{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_sha256": "442c1bd0cb2d157d9446b4eed3a61626ed08a04946d178b6a6f1f5dc6ceb90e3", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/08/13_01/bmtnabi_1853-08-13_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-13_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "49", "page_fin": "51", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.2.1", "titre_corps": "Zur Musik-Philosophie.", "titre_sommaire": "Zur Musik-Philosophie.", "signature_source": "H. 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Wenn aber in sehr vielen anderen Din-\ngen die Deutschen sich in die Theorie dermaassen vergrü-\nbelten und einspannen, dass sie die Kraft verloren, die\nFlügel zum Leben zu entfalten und die That, als Frucht\ndes Gedankens, zu gebären, so war dies in der Musik nicht\nder Fall, indem die schaffenden Geister in dieser Kunst die\nbloss denkenden und forschenden bei Weitem überragten\nund durch geniale Schöpfungen oft Kunstwerke hinstellten,\naus denen die Theorie sich erst wieder weiter ausbildete\nund neue Grundsätze für die Wissenschaft der Kunst ent-\nwickelte.\nUnd jene grossen Tonkünstler schufen als wahre Dichter\naus der Unwillkürlichkeit des Genie's, überliessen es den\nGelehrten, mit dem Verstände und der Reflexion .an ihre\nKunstgebilde zu treten, und kümmerten sich - im Be-\nwusstsein der unmittelbar schaffenden Kraft, mit welcher\nsie in Tönen dichten mussten wenig darum, ob die\nWissenschaft, die Kritik und die Aesthetik ihre Werke\nmissverstand oder sie mit Geist erklärte.\nUnserer Zeit war die wunderliche Erscheinung aufbe-\nhalten, dass Musiker, praktische Musiker und Componisten,\nihrer Aufgabe nicht anders genügen zu können meinen, als\nwenn sie der Kunststatue ein Fussgestell von Wissenschaft\nunterbauen. Da werden denn Theorieen ergrübelt und\nSysteme erklügelt, auf denen das Heil der Musik beruhen\nsoll, und leider greift die schöne deutsche Sprache solchen\nscheingelehrten Phantastereien trefflich unter die Arme;\ndenn nirgends als in ihr „stellt da, wo Begriffe fehlen, ein\nWort zur rechten Zeit sich leichter ein\", und ihr Reich-\ntlium wird zum Fluche für ihre eigenen Kinder. Denn\nwahrhaftig, wenn man sich recht schlagend von dem Unsinn\nso mancher kunstphilosophischen Schriften, welche die Ge-\ngenwart gebiert, überzeugen will, so versuche man nur,\nsie ins Lateinische oder ins Französische zu übersetzen,\nund man wird sich überzeugen, dass das ein Ding der Un-\nmöglichkeit ist, weil sich die gesunde Logik dieser Spra-\nchen mit Haut und Haaren gegen jeglichen Unsinn sträubt.\nDa liegt mir ein dickes Buch von 394 Seiten vor, mit\nwelchem ein allgemein geschätzter Musiker, den Alle als\neinen trefflichen Kenner und Lehrer der Theorie, als einen\ntüchtigen Componisten, als einen Mann von scharfem Ver-\nstände und durchdringendem Urtheil kennen, auf einmal\ngewiss zum Erstaunen der musicalischen Welt in den\nKreis der Philosophen tritt und herbei eilt, einen schweren\nStein zu dem Thurmbau der musicalischen Babel herbei-\nzuschleppen! Das ist M. Hauptmann in Leipzig, und sein\ndickes Buch heisst:\nDie Natur der Harmonik und der Metrik.\nZur Theorie der Musik. Leipzig, bei Breitkop!\nund Härtel, 1853. Gr. 8.\nWas soll ich damit beginnen? Ihren Lesern einen Be-\ngriff von dem Inhalt geben? Das ist rein unmöglich; denn\nbedenken Sie nur, dass das Werk laut dem Verfasser selbst\n(Einleitung S. 5) „ein Anfang ist, der dahin leite, wo\ndie praktische Harmonie- und Compositionslehre ihren\nAnfang nimmt.\" Wollte ich mich nun auch in diesen\nAnfang zu einem Anfang als Anfänger in der Kunst-Philo-\nsophie einlassen, so sehe ich nicht ein, was das mir und\njedem Anderen helfen könnte, da wir auf S. 13 bereits be-\nlehrt werden, dass dieser Anfang eigentlich doch keiner ist.\nDenn „wie die organische Lehre kein Ende hat, hat sie\nauch keinen Anfang; Beides ist überall zu suchen\nund nirgends zu finden, da das Aeusserlich-äusserste,\nwie das Innerlich-innerste nur dasselbe Eine in sich ist.\"\nNun, wie wird Ihnen? Spüren Sie nicht so etwas von\neinem gewissen Mühlrad Göthc'schen Andenkens? Wahr-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4898, "texte": "scheinlich haben Sie mit vielen anderen Menschenkindern\nbisher das Wort der Schrift: „Suchet, so werdet ihr fin-\nden!\" vor allen Dingen auf die Wissenschaft und jegliche\nTheorie der Kunst übergetragen. Hier werden wir eines\nBesseren belehrt und dieser Satz des Verfassers ist\nwirklich eine Wahrheit. Es liegt ein Werk vor uns, das in\nder That überall sucht und nirgends etwas findet. Oder\nhalten Sie es für möglich, dass eine Lehre fassbar sei, die\nkeinen Anfang und kein Ende, also nur eine Mitte und\nzwar diese wieder ohne Anfang und ohne Ende hat?\nSie sehen, auch ich mache Fortschritte im Definiren.\nIch kann nichts Anderes thun, als in die Scheuer un-\nserer Stoppellese einige Garben von diesem Felde ein-\nfahren, und muss es Geduldigeren und Scharfsichtigeren,\nals ich bin, überlassen, etwaige Körner aus ihnen heraus-\nzuklauben oder leeres Stroh zu dreschen. Das ganze\nBuch zu lesen und zu studiren, ist aber allen zu rathen,\ndie da (S. 248) „darüber zur Klarheit kommen wollen,\nauf welche Art und Weise sich das macht, was sich\nvon seihst macht!\"\nHier folgen meine Garben. Lassen Sie davon so viel\noder so wenig drucken, als Sie wollen; in jedem Falle\nwerden die Leser Ihrer Zeitung daran genug haben.\nS. 8. „Die Richtigkeit, d. i. Vernünftigkeit der musi-\ncalischen Gestaltung hat zu ihrem Formationsgesetz die\nEinheit mit dem Gegensatze ihrer selbst und der\nAufhebung dieses Gegensatzes: die unrait-\ntelbare Einheit, die durch ein Moment der Entzwei-\nung mit sich zu vermittelter Einheit übergeht.\"\n(Bitte, lesen Sie dies noch einmal, aber ohne dabei an die\nWorte zu denken, mit denen Schiller seinen Talbot in der\nJungfrau von Orleans sterben lässt.) „Dieser Process kann\nsich nur immer wiederholen an dem, was als unmittelbare\nEinheit gesetzt ist, oder als Resultat eines vorhergegange-\nnen Processes gegeben wird. So wird die Einheit des Klan-\nges, mit sich selbst vermittelt, den Dreiklang, die Einheit\ndes Dreiklangs, mit sich selbst vermittelt, die Tonart ent-\nstehen lassen. Allein der Klang auch selbst ist schon eine\nsolche aus sich getretene, mit sich selbst vermittelte Ein-\nheit, wie alles Wirkliche schon immer ein In-sich- und\nAusser-sich-sein als Eins enthält oder ist.\"\nS. 10. „Für den Eingang wird es nur erforderlich\nsein, von dem Begriff des Bildungs-Processes in seiner\nGanzheit, in der Einheit seiner drei Momente, die wir in\nerster Aeusserung als die Intervalle der Octav, Quint\nund Terz kennen lernen, eine innerliche Vorstellung zu\ngewinnen, von dem Begriffe, der überall derselbe ist und\nbleibt, in jeder Bildung und Urnbildung: dem, dass etwas,\ndas für die Anschauung zuerst in unmittelbarer Totalität\n(Octav) besteht, in seinen Gegensatz mit sich (Quint) aus\neinander trete, und dieser Gegensatz sich wieder aufhebe,\nu n das Ganze als Eins mit seinem Gegensatze (Terz) als\nin sich vermitteltes Ganzes wieder hervorgehen zu lassen.\nln den allgemeinen Sinn (??) dieses Begriffes eingehend,\nwird man bald zugeben müssen, dass er nur die Mo-\nmente alles Erkennens überhaupt in sich zu-\nsammenfasst (Bravo!) und dass ein Weiteres für die\nErkenntniss nicht mehr denkbar ist eben wie der Zu-\nsammenklang etwas Consonantes nicht weiter zulässt,\nals die Intervalle der Octav, Quint und Terz, die uns bei\nfernerer Betrachtung werden verwandt ansprechen können\nden Begriffen des Fuhlens, des Verstehens und des gefühl-\nten Verstehens, das ist als Gefühl, Verstand und\nVer n un ft.\"\nS. 19. „Nicht das In-sich-sein, oder todte Ver-\nharren in der Ruhe, und nicht das Aus ser-sich-sein\nin der Bewegung ist klingend, sondern das Zu-sie h-\nk o m m e n.\"\n„Der Klang ist nur ein Durchgangs-Moment aus dem\nEntstehen in das Vergehen des Zustandes der Einheit.\"\nS. 2 2 werden die Begriffe von Octav, Quint und Terz\ngegeben. Von letzterer heisst es: „Die Terz: das Inter-\nvall, in welchem ein klingendes Quantum von vier Fünf-\ntheilen mit dem Ganzen des Grundtons zu vernehmen\nist. Hier bestimmt sich das fünfte Fünftheil, ein Quantum,\nvon welchem das gegebene Vierfaches, d. i. zwei-\nmal-Zweifaches ist. In der Quantitätsbestimmung von\nzweimal-Zwei, indem das Doppelte hier als Einheit\nzusammen genommen, im Multiplicanden, und zugleich als\nZweiheit aus einander gehalten wird, im Multiplicator, ist\nder Begriff enthalten der Gleichsetzung des Entgegenge-\nsetzten : der Zwei heit als Ei n heit.\" (Sagen Sie vielleicht:\nDa hört Alles auf? Falsch; ich behaupte, da fängt\nnichts an!)\nS. 37. (Von der Dur- und Mo II- Tonart heisst es:)\n„Sie sind der concrete Ausdruck eines fixen Gedankens.\"\n(Ei was! das ganze Buch ist das.)\nS. 39. [Moll-Dur-Tonart.) „In der Moll-Ton-\nart ist das negative Moment, die Negation des zuerst ge-\nsetzten positiven oder Z)i(r-Dreiklanges, zur Hauptsache,\nzur Mitte oder Tonica bestimmt.\"\nS. 77. „Es erhält die Harmonie selbst mit der Dis-\nsonanz erst ihren vollständigen Consonanzbegriff; denn ohne\nDissonanz bleibt die Consonanz bei der Unmittelbarkeit der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4647, "texte": "Octav-Einheit stehen und kann nicht zu ihrer Selbsterkennt-\nniss im Terzbegriff gelangen.\"\nS. 116. (Dominant-Septimen-Accord.) „Wir müssen\nuns in dieser Verbindung (li-D| den Begrill des in\nsich selbst verwendeten Tonartsystems denken. Die\nGränze verbunden als Mitte gesetzt, wird die 31 i 11 e\ngetrennt als Gränze heraustreten lassen.\" (In so fern\no\nder Horizont als Gränze der Mitte des sinnlichen Auges\ngedacht wird, scheint mir dies über die Gränze des geisti-\ngen Horizontes zu gehen.)\nS. 196. (Modulation.) „Die G-Dur-Tonart ist zu der\nC-Moll-Tonart keine verwandte. Der G-Z)ur-l)reiklang\nist an sich schon positiver, und primäre Bestimmung. Wo\ndiese aber als solche bestätigt wird, da ist der Begrifl der\nC-Moll-Tonart aufgehoben; denn das Negativ-setzen\ndieses positiv voraus-Gesetzten ist eben der we-\nsentliche Inhalt jenes Begriffes.\"\nS. 228. (Metrum.) Nachdem nachgewiesen ist, wie im\nvierzeitigen Metrum erster Schlag als Grundton, zweiter\nals Octav, dritter als Quint und vierter als Terz erschei-\nnen heisst es weiter:\n„Diese innige Vermittlung des Getrennt-Verbundenen\nund Verbunden-Getrennten, die vollendete Negation jedes\nnegirenden, ausschliessenden Momentes, ist das, was als\nWesen des Dreiklanges uns hier in metrischer Bestimmung,\nwie im Zusammenklange von Tönen, als harmonische Vollen-\ndung, überhaupt aber in jeder Weise der Erscheinung als\nvollendeter Begriff bestimmter Wirklichkeit ansprechen\nmuss.\"\n(So etwas freut mich alten Fahler!\nJe wunderlicher, desto respectabler.)\nS. 240. „ so ist eben bei solchen Gleichsetzungen\ndas Wesentliche des Begriffs dieser Momente, in den qua-\nlitativ verschiedenen Erscheinungen derselben, um so allge-\nmeiner zu fassen und fest zu halten. So können wir eben\nauch dieselben Bestimmungen im noch weit mehr abliegend\nscheinenden Objecte zur Begriffs-Einheit verbunden wieder\naufsuchen; wie z. B. in der Gliederung des Begriffes regu-\nlärer Körperlichkeit, oder der Räumlichkeit über-\nhaupt: wenn wir ihre verticale Direction, die Höhe als\nEinheit, die horizontal-bilaterale Direction, nach jeder\nRichtung in sich selbst entgegengesetzt, die Breite als\nZ weih ei t und Beides verbunden, als das Eine im Andern,\nin welchem Dritten eben jedes Zweiheits-Moment an der\nEinheit Theil nimmt und in ihr aufgeht, als Einheit der\nZweiheit, mithin als die Begriffs-vollendete Terz der\nVerbindung der Höheneinheit oder Octav mit der Brei-\ntenzweiheit der Quint, als den Schluss der Raumbestim-\nmung betrachten.\"\n(Was haben wir durch diesen Schritt gewonnen?\nTrifft man auch Proteus, gleich ist er zerronnen,\nUnd steht er euch, so sagt er nur zuletzt.\nWas Staunen macht und in Verwirrung setzt.)\nS. 243. „So ist im dreizeitigen Metrum die erste Zeit\ndas Starke im Starken; die zweite das Schwache\nim Starken und das Starke im Schwachen; die\ndritte das Schwache im Schwachen.\" (Man sieht,dass\ndas Schwache die Oberhand behauptet.)\nS. 248. (Dur-und Mo//-Begri!'!' als metri-\nsche Bestimmung.) „ dann wird, wie im harmo-\nnischen, so auch im metrischen J/o//-Begriff, die Zwe i he i t\nder Einheit ausgesprochen sein, wie der Dur-Begriffdie\nEinheit der Zweiheit ausspricht; und wenn die\nmetrische Zwei-Einheit des Dur-Begriffes ein Erstes und\nZweites als ein Ganzes enthält, so wird dieselbe im Moll-\nBegrifFe ein Zweites und Erstes zusammenfassen \"\nS. 264. „Wir können uns den metrischen Dur-Be-\ngriff als eine Beziehung des Gegenwärtigen zu einem\nZukünftigen, den metrischen Mol/-Begriff als eine Be-\nziehung des Gegenwärtigen zu einem Vergangenen\nvorstellen.\n„Die Gegenwart ist in Beiden das Positive, Vergan-\ngenheit und Zukunft das Relative.\n„Die metrisch-positive Folge verbindet ein Heut\nund Morgen; die metrisch-n e ga t iv e Folge verbindet ein\nHeut und Gestern.\" Und im weiteren Verlauf die-\nser Betrachtungen kommt auch ein Vorgestern und\nUebermorgen zur Geltung:\n„Die Form I—i_2 drückt einen natürlichen Zeitbegriff\naus; eben so die entgegengesetzte ~~l—i; die erste setzt\nMorgen als Heute zu einem anderen Morgen: dem\nUebermorgen; die zweite setzt Gestern als Heute\nzu einem anderen Gestern: dem Vorgestern.\"\nSoll man da weinen oder lachen? Für wen ist dieses\nBuch? Der Musiker kann nichts daraus lernen, der Philo-\nsoph wird mitleidig die Achseln zucken, und der gebildete\nLaie wird mit Chiron in der „classischen Walpurgisnacht\"\nsprechen:\nMein fremder Mann! als Mensch bist du entzückt,\nDoch unter Geistern scheinst du wohl verrückt.\nDie Verlagshandlung hat das Werk, wie alles, was\naus ihrer Officin hervorgeht, in sehr schönem Gewände\nvorgelegt, und wahrlich, die Resignation ist ehrenwerth, mit\nwelcher sie sich zum Druck eines solchen monströsen Cu-\nriosums entschlossen hat.\n\nH. W."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-13_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "52", "page_fin": "53", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.2.2", "titre_corps": "Londoner Briefe.", "titre_sommaire": "Londoner Briefe.", "signature_source": "C. 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Daraus lässt sich denn auch wohl erklären, dass\nJessonda, in früheren Jahren von Deutschen in deutscher\nSprache gesungen, wenngleich nicht mit solchen Gesangs-\nBerühmtheiten besetzt, wie gegenwärtig, nach der Versiche-\nrung zuverlässiger Zeugen damals eine weit grössere Wir-\nkung gemacht hat, als jetzt, wo sie, trotz aller Anerken-\nnung von Seiten der echten Musikfreunde und der Ken-\nner, trotz des Hervorrufes des ganzen Personals am\nSchlüsse der Oper noch vor dem Fallen des Vorhanges,\ndoch nur einen Succes d'eslime gehabt hat.\nEine eigentlich italiänische Oper haben wir nicht mehr\nin London; die italiänische Sprache ist nur noch das Mit-\ntel, durch welches uns die Opern der Componisten von\nRuf, mögen sie Italiener, Deutsche oder Franzosen sein,\nvorgeführt werden. Wovon sollte auch eine italiänische\nOper sich nähren, da Rossini nicht mehr schreibt, Bellini\nundDonizetti todt sind, und Verdi, der einzige Ueberlebende,\ntrotz allem Talent nicht im Stande ist, das ausseritalische\nPublicum dauernd anzuziehen? So lebte denn die Oper in\nLondon hauptsächlich von dem, was Meyerbeer, Rossini\nund Donizetti für die pariser Bühne geschrieben haben.\nDie deutschen Opern, mit Ausnahme von Beethoven s Fi-\ndelio, haben selbst Weber's Freischütz nicht ausge-\nnommen weniger Beifall bei dem londoner Publicum\nder italiänischen Oper gefunden einem Publicum übri-\ngens, und das darf man nicht ausser Acht lassen, welches\nwesentlich verschieden ist von demjenigen, das die kirch-\nlichen und sonstigen ('.oncerle in Exeter Hall besucht. Da\naber die Zug-Opern von Meyerbeer und Donizetti, z. B.\ndie Hugenotten, Lucrezia Borgia u. s. w., alle Woche wie-\nderholt wurden und dadurch bedeutend von ihrer Cassen-\nkraft verloren, so sah man sich wieder nach den deutschen\num und griff zu Spohr's Faust, und nun auch zu der\nJessonda, welche übrigens jedenfalls den Vorzug ver-\ndient hätte.\nDiese Erfahrungen haben ein Project ins Leben geru-\nfen, für welches sich auch Ihr Landsmann Karl Form es\nsehr lebhaft interessirt. Es ist dies der Plan, eine ene-\nc 1\nIi sc he Oper zu gründen. Natürlich kann damit nicht ge-\nmeint sein, eine National-Oper in dem Sinne zu schaden,\ndass nur Opern von englischen Dichtern und Componisten\ngegeben werden sollten: da würden wir bald am Ende sein,\nbesonders was die Componisten betrifft! Allein warum soll\ndie Masse des gebildeten Publicums in London den Genuss\nder musicalisch-dramatischen Meisterwerke des Auslandes\ndesswegen entbehren, weil es kein Italiänisch versteht, und\nweil die enormen Preise, welche noch obenein für das Un-\nverständliche gezahlt werden müssen, nur für die reichste Ari?\nstokratie berechnet sind ? Warum nicht versuchen, unsterb-\nliche Werke, wie Mozart's Don Juan, Zauberllöte, Figaro,\nBeethoven's Fidelio, Weber's Freischütz, Eurvanthe, Oberon,\nMeverbeer's Robert, Hugenotten, Prophet u. s. w., ins\nEnglische zu übersetzen und auf diese Weise namentlich\ndie deutsche Musik, für welche bei den Engländern im Gan-\nzen doch grosse Empfänglichkeit vorhanden ist, auf ganz\nandere und nothwendig viel eindringlichere Weise dem\ngrossen Publicum zugänglich zu machen, als dies durch\ndie Italiäner möglich war?\nUnd dann sprechen wir einmal ganz gerade heraus\nsind denn diese gefeierten Italiäner wirklich im Stande,\ndeutsche Musik zu singen? ja, wir gehen noch weiter, sind\nsie überhaupt nur willig dazu, in deutschen Opern aufzu-\ntreten? und was ist von Künstlern für die wahre Inslicht-\nstellung unserer grössten Meisterwerke zu erwarten, welche\nerstens sich nicht die Mühe geben, sie verstehen zu lernen,\nund zweitens nur pcir ordre de gezwungen werden,\nin ihnen zu singen? Und wie wenig wird am Ende noch\ndieser höhere Befehl des Unternehmers respectirt! Wer\nzählt die Leiden des Theater-Directors und des Capell-\nmeisters an einer italiänischen Oper in London, Paris und\nPetersburg?! Herr Gve hatte die Tenoristen Mario und\nTamberlick glauben Sie, dass er auch nur Einen von\nBeiden hätte bewegen können, in der Jessonda zu singen?\nNicht daran zu denken! Den Nadori hat Lucchesi, den\nPedro St ige lii gesungen und Lucchesi hat gezeigt,\ndass er, wenngleich nicht mehr mit ganzer Frische der\nStimme ein Mangel, den er mit Mario tlieilt —, mit\nUnrecht so wenig beschäftigt worden ist; denn er hat für\neinen Italiäner, dem die Spohr'schen Melodieen, Modula-\ntionen und Figuren spanische Dörfer sind, die Partie des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2199, "texte": "Nadori recht gut und auch mit Anerkennung von Seiten\ndes Publieums gesungen.\nBei so bewandten Umständen ist dem neuen Unter-\nnehmen einer englischen Oper im Interesse der Kunst alles\nGedeihen zu wünschen, und wenn die nölhigen Mittel und\ndie nöthige Einsicht bei der Leitung nicht fehlen, um die\nSache ein paar Jahre lang auch ohne Gewinn durchzufüh-\nren, so sind wir überzeugt, dass das Resultat schliesslich in\njeder Hinsicht ein lohnendes sein wird.\nDie Besetzung der Jessonda war folgende: Jessonda,\nMad. Bos i 0; Amazilv, Mad. Cast ell an; Tristan d'Acunha,\nSign. Beletti; Pedro, Sign. Sti gel Ii; Nadori, Sign.\nLucchesi; Oberpriester, Hr. Form es. Dirigent des\nGanzen war Costa und das Orchester vorzüglich. Die\nVerzögerung der Aufführung und in Folge deren die Un-\nmöglichkeit, dass Spohr, der sich nicht so lange aufhalten\nkonnte, selbst dirigirte, lag lediglich an den oben schon\nberührten Prätentionen der italiänischen Gesangs-Potenta-\nten. Der Bosio muss man jedoch die Gerechtigkeit wider-\nfahren lassen, dass sie ihre Partie gut und genau studirt\nhatte und vor Allem die beiden Arien, von denen das\nghello der ersten da capo verlangt wurde, sehr beifalls-\nwerth sang. Der tragischen Situation in der letzten Scene\nwar sie besonders in Hinsicht auf Spiel nicht gewachsen.\nDie Cast ell a n liess als Amazily nicht viel zu wünschen\nübrig; ihr Duett mit Jessonda und das bekannte mit Na-\ndori (das einzige Musikstück der Oper, welches durch die\nConcerte bereits populär geworden war) trug sie sehr schön\nvor. Von Lucchesi habe ich schon gesprochen; er hat\nsich durch seine Leistung gar sehr in Ansehen beim Publi-\ncum gesetzt schade, dass die Season zu Ende ist! Die\nausgezeichnetste Leistung war unzweifelhaft der Oberprie-\nster von Formes. Auffassung und Ausführung stellten sie\nobschon die Musik hier nicht eben so viel Gelegenheit\nzum Glänzen gibt neben die Darstellung des Sarastro\ndurch denselben Künstler. Der Tristan des Sign. Beletti\nwar eine correcte Sängerleistung, jedoch mangelte es an\nGeist und Feuer in Vortrag und Auffassung. Der Chor\nwar wie gewöhnlich schlecht.\nDie Königin, Prinz Albert und die königlichen Kinder\nwaren zugegen und blieben bis zum letzten Accord.\n\nC. A."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-13_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "53", "page_fin": "54", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.2.3", "titre_corps": "Aus Aachen.", "titre_sommaire": "Aus Aachen.", "signature_source": "B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.5", "debut_caractere": 2201, "fin_caractere_exclue": 6141, "texte": "Aus Aachen.\n\nDen 10. August 1853.\nVerehrter Herr Redacteur!\nEhe ich Ihnen über hiesige Musik etwas schreibe, muss ich Ih-\nnen meine Freude über den Artikel in der letzten Nummer Ihrer\nZeitschrift über Beethovens Musik zu Egmont mittheilen. Sie ha-\nben darin allen wahren Musikfreunden aus der Seele gesprochen;\nwenn nur Ihre Vorschläge bei den Bühnen-Directionen Gehör\nfinden!\nDie Uebelstände, welche bei der Aufführung des Egmont mei-\nstens eintreten und das Herz der Musikfreunde tief kränken, stehen\nleider nicht allein. Hier ging es neulich mit dem Fidelio, wenn\nauch in ziemlich gelindem Maasse, eben so, was besonders be-\ndauernswert!! war, da die Aufführung durch die Mitwirkung von\nFräulein Johanna Wagner im Ganzen eine hohe Vollkommen-\nheit erreichte.\nWas trübte denn eigentlich den Genuss an dem herrlichen\nWerke? Nun, der Mangel an schuldiger Pietät und Aufmerksam-\nkeit gegen die Musik in solchen Momenten, wo der Vorhang\nnoch nicht die sichtbaren Mysterien entschleiert\nhatte. Hier war es die Ouvertüre und die Einleitung /.um zwei-\nten Acte, welche mit obligatem Gepisper etc. etc. 7.11 Gehör kamen.\nMan glaubte vielleicht sich im Curgarten zu befinden und eine pa-\nriser Polka zu hören! Verzeihen Sic diese bittere Ironie, aber\nwas halten Sie für anständiger, wüthend wie ein Löwe, grob wie\nein Esel zu werden, oder sich zu schmerzlicher Resignation, ge-\npfeffert mit einem satirischen Beigeschmack, gestimmt zu fühlen?\nBesonders tief bedauerte ich, die Einleitung zum zweiten\nActe nicht deutlich hören und vollends nicht mit ganzem Gemiith\ngemessen zu können. Hier würde es nun eben so gut, wie im Eg-\nmont möglich sein, diese Musik bei offener Scene aufzuführen\nund es würde allen Musikfreunden erwünscht sein, wenn Sie, ver-\nehrter Herr Redacteur, auch hiefür einmal das Wort ergriffen.\nAbgesehen von eben erwähnten kleinen Störungen konnte die\nOper durch ihre treffliche Darstellung alle die mächtigen, tiefen\nEindrücke auf die Zuhörer ausüben, wie sie es wohl nur einzig\nvermag. Denn ich möchte fragen: ist wohl je der tiefste Schmerz\nso ergreifend ausgedrückt worden, und hat man auf der anderen\nSeite das höchste freudige Entzücken je mit so glänzenden,\nhinreissenden Farben geschildert, wie es in diesem Werke Beetho-\nven's geschehen ist?\nFür den ungeheuren Beifall des gefüllten Hauses nach der Be-\nfreiungs-Scene finde ich wirklich kein passendes Prädicat : enthu-\nsiastisch ist zu schwach dafür, und wahnsinnig mag ich nicht sagen;\nman muss es gesehen und mitempfunden haben.\nUnwillkürlich fiel mir dabei das noch immer ziemlich weit ver-\nbreitete Urtheil von Musikern ein, nach deren Meinung Beethoven\nin der Oper unvollkommen sein solle. Obgleich ich mich niemals\nzu diesem Glauben bekennen konnte, so war es mir doch heilsam,\ndass ein brennender Lichtstrahl mit Einem Male die leisen Zweifel,\ndie sich wie Nebel bei mir einzudrängen suchten, verscheuchte.\nTheorieen, welche uns solche Zweifel einzuflössen geeignet sind,\nhört man noch fast jeden Tag, und es wäre gewiss eine verdienst-\nvolle Arbeit für den Kunst-Philosophen, dieselben einmal durch\neinen ausführlichen Process zu neutralisiren. Man sagt immer.\"\n„Die wahre Kunst muss sich dem Schönen dienstbar beweisen;\nentfernt sie sich hiervon, so hat sie ihren Zweck verfehlt und ist\nkeine vollkommene Kunst. Das wahre Schöne darf nie die\nGränzcn des Natürlichen, nie das Ebenmaass überschreiten;\nalles darüber Hinausgehende sind Extravaganzen und Verirrungen\netc.\" Gut; aber man beweise nur erst einmal, wie und wo sich\nBeethoven denn von diesen „einzig wahren\" Grundsätzen entfernt\nhabe! Mit der blossen Behauptung ist da nichts gethan. Ist etwa\nder Montblanc weniger gross und schön als das Siebengebirge, weil\nwir einen ganz anderen Maassstab an ihn legen müssen ?\nEs kann einem Vernünftigen natürlich nicht einfallen, Propa-\nganda für Beethovens Fidelio machen zu wollen; es wäre so viel,\nals am Aequator den Ofen zu heizen. Allein offen und cntschie-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1427, "texte": "den denjenigen entgegenzutreten, die in der Oper einen dunkeln\nFleck in Beethoven's strahlender Sonne finden wollen, das halte\nich für verdienstvoll, und das möchte wohl eine interessante Auf-\ngabe für Sie, Herr Ilcdactcur, sein *).\nJohanna Wagner, unser ausgezeichneter Gast, hat uns leider\nschon wieder verlassen. Sic haben Fräulein Wagner als eine durch\nund durch dramatischc Sängerin bezeichnet: das ist sie denn\nauch vollkommen; denn man möchte sagen, dass bei ihr das Spiel\nden Gesang übertreffe, und doch wieder, dass ihr Gesang den\nkräftigsten Fonds besitze, um die höchsten tragischen Situationen\ndurch sich selbst darzustellen.\nDass unsere Oper in diesem Jahre wirklich ausgezeichnet ist,\nwissen Sie schon; dabeihaben wir immer auch noch tüchtige Gäste,\nund das Repertoire des Herrn FArronge bietet uns viel des Guten.\nAusser dem Theater haben wir in der Sommer-Saison nichts Gu-\ntes an öffentlicher Musik; leider hat das Curhaus-Comite alle clas-\nsischen Sachen aus dem Programm seiner Gartenmusik verbannt,\nsogar von Ouvertüren bekommen wir, trotzdem, dass die Kräfte da\nsind, selten oder nie eine gute zu hören; wir werden mit Kalli-\nwoda, höchstens Boieldieu etc. abgespeis t. Da wissen Sie genug.\nWir begreifen freilich nicht, warum dem aristokratischen Publicum\neine Ouvertüre von Mendelssohn, Weber, Mozart oder Beethoven\nnicht munden sollte. Sie würde wenigstens zur Nervenstärkung\nder Curgäste beitragen.\n\nB."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-13_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "54", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.2.4", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.6", "debut_caractere": 1429, "fin_caractere_exclue": 4982, "texte": "Aus Bonn.\nDen 8. August 1853.\nObgleich die Sommerzeit den in geschlossenen Räumen veran-\nstalteten Concerten im Allgemeinen nicht günstig ist, so hatten wir\nderen doch zwei, die beide ganz gut besucht waren. Das erste\nwurde am 7. Juli von Hrn. Prof. Breidenstein und dem von\nihm gebildeten Singvereine, theils mit Orgel-, theils mit Clavier-Be-\ngleitung, im akademischen) Musiksaale zum Vortheil des hiesigen\nFrauenvereins gegeben. Zur Aufführung kamen Mendelssohn's\nHymne für Sopran und Chor mit Orgel und Nr. 1 von desselben\nMeisters geistlichen Liedern für Alt, Chor und Orgel; Arie aus Ilän-\nders Messias: Ich weiss, dass mein Erlöser lebt etc., mit Orgel-\nBegleitung; zwei Hymnen von Cherubini und Motetto von Max\nBruch. Ausserdem spielte Hr. Prof. Breidenstein die grosseC-MoJl-\nFuge nebst Präludium von Seb. Bach, so wie nach einer freien\nFantasie Albrechtsberger's Fuge über BÄCII auf der Orgel mit\nFertigkeit und Sicherheit. Schade nur, dass das Häuflein derer,\ndie so etwas verstehen und zu würdigen wissen, so klein gewor-\nden ist. Freilich mit einer Polka hat so 'ne Bach'sche Fuge ver-\nteufelt wenig Achnlichkeit. Die Messias-Arie wurde von einer hie-\nsigen Dilettantin vortrefflich vorgetragen und von Prof. Breidenstein\nauf der Orgel sehr schön begleitet. Grossen und verdienten Beifall\nfand das Molen von dem 15jährigen Max Bruch aus Köln,eine Ar-\nbeit, die nicht minder wirksam ist, als sie von den gründlichsten\nStudien Zeugniss gibt, was bei der grossen Jugend des Componisten\nallerdings zu den grössten Erwartungen berechtigt. Das zweite\nConcert fand unter Leitung des Hrn. von Wasielewsky zum\nBesten des kölner Domes am 29. Juli im Saale des Gasthofes\nzum goldenen Stern mit Begleitung des Orchesters Statt. Der erste\nAct von Glucks Alceste, Beethoven's Clavierconeert in C-dur\nund R. Schumann's „Königssohn44 bildeten das Programm. Das\nerste und zweite dieser Werke sind über alle Kritik erhaben, und\nist nur in Beziehung auf die Ausführung zu bemerken, dass diese\nbei beiden sehr befriedigend war, besonders aber das Claviercon-\neert durch Fräulein Schönerstedt, eine Schülerin des leipziger\nKonservatoriums, ausgezeichnet schön vorgetragen wurde, obgleich\ndas Instrument, auf welchem sie spielte, Einiges zu wünschen übrig\nliess. Jedenfalls war diese Leistung der Glanzpunkt des Abends,\nda sie die allgemeinste Begeisterung erregte. Dagegen war die Aus-\nführung des neuesten Schumann'schen Werkes, insbesondere von\nSeiten des Orchesters, keine gelungene zu nennen, so wie denn\nauch die Composition selbst die Erwartungen, die man sich davon\nzu machen veranlasst worden war, täuschte und bei der Anwesen-\nheit des Componistcn eben nur einen Succcs d'estime erlangte. Zwar\nkann nach einem einmaligen Anhören eines neuen Werkes nicht\nsowohl von einem endgültigen Urtheil als vielmehr nur von einem\nallgemeinen Eindruck die Rede sein; wenn wir uns daher des er-\nsteren auch noch aus anderen Gründen für jetzt enthalten, so dür-\nfen wir doch nicht verhehlen, dass der letztere offenbar kein gün-\nstiger war. Referent ist der Meinung, dass diese Arbeit Schu-\nmanns ziemlich tief unter seine besseren Erzeugnisse zu rangiren\nsein möchte.\n*) Es wird sich wohl nächstens Raum finden, die schon längst\nvorbereiteten Artikel über Fidelio, über den Charakter der\nMelodie Beethoven's und über das Verhältniss seines Or-\nchesters zu derselben zu veröffentlichen. Fragen Sie, warum\nich damit zögere, so antworte ich Ihnen mit Shakspcare:\n„Die Zeit will ein wenig Staub mit Gold und\nvergisst das Gold, das ein wenig bestäubt ist.\"\nDie Redaction."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-13_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "54", "page_fin": "55", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.2.5", "titre_corps": "Aus Brüssel.", "titre_sommaire": "Aus Brüssel.", "signature_source": "ff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.6", "debut_caractere": 4984, "fin_caractere_exclue": 7080, "texte": "Aus Brüssel.\n\nDen 5. August 1853.\nSo wenig laut unsere Concert- und Kammermusik ist, so viel\nLärm wird von unserem Conservatorium der Musik ge-\nmacht. Lesen Sie die Berichte über die diesjährigen Prüfungen, so\nerfahren Sie, dass „alle Zweige des Unterrichts vortreffliche\nFrüchte getragen haben\", und dass trotz einiger Stürme, die sich\nnicht läugnen lassen, dennoch keine Blüthe und keine Aehre ver-\nhagelt ist.\nDa knüpft sich denn zunächst der Nationalstolz an die belgische\nViolinschule. Da diese nun aber in diesem Jahre so gut wie gar\nnichts geleistet hat, so hilft man sich folgender Maassen: „De Be-\nriot's Abgang war freilich eine fühlbare Lücke: es war vor-\nauszusehen, dass wir diesmal nicht so glänzende Wettkämpfe jun-\nger Virtuosen, die fast dem Meister gleich kamen, hören würden;\nallein es ist überflüssig, die Künstler aufzuzählen, welche die bel-\ngische Schule hervorgebracht hat. (Treffliche Logik!) Jetzt haben\nwir auch sehr begabte Schüler gehört; denn die Belgier haben\nden natürlichen Beruf zur Violine !\" (Zwar hatten diese Schüler\nalle keinen Ton: aber was thut das?)\nIndess muss man so gerecht sein, die Unmöglichkeit einzusehen,\ndass Leonard, der erst vor einigen Wochen die erste Violinclasse\nübernommen hat, schon etwas Aufwcisbares leisten konnte. Auf\ndem Violonceli zeichneten sich ein Pole und ein Belgier, Schüler\nvon Servais, aus; das Probestück war das Militär-Concert von\nB. Romberg.\nIm Clavierspiel ist eben nichts Hervorragendes sichtbar gewor-\nden. Madame Pleyel wird in den Berichten mit galanten Redens-\narten abgespeis't, und die Professoren der männlichen Zöglinge,\ndie Herren Dupont und Godineau, haben „vortreffliche Tech-\nniker\" geliefert; „ob darunter ein künftiger Clavicrfürst sei, das\nmuss die Zeit lehren.\" Aber wie stimmen diese besonderen An-\ngaben zu dem Prunken mit dem allgemeinen Resultate?\nEi nun! eben so, wie der Bericht über den Gesang, welcher\n„diesmal Stimmen aufzuweisen hatte und es ist klar, dass die\nBelgier, welche so wundervoll auf der Violine, dem Violonceli, der\nClarinette u. s. w. singen, eben so schön mit der Stimme singen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1823, "texte": "würden wenn sie Stimme hätten. In der Regel fehlt es\nihnen aber daran.\"\nAuch die Blas-Instrumenle bekommen ihren Lob-Antheil. Die\nClarinetten waren auch wirklich gut, und Herr Blaes ist bekann-\nter Maassen ein eben so trefflicher Lehrer als Virtuose auf diesem\nInstrumente. Dass Hrn. Fetis' Compositions-Unterricht ebenfalls\ngrosse Dinge gethan, daran werden Sie nach allem Obigen nicht\nzweifeln. „Jedenfalls\", heisst es zuletzt, „würden unsere jungen\n(Komponisten die Welt hingst von sich haben reden machen,\nwenn ihnen nicht alle Zugänge zum Bekanntwerden abgeschnitten\nwären.\" (!)\nIch habe gar nichts gegen das Conservatorium und wünsche\nihm von Herzen eine zunehmende, nicht abnehmende Wirksamkeit.\nAber wann wird man denn einschen, dass eine solche viel siche-\nrer durch Ordnung, Eifer und Thätigkeit angebahnt wird, als durch\nöffentliche marktschreierische Bulletins?\nAn Preis-Sinfonieen für die Hochzeitsfeier des Kronprin-\nzen sind nicht weniger als dreissig an das Secretariat der Aka-\ndemie eingesandt wrorden, und darunter Compositionen aus Frank-\nreich, Deutschland, Holland und sogar aus Italien. Das Urtheil\nsollte schon am 13. d. Mts. gefällt werden. Da der Einsendungs-\nTermin mit dem 1. August ablief, so hatten sich die Herren Preis-\nrichter nur zwölf Tage zur Ansicht und Prüfung - an Aufführung\nwar gar nicht zu denken übrig gelassen, wahrscheinlich in der\nHoffnung, dass bei der kurz gestellten Frist nur wenige Bewerbun-\ngen (oder vielleicht nur eine?) eingehen würden. Wussten denn\ndie Herren nicht, dass bei solchen Gelegenheiten die Componisten,\nbesonders die jüngeren, in ihren Schubfächern aufzuräumen und\ndie alten Ladenhüter vorzulegen pflegen? Nun haben sie den Ge-\nrichtstag bis in den Monat September verschoben, so dass also\nwahrscheinlich die Hochzeit ohne Sinfonie Statt finden wird.\n\nff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-13-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-13_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-08-13_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "55", "page_fin": "56", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.7", "debut_caractere": 1825, "fin_caractere_exclue": 7187, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&o'In. Am Sonntag den 7. August feierte der Männerge-\nsang-Verein sein Stiftungsfest zu Brühl, Die Feier hatte das\nsehr lobenswerthe Eigentümliche, dass die Gesänge nicht im en-\ngen Kreise der geschlossenen Gesellschaft und der eingeladenen\nGäste vorgetragen wurden, sondern dass sowohl in der prachtvollen\nTreppenhalle des königlichen Schlosses, als bei der fröhlichen Wan-\nderung durch den Park die ganze zahlreiche Menge der brühler\nSonntagsgäste und der von Köln und Bonn herbeigeströmten Zu-\nhörer den Genuss theilen konnten. Und das war gut und schön,\nalso wiederum dem Bannerspruch des Vereins gemäss. Die Abend-\ntafel im Pavillon des Hrn. Granthil war in jeder Hinsicht trefflich\ngewürzt durch Küche, Keller, Lieder, Beden und Scherze, und er-\nhielt noch ein besonderes Interesse dadurch, dass das prächtige\nEhrengeschenk der Königin Victoria, die goldene Schenkkanne,\nzum ersten Male mit goldenem Rheinwein gefüllt, in die Hunde\nging und da zufallig Hebe abwesend war von einem impro-\nvisirten Ganymed aus ihr der feurige Trank in den kostbaren Rö-\nmer den Ehrenpreis vom Prinzen Friedrich von Preussen) ge-\nschenkt und den Gästen kredenzt wurde. Erst um Mitternacht\nführte ein Extrazug der Bonn-Kölner Eisenbahn die fröhliche Gesell-\nschaft nach Köln zurück.\nHerr Capellmeister H. Lübeck aus dem Haag und der Vio-\nloncellist Hr. Bernhard lii Idebrand Romberg hielten sich\nbei ihrer Durchreise kurze Zeit hier auf.\nIn Cleve ist am 6. und 7. d. M. ein Sänger fest gefeiert\nworden. Der ehemals, in den Jahren 1846—1851, blühende Sänger-\nbund der niederrheinischen und holländischen V ereine ist, wir wis-\nsen nicht, wodurch, zu Grabe gegangen; die Niederländer haben\nsich zurückgezogen schade um die schönen internationalen Feste!\nMan hat nun bei Gelegenheit des Festes am 7. und 8. (Dirigenten\nwaren die Herren Wilhelm aus Crefeld lind Weinbrenner\naus Elberfeld) einen neuen Sängerbund, einen bloss „nieder-\nrheinischen4' gestiftet, und Crefeld ist für das nächste Jahr\nzum Festorte bestimmt worden.\nMamburg , Der Virtuose auf der Ventil-Trompete, Hr. Louis\nSchreiber aus Köln, der sich am 29. Juli zum ersten Male im\nStadt-Theater hören liess, hat die hochgespannten Erwartungen nicht\nnur vollkommen erfüllt, sondern, wo möglich, noch i'ibertroffep.\nDer Künstler leistet auf seinem Instrumente das Unglaubliche. Von\nder ausserordentlichen Correetheit und Sicherheit, wie sie sich hier\nbewährt, von der musterhaften Embouchure und vollendeten Tech-\nnik wollen wir nicht weiter reden. Hr. Schreiber weiss seiner Trom-\npete Töne zu entlocken, die wir bisher auf derselben nicht für\nmöglich hielten. Er erfreute sich hier eines glänzenden Erfolges.\nDem Vernehmen nach beabsichtigt er, in Verbindung mit einigen\nanderen Künstlern, demnächst auf Helgoland drei Concerte zu geben.\nIch habe noch vergessen zu erwähnen, dass Hr. Schreiber nach\njedem Stück stürmisch gerufen wurde, womit man hier, namentlich\ngegen Instrumentalisten, eben nicht freigebig ist. Das Instrument,\nauf welchem der Künstler blies, ist ein vortreflliches, vom Blech-\nInstrumentenmacher Schmidt in Köln verfertigt; es fand allge-\nmeine Anerkennung bei den Leuten vom Fach. 11. B\nDie vier ältesten Söhne unseres Concert-\nmeisters Karl Müller sind auf dem Wege, ein Quartett „Gebrü-\nder Müller juniores\" zu werden und die bewährte Firma fortzu-\nsetzen. Am 12. Juli haben sie bereits in einem Privat-Concert eine\nrühmliche Probe abgelegt. Karl Müller jun., der älteste von ihnen,\ntrug auch Ernst's Elegie mit Beifall vor und hat bereits in der Ca-\npelle zu Hannover eine Anstellung gefunden.\nWiesbaden, 5. Aug. Im Cursaale, an dessen Wänden sich\nseit dem Abschieds-Concerte der Sontag nur die leichtbewegten\nRhythmen der Tanzmelodieen brachen, wogte letzthin ein Meer\ngrossartiger Ton wellen. Frl. Sophie Cruvelli, der die östliche\nHemisphäre lür ihren Ruhm noch gross genug dünkt, gab dort ein\nConcert, das für jene, denen Werth und Preis gleich bedeutend\nsind, viel Lockendes hatte. Frl. Cruvelli schätzt das Vergnügen, das\nsie durch ihren Gesang bereitet, auf zwei Thaler per Kopf und\nOhrenpaar. Ein Augenblick, gelebt im Paradiese, ist nicht zu\ntheuer mit der Ewigkeit erkauft. Frl. Cruvelli versetzte ihre Zu-\nhörer in höhere Regionen mit Gesangstücken, deren hinreissende\nWirkung sie schon so oft erprobt hat. Ihres Erfolges war sie so-\nmit gewiss. Sie sang abermals Verdi's Arie aus „Ernani\", die Va-\nriationen von Rhode, und mit ihrer Schwester Marie das Duett aus\n„Semiramis\". Wir bewunderten wieder die glänzende Bravour\nihres Gesanges, das lerchenartige Aufwirbeln der ihrer leichtbeweg-\nlichen Kehle entperlenden Töne; wir vermissten aber auch diesmal\ndie innere Wärme, den poetischen Hauch, das geistig belebende\nPrincip, ja, selbst den feinen Geschmack, der eben so leicht\nin der Wahl wie im Vortrag der einzelnen Stücke sich ausspricht.\nDie scharf gezeichneten Züge ihres Gesichtes bleiben unbewegt,\ndas Auge, der Spiegel der Seele, blickt theiinamlos; kalt wie ein\nMarmorbild steht sie vor dem Zuhörer, und es wird dem Ohre\nschwer, aus den Tönen allein die tiefverborgene Gluth ihrer Em-\npfindung herauszufinden und, vom Auge im Stich gelassen, noch\nan das Vorhandensein eines tieferen Gefühls zu glauben. Das Duett\n1 Marinari ist von Rossini für Tenor und Bass geschrieben: e*\nsoll die langgehaltcnen Rufe zweier wachehaltenden Seeleute wie-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4882, "texte": "dergeben; es hat bedeutende Schwierigkeiten für den Gesang in\nBezug auf die Oekonomic des Athemholens, bietet dagegen viel\nGelegenheit, die Schönheit der Stimme, die Vortrefflichkeit der\nSchule zu zeigen. Bei dem gewählten rapiden Tempo fielen jedoch\nSchwierigkeiten und Schönheiten des Gesanges zugleich hinweg.\nDer Vortrag des „Wanderers\" von Schubert dieses Liedes aller\nLieder, das für eine so reizende und kräftige Altstimme, wie\nFrl. M aria Cruvelli sie besitzt, unendlich viel Nuancen zulässt—\nblieb weit hinter den gehegten Erwartungen zurück. Den übri-\ngen Theil des Concert-Abends füllten zwei Ouvertüren, die von\nunserem vortrefflichen Orchester unter der Leitung des Herrn Ca-\npcllmeisters Schindelmeisser mit gewohnter Virtuosität vorge-\ntragen wurden, ferner ein Ciavier- und ein Violin-Concert. Das Clavier-\nConcert (den ersten Satz des Hummcrschen in A-moll) spielte Frau\nMoritz. Wir hatten schon oft Gelegenheit, die Eleganz und die\nZartheit ihres geschmackvollen Vortrags zu bewundern und anzu-\nerkennen. Frau Moritz verläugnete auch diesmal nicht diese\nschätzenswerthen Eigenschaften ihres schönen Talents. Herr Fi-\nscher jun., Mitglied des hiesigen Orchesters, spielte ein Bcriot'-\nsches Violin-Concert mit vieler Sicherheit und mit Bekundung einer\nguten Schule. Der Saal war wohl gefüllt, aber nicht wohlgefüllt.\n(Wand.)\nDie Süddeutsche Musikzeitung schreibt „aus der baierischen\nPfalz\" in Bezug auf das nächstens zu Kaiserslautern zu hal-\ntende Musikfest: „Die Wahl des Dirigenten fällt allgemein auf. Rob.\nSchumann ist als tüchtiger Componist bekannt, aber er ist nichts\nweniger als Dirigent. Warum wählte man nicht eine gerade in die-\nser Eigenschaft bekannte Autorität, wie z. B. Lindpaintner, Hiller,\nFr. und V. Lachner? Es wäre übrigens sehr zu wünschen, dass\ndie pfälzischen Musikfeste bald wieder ins Leben gerufen würden.\"\nTherese Milan 0110 macht in Pcsth ungeheures Aufsehen\nund Geld. Sie wird desshalb so lange dort bleiben, als das Publi-\ncum in ihre Concerte strömt.\nIn Paris erregt ein junger deutscher Violinist, Namens Ickel-\nheimer, Aufsehen. In der Composition ist er Schüler von Re-\nber und hat bei dem Concurs das Accessit erhalten.\nVerdi schreibt an einer neuen Oper, deren Gegenstand kein\ngeringerer ist, als Shakespear's König Lear.\nPariser Blätter melden, dass Sc. Maj, der König von\nPreussen Herrn A. Ropicquet (?), Violonisten an der Oper\nund Capellmeister (et maitre de chapelle wo? die grosse Oper\ndirigirt Girard), die goldene Verdienst-Medaille und ein schmeichel-\nhaftes Schreiben als Beweis der hohen Zufriedenheit mit dem\n„kirchlichen Musikwerke\", welches ihm dieser Künstler gewidmet\nhat, ühersandt habe.\nDie Einnahme der pariser Theater, Concerte u. s. w. hat im\nMonat Juni gegen den Mai einen Ausfall von 329,415 Frcs. gehabt.\nDer Musik-Director Elbel aus Berlin, w elcher voriges Jahr mit\nseiner Orchester-Gesellschaft in Paris schlechte Geschäfte machte,\nleitet diesen Sommer die Bade-Capelle in Dieppe, einem der be-\nsuchtesten Seebäder Frankreichs. Sein Orchester zählt 40 Musiker,\nfast lauter Deutsche, welche sowohl in den Concerten als im Thea-\nter grossen Beifall ärnten.\nDer Violinist Sivori, dessen Unfall wir neulich aus Genf\nmeldeten, ist gänzlich wieder hergestellt; seine ganze Existenz stand\ndurch die Verletzung der Hand auf dem Spiele. Er wird jetzt mit\ndem Pianisten Rieh. Mulder seine Kunstreise wiederaufnehmen.\nAuf der Universität zu Christian ia in No rwegen ist vom\nPrinzen Gustav ein jährlicher Preis für die beste Composition\neines Studenten gestiftet worden. Am 23. Juli wurde die Entschei-\ndung über den ersten Conans bekannt gemacht. Ein Candidat der\nTheologie, Heinrich Bang, hat mit einem Oratorium „Der Tod\nChristi\" unter fünf Mitbewerbern den Sieg davon getragen.\nNach der France musicale hat Auber's Stumme von Porti ci\nauf dem Theater zu Odessa einen ungeheuren Effect gemacht.\nDie Fenella spielte eine russische Tänzerin, Fräulein Samaiwla;\nViani, Darsteller des Masaniello, wurde mehrere Male gerufen und\n„alle Anspielungen in Scribcs Werk wurden aufgefasst und mit\nEnthusiasmus applaudirt.\" (??)\nSTew-Yorb» Frau Sontag-Rossi hat das Theater in dem\nPark von Castle Garden durch die Abstellung von Lucia di Lam-\nmermoor eröffnet und als Lucia neue Triumphe gefeiert. Nach\nnew-yorker Blättern hat sie in der kurzen Zeit der Ruhe auf dem\nLande eine Frische der Stimme wiedergefunden, welche alle, die\nsie vor drei Monaten gehört haben, in Erstaunen setzt.\nAuf dem Niblo-Theater spielt gegenwärtig eine französische (ko-\nmische) Oper, deren Prima donna, Fr. Thillon, ebenfalls das\nPublicum sehr anzieht.\nIn macht die Sängerin Bari lii, welche daselbst am 12.\nJuni zum ersten Male in Maria di Rolian auftrat, Furore. Blumen,\nKränze, Gedichte und Tauben flogen auf die Scene. Nach der\nVorstellung begleitete man sie in Masse nach ihrem Quartier und\nbrannte demselben gegenüber ein Feuerwerk ab!"}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "49", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.1", "texte": "Zur Musik-Philosophie.\n\nDie Deutschen sind ein Volk von Gelehrten; das ha-\nben sie auch in der Musik bewiesen, indem die Theorie\ndieser Kunst, überhaupt das wissenschaftliche Element der-\nselben, von Niemand so gründlich gepflegt worden ist,\nals von ihnen. Von den Zeiten der Entstehung einer musi-\ncalischen Literatur bis auf die neueste Compositionslehre\ndes genialen A. B. Marx hat keine andere Nation so tüch-\ntige Forscher und Lehrer im Gebiete der Musik-Wissen-\nschaft aufzuweisen. Wenn aber in sehr vielen anderen Din-\ngen die Deutschen sich in die Theorie dermaassen vergrü-\nbelten und einspannen, dass sie die Kraft verloren, die\nFlügel zum Leben zu entfalten und die That, als Frucht\ndes Gedankens, zu gebären, so war dies in der Musik nicht\nder Fall, indem die schaffenden Geister in dieser Kunst die\nbloss denkenden und forschenden bei Weitem überragten\nund durch geniale Schöpfungen oft Kunstwerke hinstellten,\naus denen die Theorie sich erst wieder weiter ausbildete\nund neue Grundsätze für die Wissenschaft der Kunst ent-\nwickelte.\nUnd jene grossen Tonkünstler schufen als wahre Dichter\naus der Unwillkürlichkeit des Genie's, überliessen es den\nGelehrten, mit dem Verstände und der Reflexion .an ihre\nKunstgebilde zu treten, und kümmerten sich - im Be-\nwusstsein der unmittelbar schaffenden Kraft, mit welcher\nsie in Tönen dichten mussten wenig darum, ob die\nWissenschaft, die Kritik und die Aesthetik ihre Werke\nmissverstand oder sie mit Geist erklärte.\nUnserer Zeit war die wunderliche Erscheinung aufbe-\nhalten, dass Musiker, praktische Musiker und Componisten,\nihrer Aufgabe nicht anders genügen zu können meinen, als\nwenn sie der Kunststatue ein Fussgestell von Wissenschaft\nunterbauen. Da werden denn Theorieen ergrübelt und\nSysteme erklügelt, auf denen das Heil der Musik beruhen\nsoll, und leider greift die schöne deutsche Sprache solchen\nscheingelehrten Phantastereien trefflich unter die Arme;\ndenn nirgends als in ihr „stellt da, wo Begriffe fehlen, ein\nWort zur rechten Zeit sich leichter ein\", und ihr Reich-\ntlium wird zum Fluche für ihre eigenen Kinder. Denn\nwahrhaftig, wenn man sich recht schlagend von dem Unsinn\nso mancher kunstphilosophischen Schriften, welche die Ge-\ngenwart gebiert, überzeugen will, so versuche man nur,\nsie ins Lateinische oder ins Französische zu übersetzen,\nund man wird sich überzeugen, dass das ein Ding der Un-\nmöglichkeit ist, weil sich die gesunde Logik dieser Spra-\nchen mit Haut und Haaren gegen jeglichen Unsinn sträubt.\nDa liegt mir ein dickes Buch von 394 Seiten vor, mit\nwelchem ein allgemein geschätzter Musiker, den Alle als\neinen trefflichen Kenner und Lehrer der Theorie, als einen\ntüchtigen Componisten, als einen Mann von scharfem Ver-\nstände und durchdringendem Urtheil kennen, auf einmal\ngewiss zum Erstaunen der musicalischen Welt in den\nKreis der Philosophen tritt und herbei eilt, einen schweren\nStein zu dem Thurmbau der musicalischen Babel herbei-\nzuschleppen! Das ist M. Hauptmann in Leipzig, und sein\ndickes Buch heisst:\nDie Natur der Harmonik und der Metrik.\nZur Theorie der Musik. Leipzig, bei Breitkop!\nund Härtel, 1853. Gr. 8.\nWas soll ich damit beginnen? Ihren Lesern einen Be-\ngriff von dem Inhalt geben? Das ist rein unmöglich; denn\nbedenken Sie nur, dass das Werk laut dem Verfasser selbst\n(Einleitung S. 5) „ein Anfang ist, der dahin leite, wo\ndie praktische Harmonie- und Compositionslehre ihren\nAnfang nimmt.\" Wollte ich mich nun auch in diesen\nAnfang zu einem Anfang als Anfänger in der Kunst-Philo-\nsophie einlassen, so sehe ich nicht ein, was das mir und\njedem Anderen helfen könnte, da wir auf S. 13 bereits be-\nlehrt werden, dass dieser Anfang eigentlich doch keiner ist.\nDenn „wie die organische Lehre kein Ende hat, hat sie\nauch keinen Anfang; Beides ist überall zu suchen\nund nirgends zu finden, da das Aeusserlich-äusserste,\nwie das Innerlich-innerste nur dasselbe Eine in sich ist.\"\nNun, wie wird Ihnen? Spüren Sie nicht so etwas von\neinem gewissen Mühlrad Göthc'schen Andenkens? Wahr-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "50", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.2", "texte": "scheinlich haben Sie mit vielen anderen Menschenkindern\nbisher das Wort der Schrift: „Suchet, so werdet ihr fin-\nden!\" vor allen Dingen auf die Wissenschaft und jegliche\nTheorie der Kunst übergetragen. Hier werden wir eines\nBesseren belehrt und dieser Satz des Verfassers ist\nwirklich eine Wahrheit. Es liegt ein Werk vor uns, das in\nder That überall sucht und nirgends etwas findet. Oder\nhalten Sie es für möglich, dass eine Lehre fassbar sei, die\nkeinen Anfang und kein Ende, also nur eine Mitte und\nzwar diese wieder ohne Anfang und ohne Ende hat?\nSie sehen, auch ich mache Fortschritte im Definiren.\nIch kann nichts Anderes thun, als in die Scheuer un-\nserer Stoppellese einige Garben von diesem Felde ein-\nfahren, und muss es Geduldigeren und Scharfsichtigeren,\nals ich bin, überlassen, etwaige Körner aus ihnen heraus-\nzuklauben oder leeres Stroh zu dreschen. Das ganze\nBuch zu lesen und zu studiren, ist aber allen zu rathen,\ndie da (S. 248) „darüber zur Klarheit kommen wollen,\nauf welche Art und Weise sich das macht, was sich\nvon seihst macht!\"\nHier folgen meine Garben. Lassen Sie davon so viel\noder so wenig drucken, als Sie wollen; in jedem Falle\nwerden die Leser Ihrer Zeitung daran genug haben.\nS. 8. „Die Richtigkeit, d. i. Vernünftigkeit der musi-\ncalischen Gestaltung hat zu ihrem Formationsgesetz die\nEinheit mit dem Gegensatze ihrer selbst und der\nAufhebung dieses Gegensatzes: die unrait-\ntelbare Einheit, die durch ein Moment der Entzwei-\nung mit sich zu vermittelter Einheit übergeht.\"\n(Bitte, lesen Sie dies noch einmal, aber ohne dabei an die\nWorte zu denken, mit denen Schiller seinen Talbot in der\nJungfrau von Orleans sterben lässt.) „Dieser Process kann\nsich nur immer wiederholen an dem, was als unmittelbare\nEinheit gesetzt ist, oder als Resultat eines vorhergegange-\nnen Processes gegeben wird. So wird die Einheit des Klan-\nges, mit sich selbst vermittelt, den Dreiklang, die Einheit\ndes Dreiklangs, mit sich selbst vermittelt, die Tonart ent-\nstehen lassen. Allein der Klang auch selbst ist schon eine\nsolche aus sich getretene, mit sich selbst vermittelte Ein-\nheit, wie alles Wirkliche schon immer ein In-sich- und\nAusser-sich-sein als Eins enthält oder ist.\"\nS. 10. „Für den Eingang wird es nur erforderlich\nsein, von dem Begriff des Bildungs-Processes in seiner\nGanzheit, in der Einheit seiner drei Momente, die wir in\nerster Aeusserung als die Intervalle der Octav, Quint\nund Terz kennen lernen, eine innerliche Vorstellung zu\ngewinnen, von dem Begriffe, der überall derselbe ist und\nbleibt, in jeder Bildung und Urnbildung: dem, dass etwas,\ndas für die Anschauung zuerst in unmittelbarer Totalität\n(Octav) besteht, in seinen Gegensatz mit sich (Quint) aus\neinander trete, und dieser Gegensatz sich wieder aufhebe,\nu n das Ganze als Eins mit seinem Gegensatze (Terz) als\nin sich vermitteltes Ganzes wieder hervorgehen zu lassen.\nln den allgemeinen Sinn (??) dieses Begriffes eingehend,\nwird man bald zugeben müssen, dass er nur die Mo-\nmente alles Erkennens überhaupt in sich zu-\nsammenfasst (Bravo!) und dass ein Weiteres für die\nErkenntniss nicht mehr denkbar ist eben wie der Zu-\nsammenklang etwas Consonantes nicht weiter zulässt,\nals die Intervalle der Octav, Quint und Terz, die uns bei\nfernerer Betrachtung werden verwandt ansprechen können\nden Begriffen des Fuhlens, des Verstehens und des gefühl-\nten Verstehens, das ist als Gefühl, Verstand und\nVer n un ft.\"\nS. 19. „Nicht das In-sich-sein, oder todte Ver-\nharren in der Ruhe, und nicht das Aus ser-sich-sein\nin der Bewegung ist klingend, sondern das Zu-sie h-\nk o m m e n.\"\n„Der Klang ist nur ein Durchgangs-Moment aus dem\nEntstehen in das Vergehen des Zustandes der Einheit.\"\nS. 2 2 werden die Begriffe von Octav, Quint und Terz\ngegeben. Von letzterer heisst es: „Die Terz: das Inter-\nvall, in welchem ein klingendes Quantum von vier Fünf-\ntheilen mit dem Ganzen des Grundtons zu vernehmen\nist. Hier bestimmt sich das fünfte Fünftheil, ein Quantum,\nvon welchem das gegebene Vierfaches, d. i. zwei-\nmal-Zweifaches ist. In der Quantitätsbestimmung von\nzweimal-Zwei, indem das Doppelte hier als Einheit\nzusammen genommen, im Multiplicanden, und zugleich als\nZweiheit aus einander gehalten wird, im Multiplicator, ist\nder Begriff enthalten der Gleichsetzung des Entgegenge-\nsetzten : der Zwei heit als Ei n heit.\" (Sagen Sie vielleicht:\nDa hört Alles auf? Falsch; ich behaupte, da fängt\nnichts an!)\nS. 37. (Von der Dur- und Mo II- Tonart heisst es:)\n„Sie sind der concrete Ausdruck eines fixen Gedankens.\"\n(Ei was! das ganze Buch ist das.)\nS. 39. [Moll-Dur-Tonart.) „In der Moll-Ton-\nart ist das negative Moment, die Negation des zuerst ge-\nsetzten positiven oder Z)i(r-Dreiklanges, zur Hauptsache,\nzur Mitte oder Tonica bestimmt.\"\nS. 77. „Es erhält die Harmonie selbst mit der Dis-\nsonanz erst ihren vollständigen Consonanzbegriff; denn ohne\nDissonanz bleibt die Consonanz bei der Unmittelbarkeit der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "51", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.3", "texte": "Octav-Einheit stehen und kann nicht zu ihrer Selbsterkennt-\nniss im Terzbegriff gelangen.\"\nS. 116. (Dominant-Septimen-Accord.) „Wir müssen\nuns in dieser Verbindung (li-D| den Begrill des in\nsich selbst verwendeten Tonartsystems denken. Die\nGränze verbunden als Mitte gesetzt, wird die 31 i 11 e\ngetrennt als Gränze heraustreten lassen.\" (In so fern\no\nder Horizont als Gränze der Mitte des sinnlichen Auges\ngedacht wird, scheint mir dies über die Gränze des geisti-\ngen Horizontes zu gehen.)\nS. 196. (Modulation.) „Die G-Dur-Tonart ist zu der\nC-Moll-Tonart keine verwandte. Der G-Z)ur-l)reiklang\nist an sich schon positiver, und primäre Bestimmung. Wo\ndiese aber als solche bestätigt wird, da ist der Begrifl der\nC-Moll-Tonart aufgehoben; denn das Negativ-setzen\ndieses positiv voraus-Gesetzten ist eben der we-\nsentliche Inhalt jenes Begriffes.\"\nS. 228. (Metrum.) Nachdem nachgewiesen ist, wie im\nvierzeitigen Metrum erster Schlag als Grundton, zweiter\nals Octav, dritter als Quint und vierter als Terz erschei-\nnen heisst es weiter:\n„Diese innige Vermittlung des Getrennt-Verbundenen\nund Verbunden-Getrennten, die vollendete Negation jedes\nnegirenden, ausschliessenden Momentes, ist das, was als\nWesen des Dreiklanges uns hier in metrischer Bestimmung,\nwie im Zusammenklange von Tönen, als harmonische Vollen-\ndung, überhaupt aber in jeder Weise der Erscheinung als\nvollendeter Begriff bestimmter Wirklichkeit ansprechen\nmuss.\"\n(So etwas freut mich alten Fahler!\nJe wunderlicher, desto respectabler.)\nS. 240. „ so ist eben bei solchen Gleichsetzungen\ndas Wesentliche des Begriffs dieser Momente, in den qua-\nlitativ verschiedenen Erscheinungen derselben, um so allge-\nmeiner zu fassen und fest zu halten. So können wir eben\nauch dieselben Bestimmungen im noch weit mehr abliegend\nscheinenden Objecte zur Begriffs-Einheit verbunden wieder\naufsuchen; wie z. B. in der Gliederung des Begriffes regu-\nlärer Körperlichkeit, oder der Räumlichkeit über-\nhaupt: wenn wir ihre verticale Direction, die Höhe als\nEinheit, die horizontal-bilaterale Direction, nach jeder\nRichtung in sich selbst entgegengesetzt, die Breite als\nZ weih ei t und Beides verbunden, als das Eine im Andern,\nin welchem Dritten eben jedes Zweiheits-Moment an der\nEinheit Theil nimmt und in ihr aufgeht, als Einheit der\nZweiheit, mithin als die Begriffs-vollendete Terz der\nVerbindung der Höheneinheit oder Octav mit der Brei-\ntenzweiheit der Quint, als den Schluss der Raumbestim-\nmung betrachten.\"\n(Was haben wir durch diesen Schritt gewonnen?\nTrifft man auch Proteus, gleich ist er zerronnen,\nUnd steht er euch, so sagt er nur zuletzt.\nWas Staunen macht und in Verwirrung setzt.)\nS. 243. „So ist im dreizeitigen Metrum die erste Zeit\ndas Starke im Starken; die zweite das Schwache\nim Starken und das Starke im Schwachen; die\ndritte das Schwache im Schwachen.\" (Man sieht,dass\ndas Schwache die Oberhand behauptet.)\nS. 248. (Dur-und Mo//-Begri!'!' als metri-\nsche Bestimmung.) „ dann wird, wie im harmo-\nnischen, so auch im metrischen J/o//-Begriff, die Zwe i he i t\nder Einheit ausgesprochen sein, wie der Dur-Begriffdie\nEinheit der Zweiheit ausspricht; und wenn die\nmetrische Zwei-Einheit des Dur-Begriffes ein Erstes und\nZweites als ein Ganzes enthält, so wird dieselbe im Moll-\nBegrifFe ein Zweites und Erstes zusammenfassen \"\nS. 264. „Wir können uns den metrischen Dur-Be-\ngriff als eine Beziehung des Gegenwärtigen zu einem\nZukünftigen, den metrischen Mol/-Begriff als eine Be-\nziehung des Gegenwärtigen zu einem Vergangenen\nvorstellen.\n„Die Gegenwart ist in Beiden das Positive, Vergan-\ngenheit und Zukunft das Relative.\n„Die metrisch-positive Folge verbindet ein Heut\nund Morgen; die metrisch-n e ga t iv e Folge verbindet ein\nHeut und Gestern.\" Und im weiteren Verlauf die-\nser Betrachtungen kommt auch ein Vorgestern und\nUebermorgen zur Geltung:\n„Die Form I—i_2 drückt einen natürlichen Zeitbegriff\naus; eben so die entgegengesetzte ~~l—i; die erste setzt\nMorgen als Heute zu einem anderen Morgen: dem\nUebermorgen; die zweite setzt Gestern als Heute\nzu einem anderen Gestern: dem Vorgestern.\"\nSoll man da weinen oder lachen? Für wen ist dieses\nBuch? Der Musiker kann nichts daraus lernen, der Philo-\nsoph wird mitleidig die Achseln zucken, und der gebildete\nLaie wird mit Chiron in der „classischen Walpurgisnacht\"\nsprechen:\nMein fremder Mann! als Mensch bist du entzückt,\nDoch unter Geistern scheinst du wohl verrückt.\nDie Verlagshandlung hat das Werk, wie alles, was\naus ihrer Officin hervorgeht, in sehr schönem Gewände\nvorgelegt, und wahrlich, die Resignation ist ehrenwerth, mit\nwelcher sie sich zum Druck eines solchen monströsen Cu-\nriosums entschlossen hat.\n\nH. W."}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "52", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.4", "texte": "Londoner Briefe.\n\nSpo h r s Jcss o n d a Proj e c t einer englischen 0p c r.)\nDen 8. August 1853.\nVorgestern wurde in Coventgarden eine für London\nneue deutsche Oper, Spohr's Jessonda, aufgeführt.\nAls neu war sie wenigstens angekündigt; allein sie soll vor\nmehreren Jahren von einer deutschen Opern-Gesell-\nschaft auf dem St.-James-Theater schon einmal, und zwar\nmit grossem Erfolg gegeben worden und Staudigl darin\nzum ersten Male in England aufgetreten sein. Leider muss\nalles, was in London von grossen Opern gegeben wird,\nins Italiänische übersetzt werden, und es ist keine Frage,\ndass dies den Wirkungen der deutschen Musik schaden\nmuss. Daraus lässt sich denn auch wohl erklären, dass\nJessonda, in früheren Jahren von Deutschen in deutscher\nSprache gesungen, wenngleich nicht mit solchen Gesangs-\nBerühmtheiten besetzt, wie gegenwärtig, nach der Versiche-\nrung zuverlässiger Zeugen damals eine weit grössere Wir-\nkung gemacht hat, als jetzt, wo sie, trotz aller Anerken-\nnung von Seiten der echten Musikfreunde und der Ken-\nner, trotz des Hervorrufes des ganzen Personals am\nSchlüsse der Oper noch vor dem Fallen des Vorhanges,\ndoch nur einen Succes d'eslime gehabt hat.\nEine eigentlich italiänische Oper haben wir nicht mehr\nin London; die italiänische Sprache ist nur noch das Mit-\ntel, durch welches uns die Opern der Componisten von\nRuf, mögen sie Italiener, Deutsche oder Franzosen sein,\nvorgeführt werden. Wovon sollte auch eine italiänische\nOper sich nähren, da Rossini nicht mehr schreibt, Bellini\nundDonizetti todt sind, und Verdi, der einzige Ueberlebende,\ntrotz allem Talent nicht im Stande ist, das ausseritalische\nPublicum dauernd anzuziehen? So lebte denn die Oper in\nLondon hauptsächlich von dem, was Meyerbeer, Rossini\nund Donizetti für die pariser Bühne geschrieben haben.\nDie deutschen Opern, mit Ausnahme von Beethoven s Fi-\ndelio, haben selbst Weber's Freischütz nicht ausge-\nnommen weniger Beifall bei dem londoner Publicum\nder italiänischen Oper gefunden einem Publicum übri-\ngens, und das darf man nicht ausser Acht lassen, welches\nwesentlich verschieden ist von demjenigen, das die kirch-\nlichen und sonstigen ('.oncerle in Exeter Hall besucht. Da\naber die Zug-Opern von Meyerbeer und Donizetti, z. B.\ndie Hugenotten, Lucrezia Borgia u. s. w., alle Woche wie-\nderholt wurden und dadurch bedeutend von ihrer Cassen-\nkraft verloren, so sah man sich wieder nach den deutschen\num und griff zu Spohr's Faust, und nun auch zu der\nJessonda, welche übrigens jedenfalls den Vorzug ver-\ndient hätte.\nDiese Erfahrungen haben ein Project ins Leben geru-\nfen, für welches sich auch Ihr Landsmann Karl Form es\nsehr lebhaft interessirt. Es ist dies der Plan, eine ene-\nc 1\nIi sc he Oper zu gründen. Natürlich kann damit nicht ge-\nmeint sein, eine National-Oper in dem Sinne zu schaden,\ndass nur Opern von englischen Dichtern und Componisten\ngegeben werden sollten: da würden wir bald am Ende sein,\nbesonders was die Componisten betrifft! Allein warum soll\ndie Masse des gebildeten Publicums in London den Genuss\nder musicalisch-dramatischen Meisterwerke des Auslandes\ndesswegen entbehren, weil es kein Italiänisch versteht, und\nweil die enormen Preise, welche noch obenein für das Un-\nverständliche gezahlt werden müssen, nur für die reichste Ari?\nstokratie berechnet sind ? Warum nicht versuchen, unsterb-\nliche Werke, wie Mozart's Don Juan, Zauberllöte, Figaro,\nBeethoven's Fidelio, Weber's Freischütz, Eurvanthe, Oberon,\nMeverbeer's Robert, Hugenotten, Prophet u. s. w., ins\nEnglische zu übersetzen und auf diese Weise namentlich\ndie deutsche Musik, für welche bei den Engländern im Gan-\nzen doch grosse Empfänglichkeit vorhanden ist, auf ganz\nandere und nothwendig viel eindringlichere Weise dem\ngrossen Publicum zugänglich zu machen, als dies durch\ndie Italiäner möglich war?\nUnd dann sprechen wir einmal ganz gerade heraus\nsind denn diese gefeierten Italiäner wirklich im Stande,\ndeutsche Musik zu singen? ja, wir gehen noch weiter, sind\nsie überhaupt nur willig dazu, in deutschen Opern aufzu-\ntreten? und was ist von Künstlern für die wahre Inslicht-\nstellung unserer grössten Meisterwerke zu erwarten, welche\nerstens sich nicht die Mühe geben, sie verstehen zu lernen,\nund zweitens nur pcir ordre de gezwungen werden,\nin ihnen zu singen? Und wie wenig wird am Ende noch\ndieser höhere Befehl des Unternehmers respectirt! Wer\nzählt die Leiden des Theater-Directors und des Capell-\nmeisters an einer italiänischen Oper in London, Paris und\nPetersburg?! Herr Gve hatte die Tenoristen Mario und\nTamberlick glauben Sie, dass er auch nur Einen von\nBeiden hätte bewegen können, in der Jessonda zu singen?\nNicht daran zu denken! Den Nadori hat Lucchesi, den\nPedro St ige lii gesungen und Lucchesi hat gezeigt,\ndass er, wenngleich nicht mehr mit ganzer Frische der\nStimme ein Mangel, den er mit Mario tlieilt —, mit\nUnrecht so wenig beschäftigt worden ist; denn er hat für\neinen Italiäner, dem die Spohr'schen Melodieen, Modula-\ntionen und Figuren spanische Dörfer sind, die Partie des"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "53", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.5", "texte": "Nadori recht gut und auch mit Anerkennung von Seiten\ndes Publieums gesungen.\nBei so bewandten Umständen ist dem neuen Unter-\nnehmen einer englischen Oper im Interesse der Kunst alles\nGedeihen zu wünschen, und wenn die nölhigen Mittel und\ndie nöthige Einsicht bei der Leitung nicht fehlen, um die\nSache ein paar Jahre lang auch ohne Gewinn durchzufüh-\nren, so sind wir überzeugt, dass das Resultat schliesslich in\njeder Hinsicht ein lohnendes sein wird.\nDie Besetzung der Jessonda war folgende: Jessonda,\nMad. Bos i 0; Amazilv, Mad. Cast ell an; Tristan d'Acunha,\nSign. Beletti; Pedro, Sign. Sti gel Ii; Nadori, Sign.\nLucchesi; Oberpriester, Hr. Form es. Dirigent des\nGanzen war Costa und das Orchester vorzüglich. Die\nVerzögerung der Aufführung und in Folge deren die Un-\nmöglichkeit, dass Spohr, der sich nicht so lange aufhalten\nkonnte, selbst dirigirte, lag lediglich an den oben schon\nberührten Prätentionen der italiänischen Gesangs-Potenta-\nten. Der Bosio muss man jedoch die Gerechtigkeit wider-\nfahren lassen, dass sie ihre Partie gut und genau studirt\nhatte und vor Allem die beiden Arien, von denen das\nghello der ersten da capo verlangt wurde, sehr beifalls-\nwerth sang. Der tragischen Situation in der letzten Scene\nwar sie besonders in Hinsicht auf Spiel nicht gewachsen.\nDie Cast ell a n liess als Amazily nicht viel zu wünschen\nübrig; ihr Duett mit Jessonda und das bekannte mit Na-\ndori (das einzige Musikstück der Oper, welches durch die\nConcerte bereits populär geworden war) trug sie sehr schön\nvor. Von Lucchesi habe ich schon gesprochen; er hat\nsich durch seine Leistung gar sehr in Ansehen beim Publi-\ncum gesetzt schade, dass die Season zu Ende ist! Die\nausgezeichnetste Leistung war unzweifelhaft der Oberprie-\nster von Formes. Auffassung und Ausführung stellten sie\nobschon die Musik hier nicht eben so viel Gelegenheit\nzum Glänzen gibt neben die Darstellung des Sarastro\ndurch denselben Künstler. Der Tristan des Sign. Beletti\nwar eine correcte Sängerleistung, jedoch mangelte es an\nGeist und Feuer in Vortrag und Auffassung. Der Chor\nwar wie gewöhnlich schlecht.\nDie Königin, Prinz Albert und die königlichen Kinder\nwaren zugegen und blieben bis zum letzten Accord.\n\nC. A.\n\nAus Aachen.\n\nDen 10. August 1853.\nVerehrter Herr Redacteur!\nEhe ich Ihnen über hiesige Musik etwas schreibe, muss ich Ih-\nnen meine Freude über den Artikel in der letzten Nummer Ihrer\nZeitschrift über Beethovens Musik zu Egmont mittheilen. Sie ha-\nben darin allen wahren Musikfreunden aus der Seele gesprochen;\nwenn nur Ihre Vorschläge bei den Bühnen-Directionen Gehör\nfinden!\nDie Uebelstände, welche bei der Aufführung des Egmont mei-\nstens eintreten und das Herz der Musikfreunde tief kränken, stehen\nleider nicht allein. Hier ging es neulich mit dem Fidelio, wenn\nauch in ziemlich gelindem Maasse, eben so, was besonders be-\ndauernswert!! war, da die Aufführung durch die Mitwirkung von\nFräulein Johanna Wagner im Ganzen eine hohe Vollkommen-\nheit erreichte.\nWas trübte denn eigentlich den Genuss an dem herrlichen\nWerke? Nun, der Mangel an schuldiger Pietät und Aufmerksam-\nkeit gegen die Musik in solchen Momenten, wo der Vorhang\nnoch nicht die sichtbaren Mysterien entschleiert\nhatte. Hier war es die Ouvertüre und die Einleitung /.um zwei-\nten Acte, welche mit obligatem Gepisper etc. etc. 7.11 Gehör kamen.\nMan glaubte vielleicht sich im Curgarten zu befinden und eine pa-\nriser Polka zu hören! Verzeihen Sic diese bittere Ironie, aber\nwas halten Sie für anständiger, wüthend wie ein Löwe, grob wie\nein Esel zu werden, oder sich zu schmerzlicher Resignation, ge-\npfeffert mit einem satirischen Beigeschmack, gestimmt zu fühlen?\nBesonders tief bedauerte ich, die Einleitung zum zweiten\nActe nicht deutlich hören und vollends nicht mit ganzem Gemiith\ngemessen zu können. Hier würde es nun eben so gut, wie im Eg-\nmont möglich sein, diese Musik bei offener Scene aufzuführen\nund es würde allen Musikfreunden erwünscht sein, wenn Sie, ver-\nehrter Herr Redacteur, auch hiefür einmal das Wort ergriffen.\nAbgesehen von eben erwähnten kleinen Störungen konnte die\nOper durch ihre treffliche Darstellung alle die mächtigen, tiefen\nEindrücke auf die Zuhörer ausüben, wie sie es wohl nur einzig\nvermag. Denn ich möchte fragen: ist wohl je der tiefste Schmerz\nso ergreifend ausgedrückt worden, und hat man auf der anderen\nSeite das höchste freudige Entzücken je mit so glänzenden,\nhinreissenden Farben geschildert, wie es in diesem Werke Beetho-\nven's geschehen ist?\nFür den ungeheuren Beifall des gefüllten Hauses nach der Be-\nfreiungs-Scene finde ich wirklich kein passendes Prädicat : enthu-\nsiastisch ist zu schwach dafür, und wahnsinnig mag ich nicht sagen;\nman muss es gesehen und mitempfunden haben.\nUnwillkürlich fiel mir dabei das noch immer ziemlich weit ver-\nbreitete Urtheil von Musikern ein, nach deren Meinung Beethoven\nin der Oper unvollkommen sein solle. Obgleich ich mich niemals\nzu diesem Glauben bekennen konnte, so war es mir doch heilsam,\ndass ein brennender Lichtstrahl mit Einem Male die leisen Zweifel,\ndie sich wie Nebel bei mir einzudrängen suchten, verscheuchte.\nTheorieen, welche uns solche Zweifel einzuflössen geeignet sind,\nhört man noch fast jeden Tag, und es wäre gewiss eine verdienst-\nvolle Arbeit für den Kunst-Philosophen, dieselben einmal durch\neinen ausführlichen Process zu neutralisiren. Man sagt immer.\"\n„Die wahre Kunst muss sich dem Schönen dienstbar beweisen;\nentfernt sie sich hiervon, so hat sie ihren Zweck verfehlt und ist\nkeine vollkommene Kunst. Das wahre Schöne darf nie die\nGränzcn des Natürlichen, nie das Ebenmaass überschreiten;\nalles darüber Hinausgehende sind Extravaganzen und Verirrungen\netc.\" Gut; aber man beweise nur erst einmal, wie und wo sich\nBeethoven denn von diesen „einzig wahren\" Grundsätzen entfernt\nhabe! Mit der blossen Behauptung ist da nichts gethan. Ist etwa\nder Montblanc weniger gross und schön als das Siebengebirge, weil\nwir einen ganz anderen Maassstab an ihn legen müssen ?\nEs kann einem Vernünftigen natürlich nicht einfallen, Propa-\nganda für Beethovens Fidelio machen zu wollen; es wäre so viel,\nals am Aequator den Ofen zu heizen. Allein offen und cntschie-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "54", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.6", "texte": "den denjenigen entgegenzutreten, die in der Oper einen dunkeln\nFleck in Beethoven's strahlender Sonne finden wollen, das halte\nich für verdienstvoll, und das möchte wohl eine interessante Auf-\ngabe für Sie, Herr Ilcdactcur, sein *).\nJohanna Wagner, unser ausgezeichneter Gast, hat uns leider\nschon wieder verlassen. Sic haben Fräulein Wagner als eine durch\nund durch dramatischc Sängerin bezeichnet: das ist sie denn\nauch vollkommen; denn man möchte sagen, dass bei ihr das Spiel\nden Gesang übertreffe, und doch wieder, dass ihr Gesang den\nkräftigsten Fonds besitze, um die höchsten tragischen Situationen\ndurch sich selbst darzustellen.\nDass unsere Oper in diesem Jahre wirklich ausgezeichnet ist,\nwissen Sie schon; dabeihaben wir immer auch noch tüchtige Gäste,\nund das Repertoire des Herrn FArronge bietet uns viel des Guten.\nAusser dem Theater haben wir in der Sommer-Saison nichts Gu-\ntes an öffentlicher Musik; leider hat das Curhaus-Comite alle clas-\nsischen Sachen aus dem Programm seiner Gartenmusik verbannt,\nsogar von Ouvertüren bekommen wir, trotzdem, dass die Kräfte da\nsind, selten oder nie eine gute zu hören; wir werden mit Kalli-\nwoda, höchstens Boieldieu etc. abgespeis t. Da wissen Sie genug.\nWir begreifen freilich nicht, warum dem aristokratischen Publicum\neine Ouvertüre von Mendelssohn, Weber, Mozart oder Beethoven\nnicht munden sollte. Sie würde wenigstens zur Nervenstärkung\nder Curgäste beitragen.\n\nB.\n\nAus Bonn.\nDen 8. August 1853.\nObgleich die Sommerzeit den in geschlossenen Räumen veran-\nstalteten Concerten im Allgemeinen nicht günstig ist, so hatten wir\nderen doch zwei, die beide ganz gut besucht waren. Das erste\nwurde am 7. Juli von Hrn. Prof. Breidenstein und dem von\nihm gebildeten Singvereine, theils mit Orgel-, theils mit Clavier-Be-\ngleitung, im akademischen) Musiksaale zum Vortheil des hiesigen\nFrauenvereins gegeben. Zur Aufführung kamen Mendelssohn's\nHymne für Sopran und Chor mit Orgel und Nr. 1 von desselben\nMeisters geistlichen Liedern für Alt, Chor und Orgel; Arie aus Ilän-\nders Messias: Ich weiss, dass mein Erlöser lebt etc., mit Orgel-\nBegleitung; zwei Hymnen von Cherubini und Motetto von Max\nBruch. Ausserdem spielte Hr. Prof. Breidenstein die grosseC-MoJl-\nFuge nebst Präludium von Seb. Bach, so wie nach einer freien\nFantasie Albrechtsberger's Fuge über BÄCII auf der Orgel mit\nFertigkeit und Sicherheit. Schade nur, dass das Häuflein derer,\ndie so etwas verstehen und zu würdigen wissen, so klein gewor-\nden ist. Freilich mit einer Polka hat so 'ne Bach'sche Fuge ver-\nteufelt wenig Achnlichkeit. Die Messias-Arie wurde von einer hie-\nsigen Dilettantin vortrefflich vorgetragen und von Prof. Breidenstein\nauf der Orgel sehr schön begleitet. Grossen und verdienten Beifall\nfand das Molen von dem 15jährigen Max Bruch aus Köln,eine Ar-\nbeit, die nicht minder wirksam ist, als sie von den gründlichsten\nStudien Zeugniss gibt, was bei der grossen Jugend des Componisten\nallerdings zu den grössten Erwartungen berechtigt. Das zweite\nConcert fand unter Leitung des Hrn. von Wasielewsky zum\nBesten des kölner Domes am 29. Juli im Saale des Gasthofes\nzum goldenen Stern mit Begleitung des Orchesters Statt. Der erste\nAct von Glucks Alceste, Beethoven's Clavierconeert in C-dur\nund R. Schumann's „Königssohn44 bildeten das Programm. Das\nerste und zweite dieser Werke sind über alle Kritik erhaben, und\nist nur in Beziehung auf die Ausführung zu bemerken, dass diese\nbei beiden sehr befriedigend war, besonders aber das Claviercon-\neert durch Fräulein Schönerstedt, eine Schülerin des leipziger\nKonservatoriums, ausgezeichnet schön vorgetragen wurde, obgleich\ndas Instrument, auf welchem sie spielte, Einiges zu wünschen übrig\nliess. Jedenfalls war diese Leistung der Glanzpunkt des Abends,\nda sie die allgemeinste Begeisterung erregte. Dagegen war die Aus-\nführung des neuesten Schumann'schen Werkes, insbesondere von\nSeiten des Orchesters, keine gelungene zu nennen, so wie denn\nauch die Composition selbst die Erwartungen, die man sich davon\nzu machen veranlasst worden war, täuschte und bei der Anwesen-\nheit des Componistcn eben nur einen Succcs d'estime erlangte. Zwar\nkann nach einem einmaligen Anhören eines neuen Werkes nicht\nsowohl von einem endgültigen Urtheil als vielmehr nur von einem\nallgemeinen Eindruck die Rede sein; wenn wir uns daher des er-\nsteren auch noch aus anderen Gründen für jetzt enthalten, so dür-\nfen wir doch nicht verhehlen, dass der letztere offenbar kein gün-\nstiger war. Referent ist der Meinung, dass diese Arbeit Schu-\nmanns ziemlich tief unter seine besseren Erzeugnisse zu rangiren\nsein möchte.\n*) Es wird sich wohl nächstens Raum finden, die schon längst\nvorbereiteten Artikel über Fidelio, über den Charakter der\nMelodie Beethoven's und über das Verhältniss seines Or-\nchesters zu derselben zu veröffentlichen. Fragen Sie, warum\nich damit zögere, so antworte ich Ihnen mit Shakspcare:\n„Die Zeit will ein wenig Staub mit Gold und\nvergisst das Gold, das ein wenig bestäubt ist.\"\nDie Redaction.\n\nAus Brüssel.\n\nDen 5. August 1853.\nSo wenig laut unsere Concert- und Kammermusik ist, so viel\nLärm wird von unserem Conservatorium der Musik ge-\nmacht. Lesen Sie die Berichte über die diesjährigen Prüfungen, so\nerfahren Sie, dass „alle Zweige des Unterrichts vortreffliche\nFrüchte getragen haben\", und dass trotz einiger Stürme, die sich\nnicht läugnen lassen, dennoch keine Blüthe und keine Aehre ver-\nhagelt ist.\nDa knüpft sich denn zunächst der Nationalstolz an die belgische\nViolinschule. Da diese nun aber in diesem Jahre so gut wie gar\nnichts geleistet hat, so hilft man sich folgender Maassen: „De Be-\nriot's Abgang war freilich eine fühlbare Lücke: es war vor-\nauszusehen, dass wir diesmal nicht so glänzende Wettkämpfe jun-\nger Virtuosen, die fast dem Meister gleich kamen, hören würden;\nallein es ist überflüssig, die Künstler aufzuzählen, welche die bel-\ngische Schule hervorgebracht hat. (Treffliche Logik!) Jetzt haben\nwir auch sehr begabte Schüler gehört; denn die Belgier haben\nden natürlichen Beruf zur Violine !\" (Zwar hatten diese Schüler\nalle keinen Ton: aber was thut das?)\nIndess muss man so gerecht sein, die Unmöglichkeit einzusehen,\ndass Leonard, der erst vor einigen Wochen die erste Violinclasse\nübernommen hat, schon etwas Aufwcisbares leisten konnte. Auf\ndem Violonceli zeichneten sich ein Pole und ein Belgier, Schüler\nvon Servais, aus; das Probestück war das Militär-Concert von\nB. Romberg.\nIm Clavierspiel ist eben nichts Hervorragendes sichtbar gewor-\nden. Madame Pleyel wird in den Berichten mit galanten Redens-\narten abgespeis't, und die Professoren der männlichen Zöglinge,\ndie Herren Dupont und Godineau, haben „vortreffliche Tech-\nniker\" geliefert; „ob darunter ein künftiger Clavicrfürst sei, das\nmuss die Zeit lehren.\" Aber wie stimmen diese besonderen An-\ngaben zu dem Prunken mit dem allgemeinen Resultate?\nEi nun! eben so, wie der Bericht über den Gesang, welcher\n„diesmal Stimmen aufzuweisen hatte und es ist klar, dass die\nBelgier, welche so wundervoll auf der Violine, dem Violonceli, der\nClarinette u. s. w. singen, eben so schön mit der Stimme singen"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "55", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.7", "texte": "würden wenn sie Stimme hätten. In der Regel fehlt es\nihnen aber daran.\"\nAuch die Blas-Instrumenle bekommen ihren Lob-Antheil. Die\nClarinetten waren auch wirklich gut, und Herr Blaes ist bekann-\nter Maassen ein eben so trefflicher Lehrer als Virtuose auf diesem\nInstrumente. Dass Hrn. Fetis' Compositions-Unterricht ebenfalls\ngrosse Dinge gethan, daran werden Sie nach allem Obigen nicht\nzweifeln. „Jedenfalls\", heisst es zuletzt, „würden unsere jungen\n(Komponisten die Welt hingst von sich haben reden machen,\nwenn ihnen nicht alle Zugänge zum Bekanntwerden abgeschnitten\nwären.\" (!)\nIch habe gar nichts gegen das Conservatorium und wünsche\nihm von Herzen eine zunehmende, nicht abnehmende Wirksamkeit.\nAber wann wird man denn einschen, dass eine solche viel siche-\nrer durch Ordnung, Eifer und Thätigkeit angebahnt wird, als durch\nöffentliche marktschreierische Bulletins?\nAn Preis-Sinfonieen für die Hochzeitsfeier des Kronprin-\nzen sind nicht weniger als dreissig an das Secretariat der Aka-\ndemie eingesandt wrorden, und darunter Compositionen aus Frank-\nreich, Deutschland, Holland und sogar aus Italien. Das Urtheil\nsollte schon am 13. d. Mts. gefällt werden. Da der Einsendungs-\nTermin mit dem 1. August ablief, so hatten sich die Herren Preis-\nrichter nur zwölf Tage zur Ansicht und Prüfung - an Aufführung\nwar gar nicht zu denken übrig gelassen, wahrscheinlich in der\nHoffnung, dass bei der kurz gestellten Frist nur wenige Bewerbun-\ngen (oder vielleicht nur eine?) eingehen würden. Wussten denn\ndie Herren nicht, dass bei solchen Gelegenheiten die Componisten,\nbesonders die jüngeren, in ihren Schubfächern aufzuräumen und\ndie alten Ladenhüter vorzulegen pflegen? Nun haben sie den Ge-\nrichtstag bis in den Monat September verschoben, so dass also\nwahrscheinlich die Hochzeit ohne Sinfonie Statt finden wird.\n\nff.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nI&o'In. Am Sonntag den 7. August feierte der Männerge-\nsang-Verein sein Stiftungsfest zu Brühl, Die Feier hatte das\nsehr lobenswerthe Eigentümliche, dass die Gesänge nicht im en-\ngen Kreise der geschlossenen Gesellschaft und der eingeladenen\nGäste vorgetragen wurden, sondern dass sowohl in der prachtvollen\nTreppenhalle des königlichen Schlosses, als bei der fröhlichen Wan-\nderung durch den Park die ganze zahlreiche Menge der brühler\nSonntagsgäste und der von Köln und Bonn herbeigeströmten Zu-\nhörer den Genuss theilen konnten. Und das war gut und schön,\nalso wiederum dem Bannerspruch des Vereins gemäss. Die Abend-\ntafel im Pavillon des Hrn. Granthil war in jeder Hinsicht trefflich\ngewürzt durch Küche, Keller, Lieder, Beden und Scherze, und er-\nhielt noch ein besonderes Interesse dadurch, dass das prächtige\nEhrengeschenk der Königin Victoria, die goldene Schenkkanne,\nzum ersten Male mit goldenem Rheinwein gefüllt, in die Hunde\nging und da zufallig Hebe abwesend war von einem impro-\nvisirten Ganymed aus ihr der feurige Trank in den kostbaren Rö-\nmer den Ehrenpreis vom Prinzen Friedrich von Preussen) ge-\nschenkt und den Gästen kredenzt wurde. Erst um Mitternacht\nführte ein Extrazug der Bonn-Kölner Eisenbahn die fröhliche Gesell-\nschaft nach Köln zurück.\nHerr Capellmeister H. Lübeck aus dem Haag und der Vio-\nloncellist Hr. Bernhard lii Idebrand Romberg hielten sich\nbei ihrer Durchreise kurze Zeit hier auf.\nIn Cleve ist am 6. und 7. d. M. ein Sänger fest gefeiert\nworden. Der ehemals, in den Jahren 1846—1851, blühende Sänger-\nbund der niederrheinischen und holländischen V ereine ist, wir wis-\nsen nicht, wodurch, zu Grabe gegangen; die Niederländer haben\nsich zurückgezogen schade um die schönen internationalen Feste!\nMan hat nun bei Gelegenheit des Festes am 7. und 8. (Dirigenten\nwaren die Herren Wilhelm aus Crefeld lind Weinbrenner\naus Elberfeld) einen neuen Sängerbund, einen bloss „nieder-\nrheinischen4' gestiftet, und Crefeld ist für das nächste Jahr\nzum Festorte bestimmt worden.\nMamburg , Der Virtuose auf der Ventil-Trompete, Hr. Louis\nSchreiber aus Köln, der sich am 29. Juli zum ersten Male im\nStadt-Theater hören liess, hat die hochgespannten Erwartungen nicht\nnur vollkommen erfüllt, sondern, wo möglich, noch i'ibertroffep.\nDer Künstler leistet auf seinem Instrumente das Unglaubliche. Von\nder ausserordentlichen Correetheit und Sicherheit, wie sie sich hier\nbewährt, von der musterhaften Embouchure und vollendeten Tech-\nnik wollen wir nicht weiter reden. Hr. Schreiber weiss seiner Trom-\npete Töne zu entlocken, die wir bisher auf derselben nicht für\nmöglich hielten. Er erfreute sich hier eines glänzenden Erfolges.\nDem Vernehmen nach beabsichtigt er, in Verbindung mit einigen\nanderen Künstlern, demnächst auf Helgoland drei Concerte zu geben.\nIch habe noch vergessen zu erwähnen, dass Hr. Schreiber nach\njedem Stück stürmisch gerufen wurde, womit man hier, namentlich\ngegen Instrumentalisten, eben nicht freigebig ist. Das Instrument,\nauf welchem der Künstler blies, ist ein vortreflliches, vom Blech-\nInstrumentenmacher Schmidt in Köln verfertigt; es fand allge-\nmeine Anerkennung bei den Leuten vom Fach. 11. B\nDie vier ältesten Söhne unseres Concert-\nmeisters Karl Müller sind auf dem Wege, ein Quartett „Gebrü-\nder Müller juniores\" zu werden und die bewährte Firma fortzu-\nsetzen. Am 12. Juli haben sie bereits in einem Privat-Concert eine\nrühmliche Probe abgelegt. Karl Müller jun., der älteste von ihnen,\ntrug auch Ernst's Elegie mit Beifall vor und hat bereits in der Ca-\npelle zu Hannover eine Anstellung gefunden.\nWiesbaden, 5. Aug. Im Cursaale, an dessen Wänden sich\nseit dem Abschieds-Concerte der Sontag nur die leichtbewegten\nRhythmen der Tanzmelodieen brachen, wogte letzthin ein Meer\ngrossartiger Ton wellen. Frl. Sophie Cruvelli, der die östliche\nHemisphäre lür ihren Ruhm noch gross genug dünkt, gab dort ein\nConcert, das für jene, denen Werth und Preis gleich bedeutend\nsind, viel Lockendes hatte. Frl. Cruvelli schätzt das Vergnügen, das\nsie durch ihren Gesang bereitet, auf zwei Thaler per Kopf und\nOhrenpaar. Ein Augenblick, gelebt im Paradiese, ist nicht zu\ntheuer mit der Ewigkeit erkauft. Frl. Cruvelli versetzte ihre Zu-\nhörer in höhere Regionen mit Gesangstücken, deren hinreissende\nWirkung sie schon so oft erprobt hat. Ihres Erfolges war sie so-\nmit gewiss. Sie sang abermals Verdi's Arie aus „Ernani\", die Va-\nriationen von Rhode, und mit ihrer Schwester Marie das Duett aus\n„Semiramis\". Wir bewunderten wieder die glänzende Bravour\nihres Gesanges, das lerchenartige Aufwirbeln der ihrer leichtbeweg-\nlichen Kehle entperlenden Töne; wir vermissten aber auch diesmal\ndie innere Wärme, den poetischen Hauch, das geistig belebende\nPrincip, ja, selbst den feinen Geschmack, der eben so leicht\nin der Wahl wie im Vortrag der einzelnen Stücke sich ausspricht.\nDie scharf gezeichneten Züge ihres Gesichtes bleiben unbewegt,\ndas Auge, der Spiegel der Seele, blickt theiinamlos; kalt wie ein\nMarmorbild steht sie vor dem Zuhörer, und es wird dem Ohre\nschwer, aus den Tönen allein die tiefverborgene Gluth ihrer Em-\npfindung herauszufinden und, vom Auge im Stich gelassen, noch\nan das Vorhandensein eines tieferen Gefühls zu glauben. Das Duett\n1 Marinari ist von Rossini für Tenor und Bass geschrieben: e*\nsoll die langgehaltcnen Rufe zweier wachehaltenden Seeleute wie-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "56", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530813-01.1.8", "texte": "dergeben; es hat bedeutende Schwierigkeiten für den Gesang in\nBezug auf die Oekonomic des Athemholens, bietet dagegen viel\nGelegenheit, die Schönheit der Stimme, die Vortrefflichkeit der\nSchule zu zeigen. Bei dem gewählten rapiden Tempo fielen jedoch\nSchwierigkeiten und Schönheiten des Gesanges zugleich hinweg.\nDer Vortrag des „Wanderers\" von Schubert dieses Liedes aller\nLieder, das für eine so reizende und kräftige Altstimme, wie\nFrl. M aria Cruvelli sie besitzt, unendlich viel Nuancen zulässt—\nblieb weit hinter den gehegten Erwartungen zurück. Den übri-\ngen Theil des Concert-Abends füllten zwei Ouvertüren, die von\nunserem vortrefflichen Orchester unter der Leitung des Herrn Ca-\npcllmeisters Schindelmeisser mit gewohnter Virtuosität vorge-\ntragen wurden, ferner ein Ciavier- und ein Violin-Concert. Das Clavier-\nConcert (den ersten Satz des Hummcrschen in A-moll) spielte Frau\nMoritz. Wir hatten schon oft Gelegenheit, die Eleganz und die\nZartheit ihres geschmackvollen Vortrags zu bewundern und anzu-\nerkennen. Frau Moritz verläugnete auch diesmal nicht diese\nschätzenswerthen Eigenschaften ihres schönen Talents. Herr Fi-\nscher jun., Mitglied des hiesigen Orchesters, spielte ein Bcriot'-\nsches Violin-Concert mit vieler Sicherheit und mit Bekundung einer\nguten Schule. Der Saal war wohl gefüllt, aber nicht wohlgefüllt.\n(Wand.)\nDie Süddeutsche Musikzeitung schreibt „aus der baierischen\nPfalz\" in Bezug auf das nächstens zu Kaiserslautern zu hal-\ntende Musikfest: „Die Wahl des Dirigenten fällt allgemein auf. Rob.\nSchumann ist als tüchtiger Componist bekannt, aber er ist nichts\nweniger als Dirigent. Warum wählte man nicht eine gerade in die-\nser Eigenschaft bekannte Autorität, wie z. B. Lindpaintner, Hiller,\nFr. und V. Lachner? Es wäre übrigens sehr zu wünschen, dass\ndie pfälzischen Musikfeste bald wieder ins Leben gerufen würden.\"\nTherese Milan 0110 macht in Pcsth ungeheures Aufsehen\nund Geld. Sie wird desshalb so lange dort bleiben, als das Publi-\ncum in ihre Concerte strömt.\nIn Paris erregt ein junger deutscher Violinist, Namens Ickel-\nheimer, Aufsehen. In der Composition ist er Schüler von Re-\nber und hat bei dem Concurs das Accessit erhalten.\nVerdi schreibt an einer neuen Oper, deren Gegenstand kein\ngeringerer ist, als Shakespear's König Lear.\nPariser Blätter melden, dass Sc. Maj, der König von\nPreussen Herrn A. Ropicquet (?), Violonisten an der Oper\nund Capellmeister (et maitre de chapelle wo? die grosse Oper\ndirigirt Girard), die goldene Verdienst-Medaille und ein schmeichel-\nhaftes Schreiben als Beweis der hohen Zufriedenheit mit dem\n„kirchlichen Musikwerke\", welches ihm dieser Künstler gewidmet\nhat, ühersandt habe.\nDie Einnahme der pariser Theater, Concerte u. s. w. hat im\nMonat Juni gegen den Mai einen Ausfall von 329,415 Frcs. gehabt.\nDer Musik-Director Elbel aus Berlin, w elcher voriges Jahr mit\nseiner Orchester-Gesellschaft in Paris schlechte Geschäfte machte,\nleitet diesen Sommer die Bade-Capelle in Dieppe, einem der be-\nsuchtesten Seebäder Frankreichs. Sein Orchester zählt 40 Musiker,\nfast lauter Deutsche, welche sowohl in den Concerten als im Thea-\nter grossen Beifall ärnten.\nDer Violinist Sivori, dessen Unfall wir neulich aus Genf\nmeldeten, ist gänzlich wieder hergestellt; seine ganze Existenz stand\ndurch die Verletzung der Hand auf dem Spiele. Er wird jetzt mit\ndem Pianisten Rieh. Mulder seine Kunstreise wiederaufnehmen.\nAuf der Universität zu Christian ia in No rwegen ist vom\nPrinzen Gustav ein jährlicher Preis für die beste Composition\neines Studenten gestiftet worden. Am 23. Juli wurde die Entschei-\ndung über den ersten Conans bekannt gemacht. Ein Candidat der\nTheologie, Heinrich Bang, hat mit einem Oratorium „Der Tod\nChristi\" unter fünf Mitbewerbern den Sieg davon getragen.\nNach der France musicale hat Auber's Stumme von Porti ci\nauf dem Theater zu Odessa einen ungeheuren Effect gemacht.\nDie Fenella spielte eine russische Tänzerin, Fräulein Samaiwla;\nViani, Darsteller des Masaniello, wurde mehrere Male gerufen und\n„alle Anspielungen in Scribcs Werk wurden aufgefasst und mit\nEnthusiasmus applaudirt.\" (??)\nSTew-Yorb» Frau Sontag-Rossi hat das Theater in dem\nPark von Castle Garden durch die Abstellung von Lucia di Lam-\nmermoor eröffnet und als Lucia neue Triumphe gefeiert. Nach\nnew-yorker Blättern hat sie in der kurzen Zeit der Ruhe auf dem\nLande eine Frische der Stimme wiedergefunden, welche alle, die\nsie vor drei Monaten gehört haben, in Erstaunen setzt.\nAuf dem Niblo-Theater spielt gegenwärtig eine französische (ko-\nmische) Oper, deren Prima donna, Fr. Thillon, ebenfalls das\nPublicum sehr anzieht.\nIn macht die Sängerin Bari lii, welche daselbst am 12.\nJuni zum ersten Male in Maria di Rolian auftrat, Furore. Blumen,\nKränze, Gedichte und Tauben flogen auf die Scene. Nach der\nVorstellung begleitete man sie in Masse nach ihrem Quartier und\nbrannte demselben gegenüber ein Feuerwerk ab!"}]}