter Gropius\nInternationale Architektur\nmit 96 Abbildungen\n4.-6. Tausend\nGeheftet 5 Mk., Leinen geb. 7 Mk.\nL. Moholy-Nagy\nMalerei, Fotografle, Film\nmit 100 Abbildungen\n3. — 5. Tausend\nGeheftet 7 Mk., Leinen geb. 9 Mk.\nNeuer Band der Bauhausbiicher!\nKasimir Malewitsch\nDie gegenstandslose Welt\nDie Begrundung und ErklSrung des\nruss.Suprematismus mit 92 Abb.\nGeheftet 6 Mk., Leinen geb. 8 Mk.\nALHANGErVERLAG\nMONCHEN\n\nUNSERE\nGRUNDS7ETZE:\n%\nANiE\n-4UGUST\nPOtKST\nU #L.:\nBESTE AKUSTISCHE ANLAGE\n■ , v,\"r ,r. . • • .'V'v .\n★\nAUSGEWXHLTES MATERIAL\n■. \"-Jk- '■ V'.vr- • •\nMEISTERARBEIT .\nII llilliSlllllilF\nDEUTSCHLAND: LOBAU/SA-TSCHECH SLOV•• GEORGSWALDE>\n.1 V.*, •\nLJA EHRENBURG\nPROTEST GEGEN DIE\nDie Schrift ist kostenlos zu haben in alien Buch-\nhandlungen oder unmittelbar vom Rh e i n-Ver I a g,\nDeutsche Geschaftsstelle, Stuttgart, holzgartenstr. 7"}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.39", "texte": "Organo-Kosmetikum\naus Panzertieren\nzum Einreiben.\nKeine Injektion!\nNach dem 25/30.Lebensjahre bilden sich auf der Haut Verhornungen und\nin den Verhornungen markieren sich durch die Muskelbewegungen beim\nSprechen, Lachen und dergl. Linien, Falten und Runzeln\nAmor Skin verhindert dies!\nAmor Skin unterstiitzt die stets notwendige Regeneration der Haut; die\nabgelebten Gebilde der Haut stossen sich ab. Die Haut wird und bleibt\ndurch die Pflege mit Amor Skin glatt und rosig wie in der Jugend\nJugendfrisches Aussehen!\nOllOterapia G.m.b.H. / Berlin-Grunewald"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192805-01.1.40", "texte": "W. Marziilier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspeditenr S. M. des Konigs von Spianien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition u. Mobeltransporte, Verpacktmg u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden jed. Art, Lieferung\nund Emptang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des W irtschaf tlichen V erbandes Bildender\nKiinstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturmu\n\nHerwarth Walden\nIm Geschweig der Liebe\nGedichte —— ■ —\nIn Ganzleinen gebunden 3 Mark\n\nMonatsschrift Der Sturm\nDie fuhrende Zeitschrift der neuen Kunsl\n19. Jahrgang 1928\nJahrl2 M Halbjahr 6 M Heft 1 M\n\nLa Renaissance de L'Art Frangais\net des Industries de Luxe\nGegrundet von Henry Lapauze / Ersdieini zu Beginn jedes\nMonats als Band von 60 bis 100 Seiien Quariformat\n(25:32) mii zahlreichen Abbildungen\nDie Redaktion veroffentlicht Beitrage der anerkannten\nSdiriftsieller und Kriiiker aller Lander Europas. Ihre\ndokumentarischen Studien und aktuellen Chroniken bieten\nein vcllstandiges Bild der Aktivitai der Kunste auf der\nganzen Erde\nHAbonnement Frartkreich 150 francs §|g§\n\"\"\" Ausland 200 francs |j|j}\nMan abonniert in alien Euchhandlungen und direkt beim Verlag\n)\nLa Renaissance deUArt Fran pais /10-11 Rueßoyale / Paris"}]}