{"numero_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_sha256": "4600510265bea659d0d36dd0efe597b66246a58c056b608a1b69557cfc3600d4", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1929/04_01/bmtnabg_1929-04_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1929/04_01/bmtnabg_1929-04_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c001", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt", "signature_source": "Edm. 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Väclavek\nGedichte Erich Arendt\nOptisches Unvermögen E. Staedler\nTanagra Edmund Palasovsky\nGedichte Erich Arendt\nAbbildungen: Krematorium von Jörgen Thomsen\nMain staircase Hall of Waseda University Library / Tokio von Kenjy Jma\nEin Gemälde von Sidney Hunt\nEine Konstruktion von Wladimir Shwab\nDrei Linoleumschnitte von Edm. 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Idiotcrie, niemals aber „Ar-\nbeit“ ist!“ „Nette Ansicht das, aber das\nChristentum hat denn doch eine andere\nAuffassung dieses Begriffes!“\n„Christentum“!? Das ist leider\nnur die geschäftliche Ausbeutung der\nLehre, und Kult der Person Christi! Er\nselber aber war der einzige wirkliche\n„Mensch“, der je gelebt hat!“\n„Ein Schlag ins Antlitz der Menschheit,\nund das im Zeitalter der Menschlichkeit,\nder Demokratie!“ „D emokratic!?\nSie ist nur der ewige Versuch, synthe-\ntisch Volkswillen darzustellen. Leider\nlangt’s immer nur bis zur Analyse, in der\nfreilich Deutschland in der Welt voran ist!“\n„Ehe Sic weiter sprechen“\n„Ich muß aber weiter sprechen, denn wenn\nSie auch den Begriff „Ehe“ richtig an-\nwenden, so ist das nur ein Zufall!“ „E h c“\nist nämlich die Vereinigung der Geschlech-\nter zu einem Ganzen, ehe sie erkannt\nhaben, daß sie eigentlich keine Hälften\nsind!“ Soll dieser „Ehebegriff“ viel-\nleicht der Freiheit eine Gasse brechen?“\n„F reihe it! ?“ Eine Tarnkappe, die\njeden ihrer Besitzer unsichtbar macht!“\nAbermals würde ich um ein Ideal ärmer\nsein, wenn ich mir Ihre Gesinnung zu eigen\nmachte!“ ~G esinnu ng! ?“ Ist wei-\nter nichts, als der freiwillige Verzicht auf\nden Gebrauch der Sinne!“ „Handeln Sie\ndenn nun auch selber diesem Sinn ge-\nmäß?“ „Handel!?“ das ist das\nPendel, („Wandel“ genannt), zwischen\nProduzent und Konsument!“ Jenen\nnötigt’s billig abzugeben., diesen, teuer zu\nerwerben!“\n„Mein Fieber, das nenne ich „Intellekt“\nauf Irrwegen!“\n„I nte 11 ek t“ ist nur der Reflektor einer\nFichtquelle, kann’s aber evtl, von der\nGlühbirne bis zum Scheinschmeißer brin-\ngen!“ „Eine Begriffskonstruktion, aber\neine sehr künstliche!“\n„Künstlich, „K u n s t“ ist stets ein Gan-\nzes, von dem uns Menschen nur Hälften\nzugänglich sind. Dem Schöpfer des Kunst-\nwerks die eine, seiner Umwelt die andere\nHälfte!“ Das Ganze genießt Gott allein,\nund —• selbstverständlich, die Kritiker!“\n„Ein wahres Leid ist es, Sie mit so fest\ngefügten Begriffen umherwerfen zu\nsehen!“ „Ein „Leid“ ist ein geringer\nGrad von Freude, wie Kälte ein geringer\nGrad von Wärme ist!“ Leid kann mehr\nals Freude ertragen werden, wie man sich\nja auch gegen Kälte besser schützen kann\nals gegen Wärme. Wärme wie Freude\nwerden stets angenehm empfunden, sind\naber ohne kühlendes Leid eine ständige\nSonnenstichgefahr!“ „Sie also würden\nsich demnach selbst zum schönsten Liebcs-\nrausch noch Leid wünschen?“ „L i e -"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3159, "texte": "besrausch“ ist wiederum eine äußerst\nschmackhafte Speise, die heiß und kalt ge-\nnossen werden kann, jede Würze verträgt,\num aber dauernd bekömmlich zu sein, er-\nfordert, daß wir für offenen Leib sorgen!“\n„Menschlich, allzu menschlich!“ „Leider\nnein!“ „Mensch“ war von Gott als\nletzter Schöpfungsakt gedacht, geplant,\naber im Zorne ließ er ihn unvollendet, weil\nihm über Sonntag seine beiden Vorpro-\ndukte, (Rohlinge) Mann und Weib bereits\nverdorben waren!“\n„Danach wäre also der Mann kein\nMensch?“ „Mann“ ist der Unmensch,\nder nach Abzug des weiblichen Einschlages\nrestiert, ohne Berücksichtigung der kör-\nperlichen Merkmale!“ Kommt, Gott sei\nDank, rein nicht vor!“ „Hier fehlt nur\nnoch die mathematische Formel für Ihre\nBegriffswelt!“ „Mathematik“ ist\ndie einzige exakte Wissenschaft, bis zur\nAufstellung der Relativitätstheorie!“\n„Etwas mehr Achtung vor unserer Wissen-\nschaft täte Ihnen wirklich not!“ „N o t“\nist eine Lebenslage, die uns zwingt, Not-\nwendiges zu unterlassen, oder Unnötiges\nzu unternehmen!“ Diese Belehrung ist\nfür mich so unnötig, wie der Versuch, eine\nOper zu sprechen!“\n„0 p e r“ der lügnerische Brauch, musika-\nlische Einzelempfindung durch Textunter-\nlegung in Allgemeinempfindung umzufäl-\nschen!“ „An Ihnen ist wahrhaftig ein\nganzes Parlament verloren gegangen!“\n„Parlament“ ist ein Gebäude mit be-\nsonderer Lösung des akustischen Pro-\nblems. Jedes in ihm gesprochene Wort\nhört sich von außen wie echte Volksmei-\nnung an!“ „Eine sehr gute Satyre, aber\nRecht haben Sie, Gott sei Dank, nicht!“\n„Recht“ ist das erlaubte Unrecht. Wäre\nes das „Richtige“, so benötigte es nicht des\nGesetzes!“ „Regierung wäre also nach\ndieser These eine Betätigung erlaubten\nUnrechts?“ „R egieru n g“: „Ein ein-\nkömmlicher Berufsstand, leider so anstren-\ngend, daß man ihn nur auf Sesseln, und\nselbst hier nur in Weltkurorten wirksam\nausüben kann!“ „Sie hält nichts Heili-\nges mehr auf, drum Schicksal gehe deinen\nLauf!“ „Schicksal“ ist alles Ge-\nschehen, das dem Willen der sogen. Men-\nschen spottet. Zufällige Kongruenz von\nSchicksal und Willen nennt man Erfolg!“\n„Damit ist die Tugend des Strebens,\nwie überhaupt jede Tugend erledigt!“\n„T ugen d“ ist lediglich der Maßstab des\nLasters, wie Geld ein Maßstab der Lei-\nstung ist. Wird mit der Tugend gehandelt,\nso ergeht es ihr wie dem Gelde, sie ver-\nliert ihre Wertbeständigkeit, hat Kurs und\nInflation!“ „Falsch, mein Lieber, Geld\nist ein Handelsartikel, also haben Sie mit\ndieser These Unrecht!“ „U n r echt“\nist stets das Recht der anderen!“\n„Recht ist bei Ihnen Unrecht, und Unrecht\nRecht, was ist dann Versailles?“ „V er-\nsai 11 es“ ist ein Vorort von Paris, wo\ndas Kaiserwort zur grausamen Wahrheit\nwurde: „Am deutschen Wesen wird die\nWelt genesen!“ Die ganze Welt macht\nsich dort an uns gesund!“ (Sachverstän-\ndigenkonferenz.) „Das heiße ich, sich\ndiplomatisch aus der Schlinge ziehen, der\nreinste Volksvertreter!“ „Volks-\nvertrete r“: „Die Rechtsanwälte des\nVolkes im Prozesse gegen das Volk. An-\nwalts-, Gerichts- und Prozeßkosten trägt\nstets das Volk selber, weil Prozese, die\nman gegen sich selber anstrengt, nie ge-\nwonnen werden können!“ „Sie haben\naber wirklich die Satyre zur Wissenschaft"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 302, "texte": "ausgebildet!“ „W i s s e n s c h a f t“ ist\nmenschliche Einbildung, die bis zur Bil-\ndung ausarten kann!“ Was erkennen\nSie Spötter nun wirklich an?“ Die\n/c 11 ull g als das angenehmste Erzeug-\nnis des Intellektes“, weil es noch am selben\nTage sinnlos wird, und dann einem wirk-\nlichen Bedürfnis dient!“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c004", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "3", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.4", "titre_corps": "Umbau", "titre_sommaire": "Umbau", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.7", "debut_caractere": 304, "fin_caractere_exclue": 2526, "texte": "Umbau\nHerwarth Walden\nAus ist es mit der Innerlichkeit. Die\nÄstheten und die Literaten jammern. Die\nMenschheit will nicht einmal in ihrem\nHimmel mehr mitwohnen. Alles wird\nbildhaft. Sogar die Statistik. Man wendet\nAuge und Ohr wieder an, statt der Zunge.\nMit dem Geschmack war es eigentlich\nsowieso schon Essig. Denn es gab nur\neinen erlesenen Geschmack. Durch das\nLesen hat man sich Zunge und Augen\nverdorben. Man schluckte alles hinunter.\nNach verschriebenen und gedruckten Re-\nzepten. Das Erlesene wurde illustriert.\nDie vielbeschriebenen Kulturgüter der\nMenschheit, die Natur Griechenland und\nItalien, entstanden überall auf der Erde\nals Nationalpanoptika. Keine Zimmerdecke\nohne Akantusblätter. Keine Tapete ohne\nRosen. Kein Haus ohne angeklatschte\nwilde Tiere oder Waffen. Auf den Dächern\nstanden vergötterte Männer und ehrwürdige\nDirnen leicht versteinert. An den Türen\nund unter den Brüstungen drückten sich\nschwervergipst bessere Sklaven und leichtere\nDamen herum.\nDa kamen Menschen statt auf eine Idee\nauf die Sinne. Sie zeichneten und malten\nnicht was andere dachten, sondern was sie\nselbst sahen. Nämlich Formen und Farben.\nUnd sie verbanden sie so, daß sie augen-\nscheinlich wurden. Die Denker und Dichter\nwaren furchtbar böse. Man wollte sie\nzwingen, Unerlesenes zu sehen. Das war\nunerhört. Und alles, was unerhört ist,\ngeht gegen die guten Sitten. Das sind\nHausmittel gegen Naturzwecke. Natur-\nmittel sind Sinne. Ist die Natur Zweck\nund sie kann es nur sein, so muß sie mit\nnatürlichen Mitteln erreicht werden.\nWas aber ist natürlicher als die Freude der\nAugen. Gesteigert durch die Fähigkeit des\nMenschen, den Augenschein zu wählen\nund zu gestalten. Das Verhältnis von\nWagerechten, Senkrechten und Diagonalen\nherzustellen. Farben nach dem Augenwert\nauszugleichen. Und auf diese Weise alle\nmenschlichen Empfindungen auszulösen.\nJede Bewegung zu versinnlichen. Denn\nwir sehen nur Farnen und Formen.\nDenken ist nur Erinnern.\nNun wird aufgeräumt. Raum wird frei\ngemacht. Von Häusern und Körpern fallen\ndie Masken, mit denen man das Panoptikum\nvon Natur Griechenland und Italien kindisch\nnachmachte.\nDer Expressionismus hat die sinnwidrige\nKultur vernichtet und das Leben wieder\naus den Sinnen sinnvoll gemacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c005", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "4", "page_fin": "9", "image_debut": 8, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.5", "titre_corps": "Entfesselte Poesie", "titre_sommaire": "Entfesselte Poesie", "signature_source": "B. Vàclavek", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3459, "texte": "Entfesselte Poesie\nB. Vàclavek\nGlossen zur Methode der reinen Lyrik\nSeiferts\nWendung von der „proletarischen\nPoesie zur reinen Lyrik wurde durch eine\nItalien-Frankreich-Reise unterstützt. Er er-\nlebte auf ihr das, was dem neuen Dichter\nunbedingt notwendig ist: Das rapide Tempo\ndes sich schnell über weite Entfernungen\nbewegenden Menschen, bis sich die weiten\nRäume des Erdballs in dem Bewußtsein des\nMenschen in ein einziges Ganze verdichten.\nSeine Phantasie kam in Fluß und blieb aktiv\nauch nach dem Abflauen des ursprünglichen,\nüberwältigenden Erlebnisses. Dadurch ver-\nschwand aus seinen Gedichten der Satz, als\ndas Ganze, mittels welchen wir unsere Empirie\nmilteilen, uns miteinander verständigen, und\nblieb nur ein Strom von Vorstellungen,\n„Poesie, ewiger Wasserfall“, mittels dessen\nwir träumen. Die Sprache braucht nicht\nmehr ins logische Gefüge der Sätze artikuliert\nzu werden (es erübrigt sich also auch die\nInterpunktion), Worte und Sätze fügen sich\nin größere und autonome Gefüge der Verse\nein. Seifert gab sich gänzlich und leiden-\nschaftlich seinem poetischen Handwerk hin,\nindem er die Grenzen und Verbindungen,\ndie Gliederung der wirklichen Welt vergaß.\nDie Dinge sind verloren gegangen, was\nihre wirkliche Bedeutsamkeit im praktischen\nLeben betrifft, sie leben nur als Träger der\npoetischen Emotion; sie verloren ihr empiri-\nsches Gesicht und existieren nur noch in\nihrem poetischen Sein. Und so erlebt Seifert\nin diesem Buch, das thematisch der prole-\ntarischen Welt fremd ist, eine Revolution,\nzu der er, ein proletarischer Primitiv, ziemlich\nspät gelangt, in der jedoch das Wesen der\nästhetischen Revolution auf dem Uebergange\nvon der bürgerlichen Welt zu der Welt der\nkünftigen Sozietät beruht: Er überwindet\ndie Herrschaft der Dinge, die in der Kunst\nder bürgerliche Künstler-Individualist etabliert\nha'te, der in seiner fetischistischen, von ihrer\nmenschlichen Herkunft und Bedingtheit ab-\nstrahierenden Ehrfurcht vor ihrer rätsel-\nhaften, unberechenbaren Macht sie in der\nKunst zu verehren begann, Seifert stürzte\ndie Herrschaft der Dinge, der empirisch be-\nschränkten Erscheinungen. Sie müssen sich\nwieder dem Menschen unterordnen, existieren\nnur für den Menschen, menschlich, sind\nin der Kunst nur Material, nicht Ziel und\nHerrscher. Die Ethik verliert in dieser\ndimensionalen reinen Anschauung den Boden.\nFrüher hat Seifert stürmische, revolutionär\npointierte Verse über die im Kriege ver-\nkrüppelten Soldaten geschrieben. Wenn er\njetzt einfach konstatierend sagt: „und Herr\nBlaise Cendras verlor im Kriege die\nHand“, spürt man, wie ihn nur die poetische\nSeite der Sache, ihre Traurigkeit interessiert\nund wie nur sie in seinem Verse lebt. Er\nhat die Welt auf den Kopf gestellt, sieht nur\nihren Kern, ihre Wesenheit, gleichgültig bleibt\nihm aber ihre immanente Logik - ~die\nheil gen Vögel auf dünnen Beine i wie\nSchatten wiegeln das Geschick der\nWelten“ man kann sie ebenso umge-\nkehrt begreifen wie von der Ursache zur\nFolge, denn darum handelt es sich nicht, es\ngeht nur um Poesie. Es verschwand die Ver-\ngangenheit, die Gegenwart und die Zukunft,\nes verschwanden die Entfernungen der Erde,\nund bleibt nur ein einziger, homogener\n\n*)\n*) Der tschechische Dichter Jaroslav Seitert, dessen\nGedichte aus dem Buche „Auf den Wellen der T.S.F.“\n(tschechisch) zum Ausgangspunkt dieser Studie dienen,\ngab zuerst zwei Bücher „proletarischer“ Lyrik heraus.\nSeine letzten zwei Bücher enthalten aber reine Lyrik\nstark surrealistischer Prägung."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2451, "texte": "poetischer Strom in Zeit und Raum, ein\nneuer poetischer Zeitraum. Die wirkliche\nWelt ist gestorben, es lebt nur die Poesie.\nDiese neue Poesie bringt ungeheuer intensives\nWahrnehmen, auch wenn sie sich hie und da\neine leichte Rokokomaske ansetzt, - was\nwürde man nicht für Poesie tun, um sich\nder alten, uns durch Erziehung und Leben\neingepaukten, bereits schmerzenden Erfah-\nrung zu entwinden? „Der Bahnhofsglocken\newiges Lachen“ - direkt die Nerven, die\nSiensibilitat entblößen sich in diesen Versen.\nDas Unterbewußtsein spricht, die längst ver-\nschollenen Jugendeindrücke tauchen auf. Die\nWorte werden nur zu Trägern von poeti-\nschen Vorstellungen, jede Vorstellung trägt\neinen Vorrat von poetischen Assoziationen\nin sich:\nDer Anker\nzum Schluß noch eine sdiör e Hoffnung\ndie tote Auster steigt empor zum Schiff.\nDie Schiffsschraube\nals alle schon zum Tanze weggegangen\nsind\naus der Tiefe stiegen Seerosen auf die\nOberfläche.\nKrahne\nund groteske Giraffen gingen in\nlangen Reihen schlafen\nunter den Palmen eines unbekannten\nKontinents.\nUnd wenn du glaubst, daß alle schon aus-\ngesprochen sind, tauchen noch drei Vor-\nstellungen auf, die mit der mütterlichen\ngeheimnisvoll Zusammenhängen:\n„Der Mond, ein Rabe und eine Rose“\nImmer von Neuem erscheinen diese unter-\nirdischen Verbindungen;\nMit halbgeöffneten Augen\nin die Weichheit der Träume und Betten\nuntersinkend\nschläft der Kranke ein\nder Schnee eine Spinne eine Rose\nDie Pflegerin kommt in der Finsternis\nsie schließt das Fenster des Sommer-\nabends\nund der Mond eine gelbe Krabbe\nkriecht im Fenster\ndas Blut das Quedcsilber und\nein Duft\n(Aus dem Gedichte „Fieber“.)\nEs ähnelt den Uebergangszuständen, da der\nSchlaf sich nähert und wir in dem letzten\nAugenblicke eine leichte und merkwürdig\nphantastische Expedition in die Welt der\nImagination unternehmen. Willst du diese\nsubtile Träumerei aussprechen, wirf die\nSprache des Tages weg, und sprich, wie du\naus dem Traume sprichst, ohne davon zu\nwissen.\nDer ewig weiße Schnee und du mußt\nsie ewig lieben\nals die weißen Blumen des Nebels\nauf das Quai fielen\ndem Pierrot ähnlich eine Hälfte Gesicht\nhell die andere finster\nich möchte schlafen\ndie Liebe eiserne Ringe in den Steinen\nam Quai\nManche Vorstellung ist schmerzlich eindring-\nlich, aber man kann sie durch eine andere\nneutralisieren:\nDer ewig weiße Schnee und du mußt\nsie ewig lieben\nAber sie kehrt auch in diesem neuen Gewand\nhartnäckig zurück:\nDu mußt sie ja ewig lieben der ewig\nweiße Schnee"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2887, "texte": "Eine Erhohlung ist es, wenn sie es dir er-\nlauben, knabenhaft mit ihnen einen Augen-\nblick zu spielen: „Bei den vorzüglichen\nQullen der Eau de Cologne/' Die eine\nbringt die Fläche weit und breit ins Wogen,\nbis eine andere ihr Gewoge aphoristisch\nabschliefet;\nNacht ausgespannte Rabenflügel\ndie Trommel der Finsternis\nauf dem Trapez sitzt Miß Gada-Nigi\nund unten im Sand schläft der Clown\nwie ein Vogel\nder Schnee seiner Träume fällt\nSo lebt die entfesselte Poesie, nichts anderes\nerwarte man von ihr, bitte. Leidenschaft-\nlicher Raucher kennt die Poesie der Rauch-\nspiralen, da aus einer einzigen eine lange\nReihe anderer sich entwickelt und es existiert\nnichts anderes, als nur ihre immer neuen\nVerflechtungen. Man kann ein Gleichnis Um-\nstürzen und auf den Kopf stellen, dadurch,\ndafe man nicht so vergleicht, wie es ein\nMensch durch eine Erwägung machen würde,\nsondern umgekehrt:\nDort tanzen die Köpfe seines\nUntertanen Volkes\nwie die Punkte der Viertelionnoten\nim breiten Kreise um ihn.\nPoetisch bleibt es doch. (Moholy-Nagy: „Ein\nBild könnte z. B. auf dem Kopf stehen und\ndoch genügende Basis für die Beurteilung\nseines malerischen Wertes bieten.“)\nSiehe, wie der Wille in der Atmosphäre der\nPoesie verschwand:\nFischer auf Sahara sein\nund Kapitän eines Schiffes das keinen\nBoden hat\nsieh das ist alles was uns übrig bleibt\naber darum geht es ja gar nicht\nDas hier ist kein romantischer Schmerz vor\nder Entscheidung ges Willens mehr, sondern\nnur kristallklare Scheidung von Funktionen\nder menschlichen Seele und reine Gestaltung\nder Poesie.\nDas Material von Seiferts Gedichten ist\nmerkwürdig rein, es ist aus einem einzigen\nStoffe - der poetischen Erfahrung, von allen\nBeimischungen und sekundären Atomen frei.\nDieses elementare des Materials von Seiferts\nGedichten macht ihre hervorragende Schön-\nheit aus. Wir finden dasselbe auch in seiner\nkomposilionellen Arbeit. Seine Gedidite sind\nnicht mehr um einen einzigen Kern, um das\nErlebnis gruppiert, sondern werden poly-\nphonisT, werden polyplan konstruiert. Wo\ndas Gedicht noch scheinbar durch das Thema\nzusammengehalten wird, ist das Thema in\neinige Vorstellungen zerlegt („Der Hafen“:\nDer Anker der Steuermann das Schiff\ndie Nacht - die Schiffsschraube), die sich\nwiederum mit Tausend anderen Vorstellungen\nverbinden. Und dies ist der („assoziative“)\nAufbau des neuen Gedichtes. Seifert strebt\neinen exakten Aufbau an, eine exakte\nKompositionsmethode. Wie der moderne\nMaler genau die physiologisch-psychische\nGeltung der Farben kennt und mit diesen\nWerten arbeitet, so untersucht Seifert die\npoetische Tragfähigkeit der Vorstellungen,\nlegt sie experimentell zusammen, als ob er\nuntersuchte, wieviel Poesie dieselben er-\ntragen. Er verbindet sie nur mittels poeti-\nscher Assoziationen:\nDer Rauch der Zigareüe\nsteigt\nTourist in Alpen\nSonne und Tiefe\niber einem steilen Abhang\nder Gipfel des Montblancs\nAkrobatie der Rosen\naus Wolken"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 435, "texte": "So wie jede neue Gestaltung nur eine\nGestaltung der Spannungsverhältnisse der\nElemente in ein ausgeglichenes Ganze ist\n(Moholy-Nagy), ein „Ausgleich des Positiven\nund Negativen zu exakt harmonischer\nEinheit“ (Doesburg), so ist auch Seiferts\nPoesie nur ein statischer Punkt der Ruhe,\nder aus dem Ausballanzieren und der\ngegenseitigen Bindung der dynamischen\nVorstellungen der modernen Welt hervor-\nspringt.\n(Gedruckt aus d. Manuskript.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c006", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "5", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.5.1", "titre_corps": "Krematorium", "titre_sommaire": "Krematorium", "signature_source": "Jörgen Thomsen", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Krematorium\nJörgen Thomsen"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c007", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Staedler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2859, "texte": "Optisches Unvermögen\nE. Staedler\nKunst will empfunden, nicht verstanden sein.\nDer empfindungslose ist daher zugleich der\namusische Mensch.\nAuge und Ohr sind die Sinne, die uns\nKunst empfinden lassen. Kunst fürs Ohr\nnennen wir Musik; Kunst fürs Auge sind\nuns Malerei und Plastik. Aber die Nuancen\ndes Empfindungsvermögens bewegen\nsich zwischen weit auseinanderliegenden\nGrenzen.\nEs gibt Menschen, die das absolute Ton-\ngedächfnis haben. Sie nennen wir mit\nRecht die Hochmusikalischen unter uns.\nIhr Gegenpol sind die Unmusikalischen, die\nauch die einfachste Melodie nicht behalien\nkönnen. Jene sind selten, diese wesentlich\nhäufiger.\nAber, und das ist Menschenart: der Un-\nmusikalische will oft genug ankämpfen\ngegen sein akustisches Unvermögen. Er\nsucht dann gegen seinen Empfindungsmangel\neine Hilfe beim wohlvertrauten Verstände.\nKennt er daher zu einer Melodie einen Text\nund behält er den, so gelingt es ihm meistens,\nmit Hilfe des Textgedächtnisses die\nMelodie zu behalten und sie leidlich ebenso\nrichtig wiederzugeben, wie der unmittelbar\nMusikempfindende, d. h- der Musikalische.\nDas alles sind bekannte Dinge.\nUnbekannt ist nur, dab neben dem akusti-\nschen Unvermögen zur Kunstempfindung\nein ihm genau entsprechendes optisches\nUnvermögen besteht. Und erst recht\nunbekannt ist, dab die Zahl der Optisch-\nUnvermögenden enorm viel gröber ist, als\ndie der Unmusikalischen. Die Sprache hat\nnoch nicht einmal ein Wort zur Bezeichnung\ndes Optisch-Unvermögenden geschaffen, das\ndem Begriffe des Unmusikalischen ent-\nspräche.\nAuch die Optisch-Unvermögenden kämpfen\ngegen ihren Mangel an Kunstempfindung\nunbewubt an; und ebenso unbewubt be-\ndienen sie sich dabei genau wie der\nUnmusikalische, dieser aber bewubterweise\n- der Ve r stand es hilfe. Dab der ganze\nVorgang im Unbewublen verbleibt, erklärt\nsich daraus, dab eben die Mehrzahl aller\nMenschen optisch-unvermögend ist. Was\ndie Mehrzahl angeht, entzieht sich überall\nund immer der Beobachtung und Kontrolle.\nDie Verstandesstütze des Optisch-Unvermö-\ngenden hat ihre ganz bestimmte Signatur:\nes ist das Verlangen, unter einem Bilde,\neiner Plastik „sich etwas vorstellen\nzu können“. Der Optisch-Unvermögende\nsieht zwar auf der bemalten Leinwand die\nFarbenflecke und ihre Formen Aber ihre\nHarmonie geht ihm nur ein, wenn er diese\nFarben aufgetragen sieht an den wohl-\nvertrauten Formgebilden seiner praktischen\nUmgebungswelt. Die schlichte Farben-\nharmonie einer quergeteillen Fläche, oben\nblau, unten grün, empfindet er erst, wenn\ndie blaue Hälfte mit Wolken bemalt ist;\ndann versieht er: das ist Himmel, und wenn\ndie grüne Fläche mit Sträuchen bemalt ist,\ndann versteht er: das ist eine Wiese. Und\nwas er nun endlich empfindet, ist vielleicht\ndie Vorstellung des Landschaftsfriedens, aber\nnicht die Harmonie der Farben. Verläuft\ndann noch zwischen Blau und Grün eine\nReihe roter Flecke, so empfindet er den"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2541, "texte": "Farbendreiklang auch nur in der verstandes-\nmäbigen Uebersetzung: das sind die roten\nDächer einer Häuserreihe. Aber labt man\ndie Wolken, die Sträucher und die Dach-\nkanten und -giebel weg, so versagt ihm\nalle Kunstempfindung sofort; er kann sich\nnichts mehr vorstellen und empfindet auf\neinmal nichts mehr von der Harmonie der\ndrei Farben, obwohl diese an sich doch\ndurchaus unverändert geblieben sind.\nDer Unmusikalische, der eine Melodie, zu\nder ihm der Text fehlt, nur in der Ver-\nzerrung wiedergibt, ist für seine musikalische\nUmgebung ein Gegenstand des Amüsements;\ndenn die Musikalischen sind in der Ueber-\nzahl. Nach dem gleichen Sittengesetz ist\nder Optisch-Vermögende, der bei der Bild-\nbetrachtung keinerlei Verstandesstütze zur\nKunstempfindung braucht und der dem-\nentsprechend selber malt, das Gespött der\noptisch-unvermögenden Mehrzahl,\nNehmt dem Optisch-Unvermögenden die\nVerstandesstüize, stellt ihm Bilder hin, die\nnichts als flächige Farben- und Formen-\nharmonien sind, und er wird hilflos vor\nihnen dastehen, genau wie der Unmusikali-\nsche vor einer Melodie, die er im Ohre nicht\nbehalten kann, sobald ihm der Text dazu\nfehlt. Nur glaubt der Optisch-Unvermögende\nmit seiner Hilflosigkeit im Recht zu sein\ngegenüber dem unmittelbar optisch Kunst-\nempfindenden. Den verhöhnt dann die\nMenge kraft des sogenannten „Rechts“ der\nMasse.\nAber woher das überwiegende künstlerische\nUnvermögen unseres optischen Sinnes ?\nVielleicht weil das Auge viel mehr als das\nOhr für den Menschen der Diener des un-\nmittelbar Lebensnotwendigsten im Daseins-\nkämpfe bedeutet. Der Taube vermag, wenn\ner nur sehen kann, der Gefahr auszuweichen\noder zu begegnen. Der Blinde, der noch\nhören kann, vermag zwar die vernehmbar\nherannahende Gefahr zu erkennen; aber\nihr auszuweichen fällt ihm schwer. Schleicht\nsie aber lautlos heran, so ist er verloren.\nUnser Auge hat wohl keine Zeit gehabt,\nsich auf Kunstempfinden so einzuüben, wie\nunser weniger vom Daseinskämpfe bean-\nspruchtes Ohr.\nAber ist das ein Grund, das Auge in seiner\namusischen Wildnis ewig darben zu lassen ?\nSoll unser Gesichtssinn, auch im gefahren-\nfreien Elysium des reinen Kunstempfindens,\nimmer nur auftreten müssen, gleichsam ge-\ngürlet mit der Abwehrwaffe des Verstandes,\nder ihm auch hier nichts anderes wahr-\nzunehmen gestattet, als die Begriffe der\nmeistens feindlichen Lebensgewalten, die es\nzeitlebens abzuwehren gilt?\nFreimachung des Auges für das optische\nKunstempfinden ist die seit Adam vernach-\nlässigte Aufgabe. Es ist diese Aufgabe, die\nDer Sturm auf sich genommen hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c012", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "13", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.9.1", "titre_corps": "Linoleumschnitt", "titre_sommaire": "Linoleumschnitt", "signature_source": "Edm. 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Gehören diese Oel-\nbäume dir?\nTanagra lag in einem grohen Bett. Ihr Arm\nund die Schultern frei, ihr Haar war dunkel\nund spielte ins rot. O wie das schmerzt.\nDarf ich hinein? -\nAber sehr sehr gern! Der Mai ist ja schon\nhier! Ueber Gewässer werden wir gehen,\ndu bekommst blaues Papier, um alles\ndarauf zu schreiben, was du denkst und\ndann habe ich ein wunderschönes lila Kleid.\nGrau grau grau grün.\nO wie traurig es wird, wenn ich fortgehen\nmuh. Wenn ich sterbe, mein Kopf fällt\ndir zu. Willst du?\nSolche solche Umarmung! Grün, violett\nviolett. Darauf sind die Küsse gefolgt. Tag\num Tag. Solche Umarmung. Blau violett.\nO wie schön, Tanagra, o wie es schmerzt!\nKann man dir entkommen, Tanagra? Wie\ngut ist es bei dir. Ist es schon sehr spät?\nWenn du fortgegangen, werde ich dich nie\nmehr sehen.\nViolett sepia violett. Tag um Tag.\nDie gesagt hat: ich hab dich in eine Rosa-\nMuschel eingeschlossen, sie soll meine Hand\nnicht loslassen. O wie es schmerzt! Schlafe\nnicht, Tanagra, schlafe nicht! Sieh, wie schön\nich von dir geworden. Blau violett violett.\nIst es sehr spät? Gut: ich gehe schon.\n'Wenn du nicht bei mir, ist es, als ob man\nmir die Hand oder den Fub abschneidet.\nAls ob ich ohne Gehirn, ohne Herz. -\nDu wirst mich immer sehen, Tanagra,\nimmer sehen. 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Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Königs von Spanien\nGegründet 1854 Gegründet 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemälden u. Kunstgegenständen jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nSpediteure desW irtschaftlichenVerbandes Bildender\nKünstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturm“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c019", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.2", "debut_caractere": 710, "fin_caractere_exclue": 1450, "texte": "Das Buch\nvom Lied der Völker\nEd. Schott Nr. 1392\nM 4.\nEin neuer einzigartiger Band, der dem\nmit dem fremden Volkslied noch weni-\nger Vertrauten eine vollständig neue\nWelt von unerhörtem Reichtum erschlie-\nßen. dem Andern aber eine vortreff-\nliche Einführung in die große Samm-\nlung „Das Lied der Völker“ sein wird.\nCa. 100 der schönsten Melodien\naus dem Liedgut aller Völker Europas\n(Rußland, Skandinavien, Ungarn, Balkan,\nItalien, Spanien, Frankreich, England usw.)\nfür Klavier\nleicht spielbar bearbeitet\nmit überlegtem Text von\nHEIHRICH MÖLLER\nselbst aus seinem monumentalen zwölf-\nbändigen Sammelwerk zusammengestellt.\nIn besonderem Heft sind dem Band d i e\nvollständigen Texte der Lieder\nbeigegeben.\nB. 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Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\nDichtungen von HERWARTH WALD\nmm\nEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nSünde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragödie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib / Komitragödie / 3 Mark\nDie Härte der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nGlaube / Komitragödie\nKind / Tragödie\nJedes Buch 2 Mark\nTrieb / Eine bürgerliche Komitragödie Menschen / Tragödie\nVerlag Der Sturm / Berlin W 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-04-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-04_01#c025", "volume": "bmtnabg_1929-04_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "18", "page_fin": "18", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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[n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2104, "texte": "Dr. Walther Rothschild, Bln.-Grunewald\nSoeben erschien:\nGustav Adolf Walz\nDr. jur. Dr. phil,\nPrivatdozent an der Universität Marburg\nDie Staatsidee des\nRationalismus und der Romantik\nund die Staatsphilosophie Fichtes\nZugleich ein Versuch zur Grundlegung\neiner allgemeinen Sozialmorphologie\nXVI und 688 Seiten Grossoktav\nM 30, ; Ganzleinen M 35,\nDieses Buch setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus einer Grundlegung der allgemeinen Sozial-\nmorphologie; aus der Betrachtung der Staatsidee des Rationalismus und der endlich\naus einer Untersuchung der Fichteschen Staatsphilosophie. In der liefinneren Verbindung dieser\ndrei Gebiete zu einer geschlossenen Einheit kommt das Grundmotiv dieses Werkes zur Erschei-\nnung: die isolierte Rechts- und Staatswissenschaft durch den Versuch einer allgemeinen Sozial-\nmorphologie, deren Grundgesetze auch für sie Gültigkeit beanspruchen, in grössere, umfassende\nZusammenhänge cinzuordnen, um sie mit neuem Leben zu befruchten und neuen Zielen zuzuführen-\nDie Sozialmorphologie unternimmt es, die bisher wesentlich einheitlich „amorph“ geschaute rechtlich-\nsoziale Welt in drei sozialmorphologische Grundtypen auszukristallisieren. Durch sie erhält der\ngrosse Umschwung der europäischen Ideologie vom Naturrechtdenken des Rationalismus zum\nhistorisch-positiven Denken der Romantik neue ungeahnte Bedeutung. Die Thesen der Natur-\nrechtskonstrukteure werden erkannt als die ersten modernen Versuche zu einer umfassenden, vom\nRecht und vom Staat ausgehenden Soziologie, freilich mit gänzlich verschiedenem sozial-morpho-\nlogischen Ideengehalt.\nDie Bedeutung einer solchen sozialmorphologischen Beurteilung zeigt die Untersuchung der Fichteschen\nStaatsphilosophie. Jener Wandel Fichtes vom Jakobiner zum Staatssozialisten und Staatsmachiavellisten\nerhält erst in der sozialmorphologischen Einordnung seine abschliessende befriedigende Ausdeutung.\nDa die grossen staatspolitischen Probleme im Fichteschen Staatsdenken heute wieder aktuell sind,\nleitet das Werk in die modernste staatsrechtliche, politische und iuristische Problematik über.\nAchtseitiger Prospekt zu Diensten"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.1", "texte": "Linoleumschnitt\nEdm. Kesting\n\nDER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WAUDEN\nBerlin Wl5 / Kurfürsiendamm 53 / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\nDie führende Zeitschrift der neuen Kunst\nBerlin / April 1929\n20. Jahrgang / 1. Heft"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.2", "texte": "Monatsschrift Der Sturm\nDie führende Zeitschrift der neuen Kunst\n210. Jahrgang 1929\nJahr 12 M Halbjahr 6 M Heft 1 M\n\nHerwarth Waiden\nIm Geschweig der Liebe\nGedichte\nln Ganzleinen gebunden 3 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5\n\nW. Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Königs von Spanien\nGegründet 1854 Gegründet 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemälden u. Kunstgegenständen jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nSpediteure desW irtschaftlichenVerbandes Bildender\nKünstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturm“\n\nDas Buch\nvom Lied der Völker\nEd. Schott Nr. 1392\nM 4.\nEin neuer einzigartiger Band, der dem\nmit dem fremden Volkslied noch weni-\nger Vertrauten eine vollständig neue\nWelt von unerhörtem Reichtum erschlie-\nßen. dem Andern aber eine vortreff-\nliche Einführung in die große Samm-\nlung „Das Lied der Völker“ sein wird.\nCa. 100 der schönsten Melodien\naus dem Liedgut aller Völker Europas\n(Rußland, Skandinavien, Ungarn, Balkan,\nItalien, Spanien, Frankreich, England usw.)\nfür Klavier\nleicht spielbar bearbeitet\nmit überlegtem Text von\nHEIHRICH MÖLLER\nselbst aus seinem monumentalen zwölf-\nbändigen Sammelwerk zusammengestellt.\nIn besonderem Heft sind dem Band d i e\nvollständigen Texte der Lieder\nbeigegeben.\nB. SCHOTTS SOHNE - MAINZ UND LEIPZIG"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.3", "texte": "Von A bis Z Walter Krug\nUmbau Herwarth Waiden\nEntfesselte Poesie B. Väclavek\nGedichte Erich Arendt\nOptisches Unvermögen E. Staedler\nTanagra Edmund Palasovsky\nGedichte Erich Arendt\nAbbildungen: Krematorium von Jörgen Thomsen\nMain staircase Hall of Waseda University Library / Tokio von Kenjy Jma\nEin Gemälde von Sidney Hunt\nEine Konstruktion von Wladimir Shwab\nDrei Linoleumschnitte von Edm. Kesting\n\nDER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WAUDEN\nBerlin Wl5 / Kurfürstendamm 53 / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\n\nHerwarth Waiden\nerteilt\nUnterricht in Kunst\nfür Künstler und Laien\nMalerei\nMusik\nDichtkunst\nAnmeldungen im Privatsekretariat\nBERLIN Wl5 / Kurfürstendamm 53\nSturm-Presse\nAnfertigung aller Drucksachen\nunter\nkünstlerischer\nh\n%\nG\nG\n15\nW\nn\nr\n53\nKurfürstendamm"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.4", "texte": "La Lucerna\nrivista mensile di letteratura filosofia\narti e scienze\ndirelfta da FERRUCCIO GUERRIERI\nedita dalla\nCASH EDKTRICE LA LUCERNA S.S.I.\nANCONA\nI TA L I A\nAbbonamento annuo Lire Italiane 80,—\nChiedere il catalogo della casa\neditrice e della collezione ANGLIA\n\nSoeben erschien:\nDas große Sprechchorwerk\nfür alle Anti-Kriegs-Veranstaltungen\nDER KRIEG\nEin Chorspiel von Karl Vogt\nPreis 80 Pfg. / Verlag Der Sturm Berlin W 15\nZu beziehen durch jede Buchhandlung\nDer Leiter des Sprechchores der Volksbühne Berlin schildert in seinem\nWerk die Voraussetzungen jedes Krieges, die grauenhaften Stationen des\nletzten und das Ende des nächsten: idie Katastrophe des Giftgases.\n\nVERLAG DER STURM / BERLIN Wl5\nVORZUGS-ANGEBOT\nHERWARTH WALDEN:\nEINBLICK\nIN KUNST\nDIE BESTE EINFÜHRUNG IN DEN\nEXPRESSIONISMUS UND KUBISMUS\n70 ABBILDUNGEN, 4 FARBIGE KUNST-\nBEILAGEN\nSTATT RN. 6.50 nur RM. 2.50"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.5", "texte": "Von A bis Z\nWalter Krug\nDa rede ich nun deutsch, und Sie ver-\nstehen kein Wort!“\n„Das schon, aber ich habe eben von Ihren\nBegriffen andere Be riffe!“\n„Dann haben Sie eben die Begriffe nicht\nbegriffen!“\n„Ich arbeite sehr gern, aber Ihre Begriffs-\nwelt zu verarbeiten “\n„Sie arbeiten gern, und das erzählen Sic\nmir? „Arbeit“ ist nämlich das,\nwas ungern verrichtet, ungenügend ent-\nlohnt, und sofort anderen überlassen wird,\nwenn man an ihrer Stelle „Beschäfti-\ngung“ erhält, weil letztere Vergnügen,\nSport, evtl. Idiotcrie, niemals aber „Ar-\nbeit“ ist!“ „Nette Ansicht das, aber das\nChristentum hat denn doch eine andere\nAuffassung dieses Begriffes!“\n„Christentum“!? Das ist leider\nnur die geschäftliche Ausbeutung der\nLehre, und Kult der Person Christi! Er\nselber aber war der einzige wirkliche\n„Mensch“, der je gelebt hat!“\n„Ein Schlag ins Antlitz der Menschheit,\nund das im Zeitalter der Menschlichkeit,\nder Demokratie!“ „D emokratic!?\nSie ist nur der ewige Versuch, synthe-\ntisch Volkswillen darzustellen. Leider\nlangt’s immer nur bis zur Analyse, in der\nfreilich Deutschland in der Welt voran ist!“\n„Ehe Sic weiter sprechen“\n„Ich muß aber weiter sprechen, denn wenn\nSie auch den Begriff „Ehe“ richtig an-\nwenden, so ist das nur ein Zufall!“ „E h c“\nist nämlich die Vereinigung der Geschlech-\nter zu einem Ganzen, ehe sie erkannt\nhaben, daß sie eigentlich keine Hälften\nsind!“ Soll dieser „Ehebegriff“ viel-\nleicht der Freiheit eine Gasse brechen?“\n„F reihe it! ?“ Eine Tarnkappe, die\njeden ihrer Besitzer unsichtbar macht!“\nAbermals würde ich um ein Ideal ärmer\nsein, wenn ich mir Ihre Gesinnung zu eigen\nmachte!“ ~G esinnu ng! ?“ Ist wei-\nter nichts, als der freiwillige Verzicht auf\nden Gebrauch der Sinne!“ „Handeln Sie\ndenn nun auch selber diesem Sinn ge-\nmäß?“ „Handel!?“ das ist das\nPendel, („Wandel“ genannt), zwischen\nProduzent und Konsument!“ Jenen\nnötigt’s billig abzugeben., diesen, teuer zu\nerwerben!“\n„Mein Fieber, das nenne ich „Intellekt“\nauf Irrwegen!“\n„I nte 11 ek t“ ist nur der Reflektor einer\nFichtquelle, kann’s aber evtl, von der\nGlühbirne bis zum Scheinschmeißer brin-\ngen!“ „Eine Begriffskonstruktion, aber\neine sehr künstliche!“\n„Künstlich, „K u n s t“ ist stets ein Gan-\nzes, von dem uns Menschen nur Hälften\nzugänglich sind. Dem Schöpfer des Kunst-\nwerks die eine, seiner Umwelt die andere\nHälfte!“ Das Ganze genießt Gott allein,\nund —• selbstverständlich, die Kritiker!“\n„Ein wahres Leid ist es, Sie mit so fest\ngefügten Begriffen umherwerfen zu\nsehen!“ „Ein „Leid“ ist ein geringer\nGrad von Freude, wie Kälte ein geringer\nGrad von Wärme ist!“ Leid kann mehr\nals Freude ertragen werden, wie man sich\nja auch gegen Kälte besser schützen kann\nals gegen Wärme. Wärme wie Freude\nwerden stets angenehm empfunden, sind\naber ohne kühlendes Leid eine ständige\nSonnenstichgefahr!“ „Sie also würden\nsich demnach selbst zum schönsten Liebcs-\nrausch noch Leid wünschen?“ „L i e -"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.6", "texte": "besrausch“ ist wiederum eine äußerst\nschmackhafte Speise, die heiß und kalt ge-\nnossen werden kann, jede Würze verträgt,\num aber dauernd bekömmlich zu sein, er-\nfordert, daß wir für offenen Leib sorgen!“\n„Menschlich, allzu menschlich!“ „Leider\nnein!“ „Mensch“ war von Gott als\nletzter Schöpfungsakt gedacht, geplant,\naber im Zorne ließ er ihn unvollendet, weil\nihm über Sonntag seine beiden Vorpro-\ndukte, (Rohlinge) Mann und Weib bereits\nverdorben waren!“\n„Danach wäre also der Mann kein\nMensch?“ „Mann“ ist der Unmensch,\nder nach Abzug des weiblichen Einschlages\nrestiert, ohne Berücksichtigung der kör-\nperlichen Merkmale!“ Kommt, Gott sei\nDank, rein nicht vor!“ „Hier fehlt nur\nnoch die mathematische Formel für Ihre\nBegriffswelt!“ „Mathematik“ ist\ndie einzige exakte Wissenschaft, bis zur\nAufstellung der Relativitätstheorie!“\n„Etwas mehr Achtung vor unserer Wissen-\nschaft täte Ihnen wirklich not!“ „N o t“\nist eine Lebenslage, die uns zwingt, Not-\nwendiges zu unterlassen, oder Unnötiges\nzu unternehmen!“ Diese Belehrung ist\nfür mich so unnötig, wie der Versuch, eine\nOper zu sprechen!“\n„0 p e r“ der lügnerische Brauch, musika-\nlische Einzelempfindung durch Textunter-\nlegung in Allgemeinempfindung umzufäl-\nschen!“ „An Ihnen ist wahrhaftig ein\nganzes Parlament verloren gegangen!“\n„Parlament“ ist ein Gebäude mit be-\nsonderer Lösung des akustischen Pro-\nblems. Jedes in ihm gesprochene Wort\nhört sich von außen wie echte Volksmei-\nnung an!“ „Eine sehr gute Satyre, aber\nRecht haben Sie, Gott sei Dank, nicht!“\n„Recht“ ist das erlaubte Unrecht. Wäre\nes das „Richtige“, so benötigte es nicht des\nGesetzes!“ „Regierung wäre also nach\ndieser These eine Betätigung erlaubten\nUnrechts?“ „R egieru n g“: „Ein ein-\nkömmlicher Berufsstand, leider so anstren-\ngend, daß man ihn nur auf Sesseln, und\nselbst hier nur in Weltkurorten wirksam\nausüben kann!“ „Sie hält nichts Heili-\nges mehr auf, drum Schicksal gehe deinen\nLauf!“ „Schicksal“ ist alles Ge-\nschehen, das dem Willen der sogen. Men-\nschen spottet. Zufällige Kongruenz von\nSchicksal und Willen nennt man Erfolg!“\n„Damit ist die Tugend des Strebens,\nwie überhaupt jede Tugend erledigt!“\n„T ugen d“ ist lediglich der Maßstab des\nLasters, wie Geld ein Maßstab der Lei-\nstung ist. Wird mit der Tugend gehandelt,\nso ergeht es ihr wie dem Gelde, sie ver-\nliert ihre Wertbeständigkeit, hat Kurs und\nInflation!“ „Falsch, mein Lieber, Geld\nist ein Handelsartikel, also haben Sie mit\ndieser These Unrecht!“ „U n r echt“\nist stets das Recht der anderen!“\n„Recht ist bei Ihnen Unrecht, und Unrecht\nRecht, was ist dann Versailles?“ „V er-\nsai 11 es“ ist ein Vorort von Paris, wo\ndas Kaiserwort zur grausamen Wahrheit\nwurde: „Am deutschen Wesen wird die\nWelt genesen!“ Die ganze Welt macht\nsich dort an uns gesund!“ (Sachverstän-\ndigenkonferenz.) „Das heiße ich, sich\ndiplomatisch aus der Schlinge ziehen, der\nreinste Volksvertreter!“ „Volks-\nvertrete r“: „Die Rechtsanwälte des\nVolkes im Prozesse gegen das Volk. An-\nwalts-, Gerichts- und Prozeßkosten trägt\nstets das Volk selber, weil Prozese, die\nman gegen sich selber anstrengt, nie ge-\nwonnen werden können!“ „Sie haben\naber wirklich die Satyre zur Wissenschaft"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.7", "texte": "ausgebildet!“ „W i s s e n s c h a f t“ ist\nmenschliche Einbildung, die bis zur Bil-\ndung ausarten kann!“ Was erkennen\nSie Spötter nun wirklich an?“ Die\n/c 11 ull g als das angenehmste Erzeug-\nnis des Intellektes“, weil es noch am selben\nTage sinnlos wird, und dann einem wirk-\nlichen Bedürfnis dient!“\n\nUmbau\nHerwarth Walden\nAus ist es mit der Innerlichkeit. Die\nÄstheten und die Literaten jammern. Die\nMenschheit will nicht einmal in ihrem\nHimmel mehr mitwohnen. Alles wird\nbildhaft. Sogar die Statistik. Man wendet\nAuge und Ohr wieder an, statt der Zunge.\nMit dem Geschmack war es eigentlich\nsowieso schon Essig. Denn es gab nur\neinen erlesenen Geschmack. Durch das\nLesen hat man sich Zunge und Augen\nverdorben. Man schluckte alles hinunter.\nNach verschriebenen und gedruckten Re-\nzepten. Das Erlesene wurde illustriert.\nDie vielbeschriebenen Kulturgüter der\nMenschheit, die Natur Griechenland und\nItalien, entstanden überall auf der Erde\nals Nationalpanoptika. Keine Zimmerdecke\nohne Akantusblätter. Keine Tapete ohne\nRosen. Kein Haus ohne angeklatschte\nwilde Tiere oder Waffen. Auf den Dächern\nstanden vergötterte Männer und ehrwürdige\nDirnen leicht versteinert. An den Türen\nund unter den Brüstungen drückten sich\nschwervergipst bessere Sklaven und leichtere\nDamen herum.\nDa kamen Menschen statt auf eine Idee\nauf die Sinne. Sie zeichneten und malten\nnicht was andere dachten, sondern was sie\nselbst sahen. Nämlich Formen und Farben.\nUnd sie verbanden sie so, daß sie augen-\nscheinlich wurden. Die Denker und Dichter\nwaren furchtbar böse. Man wollte sie\nzwingen, Unerlesenes zu sehen. Das war\nunerhört. Und alles, was unerhört ist,\ngeht gegen die guten Sitten. Das sind\nHausmittel gegen Naturzwecke. Natur-\nmittel sind Sinne. Ist die Natur Zweck\nund sie kann es nur sein, so muß sie mit\nnatürlichen Mitteln erreicht werden.\nWas aber ist natürlicher als die Freude der\nAugen. Gesteigert durch die Fähigkeit des\nMenschen, den Augenschein zu wählen\nund zu gestalten. Das Verhältnis von\nWagerechten, Senkrechten und Diagonalen\nherzustellen. Farben nach dem Augenwert\nauszugleichen. Und auf diese Weise alle\nmenschlichen Empfindungen auszulösen.\nJede Bewegung zu versinnlichen. Denn\nwir sehen nur Farnen und Formen.\nDenken ist nur Erinnern.\nNun wird aufgeräumt. Raum wird frei\ngemacht. Von Häusern und Körpern fallen\ndie Masken, mit denen man das Panoptikum\nvon Natur Griechenland und Italien kindisch\nnachmachte.\nDer Expressionismus hat die sinnwidrige\nKultur vernichtet und das Leben wieder\naus den Sinnen sinnvoll gemacht."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.8", "texte": "Entfesselte Poesie\nB. Vàclavek\nGlossen zur Methode der reinen Lyrik\nSeiferts\nWendung von der „proletarischen\nPoesie zur reinen Lyrik wurde durch eine\nItalien-Frankreich-Reise unterstützt. Er er-\nlebte auf ihr das, was dem neuen Dichter\nunbedingt notwendig ist: Das rapide Tempo\ndes sich schnell über weite Entfernungen\nbewegenden Menschen, bis sich die weiten\nRäume des Erdballs in dem Bewußtsein des\nMenschen in ein einziges Ganze verdichten.\nSeine Phantasie kam in Fluß und blieb aktiv\nauch nach dem Abflauen des ursprünglichen,\nüberwältigenden Erlebnisses. Dadurch ver-\nschwand aus seinen Gedichten der Satz, als\ndas Ganze, mittels welchen wir unsere Empirie\nmilteilen, uns miteinander verständigen, und\nblieb nur ein Strom von Vorstellungen,\n„Poesie, ewiger Wasserfall“, mittels dessen\nwir träumen. Die Sprache braucht nicht\nmehr ins logische Gefüge der Sätze artikuliert\nzu werden (es erübrigt sich also auch die\nInterpunktion), Worte und Sätze fügen sich\nin größere und autonome Gefüge der Verse\nein. Seifert gab sich gänzlich und leiden-\nschaftlich seinem poetischen Handwerk hin,\nindem er die Grenzen und Verbindungen,\ndie Gliederung der wirklichen Welt vergaß.\nDie Dinge sind verloren gegangen, was\nihre wirkliche Bedeutsamkeit im praktischen\nLeben betrifft, sie leben nur als Träger der\npoetischen Emotion; sie verloren ihr empiri-\nsches Gesicht und existieren nur noch in\nihrem poetischen Sein. Und so erlebt Seifert\nin diesem Buch, das thematisch der prole-\ntarischen Welt fremd ist, eine Revolution,\nzu der er, ein proletarischer Primitiv, ziemlich\nspät gelangt, in der jedoch das Wesen der\nästhetischen Revolution auf dem Uebergange\nvon der bürgerlichen Welt zu der Welt der\nkünftigen Sozietät beruht: Er überwindet\ndie Herrschaft der Dinge, die in der Kunst\nder bürgerliche Künstler-Individualist etabliert\nha'te, der in seiner fetischistischen, von ihrer\nmenschlichen Herkunft und Bedingtheit ab-\nstrahierenden Ehrfurcht vor ihrer rätsel-\nhaften, unberechenbaren Macht sie in der\nKunst zu verehren begann, Seifert stürzte\ndie Herrschaft der Dinge, der empirisch be-\nschränkten Erscheinungen. Sie müssen sich\nwieder dem Menschen unterordnen, existieren\nnur für den Menschen, menschlich, sind\nin der Kunst nur Material, nicht Ziel und\nHerrscher. Die Ethik verliert in dieser\ndimensionalen reinen Anschauung den Boden.\nFrüher hat Seifert stürmische, revolutionär\npointierte Verse über die im Kriege ver-\nkrüppelten Soldaten geschrieben. Wenn er\njetzt einfach konstatierend sagt: „und Herr\nBlaise Cendras verlor im Kriege die\nHand“, spürt man, wie ihn nur die poetische\nSeite der Sache, ihre Traurigkeit interessiert\nund wie nur sie in seinem Verse lebt. Er\nhat die Welt auf den Kopf gestellt, sieht nur\nihren Kern, ihre Wesenheit, gleichgültig bleibt\nihm aber ihre immanente Logik - ~die\nheil gen Vögel auf dünnen Beine i wie\nSchatten wiegeln das Geschick der\nWelten“ man kann sie ebenso umge-\nkehrt begreifen wie von der Ursache zur\nFolge, denn darum handelt es sich nicht, es\ngeht nur um Poesie. Es verschwand die Ver-\ngangenheit, die Gegenwart und die Zukunft,\nes verschwanden die Entfernungen der Erde,\nund bleibt nur ein einziger, homogener\n\n*)\n*) Der tschechische Dichter Jaroslav Seitert, dessen\nGedichte aus dem Buche „Auf den Wellen der T.S.F.“\n(tschechisch) zum Ausgangspunkt dieser Studie dienen,\ngab zuerst zwei Bücher „proletarischer“ Lyrik heraus.\nSeine letzten zwei Bücher enthalten aber reine Lyrik\nstark surrealistischer Prägung."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.9", "texte": "Krematorium\nJörgen Thomsen"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.10", "texte": "poetischer Strom in Zeit und Raum, ein\nneuer poetischer Zeitraum. Die wirkliche\nWelt ist gestorben, es lebt nur die Poesie.\nDiese neue Poesie bringt ungeheuer intensives\nWahrnehmen, auch wenn sie sich hie und da\neine leichte Rokokomaske ansetzt, - was\nwürde man nicht für Poesie tun, um sich\nder alten, uns durch Erziehung und Leben\neingepaukten, bereits schmerzenden Erfah-\nrung zu entwinden? „Der Bahnhofsglocken\newiges Lachen“ - direkt die Nerven, die\nSiensibilitat entblößen sich in diesen Versen.\nDas Unterbewußtsein spricht, die längst ver-\nschollenen Jugendeindrücke tauchen auf. Die\nWorte werden nur zu Trägern von poeti-\nschen Vorstellungen, jede Vorstellung trägt\neinen Vorrat von poetischen Assoziationen\nin sich:\nDer Anker\nzum Schluß noch eine sdiör e Hoffnung\ndie tote Auster steigt empor zum Schiff.\nDie Schiffsschraube\nals alle schon zum Tanze weggegangen\nsind\naus der Tiefe stiegen Seerosen auf die\nOberfläche.\nKrahne\nund groteske Giraffen gingen in\nlangen Reihen schlafen\nunter den Palmen eines unbekannten\nKontinents.\nUnd wenn du glaubst, daß alle schon aus-\ngesprochen sind, tauchen noch drei Vor-\nstellungen auf, die mit der mütterlichen\ngeheimnisvoll Zusammenhängen:\n„Der Mond, ein Rabe und eine Rose“\nImmer von Neuem erscheinen diese unter-\nirdischen Verbindungen;\nMit halbgeöffneten Augen\nin die Weichheit der Träume und Betten\nuntersinkend\nschläft der Kranke ein\nder Schnee eine Spinne eine Rose\nDie Pflegerin kommt in der Finsternis\nsie schließt das Fenster des Sommer-\nabends\nund der Mond eine gelbe Krabbe\nkriecht im Fenster\ndas Blut das Quedcsilber und\nein Duft\n(Aus dem Gedichte „Fieber“.)\nEs ähnelt den Uebergangszuständen, da der\nSchlaf sich nähert und wir in dem letzten\nAugenblicke eine leichte und merkwürdig\nphantastische Expedition in die Welt der\nImagination unternehmen. Willst du diese\nsubtile Träumerei aussprechen, wirf die\nSprache des Tages weg, und sprich, wie du\naus dem Traume sprichst, ohne davon zu\nwissen.\nDer ewig weiße Schnee und du mußt\nsie ewig lieben\nals die weißen Blumen des Nebels\nauf das Quai fielen\ndem Pierrot ähnlich eine Hälfte Gesicht\nhell die andere finster\nich möchte schlafen\ndie Liebe eiserne Ringe in den Steinen\nam Quai\nManche Vorstellung ist schmerzlich eindring-\nlich, aber man kann sie durch eine andere\nneutralisieren:\nDer ewig weiße Schnee und du mußt\nsie ewig lieben\nAber sie kehrt auch in diesem neuen Gewand\nhartnäckig zurück:\nDu mußt sie ja ewig lieben der ewig\nweiße Schnee"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.11", "texte": "Main staircase Hall of Waseda University Library / Tokio\nKenjy Jmai"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.12", "texte": "Eine Erhohlung ist es, wenn sie es dir er-\nlauben, knabenhaft mit ihnen einen Augen-\nblick zu spielen: „Bei den vorzüglichen\nQullen der Eau de Cologne/' Die eine\nbringt die Fläche weit und breit ins Wogen,\nbis eine andere ihr Gewoge aphoristisch\nabschliefet;\nNacht ausgespannte Rabenflügel\ndie Trommel der Finsternis\nauf dem Trapez sitzt Miß Gada-Nigi\nund unten im Sand schläft der Clown\nwie ein Vogel\nder Schnee seiner Träume fällt\nSo lebt die entfesselte Poesie, nichts anderes\nerwarte man von ihr, bitte. Leidenschaft-\nlicher Raucher kennt die Poesie der Rauch-\nspiralen, da aus einer einzigen eine lange\nReihe anderer sich entwickelt und es existiert\nnichts anderes, als nur ihre immer neuen\nVerflechtungen. Man kann ein Gleichnis Um-\nstürzen und auf den Kopf stellen, dadurch,\ndafe man nicht so vergleicht, wie es ein\nMensch durch eine Erwägung machen würde,\nsondern umgekehrt:\nDort tanzen die Köpfe seines\nUntertanen Volkes\nwie die Punkte der Viertelionnoten\nim breiten Kreise um ihn.\nPoetisch bleibt es doch. (Moholy-Nagy: „Ein\nBild könnte z. B. auf dem Kopf stehen und\ndoch genügende Basis für die Beurteilung\nseines malerischen Wertes bieten.“)\nSiehe, wie der Wille in der Atmosphäre der\nPoesie verschwand:\nFischer auf Sahara sein\nund Kapitän eines Schiffes das keinen\nBoden hat\nsieh das ist alles was uns übrig bleibt\naber darum geht es ja gar nicht\nDas hier ist kein romantischer Schmerz vor\nder Entscheidung ges Willens mehr, sondern\nnur kristallklare Scheidung von Funktionen\nder menschlichen Seele und reine Gestaltung\nder Poesie.\nDas Material von Seiferts Gedichten ist\nmerkwürdig rein, es ist aus einem einzigen\nStoffe - der poetischen Erfahrung, von allen\nBeimischungen und sekundären Atomen frei.\nDieses elementare des Materials von Seiferts\nGedichten macht ihre hervorragende Schön-\nheit aus. Wir finden dasselbe auch in seiner\nkomposilionellen Arbeit. Seine Gedidite sind\nnicht mehr um einen einzigen Kern, um das\nErlebnis gruppiert, sondern werden poly-\nphonisT, werden polyplan konstruiert. Wo\ndas Gedicht noch scheinbar durch das Thema\nzusammengehalten wird, ist das Thema in\neinige Vorstellungen zerlegt („Der Hafen“:\nDer Anker der Steuermann das Schiff\ndie Nacht - die Schiffsschraube), die sich\nwiederum mit Tausend anderen Vorstellungen\nverbinden. Und dies ist der („assoziative“)\nAufbau des neuen Gedichtes. Seifert strebt\neinen exakten Aufbau an, eine exakte\nKompositionsmethode. Wie der moderne\nMaler genau die physiologisch-psychische\nGeltung der Farben kennt und mit diesen\nWerten arbeitet, so untersucht Seifert die\npoetische Tragfähigkeit der Vorstellungen,\nlegt sie experimentell zusammen, als ob er\nuntersuchte, wieviel Poesie dieselben er-\ntragen. Er verbindet sie nur mittels poeti-\nscher Assoziationen:\nDer Rauch der Zigareüe\nsteigt\nTourist in Alpen\nSonne und Tiefe\niber einem steilen Abhang\nder Gipfel des Montblancs\nAkrobatie der Rosen\naus Wolken"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.13", "texte": "So wie jede neue Gestaltung nur eine\nGestaltung der Spannungsverhältnisse der\nElemente in ein ausgeglichenes Ganze ist\n(Moholy-Nagy), ein „Ausgleich des Positiven\nund Negativen zu exakt harmonischer\nEinheit“ (Doesburg), so ist auch Seiferts\nPoesie nur ein statischer Punkt der Ruhe,\nder aus dem Ausballanzieren und der\ngegenseitigen Bindung der dynamischen\nVorstellungen der modernen Welt hervor-\nspringt.\n(Gedruckt aus d. Manuskript.)\n\nGemälde\nSidney Hunt"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.14", "texte": "Gedichte\nErich Arendt\nDeine Schenkel blühen Sterne\nim Lachen\nDeines Blicks verscheut\nspielen Kinderlieder\nüber Sonnen\nstiller Mund.\nDeine Brüste knien im Meer des Lichts.\nErschreien\nklingt . . .\nDas Leid weht ein Finger\nverschämte\ndunkel\npulst dein Auge\nüberpochte Schritte\nmir\nDen Weg\nDie Sterne blühen\ntief\nweint ein Reh im Himmelschoß geborgen\ndie hellen Stunden\nweit\nvereint die Lippen\nnieder\nblüten liegen duften Lippen\nund die Arme holen Goldmond weißes Atmen\nwälderschwer verscheint\nnur die Küsse wiegen drüber\nwellenmüde Zweige\nAmselfrüh und strecken lauschen\nsinken streicheln Deine Hände\nMonde Glück hernieder\nDeine Lippen biegen ein Lächeln\nDie roten Beeren\nSchwellen Monde Lippen\nStille\nklingt\ndie Glockenwiesen über\nlauschen über Sternen\nStille!\nNackt\nblüht Dein Leib.\nAus dem Schweigen\naller Herzen\nerdenkahl\nund\nweiten Augen\nlauschen Vögel\nlang ....\nund neigt\nvon Baum zu Baum\nin\nSchweigen\ndunkler Sterne tiefer Wald.\nHorchen\nschreiend auf\nund reißt die Augen . . .\nVerstummen\nreckt\nim starrwilden Entsetzen\nreckt sich hohl\nzwischen Stämmen Stämmen\nklaffend Sterne\nHocken Drohen!\nund\ntiert Erschrecken hellweißer Mond\nim Sand.\nBlut lichten Furcht!\nGrauen stickt\ndie Finsternis\num!\nund flüchtend\nvor\neiner Hand\nklammern alle Schatten\nGott\nvoller Angst\nzu\nBoden."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.15", "texte": "Konstruktion\nWladimir Shwab"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.16", "texte": "Optisches Unvermögen\nE. Staedler\nKunst will empfunden, nicht verstanden sein.\nDer empfindungslose ist daher zugleich der\namusische Mensch.\nAuge und Ohr sind die Sinne, die uns\nKunst empfinden lassen. Kunst fürs Ohr\nnennen wir Musik; Kunst fürs Auge sind\nuns Malerei und Plastik. Aber die Nuancen\ndes Empfindungsvermögens bewegen\nsich zwischen weit auseinanderliegenden\nGrenzen.\nEs gibt Menschen, die das absolute Ton-\ngedächfnis haben. Sie nennen wir mit\nRecht die Hochmusikalischen unter uns.\nIhr Gegenpol sind die Unmusikalischen, die\nauch die einfachste Melodie nicht behalien\nkönnen. Jene sind selten, diese wesentlich\nhäufiger.\nAber, und das ist Menschenart: der Un-\nmusikalische will oft genug ankämpfen\ngegen sein akustisches Unvermögen. Er\nsucht dann gegen seinen Empfindungsmangel\neine Hilfe beim wohlvertrauten Verstände.\nKennt er daher zu einer Melodie einen Text\nund behält er den, so gelingt es ihm meistens,\nmit Hilfe des Textgedächtnisses die\nMelodie zu behalten und sie leidlich ebenso\nrichtig wiederzugeben, wie der unmittelbar\nMusikempfindende, d. h- der Musikalische.\nDas alles sind bekannte Dinge.\nUnbekannt ist nur, dab neben dem akusti-\nschen Unvermögen zur Kunstempfindung\nein ihm genau entsprechendes optisches\nUnvermögen besteht. Und erst recht\nunbekannt ist, dab die Zahl der Optisch-\nUnvermögenden enorm viel gröber ist, als\ndie der Unmusikalischen. Die Sprache hat\nnoch nicht einmal ein Wort zur Bezeichnung\ndes Optisch-Unvermögenden geschaffen, das\ndem Begriffe des Unmusikalischen ent-\nspräche.\nAuch die Optisch-Unvermögenden kämpfen\ngegen ihren Mangel an Kunstempfindung\nunbewubt an; und ebenso unbewubt be-\ndienen sie sich dabei genau wie der\nUnmusikalische, dieser aber bewubterweise\n- der Ve r stand es hilfe. Dab der ganze\nVorgang im Unbewublen verbleibt, erklärt\nsich daraus, dab eben die Mehrzahl aller\nMenschen optisch-unvermögend ist. Was\ndie Mehrzahl angeht, entzieht sich überall\nund immer der Beobachtung und Kontrolle.\nDie Verstandesstütze des Optisch-Unvermö-\ngenden hat ihre ganz bestimmte Signatur:\nes ist das Verlangen, unter einem Bilde,\neiner Plastik „sich etwas vorstellen\nzu können“. Der Optisch-Unvermögende\nsieht zwar auf der bemalten Leinwand die\nFarbenflecke und ihre Formen Aber ihre\nHarmonie geht ihm nur ein, wenn er diese\nFarben aufgetragen sieht an den wohl-\nvertrauten Formgebilden seiner praktischen\nUmgebungswelt. Die schlichte Farben-\nharmonie einer quergeteillen Fläche, oben\nblau, unten grün, empfindet er erst, wenn\ndie blaue Hälfte mit Wolken bemalt ist;\ndann versieht er: das ist Himmel, und wenn\ndie grüne Fläche mit Sträuchen bemalt ist,\ndann versteht er: das ist eine Wiese. Und\nwas er nun endlich empfindet, ist vielleicht\ndie Vorstellung des Landschaftsfriedens, aber\nnicht die Harmonie der Farben. Verläuft\ndann noch zwischen Blau und Grün eine\nReihe roter Flecke, so empfindet er den"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.17", "texte": "Linoleumschnitt\nEdm. Kesting"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.18", "texte": "Farbendreiklang auch nur in der verstandes-\nmäbigen Uebersetzung: das sind die roten\nDächer einer Häuserreihe. Aber labt man\ndie Wolken, die Sträucher und die Dach-\nkanten und -giebel weg, so versagt ihm\nalle Kunstempfindung sofort; er kann sich\nnichts mehr vorstellen und empfindet auf\neinmal nichts mehr von der Harmonie der\ndrei Farben, obwohl diese an sich doch\ndurchaus unverändert geblieben sind.\nDer Unmusikalische, der eine Melodie, zu\nder ihm der Text fehlt, nur in der Ver-\nzerrung wiedergibt, ist für seine musikalische\nUmgebung ein Gegenstand des Amüsements;\ndenn die Musikalischen sind in der Ueber-\nzahl. Nach dem gleichen Sittengesetz ist\nder Optisch-Vermögende, der bei der Bild-\nbetrachtung keinerlei Verstandesstütze zur\nKunstempfindung braucht und der dem-\nentsprechend selber malt, das Gespött der\noptisch-unvermögenden Mehrzahl,\nNehmt dem Optisch-Unvermögenden die\nVerstandesstüize, stellt ihm Bilder hin, die\nnichts als flächige Farben- und Formen-\nharmonien sind, und er wird hilflos vor\nihnen dastehen, genau wie der Unmusikali-\nsche vor einer Melodie, die er im Ohre nicht\nbehalten kann, sobald ihm der Text dazu\nfehlt. Nur glaubt der Optisch-Unvermögende\nmit seiner Hilflosigkeit im Recht zu sein\ngegenüber dem unmittelbar optisch Kunst-\nempfindenden. Den verhöhnt dann die\nMenge kraft des sogenannten „Rechts“ der\nMasse.\nAber woher das überwiegende künstlerische\nUnvermögen unseres optischen Sinnes ?\nVielleicht weil das Auge viel mehr als das\nOhr für den Menschen der Diener des un-\nmittelbar Lebensnotwendigsten im Daseins-\nkämpfe bedeutet. Der Taube vermag, wenn\ner nur sehen kann, der Gefahr auszuweichen\noder zu begegnen. Der Blinde, der noch\nhören kann, vermag zwar die vernehmbar\nherannahende Gefahr zu erkennen; aber\nihr auszuweichen fällt ihm schwer. Schleicht\nsie aber lautlos heran, so ist er verloren.\nUnser Auge hat wohl keine Zeit gehabt,\nsich auf Kunstempfinden so einzuüben, wie\nunser weniger vom Daseinskämpfe bean-\nspruchtes Ohr.\nAber ist das ein Grund, das Auge in seiner\namusischen Wildnis ewig darben zu lassen ?\nSoll unser Gesichtssinn, auch im gefahren-\nfreien Elysium des reinen Kunstempfindens,\nimmer nur auftreten müssen, gleichsam ge-\ngürlet mit der Abwehrwaffe des Verstandes,\nder ihm auch hier nichts anderes wahr-\nzunehmen gestattet, als die Begriffe der\nmeistens feindlichen Lebensgewalten, die es\nzeitlebens abzuwehren gilt?\nFreimachung des Auges für das optische\nKunstempfinden ist die seit Adam vernach-\nlässigte Aufgabe. Es ist diese Aufgabe, die\nDer Sturm auf sich genommen hat."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.19", "texte": "Linoleumschnitt\nEdm. Kesting"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.20", "texte": "Tanagra\nEdmund Palasovsky\nBlau, blau\nGuten Abend, Tanagra, wie viele Rehe hier\nsind und Lavendel! Gehören diese Oel-\nbäume dir?\nTanagra lag in einem grohen Bett. Ihr Arm\nund die Schultern frei, ihr Haar war dunkel\nund spielte ins rot. O wie das schmerzt.\nDarf ich hinein? -\nAber sehr sehr gern! Der Mai ist ja schon\nhier! Ueber Gewässer werden wir gehen,\ndu bekommst blaues Papier, um alles\ndarauf zu schreiben, was du denkst und\ndann habe ich ein wunderschönes lila Kleid.\nGrau grau grau grün.\nO wie traurig es wird, wenn ich fortgehen\nmuh. Wenn ich sterbe, mein Kopf fällt\ndir zu. Willst du?\nSolche solche Umarmung! Grün, violett\nviolett. Darauf sind die Küsse gefolgt. Tag\num Tag. Solche Umarmung. Blau violett.\nO wie schön, Tanagra, o wie es schmerzt!\nKann man dir entkommen, Tanagra? Wie\ngut ist es bei dir. Ist es schon sehr spät?\nWenn du fortgegangen, werde ich dich nie\nmehr sehen.\nViolett sepia violett. Tag um Tag.\nDie gesagt hat: ich hab dich in eine Rosa-\nMuschel eingeschlossen, sie soll meine Hand\nnicht loslassen. O wie es schmerzt! Schlafe\nnicht, Tanagra, schlafe nicht! Sieh, wie schön\nich von dir geworden. Blau violett violett.\nIst es sehr spät? Gut: ich gehe schon.\n'Wenn du nicht bei mir, ist es, als ob man\nmir die Hand oder den Fub abschneidet.\nAls ob ich ohne Gehirn, ohne Herz. -\nDu wirst mich immer sehen, Tanagra,\nimmer sehen. Dein Kuh wird nicht er-\nkalten, deine Umarmung nicht ermatten.\nUnd wenn ich sterbe, mein Kopf gehört\ndir. -\nSolche Umarmung.\nIch danke dir, dah du geboren. -\nBlau, violett blau.\n\nKÜHE\nErich Arendt\nVoll Erde\nweiter Morgen\ndas Horn senkt die Nacht\nGewölk\nbrüllt aus wilden Tagen\ndie Himmel bleich\nund\nGlotzen Dumpfen Sterben\nurt dunkler Mond\ndie Sterne blähen\nBlicke\ngrünes Gras\nund brüllen\nstummes Sterben\nweihe Augen\nnach"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.21", "texte": "B EC H STEIN\nMUSIK BAUT DER SEELE\nGOLDNE BRÜ CKEN\nIM HAUS AM ZOO\nVerlag Der Sturm / Berlin \\V 9\nKünstler - Postkarten / Verlag Der Sturm\nNach Gemälden, Zeichnungen und Bildwerken folgender Künstler:\nAlexander Archipenko / 4\nRudolf Bauer / 4\nVincenc Benes\nUmberto Boccioni t / 2\nCampeudonc / 2\nMarc Chagall / 7\nOthon Coubine\nRobert Delaunay\nTour Donas\nLyonei Feininger\nAlbert Gleizes / 2\nJacoba van Heemskerck f / 3\nSigrid llj erten Grünewald\nAlexei von Jawlensky\nBela Kädär\nKandinsky / 3\nPaul Klee\nOskar Kokoschka / 2\nFernand Leger / 2\nAugust Macke f\nFranz Marc f / 3\nCarl Mense\nJean Metzinger\nJohannes Molzahn\nGeorg Muche\nGabriele Munter\nGeorg Schrimpf\nKurt Schwitters\nGino Severini\nFritz Stuckenberg\nArnold Topp\nMaria Uhden t\nWilliam Wauer / 5\nMarianne von Werefkin\nNegerplastik\nGewebe aus Alt-Peru\nJede Karte 20 Pfennig / Farbige Karte Chagall; Die Kleinstadt / 30 Pfennig\nDie Ziffern hinter den Namen bedeuten die Zahl der reproduzierten Kunstwerke\nDichtungen von HERWARTH WALD\nmm\nEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark\nDas Buch der Menschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mit dem Leben\nSünde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komitragödie\nJedes Buch 1 Mark\nWeib / Komitragödie / 3 Mark\nDie Härte der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mit dem Tode\nGlaube / Komitragödie\nKind / Tragödie\nJedes Buch 2 Mark\nTrieb / Eine bürgerliche Komitragödie Menschen / Tragödie\nVerlag Der Sturm / Berlin W 15"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.22", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann Berlin Wl5 / Verlag: Der Sturm G. m. b. H.\nBerlin Wl5 Kurfürstendamm 53 / Fernruf Bismarck 2370 / Postscheckkonto Berlin 120658\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt\n\nKleine Anzeigen\nJedes Feld S Merk\nI Sturm-Saal\nfür Vorträge / Kurse / Konzerte noch\nan einigen Abenden und Tagen zu ver-\ngeben\nAuskunft: Bismarck 2370 |\nI Vitrinen\nsind in der Ausstellungsdiele für künstlerisch\neinwandfreie Gebrauchsgegenstände zu ver-\ngeben\nAuskunft; Bismarck 2370 |\nI Die Sturmbuchhandlung\nist von Schlüterstrahe 54 in die Kunst-\nausstellung des Sturm Kurfürstendamm 53\nverlegt |\n\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5\nSoeben erschienen:\nKarl Vogt;\nPraxis des Sprechchors\nmit Regiebuch des Chorspiels „Der Krieg“\nln halt: Voraussetzung\nLegitimierung des Chorspiels\nDas Wesen des Sprechchorischen\nDie Gestaltung der Sprache\nVom Sinn der Bewegung\nDie Atmung\nPreis 3 Mark Die Funk*ion des Sprechens\nDas phonetisch-gymmastische Ausdrucksalphabet\nDas Regiebuch des Chorspiels „Der Krieg“\n\nBauhausbücher\nLieferbar sind:\nALBERT LANGEN MÜNCHEN"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.23", "texte": "Verlas Der Sturm / Berlin Wl5\nRUDOLF BLÜMNER\nDer Geist des Kubismus und die Künste\nMit Abbildungen / M 3\nHERMANN ESSIG\nÜberteufel\nM 2\nERNST MARCUS\nDas Problem der excentrischen Empfindung\nund seine Lösung\nM 2.50\nLOTHAR SCHREYER\nNacht\nDrama / M 1\nKURT SCHWITTERS\nDie Blume Anna\nGedichte / M 1\nAUGUST STRAMM\nGesammelte Dramen\nZwei Bände f Jeder Band gebunden M 4\nKARL VOGT\nDer Krieg\nEin Chorspiel / M 0.80\nDie Praxis des Sprechchors\nM 3\nHERWARTH WALDEN\nEinblick in Kunst\nEine Einführung in die neue Kunst / Mit 70 Abbildungen\nAchte Auflage / Gebunden M 2.50 statt M 6.50\nWeib\nKomitragödia / M 2\nIm Geschweig der Liebe\nln Leinenband M 3"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192904-01.1.24", "texte": "Dr. Walther Rothschild, Bln.-Grunewald\nSoeben erschien:\nGustav Adolf Walz\nDr. jur. Dr. phil,\nPrivatdozent an der Universität Marburg\nDie Staatsidee des\nRationalismus und der Romantik\nund die Staatsphilosophie Fichtes\nZugleich ein Versuch zur Grundlegung\neiner allgemeinen Sozialmorphologie\nXVI und 688 Seiten Grossoktav\nM 30, ; Ganzleinen M 35,\nDieses Buch setzt sich aus drei Teilen zusammen: aus einer Grundlegung der allgemeinen Sozial-\nmorphologie; aus der Betrachtung der Staatsidee des Rationalismus und der endlich\naus einer Untersuchung der Fichteschen Staatsphilosophie. In der liefinneren Verbindung dieser\ndrei Gebiete zu einer geschlossenen Einheit kommt das Grundmotiv dieses Werkes zur Erschei-\nnung: die isolierte Rechts- und Staatswissenschaft durch den Versuch einer allgemeinen Sozial-\nmorphologie, deren Grundgesetze auch für sie Gültigkeit beanspruchen, in grössere, umfassende\nZusammenhänge cinzuordnen, um sie mit neuem Leben zu befruchten und neuen Zielen zuzuführen-\nDie Sozialmorphologie unternimmt es, die bisher wesentlich einheitlich „amorph“ geschaute rechtlich-\nsoziale Welt in drei sozialmorphologische Grundtypen auszukristallisieren. Durch sie erhält der\ngrosse Umschwung der europäischen Ideologie vom Naturrechtdenken des Rationalismus zum\nhistorisch-positiven Denken der Romantik neue ungeahnte Bedeutung. Die Thesen der Natur-\nrechtskonstrukteure werden erkannt als die ersten modernen Versuche zu einer umfassenden, vom\nRecht und vom Staat ausgehenden Soziologie, freilich mit gänzlich verschiedenem sozial-morpho-\nlogischen Ideengehalt.\nDie Bedeutung einer solchen sozialmorphologischen Beurteilung zeigt die Untersuchung der Fichteschen\nStaatsphilosophie. Jener Wandel Fichtes vom Jakobiner zum Staatssozialisten und Staatsmachiavellisten\nerhält erst in der sozialmorphologischen Einordnung seine abschliessende befriedigende Ausdeutung.\nDa die grossen staatspolitischen Probleme im Fichteschen Staatsdenken heute wieder aktuell sind,\nleitet das Werk in die modernste staatsrechtliche, politische und iuristische Problematik über.\nAchtseitiger Prospekt zu Diensten"}]}