{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_sha256": "aeb751266f957294b8dbf1094abf96e48d3cde0d9384fad1f03d2195160e47da", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/07/09_01/bmtnabi_1853-07-09_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-09_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "9", "page_fin": "11", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.2.1", "titre_corps": "Noch Einmal: Was wir wollen.", "titre_sommaire": "Noch Einmal: Was wir wollen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4149, "texte": "Noch Einmal: Was wir wollen.\nII.\nDie ungeheure Verbreitung der Musik, welche in die-\nser Beziehung alle anderen Künste überllügelt, der fabel-\nhafte Fortschritt in der ausführenden Kunst und in dem\nvervollkommneten Bau der Instrumente jeglicher Art\nzwei Dinge, die zu einander im Verhältniss einer stets an-\nregenden Wechselwirkung stehen —, der dadurch erzielte\nReichthum an materiellen Mitteln zur Erreichung musica-\nlischer Wirkungen, in Verbindung mit der Möglichkeit der\nUeberwindung von allem dem, was man sonst Schwierigkei-\nten zu nennen pflegte; dazu die allgemeine Theilnahme an\nden Erscheinungen der Tonkunst unter jeglicher Form,\neine Theilnahme, welche alle möglichen Abstufungen des\nmenschlichen Interesses, von der wahren Liebe und Be-\ngeisterung bis zum leichtsinnigsten Zeitvertreib und der\nBefriedigung selbstsüchtiger Eitelkeit herab, umfasst, und\ndem Geleier der Drehorgel eben so gut seine Freunde ver-\nschafft als den Leistungen eines trefflichen Orchesters und\neiner vorzüglichen Oper; ferner das thatsächliche Musik-\ntreiben, erstens in der ausschliesslichen Beschäftigung mit\nder Kunst, welche im Vergleich zu früheren Zeiten so aus-\nserordentlich zugenommen hat, dass da, wo sonst zehn,\njetzt tausend Musiker auf die Quadratmeile kommen, und\nzweitens in dem Dilettantismus, der in seinem Kreise wie-\nderum alle Stufen von der erbärmlichsten Stümperei bis\nzur künstlerisch vollendeten Leistung reichlich besetzt auf-\nzuweisen hat; endlich die Allgemeinheit des musicalischen\nUnterrichtes als eines fast nothwendigen Theiles der Er-\nziehung und die gegen frühere Zustände sehr erleichterte\nGelegenheit zur Erlernung der Theorie der Musik aus treff-\nlichen Schriften und in guten Lehranstalten dies alles\nhat für die Tonkunst, und unter ähnlichen Bedingungen und\nVerhältnissen auch für die Poesie und Malerei, ein Zeitalter\nheraufgeführt, welches dem Umfange und der Zahl nach so\nerzeugungsfähig ist, wie keine frühere Periode, aber in Be-\nziehung auf Gehalt und wahren Kunstwerth seiner Erzeug-\nnisse eher abgeschwächt als erstarkt zu sein scheint.\nWir gewahren überall den Fortschritt in die Breite;\nan dem Fortschritt in die Tiefe müssen wir stark zweifeln.\nJener, der Fortschritt in die Breite, hat zwei Erschei-\nnungen in der Kunst hervorgebracht, welche die gegenwär-\ntige Periode charakterisiren: die Mittelmässigkeit und\ndie Absonderlichkeit.\nDas Wuchern der Mittelmässigkeit auf dem Boden der\nTonkunst wird mit grossem Unrecht dem Dilettantismus in\ndie Schuhe geschoben, während doch die immer zuneh-\nmende Zahl von Handwerkern unter den Künst-\nlern allein die Schuld trägt. Bei der Wahl des Berufes ist\nheut zu Tage die Musik gleichsam die fünfte Facultät ge-\nworden. Dass der Vater für den Sohn, oder dieser auf seine\neigene Hand, sehr häufig durch allerlei äussere Veranlas-\nsungen und Umstände bewogen, einen Beruf wählt, dieser\nwegen der Apotheke seines Bruders Arzt, jener wegen\neines Familien-Stipendiums Theologe, ein anderer in Aus-\nsicht auf die dreissigjährige Dauer einiger Processe des Va-\nters Rechtsgelehrter wird, das ist was Altes. Vor der Kunst\naber hatte man doch bis vor Kurzem noch eine gewisse\nAchtung, eine Art von heiliger Scheu; wem die Natur nicht\nden sichtbaren Stempel ausserordentlicher Befähigung aul-\ngedrückt hatte, der blieb davon zurück. Jetzt ist aber die\nKunst, und namentlich die Musik, ein Fach geworden, wie\njedes andere nicht nur wissenschaftliche, sondern gewerbs-\nund erwerbsfähige Fach, ein Brod-Studium, ein so genann-\nter Beruf, der eben so ohne Beruf ergriffen wird, wie\nhäufig genug jeder andere. Der Vater entdeckt im Söhn-\nchen oder Töchterchen ein Wohlgefallen an Klang und\nTon, oder gelenkige lange Finger, oder ein richtiges Gehör,\noder ein Bisschen Stimme: wie ein Blitz fährt ihm der\nGedanke durch den Kopf, sein Kind als ein vom Himmel\ngefallenes Capital zu betrachten, das nicht vortheilhafter als\nin Kunst angelegt werden könne. Gedacht, gethan; die\nAbrichtung geht nach allen Regeln vor sich, sie glückt mehr\noder weniger, darauf kommt es uns hier nicht an, aber nach\neinigen Jahren ist der ausübende Künstler, der Techniker,\nder Virtuose meinetwegen, fertig."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4917, "texte": "Aber der Virtuose steht als solcher und bloss als sol-\ncher nicht in dem besten Rufe; er muss auch componi-\nren. Gut! was ist's denn für Hexerei? Er wird zu\neinem Meister in die Lehre geschickt; die Elementar-Gram-\nmatik der Tonkunst ist nicht schwerer zu begreifen als die\ngriechischen Conjugationen und die lateinische Syntax und\ndie Regel de Tri und der pythagorische Lehrsatz und\nsiehe, der neue Kunstjünger lernt componiren. Wie und\nwas: das fragt seine Phantasieen, seine Faultöpfe\nwollte sagen Potpourri's —, seine Nachtständchen, seine\nMazurka's, seine Polka's, seine Carnevals von Venedig, Rom\nund nein, von Köln Gott sei Dank noch nicht.\nKommt nun gar die Lehre der neuesten Schule hinzu,\ndass „wir alle Genie's werden können\" (R. Wagner's\nMittheilungen an seine Freunde, S. 36), so sehe ich gar\nnicht ein, warum ein junger Mensch, der\nda kommt mit allem guten Muth,\nleidlichem Geld und frischem Klüt,\ndiese interessante Laufbahn nicht machen soll. Es kommt\nja nur auf einen Versuch an!\nDieser Versuch kostet dem Componisten etwas Dinte\nund Papier, dem Musik-Verleger einige Zinkplatten und\netwas Druckerschwärze, den Neugierigen im Publicum\netwas Geld und viel Aerger. Das ist Alles, und die Com-\npositionen werden „eingetragen in das Vereins-Archiv\",\nwo sie den Motten und Milben verfallen.\nFerner ist unsere ganze Erziehung und unsere Bildung\ndurch Schule und Leben der Gegenwart dazu geeignet, ein\ngewisses Talent für Kunst überhaupt, und besonders für\nMusik, wenn auch nicht geradezu zu erzeugen, doch mehr,\nals dies sonst der Fall war, aus dem Schlummer unent-\nwickelter Anlage zu wecken, durch allerlei äussere Mittel\nzu nähren und bis auf einen gewissen Punct zu treiben, auf\nwelchem es wenigstens ohne Verletzung der Form erzeu-\ngungsfähig wird. Ob das die Wirkung der Wagner'schen\n„communistischen Kraft\" sei, welche „in ihrer einzig er-\nmöglichenden Wirksamkeit (?) die individuelle Kraft, die\nwir blödsinnig bisher mit der Bezeichnung Genie er-\ngründet zu haben glaubten, als solche in sich schliesst\",\nwage ich nicht zu bestimmen.\n>\nEtwas Wahres liegt aber in diesem Wortkram, nur\nfreilich in ganz anderem Sinne, als Wagner es gemeint.\nAllerdings ist ein gewisses Talent in der Kunst zum Ge-\nmeingut geworden, was wir aber gerade für den Tod des\nGenie's halten, nicht für dessen Erzeugung und Belebung.\nDas ist das Talent der Technik im weitesten Sinne, wozu\ndie Gewandtheit in der Form, die Fertigkeit in der Mache\ngehört.\nDas Bewusstsein eines gewissen Form-Talentes, oder\nauch nur die gewissenhaft erlernte Bekanntschaft mit den\nFormen, das Bewandertsein in denselben und die Leichtig-\nkeit, sich darin zu bewegen, welche auch bei mangelnder\nAnlage zu künstlerischer Schöpfung durch Fleiss und Uebung\nerlangt werden kann, und durch vieles Hören und Selbst-\nmusikmachen genährt und entwickelt wird dieses Be-\nwusstsein drängt nicht, sondern verführt zur Composi-\ntion, und an die Stelle des inneren Dranges der Empfin-\ndung, des unwillkürlichen Zwanges zum künstlerischen\nSchaffen tritt ein willkürlicher Vorsatz, ein Wollen, einEnt-\nschluss. Die lebendige göttliche Flamme soll ein nach lan-\ngen und mühsamen Versuchen aus Stein geschlagener Funke\nersetzen; anstatt den Strömen der Begeisterung, die in der\nBrust sieden, eine Pforte zu öffnen, wird ein artesischer\nBrunnen gebohrt, der, wenn es glückt, endlich ein dünnes\nStrählchen Wasser hergibt, und auch dies nur periodisch.\nStatt des ewigen Dranges des Genius, der nicht ruhen und\nrasten kann, bis er sein Kunstgebilde gestaltet hat, wie\nRaphael, wie Mozart, wie Beethoven uns ihr Schaffen selbst\nschildern, treibt der Kitzel der Eitelkeit, die Bekanntschaft\nmit dem Handwerk, am Ende der Hunger und die Bedürf-\nnisse des Lebens zum Schreiben.\nDaher die Fluth der Mittelmässigkeit, welche das Land\nder Tonkunst überschwemmt. Ihre Erzeugnisse haben wohl,\nwas wir gar nicht läugnen wollen, eine Art von musicali-\nschem Inhalt allein er besteht in nichts als in Wieder-\nerzeugtem, er ist nichts als die Frucht der zum Theil be-\nwussten, grossentheils jedoch unbewussten Ausbeutung der\nEmpfindungen und Ausdrucksweisen der früheren Ton-\ndichter. Bekannte Melodieen harmonisiren die Tages-Com-\nponisten anders, bringen sie in anderem Rhythmus und mit\nanderen Modulationen wieder vor, umschlingen sie mit den\nbunten Blumengewinden der neueren Verzierungskunst,\nstreuen die Blüthen und Glanzperlen der vollendeten Tech-\nnik darüber allein es sind doch nichts als die alten Ge-\nstalten in veränderter Tracht und in neumodischer Frisur.\nSo haben wir denn eine zahllose Menge von Tonsetzern,\naber sehr wenig Tondichter.\nDie besseren, mit wirklichem Talente begabten Musi-\nker fühlten diesen Jammer und wandten sich mit Unwillen\ndavon ab; aber der Ekel, den sie bei jenem ewigen Wie-\nderkäuen empfanden, machte sie krank und trübte ihren\nBlick für das Vorhandene überhaupt. Ihre Losung wurde\ndas Neue, das noch nicht Gehörte, wenn es sich auch zum"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 508, "texte": "Unerhörten steigern sollte; und indem sie sich vor der Mit-\ntelmässigkeit retteten, verfielen sie der Absonderlich-\nkeit. Wir haben diese Richtung, deren Koryphäen Robert\nSchumann (besonders in seinen letzten Werken), Hektor\nBerlioz und Richard Wagner sind, schon so häufig in der\nRheinischen Musik-Zeitung geschildert und bekämpft, dass\nwir uns hier um so eher kurz darüber aussprechen können,\nals uns die Folge oft genug Gelegenheit bieten wird, in\ndiesen Blättern darauf zurück zu kommen.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-09_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "11", "page_fin": "12", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.2.2", "titre_corps": "Die Einweihung des Denkmals von Orlandus Lassus in Mons.", "titre_sommaire": "Die Einweihung des Denkmals von Orlandus Lassus in Mons.", "signature_source": "K", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.3", "debut_caractere": 510, "fin_caractere_exclue": 4993, "texte": "Die Einweihung des Denkmals von Orlandus Lassus\nin Mons.\n\nSie haben am Niederrhein Ihr Beethoven-Denkmal in\nBonn, und wer denkt nicht noch mit Begeisterung an jenes\ndreitägige Fest, wodurch die Enthüllung desselben gefeiert\nwurde, an jene Augusltage im Jahre 1845, wo Bonn der\nVersammlungsort von Königen und Fürsten aller Art war,\nd. h. sowohl von solchen, welche die Völker von Thronen\nherab beherrschen, als solchen, welche mit Tönen die Ge-\nfühle der Menschen regieren! Und dennoch fand dieses herr-\nliche Fest und die Anordnungen bei demselben seine Tad-\nler, und die Mühe und Aufopferung der Leitenden wurde\nvon vielen Seiten mit Undankbarkeit belohnt! Was würden\ndiese Niezufriedenen gesagt haben, wenn sie der Einweihung\ndes Denkmals von Lassus in dessen Geburtsstadt Möns im\nvorigen Monat beigewohnt hätten ? Das war eine zu merk-\nwürdige Festlichkeit, als dass ich Ihnen nicht darüber be-\nrichten müsste, da ich mit meinem Freunde S t. von Lille\nhinüber gegangen war, um dabei zu sein.\nSie werden vielleicht sagen: „Lassus und Beethoven\ndas ist auch ein Unterschied. Jener liegt uns, bei all\nseinen grossen Verdiensten, zu fern, um allgemein zu in-\nteressiren.\" Gut—musste man nicht eben desshalb, wenn\nman ihm eine Bildsäule errichtet und diese feierlich ent-\nhüllt, dieser Feier vor Allem einen ernsten musicalischen\nCharakter geben und ihr von aussen zu Hülfe kommen\ndurch ein Musikfest mit zweckmässigem Programm, welches\ndie Musiker vom Fach und die gebildete Welt veranlasst\nhätte, an der Erinnerungsfeier zu Ehren eines der grössten\nComponistenTheil zu nehmen? Wenn je ein Musiker einen\nausgebreiteten Ruf bei seinem Leben hatte, so war es Las-\nsus (1520 —1594), der in den Niederlanden, in Italien,\nDeutschland, Frankreich und England gekannt, geliebt, ge-\npriesen und gefeiert wurde. In allen damals blühenden\nGattungen der Tonkunst galt er als Meister, seine Frucht-\nbarkeit war fabelhalt. Seine Werke wurden in Venedig,\nRom, Paris, Lyon, Antwerpen, Löwen, München, Nürnberg\ngedruckt, z. B. eine Sammlung von Motetten als Magnum\nOpus musicum in 1 7 Foliobänden; und in den Bibliothe-\nken und kirchlichen Archiven, namentlich zu Rom und\nMünchen, liegen noch eine Menge von Handschriften von\nihm, z. B. in München die „Sieben Busspsalmen\" in 4\nFoliobänden, auf Pergament geschrieben, jeder Band mit\n6 Pfund Silber beschlagen, jeder mit 2 silbernen vergol-\ndeten Schlössern versehen, und durchweg mit kunstvollen\nMiniaturmalereien geziert.\nWollte also die Stadt Möns den europäischen Ruhm\ndes vaterländischen Künstlers feiern, welcher der Gipfel-\npunct der nationalen Schule war, so musste sie, wenn auch\nnicht Europa, doch wenigstens die angränzenden Länder\nDeutschland und Frankreich dafür zu interessiren wissen,\nund vor allen doch wohl Belgien, doch wenigstens die Nie-\nderlande selbst. Aber daran hatte man nicht gedacht. We-\nder die musicalischen Institute Belgiens waren bei der Feier\nvertreten, noch die Berühmtheiten des Landes eingeladen;\ndie Akademie der Künste in Brüssel und selbst ihre mu-\nsicalische Section erfuhr die Sache erst durch die Zeitungen.\nUnd dennoch regte sich am Morgen des festlichen Ta-\nges ein ganz ausserordentliches Leben in Möns, welches die\nheiter strahlende Sonne begünstigte, was bei solchen Gele-\ngenheiten stets eine erfreuliche Sache ist, um so mehr, als\ndiese Beleuchtung nichts kostet. Es wogte und drängte\nsich durch die Strassen, allerlei Jubelruf erschallte, man\nsah nur geputzte Damen und Herren, selbst die niedrigste\nVolksciasse war sonntäglich aufstaffirt und die Stadt so\nvoll im Hennegau wohnen 10,000 Menschen auf der\nQuadratmeile —, dass wir unsere Freude an dieser alle\nErwartungen übersteigenden Theilnahme gegen einige Bür-\nger äusserten. „ Ei! erhielten wir zur Antwort wis-\nsen denn die Herren nicht, dass die Monser Frühjahrskir-\nmess die berühmteste im Lande ist?\" Da war uns das\nRäthsel gelös't. Das Nationalfest galt ganz anderen Dingen,\nals dem Koryphäen der Tonkunst in den Niederlanden;\ndas Ballschlagen, das Armbrustschiessen, die Eselwettren-\nnen, die Waflefbuden hatten die Menge herbei gezogen,\nnicht der zu erwartende Memnonsklang der ehernen Bild-\nsäule des Lassus. Der Stadtrath hatte den grossen Gedan-\nken gehabt, den alten Tonmeister auf die Kirmess zu brin-\ngen eine treffliche Speculation, denn nun machten sich\nja die Festlichkeiten von selbst, und man hatte nichts zu\nthun, als die Carrousels, die Vogelschiessen u. s. w. auf das\nProgramm zu setzen. Die eigentliche Feier der Einweihung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3616, "texte": "war in jeder Hinsicht kleinstädtisch, und der musicalische\nTheil derselben zeigte in sehr auffallender Weise, wie weit\nBelgien im Allgemeinen, trotz der einzelnen bedeutenden\nKünstler, die es besitzt, noch in der Würdigung der Musik,\nin der technischen Ausführung und in der wahren Empfäng-\nlichkeit für das Schöne in der Tonkunst zurück ist.\nUm 11 Uhr wurde die Messe coup von Las-\nsus, nicht etwa im Dom, oder in der Nikolauskirche, wo\nLassus einst Chorknabe war, sondern in einer kleinen, we-\nnig für eine solche öffentliche Feierlichkeit geeigneten Kirche\naufgeführt, nicht a capella, wie sie geschrieben ist, sondern\ndurchweg mit Orgelbegleitung, überhaupt aber zurecht ge-\nmacht und mit neuem Anstrich eine wahre Schmach,\nzumal bei dieser Gelegenheit versehen. Dabei war die\nKirche sehr leer; die Civil- und Militär-Behörden waren zu-\ngegen, und das Hauptschiff war den so genannten Honora-\ntioren gegen Eintrittsgeld vorbehalten; sie hatten aber eben\nkeinen Missbrauch von diesem Vorrechte gemacht. Das Yoik\nkonnte umsonst in den Seitenschiffen Platz finden es\nwar aber mehr Platz als Volk da.\nNach der Messe ordnete sich der Zug nach dem öf-\nfentlichen Garten an dem Platze, wo das Denkmal steht.\nMan hatte mehrere Musikbanden der Stadt und Umgegend\nheran gezogen, die denn während des Zuges abwechselnd\nMärsche und Contretänze spielten. Ach, wär' es bei\ndiesen bescheidenen Aeusserungen ihrer Kunst und ihres\nGeschmackes geblieben! Allein am Denkmal angekommen,\nvertheilten sich diese verschiedenen Chöre von Blasinstru-\nmenten mit Blech und grosser Trommel rings um den Gar-\nten und Hessen alle zugleich ihre Prachtslücke in aller-\nlei Tonarten durch einander schmettern. Nun, neu war\nallerdings diese Art der Ehrenbezeigung für einen Compo-\nnisten, und jeder, der den Meister nur einiger Massen zu\nschätzen wusste, pries ihn in diesem Augenblicke glücklich,\ndass er von Erz war und taub für diese Huldigung, welche\nOhren und Eingeweide der Lebenden unbarmherzig zerriss\nund zerschnitt. Endlich brachten die Kanonen diese Katzen-\nmusik zum Schweigen und den Bürgermeister zum Reden,\nder so gut oder so schlecht sprach, wie seine amtliche Stel-\nlung es ihm, einem Künstler gegenüber, erlaubte. Nach ei-\nnigen weiteren rhetorischen Blüthen Anderer, deren Duft\nuns entging, weil sie in den Wind sprachen, sang die Lie-\ndertafel Roland de Latlre ein Gelegenheitsstück, das recht\nhübsch kurz war.\nDas Standbild selbst hat mich nicht befriedigt. Der\nKopf ist schön, der Ausdruck der Gesichtszüge ist edel und\nvoll Begeisterung. Aber die Stellung ist gezwungen: die\neine Hand ruht auf dem Manual einer Orgel, die andere\nist erhoben, als hätte sie so eben einen Griff darauf gethan.\nDazu kommt das gewählte Costume, die Hoftracht. Hat\nder Künstler dadurch andeuten wollen, dass Lassus Hof-\nCapellmeister beim Herzog Albert von Baiern war? Mit\nRecht nennt die Inschrift des Denkmals den Künstler Or-\nlandus Lassus,und setzt in Klammern hinzu, weil\nder Beweis, dass dieses die ursprüngliche Form des Na-\nmens sei, durchaus noch nicht genügend geführt ist.\nUm doch etwas zu thun, das den Anschein eines Mu-\nsikfestes hätte, hatte der Stadtrath zwei Concurse ausge-\nschrieben, einen für Gesang, einen für Harmonie-Musik. Von\nkünstlerischen Zwecken und künstlerischem Interesse kann\nbei solchen Wettstreiten, wo es sich im Grunde nur um\ndie Eitelkeit dreht, nicht die Rede sein. Allein sie kosten\nder Stadt nichts, als höchstens einige Medaillen, und die\nSieger wie die Besiegten sind den Gast- und Schenkwirthen\nwillkommen; denn Freude und Trost schöpfen Beide aus\nEinem Brunnen, dem edlen Gersten- oder Rebensaft.\n\nK."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-09_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "12", "page_fin": "13", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.2.3", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "E. Dr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.4", "debut_caractere": 3618, "fin_caractere_exclue": 5741, "texte": "Aus München.\n\nEnde Juni 1853.\nWenn sonst das Frühjahr, der Mai, sonnig und wonnig, duftig\nund luftig, glühend und blühend heran nahte, da raffte sich der\nConcert-lleferent mit neuer Kraft empor, weit von sich schleu-\nderte er die Blätter, worin er über Wunderkinder, über Fort-\nschrittsmänner, über zum Himmel auffliegende Genie's, über musi-\ncalischcs Wissen und Nichtwissen sein gewichtiges Urtheil nieder-\ngelegt hatte, cntrunzelte seine Stirn, dankte dem Schöpfer, dass die\ngewaltige Concert-Saison vorbei, und schloss sich, ein neues Wesen,\ndem leichtbeflügelten Tross der Poeten an, welche der Lenz mit\nseinen Freuden neu belebte. Doch jetzt leider ist es anders gewor-\nden; die Natur, nicht allein dass sie uns die schönen Tage, die\nuns sonst das Frühjahr bot, verkümmert, leistet noch dem Con-\ncert-Wcsen oder Unwesen, wie es gerade zu nehmen ist, Vorschub,\nso dass wir Ende Mai Concerte zu besuchen gezwungen waren.\nSoll ich Ihnen nun bloss über das letzte Concert, welches am\n30. Mai hier Statt fand, berichten? Das würde sich kaum der Mühe\nlohnen. Ich will Ihnen lieber eine gedrängte Uebersicht, eine\nArt Panorama unserer musicalischen Zustände vorführen, wie sie\nsich in der diesjährigen Saison der Reihe nach folgten.\nBei unserem Opern-Personale muss ich natürlich mit den Da-\nmen beginnen, Frau Palm-Spatzer (dramatisch), mit ziemlich\nverbrauchten Stimm-Mitteln, bringt dann und wann durch kluge\nBehandlung derselben manch hübschen Effect hervor. Fräulein\nRettich (Coloratur), schon seit Jahren als Bravour-Sängerin be-\nkannt, leistet noch recht Arerdienstliches und hat nur das eine Un-\nangenehme, öfters zu distoniren. Fräulein Hefner (lyrisch), eine\nstrebsame und talentvolle Sängerin, welche zwar eine schwache,\naber recht angenehme Stimme besitzt, entspricht grösstentheils den\nAnforderungen ihrer Partieen. Frau Diez (Soubrette), die verwend-\nbarste Sängerin unserer Bühne, die heute die Adalgisa, morgen die\nRegimentstochter, nächstens wieder in einer Localposse singt, bietet\nüberall höchst Anerkcnnungswerthes. Fräulein Stanke (Alt) ist\neigentlich gar nicht zu rechnen, da sie weder Alt noch Sopran,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5172, "texte": "und fast immer falsch singt. Für zweite und dritte Partieen haben\nwir gar keine Sängerin: diese werden mit Choristinnen besetzt.\nWas für einen schmählichen Eindruck oft solch ein Gekreische\n(denn Singen kann man es nicht nennen) macht, können Sic Sich\nwohl leicht versinnlichen. Hr. Härtinger (Helden-lenor) weiss\ndurch wirklich künstlerisch durchdachten A ortrag die Abnahme\nseiner Stimme zu decken und in der grossen Oper noch glänzende\nErfolge zu erzielen. Hr. Brandes (lyrischer Tenor), mit einer\nsehr schönen Stimme, könnte sehr Verdienstliches leisten, wenn er\nmehr Fleiss auf deren Ausbildung verwenden würde. Dann und\nwann führt er eine Partie sehr gut durch; leidet, dass dies so sel-\nten geschieht! Ausser diesen beiden Herren ist ein neuer Tenor,\nHr. Gr i mm in g er, Schüler des hier lebenden, ehemals sehr be-\nliebten, jetzt pensionirten Hof-Opernsängers Beyer, an unserem\nThcaterhimmel erschienen und debutirte als Arthur in den „Puri-\ntanern\" und als Joseph in „Jakob und seine Söhne\" mit dem glän-\nzendsten Erfolge. Der junge Mann vereinigt aber auch mit einer\nherrlichen, klangvollen Stimme einen schönen, edlen Vortrag, so\nwie die beste Methode. Möge der dem jungen Künstler gespendete\nWeihrauch ihn von der rechten Bahn nicht ablenken' Hr. Hoppe\n(zweiter Tenor) thut sein Möglichstes, nichts zu verderben. Hi.\nKindermann (Bariton), im Besitze einer kräftigen, klangvollen\nStimme, ist leider ganz Natursänger; auch ist sein Spiel höchst or-\ndinär und in komischen Partieen bis zum Ekel läppisch. Hr. Kre-\nmenz (erster Bass) mit kolossalen Stimm-Mitteln, welche aber noch\neiner bedeutenden Feile bedürfen. Hr. Alfeld (zweiter Bass) ver-\nbindet mit einer ganz unbiegsamen, klanglosen Stimme ein so höl-\nzernes, eckiges Spiel, dass man bei seinem Anblicke an Marionet-\nten erinnert wird; übrigens ist er lleissig. Hr. Sigl (Buffo), das\nPendant zur Frau Diez, leistet sowohl als Schauspieler wie als\nSänger immer Vorzüglichstes. ?soch Muss ich Herrn Pellegrini\n(Bass), eine Ruine der ehemaligen hiesigen italiänischen Oper, er-\nwähnen. Wenn er die Bühne betritt, was manchmal geschieht, em-\npfängt das Publicum, in seliger Rückerinnerung einstiger trefflicher\nLeistungen, seinen alt gewordenen Liebling, der an körperlichem\nUmfange Lablache weit übertrifft, mit lautem Beifall.\nSie kennen nun unser Opern-Personal und können daher leicht\nermessen, wie und auf welche Weise die Opern uns \\orgcführt\nwerden. Uebrigens ist unser Repertoire gut undumfasst die Schöpfun-\ngen von Beethoven, Mozart, Gretry, Mehul, Weber, Spontini, Che-\nrubini, Gluck, Marschner, Meyerbeer, Bellini, Verdi, Auber, Ha-\nlevy, Lachner etc. Neu hörten wir in diesem Winter „Traum einer\nSommernacht\" von Thomas. Ich muss offen gestehen, dergleichen\nOpern darf man nur in der Opera comique in Paris selbst hören,\nwo eine Lefebre, Duprez, ein Bataille, Couderc u. s. w. so ein\nherrliches Ganzes bilden, dass wir uns wirklich in eine Sommer-\nnacht versetzt glauben, wo all dieser tolle Liebesspuk sich zutiägt.\nBei uns klingt diese Musik fad, leer und langweilig, weil man nichts\nfür dieselbe thut. Arien, die mit halber Stimme vorzutragen sind,\nwerden geschrieen; anstatt gescherzt und getändelt wird gepolteit\nund plump gespasst; kurz, jeder Sänger singt für sich, das Orchester\nspielt für sich, und auf diese W eise können dergleichen Opern kein\nGlück in Deutschland machen. Sie wurde dreimal nur bei sehr\nschwach besuchtem Hause gegeben. Als zweite neue Oper beka-\nmen wir die Schöpfung eines einheimischen latentes, Herin Baion\nv. Per fall, die grosse romantische Oper „Sakontala\", zu Gehör.\nDer Text, nach dem indischen Drama bearbeitet, ebenfalls von ei-\nnem münchener Talente, Herrn 1 eichlein, ist weder I)risch noch\nromantisch und wenig zur Composition geeignet. In der Musik fin-\nden wir keine Melodie, keinen Rhythmus, keinen Zusammenhang,\ndie Instrumente irren plan- und sinnlos einher, der Componist fängt\nan, es wird gespielt, es wird gesungen, er endiget auch wieder,\nund man weiss bei allem nicht, warum. Kurz, es ist ein Chaos,\nein Unsinn. Man könnte Herrn Baron v. Perfall einen Fortschritts-\nmann nennen, wenn noch Originalität in diesem Gallimathias wäre;\ndoch so klammert er sich zuweilen so fest an Meyerbeer und Men-\ndelssohn an, dass wir diese Meister, zwar sehr verstümmelt, zu ver-\nnehmen glauben. Die Oper erlebte zwei Vorstellungen; beider er-\nsten war das Haus gedrängt voll, und was glauben Sie, dass zuerst\napplaudirt wurde? Die wundervoll schönen Decorationen, mit wel-\nchen die Intendanz das einheimische Werk schmückte. Das Publi-\ncum war völlig erstarrt, als es die Musik vernahm, es wagte nicht,\nobwohl es fast zur Hälfte aus Freunden der beiden Talente be-\nstand, ein Beifallszeichen von sich zu geben. Am Ende des zwei-\nten Actes, wo Meyerbeer dem Componisten bedeutend unter die\nArme gegriffen und die Sänger alle ihre Kräfte aufboten, wurde\nHerr Baron v. Perfall mit denselben gerufen. Bei der zweiten Vor-\nstellung wurde die Oper unter den lautesten Missfallens-Bezeugun-\ngen zu Grabe getragen. Möge sie für ewig im Theater-Archiv ruhen;\nihr Geist wird uns nicht beunruhigen. Nächstens über unsere\nTheatergäste, Concerte und Conservatorium.\n\nE. Dr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-09_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "13", "page_fin": "14", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.2.4", "titre_corps": "Richard Wagner’s Lohengrin in Wiesbaden.", "titre_sommaire": "Richard Wagner’s Lohengrin in Wiesbaden.", "signature_source": "L. 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Denn ein Wagniss kann man es allerdings nennen,\neine Oper zu geben, welche von Seiten aller dabei wirkenden Sän-\nger eine grosse Hingebung an die Sache und von Seiten des Or-\nchesters eine Masse von Instrumenten und eine Ausdauer fordert,\nwelche das gewöhnliche Maass überschreiten. Ehre desshalb vor\nAllem dem wackeren Dirigenten, dessen persönlichen Eigenschaften\nes gelungen ist, alle Mitwirkenden für ein solches \\\\ erk zu in-\nteressiren und die immer doch nur geringen Kräfte einer Bühne\nzweiten Ranges so zusammen zu halten und zu steigern, dass sie\nuns im Allgemeinen ein gelungenes Bild des neuen Kunstwerkes\ngeben konnten. Aber auch Ehre den sämmtlichen Darstellern in\nden Hauptrollen und im Chor ; denn diese Musik nur auswendig\nzu lernen, erfordert schon einen Eifer und eine Resignation, wie\nman sie selten finden dürfte.\nAuch die Scenerie und Ausstattung, die Decorationen und die\nCostume waren recht befriedigend, zum Theil glänzend; mit Einem\nWorte: es war alles gethan, was die Verhältnisse gestatteten, und\nmehr, als man erwarten konnte. Das Orchester ist sehr gut in\nWiesbaden. Natürlich erfordert die gewaltige Instrumentirung, die\nstarke Besetzung der llolz-Blasinstrumente, das fast nie ruhende\nDröhnen des Messings und der Pauken im Lohengrin eine stärkere\nBesetzung der Saiten-Instrumente, namentlich der \\ iolinen; aber\ndie zwölf Violinisten, welche da waren, leisteten Vortreflliches.\nAn die Hauptdarsteller den höchsten Maassstab der Kritik zu\nlegen, würde eine offenbare Ungerechtigkeit sein. Verhältnissmässig\nhaben die Herren Peretti (Tenor Lohengrin) und Minetti\n(Bariton - Telramund), die Damen Storck (Elsa) und Grimm\n(Ortrud) Vorzügliches geleistet, und auch Hr. Schiffbenker\n(Bass) hat aus dem König Heinrich gemacht, was sich aus dieser\nhölzernen Figur machen lässt. Auch der Chor, namentlich der\nMännerchor oder, um mit Wagner zu reden, der Chor der Man-\nnen, war recht brav. In der Scenerie müssen wir nur tadeln, dass\nder dritte Aufzug in zwei Acte zertheilt wurde, was den Eindruck\nausserordentlich schwächt; wir wissen freilich, dass das Anlegen\nder Rüstung für den Darsteller des Lohengrin Zeit erfordert, allein"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1205, "texte": "sie scheint doch auch durch die Märsche und Chöre, welche in der\nletzten Scene seinem Wiederauftreten vorangehen, genügend gegeben.\nDas Haus war voll, jedoch nicht übermässig; viele Fremde wa-\nren zugegen, welche die Aufführung allein herbeigezogen hatte.\nAuch wir waren der freundlichen Einladung des Herrn Capell-\nmeisters Schindelmeisser gern gefolgt, und freuten uns, endlich\neine Gelegenheit zu finden, die Eindrücke, welche die Einsicht der\nPartitur auf uns gemacht halte, verlebendigen und unsere Ansicht\nüber die Wagner'sche Dramen-Musik durch Schauen und Hören\nwieder einmal prüfen, bestätigen oder berichtigen zu können. Wir\nwerden das Ergebniss dieser Prüfung in einigen ausführ-\nlicheren Artikeln über den Lohengrin in den folgenden\nNummern niederlegen.\nDas Publicum nahm die Oper bei Weitem nicht mit der W arme\nauf, wie den Tannhäuser im vorigen Herbste. Zwar wurden der\nDirigent und das ganze Personal schon nach dem ersten Acte und\nauch am Schlüsse gerufen, und sie hatten diese Anerkennung\nwahrlich verdient; allein eine wirklich begeisterte Stimmung war\nnicht vorhanden ein grosser Theil der Zuhörer fühlte sich im\nGee;entheil mehr gedrückt und betäubt, als aufgeregt und erhoben.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-09_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "14", "page_fin": "14", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.2.5", "titre_corps": "Concert des Mäimergesang-Vereins.", "titre_sommaire": "Concert des Mäimergesang-Vereins.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.6", "debut_caractere": 1207, "fin_caractere_exclue": 7359, "texte": "Concert des Mäimergesang-Vereins.\nKöln, den 29. Juni.\nEs war natürlich, dass ganz Köln begierig war, den Gesang je-\nner achtzig Mitbürger, welche das stolze Britannien mit Tönen be-\nzwungen hatten, kurz nach ihrer Fvückkehr von der ruhmvollen\nFahrt einmal wieder zuhören und eine Gelegenheit zu finden, auch\ndie Anerkennung der Vaterstadt an die Huldigungen zu reihen,\nwelche ihnen jenseit des Meeres geworden. So war es denn ganz\nin der Ordnung, dass der Vorstand des Männergesang- Vereins die-\nsem allgemeinen Wunsche entgegen kam und ein Concert, dessen\nErtrag, wie immer, zu wohlthatigen Zwecken bestimmt war, veran-\nstaltete. Es war wohl von 2000 Zuhörern und darüber besucht\nund mag trotz der mit Recht massig gestellten Preise zu\n15 und 10 Sgr. an 7—Boo Thlr. aufgebracht haben. Der Ver-\nein und insbesondere sein Dirigent, Hr. Musik-Director F. Weber,\nwurde mit Zuruf und Aufstehen der ganzen Zuhörerschaft empfangen.\nDer Verein sang zwölf Lieder: C. M. von Webers Schöne\nAhnung und Schwertlied Mendels s oh n's Wasserfahrt und\nder frohe Wandersmann Rücke n's junge Musicanten und Nor-\nmannssang Silcher's schwäbisches Volkslied: „Jetzt gang ians\nBrünnele\" F. Ries' Trallerlied Becker's Kirchlein\nHärtels „Mein\" Hillers Quintett mit Sopran: „Die Lerchen''\nund statt der angekündigten spanischen Canzonetta von C. G.\nReichardt Zöllners Doppelständchen. Es erregte allgemeines Be-\ndauern, dass Hr. DuMont-Fier, welcher mit der Reichardt'schen\nCanzonetta so ausserordentliches Glück in London gemacht hatte,\ndurch Unwohlsein verhindert war, uns den erwarteten Genuss zu\nbereiten.\nWir können nach diesen Vorträgen nur wiederholen, was wir\naus vollem Herzen über die Leistungen des Vereins bereits bei\nGelegenheit des letzten Concertes desselben vor seiner Abreise ge-\nsagt haben (Rhein. Mus.-Z. 111. Nr. 146 v. 16. April d. J.). Wir\nfügen nur noch hinzu, dass die Einheit des Vortrages durch die\nlondoner Proben und Concerte noch gewonnen hat; wir haben in\nder That eine solche Unterordnung des Einzelnen unter das Ganze,\noder, richtiger gesagt, ein solches Aufgehen der verschiedensten\nStimmgepräge in die jedes Mal erforderliche Klangfarbe\ndes Ganzen bis jetzt kaum für möglich gehalten, und es ist keine\nFrage, dass gerade dadurch, bei so künstlerischer Vollendung, wie\nsie der kölner Verein jetzt erreicht hat, der vierstipimige Männer-\ngesang im Chor einen ganz eigentümlichen Reiz erhält, welcher\nin dieser Art schwerlich von dem von Männern und Frauen ge-\nmischten Chor erreicht werden dürfte. Woran das liegt, wüsste ich\nfreilich nicht genau zu sagen, und doch kann ich es mir erklären.\nZu einem solchen Vortrage, zu einer solchen Einheit ist eine, we-\nnigstens für den Augenblick der Kunstleistung, gleiche Seelenstim-\nmung nothwendig, ein Sichhingeben nicht nur an die Kunst, son-\ndern auch an die Kunstgenossenschaft, damit die Empfindung wie\naus Einem Herzen ausströme. Aber das wird beim gemischten\nChor durch so mancherlei gehindert, was zum Theil in der Natur,\nzum grösseren Theil in der Sitte oder Etiquette u.s.w. liegt, wäh-\nrend die Jünglinge und Männer viel leichter die Worte des Dichters:\nLass mich Deine Hand ergreifen,\nBruderherz, auf Du und Du!\nzur Wahrheit machen, zumal wenn sie von Tönen getragen werden,\nwie in dem Mendelssohn'schen Liede, aus welchem sie genom-\nmen sind.\nUnter den im Concert gegebenen Liedern müssen wir die Vor-\nträge der „Wasserfahrt\", des „Trallerlieds\", des „Kirchleins\", der\n„jungen Musicanten\", des „frohen Wandersmanns\" und des Volks-\nliedes „Jetzt gang i an s Brünnele\" auszeichnen. Wer den letz-\nten Vers dieses Volksliedes in dem Pianissimo gehört hat, wel-\nches auf das Piano des vorletzten wie der sanfte Hauch eines da-\nhinsterbenden Echo's verhallte, und darin verschwebte wie der\nletzte Duft der „drei Röselein\" und wie eine Thräne zu dem\n„Jetzt weiss i nit, lebt mein Schatz\nOder ist er todt —,\"\nder wird gern alles unterschreiben, was wir oben gesagt haben.\nUnd welche Lehre liegt in diesem einfachen Liede für die Gesangs-\nComponisten! Man vergleiche damit einmal die fade Composition\nvon Härtel über das reizende „Mein\" von W. Müller; dort im\nSilcher'schen Volksliede Alles Herz und Liebe, hier Alles Ziererei\nund sentimentale Coquetterie, abgesehen von der ganzen Auffassung\ndes Gedichtes, die in ihrer Verkehrtheit ans Lächerliche streift.\nWenn der ehrenwerthe Verein seinem Sinnspruch: „Durch das\nSchöne stets das Gute\", treu bleibt, so wird er es uns auch nicht\nverargen, dass wir an dem unsrigen: „Bei dem Schönen stets das\nWahre\", festhalten. Wir dürfen desshalb nicht verschweigen, dass\nKückens „Normannssang\" viel zu schnell gesungen wurde und dass\ndie Auffassung des „Schwertliedes\" von C. M. v. Weber wider den\nGeist des Gedichtes und der Composition und wider alle Tradition\nstreitet. Dieses Lied erfordert eine gleichmässige, durchweg majestä-\ntische Bewegung, die dem kräftigen Rhythmus sein Recht gewähre\neinen dreimaligen Wechsel des Tempo's können diese acht un-\nsterblichen Tacte nicht vertragen.\nAusser dem Männergesang-Verein hörten wir noch Fräulein\nBertha Wals eck in der grossen Sopran-Arie aus Rossini's Se-\nmiramis und in der Sopran-Partie in Hiller's Quintett „Die Ler-\nchen\". Frl. W. hat eine ziemlich volltönende Stimme, welche je-\ndoch, wie es uns schien, gegen ihren früheren Klang nicht gewon-\nnen hat. Dagegen hat die junge Künstlerin die letzten Jahre sehr\neifrig angewendet, um sich in der Coloratur, dem Triller u. s. w.\nzu vervollkommnen, und hat darin sehr grosse Fortschritte gemacht.\nIndess sind diese noch nicht so bedeutend, dass die Sängerin die\nschwierigen Aufgaben, welche Rossini in dem gewählten Stücke\ngestellt hat, künstlerisch bewältigen könnte; so lange das aber nicht\nganz gelingt, thut man immer besser, mit dergleichen Studien noch\nnicht öffentlich aufzutreten. Wir zweifeln jedoch nicht, dass Frl.\nWalseck bei fortgesetztem Streben mit so anerkennungswerthem\nFleisse als Künstlerin eine Zukunft haben wird. Die Figaro-\nOuverture, von Ed. Frank für Pianoforte gesetzt und gespielt, und\ndie Concertante für zwei Violinen von Kalliwoda, ausgeführt von\nFr. Hartmann und Th. Pixis, waren willkommene Zugaben zu\ndem Sänger-Concert. __"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-09-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-09_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-07-09_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "15", "page_fin": "16", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6686, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin. Roger ist bei seiner diesjährigen Triumphreise\ndurch Deutschland zuerst in Breslau aufgetreten, natürlich mit\nungeheurem Erfolg. Von da ist er über Berlin nach Stettin ge-\ngangen. In Berlin wollte er nur als George Brown in der weis-\nsen Dame auftreten; indess hat er am 4. d. Mts. noch den Edgardo\nin der Lucia (Fr. von Marra) und am 6. noch einmal in der\nweissen Dame gesungen. Seit seinen Gastdarstellungen hat die kö-\nnigsberger Oper einen besseren Aufschwung genommen. In Be-\nnedix' Angela, einer Kleinigkeit, die für Fr. von Marra geschrie-\nben ist, zeigte sich diese Künstlerin in den verschiedensten Gat-\ntungen. Das klangvollste Organ von allen Mitgliedern besitzt der\nBassist, Hr. Thelen; er gefiel sehr in Stradclla und in der Lucia.\nDer Gast Hr. Lieb er t, mit einer schönen Tenorstimme, will\nnoch nicht recht durchgreifen. Eine Rheinländerin aus Crefeld*\nFrau Johanna Findorf, hat in einem Kirchen-Concerte und in\neiner Soiree bei Herrn Steifensand durch die Fülle und Weich-\nheit ihrer Stimme Aufsehen erregt.\nBerlin« Hier wird die Aufführung der „Stummen von Portici\"\nvon Auber, welche seit 10 Jahren nicht gegeben worden, auf glän-\nzende Weise vorbereitet. Die Fcnella wird von der Taglioni,\nElvira von Fr. Tucz eck -He rrenbur ger, Masaniello von Th.\nForm es, Pietro von Salomon, Alfonso von Krüger dargestellt\nwerden.\nAus Baden-Baden. Unsere musicalische Saison fängt an\nglänzend zu werden, die schöne Welt ist es schon seit mehreren\nWochen, und die Natur kommt endlich auch nach. Es wimmelt\nhier von vornehmen Gästen; Herzoge und Fürsten sieht man über-\nall. Auf dem Kiosk vor dem Conversationshause spielt ein Orche-\nster von 50 Musikern drei Mal täglich unter Eichlers Direction\nes ist vortrefflich und zählt selbst gute Solisten unter sich. Von\nSängerinnen ist die Lagrange hier, und die beiden Cruvelli\nwerden erwartet. Vom 15. Juli an werden Ernst, Selig mann und\nEhrlich (Violine, Violoncelle und Piano) wöchentlich ein Concert\ngeben. Am 20. August wird ein grosses Musikfest Statt finden, auf\nwelchem H. Berlioz seine Sinfonie „Romeo und Julie\" aufführen\nwird, mit dem Orchester und Chor von Karlsruhe und der treff-\nlichen österreichischen Regimentsmusik unter dem Capellmeister\nKönemann. Auch Liszt wird dazu erwartet.\nDer Verein der deutschen Musicalienhändler in\nLeipzig warnt in öffentlichen Blättern die Liedertafeln, Gesang-\nVereine, Unternehmer von Musikfesten u. s. w. vor der Anwen-\ndung des Ueberdrueks oder Umdrucks der einzelnen Stimmen, in-\ndem darin eine Rechtsverletzung gegen das Eigenthum der Verleger\nliege, welche der Strafe des gesetzlich verbotenen Nachdrucks un-\nterliege. Dagegen lässt sich nichts sagen, als dass die Herren\nVerleger die Ausstattung der Einzelstimmen weniger kostspielig ein-\nrichten und dann vor Allem Partiepreise, wie beim Buchhandel,\nfestsetzen möchten.\nBisher erstreckte sich die überschwängliche Sprache nur auf die\nCompositionen; jetzt dehnt sie sich auch auf die Leistungen der\nKünstler aus. Nach einem norddeutschen Blatte ist z. B. Frl. Jo-\nhanna Wagner „eine empfindungsreiche, von dem reizendsten Hell-\ndunkel des energisch Imponirenden erfüllte Gesangeswahrheit\". Eine\nWahrheit von Helldunkel erfüllt, welches energisch imponirt? In\nwelcher Hexenküche ist dieses Gebräu gekocht worden?\nWochen-Conto eines Schauspielers. Bauernfeld theilt\nin den „Oesterr. 81. für Literatur und Kunst\" eine Skizze über die\nwiener Volksbühne mit; darin erzählt er unter Anderem Folgen-\ndes: In den Hanswurst-Komödien, die in der ersten Hälfte des\nvorigen Jahrhunderts in Wien blühten, waren die Haupt-Schau-\nspieler vor Allem darauf bedacht, dass sie viele Arien zu singen\nbekamen; auch mussten die Zauberstücke zu ihren Zwecken so\neingerichtet werden, dass die darin Auftretenden häufig mit Prügeln\nbedacht wurden, und dass sie wenigstens einmal in die Luft zu\nfliegen oder ins Wasser zu springen genöthigt waren; denn jede\ndieser theatralischen Actionen wurde besonders honorirt, wie aus\nnachfolgendem Wochen-Conto eines Schauspielers jener guten alten\nZeit erhellt:\n6 Arien a 1 Fl 6 FL Kr.\nEinmal in die Luft geflogen ... 1 „ „\nIns Wasser gesprungen 1 „ „\nBegossen worden 1 „ - „\n2 Ohrfeigen 1 „ 8 „\n1 Fusstritt „ 34 „\nSumma . . 10 Fl. 42 Kr.\nAuf der pariser Ausstellung befindet sich ein grosses Bild von\nL a e m 1 e i n, das „die Musik\" vorstellt. Im Vordergrunde ruht in\nder Mitte Rossini, rechts vom Zuschauer unter einem Baume sieht\nman Meyerbeer und Halevy (mit der Brille), ferner Aubcr und Fe-\nlicien David als Grosskophtha und beschäftigt, ein in Ohnmacht ge-\nsunkenes Weib, welches von einer braunfarbigen Araberin gehalten\nwird, zu magnetisiren; hinter ihm A. Thomas und ein indianischer\nKazikcmit Papageifedern. Links fasst de Beriot die Hand derMalibran,\nwelche begeistert zum Himmel blickt, hinter ihnen stehen Liszt und\nPaganini, noch etwas weiter zurück Händel mit seiner Staats-\nperrücke; auf einem Hügel sitzen in etwas weiterer Ferne Haydn,\nMozart und Beethoven ihnen gegenüber rechts Guido von Arezzo\nin Mönchstracht. Im Hintergrunde scharen sich andächtige Völker\nim Naturzustande um Orpheus, Linus, Amphion und Pythagoras.\nIm Himmel musiciren die Engel auf Rebab, Viola d'Amour, Psal-\nter, Harfe u. s. w. Nun mache man sich ans Deuten!\n' V\nUnter den deutschen Gesang-Schülerinnen, welche sich gegen-\nwärtig in Paris ausbilden, erregt Fräul. Cäcilie Sämann aus\nKönigsberg, Schülerin von Panofka, Aufsehen durch Schönheit,\nStimme und musicalische Anlagen. Neben ihr auch eine Schwedin,\nTherese Morin.\nMeyer beer gibt seine Composition des 91. Psalms in Pa-\nris bei Brandus heraus. Er ist achtstimmig für zwei Chöre und\nSoli gesetzt, ohne Begleitung, auf den lateinischen Text, welchem\nin der pariser Ausgabe eine französische Uebersetzung von M a u-\nrice Bourges untergelegt wird.\nAm Conservatorium zu Paris ist Herr J. J. Masset als Nach-\nfolger des verstorbenen Galli zum Gesanglehrer ernannt worden.\nNach einer vorläufigen Mittheilung unseres Correspondenten in\nLondon ist die Oper von Bcrlioz: Benvenuto Cellini gänzlich\ndurchgefallen. Fräul. Clauss gibt ihr zweites Concert am 14. Juli\nin Willis' Rooms.\nOle Bull (der übrigens trotz seines Namens nichts mit dem\nel Ole der Camara und Pepita zu schaffen hat) fährt fort, in Nord-\namerica Concerte zu geben, um seiner norwegischen Colonie\nauf die Beine zu helfen. Nach den neuesten Nachrichten hat er in\nPennsylvanien 120,000 Acres Land gekauft, an Einem Stück, von\nfruchtbarem Boden und von Bächen und Flüssen durchschnitten.\nDieses Land verkauft er in kleinen Abtheilungen von 20 bis 30\nAcres, für 3 Dollars den Acre, vorzugsweise nur an Norweger,\nDänen und Schweden. Trotzdem sind von seinen 700 Ansiedlern"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 641, "texte": "bis jetzt zwei Fünftel Deutsche. Er hat ein Grundgesetz für die\nColonie entworfen, welches unter Anderem auch den Paragraphen\nenthält, dass jeder Trunkenbold ausgewiesen wird und binnen einer\nbestimmten Frist sein Eigenthum verkaufen muss. Da er selbst ein\nbedeutendes Vermögen besitzt, so gedenkt er Fabriken und dergl.\nauf eigene Rechnung anzulegen, wird aber auch aus seinen Mitteln\nfür Verbindungswege sorgen. Vier Eisenbahnen berühren sein\nGebiet. In Neu-Orleans hatte ihm seine Violine in den vier letzten\nConcerten 8000 Dollars eingebracht.\nDer Pianist Goldschmidt, Gemahl von Jenny Lind, soll die\nPartitur einer Oper vollendet haben."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "9", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.1", "texte": "Noch Einmal: Was wir wollen.\nII.\nDie ungeheure Verbreitung der Musik, welche in die-\nser Beziehung alle anderen Künste überllügelt, der fabel-\nhafte Fortschritt in der ausführenden Kunst und in dem\nvervollkommneten Bau der Instrumente jeglicher Art\nzwei Dinge, die zu einander im Verhältniss einer stets an-\nregenden Wechselwirkung stehen —, der dadurch erzielte\nReichthum an materiellen Mitteln zur Erreichung musica-\nlischer Wirkungen, in Verbindung mit der Möglichkeit der\nUeberwindung von allem dem, was man sonst Schwierigkei-\nten zu nennen pflegte; dazu die allgemeine Theilnahme an\nden Erscheinungen der Tonkunst unter jeglicher Form,\neine Theilnahme, welche alle möglichen Abstufungen des\nmenschlichen Interesses, von der wahren Liebe und Be-\ngeisterung bis zum leichtsinnigsten Zeitvertreib und der\nBefriedigung selbstsüchtiger Eitelkeit herab, umfasst, und\ndem Geleier der Drehorgel eben so gut seine Freunde ver-\nschafft als den Leistungen eines trefflichen Orchesters und\neiner vorzüglichen Oper; ferner das thatsächliche Musik-\ntreiben, erstens in der ausschliesslichen Beschäftigung mit\nder Kunst, welche im Vergleich zu früheren Zeiten so aus-\nserordentlich zugenommen hat, dass da, wo sonst zehn,\njetzt tausend Musiker auf die Quadratmeile kommen, und\nzweitens in dem Dilettantismus, der in seinem Kreise wie-\nderum alle Stufen von der erbärmlichsten Stümperei bis\nzur künstlerisch vollendeten Leistung reichlich besetzt auf-\nzuweisen hat; endlich die Allgemeinheit des musicalischen\nUnterrichtes als eines fast nothwendigen Theiles der Er-\nziehung und die gegen frühere Zustände sehr erleichterte\nGelegenheit zur Erlernung der Theorie der Musik aus treff-\nlichen Schriften und in guten Lehranstalten dies alles\nhat für die Tonkunst, und unter ähnlichen Bedingungen und\nVerhältnissen auch für die Poesie und Malerei, ein Zeitalter\nheraufgeführt, welches dem Umfange und der Zahl nach so\nerzeugungsfähig ist, wie keine frühere Periode, aber in Be-\nziehung auf Gehalt und wahren Kunstwerth seiner Erzeug-\nnisse eher abgeschwächt als erstarkt zu sein scheint.\nWir gewahren überall den Fortschritt in die Breite;\nan dem Fortschritt in die Tiefe müssen wir stark zweifeln.\nJener, der Fortschritt in die Breite, hat zwei Erschei-\nnungen in der Kunst hervorgebracht, welche die gegenwär-\ntige Periode charakterisiren: die Mittelmässigkeit und\ndie Absonderlichkeit.\nDas Wuchern der Mittelmässigkeit auf dem Boden der\nTonkunst wird mit grossem Unrecht dem Dilettantismus in\ndie Schuhe geschoben, während doch die immer zuneh-\nmende Zahl von Handwerkern unter den Künst-\nlern allein die Schuld trägt. Bei der Wahl des Berufes ist\nheut zu Tage die Musik gleichsam die fünfte Facultät ge-\nworden. Dass der Vater für den Sohn, oder dieser auf seine\neigene Hand, sehr häufig durch allerlei äussere Veranlas-\nsungen und Umstände bewogen, einen Beruf wählt, dieser\nwegen der Apotheke seines Bruders Arzt, jener wegen\neines Familien-Stipendiums Theologe, ein anderer in Aus-\nsicht auf die dreissigjährige Dauer einiger Processe des Va-\nters Rechtsgelehrter wird, das ist was Altes. Vor der Kunst\naber hatte man doch bis vor Kurzem noch eine gewisse\nAchtung, eine Art von heiliger Scheu; wem die Natur nicht\nden sichtbaren Stempel ausserordentlicher Befähigung aul-\ngedrückt hatte, der blieb davon zurück. Jetzt ist aber die\nKunst, und namentlich die Musik, ein Fach geworden, wie\njedes andere nicht nur wissenschaftliche, sondern gewerbs-\nund erwerbsfähige Fach, ein Brod-Studium, ein so genann-\nter Beruf, der eben so ohne Beruf ergriffen wird, wie\nhäufig genug jeder andere. Der Vater entdeckt im Söhn-\nchen oder Töchterchen ein Wohlgefallen an Klang und\nTon, oder gelenkige lange Finger, oder ein richtiges Gehör,\noder ein Bisschen Stimme: wie ein Blitz fährt ihm der\nGedanke durch den Kopf, sein Kind als ein vom Himmel\ngefallenes Capital zu betrachten, das nicht vortheilhafter als\nin Kunst angelegt werden könne. Gedacht, gethan; die\nAbrichtung geht nach allen Regeln vor sich, sie glückt mehr\noder weniger, darauf kommt es uns hier nicht an, aber nach\neinigen Jahren ist der ausübende Künstler, der Techniker,\nder Virtuose meinetwegen, fertig."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "10", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.2", "texte": "Aber der Virtuose steht als solcher und bloss als sol-\ncher nicht in dem besten Rufe; er muss auch componi-\nren. Gut! was ist's denn für Hexerei? Er wird zu\neinem Meister in die Lehre geschickt; die Elementar-Gram-\nmatik der Tonkunst ist nicht schwerer zu begreifen als die\ngriechischen Conjugationen und die lateinische Syntax und\ndie Regel de Tri und der pythagorische Lehrsatz und\nsiehe, der neue Kunstjünger lernt componiren. Wie und\nwas: das fragt seine Phantasieen, seine Faultöpfe\nwollte sagen Potpourri's —, seine Nachtständchen, seine\nMazurka's, seine Polka's, seine Carnevals von Venedig, Rom\nund nein, von Köln Gott sei Dank noch nicht.\nKommt nun gar die Lehre der neuesten Schule hinzu,\ndass „wir alle Genie's werden können\" (R. Wagner's\nMittheilungen an seine Freunde, S. 36), so sehe ich gar\nnicht ein, warum ein junger Mensch, der\nda kommt mit allem guten Muth,\nleidlichem Geld und frischem Klüt,\ndiese interessante Laufbahn nicht machen soll. Es kommt\nja nur auf einen Versuch an!\nDieser Versuch kostet dem Componisten etwas Dinte\nund Papier, dem Musik-Verleger einige Zinkplatten und\netwas Druckerschwärze, den Neugierigen im Publicum\netwas Geld und viel Aerger. Das ist Alles, und die Com-\npositionen werden „eingetragen in das Vereins-Archiv\",\nwo sie den Motten und Milben verfallen.\nFerner ist unsere ganze Erziehung und unsere Bildung\ndurch Schule und Leben der Gegenwart dazu geeignet, ein\ngewisses Talent für Kunst überhaupt, und besonders für\nMusik, wenn auch nicht geradezu zu erzeugen, doch mehr,\nals dies sonst der Fall war, aus dem Schlummer unent-\nwickelter Anlage zu wecken, durch allerlei äussere Mittel\nzu nähren und bis auf einen gewissen Punct zu treiben, auf\nwelchem es wenigstens ohne Verletzung der Form erzeu-\ngungsfähig wird. Ob das die Wirkung der Wagner'schen\n„communistischen Kraft\" sei, welche „in ihrer einzig er-\nmöglichenden Wirksamkeit (?) die individuelle Kraft, die\nwir blödsinnig bisher mit der Bezeichnung Genie er-\ngründet zu haben glaubten, als solche in sich schliesst\",\nwage ich nicht zu bestimmen.\n>\nEtwas Wahres liegt aber in diesem Wortkram, nur\nfreilich in ganz anderem Sinne, als Wagner es gemeint.\nAllerdings ist ein gewisses Talent in der Kunst zum Ge-\nmeingut geworden, was wir aber gerade für den Tod des\nGenie's halten, nicht für dessen Erzeugung und Belebung.\nDas ist das Talent der Technik im weitesten Sinne, wozu\ndie Gewandtheit in der Form, die Fertigkeit in der Mache\ngehört.\nDas Bewusstsein eines gewissen Form-Talentes, oder\nauch nur die gewissenhaft erlernte Bekanntschaft mit den\nFormen, das Bewandertsein in denselben und die Leichtig-\nkeit, sich darin zu bewegen, welche auch bei mangelnder\nAnlage zu künstlerischer Schöpfung durch Fleiss und Uebung\nerlangt werden kann, und durch vieles Hören und Selbst-\nmusikmachen genährt und entwickelt wird dieses Be-\nwusstsein drängt nicht, sondern verführt zur Composi-\ntion, und an die Stelle des inneren Dranges der Empfin-\ndung, des unwillkürlichen Zwanges zum künstlerischen\nSchaffen tritt ein willkürlicher Vorsatz, ein Wollen, einEnt-\nschluss. Die lebendige göttliche Flamme soll ein nach lan-\ngen und mühsamen Versuchen aus Stein geschlagener Funke\nersetzen; anstatt den Strömen der Begeisterung, die in der\nBrust sieden, eine Pforte zu öffnen, wird ein artesischer\nBrunnen gebohrt, der, wenn es glückt, endlich ein dünnes\nStrählchen Wasser hergibt, und auch dies nur periodisch.\nStatt des ewigen Dranges des Genius, der nicht ruhen und\nrasten kann, bis er sein Kunstgebilde gestaltet hat, wie\nRaphael, wie Mozart, wie Beethoven uns ihr Schaffen selbst\nschildern, treibt der Kitzel der Eitelkeit, die Bekanntschaft\nmit dem Handwerk, am Ende der Hunger und die Bedürf-\nnisse des Lebens zum Schreiben.\nDaher die Fluth der Mittelmässigkeit, welche das Land\nder Tonkunst überschwemmt. Ihre Erzeugnisse haben wohl,\nwas wir gar nicht läugnen wollen, eine Art von musicali-\nschem Inhalt allein er besteht in nichts als in Wieder-\nerzeugtem, er ist nichts als die Frucht der zum Theil be-\nwussten, grossentheils jedoch unbewussten Ausbeutung der\nEmpfindungen und Ausdrucksweisen der früheren Ton-\ndichter. Bekannte Melodieen harmonisiren die Tages-Com-\nponisten anders, bringen sie in anderem Rhythmus und mit\nanderen Modulationen wieder vor, umschlingen sie mit den\nbunten Blumengewinden der neueren Verzierungskunst,\nstreuen die Blüthen und Glanzperlen der vollendeten Tech-\nnik darüber allein es sind doch nichts als die alten Ge-\nstalten in veränderter Tracht und in neumodischer Frisur.\nSo haben wir denn eine zahllose Menge von Tonsetzern,\naber sehr wenig Tondichter.\nDie besseren, mit wirklichem Talente begabten Musi-\nker fühlten diesen Jammer und wandten sich mit Unwillen\ndavon ab; aber der Ekel, den sie bei jenem ewigen Wie-\nderkäuen empfanden, machte sie krank und trübte ihren\nBlick für das Vorhandene überhaupt. Ihre Losung wurde\ndas Neue, das noch nicht Gehörte, wenn es sich auch zum"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "11", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.3", "texte": "Unerhörten steigern sollte; und indem sie sich vor der Mit-\ntelmässigkeit retteten, verfielen sie der Absonderlich-\nkeit. Wir haben diese Richtung, deren Koryphäen Robert\nSchumann (besonders in seinen letzten Werken), Hektor\nBerlioz und Richard Wagner sind, schon so häufig in der\nRheinischen Musik-Zeitung geschildert und bekämpft, dass\nwir uns hier um so eher kurz darüber aussprechen können,\nals uns die Folge oft genug Gelegenheit bieten wird, in\ndiesen Blättern darauf zurück zu kommen.\n(Schluss folgt.)\n\nDie Einweihung des Denkmals von Orlandus Lassus\nin Mons.\n\nSie haben am Niederrhein Ihr Beethoven-Denkmal in\nBonn, und wer denkt nicht noch mit Begeisterung an jenes\ndreitägige Fest, wodurch die Enthüllung desselben gefeiert\nwurde, an jene Augusltage im Jahre 1845, wo Bonn der\nVersammlungsort von Königen und Fürsten aller Art war,\nd. h. sowohl von solchen, welche die Völker von Thronen\nherab beherrschen, als solchen, welche mit Tönen die Ge-\nfühle der Menschen regieren! Und dennoch fand dieses herr-\nliche Fest und die Anordnungen bei demselben seine Tad-\nler, und die Mühe und Aufopferung der Leitenden wurde\nvon vielen Seiten mit Undankbarkeit belohnt! Was würden\ndiese Niezufriedenen gesagt haben, wenn sie der Einweihung\ndes Denkmals von Lassus in dessen Geburtsstadt Möns im\nvorigen Monat beigewohnt hätten ? Das war eine zu merk-\nwürdige Festlichkeit, als dass ich Ihnen nicht darüber be-\nrichten müsste, da ich mit meinem Freunde S t. von Lille\nhinüber gegangen war, um dabei zu sein.\nSie werden vielleicht sagen: „Lassus und Beethoven\ndas ist auch ein Unterschied. Jener liegt uns, bei all\nseinen grossen Verdiensten, zu fern, um allgemein zu in-\nteressiren.\" Gut—musste man nicht eben desshalb, wenn\nman ihm eine Bildsäule errichtet und diese feierlich ent-\nhüllt, dieser Feier vor Allem einen ernsten musicalischen\nCharakter geben und ihr von aussen zu Hülfe kommen\ndurch ein Musikfest mit zweckmässigem Programm, welches\ndie Musiker vom Fach und die gebildete Welt veranlasst\nhätte, an der Erinnerungsfeier zu Ehren eines der grössten\nComponistenTheil zu nehmen? Wenn je ein Musiker einen\nausgebreiteten Ruf bei seinem Leben hatte, so war es Las-\nsus (1520 —1594), der in den Niederlanden, in Italien,\nDeutschland, Frankreich und England gekannt, geliebt, ge-\npriesen und gefeiert wurde. In allen damals blühenden\nGattungen der Tonkunst galt er als Meister, seine Frucht-\nbarkeit war fabelhalt. Seine Werke wurden in Venedig,\nRom, Paris, Lyon, Antwerpen, Löwen, München, Nürnberg\ngedruckt, z. B. eine Sammlung von Motetten als Magnum\nOpus musicum in 1 7 Foliobänden; und in den Bibliothe-\nken und kirchlichen Archiven, namentlich zu Rom und\nMünchen, liegen noch eine Menge von Handschriften von\nihm, z. B. in München die „Sieben Busspsalmen\" in 4\nFoliobänden, auf Pergament geschrieben, jeder Band mit\n6 Pfund Silber beschlagen, jeder mit 2 silbernen vergol-\ndeten Schlössern versehen, und durchweg mit kunstvollen\nMiniaturmalereien geziert.\nWollte also die Stadt Möns den europäischen Ruhm\ndes vaterländischen Künstlers feiern, welcher der Gipfel-\npunct der nationalen Schule war, so musste sie, wenn auch\nnicht Europa, doch wenigstens die angränzenden Länder\nDeutschland und Frankreich dafür zu interessiren wissen,\nund vor allen doch wohl Belgien, doch wenigstens die Nie-\nderlande selbst. Aber daran hatte man nicht gedacht. We-\nder die musicalischen Institute Belgiens waren bei der Feier\nvertreten, noch die Berühmtheiten des Landes eingeladen;\ndie Akademie der Künste in Brüssel und selbst ihre mu-\nsicalische Section erfuhr die Sache erst durch die Zeitungen.\nUnd dennoch regte sich am Morgen des festlichen Ta-\nges ein ganz ausserordentliches Leben in Möns, welches die\nheiter strahlende Sonne begünstigte, was bei solchen Gele-\ngenheiten stets eine erfreuliche Sache ist, um so mehr, als\ndiese Beleuchtung nichts kostet. Es wogte und drängte\nsich durch die Strassen, allerlei Jubelruf erschallte, man\nsah nur geputzte Damen und Herren, selbst die niedrigste\nVolksciasse war sonntäglich aufstaffirt und die Stadt so\nvoll im Hennegau wohnen 10,000 Menschen auf der\nQuadratmeile —, dass wir unsere Freude an dieser alle\nErwartungen übersteigenden Theilnahme gegen einige Bür-\nger äusserten. „ Ei! erhielten wir zur Antwort wis-\nsen denn die Herren nicht, dass die Monser Frühjahrskir-\nmess die berühmteste im Lande ist?\" Da war uns das\nRäthsel gelös't. Das Nationalfest galt ganz anderen Dingen,\nals dem Koryphäen der Tonkunst in den Niederlanden;\ndas Ballschlagen, das Armbrustschiessen, die Eselwettren-\nnen, die Waflefbuden hatten die Menge herbei gezogen,\nnicht der zu erwartende Memnonsklang der ehernen Bild-\nsäule des Lassus. Der Stadtrath hatte den grossen Gedan-\nken gehabt, den alten Tonmeister auf die Kirmess zu brin-\ngen eine treffliche Speculation, denn nun machten sich\nja die Festlichkeiten von selbst, und man hatte nichts zu\nthun, als die Carrousels, die Vogelschiessen u. s. w. auf das\nProgramm zu setzen. Die eigentliche Feier der Einweihung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "12", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.4", "texte": "war in jeder Hinsicht kleinstädtisch, und der musicalische\nTheil derselben zeigte in sehr auffallender Weise, wie weit\nBelgien im Allgemeinen, trotz der einzelnen bedeutenden\nKünstler, die es besitzt, noch in der Würdigung der Musik,\nin der technischen Ausführung und in der wahren Empfäng-\nlichkeit für das Schöne in der Tonkunst zurück ist.\nUm 11 Uhr wurde die Messe coup von Las-\nsus, nicht etwa im Dom, oder in der Nikolauskirche, wo\nLassus einst Chorknabe war, sondern in einer kleinen, we-\nnig für eine solche öffentliche Feierlichkeit geeigneten Kirche\naufgeführt, nicht a capella, wie sie geschrieben ist, sondern\ndurchweg mit Orgelbegleitung, überhaupt aber zurecht ge-\nmacht und mit neuem Anstrich eine wahre Schmach,\nzumal bei dieser Gelegenheit versehen. Dabei war die\nKirche sehr leer; die Civil- und Militär-Behörden waren zu-\ngegen, und das Hauptschiff war den so genannten Honora-\ntioren gegen Eintrittsgeld vorbehalten; sie hatten aber eben\nkeinen Missbrauch von diesem Vorrechte gemacht. Das Yoik\nkonnte umsonst in den Seitenschiffen Platz finden es\nwar aber mehr Platz als Volk da.\nNach der Messe ordnete sich der Zug nach dem öf-\nfentlichen Garten an dem Platze, wo das Denkmal steht.\nMan hatte mehrere Musikbanden der Stadt und Umgegend\nheran gezogen, die denn während des Zuges abwechselnd\nMärsche und Contretänze spielten. Ach, wär' es bei\ndiesen bescheidenen Aeusserungen ihrer Kunst und ihres\nGeschmackes geblieben! Allein am Denkmal angekommen,\nvertheilten sich diese verschiedenen Chöre von Blasinstru-\nmenten mit Blech und grosser Trommel rings um den Gar-\nten und Hessen alle zugleich ihre Prachtslücke in aller-\nlei Tonarten durch einander schmettern. Nun, neu war\nallerdings diese Art der Ehrenbezeigung für einen Compo-\nnisten, und jeder, der den Meister nur einiger Massen zu\nschätzen wusste, pries ihn in diesem Augenblicke glücklich,\ndass er von Erz war und taub für diese Huldigung, welche\nOhren und Eingeweide der Lebenden unbarmherzig zerriss\nund zerschnitt. Endlich brachten die Kanonen diese Katzen-\nmusik zum Schweigen und den Bürgermeister zum Reden,\nder so gut oder so schlecht sprach, wie seine amtliche Stel-\nlung es ihm, einem Künstler gegenüber, erlaubte. Nach ei-\nnigen weiteren rhetorischen Blüthen Anderer, deren Duft\nuns entging, weil sie in den Wind sprachen, sang die Lie-\ndertafel Roland de Latlre ein Gelegenheitsstück, das recht\nhübsch kurz war.\nDas Standbild selbst hat mich nicht befriedigt. Der\nKopf ist schön, der Ausdruck der Gesichtszüge ist edel und\nvoll Begeisterung. Aber die Stellung ist gezwungen: die\neine Hand ruht auf dem Manual einer Orgel, die andere\nist erhoben, als hätte sie so eben einen Griff darauf gethan.\nDazu kommt das gewählte Costume, die Hoftracht. Hat\nder Künstler dadurch andeuten wollen, dass Lassus Hof-\nCapellmeister beim Herzog Albert von Baiern war? Mit\nRecht nennt die Inschrift des Denkmals den Künstler Or-\nlandus Lassus,und setzt in Klammern hinzu, weil\nder Beweis, dass dieses die ursprüngliche Form des Na-\nmens sei, durchaus noch nicht genügend geführt ist.\nUm doch etwas zu thun, das den Anschein eines Mu-\nsikfestes hätte, hatte der Stadtrath zwei Concurse ausge-\nschrieben, einen für Gesang, einen für Harmonie-Musik. Von\nkünstlerischen Zwecken und künstlerischem Interesse kann\nbei solchen Wettstreiten, wo es sich im Grunde nur um\ndie Eitelkeit dreht, nicht die Rede sein. Allein sie kosten\nder Stadt nichts, als höchstens einige Medaillen, und die\nSieger wie die Besiegten sind den Gast- und Schenkwirthen\nwillkommen; denn Freude und Trost schöpfen Beide aus\nEinem Brunnen, dem edlen Gersten- oder Rebensaft.\n\nK.\n\nAus München.\n\nEnde Juni 1853.\nWenn sonst das Frühjahr, der Mai, sonnig und wonnig, duftig\nund luftig, glühend und blühend heran nahte, da raffte sich der\nConcert-lleferent mit neuer Kraft empor, weit von sich schleu-\nderte er die Blätter, worin er über Wunderkinder, über Fort-\nschrittsmänner, über zum Himmel auffliegende Genie's, über musi-\ncalischcs Wissen und Nichtwissen sein gewichtiges Urtheil nieder-\ngelegt hatte, cntrunzelte seine Stirn, dankte dem Schöpfer, dass die\ngewaltige Concert-Saison vorbei, und schloss sich, ein neues Wesen,\ndem leichtbeflügelten Tross der Poeten an, welche der Lenz mit\nseinen Freuden neu belebte. Doch jetzt leider ist es anders gewor-\nden; die Natur, nicht allein dass sie uns die schönen Tage, die\nuns sonst das Frühjahr bot, verkümmert, leistet noch dem Con-\ncert-Wcsen oder Unwesen, wie es gerade zu nehmen ist, Vorschub,\nso dass wir Ende Mai Concerte zu besuchen gezwungen waren.\nSoll ich Ihnen nun bloss über das letzte Concert, welches am\n30. Mai hier Statt fand, berichten? Das würde sich kaum der Mühe\nlohnen. Ich will Ihnen lieber eine gedrängte Uebersicht, eine\nArt Panorama unserer musicalischen Zustände vorführen, wie sie\nsich in der diesjährigen Saison der Reihe nach folgten.\nBei unserem Opern-Personale muss ich natürlich mit den Da-\nmen beginnen, Frau Palm-Spatzer (dramatisch), mit ziemlich\nverbrauchten Stimm-Mitteln, bringt dann und wann durch kluge\nBehandlung derselben manch hübschen Effect hervor. Fräulein\nRettich (Coloratur), schon seit Jahren als Bravour-Sängerin be-\nkannt, leistet noch recht Arerdienstliches und hat nur das eine Un-\nangenehme, öfters zu distoniren. Fräulein Hefner (lyrisch), eine\nstrebsame und talentvolle Sängerin, welche zwar eine schwache,\naber recht angenehme Stimme besitzt, entspricht grösstentheils den\nAnforderungen ihrer Partieen. Frau Diez (Soubrette), die verwend-\nbarste Sängerin unserer Bühne, die heute die Adalgisa, morgen die\nRegimentstochter, nächstens wieder in einer Localposse singt, bietet\nüberall höchst Anerkcnnungswerthes. Fräulein Stanke (Alt) ist\neigentlich gar nicht zu rechnen, da sie weder Alt noch Sopran,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "13", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.5", "texte": "und fast immer falsch singt. Für zweite und dritte Partieen haben\nwir gar keine Sängerin: diese werden mit Choristinnen besetzt.\nWas für einen schmählichen Eindruck oft solch ein Gekreische\n(denn Singen kann man es nicht nennen) macht, können Sic Sich\nwohl leicht versinnlichen. Hr. Härtinger (Helden-lenor) weiss\ndurch wirklich künstlerisch durchdachten A ortrag die Abnahme\nseiner Stimme zu decken und in der grossen Oper noch glänzende\nErfolge zu erzielen. Hr. Brandes (lyrischer Tenor), mit einer\nsehr schönen Stimme, könnte sehr Verdienstliches leisten, wenn er\nmehr Fleiss auf deren Ausbildung verwenden würde. Dann und\nwann führt er eine Partie sehr gut durch; leidet, dass dies so sel-\nten geschieht! Ausser diesen beiden Herren ist ein neuer Tenor,\nHr. Gr i mm in g er, Schüler des hier lebenden, ehemals sehr be-\nliebten, jetzt pensionirten Hof-Opernsängers Beyer, an unserem\nThcaterhimmel erschienen und debutirte als Arthur in den „Puri-\ntanern\" und als Joseph in „Jakob und seine Söhne\" mit dem glän-\nzendsten Erfolge. Der junge Mann vereinigt aber auch mit einer\nherrlichen, klangvollen Stimme einen schönen, edlen Vortrag, so\nwie die beste Methode. Möge der dem jungen Künstler gespendete\nWeihrauch ihn von der rechten Bahn nicht ablenken' Hr. Hoppe\n(zweiter Tenor) thut sein Möglichstes, nichts zu verderben. Hi.\nKindermann (Bariton), im Besitze einer kräftigen, klangvollen\nStimme, ist leider ganz Natursänger; auch ist sein Spiel höchst or-\ndinär und in komischen Partieen bis zum Ekel läppisch. Hr. Kre-\nmenz (erster Bass) mit kolossalen Stimm-Mitteln, welche aber noch\neiner bedeutenden Feile bedürfen. Hr. Alfeld (zweiter Bass) ver-\nbindet mit einer ganz unbiegsamen, klanglosen Stimme ein so höl-\nzernes, eckiges Spiel, dass man bei seinem Anblicke an Marionet-\nten erinnert wird; übrigens ist er lleissig. Hr. Sigl (Buffo), das\nPendant zur Frau Diez, leistet sowohl als Schauspieler wie als\nSänger immer Vorzüglichstes. ?soch Muss ich Herrn Pellegrini\n(Bass), eine Ruine der ehemaligen hiesigen italiänischen Oper, er-\nwähnen. Wenn er die Bühne betritt, was manchmal geschieht, em-\npfängt das Publicum, in seliger Rückerinnerung einstiger trefflicher\nLeistungen, seinen alt gewordenen Liebling, der an körperlichem\nUmfange Lablache weit übertrifft, mit lautem Beifall.\nSie kennen nun unser Opern-Personal und können daher leicht\nermessen, wie und auf welche Weise die Opern uns \\orgcführt\nwerden. Uebrigens ist unser Repertoire gut undumfasst die Schöpfun-\ngen von Beethoven, Mozart, Gretry, Mehul, Weber, Spontini, Che-\nrubini, Gluck, Marschner, Meyerbeer, Bellini, Verdi, Auber, Ha-\nlevy, Lachner etc. Neu hörten wir in diesem Winter „Traum einer\nSommernacht\" von Thomas. Ich muss offen gestehen, dergleichen\nOpern darf man nur in der Opera comique in Paris selbst hören,\nwo eine Lefebre, Duprez, ein Bataille, Couderc u. s. w. so ein\nherrliches Ganzes bilden, dass wir uns wirklich in eine Sommer-\nnacht versetzt glauben, wo all dieser tolle Liebesspuk sich zutiägt.\nBei uns klingt diese Musik fad, leer und langweilig, weil man nichts\nfür dieselbe thut. Arien, die mit halber Stimme vorzutragen sind,\nwerden geschrieen; anstatt gescherzt und getändelt wird gepolteit\nund plump gespasst; kurz, jeder Sänger singt für sich, das Orchester\nspielt für sich, und auf diese W eise können dergleichen Opern kein\nGlück in Deutschland machen. Sie wurde dreimal nur bei sehr\nschwach besuchtem Hause gegeben. Als zweite neue Oper beka-\nmen wir die Schöpfung eines einheimischen latentes, Herin Baion\nv. Per fall, die grosse romantische Oper „Sakontala\", zu Gehör.\nDer Text, nach dem indischen Drama bearbeitet, ebenfalls von ei-\nnem münchener Talente, Herrn 1 eichlein, ist weder I)risch noch\nromantisch und wenig zur Composition geeignet. In der Musik fin-\nden wir keine Melodie, keinen Rhythmus, keinen Zusammenhang,\ndie Instrumente irren plan- und sinnlos einher, der Componist fängt\nan, es wird gespielt, es wird gesungen, er endiget auch wieder,\nund man weiss bei allem nicht, warum. Kurz, es ist ein Chaos,\nein Unsinn. Man könnte Herrn Baron v. Perfall einen Fortschritts-\nmann nennen, wenn noch Originalität in diesem Gallimathias wäre;\ndoch so klammert er sich zuweilen so fest an Meyerbeer und Men-\ndelssohn an, dass wir diese Meister, zwar sehr verstümmelt, zu ver-\nnehmen glauben. Die Oper erlebte zwei Vorstellungen; beider er-\nsten war das Haus gedrängt voll, und was glauben Sie, dass zuerst\napplaudirt wurde? Die wundervoll schönen Decorationen, mit wel-\nchen die Intendanz das einheimische Werk schmückte. Das Publi-\ncum war völlig erstarrt, als es die Musik vernahm, es wagte nicht,\nobwohl es fast zur Hälfte aus Freunden der beiden Talente be-\nstand, ein Beifallszeichen von sich zu geben. Am Ende des zwei-\nten Actes, wo Meyerbeer dem Componisten bedeutend unter die\nArme gegriffen und die Sänger alle ihre Kräfte aufboten, wurde\nHerr Baron v. Perfall mit denselben gerufen. Bei der zweiten Vor-\nstellung wurde die Oper unter den lautesten Missfallens-Bezeugun-\ngen zu Grabe getragen. Möge sie für ewig im Theater-Archiv ruhen;\nihr Geist wird uns nicht beunruhigen. Nächstens über unsere\nTheatergäste, Concerte und Conservatorium.\n\nE. Dr.\n\nRichard Wagner’s Lohengrin in Wiesbaden.\n\nAm 2. Juli wurde R. Wagner s Lohengrin zum ersten Male in\nWiesbaden gegeben, und so hat denn wieder diese kleine Bühne\nund ihr Capellmeister Schindelmeisser sich das grosse Ver-\ndienst erworben, das zweite musicalische Drama des berühmten\ndeutschen Dichters und Componisten zuerst am Rheine aufgeführt\nzu haben; ja, so viel wir wissen, hat überhaupt noch kein lheater\nin Deutschland ausser Weimar sich an die Aufführung des Lohen-\ngrin gewagt. Denn ein Wagniss kann man es allerdings nennen,\neine Oper zu geben, welche von Seiten aller dabei wirkenden Sän-\nger eine grosse Hingebung an die Sache und von Seiten des Or-\nchesters eine Masse von Instrumenten und eine Ausdauer fordert,\nwelche das gewöhnliche Maass überschreiten. Ehre desshalb vor\nAllem dem wackeren Dirigenten, dessen persönlichen Eigenschaften\nes gelungen ist, alle Mitwirkenden für ein solches \\\\ erk zu in-\nteressiren und die immer doch nur geringen Kräfte einer Bühne\nzweiten Ranges so zusammen zu halten und zu steigern, dass sie\nuns im Allgemeinen ein gelungenes Bild des neuen Kunstwerkes\ngeben konnten. Aber auch Ehre den sämmtlichen Darstellern in\nden Hauptrollen und im Chor ; denn diese Musik nur auswendig\nzu lernen, erfordert schon einen Eifer und eine Resignation, wie\nman sie selten finden dürfte.\nAuch die Scenerie und Ausstattung, die Decorationen und die\nCostume waren recht befriedigend, zum Theil glänzend; mit Einem\nWorte: es war alles gethan, was die Verhältnisse gestatteten, und\nmehr, als man erwarten konnte. Das Orchester ist sehr gut in\nWiesbaden. Natürlich erfordert die gewaltige Instrumentirung, die\nstarke Besetzung der llolz-Blasinstrumente, das fast nie ruhende\nDröhnen des Messings und der Pauken im Lohengrin eine stärkere\nBesetzung der Saiten-Instrumente, namentlich der \\ iolinen; aber\ndie zwölf Violinisten, welche da waren, leisteten Vortreflliches.\nAn die Hauptdarsteller den höchsten Maassstab der Kritik zu\nlegen, würde eine offenbare Ungerechtigkeit sein. Verhältnissmässig\nhaben die Herren Peretti (Tenor Lohengrin) und Minetti\n(Bariton - Telramund), die Damen Storck (Elsa) und Grimm\n(Ortrud) Vorzügliches geleistet, und auch Hr. Schiffbenker\n(Bass) hat aus dem König Heinrich gemacht, was sich aus dieser\nhölzernen Figur machen lässt. Auch der Chor, namentlich der\nMännerchor oder, um mit Wagner zu reden, der Chor der Man-\nnen, war recht brav. In der Scenerie müssen wir nur tadeln, dass\nder dritte Aufzug in zwei Acte zertheilt wurde, was den Eindruck\nausserordentlich schwächt; wir wissen freilich, dass das Anlegen\nder Rüstung für den Darsteller des Lohengrin Zeit erfordert, allein"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "14", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.6", "texte": "sie scheint doch auch durch die Märsche und Chöre, welche in der\nletzten Scene seinem Wiederauftreten vorangehen, genügend gegeben.\nDas Haus war voll, jedoch nicht übermässig; viele Fremde wa-\nren zugegen, welche die Aufführung allein herbeigezogen hatte.\nAuch wir waren der freundlichen Einladung des Herrn Capell-\nmeisters Schindelmeisser gern gefolgt, und freuten uns, endlich\neine Gelegenheit zu finden, die Eindrücke, welche die Einsicht der\nPartitur auf uns gemacht halte, verlebendigen und unsere Ansicht\nüber die Wagner'sche Dramen-Musik durch Schauen und Hören\nwieder einmal prüfen, bestätigen oder berichtigen zu können. Wir\nwerden das Ergebniss dieser Prüfung in einigen ausführ-\nlicheren Artikeln über den Lohengrin in den folgenden\nNummern niederlegen.\nDas Publicum nahm die Oper bei Weitem nicht mit der W arme\nauf, wie den Tannhäuser im vorigen Herbste. Zwar wurden der\nDirigent und das ganze Personal schon nach dem ersten Acte und\nauch am Schlüsse gerufen, und sie hatten diese Anerkennung\nwahrlich verdient; allein eine wirklich begeisterte Stimmung war\nnicht vorhanden ein grosser Theil der Zuhörer fühlte sich im\nGee;entheil mehr gedrückt und betäubt, als aufgeregt und erhoben.\n\nL. B.\n\nConcert des Mäimergesang-Vereins.\nKöln, den 29. Juni.\nEs war natürlich, dass ganz Köln begierig war, den Gesang je-\nner achtzig Mitbürger, welche das stolze Britannien mit Tönen be-\nzwungen hatten, kurz nach ihrer Fvückkehr von der ruhmvollen\nFahrt einmal wieder zuhören und eine Gelegenheit zu finden, auch\ndie Anerkennung der Vaterstadt an die Huldigungen zu reihen,\nwelche ihnen jenseit des Meeres geworden. So war es denn ganz\nin der Ordnung, dass der Vorstand des Männergesang- Vereins die-\nsem allgemeinen Wunsche entgegen kam und ein Concert, dessen\nErtrag, wie immer, zu wohlthatigen Zwecken bestimmt war, veran-\nstaltete. Es war wohl von 2000 Zuhörern und darüber besucht\nund mag trotz der mit Recht massig gestellten Preise zu\n15 und 10 Sgr. an 7—Boo Thlr. aufgebracht haben. Der Ver-\nein und insbesondere sein Dirigent, Hr. Musik-Director F. Weber,\nwurde mit Zuruf und Aufstehen der ganzen Zuhörerschaft empfangen.\nDer Verein sang zwölf Lieder: C. M. von Webers Schöne\nAhnung und Schwertlied Mendels s oh n's Wasserfahrt und\nder frohe Wandersmann Rücke n's junge Musicanten und Nor-\nmannssang Silcher's schwäbisches Volkslied: „Jetzt gang ians\nBrünnele\" F. Ries' Trallerlied Becker's Kirchlein\nHärtels „Mein\" Hillers Quintett mit Sopran: „Die Lerchen''\nund statt der angekündigten spanischen Canzonetta von C. G.\nReichardt Zöllners Doppelständchen. Es erregte allgemeines Be-\ndauern, dass Hr. DuMont-Fier, welcher mit der Reichardt'schen\nCanzonetta so ausserordentliches Glück in London gemacht hatte,\ndurch Unwohlsein verhindert war, uns den erwarteten Genuss zu\nbereiten.\nWir können nach diesen Vorträgen nur wiederholen, was wir\naus vollem Herzen über die Leistungen des Vereins bereits bei\nGelegenheit des letzten Concertes desselben vor seiner Abreise ge-\nsagt haben (Rhein. Mus.-Z. 111. Nr. 146 v. 16. April d. J.). Wir\nfügen nur noch hinzu, dass die Einheit des Vortrages durch die\nlondoner Proben und Concerte noch gewonnen hat; wir haben in\nder That eine solche Unterordnung des Einzelnen unter das Ganze,\noder, richtiger gesagt, ein solches Aufgehen der verschiedensten\nStimmgepräge in die jedes Mal erforderliche Klangfarbe\ndes Ganzen bis jetzt kaum für möglich gehalten, und es ist keine\nFrage, dass gerade dadurch, bei so künstlerischer Vollendung, wie\nsie der kölner Verein jetzt erreicht hat, der vierstipimige Männer-\ngesang im Chor einen ganz eigentümlichen Reiz erhält, welcher\nin dieser Art schwerlich von dem von Männern und Frauen ge-\nmischten Chor erreicht werden dürfte. Woran das liegt, wüsste ich\nfreilich nicht genau zu sagen, und doch kann ich es mir erklären.\nZu einem solchen Vortrage, zu einer solchen Einheit ist eine, we-\nnigstens für den Augenblick der Kunstleistung, gleiche Seelenstim-\nmung nothwendig, ein Sichhingeben nicht nur an die Kunst, son-\ndern auch an die Kunstgenossenschaft, damit die Empfindung wie\naus Einem Herzen ausströme. Aber das wird beim gemischten\nChor durch so mancherlei gehindert, was zum Theil in der Natur,\nzum grösseren Theil in der Sitte oder Etiquette u.s.w. liegt, wäh-\nrend die Jünglinge und Männer viel leichter die Worte des Dichters:\nLass mich Deine Hand ergreifen,\nBruderherz, auf Du und Du!\nzur Wahrheit machen, zumal wenn sie von Tönen getragen werden,\nwie in dem Mendelssohn'schen Liede, aus welchem sie genom-\nmen sind.\nUnter den im Concert gegebenen Liedern müssen wir die Vor-\nträge der „Wasserfahrt\", des „Trallerlieds\", des „Kirchleins\", der\n„jungen Musicanten\", des „frohen Wandersmanns\" und des Volks-\nliedes „Jetzt gang i an s Brünnele\" auszeichnen. Wer den letz-\nten Vers dieses Volksliedes in dem Pianissimo gehört hat, wel-\nches auf das Piano des vorletzten wie der sanfte Hauch eines da-\nhinsterbenden Echo's verhallte, und darin verschwebte wie der\nletzte Duft der „drei Röselein\" und wie eine Thräne zu dem\n„Jetzt weiss i nit, lebt mein Schatz\nOder ist er todt —,\"\nder wird gern alles unterschreiben, was wir oben gesagt haben.\nUnd welche Lehre liegt in diesem einfachen Liede für die Gesangs-\nComponisten! Man vergleiche damit einmal die fade Composition\nvon Härtel über das reizende „Mein\" von W. Müller; dort im\nSilcher'schen Volksliede Alles Herz und Liebe, hier Alles Ziererei\nund sentimentale Coquetterie, abgesehen von der ganzen Auffassung\ndes Gedichtes, die in ihrer Verkehrtheit ans Lächerliche streift.\nWenn der ehrenwerthe Verein seinem Sinnspruch: „Durch das\nSchöne stets das Gute\", treu bleibt, so wird er es uns auch nicht\nverargen, dass wir an dem unsrigen: „Bei dem Schönen stets das\nWahre\", festhalten. Wir dürfen desshalb nicht verschweigen, dass\nKückens „Normannssang\" viel zu schnell gesungen wurde und dass\ndie Auffassung des „Schwertliedes\" von C. M. v. Weber wider den\nGeist des Gedichtes und der Composition und wider alle Tradition\nstreitet. Dieses Lied erfordert eine gleichmässige, durchweg majestä-\ntische Bewegung, die dem kräftigen Rhythmus sein Recht gewähre\neinen dreimaligen Wechsel des Tempo's können diese acht un-\nsterblichen Tacte nicht vertragen.\nAusser dem Männergesang-Verein hörten wir noch Fräulein\nBertha Wals eck in der grossen Sopran-Arie aus Rossini's Se-\nmiramis und in der Sopran-Partie in Hiller's Quintett „Die Ler-\nchen\". Frl. W. hat eine ziemlich volltönende Stimme, welche je-\ndoch, wie es uns schien, gegen ihren früheren Klang nicht gewon-\nnen hat. Dagegen hat die junge Künstlerin die letzten Jahre sehr\neifrig angewendet, um sich in der Coloratur, dem Triller u. s. w.\nzu vervollkommnen, und hat darin sehr grosse Fortschritte gemacht.\nIndess sind diese noch nicht so bedeutend, dass die Sängerin die\nschwierigen Aufgaben, welche Rossini in dem gewählten Stücke\ngestellt hat, künstlerisch bewältigen könnte; so lange das aber nicht\nganz gelingt, thut man immer besser, mit dergleichen Studien noch\nnicht öffentlich aufzutreten. Wir zweifeln jedoch nicht, dass Frl.\nWalseck bei fortgesetztem Streben mit so anerkennungswerthem\nFleisse als Künstlerin eine Zukunft haben wird. Die Figaro-\nOuverture, von Ed. Frank für Pianoforte gesetzt und gespielt, und\ndie Concertante für zwei Violinen von Kalliwoda, ausgeführt von\nFr. Hartmann und Th. Pixis, waren willkommene Zugaben zu\ndem Sänger-Concert. __"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "15", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nBerlin. Roger ist bei seiner diesjährigen Triumphreise\ndurch Deutschland zuerst in Breslau aufgetreten, natürlich mit\nungeheurem Erfolg. Von da ist er über Berlin nach Stettin ge-\ngangen. In Berlin wollte er nur als George Brown in der weis-\nsen Dame auftreten; indess hat er am 4. d. Mts. noch den Edgardo\nin der Lucia (Fr. von Marra) und am 6. noch einmal in der\nweissen Dame gesungen. Seit seinen Gastdarstellungen hat die kö-\nnigsberger Oper einen besseren Aufschwung genommen. In Be-\nnedix' Angela, einer Kleinigkeit, die für Fr. von Marra geschrie-\nben ist, zeigte sich diese Künstlerin in den verschiedensten Gat-\ntungen. Das klangvollste Organ von allen Mitgliedern besitzt der\nBassist, Hr. Thelen; er gefiel sehr in Stradclla und in der Lucia.\nDer Gast Hr. Lieb er t, mit einer schönen Tenorstimme, will\nnoch nicht recht durchgreifen. Eine Rheinländerin aus Crefeld*\nFrau Johanna Findorf, hat in einem Kirchen-Concerte und in\neiner Soiree bei Herrn Steifensand durch die Fülle und Weich-\nheit ihrer Stimme Aufsehen erregt.\nBerlin« Hier wird die Aufführung der „Stummen von Portici\"\nvon Auber, welche seit 10 Jahren nicht gegeben worden, auf glän-\nzende Weise vorbereitet. Die Fcnella wird von der Taglioni,\nElvira von Fr. Tucz eck -He rrenbur ger, Masaniello von Th.\nForm es, Pietro von Salomon, Alfonso von Krüger dargestellt\nwerden.\nAus Baden-Baden. Unsere musicalische Saison fängt an\nglänzend zu werden, die schöne Welt ist es schon seit mehreren\nWochen, und die Natur kommt endlich auch nach. Es wimmelt\nhier von vornehmen Gästen; Herzoge und Fürsten sieht man über-\nall. Auf dem Kiosk vor dem Conversationshause spielt ein Orche-\nster von 50 Musikern drei Mal täglich unter Eichlers Direction\nes ist vortrefflich und zählt selbst gute Solisten unter sich. Von\nSängerinnen ist die Lagrange hier, und die beiden Cruvelli\nwerden erwartet. Vom 15. Juli an werden Ernst, Selig mann und\nEhrlich (Violine, Violoncelle und Piano) wöchentlich ein Concert\ngeben. Am 20. August wird ein grosses Musikfest Statt finden, auf\nwelchem H. Berlioz seine Sinfonie „Romeo und Julie\" aufführen\nwird, mit dem Orchester und Chor von Karlsruhe und der treff-\nlichen österreichischen Regimentsmusik unter dem Capellmeister\nKönemann. Auch Liszt wird dazu erwartet.\nDer Verein der deutschen Musicalienhändler in\nLeipzig warnt in öffentlichen Blättern die Liedertafeln, Gesang-\nVereine, Unternehmer von Musikfesten u. s. w. vor der Anwen-\ndung des Ueberdrueks oder Umdrucks der einzelnen Stimmen, in-\ndem darin eine Rechtsverletzung gegen das Eigenthum der Verleger\nliege, welche der Strafe des gesetzlich verbotenen Nachdrucks un-\nterliege. Dagegen lässt sich nichts sagen, als dass die Herren\nVerleger die Ausstattung der Einzelstimmen weniger kostspielig ein-\nrichten und dann vor Allem Partiepreise, wie beim Buchhandel,\nfestsetzen möchten.\nBisher erstreckte sich die überschwängliche Sprache nur auf die\nCompositionen; jetzt dehnt sie sich auch auf die Leistungen der\nKünstler aus. Nach einem norddeutschen Blatte ist z. B. Frl. Jo-\nhanna Wagner „eine empfindungsreiche, von dem reizendsten Hell-\ndunkel des energisch Imponirenden erfüllte Gesangeswahrheit\". Eine\nWahrheit von Helldunkel erfüllt, welches energisch imponirt? In\nwelcher Hexenküche ist dieses Gebräu gekocht worden?\nWochen-Conto eines Schauspielers. Bauernfeld theilt\nin den „Oesterr. 81. für Literatur und Kunst\" eine Skizze über die\nwiener Volksbühne mit; darin erzählt er unter Anderem Folgen-\ndes: In den Hanswurst-Komödien, die in der ersten Hälfte des\nvorigen Jahrhunderts in Wien blühten, waren die Haupt-Schau-\nspieler vor Allem darauf bedacht, dass sie viele Arien zu singen\nbekamen; auch mussten die Zauberstücke zu ihren Zwecken so\neingerichtet werden, dass die darin Auftretenden häufig mit Prügeln\nbedacht wurden, und dass sie wenigstens einmal in die Luft zu\nfliegen oder ins Wasser zu springen genöthigt waren; denn jede\ndieser theatralischen Actionen wurde besonders honorirt, wie aus\nnachfolgendem Wochen-Conto eines Schauspielers jener guten alten\nZeit erhellt:\n6 Arien a 1 Fl 6 FL Kr.\nEinmal in die Luft geflogen ... 1 „ „\nIns Wasser gesprungen 1 „ „\nBegossen worden 1 „ - „\n2 Ohrfeigen 1 „ 8 „\n1 Fusstritt „ 34 „\nSumma . . 10 Fl. 42 Kr.\nAuf der pariser Ausstellung befindet sich ein grosses Bild von\nL a e m 1 e i n, das „die Musik\" vorstellt. Im Vordergrunde ruht in\nder Mitte Rossini, rechts vom Zuschauer unter einem Baume sieht\nman Meyerbeer und Halevy (mit der Brille), ferner Aubcr und Fe-\nlicien David als Grosskophtha und beschäftigt, ein in Ohnmacht ge-\nsunkenes Weib, welches von einer braunfarbigen Araberin gehalten\nwird, zu magnetisiren; hinter ihm A. Thomas und ein indianischer\nKazikcmit Papageifedern. Links fasst de Beriot die Hand derMalibran,\nwelche begeistert zum Himmel blickt, hinter ihnen stehen Liszt und\nPaganini, noch etwas weiter zurück Händel mit seiner Staats-\nperrücke; auf einem Hügel sitzen in etwas weiterer Ferne Haydn,\nMozart und Beethoven ihnen gegenüber rechts Guido von Arezzo\nin Mönchstracht. Im Hintergrunde scharen sich andächtige Völker\nim Naturzustande um Orpheus, Linus, Amphion und Pythagoras.\nIm Himmel musiciren die Engel auf Rebab, Viola d'Amour, Psal-\nter, Harfe u. s. w. Nun mache man sich ans Deuten!\n' V\nUnter den deutschen Gesang-Schülerinnen, welche sich gegen-\nwärtig in Paris ausbilden, erregt Fräul. Cäcilie Sämann aus\nKönigsberg, Schülerin von Panofka, Aufsehen durch Schönheit,\nStimme und musicalische Anlagen. Neben ihr auch eine Schwedin,\nTherese Morin.\nMeyer beer gibt seine Composition des 91. Psalms in Pa-\nris bei Brandus heraus. Er ist achtstimmig für zwei Chöre und\nSoli gesetzt, ohne Begleitung, auf den lateinischen Text, welchem\nin der pariser Ausgabe eine französische Uebersetzung von M a u-\nrice Bourges untergelegt wird.\nAm Conservatorium zu Paris ist Herr J. J. Masset als Nach-\nfolger des verstorbenen Galli zum Gesanglehrer ernannt worden.\nNach einer vorläufigen Mittheilung unseres Correspondenten in\nLondon ist die Oper von Bcrlioz: Benvenuto Cellini gänzlich\ndurchgefallen. Fräul. Clauss gibt ihr zweites Concert am 14. Juli\nin Willis' Rooms.\nOle Bull (der übrigens trotz seines Namens nichts mit dem\nel Ole der Camara und Pepita zu schaffen hat) fährt fort, in Nord-\namerica Concerte zu geben, um seiner norwegischen Colonie\nauf die Beine zu helfen. Nach den neuesten Nachrichten hat er in\nPennsylvanien 120,000 Acres Land gekauft, an Einem Stück, von\nfruchtbarem Boden und von Bächen und Flüssen durchschnitten.\nDieses Land verkauft er in kleinen Abtheilungen von 20 bis 30\nAcres, für 3 Dollars den Acre, vorzugsweise nur an Norweger,\nDänen und Schweden. Trotzdem sind von seinen 700 Ansiedlern"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "16", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530709-01.1.8", "texte": "bis jetzt zwei Fünftel Deutsche. Er hat ein Grundgesetz für die\nColonie entworfen, welches unter Anderem auch den Paragraphen\nenthält, dass jeder Trunkenbold ausgewiesen wird und binnen einer\nbestimmten Frist sein Eigenthum verkaufen muss. Da er selbst ein\nbedeutendes Vermögen besitzt, so gedenkt er Fabriken und dergl.\nauf eigene Rechnung anzulegen, wird aber auch aus seinen Mitteln\nfür Verbindungswege sorgen. Vier Eisenbahnen berühren sein\nGebiet. In Neu-Orleans hatte ihm seine Violine in den vier letzten\nConcerten 8000 Dollars eingebracht.\nDer Pianist Goldschmidt, Gemahl von Jenny Lind, soll die\nPartitur einer Oper vollendet haben."}]}