{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-07-16-01", "volume": "bmtnabi_1853-07-16_01", "ocr_sha256": "1016e47de14521c81bf37fabc46380d312a031183855ab0e9a2fd025e5975bcd", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/07/16_01/bmtnabi_1853-07-16_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-16-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-16_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "17", "page_fin": "19", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.2.1", "titre_corps": "Noch Einmal: Was wir wollen.", "titre_sommaire": "Noch Einmal: Was wir wollen.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4029, "texte": "Noch Einmal: Was wir wollen.\nIII.\nDiese Richtung auf das Absonderliche machte sich\nzuvörderst in den Composilionen für Instrumental-Musik\ngeltend, und Beethoven's letzte W'erke wurden von den\nChoiführern des Fortschrittes nicht etwa als die Erzeug-\nnisse eines bereits vollführten Gährungs-Processes, als Er-\nfolge einer durch ihn bereits zum Abschlüsse gebrachten\nRevolution betrachtet, sondern als der Anfangspunct eines\nneuen Zeitalters, in welchem die Kunst erst zur Freiheit\nund durch diese zur Vollendung gelangen werde. Aber\ndiese Freiheit suchten sie, in merkwürdiger Uebereinstim-\nmung mit den Auswüchsen der neueren Staats- und Ge-\nsellschaftslehre, im Verneinen, im Zerreissen aller Bande, die\nGesetz und Herkommen und Sitte geheiligt haben. Die\nFormen, welche die Bestrebungen der grössten Geister für\ndie Kunst geschaffen, und welche das Genie der erhaben-\nsten Meister erweitert und verschönert hatte, schalten sie\nzwingende Fesseln; mit dem Abschütteln derselben wähn-\nten sie den Geist zu befreien, und vergassen, dass der\nwahre künstlerische Geist sich nur in der vollendeten Form\noffenbart, dass das wahre Kunstwerk nur in der Einheit\nder Idee mit der Form der Erscheinung bestehen kann,—\neine Lehre, welche von den Homerischen Versen an bis auf\ndie einfache Liedform in der Musik durch alle Künste und\nZeitalter hindurch aus allen Kunstwerken laut genug spricht.\nAllein was wollen alle bewunderten Werke der toni-\nschen und plastischen Künste mit ihrer stummen Bered-\nsamkeit gegen die neuen Prediger der geoffenbarten Kunst-\nReligion bedeuten, deren Hauptgrundsatz ist, „jede Spur\ndes Monumentalen abzustreifen\" und „durch das stets\nvoll und ganz Gegenwärtige in der Kunst ein für\nalle Mal das ganz oder theilweise Ungegenwärtige, das Mo-\nnumentale, zu verdrängen\" ? R. Wagner sagt: „Wir haf-\nten mit allen unseren Kunstbegriffen noch so ganz und gar\nin der Vorstellung des Monumentalen, dass wir Kunstwer-\nken nur in dem Grade Geltung zusprechen zu können glau-\nben, als wir ihnen den monumentalen Charakter beilegen\ndürfen.\" Indem er nun die Aufgabe des Kunstwerkes der\nZukunft in die Vernichtung des Monumentalen setzt, räumt\ner dennoch weil ihn Vernunft und Erfahrung dazu drän-\ngen jener so eben ausgesprochenen Ansicht einer auf\ndas Monumentale begründeten ästhetischen Kritik „die volle\nBerechtigung den Erzeugnissen der Mode gegenüber ein\" *).\nNun, eben diese Berechtigung ist es, welche wir für unsere\nRichtung in Anspruch nehmen: nichts Anderes, als diese.\nDer Unterschied ist nur der, dass Wagner und vor ihm\nmit geringer Abschattung Berlioz, den Begriff Mode nur\nauf die Mittelmässigkeit beschränken, welche wir im\nvorigen Artikel charakterisirt haben, dass es ihnen aber\neben weil sie selbst darin stecken gar nicht einfällt,\ndass auch die Absonderlichkeit eine Sache der Mode\nsein kann, und dass z. B. der mittelalterliche Kram, das\nWunderwesen und alles, was daran hängt, eben so gut eine\nMode der Reaction ist, wie die Verabscheuung des Monu-\nmentalen und Historischen eine Mode der Revolution war.\nWie wunderlich Wagner Beides durch einander wirft, in\nseinen kritischen Schriften ein Anhänger der unbedingtesten\nFreiheit, in seinen musicalischen Dramen ein Sclave der Ge-\nbundenheit, so dass er in jenen das Reinmenschliche nur\nin dem unerzogenen Individuum der communislischen Ge-:\nmeinde, in diesen nur in dem zerknirschten Büsser oder in\ndem Ritter des heiligen Gral findet davon wollen wir\ngar nicht reden.\nIst es denn so sehr lange her, dass die Romantik in\nder Literatur Mode war, dass alle Erinnerung daran aus\ndem Gedächtnisse der Lebenden verschwunden wäre? Was\nsprechen wir von Vergangenem? Ist es denn den neuen Pro-\npheten der Kunst-Religion unbekannt, dass Redwitz existirt?\nWenn wir nun die musicalischen und poetischen Leistun-\ngen der Zeit mustern, dann stimmen wir wieder mit Wag-\nner überein, wenn er (S. 15) sagt; „Derßespect vor dem\nMonumentalen kann sich in Wahrheit nur auf eine ästhe-\ntische Abneigung gegen eine widerliche und\n\n*) Miltheilung an raeine Freunde, S. 15."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5186, "texte": "unbefrie dige n d e Gegenwart stützen.41 Wahrlich, so\nist es; aber diese widerliche und unbefriedigende Gegen-\nwart sehen wir eben nicht nur in der Mittelmässigkeit,\nsondern eben so sehr in der Absonderlichkeit und in der\nWunderlichkeit, uns etwas als ein „voll und ganz Gegen-\nwärtiges\" aufdringen zu wollen, was dem Bewusstsein des\ndeutschen Volkes längst entschwunden ist.\nSo hat denn eine musicalische Zeitschrift, welche sich\nnicht mit gebundenen Händen einer Partei zum Werkzeug\nüberliefern will, in unserer Zeit die Verpflichtung, nach\nzwei Seiten hin Front zu machen: gegen das Flache und\nMittelmässige, und gegen das Schwülstige und Absonder-\nliche. Nicht gegen das Neue ein Vorwurf, mit welchem\ndie Gegner gewöhnlich die Menge zu blenden versuchen,\nindem sie das Banner des Fortschrittes im Winde flattern\nlassen, so dass der grosse Haufe und die liebe Jugend nur\ndie schillernden Farben gewahren. Tritt dann einer hinzu\nund fasst es an beiden Enden, um zu lesen, was darauf\nsteht, um zu schauen, was eigentlich dahinter ist, so ist\ndieser „kühne Griff\" hinreichend,ihn als laudator temporis\nacti, als Lobredner der guten alten Zeit, als Vertheidiger\nder Perrücke und des Zopfes, als Reactionär, als Rückwüh-\nler zu verdächtigen. Aber sowohl das Neue an sich, als die\nTonschöpfungen der Neuzeit nur aus dem Grunde zu ver-\nschmähen, weil sie neu sind, ist uns nie eingefallen und\nwird uns nie in den Sinn kommen. Während wir das\nSchöne in dem Neuen, wo es sich nur findet, freudig\nanerkennen, treten wir der anmaassungsvollen Lehre, dass\nnur das Neue schön sei, allerdings entgegen, und um\nso entschiedener überall da, wo wir uns überzeugen, dass\ndie Erzeugnisse der Sucht nach dem Ausserordentlichen,\nnach dem Nichtdagewesenen uns als Ausflüsse der Ur-\nsprünglichkeit, als Flüge der Begeisterung aufphilosophirt\nwerden sollen. Wir machen also Front gegen die Trivia-\nlen, aber auch gegen die Originalen, d. h. gegen die Pseud-\no welche die Formlosigkeit für Freiheit, die Aus-\nwüchse eines kranken Stammes für saftreiche Schösslinge,\ndie Sprünge einer überreizten Phantasie für Genie halten\nund in der Verzweiflung an der Schöpfungskraft zum Gu-\nten, Einfachen, Natürlichen und Schönen sich mit Willkür\nund Reflexion auf das Gerüst des Auffallenden und Abson-\nderlichen hinaufschrauben. An so künstlich hochgetriebene\nLeistungen kann alsdann die befreundete Kritik auch nicht\nanders als auf Stelzen herantreten; wir gönnen ihr dieses\nVergnügen, werden aber unsererseits den festen Boden\nunter unseren Füssen nicht aufgeben.\nDiesen festen Boden werden wir wie bisher auch durch\ndie Form der Darstellung, durch die Sprache, welche\nin unserer Zeitschrift herrschen soll, zu behaupten suchen.\nDie neueste Zeit bietet auch in dieser Hinsicht so wun-\nderliche Erscheinungen dar, dass man in der That, wenn\nman das schwülstige, kunstphilosophische Kauderwälsch\nlies't, welches in manchen Büchern und Zeitschriften über\nMusik zuTage gefördert wird, nicht nur an dem Fortschritt,\nsondern an dem Dasein des gesunden Menschenverstandes\nbei diesen musicalischen Schriftstellern zweifeln muss. In\nder Diplomatie ist Talleyrand's Wort, dass die Sprache da-\nzu da sei, die Gedanken zu verhüllen, bekannt genug\nund am Ende mehr als ein blosser Witz; aber das Wesen\nder Tonkunst und den Charakter eines musicalischen Kunst-\nwerkes durch den unsinnigen Wortschwall so genannter\nphilosophischer Deductionen aufklären zu wollen, das\nwar den neuesten Musikgelehrten aufbehalten. Wer die Ver-\nstösse gegen die ersten Elemente der Logik, dabei die Wi-\ndersprüche und die phantastischen Schwindeleien, die sich um\nWorte ohne Sinn und Begriff drehen, in den Schriften Wag-\nner's und in den Partei-Blättern seiner Apostel aufführen\nwollte, könnte ein ganzes Buch damit füllen. Und Wagner\nist doch noch Musiker, er hat sich doch als berechtigt le-\ngitimirt, ein Wort mitzusprechen, da er die Wissenschaft\nder Tonkunst inne hat. Aber was soll man zu den ästhe-\ntischen Philosophen sagen, die sich berufen glauben, die\nRäthsel der Kunst zu lösen, und nicht im Stande sind, eine\nTonart durch ihr Gehör zu erkennen und eine Terz von\nder Quinte zu unterscheiden?\nDas wissenschaftliche Element, das natürlich jeder\nKunst und vor Allem jeder Kunstkritik inne wohnen muss,\nliegt nicht in den auswendig gelernten Schul-Redensarten\nund den vom Philosophentisch aufgelesenen Brosamen, son-\ndern in der Kenntniss der Sache und in dem Geist, der die\nTheorie lebendig macht.\nEs ist kinderleicht, sich in den Mantel der Gelahrtheit\nzu hüllen, den Doctorhut mit breiter Krempe über das blin-\nzelnde Auge zu stülpen, und alle Augenblicke den Fleder-\nwisch in den Brunnen der Apokalypse zu tauchen und im\nVorbeigehen der Menge Wasser ins Gesicht zu spritzen.\nSchwieriger ist es, über Gegenstände der Kunst so zu schrei-\nben, dass jeder gebildete Mensch uns versteht. Wir haben\nbisher im Verein mit unseren Mitarbeitern danach gestrebt,\nder Lehre vom Schönen in der Tonkunst bei der ganzen\ngebildeten Welt, die sich für Musik interessirt, durch eine\nForm der Darstellung Eingang zu verschaffen, welche von\ndem hergebrachten Ton der kritischen Zeitschriften abweicht,\nohne dem wissenschaftlichen Geist etwas zu vergeben. Es"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2277, "texte": "wird unsere Aufgabe bleiben, bei dieser Weise zu verhar-\nren, und, so viel es uns gelingt, verständlich und eindring-\nlich und mit Achtung vor dem Publicum, vor dem\nde lout le monde, zu schreiben, ohne der eigenen Einsicht\nund Ueberzeugung und dem kritischen zu\nvergeben.\nIn diesem Streben und in der Verbreitung der ausge-\nsprochenen Ansichten und Grundsätze über das Wesen der\nTonkunst haben uns viele treffliche Kräfte unterstützt, für\nderen Mitwirkung wir hiermit den aufrichtigsten Dank\nabstatten und uns freuen, den Lesern dieser Blätter die\nVersicherung geben zu können, dass alle unsere bisherigen\nMitarbeiter (mit Ausnahme des Hrn. Riccius in Leipzig,\nvon welchem im letzten Jahrgange der Rheinischen Musik-\nzeitung vier bis fünf Briefe enthalten sind) fortfahren, ihre\nThätigkeit unserer Zeitschrift zuzuwenden und, wie ein Ve-\nteran unter ihnen sich ausdrückt, „dem Namen des Her-\nausgebers auch auf der Fahrt am Niederrhein gern und\ntreulich zu folgen\".\nDiese ehrenwerthen Genossen sind theils in Namen,\ndie für sich selbst sprechen, theils in Chiffern, welche sich\ndurch ihre bisherigen Artikel gehörig legitimirt haben, die\nHerren G. E. (Gustav Engel) in Berlin; B. P. in Pa-\nris; C. A., L. und F. Rabies in London; Prof. Brei-\ndenstein, Prof. II ei ms oeth in Bonn; —tz —in\nDüsseldorf; H. Winkelmeier in Heidelberg; C.\nA. Bertelsmann und C. A. S. in Amsterdam; 11.\nLübeck im Haag; J. Vermeulen in Rotterdam;\nK. und —ff— in Brüssel; Anton Schindler in\nFrankfurt a. M.; Zuccalmaglio ebendaselbst; 11.\nMethfess el in Braun schweig; Musik-Dir. B rei d en-\nstein in Dortmund; C. Gollmick in Frankfurt\na. M.; FF in Wiesbaden; M**** in Petersburg; Dr.\nHanlowitz in Moskau; Prof. Ed. Do et or in Mün-\nchen; Fr. Derckum in Köln, u. s. w.\nDabei bieten uns die Verhältnisse der Verlagshandlung\nreiche Gelegenheit zu Anknüpfungen neuer Verbindungen\nund setzen uns in Stand, die Kunstnachrichten aus dem In-\nund Auslande mit mehr Schnelligkeit, als sonst möglich ist,\nmitzutheilen, wovon z. B. die ausführliche Correspondenz\naus London in der heutigen Nummer schon den Beweis gibt.\nSo werden wir denn die Aufgabe, die wir uns gestellt\nhaben, rastlos und eifrig verfolgen und sie so viel unsere\nKräfte vermögen, zum Ziele zu führen suchen.\nDer Herausgeber: Prof. L. Bisch off."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-16-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-16_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "19", "page_fin": "22", "image_debut": 3, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.2.2", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. A", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.3", "debut_caractere": 2279, "fin_caractere_exclue": 4738, "texte": "Londoner Briefe.\n\n(Bcnvcnuto Cellini von Berlioz Spohr's historische\nSinfonie F. Hiller Beethovens neunte Sinfonie\nAgnes Bury Theod. Forines —Reichert Spohr's\nSinfonie für zwei Orchester.)\nDie letzten Tage des Juni sind noch reich an musica-\nlischem Stoff gewesen, d. h. an wirklich bedeutendem und\ndie Kunstgeschichte interessirendem Stoff denn jenen\nWust von Musik, den die täglichen Concerte bringen (oft\nacht bis zwölf an einem Tage) mit kritischer oder auch nur\nberichtender Feder durchzustöbern, wäre eben so unfrucht-\nbar als langweilig.\nZunächst also von der Aufführung des Benvenuto\nCe 11 ini am 25. Juni, dem wahrscheinlich letzten Versuche,\ndie Berlioz'sche Opernmusik dem Publicum genehm zu ma-\nchen. Die erste Vorstellung dieser Oper zu Paris wurde\nbekanntlich vor 12 —l4 Jahren sehr kalt aufgenommen.\nNeuerlich hat Liszt in Weimar sie wieder ans Licht gezo-\ngen, und jene weimar'sche Aufführung mag wohl die hie-\nsige veranlasst haben. Den unglücklichen Erfolg hier in\nLondon kann man keineswegs dem Mangel an gutem Wil-\nlen und an Eifer bei dem Sängerpersonal, und eben so\nwenig der kärglichen Ausstattung zuschreiben; denn die\nganze Vorstellung gehörte zu den sorgfältigsten und voll-\nkommensten der italiänischen Oper in dieser Saison. Es\nbleibt also nur das gewöhnliche Zufluchtsmittel der Freunde\nund Apostel der neueren Schule übrig: die Unfähigkeit des\nPublicums der Gegenwart! Diese mag denn behaupten,\nwer daran Vergnügen findet: ich stimme in den Ausspruch\neines hiesigen Blattes ein, welches die Frage, ob Berlioz\nseinem Zeitalter vorausgeeilt sei, dahin entscheidet, dass er,\nwenigstens als Vocalcomponist, dasselbe nicht einmal er-\nreicht hat.\nDer Verfasser des Textes hat den dürftigsten Gewinn,\nden man sich nur denken kann, aus der Selbstbiographie\ndes berühmten Florentiners gezogen, die in Deutschland\ndurch Göthe's Uebersetzung bekannt geworden ist. Die\nHandlung ist mager und doch so verworren und unzusam-\nmenhängend, dass sie kaum verständlich ist. Die wenigen\nwirklichen Ereignisse aus der Geschichte sind sehr plump\ndramatisirt und mit einem Wust von Dingen vermischt,\nwelche nichts als Spectakelwerk und Posse sind. Es ist\nunbegreiflich, wie ein Mann wie Berlioz, der als Kritiker\neinen wohlverdienten Namen hat, solch einen Text in Mu-\nsik setzen konnte.\nDie musicalische Bearbeitung dieses Textes ist ganz\neine solche, wie sie die übrigen Werke von Berlioz uns\nerwarten liessen. Sie zeugt von Kühnheit und Originalität"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5114, "texte": "der Gedanken und grosser Meisterschaft in den Combina-\ntionen aller Instrumentalmittel. Aber das einzige Instru-\nment, welches Berlioz nicht zu behandein versteht, ist die\nmenschliche Stimme. Es finden sich auch wohl hübsche\nVocalmotive, aber sie haben weder rhythmischen Fluss, noch\nLeichtigkeit und Anmuth; an Symmetrie der Form ist gar\nnicht zu denken, und in der Begleitung sind alle Gesang-\nstücke furchtbar überladen. Die Ouvertüre machte einen\ngünstigen Eindruck, besonders eine schöne Andante-Stelle\nin der Mitte; auch der Schlussist glänzend. Im ersten Act\nist das Terzett zwischen Therese (Mad. Julienne), Cellini\n(Tamberlik) und Fieramosca (Tagliafico), Cellini's Neben-\nbuhler, wohl die beste Nummer.\nDer zweite Act beginnt mit einer Instrumental-Einlei-\ntung, welche das römische Carneval schildert; denn in der\nZeit des Carnevals spielt die Oper, besonders der zweite\nAct. Der Chor der Bildhauer, welche ihre Kunst preisen,\nist zu einem Hauptthema bestimmt, welches die Oper cha-\nrakterisiren soll, und sein Motiv kehrt häufig wieder; er ist\nnicht ohne Kraft, der man jedoch das Gemachte anhört, und\nseine Länge schwächt den Eindruck vollends. Die Carne-\nvalsmusik zu den Volksscenen auf der wo\nein Harlekins-Theater aufgeschlagen und die Bühne mit\nHunderten von Masken angefüllt ist, wo am Ende Getüm-\nmel und Gefecht entsteht, in welchem Cellini einen Genos-\nsen seines Nebenbuhlers ersticht u. s. w., enthält sehr hüb-\nsche Sachen, ist aber furchtbar lärmend, so dass das ewige\nGetöse der grossen Trommel und der Becken mit allem\nZubehör von Blech und Messing dem Ohre förmlich weh\ntliut. Ein einziges kleines Lied im dritten Act, von Frl.\nDidiee gesungen, wurde da capo gerufen, weil man eine\nMelodie, wenn schon eine ganz gewöhnliche, darin fand. Die\nganze übrige Vorstellung ging mit Stillschweigen von Sei-\nten des Publicums vorüber, und wenn es noch dabei ge-\nblieben wäre! Leider fiel es aber einigen guten Freunden\nein, am Schlüsse zu applaudiren, und nun entstand ein Sturm\nvon missbilligenden Aeusserungen aller Art, und selbst die\nGegenwart der Königin hinderte das Pfeifen nicht.\nMan hört hier viele sehr ernste und richtige Urtheile\nüber die Berlioz'sche Musik, über seine Sucht nach Neuem,\ndie ihn dahin gebracht, Melodie, Rhythmus, Tact, Form,\nAlles wegzuwerfen und am Ende die Natur des Schönen\nund das Schöne der Natur zu zerstören. Aber es fehlt auch\nnicht an Witzen über diesen Vorgänger Richard Wag-\nners. Punch z. B. erklärt den Fall der Oper daraus, dass\nBenvenuto Cellini auf Berlioz's Befehl die Stiefeln auf den\nKopf gesetzt und die Füsse in den Hut gesteckt habe; auf\ndas \\Y ort: \\ orwärts Marsch! sei der arme Bildhauer auf\ndie Nase gefallen.\nAm 28. Juni fand das achte und letzte Concert der\n(allen) philharmonischen Gesellschaft Statt. Es\nwurde mit Spohr's historischer Sinfonie eröffnet.\nEs ist diese Sinfonie immer eine interessante Composition.\nIn dem ersten Satz (G-dur), einer Art von zwi-\nschen welches ein Pastorale tritt, ist Bach's und besonders\nlländel's Stil nicht übel nachgeahmt. Das Larghetto in Es\nsoll uns Haydn's und Mozart's Charakter darstellen; zwei\nMotive von Mozart (aus der Es-dur- und D-dwr-Sinfonie)\nliegen dieser geistvollen Parodie zum Grunde. Das Scherzo\nG molljsoll die Beethovcn'sche Periode veranschaulichen\neine schwierige Aufgabe, deren Lösung darin besteht,\ndass das Thema an Mozart's Menuett in der G-moll-Sin-\nfonie erinnert und die Durchführung und Instrumentirung\n„ reiner Spohr\" ist. Der letzte Satz ist in neuestem glän-\nzendem Stil mit Aufwand aller Instrumentalpracht geschrie-\nben. Spohr war unter den Zuhörern (Costa dirigirte) und\nsah sich auf die ehrenvollste Weise gezwungen, sich von\nseinem Platze zu erheben und den Beifallsgruss des Publi-\ncums zu empfangen.\nMad. Viardot sang die Scenc der Agathe und mit\nMad. Castellan das Duett aus Jessonda. Die erstere\nsang im 2. fheile auch noch die grosse Scene von Mozart:.\nJSon lemer amato bene,welche aber, als für Orchester und\nViolino obligaloarrangirt, uns gar nicht zusagte, und mit\nRecht nennt die hiesige Kritik dies nicht nur einen Miss-\ngrifTj sondern eine unverantwortliche Freiheit. Warum\nnicht mit Hiller's Ausführung, der ja doch im Concert mit-\nwirkte, die herrliche Pianoforte-Begleitung, wie sie concert-\nmässig von Mozart geschrieben ist? lii 11er spielte sein\nFis-moll-Concert, welches Sie kennen; da ist in der\n1 hat das Neue mit dem Schönen und Charakteristischen\nvereinigt: Alles voll Gedanken; Melodie und musicalisches\nWissen vereint. Hiller's Empfang und der Beifall am Schlüsse\ndes Concertes war der bedeutendste an dem ganzen Abend.\nDie vierte Sinfonie B durjvon Beethoven wurde,\nbesonders im Finale, etwas arg herabgejagt.\nDas 1 ünfte Concert der neuen philharmonischen\nGesellschaft am 29. Juni in Exeter Hall war gedrängt\nvoll. Die hauptsächlichsten Anziehungspuncte waren B e e t-\nhoven's neunte Sinfonie und Spohr's Direction,\nder nach Lindpaintner, welcher sich hier eines grossen\nErfolgs als Dirigent zu erfreuen gehabt, hieher berufen\nwar, um die zwei letzten Concerte zu dirigiren. Es begann\nmit einer neuen Ouvertüre von Spohr, Op. 126. Spohr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5024, "texte": "wurde lebhaft bewillkommt, ailein seine Ouvertüre liess kalt;\nsie ist keia Werk künstlerischer Eingebung, sondern nur\nkünstlerischer Arbeit und riecht stark nach der Lampe.\nDagege i wurde im zweiten Theile die Jessonda-Ouverture\nmit stürmischem Beifall aufgenommen und musste wieder-\nholt werden. Die Tenor-Arie aus derselben Oper, „Dass\nmich Glück\", wurde von Theodor Forraes aus Berlin\ngesungen, dessen schöne frische Stimme und gefühlvoller\nVortrag grosse Anerkennung fand.\nDie neue philharmonische Gesellschaft hat das Ver-\ndienst, die neunte Sinfonie, welche dem londoner Publi-\ncum bis zum vorigen Jahre noch ein Buch mit sieben Sie-\ngeln war, hier zur Anerkennung gebracht zu haben. Sie\nwurde in der Concertzeit von 1852 unter Berlioz's Leitung\nzweimal, und gegenwärtig unter Spohr zum dritten Male,\nalso in zwölf Concerten dreimal aufgeführt. Die Theilnahme\nfür das gewaltige Werk ist stets gestiegen; die diesmalige\nAufführung wurde bei jedem Satze und vollends am Schlüsse\nmit unbegränztem Beifall aufgenommen. Die Ausführung\nnach der Original-Partitur und mit deutschem Text\nwar in den drei ersten Sätzen vortrefflich, und im Finale\nnäherte sie sich wenigstens mehr der Vollkommenheit, als\nin den früheren Concerten. Die Soli wurden von Fräulein\nAgnes Bury, Miss Bassano, Herrn Th. Form es und\nHerrn Weiss gesungen, welche sämmtlich die schwierige\nAufgabe mit Ehren lös'ten.\nHerr Th. Form es trug ausserdem noch ein Tenor-\nSolo im Ave verum von Silas trefflich vor; Fräul. Agnes\nBury sang die erste Arie der Königin der Nacht, „0\nzittre nicht\", mit ausserordentlichem Beifall; sie wurde\ngerufen und musste das Allegro wiederholen. Ein junger\nPianist, John Barnett, gefiel mit dem Vortrage von Men-\ndelssohn's D-moll-Concert. Die alte Erfahrung, dass die\ngrosse Menge in Residenzen doch nur durch einzelne Vir-\ntuosen-Leistungen am meisten hingerissen wird, musste sich\nauch in diesem schönen Concert noch am Schlüsse bewäh-\nren, indem der „Carneval von Venedig\" (!) des Flötisten\nReichert ein solches Furore erregte, wie nichts vorher.\nWir gestehen übrigens gern, dass wir eine solche Technik\nauf der Flöte noch nie gehört haben; alle übrigen Be-\nmerkungen, die sich uns dabei aufdrängen, wollen wir un-\nterdrücken.\nDas letzte Concert der Gesellschaft fand am 8. Juli\nI\nStatt; es war hauptsächlich eine Huldigung für Spohr\nund seine neuesten Compositionen. Eröffnet wurde es mit\neiner Ouvertüre unter dem Titel G e n o v e f a, von Charles\nHorslev, einem der besten jetzt lebenden englischen\nComponisten, von dem auch die Oratorien David und Jo-\nseph früher aufgeführt worden sind. Die Ouvertüre machte\neinen günstigen Eindruck. Etwas ganz Besonderes war ein\nQuartett für zwei Violinen, Bratsche und Cello, mit Be-\ngleitung des ganzen Orchesters, von Spohr. Neu\nist diese Form, aber sie wird schwerlich Nachahmer finden,\nund wir können diese Zusammenstellung auch eben nicht\nempfehlen. Sie ist aber sehr geistreich und kunstvoll durch-\ngeführt, enthält viele einzelne Schönheiten, macht jedoch im\nGanzen mehr Wirkung auf den Verstand, welcher die ge-\nschickten Combinationen zu verfolgen im Stande ist, als\nEindruck auf das Gefühl, welches mehr unmittelbar durch\nMelodie und Fluss der Gedanken befriedigt sein will, und\nan dem Quartett allein sich schon hinreichend beschäftigt\nfindet.\nEine andere, grössere und durch Idee und Ausfüh-\nrung noch interessantere Tonschöpfung, ebenfalls in neuer\nForm, war die grosse Sinfonie für zwei Orchester\nin C von Spohr, mit dem Titel: „Irdisches und\nGöttliches im Menschenleben.\" Das erste Orchester\nbestand aus eilf Stimmen: 2 Violinen, Bratsche, Violoncelle,\nContrabass, Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott und 2 Hör-\nnern; es war höher gestellt als das zweite, ganz von ihm\ngesondert und mit lauter Virtuosen besetzt, z. B. Piatli am\nCello, Bottesini am Contrabass u. s. w. Das zweite war\ndas gewöhnliche grosse Orchester, angeführt vom Vorgei-\nger Willy. Im Ganzen genommen hat der Componist dem\nkleinen Orchester die Darstellung des Göttlichen, der Un-\nschuld und Liebe, dem grossen die Schilderung des Irdi-\nschen, der Leidenschaften u. s. w. anvertraut. Spohr hat\nsich in dieser Sinfonie eine schwierige Aufgabe gestellt: die\nmusicalische Darstellung soll das ganze innere Leben des\nMenschen und sein Verhältnis» zum Göttlichen umfassen!\nWir wollen nicht behaupten, dass er sie belriedigend ge-\nlöst, allein so viel ist gewiss, dass er an vielen Stellen\neinen so hohen Flug nimmt, wie ihn die seines Ge-\nnie's nur immer ihm vergönnt.\nDer erste Satz, „Die Kinderwelt\", enthält ein\nkurzes Adagio und ein Allegrelwelches ziemlich lang\nist, und in welchem das kleine Orchester hauptsächlich und\nmeist auf reizende Weise beschäftigt ist; es ist dieser Satz\nechter, lieblicher, gesangreicher Spohr. Die Melodieen sind\nfrischer und origineller, als sonst in den letzten Werken\ndes grossen Componisten. Der zweite Satz ist „Zeit der\nLeidenschaften\" überschrieben und besteht aus einem\nLargliello, welches den ruhigen Zustand des menschlichen\nGemüthes, und einem Allegro in das die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2686, "texte": "Störung desselben und den Kampf mit den Leidenschaften\nschildert. Das Larghetto ist uns etwas matt vorgekommen,\ndas Allegro, in welchem vorzugsweise das grosse Orches-\nter beschäftigt ist, wie auch im des letzten Satzes,\nist voll schöner Effecte. Der letzte Satz: „Endlicher\nSieg des Göttlichen\", enthält ein Presto in\nden letzten Streit des Guten und Bösen, und ein Adagio\nin C-dur,den Aufschwung des Göttlichen über das Irdi-\nsche. Mit diesem Adagio schliesst die Sinfonie, welche im\nGanzen weniger monoton ist, als manche andere Spohr'sche\nComposition, und nächst der „Weihe der Töne\" zu reihen\nsein dürfte. Sie ist übrigens schon vor Jahren componirt\nund 1842 hier in London in Hanover Square Rooms\naufgeführt und damals kalt aufgenommen worden. Dies\nwar jetzt keineswegs der Fall; sie gefiel, und am Schlüsse\nwurde Spohr einstimmig gerufen.\nDer zweite Theil brachte an Orchesterwerken ausser-\ndem nichts weniger als Beethoven's zweite Sinfonie\nin D,dessen Fidelio-Ouverture, und Spohr's Ouvertüre\nzum „Berggeist\". Es ist merkwürdig, was so ein londoner\nPublicum aushalten kann, und im Monat Juli! Ja, was sa-\ngen Sie dazu, dass sehr anhaltende Versuche gemacht wur-\nden durch nicht aufhörenden Applaus, wie das hier\nüblich ist —, das Larghetto der Sinfonie und die Fidelio-\nOuverture wiederholt zu hören? Spohr beachtete sie nicht\nimmer ein etwas gewagter Schritt in London; indess\nsein Ansehen drang durch. Hatte seine eigenthümliche An-\nsicht über Beethoven auch an dieser Weigerung Theil?\nWir wissen's nicht.\nZwei liebliche junge Damen, W i 1 h e 1 m i n e C 1 a u s s\nund Arabella Goddard, welche viele Ihrer kölnischen\nLeser aus den Concerten des Männergesang-Vereins ken-\nnen, trugen die Variationen von Mendelssohn und Mosche-\nles über den Preciosa-Marsch mit glänzendem Beifall vor.\nDer Gesang war durch zwei Deutsche, Frl. Agnes Burv\nund Hrn. Reichart, würdig vertreten.\nDie neue philharmonische Gesellschaft hat ihre Aufgabe\nauch im zweiten Jahre ihres Bestehens ruhmvoll gelös't.\nVon den grossen Werken, deren Aufführung das Programm\nder diesjährigen Concertreihe versprach, ist nur di\nMesse von Beethoven ausgefallen, wofür ein neues Orato-\nrium von Lindpaintner eintrat, eine Rücksicht, die der\nVorstand auf diesen Componisten nehmen zu müssen glaubte,\nder sich durch die Leitung der vier ersten Concerte bei dem\nOrchester gar sehr in Achtung und bei dem Publicum in\nGunst gesetzt hatte. Ueberhaupt ist es sehr anerkennungs-\nwerth, dass die londoner Musik-Gesellschaften neue grosse\nWerke deutscher und französischer Componisten, welche\nim Vaterlande olt lange auf das Emportauchen ins Leben\nwarten müssen, bereitwillig zur Aufführung bringen.\nLondon, 11. Juli.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-16-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-16_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "22", "page_fin": "23", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.2.3", "titre_corps": "Adolph Sax und seine Harmonie-Musik.", "titre_sommaire": "Adolph Sax und seine Harmonie-Musik.", "signature_source": "Leon Kreutzer", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.6", "debut_caractere": 2688, "fin_caractere_exclue": 4885, "texte": "Adolph Sax und seine Harmonie-Musik.\n\nZu den unermüdlichen Verbesserern der Harmonie-\nMusik durch neue Erfindungen im Bau der Holz-Blase- und\nvorzüglich der Messing-Instrumente gehört Adolph Sax\nin Paris, oder richtiger gesagt, er steht an der Spitze der-\nselben. Durch die Vervollkommnung der Blech-Instrumente\nund durch neue Zusammenstellungen hat er eine Wirkung\nerzielt, welche nothwendig einen grossen Einlluss auf die\nMilitärmusik haben muss.\nSeine gegenwärtige Zusammenstellung des Blas-Ür-\nchesters, welches er Societe de la grande Harmonie nennt,\nist folgende: grosse und kleine Flöte, 2 Oboen, 2 kleine\nund 4 grosse Clarinetten, 4 Saxophone (Sopran, Alt, Te-\nnor und Bass), 1 Bassclarinette, 2 kleine Saxhörner in Es,\n2 Alt-Saxhörner in B, 4 Sax-Tromba's in Es, 2 Bariton-\nSaxhörner in B, 2 Bass-Saxhörner in Es, 2 Contrabass-\nSaxhörner in Es, 1 grosses Contrabass-Saxhorn in Es, 2\nCornets ä pislons,2 Waldhörner, 2 Cylinder-Trompeten,\n3 Posaunen, Pauken, grosse Trommel, Triangel und Becken\nzusammen an 42 44 Instrumente.\nMit d iesem Musikcorps gibt Sax Concerte in dem\nprachtvollen Local des Jardin dessen ungeheurer\nSaal jetzt mit dem Sommergarten durch offene Arcaden\nverbunden ist. Er hat diesen Saal für eine Reihe von Con-\ncerten gemiethet, um seine Instrumente dem grossen Publi-\ncum und namentlich auch den Militärs vorzuführen. Das Ver-\nhält niss der hohen Stimmen, der Flöten, Oboen und Clarinet-\nten, ist etwas zu schwach gegen die tieferen Stimmen, ausser\nin den Stellen, wo die kleinen Saxhörner in welche\nebenfalls eine hohe Stimmung haben und Violinpassagen\nausführen, mitblasen. Die Schattirungen des Vortrages sind\nwunderbar: die Piamssimo-Begleitung der Solo-Clarinette\nz. B. in der Ouvertüre zu Zampa durch die Saxhörner\ngibt an Zartheit dem feinsten Streichquartett nichts nach.\nDie Klangwirkung des ganzen Orchesters ist unge-\nheuer und in der That ganz neu ; der Umfang geht von der\nTiefe des Contrabasses bis zur keinen Flöte durch eine un-\nunterbrochene Reihe von Tonstufen. Die Messing-Instru-\nmente bringen selbst für den Musiker erstaunenswerthe\nWirkungen hervor und lassen in Reinheit, Kraft, Schnel-\nligkeit des Ansprechens, und vor Allem in den Schattirun-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 123, "texte": "gen des Ausdrucks nichts zu wünschen übrig. Der Dirigent,\nHerr Mohr, hat sein Orchester trefflich eingeübt.\n\nLeon Kreutzer."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-16-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-16_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "23", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.2.4", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.7", "debut_caractere": 125, "fin_caractere_exclue": 2557, "texte": "Aus Wien.\nDen 11. Juli 1853.\nVon dem Triumvirat unserer Tenoristen: Ander, Erl und\nSteg er, ist Ander seit dem 25. Juni erkrankt, jetzt jedoch so weit\nhergestellt, dass er auf ärztliche Anordnung das Bad Ischl zu\nvölliger Wiedergenesung besuchen kann. Mit dem bewilligten Ur-\nlaub hat er zugleich vom Kaiser die Genehmigung erhalten, die\nihm vom Könige von Hannover verliehene Medaille für Kunst und\nWissenschaft zu tragen. Der Krankheits-Anfall ist in Bezug auf\nGefährlichkeit übertrieben dargestellt worden; es ist keine Be-\nfürchtung für den Verlust der Stimme vorhanden.\nDer neu gewonnene Herr Steg er hat eine schöne Stimme,\nbedarf aber noch vieler gründlichen Studien, um seinen beiden\nGenossen, von denen namentlich Erl neulich in Robert dem Teu-\nfel zeigte, dass seine Stimme noch immer voll und frisch ist, gleich\nzu kommen. Eine merkwürdige Bedingung ist Herrn Steger ge-\nstellt: er muss achtzehn Mal singen, bevor seine feste Anstellung\nerfolgt. Der neue Director, Herr Cornet, ist vorsichtig.\nStaudigl trat in Flotow's Martha als Plumkett wieder auf\nund wurde vom Publicum mit Applaus empfangen. Er bedankte\nsich in dem Porterlied durch einen entsetzlich langen Triller. In\nMozart's Zauberflötc hörten wir eine neue Königin der Nacht,\nFrau Friedrich —: ob die Stimmfähigkeit, das hohe F leicht\nanzuschlagen, ohne Weiteres berechtigt, einen ersten Versuch auf\nder Bühne in dieser Partie zu machen, und noch dazu auf dem\nkaiserlichen llof-Opern-Theatcr, möchten wir bezweifeln. Die Dame\nkann aber eine Sängerin werden. Mozart's Don Juan verun-\nglückte am 3. Juli gänzlich. Herrn Beck fehlt zum Don Juan\nnichts weniger, als Alles: Stimme, Vortrag, Spiel. Frau Köster\nvon Berlin war als Darstellerin der Donna Anna vortrefflich; aber\nals Sängerin? Nein. Ihre Höhe ist sehr scharf geworden und\nwird forcirt; es kommt uns beinahe so vor, als wenn Frau Köster\neinen gewissen Wendepunct erreicht hätte, von welchem ab selbst\ndie Sonne rückwärts geht. Da auch Frl. Schwarzbach eine\nElvira gab, welche Mozart schwerlich wieder erkannt haben würde,\nso hatte Frl. Liebhart als Zerline gewonnenes Spiel. So kalt\nwie dieses Mal ist wohl der Don Juan noch nie hier aufgenommen\nworden; selbst das erste Finale konnte die Menge nicht in Schwung\nbringen.\nUnser Minister des Innern hat die nachahmungswerthe Verfü-\ngung getroffen, dass alle bei dem Ministerium einzusendenden Mu-\nsicalien an die Akademie der Tonkunst geschenkt werden.\n5 -"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-16-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-16_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-07-16_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "23", "page_fin": "24", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.7", "debut_caractere": 2559, "fin_caractere_exclue": 6594, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliöiii. Das Comite für die Sängerfahrt des Männerge-\nsang-Vereins nach London hat beschlossen, von dem Rein-\nerträge der dort und in Brüssel und Antwerpen und bei der\nRückkehr hier in Köln gegebenen Concerte die Summe von 500\nPfund Sterling (3400 Thlr.) der Dombau-Casse, ausserdem\neine Summe von 300 Thlrn. den hiesigen Armenschulen aller\nConfessionen, und einige kleinere Unterstützungen bedürftigen Ritt-\nstellern zukommen zu lassen, welche Vorschläge die General-Ver-\nsammlung am 14. d. Mts. genehmigt hat.\nF. Hiller ist von London über Paris hier eingetroffen.\nHerl in. Kuli ak hat Mozart's Fantasie in F-moll zu vier\nHänden für das Pianoforte zu zwei Händen, zum Zweck des Con-\ncertvortrages, eingerichtet.\nDer berühmte Kammerflötist Friedrich's des Grossen, Johann\nJoach. Quanz, starb (am 12. Juli 1773) über der Composition\nseines dreihundertsten Flötenconccrts. Er hatte das erste Allegro\nganz und das Adagio beinahe vollendet. Der König liess sich die\nPartitur bringen, führte das Adagio zum Schluss und füllte auch\neinige kleine Lücken darin aus und componirtc den Schlusssatz,\nein Rondo Allegro, dazu. Im nächsten Kammer-Concert blies der\nKönig das Concert und sagte nach dem Adagio zum Capellmeister\nRenda: „Der Quanz ist, wie man sieht, mit sehr guten Gedanken\naus der Welt gegangen.\"\nISrestlen. Der Monat Juni brachte uns ein Concert des\nMännergesang-Vereins Orpheus, dessen Ertrag zu Bei-\nträgen für das Göthc- und Schiller-Denkmal in Weimar bestimmt\nwar. Auffallend war es, dass das Concert auf allerlei Hindernisse\nsliess! Ein hübscher Gedanke war es, dass man nur Compositionen\nGöthe'scher und Schiller scher Gedichte aufführte, wie von Rob.\nSchumann das Requiem für Mignon, wobei die Sopran- und\nAltstimmen durch Knaben besetzt waren, von Jul. Rietz die\nDithyrambe, von F. Schubert den Chor der Engel aus Faust,\nWanderers Nachtlied von Reissiger, Mendelssohn's „An die\nKünstler\", und dessen Ouvertüre über Göthe's Meeresstille und\nglückliche Fahrt.\nAm 25. Juni wurde die Oper wieder eröffnet. Fräulein Ney\ntrat wieder als Norma auf, was doch etwas über die gewöhnliche\nNorm zu gehen scheint, erregte jedoch nichts desto weniger grosse\nTheilnahmc. Einige Kritiker wollten der Stimme einige Reise-\nNachwehen anmerken. Rei den Vermählungs-Feierlichkeiten des\nPrinzen Albrecht mit der Prinzessin von Wasa wurde am 18. Juni\n(dem Vorabende) Shakspeare's Sommernachts-Traum mit Men-\ndelssohn's Musik, am 19. Mozart's Titus, und am 20. So-\nphokles'Antigone mit der Mendelssohn'sehen Musik aufgeführt.\nLeipzig. Am 10. Juli ist hier die Versammlung der deutschen\nRühnenvoi stände, veranlasst durch den k. würtembergischen Inten-\ndanten Hrn. v. Gall aus Stuttgart, zusammen getreten. Sie soll\nbereits einige wichtige Vorschläge zur Aufmunterung der drama-\ntischen Schriftsteller berathen und genehmigt haben.\nStsittgart. Seit zwei Jahren besteht hier ein Verein für\ncl assische Kirchenmusik, der es sich zur Aufgabe gestellt\nhat, den protestantischen Cultus durch eine ausgedehntere Aufnahme\ndes musicalischen Elementes in denselben zu verschönern und zu\nerheben. In besonderen Kirchen-Concerten zu sehr mässigem\nPreise führte derselbe die besten Werke der Kirchenmusik gröss-\ntenteils in historischer Reihenfolge seit zwei Jahren vor; allein\nleider hat die edle und schöne Absicht noch nicht die gehörige\nUnterstützung gefunden, und der Verein hat mit Vorurtheilen und\nübel angebrachtem Eifern im Schoosse der protestantischen Gemein-\nden selbst zu kämpfen. Er hält jedoch, und das ist ehrenw erth und\nrühmlich, sein Ziel fest im Auge. Das letzte Concert fand am 0.\nJuli in der Stiftskirche Statt; es wurden Compositionen von Hasse,\nHomilius („Sehet, welch eine Liebe\"), Graun, Jomelli,\nHaydn, Mozart (Misericordias), Cherubini, Beethoven (das\nK(J rie aus der Messe in C-dur), B. Klei n und Mendel sso h n-\nBartholdy aufgeführt, theils mit, theils ohne Orgelbcglcitung. Da-\nzwischen hörten wir Orgel-Compositioncn von J. L. Krebs und\nM. G. Fischer. Herr Dr. Faisst leitete die Aufführungen und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4527, "texte": "begleitete auch auf der Orgel; da diese aber nicht im Kammerton\nsteht, so musste transponirt werden und dieser Umstand, so wie\nauch die zurücktretende Stellung der Orgel, mochte es verschulden,\ndass die Chöre mit Begleitung nicht so gelungen ausgeführt wur-\nden, als die Vorträge des Chores allein, welche vortrefflich waren.\nAus Mainz berichtet man uns, dass der k. k. Capellmeister\nL. Stasny Privat-Verhältnisse wegen seine bisherige Charge beim\nösterreichischen Fcld-Regimente Rainer niederlegen und dieselbe\nmit einer Dirigentenstelle am dortigen Theater vertauschen würde.\nEr ist ein Zögling des prager Conservatoriums, fungirte dann als\nOboist in den beiden Gungl'schen Capellen in Berlin, und beklei-\ndete seit 1847 die Musik-Directorstelle beim k. k. österreichischen\nRegimente Erzherzog Rainer in Mainz. L. Stasny, dessen Tänze\nund Märsche durch die öffentlichen Aufführungen der Regimcnts-\nMusik bekannt geworden sind, hat sich in der Rheingegend auch\nbei vielen Freunden Terpsichore's am Ciavier einheimisch gemacht.\nSeine im vorigen Winter im Stadt-Theater zu Mainz zur Aufführung\ngekommene Oper Liane hatte sich eines Succes d'estime zu erfreuen.\nDem Vernehmen nach ist Stasny mit der Composition einer neuen\nromantisch-komischen Oper in drei Acten, „Die beiden Gold-\nschmiede\", Text von E. A. Hartmann in Leipzig, Ort der Hand-\nlung auf Helsingfors in Dänemark, beschäftigt. Wir wünschen, dass\ndas neue Werk auch fern vom Rheine, namentlich in Oester-\nreich, dem Vaterlande des Verfassers, die gewünschte Anerkennung\nfinden möge!\nGustav Schmidt in Frankfurt, der Componist des „Prinz\nEugen\", hat eine neue Oper unter dem Titel: „Die Weiber von\nWeinsberg\", vollendet.\nFranz Liszt ruht nicht in seiner Thätigkeit, musicalische Pro-\npaganda für die Compositionen von R. Wagner und Berlioz den\nVertretern der Musik der Zukunft zu machen. In dem Musikfeste\nzu Karlsruhe wird er namentlich derartige Werke zur Ausführung\nbringen. Dieses soll im grossherzoglichen Hof-Theater an drei\nAbenden, je über den anderen Tag, im September Statt finden;\ndazwischen sollen Volksfeste und andere grössere Belustigungen\narrangirt werden also wohl eine Annäherung an die olympischen\nSpiele, worauf R. Wagner in seinem bekannten Werke deutet.\nEin Privatmann hat einen Preis von 200 Thlrn. für das beste\nBuch einer grossen romantischen Oper in zwei oder drei\nActen ausgesetzt. Die Manuscripte müssen bis zum 1. Decembcr\nnach Gera an die Buchhandlung Kanitz portofrei eingesandt\nwerden.\nFräul. Wertheimbcr, eine deutsche beim Theater der Opera\ncomique in Paris angestellte Sängerin, wird in Baden-Baden er-\nwartet.\nTherese Milanollo bereis't gegenwärtig Ungarn; in\nPesth hat sie zuerst Concert gegeben. Daselbst macht auch eine\npolnische Sängerin, Fräulein Lesniewska, Aufsehen.\nBei dem letzten Sängerwettstreit in Lüttich dauerten die Wett-\ngesänge in zwei Localen zu gleicher Zeit von Vormittags 10 Uhr\nbis 6 Uhr Nachmittags! Den armen Preisrichtern war jedoch ihr\nAmt auf folgende erleichtert. Jeder von ihnen hatte ein ge-\ndrucktes Schema mit vier Colonnen: erstens „Stimme\", zweitens\n„Reinheit\", drittens „Ensemble\", viertens „Ausdruck\". In jeder Co-\nlonne wurden durch eine bestimmte Anzahl von Puncten fünf\nStufen bezeichnet: „gar nichts (nul), mittelmässig, ziemlich gut, gut,\nsehr gut, vortrefflich.\" Das Horazisehe Otnne tulit punctum ist\nalso daselbst verwirklicht worden, und, wie bereits bekannt, für den\nVerein von Neuss, Dirigent Th. Hartmann,\nLondon. Vicuxtemps ist mit seinen Kindern nach Wien\ngereis't, wird aber von da nach Baden-Baden gehen. Frl.\nWilhelmine Clauss bleibt noch zwei Monate in England, da\nsie von dem Unternehmer Bcale für eine Kunstreise durch Gross-\nbritannien engagirt ist.\nNach französischen Blättern hat 11. Berlioz in London ein\nConcert in Exeter Hall geben wollen, wozu die Subscription bereits\nüber 200 Pfund betrug. Die vorgerückte Jahreszeit und andere Lo-\ncal-Hindernisse machten die Ausführung unmöglich; allein die\nSubscribentcn weigerten sich, das Geld zurückzunehmen, und be-\nstimmten dasselbe zur Herausgabe der Composition des Faust von\nBerlioz. Also ein Pflaster auf die Wunde des Falles von Bcnve-\nnuto Ccllini.\n* » »\nSelbst bis nach San Francisco dringen die europäischen Sän-\ngerinnen vor, bald wohl auch nach Australien, denn an beiden Orten\ngibt es ja das, was sie suchen. Miss Cath. lla yes aus England\nhat ihre Concerte in Californien beendigt und will nun auf ihren\ngoldenen Lorbern ruhen. Der Pianist Häuser hat San Francisco\nebenfalls verlassen, um Südamerica zu beglücken."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "17", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.1", "texte": "Noch Einmal: Was wir wollen.\nIII.\nDiese Richtung auf das Absonderliche machte sich\nzuvörderst in den Composilionen für Instrumental-Musik\ngeltend, und Beethoven's letzte W'erke wurden von den\nChoiführern des Fortschrittes nicht etwa als die Erzeug-\nnisse eines bereits vollführten Gährungs-Processes, als Er-\nfolge einer durch ihn bereits zum Abschlüsse gebrachten\nRevolution betrachtet, sondern als der Anfangspunct eines\nneuen Zeitalters, in welchem die Kunst erst zur Freiheit\nund durch diese zur Vollendung gelangen werde. Aber\ndiese Freiheit suchten sie, in merkwürdiger Uebereinstim-\nmung mit den Auswüchsen der neueren Staats- und Ge-\nsellschaftslehre, im Verneinen, im Zerreissen aller Bande, die\nGesetz und Herkommen und Sitte geheiligt haben. Die\nFormen, welche die Bestrebungen der grössten Geister für\ndie Kunst geschaffen, und welche das Genie der erhaben-\nsten Meister erweitert und verschönert hatte, schalten sie\nzwingende Fesseln; mit dem Abschütteln derselben wähn-\nten sie den Geist zu befreien, und vergassen, dass der\nwahre künstlerische Geist sich nur in der vollendeten Form\noffenbart, dass das wahre Kunstwerk nur in der Einheit\nder Idee mit der Form der Erscheinung bestehen kann,—\neine Lehre, welche von den Homerischen Versen an bis auf\ndie einfache Liedform in der Musik durch alle Künste und\nZeitalter hindurch aus allen Kunstwerken laut genug spricht.\nAllein was wollen alle bewunderten Werke der toni-\nschen und plastischen Künste mit ihrer stummen Bered-\nsamkeit gegen die neuen Prediger der geoffenbarten Kunst-\nReligion bedeuten, deren Hauptgrundsatz ist, „jede Spur\ndes Monumentalen abzustreifen\" und „durch das stets\nvoll und ganz Gegenwärtige in der Kunst ein für\nalle Mal das ganz oder theilweise Ungegenwärtige, das Mo-\nnumentale, zu verdrängen\" ? R. Wagner sagt: „Wir haf-\nten mit allen unseren Kunstbegriffen noch so ganz und gar\nin der Vorstellung des Monumentalen, dass wir Kunstwer-\nken nur in dem Grade Geltung zusprechen zu können glau-\nben, als wir ihnen den monumentalen Charakter beilegen\ndürfen.\" Indem er nun die Aufgabe des Kunstwerkes der\nZukunft in die Vernichtung des Monumentalen setzt, räumt\ner dennoch weil ihn Vernunft und Erfahrung dazu drän-\ngen jener so eben ausgesprochenen Ansicht einer auf\ndas Monumentale begründeten ästhetischen Kritik „die volle\nBerechtigung den Erzeugnissen der Mode gegenüber ein\" *).\nNun, eben diese Berechtigung ist es, welche wir für unsere\nRichtung in Anspruch nehmen: nichts Anderes, als diese.\nDer Unterschied ist nur der, dass Wagner und vor ihm\nmit geringer Abschattung Berlioz, den Begriff Mode nur\nauf die Mittelmässigkeit beschränken, welche wir im\nvorigen Artikel charakterisirt haben, dass es ihnen aber\neben weil sie selbst darin stecken gar nicht einfällt,\ndass auch die Absonderlichkeit eine Sache der Mode\nsein kann, und dass z. B. der mittelalterliche Kram, das\nWunderwesen und alles, was daran hängt, eben so gut eine\nMode der Reaction ist, wie die Verabscheuung des Monu-\nmentalen und Historischen eine Mode der Revolution war.\nWie wunderlich Wagner Beides durch einander wirft, in\nseinen kritischen Schriften ein Anhänger der unbedingtesten\nFreiheit, in seinen musicalischen Dramen ein Sclave der Ge-\nbundenheit, so dass er in jenen das Reinmenschliche nur\nin dem unerzogenen Individuum der communislischen Ge-:\nmeinde, in diesen nur in dem zerknirschten Büsser oder in\ndem Ritter des heiligen Gral findet davon wollen wir\ngar nicht reden.\nIst es denn so sehr lange her, dass die Romantik in\nder Literatur Mode war, dass alle Erinnerung daran aus\ndem Gedächtnisse der Lebenden verschwunden wäre? Was\nsprechen wir von Vergangenem? Ist es denn den neuen Pro-\npheten der Kunst-Religion unbekannt, dass Redwitz existirt?\nWenn wir nun die musicalischen und poetischen Leistun-\ngen der Zeit mustern, dann stimmen wir wieder mit Wag-\nner überein, wenn er (S. 15) sagt; „Derßespect vor dem\nMonumentalen kann sich in Wahrheit nur auf eine ästhe-\ntische Abneigung gegen eine widerliche und\n\n*) Miltheilung an raeine Freunde, S. 15."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "18", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.2", "texte": "unbefrie dige n d e Gegenwart stützen.41 Wahrlich, so\nist es; aber diese widerliche und unbefriedigende Gegen-\nwart sehen wir eben nicht nur in der Mittelmässigkeit,\nsondern eben so sehr in der Absonderlichkeit und in der\nWunderlichkeit, uns etwas als ein „voll und ganz Gegen-\nwärtiges\" aufdringen zu wollen, was dem Bewusstsein des\ndeutschen Volkes längst entschwunden ist.\nSo hat denn eine musicalische Zeitschrift, welche sich\nnicht mit gebundenen Händen einer Partei zum Werkzeug\nüberliefern will, in unserer Zeit die Verpflichtung, nach\nzwei Seiten hin Front zu machen: gegen das Flache und\nMittelmässige, und gegen das Schwülstige und Absonder-\nliche. Nicht gegen das Neue ein Vorwurf, mit welchem\ndie Gegner gewöhnlich die Menge zu blenden versuchen,\nindem sie das Banner des Fortschrittes im Winde flattern\nlassen, so dass der grosse Haufe und die liebe Jugend nur\ndie schillernden Farben gewahren. Tritt dann einer hinzu\nund fasst es an beiden Enden, um zu lesen, was darauf\nsteht, um zu schauen, was eigentlich dahinter ist, so ist\ndieser „kühne Griff\" hinreichend,ihn als laudator temporis\nacti, als Lobredner der guten alten Zeit, als Vertheidiger\nder Perrücke und des Zopfes, als Reactionär, als Rückwüh-\nler zu verdächtigen. Aber sowohl das Neue an sich, als die\nTonschöpfungen der Neuzeit nur aus dem Grunde zu ver-\nschmähen, weil sie neu sind, ist uns nie eingefallen und\nwird uns nie in den Sinn kommen. Während wir das\nSchöne in dem Neuen, wo es sich nur findet, freudig\nanerkennen, treten wir der anmaassungsvollen Lehre, dass\nnur das Neue schön sei, allerdings entgegen, und um\nso entschiedener überall da, wo wir uns überzeugen, dass\ndie Erzeugnisse der Sucht nach dem Ausserordentlichen,\nnach dem Nichtdagewesenen uns als Ausflüsse der Ur-\nsprünglichkeit, als Flüge der Begeisterung aufphilosophirt\nwerden sollen. Wir machen also Front gegen die Trivia-\nlen, aber auch gegen die Originalen, d. h. gegen die Pseud-\no welche die Formlosigkeit für Freiheit, die Aus-\nwüchse eines kranken Stammes für saftreiche Schösslinge,\ndie Sprünge einer überreizten Phantasie für Genie halten\nund in der Verzweiflung an der Schöpfungskraft zum Gu-\nten, Einfachen, Natürlichen und Schönen sich mit Willkür\nund Reflexion auf das Gerüst des Auffallenden und Abson-\nderlichen hinaufschrauben. An so künstlich hochgetriebene\nLeistungen kann alsdann die befreundete Kritik auch nicht\nanders als auf Stelzen herantreten; wir gönnen ihr dieses\nVergnügen, werden aber unsererseits den festen Boden\nunter unseren Füssen nicht aufgeben.\nDiesen festen Boden werden wir wie bisher auch durch\ndie Form der Darstellung, durch die Sprache, welche\nin unserer Zeitschrift herrschen soll, zu behaupten suchen.\nDie neueste Zeit bietet auch in dieser Hinsicht so wun-\nderliche Erscheinungen dar, dass man in der That, wenn\nman das schwülstige, kunstphilosophische Kauderwälsch\nlies't, welches in manchen Büchern und Zeitschriften über\nMusik zuTage gefördert wird, nicht nur an dem Fortschritt,\nsondern an dem Dasein des gesunden Menschenverstandes\nbei diesen musicalischen Schriftstellern zweifeln muss. In\nder Diplomatie ist Talleyrand's Wort, dass die Sprache da-\nzu da sei, die Gedanken zu verhüllen, bekannt genug\nund am Ende mehr als ein blosser Witz; aber das Wesen\nder Tonkunst und den Charakter eines musicalischen Kunst-\nwerkes durch den unsinnigen Wortschwall so genannter\nphilosophischer Deductionen aufklären zu wollen, das\nwar den neuesten Musikgelehrten aufbehalten. Wer die Ver-\nstösse gegen die ersten Elemente der Logik, dabei die Wi-\ndersprüche und die phantastischen Schwindeleien, die sich um\nWorte ohne Sinn und Begriff drehen, in den Schriften Wag-\nner's und in den Partei-Blättern seiner Apostel aufführen\nwollte, könnte ein ganzes Buch damit füllen. Und Wagner\nist doch noch Musiker, er hat sich doch als berechtigt le-\ngitimirt, ein Wort mitzusprechen, da er die Wissenschaft\nder Tonkunst inne hat. Aber was soll man zu den ästhe-\ntischen Philosophen sagen, die sich berufen glauben, die\nRäthsel der Kunst zu lösen, und nicht im Stande sind, eine\nTonart durch ihr Gehör zu erkennen und eine Terz von\nder Quinte zu unterscheiden?\nDas wissenschaftliche Element, das natürlich jeder\nKunst und vor Allem jeder Kunstkritik inne wohnen muss,\nliegt nicht in den auswendig gelernten Schul-Redensarten\nund den vom Philosophentisch aufgelesenen Brosamen, son-\ndern in der Kenntniss der Sache und in dem Geist, der die\nTheorie lebendig macht.\nEs ist kinderleicht, sich in den Mantel der Gelahrtheit\nzu hüllen, den Doctorhut mit breiter Krempe über das blin-\nzelnde Auge zu stülpen, und alle Augenblicke den Fleder-\nwisch in den Brunnen der Apokalypse zu tauchen und im\nVorbeigehen der Menge Wasser ins Gesicht zu spritzen.\nSchwieriger ist es, über Gegenstände der Kunst so zu schrei-\nben, dass jeder gebildete Mensch uns versteht. Wir haben\nbisher im Verein mit unseren Mitarbeitern danach gestrebt,\nder Lehre vom Schönen in der Tonkunst bei der ganzen\ngebildeten Welt, die sich für Musik interessirt, durch eine\nForm der Darstellung Eingang zu verschaffen, welche von\ndem hergebrachten Ton der kritischen Zeitschriften abweicht,\nohne dem wissenschaftlichen Geist etwas zu vergeben. Es"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "19", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.3", "texte": "wird unsere Aufgabe bleiben, bei dieser Weise zu verhar-\nren, und, so viel es uns gelingt, verständlich und eindring-\nlich und mit Achtung vor dem Publicum, vor dem\nde lout le monde, zu schreiben, ohne der eigenen Einsicht\nund Ueberzeugung und dem kritischen zu\nvergeben.\nIn diesem Streben und in der Verbreitung der ausge-\nsprochenen Ansichten und Grundsätze über das Wesen der\nTonkunst haben uns viele treffliche Kräfte unterstützt, für\nderen Mitwirkung wir hiermit den aufrichtigsten Dank\nabstatten und uns freuen, den Lesern dieser Blätter die\nVersicherung geben zu können, dass alle unsere bisherigen\nMitarbeiter (mit Ausnahme des Hrn. Riccius in Leipzig,\nvon welchem im letzten Jahrgange der Rheinischen Musik-\nzeitung vier bis fünf Briefe enthalten sind) fortfahren, ihre\nThätigkeit unserer Zeitschrift zuzuwenden und, wie ein Ve-\nteran unter ihnen sich ausdrückt, „dem Namen des Her-\nausgebers auch auf der Fahrt am Niederrhein gern und\ntreulich zu folgen\".\nDiese ehrenwerthen Genossen sind theils in Namen,\ndie für sich selbst sprechen, theils in Chiffern, welche sich\ndurch ihre bisherigen Artikel gehörig legitimirt haben, die\nHerren G. E. (Gustav Engel) in Berlin; B. P. in Pa-\nris; C. A., L. und F. Rabies in London; Prof. Brei-\ndenstein, Prof. II ei ms oeth in Bonn; —tz —in\nDüsseldorf; H. Winkelmeier in Heidelberg; C.\nA. Bertelsmann und C. A. S. in Amsterdam; 11.\nLübeck im Haag; J. Vermeulen in Rotterdam;\nK. und —ff— in Brüssel; Anton Schindler in\nFrankfurt a. M.; Zuccalmaglio ebendaselbst; 11.\nMethfess el in Braun schweig; Musik-Dir. B rei d en-\nstein in Dortmund; C. Gollmick in Frankfurt\na. M.; FF in Wiesbaden; M**** in Petersburg; Dr.\nHanlowitz in Moskau; Prof. Ed. Do et or in Mün-\nchen; Fr. Derckum in Köln, u. s. w.\nDabei bieten uns die Verhältnisse der Verlagshandlung\nreiche Gelegenheit zu Anknüpfungen neuer Verbindungen\nund setzen uns in Stand, die Kunstnachrichten aus dem In-\nund Auslande mit mehr Schnelligkeit, als sonst möglich ist,\nmitzutheilen, wovon z. B. die ausführliche Correspondenz\naus London in der heutigen Nummer schon den Beweis gibt.\nSo werden wir denn die Aufgabe, die wir uns gestellt\nhaben, rastlos und eifrig verfolgen und sie so viel unsere\nKräfte vermögen, zum Ziele zu führen suchen.\nDer Herausgeber: Prof. L. Bisch off.\n\nLondoner Briefe.\n\n(Bcnvcnuto Cellini von Berlioz Spohr's historische\nSinfonie F. Hiller Beethovens neunte Sinfonie\nAgnes Bury Theod. Forines —Reichert Spohr's\nSinfonie für zwei Orchester.)\nDie letzten Tage des Juni sind noch reich an musica-\nlischem Stoff gewesen, d. h. an wirklich bedeutendem und\ndie Kunstgeschichte interessirendem Stoff denn jenen\nWust von Musik, den die täglichen Concerte bringen (oft\nacht bis zwölf an einem Tage) mit kritischer oder auch nur\nberichtender Feder durchzustöbern, wäre eben so unfrucht-\nbar als langweilig.\nZunächst also von der Aufführung des Benvenuto\nCe 11 ini am 25. Juni, dem wahrscheinlich letzten Versuche,\ndie Berlioz'sche Opernmusik dem Publicum genehm zu ma-\nchen. Die erste Vorstellung dieser Oper zu Paris wurde\nbekanntlich vor 12 —l4 Jahren sehr kalt aufgenommen.\nNeuerlich hat Liszt in Weimar sie wieder ans Licht gezo-\ngen, und jene weimar'sche Aufführung mag wohl die hie-\nsige veranlasst haben. Den unglücklichen Erfolg hier in\nLondon kann man keineswegs dem Mangel an gutem Wil-\nlen und an Eifer bei dem Sängerpersonal, und eben so\nwenig der kärglichen Ausstattung zuschreiben; denn die\nganze Vorstellung gehörte zu den sorgfältigsten und voll-\nkommensten der italiänischen Oper in dieser Saison. Es\nbleibt also nur das gewöhnliche Zufluchtsmittel der Freunde\nund Apostel der neueren Schule übrig: die Unfähigkeit des\nPublicums der Gegenwart! Diese mag denn behaupten,\nwer daran Vergnügen findet: ich stimme in den Ausspruch\neines hiesigen Blattes ein, welches die Frage, ob Berlioz\nseinem Zeitalter vorausgeeilt sei, dahin entscheidet, dass er,\nwenigstens als Vocalcomponist, dasselbe nicht einmal er-\nreicht hat.\nDer Verfasser des Textes hat den dürftigsten Gewinn,\nden man sich nur denken kann, aus der Selbstbiographie\ndes berühmten Florentiners gezogen, die in Deutschland\ndurch Göthe's Uebersetzung bekannt geworden ist. Die\nHandlung ist mager und doch so verworren und unzusam-\nmenhängend, dass sie kaum verständlich ist. Die wenigen\nwirklichen Ereignisse aus der Geschichte sind sehr plump\ndramatisirt und mit einem Wust von Dingen vermischt,\nwelche nichts als Spectakelwerk und Posse sind. Es ist\nunbegreiflich, wie ein Mann wie Berlioz, der als Kritiker\neinen wohlverdienten Namen hat, solch einen Text in Mu-\nsik setzen konnte.\nDie musicalische Bearbeitung dieses Textes ist ganz\neine solche, wie sie die übrigen Werke von Berlioz uns\nerwarten liessen. Sie zeugt von Kühnheit und Originalität"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "20", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.4", "texte": "der Gedanken und grosser Meisterschaft in den Combina-\ntionen aller Instrumentalmittel. Aber das einzige Instru-\nment, welches Berlioz nicht zu behandein versteht, ist die\nmenschliche Stimme. Es finden sich auch wohl hübsche\nVocalmotive, aber sie haben weder rhythmischen Fluss, noch\nLeichtigkeit und Anmuth; an Symmetrie der Form ist gar\nnicht zu denken, und in der Begleitung sind alle Gesang-\nstücke furchtbar überladen. Die Ouvertüre machte einen\ngünstigen Eindruck, besonders eine schöne Andante-Stelle\nin der Mitte; auch der Schlussist glänzend. Im ersten Act\nist das Terzett zwischen Therese (Mad. Julienne), Cellini\n(Tamberlik) und Fieramosca (Tagliafico), Cellini's Neben-\nbuhler, wohl die beste Nummer.\nDer zweite Act beginnt mit einer Instrumental-Einlei-\ntung, welche das römische Carneval schildert; denn in der\nZeit des Carnevals spielt die Oper, besonders der zweite\nAct. Der Chor der Bildhauer, welche ihre Kunst preisen,\nist zu einem Hauptthema bestimmt, welches die Oper cha-\nrakterisiren soll, und sein Motiv kehrt häufig wieder; er ist\nnicht ohne Kraft, der man jedoch das Gemachte anhört, und\nseine Länge schwächt den Eindruck vollends. Die Carne-\nvalsmusik zu den Volksscenen auf der wo\nein Harlekins-Theater aufgeschlagen und die Bühne mit\nHunderten von Masken angefüllt ist, wo am Ende Getüm-\nmel und Gefecht entsteht, in welchem Cellini einen Genos-\nsen seines Nebenbuhlers ersticht u. s. w., enthält sehr hüb-\nsche Sachen, ist aber furchtbar lärmend, so dass das ewige\nGetöse der grossen Trommel und der Becken mit allem\nZubehör von Blech und Messing dem Ohre förmlich weh\ntliut. Ein einziges kleines Lied im dritten Act, von Frl.\nDidiee gesungen, wurde da capo gerufen, weil man eine\nMelodie, wenn schon eine ganz gewöhnliche, darin fand. Die\nganze übrige Vorstellung ging mit Stillschweigen von Sei-\nten des Publicums vorüber, und wenn es noch dabei ge-\nblieben wäre! Leider fiel es aber einigen guten Freunden\nein, am Schlüsse zu applaudiren, und nun entstand ein Sturm\nvon missbilligenden Aeusserungen aller Art, und selbst die\nGegenwart der Königin hinderte das Pfeifen nicht.\nMan hört hier viele sehr ernste und richtige Urtheile\nüber die Berlioz'sche Musik, über seine Sucht nach Neuem,\ndie ihn dahin gebracht, Melodie, Rhythmus, Tact, Form,\nAlles wegzuwerfen und am Ende die Natur des Schönen\nund das Schöne der Natur zu zerstören. Aber es fehlt auch\nnicht an Witzen über diesen Vorgänger Richard Wag-\nners. Punch z. B. erklärt den Fall der Oper daraus, dass\nBenvenuto Cellini auf Berlioz's Befehl die Stiefeln auf den\nKopf gesetzt und die Füsse in den Hut gesteckt habe; auf\ndas \\Y ort: \\ orwärts Marsch! sei der arme Bildhauer auf\ndie Nase gefallen.\nAm 28. Juni fand das achte und letzte Concert der\n(allen) philharmonischen Gesellschaft Statt. Es\nwurde mit Spohr's historischer Sinfonie eröffnet.\nEs ist diese Sinfonie immer eine interessante Composition.\nIn dem ersten Satz (G-dur), einer Art von zwi-\nschen welches ein Pastorale tritt, ist Bach's und besonders\nlländel's Stil nicht übel nachgeahmt. Das Larghetto in Es\nsoll uns Haydn's und Mozart's Charakter darstellen; zwei\nMotive von Mozart (aus der Es-dur- und D-dwr-Sinfonie)\nliegen dieser geistvollen Parodie zum Grunde. Das Scherzo\nG molljsoll die Beethovcn'sche Periode veranschaulichen\neine schwierige Aufgabe, deren Lösung darin besteht,\ndass das Thema an Mozart's Menuett in der G-moll-Sin-\nfonie erinnert und die Durchführung und Instrumentirung\n„ reiner Spohr\" ist. Der letzte Satz ist in neuestem glän-\nzendem Stil mit Aufwand aller Instrumentalpracht geschrie-\nben. Spohr war unter den Zuhörern (Costa dirigirte) und\nsah sich auf die ehrenvollste Weise gezwungen, sich von\nseinem Platze zu erheben und den Beifallsgruss des Publi-\ncums zu empfangen.\nMad. Viardot sang die Scenc der Agathe und mit\nMad. Castellan das Duett aus Jessonda. Die erstere\nsang im 2. fheile auch noch die grosse Scene von Mozart:.\nJSon lemer amato bene,welche aber, als für Orchester und\nViolino obligaloarrangirt, uns gar nicht zusagte, und mit\nRecht nennt die hiesige Kritik dies nicht nur einen Miss-\ngrifTj sondern eine unverantwortliche Freiheit. Warum\nnicht mit Hiller's Ausführung, der ja doch im Concert mit-\nwirkte, die herrliche Pianoforte-Begleitung, wie sie concert-\nmässig von Mozart geschrieben ist? lii 11er spielte sein\nFis-moll-Concert, welches Sie kennen; da ist in der\n1 hat das Neue mit dem Schönen und Charakteristischen\nvereinigt: Alles voll Gedanken; Melodie und musicalisches\nWissen vereint. Hiller's Empfang und der Beifall am Schlüsse\ndes Concertes war der bedeutendste an dem ganzen Abend.\nDie vierte Sinfonie B durjvon Beethoven wurde,\nbesonders im Finale, etwas arg herabgejagt.\nDas 1 ünfte Concert der neuen philharmonischen\nGesellschaft am 29. Juni in Exeter Hall war gedrängt\nvoll. Die hauptsächlichsten Anziehungspuncte waren B e e t-\nhoven's neunte Sinfonie und Spohr's Direction,\nder nach Lindpaintner, welcher sich hier eines grossen\nErfolgs als Dirigent zu erfreuen gehabt, hieher berufen\nwar, um die zwei letzten Concerte zu dirigiren. Es begann\nmit einer neuen Ouvertüre von Spohr, Op. 126. Spohr"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "21", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.5", "texte": "wurde lebhaft bewillkommt, ailein seine Ouvertüre liess kalt;\nsie ist keia Werk künstlerischer Eingebung, sondern nur\nkünstlerischer Arbeit und riecht stark nach der Lampe.\nDagege i wurde im zweiten Theile die Jessonda-Ouverture\nmit stürmischem Beifall aufgenommen und musste wieder-\nholt werden. Die Tenor-Arie aus derselben Oper, „Dass\nmich Glück\", wurde von Theodor Forraes aus Berlin\ngesungen, dessen schöne frische Stimme und gefühlvoller\nVortrag grosse Anerkennung fand.\nDie neue philharmonische Gesellschaft hat das Ver-\ndienst, die neunte Sinfonie, welche dem londoner Publi-\ncum bis zum vorigen Jahre noch ein Buch mit sieben Sie-\ngeln war, hier zur Anerkennung gebracht zu haben. Sie\nwurde in der Concertzeit von 1852 unter Berlioz's Leitung\nzweimal, und gegenwärtig unter Spohr zum dritten Male,\nalso in zwölf Concerten dreimal aufgeführt. Die Theilnahme\nfür das gewaltige Werk ist stets gestiegen; die diesmalige\nAufführung wurde bei jedem Satze und vollends am Schlüsse\nmit unbegränztem Beifall aufgenommen. Die Ausführung\nnach der Original-Partitur und mit deutschem Text\nwar in den drei ersten Sätzen vortrefflich, und im Finale\nnäherte sie sich wenigstens mehr der Vollkommenheit, als\nin den früheren Concerten. Die Soli wurden von Fräulein\nAgnes Bury, Miss Bassano, Herrn Th. Form es und\nHerrn Weiss gesungen, welche sämmtlich die schwierige\nAufgabe mit Ehren lös'ten.\nHerr Th. Form es trug ausserdem noch ein Tenor-\nSolo im Ave verum von Silas trefflich vor; Fräul. Agnes\nBury sang die erste Arie der Königin der Nacht, „0\nzittre nicht\", mit ausserordentlichem Beifall; sie wurde\ngerufen und musste das Allegro wiederholen. Ein junger\nPianist, John Barnett, gefiel mit dem Vortrage von Men-\ndelssohn's D-moll-Concert. Die alte Erfahrung, dass die\ngrosse Menge in Residenzen doch nur durch einzelne Vir-\ntuosen-Leistungen am meisten hingerissen wird, musste sich\nauch in diesem schönen Concert noch am Schlüsse bewäh-\nren, indem der „Carneval von Venedig\" (!) des Flötisten\nReichert ein solches Furore erregte, wie nichts vorher.\nWir gestehen übrigens gern, dass wir eine solche Technik\nauf der Flöte noch nie gehört haben; alle übrigen Be-\nmerkungen, die sich uns dabei aufdrängen, wollen wir un-\nterdrücken.\nDas letzte Concert der Gesellschaft fand am 8. Juli\nI\nStatt; es war hauptsächlich eine Huldigung für Spohr\nund seine neuesten Compositionen. Eröffnet wurde es mit\neiner Ouvertüre unter dem Titel G e n o v e f a, von Charles\nHorslev, einem der besten jetzt lebenden englischen\nComponisten, von dem auch die Oratorien David und Jo-\nseph früher aufgeführt worden sind. Die Ouvertüre machte\neinen günstigen Eindruck. Etwas ganz Besonderes war ein\nQuartett für zwei Violinen, Bratsche und Cello, mit Be-\ngleitung des ganzen Orchesters, von Spohr. Neu\nist diese Form, aber sie wird schwerlich Nachahmer finden,\nund wir können diese Zusammenstellung auch eben nicht\nempfehlen. Sie ist aber sehr geistreich und kunstvoll durch-\ngeführt, enthält viele einzelne Schönheiten, macht jedoch im\nGanzen mehr Wirkung auf den Verstand, welcher die ge-\nschickten Combinationen zu verfolgen im Stande ist, als\nEindruck auf das Gefühl, welches mehr unmittelbar durch\nMelodie und Fluss der Gedanken befriedigt sein will, und\nan dem Quartett allein sich schon hinreichend beschäftigt\nfindet.\nEine andere, grössere und durch Idee und Ausfüh-\nrung noch interessantere Tonschöpfung, ebenfalls in neuer\nForm, war die grosse Sinfonie für zwei Orchester\nin C von Spohr, mit dem Titel: „Irdisches und\nGöttliches im Menschenleben.\" Das erste Orchester\nbestand aus eilf Stimmen: 2 Violinen, Bratsche, Violoncelle,\nContrabass, Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott und 2 Hör-\nnern; es war höher gestellt als das zweite, ganz von ihm\ngesondert und mit lauter Virtuosen besetzt, z. B. Piatli am\nCello, Bottesini am Contrabass u. s. w. Das zweite war\ndas gewöhnliche grosse Orchester, angeführt vom Vorgei-\nger Willy. Im Ganzen genommen hat der Componist dem\nkleinen Orchester die Darstellung des Göttlichen, der Un-\nschuld und Liebe, dem grossen die Schilderung des Irdi-\nschen, der Leidenschaften u. s. w. anvertraut. Spohr hat\nsich in dieser Sinfonie eine schwierige Aufgabe gestellt: die\nmusicalische Darstellung soll das ganze innere Leben des\nMenschen und sein Verhältnis» zum Göttlichen umfassen!\nWir wollen nicht behaupten, dass er sie belriedigend ge-\nlöst, allein so viel ist gewiss, dass er an vielen Stellen\neinen so hohen Flug nimmt, wie ihn die seines Ge-\nnie's nur immer ihm vergönnt.\nDer erste Satz, „Die Kinderwelt\", enthält ein\nkurzes Adagio und ein Allegrelwelches ziemlich lang\nist, und in welchem das kleine Orchester hauptsächlich und\nmeist auf reizende Weise beschäftigt ist; es ist dieser Satz\nechter, lieblicher, gesangreicher Spohr. Die Melodieen sind\nfrischer und origineller, als sonst in den letzten Werken\ndes grossen Componisten. Der zweite Satz ist „Zeit der\nLeidenschaften\" überschrieben und besteht aus einem\nLargliello, welches den ruhigen Zustand des menschlichen\nGemüthes, und einem Allegro in das die"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "22", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.6", "texte": "Störung desselben und den Kampf mit den Leidenschaften\nschildert. Das Larghetto ist uns etwas matt vorgekommen,\ndas Allegro, in welchem vorzugsweise das grosse Orches-\nter beschäftigt ist, wie auch im des letzten Satzes,\nist voll schöner Effecte. Der letzte Satz: „Endlicher\nSieg des Göttlichen\", enthält ein Presto in\nden letzten Streit des Guten und Bösen, und ein Adagio\nin C-dur,den Aufschwung des Göttlichen über das Irdi-\nsche. Mit diesem Adagio schliesst die Sinfonie, welche im\nGanzen weniger monoton ist, als manche andere Spohr'sche\nComposition, und nächst der „Weihe der Töne\" zu reihen\nsein dürfte. Sie ist übrigens schon vor Jahren componirt\nund 1842 hier in London in Hanover Square Rooms\naufgeführt und damals kalt aufgenommen worden. Dies\nwar jetzt keineswegs der Fall; sie gefiel, und am Schlüsse\nwurde Spohr einstimmig gerufen.\nDer zweite Theil brachte an Orchesterwerken ausser-\ndem nichts weniger als Beethoven's zweite Sinfonie\nin D,dessen Fidelio-Ouverture, und Spohr's Ouvertüre\nzum „Berggeist\". Es ist merkwürdig, was so ein londoner\nPublicum aushalten kann, und im Monat Juli! Ja, was sa-\ngen Sie dazu, dass sehr anhaltende Versuche gemacht wur-\nden durch nicht aufhörenden Applaus, wie das hier\nüblich ist —, das Larghetto der Sinfonie und die Fidelio-\nOuverture wiederholt zu hören? Spohr beachtete sie nicht\nimmer ein etwas gewagter Schritt in London; indess\nsein Ansehen drang durch. Hatte seine eigenthümliche An-\nsicht über Beethoven auch an dieser Weigerung Theil?\nWir wissen's nicht.\nZwei liebliche junge Damen, W i 1 h e 1 m i n e C 1 a u s s\nund Arabella Goddard, welche viele Ihrer kölnischen\nLeser aus den Concerten des Männergesang-Vereins ken-\nnen, trugen die Variationen von Mendelssohn und Mosche-\nles über den Preciosa-Marsch mit glänzendem Beifall vor.\nDer Gesang war durch zwei Deutsche, Frl. Agnes Burv\nund Hrn. Reichart, würdig vertreten.\nDie neue philharmonische Gesellschaft hat ihre Aufgabe\nauch im zweiten Jahre ihres Bestehens ruhmvoll gelös't.\nVon den grossen Werken, deren Aufführung das Programm\nder diesjährigen Concertreihe versprach, ist nur di\nMesse von Beethoven ausgefallen, wofür ein neues Orato-\nrium von Lindpaintner eintrat, eine Rücksicht, die der\nVorstand auf diesen Componisten nehmen zu müssen glaubte,\nder sich durch die Leitung der vier ersten Concerte bei dem\nOrchester gar sehr in Achtung und bei dem Publicum in\nGunst gesetzt hatte. Ueberhaupt ist es sehr anerkennungs-\nwerth, dass die londoner Musik-Gesellschaften neue grosse\nWerke deutscher und französischer Componisten, welche\nim Vaterlande olt lange auf das Emportauchen ins Leben\nwarten müssen, bereitwillig zur Aufführung bringen.\nLondon, 11. Juli.\n\nC. A.\n\nAdolph Sax und seine Harmonie-Musik.\n\nZu den unermüdlichen Verbesserern der Harmonie-\nMusik durch neue Erfindungen im Bau der Holz-Blase- und\nvorzüglich der Messing-Instrumente gehört Adolph Sax\nin Paris, oder richtiger gesagt, er steht an der Spitze der-\nselben. Durch die Vervollkommnung der Blech-Instrumente\nund durch neue Zusammenstellungen hat er eine Wirkung\nerzielt, welche nothwendig einen grossen Einlluss auf die\nMilitärmusik haben muss.\nSeine gegenwärtige Zusammenstellung des Blas-Ür-\nchesters, welches er Societe de la grande Harmonie nennt,\nist folgende: grosse und kleine Flöte, 2 Oboen, 2 kleine\nund 4 grosse Clarinetten, 4 Saxophone (Sopran, Alt, Te-\nnor und Bass), 1 Bassclarinette, 2 kleine Saxhörner in Es,\n2 Alt-Saxhörner in B, 4 Sax-Tromba's in Es, 2 Bariton-\nSaxhörner in B, 2 Bass-Saxhörner in Es, 2 Contrabass-\nSaxhörner in Es, 1 grosses Contrabass-Saxhorn in Es, 2\nCornets ä pislons,2 Waldhörner, 2 Cylinder-Trompeten,\n3 Posaunen, Pauken, grosse Trommel, Triangel und Becken\nzusammen an 42 44 Instrumente.\nMit d iesem Musikcorps gibt Sax Concerte in dem\nprachtvollen Local des Jardin dessen ungeheurer\nSaal jetzt mit dem Sommergarten durch offene Arcaden\nverbunden ist. Er hat diesen Saal für eine Reihe von Con-\ncerten gemiethet, um seine Instrumente dem grossen Publi-\ncum und namentlich auch den Militärs vorzuführen. Das Ver-\nhält niss der hohen Stimmen, der Flöten, Oboen und Clarinet-\nten, ist etwas zu schwach gegen die tieferen Stimmen, ausser\nin den Stellen, wo die kleinen Saxhörner in welche\nebenfalls eine hohe Stimmung haben und Violinpassagen\nausführen, mitblasen. Die Schattirungen des Vortrages sind\nwunderbar: die Piamssimo-Begleitung der Solo-Clarinette\nz. B. in der Ouvertüre zu Zampa durch die Saxhörner\ngibt an Zartheit dem feinsten Streichquartett nichts nach.\nDie Klangwirkung des ganzen Orchesters ist unge-\nheuer und in der That ganz neu ; der Umfang geht von der\nTiefe des Contrabasses bis zur keinen Flöte durch eine un-\nunterbrochene Reihe von Tonstufen. Die Messing-Instru-\nmente bringen selbst für den Musiker erstaunenswerthe\nWirkungen hervor und lassen in Reinheit, Kraft, Schnel-\nligkeit des Ansprechens, und vor Allem in den Schattirun-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "23", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.7", "texte": "gen des Ausdrucks nichts zu wünschen übrig. Der Dirigent,\nHerr Mohr, hat sein Orchester trefflich eingeübt.\n\nLeon Kreutzer.\n\nAus Wien.\nDen 11. Juli 1853.\nVon dem Triumvirat unserer Tenoristen: Ander, Erl und\nSteg er, ist Ander seit dem 25. Juni erkrankt, jetzt jedoch so weit\nhergestellt, dass er auf ärztliche Anordnung das Bad Ischl zu\nvölliger Wiedergenesung besuchen kann. Mit dem bewilligten Ur-\nlaub hat er zugleich vom Kaiser die Genehmigung erhalten, die\nihm vom Könige von Hannover verliehene Medaille für Kunst und\nWissenschaft zu tragen. Der Krankheits-Anfall ist in Bezug auf\nGefährlichkeit übertrieben dargestellt worden; es ist keine Be-\nfürchtung für den Verlust der Stimme vorhanden.\nDer neu gewonnene Herr Steg er hat eine schöne Stimme,\nbedarf aber noch vieler gründlichen Studien, um seinen beiden\nGenossen, von denen namentlich Erl neulich in Robert dem Teu-\nfel zeigte, dass seine Stimme noch immer voll und frisch ist, gleich\nzu kommen. Eine merkwürdige Bedingung ist Herrn Steger ge-\nstellt: er muss achtzehn Mal singen, bevor seine feste Anstellung\nerfolgt. Der neue Director, Herr Cornet, ist vorsichtig.\nStaudigl trat in Flotow's Martha als Plumkett wieder auf\nund wurde vom Publicum mit Applaus empfangen. Er bedankte\nsich in dem Porterlied durch einen entsetzlich langen Triller. In\nMozart's Zauberflötc hörten wir eine neue Königin der Nacht,\nFrau Friedrich —: ob die Stimmfähigkeit, das hohe F leicht\nanzuschlagen, ohne Weiteres berechtigt, einen ersten Versuch auf\nder Bühne in dieser Partie zu machen, und noch dazu auf dem\nkaiserlichen llof-Opern-Theatcr, möchten wir bezweifeln. Die Dame\nkann aber eine Sängerin werden. Mozart's Don Juan verun-\nglückte am 3. Juli gänzlich. Herrn Beck fehlt zum Don Juan\nnichts weniger, als Alles: Stimme, Vortrag, Spiel. Frau Köster\nvon Berlin war als Darstellerin der Donna Anna vortrefflich; aber\nals Sängerin? Nein. Ihre Höhe ist sehr scharf geworden und\nwird forcirt; es kommt uns beinahe so vor, als wenn Frau Köster\neinen gewissen Wendepunct erreicht hätte, von welchem ab selbst\ndie Sonne rückwärts geht. Da auch Frl. Schwarzbach eine\nElvira gab, welche Mozart schwerlich wieder erkannt haben würde,\nso hatte Frl. Liebhart als Zerline gewonnenes Spiel. So kalt\nwie dieses Mal ist wohl der Don Juan noch nie hier aufgenommen\nworden; selbst das erste Finale konnte die Menge nicht in Schwung\nbringen.\nUnser Minister des Innern hat die nachahmungswerthe Verfü-\ngung getroffen, dass alle bei dem Ministerium einzusendenden Mu-\nsicalien an die Akademie der Tonkunst geschenkt werden.\n5 -\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nliöiii. Das Comite für die Sängerfahrt des Männerge-\nsang-Vereins nach London hat beschlossen, von dem Rein-\nerträge der dort und in Brüssel und Antwerpen und bei der\nRückkehr hier in Köln gegebenen Concerte die Summe von 500\nPfund Sterling (3400 Thlr.) der Dombau-Casse, ausserdem\neine Summe von 300 Thlrn. den hiesigen Armenschulen aller\nConfessionen, und einige kleinere Unterstützungen bedürftigen Ritt-\nstellern zukommen zu lassen, welche Vorschläge die General-Ver-\nsammlung am 14. d. Mts. genehmigt hat.\nF. Hiller ist von London über Paris hier eingetroffen.\nHerl in. Kuli ak hat Mozart's Fantasie in F-moll zu vier\nHänden für das Pianoforte zu zwei Händen, zum Zweck des Con-\ncertvortrages, eingerichtet.\nDer berühmte Kammerflötist Friedrich's des Grossen, Johann\nJoach. Quanz, starb (am 12. Juli 1773) über der Composition\nseines dreihundertsten Flötenconccrts. Er hatte das erste Allegro\nganz und das Adagio beinahe vollendet. Der König liess sich die\nPartitur bringen, führte das Adagio zum Schluss und füllte auch\neinige kleine Lücken darin aus und componirtc den Schlusssatz,\nein Rondo Allegro, dazu. Im nächsten Kammer-Concert blies der\nKönig das Concert und sagte nach dem Adagio zum Capellmeister\nRenda: „Der Quanz ist, wie man sieht, mit sehr guten Gedanken\naus der Welt gegangen.\"\nISrestlen. Der Monat Juni brachte uns ein Concert des\nMännergesang-Vereins Orpheus, dessen Ertrag zu Bei-\nträgen für das Göthc- und Schiller-Denkmal in Weimar bestimmt\nwar. Auffallend war es, dass das Concert auf allerlei Hindernisse\nsliess! Ein hübscher Gedanke war es, dass man nur Compositionen\nGöthe'scher und Schiller scher Gedichte aufführte, wie von Rob.\nSchumann das Requiem für Mignon, wobei die Sopran- und\nAltstimmen durch Knaben besetzt waren, von Jul. Rietz die\nDithyrambe, von F. Schubert den Chor der Engel aus Faust,\nWanderers Nachtlied von Reissiger, Mendelssohn's „An die\nKünstler\", und dessen Ouvertüre über Göthe's Meeresstille und\nglückliche Fahrt.\nAm 25. Juni wurde die Oper wieder eröffnet. Fräulein Ney\ntrat wieder als Norma auf, was doch etwas über die gewöhnliche\nNorm zu gehen scheint, erregte jedoch nichts desto weniger grosse\nTheilnahmc. Einige Kritiker wollten der Stimme einige Reise-\nNachwehen anmerken. Rei den Vermählungs-Feierlichkeiten des\nPrinzen Albrecht mit der Prinzessin von Wasa wurde am 18. Juni\n(dem Vorabende) Shakspeare's Sommernachts-Traum mit Men-\ndelssohn's Musik, am 19. Mozart's Titus, und am 20. So-\nphokles'Antigone mit der Mendelssohn'sehen Musik aufgeführt.\nLeipzig. Am 10. Juli ist hier die Versammlung der deutschen\nRühnenvoi stände, veranlasst durch den k. würtembergischen Inten-\ndanten Hrn. v. Gall aus Stuttgart, zusammen getreten. Sie soll\nbereits einige wichtige Vorschläge zur Aufmunterung der drama-\ntischen Schriftsteller berathen und genehmigt haben.\nStsittgart. Seit zwei Jahren besteht hier ein Verein für\ncl assische Kirchenmusik, der es sich zur Aufgabe gestellt\nhat, den protestantischen Cultus durch eine ausgedehntere Aufnahme\ndes musicalischen Elementes in denselben zu verschönern und zu\nerheben. In besonderen Kirchen-Concerten zu sehr mässigem\nPreise führte derselbe die besten Werke der Kirchenmusik gröss-\ntenteils in historischer Reihenfolge seit zwei Jahren vor; allein\nleider hat die edle und schöne Absicht noch nicht die gehörige\nUnterstützung gefunden, und der Verein hat mit Vorurtheilen und\nübel angebrachtem Eifern im Schoosse der protestantischen Gemein-\nden selbst zu kämpfen. Er hält jedoch, und das ist ehrenw erth und\nrühmlich, sein Ziel fest im Auge. Das letzte Concert fand am 0.\nJuli in der Stiftskirche Statt; es wurden Compositionen von Hasse,\nHomilius („Sehet, welch eine Liebe\"), Graun, Jomelli,\nHaydn, Mozart (Misericordias), Cherubini, Beethoven (das\nK(J rie aus der Messe in C-dur), B. Klei n und Mendel sso h n-\nBartholdy aufgeführt, theils mit, theils ohne Orgelbcglcitung. Da-\nzwischen hörten wir Orgel-Compositioncn von J. L. Krebs und\nM. G. Fischer. Herr Dr. Faisst leitete die Aufführungen und"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "24", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530716-01.1.8", "texte": "begleitete auch auf der Orgel; da diese aber nicht im Kammerton\nsteht, so musste transponirt werden und dieser Umstand, so wie\nauch die zurücktretende Stellung der Orgel, mochte es verschulden,\ndass die Chöre mit Begleitung nicht so gelungen ausgeführt wur-\nden, als die Vorträge des Chores allein, welche vortrefflich waren.\nAus Mainz berichtet man uns, dass der k. k. Capellmeister\nL. Stasny Privat-Verhältnisse wegen seine bisherige Charge beim\nösterreichischen Fcld-Regimente Rainer niederlegen und dieselbe\nmit einer Dirigentenstelle am dortigen Theater vertauschen würde.\nEr ist ein Zögling des prager Conservatoriums, fungirte dann als\nOboist in den beiden Gungl'schen Capellen in Berlin, und beklei-\ndete seit 1847 die Musik-Directorstelle beim k. k. österreichischen\nRegimente Erzherzog Rainer in Mainz. L. Stasny, dessen Tänze\nund Märsche durch die öffentlichen Aufführungen der Regimcnts-\nMusik bekannt geworden sind, hat sich in der Rheingegend auch\nbei vielen Freunden Terpsichore's am Ciavier einheimisch gemacht.\nSeine im vorigen Winter im Stadt-Theater zu Mainz zur Aufführung\ngekommene Oper Liane hatte sich eines Succes d'estime zu erfreuen.\nDem Vernehmen nach ist Stasny mit der Composition einer neuen\nromantisch-komischen Oper in drei Acten, „Die beiden Gold-\nschmiede\", Text von E. A. Hartmann in Leipzig, Ort der Hand-\nlung auf Helsingfors in Dänemark, beschäftigt. Wir wünschen, dass\ndas neue Werk auch fern vom Rheine, namentlich in Oester-\nreich, dem Vaterlande des Verfassers, die gewünschte Anerkennung\nfinden möge!\nGustav Schmidt in Frankfurt, der Componist des „Prinz\nEugen\", hat eine neue Oper unter dem Titel: „Die Weiber von\nWeinsberg\", vollendet.\nFranz Liszt ruht nicht in seiner Thätigkeit, musicalische Pro-\npaganda für die Compositionen von R. Wagner und Berlioz den\nVertretern der Musik der Zukunft zu machen. In dem Musikfeste\nzu Karlsruhe wird er namentlich derartige Werke zur Ausführung\nbringen. Dieses soll im grossherzoglichen Hof-Theater an drei\nAbenden, je über den anderen Tag, im September Statt finden;\ndazwischen sollen Volksfeste und andere grössere Belustigungen\narrangirt werden also wohl eine Annäherung an die olympischen\nSpiele, worauf R. Wagner in seinem bekannten Werke deutet.\nEin Privatmann hat einen Preis von 200 Thlrn. für das beste\nBuch einer grossen romantischen Oper in zwei oder drei\nActen ausgesetzt. Die Manuscripte müssen bis zum 1. Decembcr\nnach Gera an die Buchhandlung Kanitz portofrei eingesandt\nwerden.\nFräul. Wertheimbcr, eine deutsche beim Theater der Opera\ncomique in Paris angestellte Sängerin, wird in Baden-Baden er-\nwartet.\nTherese Milanollo bereis't gegenwärtig Ungarn; in\nPesth hat sie zuerst Concert gegeben. Daselbst macht auch eine\npolnische Sängerin, Fräulein Lesniewska, Aufsehen.\nBei dem letzten Sängerwettstreit in Lüttich dauerten die Wett-\ngesänge in zwei Localen zu gleicher Zeit von Vormittags 10 Uhr\nbis 6 Uhr Nachmittags! Den armen Preisrichtern war jedoch ihr\nAmt auf folgende erleichtert. Jeder von ihnen hatte ein ge-\ndrucktes Schema mit vier Colonnen: erstens „Stimme\", zweitens\n„Reinheit\", drittens „Ensemble\", viertens „Ausdruck\". In jeder Co-\nlonne wurden durch eine bestimmte Anzahl von Puncten fünf\nStufen bezeichnet: „gar nichts (nul), mittelmässig, ziemlich gut, gut,\nsehr gut, vortrefflich.\" Das Horazisehe Otnne tulit punctum ist\nalso daselbst verwirklicht worden, und, wie bereits bekannt, für den\nVerein von Neuss, Dirigent Th. Hartmann,\nLondon. Vicuxtemps ist mit seinen Kindern nach Wien\ngereis't, wird aber von da nach Baden-Baden gehen. Frl.\nWilhelmine Clauss bleibt noch zwei Monate in England, da\nsie von dem Unternehmer Bcale für eine Kunstreise durch Gross-\nbritannien engagirt ist.\nNach französischen Blättern hat 11. Berlioz in London ein\nConcert in Exeter Hall geben wollen, wozu die Subscription bereits\nüber 200 Pfund betrug. Die vorgerückte Jahreszeit und andere Lo-\ncal-Hindernisse machten die Ausführung unmöglich; allein die\nSubscribentcn weigerten sich, das Geld zurückzunehmen, und be-\nstimmten dasselbe zur Herausgabe der Composition des Faust von\nBerlioz. Also ein Pflaster auf die Wunde des Falles von Bcnve-\nnuto Ccllini.\n* » »\nSelbst bis nach San Francisco dringen die europäischen Sän-\ngerinnen vor, bald wohl auch nach Australien, denn an beiden Orten\ngibt es ja das, was sie suchen. Miss Cath. lla yes aus England\nhat ihre Concerte in Californien beendigt und will nun auf ihren\ngoldenen Lorbern ruhen. Der Pianist Häuser hat San Francisco\nebenfalls verlassen, um Südamerica zu beglücken."}]}