{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_sha256": "25704b3ffba3d28b267dfd7ac18d64f2009e16d1d77663f2914bad200e8c977f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/07/23_01/bmtnabi_1853-07-23_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-23_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "25", "page_fin": "27", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.2.1", "titre_corps": "Händel’s Allegro und Pensieroso.", "titre_sommaire": "Händel’s Allegro und Pensieroso.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4132, "texte": "Händel’s Allegro und Pensieroso.\nHeidelberg, im Juli 1853.\nIn einer Zeit, womit soviel Nachdruck von dem Ueber-\nbrauch, um nicht zu sagen von dem Miss brauch der In-\nstrumentalmusik zurückgerufen wird zu dem ursprünglichen\nQuell aller Tonkunst, zu dem Gesang der menschlichen\nStimme und zu dem Schacht der menschlichen Gefühle und\nLeidenschaften, dem er entquillt, muss es erlaubt sein, auf\nunseren Händel einmal wieder zurückzuweisen, der ge-\nschichtlich auf dem beneidenswerthen Wendepuncte stand,\nwo er auf der einen Seite die ganze Fülle der älteren\nkirchlichen Vocalmusik, die von instrumentaler Begleitung\nunversehrt war, noch in lebendiger Uebung kennen lernen\nkonnte, wo er auf der anderen Seite die orchestrische Kunst\nder späteren Zeiten schon in einem solchen Umfange be-\nsass, zugleich aber in einer solchen Mässigung anwandte,\ndass sie bei ihm in einer wunderbaren Mitte von Selbst-\nständigkeit und Abhängigkeit, fast nur und immer im\nDienste des Gesanges, aber zugleich als seine innere Ver-\nvollständigung und Steigerung, als sein äusserer Schmuck\nund seine Zier erscheint. Soll die Tonkunst zu der Rein-\nheit und Tiefe zurückgeführt werden, dass der Maass-\nstab ihres Werthes in der psychischen Wahrheit ihres\nAusdruckes gesucht wird, dass das Wort und sein Sinn\nder Prüfstein des Tonsatzes, dass die „Melodie der\nSprache\" der bedingende Grund der gesungenen Melo-\ndie sein soll, so gibt es für uns Nordländer, für uns\nDeutsche in dem ganzen Schatze tonkünstlerischer Werke\nkeine, die so ausschliesslich als classische Muster eines in\njenem Geiste verjüngten Kunststudiums angepriesen und\nhervorgesucht werden müssten, wie die Werke von Hän-\ndel. Und es sind nicht etwa die Muster einer werdenden,\nnoch unvollkommenen Kunst, welche erst der Correctur\neiner späteren Kunstperiode bedürfte, die in mechani-\nschen Fertigkeiten und Hülfsmitteln in dem Maasse fort-\ngeschritten ist, wie sie in innerer Erfassung ihrer Aufgabe\nzurückgegangen erscheint, sondern es sind Muster einer in\nsich ganz vollendeten Kunst, die vielmehr ihrerseits das\nCorrectiv der neueren Verirrungen werden müsste, wie sie\nes in dem correctesten Geiste unter den Meistern unserer\nTage schon geworden war. Händel's Werke in diesem\nLichte zu sehen, dazu gehört nur, dass man ihre musica-\nlische Sprache erlerne, wie man sich auch beim Studium\nälterer Schriftwerkein die Sphäre der gesprochenen\nSprache anderer Zeiten zurückversetzen und eingewöhnen\nmuss. Wer diese Mühe scheut, oder den Glauben nicht\nmitbringt, dass sie sich lohnen wird, der kann, wie über ei-\nne erste Arie von Händel, eben so an einer ersten Scene\nbei Shakespeare straucheln, kann unbedacht in das abspre-\nchendeUrtheil der Trägheit und der modernen Verwöhnung\neinstimmen und sich um die höchsten Genüsse bringen,\nwie über die höchsten und reinsten Begriffe der Kunst\nbetrügen.\nGervinus hat in der Vorrede zu seinem Shakespeare\nden englischen Dichter mit Händel zusammen gestellt, als\ndie von zwei blut- und bildungsverwandten Nationen wett-\neifernd bewunderten, geistverwandten Meister in zwei ver-\nwandten Künsten. Möglich, dass er einmal in einer weiter\ngreifenden Parallele diese Vergleichung ausführt und nach-\nweist, dass sie nicht ein blosser schimmernder Gedanke,\nauf blosse zufällige Aehnlichkeiten gegründet ist, sondern\ndass sie tief auf dem gemeinsamen Grunde germanisch-\nvolksthümlicher Geistesrichtung, auf einer gleichen Gesund-\nheit der angeborenen empfindenden Natur, auf einem ganz\nähnlichen neuen Bildungs- und Entwicklungsgange, auf sehr\ngleichartigen Wandlungen in dem Geschmacke, selbst auf\neiner Ebenmässigkeit in Neigungen und Schicksalen der bei-\nden Männer beruht. Vielleicht ist es im Hinblick auf eine\nsolche Arbeit, dass er mittlerweile die Zeit anwendet, um\nauch jene Werke von Händel, die selten in Deutschland\ngehört werden oder gar nicht bekannt sind, genauer kennen\nzu lernen. Voriges Jahr ist in seinem Hause in einem klei-\nnen, bescheiden zurückgezogenen Kreise, von eifrigen Mit-\nwirkern für empfängliche Zuhörer der Saul und das Det-\ntinger Tedeum gesungen, diesen Sommer, in diesen Tagen,\nder Alleground Pensieroso in technischer Beziehung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5225, "texte": "natürlich mit aller laiischen Anspruchslosigkeit, aber der\nAuffassung nach mit einem andächtigen Ernste ausgeführt\nund aufgenommen worden. Die Ueberraschung, die dieses\nganz unbekannte Werk nicht sowohl durch seine Neuheit\nan sich bereitete, sondern weit mehr durch die ganz neuen\nSeiten, die es eben durch seine Bekanntwerdung an dem\n(Komponisten aufhellte, den man bei uns fast nur aus sei-\nnen geistlichen oder biblischen Oratorien kennt, diese Ueber-\nraschung ward noch überboten von der Befriedigung, die\ndasselbe durch den weiten, mannigfaltigen Umfang seines\nInhaltes, wie durch die Classicität seiner künstlerischen Be-\nhandlung gewährte.\nDieses Oratorium ist, so viel wir wissen, in einem ge-\nbildeten Privatcirkel in Berlin wohl einmal gesungen wor-\nden; auch Thibaut hat früher hier Einzelnes daraus für sei-\n/\nnen Singverein ausziehen lassen; sonst ist es in Deutsch-\nland kaum in anderen Kreisen bekannt geworden; öffent-\nlich wenigstens scheint es nie und nirgends aufgeführt zu\nsein, wie uns auch keine Ausgabe mit deutschem Texte be-\nkannt ist. In der Standardedition von Händel's Werken,\ndie von der Händel-Gesellschaft besorgt wird, ist der\nlegro und Pensierosovon Moscheies herausgegeben. Das\nWerk ist in des Künstlers schöpfungsreichster Periode, kurz\nvor dem Messias, geschrieben. Wie alles, was Händel\nmachte, ist es in unbegreiflich kurzer Zeit vollendet wor-\nden; am 1 9. Januar 1740 begonnen, waren die dreiTheile\nam 4. Februar, in IT lagen, schon beendigt; nach *23\nweiteren Tagen, am 27. Februar, ward es zum ersten Male\nin London aufgeführt und mit Beifall mehrfach wiederholt;\nbei der berühmten Uebersiedlung des Componisten nach\nDublin 1741) bahnte er sich mit diesem Stücke, dem er-\nsten, das er dort aufführen liess, seinen erfolgreichen Weg.\nWer Händel's Werke genau studirt hat, der weiss, dass\nbei ihm der Tonsatz (um in den Worten unseres Orato-\nriums selbst zu reden überall „von dem Sinne des Wor-\ntes bedingt % dass die Musik bei ihm in steter Abhängig-\nkeit von Bede und Dichtung ist. Sie ist es in dem Maasse,\ndass der Eingeweihte nur einen Text von Händel zu lesen\nbraucht, um aus dessen Werth und Bedeutung unbesehen\nvoraus zu sagen, was ungefähr die Bedeutung und der\nW erth des Tonstückes »sein möchte, das der Künstler auf\ndem Texte aufgebaut hat. In dieser Beziehung war Hän-\ndel von dem natürlichsten Instincte getrieben, seinem Va-\nterlande früh den Bücken zu kehren, wo er an der Dich-\ntung der Brockes und Richey die schwächsten Stützen für\ndas üppige Rankengewächs seiner Tonsätze gehabt hätte;\ner suchte sich seine Stoffe in Italien und in England, wo\ndie classische Ausbildung der Dichtkunst bereits erreicht\nwar. So werthvoll es für Händel war, zu seinem Alexan-\nderfeste und seiner Cäcilien-Ode die Texte von Drvden zu\nhaben, so wichtig war es für den Kunstwerth unseres Ora-\ntoriums, des Allegro, dass er hier die Worte eines so\ngrossen Dichters wie Milton vor sich hatte. Dieser Text\nwar allerdings ursprünglich nicht auf musicalische Compo-\nsition berechnet. Milton hat zwei gegensätzliche Gedichte,\nAUcgro und Pensieroso,geschrieben, die jedes für sich in\nununterbrochenem Zusammenhang die Stimmungen, die\nNeigungen, die Freuden des Frohsinnigen und des Schwer-\nmüthigen aussprechen; Voss hat beide in freier Nachbildung\nübersetzt. Händel zerstückte zu dem Zwecke seines Ora-\ntoriums das Zwillingsgedicht nach seinen einzelnen Gegen-\nsätzen und stellte wechselnd immer einem Ergüsse des\nFrohsinnigen einen entgegengesetzten des Schwermüthigen\ngegenüber, bis im dritten Theile der Gemässigte die Gegen-\nsätze zur richtigen Mitte ruft; der Text dieses Theiles ist\nvon einem Anderen zugedichtet und verräth sogleich eine\nschwächere Hand. Vieles nun in den Milton'schen Texten\nbot sich dem Meister der Töne ausserordentlich günstig\nentgegen, bald zu einer einfachsten und unmittelbarsten\nUeberführung des gesprochenen Vortrages zum gesunge-\nnen, bald zu dem freiesten lyrischen Auffliegen; dort klam-\n*) CT\ninert sich Fuss um Fuss der musicalische Epheu unlösbar\nfest an den Stamm der Dichtung an, hier ringelt sich nur\nein feiner Faden um ihre frisch schwebenden und leich-\ntesten Zweige und überwölbt sie mit luftigem Blätter- und\nBlüthenwerk. Andermals dagegen ist der Text zu redne-\nrisch, oft zu lehrhaft und gedankenreich, zuweilen bloss\nberichtend von Empfindungen, welche die Musik doch verge-\ngenwärtigen soll, hier und da selbst von platten und pro-\nsaischen Stellen nicht frei genug, um überall musicalisch\nheissen zu können. Trotz dem aber ist gewiss selten ein\nso sinn-und sachvoller, überreicher Text von einem grossen\nComponisten so glücklich gewählt, noch seltener gewiss\nmit so glücklichem Wetteifer behandelt worden, und es ist\ngleich bewundernswerth, wie Händel an den schwächeren\nStellen dem Gedichte aufhalf, und wie er ihm an anderen\nStellen, wo die Dichtung allein schon in ganz musicalische\nAtmosphäre versetzt, nur lauschend gleichsam folgt und in\nseiner Sprache nur nachspricht, was ihm in der Rede\nschon vorgesagt war. ,\nWir theilen das Gedicht in der Uebersetzung, die bei\nder erwähnten Aufführung untergelegt war, hier mit; viel-\nleicht wird sie einem Verleger und Herausgeber Anlass,\nsich ihrer zu dem Zwecke zu bedienen, dem deutschen Va-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 386, "texte": "terlande des deutschen Meisters Werk in deutscher Sprache\ndarzubringen. Zugleich begleiten wir den Text mit einigen\nallgemein gehaltenen Andeutungen an das, was in der Com-\nposition zu finden ist; im Einzelnen über ihre technische\nBeschaffenheit zu berichten, wäre des Einsenders Sache nicht,\nund wäre ohnehin nicht am Orte, so lange die Partitur in\nDeutschland noch ganz unbekannt ist."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-23_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "27", "page_fin": "29", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.2.2", "titre_corps": "Frohsinn und Schwermuth.", "titre_sommaire": "Frohsinn und Schwermuth.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.3", "debut_caractere": 388, "fin_caractere_exclue": 6617, "texte": "Frohsinn und Schwermuth.\nEin Oratorium von Händel.\nDer Text aus Milton's Allegro und Pensieroso.\nErste Theil.\nDer Frohsi n n i g e.\n1. (Recit. Verwünschung der Schwermuth.)\nFlieh fern von dieser Stelle,\no Schwermuth, schwarzer Nacht unholde Brut,\ntief zu der Flut!\nBei näclitVer Geisterschar, dem der\nHölle,\nbau' deine Zelle dir,\nwo brütend Dunkel seine Flügel schwingt\nund der Nachtrabe singt!\nDort unter rauhem Wald und Felsgebild\n(wie deine Locken wild)\ndort weil1 in schwarzer Einöd1 fern von mir!\nDer Scliwerm ü t h i g e.\n2. (Recit. Verwünschung der eitlen Freude.)\nFlieht, nichtige Freuden, fern!\nNehmt eitle Sinne ein\nund leeren Geist mit bunten Gaukelei'n,\nso dicht und gleich an Zahl\ndem Fliegenheer, gewiegt im Sonnenstrahl,\nund mehr noch Träumen gleich,\nder flüchtigen Dienerschar in Morpheus Reich !\nDer Frohsinnige.\n3. (Arie. Anruf der Göttin der Freude.)\nKomm, komm, o Göttin, hold und schön!\nEuphrosyne in Himmels Hölfn,\nDoch auf Erden Freude genannt,\ndie Aphrodite, liebentbrannt,\nmit der Grazien Schwesternpaar\ndem epheufrohen Gott gebar.\nDer Schwe.rmütliige.\n4. (Arie. Anruf der Göttin der Schwermuth )\nKomm, edle Göttin, die ich preise,\nHeil, o Schwermuth, hehr und weise!\nDein heilig Antlitz strahlt zu licht\nfür Menschenaug1 und Angesicht!\nDich brachte Vesta, blond von Haar,\nSaturn, dem einsam Ernsten, dar.\nDer Frohsi n n i g e.\n5. (Arie. Einladung an das Gefolge der Freude.)\nEil1, o Nymph1, eil1 und bring1 an deiner Seit1\nLust und laute Fröhlichkeit,\nWitz und heitre Neckerei,\nLau n 1 und List und Schelmerei,\nwie sie auf Hebe's Wangen liegt\nund sich ihr hold ins Grübchen schmiegt,\nScherz, der aller Sorge höhnt,\nund Lachen, das vor Wonne stöhnt!\n6. (Chor.)\nFreude, komm! und bring1 an deiner Seit1\nLust und laute Fröhlichkeit,\nScherz, der aller Sorge höhnt,\nund Lachen, das vor Wonne stöhnt.\n7. 8. (Arie und Chor.)\nKommt und schwebend schlingt den Kranz,\nschlank und schwank in leichtem Tanz.\nDer Schwe rmüth i g e.\n9. (Rccit. Einladung an das Gefolge der Schwermuth.)\nGedankenschwer, andächtig, fromm,\nernste Göttin, komm, o komm,\nin dunkelfarb'ger Feiertracht,\nschwellend in erhabner Pracht!\nKomm, komm, nach deinem ernsten Hang,\nin gleichem Schritt, in sinn'gem Gang,\nden Blick zum Himmel aufgewandt,\ndie Seel1 ins Auge ganz gebannt!\nUnd so, von heiPger Gluth erfüllt,\nvergiss dich selbst zum Marmorbild,\nbis dann dein Aug1 in schwerem Zug\nzurück zur Erde senkt den Flug.\nUnd Friede komm1 mit, der Allerretter,\nund Maass, der Gast der hohen Götter,\nder oft den Sang der Musenschar\nhört1 um Vater Zeus1 Altar.\n(10. Chor.) \" *\nFriede komm1 mit, der Allerretter,\nund Maass, der Gast der hohen Götter.\nDer Frohsi n n i g e.\n11. (Recit. Wiederholter Anruf der Freude.)\nFlieh, Schwermuth, fern von hinnen!\nIn schwarzer Einöd1 weile fern von mir!\ndu, Freude, komm und bring1 in Hast\ndie Freiheit mit, der Berge Gast;\nund bring1 ich wünVge Ehren dar,\nnimm mich auf in deine Schar!\n12. (Arie. Lerchengesang.)\nNimm, o Freude, nimm mich auf in deine Schar !\nZu sein mit ihr und dir zur Seit1\nin ungetrübter Heiterkeit;\nzu hören, wie die Lercli1 erwacht\nund singend scheucht die dunkle Nacht;\nwie sie kommt, trotz Furcht und Sorgen,\nund mich am Fenster griisst zum Morgen.\nNimm, o Freude, nimm mich auf in deine Schar!\nDer Schwe rmüth i g e.\n13. 14. (Recit. u. Arie. Nachtigallengesang; Mondaufgang.)\nSchweb1 zu mir auf Goldgefieder,\no Cherub der Betrachtung, nieder !\nStumm walte Stille überall,\nwenn nicht im Busch der Nachtigall\nsüsser Klaggesang erwacht,\nglättend die Faltenstirn der Nacht!\nWie süss, o Trost der Nacht, wie singst du\nsinnig!\nso tönereich, so schwermuth-innig!\nDir lausch1 ich aus dem Chor in Nacht und\nWald,\nwo hold und sanft dein Sang erschallt!\nUnd wenn du schweigst, wandl1 ich dahin,\num zu schau'n auf weichem Grün,\nwie der Mond in stiller Pracht\nsteigt empor um Mitternacht.\nDer Frohsi n n i g e.\n15. IG. (Recit. und Arie. Jagdlied.)\nFreude, dir bring1 ich mich dar,\nnimm mich auf in deine Schar!\nAuf zur lust'gen Waldeshöh1!\nZu lauschen dort, wie Horn und Hund\nfröhlich grüsst die Morgenstund1,\nwie der Klang vom Hügel schallt\nund im Hochwald wiederhallt!\nDer Scliwe rmiit Ii i ge.\n17. (Arie. Abendglocken. Dämmerstündchen.)\nOft auf der Höh1, den Fluss entlang,\nhör' ich der Abendglocken Klang,\nwie vom Ufer fern ihr Schall\nschwinget schwer in dumpfem Hall.\nUnd wenn der Sturm den Gang verwehrt,\nberg1 ich mein Haupt am stillen Heerd,\nwo blasser Asche spärlich Licht\nder Kammer düstres Dunkel bricht;\n18. (Arie. Grille. Nachtwächterruf.)\nhier, wo alle Freud1 erstirbt,\nnur dass die Grill1 ihr Liedchen zirpt,\noder des Wächters Warnungsspruch\ndas Haus beschirmt vor nächt'gem Fluch.\nDer Frohsinnige.\n19. 20. (Recit. und Arie. Landlust.)\nFreude, dir bring1 ich mich dar,\nnimm mich auf in deine Schar!\nLass mich wandernd durch das Grün\nbeim Ulmenhag am Hügel ziehn;\nwo der Pflüger nah1 zur Hand\nflötet über das Ackerland,\nwo die Dirne fröhlich singt,\nund der Schnitter die Sichel schwingt,\nund jeder Hirt zur Abendstund1\ntrillert sein Lied im Thaiesgrund.\n21. 22. (Arie und Recit. Naturfreuden; Fernsichten.)\nSchnell späht neue Lust mein Auge\nin der Flur im Frühlingshauche,\nwenn's auf grünen Matten schweift,\nwo die Heerde grasend streift;\nBerg1, auf deren ödem Haupt\nder Sturm oft durch die Wolken schnaubt,\nschmucke Au'n in buntem Glanz\nund am Bach den Wellentanz,\nBurg und Zinnen seh1 ich glühn\nhochgethürmt im Waldesgrün.\n23. (Arie. Ein Tanz im Freien.)\nHorch, wie das Tamburin erklingt\nund die muntere Geige singt,\nzur Lust dem Burschen und der Maid,\ntanzend auf dem Anger weit.\n24. (Chor. Bei dem Tanz und nach dem Tanz.;)\nUnd Jung und Alt erscheint zum Tanz\nauf der Flur im Sonnenglanz,\nbis des Tages Licht erblasst.\nDann schleichen sie todmüd zur Ruh1,\nund Schlummer lullt die Augen zu,\nbald zu, bald zu.\nZweiter Theil.\nDer Schwer müth i g e.\n25. (Recit. Nachtstudien.)\nFlieht, eitle Freuden, fern!\nDu Brut der Thorheit, vaterlos erzeugt !\nWie seid ihr hohl und seicht\nfür den gefassten Geist, wie ohne Kern !\nAuf hoher Warte angefacht,\nstrahl' meine Lamp' um Mitternacht,\nwo oft der Morgenstern mich fand,\nHermes und Plato in der Hand,\naus ihrem Tiefsinn zu erspähn,\nwo einst, in welcher Welten Höh'n,\ndes Menschen Seel1 unsterblich lebt,\nwenn nun sie dieser Erd1 entschwebt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6582, "texte": "26. (Arie. Trauerspiel.)\nLasst mir die Trauermuse dann\nim Praclittalar vorübergehn,\nmit einem Spiel von Troja's Weh'n\noder Oedipus im Bann;\nund was seitdem der Bühne Preis\nerhöhet hat mit würdigem Fleiss.\n27. (Arie. Orpheus' Klagelied.)\nUnd, o! könnt' ich mit Zauberkraft\nentziehn Musäus seiner Haft,\nund auferwecken Orpheus' Sang,\nder zu der Laute wirbelnd klang :\ndass Pluto's eisern Auge thränt'\nund Hölle gab, was Lieb' ersehnt!\n28. (llecit.)\nO Nacht! so sieh mich oft in deinem Lauf,\nbis der Morgen zieht herauf!\nDer Frohsinnige.\n29. (Solo und Chor. Städtgedränge und Festlust.)\nUns gefällt der Stadt Gedränge\nund der wirre Lärm der Menge,\nwo stolz die Herrn, die Ritter kühn\nin Feiertracht siegprangend ziehn !\nWo holde Frau'n aus zarter Hand\ndie Kampfespreise zuerkannt\ndem Geist, dem Arm, dem Glück, der Kunst,\ndie kühn erstrebt der Schönsten Gunst !\n30, (Arie. Hochzeitfreuden J\nOft kehr' Hymen bei uns ein\nim Saftrankleid mit Fackelschein,\nmit Pomp und Fest und Neckerei'n,\nbelarvt und voller Gaukelei'n,\nwie oft ein Dichterhirn erdacht\nzur Geisterzeit, in Sommernacht.\nDer Schwermüthige.\n31. 32. (Recit. und Arie Waldeinsamkeit.)\nMich vor der Sonne scharfem Strahl\nverbirg, o. Göttin, tief im Thal,\nim Laubgewölb', im Schattendach\ndes Dämmerhains, Sylvan's Gemach;\ndort im Versteck beim kühlen Bach\nspäh' kein profanes Aug' mir nach.\nBirg mich vor des Tages Pracht,\ndass in stiller Waldesnacht\ndie Biene, die zur Arbeit singt,\nder Sturzbach, der vom Felsen dringt,\neifernd süss in Harmonie'n\nden thau'gen Schlummer zu mirl ziehn.\nUnd seltsam fremd ein Wundertraum\nschwebe auf seiner Schwingen Flaum,\nin lebenvollem Bild entrollt,\nauf mein Auge mild und hold.\nA\\ enn ich erwach' tön' wonniglich\naus Höh' und Tief' Musik um mich,\naus unsichtbarem Wunderland\nvom Schutzgeist dieses Hains entsandt.\nDer Frohsinniffe.\nO\n33. (Arie. Lustspiel.)\nMir führt ein heitres Lustspiel vor,\nwo Jonson scherzt und sein Humor,\nwo Shakespeare singt, der Musen Lust,\nSang der Natur aus voller Brust.\n34. (Arie. Lydischer Lustgesang.)\nUnd immer, wenn mich Sorge müht,\nwiegt mich in ein lydisch Lied,\ndas, vom Sinn des Worts bedingt,\nin die getroffene Seele dringt,\nmit manch gewundnem Lauf verschönt,\nin manch gebundnem Ton gedehnt,\ndie schmelzende Stimm' in schwindelndem\nWagen\ndurch labyrinth'schen Gang getragen,\nund lösend jede Fessel, die\nverscliloss den Geist der Harmonie.\n35. (Arie. Von Orpheus beneidet.)\nOrpheus, er selbst erheb' sein Haupt,\ndes goldnen Schlummers sanft beraubt,\nund lausch' vom Blumenbett empor\ndem Sang, der wohl bezwänge Pluto's Ohr,\nzu lösen ganz des Hades Bann\nder Gattin, die Er halb gewann.\n3G. 37. (Arie und Chor. Hingebung an die Freude )\nDiese Lust gewähre du,\nFreud', und dir \\ gehör' ich ) zu !\n( schwör' ich (\nDer Schwer miith i g e.\n38. 39. (Recit. und Chor. Kirchengang und Gesang.)\nMich treibt der ernsten Seele Hang,\nzu wandeln in des Klosters Gang,\nder alten Säulenreihe nach,\nunter dem hochgewölbten Dach,\nwo ahnungsvoll ein düstres Licht\ndurch die bemalten Fenster bricht.\nDort zu der Orgel Schall empor\ntön' ein Lied in vollem Chor,\nim heil'gen Dienst ein frommer Sang!\n40. 41. (Recit. und Arie. Todesgedanken.)\nUnd mich durchschauert süsser Dräns:,\nO '\nder ganz mich mit Entzücken füllt\nund alle Himmel mir enthüllt.\nUnd am Ziel der Lebensbahn\nweis't mir ein friedlich Hiittclien an,\nein moosig Haus, ein hären Kleid,\nworin ich lese, eingeweiht,\nin jedem Stern am Himmelszelt,\nin jeder Blume auf dem Feld,\nbis Alter schwer mich niederdrückt\nund mit Prophetenschein mich schmückt.\n42. (Chor. Hingebung an die Schwermuth.)\nSchwermuth, gewähr1 uns diese Freuden du,\nund dir gehören Alle zu.\nDritter Theil.\nDer Gemäss i g t e.\n43. (Recit. Verwünschung der eitlen Freude und\nder Schwermutlf.)\nFort! schweiget, dies Geprahl\nmit nur erdachten, nicht erprobten Freuden,\nmaasslos verfolgt von Beiden,\nund durch ihr Uebermaass verkehrt in Qual!\n44. (Arie. Anruf der Mässigung.)\nKomm, in anmuthvoller Zier,\nholde Mässigung, zu mir,\nclic, vom allweisen Gott beschert,\nin uns den eignen Trotz zerstört!\nFühr1 uns der Mitte weisen Weg,\nnicht finster ernst, nicht eitel frech:\nnein, stets in Blick und Haltung gleich,\nruhig, freundlich, liehereich!\n45. 46. (Recit. lind Chor. Einladung an das Gefolge der\nMässigung.)\nUnd Massigkeit sei dein Geleit\",\nmit ihr G esundheit im Rosenkleid,\nZufriedenheit dein steter Gast,\nder tollen Leidenschaft verhasst,\nGenügsamkeit hei offner Hand\n(so oft als Feinde falsch benannt),\nund Liebe mit Vern u n f t gepaart,\nvon reinem Sinn und edler Art,\nHeil und Glück, des Himmels Spende,\nlanger Jah r e lächelnd' Ende :\nDiese segenvolle Schar\nsei mit dir allimmerdar!\n47. (Arie. Die goldene Mitte )\nKomm und leit' in milder Zucht\nihn, der selbst sein Unheil sucht,\nder Ein Uebermaass vermeidet,\naber blind ins andre schreitet.\nLehre sanft, wie wohl versorgt\nder ist, der der Natur gehorcht,\nder sicher durch die Klippen treibt\nund (weise) bei der goldnen Mitte bleibt.\n48. 49. (Recit. und Arie. Das Maass, der wahre Reiz des\nLebens.)\nIhm wird das Leben nicht verbracht,\nauf irrem Abweg von dem Ziel,\nin Thorenlust, in Kinderspiel,\nGelag und Tänzen Tag und Nacht;\nNoch auch in Schwermuth steter Dauer,\nin Erstarrung, Trübsinn, Trauer.\nDenn wahren Reiz den Thaten leiht\nNur Ordnung, Richtmaass, Ort und Zeit,\nund sie erhöhn des Lebens Bau\nzun Himmel auf in würd'ger Schau.\n50. (Duett. Der Wahrheit Tag.)\nSo wie der Tag die Nacht beschleicht\nund haucht die Schatten weg,\nso lös't des Geistes Licht den Trug;\nder Wahrheit Morgenglanz verscheucht\ndie Nacht, die um die Seele lag,\nund neu geht auf der Wahrheit Tag.\n51. (Chor. Hingebung an die Mässigung,)\nGib diese Lust, o Maass, uns du,\nin ihr allein ist Glück und Ruh'!\nLeberlies t man das Gedicht, so weit es zu unserem\nTexte benutzt ist, in Einer Folge, so wird man eingestehen,\ndass in den von Milton herrührenden zwei ersten Theilen\n/\neine gedrängte Fülle von Empfindungen und Seelenstim-\nmungen ausgedrückt ist, wie sie schon der Natur der Sache\nnach in anderen Musikunterlagen kaum möglich ist. Alle\nOratorien und Operntexte drehen sich gemeinhin um eine\neinzige Handlung, in der sich nur eine kurze Reihe, sei es\ngleichartiger, sei es gegensätzlicher Seelenzustände und Lei-\ndenschaften entwickelt, die von vielen gleichgültigen Zwi-\nschengliedern zusammengehalten werden. Nicht so ist es\nhier, wo nicht eine dramatische Handlung vorliegt, sondern\nwo ein lyrischer Kranz der mannigfaltigsten Gesangstücke\ngeschlungen wird, deren gesammter Inhalt auf die Grund-\nbestimmungen nur zweier Temperamente zurückgeführt ist,\nwas aber eine Beschränkung nur in Beziehung auf die bei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5178, "texte": "den Haupt-Grundtöne ausdrückt, auf die das Gemälde auf-\ngetragen ist, in dessen einzelnen Gruppen sich dann der\nürösste Reichthum von Seelenbildern in aller Freiheit ent-\nfaltet. Wenn der Frohsinnige und der Schwermüthige\nihren Abscheu und ihre Geringschätzung gegen die ihnen\nfremde Natur kund geben, wenn sie das beseligende Gluck\nder Uebereinstimmung der Seele mit sich selbst, in der An-\nschauung ihrer eigenen Natur aussprechen, hier im Jubel\nweit nach aussen, dort im stillen Ernste lief nach innen ge-\nkehrt: wenn jener den unsterblichen Drang nach Gesellig-\nkeit in der Schar vieler heiteren Gäste, dieser den inner-\nlichen Hang zu geistiger Betrachtung in weniger und stil-\nler Umgebung ausdrückt; wenn die Freudigkeit dort zu\nthatkräftigen, hier der trauernde Zug zu passiven Vergnü-\ngungen drängt; wenn es dort den fröhlichen Muth in die\nlauten Freuden der Natur, hier den Gedankenernst (was\nder eigentliche Charakter dieses Milton'schen Melancholikers\nist) in die stillen Freuden nächtlicher Studien zieht; wenn\nden Lebensfrohen das wirre Gewühl der Menschen mit\ngreiflichen Belustigungen anreizt, und den Traumer das\ntiefe Versteck der Einsamkeit mit seinen eingebildeten Wun-\ndern- wenn dort die epikureische Lebenslust in helle Er-\n-1 TTV . 1 <\nGüsse ausbricht, hier der stoische Sinn in der Betrachtung\ndes Greisenalters schwelgt alle und jede einzelne dieser\nmusicalischen Bildergruppen heben sich in bestimmter Be-\ngränzung, in mannigfaltiger Abwechslung, in vollkommener\nSelbstständigkeit und Freiheit aus dem Ganzen ab und her-\nvor. Bei diesem Reichthum der Gegenstände war dem Com-\nponisten die charakteristische Abrundung, die scharfe Be-\nsonderheit in jedem einzelnen Tonstücke ausserordentlich\nerleichtert durch die plastische, bildvolle Darstellungsweise\ndes Gedichtes und seinen ganz sachlichen Inhalt. Der Ton-\nkünstler war hier nicht, wie es heut zu Tage die Regel ist,\nvon dem Unsegen betroffen, dass ihn die Kränkelei einer\nnebelhaften Dichtung nothwendig angesteckt hatte; hier\nverschwimmen die Seelenregungen, die Gefühle, die ausge-\ndrückt werden sollen, nicht in flaue Empfindsamkeit, die\nGegenstände, über denen die Gefühle wach werden, nicht\nin unfassliche Dunstbilder. Vielmehr ist hier auch das Un-\nsinnlichste belebt und persönlich gemacht; die Freude, die\nSchwermuth selbst treten als Göttinnen auf, die Eigen- und\nLeidenschaften, die ihnen verwandt sind, als ihr dämoni-\nsches Gefolge, Schlaf und Traum als greifbare Wesen, das\nTrauerspiel als die tragische Muse. Und in jedem einzelnen\nGesangstücke heftet sich der Äfftet an einen festen, be-\nstimmten Gegenstand an:, bei dem Frohsinnigen an das Mor-\noenlied der Lerche, an die Jagd, an den Gesang der Land-\nleule, an die glanzhellen Bilder schön belebter Natur, an\neinen Reihen auf dem Anger, an das Gedränge der Stadt\nund ihre Festlust und Hochzeitfreuden, an Lustspiel und\nlyrische Tonweisen; bei dem Schwermüthigen an den Ge-\nsang der Nachtigall, an den Klang der Abendglocken und\nden Reiz der Dämmerstunde, an den schrillen Gesang dei\nGrille und den nächtlichen Wächterruf, an die Nachtstu-\ndien in einsamer Zelle, an Trauerspiel und Waldeinsamkeit,\nan Kirchenandacht und Todesgedanken. So tritt die Seele\ndiesen mannigfachen Gegenständen gegenüber in die ver-\nschiedensten Lagen, und den sinnigeren Zuhörer in unse-\nrem Kreise ergriff das aufgerollte Tongemälde in der\nWeise, als ob ein Bild des gesammten Lebens mit den viel-\nfältigsten und entgegengesetztesten Bewegungen darin ent-\nworfen wäre. Und wenn des Dichters Wort unserer Ein-\nbildungskraft noch gestattet, rasch an diesen wechselnden\nEindrücken vorüber zu gehen, so ist es dagegen die Eigen-\nschaft der Tonkunst, uns auf dem Einzelnen länger festzu-\nbannen, die Eindrücke der leichten Einbildung tiefer in das\nstärker ergriffene Gemüth zu senken; und Iländel gerade\nist nicht der Mann, uns diese stärkeren Eindrücke zu er-\nsparen, wo seiner Kunst so wie hier die Gelegenheit gebo-\nten ist, sie zu bereiten.\nEs wird in dieser Reihe von Tonstücken kaum Eine\nStufe der Leiter fehlen, auf der uns Händel gradweise in\ndie Höhen und Tiefen seiner Natur- und Menschenkenntmss\nzu führen pflegt. Es sind ihm die Anlässe gegeben, nahe\nbeisammen alle die proteischen Künste auszulegen, mit de\nnen er wechselnd seine Wirkungen zu machen liebt: sei\nes, dass er die hörbaren Laute in der unorganischen Na-\ntur oder die natürliche Musik menschlicher und nicht mensch-\nlicher Geschöpfe nur nachahmt; sei es, dass er die unarti-\nculirten Töne unserer Gemüthsbewegungen oder die arti-\nculirte Sprache unserer Leidenschaften in Musik übertragt;\nsei es, dass er die nur sichtbaren Gegenstände der Aus-\nsenwelt oder die plastischen Erscheinungen menschlicher\nWesen mit dem lebendigen Saitenspiel in unserem Innern\nin Beziehung setzt, dass die Schwingungen des Lichtes die\nSchwingungen des Lautes anstossen, und das fürs Auge\nWahrnehmbare nun auch vernehmbar für das Ohr wird;\nsei es endlich, dass er die noch viel feineren Modulationen\nmehr geistiger als sinnlicher Erscheinungen, oder die weder\nsieht- noch hörbaren Vorstellungen der Einbildungskraft\nauf jenes leicht anschlagbare Spielzeug unseres Gemuthes\nwirken lässt.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-23_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "30", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.2.3", "titre_corps": "Pauline von Stradiot-Mende.", "titre_sommaire": "Pauline von Stradiot-Mende.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2484, "texte": "Pauline von Stradiot-Mende.\nDiese ausgezeichnete, gegenwärtig beim Iloftheater\nin Stuttgart angestellte Sängerin ist die Tochter des zu\nWien verstorbenen Hof-Secretärs bei der k. k. Ilof-, Ilaus-\nund Staatskanzlei L. von Stradiot und steht jetzt in ihrem\n\"24. Lebensjahre. Die Natur hatte ihr Talent für Malerei\nund Musik gegeben; sie übte Beides, wandte sich jedoch\nmit vorherrschender Neigung der Tonkunst zu, zumal da\nsich zu der Anlage als Instrumentalistin sie erregte als\nFortcpiano-Spielerin schon in zarter Jugend Aufsehen\nauch eine vorzüglich schöne Stimme entwickelte, welche in\ndem jungen Mädchen, die auch sonst in jeder Hinsicht den\nlebhaftesten Geist, leichte Fassungsgabe und ein treffliches\nGedächlniss besass, das sie befähigte, in sehr kurzer Zeit\ndas Französische und Italiänische vollkommen inne zu ha-\nben, die unwiderstehliche Neigung hervorrief, sich der Bühne\nzu widmen. Gewiss forderte sie Alles dazu auf: eine schöne\nPersönlichkeit, herrliche Stimmmittel und eine in jeder Hin-\nsicht künstlerische Natur. Allein ihr Vater war gegen den\nKünstlerberuf eingenommen. Jedoch Hess er die talentvolle\nTochter bei dem Capellmeister Otto Nicolai ausbilden.\nNach des Vaters Tode ergriff Pauline die Laufbahn,\nfür welche die Natur sie bestimmt hatte. Sie sang zuerst\nin Wien in Kirchen-Concerten, dann in Mailand auf der\nBühne. Mit der italiänischen Oper nach Wien zurückge-\nkehrt, wurde sie für die Ilofbühne von Dresden engagirt.\nNach Ablauf des ersten Conlractjahres wurde ihr von der\nIntendanz ein sehr vorteilhaftes Anerbieten von 2400\nThlrn. jährlichem Gehalt auf mehrere Jahre gemacht. Allein\nFrl. Stradiot hatte ihren jetzigen Gatten, Herrn Mende,\nkennen gelernt und folgte diesem, der eine Anstellung beim\nStadttheater in Breslau angenommen hatte. Nach einjähri-\ngem Aufenthalte in Breslau und einem Besuche in Wien\nnahm die junge Künstlerin ein Engagement in Prag bei\nHerrn Director Hofmann (gegenwärtig in Frankfurt a. M.)\nan. Der Contract verpflichtete sie zu zweijähriger Ausdauer.\nDarauf folgte sie dem Bufe zu einem Gastspiel in Stettin,\nwelches die Brücke zu ihrem Engagement in Hamburg\nwurde, wo sich ihr Talent erst ganz und gar entfaltete. Sie\nreifte dort als Sängerin und Darstellerin zur Lösung der\nhöchsten Aufgaben heran und sang z. B. die Donna Anna\nund den Fidelio mit grossem Beifall. Die Intendanz des\nHoftheaters zu Stuttgart machte ihr ehrenvolle Anträge,\nwelche sie angenommen und in diesem Sommer ihren neuen\nWirkungskreis angetreten hat."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-23_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "30", "page_fin": "31", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.2.4", "titre_corps": "Aus Berlin.", "titre_sommaire": "Aus Berlin.", "signature_source": "Fl", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.6", "debut_caractere": 2486, "fin_caractere_exclue": 6383, "texte": "Aus Berlin.\n\nDen 19. Juli 1853.\nAm Sonntag den 17. d. M. brachte die königsberger Opern-\nGesellschaft Flotow's Matrosen auf die Bühne. Diese Oper ist\nnicht neu, sondern schon vor Stradella componirt und auch hier und\nda aufgeführt; mit welchem Erfolg, erinnern wir uns nicht mehr.\nHier war sie jetzt zum ersten Male. Sie muss natürlich nur vom\nStandpuncte des Componisten aus beurtheilt werden, und dann ist\nsie nicht schlechter und nicht besser, als seine übrigen Opern. Die\nErfindung, die Art der musicalischen Behandlung des Textes, die\nRhythmik, der 2/4 und 4/4 Tact für die grösseren Stücke, alles das\nist schon da, nur die Instrumentirung ist noch nicht so gewandt\nund noch nicht so fertig. An Charakteristik, d. h. an musicalischer\nZeichnung von Charakteren, ist nicht zu denken, wenngleich ein\npaar Sachen, besonders das Matrosenlied, das Ständchen und ein\nMännerduett (ä la Banditenduett in Stradella) charakteristische Mu-\nsikstücke sind. Die Handlung ist dürftig und wird durch vier Acte\ngesponnen: ein Schiffscapitän liebt die Tochter eines Rheders, wel-\ncher sie einem reichen Pachter zugesagt hat der Pachter wird\nin ein Fass gesteckt und muss wider Willen mit in See der\nzweite Act spielt auf dem Verdeck des Schilfes, der Pachter er-\nhält die Schiffstaufe, es wird gejubelt, Grog getrunken, getanzt, ge-\nklettert der Blitz schlägt ein Alles rennt durch einander,\num zu löschen der Vorhang fällt. Von dramatischer Handlung\nkeine Spur, Alles nichts als durch Figuren und Musik beleb-\nter Gropius, Decoration und Spectakel. Allein es darf an einem\nStückchen Frömmigkeit nicht fehlen in der Salon-Oper; desshalb\nim dritten Act auf dem Felsenriff und dem Wrack des Schiffes\nHeulen und Wehklagen und Beten! Am Ende natürlich glückliche\nRettung und Hochzeit des Schiffscapitäns mit der Geliebten.\nEs ist Alles recht ins Ohr fallend, auch hier und da recht hübsch,\nim Ganzen aber entsetzlich charakterlos. Flotow ist das wahre Kind\nseiner Zeit und seiner gesellschaftlichen Kreise, er ist der ewig\nglatte, galante, man möchte sagen, geistreich Hache und eben dess-\nhalb für den Augenblick unterhaltende Cavalier, dem eben so wie\nder Gesellschaft, in welcher er sich bewegt und die seinen Worten oder\nTönen lauscht, nichts mehr zuwider ist, als das Entschiedene. „Al-\nles, lieber Herr von Flotow,\" sagt ihm sein Cirkel, „nur keine Lei-\ndenschaft; nur nichts Festes, das kommt uns immer so handfest\nvor; nur nichts Tüchtiges, wobei einem bange wird, wenn man\nseine eigene Taille und das fühlende Herz unter dem Schnürleib\nbewundert; nur nichts Energisches bedenken Sie, Sie sind ein\ndeutscher Ritter! Das Yerschwimmende, das Unbestimmte, das Un-\nentschiedene ist so schön! Die Romantik, die uns einwiegt und mit\nMondschein beduftet, haben wir schon; aber eine Romantik im\nFrack und mit Glace-Handschuhen bei Gasbeleuchtung, eine Rit-\nterlichkeit in Flor und Seide, ein Gefühl, wie man es nur auf par-\nkettirtem Fussboden und rothsammtnen Ottomanen haben kann,\nYolksscenen, wobei einem das Bcwusstscin recht lebendig wird,\nwie weise die Vorsehung gehandelt, uns die Plätze der ersten Rang-\nlogen zu reserviren, Liebe und Sehnsucht, die sich standesmässig\nnur andeuten, und auf der anderen Seite die Sprunghüpfigkeit\n(Elasticität) der Natur des feingebildeten Menschen, der sich zuwei-\nlen gern seines Ursprunges erinnert, nicht mit der Centnerlast der\nmoralischen Verantwortlichkeit unterdrücken das alles uns in\nScene zu setzen, in Musik zu stellen, dazu sind Sie der Mann, \"\\ er-\nehrtester! Wollen Sic?'4\nStradella, Martha, die Grossfürstin, Indra und auch die alten Ma-\ntrosen geben die Antwort. Es ist alles darin, was die angeführten\nWünsche verlangen. Das Lyrische, was diese Opern haben, quillt\nnicht aus der Seele, es tritt nicht mit den blühenden Rosen kind-\nlicher Unschuld vor uns hin, sondern mit der Blässe der nett ge-\nschminkten Empfindelei der Salonmenschen. Wie soll ins Herz"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 669, "texte": "gehen, was nicht vom Herzen kommt? Der alte Heide Quintilian\nsagte: Peci-us est quod facit diserinni wenn aber selbst den Red-\nner nur das Herz beredt macht, wie kann dann der Dichter in\nW orten oder Tönen ohne dasselbe bestehen?\nDie Ausführung der Oper war gut, sie wird auch wohl Wieder-\nholungen erleben. Frau Schütz- Wi 11 gab die Marie recht hübsch,\nwenngleich die Stimme etwas angegriffen schien; die Herren Thc-\nlen und Liebert hatten Fleiss auf ihre Rollen verwendet und be-\nfriedigten. Das Orchester liess sich dagegen Manches zu Schulden\nkommen; in Berlin ein Orchester im königlichen Opernhause mit\nunreiner Stimmung zu hören, das ist doch etwas zu arg.\n\nFl."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-23_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "31", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.7", "debut_caractere": 671, "fin_caractere_exclue": 6835, "texte": "Aus Wien.\n(Frau Köster Frau Marlow Frau Nolles Frau\nSchuselka-Brüning.)\nDen 17. Juli 1853.\nDie neue Leitung unseres Hof-Operntheaters unter Herrn Cor-\nnet hat eine schwierige Aufgabe zu lösen, welche namentlich an\nden Versuchen, uns eine erste dramatische Sängerin an die Stelle\ndes Fräul. Ney zu schaffen, zu scheitern droht. Wir haben die Da-\nmen Wildaue r, eine treffliche Soubrette, mehr Schauspielerin als\nSängerin, Liebhardt recht brav in der Coloratur, Schwarz mit\nschöner Altstimme, aber sehr beschränktem Rollenfach, II e rr m a n n-\nCzillag, Mezzosopran mit guten Mitteln, aber ohne künstlerische\nlleife. Das alles ist kein Ersatz für die Ney, keine Nachfolge für\n* o\neine Oper, welche die Lutzer, die Hasselt-Barth, die Zerr\nu. s. w. zu den Ihrigen zählte. Recht talentvoll und zu allem (i Il-\nten willig ist Fräul. Schwarzbach, eine jugendliche viel ver-\nsprechende Künstlerin. Mit dem Männerpcrsonal steht es, wie ich\nIhnen schon neulich schrieb, besser.\nNun werden die kostspieligen Versuche mit Gastspielen gemacht.\nWir haben Frau K ös t er aus Berlin, Frau Marlow aus Stutt-\ngart, Frau Nottes aus Hannover hier und erwarten auch Fräul.\nWagner. Von ihnen sind nur Frau Marlow und Frau Nottes zu\nhaben. Frau Köster hat als Fidelio dieses Mal noch am meisten ge-\nfallen, sie wurde in dieser Rolle vom Publicum einstimmig und mit\nEnthusiasmus gefeiert. Weniger griff sie alsllezia in Webers Obc-\nron durch, welches voriges Jahr ihre Glanzpartie war; doch gab\nsie auch jetzt wieder Vortreffliches, besonders in der grossen Scene\nam Meere. Ueber die forcirte Schärfe ihrer Stimme habe ich mich\nneulich schon ausgesprochen.\nFrau Marlow trat als Martha und als Lucia auf, eine Wahl,\nwelche die Gattung bezeichnet, in der die Künstlerin sich vor-\nzugsweise bewegt; im Ausdruck das Lyrische, Gefühlsweiche, in\nder Form die Coloratur. Die Stimme ist zwar nicht besonders voil,\naber sie klingt schön und hat Kraft und Ausdauer genug zu Span-\nnungen und getragenen Anschwellungen. In der Martha war ein\npaar Mal die Intonation nicht ganz auf der Höhe der hiesigen Or-\nchesterslimmung, was übrigens den meisten Sängerinnen, wenn sie\nzum ersten Male hier auftreten, widerfährt. Dass in Gesang und\nSpiel nichts Mühseliges zu bemerken war, weder im Nochnicht-\nkönnen noch im Nichtmehrkönnen, dass im Gegentheil eine Leich-\ntigkeit und Ungezwungenheit, von Jugendlichkeit getragen, zur Er-\nscheinung kam, war uns sehr willkommen und anregend.\nEine entschiedenere und vollständigere Leistung war die Lucia\nin Donizetti's bekannter Oper. Wir lieben zwar dergleichen wäh-\nrend einer gewissen Periode Bellini's und Donizetti's Mode gewe-\nsene Partieen, in welchen die grelle Verrücktheit in Trillern und\nVolatinen schön und vernünftig thut, in welchen die Gesangs-Me-\nthode die „Methode der Tollheit\" ist, wie Polonius Hamlet s Toll-\nheit bezeichnet, nicht. Aber da sind sie nun, diese Partieen, diese\ndummen Sachen, welche so gescheidt klingen sollen, dass das\nPublicum sie gern hat, und es handelt sich nur bloss darum, wei-\nden Caviar am besten anzurichten weiss. Frau Marlow hat damit\neinen glücklichen Wurf gethan, und wenn sie auf Engagement\nspielt, wie es verlautet, so vermag ihr der in Lucia errungene Er-\nfolg eine gute Empfehlung zu geben. Im zweiten und dritten Acte\nkehrte die Sängerin Eigenschaften hervor, welche wir ihr bei allem\nTalent in Einzelheiten ihres ersten Debüts kaum zugemuthet\nhätten. Besonders würden wir ihr bezüglich der Coloratur nicht so\nviel Gewandtheit, und noch weniger bei ihrer im Allgemeinen dem\nVortrage der Sängerin Marra ähnlichen, etwas freschirten Gesangs-\nweise so viel Eingränzung in feineren Geschmack zugetraut haben,\nals es sich in der Schluss-Arie zeigte. Ihre Auffassung des Sextetts\nwar, wenn auch nicht ganz in edlerem Stile gehalten, doch in-\nteressant und jedenfalls effectvoll. In der Wahnsinns-Scene halten\nwir zwar das Hereinstürzen mit dem Dolche für eine unnöthige\nCaprice, dafür war die musiealischc Ausführung geordneter, als\nman sie bei den meisten Lucia-Sängerinnen findet, und die darauf\nfolgende Arie kam mit recht brillanter Ausstattung und gerundet\nin der Figuren-Abwicklung zum Vorschein. Alles in Allem zusam-\nmengehalten, zählen wir diese Leistung der Frau Marlow zu den\nbesseren, die uns auf hiesiger Bühne bekannt geworden, und haben\nnur noch auszusetzen, dass hier und da kleine Willkürlichkeiten\nmit einem llilasciren des Tempo's überflüssig waren.\nGlücklich gesellte sich zu dieser Lucia der Edgar des Herrn\nSteg er, dieses Neusonntagskindes der Stimme. Hätte die Gesangs-\nleistung Steger s an einem gerundeten %und feineren Spiele ein\nRelief, so würde sie noch viel wirksamer sein.\nEine andere Primadonna, welche die Wanderung hiehergeführt\nhat, ist Frau Nottes, königl. hannoversche Kammersängerin. Ihr\nlächelte der Erfolg minder, als Frau Marlow. Freilich hat sie ein\nschwierigeres Gesangs-Terrain betreten, aber sie hätte eben dieses\nnicht thun sollen. Sie erschien als Valentine in Mcyerbcer's „Hu-\ngenotten14 eine Partie, welche uns Frau Köster erst in bedeutend\nkünstlerischer Gestaltung vorgeführt, zu welcher aber Frau Nottes\nweder die ausreichende Stimme, noch die umfassende Bildungs-\nfähigkeit zu besitzen scheint. Der Auffassung mangelte es an\nPoesie, ja, selbst an gewöhnlichen hervortretenden Effecten. Viel-\nleicht gibt mir die nächste Rolle der Frau Nottes Gelegenheit, mein\nUrtheil zum günstigen für sie zu gestalten.\nlii mehreren Blättern hiess es kürzlich, die bekannte Schau-\nspielerin Frau Brüning- Schuselka, Gattin des Schriftstellers\nFranz Schuselka, sei bei ihrer Heimkehr aus Paris in Wien\nwegen Besitzes revolutionärer Schriften verhaftet und aus Wien\nausgewiesen worden. Das an der Sache ist, dass dieselbe\nin Folge einer Dcnunciation aus Paris bei ihrer Ankunft in Wien\neiner strengen Durchsuchung unterzogen, allein sofort ungehindert\nentlassen wurde, da sich die Denunciation als falsch erwies. Auch\neine Ausweisung derselben aus Wien ist nicht erfolgt, und sie\nwird selbst wahrscheinlich in nächster Zeit auf einem wiener\nTheater auftreten.\nDem Vernehmen nach wird die k. k. Hof-Schauspielerin Frl.\nWr ild au er sich mit dem Dichter Hrn. A. Baumann vermählen,\n5"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-07-23-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-07-23_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-07-23_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "31", "page_fin": "32", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.7", "debut_caractere": 6837, "fin_caractere_exclue": 7368, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nNach mehreren leipziger Blättern hat theils der köl-\nner Männergesang- V er ein, theils ein anderer ähnlicher Ver-\nein in Köln glänzende Anträge nach New-York erhalten. Das eine\nBlatt lässt dieselben ausschlagen, das andere meldet, dass bereits\n40 Sänger sich zur Fahrt bereit erklärt hätten! Die Neue Zeit-\nschrift für Musik erklärt den ausserordentlichen Erfolg unseres\nGesangvereins dadurch, dass man in England zum ersten Male der-\ngleichen gehört habe das soll natürlich heissen: wären die Eng-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6011, "texte": "Jänder in Leipzig erzogen, so hätten sie ein ganz anderes Urtheih\nDer musicalischc Referent der Grenz boten kann nicht begreifen,\nwie ein technisch so hoch gebildeter Mann, wie der Dirigent des\nVereins, so schlechte Compositioncn aufführen könne u. s. w. u. s. w.\nSelbst Localblätter nagen hier und da mit kleinen Artikelchcn an\ndem wohlverdienten Lorberkranze, so dass man den Pater Abra-\nham a Sancta Clara citiren möchte, der da sagt: „Allmächtiger\nGott! ist doch kein Erd noch Herd, kein Zunft noch Zusammen-\nkunft, ja, oben und unden, bei Kranken und Gesunden, unden und\noben, bei Adel und Groben, dorten und dar, in Gesellschaft und\nSchaar, dar und dorten, in Werken und Worten, ist der ver-\nruchte Neid!44\nWie anders wissen dagegen die deutschen Gesangvereine selbst\ndie Bedeutung der londoner Sängerfahrt aufzufassen und zu wür-\ndigen! Von allen Seiten gehen von ihnen die freundlichsten und\nzugleich ehrenvollsten Schreiben an den Vereins vorstand ein, welche\ndie reinste, freudigste Theilnahme an dem neuen Ruhme des\ndeutschen Liedes und den herzlichsten Gruss und Dank denjenigen\naussprechen, welche in der That mit Opfern jeglicher Art\ndiesen Ruhm erkauft haben. Die Nachrichten über Anträge nach\nNew-York, so wie über eine Reise nach Herdringen in Westfalen,\num bei Anwesenheit des Königs auf Einladung des Hrn. von Für-\nstenberg zu singen, sind müssige Erfindungen.\nS&öftii. Am 17. Juli trat Johanna Wagner hier als Ro-\nmeo in Bellini's bekannter Oper auf und erregte einen Enthusias-\nmus, wie wir ihn selten hier im Theater gesehen haben. Die Künst-\nlerin riss alle Zuhörer, Kenner und Laien, durch ihre geniale\nSchöpfung hin, über welcher man die Schwächen Bellini's vergass\nund sich nur dem herrlichen Eindrucke, den die Darstellerin in Al-\nlem, Gesang, Spiel, Plastik, machte, ganz und gar hingab. Wir hof-\nfen sie noch in einigen Rollen zu hören und werden uns dann\nausführlicher über diese hervorragende Erscheinung in der Kunst-\nwelt aussprechen. Die Vorstellung verdanken wir dem Hrn. Direc-\ntor l'Arronge, dem Unternehmer des aachener Stadttheaters; er\nhat uns eine recht tüchtige Opern-Gesellschaft vorgeführt und ein\nEnsemble gegeben, wie wir es seit lange hier nicht gehört haben.\nFrau Küchenmeister-Rudersdorf war als Julia vortrefflich;\nin Hrn. Jäger (Tybald) lernten wir einen Tenoristen mit schöner,\nfrischer Stimme kennen, der zu singen weiss; sein Spiel konnte\nfreilich neben Johanna WTagner nicht bestehen. Auch die Partieen\ndes Capulet und J.orenzo waren gut besetzt; der Männerchor nicht\nübel, nur im letzten Acte zu roh.\nESerliu. Der Hof-Musikhändler Herr Bock hat von der kö-\nniglich schwedischen Akademie eine silberne Medaille erhalten.\nAuf der einen Seite befinden sich die mit einem Lorberkranze um-\ngebenen Worte in schwedischer Sprache: „Königlich Schwedische\nAkademie\", und auf der anderen eine Lyra, über der, ebenfalls\nschwedisch, die Worte: „Für Kunst'4, angebracht sind.\nZwei für Militärmusik interessante Werke sind so eben in der\nKöniglichen llof-Musikhandlung des Herrn G. Bock in Berlin in\nDruck erschienen, und zwar 1) die am 2. Juni durch das Königl.\nOfficicrcorps gewählten Preismärsche für Infanterie-, Cavallerie-\nund Horn-Musik, welche den sämmtliehen Regimentern in einer\nsorgfältigen Ausstattung bereits zugesandt worden sind. Das zweite\nWerk sind die von dem durch seine populären Compositionen be-\nrühmten Musik-Director A. Neithardt herausgegebenen „Soldaten-\nlieder44, zweites Heft. Nicht allein ausgezeichnet durch die vortreff-\nliche Wahl der Texte, welche echt patriotischen Inhalts sind, son-\ndern auch durch die denselben gänzlich entsprechende Musik kön-\nnen wir diese Liedersammlung vornehmlich den Militär-Gesang-\nchören auf das angelegentlichste empfehlen.\nDie Direction des Stadttheaters in Stettin hat in den bisheri-\ngen Sommermonaten für die Gastspiele von Johanna Wagner,\nRoger und der Tänzerin Pepita 2500 Thlr. an Honorar ausge-\ngeben und dennoch dabei gute Geschäfte gemacht. Man sieht, dass\neine tüchtige Leilung ein Theater auch in einer mittleren Stadt\nden Sommer durch erhalten kann. Stettin hat 43,000 Einwohner,\nKöln über 90,000, und dennoch die traurigsten Theater-Verhältnisse!\nHerr Wallner, der bekannte Komiker, ist für die ganze Pro-\nvinz Posen als Theater-Director concessionirt worden. Am 3. Juli\nhat er das Theater zu Bromberg mit Halevy's Jüdin eröffnet;\nauch in I hörn und Graudenz wird er Opern-Vorstellungen\ngeben und zum Winter wieder in Posen spielen.\nWeimar. Liszt ist nach Paris gereis't und wird von da\nnach Zürich gehen, um einen Theil des Sommers in der Schweiz\nzuzubringen.\nHeidelberg-. Der Bau unseres Theaters schreitet immer\nrascher seiner Vollendung entgegen. Das Theater-Comite, das aus\nmehreren Sectionen besteht, zählt zu seinen Mitgliedern eben so\nthätige als angesehene und sachverständige Männer, welche kein\nOpfer an Zeit und Mühe scheuen, um dem in sie gesetzten Zu-\ntrauen vollständig zu entsprechen. Zum Director ist Herr Haake,\nzeitiger Regisseur des Theaters in Frankfurt am Main, erwählt.\nUnter den Ileiraths-Anzeigen des ersten Arrondissements von\nParis vom 16. Juli hat man folgende bemerkt: Der Herr Graf\nPepoli mit Fräulein Alboni, dramatischer Sängerin, und Herr\nCarlo Vcnicr mit Fräulein Alboni, Schwester der berühmten\nKünstlerin.\nIn London gaben die deutschen Schauspieler am 0.\nd. Mts. Göthe's Faust. Devrient war heiser geworden, und Dcs-\nsoir trat an seine Stelle in der Rolle des Faust. Engelken gab\nden Mephistopheles, Frl. Fuhr das Gretchcn. Am meisten wird\nFrl. Fuhr von der Kritik gerühmt. Am anderen Morgen brachte\nder Moming Advertiser eine lange Kritik über Devrient als\nFaust!! Nun, dem berliner Nestor, Herrn Rcllstab, soll auch ein-\nmal etwas Aehnlichcs passirt sein. Schnelligkeit ist freilich keinp\nHexerei, aber mitunter arge Blamage.\nIn Südamerica kennt man keine andere Oper als die italiänische.\nJetzt will aber in Montevideo ein Franzose den Versuch ma-\nchen, die französische komische Oper dort einzuführen, und\nhat dazu eine Gesellschaft in Paris engagirt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "25", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.1", "texte": "Händel’s Allegro und Pensieroso.\nHeidelberg, im Juli 1853.\nIn einer Zeit, womit soviel Nachdruck von dem Ueber-\nbrauch, um nicht zu sagen von dem Miss brauch der In-\nstrumentalmusik zurückgerufen wird zu dem ursprünglichen\nQuell aller Tonkunst, zu dem Gesang der menschlichen\nStimme und zu dem Schacht der menschlichen Gefühle und\nLeidenschaften, dem er entquillt, muss es erlaubt sein, auf\nunseren Händel einmal wieder zurückzuweisen, der ge-\nschichtlich auf dem beneidenswerthen Wendepuncte stand,\nwo er auf der einen Seite die ganze Fülle der älteren\nkirchlichen Vocalmusik, die von instrumentaler Begleitung\nunversehrt war, noch in lebendiger Uebung kennen lernen\nkonnte, wo er auf der anderen Seite die orchestrische Kunst\nder späteren Zeiten schon in einem solchen Umfange be-\nsass, zugleich aber in einer solchen Mässigung anwandte,\ndass sie bei ihm in einer wunderbaren Mitte von Selbst-\nständigkeit und Abhängigkeit, fast nur und immer im\nDienste des Gesanges, aber zugleich als seine innere Ver-\nvollständigung und Steigerung, als sein äusserer Schmuck\nund seine Zier erscheint. Soll die Tonkunst zu der Rein-\nheit und Tiefe zurückgeführt werden, dass der Maass-\nstab ihres Werthes in der psychischen Wahrheit ihres\nAusdruckes gesucht wird, dass das Wort und sein Sinn\nder Prüfstein des Tonsatzes, dass die „Melodie der\nSprache\" der bedingende Grund der gesungenen Melo-\ndie sein soll, so gibt es für uns Nordländer, für uns\nDeutsche in dem ganzen Schatze tonkünstlerischer Werke\nkeine, die so ausschliesslich als classische Muster eines in\njenem Geiste verjüngten Kunststudiums angepriesen und\nhervorgesucht werden müssten, wie die Werke von Hän-\ndel. Und es sind nicht etwa die Muster einer werdenden,\nnoch unvollkommenen Kunst, welche erst der Correctur\neiner späteren Kunstperiode bedürfte, die in mechani-\nschen Fertigkeiten und Hülfsmitteln in dem Maasse fort-\ngeschritten ist, wie sie in innerer Erfassung ihrer Aufgabe\nzurückgegangen erscheint, sondern es sind Muster einer in\nsich ganz vollendeten Kunst, die vielmehr ihrerseits das\nCorrectiv der neueren Verirrungen werden müsste, wie sie\nes in dem correctesten Geiste unter den Meistern unserer\nTage schon geworden war. Händel's Werke in diesem\nLichte zu sehen, dazu gehört nur, dass man ihre musica-\nlische Sprache erlerne, wie man sich auch beim Studium\nälterer Schriftwerkein die Sphäre der gesprochenen\nSprache anderer Zeiten zurückversetzen und eingewöhnen\nmuss. Wer diese Mühe scheut, oder den Glauben nicht\nmitbringt, dass sie sich lohnen wird, der kann, wie über ei-\nne erste Arie von Händel, eben so an einer ersten Scene\nbei Shakespeare straucheln, kann unbedacht in das abspre-\nchendeUrtheil der Trägheit und der modernen Verwöhnung\neinstimmen und sich um die höchsten Genüsse bringen,\nwie über die höchsten und reinsten Begriffe der Kunst\nbetrügen.\nGervinus hat in der Vorrede zu seinem Shakespeare\nden englischen Dichter mit Händel zusammen gestellt, als\ndie von zwei blut- und bildungsverwandten Nationen wett-\neifernd bewunderten, geistverwandten Meister in zwei ver-\nwandten Künsten. Möglich, dass er einmal in einer weiter\ngreifenden Parallele diese Vergleichung ausführt und nach-\nweist, dass sie nicht ein blosser schimmernder Gedanke,\nauf blosse zufällige Aehnlichkeiten gegründet ist, sondern\ndass sie tief auf dem gemeinsamen Grunde germanisch-\nvolksthümlicher Geistesrichtung, auf einer gleichen Gesund-\nheit der angeborenen empfindenden Natur, auf einem ganz\nähnlichen neuen Bildungs- und Entwicklungsgange, auf sehr\ngleichartigen Wandlungen in dem Geschmacke, selbst auf\neiner Ebenmässigkeit in Neigungen und Schicksalen der bei-\nden Männer beruht. Vielleicht ist es im Hinblick auf eine\nsolche Arbeit, dass er mittlerweile die Zeit anwendet, um\nauch jene Werke von Händel, die selten in Deutschland\ngehört werden oder gar nicht bekannt sind, genauer kennen\nzu lernen. Voriges Jahr ist in seinem Hause in einem klei-\nnen, bescheiden zurückgezogenen Kreise, von eifrigen Mit-\nwirkern für empfängliche Zuhörer der Saul und das Det-\ntinger Tedeum gesungen, diesen Sommer, in diesen Tagen,\nder Alleground Pensieroso in technischer Beziehung"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "26", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.2", "texte": "natürlich mit aller laiischen Anspruchslosigkeit, aber der\nAuffassung nach mit einem andächtigen Ernste ausgeführt\nund aufgenommen worden. Die Ueberraschung, die dieses\nganz unbekannte Werk nicht sowohl durch seine Neuheit\nan sich bereitete, sondern weit mehr durch die ganz neuen\nSeiten, die es eben durch seine Bekanntwerdung an dem\n(Komponisten aufhellte, den man bei uns fast nur aus sei-\nnen geistlichen oder biblischen Oratorien kennt, diese Ueber-\nraschung ward noch überboten von der Befriedigung, die\ndasselbe durch den weiten, mannigfaltigen Umfang seines\nInhaltes, wie durch die Classicität seiner künstlerischen Be-\nhandlung gewährte.\nDieses Oratorium ist, so viel wir wissen, in einem ge-\nbildeten Privatcirkel in Berlin wohl einmal gesungen wor-\nden; auch Thibaut hat früher hier Einzelnes daraus für sei-\n/\nnen Singverein ausziehen lassen; sonst ist es in Deutsch-\nland kaum in anderen Kreisen bekannt geworden; öffent-\nlich wenigstens scheint es nie und nirgends aufgeführt zu\nsein, wie uns auch keine Ausgabe mit deutschem Texte be-\nkannt ist. In der Standardedition von Händel's Werken,\ndie von der Händel-Gesellschaft besorgt wird, ist der\nlegro und Pensierosovon Moscheies herausgegeben. Das\nWerk ist in des Künstlers schöpfungsreichster Periode, kurz\nvor dem Messias, geschrieben. Wie alles, was Händel\nmachte, ist es in unbegreiflich kurzer Zeit vollendet wor-\nden; am 1 9. Januar 1740 begonnen, waren die dreiTheile\nam 4. Februar, in IT lagen, schon beendigt; nach *23\nweiteren Tagen, am 27. Februar, ward es zum ersten Male\nin London aufgeführt und mit Beifall mehrfach wiederholt;\nbei der berühmten Uebersiedlung des Componisten nach\nDublin 1741) bahnte er sich mit diesem Stücke, dem er-\nsten, das er dort aufführen liess, seinen erfolgreichen Weg.\nWer Händel's Werke genau studirt hat, der weiss, dass\nbei ihm der Tonsatz (um in den Worten unseres Orato-\nriums selbst zu reden überall „von dem Sinne des Wor-\ntes bedingt % dass die Musik bei ihm in steter Abhängig-\nkeit von Bede und Dichtung ist. Sie ist es in dem Maasse,\ndass der Eingeweihte nur einen Text von Händel zu lesen\nbraucht, um aus dessen Werth und Bedeutung unbesehen\nvoraus zu sagen, was ungefähr die Bedeutung und der\nW erth des Tonstückes »sein möchte, das der Künstler auf\ndem Texte aufgebaut hat. In dieser Beziehung war Hän-\ndel von dem natürlichsten Instincte getrieben, seinem Va-\nterlande früh den Bücken zu kehren, wo er an der Dich-\ntung der Brockes und Richey die schwächsten Stützen für\ndas üppige Rankengewächs seiner Tonsätze gehabt hätte;\ner suchte sich seine Stoffe in Italien und in England, wo\ndie classische Ausbildung der Dichtkunst bereits erreicht\nwar. So werthvoll es für Händel war, zu seinem Alexan-\nderfeste und seiner Cäcilien-Ode die Texte von Drvden zu\nhaben, so wichtig war es für den Kunstwerth unseres Ora-\ntoriums, des Allegro, dass er hier die Worte eines so\ngrossen Dichters wie Milton vor sich hatte. Dieser Text\nwar allerdings ursprünglich nicht auf musicalische Compo-\nsition berechnet. Milton hat zwei gegensätzliche Gedichte,\nAUcgro und Pensieroso,geschrieben, die jedes für sich in\nununterbrochenem Zusammenhang die Stimmungen, die\nNeigungen, die Freuden des Frohsinnigen und des Schwer-\nmüthigen aussprechen; Voss hat beide in freier Nachbildung\nübersetzt. Händel zerstückte zu dem Zwecke seines Ora-\ntoriums das Zwillingsgedicht nach seinen einzelnen Gegen-\nsätzen und stellte wechselnd immer einem Ergüsse des\nFrohsinnigen einen entgegengesetzten des Schwermüthigen\ngegenüber, bis im dritten Theile der Gemässigte die Gegen-\nsätze zur richtigen Mitte ruft; der Text dieses Theiles ist\nvon einem Anderen zugedichtet und verräth sogleich eine\nschwächere Hand. Vieles nun in den Milton'schen Texten\nbot sich dem Meister der Töne ausserordentlich günstig\nentgegen, bald zu einer einfachsten und unmittelbarsten\nUeberführung des gesprochenen Vortrages zum gesunge-\nnen, bald zu dem freiesten lyrischen Auffliegen; dort klam-\n*) CT\ninert sich Fuss um Fuss der musicalische Epheu unlösbar\nfest an den Stamm der Dichtung an, hier ringelt sich nur\nein feiner Faden um ihre frisch schwebenden und leich-\ntesten Zweige und überwölbt sie mit luftigem Blätter- und\nBlüthenwerk. Andermals dagegen ist der Text zu redne-\nrisch, oft zu lehrhaft und gedankenreich, zuweilen bloss\nberichtend von Empfindungen, welche die Musik doch verge-\ngenwärtigen soll, hier und da selbst von platten und pro-\nsaischen Stellen nicht frei genug, um überall musicalisch\nheissen zu können. Trotz dem aber ist gewiss selten ein\nso sinn-und sachvoller, überreicher Text von einem grossen\nComponisten so glücklich gewählt, noch seltener gewiss\nmit so glücklichem Wetteifer behandelt worden, und es ist\ngleich bewundernswerth, wie Händel an den schwächeren\nStellen dem Gedichte aufhalf, und wie er ihm an anderen\nStellen, wo die Dichtung allein schon in ganz musicalische\nAtmosphäre versetzt, nur lauschend gleichsam folgt und in\nseiner Sprache nur nachspricht, was ihm in der Rede\nschon vorgesagt war. ,\nWir theilen das Gedicht in der Uebersetzung, die bei\nder erwähnten Aufführung untergelegt war, hier mit; viel-\nleicht wird sie einem Verleger und Herausgeber Anlass,\nsich ihrer zu dem Zwecke zu bedienen, dem deutschen Va-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "27", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.3", "texte": "terlande des deutschen Meisters Werk in deutscher Sprache\ndarzubringen. Zugleich begleiten wir den Text mit einigen\nallgemein gehaltenen Andeutungen an das, was in der Com-\nposition zu finden ist; im Einzelnen über ihre technische\nBeschaffenheit zu berichten, wäre des Einsenders Sache nicht,\nund wäre ohnehin nicht am Orte, so lange die Partitur in\nDeutschland noch ganz unbekannt ist.\n\nFrohsinn und Schwermuth.\nEin Oratorium von Händel.\nDer Text aus Milton's Allegro und Pensieroso.\nErste Theil.\nDer Frohsi n n i g e.\n1. (Recit. Verwünschung der Schwermuth.)\nFlieh fern von dieser Stelle,\no Schwermuth, schwarzer Nacht unholde Brut,\ntief zu der Flut!\nBei näclitVer Geisterschar, dem der\nHölle,\nbau' deine Zelle dir,\nwo brütend Dunkel seine Flügel schwingt\nund der Nachtrabe singt!\nDort unter rauhem Wald und Felsgebild\n(wie deine Locken wild)\ndort weil1 in schwarzer Einöd1 fern von mir!\nDer Scliwerm ü t h i g e.\n2. (Recit. Verwünschung der eitlen Freude.)\nFlieht, nichtige Freuden, fern!\nNehmt eitle Sinne ein\nund leeren Geist mit bunten Gaukelei'n,\nso dicht und gleich an Zahl\ndem Fliegenheer, gewiegt im Sonnenstrahl,\nund mehr noch Träumen gleich,\nder flüchtigen Dienerschar in Morpheus Reich !\nDer Frohsinnige.\n3. (Arie. Anruf der Göttin der Freude.)\nKomm, komm, o Göttin, hold und schön!\nEuphrosyne in Himmels Hölfn,\nDoch auf Erden Freude genannt,\ndie Aphrodite, liebentbrannt,\nmit der Grazien Schwesternpaar\ndem epheufrohen Gott gebar.\nDer Schwe.rmütliige.\n4. (Arie. Anruf der Göttin der Schwermuth )\nKomm, edle Göttin, die ich preise,\nHeil, o Schwermuth, hehr und weise!\nDein heilig Antlitz strahlt zu licht\nfür Menschenaug1 und Angesicht!\nDich brachte Vesta, blond von Haar,\nSaturn, dem einsam Ernsten, dar.\nDer Frohsi n n i g e.\n5. (Arie. Einladung an das Gefolge der Freude.)\nEil1, o Nymph1, eil1 und bring1 an deiner Seit1\nLust und laute Fröhlichkeit,\nWitz und heitre Neckerei,\nLau n 1 und List und Schelmerei,\nwie sie auf Hebe's Wangen liegt\nund sich ihr hold ins Grübchen schmiegt,\nScherz, der aller Sorge höhnt,\nund Lachen, das vor Wonne stöhnt!\n6. (Chor.)\nFreude, komm! und bring1 an deiner Seit1\nLust und laute Fröhlichkeit,\nScherz, der aller Sorge höhnt,\nund Lachen, das vor Wonne stöhnt.\n7. 8. (Arie und Chor.)\nKommt und schwebend schlingt den Kranz,\nschlank und schwank in leichtem Tanz.\nDer Schwe rmüth i g e.\n9. (Rccit. Einladung an das Gefolge der Schwermuth.)\nGedankenschwer, andächtig, fromm,\nernste Göttin, komm, o komm,\nin dunkelfarb'ger Feiertracht,\nschwellend in erhabner Pracht!\nKomm, komm, nach deinem ernsten Hang,\nin gleichem Schritt, in sinn'gem Gang,\nden Blick zum Himmel aufgewandt,\ndie Seel1 ins Auge ganz gebannt!\nUnd so, von heiPger Gluth erfüllt,\nvergiss dich selbst zum Marmorbild,\nbis dann dein Aug1 in schwerem Zug\nzurück zur Erde senkt den Flug.\nUnd Friede komm1 mit, der Allerretter,\nund Maass, der Gast der hohen Götter,\nder oft den Sang der Musenschar\nhört1 um Vater Zeus1 Altar.\n(10. Chor.) \" *\nFriede komm1 mit, der Allerretter,\nund Maass, der Gast der hohen Götter.\nDer Frohsi n n i g e.\n11. (Recit. Wiederholter Anruf der Freude.)\nFlieh, Schwermuth, fern von hinnen!\nIn schwarzer Einöd1 weile fern von mir!\ndu, Freude, komm und bring1 in Hast\ndie Freiheit mit, der Berge Gast;\nund bring1 ich wünVge Ehren dar,\nnimm mich auf in deine Schar!\n12. (Arie. Lerchengesang.)\nNimm, o Freude, nimm mich auf in deine Schar !\nZu sein mit ihr und dir zur Seit1\nin ungetrübter Heiterkeit;\nzu hören, wie die Lercli1 erwacht\nund singend scheucht die dunkle Nacht;\nwie sie kommt, trotz Furcht und Sorgen,\nund mich am Fenster griisst zum Morgen.\nNimm, o Freude, nimm mich auf in deine Schar!\nDer Schwe rmüth i g e.\n13. 14. (Recit. u. Arie. Nachtigallengesang; Mondaufgang.)\nSchweb1 zu mir auf Goldgefieder,\no Cherub der Betrachtung, nieder !\nStumm walte Stille überall,\nwenn nicht im Busch der Nachtigall\nsüsser Klaggesang erwacht,\nglättend die Faltenstirn der Nacht!\nWie süss, o Trost der Nacht, wie singst du\nsinnig!\nso tönereich, so schwermuth-innig!\nDir lausch1 ich aus dem Chor in Nacht und\nWald,\nwo hold und sanft dein Sang erschallt!\nUnd wenn du schweigst, wandl1 ich dahin,\num zu schau'n auf weichem Grün,\nwie der Mond in stiller Pracht\nsteigt empor um Mitternacht.\nDer Frohsi n n i g e.\n15. IG. (Recit. und Arie. Jagdlied.)\nFreude, dir bring1 ich mich dar,\nnimm mich auf in deine Schar!\nAuf zur lust'gen Waldeshöh1!\nZu lauschen dort, wie Horn und Hund\nfröhlich grüsst die Morgenstund1,\nwie der Klang vom Hügel schallt\nund im Hochwald wiederhallt!\nDer Scliwe rmiit Ii i ge.\n17. (Arie. Abendglocken. Dämmerstündchen.)\nOft auf der Höh1, den Fluss entlang,\nhör' ich der Abendglocken Klang,\nwie vom Ufer fern ihr Schall\nschwinget schwer in dumpfem Hall.\nUnd wenn der Sturm den Gang verwehrt,\nberg1 ich mein Haupt am stillen Heerd,\nwo blasser Asche spärlich Licht\nder Kammer düstres Dunkel bricht;\n18. (Arie. Grille. Nachtwächterruf.)\nhier, wo alle Freud1 erstirbt,\nnur dass die Grill1 ihr Liedchen zirpt,\noder des Wächters Warnungsspruch\ndas Haus beschirmt vor nächt'gem Fluch.\nDer Frohsinnige.\n19. 20. (Recit. und Arie. Landlust.)\nFreude, dir bring1 ich mich dar,\nnimm mich auf in deine Schar!\nLass mich wandernd durch das Grün\nbeim Ulmenhag am Hügel ziehn;\nwo der Pflüger nah1 zur Hand\nflötet über das Ackerland,\nwo die Dirne fröhlich singt,\nund der Schnitter die Sichel schwingt,\nund jeder Hirt zur Abendstund1\ntrillert sein Lied im Thaiesgrund.\n21. 22. (Arie und Recit. Naturfreuden; Fernsichten.)\nSchnell späht neue Lust mein Auge\nin der Flur im Frühlingshauche,\nwenn's auf grünen Matten schweift,\nwo die Heerde grasend streift;\nBerg1, auf deren ödem Haupt\nder Sturm oft durch die Wolken schnaubt,\nschmucke Au'n in buntem Glanz\nund am Bach den Wellentanz,\nBurg und Zinnen seh1 ich glühn\nhochgethürmt im Waldesgrün.\n23. (Arie. Ein Tanz im Freien.)\nHorch, wie das Tamburin erklingt\nund die muntere Geige singt,\nzur Lust dem Burschen und der Maid,\ntanzend auf dem Anger weit.\n24. (Chor. Bei dem Tanz und nach dem Tanz.;)\nUnd Jung und Alt erscheint zum Tanz\nauf der Flur im Sonnenglanz,\nbis des Tages Licht erblasst.\nDann schleichen sie todmüd zur Ruh1,\nund Schlummer lullt die Augen zu,\nbald zu, bald zu.\nZweiter Theil.\nDer Schwer müth i g e.\n25. (Recit. Nachtstudien.)\nFlieht, eitle Freuden, fern!\nDu Brut der Thorheit, vaterlos erzeugt !\nWie seid ihr hohl und seicht\nfür den gefassten Geist, wie ohne Kern !\nAuf hoher Warte angefacht,\nstrahl' meine Lamp' um Mitternacht,\nwo oft der Morgenstern mich fand,\nHermes und Plato in der Hand,\naus ihrem Tiefsinn zu erspähn,\nwo einst, in welcher Welten Höh'n,\ndes Menschen Seel1 unsterblich lebt,\nwenn nun sie dieser Erd1 entschwebt."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "28", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.4", "texte": "26. (Arie. Trauerspiel.)\nLasst mir die Trauermuse dann\nim Praclittalar vorübergehn,\nmit einem Spiel von Troja's Weh'n\noder Oedipus im Bann;\nund was seitdem der Bühne Preis\nerhöhet hat mit würdigem Fleiss.\n27. (Arie. Orpheus' Klagelied.)\nUnd, o! könnt' ich mit Zauberkraft\nentziehn Musäus seiner Haft,\nund auferwecken Orpheus' Sang,\nder zu der Laute wirbelnd klang :\ndass Pluto's eisern Auge thränt'\nund Hölle gab, was Lieb' ersehnt!\n28. (llecit.)\nO Nacht! so sieh mich oft in deinem Lauf,\nbis der Morgen zieht herauf!\nDer Frohsinnige.\n29. (Solo und Chor. Städtgedränge und Festlust.)\nUns gefällt der Stadt Gedränge\nund der wirre Lärm der Menge,\nwo stolz die Herrn, die Ritter kühn\nin Feiertracht siegprangend ziehn !\nWo holde Frau'n aus zarter Hand\ndie Kampfespreise zuerkannt\ndem Geist, dem Arm, dem Glück, der Kunst,\ndie kühn erstrebt der Schönsten Gunst !\n30, (Arie. Hochzeitfreuden J\nOft kehr' Hymen bei uns ein\nim Saftrankleid mit Fackelschein,\nmit Pomp und Fest und Neckerei'n,\nbelarvt und voller Gaukelei'n,\nwie oft ein Dichterhirn erdacht\nzur Geisterzeit, in Sommernacht.\nDer Schwermüthige.\n31. 32. (Recit. und Arie Waldeinsamkeit.)\nMich vor der Sonne scharfem Strahl\nverbirg, o. Göttin, tief im Thal,\nim Laubgewölb', im Schattendach\ndes Dämmerhains, Sylvan's Gemach;\ndort im Versteck beim kühlen Bach\nspäh' kein profanes Aug' mir nach.\nBirg mich vor des Tages Pracht,\ndass in stiller Waldesnacht\ndie Biene, die zur Arbeit singt,\nder Sturzbach, der vom Felsen dringt,\neifernd süss in Harmonie'n\nden thau'gen Schlummer zu mirl ziehn.\nUnd seltsam fremd ein Wundertraum\nschwebe auf seiner Schwingen Flaum,\nin lebenvollem Bild entrollt,\nauf mein Auge mild und hold.\nA\\ enn ich erwach' tön' wonniglich\naus Höh' und Tief' Musik um mich,\naus unsichtbarem Wunderland\nvom Schutzgeist dieses Hains entsandt.\nDer Frohsinniffe.\nO\n33. (Arie. Lustspiel.)\nMir führt ein heitres Lustspiel vor,\nwo Jonson scherzt und sein Humor,\nwo Shakespeare singt, der Musen Lust,\nSang der Natur aus voller Brust.\n34. (Arie. Lydischer Lustgesang.)\nUnd immer, wenn mich Sorge müht,\nwiegt mich in ein lydisch Lied,\ndas, vom Sinn des Worts bedingt,\nin die getroffene Seele dringt,\nmit manch gewundnem Lauf verschönt,\nin manch gebundnem Ton gedehnt,\ndie schmelzende Stimm' in schwindelndem\nWagen\ndurch labyrinth'schen Gang getragen,\nund lösend jede Fessel, die\nverscliloss den Geist der Harmonie.\n35. (Arie. Von Orpheus beneidet.)\nOrpheus, er selbst erheb' sein Haupt,\ndes goldnen Schlummers sanft beraubt,\nund lausch' vom Blumenbett empor\ndem Sang, der wohl bezwänge Pluto's Ohr,\nzu lösen ganz des Hades Bann\nder Gattin, die Er halb gewann.\n3G. 37. (Arie und Chor. Hingebung an die Freude )\nDiese Lust gewähre du,\nFreud', und dir \\ gehör' ich ) zu !\n( schwör' ich (\nDer Schwer miith i g e.\n38. 39. (Recit. und Chor. Kirchengang und Gesang.)\nMich treibt der ernsten Seele Hang,\nzu wandeln in des Klosters Gang,\nder alten Säulenreihe nach,\nunter dem hochgewölbten Dach,\nwo ahnungsvoll ein düstres Licht\ndurch die bemalten Fenster bricht.\nDort zu der Orgel Schall empor\ntön' ein Lied in vollem Chor,\nim heil'gen Dienst ein frommer Sang!\n40. 41. (Recit. und Arie. Todesgedanken.)\nUnd mich durchschauert süsser Dräns:,\nO '\nder ganz mich mit Entzücken füllt\nund alle Himmel mir enthüllt.\nUnd am Ziel der Lebensbahn\nweis't mir ein friedlich Hiittclien an,\nein moosig Haus, ein hären Kleid,\nworin ich lese, eingeweiht,\nin jedem Stern am Himmelszelt,\nin jeder Blume auf dem Feld,\nbis Alter schwer mich niederdrückt\nund mit Prophetenschein mich schmückt.\n42. (Chor. Hingebung an die Schwermuth.)\nSchwermuth, gewähr1 uns diese Freuden du,\nund dir gehören Alle zu.\nDritter Theil.\nDer Gemäss i g t e.\n43. (Recit. Verwünschung der eitlen Freude und\nder Schwermutlf.)\nFort! schweiget, dies Geprahl\nmit nur erdachten, nicht erprobten Freuden,\nmaasslos verfolgt von Beiden,\nund durch ihr Uebermaass verkehrt in Qual!\n44. (Arie. Anruf der Mässigung.)\nKomm, in anmuthvoller Zier,\nholde Mässigung, zu mir,\nclic, vom allweisen Gott beschert,\nin uns den eignen Trotz zerstört!\nFühr1 uns der Mitte weisen Weg,\nnicht finster ernst, nicht eitel frech:\nnein, stets in Blick und Haltung gleich,\nruhig, freundlich, liehereich!\n45. 46. (Recit. lind Chor. Einladung an das Gefolge der\nMässigung.)\nUnd Massigkeit sei dein Geleit\",\nmit ihr G esundheit im Rosenkleid,\nZufriedenheit dein steter Gast,\nder tollen Leidenschaft verhasst,\nGenügsamkeit hei offner Hand\n(so oft als Feinde falsch benannt),\nund Liebe mit Vern u n f t gepaart,\nvon reinem Sinn und edler Art,\nHeil und Glück, des Himmels Spende,\nlanger Jah r e lächelnd' Ende :\nDiese segenvolle Schar\nsei mit dir allimmerdar!\n47. (Arie. Die goldene Mitte )\nKomm und leit' in milder Zucht\nihn, der selbst sein Unheil sucht,\nder Ein Uebermaass vermeidet,\naber blind ins andre schreitet.\nLehre sanft, wie wohl versorgt\nder ist, der der Natur gehorcht,\nder sicher durch die Klippen treibt\nund (weise) bei der goldnen Mitte bleibt.\n48. 49. (Recit. und Arie. Das Maass, der wahre Reiz des\nLebens.)\nIhm wird das Leben nicht verbracht,\nauf irrem Abweg von dem Ziel,\nin Thorenlust, in Kinderspiel,\nGelag und Tänzen Tag und Nacht;\nNoch auch in Schwermuth steter Dauer,\nin Erstarrung, Trübsinn, Trauer.\nDenn wahren Reiz den Thaten leiht\nNur Ordnung, Richtmaass, Ort und Zeit,\nund sie erhöhn des Lebens Bau\nzun Himmel auf in würd'ger Schau.\n50. (Duett. Der Wahrheit Tag.)\nSo wie der Tag die Nacht beschleicht\nund haucht die Schatten weg,\nso lös't des Geistes Licht den Trug;\nder Wahrheit Morgenglanz verscheucht\ndie Nacht, die um die Seele lag,\nund neu geht auf der Wahrheit Tag.\n51. (Chor. Hingebung an die Mässigung,)\nGib diese Lust, o Maass, uns du,\nin ihr allein ist Glück und Ruh'!\nLeberlies t man das Gedicht, so weit es zu unserem\nTexte benutzt ist, in Einer Folge, so wird man eingestehen,\ndass in den von Milton herrührenden zwei ersten Theilen\n/\neine gedrängte Fülle von Empfindungen und Seelenstim-\nmungen ausgedrückt ist, wie sie schon der Natur der Sache\nnach in anderen Musikunterlagen kaum möglich ist. Alle\nOratorien und Operntexte drehen sich gemeinhin um eine\neinzige Handlung, in der sich nur eine kurze Reihe, sei es\ngleichartiger, sei es gegensätzlicher Seelenzustände und Lei-\ndenschaften entwickelt, die von vielen gleichgültigen Zwi-\nschengliedern zusammengehalten werden. Nicht so ist es\nhier, wo nicht eine dramatische Handlung vorliegt, sondern\nwo ein lyrischer Kranz der mannigfaltigsten Gesangstücke\ngeschlungen wird, deren gesammter Inhalt auf die Grund-\nbestimmungen nur zweier Temperamente zurückgeführt ist,\nwas aber eine Beschränkung nur in Beziehung auf die bei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "29", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.5", "texte": "den Haupt-Grundtöne ausdrückt, auf die das Gemälde auf-\ngetragen ist, in dessen einzelnen Gruppen sich dann der\nürösste Reichthum von Seelenbildern in aller Freiheit ent-\nfaltet. Wenn der Frohsinnige und der Schwermüthige\nihren Abscheu und ihre Geringschätzung gegen die ihnen\nfremde Natur kund geben, wenn sie das beseligende Gluck\nder Uebereinstimmung der Seele mit sich selbst, in der An-\nschauung ihrer eigenen Natur aussprechen, hier im Jubel\nweit nach aussen, dort im stillen Ernste lief nach innen ge-\nkehrt: wenn jener den unsterblichen Drang nach Gesellig-\nkeit in der Schar vieler heiteren Gäste, dieser den inner-\nlichen Hang zu geistiger Betrachtung in weniger und stil-\nler Umgebung ausdrückt; wenn die Freudigkeit dort zu\nthatkräftigen, hier der trauernde Zug zu passiven Vergnü-\ngungen drängt; wenn es dort den fröhlichen Muth in die\nlauten Freuden der Natur, hier den Gedankenernst (was\nder eigentliche Charakter dieses Milton'schen Melancholikers\nist) in die stillen Freuden nächtlicher Studien zieht; wenn\nden Lebensfrohen das wirre Gewühl der Menschen mit\ngreiflichen Belustigungen anreizt, und den Traumer das\ntiefe Versteck der Einsamkeit mit seinen eingebildeten Wun-\ndern- wenn dort die epikureische Lebenslust in helle Er-\n-1 TTV . 1 <\nGüsse ausbricht, hier der stoische Sinn in der Betrachtung\ndes Greisenalters schwelgt alle und jede einzelne dieser\nmusicalischen Bildergruppen heben sich in bestimmter Be-\ngränzung, in mannigfaltiger Abwechslung, in vollkommener\nSelbstständigkeit und Freiheit aus dem Ganzen ab und her-\nvor. Bei diesem Reichthum der Gegenstände war dem Com-\nponisten die charakteristische Abrundung, die scharfe Be-\nsonderheit in jedem einzelnen Tonstücke ausserordentlich\nerleichtert durch die plastische, bildvolle Darstellungsweise\ndes Gedichtes und seinen ganz sachlichen Inhalt. Der Ton-\nkünstler war hier nicht, wie es heut zu Tage die Regel ist,\nvon dem Unsegen betroffen, dass ihn die Kränkelei einer\nnebelhaften Dichtung nothwendig angesteckt hatte; hier\nverschwimmen die Seelenregungen, die Gefühle, die ausge-\ndrückt werden sollen, nicht in flaue Empfindsamkeit, die\nGegenstände, über denen die Gefühle wach werden, nicht\nin unfassliche Dunstbilder. Vielmehr ist hier auch das Un-\nsinnlichste belebt und persönlich gemacht; die Freude, die\nSchwermuth selbst treten als Göttinnen auf, die Eigen- und\nLeidenschaften, die ihnen verwandt sind, als ihr dämoni-\nsches Gefolge, Schlaf und Traum als greifbare Wesen, das\nTrauerspiel als die tragische Muse. Und in jedem einzelnen\nGesangstücke heftet sich der Äfftet an einen festen, be-\nstimmten Gegenstand an:, bei dem Frohsinnigen an das Mor-\noenlied der Lerche, an die Jagd, an den Gesang der Land-\nleule, an die glanzhellen Bilder schön belebter Natur, an\neinen Reihen auf dem Anger, an das Gedränge der Stadt\nund ihre Festlust und Hochzeitfreuden, an Lustspiel und\nlyrische Tonweisen; bei dem Schwermüthigen an den Ge-\nsang der Nachtigall, an den Klang der Abendglocken und\nden Reiz der Dämmerstunde, an den schrillen Gesang dei\nGrille und den nächtlichen Wächterruf, an die Nachtstu-\ndien in einsamer Zelle, an Trauerspiel und Waldeinsamkeit,\nan Kirchenandacht und Todesgedanken. So tritt die Seele\ndiesen mannigfachen Gegenständen gegenüber in die ver-\nschiedensten Lagen, und den sinnigeren Zuhörer in unse-\nrem Kreise ergriff das aufgerollte Tongemälde in der\nWeise, als ob ein Bild des gesammten Lebens mit den viel-\nfältigsten und entgegengesetztesten Bewegungen darin ent-\nworfen wäre. Und wenn des Dichters Wort unserer Ein-\nbildungskraft noch gestattet, rasch an diesen wechselnden\nEindrücken vorüber zu gehen, so ist es dagegen die Eigen-\nschaft der Tonkunst, uns auf dem Einzelnen länger festzu-\nbannen, die Eindrücke der leichten Einbildung tiefer in das\nstärker ergriffene Gemüth zu senken; und Iländel gerade\nist nicht der Mann, uns diese stärkeren Eindrücke zu er-\nsparen, wo seiner Kunst so wie hier die Gelegenheit gebo-\nten ist, sie zu bereiten.\nEs wird in dieser Reihe von Tonstücken kaum Eine\nStufe der Leiter fehlen, auf der uns Händel gradweise in\ndie Höhen und Tiefen seiner Natur- und Menschenkenntmss\nzu führen pflegt. Es sind ihm die Anlässe gegeben, nahe\nbeisammen alle die proteischen Künste auszulegen, mit de\nnen er wechselnd seine Wirkungen zu machen liebt: sei\nes, dass er die hörbaren Laute in der unorganischen Na-\ntur oder die natürliche Musik menschlicher und nicht mensch-\nlicher Geschöpfe nur nachahmt; sei es, dass er die unarti-\nculirten Töne unserer Gemüthsbewegungen oder die arti-\nculirte Sprache unserer Leidenschaften in Musik übertragt;\nsei es, dass er die nur sichtbaren Gegenstände der Aus-\nsenwelt oder die plastischen Erscheinungen menschlicher\nWesen mit dem lebendigen Saitenspiel in unserem Innern\nin Beziehung setzt, dass die Schwingungen des Lichtes die\nSchwingungen des Lautes anstossen, und das fürs Auge\nWahrnehmbare nun auch vernehmbar für das Ohr wird;\nsei es endlich, dass er die noch viel feineren Modulationen\nmehr geistiger als sinnlicher Erscheinungen, oder die weder\nsieht- noch hörbaren Vorstellungen der Einbildungskraft\nauf jenes leicht anschlagbare Spielzeug unseres Gemuthes\nwirken lässt.\n(Schluss folgt.)"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "30", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.6", "texte": "Pauline von Stradiot-Mende.\nDiese ausgezeichnete, gegenwärtig beim Iloftheater\nin Stuttgart angestellte Sängerin ist die Tochter des zu\nWien verstorbenen Hof-Secretärs bei der k. k. Ilof-, Ilaus-\nund Staatskanzlei L. von Stradiot und steht jetzt in ihrem\n\"24. Lebensjahre. Die Natur hatte ihr Talent für Malerei\nund Musik gegeben; sie übte Beides, wandte sich jedoch\nmit vorherrschender Neigung der Tonkunst zu, zumal da\nsich zu der Anlage als Instrumentalistin sie erregte als\nFortcpiano-Spielerin schon in zarter Jugend Aufsehen\nauch eine vorzüglich schöne Stimme entwickelte, welche in\ndem jungen Mädchen, die auch sonst in jeder Hinsicht den\nlebhaftesten Geist, leichte Fassungsgabe und ein treffliches\nGedächlniss besass, das sie befähigte, in sehr kurzer Zeit\ndas Französische und Italiänische vollkommen inne zu ha-\nben, die unwiderstehliche Neigung hervorrief, sich der Bühne\nzu widmen. Gewiss forderte sie Alles dazu auf: eine schöne\nPersönlichkeit, herrliche Stimmmittel und eine in jeder Hin-\nsicht künstlerische Natur. Allein ihr Vater war gegen den\nKünstlerberuf eingenommen. Jedoch Hess er die talentvolle\nTochter bei dem Capellmeister Otto Nicolai ausbilden.\nNach des Vaters Tode ergriff Pauline die Laufbahn,\nfür welche die Natur sie bestimmt hatte. Sie sang zuerst\nin Wien in Kirchen-Concerten, dann in Mailand auf der\nBühne. Mit der italiänischen Oper nach Wien zurückge-\nkehrt, wurde sie für die Ilofbühne von Dresden engagirt.\nNach Ablauf des ersten Conlractjahres wurde ihr von der\nIntendanz ein sehr vorteilhaftes Anerbieten von 2400\nThlrn. jährlichem Gehalt auf mehrere Jahre gemacht. Allein\nFrl. Stradiot hatte ihren jetzigen Gatten, Herrn Mende,\nkennen gelernt und folgte diesem, der eine Anstellung beim\nStadttheater in Breslau angenommen hatte. Nach einjähri-\ngem Aufenthalte in Breslau und einem Besuche in Wien\nnahm die junge Künstlerin ein Engagement in Prag bei\nHerrn Director Hofmann (gegenwärtig in Frankfurt a. M.)\nan. Der Contract verpflichtete sie zu zweijähriger Ausdauer.\nDarauf folgte sie dem Bufe zu einem Gastspiel in Stettin,\nwelches die Brücke zu ihrem Engagement in Hamburg\nwurde, wo sich ihr Talent erst ganz und gar entfaltete. Sie\nreifte dort als Sängerin und Darstellerin zur Lösung der\nhöchsten Aufgaben heran und sang z. B. die Donna Anna\nund den Fidelio mit grossem Beifall. Die Intendanz des\nHoftheaters zu Stuttgart machte ihr ehrenvolle Anträge,\nwelche sie angenommen und in diesem Sommer ihren neuen\nWirkungskreis angetreten hat.\n\nAus Berlin.\n\nDen 19. Juli 1853.\nAm Sonntag den 17. d. M. brachte die königsberger Opern-\nGesellschaft Flotow's Matrosen auf die Bühne. Diese Oper ist\nnicht neu, sondern schon vor Stradella componirt und auch hier und\nda aufgeführt; mit welchem Erfolg, erinnern wir uns nicht mehr.\nHier war sie jetzt zum ersten Male. Sie muss natürlich nur vom\nStandpuncte des Componisten aus beurtheilt werden, und dann ist\nsie nicht schlechter und nicht besser, als seine übrigen Opern. Die\nErfindung, die Art der musicalischen Behandlung des Textes, die\nRhythmik, der 2/4 und 4/4 Tact für die grösseren Stücke, alles das\nist schon da, nur die Instrumentirung ist noch nicht so gewandt\nund noch nicht so fertig. An Charakteristik, d. h. an musicalischer\nZeichnung von Charakteren, ist nicht zu denken, wenngleich ein\npaar Sachen, besonders das Matrosenlied, das Ständchen und ein\nMännerduett (ä la Banditenduett in Stradella) charakteristische Mu-\nsikstücke sind. Die Handlung ist dürftig und wird durch vier Acte\ngesponnen: ein Schiffscapitän liebt die Tochter eines Rheders, wel-\ncher sie einem reichen Pachter zugesagt hat der Pachter wird\nin ein Fass gesteckt und muss wider Willen mit in See der\nzweite Act spielt auf dem Verdeck des Schilfes, der Pachter er-\nhält die Schiffstaufe, es wird gejubelt, Grog getrunken, getanzt, ge-\nklettert der Blitz schlägt ein Alles rennt durch einander,\num zu löschen der Vorhang fällt. Von dramatischer Handlung\nkeine Spur, Alles nichts als durch Figuren und Musik beleb-\nter Gropius, Decoration und Spectakel. Allein es darf an einem\nStückchen Frömmigkeit nicht fehlen in der Salon-Oper; desshalb\nim dritten Act auf dem Felsenriff und dem Wrack des Schiffes\nHeulen und Wehklagen und Beten! Am Ende natürlich glückliche\nRettung und Hochzeit des Schiffscapitäns mit der Geliebten.\nEs ist Alles recht ins Ohr fallend, auch hier und da recht hübsch,\nim Ganzen aber entsetzlich charakterlos. Flotow ist das wahre Kind\nseiner Zeit und seiner gesellschaftlichen Kreise, er ist der ewig\nglatte, galante, man möchte sagen, geistreich Hache und eben dess-\nhalb für den Augenblick unterhaltende Cavalier, dem eben so wie\nder Gesellschaft, in welcher er sich bewegt und die seinen Worten oder\nTönen lauscht, nichts mehr zuwider ist, als das Entschiedene. „Al-\nles, lieber Herr von Flotow,\" sagt ihm sein Cirkel, „nur keine Lei-\ndenschaft; nur nichts Festes, das kommt uns immer so handfest\nvor; nur nichts Tüchtiges, wobei einem bange wird, wenn man\nseine eigene Taille und das fühlende Herz unter dem Schnürleib\nbewundert; nur nichts Energisches bedenken Sie, Sie sind ein\ndeutscher Ritter! Das Yerschwimmende, das Unbestimmte, das Un-\nentschiedene ist so schön! Die Romantik, die uns einwiegt und mit\nMondschein beduftet, haben wir schon; aber eine Romantik im\nFrack und mit Glace-Handschuhen bei Gasbeleuchtung, eine Rit-\nterlichkeit in Flor und Seide, ein Gefühl, wie man es nur auf par-\nkettirtem Fussboden und rothsammtnen Ottomanen haben kann,\nYolksscenen, wobei einem das Bcwusstscin recht lebendig wird,\nwie weise die Vorsehung gehandelt, uns die Plätze der ersten Rang-\nlogen zu reserviren, Liebe und Sehnsucht, die sich standesmässig\nnur andeuten, und auf der anderen Seite die Sprunghüpfigkeit\n(Elasticität) der Natur des feingebildeten Menschen, der sich zuwei-\nlen gern seines Ursprunges erinnert, nicht mit der Centnerlast der\nmoralischen Verantwortlichkeit unterdrücken das alles uns in\nScene zu setzen, in Musik zu stellen, dazu sind Sie der Mann, \"\\ er-\nehrtester! Wollen Sic?'4\nStradella, Martha, die Grossfürstin, Indra und auch die alten Ma-\ntrosen geben die Antwort. Es ist alles darin, was die angeführten\nWünsche verlangen. Das Lyrische, was diese Opern haben, quillt\nnicht aus der Seele, es tritt nicht mit den blühenden Rosen kind-\nlicher Unschuld vor uns hin, sondern mit der Blässe der nett ge-\nschminkten Empfindelei der Salonmenschen. Wie soll ins Herz"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "31", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.7", "texte": "gehen, was nicht vom Herzen kommt? Der alte Heide Quintilian\nsagte: Peci-us est quod facit diserinni wenn aber selbst den Red-\nner nur das Herz beredt macht, wie kann dann der Dichter in\nW orten oder Tönen ohne dasselbe bestehen?\nDie Ausführung der Oper war gut, sie wird auch wohl Wieder-\nholungen erleben. Frau Schütz- Wi 11 gab die Marie recht hübsch,\nwenngleich die Stimme etwas angegriffen schien; die Herren Thc-\nlen und Liebert hatten Fleiss auf ihre Rollen verwendet und be-\nfriedigten. Das Orchester liess sich dagegen Manches zu Schulden\nkommen; in Berlin ein Orchester im königlichen Opernhause mit\nunreiner Stimmung zu hören, das ist doch etwas zu arg.\n\nFl.\n\nAus Wien.\n(Frau Köster Frau Marlow Frau Nolles Frau\nSchuselka-Brüning.)\nDen 17. Juli 1853.\nDie neue Leitung unseres Hof-Operntheaters unter Herrn Cor-\nnet hat eine schwierige Aufgabe zu lösen, welche namentlich an\nden Versuchen, uns eine erste dramatische Sängerin an die Stelle\ndes Fräul. Ney zu schaffen, zu scheitern droht. Wir haben die Da-\nmen Wildaue r, eine treffliche Soubrette, mehr Schauspielerin als\nSängerin, Liebhardt recht brav in der Coloratur, Schwarz mit\nschöner Altstimme, aber sehr beschränktem Rollenfach, II e rr m a n n-\nCzillag, Mezzosopran mit guten Mitteln, aber ohne künstlerische\nlleife. Das alles ist kein Ersatz für die Ney, keine Nachfolge für\n* o\neine Oper, welche die Lutzer, die Hasselt-Barth, die Zerr\nu. s. w. zu den Ihrigen zählte. Recht talentvoll und zu allem (i Il-\nten willig ist Fräul. Schwarzbach, eine jugendliche viel ver-\nsprechende Künstlerin. Mit dem Männerpcrsonal steht es, wie ich\nIhnen schon neulich schrieb, besser.\nNun werden die kostspieligen Versuche mit Gastspielen gemacht.\nWir haben Frau K ös t er aus Berlin, Frau Marlow aus Stutt-\ngart, Frau Nottes aus Hannover hier und erwarten auch Fräul.\nWagner. Von ihnen sind nur Frau Marlow und Frau Nottes zu\nhaben. Frau Köster hat als Fidelio dieses Mal noch am meisten ge-\nfallen, sie wurde in dieser Rolle vom Publicum einstimmig und mit\nEnthusiasmus gefeiert. Weniger griff sie alsllezia in Webers Obc-\nron durch, welches voriges Jahr ihre Glanzpartie war; doch gab\nsie auch jetzt wieder Vortreffliches, besonders in der grossen Scene\nam Meere. Ueber die forcirte Schärfe ihrer Stimme habe ich mich\nneulich schon ausgesprochen.\nFrau Marlow trat als Martha und als Lucia auf, eine Wahl,\nwelche die Gattung bezeichnet, in der die Künstlerin sich vor-\nzugsweise bewegt; im Ausdruck das Lyrische, Gefühlsweiche, in\nder Form die Coloratur. Die Stimme ist zwar nicht besonders voil,\naber sie klingt schön und hat Kraft und Ausdauer genug zu Span-\nnungen und getragenen Anschwellungen. In der Martha war ein\npaar Mal die Intonation nicht ganz auf der Höhe der hiesigen Or-\nchesterslimmung, was übrigens den meisten Sängerinnen, wenn sie\nzum ersten Male hier auftreten, widerfährt. Dass in Gesang und\nSpiel nichts Mühseliges zu bemerken war, weder im Nochnicht-\nkönnen noch im Nichtmehrkönnen, dass im Gegentheil eine Leich-\ntigkeit und Ungezwungenheit, von Jugendlichkeit getragen, zur Er-\nscheinung kam, war uns sehr willkommen und anregend.\nEine entschiedenere und vollständigere Leistung war die Lucia\nin Donizetti's bekannter Oper. Wir lieben zwar dergleichen wäh-\nrend einer gewissen Periode Bellini's und Donizetti's Mode gewe-\nsene Partieen, in welchen die grelle Verrücktheit in Trillern und\nVolatinen schön und vernünftig thut, in welchen die Gesangs-Me-\nthode die „Methode der Tollheit\" ist, wie Polonius Hamlet s Toll-\nheit bezeichnet, nicht. Aber da sind sie nun, diese Partieen, diese\ndummen Sachen, welche so gescheidt klingen sollen, dass das\nPublicum sie gern hat, und es handelt sich nur bloss darum, wei-\nden Caviar am besten anzurichten weiss. Frau Marlow hat damit\neinen glücklichen Wurf gethan, und wenn sie auf Engagement\nspielt, wie es verlautet, so vermag ihr der in Lucia errungene Er-\nfolg eine gute Empfehlung zu geben. Im zweiten und dritten Acte\nkehrte die Sängerin Eigenschaften hervor, welche wir ihr bei allem\nTalent in Einzelheiten ihres ersten Debüts kaum zugemuthet\nhätten. Besonders würden wir ihr bezüglich der Coloratur nicht so\nviel Gewandtheit, und noch weniger bei ihrer im Allgemeinen dem\nVortrage der Sängerin Marra ähnlichen, etwas freschirten Gesangs-\nweise so viel Eingränzung in feineren Geschmack zugetraut haben,\nals es sich in der Schluss-Arie zeigte. Ihre Auffassung des Sextetts\nwar, wenn auch nicht ganz in edlerem Stile gehalten, doch in-\nteressant und jedenfalls effectvoll. In der Wahnsinns-Scene halten\nwir zwar das Hereinstürzen mit dem Dolche für eine unnöthige\nCaprice, dafür war die musiealischc Ausführung geordneter, als\nman sie bei den meisten Lucia-Sängerinnen findet, und die darauf\nfolgende Arie kam mit recht brillanter Ausstattung und gerundet\nin der Figuren-Abwicklung zum Vorschein. Alles in Allem zusam-\nmengehalten, zählen wir diese Leistung der Frau Marlow zu den\nbesseren, die uns auf hiesiger Bühne bekannt geworden, und haben\nnur noch auszusetzen, dass hier und da kleine Willkürlichkeiten\nmit einem llilasciren des Tempo's überflüssig waren.\nGlücklich gesellte sich zu dieser Lucia der Edgar des Herrn\nSteg er, dieses Neusonntagskindes der Stimme. Hätte die Gesangs-\nleistung Steger s an einem gerundeten %und feineren Spiele ein\nRelief, so würde sie noch viel wirksamer sein.\nEine andere Primadonna, welche die Wanderung hiehergeführt\nhat, ist Frau Nottes, königl. hannoversche Kammersängerin. Ihr\nlächelte der Erfolg minder, als Frau Marlow. Freilich hat sie ein\nschwierigeres Gesangs-Terrain betreten, aber sie hätte eben dieses\nnicht thun sollen. Sie erschien als Valentine in Mcyerbcer's „Hu-\ngenotten14 eine Partie, welche uns Frau Köster erst in bedeutend\nkünstlerischer Gestaltung vorgeführt, zu welcher aber Frau Nottes\nweder die ausreichende Stimme, noch die umfassende Bildungs-\nfähigkeit zu besitzen scheint. Der Auffassung mangelte es an\nPoesie, ja, selbst an gewöhnlichen hervortretenden Effecten. Viel-\nleicht gibt mir die nächste Rolle der Frau Nottes Gelegenheit, mein\nUrtheil zum günstigen für sie zu gestalten.\nlii mehreren Blättern hiess es kürzlich, die bekannte Schau-\nspielerin Frau Brüning- Schuselka, Gattin des Schriftstellers\nFranz Schuselka, sei bei ihrer Heimkehr aus Paris in Wien\nwegen Besitzes revolutionärer Schriften verhaftet und aus Wien\nausgewiesen worden. Das an der Sache ist, dass dieselbe\nin Folge einer Dcnunciation aus Paris bei ihrer Ankunft in Wien\neiner strengen Durchsuchung unterzogen, allein sofort ungehindert\nentlassen wurde, da sich die Denunciation als falsch erwies. Auch\neine Ausweisung derselben aus Wien ist nicht erfolgt, und sie\nwird selbst wahrscheinlich in nächster Zeit auf einem wiener\nTheater auftreten.\nDem Vernehmen nach wird die k. k. Hof-Schauspielerin Frl.\nWr ild au er sich mit dem Dichter Hrn. A. Baumann vermählen,\n5\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nNach mehreren leipziger Blättern hat theils der köl-\nner Männergesang- V er ein, theils ein anderer ähnlicher Ver-\nein in Köln glänzende Anträge nach New-York erhalten. Das eine\nBlatt lässt dieselben ausschlagen, das andere meldet, dass bereits\n40 Sänger sich zur Fahrt bereit erklärt hätten! Die Neue Zeit-\nschrift für Musik erklärt den ausserordentlichen Erfolg unseres\nGesangvereins dadurch, dass man in England zum ersten Male der-\ngleichen gehört habe das soll natürlich heissen: wären die Eng-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "32", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530723-01.1.8", "texte": "Jänder in Leipzig erzogen, so hätten sie ein ganz anderes Urtheih\nDer musicalischc Referent der Grenz boten kann nicht begreifen,\nwie ein technisch so hoch gebildeter Mann, wie der Dirigent des\nVereins, so schlechte Compositioncn aufführen könne u. s. w. u. s. w.\nSelbst Localblätter nagen hier und da mit kleinen Artikelchcn an\ndem wohlverdienten Lorberkranze, so dass man den Pater Abra-\nham a Sancta Clara citiren möchte, der da sagt: „Allmächtiger\nGott! ist doch kein Erd noch Herd, kein Zunft noch Zusammen-\nkunft, ja, oben und unden, bei Kranken und Gesunden, unden und\noben, bei Adel und Groben, dorten und dar, in Gesellschaft und\nSchaar, dar und dorten, in Werken und Worten, ist der ver-\nruchte Neid!44\nWie anders wissen dagegen die deutschen Gesangvereine selbst\ndie Bedeutung der londoner Sängerfahrt aufzufassen und zu wür-\ndigen! Von allen Seiten gehen von ihnen die freundlichsten und\nzugleich ehrenvollsten Schreiben an den Vereins vorstand ein, welche\ndie reinste, freudigste Theilnahme an dem neuen Ruhme des\ndeutschen Liedes und den herzlichsten Gruss und Dank denjenigen\naussprechen, welche in der That mit Opfern jeglicher Art\ndiesen Ruhm erkauft haben. Die Nachrichten über Anträge nach\nNew-York, so wie über eine Reise nach Herdringen in Westfalen,\num bei Anwesenheit des Königs auf Einladung des Hrn. von Für-\nstenberg zu singen, sind müssige Erfindungen.\nS&öftii. Am 17. Juli trat Johanna Wagner hier als Ro-\nmeo in Bellini's bekannter Oper auf und erregte einen Enthusias-\nmus, wie wir ihn selten hier im Theater gesehen haben. Die Künst-\nlerin riss alle Zuhörer, Kenner und Laien, durch ihre geniale\nSchöpfung hin, über welcher man die Schwächen Bellini's vergass\nund sich nur dem herrlichen Eindrucke, den die Darstellerin in Al-\nlem, Gesang, Spiel, Plastik, machte, ganz und gar hingab. Wir hof-\nfen sie noch in einigen Rollen zu hören und werden uns dann\nausführlicher über diese hervorragende Erscheinung in der Kunst-\nwelt aussprechen. Die Vorstellung verdanken wir dem Hrn. Direc-\ntor l'Arronge, dem Unternehmer des aachener Stadttheaters; er\nhat uns eine recht tüchtige Opern-Gesellschaft vorgeführt und ein\nEnsemble gegeben, wie wir es seit lange hier nicht gehört haben.\nFrau Küchenmeister-Rudersdorf war als Julia vortrefflich;\nin Hrn. Jäger (Tybald) lernten wir einen Tenoristen mit schöner,\nfrischer Stimme kennen, der zu singen weiss; sein Spiel konnte\nfreilich neben Johanna WTagner nicht bestehen. Auch die Partieen\ndes Capulet und J.orenzo waren gut besetzt; der Männerchor nicht\nübel, nur im letzten Acte zu roh.\nESerliu. Der Hof-Musikhändler Herr Bock hat von der kö-\nniglich schwedischen Akademie eine silberne Medaille erhalten.\nAuf der einen Seite befinden sich die mit einem Lorberkranze um-\ngebenen Worte in schwedischer Sprache: „Königlich Schwedische\nAkademie\", und auf der anderen eine Lyra, über der, ebenfalls\nschwedisch, die Worte: „Für Kunst'4, angebracht sind.\nZwei für Militärmusik interessante Werke sind so eben in der\nKöniglichen llof-Musikhandlung des Herrn G. Bock in Berlin in\nDruck erschienen, und zwar 1) die am 2. Juni durch das Königl.\nOfficicrcorps gewählten Preismärsche für Infanterie-, Cavallerie-\nund Horn-Musik, welche den sämmtliehen Regimentern in einer\nsorgfältigen Ausstattung bereits zugesandt worden sind. Das zweite\nWerk sind die von dem durch seine populären Compositionen be-\nrühmten Musik-Director A. Neithardt herausgegebenen „Soldaten-\nlieder44, zweites Heft. Nicht allein ausgezeichnet durch die vortreff-\nliche Wahl der Texte, welche echt patriotischen Inhalts sind, son-\ndern auch durch die denselben gänzlich entsprechende Musik kön-\nnen wir diese Liedersammlung vornehmlich den Militär-Gesang-\nchören auf das angelegentlichste empfehlen.\nDie Direction des Stadttheaters in Stettin hat in den bisheri-\ngen Sommermonaten für die Gastspiele von Johanna Wagner,\nRoger und der Tänzerin Pepita 2500 Thlr. an Honorar ausge-\ngeben und dennoch dabei gute Geschäfte gemacht. Man sieht, dass\neine tüchtige Leilung ein Theater auch in einer mittleren Stadt\nden Sommer durch erhalten kann. Stettin hat 43,000 Einwohner,\nKöln über 90,000, und dennoch die traurigsten Theater-Verhältnisse!\nHerr Wallner, der bekannte Komiker, ist für die ganze Pro-\nvinz Posen als Theater-Director concessionirt worden. Am 3. Juli\nhat er das Theater zu Bromberg mit Halevy's Jüdin eröffnet;\nauch in I hörn und Graudenz wird er Opern-Vorstellungen\ngeben und zum Winter wieder in Posen spielen.\nWeimar. Liszt ist nach Paris gereis't und wird von da\nnach Zürich gehen, um einen Theil des Sommers in der Schweiz\nzuzubringen.\nHeidelberg-. Der Bau unseres Theaters schreitet immer\nrascher seiner Vollendung entgegen. Das Theater-Comite, das aus\nmehreren Sectionen besteht, zählt zu seinen Mitgliedern eben so\nthätige als angesehene und sachverständige Männer, welche kein\nOpfer an Zeit und Mühe scheuen, um dem in sie gesetzten Zu-\ntrauen vollständig zu entsprechen. Zum Director ist Herr Haake,\nzeitiger Regisseur des Theaters in Frankfurt am Main, erwählt.\nUnter den Ileiraths-Anzeigen des ersten Arrondissements von\nParis vom 16. Juli hat man folgende bemerkt: Der Herr Graf\nPepoli mit Fräulein Alboni, dramatischer Sängerin, und Herr\nCarlo Vcnicr mit Fräulein Alboni, Schwester der berühmten\nKünstlerin.\nIn London gaben die deutschen Schauspieler am 0.\nd. Mts. Göthe's Faust. Devrient war heiser geworden, und Dcs-\nsoir trat an seine Stelle in der Rolle des Faust. Engelken gab\nden Mephistopheles, Frl. Fuhr das Gretchcn. Am meisten wird\nFrl. Fuhr von der Kritik gerühmt. Am anderen Morgen brachte\nder Moming Advertiser eine lange Kritik über Devrient als\nFaust!! Nun, dem berliner Nestor, Herrn Rcllstab, soll auch ein-\nmal etwas Aehnlichcs passirt sein. Schnelligkeit ist freilich keinp\nHexerei, aber mitunter arge Blamage.\nIn Südamerica kennt man keine andere Oper als die italiänische.\nJetzt will aber in Montevideo ein Franzose den Versuch ma-\nchen, die französische komische Oper dort einzuführen, und\nhat dazu eine Gesellschaft in Paris engagirt."}]}