{"numero_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_sha256": "737b3bdd8a18135665a462884c1bb8c57204b093d67703a0c20dcaaf0c3f7db5", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1930/05_01/bmtnabg_1930-05_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1930/05_01/bmtnabg_1930-05_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c001", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[71]", "page_fin": "[71]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.1", "titre_corps": "[Table of Contents]", "titre_sommaire": "[Table of Contents]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[71]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 246, "texte": "Zwiegespräch zwischen Jessenin und Majakowsky Wladimir Pokrowsky\nGedichte Karl Höfler\nVermittlung Herwarth Waiden\nKurzdramen Norbert Schiller\nFurcht Walter Seidl\nAbbildungen:\nVision am Abend von Hans Jaenisch\nZwei Zeichnungen von Franz W. 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Kann in der\nDunkelheit nichts unterscheiden.\nJESSENIN: Besucher meiner Art erscheinen\nnur nachts.\nMAJAKOWSKY: Diebe?\nJESSENIN: Und Tote.\nMAJAKOWSKY: Jessenin? Sie?\nJESSENIN: Ich möchte mich mit Ihnen unter-\nhalten.\nMAJAKOWSKY: Hm . . . Das hat seine\nSchwierigkeiten.\nJESSENIN: Ziehen Sie tatsächlich den Schlaf\neinem solchen Gespräch mit mir vor?\nMAJAKOWSKY: Nein, nicht auf den Schlaf\nkommt es an. Aber .. . aber ein Ge-\nspräch mit einem Toten ist etwas . . . .\nmetaphysisch. Und würde mir als\nMaterialisten nicht gemäb sein.\nJESSENIN: Tut nichts. Niemand wird es er-\nfahren. Für das Publikum bleiben Sie\ndas, was Sie scheinen. Was die Haupt-\nsache ist, unser Gespräch ist ja lediglich\neine literarische Form. Und den Gebrauch\ndieser Form nur aus dem nichtigen Grunde,\ndab einer von uns nicht lebt, zu vereiteln,\nwäre unliebenswürdig dem Autor dieses\nZwiegespräches gegenüber. Um so mehr,\nda Sie selbst . . .\nMAJAKOWSKY: Ich selbst? Erlauben Sie mal,\nich bin doch vollkommen lebendig.\nJESSENIN: Ich spreche von etwas ganz\nAnderem, Ich wollte sagen, dab Sie selbst\nsich nicht gescheut haben, mit Toten zu\nsprechen - zum Beispiel: Ihr Jubiläums-\ngedicht an Puschkin: „Alexander Sserge-\njewitsch, gestatten Sie mir, mich Ihnen\nvorzustellen. Majakowsky.“ Doch da war\nder Tote der Benachteiligte.\nMAJAKOWSKY: Wieso?\nJESSENIN: Sie lieben ihn nicht zu Wort\nkommen. Von Zwiegespräch keine Spur.\nEs war ein Monolog. Damit Ihr Gedicht\n„An Ssergej Jessenin“ nicht ähnlich einseitig\nbliebe, beschlob ich die Tatsache, dab\nich nicht mehr lebe zu überwinden und\nSie daran zu hindern, es auszunutzen, dab\nich nicht lebe.\nMAJAKOWSKY: Ich habe es nicht ausgenutzt.\nJESSENIN: Wollen wir uns doch nichts vor-\nmachen. Uns beiden ist es zu eng in der\nzeitgenössischen russischen Literatur. Ge-\nrade zwischen uns beiden spielt sich der\ngrobe Streit um die Vorherrschaft ab.\nIhnen geht der Erfolg meiner Gedichte\ngegen den Strich, Kein Preis wäre Ihnen\nzu hoch um damit die Möglichkeit zu er-\nkaufen, meine Gedichte und meinen Tod\nzu entwerten.\nMAJAKOWSKY: Sonderbar, Jessenin, dab\nselbst jenseits des Grabes, wie man zu\nsagen pflegt, die Manie Sie nicht verlassen\nhat, überall und in allem Verfolgungen\nzu wähnen.\nJESSENIN: Wagen Sie nicht, Ihr Recht des\nLebenden dazu auszunutzen, um mit Ihren\nGedichten billigen entlehnten amerikani-\nschen Stils mir Sowjet-Rubland und Sowjet-\nRubland mich zu rauben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3113, "texte": "MAJAKOWSKY: Ihre Domäne in Sowjet-\nRubland ist, was zurückgeblieben wie Asien\noder faul wie die Spitzen Europas ist.\nJESSENIN: Und Ihre Domäne, was sich fort-\nschrittlich, revolutionär und talentvoll ge-\nbärdet, in Wirklichkeit aber zurückgeblieben,\nreaktionär und unbegabt ist.\nMAJAKOWSKY: Vor allen Dingen wollen\nwir doch Eines feststellen: greifen Sie mich\nan oder die Ideen, für die ich Propaganda\nmache?\nJESSENIN: Ich greife Sie Ihrer Unaufrichtig-\nkeit wegen an und die von Ihnen propa-\ngierten Ideen wegen ihrer Plattheit.\nMAJAKOWSKY: Schön. Ich hingegen greife\nSie persönlich garnicht an (trotzdem ich\nan Ihrer Unaufrichtigkeit in vielen Fällen\nnicht zweifle), sondern nur Ihr Schaffen.\nJESSENIN: Weil es besser ist als das\nIhrige.\nMAJAKOWSKY: Jessenin, Sie sind ein ver-\ndorbener Mensch mit einer Kinderseele.\nGewib sind Sie talentvoll. Gewib haben\nSie Verse, die auch uns Gesunden gefallen.\nAber der Urgrund - verzeihen Sie - ist\ndürftig Wenig Neues in der Form, viel\nFäulnis in der Stimmung. Und diese\nFäulnis ist auch dürftig. Sie und Ihre\nBewunderer merken nicht, dab Fäulnis\nFäulnis ist, oder (was noch schlimmer)\nfinden es schön. Was ist denn ein\nDichter?\nJESSENIN; Ein Dichter das bin ich.\nMAJAKOWSKY: Der ist Dichter, der den\nMenschen mit seinen Gedichten hilft, ge-\nsteigert zu leben und vorwärts zu gehen.\nIhre Gedichte helfen nicht, sondern stören\nzu leben. Audi hängt Ihre Wirkung auf\ndie Leser nicht so sehr mit dem Talent\ndes Autors zusammen, wie mit der mo-\ndernen Art seines Todes.\nJESSENIN: Moderne Todesart! Sind nicht\ndie besten russischen Dichter auf solche\nmoderne Art ihrer Zeit gestorben? Wenn\nsich die Mode auch änderte. Es gibt zwei\nGruppen russischer Dichter. Solche, die\nsechzig bis siebzig Jahre alt wurden.\nSo lange werden, voraussichtlich, auch Sie\nleben, Majakowsky. Diese Dichter lebten\nin gesicherten Verhältnissen und hatten\nein ruhiges Schicksal. Es waren gute\nDichter. Tjulscheff, Maikoff, Fet, Nekrassoff,\nAlexei Tolstoi I, Pleschtschejeff, Polonsky\n.... das waren bedeutende, aber keine\ngroben Dichter. Die Groben starben\nfrüh, starben auf tragische Weise, Es hat\nnur zwei Grobe gegeben: Puschkin und\nLermontoff\nMAJAKOWSKY: Der tragische Tod Puschkins\nhalf seinem Ruhm; wie mir am Anfang\ndie gelbe Bluse half, die ich trug. Aber\nbedeutet das, dab jeder, der eine gelbe\nBluse trägt oder sich erhängt, grob ist?\nSo sind Sie. Ihr Hauptlrumpf ist der Effekt\ndes Todes, während bei mir und Puschkin\nDuell und Bluse nur äubere Zugaben zur\nGenialität sind. Bald wird Ihr Tod un-\nmodern werden, desgleichen Ihre Gedichte.\nIch jedoch werde lange Vorhalten. Ueber-\nhaupt fängt meine Karriere erst an, ob-\ngleich ich schon viel erreicht habe.\nJESSENIN: Sie sind erledigt. Denn Sie sind\näuberlich, intellektualistisch, brutal.\nMAJAKOWSKY: Auf diese Weise kommen\nwir zu keinem Ende. Machen wir es so\nIch höre erst alles Wesentliche, was Sie\nmir zu sagen haben an, ohne Sie zu\nunterbrechen. Und dann beantworte ich\nalles auf einmal, wobei ich Sie bitten\nwerde, mich nicht zu unterbrechen.\nJESSENIN: Gut.\nMAJAKOWSKY: Ich höre Ihnen zu. Also,\nfangen Sie an, Ssergej Alexandrowitsch."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3199, "texte": "JESSENIN: Mir ist alles, was mit dem Worte\n„Majakowsky“ zusammenhängt, widerlich,\nfremd, sogar ekelhaft. Primitiver Opti-\nmismus, und auch der falsch; brutale aus-\ngeklügelte Form, und auch die gestohlen.\nOptimismus . . . Welchen Grund hätte\nder Mensch wohl zum Optimismus? Was\nwissen wir? Während ich und die auf\nmeiner Seite sind, ehrlich bekennen: wir\nwissen nichts, außer der Tatsache, daß es\nuns schlecht geht, zur selben Zeit zetern\nSie und die auf Ihrer Seite, mit Wenigem\nzufrieden, daß es Ihnen gut geht und daß\ndie Welt vollkommen ist. Die Bejahung\ndes Lebens um jeden Preis als absoluten\nWert ist überhaupt eine strittige Theorie.\nTrotzdem kann ich diesen Standpunkt noch\nverstehen, habe ich doch selbst geschrieben:\nGesegnet, auf ewig,\nDaß man erblüht und gestorben ist.\nWarum aber das Leben in einen Markt\nverwandeln! Warum jede Bagatelle zu\neinem Wunder der Schönheit stempeln?\nEin solcher Optimismus ist ein Bullen-\noptimismus. Ein Bulle ist immerhin\nwenigstens aufrichtig. Aber Sie? Sie lügen\nmit jedem Wort, mit Ihrem „Hurra“, mit\nIhren Preisliedern an die Sonne und die\nEpoche. Sie langweilen sich fast ebenso\nwie wir. In den menschlichsten Augen-\nblicken Ihrer zufriedenen Existenz fühlen\nSie sich genau so besiegt, zerdrückt, ver-\nwirrt, unschlüssig, genau so gequält und\nsehnsüchtig. Doch wertvoller als alles\nerscheint Ihnen das Brot mit Butter und\nder äußere Erfolg. Dazu kommt die Er-\nkenntnis, daß das menschliche Wort recht\nverschiedenartige Kombinationen zuläßt\neinige von ihnen werden bezahlt.\nResultat: Kritiker und andere Dumm köpfe\nstellen mit Genugtuung fest: „Der große\nMajakowsky, durchdrungen von eisenbeton-\nstarker Entschlossenheit, die Finsternis zu\nbesiegen, ruft uns“ .... Und erscheint\ndann plötzlich ein wirklicher Dichter,\nder Lachen und Weinen nicht heuchelt\n(„Jessenin weint und lacht wie eine Geige,\nwährend unsere proletarischen Dichter\nnur trommeln“ sagte Radek von mir),\nwenn also ein Dichter erscheint, der es\nnicht nötig hat, die Dürftigkeit des Inhalts\nhinter Verrenkungen der Form zu ver-\nbergen, weil sein Schaffen reich, vielfältig\nund geschmeidig wie das Leben selbst ist\nso tretet Ihr wackern Optimisten, deren\nOptimismus nur ein Mantel ist, unter dem\nIhr Talentlosigkeit oder Verzagtheit ver-\nbergt, gegen diesen Dichter auf, weil er\nangeblich dem Leben schadet. Euch schadet\ner, aber nicht dem Leben bedarf denn\ndas Leben Derer, die es wie gleichgillige\nSöldner preisen, dringender als Desjenigen,\nder es zurückstrahlt wie ein Echo, wie ein\nSpiegel.\nMAJAKOWSKY: Weshalb verstummen Sie?\nJESSENIN: Ich habe gesagt, was ich zu sagen\nhatte.\nMAJAKOWSKY: Schön. Jetzt ist die Reihe\nan mir.\nVor allen Dingen wie kommen Sie\ndarauf, zu behaupten, daß wir den\nOptimismus als absoluten Wert ver-\nkünden? Wir empfinden bloß so. Und\nSie, Sie sind vom Leben enttäuscht und\nglauben Amerika entdeckt zu haben.\n„Das Leben ist schließlich sinnlos und\ndeshalb muß man aus dem Leben\nscheiden.\" Warum „muß“ man? Welche\nLogik folgert die absolute Ablehnung des\nLebens aus der Erkenntnis seiner Frag-\nwürdigkeit? Wir denken garnicht daran,\ndie Fragwürdigkeit des Lebens zu leugnen,\nwir wollen aber leben und Leben um uns\nsehen, und deshalb unterstützen wir alles,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3003, "texte": "was Wasser auf unsere Mühle, die Mühle\ndes Lebens, giebt. Wir unterslützen sogar\nden Bullenoptimismus. Diese gesunde\nPrimitivität ist das Rohmaterial, aus\ndem der komplizierte Mensch sein Glück\nzimmert.\nWarum in aller Welt haltet Ihr uns für\nunaufrichtig? Darauf gibt es viele Ant-\nworten. Erstens: Es fällt Euch wohl\nschwer, zu glauben, dab einer gesund ist,\nweil ihr selbst krank seid. Zweitens: Ihr\nkönnt nicht glauben, dab irgend jemand\ndie Wahrheit sagen kann, weil Ihr Euch\nselbst und die Andern belügt. Drittens:\nIhr beurteilt die Optimisten, Kommunisten,\nRevolutionäre, ohne eine Ahnung davon\nzu haben, was Optimismus, Kommunis-\nmus, Revolution ist, nach den Karikaturen,\ndie man von ihnen macht und die zahl-\nreicher sind als die Originale.\nVermag denn der Mensch, der an den\nSieg des Lichtes im Leben glaubt, nicht\nauch über das Dunkel zu weinen ? Haben\ndenn die Gefühle und Unzulänglichkeiten\nseiner Zeit nicht auch Macht über ihn ?\nGlückt es Euch mal, einen Majakowsky\nnachdenklich, anscheinend traurig, oder\nein Mal in drei Jahren mit feuchten Augen\nzu erspähen dann freut Ihr professio-\nnellen Schwermütigen Euch. Anstatt in\ndieser zufälligen Traurigkeit oder vor-\nübergehenden Nachdenklichkeit nun den\nMenschen, wenn auch nicht gerade den\nUebermenschen, zu erblicken statt dessen\ngebärdet Ihr Euch wie Aussätzige bei der\nEinlieferung eines neuen Kranken in ihr\nLeprahaus. Ihr brüllt leise „Hurra“, Ihr\nreibt Euch die Hände, Ihr freut Euch.\nWorüber freut Ihr Euch ? Bestenfalls freut\nIhr Euch darüber, dab der Andere ge-\nstrauchelt ist und im typischen Falle ein-\nfach darüber, dab es Euch schien, als sei\njemand gestrauchelt.\nMan mub Euch bedauern. Allerdings nicht\nso, wie es Eure Bewunderer tun, die in\nEuch die Psychologie des Krüppels grob-\nziehen, dem sie Kupfermünzen in die\nMütze werfen und der am nächsten Tage\nseine Wunde noch herzzerreibender zur\nSchau stellt. Sondern man sollte Euch\naktiv bedauern, indem man Euch dadurch\nheilt, dab man Euch bekämpft. Ihr wollt\ngrob sein ? Bitte schön. Wenn das\ngrobe Unvermögen, mit dem eigenen\nLeben, geschweige denn mit dem Leben\nAnderer, fertigzuwerden, Grobe bedeutet;\nwenn die grobe Zersetzung des gesell-\nschaftlichen Willens, die Euer Talent ver-\nursacht, Grobe bedeutet; wenn Euch das\nAdjektivum grob, in Verbindung gebracht\nmit den Begriffen Schwäche und Nieder-\ngang, eine Genugtuung bedeutet dann\nschenken wir es Euch mit aller Bereit-\nwilligkeit: die grobe Schwäche, der gröbte\nNiedergang das ist es gerade, was auch\nwir in Euch sehen!\nJESSENIN: „Wir“, „Ihr“. . . , gibt es die\ndenn eigentlich in Wirklichkeit ? Ist nicht\nin den Majakowskys ein Stück Jessenin\nund . . .\nMAJAKOWSKY; . . . und in den Jessenins\nein Stück Majakowsky? Gewib, gewib.\nIch will es nicht leugnen: Wenn aber der\nJesseninismus noch schlimmer ist als\nJessenin selbst, so steht der Majakowsky\nder Dichtung noch höher als der Maja-\nkowsky des Lebens. Also ist es nicht besser,\ndie Rolle Majakowskys zu spielen?!\nAus dem Russischen von Mary Schneider-Braillard"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c003", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "77", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.2.1", "titre_corps": "Vision am Abend", "titre_sommaire": "Vision am Abend", "signature_source": "Hans Jaenisch", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 29, "texte": "Vision am Abend\nHans Jaenisch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c004", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "78", "page_fin": "79", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.3", "titre_corps": "Gedichte", "titre_sommaire": "Gedichte", "signature_source": "Karl Höfler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1590, "texte": "Gedichte\nKarl Höfler\nBreit rüstet meine Seele\ndachtet der brausenden Nacht entgegen.\nUnd mein Herz\nhämmert wider steife Tannenwälder.\nHimmel weinen.\nWolken weinen.\nVerhaltene Seufzer starren aus hohlen Augen.\nUnd hinter schwarzen Grabrnälern\nschielen freche Klageweiber in mein Herz.\nGroße, graue Eulen.\n*\nMeine Märchen verdämmern\nMeine Tage sind fallender Regen\nverlassener Gärten.\nAn steinernen Rüstungen pochen meine\nSchritte\nAn den stillen Hängen rasten unbekannte\nTauben\nSchluchzt mein Herz.\n*\nIm Dunkeln schweigen die silbernen Bäche\nKinder klagen nicht mehr\nAlle Blumen hocken still im Rauch\nDie Berge sind versunken in den Nächten\nVon den Büschen fallen gestorbene Vögel\nDie Welt rollt geduckt\nEin Schrei will branden\nUeberall\nflattern empörte Fackeln auf\nZerrissene Sekunden hämmern\natemlos\nIm Sprung\ngewaltig steht der schwarze Sturm\nUnter grauen Dächern brennen Herzen\nDie Tauben in unseren Augen sind müde\nDer Schlaf wandert durch das Elend unserer\nGassen\nRote Worte liegen auf zerbrochenen Lippen.\nWir glauben\nWir glauben\nZarte Tage wachsen wunschlos dem fallenden\nMorgen.\nGräme dich nicht\nDu\nEinmal werden wir alle glücklich sein.\nVom Ackerland klingt hell die Sichel.\nGold.\nIch liege breit.\nSonnenblut durchadert mich.\nMeiner Brust breite Keltertonne\nruht behaglich auf der Spitze eines Grashalms\nUnd ein ganzes Orchester geigt\nzirpt\nsummt\num\nüber\nund in mir.\n■i*\nStein, Stein, Stein\nüberall\nMeine Augen springen über die Dächer der\nGroßstadt\nErtrinken in ihrem Atem\nDunst\nUnter mir preßt Leben\nDen Takt dazu schlägt der russige Grobschmied\nSchlag schlägt\nSein Gesicht\nArbeit"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 398, "texte": "Alle Klänge klingen in mir\nIm Gefälle meines Blutes rauscht Gesang.\nWeiße Bäche fließen über\nDeine Lippen sind rote Trauben\nIm träume im Traum deiner Brüste.\nZag zittern die goldenen Flügel\nDu bist schön.\nQlutwangige Buben spielen mit roten Papier\nlaternen\nAn fernen Quellen lauschen bronzene Löwen\nDer Dom ist bereift\nSterne blinzeln\nFremde Flöten atmen im Walde.\nGlockenblumen\nTiefblau ist Nacht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c005", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "79", "page_fin": "79", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.3.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Franz W. 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D. strich sich\nnachdenklich dreimal über sein sechsundfünfzig-\njähriges Haar. Nichts kann man diesen Par-\nvenüs recht machen. Schon seit fünfundzwanzig\nJahren berät er alle besseren Familien beim\nEinkauf und auch gelegentlich beim Verkauf\nvon Wohnungseinrichtungen, Kleinmöbeln und\nKunstwerken. Seit jener Zeit, als man ihm\nnahelegte, den Staatsdienst zu quittieren, da\nseine nationalliberale Anschauung nicht genehm\nsei. Man mußte verdienen. Er entdeckte plötz-\nlich seinen sicheren Geschmack. Und da die\nanderen ihn auch nicht hatten, wendete man\nsich vertrauensvoll an den Regierungsassessor\na. D, Er beriet die Jungvermählten zweiter,\ndritter und vierter Ehe in der Anschaffung von\nStilmöbeln, brachte ihnen dezent das Unter-\nscheidungsgefühl für Renaissance und Bieder-\nmeier bei. Sorgte für unpassende Tapeten, ver-\nmittelte falsche Rembrandts und echte Lieber-\nmanns. Auch in Kleinplastiken und Halbleder-\nbibliotheken hatte er die nötigen Erfahrungen.\nNebenbei besorgte er Klavierlehrerinnen, promi-\nnente Künstler für Abendgesellschaften, Tänze-\nrinnen mit Kinderstube, Kunstmaler, die bei\nHerrenfrühstücken bauchreden können. Stellte\njede Art von Partien zusammen: nach Onkel\nToms Hütte, Bridge, Einheirat in Landgüter,\nalles mit und ohne Damen. Er schätzte Schmuck,\nMenschen und Alkohol, überschätzte was gut\nund unterschätzte, was besser war. Er half zu\nEhen und Ehebrüchen. Kurz, er war der Rat-\ngeber der besten Menschen in allen vorkom-\nmenden Fällen. Sein Ruhm war, daß man ihm\nein Honorar gleichsam aufzwingen mußte. Er\nnahm nur Geschenke als Andenken. Die\nliefernden Firmen fühlten sich durch das über-\nnormale Provisionsbegehren des Regierungs-\nassessors a. D. schwer benachteiligt. Aber was\nsollte man machen. Er war nun einmal der\nanerkannte Ratgeber der besten Gesellschaft.\nDie Firmen mußten ihm jeden Anspruch be-\nwilligen, sonst ging er zu den vielen Kon-\nkurrenzen. Schließlich wurde von allen Rat-\nsuchenden doch das getan, gekauft und bezahlt,\nwas er vorschlug.\nWieder strich er sich dreimal gegen den Strich,\ndaß selbst die Brillantine ihren Halt verlor und\ndie Haare sich unkorrekt sträubten. Eine dumme\nGeschichte. Frau Qroßkaufmann Schulz-Greifs-\nwald wünschte ein Marinestück, wie sie es in\nder Kunsthandlung von Schulz-Berlin gesehen\nhatte. Der Regierungsassessor a. D. sollte es\nbeschaffen. Es sollte genau nach dem Original\nein neues Original gemalt werden, weil ihr\ndas Meer auf dem ersten Original zu unruhig\nwar. Ins Esszimmer gehört Ruhe und gerade\nhier hat man am wenigsten Neigung seekrank\nzu werden.\nDas Bild wurde vom Regierungsassessor mit\nÄnderung bestellt, in wenigen Tagen geliefert\nund treu überzahlt. Aber Frau Schulz-Greifs-\nwald, mißtrauisch gegen Berlin und die Berliner,\nverglich das erste Original mit dem zweiten\nund stellte sofort fest, daß Berlin sie betrogen\nhatte. Auf dem ersten Original mit dem un-\nruhigen Meer gab es vier Schiffe, auf ihrer\nErwerbung hingegen nur drei. Es fehlte also\ndas Pendent. Das dritte Schiffchen schwamm\ngleichsam im Leeren. Und außerdem hatte\nman ihr bei den teuren Zeiten das Bild mit\ndrei Schiffen so teuer berechnet wie das mit\nvier. Frau Schulz-Greifswald hatte ein sehr\nerregtes Telephongespräch mit dem Regierungs-\nassessor a. D. Sie verlangte das vierte Schiff-\nchen oder die Rücknahme des Bildes. Der\nRegierungsassessor hatte eine ernste Konferenz\nmit seinem Rechtsanwalt. Der glaubte nicht,\ndaß der Kunsthändler zur Rücknahme des\nBildes verpflichtet sei. Hingegen könnte man\nvielleicht einen Teilbetrag der Kaufsumme\nzurückfordern. Wegen Minderung. Frau Kom-\nmerzienrat Schulz-Greifswald hatte dem Sinne\nnach vier Schiffchen bestellt und nur drei er-\nhalten. Auch der Dolus käme in Frage.\nDer Regierungsassessor haßte Prozesse. Außer-\ndem hatte er die fünfzigprozentige Provision"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3375, "texte": "für den Bildverkauf schon längst verbraucht.\nWie könnte man es der Kunslfreundin beibrin-\ngen, das vierte Schiffchen schwimmen zu lassen.\nHerein. Lassen Sie sich wieder mal sehen, Herr\nStuhlmeier?\nJa, verehrter Herr Regierungsassessor, mit\nmeiner Freiheit ist es zu Ende. Ich bin an-\ngestellt.\nSie haben Ihren herrlichen Künstlerberuf auf-\ngegeben?\nViel schlimmer. Wovon soll man leben? Sie\ngehören zu meinen besten Kunden, Herr Re-\ngierungsassessor. Und was nehmen Sie mir\nim Jahre ab? Zwei Marinestücke. Höchstens\ndrei.\nDie Revolution hat alles verweichlicht, lieber\nMeister Stuhlmeier. Marinestücke werden kaum\nmehr gefragt. Eine Dame braucht Erdbeeren.\nOhne Schlagsahne natürlich. Auch für zwei\nWindspiele hätte ich einen Interessenten.\nVon acht bis sechs stehe ich an der Staffelei\nund male Rembrandts und Tizians, Herr Re-\ngierungsassessor. In einem Raum zusammen\nmit zehn Kollegen. Für hundertzwanzig Mark\nmonatlich. Mein Chef, der Hofmaler, verkauft\nsie zum Serienpreis von neunhundertneunzig\nMark das Stück ohne Rahmen.\nDann bleibt Ihnen ja gar keine Zeit für eigene\nArbeiten, lieber Stuhlmeier.\nNur die Sonntage. Da male ich meine Träume.\nSehen Sie, hier. Dieses junge Mädchen. Ganz-\nakt. Sehen Sie wie sie die Hände zum Himmel\nhebt, wie ihre Augen Gott schauen.\nSehr nett, aber warum hat das Mädchen Platt-\nfüße?\nSie steht doch im Moos, Herr Regierungs-\nassessor. Und hier unten spielen Katze und\nHund friedlich miteinander. Das ist symbolisch\ngemeint. Leider will das Publikum von meinen\nTräumen nichts wissen.\nStehende Qanzakte sind auch nicht mehr beliebt,\nlieber Stuhlmeier. Ist es nach Modell gemalt?\nSelbstverständlich. Bis aufs Haar genau. Nur\nder Himmel ist Phantasie.\nDas Bild läßt sich nicht verkaufen, lieber Stuhl-\nmeier. Es ist zu künstlerisch. Aber eine rettende\nIdee für uns beide. Haben Sie noch ein Marine-\nstück mit einem Schiffchen im ruhigen Meer?\nDas könnte ich Ihnen schnellstens malen.\nAber es muß billig sein. Lächerlich billig. Ich\nmuß es nämlich verschenken. Und Sie wissen\nnicht, wie Sie mich noch einmal gebrauchen\nkönnen.\nSie geben mir eben, was Ihnen möglich ist. Ich\nmußte neulich ein Bild mit vier Schiffen kopieren.\nSie haben das gemacht?\nKennen Sie das Bild, Herr Regierungsassessor?\nLeider.\nNicht wahr? Absoluter Kitsch. Bei der Kopie\nhabe ich übrigens ein Schiff weggelassen.\nWegen des Gleichgewichts.\nUnd mit Ihren Künstlerträumen haben Sie mich\naus dem Gleichgewicht gebracht, Herr Stuhl-\nmeier. Machen Sie Sonntags Ihre Gleichge-\nwichtsübungen, soviel sie wollen. Wenn man\nIhnen aber vier Schiffe zu kopieren gibt, liefern\nSie gefälligst korrekt. Jetzt bekommen Sie\neinen Prozeß wegen Minderung.\nWie bitte? Jeder Kunstkri'iker wird Ihnen\nbestätigen, daß man aus Gründen des Gleich-\ngewichts\nBei Ihnen werden Bilder bestellt und nicht\nUrteile von Kunstkritikern, Herr Stuhlmeier.\nSie werden mir also das vierte Schiff nach-\nliefern. Selbstverständlich kostenlos. Und für\ndas Mädchen zahle ich Ihnen zwanzig Mark,\nUnd die Adresse möchte ich haben.\n*\nGuten Tag, lieber Assessor. Donnerwetter,\nsehr nett bei Ihnen. Es geht doch nichts über\nein behagliches Junggesellenheim.\nIhre Frau Gemahlin ist nun hoffentlich nicht\nmehr auf mich böse, Herr Kommerzienrat. Sie\nhat jetzt ihr Bild komplett.\nMeine Frau hat eben einen Kunstfimmel, lieber\nAssessor. Mir persönlich ist es ganz gleich-\ngültig. Ich sehe mir die Dinger doch nicht an."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2994, "texte": "Sagen Sie mal, ich bin jetzt so selten in Berlin\nund daher ziemlich raus. Da fielen Sie mir\ngerade ein. Was kann man so machen?\nWir haben jetzt den neuen Tonfilm.\nNun sagen Sie noch Parsifal. Ich möchte\netwas Sie wissen doch, in Greifswald kennt\neinen jeder Donnerwetter, ein hübsches\nMädchen.\nWo bitte?\nHier auf dem Ding.\nDas sind die Träume von Herrn Stuhlmeier.\nGehen wir zu dem Mann. Ich kaufe ihm das\nDing ab.\nDas Kunstwerk ist mein Eigentum, Herr Kom-\nmerzienrat.\nDas lasse ich mir gefallen, Herr Assessor. Da\nverstehen wir uns. Aber diese Schiffe und\ndas Geflügel und einen halben Hummer in\nschlechtem Oel. Ich verstehe nicht, warum die\nLeute das für Kunst halten. Also geben Sie\nmir das Mädchen. Was kostet das? Kann man\ndas Original bewundern?\nDa müßten wir schon zu Herrn Stuhlmeier\ngehen.\nDas wird ein famoser Abend, lieber Assessor.\nSie und Herr Stuhlbein sind meine Gäste,\ndas Original wird auch auf seine Rechnung\nkommen. Das wird ein netter Abend.\nEs freut mich, Ihnen dienlich sein zu können,\nHerr Kommerzienrat. Wollen Sie das Bild\ngleich mitnehmen?\nSchicken Sie mir das Ding nach Greifswald.\nSehen Sie nach, ob das Bild auch von dem\nStuhlbein signiert ist. Das habe ich wenigstens\nschon von meiner Frau gelernt: die Signatur\nist die Hauptsache bei einem Bild.\nSie sind wirklich ein absoluter Kunstkenner,\nHerr Kommerzienrat. Leider sehe ich erst\njetzt, daß Herr Stuhlmeier vergessen hat, seine\nTräume zu signieren.\nWieso Träume, lieber Assessor? Es ist doch\nnur ein Mädchen drauf. Also nehmen wir das\nDing mit in ein Auto und Herr Stuhlbein oder\nStuhlmeier haut seinen Namen drunter. Los,\nziehen Sie sich den Mantel an.\n*\nHerr Stuhlmeier, hier stelle ich Ihnen Herrn\nKommerzienrat Schulz-Greifswald vor, der Ihr\nBild „Träume“ soeben erworben hat und Sie\nkennenzulernen wünscht.\nSehr erfreut, Herr Kommerzienrat, daß gerade\ndieses Bild\nSie müssen aber noch Ihren Namen drunter-\nhauen, lieber Meister.\nUnd wie gefällt Ihnen die Symbolik mit Hund\nund Katze, Herr Kommerzienrat?\nWo? Habe ich noch garnicht gesehen. Aber\ndas Mädchen. Donnerwetter.\nDas ist das Symbol der himmlischen Liebe,\nHerr Kommerzienrat.\nSelbstverständlich. Himmlisch. Bombenfigur.\nHier liegen ja so allerlei Gegenstände.\nIch male gerade nach Modell, meine Herren.\nDas trifft sich ja ausgezeichnet, lieber Meister.\nVielleicht machen Sie eine kleine Luftpause\nund wir vier nehmen ein kleines himmlisches\nSouperchen ein.\nIch weiß nicht, Herr Kommerzienrat, ob\nKeine Zierereien, lieber Meister. Das Mädchen\nsoll sich ausziehen, oder anziehen, meine ich.\nDonnerwetter, da hängen ja noch zehn Träume.\nGanz famos. Ganz famos. Alles himmlische\nLiebe ?\nNein, Herr Kommerzienrat, das zum Beispiel\nist die irdische Liebe.\nSehr gut, lieber Meister. Das merkt man\ngleich an dem Büstenhalter.\nAber, Herr Kommerzienrat, das ist doch der\nsymbolisch Strick, mit dem sie Eros gefesselt\nhat. Oben links sehen Sie Eros.\nAuch eine ganz nette Nutte. Was kostet das\nDing.\nHerr Kommerzienrat, Herr Stuhlmeier malt\nprivat nur Träume."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2126, "texte": "Der Meister Stuhlbein nimmt mir meine Offen-\nheit sicher nicht übel, nicht wahr, lieber Meister?\nIch spreche meine paar Gedanken immer gerade\nraus. Tagsüber muß ich Geld verdienen. Aber\nder Abend gehört der Kunst. Und damit Sie\nnicht etwa denken, was kostet der ganze\nLaden hier?\nEins ist allerdings unverkäuflich, Herr Kom-\nmerzienrat; die irdische Liebe. Das ist mein\nbestes Bild. Das träume ich in ein Museum.\nDann wollen wir zunächst soupieren. Ich habe\neinen Mordshunger. Vielleicht kann sich die\nhimmlische Liebe etwas beeilen.\nIch male jetzt die göttliche Kraft, Herr Kom-\nmerzienrat.\nAuch gut. Nur schnell machen.\nDafür mußte ich natürlich als Modell einen\nJüngling\nNee, sone Sachen mache ich nicht mit. Mir\nist himmlische Liebe modern genug.\nIch verstehe nicht, Herr Kommerzienrat. Seit\nmeinem fünfzigsten Jahre male ich nur noch\nTräume und zwar in der konstanten Auffassung.\nHören Sie zu, Meister Stuhlbein. Ihre Träume\nund Ihr weißer Bart in Ehren. Seien Sie mal\nreal. Ich kaufe Ihnen den ganzen Laden ab.\nSie holen mir aber sofort das Modell als\nVergleich her. Und das Geschäft wird zu\nvieren begossen.\nMein Modell ist verheiratet, Herr Kommerzienrat.\nDas lassen Sie meine Sorge sein.\nEs ist eine achtbare Familie, Herr Kommerzien-\nrat. Der Sohn, der Jüngling, soll sogar auf\ndie hohe Schule kommen.\nWas sag ich immer, lieber Assessor, die ganze\nKunst ist ausgemachter Betrug. Aber der Eros,\nMeister Stuhlbein?\nLedig, Herr Kommerzienrat.\nWissen Sie was, lieber Stuhlbein? Ich kaufe\nIhnen von dem Bild die linke Hälfte ab und\ndie rechte mit der Mutter können Sie ins\nMuseum stecken.\nAber, Herr Kommerzienrat, der Künstler kann\ndoch nicht\nSowas dürfen Sie nicht sagen, lieber Assessor\nals Kunstkenner. Wenn meine Frau statt drei\nSchiffe vier haben will, liefern Sie. Wenn ich\nvon zwei Weibern nur eins haben will, machen\nSie den Kunstkenner. Dann behalten Sie eben\nIhre Dinger, Meister Stuhlbein. Ich fahre jetzt\nins Palais voraus, lieber Assessor. Wenn der\nMeister Stuhlbein den Eros auftreiben kann,,\nsind sie mir alle drei willkommen. Sie wissen\ndoch, Palais, und der Laden ist verkauft. Mahl-\nzeit, meine Herren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c007", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "81", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.4.1", "titre_corps": "Zeichnung", "titre_sommaire": "Zeichnung", "signature_source": "Franz W. Seiwert", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 26, "texte": "Zeichnung\nFranz W. 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Um die Ecke.\nANNAMIRL: Tu ihm nix, er trägt einen\nSack. Wir wollen nur die hauen, die\nkeinen Sack tragen.\nNEPOMUK: Aber jetzt. Hack an, Anna-\nmirl. Hau ihm eine, daß die rote\nSuppen herausrinnt.\nFUSSGÄNGER: Was wollt Ihr denn. Ich\ntu Euch doch garnichts.\nNEPOMUK: Wenn Du Dir einen Karnickel-\nschlag sparen willst, gib her was Du\nhast.\nFUSSGÄNGER: Ich hab einen geladenen\nPistol in der Tasche. Erschrecken Sie\nnicht Bruder. Ich trau mich nicht\nzu schießen.\nANNAMIRL: Nimm Platz, kleiner Scharf-\nschütz.\nNEPOMUK: Komm, ich kauf Dir ihn ab.\nKannst haben dafür was er Dich ge-\nkostet hat.\nFUSSGÄNGER: Es ist ein Erbstück meiner\nTante. Sie können ihn so haben, Rowdi.\nNEPOMUK: Dann werf ich ihn ins Wasser.\nZum Schießen gehört nicht viel\nKurasche.\nANNAMIRL: Aber dafür zum Karnickel-\nschlag. Komm her, iß mit uns. Es\ngibt kein Fleisch.\nNEPOMUK: Ich bin Vegetarier.\nFUSSGÄNGER: Aus welchen Gründen.\nNEPOMUK; Frag nicht so blöd. Aus\nallen. Erzähl von Dir. Du bist ledig.\nFUSSGÄNGER: Ja.\nANNAMIRL: Das sieht man Dir an.\nFUSSGÄNGER: Aber entschuldigen Sie,\nRowdi ist doch kein Beruf.\nNEPOMUK: Was ist denn einer? Die\nanderen sind Rowdles mit Revolver,\naber ich bin ehrlich, Rowdi mit Karnickel-\nschlag.\nANNAMIRL: Das ist auch gesetzwidrig,\naber viel natürlicher.\nFUSSGÄNGER: Haben Sie einmal bessere\nTage gesehen.\nNEPOMUK: Nein, schlechtere. Jetzt gehts\nmir ausgezeichnet. Ich lebe meiner\nÜberzeugung.\nFUSSGÄNGER: Die ist mir, auch beim\nAndern, immer heilig.\nNEPOMUK: Das hab ich Dir gleich ange-\nsehen. Drum red ich mit Dir. Hand-\nschlag. Rowdi seis Panier.\nANNAMIRL: Kerle aller Länder vereinigt\nEuch.\nFUSSGÄNGER: Ich hab Dirs gesagt, ich\nbin noch zu feig. Ich respektiere nur.\nMeine Kinder vielleicht.\nANNAMIRL: Zwing ihn nicht.\nNEPOMUK: Prost, auf die nächste Gene-\nration.\nFUSSGÄNGER: Alkohol trinkst Du?\nNEPOMUK: Ab und zu. 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Einen Apfel.\nDER BARDE (singt); In der Schweiz, in\nder Schweiz, in Tirol.\nTURNLEHRER MATLAS: Sie sagen gar\nnichts, Dirndl.\nDAS BLONDE DIRNDL: Was soll man\nda sagen. Ich reise auf ein Stipendium.\nDr. GESSLER: Ich wohne seit Jahren\nSommer und Winter hier. Ich habe das\nRecht, mich nicht äußern zu müssen.\nTURNLEHRER MATLAS: Es gibt im\nGrunde viel zu wenig Heldentum.\nDaran kranken wir.\nLILLY LEO: Wie haben Sie recht. Solche\nWorte hier ausgesprochen drängen zur\nBeichte. Ich habe die Bergbahn gestern\num fünfundzwanzig Pfennige geprellt.\nTURNLEHRER MATLAS: Das ist nega-\ntives Heldentum. Sucht die Schranken\nzu brechen in einer beschränkten Zeit.\nNatur und Kultur. Dämonie.\nLILLY LEO: O ja, damit kann man bei\nmir viel erklären.\nDr. GESSLER: Ich bin alt. Es ist eben\nalles wie man’s sieht. Wie man’s sieht.\nLILLY LEO: Sind Sie verwandt mit dem\nberühmten Geßler?\nDER BARDE (singt): In der Schweiz, in\nder Schweiz, in Tirol.\n(Pause)\nDAS BLONDE DIRNDL: Mir scheint, es\nregnet.\nALLE (außer Matlas): Auf Wiedersehn.\nTURNLEHRER MATLAS: Ich will naß\nwerden. Das Opfer bringe ich seinen\nManen.\nLILLY LEO: Ich könnte eigentlich auch\nbleiben.\n(Turnlehrer Matlas und Frau Lilly Leo knieen zu\nbeiden Seiten des Denkmals. Der Barde zieht sich\nbis zur Badehose aus. Es regnet wirklich fürchterlich.)\nHannes Sachs\nMittelalterlich Spiel\nPersonen:\nPotz Blau, Romantiker\nMax Stürmer\nHans Dränger\nEin Müllerbursch\nEin Korbflechter (stumm)\nDer vom Weichselstock\nDas Mädel Ruckruck\nEine Kindsmörderin (zu Pferd)\nOrt: In der Schenke Zeit: Des Morgens früh\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Ich reit\nauf Schusters Rappen. Lustig Blut und\nim übrigen: froher Sinn."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2382, "texte": "HANS DRÄNGER: Ganz recht. Ganz recht.\nMÜLLERBURSCH: Aufgepaßt. Dort kommt\ndas Mädel Ruckruck.\nMAX STÜRMER: Ist sie blond?\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Und wie.\nSo blond.\nPOTZ BLAU; Meine Wälder rauschen\nsacht.\nDAS MÄDEL RUCKRUCK; Es ist lang-\nweilig hier. Ich möcht in die Stadt.\nPOTZ BLAU: Wiesen und Wälder. Das\nmuß Euch doch locken.\nHANS DRÄNGER; Ran, Mädel, ran.\nDAS MÄDEL RUCKRUCK; Wißt Ihr\nkeinen Posten?\nMAX STÜRMER: O ich wüßt schon einen.\nIch sags aber nit.\nDIE KINDSMÖRDERIN (zu Pferd): Holla,\nholla, tu auf, tu auf.\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Ist sie\nschon wahnsinnig? Sonst wird sie’s\nsicher noch.\nDIE KINDSMÖRDERIN; Meine Mutter\ndie Hur.\nMÜLLERBURSCH: Sie ist es noch nicht.\nLaßt uns gegenseitig Geschichten\nerzählen. Ich hatte einst ein dunkles\nLieb. Der schnitt man die Haare ab.\nSie wurde Nonne allzumal.\nMAX STÜRMER: Wenn die Geschichte\nnicht wahr sein braucht, erzähl ich auch\neine. Das Lied von der zersprungenen\nNiere.\nDIE KINDSMÖRDERIN (reitet ab)\nHANS DRÄNGER: Was diese Frau für\nein Leben führt. Potz Blau warum\nbist du so traurig?\nPOTZ BLAU: Ich hab alles verlassen und\nbin hergekommen zum Mädel Ruckruck.\nJetzt will sie in die Stadt.\nMÄDEL RUCKRUCK: Tanzen will ich.\nLeben will ich.\nMÜLLERBURSCH (singt): Veilchenblaue\nSeide.\nMAX STÜRMER; Wollt Ihr nun das Lied\nvon der zersprungenen Niere ? !\nMÄDEL RUCKRUCK; Ihr habt alle keine\nSubstanz.\nPOTZ BLAU: Du tust mir weh. (Er weint)\nMAX STÜRMER: „In einem kühlen Grunde\nda liegt ein Nierenstein.“\nMÄDEL RUCKRUCK: Wer von Euch weiß\nwie Straußeneier schmecken?\nPOTZ BLAU (weinend): Die bekommst\nDu auch in der Stadt nicht. Du wirst\nenttäuscht sein.\nMAX STÜRMER: Laß, du bist zu gut für\nsie. Aber ich bin schlecht. Mädel komm\nran, Mädel komm ran.\nHANS DRÄNGER: Halt. Was will der\nstumme Korbflechter. Diese Gebärde.\nPOTZ BLAU: So voll Ausdruck. Er dichtet.\nEigenartig muß es sein.\nMÜLLERBURSCH: Er sucht bloß was zu\nrauchen.\nPOTZ BLAU: Auch das noch. Die Welt\nist nichts wert. (Er spielt auf der Hirten-\nflöte und geht blaue Blumen suchen.)\nALLE (außer dem stummen Korbflechter\nund dem Mädel Ruckruck): Wir aber\nwollen bleiben.\nMÄDEL RUCKRUCK: Habt Ihr den am\nFenster gesehen? Mit dem langen\nVollbart.\nMAX STÜRMER: Das war Hans Sachs.\nMÄDEL RUCKRUCK: Nein. Das wäre\nauch zeitlich nicht möglich. Oder?\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Oder?!\nALLE (sehr verwundert): Wie kommt denn\nHans Sachs hierher? Wie kommt denn\nHans Sachs hierher?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c009", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.6", "titre_corps": "Furcht", "titre_sommaire": "Furcht", "signature_source": "Walter Seidl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1941, "texte": "Furcht\nWalter Seidl\nRoman\nVieles im menschlichen Dasein\nist dem Vergessen geweiht.\nWeniges nur ist unvergeßlich,\naber nach diesem „Wenigen“\nbestimmt sich zuletzt der Wert\ndes Daseins überhaupt.\nEin junges Mädchen, das die Violine spielte,\nso, daß es bei Gounods Ave Maria aus dem\nTakt geriet, vor Chinesen Furcht hatte und\nbei kurzgeschnittenem Haar rückwärts einen\ndicken Schopf. Ein entzückend unwirkliches\nWesen, hindämmernd und sanft. Und aus\nsehr, sehr guter Familie!\nMit siebzehn Jahren schon machte es guten\nBekannten gegenüber kein Hehl daraus, daß\ndas Los eines Mädchens, das seinen Eltern\nkeinen Kummer bereiten möchte, hart und\nlangweilig sei. Und daß es allein in die\ngroße Stadt möchte ..... Die Medizin\nerlernen,\nSeine Eltern, die es sehr liebten, aber auf\ndem Lande wohnten, fanden es zu jung\nnoch und ließen es lediglich in einer\nProvinzstadt, gut aufgehoben, Sprachen\nstudieren. Einstweilen!\nMit zwanzig Jahren fand es sich endlich in\nder Hauptstadt. Und im Seziersaal, wo es\nerbrach. Aber das ging vorüber.\nUnter seinen Kollegen waren viele Chinesen.\nUnd selbst jene, die das nicht waren, dem\nMäderle, ausgehungert und allein gegen-\nüber, nahmen sie den gewissen geschlitzten\nBlick an, der es erschreckte und abhielt.\nNun ja, was weiß man schließlich von\nihnen ? !\nDoch anderseits nur golden bebrillte Greise,\nBücher, Leichen ?! Für ein Mädchen, das\nin Gounods Ave Maria aus dem Takt ge-\nraten kann und einen dicken Schopf hat?\nDas ist auch wieder nicht !\nDann kam ER vorüber. Der Hyper-\nChinese . . .\nEs aber spürte IHN nicht.\nDagegen vermählte es sich und hatte Kinder.\nVon einem vertrauenerweckenden Europäer.\nDie Kinder hatten sonderbarerweise ge-\nschlitzte Augen.\n*\nSchließlich, mit vierundsechzig Jahren auf\ndem Totenbett, dachte es plötzlich laut vor\nsich hin: „Weniges Unvergeßliche . . .!“\nDie ergriffen um es herumversammelte\nFamilie glaubte es zu verstehen und fragte\nbeflissen, ob es etwa ein Glas Wasser wolle."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c010", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.7", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2053, "texte": "Verlas Der Sturm / Berlin Wl5\nKurfürstendamm 173 / Fernruf: 3 2 Oliva 5072\nWichtige Bücher Wichtige Bücher\nHerwarth Waiden\nHerwarth Waiden\nIm Geschweig der Liebe Einblick in Kunst\nGedichte / Leinenband 3 Mark\nDer Deutsche / Berlin:\nMan stoße sich nicht an dem „Ge-\nschweig“, Das Wort Schweigen sagt\nim künstlerischen Sinne lange nicht\ndasselbe. Wenn außerdem alle ex-\npressionistischen Dichter so sparsam\nin neuen Wortbildungen wären, wie\nWaiden, ginge es der neuen Kunst\nbesser. Seine Lyrik singt in unendlich\nschlichten, reinen, schönen Worten von\nder Zartheit der Liebe,\nr. H. o.\nSept Arts / Brüssel:\nLa gamme sonore de l’ouvrage se si-\ntue dans une douce neutralitö tout en\nrapport avec le matif, et ne fait que\nrarement, et par pur contraste, appel ä\ndes sonoritös violentes. La röpetition\nobstin6e de certains mots le d6pla-\ncements des lettres, l’echange d’une\nsyllabe entre deux mots nous placent\ndans l’atmosphfere, d6finissant au sur\nplus toute la technique de la poösie.\nMarc-Eemans\nGörlitzer Nachrichten:\nFühlende Menschen, die nach geistiger\nNahrung zittern, sollten sich in diese\nGedichte vertiefen, sich von der schöpfe-\nrischen Kraft und Ausdrucksfertigkeit\ndieser Gedichte leiten lassen.\nEinführung in die Kunst der Gegen-\nwart (Expressionismus, Kubismus,\nKonstruktivismus) und Geschichte der\nneuen Kunst\nMit 70 ganzseitigen Abbildungen\nund 3 Farbdrucken\nHalbleinen gebunden / S.Auflage\nM.2,50\nSonderangebot\nStatt M. 6,50\nAmerican News:\nThis handsome album contains Wal-\nden’s dynamic and rebellious creeds.\nHe defends them with tenacity and with\nprophetic reiteration and much brilliant\nargument.\nHermann George Scheffauer\nBerliner Lokalanzeiger:\nAusgezeichnet ist der begleitende Text\nHerwarth Waldens in seiner knappen\nBildhaftigkeit und Schlagfertigkeit.\nDeutsche Warte / Barcelona:\nEs ist eine andere sehr reine Art des\nSehens, die es neu zu lernen gibt und\nzu der man am besten gelangt, wenn\nman den scharfsinnigen und aus in-\nnerster Einstellung gestalteten Ausfüh-\nrungen Herwarth Waldens in seinem\n„Einblick in Kunst“ nachgeht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c011", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[71]", "page_fin": "[71]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Schott Nr. 1392\nM. 4.\nEin neuer einzigartiger Band, der dem\nmit dem fremden Volkslied noch weni-\nger Vertrauten eine vollständig neue\nWelt von unerhörtem Reichtum erschlie-\nßen, dem Andern aber eine vortreff-\nliche Einführung in die große Samm-\nlung „Das Lied der Völker“ sein wird.\nCa. 100 der schönsten Melodien\naus dem Liedgut aller Völker Europas\n(Rußland, Skandinavien, Ungarn, Balkan,\nItalien, Spanien, Frankreich, England usw.)\nfür Klavier\nleicht spielbar bearbeitet\nmit übergelegtem Text von\nHEINRICH MÖLLER\nselbst aus seinem monumentalen zwölf-\nbändigen Sammelwerk zusammengestellt,\nln besonderem Heft sind dem Band d i e\nvollständigen Texte der Lieder\nbeigegeben.\nB. SCHOTT’S SOHNE - MAINZ UND LEIPZIG"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c015", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "88", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.12", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.20", "debut_caractere": 1943, "fin_caractere_exclue": 3095, "texte": "Die Schriftleitung des Sturm empfiehlt\nEmil Malespine\nLe nombril noir\nLyon / Les editions de L’Effort\n5 Francs\n„Yingt editeurs ont refuse ce Jivre. Je remercie les\nEditions de l’Effort d’aroir compris, qu’avec le temps\nce livre sera ecrit en bon francais. E. M.“\nFührer durch die Sowjet-Union\nBearbeitet von A. Radö\nBerlin / Neuer Deutscher Verlag\n14 Mark gebunden / XXXIX und 881 Seiten mit vielen Karten\n„Der Aufgabenkreis unseres Führers durch den\nArbeiter- und Bauernstaat ist weiter gezogen als der\ngewöhnlicher Touristenhandbücher. Der Führer soll\nden Wirtschaftlern, Wissenschaftlern und Politikern,\ndie das Land besuchen, behilflich sein, neben den\nauch nach dein Umsturz sorgsam behüteten Denk-\nmälern der Kunst, Wissenschaft und Natur alle jene\nNeuerungen und Errungenschaften zu finden und\nzu verstehen, die der Rätestaat schon nach den ersten\nwenigen Jahren seines Bestehens aufzuweisen hat, die\naus und infolge der Revolution entstanden sind.\nAndererseits soll er den Arbeitern und Bauern, die\nin das Land der Diktatur des Proletariats kommen,\nals Wegweiser an den historischen Stätten dieser\ngrössten Umwälzung der Weltgeschichte dienen.“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c016", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "89", "page_fin": "89", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; 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Frau mit Vase / Gemälde\nALBERT GLEIZES: Baum und Fluß /\nGemälde, Frau und Kind / Gemälde\nNATALIE QONTSCHAROWA: Theater-\ndekorationen *\nREINHARD GOERINQ: Zwei Aquarelle\nJACOBA VAN HEEMSKERCK: Bild 68 /\nGemälde, Insel | Gemälde\nJOHANNES ITTEN: Gemälde eines Kindes\nKANDINSKY: Aquarell 2, Aquarell 6\nPAUL KLEE: Spiel der Kräfte einer Land-\nschaft Aquarell, Giftbeeren / Aquarell\nAUGUST STRAMM Gesammelte Dramen\nZwei Bände / Jeder Band gebunden\nM 4\nPAUL SCHEERBART / Glasarchitektur\nM2-\nHERWARTH WALDEN:\nDas Buch der Menschenliebe\nHärle der Weltenliebe\nRomane / Je M 2\nGesammelte Schriften / Band I: Kunst-\nmaler und Kunstkritiker / M 3\nWeib / Komitragödie / M 2\nTrieb / Kind / Menschen\nDramen / Je M 2-\n1 Mark\nMICHAEL LARIONOW: Kostümskizzen*\nFERNAND LEGER: Kontrast der Formen /\nGemälde\nFRANZ MARC: Pferde / Aquarell\nJEAN METZINGER; Landschaft / Ge-\nmälde\nLOUIS MARCOUSSIS; Stilleben / Aquarell\nMOHOLY-NAGY: Schwarz-Orange-Qelb /\nGemälde\nGEORG MUCHE: Und schied das Licht /\nGemälde\nPANNAGQI: Zug in Bewegung / Gemälde\nPERL Straße / Gemälde\nLOTHAR SCHREYER; 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Bequeme Teil-\nzahl u n gen erMchterndieAnschaffung\nMEYERS LEXIKON\nist durch jede Buchhandlung zu beziehen.\nAnkündigungen mit Bezugsbedingungen\nkostenfrei.. Bestellen Sie nrch h**\"'*e\nMEYERS LEXIKON"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c019", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "90", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.16", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.22", "debut_caractere": 1249, "fin_caractere_exclue": 1732, "texte": "W. Marziilier & Co., Berlin W\nGrunewaldstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Königs von Spanien\nGegründet 1854 Gegründet 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemälden u. Kunstgegenständen jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes. Transportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender\nKünstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturm“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c020", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "90", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.17", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.22", "debut_caractere": 1734, "fin_caractere_exclue": 2017, "texte": "Cessiner Bäuschen\n5 Zimmer\nfließendes Wasser, Garten, Berg-\ngelegen, 15 Min. v. See, Tennis-\nplatz, Wald. Nähe Locarno.\nRM. 60.— pro Monat 1 Bett,\nRM. 80.— 2 Betten incl. Licht,\nWäsche, Küche. Einzelzimmer mit\nBalkon. 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Einem\njeden wird dadurch eine fortlaufende Orientierung über die einzelnen Gebiete ermöglicht. Die\neinzelnen Rubriken (33 an der Zahl) werden von Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Dem Unterzeichneten Verlag ist\ndie Mitteilung von Adressen willkommen, an die die Zusendung von Probeheften Tätlich erscheint.\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE\na. M. B. H. BERLIN W 35"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c022", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.19", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.23", "debut_caractere": 1491, "fin_caractere_exclue": 3483, "texte": "Dr. WALTHER ROTHSCHILD :: BERLIN-GRUNEWALD\nßs erschien:\nDer Prozess des Hauptmanns Dreyfus\nvon Dr. Bruno Weil\n1. bis 3. Auflage. VIII+ 258 Seiten Oktav. Brosch. 4,80 M. geh. 6,40 M.\nDer Berliner Anwalt Dr. Bruno Weil, einer der besten deutschen Kenner des französischen Rechts,\nhielt vor kurzem einen Vortrag über den Prozess des Hauptmanns Dreyfus im grossen, bis auf den\nletzten Platz gefüllten Saal der Singakademie. Sensationelles Echo in der deutschen Presse, in der\nWeltpresse. Von vielen Seiten gebeten, legt der Verfasser jetzt seine Ausführungen in erweiterter Form\nals Buch vor. Weshalb erwuchs hier die Affäre Dreyfus zu neuem Leben? Zum ersten Male wurden\nhier auf Grund der zur Hauptsache in der „Grossen Politik der Europäischen Kabinette“ veröffent-\nlichten Akten des deutschen Aussenministeriums und der französischen Gerichtsakten die Stellung-\nnahme der deutschen Regierung und ihrer Organe aufgezeigt. Zlim ersten Male die Rolle der\ndeutschen Vorkriegsdiplomatie klargelegt, wobei des Fürsten Bülow Charakterbild in völlig neuer Be-\nleuchtung erscheint. Zum ersten Male und nunmehr abschliessend das Rätsel dieses Falles gelöst,\nder die ganze Welt durch Jahre in Spannung gehalten hat.\nWiderhall\nTempo: . . • an Hand deutscher Akten neue Tatsachen.\nPrager Presse; . . . sensationelle Enthüllungen.\nVorwärts: . . . d»e Rolle . . die Angehörige der\ndeutschen Botschaft in Paris . . .\nMat in ; , , , die macchiavellistische Haltung des Fürsten\nBülow . • die einen tiefen Schatten auf seine Politik . , ~\nPrager Tagblatt: . . . Es kommt alles an den Tag.\nMacchiavellistische Politik.\nder Presse!\nBerliner Morgen-Zeitung: . . Einblick , . ~\nin die . . . Stellungnahme deutscher offizieller Kreise • •\nin das Gewirr von Intrige, Diplomatie und Spionage.\nFrankfurter Zeitung: . . . eine ganz neue Seite\nder Affäre . . , die Bolle, die in diesem Drama die deutsche\nBotschaft gespielt hat\nBerliner Tageblatt: . . . auf Grund neuen Materials\ndie Hintergründe der grossen Affäre . . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-05-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-05_01#c023", "volume": "bmtnabg_1930-05_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "92", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.2.20", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 675, "texte": "Monatsschrift Der Sturm\n20. Jahrgang / Herausgeber: Herwarth Waiden\nDie führende Zeitschrift der Jungen und Jüngsten\nAlle Schriftsteller, Dichter und Maler von Weltruf wurden\nin der Zeitschrift Der Sturm zuerst veröffentlicht u. a.:\nOskar Kokoschka / Franz Maro / Paul Klee / Kandinsky\nAlexander Archipenko / Campendonk / Kurt Schwitters\nMoholy-Nagy / Gino Severin! / August Macke / Albert\nGieizes 7 Willy Baumeister / Johannes Itten / Louis\nMarcoussis / Fernand Leger / August Stramm / Mynona\n♦\nDer Sturm wird in 26 Staaten der Erde gelesen\nJahrgang: 12 Mark / Einzelheft: 1 Mark\nSonderangebot: 10 Probehefte aus verschiedenen Jahrgängen 3 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.1", "texte": "I\nDER\nHerausgeber: Herwarth Waiden\nBerlin / Mai 1930\n20. Jahrgang / 7. Heft\nBERLIN Wl5 / KURFORSTENDAMMI73"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.2", "texte": "Verlas Der Sturm / Berlin Wl5\nKurfürstendamm 173 / Fernruf: 3 2 Oliva 5072\nWichtige Bücher Wichtige Bücher\nHerwarth Waiden\nHerwarth Waiden\nIm Geschweig der Liebe Einblick in Kunst\nGedichte / Leinenband 3 Mark\nDer Deutsche / Berlin:\nMan stoße sich nicht an dem „Ge-\nschweig“, Das Wort Schweigen sagt\nim künstlerischen Sinne lange nicht\ndasselbe. Wenn außerdem alle ex-\npressionistischen Dichter so sparsam\nin neuen Wortbildungen wären, wie\nWaiden, ginge es der neuen Kunst\nbesser. Seine Lyrik singt in unendlich\nschlichten, reinen, schönen Worten von\nder Zartheit der Liebe,\nr. H. o.\nSept Arts / Brüssel:\nLa gamme sonore de l’ouvrage se si-\ntue dans une douce neutralitö tout en\nrapport avec le matif, et ne fait que\nrarement, et par pur contraste, appel ä\ndes sonoritös violentes. La röpetition\nobstin6e de certains mots le d6pla-\ncements des lettres, l’echange d’une\nsyllabe entre deux mots nous placent\ndans l’atmosphfere, d6finissant au sur\nplus toute la technique de la poösie.\nMarc-Eemans\nGörlitzer Nachrichten:\nFühlende Menschen, die nach geistiger\nNahrung zittern, sollten sich in diese\nGedichte vertiefen, sich von der schöpfe-\nrischen Kraft und Ausdrucksfertigkeit\ndieser Gedichte leiten lassen.\nEinführung in die Kunst der Gegen-\nwart (Expressionismus, Kubismus,\nKonstruktivismus) und Geschichte der\nneuen Kunst\nMit 70 ganzseitigen Abbildungen\nund 3 Farbdrucken\nHalbleinen gebunden / S.Auflage\nM.2,50\nSonderangebot\nStatt M. 6,50\nAmerican News:\nThis handsome album contains Wal-\nden’s dynamic and rebellious creeds.\nHe defends them with tenacity and with\nprophetic reiteration and much brilliant\nargument.\nHermann George Scheffauer\nBerliner Lokalanzeiger:\nAusgezeichnet ist der begleitende Text\nHerwarth Waldens in seiner knappen\nBildhaftigkeit und Schlagfertigkeit.\nDeutsche Warte / Barcelona:\nEs ist eine andere sehr reine Art des\nSehens, die es neu zu lernen gibt und\nzu der man am besten gelangt, wenn\nman den scharfsinnigen und aus in-\nnerster Einstellung gestalteten Ausfüh-\nrungen Herwarth Waldens in seinem\n„Einblick in Kunst“ nachgeht."}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[71]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.3", "texte": "Zwiegespräch zwischen Jessenin und Majakowsky Wladimir Pokrowsky\nGedichte Karl Höfler\nVermittlung Herwarth Waiden\nKurzdramen Norbert Schiller\nFurcht Walter Seidl\nAbbildungen:\nVision am Abend von Hans Jaenisch\nZwei Zeichnungen von Franz W. Seiwert\n\nDER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WAUDEN\nBerlin Wl5 / Kurfürstendamm 173 / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\n\nHerwarth Waiden\nerteilt\nUnterricht in Kunst\nfür Künstler und Laien\nMalerei\nMusik\nDichtkunst\nAnmeldungen im Privatsekretariat\nBERLIN Wl5/Kurfürstendamm 173\n\nSturm-Presse\nAnfertigung aller Drucksachen\nkünstlerischer\nunter\n0\nfr\nAufsicht\nfr\nfr\n*\n*\n*\nh\nfr\nfr\nJfr\n6\nJfr\n6\nfr\nH\nWl5\nr\nn\n173\nKurfürstendamm"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[72]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.4", "texte": "Das große\nSprechchorwerk\nfür alle Antikriegsveranstaltungen\nDER KRIEG\nEin Chorspiel von Karl Vogt\nPreis 80 Pf.\nVerlag Der Sturm / Berlin W 15\nBeziehbar durch jede Buchhandlung\nDer Leiter des Sprechchors der Volksbühne\nBerlin schildert in seinem Werk die Voraus-\nsetzungen jedes Krieges, die grauenhaften\nStationen des letzten und das Ende des\nnächsten: die Katastrophe des Giftgases.\n\nDas Buch\nvorn Lied der Völker\nEd. Schott Nr. 1392\nM. 4.\nEin neuer einzigartiger Band, der dem\nmit dem fremden Volkslied noch weni-\nger Vertrauten eine vollständig neue\nWelt von unerhörtem Reichtum erschlie-\nßen, dem Andern aber eine vortreff-\nliche Einführung in die große Samm-\nlung „Das Lied der Völker“ sein wird.\nCa. 100 der schönsten Melodien\naus dem Liedgut aller Völker Europas\n(Rußland, Skandinavien, Ungarn, Balkan,\nItalien, Spanien, Frankreich, England usw.)\nfür Klavier\nleicht spielbar bearbeitet\nmit übergelegtem Text von\nHEINRICH MÖLLER\nselbst aus seinem monumentalen zwölf-\nbändigen Sammelwerk zusammengestellt,\nln besonderem Heft sind dem Band d i e\nvollständigen Texte der Lieder\nbeigegeben.\nB. SCHOTT’S SOHNE - MAINZ UND LEIPZIG"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.5", "texte": "Zwiegespräch\nzwischen Jessenin und Majakowsky\nWladimir Pokrowsky\nMAJAKOWSKY; Wer da? Kann in der\nDunkelheit nichts unterscheiden.\nJESSENIN: Besucher meiner Art erscheinen\nnur nachts.\nMAJAKOWSKY: Diebe?\nJESSENIN: Und Tote.\nMAJAKOWSKY: Jessenin? Sie?\nJESSENIN: Ich möchte mich mit Ihnen unter-\nhalten.\nMAJAKOWSKY: Hm . . . Das hat seine\nSchwierigkeiten.\nJESSENIN: Ziehen Sie tatsächlich den Schlaf\neinem solchen Gespräch mit mir vor?\nMAJAKOWSKY: Nein, nicht auf den Schlaf\nkommt es an. Aber .. . aber ein Ge-\nspräch mit einem Toten ist etwas . . . .\nmetaphysisch. Und würde mir als\nMaterialisten nicht gemäb sein.\nJESSENIN: Tut nichts. Niemand wird es er-\nfahren. Für das Publikum bleiben Sie\ndas, was Sie scheinen. Was die Haupt-\nsache ist, unser Gespräch ist ja lediglich\neine literarische Form. Und den Gebrauch\ndieser Form nur aus dem nichtigen Grunde,\ndab einer von uns nicht lebt, zu vereiteln,\nwäre unliebenswürdig dem Autor dieses\nZwiegespräches gegenüber. Um so mehr,\nda Sie selbst . . .\nMAJAKOWSKY: Ich selbst? Erlauben Sie mal,\nich bin doch vollkommen lebendig.\nJESSENIN: Ich spreche von etwas ganz\nAnderem, Ich wollte sagen, dab Sie selbst\nsich nicht gescheut haben, mit Toten zu\nsprechen - zum Beispiel: Ihr Jubiläums-\ngedicht an Puschkin: „Alexander Sserge-\njewitsch, gestatten Sie mir, mich Ihnen\nvorzustellen. Majakowsky.“ Doch da war\nder Tote der Benachteiligte.\nMAJAKOWSKY: Wieso?\nJESSENIN: Sie lieben ihn nicht zu Wort\nkommen. Von Zwiegespräch keine Spur.\nEs war ein Monolog. Damit Ihr Gedicht\n„An Ssergej Jessenin“ nicht ähnlich einseitig\nbliebe, beschlob ich die Tatsache, dab\nich nicht mehr lebe zu überwinden und\nSie daran zu hindern, es auszunutzen, dab\nich nicht lebe.\nMAJAKOWSKY: Ich habe es nicht ausgenutzt.\nJESSENIN: Wollen wir uns doch nichts vor-\nmachen. Uns beiden ist es zu eng in der\nzeitgenössischen russischen Literatur. Ge-\nrade zwischen uns beiden spielt sich der\ngrobe Streit um die Vorherrschaft ab.\nIhnen geht der Erfolg meiner Gedichte\ngegen den Strich, Kein Preis wäre Ihnen\nzu hoch um damit die Möglichkeit zu er-\nkaufen, meine Gedichte und meinen Tod\nzu entwerten.\nMAJAKOWSKY: Sonderbar, Jessenin, dab\nselbst jenseits des Grabes, wie man zu\nsagen pflegt, die Manie Sie nicht verlassen\nhat, überall und in allem Verfolgungen\nzu wähnen.\nJESSENIN: Wagen Sie nicht, Ihr Recht des\nLebenden dazu auszunutzen, um mit Ihren\nGedichten billigen entlehnten amerikani-\nschen Stils mir Sowjet-Rubland und Sowjet-\nRubland mich zu rauben."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.6", "texte": "MAJAKOWSKY: Ihre Domäne in Sowjet-\nRubland ist, was zurückgeblieben wie Asien\noder faul wie die Spitzen Europas ist.\nJESSENIN: Und Ihre Domäne, was sich fort-\nschrittlich, revolutionär und talentvoll ge-\nbärdet, in Wirklichkeit aber zurückgeblieben,\nreaktionär und unbegabt ist.\nMAJAKOWSKY: Vor allen Dingen wollen\nwir doch Eines feststellen: greifen Sie mich\nan oder die Ideen, für die ich Propaganda\nmache?\nJESSENIN: Ich greife Sie Ihrer Unaufrichtig-\nkeit wegen an und die von Ihnen propa-\ngierten Ideen wegen ihrer Plattheit.\nMAJAKOWSKY: Schön. Ich hingegen greife\nSie persönlich garnicht an (trotzdem ich\nan Ihrer Unaufrichtigkeit in vielen Fällen\nnicht zweifle), sondern nur Ihr Schaffen.\nJESSENIN: Weil es besser ist als das\nIhrige.\nMAJAKOWSKY: Jessenin, Sie sind ein ver-\ndorbener Mensch mit einer Kinderseele.\nGewib sind Sie talentvoll. Gewib haben\nSie Verse, die auch uns Gesunden gefallen.\nAber der Urgrund - verzeihen Sie - ist\ndürftig Wenig Neues in der Form, viel\nFäulnis in der Stimmung. Und diese\nFäulnis ist auch dürftig. Sie und Ihre\nBewunderer merken nicht, dab Fäulnis\nFäulnis ist, oder (was noch schlimmer)\nfinden es schön. Was ist denn ein\nDichter?\nJESSENIN; Ein Dichter das bin ich.\nMAJAKOWSKY: Der ist Dichter, der den\nMenschen mit seinen Gedichten hilft, ge-\nsteigert zu leben und vorwärts zu gehen.\nIhre Gedichte helfen nicht, sondern stören\nzu leben. Audi hängt Ihre Wirkung auf\ndie Leser nicht so sehr mit dem Talent\ndes Autors zusammen, wie mit der mo-\ndernen Art seines Todes.\nJESSENIN: Moderne Todesart! Sind nicht\ndie besten russischen Dichter auf solche\nmoderne Art ihrer Zeit gestorben? Wenn\nsich die Mode auch änderte. Es gibt zwei\nGruppen russischer Dichter. Solche, die\nsechzig bis siebzig Jahre alt wurden.\nSo lange werden, voraussichtlich, auch Sie\nleben, Majakowsky. Diese Dichter lebten\nin gesicherten Verhältnissen und hatten\nein ruhiges Schicksal. Es waren gute\nDichter. Tjulscheff, Maikoff, Fet, Nekrassoff,\nAlexei Tolstoi I, Pleschtschejeff, Polonsky\n.... das waren bedeutende, aber keine\ngroben Dichter. Die Groben starben\nfrüh, starben auf tragische Weise, Es hat\nnur zwei Grobe gegeben: Puschkin und\nLermontoff\nMAJAKOWSKY: Der tragische Tod Puschkins\nhalf seinem Ruhm; wie mir am Anfang\ndie gelbe Bluse half, die ich trug. Aber\nbedeutet das, dab jeder, der eine gelbe\nBluse trägt oder sich erhängt, grob ist?\nSo sind Sie. Ihr Hauptlrumpf ist der Effekt\ndes Todes, während bei mir und Puschkin\nDuell und Bluse nur äubere Zugaben zur\nGenialität sind. Bald wird Ihr Tod un-\nmodern werden, desgleichen Ihre Gedichte.\nIch jedoch werde lange Vorhalten. Ueber-\nhaupt fängt meine Karriere erst an, ob-\ngleich ich schon viel erreicht habe.\nJESSENIN: Sie sind erledigt. Denn Sie sind\näuberlich, intellektualistisch, brutal.\nMAJAKOWSKY: Auf diese Weise kommen\nwir zu keinem Ende. Machen wir es so\nIch höre erst alles Wesentliche, was Sie\nmir zu sagen haben an, ohne Sie zu\nunterbrechen. Und dann beantworte ich\nalles auf einmal, wobei ich Sie bitten\nwerde, mich nicht zu unterbrechen.\nJESSENIN: Gut.\nMAJAKOWSKY: Ich höre Ihnen zu. Also,\nfangen Sie an, Ssergej Alexandrowitsch."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.7", "texte": "JESSENIN: Mir ist alles, was mit dem Worte\n„Majakowsky“ zusammenhängt, widerlich,\nfremd, sogar ekelhaft. Primitiver Opti-\nmismus, und auch der falsch; brutale aus-\ngeklügelte Form, und auch die gestohlen.\nOptimismus . . . Welchen Grund hätte\nder Mensch wohl zum Optimismus? Was\nwissen wir? Während ich und die auf\nmeiner Seite sind, ehrlich bekennen: wir\nwissen nichts, außer der Tatsache, daß es\nuns schlecht geht, zur selben Zeit zetern\nSie und die auf Ihrer Seite, mit Wenigem\nzufrieden, daß es Ihnen gut geht und daß\ndie Welt vollkommen ist. Die Bejahung\ndes Lebens um jeden Preis als absoluten\nWert ist überhaupt eine strittige Theorie.\nTrotzdem kann ich diesen Standpunkt noch\nverstehen, habe ich doch selbst geschrieben:\nGesegnet, auf ewig,\nDaß man erblüht und gestorben ist.\nWarum aber das Leben in einen Markt\nverwandeln! Warum jede Bagatelle zu\neinem Wunder der Schönheit stempeln?\nEin solcher Optimismus ist ein Bullen-\noptimismus. Ein Bulle ist immerhin\nwenigstens aufrichtig. Aber Sie? Sie lügen\nmit jedem Wort, mit Ihrem „Hurra“, mit\nIhren Preisliedern an die Sonne und die\nEpoche. Sie langweilen sich fast ebenso\nwie wir. In den menschlichsten Augen-\nblicken Ihrer zufriedenen Existenz fühlen\nSie sich genau so besiegt, zerdrückt, ver-\nwirrt, unschlüssig, genau so gequält und\nsehnsüchtig. Doch wertvoller als alles\nerscheint Ihnen das Brot mit Butter und\nder äußere Erfolg. Dazu kommt die Er-\nkenntnis, daß das menschliche Wort recht\nverschiedenartige Kombinationen zuläßt\neinige von ihnen werden bezahlt.\nResultat: Kritiker und andere Dumm köpfe\nstellen mit Genugtuung fest: „Der große\nMajakowsky, durchdrungen von eisenbeton-\nstarker Entschlossenheit, die Finsternis zu\nbesiegen, ruft uns“ .... Und erscheint\ndann plötzlich ein wirklicher Dichter,\nder Lachen und Weinen nicht heuchelt\n(„Jessenin weint und lacht wie eine Geige,\nwährend unsere proletarischen Dichter\nnur trommeln“ sagte Radek von mir),\nwenn also ein Dichter erscheint, der es\nnicht nötig hat, die Dürftigkeit des Inhalts\nhinter Verrenkungen der Form zu ver-\nbergen, weil sein Schaffen reich, vielfältig\nund geschmeidig wie das Leben selbst ist\nso tretet Ihr wackern Optimisten, deren\nOptimismus nur ein Mantel ist, unter dem\nIhr Talentlosigkeit oder Verzagtheit ver-\nbergt, gegen diesen Dichter auf, weil er\nangeblich dem Leben schadet. Euch schadet\ner, aber nicht dem Leben bedarf denn\ndas Leben Derer, die es wie gleichgillige\nSöldner preisen, dringender als Desjenigen,\nder es zurückstrahlt wie ein Echo, wie ein\nSpiegel.\nMAJAKOWSKY: Weshalb verstummen Sie?\nJESSENIN: Ich habe gesagt, was ich zu sagen\nhatte.\nMAJAKOWSKY: Schön. Jetzt ist die Reihe\nan mir.\nVor allen Dingen wie kommen Sie\ndarauf, zu behaupten, daß wir den\nOptimismus als absoluten Wert ver-\nkünden? Wir empfinden bloß so. Und\nSie, Sie sind vom Leben enttäuscht und\nglauben Amerika entdeckt zu haben.\n„Das Leben ist schließlich sinnlos und\ndeshalb muß man aus dem Leben\nscheiden.\" Warum „muß“ man? Welche\nLogik folgert die absolute Ablehnung des\nLebens aus der Erkenntnis seiner Frag-\nwürdigkeit? Wir denken garnicht daran,\ndie Fragwürdigkeit des Lebens zu leugnen,\nwir wollen aber leben und Leben um uns\nsehen, und deshalb unterstützen wir alles,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.8", "texte": "was Wasser auf unsere Mühle, die Mühle\ndes Lebens, giebt. Wir unterslützen sogar\nden Bullenoptimismus. Diese gesunde\nPrimitivität ist das Rohmaterial, aus\ndem der komplizierte Mensch sein Glück\nzimmert.\nWarum in aller Welt haltet Ihr uns für\nunaufrichtig? Darauf gibt es viele Ant-\nworten. Erstens: Es fällt Euch wohl\nschwer, zu glauben, dab einer gesund ist,\nweil ihr selbst krank seid. Zweitens: Ihr\nkönnt nicht glauben, dab irgend jemand\ndie Wahrheit sagen kann, weil Ihr Euch\nselbst und die Andern belügt. Drittens:\nIhr beurteilt die Optimisten, Kommunisten,\nRevolutionäre, ohne eine Ahnung davon\nzu haben, was Optimismus, Kommunis-\nmus, Revolution ist, nach den Karikaturen,\ndie man von ihnen macht und die zahl-\nreicher sind als die Originale.\nVermag denn der Mensch, der an den\nSieg des Lichtes im Leben glaubt, nicht\nauch über das Dunkel zu weinen ? Haben\ndenn die Gefühle und Unzulänglichkeiten\nseiner Zeit nicht auch Macht über ihn ?\nGlückt es Euch mal, einen Majakowsky\nnachdenklich, anscheinend traurig, oder\nein Mal in drei Jahren mit feuchten Augen\nzu erspähen dann freut Ihr professio-\nnellen Schwermütigen Euch. Anstatt in\ndieser zufälligen Traurigkeit oder vor-\nübergehenden Nachdenklichkeit nun den\nMenschen, wenn auch nicht gerade den\nUebermenschen, zu erblicken statt dessen\ngebärdet Ihr Euch wie Aussätzige bei der\nEinlieferung eines neuen Kranken in ihr\nLeprahaus. Ihr brüllt leise „Hurra“, Ihr\nreibt Euch die Hände, Ihr freut Euch.\nWorüber freut Ihr Euch ? Bestenfalls freut\nIhr Euch darüber, dab der Andere ge-\nstrauchelt ist und im typischen Falle ein-\nfach darüber, dab es Euch schien, als sei\njemand gestrauchelt.\nMan mub Euch bedauern. Allerdings nicht\nso, wie es Eure Bewunderer tun, die in\nEuch die Psychologie des Krüppels grob-\nziehen, dem sie Kupfermünzen in die\nMütze werfen und der am nächsten Tage\nseine Wunde noch herzzerreibender zur\nSchau stellt. Sondern man sollte Euch\naktiv bedauern, indem man Euch dadurch\nheilt, dab man Euch bekämpft. Ihr wollt\ngrob sein ? Bitte schön. Wenn das\ngrobe Unvermögen, mit dem eigenen\nLeben, geschweige denn mit dem Leben\nAnderer, fertigzuwerden, Grobe bedeutet;\nwenn die grobe Zersetzung des gesell-\nschaftlichen Willens, die Euer Talent ver-\nursacht, Grobe bedeutet; wenn Euch das\nAdjektivum grob, in Verbindung gebracht\nmit den Begriffen Schwäche und Nieder-\ngang, eine Genugtuung bedeutet dann\nschenken wir es Euch mit aller Bereit-\nwilligkeit: die grobe Schwäche, der gröbte\nNiedergang das ist es gerade, was auch\nwir in Euch sehen!\nJESSENIN: „Wir“, „Ihr“. . . , gibt es die\ndenn eigentlich in Wirklichkeit ? Ist nicht\nin den Majakowskys ein Stück Jessenin\nund . . .\nMAJAKOWSKY; . . . und in den Jessenins\nein Stück Majakowsky? Gewib, gewib.\nIch will es nicht leugnen: Wenn aber der\nJesseninismus noch schlimmer ist als\nJessenin selbst, so steht der Majakowsky\nder Dichtung noch höher als der Maja-\nkowsky des Lebens. Also ist es nicht besser,\ndie Rolle Majakowskys zu spielen?!\nAus dem Russischen von Mary Schneider-Braillard"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.9", "texte": "Vision am Abend\nHans Jaenisch"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.10", "texte": "Gedichte\nKarl Höfler\nBreit rüstet meine Seele\ndachtet der brausenden Nacht entgegen.\nUnd mein Herz\nhämmert wider steife Tannenwälder.\nHimmel weinen.\nWolken weinen.\nVerhaltene Seufzer starren aus hohlen Augen.\nUnd hinter schwarzen Grabrnälern\nschielen freche Klageweiber in mein Herz.\nGroße, graue Eulen.\n*\nMeine Märchen verdämmern\nMeine Tage sind fallender Regen\nverlassener Gärten.\nAn steinernen Rüstungen pochen meine\nSchritte\nAn den stillen Hängen rasten unbekannte\nTauben\nSchluchzt mein Herz.\n*\nIm Dunkeln schweigen die silbernen Bäche\nKinder klagen nicht mehr\nAlle Blumen hocken still im Rauch\nDie Berge sind versunken in den Nächten\nVon den Büschen fallen gestorbene Vögel\nDie Welt rollt geduckt\nEin Schrei will branden\nUeberall\nflattern empörte Fackeln auf\nZerrissene Sekunden hämmern\natemlos\nIm Sprung\ngewaltig steht der schwarze Sturm\nUnter grauen Dächern brennen Herzen\nDie Tauben in unseren Augen sind müde\nDer Schlaf wandert durch das Elend unserer\nGassen\nRote Worte liegen auf zerbrochenen Lippen.\nWir glauben\nWir glauben\nZarte Tage wachsen wunschlos dem fallenden\nMorgen.\nGräme dich nicht\nDu\nEinmal werden wir alle glücklich sein.\nVom Ackerland klingt hell die Sichel.\nGold.\nIch liege breit.\nSonnenblut durchadert mich.\nMeiner Brust breite Keltertonne\nruht behaglich auf der Spitze eines Grashalms\nUnd ein ganzes Orchester geigt\nzirpt\nsummt\num\nüber\nund in mir.\n■i*\nStein, Stein, Stein\nüberall\nMeine Augen springen über die Dächer der\nGroßstadt\nErtrinken in ihrem Atem\nDunst\nUnter mir preßt Leben\nDen Takt dazu schlägt der russige Grobschmied\nSchlag schlägt\nSein Gesicht\nArbeit"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.11", "texte": "Alle Klänge klingen in mir\nIm Gefälle meines Blutes rauscht Gesang.\nWeiße Bäche fließen über\nDeine Lippen sind rote Trauben\nIm träume im Traum deiner Brüste.\nZag zittern die goldenen Flügel\nDu bist schön.\nQlutwangige Buben spielen mit roten Papier\nlaternen\nAn fernen Quellen lauschen bronzene Löwen\nDer Dom ist bereift\nSterne blinzeln\nFremde Flöten atmen im Walde.\nGlockenblumen\nTiefblau ist Nacht.\n\nZeichnung\nFranz W. Seiwert"}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.12", "texte": "Vermittlung\nHerwarth Walden\nDer Herr Regierungsassessor a. D. strich sich\nnachdenklich dreimal über sein sechsundfünfzig-\njähriges Haar. Nichts kann man diesen Par-\nvenüs recht machen. Schon seit fünfundzwanzig\nJahren berät er alle besseren Familien beim\nEinkauf und auch gelegentlich beim Verkauf\nvon Wohnungseinrichtungen, Kleinmöbeln und\nKunstwerken. Seit jener Zeit, als man ihm\nnahelegte, den Staatsdienst zu quittieren, da\nseine nationalliberale Anschauung nicht genehm\nsei. Man mußte verdienen. Er entdeckte plötz-\nlich seinen sicheren Geschmack. Und da die\nanderen ihn auch nicht hatten, wendete man\nsich vertrauensvoll an den Regierungsassessor\na. D, Er beriet die Jungvermählten zweiter,\ndritter und vierter Ehe in der Anschaffung von\nStilmöbeln, brachte ihnen dezent das Unter-\nscheidungsgefühl für Renaissance und Bieder-\nmeier bei. Sorgte für unpassende Tapeten, ver-\nmittelte falsche Rembrandts und echte Lieber-\nmanns. Auch in Kleinplastiken und Halbleder-\nbibliotheken hatte er die nötigen Erfahrungen.\nNebenbei besorgte er Klavierlehrerinnen, promi-\nnente Künstler für Abendgesellschaften, Tänze-\nrinnen mit Kinderstube, Kunstmaler, die bei\nHerrenfrühstücken bauchreden können. Stellte\njede Art von Partien zusammen: nach Onkel\nToms Hütte, Bridge, Einheirat in Landgüter,\nalles mit und ohne Damen. Er schätzte Schmuck,\nMenschen und Alkohol, überschätzte was gut\nund unterschätzte, was besser war. Er half zu\nEhen und Ehebrüchen. Kurz, er war der Rat-\ngeber der besten Menschen in allen vorkom-\nmenden Fällen. Sein Ruhm war, daß man ihm\nein Honorar gleichsam aufzwingen mußte. Er\nnahm nur Geschenke als Andenken. Die\nliefernden Firmen fühlten sich durch das über-\nnormale Provisionsbegehren des Regierungs-\nassessors a. D. schwer benachteiligt. Aber was\nsollte man machen. Er war nun einmal der\nanerkannte Ratgeber der besten Gesellschaft.\nDie Firmen mußten ihm jeden Anspruch be-\nwilligen, sonst ging er zu den vielen Kon-\nkurrenzen. Schließlich wurde von allen Rat-\nsuchenden doch das getan, gekauft und bezahlt,\nwas er vorschlug.\nWieder strich er sich dreimal gegen den Strich,\ndaß selbst die Brillantine ihren Halt verlor und\ndie Haare sich unkorrekt sträubten. Eine dumme\nGeschichte. Frau Qroßkaufmann Schulz-Greifs-\nwald wünschte ein Marinestück, wie sie es in\nder Kunsthandlung von Schulz-Berlin gesehen\nhatte. Der Regierungsassessor a. D. sollte es\nbeschaffen. Es sollte genau nach dem Original\nein neues Original gemalt werden, weil ihr\ndas Meer auf dem ersten Original zu unruhig\nwar. Ins Esszimmer gehört Ruhe und gerade\nhier hat man am wenigsten Neigung seekrank\nzu werden.\nDas Bild wurde vom Regierungsassessor mit\nÄnderung bestellt, in wenigen Tagen geliefert\nund treu überzahlt. Aber Frau Schulz-Greifs-\nwald, mißtrauisch gegen Berlin und die Berliner,\nverglich das erste Original mit dem zweiten\nund stellte sofort fest, daß Berlin sie betrogen\nhatte. Auf dem ersten Original mit dem un-\nruhigen Meer gab es vier Schiffe, auf ihrer\nErwerbung hingegen nur drei. Es fehlte also\ndas Pendent. Das dritte Schiffchen schwamm\ngleichsam im Leeren. Und außerdem hatte\nman ihr bei den teuren Zeiten das Bild mit\ndrei Schiffen so teuer berechnet wie das mit\nvier. Frau Schulz-Greifswald hatte ein sehr\nerregtes Telephongespräch mit dem Regierungs-\nassessor a. D. Sie verlangte das vierte Schiff-\nchen oder die Rücknahme des Bildes. Der\nRegierungsassessor hatte eine ernste Konferenz\nmit seinem Rechtsanwalt. Der glaubte nicht,\ndaß der Kunsthändler zur Rücknahme des\nBildes verpflichtet sei. Hingegen könnte man\nvielleicht einen Teilbetrag der Kaufsumme\nzurückfordern. Wegen Minderung. Frau Kom-\nmerzienrat Schulz-Greifswald hatte dem Sinne\nnach vier Schiffchen bestellt und nur drei er-\nhalten. Auch der Dolus käme in Frage.\nDer Regierungsassessor haßte Prozesse. Außer-\ndem hatte er die fünfzigprozentige Provision"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.13", "texte": "Zeichnung\nFranz W. Seiwert"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.14", "texte": "für den Bildverkauf schon längst verbraucht.\nWie könnte man es der Kunslfreundin beibrin-\ngen, das vierte Schiffchen schwimmen zu lassen.\nHerein. Lassen Sie sich wieder mal sehen, Herr\nStuhlmeier?\nJa, verehrter Herr Regierungsassessor, mit\nmeiner Freiheit ist es zu Ende. Ich bin an-\ngestellt.\nSie haben Ihren herrlichen Künstlerberuf auf-\ngegeben?\nViel schlimmer. Wovon soll man leben? Sie\ngehören zu meinen besten Kunden, Herr Re-\ngierungsassessor. Und was nehmen Sie mir\nim Jahre ab? Zwei Marinestücke. Höchstens\ndrei.\nDie Revolution hat alles verweichlicht, lieber\nMeister Stuhlmeier. Marinestücke werden kaum\nmehr gefragt. Eine Dame braucht Erdbeeren.\nOhne Schlagsahne natürlich. Auch für zwei\nWindspiele hätte ich einen Interessenten.\nVon acht bis sechs stehe ich an der Staffelei\nund male Rembrandts und Tizians, Herr Re-\ngierungsassessor. In einem Raum zusammen\nmit zehn Kollegen. Für hundertzwanzig Mark\nmonatlich. Mein Chef, der Hofmaler, verkauft\nsie zum Serienpreis von neunhundertneunzig\nMark das Stück ohne Rahmen.\nDann bleibt Ihnen ja gar keine Zeit für eigene\nArbeiten, lieber Stuhlmeier.\nNur die Sonntage. Da male ich meine Träume.\nSehen Sie, hier. Dieses junge Mädchen. Ganz-\nakt. Sehen Sie wie sie die Hände zum Himmel\nhebt, wie ihre Augen Gott schauen.\nSehr nett, aber warum hat das Mädchen Platt-\nfüße?\nSie steht doch im Moos, Herr Regierungs-\nassessor. Und hier unten spielen Katze und\nHund friedlich miteinander. Das ist symbolisch\ngemeint. Leider will das Publikum von meinen\nTräumen nichts wissen.\nStehende Qanzakte sind auch nicht mehr beliebt,\nlieber Stuhlmeier. Ist es nach Modell gemalt?\nSelbstverständlich. Bis aufs Haar genau. Nur\nder Himmel ist Phantasie.\nDas Bild läßt sich nicht verkaufen, lieber Stuhl-\nmeier. Es ist zu künstlerisch. Aber eine rettende\nIdee für uns beide. Haben Sie noch ein Marine-\nstück mit einem Schiffchen im ruhigen Meer?\nDas könnte ich Ihnen schnellstens malen.\nAber es muß billig sein. Lächerlich billig. Ich\nmuß es nämlich verschenken. Und Sie wissen\nnicht, wie Sie mich noch einmal gebrauchen\nkönnen.\nSie geben mir eben, was Ihnen möglich ist. Ich\nmußte neulich ein Bild mit vier Schiffen kopieren.\nSie haben das gemacht?\nKennen Sie das Bild, Herr Regierungsassessor?\nLeider.\nNicht wahr? Absoluter Kitsch. Bei der Kopie\nhabe ich übrigens ein Schiff weggelassen.\nWegen des Gleichgewichts.\nUnd mit Ihren Künstlerträumen haben Sie mich\naus dem Gleichgewicht gebracht, Herr Stuhl-\nmeier. Machen Sie Sonntags Ihre Gleichge-\nwichtsübungen, soviel sie wollen. Wenn man\nIhnen aber vier Schiffe zu kopieren gibt, liefern\nSie gefälligst korrekt. Jetzt bekommen Sie\neinen Prozeß wegen Minderung.\nWie bitte? Jeder Kunstkri'iker wird Ihnen\nbestätigen, daß man aus Gründen des Gleich-\ngewichts\nBei Ihnen werden Bilder bestellt und nicht\nUrteile von Kunstkritikern, Herr Stuhlmeier.\nSie werden mir also das vierte Schiff nach-\nliefern. Selbstverständlich kostenlos. Und für\ndas Mädchen zahle ich Ihnen zwanzig Mark,\nUnd die Adresse möchte ich haben.\n*\nGuten Tag, lieber Assessor. Donnerwetter,\nsehr nett bei Ihnen. Es geht doch nichts über\nein behagliches Junggesellenheim.\nIhre Frau Gemahlin ist nun hoffentlich nicht\nmehr auf mich böse, Herr Kommerzienrat. Sie\nhat jetzt ihr Bild komplett.\nMeine Frau hat eben einen Kunstfimmel, lieber\nAssessor. Mir persönlich ist es ganz gleich-\ngültig. Ich sehe mir die Dinger doch nicht an."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.15", "texte": "Sagen Sie mal, ich bin jetzt so selten in Berlin\nund daher ziemlich raus. Da fielen Sie mir\ngerade ein. Was kann man so machen?\nWir haben jetzt den neuen Tonfilm.\nNun sagen Sie noch Parsifal. Ich möchte\netwas Sie wissen doch, in Greifswald kennt\neinen jeder Donnerwetter, ein hübsches\nMädchen.\nWo bitte?\nHier auf dem Ding.\nDas sind die Träume von Herrn Stuhlmeier.\nGehen wir zu dem Mann. Ich kaufe ihm das\nDing ab.\nDas Kunstwerk ist mein Eigentum, Herr Kom-\nmerzienrat.\nDas lasse ich mir gefallen, Herr Assessor. Da\nverstehen wir uns. Aber diese Schiffe und\ndas Geflügel und einen halben Hummer in\nschlechtem Oel. Ich verstehe nicht, warum die\nLeute das für Kunst halten. Also geben Sie\nmir das Mädchen. Was kostet das? Kann man\ndas Original bewundern?\nDa müßten wir schon zu Herrn Stuhlmeier\ngehen.\nDas wird ein famoser Abend, lieber Assessor.\nSie und Herr Stuhlbein sind meine Gäste,\ndas Original wird auch auf seine Rechnung\nkommen. Das wird ein netter Abend.\nEs freut mich, Ihnen dienlich sein zu können,\nHerr Kommerzienrat. Wollen Sie das Bild\ngleich mitnehmen?\nSchicken Sie mir das Ding nach Greifswald.\nSehen Sie nach, ob das Bild auch von dem\nStuhlbein signiert ist. Das habe ich wenigstens\nschon von meiner Frau gelernt: die Signatur\nist die Hauptsache bei einem Bild.\nSie sind wirklich ein absoluter Kunstkenner,\nHerr Kommerzienrat. Leider sehe ich erst\njetzt, daß Herr Stuhlmeier vergessen hat, seine\nTräume zu signieren.\nWieso Träume, lieber Assessor? Es ist doch\nnur ein Mädchen drauf. Also nehmen wir das\nDing mit in ein Auto und Herr Stuhlbein oder\nStuhlmeier haut seinen Namen drunter. Los,\nziehen Sie sich den Mantel an.\n*\nHerr Stuhlmeier, hier stelle ich Ihnen Herrn\nKommerzienrat Schulz-Greifswald vor, der Ihr\nBild „Träume“ soeben erworben hat und Sie\nkennenzulernen wünscht.\nSehr erfreut, Herr Kommerzienrat, daß gerade\ndieses Bild\nSie müssen aber noch Ihren Namen drunter-\nhauen, lieber Meister.\nUnd wie gefällt Ihnen die Symbolik mit Hund\nund Katze, Herr Kommerzienrat?\nWo? Habe ich noch garnicht gesehen. Aber\ndas Mädchen. Donnerwetter.\nDas ist das Symbol der himmlischen Liebe,\nHerr Kommerzienrat.\nSelbstverständlich. Himmlisch. Bombenfigur.\nHier liegen ja so allerlei Gegenstände.\nIch male gerade nach Modell, meine Herren.\nDas trifft sich ja ausgezeichnet, lieber Meister.\nVielleicht machen Sie eine kleine Luftpause\nund wir vier nehmen ein kleines himmlisches\nSouperchen ein.\nIch weiß nicht, Herr Kommerzienrat, ob\nKeine Zierereien, lieber Meister. Das Mädchen\nsoll sich ausziehen, oder anziehen, meine ich.\nDonnerwetter, da hängen ja noch zehn Träume.\nGanz famos. Ganz famos. Alles himmlische\nLiebe ?\nNein, Herr Kommerzienrat, das zum Beispiel\nist die irdische Liebe.\nSehr gut, lieber Meister. Das merkt man\ngleich an dem Büstenhalter.\nAber, Herr Kommerzienrat, das ist doch der\nsymbolisch Strick, mit dem sie Eros gefesselt\nhat. Oben links sehen Sie Eros.\nAuch eine ganz nette Nutte. Was kostet das\nDing.\nHerr Kommerzienrat, Herr Stuhlmeier malt\nprivat nur Träume."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.16", "texte": "Der Meister Stuhlbein nimmt mir meine Offen-\nheit sicher nicht übel, nicht wahr, lieber Meister?\nIch spreche meine paar Gedanken immer gerade\nraus. Tagsüber muß ich Geld verdienen. Aber\nder Abend gehört der Kunst. Und damit Sie\nnicht etwa denken, was kostet der ganze\nLaden hier?\nEins ist allerdings unverkäuflich, Herr Kom-\nmerzienrat; die irdische Liebe. Das ist mein\nbestes Bild. Das träume ich in ein Museum.\nDann wollen wir zunächst soupieren. Ich habe\neinen Mordshunger. Vielleicht kann sich die\nhimmlische Liebe etwas beeilen.\nIch male jetzt die göttliche Kraft, Herr Kom-\nmerzienrat.\nAuch gut. Nur schnell machen.\nDafür mußte ich natürlich als Modell einen\nJüngling\nNee, sone Sachen mache ich nicht mit. Mir\nist himmlische Liebe modern genug.\nIch verstehe nicht, Herr Kommerzienrat. Seit\nmeinem fünfzigsten Jahre male ich nur noch\nTräume und zwar in der konstanten Auffassung.\nHören Sie zu, Meister Stuhlbein. Ihre Träume\nund Ihr weißer Bart in Ehren. Seien Sie mal\nreal. Ich kaufe Ihnen den ganzen Laden ab.\nSie holen mir aber sofort das Modell als\nVergleich her. Und das Geschäft wird zu\nvieren begossen.\nMein Modell ist verheiratet, Herr Kommerzienrat.\nDas lassen Sie meine Sorge sein.\nEs ist eine achtbare Familie, Herr Kommerzien-\nrat. Der Sohn, der Jüngling, soll sogar auf\ndie hohe Schule kommen.\nWas sag ich immer, lieber Assessor, die ganze\nKunst ist ausgemachter Betrug. Aber der Eros,\nMeister Stuhlbein?\nLedig, Herr Kommerzienrat.\nWissen Sie was, lieber Stuhlbein? Ich kaufe\nIhnen von dem Bild die linke Hälfte ab und\ndie rechte mit der Mutter können Sie ins\nMuseum stecken.\nAber, Herr Kommerzienrat, der Künstler kann\ndoch nicht\nSowas dürfen Sie nicht sagen, lieber Assessor\nals Kunstkenner. Wenn meine Frau statt drei\nSchiffe vier haben will, liefern Sie. Wenn ich\nvon zwei Weibern nur eins haben will, machen\nSie den Kunstkenner. Dann behalten Sie eben\nIhre Dinger, Meister Stuhlbein. Ich fahre jetzt\nins Palais voraus, lieber Assessor. Wenn der\nMeister Stuhlbein den Eros auftreiben kann,,\nsind sie mir alle drei willkommen. Sie wissen\ndoch, Palais, und der Laden ist verkauft. Mahl-\nzeit, meine Herren."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.17", "texte": "Kurzdramen\nNorbert Schiller\nRowdi Nepomuk\nRomantisches Spiel mit Gesang\nPersonen: Rowdi Nepomuk\nDirne Annamirl\nEin Fußgänger\nIm Herbstnebel\nNEPOMUK: Dort links. Um die Ecke.\nANNAMIRL: Tu ihm nix, er trägt einen\nSack. Wir wollen nur die hauen, die\nkeinen Sack tragen.\nNEPOMUK: Aber jetzt. Hack an, Anna-\nmirl. Hau ihm eine, daß die rote\nSuppen herausrinnt.\nFUSSGÄNGER: Was wollt Ihr denn. Ich\ntu Euch doch garnichts.\nNEPOMUK: Wenn Du Dir einen Karnickel-\nschlag sparen willst, gib her was Du\nhast.\nFUSSGÄNGER: Ich hab einen geladenen\nPistol in der Tasche. Erschrecken Sie\nnicht Bruder. Ich trau mich nicht\nzu schießen.\nANNAMIRL: Nimm Platz, kleiner Scharf-\nschütz.\nNEPOMUK: Komm, ich kauf Dir ihn ab.\nKannst haben dafür was er Dich ge-\nkostet hat.\nFUSSGÄNGER: Es ist ein Erbstück meiner\nTante. Sie können ihn so haben, Rowdi.\nNEPOMUK: Dann werf ich ihn ins Wasser.\nZum Schießen gehört nicht viel\nKurasche.\nANNAMIRL: Aber dafür zum Karnickel-\nschlag. Komm her, iß mit uns. Es\ngibt kein Fleisch.\nNEPOMUK: Ich bin Vegetarier.\nFUSSGÄNGER: Aus welchen Gründen.\nNEPOMUK; Frag nicht so blöd. Aus\nallen. Erzähl von Dir. Du bist ledig.\nFUSSGÄNGER: Ja.\nANNAMIRL: Das sieht man Dir an.\nFUSSGÄNGER: Aber entschuldigen Sie,\nRowdi ist doch kein Beruf.\nNEPOMUK: Was ist denn einer? Die\nanderen sind Rowdles mit Revolver,\naber ich bin ehrlich, Rowdi mit Karnickel-\nschlag.\nANNAMIRL: Das ist auch gesetzwidrig,\naber viel natürlicher.\nFUSSGÄNGER: Haben Sie einmal bessere\nTage gesehen.\nNEPOMUK: Nein, schlechtere. Jetzt gehts\nmir ausgezeichnet. Ich lebe meiner\nÜberzeugung.\nFUSSGÄNGER: Die ist mir, auch beim\nAndern, immer heilig.\nNEPOMUK: Das hab ich Dir gleich ange-\nsehen. Drum red ich mit Dir. Hand-\nschlag. Rowdi seis Panier.\nANNAMIRL: Kerle aller Länder vereinigt\nEuch.\nFUSSGÄNGER: Ich hab Dirs gesagt, ich\nbin noch zu feig. Ich respektiere nur.\nMeine Kinder vielleicht.\nANNAMIRL: Zwing ihn nicht.\nNEPOMUK: Prost, auf die nächste Gene-\nration.\nFUSSGÄNGER: Alkohol trinkst Du?\nNEPOMUK: Ab und zu. Das stammt\nnicht von Getötetem.\nFUSSGÄNGER: Leidet die Pflanze nicht?\nNEPOMUK: Hat Dein Rettich Zahnweh?\nFUSSGÄNGER; Wer weiß. Aber immer-\nhin. Es hat in mir geklungen. Ich\nscheide dankbar.\nNEPOMUK: Laß uns noch eins singen.\nANNAMIRL: Ein Terzett. Ohne Reim,\nwies Leben."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.18", "texte": "NEPOMUK (singt): Sah ein Knab ein\nRößlein stehn\nFUSSGÄNGER: Schwarz und weißen\nFelles\nNEPOMUK; Setzt sich drauf und ritt davon.\nANNAMIRL und FUSSGÄNGER: Ja,\nschwarz und weißen Felles.\nWilhelm Teil\nNationales Spiel\nPersonen:\nMatlas, ein junger Turnlehrer\nFrau Bankier Lilly Leo\nDr. Geßler, Badearzt\nEin blondes Dirndl\nEin Barde\nAm Fuße des neuerbauten Teildenkmals\nTURNLEHRER MATLAS: Doch, doch.\nIrgendwie hat der Mann schon was\ngeleistet.\nLILLY LEO: Das muß auch ziemlich schwer\nsein. Auf die Entfernung. Einen Apfel.\nDER BARDE (singt); In der Schweiz, in\nder Schweiz, in Tirol.\nTURNLEHRER MATLAS: Sie sagen gar\nnichts, Dirndl.\nDAS BLONDE DIRNDL: Was soll man\nda sagen. Ich reise auf ein Stipendium.\nDr. GESSLER: Ich wohne seit Jahren\nSommer und Winter hier. Ich habe das\nRecht, mich nicht äußern zu müssen.\nTURNLEHRER MATLAS: Es gibt im\nGrunde viel zu wenig Heldentum.\nDaran kranken wir.\nLILLY LEO: Wie haben Sie recht. Solche\nWorte hier ausgesprochen drängen zur\nBeichte. Ich habe die Bergbahn gestern\num fünfundzwanzig Pfennige geprellt.\nTURNLEHRER MATLAS: Das ist nega-\ntives Heldentum. Sucht die Schranken\nzu brechen in einer beschränkten Zeit.\nNatur und Kultur. Dämonie.\nLILLY LEO: O ja, damit kann man bei\nmir viel erklären.\nDr. GESSLER: Ich bin alt. Es ist eben\nalles wie man’s sieht. Wie man’s sieht.\nLILLY LEO: Sind Sie verwandt mit dem\nberühmten Geßler?\nDER BARDE (singt): In der Schweiz, in\nder Schweiz, in Tirol.\n(Pause)\nDAS BLONDE DIRNDL: Mir scheint, es\nregnet.\nALLE (außer Matlas): Auf Wiedersehn.\nTURNLEHRER MATLAS: Ich will naß\nwerden. Das Opfer bringe ich seinen\nManen.\nLILLY LEO: Ich könnte eigentlich auch\nbleiben.\n(Turnlehrer Matlas und Frau Lilly Leo knieen zu\nbeiden Seiten des Denkmals. Der Barde zieht sich\nbis zur Badehose aus. Es regnet wirklich fürchterlich.)\nHannes Sachs\nMittelalterlich Spiel\nPersonen:\nPotz Blau, Romantiker\nMax Stürmer\nHans Dränger\nEin Müllerbursch\nEin Korbflechter (stumm)\nDer vom Weichselstock\nDas Mädel Ruckruck\nEine Kindsmörderin (zu Pferd)\nOrt: In der Schenke Zeit: Des Morgens früh\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Ich reit\nauf Schusters Rappen. Lustig Blut und\nim übrigen: froher Sinn."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.19", "texte": "HANS DRÄNGER: Ganz recht. Ganz recht.\nMÜLLERBURSCH: Aufgepaßt. Dort kommt\ndas Mädel Ruckruck.\nMAX STÜRMER: Ist sie blond?\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Und wie.\nSo blond.\nPOTZ BLAU; Meine Wälder rauschen\nsacht.\nDAS MÄDEL RUCKRUCK; Es ist lang-\nweilig hier. Ich möcht in die Stadt.\nPOTZ BLAU: Wiesen und Wälder. Das\nmuß Euch doch locken.\nHANS DRÄNGER; Ran, Mädel, ran.\nDAS MÄDEL RUCKRUCK; Wißt Ihr\nkeinen Posten?\nMAX STÜRMER: O ich wüßt schon einen.\nIch sags aber nit.\nDIE KINDSMÖRDERIN (zu Pferd): Holla,\nholla, tu auf, tu auf.\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Ist sie\nschon wahnsinnig? Sonst wird sie’s\nsicher noch.\nDIE KINDSMÖRDERIN; Meine Mutter\ndie Hur.\nMÜLLERBURSCH: Sie ist es noch nicht.\nLaßt uns gegenseitig Geschichten\nerzählen. Ich hatte einst ein dunkles\nLieb. Der schnitt man die Haare ab.\nSie wurde Nonne allzumal.\nMAX STÜRMER: Wenn die Geschichte\nnicht wahr sein braucht, erzähl ich auch\neine. Das Lied von der zersprungenen\nNiere.\nDIE KINDSMÖRDERIN (reitet ab)\nHANS DRÄNGER: Was diese Frau für\nein Leben führt. Potz Blau warum\nbist du so traurig?\nPOTZ BLAU: Ich hab alles verlassen und\nbin hergekommen zum Mädel Ruckruck.\nJetzt will sie in die Stadt.\nMÄDEL RUCKRUCK: Tanzen will ich.\nLeben will ich.\nMÜLLERBURSCH (singt): Veilchenblaue\nSeide.\nMAX STÜRMER; Wollt Ihr nun das Lied\nvon der zersprungenen Niere ? !\nMÄDEL RUCKRUCK; Ihr habt alle keine\nSubstanz.\nPOTZ BLAU: Du tust mir weh. (Er weint)\nMAX STÜRMER: „In einem kühlen Grunde\nda liegt ein Nierenstein.“\nMÄDEL RUCKRUCK: Wer von Euch weiß\nwie Straußeneier schmecken?\nPOTZ BLAU (weinend): Die bekommst\nDu auch in der Stadt nicht. Du wirst\nenttäuscht sein.\nMAX STÜRMER: Laß, du bist zu gut für\nsie. Aber ich bin schlecht. Mädel komm\nran, Mädel komm ran.\nHANS DRÄNGER: Halt. Was will der\nstumme Korbflechter. Diese Gebärde.\nPOTZ BLAU: So voll Ausdruck. Er dichtet.\nEigenartig muß es sein.\nMÜLLERBURSCH: Er sucht bloß was zu\nrauchen.\nPOTZ BLAU: Auch das noch. Die Welt\nist nichts wert. (Er spielt auf der Hirten-\nflöte und geht blaue Blumen suchen.)\nALLE (außer dem stummen Korbflechter\nund dem Mädel Ruckruck): Wir aber\nwollen bleiben.\nMÄDEL RUCKRUCK: Habt Ihr den am\nFenster gesehen? Mit dem langen\nVollbart.\nMAX STÜRMER: Das war Hans Sachs.\nMÄDEL RUCKRUCK: Nein. Das wäre\nauch zeitlich nicht möglich. Oder?\nDER VOM WEICHSELSTOCK: Oder?!\nALLE (sehr verwundert): Wie kommt denn\nHans Sachs hierher? Wie kommt denn\nHans Sachs hierher?"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.20", "texte": "Furcht\nWalter Seidl\nRoman\nVieles im menschlichen Dasein\nist dem Vergessen geweiht.\nWeniges nur ist unvergeßlich,\naber nach diesem „Wenigen“\nbestimmt sich zuletzt der Wert\ndes Daseins überhaupt.\nEin junges Mädchen, das die Violine spielte,\nso, daß es bei Gounods Ave Maria aus dem\nTakt geriet, vor Chinesen Furcht hatte und\nbei kurzgeschnittenem Haar rückwärts einen\ndicken Schopf. Ein entzückend unwirkliches\nWesen, hindämmernd und sanft. Und aus\nsehr, sehr guter Familie!\nMit siebzehn Jahren schon machte es guten\nBekannten gegenüber kein Hehl daraus, daß\ndas Los eines Mädchens, das seinen Eltern\nkeinen Kummer bereiten möchte, hart und\nlangweilig sei. Und daß es allein in die\ngroße Stadt möchte ..... Die Medizin\nerlernen,\nSeine Eltern, die es sehr liebten, aber auf\ndem Lande wohnten, fanden es zu jung\nnoch und ließen es lediglich in einer\nProvinzstadt, gut aufgehoben, Sprachen\nstudieren. Einstweilen!\nMit zwanzig Jahren fand es sich endlich in\nder Hauptstadt. Und im Seziersaal, wo es\nerbrach. Aber das ging vorüber.\nUnter seinen Kollegen waren viele Chinesen.\nUnd selbst jene, die das nicht waren, dem\nMäderle, ausgehungert und allein gegen-\nüber, nahmen sie den gewissen geschlitzten\nBlick an, der es erschreckte und abhielt.\nNun ja, was weiß man schließlich von\nihnen ? !\nDoch anderseits nur golden bebrillte Greise,\nBücher, Leichen ?! Für ein Mädchen, das\nin Gounods Ave Maria aus dem Takt ge-\nraten kann und einen dicken Schopf hat?\nDas ist auch wieder nicht !\nDann kam ER vorüber. Der Hyper-\nChinese . . .\nEs aber spürte IHN nicht.\nDagegen vermählte es sich und hatte Kinder.\nVon einem vertrauenerweckenden Europäer.\nDie Kinder hatten sonderbarerweise ge-\nschlitzte Augen.\n*\nSchließlich, mit vierundsechzig Jahren auf\ndem Totenbett, dachte es plötzlich laut vor\nsich hin: „Weniges Unvergeßliche . . .!“\nDie ergriffen um es herumversammelte\nFamilie glaubte es zu verstehen und fragte\nbeflissen, ob es etwa ein Glas Wasser wolle.\n\nDie Schriftleitung des Sturm empfiehlt\nEmil Malespine\nLe nombril noir\nLyon / Les editions de L’Effort\n5 Francs\n„Yingt editeurs ont refuse ce Jivre. Je remercie les\nEditions de l’Effort d’aroir compris, qu’avec le temps\nce livre sera ecrit en bon francais. E. M.“\nFührer durch die Sowjet-Union\nBearbeitet von A. Radö\nBerlin / Neuer Deutscher Verlag\n14 Mark gebunden / XXXIX und 881 Seiten mit vielen Karten\n„Der Aufgabenkreis unseres Führers durch den\nArbeiter- und Bauernstaat ist weiter gezogen als der\ngewöhnlicher Touristenhandbücher. Der Führer soll\nden Wirtschaftlern, Wissenschaftlern und Politikern,\ndie das Land besuchen, behilflich sein, neben den\nauch nach dein Umsturz sorgsam behüteten Denk-\nmälern der Kunst, Wissenschaft und Natur alle jene\nNeuerungen und Errungenschaften zu finden und\nzu verstehen, die der Rätestaat schon nach den ersten\nwenigen Jahren seines Bestehens aufzuweisen hat, die\naus und infolge der Revolution entstanden sind.\nAndererseits soll er den Arbeitern und Bauern, die\nin das Land der Diktatur des Proletariats kommen,\nals Wegweiser an den historischen Stätten dieser\ngrössten Umwälzung der Weltgeschichte dienen.“"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.21", "texte": "Verlag Der Sturm / Berlin Wl5\nRUDOLF BLÜMNER f Der Geist des\nKubismus und die Künste / Mit Ab-\nbildungen / M 3\nHERMANN ESSIG / Überteufel / M 2\nERNST MARCUS / Das Problem der\nexzentrischen Empfindung und seine\nLösung / M 2.50\nLOTHAR SCHREYER / Nacht / Drama\nMl\nKURT SCHWITTERS / Die Blume Anna\nGedichte /Ml\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 1,50 Mark die mit * versehenen\nALEXANDER ARCHIPENKO; Frau /\nAquarell\nMARC CHAGALL: Akt / Aquarell, In-\nterieur / Gemälde, On dit (Der Jude) /\nAquarell, Kutscher / Aquarell, Der\nCoiffeur / Aquarell, Ich und das Dorf /\nGemälde\nROBERT DELAUNAY: Aquarell\nTOUR DONAS; Frau mit Vase / Gemälde\nALBERT GLEIZES: Baum und Fluß /\nGemälde, Frau und Kind / Gemälde\nNATALIE QONTSCHAROWA: Theater-\ndekorationen *\nREINHARD GOERINQ: Zwei Aquarelle\nJACOBA VAN HEEMSKERCK: Bild 68 /\nGemälde, Insel | Gemälde\nJOHANNES ITTEN: Gemälde eines Kindes\nKANDINSKY: Aquarell 2, Aquarell 6\nPAUL KLEE: Spiel der Kräfte einer Land-\nschaft Aquarell, Giftbeeren / Aquarell\nAUGUST STRAMM Gesammelte Dramen\nZwei Bände / Jeder Band gebunden\nM 4\nPAUL SCHEERBART / Glasarchitektur\nM2-\nHERWARTH WALDEN:\nDas Buch der Menschenliebe\nHärle der Weltenliebe\nRomane / Je M 2\nGesammelte Schriften / Band I: Kunst-\nmaler und Kunstkritiker / M 3\nWeib / Komitragödie / M 2\nTrieb / Kind / Menschen\nDramen / Je M 2-\n1 Mark\nMICHAEL LARIONOW: Kostümskizzen*\nFERNAND LEGER: Kontrast der Formen /\nGemälde\nFRANZ MARC: Pferde / Aquarell\nJEAN METZINGER; Landschaft / Ge-\nmälde\nLOUIS MARCOUSSIS; Stilleben / Aquarell\nMOHOLY-NAGY: Schwarz-Orange-Qelb /\nGemälde\nGEORG MUCHE: Und schied das Licht /\nGemälde\nPANNAGQI: Zug in Bewegung / Gemälde\nPERL Straße / Gemälde\nLOTHAR SCHREYER; Bühnenfarbform*\nKURT SCHWITTERS: Farbige Merz-\nzeichnung\nQINO SEVERINI: Pan Pan-Tanz im Mo-\nnico / Gemälde\nNELL WALDEN: Todfrühling Gemälde,\nFarbige Zeichnung, Segel / Aquarell\nSÜDSEEGÖTZE*"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.22", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: Y. Erdmann Berlin Wl5 / Verlag Der Sturm G. m. b. H.\nBerlin Wl5 Kurfürstendamm 173 / Fernruf J 2 Oliva 5072 / Postscheckkonto Berlin 120658\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt / Erfüllungsort Berlin-Mitte\n\nREPERTORSO HEBREO\nREVISTA MENSUAL ILUSTBADA DE CULTURA\nLITERATURA / ARTE / CRITICA\nE INFORMACION\nDIRECTOR:\nMIGUEL BEN-TZVI ADLER\nREDACCION Y ADMINISTRACION\nCalle Negreiros 567 (Altos)\nAPARTADO DE CORREO 1925\nLIMA-PERU\nSüd-Amerika\nAbonnement $ 2\n\nMEYERS LEXIKON\nDie neue, siebente Auflage in 12 Halb-\nlederbänden wird Sommer 1930 voll-\nständig t seiniind^363^RlVLl<osten\nMEYERS LEXIKON\nverbindet zeitgemäß knappe Fassung\nund Übersichtlichkeit mit größter Reich-\nhaltigkeit in Text, Bildern und Karten\nMEYERS LEXIKON\ngibt auf jede Frage sofort unfehlbar\nrichtige Antwort und ist der zuver-\nlässigste Berater in jeder Lebenslage\nMEYERS LEXIKON\nersetzt eine umfangreiche Bücherei\nund ist deshalb billig. 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Herrliche Aussicht.\nAuskunft:\nOLGA STRASKRABA\nASCONA b./Locarno\nI"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.23", "texte": "Verlangen Sie bitte ein Probeheft!\niiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiimiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiii\nZum Verständnis des modernen kulturellen und politischen\nLebens unentbehrlich ist die Lektüre der Zeitschrift\nSozialistische Monatshefte\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartal 3 Mark, Einzelheit 1 Mark\nVorzugsausgabe (auf besonders schönem Papier) pro Quartal 6 Mark, Einzelheit 2 Mark\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt, die Stellung, die sie in unserem öffentlichen\nLeben errungen haben, durch ihre gewohnten Darbietungen, die die Aktualität des Tages in die\nSphäre wissenschaftlicher Vertiefung zu rucken suchen, und durch ständige Erweiterung ihres Inhalts\nzu behaupten und zu befestigen.\nDie Sozialistischen Monatshefte sind die einzige deutsche Zeitschrift, die eine systematisch\ngegliederte Rundschau über öffentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und Kultur bringt. Einem\njeden wird dadurch eine fortlaufende Orientierung über die einzelnen Gebiete ermöglicht. Die\neinzelnen Rubriken (33 an der Zahl) werden von Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Dem Unterzeichneten Verlag ist\ndie Mitteilung von Adressen willkommen, an die die Zusendung von Probeheften Tätlich erscheint.\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE\na. M. B. H. BERLIN W 35\n\nDr. WALTHER ROTHSCHILD :: BERLIN-GRUNEWALD\nßs erschien:\nDer Prozess des Hauptmanns Dreyfus\nvon Dr. Bruno Weil\n1. bis 3. Auflage. VIII+ 258 Seiten Oktav. Brosch. 4,80 M. geh. 6,40 M.\nDer Berliner Anwalt Dr. Bruno Weil, einer der besten deutschen Kenner des französischen Rechts,\nhielt vor kurzem einen Vortrag über den Prozess des Hauptmanns Dreyfus im grossen, bis auf den\nletzten Platz gefüllten Saal der Singakademie. Sensationelles Echo in der deutschen Presse, in der\nWeltpresse. Von vielen Seiten gebeten, legt der Verfasser jetzt seine Ausführungen in erweiterter Form\nals Buch vor. Weshalb erwuchs hier die Affäre Dreyfus zu neuem Leben? Zum ersten Male wurden\nhier auf Grund der zur Hauptsache in der „Grossen Politik der Europäischen Kabinette“ veröffent-\nlichten Akten des deutschen Aussenministeriums und der französischen Gerichtsakten die Stellung-\nnahme der deutschen Regierung und ihrer Organe aufgezeigt. Zlim ersten Male die Rolle der\ndeutschen Vorkriegsdiplomatie klargelegt, wobei des Fürsten Bülow Charakterbild in völlig neuer Be-\nleuchtung erscheint. Zum ersten Male und nunmehr abschliessend das Rätsel dieses Falles gelöst,\nder die ganze Welt durch Jahre in Spannung gehalten hat.\nWiderhall\nTempo: . . • an Hand deutscher Akten neue Tatsachen.\nPrager Presse; . . . sensationelle Enthüllungen.\nVorwärts: . . . d»e Rolle . . die Angehörige der\ndeutschen Botschaft in Paris . . .\nMat in ; , , , die macchiavellistische Haltung des Fürsten\nBülow . • die einen tiefen Schatten auf seine Politik . , ~\nPrager Tagblatt: . . . Es kommt alles an den Tag.\nMacchiavellistische Politik.\nder Presse!\nBerliner Morgen-Zeitung: . . Einblick , . ~\nin die . . . Stellungnahme deutscher offizieller Kreise • •\nin das Gewirr von Intrige, Diplomatie und Spionage.\nFrankfurter Zeitung: . . . eine ganz neue Seite\nder Affäre . . , die Bolle, die in diesem Drama die deutsche\nBotschaft gespielt hat\nBerliner Tageblatt: . . . auf Grund neuen Materials\ndie Hintergründe der grossen Affäre . . ."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193005-01.1.24", "texte": "Monatsschrift Der Sturm\n20. Jahrgang / Herausgeber: Herwarth Waiden\nDie führende Zeitschrift der Jungen und Jüngsten\nAlle Schriftsteller, Dichter und Maler von Weltruf wurden\nin der Zeitschrift Der Sturm zuerst veröffentlicht u. a.:\nOskar Kokoschka / Franz Maro / Paul Klee / Kandinsky\nAlexander Archipenko / Campendonk / Kurt Schwitters\nMoholy-Nagy / Gino Severin! / August Macke / Albert\nGieizes 7 Willy Baumeister / Johannes Itten / Louis\nMarcoussis / Fernand Leger / August Stramm / Mynona\n♦\nDer Sturm wird in 26 Staaten der Erde gelesen\nJahrgang: 12 Mark / Einzelheft: 1 Mark\nSonderangebot: 10 Probehefte aus verschiedenen Jahrgängen 3 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5"}]}