{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_sha256": "7b6b254719402d76f87ff56ce02639a186e877c12222903c96f167013ab55dbf", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/08/06_01/bmtnabi_1853-08-06_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-06_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "41", "page_fin": "43", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.2.1", "titre_corps": "Ueber die Verbindung der Beethoven’schen Musik zu Göthe’s Egmont mit der Aufführung dieses Trauerspiels.", "titre_sommaire": "Ueber die Verbindung der Beethoven’schen Musik zu Göthe’s Egmont mit der Aufführung dieses Trauerspiels.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3800, "texte": "Ueber die Verbindung der Beethoven’schen Musik zu\nGöthe’s Egmont mit der Aufführung dieses\nTrauerspiels.\n\nEs ist eine allgemeine Klage der Musik- und Theater-\nfreunde, dass der reine Genuss an einer der herrlichsten\nSchöpfungen des Beethoven'schen Genius, an seiner Musik\nzu dem Trauerspiel Egmont, in der Regel bei den Auffüh-\nrungen der Tragödie auf der Bühne durch äussere Stö-\nrungen getrübt, ja, meistenteils geradezu unmöglich ge-\nmacht wird. Wir wollen daher den Herren Regisseurs der\nBühnen unsere Ansicht über eine Anordnung mittheilen,\nwelche bei der theatralischen Aufführung die Beethoven'-\nsche Musik als einen wesentlichen Theil des Ganzen auf-\nnehmen, dadurch die Darstellung eines gemeinsamen Wer-\nkes der Poesie und Tonkunst ermöglichen und die Unter-\nbrechungen und Beeinträchtigungen des Genusses beseiti-\ngen dürfte.\nIn leipziger Blättern wird neuerdings bei Gelegen-\nheit der Aufführung des Egmont geklagt, dass fast je-\ndesmal der klatschende Beifall, auch wohl der Herausruf,\nnach dem Fallen des Vorhangs eines Actes mit der Beet-\nhoven'schen Musik in Widerstreit kommt, und dass alsdann\ndas Zischen der Musikfreunde einen sehr unästhetischen\nKampf mit dem Applaus verursacht einen Kampf, der\nobenein eine nicht schmeichelhafte Auslegung für die Schau-\nspieler zulässt. Man schlägt desshalb dort vor, bei jedem\nActschlusse, mit Ausnahme des letzten, eine kleine Pause\neintreten zu lassen.\nWir glauben nicht, dass dies allein gründliche Abhülfe\nbringen könne. Unser Publicum ist einmal kein athenisches,\nes hält keine fünf Acte in gespannter Aufmerksamkeit aus,\nes muss dazwischen Raum zum Frischeluftschöpfen, zum\nTrinken haben. Ferner ist es gewohnt, in den Zwischen-\nacten, wenn es auch auf seinen Sitzen bleibt, die Anwe-\nsenden zu mustern, sich zu unterhalten, mit Einem Worte,\nzu thun, als wäre es bei sich zu Hause. Welches ist nun\ndas Mittel, dieser Gewohnheit entgegen zu treten ?\n7\nWer mit dem Volke etwas anfangen will, muss dessen\nCharakter, muss dessen Gewohnheiten kennen, und sein\nHauptstudium muss darin bestehen, durch eine gute Seite\ndes Charakters die schlechte, durch eine löbliche Ge-\nwohnheit die tadelnsvverthe zu bekämpfen. Dieser Grund-\nsatz wird von den zwei Behörden, deren Titel von\noder regieren herkommt, nämlich von der Regierung des\nStaates und von der Regie des Theaters, viel zu wenig be-\nachtet und praktisch geübt.\nDie löbliche Gewohnheit unseres Theater-Publicums\nist nun aber die, dass es einen ungeheuren Respect vor\ndem Aufziehen des Vorhangs hat. Sobald dieser\nmystische Schleier, der das Schicksal verhüllt, emporschwebt,\nberuhigen sich plötzlich die Wogen der Unterhaltung, die\nKöpfe entblössen sich im Parterre, die Fernröhre werden\nin den Logen an die Augen gedrückt, mit Einem Worte:\nAlles ist in Spannung.\nNun, diese festgewurzelte Sitte müssen wir zu Gunsten\nBeethoven's benutzen; sie gibt uns das wirksamste Mittel\nan die Hand, die Aufmerksamkeit der Zuschauer in Span-\nnung zu erhalten oder darein zu versetzen. Der Haupt-\nGrundsatz wird also sein müssen, die Musik so viel als\nmöglich, ja, wenn es irgend thunlich ist, immer, bei offe-\nner Scene erklingen zu lassen.\nNach diesem Grundsatze verfahren wir nun in folgen-\nder Weise.\nAm Schlüsse des ersten Actes fällt die Musik (Nr.\n2, A-dur2/A) unmittelbar auf das letzte Wort Bracken-\nburg's: „Du sollst mir dieses Bangen auf einmal\nverschlingen und lösen\" ein und spielt die 27 Tacte\ndes Adagio's, während Brackenburg sich noch einmal\nnach Klärchen's Zimmer hinwendet und dann langsam ab-\ngeht. Mit dem Schlüsse des Adagio's, der Fermate auf\n(S. 67 der Partitur), fällt der Vorhang. Nun tritt die ge-\nwöhnliche Actus-Pause ein.\nZum Anfangen des zweiten Actes wird das Zei-\nchen gegeben, worauf das Orchester das Allegro\nV 4, S. 67, beginnt. Gleich bei den ersten Tacten, späte-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5099, "texte": "stens beim Eintritt des Crescendo im zehnten Tacte, wird\nder Vorhang aufgezogen, so dass mit dem Fortissimo im\nzwölften Tacte die offene Scene den grossen Platz in Brüs-\nsel zeigt. Die Bühne bleibt leer, aber die Decoration ver-\nmittelt durch die Anschauung der Oertlichkeit, des Schau-\nplatzes der Ereignisse, das Verständniss der Musik, welche\nden Aufruhr in den Niederlanden schildert. Bei der Tact-\npause (Part. S. 7 6), welche jedoch nicht als Fermate, son-\ndern bloss in iempo gehalten werden darf, treten unter dem\nPiano der folgenden Schluss-Tacte die brüsseler Bürger\nheraus, Jett er und der Zimmermeister in den Vor-\ndergrund, einige andere können zur Belebung der Scene\nim Hintergrunde erscheinen. Die Musik umfasst von der\nerwähnten Generalpause an nur noch zwölf Tacte und\nschliesst auf E, da, wo das Wort steht. Das Uebrige\nist gar nicht von Beethoven, sondern ein von fremder\nHand daran gedickter Schluss. (Wir kommen unten auf\ndiese fremden Zuthaten zurück.)\nDen Schluss des zweiten Aufzuges bildet der Auftritt\nzwischen Oranien und Egmont. Oranien scheidet mit Thrä-\nnen um den Verblendeten und Verlorenen; Egmont bleibt\nallein und spricht : „Dass anderer Menschen Gedanken sol-\nchen Einfluss auf uns haben! Mir war' es nie eingekom-\nmen ; und dieser Mann trägt seine Sorglichkeit in\nmich hinüber.\" Mit diesem letzten Worte beginnt das\nLarghello Nr. 3 in Es. Egmont wirft sich gedankenvoll in\neinen Armsessel. So bleibt er (etwa I—-1 '/2 Minute lang)\nwährend der ersten 21 Tacte, aber mit dem Crescendo im\n22. Tact (S. 85 d. Part.) hebt er das Haupt; er springt\nauf, und aus seinem Auge strahlt wiederum der Gedanke:\n„Ich habe nie verschmäht, mit meinen Kriegsgesellen um\nkleinen Gewinnst das blutige Loos zu werfen; und sollt'\nich knickern, wenn's um den ganzen freien\nWerth des Lebens geht?\" lm 26. Tact (S. 86),\nin welchem alle übrigen Instrumente pausiren, gibt die erste\nVioline allein das f an, Achtelpause, dann das d, und auf\ndie folgende Achtelpause trete dann eine Fermate ein. Eg-\nmont spricht während der Achtelpause nach dem „ Weg!\"\nund während der Fermate: „Das ist ein fremder\nTropfen in meinem Blute\" u. s. w. bis zum Schluss, worauf\ner schnell abgeht. Die Scene bleibt offen; unmittelbar\nnach seinem Abgange (wird applaudirt, so warte der\nDirigent einen Augenblick) fallen beide Violinen mit der\nschmerzlichen Antwort auf seine letzten Worte in den No-\nten ces b as, die nach Es-dur zurück leiten, ein, und in\ndem folgenden zweiten Abschnitt des LargheUo's zieht die\nSorge Oraniens, zieht die Ahnung der ganzen Schwere die-\nses Augenblickes in der Wagschale des Geschicks des\nHelden noch einmal in Tönen an unserer Seele vorüber;\nwohl blinkt hier und da ein freundliches Lächeln der Liebe,\n„von seiner Stirne die sinnenden Runzeln wegzubaden\",\nhindurch, aber die letzten fünfTacte, während welcher der\nVorhang sehr langsam fällt, scheuchen mit ihren leisen Pau-\nkenschlägen unsere Gedanken wieder in Nacht. Auf\ndiese Weise dürfte es möglich werden, eines der schönsten\nDenkmale der Tonkunst in seiner ganzen Bedeutung für\ndie dramatische Situation und in seiner vollen Wirkung auf\ndas Gemüth der Zuschauer hinzustellen.\nSchwieriger wird die Einrichtung der Musik zwischen\ndem dritten und vierten Aufzuge. Der dritte Act\nbeginnt nach einer Pause ohne musicalisches Vorspiel. Den\nSchluss desselben bildet die Scene zwischen Egmont und\nElärchen. Hier müssen wir durchaus an die Darstellenden\ndieser Rollen die Forderung stellen, nicht bloss an ihre\nKunst, sondern an die Vereinigung der Schauspielkunst mit\nder Musik zu denken und an die Wirkung beider zusam-\nmen. Nach Egmont's Worten: „Das ist dein Egmont!\"\nfallt das Orchester ein mit dem ersten Tact von Nr. S(V 4\nTact C-durJ,und mit dem Verhallen der Fermate der Oboe\naul dim zweiten Tact spricht Klärchen: „So lass mich\nsterben! Die Welt hat keine Freuden auf diese!\" Darauffällt\ndas Orchester wieder ein, die Oboe leitet zu dem\n% Tact, und dieses wird bis zu der letzten Fermate auf dem\nDominantaccord von C(S. 113 vor dem Marsch) gespielt.\nBei dieser letzten Cadenz der Oboe fällt der Vorhang lang-\nsam nieder. Die ganze Zeit, für welche wir das Verweilen\nder Gruppe aui der Bühne verlangen, beträgt nicht mehr\nals zwei Minuten, und wir fragen: Ist das ein Opfer zu\nnennen, welches die Darsteller der Tonkunst bringen, im\nVergleich zu manchen anderen in bekannten Opern? Ist\nes angenehmer für den Gouverneur im Don Juan, an 10\nbis 1 2 Minuten steif wie Stein zu Pferde zu sitzen, oder\nfür die Julie in den Montecchi und Capuletti, eine Viertel-\nstunde im Sarge zu liegen, oder lür die Elisabeth im Tann-\nhäuser, sich von der Wartburg im Sarge herab schleppen\nzu lassen, als für Egmont und Klärchen, uns zwei Minuten\nlang ein schönes lebendes Bild zu geben, während eine\nMelodie, wie sie nie wieder gefunden wird, uns sagt:\nUnd immer klingt es nach in ihren Herzen:\nGlücklich allein ist die Seele, die liebt!\nWir kommen zum vierten Aufzug. Er beginnt mit\nder Marcia vivace in C-dur(S. 113 d. Part.); der Vor-\nhang wird gleich bei den ersten Klängen der Trompeten\nund Pauken aufgezogen. Mit dem Trio in ,(S. 117)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3730, "texte": "treten, wie es Beethoven hier selbst schon vorgeschrieben\nhat, die Schauspieler während der Musik von zwei verschie-\ndenen Seiten heraus, schleichen sich langsam näher der\nVorderbühne und fangen nach dem Ende der Musik leise\nund furchtsam an zu sprechen. Hier ist aber wohl zu mer-\nken, dass die Musik mit der Dominante der Haupt-Tonart\nam Schlüsse des Trio's abbricht (S, 120 beiFine); eine\nWiederholung des Marsches, in der Partitur durch ein\ndal Segnobezeichnet, darf nicht Statt finden, noch weni-\nger die angeflickte Cada gespielt werden die erste Vio-\nline schliesst im Pianissimo auf g, und darauf beginnen un-\nmittelbar die ängstlichen Bürger eben so leise ihr Gellüster.\nAm Schlüsse des vierten Aufzuges fallen die Violinen,\nHörner und Trompeten (Nr. 6, S. 121) unmittelbar nach\nEgmont's Worten, mit denen er seinen Degen abgibt: „Er\nhat weit öfter des Königs Sache vertheidigt, als diese Brust\nbeschützt\" ein; der Dirigent muss das erste Viertel\nschon auf das Wort „beschützt\" niederschlagen, damit bei\ndem zweiten der schneidende Accord scharf und plötzlich\neintrete. Bei der Fermate auf wendet sich Egmont und\ngeht ab, während das Largliettobeginnt; die GewafFneten\nfolgen ihm, langsamer noch Ferdinand, Alba's Sohn. Alba\nbleibt stehen und blickt ihm nach; dieses stumme Spiel fin-\ndet während der 14—16 Tacte des Larghetto's Statt,\ndann fällt der Vorhang.\nDer fünfte Aufzug beginnt. Bei Eröffnung der\nBühne sehen wir die offene Strasse in der Dämmerung des\nMorgens. Das Orchester fängt mit dem Heben des Vor-\nhanges das Andante agitato(S. 125) in Es-dur an und\nspielt es fort bis zum Schluss (S. 134) auf der Fermate\ndes Fagotts und der Clarinette auf dfb (der Schwanz\nvon 12 Tacten bleibt auch hier wie natürlich weg). Schon\nwährend der letzten 16 Tacte treten, wie Beethoven es\nhier wieder selbst vorgeschrieben hat, Klärchen und Bracken-\nburg heraus, der letztere Klärchen immer zurückhaltend,\ndie mit flehenden Gebärden vorwärts zu dringen sucht.\nVon hier an ist nichts mehr zu erinnern, indem Göthe\nund Beethoven selbst schon Alles geordnet haben. Beide\nhaben durch die Vorschrift, dass die Musik Nr. 7 Larglietto\nin D-moll,Klärchen's Tod bezeichnend, bei offener, leerer\nScene ertönen solle, das schon angedeutet, was wir für die\nganze Aufführung in Anspruch nehmen.\nFür die Herren Orchester-Dirigenten sowohl in Thea-\nter- als in Concert-Aufführungen bemerken wir nun noch,\num die Verwirrung zu beseitigen, welche die mancherlei\nSternchen, dal-Segno- und Coda-Zeichen u. s. w. in den\nStimmen und der Partitur anzurichten pflegen, dass die\nNummern 2, 5, 6 nur bis „Fine\" von Beethoven\nherrühren und bis dahin ohne alle Beachtung der Sternchen\nund Wiederholungszeichen gespielt werden müssen, welche\nbei einigen Schlusstacten stehen; die Schlüsse sind von\nfremder Hand dazu gemacht, angeblich zum Behuf der\nAufführungen in Concerten, und die vor diesen Schlüssen\nalsdann wegzulassenden Beethoven'schen Tacte sind mit\nzwei Sternchen eingeschlossen, z. B. Part. S. 78 der 3.\nund 4. Tact, S. 13 2 135 gar 21 Tacte! Bei der ersten\nVersendung der Orchester-Stimmen lag ein Blatt bei, wel-\nches von diesen Aenderungen und Zusätzen Nachricht gab;\nnachher scheint diese Beilage vernachlässigt worden zu sein,\nund die Partitur, welche später erst gedruckt wurde, ent-\nhält gar kein belehrendes Vorwort über diese Sache.\nAber auch bei Concert-Aufführungen muss die reine\nBeethoven'sche Musik ohne Auslassungen und Zuthaten ge-\ngeben werden; nur muss das verbindende Gedicht der Art\nsein, dass es die unvollkommenen Schlüsse der Musikstücke\nunmittelbar durch das Wort aufnimmt und dann durch die\nPoesie des Inhalts das ausspricht, was Beethoven durch\nseine Töne vorbereitet hat. Wir gedenken darauf zurück\nzu kommen.\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-06_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "43", "page_fin": "45", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.3", "debut_caractere": 3732, "fin_caractere_exclue": 4908, "texte": "Pariser Briefe.\n\nDa die Musik und die Musiker jetzt wenig oder gar\nkeinen Stoff zur Besprechung geben, so wollen wir die mu-\nsicalischen Schriftsteller vornehmen, und siehe! wir stossen da\nauf eine reiche Fundgrube des Unterhaltenden und des Lang-\nweiligen, ja, genau genommen, des Unterhaltenden, das aus\ndem Langweiligen entspringt. Das klingt paradox, und doch\nist es wahr. Denn gibt es etwas Langweiligeres als die Pe-\ndanterie der Musikgelehrten? Macht diese aber so wunder-\nliche Sprünge, als in einigen der neuesten pariser musica-\nlischen Schriften, so ist diese Wunderlichkeit wenigstens\ntheilweise wiederum ergötzlich.\nHerr Kastner z. B. ist ein grundgelehrter Musiker\nund Geschichtsforscher und bringt uns ein grosses Werk\nüber die Musik zu dem Todtentanz. Ehe er aber\nauf die Musik kommt, stellt er eine lange Reihe philoso-\nphisch-historischer Betrachtungen über die Vorstellung der\nverschiedenen Völker vom Tode an; dann forscht er nach\nder Entstehung der Idee vom Todtentanz im Mittelalter,\nund endlich beschreibt er uns alle die Instrumente, welche\nbei Dichtern und Malern des Todtentanzes vorkommen. Er\nzählt deren wenigstens 40—50 auf, geht beiläufig bis auf"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4978, "texte": "die Sündilut zurück und schliesst mit der Composition\neiner neuen Musik zu einem Todtentanz mit Benutzung al-\nler Mittel des heutigen Orchesters! Lassen wir ihn und die\nTodten ruhen!\nErgötzlicher, wiewohl nicht weniger langweilig, wenn\nman sie ganz durchlesen wollte, sind Hrn. Castil-Bla-\nze's zwei dicke Bände über Moliere als Musiker\n(Moliere murinen). Sie enthalten das wunderlichste, pos-\nsierlichste, mitunter originellste Zeug, das seit langer Zeit\nin Frankreich gedruckt worden ist. Da kein Buchhändler\ndie Perlen in diesem Wust zu schätzen wusste, so ent-\nschloss sich Castil-Blaze zum Selbstverlag in Paris eine\nseltene und stark verrufene Sache.\nCastil-Blaze verdankt seinen Uebersetzungen italiäni-\nscher und deutscher Operntexte die Bekanntschaft seines\nNamens; er war es, der auch den Freischütz\nbois zuerst auf die französische Bühne brachte. Aber mit\n/\ndem Rufe eines Dichters konnte der Mann sich nicht be-\ngnügen, der da wusste, dass sein Gedächtniss die Harmo-\nnielehre inne hatte, dass sein Verstand die contrapunkti-\ni —•\nsehen Regeln begriffen, und dass er die Geschichte der Mu-\nsik von Jubal bis auf sich selbst an den Fingern hatte.\nWie sollte bei all diesem Wissen nicht auch der Born der\nTöne in seinem Innern quellen? Er entschloss sich zum\nComponiren.\nMit den Uebersetzungen und Bearbeitungen hatte er\nGlück gemacht und einiges Vermögen erworben; aber sein\nGeist trachtete nach Höherem: Original-Texte und Origi-\nnal-Partituren sollten die Stufen sein zu dem Throne, von\nwelchem herab er die Kunst neu gestalten wollte. - Ich\nwar\", schreibt er, „von der tiefen Ueberzeugung durch-\ndrungen, dass ich die Zukunft der Oper in meiner\nHand hatte; aber eine weit verzweigte Verschwörung un-\ntergrub mein Wirken: die Theater-Directionen, die Künst-\nler auf und vor den Brettern, die Dichter, die Journa-\n- v«' I •\nlisten, Alles verband sich, mich nicht aufkommen zu las-\nsen.\" Er erzählt uns, wie Boieldieu ihn zum Mit-Com-\nponisten einer dreiactigen Oper angenommen, aber nach\nder Durchsicht der ersten Nummern von seiner Arbeit sich\nentschlossen habe, die Oper allein zu componiren „aus\nFurcht vor der schlagenden Nebenbuhlerschaft\" ! Ferner,\nwie Scribe sich wiederholt verpflichtet, ihm einen Text zu\nliefern, und wiederholt von den Directoren der grossen und\nder komischen Oper gewarnt worden sei, die ihm gedroht\nhätten, alle seine Stücke und Opern nie mehr zu geben,\nwenn er dem Hrn. Castil-Blaze einen Text schriebe!\nNun wandte er sich an die Concert-Gesellschaft des\nConservatoriums. In den Proben wurden Bruchstücke aus\nseinen Werken mit Enthusiasmus aufgenommen, weil man\nsie für Compositionen eines ausländischen Meisters hielt.\n„Sobald ich mich alsComponisten derselben nannte,\" fährt\ner fort, „wurden sie vom Programm gestrichen. End-\nlich erhielt ich von der Direction des italiänischen Theaters\nden Auftrag, eine Opera buffazu schreiben ich gehe\ndarauf ein, schreibe zwei Acte fertig, man ersucht mich mit\nSpannung um eine Probe. Nichts war mir erwünschter. Ich\ngebe einen Act zum Besten; aber siehe da! ein Terzett\nvon triumphirender Neuheit (d nottveaute)\nmacht eine solche Wirkung, dass die Oper nicht gege-\nben wurde, weil berühmte Componisten (Rossini war da-\nmals auch in Paris) den ungeheuren Erfolg ahneten und\neifersüchtig wurden.\"\nDu wirst denken, ich schiebe dem Verfasser boshaft\nmeine Feder unter. Nichts weniger, als das. Wenn Dir\ndas Buch je in die Hände kommt, so schlage Band 11. S.\n261 u. ff. auf, und Du wirst alles das lesen, was ich an-\ngeführt habe.\nIndess, nichts schreckte Castil-Blaze ab. Er sah ein,\ndass die wahre Oper der Zukunft nur erstehen könne, wenn\nDichter und Componist sich in Einem Genie vereinigten.\nIch bitte Dich nochmals, dies nicht für einen schlechten\nWitz auf Richard Wagner in Deutschland zu halten; es\nliegt gedruckt zu Jedermanns Einsicht vor. Folglich\ndichtete er sich eine Oper in vier Acten, unter dem Titel\nBeelzebub (Belzebuth■), wozu ihn wahrscheinlich Kind's\nund Weber's Samiel begeistert hatten. Er setzte sie in Mu-\nsik, und sie erlebte in Montpellier (wenn ich nicht irre,\ndem Geburtsorte des Dichter-Componisten) eine Aulfüh-\nrung; niemals konnte sie auf ein pariser Theater dringen,\nund (ich übersetze wörtlich) „so verstiess und ver-\nschmähte Frankreich, ohne nur eine Note davon kennen\nlernen zu wollen, die vollendetste Oper, welche\nseit Wilhelm Teil geschrieben worden, aus dem\neinzigen Grunde, weil ein Franzose der alleinige Autor die-\nses geächteten Werkes ist (de cet ouvrage proscrit:!\"\nBist Du nun überzeugt, dass auch die Franzosen Com-\nponisten haben, welche von dem genialsten Selbstbewusst-\nsein belebt sind? Doch höre weiter!\nCastil-Blaze verliert den Muth nicht. Er verkündigt\nuns, dass er sich an das Staats-Oberhaupt wenden wird,\num Gerechtigkeit zu erlangen. Napoleon 111. hat Frankreich\naus den Klauen der geheimen Gesellschaften gerettet, aber\ner hat die Tonkunst nicht von dem Joche der eben so ge-\nfährlichen Verbindungen befreit, trotzdem dass diese sich of-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2698, "texte": "fen zeigen. Diese grosse Aufgabe bleibt ihm noch zu lösen.\nUnd wenn er das staatliche Geschick der Nation geordnet\nhaben wird, wenn es ihm vergönnt sein wird, zu den Ke-\ngionen der Künstler herabzusteigen, dann wird der Coin-\nponist des Beelzebub ihn um eine Viertelstunde Gehör bit-\nten und ihm sagen (wörtlich): „Sire, eine grosse voll-\nständige Oper in vier Acten, Text und Musik von Castil-\nBlaze, aufführen zu lassen, sie in eine Feste zu bringen,\nwelche sie gegen die nichtswürdigen oder wuthentbrannten\nAngriffe der Räuberbanden der Coterieen und Handwerker-\nCoalitionen sicher stellt, das wird, zweifeln Sie nicht daran,\n7 ' •\neine That sein, die jenes Genie's, welches uns von dem er-\nschrecklichen Bösen, das Frankreich bedrohte, befreit hat,\nund jener gewaltigen Hand würdig ist, die mit einer einzi-\ngen Kraftanstrengung die hundert Häupter der Hydra er-\nwürgt hat!!\"\nIst es hiernach zu verwundern, dass die mehr als tau-\nsend Seiten des Buches, an nichts auf der Welt ein gu-\ntes Haar lassen ? Die französische Akademie, die Classe\nder schönen Künste, die Theater-Directionen, die Capell-\nmeister und Dirigenten, die Virtuosen und Sänger • Alles\nfindet keine Gnade vor dem unbarmherzigen Richter,\ndessen Beelzebub so verrätherisch in das Chaos, in das\nNichts, dem er enttaucht, wieder hinabgestürzt worden ist.\nAber wie kommt das alles mit Moliere zusammen?\nwirst Du fragen. Ja, das weiss der Himmel! Kurzum, es\nist da. In dem Präludium (denn „ Vorrede\" ist zu ge-\nwöhnlich) sagt uns zwar der Verfasser, dass sein Zweck\nsei, zu allen Stellen, welche in den Lustspielen Moliere's\ndie Musik berühren, einen Commentar geben zu wollen,\nund er widmet wirklich jedem Lustspiel ein Capitel; aber\ndieser Rahmen ist dermaassen elastisch, dass die Dehnbar-\nkeit des Gummi oder der Gutta Percha ein Mährchen da-\ngegen ist. An Sammellleiss hat der Verfasser es nicht feh-\nlen lassen, und man findet eine Masse historischer Notizen\nbunt durch einander. In das Capitel über das\n(der steinerne Gast) pfercht er z. B. erstens alles Literari-\nsche hinein, was sich über die Sage vom Don Juan auf-\ntreiben lässt, und zweitens eine Geschichte des Mozart'-\nschen Don Juan, mit dem Verzeichniss der Rollenbesetzung\ndieser Oper in Paris seit der ersten Aufführung derselben\nbis auf die Donna Anna der Grisi! Er hat alle Fächer\nund Schubladen seiner Registratur geleert und auf tau-\nsend Seiten kann man schon was Erkleckliches abdrucken\n—, und der arme Moliöre muss den Sündenbock abgeben\nund seine paar unschuldigen Aeusserungen über Musik\ndamit büssen, die schweren Lasten des gelehrten Compi-\nlators und noch obendrein die Wucht seines Zornes gegen\ndie Zeitgenossen zu tragen.\nParis, den 18. Juli.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-06_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "45", "page_fin": "46", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.2.3", "titre_corps": "Adolph Henselt,", "titre_sommaire": "Adolph Henselt,", "signature_source": "Hesse", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.5", "debut_caractere": 2700, "fin_caractere_exclue": 5030, "texte": "Adolph Henselt,\n\nder grosse Ciaviermeister und berühmte Componist, hat zwei\nTage hier in Breslau verweilt und war so freundlich, uns\nauch diesmal einen Hochgenuss am vorigen Sonntage, Mit-\ntags 12 Uhr, und zwar diesmal in der Officin der Herren\nBrettschneider und Regas, zu bereiten. Zu Hen-\nselt's Lobe noch etwas sagen zu wollen, heisst eigentlich\nHolz in den Wald fahren. Henselt ist eine so abge-\nschlossene, mit sich fertige Natur, seine Kunstrichtung ist\nstets eine so entschieden gediegene gewesen, dass in dieser\nHinsicht die Acten über ihn als geschlossen zu betrachten\nsind. Wir erinnern uns noch mit Freude an den Eindruck,\nden sein grosses, majestätisches Spiel, so wie seine herr-\nlichen, für uns ganz neuen Compositionen auf uns während\nseines ersten Aufenthalts hierselbst im Jahre 1837 mach-\nten. Die Gediegenheit seiner Werke, deren harmonische\nSchönheiten und eflectvolle neue Combinationen, wodurch\nuns das Pianoforte in einem bis dahin kaum gehörten Reich-\nthum erschien, machten es vergessen, dass wir einen Men-\nschen mit nur zehn Fingern hörten. lm Jahre 1842\nhielt sich Henselt vierzehn Tage hier auf, während wel-\ncher Zeit wir ihn alle Vormittage von 11 bis 1 Uhr hör-\nten und ihn so recht genossen. 1846 und 1850 war er\nebenfalls einige Tage hier und bereitete uns herrliche Ge-\nnüsse. Henselt's Spiel ist, wie gesagt, grossartig, maje-\nstätisch, jeder seiner Finger ist ein Riese, was um so mehr\nzu bewundern, da den Künstler die Natur in dieser Be-\nziehung durchaus nicht unterstützt hat. Seine Hand ist klein,\nund seine Finger waren keiner bedeutenden Spannung\nfähig. Da musste nun sein eiserner Fleiss nachhelfen; er\nreckte und dehnte seine Finger fortwährend auf gewaltsame\nW eise, was bekanntlich dieselben sehr steif macht; wie\nmusste er also üben und sich förmlich maltraitiren, um diese\nhohe Vollendung der Technik zu erreichen! Am vori-\ngen Sonntage hat uns Henselt besonders entzückt; wir\nfanden sein Spiel neben seiner Grossartigkeit noch inniger,\nperlender und zarter, als früher. Jeder Ton erscheint bei\nihm in allen Nuancen wie gemeisselt. Die ungeheure Kühn-\nheit seines Passagenspiels, sein perlendes Staccato in den\nschnellsten einfachen, so wie Terzenläufen beider Hände,\nsein Prall-Trillerchen, wie der Triller selbst, das Hervor-\nheben der Melodieen, mögen sie stecken, wo sie immer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1829, "texte": "wollen, überhaupt das echt künstlerische Yerständniss und\ndas Natürliche seines Spiels reissen zur Bewunderung hin;\ndabei muss uns auch seine Ausdauer und Kraft in Erstau-\nnen setzen. Henselt spielte nämlich von 12 bis 1 '/2 Uhr\nzwölf Piecen, nachdem er schon von 10 '/2 Uhr, um sich\neinzuspielen, am Piano zugebracht hatte, und doch war bei\ndem letzten Stücke noch keine Spur von Ermattung zu\nbemerken. Der Aermste thut uns immer leid, da, so oft er\nBreslau besucht, bedeutende Hitze herrscht und er jedes-\nmal im Schweisse seines Angesichts arbeiten muss. Der\nKünstler brachte am Sonntag zu Gehör: die Ouvertüre\nzu Coriolan von Beethoven, für das Piano höchst\ngeist- und effectvoll arrangirt von Henselt (er spielte sie\nzweimal); fünf Lieder ohne Worte von Henselt,\nherrliche Compositionen voll Gemüth und Innigkeit; zwei\n\\\nEtüden von Chopin (in As-dur mit den Sexten und in\nA-moll), grandios gespielt; einen grossen Walzer von\nHenselt (neu) in Cis-moll,später schön erfunden\nund entzückend gespielt; grosse Sonate in D, von C.\nM. v. Weber, riss zur Bewunderung hin, noch mehr das\nConcertstück in F-moll von Weber, das Henselt\nmit geistvoller Bereicherung der Passagen und einiger har-\nmonischen Stellen in ungeheurer Weise spielte; endlich\nnoch auf vieles Verlangen die Vöglein-Etude und das\nPoeme d'amour,von Henselt echt ä Henselt gespielt.\nDas Instrument deutscher Mechanik, dessen sich der Künst-\nler zu seinen Vorträgen bediente, war von klangvollem,\nsonorem Tone und gereicht der Fabrik zur Ehre. Wir\ndanken dem grossen Künstler Henselt (der sich jetzt in\nSchlesien angekauft hat und gegenwärtig auf seinem Land-\ngute verweilt) für die hohen Genüsse, die er uns so bereit-\nwillig gespendet; möge er recht bald wieder zu uns kom-\nmen und- uns erquicken; solche Labung thut in unserer\nZeit wohl.\nBreslau, 26. Juli.\n\nHesse."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-06_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "46", "page_fin": "47", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.2.4", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "E. Dr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.6", "debut_caractere": 1831, "fin_caractere_exclue": 6691, "texte": "Aus München.\n\nEnde Juli 1853.\nIn meinem heutigen Briefe mache ich es mir zur Aufgabe, Ih-\nnen über diejenigen Theatergäste zu referiren, welche uns die In-\ntendanz vom Herbst 1852 bis jetzt als in der Oper beschäftigt\nvorführte. Den Reigen begann Frau Bochkoltz -Falconi, welche\nsich als Prima-Donna am Scala-Theater zu Mailand gerirte. Sie trat\nals Norma, Fidelio, Fides und Donna Anna auf, und gewann den\nBeifall des Publicums am meisten als Norma. Meiner Meinung\nnach ist Frau Bochkoltz-Falconi auf den Wendepunkt gelangt,\nwelchen jede Stimme, wäre sie auch die kräftigste, vollste und eben-\nmässigste, mit der Zeit leider erreichen muss. Frau Bochkoltz-Fal-\nconi hat eine besondere Kehlenfertigkeit, lässt sich aber durch diese\nhinreissen, überall, wo es möglich oder unmöglich, schön oder un-\nschön, Coloratureiy Fiorituren, Cadenzen anzubringen. Dass da-\ndurch jede Melodie, jede musicalische Phrase zerrissen, zerstückt\nund oft unleidlich gemacht wird, versteht sich von seihst. Ueber-\ndies fehlt der Dame jede höhere Auffassung, jede poetische Durch-\ngeistigung, sie weiss die Gestalten nicht zu beleben. Wir erblickten\nin ihrer Donna Anna durchaus nicht das durch die zugefügte\nSchmach, so wie durch den gemordeten Vater in ihrer tief-inner-\nsten Seele verletzte und von Schmerz überwältigte und racheglühende\nWeib. Ihre Leonore zeigte uns nicht das aufopfernde, Alles hin-\ngebende Weib, welches von nimmer rastender Sehnsucht und in-\nnerem Schmerz getrieben ihr einziges Glück darin sucht, ihre Se-\nligkeit, ihren geliebten Florestan zu befreien, und dann in uncr-\nmesslichen Jubel, in höchstes und himmlischstes Entzücken aus-\nbricht, nachdem sie ihn gerettet. Auch in Norma und Fides ver-\nmisste man grösstenteils die durch Ton und Spiel auszudrücken-\nden wechselnden Empfindungen und Leidenschaften. Frau Bochkoltz-\nFalconi trug alle diese Partieen mit grosser Gesangstechnik vor,\nwas aber durchaus nicht für den kalten, leblosen, oft communen Vor-\ntrag entschädigen konnte. Eben so beschränkte sich ihr Spiel auf\ndie gewöhnlichsten Handbewegungen; auch dünkte es uns oft,\nFrau Falconi eher auf der Promenade als auf den Brettern zu\nerblicken, so ungenirt und gegen alle Bühnen-Aesthetik verstossend\nwar ihr Auftreten, ihre Haltung, ihr Gang. Dass ich einen so streng\nkritischen Maassstab an die Leistungen dieser Dame lege, mag seinen\nGrund darin finden, dass dieselbe schon mit einem bedeutenden\nRufe hieher kommend in manchen Blättern als eine der hervor-\nragendsten, sowohl in Gesang als Spiel ausgezeichneten Sängerinnen\nerwähnt wurde, wrodurch sie unsere Erwartungen ziemlich hoch\nspannte, denen sie leider durchaus nicht entsprach. Die Zweite im\nReigen war Fräulein Me quill et von der grossen Oper zu Paris,\nwelche nur einmal und zwar als Fides auftrat, und uns durch ausge-\nzeichnetes Spiel und treffliche Auffassung die bereits abgenutzten Stimm-\nmittel fast vergessen machte; sie erwarb sich besonders im vierten\nActe den stürmischsten Beifall. lnFräulein Löwenstein, erster\nSängerin aus Nürnberg, lernten wir eine sehr jugendliche, zwar\nstimmbegabte, aber ganz unerfahrene Anfängerin kennen, welche\nsich erkühnte, als Donna Anna, Valentine und Martha aufzutreten.\nWie diese Leistungen ausfielen, lassen Sie mich verschweigen. Dem\nFräulein Kern, erster Sängerin vom grossherzoglichen Hoftheater\nzu Darmstadt, sind wir in so fern Dank schuldig, als durch ihr\nGastspiel zwei Opern auf das Repertoire kamen, welche seit Jah-\nren darin fehlten; das sind: Spontini's Vestalin, Gluck's Jphigenie.\nAusserdem sang sie noch die Norma. Fräul. Kern, welche vor 8\nJahren beiläufig im Hof-Operntheater zu Wien als dritte oder vierte\nSängerin engagirt war, hatte damals schon den Fehler, mit geschlos-\nsenen Zähnen zu singen; seitdem änderten sich die Zeiten, Fräul.\nKern wurde erste Sängerin, doch die Zähne blieben geschlossen.\nDie Töne werden durch diesen Fehler schrill und spitzig, es wird\nihnen die vielleicht inne wohnende Kraft und Fülle genommen.\nUebrigens sang Fräul. Kern die drei Priesterinnen mit grosser Cor-\nreetheit, schöner Auffassung und bedeutender Technik. Als Romeo,\nFides und Donna Anna hörten wir in jüngster Zeit Frau Dr.\nNimbs. Sie gewann sich die Gunst des Publicums in hohem Grade\nin der Darstellung des Romeo, welchen sie mit grossem Feuer und\nfast männlicher Kraft sang und spielte; auch die Rolle der Fides\ngab ihr Gelegenheit, sich auszuzeichnen; doch für eine Donna Anna\ngenügten ihre Stimmmittel nicht mehr. Letzten Sonntag (24.\nJuli) beschloss der überall gefeierte, bejubelte, Alles in Enthusias-\nmus versetzende, Deutschland wie im Triumphzuge durchziehende\nRoger seinen Gastrollen-Cyklus. Er sang den Propheten, Raoul,\nEleazar, Edgar, George Brown. So oft ich Roger noch hörte,, be-\ndauerte ich, dass er sich verleiten licss, von der komischen Oper\nzur grossen Oper überzugehen. Wäre dieser Schritt nicht gesejhe-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 718, "texte": "hen, dann hatte Roger jetzt nicht nöthig, nach den hohen Tönen oft\nängstlich zu haschen und dieselben trotz der klügsten Berechnun-\ngen dann und wann versagen zu hören. Als Prophet, Raoul und\nEleazar riss Roger das Publicum durch die seltene Vereinigung\nvon Vortrag, Auffassung und Spiel bei manchen Stellen mit sich\nfort, ohne übrigens Hrn. Härtinger vergessen machen zu können;\njedoch als Edgar und George Brown, wahrhaft unübertreffliche\nLeistungen, entzückte er das Publicum dermaassen, dass es vor Ju-\nbel und Enthusiasmus kaum zu sich kam.—Dem Vernehmen nach\nkommt Johanna Wagner her; ich freue mich, sie wieder in\nmanchen Rollen zu hören, und werde nicht ermangeln, Ihnen über\nihre Erfolge zu berichten.\n\nE. Dr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-06_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "47", "page_fin": "48", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.7", "debut_caractere": 720, "fin_caractere_exclue": 7341, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJHLöln« Johanna Wagner ist am 30. v. Mts. hier durch\nnach Soden gereist, um dort vier Wochen lang die Bäder zu ge-\nbrauchen. Von da wird sie ihren ferneren Urlaub zu Gastspielen\nin München und W i e n benutzen.\nDie Liedertafel und die musicalische Gesellschaft\nhaben am 31. v. Mts. eine Sängerfahrt auf dem Rheine veran-\nstaltet. Die Theilnahme war sehr zahlreich, dennoch herrschte auf\ndem geräumigen und prächtigen Dampfschiffe „Prinz von PreusseiV4\ndie grösste Ordnung und Bequemlichkeit. Fräulein Agnes Bury,\nschon in London dazu eingeladen, verherrlichte die Fahrt als\nEhrengast.\nHerr F. Röder, welcher in den letzten drei Jahren das Thea-\nter zu Riga mit grossem Erfolg geleitet, hat die Concession für das\nhiesige Stadttheater erhalten und wird dasselbe am 15. September\neröffnen.\nBerlin, 26. Juli. Gestern war im Opernhause Templer\nund Jüdin von Marschner. Die hiesige Oper hat unter den\ndeutschen Componisten der Gegenwart keinem so wenig Aufmerk-\nsamkeit zugewendet, wie Marschner. Es sind fast zwei Decennien\nher, seitdem das Werk in Rede gegeben worden ist, während an-\ndere Arbeiten Marschners kaum Berücksichtigung fanden. Marsch-\nner gehört zu denjenigen Meistern, deren musicalische Kunst eine\necht deutsche ist, die sich sowohl von italiänischem wie französi-\nschem Einflüsse fern zu halten gewusst haben, in deren Schöpfungen\ndeutscher Charakter, deutsche Gemüthstiefe, deutscher Humor aus-\ngeprägt sind, und die mit allen diesen ursprünglichen Gaben deut-\nschen Fleiss und deutsches Wissen vereinigen. Schon um dieser\nEigenschaften willen, die einen bildenden Einfluss auf das Kunst-\nleben der Gegenwart ausüben könnten, sollte man ihn nicht zu\nden Veralteten zählen. Allerdings hat diese Oper einen gewissen\nMangel an dramatischer Consequenz; der Inhalt eines bändereichen\nRomans ist hier in einen verhältnissmässig kleinen Rahmen ge-\nfasst; es kommen Scenen vor, die man sich aus dem Zusammen-\nhange nicht recht erklären kann. Der erläuternde Dialog füllt seine\nStelle nicht ganz aus, indem er einerseits zu wenig gibt, anderer-\nseits gegenüber der dramatischen und oft tragischen Macht der\nMusik den Wunsch rege macht, durch Recilative gänzlich beseitigt\nzu sein. Immer aber enthalten die Marschner'schen Opern bei\nWeitem mehr als alles, was die französische Musik-Literatur in\nihrem Einfluss auf den Kunstsinn der Gegenwart zu Stande zu\nbringen vermag. Was den Templer und die Jüdin anlangt, so\nliegt der Hauptwerth dieses Werkes in der vortrefflichen Bearbei-\ntung des Chors (wovon man übrigens heut zu Tage fast gar nichts\nmehr versteht), in der Verschmelzung desselben theils mit der\ngrossen Arie, so dass diese, über ihm dahinschwebend, auf rein\nmusicalischem Unterbau sowohl Anmuth wie dramatisches Leben\nentfaltet, theils mit dem Liede oder der Romanze, für welche mu-\nsicalische Form der Componist hier die reichsten Schleusen seiner\nPhantasie öffnet. Zu diesen Säulen einer deutschen Oper gesellt\nsich oft, namentlich in der Form des Duetts, das kunstvollste und\nmit Geschmack ausgeführte Ensemble, eine reiche und üppige, aber\nkeineswegs überfüllte Instrumentation, die zuweilen in echt deut-\nscher Tonmalerei die glücklichsten Würfe macht. Danach ist es\nunbedenklich ein Verdienst der königsberger Gesellschaft, dieses\nWerk aus dem Staube hervorgeholt zu haben, wenn wir anderer-\nseits auch nicht sagen können, dass dem Schöpfer desselben durch\ndie Art der Aufführung eine sonderliche Ehre angethan worden\nist. Die Hauptrolle der Rebecca wurde von Frl. Köhler gegeben.\nLeider fehlt der Künstlerin jede Art des Charakterisirens sowohl\nim Spiel wie im Gesang, und der Mangel an Reinheit im Gesänge,\nzum Theil durch die schwierige Stimmlage der Partie bedingt,\nwurde durch einzelne voll und kräftig klingende Töne nicht ver-\ndeckt. Am meisten befriedigte unbedenklich Hr. Dr. Lieb ert, der\nim Einzelnen, besonders in dem: „Du stolzes England, freue dich\",\nüberraschende Wirkung durch Macht und Wohlklang seines Tones\nerzielte, so dass wir diesem Sänger nach der Art, wie uns seine\nMittel entgegentraten, richtige und ernste Studien wünschen\ndürfen, damit er sein Talent erfolgreich verwerthen lerne.\n** SSadeii-SSadeis. Seit Jahren ist der Zulluss von Frem-\nden nicht so gross gewesen, wie jetzt. Baden ist klein Paris, und\nzwar bis zum Lächerlichen. Ehrlich, Ernst und Sei ig mann\nhaben versucht, die Aristokratie des musicalischen Geschmacks bei\nder Aristokratie der Geburt und des Geldes zu repräsentiren\nsie haben nämlich in ihrem ersten Concerte am 16. Juli nur noble\nMusik gemacht, namentlich von Beethoven, und ohne Gesangs-Pro-\nduetionen. Sie sahen jedoch ein, dass sie dem populären Geschmack\nder hohen Gesellschaft etwas mehr Rücksicht tragen müssten, und\nführten im zweiten Concert am 23. Juli die Sängerin Wert he i ru-\nber aus Paris und den Sänger Lyon vor. Die Wertheimber\nmachte mit einer transponirten Arie von Verdi keine besondere\nWirkung, wohl aber mit einer Arie aus dem „Glockenspieler zu\nBrügge4' von Grisar. Ein Beethovcn'sches Trio für Piano, Vio-\nline und Cello wurde von den drei Virtuosen, welche an der Spitze\ndieser Concerte stehen, glänzend ausgeführt. Das dritte fand am l.\nAugust Statt; Kathinka Heinefetter sang darin. Am 20. soll\neine Art Musikfest sein, wobei es darauf abgesehen ist, Berlioz\nin Deutschland für die Unempfänglichkeit des pariser und londoner\nPublicums zu entschädigen.\n*** Ariilteim, 20. Juli. Unser zweites Damen-Concert der\nSommer-Cäcilia-Concerte in der schönen Halle des Gebäudes Musis\nSacrum mit seinen reizenden Garten-Umgebungen zeichnete sich\ndurch die Mitwirkung zweier Gäste aus Köln aus, des Hrn. E.\nKoch und des Hrn. L. Schreiber. Hr. Koch trug die herr-\nlichen Arien Weber s aus dem Freischütz und aus der Euryanthe\nmit dem edeln Klang seiner vollen Bruststimme und einem Gefühl,\nwie es nur dem vollkommen gebildeten Sänger vergönnt ist, es wie-\nderzugeben, mit ausserordentlichem Beifall vor. Und dennoch\nübertraf der meisterhafte Vortrag der Lieder von Schubert,\nDorn und Marschner fast noch jene trefflichen Leistungen!\nUnd wie anerkennungswerth war die Auswahl, welche Hr. Koch\ngetroffen — da war von keinem italiänischen oder französischen\nFlitterwerk die Rede: nur der echte deutsche Gesang, wie er auch\nuns Niederländern zum Herzen spricht, war vertreten, und wahrlich,\nwer den Vortrag dieser wahren Musik so in der Gewalt hat, wie Hr.\nKoch, der bedarf auch jener bunten Lappen nicht, die so manche\nSänger um die Blossen ihrer Kunst zu hängen gezwungen sind.\nHrn. Schreiber's Virtuosität auf der Trompete zu schildern,\nist ein Ding der Unmöglichkeit; er ist Sänger, Clarinettist, Violin-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3717, "texte": "spielor, kurzum, Alles auf der Trompete. An Orchestersachen hör-\nten wir eine Sinfonie von Kalliwoda und Ouvertüren von Ros-\nsini und Boieldieu. Was unser Musik-Dircctor Marx mit den hier\nvorhandenen Kräften zu machen versteht, wissen Sie aus eigener Er-\nfahrung; dieses Mal hatten wir aber noch besonders Gelegenheit,\nsein vorzügliches Talent zum Accompagniren am Piano zu bewun-\ndern, wobei er, namentlich für den Kenner, den vollsten Beweis\nfür seine musicalische Tüchtigkeit lieferte.\nISriissel« Einer unserer ersten Flötisten, Aerts von Boom,\nProfessor am Conservatorium, ist im Alter von 31 Jahren an einer\nlangwierigen Krankheit gestorben, wozu er den Keim schon im\nJahre 1841 gelegt hatte. Als Jüngling machte er eine Kunstreise\ndurch Deutschland, die Schweiz und Italien, und war 1840 wäh-\nrend der Saison in London.\nLeonard ist von seinen Triumphen in Russland zurückgekehrt\nund hat seine Lehrstelle am Conservatorium wieder angetreten.\n** Paris. Neun deutsche Sänger unter der Direction\ndes Hrn. Homann lassen sich auf dem Thedtre des Varietes'hören.\nKlangvolle Stimmen und ein geschmackvoller Vortrag von Gesän-\ngen von Mozart, Weber, Mendelssohn, Kreutzer u. s. w. verschaf-\nfen ihnen grossen Beifall und der Theater-Direction gute Einnah-\nmen. In diesem Augenblicke, wo hier die Theilnahme für die He-\nbung des Männergesangs gerade recht im Gange ist, kam dieser\nkleine Kern deutschen Chorgesangs recht gelegen. Die genannten\nSänger sind vom Theater zu Karlsruhe und erregen durch Rein-\nheit, Präcision und vollkommenes Ensemble Aufsehen.\n[Der Erfolg des kölner Vereins in London wird sicher eine\nMenge von Kcisen deutscher Sängerchöre, grosser oder kleiner, ins\nAusland veranlassen. Wir wünschen nur, dass man die Auswahl\nder Mitglieder dann immer recht gewissenhaft vornehme, damit der\nRuhm des deutschen Gesanges nicht befleckt werde. Denkt man\ndaran, wie vor einigen Jahren die so genannten 40 Sänger von den\nPyrenäen Deutschland durchzogen und die durch allerlei Markt-\nschreierei angelockten Zuhörer durch ihre erbärmlichen Leistungen\nenttäuschten, so ist es an der Zeit, dass ein tüchtiger deutscher\nChor den Franzosen einmal zeige, was wirklicher Gesang sei.]\n% —\nParis* Die Wiedereröffnung der grossen Oper wird am 10.\nAugust Statt finden, und zwar mit Meyerbeers Hugenotten,\nwofür die Chöre verstärkt werden sollen. Auch hat der Componist\neinige neue Nummern für das Ballet im dritten Act geschrieben,\nund im fünften Act wird eine neue Decoration das Innere der\nKirche darstellen, in welcher die Gesänge der Märtyrer ertönen.\nMad. Viardot ist von London zurück, wo sie binnen 42 Ta-\ngen in 36 Concerten gesungen hat. Der ausgezeichnete Pianist Fu-\nmagalli ist nach Italien gereis't, um dort eine Reihe von Concer-\nten zu geben.\nDer schönste Erholungsort ist jetzt der Jardin d'hiver in seinem\nSommergewande. In diesen grossen und prächtig durch Natur und\nKunst geschmückten Räumen, Sälen und Garten-Anlagen, in denen\neine zahlreiche Orangerie duftet, finden wöchentlich drei grosse\nAbend-Concerte Statt, Sonntags, Mittwochs und Freitags.\nHalevy hat eine neue Oper in drei Acten für das Theater der\nOpera comique vollendet, für deren Aufführung in diesem Monat\ndie Proben in vollem Gange sind.\nLiszt wird hier erwartet.\nDer Director der italiänischen Oper, Alex. Corti, hat auf\ndie Weiterführung der Direction verzichtet, was ihm contractmäs-\nsig nach einem Jahre frei stand. Die Erfahrung des vorigen Win-\nters hat ihm den Muth benommen.\nDer Componist Pietro Cambi, ein Venetianer, ist am 2. Juli\nzu Mailand plötzlich gestorben. Ein Schlagfluss tödtete ihn auf der\nStrasse. Im Anfange der 1840er Jahre machten seine Opern, be-\nsonders Luisa Strozzi, grosses Aufsehen. Er war erst 45 Jahre alt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-06-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-06_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-08-06_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "48", "page_fin": "48", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.2.6", "titre_corps": "An die Besitzer von Handschriften J. S. Bach’scher Werke.", "titre_sommaire": "An die Besitzer von Handschriften J. S. Bach’scher Werke.", "signature_source": "M. Hauptmann ; C. F. Becker ; J. Rietz ; O. Jahn ; Breitkopf ; Härtel", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.8", "debut_caractere": 3719, "fin_caractere_exclue": 5083, "texte": "An die Besitzer von Handschriften\nJ. S. Bach’scher Werke.\nMusik-Director M. Hauptmann; Organist C. F. Becker;\nCapellmeister J. Rietz; Prof. O. Jahn;\nBreitkopf & Härtel.\nEine schon früher erlassene Aufforderung von Seiten des un-\nterzeichneten Directoriums, die von der Bach-Gesellschaft unter-\nnommene Herausgabe der sämmtlichen Werke Bachs durch Mit-\ntheilung und Nachweis handschriftlicher Compositionen desselben\nzu unterstützen, ist nicht erfolglos geblieben und hat von verschie-\ndenen Seiten her schätzbare Mittheilungen veranlasst, lür welche\nöffentlich den aufrichtigsten Dank zu wiederholen, eine angenehme\nPflicht ist. Indessen sind ohne allen Zweifel noch viele handschrift-\nliche Hülfsmittel in einzelnen Sammlungen unbenutzt vorhanden,\nund die .Unterzeichneten erlauben sich um so zuversichtlicher, ihre\nbereits ausgesprochene Bitte zu wiederholen, da die ersten Bände\nihrer Publication jetzt vorliegen und die gesteigerte Theilnahme\ndes musikliebenden Publicums die regelmässige Fortsetzung dersel-\nben garantirt. Jeder Nachweis handschriftlicher Compositionen\nBach's, in der Urschrift oder in zuverlässigen Abschriften, wird\nwillkommen sein, so wie für die Benutzung oder Erwerbung der\nals brauchbar sich erweisenden eine angemessene Entschädigung\nbereitwillig geleistet werden wird.\nLeipzig, den 1. Juli 1853.\nDas Directorium der Bach-Gesellschaft:"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "41", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.1", "texte": "Ueber die Verbindung der Beethoven’schen Musik zu\nGöthe’s Egmont mit der Aufführung dieses\nTrauerspiels.\n\nEs ist eine allgemeine Klage der Musik- und Theater-\nfreunde, dass der reine Genuss an einer der herrlichsten\nSchöpfungen des Beethoven'schen Genius, an seiner Musik\nzu dem Trauerspiel Egmont, in der Regel bei den Auffüh-\nrungen der Tragödie auf der Bühne durch äussere Stö-\nrungen getrübt, ja, meistenteils geradezu unmöglich ge-\nmacht wird. Wir wollen daher den Herren Regisseurs der\nBühnen unsere Ansicht über eine Anordnung mittheilen,\nwelche bei der theatralischen Aufführung die Beethoven'-\nsche Musik als einen wesentlichen Theil des Ganzen auf-\nnehmen, dadurch die Darstellung eines gemeinsamen Wer-\nkes der Poesie und Tonkunst ermöglichen und die Unter-\nbrechungen und Beeinträchtigungen des Genusses beseiti-\ngen dürfte.\nIn leipziger Blättern wird neuerdings bei Gelegen-\nheit der Aufführung des Egmont geklagt, dass fast je-\ndesmal der klatschende Beifall, auch wohl der Herausruf,\nnach dem Fallen des Vorhangs eines Actes mit der Beet-\nhoven'schen Musik in Widerstreit kommt, und dass alsdann\ndas Zischen der Musikfreunde einen sehr unästhetischen\nKampf mit dem Applaus verursacht einen Kampf, der\nobenein eine nicht schmeichelhafte Auslegung für die Schau-\nspieler zulässt. Man schlägt desshalb dort vor, bei jedem\nActschlusse, mit Ausnahme des letzten, eine kleine Pause\neintreten zu lassen.\nWir glauben nicht, dass dies allein gründliche Abhülfe\nbringen könne. Unser Publicum ist einmal kein athenisches,\nes hält keine fünf Acte in gespannter Aufmerksamkeit aus,\nes muss dazwischen Raum zum Frischeluftschöpfen, zum\nTrinken haben. Ferner ist es gewohnt, in den Zwischen-\nacten, wenn es auch auf seinen Sitzen bleibt, die Anwe-\nsenden zu mustern, sich zu unterhalten, mit Einem Worte,\nzu thun, als wäre es bei sich zu Hause. Welches ist nun\ndas Mittel, dieser Gewohnheit entgegen zu treten ?\n7\nWer mit dem Volke etwas anfangen will, muss dessen\nCharakter, muss dessen Gewohnheiten kennen, und sein\nHauptstudium muss darin bestehen, durch eine gute Seite\ndes Charakters die schlechte, durch eine löbliche Ge-\nwohnheit die tadelnsvverthe zu bekämpfen. Dieser Grund-\nsatz wird von den zwei Behörden, deren Titel von\noder regieren herkommt, nämlich von der Regierung des\nStaates und von der Regie des Theaters, viel zu wenig be-\nachtet und praktisch geübt.\nDie löbliche Gewohnheit unseres Theater-Publicums\nist nun aber die, dass es einen ungeheuren Respect vor\ndem Aufziehen des Vorhangs hat. Sobald dieser\nmystische Schleier, der das Schicksal verhüllt, emporschwebt,\nberuhigen sich plötzlich die Wogen der Unterhaltung, die\nKöpfe entblössen sich im Parterre, die Fernröhre werden\nin den Logen an die Augen gedrückt, mit Einem Worte:\nAlles ist in Spannung.\nNun, diese festgewurzelte Sitte müssen wir zu Gunsten\nBeethoven's benutzen; sie gibt uns das wirksamste Mittel\nan die Hand, die Aufmerksamkeit der Zuschauer in Span-\nnung zu erhalten oder darein zu versetzen. Der Haupt-\nGrundsatz wird also sein müssen, die Musik so viel als\nmöglich, ja, wenn es irgend thunlich ist, immer, bei offe-\nner Scene erklingen zu lassen.\nNach diesem Grundsatze verfahren wir nun in folgen-\nder Weise.\nAm Schlüsse des ersten Actes fällt die Musik (Nr.\n2, A-dur2/A) unmittelbar auf das letzte Wort Bracken-\nburg's: „Du sollst mir dieses Bangen auf einmal\nverschlingen und lösen\" ein und spielt die 27 Tacte\ndes Adagio's, während Brackenburg sich noch einmal\nnach Klärchen's Zimmer hinwendet und dann langsam ab-\ngeht. Mit dem Schlüsse des Adagio's, der Fermate auf\n(S. 67 der Partitur), fällt der Vorhang. Nun tritt die ge-\nwöhnliche Actus-Pause ein.\nZum Anfangen des zweiten Actes wird das Zei-\nchen gegeben, worauf das Orchester das Allegro\nV 4, S. 67, beginnt. Gleich bei den ersten Tacten, späte-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "42", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.2", "texte": "stens beim Eintritt des Crescendo im zehnten Tacte, wird\nder Vorhang aufgezogen, so dass mit dem Fortissimo im\nzwölften Tacte die offene Scene den grossen Platz in Brüs-\nsel zeigt. Die Bühne bleibt leer, aber die Decoration ver-\nmittelt durch die Anschauung der Oertlichkeit, des Schau-\nplatzes der Ereignisse, das Verständniss der Musik, welche\nden Aufruhr in den Niederlanden schildert. Bei der Tact-\npause (Part. S. 7 6), welche jedoch nicht als Fermate, son-\ndern bloss in iempo gehalten werden darf, treten unter dem\nPiano der folgenden Schluss-Tacte die brüsseler Bürger\nheraus, Jett er und der Zimmermeister in den Vor-\ndergrund, einige andere können zur Belebung der Scene\nim Hintergrunde erscheinen. Die Musik umfasst von der\nerwähnten Generalpause an nur noch zwölf Tacte und\nschliesst auf E, da, wo das Wort steht. Das Uebrige\nist gar nicht von Beethoven, sondern ein von fremder\nHand daran gedickter Schluss. (Wir kommen unten auf\ndiese fremden Zuthaten zurück.)\nDen Schluss des zweiten Aufzuges bildet der Auftritt\nzwischen Oranien und Egmont. Oranien scheidet mit Thrä-\nnen um den Verblendeten und Verlorenen; Egmont bleibt\nallein und spricht : „Dass anderer Menschen Gedanken sol-\nchen Einfluss auf uns haben! Mir war' es nie eingekom-\nmen ; und dieser Mann trägt seine Sorglichkeit in\nmich hinüber.\" Mit diesem letzten Worte beginnt das\nLarghello Nr. 3 in Es. Egmont wirft sich gedankenvoll in\neinen Armsessel. So bleibt er (etwa I—-1 '/2 Minute lang)\nwährend der ersten 21 Tacte, aber mit dem Crescendo im\n22. Tact (S. 85 d. Part.) hebt er das Haupt; er springt\nauf, und aus seinem Auge strahlt wiederum der Gedanke:\n„Ich habe nie verschmäht, mit meinen Kriegsgesellen um\nkleinen Gewinnst das blutige Loos zu werfen; und sollt'\nich knickern, wenn's um den ganzen freien\nWerth des Lebens geht?\" lm 26. Tact (S. 86),\nin welchem alle übrigen Instrumente pausiren, gibt die erste\nVioline allein das f an, Achtelpause, dann das d, und auf\ndie folgende Achtelpause trete dann eine Fermate ein. Eg-\nmont spricht während der Achtelpause nach dem „ Weg!\"\nund während der Fermate: „Das ist ein fremder\nTropfen in meinem Blute\" u. s. w. bis zum Schluss, worauf\ner schnell abgeht. Die Scene bleibt offen; unmittelbar\nnach seinem Abgange (wird applaudirt, so warte der\nDirigent einen Augenblick) fallen beide Violinen mit der\nschmerzlichen Antwort auf seine letzten Worte in den No-\nten ces b as, die nach Es-dur zurück leiten, ein, und in\ndem folgenden zweiten Abschnitt des LargheUo's zieht die\nSorge Oraniens, zieht die Ahnung der ganzen Schwere die-\nses Augenblickes in der Wagschale des Geschicks des\nHelden noch einmal in Tönen an unserer Seele vorüber;\nwohl blinkt hier und da ein freundliches Lächeln der Liebe,\n„von seiner Stirne die sinnenden Runzeln wegzubaden\",\nhindurch, aber die letzten fünfTacte, während welcher der\nVorhang sehr langsam fällt, scheuchen mit ihren leisen Pau-\nkenschlägen unsere Gedanken wieder in Nacht. Auf\ndiese Weise dürfte es möglich werden, eines der schönsten\nDenkmale der Tonkunst in seiner ganzen Bedeutung für\ndie dramatische Situation und in seiner vollen Wirkung auf\ndas Gemüth der Zuschauer hinzustellen.\nSchwieriger wird die Einrichtung der Musik zwischen\ndem dritten und vierten Aufzuge. Der dritte Act\nbeginnt nach einer Pause ohne musicalisches Vorspiel. Den\nSchluss desselben bildet die Scene zwischen Egmont und\nElärchen. Hier müssen wir durchaus an die Darstellenden\ndieser Rollen die Forderung stellen, nicht bloss an ihre\nKunst, sondern an die Vereinigung der Schauspielkunst mit\nder Musik zu denken und an die Wirkung beider zusam-\nmen. Nach Egmont's Worten: „Das ist dein Egmont!\"\nfallt das Orchester ein mit dem ersten Tact von Nr. S(V 4\nTact C-durJ,und mit dem Verhallen der Fermate der Oboe\naul dim zweiten Tact spricht Klärchen: „So lass mich\nsterben! Die Welt hat keine Freuden auf diese!\" Darauffällt\ndas Orchester wieder ein, die Oboe leitet zu dem\n% Tact, und dieses wird bis zu der letzten Fermate auf dem\nDominantaccord von C(S. 113 vor dem Marsch) gespielt.\nBei dieser letzten Cadenz der Oboe fällt der Vorhang lang-\nsam nieder. Die ganze Zeit, für welche wir das Verweilen\nder Gruppe aui der Bühne verlangen, beträgt nicht mehr\nals zwei Minuten, und wir fragen: Ist das ein Opfer zu\nnennen, welches die Darsteller der Tonkunst bringen, im\nVergleich zu manchen anderen in bekannten Opern? Ist\nes angenehmer für den Gouverneur im Don Juan, an 10\nbis 1 2 Minuten steif wie Stein zu Pferde zu sitzen, oder\nfür die Julie in den Montecchi und Capuletti, eine Viertel-\nstunde im Sarge zu liegen, oder lür die Elisabeth im Tann-\nhäuser, sich von der Wartburg im Sarge herab schleppen\nzu lassen, als für Egmont und Klärchen, uns zwei Minuten\nlang ein schönes lebendes Bild zu geben, während eine\nMelodie, wie sie nie wieder gefunden wird, uns sagt:\nUnd immer klingt es nach in ihren Herzen:\nGlücklich allein ist die Seele, die liebt!\nWir kommen zum vierten Aufzug. Er beginnt mit\nder Marcia vivace in C-dur(S. 113 d. Part.); der Vor-\nhang wird gleich bei den ersten Klängen der Trompeten\nund Pauken aufgezogen. Mit dem Trio in ,(S. 117)"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "43", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.3", "texte": "treten, wie es Beethoven hier selbst schon vorgeschrieben\nhat, die Schauspieler während der Musik von zwei verschie-\ndenen Seiten heraus, schleichen sich langsam näher der\nVorderbühne und fangen nach dem Ende der Musik leise\nund furchtsam an zu sprechen. Hier ist aber wohl zu mer-\nken, dass die Musik mit der Dominante der Haupt-Tonart\nam Schlüsse des Trio's abbricht (S, 120 beiFine); eine\nWiederholung des Marsches, in der Partitur durch ein\ndal Segnobezeichnet, darf nicht Statt finden, noch weni-\nger die angeflickte Cada gespielt werden die erste Vio-\nline schliesst im Pianissimo auf g, und darauf beginnen un-\nmittelbar die ängstlichen Bürger eben so leise ihr Gellüster.\nAm Schlüsse des vierten Aufzuges fallen die Violinen,\nHörner und Trompeten (Nr. 6, S. 121) unmittelbar nach\nEgmont's Worten, mit denen er seinen Degen abgibt: „Er\nhat weit öfter des Königs Sache vertheidigt, als diese Brust\nbeschützt\" ein; der Dirigent muss das erste Viertel\nschon auf das Wort „beschützt\" niederschlagen, damit bei\ndem zweiten der schneidende Accord scharf und plötzlich\neintrete. Bei der Fermate auf wendet sich Egmont und\ngeht ab, während das Largliettobeginnt; die GewafFneten\nfolgen ihm, langsamer noch Ferdinand, Alba's Sohn. Alba\nbleibt stehen und blickt ihm nach; dieses stumme Spiel fin-\ndet während der 14—16 Tacte des Larghetto's Statt,\ndann fällt der Vorhang.\nDer fünfte Aufzug beginnt. Bei Eröffnung der\nBühne sehen wir die offene Strasse in der Dämmerung des\nMorgens. Das Orchester fängt mit dem Heben des Vor-\nhanges das Andante agitato(S. 125) in Es-dur an und\nspielt es fort bis zum Schluss (S. 134) auf der Fermate\ndes Fagotts und der Clarinette auf dfb (der Schwanz\nvon 12 Tacten bleibt auch hier wie natürlich weg). Schon\nwährend der letzten 16 Tacte treten, wie Beethoven es\nhier wieder selbst vorgeschrieben hat, Klärchen und Bracken-\nburg heraus, der letztere Klärchen immer zurückhaltend,\ndie mit flehenden Gebärden vorwärts zu dringen sucht.\nVon hier an ist nichts mehr zu erinnern, indem Göthe\nund Beethoven selbst schon Alles geordnet haben. Beide\nhaben durch die Vorschrift, dass die Musik Nr. 7 Larglietto\nin D-moll,Klärchen's Tod bezeichnend, bei offener, leerer\nScene ertönen solle, das schon angedeutet, was wir für die\nganze Aufführung in Anspruch nehmen.\nFür die Herren Orchester-Dirigenten sowohl in Thea-\nter- als in Concert-Aufführungen bemerken wir nun noch,\num die Verwirrung zu beseitigen, welche die mancherlei\nSternchen, dal-Segno- und Coda-Zeichen u. s. w. in den\nStimmen und der Partitur anzurichten pflegen, dass die\nNummern 2, 5, 6 nur bis „Fine\" von Beethoven\nherrühren und bis dahin ohne alle Beachtung der Sternchen\nund Wiederholungszeichen gespielt werden müssen, welche\nbei einigen Schlusstacten stehen; die Schlüsse sind von\nfremder Hand dazu gemacht, angeblich zum Behuf der\nAufführungen in Concerten, und die vor diesen Schlüssen\nalsdann wegzulassenden Beethoven'schen Tacte sind mit\nzwei Sternchen eingeschlossen, z. B. Part. S. 78 der 3.\nund 4. Tact, S. 13 2 135 gar 21 Tacte! Bei der ersten\nVersendung der Orchester-Stimmen lag ein Blatt bei, wel-\nches von diesen Aenderungen und Zusätzen Nachricht gab;\nnachher scheint diese Beilage vernachlässigt worden zu sein,\nund die Partitur, welche später erst gedruckt wurde, ent-\nhält gar kein belehrendes Vorwort über diese Sache.\nAber auch bei Concert-Aufführungen muss die reine\nBeethoven'sche Musik ohne Auslassungen und Zuthaten ge-\ngeben werden; nur muss das verbindende Gedicht der Art\nsein, dass es die unvollkommenen Schlüsse der Musikstücke\nunmittelbar durch das Wort aufnimmt und dann durch die\nPoesie des Inhalts das ausspricht, was Beethoven durch\nseine Töne vorbereitet hat. Wir gedenken darauf zurück\nzu kommen.\n\nL. B.\n\nPariser Briefe.\n\nDa die Musik und die Musiker jetzt wenig oder gar\nkeinen Stoff zur Besprechung geben, so wollen wir die mu-\nsicalischen Schriftsteller vornehmen, und siehe! wir stossen da\nauf eine reiche Fundgrube des Unterhaltenden und des Lang-\nweiligen, ja, genau genommen, des Unterhaltenden, das aus\ndem Langweiligen entspringt. Das klingt paradox, und doch\nist es wahr. Denn gibt es etwas Langweiligeres als die Pe-\ndanterie der Musikgelehrten? Macht diese aber so wunder-\nliche Sprünge, als in einigen der neuesten pariser musica-\nlischen Schriften, so ist diese Wunderlichkeit wenigstens\ntheilweise wiederum ergötzlich.\nHerr Kastner z. B. ist ein grundgelehrter Musiker\nund Geschichtsforscher und bringt uns ein grosses Werk\nüber die Musik zu dem Todtentanz. Ehe er aber\nauf die Musik kommt, stellt er eine lange Reihe philoso-\nphisch-historischer Betrachtungen über die Vorstellung der\nverschiedenen Völker vom Tode an; dann forscht er nach\nder Entstehung der Idee vom Todtentanz im Mittelalter,\nund endlich beschreibt er uns alle die Instrumente, welche\nbei Dichtern und Malern des Todtentanzes vorkommen. Er\nzählt deren wenigstens 40—50 auf, geht beiläufig bis auf"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "44", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.4", "texte": "die Sündilut zurück und schliesst mit der Composition\neiner neuen Musik zu einem Todtentanz mit Benutzung al-\nler Mittel des heutigen Orchesters! Lassen wir ihn und die\nTodten ruhen!\nErgötzlicher, wiewohl nicht weniger langweilig, wenn\nman sie ganz durchlesen wollte, sind Hrn. Castil-Bla-\nze's zwei dicke Bände über Moliere als Musiker\n(Moliere murinen). Sie enthalten das wunderlichste, pos-\nsierlichste, mitunter originellste Zeug, das seit langer Zeit\nin Frankreich gedruckt worden ist. Da kein Buchhändler\ndie Perlen in diesem Wust zu schätzen wusste, so ent-\nschloss sich Castil-Blaze zum Selbstverlag in Paris eine\nseltene und stark verrufene Sache.\nCastil-Blaze verdankt seinen Uebersetzungen italiäni-\nscher und deutscher Operntexte die Bekanntschaft seines\nNamens; er war es, der auch den Freischütz\nbois zuerst auf die französische Bühne brachte. Aber mit\n/\ndem Rufe eines Dichters konnte der Mann sich nicht be-\ngnügen, der da wusste, dass sein Gedächtniss die Harmo-\nnielehre inne hatte, dass sein Verstand die contrapunkti-\ni —•\nsehen Regeln begriffen, und dass er die Geschichte der Mu-\nsik von Jubal bis auf sich selbst an den Fingern hatte.\nWie sollte bei all diesem Wissen nicht auch der Born der\nTöne in seinem Innern quellen? Er entschloss sich zum\nComponiren.\nMit den Uebersetzungen und Bearbeitungen hatte er\nGlück gemacht und einiges Vermögen erworben; aber sein\nGeist trachtete nach Höherem: Original-Texte und Origi-\nnal-Partituren sollten die Stufen sein zu dem Throne, von\nwelchem herab er die Kunst neu gestalten wollte. - Ich\nwar\", schreibt er, „von der tiefen Ueberzeugung durch-\ndrungen, dass ich die Zukunft der Oper in meiner\nHand hatte; aber eine weit verzweigte Verschwörung un-\ntergrub mein Wirken: die Theater-Directionen, die Künst-\nler auf und vor den Brettern, die Dichter, die Journa-\n- v«' I •\nlisten, Alles verband sich, mich nicht aufkommen zu las-\nsen.\" Er erzählt uns, wie Boieldieu ihn zum Mit-Com-\nponisten einer dreiactigen Oper angenommen, aber nach\nder Durchsicht der ersten Nummern von seiner Arbeit sich\nentschlossen habe, die Oper allein zu componiren „aus\nFurcht vor der schlagenden Nebenbuhlerschaft\" ! Ferner,\nwie Scribe sich wiederholt verpflichtet, ihm einen Text zu\nliefern, und wiederholt von den Directoren der grossen und\nder komischen Oper gewarnt worden sei, die ihm gedroht\nhätten, alle seine Stücke und Opern nie mehr zu geben,\nwenn er dem Hrn. Castil-Blaze einen Text schriebe!\nNun wandte er sich an die Concert-Gesellschaft des\nConservatoriums. In den Proben wurden Bruchstücke aus\nseinen Werken mit Enthusiasmus aufgenommen, weil man\nsie für Compositionen eines ausländischen Meisters hielt.\n„Sobald ich mich alsComponisten derselben nannte,\" fährt\ner fort, „wurden sie vom Programm gestrichen. End-\nlich erhielt ich von der Direction des italiänischen Theaters\nden Auftrag, eine Opera buffazu schreiben ich gehe\ndarauf ein, schreibe zwei Acte fertig, man ersucht mich mit\nSpannung um eine Probe. Nichts war mir erwünschter. Ich\ngebe einen Act zum Besten; aber siehe da! ein Terzett\nvon triumphirender Neuheit (d nottveaute)\nmacht eine solche Wirkung, dass die Oper nicht gege-\nben wurde, weil berühmte Componisten (Rossini war da-\nmals auch in Paris) den ungeheuren Erfolg ahneten und\neifersüchtig wurden.\"\nDu wirst denken, ich schiebe dem Verfasser boshaft\nmeine Feder unter. Nichts weniger, als das. Wenn Dir\ndas Buch je in die Hände kommt, so schlage Band 11. S.\n261 u. ff. auf, und Du wirst alles das lesen, was ich an-\ngeführt habe.\nIndess, nichts schreckte Castil-Blaze ab. Er sah ein,\ndass die wahre Oper der Zukunft nur erstehen könne, wenn\nDichter und Componist sich in Einem Genie vereinigten.\nIch bitte Dich nochmals, dies nicht für einen schlechten\nWitz auf Richard Wagner in Deutschland zu halten; es\nliegt gedruckt zu Jedermanns Einsicht vor. Folglich\ndichtete er sich eine Oper in vier Acten, unter dem Titel\nBeelzebub (Belzebuth■), wozu ihn wahrscheinlich Kind's\nund Weber's Samiel begeistert hatten. Er setzte sie in Mu-\nsik, und sie erlebte in Montpellier (wenn ich nicht irre,\ndem Geburtsorte des Dichter-Componisten) eine Aulfüh-\nrung; niemals konnte sie auf ein pariser Theater dringen,\nund (ich übersetze wörtlich) „so verstiess und ver-\nschmähte Frankreich, ohne nur eine Note davon kennen\nlernen zu wollen, die vollendetste Oper, welche\nseit Wilhelm Teil geschrieben worden, aus dem\neinzigen Grunde, weil ein Franzose der alleinige Autor die-\nses geächteten Werkes ist (de cet ouvrage proscrit:!\"\nBist Du nun überzeugt, dass auch die Franzosen Com-\nponisten haben, welche von dem genialsten Selbstbewusst-\nsein belebt sind? Doch höre weiter!\nCastil-Blaze verliert den Muth nicht. Er verkündigt\nuns, dass er sich an das Staats-Oberhaupt wenden wird,\num Gerechtigkeit zu erlangen. Napoleon 111. hat Frankreich\naus den Klauen der geheimen Gesellschaften gerettet, aber\ner hat die Tonkunst nicht von dem Joche der eben so ge-\nfährlichen Verbindungen befreit, trotzdem dass diese sich of-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "45", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.5", "texte": "fen zeigen. Diese grosse Aufgabe bleibt ihm noch zu lösen.\nUnd wenn er das staatliche Geschick der Nation geordnet\nhaben wird, wenn es ihm vergönnt sein wird, zu den Ke-\ngionen der Künstler herabzusteigen, dann wird der Coin-\nponist des Beelzebub ihn um eine Viertelstunde Gehör bit-\nten und ihm sagen (wörtlich): „Sire, eine grosse voll-\nständige Oper in vier Acten, Text und Musik von Castil-\nBlaze, aufführen zu lassen, sie in eine Feste zu bringen,\nwelche sie gegen die nichtswürdigen oder wuthentbrannten\nAngriffe der Räuberbanden der Coterieen und Handwerker-\nCoalitionen sicher stellt, das wird, zweifeln Sie nicht daran,\n7 ' •\neine That sein, die jenes Genie's, welches uns von dem er-\nschrecklichen Bösen, das Frankreich bedrohte, befreit hat,\nund jener gewaltigen Hand würdig ist, die mit einer einzi-\ngen Kraftanstrengung die hundert Häupter der Hydra er-\nwürgt hat!!\"\nIst es hiernach zu verwundern, dass die mehr als tau-\nsend Seiten des Buches, an nichts auf der Welt ein gu-\ntes Haar lassen ? Die französische Akademie, die Classe\nder schönen Künste, die Theater-Directionen, die Capell-\nmeister und Dirigenten, die Virtuosen und Sänger • Alles\nfindet keine Gnade vor dem unbarmherzigen Richter,\ndessen Beelzebub so verrätherisch in das Chaos, in das\nNichts, dem er enttaucht, wieder hinabgestürzt worden ist.\nAber wie kommt das alles mit Moliere zusammen?\nwirst Du fragen. Ja, das weiss der Himmel! Kurzum, es\nist da. In dem Präludium (denn „ Vorrede\" ist zu ge-\nwöhnlich) sagt uns zwar der Verfasser, dass sein Zweck\nsei, zu allen Stellen, welche in den Lustspielen Moliere's\ndie Musik berühren, einen Commentar geben zu wollen,\nund er widmet wirklich jedem Lustspiel ein Capitel; aber\ndieser Rahmen ist dermaassen elastisch, dass die Dehnbar-\nkeit des Gummi oder der Gutta Percha ein Mährchen da-\ngegen ist. An Sammellleiss hat der Verfasser es nicht feh-\nlen lassen, und man findet eine Masse historischer Notizen\nbunt durch einander. In das Capitel über das\n(der steinerne Gast) pfercht er z. B. erstens alles Literari-\nsche hinein, was sich über die Sage vom Don Juan auf-\ntreiben lässt, und zweitens eine Geschichte des Mozart'-\nschen Don Juan, mit dem Verzeichniss der Rollenbesetzung\ndieser Oper in Paris seit der ersten Aufführung derselben\nbis auf die Donna Anna der Grisi! Er hat alle Fächer\nund Schubladen seiner Registratur geleert und auf tau-\nsend Seiten kann man schon was Erkleckliches abdrucken\n—, und der arme Moliöre muss den Sündenbock abgeben\nund seine paar unschuldigen Aeusserungen über Musik\ndamit büssen, die schweren Lasten des gelehrten Compi-\nlators und noch obendrein die Wucht seines Zornes gegen\ndie Zeitgenossen zu tragen.\nParis, den 18. Juli.\n\nB. P.\n\nAdolph Henselt,\n\nder grosse Ciaviermeister und berühmte Componist, hat zwei\nTage hier in Breslau verweilt und war so freundlich, uns\nauch diesmal einen Hochgenuss am vorigen Sonntage, Mit-\ntags 12 Uhr, und zwar diesmal in der Officin der Herren\nBrettschneider und Regas, zu bereiten. Zu Hen-\nselt's Lobe noch etwas sagen zu wollen, heisst eigentlich\nHolz in den Wald fahren. Henselt ist eine so abge-\nschlossene, mit sich fertige Natur, seine Kunstrichtung ist\nstets eine so entschieden gediegene gewesen, dass in dieser\nHinsicht die Acten über ihn als geschlossen zu betrachten\nsind. Wir erinnern uns noch mit Freude an den Eindruck,\nden sein grosses, majestätisches Spiel, so wie seine herr-\nlichen, für uns ganz neuen Compositionen auf uns während\nseines ersten Aufenthalts hierselbst im Jahre 1837 mach-\nten. Die Gediegenheit seiner Werke, deren harmonische\nSchönheiten und eflectvolle neue Combinationen, wodurch\nuns das Pianoforte in einem bis dahin kaum gehörten Reich-\nthum erschien, machten es vergessen, dass wir einen Men-\nschen mit nur zehn Fingern hörten. lm Jahre 1842\nhielt sich Henselt vierzehn Tage hier auf, während wel-\ncher Zeit wir ihn alle Vormittage von 11 bis 1 Uhr hör-\nten und ihn so recht genossen. 1846 und 1850 war er\nebenfalls einige Tage hier und bereitete uns herrliche Ge-\nnüsse. Henselt's Spiel ist, wie gesagt, grossartig, maje-\nstätisch, jeder seiner Finger ist ein Riese, was um so mehr\nzu bewundern, da den Künstler die Natur in dieser Be-\nziehung durchaus nicht unterstützt hat. Seine Hand ist klein,\nund seine Finger waren keiner bedeutenden Spannung\nfähig. Da musste nun sein eiserner Fleiss nachhelfen; er\nreckte und dehnte seine Finger fortwährend auf gewaltsame\nW eise, was bekanntlich dieselben sehr steif macht; wie\nmusste er also üben und sich förmlich maltraitiren, um diese\nhohe Vollendung der Technik zu erreichen! Am vori-\ngen Sonntage hat uns Henselt besonders entzückt; wir\nfanden sein Spiel neben seiner Grossartigkeit noch inniger,\nperlender und zarter, als früher. Jeder Ton erscheint bei\nihm in allen Nuancen wie gemeisselt. Die ungeheure Kühn-\nheit seines Passagenspiels, sein perlendes Staccato in den\nschnellsten einfachen, so wie Terzenläufen beider Hände,\nsein Prall-Trillerchen, wie der Triller selbst, das Hervor-\nheben der Melodieen, mögen sie stecken, wo sie immer"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "46", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.6", "texte": "wollen, überhaupt das echt künstlerische Yerständniss und\ndas Natürliche seines Spiels reissen zur Bewunderung hin;\ndabei muss uns auch seine Ausdauer und Kraft in Erstau-\nnen setzen. Henselt spielte nämlich von 12 bis 1 '/2 Uhr\nzwölf Piecen, nachdem er schon von 10 '/2 Uhr, um sich\neinzuspielen, am Piano zugebracht hatte, und doch war bei\ndem letzten Stücke noch keine Spur von Ermattung zu\nbemerken. Der Aermste thut uns immer leid, da, so oft er\nBreslau besucht, bedeutende Hitze herrscht und er jedes-\nmal im Schweisse seines Angesichts arbeiten muss. Der\nKünstler brachte am Sonntag zu Gehör: die Ouvertüre\nzu Coriolan von Beethoven, für das Piano höchst\ngeist- und effectvoll arrangirt von Henselt (er spielte sie\nzweimal); fünf Lieder ohne Worte von Henselt,\nherrliche Compositionen voll Gemüth und Innigkeit; zwei\n\\\nEtüden von Chopin (in As-dur mit den Sexten und in\nA-moll), grandios gespielt; einen grossen Walzer von\nHenselt (neu) in Cis-moll,später schön erfunden\nund entzückend gespielt; grosse Sonate in D, von C.\nM. v. Weber, riss zur Bewunderung hin, noch mehr das\nConcertstück in F-moll von Weber, das Henselt\nmit geistvoller Bereicherung der Passagen und einiger har-\nmonischen Stellen in ungeheurer Weise spielte; endlich\nnoch auf vieles Verlangen die Vöglein-Etude und das\nPoeme d'amour,von Henselt echt ä Henselt gespielt.\nDas Instrument deutscher Mechanik, dessen sich der Künst-\nler zu seinen Vorträgen bediente, war von klangvollem,\nsonorem Tone und gereicht der Fabrik zur Ehre. Wir\ndanken dem grossen Künstler Henselt (der sich jetzt in\nSchlesien angekauft hat und gegenwärtig auf seinem Land-\ngute verweilt) für die hohen Genüsse, die er uns so bereit-\nwillig gespendet; möge er recht bald wieder zu uns kom-\nmen und- uns erquicken; solche Labung thut in unserer\nZeit wohl.\nBreslau, 26. Juli.\n\nHesse.\n\nAus München.\n\nEnde Juli 1853.\nIn meinem heutigen Briefe mache ich es mir zur Aufgabe, Ih-\nnen über diejenigen Theatergäste zu referiren, welche uns die In-\ntendanz vom Herbst 1852 bis jetzt als in der Oper beschäftigt\nvorführte. Den Reigen begann Frau Bochkoltz -Falconi, welche\nsich als Prima-Donna am Scala-Theater zu Mailand gerirte. Sie trat\nals Norma, Fidelio, Fides und Donna Anna auf, und gewann den\nBeifall des Publicums am meisten als Norma. Meiner Meinung\nnach ist Frau Bochkoltz-Falconi auf den Wendepunkt gelangt,\nwelchen jede Stimme, wäre sie auch die kräftigste, vollste und eben-\nmässigste, mit der Zeit leider erreichen muss. Frau Bochkoltz-Fal-\nconi hat eine besondere Kehlenfertigkeit, lässt sich aber durch diese\nhinreissen, überall, wo es möglich oder unmöglich, schön oder un-\nschön, Coloratureiy Fiorituren, Cadenzen anzubringen. Dass da-\ndurch jede Melodie, jede musicalische Phrase zerrissen, zerstückt\nund oft unleidlich gemacht wird, versteht sich von seihst. Ueber-\ndies fehlt der Dame jede höhere Auffassung, jede poetische Durch-\ngeistigung, sie weiss die Gestalten nicht zu beleben. Wir erblickten\nin ihrer Donna Anna durchaus nicht das durch die zugefügte\nSchmach, so wie durch den gemordeten Vater in ihrer tief-inner-\nsten Seele verletzte und von Schmerz überwältigte und racheglühende\nWeib. Ihre Leonore zeigte uns nicht das aufopfernde, Alles hin-\ngebende Weib, welches von nimmer rastender Sehnsucht und in-\nnerem Schmerz getrieben ihr einziges Glück darin sucht, ihre Se-\nligkeit, ihren geliebten Florestan zu befreien, und dann in uncr-\nmesslichen Jubel, in höchstes und himmlischstes Entzücken aus-\nbricht, nachdem sie ihn gerettet. Auch in Norma und Fides ver-\nmisste man grösstenteils die durch Ton und Spiel auszudrücken-\nden wechselnden Empfindungen und Leidenschaften. Frau Bochkoltz-\nFalconi trug alle diese Partieen mit grosser Gesangstechnik vor,\nwas aber durchaus nicht für den kalten, leblosen, oft communen Vor-\ntrag entschädigen konnte. Eben so beschränkte sich ihr Spiel auf\ndie gewöhnlichsten Handbewegungen; auch dünkte es uns oft,\nFrau Falconi eher auf der Promenade als auf den Brettern zu\nerblicken, so ungenirt und gegen alle Bühnen-Aesthetik verstossend\nwar ihr Auftreten, ihre Haltung, ihr Gang. Dass ich einen so streng\nkritischen Maassstab an die Leistungen dieser Dame lege, mag seinen\nGrund darin finden, dass dieselbe schon mit einem bedeutenden\nRufe hieher kommend in manchen Blättern als eine der hervor-\nragendsten, sowohl in Gesang als Spiel ausgezeichneten Sängerinnen\nerwähnt wurde, wrodurch sie unsere Erwartungen ziemlich hoch\nspannte, denen sie leider durchaus nicht entsprach. Die Zweite im\nReigen war Fräulein Me quill et von der grossen Oper zu Paris,\nwelche nur einmal und zwar als Fides auftrat, und uns durch ausge-\nzeichnetes Spiel und treffliche Auffassung die bereits abgenutzten Stimm-\nmittel fast vergessen machte; sie erwarb sich besonders im vierten\nActe den stürmischsten Beifall. lnFräulein Löwenstein, erster\nSängerin aus Nürnberg, lernten wir eine sehr jugendliche, zwar\nstimmbegabte, aber ganz unerfahrene Anfängerin kennen, welche\nsich erkühnte, als Donna Anna, Valentine und Martha aufzutreten.\nWie diese Leistungen ausfielen, lassen Sie mich verschweigen. Dem\nFräulein Kern, erster Sängerin vom grossherzoglichen Hoftheater\nzu Darmstadt, sind wir in so fern Dank schuldig, als durch ihr\nGastspiel zwei Opern auf das Repertoire kamen, welche seit Jah-\nren darin fehlten; das sind: Spontini's Vestalin, Gluck's Jphigenie.\nAusserdem sang sie noch die Norma. Fräul. Kern, welche vor 8\nJahren beiläufig im Hof-Operntheater zu Wien als dritte oder vierte\nSängerin engagirt war, hatte damals schon den Fehler, mit geschlos-\nsenen Zähnen zu singen; seitdem änderten sich die Zeiten, Fräul.\nKern wurde erste Sängerin, doch die Zähne blieben geschlossen.\nDie Töne werden durch diesen Fehler schrill und spitzig, es wird\nihnen die vielleicht inne wohnende Kraft und Fülle genommen.\nUebrigens sang Fräul. Kern die drei Priesterinnen mit grosser Cor-\nreetheit, schöner Auffassung und bedeutender Technik. Als Romeo,\nFides und Donna Anna hörten wir in jüngster Zeit Frau Dr.\nNimbs. Sie gewann sich die Gunst des Publicums in hohem Grade\nin der Darstellung des Romeo, welchen sie mit grossem Feuer und\nfast männlicher Kraft sang und spielte; auch die Rolle der Fides\ngab ihr Gelegenheit, sich auszuzeichnen; doch für eine Donna Anna\ngenügten ihre Stimmmittel nicht mehr. Letzten Sonntag (24.\nJuli) beschloss der überall gefeierte, bejubelte, Alles in Enthusias-\nmus versetzende, Deutschland wie im Triumphzuge durchziehende\nRoger seinen Gastrollen-Cyklus. Er sang den Propheten, Raoul,\nEleazar, Edgar, George Brown. So oft ich Roger noch hörte,, be-\ndauerte ich, dass er sich verleiten licss, von der komischen Oper\nzur grossen Oper überzugehen. Wäre dieser Schritt nicht gesejhe-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "47", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.7", "texte": "hen, dann hatte Roger jetzt nicht nöthig, nach den hohen Tönen oft\nängstlich zu haschen und dieselben trotz der klügsten Berechnun-\ngen dann und wann versagen zu hören. Als Prophet, Raoul und\nEleazar riss Roger das Publicum durch die seltene Vereinigung\nvon Vortrag, Auffassung und Spiel bei manchen Stellen mit sich\nfort, ohne übrigens Hrn. Härtinger vergessen machen zu können;\njedoch als Edgar und George Brown, wahrhaft unübertreffliche\nLeistungen, entzückte er das Publicum dermaassen, dass es vor Ju-\nbel und Enthusiasmus kaum zu sich kam.—Dem Vernehmen nach\nkommt Johanna Wagner her; ich freue mich, sie wieder in\nmanchen Rollen zu hören, und werde nicht ermangeln, Ihnen über\nihre Erfolge zu berichten.\n\nE. Dr.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nJHLöln« Johanna Wagner ist am 30. v. Mts. hier durch\nnach Soden gereist, um dort vier Wochen lang die Bäder zu ge-\nbrauchen. Von da wird sie ihren ferneren Urlaub zu Gastspielen\nin München und W i e n benutzen.\nDie Liedertafel und die musicalische Gesellschaft\nhaben am 31. v. Mts. eine Sängerfahrt auf dem Rheine veran-\nstaltet. Die Theilnahme war sehr zahlreich, dennoch herrschte auf\ndem geräumigen und prächtigen Dampfschiffe „Prinz von PreusseiV4\ndie grösste Ordnung und Bequemlichkeit. Fräulein Agnes Bury,\nschon in London dazu eingeladen, verherrlichte die Fahrt als\nEhrengast.\nHerr F. Röder, welcher in den letzten drei Jahren das Thea-\nter zu Riga mit grossem Erfolg geleitet, hat die Concession für das\nhiesige Stadttheater erhalten und wird dasselbe am 15. September\neröffnen.\nBerlin, 26. Juli. Gestern war im Opernhause Templer\nund Jüdin von Marschner. Die hiesige Oper hat unter den\ndeutschen Componisten der Gegenwart keinem so wenig Aufmerk-\nsamkeit zugewendet, wie Marschner. Es sind fast zwei Decennien\nher, seitdem das Werk in Rede gegeben worden ist, während an-\ndere Arbeiten Marschners kaum Berücksichtigung fanden. Marsch-\nner gehört zu denjenigen Meistern, deren musicalische Kunst eine\necht deutsche ist, die sich sowohl von italiänischem wie französi-\nschem Einflüsse fern zu halten gewusst haben, in deren Schöpfungen\ndeutscher Charakter, deutsche Gemüthstiefe, deutscher Humor aus-\ngeprägt sind, und die mit allen diesen ursprünglichen Gaben deut-\nschen Fleiss und deutsches Wissen vereinigen. Schon um dieser\nEigenschaften willen, die einen bildenden Einfluss auf das Kunst-\nleben der Gegenwart ausüben könnten, sollte man ihn nicht zu\nden Veralteten zählen. Allerdings hat diese Oper einen gewissen\nMangel an dramatischer Consequenz; der Inhalt eines bändereichen\nRomans ist hier in einen verhältnissmässig kleinen Rahmen ge-\nfasst; es kommen Scenen vor, die man sich aus dem Zusammen-\nhange nicht recht erklären kann. Der erläuternde Dialog füllt seine\nStelle nicht ganz aus, indem er einerseits zu wenig gibt, anderer-\nseits gegenüber der dramatischen und oft tragischen Macht der\nMusik den Wunsch rege macht, durch Recilative gänzlich beseitigt\nzu sein. Immer aber enthalten die Marschner'schen Opern bei\nWeitem mehr als alles, was die französische Musik-Literatur in\nihrem Einfluss auf den Kunstsinn der Gegenwart zu Stande zu\nbringen vermag. Was den Templer und die Jüdin anlangt, so\nliegt der Hauptwerth dieses Werkes in der vortrefflichen Bearbei-\ntung des Chors (wovon man übrigens heut zu Tage fast gar nichts\nmehr versteht), in der Verschmelzung desselben theils mit der\ngrossen Arie, so dass diese, über ihm dahinschwebend, auf rein\nmusicalischem Unterbau sowohl Anmuth wie dramatisches Leben\nentfaltet, theils mit dem Liede oder der Romanze, für welche mu-\nsicalische Form der Componist hier die reichsten Schleusen seiner\nPhantasie öffnet. Zu diesen Säulen einer deutschen Oper gesellt\nsich oft, namentlich in der Form des Duetts, das kunstvollste und\nmit Geschmack ausgeführte Ensemble, eine reiche und üppige, aber\nkeineswegs überfüllte Instrumentation, die zuweilen in echt deut-\nscher Tonmalerei die glücklichsten Würfe macht. Danach ist es\nunbedenklich ein Verdienst der königsberger Gesellschaft, dieses\nWerk aus dem Staube hervorgeholt zu haben, wenn wir anderer-\nseits auch nicht sagen können, dass dem Schöpfer desselben durch\ndie Art der Aufführung eine sonderliche Ehre angethan worden\nist. Die Hauptrolle der Rebecca wurde von Frl. Köhler gegeben.\nLeider fehlt der Künstlerin jede Art des Charakterisirens sowohl\nim Spiel wie im Gesang, und der Mangel an Reinheit im Gesänge,\nzum Theil durch die schwierige Stimmlage der Partie bedingt,\nwurde durch einzelne voll und kräftig klingende Töne nicht ver-\ndeckt. Am meisten befriedigte unbedenklich Hr. Dr. Lieb ert, der\nim Einzelnen, besonders in dem: „Du stolzes England, freue dich\",\nüberraschende Wirkung durch Macht und Wohlklang seines Tones\nerzielte, so dass wir diesem Sänger nach der Art, wie uns seine\nMittel entgegentraten, richtige und ernste Studien wünschen\ndürfen, damit er sein Talent erfolgreich verwerthen lerne.\n** SSadeii-SSadeis. Seit Jahren ist der Zulluss von Frem-\nden nicht so gross gewesen, wie jetzt. Baden ist klein Paris, und\nzwar bis zum Lächerlichen. Ehrlich, Ernst und Sei ig mann\nhaben versucht, die Aristokratie des musicalischen Geschmacks bei\nder Aristokratie der Geburt und des Geldes zu repräsentiren\nsie haben nämlich in ihrem ersten Concerte am 16. Juli nur noble\nMusik gemacht, namentlich von Beethoven, und ohne Gesangs-Pro-\nduetionen. Sie sahen jedoch ein, dass sie dem populären Geschmack\nder hohen Gesellschaft etwas mehr Rücksicht tragen müssten, und\nführten im zweiten Concert am 23. Juli die Sängerin Wert he i ru-\nber aus Paris und den Sänger Lyon vor. Die Wertheimber\nmachte mit einer transponirten Arie von Verdi keine besondere\nWirkung, wohl aber mit einer Arie aus dem „Glockenspieler zu\nBrügge4' von Grisar. Ein Beethovcn'sches Trio für Piano, Vio-\nline und Cello wurde von den drei Virtuosen, welche an der Spitze\ndieser Concerte stehen, glänzend ausgeführt. Das dritte fand am l.\nAugust Statt; Kathinka Heinefetter sang darin. Am 20. soll\neine Art Musikfest sein, wobei es darauf abgesehen ist, Berlioz\nin Deutschland für die Unempfänglichkeit des pariser und londoner\nPublicums zu entschädigen.\n*** Ariilteim, 20. Juli. Unser zweites Damen-Concert der\nSommer-Cäcilia-Concerte in der schönen Halle des Gebäudes Musis\nSacrum mit seinen reizenden Garten-Umgebungen zeichnete sich\ndurch die Mitwirkung zweier Gäste aus Köln aus, des Hrn. E.\nKoch und des Hrn. L. Schreiber. Hr. Koch trug die herr-\nlichen Arien Weber s aus dem Freischütz und aus der Euryanthe\nmit dem edeln Klang seiner vollen Bruststimme und einem Gefühl,\nwie es nur dem vollkommen gebildeten Sänger vergönnt ist, es wie-\nderzugeben, mit ausserordentlichem Beifall vor. Und dennoch\nübertraf der meisterhafte Vortrag der Lieder von Schubert,\nDorn und Marschner fast noch jene trefflichen Leistungen!\nUnd wie anerkennungswerth war die Auswahl, welche Hr. Koch\ngetroffen — da war von keinem italiänischen oder französischen\nFlitterwerk die Rede: nur der echte deutsche Gesang, wie er auch\nuns Niederländern zum Herzen spricht, war vertreten, und wahrlich,\nwer den Vortrag dieser wahren Musik so in der Gewalt hat, wie Hr.\nKoch, der bedarf auch jener bunten Lappen nicht, die so manche\nSänger um die Blossen ihrer Kunst zu hängen gezwungen sind.\nHrn. Schreiber's Virtuosität auf der Trompete zu schildern,\nist ein Ding der Unmöglichkeit; er ist Sänger, Clarinettist, Violin-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "48", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530806-01.1.8", "texte": "spielor, kurzum, Alles auf der Trompete. An Orchestersachen hör-\nten wir eine Sinfonie von Kalliwoda und Ouvertüren von Ros-\nsini und Boieldieu. Was unser Musik-Dircctor Marx mit den hier\nvorhandenen Kräften zu machen versteht, wissen Sie aus eigener Er-\nfahrung; dieses Mal hatten wir aber noch besonders Gelegenheit,\nsein vorzügliches Talent zum Accompagniren am Piano zu bewun-\ndern, wobei er, namentlich für den Kenner, den vollsten Beweis\nfür seine musicalische Tüchtigkeit lieferte.\nISriissel« Einer unserer ersten Flötisten, Aerts von Boom,\nProfessor am Conservatorium, ist im Alter von 31 Jahren an einer\nlangwierigen Krankheit gestorben, wozu er den Keim schon im\nJahre 1841 gelegt hatte. Als Jüngling machte er eine Kunstreise\ndurch Deutschland, die Schweiz und Italien, und war 1840 wäh-\nrend der Saison in London.\nLeonard ist von seinen Triumphen in Russland zurückgekehrt\nund hat seine Lehrstelle am Conservatorium wieder angetreten.\n** Paris. Neun deutsche Sänger unter der Direction\ndes Hrn. Homann lassen sich auf dem Thedtre des Varietes'hören.\nKlangvolle Stimmen und ein geschmackvoller Vortrag von Gesän-\ngen von Mozart, Weber, Mendelssohn, Kreutzer u. s. w. verschaf-\nfen ihnen grossen Beifall und der Theater-Direction gute Einnah-\nmen. In diesem Augenblicke, wo hier die Theilnahme für die He-\nbung des Männergesangs gerade recht im Gange ist, kam dieser\nkleine Kern deutschen Chorgesangs recht gelegen. Die genannten\nSänger sind vom Theater zu Karlsruhe und erregen durch Rein-\nheit, Präcision und vollkommenes Ensemble Aufsehen.\n[Der Erfolg des kölner Vereins in London wird sicher eine\nMenge von Kcisen deutscher Sängerchöre, grosser oder kleiner, ins\nAusland veranlassen. Wir wünschen nur, dass man die Auswahl\nder Mitglieder dann immer recht gewissenhaft vornehme, damit der\nRuhm des deutschen Gesanges nicht befleckt werde. Denkt man\ndaran, wie vor einigen Jahren die so genannten 40 Sänger von den\nPyrenäen Deutschland durchzogen und die durch allerlei Markt-\nschreierei angelockten Zuhörer durch ihre erbärmlichen Leistungen\nenttäuschten, so ist es an der Zeit, dass ein tüchtiger deutscher\nChor den Franzosen einmal zeige, was wirklicher Gesang sei.]\n% —\nParis* Die Wiedereröffnung der grossen Oper wird am 10.\nAugust Statt finden, und zwar mit Meyerbeers Hugenotten,\nwofür die Chöre verstärkt werden sollen. Auch hat der Componist\neinige neue Nummern für das Ballet im dritten Act geschrieben,\nund im fünften Act wird eine neue Decoration das Innere der\nKirche darstellen, in welcher die Gesänge der Märtyrer ertönen.\nMad. Viardot ist von London zurück, wo sie binnen 42 Ta-\ngen in 36 Concerten gesungen hat. Der ausgezeichnete Pianist Fu-\nmagalli ist nach Italien gereis't, um dort eine Reihe von Concer-\nten zu geben.\nDer schönste Erholungsort ist jetzt der Jardin d'hiver in seinem\nSommergewande. In diesen grossen und prächtig durch Natur und\nKunst geschmückten Räumen, Sälen und Garten-Anlagen, in denen\neine zahlreiche Orangerie duftet, finden wöchentlich drei grosse\nAbend-Concerte Statt, Sonntags, Mittwochs und Freitags.\nHalevy hat eine neue Oper in drei Acten für das Theater der\nOpera comique vollendet, für deren Aufführung in diesem Monat\ndie Proben in vollem Gange sind.\nLiszt wird hier erwartet.\nDer Director der italiänischen Oper, Alex. Corti, hat auf\ndie Weiterführung der Direction verzichtet, was ihm contractmäs-\nsig nach einem Jahre frei stand. Die Erfahrung des vorigen Win-\nters hat ihm den Muth benommen.\nDer Componist Pietro Cambi, ein Venetianer, ist am 2. Juli\nzu Mailand plötzlich gestorben. Ein Schlagfluss tödtete ihn auf der\nStrasse. Im Anfange der 1840er Jahre machten seine Opern, be-\nsonders Luisa Strozzi, grosses Aufsehen. Er war erst 45 Jahre alt.\n\nAn die Besitzer von Handschriften\nJ. S. Bach’scher Werke.\nMusik-Director M. Hauptmann; Organist C. F. Becker;\nCapellmeister J. Rietz; Prof. O. Jahn;\nBreitkopf & Härtel.\nEine schon früher erlassene Aufforderung von Seiten des un-\nterzeichneten Directoriums, die von der Bach-Gesellschaft unter-\nnommene Herausgabe der sämmtlichen Werke Bachs durch Mit-\ntheilung und Nachweis handschriftlicher Compositionen desselben\nzu unterstützen, ist nicht erfolglos geblieben und hat von verschie-\ndenen Seiten her schätzbare Mittheilungen veranlasst, lür welche\nöffentlich den aufrichtigsten Dank zu wiederholen, eine angenehme\nPflicht ist. Indessen sind ohne allen Zweifel noch viele handschrift-\nliche Hülfsmittel in einzelnen Sammlungen unbenutzt vorhanden,\nund die .Unterzeichneten erlauben sich um so zuversichtlicher, ihre\nbereits ausgesprochene Bitte zu wiederholen, da die ersten Bände\nihrer Publication jetzt vorliegen und die gesteigerte Theilnahme\ndes musikliebenden Publicums die regelmässige Fortsetzung dersel-\nben garantirt. Jeder Nachweis handschriftlicher Compositionen\nBach's, in der Urschrift oder in zuverlässigen Abschriften, wird\nwillkommen sein, so wie für die Benutzung oder Erwerbung der\nals brauchbar sich erweisenden eine angemessene Entschädigung\nbereitwillig geleistet werden wird.\nLeipzig, den 1. Juli 1853.\nDas Directorium der Bach-Gesellschaft:"}]}