{"numero_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_sha256": "fbfd29848fa09ad036385397f0156089fc65a39704646903095334fc67826af8", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1929/02_01/bmtnabg_1929-02_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1929/02_01/bmtnabg_1929-02_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c001", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.1", "titre_corps": "Graphische Darstellung einer Tanzstudie", "titre_sommaire": "Graphische Darstellung einer Tanzstudie", "signature_source": "Kandinsky", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.1", "debut_caractere": 240, "fin_caractere_exclue": 290, "texte": "Kandinsky: Graphische Darstellung einer Tanzstudie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c002", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[343]", "page_fin": "[343]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.2", "titre_corps": "Table of Contents", "titre_sommaire": "Table of Contents", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[343]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.3", "debut_caractere": 144, "fin_caractere_exclue": 529, "texte": "Auf! Herwarth Waiden\nNachtlied Rudolf Meissner\nDramatische Situationen Walter Seidl\nFrancois Villon Carl Brinitzer\nRaumsturz des Sprechens Karl Vogt\nAbbildungen: Ein Linoleumschnitt von Ivan Cargo\nEin Linoleumschnitt von Prof. Avgust Cernigoj\nSelbstporträt von Prof. Avgust Cernigoj\nZwei Tanzstudien von Palucca\nZwei graphische Tanzstudien von Kandinsky\nAusdrucksalphabet von Karl Vogt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c003", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "345", "page_fin": "347", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.3", "titre_corps": "Auf!", "titre_sommaire": "Auf!", "signature_source": "Sprechchor", 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wir\nHabt die Maschine in Händen\nLaßt sie euch über die Hände fahren\nUnd jammert\nFürchtet euch, daß die Hand nicht gibt\nDie Hand in der Tasche\nDie Euch in die Tasche steckt\nMänner\nschafft ihr uns Kinder, seid auch Männer\nFürchtet euch nicht vor leeren Taschen\nVor Taschen, die ihr füllt\nARBEITER:\nVerblendete Jugend\nArbeit ist wenig\nSein ist die Fabrik\nSein ist die Maschine\nSein ist die Idee\nJUNGARBEITER:\nSoll er sich gütlich tun mit seiner Idee\nMag seine Frau Maschinen gebären\nUnd er Fabriken wachsen lassen\nSein, sein, sein\nSein, Sein, unser Sein\nUnser Dasein\nNein\nWir sind da\nWenn tausende Hände dasWerk erschaffen\nEiner soll den Gewinn erraffen\nDen Gewinn des Lebens\nDen Gewinn zu leben\nDas Leben zu gewinnen\nNein\nWir leben\nSTIMME:\nFeierabend\nARBEITERINNEN:\nWas sollen die Pfennige\nWir warten auf Freilag\nVir trösien auf Freitag\nVon Freitag zu Freitag\nDen Hauswirt\nDen Bäcker\nDen Schlächter\nDie Steuer\nDen Krämer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1881, "texte": "Die Steuer\nDen Hauswirt\nDie Steuer\nVon Freitag zu Freitag\nDie Pfennige verschwinden\nDie Schulden die wachsen\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nEure Schuld, eure Schuld\nUnd der Vater soll nicht auf die Strafte\nUnd der Mann soll Holz hacken\nUnd der Mann soll das Küchenspind\nanstreichen\nDarum soll der Mann nicht auf die Strafte\nUnd der Vater darf nicht auf die Strafte\nDeshalb kann er euch nicht ernähren\nDeshalb kann er sich nicht wehren\nEr darf sich nicht wehren\nIhr laftt ihn nicht\nJUNGARBEITERINNEN:\nAuf die Strafte, auf die Strafte\nARBEITER:\nKindische Weiber\nBlut flieftt\nJUNGARBEITERINNEN:\nBlut soll fiieften\nSeht euere Frauen\nHört sie jammern\nBlut verdorrt\nWir aus verdorrten Leibern Entstandene\nJUNGARBEITER:\nWir aus verbluteter Jugend Erwachsende\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nWir fordern die Jugend\nWir fordern das Leben\nDas Blut unserer Väter\nDen Leib unserer Mütter\nWir fordern uns\nARBEITERINNEN: Wir haben gefordert\nJUNGARBEITERINNEN:\nVon eueren Männern, die nichts haben\nARBEITER: Wir haben gestreikt\nJUNGARBEITER:\nUm Pfennige gestreikt\nUm Sechser gestreikt\nUm Groschen gestreikt\nWenns hoch kommt\nWir wollen alles\nAlles\nUnser die Arbeit\nJUNGARBEITERINNEN: Unsere Arbeit\nJUNGARBEITER: Unser der Gewinn\nJUNGARBEITERINNEN: Unser Ge winn\nJUNGARBEITER: Unser das Leben\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nUnser Leben\nUnser das Leben\nARBEITER:\nDie Jugend, die schreit\nDas Alter, das denkt\nDenkt an die Führer\nAn unsere Führer\nJUNGARBEITER:\nWohin haben sie euch geführt euereFührer\nJUNGARBEITERINNEN:\nSie haben euch verführt euere Führer\nJUNGARBEITER:\nIn den Paradiesgarten haben sie euch\nschön geführt, euere Führer\nJUNGARBEITERINNEN:\nSchön haben sie euch verführt euere\nFührer, für Judas Lohn\nJUNGARBEITER:\nUnd immer, wenn sie führen,\nEine Sperre steht im Weg\nDie darf man nicht berühren\nNicht rühren, nicht rühren\nDie Sperre steht im Weg"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1496, "texte": "JUNGARBEITERINNEN\nDa darf man sich nicht sperren\nDa darf man höchstens plärren\nDie Sperre steht im Weg\nJUNGARBEITER:\nDa gibt es nichts zu lachen\nDie Führer können nichts machen\nSie sind zwar nicht ermattet\nDoch es ist eben nicht gestattet\nJUNGARBEITERINNEN:\nVater, Mutter\nMut\nUnser Blut ist unser Blut\nJUNGARBEITER: Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnser Blut schafft neues Blut\nJUNGARBEITER: Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnser Blut glüht früh am Morgen\nJUNGARBEITER: Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnd wir heben uns im Morgen\nJUNGARBEITER: Im Os'en\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnd wir wandern in den Morgen\nJUNGARBEITER: Aus dem Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnd wir schließen uns zusammen\nUnd wir halten uns zusammen\nJUNGARBEITER: Her vom Osten\nJUNGARBEITERINNEN\nUnzählbare Menschenwellen\nNord zum Süd\nJUNGARBEITER:\nHer vom Osten\nHin zum Westen\nVäter, Mütter, Brüder, Schwestern\nLaßt das Alter, lafei die Jugend\nLa&t die Führer, die Verführten\nSeid Genossen\nJUNGARBEITERINNEN: Auf zur Tat\nJUNGARBEITER:\nAuf Genossen\nAuf zur Tat\nWeg vom Osten\nHände weg\nARBEITER: Sollen wir\nARBEITERINNEN: Hört die Kinder\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nHört auf Kinder\nKinder hören\nKinder sehen\nKinder fühlen\nKinder wissen\nARBEITER und ARBEITERINNEN zusammen:\nDies Leben ist verloren\nIm Osten glüht das Licht\nDort ist das Leben geboren\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nKampf ist Pflicht\nALLE:\nUnser Kampf unsere Pflicht\nUnser Kampf unser Sein\nWir müssen sein\nDenn\nWir sind\nSTIMME: Feiermorgen\nGesang der Internationale"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c004", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "348", "page_fin": "348", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.4", "titre_corps": "Nachtlied", "titre_sommaire": "Nachtlied", "signature_source": "Rudolf Meissner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2625, "texte": "Nachtlied\nRudolf Meissner\nOmnibus wackelt lustig durch das schon\nschläfrig gewordene Licht, das die Bogen-\nlampen fleißig auf die Straßen gießen. Glatter\nAsphalt wirft den Frohmut der Aufo-Schein-\nwerfer matt zurück. Berlins tausend Normal-\nuhren melden zwei Uhr Nacht.\nUeber der Potsdamer Brücke hängt des Mondes\nViertel groß im Gezweig eines Baumes. Er sieht\nwie eine rötliche Schale aus, und der Baum\nwird wohl aus ihr trinken. Der Nachthimmel\nhat eine wunde Farbe; denn das elektrische\nLeuchten Berlins quält ihn.\nGugru steigt an der Potsdamer Brücke in den\nOmnibus. Breit hockt Gugru im Polster der\nOmnibus-Sitze und hüllt sich in das Gewackel\ndes Fahrens ein. Es ist wie eine Wiege für\ntraumsüchtige Kinder. Gugrus waches Denken\nertrinkt schon im Wellengang eines Schals\ngegenüber. Steil über dem Schal in einem\nhäßlichen Denkmalsgesicht starrt ein Monokel.\nReflexe von Lichtern laufen über des Monokels\nFläche Schlittschuh. Gugru auch.\nKitschiger Goldstrahl des Messings schiebt\nsich in Gugrus Schauen hinein. An der ge-\nputzten Stange hält sich eine helle Frau fest.\nSie sieht aus wie Lilian Gish. — Sie sieht\nwahrscheinlich nicht aus wie Lilian Gish, aber\nes ist nicht ihre Schuld, daß Gugru, wenn\nihm die Augen zufallen möchten, mit wunsch-\ngesteigerten Augen sieht.\nDa ließt jemand. Das Buch heißt: „Das ver-\ntrocknete Herz der Frau Kunigunde\". Die\nneun Gesichter der neun Omnibus-Passagiere\nsinken in Gugrus Blick hinein und schlüpfen\ndann in das Buch vom vertrockneten Herzen.\nKunigunde vergiftet Lilian Gish, weil beide\nden Bemonokelten lieben. Der Herr, der\ndauernd in die Zeitung stiert, tritt mit der\nZeitung an Lilians Sarg heran und liest ihr die\nletzte Theaterkritik vor. Schön ist der Sarg.\nKunigunde trägt ihr vertrocknetes Herz in der\nMondschale als Kleinod durch den Friedhof\nWeinend versenkt sie es in Lilians Grab.\nDie Handbewegung eines Freundes zerbricht\nplastisch das Schattenspiel. „Gugru, wo warst\ndu denn heute wieder?\" neigt sich eine Stimme.\n„Gugru, du siehst schlecht aus. Du trinkst\nin den Restaurants zu viel starken Tee spät\nnachts.\"\nDann sagt Gugru: „Du, ich bleibe im Omnibus\nsitzen, bis wir auf Madagaskar sind. Das ist\ndie Endstation. Auf Madagaskar haben die\nBäume durchsichtige Früchte.\"\nFein lächelt Gugru. Sein Freund weiß ja, daß\ner nicht verrückt ist. Nur zu sensibel. Vom\nvielen Teetrinken.\nDer Omnibus setzt die letzten Fahrgäste im\nVorort ab. Ueber die Allee hinweg zielen zur\nMilchstraße hin die Telegraphendrähte. Die\nSterne der Leier balancieren darauf.\nGugru nimmt den Freund am Arm und\nsagt: „Ob die Bäume der Allee je ganz wach\nsind?\" —\nFort wackelt der leere Omnibus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c005", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "349", "page_fin": "349", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.5", "titre_corps": "Linoleuomschnitt", "titre_sommaire": "Linoleuomschnitt", "signature_source": "Ivan Cargo", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 28, "texte": "Ivan Cargo: Linoleuomschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c006", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "350", "page_fin": "359", "image_debut": 10, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.6", "titre_corps": "Dramatische Situationen : I", "titre_sommaire": "Dramatische Situationen : I", "signature_source": "Walter Seidl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2256, "texte": "Dramatische Situationen\nI\nWalter Seidl\nIm Gezirk der Rück sichte\noder\nDer Untergang Europas\nBürgerliches Tranerspiel in 2 Akten\n1. Akt\nDie Bühne stellt vor: Plattform eines Omnibus\nEIN HERR IM STADTPELZ (- Konturen\neines Ichthyosaurus - steigt zu. Sticht\ndabei mit der Stockspitze einem\nzwerghaften, doch monokeltragenden\nVERWACHSENEN Monokel samt Auge\naus. Versehentlich. — Ohne zu zucken\nzum Schaffner): Einmal Zentralbahnhof,\nbitte!\nDER VERWACHSENE (- er stammt nicht\naus bester Familie und hält daher\ndoppelt auf gute Umgangsformen —\nder VERWACHSENE macht den Eindruck,\nals fände er es unschicklich, da& der\nIchthyosaurus sich in keiner Weise ent-\nschuldigt. Doch ist er im Augenblick\nganz darril beschäftigt, die gallertig\nrinnselnde Masse seines ehemaligen\nAuges mittels eines stark parfümierten\nTüchleins sorgfällig aufzutupfen. Dennoch\ngerät etwas davon auf den Handschuh\ndes fahrlässigen Täters.)\nDER HERR IM STADTPELZ (wischt mit einer\nGebärde des Ekels seinen Handschuh am\nRücken eines DRITTEN FAHRGASTES\nab, brüllt den VERWACHSENEN an):\nErlauben Sie - ? Passen Sie doch\netwas auf!!\n■ 'rV\nDER VERWACHSENE (mit Anzeichen be-\nginnender Gereiztheit): Entschuldigen Sie\nnur gütigst! (Der Ton, in welchem er\ndies sagte, war nicht ganz frei von Feind-\nseligkeit, doch auch der Timbre eines\nverzweifelt grimmen Humors schwang\nmit in der Obertonreihe dieser Aeuße-\nrung.)\nDER HERR IM STADTPELZ (aber - sein\nBlick ist fest und voll eiserner Konsequenz\nauf die leere Augenhöhle des Gegners\ngerichtet — bricht dieser Ironie die\nSpitze, indem er die Entschuldigung ernst\nnimmt): Bitte sehr. (Da entsteigt ;\nDER VERWACHSENE kurz blechern auf-\nlachend dem Omnibus.) , 4\n■i\nV/\nDER HERR IM STADTPELZ (blickt ihm köpf-\nschüttelnd nach. Schliefelich wendet er sich\nmitteilungsbedürftig an den DRITTEN\nFAHRGAST): Mir scheint - der war\nnicht recht im Kopfe!\nDER DRITTE FAHRGAST (eifrig): Und ein\nSchiüffel! Aber — ? Hauptsache — ?\nEr trägt Monokel!\nDER HERR IM STADTPELZ (nicht ohne\neinigen Stolz, doch auch ohne krasse\nUnbescheidenheil, berichtigt): Er trug\nMonokel!\n. 112 . ,\nDER DRITTE FAHRGAST (besser im Äilde):\nGlauben Sie! Naiv! Jetzt wird er's\neben überm andern Auge tragen!\nDER HERR IM STADTPELZ (seufzt leise, wie\nentmutigt, auf) 112\n. r\\'-''\nV\nVorh a n g"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1581, "texte": "2. Akt -\nGotisches Zimmer\nDER VERWACHSENE (tritt ein. Man bemerkt,\ndaß er jetzt über beiden Augen, von\nwelchen eines künstlich — es ist von der\nFirma A. Müllers Söhne, Wiesbaden, ge-\nfertigt — Monokel trägt. In der Haltung\nEines, der einen Monolog spricht):\n„Schuld, die mich erdrückt!\"\n(Er sieht aus, als wollte er diese Aeube-\nrung näher erklären; schließlich laßt er\nes aber mit einer geringschätzigen Be-\nwegung gegen das Parterre- und Logen-\npublikum hin sein. Statt dessen setzt\ner sich mit gekreuzten Beinen auf den\nBretterboden nieder, legt den Bauch frei,\nzieht aus der inneren Brusttasche einen\nFüllfederhalter, öffnet ihn wie zum\nSchreiben, sticht sich ihn aber plötzlich\ntief in den Bauch unten wo — Harakiri —\nlangsam von links nach rechts, dann\netwas nach oben — ein so abscheulicher\nund gemeiner Anblick, dal? selbst einige\nErinnyen, die ihn verfolgen, entsetzt\ndavonstieben. . . .\nVorhang.\nDie Därme des VERWACHSENEN quellen\nnoch unterhalb des Vorhanges ins Orchester\nhinein, ins Parkett .... Einige japanische\nInseln schwimmen in ihrem Brei heran.\nUnter welchem Vorgang man sich den Unter-\ngang des alten Europa zu denken hat. Denn\ndieses ist ein symbolistisches Stück. —\nApplaus. Die empörte Stimme eines EIN-\nTÄNZERS: „Masochismus auf der Bühne!!\"\nDie anwesende Gattin eines Jusiizrales ver-\nfällt in Lustkrämpfe. Demonstrativer Applaus\nauf der Galerie. Der staatliche Regierungs-\nvertreter wirft die erste Stinkbombe. Wird\nvom Stehplatz zur Ordnung gewiesen und\nvon einem städtischen Polizeiorgan abge-\nführt. . . .\nSTIMME DER STINKBOMBE (schlicht): Ich\nstinke."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c007", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "351", "page_fin": "353", "image_debut": 11, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.8", "titre_corps": "II : Die Rache des Psychoanalytikers Im Olymp.", "titre_sommaire": "II : Die Rache des Psychoanalytikers Im Olymp.", "signature_source": "Katholisches Mysterienspiel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.11", "debut_caractere": 1583, "fin_caractere_exclue": 2595, "texte": "II\nDie Rache des Psychoanalytikers\nIm Olymp.\nKatholisches Mysterienspiel\nDER DICHTERFÜRST (ruht in olympischer\nHaltung in einem thronartigen Stuhl.\nSeine hohe marmorne Siirn strahlt\nfaltenlos Erhabenheit. Das Olympierhaupt\nlehnt erdenschwerelos an den Fingern\neiner gepflegten, sensiblen Hand. Der\nBlick erkennend in Weiten gerichtet. In\nseinem milden Strahl scheint das Fieber\nfern sich vollziehender Menschheits-\nkatastrophen zu schwinden. Die Glieder\nder Dichtergestalt schlummern heiter\nentspannt aneinander, formen ein an-\nmutiges Bildwerk von der Ruhe, die über\nallen Wipfeln ist.\nDoch plötzlich breitet Kälte sich und\npeinliche Spannung die hellenischen\nZüge — die Brust reckt sich abweisend —\ndie Zeusaugen erfassen streng eine\nzwerghafte Gestalt in dunkelblauem\nSakkoanzuge, dunkles krauses Haar,\nein aufdringlich verbindliches Lächeln.)\nDIE ZWERGHAFTE GESTALT (verneigt sich\nsich wiederholt vor dem Olympier, reibt\nsich die Hände): Gestatten Exzellenz! -\nDoktor Ernst Mauthner. (Schielende\nVerbeugung.)"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2619, "texte": "DER DICHTERFÜRST (fast unwahrnehmbar\nkräuselt Spott seine Lippen): Nun —\ndas wäre ja an sich keine Katastrophe.\n— Wodurch könnte ich Ihnen dienlich\nsein, Herr Doktor?\nDR. MAUTHNER: O bitte sehr — danke\nverbindlichst, Exzellenz! Ich bin nämlich\nPublizist. Mitarbeiter der Zeilschrift für\nneuere psychiatrische Forschung. Dürfte\nich mir erlauben, in dieser Eigenschaft\neinige Fragen an Exzellenz zu richten ?\nDER DICHTERFÜRST: Aber gewiß nicht,\nHerr Doktor.\nDR. MAUTHNER (späht durch die Glä er\nseiner Hornbrille betreten in das Antlitz\ndes Dichterfürsten, lächelt gezwungen):\nExzellenz würden sich t edeutende Ver-\ndienste um die neueste Forschung er-\nwerben - !\nDER DICHTERFÜRST (aus seiner Antwort\nströmt Eiseskälte): Mein Bedürfnis nach\nUngestörtheit überwiegt diesen Ehrgeiz.\nEs hat mich sehr gefreut, Herr Doktor!\n(Leichtes Neigen des Hauptes)\nDR MAUTHNER (nimmt Platz): Sie ge-\nstatten\nDER DICHTERFÜRST (tönend): Nein, Herr,\nich verbiete es!\nDR. MAUTHNER (lehnt sich behaglich in\nseinem Sitze zurück): Moment bitte!\n(Schiebt mit der flachen Hand einige\nGummizuckerln in den Mund, blickt\nkauend dem Olympier dreist ins Ge-\nsicht): Ihre olympische Haltung, mein\nHerr, ist gerechtfertigt durch Ihr Dichter-\ntum -\nDER DICHTERFÜRST (sucht flammend zu\nunterbrechen): Herr\nDR. MAUTHNER (rasch fortsetzend): Ihr\nDichtertum jedodi — wissen Sie, woraus\nes entstand? — —\nDER DICH 1 ERFÜRST: Herr! Ich verbitte\nmir !!\nDR. MAUTHNER: Also Ich wer d's Ihnen\nsagen. Sie haben natürlich Komplexe.\nDiese Komplexe\nDER DICHTERFÜRST: Herr !!\nDR. MAUTHNER: Di ese Komplexe er-\nzeugen in Ihnen Spannungen, die allein\nIhr Künstlertum hervorrufen. Sobald sie\nwegfallen, sind Sie nicht mehr imstande\nzu dichten. Wir können diese Spannun-\ngen Ihnen jederzeit weganalysieren. Sie\nsind Dichter also nur von unseren\nGnaden, bitte das nicht zu übersehen.\n- Wie steht es jetzt mit dem Interview?\nDER DICHTERFÜRST (starrt sprachlos er-\nzürnt in die feixende Maske. Plötzlich\nbrüllend): Hinaus!!!\nDR. MAUTHNER (sich erhebend): Gemacht.\nAlso werde ich Ihnen die Spannungen\nweganalysieren. Wird sich zeigen, ob\naußer der olympischen Haltung nachher\nnoch etwas vorhanden ist!\n(Er schliefet Türen und Fenster, zieh! alle Vorhänge zu)\n(Nach ungefähr 2 Stunden öffnet er alles wieder)\nDER DICHTERFÜRST (liegt erschöpft in\nseinem Throne).\nDR. MAUTHNER (setzt sich mit lässig über-\nschlagenen Beinen ihm gegenüber): So.\nDichten Sie jetzt, Exzellenz!\nDER DICHTERFÜRST (betrachtet ihn ver-\nächtlich. Ermannt sich. Richtet sich\nwieder zu olympischer Haltung auf....\nNie war er olympischer dagesessen!\nUnd sinnt):\nDR. MAUTHNER (nach einer Weile höhnend):\nHöhö!"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1071, "texte": "DER DICHTERFÜRST (errötet, sinnt heftig\nweiter): —'w—Nichts.\nIn seinem Gesicht malt sich Entsetzen\nüber sein Unvermögen. Auf seiner\nStirn steht es feucht.)\nDR. MAUTHNER (strahlend): Was sagen\nSie jetzt? Geben Sie 's schon billiger?\nIch sage Ihnen, Sie sind leer wie ein\nleeres Fafj!\nDER DICHTERFÜRST (angstvoll): Warten\nSie — ! (Blickt scheu auf das Schicksal\nihm gegenüber. Endlich in schuld-\nbewußtem Ton): Ihr naht euch wieder,\nschwankende Gestalten, die früh sich\neinst \" —\nDR. MAUTHNER (unterbrechend): Bitte,\nmachen Sie mir nichts vor! Das haben\nSie gedichtet, wie Sie eben noch die\nKomplexe hatten, jetzt dichten —\nhaha!\nDER DICHTERFÜRST: Ja - stimmt! (Blickt\nwie ein ertappter Schuljunge zu Boden):\nWarten Sie — ! Habe nun — ach!\nDR. MAUTHNER (feindselig): Ja freilich —\nHabe nun ach .... Aus is, Exzellenz!\nMich sehr gefreut. Habedieehre!\nEmpfehlemich!\n(Feixend und mit übertriebenen Bücklingen ab)\nDER DICHTERFÜRST (gellend): Einen Kom-\nplex ! Einen Komplex! Götter - einen\nKomplex!! (Bricht zusammen und\nwälzt sich in epileptischen Zuckungen\nam Boden.)\nVorhang"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c008", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "353", "page_fin": "354", "image_debut": 13, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.9", "titre_corps": "III : Hero und Leander Sexual-Tragödie", "titre_sommaire": "III : Hero und Leander Sexual-Tragödie", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.13", "debut_caractere": 1073, "fin_caractere_exclue": 2138, "texte": "III\nHero und Leander\nSexual-Tragödie\nStrand am Bosporus, Mondnacht.\nHERO aufgeregt mit einer Fackel hin und her\nstammelnd: Leander! Süfeer! Starker!\nWo bleibst Du? .... Vergehe . . . .\nQual Zu mir!! Göttliche\nWonnen — —— — — ah!\nLEANDER (kriecht ohne Atem ans Land.\nZu Tode erschöpft): Hero! Weh!\nSterben — vereint - Geliebte!\nHERO (stöfet zu ihm): Meine Wonne! Was\nist Dir?\nLEANDER (weist mit ganz schwacher Gebärde\nauf das Meer, das er durchschwömmen.\nBlickt todestraurig auf Hero): Für Dich,\nGeliebte, tat ich das Unmenschliche.\nDich wiedersehen — ach! Nun kanns\nzu Ende gehen! — (Sinkt zu Boden.\nHERO hält ihn in ihren Armen)\nHERO (mit den Händen seinen Körper\nentlang streichend): Du „tatst \" Un-\nmenschliches, Götllicher ? Perfektum\nhier anzuwenden scheint mir unkorrekt.\nDu wirst Unmenschliches tun! Oh\nGnadenspender — die Nacht liegt vor\nuns!\nLEANDER (verlöschend in Müdigkeit):\nSchlafen! — An Deinem — Herzen!\nHERO (erschrocken, erregt): Was?\nLEANDER (tiefe Atemzüge) — — — —\nHERO (rüttelt ihn entsetzt): Jetzt wirst Du\nschlafen ?\nLEANDER (träumend): Ruhe!"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 676, "texte": "HERO (in Tränen): Du liebst mich nicht,\nGottloser!\nLEANDER (schnarcht)\nHERO (ergrimmt, läßt seinen Kopf auf einen\nStein auffallen, daß er erwacht und auf-\nspringt. Schreiend): Warum kamst Du\ndann überhaupt herübergeschwommen ?\nLEANDER (ernst): Um Dir zu beweisen, daß\nich Dich liebe!\nHERO (etwas versöhnt): Dann beweise es\nmir, wie es sich gehört! (Schmiegt sich\nan ihn.)\nLEANDER (scheint im Stehen wieder einzu-\nschlafen. Im Tonfall völliger Lethargie):\nJa, warum kam ich eigentlich herüber-\ngeschwommen ?\nHERO (Furie. Peitscht ihn mit der Fackel\nwieder ins Meer zurück): Verschwinde\nNeborhant!!\nLEANDER (springt resigniert wieder in die\nFluten): Luder! (Geht unter.)\nVorhang"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c009", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "354", "page_fin": "359", "image_debut": 14, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.10", "titre_corps": "IV : Reisende Gipsfiguren", "titre_sommaire": "IV : Reisende Gipsfiguren", "signature_source": "Okkultes Drama", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.14", "debut_caractere": 678, "fin_caractere_exclue": 2334, "texte": "IV\nReisende Gipsfiguren\nOkkultes Drama\nSzene:\nDas Innere einer plombierten Kiste,\nderen Deckel die Adresse des Autors\nträgt. (Abs.: Exposition internationale\ndesArts Decoratif, Paris. Bureau deVente.\nCollection Nötre Dame). Zollstempel.\nRegiebemerkung:\nDie Kiste bildet einen Teil der Ladung\neines auf der Strecke Paris—Calten-\nstallung laufenden Güterwagens.\nPersonen (oder besser: Figuren):\nMEPHISTO (unwirklich groß, unwirklich\nmager. Fast Linie. Bei aller Ver-\nschlagenheit majestätisch und machtvoll,\nGott ein ebenbürtiger Gegner. Gelbes,\nzerklüftetes Vogelgesicht in Karstgebirgs-\ncharakter. Finger wie gelbe Fäden, am\nRücken verborgen um einen Dolch ge-\nspannt. Im Ganzen ein Schatten, aus\nwelchem kampfbereit das Ideal des\nZerstörens und unheimlich aufblitzt).\nBUDDHA (schwer, fettig. Gedunsene Wasser-\nleiche. Buntfarbige Kleidung öffnet sich\nüber einem wie flüssiges Siegellack\nquellenden Bauch. Im Antlitz ein träges\nLächeln letzter, aber energieloser Er-\nkenntnis, das den widerstrebenden\nBlick bannt).\nQUASIMODO (viel eher „VERHUNGERNDER\nBETTLER\". In Qual gekrümmter Leib.\nDie Haut ist über Knochen gespannt\nwie von Sonne gedörrtes Segeltuch.\nWeitaufgerissene Augen. Konkav ge-\nschrumpfter Bettelsack. Gichtisch-blutlose\nHände vor Schmerz in die Magengegend\ngepre&t).\nTRAUERNDE NONNE (eigentlich nur ein\nGewand; selbst das Haupt ist von einer\nKapuze verhüllt. Aber die Falten des\nTrauergewandes drücken Leid und\nHoffnungslosigkeit aus).\nZWEI WASSERSPEIER (Architektenwitze,\ngotische Fabelwesen. Aufgehängt und\nvon unten besehen wie keifende Weiber\nmit Halstüchern).\nLÄCHELNDER MÖNCH (nur eine ver-\nschmitzte Nase blickt aus der braunen\nKutte)."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2740, "texte": "CHINESISCHES GLÜCKSGEHEIMNIS (drei\nuralte Affen in sauberen Röcken eng\naneinanderhockend. Der erste hält sich\ndie Augen zu, der zweite die Nase,\nder dritte die Ohren. Was etwa be-\nsagen soll: Nichts sehen, nichts riechen,\nnichts hören! Bequem, nicht?])\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (der erinnert\nstark an einen Oberlehrer aus dem\nnächsten Bekanntenkreise. Vielleicht\nwird er das bei fortschreitender De-\ngeneration auch noch einmal. In einer\nspateren Existenz!)\nBUDDHA-ASCHENBECHER (von der Ver-\nkaufsstelle als Prämie gratis dazugepackt.\nDer gleiche fettige Gott, en miniature,\nmit gleichem Lächeln und gekreuzten\nBeinen auf einem Behälter für Zigarren-\nasche thronend)\nEINE GELBE KIRCHENLATERNE (Mauso-\nleum)\nEINE ROTE KIRCHENLATERNE (Krema-\ntorium)\nDIE FAKTURA (in einem unverschlossenen\nBriefumschlag)\nSPRECHENDE MENTALE SCHWINGUNGEN\nDES AUTORS\nDER ZOLLBEAMTE (Bayer)\nNoch eine Regiebemerkung: - (Leider nicht\nzu umgehen! Kann jedoch wegbleiben.) -\nEs bleibt dem Ermessen des schöpferischen\nRegisseurs überlassen, in welcher Weise\ner dem Publikum andeutet, daß der Autor\nzu Beginn der Szene einen Augenblick in\nVerlegenheit ist, was er mit diesem\ngotisch-ostasiatisch-kommerziell-astralen\nGesindel nun eigentlich beginnen soll.\nFerner sind durch die Regie etwa folgende\nGedankengänge klar zu machen: Man\nmuß nicht unbedingt an okkulte Phäno-\nmene glauben, um dennoch einzusehen,\ndaß eine derartige Reisegesellschaft, mit\ngrausiger Willkür in einer Kiste zu-\nsammengepfercht und völlig im Unge-\nwissen über Ziel und Zweck dieses\nVorganges, schließlich bemüht sein wird,\ndie gemeinsame Fahrt im Güterzuge\nund das allgemeine Unbehagen darüber\ndurch Gespräche erträglicher zu gestalten.\nUnd zweifellos ist der Drang nach Mit-\nteilung ein so heftiger, daß er schließlich\nüber die Grenzen des Stofflichen trium-\nphiert und sich in einer ganz europäisch\nklingenden Sprache Luft macht. Die\nSpannung in den Physiognomien der\nmit der Unbeseeltheit und Stummheit\nder Materie ringenden Skulpturen muß\nunter allen Umständen, vielleicht durch\nBeleuchtungseffekte, hervorgehoben\nwerden. Desgleichen die merkwürdige,\ngegenseitige Gereiztheit, die sich im\nLaufe der Unterhaltung bei fast allen\nFiguren, wahrscheinlich aus dem Gefühl\nihres gemeinsamen Mißgeschickes her-\naus, einstellt.\nBeginn\nOUVERTÜRE: Die Melodie in den Falten\ndes Trauergewandes der Nonne erhebt\nsich aus düster-tragischem As-moll\nOrgelpunkt zum schattenhaft strahlen-\nden Fis-moll- Motiv des kosmischen\nLeidens.\nIn Gegenbewegung, kontrapunktisch\ndurchgeführt, bilden die Därme des\nverhungernden Bettlers krachend den\nGeneralbaß dazu. Ferne C-dur-Fanfare.\n(Wie sich später herausstellt, kommt sie\naus der dem Theater gegenüberliegenden\nKaserne, wo eben der „Zapfenstreich\"\nabgeblasen wird.)"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2959, "texte": "Mit 3 laufen Paukenschlägen, die eine\nverspätete Dame im Zuschauerraum mit\nihrem Klappsitz verursacht, schliefet die\nOuvertüre.\nMEPHISTO (in der Haltung eines Kirchen-\nfürsten spricht mit einer weichen, wohl-\ntuenden Stimme aus seiner Ecke): Hat\ndenn von den Herrschaften niemand\netwas Efebares mit ? Man sieht wohl nicht,\ndafe einer unter uns Hungers stirbt?\nLÄCHELNDER MÖNCH (birgt seine Nase\nnoch tiefer in der Kapuze, ein schüler-\nhaft heftiges Lachen unterdrückend). —\nGELBE KIRCHENLATERNE (statt seiner zu\nMephisto): Wissen Sie, dafe gerade Sie\nsich darum annehmen - hihihi! Ich\nweife schon, wer Sie sind!\nERSTE WASSERSPEIERIN: Ich kann diese\nReisegespräche überhaupt nicht leiden!\nSchon diese albernen Vorwände, eine\nUnterhaltung anzuknüpfen!\nVERHUNGERNDER BETTLER (hat mit weit-\ngeöffneten Jenseitsaugen gelauscht. Jetzt\nim höchsten Stolz zu Kirchenlaterne\nund Wasserspeierin): Ich danke Ihnen\nmeine Damen, aber ich verzichte auf\nIhre freundliche Intervention! Ich bin\nManns genug, derartige Angelegenheiten\nselbstauszutragen! (Gegen Mephisto hin):\nDass ich Hungers sterbe, ist eine Be-\nhauptung, die ich schlechthin nur als\nunverschämt von Ihnen bezeichnen kann!\nEs fragt sich erst, mein gnädiger Herr,\nwer von uns beiden das gröfeere Ein-\nkommen hat! Ich bin doch schließlich\nnicht aus purer Menschlichkeit Bettler\ngeworden! Nein, für so dumm brauchen\nSie mich wirklich nicht zu halten!\nUebrigens - wollen Sie etwa be-\nhaupten, gut genährt auszusehen ?\nDas würde die Herrschaften jedenfalls\nsehr belustigen, haha - Sie. . (wütend):\n... Sie ~Philantrop\"!\nMEPHISTO (errötend darüber, dafe er sich\nalso vergessen konnte): Der Ausdruck\n„Philantroph\" trifft nicht ganz zu, mein\nHerr! Ich empfand zwar Mitgefühl, aber\ndoch nur für mi ch selbst. Habe mir\nalso durchaus nichts vergeben. Ich weih\nnicht, wohin man uns bringt — die\nAllwissenheit hat sich leider mein hoch-\nverehrter Herr Kollege, der liebe Gott\nvorbehalten, mit welchem ich mich\nübrigens nur wegen einiger theologischer\nStreitfragen entzweit habe, . . . dafür ist\ner gestaltlos, wogegen ich eine höchst\naparte Gipsfigur bin . . . Was wollte ich\naber sagen? Ach so! Ich weih also\nzwar nicht, wohin man uns bringt,\nohne Zweifel aber wird es eine Reise\nvon mehreren Tagen werden, und da\ndachte ich eben, daß eine Leiche im\nRaum aligemein störend . . .\nBUDDHA-ASCHENBECHER (ihn taktlos\nunterbrechend): Ich möchte nur gerne\nwissen, ob man z. B. auch Christus-\nköpfe als Türklinken oder dergleichen\nzu verwenden wagt! (Niemand kümmert\nsich um ihn )\nVERHUNGERNDER BETTLER (schmerzlich\nbewegt zu Mephisto): Ich wollte, ich\nwäre bereits so weit, dafe ich Ihnen\nnoch recht lange unter die Nase stänke,\nSie .. . Sie!! Bilden Sie sich vielleicht\nauch schon ein, Sie seien wer? Ein\narmer Teufel sind Sie, verstanden?!\nKeine Seele kümmert sich um Ihre Ein-\nflüsterungen ! Schauen Sie sich nur die\nLiteratur an, was Sie in der für eine\njämmerliche Rolle spielen! In jedem\ngedruckten Werk setzt man sich nach"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2474, "texte": "wie vor noch für den Triumph des Guten\nein. Oder, wie viele anständige Mädchen\nes noch gibt! Also seien Sie etwas be-\nscheidener, Sie verpatzter Dämon!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (gebieterisch):\nKeine Pöbeleien, meine Herren! Ich\nmache Sie aufmerksam, daß Damen\nanwesend sind, deren eine dazu in tiefer\nTrauer. Ich werde nicht zulassen, daf?\nder Streit Formen annimmt, welche\ndas Empfinden der Damen beleidigen\nkönnten! — (Er lächelt den „Damen\"\nzu und kaut weiter an seinem Knochen.)\nVERHUNGERNDER BETTLER (fährt auf):\nUnerhört! Mit welchem Recht wirft\nsich der Hund zum Beschützer auf?!\nZWEITE WASSERSPEIERIN (schrill): Weil er\nhier anscheinend der Einzige ist, der\nAnstand besitzt!\nBUDDHA-ASCHENBECHER (laut, jedoch\nabermals nur für sich): Oder ein\nMohammed als S p a rbü ch s e!!\nHÜNDSKOPF MIT KNOCHEN (den ver-\nhungernden Bettler scharf fixierend):\nIch mache weiter aufmerksam, dafc ich\ngegebenenfalls auch von meinem\nKnochen Gebrauch zu machen wissen\nwerde!\nERSTE WASSRSPEIERIN (zur Zweiten): Sicher\nein Akademiker!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (sich vor-\nstellend ): Gestatten die Damen! Ober-\nlehrer — (der Name bleibt unver-\nständlich).\nMENTALE SCHWINGUNG DES AUTORS:\nAlso doch!\nROTE KIRCHENLATERNE (harmlos vor sich\nhin): Krematorium, hihi!\nVERHUNGERNDER BETTLER (zum Ober-\nlehrer): Ein Dreckkerl sind Sie! Kommen\nSie her, ich hau Sie an die Wand! Sie\nhaben keine Intelligenz im Kopf! Ic h\nhabe den Krieg mitgemacht, war in\nSibirien — !\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (betreten):\nGestatten Sie. — Sind Sie honorig ?\nVERHUNGERNDER BETTLER: Ich bin kein\nBettler, Sie Lackel! Ich bin Quasimodo,\nder Pförtner von Nötre Dame, bin in\nder Literatur - !\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN: Portier sind\nSie!\nQUASIMODO: Pförtner, Sie Schweinehund!\nIch koste mehr als Sie! Wenn ich von\nmeinem Postament herunterkomme,\nhau ich Ihnen die - !!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (bleich zu den\nWasserspeierinnen): Nachtusch! Schon\nerledigt. (Wirft einen scheuen Blick auf\nQuasimodo.)\nCHINESISCHES GLÜCKSGEHEIMNIS (alle\ndrei Affen halten sich auf einmal die\nNasen zu): Pfui Teufel! Nur weg von\ndem Kerl!\nMEPHISTO: Bitte ?\nERSTE WASSERSPEIERIN (zum Hundskopf,\nlispelnd): Wieviel haben Sie denn ge-\nkostet, Herr Studienrat ?\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (flüsternd):\nIch bin die teuerste Figur überhaupt.\nSie dürfen es aber nicht weitersagen!\nDIE FAKTURA (gleitet aus dem Kuvert und\nbreitet sich aus): Unverschämt! Die\nbilligste sind Sie! Sie stehen auf mir\nganz am Ende!\nQUASIMODO (höhnische Lache): Da sieht\nman! So ein Gipstrottel!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2480, "texte": "BUDDHA: Was tut der Stoff? Aus Gips\nsind wir alle geformt. Die Form ist\nvergänglich, aber der Gips wird weiter-\nbestehen !\nDIE FAKTURA: Pardon! Ich bin aus Papier!\nMischboche! (Faltet sich wieder zu-\nsammen und kriecht angewidert in ihr\nKuvert zurück.)\nQUASIMODO (zu Buddha): Sie sind durch\ndie Ereignisse des Weltkrieges praktisch\nad absurdum geführt!\nBUDDHA: Dafür bin ich von Euch allen\nhier der Schwerstwiegende. Neun Kilo-'\nFür mich mußte durch den Spediteur\neine spezielle Einfuhrbewilligung vom\nMinisterium eingeholt werden.\nMENTALE SCHWINGUNGEN DES AUTORS:\nWenn Gewichtszölle man in Anrechnung\nbringt und nicht bald Tantiemen ein-\nlaufen, bin ich verloren!\nMEPHISTO (in wärmstem Mitgefühl zur\ntrauernden Nonne): Wie muß diese\nUnterhaltung Sie schmerzen! Gewisser-\nmaßen körperlich —. Sie haben gewiß\nein liebes Kind verloren! — ? —\nLÄCHELNDER MÖNCH (seine Nase funkelt\nverschmitzt).\nGELBE KIRCHENLATERNE (statt seiner):\nKreuzhimmelbombenkrematorium ! ! !\nEin unerhörter Zynismus! Einer Ge-\nweihten gegenüber! Wann wird end-\nlich !!!\nBUDDHA-ASCHENBECHER (laut für sich):\nIch muß mich ins Symbolhafte retten!\nDie Zigarettenasche zu meinen Füßen —\nmir dargebracht als Ausdruck, daß alles\nvergänglich ist. Eben das Ueberfließen\nder Weltenseele in —!\nROTE KIRCHENLATERNE (ihm heiß zu-\nflüsternd): Ich sehe, wir haben Be-\nrührungspunkte, mein Herr! Ich ver-\nstehe sehr gut, was Sie da eben sagten.\nKrematorium, nicht wahr ? ja, ja.\nQUASIMODO (seine Därme krachen).\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (rügt es): Das\nhat einen Anstand! In Damengesell-\nschaft !\nQUASIMODO (nur mehr verächtlich): Scheiß-\nkübl!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN: Ich werde es\ndem Absender nie verzeihen, daß er\nmich nicht separat verpackt hat. In\nsolcher Gesellschaft muß man heute\nreisen! Das sind die Vorteile der\nDemokratie!\n(Durch eine Erschütterung, die der ziem-\nlich jäh anhaltende Zug verursacht, wird\ner zwischen die beiden ältlichen Wasser-\nspeierinnen geschleudert, die gleich be-\nglückt und eifrig auf ihn einspeien.)\n(Plötzlich erstarren alle Figuren wieder\nzu der ihnen angeborenen Unbeseelt-\nheit, denn der Deckel der Kiste wird\nabgehoben und über die Oeffnung\nneigt sich ein rotes, gutmütiges Beamten-\ngesicht mit grüner Tellermütze. Offen-\nbar ist die Landesgrenze erreicht. Eine\nHand, die wohl ein Werkzeug dieses\nBeamtenhauptes ist, greift in die Kiste,\nzieht einen Gegenstand nach dem\nandern ans Licht und überreicht sie\neinem unsichtbar bleibenden Indi-\nviduum. Jedenfalls zur zollamtlichen\nBehandlung.)"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 631, "texte": "DER ZOLLBEAMTE (gibt die Faktura weiter):\nA Briaf!\n(zieht Mephisto ans Licht): A Manndl!\n(Buddha): A Reklam für Marienbad!\n(Quasimodo): A Tuifl!\n(Die trauernde Nonne): A schwoarz's\nMensch! Ma siacht jo gotnixi!!\n(Die beiden Wasserspeier): Jo, wos war\ndenn nacha dös? Jo gübts dös a?? -\n(ansagend): Zwoa Viacha !!\n(Den lächelnden Mönch): A geischilinger\nhochwürdiger Herr!\n(Das chinesische Glücksgeheimnis): Oan,\nzwoa, drei Hundala!\n(Den Hundskopf mit Knochen): No a\nViacherl!\n(Den Buddha-Aschenbecher): A Tölla\nmit an G'scheerten !\n(Die gelbe Kirchenlaterne): A Liacht-\nfunzn!\n(Die rote Kirchenlaterne): No a Liacht-\nfunzn!\nVorhang"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c010", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "359", "page_fin": "359", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.11", "titre_corps": "V : Letzte Dinge", "titre_sommaire": "V : Letzte Dinge", "signature_source": "Komödie", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.19", "debut_caractere": 633, "fin_caractere_exclue": 963, "texte": "V\nLetzte Dinge\nKomödie\nRICHARD WELTKÜBL: (langsam von links\nnach rechts über die Szene).\nHONORE KANTISCH (von der anderen\nSeile, grüßt ernsl): Wie geht es Dir,\nWeltkübl ?\nRICHARD WELTKÜBL (nur müde Hand-\nbewegung. Ab.)\nHONORE KANTISCH (steht sinnend).\n— (Von außen ein Schuß.) —\nHONORE KANTISCH (ermannt sich): Na\nja! (Ab)\nVorhang"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c011", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "360", "page_fin": "365", "image_debut": 20, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.12", "titre_corps": "François Villon", "titre_sommaire": "François Villon", "signature_source": "Carl Brinitzer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2955, "texte": "François Villon\nCarl Brinitzer\n\nC'estoit Ia mere nourriciere\nDe ceux qui n'avoient point d'argent.\nA tromper devant et derriere\nestoit un homme dilligent\n(Repues franches)\nEr peitschte das Leben und ward gepeitscht.\nSpielte mit dem Leben, ein Spielball des Lebens.\nIn der Gasse geboren, an die Gasse verloren,\nsang er sein Lied wild in die Welt hinaus.\nDen Dolch in der Hand, das Lied auf der\nZunge, hetzle er als Strolch durch die Lande,\nunstet wandernd, raubend und plündernd, arm\nund geächtet.\nSeine Zeit war wild, war die Zeit des hundert-\njährigen Krieges zwischen Frankreich und\nEngland. Kriegsvolk und Pest wüteten. Arm\nwar Frankreich, blutend aus tausend Wunden.\nIm Jahre, da auf dem Markte zu Rouen\n„Jeanne, qui s'est fait nommer la Pucelle\" ver-\nbrannt wurde, im Jahre, da man ihre Asche\nin die Winde, ihr Herz in die Seine warf,\nward zu Paris Francois Villon geboren, wie\nJeanne d'Arc Vorkämpfer der Freiheit, Kind\ndes Volkes.\nArm ward ich geboren.\nArm bin ich noch heute.\nVater und Großvater\nArme Leute.\nDie Armut quält uns, will uns nicht\nschonen.\nKeiner der Reichen sich mild erbarmt.\nDoch bei den Seelen, die Gott umarmt,\nDa sieht man nicht Scepter, sieht man\nKronen. (Testament XXXV)\nAus seinem Testament klingen diese Worte.\nEwig ihr Klang. Ewig ihr Wert.\nSchüler in den Kollegien der Faculte des Arts,\nlebte er faul und darbend toll in den Tag\nhinein.\nAch Gott! Wenn ich doch einst geschuftet\nhätte\nin jener wirren, wilden Zeit der Jugend.\nWenn ich gelebt ein Leben voller Tugend,\nso hätt ich jetzt ein Haus, ein warmes Bette.\nZum Teufel! Wie ein fauler Wicht\nDie Schule flieht, gab's auch für mich dort\nnie ein Bleiben.\nNun, da die müden Finger diese Worte\nschreiben,\nfehlt wenig, daß mein Herz mir bricht.\n(Testament XXVI)\nAn den Unruhen der Studenten nahm er teil;\nwar Haupt einer Gaunerbande, die Paris durch-\nzog, war Feind der Bürger und Freund der\nDirnen. —\nUm eine Dirne schlug er sich mit einem Priester.\nErschlug den Priester; mußte Paris verlassen-\nTrieb sich mit einer Diebesbande umher; schrieb\nin deren Gaunersprache eine Anzahl Balladen.\nKehrte nach einem Jahr dann im Besitz zweier\nGnadenbriefe heim nach Paris. Doch er konnte\ndas Rauben nicht lassen. Erbrach mit Genossen\n— unter ihnen auch ein Geistlicher — eine der\ntheologischen Fakultät des College de Navarre\ngehörende Kasse, für seinen Teil hundertzwanzig\nTaler erbeutend. Wieder mußte er flüchten.\nZog als Vagant durch die Welt. Kurzer Aufent-\nhalt an den Höfen des Herzogs von Orleans\nund des Herzogs von Bourbon. Längerer\nAufenthalt im Gefängnis des Bischofs Thibault\nd'Aussigny von Orleans, aus dem ihn LudwigXl.\nauf seiner Krönungsreise befreite. Wieder zog\nes ihn nach Paris. Wieder zog man ihn vor\nGericht. „Wegen Mangels an Beweisen\" wohl,\nnicht weil er unschuldig war, wurde er frei-\ngesprochen. Bald aber saß er wiederum auf\nder Anklagebank. Bei einer blutigen Rauferei\nhatte man ihn festgenommen. Er hatte das\nbischöfliche Gericht verhöhnt. Sein Maß war"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2646, "texte": "voll. So wurde er zum Tode verurteilt. Rasch\ndichtete er noch:\nIch bin Franzose. Ach! Wie wird darob\nums Herz mir bang.\nGeboren bin ich zu Paris, der kleinen Stadt.\nAn einem Stricke baumelnd, der ein Klafter\nlang,\nWeiß bald mein Hals, welch ein Gewicht\nmein Hintern hat.\nGalgenhumor grinst noch aus diesen Versen.\nBald aber ward ihm „mulmig\" zu Mut. Schon\nsah er sich am Galgen baumeln und verwesen.\nEr schrieb das „Galgenlied\".\nBrüder, die ihr atmet, ob wir auch gehenkt,\nBrüder, so ihr uns Armen Mitleid schenkt,\nBrüder, so ihr im Herzen uns Sündern\nnicht grollt,\nIst euren Sünden ewig der Ewige hold.\nHier seht ihr uns baumeln: fünf, sechs\nKumpane.\nWir zittern im Wind wie die Wetterfahne.\nDas Fleisch verwest, das wir einst so\ngemästet.\nEs fault unser Fleisch und riecht wie\nverpestet.\nStaub werden die Knochen, verspottet uns\nnicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nHier baumeln wir zu Liebe der Gerechtigkeit.\nDaß wir euch dennoch Brüder nennen,\ndies verzeiht.\nIhr wißt: Nicht alle Menschen haben\nruhig Blut.\nIhr wißt: Nicht alle Menschen handeln\newig gut.\nFür uns're Seelen, Brüder, betet ohne Groll,\nDaß uns der Sohn der Gnadenreichen\nhelfen soll,\nDaß seine Gnade uns nicht ewig fehle,\nDaß seine Gnade rette uns're Seele.\nWir sind krepiert nun! Verspottet uns nicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nDer Regen hat uns gewaschen den Kopf,\nFuß und Hand.\nDie Sonne hat uns getrocknet und schwarz\ngebrannt.\nRaben krächzten. Haben die Augen uns\nausgehackt.\nAn den Augenbrauen und am Bart uns\ngezwackt.\nWir ruhen am Galgen. Ob wir auch ruhlos\nsind.\nPendeln hin. Pendeln her. Und es schlägt\nuns der Wind.\nUnd es schlägt uns der Wind und peitscht\nuns im Rücken.\nUnd die Vögel wi'd unsere Leiber zerstücken.\nIhr Brüder aber verspottet uns nicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nHerr Jesus, der Du Gnade für Alle hast,\nSieh1, daß uns nicht der Teufel am Kragen\nfaßt.\nHängt am Leben, Brüder! Hängt am Galgen\nnicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nDoch das Leben des göttlichen Galgenstricks\nendete nicht am teuflischen Strick des Galgens.\nVom Parlament begnadigt, des Landes ver-\nwiesen, jagte er wiederum durch die Lande,\nziellos und mittellos, unbekannt und verkannt,\ngehetztes Wild, ein wilder Geselle.\nVerweht sind seine Spuren. Wie Spreu im\nWinde verweht seine Verse. Mühsam ge-\nsammelt von emsiger Hand schrillt sein Werk\ndurch die Jahrhunderte, zeitbedingt und zeitlos\nzugleich. Frisch und derb packen seine Balladen\nden Tag. Die Formen einer schwülstigen Zeit"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 608, "texte": "sprengend, Blut und Glut in jagende Rhythmen\nzwängend, steht Francois Villon — ein Riese\nunter Zwergen — in Frankreichs Dichtung an\nder Schwelle der Neuzeit. Wild ist sein Hohn.\nSeine Verse sind trunken, berauschend der\nKlang seiner Lieder. Irr und wirr war sein\nLeben, war wüst und roh. Aber hätte er\nanders gelebt, so hätte er anders gesungen.\nJener unheimliche Takt hätte gefehlt, der\nClement Maroot, Rabelais und Moliere gepackt,\nder Rosetti und Swinburne begeisterte, der\nDehmel und Klabund zu Nachdichtungen\nhinriß, der hinreißen wird, solange Menschen\nauf Erden, die noch im Abschaum den Schaum\nsehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c012", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "361", "page_fin": "361", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.12.1", "titre_corps": "Selbstporträt", "titre_sommaire": "Selbstporträt", "signature_source": "Prof. Avgust Cernigoj", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 36, "texte": "Prof. Avgust Cernigoj: Selbstporträt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c013", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "363", "page_fin": "363", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.12.2", "titre_corps": "Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt", "signature_source": "Prof. Avgust Cernigoj", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 38, "texte": "Prof. Avgust Cernigoj: Linoleumschnitt"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c014", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "364", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.13", "titre_corps": "Ballade", "titre_sommaire": "Ballade", "signature_source": "Villon ; der dicken Margot", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.24", "debut_caractere": 610, "fin_caractere_exclue": 2750, "texte": "Ballade\nvon Villon und der dicken Margot\nVerdammt, bin ich ein wüster Schuft denn vor\ndem Herrn?\nBei Gott! Ich diene meinem dicken Liebchen gern.\nEs reizen mich ihre Reize. Naht ihr ein Strolch,\nschütz ich mutig me;n Liebchen mit Degen und Dolch.\nWenn Gäste kommen, greif' ich zum Kiug sofort;\nund ich füll' ihn mit Wein. Und ich ied' kein Wort.\nUnd ich bring' ihnen Früchte und Käse und Brot,\nhole alles geschwind nach der Gäste Gebot,\nWenn die Gäste zahlen, so sag' ich: „Habt Dank\nund führt Sie der Weg hier mal wieder entlang,\ntreten Sie ein und treten Sie aus!\nBitte Sie, Gast zu bleiben\nim Haus der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\"\nOft gibt's Gezänk hier und Krach, daß das Haus\nerbebt.\nwenn sich Margot vom Schlaf ohne Kasse erhebt.\nIch hasse sie dann und mich ekelt dies Luder,\nschmeiß' ihren Rock weg, ihren Mantel, ihr Puder\nund sie schreit dann und kreischt, daß es gellend\nschallt.\nIch steh' in der Kammer — die Fäuste geballt —\ndroh' ihrem Herrn, bis er zittert und furchtsam blickt,\nohne Mucken berappt und bescheiden sich drückt.\nImmer das Gleiche. Tagein. Nachtaus.\nUmsonst ist hier kein Bleiben\nIm Haus der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\nWir schließen Frieden, Kann mich vor Lust kaum\nfassen.\nSie beginnt, duftige Winde geh'n zu lassen.\nUnd sie lacht laut, hält mir die Faust unters Kinn,\nnennt mich Liebling, legt sich zur Seite mir hin.\nBeide besoffen schlafen wir, Mann und Weib.\nErwacht sie und spürt sie Beschwerden im Leib,\nso steigt sie dann auf mich, zu schonen die Frucht,\nund unter ihr lieg' ich in bergiger Schlacht.\nEs wird gehurt auf Teufel komm raus.\nHurer und Hur wir bleiben.\nIm Hause der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\nWind, Hagel und Frost , . . . Ich leide nicht Not.\nZuhälter bin ich. Ich hab' mein Brot.\nWir kleben am Dreck — an uns klebt der Dreck.\nWir fliehen die Ehre — sie läuft uns weg.\nWir treiben das Spiel von Katze und Maus.\nJagend gejagt wir bleiben.\nIm Haus der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c015", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "364", "page_fin": "365", "image_debut": 24, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.14", "titre_corps": "Ballade", "titre_sommaire": "Ballade", "signature_source": "den verleumderischen Zungen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.24", "debut_caractere": 2752, "fin_caractere_exclue": 3297, "texte": "Ballade\nvon den verleumderischen Zungen\nMan nehme:\nHefenschaum, Salpeter, Höllenstein.\nUnd gieße da noch ungelöschten Kalk hinein.\nUnd siedend Blei, damit die größte Qual erreicht,\nUnd Talg und Pech, in einer Lauge aufgeweicht,\ndie man aus warmer Pisse und aus Kot gebraut,\nWaschwasser voller Schin von leprakranker Haut,\nDazu den Schweiß von Füßen und auch Schlangenblut\nund böse Gifte, die zum raschen Töten gut:\nvom Wolf, vom Fuchs, vom Dachs die Galle noch dazu\nin dem Ragout,\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen braten."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1266, "texte": "Man nehme:\nKatzenhirn, das vor Verwesung stinkt,\nein Hirn, aus dem ein Pestgeruch zum Himmel dringt,\nden Speichel eines Fleischerhunds, der bald \\ erreckt,\ndem geifernd weißer Schaum aus seinem Maule leckt;\nund Eselschweiß von einem Tier, das dämpfig war,\ndas man zu Frikassee zerhackte ganz und gar;\nund Wasser, das von Ratten, Kröten wimmeln soll,\ndas faulig und von Fröschen und von Schlangen voll.\nMan nehme alles, was in Tümpeln kreucht hinzu:\nin dem Ragout\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen braten.\nMan nehme:\nNatterngift. Man nehme Sublimat.\nMan mische dann aus vielen Drogen Giftsalat\nund nehme dann noch Blut, das beim Barbier gerinnt,\nin Becken, wenn die Aderlässe üblich sind;\nwas sovomSchanker fließt und ausGeschwüren spritzt\nund allen Schmutz, der in der Ammen Schüsseln sitzt.\nEin Dirnchen nimmt, so sie ihr Werk vollendet hat,\nzur Spülung stets — so geht doch ins Bordell — ein Bad;\nm u nehme dieses Dirnchens Badewasser noch hinzu:\nin dem Ragout\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen braten.\nMan nehme dann ein Sieb und werfe da hinein\ndie Leckerbissen alle und noch Dreck vom Schwein,\nund nehme dann noch ff. Menschenkot hinzu:\nin dem Ragout\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen bralen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c016", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "366", "page_fin": "366", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.15", "titre_corps": "Tanzstudie", "titre_sommaire": "Tanzstudie", "signature_source": "Palucca", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 19, "texte": "Palucca: Tanzstudie"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c017", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "367", "page_fin": "367", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.19", "titre_corps": "Raumsturz des Sprechens", "titre_sommaire": "Raumsturz des Sprechens", "signature_source": "Karl Vogt", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3025, "texte": "Raumsturz des Sprechens\nKarl Vogt\n\nIndem der Expressionismus die Erkennt-\nnis gebracht hat, daß Kunst mit Denken\nnichts zu tun hat, sondern sinnfällige Ge-\nstaltung von Erlebnis ist, scheint die Zeit\nendlich reif zu sein, auch das Sprechen,\nsoweit es Kunstmittel ist, auf die Grund-\nlage des Künstlerischen zu stellen. Nicht\ngenug gewürdigt ist ja die zwiespältige\nTatsache, daß die tönende Sprache einer-\nseits Kunstmittel ist, andererseits Verstän-\ndigungswerkzeug. Zwischen den beiden\nZielen — das eine Mal: nüchterne und\npraktische Verständigung zu übermitteln;\ndas andere Mal: durch bewegte Worte\nund Töne menschliches Erlebnis durch die\nSinne des Hörens wachzurufen — kann\ngar nicht scharf genug unterschieden wer-\nden. Die bisherigen Wort -oder Sprecli-\nkünstier: Vortragende, Schauspieler, ja, so\nunglaublich es auch scheinen mag, selbst\nSänger in vielfacher Beziehung, haben die\nGestaltung der Worte immer mehr oder\nweniger intellektuell orientiert. Sie be-\nmühten sich um Darstellung des jeweiligen\nInhalts der jeweiligen Worte, — eine pri-\nmitive, schablonenhafte und zusammen-\nhanglose Ausmalung der Einzelheiten, die\nnicht einmal eine Satzkomposition, ge-\nschweige denn die kompositorische Gestal-\ntung eines Gedichtes oder einer Rolle oder\neines Dramas zuließ. Wenn bei einer\nsolchen falschen Konkretheit des Vor-\ntrages immerhin auch im Einzelfall oft\nan das Erlebnis gerührt wurde, so\nwar dies doch unwirksam durch die gänz-\nliche Außerachtlassung von rhythmischer\nFormung. Bemühungen um rhythmische\nFormung zeigten sich sonst meist in rein\näußerlich taktierender Weise. Es gab noch\neine andere Sorte von Sprechern, die vor-\nzugsweise rationalistisch arbeitete. Sie\nerklärte ihre Wortfolgen weniger durch\nAusmalung der einzelnen Worte, sondern\ndurch gedankliche Betonung des Satz-\nganzen. Sie war stolz darauf, Sinn und\nVerstand darzustellen. Sic tat sich etwas\nzugute, wenn sie Verse sprach, und nie-\nmand es merkte, daß es sich um Verse\nhandelte.\nWir kommen heute der Erkenntnis näher,\ndaß dieses Verfahren das amusische\nSprechen genannt werden muß, ob es nun\nin der einen oder der andern Weise ver-\nbogen erscheint. Es hat sich herausgestellt,\ndaß diese Vortragsweise keinerlei unmittel-\nbare Wirkung hatte. Die ihrerseits intel-\nlektualstisch verseuchten und dabei rüh-\nrend willigen Zuhörer empfanden nur mit-\ntelbar eine Andeutung von Erlebnis, indem\nsie auf intellektuellem Wege das rationa-\nlistisch Geformte in Erinnerungsbilder\nund in Anschauungsformen verwandelten.\nSelbst die als solche geltenden großen\nKünstler — bis auf wenige Ausnahmen, die\ndann von den Fühlenden fanatisch geliebt\nwurden — gaben nur magere Kost, und\nunmittelbare Erlebnisübermittlung ledig-\nlich an den Höhepunkten, deren Zwang sie\nhin aufriß.\nWenn jetzt eine Erziehung zu künstleri-\nschem Sprechen stattfinden soll, so ist es\nnunmehr möglich, diese Erziehung ohne\nfalsche Umwege richtig und systematisch\naufzubauen. Alsdann wird auch die ver-\nlorene und allgemein vermißte Kultur des\nSprechens wieder Tatsache werden. Selbst"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.32", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3221, "texte": "die Deutlichkeit und Verständlichkeit des\nSprechens wird zu erzielen sein, aber\nwohlgemerkt, nicht als eigentlicher Gegen-\nstand des Studiums, sondern als Folge der\nErlebniskraft richtig geformten Sprachaus-\ndruckes.\nHiermit ist bereits angedeutet, daß eine\näußerliche Sprachtechnik nicht mehr Ge-\ngenstand des Unterrichts sein kann. Wohl\nist bei der Erziehung zum lebendigen\nkünstlerischen Sprechen auch die Loka-\nlisierung der einzelnen Laute in den\nSprachorganen klarzustellen und ihre Prä-\nzision und hygienisch richtige Funktion zu\nüben. Wesentlich aber ist, daß bereits\njeder Laut von vornherein als Ausdrucks-\nwert gezeigt, empfunden und geformt und\ndaß auf diesem Wege zugleich seine tech-\nnische Funktion klargestellt und geübt\nwird. Es hat also das Technische und das\nKünstlerische konsequent Hand in Hand zu\ngehen, vom ersten Anfang an und in jeder\nEinzelheit, und im Kleinsten bereits muß\njede rein formale Bemühung als schädlich,\nmindestens als umwegig gelten.\nAus diesem Grundsatz ergibt sich wieder\netwas Neues: Schon für jeden einzelnen\nLaut ist eine rein stimmliche Funktion un-\nmöglich. Soll bereits jeder einzelne Laut\nvom Erlebnis her orientiert werden, so\nmuß er durch die Innervation des ganzen\nKörpers gehen. Denn es gibt nur die Ein-\nheit von Leib-Secle-Geist und keine Ver-\neinzelung eines dieser Komponenten der\nErscheinung Mensch, wenn auch manche\nDoktrinäre eine dualistische Scheidung\nirgendwelcher Art behaupten.\nJeden einzelnen Laut als Erlebnis formen,\nd. h. ihn durch den ganzen Körper gehen\nlassen, d. h. also seine Existenz nur aus\nder körperlichen Bewegung her anerken-\nnen. Der Bewegung des Tones entspricht\ndie Bewegung des Körpers, in jeder Ein-\nzelheit wie im rhythmischen Ablauf künst-\nlerischer Wortfolgen. Ja, die Bewegung\nist sogar das Primäre, denn das Erlebnis\nreagiert immer zuerst in den triebhafteren,\nunschuldigeren, unmittelbareren Funktio-\nnen des Körpers. Erst daraus entwickelt\nsich der Laut in seiner Gliederung und\nMannigfaltigkeit, der in solcher Gestalt nur\ndem Menschen eigentümlich ist, und noch\nspäter bricht aus dem solchermaßen rea-\ngierenden Unbewußten die Klarheit des\nBewußtseins empor, die bestimmte Worte,\nSätze und Satzfolgen formt. Alle diese\nletzten Enden der Erlebniskurve müssen,\nwenn sie künstlerisch dargestellt werden,\nimmer unter dem Diktat des ganzen Kör-\npers sichtbar werden.\nAls Grundlage und Angelpunkt solcher\nkünstlerischen Sprecherziehung stelle ich\ndas phonetisch-gymnastische Ausdrucks-\nalphabet auf. Es soll im-'Folgenden kurz er-\nklärt werden, und wird in genauer Form\nin der Bewegungsschrift Rudolf von La-\nbans mitgeteilt.\nDas phonetische Alphabet als solches ist in\nder Reihenfolge der Schwierigkeiten und\nLokalisierung der Laute der deutschen\nSprache, die nicht immer den geschriebe-\nnen Buchstaben entsprechen, aufgestellt.\nSeine Richtigkeit steht als Ergebnis der\nphonetischen Wissenschaft fest. Ich deute\nes in großen Zügen an. Allgemein ist zu\nsagen, daß die Grundeinstellung für alle\nBuchstaben eine breite Mundstellung ist,\nmit leicht hochgezogenen Mundwinkeln.\nAusnahmen bilden nur der mit seh geschrie-\nbene Laut (und der ihm entsprechende\nstimmhafte Laut, das französische g, etwa\nin large), ferner 112, w, o, ö, u, ii."}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.33", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2774, "texte": "Ich stelle sieben Uebungsrcihen auf.\nDie erste: Die scharfen Explosivlaute\nP, t, k.\nDie zweite Reihe: Die entsprechenden\ndaraus entwickelten Blählaute: b, d. g.\n/ 7\nDiese sechs Laute der deutschen\nSprache können nicht selbständig klin-\ngen. Wir bilden sie daher nicht mit\nden Hilfsvokalen der Grammatik, son-\ndern mit einem nachklingenden leich-\nten knappen scharfen i, das ihrer\nMundstellung am meisten entspricht.\nDie dritte Reihe sind die Zischlaute: seh\n(wie scheu), das scharfe s, ch (wie\nich), ch (wie ach) und f.\nDiese Reihe dient besonders als Ge-\nläufigkeitsübung. Zu beachten ist das\nUmwerfen der Mundsteilung von seil\nzu s, — die äußere Gleichheit der\nMundstellung bei s und in beiden ch,\n— und wieder das Umwerfen der\nMundstellung vom harten ch (bei brei-\ntem Munde) zum 112 mit vorgestülpter\nOberlippe.\nDie vierte Reihe entwickelt aus diesen\nZischlauten durch Tongebung die\nHalbklinger, was bei dem harten ch\naber nicht möglich ist, so daß nur vier\nLaute bleiben, also g (französisch), —\ndas weiche s, —• j (stimmhaft ent-\nwickelt aus dem stimmlosen ch) —\nund das w.\nDie fünfte Reihe gibt die vier Selbstklinger,\ndie wichtigsten Klang- und Resonanz-\nträger der deutschen Sprache. Diese,\nwie alle Konsonanten, sind für eine\ngute und ausdrucksvolle Aussprache\nentscheidend, — nicht die Vokale, —\nsie vielmehr formen wesentlich die\nDeutlichkeit sowohl wie die Aus-\nDruckskraft der Worte. Die vier\nSelbstklinger sind 1, m, n, ng (der\ndeutsche Nasal in eng, Angst, singen,\nHunger).\nIn der sechsten Reihe steht für sich das r,\n— selbstverständlich das Zungen-\nspitzen-r.\nDie siebente Reihe entwickelt die Vokale,\nbeginnend mit der größten Oeffnung\nder Mundhöhle (Zäpfchen hoch wie\nbeim Gähnen und große runde Mund-\nöffnung), dann bis zum i immer engere\nund schmalere Mundöffnung. Mit o\nspitzt sich der Mund, das Gesicht wird\nhohlwangig, dann verdicken sich die\nLippen bis zum ü. Die Reihe lautet:\na —- ä — e — i — o — ö — u — ii.\nHiermit ist das Wesentliche angedeutet.\nNachdem die Lokalisierung der Buchstaben\nim Munde einigermaßen klar ist, üben und\nentwickeln wir nur noch zugleich aus einer\nihnen entsprechenden Ausdrucksbewegung\nund kommen damit zu dem phonetisch-\ngymnastischen Alphabet. Betont sei gleich,\ndaß die Buchstaben bezw. Laute nicht ein-\ndeutig sind und daß die im folgenden dazu\naufgestellte Bewegung nicht etwa den be-\ntreffenden Laut erschöpfen soll, sondern\nbeispielsweise gemeint ist, allerdings aber\nbemüht ist, die möglichst präzise Kongru-\nenz zu jedem Laut aufzustellen.\nDas p entspricht einer höhnisch schnippen-\nden Bewegung. Während die Füße\nsich auf die Zehen heben, die Hüften\nkreisend ankurbeln, schwenken die\nArme locker von unten nach oben, die\nrechte Hand nach oben schnippst hin-\nauf höhnisch verächtlich, zugleich\nWippen der Füße."}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.34", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2593, "texte": "t: Ausdruck des Eigensinns. Gerade Hal-\ntung, durchgedrückte Knie, Stand auf\nden Zehen. Mit dem Laut Wippen im\nFußgel enk, leichte Unterstützung durch\ndie Arme.\nk ist aggressiv. Zugleich mit dem Laut\nknickt der Körper lebhaft ein, die ge-\nschlossenen Knie nach vorn, die hän-\ngenden Arme mit geballten Fäusten\nrunden sich, die Ellbogen werden halb\nnach außen gerundet, halb vorgewor-\nfen (die Arme bilden Henkel).\nB ist sehnsuchtsvoll, in starker Spannung\nnach einem gewünschten Objekt. Der\nKörper wird lang, die Hände greifen,\nin Schulterhöhe langsam weich ver-\nlangend, während des Blähens nach\nvorn, um schließlich mit der Lösung\ndes Verschlusses b das Ziel der Sehn-\nsucht zu erreichen.\nd als Ausdruck der Innigkeit. Die Hände\nin der vorherigen Stellung mit b vorn\ngelandet, gehen ein wenig in wei-\nchem Bogen auseinander.\ng charakterisiert als „nachgiebig\". Die\nArme schwingen zugleich mit dem\nLaut auseinander, Unterarme und\nHände zeichnen etwa ein liegendes S.\nDie dritte Reihe, die fünf Zischlaute, sind\ndie hochdramatischen.\nMit sch Fechterausfall, Stoß mit der rech-\nten Faust.\nMit dem scharfen s wird eine Drohung\nzum Ausdruck gebracht. Aus der vor-\nherigen Stellung geht der Oberkörper\nzurück, — Gewichtsverlagerung auf\ndas hintere linke Bein, die Brust bleibt\nfrontal, zugleich gehen beide Ellbogen\nan die Brust, Unterarm und Zeigefin-\nger stehen stechend nach oben. Der\nOberkörper ist nach vorn gebuckelt.\nMit dem Ende der Bewegung ertönt\nder Laut.\ncli: aus dieser Haltung reckt sich der Ober-\nkörper hoch, das Kreuz ist fast hohl,\nzugleich legen sich die geschlossenen\nHandflächen umrahmend um das Ge-\nsicht, — die Daumen unter das Kinn,\ndie Handflächen neben die Wangen, —\ndas Gesicht wird so ins Schreckliche\nvergrößert. Mit dem Ende der Be-\nwegung ertönt der Laut.\nDas folgende harte ch wird noch aggressi-\nver, der Oberkörper wirft sich etwas\nnach hinten, die Ellbogen sind noch\nimmer an die Hüften angepreßt, die\nUnterarme beschreiben mit gespreiz-\nten Fingern eine kreisende Bewegung\nnach außen. Während der Bewegung\nder Laut.\nDas 112 ist Triumph, lustiges und verächt-\nliches Wegwerfen. Der Gegner ist\nendgültig erschreckt und in die Flucht\ngeschlagen. Also: Aufrichten aus der\nFechterstellung, Uebertraguug (Ge-\nwichtsverlegung) auf den rechten Fuß,\nEmporhüpfen auf diesem und Hoch-\nwerfen der nach oben offenen rechten\nHand.\nDiese fünf Zischlaute stellen als gute\nUebung einen geschlossenen kleinen dra-\nmatischen Vorgang dar. Wichtig ist wie\nüberall die aus der ruhigen Sicherheit der\nGestaltung notwendige Fermate nach\njeder Phase — nach jedem Laut — dieses\nAblaufes."}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.35", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2700, "texte": "Die vierte Reihe gibt die entsprechenden\nstimmhaften Laute ebenfalls als eine kon-\ntinuierliche Folge. Sie alle charakterisie-\nren das fast hexenhafte Anrichten von\netwas Bösem.\ng (französisch) — das stimmhafte seil —\nmit beiden Armen im Gehen eine\nschöpfende Bewegung, von oben\naußen nach unten innen und wieder\nhoch.\nScharfes s — weitergehen und abwech-\nselnd rechts und links großliniges\nArmschwingen mit schneidendem,\nbösartig gespanntem Zeigefinger von\noben vorn herunter nach unten (durch-\ngedrückte Arme).\nj — im Weitergehen begegnen sich die\nHände in Hüfthöhe in kreisender Be-\nwegung der Handgelenke und formen\netwas,\nw — das sie nun immer weitergehend mit\nwirbelnden Fingern hypnotisierend\nnach oben entwickeln, als ob sie\naus einem Hexenkessel rauchgiftige\nDämpfe beschwören. Mit Unter-\nbrechung oder Abschwellen des w\ngehen die Arme nach außen rund her-\nab, um mit verstärktem w innen wie-\nder fingerwirbelnd hinaufzugehen.\nDie fünfte Reihe entwickelt wieder in ge-\nschlossenem Ablauf die vier Selbst-\nklinger.\n1 — Ausdruck jauchzender Munterkeit. Der\nUebende hüpft von einem Bein, das\nandere seitschwingend, mit den Armen\nnachgebend, auf das andere und immer\nvorwärts. Das rechte Bein schwingt\nnach links, der linke Arm schwingt\nhoch, das linke Bein schwingt nach\nrechts, der rechte Arm schwingt hoch.\nDie Fußspitzen sind nach unten ge-\nstreckt. Mit jedem Schwung ertönt\ndas 1 hell und klingend.\nin —• die Bewegung wird aufgefangen,\nder Laut m ertönt, während eine\nUebertragung rückwärts stattfindet.\nVielleicht dreimal von Bein zu Bein.\nAlso drei Schritte rückwärts. Jedes\nMal ertönt der Laut m gedankenvoll\nversunken. Immer bleibt der rechte\nHandrücken in orientalischer Weise\ngegen die Stirn gelegt, — wie das I\nzum m aufgefangen wurde.\nn — plötzlich geht die Rückwärtsbewe-\ngung gebückt weiter. Die Arme\nstoßen wechselnd mit nach vorn offe-\nner Handfläche energisch nach vorn,\n—- wie etwa Widriges wegschiebend.\nMit jedem Armstoß der Laut 11.\nng — Ausdruck des Erdrückt-, Erwürgt-\nwerdens, buchstäblich oder über-\ntragen. Der Körper bleibt stehen,\nwindet sich ein wenig, der stark ge-\nwinkelte Arm legt sich vor das Qe-\nsieht, abwechselnd der rechte und der\nlinke-, jedes Mal mit dem Laut ng.\nEs ist, als ob man sich schützen oder\ngegen Schläge in das Gesicht oder\n1 . 112 J : - i '\ngegen Erwürgen wehren wolle. •\nDer Laut r ist auf alle Fälle der Ausdruck\näußerster Beweglichkeit, J Aktivität\nvon ausgesprochenem Dur-Charakter,\nkeinesfalls ein Versinken in untätige\nI ragik zulassend. 111 klarster Form\nkann er nur munter, fast lustig er-\nscheinen. Wir laufen also ziemlich\nlebhaft vorwärts, rollen das Zungen-\nspitzen-r, während der rechteEllbogen\nin die Hüfte gedrückt ist und der"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.36", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2679, "texte": "Unterarm bei leichter Ballung der\nFaust lebhaft kreist. Jetzt verstärkt\nsich die Aktivität, wird etwa eine\nlustige Bedrohung: auch der linke\nArm stemmt sich in die Hüfte, und\nbeide Unterarme kreisen jetzt zu\neinem verstärkten wirbelnden r.\nDer Vokal a drückt durch Weiten aller\nseelischen und körperlichen Räume\nBefreiung, Entspannung, Größe und\nAndacht aus. Wir hocken auf den Fer-\nsen, der Oberkörper liegt wagerecht\nauf den Oberschenkeln, die Hände liegen\nweit vorgestreckt auf dem Boden.\nJetzt wird tief und langsam geatmet,\nwährend der Oberkörper sich lang-\nsam aufrichtet und die Arme wage-\nrecht in die Höhe mitgehen. Sind die\nHände so in Augenhöhe und der Ober-\nkörper noch in hockender Stellung\nsenkrecht gerichtet, ist die tiefe lang-\nsame Einatmung zu Ende. Jetzt lang-\nsames Aufstehen, ein Bein wird ge-\nrade unter dem Oberkörper durch\nnach vorn gezogen — dieses erfordert\neine weiche Durcharbeitung der Mus-\nkulatur und ist etwas schwierig — zu-\ngleich werden die Arme weit ausge-\nbreitet und die Brust immer stärker\ngewölbt, während ein entsprechendes,\nimmer stärker anschwellendes a er-\ntönt, das dann langsam mit einem\nleichten Rückschwingen der geöffne-\nten Arme in Schulterhöhe abschwillt.\nAus dieser Stellung knicken die Arme ein.\nDie steilen Handflächen nach vorn\noffen bewegen sich hin und her. Die\nBewegung begleitet der Laut ä im\nSinne des Abstandnehmens, fast des\nEkels.\nNach der Fermate dieser Bewegung er-\nfolgt ein strenges ehernes e, das in\nunbewegter, aber gespannter Haltung\nertönt, nachdem der Körper sich steif\naufgerichtet hat, die gewinkelten Arme\nund die sie fortsetzenden Hände in\nstreng wagerechter Linie sich unter\ndem Kinn begegnen.\nVon hier erfolgt der Uebergang zum i,\ndessen oppositionelle Deutung wir\nhier als fruchtbar erachten. Der linke\nArm geht gestreckt diagonal nach\nvorn, Oberkörper und Kopf folgen in\ndie gleiche Diagonale, die linke Hand\nsteht steil hoch, die rechte Hand liegt\nebenso vor dem Gesicht, der Daumen\nnächst der Nase. Nach Vollendung der\nBewegung ertönt der Laut i als Ekel\nund Abwehren.\nDie Spannung löst sich, Wendung zurück\nin die Frontale, die Arme gehen halb\nhoch nach vorn, dann rund her-\nunter und innen wieder hoch. Jetzt\nertönt der Laut o im Tone der Ver-\nehrung und Andacht, Stellung etwa\ndes griechischen Beters.\nDie oben stehenden Arme lösen sich, die\nEllbogen etwas einwinkelnd, und jedes\nMal mit dem Laute u geht Hand nach\nHand, Teller nach unten, eine Spanne\nliinab. Der Oberkörper geht leicht\nmit. Thema der Bewegung: Druck,\nErdrückung, fast stöhnend, — Körper\nund Ton aber nur in geringer Span-\nnung.\nWichtig für alles Sprechen und Bewegen\nist ein organisches Einbauen und\nFunktionieren der Atmung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c021", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "371", "page_fin": "371", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.19.1", "titre_corps": "Das phonetisch-gymnastische Ausdrucksalphabet in der Labanschen Tanzschrift aufgeschrieben mit Hilfe von Susanne Ivers. 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Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraflte 14-15\nHofspediteur S. M. des Koniga von Spanien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition a. Mobeltranaporte, Verpackong n. Ugeroag\nvon GeinSlden a. Kanstgegenstanden jed. Art, lieierung\nand Exnptang nach nnd von alien Kunstansstellangen\nde« Inn. Analandes. 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Mersmann\n„Die Tonsprache der Neuen Musik\"\nMit zahlreichen Notenbeispielen\n„Znr GescMcMe der jflngsten Mosik\"\n(1913-1928)\nProbleme und Entwicklungen\n„Paul Hindemith\"\nMit zahlreichen Notenbeispielen im Text, einem Noten-\nanhang und Faksimile-Beigaben\n> / Ganzleinen je M. 3,50\nDER MELOSVERLAG MAINZ"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c026", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[343]", "page_fin": "[343]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[343]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.3", "debut_caractere": 531, "fin_caractere_exclue": 710, "texte": "Herwarth Walden\nerteilt wahrend des Winters\nUnterricht in Kunst\nfiir Kiinstler nnd Laien\nMalerei\nMusik\nDichtkunst\nAnmeldungen im Privatsekretariat\nBERLIN Wl5 / Knrfiirstendainm 53"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c027", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[343]", "page_fin": "[343]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Hier aber, in\ndiesem Buche, ist er nichts ale das, und gerade das ist das\nCrosse, das Erschiitternde an dem vorliegenden Werke. Was\nfur Tatsachen, was fiir Zahlen, was fur protokollarische Auf-\nzeichnungen ! Wenn ein Buch Epoche machen kann, Biicher\ndieser Art konnen es. Das Buch Londons wird unmoglich\nobne Wirkung bleiben konnen.'4\nErnst Weiss im ,,Berliner Borsen-Courier\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c037", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "379", "page_fin": "379", "image_debut": 39, "image_fin": 39, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.35", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 39, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.39", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 143, "texte": "Amor\nstellt die Schonheitspflege\nauf ganz neue Methoden,\nbelebt das Wachstum der inneren Gewebe\nie Haut i\n• •\nm ■\nOpoterapia / Berlin-Erunewaid"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-02-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-02_01#c038", "volume": "bmtnabg_1929-02_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "380", "page_fin": "380", "image_debut": 40, "image_fin": 40, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.2.36", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 40, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.40", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2115, "texte": "Dr. Walther Rothschild, Bln.-Grunewald\nSoeben erschien:\nGustav Adolf Walz\nDr. jur. Dr. phil.\nPrivatdozent an der Universitat Marburg\nDie Staatsidee des\nRationalismus und der Romantik\nund die Staatsphiloso phie Fichtes\nZugleich ein Versuch zur Grundlegung\neiner allgemeinen Sozialmorphologie\nXVI und 688 Seiten Grossoktav\nM 30,—; Ganzleinen M 35,—\nDieees Buch setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus einer Grundlegung der allgemeinen Sozial-\nmorphologie; aus der Betrachtung der Staatsidee des Rationalismus und der Romantik; endhch\naus einer Untersuehung der Fichteschen Staatsphilosophie. In der tiefinneren Verbmdung dieser\ndrei Gebiete zu einer geschlossenen Einheit kommt das Grundmotiv dieses Werkes zur Erscbei-\nnung: die isolierte Rechts- und Staatswissenschaft durch den Versuch einer allgemeinen Sozial-\nmorphologie, deren Grundgesetze auch fur sie Gultigkeit beanspruchen, in grossere, umfassende\nZusammenhange einzuordnen, um sie mit neuem Leben zu befruchten und neuen Zielen zuzufuhren.\nDie Sozialmorphologie unternimmt es, die bisher wesentlich einheitlich „amorph\" geschaute rechthch-\nsoziale Welt in drei sozialmorphologische Grundtypen anszukristallisieren. Durch sie erhalt der\ngroise Umschwung der europaischen Ideologic vom Naturrechtdenken des Rationalismus zum\nhistorisch-positiven Denken der Romantik neue ungeahnte Bedeutung. Die Thesen der Natur-\nrechtskonstrukteure werden erkannt als die ersten modernen Versuche zu einer umfassenden, vom\nRecht und vom Staat ausgehenden Soziologie, freilich mit ganzlich verschiedenem sozial-morpho-\nlogischen Ideengehalt.\nDie Bedeutung einer solchen sozialmorphologischen Beurteilung zeigt die Untersuchun g der Fichteschen\nStaatsphilosophie. JenerWandel Fichtes vomjakobiner zumStaatssozialisten undStaatsmachiavellisten\nerhall erst in der sozialmorphologischen Einordnung seine abschliessende befriedigende Ausdeutung.\nDa die grossen staatspolitischen Probleme im Fichteschen Staatsdenken heute wieder aktuell smd,\nleitet das Werk in die modernste staatsrechtliche, politische und juristische Problematik uber.\nn s t e n\nD i\nk\nt\nu\no\nt\nr\nr\nh\ne\nA\ne\ns\nc"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.1", "texte": "DER STURM\nI HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nMONATSSCHRIFT\nBerlin Wl5 / Kurfürs tendamm 53 / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\nDie führende Zeitschrift der neuen Kunst\n19. Jahrgang / 11-12. Heft\nBerlin / Februar-März 1929\n\nKandinsky: Graphische Darstellung einer Tanzstudie"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.2", "texte": "Monatsschrift Der Sturm\nDie fuhrende Zeilschrift der neuen Kunsi\n\nHerwarth Walden\nIm Geschweig der Liebe\nGedichte ■■ ■■■ —\"■»\nIn Ganzleinert gebunden 3 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5\n\nW. Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraflte 14-15\nHofspediteur S. M. des Koniga von Spanien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition a. Mobeltranaporte, Verpackong n. Ugeroag\nvon GeinSlden a. Kanstgegenstanden jed. Art, lieierung\nand Exnptang nach nnd von alien Kunstansstellangen\nde« Inn. Analandes. Traniportversieherungen aller Aft\nSpediteure desWiFtschaftlichenVerbandesßildender\nKiinstler / dcr Secession / des Verbandes Deutscher\nUlustratoren und Hausspediteur des „Sturmu\n\nBUCHEPEI\nB&ndchen 1\nHans Mersmann:\nSindchen 2\nHeinz Tiessen:\nBandchen 3\nHeinrich Strobe!:\nBroschiert je M. 2,\nEine Sammlung musikatischer Zeitfragen\nherausgegeben von Prof. Dr. H. Mersmann\n„Die Tonsprache der Neuen Musik\"\nMit zahlreichen Notenbeispielen\n„Znr GescMcMe der jflngsten Mosik\"\n(1913-1928)\nProbleme und Entwicklungen\n„Paul Hindemith\"\nMit zahlreichen Notenbeispielen im Text, einem Noten-\nanhang und Faksimile-Beigaben\n> / Ganzleinen je M. 3,50\nDER MELOSVERLAG MAINZ"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[343]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nBerlin Wl5 / Kurfürstendamm 53 / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\n\nAuf! Herwarth Waiden\nNachtlied Rudolf Meissner\nDramatische Situationen Walter Seidl\nFrancois Villon Carl Brinitzer\nRaumsturz des Sprechens Karl Vogt\nAbbildungen: Ein Linoleumschnitt von Ivan Cargo\nEin Linoleumschnitt von Prof. Avgust Cernigoj\nSelbstporträt von Prof. Avgust Cernigoj\nZwei Tanzstudien von Palucca\nZwei graphische Tanzstudien von Kandinsky\nAusdrucksalphabet von Karl Vogt\n\nHerwarth Walden\nerteilt wahrend des Winters\nUnterricht in Kunst\nfiir Kiinstler nnd Laien\nMalerei\nMusik\nDichtkunst\nAnmeldungen im Privatsekretariat\nBERLIN Wl5 / Knrfiirstendainm 53\n\nSturm-Presse\nAnfertigung aller Drucksacben\nunter\nAufsicht\nkunstlerischer\nJ*\n€\n*\nC\nB\n1\nW\ne\nr\ni\n15\nKurfiirslendamm 53"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[344]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.4", "texte": "Soeben erschienen:\nKarl Vogt\nDer Krieg\nEin Chorspiel\nVerlag Der Sturm\nBerlin Wl5 / Kurfurstendamm 53\n\nrivista mensile di letteratura filosofia\narti e scienze\ndiretta da FERRUCCIO GUERRIERI\nedita dalla\nCASA EDITRICE LA LUCERNA S.S.I.\nAN C O\nA\nITALIA\nAbbonamento annuo Lire Italiane 80, —\nChiedere il catalogo della casa\neditrice e delia collezione ANGLIA\n\nVERLAG DER STURM / BERLIN Wl5\nVORZUGS-ANGEBOT\nHERWARTH WALDEN:\nEINBUCK\nIN KUNST\nDIE BESTE EINFUHRUNG IN DEN\nEXPRESSION ISM US UND KUBISMUS\n70 ABBILDUN6EN, 4 FARBI6E KUNST-\nBEILAGEN STATT RM. 6.50, RM. 2.50"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "345", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.5", "texte": "Auf!\nSprechchor\nHerwarth Waiden\nFür Mila Waiden\nARBEITER:\nEs jammert die Frau\nEs wimmern die Kinder\nHunger schreit auf\nStunden verrinnen\nStunden beginnen\nNur nicht besinnen\nSchlag auf Schlag\nStofe auf Stofc\nUnsere Arbeit erhält das Leben\nUnser Leben zerschellt die Arbeit\nJUNGARBEITER:\nFordern\nFordern\nStatt verzagen sich versagen\nDie Arbeit uns\nUns der Gewinn\nSeht die dicken plumpen Bäuche\nHände gieren in den Taschen\nMünzen euere, unsere Stunden\nUnd der Bauch bläht mehr sich auf\nDrauf\nStoM zu\nEr soll uns nicht fressen\nAuch wir wollen essen\nWir müssen essen\nWir müssen leben\nWir Lebenden\nJUNGARBEITERINNEN:\nJammern die Frauen\nlieber euch jammern wir\nHabt die Maschine in Händen\nLaßt sie euch über die Hände fahren\nUnd jammert\nFürchtet euch, daß die Hand nicht gibt\nDie Hand in der Tasche\nDie Euch in die Tasche steckt\nMänner\nschafft ihr uns Kinder, seid auch Männer\nFürchtet euch nicht vor leeren Taschen\nVor Taschen, die ihr füllt\nARBEITER:\nVerblendete Jugend\nArbeit ist wenig\nSein ist die Fabrik\nSein ist die Maschine\nSein ist die Idee\nJUNGARBEITER:\nSoll er sich gütlich tun mit seiner Idee\nMag seine Frau Maschinen gebären\nUnd er Fabriken wachsen lassen\nSein, sein, sein\nSein, Sein, unser Sein\nUnser Dasein\nNein\nWir sind da\nWenn tausende Hände dasWerk erschaffen\nEiner soll den Gewinn erraffen\nDen Gewinn des Lebens\nDen Gewinn zu leben\nDas Leben zu gewinnen\nNein\nWir leben\nSTIMME:\nFeierabend\nARBEITERINNEN:\nWas sollen die Pfennige\nWir warten auf Freilag\nVir trösien auf Freitag\nVon Freitag zu Freitag\nDen Hauswirt\nDen Bäcker\nDen Schlächter\nDie Steuer\nDen Krämer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "346", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.6", "texte": "Die Steuer\nDen Hauswirt\nDie Steuer\nVon Freitag zu Freitag\nDie Pfennige verschwinden\nDie Schulden die wachsen\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nEure Schuld, eure Schuld\nUnd der Vater soll nicht auf die Strafte\nUnd der Mann soll Holz hacken\nUnd der Mann soll das Küchenspind\nanstreichen\nDarum soll der Mann nicht auf die Strafte\nUnd der Vater darf nicht auf die Strafte\nDeshalb kann er euch nicht ernähren\nDeshalb kann er sich nicht wehren\nEr darf sich nicht wehren\nIhr laftt ihn nicht\nJUNGARBEITERINNEN:\nAuf die Strafte, auf die Strafte\nARBEITER:\nKindische Weiber\nBlut flieftt\nJUNGARBEITERINNEN:\nBlut soll fiieften\nSeht euere Frauen\nHört sie jammern\nBlut verdorrt\nWir aus verdorrten Leibern Entstandene\nJUNGARBEITER:\nWir aus verbluteter Jugend Erwachsende\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nWir fordern die Jugend\nWir fordern das Leben\nDas Blut unserer Väter\nDen Leib unserer Mütter\nWir fordern uns\nARBEITERINNEN: Wir haben gefordert\nJUNGARBEITERINNEN:\nVon eueren Männern, die nichts haben\nARBEITER: Wir haben gestreikt\nJUNGARBEITER:\nUm Pfennige gestreikt\nUm Sechser gestreikt\nUm Groschen gestreikt\nWenns hoch kommt\nWir wollen alles\nAlles\nUnser die Arbeit\nJUNGARBEITERINNEN: Unsere Arbeit\nJUNGARBEITER: Unser der Gewinn\nJUNGARBEITERINNEN: Unser Ge winn\nJUNGARBEITER: Unser das Leben\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nUnser Leben\nUnser das Leben\nARBEITER:\nDie Jugend, die schreit\nDas Alter, das denkt\nDenkt an die Führer\nAn unsere Führer\nJUNGARBEITER:\nWohin haben sie euch geführt euereFührer\nJUNGARBEITERINNEN:\nSie haben euch verführt euere Führer\nJUNGARBEITER:\nIn den Paradiesgarten haben sie euch\nschön geführt, euere Führer\nJUNGARBEITERINNEN:\nSchön haben sie euch verführt euere\nFührer, für Judas Lohn\nJUNGARBEITER:\nUnd immer, wenn sie führen,\nEine Sperre steht im Weg\nDie darf man nicht berühren\nNicht rühren, nicht rühren\nDie Sperre steht im Weg"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "347", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.7", "texte": "JUNGARBEITERINNEN\nDa darf man sich nicht sperren\nDa darf man höchstens plärren\nDie Sperre steht im Weg\nJUNGARBEITER:\nDa gibt es nichts zu lachen\nDie Führer können nichts machen\nSie sind zwar nicht ermattet\nDoch es ist eben nicht gestattet\nJUNGARBEITERINNEN:\nVater, Mutter\nMut\nUnser Blut ist unser Blut\nJUNGARBEITER: Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnser Blut schafft neues Blut\nJUNGARBEITER: Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnser Blut glüht früh am Morgen\nJUNGARBEITER: Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnd wir heben uns im Morgen\nJUNGARBEITER: Im Os'en\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnd wir wandern in den Morgen\nJUNGARBEITER: Aus dem Osten\nJUNGARBEITERINNEN:\nUnd wir schließen uns zusammen\nUnd wir halten uns zusammen\nJUNGARBEITER: Her vom Osten\nJUNGARBEITERINNEN\nUnzählbare Menschenwellen\nNord zum Süd\nJUNGARBEITER:\nHer vom Osten\nHin zum Westen\nVäter, Mütter, Brüder, Schwestern\nLaßt das Alter, lafei die Jugend\nLa&t die Führer, die Verführten\nSeid Genossen\nJUNGARBEITERINNEN: Auf zur Tat\nJUNGARBEITER:\nAuf Genossen\nAuf zur Tat\nWeg vom Osten\nHände weg\nARBEITER: Sollen wir\nARBEITERINNEN: Hört die Kinder\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nHört auf Kinder\nKinder hören\nKinder sehen\nKinder fühlen\nKinder wissen\nARBEITER und ARBEITERINNEN zusammen:\nDies Leben ist verloren\nIm Osten glüht das Licht\nDort ist das Leben geboren\nJUNGARBEITER und JUNGARBEITERINNEN\nzusammen:\nKampf ist Pflicht\nALLE:\nUnser Kampf unsere Pflicht\nUnser Kampf unser Sein\nWir müssen sein\nDenn\nWir sind\nSTIMME: Feiermorgen\nGesang der Internationale"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "348", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.8", "texte": "Nachtlied\nRudolf Meissner\nOmnibus wackelt lustig durch das schon\nschläfrig gewordene Licht, das die Bogen-\nlampen fleißig auf die Straßen gießen. Glatter\nAsphalt wirft den Frohmut der Aufo-Schein-\nwerfer matt zurück. Berlins tausend Normal-\nuhren melden zwei Uhr Nacht.\nUeber der Potsdamer Brücke hängt des Mondes\nViertel groß im Gezweig eines Baumes. Er sieht\nwie eine rötliche Schale aus, und der Baum\nwird wohl aus ihr trinken. Der Nachthimmel\nhat eine wunde Farbe; denn das elektrische\nLeuchten Berlins quält ihn.\nGugru steigt an der Potsdamer Brücke in den\nOmnibus. Breit hockt Gugru im Polster der\nOmnibus-Sitze und hüllt sich in das Gewackel\ndes Fahrens ein. Es ist wie eine Wiege für\ntraumsüchtige Kinder. Gugrus waches Denken\nertrinkt schon im Wellengang eines Schals\ngegenüber. Steil über dem Schal in einem\nhäßlichen Denkmalsgesicht starrt ein Monokel.\nReflexe von Lichtern laufen über des Monokels\nFläche Schlittschuh. Gugru auch.\nKitschiger Goldstrahl des Messings schiebt\nsich in Gugrus Schauen hinein. An der ge-\nputzten Stange hält sich eine helle Frau fest.\nSie sieht aus wie Lilian Gish. — Sie sieht\nwahrscheinlich nicht aus wie Lilian Gish, aber\nes ist nicht ihre Schuld, daß Gugru, wenn\nihm die Augen zufallen möchten, mit wunsch-\ngesteigerten Augen sieht.\nDa ließt jemand. Das Buch heißt: „Das ver-\ntrocknete Herz der Frau Kunigunde\". Die\nneun Gesichter der neun Omnibus-Passagiere\nsinken in Gugrus Blick hinein und schlüpfen\ndann in das Buch vom vertrockneten Herzen.\nKunigunde vergiftet Lilian Gish, weil beide\nden Bemonokelten lieben. Der Herr, der\ndauernd in die Zeitung stiert, tritt mit der\nZeitung an Lilians Sarg heran und liest ihr die\nletzte Theaterkritik vor. Schön ist der Sarg.\nKunigunde trägt ihr vertrocknetes Herz in der\nMondschale als Kleinod durch den Friedhof\nWeinend versenkt sie es in Lilians Grab.\nDie Handbewegung eines Freundes zerbricht\nplastisch das Schattenspiel. „Gugru, wo warst\ndu denn heute wieder?\" neigt sich eine Stimme.\n„Gugru, du siehst schlecht aus. Du trinkst\nin den Restaurants zu viel starken Tee spät\nnachts.\"\nDann sagt Gugru: „Du, ich bleibe im Omnibus\nsitzen, bis wir auf Madagaskar sind. Das ist\ndie Endstation. Auf Madagaskar haben die\nBäume durchsichtige Früchte.\"\nFein lächelt Gugru. Sein Freund weiß ja, daß\ner nicht verrückt ist. Nur zu sensibel. Vom\nvielen Teetrinken.\nDer Omnibus setzt die letzten Fahrgäste im\nVorort ab. Ueber die Allee hinweg zielen zur\nMilchstraße hin die Telegraphendrähte. Die\nSterne der Leier balancieren darauf.\nGugru nimmt den Freund am Arm und\nsagt: „Ob die Bäume der Allee je ganz wach\nsind?\" —\nFort wackelt der leere Omnibus."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "349", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.9", "texte": "Ivan Cargo: Linoleuomschnitt"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "350", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.10", "texte": "Dramatische Situationen\nI\nWalter Seidl\nIm Gezirk der Rück sichte\noder\nDer Untergang Europas\nBürgerliches Tranerspiel in 2 Akten\n1. Akt\nDie Bühne stellt vor: Plattform eines Omnibus\nEIN HERR IM STADTPELZ (- Konturen\neines Ichthyosaurus - steigt zu. Sticht\ndabei mit der Stockspitze einem\nzwerghaften, doch monokeltragenden\nVERWACHSENEN Monokel samt Auge\naus. Versehentlich. — Ohne zu zucken\nzum Schaffner): Einmal Zentralbahnhof,\nbitte!\nDER VERWACHSENE (- er stammt nicht\naus bester Familie und hält daher\ndoppelt auf gute Umgangsformen —\nder VERWACHSENE macht den Eindruck,\nals fände er es unschicklich, da& der\nIchthyosaurus sich in keiner Weise ent-\nschuldigt. Doch ist er im Augenblick\nganz darril beschäftigt, die gallertig\nrinnselnde Masse seines ehemaligen\nAuges mittels eines stark parfümierten\nTüchleins sorgfällig aufzutupfen. Dennoch\ngerät etwas davon auf den Handschuh\ndes fahrlässigen Täters.)\nDER HERR IM STADTPELZ (wischt mit einer\nGebärde des Ekels seinen Handschuh am\nRücken eines DRITTEN FAHRGASTES\nab, brüllt den VERWACHSENEN an):\nErlauben Sie - ? Passen Sie doch\netwas auf!!\n■ 'rV\nDER VERWACHSENE (mit Anzeichen be-\nginnender Gereiztheit): Entschuldigen Sie\nnur gütigst! (Der Ton, in welchem er\ndies sagte, war nicht ganz frei von Feind-\nseligkeit, doch auch der Timbre eines\nverzweifelt grimmen Humors schwang\nmit in der Obertonreihe dieser Aeuße-\nrung.)\nDER HERR IM STADTPELZ (aber - sein\nBlick ist fest und voll eiserner Konsequenz\nauf die leere Augenhöhle des Gegners\ngerichtet — bricht dieser Ironie die\nSpitze, indem er die Entschuldigung ernst\nnimmt): Bitte sehr. (Da entsteigt ;\nDER VERWACHSENE kurz blechern auf-\nlachend dem Omnibus.) , 4\n■i\nV/\nDER HERR IM STADTPELZ (blickt ihm köpf-\nschüttelnd nach. Schliefelich wendet er sich\nmitteilungsbedürftig an den DRITTEN\nFAHRGAST): Mir scheint - der war\nnicht recht im Kopfe!\nDER DRITTE FAHRGAST (eifrig): Und ein\nSchiüffel! Aber — ? Hauptsache — ?\nEr trägt Monokel!\nDER HERR IM STADTPELZ (nicht ohne\neinigen Stolz, doch auch ohne krasse\nUnbescheidenheil, berichtigt): Er trug\nMonokel!\n. 112 . ,\nDER DRITTE FAHRGAST (besser im Äilde):\nGlauben Sie! Naiv! Jetzt wird er's\neben überm andern Auge tragen!\nDER HERR IM STADTPELZ (seufzt leise, wie\nentmutigt, auf) 112\n. r\\'-''\nV\nVorh a n g"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "351", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.11", "texte": "2. Akt -\nGotisches Zimmer\nDER VERWACHSENE (tritt ein. Man bemerkt,\ndaß er jetzt über beiden Augen, von\nwelchen eines künstlich — es ist von der\nFirma A. Müllers Söhne, Wiesbaden, ge-\nfertigt — Monokel trägt. In der Haltung\nEines, der einen Monolog spricht):\n„Schuld, die mich erdrückt!\"\n(Er sieht aus, als wollte er diese Aeube-\nrung näher erklären; schließlich laßt er\nes aber mit einer geringschätzigen Be-\nwegung gegen das Parterre- und Logen-\npublikum hin sein. Statt dessen setzt\ner sich mit gekreuzten Beinen auf den\nBretterboden nieder, legt den Bauch frei,\nzieht aus der inneren Brusttasche einen\nFüllfederhalter, öffnet ihn wie zum\nSchreiben, sticht sich ihn aber plötzlich\ntief in den Bauch unten wo — Harakiri —\nlangsam von links nach rechts, dann\netwas nach oben — ein so abscheulicher\nund gemeiner Anblick, dal? selbst einige\nErinnyen, die ihn verfolgen, entsetzt\ndavonstieben. . . .\nVorhang.\nDie Därme des VERWACHSENEN quellen\nnoch unterhalb des Vorhanges ins Orchester\nhinein, ins Parkett .... Einige japanische\nInseln schwimmen in ihrem Brei heran.\nUnter welchem Vorgang man sich den Unter-\ngang des alten Europa zu denken hat. Denn\ndieses ist ein symbolistisches Stück. —\nApplaus. Die empörte Stimme eines EIN-\nTÄNZERS: „Masochismus auf der Bühne!!\"\nDie anwesende Gattin eines Jusiizrales ver-\nfällt in Lustkrämpfe. Demonstrativer Applaus\nauf der Galerie. Der staatliche Regierungs-\nvertreter wirft die erste Stinkbombe. Wird\nvom Stehplatz zur Ordnung gewiesen und\nvon einem städtischen Polizeiorgan abge-\nführt. . . .\nSTIMME DER STINKBOMBE (schlicht): Ich\nstinke.\n\nII\nDie Rache des Psychoanalytikers\nIm Olymp.\nKatholisches Mysterienspiel\nDER DICHTERFÜRST (ruht in olympischer\nHaltung in einem thronartigen Stuhl.\nSeine hohe marmorne Siirn strahlt\nfaltenlos Erhabenheit. Das Olympierhaupt\nlehnt erdenschwerelos an den Fingern\neiner gepflegten, sensiblen Hand. Der\nBlick erkennend in Weiten gerichtet. In\nseinem milden Strahl scheint das Fieber\nfern sich vollziehender Menschheits-\nkatastrophen zu schwinden. Die Glieder\nder Dichtergestalt schlummern heiter\nentspannt aneinander, formen ein an-\nmutiges Bildwerk von der Ruhe, die über\nallen Wipfeln ist.\nDoch plötzlich breitet Kälte sich und\npeinliche Spannung die hellenischen\nZüge — die Brust reckt sich abweisend —\ndie Zeusaugen erfassen streng eine\nzwerghafte Gestalt in dunkelblauem\nSakkoanzuge, dunkles krauses Haar,\nein aufdringlich verbindliches Lächeln.)\nDIE ZWERGHAFTE GESTALT (verneigt sich\nsich wiederholt vor dem Olympier, reibt\nsich die Hände): Gestatten Exzellenz! -\nDoktor Ernst Mauthner. (Schielende\nVerbeugung.)"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "352", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.12", "texte": "DER DICHTERFÜRST (fast unwahrnehmbar\nkräuselt Spott seine Lippen): Nun —\ndas wäre ja an sich keine Katastrophe.\n— Wodurch könnte ich Ihnen dienlich\nsein, Herr Doktor?\nDR. MAUTHNER: O bitte sehr — danke\nverbindlichst, Exzellenz! Ich bin nämlich\nPublizist. Mitarbeiter der Zeilschrift für\nneuere psychiatrische Forschung. Dürfte\nich mir erlauben, in dieser Eigenschaft\neinige Fragen an Exzellenz zu richten ?\nDER DICHTERFÜRST: Aber gewiß nicht,\nHerr Doktor.\nDR. MAUTHNER (späht durch die Glä er\nseiner Hornbrille betreten in das Antlitz\ndes Dichterfürsten, lächelt gezwungen):\nExzellenz würden sich t edeutende Ver-\ndienste um die neueste Forschung er-\nwerben - !\nDER DICHTERFÜRST (aus seiner Antwort\nströmt Eiseskälte): Mein Bedürfnis nach\nUngestörtheit überwiegt diesen Ehrgeiz.\nEs hat mich sehr gefreut, Herr Doktor!\n(Leichtes Neigen des Hauptes)\nDR MAUTHNER (nimmt Platz): Sie ge-\nstatten\nDER DICHTERFÜRST (tönend): Nein, Herr,\nich verbiete es!\nDR. MAUTHNER (lehnt sich behaglich in\nseinem Sitze zurück): Moment bitte!\n(Schiebt mit der flachen Hand einige\nGummizuckerln in den Mund, blickt\nkauend dem Olympier dreist ins Ge-\nsicht): Ihre olympische Haltung, mein\nHerr, ist gerechtfertigt durch Ihr Dichter-\ntum -\nDER DICHTERFÜRST (sucht flammend zu\nunterbrechen): Herr\nDR. MAUTHNER (rasch fortsetzend): Ihr\nDichtertum jedodi — wissen Sie, woraus\nes entstand? — —\nDER DICH 1 ERFÜRST: Herr! Ich verbitte\nmir !!\nDR. MAUTHNER: Also Ich wer d's Ihnen\nsagen. Sie haben natürlich Komplexe.\nDiese Komplexe\nDER DICHTERFÜRST: Herr !!\nDR. MAUTHNER: Di ese Komplexe er-\nzeugen in Ihnen Spannungen, die allein\nIhr Künstlertum hervorrufen. Sobald sie\nwegfallen, sind Sie nicht mehr imstande\nzu dichten. Wir können diese Spannun-\ngen Ihnen jederzeit weganalysieren. Sie\nsind Dichter also nur von unseren\nGnaden, bitte das nicht zu übersehen.\n- Wie steht es jetzt mit dem Interview?\nDER DICHTERFÜRST (starrt sprachlos er-\nzürnt in die feixende Maske. Plötzlich\nbrüllend): Hinaus!!!\nDR. MAUTHNER (sich erhebend): Gemacht.\nAlso werde ich Ihnen die Spannungen\nweganalysieren. Wird sich zeigen, ob\naußer der olympischen Haltung nachher\nnoch etwas vorhanden ist!\n(Er schliefet Türen und Fenster, zieh! alle Vorhänge zu)\n(Nach ungefähr 2 Stunden öffnet er alles wieder)\nDER DICHTERFÜRST (liegt erschöpft in\nseinem Throne).\nDR. MAUTHNER (setzt sich mit lässig über-\nschlagenen Beinen ihm gegenüber): So.\nDichten Sie jetzt, Exzellenz!\nDER DICHTERFÜRST (betrachtet ihn ver-\nächtlich. Ermannt sich. Richtet sich\nwieder zu olympischer Haltung auf....\nNie war er olympischer dagesessen!\nUnd sinnt):\nDR. MAUTHNER (nach einer Weile höhnend):\nHöhö!"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "353", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.13", "texte": "DER DICHTERFÜRST (errötet, sinnt heftig\nweiter): —'w—Nichts.\nIn seinem Gesicht malt sich Entsetzen\nüber sein Unvermögen. Auf seiner\nStirn steht es feucht.)\nDR. MAUTHNER (strahlend): Was sagen\nSie jetzt? Geben Sie 's schon billiger?\nIch sage Ihnen, Sie sind leer wie ein\nleeres Fafj!\nDER DICHTERFÜRST (angstvoll): Warten\nSie — ! (Blickt scheu auf das Schicksal\nihm gegenüber. Endlich in schuld-\nbewußtem Ton): Ihr naht euch wieder,\nschwankende Gestalten, die früh sich\neinst \" —\nDR. MAUTHNER (unterbrechend): Bitte,\nmachen Sie mir nichts vor! Das haben\nSie gedichtet, wie Sie eben noch die\nKomplexe hatten, jetzt dichten —\nhaha!\nDER DICHTERFÜRST: Ja - stimmt! (Blickt\nwie ein ertappter Schuljunge zu Boden):\nWarten Sie — ! Habe nun — ach!\nDR. MAUTHNER (feindselig): Ja freilich —\nHabe nun ach .... Aus is, Exzellenz!\nMich sehr gefreut. Habedieehre!\nEmpfehlemich!\n(Feixend und mit übertriebenen Bücklingen ab)\nDER DICHTERFÜRST (gellend): Einen Kom-\nplex ! Einen Komplex! Götter - einen\nKomplex!! (Bricht zusammen und\nwälzt sich in epileptischen Zuckungen\nam Boden.)\nVorhang\n\nIII\nHero und Leander\nSexual-Tragödie\nStrand am Bosporus, Mondnacht.\nHERO aufgeregt mit einer Fackel hin und her\nstammelnd: Leander! Süfeer! Starker!\nWo bleibst Du? .... Vergehe . . . .\nQual Zu mir!! Göttliche\nWonnen — —— — — ah!\nLEANDER (kriecht ohne Atem ans Land.\nZu Tode erschöpft): Hero! Weh!\nSterben — vereint - Geliebte!\nHERO (stöfet zu ihm): Meine Wonne! Was\nist Dir?\nLEANDER (weist mit ganz schwacher Gebärde\nauf das Meer, das er durchschwömmen.\nBlickt todestraurig auf Hero): Für Dich,\nGeliebte, tat ich das Unmenschliche.\nDich wiedersehen — ach! Nun kanns\nzu Ende gehen! — (Sinkt zu Boden.\nHERO hält ihn in ihren Armen)\nHERO (mit den Händen seinen Körper\nentlang streichend): Du „tatst \" Un-\nmenschliches, Götllicher ? Perfektum\nhier anzuwenden scheint mir unkorrekt.\nDu wirst Unmenschliches tun! Oh\nGnadenspender — die Nacht liegt vor\nuns!\nLEANDER (verlöschend in Müdigkeit):\nSchlafen! — An Deinem — Herzen!\nHERO (erschrocken, erregt): Was?\nLEANDER (tiefe Atemzüge) — — — —\nHERO (rüttelt ihn entsetzt): Jetzt wirst Du\nschlafen ?\nLEANDER (träumend): Ruhe!"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "354", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.14", "texte": "HERO (in Tränen): Du liebst mich nicht,\nGottloser!\nLEANDER (schnarcht)\nHERO (ergrimmt, läßt seinen Kopf auf einen\nStein auffallen, daß er erwacht und auf-\nspringt. Schreiend): Warum kamst Du\ndann überhaupt herübergeschwommen ?\nLEANDER (ernst): Um Dir zu beweisen, daß\nich Dich liebe!\nHERO (etwas versöhnt): Dann beweise es\nmir, wie es sich gehört! (Schmiegt sich\nan ihn.)\nLEANDER (scheint im Stehen wieder einzu-\nschlafen. Im Tonfall völliger Lethargie):\nJa, warum kam ich eigentlich herüber-\ngeschwommen ?\nHERO (Furie. Peitscht ihn mit der Fackel\nwieder ins Meer zurück): Verschwinde\nNeborhant!!\nLEANDER (springt resigniert wieder in die\nFluten): Luder! (Geht unter.)\nVorhang\n\nIV\nReisende Gipsfiguren\nOkkultes Drama\nSzene:\nDas Innere einer plombierten Kiste,\nderen Deckel die Adresse des Autors\nträgt. (Abs.: Exposition internationale\ndesArts Decoratif, Paris. Bureau deVente.\nCollection Nötre Dame). Zollstempel.\nRegiebemerkung:\nDie Kiste bildet einen Teil der Ladung\neines auf der Strecke Paris—Calten-\nstallung laufenden Güterwagens.\nPersonen (oder besser: Figuren):\nMEPHISTO (unwirklich groß, unwirklich\nmager. Fast Linie. Bei aller Ver-\nschlagenheit majestätisch und machtvoll,\nGott ein ebenbürtiger Gegner. Gelbes,\nzerklüftetes Vogelgesicht in Karstgebirgs-\ncharakter. Finger wie gelbe Fäden, am\nRücken verborgen um einen Dolch ge-\nspannt. Im Ganzen ein Schatten, aus\nwelchem kampfbereit das Ideal des\nZerstörens und unheimlich aufblitzt).\nBUDDHA (schwer, fettig. Gedunsene Wasser-\nleiche. Buntfarbige Kleidung öffnet sich\nüber einem wie flüssiges Siegellack\nquellenden Bauch. Im Antlitz ein träges\nLächeln letzter, aber energieloser Er-\nkenntnis, das den widerstrebenden\nBlick bannt).\nQUASIMODO (viel eher „VERHUNGERNDER\nBETTLER\". In Qual gekrümmter Leib.\nDie Haut ist über Knochen gespannt\nwie von Sonne gedörrtes Segeltuch.\nWeitaufgerissene Augen. Konkav ge-\nschrumpfter Bettelsack. Gichtisch-blutlose\nHände vor Schmerz in die Magengegend\ngepre&t).\nTRAUERNDE NONNE (eigentlich nur ein\nGewand; selbst das Haupt ist von einer\nKapuze verhüllt. Aber die Falten des\nTrauergewandes drücken Leid und\nHoffnungslosigkeit aus).\nZWEI WASSERSPEIER (Architektenwitze,\ngotische Fabelwesen. Aufgehängt und\nvon unten besehen wie keifende Weiber\nmit Halstüchern).\nLÄCHELNDER MÖNCH (nur eine ver-\nschmitzte Nase blickt aus der braunen\nKutte)."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "355", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.15", "texte": "CHINESISCHES GLÜCKSGEHEIMNIS (drei\nuralte Affen in sauberen Röcken eng\naneinanderhockend. Der erste hält sich\ndie Augen zu, der zweite die Nase,\nder dritte die Ohren. Was etwa be-\nsagen soll: Nichts sehen, nichts riechen,\nnichts hören! Bequem, nicht?])\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (der erinnert\nstark an einen Oberlehrer aus dem\nnächsten Bekanntenkreise. Vielleicht\nwird er das bei fortschreitender De-\ngeneration auch noch einmal. In einer\nspateren Existenz!)\nBUDDHA-ASCHENBECHER (von der Ver-\nkaufsstelle als Prämie gratis dazugepackt.\nDer gleiche fettige Gott, en miniature,\nmit gleichem Lächeln und gekreuzten\nBeinen auf einem Behälter für Zigarren-\nasche thronend)\nEINE GELBE KIRCHENLATERNE (Mauso-\nleum)\nEINE ROTE KIRCHENLATERNE (Krema-\ntorium)\nDIE FAKTURA (in einem unverschlossenen\nBriefumschlag)\nSPRECHENDE MENTALE SCHWINGUNGEN\nDES AUTORS\nDER ZOLLBEAMTE (Bayer)\nNoch eine Regiebemerkung: - (Leider nicht\nzu umgehen! Kann jedoch wegbleiben.) -\nEs bleibt dem Ermessen des schöpferischen\nRegisseurs überlassen, in welcher Weise\ner dem Publikum andeutet, daß der Autor\nzu Beginn der Szene einen Augenblick in\nVerlegenheit ist, was er mit diesem\ngotisch-ostasiatisch-kommerziell-astralen\nGesindel nun eigentlich beginnen soll.\nFerner sind durch die Regie etwa folgende\nGedankengänge klar zu machen: Man\nmuß nicht unbedingt an okkulte Phäno-\nmene glauben, um dennoch einzusehen,\ndaß eine derartige Reisegesellschaft, mit\ngrausiger Willkür in einer Kiste zu-\nsammengepfercht und völlig im Unge-\nwissen über Ziel und Zweck dieses\nVorganges, schließlich bemüht sein wird,\ndie gemeinsame Fahrt im Güterzuge\nund das allgemeine Unbehagen darüber\ndurch Gespräche erträglicher zu gestalten.\nUnd zweifellos ist der Drang nach Mit-\nteilung ein so heftiger, daß er schließlich\nüber die Grenzen des Stofflichen trium-\nphiert und sich in einer ganz europäisch\nklingenden Sprache Luft macht. Die\nSpannung in den Physiognomien der\nmit der Unbeseeltheit und Stummheit\nder Materie ringenden Skulpturen muß\nunter allen Umständen, vielleicht durch\nBeleuchtungseffekte, hervorgehoben\nwerden. Desgleichen die merkwürdige,\ngegenseitige Gereiztheit, die sich im\nLaufe der Unterhaltung bei fast allen\nFiguren, wahrscheinlich aus dem Gefühl\nihres gemeinsamen Mißgeschickes her-\naus, einstellt.\nBeginn\nOUVERTÜRE: Die Melodie in den Falten\ndes Trauergewandes der Nonne erhebt\nsich aus düster-tragischem As-moll\nOrgelpunkt zum schattenhaft strahlen-\nden Fis-moll- Motiv des kosmischen\nLeidens.\nIn Gegenbewegung, kontrapunktisch\ndurchgeführt, bilden die Därme des\nverhungernden Bettlers krachend den\nGeneralbaß dazu. Ferne C-dur-Fanfare.\n(Wie sich später herausstellt, kommt sie\naus der dem Theater gegenüberliegenden\nKaserne, wo eben der „Zapfenstreich\"\nabgeblasen wird.)"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "356", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.16", "texte": "Mit 3 laufen Paukenschlägen, die eine\nverspätete Dame im Zuschauerraum mit\nihrem Klappsitz verursacht, schliefet die\nOuvertüre.\nMEPHISTO (in der Haltung eines Kirchen-\nfürsten spricht mit einer weichen, wohl-\ntuenden Stimme aus seiner Ecke): Hat\ndenn von den Herrschaften niemand\netwas Efebares mit ? Man sieht wohl nicht,\ndafe einer unter uns Hungers stirbt?\nLÄCHELNDER MÖNCH (birgt seine Nase\nnoch tiefer in der Kapuze, ein schüler-\nhaft heftiges Lachen unterdrückend). —\nGELBE KIRCHENLATERNE (statt seiner zu\nMephisto): Wissen Sie, dafe gerade Sie\nsich darum annehmen - hihihi! Ich\nweife schon, wer Sie sind!\nERSTE WASSERSPEIERIN: Ich kann diese\nReisegespräche überhaupt nicht leiden!\nSchon diese albernen Vorwände, eine\nUnterhaltung anzuknüpfen!\nVERHUNGERNDER BETTLER (hat mit weit-\ngeöffneten Jenseitsaugen gelauscht. Jetzt\nim höchsten Stolz zu Kirchenlaterne\nund Wasserspeierin): Ich danke Ihnen\nmeine Damen, aber ich verzichte auf\nIhre freundliche Intervention! Ich bin\nManns genug, derartige Angelegenheiten\nselbstauszutragen! (Gegen Mephisto hin):\nDass ich Hungers sterbe, ist eine Be-\nhauptung, die ich schlechthin nur als\nunverschämt von Ihnen bezeichnen kann!\nEs fragt sich erst, mein gnädiger Herr,\nwer von uns beiden das gröfeere Ein-\nkommen hat! Ich bin doch schließlich\nnicht aus purer Menschlichkeit Bettler\ngeworden! Nein, für so dumm brauchen\nSie mich wirklich nicht zu halten!\nUebrigens - wollen Sie etwa be-\nhaupten, gut genährt auszusehen ?\nDas würde die Herrschaften jedenfalls\nsehr belustigen, haha - Sie. . (wütend):\n... Sie ~Philantrop\"!\nMEPHISTO (errötend darüber, dafe er sich\nalso vergessen konnte): Der Ausdruck\n„Philantroph\" trifft nicht ganz zu, mein\nHerr! Ich empfand zwar Mitgefühl, aber\ndoch nur für mi ch selbst. Habe mir\nalso durchaus nichts vergeben. Ich weih\nnicht, wohin man uns bringt — die\nAllwissenheit hat sich leider mein hoch-\nverehrter Herr Kollege, der liebe Gott\nvorbehalten, mit welchem ich mich\nübrigens nur wegen einiger theologischer\nStreitfragen entzweit habe, . . . dafür ist\ner gestaltlos, wogegen ich eine höchst\naparte Gipsfigur bin . . . Was wollte ich\naber sagen? Ach so! Ich weih also\nzwar nicht, wohin man uns bringt,\nohne Zweifel aber wird es eine Reise\nvon mehreren Tagen werden, und da\ndachte ich eben, daß eine Leiche im\nRaum aligemein störend . . .\nBUDDHA-ASCHENBECHER (ihn taktlos\nunterbrechend): Ich möchte nur gerne\nwissen, ob man z. B. auch Christus-\nköpfe als Türklinken oder dergleichen\nzu verwenden wagt! (Niemand kümmert\nsich um ihn )\nVERHUNGERNDER BETTLER (schmerzlich\nbewegt zu Mephisto): Ich wollte, ich\nwäre bereits so weit, dafe ich Ihnen\nnoch recht lange unter die Nase stänke,\nSie .. . Sie!! Bilden Sie sich vielleicht\nauch schon ein, Sie seien wer? Ein\narmer Teufel sind Sie, verstanden?!\nKeine Seele kümmert sich um Ihre Ein-\nflüsterungen ! Schauen Sie sich nur die\nLiteratur an, was Sie in der für eine\njämmerliche Rolle spielen! In jedem\ngedruckten Werk setzt man sich nach"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "357", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.17", "texte": "wie vor noch für den Triumph des Guten\nein. Oder, wie viele anständige Mädchen\nes noch gibt! Also seien Sie etwas be-\nscheidener, Sie verpatzter Dämon!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (gebieterisch):\nKeine Pöbeleien, meine Herren! Ich\nmache Sie aufmerksam, daß Damen\nanwesend sind, deren eine dazu in tiefer\nTrauer. Ich werde nicht zulassen, daf?\nder Streit Formen annimmt, welche\ndas Empfinden der Damen beleidigen\nkönnten! — (Er lächelt den „Damen\"\nzu und kaut weiter an seinem Knochen.)\nVERHUNGERNDER BETTLER (fährt auf):\nUnerhört! Mit welchem Recht wirft\nsich der Hund zum Beschützer auf?!\nZWEITE WASSERSPEIERIN (schrill): Weil er\nhier anscheinend der Einzige ist, der\nAnstand besitzt!\nBUDDHA-ASCHENBECHER (laut, jedoch\nabermals nur für sich): Oder ein\nMohammed als S p a rbü ch s e!!\nHÜNDSKOPF MIT KNOCHEN (den ver-\nhungernden Bettler scharf fixierend):\nIch mache weiter aufmerksam, dafc ich\ngegebenenfalls auch von meinem\nKnochen Gebrauch zu machen wissen\nwerde!\nERSTE WASSRSPEIERIN (zur Zweiten): Sicher\nein Akademiker!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (sich vor-\nstellend ): Gestatten die Damen! Ober-\nlehrer — (der Name bleibt unver-\nständlich).\nMENTALE SCHWINGUNG DES AUTORS:\nAlso doch!\nROTE KIRCHENLATERNE (harmlos vor sich\nhin): Krematorium, hihi!\nVERHUNGERNDER BETTLER (zum Ober-\nlehrer): Ein Dreckkerl sind Sie! Kommen\nSie her, ich hau Sie an die Wand! Sie\nhaben keine Intelligenz im Kopf! Ic h\nhabe den Krieg mitgemacht, war in\nSibirien — !\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (betreten):\nGestatten Sie. — Sind Sie honorig ?\nVERHUNGERNDER BETTLER: Ich bin kein\nBettler, Sie Lackel! Ich bin Quasimodo,\nder Pförtner von Nötre Dame, bin in\nder Literatur - !\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN: Portier sind\nSie!\nQUASIMODO: Pförtner, Sie Schweinehund!\nIch koste mehr als Sie! Wenn ich von\nmeinem Postament herunterkomme,\nhau ich Ihnen die - !!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (bleich zu den\nWasserspeierinnen): Nachtusch! Schon\nerledigt. (Wirft einen scheuen Blick auf\nQuasimodo.)\nCHINESISCHES GLÜCKSGEHEIMNIS (alle\ndrei Affen halten sich auf einmal die\nNasen zu): Pfui Teufel! Nur weg von\ndem Kerl!\nMEPHISTO: Bitte ?\nERSTE WASSERSPEIERIN (zum Hundskopf,\nlispelnd): Wieviel haben Sie denn ge-\nkostet, Herr Studienrat ?\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (flüsternd):\nIch bin die teuerste Figur überhaupt.\nSie dürfen es aber nicht weitersagen!\nDIE FAKTURA (gleitet aus dem Kuvert und\nbreitet sich aus): Unverschämt! Die\nbilligste sind Sie! Sie stehen auf mir\nganz am Ende!\nQUASIMODO (höhnische Lache): Da sieht\nman! So ein Gipstrottel!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "358", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.18", "texte": "BUDDHA: Was tut der Stoff? Aus Gips\nsind wir alle geformt. Die Form ist\nvergänglich, aber der Gips wird weiter-\nbestehen !\nDIE FAKTURA: Pardon! Ich bin aus Papier!\nMischboche! (Faltet sich wieder zu-\nsammen und kriecht angewidert in ihr\nKuvert zurück.)\nQUASIMODO (zu Buddha): Sie sind durch\ndie Ereignisse des Weltkrieges praktisch\nad absurdum geführt!\nBUDDHA: Dafür bin ich von Euch allen\nhier der Schwerstwiegende. Neun Kilo-'\nFür mich mußte durch den Spediteur\neine spezielle Einfuhrbewilligung vom\nMinisterium eingeholt werden.\nMENTALE SCHWINGUNGEN DES AUTORS:\nWenn Gewichtszölle man in Anrechnung\nbringt und nicht bald Tantiemen ein-\nlaufen, bin ich verloren!\nMEPHISTO (in wärmstem Mitgefühl zur\ntrauernden Nonne): Wie muß diese\nUnterhaltung Sie schmerzen! Gewisser-\nmaßen körperlich —. Sie haben gewiß\nein liebes Kind verloren! — ? —\nLÄCHELNDER MÖNCH (seine Nase funkelt\nverschmitzt).\nGELBE KIRCHENLATERNE (statt seiner):\nKreuzhimmelbombenkrematorium ! ! !\nEin unerhörter Zynismus! Einer Ge-\nweihten gegenüber! Wann wird end-\nlich !!!\nBUDDHA-ASCHENBECHER (laut für sich):\nIch muß mich ins Symbolhafte retten!\nDie Zigarettenasche zu meinen Füßen —\nmir dargebracht als Ausdruck, daß alles\nvergänglich ist. Eben das Ueberfließen\nder Weltenseele in —!\nROTE KIRCHENLATERNE (ihm heiß zu-\nflüsternd): Ich sehe, wir haben Be-\nrührungspunkte, mein Herr! Ich ver-\nstehe sehr gut, was Sie da eben sagten.\nKrematorium, nicht wahr ? ja, ja.\nQUASIMODO (seine Därme krachen).\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN (rügt es): Das\nhat einen Anstand! In Damengesell-\nschaft !\nQUASIMODO (nur mehr verächtlich): Scheiß-\nkübl!\nHUNDSKOPF MIT KNOCHEN: Ich werde es\ndem Absender nie verzeihen, daß er\nmich nicht separat verpackt hat. In\nsolcher Gesellschaft muß man heute\nreisen! Das sind die Vorteile der\nDemokratie!\n(Durch eine Erschütterung, die der ziem-\nlich jäh anhaltende Zug verursacht, wird\ner zwischen die beiden ältlichen Wasser-\nspeierinnen geschleudert, die gleich be-\nglückt und eifrig auf ihn einspeien.)\n(Plötzlich erstarren alle Figuren wieder\nzu der ihnen angeborenen Unbeseelt-\nheit, denn der Deckel der Kiste wird\nabgehoben und über die Oeffnung\nneigt sich ein rotes, gutmütiges Beamten-\ngesicht mit grüner Tellermütze. Offen-\nbar ist die Landesgrenze erreicht. Eine\nHand, die wohl ein Werkzeug dieses\nBeamtenhauptes ist, greift in die Kiste,\nzieht einen Gegenstand nach dem\nandern ans Licht und überreicht sie\neinem unsichtbar bleibenden Indi-\nviduum. Jedenfalls zur zollamtlichen\nBehandlung.)"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "359", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.19", "texte": "DER ZOLLBEAMTE (gibt die Faktura weiter):\nA Briaf!\n(zieht Mephisto ans Licht): A Manndl!\n(Buddha): A Reklam für Marienbad!\n(Quasimodo): A Tuifl!\n(Die trauernde Nonne): A schwoarz's\nMensch! Ma siacht jo gotnixi!!\n(Die beiden Wasserspeier): Jo, wos war\ndenn nacha dös? Jo gübts dös a?? -\n(ansagend): Zwoa Viacha !!\n(Den lächelnden Mönch): A geischilinger\nhochwürdiger Herr!\n(Das chinesische Glücksgeheimnis): Oan,\nzwoa, drei Hundala!\n(Den Hundskopf mit Knochen): No a\nViacherl!\n(Den Buddha-Aschenbecher): A Tölla\nmit an G'scheerten !\n(Die gelbe Kirchenlaterne): A Liacht-\nfunzn!\n(Die rote Kirchenlaterne): No a Liacht-\nfunzn!\nVorhang\n\nV\nLetzte Dinge\nKomödie\nRICHARD WELTKÜBL: (langsam von links\nnach rechts über die Szene).\nHONORE KANTISCH (von der anderen\nSeile, grüßt ernsl): Wie geht es Dir,\nWeltkübl ?\nRICHARD WELTKÜBL (nur müde Hand-\nbewegung. Ab.)\nHONORE KANTISCH (steht sinnend).\n— (Von außen ein Schuß.) —\nHONORE KANTISCH (ermannt sich): Na\nja! (Ab)\nVorhang"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "360", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.20", "texte": "François Villon\nCarl Brinitzer\n\nC'estoit Ia mere nourriciere\nDe ceux qui n'avoient point d'argent.\nA tromper devant et derriere\nestoit un homme dilligent\n(Repues franches)\nEr peitschte das Leben und ward gepeitscht.\nSpielte mit dem Leben, ein Spielball des Lebens.\nIn der Gasse geboren, an die Gasse verloren,\nsang er sein Lied wild in die Welt hinaus.\nDen Dolch in der Hand, das Lied auf der\nZunge, hetzle er als Strolch durch die Lande,\nunstet wandernd, raubend und plündernd, arm\nund geächtet.\nSeine Zeit war wild, war die Zeit des hundert-\njährigen Krieges zwischen Frankreich und\nEngland. Kriegsvolk und Pest wüteten. Arm\nwar Frankreich, blutend aus tausend Wunden.\nIm Jahre, da auf dem Markte zu Rouen\n„Jeanne, qui s'est fait nommer la Pucelle\" ver-\nbrannt wurde, im Jahre, da man ihre Asche\nin die Winde, ihr Herz in die Seine warf,\nward zu Paris Francois Villon geboren, wie\nJeanne d'Arc Vorkämpfer der Freiheit, Kind\ndes Volkes.\nArm ward ich geboren.\nArm bin ich noch heute.\nVater und Großvater\nArme Leute.\nDie Armut quält uns, will uns nicht\nschonen.\nKeiner der Reichen sich mild erbarmt.\nDoch bei den Seelen, die Gott umarmt,\nDa sieht man nicht Scepter, sieht man\nKronen. (Testament XXXV)\nAus seinem Testament klingen diese Worte.\nEwig ihr Klang. Ewig ihr Wert.\nSchüler in den Kollegien der Faculte des Arts,\nlebte er faul und darbend toll in den Tag\nhinein.\nAch Gott! Wenn ich doch einst geschuftet\nhätte\nin jener wirren, wilden Zeit der Jugend.\nWenn ich gelebt ein Leben voller Tugend,\nso hätt ich jetzt ein Haus, ein warmes Bette.\nZum Teufel! Wie ein fauler Wicht\nDie Schule flieht, gab's auch für mich dort\nnie ein Bleiben.\nNun, da die müden Finger diese Worte\nschreiben,\nfehlt wenig, daß mein Herz mir bricht.\n(Testament XXVI)\nAn den Unruhen der Studenten nahm er teil;\nwar Haupt einer Gaunerbande, die Paris durch-\nzog, war Feind der Bürger und Freund der\nDirnen. —\nUm eine Dirne schlug er sich mit einem Priester.\nErschlug den Priester; mußte Paris verlassen-\nTrieb sich mit einer Diebesbande umher; schrieb\nin deren Gaunersprache eine Anzahl Balladen.\nKehrte nach einem Jahr dann im Besitz zweier\nGnadenbriefe heim nach Paris. Doch er konnte\ndas Rauben nicht lassen. Erbrach mit Genossen\n— unter ihnen auch ein Geistlicher — eine der\ntheologischen Fakultät des College de Navarre\ngehörende Kasse, für seinen Teil hundertzwanzig\nTaler erbeutend. Wieder mußte er flüchten.\nZog als Vagant durch die Welt. Kurzer Aufent-\nhalt an den Höfen des Herzogs von Orleans\nund des Herzogs von Bourbon. Längerer\nAufenthalt im Gefängnis des Bischofs Thibault\nd'Aussigny von Orleans, aus dem ihn LudwigXl.\nauf seiner Krönungsreise befreite. Wieder zog\nes ihn nach Paris. Wieder zog man ihn vor\nGericht. „Wegen Mangels an Beweisen\" wohl,\nnicht weil er unschuldig war, wurde er frei-\ngesprochen. Bald aber saß er wiederum auf\nder Anklagebank. Bei einer blutigen Rauferei\nhatte man ihn festgenommen. Er hatte das\nbischöfliche Gericht verhöhnt. Sein Maß war"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "361", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.21", "texte": "Prof. Avgust Cernigoj: Selbstporträt"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "362", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.22", "texte": "voll. So wurde er zum Tode verurteilt. Rasch\ndichtete er noch:\nIch bin Franzose. Ach! Wie wird darob\nums Herz mir bang.\nGeboren bin ich zu Paris, der kleinen Stadt.\nAn einem Stricke baumelnd, der ein Klafter\nlang,\nWeiß bald mein Hals, welch ein Gewicht\nmein Hintern hat.\nGalgenhumor grinst noch aus diesen Versen.\nBald aber ward ihm „mulmig\" zu Mut. Schon\nsah er sich am Galgen baumeln und verwesen.\nEr schrieb das „Galgenlied\".\nBrüder, die ihr atmet, ob wir auch gehenkt,\nBrüder, so ihr uns Armen Mitleid schenkt,\nBrüder, so ihr im Herzen uns Sündern\nnicht grollt,\nIst euren Sünden ewig der Ewige hold.\nHier seht ihr uns baumeln: fünf, sechs\nKumpane.\nWir zittern im Wind wie die Wetterfahne.\nDas Fleisch verwest, das wir einst so\ngemästet.\nEs fault unser Fleisch und riecht wie\nverpestet.\nStaub werden die Knochen, verspottet uns\nnicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nHier baumeln wir zu Liebe der Gerechtigkeit.\nDaß wir euch dennoch Brüder nennen,\ndies verzeiht.\nIhr wißt: Nicht alle Menschen haben\nruhig Blut.\nIhr wißt: Nicht alle Menschen handeln\newig gut.\nFür uns're Seelen, Brüder, betet ohne Groll,\nDaß uns der Sohn der Gnadenreichen\nhelfen soll,\nDaß seine Gnade uns nicht ewig fehle,\nDaß seine Gnade rette uns're Seele.\nWir sind krepiert nun! Verspottet uns nicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nDer Regen hat uns gewaschen den Kopf,\nFuß und Hand.\nDie Sonne hat uns getrocknet und schwarz\ngebrannt.\nRaben krächzten. Haben die Augen uns\nausgehackt.\nAn den Augenbrauen und am Bart uns\ngezwackt.\nWir ruhen am Galgen. Ob wir auch ruhlos\nsind.\nPendeln hin. Pendeln her. Und es schlägt\nuns der Wind.\nUnd es schlägt uns der Wind und peitscht\nuns im Rücken.\nUnd die Vögel wi'd unsere Leiber zerstücken.\nIhr Brüder aber verspottet uns nicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nHerr Jesus, der Du Gnade für Alle hast,\nSieh1, daß uns nicht der Teufel am Kragen\nfaßt.\nHängt am Leben, Brüder! Hängt am Galgen\nnicht!\nBetet zu Gott! Er halte Gericht!\nEr woll' uns erlösen in Christi Namen!\nAmen!\nDoch das Leben des göttlichen Galgenstricks\nendete nicht am teuflischen Strick des Galgens.\nVom Parlament begnadigt, des Landes ver-\nwiesen, jagte er wiederum durch die Lande,\nziellos und mittellos, unbekannt und verkannt,\ngehetztes Wild, ein wilder Geselle.\nVerweht sind seine Spuren. Wie Spreu im\nWinde verweht seine Verse. Mühsam ge-\nsammelt von emsiger Hand schrillt sein Werk\ndurch die Jahrhunderte, zeitbedingt und zeitlos\nzugleich. Frisch und derb packen seine Balladen\nden Tag. Die Formen einer schwülstigen Zeit"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "363", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.23", "texte": "Prof. Avgust Cernigoj: Linoleumschnitt"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "364", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.24", "texte": "sprengend, Blut und Glut in jagende Rhythmen\nzwängend, steht Francois Villon — ein Riese\nunter Zwergen — in Frankreichs Dichtung an\nder Schwelle der Neuzeit. Wild ist sein Hohn.\nSeine Verse sind trunken, berauschend der\nKlang seiner Lieder. Irr und wirr war sein\nLeben, war wüst und roh. Aber hätte er\nanders gelebt, so hätte er anders gesungen.\nJener unheimliche Takt hätte gefehlt, der\nClement Maroot, Rabelais und Moliere gepackt,\nder Rosetti und Swinburne begeisterte, der\nDehmel und Klabund zu Nachdichtungen\nhinriß, der hinreißen wird, solange Menschen\nauf Erden, die noch im Abschaum den Schaum\nsehen.\n\nBallade\nvon Villon und der dicken Margot\nVerdammt, bin ich ein wüster Schuft denn vor\ndem Herrn?\nBei Gott! Ich diene meinem dicken Liebchen gern.\nEs reizen mich ihre Reize. Naht ihr ein Strolch,\nschütz ich mutig me;n Liebchen mit Degen und Dolch.\nWenn Gäste kommen, greif' ich zum Kiug sofort;\nund ich füll' ihn mit Wein. Und ich ied' kein Wort.\nUnd ich bring' ihnen Früchte und Käse und Brot,\nhole alles geschwind nach der Gäste Gebot,\nWenn die Gäste zahlen, so sag' ich: „Habt Dank\nund führt Sie der Weg hier mal wieder entlang,\ntreten Sie ein und treten Sie aus!\nBitte Sie, Gast zu bleiben\nim Haus der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\"\nOft gibt's Gezänk hier und Krach, daß das Haus\nerbebt.\nwenn sich Margot vom Schlaf ohne Kasse erhebt.\nIch hasse sie dann und mich ekelt dies Luder,\nschmeiß' ihren Rock weg, ihren Mantel, ihr Puder\nund sie schreit dann und kreischt, daß es gellend\nschallt.\nIch steh' in der Kammer — die Fäuste geballt —\ndroh' ihrem Herrn, bis er zittert und furchtsam blickt,\nohne Mucken berappt und bescheiden sich drückt.\nImmer das Gleiche. Tagein. Nachtaus.\nUmsonst ist hier kein Bleiben\nIm Haus der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\nWir schließen Frieden, Kann mich vor Lust kaum\nfassen.\nSie beginnt, duftige Winde geh'n zu lassen.\nUnd sie lacht laut, hält mir die Faust unters Kinn,\nnennt mich Liebling, legt sich zur Seite mir hin.\nBeide besoffen schlafen wir, Mann und Weib.\nErwacht sie und spürt sie Beschwerden im Leib,\nso steigt sie dann auf mich, zu schonen die Frucht,\nund unter ihr lieg' ich in bergiger Schlacht.\nEs wird gehurt auf Teufel komm raus.\nHurer und Hur wir bleiben.\nIm Hause der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\nWind, Hagel und Frost , . . . Ich leide nicht Not.\nZuhälter bin ich. Ich hab' mein Brot.\nWir kleben am Dreck — an uns klebt der Dreck.\nWir fliehen die Ehre — sie läuft uns weg.\nWir treiben das Spiel von Katze und Maus.\nJagend gejagt wir bleiben.\nIm Haus der Freude, im Freudenhaus,\nhier im Bordell,\ndas wir reell\nmit Konzession betreiben.\n\nBallade\nvon den verleumderischen Zungen\nMan nehme:\nHefenschaum, Salpeter, Höllenstein.\nUnd gieße da noch ungelöschten Kalk hinein.\nUnd siedend Blei, damit die größte Qual erreicht,\nUnd Talg und Pech, in einer Lauge aufgeweicht,\ndie man aus warmer Pisse und aus Kot gebraut,\nWaschwasser voller Schin von leprakranker Haut,\nDazu den Schweiß von Füßen und auch Schlangenblut\nund böse Gifte, die zum raschen Töten gut:\nvom Wolf, vom Fuchs, vom Dachs die Galle noch dazu\nin dem Ragout,\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen braten."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "365", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.25", "texte": "Man nehme:\nKatzenhirn, das vor Verwesung stinkt,\nein Hirn, aus dem ein Pestgeruch zum Himmel dringt,\nden Speichel eines Fleischerhunds, der bald \\ erreckt,\ndem geifernd weißer Schaum aus seinem Maule leckt;\nund Eselschweiß von einem Tier, das dämpfig war,\ndas man zu Frikassee zerhackte ganz und gar;\nund Wasser, das von Ratten, Kröten wimmeln soll,\ndas faulig und von Fröschen und von Schlangen voll.\nMan nehme alles, was in Tümpeln kreucht hinzu:\nin dem Ragout\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen braten.\nMan nehme:\nNatterngift. Man nehme Sublimat.\nMan mische dann aus vielen Drogen Giftsalat\nund nehme dann noch Blut, das beim Barbier gerinnt,\nin Becken, wenn die Aderlässe üblich sind;\nwas sovomSchanker fließt und ausGeschwüren spritzt\nund allen Schmutz, der in der Ammen Schüsseln sitzt.\nEin Dirnchen nimmt, so sie ihr Werk vollendet hat,\nzur Spülung stets — so geht doch ins Bordell — ein Bad;\nm u nehme dieses Dirnchens Badewasser noch hinzu:\nin dem Ragout\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen braten.\nMan nehme dann ein Sieb und werfe da hinein\ndie Leckerbissen alle und noch Dreck vom Schwein,\nund nehme dann noch ff. Menschenkot hinzu:\nin dem Ragout\nda lasse man ob ihrer bösen Taten\nverleumderische Zungen bralen."}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "366", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.26", "texte": "Palucca: Tanzstudie"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "367", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.27", "texte": "Kandinsky: Graphische Darstellung der nebenstehenden Studie"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "368", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.28", "texte": "Palucca: Tanzstudie"}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "369", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.29", "texte": "Kandinsky: Graphische Darstellung der nebenstehenden Studie"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "370", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.30", "texte": "Raumsturz des Sprechens\nKarl Vogt\n\nIndem der Expressionismus die Erkennt-\nnis gebracht hat, daß Kunst mit Denken\nnichts zu tun hat, sondern sinnfällige Ge-\nstaltung von Erlebnis ist, scheint die Zeit\nendlich reif zu sein, auch das Sprechen,\nsoweit es Kunstmittel ist, auf die Grund-\nlage des Künstlerischen zu stellen. Nicht\ngenug gewürdigt ist ja die zwiespältige\nTatsache, daß die tönende Sprache einer-\nseits Kunstmittel ist, andererseits Verstän-\ndigungswerkzeug. Zwischen den beiden\nZielen — das eine Mal: nüchterne und\npraktische Verständigung zu übermitteln;\ndas andere Mal: durch bewegte Worte\nund Töne menschliches Erlebnis durch die\nSinne des Hörens wachzurufen — kann\ngar nicht scharf genug unterschieden wer-\nden. Die bisherigen Wort -oder Sprecli-\nkünstier: Vortragende, Schauspieler, ja, so\nunglaublich es auch scheinen mag, selbst\nSänger in vielfacher Beziehung, haben die\nGestaltung der Worte immer mehr oder\nweniger intellektuell orientiert. Sie be-\nmühten sich um Darstellung des jeweiligen\nInhalts der jeweiligen Worte, — eine pri-\nmitive, schablonenhafte und zusammen-\nhanglose Ausmalung der Einzelheiten, die\nnicht einmal eine Satzkomposition, ge-\nschweige denn die kompositorische Gestal-\ntung eines Gedichtes oder einer Rolle oder\neines Dramas zuließ. Wenn bei einer\nsolchen falschen Konkretheit des Vor-\ntrages immerhin auch im Einzelfall oft\nan das Erlebnis gerührt wurde, so\nwar dies doch unwirksam durch die gänz-\nliche Außerachtlassung von rhythmischer\nFormung. Bemühungen um rhythmische\nFormung zeigten sich sonst meist in rein\näußerlich taktierender Weise. Es gab noch\neine andere Sorte von Sprechern, die vor-\nzugsweise rationalistisch arbeitete. Sie\nerklärte ihre Wortfolgen weniger durch\nAusmalung der einzelnen Worte, sondern\ndurch gedankliche Betonung des Satz-\nganzen. Sie war stolz darauf, Sinn und\nVerstand darzustellen. Sic tat sich etwas\nzugute, wenn sie Verse sprach, und nie-\nmand es merkte, daß es sich um Verse\nhandelte.\nWir kommen heute der Erkenntnis näher,\ndaß dieses Verfahren das amusische\nSprechen genannt werden muß, ob es nun\nin der einen oder der andern Weise ver-\nbogen erscheint. Es hat sich herausgestellt,\ndaß diese Vortragsweise keinerlei unmittel-\nbare Wirkung hatte. Die ihrerseits intel-\nlektualstisch verseuchten und dabei rüh-\nrend willigen Zuhörer empfanden nur mit-\ntelbar eine Andeutung von Erlebnis, indem\nsie auf intellektuellem Wege das rationa-\nlistisch Geformte in Erinnerungsbilder\nund in Anschauungsformen verwandelten.\nSelbst die als solche geltenden großen\nKünstler — bis auf wenige Ausnahmen, die\ndann von den Fühlenden fanatisch geliebt\nwurden — gaben nur magere Kost, und\nunmittelbare Erlebnisübermittlung ledig-\nlich an den Höhepunkten, deren Zwang sie\nhin aufriß.\nWenn jetzt eine Erziehung zu künstleri-\nschem Sprechen stattfinden soll, so ist es\nnunmehr möglich, diese Erziehung ohne\nfalsche Umwege richtig und systematisch\naufzubauen. Alsdann wird auch die ver-\nlorene und allgemein vermißte Kultur des\nSprechens wieder Tatsache werden. Selbst"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "371", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.31", "texte": "Karl Vogt : Das phonetisch-gymnastische Ausdrucksalphabet\nin der Labanschen Tanzschrift aufgeschrieben mit Hilfe von Susanne Ivers.\nMit Genehmigung des Verlages der Labanschen\nTanzschrift, der Universal-Edition A.-G., Wien"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "372", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.32", "texte": "die Deutlichkeit und Verständlichkeit des\nSprechens wird zu erzielen sein, aber\nwohlgemerkt, nicht als eigentlicher Gegen-\nstand des Studiums, sondern als Folge der\nErlebniskraft richtig geformten Sprachaus-\ndruckes.\nHiermit ist bereits angedeutet, daß eine\näußerliche Sprachtechnik nicht mehr Ge-\ngenstand des Unterrichts sein kann. Wohl\nist bei der Erziehung zum lebendigen\nkünstlerischen Sprechen auch die Loka-\nlisierung der einzelnen Laute in den\nSprachorganen klarzustellen und ihre Prä-\nzision und hygienisch richtige Funktion zu\nüben. Wesentlich aber ist, daß bereits\njeder Laut von vornherein als Ausdrucks-\nwert gezeigt, empfunden und geformt und\ndaß auf diesem Wege zugleich seine tech-\nnische Funktion klargestellt und geübt\nwird. Es hat also das Technische und das\nKünstlerische konsequent Hand in Hand zu\ngehen, vom ersten Anfang an und in jeder\nEinzelheit, und im Kleinsten bereits muß\njede rein formale Bemühung als schädlich,\nmindestens als umwegig gelten.\nAus diesem Grundsatz ergibt sich wieder\netwas Neues: Schon für jeden einzelnen\nLaut ist eine rein stimmliche Funktion un-\nmöglich. Soll bereits jeder einzelne Laut\nvom Erlebnis her orientiert werden, so\nmuß er durch die Innervation des ganzen\nKörpers gehen. Denn es gibt nur die Ein-\nheit von Leib-Secle-Geist und keine Ver-\neinzelung eines dieser Komponenten der\nErscheinung Mensch, wenn auch manche\nDoktrinäre eine dualistische Scheidung\nirgendwelcher Art behaupten.\nJeden einzelnen Laut als Erlebnis formen,\nd. h. ihn durch den ganzen Körper gehen\nlassen, d. h. also seine Existenz nur aus\nder körperlichen Bewegung her anerken-\nnen. Der Bewegung des Tones entspricht\ndie Bewegung des Körpers, in jeder Ein-\nzelheit wie im rhythmischen Ablauf künst-\nlerischer Wortfolgen. Ja, die Bewegung\nist sogar das Primäre, denn das Erlebnis\nreagiert immer zuerst in den triebhafteren,\nunschuldigeren, unmittelbareren Funktio-\nnen des Körpers. Erst daraus entwickelt\nsich der Laut in seiner Gliederung und\nMannigfaltigkeit, der in solcher Gestalt nur\ndem Menschen eigentümlich ist, und noch\nspäter bricht aus dem solchermaßen rea-\ngierenden Unbewußten die Klarheit des\nBewußtseins empor, die bestimmte Worte,\nSätze und Satzfolgen formt. Alle diese\nletzten Enden der Erlebniskurve müssen,\nwenn sie künstlerisch dargestellt werden,\nimmer unter dem Diktat des ganzen Kör-\npers sichtbar werden.\nAls Grundlage und Angelpunkt solcher\nkünstlerischen Sprecherziehung stelle ich\ndas phonetisch-gymnastische Ausdrucks-\nalphabet auf. Es soll im-'Folgenden kurz er-\nklärt werden, und wird in genauer Form\nin der Bewegungsschrift Rudolf von La-\nbans mitgeteilt.\nDas phonetische Alphabet als solches ist in\nder Reihenfolge der Schwierigkeiten und\nLokalisierung der Laute der deutschen\nSprache, die nicht immer den geschriebe-\nnen Buchstaben entsprechen, aufgestellt.\nSeine Richtigkeit steht als Ergebnis der\nphonetischen Wissenschaft fest. Ich deute\nes in großen Zügen an. Allgemein ist zu\nsagen, daß die Grundeinstellung für alle\nBuchstaben eine breite Mundstellung ist,\nmit leicht hochgezogenen Mundwinkeln.\nAusnahmen bilden nur der mit seh geschrie-\nbene Laut (und der ihm entsprechende\nstimmhafte Laut, das französische g, etwa\nin large), ferner 112, w, o, ö, u, ii."}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "373", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.33", "texte": "Ich stelle sieben Uebungsrcihen auf.\nDie erste: Die scharfen Explosivlaute\nP, t, k.\nDie zweite Reihe: Die entsprechenden\ndaraus entwickelten Blählaute: b, d. g.\n/ 7\nDiese sechs Laute der deutschen\nSprache können nicht selbständig klin-\ngen. Wir bilden sie daher nicht mit\nden Hilfsvokalen der Grammatik, son-\ndern mit einem nachklingenden leich-\nten knappen scharfen i, das ihrer\nMundstellung am meisten entspricht.\nDie dritte Reihe sind die Zischlaute: seh\n(wie scheu), das scharfe s, ch (wie\nich), ch (wie ach) und f.\nDiese Reihe dient besonders als Ge-\nläufigkeitsübung. Zu beachten ist das\nUmwerfen der Mundsteilung von seil\nzu s, — die äußere Gleichheit der\nMundstellung bei s und in beiden ch,\n— und wieder das Umwerfen der\nMundstellung vom harten ch (bei brei-\ntem Munde) zum 112 mit vorgestülpter\nOberlippe.\nDie vierte Reihe entwickelt aus diesen\nZischlauten durch Tongebung die\nHalbklinger, was bei dem harten ch\naber nicht möglich ist, so daß nur vier\nLaute bleiben, also g (französisch), —\ndas weiche s, —• j (stimmhaft ent-\nwickelt aus dem stimmlosen ch) —\nund das w.\nDie fünfte Reihe gibt die vier Selbstklinger,\ndie wichtigsten Klang- und Resonanz-\nträger der deutschen Sprache. Diese,\nwie alle Konsonanten, sind für eine\ngute und ausdrucksvolle Aussprache\nentscheidend, — nicht die Vokale, —\nsie vielmehr formen wesentlich die\nDeutlichkeit sowohl wie die Aus-\nDruckskraft der Worte. Die vier\nSelbstklinger sind 1, m, n, ng (der\ndeutsche Nasal in eng, Angst, singen,\nHunger).\nIn der sechsten Reihe steht für sich das r,\n— selbstverständlich das Zungen-\nspitzen-r.\nDie siebente Reihe entwickelt die Vokale,\nbeginnend mit der größten Oeffnung\nder Mundhöhle (Zäpfchen hoch wie\nbeim Gähnen und große runde Mund-\nöffnung), dann bis zum i immer engere\nund schmalere Mundöffnung. Mit o\nspitzt sich der Mund, das Gesicht wird\nhohlwangig, dann verdicken sich die\nLippen bis zum ü. Die Reihe lautet:\na —- ä — e — i — o — ö — u — ii.\nHiermit ist das Wesentliche angedeutet.\nNachdem die Lokalisierung der Buchstaben\nim Munde einigermaßen klar ist, üben und\nentwickeln wir nur noch zugleich aus einer\nihnen entsprechenden Ausdrucksbewegung\nund kommen damit zu dem phonetisch-\ngymnastischen Alphabet. Betont sei gleich,\ndaß die Buchstaben bezw. Laute nicht ein-\ndeutig sind und daß die im folgenden dazu\naufgestellte Bewegung nicht etwa den be-\ntreffenden Laut erschöpfen soll, sondern\nbeispielsweise gemeint ist, allerdings aber\nbemüht ist, die möglichst präzise Kongru-\nenz zu jedem Laut aufzustellen.\nDas p entspricht einer höhnisch schnippen-\nden Bewegung. Während die Füße\nsich auf die Zehen heben, die Hüften\nkreisend ankurbeln, schwenken die\nArme locker von unten nach oben, die\nrechte Hand nach oben schnippst hin-\nauf höhnisch verächtlich, zugleich\nWippen der Füße."}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "374", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.34", "texte": "t: Ausdruck des Eigensinns. Gerade Hal-\ntung, durchgedrückte Knie, Stand auf\nden Zehen. Mit dem Laut Wippen im\nFußgel enk, leichte Unterstützung durch\ndie Arme.\nk ist aggressiv. Zugleich mit dem Laut\nknickt der Körper lebhaft ein, die ge-\nschlossenen Knie nach vorn, die hän-\ngenden Arme mit geballten Fäusten\nrunden sich, die Ellbogen werden halb\nnach außen gerundet, halb vorgewor-\nfen (die Arme bilden Henkel).\nB ist sehnsuchtsvoll, in starker Spannung\nnach einem gewünschten Objekt. Der\nKörper wird lang, die Hände greifen,\nin Schulterhöhe langsam weich ver-\nlangend, während des Blähens nach\nvorn, um schließlich mit der Lösung\ndes Verschlusses b das Ziel der Sehn-\nsucht zu erreichen.\nd als Ausdruck der Innigkeit. Die Hände\nin der vorherigen Stellung mit b vorn\ngelandet, gehen ein wenig in wei-\nchem Bogen auseinander.\ng charakterisiert als „nachgiebig\". Die\nArme schwingen zugleich mit dem\nLaut auseinander, Unterarme und\nHände zeichnen etwa ein liegendes S.\nDie dritte Reihe, die fünf Zischlaute, sind\ndie hochdramatischen.\nMit sch Fechterausfall, Stoß mit der rech-\nten Faust.\nMit dem scharfen s wird eine Drohung\nzum Ausdruck gebracht. Aus der vor-\nherigen Stellung geht der Oberkörper\nzurück, — Gewichtsverlagerung auf\ndas hintere linke Bein, die Brust bleibt\nfrontal, zugleich gehen beide Ellbogen\nan die Brust, Unterarm und Zeigefin-\nger stehen stechend nach oben. Der\nOberkörper ist nach vorn gebuckelt.\nMit dem Ende der Bewegung ertönt\nder Laut.\ncli: aus dieser Haltung reckt sich der Ober-\nkörper hoch, das Kreuz ist fast hohl,\nzugleich legen sich die geschlossenen\nHandflächen umrahmend um das Ge-\nsicht, — die Daumen unter das Kinn,\ndie Handflächen neben die Wangen, —\ndas Gesicht wird so ins Schreckliche\nvergrößert. Mit dem Ende der Be-\nwegung ertönt der Laut.\nDas folgende harte ch wird noch aggressi-\nver, der Oberkörper wirft sich etwas\nnach hinten, die Ellbogen sind noch\nimmer an die Hüften angepreßt, die\nUnterarme beschreiben mit gespreiz-\nten Fingern eine kreisende Bewegung\nnach außen. Während der Bewegung\nder Laut.\nDas 112 ist Triumph, lustiges und verächt-\nliches Wegwerfen. Der Gegner ist\nendgültig erschreckt und in die Flucht\ngeschlagen. Also: Aufrichten aus der\nFechterstellung, Uebertraguug (Ge-\nwichtsverlegung) auf den rechten Fuß,\nEmporhüpfen auf diesem und Hoch-\nwerfen der nach oben offenen rechten\nHand.\nDiese fünf Zischlaute stellen als gute\nUebung einen geschlossenen kleinen dra-\nmatischen Vorgang dar. Wichtig ist wie\nüberall die aus der ruhigen Sicherheit der\nGestaltung notwendige Fermate nach\njeder Phase — nach jedem Laut — dieses\nAblaufes."}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "375", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.35", "texte": "Die vierte Reihe gibt die entsprechenden\nstimmhaften Laute ebenfalls als eine kon-\ntinuierliche Folge. Sie alle charakterisie-\nren das fast hexenhafte Anrichten von\netwas Bösem.\ng (französisch) — das stimmhafte seil —\nmit beiden Armen im Gehen eine\nschöpfende Bewegung, von oben\naußen nach unten innen und wieder\nhoch.\nScharfes s — weitergehen und abwech-\nselnd rechts und links großliniges\nArmschwingen mit schneidendem,\nbösartig gespanntem Zeigefinger von\noben vorn herunter nach unten (durch-\ngedrückte Arme).\nj — im Weitergehen begegnen sich die\nHände in Hüfthöhe in kreisender Be-\nwegung der Handgelenke und formen\netwas,\nw — das sie nun immer weitergehend mit\nwirbelnden Fingern hypnotisierend\nnach oben entwickeln, als ob sie\naus einem Hexenkessel rauchgiftige\nDämpfe beschwören. Mit Unter-\nbrechung oder Abschwellen des w\ngehen die Arme nach außen rund her-\nab, um mit verstärktem w innen wie-\nder fingerwirbelnd hinaufzugehen.\nDie fünfte Reihe entwickelt wieder in ge-\nschlossenem Ablauf die vier Selbst-\nklinger.\n1 — Ausdruck jauchzender Munterkeit. Der\nUebende hüpft von einem Bein, das\nandere seitschwingend, mit den Armen\nnachgebend, auf das andere und immer\nvorwärts. Das rechte Bein schwingt\nnach links, der linke Arm schwingt\nhoch, das linke Bein schwingt nach\nrechts, der rechte Arm schwingt hoch.\nDie Fußspitzen sind nach unten ge-\nstreckt. Mit jedem Schwung ertönt\ndas 1 hell und klingend.\nin —• die Bewegung wird aufgefangen,\nder Laut m ertönt, während eine\nUebertragung rückwärts stattfindet.\nVielleicht dreimal von Bein zu Bein.\nAlso drei Schritte rückwärts. Jedes\nMal ertönt der Laut m gedankenvoll\nversunken. Immer bleibt der rechte\nHandrücken in orientalischer Weise\ngegen die Stirn gelegt, — wie das I\nzum m aufgefangen wurde.\nn — plötzlich geht die Rückwärtsbewe-\ngung gebückt weiter. Die Arme\nstoßen wechselnd mit nach vorn offe-\nner Handfläche energisch nach vorn,\n—- wie etwa Widriges wegschiebend.\nMit jedem Armstoß der Laut 11.\nng — Ausdruck des Erdrückt-, Erwürgt-\nwerdens, buchstäblich oder über-\ntragen. Der Körper bleibt stehen,\nwindet sich ein wenig, der stark ge-\nwinkelte Arm legt sich vor das Qe-\nsieht, abwechselnd der rechte und der\nlinke-, jedes Mal mit dem Laut ng.\nEs ist, als ob man sich schützen oder\ngegen Schläge in das Gesicht oder\n1 . 112 J : - i '\ngegen Erwürgen wehren wolle. •\nDer Laut r ist auf alle Fälle der Ausdruck\näußerster Beweglichkeit, J Aktivität\nvon ausgesprochenem Dur-Charakter,\nkeinesfalls ein Versinken in untätige\nI ragik zulassend. 111 klarster Form\nkann er nur munter, fast lustig er-\nscheinen. Wir laufen also ziemlich\nlebhaft vorwärts, rollen das Zungen-\nspitzen-r, während der rechteEllbogen\nin die Hüfte gedrückt ist und der"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "376", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.36", "texte": "Unterarm bei leichter Ballung der\nFaust lebhaft kreist. Jetzt verstärkt\nsich die Aktivität, wird etwa eine\nlustige Bedrohung: auch der linke\nArm stemmt sich in die Hüfte, und\nbeide Unterarme kreisen jetzt zu\neinem verstärkten wirbelnden r.\nDer Vokal a drückt durch Weiten aller\nseelischen und körperlichen Räume\nBefreiung, Entspannung, Größe und\nAndacht aus. Wir hocken auf den Fer-\nsen, der Oberkörper liegt wagerecht\nauf den Oberschenkeln, die Hände liegen\nweit vorgestreckt auf dem Boden.\nJetzt wird tief und langsam geatmet,\nwährend der Oberkörper sich lang-\nsam aufrichtet und die Arme wage-\nrecht in die Höhe mitgehen. Sind die\nHände so in Augenhöhe und der Ober-\nkörper noch in hockender Stellung\nsenkrecht gerichtet, ist die tiefe lang-\nsame Einatmung zu Ende. Jetzt lang-\nsames Aufstehen, ein Bein wird ge-\nrade unter dem Oberkörper durch\nnach vorn gezogen — dieses erfordert\neine weiche Durcharbeitung der Mus-\nkulatur und ist etwas schwierig — zu-\ngleich werden die Arme weit ausge-\nbreitet und die Brust immer stärker\ngewölbt, während ein entsprechendes,\nimmer stärker anschwellendes a er-\ntönt, das dann langsam mit einem\nleichten Rückschwingen der geöffne-\nten Arme in Schulterhöhe abschwillt.\nAus dieser Stellung knicken die Arme ein.\nDie steilen Handflächen nach vorn\noffen bewegen sich hin und her. Die\nBewegung begleitet der Laut ä im\nSinne des Abstandnehmens, fast des\nEkels.\nNach der Fermate dieser Bewegung er-\nfolgt ein strenges ehernes e, das in\nunbewegter, aber gespannter Haltung\nertönt, nachdem der Körper sich steif\naufgerichtet hat, die gewinkelten Arme\nund die sie fortsetzenden Hände in\nstreng wagerechter Linie sich unter\ndem Kinn begegnen.\nVon hier erfolgt der Uebergang zum i,\ndessen oppositionelle Deutung wir\nhier als fruchtbar erachten. Der linke\nArm geht gestreckt diagonal nach\nvorn, Oberkörper und Kopf folgen in\ndie gleiche Diagonale, die linke Hand\nsteht steil hoch, die rechte Hand liegt\nebenso vor dem Gesicht, der Daumen\nnächst der Nase. Nach Vollendung der\nBewegung ertönt der Laut i als Ekel\nund Abwehren.\nDie Spannung löst sich, Wendung zurück\nin die Frontale, die Arme gehen halb\nhoch nach vorn, dann rund her-\nunter und innen wieder hoch. Jetzt\nertönt der Laut o im Tone der Ver-\nehrung und Andacht, Stellung etwa\ndes griechischen Beters.\nDie oben stehenden Arme lösen sich, die\nEllbogen etwas einwinkelnd, und jedes\nMal mit dem Laute u geht Hand nach\nHand, Teller nach unten, eine Spanne\nliinab. Der Oberkörper geht leicht\nmit. Thema der Bewegung: Druck,\nErdrückung, fast stöhnend, — Körper\nund Ton aber nur in geringer Span-\nnung.\nWichtig für alles Sprechen und Bewegen\nist ein organisches Einbauen und\nFunktionieren der Atmung."}, {"page_pdf": 37, "page_imprimee": "377", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.37", "texte": "mm\nMUSIK BAUT D\nE R S E E L E\n\nVerlair Der Sturm / Berlin W 9\nKunstier-Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemalden, Zeichnungen und Bildwerken folgender Kunstier:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincene Benes\nUmberto Boccioni 112 / 2\nCampendonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLyonel Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck \"j*/ 3\nSigrid Hjerten Grlinewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kadar\nKandinsky / 3\nPaul Klee\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger / 2\nAugust Macke 112\nFranz Marc 112 / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Miinter\nGeorg Schrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\nFritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden 112\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall: Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\nDichtungen von HERWARTH WALDEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark\nDie Harte der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nGlaube / Komitragodie\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe Ein Spiel mit dem Leben\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragodie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib / Komitragodie / 3 Mark\nKind / Tragodie Trieb / Eine biirgerliche Komitragodie\nJedes Buch 2 Mark . ,\nVerlag Der Sturm / Berlin W 15\nMenschen / Tragodie"}, {"page_pdf": 38, "page_imprimee": "378", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.38", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann Berlin Wl5 / Verlag: Der Sturm G. m. b.H.\nBerlin Wl5 Kurfürstendamm 53 / Fernruf Bismarck 2370 / Postscbeckkonto Berlin 120658\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt\n\nBatihausbucher\nLieferbar sind:\nALBERTLANGEN MUNCHEN\n\nAtelier\nin Berlin W\nKurfiirsten - Straße\nzu vermieten\nWird nach Wunsch renoviert. Anfragen an\nden Verlag Der Sturm / Berlin Wl5\n\nKleine Anzeigen\nJeties Feld 5 Mark\nI Sturm-Saal\nfur Vorlragc / Kurse / Konzerie noch\nan einigen Abenden und Tagen zu ver-\ngeben\nAuskunft: Bismarck 2370 I\nI Vitrinen\nsind in der Aussiellungsdiele fur kunstlerisch\neinwandfreie Gebrauchsgegenstande zu ver-\ngeben\nAuskunft: Bismarck 2370 I\nI Die Sturmbuchhandlung\nist von Schlulerslrafce 54 in die Kunst-\nausstellung des Sturm Kurfurstendamm 53\nverl eg t j\n\nLest Jack London!\nh\nDer neueste Band\nMenschen der Tiefe\nAus dem Londoner East-end\nUmschlagzeichnung von Kathe Kollwitz\nIn Leinen M. 4.80\n,, Jack London war nicht alleiu Reporter. Hier aber, in\ndiesem Buche, ist er nichts ale das, und gerade das ist das\nCrosse, das Erschiitternde an dem vorliegenden Werke. Was\nfur Tatsachen, was fiir Zahlen, was fur protokollarische Auf-\nzeichnungen ! Wenn ein Buch Epoche machen kann, Biicher\ndieser Art konnen es. Das Buch Londons wird unmoglich\nobne Wirkung bleiben konnen.'4\nErnst Weiss im ,,Berliner Borsen-Courier\""}, {"page_pdf": 39, "page_imprimee": "379", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.39", "texte": "Amor\nstellt die Schonheitspflege\nauf ganz neue Methoden,\nbelebt das Wachstum der inneren Gewebe\nie Haut i\n• •\nm ■\nOpoterapia / Berlin-Erunewaid"}, {"page_pdf": 40, "page_imprimee": "380", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192902-01.1.40", "texte": "Dr. Walther Rothschild, Bln.-Grunewald\nSoeben erschien:\nGustav Adolf Walz\nDr. jur. Dr. phil.\nPrivatdozent an der Universitat Marburg\nDie Staatsidee des\nRationalismus und der Romantik\nund die Staatsphiloso phie Fichtes\nZugleich ein Versuch zur Grundlegung\neiner allgemeinen Sozialmorphologie\nXVI und 688 Seiten Grossoktav\nM 30,—; Ganzleinen M 35,—\nDieees Buch setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus einer Grundlegung der allgemeinen Sozial-\nmorphologie; aus der Betrachtung der Staatsidee des Rationalismus und der Romantik; endhch\naus einer Untersuehung der Fichteschen Staatsphilosophie. In der tiefinneren Verbmdung dieser\ndrei Gebiete zu einer geschlossenen Einheit kommt das Grundmotiv dieses Werkes zur Erscbei-\nnung: die isolierte Rechts- und Staatswissenschaft durch den Versuch einer allgemeinen Sozial-\nmorphologie, deren Grundgesetze auch fur sie Gultigkeit beanspruchen, in grossere, umfassende\nZusammenhange einzuordnen, um sie mit neuem Leben zu befruchten und neuen Zielen zuzufuhren.\nDie Sozialmorphologie unternimmt es, die bisher wesentlich einheitlich „amorph\" geschaute rechthch-\nsoziale Welt in drei sozialmorphologische Grundtypen anszukristallisieren. Durch sie erhalt der\ngroise Umschwung der europaischen Ideologic vom Naturrechtdenken des Rationalismus zum\nhistorisch-positiven Denken der Romantik neue ungeahnte Bedeutung. Die Thesen der Natur-\nrechtskonstrukteure werden erkannt als die ersten modernen Versuche zu einer umfassenden, vom\nRecht und vom Staat ausgehenden Soziologie, freilich mit ganzlich verschiedenem sozial-morpho-\nlogischen Ideengehalt.\nDie Bedeutung einer solchen sozialmorphologischen Beurteilung zeigt die Untersuchun g der Fichteschen\nStaatsphilosophie. JenerWandel Fichtes vomjakobiner zumStaatssozialisten undStaatsmachiavellisten\nerhall erst in der sozialmorphologischen Einordnung seine abschliessende befriedigende Ausdeutung.\nDa die grossen staatspolitischen Probleme im Fichteschen Staatsdenken heute wieder aktuell smd,\nleitet das Werk in die modernste staatsrechtliche, politische und juristische Problematik uber.\nn s t e n\nD i\nk\nt\nu\no\nt\nr\nr\nh\ne\nA\ne\ns\nc"}]}