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Er tat es im Jahre 1909\n— zusammen mit seinem Assistenten und Ge-\nhilfen Dr. Mader, dessen unbeweglicher, ein wenig\nschielender Blick schon damals mit einem En-\nthusiasmus auf die Verbrennungsmotoren ge-\nrichtet war, wie heute, nahezu zwanzig Jahre\nspäter.\nAber es war nicht die Aviation, der zuliebe die\nbeiden Gelehrten die Hochschule in Aachen ver-\nließen. Die Flugmaschine interessierte sie nicht\nmehr und nicht weniger wie jede andere Ma-\nschine. Aber die Universität verlangte von\nihnen, daß sie dummen Jungen allerlei Gelehr-\nsamkeit beibringen. Sie kehrten also der Hoch-\nschule den Rücken und widmeten sich ganz\nihren Versuchen.\nWenn die Aviation einmal eine Kunst und nicht\nnur ein Handwerk war, so war es zweifellos in\njenen Jahren. Träumer, Romantiker, Abenteurer\nund Märtyrer weihten ihr das Leben. Sie\nzimmerten sich komische Kästchen aus Segel-\nstoff, Drähten und Brettchen zusammen und\nflogen mit diesen Papierdrachen oder stürzten —\nwie das Schicksal es gerade wollte. Vom\nStandpunkte des Jahres 1925, dieses gelassen\nkalkulierenden Zeitalters, handelten sie vielleicht\ngenial, aber zweifellos sträflich leichtfertig. Fast\njedes Wettfliegen brachte eine Katastrophe mit\nsich, zwei- bis dreimal am Tage brachen die\nZuschauer durch die Schranken und rannten\nzum rauchenden Trümmerhaufen. In wenigen\nTagen gingen so viele hervorragende Flieger\nzugrunde, wie jetzt in zwei Jahren. Mit papie-\nrenen, blutbespritzten Flügeln bahnte sich die\nMenschheit den Weg zum Himmel.\nProfessor Junkers hatte mit dieser edlen Tollwut\nnichts gemein. Nach vielen Arbeitsjahren in\nder Stille seines Laboratoriums gelang es ihm,\neinige jener Höhepunkte der Technik zu erobern,\ndie ihm die Herrschaft über die interessantesten\nund am wenigsten erforschten Gebiete brachten.\nEs stellte sich dabei heraus, daß unter diesen\nGebieten sich auch die bisher so launische,\nunberechenbare Aviation befand. Professor\nJunkers beschloß, ihr eine sorgfältige, wissen-\nschaftliche Erziehung angedeihen zu lassen.\nEine der grundlegenden Ideen dieses Gelehrten,\ndie in der Aeronautik eine Revolution brachte,\nwar verblüffend einfach. In der Tat: welcher\nVogel, welcher Schmetterling oder Fisch, dessen\nGestalt dem Aeroplan zum Vorbild diente, be-\nwegt sich hüllenlos, ohne Haut, mit offen preis-\ngegebenen Knochen und Nerven? Wo wäre\nes möglich, daß ein lebendiges Wesen seine\nEingeweide nach außen verlegt? Aber der alte\nAeroplan jener Zeit hatte es trotzdem getan.\nUnverhüllt, schutzlos lag sein Herz oben, den\nWinden preisgegeben, dem Staub, der Sonne,\ndem Regen ausgesetzt. Die zahlreichen Ver-\nsteifungen, Drähte und Brettchen verzehnfachten,\ntrotz ihrer scheinbaren Leichtigkeit, den Wider-\nstand. Junkers beschloß, die widersinnige\nNacktheit des Flugzeugs zu verhüllen, dem\nMaschinenherz eine widerstandsfähige Brust,\nden Eingeweiden einen Leib zu geben. Die\nWürste des Grafen Zeppelin nahmen damals\ndie Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit und des\nHofes vollkommen gefangen. Kaiser Wilhelm,\nder einen Tick für die gewaltigen Dimensionen\nund für das kriegerische Aussehen dieser Luft-\nIchthyosauren hatte, ließ sie schockweise her-\nstellen — zu einer Zeit, als Professor Junkers\nsein erstes Patent für ein Ganzmetall-Flugzeug\nerhielt.\nDer Pilot, die Tanks — alles lag im Innern\ndes länglichen, silberweißen Aluminiumkörpers\nverborgen.\nDer Krieg gab Junkers die Mittel in die Hand.\nZufrieden, daß er endlich arbeiten kann, ohne\nauf den Pfennig zu sehen, schickt der „gute\nProfessor\", der einem Pastor ähnlicher sieht\nals einem Gelehrten, einen Schwärm Aeroplane"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3834, "texte": "nach dem anderen in die Luft. Seine Zerstörer\ni' r « e\nwaren neben U-Booten „Lieblinge\" des Admi-\nrals Tirpitz. Seine silbernen Libellen zogen\nins Gedächtnis von Millionen noch lebender\nund damals gefallener Menschen tiefe unver-\nwischbare Angstschrammen.\nNach dem Frieden von Versailles kamen die\nEmissäre der Entente in das stille Städtchen\nDessau und zerschlugen mit Hämmern alles,\nwas Kriegszwecken dienlich sein könnte.\nJunkers Pläne und Berechnungen für die noch\nungebauten Minenwerfer reisten nach Paris.\nGenau wie Krupp — sah er sein Vaterland\ndort, wo er- verdiente. Das Werk stand still.\nIn der Blütezeit der Inflation fischten große\nHaie — Stinnes, AEG. — scharenweise im\ntrüben Wasser um Junkers herum. Es war\neine Zeit, als man Eigentümer eines beliebigen\nUnternehmens werden konnte, wenn man seine\nVisitenkarte mit ein paar tausend Dollar zur\nrechten Zeit an die richtige Stelle schickte.\nJunkers hatte seinerzeit mehr als genug mit\nden Beamten des Kriegsministeriums zu schaffen,\nals daß er Illusionen über seine Lage in der\nHand eines Privatunternehmers hegen könnte.\nEin Händler ist immer ein Feind von Neue-\nrungen, zu denen ihn die Konkurrenz nicht\nzwingt. Er will das verwerten, was er hat, er\nmöchte eine Idee, die sich den Markt erobert\nhat, solange wie möglich melken. Es würde\nihm nicht einfallen, die Foitsetzung von Ver-\nsuchen zu bezahlen. ,\nAber „der liebe Gott\" erbarmte sich des Pro-\nfessors in seiner Not und schickte ihm zwei\nEngel, um ihn vor dem gierigen Spekulanten-\nrachen zu retten: den Badeofen und den\nSachsenberg.\n*> • • —- * - • »\nZunächst vom Badeofen. Jeder Don Quichote\nhat seinen Sancho Pansa. Um einen Gelehrten\nin die Lage zu versetzen, in aller Ruhe umher-\nzuirren, Dummheiten und Fehler zu machen,\nbereits Begonnenes liegen zu lassen oder zu\nzerstören, — muß ihm die friedliche und erge-\nbene Eselin der praktischen Vernunft folgen.\nIhr breiter Rücken wird ihn aus jeder schwie-\nrigen Lage herausbringen, in den Tagen der\nMißerfolge wird sie ihren Helden im Straßen-\ngraben finden, und ihre rauhe, warme Zunge\nwird sein beschmutztes Gesicht mit himmlischer\nZärtlichkeit streicheln.\nIn einem entfernten Flügel des Betriebes hauste\nschon lange eine Fabrik patentierter Gasbade-\nöfen. In den Tagen der Revolution als die\nSoldaten plötzlich anfingen, ihren schneidigen\nLeutnants die Achselklappen abzureißen, kam\ndieser Aluminiumofen plötzlich zu hohen Ehren,\nund seinen breiten Schultern gelang es, die\nzerbrechliche Aero-Libelle aus der Not zu\nretten. Und bis auf den heutigen Tag bezahlt\ndieser Badeofen in aller Demut die kostspie-\nligen wissenschaftlichen Entdeckungsreisen des\nProfessors in das Land des Unbekannten.\nDie deutsche Schwerindustrie geriet nach dem\nKriege in eine schwere Krise; die Umstellung\nauf die Friedensproduktion. Krupp machte statt\nKanonen Fleischmaschinen und Separatoren;\nder „schwere\" Stumm, der König der Panzer-\nschiffe, begann sich mit Spielzeug zu befassen.\nDen Junkers-Werken fiel diese Umschaltung\nweit leichter. Das Versailles-Diktat gab seiner\nEntwicklung nur eine neue Richtung. Seine\nkleinen Raubvögel, die, einem kaum erkennt-\nlichen Punkt gleich, den Kriegshimmel durch-\nfurchten, sanken immer tiefer und tiefer, nahmen\nan Wuchs zu und verwandelten sich allmählich\nin Hausgeflügel. Der Kopf wurde größer, der\nLeib streckte sich, die Flügel entfalteten sich\nzu einein machtvollen metallischen Kreuz. Und\nvon Hunger getrieben, fand der Kriegsadler\nArbeit und Brot bei einem neuen Dienstherrn\n— bei der Post.\nAber nicht er allein paßte sich den neuen Ver-\nhältnissen an. Die Wogen der Revolution\ngingen hoch und höher, und den blonden\nMenschen mit den rassigen Nasen ging es\nschlecht und schlechter. Sie ließen sich von\nAusländern zu Kriegsdiensten anwerben, wurden\nSöldner bei den kleinen baltischen Staaten.\n„Zähneknirschend\" legten sie das blanke"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3643, "texte": "Ehrenschild von Marineoffizieren SMS.-Flotte\nbeiseite und besorgten die von den Letten und\nEstländern gewünschte unsaubere Arbeit —\nsie machten Jagd auf Bolschewisten. Aber die\nRegierungen der Kleinkrämer und Advokaten\ndachten nicht daran, diese Garde des deutschen\nImperialismus immer zu bewirten. Die lettischen\nBauern hatten die Agrar-Unruhen von 1905\nnoch nicht vergessen, sie sahen noch die auf-\nständischen Bauern an den Rippen aufgehängt\nan Bäumen baumeln — wie es auf den Gütern\nder baltischen Barone damals gang und gäbe\nwar; sie hatten noch kürzlich erlebt, daß die\nOstsee-Bürokratie, diese treueste Stütze des\nrussischen Absolutismus, die Schlüssel der\nStadt Riga im Namen des baltischen Adels\nWilhelm 11. überreichte. Kurz, man machte\nvon diesen Landsknechten Gebrauch, solange\nman sie nötig hatte, und warf sie dann mit\neinem Fußtritt hinaus. Tausende von deutschen\nBauern, denen man Scholle und Obdach ver-\nsprach, wenn sie Bolschewisten totschlügen\nmußten das Abenteuer mit dem Leben bezahlen\nDiese Episode ist unter dem Namen „Baltikum\"\nbekannt.\nIm Jahre 1919 kehrte einer dieser Trupps —\nfast die ganze Strecke zu Fuß — nach\nDeutschland heim. Diese Kriegswölfe be-\nschlossen, in Landwirtschaft weiter zu machen\nnur um einer Republik nicht dienen zu müssen,\ndie damals noch revolutionär zu sein schien.\nSie pflanzten Kartoffeln und fuhren Dünger.\nSehr bald darauf wandte sich der Gründer der\nLandwirtschaftlichen Offiziers-Berufsgenossen-\nschaft, Sachsenberg — ein ganz hervorragender\nOrganisator — nach Dessau und bot dem\nProfessor seine Dienste nebst einem detailliert\nausgearbeiteten Plan für den internationalen\nLuftverkehr an. Die bei sich zu Hause voll-\nkommen überflüssigen, vom Proletariat wie von\nder Geldaristokratie gleich verhaßten alten\nReichsoffizieren wanderten — nach dem Him-\nmel aus. Die russischen Emigranten in Paris\ngelten als ausgezeichnete Friseure, Kellner und\nbesonders Chauffeure. Die deutschen Offiziere\nwurden bald zu den besten Droschkenkutschern\ndes internationalen Himmels, und die Horizonte\nEuropas und Asiens durchfuhren sie ebenso\ngelassen, wie ihre Kollegen das Berliner\nPflaster.\nDie kommerzielle Seite der Sache fordert, daß\nder Bürger sich ebenso ruhig in ein Flugzeug\nsetzen kann, wie in eine Droschke oder ein\nAuto. Die Aviatik mußte entthront und ihres\nromantischen Gefieders beraubt werden, um\nden ängstlichen Bourgeois nicht zu ängstigen.\nDaher ist das moderne Flugzeug in seiner\nInneneinrinrichtung so grenzenlos banal. Seine\nSessel stammen aus dem Direktionszimmer\neiner Bank, die Spiegel — aus einer zweit-\nrangigen Diele, — die ganze Kabine weist nur\nden gewohnten staubigen Luxus der europäischen\nEisenbahnen auf. Die Toilette mit ihrem weißen\nSchildchen an der Tür, rührt einen mit ihrer\nvertrauten Harmlosigkeit, und die unendlich\nirdischen dienstfertigen Papiersäckchen für See-\nkranke Leute nicken einem gleichmütig zu.\nDie Unglücksfälle sind jetzt so selten, die\nSpucknäpfe so bequem, der Pilot so vertrauen-\nerweckend, daß die Passagiere aufgehört haben,\nihm die Hand zu reichen. Noch ein Schritt\nweiter — und er steht neben Dienstboten und\nChauffeuren. Der Bürger wird seine Angst\nvor Luftreisen erst dann vollkommen verlieren,\nwenn der Pilot eine Livree anziehen wird, an-\nziehen muß. Die Fliegerei wird vollkommen\npopulär sein, wenn man auch in der Luft Trink-\ngelder annehmen wird.\nEs liegt eine besondere Ironie darin, daß diese\nEntthronung, die Desillusionierung der Aviatik\ngerade die letzten Romantiker des alten Regimes\nbesorgen mußten. Mit gleichmütigem Gesicht\n„fahren sie vor\" und waschen von den silbernen\nFlügeln die Spuren der Uebelkeit ihrer Fahr-\ngäste ab."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c004", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "236", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.4", "titre_corps": "Hilflos", "titre_sommaire": "Hilflos", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 309, "texte": "Hilflos\nLothar Schreyer\nGeschlossen ist die Tür\nDie Menschen rütteln an dem Schloß\nDie Menschen schlagen an die Tür\nDa drinnen ruft ein Mensch um Hilfe\nAlle Menschen hören Menschenruf\nc . ' ' \\.\nUnd alle Menschen fliehen\nWir halten uns die Ohren zu\nDer Ruf schlägt auf die Herzen alle\nAlle rufen\nKeiner hilft."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c005", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "236", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.5", "titre_corps": "Vereinigung", "titre_sommaire": "Vereinigung", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.8", "debut_caractere": 311, "fin_caractere_exclue": 654, "texte": "Vereinigung\nLothar Schreyer\nAn deinem Wegrand steht ein Mensch\nund wartet\nVor deiner dunklen Kammer wartet deine\nMenschenbraut\nDu gibst das Licht dem hingegebnen Leib\nDie Seelen leuchten\nHeimlich wunschlos scheint ein Stern\nErlöst fließt das befreite Licht in Finsternisse\nDer Freie bindet die Gefangenen los\nDie Entbundenen spielen sich heim."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c006", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "236", "page_fin": "237", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.6", "titre_corps": "Erde", "titre_sommaire": "Erde", "signature_source": "Lothar Schreyer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.8", "debut_caractere": 656, "fin_caractere_exclue": 1098, "texte": "Erde\nLothar Schreyer\n\nDas schöne Tier belächelt seinen Leib\nDas Meer erhebt sich\nBerge wandeln\nStädte sinken in den Staub\nStädte fallen über Menschen\nDas Meer schwemmt über Menschen\nMenschenwoge überschwemmt die Welt\nDie Leichen schwimmen in den Mund der Tiefe\nDer Schrei erstickt\nDer zarte Hauch der fernen Berge glüht\nDie Leuchteblume schwankt im blassen Himmel\nZwei Hände falten sich im Tal\nDu sprichst das Wort der Erde\nUnd die Erde tönt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c007", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "237", "page_fin": "237", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.6.1", "titre_corps": "Abstrakte Photograhie", "titre_sommaire": "Abstrakte Photograhie", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 50, "texte": "Francis Bruguière (New-York)\nAbstrakte Photograhie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c008", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "238", "page_fin": "241", "image_debut": 10, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.7", "titre_corps": "Splitterwochenend", "titre_sommaire": "Splitterwochenend", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2506, "texte": "Splitterwochenend\nThomas Ring\nPersonen: der Vater\ndie Mutter\nder Junge\ndie Tochter\nder Schwiegersohn\ndas Weltekel\nBürgerliches Wohnzimmer. Vater liesi Zeitung, Mutter\nstopft Strümpfe, Tochter betrachtet Bilder uud Sprüche\nan der Wand.\nTOCHTER: Wir haben fünfundzwanzig\nStücke an der Wand\nVATER: wie das deutsche Reich Staaten\nTOCHTER: oder das Alphabet Buchstaben.\nMUTTER: Man hat doch jetzt die thüringischen\nStaaten zu einem Staat vereinigt!\nTOCHER: Könnte man nicht auch ein paar\nBuchstaben zusammenlegen ?\nVATER: Immer müßt Ihr mir widersprechen!\nDer Dolchstoß im eigenen Hause!\nMUTTER: Aber wir sagen nur, daß man\nein paar Staaten zusammengelegt hat.\nTOCHTER: Väterchen, es kann sich doch\nmal was vereinfachen.\nVATER: Ich lasse mir meine heiligen Tradi-\ntionen nicht rauben! Diese Zusam-\nmenlegungen sind schnöder Marxis-\nmus! Seit Napoleon sich am Reichs-\nkörper vergriffen hat ....\nJUNGE, stürmt zur Tür herein: Da hat der\nElefant den Tiger aufgefressen und\nda hat er sich gefreut, daß er sein\nAbendbrot gehabt hat. Ne Kuh war\nauch dabei, die hat den Elefanten auf-\ngefressen und da haben se sich\ngefreut. Da kam ein Nashorn an-\ngerannt und das war mitgekommen,\nalle Tiere vom zoologischen Garten\nwaren da, ne Rose haben se sich\nabgepflückt, ne Tasse Milch haben\nse getrunken.\nVATER: Junge, redst Du vom Völkerbund?\nJUNGE: Nein, aber so ähnlich war die Fabel\nvon Lessing.\nVATER: Ist das der Jude in Hannover?\nJUNGE: Nee, der Pastor von der Briefmarke.\nVater, erzähl Du mir ne Geschichte.\nVATER: Geschichten gibts genug aus guten\nalten Zeiten.\nEr setzt sich behaglich zurecht.\nDer Bund deutscher Mammutjäger\nging Libellen schießen ....\nTOCHTER: ach die ist so traurig. Dann\nschon lieber von der Tante Europa\nmit dem Humpf\nJUNGE: nein, was Neues!\nVATER: Also: wie Gustav sein Vaterland\nrettete.\nEs war einmal ein Mann, wenn der\nmorgens aus dem Bett stieg, dann\nstellte er erst seine Kanonen auf.\nEr hatte eine Vorderkanone, die\nschoß nach vorn und eine Hinter-\nkanone, die schoß nach hinten.\nUnd als ihm dies zu wenig war, da\nstellte er auch zwei Seitenkanonen\nauf. Dazwischen waren aber noch\nLöcher, die spickte er mit Kinder-\nkanonen, kleinen hinterlistigen Kläf-\nfern, die manchmal schlimmer sind\nals die großen. Jetzt hatte er\nKanonen auf allen Seiten, wohin er\nsich drehte konnte er schießen, wann\ner wollte und wen wer wo zu\ntreffen war.\nJUNGE: Hurrah! So geht der Jäger in die\nKatze hinein und die Katze kommt\nwieder aus dem Jäger heraus! So\nklettert der Hase auf den Baum und\nfrißt den Frosch!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2366, "texte": "MUTTER: Erzähl doch dem Jungen nicht\nsolche blutrünstigen Sachen.\nVATER: Blutrünstige Sachen! Soll ich . . .\nEs wird an der Tür geschlossen.\nTOCHTER: Mein Männchen!\nMUTTER: Herein! Der Schlüssel hat doch\nimmer gepaßt.\nJUNGE: Na der geschiefte Onkel mit der\nGlatze hat den Zauber noch nich raus.\nSCHWIEGERSOHN: Guten Abend. Was\nsagst Du nettes?\nVATER: Die deutsche Schule würde, wenn\nsie dieses Objekt im Sprachgebrauch\nschon berücksichtigt hätte, dafür\nEnthaarungshaupt sagen.\nJUNGE: Du meenst wohin radikalen Bubi-\nkopp?\nSCHWIEGERSOHN zur Tochter: Und schön\nist sie heute ....\nJUNGE singt: Sie sieht schön aus, sie sieht\nnett aus, sie hat nen feinen Brust-\nturm aufgetoppt ....\nVATER: Junge, singt ihr heute solche Sachen?\nJUNGE: Das andere Auge schielt.\nMUTTER: Wir werden uns zurückziehen.\nFlitterwochenleute sind unbeteiligt\nan der Politik.\nVater, Matter und Jjnge gehen hinaus.\nTOCHTER: Nimm doch Platz.\nSchwiegersohn bleibt stehn.\nTOCHTER: Komm, zieh Dir die Hausschuhe an.\nSCHWIEGERSOHN, setzt sich krachend aufs\nSofa: Die Familie setzte sich zum\nRofchaarkuchen auf das abgeriebene\nNapfsofa.\nTOCHTER: Spotte nicht über vernünftige\nEinrichtungen!\nSCHWIEGERSOHN: Bei Trauung im eignen\nHeim wird sinngemäß die Näh-\n*\nmaschine als Altar verwendet.\nTOCHTER: Verdrehe nicht alle alten Sitten\ndurch Deine abgestandenen Witze!\nSCHWIEGERSOHN: Soll ich nach dem Ernst\neiner Aussprache anstehen! Witz ist\ndie Koketterie und Methode die\nScham des Geistes. So ist das\nProblem des Mannes sein Weg\nzwischen Witz und Methode.\n*\nTOCHTER: Cynischer Wiiz ist Prostitution\ndes Gehirns. Denk doch in eine\ngrade Richtung, so wie ihr uns in\nder Ehe auf einen Punkt anspannen\nwollt! Hast Du mir schon den Pelz-\nmantel gekauft?\nSCHWIEGERSOHN: Hure!\n*\nTOCHTER: Tyrann!\nBeide stehn sich Auge in Auge gegenüber, wend'n\num, räkeln sich weich und mit lyrischem Ausdruck hin.\nSCHWIEGERSOHN: Behauchte Spiegel sind\nzwischen uns, Frau. Keine Brücke\nzwischen Dir und mir?\nTOCHTER: Verbogene Spiegel. Lachkabinett.\nJeder sitzt im Glashaus.\nSCHWIEGERSOHN, spielt mit Revolver:\nDann ist das Leben günstigenfalls\ndie Illusion der besten Todesart.\nDann den Schlüssel für ein mehr\noder weniger ausverkauftes jenseits\ngefaxt.\nTOCHTER: Bitte mein Diesseitiger. Kater-\nstimmung ist das Treibhaus guter\nVorsätze.\nSCHWIEGERSOHN aufbrausend:\nKatzennähe verwässert ein Katerge-\nwissen zu Mondscheinsalaten."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2293, "texte": "TOCHTER: Entrüstung ist Abrüstung der\nVernunft, mein Herr.\nSCHWIEGERSOHN gibt ihr eine Ohrfeige:\nJe durchsichtiger das Glashaus, umso\nlockerer der Wurf. Schimpfen starre\nSysteme auf fliegende Steine, so\nschmettern fliegende Steine das starre\nSystem.\nTOCHTER wischt ab;\nFalscher Schmife, künstlicher Schmet-\nterling. Am Ende packt jeder doch\nseine eigenen Scherben zusammen\nund geht seine Strafte.\nGeht nahe heran, setzt dämonischen Hafe auf:\nGib mich mir wieder, Mann!\nSCHWIEGERSOHN:\nSo von der Mittelstrafee weg. Ach\ndu goldene Morgenstunde. Siede\nWasser und sage: spiegle mein\nbleibendes Bild.\nTOCHTER: Verstehe ich nicht.\nSCHWIEGERSOHN: Dein Verständnis ist\nDein Körper.\nTOCHTER: Ebenso gescheit als Deine Be-\ngriffsvögel im Raum ohne Boden.\nDie Erde wächst nicht in den Himmel\nund die Spatzen fressen keine Luft.\nNen feuchten Musikumschlag?\nTochter geht ans Klavier und spielt:\nWinterstürme wichen dem Wonnemond.\nSCHWIEGERSOHN gähnt:\nAch der alte Illusionstank. Da hilft\nkein Drahtverhau . . .\nDas Weltekel steigt aus dem Klavier und verneint\nsich vor der Tochter.\nWELTEKEL: Frau Witwe, Frau Geschiedene,\nFrau Ungeschiedene, Fräulein noch\nnicht scheidbar.\nSCHWIEGERSOHN: Wo kommen denn Sie\nher . . .\nWELTEKEL: Sie sehn ja, direkt aus der\nwohltemperierten Stimmungskiste.\nSCHWIEGERSOHN: Ihr Name?\nWELTEKEL: Nach Belieben. Nennen Sie\nmich die Macht der Musik, den\nätherisierten Blutrausch oder der-\ngleichen.\nTOCHTER, vom Erstaunen erholt:\nWas sind Sie?\nWELTEKEL : Die grofce Frage.\nSCHWIEGERSOHN: Herr, wir warten doch\nauf Antwort, auf den Sinn des\nGanzen!\nWELTEKEL: Selbst Sinn genug. Geballte\nLadung längst gedrehter Granaten.\nLassen Sie doch losschießen, bedienen\nSie sich der Situation wie unsere\nbesten Politiker lun, aber nicht sagen.\nMachen Sien ethisches Firmenschild\ndrüber, göttliches Gesetz, Rassen-\nzucht, unverwelkliche Liebe, Kame-\nradschaft oder so.\nTOCHTER: Gott wie er redet. Aber der\nSchneider . . .\nSCHWIEGERSOHN; Diese Snobismen wollen\nSie uns in das Grab der Ehe mit-\ngeben? Und das andere Ich auf\ndas wir warten?\nWELTEKEL: Streitet sich zur Seelenmarme-\nlade zusammen. Reine Frucht oder\ngefärbte Gelatine, je nach Geschäfts-\naufsicht. So hier wie überall. Was\nim freien Wettbewerb das Feld der\nUnehre, das in geschlossener Gesell-\nschaft das Kreuz der Ehrendiskussion."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 623, "texte": "JUNGE platzt herein und zeigt auf das\nWeltekel: Mensch, da ist ja der\nromantische Christbaumständer, den\nwir jetzt in der Schule haben.\nSCHWIEGERSOHN: Junge, was meinst Du\nzu der sexuellen Frage?\nJUNGE: Meine Nutte, deine Nutte. Sie hat\nso schön, sie hat so süfe die Augen\naufgeschossen. Außerdem färbt der\nLippenstift ab.\nSCHWIEGERSOHN und TOCHTER Hand\nin Hand: Diese Jugend! Wir stabi-\nlisieren uns.\nVon oben herab senkt sich die Kulisse eines Himmel-\nbetts hinter beide, der Junge nimmt die Zeitung vom\nTisdi und liest laut Sportnacnrichten, das Weltekel ver-\nwandelt sich in Amor und singt: Mit dem Pfeil\ndem Bogen ...."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c009", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "241", "page_fin": "241", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.8", "titre_corps": "Proteste", "titre_sommaire": "Proteste", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.13", "debut_caractere": 625, "fin_caractere_exclue": 2310, "texte": "Proteste\nMonsieur et eher Confrere,\nVous m'obligeriez en signalant ä l'occasion\nle fait suivant ä propos du SURIDEALISME:\nLe Mouvement Suridealiste n'est pas\nrecent.\nLe Manifeste du Suridealisme a ete publie\npar Emile Malespine, en Fevrier 1925,\ndans le n\" 7 de > Manometre<.\nJe vous prierai d'en prendre note pour eviter\nune confusion que pourraient creer quelques\njeunes personnes parisiennes qui viennent de\ndecouvrier le Suridealisme.\nAvec mes sentiments bien confraternels,\nbien votre\nEmile MALESPINE.\nAVIS\nNous protestons encore une fois contre\ncertaines manoeuvres dont l'origine remonte\naux premieres manifestations surrealistes en\nBelgique. L'exposition des oeuvres anciennes\nde Giorgio de CHIRICO ä la galerie ?-Le\nk Bruxelles se presente, et nous\nne pouvons pas croire que ce soit l'eflet du\nHasard, sous un jour tel que toutes les con-\nfusions sont possibles. Cette exposition ne\npeut en 1928 se justifier que par le deni\nqu'elle inflige a un peintre qui s'est arroge\nle droit de trahir une pensee qui depuis\nlongtemps a cesse d'etre la sienne, au profit\nde ceux-lä meme qui n'en ont jamais penetre\nle mystere. Et il faut voir l'accueil qu'ä\nforce de bassesse il rencontre aujourd'hui.\nII nous suffira donc d'etablir, en inaniere\nd'advertissement, et pour qu'il ne soit plus\nnecessaire de nous en expliquer encore, que\nces tentatives miserables qui ne tendent\nqu'a faire glisser nos actes du plan od nous\nles maintenons, a celui des combinaisons\ncommerciales ou ä celui des considerations\nsur les destinees de la peinture, nous trou-\nveront resolus a l'opposition la plus violente,\nqui n'a plus desormais a se justifier.\nLouis ARAGON\nAndre BRETON\nCamille GOEMANS\nPaul NOUGE"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c010", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "242", "page_fin": "245", "image_debut": 14, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.9", "titre_corps": "Die Sache mit Otto Ernst", "titre_sommaire": "Die Sache mit Otto Ernst", "signature_source": "Herwarth Walen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3791, "texte": "Die Sache\nmit Otto Ernst\nHerwarth Walen\n\nMan begegnet den Dichtern immer mit einer\n112\nrespektvollen Ironie. Lebende Dichter pflegen\nsich daher Schriftsteller zu nennen. Von toten\nDichtern hingegen spricht man mit ironischem\nRespekt. Nach fünfzig Jahren aber tritt an\nStelle der Ironie die Germanistik. Man wird\nsogar, auch in kapitalistischen Staaten, zum\nGemeingut der Nation erklärt und von der\nreiferen Jugend auswendig gelernt. Der Begriff\nDichter ist stark umstritten. Jeder Dichter hat\nseine eigene unduldsame Gemeinde und jede\nFamilie ihren Hausdichter. Dem fehlen nur\ndie Beziehungen zur Presse, um auch der Mann\nzu sein, den man feiert .. . Der Mann des\nTages. Überall Vorsitzender. Gast einer Re-\ngierung. Ehrendoktor trinkfester Universitäten.\nDas alles kann der Dichter werden. Dazu der\nNachruhm durch die Germanisten: Lesarten\nund Kommentare . . . Seit dem Krieg treiben\ndie Dichter auch Politik. Mit dem Herzen.\nDas ist ebenso gefährlich und ebenso dilettan-\ntisch, wie mit dem Herzen Kunst zu treiben.\nDies nebenbei, denn es handelt sich um die\nSache mit Otto Ernst. Der ist ein Freund von\nmir, über den ich trotzdem schrebien darf, ohne\ndie Berufsehre zu verletzen. Denn er ist kein\nDichter. Aber Bayer und Schriftsteller. Ich\nkann ihn nicht einmal berühmt machen, es\nlebt der große Name noch. Er heißt wirklich\nOtto, ist der Sohn des Herrn Ernst, kann sym-\npathisch viel trinken und schreibt Artikel, wes-\nhalb sein Name in Kürschners Literaturkalender\nzu finden ist. Hätte ihn Kürschner nicht ge-\nfunden, ihm wäre manches erspart geblieben.\nDie Sache fing ganz harmlos an. Da kommt\neines Tages der große Dichter Otto Ernst nach\nBremen, um seinem Herzen deutschvölkische\nLuft zu machen. Da der Begriff des Dichters\npolizeilich nicht festzustellen ist, hat ihn irgend-\neine Gemeinde zum Dichter ernannt. Worauf\ner sich dafür und auf sich etwas zu halten\npflegt. Die Bremer Zeitung veröffentlichte die\ndeutschvölkische Versonnenheit des Gemeinde-\ndichters Otto Ernst. Mein Freund Otto Ernst,\nweniger versonnen, ärgerte sich trotz Bayern\nüber den völkischen Dichterunfug und schrieb\nin derselben Bremer Zeitung am nächsten Tag\neine Widerlegung, die er natürlich mit seinem\nbraven bürgerlichen Namen Otto Ernst unter-\nschrieb. Das ging selbst für die normalen\nflüchtigen Zeitungsleser zu weit. Selbst einem\nDichter wird nicht gestattet, wenigstens nicht\nnach einer Nacht seine Meinung in ihr Gegen-\nteil zu ändern. Infolgedessen wurde auch der\nDichter Otto Ernst böse und verlangte von der\nBremer Zeitung unter Berufung auf das Gesetz\ndie Richtigstellung seiner unrichtigen Meinung.\nDa wurde nun mein Freund der Bayer Otto\nErnst böse und klagte gegen den Dichter Olto\nErnst auf Unterlassung der Führung seines\nNamens. Denn dieser Dichter Otto Ernst hieß\nbürgerlich Otto Ernst Schmidt und hatte aus\nkünstlerischen Gründen den Schmidt zum alten\nEisen geworfen. Worauf die Tragödie einsetzt.\nWährend das Verfahren schwebt, wird in es\neingegriffen: Otto Ernst, der Schmidt, stirbt.\nLebt sein großer Name noch. Ihn als Lebender\nberechtigt zu führen, rächt sich. Gleichsam\ndas Los des Schönen auf Erden. Mein Freund\nOtto Ernst wird den Dichterruhm nicht mehr\nlos. Man kommt hier zu der Erkenntnis, wie\nwenig der leibliche Tod für einen großen Namen\nbedeutet. .. Noch dazu, wenn er im Kürschner\nsteht. Man schreibt an ihn, man telegraphiert\nan ihn, nur Honorare schickt man ihm nicht.\nGroße Namen müssen umsonst arbeiten, wenn\nsie nicht zufällig persönlich Kaufmänner sind.\nUnd wenn der große Name gar fünfundsechzig\nJahre wird, dann gibts ein Jubilieren und die\nPressephotographen kommen. Und sie kommen\nalle zu meinem Freund, dem Otto Ernst ohne\nSchmidt. Er stellt verzweifelt sein gutes freund-\nliches Gesicht der Tagespresse zur Verfügung.\nDie Sache wills. Die Herren Photographen"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2495, "texte": "freuen sich, daß der nicht ergraute Dichter nicht\nauf die Postille gebückt sitzt, was sich anderer-\nseits sehr dekorativ ausgenommen hätte. Kann\nmein Freund dafür, daß er erst fünfunddreißig\nJahre ist und das gute Löwenbräu seinen Leib\nstählt. Und die Glückwünsche. Bis von Phila-\ndelphia und von Tokio. Die Gemeinde kann\nsich nicht lassen. Sie schenkt nichts, aber\nerbittet Autogramme. Dichter sind unirdisch.\nSie leben von der Liebe der Gemeinde. Löwen-\nbräu ist bekömmlicher. Bis hierhin war noch\nalles bei einem geringen Grad von Humor zu\nertragen. Nur durfte es keine Herausgeber\nvon Anthologien geben. Diese Herren besitzen\nnämlich keine Kürschner. In solchen Fällen\nwendet man sich an den Verleger seiner Lieblings-\nautoren. Worauf der Herr aus Wien mit dem\nDrang nach Otto Ernst im Leibe folgende Ant-\nwort vom Verlag seines Dichters erhält: „Diese\nErlaubnis hätten Sie nur von dem Autor erhalten\nkönnen, der inzwischen verstorben ist. Vielleicht\nwenden Sie sich aber an seine Witwe, die\nBerlin-Charlottenburg 5 wohnt\". Der Verlag\nbesitzt nämlich einen Kürschner . . . Leute\nmit großem Namen sollen nicht verreisen, wenn\nsie eine Frau haben und sie lieben . . . Als\nmein Freund Otto Ernst von einer Reise zurück-\nkam, fand er seinen Nachlaß geordnet und sah\nseine Frau mit Trauerkleid im Garten. Auf\nseinem Schreibtisch aber lag folgender Brief:\n„Frau Witwe Otto Ernst. Verehrte gnädige\nFrau, dem Verlag verdanke ich Ihre Adresse. —\nIch selbst war ja das letzte mal noch bei Ihnen,\nals unser lieber guter Otto Ernst noch lebte.\nDas Herz brennt — wenn ich daran denke!\nDoch liebe gnädige Frau, ich komme mit einer\nBitte. Ich gebe eine Anthologie heraus: Lach\nmit mir.\" Da konnte sich mein guter Freund\nOtto Ernst nicht mehr halten. Namentlich, daß\nsein Nachlaß so schön geordnet war. Er lachte.\nLachte mit sich, daß sich die Balken seines\nHauses bogen, riß einen mit seinen starken\nbayrischen Armen heraus und stürzte mit dem\nBalken zu dem Verlag von Otto Ernst dem\nSchmidt. Der Rest war Trümmer. Aber was\nhilft es ihm. In ihm lebt der große Name noch.\nAuf ewig ist seine Ruhe hin. Er muß von dem\nRuhm eines Dichters zehren, den er nicht\nschmecken kann. Er wäre dem Irrenhaus ver-\nfallen, wenn ihm nicht kurz vor der Tobsucht\ndie erlösende Idee gekommen wäre: er nennt\nsich von nun an als Schriftsteller Otto Ernst\nSchmidt. So wird seiner im Kürschner nicht\nmehr gedacht werden und kein Verleger und\nkein Anhänger den Dichter und seine Witwe\nmehr finden. Nicht gedacht soll seiner werden."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c011", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "243", "page_fin": "243", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.9.1", "titre_corps": "Herwarth Walden: Dernier amour (Letzte Liebe) Erstaufführung in Lyon/Frankreich Durch „Compagnie du Donjon\"", "titre_sommaire": "Herwarth Walden: Dernier amour (Letzte Liebe) Erstaufführung in Lyon/Frankreich Durch „Compagnie du Donjon\"", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 135, "texte": "Emile Malespine: Bühnenbild\nHerwarth Walden: Dernier amour (Letzte Liebe)\nErstaufführung in Lyon/Frankreich\nDurch „Compagnie du Donjon\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c012", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "245", "page_fin": "245", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.9.2", "titre_corps": "Jules Romains: Diktator", "titre_sommaire": "Jules Romains: Diktator", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 53, "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nJules Romains: Diktator"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c013", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "246", "page_fin": "248", "image_debut": 18, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.10", "titre_corps": "Marionettenspiel", "titre_sommaire": "Marionettenspiel", "signature_source": "Jovan Popovitsch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2703, "texte": "Marionettenspiel\nJovan Popovitsch\nDrei Grammophone stehen im Vordergrunde der\nBühne. Von Zeit zu Zeit sprechen sie, abwechselnd\noder zusammen. Ein unaufhörliches Dröhnen, wie\nunter der Erde, hört man stets, der Betrieb eines\nverborgenen Mechanismus, der alles, was geschieht,\ntreibt. Die Personen haben einen fantom-marionetten-\nhaften Schein.\nLeute kommen uud gehen, wimmeln, die Grammo-\nphone stehen unbewegt.\nGRAMMOPHON 1: Devisen stiegen. Saaten\nsind vernichtet. In China Hunger.\nAuf vielen Seiten Hunger.\nGRAMMOPHON 2: Transcendente Realität\ndes Bewußtseins, oder immanente\nRelativität? Mafalda versunken.\nTeusende Toter.\nGRAMMOPHON 3: Der Völkerbund will\nFriede.\nRADIOTELEFON: Geheime Bewaffnung in\nUngarn. In Italien. Überall. Muni-\ntionsschmuggel. Krieg am Horizont\nMENSCH 1: Schon drei Tage habe ich nichts\ngegessen. Schon drei Monate bin\nich arbeitslos. Meine Familie stirbt\nvor Hunger.\nMENSCH 2: Ich muß meiner Frau einen\nneuen Hut kaufen. Sie macht mir\nwieder hysterische Szenen. Das\nLeben ist schwer.\nMENSCH 1: Wir sterben vor Hunger.\nSCHAUSPIELER (nachahmend): Wir sterben\nvor Hunger. — Sehr gut. Kräftig\nund effektvoll. Nur ein wenig mehr\nPathos.\nBANKIER: Ja, ich kann das vollkommen\nverstehen. Ja, lieber Freund, ich kann\nvollkommen mitfühlen. Ich bin sehr\nempfindlich. Einmal habe ich nicht\nAbendbrot gegessen. Ja, ja. Adieu.\nDIRNE: (geht vorüber, ausrufend äugelnd\nund sich schüttelnd.)\nJUNGER MANN 1: Nur eine Nacht!\nJUNGER MANN 2: Nur hundert Mark.\nWeiber gehen vorüber in langem Zug, die Füße\nverflechten sich in ein erotisches dekoratives Ganze.\nMänner starren nach ihnen erhitzt.\nGRAMMOPHON 2: Der bestirnte Himmel\nüber uns, die sittlichen Gesetze in uns.\nRADIOTELEFON: Sacco und Vanzetti auf\ndem elektrischen Stuhl.\nKÜNSTLER: Alle Lügen, Traditionen zer-\nstören. Den Papierberg anfeuern,\nund nackt und neu der Morgenröte\nentgegen gehn. Alle Vorhänge\nzerreißen, das Absolute sehen.\nGRUPPE: Dies ist ein gefährlicher Wahn-\nsinniger. Achtung.\nRADIOTELEFON: Neuer Versuch Ocean-\nüberfliegens. Requiem für Nungesser\nund Colli. Hoch! Hoch lebe der\nneue Ikarus-Lindbergh!\nKAUFMANN 1: Fünf Millionen Mark. Ich\nEsel, ich Trottel, und konnte es nicht\nvorausrechnen. Man sollte mich auf\nden Misthaufen werfen. Die Speku-\nlation mit der Militärernährung war\nimmer eine der rentabelsten. Ver-\nlust von fünf M-i-l-l-i-o-n-e n Mark.\nUnd was ich erst verdienen konnte.\nJÜNGLING: Aber lieber Großvater, die Men-\nschen sterben ja vor Hunger, Mensch-\nabschlachtungen, es sind, die alles\nauf der Welt verloren, und ihr schreit\nhier von euren Millionen, foltert mit\nihnen wie einem Fantom alle Leben-\nden. Das Leben ist tragisch und\ngroß, ihr aber macht eine wohl- oder\nmißlungene Spekulation daraus."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2548, "texte": "KAUFMANN 1: Schweige. Ich werfe dich\nauf die Gasse. Fünf Millionen. Wenn\nder Krieg nur gute Geschäfte bringt,\nwillkommen.\nJÜNGLING: Missetäter! Bösewicht! (Fällt\nin sich selbst.) Und dennoch, habe\nich das Recht, diesen Menschen zu\nrichten? Wissen sie, was sie tun,\ntue ich denn, was ich weife, dafe ich\ntun soll. Bin ich nicht noch mehr\nelend, wann ich nicht KANN, und\nweife ich denn, was ich tun soll?\nArme Puppen!\nKAUFMANN 2: Ja, er ist ein Bösewicht. Man\nsollte ihn hängen.\nKAUFMANN 3: (Flüstert zu 4) Diesen (zeigt\nauf 2) sollte man aufhängen. Der\ngröfete Wicht der Welt.\nKAUFMANN 4: (Nickt mit dem Kopfe, flüs-\ntert dem 5, auf den 3 zeigend) Diesen\nsollte man hängen. So einen schmut-\nzigen Kerl haben sie noch nicht ge-\nsehen. Er hat mich vernichtet, hat\nmir unter der Nase die Hakoax-\nAktien weggekauft.\nKAUFMANN 5: (zischend) Erinnerst du dich\nnicht der Papierkleidung, die du dem\nMilitär geliefert hast, und mir den\nGewinn unter der Nase weg-\nschmuggeltest.\nGRAMMOPHON t: Unsere ruhmvolle und\nsiegreiche Armee wird auch in Zu-\nkunft auf der Schutzgrenze der ewi-\ngen Ideale der Menschheit wandeln.\nGRAMMOPHON 2: Lobt Gott!\nALLE: (schielen mit verbissenem Hafe, in jedem\nAuge Todesurteil für den anderen.)\nGRAMMOPHON 2: Liebe deinen Nächsten,\n%\nwie dich selbst.\nRADIOTELEFON: Unruhe in China\nUnruhe in Mexico\nHundert Aufrührer hingerichtet\nNeue Waffenschmuggeleien\nErdbeben in Japan\nAbnormale Hitze, Leute sterben\nAbnormale Kälte, Leute sterben\nJÜNGLING: Ihr seid krank. Ihr seid geplagt\nvon bösen Träumen. Ihr seid Spiel-\nzeuge böser Mächte.\nLEUTE: (lachen höhnisch, sich stoßend)\n0t\nSchaut den Übernarren. Wo hast\ndu dich selbst verloren? Er jagt\netwas, was nicht ist.\nJÜNGLING: (tritt zum Künstler) Kamerad!\nDeine Gedichte erschütterten mich\noft bis in die Tiefe meines Selbst,\nund trugen mich in eine Welt volleren\nSeins. Auf ihnen segelte ich wie auf\nWellen in unendliche Ferne, heller,\nbestirnter Himmel wölbte sich über\nschwarzen Wassern des Leidens.\nKÜNSTLER: (warm, doch müde) Sei gegrüfet,\nKamerad. Ich liebe dich sehr. Ich\nfange unsichtbare Fäden, die alles,\nwas ist, verbinden. Ich bin glücklich,\ndaß ich deine Hand drücken kann,\ndoch, verzeihe mir, ich mufe selbst\nbleiben, damit ich die Fäden nicht\nverliere. (Er entfernt sich, in Fernstes\nschauend)\nJÜNGLING: (Traurig, allein)\nDich lebenslang suchen\nDeine Hand All-erlösend\nDeinen Mund All-verklärend\nDeinen Leib All-ewig-vereinigend\nDu ....\nDUSIA: (von ihm durch eine Menge getrennt}\nflüstert innerlich bewegt)\nDu schöner, trauriger Jüngling\nMit dir wäre Leben und Tod schön"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1190, "texte": "Du schöner trauriger Jüngling\nMit dir möcht ich\nVATER: (erfaßt sie zornig) Endlich finde ich\ndich. Gleich komm nach Haus.\nHerr Pupan wartet schon zwei Stun-\nden, er bat um deine Hand und du\nmufet einwilligen. Nur das kann\nmich retten. Aber ich denke nicht\nan mich. Das verlangt dein Glück.\nImmer opferte ich mich für meine\nFamilie. Sei vernünftig. Liebe doch\nein wenig deinen guten, guten Vater-\nGRAMMOPHON 2: Der bestirnte Himmel\nüber uns, die sittlichen Gesetze in\nuns. Bewundert es.\nDUSIA: (Leise schluchzend) Sterben .... Gute\ntoie Mutter....\nVATER: (ruft sie) Kommst gleich, du Gans!\nJÜNGLING: (erblickt Dusia, kommt schnell)\nEndlich! Du!\nALLE DREI GRAMMOPHONE: (auf einmal)\nEhre deinen Vater\nDer bestirnte Himmel über uns, die\nsittliche Gesetze in uns.\nAlles ist relativ. Nichts ist gut, nichts\nist böse. Alles ist Fiktion. Jeder\nMensch trägt in sich alles zu Mord\nund Perversion. Alles ist....\nJÜNGLING: zerschlägt die Grammophone,\nein ungeheures Krachen, als ob der\nheimliche Mechanismus zerbrochen\nist. Stille. Leute, als verlören sie\nihr Leben des Mechanismus, stehen\nzerstreut wie Dinge.\nEinige einfache, reine, leise Akkorde.\nJÜNGLING und DUSIA entfernen sich um-\narmt und hell."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c014", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "248", "page_fin": "248", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.11", "titre_corps": "Sozial-Psychologischer Roman", "titre_sommaire": "Sozial-Psychologischer Roman", "signature_source": "Jovan Popovitsch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.20", "debut_caractere": 1192, "fin_caractere_exclue": 2702, "texte": "Sozial-Psychologischer Roman\nJovan Popovitsch\nEr hatte eine Halluzination, daß er halluzi-\nnierte. 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Er zuckte zusammen, sah\nsein verstelltes Gesicht im Spiegel, die Vase, die\ner eben einer Dame reichte (Preis 5000 Mark),\nfiel auf den Boden und zerbrach. Der Chef\nbrüllte. Er flog hinaus. Er wufcte nicht, ob dies\nHalluzination sei, oder nur Halluzination einer\nHalluzination. Jedenfalls war er hungrig und\nund Geld hatte er nicht in der Tasche, und in der\nganzen Stadt hatte er nichts zu übernachten.\nDie Zeitungsverkäufer schrieen, ein Auto er-\nschlug ihn fast, über einem Kino heulten elek-\ntrische Reklamen:\nDAS LIED DER ALLBESIEGENDEN LIEBE."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c015", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 23, "texte": "Monatsschrift Der Sturm"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c016", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.13", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.2", "debut_caractere": 25, "fin_caractere_exclue": 104, "texte": "Herwarth Walden\nIm Geschweig der Liebe\nGedichte\n/\nIn Ganzleinen gebunden 3 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c017", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.14", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.2", "debut_caractere": 106, "fin_caractere_exclue": 602, "texte": "W. 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Ihre\ndokumeniarischen Studien und akfuellen Chroniken bieten\nein vollstandiges Bild der Aktivitat der Kunsie auf der\nganzen Erde\nHAhonnement Frank'eich 150 francs ||g|\nAusland 200 francs ||\nMen abonniert in alien t uchhandlangen und direkt beim Verlag\nI\nLa Renaissance de U Art Fran gais /10-11 Rueßoyale / Paris"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c019", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[231]", "page_fin": "[231]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[231]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.3", "debut_caractere": 344, "fin_caractere_exclue": 479, "texte": "MONATSSCHRJFT/HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nBerlin W9 / Polsdamer Strafce 134a / Abonnement: fur das Jahr 12 Mark / halbialirlich 6 Mark"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c020", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[231]", "page_fin": "[231]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[231]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.3", "debut_caractere": 481, "fin_caractere_exclue": 607, "texte": "ATELIER\nzu vermieten\n60 Mark\nBerlin Kurfiirstenstrasse\nAnfragen vermittelt „D E R STUR M\"\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c021", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[231]", "page_fin": "[231]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[231]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.3", "debut_caractere": 609, "fin_caractere_exclue": 610, "texte": "i"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c022", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[231]", "page_fin": "[231]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[231]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.3", "debut_caractere": 612, "fin_caractere_exclue": 784, "texte": "Wir bitten unsere Interes-\nsenten und Leser, fiir die\nZeitschrift „Der Sturm\" zu\nwerben. 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R. P. nnd D. R. G. M. nur 110 g schwer^\nFischhaut-Imm., vorziiglich bewahrt gegen\nDurebnassung, becjuem zusammengefaltet\nwie ein Notizbuch in der Tascbe mitfiihrbar;\ndauerhaft und haltbar. Sehr vorteilbaft fiir\nDariieii und Herren (aucfa Kinder) in Regeia\nund Schnee, bei Ausfliigen und Sport. Re-\nklamepreis mit Extra-Kapuze und Etui nur\nRM 4,50 franko als Nachnahme oder bei\nVoreinsendung aui Postscheckkonto Koln\n112567, franko RM 4,— (3 Stck. RM 10,50).\nBei Nichtgefallen garantierter Umtausch.\nPreisliste u. Probesendung auch iiber sonstige\nRegenbekleidung auf gefallige Anfrage.\n(Adressen deutlich schreiben.)\nLavu-Export in Bonn a. 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Goll, Gropiue, Grosz, Heartfield, Herzfelde, Honzl, Chochol, Jung,\nKassak, Kiesler, Kisch, Krejcar, Lu Marten, W. Mehring, Micic,\nMoholy-Nagy, Nezval, Obrtel, Oud, Picabia, G- Pohl, Poliansky, Pone,\nMies van der Rohe, Seifert, Schiirer, Schwitters, Slma, Teige, Tzara,\nVaclavek, Weisskopf, Westbeim , Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seiten. Format 23X31 cm, davon 40 Seiten\nIllustrationen, Musikbeilagen Redaktion der Front\nDr. B. Vaclavek / Brunn 15-Schimitz / Vasekgasse 11\nTschechoslowakei / Text der Beitrage tschechisch,\ndeutsch und franzosisch mit deutschen und fran-\nzosischen Resumees\nPreis 16 Mk. / In der Sturm-Buchhandlung vorratig\nFRONT"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c033", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "250", "page_fin": "250", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.30", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.22", "debut_caractere": 2366, "fin_caractere_exclue": 2890, "texte": "Verlag desßibliographischen I nstituts, Leipzig\niiiiiiiiiiiiiiiiiimiimitimiiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiißiiiiiiiiiiiiiiiii\n>\nin siebenter, neubearbeiteter Auflage\nerscheint:\nI\nI\n12 HalblederbSnde\nÜber 160000 Artikel auf 21000 Spalten Text, rund 5000\nAbbildungen und Karten im Text, über 1000 z. T. farbige\nBildertafeln und Karten, über 200 Textbeilagen\nBd. /, 11, IV bis VIII kostet je 30 Rm., Bd. 11l 33 Rm.\nSie beziehen das Werk\ndurch jede gute Buchhandlung\nund erhalten dort auch kostenfrei\nausfuhrliche AnkUndigungen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c034", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "251", "page_fin": "251", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.31", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 582, "texte": "Organo-Kosmetikum\naus Panzertieren\nzum Einreiben.\nKeine Injektion!\nNach dem 25/30.Lebensjahre bilden sich auf der Haut Verhornungen und\nin den Verhornungen markieren sich durch die Muskelbewegungen beim\nSprechen, Lachen und dergl. Linien, Falten und Runzeln\nAmor Skin verhindert dies!\ni • '•••.\"• ' • > ' . ■■\nAmor Skin unterstiitzt die stets notwendige Regeneration der Haut; die\nabgelebten Gebilde der Haut stossen sich ab. Die Haut wird und bleibt\ndurch die Pflege mit Amor Skin glatt und rosig wie in der Jugend\nJugendfrisches Aussehen!\nOpoterapia 6.m.b.f1. / Berlin • Brnnewald"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1928-07-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1928-07_01#c035", "volume": "bmtnabg_1928-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "252", "page_fin": "252", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.2.32", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 796, "texte": "Dr. Walther Rothschild, Bln.-Grunewald\nDeutsch-Franzosische\nRundschau\nMonatsschrift der Deutsch-Franzosischen Gesellschaft\nHerausgegeben von:\nOtto Grautoff / Heinrich Eduard Jacob I Rudolf Meerwarth / Fritz Norden\nEdgar Stern-Rubarth I Maurice Boucher I Edmund Jaloux / Henri Lichtenberger\nHalbj ahrlich 10 Mark\nInhalt deB letzten Heftes:\nHEINRICH EDUARD JACOB: Die Begegnung in Cannes.\nEDGAR STERN-RUBARTH: Das Ergebnis der franzosischen Wahlen.\nJEAN GIRAUDOUX: Der erste unterzeichnete Traum.\nLEON J. SPRINGER: Dekobra und Genossen.\nFRITZ NORDEN: Deutsch-franzosische Recbtsgemeinschaft.\nDEUTSCH-FRANZOSISCHER AUSTAUSCH.\nALEX AND R GUTFELD: Die franzosische Wirtschaft im April 1928.\nOTTO FORST: Francis de Curel 112\nFRITZ NEUGASS: Diirer in Paris.\nZEITSCHRIFTENSCHAU.\nProspekt zur Yerf ii gung"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.1", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT\n/HERAUSGEBER: HER WARTH WALDEN\nBerlin W9 / Potsdamer Straße 134 a / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\nDie führende Zeitschrift der neuen Kunst\n19. Jahrgang / 4. 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Transportversicherungen aller Art\nSpediteuredesWirtschaftlichenVerbandesßildeiider\nKiinstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nUlustratoren und Hausspediteur des „Sturmu\n\nLa Renaissance de L'Art Frangais\net des Industries de Luxe\nGegrundei von Henry Lapauze / Erscheini zu Beginn jedes\nMonats als Band von 60 bis 100 Seiten Quartformat\n(25:32) mit zahlreichen Abbildungen\nDie Redaktion veroffentlicht Beitrage der anerkannien\nSchri tsteller und KrHiker aller Lander Europas. Ihre\ndokumeniarischen Studien und akfuellen Chroniken bieten\nein vollstandiges Bild der Aktivitat der Kunsie auf der\nganzen Erde\nHAhonnement Frank'eich 150 francs ||g|\nAusland 200 francs ||\nMen abonniert in alien t uchhandlangen und direkt beim Verlag\nI\nLa Renaissance de U Art Fran gais /10-11 Rueßoyale / Paris"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[231]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.3", "texte": "Junkers Larissa Reissner\nGedichte Lothar Schreyer\ni\nSplitterwochenend Thomas Ring\nProteste\nDie Sache mit Otto Ernst Herwarth Waiden\nMarionetten spiel Jovan Popovitsch\nSozial-Psychologischer Roman Jovan Popovitsch\nAbbildungen:\nAbstrakte Photographie von Francis Bruguiere\nEin Bühnenbild von Emile Malespine\nEin Bühnenbild von Vlatislav Hofmann\n\nMONATSSCHRJFT/HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nBerlin W9 / Polsdamer Strafce 134a / Abonnement: fur das Jahr 12 Mark / halbialirlich 6 Mark\n\nATELIER\nzu vermieten\n60 Mark\nBerlin Kurfiirstenstrasse\nAnfragen vermittelt „D E R STUR M\"\nBerlin W 9 / Potsdamer Strasse 134 a\n\ni\n\nWir bitten unsere Interes-\nsenten und Leser, fiir die\nZeitschrift „Der Sturm\" zu\nwerben. Wir sind gern be-\nreit, an angegebene Adres-\nsen kostenlos Probehefte zu\nversenden."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[232]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.4", "texte": "NIKOLAI OGNJEW\nAGEBUCH\nDES SCHULERS\nAufzeichnungen eines Funfzehnjahrigen\nDeutsch von Maria Einstein\n272Seiten auf bestem Alphapapier, in Bodoni-\nAntiqua gedruckt, broschiert 3,50 M., im ge-\nschmackvollen Ballonleinen-Einband 5,—M-\nDieses Buch ist eine wunderbare kiinstle-\nrische Leistung. Es gehort nicht nur seiner\noriginellenArt wegen zu den besten Buchern*\ndie in der letzten Zeit erschienen sind, es\nist ruhrnenswert wegen seiner unerschrocke-\nnen Wahrhaftigkeit. Es gibt tiefgehenden\nAufschluß über das Denken des Jungen im\nNachpubertatsalter und ganz nebenbei bietet\nes einen grundlichen Einblick in die Ver-\nhaftnisse des sowjetistischen Rußland.\n(kJSozialistische Erziehung\", Wien)\nVerlag deriugendinternationale\nBERLIN 017 / Langestrasse 56\nSturm-laden\n\nBln.-Charlottenburg, Schluterstr. 54\nEckhaus Niebuhrstr. / Am Kurfurstendamm\nFernruf: Amt Bismarck 694\nAussteHung;\nHermann Seewald\nNeue Bilder / Graphik\nBesichtigung\nohne Kaufzwang gern gestattet\n\nAKTUELLE\nKUNST 1928\nDas soeben erschienene Juli-Heft 1928 unserer\nMona^s-Zeitschrift\n„DEU 112 SCHE KUNST und DEKORATION\"\nveroffentlicht in 65 Abbi'dungen und Kunst-\nbeilagen die wichtigsten Arbetten der Aus-\nstellung DEUTSCHE KUNST DUSSELDORF\nauf den Qebieten von MALEREI — PLASTIK\nARCHITEKTUR\nEinzelpreis des Heftes M. 2,50\nDas Juli-Heft ,yINNEN - DEKORATION\",\ndie gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort,\nberichtet in 45 Bildern und Kunstbeilagen von\nden in Dlisseldorf gezeigten vorbildlichen Innen-\nRaumen, Arbeiten von FAHRENKAMP, BREU-\nHAUS, WLACH, STRAUMER und vieler anderer\nneuzeitlicher Raumkiinstler.\nHH Einzelpreis des Hefles H. 3,-\nDurch alle Buchhandlungen oder direkt vom\nVerlag zu beziehen\nVerlagsanstalt\nALEXANDER KOCH G.\nDarmstadt W. 173\n\nVERLAG DER STURM / BERLIN W 9\nHerwarth Walden:\nEinblick in Kunst\nDie beste Einfiihrung in den\nExpressionismus und Kubismus\n70 Abbildungen, 4 farbige Kunstbeilagen\nstatt RM. 6,50\nRM. 2.50"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "233", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.5", "texte": "Junkers\nI\nLarissa Reissner\nWie jeder wirkliche Wissenschaftler mußte Pro-\nfessor Junkers mit der Universität brechen, ihre\nMauern für immer verlassen, um sich der Wissen-\nschaft widmen zukönnen. Er tat es im Jahre 1909\n— zusammen mit seinem Assistenten und Ge-\nhilfen Dr. Mader, dessen unbeweglicher, ein wenig\nschielender Blick schon damals mit einem En-\nthusiasmus auf die Verbrennungsmotoren ge-\nrichtet war, wie heute, nahezu zwanzig Jahre\nspäter.\nAber es war nicht die Aviation, der zuliebe die\nbeiden Gelehrten die Hochschule in Aachen ver-\nließen. Die Flugmaschine interessierte sie nicht\nmehr und nicht weniger wie jede andere Ma-\nschine. Aber die Universität verlangte von\nihnen, daß sie dummen Jungen allerlei Gelehr-\nsamkeit beibringen. Sie kehrten also der Hoch-\nschule den Rücken und widmeten sich ganz\nihren Versuchen.\nWenn die Aviation einmal eine Kunst und nicht\nnur ein Handwerk war, so war es zweifellos in\njenen Jahren. Träumer, Romantiker, Abenteurer\nund Märtyrer weihten ihr das Leben. Sie\nzimmerten sich komische Kästchen aus Segel-\nstoff, Drähten und Brettchen zusammen und\nflogen mit diesen Papierdrachen oder stürzten —\nwie das Schicksal es gerade wollte. Vom\nStandpunkte des Jahres 1925, dieses gelassen\nkalkulierenden Zeitalters, handelten sie vielleicht\ngenial, aber zweifellos sträflich leichtfertig. Fast\njedes Wettfliegen brachte eine Katastrophe mit\nsich, zwei- bis dreimal am Tage brachen die\nZuschauer durch die Schranken und rannten\nzum rauchenden Trümmerhaufen. In wenigen\nTagen gingen so viele hervorragende Flieger\nzugrunde, wie jetzt in zwei Jahren. Mit papie-\nrenen, blutbespritzten Flügeln bahnte sich die\nMenschheit den Weg zum Himmel.\nProfessor Junkers hatte mit dieser edlen Tollwut\nnichts gemein. Nach vielen Arbeitsjahren in\nder Stille seines Laboratoriums gelang es ihm,\neinige jener Höhepunkte der Technik zu erobern,\ndie ihm die Herrschaft über die interessantesten\nund am wenigsten erforschten Gebiete brachten.\nEs stellte sich dabei heraus, daß unter diesen\nGebieten sich auch die bisher so launische,\nunberechenbare Aviation befand. Professor\nJunkers beschloß, ihr eine sorgfältige, wissen-\nschaftliche Erziehung angedeihen zu lassen.\nEine der grundlegenden Ideen dieses Gelehrten,\ndie in der Aeronautik eine Revolution brachte,\nwar verblüffend einfach. In der Tat: welcher\nVogel, welcher Schmetterling oder Fisch, dessen\nGestalt dem Aeroplan zum Vorbild diente, be-\nwegt sich hüllenlos, ohne Haut, mit offen preis-\ngegebenen Knochen und Nerven? Wo wäre\nes möglich, daß ein lebendiges Wesen seine\nEingeweide nach außen verlegt? Aber der alte\nAeroplan jener Zeit hatte es trotzdem getan.\nUnverhüllt, schutzlos lag sein Herz oben, den\nWinden preisgegeben, dem Staub, der Sonne,\ndem Regen ausgesetzt. Die zahlreichen Ver-\nsteifungen, Drähte und Brettchen verzehnfachten,\ntrotz ihrer scheinbaren Leichtigkeit, den Wider-\nstand. Junkers beschloß, die widersinnige\nNacktheit des Flugzeugs zu verhüllen, dem\nMaschinenherz eine widerstandsfähige Brust,\nden Eingeweiden einen Leib zu geben. Die\nWürste des Grafen Zeppelin nahmen damals\ndie Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit und des\nHofes vollkommen gefangen. Kaiser Wilhelm,\nder einen Tick für die gewaltigen Dimensionen\nund für das kriegerische Aussehen dieser Luft-\nIchthyosauren hatte, ließ sie schockweise her-\nstellen — zu einer Zeit, als Professor Junkers\nsein erstes Patent für ein Ganzmetall-Flugzeug\nerhielt.\nDer Pilot, die Tanks — alles lag im Innern\ndes länglichen, silberweißen Aluminiumkörpers\nverborgen.\nDer Krieg gab Junkers die Mittel in die Hand.\nZufrieden, daß er endlich arbeiten kann, ohne\nauf den Pfennig zu sehen, schickt der „gute\nProfessor\", der einem Pastor ähnlicher sieht\nals einem Gelehrten, einen Schwärm Aeroplane"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "234", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.6", "texte": "nach dem anderen in die Luft. Seine Zerstörer\ni' r « e\nwaren neben U-Booten „Lieblinge\" des Admi-\nrals Tirpitz. Seine silbernen Libellen zogen\nins Gedächtnis von Millionen noch lebender\nund damals gefallener Menschen tiefe unver-\nwischbare Angstschrammen.\nNach dem Frieden von Versailles kamen die\nEmissäre der Entente in das stille Städtchen\nDessau und zerschlugen mit Hämmern alles,\nwas Kriegszwecken dienlich sein könnte.\nJunkers Pläne und Berechnungen für die noch\nungebauten Minenwerfer reisten nach Paris.\nGenau wie Krupp — sah er sein Vaterland\ndort, wo er- verdiente. Das Werk stand still.\nIn der Blütezeit der Inflation fischten große\nHaie — Stinnes, AEG. — scharenweise im\ntrüben Wasser um Junkers herum. Es war\neine Zeit, als man Eigentümer eines beliebigen\nUnternehmens werden konnte, wenn man seine\nVisitenkarte mit ein paar tausend Dollar zur\nrechten Zeit an die richtige Stelle schickte.\nJunkers hatte seinerzeit mehr als genug mit\nden Beamten des Kriegsministeriums zu schaffen,\nals daß er Illusionen über seine Lage in der\nHand eines Privatunternehmers hegen könnte.\nEin Händler ist immer ein Feind von Neue-\nrungen, zu denen ihn die Konkurrenz nicht\nzwingt. Er will das verwerten, was er hat, er\nmöchte eine Idee, die sich den Markt erobert\nhat, solange wie möglich melken. Es würde\nihm nicht einfallen, die Foitsetzung von Ver-\nsuchen zu bezahlen. ,\nAber „der liebe Gott\" erbarmte sich des Pro-\nfessors in seiner Not und schickte ihm zwei\nEngel, um ihn vor dem gierigen Spekulanten-\nrachen zu retten: den Badeofen und den\nSachsenberg.\n*> • • —- * - • »\nZunächst vom Badeofen. Jeder Don Quichote\nhat seinen Sancho Pansa. Um einen Gelehrten\nin die Lage zu versetzen, in aller Ruhe umher-\nzuirren, Dummheiten und Fehler zu machen,\nbereits Begonnenes liegen zu lassen oder zu\nzerstören, — muß ihm die friedliche und erge-\nbene Eselin der praktischen Vernunft folgen.\nIhr breiter Rücken wird ihn aus jeder schwie-\nrigen Lage herausbringen, in den Tagen der\nMißerfolge wird sie ihren Helden im Straßen-\ngraben finden, und ihre rauhe, warme Zunge\nwird sein beschmutztes Gesicht mit himmlischer\nZärtlichkeit streicheln.\nIn einem entfernten Flügel des Betriebes hauste\nschon lange eine Fabrik patentierter Gasbade-\nöfen. In den Tagen der Revolution als die\nSoldaten plötzlich anfingen, ihren schneidigen\nLeutnants die Achselklappen abzureißen, kam\ndieser Aluminiumofen plötzlich zu hohen Ehren,\nund seinen breiten Schultern gelang es, die\nzerbrechliche Aero-Libelle aus der Not zu\nretten. Und bis auf den heutigen Tag bezahlt\ndieser Badeofen in aller Demut die kostspie-\nligen wissenschaftlichen Entdeckungsreisen des\nProfessors in das Land des Unbekannten.\nDie deutsche Schwerindustrie geriet nach dem\nKriege in eine schwere Krise; die Umstellung\nauf die Friedensproduktion. Krupp machte statt\nKanonen Fleischmaschinen und Separatoren;\nder „schwere\" Stumm, der König der Panzer-\nschiffe, begann sich mit Spielzeug zu befassen.\nDen Junkers-Werken fiel diese Umschaltung\nweit leichter. Das Versailles-Diktat gab seiner\nEntwicklung nur eine neue Richtung. Seine\nkleinen Raubvögel, die, einem kaum erkennt-\nlichen Punkt gleich, den Kriegshimmel durch-\nfurchten, sanken immer tiefer und tiefer, nahmen\nan Wuchs zu und verwandelten sich allmählich\nin Hausgeflügel. Der Kopf wurde größer, der\nLeib streckte sich, die Flügel entfalteten sich\nzu einein machtvollen metallischen Kreuz. Und\nvon Hunger getrieben, fand der Kriegsadler\nArbeit und Brot bei einem neuen Dienstherrn\n— bei der Post.\nAber nicht er allein paßte sich den neuen Ver-\nhältnissen an. Die Wogen der Revolution\ngingen hoch und höher, und den blonden\nMenschen mit den rassigen Nasen ging es\nschlecht und schlechter. Sie ließen sich von\nAusländern zu Kriegsdiensten anwerben, wurden\nSöldner bei den kleinen baltischen Staaten.\n„Zähneknirschend\" legten sie das blanke"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "235", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.7", "texte": "Ehrenschild von Marineoffizieren SMS.-Flotte\nbeiseite und besorgten die von den Letten und\nEstländern gewünschte unsaubere Arbeit —\nsie machten Jagd auf Bolschewisten. Aber die\nRegierungen der Kleinkrämer und Advokaten\ndachten nicht daran, diese Garde des deutschen\nImperialismus immer zu bewirten. Die lettischen\nBauern hatten die Agrar-Unruhen von 1905\nnoch nicht vergessen, sie sahen noch die auf-\nständischen Bauern an den Rippen aufgehängt\nan Bäumen baumeln — wie es auf den Gütern\nder baltischen Barone damals gang und gäbe\nwar; sie hatten noch kürzlich erlebt, daß die\nOstsee-Bürokratie, diese treueste Stütze des\nrussischen Absolutismus, die Schlüssel der\nStadt Riga im Namen des baltischen Adels\nWilhelm 11. überreichte. Kurz, man machte\nvon diesen Landsknechten Gebrauch, solange\nman sie nötig hatte, und warf sie dann mit\neinem Fußtritt hinaus. Tausende von deutschen\nBauern, denen man Scholle und Obdach ver-\nsprach, wenn sie Bolschewisten totschlügen\nmußten das Abenteuer mit dem Leben bezahlen\nDiese Episode ist unter dem Namen „Baltikum\"\nbekannt.\nIm Jahre 1919 kehrte einer dieser Trupps —\nfast die ganze Strecke zu Fuß — nach\nDeutschland heim. Diese Kriegswölfe be-\nschlossen, in Landwirtschaft weiter zu machen\nnur um einer Republik nicht dienen zu müssen,\ndie damals noch revolutionär zu sein schien.\nSie pflanzten Kartoffeln und fuhren Dünger.\nSehr bald darauf wandte sich der Gründer der\nLandwirtschaftlichen Offiziers-Berufsgenossen-\nschaft, Sachsenberg — ein ganz hervorragender\nOrganisator — nach Dessau und bot dem\nProfessor seine Dienste nebst einem detailliert\nausgearbeiteten Plan für den internationalen\nLuftverkehr an. Die bei sich zu Hause voll-\nkommen überflüssigen, vom Proletariat wie von\nder Geldaristokratie gleich verhaßten alten\nReichsoffizieren wanderten — nach dem Him-\nmel aus. Die russischen Emigranten in Paris\ngelten als ausgezeichnete Friseure, Kellner und\nbesonders Chauffeure. Die deutschen Offiziere\nwurden bald zu den besten Droschkenkutschern\ndes internationalen Himmels, und die Horizonte\nEuropas und Asiens durchfuhren sie ebenso\ngelassen, wie ihre Kollegen das Berliner\nPflaster.\nDie kommerzielle Seite der Sache fordert, daß\nder Bürger sich ebenso ruhig in ein Flugzeug\nsetzen kann, wie in eine Droschke oder ein\nAuto. Die Aviatik mußte entthront und ihres\nromantischen Gefieders beraubt werden, um\nden ängstlichen Bourgeois nicht zu ängstigen.\nDaher ist das moderne Flugzeug in seiner\nInneneinrinrichtung so grenzenlos banal. Seine\nSessel stammen aus dem Direktionszimmer\neiner Bank, die Spiegel — aus einer zweit-\nrangigen Diele, — die ganze Kabine weist nur\nden gewohnten staubigen Luxus der europäischen\nEisenbahnen auf. Die Toilette mit ihrem weißen\nSchildchen an der Tür, rührt einen mit ihrer\nvertrauten Harmlosigkeit, und die unendlich\nirdischen dienstfertigen Papiersäckchen für See-\nkranke Leute nicken einem gleichmütig zu.\nDie Unglücksfälle sind jetzt so selten, die\nSpucknäpfe so bequem, der Pilot so vertrauen-\nerweckend, daß die Passagiere aufgehört haben,\nihm die Hand zu reichen. Noch ein Schritt\nweiter — und er steht neben Dienstboten und\nChauffeuren. Der Bürger wird seine Angst\nvor Luftreisen erst dann vollkommen verlieren,\nwenn der Pilot eine Livree anziehen wird, an-\nziehen muß. Die Fliegerei wird vollkommen\npopulär sein, wenn man auch in der Luft Trink-\ngelder annehmen wird.\nEs liegt eine besondere Ironie darin, daß diese\nEntthronung, die Desillusionierung der Aviatik\ngerade die letzten Romantiker des alten Regimes\nbesorgen mußten. Mit gleichmütigem Gesicht\n„fahren sie vor\" und waschen von den silbernen\nFlügeln die Spuren der Uebelkeit ihrer Fahr-\ngäste ab.\n\n(Schluß im Augustheft)"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "236", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.8", "texte": "Hilflos\nLothar Schreyer\nGeschlossen ist die Tür\nDie Menschen rütteln an dem Schloß\nDie Menschen schlagen an die Tür\nDa drinnen ruft ein Mensch um Hilfe\nAlle Menschen hören Menschenruf\nc . ' ' \\.\nUnd alle Menschen fliehen\nWir halten uns die Ohren zu\nDer Ruf schlägt auf die Herzen alle\nAlle rufen\nKeiner hilft.\n\nVereinigung\nLothar Schreyer\nAn deinem Wegrand steht ein Mensch\nund wartet\nVor deiner dunklen Kammer wartet deine\nMenschenbraut\nDu gibst das Licht dem hingegebnen Leib\nDie Seelen leuchten\nHeimlich wunschlos scheint ein Stern\nErlöst fließt das befreite Licht in Finsternisse\nDer Freie bindet die Gefangenen los\nDie Entbundenen spielen sich heim.\n\nErde\nLothar Schreyer\n\nDas schöne Tier belächelt seinen Leib\nDas Meer erhebt sich\nBerge wandeln\nStädte sinken in den Staub\nStädte fallen über Menschen\nDas Meer schwemmt über Menschen\nMenschenwoge überschwemmt die Welt\nDie Leichen schwimmen in den Mund der Tiefe\nDer Schrei erstickt\nDer zarte Hauch der fernen Berge glüht\nDie Leuchteblume schwankt im blassen Himmel\nZwei Hände falten sich im Tal\nDu sprichst das Wort der Erde\nUnd die Erde tönt."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "237", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.9", "texte": "Francis Bruguière (New-York)\nAbstrakte Photograhie"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "238", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.10", "texte": "Splitterwochenend\nThomas Ring\nPersonen: der Vater\ndie Mutter\nder Junge\ndie Tochter\nder Schwiegersohn\ndas Weltekel\nBürgerliches Wohnzimmer. Vater liesi Zeitung, Mutter\nstopft Strümpfe, Tochter betrachtet Bilder uud Sprüche\nan der Wand.\nTOCHTER: Wir haben fünfundzwanzig\nStücke an der Wand\nVATER: wie das deutsche Reich Staaten\nTOCHTER: oder das Alphabet Buchstaben.\nMUTTER: Man hat doch jetzt die thüringischen\nStaaten zu einem Staat vereinigt!\nTOCHER: Könnte man nicht auch ein paar\nBuchstaben zusammenlegen ?\nVATER: Immer müßt Ihr mir widersprechen!\nDer Dolchstoß im eigenen Hause!\nMUTTER: Aber wir sagen nur, daß man\nein paar Staaten zusammengelegt hat.\nTOCHTER: Väterchen, es kann sich doch\nmal was vereinfachen.\nVATER: Ich lasse mir meine heiligen Tradi-\ntionen nicht rauben! Diese Zusam-\nmenlegungen sind schnöder Marxis-\nmus! Seit Napoleon sich am Reichs-\nkörper vergriffen hat ....\nJUNGE, stürmt zur Tür herein: Da hat der\nElefant den Tiger aufgefressen und\nda hat er sich gefreut, daß er sein\nAbendbrot gehabt hat. Ne Kuh war\nauch dabei, die hat den Elefanten auf-\ngefressen und da haben se sich\ngefreut. Da kam ein Nashorn an-\ngerannt und das war mitgekommen,\nalle Tiere vom zoologischen Garten\nwaren da, ne Rose haben se sich\nabgepflückt, ne Tasse Milch haben\nse getrunken.\nVATER: Junge, redst Du vom Völkerbund?\nJUNGE: Nein, aber so ähnlich war die Fabel\nvon Lessing.\nVATER: Ist das der Jude in Hannover?\nJUNGE: Nee, der Pastor von der Briefmarke.\nVater, erzähl Du mir ne Geschichte.\nVATER: Geschichten gibts genug aus guten\nalten Zeiten.\nEr setzt sich behaglich zurecht.\nDer Bund deutscher Mammutjäger\nging Libellen schießen ....\nTOCHTER: ach die ist so traurig. Dann\nschon lieber von der Tante Europa\nmit dem Humpf\nJUNGE: nein, was Neues!\nVATER: Also: wie Gustav sein Vaterland\nrettete.\nEs war einmal ein Mann, wenn der\nmorgens aus dem Bett stieg, dann\nstellte er erst seine Kanonen auf.\nEr hatte eine Vorderkanone, die\nschoß nach vorn und eine Hinter-\nkanone, die schoß nach hinten.\nUnd als ihm dies zu wenig war, da\nstellte er auch zwei Seitenkanonen\nauf. Dazwischen waren aber noch\nLöcher, die spickte er mit Kinder-\nkanonen, kleinen hinterlistigen Kläf-\nfern, die manchmal schlimmer sind\nals die großen. Jetzt hatte er\nKanonen auf allen Seiten, wohin er\nsich drehte konnte er schießen, wann\ner wollte und wen wer wo zu\ntreffen war.\nJUNGE: Hurrah! So geht der Jäger in die\nKatze hinein und die Katze kommt\nwieder aus dem Jäger heraus! So\nklettert der Hase auf den Baum und\nfrißt den Frosch!"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "239", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.11", "texte": "MUTTER: Erzähl doch dem Jungen nicht\nsolche blutrünstigen Sachen.\nVATER: Blutrünstige Sachen! Soll ich . . .\nEs wird an der Tür geschlossen.\nTOCHTER: Mein Männchen!\nMUTTER: Herein! Der Schlüssel hat doch\nimmer gepaßt.\nJUNGE: Na der geschiefte Onkel mit der\nGlatze hat den Zauber noch nich raus.\nSCHWIEGERSOHN: Guten Abend. Was\nsagst Du nettes?\nVATER: Die deutsche Schule würde, wenn\nsie dieses Objekt im Sprachgebrauch\nschon berücksichtigt hätte, dafür\nEnthaarungshaupt sagen.\nJUNGE: Du meenst wohin radikalen Bubi-\nkopp?\nSCHWIEGERSOHN zur Tochter: Und schön\nist sie heute ....\nJUNGE singt: Sie sieht schön aus, sie sieht\nnett aus, sie hat nen feinen Brust-\nturm aufgetoppt ....\nVATER: Junge, singt ihr heute solche Sachen?\nJUNGE: Das andere Auge schielt.\nMUTTER: Wir werden uns zurückziehen.\nFlitterwochenleute sind unbeteiligt\nan der Politik.\nVater, Matter und Jjnge gehen hinaus.\nTOCHTER: Nimm doch Platz.\nSchwiegersohn bleibt stehn.\nTOCHTER: Komm, zieh Dir die Hausschuhe an.\nSCHWIEGERSOHN, setzt sich krachend aufs\nSofa: Die Familie setzte sich zum\nRofchaarkuchen auf das abgeriebene\nNapfsofa.\nTOCHTER: Spotte nicht über vernünftige\nEinrichtungen!\nSCHWIEGERSOHN: Bei Trauung im eignen\nHeim wird sinngemäß die Näh-\n*\nmaschine als Altar verwendet.\nTOCHTER: Verdrehe nicht alle alten Sitten\ndurch Deine abgestandenen Witze!\nSCHWIEGERSOHN: Soll ich nach dem Ernst\neiner Aussprache anstehen! Witz ist\ndie Koketterie und Methode die\nScham des Geistes. So ist das\nProblem des Mannes sein Weg\nzwischen Witz und Methode.\n*\nTOCHTER: Cynischer Wiiz ist Prostitution\ndes Gehirns. Denk doch in eine\ngrade Richtung, so wie ihr uns in\nder Ehe auf einen Punkt anspannen\nwollt! Hast Du mir schon den Pelz-\nmantel gekauft?\nSCHWIEGERSOHN: Hure!\n*\nTOCHTER: Tyrann!\nBeide stehn sich Auge in Auge gegenüber, wend'n\num, räkeln sich weich und mit lyrischem Ausdruck hin.\nSCHWIEGERSOHN: Behauchte Spiegel sind\nzwischen uns, Frau. Keine Brücke\nzwischen Dir und mir?\nTOCHTER: Verbogene Spiegel. Lachkabinett.\nJeder sitzt im Glashaus.\nSCHWIEGERSOHN, spielt mit Revolver:\nDann ist das Leben günstigenfalls\ndie Illusion der besten Todesart.\nDann den Schlüssel für ein mehr\noder weniger ausverkauftes jenseits\ngefaxt.\nTOCHTER: Bitte mein Diesseitiger. Kater-\nstimmung ist das Treibhaus guter\nVorsätze.\nSCHWIEGERSOHN aufbrausend:\nKatzennähe verwässert ein Katerge-\nwissen zu Mondscheinsalaten."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "240", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.12", "texte": "TOCHTER: Entrüstung ist Abrüstung der\nVernunft, mein Herr.\nSCHWIEGERSOHN gibt ihr eine Ohrfeige:\nJe durchsichtiger das Glashaus, umso\nlockerer der Wurf. Schimpfen starre\nSysteme auf fliegende Steine, so\nschmettern fliegende Steine das starre\nSystem.\nTOCHTER wischt ab;\nFalscher Schmife, künstlicher Schmet-\nterling. Am Ende packt jeder doch\nseine eigenen Scherben zusammen\nund geht seine Strafte.\nGeht nahe heran, setzt dämonischen Hafe auf:\nGib mich mir wieder, Mann!\nSCHWIEGERSOHN:\nSo von der Mittelstrafee weg. Ach\ndu goldene Morgenstunde. Siede\nWasser und sage: spiegle mein\nbleibendes Bild.\nTOCHTER: Verstehe ich nicht.\nSCHWIEGERSOHN: Dein Verständnis ist\nDein Körper.\nTOCHTER: Ebenso gescheit als Deine Be-\ngriffsvögel im Raum ohne Boden.\nDie Erde wächst nicht in den Himmel\nund die Spatzen fressen keine Luft.\nNen feuchten Musikumschlag?\nTochter geht ans Klavier und spielt:\nWinterstürme wichen dem Wonnemond.\nSCHWIEGERSOHN gähnt:\nAch der alte Illusionstank. Da hilft\nkein Drahtverhau . . .\nDas Weltekel steigt aus dem Klavier und verneint\nsich vor der Tochter.\nWELTEKEL: Frau Witwe, Frau Geschiedene,\nFrau Ungeschiedene, Fräulein noch\nnicht scheidbar.\nSCHWIEGERSOHN: Wo kommen denn Sie\nher . . .\nWELTEKEL: Sie sehn ja, direkt aus der\nwohltemperierten Stimmungskiste.\nSCHWIEGERSOHN: Ihr Name?\nWELTEKEL: Nach Belieben. Nennen Sie\nmich die Macht der Musik, den\nätherisierten Blutrausch oder der-\ngleichen.\nTOCHTER, vom Erstaunen erholt:\nWas sind Sie?\nWELTEKEL : Die grofce Frage.\nSCHWIEGERSOHN: Herr, wir warten doch\nauf Antwort, auf den Sinn des\nGanzen!\nWELTEKEL: Selbst Sinn genug. Geballte\nLadung längst gedrehter Granaten.\nLassen Sie doch losschießen, bedienen\nSie sich der Situation wie unsere\nbesten Politiker lun, aber nicht sagen.\nMachen Sien ethisches Firmenschild\ndrüber, göttliches Gesetz, Rassen-\nzucht, unverwelkliche Liebe, Kame-\nradschaft oder so.\nTOCHTER: Gott wie er redet. Aber der\nSchneider . . .\nSCHWIEGERSOHN; Diese Snobismen wollen\nSie uns in das Grab der Ehe mit-\ngeben? Und das andere Ich auf\ndas wir warten?\nWELTEKEL: Streitet sich zur Seelenmarme-\nlade zusammen. Reine Frucht oder\ngefärbte Gelatine, je nach Geschäfts-\naufsicht. So hier wie überall. Was\nim freien Wettbewerb das Feld der\nUnehre, das in geschlossener Gesell-\nschaft das Kreuz der Ehrendiskussion."}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "241", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.13", "texte": "JUNGE platzt herein und zeigt auf das\nWeltekel: Mensch, da ist ja der\nromantische Christbaumständer, den\nwir jetzt in der Schule haben.\nSCHWIEGERSOHN: Junge, was meinst Du\nzu der sexuellen Frage?\nJUNGE: Meine Nutte, deine Nutte. Sie hat\nso schön, sie hat so süfe die Augen\naufgeschossen. Außerdem färbt der\nLippenstift ab.\nSCHWIEGERSOHN und TOCHTER Hand\nin Hand: Diese Jugend! Wir stabi-\nlisieren uns.\nVon oben herab senkt sich die Kulisse eines Himmel-\nbetts hinter beide, der Junge nimmt die Zeitung vom\nTisdi und liest laut Sportnacnrichten, das Weltekel ver-\nwandelt sich in Amor und singt: Mit dem Pfeil\ndem Bogen ....\n\nProteste\nMonsieur et eher Confrere,\nVous m'obligeriez en signalant ä l'occasion\nle fait suivant ä propos du SURIDEALISME:\nLe Mouvement Suridealiste n'est pas\nrecent.\nLe Manifeste du Suridealisme a ete publie\npar Emile Malespine, en Fevrier 1925,\ndans le n\" 7 de > Manometre<.\nJe vous prierai d'en prendre note pour eviter\nune confusion que pourraient creer quelques\njeunes personnes parisiennes qui viennent de\ndecouvrier le Suridealisme.\nAvec mes sentiments bien confraternels,\nbien votre\nEmile MALESPINE.\nAVIS\nNous protestons encore une fois contre\ncertaines manoeuvres dont l'origine remonte\naux premieres manifestations surrealistes en\nBelgique. L'exposition des oeuvres anciennes\nde Giorgio de CHIRICO ä la galerie ?-Le\nk Bruxelles se presente, et nous\nne pouvons pas croire que ce soit l'eflet du\nHasard, sous un jour tel que toutes les con-\nfusions sont possibles. Cette exposition ne\npeut en 1928 se justifier que par le deni\nqu'elle inflige a un peintre qui s'est arroge\nle droit de trahir une pensee qui depuis\nlongtemps a cesse d'etre la sienne, au profit\nde ceux-lä meme qui n'en ont jamais penetre\nle mystere. Et il faut voir l'accueil qu'ä\nforce de bassesse il rencontre aujourd'hui.\nII nous suffira donc d'etablir, en inaniere\nd'advertissement, et pour qu'il ne soit plus\nnecessaire de nous en expliquer encore, que\nces tentatives miserables qui ne tendent\nqu'a faire glisser nos actes du plan od nous\nles maintenons, a celui des combinaisons\ncommerciales ou ä celui des considerations\nsur les destinees de la peinture, nous trou-\nveront resolus a l'opposition la plus violente,\nqui n'a plus desormais a se justifier.\nLouis ARAGON\nAndre BRETON\nCamille GOEMANS\nPaul NOUGE"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "242", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.14", "texte": "Die Sache\nmit Otto Ernst\nHerwarth Walen\n\nMan begegnet den Dichtern immer mit einer\n112\nrespektvollen Ironie. Lebende Dichter pflegen\nsich daher Schriftsteller zu nennen. Von toten\nDichtern hingegen spricht man mit ironischem\nRespekt. Nach fünfzig Jahren aber tritt an\nStelle der Ironie die Germanistik. Man wird\nsogar, auch in kapitalistischen Staaten, zum\nGemeingut der Nation erklärt und von der\nreiferen Jugend auswendig gelernt. Der Begriff\nDichter ist stark umstritten. Jeder Dichter hat\nseine eigene unduldsame Gemeinde und jede\nFamilie ihren Hausdichter. Dem fehlen nur\ndie Beziehungen zur Presse, um auch der Mann\nzu sein, den man feiert .. . Der Mann des\nTages. Überall Vorsitzender. Gast einer Re-\ngierung. Ehrendoktor trinkfester Universitäten.\nDas alles kann der Dichter werden. Dazu der\nNachruhm durch die Germanisten: Lesarten\nund Kommentare . . . Seit dem Krieg treiben\ndie Dichter auch Politik. Mit dem Herzen.\nDas ist ebenso gefährlich und ebenso dilettan-\ntisch, wie mit dem Herzen Kunst zu treiben.\nDies nebenbei, denn es handelt sich um die\nSache mit Otto Ernst. Der ist ein Freund von\nmir, über den ich trotzdem schrebien darf, ohne\ndie Berufsehre zu verletzen. Denn er ist kein\nDichter. Aber Bayer und Schriftsteller. Ich\nkann ihn nicht einmal berühmt machen, es\nlebt der große Name noch. Er heißt wirklich\nOtto, ist der Sohn des Herrn Ernst, kann sym-\npathisch viel trinken und schreibt Artikel, wes-\nhalb sein Name in Kürschners Literaturkalender\nzu finden ist. Hätte ihn Kürschner nicht ge-\nfunden, ihm wäre manches erspart geblieben.\nDie Sache fing ganz harmlos an. Da kommt\neines Tages der große Dichter Otto Ernst nach\nBremen, um seinem Herzen deutschvölkische\nLuft zu machen. Da der Begriff des Dichters\npolizeilich nicht festzustellen ist, hat ihn irgend-\neine Gemeinde zum Dichter ernannt. Worauf\ner sich dafür und auf sich etwas zu halten\npflegt. Die Bremer Zeitung veröffentlichte die\ndeutschvölkische Versonnenheit des Gemeinde-\ndichters Otto Ernst. Mein Freund Otto Ernst,\nweniger versonnen, ärgerte sich trotz Bayern\nüber den völkischen Dichterunfug und schrieb\nin derselben Bremer Zeitung am nächsten Tag\neine Widerlegung, die er natürlich mit seinem\nbraven bürgerlichen Namen Otto Ernst unter-\nschrieb. Das ging selbst für die normalen\nflüchtigen Zeitungsleser zu weit. Selbst einem\nDichter wird nicht gestattet, wenigstens nicht\nnach einer Nacht seine Meinung in ihr Gegen-\nteil zu ändern. Infolgedessen wurde auch der\nDichter Otto Ernst böse und verlangte von der\nBremer Zeitung unter Berufung auf das Gesetz\ndie Richtigstellung seiner unrichtigen Meinung.\nDa wurde nun mein Freund der Bayer Otto\nErnst böse und klagte gegen den Dichter Olto\nErnst auf Unterlassung der Führung seines\nNamens. Denn dieser Dichter Otto Ernst hieß\nbürgerlich Otto Ernst Schmidt und hatte aus\nkünstlerischen Gründen den Schmidt zum alten\nEisen geworfen. Worauf die Tragödie einsetzt.\nWährend das Verfahren schwebt, wird in es\neingegriffen: Otto Ernst, der Schmidt, stirbt.\nLebt sein großer Name noch. Ihn als Lebender\nberechtigt zu führen, rächt sich. Gleichsam\ndas Los des Schönen auf Erden. Mein Freund\nOtto Ernst wird den Dichterruhm nicht mehr\nlos. Man kommt hier zu der Erkenntnis, wie\nwenig der leibliche Tod für einen großen Namen\nbedeutet. .. Noch dazu, wenn er im Kürschner\nsteht. Man schreibt an ihn, man telegraphiert\nan ihn, nur Honorare schickt man ihm nicht.\nGroße Namen müssen umsonst arbeiten, wenn\nsie nicht zufällig persönlich Kaufmänner sind.\nUnd wenn der große Name gar fünfundsechzig\nJahre wird, dann gibts ein Jubilieren und die\nPressephotographen kommen. Und sie kommen\nalle zu meinem Freund, dem Otto Ernst ohne\nSchmidt. Er stellt verzweifelt sein gutes freund-\nliches Gesicht der Tagespresse zur Verfügung.\nDie Sache wills. Die Herren Photographen"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "243", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.15", "texte": "Emile Malespine: Bühnenbild\nHerwarth Walden: Dernier amour (Letzte Liebe)\nErstaufführung in Lyon/Frankreich\nDurch „Compagnie du Donjon\""}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "244", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.16", "texte": "freuen sich, daß der nicht ergraute Dichter nicht\nauf die Postille gebückt sitzt, was sich anderer-\nseits sehr dekorativ ausgenommen hätte. Kann\nmein Freund dafür, daß er erst fünfunddreißig\nJahre ist und das gute Löwenbräu seinen Leib\nstählt. Und die Glückwünsche. Bis von Phila-\ndelphia und von Tokio. Die Gemeinde kann\nsich nicht lassen. Sie schenkt nichts, aber\nerbittet Autogramme. Dichter sind unirdisch.\nSie leben von der Liebe der Gemeinde. Löwen-\nbräu ist bekömmlicher. Bis hierhin war noch\nalles bei einem geringen Grad von Humor zu\nertragen. Nur durfte es keine Herausgeber\nvon Anthologien geben. Diese Herren besitzen\nnämlich keine Kürschner. In solchen Fällen\nwendet man sich an den Verleger seiner Lieblings-\nautoren. Worauf der Herr aus Wien mit dem\nDrang nach Otto Ernst im Leibe folgende Ant-\nwort vom Verlag seines Dichters erhält: „Diese\nErlaubnis hätten Sie nur von dem Autor erhalten\nkönnen, der inzwischen verstorben ist. Vielleicht\nwenden Sie sich aber an seine Witwe, die\nBerlin-Charlottenburg 5 wohnt\". Der Verlag\nbesitzt nämlich einen Kürschner . . . Leute\nmit großem Namen sollen nicht verreisen, wenn\nsie eine Frau haben und sie lieben . . . Als\nmein Freund Otto Ernst von einer Reise zurück-\nkam, fand er seinen Nachlaß geordnet und sah\nseine Frau mit Trauerkleid im Garten. Auf\nseinem Schreibtisch aber lag folgender Brief:\n„Frau Witwe Otto Ernst. Verehrte gnädige\nFrau, dem Verlag verdanke ich Ihre Adresse. —\nIch selbst war ja das letzte mal noch bei Ihnen,\nals unser lieber guter Otto Ernst noch lebte.\nDas Herz brennt — wenn ich daran denke!\nDoch liebe gnädige Frau, ich komme mit einer\nBitte. Ich gebe eine Anthologie heraus: Lach\nmit mir.\" Da konnte sich mein guter Freund\nOtto Ernst nicht mehr halten. Namentlich, daß\nsein Nachlaß so schön geordnet war. Er lachte.\nLachte mit sich, daß sich die Balken seines\nHauses bogen, riß einen mit seinen starken\nbayrischen Armen heraus und stürzte mit dem\nBalken zu dem Verlag von Otto Ernst dem\nSchmidt. Der Rest war Trümmer. Aber was\nhilft es ihm. In ihm lebt der große Name noch.\nAuf ewig ist seine Ruhe hin. Er muß von dem\nRuhm eines Dichters zehren, den er nicht\nschmecken kann. Er wäre dem Irrenhaus ver-\nfallen, wenn ihm nicht kurz vor der Tobsucht\ndie erlösende Idee gekommen wäre: er nennt\nsich von nun an als Schriftsteller Otto Ernst\nSchmidt. So wird seiner im Kürschner nicht\nmehr gedacht werden und kein Verleger und\nkein Anhänger den Dichter und seine Witwe\nmehr finden. Nicht gedacht soll seiner werden."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "245", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.17", "texte": "Vlatislav Hofmann: Bühnenbild\nJules Romains: Diktator"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "246", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.18", "texte": "Marionettenspiel\nJovan Popovitsch\nDrei Grammophone stehen im Vordergrunde der\nBühne. Von Zeit zu Zeit sprechen sie, abwechselnd\noder zusammen. Ein unaufhörliches Dröhnen, wie\nunter der Erde, hört man stets, der Betrieb eines\nverborgenen Mechanismus, der alles, was geschieht,\ntreibt. Die Personen haben einen fantom-marionetten-\nhaften Schein.\nLeute kommen uud gehen, wimmeln, die Grammo-\nphone stehen unbewegt.\nGRAMMOPHON 1: Devisen stiegen. Saaten\nsind vernichtet. In China Hunger.\nAuf vielen Seiten Hunger.\nGRAMMOPHON 2: Transcendente Realität\ndes Bewußtseins, oder immanente\nRelativität? Mafalda versunken.\nTeusende Toter.\nGRAMMOPHON 3: Der Völkerbund will\nFriede.\nRADIOTELEFON: Geheime Bewaffnung in\nUngarn. In Italien. Überall. Muni-\ntionsschmuggel. Krieg am Horizont\nMENSCH 1: Schon drei Tage habe ich nichts\ngegessen. Schon drei Monate bin\nich arbeitslos. Meine Familie stirbt\nvor Hunger.\nMENSCH 2: Ich muß meiner Frau einen\nneuen Hut kaufen. Sie macht mir\nwieder hysterische Szenen. Das\nLeben ist schwer.\nMENSCH 1: Wir sterben vor Hunger.\nSCHAUSPIELER (nachahmend): Wir sterben\nvor Hunger. — Sehr gut. Kräftig\nund effektvoll. Nur ein wenig mehr\nPathos.\nBANKIER: Ja, ich kann das vollkommen\nverstehen. Ja, lieber Freund, ich kann\nvollkommen mitfühlen. Ich bin sehr\nempfindlich. Einmal habe ich nicht\nAbendbrot gegessen. Ja, ja. Adieu.\nDIRNE: (geht vorüber, ausrufend äugelnd\nund sich schüttelnd.)\nJUNGER MANN 1: Nur eine Nacht!\nJUNGER MANN 2: Nur hundert Mark.\nWeiber gehen vorüber in langem Zug, die Füße\nverflechten sich in ein erotisches dekoratives Ganze.\nMänner starren nach ihnen erhitzt.\nGRAMMOPHON 2: Der bestirnte Himmel\nüber uns, die sittlichen Gesetze in uns.\nRADIOTELEFON: Sacco und Vanzetti auf\ndem elektrischen Stuhl.\nKÜNSTLER: Alle Lügen, Traditionen zer-\nstören. Den Papierberg anfeuern,\nund nackt und neu der Morgenröte\nentgegen gehn. Alle Vorhänge\nzerreißen, das Absolute sehen.\nGRUPPE: Dies ist ein gefährlicher Wahn-\nsinniger. Achtung.\nRADIOTELEFON: Neuer Versuch Ocean-\nüberfliegens. Requiem für Nungesser\nund Colli. Hoch! Hoch lebe der\nneue Ikarus-Lindbergh!\nKAUFMANN 1: Fünf Millionen Mark. Ich\nEsel, ich Trottel, und konnte es nicht\nvorausrechnen. Man sollte mich auf\nden Misthaufen werfen. Die Speku-\nlation mit der Militärernährung war\nimmer eine der rentabelsten. Ver-\nlust von fünf M-i-l-l-i-o-n-e n Mark.\nUnd was ich erst verdienen konnte.\nJÜNGLING: Aber lieber Großvater, die Men-\nschen sterben ja vor Hunger, Mensch-\nabschlachtungen, es sind, die alles\nauf der Welt verloren, und ihr schreit\nhier von euren Millionen, foltert mit\nihnen wie einem Fantom alle Leben-\nden. Das Leben ist tragisch und\ngroß, ihr aber macht eine wohl- oder\nmißlungene Spekulation daraus."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "247", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.19", "texte": "KAUFMANN 1: Schweige. Ich werfe dich\nauf die Gasse. Fünf Millionen. Wenn\nder Krieg nur gute Geschäfte bringt,\nwillkommen.\nJÜNGLING: Missetäter! Bösewicht! (Fällt\nin sich selbst.) Und dennoch, habe\nich das Recht, diesen Menschen zu\nrichten? Wissen sie, was sie tun,\ntue ich denn, was ich weife, dafe ich\ntun soll. Bin ich nicht noch mehr\nelend, wann ich nicht KANN, und\nweife ich denn, was ich tun soll?\nArme Puppen!\nKAUFMANN 2: Ja, er ist ein Bösewicht. Man\nsollte ihn hängen.\nKAUFMANN 3: (Flüstert zu 4) Diesen (zeigt\nauf 2) sollte man aufhängen. Der\ngröfete Wicht der Welt.\nKAUFMANN 4: (Nickt mit dem Kopfe, flüs-\ntert dem 5, auf den 3 zeigend) Diesen\nsollte man hängen. So einen schmut-\nzigen Kerl haben sie noch nicht ge-\nsehen. Er hat mich vernichtet, hat\nmir unter der Nase die Hakoax-\nAktien weggekauft.\nKAUFMANN 5: (zischend) Erinnerst du dich\nnicht der Papierkleidung, die du dem\nMilitär geliefert hast, und mir den\nGewinn unter der Nase weg-\nschmuggeltest.\nGRAMMOPHON t: Unsere ruhmvolle und\nsiegreiche Armee wird auch in Zu-\nkunft auf der Schutzgrenze der ewi-\ngen Ideale der Menschheit wandeln.\nGRAMMOPHON 2: Lobt Gott!\nALLE: (schielen mit verbissenem Hafe, in jedem\nAuge Todesurteil für den anderen.)\nGRAMMOPHON 2: Liebe deinen Nächsten,\n%\nwie dich selbst.\nRADIOTELEFON: Unruhe in China\nUnruhe in Mexico\nHundert Aufrührer hingerichtet\nNeue Waffenschmuggeleien\nErdbeben in Japan\nAbnormale Hitze, Leute sterben\nAbnormale Kälte, Leute sterben\nJÜNGLING: Ihr seid krank. Ihr seid geplagt\nvon bösen Träumen. Ihr seid Spiel-\nzeuge böser Mächte.\nLEUTE: (lachen höhnisch, sich stoßend)\n0t\nSchaut den Übernarren. Wo hast\ndu dich selbst verloren? Er jagt\netwas, was nicht ist.\nJÜNGLING: (tritt zum Künstler) Kamerad!\nDeine Gedichte erschütterten mich\noft bis in die Tiefe meines Selbst,\nund trugen mich in eine Welt volleren\nSeins. Auf ihnen segelte ich wie auf\nWellen in unendliche Ferne, heller,\nbestirnter Himmel wölbte sich über\nschwarzen Wassern des Leidens.\nKÜNSTLER: (warm, doch müde) Sei gegrüfet,\nKamerad. Ich liebe dich sehr. Ich\nfange unsichtbare Fäden, die alles,\nwas ist, verbinden. Ich bin glücklich,\ndaß ich deine Hand drücken kann,\ndoch, verzeihe mir, ich mufe selbst\nbleiben, damit ich die Fäden nicht\nverliere. (Er entfernt sich, in Fernstes\nschauend)\nJÜNGLING: (Traurig, allein)\nDich lebenslang suchen\nDeine Hand All-erlösend\nDeinen Mund All-verklärend\nDeinen Leib All-ewig-vereinigend\nDu ....\nDUSIA: (von ihm durch eine Menge getrennt}\nflüstert innerlich bewegt)\nDu schöner, trauriger Jüngling\nMit dir wäre Leben und Tod schön"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "248", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.20", "texte": "Du schöner trauriger Jüngling\nMit dir möcht ich\nVATER: (erfaßt sie zornig) Endlich finde ich\ndich. Gleich komm nach Haus.\nHerr Pupan wartet schon zwei Stun-\nden, er bat um deine Hand und du\nmufet einwilligen. Nur das kann\nmich retten. Aber ich denke nicht\nan mich. Das verlangt dein Glück.\nImmer opferte ich mich für meine\nFamilie. Sei vernünftig. Liebe doch\nein wenig deinen guten, guten Vater-\nGRAMMOPHON 2: Der bestirnte Himmel\nüber uns, die sittlichen Gesetze in\nuns. Bewundert es.\nDUSIA: (Leise schluchzend) Sterben .... Gute\ntoie Mutter....\nVATER: (ruft sie) Kommst gleich, du Gans!\nJÜNGLING: (erblickt Dusia, kommt schnell)\nEndlich! Du!\nALLE DREI GRAMMOPHONE: (auf einmal)\nEhre deinen Vater\nDer bestirnte Himmel über uns, die\nsittliche Gesetze in uns.\nAlles ist relativ. Nichts ist gut, nichts\nist böse. Alles ist Fiktion. Jeder\nMensch trägt in sich alles zu Mord\nund Perversion. Alles ist....\nJÜNGLING: zerschlägt die Grammophone,\nein ungeheures Krachen, als ob der\nheimliche Mechanismus zerbrochen\nist. Stille. Leute, als verlören sie\nihr Leben des Mechanismus, stehen\nzerstreut wie Dinge.\nEinige einfache, reine, leise Akkorde.\nJÜNGLING und DUSIA entfernen sich um-\narmt und hell.\n\nSozial-Psychologischer Roman\nJovan Popovitsch\nEr hatte eine Halluzination, daß er halluzi-\nnierte. Denn er hatte bis jetzt noch keine\nwahrhafte Vision oder Halluzination, eben-\nso, wie er im Traum nur träumte, daß er\nträumt. Denn sein Hirn war eine Höllen-\nmaschine auf unbestimmte Frist eingestellt-\nZwischen einem Kunden und dem anderen,\nbei dem Pult bedienend, verlor er sidi, bis der\nChef aufheulte: Sind Sie denn Idiot? - Er zog\nschnell ein feiertägliches Gesicht an und rieb die\nHände vor einer Dame. Doch, wenn der Chef\nund der Kunde nicht aufpaßten, versuchte er, mit\njeder Ware ein wenig Geist mitzuschmuggeln. Er\nhauchte den Geist in leere Muscheln, in Hand-\nschuh-Schachteln, in Zigarreltendosen und\nschwärzte sie geschickt den Leuten an. Doch er-\ntappt, verbarg er sich vergebens hinter seinen\neigenen Augen. Die Leute lassen sich nicht be-\ntrügen, und riechen gleich das Attentat des\nGeistes gegen die Ruhe ihrer Hirne. Sieführten\nihn zur Hinrichtung. Er zuckte zusammen, sah\nsein verstelltes Gesicht im Spiegel, die Vase, die\ner eben einer Dame reichte (Preis 5000 Mark),\nfiel auf den Boden und zerbrach. Der Chef\nbrüllte. Er flog hinaus. Er wufcte nicht, ob dies\nHalluzination sei, oder nur Halluzination einer\nHalluzination. Jedenfalls war er hungrig und\nund Geld hatte er nicht in der Tasche, und in der\nganzen Stadt hatte er nichts zu übernachten.\nDie Zeitungsverkäufer schrieen, ein Auto er-\nschlug ihn fast, über einem Kino heulten elek-\ntrische Reklamen:\nDAS LIED DER ALLBESIEGENDEN LIEBE."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "249", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.21", "texte": "r-V.V;\nMUSIK BAUT DER SEELE\nGOLDNE BRUCKEN\nHAUS\nZOO\n\nDer Sturm / Berlin \\\\ 9\nKunstler-Postkarten / Veriag Der Sturm\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken folgender Kunstler:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincene Benes\nUmberto Boccioni + 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck *j*/ 5\nSigrid Hjerten Griinewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kadar\nKandinskv / 3\nPaul Kiee\nOskar Kokosehka / 2\nFernand Leger / 2\nAugust Macke 112\nFranz Mare 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muehe\nGabriele Miinter\nGeorg Sehrimpf\nKurt Sehwitters\nGino Severini\nFritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\n\nDichtungen von HERWARTH WALDEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte j Gebunden in G-anzleinen 3 Mark\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nGlau.be / Komitragodie\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nSunde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib I Komitragodie / 3 Mark\nKind / Tragodie Trieb / Eine burgerliche Komitragodie\nJedes Buch « iVl.ark ~wt i o / t-* -i • tvt-\nVerlag Der Sturm / Berlin W 9\nMenschen / Tragodie"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "250", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.22", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann Berlin W 9 / Verlag Der Sturm G.m.b.H.\nBerlin W 9 Potsdamer Strasse 134 a / Fernruf Liifczow 4443 / Postscheckkonto Berlin 120658\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\n\nBauhausbucher\nAnfang Juli erscheint:\nBand 13\nAlbert Gleizes\nKubismus\nmit 47 ganzseitigen Abbildungen\nSteif geheft. etwa6RM, in Lein. geb.etwaBßM\n• • ~\nDie Geschichte des Kubismus\n\nALBERTLANGEN monchen\nSonder-Angebot\nzur Geschafts-Erweiterung\nFur die nasse Jafareszeit empfiehlt sich die\nAnechaffung einer\nREGEN - HAUT- PELEREN E.i\n*.i-\nD. R. P. nnd D. R. G. M. nur 110 g schwer^\nFischhaut-Imm., vorziiglich bewahrt gegen\nDurebnassung, becjuem zusammengefaltet\nwie ein Notizbuch in der Tascbe mitfiihrbar;\ndauerhaft und haltbar. Sehr vorteilbaft fiir\nDariieii und Herren (aucfa Kinder) in Regeia\nund Schnee, bei Ausfliigen und Sport. Re-\nklamepreis mit Extra-Kapuze und Etui nur\nRM 4,50 franko als Nachnahme oder bei\nVoreinsendung aui Postscheckkonto Koln\n112567, franko RM 4,— (3 Stck. RM 10,50).\nBei Nichtgefallen garantierter Umtausch.\nPreisliste u. Probesendung auch iiber sonstige\nRegenbekleidung auf gefallige Anfrage.\n(Adressen deutlich schreiben.)\nLavu-Export in Bonn a. Rh.\nVertreter werden noch eingestellt!\n\nFRONT\nInternationaler Almanack der\nmodernen Aktivitat der Gegenwart\nEnthalt alle Gebiete des modernen Schafiens in\nder Wortkunst, der Musik, dem Theater, den\nbildenden Kfinsten, dem Film, der Architektur,\nder industriellen Produktion, der Wissenschaft\nund der Kultur fiberhaupt\nEe haben beigetragen : Antbeil, Arp, Baumeister, Behne, Becher, die\npolnische Gruppe der Revue „810k4*, Corbusier, Cernlk, JDoesburg,\nIv. Goll, Gropiue, Grosz, Heartfield, Herzfelde, Honzl, Chochol, Jung,\nKassak, Kiesler, Kisch, Krejcar, Lu Marten, W. Mehring, Micic,\nMoholy-Nagy, Nezval, Obrtel, Oud, Picabia, G- Pohl, Poliansky, Pone,\nMies van der Rohe, Seifert, Schiirer, Schwitters, Slma, Teige, Tzara,\nVaclavek, Weisskopf, Westbeim , Wiesner, Walden und viele andere.\n240 bis 272 Seiten. Format 23X31 cm, davon 40 Seiten\nIllustrationen, Musikbeilagen Redaktion der Front\nDr. B. Vaclavek / Brunn 15-Schimitz / Vasekgasse 11\nTschechoslowakei / Text der Beitrage tschechisch,\ndeutsch und franzosisch mit deutschen und fran-\nzosischen Resumees\nPreis 16 Mk. / In der Sturm-Buchhandlung vorratig\nFRONT\n\nVerlag desßibliographischen I nstituts, Leipzig\niiiiiiiiiiiiiiiiiimiimitimiiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiißiiiiiiiiiiiiiiiii\n>\nin siebenter, neubearbeiteter Auflage\nerscheint:\nI\nI\n12 HalblederbSnde\nÜber 160000 Artikel auf 21000 Spalten Text, rund 5000\nAbbildungen und Karten im Text, über 1000 z. T. farbige\nBildertafeln und Karten, über 200 Textbeilagen\nBd. /, 11, IV bis VIII kostet je 30 Rm., Bd. 11l 33 Rm.\nSie beziehen das Werk\ndurch jede gute Buchhandlung\nund erhalten dort auch kostenfrei\nausfuhrliche AnkUndigungen"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "251", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.23", "texte": "Organo-Kosmetikum\naus Panzertieren\nzum Einreiben.\nKeine Injektion!\nNach dem 25/30.Lebensjahre bilden sich auf der Haut Verhornungen und\nin den Verhornungen markieren sich durch die Muskelbewegungen beim\nSprechen, Lachen und dergl. Linien, Falten und Runzeln\nAmor Skin verhindert dies!\ni • '•••.\"• ' • > ' . ■■\nAmor Skin unterstiitzt die stets notwendige Regeneration der Haut; die\nabgelebten Gebilde der Haut stossen sich ab. Die Haut wird und bleibt\ndurch die Pflege mit Amor Skin glatt und rosig wie in der Jugend\nJugendfrisches Aussehen!\nOpoterapia 6.m.b.f1. / Berlin • Brnnewald"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "252", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192807-01.1.24", "texte": "Dr. Walther Rothschild, Bln.-Grunewald\nDeutsch-Franzosische\nRundschau\nMonatsschrift der Deutsch-Franzosischen Gesellschaft\nHerausgegeben von:\nOtto Grautoff / Heinrich Eduard Jacob I Rudolf Meerwarth / Fritz Norden\nEdgar Stern-Rubarth I Maurice Boucher I Edmund Jaloux / Henri Lichtenberger\nHalbj ahrlich 10 Mark\nInhalt deB letzten Heftes:\nHEINRICH EDUARD JACOB: Die Begegnung in Cannes.\nEDGAR STERN-RUBARTH: Das Ergebnis der franzosischen Wahlen.\nJEAN GIRAUDOUX: Der erste unterzeichnete Traum.\nLEON J. SPRINGER: Dekobra und Genossen.\nFRITZ NORDEN: Deutsch-franzosische Recbtsgemeinschaft.\nDEUTSCH-FRANZOSISCHER AUSTAUSCH.\nALEX AND R GUTFELD: Die franzosische Wirtschaft im April 1928.\nOTTO FORST: Francis de Curel 112\nFRITZ NEUGASS: Diirer in Paris.\nZEITSCHRIFTENSCHAU.\nProspekt zur Yerf ii gung"}]}