{"numero_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_sha256": "f0bd918c42207b3399d2563b8070cfc705aa17986acc884cd8324f17fb024a3f", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1929/12_01/bmtnabg_1929-12_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1929/12_01/bmtnabg_1929-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c002", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[47]", "page_fin": "[47]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.2", "titre_corps": "INHALT", "titre_sommaire": "INHALT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[47]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.3", "debut_caractere": 147, "fin_caractere_exclue": 462, "texte": "INHALT:\nHeld gesucht Thomas Ring\nDas Märchen vom neuen Künstler Walter Seidl\nOpus 27 Alexander Toufanoff-Leningrad\nKrüppel Herwarth Waiden\nVariation über ein Thema der Wesendonck Walter Seidl\nAbbildungen: Hugo Scheiber: Komposition\nNico Phirosmanichvily (Tiflis): Gemälde\nCarl Buchheister: Schwer-Leicht-Komposition"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c003", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "60", "image_debut": 5, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.3", "titre_corps": "Held gesucht : Ein Spiel des Publikums und der Kulissen mit dem Theater", "titre_sommaire": "Held gesucht : Ein Spiel des Publikums und der Kulissen mit dem Theater", "signature_source": "Thomas Ring", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2100, "texte": "Held gesucht\nEin Spiel des Publikums und der Kulissen mit dem Theater\nThomas Ring\n\nVorderste Sitzreihe unter bürgerlichem\nPublikum. Zwei Arbeiter. Vorhang zu.\n1. Arbeiter:\nSach mal, ick hab mir schon immern\nKopp zerbrochen dariewa, det hier,\ndet soll dochn Arbeeterstick wern, und\nwenn de dir umkiekst, denn siehste\nkaum een, der so angezogen is, det\nman denken kann, det interessiertn.\n2. Arbeiter:\nNachn Anzuch jehtetaber nich immer.\n1. Arbeiter:\nDet nich, un alle mögen ihre Zwölf-\nmarkplätze ooch nich bezahlt ham.\n2. Arbeiter:\nAbgesehn von de Statisten un\nKlackisten is aber schon n Intresse da.\n1. Arbeiter:\nNa ja, Intresse, bloß ick denke,\nn Arbeeterstick isn Arbeeterstick,\ndann muß et doch jegen ihre Intressen\nsind.\n2. Arbeiter:\nEben det wolln se wissen, obs jegen is.\n1. Arbeiter:\nWat machen denn die damit? Reden\nse nachher zesammn, besprechn se\nsich det, wat wir wollen un wie wir t\nwollen und wat se dajegen tun können ?\nSo wie wir de Burschwasieh studiern,\nuns mit det, wie un von wat se leben\ndhun, alsn Problem befassen?\n2. Arbeiter:\nJa weeste, eigentlich is et rätselhaft,\ndet dhun se eben nich.\n1. Arbeiter:\nAwer se könn doch nich damit ein-\nverstanden sind?\n2. Arbeiter:\nSoweit dürfen set nich kommn lassen.\n1. Arbeiter:\nNa, ick heer awa, se klatschen doch\njedesmal, un ick denke, klatschn tut\nman bloß, wo een wat jefällt un wo-\nmit man einverstanden is.\n2. Arbeiter:\nEt is eben wat Neues für sie, ne\nSensazion. Ick kann mir det ooch\nbloß so erklären, det sowat für sie\nne janz besondere Art von Verjnüjen\nsein muß, wat vorn janz besondern\nFimmel, weeste, det zu sehn, wat man\nnich is.\n1. Arbeiter:\nAwer doch ne andre Art Fimmel, wie\nfür uns Proleten der unfreiwillige\nJenuß, an de andern zu sehn, wat\nwir nich ham.\n2. Arbeiter:\nLaß dir bloß nich verblüffen un woll\nwat ändert von die, wie ne halweje\nBude un Futter für dich un deine\nKinder. Un det kriegste bloß, wenn\nse de Faust unter de Neese spürn.\nWat se aber an Zivilesazion so rum-\nhängn ham is Jift für die, die vor-\nwärts wolln.\nVorhang geht auf, zwei Arbeiterführer,\neskortiert von Soldaten. Beide Arbeiter\nim Publikum:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2381, "texte": "Mensch, kenn n wir die nich . . .\noder nee . . . doch nich . . .\nDie eskortierten Arbeiterführer singen im\nabgehackten Marschtakt:\nSo nimm denn meine Hääää nde\nun führäh mich\nbis an mein seelig Ääää — —nde . : .\nsie brechen ab, halten an, stecken Hände\nin die Taschen.\n1. Arbeiterführer:\no\nSchluß. Die nehmen die Angelegn-\nheit noch ernst.\n2. Arbeiterführer:\nJa, was ich sagen wollte — hast du\nschon gemerkt, wie kitschig sone\nSache ist? Sterben? Also der Verein\nunserer sehr geehrten Zellen, „Eiweiß\"\nheißt die Bande so verlockend, die\nselbst nie was Richtiges zu fressen\ngekriegt hat, kann eines Tages seinen\nSchriftführer im Gehirnkasten, seinen\nKassierer im Magen, seinen Vor-\nsitzenden im — na ja, Herzen, um\nden harten Ausdruck zu gebrauchen —\nnicht mehr entlasten, der Verein ver-\ntagt sich auf ewige Zeiten, einzelne\nMitglieder treten in eine Wurm-,\nMaden-, Käfer-, Fliegensektion . . .\n1. Arbeiterführer:\nNicht maln passendes Lied, mit\nSchmiß und Weihe gibts, so wie:\nLeichnam, Leichnam über alles,\nhoch am Galgen hängt der Zimt . . .\n(Mel.: Deutschland, Deutschland)\nOffizier greift ein:\nMeine Herren, es ist Ihnen zwar zu-\ngesagt, sich Ihren Tod so angenehm\nwie möglich zu machen, sofern wir\nohne Kosten davon bleiben, Sie dürfen\naber keine Attribute unserer Staats-\nform, unseres Nationalgefühls, unserer\nReligion beleidigen.\n2. Arbeiterführer:\nSonst noch was. Was nennen Sie\neigentlich angenehm? Soll man seine\neigenen Mörder hinter Tüllschleiern\nund mit Rosen garniert empfangen?\ntritt nahe an ihn heran:\nMensch, hast du keine eigene Stimme,\nwenn du schon fremde Ohren hast?\nOffizier:\nSchweigen ist Soldatenpflicht. Darf\nich Ihnen über die letzte Stunde hin-\nweghelfen?\nOffizier bietet ihm eine Zigarette an.\n2. Arbeiterführer:\nWeder Sie, noch Ihr Reklamechef in\nder Kirche, noch sonst wer soll m i r\nhelfen. Ihr alle zusammen aber helft\nder Arbeiterklasse zum Bewußtsein\nihrer Stunde.\n1. Arbeiterführer singt:\nWacht auf . . .\nOffizier hält ihm den Mund zu und\nschiebt beide hinter die Kulisse:\nIch weiß. Es lebe die Weltrevolution.\nBitte, ersparen Sie sich die Mühe und\nnehmen Sie Platz an der Mauer.\nEr kommandiert, Soldaten führen mecha-\nnisch Befehl aus:\nEntsichern.\nLegt an!\nFeuer!\nIm selben Moment hinter der Kulisse Ruf\nder beiden Arbeiterführer „hoch . . .\",\ndann Fall, Röcheln.\nOffizier:\nLaden und sichern. Schade. Hätte\nmich in Zivil ganz gern mit den Kerls"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2613, "texte": "unterhalten. Bitte die nächsten Herren!\nZu zweien vorführen! Nein, die Pro-\nletenbande da zu vieren, maln bißchen\ndalli, dalli!\nBürger im Publikum steht auf:\nAber nicht doch. Keine Wiederholung.\nAußerdem wird Massenschicksal am\nbesten durch Einzelschicksal demon-\nstriert. Vergessen Sie nicht, daß das\nhier nur Theater ist.\n2. Bürger im Publikum, entrüstet:\nUnd außerdem findet sowas so nicht\nstatt. Wir haben doch auch unsre\nZeitung gelesen und wissen die Retter\nvor Spartakus zu schätzen. Das ist\nja alles Verdrehung. Ueberhaupt, was\nsoll das hier. Das Wahre, Gute,\nSchöne . . .\nOffizier zu den Bürgern im Publikum:\nKommen Sie doch gefälligst her, da\nSie so gut Bescheid wissen!\nDie beiden Bürger klettern auf die Bühne.\nOffizier währenddem zu den Soldaten:\nStillgestann! Die Waffen werden auf\nGrund des Friedensvertrages so zer-\nstört, daß sie sich, wenn die Pflicht\nruft, wieder anfinden. Verräter wer-\nden zweckmäßig behandelt. Weg-\ngetreten!\nZu den Bürgern auf der Bühne:\nSie haben sich ein wenig getäuscht.\nDas ist die Wirklichkeit und noch ein\ngünstiger Fall, sozusagen der von der\nZensur genehmigte aktenmäßige Ver-\nlauf. Aber Sie werden sich täuschen,\nwenn Sie glauben, die Wirklichkeit so\nsehn zu dürfen, wie die Augen Ihrem\npatriotischen Gewissen vormachen zu\ndürfen glauben. Sie haben also nicht\ngesehen, sondern geglaubt zu sehen,\nund Sie werden sich der Sicherung\nIhrer Ruhe dankbar erinnern.\nDie beiden Bürger zusammen:\nUnauslöschlich. In Treue fest. Gott\nmit uns.\nEin Bursche bringt dem Offizier einen\nschwarzen Zivilmantel und einen Zylincler-\nhut, er schlüpft in den Mantel und setzt\nsich den Hut auf. Zu den beiden Bürgern:\nIch ernenne Sie hiermit, unter Vor-\nbehalt guter Führung, zu Lehrern der\nheranwachsenden Jugend. Sie wissen,\nwas Sie zu tun und vor allen Dingen,\nwas Sie zu lassen haben. Auf Wieder-\nhören beim nächsten Generalstabs-\nbericht.\nOffizier schiebt ein Schild an die Rampe:\n„10 Jahre Republik.\" Geht. Der 1. Bürger\nholt ihn nahe an der Kulisse ein, redet\nleise mit ihm, nimmt Hacken zusammen,\nerhält Instruktionen. Vor den 2. Bürger\nhat sich inzwischen die Kulisse einer\nSchule heruntergesenkt, Kinder, beweg-\nliche Pappfiguren, sitzen auf Bänken. Vom\nHimmel schwebt ein Rohrstock herunter,\nder 2. Bürger ergreift ihn und setzt eine\nLehrermiene auf.\nLehrer zum 1. Schüler:\nWas also sagte die heilige Monika\nzum Konzil von Nizäa?\n1. Schüler:\nSie . . . sie . . . sa . . .\n(er fängt an zu grinsen)\nLehrer:\nWas ist das für Grinsen! Wollt ihr\nmit heiligen Dingen Spott treiben?\nWarum lachst du?\n1. Schüler zeigt auf 2. Schüler:\nDer . . . der . . . sagt immer Zieh-\nharmonika . . ."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2141, "texte": "Lehrer, außer sich vor Wut, schwingt den\nStock:\nWas? Ziehharmonika? Unerhört!\nFrechheit von so einem Bengel!\n2. Schüler:\nHerr Lehrer, er hat falsch verstanden,\nich memoriere bloß Nizäa-Monika.\nLehrer:\nLümmels, Himmelhunde, ich will euch\nchristliche Verehrung beibringen. Die\nPest . . .\nInzwischen hat der Offizier in Zivil den\n1. Bürger verabschiedet, und er steigt in\nden Zuschauerraum, setzt sich. Der\n1. Bürger geht würdevoll zur Schulgruppe.\nLehrer:\nAchtung!\n(die Kinder klappen hoch)\nHerr Schulrat . . .\n■ (Lehrer geht entgegen, begrüßt)\nHinsetzen!\n(die Kinder klappen herunter)\nSchulrat:\nBitte, Herr Kollege, fahren Sie im\nUnterricht fort, wo Sie stehen ge-\nblieben sind.\nLehrer, fährt gedehnt fort:\nAlso Pest-a-loz-zi nahm sich der\narmen Kinder mit weitgehender Unter-\nstützung der Behörden an . . .\nSchulrat:\nDanke, danke,\nnäher zum Lehrer, leise:\nIm Vertrauen, Herr Kollege, bedenken\nSie, daß Pestalozzi eigentlich ein Ge-\nsinnungsfreund der französischen Re-\nvolution war. Ein solches Thema im\nReligionsunterricht . . .\nlaut:\nAlso danke. Herr Kollege, bitte geben\nSie mir noch eine Probe Ihres Ge-\nschichtsunterrichts.\nLehrer:\nJawohl, Herr Schulrat.\nzum 1. Schüler:\nWir sind bei 1914 stehen geblieben.\nAls die heilige Begeisterung ausbrach,\nwas sagte das deutsche Volk da?\n1. Schüler klappt hoch:\nNot kennt kein Gebot. Ein Fetzen\nPapier darf uns nicht hindern. Nun\naber wollen wir sie dreschen.\nLehrer:\nGut, sehr gut. Und wie siegten wir?\n2. Schüler klappt hoch:\nUnaufhaltsam vier Jahre hindurch.\nLehrer:\nSehr gut, sehr gut. Und was raubte\nuns die Früchte unserer Siege?\n3. Schüler klappt hoch:\nDie Meuterei der Juden und Bolsche-\nwisten von hinten.\nLehrer:\nAusgezeichnet, ausgezeichnet. Und\nwie kamen wir wieder zu Frieden,\nBrot und Freiheit?\n4. Schüler klappt hoch:\nDie Haupthetzer fielen durch die Ge-\nwalt, die sie selber gepredigt haben.\nSchulrat, wischt Tränen der Rührung. Erst\nzum Schüler, dann zum Lehrer, dann zur\nKlasse:\nWunderbar, mein Junge . . . Mich\nüberkommt's, Herr Kollege, wenn ich\neine so gesunde, unverfälscht deutsche\nJugend heranwachsen sehe . . . Der\nNächste. Und in welcher Epoche be-\nfinden wir uns jetzt?"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2429, "texte": "5. Schüler, einen Augenblick stumm, dann\nscharf und spontan:\nIm Klassenkampf.\nSchulrat entsetzt, während der Lehrer\nhinter seinem Rücken drohende Bewegun-\ngen mit dem Stock macht:\nWas? Wo befinden wir uns hier?\n5. Schüler:\nIn einer Anstalt zur Verbreitung von\nMeinungen der herrschenden Klasse.\nSchulrat:\nJunge — träume ich oder willst du\nmit uns Scherz treiben? Meinst du\nden Kampf hier in der Klasse um den\nersten Platz?\ntritt nahe an ihn heran, mit hysterisch\nüberschnappender Stimme:\nSag, du hast einen dummen Witz ge-\nmacht! Sag's!\n5. Schüler:\nDer Tod meines Vaters und der Väter\nvieler anderer Kinder war bitterer\nErnst. Die Geschichtsfälschung in der\nSchule, die Aussperrungen und\nArbeitslosenziffern draußen sind bit-\nterer Ernst. Die Tatsachen sind zu\nernst, um Witze zu machen.\nSchulrat:\nSchuldiener! Schuldiener! Hol einer\nsofort den Schuldiener!\nzum Lehrer:\nKollege, sowas in Ihrer Klasse! Ich\nwerde ein Disziplinarverfahren gegen\nSie einleiten!\nLehrer, unterwürfig:\nHerr Schulrat bitte zu bedenken\nder erste Fall! Ein sonst guter\nSchüler! Das erstemal, daß — —\nahnungslos . . .\nSchulrat:\nWollen Sie noch verteidigen? Kein\nWort mehr! Schuldiener, bringen Sie\ndiesen Schüler hinaus und bewachen\nSie ihn, bis ich weitere Anordnungen\ngebe! Ich — Ich — Ich — Ich —\nIch . . .\nInzwischen sind zwei Pappschüler hinaus-\ngeschnellt, der Schuldiener, eine an einer\nsogenannten Nürnberger Schere befestigte\nPappfigur, kommt hereingeschnellt. Der\nSchulrat tanzt aufgeregt zwischen dem\nSchuldiener und dem Lehrer hin und her.\nDer im Publikum sitzende Offizier im Zivil-\nmantel hat sich inzwischen schon durch\nZwischenbemerkungen hörbar gemacht:\n„Blödsinn — — Affentheater — — ab-\ngeschafft werden —Er steht jetzt von\nseinem Platz auf:\nSagen Sie mal, Sie führen uns da\nmitten in eine konfuse Handlung. Wo\nist die Exposition des ganzen Spiels,\ndie richtige Vorstellung der handeln-\nden Personen, die Einführung des\nThemas — wie soll man da einen\nZusammenhang verstehn?\nEleganter Zivilist neben ihm, gleichfalls\naufgestanden:\nEmpörend finde ich dies Vorgehen\ngegen die Gesetze des Theaters. Und\ngar Parteiprogramme . . . von einem\nJungen . . . ebenso unmöglich wie\ndiese Art Schule mit Stock in unserm\nhumanen Zeitalter existiert.\nLehrer ruft hinter die Kulisse:\nHerr Kultusminister! Herr Kultus-\nminister! Ich berufe mich auf den\nErlaß von 1928!\nOffizier:\nWer spielt denn überhaupt hier, spielen\nSie uns was vor oder spielen Sie mit"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2469, "texte": "dem Publikum? Sind Sie vielleicht\nZaungäste einer Zeitgeschichte, aus\nder nur das dazu geborene Genie\nherausfindet? Erwarten Sie von uns,\ndaß wir zu spielen aufhören?\nDer Offizier klirrt mit dem Säbel unter\nseinem Zivilmantel.\nEleganter Zivilist, zündet ungeniert Ziga-\nrette an:\nHahaha, die führen uns Impotenz vor,\nund das Publikum soll das für Wirk-\nlichkeit halten, weil sich Kunst heute\nsowieso nicht halten kann.\nSchulrat, tritt zur Rampe:\nAber ich bitte doch, nun verwechseln\nSie mich, den Schauspieler X, nicht\nmit meinem Autor und meiner Rolle.\nUnd außerdem, vertreten Sie uns doch\npotenter als die Verhältnisse sind!\nStellen Sie Ihr Niveau auf die Bretter!\nZivilist, pustet Zigarettenrauch:\nLächerlich, diese Anmaßung bezahlter\nGrimassen!\nLehrer, entrüstet an die Rampe tretend:\nIn der bürgerlichen Gesellschaft wird\njede menschliche Beziehung auf das\nNiveau barer Zahlung gedrückt!\n2. Arbeiter im Publikum zum 1.:\nSiehste woll, jetz muß er det kommu-\nnistische Manifest zitiern!\nOffizier, nimmt den Zivilisten am Arm,\ngeht mit ihm auf die Bühne zu:\nHier fehlen Männer der Tat, Männer\nder Tradition, Männer, die Geschichte\nmachen, Helden. Es muß was ge-\nschehen, sonst hält man Mensch und\nMensch noch für einerlei!\nEr geht auf die Bühne, zieht Zivilmantel\naus, linke Hand eingestemmt, rechte Hand\nbefehlerisch:\nFort mit dem erzieherischen Gemüse!\nZivil nur soweit zugelassen, als zu\nverwertbaren Ideen fähig . . . Bitte\nsehr, Herr Oberingenieur . . .\nEin Kameramann kommt schnell ange-\nrannt und kurbelt die Diktatorengeste des\nOffiziers, rennt wieder weg. Hinter der\nKulisse Rufe: ~B. Z., der drohende Be-\nlagerungszustand.\" Der elegante Zivilist\ntritt zum Offizier. Kulisse Schule wird\nhochgezogen, die Kulisse eines General-\nstabs am Tische, Offiziere gleichfalls be-\nwegliche Pappfiguren, wird herunter-\ngelassen. Schulrat und Lehrer gehen nach\nbeiden Seiten dienernd ab, setzen sich\nunters Publikum.\nZivilist, zieht Ingenieurzeichnung aus der\nTasche, verbindlich:\nHerr Chef . . .\nDer Offizier tritt als Generalstabschef vor\ndie Offizierskulisse:\nWieviel Menschen könnte man . . .\nIngenieur:\nIn zwei Tagen immerhin eine mittlere\nGroßstadt.\nChef:\nZu lange.\nIngenieur:\nDann aber ratzenkahl.\nChef:\nZu lange, sage ich.\nIngenieur:\nEin Häusermassiv braucht mehrere\nBomben — — Parallelflug — — mit\nGas etwa sechs Stunden . . .\nChef:\nZu lange. Inzwischen Massenflucht\nnach außen.\n1. Offizier klappt hoch:\nGestatte mir einwenden zu dürfen:\nkonzentrisches Vorgehen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2276, "texte": "Ingenieur:\nBedingt Bewegungsfreiheit in der Luft.\nLücken zwischen den Flugzeugen.\nChef:\nErst massenweiser Einsatz, Einkrei-\nsung, Vordringen zur City, staffel-\nweises Ausschalten, ausgeschaltete\nNummern belegen die Fluchtwege.\nIngenieur:\nDann reichten zwei Stunden zur Ver-\nsperrung der Auswege.\n2. Offizier klappt hoch:\nGestatte mir einwenden zu dürfen:\nStadt hat vorher Meldung, natürlich\nmenschenleer.\nChef:\nHäh — Taktik Zerstreuung auf dem\nLande. Wald- und Wiesenunterstände.\nFeind exzentrische Lebensweise. Wirk-\nsamer, Herr Oberingenieur!\n3. Offizier klappt hoch:\nGestatte fragen zu dürfen: und Muni-\ntionszentren?\nIngenieur:\nDurch Todstrahlen gesichert.\nChef:\nDann können ebenso Stadtzentren ge-\nsichert werden. Angriff auf Zentren\nüberhaupt sinnlos.\nIngenieur:\nWas aber ist nicht zentrisch organi-\nsiert?\nChef, aufspringend, alle Offiziere klappen\nmit hoch:\nFeindliche Gehirne! Gedanken! Fun-\nken ja in unsere eigenen Reihen,\ntauchen auf, wohin die Kerls sich\ndesorganisieren. Gehirne gründlich\nbelegen!\nOffiziere einstimmig, langgedehnt:\nWoooooooooomiiiiit?\nDer Reformengel, Pappfigur, Hemd und\nFlügel beklebt mit Aufschriften: Genf,\nLocarno, Kollegpakt, 11. Internationale,\nPazifismus, Völkerbund usw., tritt auf.\nReformengel:\nAufbaugedanke auf dem Boden der\nRealpolitik — — friedliche Durch-\ndringung — — Verwachsen mit dem\nStaat — — — — —\nChef:\nHerr, wir sind brotlos, wo kein Haß\nnach Ordnung schreit! Und dann:\nwas soll die abgeschmackte Erschei-\nnung !\nReformengel, mit Augurengrinsen:\nWird schon schreien. Außerdem: ich\nerscheine stets zur rechten Zeit und\nerscheine so, wie ich wirken muß.\nFriedliche Reformen und Verträge\nlenken berechtigten Haß auf Störer\nin der Minderheit, sie dezimieren den\nAufruhr vor dem Ausbruch. Wir\nmüssen Zeit gewinnen.\nChef:\nWir haben keine Zeit zu verlieren!\nWie lange kann sich Ihr Reformdusel-\napparat noch halten? Was geben Sie\nfür Garantie?\nReformengel:\nDie Mechanik der Gewöhnung. Die\nErziehung guter Gesinnung durch er-\nträgliche Verhältnisse. Das Belegen\nder Gehirne mit . . .\nChef:\nNa, seien wir offen: Glauben.\nNeben der Offizierskulisse erscheint einen\nMoment die Pappfigur eines Prälaten. Der\nReformengel begrüßt ihn mit der Palme.\nReformengel:\nJa, aber der Glaube, der heute allein\nnoch im Weltmaßstabe zieht, ist der"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2562, "texte": "Sozialismus. Daher die Botschaft:\nwir sind mitten drin, wir wachsen\nhinein. Und aus dem Glauben . . .\nChef:\nSie wollen sagen oder vielmehr, Sie\ndenken, aber Sie sagen nicht: mit dem\nAppetit wächst der Hunger bei den\nMassen. Ihr Gepredige vom Sozialis-\nmus wird uns beseitigen wollen, auch\nwenn wir das Rattennest im Osten\nhaben. Aber hüten Sie sich! Denken\nSie an unser historisches Zusammen-\narbeiten . . .\nReformengel:\nMeine Herren! Das Dasein des Mili-\ntärs ist Ergebnis dreier ungelöster\nFragen: Wie verwenden wir Ueber-\nschuß an Menschenenergie? Wie er-\nzielen wir Auslese? Wie ändern wir\nbestehende Verhältnisse? Der Re-\nformismus läßt die Wurzeln dieser\nFragen unangetastet und betreut die\nBlüten.\nIngenieur:\nVerstehe Sie nicht.\n£\n1. Offizier im Sitzen:\nWir dürfen auch nicht verstehn.\n2. Offizier im Sitzen:\nSoldat ist nicht zum Diskutieren da.\nChef:\nZweck Ihrer Rede?\nReformengel:\nWir sprechen uns wieder bei der\nnächsten Regierungsbildung!\nDer Reformengel geht zur Seite, General-\nstabschef wendet sich wieder der Sitzung\nzu:\nAlso, wieviel Menschen könnte man ...\nPappfigur Reformengel wird hochgezogen,\ndahinter Minister im Frack, desselbe Ge-\nsicht blickt durch den Kopfausschnitt. Die\nbeiden Arbeiter aus dem Publikum klettern\npolternd auf die Bühne.\n2. Arbeiter:\nNa, nu Schluß mit dem ewigen Dreh!\n1. Arbeiter:\nIs ja Quatsch! Noch sind die sozia-\nlistischen Parteien stark genug und\ndie Waffe des Generalstreiks . . .\nKulisse Generalstabssitzung flitzt hoch,\nChef rasch zum Reformminister, verhan-\ndelt flüsternd, Ingenieur zur Seite an ein\nTelefon, nimmt Hörer ab, ruft hinein:\nTeno! Teno!, redet dann stumm, gesti-\nkulierend weiter.\n1. Arbeiter zum Reformminister:\nHerr Genosse Minister!\nGeneralstabschef verschwindet, Pappfigur\nMinister im Frack wird hochgezogen, da-\nhinter Gesellschaftsanzug, gleiches Gesicht.\nGenosse Parteivorstand!\nPappfigur Vorstand im Gesellschaftsanzug\nhoch, dahinter Straßenanzug.\nGenosse Gewerkschaftssekretär!\nPappfigur Gewerkschaftssekretär hoch,\ndahinter Arbeiter mit Stehkragen.\nMensch — Kollege —nu machn Punkt\nmit die Chamäleonswitze. Espedeh is\ndoch keen Varjeteh. Also, was ich\nsagen wollte, wat solln die Verhand-\nlungen mit der Reaktion in Militär\nun Zivil. Ick versteh von dem Zauber\nbloß so viel, det hier wat gespielt\nwird.\nReformist im Stehkragen:\nSehn Sie, Genosse, da kommen wir\naus dem Theater mitten in die Wirk-\nlichkeit. Das, lieber Genosse, ist ja\ndas Wesen der Politik in der Kunst,\nVerzeihung, der Kunst in der Politik,\ndaß das Theater ein Extrakt der Wirk-\nlichkeit ist, so wie die Wirklichkeit"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2532, "texte": "als Extrakt des Theaters sich ent-\nwickelt, das wir in Verhandlungen\neinschlagen müssen, um den Inter-\nessen der Klasse, die wir vertreten,\nzu dienen. Verstehen Sie?\n1. Arbeiter:\nWa . . .\nReformist:\nNun, wenn Sie auch nicht gleich ver-\nstehen, die in Aussicht stehenden Bil-\ndungsreformen werden das in viel\nbreitere Massen tragen. Die fort-\ngeschrittene Form des Marxismus. . .\n2. Arbeiter dazwischen:\nhockt als Schlichter beim Frühstück\nder Unternehmer und quittiert die\nAussperrungen, bewilligt als Minister\nPanzerkreuzer und Gaswaffen, ver-\nhandelt als Staatssekretär gegen den\nStaat der Sowjets, schenkt als Rechts-\nausschuß den entlaufenen Fürsten\nMillionen und den Femeleutnants\nPässe und Freifahrtscheine, organi-\nsiert als Heimatschutz den Arbeiter-\nmord . . .\n1. Arbeiter packt seinen Arm:\nHalt, keene Wahlreden. Kennen wa.\nDie Liste der Schlagwörter läßt sich\nbeliebig verlängern, wenn man die\nDinge so ansehn will. Wer eben alles\nübers Knie bricht und keinen guten\nWillen zur aufbauenden Reform zeigt..\nDer Reformist benutzt den Moment, zum\nIngenieur zu entwischen, mit dem er leise\nverhandelt, während die Pappfiguren in\nder Reihe Straßenanzug, Gesellschafts-\nanzug, Frack wieder heruntergelassen\nwerden.\n2. Arbeiter schüttelt den 1. ab:\nKlassenvieh ohne Klassenbewußtsein!\nIhr macht alles vom guten Willen ab-\nhängig, und der gute Wille wird durch\nganz andere Dinge bestimmt! Durch\n. das Wollenmüssen!\nzeigt auf den Reformminister:\nMerkst du nichts?\n1. Arbeiter sieht hin, eine Riesenbrille mit\nder Aufschrift „Vorwärts\" senkt sich vor\nseine Augen:\nIch sehe den Genossen um höhere\nLöhne verhandeln.\nPappfigur des Prälaten erscheint kurz,\nschwenkt Weihrauchkessel zu ihm:\nGlaube, mein Sohn! Der Glaube ver-\nsetzt Berge!\n2. Arbeiter winkt ab:\nMag sin, aber das Leihhaus für sone\nWunder is geschlossen. Das Pfand-\nsystem der Dummheit hat im Prole-\ntariat keinen Platz mehr!\n1. Arbeiter:\nWorauf sollen wir als aufsteigende\nKlasse aber bauen, wenn nich auf den\nguten Willen? Soll man nich erst den\nWillen zum Sozialismus allmählich\nentwickeln?\n2. Arbeiter:\nAllmählich und aus freien Stücken\nsolln die Nutznießer abdanken?\nzeigt auf die Gruppe Reformist-Ingenieur:\nMensch, merkst du noch immer keen\nDunst? Der Schnitt ist da, wo der\nBizeps gekauft und der Brägen käuf-\nlich gehalten wird. Die Zwangslage\nhier und drüben von de Barrikade\ngibt die Richtung zum Handeln. Gibts\nVersöhnung im Interessengegensatz?\nMuß der Unternehmer nich deine\nArbeitskraft so billig wie möglich und\ndu deine Haut so teuer wie möglich\nverkaufen?"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2558, "texte": "1. Arbeiter:\nJa, aber der Unternehmer organisiert\ndie Arbeit und muß sie schließlich\nin so großem Maßstab organisieren,\ndaß wir im Sozialismus drin sind.\nWir haben zuletzt bloß noch n ein-\nziges Unternehmen mit einem Kapi-\ntalisten, und den setzen wir ab . . .\n2. Arbeiter:\nDer Unternehmer organisiert seinen\nProfit, seine Klasse organisiert ihren\nProfit nach dem Maßstab der Ueber-\nvorteilung. Darin liegt das Wollen-\nmüssen, un jede Reform isn Ventil,\ndurch das ihr nach Güte schnappt, um\nnich die Organisation der Ausnutzung\nzu begreifen und mit Organisation\nder Arbeit zu verwechseln. Woher\ndie Krisen? Die Preistreiberei? Die\nKonzerne und ihre steigenden Macht-\nkonflikte, die die „nationalen Belange\"\nals Vorspann nehmen? Die Kriege?\nWenn ihr den Schnitt seht und durch\nUeberredung schließen wollt, dann\nschaufelt neue Massengräber!\nPappfigur des Prälaten erscheint wieder:\nKatastrophen sind von Gott gewollt!\nDie Unzufriedenheit und der Un-\nglaube der Menschen schaffen die\nKatastrophen.\nOffizier mit Sipokette rückt an, die\nPrälatenfigur segnet die vorgehaltenen\nGummiknüppel und verschwindet.\nOffizier:\nAuseinandergehn! Massenansammhm-\ngen auf der Straße sind verboten!\n2. Arbeiter:\nMassen? Wo sehn Sie Massen?\nOffizier:\nAber Vertreter der Massen! Ausein-\nander!\n2. Arbeiter hält Faust entgegen. 1. Arbeiter\nzum Reformminister, der hinter der Sipo-\nkette steht:\nHerr Genosse! Sie wollten mir Aus-\nkunft geben! Wozu warn die Ver-\nhandlungen?\nReformminister:\nGleich, gleich, lieber Genosse, sobald\ndie Ruhe wieder hergestellt ist. Treten\nSie inzwischen in die technische Not-\nhilfe ein, zum Schutze der lebens-\nwichtigen Betriebe . . .\nVon links Arbeitermassen mit Rufen:\n„Alarm! Generalstreik!\" Von rechts\nPolizei, Rechtsorganisationen mit Rufen:\n„Knüppel raus! Waffenausgabe!\" Parteien\nstehen sich einen Augenblick stumm\ngegenüber.\n2. Bürger aus dem Publikum:\nHerr Direktor, wir wollen ein ordent-\nliches Stück sehen oder unser Geld\nzurück! Wir wollen für unser Geld\nwas andres wie Programmreden und\nDemonstrationen nach Hause nehmen.\nZeigen Sie einen Helden, eine Ent-\nwicklung, einen Konfliktknoten und\nseine Lösung, einen psychologischen\nEinblick, ein greifbares Milieu, eine\ninteressante Situation . . .\n1. Bürger:\nEine Frau vor allen Dingen! Dramatik\nohne Liebe ist Zechprellerei. Und\nwenn schon, Herr Direktor! Wenn\nschon ein politisches Stück, wenn\nschon deutsche Gegenwart, dann den\nHelden dieser Gegenwart, den Retter ..\nDer Direktor erscheint auf der Bühne:\nAlso zurück in die Ankleideräume, die\nGagen werden heute zur Hälfte ge-\nstrichen."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2082, "texte": "zum Publikum:\nSehr geehrte Damen und Herren, ich\nmuß bedauern, der Held ist noch\nnicht fertig.\nDie Schauspieler verlassen die Bühne. Aus\ndem Publikum Protestrufe. Die beiden\nBürger: Unser Geld! Unser Geld!\nDirektor:\nAber gedulden Sie sich doch einen\nAugenblick! Wir können ja mal\nsehen.\nDie Hinterwand der Bühne klappt auf.\nMöbliertes Zimmer. Junger Mann, mit\nHose und Hemd bekleidet, Aermel auf-\ngekrempelt, beim Waschen. Er stößt den\neisernen Waschständer um, flucht, hebt\nSchüssel auf, geht um die Pfütze herum,\ngießt neues Wasser ein, fängt wieder an,\nsich zu waschen. Die Tür vom Kleider-\nschrank geht auf, der junge Mann schließt\nsie und wäscht sich weiter.\nDirektor stampft mit dem Fuß auf:\nFertig?\nDer junge Mann:\nIch möchte . . .\nDirektor:\nLieber Herr, das steht hier gar nicht\nzur Diskussion, was Sie möchten.\nWas Sie sind und können, interessiert\nvielleicht, aber eigentlich geht das\nnur Sie selber und Ihre nicht an-\nwesende Dame an. Sie haben fertig\nzu sein für alle!\nDer junge Mann:\nErlauben Sie mal, sind wir hier im\nTheater oder in der Kaserne?\nDirektor:\nSie haben den Kunstfimmel, junger\nMann. Sie sind auf der Erde.\nDie Schranktür springt auf, der junge\nMann schließt sie wieder und wäscht sich\nweiter.\nDirektor:\nWas sagt das schon, was Sie zu sein\nglauben. Ziehn Sie sich lieber rasch an.\nDer junge Mann trocknet ab, zieht sich\nan, knöpft die Weste verkehrt, muß sie\nwieder aufknöpfen, findet seine Rockärrnel\nnicht, die Schranktür springt wieder auf\nund wird geschlossen. Endlich ist er\nfertig, der Aufhänger sieht ihm zum\nKragen heraus.\nDer junge Mann:\nIch möchte aber doch vorher . . .\nDirektor, stopft dem jungen Mann den\nAufhänger hinein, schiebt ihn zur Tür\nheraus:\n• Schluß, Schluß. Halten Sie die Augen\noffen und helfen Sie sich weiter.\nDie Schranktür springt wieder auf, bleibt\noffen stehen.\n1. Bürger im Publikum:\nAber Sie schicken ihn ja auf die\nStraße!\n2. Bürger:\nNicht mal vorgestellt haben Sie ihn!\nDirektor:\nMeine Damen und Herren, es ist\nnicht anders. Der Held der Gegen-\nwart geht auf der Straße und hat\nkeinen Namen. Er ist der Mensch der\nMasse."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c004", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "53", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.3.1", "titre_corps": "Komposition", "titre_sommaire": "Komposition", "signature_source": "Hugo Scheiber", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Hugo Scheiber: Komposition"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c005", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "61", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.4", "titre_corps": "Gemälde", "titre_sommaire": "Gemälde", "signature_source": "Nico Phirosmanichvily", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 39, "texte": "Nico Phirosmanichvily (Tiflis): Gemälde"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c006", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "64", "image_debut": 18, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.5", "titre_corps": "Das Märchen vom neuen Künstler", "titre_sommaire": "Das Märchen vom neuen Künstler", "signature_source": "Walter Seidl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2625, "texte": "Das Märchen vom neuen Künstler\nWalter Seidl\nDer neue Künstler stand endlich vor der\nallmächtigen Königin.\nIhre Fülle, von krachender Seide mühsam\nzusammengehalten, zerfloß auf dem er-\nhöhten prunkvollen Thron. Der war nicht\nvon edelstem Geschmack. Denn sie war\nerst vor kurzem zum Range der Königin\nemporgeraten. — Sie stank nach läufigen\nKatzen. Wangen und Lippen traten in\nunnatürlichem Karmin aus ihrem ruinierten\nbleichbestaubten Antlitz. Wuchtiger als\ndie Platinsäulen, die den königlichen Sitz\ntrugen, lasteten ihre unwahrscheinlichen\nBeine auf dem azurblauen Teppich. Die\nKnie, wie Sonnen darüber, gingen in\nmassige Schenkel über, für die Untertanen\nnoch sichtbar. In der Linken den Punkt-\nroller, in der Rechten die güldene Puder-\ndose, regierte sie launenhaft und tyran-\nnisch. Um sie herumgestellt ihr Gefolge:\ndie Hauptaktionäre beherrschender Unter-\nnehmungen.\nAus hängenden, schattigen Tränensäcken\nerfaßten die belladonnadurchglühten\nAugen der Königin des Künstlers elende\nGestalt zu ihren Füßen, seine verkommene\nPhysiognomie:\n„Wir haben deine Erscheinung beschworen.\nMan soll Uns nicht nachsagen, Wir hätten\nfür Künste keinen Sinn! Unser Leib-\npediceur ist dein Freund, er hat für dich\ngesprochen. Wir wollen versuchen, dir\naufzuhelfen. Was kannst du?\"\nErschöpft von dieser langen Rede und\nohne Atem fiel die Königin an die Thron-\nlehne zurück. Der Künstler wollte zu\nsprechen anheben, hundert Hände machten\nihm Zeichen, daß er warte. Der Dekan\nder medizinischen Fakultät und Ueber-\nwirklich Geheimer Medizinalrat stach ihr\nmit einer Spritze in den Schenkel.\n„Sprich!\" — röchelte endlich die Königin.\n„Kurz und präzise!\" setzte der Zentral-\ndirektor ihres Hauses flüsternd hinzu.\n„Erhabene Herrscherin —\", begann ver-\nwirrt der Künstler, ,,— mächtige Herren!\nIch habe mein Werk in Dunkelheit und\nVerlassenheit geschaffen. Das Dunkel\nund die Verlassenheit töten mich jetzt,\nda es fertigsteht. Helft mir ans Licht!\nKennt mein Werk und wertet es! Ihr\nwerdet reicher an ihm werden!\"\nEinige Bewegung rann bei seinen letzten\nWorten in die Reihen der Höflinge:\n„Phantast, sag ich Ihnen! — Was heißt!\nWissen Sie? — Bittsi! — Versuch —\nrationelle Organisation — Versuchen Sie!\nIch nicht. — Könnte man!—vorsichtig—\"\nDie Königin erhob Schweigen gebietend\nden Punktroller:\n„Welche Branche betreibst du, Künstler?\"\n„Königin! Ich fühle so viel, was euch\nverborgen bleibt. Das alles gestalte ich.\"\n„Zum Beispiel?\"\n„Die Blumen der seltsamsten Träume sind\nin meinem Werk —\"\n„Blumen sind schlecht.\"\n„Mein Werk, o Königin, spricht eben-\ndiesen Gedanken aus!\"\nDer Zentraldirektor machte auf seiner\nStirn dem Künstler ein Zeichen:"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2876, "texte": "„Die Königin meint, daß Blumen ein\nschlechtgehender Artikel sind!\"\nDer Künstler errötete leicht:\n„Verzeiht, hohe Frau! Ich verstand Euch\nnicht gleich. Die Blumen tiefstinnerer\nEmpfindungen sind es, die ich —\"\nWiederum brach Geflüster aus den Scharen\nder Höflinge:\n„Empfindungen, sagt er? — Empfindungen\nsind gut, sag ich Ihnen! — Was heißt\nRisiko? — Heute empfindet alles. — Sie\nnicht? — Ich auch nicht. — Lächerlich! —\nKonjunktur —\"\nAbermals erhob die Königin den Punkt-\nroller:\n„Meinst du die Liebe, Künstler?\"\nDa erstrahlte des Künstlers Auge:\n„Gewiß, Königin! Auch die Liebe ist\ndarin, in all ihren Höhen und ihren —\"\n„Was heißt Höhen? Arbeitest du etwa\nin Idealen? Hahahahaha -— ohahaha!\"\nUnd die Königin erstickte blaurot an einem\nLachkrampf. Man mußte ihr wieder in\nden Schenkel stechen. Die Höflinge unter-\nhielten sich schon ganz ungeniert:\n„Was sagen Sie jetzt? — In Idealen\nmacht er, was hab ich Ihnen gesagt?! —\nHaben Sie jetzt nocff Kurasch? — Was?\nAufmachung? Nutzt nichts! Ihnen ge-\nsagt, Sie sind ein unverbesserlicher\nIdealist!\"\n„Kusch!\" — rief, zu sich kommend, die\nKönigin. „Er soll noch ein bißl reden,\ndas ist ja zum Schießen!\"\nDas Antlitz des Künstlers hatte sich\ndunkel gefärbt, sein Auge glomm:\n„Wer wagt zu behaupten, daß ich Ideale\nhabe? Nämlich solche, die ihr mit Recht,\nwenngleich frech belächelt! Die Blumen\nder dunkelsten, wahnsinnigsten Laster sind\nin meinen Träumen — und diese Träume\nsind mein Werk. Auch eure Roheit ist\ndarin noch weit überboten!\"\nDa prallten die Meinungen der Höflinge\nhart aneinander:\n„Sagen Sie jetzt noch was dagegen. Sie\nPessimist! Haben Sie gehört? Laster!\nRoheit! — No, wenn das nicht gehen\nsollte — ? — Steigen S i e ein, Sie Optimist,\nich geh zur Kontermine. — Gemacht! —\nKommen Sie aber nicht zu mir, wenn\nSie ruiniert sind! — Bittsi! Bomben-\nsichere Sache! — Wahnsinn! Sie legen\nsich hinein, sag ich Ihnen! — Wern Sie\nsehn, daß nicht! — Er macht's! Er\nmacht's nicht — Gerede! — Er macht's!\nGratuliere! Ausgerechnet auf die Kunst\nwarten sie mit die Laster! — No wern\nSie sich überzeugen! — In Laster mach\nich mit! — Ich auch! — Gerede! Da\nmach ich noch lieber in Ideale! — Ideale\nsteig ich aus! — Ideale geh ich mit! —\nMit Ideale blamieren Sie sich, kommen\nSie mit in Laster! — Nichts zu wollen! —\nIdeale! — Laster! — Laster! — Roheit!\nIdeale! — Nichts zu machen, lassen Sie\nsich sagen! — In Ideale? — Nein, in\nLaster! — In Laster meinen Sie, ja? —\nAuch nicht! — In gor nichts also? — In\ngornichts! — Also gut, dann in gor-\nnichts! — Doch! In Waffenstahl! —\nGlauben Sie? — Bittsi. Waffenstahl is\nprimissima! — Waffenstahl hat er ge-\nsagt? — 5000 Waffenstahl nehm ich! —\nSehn Sie zu, wo Sie sie herbekommen,\nSie Idealist! . . .\"\nAngstvoll hatte der Künstler den Reden\nund Gegenreden zugehört, die über sein\nSein entschieden. Als er nun sah, daß\nman ihn aufgab, stürzte er mit verzerrtem\nGesicht auf die Knie nieder:"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1664, "texte": "„Erhabenste Majestät! Erlauchteste Her-\nren! Schickt mich nicht fort! Ich kann\nnicht im Dunkel bleiben! Ich kann nicht!\nUnd ohne euch gelange ich nicht ans\nLicht! Was sage ich — ihr selbst seid ja\ndas Licht! — Hört, noch habe ich etwas\nLeben in mir! Ich will meinem bisherigen\nWerk absagen, ich schaffe ein neues!\nAber laßt mich nur nicht im Dunkel! Ihr\nbraucht nur zu sagen, was ihr wollt!\nSchimmerndste Reinheit wird es sein oder\nStröme von Schmutz, was ihr wollt!\nMacht es doch! Ich will ein Werk über\nden Waffenstahl schaffen, hört ihr?\"\n„Waffenstahl ist gut ohne Ihnen!\"\n„Was wollt ihr also? Was ist gut?\"\n„G o r n i x !!\"\nDa verbarg der Künstler, wie gefällt, sein\nHaupt in den Händen.\nDie Königin betrachtete ihn lange. Dann\nsagte sie milde:\nr\n„Werft ihn hinaus! Ich kann sein Leid\nnicht mitansehen.\"\nIn diesem Augenblick trat die Tochter\nder Königin in den Saal. Ueberschlank,\nHerrenfrisur, Smokingrock, frecher Gang.\n— Die Herren richteten an ihren Kra-\nvatten. Umringten sie huldigend. Aus den\nAugen der königlichen Mutter schoß ein\nböser Blick auf die Prinzessin.\nDer Dichter erhob sich aus dem Staube,\nneigte sich zum Ohre der Königin. Er\nwar bleich bis in die Lippen:\n„Herrin! Seht jetzt, wie hoch der Künstler\nüber jenen steht, die an diesem häßlichen\nMädchen mit dem Körper eines dürren\nStockes Gefallen finden! Die Sinne des\nKünstlers, da sie feiner sind, entzünden\nsich allein an monumentalen Formen des\nWeibes. O Kö—önigin!\"\nVon diesem Tage an lebte der Künstler\nallseits geachtet im Palaste der Königin.\nEr schuf dort, was ihm Freude machte.\nDenn niemand kümmerte sich um seine\nWerke. Aber wenn er noch nicht ge-\nstorben ist, lebt er noch heute."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c007", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "65", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.6", "titre_corps": "Schwer-Leicht-Komposition", "titre_sommaire": "Schwer-Leicht-Komposition", "signature_source": "Carl Buchheister", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 44, "texte": "Carl Buchheister: Schwer-Leicht-\nKomposition"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c008", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "66", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.7", "titre_corps": "Opus 27", "titre_sommaire": "Opus 27", "signature_source": "Alexander Toufanoff / Leningrad", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 385, "texte": "Opus 27\nAlexander Toufanoff / Leningrad\nTjun'ini ten'at\nPotomstenejut\nN'et'ät polneba\nKudaitti\nO Sten'ka Räzin\nFs'okosten'eet\nPut'idozögi\nTutnenajti.\nVal'is' vu§küi\nRebjäta räzom\nSestämi fstenn\nValilomäj\nKrajühn neba\nUhskräsnim gläzom\nPoslipodäle\nRastin'tunmät'.\nTarän' ftjun'ini\nKat'is' v Zadv'i'nje\nAto ostines\nFtemi netin\nNam tesnotömm\nGde net'i tinjat\nUhtzahnem tjüti\nMat'ftinleti."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c009", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "66", "page_fin": "67", "image_debut": 22, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.8", "titre_corps": "Krüppel", "titre_sommaire": "Krüppel", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.22", "debut_caractere": 387, "fin_caractere_exclue": 1080, "texte": "Krüppel\n\nEine helle Stimme hallt durch weite Hallen.\nZwei gesunde Füße marschieren auf glän-\nzenden Fliesen. Ein voller Körper wiegt\nsich graziös auf ihnen. Graue Locken\nfallen auf ein rundes Kindergesicht mit\nstrahlenden Augen. Zwei Arme weit ge-\nöffnet, aufzunehmen. Aus weißen Türen\nkriechen lachend auf Stümpfen Beinlose.\nEin einarmiges Mädchen schlingt den\nanderen Arm freudig um die Hüfte. Zwei\nhandlose Arme eines Jungen ergreifen die\ngeöffnete Hand. Ein Buckel preßt sich\nan die breite Schulter. Ein liegendes Kind\nschiebt sich glücklich, mit einem vier-\nrädrigen Wagen verbunden, zwischen die\nFüße. Ein Mädchen reckt träumerisch den\nKopf ohne Hals zu den leuchtenden Augen\ndes Mannes."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2721, "texte": "Würtz, der Erziehungsdirektor des Oskar-\nHelene-Heims zu Berlin-Dahlem.\nDas ist ein Leben. Eine Verwachsenheit\nVerwachsener mit einem erwachsenen\nKind. Ein Direktor ohne Haltung. Ein\nHalt der Verhaltenen. Auf den freudigen\nRuf seiner Lebensenergie laufen Beinlose\nund klettern Armlose. Er läßt ihnen nicht\nnur Prothesen geben, er gibt den Pro-\nthesen das Leben. Aus Mißgeburten\nwachsen durch Energie und Lust voll-\nendete Menschen. Das Fehlen des Fußes\nerzwingt den Fußballspieler. Das Fehlen\ndes Armes den Tennissportsmann. Das\nFehlen der Hände den Saxophonisten.\nUnd vor den Freuden des Sports und der\nKunst wird gehämmert, geschlossert, ge-\nschneidert, geflochten. Prothesen er-\nzeugte man sich selbst an Maschinen. Das\nQuartett der Krüppel studiert Hindemith,\ndie literarische Gruppe beschäftigt sich\nmit Heinrich Mann und das Orchester der\nKrüppel macht Jazzmusik.\nUnd zur beschaulichen Anschauung zeigt\ndas Museum den unglücklichen Glück-\nlichen dieses Heims die Menschen, die\nüber ihre Gebrechen hinweg Leben und\nMenschen besiegten. Napoleon, Beethoven,\nLenin, Kant, Rosa Luxemburg. Und\nweitere Tausend, die, Gebrochene, den\nGesunden halfen. Das Museum zeigt das\nUnverständnis und den Aberglauben der\ngebildeten und ungebildeten Menschheit\ndurch Jahrhunderte. Bis auf die herrliche\nGegenwart. Auch heute hält man einen\ngeschenkten Leierkasten noch als aus-\nreichenden Ersatz für vergebliches oder\nungewolltes Heldentum im Weltkriege.\nAuch heute werden Krüppel noch mit\nLustbarkeitssteuer zur Schaustellung aus-\ngebeutet.\nHier aber, im Oskar-Helene-Heim, waltet\nder gesunde Geist des Lebensfrohen in\nungesunden Körpern. Er nimmt mit\nseiner Tat der Gemeinschaft die Aus-\ngestoßenen in das Leben auf. Er schließt\nsie zusammen und schließt sie von der\nunsozialen Menschheit ab, die sich von\nihnen abschließt oder sie geistig und\nseelisch vernichtet. Die Minderung des\nKörpers scheint dem Krüppel hier nur\nzum Zweck der Mehrung der Leistung\nvorhanden. Eine Steigerung des Lebens-\ngefühls. Eine Freude, nicht ein Leid.\nLiier wird das Unzulängliche wirkliches\nEreignis.\nWürtz vollbringt keine Wunder, aber\nTaten. Er läßt nicht aufstehen und wan-\ndeln, weil man an ihn glaubt. Man steht\nauf und man wandelt, weil man an sich\nglaubt. Er nimmt den Krüppel die grund-\nlose Scham, in die die Gesunden sie un-\nverschämt treiben. Er beweist den\nKrüppeln durch ihr Tun, daß ihnen nichts\nfehlt, was ihnen auch fehlen mag. Das\nist Menschlichkeit. Das ist Ethik. Die\nWunder haben nie funktioniert. Die Funk-\ntionen funktionieren.\nWürtz.\nHier ist ein Mensch. Und ohne Leiden:\nEcce homo.\nDas Oskar-Helene-Heim für Krüppelfür-\nsorge wurde von Professor Biesalski\ngegründet und wird noch heute ärztlich\nvon ihm geleitet\n\nHerwarth Walden"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c010", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "68", "page_fin": "72", "image_debut": 24, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.9", "titre_corps": "Variation über ein Thema der Wesendonck", "titre_sommaire": "Variation über ein Thema der Wesendonck", "signature_source": "Walter Seidl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2479, "texte": "Variation über ein Thema der Wesendonck\nWalter Seidl\n„Vieles im menschlichen Leben ist dem\nVergessen geweiht. Weniges nur ist un-\nvergeßlich, aber nach diesem „Wenigen\"\nbestimmt sich zuletzt der Wert des Da-\nseins überhaupt.\"\nEin junges Mädchen, das die Violine\nspielte — so, daß es bei Gounods Ave\nMaria aus dem Takt geriet — vor „Tschi-\nnesen\" Furcht hatte und bei kurzgeschnit-\ntenem Haar rückwärts einen dicken Schopf.\nEin entzückend unwirkliches Wesen, hin-\ndämmernd und sanft. Und aus sehr, sehr\nguter Familie.\nMit siebzehn Jahren machte es guten Be-\nkannten gegenüber kein Hehl daraus, daß\ndas Los eines Mädchens, das seinen guten\nEltern keinen Kummer bereiten möchte,\nhart und langweilig sei. Und daß es ganz\nallein in die große Stadt möchte . . . Die\nMedizin erlernen.\nSeine Eltern, die es sehr liebten, aber am\nLande wohnten, fanden es — einstweilen\nwenigstens — hierzu noch zu jung und\nließen es lediglich in einer Provinzstadt,\nbei der Tante gut aufgehoben, Sprachen\nstudieren.\nMit zwanzig Jahren fand es sich endlich\nam Ziel seiner Wünsche. In der Haupt-\nstadt nämlich. Und im Seziersaal. Wo\nes erbrach. Aber das ging vorüber.\nUnter seinen Kollegen waren viele Tschi-\nnesen. Und selbst jene, die das nicht\nwaren, bekamen, sobald sie sich aus-\ngehungert dem reizend blühenden Mäd-\nchen gegenüber fanden, den gewissen\ngeschlitzten Blick, der es erschreckte und\nabhielt . . . Nun ja, was weiß man schließ-\nlich auch Bestimmtes von diesen düsteren\nmännlichen Existenzen! Vielleicht ist der\nda . . . na, wie heißt denn das gleich?\nOder aber . . . Ach, und was es da\nnoch alles an scheußlichen Gefahren für\nein unbescholtenes Mädchen gibt!\nDoch anderseits nur golden bebrillte\nGreise, Bücher, Leichen?! Für einen\nsüßen Fratzen, dem es möglich war, bei\nGounods Ave Maria aus dem Takt zu\ngeraten! Und auf dessen Nacken ein\ndicker Haarschopf lastete! Wozu hatte es\n(das Mädchen) ihn denn dann eigentlich?\nDen Haarschopf! —\nEin Tag kam, da ging ER vorüber. Also,\nein Ueber-Tschinese! Und unter Um-\nständen ihr Schicksal . . .\nEs aber spürte ihn nicht . . .\nStatt dessen vermählte es sich und bekam\nKinder. Von einem durchaus vertrauen-\nerweckenden Europäer.\nDie Kinder hatten sonderbarerweise ge-\nschlitzte Augen.\nSchließlich, mit vierundsechzig Jahren auf\ndem Totenbette, dachte es plötzlich laut\nvor sich hin: „Weniges Unvergeß-\nliche !\"\nDie ergriffen um es herumversammelte\nFamilie glaubte es zu verstehen und\nfragte beflissen, ob es vielleicht ein Glas\nWasser wolle —• ? —"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c011", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "72", "page_fin": "72", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.28", "titre_corps": "Tätigkeit nicht mehr recht umstellen. 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Selterwasser mit allen möglichen\nFruchtessenzen, das Glas für 5 Kopeken, und\nallerlei Zuckerwerk. Das Getränk wird aus\neinem geheimnisvollen Ständer mit gradierten\nRetorten und Nickelbeschlag gemixt. Auch\ngroße Portionen Speiseeis, schon für 5 Kopeken,\nsind begehrenswert. Das heutige Stadtgespräch\nsind die Onkel aus Amerika. Sie gibt es\nwirklich, während sie in Europa nur auf dem\nTheater vorhanden sind. Aus jeder Kleinstadt\nsind märchenhaft viele Einwohner nach Amerika\nausgewandert. Sie vergessen ihre Heimat\nnicht, werden auf märchenhafte Weise reich,\nkommen selbst als Gents zu Besuch oder\nschicken Liebesgaben. Diesmal haben die Onkel\ngleich 13 Kisten voll Kleider, Schuhe und\nWäsche zur Verteilung an die Armen gestiftet.\nAuch hier macht man zunächst das, was man\nüberall tut: man wählt eine Kommission. Es\nwird ausgepackt, geschätzt und geordnet. Räume\nsind für solche Kisten nicht gebaut. Sie lagern,\nvon zahllosen Kindern bestaunt, auf der Straße,\nwährend die Kommission im kleinen, leeren\nLaden die Qualität der amerikanischen Kon-\nfektion bewundert. Wenn die beschenkten Klein-\nstädter erst die Taylor mades, die Breeches, die\npelzbesetzten Damenmäntel, die Herrenulsters,\ndie Autoshawls, die Sporthemden tragen werden,\nwird die Verwechslung mit New-York City\nnicht mehr zu vermeiden sein. Geigenklänge.\nEhrfürchtige Versammlung. Der Greis spielt\nselbstkomponierte Walzer. Ein kleines Mädchen\naber behauptet, es wäre das Lied von zwei\nRosen und einem Rosenmund. Auf Fragen\nerklärt der Komponist, er habe sich, wie alle\ngroßen Meister, an den Rosenmund angelehnt.\nEr spricht deutsch und ist mit dieser Zeit böse,\ndie keinen Sinn mehr für das Konzert von\nBeriot habe. Früher. Die Schwester des Zaren\nhat sich sogar mit ihm photographieren lassen.\nSo entzückt war sie von ihm und Beriot. Und\nhat ihm zur Erinnerung und zur Ehrung einen\nalten Militärrockknopf mit echtem Monogramm\ndes Zaren geschenkt. Der Knopf schließt das\nbescheidene Tuchetui der Geige. Der Achtzig-\njährige hat nur noch den einen Wunsch,\nseine Kompositionen in Berlin zu verlegen. Er\nist jederzeit bereit, die Melodien aufzuschreiben.\nAuch die Kleinstadt wird industrialisiert. Die\nerste Fabrik ist vorhanden. Produktion von\nMarmeladen, Pflaumenmus und Kartoffelmehl.\nFast 200 Arbeitslose sind untergebracht. Die\nFabrik arbeitet für Export nach Deutschland.\nDer Meister beschwert sich bitter, daß man\nihnen für die teuere Valuta ganz veraltete\nMaschinen in Berlin verkauft habe, die außer-\ndem nicht für den bestellten Zweck konstruiert\nsind. Die Wagen fahren ausverkauft zurück.\nVorbei an kornschweren Feldern. Vorbei am\nersten jüdischen Kollektivgut (Kolchos), das in\ngemeinsamer Arbeit nur von jüdischen Bauern\nbetreut wird. In der Kleinstadt sind bereits\ndie elektrischen Lampen angezündet. Auf\nder Hauptstraße sitzen und stehen plaudernde\nGruppen, die Büffets sind überfüllt. Das Wasser\nschäumt in den Gläsern. Die Türen des\nTheaters sind geöffnet. Das Orchester der jüdi-\nschen Knabenschule, überreichlich mit Pauken,\nTrommeln und Kastagnetten versehen, spielt\nMarsch auf Marsch. 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Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldslraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Konigs von Spanien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition u. Mobeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. 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Die Notwendigkeit und Moglichkeit\ndes Sprechchors als Instrument der Zeit wird nachgewiesen.\nZugleich auch sprachtechnisch eine ganz neue Funktion\ndes Sprechens, die fiir jeden Sprecher und Sprechkiinstler\nvon grofiter Wichtigkeit ist. Das ganze ist ein fast\nspannend zu lesendes Dokument fiir die neue Ausdruckskunst.\nPrels 3 Mark\nINH A L T\nV oraussetzung\nLegitimierung des Chorspiels\nDas Wesen des Sprechchorischen\nDie Gestaltung der Sprache\nVom Sinn der Bewegung\nDie Atmung\nDie Funktion des Sprechens\nDas phonetisch-gymnastische\nAusdrucksalphabet\nDas Regiebuch des Chorspiels\nDer Krieg"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c020", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.18", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 824, "texte": "mil dem\nVergnOgungsrelaen-Dampfet\n..OCEANA\"\nVom 25. Januar bis 13. Feb.\nvon Hamburg Qber Southampton\nnach Llaaabon, Cadiz, Ceirta.\nMalaga. Algler. Tunia, Palermo.\nNeapalund 3enua\nFahrpr. von X* 575.- aufwftrU\n(Orlentfahrt)\nVom 19. Feb. bis 15. Mftrz\nvon 6onua Qber Neapal. Meaalna.\nCatania, PlrAua, Rhodoe, Haifa.\nFori Said, Korfu. Cattaro-Bucht.\nQravoaa nach Venedlo\nFahrpr. von 3UL 750.- aufwftrU\n(BroSe Orlentfahrt)\nVom 16. Mftrz bis 14. April\nvonVenedlg Qber Qravoaa,Cattaro-\nBucht, Korfu. PlrAua, Konatan-\n4lnopel, Rhodoe. Beirut. Haifa.\nJaffa, Port Said. Catania, Meaalna.\nNeapel nach Genua\nFahrpr. von *Jt 050.- aufwftrU\n(Oatern In Rom)\n4. ftels. 16. April bit 2. Mai\ns.Rei e 20. Ma! 6.Juni\nHAPAG\nMITTELMEER\nFAHRTEN\n\\\n• m\n::\ne .♦\nk\n■Je>\n/\n1\nE\nHAMBURCAMERI\nVertretungen an alien grofieren\nPlatzen des In- und Auslandes"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c021", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.25", "debut_caractere": 826, "fin_caractere_exclue": 1653, "texte": "zr~*\n2SSKZZ\n11 aWJ.M i,i> 11 MIII\n3\n\"E\nx-x \"'\n:• •\n:• x-::x::><vx/^:::ixj:':v\n- ,v . w '\nmmmm<\n■X>X\nw*j ii n ii '*■\niWfi 111mwii.li i,ill 11mn.ni ' j 11111inlyxjii.u 1111 iiwiijii-:\nwww \"' i.ionoui.i.n imh i n iwm.r i.i.h mwiwn* #: '■:gi\n-xX\n■\n- m\n:>ffX:X¥S:S\nK ; »&9S <■«\nmm\nI^vaM>wWM.\n*s yM£w*gb J$M\n155 1 ■.'■\"■ ■V V '■>, >■( \\ •• V W-W-XS\n:\nsiS%ib Pill\ncs-*\nN'x':-:::\njx: :-■■\n':X*>X;;;:;X;:-.:';' X;X .;: ■\nX-X\\-\nm\ny ■■\n■x:\n, X \\ M\n:;x::-x'-x;\n' • $\nWW\n■ :\nX:\n- '^vtsi\n;\nWm\nm\nx!:r\n§>§111\n\\ \\ oXA< : S # $\\V t-: w y\nM'%'X ;4:i11\n£p \\«,-«*d .-I v-g 11\n*3 X xw|| 11\nIfbt- HI\nMMillii\n.X'tiil\ntiii iti\nSi-?::®:-:\nPMi\n'X:>\nml?:\nxv.-:\n&?$\n•-••X • ,\n- M\n§mmm MM\nmm\nmMni \"\"1\nililllliiHl\n::::X\"X:X-:-:v;-; ; ;;;X:x-:-.\nilPlSiil\nft\nBP\ni iii i i¥iiii n liiii\nX;X::;:\n• :-:-x-\n-s«x::\nmmmm\niLIIMII.I.IIMIIWM\nm\n*:\n■xx.',:\nmssm\nmU\nniiWtll"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c022", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "69", "page_fin": "69", "image_debut": 25, "image_fin": 25, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.25", "debut_caractere": 1655, "fin_caractere_exclue": 2164, "texte": "Dichtungen von HERWARTH WALDEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark\nDie Harie der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mil dem Tode\nGlaube / Komitragodie\nDas Buch derMenschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mil dem Leben\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komiiragodie\nJedes Buch J Mark\nWeib I Komitragodie / 3 Mark\nKind I Tragodie Trieb / Eine biirgerliche Komitragodie Menschen / Tragodie\njedes Bud, 2 Mark Verlag Der Sturm / Berlin W 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c023", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "70", "page_fin": "70", "image_debut": 26, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.21", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.26", "debut_caractere": 301, "fin_caractere_exclue": 3723, "texte": "Die grossen Denker\nvon Will Durant.\nMit einer Einleitung von Professor Dr. HansDriesch, Leipzig. Deutsdie Ausgabe iiber-\nsetzt und bearbeitet von Dr. Andreas Hecht, Leipzig, 532 Seiten Text mit ausffihrlichem Sach-\nregister, 100 Kunstdruckbildern und zahlreichen Sdiriftproben. — Geb. Mk. 14,— ; Ganzleinen\nMk. 17.—; Halbleder Mk. 25,—.\nHier liegt eine Darstellung der Philosophischen Richtung und ihrer Vertreter vor, die\nJedermann lesen, mit Genufi lesen und verstehen kann. Auch ihm wird das ..Philosophieren\nein Genufl\", wie Durant voraussagt.\n„Ein wirklich zauberhaftes Volksbuch\". (Ed. Korrodi)\n„. . . der Leser glaubt Novellen zu lesen und merkt dann, dali er, in Novellenlorm,\netwas ganz anderes gelesen hat; etwas, das ihn auiierordentlich bereichert, das ihm ein ganz\nneues Land erschlossen hat . . . Es ist historische Wirklichkeit in Typenform. Und so\nlernt denn der Leser, welcher sich diesem Werke ernstlich hingibt, ohne zu merken, dafi er\nlernt\". (Prof. Dr. Hans Driesch)\nEin seltsamer Heiliger\nBrigham Young, der Moses der Mormonen von M. R. Werner\nDeutsche Bearheitung von Professor Dr. S. Fellbogen. 388 Seiten und 46 Abbildungen.\nGeb. Mk. 9,— ; Leinen Mk. 11,—.\nMit einer Spannung, die von der ersten bis zur letzten Seite durchhalt, liest man diese\nGeschichte des Mormonenstaates und seines Leiters, in der Groteskes und Erhabnes, Aberglaube\nund Gottvertrauen, Zukunftswille und alttestamentarische Primitivitat, religioser Fanatismus und\numsichtigster Geschaftsgeist, pionierhafte Kuhnheit und Schwarmgeisterei sich phantastisch ver-\nan deren Ende schliefilich doch der Triumph fiber die Wildheit der Menschen und\nder Natur steht.\n„Mit erstaunlidier Lebendigkeit, bei groiSter geschichtlicher Objektivitat, hat M. P. Werner\ndas Leben Brigham Youngs und die Errichtung des mormonischen Staates erzahlt.\" (Dresdner\nNadirichten.)\nDie Liebesbriefe\nvon Thomas Carlyle und Jane Welsh\nHerausgegeben von Alexander Carlyle M. A.\nIns Deutsche tibertragen mit Vorwort und Anmerkungen von Dr. phil. Lucy Hoesch-Ernst\n2 Bande mit 733 Seiten und 18 Abbildungen. Geheftet Mk. 19,20; Ganzleinen: Mk. 24,—\nDiese Briefe, meisterhaft fibersetzt, diirften als literarische und psychologische Dokumente\nvornehmsten Ranges verdiente Geltung finden, audi bei Lesern, die erst wenig mit dem Ge-\nsamtwerk des geistesgewaltigen Schriftstellers Carlyle vertraut geworden sind. Carlyles eriolg-\nreiches Bestreben, England mit deutschen Denkern vertraut zu machen, ist bekannt. Es war\nihm, wie seiner geliebten Jane so seiner ganzen Nation gegenfiber, Herzenssache und selbstge-\nwahlte Mission, fur die Werke von Goethe, Schiller, Kant und nicht zuletzt fur die deutsdie\nVolksseele, wie sie sich in den Marchen spiegelt, Herold und Interpret zu sein.\nDie Welt des Kindes\nVon Kind und Kindheit, Kinderausspruche, Kinderarbeiten, Kindererinnerungen\nBuch 4 der Zeitsdirift Individuality\n200 Seiten u. 50 z. T farbige Bilder. Herausgegeben von Willy Storrer u. Hans Reinhart\nBeitrage und Aussspruche von C. L. Schleich, Friedr. Huch, Leo Tolstoi, Maxim Gorki,\nDuhamel, Rudyard Kipling, Hans Carossa, Jakob Schaffner, Albert Steffen, Hans Reinhart,\nWilhelm Speyer, Lisbeth Dill, Helene Boclilau usw. — Geb. Mk. 3,80; Ganzleinen Mk. 5,50.\nFriiher erschienen: Band 1/2 „Die Schweiz im XX. Jahrhundert\", Band 3, „Zur Signatur der Gegenwart\".\nORELL FUESSLI-VERLAG, ZUERICH\nGeneralvertretung fur Deutschland:\nMUELLER & KIEPENHEUER, POTSDAM"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c024", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "71", "image_debut": 27, "image_fin": 27, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 27, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 576, "texte": "Verlangen Sie bill<=> pin\n■' SID, iLL2,,2mS,,,,!2££SJ,\nsai*ssifbft ,i??rs rawi st,\"\nSosialistische Honatshefte\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartal 3 Mark, Einzelheft 1 Mark\nn. . (auf besonders schiSnem Papier) pro QuartSfe Mark, Einzelheft 2 Mark\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt die Sfpllnnrr a\\ • •\nLeben errungen haben durch ihrp o-pwnimtAn r* u- * otellung, die sie m unserm offentlichen\nSpbire wissenschaftlicher Vertieiun,\nPh.. .tZe'\"en Rubrike\" von tSfe nQbtr{,eei,eer,6gliCh'- D'C\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE\nG. M. B. H. 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Sie bittet Manner und Frauen\nin ihre Reihen, deren europaisches Verantwortungsgefuhl in\nschweren Jahren gestahlt wurde, deren Jugend weitgesteckten\nMenschheitszielen leidenschaftlich zustrebt, deren Urteil unvor-\neingenommen aus der Wirklichkeit schopft, deren Wille zu einer\nfriedlichen Losung der europaischen Spannungen von moralischer\nLauterkeit getragen wird.\nDie Deutsch - Franzosische Gesellschaft und in ihr die\ndeutschen und franzosischen Gruppen schaffen durch Vortrage,\nDiskussionen, Reisen, gesellschaftliche Veranstaltungen, durch\npadagogische Mittelstellen und durch die Zeitschriften „Deutsch-\nFranzosische Rundschau\" und „Revue d'Allemagne\" eine Arbeits-\nund Zielgemeinschaft von Deutschen u. Franzosen aus alien Kreisen.\nDer Mitgliedsbeitrag betrdgt jahtlich 20,— Mark\nBERLIN: Zentralvorstand / Schriftleitung der Deutsch-\nFranzosischen Rundschau / Mittelstelle fur Schulerbriefwechsel /\nMittelstelle fur Schuleraustausch\nOrtsgruppen und Zielgemeinschaften in\nBORDEAUX I FRANKFURT A. M. /' KOLN / MANNHEIM /\nLE SENS I PARIS / STUTTGART / TOULOUSE / WIEN\nAnmeldungen zur Mitgliedschaft, die den unenlgeltlichen Bezug der Deutsch-\nFranzdsischen Rundschau in sich schliefit, sind zu richten an den geschafts-\nfiihrenden Vorsitzenden Dr. OTTO (slRAUTOFF, Berlin W 30, Haberlandstr. 2\n<r~"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c027", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[74]", "page_fin": "[74]", "image_debut": 30, "image_fin": 30, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "[74]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.30", "debut_caractere": 319, "fin_caractere_exclue": 801, "texte": "W. Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Konigs von Spanien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition u. Mobeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. 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G. in Leipzig\nlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII2IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII\nIn siebenter, neubearbeiteter Auflage\nerscheint:\n12 HalblederbSnde\nOber 160 000 Artikel auf 21000 Spalten Text, rund 5000\nAbbildungen und Karten im Text, iiber 1000 z.T. farbige\nBildertafeln und Karten, iiber 200 Textbeilagen\nBd. 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Hier aber, in\ndiesem Buche, ist er nichts als das, und gerade das ist das\nGrosse, dae Erschiitternde an dem vorliegenden Werke. Was\nfiir Tatsachen, was fur Zahlen, was fur protokollarische Auf-\nzeichnungen! Wenn ein Buch Epoche machen kann, Biicher\ndieser Art konnen es. Das Buch Londons wird unmoglich\nohne Wirkung bleiben konnen.'4\nErnst Weiss im ~Berliner Borsen-Courier4^"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1929-12-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1929-12_01#c031", "volume": "bmtnabg_1929-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "n. p.", "page_fin": "n. p.", "image_debut": 31, "image_fin": 31, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.2.29", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 31, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1261, "texte": "Verlangen Sie bitte ein Probeheftl\nZum Verstandnis des modernen kulturellen und politischen\nLebens unentbehrlich ist die Lekttire der Zeitschriit\nSozialistische Monatshefte\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartal 3 Mark, Einzelheft 1 Mark\nVorzugsausgabe (auf besonders schonem Papier) pro Quartal 6 Mark, Einzelheft 2 Mark\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt, die Stellung, die sie in unserem ftffentlichen\nLeben errungen haben, durch ihre gewohnten Darbietungen, die die Aktualitat des Tages in die\nSphere wissenschaftlicher Vertiefung zu rticken suchen, und durch standige Erweiterung ihres Inhalts\nzu behaupten und zu befestigen.\nDie Sozialistischen Monatshefte sind die einzige deutsche Zeitschrift, die eine systematisch\ngegliederte Rundschau tiber Gffentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und Kultur bringt. Einem\njeden wird dadurch eine fortlaufende Orientierung viber die einzelnen Gebiete ermoglicht. Die\neinzelnen Rubriken (33 an der Zahl) werden von Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfiigung. Dem unterzeichneten Verlag ist\ndie Mitteilung von Adressen willkommen, an die die Zusendung von Probeheften ratlich erscheint.\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE ?\na. M. B. H. 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Jahrgang / 4. und 5. Heft\nBerlin / Dezember 1929-Januar 1930"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "n. p.", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.2", "texte": "IMonatsschrifft DER STURM\nDie fiihrende Zeiischrift der neuen Kunst\n\nHerwarth Walden\nlm Geschweig der Liebe\nGedichte iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiii\nIn Ganzleinen gebunden 3,— Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5\n\nW. Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldslraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Konigs von Spanien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition u. Mobeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes, Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des WirtschaftlichenVerbandesßildender\nKiinstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des jjSturm\"\n\nKunst und Volk\nMitteilungen des Vereins Sozialdemokratische Kunststelle\nDie Zeitschrift enthalt eine Reihe von Auf-\nsatzen, belletristischen Beitragen bedeuten-\nder Autoren auf alien Gebieten der Kunst\nund der volkstiimlichen Musikpflege\nAbonnement fur Deutschland ganzjahrig (10 Hefte) M 4,50\nBestellungen durch die Verwaltung d. Zeitschrift, Wien V, Sonnenhofgasse 6"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[47]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.3", "texte": "DER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WALDEN\nBerlin W i 5 / Kurfürstendamm IT3 / Abonnement: für das ]ahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\n\nINHALT:\nHeld gesucht Thomas Ring\nDas Märchen vom neuen Künstler Walter Seidl\nOpus 27 Alexander Toufanoff-Leningrad\nKrüppel Herwarth Waiden\nVariation über ein Thema der Wesendonck Walter Seidl\nAbbildungen: Hugo Scheiber: Komposition\nNico Phirosmanichvily (Tiflis): Gemälde\nCarl Buchheister: Schwer-Leicht-Komposition"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[48]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.4", "texte": "Karl Vogt Verlag Der Sturm Berlin Wl5\nDer\nEIN CHORSPIEL\nPreis 80 Pfennig\nDer bekannte Leiter des Sprechchors der Berliner Volksbiihne veroffentlicht hier den ersten\nkonsequenten Versuch zu einem rein chorischen Drama. Das Werk schildert mit monu-\nmentaler Gewalt den letzten und den zukiinftigen Krieg* in alien grausigen Stationen bis\nzum Giftgasende. Eine Komposition von eig*enartiger Unmittelbarkeit und erschiitternder\nGewalt. Ein Ruf an die Gewissen, der liberall g\"ehort werden sollte.\n\nHber die Urauffiihrung schrieb das\nOFFENBACHER ABENDBLATT:\nDie Auswirkung war jedenfalls\nderart fur alle Zuhorer, daft\nman glauben konnte, im Saale\nseien gar keine Menschen\nmehr, so still und wie ge-\nfesselt saOen alle in innerer\nErgriffenheit.\nDas grofie Sprechchorwerk\nfur alle Anti-Kriegs-Veranstaltungen!\n\nDIE WELT AM ABEND: ... ein Chorspiel, das dem rein Akusti-\nschen des Worts und dem Element der Bewegung im Raum ganz\nneue Ausmafie verleiht. Das Ganze ist eine fur die Geschichte\ndes Sprechchors unzweifelhaft bahnbrechende Leistung.\nDIE NEUE ZEIT: Wir empfinden schon beim Lesen das Ver-\nhangnis, das (iber unseren Kopfen schwebt, das sich friiher\noder spater auslosen kann in unausdenkbaren Katastrophen.\nDAS ANDERE DEUTSCHLAND: Man sollte sich iiberall die\nMiihe machen, das Werk zu spielen . . . Der Abschlufi im Volker-\nmordenden Giftgaskrieg wirkt schauerlich .. . Auch zum Vortrag\ndurch einen ausdrucksstarken Rezitator zu empfehlen.\nDER AUSRUFER: Die Vermeidung eines oratoralen Charakters\nmacht die Dichtung besonders wertvoll. Selbst im Schlußchor ist\ndie Grenze des Lyrischen noch weit genug entfernt. Es ist einer\nder wenigen Chore, denen wirkliche dramatische Kraft innewohnt.\nKARL WILKER (Das werdende Zeitalter): Man sollte meinen:\nes miifite anders werden — wenn nicht Biicher wie dieses\nanstatt von Millionen nur von Hunderten gelesen wiirden.\nDER JUGENDSPIELPFLEGER: Dieser Ruf ertont mit einer\nmonumentalen Gewalt . . .\n\nPraxis des\nKarl Vogt\nMITREGIEBUCH DES CHORSPIELS „DER KRIEG\nII\nKarl Vogt, bewahrt durch eine zwanzigjahrige\nBuhnenpraxis und durch seine Erfahrung als Leiter\ndes Sprechchors der Berliner Volksbiihne,\nschafft mit seinem Buche nunmehr endgultig Klarheit\ngegen die Unsicherheit und Streitfragen iiber das Problem\ndes Sprechchors. Die Notwendigkeit und Moglichkeit\ndes Sprechchors als Instrument der Zeit wird nachgewiesen.\nZugleich auch sprachtechnisch eine ganz neue Funktion\ndes Sprechens, die fiir jeden Sprecher und Sprechkiinstler\nvon grofiter Wichtigkeit ist. Das ganze ist ein fast\nspannend zu lesendes Dokument fiir die neue Ausdruckskunst.\nPrels 3 Mark\nINH A L T\nV oraussetzung\nLegitimierung des Chorspiels\nDas Wesen des Sprechchorischen\nDie Gestaltung der Sprache\nVom Sinn der Bewegung\nDie Atmung\nDie Funktion des Sprechens\nDas phonetisch-gymnastische\nAusdrucksalphabet\nDas Regiebuch des Chorspiels\nDer Krieg"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.5", "texte": "Held gesucht\nEin Spiel des Publikums und der Kulissen mit dem Theater\nThomas Ring\n\nVorderste Sitzreihe unter bürgerlichem\nPublikum. Zwei Arbeiter. Vorhang zu.\n1. Arbeiter:\nSach mal, ick hab mir schon immern\nKopp zerbrochen dariewa, det hier,\ndet soll dochn Arbeeterstick wern, und\nwenn de dir umkiekst, denn siehste\nkaum een, der so angezogen is, det\nman denken kann, det interessiertn.\n2. Arbeiter:\nNachn Anzuch jehtetaber nich immer.\n1. Arbeiter:\nDet nich, un alle mögen ihre Zwölf-\nmarkplätze ooch nich bezahlt ham.\n2. Arbeiter:\nAbgesehn von de Statisten un\nKlackisten is aber schon n Intresse da.\n1. Arbeiter:\nNa ja, Intresse, bloß ick denke,\nn Arbeeterstick isn Arbeeterstick,\ndann muß et doch jegen ihre Intressen\nsind.\n2. Arbeiter:\nEben det wolln se wissen, obs jegen is.\n1. Arbeiter:\nWat machen denn die damit? Reden\nse nachher zesammn, besprechn se\nsich det, wat wir wollen un wie wir t\nwollen und wat se dajegen tun können ?\nSo wie wir de Burschwasieh studiern,\nuns mit det, wie un von wat se leben\ndhun, alsn Problem befassen?\n2. Arbeiter:\nJa weeste, eigentlich is et rätselhaft,\ndet dhun se eben nich.\n1. Arbeiter:\nAwer se könn doch nich damit ein-\nverstanden sind?\n2. Arbeiter:\nSoweit dürfen set nich kommn lassen.\n1. Arbeiter:\nNa, ick heer awa, se klatschen doch\njedesmal, un ick denke, klatschn tut\nman bloß, wo een wat jefällt un wo-\nmit man einverstanden is.\n2. Arbeiter:\nEt is eben wat Neues für sie, ne\nSensazion. Ick kann mir det ooch\nbloß so erklären, det sowat für sie\nne janz besondere Art von Verjnüjen\nsein muß, wat vorn janz besondern\nFimmel, weeste, det zu sehn, wat man\nnich is.\n1. Arbeiter:\nAwer doch ne andre Art Fimmel, wie\nfür uns Proleten der unfreiwillige\nJenuß, an de andern zu sehn, wat\nwir nich ham.\n2. Arbeiter:\nLaß dir bloß nich verblüffen un woll\nwat ändert von die, wie ne halweje\nBude un Futter für dich un deine\nKinder. Un det kriegste bloß, wenn\nse de Faust unter de Neese spürn.\nWat se aber an Zivilesazion so rum-\nhängn ham is Jift für die, die vor-\nwärts wolln.\nVorhang geht auf, zwei Arbeiterführer,\neskortiert von Soldaten. Beide Arbeiter\nim Publikum:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.6", "texte": "Mensch, kenn n wir die nich . . .\noder nee . . . doch nich . . .\nDie eskortierten Arbeiterführer singen im\nabgehackten Marschtakt:\nSo nimm denn meine Hääää nde\nun führäh mich\nbis an mein seelig Ääää — —nde . : .\nsie brechen ab, halten an, stecken Hände\nin die Taschen.\n1. Arbeiterführer:\no\nSchluß. Die nehmen die Angelegn-\nheit noch ernst.\n2. Arbeiterführer:\nJa, was ich sagen wollte — hast du\nschon gemerkt, wie kitschig sone\nSache ist? Sterben? Also der Verein\nunserer sehr geehrten Zellen, „Eiweiß\"\nheißt die Bande so verlockend, die\nselbst nie was Richtiges zu fressen\ngekriegt hat, kann eines Tages seinen\nSchriftführer im Gehirnkasten, seinen\nKassierer im Magen, seinen Vor-\nsitzenden im — na ja, Herzen, um\nden harten Ausdruck zu gebrauchen —\nnicht mehr entlasten, der Verein ver-\ntagt sich auf ewige Zeiten, einzelne\nMitglieder treten in eine Wurm-,\nMaden-, Käfer-, Fliegensektion . . .\n1. Arbeiterführer:\nNicht maln passendes Lied, mit\nSchmiß und Weihe gibts, so wie:\nLeichnam, Leichnam über alles,\nhoch am Galgen hängt der Zimt . . .\n(Mel.: Deutschland, Deutschland)\nOffizier greift ein:\nMeine Herren, es ist Ihnen zwar zu-\ngesagt, sich Ihren Tod so angenehm\nwie möglich zu machen, sofern wir\nohne Kosten davon bleiben, Sie dürfen\naber keine Attribute unserer Staats-\nform, unseres Nationalgefühls, unserer\nReligion beleidigen.\n2. Arbeiterführer:\nSonst noch was. Was nennen Sie\neigentlich angenehm? Soll man seine\neigenen Mörder hinter Tüllschleiern\nund mit Rosen garniert empfangen?\ntritt nahe an ihn heran:\nMensch, hast du keine eigene Stimme,\nwenn du schon fremde Ohren hast?\nOffizier:\nSchweigen ist Soldatenpflicht. Darf\nich Ihnen über die letzte Stunde hin-\nweghelfen?\nOffizier bietet ihm eine Zigarette an.\n2. Arbeiterführer:\nWeder Sie, noch Ihr Reklamechef in\nder Kirche, noch sonst wer soll m i r\nhelfen. Ihr alle zusammen aber helft\nder Arbeiterklasse zum Bewußtsein\nihrer Stunde.\n1. Arbeiterführer singt:\nWacht auf . . .\nOffizier hält ihm den Mund zu und\nschiebt beide hinter die Kulisse:\nIch weiß. Es lebe die Weltrevolution.\nBitte, ersparen Sie sich die Mühe und\nnehmen Sie Platz an der Mauer.\nEr kommandiert, Soldaten führen mecha-\nnisch Befehl aus:\nEntsichern.\nLegt an!\nFeuer!\nIm selben Moment hinter der Kulisse Ruf\nder beiden Arbeiterführer „hoch . . .\",\ndann Fall, Röcheln.\nOffizier:\nLaden und sichern. Schade. Hätte\nmich in Zivil ganz gern mit den Kerls"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.7", "texte": "unterhalten. Bitte die nächsten Herren!\nZu zweien vorführen! Nein, die Pro-\nletenbande da zu vieren, maln bißchen\ndalli, dalli!\nBürger im Publikum steht auf:\nAber nicht doch. Keine Wiederholung.\nAußerdem wird Massenschicksal am\nbesten durch Einzelschicksal demon-\nstriert. Vergessen Sie nicht, daß das\nhier nur Theater ist.\n2. Bürger im Publikum, entrüstet:\nUnd außerdem findet sowas so nicht\nstatt. Wir haben doch auch unsre\nZeitung gelesen und wissen die Retter\nvor Spartakus zu schätzen. Das ist\nja alles Verdrehung. Ueberhaupt, was\nsoll das hier. Das Wahre, Gute,\nSchöne . . .\nOffizier zu den Bürgern im Publikum:\nKommen Sie doch gefälligst her, da\nSie so gut Bescheid wissen!\nDie beiden Bürger klettern auf die Bühne.\nOffizier währenddem zu den Soldaten:\nStillgestann! Die Waffen werden auf\nGrund des Friedensvertrages so zer-\nstört, daß sie sich, wenn die Pflicht\nruft, wieder anfinden. Verräter wer-\nden zweckmäßig behandelt. Weg-\ngetreten!\nZu den Bürgern auf der Bühne:\nSie haben sich ein wenig getäuscht.\nDas ist die Wirklichkeit und noch ein\ngünstiger Fall, sozusagen der von der\nZensur genehmigte aktenmäßige Ver-\nlauf. Aber Sie werden sich täuschen,\nwenn Sie glauben, die Wirklichkeit so\nsehn zu dürfen, wie die Augen Ihrem\npatriotischen Gewissen vormachen zu\ndürfen glauben. Sie haben also nicht\ngesehen, sondern geglaubt zu sehen,\nund Sie werden sich der Sicherung\nIhrer Ruhe dankbar erinnern.\nDie beiden Bürger zusammen:\nUnauslöschlich. In Treue fest. Gott\nmit uns.\nEin Bursche bringt dem Offizier einen\nschwarzen Zivilmantel und einen Zylincler-\nhut, er schlüpft in den Mantel und setzt\nsich den Hut auf. Zu den beiden Bürgern:\nIch ernenne Sie hiermit, unter Vor-\nbehalt guter Führung, zu Lehrern der\nheranwachsenden Jugend. Sie wissen,\nwas Sie zu tun und vor allen Dingen,\nwas Sie zu lassen haben. Auf Wieder-\nhören beim nächsten Generalstabs-\nbericht.\nOffizier schiebt ein Schild an die Rampe:\n„10 Jahre Republik.\" Geht. Der 1. Bürger\nholt ihn nahe an der Kulisse ein, redet\nleise mit ihm, nimmt Hacken zusammen,\nerhält Instruktionen. Vor den 2. Bürger\nhat sich inzwischen die Kulisse einer\nSchule heruntergesenkt, Kinder, beweg-\nliche Pappfiguren, sitzen auf Bänken. Vom\nHimmel schwebt ein Rohrstock herunter,\nder 2. Bürger ergreift ihn und setzt eine\nLehrermiene auf.\nLehrer zum 1. Schüler:\nWas also sagte die heilige Monika\nzum Konzil von Nizäa?\n1. Schüler:\nSie . . . sie . . . sa . . .\n(er fängt an zu grinsen)\nLehrer:\nWas ist das für Grinsen! Wollt ihr\nmit heiligen Dingen Spott treiben?\nWarum lachst du?\n1. Schüler zeigt auf 2. Schüler:\nDer . . . der . . . sagt immer Zieh-\nharmonika . . ."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.8", "texte": "Lehrer, außer sich vor Wut, schwingt den\nStock:\nWas? Ziehharmonika? Unerhört!\nFrechheit von so einem Bengel!\n2. Schüler:\nHerr Lehrer, er hat falsch verstanden,\nich memoriere bloß Nizäa-Monika.\nLehrer:\nLümmels, Himmelhunde, ich will euch\nchristliche Verehrung beibringen. Die\nPest . . .\nInzwischen hat der Offizier in Zivil den\n1. Bürger verabschiedet, und er steigt in\nden Zuschauerraum, setzt sich. Der\n1. Bürger geht würdevoll zur Schulgruppe.\nLehrer:\nAchtung!\n(die Kinder klappen hoch)\nHerr Schulrat . . .\n■ (Lehrer geht entgegen, begrüßt)\nHinsetzen!\n(die Kinder klappen herunter)\nSchulrat:\nBitte, Herr Kollege, fahren Sie im\nUnterricht fort, wo Sie stehen ge-\nblieben sind.\nLehrer, fährt gedehnt fort:\nAlso Pest-a-loz-zi nahm sich der\narmen Kinder mit weitgehender Unter-\nstützung der Behörden an . . .\nSchulrat:\nDanke, danke,\nnäher zum Lehrer, leise:\nIm Vertrauen, Herr Kollege, bedenken\nSie, daß Pestalozzi eigentlich ein Ge-\nsinnungsfreund der französischen Re-\nvolution war. Ein solches Thema im\nReligionsunterricht . . .\nlaut:\nAlso danke. Herr Kollege, bitte geben\nSie mir noch eine Probe Ihres Ge-\nschichtsunterrichts.\nLehrer:\nJawohl, Herr Schulrat.\nzum 1. Schüler:\nWir sind bei 1914 stehen geblieben.\nAls die heilige Begeisterung ausbrach,\nwas sagte das deutsche Volk da?\n1. Schüler klappt hoch:\nNot kennt kein Gebot. Ein Fetzen\nPapier darf uns nicht hindern. Nun\naber wollen wir sie dreschen.\nLehrer:\nGut, sehr gut. Und wie siegten wir?\n2. Schüler klappt hoch:\nUnaufhaltsam vier Jahre hindurch.\nLehrer:\nSehr gut, sehr gut. Und was raubte\nuns die Früchte unserer Siege?\n3. Schüler klappt hoch:\nDie Meuterei der Juden und Bolsche-\nwisten von hinten.\nLehrer:\nAusgezeichnet, ausgezeichnet. Und\nwie kamen wir wieder zu Frieden,\nBrot und Freiheit?\n4. Schüler klappt hoch:\nDie Haupthetzer fielen durch die Ge-\nwalt, die sie selber gepredigt haben.\nSchulrat, wischt Tränen der Rührung. Erst\nzum Schüler, dann zum Lehrer, dann zur\nKlasse:\nWunderbar, mein Junge . . . Mich\nüberkommt's, Herr Kollege, wenn ich\neine so gesunde, unverfälscht deutsche\nJugend heranwachsen sehe . . . Der\nNächste. Und in welcher Epoche be-\nfinden wir uns jetzt?"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.9", "texte": "Hugo Scheiber: Komposition"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.10", "texte": "5. Schüler, einen Augenblick stumm, dann\nscharf und spontan:\nIm Klassenkampf.\nSchulrat entsetzt, während der Lehrer\nhinter seinem Rücken drohende Bewegun-\ngen mit dem Stock macht:\nWas? Wo befinden wir uns hier?\n5. Schüler:\nIn einer Anstalt zur Verbreitung von\nMeinungen der herrschenden Klasse.\nSchulrat:\nJunge — träume ich oder willst du\nmit uns Scherz treiben? Meinst du\nden Kampf hier in der Klasse um den\nersten Platz?\ntritt nahe an ihn heran, mit hysterisch\nüberschnappender Stimme:\nSag, du hast einen dummen Witz ge-\nmacht! Sag's!\n5. Schüler:\nDer Tod meines Vaters und der Väter\nvieler anderer Kinder war bitterer\nErnst. Die Geschichtsfälschung in der\nSchule, die Aussperrungen und\nArbeitslosenziffern draußen sind bit-\nterer Ernst. Die Tatsachen sind zu\nernst, um Witze zu machen.\nSchulrat:\nSchuldiener! Schuldiener! Hol einer\nsofort den Schuldiener!\nzum Lehrer:\nKollege, sowas in Ihrer Klasse! Ich\nwerde ein Disziplinarverfahren gegen\nSie einleiten!\nLehrer, unterwürfig:\nHerr Schulrat bitte zu bedenken\nder erste Fall! Ein sonst guter\nSchüler! Das erstemal, daß — —\nahnungslos . . .\nSchulrat:\nWollen Sie noch verteidigen? Kein\nWort mehr! Schuldiener, bringen Sie\ndiesen Schüler hinaus und bewachen\nSie ihn, bis ich weitere Anordnungen\ngebe! Ich — Ich — Ich — Ich —\nIch . . .\nInzwischen sind zwei Pappschüler hinaus-\ngeschnellt, der Schuldiener, eine an einer\nsogenannten Nürnberger Schere befestigte\nPappfigur, kommt hereingeschnellt. Der\nSchulrat tanzt aufgeregt zwischen dem\nSchuldiener und dem Lehrer hin und her.\nDer im Publikum sitzende Offizier im Zivil-\nmantel hat sich inzwischen schon durch\nZwischenbemerkungen hörbar gemacht:\n„Blödsinn — — Affentheater — — ab-\ngeschafft werden —Er steht jetzt von\nseinem Platz auf:\nSagen Sie mal, Sie führen uns da\nmitten in eine konfuse Handlung. Wo\nist die Exposition des ganzen Spiels,\ndie richtige Vorstellung der handeln-\nden Personen, die Einführung des\nThemas — wie soll man da einen\nZusammenhang verstehn?\nEleganter Zivilist neben ihm, gleichfalls\naufgestanden:\nEmpörend finde ich dies Vorgehen\ngegen die Gesetze des Theaters. Und\ngar Parteiprogramme . . . von einem\nJungen . . . ebenso unmöglich wie\ndiese Art Schule mit Stock in unserm\nhumanen Zeitalter existiert.\nLehrer ruft hinter die Kulisse:\nHerr Kultusminister! Herr Kultus-\nminister! Ich berufe mich auf den\nErlaß von 1928!\nOffizier:\nWer spielt denn überhaupt hier, spielen\nSie uns was vor oder spielen Sie mit"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.11", "texte": "dem Publikum? Sind Sie vielleicht\nZaungäste einer Zeitgeschichte, aus\nder nur das dazu geborene Genie\nherausfindet? Erwarten Sie von uns,\ndaß wir zu spielen aufhören?\nDer Offizier klirrt mit dem Säbel unter\nseinem Zivilmantel.\nEleganter Zivilist, zündet ungeniert Ziga-\nrette an:\nHahaha, die führen uns Impotenz vor,\nund das Publikum soll das für Wirk-\nlichkeit halten, weil sich Kunst heute\nsowieso nicht halten kann.\nSchulrat, tritt zur Rampe:\nAber ich bitte doch, nun verwechseln\nSie mich, den Schauspieler X, nicht\nmit meinem Autor und meiner Rolle.\nUnd außerdem, vertreten Sie uns doch\npotenter als die Verhältnisse sind!\nStellen Sie Ihr Niveau auf die Bretter!\nZivilist, pustet Zigarettenrauch:\nLächerlich, diese Anmaßung bezahlter\nGrimassen!\nLehrer, entrüstet an die Rampe tretend:\nIn der bürgerlichen Gesellschaft wird\njede menschliche Beziehung auf das\nNiveau barer Zahlung gedrückt!\n2. Arbeiter im Publikum zum 1.:\nSiehste woll, jetz muß er det kommu-\nnistische Manifest zitiern!\nOffizier, nimmt den Zivilisten am Arm,\ngeht mit ihm auf die Bühne zu:\nHier fehlen Männer der Tat, Männer\nder Tradition, Männer, die Geschichte\nmachen, Helden. Es muß was ge-\nschehen, sonst hält man Mensch und\nMensch noch für einerlei!\nEr geht auf die Bühne, zieht Zivilmantel\naus, linke Hand eingestemmt, rechte Hand\nbefehlerisch:\nFort mit dem erzieherischen Gemüse!\nZivil nur soweit zugelassen, als zu\nverwertbaren Ideen fähig . . . Bitte\nsehr, Herr Oberingenieur . . .\nEin Kameramann kommt schnell ange-\nrannt und kurbelt die Diktatorengeste des\nOffiziers, rennt wieder weg. Hinter der\nKulisse Rufe: ~B. Z., der drohende Be-\nlagerungszustand.\" Der elegante Zivilist\ntritt zum Offizier. Kulisse Schule wird\nhochgezogen, die Kulisse eines General-\nstabs am Tische, Offiziere gleichfalls be-\nwegliche Pappfiguren, wird herunter-\ngelassen. Schulrat und Lehrer gehen nach\nbeiden Seiten dienernd ab, setzen sich\nunters Publikum.\nZivilist, zieht Ingenieurzeichnung aus der\nTasche, verbindlich:\nHerr Chef . . .\nDer Offizier tritt als Generalstabschef vor\ndie Offizierskulisse:\nWieviel Menschen könnte man . . .\nIngenieur:\nIn zwei Tagen immerhin eine mittlere\nGroßstadt.\nChef:\nZu lange.\nIngenieur:\nDann aber ratzenkahl.\nChef:\nZu lange, sage ich.\nIngenieur:\nEin Häusermassiv braucht mehrere\nBomben — — Parallelflug — — mit\nGas etwa sechs Stunden . . .\nChef:\nZu lange. Inzwischen Massenflucht\nnach außen.\n1. Offizier klappt hoch:\nGestatte mir einwenden zu dürfen:\nkonzentrisches Vorgehen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.12", "texte": "Ingenieur:\nBedingt Bewegungsfreiheit in der Luft.\nLücken zwischen den Flugzeugen.\nChef:\nErst massenweiser Einsatz, Einkrei-\nsung, Vordringen zur City, staffel-\nweises Ausschalten, ausgeschaltete\nNummern belegen die Fluchtwege.\nIngenieur:\nDann reichten zwei Stunden zur Ver-\nsperrung der Auswege.\n2. Offizier klappt hoch:\nGestatte mir einwenden zu dürfen:\nStadt hat vorher Meldung, natürlich\nmenschenleer.\nChef:\nHäh — Taktik Zerstreuung auf dem\nLande. Wald- und Wiesenunterstände.\nFeind exzentrische Lebensweise. Wirk-\nsamer, Herr Oberingenieur!\n3. Offizier klappt hoch:\nGestatte fragen zu dürfen: und Muni-\ntionszentren?\nIngenieur:\nDurch Todstrahlen gesichert.\nChef:\nDann können ebenso Stadtzentren ge-\nsichert werden. Angriff auf Zentren\nüberhaupt sinnlos.\nIngenieur:\nWas aber ist nicht zentrisch organi-\nsiert?\nChef, aufspringend, alle Offiziere klappen\nmit hoch:\nFeindliche Gehirne! Gedanken! Fun-\nken ja in unsere eigenen Reihen,\ntauchen auf, wohin die Kerls sich\ndesorganisieren. Gehirne gründlich\nbelegen!\nOffiziere einstimmig, langgedehnt:\nWoooooooooomiiiiit?\nDer Reformengel, Pappfigur, Hemd und\nFlügel beklebt mit Aufschriften: Genf,\nLocarno, Kollegpakt, 11. Internationale,\nPazifismus, Völkerbund usw., tritt auf.\nReformengel:\nAufbaugedanke auf dem Boden der\nRealpolitik — — friedliche Durch-\ndringung — — Verwachsen mit dem\nStaat — — — — —\nChef:\nHerr, wir sind brotlos, wo kein Haß\nnach Ordnung schreit! Und dann:\nwas soll die abgeschmackte Erschei-\nnung !\nReformengel, mit Augurengrinsen:\nWird schon schreien. Außerdem: ich\nerscheine stets zur rechten Zeit und\nerscheine so, wie ich wirken muß.\nFriedliche Reformen und Verträge\nlenken berechtigten Haß auf Störer\nin der Minderheit, sie dezimieren den\nAufruhr vor dem Ausbruch. Wir\nmüssen Zeit gewinnen.\nChef:\nWir haben keine Zeit zu verlieren!\nWie lange kann sich Ihr Reformdusel-\napparat noch halten? Was geben Sie\nfür Garantie?\nReformengel:\nDie Mechanik der Gewöhnung. Die\nErziehung guter Gesinnung durch er-\nträgliche Verhältnisse. Das Belegen\nder Gehirne mit . . .\nChef:\nNa, seien wir offen: Glauben.\nNeben der Offizierskulisse erscheint einen\nMoment die Pappfigur eines Prälaten. Der\nReformengel begrüßt ihn mit der Palme.\nReformengel:\nJa, aber der Glaube, der heute allein\nnoch im Weltmaßstabe zieht, ist der"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.13", "texte": "Sozialismus. Daher die Botschaft:\nwir sind mitten drin, wir wachsen\nhinein. Und aus dem Glauben . . .\nChef:\nSie wollen sagen oder vielmehr, Sie\ndenken, aber Sie sagen nicht: mit dem\nAppetit wächst der Hunger bei den\nMassen. Ihr Gepredige vom Sozialis-\nmus wird uns beseitigen wollen, auch\nwenn wir das Rattennest im Osten\nhaben. Aber hüten Sie sich! Denken\nSie an unser historisches Zusammen-\narbeiten . . .\nReformengel:\nMeine Herren! Das Dasein des Mili-\ntärs ist Ergebnis dreier ungelöster\nFragen: Wie verwenden wir Ueber-\nschuß an Menschenenergie? Wie er-\nzielen wir Auslese? Wie ändern wir\nbestehende Verhältnisse? Der Re-\nformismus läßt die Wurzeln dieser\nFragen unangetastet und betreut die\nBlüten.\nIngenieur:\nVerstehe Sie nicht.\n£\n1. Offizier im Sitzen:\nWir dürfen auch nicht verstehn.\n2. Offizier im Sitzen:\nSoldat ist nicht zum Diskutieren da.\nChef:\nZweck Ihrer Rede?\nReformengel:\nWir sprechen uns wieder bei der\nnächsten Regierungsbildung!\nDer Reformengel geht zur Seite, General-\nstabschef wendet sich wieder der Sitzung\nzu:\nAlso, wieviel Menschen könnte man ...\nPappfigur Reformengel wird hochgezogen,\ndahinter Minister im Frack, desselbe Ge-\nsicht blickt durch den Kopfausschnitt. Die\nbeiden Arbeiter aus dem Publikum klettern\npolternd auf die Bühne.\n2. Arbeiter:\nNa, nu Schluß mit dem ewigen Dreh!\n1. Arbeiter:\nIs ja Quatsch! Noch sind die sozia-\nlistischen Parteien stark genug und\ndie Waffe des Generalstreiks . . .\nKulisse Generalstabssitzung flitzt hoch,\nChef rasch zum Reformminister, verhan-\ndelt flüsternd, Ingenieur zur Seite an ein\nTelefon, nimmt Hörer ab, ruft hinein:\nTeno! Teno!, redet dann stumm, gesti-\nkulierend weiter.\n1. Arbeiter zum Reformminister:\nHerr Genosse Minister!\nGeneralstabschef verschwindet, Pappfigur\nMinister im Frack wird hochgezogen, da-\nhinter Gesellschaftsanzug, gleiches Gesicht.\nGenosse Parteivorstand!\nPappfigur Vorstand im Gesellschaftsanzug\nhoch, dahinter Straßenanzug.\nGenosse Gewerkschaftssekretär!\nPappfigur Gewerkschaftssekretär hoch,\ndahinter Arbeiter mit Stehkragen.\nMensch — Kollege —nu machn Punkt\nmit die Chamäleonswitze. Espedeh is\ndoch keen Varjeteh. Also, was ich\nsagen wollte, wat solln die Verhand-\nlungen mit der Reaktion in Militär\nun Zivil. Ick versteh von dem Zauber\nbloß so viel, det hier wat gespielt\nwird.\nReformist im Stehkragen:\nSehn Sie, Genosse, da kommen wir\naus dem Theater mitten in die Wirk-\nlichkeit. Das, lieber Genosse, ist ja\ndas Wesen der Politik in der Kunst,\nVerzeihung, der Kunst in der Politik,\ndaß das Theater ein Extrakt der Wirk-\nlichkeit ist, so wie die Wirklichkeit"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.14", "texte": "als Extrakt des Theaters sich ent-\nwickelt, das wir in Verhandlungen\neinschlagen müssen, um den Inter-\nessen der Klasse, die wir vertreten,\nzu dienen. Verstehen Sie?\n1. Arbeiter:\nWa . . .\nReformist:\nNun, wenn Sie auch nicht gleich ver-\nstehen, die in Aussicht stehenden Bil-\ndungsreformen werden das in viel\nbreitere Massen tragen. Die fort-\ngeschrittene Form des Marxismus. . .\n2. Arbeiter dazwischen:\nhockt als Schlichter beim Frühstück\nder Unternehmer und quittiert die\nAussperrungen, bewilligt als Minister\nPanzerkreuzer und Gaswaffen, ver-\nhandelt als Staatssekretär gegen den\nStaat der Sowjets, schenkt als Rechts-\nausschuß den entlaufenen Fürsten\nMillionen und den Femeleutnants\nPässe und Freifahrtscheine, organi-\nsiert als Heimatschutz den Arbeiter-\nmord . . .\n1. Arbeiter packt seinen Arm:\nHalt, keene Wahlreden. Kennen wa.\nDie Liste der Schlagwörter läßt sich\nbeliebig verlängern, wenn man die\nDinge so ansehn will. Wer eben alles\nübers Knie bricht und keinen guten\nWillen zur aufbauenden Reform zeigt..\nDer Reformist benutzt den Moment, zum\nIngenieur zu entwischen, mit dem er leise\nverhandelt, während die Pappfiguren in\nder Reihe Straßenanzug, Gesellschafts-\nanzug, Frack wieder heruntergelassen\nwerden.\n2. Arbeiter schüttelt den 1. ab:\nKlassenvieh ohne Klassenbewußtsein!\nIhr macht alles vom guten Willen ab-\nhängig, und der gute Wille wird durch\nganz andere Dinge bestimmt! Durch\n. das Wollenmüssen!\nzeigt auf den Reformminister:\nMerkst du nichts?\n1. Arbeiter sieht hin, eine Riesenbrille mit\nder Aufschrift „Vorwärts\" senkt sich vor\nseine Augen:\nIch sehe den Genossen um höhere\nLöhne verhandeln.\nPappfigur des Prälaten erscheint kurz,\nschwenkt Weihrauchkessel zu ihm:\nGlaube, mein Sohn! Der Glaube ver-\nsetzt Berge!\n2. Arbeiter winkt ab:\nMag sin, aber das Leihhaus für sone\nWunder is geschlossen. Das Pfand-\nsystem der Dummheit hat im Prole-\ntariat keinen Platz mehr!\n1. Arbeiter:\nWorauf sollen wir als aufsteigende\nKlasse aber bauen, wenn nich auf den\nguten Willen? Soll man nich erst den\nWillen zum Sozialismus allmählich\nentwickeln?\n2. Arbeiter:\nAllmählich und aus freien Stücken\nsolln die Nutznießer abdanken?\nzeigt auf die Gruppe Reformist-Ingenieur:\nMensch, merkst du noch immer keen\nDunst? Der Schnitt ist da, wo der\nBizeps gekauft und der Brägen käuf-\nlich gehalten wird. Die Zwangslage\nhier und drüben von de Barrikade\ngibt die Richtung zum Handeln. Gibts\nVersöhnung im Interessengegensatz?\nMuß der Unternehmer nich deine\nArbeitskraft so billig wie möglich und\ndu deine Haut so teuer wie möglich\nverkaufen?"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.15", "texte": "1. Arbeiter:\nJa, aber der Unternehmer organisiert\ndie Arbeit und muß sie schließlich\nin so großem Maßstab organisieren,\ndaß wir im Sozialismus drin sind.\nWir haben zuletzt bloß noch n ein-\nziges Unternehmen mit einem Kapi-\ntalisten, und den setzen wir ab . . .\n2. Arbeiter:\nDer Unternehmer organisiert seinen\nProfit, seine Klasse organisiert ihren\nProfit nach dem Maßstab der Ueber-\nvorteilung. Darin liegt das Wollen-\nmüssen, un jede Reform isn Ventil,\ndurch das ihr nach Güte schnappt, um\nnich die Organisation der Ausnutzung\nzu begreifen und mit Organisation\nder Arbeit zu verwechseln. Woher\ndie Krisen? Die Preistreiberei? Die\nKonzerne und ihre steigenden Macht-\nkonflikte, die die „nationalen Belange\"\nals Vorspann nehmen? Die Kriege?\nWenn ihr den Schnitt seht und durch\nUeberredung schließen wollt, dann\nschaufelt neue Massengräber!\nPappfigur des Prälaten erscheint wieder:\nKatastrophen sind von Gott gewollt!\nDie Unzufriedenheit und der Un-\nglaube der Menschen schaffen die\nKatastrophen.\nOffizier mit Sipokette rückt an, die\nPrälatenfigur segnet die vorgehaltenen\nGummiknüppel und verschwindet.\nOffizier:\nAuseinandergehn! Massenansammhm-\ngen auf der Straße sind verboten!\n2. Arbeiter:\nMassen? Wo sehn Sie Massen?\nOffizier:\nAber Vertreter der Massen! Ausein-\nander!\n2. Arbeiter hält Faust entgegen. 1. Arbeiter\nzum Reformminister, der hinter der Sipo-\nkette steht:\nHerr Genosse! Sie wollten mir Aus-\nkunft geben! Wozu warn die Ver-\nhandlungen?\nReformminister:\nGleich, gleich, lieber Genosse, sobald\ndie Ruhe wieder hergestellt ist. Treten\nSie inzwischen in die technische Not-\nhilfe ein, zum Schutze der lebens-\nwichtigen Betriebe . . .\nVon links Arbeitermassen mit Rufen:\n„Alarm! Generalstreik!\" Von rechts\nPolizei, Rechtsorganisationen mit Rufen:\n„Knüppel raus! Waffenausgabe!\" Parteien\nstehen sich einen Augenblick stumm\ngegenüber.\n2. Bürger aus dem Publikum:\nHerr Direktor, wir wollen ein ordent-\nliches Stück sehen oder unser Geld\nzurück! Wir wollen für unser Geld\nwas andres wie Programmreden und\nDemonstrationen nach Hause nehmen.\nZeigen Sie einen Helden, eine Ent-\nwicklung, einen Konfliktknoten und\nseine Lösung, einen psychologischen\nEinblick, ein greifbares Milieu, eine\ninteressante Situation . . .\n1. Bürger:\nEine Frau vor allen Dingen! Dramatik\nohne Liebe ist Zechprellerei. Und\nwenn schon, Herr Direktor! Wenn\nschon ein politisches Stück, wenn\nschon deutsche Gegenwart, dann den\nHelden dieser Gegenwart, den Retter ..\nDer Direktor erscheint auf der Bühne:\nAlso zurück in die Ankleideräume, die\nGagen werden heute zur Hälfte ge-\nstrichen."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.16", "texte": "zum Publikum:\nSehr geehrte Damen und Herren, ich\nmuß bedauern, der Held ist noch\nnicht fertig.\nDie Schauspieler verlassen die Bühne. Aus\ndem Publikum Protestrufe. Die beiden\nBürger: Unser Geld! Unser Geld!\nDirektor:\nAber gedulden Sie sich doch einen\nAugenblick! Wir können ja mal\nsehen.\nDie Hinterwand der Bühne klappt auf.\nMöbliertes Zimmer. Junger Mann, mit\nHose und Hemd bekleidet, Aermel auf-\ngekrempelt, beim Waschen. Er stößt den\neisernen Waschständer um, flucht, hebt\nSchüssel auf, geht um die Pfütze herum,\ngießt neues Wasser ein, fängt wieder an,\nsich zu waschen. Die Tür vom Kleider-\nschrank geht auf, der junge Mann schließt\nsie und wäscht sich weiter.\nDirektor stampft mit dem Fuß auf:\nFertig?\nDer junge Mann:\nIch möchte . . .\nDirektor:\nLieber Herr, das steht hier gar nicht\nzur Diskussion, was Sie möchten.\nWas Sie sind und können, interessiert\nvielleicht, aber eigentlich geht das\nnur Sie selber und Ihre nicht an-\nwesende Dame an. Sie haben fertig\nzu sein für alle!\nDer junge Mann:\nErlauben Sie mal, sind wir hier im\nTheater oder in der Kaserne?\nDirektor:\nSie haben den Kunstfimmel, junger\nMann. Sie sind auf der Erde.\nDie Schranktür springt auf, der junge\nMann schließt sie wieder und wäscht sich\nweiter.\nDirektor:\nWas sagt das schon, was Sie zu sein\nglauben. Ziehn Sie sich lieber rasch an.\nDer junge Mann trocknet ab, zieht sich\nan, knöpft die Weste verkehrt, muß sie\nwieder aufknöpfen, findet seine Rockärrnel\nnicht, die Schranktür springt wieder auf\nund wird geschlossen. Endlich ist er\nfertig, der Aufhänger sieht ihm zum\nKragen heraus.\nDer junge Mann:\nIch möchte aber doch vorher . . .\nDirektor, stopft dem jungen Mann den\nAufhänger hinein, schiebt ihn zur Tür\nheraus:\n• Schluß, Schluß. Halten Sie die Augen\noffen und helfen Sie sich weiter.\nDie Schranktür springt wieder auf, bleibt\noffen stehen.\n1. Bürger im Publikum:\nAber Sie schicken ihn ja auf die\nStraße!\n2. Bürger:\nNicht mal vorgestellt haben Sie ihn!\nDirektor:\nMeine Damen und Herren, es ist\nnicht anders. Der Held der Gegen-\nwart geht auf der Straße und hat\nkeinen Namen. Er ist der Mensch der\nMasse."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.17", "texte": "Nico Phirosmanichvily (Tiflis): Gemälde"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.18", "texte": "Das Märchen vom neuen Künstler\nWalter Seidl\nDer neue Künstler stand endlich vor der\nallmächtigen Königin.\nIhre Fülle, von krachender Seide mühsam\nzusammengehalten, zerfloß auf dem er-\nhöhten prunkvollen Thron. Der war nicht\nvon edelstem Geschmack. Denn sie war\nerst vor kurzem zum Range der Königin\nemporgeraten. — Sie stank nach läufigen\nKatzen. Wangen und Lippen traten in\nunnatürlichem Karmin aus ihrem ruinierten\nbleichbestaubten Antlitz. Wuchtiger als\ndie Platinsäulen, die den königlichen Sitz\ntrugen, lasteten ihre unwahrscheinlichen\nBeine auf dem azurblauen Teppich. Die\nKnie, wie Sonnen darüber, gingen in\nmassige Schenkel über, für die Untertanen\nnoch sichtbar. In der Linken den Punkt-\nroller, in der Rechten die güldene Puder-\ndose, regierte sie launenhaft und tyran-\nnisch. Um sie herumgestellt ihr Gefolge:\ndie Hauptaktionäre beherrschender Unter-\nnehmungen.\nAus hängenden, schattigen Tränensäcken\nerfaßten die belladonnadurchglühten\nAugen der Königin des Künstlers elende\nGestalt zu ihren Füßen, seine verkommene\nPhysiognomie:\n„Wir haben deine Erscheinung beschworen.\nMan soll Uns nicht nachsagen, Wir hätten\nfür Künste keinen Sinn! Unser Leib-\npediceur ist dein Freund, er hat für dich\ngesprochen. Wir wollen versuchen, dir\naufzuhelfen. Was kannst du?\"\nErschöpft von dieser langen Rede und\nohne Atem fiel die Königin an die Thron-\nlehne zurück. Der Künstler wollte zu\nsprechen anheben, hundert Hände machten\nihm Zeichen, daß er warte. Der Dekan\nder medizinischen Fakultät und Ueber-\nwirklich Geheimer Medizinalrat stach ihr\nmit einer Spritze in den Schenkel.\n„Sprich!\" — röchelte endlich die Königin.\n„Kurz und präzise!\" setzte der Zentral-\ndirektor ihres Hauses flüsternd hinzu.\n„Erhabene Herrscherin —\", begann ver-\nwirrt der Künstler, ,,— mächtige Herren!\nIch habe mein Werk in Dunkelheit und\nVerlassenheit geschaffen. Das Dunkel\nund die Verlassenheit töten mich jetzt,\nda es fertigsteht. Helft mir ans Licht!\nKennt mein Werk und wertet es! Ihr\nwerdet reicher an ihm werden!\"\nEinige Bewegung rann bei seinen letzten\nWorten in die Reihen der Höflinge:\n„Phantast, sag ich Ihnen! — Was heißt!\nWissen Sie? — Bittsi! — Versuch —\nrationelle Organisation — Versuchen Sie!\nIch nicht. — Könnte man!—vorsichtig—\"\nDie Königin erhob Schweigen gebietend\nden Punktroller:\n„Welche Branche betreibst du, Künstler?\"\n„Königin! Ich fühle so viel, was euch\nverborgen bleibt. Das alles gestalte ich.\"\n„Zum Beispiel?\"\n„Die Blumen der seltsamsten Träume sind\nin meinem Werk —\"\n„Blumen sind schlecht.\"\n„Mein Werk, o Königin, spricht eben-\ndiesen Gedanken aus!\"\nDer Zentraldirektor machte auf seiner\nStirn dem Künstler ein Zeichen:"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.19", "texte": "„Die Königin meint, daß Blumen ein\nschlechtgehender Artikel sind!\"\nDer Künstler errötete leicht:\n„Verzeiht, hohe Frau! Ich verstand Euch\nnicht gleich. Die Blumen tiefstinnerer\nEmpfindungen sind es, die ich —\"\nWiederum brach Geflüster aus den Scharen\nder Höflinge:\n„Empfindungen, sagt er? — Empfindungen\nsind gut, sag ich Ihnen! — Was heißt\nRisiko? — Heute empfindet alles. — Sie\nnicht? — Ich auch nicht. — Lächerlich! —\nKonjunktur —\"\nAbermals erhob die Königin den Punkt-\nroller:\n„Meinst du die Liebe, Künstler?\"\nDa erstrahlte des Künstlers Auge:\n„Gewiß, Königin! Auch die Liebe ist\ndarin, in all ihren Höhen und ihren —\"\n„Was heißt Höhen? Arbeitest du etwa\nin Idealen? Hahahahaha -— ohahaha!\"\nUnd die Königin erstickte blaurot an einem\nLachkrampf. Man mußte ihr wieder in\nden Schenkel stechen. Die Höflinge unter-\nhielten sich schon ganz ungeniert:\n„Was sagen Sie jetzt? — In Idealen\nmacht er, was hab ich Ihnen gesagt?! —\nHaben Sie jetzt nocff Kurasch? — Was?\nAufmachung? Nutzt nichts! Ihnen ge-\nsagt, Sie sind ein unverbesserlicher\nIdealist!\"\n„Kusch!\" — rief, zu sich kommend, die\nKönigin. „Er soll noch ein bißl reden,\ndas ist ja zum Schießen!\"\nDas Antlitz des Künstlers hatte sich\ndunkel gefärbt, sein Auge glomm:\n„Wer wagt zu behaupten, daß ich Ideale\nhabe? Nämlich solche, die ihr mit Recht,\nwenngleich frech belächelt! Die Blumen\nder dunkelsten, wahnsinnigsten Laster sind\nin meinen Träumen — und diese Träume\nsind mein Werk. Auch eure Roheit ist\ndarin noch weit überboten!\"\nDa prallten die Meinungen der Höflinge\nhart aneinander:\n„Sagen Sie jetzt noch was dagegen. Sie\nPessimist! Haben Sie gehört? Laster!\nRoheit! — No, wenn das nicht gehen\nsollte — ? — Steigen S i e ein, Sie Optimist,\nich geh zur Kontermine. — Gemacht! —\nKommen Sie aber nicht zu mir, wenn\nSie ruiniert sind! — Bittsi! Bomben-\nsichere Sache! — Wahnsinn! Sie legen\nsich hinein, sag ich Ihnen! — Wern Sie\nsehn, daß nicht! — Er macht's! Er\nmacht's nicht — Gerede! — Er macht's!\nGratuliere! Ausgerechnet auf die Kunst\nwarten sie mit die Laster! — No wern\nSie sich überzeugen! — In Laster mach\nich mit! — Ich auch! — Gerede! Da\nmach ich noch lieber in Ideale! — Ideale\nsteig ich aus! — Ideale geh ich mit! —\nMit Ideale blamieren Sie sich, kommen\nSie mit in Laster! — Nichts zu wollen! —\nIdeale! — Laster! — Laster! — Roheit!\nIdeale! — Nichts zu machen, lassen Sie\nsich sagen! — In Ideale? — Nein, in\nLaster! — In Laster meinen Sie, ja? —\nAuch nicht! — In gor nichts also? — In\ngornichts! — Also gut, dann in gor-\nnichts! — Doch! In Waffenstahl! —\nGlauben Sie? — Bittsi. Waffenstahl is\nprimissima! — Waffenstahl hat er ge-\nsagt? — 5000 Waffenstahl nehm ich! —\nSehn Sie zu, wo Sie sie herbekommen,\nSie Idealist! . . .\"\nAngstvoll hatte der Künstler den Reden\nund Gegenreden zugehört, die über sein\nSein entschieden. Als er nun sah, daß\nman ihn aufgab, stürzte er mit verzerrtem\nGesicht auf die Knie nieder:"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.20", "texte": "„Erhabenste Majestät! Erlauchteste Her-\nren! Schickt mich nicht fort! Ich kann\nnicht im Dunkel bleiben! Ich kann nicht!\nUnd ohne euch gelange ich nicht ans\nLicht! Was sage ich — ihr selbst seid ja\ndas Licht! — Hört, noch habe ich etwas\nLeben in mir! Ich will meinem bisherigen\nWerk absagen, ich schaffe ein neues!\nAber laßt mich nur nicht im Dunkel! Ihr\nbraucht nur zu sagen, was ihr wollt!\nSchimmerndste Reinheit wird es sein oder\nStröme von Schmutz, was ihr wollt!\nMacht es doch! Ich will ein Werk über\nden Waffenstahl schaffen, hört ihr?\"\n„Waffenstahl ist gut ohne Ihnen!\"\n„Was wollt ihr also? Was ist gut?\"\n„G o r n i x !!\"\nDa verbarg der Künstler, wie gefällt, sein\nHaupt in den Händen.\nDie Königin betrachtete ihn lange. Dann\nsagte sie milde:\nr\n„Werft ihn hinaus! Ich kann sein Leid\nnicht mitansehen.\"\nIn diesem Augenblick trat die Tochter\nder Königin in den Saal. Ueberschlank,\nHerrenfrisur, Smokingrock, frecher Gang.\n— Die Herren richteten an ihren Kra-\nvatten. Umringten sie huldigend. Aus den\nAugen der königlichen Mutter schoß ein\nböser Blick auf die Prinzessin.\nDer Dichter erhob sich aus dem Staube,\nneigte sich zum Ohre der Königin. Er\nwar bleich bis in die Lippen:\n„Herrin! Seht jetzt, wie hoch der Künstler\nüber jenen steht, die an diesem häßlichen\nMädchen mit dem Körper eines dürren\nStockes Gefallen finden! Die Sinne des\nKünstlers, da sie feiner sind, entzünden\nsich allein an monumentalen Formen des\nWeibes. O Kö—önigin!\"\nVon diesem Tage an lebte der Künstler\nallseits geachtet im Palaste der Königin.\nEr schuf dort, was ihm Freude machte.\nDenn niemand kümmerte sich um seine\nWerke. Aber wenn er noch nicht ge-\nstorben ist, lebt er noch heute."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.21", "texte": "Carl Buchheister: Schwer-Leicht-\nKomposition"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.22", "texte": "Opus 27\nAlexander Toufanoff / Leningrad\nTjun'ini ten'at\nPotomstenejut\nN'et'ät polneba\nKudaitti\nO Sten'ka Räzin\nFs'okosten'eet\nPut'idozögi\nTutnenajti.\nVal'is' vu§küi\nRebjäta räzom\nSestämi fstenn\nValilomäj\nKrajühn neba\nUhskräsnim gläzom\nPoslipodäle\nRastin'tunmät'.\nTarän' ftjun'ini\nKat'is' v Zadv'i'nje\nAto ostines\nFtemi netin\nNam tesnotömm\nGde net'i tinjat\nUhtzahnem tjüti\nMat'ftinleti.\n\nKrüppel\n\nEine helle Stimme hallt durch weite Hallen.\nZwei gesunde Füße marschieren auf glän-\nzenden Fliesen. Ein voller Körper wiegt\nsich graziös auf ihnen. Graue Locken\nfallen auf ein rundes Kindergesicht mit\nstrahlenden Augen. Zwei Arme weit ge-\nöffnet, aufzunehmen. Aus weißen Türen\nkriechen lachend auf Stümpfen Beinlose.\nEin einarmiges Mädchen schlingt den\nanderen Arm freudig um die Hüfte. Zwei\nhandlose Arme eines Jungen ergreifen die\ngeöffnete Hand. Ein Buckel preßt sich\nan die breite Schulter. Ein liegendes Kind\nschiebt sich glücklich, mit einem vier-\nrädrigen Wagen verbunden, zwischen die\nFüße. Ein Mädchen reckt träumerisch den\nKopf ohne Hals zu den leuchtenden Augen\ndes Mannes."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.23", "texte": "Würtz, der Erziehungsdirektor des Oskar-\nHelene-Heims zu Berlin-Dahlem.\nDas ist ein Leben. Eine Verwachsenheit\nVerwachsener mit einem erwachsenen\nKind. Ein Direktor ohne Haltung. Ein\nHalt der Verhaltenen. Auf den freudigen\nRuf seiner Lebensenergie laufen Beinlose\nund klettern Armlose. Er läßt ihnen nicht\nnur Prothesen geben, er gibt den Pro-\nthesen das Leben. Aus Mißgeburten\nwachsen durch Energie und Lust voll-\nendete Menschen. Das Fehlen des Fußes\nerzwingt den Fußballspieler. Das Fehlen\ndes Armes den Tennissportsmann. Das\nFehlen der Hände den Saxophonisten.\nUnd vor den Freuden des Sports und der\nKunst wird gehämmert, geschlossert, ge-\nschneidert, geflochten. Prothesen er-\nzeugte man sich selbst an Maschinen. Das\nQuartett der Krüppel studiert Hindemith,\ndie literarische Gruppe beschäftigt sich\nmit Heinrich Mann und das Orchester der\nKrüppel macht Jazzmusik.\nUnd zur beschaulichen Anschauung zeigt\ndas Museum den unglücklichen Glück-\nlichen dieses Heims die Menschen, die\nüber ihre Gebrechen hinweg Leben und\nMenschen besiegten. Napoleon, Beethoven,\nLenin, Kant, Rosa Luxemburg. Und\nweitere Tausend, die, Gebrochene, den\nGesunden halfen. Das Museum zeigt das\nUnverständnis und den Aberglauben der\ngebildeten und ungebildeten Menschheit\ndurch Jahrhunderte. Bis auf die herrliche\nGegenwart. Auch heute hält man einen\ngeschenkten Leierkasten noch als aus-\nreichenden Ersatz für vergebliches oder\nungewolltes Heldentum im Weltkriege.\nAuch heute werden Krüppel noch mit\nLustbarkeitssteuer zur Schaustellung aus-\ngebeutet.\nHier aber, im Oskar-Helene-Heim, waltet\nder gesunde Geist des Lebensfrohen in\nungesunden Körpern. Er nimmt mit\nseiner Tat der Gemeinschaft die Aus-\ngestoßenen in das Leben auf. Er schließt\nsie zusammen und schließt sie von der\nunsozialen Menschheit ab, die sich von\nihnen abschließt oder sie geistig und\nseelisch vernichtet. Die Minderung des\nKörpers scheint dem Krüppel hier nur\nzum Zweck der Mehrung der Leistung\nvorhanden. Eine Steigerung des Lebens-\ngefühls. Eine Freude, nicht ein Leid.\nLiier wird das Unzulängliche wirkliches\nEreignis.\nWürtz vollbringt keine Wunder, aber\nTaten. Er läßt nicht aufstehen und wan-\ndeln, weil man an ihn glaubt. Man steht\nauf und man wandelt, weil man an sich\nglaubt. Er nimmt den Krüppel die grund-\nlose Scham, in die die Gesunden sie un-\nverschämt treiben. Er beweist den\nKrüppeln durch ihr Tun, daß ihnen nichts\nfehlt, was ihnen auch fehlen mag. Das\nist Menschlichkeit. Das ist Ethik. Die\nWunder haben nie funktioniert. Die Funk-\ntionen funktionieren.\nWürtz.\nHier ist ein Mensch. Und ohne Leiden:\nEcce homo.\nDas Oskar-Helene-Heim für Krüppelfür-\nsorge wurde von Professor Biesalski\ngegründet und wird noch heute ärztlich\nvon ihm geleitet\n\nHerwarth Walden"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.24", "texte": "Variation über ein Thema der Wesendonck\nWalter Seidl\n„Vieles im menschlichen Leben ist dem\nVergessen geweiht. Weniges nur ist un-\nvergeßlich, aber nach diesem „Wenigen\"\nbestimmt sich zuletzt der Wert des Da-\nseins überhaupt.\"\nEin junges Mädchen, das die Violine\nspielte — so, daß es bei Gounods Ave\nMaria aus dem Takt geriet — vor „Tschi-\nnesen\" Furcht hatte und bei kurzgeschnit-\ntenem Haar rückwärts einen dicken Schopf.\nEin entzückend unwirkliches Wesen, hin-\ndämmernd und sanft. Und aus sehr, sehr\nguter Familie.\nMit siebzehn Jahren machte es guten Be-\nkannten gegenüber kein Hehl daraus, daß\ndas Los eines Mädchens, das seinen guten\nEltern keinen Kummer bereiten möchte,\nhart und langweilig sei. Und daß es ganz\nallein in die große Stadt möchte . . . Die\nMedizin erlernen.\nSeine Eltern, die es sehr liebten, aber am\nLande wohnten, fanden es — einstweilen\nwenigstens — hierzu noch zu jung und\nließen es lediglich in einer Provinzstadt,\nbei der Tante gut aufgehoben, Sprachen\nstudieren.\nMit zwanzig Jahren fand es sich endlich\nam Ziel seiner Wünsche. In der Haupt-\nstadt nämlich. Und im Seziersaal. Wo\nes erbrach. Aber das ging vorüber.\nUnter seinen Kollegen waren viele Tschi-\nnesen. Und selbst jene, die das nicht\nwaren, bekamen, sobald sie sich aus-\ngehungert dem reizend blühenden Mäd-\nchen gegenüber fanden, den gewissen\ngeschlitzten Blick, der es erschreckte und\nabhielt . . . Nun ja, was weiß man schließ-\nlich auch Bestimmtes von diesen düsteren\nmännlichen Existenzen! Vielleicht ist der\nda . . . na, wie heißt denn das gleich?\nOder aber . . . Ach, und was es da\nnoch alles an scheußlichen Gefahren für\nein unbescholtenes Mädchen gibt!\nDoch anderseits nur golden bebrillte\nGreise, Bücher, Leichen?! Für einen\nsüßen Fratzen, dem es möglich war, bei\nGounods Ave Maria aus dem Takt zu\ngeraten! Und auf dessen Nacken ein\ndicker Haarschopf lastete! Wozu hatte es\n(das Mädchen) ihn denn dann eigentlich?\nDen Haarschopf! —\nEin Tag kam, da ging ER vorüber. Also,\nein Ueber-Tschinese! Und unter Um-\nständen ihr Schicksal . . .\nEs aber spürte ihn nicht . . .\nStatt dessen vermählte es sich und bekam\nKinder. Von einem durchaus vertrauen-\nerweckenden Europäer.\nDie Kinder hatten sonderbarerweise ge-\nschlitzte Augen.\nSchließlich, mit vierundsechzig Jahren auf\ndem Totenbette, dachte es plötzlich laut\nvor sich hin: „Weniges Unvergeß-\nliche !\"\nDie ergriffen um es herumversammelte\nFamilie glaubte es zu verstehen und\nfragte beflissen, ob es vielleicht ein Glas\nWasser wolle —• ? —"}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.25", "texte": "mil dem\nVergnOgungsrelaen-Dampfet\n..OCEANA\"\nVom 25. Januar bis 13. Feb.\nvon Hamburg Qber Southampton\nnach Llaaabon, Cadiz, Ceirta.\nMalaga. Algler. Tunia, Palermo.\nNeapalund 3enua\nFahrpr. von X* 575.- aufwftrU\n(Orlentfahrt)\nVom 19. Feb. bis 15. Mftrz\nvon 6onua Qber Neapal. Meaalna.\nCatania, PlrAua, Rhodoe, Haifa.\nFori Said, Korfu. Cattaro-Bucht.\nQravoaa nach Venedlo\nFahrpr. von 3UL 750.- aufwftrU\n(BroSe Orlentfahrt)\nVom 16. Mftrz bis 14. April\nvonVenedlg Qber Qravoaa,Cattaro-\nBucht, Korfu. PlrAua, Konatan-\n4lnopel, Rhodoe. Beirut. Haifa.\nJaffa, Port Said. Catania, Meaalna.\nNeapel nach Genua\nFahrpr. von *Jt 050.- aufwftrU\n(Oatern In Rom)\n4. ftels. 16. April bit 2. Mai\ns.Rei e 20. Ma! 6.Juni\nHAPAG\nMITTELMEER\nFAHRTEN\n\\\n• m\n::\ne .♦\nk\n■Je>\n/\n1\nE\nHAMBURCAMERI\nVertretungen an alien grofieren\nPlatzen des In- und Auslandes\n\nzr~*\n2SSKZZ\n11 aWJ.M i,i> 11 MIII\n3\n\"E\nx-x \"'\n:• •\n:• x-::x::><vx/^:::ixj:':v\n- ,v . w '\nmmmm<\n■X>X\nw*j ii n ii '*■\niWfi 111mwii.li i,ill 11mn.ni ' j 11111inlyxjii.u 1111 iiwiijii-:\nwww \"' i.ionoui.i.n imh i n iwm.r i.i.h mwiwn* #: '■:gi\n-xX\n■\n- m\n:>ffX:X¥S:S\nK ; »&9S <■«\nmm\nI^vaM>wWM.\n*s yM£w*gb J$M\n155 1 ■.'■\"■ ■V V '■>, >■( \\ •• V W-W-XS\n:\nsiS%ib Pill\ncs-*\nN'x':-:::\njx: :-■■\n':X*>X;;;:;X;:-.:';' X;X .;: ■\nX-X\\-\nm\ny ■■\n■x:\n, X \\ M\n:;x::-x'-x;\n' • $\nWW\n■ :\nX:\n- '^vtsi\n;\nWm\nm\nx!:r\n§>§111\n\\ \\ oXA< : S # $\\V t-: w y\nM'%'X ;4:i11\n£p \\«,-«*d .-I v-g 11\n*3 X xw|| 11\nIfbt- HI\nMMillii\n.X'tiil\ntiii iti\nSi-?::®:-:\nPMi\n'X:>\nml?:\nxv.-:\n&?$\n•-••X • ,\n- M\n§mmm MM\nmm\nmMni \"\"1\nililllliiHl\n::::X\"X:X-:-:v;-; ; ;;;X:x-:-.\nilPlSiil\nft\nBP\ni iii i i¥iiii n liiii\nX;X::;:\n• :-:-x-\n-s«x::\nmmmm\niLIIMII.I.IIMIIWM\nm\n*:\n■xx.',:\nmssm\nmU\nniiWtll\n\nDichtungen von HERWARTH WALDEN\nIm Geschweig der Liebe / Gedichte / Gebunden in Ganzleinen 3 Mark\nDie Harie der Weltenliebe / Roman\nDie Beiden / Ein Spiel mil dem Tode\nGlaube / Komitragodie\nDas Buch derMenschenliebe / Roman\nJedes Buch 2 Mark\nErste Liebe / Ein Spiel mil dem Leben\nSiinde / Ein Spiel an der Liebe\nLetzte Liebe / Komiiragodie\nJedes Buch J Mark\nWeib I Komitragodie / 3 Mark\nKind I Tragodie Trieb / Eine biirgerliche Komitragodie Menschen / Tragodie\njedes Bud, 2 Mark Verlag Der Sturm / Berlin W 15"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.26", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann Berlin Wl5 / Verlag: Der Sturm G.m.b.H.\nBerlin Wl5 Kurfürstendamm 173 / Fernruf Oliva 5072 / Postscheckkonto Berlin 120 658\nDruck: Buchdruckerei Rob. Rohde G. m. b. H. Berlin W 35 Lützowstraße 87\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt\n\nDie grossen Denker\nvon Will Durant.\nMit einer Einleitung von Professor Dr. HansDriesch, Leipzig. Deutsdie Ausgabe iiber-\nsetzt und bearbeitet von Dr. Andreas Hecht, Leipzig, 532 Seiten Text mit ausffihrlichem Sach-\nregister, 100 Kunstdruckbildern und zahlreichen Sdiriftproben. — Geb. Mk. 14,— ; Ganzleinen\nMk. 17.—; Halbleder Mk. 25,—.\nHier liegt eine Darstellung der Philosophischen Richtung und ihrer Vertreter vor, die\nJedermann lesen, mit Genufi lesen und verstehen kann. Auch ihm wird das ..Philosophieren\nein Genufl\", wie Durant voraussagt.\n„Ein wirklich zauberhaftes Volksbuch\". (Ed. Korrodi)\n„. . . der Leser glaubt Novellen zu lesen und merkt dann, dali er, in Novellenlorm,\netwas ganz anderes gelesen hat; etwas, das ihn auiierordentlich bereichert, das ihm ein ganz\nneues Land erschlossen hat . . . Es ist historische Wirklichkeit in Typenform. Und so\nlernt denn der Leser, welcher sich diesem Werke ernstlich hingibt, ohne zu merken, dafi er\nlernt\". (Prof. Dr. Hans Driesch)\nEin seltsamer Heiliger\nBrigham Young, der Moses der Mormonen von M. R. Werner\nDeutsche Bearheitung von Professor Dr. S. Fellbogen. 388 Seiten und 46 Abbildungen.\nGeb. Mk. 9,— ; Leinen Mk. 11,—.\nMit einer Spannung, die von der ersten bis zur letzten Seite durchhalt, liest man diese\nGeschichte des Mormonenstaates und seines Leiters, in der Groteskes und Erhabnes, Aberglaube\nund Gottvertrauen, Zukunftswille und alttestamentarische Primitivitat, religioser Fanatismus und\numsichtigster Geschaftsgeist, pionierhafte Kuhnheit und Schwarmgeisterei sich phantastisch ver-\nan deren Ende schliefilich doch der Triumph fiber die Wildheit der Menschen und\nder Natur steht.\n„Mit erstaunlidier Lebendigkeit, bei groiSter geschichtlicher Objektivitat, hat M. P. Werner\ndas Leben Brigham Youngs und die Errichtung des mormonischen Staates erzahlt.\" (Dresdner\nNadirichten.)\nDie Liebesbriefe\nvon Thomas Carlyle und Jane Welsh\nHerausgegeben von Alexander Carlyle M. A.\nIns Deutsche tibertragen mit Vorwort und Anmerkungen von Dr. phil. Lucy Hoesch-Ernst\n2 Bande mit 733 Seiten und 18 Abbildungen. Geheftet Mk. 19,20; Ganzleinen: Mk. 24,—\nDiese Briefe, meisterhaft fibersetzt, diirften als literarische und psychologische Dokumente\nvornehmsten Ranges verdiente Geltung finden, audi bei Lesern, die erst wenig mit dem Ge-\nsamtwerk des geistesgewaltigen Schriftstellers Carlyle vertraut geworden sind. Carlyles eriolg-\nreiches Bestreben, England mit deutschen Denkern vertraut zu machen, ist bekannt. Es war\nihm, wie seiner geliebten Jane so seiner ganzen Nation gegenfiber, Herzenssache und selbstge-\nwahlte Mission, fur die Werke von Goethe, Schiller, Kant und nicht zuletzt fur die deutsdie\nVolksseele, wie sie sich in den Marchen spiegelt, Herold und Interpret zu sein.\nDie Welt des Kindes\nVon Kind und Kindheit, Kinderausspruche, Kinderarbeiten, Kindererinnerungen\nBuch 4 der Zeitsdirift Individuality\n200 Seiten u. 50 z. T farbige Bilder. Herausgegeben von Willy Storrer u. Hans Reinhart\nBeitrage und Aussspruche von C. L. Schleich, Friedr. Huch, Leo Tolstoi, Maxim Gorki,\nDuhamel, Rudyard Kipling, Hans Carossa, Jakob Schaffner, Albert Steffen, Hans Reinhart,\nWilhelm Speyer, Lisbeth Dill, Helene Boclilau usw. — Geb. Mk. 3,80; Ganzleinen Mk. 5,50.\nFriiher erschienen: Band 1/2 „Die Schweiz im XX. Jahrhundert\", Band 3, „Zur Signatur der Gegenwart\".\nORELL FUESSLI-VERLAG, ZUERICH\nGeneralvertretung fur Deutschland:\nMUELLER & KIEPENHEUER, POTSDAM"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.27", "texte": "Verlangen Sie bill<=> pin\n■' SID, iLL2,,2mS,,,,!2££SJ,\nsai*ssifbft ,i??rs rawi st,\"\nSosialistische Honatshefte\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartal 3 Mark, Einzelheft 1 Mark\nn. . (auf besonders schiSnem Papier) pro QuartSfe Mark, Einzelheft 2 Mark\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt die Sfpllnnrr a\\ • •\nLeben errungen haben durch ihrp o-pwnimtAn r* u- * otellung, die sie m unserm offentlichen\nSpbire wissenschaftlicher Vertieiun,\nPh.. .tZe'\"en Rubrike\" von tSfe nQbtr{,eei,eer,6gliCh'- D'C\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE\nG. M. B. H. BERLIN W33\n\nn Bii chern auch nur das geringste Interesse hat:\nEin Grenufi sondergleichen!\n—PIKALER GEIST\nQuerschnitte durch die radikale Literatur\n(das sind solche Werke, deren leitende\nIdeen bis zu Bnde durchdacht sind) aller\nRichtungen und aus alien Gebieten, sowie\ndurch »ausgefallene« und »Zeit«literatur."}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.28", "texte": "Tätigkeit nicht mehr recht umstellen. Sie werden\nzwar nicht mehr gehetzt und verachtet. Sie\nkönnen jetzt nachts ruhig schlafen, sagen sie\nzufrieden. Aber bekümmert fügen sie hinzu,\nam Tage auch. Denn der Handel ist vorbei.\nZwar nicht verboten. Aber welcher alte, kluge\nJude würde bei sich selbst kaufen, wenn er\nalles viel billiger in der Konsumgenossenschaft\nbekommt, in der er Mitglied ist. Man kann\nauch als Bauer und Arbeiter leben. Die Sonne\nbrennt. Die Bauern gönnen sich etwas und\ngehen ins „Büffet\". Hier gibt es Großstadt-\nfreuden. Selterwasser mit allen möglichen\nFruchtessenzen, das Glas für 5 Kopeken, und\nallerlei Zuckerwerk. Das Getränk wird aus\neinem geheimnisvollen Ständer mit gradierten\nRetorten und Nickelbeschlag gemixt. Auch\ngroße Portionen Speiseeis, schon für 5 Kopeken,\nsind begehrenswert. Das heutige Stadtgespräch\nsind die Onkel aus Amerika. Sie gibt es\nwirklich, während sie in Europa nur auf dem\nTheater vorhanden sind. Aus jeder Kleinstadt\nsind märchenhaft viele Einwohner nach Amerika\nausgewandert. Sie vergessen ihre Heimat\nnicht, werden auf märchenhafte Weise reich,\nkommen selbst als Gents zu Besuch oder\nschicken Liebesgaben. Diesmal haben die Onkel\ngleich 13 Kisten voll Kleider, Schuhe und\nWäsche zur Verteilung an die Armen gestiftet.\nAuch hier macht man zunächst das, was man\nüberall tut: man wählt eine Kommission. Es\nwird ausgepackt, geschätzt und geordnet. Räume\nsind für solche Kisten nicht gebaut. Sie lagern,\nvon zahllosen Kindern bestaunt, auf der Straße,\nwährend die Kommission im kleinen, leeren\nLaden die Qualität der amerikanischen Kon-\nfektion bewundert. Wenn die beschenkten Klein-\nstädter erst die Taylor mades, die Breeches, die\npelzbesetzten Damenmäntel, die Herrenulsters,\ndie Autoshawls, die Sporthemden tragen werden,\nwird die Verwechslung mit New-York City\nnicht mehr zu vermeiden sein. Geigenklänge.\nEhrfürchtige Versammlung. Der Greis spielt\nselbstkomponierte Walzer. Ein kleines Mädchen\naber behauptet, es wäre das Lied von zwei\nRosen und einem Rosenmund. Auf Fragen\nerklärt der Komponist, er habe sich, wie alle\ngroßen Meister, an den Rosenmund angelehnt.\nEr spricht deutsch und ist mit dieser Zeit böse,\ndie keinen Sinn mehr für das Konzert von\nBeriot habe. Früher. Die Schwester des Zaren\nhat sich sogar mit ihm photographieren lassen.\nSo entzückt war sie von ihm und Beriot. Und\nhat ihm zur Erinnerung und zur Ehrung einen\nalten Militärrockknopf mit echtem Monogramm\ndes Zaren geschenkt. Der Knopf schließt das\nbescheidene Tuchetui der Geige. Der Achtzig-\njährige hat nur noch den einen Wunsch,\nseine Kompositionen in Berlin zu verlegen. Er\nist jederzeit bereit, die Melodien aufzuschreiben.\nAuch die Kleinstadt wird industrialisiert. Die\nerste Fabrik ist vorhanden. Produktion von\nMarmeladen, Pflaumenmus und Kartoffelmehl.\nFast 200 Arbeitslose sind untergebracht. Die\nFabrik arbeitet für Export nach Deutschland.\nDer Meister beschwert sich bitter, daß man\nihnen für die teuere Valuta ganz veraltete\nMaschinen in Berlin verkauft habe, die außer-\ndem nicht für den bestellten Zweck konstruiert\nsind. Die Wagen fahren ausverkauft zurück.\nVorbei an kornschweren Feldern. Vorbei am\nersten jüdischen Kollektivgut (Kolchos), das in\ngemeinsamer Arbeit nur von jüdischen Bauern\nbetreut wird. In der Kleinstadt sind bereits\ndie elektrischen Lampen angezündet. Auf\nder Hauptstraße sitzen und stehen plaudernde\nGruppen, die Büffets sind überfüllt. Das Wasser\nschäumt in den Gläsern. Die Türen des\nTheaters sind geöffnet. Das Orchester der jüdi-\nschen Knabenschule, überreichlich mit Pauken,\nTrommeln und Kastagnetten versehen, spielt\nMarsch auf Marsch. Und in einer Ecke des\nPlatzes spielt der alte Geiger vor wandelnden\nPaaren seinen Walzer von den Rosen und dem\nRosenmund."}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "[73]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.29", "texte": "(Deutsch tanzosisdie\n(gesellschaft e.QJ.\nJ *3L~\nDie Deutsch-Franzosische Gesellschaft will ohne Ansehen\nder Partei alle zu sich rufen, die den Kern des europaischen\nProblems in den deutsch-franzosischen Beziehungen sehen.\nEine bedingungslose und leidenschaftsfreie Betrachtung\ndesjenigen Landes, zu dessen Nachbarn uns das Schicksal be-\nstimmt hat, soli alle vereinen, die ein Verstandnis zwischen\nFrankreich und Deutschland als erste Vorbedingung einer gliick-\nlicheren Zukunft fur notig halten. Sie bittet Manner und Frauen\nin ihre Reihen, deren europaisches Verantwortungsgefuhl in\nschweren Jahren gestahlt wurde, deren Jugend weitgesteckten\nMenschheitszielen leidenschaftlich zustrebt, deren Urteil unvor-\neingenommen aus der Wirklichkeit schopft, deren Wille zu einer\nfriedlichen Losung der europaischen Spannungen von moralischer\nLauterkeit getragen wird.\nDie Deutsch - Franzosische Gesellschaft und in ihr die\ndeutschen und franzosischen Gruppen schaffen durch Vortrage,\nDiskussionen, Reisen, gesellschaftliche Veranstaltungen, durch\npadagogische Mittelstellen und durch die Zeitschriften „Deutsch-\nFranzosische Rundschau\" und „Revue d'Allemagne\" eine Arbeits-\nund Zielgemeinschaft von Deutschen u. Franzosen aus alien Kreisen.\nDer Mitgliedsbeitrag betrdgt jahtlich 20,— Mark\nBERLIN: Zentralvorstand / Schriftleitung der Deutsch-\nFranzosischen Rundschau / Mittelstelle fur Schulerbriefwechsel /\nMittelstelle fur Schuleraustausch\nOrtsgruppen und Zielgemeinschaften in\nBORDEAUX I FRANKFURT A. M. /' KOLN / MANNHEIM /\nLE SENS I PARIS / STUTTGART / TOULOUSE / WIEN\nAnmeldungen zur Mitgliedschaft, die den unenlgeltlichen Bezug der Deutsch-\nFranzdsischen Rundschau in sich schliefit, sind zu richten an den geschafts-\nfiihrenden Vorsitzenden Dr. OTTO (slRAUTOFF, Berlin W 30, Haberlandstr. 2\n<r~"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "[74]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg192912-01.1.30", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann Berlin Wl5 / Verlag Der Sturm G.m.b.H.\nBerlin Wl5 Kurfürstendamm 173 / Fernruf J 2 Oliva 5072 /' Postscheckkonto Berlin 120658\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt\n\nW. Marzillier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Konigs von Spanien\nGegriindet 1854 Gegriindet 1854\nSpedition u. Mobeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemalden u. Kunstgegenstanden jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von alien Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nSpediteuredesWirtschaftlichenVerbandesßildender\nKiinstler / der Secession / des Yerbandes Deutscher\nUlustratoren und Hausspediteur des ~Sturmki\n\nBibliographisches Institut A. G. in Leipzig\nlIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII2IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII\nIn siebenter, neubearbeiteter Auflage\nerscheint:\n12 HalblederbSnde\nOber 160 000 Artikel auf 21000 Spalten Text, rund 5000\nAbbildungen und Karten im Text, iiber 1000 z.T. farbige\nBildertafeln und Karten, iiber 200 Textbeilagen\nBd. I, 11, IV bis IX kostet je 30 Rm., Bd. 11l 33Rm.\nSie beziehen das Werk\ndurch jede gute Buchhandlung\nund erhalten dort auch kostenfrei\nausfiihrliche Ankundigungen\n\nCessiner Bauschen\n5 Zimmer\nfliefiendes Wasser, Garten, Berg-\ngelegen, 15 Min. v. See, Tennis-\nplatz, Wald. Nahe Locarno.\nRM. 60.— pro Monat 1 Bett,\nRM. 80.—- 2 Betten incl. Licht,\nWasche, Kiiche. Einzelzimmer mit\nBalkon. Herrliche Aussicht.\nAuskunft:\nOLGA STRASKRABA\nASCONA b./Locarno\n\nJack London!\nDer neueste Band\nMenschen derTiefe\nAus dem Londoner East-end\nUmschlagzeichnung von Kathe Kollwitz\nIn Leinen M. 4.80\n~Jack London war nicht allein Reporter. Hier aber, in\ndiesem Buche, ist er nichts als das, und gerade das ist das\nGrosse, dae Erschiitternde an dem vorliegenden Werke. Was\nfiir Tatsachen, was fur Zahlen, was fur protokollarische Auf-\nzeichnungen! Wenn ein Buch Epoche machen kann, Biicher\ndieser Art konnen es. 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Einem\njeden wird dadurch eine fortlaufende Orientierung viber die einzelnen Gebiete ermoglicht. Die\neinzelnen Rubriken (33 an der Zahl) werden von Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfiigung. Dem unterzeichneten Verlag ist\ndie Mitteilung von Adressen willkommen, an die die Zusendung von Probeheften ratlich erscheint.\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE ?\na. M. B. H. BERLIN W35\n\nFiir jeden, der an Biichern auch nur das geringste Interesse hat:\nEin Genua sondergleichen!\nRADIKALER GEIST\nQuerschnitt durch die radikale Literatur\n(das sind solche Werke, deren leitende\nIdeen bis zu Ende durchdacht sind) aller\nRichtungen und aus alien Gebieten, sowie\ndurch »ausgefallene« und »Zeit«literatur.\nBerlin-Wendenschlolj / Falkendammer Strafce 6\nGegen 90 Pf. in\nMarken oder auf\nPostscheckkonto\nKURT ZUBE\nBerlin Nr. 136816\nSofort bestellen!\nNichts Iflr geistig Minderbemittelte! 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