{"numero_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_sha256": "157cdc82d6d302ced3755e36bee344a9748da9629315439542fd4df460106648", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1930/08_01/bmtnabg_1930-08_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1930/08_01/bmtnabg_1930-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c001", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[87]", "page_fin": "[87]", "image_debut": 3, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.1", "titre_corps": "[Sans titre]", "titre_sommaire": "[Sans titre]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[87]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 407, "texte": "Rumänische Literatur\nAugenblicksbilti Stephan Roll\nDer lebende Kalender Sascha Pana\nSchmaje Moldov\nGedicht Stephan Roll\nGedicht Jlarie Voronca\nGedicht Geo Bogza\nAlgazy & Grummer Urmuz\nGedicht B. 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Die\nerste Barrikade, die erste Granatenwiege, war\ndie Zeitschrift „75 H P\" von Jlarie Voronca,\nVictor Brauner und Stephan Roll; erschien\nim Jahre 1924 nach der konstruktivistischen\nAusstellung des Malers M. H. Maxy, der in\nDeutschland beim „Sturm“ ausstellte. Vor\n„75 H P“ erschien „Contimporanul\" („Der\nZeitgenosse“) von Vinea und Marcel Jancu,\nvollkommen expressionistisch in der Plastik\nund symbolistisch in der Literatur; nachher\nverwandelte es sich durch Konstruktivismus,\nKubismus in Plastik und veraltete voll-\nständig, indem es ablehnte sich zu assimi-\nlieren und die neuen Kräfte, die mittlerweile\nkamen und Wahrheit und Wiederbewegung\nbrachten, anzuerkennen. Es folgt nun die\nabstrakte Ausstellung des Malers Victor\nBrauner mit einer Serie von Mal-Dichtungen\nin gemeinsamer Arbeit mit Jlarie Voronca\nund die Zeitschrift „Punkt“, die mit Voronca,\nBrauner und Roll in 15 Nummern kämpft\nund die neue Richtung bekannt macht. Ihr\nfolgt „Integral\" mit Calugaru, Brunea. Maxy,\nFondane, die mit der Gruppe Punkt\ngemeinsam arbeiten. „Integral“ ist eine\ntheoretische Zeitschrift, die zwei Jahre er-\nschien. Nach ihrer Einstellung gründeten\ndie Übriggebliebenen mit Sascha Pana die\nZeitschrift von heute: „Unu“. Ihr gesell-\nten sich zu: Geo Bogza, der bis jetzt die\nZeitschrift „Urmuz“ herausgibt, weiter Raul\nJulian, Dimitriu Pausesti, Virgil Gheorghiu\nund Zaremba mit ihrer Zeitschrift „XX“, die\neinen Hort der intransigenten Kunst bildet,\nwovon sie keine Konzession, kein Kompromiß\nfortbewegen kann. Dichtung für die Dichtung\nan sich! Die Dichtung als eine Basis, als\nein Endziel genommen, als eine Bestimmung,\nals Flut und Ebbe. Von hier beginnend,\nkonnten wir mit ihnen gemeinsam die zeit-\ngenössische Evolution der Kunst in Rumänien\nbilden. Urmuz\n(gest. 1920) muß als\nder authentische Vorgänger des rumänischen\nModernismus angesehen werden. Sein\nWort war revolutionär und wies eindeutig\nden neuen Weg. Ein Vorläufer wie Jarry\nin Frankreich. Seine wenigen Novellen\nsind noch heute nicht einmal bekannt\nund bleiben isoliert, unzugänglich. Voronca\nhingegen ist ein lyrischer Dichter von\neiner ausgedehnten Proportion. Ein un-\nversöhnlicher Blitz durchdringt seine Pu-\npillen in fortwährender Ausdehnung und\nalle Glieder in ihm tönen innerlich wie\nFanfaren. Stephan Roll ist der Dichter\nder Beharrlichkeit, ein Exponent der Ju-\ngend. Nach seinen „Poeme in aer über“\n(Dichtungen in freier Luft), in denen ein\nsportmäßiger Wetteifer und ein hartnäk-\nkiger Elan der Dichtung vorherrscht und\nnach einer langen Serie von Essays über\ndie Dichtkunst, schrieb er seinen zweiten\nBand „Moartea vii a Eleonorii\". „Es ist\neine Loslösung von den Gespenstern, von\nden Erinnerungen, von jedweder Wirklich-\n\n*)\n*) Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen\nZeitschrift."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1669, "texte": "keit, und in dem er ihnen die Lippen\nund Gesten eines Schwimmers versetzt\ngesehen durch ein grünes Glas —, kehrt\ner um und richtet alle Skalen in einen Brun-\nnen aus Aluminium auf.“ (Voronca.)\nFundoianu, ein Freund und ein Glaubwürdiger,\nein fruchtbarer Poet noch vor Zürich, wirkt\njetzt in Frankreich (B. Fondane). Ein an-\nerkannter moderner Dichter, ein findiger\nund kluger Essayist und Prosaiker. Ebenso\nSascha Pana mit sein em Bande „Diagramme“.\nGeo Bogza ist eine empfindsame Natur; er\nbrachte starke, jugendliche Akkorde in\nseinem „Journal de Sex“. Formvollendet,\nkühn und unbestreitbar ganze Dichter sind:\nMoldov, Raul, Julian, Al. Dum. Pausesti\nund andere.\n*\nIn der Malerei ist Victor Brauner der auf-\nregendste. M. H. Maxy mit seiner voll-\nkommenen künstlerischen Silhouette, mit\neiner Formel immer mehr suchend und\neinem scharfen Empfindungsvermögen. Er\nist ein unerschrockener Kämpfer und ein\nHeld der modernen Malerei. Ebenso ist\nsehr bekannt der frenetische, empörte Maler,\nder Mitarbeiter des Dadaismus in Zürich\nund seine Fortsetzung in einer verstärkten\nJugendlichkeit, ein unermüdlicher Visionär\nin jeder seiner Ausstellung: der Maler\nMarcel Janku. Milita Petrascu, die Bild-\nhauerin, ist die Einzige in Rumänien, die\nzu uns gehört.\nDies ist in diesem Moment die zeitgenössi-\nsche Darstellung der rumänischen modernen\nKunst. Klein ist die Anthologie ihrer Werke,\nin den Spalten die uns Herwarth Waiden\nmit viel Freundschaft und Gutwilligkeit\nzur Verfügung stellt. Sie genügt hoffentlich,\num einen poetischen Ausflug in das moderne\nDeutschland zu machen.\nBukarest 1930\nStephan Roll\nDie Uebersetzung ins Deutsche besorgte der Wiener Dichter Leopold Kosch"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c003", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "91", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.3", "titre_corps": "Der lebende Kalender an Stephan Roll", "titre_sommaire": "Der lebende Kalender an Stephan Roll", "signature_source": "Sascha Pana", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.6", "debut_caractere": 1671, "fin_caractere_exclue": 2355, "texte": "Der lebende Kalender\nan Stephan Roll\nSascha Pana\nTäglich war der Park ein gelesenes Buch, mit\ngequälten Alleen, mit zerrauftem Haar, weiter\nwechselte die Frische der Plakate jeden Morgen\ndie Ausstattung der Stadt mit einer Polychromie\nder Schürzen. Dein Schritt vermindert die\nStaubgefäße wenn du durch Regen gehst, wie\ndurch einen umgestürzten Korridor. So oft\ndu mit dir auf demselben Boulevard des Herzens\nzusammenstößt und protokollmäßig dich um\nEntschuldigung bittest. Eine Abwesenheit,\nzwei, drei: ein unwägbarer Becher der Ver-\ngessenheit. Die Alleen des Herzens. Die Allee\nder Schatten, die wachsen wie ein Mörder in\neiner öden Gasse. Die Allee des Refrains vom\nFrühling 1928."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3030, "texte": "Talrose, ich liebe dich wegen deines bleichen\nNamens und deiner bleichsüchtigen Jung-\nfräulichkeit. Aber ich liebe auch die Morgen-\nblumen, wie sie dich warten vom Brautgürtel\nder Farben, daß sie dir einen guten Morgen\nwünschen und sterben zur Stunde da du\nfrühstückst.\nJedesmal im April pflücken die Kirschen die\nBlüten das weiße Lächeln der Anhöhen mit\nRehen, die sich spielen in Pantoffeln aus ihrer\nHaut. Aber dein Leben zwischen Chronometer\nund Vormerkbuch greift ein in die Schritte über\ndie Blumen, die ein Profil von Schaum und\nParfüm zeichnen. Die Tage ersetzen sich wie\nder Palast mit den Mauern aus Scharlach in\nSchälung der Archive. Dort sind die Dokumente\nalt und die Beamten aus verbranntem Papier.\nPause. Ein Moment des Schweigens für das\nGleichgewicht des Sommers, .für den Busen\ndes Herbstes.\nWinter. Von den Dächern wachsen Schlangen\nmit Ablenkung von Rauch, Die Gesichter der\nMädchen kauen Dahlien von Purpur und nur\ndas Kind der Blumen ist dasselbe in allen\nJahreszeiten. An jenem Frühmorgen waren\nBluttropfen in einem Wettlaufen zwischen be-\ntäubten Bäumen. Im Postkästchen 114 hast\ndu einen Zettel gefunden und ein Problem;\n„Wähle zwischen mir und zwischen Kalifornien\nder Träume.“\nDie Allee der lindernden Träume. (Für das\nKnopfloch euer Öse hast du zwei Knospen aus\nAzur gestohlen). Zwischen allen Göttinnen\nstört dich jene am meisten, die einer Stern-\nschnuppe gleicht. Du begehrst einen andern\nKontinent mit Grenzen aus Feuersbrunst, damit\nsie dich beschützen vor den Agenten der\nVersicherungsgesellschaften für Leben und gebe\nBekanntschaften, bekleidet in Serpentinen zum\nFliegenfangen. Aber die Erdkugel ist mit fünf\nAusschlägen bedeckt, obwohl sie mit einem\nFuß zum Katheder geneigt steht und uns ge-\nstattet, daß wir sie bis zum Schulalter von\n11 Jahren anblicken. Willst du vielleicht eine\nQuadrillfigur zwischen Sklaven mit Bisamtkraut\nim Aquarium und Fischen in Blumentöpfen\nam Fenster? Du hast deine Augen zusammen-\ngepreßt und in einem magischen Spiel der\nLinien und Punkte bist du eingeschlafen. In\neinem Spiel, das in deinen blinden Augen\nwächst. Unter den Lidern verbirgt sich ein\novaler Gedanke wie die angehauchte Stimme\nder Tonie.\nEin isolierter Strahl in einer schwarzen Kammer\nist eine beseelte Klinge eines Dolches; aber\ndas Gedicht ist das Wogen eines Strahles\nvon verzauberten Vokalen aus der schwarzen\nKammer von dem Ventil gegen den Himmel,\ndie sich wie ein Fächer öffnet. Du wirfst\nBrückenstege, eine narkotische Arpeggie von\nSchwalben als Perlen, fortwährend unveröffent-\nlicht, gleichwie auf dem Rost der Telegraphen-\ndrähte nicht ein Vokal ausruht. Es geht die\nLegion der Engel und pudert die Luft mit dem\nStaub der Flügel. Empfange du die Defilierung\nmit der Hand am Schild des Horizontes! Und\nwenn du, über dich gebeugt, einen verkehrten\nWeg wirst machen, wirst du wiederfinden die\nWaben, die Abdrucke der Seele auf jenen\nGipfeln von Seide, wo du das Edelweiß einer\nJugend von Träumen gepflückt hast, als die\ninnerlichen Hitzen durch die Finger von\nAngorakatzen gegangen sind."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c004", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "93", "image_debut": 8, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.4", "titre_corps": "Sebmaje", "titre_sommaire": "Sebmaje", "signature_source": "Moldov", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3354, "texte": "Sebmaje\nMoldov\nSchmaje ist eine Gestalt, zusammengesetzt aus:\nAugengläser, Warenballen; Kalender und Trapez\naus Holz mit springenden Menschen.\nIn allen Jahreszeiten trägt er denselben Anzug,\ndenselben Hut und dieselben Touristenschuhe,\nvon denen er sich nie trennt. Ebenso trägt er\nimmer bei sich das Buch „Traum der Mutter\nGottes“, das er selbst nie gelesen hat, er aber\nzum lesen anbietet im Tausch gegen eine\nRenumeration oder im Tausch gegen 27 Kitze-\nlungen mit einer Pfauenfeder am Rückgrat.\nEr schläft auf einundzwanzig Enteneiern, in\neinem Kanal einer Gerberei, denn der Geruch\nder gegerbten Leder kitzelt seine Nasenlöcher,\nwas ihn sehr angenehm erregt.\nEr starb einigemal, trotzdem lebt er wieder\nauf sobald ihn die Sonne gebadet hat, und der\nMann aus Holz begann Saltomortale zu machen\nauf der Schnur des Trapezes, gebunden auf\nden Knopf des Anzuges.\nEr trinkt nicht Wasser aus sozialem Prinzip:\nwenn er Wasser trinken würde, hätte die\nFeuerwehr der Stadt nichts, um das Feuer zu\nlöschen. Er trinkt nicht aus medizinischem\nPrinzip. Es ist noch niemand an Wein in der\nLunge gestorben, nur an Wasser. Er trinkt\nnur Spiritus, denn der Wein enthält Wasser.\nEr hatte eine Frau, alt und einäugig, die sich\nvon Klee, Maiskohlen, Stengeln, Stroh und\nHeu nährte. Sie halte für alle diese Sachen\nein ausgedehntes Magazin aus Brettern, abge-\nsperrt mit einem Schloß System „Dämon“.\nSie hatte eine besondere Vorliebe für Ziegen-\nböcke und haßte tötlich die Ziegen. Die Mond-\nnächte verbrachte sie in Gemeinschaft eines\nZiegenbockes, dem sie liebreich und mit\nder Wollust einer Messaline den Knebelbart\na la Henry IV. streichelte und mit dem sie\nsich manchmal Massagen machte; die gaben\nihr solche Erregungen, daß sie ihr Gebiß her-\nausnahm, ihr Haar aufflocht und mit Grausen\nrhythmisch schrie.\nSofort nachdem sie sich mit Schmaje verhei-\nratet hatte, bemerkte sie beim Licht seiner Ein-\ndrücke, daß Schmaje nur dem Aussehen nach\nein Mann war, während ein Teil seines Körpers\ndie Form einer Schnecke hatte.\nDa ihr Schmaje die Eindrücke eines Ziegen-\nbockes nicht verschaffen konnte und ihr Stolz\nals „Frau“ einen Stoß ei litten hatte, warf sie\nihn aus dem Haus, nachdem sie ihm ein Paar\nHörner auf die Stirn gesetzt und ihm die\nAdresse eines berühmten Arztes gegeben hatte.\nUeberwältigt von Schande und Schmerz läuft\ner aus der Stadt, bleibt 31 Tage in Gesellschaft\neiner alten Maulwürfin, in deren unterirdischem\nGemache er mit einem „Metro“ spazieren\nfährt, im rückläufigen Sinn, 8 Stunden lang,\ndann spielte er mit ihr Tricktrack; es gelang\nihm sie zu besiegen, mit der Meisterschaft, mit\nder er dies Spiel beherrschte.\nAm einunddreißigsten Tag vertrieb ihn die\nMaulwürfin, nachdem er ihr ein Glas von der\nBrille, ein Holztrapez (von einem Freund Hanzin\nmit großer Kunst in Miniatur gearbeitet), und\nsämtliche Knöpfe von der Hose gestohlen\nhatte.\nIn die Stadt zurückgekehrt, taucht er in einem\nVariete unter, wo ihm die Abwechslungen der\nNummern, die man aufführte, ein großes Ver-\ngnügen bereiteten; damit er nicht ohne Be-\nschäftigung sei, begann er sechzehn Jahre alte\nKalender zu verkaufen.\nAngeklagt wegen Hochstapelei, wurde er ver-\nurteilt: er dürfe kein Glück haben, seinen Bart\nund Schnurrbart niemals rasieren, jede Nacht\nmüsse er sein Kopfhaar mit Mehl pudern;\nauch dürfe er nie ins Dampfbad gehen wegen\nder Unsicherheit seines Geschlechtes."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 455, "texte": "Trotzdem, als ein Stern eines berühmten\nKabarettes ihn sah, verliebte er sich schnell in\nseinen Geist, besonders in die Eleganz, mit\nder er die Würfel beim Tricktrack warf.\nSeit damals ist Schmaje durch einen mit der\nArtistin mündlich abgeschlossenen Vertrag ver-\npflichtet, jeden Frühmorgen ausgekleidet und\nparfümiert mit einem Wohlgeruch (empfohlen\ndurch Herrn Eftimiu) orientalische Leibes-\nübungen zu machen, taktmäßig nach dem\nSpiel einer Drehorgel."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c005", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "93", "page_fin": "93", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.5", "titre_corps": "Diana", "titre_sommaire": "Diana", "signature_source": "Stephan Roll", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.9", "debut_caractere": 457, "fin_caractere_exclue": 1938, "texte": "Diana\nStephan Roll\nAn Jlarie Voronca\nGleichzeitig mit uns gingen die Könige von\nBasrelief auf die Jagd.\nSei ohne Sorge Schießpulver,\nMan hat für heute den Wald von Wölfen\ndesinfiziert.\nAuf meinem Arm steigt das Gebirge bis zum\nGipfel\nUnd der Himmel übersiedelt den Wald wie\neinen Käfig\nNäher und auch weiter\nZum wievielten mal\nWie sportmäßig die Pappeln parallel mit uns\nlaufen;\nSiehst du hier wachsen die Weiden\nFischer am Rande des Baches.\nOeffnet die Finger aus beinernen Stichblättern\nAchtung schreiten wir mit Genauigkeit\nZögere gar nicht\nIn freier Luft gurgeln die Hunde mit Sternen\nDie Hirsche sind Regisseure der Zweige,\nder Gewässer,\nUnd durch wirbellose Fußwege\nEnthauptet der Weg sich auf Abhängen.\nSieh doch, das Licht ist weiß\nBrust der Vögel des Meeres\nGemeinsam jauchzen die Wachteln\nDas Echo füllt die Münder des Himmelsraumes\nund die Glocken der Luft\nIch bin um einen Sperling höher als du\nIn die Brust geschossen blutet dir die Luft\ndurch den Mund\nUnsere Sohlen gehen die Wege der Maulwürfe\nDie Jagd hat begonnen.\nWir heben vom Kleiderhaken der Luft losgelöst\nWilde Hähne\nDas Blut schlägt Hagel im Fenster deines\nHerzens\nDer Himmel ein Seiltänzer wälzt sich\nauf den Feldern\n(Verwunde nicht deine Hand an den Nägeln\ndes Windes)\nDer Ton des Hornes entkleidet sich zwischen\nBuchen\nDen Hasen fällt stufenweise das Herz von der\nErdbeere\nHier stieß die Stimme der Wüsten mit der Stirn\nan die Balken\nAber im Schloß ist es öde\nDer Mond wirft sich mit dem Kopf in Spiegeln"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c007", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.7", "titre_corps": "Leben", "titre_sommaire": "Leben", "signature_source": "Geo Bogza", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.11", "debut_caractere": 1419, "fin_caractere_exclue": 2447, "texte": "Leben\nGeo Bogza\nWir haben uns wie Blinden gesucht mit gelben Fingern betastet,\nVon meiner Hand war dir abgerissen die Zitze wie von einem Felsen,\nWo ich Berg hatte dort strecktest du tiefes Tal aus\nUnd wir hatten Raum einer im andern, singend mit unserem Blut.\nLängs der nackten Schultern trieb uns reitend eine neue Freude,\nDer Hymen flattert dir zu wie ein Taschentuch in jedem Lächeln\nUnd unsere vermischten Knochen stellten das glücklichste Skelett dar\nAls wir an einem Ort im selben Körper lebten, noch nicht entzweigerissen.\nIch schraubte dir weiße Säuglinge ein in den runden Mutterleib\nWie viele praktische Kranke brüteten in deinem zerbrechlichen Körper\nDeine Hände, Schropfköpfe, rissen den Kopf des zukünftigen Kindes ab\nUnd du ließt es fließen in Teichen mit ähnlichen anderen am Grund.\nHöre die Nacht von schmutzigen Gräben ein Jammern gegen Sterne,\nWeg ist sein ganzer männlicher Samen den du in den Wind geworfen hast\nUnd wenn wir in Ewigkeit unter der Erde sein werden\nWird er als Wurm über unsere Körper kommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c008", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "96", "page_fin": "97", "image_debut": 12, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.8", "titre_corps": "Algazy & Grummer", "titre_sommaire": "Algazy & Grummer", "signature_source": "Urmuz", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3600, "texte": "Algazy & Grummer\nUrmuz\nAlgazy ist ein sympathischer Alter, mit einer\nZahnlücke, mit einem Bart: ausrasiert und\nseidenartig, auf einen unter das Kinn ange-\nschraubten Rost schön geordnet und mit\nStacheldraht umzäunt.\nAlgazy spricht keine europäische Sprache ....\nWenn du ihn aber bei Tagesgrauen, bei Tages-\nanbruch erwartest und ihm „Guten Morgen\nAlgazy“ sagst, indem du mehr auf den „z“-Laut\nbeharrst, da lächelt Algazy. Und um seine\nErkenntlichkeit zu zeigen, steckt er die Hand\nin die Tasche und zieht das Ende einer Schnur,\nwodurch sein Bart vor Freude eine Viertelstunde\nlang auffährt .. . Abgeschraubt diente der\nRost dazu, jedwedes schwierige Problem wegen\nReinigung und Ruhe des Hauses zu lösen. . . .\nAlgazy nimmt keine Bestechung. .. . Ein\neinziges Mal hat er sich zu einer ähnlichen\nSache hergegeben, als er Schreiber im Pfarr-\namt war. Aber damals hat er nicht Geld ge-\nnommen, sondern nur einige Scherben von\nTöpfen von dem Wunsche beseelt, einer seiner\narmen Schwestern, die den nächsten Tag\nheiraten sollte, eine Mitgift zu verschaffen.\nDas größte Vergnügen von Algazy ist außer\nseiner gewohnten Beschäftigung im Geschäft\nsich aus freien Stücken vor einen Schubkarren\neinzuspannen, gefolgt auf etwa zwei Meter von\nseinem Teilhaber im vollen Lauf, durch Staub\nund Sonnenbrand zu laufen; durchstreifend die\nländlichen Gemeinden zum ausschließlichen\nZweck, alte Fetzen, gelöcherte Oelkannen und\ninsbesondere Knöchelchen zu sammeln, die\ner dann alle zusammen nach Mitternacht im\ndüstersten Schweigen aufaß.\nGrummer hat auch einen aromatischen Holz-\nschnabel.\nEine verschlossene Natur und ein verbittertes\nTemperament steht er den ganzen Tag hinter\ndem Verkaufspult, den Schnabel in ein Loch\nim Fußboden hineingesteckt.\nSowie du bei ihnen im Geschäft eintrittst, kitzelt\nein köstlicher Geruch deine Nasenlöcher ....\nDu wirst auf der Stiege durch einen anständigen\nJungen empfangen, der am Kopf statt Haare\ngrünes Baumwollgarn hat. Dann wirst du\nvon Algazy mit großer Freundlichkeit begrüßt\nund ersucht, auf einem Taburett Platz zu\nnehmen.\nGrummer steht und paßt auf .. ~ mit einem\nschiefen Blick zieht er zuerst den Schnabel\nheraus, den er an einer Rinne, die sich an der\nKante des Pultes befindet, nach oben und unten\nwetzt. Dann erscheint er im ganzen. . . . Mit\nallen möglichen Bewegungen veranlaßt er\nAlgazy das Lokal zu verlassen, dann zieht er\ndich einschmeichelnd in alle Arten von Dis-\nkussionen besonders über Sport und Literatur\nbis er einen Anfall bekommt er haut dich\nzweimal mit seinem Schnabel über den Bauch,\ndaß du hinauslaufen mußt auf die Strasse,\nbrüllend vor Schmerz.\nAlgazy, der beinahe immer auf Grund dieser\nunerlaubten Vorgangsweise des Grummer Un-\nannehmlichkeiten und Wortwechsel mit den\nKäufern hat, läuft dir nach, bittet dich zurück-\nzukommen. Damit er dir die verdiente\nGenugtuung gebe, hast du das Recht wenn\ndu einen Gegenstand teurer als 15 Bani gekauft\nhast am Schnabel von Grummer ein wenig\nzu riechen. Dann, wenn du willst kannst du\nihn beliebig stark an einem aschgrauen Kaut-\nschukbläschen drücken, das er am Rücken ein-\ngeschraubt hat, ein wenig oberhalb der Fessel.\nDas ermöglicht ihm, im Magazin herumzusprin-\ngen ohne die Kniee zu bewegen, indem er un-\nartikulierte Schreie und Töne ausstößt.\nEines Tages nahm Grummer ohne Algazy zu\nverständigen den Schubkarren und begann allein\nFetzen und Knöchelchen zu suchen. Beim\nRückweg, als er durch Zufall auch einige Reste\nvon Gedichten fand, stellte er sich krank und\naß sie im Geheimen unter der Decke. Algazy,\nder dies fühlte, trat nach ihm dort ein mit der\naufrichtigen Absicht ihm nur ein wenig Moral"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3205, "texte": "zu pauken, beobachtete aber mit Schaudern im\nMagen von Qrummer, daß alle gute Literatur\naufgezehrt und verdaut war ....\nNachdem es ihm derart in Zukunft an jeglicher\nNahrung fehlen wird, aß Algazy als Vergeltung\ndas ganze Bläschen auf, während Grummer\nschlief.\nVerzweifelt nahm Grummer den nächsten Tag\nda er ohne Bläschen allein auf der Welt\nblieb den Alten in den Schnabel und warf\nihn nach Sonnenuntergang voll Wut auf den\nGipfel eines hohen Berges .. . Ein riesiger\nKampf entbrannte dort zwischen ihnen und hielt\ndie ganze Nacht hindurch bis Tagesanbruch an,\nals Grummer besiegt sich bereit erklärte\ndie ganze verschlungene Literatur zurückzu-\ngeben.\nEr spie sie aus in Algazy’s Hände . . . Aber\nder Alte, in dessen Unterleib die Fermen des\nverschluckten Bläschen gärten, begann die\nSchauer der zukünftigen Literatur zu erwecken\nund fand, daß alles was man ihm anbietet zu\nwenig und veraltet sei . . .\nAusgehungert und da sie nicht imstande waren,\nin der Dunkelheit jene ideale Nahrung zu finden,\ndie sie beide so sehr benötigten, nahmen sie\nden Kampf mit verdoppelten Kräften auf. Unter\ndem Vorwand nur zu kosten, um sich zu ver-\nvollkommnen und besser kennen zu lernen, be-\ngannen sie, sich mit immer wachsender Wut\nzu beißen. Indem sie einander langsam auf-\nzehrten, gelangten sie zum letzten Knochen.\nAlgazy endigte früher.\nNachruf\nAm anderen Tage konnten die Vorbeigehenden\nin einem Graben, vom Regen weggespült, einen\nRest von Stacheldraht und einen übelriechenden\nSchnabel aus Holz sehen. Die Behörden wur-\nden verständigt, aber noch bevor diese an dem\nTatort angekommen waren, erschien ganz un-\nerwartet eine von Algazy’s Frauen, die die\nGestalt eines Besens hatte und zwei- dreimal\nhin und herfahrend kehrte sie rechts und links\nalles in den Mist.\n* *\n*\nAlgazy & Qrummer ist die ehemalige Firma\neines Geschäftes von Reisetaschen, Geldtäsch-\nchen usw, in der Hauptstadt, eine Firma, die\nheute unter einem einzigen Namen besteht.\nAuf jeden Fall erlauben wir uns zu glauben,\ndaß die Namen von Algazy oder Grummer,\nnach den Vorstellungen, die sie durch ihre\nspezifische Melodie - das Ergebnis des wohl-\nklingenden Eindruckes im Ohr erwecken,\nmit der Dynamik und dem Inhalt dieser zwei\nsympathischen und vornehmen Bürger schein-\nbar nicht übereinstimmen, wie wir sie aus der\nWirklichkeit kennen.\nWir erlauben uns weiter oben dem Leser zu\nzeigen, wie ein Algazy oder ein Grummer hätte\nsein können oder sein müssen „in abstracto“,\nwenn sie nicht durch einen Zufall erschaffen\nworden wären. Ein Schicksal, das ganz und\ngar nicht beachtet, ob die Gegenstände der\nSchöpfung in der Gestalt und in der Bewegung\nmit dem Namen übereinstimmen, den man\nihnen geliehen hat.\nWir entschuldigen uns bei den Herren Algazy\n& Qrummer wegen der Bemerkungen, die wir\nuns weiter oben erlaubten; wir machen dies\naber schon aus dem Wunsche heraus, ihnen\nzu dienen.\nEs scheint, daß nur ein einziges Heilmittel\nmöglich wäre: entweder, daß jeder von ihnen\neinen anderen Namen findet, der ihrer persön-\nlichen Wirklichkeit mehr entspricht. Oder daß\nsie sich selbst ändern sollten solange es noch\nZeit ist, als Gestalt und als Rolle, nach der\neinzigen Aesthetik der Namen, die sie tragen,\nwenn sie diese noch bewahren wollen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c009", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.9", "titre_corps": "S. O. S.", "titre_sommaire": "S. O. S.", "signature_source": "B. Fondane", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 829, "texte": "S. 0. S.\nB. Fondane\nJe t’offre ö mon amie ce poeme de neige\n5i tu voulais chauffer les petits pieds Norvege\nCes cheveux sont ä toi tuy souris ma mere\nTon sourire ferait le bonheur de la mer.\nJ 1 ne me reste rien que l’ocean de laine\nLa reine de ses mains pourra tuer le renne\nLe sang gifle en passant le chaos primitif\nJe hais les glaces qui me retiennent captif\nque fait Fange qu’un vent attache aux cordes seches\nta peau en sei marin que le souvenir leche\nmon ami mon ami on rajeunit si peu\ndes bras desesperes ont flotte puis des yeux.\nChassons jusqu'oü la vie crie au secours s’enfonge\ntais-toi tais-toi chanson de l’homme qui renonce\nsi la beaute se meurt qu’elle se meure d’art.\nLes fanaux ont crie dons le sang des trottoirs\ntant pis! tant pis! pour le bateau que se detache\nSauve qui peut! Le ciel met se cravate blanche."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c010", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.10", "titre_corps": "Stiliziertes Interieur", "titre_sommaire": "Stiliziertes Interieur", "signature_source": "Raul Julian", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.14", "debut_caractere": 831, "fin_caractere_exclue": 1860, "texte": "Stiliziertes Interieur\nRaul Julian\nDie Nacht geht zu Ende wie ein Stück Holz\nim Kamin.\nDie Harfen der Dunkelheit, Schleppnetz für\ndie Elfenbeinstatuen aus dem Salon der\nErinnerungen, schmolzen unter der Asche\nvon Gold, der Stimmen vom Mond.\nDie Jahre, diese Knöpfe herabgefallen vom\nKleide der Zeit, graben sich ein in das\nFleisch vom Schalten.\nDer Spiegel der Zukunft, das Auge innen\nhat mit einem Rubin die Kohlen durchbohrt,\nSpuren vom gelben Tode des Knochens, das\nSkelett gehört dir und du wirst nicht über\nden Zaun der Unendlichkeit schreiten.\nDer Schlafrock aus Ebenholz, Ruhe des\nSelbstmörders, bleibt dir im Betasten und\nim Wunsch.\nEs stürzen die Wände der Luft zusammen,\ndie Planeten tönen ehern, losgekettet vom\nGleichgewicht, die Venen des Globus röten\ndas Chaos,\nAm Teich des Himmels, entfernt, schwimmt\ndie Seerose, die Phantasie vom Blut deines\nMundes.\nDie weihen Finger vom Blicke trösten mir\ndas Gesicht der Seele.\nJa. Und in der Pirouette von Rauch durch-\ndampft der Kreidemund der Nacht das\nFenster der Träume."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c011", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.11", "titre_corps": "Reise", "titre_sommaire": "Reise", "signature_source": "Al. Dimitriu-Pausesti", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 430, "texte": "Reise\nAl. Dimitriu-Pausesti\nDie Locken der Sonne ließen sich herab auf’s Tal,\nDiese Bulldogge scheint ein englischer Lord zu sein,\nAuf den Gesichtern entzünden sich Korallen jedesmal,\nDie Stunden flechten sich in’ Miltagslicht hinein.\nDein Lächeln eine Yacht am Augenhorizont,\nDie Wünsche sind Konturen von dem antiken Meer,\nDie Flasche der Gefühle entkorkt sich schäumend, blond,\nEisvögel bilden in der Luft Verlobungsringe hehr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c012", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "99", "page_fin": "99", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.12", "titre_corps": "Eröffnung", "titre_sommaire": "Eröffnung", "signature_source": "A. Zaremba", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.15", "debut_caractere": 432, "fin_caractere_exclue": 873, "texte": "Eröffnung\nA. Zaremba\nDie Erde verwest,\nsie schwitzt in den Poren der Täler.\nDie Zauberstäbe der Blumen\nerhalten die Orchestration des Feldes.\nDie Antennen der Sonne\nsammeln die Ueberbleibsel der Nacht.\nBeseelt vom Maul der Kühe\nwiegt sich der Mühlbach wie ein Netz.\nDie Pfeile der Vögel\nmachen sich los vom Netz der Wälder.\nDie Seide der Fußsteige\nwickelt sich ab von der Spule der Bäume.\nDie Katzen der Pausen\nspinnen das Epheu des Lichtes."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c013", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "100", "page_fin": "101", "image_debut": 16, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.13", "titre_corps": "Mittags-Synkope", "titre_sommaire": "Mittags-Synkope", "signature_source": "Rudolf Meissner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3084, "texte": "Mittags-Synkope\nRudolf Meissner\nGedankenstriche sind.\nDann entstehen Bäume und Steine, Chaussee-\ngräben, ein blauer Gartenzaun.\nUnd es sind noch mehr Gedankenstriche.\nIch komme aus dem Dom des Morgens, in\ndem ich singen konnte, und wandre dem\nsanften Abend zu. Aber der Mittag ist nur\nein horizontales Sattsein, das den Wald in\nseine Fläche saugt und die Dorfkirchtürme.\nIch habe das elastische Schreiten der Frühe\nverlernt. Mein Gewicht konzentriert sich in\nden Füßen und in den Fingerspitzen.\nAm Rande der Ebene formulieren Baum-\ngruppen Buchstaben, die mich belügen. Als\nKind besaß ich Baumgruppen auf kleinen\nhölzernen Sockeln. Die konnte ich hinstellen\nwo ich wollte. Und wenn der Vernichtungs-\ntrieb mich zwang, eine davon zu verbrennen,\nkam ich nicht ins Gefängnis.\nMücken sind Seiltänzer auf dem Faden eines\nSpinngewebes. Auch dies sind Täuschungen.\nIch werde heute Nacht auf seideknisternden\nLaken schlafen, weinschwer. Dame Tora er-\nwartet mich. Ich bin der luxuriöse Vagabund\nund mein Hemd ist kaum zerrissen. Dame\nToras Tanzgestalt schwebt streichelnd in\nmeine Nerven. Und vermag nicht, den\nSchmerz zu lindern.\nIch leide am Vorhandensein des Mittags.\nMittag ist wie Mitternacht: Traumsein. Um\nMitternacht verlösche ich um dem Traumsein\nEntfaltung zu gewähren im Raum meiner\nExistenz. Traum stürzt aus allen Himmeln\nin diesen Raum.\nAm Mittag verlösche ich nicht! Meine Selbst-\nbehauptung gegen den Mittag drängt, daß\nich ein Tun ergreife.\nIch begegne dem Schweinehirten und frage\nihn, ob ich ihm helfen darf. „Waren Sie\nschon einmal in Paris, Herr Schweinehirt?“\n„Haben Sie schon einmal eine Oper\ngehört?“ „Zürnen Sie nicht, junger Hirt,\ndaß ich dies frage. Sie würden das nicht\ntun. Denn Sie sind weise genug. Leiden\nSie etwa am Vorhandensein des Mittags?\nSie liegen wortlos da und zufrieden, eine\nButterblume in den Zähnen. Sie haben\nimmer auf die Verzückung verzichtet um sich\nden Schmerz zu ersparen. Sie sind jetzt\nversunken in die horizontale Sattheit des\nMittags. Und sind Ihren eigenen Traum-\nbildern nicht im Wege. Es ist vernünftig,\ndamit einverstanden zu sein, daß die\nTräume des Wachens unorganisiert bleiben.\nEs ist bequem. Nehmen Sie noch ein Stück\nSchokolade, junger Hirt? Verzeihen Sie,\ndaß ich es Ihnen zumute. Schokolade ist\nGift für Sie. Die Herstellung hat die\nSchokolade mit Maschinerie behaftet. Die\nMaschinerie riss die Erde aus der Zeit und\ngebar eine neue abstrakte Dimension für\nden morgigen Tag der Erde. Mein Vaga-\nbundentum ist bereits benagt von Schokolade\nund künstlichem Licht. Aber ich fühle, daß\nes noch nicht tot ist: ich streite noch mit\ndem Vorhandensein des Mittags.“\nDer Hirt legt sich weiter weg von mir. Ich\nglaube, meine Rede stürzt auf ihn wie Wahn-\nsinnsstrom. Obwohl unsere Hände sich be-\nrührten, als wir Schokolade aßen, und unsere\nSinne einander wahrnahmen, ist der Hirt\nzweitausend Jahre und ich bin achttausend\nJahre nach Adam geboren. Mein Wahnsinn\nverhält sich zu dem Wahnsinn des Knaben\nwie vier zu eins. Und in diesem Verhältnis\nist es ihm leichter, seinen Herzschlag mit dem\nHerzschlag der Erde in Rhythmus zu bringen."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2628, "texte": "Zurückruf der Gedankenstriche, die wohl-\ntuender sind als die Worte. Und neues\nSpiel mit den Strohdächern der Bauern-\nhäuser. Aber auch die Strohdächer und\nkleinen Schornsteine sind Worte. Ich will\ndie Worte einfach aus dem Urquell\nquellen lassen, die nicht ungöttlich sind.\nHirte brennt Erdenbrunst\nGras girrt\nGeist Wandrer gärt\nGlashaft klirrend\nIn des Mittags Fettheit\nZersplittert\nZerflattertes Ich\nZwischen Zeichen der Ebene\nIn Billionenzahl.\nDie Transformation in meinem Gehirn gibt\ndem Klang die Gezacktheit. Denn ich\nwehre mich gegen das Unpersönliche des\nUrwo r t s .\nIch wandre um die Schweineherde. Die Erde\nwurde mir zum Umwandern zu klein, die son-\nnenübergossene, sonnenverschüttete. Herr-\nlicher ist die Erde der Nacht, frei in den\nBahnen des Milchstraßensystems. An der\nEnge des Sonnenstrahlenraumes leide ich.\nSteige ich wie der Hirt in des Mittags Unter-\nwelt. Gräser schlagen ihre Ähren über\nmeinem Gesicht zusammen. Ich bin hinge-\nstreckt. Zerreiße die Fasern des Blattes.\nIn der Schule spricht ein Professor vom\nProtoplasma der Zelle. Das sich mannig-\nfaltig bewegt. Das die Vollkommenheit der\nPflanze regiert. Und die Geschlechterfolge\nbestimmt. Ich vergrößere die Erde nach der\nUnterwelt hin. Und schenke Gott den neuen\nNamen Grashalm. Zerteile den Protoplasma-\nTropfen in ein Elektronen-Weltall. Und\nschenke Gott den neuen Namen Molekül.\nSiehe, Siebeneinigkeit der Atome.\n„Stören Sie mich nicht, Hirtenknabe. Essen\nSie lieber Schokolade. Gehen Sie in die\nOper!“\nIch schaue auf dem Elektron-Planeten Oe ein\nVolk von Hirtenknaben, das sich nach einem\nFunken Wahnsinn sehnt. Sie nehmen mein\nGesicht wahr, greifen es, nageln es fest auf\nder Oberfläche von Oe, nageln mein Gesiebt\nimmer wieder, immer wieder an die Wände\nhinter Altären. Sie erleben ekstatisch den\nFunken Wahnsinn, den das Auge meines\nBildes ihnen schenkt. Mein Gedanke gab\ndem Planeten Oe die Religion eines Jahr-\nzehntausends.\nGroß steige ich aus der Tiefe des Atoms.\nStehe groß über der Schweineherde. Wachse\naus dem Atom über die Erde hin. Schon\nliebe ich den tiefengreifenden Sinn der\nMittagsschwere. Meine Flügel fassen in den\nbeginnenden Wind, mein Schnabel packt\nBuche, Schwalbenschwarm, Schnitterschar.\nO aber wieder fällt Gewicht in meinen\nlangsameren Fuß. Ich erkenne, daß es\nmeine Arme sind, die ausgebreitet wehen.\nDie strahlenspendende Hand verstummt.\nGedankenstrich Gedankenstrich Stirnhärte\nGedankenstrich.\nEs entsteht ein roter Gartenzaun.\nIch werde Tanzgestalt Tora fragen, ob meine\nVision und meine Gabe an das untere\nWeltall Wirklichkeit waren.\nUnd die Antwort wird nur Gespräch sein,\nin dem unschöpferischen Gedankenkreis."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c014", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "103", "image_debut": 18, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.14", "titre_corps": "Jonny Gugru", "titre_sommaire": "Jonny Gugru", "signature_source": "Rudolf Meissner", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2778, "texte": "Jonny Gugru\nRudolf Meissner\nJonny wandert um zwanzig- Uhr.\nDie Nerven, die die lebenden Bilder der\nNetzhaut an das Gehirn drahten, reagieren\nnur noch auf das Bild:\nStraße.\nBäume und Rummelplätze verschwinden am\nRande der Netzhaut.\nDas Gehirn, das automatisch Worte formt,\ndie der Wandernde traumhaft fühlt, wieder-\nholt tausendmal das Wort;\nStraße zerhobelt das Lied! Straße zerhobelt\ndas Lied!\nJonny erschrickt: Alle Straßen, die mein\nFuß berührt, wandern in diese Stunde hinein,\nweil nichts Lebendigeres sie erfüllt.\nJonny zählt die Fliesen des Bürgersteigs.\nSie sind schräg gelegt, sechs in jeder Reihe.\nWenn man Phantasie hat, kann man auf dem\nTrottoir viele schöne geometrische Figuren\nsehen. Schade, daß die Fliesen nicht bunt\nsind und nicht aus Marmor.\nJonny klopft an Metas Fenster. Sie nimmt\nihre Samtmütze in die Hand und begleitet\nJonny. Sie wandern um einundzwanzig Uhr.\nDie Normaluhr existiert oft, ist ein kraftvolles\nWesen. Hypnotisiert: einundzwanzig Uhr;\neinundzwanzig Uhr fünf.\nJonny sagt: „Vielleicht haben wir im nächsten\nJahr soviel Geld um uns eine Hütte am\nScharmützelsee zu bauen.“\n„Wenn du lieben könntest, Jonny, wärest\ndu glücklich ohne Scharmützelsee.“\n„Dummes kleines Mädchen!“\nMeta schilt nicht. Sie ist auch nicht gekränkt.\nJonny zeigt auf einen Laternenpfahl. „Ich\nwill einen Tag lang die Seele dieses Laternen-\npfahls sein. In den Büchern muß ich den\nWeg erforschen, der meinen Geist zur Ver-\nsenkung führt in jeden Gegenstand, in jeden\nLaternenpfahl. Das Erlebnis, etwas zu be-\ndeuten, eine Straße zu beleuchten, einen\nscharfen Schatten zu verschenken an sieben-\nzig Passanten, raube ich der Gaslaterne, die\ntot ist und von dem Raub nichts weiß.“\n„Warum sucht deine Seele in die Ferne?“\n„Seit es meine Gewohnheit ist, über die Emp-\nfindungen meiner Menschen hinwegzuschrei-\nten, ist meine Seele heimatlos.“\nMusik brandet auf die Brücke zu. Das\nMädchen ist begierig zu schauen. Jonny\nund Meta setzen sich auf das steinerne\nGeländer neben den Cupido.\nMusik führt Demonstranten zur Brücke.\nDies sind Arbeiter und ihre Frauen. Ein\nGesicht wächst aus ihrer Gemeinschaft, ein\nhochstirniges, strenges, würdiges.\nJünglinge, in hellen Kitteln, mit mähnigem\nHaar, erstampfen im Taktschritt den Rausch\nfrohen Hochgefühls. Männer voll Ethik\ntragen den Dank an den Führer zum De-\nmonstrationsplatz.\nJonny umfaßt alles mit einem neidischen\nGefühl.\nDie Frauen haben Markttaschen mitgenom-\nmen, die Abendbrotpakete und Malzkaffee\nin Thermosflaschen enthalten. Andere haben\nKind und Hund auf dem Arm, Der Führer\nauf dem Demonstrationsplatz wartet auf den\nGruß und auf den Jubelstimmensturm einer\nVölkerwanderung.\nEin altes Mütterchen tritt aus der Reihe,\num den Strumpf im zerrissenen Schuh zu-\nrechtzurücken. 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Mein Gesicht unter-\nscheidet sich von den Gesichtern der anderen.“\n„Du bist stolz darauf.“\n„Und traurig, Meta.“\nNun entzünden sich Fackeln. Das Flackern\nreißt die Fassaden aller Häuser mit in die\nBewegung. Das Lied, das gesungen wird,\nmag die Marseillaise sein, oder „Brüder, zur\nSonne, zur Freiheit“. Jonny hört es halb,\ner träumt von Barrikaden, von verblutenden\nKnaben, auf die die Mütter weiße Rosen\ndecken.\nEr biegt ab in die leere tote Gasse, zieht\nMeta mit sich.\n„Ein Diebstahl, Mädchen, daß wir uns tragen\nlassen von fremdem Rausch. Ich suche nur\nmich. Geh heim, ich werde mich in ein\nleeres Cafe setzen und das Spiegelbild\nmeines Gesichts in den Wandspiegeln des\nCafes suchen. Geh, Meta.“\nJonny wandert um dreiundzwanzig Uhr.\nDie Lippen flüstern: Mondlicht zerstreift\nden Himmel. Mondlicht zerstreift den\nHimmel.\nJonny denkt: Ich kann mich nirgendwo ent-\ndecken. 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Das Wort Schweigen sagt\nim künstlerischen Sinne lange nicht\ndasselbe. Wenn außerdem alle ex-\npressionistischen Dichter so sparsam\nin neuen Wortbildungen wären, wie\nWaiden, ginge es der neuen Kunst\nbesser. Seine Lyrik singt in unendlich\nschlichten, reinen, schönen Worten von\nder Zartheit der Liebe.\n* • K» o.\nSept Arts / Brüssel:\nLa gamme sonore de l’ouvrage se si-\ntue dans une douce neutralite tout en\nrapport avec le matif, et ne fait que\nrarement, et par pur contraste, appel ä\ndes sonoritös violentes. La röpetition\nobstinee de certains mots le depla-\ncements des lettres, l’öchange d’une\nsyllabe entre deux mots nous placent\ndans l’atmosphäre, döfinissant au sur\nplus toute la technique de la poösie.\nMarc-Eemans\nGörlitzer Nachrichten:\nFühlende Menschen, die nach geistiger\nNahrung zittern, sollten sich in diese\nGedichte vertiefen, sich von der schöpfe-\nrischen Kraft und Ausdrucksfertigkeit\ndieser Gedichte leiten lassen.\nEinführung in die Kunst der Gegen-\nwart (Expressionismus, Kubismus,\nKonstruktivismus) und Geschichte der\nneuen Kunst\nMit 70 ganzseitigen Abbildungen\nund 3 Farbdrucken\nHalbleinen gebunden / 8. 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Schott Nr. 1392\nM. 4.\nEin neuer einzigartiger Band, der dem\nmit dem fremden Volkslied noch weni-\nger Vertrauten eine vollständig neue\nWelt von unerhörtem Reichtum erschlie-\nßen, dem Andern aber eine vortreff-\nliche Einführung in die große Samm-\nlung „Das Lied der Völker sein wird.\nCa. 100 der schönsten Melodien\naus dem Liedgut aller Völker Europas\n(Rußland, Skandinavien, Ungarn, Balkan,\nItalien, Spanien, Frankreich, England usw.)\nfür Klavier\nleicht spielbar bearbeitet\nmit übergelegtem Text von\nHEINRICH MÖLLER\nselbst aus seinem monumentalen zwölf-\nbändigen Sammelwerk zusammengestellt,\nln besonderem Heft sind dem Band d i e\nvollständigen Texte der Lieder\nbeigegeben.\nB. 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Bestellen Sie noch heute\nMEYERS LEXIKON"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c025", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "106", "page_fin": "106", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.25", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.22", "debut_caractere": 1489, "fin_caractere_exclue": 1970, "texte": "W. Marzillier & Co., Berlin W\nGrüne waidstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Königs von Spanien\nGegründet 1854 Gegründet 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemälden u. Kunstgegenständen jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes, Transportversicherungen aller Art\nSpediteure desWirtschaftlichenVerbandesßildender\nKünstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturm“"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c026", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.26", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1495, "texte": "Verlangen Sie bitte ein Probeheft!\niiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHMiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nZum Verständnis des modernen kulturellen und politischen\nLebens unentbehrlich ist die Lektüre der Zeitschrift\nSozialistische Monatshefte\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartal 3 Mark, Einzelheit 1 Mark\nVorzugsausgabe (auf besonders schönem Papier) pro Quartal 6 Mark, Einzelheit 2 Mark\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt, die Stellung, die sie in unserem öffentlichen\nLeben errungen haben, durch ihre gewohnten Darbietungen, die die Aktualität des Tages in die\nSphäre wissenschaftlicher Vertiefung zu rücken suchen, und durch ständige Erweiterung ihres Inhalts\nzu behaupten und zu befestigen.\nDie Sozialistischen Monatshefte sind die einzige deutsche Zeitschrift, die eine systematisch\ngegliederte Rundschau über öffentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und Kultur bringt. Einem\njeden wird dadurch eine fortlaufende Orientierung über die einzelnen Gebiete ermöglicht. Die\neinzelnen Rubriken (33 an der Zahl) werden von Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Dem Unterzeichneten Verlag ist\ndie Mitteilung von Adressen willkommen, an die die Zusendung von Probeheften Tätlich erscheint.\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE\nC. M. B. H. 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Auflage. VIII-j- 258 Seiten Oktav. Brosch. 4,80 M. geh. 6,40 M.\nDer Berliner Anwalt Dr. Bruno Weil, einer der besten deutschen Kenner des französischen Rechts,\nhielt vor kurzem einen Vortrag über den Prozess des Hauptmanns Dreyfus im grossen, bis auf den\nletzten Platz gefüllten Saal der Singakademie. Sensationelles Echo in der deutschen Presse, in der\nWeltpresse. Von vielen Seiten gebeten, legt der Verfasser jetzt seine Ausführungen in erweiterter Form\nals Buch vor. Weshalb erwuchs hier die Affäre Dreyfus zu neuem Leben? Zum ersten Male wurden\nhier auf Grund der* zur Hauptsache in der „Grossen Politik der Europäischen Kabinette“ veröffent-\nlichten Akten des deutschen Aussenministeriums und der französischen Gerichtsakten die Stellung-\nnahme der deutschen Regierung und ihrer Organe aufgezeigt. ZIIRI ersten Male die Rolle der\ndeutschen Vorkriegsdiplomatie klargelegt, wobei 'des Fürsten Bülow Charakterbild in völlig neuer Be-\nleuchtung erscheint. Zum ersten Male und nunmehr abschliessend das Rätsel dieses Falles gelöst,\nder die ganze Welt durch Jahre in Spannung gehalten hat.\nWiderhall der Presset\nTempo: . . • an Hand deutscher Akten neue Tatsachen.\nPrager Presse! . • . sensationelle Enthüllungen.\nVorwärts: ~ , die Rolle . . die Angehörige der\ndeutschen Botschaft in Paris . . .\nMat in : . . . die macchiavellistische Haltung des Fürsten\nBülow . • die einen tiefen Schatten auf seine Politik . ,\nPrager Tagblatt: , . . Es kommt alles an den Tag.\nMacchiavellistische Politik.\nBerliner Morgen-Zeitung: . , Einblick . . ~\nin die . . . Ste'lungnahme deutscher offizieller Kreise . •\nin das Gewirr von Intrige, Diplomatie und Spionage.\nFrankfurter Zeitung: , , . eine ganz neue Seite\nder Affäre • . , die Bolle, die in diesem Drama die deutsche\nBotschaft gespielt hat\nBerliner Tageblatt: , • . auf Grund neuen Mateiials\ndie Hintergründe der grossen Affäre ..."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-08-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-08_01#c028", "volume": "bmtnabg_1930-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.2.28", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 676, "texte": "Monatsschrift Der Sturm\n20. Jahrgang 7 Herausgeber: Herwarth Waiden\nDie führende Zeitschrift der Jungen und Jüngsten\nAlle Schriftsteller, Dichter und Maler von Weltruf wurden\nin der Zeitschrift Der Sturm zuerst veröffentlicht u. a.:\nOskar Kokoschka / Franz Marc / Paul Klee / Kandinsky\nAlexander Archipenko / Campendonk / Kurt Schwitters\nMoholy-Nagy / Gino Severini / August Macke / Albert\nGleizes ' Willy Baumeister / Johannes Itten / Louis\nMarcoussis / Fernand Leger / August Stramm / Mynona\n♦\nDer Sturm wird in 2 6 Staaten der Erde gelesen\nJahrgang: 12 Mark / Einzelheft: 1 Mark\nSonderangebot; 10 Probehefte aus verschiedenen Jahrgängen 3 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.1", "texte": "DER\nSTURM\nHerausgeber: Herwarth Waiden\nBerlin / August/September 1930\n20. Jahrgang / 8. Heft\nBERLIN Wl5 / KURFDRSTENDAMMI73"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.2", "texte": "Verlag Der Sturm / Berlin Wl5\nKurfürstendamm 173 / Fernruf: 3 2 Oliva 5072\nWichtige Bücher Wichtige Bücher\nHerwarth Waiden\nHerwarth Waiden\nIm Geschweig der Liebe Einblick in Kunst\nGedichte / Leinenband 3 Mark\nDer Deutsche / Berlin:\nMan stoße sich nicht an dem „Qe-\nschweig“. Das Wort Schweigen sagt\nim künstlerischen Sinne lange nicht\ndasselbe. Wenn außerdem alle ex-\npressionistischen Dichter so sparsam\nin neuen Wortbildungen wären, wie\nWaiden, ginge es der neuen Kunst\nbesser. Seine Lyrik singt in unendlich\nschlichten, reinen, schönen Worten von\nder Zartheit der Liebe.\n* • K» o.\nSept Arts / Brüssel:\nLa gamme sonore de l’ouvrage se si-\ntue dans une douce neutralite tout en\nrapport avec le matif, et ne fait que\nrarement, et par pur contraste, appel ä\ndes sonoritös violentes. La röpetition\nobstinee de certains mots le depla-\ncements des lettres, l’öchange d’une\nsyllabe entre deux mots nous placent\ndans l’atmosphäre, döfinissant au sur\nplus toute la technique de la poösie.\nMarc-Eemans\nGörlitzer Nachrichten:\nFühlende Menschen, die nach geistiger\nNahrung zittern, sollten sich in diese\nGedichte vertiefen, sich von der schöpfe-\nrischen Kraft und Ausdrucksfertigkeit\ndieser Gedichte leiten lassen.\nEinführung in die Kunst der Gegen-\nwart (Expressionismus, Kubismus,\nKonstruktivismus) und Geschichte der\nneuen Kunst\nMit 70 ganzseitigen Abbildungen\nund 3 Farbdrucken\nHalbleinen gebunden / 8. Auflage\nSonderangebot\nStatt M. 6,50\nAmerican News:\nThis handsome album contains Wal-\nden’s dynamic and rebellious creeds.\nHe defends them with tenacily and with\nprophetic reiteration and much brilliant\nargument.\nHermann George Scheffauer\nBerliner Lokalanzeiger:\nAusgezeichnet ist der begleitende Text\nHerwarth Waldens in seiner knappen\nBildhaftigkeit und Schlagfertigkeit.\nDeutsche Warte / Barcelona:\nEs ist eine andere sehr reine Art des\nSehens, die es neu zu lernen gibt und\nzu der man am besten gelangt, wenn\nman den scharfsinnigen und aus in-\nnerster Einstellung gestalteten Ausfüh-\nrungen Herwarth Waldens in seinem\n„Einblick in Kunst“ nachgeht.\nM. 2,50"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "[87]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.3", "texte": "Rumänische Literatur\nAugenblicksbilti Stephan Roll\nDer lebende Kalender Sascha Pana\nSchmaje Moldov\nGedicht Stephan Roll\nGedicht Jlarie Voronca\nGedicht Geo Bogza\nAlgazy & Grummer Urmuz\nGedicht B. Fondane\nStiliziertes Interieur Raul Julian\nGedicht AI. Dimitriu-Pausesti\nGedicht A. Zaremba\nMittags-Synkope Rudolf Meissner\nJonny Gugru Rudolf Meissner\nGedicht Max Breuel\nAbbildung:\nBauernhochzeit von Iwan Mileff\n\nDER STURM\nMONATSSCHRIFT / HERAUSGEBER: HERWARTH WAUDEN\nBerlin Wl5 / Kurfürstendamm 173 / Abonnement: für das Jahr 12 Mark / halbjährlich 6 Mark\n\nHerwarth Waiden\nerteilt\nUnterricht in Kunst\nfür Künstler und Laien\nMalerei\nMusik\nDichtkunst\nAnmeldungen im Privatsekretariat\nBERLIN Wl5 / Kurfürstendamm 173\nSturm-Presse\nAnfertigung aller Drucksachen\nunter\n*\nkünstlerischer\n£\n*\nG\nBerlin Wl5\nKurfürstendamm 173"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "[88]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.4", "texte": "Verlas Der Sturm / Berlin Wl5\nRUDOLF BLÜMNER j Der Geist des\nKubismus und die Künste / Mit Ab-\nbildungen / M 3\nHERMANN ESSIG / Überteulel / M 2\nERNST MARCUS / Das Problem der\nexzentrischen Empfindung und seine\nLösung / M 2.50\nLOTHAR SCHREYER / Nacht / Drama\nM 1\nKURT SCHWITTERS / Die Blume Anna\nGedichte /Ml\nFarbige Kunstdrucke\nJedes Blatt 1,50 Mark die mit * versehe)\nALEXANDER ARCHIPENKO: Frau /\nAquarell\nMARC CHAGALL: Akt / Aquarell, In-\nterieur / Gemälde, On dit (Der Jude) /\nAquarell, Kutscher / Aquarell, Der\nCoiffeur / Aquarell, Ich und das Dorf /\nGemälde\nROBERT DELAUNAY; Aquarell\nTOUR DONAS: Frau mit Vase / Gemälde\nALBERT GLEIZES: Baum und Fluß /\nGemälde, Frau und Kind / Gemälde\nNATALIE QONTSCHAROWA; Theater-\ndekorationen *\nREINHARD QOERING: Zwei Aquarelle\nJACOBA VAN HEEMSKERCK: Bild 68 /\nGemälde, Insel / Gemälde\nJOHANNES ITTEN: Gemälde eines Kindes\nKANDINSKY; Aquarell 2, Aquarell 6\nPAUL KLEE: Spiel der Kräfte einer Land-\nschaft / Aquarell, Giftbeeren / Aquarell\nAUGUST STRAMM / Gesammelte Dramen\nZwei Bände / Jeder Band gebunden\nM 4\nPAUL SCHEERBART / Glasarchitektur\nM 2\nHERWARTH WALDEN:\nDas Buch der Menschenliebe\nHärte der Weltenliebe\nRomane / Je M 2\nGesammelte Schriften / Band I: Kunst-\nmaler und Kunstkritiker / M 3\nWeib / Komitragödie / M 2\nTrieb / Kind / Menschen\nDramen / Je M 2\n1 Mark\nMICHAEL LARIONOW: Kostümskizzen*\nFERNAND LEGER: Kontrast der Formen /\nGemälde\nFRANZ MARC: Pferde / Aquarell\nJEAN METZINGER: Landschaft / Ge-\nmälde\nLOUIS MARCOUSSIS: Stilleben / Aquarell\nMOHOLY-NAQY: Schwarz-Orange-Qelb /\nGemälde\nGEORG MUCHE: Und schied das Licht /\nGemälde\nPANNAGQI: Zug in Bewegung / Gemälde\nPERI: Straße / Gemälde\nLOTHAR SCHREYER; Bühnenfarbform*\nKURT SCHWITTERS: Farbige Merz-\nzeichnung\nGING SEVERINI: Pan-Pan-Tanz im Mo-\nnico / Gemälde\nNELL WALDEN: Todfrühling / Gemälde,\nFarbige Zeichnung, Segel / Aquarell\nSÜDSEEGÖTZE*"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.5", "texte": "Augenblicksbild\nStephan Roll\nDie moderne rumänische Literatur und Malerei\nwird durch die Gruppe „Unu“ repräsentiert,\nmit einer Verlagsanstalt und einer Monats-\nschrift, die als Exponent der modernen Dicht-\nkunst und Malerei seit drei Jahren erscheint.\nDie Geschichte des rumänischen Modernismus\nhat seine heftigen Kampfphasen von empiri-\nschen Erscheinungen und von lebendiger\nSchaffung einer Kraft, der es gelang, eine\nheilsame Befreiung der Kunst von den ver-\nalteten Anschauungen herbeizuführen. Die\nerste Barrikade, die erste Granatenwiege, war\ndie Zeitschrift „75 H P\" von Jlarie Voronca,\nVictor Brauner und Stephan Roll; erschien\nim Jahre 1924 nach der konstruktivistischen\nAusstellung des Malers M. H. Maxy, der in\nDeutschland beim „Sturm“ ausstellte. Vor\n„75 H P“ erschien „Contimporanul\" („Der\nZeitgenosse“) von Vinea und Marcel Jancu,\nvollkommen expressionistisch in der Plastik\nund symbolistisch in der Literatur; nachher\nverwandelte es sich durch Konstruktivismus,\nKubismus in Plastik und veraltete voll-\nständig, indem es ablehnte sich zu assimi-\nlieren und die neuen Kräfte, die mittlerweile\nkamen und Wahrheit und Wiederbewegung\nbrachten, anzuerkennen. Es folgt nun die\nabstrakte Ausstellung des Malers Victor\nBrauner mit einer Serie von Mal-Dichtungen\nin gemeinsamer Arbeit mit Jlarie Voronca\nund die Zeitschrift „Punkt“, die mit Voronca,\nBrauner und Roll in 15 Nummern kämpft\nund die neue Richtung bekannt macht. Ihr\nfolgt „Integral\" mit Calugaru, Brunea. Maxy,\nFondane, die mit der Gruppe Punkt\ngemeinsam arbeiten. „Integral“ ist eine\ntheoretische Zeitschrift, die zwei Jahre er-\nschien. Nach ihrer Einstellung gründeten\ndie Übriggebliebenen mit Sascha Pana die\nZeitschrift von heute: „Unu“. Ihr gesell-\nten sich zu: Geo Bogza, der bis jetzt die\nZeitschrift „Urmuz“ herausgibt, weiter Raul\nJulian, Dimitriu Pausesti, Virgil Gheorghiu\nund Zaremba mit ihrer Zeitschrift „XX“, die\neinen Hort der intransigenten Kunst bildet,\nwovon sie keine Konzession, kein Kompromiß\nfortbewegen kann. Dichtung für die Dichtung\nan sich! Die Dichtung als eine Basis, als\nein Endziel genommen, als eine Bestimmung,\nals Flut und Ebbe. Von hier beginnend,\nkonnten wir mit ihnen gemeinsam die zeit-\ngenössische Evolution der Kunst in Rumänien\nbilden. Urmuz\n(gest. 1920) muß als\nder authentische Vorgänger des rumänischen\nModernismus angesehen werden. Sein\nWort war revolutionär und wies eindeutig\nden neuen Weg. Ein Vorläufer wie Jarry\nin Frankreich. Seine wenigen Novellen\nsind noch heute nicht einmal bekannt\nund bleiben isoliert, unzugänglich. Voronca\nhingegen ist ein lyrischer Dichter von\neiner ausgedehnten Proportion. Ein un-\nversöhnlicher Blitz durchdringt seine Pu-\npillen in fortwährender Ausdehnung und\nalle Glieder in ihm tönen innerlich wie\nFanfaren. Stephan Roll ist der Dichter\nder Beharrlichkeit, ein Exponent der Ju-\ngend. Nach seinen „Poeme in aer über“\n(Dichtungen in freier Luft), in denen ein\nsportmäßiger Wetteifer und ein hartnäk-\nkiger Elan der Dichtung vorherrscht und\nnach einer langen Serie von Essays über\ndie Dichtkunst, schrieb er seinen zweiten\nBand „Moartea vii a Eleonorii\". „Es ist\neine Loslösung von den Gespenstern, von\nden Erinnerungen, von jedweder Wirklich-\n\n*)\n*) Nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen\nZeitschrift."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.6", "texte": "keit, und in dem er ihnen die Lippen\nund Gesten eines Schwimmers versetzt\ngesehen durch ein grünes Glas —, kehrt\ner um und richtet alle Skalen in einen Brun-\nnen aus Aluminium auf.“ (Voronca.)\nFundoianu, ein Freund und ein Glaubwürdiger,\nein fruchtbarer Poet noch vor Zürich, wirkt\njetzt in Frankreich (B. Fondane). Ein an-\nerkannter moderner Dichter, ein findiger\nund kluger Essayist und Prosaiker. Ebenso\nSascha Pana mit sein em Bande „Diagramme“.\nGeo Bogza ist eine empfindsame Natur; er\nbrachte starke, jugendliche Akkorde in\nseinem „Journal de Sex“. Formvollendet,\nkühn und unbestreitbar ganze Dichter sind:\nMoldov, Raul, Julian, Al. Dum. Pausesti\nund andere.\n*\nIn der Malerei ist Victor Brauner der auf-\nregendste. M. H. Maxy mit seiner voll-\nkommenen künstlerischen Silhouette, mit\neiner Formel immer mehr suchend und\neinem scharfen Empfindungsvermögen. Er\nist ein unerschrockener Kämpfer und ein\nHeld der modernen Malerei. Ebenso ist\nsehr bekannt der frenetische, empörte Maler,\nder Mitarbeiter des Dadaismus in Zürich\nund seine Fortsetzung in einer verstärkten\nJugendlichkeit, ein unermüdlicher Visionär\nin jeder seiner Ausstellung: der Maler\nMarcel Janku. Milita Petrascu, die Bild-\nhauerin, ist die Einzige in Rumänien, die\nzu uns gehört.\nDies ist in diesem Moment die zeitgenössi-\nsche Darstellung der rumänischen modernen\nKunst. Klein ist die Anthologie ihrer Werke,\nin den Spalten die uns Herwarth Waiden\nmit viel Freundschaft und Gutwilligkeit\nzur Verfügung stellt. Sie genügt hoffentlich,\num einen poetischen Ausflug in das moderne\nDeutschland zu machen.\nBukarest 1930\nStephan Roll\nDie Uebersetzung ins Deutsche besorgte der Wiener Dichter Leopold Kosch\n\nDer lebende Kalender\nan Stephan Roll\nSascha Pana\nTäglich war der Park ein gelesenes Buch, mit\ngequälten Alleen, mit zerrauftem Haar, weiter\nwechselte die Frische der Plakate jeden Morgen\ndie Ausstattung der Stadt mit einer Polychromie\nder Schürzen. Dein Schritt vermindert die\nStaubgefäße wenn du durch Regen gehst, wie\ndurch einen umgestürzten Korridor. So oft\ndu mit dir auf demselben Boulevard des Herzens\nzusammenstößt und protokollmäßig dich um\nEntschuldigung bittest. Eine Abwesenheit,\nzwei, drei: ein unwägbarer Becher der Ver-\ngessenheit. Die Alleen des Herzens. Die Allee\nder Schatten, die wachsen wie ein Mörder in\neiner öden Gasse. Die Allee des Refrains vom\nFrühling 1928."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.7", "texte": "Talrose, ich liebe dich wegen deines bleichen\nNamens und deiner bleichsüchtigen Jung-\nfräulichkeit. Aber ich liebe auch die Morgen-\nblumen, wie sie dich warten vom Brautgürtel\nder Farben, daß sie dir einen guten Morgen\nwünschen und sterben zur Stunde da du\nfrühstückst.\nJedesmal im April pflücken die Kirschen die\nBlüten das weiße Lächeln der Anhöhen mit\nRehen, die sich spielen in Pantoffeln aus ihrer\nHaut. Aber dein Leben zwischen Chronometer\nund Vormerkbuch greift ein in die Schritte über\ndie Blumen, die ein Profil von Schaum und\nParfüm zeichnen. Die Tage ersetzen sich wie\nder Palast mit den Mauern aus Scharlach in\nSchälung der Archive. Dort sind die Dokumente\nalt und die Beamten aus verbranntem Papier.\nPause. Ein Moment des Schweigens für das\nGleichgewicht des Sommers, .für den Busen\ndes Herbstes.\nWinter. Von den Dächern wachsen Schlangen\nmit Ablenkung von Rauch, Die Gesichter der\nMädchen kauen Dahlien von Purpur und nur\ndas Kind der Blumen ist dasselbe in allen\nJahreszeiten. An jenem Frühmorgen waren\nBluttropfen in einem Wettlaufen zwischen be-\ntäubten Bäumen. Im Postkästchen 114 hast\ndu einen Zettel gefunden und ein Problem;\n„Wähle zwischen mir und zwischen Kalifornien\nder Träume.“\nDie Allee der lindernden Träume. (Für das\nKnopfloch euer Öse hast du zwei Knospen aus\nAzur gestohlen). Zwischen allen Göttinnen\nstört dich jene am meisten, die einer Stern-\nschnuppe gleicht. Du begehrst einen andern\nKontinent mit Grenzen aus Feuersbrunst, damit\nsie dich beschützen vor den Agenten der\nVersicherungsgesellschaften für Leben und gebe\nBekanntschaften, bekleidet in Serpentinen zum\nFliegenfangen. Aber die Erdkugel ist mit fünf\nAusschlägen bedeckt, obwohl sie mit einem\nFuß zum Katheder geneigt steht und uns ge-\nstattet, daß wir sie bis zum Schulalter von\n11 Jahren anblicken. Willst du vielleicht eine\nQuadrillfigur zwischen Sklaven mit Bisamtkraut\nim Aquarium und Fischen in Blumentöpfen\nam Fenster? Du hast deine Augen zusammen-\ngepreßt und in einem magischen Spiel der\nLinien und Punkte bist du eingeschlafen. In\neinem Spiel, das in deinen blinden Augen\nwächst. Unter den Lidern verbirgt sich ein\novaler Gedanke wie die angehauchte Stimme\nder Tonie.\nEin isolierter Strahl in einer schwarzen Kammer\nist eine beseelte Klinge eines Dolches; aber\ndas Gedicht ist das Wogen eines Strahles\nvon verzauberten Vokalen aus der schwarzen\nKammer von dem Ventil gegen den Himmel,\ndie sich wie ein Fächer öffnet. Du wirfst\nBrückenstege, eine narkotische Arpeggie von\nSchwalben als Perlen, fortwährend unveröffent-\nlicht, gleichwie auf dem Rost der Telegraphen-\ndrähte nicht ein Vokal ausruht. Es geht die\nLegion der Engel und pudert die Luft mit dem\nStaub der Flügel. Empfange du die Defilierung\nmit der Hand am Schild des Horizontes! Und\nwenn du, über dich gebeugt, einen verkehrten\nWeg wirst machen, wirst du wiederfinden die\nWaben, die Abdrucke der Seele auf jenen\nGipfeln von Seide, wo du das Edelweiß einer\nJugend von Träumen gepflückt hast, als die\ninnerlichen Hitzen durch die Finger von\nAngorakatzen gegangen sind."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.8", "texte": "Sebmaje\nMoldov\nSchmaje ist eine Gestalt, zusammengesetzt aus:\nAugengläser, Warenballen; Kalender und Trapez\naus Holz mit springenden Menschen.\nIn allen Jahreszeiten trägt er denselben Anzug,\ndenselben Hut und dieselben Touristenschuhe,\nvon denen er sich nie trennt. Ebenso trägt er\nimmer bei sich das Buch „Traum der Mutter\nGottes“, das er selbst nie gelesen hat, er aber\nzum lesen anbietet im Tausch gegen eine\nRenumeration oder im Tausch gegen 27 Kitze-\nlungen mit einer Pfauenfeder am Rückgrat.\nEr schläft auf einundzwanzig Enteneiern, in\neinem Kanal einer Gerberei, denn der Geruch\nder gegerbten Leder kitzelt seine Nasenlöcher,\nwas ihn sehr angenehm erregt.\nEr starb einigemal, trotzdem lebt er wieder\nauf sobald ihn die Sonne gebadet hat, und der\nMann aus Holz begann Saltomortale zu machen\nauf der Schnur des Trapezes, gebunden auf\nden Knopf des Anzuges.\nEr trinkt nicht Wasser aus sozialem Prinzip:\nwenn er Wasser trinken würde, hätte die\nFeuerwehr der Stadt nichts, um das Feuer zu\nlöschen. Er trinkt nicht aus medizinischem\nPrinzip. Es ist noch niemand an Wein in der\nLunge gestorben, nur an Wasser. Er trinkt\nnur Spiritus, denn der Wein enthält Wasser.\nEr hatte eine Frau, alt und einäugig, die sich\nvon Klee, Maiskohlen, Stengeln, Stroh und\nHeu nährte. Sie halte für alle diese Sachen\nein ausgedehntes Magazin aus Brettern, abge-\nsperrt mit einem Schloß System „Dämon“.\nSie hatte eine besondere Vorliebe für Ziegen-\nböcke und haßte tötlich die Ziegen. Die Mond-\nnächte verbrachte sie in Gemeinschaft eines\nZiegenbockes, dem sie liebreich und mit\nder Wollust einer Messaline den Knebelbart\na la Henry IV. streichelte und mit dem sie\nsich manchmal Massagen machte; die gaben\nihr solche Erregungen, daß sie ihr Gebiß her-\nausnahm, ihr Haar aufflocht und mit Grausen\nrhythmisch schrie.\nSofort nachdem sie sich mit Schmaje verhei-\nratet hatte, bemerkte sie beim Licht seiner Ein-\ndrücke, daß Schmaje nur dem Aussehen nach\nein Mann war, während ein Teil seines Körpers\ndie Form einer Schnecke hatte.\nDa ihr Schmaje die Eindrücke eines Ziegen-\nbockes nicht verschaffen konnte und ihr Stolz\nals „Frau“ einen Stoß ei litten hatte, warf sie\nihn aus dem Haus, nachdem sie ihm ein Paar\nHörner auf die Stirn gesetzt und ihm die\nAdresse eines berühmten Arztes gegeben hatte.\nUeberwältigt von Schande und Schmerz läuft\ner aus der Stadt, bleibt 31 Tage in Gesellschaft\neiner alten Maulwürfin, in deren unterirdischem\nGemache er mit einem „Metro“ spazieren\nfährt, im rückläufigen Sinn, 8 Stunden lang,\ndann spielte er mit ihr Tricktrack; es gelang\nihm sie zu besiegen, mit der Meisterschaft, mit\nder er dies Spiel beherrschte.\nAm einunddreißigsten Tag vertrieb ihn die\nMaulwürfin, nachdem er ihr ein Glas von der\nBrille, ein Holztrapez (von einem Freund Hanzin\nmit großer Kunst in Miniatur gearbeitet), und\nsämtliche Knöpfe von der Hose gestohlen\nhatte.\nIn die Stadt zurückgekehrt, taucht er in einem\nVariete unter, wo ihm die Abwechslungen der\nNummern, die man aufführte, ein großes Ver-\ngnügen bereiteten; damit er nicht ohne Be-\nschäftigung sei, begann er sechzehn Jahre alte\nKalender zu verkaufen.\nAngeklagt wegen Hochstapelei, wurde er ver-\nurteilt: er dürfe kein Glück haben, seinen Bart\nund Schnurrbart niemals rasieren, jede Nacht\nmüsse er sein Kopfhaar mit Mehl pudern;\nauch dürfe er nie ins Dampfbad gehen wegen\nder Unsicherheit seines Geschlechtes."}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.9", "texte": "Trotzdem, als ein Stern eines berühmten\nKabarettes ihn sah, verliebte er sich schnell in\nseinen Geist, besonders in die Eleganz, mit\nder er die Würfel beim Tricktrack warf.\nSeit damals ist Schmaje durch einen mit der\nArtistin mündlich abgeschlossenen Vertrag ver-\npflichtet, jeden Frühmorgen ausgekleidet und\nparfümiert mit einem Wohlgeruch (empfohlen\ndurch Herrn Eftimiu) orientalische Leibes-\nübungen zu machen, taktmäßig nach dem\nSpiel einer Drehorgel.\n\nDiana\nStephan Roll\nAn Jlarie Voronca\nGleichzeitig mit uns gingen die Könige von\nBasrelief auf die Jagd.\nSei ohne Sorge Schießpulver,\nMan hat für heute den Wald von Wölfen\ndesinfiziert.\nAuf meinem Arm steigt das Gebirge bis zum\nGipfel\nUnd der Himmel übersiedelt den Wald wie\neinen Käfig\nNäher und auch weiter\nZum wievielten mal\nWie sportmäßig die Pappeln parallel mit uns\nlaufen;\nSiehst du hier wachsen die Weiden\nFischer am Rande des Baches.\nOeffnet die Finger aus beinernen Stichblättern\nAchtung schreiten wir mit Genauigkeit\nZögere gar nicht\nIn freier Luft gurgeln die Hunde mit Sternen\nDie Hirsche sind Regisseure der Zweige,\nder Gewässer,\nUnd durch wirbellose Fußwege\nEnthauptet der Weg sich auf Abhängen.\nSieh doch, das Licht ist weiß\nBrust der Vögel des Meeres\nGemeinsam jauchzen die Wachteln\nDas Echo füllt die Münder des Himmelsraumes\nund die Glocken der Luft\nIch bin um einen Sperling höher als du\nIn die Brust geschossen blutet dir die Luft\ndurch den Mund\nUnsere Sohlen gehen die Wege der Maulwürfe\nDie Jagd hat begonnen.\nWir heben vom Kleiderhaken der Luft losgelöst\nWilde Hähne\nDas Blut schlägt Hagel im Fenster deines\nHerzens\nDer Himmel ein Seiltänzer wälzt sich\nauf den Feldern\n(Verwunde nicht deine Hand an den Nägeln\ndes Windes)\nDer Ton des Hornes entkleidet sich zwischen\nBuchen\nDen Hasen fällt stufenweise das Herz von der\nErdbeere\nHier stieß die Stimme der Wüsten mit der Stirn\nan die Balken\nAber im Schloß ist es öde\nDer Mond wirft sich mit dem Kopf in Spiegeln"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.10", "texte": "Das Armband der Nächte\nIlarie Voronca\nDie Nächte gehen von Hand zu Hand wie das\nKleid des Reichen\nSie breiten die Leintücher über die Knochen\nder Gletscher\nDie Hüften der Hügel empfangen Schatten vom\nSchwan,\nDie Weiden breiten dem Teich einen Spiegel\naus,\nWeiden, ihr durchdämpft die Luft wie die\nFenster des Transatlantikfahrers\nFlammen steigen von euch empor wie von den\nUrnen der Vergangenheit,\nEure Ruten haben die Wolken wie Stimmen\nverdünnt.\nEs brannten die Blicke wie die Savannen in\nder Hitze\nAuf! brecht aus, Kaskaden, von den Steinen der\nRuhe,\nVergießet Bukette von Tränen über die Aus-\ndehnung des Schlafes\nDie Schulter der Köhler wird zermalmt in den\nDocken\nIhr Blut ist aus Kohle wie vom Blitz getroffene\nHöhlungen\nUnd die Schlepper verschlucken mit den Säcken\ndie letzten Reste vom Lächeln.\nDie Körper verwelken wie die Lampen der Blätter\nDie Lampen schütteln die Schüssel der Gewässer\nin der Salzgrube.\nDie Spitzhauen schneiden ins Salz die Spitzen\ndes Fluges\nSalz, Busen des Schaumes, Waffengestell des\nSchnees,\nDein Finger beißt wie der Wind der Steppe,\nSalz, du gibst dem Schlund ein Land von Durst\nDie Arme der Verurteilten umflattern dich wie\nein Schleier\nKäfige, eure Schollen haben Wachtel des\nStöhnens eingesperrt,\nUnd der Rauch eurer Bitternis dringt nicht durch\ndie Freude der Gäste\nIhr zerreißt nicht die Dunkelheit der Gedanken\nwie eine Sirene\nIhr werdet Vorbeigehen wie der Schweif eines\nKometen durch die Planeten der Bäuche.\nDie Glocken der Salzfässer läuten eine unver-\nständliche Traurigkeit\nSalz, in dem die Zähne der Sträflinge*) knirschen\nAber das Geklirre der Becher bedeckt den\nSturm der Ketten\nDer elegante Jüngling knüpft die Kravatte des\nHimmels.\nEr vollführt eine Pirouette vor den hohen\nMysterien\nDas Meer legt ein Galakleid an\nEs steckt eine Medaille auf den Nacken des\nWindes\nDie Nerven der Leuchttürme durchfurchen die\nBlätter der Täler\nUnd der Traum flicht die Samtmähne der\nFische auf\nDas Meer färbt das Haar der Minuten.\nEs füllt die Tassen der Augen, es entfernt die\nBarken der Schulter\nDas Meer wirft sein Geschmeide in die Schürze\nder Dämmerung\nDie Zangen des Windes ondulieren ihre Locken\nDie Schlangen gehen wie Pflanzen über die\nAzurküste\nEs erhöht die Statue aus dem Schatten des\nSchaumes\nHängende Maste bluten nach Winden\nDas Meer verjagt ihre Meute der Stimmen\nEs steigt empor aus der Tiefe der Abendstern\n\n*) In Rumänien werden die Salzbergwerke von\nSträflingen bearbeitet. Der Übersetzer."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.11", "texte": "Es gräbt wie ein Zuchthäusler die Sandsteine\nder Tage\nEs gleitet der Geigenbogen auf den Saiten der\nHorizonte\nEs spielt, sich hinabrollend, wie Glut\nErtrunken auf den Barken von den Wellen.\nDas Meer, eine Zunge herabhängend vom\nMunde der Erde\nWie willst du, daß ich dich von den Kiefern\nder Felsen reißen soll,\nDaß du leckest die Hoden des Mondes, den\nBauch der Nächte\nDein Geifer befeuchtet die Ufer\nDer Zorn schwellt deine Nasenlöcher\nEr hebt dich bis zum Unkraut des Himmels\nAber der unvermögende Vorhang der Gewässer\nfällt in den Abgrund\nDas Meer steckt in seine Flechten einen Regen-\nbogen wie den Kamm einer spanischen\nTänzerin\nDie weißen Hengste der Wellen beißen das\nPferdegeschirr von Reif\nDie Wellen, Reisekörbe mit Taschentüchern des\nWindes durcheinander geworfen\nUnd der Schaum streut Blumen wie unter die\nFüße des Siegers\nDas Meer ist ein Handschuh geworfen in die\nArena der Nacht.\nWo ist der Kühne der ihn zurückgibt\nDer schönen vom Balkon des Himmels?\nDas Meer ist ein Fußballplatz\nWer bringt den Ball durch das Tor der losge-\nketteten Finale\nWer gibt das Zeichen der Niederlage, des Erfolges?\nDas Meer ist ein Zirkus wo die Affen der\nWellen am Kopf stehen.\nDas Meer beharrt langmütig im Anblick wie\ndas Brausen in den Muscheln\nDas Meer ein Akrobat wiegt sich am Trapez\nder Luft\nManchmal legt es sich zu Füßen des Windes\nwie ein geschlagener Hund\nDas Meer beflaggt den Pavillon des nächtlichen\nPiraten.\n\nLeben\nGeo Bogza\nWir haben uns wie Blinden gesucht mit gelben Fingern betastet,\nVon meiner Hand war dir abgerissen die Zitze wie von einem Felsen,\nWo ich Berg hatte dort strecktest du tiefes Tal aus\nUnd wir hatten Raum einer im andern, singend mit unserem Blut.\nLängs der nackten Schultern trieb uns reitend eine neue Freude,\nDer Hymen flattert dir zu wie ein Taschentuch in jedem Lächeln\nUnd unsere vermischten Knochen stellten das glücklichste Skelett dar\nAls wir an einem Ort im selben Körper lebten, noch nicht entzweigerissen.\nIch schraubte dir weiße Säuglinge ein in den runden Mutterleib\nWie viele praktische Kranke brüteten in deinem zerbrechlichen Körper\nDeine Hände, Schropfköpfe, rissen den Kopf des zukünftigen Kindes ab\nUnd du ließt es fließen in Teichen mit ähnlichen anderen am Grund.\nHöre die Nacht von schmutzigen Gräben ein Jammern gegen Sterne,\nWeg ist sein ganzer männlicher Samen den du in den Wind geworfen hast\nUnd wenn wir in Ewigkeit unter der Erde sein werden\nWird er als Wurm über unsere Körper kommen."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.12", "texte": "Algazy & Grummer\nUrmuz\nAlgazy ist ein sympathischer Alter, mit einer\nZahnlücke, mit einem Bart: ausrasiert und\nseidenartig, auf einen unter das Kinn ange-\nschraubten Rost schön geordnet und mit\nStacheldraht umzäunt.\nAlgazy spricht keine europäische Sprache ....\nWenn du ihn aber bei Tagesgrauen, bei Tages-\nanbruch erwartest und ihm „Guten Morgen\nAlgazy“ sagst, indem du mehr auf den „z“-Laut\nbeharrst, da lächelt Algazy. Und um seine\nErkenntlichkeit zu zeigen, steckt er die Hand\nin die Tasche und zieht das Ende einer Schnur,\nwodurch sein Bart vor Freude eine Viertelstunde\nlang auffährt .. . Abgeschraubt diente der\nRost dazu, jedwedes schwierige Problem wegen\nReinigung und Ruhe des Hauses zu lösen. . . .\nAlgazy nimmt keine Bestechung. .. . Ein\neinziges Mal hat er sich zu einer ähnlichen\nSache hergegeben, als er Schreiber im Pfarr-\namt war. Aber damals hat er nicht Geld ge-\nnommen, sondern nur einige Scherben von\nTöpfen von dem Wunsche beseelt, einer seiner\narmen Schwestern, die den nächsten Tag\nheiraten sollte, eine Mitgift zu verschaffen.\nDas größte Vergnügen von Algazy ist außer\nseiner gewohnten Beschäftigung im Geschäft\nsich aus freien Stücken vor einen Schubkarren\neinzuspannen, gefolgt auf etwa zwei Meter von\nseinem Teilhaber im vollen Lauf, durch Staub\nund Sonnenbrand zu laufen; durchstreifend die\nländlichen Gemeinden zum ausschließlichen\nZweck, alte Fetzen, gelöcherte Oelkannen und\ninsbesondere Knöchelchen zu sammeln, die\ner dann alle zusammen nach Mitternacht im\ndüstersten Schweigen aufaß.\nGrummer hat auch einen aromatischen Holz-\nschnabel.\nEine verschlossene Natur und ein verbittertes\nTemperament steht er den ganzen Tag hinter\ndem Verkaufspult, den Schnabel in ein Loch\nim Fußboden hineingesteckt.\nSowie du bei ihnen im Geschäft eintrittst, kitzelt\nein köstlicher Geruch deine Nasenlöcher ....\nDu wirst auf der Stiege durch einen anständigen\nJungen empfangen, der am Kopf statt Haare\ngrünes Baumwollgarn hat. Dann wirst du\nvon Algazy mit großer Freundlichkeit begrüßt\nund ersucht, auf einem Taburett Platz zu\nnehmen.\nGrummer steht und paßt auf .. ~ mit einem\nschiefen Blick zieht er zuerst den Schnabel\nheraus, den er an einer Rinne, die sich an der\nKante des Pultes befindet, nach oben und unten\nwetzt. Dann erscheint er im ganzen. . . . Mit\nallen möglichen Bewegungen veranlaßt er\nAlgazy das Lokal zu verlassen, dann zieht er\ndich einschmeichelnd in alle Arten von Dis-\nkussionen besonders über Sport und Literatur\nbis er einen Anfall bekommt er haut dich\nzweimal mit seinem Schnabel über den Bauch,\ndaß du hinauslaufen mußt auf die Strasse,\nbrüllend vor Schmerz.\nAlgazy, der beinahe immer auf Grund dieser\nunerlaubten Vorgangsweise des Grummer Un-\nannehmlichkeiten und Wortwechsel mit den\nKäufern hat, läuft dir nach, bittet dich zurück-\nzukommen. Damit er dir die verdiente\nGenugtuung gebe, hast du das Recht wenn\ndu einen Gegenstand teurer als 15 Bani gekauft\nhast am Schnabel von Grummer ein wenig\nzu riechen. Dann, wenn du willst kannst du\nihn beliebig stark an einem aschgrauen Kaut-\nschukbläschen drücken, das er am Rücken ein-\ngeschraubt hat, ein wenig oberhalb der Fessel.\nDas ermöglicht ihm, im Magazin herumzusprin-\ngen ohne die Kniee zu bewegen, indem er un-\nartikulierte Schreie und Töne ausstößt.\nEines Tages nahm Grummer ohne Algazy zu\nverständigen den Schubkarren und begann allein\nFetzen und Knöchelchen zu suchen. Beim\nRückweg, als er durch Zufall auch einige Reste\nvon Gedichten fand, stellte er sich krank und\naß sie im Geheimen unter der Decke. Algazy,\nder dies fühlte, trat nach ihm dort ein mit der\naufrichtigen Absicht ihm nur ein wenig Moral"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.13", "texte": "zu pauken, beobachtete aber mit Schaudern im\nMagen von Qrummer, daß alle gute Literatur\naufgezehrt und verdaut war ....\nNachdem es ihm derart in Zukunft an jeglicher\nNahrung fehlen wird, aß Algazy als Vergeltung\ndas ganze Bläschen auf, während Grummer\nschlief.\nVerzweifelt nahm Grummer den nächsten Tag\nda er ohne Bläschen allein auf der Welt\nblieb den Alten in den Schnabel und warf\nihn nach Sonnenuntergang voll Wut auf den\nGipfel eines hohen Berges .. . Ein riesiger\nKampf entbrannte dort zwischen ihnen und hielt\ndie ganze Nacht hindurch bis Tagesanbruch an,\nals Grummer besiegt sich bereit erklärte\ndie ganze verschlungene Literatur zurückzu-\ngeben.\nEr spie sie aus in Algazy’s Hände . . . Aber\nder Alte, in dessen Unterleib die Fermen des\nverschluckten Bläschen gärten, begann die\nSchauer der zukünftigen Literatur zu erwecken\nund fand, daß alles was man ihm anbietet zu\nwenig und veraltet sei . . .\nAusgehungert und da sie nicht imstande waren,\nin der Dunkelheit jene ideale Nahrung zu finden,\ndie sie beide so sehr benötigten, nahmen sie\nden Kampf mit verdoppelten Kräften auf. Unter\ndem Vorwand nur zu kosten, um sich zu ver-\nvollkommnen und besser kennen zu lernen, be-\ngannen sie, sich mit immer wachsender Wut\nzu beißen. Indem sie einander langsam auf-\nzehrten, gelangten sie zum letzten Knochen.\nAlgazy endigte früher.\nNachruf\nAm anderen Tage konnten die Vorbeigehenden\nin einem Graben, vom Regen weggespült, einen\nRest von Stacheldraht und einen übelriechenden\nSchnabel aus Holz sehen. Die Behörden wur-\nden verständigt, aber noch bevor diese an dem\nTatort angekommen waren, erschien ganz un-\nerwartet eine von Algazy’s Frauen, die die\nGestalt eines Besens hatte und zwei- dreimal\nhin und herfahrend kehrte sie rechts und links\nalles in den Mist.\n* *\n*\nAlgazy & Qrummer ist die ehemalige Firma\neines Geschäftes von Reisetaschen, Geldtäsch-\nchen usw, in der Hauptstadt, eine Firma, die\nheute unter einem einzigen Namen besteht.\nAuf jeden Fall erlauben wir uns zu glauben,\ndaß die Namen von Algazy oder Grummer,\nnach den Vorstellungen, die sie durch ihre\nspezifische Melodie - das Ergebnis des wohl-\nklingenden Eindruckes im Ohr erwecken,\nmit der Dynamik und dem Inhalt dieser zwei\nsympathischen und vornehmen Bürger schein-\nbar nicht übereinstimmen, wie wir sie aus der\nWirklichkeit kennen.\nWir erlauben uns weiter oben dem Leser zu\nzeigen, wie ein Algazy oder ein Grummer hätte\nsein können oder sein müssen „in abstracto“,\nwenn sie nicht durch einen Zufall erschaffen\nworden wären. Ein Schicksal, das ganz und\ngar nicht beachtet, ob die Gegenstände der\nSchöpfung in der Gestalt und in der Bewegung\nmit dem Namen übereinstimmen, den man\nihnen geliehen hat.\nWir entschuldigen uns bei den Herren Algazy\n& Qrummer wegen der Bemerkungen, die wir\nuns weiter oben erlaubten; wir machen dies\naber schon aus dem Wunsche heraus, ihnen\nzu dienen.\nEs scheint, daß nur ein einziges Heilmittel\nmöglich wäre: entweder, daß jeder von ihnen\neinen anderen Namen findet, der ihrer persön-\nlichen Wirklichkeit mehr entspricht. Oder daß\nsie sich selbst ändern sollten solange es noch\nZeit ist, als Gestalt und als Rolle, nach der\neinzigen Aesthetik der Namen, die sie tragen,\nwenn sie diese noch bewahren wollen."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.14", "texte": "S. 0. S.\nB. Fondane\nJe t’offre ö mon amie ce poeme de neige\n5i tu voulais chauffer les petits pieds Norvege\nCes cheveux sont ä toi tuy souris ma mere\nTon sourire ferait le bonheur de la mer.\nJ 1 ne me reste rien que l’ocean de laine\nLa reine de ses mains pourra tuer le renne\nLe sang gifle en passant le chaos primitif\nJe hais les glaces qui me retiennent captif\nque fait Fange qu’un vent attache aux cordes seches\nta peau en sei marin que le souvenir leche\nmon ami mon ami on rajeunit si peu\ndes bras desesperes ont flotte puis des yeux.\nChassons jusqu'oü la vie crie au secours s’enfonge\ntais-toi tais-toi chanson de l’homme qui renonce\nsi la beaute se meurt qu’elle se meure d’art.\nLes fanaux ont crie dons le sang des trottoirs\ntant pis! tant pis! pour le bateau que se detache\nSauve qui peut! Le ciel met se cravate blanche.\n\nStiliziertes Interieur\nRaul Julian\nDie Nacht geht zu Ende wie ein Stück Holz\nim Kamin.\nDie Harfen der Dunkelheit, Schleppnetz für\ndie Elfenbeinstatuen aus dem Salon der\nErinnerungen, schmolzen unter der Asche\nvon Gold, der Stimmen vom Mond.\nDie Jahre, diese Knöpfe herabgefallen vom\nKleide der Zeit, graben sich ein in das\nFleisch vom Schalten.\nDer Spiegel der Zukunft, das Auge innen\nhat mit einem Rubin die Kohlen durchbohrt,\nSpuren vom gelben Tode des Knochens, das\nSkelett gehört dir und du wirst nicht über\nden Zaun der Unendlichkeit schreiten.\nDer Schlafrock aus Ebenholz, Ruhe des\nSelbstmörders, bleibt dir im Betasten und\nim Wunsch.\nEs stürzen die Wände der Luft zusammen,\ndie Planeten tönen ehern, losgekettet vom\nGleichgewicht, die Venen des Globus röten\ndas Chaos,\nAm Teich des Himmels, entfernt, schwimmt\ndie Seerose, die Phantasie vom Blut deines\nMundes.\nDie weihen Finger vom Blicke trösten mir\ndas Gesicht der Seele.\nJa. Und in der Pirouette von Rauch durch-\ndampft der Kreidemund der Nacht das\nFenster der Träume."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.15", "texte": "Reise\nAl. Dimitriu-Pausesti\nDie Locken der Sonne ließen sich herab auf’s Tal,\nDiese Bulldogge scheint ein englischer Lord zu sein,\nAuf den Gesichtern entzünden sich Korallen jedesmal,\nDie Stunden flechten sich in’ Miltagslicht hinein.\nDein Lächeln eine Yacht am Augenhorizont,\nDie Wünsche sind Konturen von dem antiken Meer,\nDie Flasche der Gefühle entkorkt sich schäumend, blond,\nEisvögel bilden in der Luft Verlobungsringe hehr.\n\nEröffnung\nA. Zaremba\nDie Erde verwest,\nsie schwitzt in den Poren der Täler.\nDie Zauberstäbe der Blumen\nerhalten die Orchestration des Feldes.\nDie Antennen der Sonne\nsammeln die Ueberbleibsel der Nacht.\nBeseelt vom Maul der Kühe\nwiegt sich der Mühlbach wie ein Netz.\nDie Pfeile der Vögel\nmachen sich los vom Netz der Wälder.\nDie Seide der Fußsteige\nwickelt sich ab von der Spule der Bäume.\nDie Katzen der Pausen\nspinnen das Epheu des Lichtes."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.16", "texte": "Mittags-Synkope\nRudolf Meissner\nGedankenstriche sind.\nDann entstehen Bäume und Steine, Chaussee-\ngräben, ein blauer Gartenzaun.\nUnd es sind noch mehr Gedankenstriche.\nIch komme aus dem Dom des Morgens, in\ndem ich singen konnte, und wandre dem\nsanften Abend zu. Aber der Mittag ist nur\nein horizontales Sattsein, das den Wald in\nseine Fläche saugt und die Dorfkirchtürme.\nIch habe das elastische Schreiten der Frühe\nverlernt. Mein Gewicht konzentriert sich in\nden Füßen und in den Fingerspitzen.\nAm Rande der Ebene formulieren Baum-\ngruppen Buchstaben, die mich belügen. Als\nKind besaß ich Baumgruppen auf kleinen\nhölzernen Sockeln. Die konnte ich hinstellen\nwo ich wollte. Und wenn der Vernichtungs-\ntrieb mich zwang, eine davon zu verbrennen,\nkam ich nicht ins Gefängnis.\nMücken sind Seiltänzer auf dem Faden eines\nSpinngewebes. Auch dies sind Täuschungen.\nIch werde heute Nacht auf seideknisternden\nLaken schlafen, weinschwer. Dame Tora er-\nwartet mich. Ich bin der luxuriöse Vagabund\nund mein Hemd ist kaum zerrissen. Dame\nToras Tanzgestalt schwebt streichelnd in\nmeine Nerven. Und vermag nicht, den\nSchmerz zu lindern.\nIch leide am Vorhandensein des Mittags.\nMittag ist wie Mitternacht: Traumsein. Um\nMitternacht verlösche ich um dem Traumsein\nEntfaltung zu gewähren im Raum meiner\nExistenz. Traum stürzt aus allen Himmeln\nin diesen Raum.\nAm Mittag verlösche ich nicht! Meine Selbst-\nbehauptung gegen den Mittag drängt, daß\nich ein Tun ergreife.\nIch begegne dem Schweinehirten und frage\nihn, ob ich ihm helfen darf. „Waren Sie\nschon einmal in Paris, Herr Schweinehirt?“\n„Haben Sie schon einmal eine Oper\ngehört?“ „Zürnen Sie nicht, junger Hirt,\ndaß ich dies frage. Sie würden das nicht\ntun. Denn Sie sind weise genug. Leiden\nSie etwa am Vorhandensein des Mittags?\nSie liegen wortlos da und zufrieden, eine\nButterblume in den Zähnen. Sie haben\nimmer auf die Verzückung verzichtet um sich\nden Schmerz zu ersparen. Sie sind jetzt\nversunken in die horizontale Sattheit des\nMittags. Und sind Ihren eigenen Traum-\nbildern nicht im Wege. Es ist vernünftig,\ndamit einverstanden zu sein, daß die\nTräume des Wachens unorganisiert bleiben.\nEs ist bequem. Nehmen Sie noch ein Stück\nSchokolade, junger Hirt? Verzeihen Sie,\ndaß ich es Ihnen zumute. Schokolade ist\nGift für Sie. Die Herstellung hat die\nSchokolade mit Maschinerie behaftet. Die\nMaschinerie riss die Erde aus der Zeit und\ngebar eine neue abstrakte Dimension für\nden morgigen Tag der Erde. Mein Vaga-\nbundentum ist bereits benagt von Schokolade\nund künstlichem Licht. Aber ich fühle, daß\nes noch nicht tot ist: ich streite noch mit\ndem Vorhandensein des Mittags.“\nDer Hirt legt sich weiter weg von mir. Ich\nglaube, meine Rede stürzt auf ihn wie Wahn-\nsinnsstrom. Obwohl unsere Hände sich be-\nrührten, als wir Schokolade aßen, und unsere\nSinne einander wahrnahmen, ist der Hirt\nzweitausend Jahre und ich bin achttausend\nJahre nach Adam geboren. Mein Wahnsinn\nverhält sich zu dem Wahnsinn des Knaben\nwie vier zu eins. Und in diesem Verhältnis\nist es ihm leichter, seinen Herzschlag mit dem\nHerzschlag der Erde in Rhythmus zu bringen."}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.17", "texte": "Zurückruf der Gedankenstriche, die wohl-\ntuender sind als die Worte. Und neues\nSpiel mit den Strohdächern der Bauern-\nhäuser. Aber auch die Strohdächer und\nkleinen Schornsteine sind Worte. Ich will\ndie Worte einfach aus dem Urquell\nquellen lassen, die nicht ungöttlich sind.\nHirte brennt Erdenbrunst\nGras girrt\nGeist Wandrer gärt\nGlashaft klirrend\nIn des Mittags Fettheit\nZersplittert\nZerflattertes Ich\nZwischen Zeichen der Ebene\nIn Billionenzahl.\nDie Transformation in meinem Gehirn gibt\ndem Klang die Gezacktheit. Denn ich\nwehre mich gegen das Unpersönliche des\nUrwo r t s .\nIch wandre um die Schweineherde. Die Erde\nwurde mir zum Umwandern zu klein, die son-\nnenübergossene, sonnenverschüttete. Herr-\nlicher ist die Erde der Nacht, frei in den\nBahnen des Milchstraßensystems. An der\nEnge des Sonnenstrahlenraumes leide ich.\nSteige ich wie der Hirt in des Mittags Unter-\nwelt. Gräser schlagen ihre Ähren über\nmeinem Gesicht zusammen. Ich bin hinge-\nstreckt. Zerreiße die Fasern des Blattes.\nIn der Schule spricht ein Professor vom\nProtoplasma der Zelle. Das sich mannig-\nfaltig bewegt. Das die Vollkommenheit der\nPflanze regiert. Und die Geschlechterfolge\nbestimmt. Ich vergrößere die Erde nach der\nUnterwelt hin. Und schenke Gott den neuen\nNamen Grashalm. Zerteile den Protoplasma-\nTropfen in ein Elektronen-Weltall. Und\nschenke Gott den neuen Namen Molekül.\nSiehe, Siebeneinigkeit der Atome.\n„Stören Sie mich nicht, Hirtenknabe. Essen\nSie lieber Schokolade. Gehen Sie in die\nOper!“\nIch schaue auf dem Elektron-Planeten Oe ein\nVolk von Hirtenknaben, das sich nach einem\nFunken Wahnsinn sehnt. Sie nehmen mein\nGesicht wahr, greifen es, nageln es fest auf\nder Oberfläche von Oe, nageln mein Gesiebt\nimmer wieder, immer wieder an die Wände\nhinter Altären. Sie erleben ekstatisch den\nFunken Wahnsinn, den das Auge meines\nBildes ihnen schenkt. Mein Gedanke gab\ndem Planeten Oe die Religion eines Jahr-\nzehntausends.\nGroß steige ich aus der Tiefe des Atoms.\nStehe groß über der Schweineherde. Wachse\naus dem Atom über die Erde hin. Schon\nliebe ich den tiefengreifenden Sinn der\nMittagsschwere. Meine Flügel fassen in den\nbeginnenden Wind, mein Schnabel packt\nBuche, Schwalbenschwarm, Schnitterschar.\nO aber wieder fällt Gewicht in meinen\nlangsameren Fuß. Ich erkenne, daß es\nmeine Arme sind, die ausgebreitet wehen.\nDie strahlenspendende Hand verstummt.\nGedankenstrich Gedankenstrich Stirnhärte\nGedankenstrich.\nEs entsteht ein roter Gartenzaun.\nIch werde Tanzgestalt Tora fragen, ob meine\nVision und meine Gabe an das untere\nWeltall Wirklichkeit waren.\nUnd die Antwort wird nur Gespräch sein,\nin dem unschöpferischen Gedankenkreis."}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.18", "texte": "Jonny Gugru\nRudolf Meissner\nJonny wandert um zwanzig- Uhr.\nDie Nerven, die die lebenden Bilder der\nNetzhaut an das Gehirn drahten, reagieren\nnur noch auf das Bild:\nStraße.\nBäume und Rummelplätze verschwinden am\nRande der Netzhaut.\nDas Gehirn, das automatisch Worte formt,\ndie der Wandernde traumhaft fühlt, wieder-\nholt tausendmal das Wort;\nStraße zerhobelt das Lied! Straße zerhobelt\ndas Lied!\nJonny erschrickt: Alle Straßen, die mein\nFuß berührt, wandern in diese Stunde hinein,\nweil nichts Lebendigeres sie erfüllt.\nJonny zählt die Fliesen des Bürgersteigs.\nSie sind schräg gelegt, sechs in jeder Reihe.\nWenn man Phantasie hat, kann man auf dem\nTrottoir viele schöne geometrische Figuren\nsehen. Schade, daß die Fliesen nicht bunt\nsind und nicht aus Marmor.\nJonny klopft an Metas Fenster. Sie nimmt\nihre Samtmütze in die Hand und begleitet\nJonny. Sie wandern um einundzwanzig Uhr.\nDie Normaluhr existiert oft, ist ein kraftvolles\nWesen. Hypnotisiert: einundzwanzig Uhr;\neinundzwanzig Uhr fünf.\nJonny sagt: „Vielleicht haben wir im nächsten\nJahr soviel Geld um uns eine Hütte am\nScharmützelsee zu bauen.“\n„Wenn du lieben könntest, Jonny, wärest\ndu glücklich ohne Scharmützelsee.“\n„Dummes kleines Mädchen!“\nMeta schilt nicht. Sie ist auch nicht gekränkt.\nJonny zeigt auf einen Laternenpfahl. „Ich\nwill einen Tag lang die Seele dieses Laternen-\npfahls sein. In den Büchern muß ich den\nWeg erforschen, der meinen Geist zur Ver-\nsenkung führt in jeden Gegenstand, in jeden\nLaternenpfahl. Das Erlebnis, etwas zu be-\ndeuten, eine Straße zu beleuchten, einen\nscharfen Schatten zu verschenken an sieben-\nzig Passanten, raube ich der Gaslaterne, die\ntot ist und von dem Raub nichts weiß.“\n„Warum sucht deine Seele in die Ferne?“\n„Seit es meine Gewohnheit ist, über die Emp-\nfindungen meiner Menschen hinwegzuschrei-\nten, ist meine Seele heimatlos.“\nMusik brandet auf die Brücke zu. Das\nMädchen ist begierig zu schauen. Jonny\nund Meta setzen sich auf das steinerne\nGeländer neben den Cupido.\nMusik führt Demonstranten zur Brücke.\nDies sind Arbeiter und ihre Frauen. Ein\nGesicht wächst aus ihrer Gemeinschaft, ein\nhochstirniges, strenges, würdiges.\nJünglinge, in hellen Kitteln, mit mähnigem\nHaar, erstampfen im Taktschritt den Rausch\nfrohen Hochgefühls. Männer voll Ethik\ntragen den Dank an den Führer zum De-\nmonstrationsplatz.\nJonny umfaßt alles mit einem neidischen\nGefühl.\nDie Frauen haben Markttaschen mitgenom-\nmen, die Abendbrotpakete und Malzkaffee\nin Thermosflaschen enthalten. Andere haben\nKind und Hund auf dem Arm, Der Führer\nauf dem Demonstrationsplatz wartet auf den\nGruß und auf den Jubelstimmensturm einer\nVölkerwanderung.\nEin altes Mütterchen tritt aus der Reihe,\num den Strumpf im zerrissenen Schuh zu-\nrechtzurücken. Beim Nacheilen stolpert sie.\nJonny darf ihr helfen."}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.19", "texte": "Meta ruft; „Marschieren wir ein Stück mit\ndem Zug.“\nWas die tausend Wallfahrer zusammen-\nschweißt, berührt auch Jonny. Es ist nur\nein Antasten. Denn Jonny marschiert neben\ndem Zug, auf dem Bürgersteig. Die Wärme\ndes Eins zwingt ihn, Metas Hand zu fassen.\n„Es ist gleich, ob der Führer die Dornen-\nmale des Christus auf der Stirn trägt, oder\ndie Narben der Schlacht, oder ob Gefangen-\nschaft ihre gespenstische Farbe auf die harte\nStirn zeichnete. Wehe dem, der die Rela-\ntivität der Dinge erfuhr. Denn der ist ohne\nPulsschlag.“\n„Du frierst, Jonny.“\n„Ich bin organisiert in der Partei der\nfrierenden Laternenpfähle und in der Partei\nder spottenden Götter. Mein Gesicht unter-\nscheidet sich von den Gesichtern der anderen.“\n„Du bist stolz darauf.“\n„Und traurig, Meta.“\nNun entzünden sich Fackeln. Das Flackern\nreißt die Fassaden aller Häuser mit in die\nBewegung. Das Lied, das gesungen wird,\nmag die Marseillaise sein, oder „Brüder, zur\nSonne, zur Freiheit“. Jonny hört es halb,\ner träumt von Barrikaden, von verblutenden\nKnaben, auf die die Mütter weiße Rosen\ndecken.\nEr biegt ab in die leere tote Gasse, zieht\nMeta mit sich.\n„Ein Diebstahl, Mädchen, daß wir uns tragen\nlassen von fremdem Rausch. Ich suche nur\nmich. Geh heim, ich werde mich in ein\nleeres Cafe setzen und das Spiegelbild\nmeines Gesichts in den Wandspiegeln des\nCafes suchen. Geh, Meta.“\nJonny wandert um dreiundzwanzig Uhr.\nDie Lippen flüstern: Mondlicht zerstreift\nden Himmel. Mondlicht zerstreift den\nHimmel.\nJonny denkt: Ich kann mich nirgendwo ent-\ndecken. Ich bin zu klein, um gesehen zu\nwerden ohne Lupe.\n\nSüdsee\nMax Breuel\nschwarze fische ziehen kreise\nsilber perlen sprudeln blasen\nquallen\nblaßgrün blau und golden\nfallen\nweiten\ngleiten sacht\nund stehn gelassen\ndreht ein kork im Strudel leise\nsonne gleist durch purpurne korallen\ndunkle taucher\nsinken\ntasten\nhaie schrecken sie empor\nrunde äugen starren vor\nnach dem boote hastig hände krallen\nverborgen\nschlafen wunder weiter hinter matten schalen"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.20", "texte": "Bauernhochzeit\nIwan Mileff"}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "105", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.21", "texte": "Das große\nSprechchorwerk\nfür alle Antikriegsveranstaltungen\nDIR KRIEG\nEin Chorspiel von Karl Vogt\nPreis 80 Pf.\nVerlag Der Sturm / Berlin W 15\nBeziehbar durch jede Buchhandlung\nDer Leiter des Sprechchors der Volksbühne\nBerlin schildert in seinem Werk die Voraus-\nsetzungen jedes Krieges, die grauenhaften\nStationen des letzten und das Ende des\nnächsten: die Katastrophe des Giftgases.\n\nDas Buch\nvom Lied der Völker\nEd. Schott Nr. 1392\nM. 4.\nEin neuer einzigartiger Band, der dem\nmit dem fremden Volkslied noch weni-\nger Vertrauten eine vollständig neue\nWelt von unerhörtem Reichtum erschlie-\nßen, dem Andern aber eine vortreff-\nliche Einführung in die große Samm-\nlung „Das Lied der Völker sein wird.\nCa. 100 der schönsten Melodien\naus dem Liedgut aller Völker Europas\n(Rußland, Skandinavien, Ungarn, Balkan,\nItalien, Spanien, Frankreich, England usw.)\nfür Klavier\nleicht spielbar bearbeitet\nmit übergelegtem Text von\nHEINRICH MÖLLER\nselbst aus seinem monumentalen zwölf-\nbändigen Sammelwerk zusammengestellt,\nln besonderem Heft sind dem Band d i e\nvollständigen Texte der Lieder\nbeigegeben.\nB. SCHOTTS SOHNE - MAINZ UND LEIPZIG"}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "106", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.22", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann Berlin W 15 / Verlag Der Sturm G. m. b. H.\nBerlin Wl5 Kurfürstendamm 173 / Fernruf J 2 Oliva 5072 / Postscheckkonto Berlin 120658\nDruck: Vereinigte Druckereien Andermann & Schindler Berlin W3O Münchener Strasse 49-50\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt / Erfüllungsort Berlin-Mitte\n\nREPERTORIO HEBREO\nREVISTA lENSUAL ILUSTRADA DE GULTURA\nLITERATURA / ARTE / CRITICA\nE INFORMACION\nDIRECTOR:\nMIGUEL BEN-TZVI ADLER\nREDACCION Y ADMINISTRACION\nCalle Negreiros 567 (Altos)\nAPARTADO DE CORREO 1925\nLIMA-PERU\nSüd-Amerika\nAbonnement $ 2\n\nBesuchen\nSie den Sturm-\nLeses a a I !\n150 in- und ausländische\nZeitschriften! / Tageskarte\neinschl. 1 Tasse Kaffee oder Tee\n50 Pfennige. Gelegenheit zu\nBridge, Schach etc. etc.\nModerne\nBücherei/Buch-\nverlei h\nBerlin W 15\nKurfürstendamm 173\n\nMEYERS LEXIKON\nDie neue, siebente Auflage in 12 Halb-\nlederbänden wird Sommer 1930 voll-\nständig® sein und 363 RM. kosten\nMEYERS LEXIKON\nverbindet zeitgemäß knappe Fassung\nund Übersichtlichkeit mit größter Reich-\nhaltigkeit in Text, Bildern und Karten\nMEYERS LEXIKON\ngibt auf jede Frage sofort unfehlbar\nrichtige Antwort und ist der zuver-\nlässigste Berater in jeder Lebenslage\nMEYERS LEXIKON\nersetzt eine umfangreiche Bücherei\nund ist deshalb billig. Bequeme Teil-\nzahlungen erleichtern die Anschaffung\nMEYERS LEXIKON\nist durch jede Buchhandlung zu beziehen.\nAnkündigungen mit Bezugsbedingungen\nkostenfrei.-. Bestellen Sie noch heute\nMEYERS LEXIKON\n\nW. Marzillier & Co., Berlin W\nGrüne waidstraße 14-15\nHofspediteur S. M. des Königs von Spanien\nGegründet 1854 Gegründet 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Verpackung u. Lagerung\nvon Gemälden u. Kunstgegenständen jed. Art, Lieferung\nund Empfang nach und von allen Kunstausstellungen\ndes In- u. Auslandes, Transportversicherungen aller Art\nSpediteure desWirtschaftlichenVerbandesßildender\nKünstler / der Secession / des Verbandes Deutscher\nIllustratoren und Hausspediteur des „Sturm“"}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.23", "texte": "Verlangen Sie bitte ein Probeheft!\niiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHMiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii\nZum Verständnis des modernen kulturellen und politischen\nLebens unentbehrlich ist die Lektüre der Zeitschrift\nSozialistische Monatshefte\nHerausgeber Joseph Bloch\nPreis pro Quartal 3 Mark, Einzelheit 1 Mark\nVorzugsausgabe (auf besonders schönem Papier) pro Quartal 6 Mark, Einzelheit 2 Mark\nDie Sozialistischen Monatshefte sind stets bestrebt, die Stellung, die sie in unserem öffentlichen\nLeben errungen haben, durch ihre gewohnten Darbietungen, die die Aktualität des Tages in die\nSphäre wissenschaftlicher Vertiefung zu rücken suchen, und durch ständige Erweiterung ihres Inhalts\nzu behaupten und zu befestigen.\nDie Sozialistischen Monatshefte sind die einzige deutsche Zeitschrift, die eine systematisch\ngegliederte Rundschau über öffentliches Leben, Wissenschaft, Kunst und Kultur bringt. Einem\njeden wird dadurch eine fortlaufende Orientierung über die einzelnen Gebiete ermöglicht. Die\neinzelnen Rubriken (33 an der Zahl) werden von Fachleuten bearbeitet.\nProbehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Dem Unterzeichneten Verlag ist\ndie Mitteilung von Adressen willkommen, an die die Zusendung von Probeheften Tätlich erscheint.\nVERLAG DER SOZIALISTISCHEN MONATSHEFTE\nC. M. B. H. BERLIN W 35\n\nDr. WALTHER ROTHSCHILD :: BE RU N-G RUNEWALD\nEs erschien:\nDer Prozess des Hauptmanns Dreyfus\nvon Dr« Bruno Weil\nI. bis 3. Auflage. VIII-j- 258 Seiten Oktav. Brosch. 4,80 M. geh. 6,40 M.\nDer Berliner Anwalt Dr. Bruno Weil, einer der besten deutschen Kenner des französischen Rechts,\nhielt vor kurzem einen Vortrag über den Prozess des Hauptmanns Dreyfus im grossen, bis auf den\nletzten Platz gefüllten Saal der Singakademie. Sensationelles Echo in der deutschen Presse, in der\nWeltpresse. Von vielen Seiten gebeten, legt der Verfasser jetzt seine Ausführungen in erweiterter Form\nals Buch vor. Weshalb erwuchs hier die Affäre Dreyfus zu neuem Leben? Zum ersten Male wurden\nhier auf Grund der* zur Hauptsache in der „Grossen Politik der Europäischen Kabinette“ veröffent-\nlichten Akten des deutschen Aussenministeriums und der französischen Gerichtsakten die Stellung-\nnahme der deutschen Regierung und ihrer Organe aufgezeigt. ZIIRI ersten Male die Rolle der\ndeutschen Vorkriegsdiplomatie klargelegt, wobei 'des Fürsten Bülow Charakterbild in völlig neuer Be-\nleuchtung erscheint. Zum ersten Male und nunmehr abschliessend das Rätsel dieses Falles gelöst,\nder die ganze Welt durch Jahre in Spannung gehalten hat.\nWiderhall der Presset\nTempo: . . • an Hand deutscher Akten neue Tatsachen.\nPrager Presse! . • . sensationelle Enthüllungen.\nVorwärts: ~ , die Rolle . . die Angehörige der\ndeutschen Botschaft in Paris . . .\nMat in : . . . die macchiavellistische Haltung des Fürsten\nBülow . • die einen tiefen Schatten auf seine Politik . ,\nPrager Tagblatt: , . . Es kommt alles an den Tag.\nMacchiavellistische Politik.\nBerliner Morgen-Zeitung: . , Einblick . . ~\nin die . . . Ste'lungnahme deutscher offizieller Kreise . •\nin das Gewirr von Intrige, Diplomatie und Spionage.\nFrankfurter Zeitung: , , . eine ganz neue Seite\nder Affäre • . , die Bolle, die in diesem Drama die deutsche\nBotschaft gespielt hat\nBerliner Tageblatt: , • . auf Grund neuen Mateiials\ndie Hintergründe der grossen Affäre ..."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193008-01.1.24", "texte": "Monatsschrift Der Sturm\n20. Jahrgang 7 Herausgeber: Herwarth Waiden\nDie führende Zeitschrift der Jungen und Jüngsten\nAlle Schriftsteller, Dichter und Maler von Weltruf wurden\nin der Zeitschrift Der Sturm zuerst veröffentlicht u. a.:\nOskar Kokoschka / Franz Marc / Paul Klee / Kandinsky\nAlexander Archipenko / Campendonk / Kurt Schwitters\nMoholy-Nagy / Gino Severini / August Macke / Albert\nGleizes ' Willy Baumeister / Johannes Itten / Louis\nMarcoussis / Fernand Leger / August Stramm / Mynona\n♦\nDer Sturm wird in 2 6 Staaten der Erde gelesen\nJahrgang: 12 Mark / Einzelheft: 1 Mark\nSonderangebot; 10 Probehefte aus verschiedenen Jahrgängen 3 Mark\nVerlag Der Sturm / Berlin Wl5"}]}