{"numero_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_sha256": "49d7df5db80e11c2f2579ac547f4d6b83fbdfde2b0653a1fafbe059d66ac1cb8", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1930/12_01/bmtnabg_1930-12_01.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1930/12_01/bmtnabg_1930-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c001", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "122", "image_debut": 5, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1", "titre_corps": "Alte Weisen", "titre_sommaire": "Alte Weisen", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1995, "texte": "Alte Weisen\n\nES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL\ndoch die es angeht sitzen auf den Ohren.\nSie haben scheinbar das Gehör verloren.\nSonst aber nichts. Sonst sind sie ganz normal.\n\nDER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS\nder wollte keine Pleite.\nDa das Geschäft mit Schwert und Spieß\nam Ende aber doch so mies\nhinausging, tat er einfach dies:\nER tat uns auf die Seife.\nUnd statt den Säbel in die Hand\ngab uns bedacht der Smarte\nund weil er schließlich wie bekannt\nnicht Knechte will im Vaterland\nzu unserm Recht als vierter Stand\ndie graue Stempelkarte.\nNach diesem sprach der gute Mann\nund ließ die Herzen rühren:\nLaßt stempeln, was nur stempeln kann,\nwer nicht mehr kann, der soll sodann\n(rasch tritt der Tod den Menschen an)\nes tut mir leid krepieren.\nUnd es begab sich Jahr um Jahr,\ndaß viele daran starben.\nUnd für (wenn auch nicht wunderbar,\nwie das im Krieg die Falle war)\ndes Vaterlandes Hochaltar\nund für die heiligen Farben.\nUnd für die andern, die da satt\nin ihren Sesseln schlafen\nund für das Denkmal einer Stadt\nund für die nächste Menschenmahd\nund dann für IHN, der auch nichts hat,\nals euren Tod ihr Braven.\n\nFLAMME EMPOR, FLAMME EMPOR!\nWärme mit loderndem Scheine\nstatt die Gebirge am Rheine\nunsre Mansarden zuvor.\nHeilige Glut, leuchtender Brand\nröste auf deinen Altären\nBrot, um dein Volk zu ernähren\nnicht aber uns und das Land!\n\nIST ALLES DUNKEL, IST ALLES TRUEBE\nin einem Haus, wo arme Leute sind.\nSie haben einen Gott, den Gott der Liebe,\nund ebendrum fast jedes Jahr ein Kind.\nSie leben draußen bei den Unratheiden\nund modern auch und sind nicht mehr als der.\nSie haben einen Gott, den Gott der Leiden,\nund fühlen nicht und wissen nicht, wie sehr.\nSie zeugen unentwegt und wie die Affen,\nob sie zu fressen haben oder nicht.\nDenn Kinder sind nach einem Wort der Pfaffen:\nein Segen Gottes und des Christen Pflicht.\nSo wächst der Segen Gottes auf in Stuben,\ndie feucht vor Elend sind und schwarzer Pest.\nSo lebt er hin am Rand der Unratgruben,\nwo man ihn schließlich auch verrecken läßt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2442, "texte": "DIE BANGE NACHT IST NUN HERUM\nwir sitzen still, wir sitzen stumm\nund spielen etwas Karten.\nAuch frieren wir im Morgenwind,\ndaheim verhungern Weib und Kind\nin elenden Mansarden.\nUnd jeden Morgen ist das so,\nund jede Nacht, die anderswo\ndie sanften Schwingen breitet.\nUnd jede Nacht ist etwas los\nund sei es, daß der Hunger bloß\nein Kind zuschanden reitet.\nUnd jeden Morgen ist das gleich\nund manche singen butterweich\nvor Elend dunkle Psalter.\nSo stempelt man sich langsam ein,\nes hat nicht anders sollen sein\ndann öffnen sich die Schalter.\nUnd wenn die Woche so verrinnt\nund wir schon fast gestorben sind,\nwill uns der Staat belohnen.\nEr gibt uns dreizehn ganze Mark,\ndas reicht noch nicht für einen Sarg\nnoch weniger zum wohnen.\nDann geht man hin in ein Lokal\nund denkt, es ist das letzte Mal,\ndaß man das Geld vertue.\nDann trinkt man glatt auf Weib und Kind\nund brüllt; Herr, wenn sie hungrig sind,\ngib ihnen ewige Ruhet\nUnd wenn man heimgeht ist es Nacht,\nund wenn man vor dem Haus erwacht\nwill man so gerne sterben.\nMan hat ein trauriges Gemüt,\nman weint vielleicht, vielleicht ein Lied\n„. . . bringt meinem Kind die Scherben . .\n\nWIR ZOGEN IN DAS FELD\nund starben für das Vaterland\n(in Wirklichkeit für Ungenannt\nund für desselben Geld).\nTeils kamen wir nach Haus\nund fanden unsre Truhen leer\nund auch die Liebe war nicht mehr\nDa kannten wir uns aus.\nDa hatten wir kein Brot\nund hatten keine Arbeit nicht\nund starben noch einmal und schlicht\nden braven Heldentod.\nTeils wurden wir nur krank.\nDa gab man uns ein halbes Jahr\nelf Mark im Monat. Dann war’s gar,\nund dieses war der Dank.\nUnd jetzt hat man erkannt,\ndaß man dem Staat im Wege steht,\ndas heißt: man merkte es zu spät,\ndaß man im Wege stand.\nWir zogen in das Feld\nund starben für das Vaterland\n(in Wirklichkeit für Ungenannt\nund für desselben Geld).\nDeutschland, Deutschland\nüber alles,\nüber alles\nin der Welt.\n\nICH HAB’ MEIN’ SACH’ AUF NICHTS\nGESTELLT\nin diesem Fall auf mich.\nDenn ich bin nichts in dieser Welt\nund hab’ mein’ Sach’ auf mich gestellt\nund gehe auf den Strich.\nMein Vater, der ist arbeitslos\nund lebt, wie man so sagt,\nnun eben auch von meinem Schoß\nmein Vater, der ist arbeitslos,\ndoch ich bin noch intakt.\nDas ist das Gute in der Tat,\ndaß man im eignen Bauch\ndas eigene Geschäft schon hat.\nDas ist bestimmt in Gottes Rat\nmein Vater sagt es auch.\n\nBRÜEDER REICHT DIE HAND ZUM\nBUNDE\nandre tun es auch und wie.\nUnsereinem schlägt die Stunde\nohnehin ja niemals nie."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2081, "texte": "Wir sind frei und arbeifs—lose\nSchäker, die im Schaffen ruhn.\nWährend prominente Große\nmanche Schritte für uns tun.\nWas sie schaffen, freilich bliebe\nbesser in Verborgenheit.\nDoch wer macht nicht mal (aus Liebe)\nauch in Arbeitslosigkeit.\nWenn sie nur recht wacker reden,\nwas sie reden bleibt egal.\nSie sind da uns zu vertreten\nlauf Gesetz und auch laut Wahl.\nDaß sie hierfür ihre eignen\nSäcke füllen und dabei\nsich von uns am kann man leugnen,\ndoch man sagt, daß das so sei.\nWeil von ihnen nämlich jeder\nallerhand im Trocknen hat\nals ob diese Volksvertreter\nnicht auch lieber reich sind statt\nso dahin zu vegetieren,\nso wie ich und der und du,\nwenn sie (wer will protestieren)\ndoch mit unsrer Not hausieren\ndenn wir sind zu dumm dazu.\n\nMORGEN MUSS ICH FORT VON HIER\ntut mir leid, auf Ehrel\nDa ich nämlich (schrieb man mir)\nausgesteuert wäre.\nAusgesteuert aber ist:\nMensch, nu kannsfe gehenl\nWenn du ohne Arbeit bist,\nmußt du eben sehen.\nDu hast jetzt ein ganzes Jahr\nbrav am Staat gezogen.\nWenn du weif erzögst, nicht wahr,\n(nämlich stempelnd und in bar)\nwäre das betrogen.\nWas man konnte, ist getan.\nDenn man kann nicht immer.\nSehe jeder, wie er kann\nmit dem Herrn fang alles an.\nAndern gehts noch schlimmer.\nAndre haben Weib und Kind.\nDu bist unbeschweret\nund so frei wie Vögel sind,\ndie der Himmel nähret.\nDu kannst gehen, wie du bist,\nund in Gottes Namen.\nAusgesteuert aber ist\nausgesfrichen. Amen.\n\nES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL\ndoch die es angeht sitzen auf den Ohren.\nSie haben scheinbar das Gehör verloren.\nSonst aber nichts. Sonst sind sie ganz normal.\nDer Schrei nach Brot ist groß und allgemein.\nDoch denken manche: wenn wir uns nicht rühren,\nwird sich der Donnerhall im Dreck verlieren\n(wer lange hungert, geht allmählich ein).\nUnd manche sind, die sagen noch ganz kalt:\nDer Plebs kann ruhig vor die Hunde gehen\ndaß wir zu zahlreich sind, wird jeder sehen,\nund wer nicht leben kann, der sterbe half.\nDas Volk sei schuld und noch und noch.\nUnd viele sind, die sagen unverfroren:\nWER war im Krieg und WER hat ihn verloren?\nDER PLEBS na also . . . noch da hammers doch!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2479, "texte": "DIR MOECHT ICH DIESE LIEDER\nWEIHEN\ngeliebtes deutsches Vaterland\ndoch aus besondern Gründen seien\nsie diesmal andern zuerkannt.\nDu hast so viel von diesen Dingen\nund eigne Sänger noch dazu\nund daß sie momentan nicht singen,\nliegt ganz bei dir, und schuld bist du.\nWeil es und da ist nichts zu machen\nund dürfte dein Verschulden sein\nweil es noch wichtigere Sachen\nzur Zeit gibt als die Wacht am Rhein.\n\nIM TIEFEN KELLER SITZ ICH HIER\nbei minus drei im Schatten.\nUnd denke, warum soll ich mir\ndas vielbesungene Plaisir\nnicht auch einmal gestatten.\nZwar tu ich dies nicht ohne Zwang,\ndoch ohne Faß voll Reben.\nUnd auch nicht so wie man das sang\nund jedenfalls auch nicht sehr lang,\ndenn so ein Keller eben.\nWie halt nun einmal Keller sind.\nMan hat ein Dach im Winter.\nMan hat zwar auch ein bißchen Wind\nund Mauerschweiß, der dauernd rinnt,\ndoch andrerseits auch Kinder.\nUnd Rheumatismus hat man auch,\nnur Floffnung hat man keine.\nUnd wenn man atmet geht der Hauch\n(so kühl ist es) wie weißer Rauch\nan immergrüne Steine.\nDann hat man auch noch froh zu sein\num diese Wohnungssfätte.\nDa man laut Unterstützungsschein\nkein Recht und auch nicht irgendein\nBedürfnis darauf hätte.\nDrum ist man also froh und tut\nals ob man glücklich wäre.\nUnd spuckt zum Dank ein wenig Blut\nund mehret sich dem Staat zugut\nals wie der Sand am Meere.\nUnd sieht die Welt von u;nten her\nund hinter Loch und Gitter.\nUnd sieht hinauf und sieht noch mehr\nund trägt ein Haus und trägt es schwer\nund wird allmählich bitter.\nUnd kommt dabei auf dies und das\nund ähnliche Ideen.\nUnd trinkt Lysol und dreht am Gas\nund weint manchmal aus purem Haß\nund kann sich nicht verstehen.\nDoch spielt parterre ein Klavier\nwill man so gerne leben.\nMan hört ein Lied und lächelt schier\nund singt fast mit und fast wie früh’r:\n„. . . im tiefen Keller sitz ich hier\nund außerdem daneben . .\n\nPREISEND MIT VIEL SCHÖNEN REDEN\n(sich zunächst, dann die Partei)\nfragten sich, die uns vertreten\nauch: wie uns zu helfen sei.\nAeh! sprach der vom rechten Flügel\nund zog seine Äugen hoch:\nMeine . . . aeh . . . wenn man die Zügel\netwas . . . aeh . . . noch . . . fester noch\nKaum! gestand ein bleicher Priester:\nWird das gut sein . . . wie man sieht\ndieses Volk wird immer wüster,\nwenn man ihm noch mehr entzieht.\nNa! erwiderte da bieder\neiner von der Linkspartei:\nLassen wir es, bis wir wieder\neinmal tagen ruhig dabei.\nGut! rief da der Segenspender,\nund der Junker schrie geschwind;\nAn die Sender, an die Länder:\ndaß wir einig, einig sind!"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2172, "texte": "STEH ICH IN FINSTRER MITTERNACHT\n(wenn beispielshalber ich kein Obdach finde)\nvor neuen Kirchen, die man zahlreich baut,\nso wird in mir da drinnen etwas laut\nund werde ich dann jedesmal zum Kinde.\nUnd bete gläubig vor versperrten Toren:\nWeil wir nur Kirchen haben, Gott sei Dank!\nWie mancher wäre froh um eine Bank\nund viele sind sogar im Dreck erfroren.\nDie Kardinäle fahren teure Wagen,\n(da kostet einer vierzig tausend Mark,)\nwie mancher wäre froh um einen Sarg,\nund jeder muß sein Kreuz persönlich tragen.\nUnd einem Armen, der kein Obdach findet,\nschmeißt man die Türe vor der Nase zu.\nStarbst DU am Kreuz dafür, daß man uns schindet\nbeziehungsweise sind wir Armen DU?\nWarum baut man dann keine Nachtasyle\nstatt solcher Kirchen für den leeren Raum?\nDaß DU sie alle brauchst, das glaub’ ich kaum\nwir aber, HERR, sind obdachlos und viele.\n\nES FIEL EIN REIF IN DER\nERUEHLINGSNACHT\nund auch ein Schuß fiel dabei.\nDa sind zwei Schupos vom Schlaf erwacht\nund wollten sehen, was sei.\nWas sei und wie und warum und wo\nund ob wer wem was getan\nund auch wofür und wobei und so,\nund wenn tatsächlich; was dann!\nSie waren beide nicht sehr erbaut,\n(begreiflich, wenn man so knallt,)\nder Schlaf ist süß und das Schießen lauf\nund außerdem war es kalt.\nDoch gingen sie und in leiser Wut,\nweil man im Frieden nicht schießt,\nund so man dieses dennoch tut,\nein Fesfzunehmender ist.\nDann fanden sie in dem Park am See\nden Schuß, der gefallen war,\nund auf dem Reif wie auf weißem Schnee\nein engumschlungenes Paar.\nDas Paar war tot und zwar ganz und gar\ndas sah man ohne ein Licht.\nUnd etwas Blut rann aus blondem Haar\nauf ein (noch junges) Gesicht.\nUnd rann hinab auf die starre Hand,\nda war ein Zettel darin,\nund auf dem Zettel (kaum lesbar) stand:\n„Das Leben hat keinen Sinn“.\nWarum? das stand in dem Zettel nicht\nund auch der Mund der schwieg still.\nDoch lauf und scharf sprach das tote Gesicht:\nWeil man nicht verhungern will!\nDie Schupos gingen daraufhin stolz\nin ihre Wache zurück\nund meldeten stramm: am See im Holz,\nda liegen wieder zwei Stück.\nDie Zeitung schrieb über ihren Tod\nund wo und wie man sie fand.\nUnd schrieb: Ein Waffenverbot tut not,\nund schrieb: Motiv nicht bekannt."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1881, "texte": "EIN FREIES LEBEN\nFUEHREN WIR\nund sind vor allen Dingen\nnoch obendrein bezahlt dafür\nund brauchen kein Klosettpapier\nfür das, was wir vollbringen.\nWir säen nicht, wir stempeln nur\nauf Kosten aller Braven.\nWir rühren uns auch nicht die Spur,\nes sei denn, daß wir eine (zur\nVerdauung nur) beschlafen.\nWir essen toll, und bis wir satt\nund faul die Glieder strecken.\nWir sind das Äbschaumspräparat\nder Zeit, die keinen Gott mehr hat,\nund können nicht\nverehrte Herrn!\nWir werden es probieren.\nWir können vielleicht doch dann gern!\nUnd auch die Zeit scheint nicht mehr fern,\nwo wir uns revanchieren.\n\nDEUTSCHE WORTE HOER’ ICH WIEDER\nach, so wonnesam und traut!\nBeispielshalber: Sauerkraut,\nPleite, Putsch und Stempelbrüder\nach wie bieder . . . ach wie bieder!\n\nES STAND EINE LINDE IM TIEFEN TAL\nda sprach er von Liebe zu mir.\nEr war Sekretär und er trug meinen Schal\nund wurde sogar mit der Zeit mein Gemahl.\nDoch das war später und hier.\nDie erste Zeit war er wirklich nett.\nWir lebten nicht üppig, doch gut.\nEr brachte mir manchmal ein Blumenbukett.\nEr war Sekretär und er war auch adrett\nund tat, was man eben so tut.\nDoch dann wurde er von der Stellung geschaßt.\nDie Firma machte bankrott.\nDa fiel ich ihm langsam (ich weiß es) zur Last,\nich konnte nicht helfen und war ihm verhaßt\nund war ihm im Wege —< o Gott!\nDa sagte ich plötzlich und eben nur so\nals ob es das Einfachste ist;\nIch suche mir jetzt einen Platz irgendwo\nals Ladnerin oder in einem Büro,\nbis du wieder so weit bist.\nDa sagte er: jat Und er sagte: jawoll!\nUnd: geh nur und sehe nur zut\nDies Armenhausleben das wird mir zu toll,\nich habe vom Stempeln die Nase schon voll,\nwas ich kann, das kannst auch mal du!\nSo ging ich denn los und in eine Fabrik\nund gehe noch jetzt und noch lang.\nMein Mann sitzt zuhaus und verflucht sein Geschick\nund raucht Zigaretten (pro Tag vierzig Stück)\nund manchmal, da wird mir ganz bang."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1456, "texte": "Da macht er so Augen und zählt das Salär\nund wütet und öffnet das Gas.\nTrotzdem er ES will. (Denn mein Chef liebt mich sehr\nund seit dieser Zeit da verdiene ich mehr,)\ndoch manchmal, da ärgert ihn das.\nDa fragt er mich, wo ich gewesen war,\nund ob ich und wie und so fort\nWie neulich (da waren wir nur in der Bar)\nund als ich nachhaus kam da schlug er mich gar\nund sperrte mich in den Abort.\nMein Chef sagt zwar immer: so nimm ihn doch hoch\nund gib ihm ’nen Tritt endlich mal!\nDoch bin ich soweit, ach dann reut es mich doch\nund manchmal, da ist mir, als liebt ich ihn noch\nwie einst bei der Linde im Tal.\n\nFEIND, NUR HERÄBI\nNICHT MIT DEM SCHNAUBENDEN GAULE.\nNICHT MIT DEM PRAHLENDEN MAULE\nSCHRECKST DU UNS AB!\nMUT IN DER BRUST!\nSCHARF WIE DER WIND UNSER SAEBEL,\nDUNKEL DIE BLICKE WIE NEBEL!\nKRIEG UNSRE LUST!\nHa, Veteran!\nRaus auf beschwingten Prothesen,\nWelt wird am Giftgas genesen!\nHopse voran!\n\nDAS IST IM LEBEN HAESSLICH EINGERICHTET\ndaß es manchmal so rasch den Zweck verliert\nund daß man selbst, wenn man auf es verzichtet,\ndann selbstverständlich einfach mitkrepiert.\nUnd viele leben so dahin und wissen\nund wissen nicht wieso und nicht warum\nund sind doch da und irgendwie beflissen\nnoch da zu sein weil sie doch sterben müssen,\nwenn sie’s nicht sind o curas hominum!\nSie stehen vor den Arbeitsämtern Schlange\nund sind teils jung, teils alt, bald still, bald laut,\nund warten drauf und warten furchtbar lange,\ndaß man ihr Leben noch total versaut."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1413, "texte": "Sie waren einmal was und hatten Ziele\nund hatten Aemter und vielleicht ein Haus\nund waren einzelne und sind heut viele\nund stehen deplaziert im Zeitgewühle\nund sehn wie abgelegte Kleider aus.\nUnd fristen so ihr leichenblasses Leben\nam Rande einer Welt die ihre war,\nund wo man lebt, da stehen sie daneben\nund ihre Zuversicht ist wunderbar.\nSie haben hier doch gar nichts mehr zu hoffen\nund sind so zwecklos wie ein lahmes Vieh.\nDie Suppenküchen stehen ihnen offen,\nsie sind gelegentlich einmal besoffen,\ndoch leben, leben, leben tun sie nie.\n\nMORGENROT, MORGENROT\nach, wie haben wir als kleine Jungen\ndiese Sache liebend gern gesungen.\n(War man doch als Kind so gern Soldat)\nICH UND MANCHER KAMERAD.\nKAUM GEDACHT, KAUM GEDACHT . . .\nhat man uns egal beim Wort genommen\nund ein Teil ist dabei umgekommen.\nUnd sie mußten, weil es viele gab,\nMORGEN IN DAS KUEHLE GRAB.\nACH WIE BALD, ACH WIE BALD . . .\nwird man auch uns andern, die entgingen,\nGräber schaufeln und das Amen singen.\nDenn wir taugen nichts mehr vor Verfall.\nACH DIE ROSEN WELKEN ALL.\nDARUM STILL, DARUM STILL . . .\ndaß man „draußen“ war, braucht niemand wissen.\n(Denn, dann hätte man ja fallen müssen.)\nUnd so man ihn nicht mehr brauchen kann,\nSTIRBT EIN BRAVER REITERSMÄNN.\n\nWAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND\nist’s Preußenland, ist’s Schwabenland?\no nein, o nein, o neinl\nWo aber jeder Schieberwanst\nauf deinem Elend Tango tanzt,\nda Bruder, muß es sein!"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2415, "texte": "ALLES, WAS WIR LIEBEN, LEBE\nvon dem Krisenhilfszuschuß,\nden man wöchentlich erhebe,\nje nachdem und lauf Beschluß.\nLieben können wir dann alles,\nwas wir wollen und auch: wie.\nDoch erlaubt das unser Dalies,\n(wenn wir wollen) leider nie.\nDenn die Krisenzuschußgelder\nsind nicht sonderlich pompös,\nund allmählich wird man älter,\nund das Kind ist skrofulös.\nUnd die Gattin, die man freite\nin der Heckenrosenzeif,\nlegt sich langsam auf die Seife\nund man tut sich selber leid.\nUnd am Epde wird die Minne\nschrecklich sparsam und bedacht,\nman liebt Brot mit Margarine\nund auch eine ruhige Nacht.\nDoch das alles kann uns eben\nunsrer hohen Bürgerpflicht\nnicht im kleinsten Maß entheben\nwas wir liebten, das soll leben,\nob wir noch . . . und: wenn auch nicht\nAlso, kurz und klein: es lebe\nhoch und lang und wunderbar\nvon dem Geld, das man erhebe,\nalles, was uns etwas war.\nAlles, was wir lieben, darbe,\nhungre, lechze, gehe ein.\nUnd das Kind verliert die Farbe\nund das Herz wird dabei Stein.\nUnd was leider leidet, leide\nweiterhin anTT—c,b—c,\nsterben können arme Leute\nauch auf einem Kanapee.\n\nDEUTSCHE JUGEND, UNSER HOFFEN\ndir etwa und hierzulande\nLebensmöglichkeif zu geben\n(Denn das willst du doch! Ja eben.)\nsind wir leider außerstande.\nDoch das Sterben steht dir offen.\n\nES KOMMT DIE STILLE NACHT HEREIN\nwo alle Menschen schlafen.\nIn einem Staat muß Ordnung sein\nund Ruhe für die Braven.\nSie ruhen nach des Tages Last.\nSie haben gut gegessen.\nSie träumen süß und hätten fast\nim Traum ein Weib besessen.\nDer Mond verweilt auf ihrem Bett.\nSie sind des Staates Stützen.\nSie waren aus und es war nett\nund manche müssen schwitzen.\nUnd manche müssen manchmal auf,\ndas hat nichts zu bedeuten.\nDie Sterne gehen ihren Lauf\nund ferne Uhren läuten.\nDie Polizei behütet sie\nund wacht mit scharfen Sinnen.\nSie ruhen sicher und als wie\ndie Kindlein in den Linnen.\nDaß draußen in der kalten Nacht\nverlorne Menschen wachen,\ndas haben sie sich nie gedacht.\nAudi hassen sie die Sachen.\nDaß einer ohne Heimat ist\nimd ohne Dach und Daunen,\ndas ist ein altbekannter Mist\nund gar nicht zum Erstaunen.\nWas kümmert sie in ihrem Traum\nein irrender Geselle.\nVor ihren Türen ist kein Raum\nfür hoffnungslose Fälle.\nUnd hämmert auch sein müder Schrift\nin ihre stille Stunde\ndie scharfe Wache nimmt ihn mit\nwohl bei der driften Runde.\nEr hat kein Recht, auf einem Stein\nden Morgen abzupassen .\nEin solcher muß gestorben sein,\ndaß sie ihn liegen lassen."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1838, "texte": "ES IST BESTIMMT IN GOTTES RAT\ndaß so ein Mensch, der gar nichts hat,\nein Lump ist bis ans Ende.\nDenn schon wenn er sich nur verrät\nund sagt, daß er zum Stempeln geht\nschaut man ihm auf die Hände.\n\nTREUE LIEBE BIS ZUM GRABE\nschwör ich dir mit Herz und Hand.\nWas ich bin und was ich habe,\ndank ich dir, mein Vaterland.\nIch bin erstens und seit Flandern\nkörperlich etwas lädiert.\nZweitens hast du mir mit andern\nmein Erspartes ausgeführt.\nDrittens bin ich schon seit Jahren\narbeitslos und lebe samt\nallen, die so blöde waren,\nvon dem Wohlfahrtsrentenamt.\nSo daß ich nun nichts mehr habe\nals das Nachsehn. Und nichts bin\nals mit einem Fuß im Grabe\nund sehr bald total darin.\n\nDAS WANDERN\nIST DES MUELLERS LUST\ndas Stempeln, die der andern.\nDenn vielen ist es auf der Brust\nseitdem die Garde fortgemußf\nnicht mehr so recht nach Wandern,\nja wandern.\nVom Hunger haben sie’s gelernt,\njetzt sind es drei Millionen.\nMit Wohlfahrtsstempeln reich besternt\nhat man sie aus der Welt entfernt\nund nicht mit blauen Bohnen,\nja Bohnen.\nDas ist human in unsrer Zeit\nund dankbar zu bewerten.\nDrum; Brüder, übt, so arm ihr seid,\nnur immer Treu und Redlichkeit\nim Himmel und auf Erden,\nja Erden.\nUnd laßt den Müllern ihre Lust\nund laßt sie allen andern.\nEs können seid euch dess’ bewußt\nnicht alle mit geschwellter Brust\nund vollem Magen wandern,\ntja wandern.\n\nNOCH IST DIE BLUEHENDE, GOLDENE ZEIT\nnoch könnt ihr schieben und schwindeln,\nnoch sind auch wir, meine Herren, nicht so weit,\nnoch liegt das Ende in Windeln.\nHoffen wir, daß es die Not übersteht,\nHoffnung von drei Millionen.\nNoch, meine Herren, ist es noch nicht zu spät\ndann aber wird es sich lohnen.\n\nSOVIEL UNS DER MAIEN\nAUCH BLUEMELEIN BEUT\nfür uns blüht kein Schnittlauch im Garten.\nWir haben uns wieder vergebens gefreut\nund fangen im Maien der Rosen verstreut\nund fangen von vom an zu warfen."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1905, "texte": "Wir haben uns lieb und wir haben ein Kind\nund haben die Hoffnung verloren,\nund haben nicht mehr als das Essen verdient,\nund daß wir noch gar nicht verheiratet sind,\ndas kam der Behörde zu Ohren.\nMan hat uns verhandelt. Man hat uns getrennt\nund riß uns brutal auseinander.\nWir haben verzweifelt getan und geflennt\nund haben neun Nächte im Stadtpark gepennt,\ndas Kind nahm ein guter Bekannter.\nJetzt gehen wir betteln, weil nirgendswo wer\nuns Arbeit verschafft und ein Bleiben.\nJetzt sind wir so weit wie neun Jahre vorher,\ndie Wohlfahrtsfürsorge, die gibt uns nichts mehr\n(laut Paragraph drei sagt das Schreiben).\nDas Schreiben sagt weiter, was weiter geschieht\nund wenn wir im Elend verkommen.\nUnd: . . . wenn man für uns keine Möglichkeit sieht,\nman möglicherweise das Kind uns entzieht\nMan\nhat\nes\nuns\nheute genommen.\n\nDEUTSCHES HERZ, VERZAGE NICHT\nwenn dir endlich mal ein Licht\naufgeht ausnahmsweise.\nBaue nicht auf bunten Schein,\nsag dir nur; das muß so sein.\nBleibe in der 1\ndas walte Gott, der helfen kann,\nmit dem Herrn fang alles an!\nUnd die Treue ehrenfest,\ndie dich jetzt verhungern läßt,\nwird sich schon noch lohnen.\nWohl steht dir das grade Wort,\naber fahre ruhig fort\nandere zu schonen,\ndas walte Gott, der helfen kann,\nmit dem Herrn fang alles an!\nUnd sei redlich fromm und frei,\neinmal wird die Schweinerei\ndoch ein Ende haben.\nDrum, o Herz, sei unverzagt,\ntu nur das, was man dir sagt,\nund laß dich begraben!\ndas walte Gott, der helfen könnte,\nwenn man sich darauf verstände.\n\nKEIN SCHOENRER TOD IST IN\nDER WELT\nals wenn aus unbekannten Gründen\nim Kohlengas die Sinne schwinden.\nDas ist statistisch festgestellt.\nBei diesen, die mit Veronal\nhochzeitlich auf dem Bett entschliefen,\nsucht man vergeblich nach Motiven.\nAuch wären solche nur banal.\nDaß manche sich im Äbendlicht\nauf einer Stadtparkbank erschießen,\nläßt nicht auf den Beweggrund schließen,\nUnd wenn auch, interessiert er nicht."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2149, "texte": "Die Wasserleichen fragt kein Kind,\nwarum sie an der Lände liegen,\nman muß sich schon damit begnügen,\ndaß sie nicht mehr am Leben sind.\nMitunter freilich kommt es vor,\ndaß einer sich aus Hunger tötet.\nDoch wird dem noch das Maul verlötet,\ndas tote. Denn er war ein Tor.\n\nIN EINEM KUEHLEN GRUNDI\nda geht ein Mühlenrad\n(wenn es noch geht) zur Stunde\nnur noch per Kilowatt.\nUnd auch die hübsche Kleine,\ndie in dem Lied verblich,\nging heut’ wie irgendeine\nvermutlich auf den Strich.\nUnd manche kann man sehen,\ndie wissen nicht wieso\nsie heute stempeln gehen\nund gestern ins Büro.\nUnd gestern früh noch munter\nvielleicht in die Fabrik\nund heute gehn sie unter\nzu dreizehn Mark pro Stück.\nUnd morgen vielleicht leise\nstatt froh durch die Allee,\nauf eine dumme Weise\nsogar in einen See.\nUnd alles geht im Grunde\nwie dieses Mühlenrad\nschön langsam vor die Hunde\ndas dort gemahlet hat.\n\nSCHIER DREISSIG JAHRE BIST DU ALT!\nWie doch die Zeit vergeht\njaja, mein Freund, wenn man nicht bald\nwas ist, ist es zu spät.\nSoso, du feierst immer noch\n(gezwungen . . . das ist klar)\nund bist noch jetzt wie hieß sie doch\ndie damals bei dir war?\nSie ist ach Gott, nicht möglich das:\nsie ist jetzt eine Fraul\nund manchmal schenkt sie dir etwas\nwie nett von ihr . . . schau, schau!\nDie Zigaretten nur . . . aha,\nihr Mann hat ein Geschäft!\nEr darf nicht wissen Gott, na ja,\nwas ist, wenn ihr euch trefft.\nUnd sonst?\nAch so: ein bißchen Gast\ndaheim ... bei dir . . . zuhaus.\nWenn du noch eine Mutter hast,\nhaha ... so nütz das aus!\nDein Vater ... an die siebzig schon!\nWas . . . wieder im Büro?\nIch dachte: längst in Pension\nDas reicht nicht ganz . . . ach so!\nJaja . . . die Zeit ist interessant,\nes tut sich was, nicht wahr\ndas Tempo herrscht, nichts hat Bestand,\nist das nicht wunderbar!\nIch hab’ mir erst vor kurzem da\nden Wagen was . . . enorm\nliegt in der Kurve, zieht eins a\ntja, Mensch, man ist in Form!\nWas . . . eine Arbeit . . . als ob\nEmpfehlung . . . Hilfe . . . wie . . .\nwer da nicht lacht, hahaha, stop,\ndie Sache, die ist die:\nWir sind, man hat, ich bin, du weißt,\nach Gott, wie, schon halb zehn,\nich muß, nicht wahr, und was das heißt,\nna ja, auf Wiedersehn!"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2251, "texte": "ES WÄREN ZWEI KOENIGSKINDER\ndie hatten efcefera pp. . . .\nund außerdem war ein Hinder-\nnis da und ein grüngrüner See.\nUnd weil denen beiden Lieben\ndas Herze zersprang wohl zuletzt,\nda hat man sie aufgeschrieben\nund artig in Töne gesetzt.\nUnd wo es auch ist und immer\nwenn wer dieses Lied deklamiert,\nda ist bis zum Tränenschimmer,\nja Schimmer, ach alles gerührt.\nObgleich und wiewohl nicht minder\nauch heute noch solches geschieht,\ndoch hat man für diese Kinder\nkein Mitleid noch irgendein Lied.\nSie sind einfach draufgegangen\nlaut amtlichem Zeitungsbericht,\nDetails kann man nicht verlangen\nund interessieren auch nicht.\nIhr Sterben ist keine Ballade,\nsie hatten nicht einmal ein Hemd,\nsie hatten nicht Raum noch Lade\nund ist noch das Wasser zu schade,\ndas sie aus dem Leben schwemmt.\n\nNUN ADE, DU MEIN LIEB HEIMATLAND\nnur eine Frage noch\nvielleicht begreift mein Unverstand\nam Ende doch.\nIch bin ein deutscher Bürgersohn\naus wirklich gutem Haus\nund ging mit siebzahn Jahren schon\nins Feld hinaus.\nUnd war vier Jahre Feldsoldat\nund immer vorne dran\nund bis man abgeblasen hat\n(mein lieber Schwan)!\nUnd manchmal sagte man, ich sei\nein Held nach altem Brauch,\nund meine Mutter starb dabei.\nMein Vater auch.\nAls Held bleibt man bei sowas kalt\nund weint kein Weinen nie\nund denkt, die starben eben halt\nwie alle die.\nDer Frieden war kein Frieden nicht,\ndie Heimkehr nicht bequem,\nman spuckte uns ins Angesicht\nund außerdem.\nSo nahm man eben das Gewehr\ndann noch einmal zur Hand\nund schoß ein wenig hin und her\nim Vaterland.\nMan schoß ein bißchen auf gut Glück\nsolange bis man sah,\njetzt steht die deutsche Republik\ngefestigt da.\nErst dann erinnerte man sich\nund ließ die Waffen ruhn\nund dann begann man fürchterlich\nsich umzutun.\nMan lernte nach und lebte von\nder Luft und sonst auch wohl\nvon etwas Werkstudentenfron\nals stud. rer. pol.\nUnd wirklich wurde man einmal\nso irgendwas und wo\nund alles andre war egal\nund man war froh.\nDoch bald ging diese Sache schief,\nman wurde arbeitslos\nund ging zum stempeln oder schlief\nund hoffte bloß.\nDie Hoffnung schwand wie blauer Rauch\nund alle die, für die\nman soweit kam, die sagten auch,\nwas wollen Sie!\nNichts! sagte man und war soweit\nund wollte gar nichts mehr\nund sagte nur; ich weiß Bescheid,\no bitte sehr!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1613, "texte": "Und ging dann einfach aus der Welt\nzur Fremdenlegion\nund war einmal ein deutscher Held\nund Bürgersohn.\nDas ist es, liebes Heimatland,\n(sei tausendmal gegrüßt!)\ndoch ist mir jetzt im Wüstensand\nnoch immer eines unbekannt;\nwarum, warum\ndas\nist?\n\nSCHOEN IST DIE JUGEND BEI FROHEN ZEITEN\n(vorausgesetzt, daß jene auch so sind)\nund außerdem (das läßt sich nicht bestreiten)\nkommt sie nicht mehr, kommt sie nicht mehr, mein Kind.\nIm übrigen kann man den Zimt auch singen,\ndas weiß man ja schon von der Schule her.\nDoch wie sie uns um unsre Jugend bringen,\ndas weiß man später erst. Dann aber sehr.\nWann war man jung, wie, wo, auf welche Weise,\nund war man nicht, was war dann dafür da?\nWir sind doch nicht als ausgewachsne Greise\nauf diese Welf gekommen, oder ja?\nDa war (das Nichfgewünschfe bitte streichen)\nzunächst der Krieg mit seinem Potpourri\nund unsre Kindheit roch etwas nach Leichen,\nauch war man immer hungrig und das wie.\nUnd etwas später kamen die Devisen,\ndie man nicht hafte, und man war zumeist\nein bißchen sehr auf sich selbst angewiesen,\nund wer da jung war, weiß schon, was das heißt.\nDann aber kam man mit dem Ernst des Lebens\nin ein Geschäft und war noch immer jung,\ndoch war man dieses leider meist vergebens,\ndenn weil man jung war kam die Kündigung.\nUnd man ging stempeln und begann zu hoffen,\nund hoffte wieder und hofft bis zuletzt,\nund ist trotzdem nicht einmal mehr betroffen,\nwenn es umsonst ist. Und das ist es jetzt.\nJetzt muß man vor sich selbst zur Seife treten,\nso ganz und gar unnötig wie wir sind.\nSchön ist die Jugend heut nur mit Moneten,\nvorausgesetzt doch wir sind alt, mein Kindl"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1722, "texte": "GENIESST DEN REIZ DES LEBENS!\nEs ist ja alles da.\nUnd laßt euch nicht vergebens\ndazu ermuntern jal\nDie Autos und die fahren,\nist das nicht wunderbar!\nAls wir noch Kinder waren\ngab’s das noch nicht, nicht wahr!\nDenn nur im Zeitgemäßen\nliegt auch der Reiz der Zeit.\nMan kommt heut* mit Prothesen\nvom Krieg her nicht mehr weit.\nUnd Häuser gibt es. Diese,\ndie sind wie ein Palast.\nSie sind’s für dich. Genieße,\nwenn du kein Obdach hast!\nUnd in dem Straßentreiben,\nda orgelt laut die Lust.\nDa kannst du gehn und bleiben\nund schreien wenn du mußt.\nUnd in den großen Läden\nliegt was dein Herz begehrt.\nDoch diese zu betreten\nist dir, mein Freund, verwehrt.\nDoch wird dich niemand hindern\nwenn du es dir besiehst\nund wenn du deinen Kindern\nerzählst: wie schön es ist.\n\nWIE KOENNT ICH DEIN VERGESSEN\nich bin kein Schuft, Mariei\nWer gab mir denn zu essen\nals ich vor Hunger schrie?\nAls ich nicht Dach, noch Kammer,\nnoch eine Bleibe fand.\nWer war in diesem Jammer,\nder mir zur Seite stand?\nDu bist ja selbst nur eine,\ndie hart ihr Brot verdient,\nund hast mir doch jetzt weine\nund klage nicht, mein Kind.\nDu gabst mir deine Liebe,\no du, wie gut tat sie.\nWas aber, wenn ich bliebe,\nwar ich: ein Schuft, Marie!\nIch kann ja doch nicht ewig\nvon dir erhalten sein.\nDas wäre mehr als schäbig,\nnicht wahr, das siehst du ein.\nSo sehr ich dein gedenke,\nso sehr vergesse ich\nmein Vaterland. Und schenke\nes her und trolle mich.\nDenn es ist nicht imstande\nDir gleichzutun, Marie.\nDu, eine Unbekannte,\nbist mehr als alle die,\ndie in Palästen wohnen\num unser Geld, mein Kind\nauf unserm Elend thronen\nund doch nur Gauner sind,\nArtisten leerer Phrasen,\nBlutsauger, Schurken, Vieh\nman soll sie hängen lassen,\nDich aber ohne Maßen\nverherrlichen Marie 1"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 926, "texte": "STIMMT AN MIT HELLEM,\nHOHEM KLANG\ndoch wenigstens dann Lieder.\nUnd schreit nicht immer stundenlang\nund macht die braven Leute bang,\nihr, ihr, ihr . . . Stempelbrüder!\nWas wollt ihr denn mit eurem Mist.\nDas interessiert doch keinen.\nEs ist nun einmal wie es ist\nund wer vernünftig ist vergißt\nam besten. Will mir scheinen.\nMan kommt nicht weit mit dem Geschrei.\nDas könnte euch doch dämmern.\nIhr zieht den Kürzeren dabei\nwenn sie (die von der Polizei)\nauf eure Schädel hämmern.\nDenn eure Not ist kein Problem\nzum Lösen sondern leider\nfür viele nicht sehr angenehm\nund etwas, was das Staatssystem\ngefährdet und so weiter.\nUnd wenn ihr Hunger habt, so schreit\nnur ja nicht über diesen.\nMan ist zur Zeit so rasch bereit\nein bißchen per Gelegenheit\nauf unsereins zu schießen.\nDrum singet lieber irgendein\nChanson statt der Proteste.\nDas könnte beispielshalber sein:\nFest steht und treu die Wacht am Rhein\ndas heißt, die Ueberreste."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c002", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.1", "titre_corps": "ES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL", "titre_sommaire": "ES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.5", "debut_caractere": 13, "fin_caractere_exclue": 173, "texte": "ES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL\ndoch die es angeht sitzen auf den Ohren.\nSie haben scheinbar das Gehör verloren.\nSonst aber nichts. Sonst sind sie ganz normal."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c003", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.2", "titre_corps": "DER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS", "titre_sommaire": "DER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.5", "debut_caractere": 175, "fin_caractere_exclue": 1110, "texte": "DER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS\nder wollte keine Pleite.\nDa das Geschäft mit Schwert und Spieß\nam Ende aber doch so mies\nhinausging, tat er einfach dies:\nER tat uns auf die Seife.\nUnd statt den Säbel in die Hand\ngab uns bedacht der Smarte\nund weil er schließlich wie bekannt\nnicht Knechte will im Vaterland\nzu unserm Recht als vierter Stand\ndie graue Stempelkarte.\nNach diesem sprach der gute Mann\nund ließ die Herzen rühren:\nLaßt stempeln, was nur stempeln kann,\nwer nicht mehr kann, der soll sodann\n(rasch tritt der Tod den Menschen an)\nes tut mir leid krepieren.\nUnd es begab sich Jahr um Jahr,\ndaß viele daran starben.\nUnd für (wenn auch nicht wunderbar,\nwie das im Krieg die Falle war)\ndes Vaterlandes Hochaltar\nund für die heiligen Farben.\nUnd für die andern, die da satt\nin ihren Sesseln schlafen\nund für das Denkmal einer Stadt\nund für die nächste Menschenmahd\nund dann für IHN, der auch nichts hat,\nals euren Tod ihr Braven."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c004", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.3", "titre_corps": "FLAMME EMPOR, FLAMME EMPOR!", "titre_sommaire": "FLAMME EMPOR, FLAMME EMPOR!", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.5", "debut_caractere": 1112, "fin_caractere_exclue": 1335, "texte": "FLAMME EMPOR, FLAMME EMPOR!\nWärme mit loderndem Scheine\nstatt die Gebirge am Rheine\nunsre Mansarden zuvor.\nHeilige Glut, leuchtender Brand\nröste auf deinen Altären\nBrot, um dein Volk zu ernähren\nnicht aber uns und das Land!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c005", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "107", "page_fin": "107", "image_debut": 5, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.4", "titre_corps": "IST ALLES DUNKEL, IST ALLES TRUEBE", "titre_sommaire": "IST ALLES DUNKEL, IST ALLES TRUEBE", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "107", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.5", "debut_caractere": 1337, "fin_caractere_exclue": 1995, "texte": "IST ALLES DUNKEL, IST ALLES TRUEBE\nin einem Haus, wo arme Leute sind.\nSie haben einen Gott, den Gott der Liebe,\nund ebendrum fast jedes Jahr ein Kind.\nSie leben draußen bei den Unratheiden\nund modern auch und sind nicht mehr als der.\nSie haben einen Gott, den Gott der Leiden,\nund fühlen nicht und wissen nicht, wie sehr.\nSie zeugen unentwegt und wie die Affen,\nob sie zu fressen haben oder nicht.\nDenn Kinder sind nach einem Wort der Pfaffen:\nein Segen Gottes und des Christen Pflicht.\nSo wächst der Segen Gottes auf in Stuben,\ndie feucht vor Elend sind und schwarzer Pest.\nSo lebt er hin am Rand der Unratgruben,\nwo man ihn schließlich auch verrecken läßt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c006", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.5", "titre_corps": "DIE BANGE NACHT IST NUN HERUM", "titre_sommaire": "DIE BANGE NACHT IST NUN HERUM", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1133, "texte": "DIE BANGE NACHT IST NUN HERUM\nwir sitzen still, wir sitzen stumm\nund spielen etwas Karten.\nAuch frieren wir im Morgenwind,\ndaheim verhungern Weib und Kind\nin elenden Mansarden.\nUnd jeden Morgen ist das so,\nund jede Nacht, die anderswo\ndie sanften Schwingen breitet.\nUnd jede Nacht ist etwas los\nund sei es, daß der Hunger bloß\nein Kind zuschanden reitet.\nUnd jeden Morgen ist das gleich\nund manche singen butterweich\nvor Elend dunkle Psalter.\nSo stempelt man sich langsam ein,\nes hat nicht anders sollen sein\ndann öffnen sich die Schalter.\nUnd wenn die Woche so verrinnt\nund wir schon fast gestorben sind,\nwill uns der Staat belohnen.\nEr gibt uns dreizehn ganze Mark,\ndas reicht noch nicht für einen Sarg\nnoch weniger zum wohnen.\nDann geht man hin in ein Lokal\nund denkt, es ist das letzte Mal,\ndaß man das Geld vertue.\nDann trinkt man glatt auf Weib und Kind\nund brüllt; Herr, wenn sie hungrig sind,\ngib ihnen ewige Ruhet\nUnd wenn man heimgeht ist es Nacht,\nund wenn man vor dem Haus erwacht\nwill man so gerne sterben.\nMan hat ein trauriges Gemüt,\nman weint vielleicht, vielleicht ein Lied\n„. . . bringt meinem Kind die Scherben . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c007", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.6", "titre_corps": "WIR ZOGEN IN DAS FELD", "titre_sommaire": "WIR ZOGEN IN DAS FELD", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.6", "debut_caractere": 1135, "fin_caractere_exclue": 1873, "texte": "WIR ZOGEN IN DAS FELD\nund starben für das Vaterland\n(in Wirklichkeit für Ungenannt\nund für desselben Geld).\nTeils kamen wir nach Haus\nund fanden unsre Truhen leer\nund auch die Liebe war nicht mehr\nDa kannten wir uns aus.\nDa hatten wir kein Brot\nund hatten keine Arbeit nicht\nund starben noch einmal und schlicht\nden braven Heldentod.\nTeils wurden wir nur krank.\nDa gab man uns ein halbes Jahr\nelf Mark im Monat. Dann war’s gar,\nund dieses war der Dank.\nUnd jetzt hat man erkannt,\ndaß man dem Staat im Wege steht,\ndas heißt: man merkte es zu spät,\ndaß man im Wege stand.\nWir zogen in das Feld\nund starben für das Vaterland\n(in Wirklichkeit für Ungenannt\nund für desselben Geld).\nDeutschland, Deutschland\nüber alles,\nüber alles\nin der Welt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c008", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "108", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.7", "titre_corps": "ICH HAB’ MEIN’ SACH’ AUF NICHTS GESTELLT", "titre_sommaire": "ICH HAB’ MEIN’ SACH’ AUF NICHTS GESTELLT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.6", "debut_caractere": 1875, "fin_caractere_exclue": 2326, "texte": "ICH HAB’ MEIN’ SACH’ AUF NICHTS\nGESTELLT\nin diesem Fall auf mich.\nDenn ich bin nichts in dieser Welt\nund hab’ mein’ Sach’ auf mich gestellt\nund gehe auf den Strich.\nMein Vater, der ist arbeitslos\nund lebt, wie man so sagt,\nnun eben auch von meinem Schoß\nmein Vater, der ist arbeitslos,\ndoch ich bin noch intakt.\nDas ist das Gute in der Tat,\ndaß man im eignen Bauch\ndas eigene Geschäft schon hat.\nDas ist bestimmt in Gottes Rat\nmein Vater sagt es auch."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c009", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "108", "page_fin": "109", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.8", "titre_corps": "BRÜEDER REICHT DIE HAND ZUM BUNDE", "titre_sommaire": "BRÜEDER REICHT DIE HAND ZUM BUNDE", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.6", "debut_caractere": 2328, "fin_caractere_exclue": 2442, "texte": "BRÜEDER REICHT DIE HAND ZUM\nBUNDE\nandre tun es auch und wie.\nUnsereinem schlägt die Stunde\nohnehin ja niemals nie."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 734, "texte": "Wir sind frei und arbeifs—lose\nSchäker, die im Schaffen ruhn.\nWährend prominente Große\nmanche Schritte für uns tun.\nWas sie schaffen, freilich bliebe\nbesser in Verborgenheit.\nDoch wer macht nicht mal (aus Liebe)\nauch in Arbeitslosigkeit.\nWenn sie nur recht wacker reden,\nwas sie reden bleibt egal.\nSie sind da uns zu vertreten\nlauf Gesetz und auch laut Wahl.\nDaß sie hierfür ihre eignen\nSäcke füllen und dabei\nsich von uns am kann man leugnen,\ndoch man sagt, daß das so sei.\nWeil von ihnen nämlich jeder\nallerhand im Trocknen hat\nals ob diese Volksvertreter\nnicht auch lieber reich sind statt\nso dahin zu vegetieren,\nso wie ich und der und du,\nwenn sie (wer will protestieren)\ndoch mit unsrer Not hausieren\ndenn wir sind zu dumm dazu."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c010", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.9", "titre_corps": "MORGEN MUSS ICH FORT VON HIER", "titre_sommaire": "MORGEN MUSS ICH FORT VON HIER", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.7", "debut_caractere": 736, "fin_caractere_exclue": 1402, "texte": "MORGEN MUSS ICH FORT VON HIER\ntut mir leid, auf Ehrel\nDa ich nämlich (schrieb man mir)\nausgesteuert wäre.\nAusgesteuert aber ist:\nMensch, nu kannsfe gehenl\nWenn du ohne Arbeit bist,\nmußt du eben sehen.\nDu hast jetzt ein ganzes Jahr\nbrav am Staat gezogen.\nWenn du weif erzögst, nicht wahr,\n(nämlich stempelnd und in bar)\nwäre das betrogen.\nWas man konnte, ist getan.\nDenn man kann nicht immer.\nSehe jeder, wie er kann\nmit dem Herrn fang alles an.\nAndern gehts noch schlimmer.\nAndre haben Weib und Kind.\nDu bist unbeschweret\nund so frei wie Vögel sind,\ndie der Himmel nähret.\nDu kannst gehen, wie du bist,\nund in Gottes Namen.\nAusgesteuert aber ist\nausgesfrichen. Amen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c011", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "109", "page_fin": "109", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.10", "titre_corps": "ES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL", "titre_sommaire": "ES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.7", "debut_caractere": 1404, "fin_caractere_exclue": 2081, "texte": "ES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL\ndoch die es angeht sitzen auf den Ohren.\nSie haben scheinbar das Gehör verloren.\nSonst aber nichts. Sonst sind sie ganz normal.\nDer Schrei nach Brot ist groß und allgemein.\nDoch denken manche: wenn wir uns nicht rühren,\nwird sich der Donnerhall im Dreck verlieren\n(wer lange hungert, geht allmählich ein).\nUnd manche sind, die sagen noch ganz kalt:\nDer Plebs kann ruhig vor die Hunde gehen\ndaß wir zu zahlreich sind, wird jeder sehen,\nund wer nicht leben kann, der sterbe half.\nDas Volk sei schuld und noch und noch.\nUnd viele sind, die sagen unverfroren:\nWER war im Krieg und WER hat ihn verloren?\nDER PLEBS na also . . . noch da hammers doch!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c012", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.11", "titre_corps": "DIR MOECHT ICH DIESE LIEDER WEIHEN", "titre_sommaire": "DIR MOECHT ICH DIESE LIEDER WEIHEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 401, "texte": "DIR MOECHT ICH DIESE LIEDER\nWEIHEN\ngeliebtes deutsches Vaterland\ndoch aus besondern Gründen seien\nsie diesmal andern zuerkannt.\nDu hast so viel von diesen Dingen\nund eigne Sänger noch dazu\nund daß sie momentan nicht singen,\nliegt ganz bei dir, und schuld bist du.\nWeil es und da ist nichts zu machen\nund dürfte dein Verschulden sein\nweil es noch wichtigere Sachen\nzur Zeit gibt als die Wacht am Rhein."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c013", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.12", "titre_corps": "IM TIEFEN KELLER SITZ ICH HIER", "titre_sommaire": "IM TIEFEN KELLER SITZ ICH HIER", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.8", "debut_caractere": 403, "fin_caractere_exclue": 1838, "texte": "IM TIEFEN KELLER SITZ ICH HIER\nbei minus drei im Schatten.\nUnd denke, warum soll ich mir\ndas vielbesungene Plaisir\nnicht auch einmal gestatten.\nZwar tu ich dies nicht ohne Zwang,\ndoch ohne Faß voll Reben.\nUnd auch nicht so wie man das sang\nund jedenfalls auch nicht sehr lang,\ndenn so ein Keller eben.\nWie halt nun einmal Keller sind.\nMan hat ein Dach im Winter.\nMan hat zwar auch ein bißchen Wind\nund Mauerschweiß, der dauernd rinnt,\ndoch andrerseits auch Kinder.\nUnd Rheumatismus hat man auch,\nnur Floffnung hat man keine.\nUnd wenn man atmet geht der Hauch\n(so kühl ist es) wie weißer Rauch\nan immergrüne Steine.\nDann hat man auch noch froh zu sein\num diese Wohnungssfätte.\nDa man laut Unterstützungsschein\nkein Recht und auch nicht irgendein\nBedürfnis darauf hätte.\nDrum ist man also froh und tut\nals ob man glücklich wäre.\nUnd spuckt zum Dank ein wenig Blut\nund mehret sich dem Staat zugut\nals wie der Sand am Meere.\nUnd sieht die Welt von u;nten her\nund hinter Loch und Gitter.\nUnd sieht hinauf und sieht noch mehr\nund trägt ein Haus und trägt es schwer\nund wird allmählich bitter.\nUnd kommt dabei auf dies und das\nund ähnliche Ideen.\nUnd trinkt Lysol und dreht am Gas\nund weint manchmal aus purem Haß\nund kann sich nicht verstehen.\nDoch spielt parterre ein Klavier\nwill man so gerne leben.\nMan hört ein Lied und lächelt schier\nund singt fast mit und fast wie früh’r:\n„. . . im tiefen Keller sitz ich hier\nund außerdem daneben . ."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c014", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "110", "page_fin": "110", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.13", "titre_corps": "PREISEND MIT VIEL SCHÖNEN REDEN", "titre_sommaire": "PREISEND MIT VIEL SCHÖNEN REDEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.8", "debut_caractere": 1840, "fin_caractere_exclue": 2479, "texte": "PREISEND MIT VIEL SCHÖNEN REDEN\n(sich zunächst, dann die Partei)\nfragten sich, die uns vertreten\nauch: wie uns zu helfen sei.\nAeh! sprach der vom rechten Flügel\nund zog seine Äugen hoch:\nMeine . . . aeh . . . wenn man die Zügel\netwas . . . aeh . . . noch . . . fester noch\nKaum! gestand ein bleicher Priester:\nWird das gut sein . . . wie man sieht\ndieses Volk wird immer wüster,\nwenn man ihm noch mehr entzieht.\nNa! erwiderte da bieder\neiner von der Linkspartei:\nLassen wir es, bis wir wieder\neinmal tagen ruhig dabei.\nGut! rief da der Segenspender,\nund der Junker schrie geschwind;\nAn die Sender, an die Länder:\ndaß wir einig, einig sind!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c015", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.14", "titre_corps": "STEH ICH IN FINSTRER MITTERNACHT", "titre_sommaire": "STEH ICH IN FINSTRER MITTERNACHT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 840, "texte": "STEH ICH IN FINSTRER MITTERNACHT\n(wenn beispielshalber ich kein Obdach finde)\nvor neuen Kirchen, die man zahlreich baut,\nso wird in mir da drinnen etwas laut\nund werde ich dann jedesmal zum Kinde.\nUnd bete gläubig vor versperrten Toren:\nWeil wir nur Kirchen haben, Gott sei Dank!\nWie mancher wäre froh um eine Bank\nund viele sind sogar im Dreck erfroren.\nDie Kardinäle fahren teure Wagen,\n(da kostet einer vierzig tausend Mark,)\nwie mancher wäre froh um einen Sarg,\nund jeder muß sein Kreuz persönlich tragen.\nUnd einem Armen, der kein Obdach findet,\nschmeißt man die Türe vor der Nase zu.\nStarbst DU am Kreuz dafür, daß man uns schindet\nbeziehungsweise sind wir Armen DU?\nWarum baut man dann keine Nachtasyle\nstatt solcher Kirchen für den leeren Raum?\nDaß DU sie alle brauchst, das glaub’ ich kaum\nwir aber, HERR, sind obdachlos und viele."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c016", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "111", "page_fin": "111", "image_debut": 9, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.15", "titre_corps": "ES FIEL EIN REIF IN DER ERUEHLINGSNACHT", "titre_sommaire": "ES FIEL EIN REIF IN DER ERUEHLINGSNACHT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.9", "debut_caractere": 842, "fin_caractere_exclue": 2172, "texte": "ES FIEL EIN REIF IN DER\nERUEHLINGSNACHT\nund auch ein Schuß fiel dabei.\nDa sind zwei Schupos vom Schlaf erwacht\nund wollten sehen, was sei.\nWas sei und wie und warum und wo\nund ob wer wem was getan\nund auch wofür und wobei und so,\nund wenn tatsächlich; was dann!\nSie waren beide nicht sehr erbaut,\n(begreiflich, wenn man so knallt,)\nder Schlaf ist süß und das Schießen lauf\nund außerdem war es kalt.\nDoch gingen sie und in leiser Wut,\nweil man im Frieden nicht schießt,\nund so man dieses dennoch tut,\nein Fesfzunehmender ist.\nDann fanden sie in dem Park am See\nden Schuß, der gefallen war,\nund auf dem Reif wie auf weißem Schnee\nein engumschlungenes Paar.\nDas Paar war tot und zwar ganz und gar\ndas sah man ohne ein Licht.\nUnd etwas Blut rann aus blondem Haar\nauf ein (noch junges) Gesicht.\nUnd rann hinab auf die starre Hand,\nda war ein Zettel darin,\nund auf dem Zettel (kaum lesbar) stand:\n„Das Leben hat keinen Sinn“.\nWarum? das stand in dem Zettel nicht\nund auch der Mund der schwieg still.\nDoch lauf und scharf sprach das tote Gesicht:\nWeil man nicht verhungern will!\nDie Schupos gingen daraufhin stolz\nin ihre Wache zurück\nund meldeten stramm: am See im Holz,\nda liegen wieder zwei Stück.\nDie Zeitung schrieb über ihren Tod\nund wo und wie man sie fand.\nUnd schrieb: Ein Waffenverbot tut not,\nund schrieb: Motiv nicht bekannt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c017", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.16", "titre_corps": "EIN FREIES LEBEN FUEHREN WIR", "titre_sommaire": "EIN FREIES LEBEN FUEHREN WIR", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 592, "texte": "EIN FREIES LEBEN\nFUEHREN WIR\nund sind vor allen Dingen\nnoch obendrein bezahlt dafür\nund brauchen kein Klosettpapier\nfür das, was wir vollbringen.\nWir säen nicht, wir stempeln nur\nauf Kosten aller Braven.\nWir rühren uns auch nicht die Spur,\nes sei denn, daß wir eine (zur\nVerdauung nur) beschlafen.\nWir essen toll, und bis wir satt\nund faul die Glieder strecken.\nWir sind das Äbschaumspräparat\nder Zeit, die keinen Gott mehr hat,\nund können nicht\nverehrte Herrn!\nWir werden es probieren.\nWir können vielleicht doch dann gern!\nUnd auch die Zeit scheint nicht mehr fern,\nwo wir uns revanchieren."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c018", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "112", "image_debut": 10, "image_fin": 10, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.17", "titre_corps": "DEUTSCHE WORTE HOER’ ICH WIEDER", "titre_sommaire": "DEUTSCHE WORTE HOER’ ICH WIEDER", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.10", "debut_caractere": 594, "fin_caractere_exclue": 752, "texte": "DEUTSCHE WORTE HOER’ ICH WIEDER\nach, so wonnesam und traut!\nBeispielshalber: Sauerkraut,\nPleite, Putsch und Stempelbrüder\nach wie bieder . . . ach wie bieder!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c019", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c019", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "112", "page_fin": "113", "image_debut": 10, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.18", "titre_corps": "ES STAND EINE LINDE IM TIEFEN TAL", "titre_sommaire": "ES STAND EINE LINDE IM TIEFEN TAL", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.10", "debut_caractere": 754, "fin_caractere_exclue": 1881, "texte": "ES STAND EINE LINDE IM TIEFEN TAL\nda sprach er von Liebe zu mir.\nEr war Sekretär und er trug meinen Schal\nund wurde sogar mit der Zeit mein Gemahl.\nDoch das war später und hier.\nDie erste Zeit war er wirklich nett.\nWir lebten nicht üppig, doch gut.\nEr brachte mir manchmal ein Blumenbukett.\nEr war Sekretär und er war auch adrett\nund tat, was man eben so tut.\nDoch dann wurde er von der Stellung geschaßt.\nDie Firma machte bankrott.\nDa fiel ich ihm langsam (ich weiß es) zur Last,\nich konnte nicht helfen und war ihm verhaßt\nund war ihm im Wege —< o Gott!\nDa sagte ich plötzlich und eben nur so\nals ob es das Einfachste ist;\nIch suche mir jetzt einen Platz irgendwo\nals Ladnerin oder in einem Büro,\nbis du wieder so weit bist.\nDa sagte er: jat Und er sagte: jawoll!\nUnd: geh nur und sehe nur zut\nDies Armenhausleben das wird mir zu toll,\nich habe vom Stempeln die Nase schon voll,\nwas ich kann, das kannst auch mal du!\nSo ging ich denn los und in eine Fabrik\nund gehe noch jetzt und noch lang.\nMein Mann sitzt zuhaus und verflucht sein Geschick\nund raucht Zigaretten (pro Tag vierzig Stück)\nund manchmal, da wird mir ganz bang."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 604, "texte": "Da macht er so Augen und zählt das Salär\nund wütet und öffnet das Gas.\nTrotzdem er ES will. (Denn mein Chef liebt mich sehr\nund seit dieser Zeit da verdiene ich mehr,)\ndoch manchmal, da ärgert ihn das.\nDa fragt er mich, wo ich gewesen war,\nund ob ich und wie und so fort\nWie neulich (da waren wir nur in der Bar)\nund als ich nachhaus kam da schlug er mich gar\nund sperrte mich in den Abort.\nMein Chef sagt zwar immer: so nimm ihn doch hoch\nund gib ihm ’nen Tritt endlich mal!\nDoch bin ich soweit, ach dann reut es mich doch\nund manchmal, da ist mir, als liebt ich ihn noch\nwie einst bei der Linde im Tal."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c020", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c020", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 11, "image_fin": 11, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.19", "titre_corps": "FEIND, NUR HERÄBI", "titre_sommaire": "FEIND, NUR HERÄBI", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.11", "debut_caractere": 606, "fin_caractere_exclue": 897, "texte": "FEIND, NUR HERÄBI\nNICHT MIT DEM SCHNAUBENDEN GAULE.\nNICHT MIT DEM PRAHLENDEN MAULE\nSCHRECKST DU UNS AB!\nMUT IN DER BRUST!\nSCHARF WIE DER WIND UNSER SAEBEL,\nDUNKEL DIE BLICKE WIE NEBEL!\nKRIEG UNSRE LUST!\nHa, Veteran!\nRaus auf beschwingten Prothesen,\nWelt wird am Giftgas genesen!\nHopse voran!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c021", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c021", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "114", "image_debut": 11, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.20", "titre_corps": "DAS IST IM LEBEN HAESSLICH EINGERICHTET", "titre_sommaire": "DAS IST IM LEBEN HAESSLICH EINGERICHTET", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.11", "debut_caractere": 899, "fin_caractere_exclue": 1456, "texte": "DAS IST IM LEBEN HAESSLICH EINGERICHTET\ndaß es manchmal so rasch den Zweck verliert\nund daß man selbst, wenn man auf es verzichtet,\ndann selbstverständlich einfach mitkrepiert.\nUnd viele leben so dahin und wissen\nund wissen nicht wieso und nicht warum\nund sind doch da und irgendwie beflissen\nnoch da zu sein weil sie doch sterben müssen,\nwenn sie’s nicht sind o curas hominum!\nSie stehen vor den Arbeitsämtern Schlange\nund sind teils jung, teils alt, bald still, bald laut,\nund warten drauf und warten furchtbar lange,\ndaß man ihr Leben noch total versaut."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 541, "texte": "Sie waren einmal was und hatten Ziele\nund hatten Aemter und vielleicht ein Haus\nund waren einzelne und sind heut viele\nund stehen deplaziert im Zeitgewühle\nund sehn wie abgelegte Kleider aus.\nUnd fristen so ihr leichenblasses Leben\nam Rande einer Welt die ihre war,\nund wo man lebt, da stehen sie daneben\nund ihre Zuversicht ist wunderbar.\nSie haben hier doch gar nichts mehr zu hoffen\nund sind so zwecklos wie ein lahmes Vieh.\nDie Suppenküchen stehen ihnen offen,\nsie sind gelegentlich einmal besoffen,\ndoch leben, leben, leben tun sie nie."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c022", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.21", "titre_corps": "MORGENROT, MORGENROT", "titre_sommaire": "MORGENROT, MORGENROT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.12", "debut_caractere": 543, "fin_caractere_exclue": 1235, "texte": "MORGENROT, MORGENROT\nach, wie haben wir als kleine Jungen\ndiese Sache liebend gern gesungen.\n(War man doch als Kind so gern Soldat)\nICH UND MANCHER KAMERAD.\nKAUM GEDACHT, KAUM GEDACHT . . .\nhat man uns egal beim Wort genommen\nund ein Teil ist dabei umgekommen.\nUnd sie mußten, weil es viele gab,\nMORGEN IN DAS KUEHLE GRAB.\nACH WIE BALD, ACH WIE BALD . . .\nwird man auch uns andern, die entgingen,\nGräber schaufeln und das Amen singen.\nDenn wir taugen nichts mehr vor Verfall.\nACH DIE ROSEN WELKEN ALL.\nDARUM STILL, DARUM STILL . . .\ndaß man „draußen“ war, braucht niemand wissen.\n(Denn, dann hätte man ja fallen müssen.)\nUnd so man ihn nicht mehr brauchen kann,\nSTIRBT EIN BRAVER REITERSMÄNN."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c023", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "114", "page_fin": "114", "image_debut": 12, "image_fin": 12, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.22", "titre_corps": "WAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND", "titre_sommaire": "WAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.12", "debut_caractere": 1237, "fin_caractere_exclue": 1413, "texte": "WAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND\nist’s Preußenland, ist’s Schwabenland?\no nein, o nein, o neinl\nWo aber jeder Schieberwanst\nauf deinem Elend Tango tanzt,\nda Bruder, muß es sein!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c024", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.23", "titre_corps": "ALLES, WAS WIR LIEBEN, LEBE", "titre_sommaire": "ALLES, WAS WIR LIEBEN, LEBE", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1080, "texte": "ALLES, WAS WIR LIEBEN, LEBE\nvon dem Krisenhilfszuschuß,\nden man wöchentlich erhebe,\nje nachdem und lauf Beschluß.\nLieben können wir dann alles,\nwas wir wollen und auch: wie.\nDoch erlaubt das unser Dalies,\n(wenn wir wollen) leider nie.\nDenn die Krisenzuschußgelder\nsind nicht sonderlich pompös,\nund allmählich wird man älter,\nund das Kind ist skrofulös.\nUnd die Gattin, die man freite\nin der Heckenrosenzeif,\nlegt sich langsam auf die Seife\nund man tut sich selber leid.\nUnd am Epde wird die Minne\nschrecklich sparsam und bedacht,\nman liebt Brot mit Margarine\nund auch eine ruhige Nacht.\nDoch das alles kann uns eben\nunsrer hohen Bürgerpflicht\nnicht im kleinsten Maß entheben\nwas wir liebten, das soll leben,\nob wir noch . . . und: wenn auch nicht\nAlso, kurz und klein: es lebe\nhoch und lang und wunderbar\nvon dem Geld, das man erhebe,\nalles, was uns etwas war.\nAlles, was wir lieben, darbe,\nhungre, lechze, gehe ein.\nUnd das Kind verliert die Farbe\nund das Herz wird dabei Stein.\nUnd was leider leidet, leide\nweiterhin anTT—c,b—c,\nsterben können arme Leute\nauch auf einem Kanapee."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c025", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c025", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.24", "titre_corps": "DEUTSCHE JUGEND, UNSER HOFFEN", "titre_sommaire": "DEUTSCHE JUGEND, UNSER HOFFEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.13", "debut_caractere": 1082, "fin_caractere_exclue": 1262, "texte": "DEUTSCHE JUGEND, UNSER HOFFEN\ndir etwa und hierzulande\nLebensmöglichkeif zu geben\n(Denn das willst du doch! Ja eben.)\nsind wir leider außerstande.\nDoch das Sterben steht dir offen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c026", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c026", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "115", "image_debut": 13, "image_fin": 13, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.25", "titre_corps": "ES KOMMT DIE STILLE NACHT HEREIN", "titre_sommaire": "ES KOMMT DIE STILLE NACHT HEREIN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.13", "debut_caractere": 1264, "fin_caractere_exclue": 2415, "texte": "ES KOMMT DIE STILLE NACHT HEREIN\nwo alle Menschen schlafen.\nIn einem Staat muß Ordnung sein\nund Ruhe für die Braven.\nSie ruhen nach des Tages Last.\nSie haben gut gegessen.\nSie träumen süß und hätten fast\nim Traum ein Weib besessen.\nDer Mond verweilt auf ihrem Bett.\nSie sind des Staates Stützen.\nSie waren aus und es war nett\nund manche müssen schwitzen.\nUnd manche müssen manchmal auf,\ndas hat nichts zu bedeuten.\nDie Sterne gehen ihren Lauf\nund ferne Uhren läuten.\nDie Polizei behütet sie\nund wacht mit scharfen Sinnen.\nSie ruhen sicher und als wie\ndie Kindlein in den Linnen.\nDaß draußen in der kalten Nacht\nverlorne Menschen wachen,\ndas haben sie sich nie gedacht.\nAudi hassen sie die Sachen.\nDaß einer ohne Heimat ist\nimd ohne Dach und Daunen,\ndas ist ein altbekannter Mist\nund gar nicht zum Erstaunen.\nWas kümmert sie in ihrem Traum\nein irrender Geselle.\nVor ihren Türen ist kein Raum\nfür hoffnungslose Fälle.\nUnd hämmert auch sein müder Schrift\nin ihre stille Stunde\ndie scharfe Wache nimmt ihn mit\nwohl bei der driften Runde.\nEr hat kein Recht, auf einem Stein\nden Morgen abzupassen .\nEin solcher muß gestorben sein,\ndaß sie ihn liegen lassen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c027", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c027", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.26", "titre_corps": "ES IST BESTIMMT IN GOTTES RAT", "titre_sommaire": "ES IST BESTIMMT IN GOTTES RAT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 195, "texte": "ES IST BESTIMMT IN GOTTES RAT\ndaß so ein Mensch, der gar nichts hat,\nein Lump ist bis ans Ende.\nDenn schon wenn er sich nur verrät\nund sagt, daß er zum Stempeln geht\nschaut man ihm auf die Hände."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c028", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c028", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.27", "titre_corps": "TREUE LIEBE BIS ZUM GRABE", "titre_sommaire": "TREUE LIEBE BIS ZUM GRABE", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "debut_caractere": 197, "fin_caractere_exclue": 670, "texte": "TREUE LIEBE BIS ZUM GRABE\nschwör ich dir mit Herz und Hand.\nWas ich bin und was ich habe,\ndank ich dir, mein Vaterland.\nIch bin erstens und seit Flandern\nkörperlich etwas lädiert.\nZweitens hast du mir mit andern\nmein Erspartes ausgeführt.\nDrittens bin ich schon seit Jahren\narbeitslos und lebe samt\nallen, die so blöde waren,\nvon dem Wohlfahrtsrentenamt.\nSo daß ich nun nichts mehr habe\nals das Nachsehn. Und nichts bin\nals mit einem Fuß im Grabe\nund sehr bald total darin."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c029", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c029", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.28", "titre_corps": "DAS WANDERN IST DES MUELLERS LUST", "titre_sommaire": "DAS WANDERN IST DES MUELLERS LUST", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "debut_caractere": 672, "fin_caractere_exclue": 1337, "texte": "DAS WANDERN\nIST DES MUELLERS LUST\ndas Stempeln, die der andern.\nDenn vielen ist es auf der Brust\nseitdem die Garde fortgemußf\nnicht mehr so recht nach Wandern,\nja wandern.\nVom Hunger haben sie’s gelernt,\njetzt sind es drei Millionen.\nMit Wohlfahrtsstempeln reich besternt\nhat man sie aus der Welt entfernt\nund nicht mit blauen Bohnen,\nja Bohnen.\nDas ist human in unsrer Zeit\nund dankbar zu bewerten.\nDrum; Brüder, übt, so arm ihr seid,\nnur immer Treu und Redlichkeit\nim Himmel und auf Erden,\nja Erden.\nUnd laßt den Müllern ihre Lust\nund laßt sie allen andern.\nEs können seid euch dess’ bewußt\nnicht alle mit geschwellter Brust\nund vollem Magen wandern,\ntja wandern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c030", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c030", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "116", "image_debut": 14, "image_fin": 14, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.29", "titre_corps": "NOCH IST DIE BLUEHENDE, GOLDENE ZEIT", "titre_sommaire": "NOCH IST DIE BLUEHENDE, GOLDENE ZEIT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "debut_caractere": 1339, "fin_caractere_exclue": 1640, "texte": "NOCH IST DIE BLUEHENDE, GOLDENE ZEIT\nnoch könnt ihr schieben und schwindeln,\nnoch sind auch wir, meine Herren, nicht so weit,\nnoch liegt das Ende in Windeln.\nHoffen wir, daß es die Not übersteht,\nHoffnung von drei Millionen.\nNoch, meine Herren, ist es noch nicht zu spät\ndann aber wird es sich lohnen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c031", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c031", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "117", "image_debut": 14, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.30", "titre_corps": "SOVIEL UNS DER MAIEN AUCH BLUEMELEIN BEUT", "titre_sommaire": "SOVIEL UNS DER MAIEN AUCH BLUEMELEIN BEUT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "debut_caractere": 1642, "fin_caractere_exclue": 1838, "texte": "SOVIEL UNS DER MAIEN\nAUCH BLUEMELEIN BEUT\nfür uns blüht kein Schnittlauch im Garten.\nWir haben uns wieder vergebens gefreut\nund fangen im Maien der Rosen verstreut\nund fangen von vom an zu warfen."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 818, "texte": "Wir haben uns lieb und wir haben ein Kind\nund haben die Hoffnung verloren,\nund haben nicht mehr als das Essen verdient,\nund daß wir noch gar nicht verheiratet sind,\ndas kam der Behörde zu Ohren.\nMan hat uns verhandelt. Man hat uns getrennt\nund riß uns brutal auseinander.\nWir haben verzweifelt getan und geflennt\nund haben neun Nächte im Stadtpark gepennt,\ndas Kind nahm ein guter Bekannter.\nJetzt gehen wir betteln, weil nirgendswo wer\nuns Arbeit verschafft und ein Bleiben.\nJetzt sind wir so weit wie neun Jahre vorher,\ndie Wohlfahrtsfürsorge, die gibt uns nichts mehr\n(laut Paragraph drei sagt das Schreiben).\nDas Schreiben sagt weiter, was weiter geschieht\nund wenn wir im Elend verkommen.\nUnd: . . . wenn man für uns keine Möglichkeit sieht,\nman möglicherweise das Kind uns entzieht\nMan\nhat\nes\nuns\nheute genommen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c032", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c032", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "117", "image_debut": 15, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.31", "titre_corps": "DEUTSCHES HERZ, VERZAGE NICHT", "titre_sommaire": "DEUTSCHES HERZ, VERZAGE NICHT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.15", "debut_caractere": 820, "fin_caractere_exclue": 1491, "texte": "DEUTSCHES HERZ, VERZAGE NICHT\nwenn dir endlich mal ein Licht\naufgeht ausnahmsweise.\nBaue nicht auf bunten Schein,\nsag dir nur; das muß so sein.\nBleibe in der 1\ndas walte Gott, der helfen kann,\nmit dem Herrn fang alles an!\nUnd die Treue ehrenfest,\ndie dich jetzt verhungern läßt,\nwird sich schon noch lohnen.\nWohl steht dir das grade Wort,\naber fahre ruhig fort\nandere zu schonen,\ndas walte Gott, der helfen kann,\nmit dem Herrn fang alles an!\nUnd sei redlich fromm und frei,\neinmal wird die Schweinerei\ndoch ein Ende haben.\nDrum, o Herz, sei unverzagt,\ntu nur das, was man dir sagt,\nund laß dich begraben!\ndas walte Gott, der helfen könnte,\nwenn man sich darauf verstände."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c033", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c033", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "117", "page_fin": "118", "image_debut": 15, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.32", "titre_corps": "KEIN SCHOENRER TOD IST IN DER WELT", "titre_sommaire": "KEIN SCHOENRER TOD IST IN DER WELT", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.15", "debut_caractere": 1493, "fin_caractere_exclue": 1905, "texte": "KEIN SCHOENRER TOD IST IN\nDER WELT\nals wenn aus unbekannten Gründen\nim Kohlengas die Sinne schwinden.\nDas ist statistisch festgestellt.\nBei diesen, die mit Veronal\nhochzeitlich auf dem Bett entschliefen,\nsucht man vergeblich nach Motiven.\nAuch wären solche nur banal.\nDaß manche sich im Äbendlicht\nauf einer Stadtparkbank erschießen,\nläßt nicht auf den Beweggrund schließen,\nUnd wenn auch, interessiert er nicht."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 268, "texte": "Die Wasserleichen fragt kein Kind,\nwarum sie an der Lände liegen,\nman muß sich schon damit begnügen,\ndaß sie nicht mehr am Leben sind.\nMitunter freilich kommt es vor,\ndaß einer sich aus Hunger tötet.\nDoch wird dem noch das Maul verlötet,\ndas tote. Denn er war ein Tor."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c034", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c034", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.33", "titre_corps": "IN EINEM KUEHLEN GRUNDI", "titre_sommaire": "IN EINEM KUEHLEN GRUNDI", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.16", "debut_caractere": 270, "fin_caractere_exclue": 875, "texte": "IN EINEM KUEHLEN GRUNDI\nda geht ein Mühlenrad\n(wenn es noch geht) zur Stunde\nnur noch per Kilowatt.\nUnd auch die hübsche Kleine,\ndie in dem Lied verblich,\nging heut’ wie irgendeine\nvermutlich auf den Strich.\nUnd manche kann man sehen,\ndie wissen nicht wieso\nsie heute stempeln gehen\nund gestern ins Büro.\nUnd gestern früh noch munter\nvielleicht in die Fabrik\nund heute gehn sie unter\nzu dreizehn Mark pro Stück.\nUnd morgen vielleicht leise\nstatt froh durch die Allee,\nauf eine dumme Weise\nsogar in einen See.\nUnd alles geht im Grunde\nwie dieses Mühlenrad\nschön langsam vor die Hunde\ndas dort gemahlet hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c035", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c035", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "118", "page_fin": "118", "image_debut": 16, "image_fin": 16, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.34", "titre_corps": "SCHIER DREISSIG JAHRE BIST DU ALT!", "titre_sommaire": "SCHIER DREISSIG JAHRE BIST DU ALT!", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.16", "debut_caractere": 877, "fin_caractere_exclue": 2149, "texte": "SCHIER DREISSIG JAHRE BIST DU ALT!\nWie doch die Zeit vergeht\njaja, mein Freund, wenn man nicht bald\nwas ist, ist es zu spät.\nSoso, du feierst immer noch\n(gezwungen . . . das ist klar)\nund bist noch jetzt wie hieß sie doch\ndie damals bei dir war?\nSie ist ach Gott, nicht möglich das:\nsie ist jetzt eine Fraul\nund manchmal schenkt sie dir etwas\nwie nett von ihr . . . schau, schau!\nDie Zigaretten nur . . . aha,\nihr Mann hat ein Geschäft!\nEr darf nicht wissen Gott, na ja,\nwas ist, wenn ihr euch trefft.\nUnd sonst?\nAch so: ein bißchen Gast\ndaheim ... bei dir . . . zuhaus.\nWenn du noch eine Mutter hast,\nhaha ... so nütz das aus!\nDein Vater ... an die siebzig schon!\nWas . . . wieder im Büro?\nIch dachte: längst in Pension\nDas reicht nicht ganz . . . ach so!\nJaja . . . die Zeit ist interessant,\nes tut sich was, nicht wahr\ndas Tempo herrscht, nichts hat Bestand,\nist das nicht wunderbar!\nIch hab’ mir erst vor kurzem da\nden Wagen was . . . enorm\nliegt in der Kurve, zieht eins a\ntja, Mensch, man ist in Form!\nWas . . . eine Arbeit . . . als ob\nEmpfehlung . . . Hilfe . . . wie . . .\nwer da nicht lacht, hahaha, stop,\ndie Sache, die ist die:\nWir sind, man hat, ich bin, du weißt,\nach Gott, wie, schon halb zehn,\nich muß, nicht wahr, und was das heißt,\nna ja, auf Wiedersehn!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c036", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c036", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 17, "image_fin": 17, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.35", "titre_corps": "ES WÄREN ZWEI KOENIGSKINDER", "titre_sommaire": "ES WÄREN ZWEI KOENIGSKINDER", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 785, "texte": "ES WÄREN ZWEI KOENIGSKINDER\ndie hatten efcefera pp. . . .\nund außerdem war ein Hinder-\nnis da und ein grüngrüner See.\nUnd weil denen beiden Lieben\ndas Herze zersprang wohl zuletzt,\nda hat man sie aufgeschrieben\nund artig in Töne gesetzt.\nUnd wo es auch ist und immer\nwenn wer dieses Lied deklamiert,\nda ist bis zum Tränenschimmer,\nja Schimmer, ach alles gerührt.\nObgleich und wiewohl nicht minder\nauch heute noch solches geschieht,\ndoch hat man für diese Kinder\nkein Mitleid noch irgendein Lied.\nSie sind einfach draufgegangen\nlaut amtlichem Zeitungsbericht,\nDetails kann man nicht verlangen\nund interessieren auch nicht.\nIhr Sterben ist keine Ballade,\nsie hatten nicht einmal ein Hemd,\nsie hatten nicht Raum noch Lade\nund ist noch das Wasser zu schade,\ndas sie aus dem Leben schwemmt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c037", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c037", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "120", "image_debut": 17, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.36", "titre_corps": "NUN ADE, DU MEIN LIEB HEIMATLAND", "titre_sommaire": "NUN ADE, DU MEIN LIEB HEIMATLAND", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.17", "debut_caractere": 787, "fin_caractere_exclue": 2251, "texte": "NUN ADE, DU MEIN LIEB HEIMATLAND\nnur eine Frage noch\nvielleicht begreift mein Unverstand\nam Ende doch.\nIch bin ein deutscher Bürgersohn\naus wirklich gutem Haus\nund ging mit siebzahn Jahren schon\nins Feld hinaus.\nUnd war vier Jahre Feldsoldat\nund immer vorne dran\nund bis man abgeblasen hat\n(mein lieber Schwan)!\nUnd manchmal sagte man, ich sei\nein Held nach altem Brauch,\nund meine Mutter starb dabei.\nMein Vater auch.\nAls Held bleibt man bei sowas kalt\nund weint kein Weinen nie\nund denkt, die starben eben halt\nwie alle die.\nDer Frieden war kein Frieden nicht,\ndie Heimkehr nicht bequem,\nman spuckte uns ins Angesicht\nund außerdem.\nSo nahm man eben das Gewehr\ndann noch einmal zur Hand\nund schoß ein wenig hin und her\nim Vaterland.\nMan schoß ein bißchen auf gut Glück\nsolange bis man sah,\njetzt steht die deutsche Republik\ngefestigt da.\nErst dann erinnerte man sich\nund ließ die Waffen ruhn\nund dann begann man fürchterlich\nsich umzutun.\nMan lernte nach und lebte von\nder Luft und sonst auch wohl\nvon etwas Werkstudentenfron\nals stud. rer. pol.\nUnd wirklich wurde man einmal\nso irgendwas und wo\nund alles andre war egal\nund man war froh.\nDoch bald ging diese Sache schief,\nman wurde arbeitslos\nund ging zum stempeln oder schlief\nund hoffte bloß.\nDie Hoffnung schwand wie blauer Rauch\nund alle die, für die\nman soweit kam, die sagten auch,\nwas wollen Sie!\nNichts! sagte man und war soweit\nund wollte gar nichts mehr\nund sagte nur; ich weiß Bescheid,\no bitte sehr!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 242, "texte": "Und ging dann einfach aus der Welt\nzur Fremdenlegion\nund war einmal ein deutscher Held\nund Bürgersohn.\nDas ist es, liebes Heimatland,\n(sei tausendmal gegrüßt!)\ndoch ist mir jetzt im Wüstensand\nnoch immer eines unbekannt;\nwarum, warum\ndas\nist?"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c038", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c038", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 18, "image_fin": 18, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.37", "titre_corps": "SCHOEN IST DIE JUGEND BEI FROHEN ZEITEN", "titre_sommaire": "SCHOEN IST DIE JUGEND BEI FROHEN ZEITEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.18", "debut_caractere": 244, "fin_caractere_exclue": 1613, "texte": "SCHOEN IST DIE JUGEND BEI FROHEN ZEITEN\n(vorausgesetzt, daß jene auch so sind)\nund außerdem (das läßt sich nicht bestreiten)\nkommt sie nicht mehr, kommt sie nicht mehr, mein Kind.\nIm übrigen kann man den Zimt auch singen,\ndas weiß man ja schon von der Schule her.\nDoch wie sie uns um unsre Jugend bringen,\ndas weiß man später erst. Dann aber sehr.\nWann war man jung, wie, wo, auf welche Weise,\nund war man nicht, was war dann dafür da?\nWir sind doch nicht als ausgewachsne Greise\nauf diese Welf gekommen, oder ja?\nDa war (das Nichfgewünschfe bitte streichen)\nzunächst der Krieg mit seinem Potpourri\nund unsre Kindheit roch etwas nach Leichen,\nauch war man immer hungrig und das wie.\nUnd etwas später kamen die Devisen,\ndie man nicht hafte, und man war zumeist\nein bißchen sehr auf sich selbst angewiesen,\nund wer da jung war, weiß schon, was das heißt.\nDann aber kam man mit dem Ernst des Lebens\nin ein Geschäft und war noch immer jung,\ndoch war man dieses leider meist vergebens,\ndenn weil man jung war kam die Kündigung.\nUnd man ging stempeln und begann zu hoffen,\nund hoffte wieder und hofft bis zuletzt,\nund ist trotzdem nicht einmal mehr betroffen,\nwenn es umsonst ist. Und das ist es jetzt.\nJetzt muß man vor sich selbst zur Seife treten,\nso ganz und gar unnötig wie wir sind.\nSchön ist die Jugend heut nur mit Moneten,\nvorausgesetzt doch wir sind alt, mein Kindl"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c039", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c039", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.38", "titre_corps": "GENIESST DEN REIZ DES LEBENS!", "titre_sommaire": "GENIESST DEN REIZ DES LEBENS!", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 759, "texte": "GENIESST DEN REIZ DES LEBENS!\nEs ist ja alles da.\nUnd laßt euch nicht vergebens\ndazu ermuntern jal\nDie Autos und die fahren,\nist das nicht wunderbar!\nAls wir noch Kinder waren\ngab’s das noch nicht, nicht wahr!\nDenn nur im Zeitgemäßen\nliegt auch der Reiz der Zeit.\nMan kommt heut* mit Prothesen\nvom Krieg her nicht mehr weit.\nUnd Häuser gibt es. Diese,\ndie sind wie ein Palast.\nSie sind’s für dich. Genieße,\nwenn du kein Obdach hast!\nUnd in dem Straßentreiben,\nda orgelt laut die Lust.\nDa kannst du gehn und bleiben\nund schreien wenn du mußt.\nUnd in den großen Läden\nliegt was dein Herz begehrt.\nDoch diese zu betreten\nist dir, mein Freund, verwehrt.\nDoch wird dich niemand hindern\nwenn du es dir besiehst\nund wenn du deinen Kindern\nerzählst: wie schön es ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c040", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c040", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "121", "page_fin": "121", "image_debut": 19, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.39", "titre_corps": "WIE KOENNT ICH DEIN VERGESSEN", "titre_sommaire": "WIE KOENNT ICH DEIN VERGESSEN", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.19", "debut_caractere": 761, "fin_caractere_exclue": 1722, "texte": "WIE KOENNT ICH DEIN VERGESSEN\nich bin kein Schuft, Mariei\nWer gab mir denn zu essen\nals ich vor Hunger schrie?\nAls ich nicht Dach, noch Kammer,\nnoch eine Bleibe fand.\nWer war in diesem Jammer,\nder mir zur Seite stand?\nDu bist ja selbst nur eine,\ndie hart ihr Brot verdient,\nund hast mir doch jetzt weine\nund klage nicht, mein Kind.\nDu gabst mir deine Liebe,\no du, wie gut tat sie.\nWas aber, wenn ich bliebe,\nwar ich: ein Schuft, Marie!\nIch kann ja doch nicht ewig\nvon dir erhalten sein.\nDas wäre mehr als schäbig,\nnicht wahr, das siehst du ein.\nSo sehr ich dein gedenke,\nso sehr vergesse ich\nmein Vaterland. Und schenke\nes her und trolle mich.\nDenn es ist nicht imstande\nDir gleichzutun, Marie.\nDu, eine Unbekannte,\nbist mehr als alle die,\ndie in Palästen wohnen\num unser Geld, mein Kind\nauf unserm Elend thronen\nund doch nur Gauner sind,\nArtisten leerer Phrasen,\nBlutsauger, Schurken, Vieh\nman soll sie hängen lassen,\nDich aber ohne Maßen\nverherrlichen Marie 1"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c041", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c041", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "122", "page_fin": "122", "image_debut": 20, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.1.40", "titre_corps": "STIMMT AN MIT HELLEM, HOHEM KLANG", "titre_sommaire": "STIMMT AN MIT HELLEM, HOHEM KLANG", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 926, "texte": "STIMMT AN MIT HELLEM,\nHOHEM KLANG\ndoch wenigstens dann Lieder.\nUnd schreit nicht immer stundenlang\nund macht die braven Leute bang,\nihr, ihr, ihr . . . Stempelbrüder!\nWas wollt ihr denn mit eurem Mist.\nDas interessiert doch keinen.\nEs ist nun einmal wie es ist\nund wer vernünftig ist vergißt\nam besten. Will mir scheinen.\nMan kommt nicht weit mit dem Geschrei.\nDas könnte euch doch dämmern.\nIhr zieht den Kürzeren dabei\nwenn sie (die von der Polizei)\nauf eure Schädel hämmern.\nDenn eure Not ist kein Problem\nzum Lösen sondern leider\nfür viele nicht sehr angenehm\nund etwas, was das Staatssystem\ngefährdet und so weiter.\nUnd wenn ihr Hunger habt, so schreit\nnur ja nicht über diesen.\nMan ist zur Zeit so rasch bereit\nein bißchen per Gelegenheit\nauf unsereins zu schießen.\nDrum singet lieber irgendein\nChanson statt der Proteste.\nDas könnte beispielshalber sein:\nFest steht und treu die Wacht am Rhein\ndas heißt, die Ueberreste."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c042", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c042", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "123", "page_fin": "123", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.2", "titre_corps": "Haus, Brücke und Segler", "titre_sommaire": "Haus, Brücke und Segler", "signature_source": "Marcelle Cahn", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 59, "texte": "Haus, Brücke und Segler\nMarcelle Cahn\nStatische Komposition"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c043", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c043", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 2", "page_fin": "couv. 2", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.3", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2021, "texte": "VERLAG DER STURM«BERLINW«\nKURFURSTENDAMM <73 ■ FERNRUF: 12 OLIVA 5071\nWichtige Bücher\nHERWARTH WAIDEN HIRWARTH WALDIN\nIM OESCHWEIG\nDER LIEBE\nGEDICHTE - LEINENBAND J MARK\nDer Deutsche / Berlin:\nMan stoße sich nicht an dem ,;Geschweig“.\nDas Wort Schweigen sagt im künstlerischen\nSinne lange nicht dasselbe. Wenn außerdem\nalle expressionistischen Dichter so sparsam\nin neuen Wortbildungen wären, wie Waiden,\nginge es der neuen Kunst besser. Seine\nLyrik singt in unendlich schlichten, reinen,\nschönen Worten von der Zartheit der Liebe.\nF, R. B.\nSept Arts / Brüssel;\nLa gamme sonore de l’ouvrage se situe dans\nune douce neutralite tout en rapport avec le\nmatif, et ne fait que rarement, et par pur\ncontraste, appel ä des sonorites violentes.\nLa repetition obstinee de certains mots le\ndeplacements des lettres, l’öchange d’une\nsyllabe entre deux mots nous placent dans\nl’atmosphöre, döfinissant au sur plus toute la\ntechnique de la poesie.\nMarc-Eemans\nGörlifzer Nachrichten:\nFühlende Menschen,die nach geistiger Nahrung\nzittern, sollten sich in diese Gedichte vertiefen,\nsich von der schöpferischen Kraft und Aus-\ndrucksfertigkeit dieser Gedichte leiten lassen.\nEINBLICK\nIN KUNST\nEinführung in die Kunst der Gegenwart (Ex-\npressionismus, Kubismus, Konstruktivismus)\nund Geschichte der neuen Kunst\nmit 70 ganzseitigen Abbildungen u. 3 Farbdrucken\nHalbleinen gebunden / 8. Auflage\nSonderangebot\nstatt M 6.50\nM 2.50\nAmerican News:\nThis handsome album contains Walden’s\ndynamic and rebeilious creeds. He defends\nthem with tenacity and with prophetic reiteration\nand much brilliant argument.\nHermann George Scheffauer\nBerliner Lokaianzeiger:\nAusgezeichnet ist der begleitende Text\nHerwarth Waldens in seiner knappen Bild-\nhaftigkeit und Schlagfertigkeit\nDeutsche Warte / Barcelona:\nEs ist eine andere sehr reine Art des Sehens,\ndie es neu zu lernen gibt und zu der man\nam besten gelangt, wenn man den scharf-\nsinnigen und aus innerster Einstellung ge-\nstalteten Ausführungen Herwarth Waldens\nin seinem „Einblick in Kunst“ nachgeht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c044", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c044", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "125", "page_fin": "125", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.4", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 671, "texte": "20. JAHRGANG\nMONATSSCHRIFT\nDER\nSTURM\nHERAUSGEBER: HERWARTH WAIDEN\nDie führende Zeitschrift\nder Jungen und Jüngsten\nAlle Schriftsteller, Dichter und Maler\nvon Welt ruf wurden in der Zeitschrift\nDer Sturm zuerst veröffentlicht u. a.:\nOskar Kokoschka • Franz Marc • Paul Klee • Kandinsky\nAlexander Archipenko • Campendonk • Kurt Schwitters\nMoholy-Nagy ■ Gino Severini • August Macke • Albert\nGleizes ■ Willy Baumeister • Johannes Itten • Louis\nMarcoussis • Fernand Leger ■ August Stramm ■ Mynona\nDER STURM wird in\n26 Staaten der Erde gelesen\nJahrgang: 12 Mark * Einzelheit: 1 Mark VERLAG DER\nSonderangebot: 10 Probehefte\naus verschiedenen Jahrgängen 3 Mark\nSTURM\nBERLIN W 15"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c045", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c045", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.5", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.24", "debut_caractere": 295, "fin_caractere_exclue": 483, "texte": "OGGI e DOMANI\nHERAUSGEBER* MARIO CA RU\ndie führende italienische illustrierte Wochenschrift\naller lebenden Künste\nJAHRGANG: 40 LIRE\nRedaktion und Administration: ROMA Via Bocca di Leone 22"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c046", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c046", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.6", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.24", "debut_caractere": 485, "fin_caractere_exclue": 674, "texte": "MEYERS\nLEXIKON\nI ÜliS\nftY\nv:»:\n'.V.\nw«v\nPf\nSk»; '-xKä\nM m\nv:\nS3K\n>V.\nsm\nK.V\nVV.\nW.V,\n12 BAN DE VON A-Z\nVO LLSTÄN DI G\nAusführlicher, illustrierter Prospekt\nkostenlos durch jede Buchhandlung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1930-12-01-c047", "article_bluemountain": "bmtnabg_1930-12_01#c047", "volume": "bmtnabg_1930-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "126", "page_fin": "126", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.2.7", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.24", "debut_caractere": 676, "fin_caractere_exclue": 1151, "texte": "W. MARZILLIER & CO.\nBERLIN W\nGRUNEWALDSTRASSE 1 4-1 S\nHofspediteur S. M.\ndies Königs von Spanien\nG egründlef 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Ver-\npackung u. Lagerung von Gemälden\nund Kunslgegenständen jeder Art,\nLieferung und Empfang nach und von\nallen Kunstausstellungen des In-und\nAuslandes.\nTransportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Künstler\nder Secession • des Verbandes Deutscher Jilustratoren und\nHausspediteur des „Sturm\""}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.1", "texte": "Hi\n<l*\n4 e#0\nV*’ ,** *\nÖ SONDERHEFT\nSTEMPELLIEDER\nDEN DREI MILLIONEN"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "couv. 2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.2", "texte": "VERLAG DER STURM«BERLINW«\nKURFURSTENDAMM <73 ■ FERNRUF: 12 OLIVA 5071\nWichtige Bücher\nHERWARTH WAIDEN HIRWARTH WALDIN\nIM OESCHWEIG\nDER LIEBE\nGEDICHTE - LEINENBAND J MARK\nDer Deutsche / Berlin:\nMan stoße sich nicht an dem ,;Geschweig“.\nDas Wort Schweigen sagt im künstlerischen\nSinne lange nicht dasselbe. Wenn außerdem\nalle expressionistischen Dichter so sparsam\nin neuen Wortbildungen wären, wie Waiden,\nginge es der neuen Kunst besser. Seine\nLyrik singt in unendlich schlichten, reinen,\nschönen Worten von der Zartheit der Liebe.\nF, R. B.\nSept Arts / Brüssel;\nLa gamme sonore de l’ouvrage se situe dans\nune douce neutralite tout en rapport avec le\nmatif, et ne fait que rarement, et par pur\ncontraste, appel ä des sonorites violentes.\nLa repetition obstinee de certains mots le\ndeplacements des lettres, l’öchange d’une\nsyllabe entre deux mots nous placent dans\nl’atmosphöre, döfinissant au sur plus toute la\ntechnique de la poesie.\nMarc-Eemans\nGörlifzer Nachrichten:\nFühlende Menschen,die nach geistiger Nahrung\nzittern, sollten sich in diese Gedichte vertiefen,\nsich von der schöpferischen Kraft und Aus-\ndrucksfertigkeit dieser Gedichte leiten lassen.\nEINBLICK\nIN KUNST\nEinführung in die Kunst der Gegenwart (Ex-\npressionismus, Kubismus, Konstruktivismus)\nund Geschichte der neuen Kunst\nmit 70 ganzseitigen Abbildungen u. 3 Farbdrucken\nHalbleinen gebunden / 8. Auflage\nSonderangebot\nstatt M 6.50\nM 2.50\nAmerican News:\nThis handsome album contains Walden’s\ndynamic and rebeilious creeds. 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Sonst sind sie ganz normal.\n\nDER GOTT, DER EISEN WACHSEN LIESS\nder wollte keine Pleite.\nDa das Geschäft mit Schwert und Spieß\nam Ende aber doch so mies\nhinausging, tat er einfach dies:\nER tat uns auf die Seife.\nUnd statt den Säbel in die Hand\ngab uns bedacht der Smarte\nund weil er schließlich wie bekannt\nnicht Knechte will im Vaterland\nzu unserm Recht als vierter Stand\ndie graue Stempelkarte.\nNach diesem sprach der gute Mann\nund ließ die Herzen rühren:\nLaßt stempeln, was nur stempeln kann,\nwer nicht mehr kann, der soll sodann\n(rasch tritt der Tod den Menschen an)\nes tut mir leid krepieren.\nUnd es begab sich Jahr um Jahr,\ndaß viele daran starben.\nUnd für (wenn auch nicht wunderbar,\nwie das im Krieg die Falle war)\ndes Vaterlandes Hochaltar\nund für die heiligen Farben.\nUnd für die andern, die da satt\nin ihren Sesseln schlafen\nund für das Denkmal einer Stadt\nund für die nächste Menschenmahd\nund dann für IHN, der auch nichts hat,\nals euren Tod ihr Braven.\n\nFLAMME EMPOR, FLAMME EMPOR!\nWärme mit loderndem Scheine\nstatt die Gebirge am Rheine\nunsre Mansarden zuvor.\nHeilige Glut, leuchtender Brand\nröste auf deinen Altären\nBrot, um dein Volk zu ernähren\nnicht aber uns und das Land!\n\nIST ALLES DUNKEL, IST ALLES TRUEBE\nin einem Haus, wo arme Leute sind.\nSie haben einen Gott, den Gott der Liebe,\nund ebendrum fast jedes Jahr ein Kind.\nSie leben draußen bei den Unratheiden\nund modern auch und sind nicht mehr als der.\nSie haben einen Gott, den Gott der Leiden,\nund fühlen nicht und wissen nicht, wie sehr.\nSie zeugen unentwegt und wie die Affen,\nob sie zu fressen haben oder nicht.\nDenn Kinder sind nach einem Wort der Pfaffen:\nein Segen Gottes und des Christen Pflicht.\nSo wächst der Segen Gottes auf in Stuben,\ndie feucht vor Elend sind und schwarzer Pest.\nSo lebt er hin am Rand der Unratgruben,\nwo man ihn schließlich auch verrecken läßt."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "108", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.6", "texte": "DIE BANGE NACHT IST NUN HERUM\nwir sitzen still, wir sitzen stumm\nund spielen etwas Karten.\nAuch frieren wir im Morgenwind,\ndaheim verhungern Weib und Kind\nin elenden Mansarden.\nUnd jeden Morgen ist das so,\nund jede Nacht, die anderswo\ndie sanften Schwingen breitet.\nUnd jede Nacht ist etwas los\nund sei es, daß der Hunger bloß\nein Kind zuschanden reitet.\nUnd jeden Morgen ist das gleich\nund manche singen butterweich\nvor Elend dunkle Psalter.\nSo stempelt man sich langsam ein,\nes hat nicht anders sollen sein\ndann öffnen sich die Schalter.\nUnd wenn die Woche so verrinnt\nund wir schon fast gestorben sind,\nwill uns der Staat belohnen.\nEr gibt uns dreizehn ganze Mark,\ndas reicht noch nicht für einen Sarg\nnoch weniger zum wohnen.\nDann geht man hin in ein Lokal\nund denkt, es ist das letzte Mal,\ndaß man das Geld vertue.\nDann trinkt man glatt auf Weib und Kind\nund brüllt; Herr, wenn sie hungrig sind,\ngib ihnen ewige Ruhet\nUnd wenn man heimgeht ist es Nacht,\nund wenn man vor dem Haus erwacht\nwill man so gerne sterben.\nMan hat ein trauriges Gemüt,\nman weint vielleicht, vielleicht ein Lied\n„. . . bringt meinem Kind die Scherben . .\n\nWIR ZOGEN IN DAS FELD\nund starben für das Vaterland\n(in Wirklichkeit für Ungenannt\nund für desselben Geld).\nTeils kamen wir nach Haus\nund fanden unsre Truhen leer\nund auch die Liebe war nicht mehr\nDa kannten wir uns aus.\nDa hatten wir kein Brot\nund hatten keine Arbeit nicht\nund starben noch einmal und schlicht\nden braven Heldentod.\nTeils wurden wir nur krank.\nDa gab man uns ein halbes Jahr\nelf Mark im Monat. Dann war’s gar,\nund dieses war der Dank.\nUnd jetzt hat man erkannt,\ndaß man dem Staat im Wege steht,\ndas heißt: man merkte es zu spät,\ndaß man im Wege stand.\nWir zogen in das Feld\nund starben für das Vaterland\n(in Wirklichkeit für Ungenannt\nund für desselben Geld).\nDeutschland, Deutschland\nüber alles,\nüber alles\nin der Welt.\n\nICH HAB’ MEIN’ SACH’ AUF NICHTS\nGESTELLT\nin diesem Fall auf mich.\nDenn ich bin nichts in dieser Welt\nund hab’ mein’ Sach’ auf mich gestellt\nund gehe auf den Strich.\nMein Vater, der ist arbeitslos\nund lebt, wie man so sagt,\nnun eben auch von meinem Schoß\nmein Vater, der ist arbeitslos,\ndoch ich bin noch intakt.\nDas ist das Gute in der Tat,\ndaß man im eignen Bauch\ndas eigene Geschäft schon hat.\nDas ist bestimmt in Gottes Rat\nmein Vater sagt es auch.\n\nBRÜEDER REICHT DIE HAND ZUM\nBUNDE\nandre tun es auch und wie.\nUnsereinem schlägt die Stunde\nohnehin ja niemals nie."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "109", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.7", "texte": "Wir sind frei und arbeifs—lose\nSchäker, die im Schaffen ruhn.\nWährend prominente Große\nmanche Schritte für uns tun.\nWas sie schaffen, freilich bliebe\nbesser in Verborgenheit.\nDoch wer macht nicht mal (aus Liebe)\nauch in Arbeitslosigkeit.\nWenn sie nur recht wacker reden,\nwas sie reden bleibt egal.\nSie sind da uns zu vertreten\nlauf Gesetz und auch laut Wahl.\nDaß sie hierfür ihre eignen\nSäcke füllen und dabei\nsich von uns am kann man leugnen,\ndoch man sagt, daß das so sei.\nWeil von ihnen nämlich jeder\nallerhand im Trocknen hat\nals ob diese Volksvertreter\nnicht auch lieber reich sind statt\nso dahin zu vegetieren,\nso wie ich und der und du,\nwenn sie (wer will protestieren)\ndoch mit unsrer Not hausieren\ndenn wir sind zu dumm dazu.\n\nMORGEN MUSS ICH FORT VON HIER\ntut mir leid, auf Ehrel\nDa ich nämlich (schrieb man mir)\nausgesteuert wäre.\nAusgesteuert aber ist:\nMensch, nu kannsfe gehenl\nWenn du ohne Arbeit bist,\nmußt du eben sehen.\nDu hast jetzt ein ganzes Jahr\nbrav am Staat gezogen.\nWenn du weif erzögst, nicht wahr,\n(nämlich stempelnd und in bar)\nwäre das betrogen.\nWas man konnte, ist getan.\nDenn man kann nicht immer.\nSehe jeder, wie er kann\nmit dem Herrn fang alles an.\nAndern gehts noch schlimmer.\nAndre haben Weib und Kind.\nDu bist unbeschweret\nund so frei wie Vögel sind,\ndie der Himmel nähret.\nDu kannst gehen, wie du bist,\nund in Gottes Namen.\nAusgesteuert aber ist\nausgesfrichen. Amen.\n\nES BRAUST EIN RUF WIE DONNERHALL\ndoch die es angeht sitzen auf den Ohren.\nSie haben scheinbar das Gehör verloren.\nSonst aber nichts. Sonst sind sie ganz normal.\nDer Schrei nach Brot ist groß und allgemein.\nDoch denken manche: wenn wir uns nicht rühren,\nwird sich der Donnerhall im Dreck verlieren\n(wer lange hungert, geht allmählich ein).\nUnd manche sind, die sagen noch ganz kalt:\nDer Plebs kann ruhig vor die Hunde gehen\ndaß wir zu zahlreich sind, wird jeder sehen,\nund wer nicht leben kann, der sterbe half.\nDas Volk sei schuld und noch und noch.\nUnd viele sind, die sagen unverfroren:\nWER war im Krieg und WER hat ihn verloren?\nDER PLEBS na also . . . noch da hammers doch!"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "110", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.8", "texte": "DIR MOECHT ICH DIESE LIEDER\nWEIHEN\ngeliebtes deutsches Vaterland\ndoch aus besondern Gründen seien\nsie diesmal andern zuerkannt.\nDu hast so viel von diesen Dingen\nund eigne Sänger noch dazu\nund daß sie momentan nicht singen,\nliegt ganz bei dir, und schuld bist du.\nWeil es und da ist nichts zu machen\nund dürfte dein Verschulden sein\nweil es noch wichtigere Sachen\nzur Zeit gibt als die Wacht am Rhein.\n\nIM TIEFEN KELLER SITZ ICH HIER\nbei minus drei im Schatten.\nUnd denke, warum soll ich mir\ndas vielbesungene Plaisir\nnicht auch einmal gestatten.\nZwar tu ich dies nicht ohne Zwang,\ndoch ohne Faß voll Reben.\nUnd auch nicht so wie man das sang\nund jedenfalls auch nicht sehr lang,\ndenn so ein Keller eben.\nWie halt nun einmal Keller sind.\nMan hat ein Dach im Winter.\nMan hat zwar auch ein bißchen Wind\nund Mauerschweiß, der dauernd rinnt,\ndoch andrerseits auch Kinder.\nUnd Rheumatismus hat man auch,\nnur Floffnung hat man keine.\nUnd wenn man atmet geht der Hauch\n(so kühl ist es) wie weißer Rauch\nan immergrüne Steine.\nDann hat man auch noch froh zu sein\num diese Wohnungssfätte.\nDa man laut Unterstützungsschein\nkein Recht und auch nicht irgendein\nBedürfnis darauf hätte.\nDrum ist man also froh und tut\nals ob man glücklich wäre.\nUnd spuckt zum Dank ein wenig Blut\nund mehret sich dem Staat zugut\nals wie der Sand am Meere.\nUnd sieht die Welt von u;nten her\nund hinter Loch und Gitter.\nUnd sieht hinauf und sieht noch mehr\nund trägt ein Haus und trägt es schwer\nund wird allmählich bitter.\nUnd kommt dabei auf dies und das\nund ähnliche Ideen.\nUnd trinkt Lysol und dreht am Gas\nund weint manchmal aus purem Haß\nund kann sich nicht verstehen.\nDoch spielt parterre ein Klavier\nwill man so gerne leben.\nMan hört ein Lied und lächelt schier\nund singt fast mit und fast wie früh’r:\n„. . . im tiefen Keller sitz ich hier\nund außerdem daneben . .\n\nPREISEND MIT VIEL SCHÖNEN REDEN\n(sich zunächst, dann die Partei)\nfragten sich, die uns vertreten\nauch: wie uns zu helfen sei.\nAeh! sprach der vom rechten Flügel\nund zog seine Äugen hoch:\nMeine . . . aeh . . . wenn man die Zügel\netwas . . . aeh . . . noch . . . fester noch\nKaum! gestand ein bleicher Priester:\nWird das gut sein . . . wie man sieht\ndieses Volk wird immer wüster,\nwenn man ihm noch mehr entzieht.\nNa! erwiderte da bieder\neiner von der Linkspartei:\nLassen wir es, bis wir wieder\neinmal tagen ruhig dabei.\nGut! rief da der Segenspender,\nund der Junker schrie geschwind;\nAn die Sender, an die Länder:\ndaß wir einig, einig sind!"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "111", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.9", "texte": "STEH ICH IN FINSTRER MITTERNACHT\n(wenn beispielshalber ich kein Obdach finde)\nvor neuen Kirchen, die man zahlreich baut,\nso wird in mir da drinnen etwas laut\nund werde ich dann jedesmal zum Kinde.\nUnd bete gläubig vor versperrten Toren:\nWeil wir nur Kirchen haben, Gott sei Dank!\nWie mancher wäre froh um eine Bank\nund viele sind sogar im Dreck erfroren.\nDie Kardinäle fahren teure Wagen,\n(da kostet einer vierzig tausend Mark,)\nwie mancher wäre froh um einen Sarg,\nund jeder muß sein Kreuz persönlich tragen.\nUnd einem Armen, der kein Obdach findet,\nschmeißt man die Türe vor der Nase zu.\nStarbst DU am Kreuz dafür, daß man uns schindet\nbeziehungsweise sind wir Armen DU?\nWarum baut man dann keine Nachtasyle\nstatt solcher Kirchen für den leeren Raum?\nDaß DU sie alle brauchst, das glaub’ ich kaum\nwir aber, HERR, sind obdachlos und viele.\n\nES FIEL EIN REIF IN DER\nERUEHLINGSNACHT\nund auch ein Schuß fiel dabei.\nDa sind zwei Schupos vom Schlaf erwacht\nund wollten sehen, was sei.\nWas sei und wie und warum und wo\nund ob wer wem was getan\nund auch wofür und wobei und so,\nund wenn tatsächlich; was dann!\nSie waren beide nicht sehr erbaut,\n(begreiflich, wenn man so knallt,)\nder Schlaf ist süß und das Schießen lauf\nund außerdem war es kalt.\nDoch gingen sie und in leiser Wut,\nweil man im Frieden nicht schießt,\nund so man dieses dennoch tut,\nein Fesfzunehmender ist.\nDann fanden sie in dem Park am See\nden Schuß, der gefallen war,\nund auf dem Reif wie auf weißem Schnee\nein engumschlungenes Paar.\nDas Paar war tot und zwar ganz und gar\ndas sah man ohne ein Licht.\nUnd etwas Blut rann aus blondem Haar\nauf ein (noch junges) Gesicht.\nUnd rann hinab auf die starre Hand,\nda war ein Zettel darin,\nund auf dem Zettel (kaum lesbar) stand:\n„Das Leben hat keinen Sinn“.\nWarum? das stand in dem Zettel nicht\nund auch der Mund der schwieg still.\nDoch lauf und scharf sprach das tote Gesicht:\nWeil man nicht verhungern will!\nDie Schupos gingen daraufhin stolz\nin ihre Wache zurück\nund meldeten stramm: am See im Holz,\nda liegen wieder zwei Stück.\nDie Zeitung schrieb über ihren Tod\nund wo und wie man sie fand.\nUnd schrieb: Ein Waffenverbot tut not,\nund schrieb: Motiv nicht bekannt."}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "112", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.10", "texte": "EIN FREIES LEBEN\nFUEHREN WIR\nund sind vor allen Dingen\nnoch obendrein bezahlt dafür\nund brauchen kein Klosettpapier\nfür das, was wir vollbringen.\nWir säen nicht, wir stempeln nur\nauf Kosten aller Braven.\nWir rühren uns auch nicht die Spur,\nes sei denn, daß wir eine (zur\nVerdauung nur) beschlafen.\nWir essen toll, und bis wir satt\nund faul die Glieder strecken.\nWir sind das Äbschaumspräparat\nder Zeit, die keinen Gott mehr hat,\nund können nicht\nverehrte Herrn!\nWir werden es probieren.\nWir können vielleicht doch dann gern!\nUnd auch die Zeit scheint nicht mehr fern,\nwo wir uns revanchieren.\n\nDEUTSCHE WORTE HOER’ ICH WIEDER\nach, so wonnesam und traut!\nBeispielshalber: Sauerkraut,\nPleite, Putsch und Stempelbrüder\nach wie bieder . . . ach wie bieder!\n\nES STAND EINE LINDE IM TIEFEN TAL\nda sprach er von Liebe zu mir.\nEr war Sekretär und er trug meinen Schal\nund wurde sogar mit der Zeit mein Gemahl.\nDoch das war später und hier.\nDie erste Zeit war er wirklich nett.\nWir lebten nicht üppig, doch gut.\nEr brachte mir manchmal ein Blumenbukett.\nEr war Sekretär und er war auch adrett\nund tat, was man eben so tut.\nDoch dann wurde er von der Stellung geschaßt.\nDie Firma machte bankrott.\nDa fiel ich ihm langsam (ich weiß es) zur Last,\nich konnte nicht helfen und war ihm verhaßt\nund war ihm im Wege —< o Gott!\nDa sagte ich plötzlich und eben nur so\nals ob es das Einfachste ist;\nIch suche mir jetzt einen Platz irgendwo\nals Ladnerin oder in einem Büro,\nbis du wieder so weit bist.\nDa sagte er: jat Und er sagte: jawoll!\nUnd: geh nur und sehe nur zut\nDies Armenhausleben das wird mir zu toll,\nich habe vom Stempeln die Nase schon voll,\nwas ich kann, das kannst auch mal du!\nSo ging ich denn los und in eine Fabrik\nund gehe noch jetzt und noch lang.\nMein Mann sitzt zuhaus und verflucht sein Geschick\nund raucht Zigaretten (pro Tag vierzig Stück)\nund manchmal, da wird mir ganz bang."}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.11", "texte": "Da macht er so Augen und zählt das Salär\nund wütet und öffnet das Gas.\nTrotzdem er ES will. (Denn mein Chef liebt mich sehr\nund seit dieser Zeit da verdiene ich mehr,)\ndoch manchmal, da ärgert ihn das.\nDa fragt er mich, wo ich gewesen war,\nund ob ich und wie und so fort\nWie neulich (da waren wir nur in der Bar)\nund als ich nachhaus kam da schlug er mich gar\nund sperrte mich in den Abort.\nMein Chef sagt zwar immer: so nimm ihn doch hoch\nund gib ihm ’nen Tritt endlich mal!\nDoch bin ich soweit, ach dann reut es mich doch\nund manchmal, da ist mir, als liebt ich ihn noch\nwie einst bei der Linde im Tal.\n\nFEIND, NUR HERÄBI\nNICHT MIT DEM SCHNAUBENDEN GAULE.\nNICHT MIT DEM PRAHLENDEN MAULE\nSCHRECKST DU UNS AB!\nMUT IN DER BRUST!\nSCHARF WIE DER WIND UNSER SAEBEL,\nDUNKEL DIE BLICKE WIE NEBEL!\nKRIEG UNSRE LUST!\nHa, Veteran!\nRaus auf beschwingten Prothesen,\nWelt wird am Giftgas genesen!\nHopse voran!\n\nDAS IST IM LEBEN HAESSLICH EINGERICHTET\ndaß es manchmal so rasch den Zweck verliert\nund daß man selbst, wenn man auf es verzichtet,\ndann selbstverständlich einfach mitkrepiert.\nUnd viele leben so dahin und wissen\nund wissen nicht wieso und nicht warum\nund sind doch da und irgendwie beflissen\nnoch da zu sein weil sie doch sterben müssen,\nwenn sie’s nicht sind o curas hominum!\nSie stehen vor den Arbeitsämtern Schlange\nund sind teils jung, teils alt, bald still, bald laut,\nund warten drauf und warten furchtbar lange,\ndaß man ihr Leben noch total versaut."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.12", "texte": "Sie waren einmal was und hatten Ziele\nund hatten Aemter und vielleicht ein Haus\nund waren einzelne und sind heut viele\nund stehen deplaziert im Zeitgewühle\nund sehn wie abgelegte Kleider aus.\nUnd fristen so ihr leichenblasses Leben\nam Rande einer Welt die ihre war,\nund wo man lebt, da stehen sie daneben\nund ihre Zuversicht ist wunderbar.\nSie haben hier doch gar nichts mehr zu hoffen\nund sind so zwecklos wie ein lahmes Vieh.\nDie Suppenküchen stehen ihnen offen,\nsie sind gelegentlich einmal besoffen,\ndoch leben, leben, leben tun sie nie.\n\nMORGENROT, MORGENROT\nach, wie haben wir als kleine Jungen\ndiese Sache liebend gern gesungen.\n(War man doch als Kind so gern Soldat)\nICH UND MANCHER KAMERAD.\nKAUM GEDACHT, KAUM GEDACHT . . .\nhat man uns egal beim Wort genommen\nund ein Teil ist dabei umgekommen.\nUnd sie mußten, weil es viele gab,\nMORGEN IN DAS KUEHLE GRAB.\nACH WIE BALD, ACH WIE BALD . . .\nwird man auch uns andern, die entgingen,\nGräber schaufeln und das Amen singen.\nDenn wir taugen nichts mehr vor Verfall.\nACH DIE ROSEN WELKEN ALL.\nDARUM STILL, DARUM STILL . . .\ndaß man „draußen“ war, braucht niemand wissen.\n(Denn, dann hätte man ja fallen müssen.)\nUnd so man ihn nicht mehr brauchen kann,\nSTIRBT EIN BRAVER REITERSMÄNN.\n\nWAS IST DES DEUTSCHEN VATERLAND\nist’s Preußenland, ist’s Schwabenland?\no nein, o nein, o neinl\nWo aber jeder Schieberwanst\nauf deinem Elend Tango tanzt,\nda Bruder, muß es sein!"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.13", "texte": "ALLES, WAS WIR LIEBEN, LEBE\nvon dem Krisenhilfszuschuß,\nden man wöchentlich erhebe,\nje nachdem und lauf Beschluß.\nLieben können wir dann alles,\nwas wir wollen und auch: wie.\nDoch erlaubt das unser Dalies,\n(wenn wir wollen) leider nie.\nDenn die Krisenzuschußgelder\nsind nicht sonderlich pompös,\nund allmählich wird man älter,\nund das Kind ist skrofulös.\nUnd die Gattin, die man freite\nin der Heckenrosenzeif,\nlegt sich langsam auf die Seife\nund man tut sich selber leid.\nUnd am Epde wird die Minne\nschrecklich sparsam und bedacht,\nman liebt Brot mit Margarine\nund auch eine ruhige Nacht.\nDoch das alles kann uns eben\nunsrer hohen Bürgerpflicht\nnicht im kleinsten Maß entheben\nwas wir liebten, das soll leben,\nob wir noch . . . und: wenn auch nicht\nAlso, kurz und klein: es lebe\nhoch und lang und wunderbar\nvon dem Geld, das man erhebe,\nalles, was uns etwas war.\nAlles, was wir lieben, darbe,\nhungre, lechze, gehe ein.\nUnd das Kind verliert die Farbe\nund das Herz wird dabei Stein.\nUnd was leider leidet, leide\nweiterhin anTT—c,b—c,\nsterben können arme Leute\nauch auf einem Kanapee.\n\nDEUTSCHE JUGEND, UNSER HOFFEN\ndir etwa und hierzulande\nLebensmöglichkeif zu geben\n(Denn das willst du doch! Ja eben.)\nsind wir leider außerstande.\nDoch das Sterben steht dir offen.\n\nES KOMMT DIE STILLE NACHT HEREIN\nwo alle Menschen schlafen.\nIn einem Staat muß Ordnung sein\nund Ruhe für die Braven.\nSie ruhen nach des Tages Last.\nSie haben gut gegessen.\nSie träumen süß und hätten fast\nim Traum ein Weib besessen.\nDer Mond verweilt auf ihrem Bett.\nSie sind des Staates Stützen.\nSie waren aus und es war nett\nund manche müssen schwitzen.\nUnd manche müssen manchmal auf,\ndas hat nichts zu bedeuten.\nDie Sterne gehen ihren Lauf\nund ferne Uhren läuten.\nDie Polizei behütet sie\nund wacht mit scharfen Sinnen.\nSie ruhen sicher und als wie\ndie Kindlein in den Linnen.\nDaß draußen in der kalten Nacht\nverlorne Menschen wachen,\ndas haben sie sich nie gedacht.\nAudi hassen sie die Sachen.\nDaß einer ohne Heimat ist\nimd ohne Dach und Daunen,\ndas ist ein altbekannter Mist\nund gar nicht zum Erstaunen.\nWas kümmert sie in ihrem Traum\nein irrender Geselle.\nVor ihren Türen ist kein Raum\nfür hoffnungslose Fälle.\nUnd hämmert auch sein müder Schrift\nin ihre stille Stunde\ndie scharfe Wache nimmt ihn mit\nwohl bei der driften Runde.\nEr hat kein Recht, auf einem Stein\nden Morgen abzupassen .\nEin solcher muß gestorben sein,\ndaß sie ihn liegen lassen."}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.14", "texte": "ES IST BESTIMMT IN GOTTES RAT\ndaß so ein Mensch, der gar nichts hat,\nein Lump ist bis ans Ende.\nDenn schon wenn er sich nur verrät\nund sagt, daß er zum Stempeln geht\nschaut man ihm auf die Hände.\n\nTREUE LIEBE BIS ZUM GRABE\nschwör ich dir mit Herz und Hand.\nWas ich bin und was ich habe,\ndank ich dir, mein Vaterland.\nIch bin erstens und seit Flandern\nkörperlich etwas lädiert.\nZweitens hast du mir mit andern\nmein Erspartes ausgeführt.\nDrittens bin ich schon seit Jahren\narbeitslos und lebe samt\nallen, die so blöde waren,\nvon dem Wohlfahrtsrentenamt.\nSo daß ich nun nichts mehr habe\nals das Nachsehn. Und nichts bin\nals mit einem Fuß im Grabe\nund sehr bald total darin.\n\nDAS WANDERN\nIST DES MUELLERS LUST\ndas Stempeln, die der andern.\nDenn vielen ist es auf der Brust\nseitdem die Garde fortgemußf\nnicht mehr so recht nach Wandern,\nja wandern.\nVom Hunger haben sie’s gelernt,\njetzt sind es drei Millionen.\nMit Wohlfahrtsstempeln reich besternt\nhat man sie aus der Welt entfernt\nund nicht mit blauen Bohnen,\nja Bohnen.\nDas ist human in unsrer Zeit\nund dankbar zu bewerten.\nDrum; Brüder, übt, so arm ihr seid,\nnur immer Treu und Redlichkeit\nim Himmel und auf Erden,\nja Erden.\nUnd laßt den Müllern ihre Lust\nund laßt sie allen andern.\nEs können seid euch dess’ bewußt\nnicht alle mit geschwellter Brust\nund vollem Magen wandern,\ntja wandern.\n\nNOCH IST DIE BLUEHENDE, GOLDENE ZEIT\nnoch könnt ihr schieben und schwindeln,\nnoch sind auch wir, meine Herren, nicht so weit,\nnoch liegt das Ende in Windeln.\nHoffen wir, daß es die Not übersteht,\nHoffnung von drei Millionen.\nNoch, meine Herren, ist es noch nicht zu spät\ndann aber wird es sich lohnen.\n\nSOVIEL UNS DER MAIEN\nAUCH BLUEMELEIN BEUT\nfür uns blüht kein Schnittlauch im Garten.\nWir haben uns wieder vergebens gefreut\nund fangen im Maien der Rosen verstreut\nund fangen von vom an zu warfen."}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.15", "texte": "Wir haben uns lieb und wir haben ein Kind\nund haben die Hoffnung verloren,\nund haben nicht mehr als das Essen verdient,\nund daß wir noch gar nicht verheiratet sind,\ndas kam der Behörde zu Ohren.\nMan hat uns verhandelt. Man hat uns getrennt\nund riß uns brutal auseinander.\nWir haben verzweifelt getan und geflennt\nund haben neun Nächte im Stadtpark gepennt,\ndas Kind nahm ein guter Bekannter.\nJetzt gehen wir betteln, weil nirgendswo wer\nuns Arbeit verschafft und ein Bleiben.\nJetzt sind wir so weit wie neun Jahre vorher,\ndie Wohlfahrtsfürsorge, die gibt uns nichts mehr\n(laut Paragraph drei sagt das Schreiben).\nDas Schreiben sagt weiter, was weiter geschieht\nund wenn wir im Elend verkommen.\nUnd: . . . wenn man für uns keine Möglichkeit sieht,\nman möglicherweise das Kind uns entzieht\nMan\nhat\nes\nuns\nheute genommen.\n\nDEUTSCHES HERZ, VERZAGE NICHT\nwenn dir endlich mal ein Licht\naufgeht ausnahmsweise.\nBaue nicht auf bunten Schein,\nsag dir nur; das muß so sein.\nBleibe in der 1\ndas walte Gott, der helfen kann,\nmit dem Herrn fang alles an!\nUnd die Treue ehrenfest,\ndie dich jetzt verhungern läßt,\nwird sich schon noch lohnen.\nWohl steht dir das grade Wort,\naber fahre ruhig fort\nandere zu schonen,\ndas walte Gott, der helfen kann,\nmit dem Herrn fang alles an!\nUnd sei redlich fromm und frei,\neinmal wird die Schweinerei\ndoch ein Ende haben.\nDrum, o Herz, sei unverzagt,\ntu nur das, was man dir sagt,\nund laß dich begraben!\ndas walte Gott, der helfen könnte,\nwenn man sich darauf verstände.\n\nKEIN SCHOENRER TOD IST IN\nDER WELT\nals wenn aus unbekannten Gründen\nim Kohlengas die Sinne schwinden.\nDas ist statistisch festgestellt.\nBei diesen, die mit Veronal\nhochzeitlich auf dem Bett entschliefen,\nsucht man vergeblich nach Motiven.\nAuch wären solche nur banal.\nDaß manche sich im Äbendlicht\nauf einer Stadtparkbank erschießen,\nläßt nicht auf den Beweggrund schließen,\nUnd wenn auch, interessiert er nicht."}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.16", "texte": "Die Wasserleichen fragt kein Kind,\nwarum sie an der Lände liegen,\nman muß sich schon damit begnügen,\ndaß sie nicht mehr am Leben sind.\nMitunter freilich kommt es vor,\ndaß einer sich aus Hunger tötet.\nDoch wird dem noch das Maul verlötet,\ndas tote. Denn er war ein Tor.\n\nIN EINEM KUEHLEN GRUNDI\nda geht ein Mühlenrad\n(wenn es noch geht) zur Stunde\nnur noch per Kilowatt.\nUnd auch die hübsche Kleine,\ndie in dem Lied verblich,\nging heut’ wie irgendeine\nvermutlich auf den Strich.\nUnd manche kann man sehen,\ndie wissen nicht wieso\nsie heute stempeln gehen\nund gestern ins Büro.\nUnd gestern früh noch munter\nvielleicht in die Fabrik\nund heute gehn sie unter\nzu dreizehn Mark pro Stück.\nUnd morgen vielleicht leise\nstatt froh durch die Allee,\nauf eine dumme Weise\nsogar in einen See.\nUnd alles geht im Grunde\nwie dieses Mühlenrad\nschön langsam vor die Hunde\ndas dort gemahlet hat.\n\nSCHIER DREISSIG JAHRE BIST DU ALT!\nWie doch die Zeit vergeht\njaja, mein Freund, wenn man nicht bald\nwas ist, ist es zu spät.\nSoso, du feierst immer noch\n(gezwungen . . . das ist klar)\nund bist noch jetzt wie hieß sie doch\ndie damals bei dir war?\nSie ist ach Gott, nicht möglich das:\nsie ist jetzt eine Fraul\nund manchmal schenkt sie dir etwas\nwie nett von ihr . . . schau, schau!\nDie Zigaretten nur . . . aha,\nihr Mann hat ein Geschäft!\nEr darf nicht wissen Gott, na ja,\nwas ist, wenn ihr euch trefft.\nUnd sonst?\nAch so: ein bißchen Gast\ndaheim ... bei dir . . . zuhaus.\nWenn du noch eine Mutter hast,\nhaha ... so nütz das aus!\nDein Vater ... an die siebzig schon!\nWas . . . wieder im Büro?\nIch dachte: längst in Pension\nDas reicht nicht ganz . . . ach so!\nJaja . . . die Zeit ist interessant,\nes tut sich was, nicht wahr\ndas Tempo herrscht, nichts hat Bestand,\nist das nicht wunderbar!\nIch hab’ mir erst vor kurzem da\nden Wagen was . . . enorm\nliegt in der Kurve, zieht eins a\ntja, Mensch, man ist in Form!\nWas . . . eine Arbeit . . . als ob\nEmpfehlung . . . Hilfe . . . wie . . .\nwer da nicht lacht, hahaha, stop,\ndie Sache, die ist die:\nWir sind, man hat, ich bin, du weißt,\nach Gott, wie, schon halb zehn,\nich muß, nicht wahr, und was das heißt,\nna ja, auf Wiedersehn!"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.17", "texte": "ES WÄREN ZWEI KOENIGSKINDER\ndie hatten efcefera pp. . . .\nund außerdem war ein Hinder-\nnis da und ein grüngrüner See.\nUnd weil denen beiden Lieben\ndas Herze zersprang wohl zuletzt,\nda hat man sie aufgeschrieben\nund artig in Töne gesetzt.\nUnd wo es auch ist und immer\nwenn wer dieses Lied deklamiert,\nda ist bis zum Tränenschimmer,\nja Schimmer, ach alles gerührt.\nObgleich und wiewohl nicht minder\nauch heute noch solches geschieht,\ndoch hat man für diese Kinder\nkein Mitleid noch irgendein Lied.\nSie sind einfach draufgegangen\nlaut amtlichem Zeitungsbericht,\nDetails kann man nicht verlangen\nund interessieren auch nicht.\nIhr Sterben ist keine Ballade,\nsie hatten nicht einmal ein Hemd,\nsie hatten nicht Raum noch Lade\nund ist noch das Wasser zu schade,\ndas sie aus dem Leben schwemmt.\n\nNUN ADE, DU MEIN LIEB HEIMATLAND\nnur eine Frage noch\nvielleicht begreift mein Unverstand\nam Ende doch.\nIch bin ein deutscher Bürgersohn\naus wirklich gutem Haus\nund ging mit siebzahn Jahren schon\nins Feld hinaus.\nUnd war vier Jahre Feldsoldat\nund immer vorne dran\nund bis man abgeblasen hat\n(mein lieber Schwan)!\nUnd manchmal sagte man, ich sei\nein Held nach altem Brauch,\nund meine Mutter starb dabei.\nMein Vater auch.\nAls Held bleibt man bei sowas kalt\nund weint kein Weinen nie\nund denkt, die starben eben halt\nwie alle die.\nDer Frieden war kein Frieden nicht,\ndie Heimkehr nicht bequem,\nman spuckte uns ins Angesicht\nund außerdem.\nSo nahm man eben das Gewehr\ndann noch einmal zur Hand\nund schoß ein wenig hin und her\nim Vaterland.\nMan schoß ein bißchen auf gut Glück\nsolange bis man sah,\njetzt steht die deutsche Republik\ngefestigt da.\nErst dann erinnerte man sich\nund ließ die Waffen ruhn\nund dann begann man fürchterlich\nsich umzutun.\nMan lernte nach und lebte von\nder Luft und sonst auch wohl\nvon etwas Werkstudentenfron\nals stud. rer. pol.\nUnd wirklich wurde man einmal\nso irgendwas und wo\nund alles andre war egal\nund man war froh.\nDoch bald ging diese Sache schief,\nman wurde arbeitslos\nund ging zum stempeln oder schlief\nund hoffte bloß.\nDie Hoffnung schwand wie blauer Rauch\nund alle die, für die\nman soweit kam, die sagten auch,\nwas wollen Sie!\nNichts! sagte man und war soweit\nund wollte gar nichts mehr\nund sagte nur; ich weiß Bescheid,\no bitte sehr!"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.18", "texte": "Und ging dann einfach aus der Welt\nzur Fremdenlegion\nund war einmal ein deutscher Held\nund Bürgersohn.\nDas ist es, liebes Heimatland,\n(sei tausendmal gegrüßt!)\ndoch ist mir jetzt im Wüstensand\nnoch immer eines unbekannt;\nwarum, warum\ndas\nist?\n\nSCHOEN IST DIE JUGEND BEI FROHEN ZEITEN\n(vorausgesetzt, daß jene auch so sind)\nund außerdem (das läßt sich nicht bestreiten)\nkommt sie nicht mehr, kommt sie nicht mehr, mein Kind.\nIm übrigen kann man den Zimt auch singen,\ndas weiß man ja schon von der Schule her.\nDoch wie sie uns um unsre Jugend bringen,\ndas weiß man später erst. Dann aber sehr.\nWann war man jung, wie, wo, auf welche Weise,\nund war man nicht, was war dann dafür da?\nWir sind doch nicht als ausgewachsne Greise\nauf diese Welf gekommen, oder ja?\nDa war (das Nichfgewünschfe bitte streichen)\nzunächst der Krieg mit seinem Potpourri\nund unsre Kindheit roch etwas nach Leichen,\nauch war man immer hungrig und das wie.\nUnd etwas später kamen die Devisen,\ndie man nicht hafte, und man war zumeist\nein bißchen sehr auf sich selbst angewiesen,\nund wer da jung war, weiß schon, was das heißt.\nDann aber kam man mit dem Ernst des Lebens\nin ein Geschäft und war noch immer jung,\ndoch war man dieses leider meist vergebens,\ndenn weil man jung war kam die Kündigung.\nUnd man ging stempeln und begann zu hoffen,\nund hoffte wieder und hofft bis zuletzt,\nund ist trotzdem nicht einmal mehr betroffen,\nwenn es umsonst ist. Und das ist es jetzt.\nJetzt muß man vor sich selbst zur Seife treten,\nso ganz und gar unnötig wie wir sind.\nSchön ist die Jugend heut nur mit Moneten,\nvorausgesetzt doch wir sind alt, mein Kindl"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "121", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.19", "texte": "GENIESST DEN REIZ DES LEBENS!\nEs ist ja alles da.\nUnd laßt euch nicht vergebens\ndazu ermuntern jal\nDie Autos und die fahren,\nist das nicht wunderbar!\nAls wir noch Kinder waren\ngab’s das noch nicht, nicht wahr!\nDenn nur im Zeitgemäßen\nliegt auch der Reiz der Zeit.\nMan kommt heut* mit Prothesen\nvom Krieg her nicht mehr weit.\nUnd Häuser gibt es. Diese,\ndie sind wie ein Palast.\nSie sind’s für dich. Genieße,\nwenn du kein Obdach hast!\nUnd in dem Straßentreiben,\nda orgelt laut die Lust.\nDa kannst du gehn und bleiben\nund schreien wenn du mußt.\nUnd in den großen Läden\nliegt was dein Herz begehrt.\nDoch diese zu betreten\nist dir, mein Freund, verwehrt.\nDoch wird dich niemand hindern\nwenn du es dir besiehst\nund wenn du deinen Kindern\nerzählst: wie schön es ist.\n\nWIE KOENNT ICH DEIN VERGESSEN\nich bin kein Schuft, Mariei\nWer gab mir denn zu essen\nals ich vor Hunger schrie?\nAls ich nicht Dach, noch Kammer,\nnoch eine Bleibe fand.\nWer war in diesem Jammer,\nder mir zur Seite stand?\nDu bist ja selbst nur eine,\ndie hart ihr Brot verdient,\nund hast mir doch jetzt weine\nund klage nicht, mein Kind.\nDu gabst mir deine Liebe,\no du, wie gut tat sie.\nWas aber, wenn ich bliebe,\nwar ich: ein Schuft, Marie!\nIch kann ja doch nicht ewig\nvon dir erhalten sein.\nDas wäre mehr als schäbig,\nnicht wahr, das siehst du ein.\nSo sehr ich dein gedenke,\nso sehr vergesse ich\nmein Vaterland. Und schenke\nes her und trolle mich.\nDenn es ist nicht imstande\nDir gleichzutun, Marie.\nDu, eine Unbekannte,\nbist mehr als alle die,\ndie in Palästen wohnen\num unser Geld, mein Kind\nauf unserm Elend thronen\nund doch nur Gauner sind,\nArtisten leerer Phrasen,\nBlutsauger, Schurken, Vieh\nman soll sie hängen lassen,\nDich aber ohne Maßen\nverherrlichen Marie 1"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "122", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.20", "texte": "STIMMT AN MIT HELLEM,\nHOHEM KLANG\ndoch wenigstens dann Lieder.\nUnd schreit nicht immer stundenlang\nund macht die braven Leute bang,\nihr, ihr, ihr . . . Stempelbrüder!\nWas wollt ihr denn mit eurem Mist.\nDas interessiert doch keinen.\nEs ist nun einmal wie es ist\nund wer vernünftig ist vergißt\nam besten. Will mir scheinen.\nMan kommt nicht weit mit dem Geschrei.\nDas könnte euch doch dämmern.\nIhr zieht den Kürzeren dabei\nwenn sie (die von der Polizei)\nauf eure Schädel hämmern.\nDenn eure Not ist kein Problem\nzum Lösen sondern leider\nfür viele nicht sehr angenehm\nund etwas, was das Staatssystem\ngefährdet und so weiter.\nUnd wenn ihr Hunger habt, so schreit\nnur ja nicht über diesen.\nMan ist zur Zeit so rasch bereit\nein bißchen per Gelegenheit\nauf unsereins zu schießen.\nDrum singet lieber irgendein\nChanson statt der Proteste.\nDas könnte beispielshalber sein:\nFest steht und treu die Wacht am Rhein\ndas heißt, die Ueberreste."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "123", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.21", "texte": "Haus, Brücke und Segler\nMarcelle Cahn\nStatische Komposition\n\nWir bitten, dem beiliegenden Prospekt des Verlages\nRobert und Bruno Schultz besondere Beachtung zu schenken."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "125", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.23", "texte": "20. JAHRGANG\nMONATSSCHRIFT\nDER\nSTURM\nHERAUSGEBER: HERWARTH WAIDEN\nDie führende Zeitschrift\nder Jungen und Jüngsten\nAlle Schriftsteller, Dichter und Maler\nvon Welt ruf wurden in der Zeitschrift\nDer Sturm zuerst veröffentlicht u. a.:\nOskar Kokoschka • Franz Marc • Paul Klee • Kandinsky\nAlexander Archipenko • Campendonk • Kurt Schwitters\nMoholy-Nagy ■ Gino Severini • August Macke • Albert\nGleizes ■ Willy Baumeister • Johannes Itten • Louis\nMarcoussis • Fernand Leger ■ August Stramm ■ Mynona\nDER STURM wird in\n26 Staaten der Erde gelesen\nJahrgang: 12 Mark * Einzelheit: 1 Mark VERLAG DER\nSonderangebot: 10 Probehefte\naus verschiedenen Jahrgängen 3 Mark\nSTURM\nBERLIN W 15"}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "126", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg193012-01.1.24", "texte": "Verantwortlich für die Schriftleitung: V. Erdmann, Berlin W 15 / Verlag: Der Sturm 6. m. b. H.\nBerlin W 15, Kurfürstendamm 173 / Fernruf J 2 Oliva 5072 / Postscheckkonto Berlin 120 658\nDruck: Max Lichtwitz, Berlin SW 19, Neue Orünstraße 30\nManuskripte ohne Rückporto werden nicht zurückgesandt\n\nOGGI e DOMANI\nHERAUSGEBER* MARIO CA RU\ndie führende italienische illustrierte Wochenschrift\naller lebenden Künste\nJAHRGANG: 40 LIRE\nRedaktion und Administration: ROMA Via Bocca di Leone 22\n\nMEYERS\nLEXIKON\nI ÜliS\nftY\nv:»:\n'.V.\nw«v\nPf\nSk»; '-xKä\nM m\nv:\nS3K\n>V.\nsm\nK.V\nVV.\nW.V,\n12 BAN DE VON A-Z\nVO LLSTÄN DI G\nAusführlicher, illustrierter Prospekt\nkostenlos durch jede Buchhandlung\n\nW. MARZILLIER & CO.\nBERLIN W\nGRUNEWALDSTRASSE 1 4-1 S\nHofspediteur S. M.\ndies Königs von Spanien\nG egründlef 1854\nSpedition u. Möbeltransporte, Ver-\npackung u. Lagerung von Gemälden\nund Kunslgegenständen jeder Art,\nLieferung und Empfang nach und von\nallen Kunstausstellungen des In-und\nAuslandes.\nTransportversicherungen aller Art\nSpediteure des Wirtschaftlichen Verbandes Bildender Künstler\nder Secession • des Verbandes Deutscher Jilustratoren und\nHausspediteur des „Sturm\""}]}