{"numero_id": "bm-bmtnabg-1932-03", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_sha256": "e3e189a26b259f06d01842fdc9c15dc189728187590979e65e7da4871b79ebba", "source_tei": "https://github.com/Princeton-CDH/bluemountain-transcriptions/blob/main/periodicals/bmtnabg/issues/1932_03/bmtnabg_1932_03.tei.xml", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabg/issues/1932_03/bmtnabg_1932_03.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c001", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c001", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "couv. 1", "page_fin": "couv. 1", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.1", "titre_corps": "Table of Contents", "titre_sommaire": "Table of Contents", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.1", "debut_caractere": 25, "fin_caractere_exclue": 262, "texte": "Internationale Monatsschrift\nDrei Aerzte sprechen\n3awizani\nDie Patienten melden sich\nin die Kammer\niAVr\nJtfr\n+J&\n<!*\n< Hl\nDr. Shylock\nDer scharmante Stil\nBanausen\nUnterseeboot mit Medaillon\nHerausgeber^^\nVerlag Der Sturm Berlin-Friedenau"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c002", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c002", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "65", "page_fin": "66", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.2", "titre_corps": "Betrieb", "titre_sommaire": "Betrieb", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2559, "texte": "Betrieb\nHerwarth Walden\nEs wird gewählt. Das deutsche Volk politisiert sich. Immer\nund nur, wenn gewählt wird. Da dieses Volksvergnügen seltener\nstattfindet als der Karneval, sind Vorbereitung und Stimmung um\nso größer. Namentlich die Intellektuellen machen von sich reden\nund reden. Sonst außerhalb der Karnevalszeit sind sie grundsätzlich\nunpolitisch. Grundsatz ist bekanntlich das Zeichen des Charakters.\nVon dem der große Dichter Paul Scheerbart die klare Erklärung\ngab: Charakter ist nur Eigensinn. Aber die Intellektuellen haben\nCharakter. Während des Karnevals. Unter Intellektuellen versteht\nman die klassenlose Klasse der Menschen, die andern den Geist\neinreden wollen, den sie nicht haben. Sie beschäftigen sich während\ndieses Schlafzustandes mit den freien Berufen. Das sind die Berufe,\ndie viel Geld kosten, aber keins einbringen, wenn man keins hat.\nDafür ist die Beschäftigung interessant. Das Leben Gottes, das\nLiebesleben Goethes, die Suche nach Bazillen, die Rechtsfindung\nim Unrecht, die Ausgrabung alter Steintöpfe, die Beschilderung der\nNatur nebst sämtlichen Lebewesen. Das sind so Berufe an sich,\njetzt aber heißt es wählen. Alle sind Professoren. Kandidaten\nsind aufgestellt oder stellen sich auf und alle Professoren können\nprüfen. Sie wissen genau soviel von ihnen wie die Professoren, die\nes auch außerhalb des Karnevals sind. Man liest von ihnen, man\nhört von ihnen, sie werden von Künstlern oder Fotografen ver-\nunbildet. Kurz, man macht sich seine Meinung. Der eine Kandidat\nversprach und der andere verspricht. Gibt es eine schönere Zeit zu\nträumen, als Karneval oder Wahl? Vergangenheit und Zukunft\nwerden lebendig. Zum Karneval gehört die Mode von gestern oder\nvon morgen. Nur nicht die schale Gegenwart. Gestern und morgen\nsind die ewigen Parolen. Parolen müssen sein. Ein letzter militä-\nrischer Schimmer. Fahnen und Musik. Karneval.\nGoethe ist vor hundert Jahren gestorben. Kultur. Die Schulen\nwerden geschlossen. Alle Vereins Vorsitzende dichten. Sämtliche\nRegierungen halten den Atem an. Die Literaturhistoriker reisen\nzum ersten Mal. Maler und Dichter erinnern sich an ihre persön-\nliche Begegnungen. Alle Blumengeschäfte in Weimar sind ausver-\nkauft. In Frankfurt a. Main wird die Geburtsstätte neu errichtet.\nStudenten benehmen sich faustlich und trinken immer noch eins.\nHaddien werden immer noch wegen Abtreibung verurteilt. Der\ngütige Goethe ließ als Staatsminister Kindsmörderinnen hinrichten.\nWeil Recht vor Gnade geht. Recht gehört zu den erwähnten freien\nBerufen. Also kurz: Kultur. „Das Volk\" darf Goethes Werke"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2570, "texte": "kaufen. Auch auf Stottern. Mit Torquato Tasso und Iphigenie lebt\nes sich noch einmal so gut. Schließlich ist man das Volk der Denker\nund Dichter. Die Enkel sämtlicher Schüler Goethes werden an\ndiesem Tag zu Geheimen Regierungsräten ernannt. Ohne den Titel\nExcellenz, wenigstens in Deutschland. Guter Mond, Du gehst\nso stille.\nSonst im Westen, Norden und Süden nichts Neues. Im Osten\nführt Japan in China einen Verteidigungskrieg. Also einen völker-\nrechtlich erlaubten Krieg. Man nennt das heute nicht mehr Krieg,\nweil die Angelegenheit zur Zeit nicht beliebt ist. Eben wegen des\nVölkerrechts. Es ist also eigentlich kein Verteidigungskrieg, viel-\nmehr eine Kriegsverteidigung. Die Feindseligkeiten sind nur bild-\nlich gemeint. Japan wirft die Chinesen aus China zurück, weil\nihr Vaterland größer sein muß. Das Vaterland muß immer größer\nfür die Väter sein, die Land besitzen*. Besitz verpflichtet zu Besitz.\nUnd der Handel. Wenn die Chinesen nicht die guten japanischen\nWaren kaufen wollen, muß man die Waren eben verteidigen. Der\nHandel darf nicht stocken. Auch der Wandel nicht, lind wenn die\nLeute nicht kaufen wollen, dann müssen sie eben an den Ver-\nteidigungskrieg glauben. Namentlich an einen Krieg, der es im\nSinn des Völkerrechts nicht ist. Wenn auch die Generalität schießen\nläßt, so liegt das eben im Wesen der Generalität. Man soll solche\nBerufsäußerungen aber nicht mit Krieg bezeichnen. Außerdem soll\nChina übervölkert sein. Außerdem sollen die Chinesen hungern»\nWarum kaufen sie nicht japanische Waren. Dann haben sie keinen\nHunger mehr. Oder sie werden friedlich erschossen. Dann haben\nsie auch keinen Hunger mehr. Also die ganze Angelegenheit ist\nvölkerrechtlich einwandfrei. Oder wie Schiller sagte: „Es liebt die\nWelt, das Strahlende zu schwärzen.\"\nIn Berlin ist wie immer Betrieb. Wenn auch ohne Betriebs-\nsicherheit. Wenn auch die Betriebsräte friedlich werden. Berlin\nliebt den Betrieb an sich. Bierstreik zum Beispiel. Eine Molle\nWeißwein zur Abwechslung. Auch nicht wärmer als eine Flasche\nHelles. Da doch die Schultheiß-Aktien fallen. Die Brüder Sklarek\nversuchen noch immer, dem Gericht klarzumachen, daß die Berliner\nStadtbankdirektoren ungeeignet für Transaktionen sind. Sie werden\nes aber nicht schaffen. Eher werden sie noch verurteilt. Aber erst\nim nächsten Jahr. Im Zirkus Busch werden die Wahlverwandt-\nschaften vorbereitet. Mit dem volkstümlichen Untertitel: Freie\nLiebe? Die prominenten Hauptdarsteller werden durch ein Goldstück\nais solche gekennzeichnet. Die Verleihung erfolgt durch die Ritter\nder Presse. Am Klavier der Komponist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c003", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c003", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "67", "page_fin": "71", "image_debut": 5, "image_fin": 9, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.3", "titre_corps": "Für das Friedmann-Mittel : Neunzehnjährige Erfahrungen mit dem Friedmannschen Mittel bei den verschiedenen Formen der Lungen- und chirurgischen Tuberkulose", "titre_sommaire": "Für das Friedmann-Mittel : Neunzehnjährige Erfahrungen mit dem Friedmannschen Mittel bei den verschiedenen Formen der Lungen- und chirurgischen Tuberkulose", "signature_source": "Die Schriffleifung", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2557, "texte": "Für das Friedmann-Mittel\nNeunzehnjährige Erfahrungen mit dem Friedmannschen\nMittel bei den verschiedenen Formen der Lungen- und\nchirurgischen Tuberkulose\n\nDr. W. Pape / Sanifätsraf und bisheriger Chefarzt des Kreiskranken-\nhauses zu Herford / Mitglied des Staatlichen Hauptausschusses (1919—1922)\nzur Prüfung des Friedmann-Mittels\nIn neuster Zeit ist der Kampf um das Friedmannsche Heil-\nund Schutzmittel gegen die Tuberkulose wieder heftig entbrannt\nDa ich von 1913, also seit 19 Jahren ununterbrochen mit diesem\nMittel behandle, halte ich mich für berechtigt, ja im Interesse der\nKranken und Gefährdeten für verpflichtet, meine Erfahrungen, die\nich dabei gesammelt habe, an Hand einiger kurz gefaßter Bei-\nspiele zu veröffentlichen.\nIm Jahre 1918 habe ich meine bis dahin gemachten Beob-\nachtungen und guten Heilerfolge in einem Aufsatz der Münchener\nMedizinischen Wochenschrift bekanntgegeben. Schon damals wurden\nder Aufnahme meiner Arbeit von deren Schriftleitung Schwierig-\nkeiten bereitet. Meinen jetzigen Artikel jedoch haben die Mün-\nchener Medizinische Wochenschrift und die Deutsche Medizinische\nWochenschrift rundweg abgelehnt. Auch von vier anderen deutschen\nFachzeitschriften erhielt ich auf meine Ankündigung, daß ich über\nsehr günstige Friedmann-Erfolge zu berichten hätte»\nablehnenden oder dilatorischen Bescheid*).\nWenn ich 1918 gesagt habe, daß ich auf Grund meiner aus-\ngedehnten therapeutischen Erfahrungen an Tuberkulosekranken die\nguten Resultate, die damals schon Schleich, Kruse, Goepel, Kölliker,\nKühne, Palmie und viele andere hervorragende Aerzte und Forscher\nmit dem Friedmannschen Mittel erzielt und veröffentlicht haben,\nnur bestätigen könne, so kann ich das heute nach weiteren 14 Jahren\nerst recht. Es ist mir eine große Genugtuung, daß ich von meinem\ndamaligen günstigen Urteil heute absolut nichts zurückzunehmen\ngenötigt bin. Das Mittel hat auch weiterhin voll gehalten, was ich\nschon vor 14 Jahren feststellte. Ich habe mich an mehr als acht-\nhundert Fällen davon überzeugen können. Wenn der Arzt die\nIndikationen Professor Friedmanns streng erfüllt, dann wird er\n*) Bekanntlich war Dr. Pape von der Staatsregierung, dem Preußischen\nKultus- und Volksgesundheitsministerium 1919—20 in den engeren Aus-\nschuß von 24 anerkannten Fachautoritäten (fast ausschließlich ordent-\nlichen klinischen Universitätsprofessoren) zur Prüfung des Friedmann-\nschen Mittels berufen, der auf Veranlassung des Preußischen Landtags\ngebildet wurde. Die maßgebenden Stellen schätzen also seine Sach-\nverständigkeit und Kritik offenbar hoch ein."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3252, "texte": "neben der völligen Unschädlichkeit des Mittels auch seinen großen\nHeilwert erkennen und sich von den reichen Erfolgen selbst über-\nZ Was das Mittel im Einzelfall zu leisten vermag, zeigen die\nnachstehenden bemerkenswerten Fälle aus früherer und jüngster\nZeit*\n1. Kind St., 3 Jahre alt. Seit einigen Monaten sehr schmerzhaft tuber-\nkulöse Anschwellung des einen Knie- und ochultergelenks. In beiden\nGelenken deutliche Fluktuation. Im April 1928 F.-Impfung. Nach\neinigen Wochen wesentliche Besserung und Äbschwellung der Ge-\nlenke, auch das Fieber ging zurück. Nach einigen Monaten konnte\nmit passiven Bewegungen der Gelenke begonnen werden. Nach etwa\neinem Jahr war völlige Heilung eingetreten, so daß Arm und Bein\nwieder gebraucht werden konnten* Heute ist das 17 Mädchen\nkräftig und gesund. „ 1t\n2. Frl. N., 20 Jahre alt, wurde am 18. 12. 13 wegen beginnender Kehl-\nköpf mit geimpft# An der Hinterwand\ndes Kehlkopfes befand sich ein tiefes Geschwür, das schon einmal\nin Schwebelaryngoskopie erfolglos canterisiert war. Vom fünften\nTage der Impfung verkleinert sich das Ulcus. Am 23. 1. 14 Schluß-\ngutachten des Laryngologen: „Das Ulcus ist bis auf ein Drittel\nverkleinert, so daß hier auf vollkommene Vernarbung zu hoffen ist.\"\nNachuntersuchung am 27. 2. 1917: Seit Januar 1914 Wohlbefinden\nund ununterbrochene Arbeitsfähigkeit, als Zigarrenarbeiterin. Die\nN. gibt an, seit der F.-schen Einspritzung dauernd gesund zu sein.\nVor etwa einem Jahre sah ich die N. zufällig wieder und\nstellte fest, daß sie gesund und Mutter gesunder Kinder war.\n3. Karl L., Landwirtssohn, 19 Jahre alt, kam am 28. 5. 1919 mit mehreren\nhühner- bis enteneiergroßen tuberkulösen Lymphdrüsen am Halse zu\nmir, die in einem Krankenhause exstirpiert werden sollten. Eine an\ndemselben Tage vollzogene F.-Impfung verkleinerte die Drüsen sehr\nschnell. Eine am 14. 2. 20 vorgenommene zweite Impfung beseitigte\ndie noch zurückgebliebenen Anschwellungen vollends, so daß heute\nnach 13 Jahren nichts mehr davon zu sehen ist. L. ist dauernd völlig\ngesund.\n4. A. V., Friseur, wurde wegen fistelnder Tbc. des dritten Mittelhand-\nknochens der rechten Hand, die viele Jahre lang vorher von anderen\nSeiten mit allen möglichen Methoden vergeblich behandelt worden war,\nim Jahre 1927 nach Friedmann geimpft. Am 23. 12. 1929 schreibt V.:\n„Ich fühle mich bis heute sehr wohl.\" Er war glücklich darüber,\ndaß er seinen Beruf seit der Heilimpfung wieder ausüben konnte.\n5. Herr V., Landwirt, 20 Jahre alt, kam am 17. 3. 27 wegen sehr großer\ntuberkulöser Halsdrüsenpakete in meine Behandlung. Auf eine an\ndemselben Tage verabfolgte F.-Impfung (0,5 schwach) waren am\n28. 1. 28 die Geschwülste völlig verschwunden, bei einer Gewichts-\nzunahme von 10 Pfund.\n6. G. K., 40 Jahre alt, kam am 11. 9. 1929 wegen doppelseitiger Hoden-\ntuberkulose in meine Behandlung, weil er sich einer von einem\nhervorragenden Facharzt beabsichtigten beider-\nseitigen Kastration nicht unterziehen wollte. Ueber\ndem rechten Hoden bestand eine stark eiternde Fistel, die Epididymis\n(der Nebenhoden) war knollig verdickt, der Samenstrang spindel-\nförmig angeschwollen bis zum Umfang eines Daumes. Nach einer\nF.-Impfung (0,25 stark) war die Fistel nach drei Monaten geschlossen\nund die Hodenschwellung wesentlich zurückgegangen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3463, "texte": "\"\\X< eil die alte Fistel seit einigen Wochen wieder etwas absonderte,\nwurde am 7. 10. 31 die Impfung mit 0,5 ganz schwach wiederholt.\nAm 29. 12. 31 schreibt K.: „Es geht mir sehr gut. Mföt dankerfülltem\nHerzen schreibe ich Ihnen, daß ich mich gut gebessert und an Ge-\nwicht 10 Pfund zugenommen habe. Die Geschwulst ist völlig ver-\nschwunden.\" Der Mann befindet sich durch die Impfungen jetzt in\naußerordentlich gesteigertem allgemeinen Wohlbefinden. Die Heilung\nhat ihn vor der entmannenden Kastration bewahrt.\n7. H. R., 32 Jahre alt, bekam im Jahre 1922 infolge eines Stoßes gegen\nden rechten inneren Fußknöchel eine tuberkulöse Fußgelenkentzündung\nund wurde ein Vierteljahr in Krankenhäusern mit Gipsverbänden und\nverschiedenen operativen Eingriffen behandelt. Nach zwei Jahren\nVerschlimmerung des Leidens. Dann wieder ein halbes Jahr Be-\nhandlung im Krankenhause. Im Jahre 1927 wieder Verschlimmerung\nund 16 Monate Krankenhausbehandlung. Dann Entlassung mit totaler\nVersteifung des Fußgelenks und starker Verdickung des inneren\nKnöchels. Befund am 8. 4. 31: Rechter innerer Knöchel stark ver-\ndickt; eine tuberkulöse Fistel führt in ihn und sondert sehr viel dünn-\nflüssigen Eiter ab. Eine etwas kleinere ebenso beschaffene Fistel\nführt zwischen Achillessehne und Knöchel in die Tiefe. In der Umgebung\ndieser Fistel deutliche Fluktuation. F.-Impfung (0,5 ganz schwach)\"!\n21. 4. 31: Die subjektiven Beschwerden haben nachgelassen. Schlaf und\nAppetit wesentlich besser. Der anfangs vermehrte Abgang von Eiter\naus der Fistel hat seit einigen Tagen abgenommen. Innerer Knöchel\nnoch druckempfindlich.\n11. 6. 31: Allgemeinbefinden erheblich besser. Gewichtszunahme\nvon 5 Kilo. Die Wunde granuliert gut, Eiterung geringer.\n16. 7. 31: Befinden sehr gut. Eiterung nur noch minimal, ebenso\ndie Schmerzen.\n21. 10. 31: R. wird völlig geheilt entlassen.\n8. G. R. Schreiber, 19 Jahre alt, eine Schwester an Tuberkulose ge-\nstorben. Seit 1924 Schmerzen im linken Kniegelenk nach einem\nSturz darauf beim Rodeln. Lange Behandlung mit Gips- und Streck-\nverbänden, allmähliche Versteifung des Gelenks. Auf dem inneren\nCondylus des linken Kniegelenks eine fluktuierende schmerzhafte\nStelle. Muskelatrophie am ganzen linken Bein. Röntgenaufnahme\nzeigt am inneren Condylus einen erbsengroßen nekrotischen tuber-\nkulösen Herd. Am 20. 8. 31 F.-Impfung.\nAm 19. 10. 31: Schmerzen erheblich geringer und keine Fluktuation\nmehr. Am 6. 1. 32 wurde R. von dem Facharzt, der ihn früher be-\nhandelte, für geheilt erklärt.\n9. F. 8., Handlungsgehilfe, 28 Jahre alt, am 11. 4. 31 in meine Behand-\nlung, befindet sich seit 6 Wochen in einer Lungenheilstätte wegen Tbc.\nder Lunge. Seit Ende Januar 31 Husten und Auswurf, der Tuberkel-\nbazillen enthält. Es besteht typischer Katarrh auf der linken Lunge,\nbesonders im Unterlappen. Am 18. 4. 31 F.-Impfung. Am 26. 5. 31\nSputum bereits frei von Tuberkelbazillen. Appetit und Schlaf gut.\nGeheilt aus der Heilstätte entlassen mit dem Bemerken, er habe eine\nglänzende Kur gemacht. Darauf teilte B. dem Arzt mit, daß er hinter\nseinem Rücken sich nach der Friedmann-Methode habe impfen lassen.\nDer Arzt bat ihn dann, ihn weiterhin über seinen Gesundheitszustand\nauf dem laufenden zu halten.\n10. E. E., Schriftsetzer. Keine erbliche Belastung. Nach Grippe im Jahre\n1927 Lungentuberkulose. Drei Kuren in einer Heilstätte ohne Er-\nfolg. Ueber der ganzen linken Lunge Dämpfung und abgeschwächte\nAtmung. Am 4. 6. 31 Röntgenaufnahmen, der ganze linke Oberlappen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3404, "texte": "ist verschaffet, das rechte Spitzenfeld In geringem Grade. In der\nlinken Lunge pflaumengroße Kaverne. Auswurf enthält Tuberkel-\nbazillen. F.-Impfung. Am 8. 6. Wohlbefinden, aber Zunahme des\nAuswurfs. Am 16. 7. 31 Gewichtszunahme von drei Kilo, merkliche\nAbnahme des Auswurfs. Eine Kontroll-Röntgenaufnahme zeigt Auf-\nhellung beider Spitzen, besonders links. Am 6. 8. 31 Befinden sehr\ngut. Kein Katarrh mehr. Gewichtszunahme von im ganzen vier Kilo.\nAm 10. 12. 31 hat die Verschattung zum größten Teil normalem\nLungengewebe Platz gemacht. Befinden nach wie vor gut. Gewichts-\nzunahme im ganzen BV2 Kilo. Es besteht nur noch unerheblicher\nHusten mit geringem Auswurf ohne Tuberkelbazillen. Die linksseifige\nKaverne ist verschwunden.\n11. H. H., Zuschneider, 24 Jahre alt. Seif der Kindheit Husten und\nAuswurf. Vor zehn Jahren Kur in Lippspringe. Eltern und Ge-\nschwister gesund. Im linken Unterlappen Katarrh. Das Röntgen-\nbild zeigt im linken Unterlappen streifige Verschaffung und im\nlinken verbreiterten Hilus kirschgroße Bronchialdrüse. Am 22. 10. 31\nF.-Impfung. Am 1. 2. 32 Wohlbefinden. Appetit gut, Husten und\nAuswurf nur noch sehr wenig. Röntgenkonfrollbild zeigt den linken\nHilus erheblich schmaler und von der Bronchialdrüse isf nichts mehr\nzu sehen.\n12. F. K., Bücherrevisor. Befund am 10. 10. 31: Auf der rechten Lunge\nabgeschwächtes Atmungsgeräusch und leichte Schallverkürzung. Rechte\nLunge bleibt bei der Atmung zurück. Röntgenbild zeigt strangförmige\nTrübung in der rechten Lunge, in der linken Verbreiterung der Hilus-\nzeichnung. Typische beginnende Tuberkulose. Am 20. 10. 31 F.-Imp-\nfung (ganz schwach). Am 24. 11. 31 schreibt K.: „Ich habe mich bis-\nher nach der Einspritzung sehr wohl gefühlt und keinerlei Beschwerden\nmehr gehabt.\" Ist geheilt.\n13. P. 8., 21 Jahre alt, Schlosser. Kräftiger, gut genährter Mann. Beide\nEltern an Lungentuberkulose gestorben. Seit vier Jahren linksseitiger\ntuberkulöser Lungenkatarrh. 1926 Heilstätte bis März 1927, dann\nPneumothorax. 1928 wiederum Heilstätte. 1929 Haemoptoe. Ein\nhalbes Jahr im Krankenhause, dann bis Februar 1930 Heilstätte. Von\nda arbeitsfähig entlassen. Erkrankte aber bald wieder. Vom 10. 3. 31\nbis 2. 4. 31 wieder in Heilstätte, von wo B. mit der Weisung ent-\nlassen wird, sich in seiner Vaterstadt eine Thoracoplasfik machen zu\nlassen. Bei der Entlassung (es war einige Wochen vor\nOstern) wurde ihm von dem Heilstättenarzt gesagt,\ndaß, wenn er in die Operation nicht einwillige, seine\nAngehörigen schon am Osterfest einen Kranz auf\nsein Grab legen könnten.\nB. hat es vorgezogen, die Operation nicht machen zu lassen.\n18. 4. 31: Das Röntgenbild zeigt Verschattung des linken Ober-\nlappens und walnußgroße Kaverne im dritten Intercostalraum links.\nRechter Hilus verbreitert. Friedmann-Injektion. 6. 6. 31: Befinden\ngut. Husten und Auswurf weniger. 24. 7. 31: Kontroll-Röntgen-\nauf nähme zeigt wesentliche Besserung. Verschattung links viel ge-\nringer. Kaverne verkleinert. 1. 2. 32 Befinden dauernd gut. Morgens\netwas Auswurf. Es besteht noch mäßiger linksseitiger Katarrh. Zweite\nKöntgen-Kontrollaufnahme zeigt Abnahme der Verschattung, Ka-\nverne verschwunden.\n14. G. L., Schlosserlehrling, 17 Jahre alt. Seit einem halben Jahr lungen-\nkrank. Ernährungszustand mittelmäßig. Körpergewicht 47 Ys Kilo.\nSputum positiv. 10. 9. 31 Röntgenbefund: Beide Lungenspitzen ver-\nschaffet, rechts mehr als links. Im linken Hilus drei vergrößerte"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.9", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2230, "texte": "tuberkulöse Bronchialdrüsen. F.-Impfung, am 20. 9. 31 Befinden sehr\ngut. Sputumuntersuchung nach der Impfung zweimal negativ. 3.11.31\nGewichtszunahme von sechs Pfund. Befinden sehr gut. Appetit vor-\nzüglich. Während L. vor der Impfung abends von der Arbeit so\nmüde nach Hause kam, daß er sich hinlegen mußte, ist er jetzt\nkräftig und arbeits- und lebensfroh. Am 24.11.31 Befinden in jeder\nBeziehung gut. Gewicht 51 Kilo. 3. 2. 32: Rechts oben noch einige\nkatarrhalische Geräusche. Befinden nach wie vor gut. Sputum negativ.\nDiese wenigen Fälle mögen für hundert analoge genügen.\nVon allen bisherigen Mitteln und Behandlungsmethoden der\nTuberkulose ist unzweifelhaft der von Friedmann entdeckte Schild-\nkrötenbazillenstamm (Berl. Klinische Wochenschrift 1912, Nr. 47)\nam wirksamsten und unschädlichsten.\nDie günstigen Resultate müssen auch den Skeptiker über-\nzeugen und dazu beitragen, die Anfeindungen, denen die Fried-\nmannsche Entdeckung in Deutschland leider noch immer ausgesetzt\nist, zu widerlegen und dem Mittel unter den Waffen im Kampfe\ngegen die Tuberkulose den souveränen Platz zu sichern, der\nihm gebührt.\nEs ist zu bemerken, daß die meisten Lungentuberkulosen, die\nim letzten Jahre von Dr. Pape heilgeimpft wurden, aus Lungenheil-\nstätten kamen, in den man sofort mit Nervenschnitt und Pneumothorax\nbei der Hand war, sehr oft zum Schaden der Patienten.\nDie endliche allgemeine Einführung der Friedmannschen Heil- und\nSchutzimpfung auch in Deutschland wird eine Umstellung der Heilstätten-\nund der Tuberkulose-Fachärzte erforderlich machen. Das gilt auch von\nder medizinischen Fachpresse. Gerade in den letzten drei Jahren häufen\nsich die Friedmann-Erfolge im gesamten Ausland immer mehr. Ein Land\nnach dem andern erkennt die Friedmann-Methode durch die Gesundheits-\nämter offiziell an und führt sie ein. Deutsche Tuberkulosekranke be-\nginnen sich unter Führung von Aerzten aus dem ganzen Reich und von\nprominenten öffentlichen Persönlichkeiten zu organisieren. Daher versucht\ndie medizinische Fachpresse eine absolute Blockade des Friedmann-\nMittels herbeizuführen, von dem Geheimer Medizinalrat Dörrenberg\nsagte, es sei „der größte Fortschritt, den die Heilkunde seit Semmelweiß\naufzuweisen hat\".\n\nDie Schriffleifung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c004", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c004", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "71", "page_fin": "77", "image_debut": 9, "image_fin": 15, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.4", "titre_corps": "Mit dem Friedmann-Mittel : 13jährige eigene Erfahrungen in der Tbc.-Behandlung", "titre_sommaire": "Mit dem Friedmann-Mittel : 13jährige eigene Erfahrungen in der Tbc.-Behandlung", "signature_source": "med. Gebert/Luckenwalde", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 9, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.9", "debut_caractere": 2232, "fin_caractere_exclue": 2723, "texte": "Mit dem Friedmann-Mittel\n13jährige eigene Erfahrungen in der Tbc.-Behandlung\nDr. med. Gebert/Luckenwalde\nDie großen wissenschaftlichen Kontroversen für und gegen Fried-\nmann, die vor zwölf Jahren mit so großer Erbitterung geführt wur-\nden, — besser wäre es wohl gewesen, wenn deren Klang nicht so\nweit hin hörbar gewesen wäre, besser für die Wissenschaft und ihre\nTräger, noch besser für die zahllosen Opfer dieser Krankheit, —\nsind längst verklungen und auch längst vergessen. Von damaliger"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.10", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2711, "texte": "Zeit an und ein Jahr früher, seit dem Jahre 1919, habe ich die\nschwache Emulsion des Friedmann-Mittels bei mehreren hun-\ndert von Fällen verschiedenster Tuberkuloseformen angewandt»\nEs handelt sich durchweg um Fälle, bei denen Tu-\nberkelbazillen im Sputum nachgewiesen wurden\noder um schwere häufig wiederkehrende Lungen-\nblutungen.\nUnd dabei bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:\nAus allen Mitteilungen, die man über das Friedmann-Mittel ver-\nnahm, war als einzig nicht umstritten die Tatsache festzustellen,\ndaß das Mittel vollkommen unschädlich ist. Durch die Art der Ge-\nwinnung — die Bazillen stammen aus Organen (Lungen) von Kalt-\nblütern (Schildkröten) — war die Gewähr gegeben, daß eine Stei-\ngerung der Virulenz im Warmblüter Mensch nie zu befürchten\nsei. Die Gutachten Ehrlichs aus dem Jahre 1913 und 1914 und des\nStaatlichen Prüfungsausschusses aus den Jahren 1920—23 über die\nvöllige Unschädlichkeit des Friedmann-Mittels gaben mir die Gewähr,\ndaß ich mit gutem Gewissen das Mittel an hilfesuchenden Menschen\nanwenden durfte, die in ihrer Angst vor Siechtum und frühem Tode\num Hilfe flehten.\nAls die Stürme erdrückender Proteste durch den wissenschaft-\nlichen Blätterwald gegen das Schildkröten-Vaccin von Friedmann\nbrausten, lagen meine erst behandelten Fälle schon an zwei Jahre\nzurück. Bei etwa 15 Kindern und Jugendlichen mit positivem\nTuberkelbefund war die Friedmannimpfung von verblüffender Wir-\nkung. Ich konnte anfangs nicht glauben, daß das, was ich sah, auch\nWirklichkeit war. Ich konnte meine große Freude niemandem\nschildern, die Kollegen am Ort verhielten sich gegen das Friedmann-\nMittel alle ablehnend. Nur der Stadt- und Kommunal-Arzt hatte\nInteresse an dieser, meiner Arbeit. Auch die Nachfolger jenes\nHerrn in gleicher Stellung interessierten sich für Friedmann, konnten\nsich indes nicht entschließen, das Mittel zur Anwendung zu bringen.\nWährend in den ersten Jahren bis 1923 hauptsächlich beginnende\nTuberkulosefälle Jugendlicher behandelt wurden, und ich an den\ngeradezu wunderbaren Umstimmungen des Gesamtorganismus solcher\njungen Patienten immer wieder von neuem die sichtbare Wirksam-\nkeit des Mittels von Friedmann bewundern, um nicht zu sagen\nbestaunen mußte, ging ich in den folgenden Jahren immer weiter.\nIch erweiterte das Indikationsgebiet immer mehr. Ich tastete mich\nallmählich an schwere und sogenannte aussichtslose Fälle heran. In\nder Literatur über Friedmann las man immer weniger, bis sie in\nden letzten Jahren ganz versiegte. Das sei zur Schande der Schrift-\nleiter der sogenannten wissenschaftlichen medizinischen Zeitschriften\ngesagt. Der Boykott über die Erfolge mit dem Friedmann-Mittel,\nden die wissenschaftlichen Zeitschriften auch heute noch durch-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.11", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2731, "texte": "führen, ist ein schwerer Schlag für das Dogma von der Unbestech-\nlichkeit der Wissenschaft. Auch dieser Beitrag wurde von zwei\nangesehenen medizinischen Fachzeitschriften*) ohne Kenntnis seines\nInhalts abgelehnt, nur weil er vom Friedmann-Mittel handelt. Und\ndann wird gegen Friedmann der Vorwurf erhoben, er hätte sich\nnicht an die Tagespresse wenden dürfen.\nDie felsenfeste Gewißheit, daß das Mittel vollkommen unschäd-\nlich ist, stand für mich schon lange fest. Nil nocere — keinen\nSchaden anrichten, war oberstes Gesetz meines Handelns. Mit\nder auch nur entferntesten Möglichkeit, daß die Tuberkelbazillen, die\naus dem Kaltblüter stammen, im Warmblüter Mensch zu stärkerer\nGiftigkeit kommen könnten, hatte man nach vorhergegangener, ge-\nnauester Prüfung und exaktesten Versuchen nicht zu rechnen. Ich\nhabe auch nie, solange ich nun das Mittel anwende, eine Schädigung,\nwie etwa Verschlimmerung des Allgemeinbefindens, erhöhten Aus-\nwurf, vermehrten Husten, raschen Verfall, Abmagerung und schnelles\nDahinschwinden der Lebenskräfte beobachtet.\nUnd die gleiche Erfahrung, die ich bei beginnenden Er-\nkrankungen Jugendlicher machen konnte, machte ich auch bei diesen\nschweren Krankheitsfällen: Cavernen schließen sich cirrho-\ntisch, bindegewebsartig, schwere Lungenblutungen, die sich über einen\nZeitraum von 3, 4, 5, 6, ja 8 und mehr Jahre hin jedes Jahr mehr-\nmals wiederholt haben, — Tuberkelbazillen werden im Auswurf\nvon anderer Seite festgestellt — blieben nach einer einmaligen\nInjektion der schwachen Emulsion des Friedmannschen Mittels für\ndauernd weg. Das Wort „dauernd\" gebrauche ich mit Absicht;\ndenn, wenn ein schwer Tuberkulosekranker, der in den Jahren 1921,\n22, 23, jedes Jahr öfters schwer geblutet hat und während dieser\nZeit 16 Monate voll erwerbsunfähig war, Oktober 1923 mit dem\nFriedmann-Mittel geimpft wird, und von da ab bis November 1931\nnie wieder blutet, bis zum heutigen Tage in einem schweren Berufe\nals Maschinenschlosser vollerwerbsfähig ist, so nenne ich diesen Zu-\nstand bewußt „dauernd\" geheilt. Diesen Mann sah ich vor einigen\nTagen bei mir in der Sprechstunde. Er erfreut sich des besten\nWohlbefindens.\nEine andere Lungenblutung: Ein großer, kräftiger Mann, An-\nfang der Dreißiger, bekommt plötzlich im Frühjahr 1921 Lungen-\nbluten, das sich alle ein, zwei, drei Monate wiederholt. Er muß\nseine Arbeit von einem Gesellen verrichten lassen — er ist Schmiede-\nmeister — und muß häufig im Bett liegen. Er wird abwechslungs-\nweise von Aerzten und Heilkundigen, Homöopathen, Biochemikern,\n*) Die beiden Zeitschriften sind die „Medizinische Welt\" und die\n„Münchener Medizinische Wochenschrift\". Man vergleiche „Raummangel I\"\nund „Raummangel II\" in Heft 1 und 2 dieser Zeitschrift. Die Schriftleitung."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.12", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2827, "texte": "weisen Frauen, sonstigen Berufenen und Unberufenen behandelt. Er\nblutet trotzdem weiter, 1922, 1923, 1924, 1925. Auch 1926 treten\nwieder erhebliche Blutungen auf. Sehr stark blutet er 1927, so daß\ner, der Kinderlose, mit dem Gedanken umgeht, seine Schmiede zu\nverkaufen. Auch sein Allgemeinbefinden wird immer schlechter.\nSein Gewicht bei einer Größe von 178 cm ist nur nur 120 Pfund. Er\nist immer müde, abgespannt, kann nur schlecht essen, hat Ekel vor\nFleisch, Fett und Butter. Im Spätsommer 1929 eine neue, starke\nBlutung, wiederholtes Herausbrechen von zwei bis drei Tassenköpfen\nvoll hellen, schäumigen Blutes. Da werde ich, da ich zufällig im\nDorf bin, gerufen. Es schließt sich ein neunwöchiges schweres\nKrankenlager an, mit wechselndem hohen Fieber und noch wieder-\nholten Blutungen. Am 25. Oktober 1929 bekommt er eine schwache\nEmulsion des Friedmann-Mittels subkutan. Es folgt rasche Erholung,\nBlutungen traten nicht wieder auf, die Temperatur ging sehr rasch\nauf die Norm zurück, die lästigen Schweißausbrüche hörten auf, der\nAuswurf wurde weniger, der Husten ließ nach, kurz, es trat eine\nvollständige Umstimmung des Organismus ein. Juli 1930: Es be-\nsteht kein Husten mehr, Blutungen haben sich auch nicht mehr an-\ndeutungsweise gezeigt. Auswurf, der im Spätsommer 1929 sehr\nreichlich war, hat vollkommen nachgelassen, Patient kann stark\nessen und wiegt im Juli 1930 72 Kilo. Im Oktober 1930: Kann\nalles mit großem Genuß essen. Fängt langsam in der rauchigen\nSchmiede zu arbeiten an. Ich riet ihm dringend davon ab, aber ohne\nErfolg. Januar 1931: Arbeitet wieder den ganzen Tag bei bestem\nWohlbefinden. Juni 1931: Gewicht 89 Kilo. Er hat seinen Gesellen\nentlassen, macht die Arbeit in der rauchigen Schmiede von früh\n5 Uhr bis abends 7 Uhr allein. Heute, im März 1932, ist das Bei-\nfinden unverändert gut.\nNun könnte man einwenden, solche Krankheitsfälle heilen doch\nauch spontan. Jawohl, es gibt solche Fälle, die ohne irgendwelche\nBehandlung heilen. Aber man muß solche Menschen Jahre hin-\ndurch als unbeteiligter Zuschauer beobachtet und mit angesehen\nhaben, wie sie immer weniger wurden, wie sie immer mehr verfielen,\nwie die Augen immer größer und glänzender, die Ohren immer\ndurchsichtiger, die Lippen immer blasser, die Nase immer spitzer,\ndie Haare immer weniger und glanzloser, die Bewegungen von Mal\nzu Mal langsamer, die Sprache immer temperament- und kraft-\nloser wurde, und wie das Interesse solcher Menschen an den Vor-\ngängen um sie herum immer geringer wurde. Und wenn nun solch\nein Schwerkranker, der schon mehrere Jahre hinsiechte, plötzlich\nnach so einer Injektion wie umgewandelt wird, wieder neuen Lebens-\nmut bekommt, zu essen anfängt, an Gewicht zunimmt, frischer,\nlebhafter wird, mit einem Wort, vollkommen umgestimmt wird,\n— aber wie schon oben gesagt, all das erst nach einer Friedmaitrt-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.13", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2780, "texte": "Injektion, — dann fällt einem der Glaube an Spontanheilung doch\nzu schwer. Man Ist sicher eher geneigt, die Wirkung auf das Mittel\nzurückzuführen und besonders dann, wenn es sich um ganz schwere\nKrankheitsformen handelt. Warum sollte eine Krankheit, die vom\nJahre 1921 bis zum Jahre 1929 immer häufiger, immer schlimmer\nauftritt, die den Körper immer mehr schwächt, Ihm in ständig\nwachsenden Maße Lebens- und Erhaltungskraft entzieht, ihn von\nJahr zu Jahr reduziert, den Arbeitswillen und den Mut zum Leben\nvon Jahr zu Jahr mehr schwächt, einen Mann von einem vor Ge-\nsundheit strotzenden, wuchtigen, baumlangen Kerl zu einem hin-\nsiechenden, mehr Im als außer Bett lebenden Kranken macht, der\nmit trägen, langsamen, willenlosen Bewegungen nur die notwendig-\nsten Schritte macht, der widerwillig und lustlos nur das Nötigste an\nNahrung zu sich nimmt, warum, frage ich mich, sollte nun eine\nsolche Krankheit nach achtjähriger Dauer ganz plötzlich ohne äußeren\nAnlaß aufhören! Muß man in einem solchen Falle nicht mit Recht\nüberzeugt an die Wirkung des Mittels als Ursache für die Um-\nstimmung glauben? Man würde in diesem Fall das kritische Urteil\nzum schlimmsten Skeptizismus steigern, suchte man hier diese\nvollkommene Umstellung im Körper als Spontanheilung zu er-\nklären. Heute Morgen sah ich den Mann in seiner Schmiede ar-\nbeiten, mit wuchtigen Schlägen den großen Hammer mit einem\nArme schwingen, ich sprach mit Ihm, ein Bild von Gesundheit und\nKraft, so wie vor 10 Jahren vor Ausbruch der Krankheit. Er will\nwieder zum röntgen kommen, aber erst, wenn die Herbstarbelt\nauf dem Felde vorbei ist. Jetzt hat er täglich 12—14 Stunden in\nseiner Schmiede zu tun und hat auch noch nebenbei allerlei mit der\nKartoffel- und Rübenernte zu schaffen. „Aber, Herr Doktor, wie\nmir auch das Essen schmeckt, zum ersten Frühstück drei belegte\nStullen, aber ganz herum um den Brotlaib geschnitten!\" Das ist\nder oben geschilderte Kranke, heute, zwei Jahre nach der Fried-\nmann-Impfung.\nEin andrer Fall. Eine Patientin erkrankte als junges Mädchen\nvon zwölf Jahren an Tuberkulose. Röntgenologisch wurde ein\nHerd auf der linken Lunge nachgewiesen, im linken Ohr trat eine\nschwere Mittelohreiterung auf. Da die Eltern sehr vermögend\nwaren, konnten alle Heilungsmöglichkeiten angewandt werden. Der\nProzeß auf der Lunge kam zur Ausheilung, die tuberkulöse Ohr-\neiterung hingegen nie zum Stillstand. Im Alter von 32 JahSren\nmachte ich als Hausarzt der Patientin den Vorschlag, sie wegen\nder Ohreiterung mit Friedmann zu impfen, um die lästige Ohr-\nerkrankung, die seit 20 Jahren ununterbrochen bestand, zum Ver-\nschwinden zu bringen. Im Jahre 1921 wurde die Friedmann-\nImpfung ausgeführt. Knapp zwei Monate darnach hörte die Eiterung\nauf und hat sich nicht wieder gezeigt bis zum Jahre 1928. Seitdem"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.14", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2832, "texte": "habe ich die Patientin durch Wegzug von hier nicht mehr gesehen»\nHier ist wohl ebensowenig Spontanheilung anzunehmen wie in dem\nvorher angeführten Fall, der über acht Jahre dauernd aufgetretenen\nLungenblutungen. Ein anderer Fall von chronischer Ohreiterungl\nIm Jahre 1918 kam eine dreiundvierzigjährige Dame in meine Be-\nhandlung. Es bestand im linken Oberlappen eine schwere Tuber-\nkulose. Gewicht der 170 cm großen Patientin 79 Pfund, schwere\nKachexie. Ich machte mit der Patientin 1918 eine Tuberkulinkur\n(52 Injektionen), Höhensonnenbestrahlungen, Liegekuren, mit dem\nErfolg, daß eine leidliche Besserung eintrat. Aber im linken Ohr,\ndas seit frühster Kindheit krank war und dauernd eiterte, trat\nkeine Veränderung ein. Die tuberkulöse Ohreiterung blieb auch\nnach der Tuberkulinkur in unverminderter Heftigkeit bestehen.\nAls auch nach vier Jahren, 1922, noch keine Äenderung eintrat, die\nEiterung immer und immer weiterging, machte ich den Vorschlag,\nmit einer Friedmann-Injektion einen Versuch zu machen, lind als\nich injiziert hatte, war es doch ein eigentümliches Gefühl: ich\nhatte eine derartige Sicherheit in dem Glauben an das Mittel, daß\nich mit der größten Bestimmtheit auf einen Erfolg rechnete. Nach\nzehn Wochen trat er auch ein. Seit dieser Zeit besteht keine\nEiterung mehr. Jetzt, seit neun Jahren. Gestern sah ich die Pa-\ntientin, die jetzt ein Gewicht von 145 Pfund hat und sich voll-\nkommen gesund und wohl fühlt.\nNoch stärker in die Augen springend sind die Erfolge nach\nFriedmann-Impfung bei tuberkulösen Gelenkentzündungen.\nHier möge ein Fall Erwähnung finden, den ich seit elf Jahren\ngenau verfolgen konnte. Im Jahre 1917 erkrankte der damals\nelfjährige Junge in Wiatka im Internierungslager in Rußland an ge-\nschwollenem Kniegelenk und war bis zum Jahre 1920 in verschie-\ndenen Anstalten und Kliniken, darunter zuletzt in Königsberg. 1922\nlag er dann ein halbes Jahr im hiesigen Krankenhaus, 1923 wurde\nPatient von mir mit Friedmann geimpft, war bis zum Jahre 1927\nbeschwerdefrei. In diesem Jahr ein Vierteljahr krank an Schmerzen\nim Kniegelenk und dann wieder voll arbeitsfähig bis 1929. 1930\nvom 4. April bis 4. August im hiesigen Krankenhaus. Am 25. Au-\ngust 1930 zweite Friedmann-Impfung, da das Knie immer dick ent-\nzündet und schmerzhaft ist. Am fünften Tag nach der Impfung\nauffallend lokale Reaktion an der Impfstelle, die bis 25. Oktober\n1930 zur Verheilung braucht. Seit dieser Zeit bis heute, den 30. Ok-\ntober 1931, hat sich nie wieder eine Störung an dem Kniegelenk ge-\nzeigt. Es ist selbst bei stärkster Inanspruchnahme reaktionslos.\nDas ist ein Fall von einem langwierigen Heilungsverlauf, der aber\njetzt als voller therapeutischer Erfolg anzusehen ist. Der soeben\ngeschilderte Fall ist eine Ausnahme. Im allgemeinen heilen gerade\ntuberkulöse Gelenkserkrankungen überraschend schnell. So hatte"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.15", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1595, "texte": "ich einen ganz üblen Kniegelenksfungus, der sechs Wochen nach!\nder Friedmann-Impfung ohne die geringste Gelenksstörung in glatte\nHeilung überging. Wenn man längere Zeit mit dem Mittel von\nFriedmann gearbeitet hat, dann wundert man sich über die Heilung\nvon solchen tuberkulösen Gelenkserkrankungen nicht mehr. Diese\nFälle heilen fast ausnahmslos in kürzester Frist aus.\nWir wundern uns über das mächtige Ueberhandnehmen des\nKurpfuschertums bei uns in Deutschland. Nach meinem Empfinden\nsteht die Blüte des Kurpfuschertums in umgekehrtem Verhältnis\nzu dem Vertrauen, das die Patienten ihren Aerzten entgegenbringen.\nWundern muß ich mich darüber, daß das Fried-\nmann- Mittel noch nicht obligat als das Tuber-\nkulose mittel in Deutschi and eingeführt ist. Ich klage\ndie Vertreter der Aerzteschaft, die berufen sind, die Aerzte wissen-\nschaftlich zu führen, an: sie haben mehr als fünfzehn Jahre, wissent-\nlich oder unwissentlich, durch direkte Gegnerschaft oder Still-\nschweigen, verhindert, daß die Friedmann-Impfung überall da an-\ngewandt wird, wo sie berufen ist, dem Elend und Siechtum Einhalt\nzu tun und Gesundheit und Arbeitsfähigkeit wieder zu bringen.\nFür mich steht die Tatsache fest, daß es zu der Calmette-Katastrophe\nin Lübeck von so niederschmetternder Tragik nie hätte kommen\nkönnen, wenn dem Mittel des Deutschen, Friedmann, der Vorzug\nvor dem Mittel des Franzosen Calmette gegeben worden wäre. Als\nsimpler Medicus pracücus rufe ich aus besorgtem Herzen um das\nWohl und Wehe unserer Patienten den berufenen Vertretern unserer\nWissenschaft ein ehrlich gemeintes „Videant Consules\" zul"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c005", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c005", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "77", "page_fin": "81", "image_debut": 15, "image_fin": 19, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.5", "titre_corps": "Der Kampf um Friedmann : Facharzt für Lungenkrankheiten und Röntgenologie in Braunschweig", "titre_sommaire": "Der Kampf um Friedmann : Facharzt für Lungenkrankheiten und Röntgenologie in Braunschweig", "signature_source": "med. Friedrich Lube", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.15", "debut_caractere": 1597, "fin_caractere_exclue": 2390, "texte": "Der Kampf um Friedmann\nFacharzt für Lungenkrankheiten und Röntgenologie in Braunschweig\nDr. med. Friedrich Lube\nDer Kampf um Friedmann ist, wie die Dinge liegen, keine\nAngelegenheit der medizinischen Wissenschaft allein, sondern\ner ist eine Angelegenheit der Oeffentlichkeit. Man kann\nim allgemeinen Gründe dagegen anführen, medizinische Laien\nmit medizinischen Fachfragen zu befassen; besonders auf\ndem Gebiet der Psyche dürften solche Gründe besonderes\nGewicht haben. Man kann aber unmöglich erwarten, daß\nauf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung, die ebenso\nein volkswirtschaftliches wie medizinisches Problem ist, die\nOeffentlichkeit wartet, bis die Fachkreise unter sich eine\nKlärung über den richtigen Weg ausgemacht haben. Denn\ndazu greift die Tuberkulose, abgesehen von dem großen be-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.16", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2381, "texte": "fallenen Personenkreis, doch zu sehr in außermedizinisches\nGeschehen der menschlichen Gesellschaft ein. Ich wurde\nalso ein richtig von der Fachwissenschaft beeinflußtes Inter-\nesse der Allgemeinheit noch nicht für genügend halten, ich\nwürde die Mitarbeit der Allgemeinheit gerade auf diesem\nGebiete für unerläßlich ansehen.\nDer „Fall Friedmann\" ist vielleicht geeignet, die Wege zur\nVerwirklichung dieser Forderung finden zu lassen.\nAls ich mich vor kurzem der Internationalen Anti-Tuber-\nkulose-Liga anschloß, geschah das zu dem ausgesprochenen\nZweck, an der Findung dieses Wegs mitzuhelfen. Ich betone\nvon vornherein ausdrücklich, daß ich an dem Streit nicht\nbeteiligt bin und mich auch nicht an ihm beteiligen will.\nAber vielleicht können Ueb er legungen, die dem Praktiker\nkommen, einen Weg weisen.\nEs soll von mir nicht wiederholt werden, was sich in\nder Literatur über Friedmann aufgetürmt hat. Ich muß als\nbekannt voraussetzen, daß der Streit um Friedmann seit\nJahren tobt, muß allerdings dabei feststellen, daß gerade in\nKreisen von Kollegen das Mittel oft so gut wie unbekannt\nist und daß gerade Fachkollegen manchmal ein\nabfälliges Urteil abgeben, die praktische Er-\nfahrung mit dem Mittel nicht besitzen. Ich stelle\nnur die Behauptung auf, daß der Streit um Fried-\nmann sich in eniem Stadium \"befindet, das man un-\nwürdig bezeichnen muß. Unwürdig für die Medizin\nals Wissenschaft, unwürdig für diejenigen, die in harter\nArbeit gegen Krankheiten und krankhafte Anlagen des Men-\nschen kämpfen, unwürdig für diejenigen, die ohne medizi-\nnische Fachkenntnisse mithelfen wollen an der körperlichen\nund geistigen Gesundung des Volkes. Wenn jemand be-\nrechtigt ist, die Beseitigung dieses unwürdigen\nZustandes zu verlangen, so ist es der praktische\nArzt.\nIch habe einen Patienten mit dem Friedmannschen Mittel\nbehandelt, der mir in der Sprechstunde kategorisch erklärte,\ner ginge nicht wieder zur Nachfüllung des Pneumothorax,\npassiere was wolle. Der Patient macht dem bisher be-\nhandelnden Facharzt Mitteilung und wird darauf grob ange-\nfahren; es wird ihm gesagt, es solle noch einmal eine Röntgen-\naufnahme gemacht werden, damit er nachher sehen könne,\nwas für einen Blödsinn er da gemacht habe. Ich nehme\ndies Beispiel, um das Unwürdige der Situation zu kenn-\nzeichnen. Wo in aller Welt ist es unter denkenden und\nfühlenden Aerzten üblich, einem Kranken, der in jahrelanger"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.17", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2198, "texte": "Behandlung das Vertrauen zu einer bestimmten Behand-\nJungsmethode verloren hat, in brutaler Art das Vertrauen\nzu künftiger Behandlungsmethode zu nehmen? Ein solches\nVerhalten verstößt nach meiner Meinung geöen das AIW\nsief7eSn mf,R l!Cbf,.lWaS\nsitzen muß. Und da nach den Berichten solche Vorkomm-\nnisse nicht so selten sind und da sich dabei Autoritäten\nbeteiligen, wiederhole ich als Praktiker die Forderung\nden unwurdiS« Zustand muß beseitigt wef-\n■ betone dabei, daß ich es nicht für ausschlaggebend\njjs Fr'edmann bei der Bekanntgabe des Mittels an\na - c'n.en nicht üblichen oder unrichtiöen Weö\ngegangen ist. Die Wichtigkeit der Sache fordert, daß die\nP'^\"ss',on auf einer anderen Basis stattfindet. Auf einer\nf.' t^e so sachlich ist, daß auch nur die Möglichkeit\npersonlicher Empfindlichkeit oder Verletztheit ausscheidet\ntrautCirh11« W meiiZ.inischen Wissenschaft durchaus ver-\nschätze ihre Leistungen hoch und nehme für mich\nin Anspruch, gerade eben zur Zeit der\ngroße Hochachtung vor solcher Leistung zu empfinden ilnd\nÄ™ voizircauschen. Die Wissenschaft hat die Ver-\npflichtung, skeptisch zu sein, Sie wäre keine Wissenschaft\nXS? \"w britisch alle möglichen „Systeme\" durchgehen\nließe. Wenn aber eine Behandlungsmethode\nvon scharfen Äugen geprüft, über das Ver-\nuü:aütin i j?gs^Hnau?iist> wenn im äus-\nHundetffu a Behandlungen sich in die\nwa u m ?-€ aufsummt, dann kann es nur\nfür die Wissenschaft sein, wenn\nFriedmann *rh an tC u° *iU* i a*s £äbe es gar kein\nr riedmannsches TuberkulosemitteL Und Ge-\nrade diesen Nachteil für das Ansehen der Wissenschaft\nzu vermeiden, liegt mir besonders am Herzen. Häufig und\naus berufenem Munde sind die Warnungen ergangen leöen\nden Abschluß der Wissenschaft vom tatsächlichen Geschehen\nnnndSlenerUni a * at\\schließen will ich mich dieser War-\naS VfT uWir mittten in einer Krise sind, wissen wir\ndlr'w: fhZ°n der Festgefügtheit des stolzen Baus\nheif überzeugt bin. Nur eigene Aufgeschlossen-\nheit kann weitere Gefahren bannen.\nDie Wissenschaft darf nie die besondere Lage des Prak-\n-1 ers übersehen. Der Kranice, der zum Arzt kommt, ver-\n-I>£ sT* t e^ne Entscheidung. Das ist selbstverständlich.\nDie Schwere der Situation, besonders beim Lungenkranken,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.18", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2554, "texte": "wird aber immer nicht genug gewürdigt. Dem Kranken ist\ndamit nicht gedient, wenn ihm der Arzt sagt, die Wissen-\nschaft sei sich noch nicht einig. Es wird sogar gut sein, wenn\ndem Kranken verschwiegen wird, wie wenig einig sich die\nWissenschaft ist. Der Kranke will eine Entscheidung. Und\nwenn er nach langer Behandlung von dem Friedmannschen\nMittel hört und von seinem Arzt eine Behandlung mit dem\nMittel wünscht, oder die Behandlung auch nur zur Dis-\nkussion stellt, so kann er eine Entscheidung verlangen. Die\nEntscheidung setzt, wie es sonst auch in der Medizin ist, die\nKenntnis voraus. Unkenntnis entschuldigt auch hier nicht.\nUnd bei der Entscheidung über eine Behandlungsmethode\ndarf es nicht ausschlaggebend sein, ob die Methode nun\neinen durchaus kommentmäßigen Weg gegangen ist. Es wäre\ndoch nicht das erstemal, daß große Entdeckun-\ngen zunächst totgeschwiegen oder verlacht wurden.\nNach meiner Auffassung ist der Arzt verpflichtet, eine Be-\nhandlungsmethode anzuwenden, die Besserung bringen kann.\nMan verlangt auch sonst nicht, daß die Besserungen vorher zu\nhundert Prozent sicher sind, nur verlangen muß man, daß\ndie Methode unschädlich ist. Da das auf die Behandlung\nmit dem Friedmannschen Tuberkulosemittel zutrifft und da\nüber Besserungen und Heilungen in ungewöhnlich\ngroßer Zahl berichtet wird, fühle ich mich verpflich-\ntet, mit diesem Mittel zu behandeln. Und die Wissenschaf tler und\nFachkollegen, die das nicht richtig finden, bitte ich, mir zu sagen,\nob es richtiger wäre, tatenlos zu bleiben oder eine Schein-\nbehandlung mit allgemein kräftigenden Mitteln durchzu-\nführen. Ich bitte die Vertreter der Wissenschaft und die\nFachkollegen, zu bedenken, daß der Kranke, der zum Arzt\nkommt, geheilt werden will, daß er aber an dem Streit der\nWissenschaft uninteressiert ist, wenn ihm geholfen wird.\nDiese Tatsache hat beim Friedmannschen Mittel den bis-\nherigen Rahmen gesprengt und hat zu den unerfreulichsten\nErscheinungen geführt. Denn einen wissenschaftlichen Streit\nkann man nun mal nicht mit Mitteln ausfechten, die an die\ntiefsten Niederungen des Tageskampfes erinnern. Das\nschadet der Wissenschaft, weil sie an Ansehen verliert. Das\nschadet dem praktizierenden Arzt, weil es ihn unsicher macht.\nDas schadet dem Kranken, weil nicht das ganze Rüstzeug\nzur Ueberwindung der Krankheit eingesetzt wird.\nIch betone nochmals, an dem eigentlichen Streit bin ich\nnicht beteiligt und werde mich nicht an ihm beteiligen. Ich\nrufe aber alle auf, die guten Willens sind, einem unwürdigen\nZustand dadurch ein Ende zu bereiten. Es muß verlangt"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.19", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 403, "texte": "werden, daß über eine Behandlungsmethode, die sich gegen\ndie entsetzliche Seuche Tuberkulose richtet, auf sachlicher,\nund zwar nur auf sachlicher, Basis diskutiert wird. Als\nVorbedingung für diese Diskussion ist die Erörterung aller\nbisherigen Schuldfragen auszuschalten. Das allein wäre eines\nethisch hochstehenden Aerztestandes würdig und nur dann\nallein wird die Oeffentlichkeit dem Arzt gern folgen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c006", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c006", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "82", "image_debut": 19, "image_fin": 20, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.6", "titre_corps": "Kleine Feiern bei großen Leuten", "titre_sommaire": "Kleine Feiern bei großen Leuten", "signature_source": "Herwarth Walden", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 19, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.19", "debut_caractere": 405, "fin_caractere_exclue": 2248, "texte": "Kleine Feiern bei großen Leuten\nHerwarth Walden\nDas Geburtstagskind\nNoch in diesem Monat wird er fünfzig Jahre. Selbstverständlich\nhat sich deshalb ein Ausschuß gebildet, und zwar ein vorbereitender.\nGrößere Feierlichkeiten mit offiziellen Einladungen an das Ausland\nsind geplant. Waren geplant. Man muß Abstand nehmen. Ab st a n d\nmit Rück sieht auf die Lage. Man steht vor der rücksichtslosen\nLage. Dabei geht es ihm gut, dem Geburtstagskind. Rüstig vermehrt\nes sich. Der vorbereitende Ausschuß plant ein Festspiel „Der Lübecker\nTotentanz\". Unter Verwendung von Motiven des hundertjährigen\nGoethe. Der hat zwar nur seinen Todestag. Aber bei größeren Feier-\nlichkeiten nimmt man es nicht so genau. Namentlich wenn das Aus-\nland offiziell eingeladen wird. Da müssen auch die lebenden Toten\nund die toten Lebendigen herhalten. Es wäre alles sehr nett geworden,\nnur stört die Lage den Ausschuß. Sämtliche Festlichkeiten sollen in\nbester Luft stattfinden. Wegen nachweisbarer vorsätzlicher Tötung\ndes Geburtstagskindes wird Herr Professor Friedmann von den in-\nländischen Feierlichkeiten ausgeschlossen. Man kann die.Feste nicht\nfeiern, wenn die Lagen fallen. Weltpressemeldung:\n„Die Entdeckung des 7uberkelbazillus.\nAm 24. März 1882 teilte Robert Koch in einer Sitzung der Berliner\nPhysiologischen Gesellschaft seine Entdeckung des Tuberkelbazillus\nmit. Es war die Absicht in Deutschland die fünfzigjährige Wiederkehr\ndieses für die ganze Menschheit bedeutungsvollen Tages in feierlicher\nWeise zu begehen, und hierzu auch das Ausland einzuladen. Der vor-\nbereitende Ausschuß hat mit Rücksicht auf die allgemeine Lage von\ngrößeren Feierlichkeiten und von offiziellen Einladungen an das Aus-\nland Abstand genommen.\"\nPost festum\nDer Tuberkelbazillus hat auch den fünfzigsten Geburtstag\nglänzend überstanden. Seine Freunde, die er geheim hat und die"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.20", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2816, "texte": "er deswegen zu geheimen Räten ernannt hat, haben tatsächlich von\neiner prunkvollen Feier mit Einladungen an das Ausland mit Rück-\nsicht auf die allgemeine Lage abgesehen. Es wurden also keine\nLagen getrunken, weder im Namen des Herrn Gambrinus, noch\nim Namen des Herrn Bacchus, nur wurden im Namen des Herrn\nÄesculap Reden aufgelegt. So, daß die Lage sich krümmte. Man\nbetonte, „daß Koch aus den Reihen der preußischen Medizinal-\nbeamten hervorgegangen sei\". Die Medizinalbeamten können sich\nimmer noch nicht fassen, daß der Bazillus gefunden worden ist. Sie\nbewundern ihn in Reih und Glied, als wär es ein Stück von ihnen.\nSie halten ihm die Treue. Sie werden doch nicht ihre Hand dazu\nbieten, eine solche Entdeckung zu vernichten. Höchstens ihr Messer.\nSie schneiden lieber alle Rippen herunter, um nur dem Fünfzig-\njährigen nicht weh zu tun. Das zuständige Amt ist ganz von seiner\nBedeutung erfüllt. Ein Museum gleichsam. Der Vorsitzende des\nAmts träumt als Kind sich zurücke: „Lebhaft war die Schilderung\ndes Eindrucks, den vor fünfzig Jahren der Vortrag von Koch über\ndie Entdeckung des Tuberkelbazillus hervorgerufen hat.\" Schier\nfünfzig Jahre bist du alt. Hierauf sprach natürlich ein anderer\nPräsident, Herr Professor Neufeld: „Den übertriebenen Hoffnungen\nfolgte tiefe Enttäuschung. Die Entdeckung des Tuberkulins ent-\nhält . . . auch die Entdeckung des merkwürdigen Zusammenhanges\nzwischen Ueberempfindlichkeit und Immunität.\" Die Patienten\nkönnen also jetzt in Ruhe sterben. Denn der Zusammenhang ist\ngefunden. Lungenkranke sollen eben nicht überempfindlich sein.\nDa bleiben vielleicht andere immun. Merkwürdig. Dann sprach\nnoch der älteste Schüler von Koch „über die bakteriologischen\nArbeiten, die zur Seuchenbekämpfung führten, dann zur Entwick-\nlung des Gebietes der Immunität, den Schutzimpfungen und zur\nSerumtherapie\". Das Friedmannsche Schutz- und Heilmittel wurde\nsorgfältig verschwiegen, damit es nicht etwa durch die Wiedergabe\nder Rede ältester Schüler als Meisterleistung den Lungenkranken\nbekannt würde. Man kann es auch Serumtherapie oder Schutz-\nimpfung nennen. Doch Koch selbst ist unschädlich gemacht: „In\neiner Baptistenkirche in New York wurde 1930 seine Büste in einer\nden Aerzten gewidmeten Altarnische aufgestellt, in der Christus,\nder göttliche Arzt, umgeben von den berühmtesten Medizinern\nder Welt, dargestellt wird.\" Meine Hochachtung. Vielleicht könnte\nman eine verkleinerte Kopie im Reichsgesundheitsamt oder im In-\nstitut für Infektionskrankheiten aufstellen, damit der museale Cha-\nrakter dieser beiden Institute klar dargestellt wird. Oder klar-\ngestellt wird. Titel: „Götter und Professoren unter sich.\" Die vielen\nMillionen Lungenkranker werden gut tun, sich mit dem Friedmann-\nMittel heilen zu lassen, um die Werke dieser Kunstinstitute mit\ngrößerer Andacht zu genießen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c007", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c007", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "83", "page_fin": "83", "image_debut": 21, "image_fin": 21, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.7", "titre_corps": "Gawizani", "titre_sommaire": "Gawizani", "signature_source": "Curt Sacherau", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 21, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.21", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2987, "texte": "Gawizani\nCurt Sacherau\nGeschlossene Äugen. Nicht schlafen. Nicht denken.\nDosen*\nDa treibt das Binnenbewußtsein seltsame Spiele.\nbin Spiel ist auch dies. Spiel eines Worts.\ngawizani — gewizzan. Seit neunhundert Jahren Mitglied der Gesell-\nschaft deutscher Worte. Ich war ein bedeutendes Wort. Als ich deutsch\nMif DJTfr t Sf°t? Se Aa * *?ie alfen Griechen und Römer kannten mich.\nPaulus, Tertulhan, Augustinus war ich eng befreundet. Conscientia.\nIch erhielt einen hervorragenden Platz im Christentum. Das war vielleicht\nfttl sc^?ns^e 'Zeit meines Daseins. Viele Menschen verstanden mich. Fast\ne. Sie gaben sehr viel auf meinen Rat. Und wenn sie mal in Zweifel\nwaren, sagte icn: du mußt. Und sie gehorchten. Ich war Gesetzgeber.\nAlle Menschen sollten mir gehorchen. Ich ging zur Theorie. Die sollte\nmir helfen. Sie machte mich mit den Gelehrten aller Fakultäten bekannt.\n112JVare\" -r freun(?hch zu mir. Ueberhäuften mich mit Ehrungen. Ich\nmußte mir einen griechischen Diener nehmen. Synteresis. Eigentlich\nsyneidesis. Ihr habt das übersetzt mit Gesamtbewußtsein. Synteresis war\nmein Vorarbeiter. Synteresis lehrte die Menschen den guten Ton im Um-\ngang mit mir. Dann hat man mich zur Dreieinigkeit erhoben. Ich war\nWarner, Zeuge und Richter. — Einfallstor des göttlichen Willens. Sittliches\nApriori. So sprach man von mir. Und — sprach doch nur von mir.\n- u Alles hatte man aus mir gemacht. Und ich glaubte alles zu sein. Bis\nich eines Tages feststellen mußte, daß ich viel weniger war als damals. Hans\nin allen Gassen war ich. Ich lief rum als ethisches Gewissen, (ich war\ninzwischen auch hochdeutsch geworden) aesthetisches Gewissen, religiöses\nGewissen, wissenschaftliches, logisches, künstlerisches, soziales . . . Das hat\ndie graue Hexe Theorie aus mir gemacht. Wie ich sie hasse. Gewiß. Die\nMenschen kennen mich. Aber sie nehmen mich nicht ernst. Sie spielen mit\nmir. Manche haben mich sogar in einer meiner vielen Eigenschaften. Als\nGanzes aber hat mich keiner. Wenn heute einer ohne mich ist, dann haben\ndie andern Verständnis. Sie stehen unter dem Einfluß eines Feindes\nvon mir. Psychologie.\nNun ziehe ich bittend von Mensch zu Mensch. Nennt mich nur Ge-\nwissen. Ich will nicht mehr sein als das Wissen um das Seinsollende.\nWer weiß nicht, was sein soll: Leichtsinnige. Verantwortungslose. Minder-\nwertige. Unmenschen.\nOffene Äugen. Lesen. Denken.\nKlinische Wochenschrift 1931.\nZahlen:\nJede dritte Marktmilchprobe enthält Tuberkulosebazillen.\ntÜj pV*eJ^e P Milchprobe enthält Tuberkulosebazillen.\nJede fünfte bis sechste Probe Vorzugsmilch enthält Tuberkulosebazillen.\n. Von 872 untersuchten Kindern unter 5 Jahren 26 Prozent fuberkulose-\ninnziert.\nVon 637 untersuchten Kindern von 5 bis 16 Jahren 27 Prozent tuber-\nkuloseinfiziert.\nbissen um eine Gefahr. Aber auch Wissen um ein Mittel, das\ndie Tuberkulose aus der Welt schafft. Friedmann.\nWissen verpflichtet. Wissen um Hilfe verpflichtet zum Mithelfen.\nLeichtsinnige, Verantwortungslose, Minderwertige, Unmenschen helfen\nnicht."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c008", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c008", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "84", "image_debut": 22, "image_fin": 22, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.8", "titre_corps": "Das Kleinhaus", "titre_sommaire": "Das Kleinhaus", "signature_source": "Zlatko Neumann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 22, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.22", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2566, "texte": "Das Kleinhaus\nZlatko Neumann\nDie Siedlungsbewegung, insbesondere der große bodenreforma-\ntorische Gedanke Leberecht Migges und — Hand in Hand — der\nBaugedanke Adolf Loos' ermöglichen es heute dem Arbeiter, auf\nGrund des Ertrages seines Schrebergartens in den Besitz eines\neigenen Hauses zu gelangen. Immer nähern wir uns mehr dem\nZeitpunkt, wo die bereits teilweise verwirklichten Ideen dieser\nbeiden Reformatoren alle „Kunstbauten\" der zahllosen „Baukünst-\nler\", die hinter dem Schild der Siedlungsbewegung verkrochen heil-\nlosen Unfug treiben, endgültig verdrängen werden und jeder, der\nseinen kleinen Garten redlich zu bearbeiten gewillt ist, auf Grund\nseines Bodenertrages sein eigenes Haus haben wird.\nAdolf Loos sagt im Vortrag über „Die moderne Sied-\nlung\": „Nicht alle Menschen können einen Schrebergarten besitzen\noder bebauen. Es gibt viele Berufe, die den Menschen von der\nGartenarbeit ausschließen. Ein Feinmechaniker darf nicht einen\nSpaten in die Hand nehmen, er ruiniert seine Hand; ein Violin-\nspieler darf nicht einen Spaten in die Hand nehmen, er ruiniert\nseine Hand. Viele geistige Berufe sind nicht dazu geeignet. Kann\nnun ein solcher Mann nie sein eigenes Haus besitzen, wenn er\nauch vielleicht über ein geringes Kapital verfügt, welches ihm aber\nnicht gestattet, ein Haus eines Großkapitalisten zu erbauen?\nDas moderne Haus ist eine Maschine. Der reine Zweck ist\ndas Primäre bei der modernen Architektur. Daraus folgt erst,\nals Sekundäres, die Form, die logischerweise die moderne Form ist.\nDas wird von den „modernen Baukünstlern\" gedankenlos nach-\ngeplappert und durch ihr Ornamentgehirn und ihre faule Ro-\nmantik vergewaltigt, indem der unangetastete Grundriß, die un-\nberührte Wohnart des 18. Jahrhunderts in eine ornamentlose Hülle\n\"112 \"i (C\ngesteckt, mit einem flachen Dach versehen — so: „als ob ...\nals Formexperiment, als „die moderne Bauform\" ausposaunt wird.\nGrößte Oekonomie mit jedem Kubikzentimeter des Raumes,\ndaher verschiedene Höhen der Räume; der Gedanke, daß „ich\nmein ganzes Haus in einem Augenblicke bewohnen will ; dalier\nkeine Türen zwischen den Wohnräumen (Schlafzimmer, Bibliothek\noder Arbeitsraum, wo man sich ungestört zurückziehen können\nmuß, haben natürlich Türen), sondern Trennung der einzelnen\nRäume durch Niveauunterschiede; Schlafen getrennt vom Wohnen;\nquadratische Grundrißform des Hauses, weil Minimum der Um-\nfassungsmauern bei Maximum der bebauten Fläche; ökonomische\nOrganisation des wirtschaftlichen Teiles; alles wirklich wie Räder\neiner Maschine ineinandergreifend und berechnet ist das moderne\nHaus."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c009", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c009", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "85", "image_debut": 23, "image_fin": 23, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.9", "titre_corps": "Reaktion", "titre_sommaire": "Reaktion", "signature_source": "Kurt Liebmann", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 23, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.23", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2463, "texte": "Reaktion\nKurt Liebmann\nGeist ist nicht. Geist wird. Er wird im menschlichen Körper,\ndurch den menschlichen Körper. Geworden, ist er die Herrschafts-\nform des Körpers. Der Körper ist die Gesamtheit, die Gesammelt-\nheit der objektiven Welt. Mit der Veränderung der objektiven\nWelt verändert sich der Geist.\nJeder „reine\" Geist ist unsauber. Jeder absolute Geist ist\nrelativ. Nämlich: Äusdrucksform eines Menschen, der nicht im-\nstande ist, sein Ich mit der objektiven Wirklichkeit auszugleichen.\nReaktionär ist der Mensch, der, anstatt eine harmonisch-organi-\nsierende Form des ausgereiften, diesseitigen Menschen zu bilden,\ndie Schlacken seines Ich in ein Äußerweltliches und Ueberweltliches\n(Gott, beseeltes All) transponiert. Im Mittelalter war die Hingabe\nan einen außermenschlichen Geist Zeichensprache für einen orga-\nnischen Vorgang. In der Gegenwart bedeutet diese Hingabe eine\nKrankheit.\nGeist ist eine Zeichensprache. Der Geist ist nichts Selbständiges.\nEr ist an sich auch nicht schöpferisch. Schöpferisch ist die Gesamt'\nheit des sinnenhaften Menschen. Die hohe Organisationsform des\nmenschlichen Gehirns ist ein Teil dieser Sinnenhaftigkeit.\nReaktionär ist die Anschauung, die den Geist verdinglicht und\ndas Verdinglichte außerhalb und überhalb der menschlichen Ent-\nwicklung stellt. Der Geist ist nicht ewig. Er entstand mit dem\nMenschen und entwickelte sich mit ihm.\nVerdinglichungen des Geistes treiben alle modernen idealisti-\nschen Philosophien, die noch nicht Religion und Philosophie trennen,\njede Philosophie, die das Faktum der objektiven Realität über-\ngeht, ist reaktionär. Ebenso jede Philosophie, die subjektiver Aus-\ndruck einer Persönlichkeit ist. Jede Wissenschaft, die nicht radikal\ndie Theologie ausmerzt, ist reaktionär. Gottlehre in der Natur-\nwissenschaft ist der Dualismus von Kraft und Stoff. Gottlehre\nin der Psychologie ist die Lokalisation der Seele an ein bestimmtes\nOrgan. Gottlehre in der Medizin ist der Dualismus von krank\nund gesund, ist die Verabsolutierung der Krankheit. Krankheit ist\nebensowenig an sich wie der Geist an sich ist. Sie ist ein Grad\nder Gesundheit.\nEs gibt keinen Geist. Es gibt keinen reaktionären Geist. Es\ngibt nur reaktionäre Menschen. Reaktionäre Menschen sind kranke\nMenschen. Kranke Menschen sind Menschen, die ihr Ich gegen\ndie Dynamik, gegen den Stoffwechsel des Lebens stauen und\nstemmen. Genau so entsteht der Krebs. Die gesamte Geistes-\ngeschichte ist auch eine Geschichte der Krankheiten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c010", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c010", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "86", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.10", "titre_corps": "BANAUSEN", "titre_sommaire": "BANAUSEN", "signature_source": "Offo Nebel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.24", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1822, "texte": "BANAUSEN\nOffo Nebel\nsind Leute mit modernen, überspannten Hirnen, kleine Leute, die keine\nBindung zum Altertum haben. Sie auch gar nicht haben wollen. Pät\nWozu?\nBANAUSEN\nsind mindere Menschen, minderwertige, taktlose Leute, die immer eine\nwunderschöne Zukunft schon hinter sich haben. Minderwertige, die\nMenschenzukunft hinter sich gebracht, nämlich umgebracht haben. Mords-\npack, jawohl.\nBANAUSEN\nhaben es immer zu etwas Grauenerregendem gebracht. Mit List und\nTücke. Dafür haben sie auch ein grenzenloses Nichts vor sich, um sich,\nin sich. Dessen sind sie würdig. Nihilisten.\nBANAUSEN!\nAber Würde, echte Würde ist immer DAS, was ein Innen sein würde,\nwenn innen nicht jenes nichtswürdige Nichts sein würde.\nWenn Würde nicht DAS ist, was da ist, wo kein\nBANAUSE\nist, so ist Würde bestimmt die Gestalt der Zucht eines Lebensleibes, in\ndem noch etwas vom heilen Geiste des Altertums lebendig ist.\nOder lebendig wird.\nDabei erscheint vor den Äugen des Geistes der Leib als ein leibhaftiges\nUniversum.\nLicht der Antike. Macht der Klarheit. Südliche Helle. Hellas. Himmel\nund Meer.\nWo im Menschen wahre Würde war.\nWo im Menschen wahre Würde ist, da ist noch heute Bindung zum Alter-\ntum. Und umgekehrt.\nStrenge und Heiterkeit. Leibgeist des Altertums. Zucht aus dem Licht.\nZüchtung, Zukunft, Ziele. Licht aus der Fülle des Lebens. Und aus der\nKraftfülle des Lebens, aus seinem Ueberschwang: DAS GESETZ, das\nBändigende.\nLeibgeist, der Mensch des Altertums. Gesetze, Ordnungen und Maße des\nLebens, des Wissens, des Tuns, des Konnens.\nHerrschende und Völker.\nLeibgeist des Altertums. Takt des Menschen vor allem Lebendigen. Um\nder Zukunft des Menschen willen die Todfeindschaft des antiken Menschen\ngegen alle\nBARBAREN und BANAUSEN.\nLeibgeist, der neue Mensch, ist ein neuer Leib im Diesseits, der Geist in\nihm ist sein Altertum."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c011", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c011", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "86", "image_debut": 24, "image_fin": 24, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.11", "titre_corps": "Zeitrechnung", "titre_sommaire": "Zeitrechnung", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 24, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.24", "debut_caractere": 1824, "fin_caractere_exclue": 2170, "texte": "Zeitrechnung\nKinder sind zeitlos. Man hat Mühe, ihnen die Begriffe Gestern,\nHeute und Morgen beizubringen. Manchmal gelingt's. „Ich verstehe\njetzt alles ganz genau\", meinte neulich ein kindlicher Zeitgenosse, „d a s\nHeute ist das Morgen des Gestern und das Gestern von\nMorgen t\" Er hat den höheren Sinn der zeitgemäßen Zeitrechnung\nverstanden ..."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c012", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c012", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 25, "image_fin": 26, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.12", "titre_corps": "Kräftiges Mädchen lenkt Unterseeboot mit Medaillon", "titre_sommaire": "Kräftiges Mädchen lenkt Unterseeboot mit Medaillon", "signature_source": "André von Kún", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 25, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.25", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2374, "texte": "Kräftiges Mädchen\nlenkt Unterseeboot mit Medaillon\nAndré von Kún\nWieviel Pfunde ein einwandfrei kräftiges Mädchen wiegen muß.\nist Sache der Herren Schulmediziner.\nWohingegen ich in den Jahren 1914 bis 1918 von vorzüglichen\nFachwissenschaftlern belehrt worden bin, Unterseeboot sei ein\nKriegsschiff, das befähigt ist, zum Schutz gegen feindliche Geschosse\noder zum unterseeischen Angriff „sich durch Einnehmen von Wasser-\nbailast in Tauchtanks unter die Wasserfläche zu versenken\". Siehe\nBrockhaus Handbuch des Wissens vierter Band, Seite 460.\nUnd daß ein Medaillon ein Schmuckgegenstand in Form einer\nflachen, ovalen, runden oder herzförmigen Kapsel für ein Bildchen\noder mehrere Bildchen ist, lernte ich einstens von meiner alten Dame.\nDie war eine Medalllonökonomlstin. Und trug hinter der ovalen\nKapsel die eigenen Eltern, hinter der flachen die Schwiegereltern,\nhinter der runden ihren Mann und hinter der herzförmigen ihr\ngeliebtes Kind. Mich. Das war nett von meiner alten Dame. Aber\nbei weitem nicht ausreichend zum Beibringen der Lehre, daß ein\nkräftiges Mädchen ein Unterseeboot mit Medaillon lenken kann.\nDas habe ich erst im Jahre neunzehnhundertzwelunddreißlg\nerfahren.\nIn einem Lokal. In Lokalen erfährt man immer etwas Neues;\ndazu sind Lokale da. Sie verkaufen Speisen und Getränke, sind\nungelüftet und vermitteln neue Kenntnisse.\nEin kräftiges Mädchen ist eine Schnapsmischung. Und ein\nUnterseeboot mit Medaillon ebenfalls. Das Mädchen kostet eine\nMark und schmeckt schlecht. Ein teures schlechtschmeckendes\nMädchen.\nAuch das Unterseeboot schmeckt schlecht. Aber nur mit Me-\ndaillon. Ohne wäre es ausgezeichnet: eine halbe Flasche Sekt. Das\nMedaillon jedoch bedeutet in diesem Zusammenhang die Mischung\nvon fünf Schnapssorten. Um das Unterseeboot festlich zu schmücken,\nwird die liebliche Mischung in die halbe Flasche Sekt gegossen. Der\nSekt hingegen ulkeshalber in ein Weißbierglas. Und so getrunken.\nDurch den Genuß versenkt „man sich\" auch ohne Tauchtank. In\ndie See des Unbehagens*\nAnschließend kann man Rätsel raten. Auch ohne Rätselzeitung.\nMan kann sich darüber den Kopf zerbrechen, was ein „Plüschsofa\"\nmit einer „gemischten Ehe\" zu tun hat, und ob der „Sturm mit\nWirbelwind\" mit dem „Steuerzettel\" zusammenhängt. Ob „Rum-\npelstilzchen\" und „ahnungsvoller Engel\" ähnliche Erscheinungen\nsind und ob „Spinat mit Ei\" auch in flüssiger Form grüngelb aus-"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.26", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 862, "texte": "sieht. Ob „Herzblättchen\" nach dem Genuß von „Abschiedsschluck\"\nsoweit kommt, alle irdischen Wünsche eines wackeren Untersee-\nbootlers zu erfüllen . . .\nExzellenz Lucius Licinius Lucullus, kommandierender General\nder alten Armee, der alten römischen Armee nämlich, soll nach\nseinen erfolgreichen Operationen auf verschiedenen Kriegsschau-\nplätzen „in Reichtum und Genuß gelebt\" haben.\nDas steht auch im Handbuch des Wissens und ist so zu ver-\nstehen, daß der Herr Feldmarschall und Schlachtenlenker a. D.\nwegen seines Reichtums den Genuß leben konnte. Die nach ihm\nbenannten lucullischen Gastmahle standen bis jetzt hoch in Ehr-\nfurcht.\nNun ist es aus mit der Herrlichkeit. Exzellenz Lucullus ist\nerledigt. Durch den Erfinder des „Unterseeboot mit Medaillon\".\nKlassisch vorgebildete Leute wenden in solchen Fällen das\nschönste Zitat an: Sic transit gloria mundi."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c013", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c013", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "88", "page_fin": "90", "image_debut": 26, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.13", "titre_corps": "Dr. med. Shylock", "titre_sommaire": "Dr. med. Shylock", "signature_source": "Mynona", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 26, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.26", "debut_caractere": 864, "fin_caractere_exclue": 2291, "texte": "Dr. med. Shylock\nMynona\nIn Bremen (wo, sag' ich nicht; er wird sich schon getroffen\nfühlen) wohnt der Chirurg und Psychiater Klüglack, berühmter\nOperateur und Analytiker. Seine Sprechstunde wird von den wun-\nderlichsten Originalen überlaufen, und im Umgänge mit solchen\nNarren gerät auch der achsenfesteste Arzt in die Gefahr der\nPsychopathie. Während Kluglack mit meinen gelähmten Facialis\nelektrisch massierte, gewann ich manchen Einblick in seine kuriose\nPraxis.\nIm Wartezimmer saß mal ein Jüngling, den ich blutiger Laie\nsofort als Idioten diagnostizierte, und gerade, als ich eintrat, ver-\nabschiedete sich dessen Papa, ein alter Gymnasialprofessor, vom\nArzte, der ihn zu trösten versuchte: „Nee, lieber Doktor\", wider-\nsprach der Vater, „geben Sie sich keine unnütze Mühe . . . Komm,\nKlaust Die Götter haben dich ausersehen, mit dir vergebens zu\nkämpfen. Aus dem Hopfen und Malz, das bei dir verloren geht,\nkönnte man ein Welt-Bier-Monopol errichten.\" Wie sagt Nietzsche,\nder selbst so einer war: „An Meschuggenen soll man nicht rum-\ndoktern.\" Der Doktor half dem Jungen in den Mantel: „Aber\nlieber Professor\", beschwichtigte er, „Sie als alter Lateiner erinnern\nsich doch Seneca's »Nulluni magnum ingenium sine dementiae\nmixturamf Womöglich ist Ihr Sohn gerade ein magnum ingeni ...\"\n„PfuideibelnochmaH\" unterbrach ihn brüllend der Ältphilolog, „ ,sine'\nregiert den Ablativ — sine mixtura, Herr! Rai!! Bei mir würden Sie"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.27", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2809, "texte": "durchrasseln, Sie Ignorant! Sprach's und. verschwand mit seinem\nhoffnunslosen Sprößling. Noch längere Zeit stand Kluglack mit\nweit offenem Munde da.\nKaum war der Professor weg, erschien ein hyperelegantes\njunges Ehepaar, sofort so heftig miteinander zankend, daß Kluglack\nmich bat, es noch vor mir abfertigen zu dürfen. Eine halbe Stunde\nspäter erst kam ich an die Reihe, aber Kluglack schien sehr zer-\nstreut: „Was mag das für ein Käse sein?\" fragte er mich. „Wie?\"\nerkundigte ich mich, „Käse?\" „Ja\", sagte er sinnend, „nämlich,\ndieses junge Paar hat sich wegen eines Käses verzankt. Sie will\nsich scheiden lassen, weil der Mann ihr nicht den kostbaren\nSjut k ä s bewilligt, den sie eben von ihrem Auto aus im Schau-\nfenster gesehen hat. Ich redete ihr gut zu, sich doch nicht eines\nbloßen Käses wegen von ihrem Gatten zu trennen. Da lachte sie\nhysterisch auf und rannte weg. Der Mann ihr nach. Honorar zu\nzahlen, haben sie in der Eile vergessen.\" Als ich Kluglack dahin\naufklärte, daß ,Suit-case' zwar englisch, aber trotzdem kein\nKäse wäre, lissauerte er ,Gott strafe England!' dumpf in sich hin-\nein: „Bitte\", hüstelte er, „essen Sie mit meiner Frau und mir gleich\nnebenan etwas Butterbrot, auch mit Käse. Bitte gehen Sie voran,\nich komme sofort nach. Hier rechts im Kabinet muß ich nämlich\nein wunderwunderschönes Mädchen aus der Hypnose aufwecken.\nWissen Sie, die ist so schön, daß es die Polizei verbieten sollte!\nViel schöner als die Garbo . . . Also auf Wiedersehen!\" — Frau\nDoktor Kluglack und ich warteten fast eine Stunde auf den Viel-\nbeschäftigten. Endlich kam der in einem schwer benommenen\nZustande zum Abendbrot, sah, ohne zuzulangen, stier vor sich hin,\nbis seine Frau ihn energisch animierte. „Bevor ich\", zögerte er,\n„den Grund meiner eigentümlichen Hemmung ermittelt habe, kann\nich nicht essen.\" Plötzlich strahlte er: „Heureka! Ich bin verliebt!\nIch bin ganz einfach schwer verliebt! Eben das Mädel war viel zu\nschön!\" Zur Freude seiner Gattin, wie sich denken läßt, aß er\ndann mit um so besserem Appetit.\nNichtsdestoweniger war er einer der geschicktesten Operateure.\nUnd zwar einer der ersten, der statt des Messers den elektritschen\nDraht anwandte, der die Wundschnittflächen röstet, so daß kein Blut\nfließt. Ich durfte zusehen, als er meine Erbtante auf diese Welse\noperierte, und dazwischen hinein plauderte er mit mir über alles\nmögliche: „Was haben Sie heute Abend vor?\" fragte er, sich die\nHände seifend. „Shakespeare\", erwiderte ich, „ich seh' mir den\nKaufmann von Venedig an\". Als ob der Blitz ihn getroffen hätte,\nHeß er die Tante Tante sein (so daß ich gleich darauf tatsächlich geerbt\nhabe): „Ein fabelhafter Gedanke\", schrie er, „kommt mir! Wo\nwohnt der allerberühmteste Regisseur, der Reinhardt?\" Ich wußte\ndessen Adresse nicht und ging kopfschüttelnd zu Shylock. Als aber"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.28", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1006, "texte": "dieser am selben Abend von Porzia 11m das Fleisch seines Feindes\ngeprellt wurde:\n„Nimm denn den Schein, und nimm du dein Pfund Fleisch 1\nAllein vergießest du, indem du's abschneidst,\nNur einen Tropfen Christenblut, so fällt\nDein Hab und Gut, nach dem Gesetz Venedigs,\nDem Staat Venedigs heim.\"\n— ja, da wußte ich genau, was dem Kluglack vorhin durch den\nKopf geschossen war ...\nTatsächlich hatte er Reinhardt vorgeschlagen, im Interesse nicht\nnur der tinblutigen Operationsmethode, sondern sogar der lieben\nJudenheit, das Stück damit endigen zu lassen, daß Shylock zum\nbassen Entsetzen der schlauen Porzia sich das Fleisch aus dem\nLeib des Feindes mit dem elektrisch glühenden Messer-\ndraht heraussage! Reinhardt lehnte ab, weil ja doch. Porzia\nnoch die andere Bedingung stellte, nicht mehr noch weniger als\njust ein Pfund Fleisch zu entnehmen. Infolgedessen bewohnt\nKluglack seit einiger Zeit eine gewisse Zelle, wo er der fixen Idee\nnachgrübelt, wie das zu machen sei. — lieber das Resultat ein\nandermal."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c014", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c014", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "90", "page_fin": "90", "image_debut": 28, "image_fin": 28, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.14", "titre_corps": "Rampenrummel", "titre_sommaire": "Rampenrummel", "signature_source": "Ä. V. K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 28, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.28", "debut_caractere": 1008, "fin_caractere_exclue": 2275, "texte": "Rampenrummel\nÄ. V. K.\nGerhart Hauptmann» jugendlicher Bergreiter, schrieb einstens\n„Vor Sonnenaufgang\". „ . „ „TT c\nGerhart Hauptmann, ältlicher Seefahrer, schrieb 1932 „Vor Sonnen-\nuntergang\". Ohne Stürme. Schilderung eines Einzelschicksals: Liebe\ndes alternden Mannes. ~ , . «\nMenschengestaltung ist eine Stärke Hauptmanns. Die Menschenzeich-\nnung ist auch im jüngsten Werk des alten Dichters echt und stark. Der\nAufbau des Dramas ökonomisch: mit starken Momenten und dramatischen\nTrotzdem: matt. Papier. Kein Leben. Kein Menschheitsschicksal.\nGute Schauspieler im Deutschen Theater hauchen Leben in\ndie Papierfiguren.\nZwei Engländer, Nealle und Chesterton, haben ein Konver-\nsationsstück verfaßt. Titel: „In jeder Ehe ... Feststellung. in jeder\nEhe gibt es Krisen. «\nIn der vorhandenen Ehe wird die vorhandene Krise gelost. Durcu die\nKinder. Belehrend und moralisch: Kinder kriegen Krise klein.\nHauptrolle: Leopoldine Konstantin. Begeisterter Beifall im Theater\nin der Stresemannstraße.\n*\nZwischen Glück und Spiel und Unglück in der Liebe sowie umgekehrt\nsollen laut Ueberlieferung Gegensätze bestehen. „ 112 112 .\nDarüber unterhält sich in „Roulette\" der furchtbar fruchtbare\nMolnär-Nachahmer Ladislaus Fodor» Sich und die Besucher des\nDeutschen Kunstlertheaters."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c015", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c015", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 29, "image_fin": 29, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.15", "titre_corps": "Wenn jetzt . . .", "titre_sommaire": "Wenn jetzt . . .", "signature_source": "Gustav Haeberlein", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 29, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.29", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2911, "texte": "Wenn jetzt . . .\nGustav Haeberlein\n• ♦ ♦ ein Geist herniederstiege, zugleich ein Sänger und ein Held —\nso oder ähnlich hieß es einmal. Kein Konzert- oder Opernsänger war\ngemeint, sondern einer von denen, die nach einem andern Vers mit dem\nKönig gehen sollen. Schon Freiligrath las es so, daß der Dichter mit\ndem Volke gehen soll. Besser hätte er gesagt, das Volk soll mit dem\nDichter gehen. Wenn aber Neuere in einer Zeitungsdebatte als das beste\nempfehlen, den Dichter kurzerhand zum Oberhaupt des Staats zu machen,\nso lassen sie erkennen, daß das Problem Herrscher und Dichter von\nAnfang an falsch gestellt worden war.\nAlle großen, das heißt schöpferischen Politiker waren bedeutende\nsprachliche Stilisten. Das haben die Griechen und die Römer, in den\nletzten Jahrhunderten die Franzosen, bei uns Friedrich der Große und\nBismarck gezeigt. Denn der Mensch denkt in seiner Sprache. Wer\nsie nicht beherrscht, wer in abgenutzten Wendungen schreibt und spricht,\ndenkt unordentlich, verharrt in überlebten Gedanken und ist unschöpfe-\nrisch. So wenig die Reden unserer Politiker die Spur eines bedeutenden\nSprachstils erkennen lassen, genau so wenig können diese Politiker im\nStaatsmännischen leisten. Gallia est omnis divisia in partes tres, jede\nRandbemerkung des großen Friedrich, eine einzige Metapher Bismarcks\noffenbaren den großen Staatsmann mehr als alles, was unsere heutigen\nPolitiker reden und schreiben.\nEin einziges großes Wort, ein einziger bedeutend geprägter Satz\nretten Staaten und Völker, lassen Kriege gewinnen. Von Bismarcks Aus-\nspruch, daß wir Deutschen Gott fürchten, aber sonst nichts in der Welt,\nhat Deutschland ein Vierteljahrhundert gelebt, und zwar genau so sorg-\nlos und bombastisch, wie der Ausspruch selbst war. Der wenig bedeutende\nBülow wußte doch etwas von der Macht des Worts. Aber da er un-\nschöpferisch war, behalf er sich mit Zitaten und geflügelten Worten\nund richtete mit ihnen wiederum genau so viel aus als sich mit erborgten\nGedanken erreichen läßt. Als der Krieg ausbrach, fand kein deutscher\nHerrscher oder Staatsmann das Wort, das eine Nation auf seine Flügel\nhätte nehmen können. „Ich kenne keine Parteien mehr\" war so wenig,\ndaß es nur für einige Wochen reichte. Als sich herausstellte, daß Beth-\nmann-Hollwegs: „Nun laßt eure Herzen schlagen zu Gott und eure Fäuste\nauf die Feinde\" nur ein Zitat war, da war es auch um die Wirkung dieses\nAusspruchs geschehen. Es blieb nichts übrig als „immer feste druff\".\nSo ist es bis heute geblieben. Wir haben keine bedeutenden Staats-\nmänner, weil unsere Politiker nichts vom Geist der Sprache wissen, den\nsie mißachten. Aber „le style est l'homme meme\" ist nicht nur ein geist-\nreicher Ausspruch, sondern eine große Wahrheit.\nIn früheren Zeiten nannte man die nichtschöpferischen Musiker „Mu-\nsikanten\". Ich schlage vor, unsere deutschen Politiker „Politikanten\"\nzu nennen. Denn sie sind unschöpferisch. Sie sind keine Sänger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c016", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c016", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "91", "page_fin": "91", "image_debut": 29, "image_fin": 29, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.16", "titre_corps": "Eingegangene Bücher", "titre_sommaire": "Eingegangene Bücher", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 29, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.29", "debut_caractere": 2913, "fin_caractere_exclue": 3406, "texte": "Eingegangene Bücher\nDr. Roberto Candido Pereira: Do Germen de Friedmann\nSua morphologia, biologia, poder pathogenico, accäo prophylacfica\ne curativa. Officinas Graphicas Do Institut© D. Macedo Costa,\nPara / Brasilien 1931\nDr. Gaston Daniel: Vaccin de Friedmann\nVaccination antituberculeuse chirurgicale et pulmonaire par le\nDr. Gaston Daniel de Marseille, President de la Ligue Francaise\nantituberculeuse, Laureat de l'Academie / Paris Editeur Eugene\nFiguiere. 166 Boulevard Montparnasse, 1932"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c017", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c017", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "92", "page_fin": "95", "image_debut": 30, "image_fin": 33, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.17", "titre_corps": "Die Patienten melden sich", "titre_sommaire": "Die Patienten melden sich", "signature_source": "Die Schriftleitung ; Die Schriftleitung", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 30, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.30", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3695, "texte": "Die Patienten melden sich\n\nIn einem Rundfunk-Vortrag Mai\n1931 wurde das Lungenkrankenhaus\nBeetz-Sommerfeld als das\n„mo dern sf e\" Tub erkulo se-Kr anken-\nhaus der Welt bezeichnet. Ich hatte\nZeit und Gelegenheit, nachzuprüfen,\nwas die Berliner Lungenkranken\nüber Beetz-Sommerfeld erzählten.\nDie Chirurgie soll dort hoch im\nKurs stehen. Mir wurde auf der\nlinken Seite ein Pneumothorax\n(kurz „Pneu\" genannt) angelegt.\nBald darauf sollte ich sogar einen\nDoppelpneu bekommen. Ich wehrte\nmich dagegen. Die Art und Weise,\nin der ich dazu überzeugt werden\nsollte, war einem indirekten Zwang\nsehr ähnlich. Ein Patient, der den\nEingriff ablehnte, wurde bald da-\nnach entlassen. Schließlich erklärte\nich mich dazu bereit, da ich eine\nEntlassung nicht riskieren konnte.\nMein Gesundheitszustand war sehr\nschlecht. Leider wußte ich damals\nnoch nichts von dem Friedmann-\nMittel. Der Versuch mit dem Dop-\npelpneu mißlang. Vorher hatte mir\nder dirigierende Chefarzt, Dr. Diehl,\nerklärt, daß der linke Pneu allein\nfür mich wertlos wäre. Nachdem\nnun die Anlage auf der rechten\nSeite mißglückt war, hätte man ja\nlogisch den linken Pneu eingehen\nlassen müssen. Herr Diehl hatte\naber schnell seine Meinung geändert\nund so mußte ich mich noch vier\nMonate mit dem Pneu herumquälen.\nEine Besserung in meinem Befinden\nwar während der ganzen Zeit nicht\nfestzustellen. Im August ließ man\nden Pneu ganz eingehen, daß sich\nWasser gebildet hatte. Ich konnte\nnoch von Glück reden, daß keine\nweiteren Komplikationen eintraten.\nInzwischen hatte ich viel von Fried-\nmann gehört und beschäftigte mich\nsehr eingehend damit. Anfang Ok-\ntober beantragte ich einen Tag Ur-\nlaub. Der Stationsarzt äußerte Be-\ndenken wegen meines schlechten Ge-\nsundheitszustandes. Ich setzte den\nUrlaub aber durch, fuhr nach Berlin\nund ließ mir die Friedmann-Spritze\nmachen. Der Erfolg war über-\nraschend. Zum erstenmal konnte\nich von einer wirklichen Erholung\nsprechen. Die Aerzte kannten na-\ntürlich nicht die Ursache meiner\nBesserung. Wenige Wochen später\nwar ich entlassungsfähig. Hunderte\nvon Studenten und Aerzten hatten\nwährend meiner Kurzeit das Kran-\nkenhaus besichtigt. Es wurde ihnen\naber immer nur der Neubau gezeigt.\nNiemals wagte man es, sie durch\ndie Stationen der alten Gebäude\nzu führen. Die Hälfte der Pa-\ntienten lag in diesen alten Ge-\nbäuden. Wie es dort aussieht,\nspottet jeder Beschreibung. Die\nToiletten konnte man wegen der lln-\nsauberkeit als Herde von Infektions-\nkrankheiten bezeichnen. Eine große\nAnzahl der Patienten holten sich\nin dem „modernsten Krankenhaus\"\nFlechten. Die Schlafdecken bestan-\nden zum größten Teil aus Lumpen.\nDie Tagesräume waren so schlecht\nbeleuchtet, daß die Patienten Ge-\nfahr liefen, sich die Äugen zu ver-\nderben. Das geringe Personal\nkonnte unmöglich für die nötige\nSauberkeit sorgen.\nWenige Tage vor meiner Ent-\nlassung erklärte sich Herr Dr. Diehl\nbereit, über das Friedmannsche Ver-\nfahren zu sprechen. Die Vorträge\nsollten stationsweise stattfinden.\nDer erste Vortrag fand in der\nSchwerkrankenstation statt. Mit dem\nHinweis auf meine baldige Ent-\nlassung bat ich Herrn Dr. Diehl, an\ndem Vortrag teilnehmen zu dürfen.\nMeine Bitte wurde abgelehnt. Ich\nhatte das Empfinden, daß Herr Dr.\nDiehl einen Angriff gegen seine\nAusführungen von mir befürchtete.\nEr machte in seinem Vortrag die\nAeußerung, daß die Friedmann-\nSpritze zu schweren Schädigungen\nführen kann. Da mir die Teilnahme\nverweigert wurde, war es mir nicht\nmöglich, Herrn Dr. Diehl die Frage\nvorzulegen, ob er diese Behauptung\nvor der medizinischen Fachwelt wie-\nderholen würde.\nAm 3. Dezember 1931 habe ich\nBeetz-Sommerfeld verlassen. Ich\nglaube es nie wieder in Anspruch\nnehmen zu müssen.\nKurt Dolinski\nBerlin N 113, Seelower Str. 15"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.31", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3547, "texte": "Von einem einwandfreien uninter-\nessierten Beamten der Heilstätte\nBeetz-Sommerfeld (Dr. Ul-\nrici) wird uns folgendes mitgeteilt:\n1. Patient Bruno W., Berlin-Char-\nloftenburg, Kaiser-Friedrich-Str., lag\nzwei Jahre lang in Sommerfeld, be-\nkam die Exherese-Operation, Pneu-\nmothorax mit ungezählten Nach-\nfüllungen, und Kaustik. Erfolg:\nBrust-Exhudat bis zum Stehkragen.\nDann eine Friedmann-Injektion. Vier\nWochen darauf Tuberkelbazillen aus\ndem Auswurf verschwunden. W.\nsteht jetzt jeden Morgen um 3 Uhr\nauf, fährt nach der Markthalle, ist\nden ganzen Tag über angestrengt\ntätig. Kein Fieber, kein Auswurf,\nkeine Nachtschweiße. Erhebliche\nGewichtszunahme.\n2. Patient St. Lange Behandlung\nin Beetz-Sommerfeld bei Dr. Ulrici.\nSollte zu Weihnachten 1931 Plastik-\nOperation bekommen, die er ver-\nweigerte. Sfat dessen eine Fried-\nmann-Injekfion. Sein Auswurf ist\njetzt — März 1932 — bereits frei\nvon Tuberkelbazillen. (Negativ.)\nIm Frühjahr 1931 erkrankte ich\nan der Lunge. Das Postamt SW 11\nverschickte mich in ein Sanatorium\nnach Schlesien. Nach beendeter\nKur, die mir nicht gerade guttat,\nerkrankte ich an einer Rippenfell-\nentzündung und und kam anschlie-\nßend nach der Heilanstalt Beelitz.\nAlle beiden Kuren hatten bei mir\nkeinen Erfolg.\nSofort nach Erhalt einer Fried-\nmann-Injektion besserte sich meine\nKrankheit zusehends.\nDaraufhin erklärte mich der Herr\nVertrauensarzt der Reichspost für\narbeitsfähig.\nHerbert Hehlert\nBerlin-Steglitz, Bismarckstr. 46 111\nIch bin seif dem 1. Januar 1931 an\nTuberkulose mit Blutspucken er-\nkrankt. Im Berliner St. Gertrau-\nden-Krankenhaus bei Herrn Pro-\nfessor Lauter erhielt ich während\neiner dreimonatigen Kur den\nPneumothorax mit vielen Nach-\nfüllungen. Dann war ich volle drei\nMonate, vom 24. April bis 24. Juli\n1931, in der Eisenbahner-Heilstätte\nMelsungen bei Herrn Professor\nDr. Roepke. In beiden Anstalten\nwurde ich nicht geheilt, sondern\nvon Herrn Professor Dr. Roepke\nmit offener Lungentuberkulose als\narbeitsunfähig entlassen, trotzdem\nich bei ihm viele Pneumothorax-\nFüllungen, Kehlkopfbestrahlungen\nund Goldspritzen mit übelsten\nNachwirkungen erhalten hatte. Nach\ndieser erfolglosen Kur bei Herrn\nProfessor Roepke kam ich am\n11. August 1931 in die Behandlung\ndes Berliner Friedmann-Instituts,\nin dem ich am 15. August und am\n28. November je eine Friedmann-In-\njektion bekam. Meinen Pneumotho-\nrax habe ich eingehen lassen. Seit\nder Friedmann-Behandlung habe ich\ntrotz ziemlich schwerer Arbeit als\nSchlosser bei der Reichsbahn zwan-\nzig Pfund an Gewicht zugenommen.\nMein Auswurf ist bei der Unter-\nsuchung am 27. Februar 1932 durch\ndas Gesundheitsamt Berlin-Schöne-\nberg als frei von Tuberkelbazillen\nbefunden worden, während meine\nRöntgenaufnahme am Tage vor der\nersten Friedmann-Impfung drei\nkirschgroße Kavernen, eine pflau-\nmengroße Kaverne und verschiedene\nandere tuberkulöse Lungenherde\nzeigte. Bei meiner Nachuntersuchung\nim St. Gertrauden-Krankenhaus und\nin der Schöneberger • Tuberkulosen-\nFürsorgesfelle (Stadtmedizinalrat\nDr. Getfkant) wunderten sich die\nAerzte, die von meiner Friedmann-\nBehandlung nichts wußten, über die\nfortschreitende Heilung.\nOtto Groth\nElektro-Schlosser bei der Reichs-\nbahn, Berlin-Schöneberg, Monu-\nmentenstraße 38\nSeit Februar 1931 leide ich an\nLungen - Tbc., hatte Blutungen und\nkam dann auf zwei Monate\nnach Melsungen zu Herrn\nProf. Dr. Roepke in Behandlung.\nDen mir vorgeschlagenen Pneumo-\nthorax lehnte ich ab, weil ich bei\nmeinen Melsunger Leidensgefährten,\ndie ebenfalls mit Pneumo, Nerven-\nschnitt und Plastik bedrängt wor-\nden sind, keinerlei Erfolge be-"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.32", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3594, "texte": "obachten konnte. Ich verließ am\n24. Juni 1931 die Heilstätte\nvon Herrn Prof. Roepke als\narbeitsunfähig, mit T b c.-\nbazillen im Auswurf. Ich\nerhielt dann am 1. Juli und am\n9. September sowie am 4. November\n1931 je eine Friedmann-Heilimpfung.\nBis auf einen minimalen morgend-\nlichen Auswurf, in dem bei kürz-\nlichen Nachuntersuchungen durch die\nLungenfürsorge Berlin, Prenzlauer\nBerg keine Tbc. - bazillen\nmehr gefunden worden sind,\nbin ich gesund. Ich hoffe, daß die\nGegner von Professor Friedmann\nsich von den Erfolgen überzeugen\nlassen und das Mittel allgemein\nin Anwendung bringen.\nReinhold Daily\nReichsbahn-Arbeiter, Berlin W 58,\nSchönhauser Allee 64\nDer Erfolg nach der ersten Fried-\nmann-Impfung hat meine Erwartun-\ngen und Hoffnung übertroffen. Es\nist eine Besserung meines Gesund-\nheitszustandes eingetreten, die ich\nbei keinem mich seit 1927 behan-\ndelnden Arzt erreichen konnte. Auch\neine zweimonatige Kur in der Lun-\ngenheilanstalt in Görbersdorf in\nSchlesien hatte mir keinen Erfolg\ngebracht.\nAls ich in Görbersdorf in Schle-\nsien 1931 zur Erholung war, wurde\nmir von dem behandelnden Arzt ein\nPneumothorax empfohlen, mit dem\nBemerken, daß ich sonst ein Todes-\nkandidat sei. Ich habe in derselben\nAnstalt bei Weicherts viele Pa-\ntienten um mich gehabt, die in\nihrer Verzweiflung sich einen Pneu\nhaben anlegen lassen. Bei ihnen ist\nnach einigen Wochen statt Besserung\neine Verschlechterung des Gesund-\nheitszustandes eingetreten. Diesen\nschon übel zugerichteten Menschen\nwurde als letztes der Nervenschnitt\nnoch als Rettung empfohlen. Ganz\nabgesehen von dem Gelingen der-\nartiger Eingriffe habe ich mir einen\nKostenanschlag über meinen Pneu-\nmothorax erbeten, der mir in einer\nHöhe von 715 RM. vorgelegt wurde.\nMit Fahrgeld, Nebenausgaben und\nweiterer Behandlung nach der Ent-\nlassung habe ich mir eine Summe\nvon 1100—1200 RM. als nicht zu\nhoch errechnet. Da ich mittellos\nbin und noch zwei Söhne ohne\nStellung zu unterstützen habe, war\nan eine derartige Operation nicht zu\ndenken. Ich hatte mich also auf\ndas schlimmste gefaßt gemacht.\nDurch einen Zufall habe ich dann\nvon der Friedmannschen Heilimpfung\ngelesen und nach reiflicher Ueber-\nlegung mich entschlossen, diese\nImpfung an mir vornehmen zu\nlassen. Ich brach meine Kur in\nder Heilanstalt ab und ging nach\nChemnitz zur weiteren Behandlung\ndes Herrn Dr. Dünger. Er hat mir\nauch immer wieder einen Pneumo-\nthorax empfohlen. Ich bin dann\nam 6. November 1931 in das Fried-\nmann-Institut nach Berlin gekommen\nund habe die erste Impfung er-\nhalten. Der Erfolg ist großartig\nund übertrifft alle meine Erwar-\ntungen. Ich bin heute noch ein\nganzer, wenn auch nicht ganz ein-\nwandfreier Mensch, aber doch kein\nzerschnittener oder zerstückelter.\nIch habe das Vertrauen, bald wieder\ndienstfähig zu sein. Außerdem sind\nmir die riesigen Unkosten erspart\nworden. Vergleiche ich die Kosten\neines Pneumothorax und der Ne-\nbenkosten, so habe ich einen Betrag\nvon 1000 RM. gespart. Und die\nHauptsache, ein guter Erfolg, der\nbei Anlegung eines Pneu oder Ner-\nvenschnitts fraglich ist. Ich werde\nmich bei jeder Gelegenheit der er-\nfolgreich durchgeführten Friedmann-\nschen Heilimpfung jedermann zur\nVerfügung stellen und meinen Mit-\nmenschen über den Erfolg berichten»\nden ich durch die Friedmann-Imp-\nfung erreicht habe. Ich schlage je-\ndem eine Friedmannsche Impfung\nvor, statt einer vorübergehenden\nHeilstättenkur, die eine Unmenge\nGeld kostet.\nErich Lohse, Postschaffner\nChemnitz-Borna, Wittgendorfer\nStraße 21\nAm 1. Juli 1931 bekam ich wäh-\nrend eines Urlaubs von meiner da-\nmaligen Heilstättenkur in R. eine\nFriedmann-Spritze. Ich hatte da-"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.33", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1690, "texte": "Mals eine große Kaverne, die nach\nder Friedmann-Spritze in etwa vier\nMonaten zugeheilt war. Ich habe\nbereits am 9. Januar 1932, als ich\nandere Patienten zur Friedmann-\nBehandlung brachte, schon von die-\nsem verblüffenden Erfolg durch die\nFriedmann-Impfung berichtet. (Die\nOriginalberichte des Röntgenologen\nliegen vor.) Johannes Müller\nBerlin-P anko w\nProfessor Dr. Giorgio Tron von\nder Universität Mailand berichtet\nin der neuesten Nummer der Te-\nrapia, Bulletin des führenden Istituto\nSieroterapioo Milanesie über die öün-\nstigen Heil- und Schutzerfolge in\nallen Ländern, besonders in Italien,\nmit dem Friedmann-Mittel.\nNochmals der eingestellte Heilstätten-Chefarzt\nWir erhalten aus der Bremischen Heilstätte Mölln in Lauenburg\neine weitere Zuschrift von dem Briefschreiber, dessen Mitteilungen wir\nin Heft 2, Seite 49 dieser Zeitschrift veröffentlicht haben. Er teilt mit»\ndaß seine Auffassung, der Chefarzt dieser Heilstätte, Herr Professor\nDr. Sachs, sei Gegner der Friedmann-Methode, auf einem Irrtum beruhe.\nHerr Professor Sachs selbst habe die Anregung und die Richtlinien ge-\ngeben, zweihundert Patienten der Heilstätte mit dem Friedmann-Mittel\nzu behandeln. Wir nehmen hiervon mit Vergnügen Kenntnis. Um so\nmehr, als uns fortgesetzt zustimmende Aeußerungen auch aus den Kreisen\nder Herren Lungenfachärzte zugehen. Wenn Herr Professor Sachs also\nzweihundert geeignete, das heißt nicht zu weit vorgeschrittene Lungen-\ntuberkulose, die nach den Friedmannschen Leitlinien geeignet sind, heil-\nimpft, so wird auch er sich überzeugen, daß er bei ihnen ohne jede\nweitere Behandlung, insbesondere ohne chirurgische Maßnahmen, Heil-\nerfolge erzielt.\n\nDie Schriftleitung\nDie Schriftleitung"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c018", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c018", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "95", "page_fin": "95", "image_debut": 33, "image_fin": 33, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.18", "titre_corps": "Der scharmante Stil", "titre_sommaire": "Der scharmante Stil", "signature_source": "Mc. R. 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Sie mustert\ndie neue Braut mit schiefen Augen. Man könnte auch sagen, sie schielt\nwf an> wenn das keine Beleidigung für Frau Ede darstellte. Mit einem\nWort: Da klappt etwas nicht. Willemist ein scharfer Junge mit\nscharfem Blick, der alles merkt. Am nächsten Tage stattet er Frau Ede\neinen Sonderbesuch ab. — „Tachl\" — „Na, wat denn, wat denn?\" — „Ick\nwollte man bloß wissen, wat du an meine Minna herumzumeckern hast?\"\n„Hab ich nich.\" — „Doch haste! Du man raus mit die Wahrheit!\"\n. i if» Ede legt los: „Mensch, Willem, bei deinem scharmanten\nj < • dir janz wat andres zujetraut! Die Minna is doch vorn glatt\nund hinten jehobeltlü\" — Kritik der reinen Berliner Vernunft. Mc. R. 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Dr. Kröner\nBerlin / 12. 2. 32\nHerrn Prof. Bruno Lange / Robert-Koch-Institut / Berlin\nSehr geehrter Herr Professor\nIn Ihrem am 9. 2. im „Tag\" unter dem Titel „Die erschütternde Tragik\nder Lübecker Aerzte\" erschienenen Artikel finden sich unter anderen folgende Sätze:\n„Besonders scharfe Angriffe wurden bis in die neueste Zeit hinein gegen\ndas Calmettesdie Schutzimpfungsverfahren von Seiten Friedmanns und seiner\nAnhänger gerichtet, denen die Gelegenheit günstig erschien, für das „sicher\nunschädliche\" Friedmannsche Schutz- und Heilmittel gegen Tuberkulose Propaganda\nzu machen. Soweit Tatsachen behauptet worden sind (Unglücksfälle nach der\nCalmette-Impfung auch in Spanien, Ungarn, Bulgarien), sind die Behauptungen\nin der Folgezeit als Phantasiegebilde entlarvt worden. In Ermangelung sachlicher\nArgumente wurde der Kampf oft genug in der Weise geführt, daß Calmette\nselbst und deutsche Forscher, die sich für eine Erprobung des Verfahrens in\nDeutschland eingesetzt haben, gröblich beschimpft wurden.\"\nDa aus dem Zusammenhang zweifelsfrei hervorzugehen scheint, daß sich\n■diese Sätze auch gegen das in der Broschüre „Anti-Calmette\" niedergelegte\nLiteratur-Material und somit auch gegen die Verfasser dieser Broschüre richten,\nersuche ich Sie höflichst, Ihre Behauptungen näher zu substanziieren und mir\nIhre Unterlagen namhaft und zugänglich zu machen. Sollten Sie diesem Ersuchen\nnicht nachkommen oder nicht in der Lage sein, den Wahrheitsbeweis für Ihre\nBehauptungen zu erbringen, so müßte ich in ihnen eine schwere Verunglimpfung\nerbticken und behalte mir für diesen Fall alles weitere vor.\nGleichzeitig gestatte ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß ich meinerseits bereit\nbin, die von Ihnen angeblich als „Phantasiegebilde entlarvten\" Tatsachen unter\nBeweis zu stellen uud erwarte von Ihnen, daß Sie mir hierzu Gelegenheit\ngeben werden.\nIch erwarte Ihre Antwort bis spätestens 19. Februar mittags 12 Uhr.\nMit vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. med. Kröner\nPreuss. Institut für Infektionskrankheiten ] Robert Koch\nu r, xv i-s •• i fu 1 -u- u Berlin N 65 / 21. Februar 1932\nHerrn Dr. med. W. Kroner f Charlottenburg\nSehr geehrter Herr Dr. Kröner\nIhren Brief vom 12. 2. 32 habe ich der Aerztekammer Berlin vorgelegt.\nHochachtungsvoll gez. Bruno Lange\nHerrn Prof. Dr. med. Bruno Lange / Institut Robert Koch\nCharlottenburg / 1. 3. 32\nNachdem Sie es vorgezogen haben, sich hinter die Aerztekammer zu\nverschanzen, habe ich den Briefwechsel der Presse übergeben.\nHochachtungsvoll gez. 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Konkrete, bis ins einzelne gehende, an arztliche Er~\nfahrung erprobte Ratschlage des Verhaltens in Zeiten der Liebe, des Verlangens\nder Schwangerschaft, Stillzeit und Mutterschaft werden vermittelt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c022", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c022", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "[64]", "page_fin": "[64]", "image_debut": 2, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.22", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[64]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.2", "debut_caractere": 560, "fin_caractere_exclue": 1295, "texte": "UUISIIMI rnh STURM\nABTEILUNG MODESCHULE\nBerlin-Charlottenburgl WilmersdorferStr.l4\nFernsprecher: C 4 Wilhelm 5229'\nLEITERi R. DILLENZ\ni i m 1m m wmmm 'Mmmmmm:\nSystemafische Ausbildung von Modelcunstlern, Modelehrern unc\nqualifizierten Arbeitern lur a!!e Gebiete der Modeprodulctio 1\n• Handwerklich-techn. Au sbildurig in den Werk*\nstatten fur Schneiderei, Putzmacherei usw.\n• Kunstlerisch-formale Erziehung in den\nKlassen und Ateliers fur Zeichnen, Male v\nModellieren, Graphik, Jllustration, Rekiamc\nDekoration, Ausstattung, Ausstellung usw,\n• Geistig-kulturelle Bildung in Horsaal un\nSeminar durch Philosophie, Staatsburger-\nkunde, Kultur- und Kunstlehre, Wirtschafts\nlehre, Geschaftskunde usw.\n|fj|| Tagesschule mit 42 Wochenstunden,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c023", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c023", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "97", "image_debut": 35, "image_fin": 35, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.23", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 35, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.35", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2086, "texte": "Internationale Anti -Tuberku\nSektion Deutschland e. V.\n-Li\nga\nGeschaftsstelle: Berlin - Wilmersdorf / Hohenzollerndamm 201\nernsprecher: H 5 Brabant 686 / Postscheck-Konto: Berlin Nr. 1237 88\nINTERNATIONALES KURATORIUM\nDr. Georg Graf v. Arco\nChefredakteur Erich Alfringhaus\nFrau Prof. H. d'Albert-Finck\nFred A. Angermayer\nHermann Bahr\nGen.-Major Graf v. Beck-Rzikowsky\nBianca Grafin v. Beck-Rzikowsky\nAlice Berend\nProf. Georg Bernhard\nWalter Bloem\nIntendant Dr. Rudolf Bliimner\nSvend Borberg/Kopenhagen\nAlfred Braun\nHenry Cowell/New York\nJosef Czapek/Prag\nKarel Czapek/Prag\nDirektor Richard Dillenz\nDr. Hanns Martin Elster\nHerbert Eulenberg\nPeter Flamm\nProf. Sigmund Freud/Wien\nProf. Dr. Carl Fries\nRudolf Fuchs/Prag\nProf. Alfons Goldschmidt\nIwan Goll/Paris\nProf. E. J. Gumbel\nBaron E. von der Heydt\nProf. Karl Hofer/Berlin\nLandgerichtsrat Dr. C. M. v. Holten\nProf. Dr. H. H. Houben\nDr. Ricarda Huch\nRuth von Jagow\nGeorg Kaiser\nDr. Erich Kastner\nAlfred Kerr\nEgon Erwin Kisch\nAage v. Kohl/Kopenhagen\nProf. Kathe Kollwitz\nEdmond Konrad/Prag\nEdlef Koppen\nRudolf Kurtz\nSelma Lagerlof\nHans Land\nAuskunff und Broschuren kosfenlos durch das Generalsekretariat der IATL\nBerlin-Wilmersdorf / Hohenzollerndamm 201\nMitgliedsbeitrag 2 Mark jahrlich\nKurt Liebmann\nReichstagsprasident Paul Lobe\nEmil Ludwig\nErwin Magnus\nHeinrich Mann\nThomas Mann\nDr. Dimitri Marianoff\nKarl Heinz Martin\nAlfred Richard Meyer\nKarin Michaelis\nArno Nadel\nOtto Nebel\nDr. C. Norner/Barsinghausen\nAlfons Paquet\nRedakteur Otto Pick/Prag\nErwin Piscator\nChefredakteur Dr. Artur Ploch\nMax Reinhardt\nRemain Rolland\nOtto Rung/Kopenhagen\nFrau Geheimrat Carl Ludwig Schleich\nMary Schneider-Braillard\nGen.-Maj. Dr. h. c. Frhr. v. Schoenaich\nBruno Schonlank\nLeopold Schwarzschild\nDr. Eugenie Schwarzwald/Wien\nProf. Dr. Peter A. Silbermann\nWilhelm Speyer\nDr. phil. Helene Stocker\nChefredakteur Dr. Stocker/Dortmund\nDr. Kurt Thesing\nJakob Tiedtke\nErnst Toller\nGrete von Urbanitzky/Wien\nProf. Dr. Veit Valentin\nHedwig Wangel\nJakob Wassermann\nDr. C. A. Werner\nJustizrat Dr. Johannes Werthauer\nDirektor Hans Wiirtz\nArnold Zweig\nStefan Zweig"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabg-1932-03-c024", "article_bluemountain": "bmtnabg_1932_03#c024", "volume": "bmtnabg_1932_03", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "98", "page_fin": "98", "image_debut": 36, "image_fin": 36, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.2.24", "titre_corps": "[Publicité]", "titre_sommaire": "[Publicité]", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 36, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.36", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4745, "texte": "Internationale Anti-Tuberkulose-Liga Sektion Deutschland «. V\nDEUTSCHES\nDr. med. Felix Abraham/Berlin\nDr. med. Knud Ahlborn/Kampep a. Sylt\nDr. med. Aldegarmann/Lippspringe\nDr. med. Karl Andr6e/Marburg\nDr. med. W. Berdel/Kaiserslautem\nDr. med. Bruno Berendes/Liidge i. W.\nDr. med. E. Biller/Breslau\nSanitatsrat Dr. W. Bloch/Koln\nDr. med, Dietrich Bios/Halle a. d. S.\nDr. med. Edvin Bios/Karlsruhe\nDr. med. Blum/Frankfurt-Hochst\nDr. med. E. Bonde/Altenburg i. Thiir.\nDr. med. Hans-Adolf Braun/Berlin\nDr. med. Hans Bruno/Hamburg\nMedizinalrat Dr. E. Buck/Lahr Baden\nMedizinalrat Dr. Cluss/Hechingen\nDr. med. Costa/Hamburg\nDr. med. M. Crohn/Halberstadt\nDr. med. A. Dechesne/WupnertaHBarmen\nDr. med. Wolfgang Donath/Berlin\nDr. med. Dorn/Berlin\nDr. med. O. Drescher/Erfurt\nDr. med. A. Durand/Berlin\nDr. med. K. Eichwald/Berlin\nDr. med. Hermann Engels/Berlin\nDr. med. C. Fellermeyer/Ingolstadt\nDr. med. J. Frankenstein/Berlin\nDr. med. K. Frankel/Frankfurt a. M.\nDr. med. Fritz/Viersen\nDr. med. Paul Fritzsche/Wettin a. S.\nDr. med. E. Frohlich/Thal Ct. St. Gallen\nDr. med. F. Fuchs/Dallmin\nDr. med. A. Fuhrmann/Geschwenda\nSanitatsrat Dr. Gastreich/Koln-Merheim\nDr. med. F. Gebert/Luckenwalde\nDr. med. K. Gelbke/Leipzig\nSanitatsrat Dr. Goepel/Leipzig\nDr. med. V. Goetze/Tribsees\nDr. med. S. Griefahn/Jena-Lobeda\nDr. med. E. Grosse/Berlin\nDr. med. Hans Henschel/Berlin\nKurt Herrmann prakt. Arzt/Leipzig\nDr. med. F. Hilpert/Augsburg\nStadtarzt Dr. med. Max Hodann\nDr. med. Holtmann/Hochstadt\nDr. med. E. Holler/Sackisch-Kudowa *\nDr. med. Hose/Warza b. Gotha\nDr. med. H. Hotzel/Sauerlach b. Miinchen\nDr. med. G. Hlibner/Landau i. Pf.\nDr. med. B. Hiiffner/Forst L.\nDr. med. Erich Israel/Dortmund\nDr. med. M. Jungmann/Berlin\nDr. med. L. Kapauner/Leipzig\nDr. med. Kedzierski/Danzig\nDr. med. S. Kirchheimer/Wolfenbuttel\nDr. med. H. Koetter/Goclar\nDr. med. Karl Kollwitz/Berlin\nDr. med. Krause/Neuruppin\nDr. med. W. Kroner/Berlin\nDr. med. Krug/Loerrach\nDr. med. H. Kuschner/Nordhausenn\nDr. med. Lazar/Lotzen i. Ostpr.\nDr. med. Karl Lengfellner/Berlin\nDr. Lester/Sonderborg (Danemark)\nDr. med. Levy/Koln\nMedizinalrat Dr. Lichthorn/Demmin\nDr. med. Lippert/Lindau i. B. ,\nDr. med. R. Loewenstein/Soest^\nDr. med. Fr. Lube/Braunschweig\nDr. med. M. Mannheim/Sorau N:-L,\nDr. med. N. Moscyztz/Freiburg i. Br.\nDr. Moses, M. d. Reichsgesundheitsrats\nARZTEKURATORIUM\nDr. med. R. MiHler/Berlin\nDr. med. J. E. Miiller/Landau i. Pf.\nDr. med. Naundorff/Dresden\nDr. med. Heinz Neu/Diisseldorf\nDr. med. G. Niitzel/Hattersheim\nDr. med. J. Ossenkopp/Hannover\nDr. med. Ostermann/Heidelberg\nDr. med. Pagel/Hamburg-Wandsbek\nGeh. Sanitatsrat Dr. Palmi£/Berlin\nSanitatsrat Dr. Pape/Herford i. W.\nMinisterialrat Dr. med. Otto Popitz\nDr. med. Potthoff/Iserlohn\nDr. med, Fr. Potz/Dusseldorf\nDr. med. L. Preiss/Berlin\nDr. med. Ralhaus/Berlin\nDr. med. Recktenwald/Neunkirchen\nDr. med. G. Riedlin/Freiburg i. Br.\nDr. med. Rocholl/Soest\nDr. med. Otto Rubens/Barmen\nDr. med. Arthur Rydzek/Dortmund\nDr. med. A. F. Samuel/Berlin\nDr. med. R. Schad-Blos/Karlsruhe\nDr. med. Hans-Oskar Schafer/Berlin\nGeneralstabsarzt Dr. H. Scheidl\nDr. med. Otto Schi'd/Dortmund\nDr. med. Schliiter/Wesenberg\nDr. med. H. Schmeidler/Berlin\nDr. med. G. Schmidt/Berlin\nDr. med. R. Schmitz/NeuB a. Rh.\nDr. med. G. Scbnerb/Frankfurt a. M.\nDr. med. Schramm/Gotha\nDr. med. Schroder/Rastatt\nDr. med. K. Schroder/Riesa\nDr. med. H. Schwermann/Schomberg\nDr. med. Frh. v. Seld/Hamburg\nProf. Dr. med. P. Selter/Solingen\nSanitatsrat Dr. Sickin&er/Mainz-Gonsenheim\nDr. med. E. Stehling/Wesenstedt\nDr. med. Stroemer/E^sen\nDr. med. Trchendorf/Me<erane 1. Sa.\nDr. med. Treibmann/Leipzig\nDr. med. Uhlendorf/Abterode^\nDr. med. W. Undeutsch/Leipzig\nDr. med. E. Uterharck/Hamburg^\nDr. med. Hans Vieweg/Grimma i. Sa.\nReichsbahnarzt A. Weber/Rott a. Inn\nDr. med. Rud. Wedel/Berlin\nDr. med. F. Welker/Sommerda i. T.\nDr. med. F. Wertheim/Berlin\nDr. med. E. Winners/Strehla a. d. Elbe\nFrau Dr. med. F. Winners-Langheld\nDr. med. G. Wolf^/Dre«den\nDr. med. W. Wolff/Bre^lau\nDr. med. W. Wiirker/Elbing\nStadtmedizinalrat Dr. Wychgram\nDr. med. R. Zett/Memmingen\nKreistierarzt Anders/Trebnitz i. Schl.\nDr. med. vet. K. Bellers/Overath\nOberstabsveterinar J. Biesterfeldt\nGeheimrat Dr. med. vet. Casparius\nDr. med, vet. A. Deubel/Sigmarintfen\nDr. med. vet. J. A. Hoffmann/Strehlen\nTierarzt Carl Holz/Stellin^en\nDr. med. vet. Kohler/Schierling\nDr. med. vet. Laasch/Templin U.-M.\nUniv.-Prof. Dr. med. vet. Pfei!er/Jena\nOberstabsveterinar Pohl/Neustrelitz\nOberveterinarrat Dr. Probst/Straubmg\nStabsveterinar Reichardt/Halberstadt\nDr. med. vet. v. Sarnowsky/Liebenwerda\nTierarzt Emil Sonntag/Dresden\nmmci Broschiiren kostenlos durdi das Generalsekretariat dmt 1ATI\nBerlin-Wilmersdorf / Hohenzollerndamm 201\nM11 g I i e d s b e i t r a g 2 Mark j S h r I i c h"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "couv. 1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.1", "texte": "DE R STUR M\n30 Pf.\n1932\n\nInternationale Monatsschrift\nDrei Aerzte sprechen\n3awizani\nDie Patienten melden sich\nin die Kammer\niAVr\nJtfr\n+J&\n<!*\n< Hl\nDr. Shylock\nDer scharmante Stil\nBanausen\nUnterseeboot mit Medaillon\nHerausgeber^^\nVerlag Der Sturm Berlin-Friedenau"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "[64]", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.2", "texte": "DER STURM\nBERLIN - FR lEDENAU\nmacht Sie auf folgende wichtige\nNeuerscheinung aufmerksam:\nGeschlechfsleben und Gesundneit\nGesittung und Gesefz\nvon Dr. Hertha Riese / RM 4.50\n\nEs werden die Probleme des liebenden und iebengebenden Menschen in ihrer\nNaturlichkeit, aber auch in ihrer Verflochtenheit mit den ethischen und sozialer;\nAufgaben der Zeit dargestellt. Konkrete, bis ins einzelne gehende, an arztliche Er~\nfahrung erprobte Ratschlage des Verhaltens in Zeiten der Liebe, des Verlangens\nder Schwangerschaft, Stillzeit und Mutterschaft werden vermittelt.\n\nUUISIIMI rnh STURM\nABTEILUNG MODESCHULE\nBerlin-Charlottenburgl WilmersdorferStr.l4\nFernsprecher: C 4 Wilhelm 5229'\nLEITERi R. DILLENZ\ni i m 1m m wmmm 'Mmmmmm:\nSystemafische Ausbildung von Modelcunstlern, Modelehrern unc\nqualifizierten Arbeitern lur a!!e Gebiete der Modeprodulctio 1\n• Handwerklich-techn. Au sbildurig in den Werk*\nstatten fur Schneiderei, Putzmacherei usw.\n• Kunstlerisch-formale Erziehung in den\nKlassen und Ateliers fur Zeichnen, Male v\nModellieren, Graphik, Jllustration, Rekiamc\nDekoration, Ausstattung, Ausstellung usw,\n• Geistig-kulturelle Bildung in Horsaal un\nSeminar durch Philosophie, Staatsburger-\nkunde, Kultur- und Kunstlehre, Wirtschafts\nlehre, Geschaftskunde usw.\n|fj|| Tagesschule mit 42 Wochenstunden,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "65", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.3", "texte": "Betrieb\nHerwarth Walden\nEs wird gewählt. Das deutsche Volk politisiert sich. Immer\nund nur, wenn gewählt wird. Da dieses Volksvergnügen seltener\nstattfindet als der Karneval, sind Vorbereitung und Stimmung um\nso größer. Namentlich die Intellektuellen machen von sich reden\nund reden. Sonst außerhalb der Karnevalszeit sind sie grundsätzlich\nunpolitisch. Grundsatz ist bekanntlich das Zeichen des Charakters.\nVon dem der große Dichter Paul Scheerbart die klare Erklärung\ngab: Charakter ist nur Eigensinn. Aber die Intellektuellen haben\nCharakter. Während des Karnevals. Unter Intellektuellen versteht\nman die klassenlose Klasse der Menschen, die andern den Geist\neinreden wollen, den sie nicht haben. Sie beschäftigen sich während\ndieses Schlafzustandes mit den freien Berufen. Das sind die Berufe,\ndie viel Geld kosten, aber keins einbringen, wenn man keins hat.\nDafür ist die Beschäftigung interessant. Das Leben Gottes, das\nLiebesleben Goethes, die Suche nach Bazillen, die Rechtsfindung\nim Unrecht, die Ausgrabung alter Steintöpfe, die Beschilderung der\nNatur nebst sämtlichen Lebewesen. Das sind so Berufe an sich,\njetzt aber heißt es wählen. Alle sind Professoren. Kandidaten\nsind aufgestellt oder stellen sich auf und alle Professoren können\nprüfen. Sie wissen genau soviel von ihnen wie die Professoren, die\nes auch außerhalb des Karnevals sind. Man liest von ihnen, man\nhört von ihnen, sie werden von Künstlern oder Fotografen ver-\nunbildet. Kurz, man macht sich seine Meinung. Der eine Kandidat\nversprach und der andere verspricht. Gibt es eine schönere Zeit zu\nträumen, als Karneval oder Wahl? Vergangenheit und Zukunft\nwerden lebendig. Zum Karneval gehört die Mode von gestern oder\nvon morgen. Nur nicht die schale Gegenwart. Gestern und morgen\nsind die ewigen Parolen. Parolen müssen sein. Ein letzter militä-\nrischer Schimmer. Fahnen und Musik. Karneval.\nGoethe ist vor hundert Jahren gestorben. Kultur. Die Schulen\nwerden geschlossen. Alle Vereins Vorsitzende dichten. Sämtliche\nRegierungen halten den Atem an. Die Literaturhistoriker reisen\nzum ersten Mal. Maler und Dichter erinnern sich an ihre persön-\nliche Begegnungen. Alle Blumengeschäfte in Weimar sind ausver-\nkauft. In Frankfurt a. Main wird die Geburtsstätte neu errichtet.\nStudenten benehmen sich faustlich und trinken immer noch eins.\nHaddien werden immer noch wegen Abtreibung verurteilt. Der\ngütige Goethe ließ als Staatsminister Kindsmörderinnen hinrichten.\nWeil Recht vor Gnade geht. Recht gehört zu den erwähnten freien\nBerufen. Also kurz: Kultur. „Das Volk\" darf Goethes Werke"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "66", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.4", "texte": "kaufen. Auch auf Stottern. Mit Torquato Tasso und Iphigenie lebt\nes sich noch einmal so gut. Schließlich ist man das Volk der Denker\nund Dichter. Die Enkel sämtlicher Schüler Goethes werden an\ndiesem Tag zu Geheimen Regierungsräten ernannt. Ohne den Titel\nExcellenz, wenigstens in Deutschland. Guter Mond, Du gehst\nso stille.\nSonst im Westen, Norden und Süden nichts Neues. Im Osten\nführt Japan in China einen Verteidigungskrieg. Also einen völker-\nrechtlich erlaubten Krieg. Man nennt das heute nicht mehr Krieg,\nweil die Angelegenheit zur Zeit nicht beliebt ist. Eben wegen des\nVölkerrechts. Es ist also eigentlich kein Verteidigungskrieg, viel-\nmehr eine Kriegsverteidigung. Die Feindseligkeiten sind nur bild-\nlich gemeint. Japan wirft die Chinesen aus China zurück, weil\nihr Vaterland größer sein muß. Das Vaterland muß immer größer\nfür die Väter sein, die Land besitzen*. Besitz verpflichtet zu Besitz.\nUnd der Handel. Wenn die Chinesen nicht die guten japanischen\nWaren kaufen wollen, muß man die Waren eben verteidigen. Der\nHandel darf nicht stocken. Auch der Wandel nicht, lind wenn die\nLeute nicht kaufen wollen, dann müssen sie eben an den Ver-\nteidigungskrieg glauben. Namentlich an einen Krieg, der es im\nSinn des Völkerrechts nicht ist. Wenn auch die Generalität schießen\nläßt, so liegt das eben im Wesen der Generalität. Man soll solche\nBerufsäußerungen aber nicht mit Krieg bezeichnen. Außerdem soll\nChina übervölkert sein. Außerdem sollen die Chinesen hungern»\nWarum kaufen sie nicht japanische Waren. Dann haben sie keinen\nHunger mehr. Oder sie werden friedlich erschossen. Dann haben\nsie auch keinen Hunger mehr. Also die ganze Angelegenheit ist\nvölkerrechtlich einwandfrei. Oder wie Schiller sagte: „Es liebt die\nWelt, das Strahlende zu schwärzen.\"\nIn Berlin ist wie immer Betrieb. Wenn auch ohne Betriebs-\nsicherheit. Wenn auch die Betriebsräte friedlich werden. Berlin\nliebt den Betrieb an sich. Bierstreik zum Beispiel. Eine Molle\nWeißwein zur Abwechslung. Auch nicht wärmer als eine Flasche\nHelles. Da doch die Schultheiß-Aktien fallen. Die Brüder Sklarek\nversuchen noch immer, dem Gericht klarzumachen, daß die Berliner\nStadtbankdirektoren ungeeignet für Transaktionen sind. Sie werden\nes aber nicht schaffen. Eher werden sie noch verurteilt. Aber erst\nim nächsten Jahr. Im Zirkus Busch werden die Wahlverwandt-\nschaften vorbereitet. Mit dem volkstümlichen Untertitel: Freie\nLiebe? Die prominenten Hauptdarsteller werden durch ein Goldstück\nais solche gekennzeichnet. Die Verleihung erfolgt durch die Ritter\nder Presse. Am Klavier der Komponist."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "67", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.5", "texte": "Für das Friedmann-Mittel\nNeunzehnjährige Erfahrungen mit dem Friedmannschen\nMittel bei den verschiedenen Formen der Lungen- und\nchirurgischen Tuberkulose\n\nDr. W. Pape / Sanifätsraf und bisheriger Chefarzt des Kreiskranken-\nhauses zu Herford / Mitglied des Staatlichen Hauptausschusses (1919—1922)\nzur Prüfung des Friedmann-Mittels\nIn neuster Zeit ist der Kampf um das Friedmannsche Heil-\nund Schutzmittel gegen die Tuberkulose wieder heftig entbrannt\nDa ich von 1913, also seit 19 Jahren ununterbrochen mit diesem\nMittel behandle, halte ich mich für berechtigt, ja im Interesse der\nKranken und Gefährdeten für verpflichtet, meine Erfahrungen, die\nich dabei gesammelt habe, an Hand einiger kurz gefaßter Bei-\nspiele zu veröffentlichen.\nIm Jahre 1918 habe ich meine bis dahin gemachten Beob-\nachtungen und guten Heilerfolge in einem Aufsatz der Münchener\nMedizinischen Wochenschrift bekanntgegeben. Schon damals wurden\nder Aufnahme meiner Arbeit von deren Schriftleitung Schwierig-\nkeiten bereitet. Meinen jetzigen Artikel jedoch haben die Mün-\nchener Medizinische Wochenschrift und die Deutsche Medizinische\nWochenschrift rundweg abgelehnt. Auch von vier anderen deutschen\nFachzeitschriften erhielt ich auf meine Ankündigung, daß ich über\nsehr günstige Friedmann-Erfolge zu berichten hätte»\nablehnenden oder dilatorischen Bescheid*).\nWenn ich 1918 gesagt habe, daß ich auf Grund meiner aus-\ngedehnten therapeutischen Erfahrungen an Tuberkulosekranken die\nguten Resultate, die damals schon Schleich, Kruse, Goepel, Kölliker,\nKühne, Palmie und viele andere hervorragende Aerzte und Forscher\nmit dem Friedmannschen Mittel erzielt und veröffentlicht haben,\nnur bestätigen könne, so kann ich das heute nach weiteren 14 Jahren\nerst recht. Es ist mir eine große Genugtuung, daß ich von meinem\ndamaligen günstigen Urteil heute absolut nichts zurückzunehmen\ngenötigt bin. Das Mittel hat auch weiterhin voll gehalten, was ich\nschon vor 14 Jahren feststellte. Ich habe mich an mehr als acht-\nhundert Fällen davon überzeugen können. Wenn der Arzt die\nIndikationen Professor Friedmanns streng erfüllt, dann wird er\n*) Bekanntlich war Dr. Pape von der Staatsregierung, dem Preußischen\nKultus- und Volksgesundheitsministerium 1919—20 in den engeren Aus-\nschuß von 24 anerkannten Fachautoritäten (fast ausschließlich ordent-\nlichen klinischen Universitätsprofessoren) zur Prüfung des Friedmann-\nschen Mittels berufen, der auf Veranlassung des Preußischen Landtags\ngebildet wurde. Die maßgebenden Stellen schätzen also seine Sach-\nverständigkeit und Kritik offenbar hoch ein."}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "68", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.6", "texte": "neben der völligen Unschädlichkeit des Mittels auch seinen großen\nHeilwert erkennen und sich von den reichen Erfolgen selbst über-\nZ Was das Mittel im Einzelfall zu leisten vermag, zeigen die\nnachstehenden bemerkenswerten Fälle aus früherer und jüngster\nZeit*\n1. Kind St., 3 Jahre alt. Seit einigen Monaten sehr schmerzhaft tuber-\nkulöse Anschwellung des einen Knie- und ochultergelenks. In beiden\nGelenken deutliche Fluktuation. Im April 1928 F.-Impfung. Nach\neinigen Wochen wesentliche Besserung und Äbschwellung der Ge-\nlenke, auch das Fieber ging zurück. Nach einigen Monaten konnte\nmit passiven Bewegungen der Gelenke begonnen werden. Nach etwa\neinem Jahr war völlige Heilung eingetreten, so daß Arm und Bein\nwieder gebraucht werden konnten* Heute ist das 17 Mädchen\nkräftig und gesund. „ 1t\n2. Frl. N., 20 Jahre alt, wurde am 18. 12. 13 wegen beginnender Kehl-\nköpf mit geimpft# An der Hinterwand\ndes Kehlkopfes befand sich ein tiefes Geschwür, das schon einmal\nin Schwebelaryngoskopie erfolglos canterisiert war. Vom fünften\nTage der Impfung verkleinert sich das Ulcus. Am 23. 1. 14 Schluß-\ngutachten des Laryngologen: „Das Ulcus ist bis auf ein Drittel\nverkleinert, so daß hier auf vollkommene Vernarbung zu hoffen ist.\"\nNachuntersuchung am 27. 2. 1917: Seit Januar 1914 Wohlbefinden\nund ununterbrochene Arbeitsfähigkeit, als Zigarrenarbeiterin. Die\nN. gibt an, seit der F.-schen Einspritzung dauernd gesund zu sein.\nVor etwa einem Jahre sah ich die N. zufällig wieder und\nstellte fest, daß sie gesund und Mutter gesunder Kinder war.\n3. Karl L., Landwirtssohn, 19 Jahre alt, kam am 28. 5. 1919 mit mehreren\nhühner- bis enteneiergroßen tuberkulösen Lymphdrüsen am Halse zu\nmir, die in einem Krankenhause exstirpiert werden sollten. Eine an\ndemselben Tage vollzogene F.-Impfung verkleinerte die Drüsen sehr\nschnell. Eine am 14. 2. 20 vorgenommene zweite Impfung beseitigte\ndie noch zurückgebliebenen Anschwellungen vollends, so daß heute\nnach 13 Jahren nichts mehr davon zu sehen ist. L. ist dauernd völlig\ngesund.\n4. A. V., Friseur, wurde wegen fistelnder Tbc. des dritten Mittelhand-\nknochens der rechten Hand, die viele Jahre lang vorher von anderen\nSeiten mit allen möglichen Methoden vergeblich behandelt worden war,\nim Jahre 1927 nach Friedmann geimpft. Am 23. 12. 1929 schreibt V.:\n„Ich fühle mich bis heute sehr wohl.\" Er war glücklich darüber,\ndaß er seinen Beruf seit der Heilimpfung wieder ausüben konnte.\n5. Herr V., Landwirt, 20 Jahre alt, kam am 17. 3. 27 wegen sehr großer\ntuberkulöser Halsdrüsenpakete in meine Behandlung. Auf eine an\ndemselben Tage verabfolgte F.-Impfung (0,5 schwach) waren am\n28. 1. 28 die Geschwülste völlig verschwunden, bei einer Gewichts-\nzunahme von 10 Pfund.\n6. G. K., 40 Jahre alt, kam am 11. 9. 1929 wegen doppelseitiger Hoden-\ntuberkulose in meine Behandlung, weil er sich einer von einem\nhervorragenden Facharzt beabsichtigten beider-\nseitigen Kastration nicht unterziehen wollte. Ueber\ndem rechten Hoden bestand eine stark eiternde Fistel, die Epididymis\n(der Nebenhoden) war knollig verdickt, der Samenstrang spindel-\nförmig angeschwollen bis zum Umfang eines Daumes. Nach einer\nF.-Impfung (0,25 stark) war die Fistel nach drei Monaten geschlossen\nund die Hodenschwellung wesentlich zurückgegangen."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "69", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.7", "texte": "\"\\X< eil die alte Fistel seit einigen Wochen wieder etwas absonderte,\nwurde am 7. 10. 31 die Impfung mit 0,5 ganz schwach wiederholt.\nAm 29. 12. 31 schreibt K.: „Es geht mir sehr gut. Mföt dankerfülltem\nHerzen schreibe ich Ihnen, daß ich mich gut gebessert und an Ge-\nwicht 10 Pfund zugenommen habe. Die Geschwulst ist völlig ver-\nschwunden.\" Der Mann befindet sich durch die Impfungen jetzt in\naußerordentlich gesteigertem allgemeinen Wohlbefinden. Die Heilung\nhat ihn vor der entmannenden Kastration bewahrt.\n7. H. R., 32 Jahre alt, bekam im Jahre 1922 infolge eines Stoßes gegen\nden rechten inneren Fußknöchel eine tuberkulöse Fußgelenkentzündung\nund wurde ein Vierteljahr in Krankenhäusern mit Gipsverbänden und\nverschiedenen operativen Eingriffen behandelt. Nach zwei Jahren\nVerschlimmerung des Leidens. Dann wieder ein halbes Jahr Be-\nhandlung im Krankenhause. Im Jahre 1927 wieder Verschlimmerung\nund 16 Monate Krankenhausbehandlung. Dann Entlassung mit totaler\nVersteifung des Fußgelenks und starker Verdickung des inneren\nKnöchels. Befund am 8. 4. 31: Rechter innerer Knöchel stark ver-\ndickt; eine tuberkulöse Fistel führt in ihn und sondert sehr viel dünn-\nflüssigen Eiter ab. Eine etwas kleinere ebenso beschaffene Fistel\nführt zwischen Achillessehne und Knöchel in die Tiefe. In der Umgebung\ndieser Fistel deutliche Fluktuation. F.-Impfung (0,5 ganz schwach)\"!\n21. 4. 31: Die subjektiven Beschwerden haben nachgelassen. Schlaf und\nAppetit wesentlich besser. Der anfangs vermehrte Abgang von Eiter\naus der Fistel hat seit einigen Tagen abgenommen. Innerer Knöchel\nnoch druckempfindlich.\n11. 6. 31: Allgemeinbefinden erheblich besser. Gewichtszunahme\nvon 5 Kilo. Die Wunde granuliert gut, Eiterung geringer.\n16. 7. 31: Befinden sehr gut. Eiterung nur noch minimal, ebenso\ndie Schmerzen.\n21. 10. 31: R. wird völlig geheilt entlassen.\n8. G. R. Schreiber, 19 Jahre alt, eine Schwester an Tuberkulose ge-\nstorben. Seit 1924 Schmerzen im linken Kniegelenk nach einem\nSturz darauf beim Rodeln. Lange Behandlung mit Gips- und Streck-\nverbänden, allmähliche Versteifung des Gelenks. Auf dem inneren\nCondylus des linken Kniegelenks eine fluktuierende schmerzhafte\nStelle. Muskelatrophie am ganzen linken Bein. Röntgenaufnahme\nzeigt am inneren Condylus einen erbsengroßen nekrotischen tuber-\nkulösen Herd. Am 20. 8. 31 F.-Impfung.\nAm 19. 10. 31: Schmerzen erheblich geringer und keine Fluktuation\nmehr. Am 6. 1. 32 wurde R. von dem Facharzt, der ihn früher be-\nhandelte, für geheilt erklärt.\n9. F. 8., Handlungsgehilfe, 28 Jahre alt, am 11. 4. 31 in meine Behand-\nlung, befindet sich seit 6 Wochen in einer Lungenheilstätte wegen Tbc.\nder Lunge. Seit Ende Januar 31 Husten und Auswurf, der Tuberkel-\nbazillen enthält. Es besteht typischer Katarrh auf der linken Lunge,\nbesonders im Unterlappen. Am 18. 4. 31 F.-Impfung. Am 26. 5. 31\nSputum bereits frei von Tuberkelbazillen. Appetit und Schlaf gut.\nGeheilt aus der Heilstätte entlassen mit dem Bemerken, er habe eine\nglänzende Kur gemacht. Darauf teilte B. dem Arzt mit, daß er hinter\nseinem Rücken sich nach der Friedmann-Methode habe impfen lassen.\nDer Arzt bat ihn dann, ihn weiterhin über seinen Gesundheitszustand\nauf dem laufenden zu halten.\n10. E. E., Schriftsetzer. Keine erbliche Belastung. Nach Grippe im Jahre\n1927 Lungentuberkulose. Drei Kuren in einer Heilstätte ohne Er-\nfolg. Ueber der ganzen linken Lunge Dämpfung und abgeschwächte\nAtmung. Am 4. 6. 31 Röntgenaufnahmen, der ganze linke Oberlappen"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "70", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.8", "texte": "ist verschaffet, das rechte Spitzenfeld In geringem Grade. In der\nlinken Lunge pflaumengroße Kaverne. Auswurf enthält Tuberkel-\nbazillen. F.-Impfung. Am 8. 6. Wohlbefinden, aber Zunahme des\nAuswurfs. Am 16. 7. 31 Gewichtszunahme von drei Kilo, merkliche\nAbnahme des Auswurfs. Eine Kontroll-Röntgenaufnahme zeigt Auf-\nhellung beider Spitzen, besonders links. Am 6. 8. 31 Befinden sehr\ngut. Kein Katarrh mehr. Gewichtszunahme von im ganzen vier Kilo.\nAm 10. 12. 31 hat die Verschattung zum größten Teil normalem\nLungengewebe Platz gemacht. Befinden nach wie vor gut. Gewichts-\nzunahme im ganzen BV2 Kilo. Es besteht nur noch unerheblicher\nHusten mit geringem Auswurf ohne Tuberkelbazillen. Die linksseifige\nKaverne ist verschwunden.\n11. H. H., Zuschneider, 24 Jahre alt. Seif der Kindheit Husten und\nAuswurf. Vor zehn Jahren Kur in Lippspringe. Eltern und Ge-\nschwister gesund. Im linken Unterlappen Katarrh. Das Röntgen-\nbild zeigt im linken Unterlappen streifige Verschaffung und im\nlinken verbreiterten Hilus kirschgroße Bronchialdrüse. Am 22. 10. 31\nF.-Impfung. Am 1. 2. 32 Wohlbefinden. Appetit gut, Husten und\nAuswurf nur noch sehr wenig. Röntgenkonfrollbild zeigt den linken\nHilus erheblich schmaler und von der Bronchialdrüse isf nichts mehr\nzu sehen.\n12. F. K., Bücherrevisor. Befund am 10. 10. 31: Auf der rechten Lunge\nabgeschwächtes Atmungsgeräusch und leichte Schallverkürzung. Rechte\nLunge bleibt bei der Atmung zurück. Röntgenbild zeigt strangförmige\nTrübung in der rechten Lunge, in der linken Verbreiterung der Hilus-\nzeichnung. Typische beginnende Tuberkulose. Am 20. 10. 31 F.-Imp-\nfung (ganz schwach). Am 24. 11. 31 schreibt K.: „Ich habe mich bis-\nher nach der Einspritzung sehr wohl gefühlt und keinerlei Beschwerden\nmehr gehabt.\" Ist geheilt.\n13. P. 8., 21 Jahre alt, Schlosser. Kräftiger, gut genährter Mann. Beide\nEltern an Lungentuberkulose gestorben. Seit vier Jahren linksseitiger\ntuberkulöser Lungenkatarrh. 1926 Heilstätte bis März 1927, dann\nPneumothorax. 1928 wiederum Heilstätte. 1929 Haemoptoe. Ein\nhalbes Jahr im Krankenhause, dann bis Februar 1930 Heilstätte. Von\nda arbeitsfähig entlassen. Erkrankte aber bald wieder. Vom 10. 3. 31\nbis 2. 4. 31 wieder in Heilstätte, von wo B. mit der Weisung ent-\nlassen wird, sich in seiner Vaterstadt eine Thoracoplasfik machen zu\nlassen. Bei der Entlassung (es war einige Wochen vor\nOstern) wurde ihm von dem Heilstättenarzt gesagt,\ndaß, wenn er in die Operation nicht einwillige, seine\nAngehörigen schon am Osterfest einen Kranz auf\nsein Grab legen könnten.\nB. hat es vorgezogen, die Operation nicht machen zu lassen.\n18. 4. 31: Das Röntgenbild zeigt Verschattung des linken Ober-\nlappens und walnußgroße Kaverne im dritten Intercostalraum links.\nRechter Hilus verbreitert. Friedmann-Injektion. 6. 6. 31: Befinden\ngut. Husten und Auswurf weniger. 24. 7. 31: Kontroll-Röntgen-\nauf nähme zeigt wesentliche Besserung. Verschattung links viel ge-\nringer. Kaverne verkleinert. 1. 2. 32 Befinden dauernd gut. Morgens\netwas Auswurf. Es besteht noch mäßiger linksseitiger Katarrh. Zweite\nKöntgen-Kontrollaufnahme zeigt Abnahme der Verschattung, Ka-\nverne verschwunden.\n14. G. L., Schlosserlehrling, 17 Jahre alt. Seit einem halben Jahr lungen-\nkrank. Ernährungszustand mittelmäßig. Körpergewicht 47 Ys Kilo.\nSputum positiv. 10. 9. 31 Röntgenbefund: Beide Lungenspitzen ver-\nschaffet, rechts mehr als links. Im linken Hilus drei vergrößerte"}, {"page_pdf": 9, "page_imprimee": "71", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.9", "texte": "tuberkulöse Bronchialdrüsen. F.-Impfung, am 20. 9. 31 Befinden sehr\ngut. Sputumuntersuchung nach der Impfung zweimal negativ. 3.11.31\nGewichtszunahme von sechs Pfund. Befinden sehr gut. Appetit vor-\nzüglich. Während L. vor der Impfung abends von der Arbeit so\nmüde nach Hause kam, daß er sich hinlegen mußte, ist er jetzt\nkräftig und arbeits- und lebensfroh. Am 24.11.31 Befinden in jeder\nBeziehung gut. Gewicht 51 Kilo. 3. 2. 32: Rechts oben noch einige\nkatarrhalische Geräusche. Befinden nach wie vor gut. Sputum negativ.\nDiese wenigen Fälle mögen für hundert analoge genügen.\nVon allen bisherigen Mitteln und Behandlungsmethoden der\nTuberkulose ist unzweifelhaft der von Friedmann entdeckte Schild-\nkrötenbazillenstamm (Berl. Klinische Wochenschrift 1912, Nr. 47)\nam wirksamsten und unschädlichsten.\nDie günstigen Resultate müssen auch den Skeptiker über-\nzeugen und dazu beitragen, die Anfeindungen, denen die Fried-\nmannsche Entdeckung in Deutschland leider noch immer ausgesetzt\nist, zu widerlegen und dem Mittel unter den Waffen im Kampfe\ngegen die Tuberkulose den souveränen Platz zu sichern, der\nihm gebührt.\nEs ist zu bemerken, daß die meisten Lungentuberkulosen, die\nim letzten Jahre von Dr. Pape heilgeimpft wurden, aus Lungenheil-\nstätten kamen, in den man sofort mit Nervenschnitt und Pneumothorax\nbei der Hand war, sehr oft zum Schaden der Patienten.\nDie endliche allgemeine Einführung der Friedmannschen Heil- und\nSchutzimpfung auch in Deutschland wird eine Umstellung der Heilstätten-\nund der Tuberkulose-Fachärzte erforderlich machen. Das gilt auch von\nder medizinischen Fachpresse. Gerade in den letzten drei Jahren häufen\nsich die Friedmann-Erfolge im gesamten Ausland immer mehr. Ein Land\nnach dem andern erkennt die Friedmann-Methode durch die Gesundheits-\nämter offiziell an und führt sie ein. Deutsche Tuberkulosekranke be-\nginnen sich unter Führung von Aerzten aus dem ganzen Reich und von\nprominenten öffentlichen Persönlichkeiten zu organisieren. Daher versucht\ndie medizinische Fachpresse eine absolute Blockade des Friedmann-\nMittels herbeizuführen, von dem Geheimer Medizinalrat Dörrenberg\nsagte, es sei „der größte Fortschritt, den die Heilkunde seit Semmelweiß\naufzuweisen hat\".\n\nDie Schriffleifung\n\nMit dem Friedmann-Mittel\n13jährige eigene Erfahrungen in der Tbc.-Behandlung\nDr. med. Gebert/Luckenwalde\nDie großen wissenschaftlichen Kontroversen für und gegen Fried-\nmann, die vor zwölf Jahren mit so großer Erbitterung geführt wur-\nden, — besser wäre es wohl gewesen, wenn deren Klang nicht so\nweit hin hörbar gewesen wäre, besser für die Wissenschaft und ihre\nTräger, noch besser für die zahllosen Opfer dieser Krankheit, —\nsind längst verklungen und auch längst vergessen. Von damaliger"}, {"page_pdf": 10, "page_imprimee": "72", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.10", "texte": "Zeit an und ein Jahr früher, seit dem Jahre 1919, habe ich die\nschwache Emulsion des Friedmann-Mittels bei mehreren hun-\ndert von Fällen verschiedenster Tuberkuloseformen angewandt»\nEs handelt sich durchweg um Fälle, bei denen Tu-\nberkelbazillen im Sputum nachgewiesen wurden\noder um schwere häufig wiederkehrende Lungen-\nblutungen.\nUnd dabei bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen:\nAus allen Mitteilungen, die man über das Friedmann-Mittel ver-\nnahm, war als einzig nicht umstritten die Tatsache festzustellen,\ndaß das Mittel vollkommen unschädlich ist. Durch die Art der Ge-\nwinnung — die Bazillen stammen aus Organen (Lungen) von Kalt-\nblütern (Schildkröten) — war die Gewähr gegeben, daß eine Stei-\ngerung der Virulenz im Warmblüter Mensch nie zu befürchten\nsei. Die Gutachten Ehrlichs aus dem Jahre 1913 und 1914 und des\nStaatlichen Prüfungsausschusses aus den Jahren 1920—23 über die\nvöllige Unschädlichkeit des Friedmann-Mittels gaben mir die Gewähr,\ndaß ich mit gutem Gewissen das Mittel an hilfesuchenden Menschen\nanwenden durfte, die in ihrer Angst vor Siechtum und frühem Tode\num Hilfe flehten.\nAls die Stürme erdrückender Proteste durch den wissenschaft-\nlichen Blätterwald gegen das Schildkröten-Vaccin von Friedmann\nbrausten, lagen meine erst behandelten Fälle schon an zwei Jahre\nzurück. Bei etwa 15 Kindern und Jugendlichen mit positivem\nTuberkelbefund war die Friedmannimpfung von verblüffender Wir-\nkung. Ich konnte anfangs nicht glauben, daß das, was ich sah, auch\nWirklichkeit war. Ich konnte meine große Freude niemandem\nschildern, die Kollegen am Ort verhielten sich gegen das Friedmann-\nMittel alle ablehnend. Nur der Stadt- und Kommunal-Arzt hatte\nInteresse an dieser, meiner Arbeit. Auch die Nachfolger jenes\nHerrn in gleicher Stellung interessierten sich für Friedmann, konnten\nsich indes nicht entschließen, das Mittel zur Anwendung zu bringen.\nWährend in den ersten Jahren bis 1923 hauptsächlich beginnende\nTuberkulosefälle Jugendlicher behandelt wurden, und ich an den\ngeradezu wunderbaren Umstimmungen des Gesamtorganismus solcher\njungen Patienten immer wieder von neuem die sichtbare Wirksam-\nkeit des Mittels von Friedmann bewundern, um nicht zu sagen\nbestaunen mußte, ging ich in den folgenden Jahren immer weiter.\nIch erweiterte das Indikationsgebiet immer mehr. Ich tastete mich\nallmählich an schwere und sogenannte aussichtslose Fälle heran. In\nder Literatur über Friedmann las man immer weniger, bis sie in\nden letzten Jahren ganz versiegte. Das sei zur Schande der Schrift-\nleiter der sogenannten wissenschaftlichen medizinischen Zeitschriften\ngesagt. Der Boykott über die Erfolge mit dem Friedmann-Mittel,\nden die wissenschaftlichen Zeitschriften auch heute noch durch-"}, {"page_pdf": 11, "page_imprimee": "73", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.11", "texte": "führen, ist ein schwerer Schlag für das Dogma von der Unbestech-\nlichkeit der Wissenschaft. Auch dieser Beitrag wurde von zwei\nangesehenen medizinischen Fachzeitschriften*) ohne Kenntnis seines\nInhalts abgelehnt, nur weil er vom Friedmann-Mittel handelt. Und\ndann wird gegen Friedmann der Vorwurf erhoben, er hätte sich\nnicht an die Tagespresse wenden dürfen.\nDie felsenfeste Gewißheit, daß das Mittel vollkommen unschäd-\nlich ist, stand für mich schon lange fest. Nil nocere — keinen\nSchaden anrichten, war oberstes Gesetz meines Handelns. Mit\nder auch nur entferntesten Möglichkeit, daß die Tuberkelbazillen, die\naus dem Kaltblüter stammen, im Warmblüter Mensch zu stärkerer\nGiftigkeit kommen könnten, hatte man nach vorhergegangener, ge-\nnauester Prüfung und exaktesten Versuchen nicht zu rechnen. Ich\nhabe auch nie, solange ich nun das Mittel anwende, eine Schädigung,\nwie etwa Verschlimmerung des Allgemeinbefindens, erhöhten Aus-\nwurf, vermehrten Husten, raschen Verfall, Abmagerung und schnelles\nDahinschwinden der Lebenskräfte beobachtet.\nUnd die gleiche Erfahrung, die ich bei beginnenden Er-\nkrankungen Jugendlicher machen konnte, machte ich auch bei diesen\nschweren Krankheitsfällen: Cavernen schließen sich cirrho-\ntisch, bindegewebsartig, schwere Lungenblutungen, die sich über einen\nZeitraum von 3, 4, 5, 6, ja 8 und mehr Jahre hin jedes Jahr mehr-\nmals wiederholt haben, — Tuberkelbazillen werden im Auswurf\nvon anderer Seite festgestellt — blieben nach einer einmaligen\nInjektion der schwachen Emulsion des Friedmannschen Mittels für\ndauernd weg. Das Wort „dauernd\" gebrauche ich mit Absicht;\ndenn, wenn ein schwer Tuberkulosekranker, der in den Jahren 1921,\n22, 23, jedes Jahr öfters schwer geblutet hat und während dieser\nZeit 16 Monate voll erwerbsunfähig war, Oktober 1923 mit dem\nFriedmann-Mittel geimpft wird, und von da ab bis November 1931\nnie wieder blutet, bis zum heutigen Tage in einem schweren Berufe\nals Maschinenschlosser vollerwerbsfähig ist, so nenne ich diesen Zu-\nstand bewußt „dauernd\" geheilt. Diesen Mann sah ich vor einigen\nTagen bei mir in der Sprechstunde. Er erfreut sich des besten\nWohlbefindens.\nEine andere Lungenblutung: Ein großer, kräftiger Mann, An-\nfang der Dreißiger, bekommt plötzlich im Frühjahr 1921 Lungen-\nbluten, das sich alle ein, zwei, drei Monate wiederholt. Er muß\nseine Arbeit von einem Gesellen verrichten lassen — er ist Schmiede-\nmeister — und muß häufig im Bett liegen. Er wird abwechslungs-\nweise von Aerzten und Heilkundigen, Homöopathen, Biochemikern,\n*) Die beiden Zeitschriften sind die „Medizinische Welt\" und die\n„Münchener Medizinische Wochenschrift\". Man vergleiche „Raummangel I\"\nund „Raummangel II\" in Heft 1 und 2 dieser Zeitschrift. Die Schriftleitung."}, {"page_pdf": 12, "page_imprimee": "74", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.12", "texte": "weisen Frauen, sonstigen Berufenen und Unberufenen behandelt. Er\nblutet trotzdem weiter, 1922, 1923, 1924, 1925. Auch 1926 treten\nwieder erhebliche Blutungen auf. Sehr stark blutet er 1927, so daß\ner, der Kinderlose, mit dem Gedanken umgeht, seine Schmiede zu\nverkaufen. Auch sein Allgemeinbefinden wird immer schlechter.\nSein Gewicht bei einer Größe von 178 cm ist nur nur 120 Pfund. Er\nist immer müde, abgespannt, kann nur schlecht essen, hat Ekel vor\nFleisch, Fett und Butter. Im Spätsommer 1929 eine neue, starke\nBlutung, wiederholtes Herausbrechen von zwei bis drei Tassenköpfen\nvoll hellen, schäumigen Blutes. Da werde ich, da ich zufällig im\nDorf bin, gerufen. Es schließt sich ein neunwöchiges schweres\nKrankenlager an, mit wechselndem hohen Fieber und noch wieder-\nholten Blutungen. Am 25. Oktober 1929 bekommt er eine schwache\nEmulsion des Friedmann-Mittels subkutan. Es folgt rasche Erholung,\nBlutungen traten nicht wieder auf, die Temperatur ging sehr rasch\nauf die Norm zurück, die lästigen Schweißausbrüche hörten auf, der\nAuswurf wurde weniger, der Husten ließ nach, kurz, es trat eine\nvollständige Umstimmung des Organismus ein. Juli 1930: Es be-\nsteht kein Husten mehr, Blutungen haben sich auch nicht mehr an-\ndeutungsweise gezeigt. Auswurf, der im Spätsommer 1929 sehr\nreichlich war, hat vollkommen nachgelassen, Patient kann stark\nessen und wiegt im Juli 1930 72 Kilo. Im Oktober 1930: Kann\nalles mit großem Genuß essen. Fängt langsam in der rauchigen\nSchmiede zu arbeiten an. Ich riet ihm dringend davon ab, aber ohne\nErfolg. Januar 1931: Arbeitet wieder den ganzen Tag bei bestem\nWohlbefinden. Juni 1931: Gewicht 89 Kilo. Er hat seinen Gesellen\nentlassen, macht die Arbeit in der rauchigen Schmiede von früh\n5 Uhr bis abends 7 Uhr allein. Heute, im März 1932, ist das Bei-\nfinden unverändert gut.\nNun könnte man einwenden, solche Krankheitsfälle heilen doch\nauch spontan. Jawohl, es gibt solche Fälle, die ohne irgendwelche\nBehandlung heilen. Aber man muß solche Menschen Jahre hin-\ndurch als unbeteiligter Zuschauer beobachtet und mit angesehen\nhaben, wie sie immer weniger wurden, wie sie immer mehr verfielen,\nwie die Augen immer größer und glänzender, die Ohren immer\ndurchsichtiger, die Lippen immer blasser, die Nase immer spitzer,\ndie Haare immer weniger und glanzloser, die Bewegungen von Mal\nzu Mal langsamer, die Sprache immer temperament- und kraft-\nloser wurde, und wie das Interesse solcher Menschen an den Vor-\ngängen um sie herum immer geringer wurde. Und wenn nun solch\nein Schwerkranker, der schon mehrere Jahre hinsiechte, plötzlich\nnach so einer Injektion wie umgewandelt wird, wieder neuen Lebens-\nmut bekommt, zu essen anfängt, an Gewicht zunimmt, frischer,\nlebhafter wird, mit einem Wort, vollkommen umgestimmt wird,\n— aber wie schon oben gesagt, all das erst nach einer Friedmaitrt-"}, {"page_pdf": 13, "page_imprimee": "75", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.13", "texte": "Injektion, — dann fällt einem der Glaube an Spontanheilung doch\nzu schwer. Man Ist sicher eher geneigt, die Wirkung auf das Mittel\nzurückzuführen und besonders dann, wenn es sich um ganz schwere\nKrankheitsformen handelt. Warum sollte eine Krankheit, die vom\nJahre 1921 bis zum Jahre 1929 immer häufiger, immer schlimmer\nauftritt, die den Körper immer mehr schwächt, Ihm in ständig\nwachsenden Maße Lebens- und Erhaltungskraft entzieht, ihn von\nJahr zu Jahr reduziert, den Arbeitswillen und den Mut zum Leben\nvon Jahr zu Jahr mehr schwächt, einen Mann von einem vor Ge-\nsundheit strotzenden, wuchtigen, baumlangen Kerl zu einem hin-\nsiechenden, mehr Im als außer Bett lebenden Kranken macht, der\nmit trägen, langsamen, willenlosen Bewegungen nur die notwendig-\nsten Schritte macht, der widerwillig und lustlos nur das Nötigste an\nNahrung zu sich nimmt, warum, frage ich mich, sollte nun eine\nsolche Krankheit nach achtjähriger Dauer ganz plötzlich ohne äußeren\nAnlaß aufhören! Muß man in einem solchen Falle nicht mit Recht\nüberzeugt an die Wirkung des Mittels als Ursache für die Um-\nstimmung glauben? Man würde in diesem Fall das kritische Urteil\nzum schlimmsten Skeptizismus steigern, suchte man hier diese\nvollkommene Umstellung im Körper als Spontanheilung zu er-\nklären. Heute Morgen sah ich den Mann in seiner Schmiede ar-\nbeiten, mit wuchtigen Schlägen den großen Hammer mit einem\nArme schwingen, ich sprach mit Ihm, ein Bild von Gesundheit und\nKraft, so wie vor 10 Jahren vor Ausbruch der Krankheit. Er will\nwieder zum röntgen kommen, aber erst, wenn die Herbstarbelt\nauf dem Felde vorbei ist. Jetzt hat er täglich 12—14 Stunden in\nseiner Schmiede zu tun und hat auch noch nebenbei allerlei mit der\nKartoffel- und Rübenernte zu schaffen. „Aber, Herr Doktor, wie\nmir auch das Essen schmeckt, zum ersten Frühstück drei belegte\nStullen, aber ganz herum um den Brotlaib geschnitten!\" Das ist\nder oben geschilderte Kranke, heute, zwei Jahre nach der Fried-\nmann-Impfung.\nEin andrer Fall. Eine Patientin erkrankte als junges Mädchen\nvon zwölf Jahren an Tuberkulose. Röntgenologisch wurde ein\nHerd auf der linken Lunge nachgewiesen, im linken Ohr trat eine\nschwere Mittelohreiterung auf. Da die Eltern sehr vermögend\nwaren, konnten alle Heilungsmöglichkeiten angewandt werden. Der\nProzeß auf der Lunge kam zur Ausheilung, die tuberkulöse Ohr-\neiterung hingegen nie zum Stillstand. Im Alter von 32 JahSren\nmachte ich als Hausarzt der Patientin den Vorschlag, sie wegen\nder Ohreiterung mit Friedmann zu impfen, um die lästige Ohr-\nerkrankung, die seit 20 Jahren ununterbrochen bestand, zum Ver-\nschwinden zu bringen. Im Jahre 1921 wurde die Friedmann-\nImpfung ausgeführt. Knapp zwei Monate darnach hörte die Eiterung\nauf und hat sich nicht wieder gezeigt bis zum Jahre 1928. Seitdem"}, {"page_pdf": 14, "page_imprimee": "76", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.14", "texte": "habe ich die Patientin durch Wegzug von hier nicht mehr gesehen»\nHier ist wohl ebensowenig Spontanheilung anzunehmen wie in dem\nvorher angeführten Fall, der über acht Jahre dauernd aufgetretenen\nLungenblutungen. Ein anderer Fall von chronischer Ohreiterungl\nIm Jahre 1918 kam eine dreiundvierzigjährige Dame in meine Be-\nhandlung. Es bestand im linken Oberlappen eine schwere Tuber-\nkulose. Gewicht der 170 cm großen Patientin 79 Pfund, schwere\nKachexie. Ich machte mit der Patientin 1918 eine Tuberkulinkur\n(52 Injektionen), Höhensonnenbestrahlungen, Liegekuren, mit dem\nErfolg, daß eine leidliche Besserung eintrat. Aber im linken Ohr,\ndas seit frühster Kindheit krank war und dauernd eiterte, trat\nkeine Veränderung ein. Die tuberkulöse Ohreiterung blieb auch\nnach der Tuberkulinkur in unverminderter Heftigkeit bestehen.\nAls auch nach vier Jahren, 1922, noch keine Äenderung eintrat, die\nEiterung immer und immer weiterging, machte ich den Vorschlag,\nmit einer Friedmann-Injektion einen Versuch zu machen, lind als\nich injiziert hatte, war es doch ein eigentümliches Gefühl: ich\nhatte eine derartige Sicherheit in dem Glauben an das Mittel, daß\nich mit der größten Bestimmtheit auf einen Erfolg rechnete. Nach\nzehn Wochen trat er auch ein. Seit dieser Zeit besteht keine\nEiterung mehr. Jetzt, seit neun Jahren. Gestern sah ich die Pa-\ntientin, die jetzt ein Gewicht von 145 Pfund hat und sich voll-\nkommen gesund und wohl fühlt.\nNoch stärker in die Augen springend sind die Erfolge nach\nFriedmann-Impfung bei tuberkulösen Gelenkentzündungen.\nHier möge ein Fall Erwähnung finden, den ich seit elf Jahren\ngenau verfolgen konnte. Im Jahre 1917 erkrankte der damals\nelfjährige Junge in Wiatka im Internierungslager in Rußland an ge-\nschwollenem Kniegelenk und war bis zum Jahre 1920 in verschie-\ndenen Anstalten und Kliniken, darunter zuletzt in Königsberg. 1922\nlag er dann ein halbes Jahr im hiesigen Krankenhaus, 1923 wurde\nPatient von mir mit Friedmann geimpft, war bis zum Jahre 1927\nbeschwerdefrei. In diesem Jahr ein Vierteljahr krank an Schmerzen\nim Kniegelenk und dann wieder voll arbeitsfähig bis 1929. 1930\nvom 4. April bis 4. August im hiesigen Krankenhaus. Am 25. Au-\ngust 1930 zweite Friedmann-Impfung, da das Knie immer dick ent-\nzündet und schmerzhaft ist. Am fünften Tag nach der Impfung\nauffallend lokale Reaktion an der Impfstelle, die bis 25. Oktober\n1930 zur Verheilung braucht. Seit dieser Zeit bis heute, den 30. Ok-\ntober 1931, hat sich nie wieder eine Störung an dem Kniegelenk ge-\nzeigt. Es ist selbst bei stärkster Inanspruchnahme reaktionslos.\nDas ist ein Fall von einem langwierigen Heilungsverlauf, der aber\njetzt als voller therapeutischer Erfolg anzusehen ist. Der soeben\ngeschilderte Fall ist eine Ausnahme. Im allgemeinen heilen gerade\ntuberkulöse Gelenkserkrankungen überraschend schnell. So hatte"}, {"page_pdf": 15, "page_imprimee": "77", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.15", "texte": "ich einen ganz üblen Kniegelenksfungus, der sechs Wochen nach!\nder Friedmann-Impfung ohne die geringste Gelenksstörung in glatte\nHeilung überging. Wenn man längere Zeit mit dem Mittel von\nFriedmann gearbeitet hat, dann wundert man sich über die Heilung\nvon solchen tuberkulösen Gelenkserkrankungen nicht mehr. Diese\nFälle heilen fast ausnahmslos in kürzester Frist aus.\nWir wundern uns über das mächtige Ueberhandnehmen des\nKurpfuschertums bei uns in Deutschland. Nach meinem Empfinden\nsteht die Blüte des Kurpfuschertums in umgekehrtem Verhältnis\nzu dem Vertrauen, das die Patienten ihren Aerzten entgegenbringen.\nWundern muß ich mich darüber, daß das Fried-\nmann- Mittel noch nicht obligat als das Tuber-\nkulose mittel in Deutschi and eingeführt ist. Ich klage\ndie Vertreter der Aerzteschaft, die berufen sind, die Aerzte wissen-\nschaftlich zu führen, an: sie haben mehr als fünfzehn Jahre, wissent-\nlich oder unwissentlich, durch direkte Gegnerschaft oder Still-\nschweigen, verhindert, daß die Friedmann-Impfung überall da an-\ngewandt wird, wo sie berufen ist, dem Elend und Siechtum Einhalt\nzu tun und Gesundheit und Arbeitsfähigkeit wieder zu bringen.\nFür mich steht die Tatsache fest, daß es zu der Calmette-Katastrophe\nin Lübeck von so niederschmetternder Tragik nie hätte kommen\nkönnen, wenn dem Mittel des Deutschen, Friedmann, der Vorzug\nvor dem Mittel des Franzosen Calmette gegeben worden wäre. Als\nsimpler Medicus pracücus rufe ich aus besorgtem Herzen um das\nWohl und Wehe unserer Patienten den berufenen Vertretern unserer\nWissenschaft ein ehrlich gemeintes „Videant Consules\" zul\n\nDer Kampf um Friedmann\nFacharzt für Lungenkrankheiten und Röntgenologie in Braunschweig\nDr. med. Friedrich Lube\nDer Kampf um Friedmann ist, wie die Dinge liegen, keine\nAngelegenheit der medizinischen Wissenschaft allein, sondern\ner ist eine Angelegenheit der Oeffentlichkeit. Man kann\nim allgemeinen Gründe dagegen anführen, medizinische Laien\nmit medizinischen Fachfragen zu befassen; besonders auf\ndem Gebiet der Psyche dürften solche Gründe besonderes\nGewicht haben. Man kann aber unmöglich erwarten, daß\nauf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung, die ebenso\nein volkswirtschaftliches wie medizinisches Problem ist, die\nOeffentlichkeit wartet, bis die Fachkreise unter sich eine\nKlärung über den richtigen Weg ausgemacht haben. Denn\ndazu greift die Tuberkulose, abgesehen von dem großen be-"}, {"page_pdf": 16, "page_imprimee": "78", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.16", "texte": "fallenen Personenkreis, doch zu sehr in außermedizinisches\nGeschehen der menschlichen Gesellschaft ein. Ich wurde\nalso ein richtig von der Fachwissenschaft beeinflußtes Inter-\nesse der Allgemeinheit noch nicht für genügend halten, ich\nwürde die Mitarbeit der Allgemeinheit gerade auf diesem\nGebiete für unerläßlich ansehen.\nDer „Fall Friedmann\" ist vielleicht geeignet, die Wege zur\nVerwirklichung dieser Forderung finden zu lassen.\nAls ich mich vor kurzem der Internationalen Anti-Tuber-\nkulose-Liga anschloß, geschah das zu dem ausgesprochenen\nZweck, an der Findung dieses Wegs mitzuhelfen. Ich betone\nvon vornherein ausdrücklich, daß ich an dem Streit nicht\nbeteiligt bin und mich auch nicht an ihm beteiligen will.\nAber vielleicht können Ueb er legungen, die dem Praktiker\nkommen, einen Weg weisen.\nEs soll von mir nicht wiederholt werden, was sich in\nder Literatur über Friedmann aufgetürmt hat. Ich muß als\nbekannt voraussetzen, daß der Streit um Friedmann seit\nJahren tobt, muß allerdings dabei feststellen, daß gerade in\nKreisen von Kollegen das Mittel oft so gut wie unbekannt\nist und daß gerade Fachkollegen manchmal ein\nabfälliges Urteil abgeben, die praktische Er-\nfahrung mit dem Mittel nicht besitzen. Ich stelle\nnur die Behauptung auf, daß der Streit um Fried-\nmann sich in eniem Stadium \"befindet, das man un-\nwürdig bezeichnen muß. Unwürdig für die Medizin\nals Wissenschaft, unwürdig für diejenigen, die in harter\nArbeit gegen Krankheiten und krankhafte Anlagen des Men-\nschen kämpfen, unwürdig für diejenigen, die ohne medizi-\nnische Fachkenntnisse mithelfen wollen an der körperlichen\nund geistigen Gesundung des Volkes. Wenn jemand be-\nrechtigt ist, die Beseitigung dieses unwürdigen\nZustandes zu verlangen, so ist es der praktische\nArzt.\nIch habe einen Patienten mit dem Friedmannschen Mittel\nbehandelt, der mir in der Sprechstunde kategorisch erklärte,\ner ginge nicht wieder zur Nachfüllung des Pneumothorax,\npassiere was wolle. Der Patient macht dem bisher be-\nhandelnden Facharzt Mitteilung und wird darauf grob ange-\nfahren; es wird ihm gesagt, es solle noch einmal eine Röntgen-\naufnahme gemacht werden, damit er nachher sehen könne,\nwas für einen Blödsinn er da gemacht habe. Ich nehme\ndies Beispiel, um das Unwürdige der Situation zu kenn-\nzeichnen. Wo in aller Welt ist es unter denkenden und\nfühlenden Aerzten üblich, einem Kranken, der in jahrelanger"}, {"page_pdf": 17, "page_imprimee": "79", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.17", "texte": "Behandlung das Vertrauen zu einer bestimmten Behand-\nJungsmethode verloren hat, in brutaler Art das Vertrauen\nzu künftiger Behandlungsmethode zu nehmen? Ein solches\nVerhalten verstößt nach meiner Meinung geöen das AIW\nsief7eSn mf,R l!Cbf,.lWaS\nsitzen muß. Und da nach den Berichten solche Vorkomm-\nnisse nicht so selten sind und da sich dabei Autoritäten\nbeteiligen, wiederhole ich als Praktiker die Forderung\nden unwurdiS« Zustand muß beseitigt wef-\n■ betone dabei, daß ich es nicht für ausschlaggebend\njjs Fr'edmann bei der Bekanntgabe des Mittels an\na - c'n.en nicht üblichen oder unrichtiöen Weö\ngegangen ist. Die Wichtigkeit der Sache fordert, daß die\nP'^\"ss',on auf einer anderen Basis stattfindet. Auf einer\nf.' t^e so sachlich ist, daß auch nur die Möglichkeit\npersonlicher Empfindlichkeit oder Verletztheit ausscheidet\ntrautCirh11« W meiiZ.inischen Wissenschaft durchaus ver-\nschätze ihre Leistungen hoch und nehme für mich\nin Anspruch, gerade eben zur Zeit der\ngroße Hochachtung vor solcher Leistung zu empfinden ilnd\nÄ™ voizircauschen. Die Wissenschaft hat die Ver-\npflichtung, skeptisch zu sein, Sie wäre keine Wissenschaft\nXS? \"w britisch alle möglichen „Systeme\" durchgehen\nließe. Wenn aber eine Behandlungsmethode\nvon scharfen Äugen geprüft, über das Ver-\nuü:aütin i j?gs^Hnau?iist> wenn im äus-\nHundetffu a Behandlungen sich in die\nwa u m ?-€ aufsummt, dann kann es nur\nfür die Wissenschaft sein, wenn\nFriedmann *rh an tC u° *iU* i a*s £äbe es gar kein\nr riedmannsches TuberkulosemitteL Und Ge-\nrade diesen Nachteil für das Ansehen der Wissenschaft\nzu vermeiden, liegt mir besonders am Herzen. Häufig und\naus berufenem Munde sind die Warnungen ergangen leöen\nden Abschluß der Wissenschaft vom tatsächlichen Geschehen\nnnndSlenerUni a * at\\schließen will ich mich dieser War-\naS VfT uWir mittten in einer Krise sind, wissen wir\ndlr'w: fhZ°n der Festgefügtheit des stolzen Baus\nheif überzeugt bin. Nur eigene Aufgeschlossen-\nheit kann weitere Gefahren bannen.\nDie Wissenschaft darf nie die besondere Lage des Prak-\n-1 ers übersehen. Der Kranice, der zum Arzt kommt, ver-\n-I>£ sT* t e^ne Entscheidung. Das ist selbstverständlich.\nDie Schwere der Situation, besonders beim Lungenkranken,"}, {"page_pdf": 18, "page_imprimee": "80", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.18", "texte": "wird aber immer nicht genug gewürdigt. Dem Kranken ist\ndamit nicht gedient, wenn ihm der Arzt sagt, die Wissen-\nschaft sei sich noch nicht einig. Es wird sogar gut sein, wenn\ndem Kranken verschwiegen wird, wie wenig einig sich die\nWissenschaft ist. Der Kranke will eine Entscheidung. Und\nwenn er nach langer Behandlung von dem Friedmannschen\nMittel hört und von seinem Arzt eine Behandlung mit dem\nMittel wünscht, oder die Behandlung auch nur zur Dis-\nkussion stellt, so kann er eine Entscheidung verlangen. Die\nEntscheidung setzt, wie es sonst auch in der Medizin ist, die\nKenntnis voraus. Unkenntnis entschuldigt auch hier nicht.\nUnd bei der Entscheidung über eine Behandlungsmethode\ndarf es nicht ausschlaggebend sein, ob die Methode nun\neinen durchaus kommentmäßigen Weg gegangen ist. Es wäre\ndoch nicht das erstemal, daß große Entdeckun-\ngen zunächst totgeschwiegen oder verlacht wurden.\nNach meiner Auffassung ist der Arzt verpflichtet, eine Be-\nhandlungsmethode anzuwenden, die Besserung bringen kann.\nMan verlangt auch sonst nicht, daß die Besserungen vorher zu\nhundert Prozent sicher sind, nur verlangen muß man, daß\ndie Methode unschädlich ist. Da das auf die Behandlung\nmit dem Friedmannschen Tuberkulosemittel zutrifft und da\nüber Besserungen und Heilungen in ungewöhnlich\ngroßer Zahl berichtet wird, fühle ich mich verpflich-\ntet, mit diesem Mittel zu behandeln. Und die Wissenschaf tler und\nFachkollegen, die das nicht richtig finden, bitte ich, mir zu sagen,\nob es richtiger wäre, tatenlos zu bleiben oder eine Schein-\nbehandlung mit allgemein kräftigenden Mitteln durchzu-\nführen. Ich bitte die Vertreter der Wissenschaft und die\nFachkollegen, zu bedenken, daß der Kranke, der zum Arzt\nkommt, geheilt werden will, daß er aber an dem Streit der\nWissenschaft uninteressiert ist, wenn ihm geholfen wird.\nDiese Tatsache hat beim Friedmannschen Mittel den bis-\nherigen Rahmen gesprengt und hat zu den unerfreulichsten\nErscheinungen geführt. Denn einen wissenschaftlichen Streit\nkann man nun mal nicht mit Mitteln ausfechten, die an die\ntiefsten Niederungen des Tageskampfes erinnern. Das\nschadet der Wissenschaft, weil sie an Ansehen verliert. Das\nschadet dem praktizierenden Arzt, weil es ihn unsicher macht.\nDas schadet dem Kranken, weil nicht das ganze Rüstzeug\nzur Ueberwindung der Krankheit eingesetzt wird.\nIch betone nochmals, an dem eigentlichen Streit bin ich\nnicht beteiligt und werde mich nicht an ihm beteiligen. Ich\nrufe aber alle auf, die guten Willens sind, einem unwürdigen\nZustand dadurch ein Ende zu bereiten. Es muß verlangt"}, {"page_pdf": 19, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.19", "texte": "werden, daß über eine Behandlungsmethode, die sich gegen\ndie entsetzliche Seuche Tuberkulose richtet, auf sachlicher,\nund zwar nur auf sachlicher, Basis diskutiert wird. Als\nVorbedingung für diese Diskussion ist die Erörterung aller\nbisherigen Schuldfragen auszuschalten. Das allein wäre eines\nethisch hochstehenden Aerztestandes würdig und nur dann\nallein wird die Oeffentlichkeit dem Arzt gern folgen.\n\nKleine Feiern bei großen Leuten\nHerwarth Walden\nDas Geburtstagskind\nNoch in diesem Monat wird er fünfzig Jahre. Selbstverständlich\nhat sich deshalb ein Ausschuß gebildet, und zwar ein vorbereitender.\nGrößere Feierlichkeiten mit offiziellen Einladungen an das Ausland\nsind geplant. Waren geplant. Man muß Abstand nehmen. Ab st a n d\nmit Rück sieht auf die Lage. Man steht vor der rücksichtslosen\nLage. Dabei geht es ihm gut, dem Geburtstagskind. Rüstig vermehrt\nes sich. Der vorbereitende Ausschuß plant ein Festspiel „Der Lübecker\nTotentanz\". Unter Verwendung von Motiven des hundertjährigen\nGoethe. Der hat zwar nur seinen Todestag. Aber bei größeren Feier-\nlichkeiten nimmt man es nicht so genau. Namentlich wenn das Aus-\nland offiziell eingeladen wird. Da müssen auch die lebenden Toten\nund die toten Lebendigen herhalten. Es wäre alles sehr nett geworden,\nnur stört die Lage den Ausschuß. Sämtliche Festlichkeiten sollen in\nbester Luft stattfinden. Wegen nachweisbarer vorsätzlicher Tötung\ndes Geburtstagskindes wird Herr Professor Friedmann von den in-\nländischen Feierlichkeiten ausgeschlossen. Man kann die.Feste nicht\nfeiern, wenn die Lagen fallen. Weltpressemeldung:\n„Die Entdeckung des 7uberkelbazillus.\nAm 24. März 1882 teilte Robert Koch in einer Sitzung der Berliner\nPhysiologischen Gesellschaft seine Entdeckung des Tuberkelbazillus\nmit. Es war die Absicht in Deutschland die fünfzigjährige Wiederkehr\ndieses für die ganze Menschheit bedeutungsvollen Tages in feierlicher\nWeise zu begehen, und hierzu auch das Ausland einzuladen. Der vor-\nbereitende Ausschuß hat mit Rücksicht auf die allgemeine Lage von\ngrößeren Feierlichkeiten und von offiziellen Einladungen an das Aus-\nland Abstand genommen.\"\nPost festum\nDer Tuberkelbazillus hat auch den fünfzigsten Geburtstag\nglänzend überstanden. Seine Freunde, die er geheim hat und die"}, {"page_pdf": 20, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.20", "texte": "er deswegen zu geheimen Räten ernannt hat, haben tatsächlich von\neiner prunkvollen Feier mit Einladungen an das Ausland mit Rück-\nsicht auf die allgemeine Lage abgesehen. Es wurden also keine\nLagen getrunken, weder im Namen des Herrn Gambrinus, noch\nim Namen des Herrn Bacchus, nur wurden im Namen des Herrn\nÄesculap Reden aufgelegt. So, daß die Lage sich krümmte. Man\nbetonte, „daß Koch aus den Reihen der preußischen Medizinal-\nbeamten hervorgegangen sei\". Die Medizinalbeamten können sich\nimmer noch nicht fassen, daß der Bazillus gefunden worden ist. Sie\nbewundern ihn in Reih und Glied, als wär es ein Stück von ihnen.\nSie halten ihm die Treue. Sie werden doch nicht ihre Hand dazu\nbieten, eine solche Entdeckung zu vernichten. Höchstens ihr Messer.\nSie schneiden lieber alle Rippen herunter, um nur dem Fünfzig-\njährigen nicht weh zu tun. Das zuständige Amt ist ganz von seiner\nBedeutung erfüllt. Ein Museum gleichsam. Der Vorsitzende des\nAmts träumt als Kind sich zurücke: „Lebhaft war die Schilderung\ndes Eindrucks, den vor fünfzig Jahren der Vortrag von Koch über\ndie Entdeckung des Tuberkelbazillus hervorgerufen hat.\" Schier\nfünfzig Jahre bist du alt. Hierauf sprach natürlich ein anderer\nPräsident, Herr Professor Neufeld: „Den übertriebenen Hoffnungen\nfolgte tiefe Enttäuschung. Die Entdeckung des Tuberkulins ent-\nhält . . . auch die Entdeckung des merkwürdigen Zusammenhanges\nzwischen Ueberempfindlichkeit und Immunität.\" Die Patienten\nkönnen also jetzt in Ruhe sterben. Denn der Zusammenhang ist\ngefunden. Lungenkranke sollen eben nicht überempfindlich sein.\nDa bleiben vielleicht andere immun. Merkwürdig. Dann sprach\nnoch der älteste Schüler von Koch „über die bakteriologischen\nArbeiten, die zur Seuchenbekämpfung führten, dann zur Entwick-\nlung des Gebietes der Immunität, den Schutzimpfungen und zur\nSerumtherapie\". Das Friedmannsche Schutz- und Heilmittel wurde\nsorgfältig verschwiegen, damit es nicht etwa durch die Wiedergabe\nder Rede ältester Schüler als Meisterleistung den Lungenkranken\nbekannt würde. Man kann es auch Serumtherapie oder Schutz-\nimpfung nennen. Doch Koch selbst ist unschädlich gemacht: „In\neiner Baptistenkirche in New York wurde 1930 seine Büste in einer\nden Aerzten gewidmeten Altarnische aufgestellt, in der Christus,\nder göttliche Arzt, umgeben von den berühmtesten Medizinern\nder Welt, dargestellt wird.\" Meine Hochachtung. Vielleicht könnte\nman eine verkleinerte Kopie im Reichsgesundheitsamt oder im In-\nstitut für Infektionskrankheiten aufstellen, damit der museale Cha-\nrakter dieser beiden Institute klar dargestellt wird. Oder klar-\ngestellt wird. Titel: „Götter und Professoren unter sich.\" Die vielen\nMillionen Lungenkranker werden gut tun, sich mit dem Friedmann-\nMittel heilen zu lassen, um die Werke dieser Kunstinstitute mit\ngrößerer Andacht zu genießen."}, {"page_pdf": 21, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.21", "texte": "Gawizani\nCurt Sacherau\nGeschlossene Äugen. Nicht schlafen. Nicht denken.\nDosen*\nDa treibt das Binnenbewußtsein seltsame Spiele.\nbin Spiel ist auch dies. Spiel eines Worts.\ngawizani — gewizzan. Seit neunhundert Jahren Mitglied der Gesell-\nschaft deutscher Worte. Ich war ein bedeutendes Wort. Als ich deutsch\nMif DJTfr t Sf°t? Se Aa * *?ie alfen Griechen und Römer kannten mich.\nPaulus, Tertulhan, Augustinus war ich eng befreundet. Conscientia.\nIch erhielt einen hervorragenden Platz im Christentum. Das war vielleicht\nfttl sc^?ns^e 'Zeit meines Daseins. Viele Menschen verstanden mich. Fast\ne. Sie gaben sehr viel auf meinen Rat. Und wenn sie mal in Zweifel\nwaren, sagte icn: du mußt. Und sie gehorchten. Ich war Gesetzgeber.\nAlle Menschen sollten mir gehorchen. Ich ging zur Theorie. Die sollte\nmir helfen. Sie machte mich mit den Gelehrten aller Fakultäten bekannt.\n112JVare\" -r freun(?hch zu mir. Ueberhäuften mich mit Ehrungen. Ich\nmußte mir einen griechischen Diener nehmen. Synteresis. Eigentlich\nsyneidesis. Ihr habt das übersetzt mit Gesamtbewußtsein. Synteresis war\nmein Vorarbeiter. Synteresis lehrte die Menschen den guten Ton im Um-\ngang mit mir. Dann hat man mich zur Dreieinigkeit erhoben. Ich war\nWarner, Zeuge und Richter. — Einfallstor des göttlichen Willens. Sittliches\nApriori. So sprach man von mir. Und — sprach doch nur von mir.\n- u Alles hatte man aus mir gemacht. Und ich glaubte alles zu sein. Bis\nich eines Tages feststellen mußte, daß ich viel weniger war als damals. Hans\nin allen Gassen war ich. Ich lief rum als ethisches Gewissen, (ich war\ninzwischen auch hochdeutsch geworden) aesthetisches Gewissen, religiöses\nGewissen, wissenschaftliches, logisches, künstlerisches, soziales . . . Das hat\ndie graue Hexe Theorie aus mir gemacht. Wie ich sie hasse. Gewiß. Die\nMenschen kennen mich. Aber sie nehmen mich nicht ernst. Sie spielen mit\nmir. Manche haben mich sogar in einer meiner vielen Eigenschaften. Als\nGanzes aber hat mich keiner. Wenn heute einer ohne mich ist, dann haben\ndie andern Verständnis. Sie stehen unter dem Einfluß eines Feindes\nvon mir. Psychologie.\nNun ziehe ich bittend von Mensch zu Mensch. Nennt mich nur Ge-\nwissen. Ich will nicht mehr sein als das Wissen um das Seinsollende.\nWer weiß nicht, was sein soll: Leichtsinnige. Verantwortungslose. Minder-\nwertige. Unmenschen.\nOffene Äugen. Lesen. Denken.\nKlinische Wochenschrift 1931.\nZahlen:\nJede dritte Marktmilchprobe enthält Tuberkulosebazillen.\ntÜj pV*eJ^e P Milchprobe enthält Tuberkulosebazillen.\nJede fünfte bis sechste Probe Vorzugsmilch enthält Tuberkulosebazillen.\n. Von 872 untersuchten Kindern unter 5 Jahren 26 Prozent fuberkulose-\ninnziert.\nVon 637 untersuchten Kindern von 5 bis 16 Jahren 27 Prozent tuber-\nkuloseinfiziert.\nbissen um eine Gefahr. Aber auch Wissen um ein Mittel, das\ndie Tuberkulose aus der Welt schafft. Friedmann.\nWissen verpflichtet. Wissen um Hilfe verpflichtet zum Mithelfen.\nLeichtsinnige, Verantwortungslose, Minderwertige, Unmenschen helfen\nnicht."}, {"page_pdf": 22, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.22", "texte": "Das Kleinhaus\nZlatko Neumann\nDie Siedlungsbewegung, insbesondere der große bodenreforma-\ntorische Gedanke Leberecht Migges und — Hand in Hand — der\nBaugedanke Adolf Loos' ermöglichen es heute dem Arbeiter, auf\nGrund des Ertrages seines Schrebergartens in den Besitz eines\neigenen Hauses zu gelangen. Immer nähern wir uns mehr dem\nZeitpunkt, wo die bereits teilweise verwirklichten Ideen dieser\nbeiden Reformatoren alle „Kunstbauten\" der zahllosen „Baukünst-\nler\", die hinter dem Schild der Siedlungsbewegung verkrochen heil-\nlosen Unfug treiben, endgültig verdrängen werden und jeder, der\nseinen kleinen Garten redlich zu bearbeiten gewillt ist, auf Grund\nseines Bodenertrages sein eigenes Haus haben wird.\nAdolf Loos sagt im Vortrag über „Die moderne Sied-\nlung\": „Nicht alle Menschen können einen Schrebergarten besitzen\noder bebauen. Es gibt viele Berufe, die den Menschen von der\nGartenarbeit ausschließen. Ein Feinmechaniker darf nicht einen\nSpaten in die Hand nehmen, er ruiniert seine Hand; ein Violin-\nspieler darf nicht einen Spaten in die Hand nehmen, er ruiniert\nseine Hand. Viele geistige Berufe sind nicht dazu geeignet. Kann\nnun ein solcher Mann nie sein eigenes Haus besitzen, wenn er\nauch vielleicht über ein geringes Kapital verfügt, welches ihm aber\nnicht gestattet, ein Haus eines Großkapitalisten zu erbauen?\nDas moderne Haus ist eine Maschine. Der reine Zweck ist\ndas Primäre bei der modernen Architektur. Daraus folgt erst,\nals Sekundäres, die Form, die logischerweise die moderne Form ist.\nDas wird von den „modernen Baukünstlern\" gedankenlos nach-\ngeplappert und durch ihr Ornamentgehirn und ihre faule Ro-\nmantik vergewaltigt, indem der unangetastete Grundriß, die un-\nberührte Wohnart des 18. Jahrhunderts in eine ornamentlose Hülle\n\"112 \"i (C\ngesteckt, mit einem flachen Dach versehen — so: „als ob ...\nals Formexperiment, als „die moderne Bauform\" ausposaunt wird.\nGrößte Oekonomie mit jedem Kubikzentimeter des Raumes,\ndaher verschiedene Höhen der Räume; der Gedanke, daß „ich\nmein ganzes Haus in einem Augenblicke bewohnen will ; dalier\nkeine Türen zwischen den Wohnräumen (Schlafzimmer, Bibliothek\noder Arbeitsraum, wo man sich ungestört zurückziehen können\nmuß, haben natürlich Türen), sondern Trennung der einzelnen\nRäume durch Niveauunterschiede; Schlafen getrennt vom Wohnen;\nquadratische Grundrißform des Hauses, weil Minimum der Um-\nfassungsmauern bei Maximum der bebauten Fläche; ökonomische\nOrganisation des wirtschaftlichen Teiles; alles wirklich wie Räder\neiner Maschine ineinandergreifend und berechnet ist das moderne\nHaus."}, {"page_pdf": 23, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.23", "texte": "Reaktion\nKurt Liebmann\nGeist ist nicht. Geist wird. Er wird im menschlichen Körper,\ndurch den menschlichen Körper. Geworden, ist er die Herrschafts-\nform des Körpers. Der Körper ist die Gesamtheit, die Gesammelt-\nheit der objektiven Welt. Mit der Veränderung der objektiven\nWelt verändert sich der Geist.\nJeder „reine\" Geist ist unsauber. Jeder absolute Geist ist\nrelativ. Nämlich: Äusdrucksform eines Menschen, der nicht im-\nstande ist, sein Ich mit der objektiven Wirklichkeit auszugleichen.\nReaktionär ist der Mensch, der, anstatt eine harmonisch-organi-\nsierende Form des ausgereiften, diesseitigen Menschen zu bilden,\ndie Schlacken seines Ich in ein Äußerweltliches und Ueberweltliches\n(Gott, beseeltes All) transponiert. Im Mittelalter war die Hingabe\nan einen außermenschlichen Geist Zeichensprache für einen orga-\nnischen Vorgang. In der Gegenwart bedeutet diese Hingabe eine\nKrankheit.\nGeist ist eine Zeichensprache. Der Geist ist nichts Selbständiges.\nEr ist an sich auch nicht schöpferisch. Schöpferisch ist die Gesamt'\nheit des sinnenhaften Menschen. Die hohe Organisationsform des\nmenschlichen Gehirns ist ein Teil dieser Sinnenhaftigkeit.\nReaktionär ist die Anschauung, die den Geist verdinglicht und\ndas Verdinglichte außerhalb und überhalb der menschlichen Ent-\nwicklung stellt. Der Geist ist nicht ewig. Er entstand mit dem\nMenschen und entwickelte sich mit ihm.\nVerdinglichungen des Geistes treiben alle modernen idealisti-\nschen Philosophien, die noch nicht Religion und Philosophie trennen,\njede Philosophie, die das Faktum der objektiven Realität über-\ngeht, ist reaktionär. Ebenso jede Philosophie, die subjektiver Aus-\ndruck einer Persönlichkeit ist. Jede Wissenschaft, die nicht radikal\ndie Theologie ausmerzt, ist reaktionär. Gottlehre in der Natur-\nwissenschaft ist der Dualismus von Kraft und Stoff. Gottlehre\nin der Psychologie ist die Lokalisation der Seele an ein bestimmtes\nOrgan. Gottlehre in der Medizin ist der Dualismus von krank\nund gesund, ist die Verabsolutierung der Krankheit. Krankheit ist\nebensowenig an sich wie der Geist an sich ist. Sie ist ein Grad\nder Gesundheit.\nEs gibt keinen Geist. Es gibt keinen reaktionären Geist. Es\ngibt nur reaktionäre Menschen. Reaktionäre Menschen sind kranke\nMenschen. Kranke Menschen sind Menschen, die ihr Ich gegen\ndie Dynamik, gegen den Stoffwechsel des Lebens stauen und\nstemmen. Genau so entsteht der Krebs. Die gesamte Geistes-\ngeschichte ist auch eine Geschichte der Krankheiten."}, {"page_pdf": 24, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.24", "texte": "BANAUSEN\nOffo Nebel\nsind Leute mit modernen, überspannten Hirnen, kleine Leute, die keine\nBindung zum Altertum haben. Sie auch gar nicht haben wollen. Pät\nWozu?\nBANAUSEN\nsind mindere Menschen, minderwertige, taktlose Leute, die immer eine\nwunderschöne Zukunft schon hinter sich haben. Minderwertige, die\nMenschenzukunft hinter sich gebracht, nämlich umgebracht haben. Mords-\npack, jawohl.\nBANAUSEN\nhaben es immer zu etwas Grauenerregendem gebracht. Mit List und\nTücke. Dafür haben sie auch ein grenzenloses Nichts vor sich, um sich,\nin sich. Dessen sind sie würdig. Nihilisten.\nBANAUSEN!\nAber Würde, echte Würde ist immer DAS, was ein Innen sein würde,\nwenn innen nicht jenes nichtswürdige Nichts sein würde.\nWenn Würde nicht DAS ist, was da ist, wo kein\nBANAUSE\nist, so ist Würde bestimmt die Gestalt der Zucht eines Lebensleibes, in\ndem noch etwas vom heilen Geiste des Altertums lebendig ist.\nOder lebendig wird.\nDabei erscheint vor den Äugen des Geistes der Leib als ein leibhaftiges\nUniversum.\nLicht der Antike. Macht der Klarheit. Südliche Helle. Hellas. Himmel\nund Meer.\nWo im Menschen wahre Würde war.\nWo im Menschen wahre Würde ist, da ist noch heute Bindung zum Alter-\ntum. Und umgekehrt.\nStrenge und Heiterkeit. Leibgeist des Altertums. Zucht aus dem Licht.\nZüchtung, Zukunft, Ziele. Licht aus der Fülle des Lebens. Und aus der\nKraftfülle des Lebens, aus seinem Ueberschwang: DAS GESETZ, das\nBändigende.\nLeibgeist, der Mensch des Altertums. Gesetze, Ordnungen und Maße des\nLebens, des Wissens, des Tuns, des Konnens.\nHerrschende und Völker.\nLeibgeist des Altertums. Takt des Menschen vor allem Lebendigen. Um\nder Zukunft des Menschen willen die Todfeindschaft des antiken Menschen\ngegen alle\nBARBAREN und BANAUSEN.\nLeibgeist, der neue Mensch, ist ein neuer Leib im Diesseits, der Geist in\nihm ist sein Altertum.\n\nZeitrechnung\nKinder sind zeitlos. Man hat Mühe, ihnen die Begriffe Gestern,\nHeute und Morgen beizubringen. Manchmal gelingt's. „Ich verstehe\njetzt alles ganz genau\", meinte neulich ein kindlicher Zeitgenosse, „d a s\nHeute ist das Morgen des Gestern und das Gestern von\nMorgen t\" Er hat den höheren Sinn der zeitgemäßen Zeitrechnung\nverstanden ..."}, {"page_pdf": 25, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.25", "texte": "Kräftiges Mädchen\nlenkt Unterseeboot mit Medaillon\nAndré von Kún\nWieviel Pfunde ein einwandfrei kräftiges Mädchen wiegen muß.\nist Sache der Herren Schulmediziner.\nWohingegen ich in den Jahren 1914 bis 1918 von vorzüglichen\nFachwissenschaftlern belehrt worden bin, Unterseeboot sei ein\nKriegsschiff, das befähigt ist, zum Schutz gegen feindliche Geschosse\noder zum unterseeischen Angriff „sich durch Einnehmen von Wasser-\nbailast in Tauchtanks unter die Wasserfläche zu versenken\". Siehe\nBrockhaus Handbuch des Wissens vierter Band, Seite 460.\nUnd daß ein Medaillon ein Schmuckgegenstand in Form einer\nflachen, ovalen, runden oder herzförmigen Kapsel für ein Bildchen\noder mehrere Bildchen ist, lernte ich einstens von meiner alten Dame.\nDie war eine Medalllonökonomlstin. Und trug hinter der ovalen\nKapsel die eigenen Eltern, hinter der flachen die Schwiegereltern,\nhinter der runden ihren Mann und hinter der herzförmigen ihr\ngeliebtes Kind. Mich. Das war nett von meiner alten Dame. Aber\nbei weitem nicht ausreichend zum Beibringen der Lehre, daß ein\nkräftiges Mädchen ein Unterseeboot mit Medaillon lenken kann.\nDas habe ich erst im Jahre neunzehnhundertzwelunddreißlg\nerfahren.\nIn einem Lokal. In Lokalen erfährt man immer etwas Neues;\ndazu sind Lokale da. Sie verkaufen Speisen und Getränke, sind\nungelüftet und vermitteln neue Kenntnisse.\nEin kräftiges Mädchen ist eine Schnapsmischung. Und ein\nUnterseeboot mit Medaillon ebenfalls. Das Mädchen kostet eine\nMark und schmeckt schlecht. Ein teures schlechtschmeckendes\nMädchen.\nAuch das Unterseeboot schmeckt schlecht. Aber nur mit Me-\ndaillon. Ohne wäre es ausgezeichnet: eine halbe Flasche Sekt. Das\nMedaillon jedoch bedeutet in diesem Zusammenhang die Mischung\nvon fünf Schnapssorten. Um das Unterseeboot festlich zu schmücken,\nwird die liebliche Mischung in die halbe Flasche Sekt gegossen. Der\nSekt hingegen ulkeshalber in ein Weißbierglas. Und so getrunken.\nDurch den Genuß versenkt „man sich\" auch ohne Tauchtank. In\ndie See des Unbehagens*\nAnschließend kann man Rätsel raten. Auch ohne Rätselzeitung.\nMan kann sich darüber den Kopf zerbrechen, was ein „Plüschsofa\"\nmit einer „gemischten Ehe\" zu tun hat, und ob der „Sturm mit\nWirbelwind\" mit dem „Steuerzettel\" zusammenhängt. Ob „Rum-\npelstilzchen\" und „ahnungsvoller Engel\" ähnliche Erscheinungen\nsind und ob „Spinat mit Ei\" auch in flüssiger Form grüngelb aus-"}, {"page_pdf": 26, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.26", "texte": "sieht. Ob „Herzblättchen\" nach dem Genuß von „Abschiedsschluck\"\nsoweit kommt, alle irdischen Wünsche eines wackeren Untersee-\nbootlers zu erfüllen . . .\nExzellenz Lucius Licinius Lucullus, kommandierender General\nder alten Armee, der alten römischen Armee nämlich, soll nach\nseinen erfolgreichen Operationen auf verschiedenen Kriegsschau-\nplätzen „in Reichtum und Genuß gelebt\" haben.\nDas steht auch im Handbuch des Wissens und ist so zu ver-\nstehen, daß der Herr Feldmarschall und Schlachtenlenker a. D.\nwegen seines Reichtums den Genuß leben konnte. Die nach ihm\nbenannten lucullischen Gastmahle standen bis jetzt hoch in Ehr-\nfurcht.\nNun ist es aus mit der Herrlichkeit. Exzellenz Lucullus ist\nerledigt. Durch den Erfinder des „Unterseeboot mit Medaillon\".\nKlassisch vorgebildete Leute wenden in solchen Fällen das\nschönste Zitat an: Sic transit gloria mundi.\n\nDr. med. Shylock\nMynona\nIn Bremen (wo, sag' ich nicht; er wird sich schon getroffen\nfühlen) wohnt der Chirurg und Psychiater Klüglack, berühmter\nOperateur und Analytiker. Seine Sprechstunde wird von den wun-\nderlichsten Originalen überlaufen, und im Umgänge mit solchen\nNarren gerät auch der achsenfesteste Arzt in die Gefahr der\nPsychopathie. Während Kluglack mit meinen gelähmten Facialis\nelektrisch massierte, gewann ich manchen Einblick in seine kuriose\nPraxis.\nIm Wartezimmer saß mal ein Jüngling, den ich blutiger Laie\nsofort als Idioten diagnostizierte, und gerade, als ich eintrat, ver-\nabschiedete sich dessen Papa, ein alter Gymnasialprofessor, vom\nArzte, der ihn zu trösten versuchte: „Nee, lieber Doktor\", wider-\nsprach der Vater, „geben Sie sich keine unnütze Mühe . . . Komm,\nKlaust Die Götter haben dich ausersehen, mit dir vergebens zu\nkämpfen. Aus dem Hopfen und Malz, das bei dir verloren geht,\nkönnte man ein Welt-Bier-Monopol errichten.\" Wie sagt Nietzsche,\nder selbst so einer war: „An Meschuggenen soll man nicht rum-\ndoktern.\" Der Doktor half dem Jungen in den Mantel: „Aber\nlieber Professor\", beschwichtigte er, „Sie als alter Lateiner erinnern\nsich doch Seneca's »Nulluni magnum ingenium sine dementiae\nmixturamf Womöglich ist Ihr Sohn gerade ein magnum ingeni ...\"\n„PfuideibelnochmaH\" unterbrach ihn brüllend der Ältphilolog, „ ,sine'\nregiert den Ablativ — sine mixtura, Herr! Rai!! Bei mir würden Sie"}, {"page_pdf": 27, "page_imprimee": "89", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.27", "texte": "durchrasseln, Sie Ignorant! Sprach's und. verschwand mit seinem\nhoffnunslosen Sprößling. Noch längere Zeit stand Kluglack mit\nweit offenem Munde da.\nKaum war der Professor weg, erschien ein hyperelegantes\njunges Ehepaar, sofort so heftig miteinander zankend, daß Kluglack\nmich bat, es noch vor mir abfertigen zu dürfen. Eine halbe Stunde\nspäter erst kam ich an die Reihe, aber Kluglack schien sehr zer-\nstreut: „Was mag das für ein Käse sein?\" fragte er mich. „Wie?\"\nerkundigte ich mich, „Käse?\" „Ja\", sagte er sinnend, „nämlich,\ndieses junge Paar hat sich wegen eines Käses verzankt. Sie will\nsich scheiden lassen, weil der Mann ihr nicht den kostbaren\nSjut k ä s bewilligt, den sie eben von ihrem Auto aus im Schau-\nfenster gesehen hat. Ich redete ihr gut zu, sich doch nicht eines\nbloßen Käses wegen von ihrem Gatten zu trennen. Da lachte sie\nhysterisch auf und rannte weg. Der Mann ihr nach. Honorar zu\nzahlen, haben sie in der Eile vergessen.\" Als ich Kluglack dahin\naufklärte, daß ,Suit-case' zwar englisch, aber trotzdem kein\nKäse wäre, lissauerte er ,Gott strafe England!' dumpf in sich hin-\nein: „Bitte\", hüstelte er, „essen Sie mit meiner Frau und mir gleich\nnebenan etwas Butterbrot, auch mit Käse. Bitte gehen Sie voran,\nich komme sofort nach. Hier rechts im Kabinet muß ich nämlich\nein wunderwunderschönes Mädchen aus der Hypnose aufwecken.\nWissen Sie, die ist so schön, daß es die Polizei verbieten sollte!\nViel schöner als die Garbo . . . Also auf Wiedersehen!\" — Frau\nDoktor Kluglack und ich warteten fast eine Stunde auf den Viel-\nbeschäftigten. Endlich kam der in einem schwer benommenen\nZustande zum Abendbrot, sah, ohne zuzulangen, stier vor sich hin,\nbis seine Frau ihn energisch animierte. „Bevor ich\", zögerte er,\n„den Grund meiner eigentümlichen Hemmung ermittelt habe, kann\nich nicht essen.\" Plötzlich strahlte er: „Heureka! Ich bin verliebt!\nIch bin ganz einfach schwer verliebt! Eben das Mädel war viel zu\nschön!\" Zur Freude seiner Gattin, wie sich denken läßt, aß er\ndann mit um so besserem Appetit.\nNichtsdestoweniger war er einer der geschicktesten Operateure.\nUnd zwar einer der ersten, der statt des Messers den elektritschen\nDraht anwandte, der die Wundschnittflächen röstet, so daß kein Blut\nfließt. Ich durfte zusehen, als er meine Erbtante auf diese Welse\noperierte, und dazwischen hinein plauderte er mit mir über alles\nmögliche: „Was haben Sie heute Abend vor?\" fragte er, sich die\nHände seifend. „Shakespeare\", erwiderte ich, „ich seh' mir den\nKaufmann von Venedig an\". Als ob der Blitz ihn getroffen hätte,\nHeß er die Tante Tante sein (so daß ich gleich darauf tatsächlich geerbt\nhabe): „Ein fabelhafter Gedanke\", schrie er, „kommt mir! Wo\nwohnt der allerberühmteste Regisseur, der Reinhardt?\" Ich wußte\ndessen Adresse nicht und ging kopfschüttelnd zu Shylock. Als aber"}, {"page_pdf": 28, "page_imprimee": "90", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.28", "texte": "dieser am selben Abend von Porzia 11m das Fleisch seines Feindes\ngeprellt wurde:\n„Nimm denn den Schein, und nimm du dein Pfund Fleisch 1\nAllein vergießest du, indem du's abschneidst,\nNur einen Tropfen Christenblut, so fällt\nDein Hab und Gut, nach dem Gesetz Venedigs,\nDem Staat Venedigs heim.\"\n— ja, da wußte ich genau, was dem Kluglack vorhin durch den\nKopf geschossen war ...\nTatsächlich hatte er Reinhardt vorgeschlagen, im Interesse nicht\nnur der tinblutigen Operationsmethode, sondern sogar der lieben\nJudenheit, das Stück damit endigen zu lassen, daß Shylock zum\nbassen Entsetzen der schlauen Porzia sich das Fleisch aus dem\nLeib des Feindes mit dem elektrisch glühenden Messer-\ndraht heraussage! Reinhardt lehnte ab, weil ja doch. Porzia\nnoch die andere Bedingung stellte, nicht mehr noch weniger als\njust ein Pfund Fleisch zu entnehmen. Infolgedessen bewohnt\nKluglack seit einiger Zeit eine gewisse Zelle, wo er der fixen Idee\nnachgrübelt, wie das zu machen sei. — lieber das Resultat ein\nandermal.\n\nRampenrummel\nÄ. V. K.\nGerhart Hauptmann» jugendlicher Bergreiter, schrieb einstens\n„Vor Sonnenaufgang\". „ . „ „TT c\nGerhart Hauptmann, ältlicher Seefahrer, schrieb 1932 „Vor Sonnen-\nuntergang\". Ohne Stürme. Schilderung eines Einzelschicksals: Liebe\ndes alternden Mannes. ~ , . «\nMenschengestaltung ist eine Stärke Hauptmanns. Die Menschenzeich-\nnung ist auch im jüngsten Werk des alten Dichters echt und stark. Der\nAufbau des Dramas ökonomisch: mit starken Momenten und dramatischen\nTrotzdem: matt. Papier. Kein Leben. Kein Menschheitsschicksal.\nGute Schauspieler im Deutschen Theater hauchen Leben in\ndie Papierfiguren.\nZwei Engländer, Nealle und Chesterton, haben ein Konver-\nsationsstück verfaßt. Titel: „In jeder Ehe ... Feststellung. in jeder\nEhe gibt es Krisen. «\nIn der vorhandenen Ehe wird die vorhandene Krise gelost. Durcu die\nKinder. Belehrend und moralisch: Kinder kriegen Krise klein.\nHauptrolle: Leopoldine Konstantin. Begeisterter Beifall im Theater\nin der Stresemannstraße.\n*\nZwischen Glück und Spiel und Unglück in der Liebe sowie umgekehrt\nsollen laut Ueberlieferung Gegensätze bestehen. „ 112 112 .\nDarüber unterhält sich in „Roulette\" der furchtbar fruchtbare\nMolnär-Nachahmer Ladislaus Fodor» Sich und die Besucher des\nDeutschen Kunstlertheaters."}, {"page_pdf": 29, "page_imprimee": "91", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.29", "texte": "Wenn jetzt . . .\nGustav Haeberlein\n• ♦ ♦ ein Geist herniederstiege, zugleich ein Sänger und ein Held —\nso oder ähnlich hieß es einmal. Kein Konzert- oder Opernsänger war\ngemeint, sondern einer von denen, die nach einem andern Vers mit dem\nKönig gehen sollen. Schon Freiligrath las es so, daß der Dichter mit\ndem Volke gehen soll. Besser hätte er gesagt, das Volk soll mit dem\nDichter gehen. Wenn aber Neuere in einer Zeitungsdebatte als das beste\nempfehlen, den Dichter kurzerhand zum Oberhaupt des Staats zu machen,\nso lassen sie erkennen, daß das Problem Herrscher und Dichter von\nAnfang an falsch gestellt worden war.\nAlle großen, das heißt schöpferischen Politiker waren bedeutende\nsprachliche Stilisten. Das haben die Griechen und die Römer, in den\nletzten Jahrhunderten die Franzosen, bei uns Friedrich der Große und\nBismarck gezeigt. Denn der Mensch denkt in seiner Sprache. Wer\nsie nicht beherrscht, wer in abgenutzten Wendungen schreibt und spricht,\ndenkt unordentlich, verharrt in überlebten Gedanken und ist unschöpfe-\nrisch. So wenig die Reden unserer Politiker die Spur eines bedeutenden\nSprachstils erkennen lassen, genau so wenig können diese Politiker im\nStaatsmännischen leisten. Gallia est omnis divisia in partes tres, jede\nRandbemerkung des großen Friedrich, eine einzige Metapher Bismarcks\noffenbaren den großen Staatsmann mehr als alles, was unsere heutigen\nPolitiker reden und schreiben.\nEin einziges großes Wort, ein einziger bedeutend geprägter Satz\nretten Staaten und Völker, lassen Kriege gewinnen. Von Bismarcks Aus-\nspruch, daß wir Deutschen Gott fürchten, aber sonst nichts in der Welt,\nhat Deutschland ein Vierteljahrhundert gelebt, und zwar genau so sorg-\nlos und bombastisch, wie der Ausspruch selbst war. Der wenig bedeutende\nBülow wußte doch etwas von der Macht des Worts. Aber da er un-\nschöpferisch war, behalf er sich mit Zitaten und geflügelten Worten\nund richtete mit ihnen wiederum genau so viel aus als sich mit erborgten\nGedanken erreichen läßt. Als der Krieg ausbrach, fand kein deutscher\nHerrscher oder Staatsmann das Wort, das eine Nation auf seine Flügel\nhätte nehmen können. „Ich kenne keine Parteien mehr\" war so wenig,\ndaß es nur für einige Wochen reichte. Als sich herausstellte, daß Beth-\nmann-Hollwegs: „Nun laßt eure Herzen schlagen zu Gott und eure Fäuste\nauf die Feinde\" nur ein Zitat war, da war es auch um die Wirkung dieses\nAusspruchs geschehen. Es blieb nichts übrig als „immer feste druff\".\nSo ist es bis heute geblieben. Wir haben keine bedeutenden Staats-\nmänner, weil unsere Politiker nichts vom Geist der Sprache wissen, den\nsie mißachten. Aber „le style est l'homme meme\" ist nicht nur ein geist-\nreicher Ausspruch, sondern eine große Wahrheit.\nIn früheren Zeiten nannte man die nichtschöpferischen Musiker „Mu-\nsikanten\". Ich schlage vor, unsere deutschen Politiker „Politikanten\"\nzu nennen. Denn sie sind unschöpferisch. Sie sind keine Sänger.\n\nEingegangene Bücher\nDr. Roberto Candido Pereira: Do Germen de Friedmann\nSua morphologia, biologia, poder pathogenico, accäo prophylacfica\ne curativa. Officinas Graphicas Do Institut© D. Macedo Costa,\nPara / Brasilien 1931\nDr. Gaston Daniel: Vaccin de Friedmann\nVaccination antituberculeuse chirurgicale et pulmonaire par le\nDr. Gaston Daniel de Marseille, President de la Ligue Francaise\nantituberculeuse, Laureat de l'Academie / Paris Editeur Eugene\nFiguiere. 166 Boulevard Montparnasse, 1932"}, {"page_pdf": 30, "page_imprimee": "92", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.30", "texte": "Die Patienten melden sich\n\nIn einem Rundfunk-Vortrag Mai\n1931 wurde das Lungenkrankenhaus\nBeetz-Sommerfeld als das\n„mo dern sf e\" Tub erkulo se-Kr anken-\nhaus der Welt bezeichnet. Ich hatte\nZeit und Gelegenheit, nachzuprüfen,\nwas die Berliner Lungenkranken\nüber Beetz-Sommerfeld erzählten.\nDie Chirurgie soll dort hoch im\nKurs stehen. Mir wurde auf der\nlinken Seite ein Pneumothorax\n(kurz „Pneu\" genannt) angelegt.\nBald darauf sollte ich sogar einen\nDoppelpneu bekommen. Ich wehrte\nmich dagegen. Die Art und Weise,\nin der ich dazu überzeugt werden\nsollte, war einem indirekten Zwang\nsehr ähnlich. Ein Patient, der den\nEingriff ablehnte, wurde bald da-\nnach entlassen. Schließlich erklärte\nich mich dazu bereit, da ich eine\nEntlassung nicht riskieren konnte.\nMein Gesundheitszustand war sehr\nschlecht. Leider wußte ich damals\nnoch nichts von dem Friedmann-\nMittel. Der Versuch mit dem Dop-\npelpneu mißlang. Vorher hatte mir\nder dirigierende Chefarzt, Dr. Diehl,\nerklärt, daß der linke Pneu allein\nfür mich wertlos wäre. Nachdem\nnun die Anlage auf der rechten\nSeite mißglückt war, hätte man ja\nlogisch den linken Pneu eingehen\nlassen müssen. Herr Diehl hatte\naber schnell seine Meinung geändert\nund so mußte ich mich noch vier\nMonate mit dem Pneu herumquälen.\nEine Besserung in meinem Befinden\nwar während der ganzen Zeit nicht\nfestzustellen. Im August ließ man\nden Pneu ganz eingehen, daß sich\nWasser gebildet hatte. Ich konnte\nnoch von Glück reden, daß keine\nweiteren Komplikationen eintraten.\nInzwischen hatte ich viel von Fried-\nmann gehört und beschäftigte mich\nsehr eingehend damit. Anfang Ok-\ntober beantragte ich einen Tag Ur-\nlaub. Der Stationsarzt äußerte Be-\ndenken wegen meines schlechten Ge-\nsundheitszustandes. Ich setzte den\nUrlaub aber durch, fuhr nach Berlin\nund ließ mir die Friedmann-Spritze\nmachen. Der Erfolg war über-\nraschend. Zum erstenmal konnte\nich von einer wirklichen Erholung\nsprechen. Die Aerzte kannten na-\ntürlich nicht die Ursache meiner\nBesserung. Wenige Wochen später\nwar ich entlassungsfähig. Hunderte\nvon Studenten und Aerzten hatten\nwährend meiner Kurzeit das Kran-\nkenhaus besichtigt. Es wurde ihnen\naber immer nur der Neubau gezeigt.\nNiemals wagte man es, sie durch\ndie Stationen der alten Gebäude\nzu führen. Die Hälfte der Pa-\ntienten lag in diesen alten Ge-\nbäuden. Wie es dort aussieht,\nspottet jeder Beschreibung. Die\nToiletten konnte man wegen der lln-\nsauberkeit als Herde von Infektions-\nkrankheiten bezeichnen. Eine große\nAnzahl der Patienten holten sich\nin dem „modernsten Krankenhaus\"\nFlechten. Die Schlafdecken bestan-\nden zum größten Teil aus Lumpen.\nDie Tagesräume waren so schlecht\nbeleuchtet, daß die Patienten Ge-\nfahr liefen, sich die Äugen zu ver-\nderben. Das geringe Personal\nkonnte unmöglich für die nötige\nSauberkeit sorgen.\nWenige Tage vor meiner Ent-\nlassung erklärte sich Herr Dr. Diehl\nbereit, über das Friedmannsche Ver-\nfahren zu sprechen. Die Vorträge\nsollten stationsweise stattfinden.\nDer erste Vortrag fand in der\nSchwerkrankenstation statt. Mit dem\nHinweis auf meine baldige Ent-\nlassung bat ich Herrn Dr. Diehl, an\ndem Vortrag teilnehmen zu dürfen.\nMeine Bitte wurde abgelehnt. Ich\nhatte das Empfinden, daß Herr Dr.\nDiehl einen Angriff gegen seine\nAusführungen von mir befürchtete.\nEr machte in seinem Vortrag die\nAeußerung, daß die Friedmann-\nSpritze zu schweren Schädigungen\nführen kann. Da mir die Teilnahme\nverweigert wurde, war es mir nicht\nmöglich, Herrn Dr. Diehl die Frage\nvorzulegen, ob er diese Behauptung\nvor der medizinischen Fachwelt wie-\nderholen würde.\nAm 3. Dezember 1931 habe ich\nBeetz-Sommerfeld verlassen. Ich\nglaube es nie wieder in Anspruch\nnehmen zu müssen.\nKurt Dolinski\nBerlin N 113, Seelower Str. 15"}, {"page_pdf": 31, "page_imprimee": "93", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.31", "texte": "Von einem einwandfreien uninter-\nessierten Beamten der Heilstätte\nBeetz-Sommerfeld (Dr. Ul-\nrici) wird uns folgendes mitgeteilt:\n1. Patient Bruno W., Berlin-Char-\nloftenburg, Kaiser-Friedrich-Str., lag\nzwei Jahre lang in Sommerfeld, be-\nkam die Exherese-Operation, Pneu-\nmothorax mit ungezählten Nach-\nfüllungen, und Kaustik. Erfolg:\nBrust-Exhudat bis zum Stehkragen.\nDann eine Friedmann-Injektion. Vier\nWochen darauf Tuberkelbazillen aus\ndem Auswurf verschwunden. W.\nsteht jetzt jeden Morgen um 3 Uhr\nauf, fährt nach der Markthalle, ist\nden ganzen Tag über angestrengt\ntätig. Kein Fieber, kein Auswurf,\nkeine Nachtschweiße. Erhebliche\nGewichtszunahme.\n2. Patient St. Lange Behandlung\nin Beetz-Sommerfeld bei Dr. Ulrici.\nSollte zu Weihnachten 1931 Plastik-\nOperation bekommen, die er ver-\nweigerte. Sfat dessen eine Fried-\nmann-Injekfion. Sein Auswurf ist\njetzt — März 1932 — bereits frei\nvon Tuberkelbazillen. (Negativ.)\nIm Frühjahr 1931 erkrankte ich\nan der Lunge. Das Postamt SW 11\nverschickte mich in ein Sanatorium\nnach Schlesien. Nach beendeter\nKur, die mir nicht gerade guttat,\nerkrankte ich an einer Rippenfell-\nentzündung und und kam anschlie-\nßend nach der Heilanstalt Beelitz.\nAlle beiden Kuren hatten bei mir\nkeinen Erfolg.\nSofort nach Erhalt einer Fried-\nmann-Injektion besserte sich meine\nKrankheit zusehends.\nDaraufhin erklärte mich der Herr\nVertrauensarzt der Reichspost für\narbeitsfähig.\nHerbert Hehlert\nBerlin-Steglitz, Bismarckstr. 46 111\nIch bin seif dem 1. Januar 1931 an\nTuberkulose mit Blutspucken er-\nkrankt. Im Berliner St. Gertrau-\nden-Krankenhaus bei Herrn Pro-\nfessor Lauter erhielt ich während\neiner dreimonatigen Kur den\nPneumothorax mit vielen Nach-\nfüllungen. Dann war ich volle drei\nMonate, vom 24. April bis 24. Juli\n1931, in der Eisenbahner-Heilstätte\nMelsungen bei Herrn Professor\nDr. Roepke. In beiden Anstalten\nwurde ich nicht geheilt, sondern\nvon Herrn Professor Dr. Roepke\nmit offener Lungentuberkulose als\narbeitsunfähig entlassen, trotzdem\nich bei ihm viele Pneumothorax-\nFüllungen, Kehlkopfbestrahlungen\nund Goldspritzen mit übelsten\nNachwirkungen erhalten hatte. Nach\ndieser erfolglosen Kur bei Herrn\nProfessor Roepke kam ich am\n11. August 1931 in die Behandlung\ndes Berliner Friedmann-Instituts,\nin dem ich am 15. August und am\n28. November je eine Friedmann-In-\njektion bekam. Meinen Pneumotho-\nrax habe ich eingehen lassen. Seit\nder Friedmann-Behandlung habe ich\ntrotz ziemlich schwerer Arbeit als\nSchlosser bei der Reichsbahn zwan-\nzig Pfund an Gewicht zugenommen.\nMein Auswurf ist bei der Unter-\nsuchung am 27. Februar 1932 durch\ndas Gesundheitsamt Berlin-Schöne-\nberg als frei von Tuberkelbazillen\nbefunden worden, während meine\nRöntgenaufnahme am Tage vor der\nersten Friedmann-Impfung drei\nkirschgroße Kavernen, eine pflau-\nmengroße Kaverne und verschiedene\nandere tuberkulöse Lungenherde\nzeigte. Bei meiner Nachuntersuchung\nim St. Gertrauden-Krankenhaus und\nin der Schöneberger • Tuberkulosen-\nFürsorgesfelle (Stadtmedizinalrat\nDr. Getfkant) wunderten sich die\nAerzte, die von meiner Friedmann-\nBehandlung nichts wußten, über die\nfortschreitende Heilung.\nOtto Groth\nElektro-Schlosser bei der Reichs-\nbahn, Berlin-Schöneberg, Monu-\nmentenstraße 38\nSeit Februar 1931 leide ich an\nLungen - Tbc., hatte Blutungen und\nkam dann auf zwei Monate\nnach Melsungen zu Herrn\nProf. Dr. Roepke in Behandlung.\nDen mir vorgeschlagenen Pneumo-\nthorax lehnte ich ab, weil ich bei\nmeinen Melsunger Leidensgefährten,\ndie ebenfalls mit Pneumo, Nerven-\nschnitt und Plastik bedrängt wor-\nden sind, keinerlei Erfolge be-"}, {"page_pdf": 32, "page_imprimee": "94", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.32", "texte": "obachten konnte. Ich verließ am\n24. Juni 1931 die Heilstätte\nvon Herrn Prof. Roepke als\narbeitsunfähig, mit T b c.-\nbazillen im Auswurf. Ich\nerhielt dann am 1. Juli und am\n9. September sowie am 4. November\n1931 je eine Friedmann-Heilimpfung.\nBis auf einen minimalen morgend-\nlichen Auswurf, in dem bei kürz-\nlichen Nachuntersuchungen durch die\nLungenfürsorge Berlin, Prenzlauer\nBerg keine Tbc. - bazillen\nmehr gefunden worden sind,\nbin ich gesund. Ich hoffe, daß die\nGegner von Professor Friedmann\nsich von den Erfolgen überzeugen\nlassen und das Mittel allgemein\nin Anwendung bringen.\nReinhold Daily\nReichsbahn-Arbeiter, Berlin W 58,\nSchönhauser Allee 64\nDer Erfolg nach der ersten Fried-\nmann-Impfung hat meine Erwartun-\ngen und Hoffnung übertroffen. Es\nist eine Besserung meines Gesund-\nheitszustandes eingetreten, die ich\nbei keinem mich seit 1927 behan-\ndelnden Arzt erreichen konnte. Auch\neine zweimonatige Kur in der Lun-\ngenheilanstalt in Görbersdorf in\nSchlesien hatte mir keinen Erfolg\ngebracht.\nAls ich in Görbersdorf in Schle-\nsien 1931 zur Erholung war, wurde\nmir von dem behandelnden Arzt ein\nPneumothorax empfohlen, mit dem\nBemerken, daß ich sonst ein Todes-\nkandidat sei. Ich habe in derselben\nAnstalt bei Weicherts viele Pa-\ntienten um mich gehabt, die in\nihrer Verzweiflung sich einen Pneu\nhaben anlegen lassen. Bei ihnen ist\nnach einigen Wochen statt Besserung\neine Verschlechterung des Gesund-\nheitszustandes eingetreten. Diesen\nschon übel zugerichteten Menschen\nwurde als letztes der Nervenschnitt\nnoch als Rettung empfohlen. Ganz\nabgesehen von dem Gelingen der-\nartiger Eingriffe habe ich mir einen\nKostenanschlag über meinen Pneu-\nmothorax erbeten, der mir in einer\nHöhe von 715 RM. vorgelegt wurde.\nMit Fahrgeld, Nebenausgaben und\nweiterer Behandlung nach der Ent-\nlassung habe ich mir eine Summe\nvon 1100—1200 RM. als nicht zu\nhoch errechnet. Da ich mittellos\nbin und noch zwei Söhne ohne\nStellung zu unterstützen habe, war\nan eine derartige Operation nicht zu\ndenken. Ich hatte mich also auf\ndas schlimmste gefaßt gemacht.\nDurch einen Zufall habe ich dann\nvon der Friedmannschen Heilimpfung\ngelesen und nach reiflicher Ueber-\nlegung mich entschlossen, diese\nImpfung an mir vornehmen zu\nlassen. Ich brach meine Kur in\nder Heilanstalt ab und ging nach\nChemnitz zur weiteren Behandlung\ndes Herrn Dr. Dünger. Er hat mir\nauch immer wieder einen Pneumo-\nthorax empfohlen. Ich bin dann\nam 6. November 1931 in das Fried-\nmann-Institut nach Berlin gekommen\nund habe die erste Impfung er-\nhalten. Der Erfolg ist großartig\nund übertrifft alle meine Erwar-\ntungen. Ich bin heute noch ein\nganzer, wenn auch nicht ganz ein-\nwandfreier Mensch, aber doch kein\nzerschnittener oder zerstückelter.\nIch habe das Vertrauen, bald wieder\ndienstfähig zu sein. Außerdem sind\nmir die riesigen Unkosten erspart\nworden. Vergleiche ich die Kosten\neines Pneumothorax und der Ne-\nbenkosten, so habe ich einen Betrag\nvon 1000 RM. gespart. Und die\nHauptsache, ein guter Erfolg, der\nbei Anlegung eines Pneu oder Ner-\nvenschnitts fraglich ist. Ich werde\nmich bei jeder Gelegenheit der er-\nfolgreich durchgeführten Friedmann-\nschen Heilimpfung jedermann zur\nVerfügung stellen und meinen Mit-\nmenschen über den Erfolg berichten»\nden ich durch die Friedmann-Imp-\nfung erreicht habe. Ich schlage je-\ndem eine Friedmannsche Impfung\nvor, statt einer vorübergehenden\nHeilstättenkur, die eine Unmenge\nGeld kostet.\nErich Lohse, Postschaffner\nChemnitz-Borna, Wittgendorfer\nStraße 21\nAm 1. Juli 1931 bekam ich wäh-\nrend eines Urlaubs von meiner da-\nmaligen Heilstättenkur in R. eine\nFriedmann-Spritze. Ich hatte da-"}, {"page_pdf": 33, "page_imprimee": "95", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.33", "texte": "Mals eine große Kaverne, die nach\nder Friedmann-Spritze in etwa vier\nMonaten zugeheilt war. Ich habe\nbereits am 9. Januar 1932, als ich\nandere Patienten zur Friedmann-\nBehandlung brachte, schon von die-\nsem verblüffenden Erfolg durch die\nFriedmann-Impfung berichtet. (Die\nOriginalberichte des Röntgenologen\nliegen vor.) Johannes Müller\nBerlin-P anko w\nProfessor Dr. Giorgio Tron von\nder Universität Mailand berichtet\nin der neuesten Nummer der Te-\nrapia, Bulletin des führenden Istituto\nSieroterapioo Milanesie über die öün-\nstigen Heil- und Schutzerfolge in\nallen Ländern, besonders in Italien,\nmit dem Friedmann-Mittel.\nNochmals der eingestellte Heilstätten-Chefarzt\nWir erhalten aus der Bremischen Heilstätte Mölln in Lauenburg\neine weitere Zuschrift von dem Briefschreiber, dessen Mitteilungen wir\nin Heft 2, Seite 49 dieser Zeitschrift veröffentlicht haben. Er teilt mit»\ndaß seine Auffassung, der Chefarzt dieser Heilstätte, Herr Professor\nDr. Sachs, sei Gegner der Friedmann-Methode, auf einem Irrtum beruhe.\nHerr Professor Sachs selbst habe die Anregung und die Richtlinien ge-\ngeben, zweihundert Patienten der Heilstätte mit dem Friedmann-Mittel\nzu behandeln. Wir nehmen hiervon mit Vergnügen Kenntnis. Um so\nmehr, als uns fortgesetzt zustimmende Aeußerungen auch aus den Kreisen\nder Herren Lungenfachärzte zugehen. Wenn Herr Professor Sachs also\nzweihundert geeignete, das heißt nicht zu weit vorgeschrittene Lungen-\ntuberkulose, die nach den Friedmannschen Leitlinien geeignet sind, heil-\nimpft, so wird auch er sich überzeugen, daß er bei ihnen ohne jede\nweitere Behandlung, insbesondere ohne chirurgische Maßnahmen, Heil-\nerfolge erzielt.\n\nDie Schriftleitung\nDie Schriftleitung\n\nDer scharmante Stil\nMc. R. Err\nSonntag. — Willem wirft sich in den guten Sonntagsanzug. Hakt die neue\nBraut unter. Das Miädchen soll nach Eintritt besserer Zeiten geheiratet werden.\nDa muß man Ansfandsbesuche machen bei den Freunden. Behufs\nEruierung. Wie die Leute Fräulein Minna finden.\ni- i. DixT Besuche verlaufen ohne Störung. Herzliche Gesichter. Freund-\nliche Nasenlöcher. Ein Besuch dauert fünfzehn Minuten. Man ist\nSchentlehmann und weiß, was sich schickt. Man trinkt überall nur eine\neinzige Änstandspulle Bier.\nBei Ede wird die heimliche Brautfahrt erheblich gestört. Frau Ede\nschneidet kein freundliches Gesicht. Sondern ein feindliches. Sie mustert\ndie neue Braut mit schiefen Augen. Man könnte auch sagen, sie schielt\nwf an> wenn das keine Beleidigung für Frau Ede darstellte. Mit einem\nWort: Da klappt etwas nicht. Willemist ein scharfer Junge mit\nscharfem Blick, der alles merkt. Am nächsten Tage stattet er Frau Ede\neinen Sonderbesuch ab. — „Tachl\" — „Na, wat denn, wat denn?\" — „Ick\nwollte man bloß wissen, wat du an meine Minna herumzumeckern hast?\"\n„Hab ich nich.\" — „Doch haste! Du man raus mit die Wahrheit!\"\n. i if» Ede legt los: „Mensch, Willem, bei deinem scharmanten\nj < • dir janz wat andres zujetraut! Die Minna is doch vorn glatt\nund hinten jehobeltlü\" — Kritik der reinen Berliner Vernunft. Mc. R. Err"}, {"page_pdf": 34, "page_imprimee": "96", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.34", "texte": "In die Kammer\ngez. Dr. Kröner\nBerlin / 12. 2. 32\nHerrn Prof. Bruno Lange / Robert-Koch-Institut / Berlin\nSehr geehrter Herr Professor\nIn Ihrem am 9. 2. im „Tag\" unter dem Titel „Die erschütternde Tragik\nder Lübecker Aerzte\" erschienenen Artikel finden sich unter anderen folgende Sätze:\n„Besonders scharfe Angriffe wurden bis in die neueste Zeit hinein gegen\ndas Calmettesdie Schutzimpfungsverfahren von Seiten Friedmanns und seiner\nAnhänger gerichtet, denen die Gelegenheit günstig erschien, für das „sicher\nunschädliche\" Friedmannsche Schutz- und Heilmittel gegen Tuberkulose Propaganda\nzu machen. Soweit Tatsachen behauptet worden sind (Unglücksfälle nach der\nCalmette-Impfung auch in Spanien, Ungarn, Bulgarien), sind die Behauptungen\nin der Folgezeit als Phantasiegebilde entlarvt worden. In Ermangelung sachlicher\nArgumente wurde der Kampf oft genug in der Weise geführt, daß Calmette\nselbst und deutsche Forscher, die sich für eine Erprobung des Verfahrens in\nDeutschland eingesetzt haben, gröblich beschimpft wurden.\"\nDa aus dem Zusammenhang zweifelsfrei hervorzugehen scheint, daß sich\n■diese Sätze auch gegen das in der Broschüre „Anti-Calmette\" niedergelegte\nLiteratur-Material und somit auch gegen die Verfasser dieser Broschüre richten,\nersuche ich Sie höflichst, Ihre Behauptungen näher zu substanziieren und mir\nIhre Unterlagen namhaft und zugänglich zu machen. Sollten Sie diesem Ersuchen\nnicht nachkommen oder nicht in der Lage sein, den Wahrheitsbeweis für Ihre\nBehauptungen zu erbringen, so müßte ich in ihnen eine schwere Verunglimpfung\nerbticken und behalte mir für diesen Fall alles weitere vor.\nGleichzeitig gestatte ich mir, Ihnen mitzuteilen, daß ich meinerseits bereit\nbin, die von Ihnen angeblich als „Phantasiegebilde entlarvten\" Tatsachen unter\nBeweis zu stellen uud erwarte von Ihnen, daß Sie mir hierzu Gelegenheit\ngeben werden.\nIch erwarte Ihre Antwort bis spätestens 19. Februar mittags 12 Uhr.\nMit vorzüglicher Hochachtung gez. Dr. med. Kröner\nPreuss. Institut für Infektionskrankheiten ] Robert Koch\nu r, xv i-s •• i fu 1 -u- u Berlin N 65 / 21. Februar 1932\nHerrn Dr. med. W. Kroner f Charlottenburg\nSehr geehrter Herr Dr. Kröner\nIhren Brief vom 12. 2. 32 habe ich der Aerztekammer Berlin vorgelegt.\nHochachtungsvoll gez. Bruno Lange\nHerrn Prof. Dr. med. Bruno Lange / Institut Robert Koch\nCharlottenburg / 1. 3. 32\nNachdem Sie es vorgezogen haben, sich hinter die Aerztekammer zu\nverschanzen, habe ich den Briefwechsel der Presse übergeben.\nHochachtungsvoll gez. Dr. Kröner\n\nVerantwortliche Schrifileitungs Chefredakteur Andre von Kün / Berlin «Wilmersdorf\nManuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Rückporto beiliegt:. Höchstumfang eines Manuskriptes\ndrei Druckseiten / Jahresbezugspreis der Zeitschrift Der Sturm (12 Hefte) RM 3,—, Einzelheft 30 Rpf. /\nAuflage: 10 000 Exemplare / Verlag Der Sturm/Berlin-Friedenau / Druck: Max Lichtwitz Berlin SW 19"}, {"page_pdf": 35, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.35", "texte": "Internationale Anti -Tuberku\nSektion Deutschland e. V.\n-Li\nga\nGeschaftsstelle: Berlin - Wilmersdorf / Hohenzollerndamm 201\nernsprecher: H 5 Brabant 686 / Postscheck-Konto: Berlin Nr. 1237 88\nINTERNATIONALES KURATORIUM\nDr. Georg Graf v. Arco\nChefredakteur Erich Alfringhaus\nFrau Prof. H. d'Albert-Finck\nFred A. Angermayer\nHermann Bahr\nGen.-Major Graf v. Beck-Rzikowsky\nBianca Grafin v. Beck-Rzikowsky\nAlice Berend\nProf. Georg Bernhard\nWalter Bloem\nIntendant Dr. Rudolf Bliimner\nSvend Borberg/Kopenhagen\nAlfred Braun\nHenry Cowell/New York\nJosef Czapek/Prag\nKarel Czapek/Prag\nDirektor Richard Dillenz\nDr. Hanns Martin Elster\nHerbert Eulenberg\nPeter Flamm\nProf. Sigmund Freud/Wien\nProf. Dr. Carl Fries\nRudolf Fuchs/Prag\nProf. Alfons Goldschmidt\nIwan Goll/Paris\nProf. E. J. Gumbel\nBaron E. von der Heydt\nProf. Karl Hofer/Berlin\nLandgerichtsrat Dr. C. M. v. Holten\nProf. Dr. H. H. Houben\nDr. Ricarda Huch\nRuth von Jagow\nGeorg Kaiser\nDr. Erich Kastner\nAlfred Kerr\nEgon Erwin Kisch\nAage v. Kohl/Kopenhagen\nProf. Kathe Kollwitz\nEdmond Konrad/Prag\nEdlef Koppen\nRudolf Kurtz\nSelma Lagerlof\nHans Land\nAuskunff und Broschuren kosfenlos durch das Generalsekretariat der IATL\nBerlin-Wilmersdorf / Hohenzollerndamm 201\nMitgliedsbeitrag 2 Mark jahrlich\nKurt Liebmann\nReichstagsprasident Paul Lobe\nEmil Ludwig\nErwin Magnus\nHeinrich Mann\nThomas Mann\nDr. Dimitri Marianoff\nKarl Heinz Martin\nAlfred Richard Meyer\nKarin Michaelis\nArno Nadel\nOtto Nebel\nDr. C. Norner/Barsinghausen\nAlfons Paquet\nRedakteur Otto Pick/Prag\nErwin Piscator\nChefredakteur Dr. Artur Ploch\nMax Reinhardt\nRemain Rolland\nOtto Rung/Kopenhagen\nFrau Geheimrat Carl Ludwig Schleich\nMary Schneider-Braillard\nGen.-Maj. Dr. h. c. Frhr. v. Schoenaich\nBruno Schonlank\nLeopold Schwarzschild\nDr. Eugenie Schwarzwald/Wien\nProf. Dr. Peter A. Silbermann\nWilhelm Speyer\nDr. phil. Helene Stocker\nChefredakteur Dr. Stocker/Dortmund\nDr. Kurt Thesing\nJakob Tiedtke\nErnst Toller\nGrete von Urbanitzky/Wien\nProf. Dr. Veit Valentin\nHedwig Wangel\nJakob Wassermann\nDr. C. A. Werner\nJustizrat Dr. Johannes Werthauer\nDirektor Hans Wiirtz\nArnold Zweig\nStefan Zweig"}, {"page_pdf": 36, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabg1932-03.1.36", "texte": "Internationale Anti-Tuberkulose-Liga Sektion Deutschland «. V\nDEUTSCHES\nDr. med. Felix Abraham/Berlin\nDr. med. Knud Ahlborn/Kampep a. Sylt\nDr. med. Aldegarmann/Lippspringe\nDr. med. Karl Andr6e/Marburg\nDr. med. W. Berdel/Kaiserslautem\nDr. med. Bruno Berendes/Liidge i. W.\nDr. med. E. Biller/Breslau\nSanitatsrat Dr. W. Bloch/Koln\nDr. med, Dietrich Bios/Halle a. d. S.\nDr. med. Edvin Bios/Karlsruhe\nDr. med. Blum/Frankfurt-Hochst\nDr. med. E. Bonde/Altenburg i. Thiir.\nDr. med. Hans-Adolf Braun/Berlin\nDr. med. Hans Bruno/Hamburg\nMedizinalrat Dr. E. Buck/Lahr Baden\nMedizinalrat Dr. Cluss/Hechingen\nDr. med. Costa/Hamburg\nDr. med. M. Crohn/Halberstadt\nDr. med. A. Dechesne/WupnertaHBarmen\nDr. med. Wolfgang Donath/Berlin\nDr. med. Dorn/Berlin\nDr. med. O. Drescher/Erfurt\nDr. med. A. Durand/Berlin\nDr. med. K. Eichwald/Berlin\nDr. med. Hermann Engels/Berlin\nDr. med. C. Fellermeyer/Ingolstadt\nDr. med. J. Frankenstein/Berlin\nDr. med. K. Frankel/Frankfurt a. M.\nDr. med. Fritz/Viersen\nDr. med. Paul Fritzsche/Wettin a. S.\nDr. med. E. Frohlich/Thal Ct. St. Gallen\nDr. med. F. Fuchs/Dallmin\nDr. med. A. Fuhrmann/Geschwenda\nSanitatsrat Dr. Gastreich/Koln-Merheim\nDr. med. F. Gebert/Luckenwalde\nDr. med. K. Gelbke/Leipzig\nSanitatsrat Dr. Goepel/Leipzig\nDr. med. V. Goetze/Tribsees\nDr. med. S. Griefahn/Jena-Lobeda\nDr. med. E. Grosse/Berlin\nDr. med. Hans Henschel/Berlin\nKurt Herrmann prakt. Arzt/Leipzig\nDr. med. F. Hilpert/Augsburg\nStadtarzt Dr. med. Max Hodann\nDr. med. Holtmann/Hochstadt\nDr. med. E. Holler/Sackisch-Kudowa *\nDr. med. Hose/Warza b. Gotha\nDr. med. H. Hotzel/Sauerlach b. Miinchen\nDr. med. G. Hlibner/Landau i. Pf.\nDr. med. B. Hiiffner/Forst L.\nDr. med. Erich Israel/Dortmund\nDr. med. M. Jungmann/Berlin\nDr. med. L. Kapauner/Leipzig\nDr. med. Kedzierski/Danzig\nDr. med. S. Kirchheimer/Wolfenbuttel\nDr. med. H. Koetter/Goclar\nDr. med. Karl Kollwitz/Berlin\nDr. med. Krause/Neuruppin\nDr. med. W. Kroner/Berlin\nDr. med. Krug/Loerrach\nDr. med. H. Kuschner/Nordhausenn\nDr. med. Lazar/Lotzen i. Ostpr.\nDr. med. Karl Lengfellner/Berlin\nDr. Lester/Sonderborg (Danemark)\nDr. med. Levy/Koln\nMedizinalrat Dr. Lichthorn/Demmin\nDr. med. Lippert/Lindau i. B. ,\nDr. med. R. Loewenstein/Soest^\nDr. med. Fr. Lube/Braunschweig\nDr. med. M. Mannheim/Sorau N:-L,\nDr. med. N. Moscyztz/Freiburg i. Br.\nDr. Moses, M. d. Reichsgesundheitsrats\nARZTEKURATORIUM\nDr. med. R. MiHler/Berlin\nDr. med. J. E. Miiller/Landau i. Pf.\nDr. med. Naundorff/Dresden\nDr. med. Heinz Neu/Diisseldorf\nDr. med. G. Niitzel/Hattersheim\nDr. med. J. Ossenkopp/Hannover\nDr. med. Ostermann/Heidelberg\nDr. med. Pagel/Hamburg-Wandsbek\nGeh. Sanitatsrat Dr. Palmi£/Berlin\nSanitatsrat Dr. Pape/Herford i. W.\nMinisterialrat Dr. med. Otto Popitz\nDr. med. Potthoff/Iserlohn\nDr. med, Fr. Potz/Dusseldorf\nDr. med. L. Preiss/Berlin\nDr. med. Ralhaus/Berlin\nDr. med. Recktenwald/Neunkirchen\nDr. med. G. Riedlin/Freiburg i. Br.\nDr. med. Rocholl/Soest\nDr. med. Otto Rubens/Barmen\nDr. med. Arthur Rydzek/Dortmund\nDr. med. A. F. Samuel/Berlin\nDr. med. R. Schad-Blos/Karlsruhe\nDr. med. Hans-Oskar Schafer/Berlin\nGeneralstabsarzt Dr. H. Scheidl\nDr. med. Otto Schi'd/Dortmund\nDr. med. Schliiter/Wesenberg\nDr. med. H. Schmeidler/Berlin\nDr. med. G. Schmidt/Berlin\nDr. med. R. Schmitz/NeuB a. Rh.\nDr. med. G. Scbnerb/Frankfurt a. M.\nDr. med. Schramm/Gotha\nDr. med. Schroder/Rastatt\nDr. med. K. Schroder/Riesa\nDr. med. H. Schwermann/Schomberg\nDr. med. Frh. v. Seld/Hamburg\nProf. Dr. med. P. Selter/Solingen\nSanitatsrat Dr. Sickin&er/Mainz-Gonsenheim\nDr. med. E. Stehling/Wesenstedt\nDr. med. Stroemer/E^sen\nDr. med. Trchendorf/Me<erane 1. Sa.\nDr. med. Treibmann/Leipzig\nDr. med. Uhlendorf/Abterode^\nDr. med. W. Undeutsch/Leipzig\nDr. med. E. Uterharck/Hamburg^\nDr. med. Hans Vieweg/Grimma i. Sa.\nReichsbahnarzt A. Weber/Rott a. Inn\nDr. med. Rud. Wedel/Berlin\nDr. med. F. Welker/Sommerda i. T.\nDr. med. F. Wertheim/Berlin\nDr. med. E. Winners/Strehla a. d. Elbe\nFrau Dr. med. F. Winners-Langheld\nDr. med. G. Wolf^/Dre«den\nDr. med. W. Wolff/Bre^lau\nDr. med. W. Wiirker/Elbing\nStadtmedizinalrat Dr. Wychgram\nDr. med. R. Zett/Memmingen\nKreistierarzt Anders/Trebnitz i. Schl.\nDr. med. vet. K. Bellers/Overath\nOberstabsveterinar J. Biesterfeldt\nGeheimrat Dr. med. vet. Casparius\nDr. med, vet. A. Deubel/Sigmarintfen\nDr. med. vet. J. A. Hoffmann/Strehlen\nTierarzt Carl Holz/Stellin^en\nDr. med. vet. Kohler/Schierling\nDr. med. vet. Laasch/Templin U.-M.\nUniv.-Prof. Dr. med. vet. Pfei!er/Jena\nOberstabsveterinar Pohl/Neustrelitz\nOberveterinarrat Dr. Probst/Straubmg\nStabsveterinar Reichardt/Halberstadt\nDr. med. vet. v. Sarnowsky/Liebenwerda\nTierarzt Emil Sonntag/Dresden\nmmci Broschiiren kostenlos durdi das Generalsekretariat dmt 1ATI\nBerlin-Wilmersdorf / Hohenzollerndamm 201\nM11 g I i e d s b e i t r a g 2 Mark j S h r I i c h"}]}