{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_sha256": "604a44d7c989508e7079a7380452d36c7d5cfe5310ae5cfe49cebbc1136e27e9", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/08/20_01/bmtnabi_1853-08-20_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-20_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "57", "page_fin": "59", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.2.1", "titre_corps": "Nachgelassene Werke von W. 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Mozart.\nWenn der Russe Alexander Ulibitscheff in seinem\nWerke über Mozart welches, beiläufig gesagt, noch\nlange nicht seinem grossen Verdienste gemäss in Deutsch-\nland gewürdigt worden ist (warum nicht? weil die Wahr-\nheiten, welche darin eindringlich gepredigt werden, nicht in\nden Kram der Fortschrittsmänner taugen, die da, um als\nMusiker und Kritiker Aufsehen zu erregen, alle die Son-\nnenstrahlen so lange wie möglich fern halten, welche den\nblauen Dunst ihrer Schule zersetzen würden) wenn je-\nner treffliche Russe, der von deutscher Kunst gesäugt, von\nSympathie für deutsche Musik gepflegt und erzogen wurde,\nsagt: „Jeder musicalische Gedanke stellt vor Allem eine in\nsich selbst begründete Bedeutung dar, d. h. eine rein mu-\nsicalische Bedeutung, ohne welche der Gedanke kein Ge-\ndanke wäre\", so sind wir beim Durchgehen der vor uns\nliegenden Mozart'schen Werke wiederum recht von der\nWahrheit dieses Satzes, als das eigentliche Wesen der Mu-\nsik bezeichnend, überzeugt worden, und dadurch eben auch\nvon der Wahrheit des Ausspruches, mit welchem Ulibit-\nscheff sein Buch schliesst: „Mozart lieben heisst mit Einem\nWorte die Musik an und für sich, rein, einfach, absolut,\nlieben.\"\nEs gibt nur zwei Dinge, welche ein Kunstwerk aus-\nmachen: die Idee und die Form die Idee ist die Seele,\ndas Leben; die Form ist der Körper, die räumliche Schranke\ndes Lebens. Die Idee ist unvergänglich und ewig jung, die\nForm ist veränderlich und altert. Aber die veränderte, ver-\njüngte oder neu gebildete Form ist an und für sich nichts,\nja, sie kann eben so gut ein Rückschritt als ein Fort-\nschritt sein, je nachdem die Idee beschaffen, welche sie be-\nleben und erst zum Kunstwerk machen soll. So ist auch\ndie Erfindung oder Erweiterung der Form noch lange\nnicht Genie. Man kann sie lernen, man kann sie nachma-\nchen : bei der Idee ist Beides unmöglich; sie kann, streng\ngenommen, nicht einmal nachgeahmt, sie kann bloss wie-\nderholt werden (Reminiscenz).\nDer grösste Schöpfer musicalischer Ideen, der je un-\nter dem Himmel gelebt, ist Mozart. Darum muss uns jede\nNote von ihm eine heilige Reliquie sein, und die musica-\nlische Welt ist der Verlagshandlung von Joh. Andre in\nOffenbach a. M. den wärmsten Dank schuldig, so oft\ndiese uns entweder mit etwas noch ganz Unbekanntem aus\ndem Nachlasse Mozart's beschenkt oder Bekanntes in voll-\nständigerer und ursprünglicherer Form nach Mozart's ei-\ngener Handschrift veröffentlicht.\nUnter dem allgemeinen Titel: „Verschiedene\nWerke von W. A. Mozart in Partitur\", liegen uns\nzunächst vor:\nZwei Serenaden für\nzwei Hörner und zw\nPreis 1 Fl. 30. Kr. Preis 1\nFl. 30 Kr.\nDie erste dieser Serenaden (Mozart hat deren viele tür\nBlasinstrumente geschrieben, auch unter der Benennung\n„Harmonie-Suiten\"; A. Fuchs in Wien besass deren zehn\nin Partitur) wurde, wie uns der Herausgeber, Hr. Julius\nAndre, in dem Vorworte berichtet, ursprünglich für zwei\nClarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte im October\n1781 (nach den Nachforschungen des Hofrathes Andr£,\nVaters des Hrn. Herausgebers) componirt und 1782 für\ndie oben genannten acht Instrumente umgeschrieben. Die\nbedeutendste Aenderung, welche Mozart dabei vornahm,\nist die, dass er den ersten Satz, welcher früher zwei Theile\nhatte, in Einem Theile ohne Unterbrechung und Wieder-\nholung gab.\nDie Serenade besteht jetzt, so wie sie in der Andr£'-\nschen Partitur vorliegt, aus fünf Sätzen:\n4/4 Tact (S. 1—15), Minuetto I. (S. 16 —l9), Adagio\n4/4 Tact (S. 20 27), Minuetto (S. 28, 29),\n2/4 Tact (S. 30 40), Alles in Es ist also ein\nziemlich umfangreiches Werk. Die zwei Menuetts machten\nursprünglich, in der ersten Ausgabe für sechs Stimmen, ei-\nnen Theil des Ganzen aus; ob Mozart sie in die achtstim-\nmige Bearbeitung mit aufgenommen wissen wollte, scheint"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4903, "texte": "dem Herausgeber ungewiss, weil dfe Abschrift derselben\nnicht von Mozart's eigener, sondern seines Notenschreibers\nHand herrührt und nicht nach der acht-, sondern nach der\nsechsstimmigen Partitur gemacht ist, zu welcher Mozart\nnur nachträglich die zwei Oboen hinzugefügt hatte. Auch\nhat Mozart das erste Allegro, das Adagio und das letzte\nAllegro fortlaufend paginirt.\nUns scheint es klar, dass er bei der achtstimmigen Be-\narbeitung die Menuetts ausschliessen wollte, und zwar ur-\ntheilen wir dies aus dem inneren Grunde, dass in den\ndrei grossen Sätzen die Oboen selbstständig auftreten,\nin den beiden Menuetts aber eben so gut wegbleiben kön-\nnen. Er hat sie auf irgend eine Veranlassung von aussen\neben nur darüber geschrieben. Dass sie Hr. Andre aber\nhat mit abdrucken lassen, ist jedenfalls zu billigen, da sie\nja doch von Mozart herrühren und auch, namentlich das\nerste, ganz seiner würdig sind.\nDie zweite Serenade in C-moll, im Jahre 1782 com-\nponirt, ist durch Mozart's eigene Bearbeitung als Quintett\nfür zwei Violinen, zwei Bratschen und Violoncello bekannt.\nDie gegenwärtige Partitur-Ausgabe gibt Gelegenheit zu in-\nteressanter Vergleichung der ursprünglichen Gestalt mit der\nnachherigen und zur Beobachtung der meisterhaften Art,\nwie Mozart die Klangfarben der Blasinstrumente zu mi-\nschen verstand. Sie besteht aus dem Allegro C-moll 4 (S.\n1—12), Andante Es-dur3/8 (S. 13—18), dem treffli-\nchen canonischen Minuetto in C-moll und C-dur (S. 18—21)\nund dem Allegro in C% (S. 22 32.)\nBeide Serenaden sind auch in Stimmen (zu 23 4 Fl.),\nso wie im Clavier-Auszug zu vier Händen (zu 1 Fl. 48 Kr.)\nerschienen.\nDas dritte hieher gehörige Heft ist das\nAdagio für zwei Clarinetten und drei Basselhörner.\nNachgelassenes Werk. Partitur. Preis 27 Kr.\nEin kleines zartes Musikstück in B-dur, 3 4 Tact, von\nnur 104 Tacten, das auch für das Streich-Quintett und für\ndas Ciavier zu vier Händen eingerichtet ist.\nIn der ganzen Welt spielen jetzt Garten-Concerte und\nConcerte von Militärmusik eine Rolle, und so erfreulich ihr\nzahlreicher Besuch für die steigende Theilnahme auch der\nmittleren Classen an der Tonkunst, so traurig ist die Er-\nfahrung, dass die meiste Musik, welche ihre Leiter zu Ge-\nhör bringen, den reinen Sinn und den guten Geschmack\nverdirbt. Die Potpourris und die Arrangements aus trivia-\nlen Opern haben die Oberhand; macht man sich aus dem\neinen Local weg, um der Norma oder Linda von Holz zu\nentfliehen, so fällt man im anderen der Lucia oder dem\nRomeo von Blech in die Hände. Und so wundervolle Ori-\nginalwerke für Harmonie-Musik, wie diese drei\nMozart'schen, liegen da ungekannt und unbeachtet! Versucht\nes nur einmal, ihr Herren Directoren, diese Serenaden stu-\ndiren und dann gut ausführen zu lassen, und ihr werdet\ngewahr werden, wie empfänglich die Herzen des grossen\nPublicums für gute Musik sind. Bläser, die den Schwierig-\nkeiten derselben gewachsen sind, besitzt jetzt jedes Musik-\ncorps ; denn Mozart schreibt nicht gegen die Natur der In-\nstrumente; seine Hornisten brauchen nicht Clarinette zu\nblasen, und seine Clarinettisten brauchen nicht Violine zu\nspielen. Nur für das Adagio in B-dur wird es an Basset-\nhörnern fehlen; das dritte kann alsdann durch ein Fa-\ngott und die beiden ersten durch chromatische F-llörner\nersetzt werden, oder auch das erste durch ein\npiston.\nWir verbinden ferner hiermit die Anzeige zweier aus\ndem Nachlass des Meisters jetzt zum ersten Male von der-\nselben Verlagshandlung veröffentlichten und ebenfalls von\nHrn. Julius Andre herausgegebenen Werke, einer So-\nnate und eines Duetts.\nSonate G-dur für Ciavier Preis 1 Fl.\n30 Ivr.\nDas erläuternde Vorwort (März 1853) belehrt uns,\ndass sich von dieser Composition im Manuscript vom ersten\nSatze (.Allegro 74 Tact) nur der erste Theil und wenige\nTacte (nämlich 9) des zweiten Theiles, ferner ein Thema\n(Andante 2,4 Tact) mit Veränderungen und Zwischensätzen,\njedoch ohne Schluss, vorgefunden haben. Hr. J. Andre hat\nnun zu dem Allegro einen zweiten Theil nach Motiven des\nersten zusammengesetzt und dem variirten Thema einen\nSchluss hinzugefügt. Er hat sich dabei so wenig wie mög-\nlich zu einem selbstständigen Schaffen verführen lassen,\nwas sehr zu billigen ist, und die Stellen, wo seine Ergän-\nzungen beginnen, sind mit dem Buchstaben A bezeichnet.\nDiese Ergänzungen sind ganz ange nessen, nur können wir\ndas Hinaufgehen über den alten Umfang des Claviers nicht\ngutheissen, da die Klangfarbe der sechsten Octav selbst\nfür das Ohr des Laien auf der Stelle der Mozart'schen\nMusik einen Anstrich des Modernen gibt, welchen sie nicht\nvertragen kann.\nDie Sonate ist nach der Meinung des Herausgebers in\nden siebenziger Jahren geschrieben, für welche Annahme\ner ausser dem Stil auch die Notenschrift anführt. Wir hal-\nten sie ebenfalls für ein sehr frühes Werk, vielleicht aus\ndem dreizehnten oder vierzehnten Lebensjahre Mozart's, aber\ndesto interessanter. Abgesehen von dem historischen Werthe,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2728, "texte": "empfehlen wir sie auch zu praktischen Zwecken allen Cla-\nvierlehrern.\nDuett, „Welch ängstliches\nnor e (Belmont und\nEntführung aus\nwurf mit beigefügtem Ciavier-Auszug. Preis 1 Fl.\nBei der Revision der Mozart'schen Handschriften fan-\nden sich auch verschiedene Entwürfe zu einzelnen Num-\nmern der Oper: Die Entführung aus dem Serail. Das\nvorliegende Duett zwischen Belmont und Pedrillo sollte\nseine Stelle vor der Befreiungsscene finden. Mozart legte\nes jedoch späterhin bei Seite, schob statt dessen einen kur-\nzen Dialog und die bekannte Romanze in ein. Es\nschien aber dem Herausgeber historisch zu interessant, um\nnicht der Vergessenheit entrissen zu werden (Mai 1853).\nWir fügen dem hinzu, dass es nicht nur historisch, son-\ndern auch musicalisch höchst interessant ist und den ech-\nten Mozart'schen Geist, der für jede Seelenstimmung die\ncharakteristische Melodie zu finden wusste, bekundet. Lei-\nder sind im Manuscript nur die ersten acht Tacte vollstän-\ndig instrumenlirt (Geigenquartett, Flöte, Oboe, Fagott, zwei\nHörner in Es, deren Liniensystem aber nicht ausgefüllt ist),\nvon allem Uebrigen sind nur die beiden Singstimmen und\nder Bass ausgeschrieben und hier und da ein paar Tacte\nin den Violinen. Hr. J. Andre hat, um das schöne Duett\ndem musicalischen Publicum vorlegen zu können, eine\nCiavierbegleitung hinzugefügt; was von dem Partiturent-\nwurf vorhanden war, ist mit historischer Treue über der\nCiavierstimme abgedruckt. Wir finden die Begleitung im\nGanzen gut; jedenfalls muss das Publicum dem Herausge-\nber dafür danken; der Musiker mag, wie das Vorwort\nsagt, „wenn sie ihm nicht genügt, sich selbst eine andere\naus den vorhandenen Materialien anfertigen.\"\nDas Duett beginnt mit einem in 3/8\nTact, Solo des Belmont (64 Tacte), das unmittelbar beim\nErscheinen des Pedrillo in ein Allegro 74 Tact auf eine\nköstlich humoristische Weise nach übergeht. Es\nwird von da an 86 Tacte lang zum eigentlichen Duett, in\nwelchem Belmont seine Unruhe und Hast nach Befreiung\nder Geliebten kaum beherrscht, während Pedrillo auf ko-\nmische und verschmitzte Weise zur Ruhe mahnt und sei-\nnen Plan entwickelt. Mit dem 87. Tacte bricht die Hand-\nschrift mit einer plötzlichen Modulation von der Dominante\nvon Es nach G(wahrscheinlich Dominant-Accord von\nauf die Worte: „ 0 weh! 0 weh!8 ab, welche auf die un-\nwillkommene Dazwischenkunft Osmin's schliessen lassen.\nIlr. J. Andre hat diesen Tact zwar abgedruckt, aber durch-\nstrichen und mit geschickter Benutzung derjenigen Motive\ndes Duetts, welche zum Schluss auf der Dominante von\nEs führten, einen Schluss auf der Tonica von 18—22\nTacten hinzugefügt, welcher dem Zweck entspricht, das\nDuett für Aufführungen in Concerten oder musicalisch-\ngeselligen Cirkeln handrecht zu machen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-20_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "59", "page_fin": "60", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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Die reizende Einrichtung des Gartens,\ndas vortreffliche Orchester, das in den letzten Wochen\nmehrmals die Ouvertüre zum Tannhäuser und Einzelnes\naus dem Lohengrin zur Aufführung brachte, sind schon\nhinreichende Lockungsmittel; das Theater ist hier nicht\nHauptzweck, und dennoch leistet die Oper recht Anerken-\nnungswerthes; es war z. B. die Vorstellung des Wild-\nschützen, der wir kürzlich beiwohnten, wenngleich im\nEinzelnen mit manchen Mängeln behaftet (da natürlich die\neinzelnen Mitglieder nur mässiges Talent und Bildung ha-\nben), so doch im Ganzen recht lebendig und abgerundet.\nNatürlich tritt bei diesen Vergnügungen das strenge künst-\nlerische Interesse sehr in den Hintergrund; aber es liegt ja\nwohl in der Natur der Sache, dass der Sommer andere\nNeigungen erweckt, und es ist immer ein Zeichen von der\nim Allgemeinen vorgeschrittenen musicalischen Bildung, dass\nblosse Garten-Concerte nicht mehr genügen, dass die Kunst\nselbst an den Freuden des Sommers einen grösseren An-\ntheil haben muss, als bisher. Unter diesen Verhältnissen\nleidet natürlich die Holbühne. Die königsberger Gesellschaft,\ndie heute zum letzten Male auftritt, hat nicht mit Ruhm\nihr diesmaliges Gastspiel zu Ende geführt. Zwar liess sich\ngar nichts Besseres von ihren Leistungen erwarten; aber\nder grössere Theil des Publicums fand eben kein Vergnü-\ngen daran, trotzdem dass manche ältere, seit langer Zeit\nnicht gehörte Oper auf das Repertoire kam. Marschner's\nTempler und Jüdin würde wohl mehr als einmal zur Aul-\nführung gekommen sein, wenn nicht gerade diese Oper der\nAusführung so viele Schwierigkeiten böte. W i n t e r' s un-\nterbrochenes Opferfest erregte schon höheres Interesse. Die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4805, "texte": "alten heiteren Operetten, wie der Knicker, der Doctor und\nApotheker, der Dorfbarbier, Fanchon, Aschenbrödel u.s.w.,\nzogen doch auch nur theilweise, wie denn überhaups diese\nin den letzten Jahren so plötzlich eingetretene Vorliebe für\ndas Aeltere nicht überschätzt werden darf. Es ist, wie\nwenn wir in grossen und vornehmen Verhältnissen leben,\nuns plötzlich erinnern, dass wir in der Kindheit mit einer\neinfachen harmlosen Familie gelebt und sehr glückliche\nTage verbracht, sie dann aber ganz aus den Augen verlo-\nren und vergessen haben. Wir suchen sie auf, freuen uns\nunendlich; im ersten Rausch scheint uns das trauliche Still-\nleben weit vorzüglicher, als unser jetziger geräuschvoller\nGlanz; wir geben uns einige Wochen lang ganz der neuen\noder vielmehr der alten Liebe hin. Aber jede Reaction in\nder Welt ist entweder nur eine momentane, oder sie\nschreitet über unsere Leichen zum Siege; mit seinem eige-\nnen Willen kann Jeder nur vorwärts dringen. Was wir ge-\nworden sind, das kann nur auf kurze Zeit vergessen wer-\nden ; die Bedürfnisse unserer jetzigen Bildung treten unver-\nmerkt wieder ein, die Besuche werden seltener, und wir\nmüssen uns zuletzt gestehen, dass jeneßückerinnerung eine\nganz angenehme Episode war, aber auch nur eine Episode.\nFür diese älteren Operetten sowohl als für Lortzing's ko-\nmische Opern waren die Herren Düffke (jetzt Mitglied\nder Ilolbühne) und Fessel recht an ihrem Platze. Am\nnützlichsten wurde uns das Gastspiel der Königsberger, in-\ndem es durch sie möglich wurde, dass Roger auftrat. Er\ngab viermal den Georg Brown und zweimal den Edgardo.\nDas Haus war meistens bis auf den letzten Platz gefüllt,\nder Beifall enthusiastisch. An zartem Schmelz sowohl als an\nder Kraft der hohen Töne hat die Stimme wieder Einiges\neingebüsst; aber die Gewalt des Genie's dringt trotzdem\nnoch immer durch, und er beweis't uns aufs Neue, wie viel\nsich von dem Herkömmlichen aufgeben lässt, wenn es gilt,\nandere höhere Zwecke zu erreichen. Für das nächste Jahr\nsteht uns ein neues Gastspiel Roger's in Aussicht und, bei\nGelegenheit desselben, wie uns bestimmt versichert worden\nist, der Don Juan. Roger wird nicht etwa den Octavio sin-\ngen, der übrigens seiner Individualität auch gar nicht zusa-\ngen würde, sondern den Don Juan selbst. Einzelne Stellen\nausgenommen, wird ihm, wie ich glaube, die Partie nicht\nzu tief liegen, da sein Organ nach allen Seiten hin sehr\nelastisch ist. Für Manches wird er vielleicht, namentlich in\nmusicalischer Beziehung, nicht den ganz richtigen Ton tref-\nfen; er wird mehr im Stande sein, die poetische Idee des\nDon Juan im Allgemeinen, alsMozart's Ausführung dersel-\nben, die wesentlich durch den vornehmen, gemessenen Ton\njenes Zeitalters bedingt war, in sich aufzunehmen. Die heu-\ntige Zeit ist freier und kühner, aber dem Dienste der Gra-\nzien in geringerem Grade geneigt. Trotzdem indess, dass\nRoger nicht ganz der Mozart'sche, sondern ein moderner\nDon Juan sein wird, dürfte er unter allen Lebenden der\nberufenste Darsteller dieser Rolle sein. Gegenwärtig\nO O\ngastirt Frl. Boch ko 11 z - Fal co n i an unserer Bühne. Was\nRiehl von ihr geurtheilt hat, ist jedenfalls übertrieben. Eine\nSängerin von bedeutendem kunsthistorischem Verständniss\nmüsste die Donna Anna mit weniger vibrirendem Tone, mit\nnicht allzu vielen declamatorischen Accentuirungen, mit\nhervorragendem Sinn für Abrundung eines Kunstganzen\nsingen. Vorzüglich war in der ganzen Darstellung nur die\nAusführung des Allegro in der Brief-Arie. Eben so müsste\neine Sängerin von diesen Eigenschaften die Lucrezia Borgia\nleidenschaftlicher darstellen, als es Frl. B. thut. Auch an-\ndere technische Mängel sind zu rügen. Die Höhe ist scharf,\ndie Tiefe in moderner Manier forcirt; im Ganzen ist der\nKlang der Stimme schön, rund und von edelm Timbre;\naber selbst die Mittellage ist nicht vollständig von gepress-\ntem Kehlton frei, der auch der Deutlichkeit der Aussprache\ngrossen Eintrag thut. Die Coloratur-Fertigkeit ist anzu-\nerkennen; neben vielem Gelungenen finden sich aber auch\nPassagen vor, bei denen etwas Blendwerk zu Hülfe kom-\nmen muss. Diese Mängel hindern es indess nicht, dass Frl.\nB. immer noch eine sehr hohe künstlerische Stufe einnimmt.\nSie hat ihre schönen natürlichen Fähigkeiten recht weit\nentwickelt, bleibt im Ganzen der edeln Kunstrichtung treu\nund besitzt musicalisch-dramatischen Verstand. Es wird ihr\nnur selten gelingen, das Publicum hinzureissen; ihr fehlen\ndazu, wie es scheint, Eigenschaften des Temperaments; am\nwenigsten aber gelingt es ihr in leidenschaftlichen Momen-\nten. Der Schluss des zweiten und dritten Actes in der Lu-\ncrezia, die Rache-Arie und das vorangehende Recitativ in\nDon Juan machten wenig Wirkungen; dagegen erwärmten\ndas Publicum einige sanftere Partieen in der Lucrezia.\nDer Ausführung der Brief-Arie folgte stürmischer Hervorruf.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-20_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "60", "page_fin": "61", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.2.3", "titre_corps": "Noch einmal Hauptmann’s „Natur der Harmonik und Metrik“.", "titre_sommaire": "Noch einmal Hauptmann’s „Natur der Harmonik und Metrik“.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.4", "debut_caractere": 4807, "fin_caractere_exclue": 5303, "texte": "Noch einmal Hauptmann’s „Natur der\nHarmonik und Metrik“.\nWir haben in der vorigen Nummer eine Stoppellese aus dem\noben genannten Werke, gesammelt von einem unserer geschätzten\nMitarbeiter, mitgethcilt. Die angezogenen Stellen sprechen von selbst\nlaut genug dem Werke das Urtheil. Da wir aber in unserem Pro-\ngramm (Nr. 1 S. 3) erklärt haben, dass wir es auch für Pflicht\nhalten, vor den Ruhmversicherungs-Anstalten und ihren Blendwer-\nken zu warnen, so müssen wir heute noch einmal auf Hauptmann^"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4400, "texte": "Werk zurückkommen, um eine Gasse der deutschen Kritik sich\nselbst charakterisiren zu lassen. Diese Kritik spukt am meisten\nin den Feuilletons der politischen Blätter und hat dadurch manche\nVortheile. Den Männern von Fach entgehen dergleichen musicali-\nsche Artikel in nicht musicalischen Blättern sehr leicht, und bei\ndem grossen Publicum der Laien, welches zu blenden sie berech-\nnet sind, finden sie eine weit grössere Verbreitung, als wenn sie\nsich in die eigentlichen Kunstblätter wagten.\nHr. L. Köhler in Königsberg belehrt die Welt über den tie-\nfen Sinn des Hauptmann'schen Werkes in der Königsberger Har-\ntung'schen Zeitung; wir ziehen folgende Stellen aus seinem Artikel\naus, um den Lesern zu zeigen, wie eine gewisse Kritik auf ge-\nschickte Weise die ärgste Lobhudelei mit scheinbarer Gedanken-\ntiefe zu verbinden weiss.\n„W as Hauptmann\" heisst es darin ~hier unter Natur der\nHarmonik und Metrik versteht, dürfte von Vielen auf rein akusti-\nsche und chronologische Bedingungen des Tones bezogen werden;\nobschon Hauptmann solche nicht unberücksichtigt lässt, will er sie\ndoch keineswegs als eigentlichen Gegenstand seiner Untersuchung\nbetrachtet wissen. Es ist vielmehr die tief-innere, geheimnissvolle,\ngeistige Beziehung der Harmonieen unter einander, wie auch zu\ndem Menschengeiste, der sich ihrer, von innerer Notwendigkeit\ngedrängt, als Ausdrucksmittel bedienen muss; es ist ferner der gei-\nstige Zusammenhang der Metrik in Bezug auf ihre einzelnen Zeit-\ntheile unter sich, wie solche im zusammen geordneten Ganzen mu-\nsicalisch verwendet werden, wie auch der Metrik mit der Harmonik.\nGanz absehend von aller musicalischen Praxis, vertieft sich Haupt-\nmann in den Urstoff aller Musik; er weis't nach, wie demselben\nein organisches Leben innewohnt, das nach einem, für jede leben-\ndige Gestaltung gültigen Principe sich selbstständig entwickelt. Wie\nHauptmann dies thut, muss man selbst erleben im Studium seines\nBuches, das ein neuer Triumph deutschen Geistes ist. Ein musi-\ncalischer Kant, legt Hauptmann die Gesetze vernünftigen musica-\nlischen Denkens auf mathematisch-philosophischem Wege dar; ein\nHumboldt der Musikwissenschaft, gibt er in seinem Werke einen\nKosmos der Harmonieenwelt, deren Wunder man erst durch des\nVerfassers tiefsinnige Interpretation recht erkennen und im logi-\nschen Zusammenhange begreifen lernt. Das von Hauptmann darge-\nlegte System ist also weder eine Generalbass- noch Compositions-\nlehre, sondern liegt vielmehr aller Theorie und Musik zum Grunde.\nDie Theorie gibt die Regeln (mit deren so genannten „Ausnah-\nmen\"), welche aus vernünftiger Musik abgeleitet werden, um beru-\nfene Schüler allenfalls zu vernünftig schaffenden Musikern zu bil-\nden; den die Materie und die Formen beseelenden Geist kann\nman bekanntlich wohl wecken, wo er etwa schlummert, doch in\nNiemanden hineinbilden. Hauptmann gibt nun in seinem Buche\nweder Regeln oder Formen, noch eine dieselben erfüllende Idee,\nsondern er entdeckt die Gesetze, aus denen jene hervorgehen und\nnach denen dieser auszudrücken ist. Nur wenige Musiker (leider!)\nwrerden den Trieb haben, tiefer in das Wesen der Tonwelt einzu-\ndringen, als es im Studium der Harmonie- und Compositionslehrcn\ngeschehen kann; noch wenigere werden vielleicht dem Verfasser zu\nfolgen vermögen, falls nicht eiserne Beharrlichkeit und thätiges\nSelbstdcnkcn das Studium unterstützt; denn Hauptmann gräbt tief,\nso tief überhaupt zu kommen ist; aber sein Buch bietet dafür auch\nunerschöpfliche Minen, es gibt eine Lebenszeit lang zu denken und\ndamit den Stoff zur steten Selbstfortbildung. Von vielem Interesse,\nund in seinem rein abstracten Wesen leichter als den meisten Fach-\nmusikern dürfte das Buch gut musicalisch gebildeten Männern der\nWissenschaft sein, und diese würden sicher nicht wenig Stoff zu\ngeeigneter Verwendung auf anderem Gebiete darin finden. Das\nWerk ist die Vollreife Frucht eines ganzen Lebens, es steht da ohne\nRivalen in der Literatur: man darf es darum wrohl mit jener Ehr-\nfurcht in die Hand nehmen, die bei etwa eintretender Schwierig-\nkeit des Verständnisses den Leser eher bescheiden die eigene Un-\nzulänglichkeit bekennen, als das daran unschuldige Werk missdeu-\nten lässt. Mit grösstem Interesse ist der von dem verehrten Herrn\nVerfasser angekündigte Nachtrag zu erwarten, welcher dieser ab-\nstract theoretisch gehaltenen Darstellung des Systems erläuternd mit\npraktischen Beispielen folgen soll.44"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-20_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "61", "page_fin": "62", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.2.4", "titre_corps": "Theresa Milanollo und die wiener Kritik.", "titre_sommaire": "Theresa Milanollo und die wiener Kritik.", "signature_source": "H—l", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.5", "debut_caractere": 4402, "fin_caractere_exclue": 7702, "texte": "Theresa Milanollo und die wiener Kritik.\n\nJede 11 ngewöh nli c h e Erscheinung in der Kunst weit regt die\nKritik zum Widerstande an, während sie das Publicum mit sich\nfortreisst. Ist unter den kritischen Tagesfedern zufällig eine, die\ndurch die Gewohnheit des Kritisirens noch nicht den reinen Natur-\nzug verloren hat, oder deren Führer mit der Kunsterscheinung\nsympathisirt, so wird sie mit dem Urtheile des Publicums freudig\nzusammentreffen. Die übrigen Stimmen pflegen entweder in gereiz-\nter Selbstgefälligkeit immer herber und ungerechter zu werden oder\nsich endlich doch der allgemeinen Stimme einlenkend zu fügen.\nDie Sache ist begreiflich. Alles Ungewöhnliche, alles Geniale steht\nüber dem Vergleiche, über der Schule; die Kritik lebt vom Ver-\ngleichen, die Schule ist ihre Stütze, das Hergebrachte ihr Maassstab.\nAllerdings ist die Schule von grossem Werthe; denn sie gibt\ndie Regel, und einer Regel muss sich alles fügen, was an die Form,\nan die Erscheinung und ihre Bedingungen gebunden ist. Das Tech-\nnische muss in jeder Kunst gelernt werden, und selbst für den\nGeschmack, für den Effect gibt es gewisse Gesetze, w elche die prü-\nfende Erfahrung an die Hand gibt. Allein im Genialen ist etwas,\nwovor die Schule gleichsam erschrickt, worüber sie ihre eigenen\nRechte vergisst.\nBei der letzten Anwesenheit Theresa Milanollo's in Wien\nhaben die obigen Bemerkungen sich mir unabweislich aufgedrun-\ngen. Wie hat die Kritik sich mit wenigen Ausnahmen ihr gegen-\nüber vornehm in die Brust geworfen, wie hat sie sich abgemüht,\nnur das hervorzuheben, was in ihrem Spiele nicht zu finden sei,\nwas Andere besser gemacht hätten, was besser gemacht werden\nkönne! Wie hat sie selbst an denjenigen Vorzügen gemäkelt, die\nsie ihr mit dem besten Willen nicht bestreiten konnte! Ja, die\nKritik hat in diesem Falle ihren mephistophelisch verneinenden\nCharakter so recht grell wieder hervorgekehrt; die eine Stimme\nhielt der Künstlerin wohlmeinend vor, wie der Ansatz bei dieser\nund jener Tonfigur beschaffen sein solle, und wies auf Lafont und\nMayseder hin; die andere beschwor die Erinnerung an den Geigen-\nFürsten Paganini aus dem Grabe und fragte, ob auch nur eine Spur\nvon jener begeisternden Wirkung, welche er auf die Gemüther her-\nvorbrachte, von dem Spiele Theresa's ausgehe; dieser sprach ihr\nKraft und Schwung, jener Geist und Lebendigkeit ab.\nVollendete Reinheit, Virtuosität in einzelnen Formen und jene\nSeelensprache ihres elegischen Spiels, die jedes Herz überwältigt,\nrnusste freilich auch die übelwollendste Kritik zugestehen; doch be-\nfand sie sich wohl dabei, auch hier auf das ermüdende Vorherr-\nschen dieser elegischen Weise ihres Spiels aufmerksam zu machen.\nFragen wir dagegen um das durch Besuch und Beifall kundge-\nwordene Urtheil des Publicums. Achtzehn Concerte bei stets ge-\ndrängt vollem Hause und ein von Concert zu Conccrt sich stei-\ngernder unermesslicher Beifall sind die Antwort. lch überschätze\nkeineswegs die so genannte Volksstimme als Richter in Sachen der\nKunst und des Geschmackes; ich weiss es, welchen Einfluss die\nMode und die Zeitstimmung darauf hat; aber so viel ist gewiss,\ndass nur das Ungewöhnliche eine solche Wirkung hervorzubringen\nvermag, wie sie Theresa Milanollo hervorbrachte. Fassen wir die-\nses Publicum näher ins Auge. War es im Concertsaale vorzugs-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5764, "texte": "weise die höhere Gesellschaft, die Aristokratie der Geburt und des\nGeldes, das angesehenere Bürger- und Beamtenthum, die gebilde-\ntere Classe der Kunstfreunde, welche bald in athemloser Stille\nlauschten, bald in stürmisches Entzücken ausbrachen, so sah man\nim Theater an der Wien alle Schichten der Gesellschaft, jede Stufe\nder Bildung vertreten. Und wer hier die unwillkürlichen Ausbrüche\ndes Jubels, wer die naive, liebevolle Hingebung aller jener schlich-\nten Menschenkinder, die von keiner Schule, von keiner Geschmacks-\nregel, von keiner Aesthetik etwas wissen, an die ihnen neuen und\ndoch seelenbefreundeten Eindrücke wahrnahm, wer es sah, wie sie\nmit feuchten Augen diesen gezogenen Tönen lauschten, mit raschem\nPulse und freudigem Aufjauchzen jenen hüpfenden und perlenden\nTönen, dem humoristischen Wetterleuchten einer schmerzseligen\nEmpfindung folgten, die sich dadurch ihrer eigenen Uebermacht\nzu erwehren strebt, der musste es sich zugestehen, dass hier jene\nmagische Kraft walte, der kein Herz zu widerstehen vermag, als\ndas eines Kritikers von Profession. So überwältigend, mit einer\nsolchen lawinenartig anschwellenden Macht wirkt nur jenes geheim-\nnissvolle Etwas, welches wir Genie nennen, und das in der schaf-\nfenden Kunst den genialen Gedanken und den genialen Ausdruck\nzeugt, während es in der blossen musicalischen Vortragskunst auch\nnur durch den Vortrag zu wirken vermag, und durch diesen nur\ndann genial wirkt, wenn es den Gedanken und die Empfindung\ndes Tonstückes nicht bloss mechanisch treu und sicher wiedergibt,\nsondern es aus sich selbst gleichsam neu gebiert und mit einer\nselbstständigen, vollen, tiefen und wahren Seele durchdringt.\nSo trägt Theresa Milanollo vor, und desshalb ist ihr Spiel, wenn\nes auch nicht mit gleicher Gewalt die ganze Tonleiter der Gefühle\nder Menschenbrust beherrscht, von so ungeheuren Erfolgen be-\ngleitet.\nUnd doch ist sie nicht mehr das, was sie war; der himmlische\nZauber im Spiele des dreizehnjährigen Mädchens, das noch rein aus\ndem genialen Instincte quoll, noch von einer ihrer Wunderkräfte\nunbewussten Seele beherrscht wurde, noch so keusch-naiv war wie\ndie Natur, und sicher und vollendet inner den Gränzen sich hielt,\ndie ihm das Naturgefühl vorzeichnete, dieser himmlische Zauber\nist zwar nicht verloren gegangen, aber er hat gelitten.\nTheresa Milanollo hat alle Kunstformen und Künsteleien,\nalle Vortragsweisen und Geschmacksrichtungen, die sich in der Be-\nhandlung der Violine in neuester Zeit hervorthaten, kennen gelernt,\nsie hat im Technischen den grössten Virtuosen der Gegenwart nach-\ngerungen, sie hat es im Flautato zu einer Kunstfertigkeit gebracht,\ndie vielleicht noch nicht dagewesen, sie hat in manchen anderen\nVortragsweisen sich vervollkommnet, manches früher nicht Ver-\nmochte sich angeeignet und das Feld ihrer Geschicklichkeit jeden-\nfalls erweitert; allein sie ist auch nicht ganz frei geblieben von dem\nAnhauche des Manierirten, das leider die ganze neuere Kunst mehr\noder minder verdorben hat.\nJene hohe Einfachheit, Wahrheit und Reinheit der Empfindung,\nwomit sie als dreizehnjähriges Mädchen jeden Ton ihrer Violine\nverklärte, ist nicht unberührt geblieben von dem krankhaften Drange\nder Zeit, in einer gemachten Empfindseligkeit zu schwelgen und\ndem überreizten Bedürfnisse nach Erregung und Spannung mit\nkünstlicher Ueberschwänglichkeit zu Hülfe zu kommen.\nAllein wie wunderbar ist ihre Tonbildung im getragenen Ge-\nsänge, wie graziös bewegt sich ihr Bogen in allen zierlichen, pi-\nkanten Cantilenen! wie elfenartig leicht gaukeln die heiteren, hu-\nmoristischen Noten, wie feierlich schreitet der Gesang daher, wenn\ner religiöse Gefühle ausdrückt, wie mächtig schwillt er an, wenn\ner die Sehnsucht, wenn er den Schmerz des Lebens anklagt!\nMag daher die Kritik auf ihrem Standpunkte immerhin Recht\nhaben, wenn sie dieses und jenes im Spiele Theresa's vermisste,\nwenn sie eine schulgerechtere Behandlung einzelner Formen bei\ndem Einen, mehr Kraft im Tone und Schwung im Vortrage bei\ndem Anderen, mehr Grossartigkeit des Spiels bei dem Dritten rühmt,\nwie er immer heisse, so steht sie doch darum im Nachtheile gegen\ndas grosse aus sich selbst herausfühlende Publicum, weil sie das\nMechanische und Physische, die Technik und die Muskelkraft, die\nFormenregelmässigkeit und die äussere Stärke des Tons über das\nSeelische, über seine intensive Kraftfülle und eigenthümliche Schön-\nheit setzt.\nWeil nicht die Kraft eines Mannsarmes über diesen Bogen ge-\nbietet, weil nicht die Begeisterung einer männlichen Feuerseele diese\nTöne durchdringt, ist die Kritik vom Handwerke engherzig genug,\nmit Achselzucken über eine Erscheinung hinwegzublicken, welche\nnoch nie da war und wohl nicht wiederkommt.\nDenn eine solche seltene, ja, einzige Erscheinung ist und bleibt\nTheresa Milanollo, das erste (?) Weib, das eine Violine zur Hand\nnahm, sie mit Liebe an ihr Herz drückte und den Ausspruch\ndes Vorurthcils: „es sei nicht schicklich und kleide nicht gut\" über-\nhörend nicht abliess, den Antworten zu lauschen, welche die\nGeister der in der Geige wohnenden Töne ihrem sehnenden Her-\nzen zuflüsterten.\nUnd in der That! sollte die Geige, dieser Saiten-Sopran, nicht\ndazu berufen sein, unter den zarten,' feinbenervten Fingern der\nJungfrau erst seine tief-innersten Geheimnisse zu enthüllen? sollte\nein echt weibliches Künstlergcmüth sich nicht berufen fühlen, aus\ndiesen Tönen das Gewebe zu spinnen, worin es Lust und Schmerz,\nSehnsucht und Liebe zu einem harmonischen Bilde des Reinmensch-\nlichen verklärt?\nJa, Theresa Milanollo hat es gezeigt, dass der Charakter der\nGeige ein weiblicher ist, dass sie ihre lieblichsten Reize, ihre\nsüssesten Geheimnisse, ihre eigensten Wunder dem weiblichen Ge-\nmüthe anvertraut, wenn ihm das geniale Vermögen zur Seite steht!\n(N. Wiener M.-Z.)\n\nH—l."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-20_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "62", "page_fin": "63", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.2.5", "titre_corps": "Ueber das niederrheinische Gesangfest in Cleve.", "titre_sommaire": "Ueber das niederrheinische Gesangfest in Cleve.", "signature_source": "B—n", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.6", "debut_caractere": 5766, "fin_caractere_exclue": 7369, "texte": "Ueber das niederrheinische Gesangfest\nin Cleve.\n\nIn Cleve fand am 6. und 7. August das erste niederrheinische\nMänner-Gesangfest Statt, begünstigt vom herrlichsten Wetter. Cleve\nist, wie das schon die früheren niederländisch-rheinischen Feste be-\nwiesen, ein durch Gastfreundlichkeit der Bewohner, grossartige öf-\nfentliche Anlagen und herrliche Natur durchaus geeigneter Ort für\nsolche Feste; der Niederrhein besitzt bis in die kleinsten Orte eine\ngrosse Anzahl blühender Männergesang-Vereine, sie sind durch\ngünstigste Reisegelegenheiten nahe gerückt, und trotz alledem waren\nnur sieben Vereine in Cleve, davon einer der besten erst durch\nwiederholtes dringendes Bitten bewogen worden* das Fest mit seiner\nGegenwart und Theilnahme zu beehren!\n„Aber wie ist das möglich! Zu Düsseldorf im vorigen Jahre, da\nströmten sie ja herbei aus allen Gauen Deutschlands, da fasste ja\ndie ungeheure Tribüne kaum die 1400 Sänger!\"\nAch, nicht Annäherung und Befreundung der deutschen San-\ngesbrüder in herzlicher Biederkeit, nicht die Lust am Erschallen\nherrlicher Chöre führte die Tausende nach Düsseldorf: der Eitel-\nkeitsteufel war's, der undeutsche Preis- und Wettkampf mit sei-\nnen goldenen, übergoldeten, silbernen und versilberten Trinkge-\nschirren! Und darum fort mit solchen Preiskämpfen, die das ein-\nfache, bescheidene und brüderliche Streben unserer Vereine auf\nIrrwege und auch in musicalischer Beziehung dem Ruin zuführen!\nIn Cleve wurden keine Preise vertheilt! Desshalb waren sie\nnicht erschienen, die in Düsseldorf geglänzt! Das zeigt den wunden\nFleck unseres deutschen Männergesanges! Doch zur Sache."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4502, "texte": "Die beiden Concerte waren auf Samstag den 6. und Sonntag\nden 7., jedes Mal um 6 Uhr beginnend, angesetzt. Am ersten Tage\nGesammt-Aufführungen, am zweiten Einzel-Vorträge. Die Haupt-\nprobe am Freitag-Abend fand von auswärtigen Vereinen nur vor:\neinige Herren des crefelder Männergesang-Vereins und die Con-\ncordia aus Essen. Die Probe musste also vertagt werden. Doch\nauch am Morgen des ersten Festtages fand sich höchstens die\nHälfte der Sänger ein! Und war das eine Probe? Da zeigten sich\nrecht die Früchte des düsseldorfer „deutsch-französisch-belgischen\nMänner-Gesangfestes\". Es that gut, dass die Herren Dirigenten\nZöllner aus Meiningen, Wilhelm aus Crefeld und W einb r e n-\nner aus Elberfeld eine tüchtige Portion Geduld mitgebracht hat-\nten und ein gewisser kleiner Verein (der noch keinen ersten Preis\nerrungen hatte) zugegen war, sonst hätten wohl die Gesammt-Vor-\nträge wegfallen müssen.\nDas Programm brachte an grösseren Werken: Einen Doppcl-\nchor aus Sophokles' „Oedipus in Kolonos\" von Mendelssohn,\nden wunderschönen, tief-ernsten Psalm „Super fluminci\" von Ge-\nvaerts, Kücken's „Vor der Schlacht\", Zöllner's „Gebet der\nSee\" und eine neue Hymne mit Orchester-Begleitung: „Gott ist die\nLiebe\" (Manuscript), u. s. wr.\nDazu am ersten Tage die Ouvertüren zu Mozart's Don Juan\nund Beethoven op. 124, am zweiten Tage zu Joseph in Aegypten\nund zum Teil.\nDas Orchester (dessen Kern die Musik des 17. Inf.-Regiments\nbildete) führte sämmtliche Werke, namentlich aber die Tell-Ouver-\nture, ganz vortrefflich aus und trug desshalb nicht wenig dazu bei,\ndass nicht die ganze musicalische Seite des Festes über den Hau-\nfen geworfen wurde.\nNachdem denn nun einige Stunden vor dem Concert die Sän-\nger aus Bonn, Calcar, Crefeld, Düsseldorf, Elberfeld,\nEssen und Cleve zusammen etwa 200 bis 250 sich ein-\ngefunden hatten, begann dieses. Wir wollen über die Vorträge der\neinzelnen Werke nicht urtheilen, sie waren nicht der Kritik w erth;\nman glaubte Leute vor sich zu haben, die noch nicht die Noten\nkennen. Das Super flumina wurde nicht von den anwesenden 250\nSängern gesungen, nein, höchstens 25 wirkliche Männerstimmen\nerklangen, daneben aber eine unbestimmte Masse von Brummstim-\nmen. Im Kücken'schen Kriegerchor mussten in der Hauptprobe die\nBratschen und Celli den Bässen nachhelfen demgemäss war na-\ntürlich auch die Ausführung. Hr. Musik-Director Zöllner, dem man\nbemerkte, einige Wiederholungen würden das „Gebet der See\"\ndoch noch einiger Maassen herausbringen, sprach sich resignirt da-\nhin aus; „unter solchen Umständen sei alles Verweisen und Wie-\nderholen unnütz!\" Der einzige schöne Chor aus dem Oedipus ge-\nlang, getragen von der herrlichen Begleitung, ziemlich gut.\nDen zweiten Abend füllten Einzel-Vorträge sämmtlicher anwe-\nsender Liedertafeln. Wozu diese dienen sollen, wissen wir nicht.\nEtwa dazu, um zu zeigen: „Meine Herren und Damen, dies war\nder elberfelder Verein, er singt etwas besser als der ****, etwas\nschlechter dagegen als der *** Verein\"; oder: „Siesehen, meine\nHerrschaften, unser Verein macht schon recht gute Fortschritte, im\nnächsten Jahre wird er das Crescendo noch virtuoser ausführen!\"\nu. s. wr. u. s. w. Das mag in Frankreich, Polen oder Belgien\neinen Zweck haben, bei uns hat es unserer Ueberzeugung nach\nkeinen. Es wird höchstens ein Theil des Publicums dadurch be-\nfriedigt, der eben an höherem Streben keinen Antheil nimmt. Dass\naber die Gesammt-Aufführungen durch solches Wettsingen ganz und\ngar in den Hintergrund gedrängt werden, das ist ein Jammer! Und\nhoffen wollen wir von Herzen, dass das nächste Fest in Crefeld,\ndas zweite niederrheinische Männergesang-Fest sich\nDeutschlands würdiger zeige.\nUeber die Lustbarkeiten, Bälle, Toaste, unmusicalischen Ergüsse\nüberströmender Gemüther erlassen Sie mir wohl die Schilderung;\ndas kehrt bei jedem Feste in derselben Weise wieder. Zum Ruhme\nder Clever sei es gesagt, dass diese, die eigentlich gemüthliche Seite\ndes Festes, die gelungenste war, woher denn auch alle die fröhli-\nchen Gesichter der Sänger am folgenden Morgen, die im Nachge-\nnuss der schönen Tage, mit Dank für das thätige Festcomitc er-\nfüllt, in ihre Heimat zurückeilten, um sich hoffentlich alle übers\nJahr in Crefeld wieder zu finden. Es ist keine Frage, dass an der\nGastfreundschaft der Einwohner Cleves, an der Einigkeit aller de-\nrer, die zum Gelingen etwas beitragen können, an der regen Theil-\nnahme der städtischen Behörden alle Rheinstädte ohne Aus-\nnahme ein Beispiel zu nehmen haben. Dank und Ehre, dem Dank\nund Ehre gebührt!\n\nB—n."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-08-20-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-08-20_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-08-20_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "63", "page_fin": "64", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.7", "debut_caractere": 4504, "fin_caractere_exclue": 6749, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMerlin, Auf dem königsstädtischen Theater zieht Treumann\nvon Wien durch sein Gastspiel das Publicum an. In der „falschen\nPrima Donna in Krähwinkel\" war er durch geistige Fähigkeiten\nund körperliche Mittel der Rolle der falschen Catalani vollkommen\ngewachsen, wobei besonders zu rühmen ist, dass er bei der feinen\nCarikirung nie den äusseren Anstand auch nur im Mindesten ver-\nletzte und die Arie im hohen und reinen Falset sehr gelungen\nvortrug.\nTVlen« Der frühere dresdener Kammersänger Dalle Aste\ngibt jetzt hier Gastrollen. Er wird als Sarastro, Marcell u. s. w.\nauftreten. Mit Fräulein Ney sind Unterhandlungen von Seiten der\nOpern-Direction erneuert worden. Für ein längeres Gastspiel in\n1854 ist die Sängerin vorläufig gewonnen. Theresa Milanollo\nist dieser Tage hier durch auf ihre Villa bei Nancy gereis't, wo\nsie den Rest des Sommers verbringen wird.\nFrau Marlowr ist am Hof-Operntheater zu Wien auf acht Mo-\nnate engagirt. Saphir hat nach seiner musicalisch-declamato-\nrisch-humoristischen Akademie, am 31. Juli in Baden bei Wien\ngegeben, eine Reise durch Deutschland angetreten, deren Ziel im\nNorden Hamburg sein wird. Er wird auf derselben Akademieen\ngeben»\nDie neuesten Berichte aus Ischl über das Befinden des k. k.\nKammersängers Ander lauten befriedigend.\nFranz Liszt gebraucht die Bäder in Karlsbad; seine zahl-\nreichen Freunde und Verehrer in Wien hoffen ihn nach beendig-\nter Cur in der Kaiserstadt zu sehen. Seit 1848 war Liszt nicht\nin Wien.\nRotterdam. Schon jetzt ist ein vorbereitendes Comite für\ndie Feier des fünfundzwanzigjährigen Jubelfestes der niederlän-\ndischen Gesellschaft für Beförderung der Tonkunst,\nwelches im Juli künftigen Jahres Statt findet, ernannt und in Thä-\ntigkeit. Das Fest wird hier, wo der hochverdiente Stifter der Ge-\nsellschaft und ihr permanenter General-Secretär Hr. Yermeulen\nseinen Wohnsitz hat, nach einem kolossalen Ma.assstabe begangen\nwerden. Man wird sich bei Zeiten der grössten Meister zur Aus-\nführung der Soli versichern; es wird ein Personal von 800 Sängern\nund Instrumentalisten zusammen kommen; eine Halle, welche 5000\nPersonen fasst, wird erbaut. Sämmtliche Ehren-Mitglieder der Ge-\nsellschaft in Europa werden eingeladen zu diesem Feste, welches"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2132, "texte": "ein wahrer Künstler-Congress werden wird. Es soll acht Tage\n(Jauern, und die Kosten werden auf 100,000 Frcs. angeschlagen.\n** I*aris. Die Wiedereröffnung der grossen Oper ist auf\nMontag den 29. d. Mts. festgesetzt. Die Einnahmen der hiesigen\nTheater, Concerte u. s. w. sind im Monat Juni um 329,415 Frcs.\ngeringer gewesen als im Mai und doch haben wir keine Som-\nmer-Theater !\nMeyerbeer und Scribe lassen, wenn auch nicht geradezu\nin ihrem Namen, dagegen protestiren, dass die neue komische\nOper, welche diesen Winter von ihnen auf die Bühne gebracht\nwrerden solle, eine Bearbeitung der Oper „Ein Feldlager in Schle-\nsien\" sei. Das sei durchaus nicht der Fall, sondern Gedicht und\nMusik ganz neu. Nur im ersten Tableau des zweiten Actes seien\neinige ungedruckte Musikstücke aus jener Oper eingeschoben;\naber der erste und dritte Act, so wie das zweite Tableau des zwei-\nten Actes enthalten ganz neue Musik.\nHalevy's neue Oper, „Der Nabab\" (Nabob?), Text von Scribe\nund St. Georges, wird zwischen dem 20. und 25. d. Mts. gegeben\nwerden.\nDer Componist Ritter Neukomm ist in voriger Woche nach\nParis gekommen.\nDer Bassist Marchesi und seine Gemahlin, geb. Graumann,\nhaben am 10. August in Boulogne sur mer ein Concert gege-\nben, worin Frau Marchesi auch ein deutsches Lied von Kücken\ngesungen hat. Es heisst, Herr Marchesi sei für die nächste Saison\nin Florenz engagirt. Es halten sich viele Tonkünstler hier auf, um\ndie Seebäder zu gebrauchen, z. B. Herz, Rosenhain, Fr. Malleville-\nTardieu, Osborne, Bazzini und der kleine Pianist Mattei.\nLondon. Am 9. August wurde Spohr's Jessonda wiederholt\nund der vierte Act der Favorite dazu gegeben! So etwas kann\nnur in London sich ereignen. Aber freilich: nun konnte man ja\nauch Mario, Grisi und Tagliafico auf den Zettel setzen! Am 20.\nAugust wird die italiänische Oper geschlossen. Bei der Verstei-\ngerung der Instrumenten- und Musicalien-Saoimlung des verstorbe-\nnen Lords Falmouth wurde ein Guarnerius mit 3000 Frcs. und ein\nStradivarius eben so hoch verkauft. Unter den Manuscripten be-\nfand sich Armide, Oper von J. Haydn, 1793 componirt, Partitur\nvon der eigenen Hand des Componistcn."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "57", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.1", "texte": "Nachgelassene Werke von W. A. Mozart.\nWenn der Russe Alexander Ulibitscheff in seinem\nWerke über Mozart welches, beiläufig gesagt, noch\nlange nicht seinem grossen Verdienste gemäss in Deutsch-\nland gewürdigt worden ist (warum nicht? weil die Wahr-\nheiten, welche darin eindringlich gepredigt werden, nicht in\nden Kram der Fortschrittsmänner taugen, die da, um als\nMusiker und Kritiker Aufsehen zu erregen, alle die Son-\nnenstrahlen so lange wie möglich fern halten, welche den\nblauen Dunst ihrer Schule zersetzen würden) wenn je-\nner treffliche Russe, der von deutscher Kunst gesäugt, von\nSympathie für deutsche Musik gepflegt und erzogen wurde,\nsagt: „Jeder musicalische Gedanke stellt vor Allem eine in\nsich selbst begründete Bedeutung dar, d. h. eine rein mu-\nsicalische Bedeutung, ohne welche der Gedanke kein Ge-\ndanke wäre\", so sind wir beim Durchgehen der vor uns\nliegenden Mozart'schen Werke wiederum recht von der\nWahrheit dieses Satzes, als das eigentliche Wesen der Mu-\nsik bezeichnend, überzeugt worden, und dadurch eben auch\nvon der Wahrheit des Ausspruches, mit welchem Ulibit-\nscheff sein Buch schliesst: „Mozart lieben heisst mit Einem\nWorte die Musik an und für sich, rein, einfach, absolut,\nlieben.\"\nEs gibt nur zwei Dinge, welche ein Kunstwerk aus-\nmachen: die Idee und die Form die Idee ist die Seele,\ndas Leben; die Form ist der Körper, die räumliche Schranke\ndes Lebens. Die Idee ist unvergänglich und ewig jung, die\nForm ist veränderlich und altert. Aber die veränderte, ver-\njüngte oder neu gebildete Form ist an und für sich nichts,\nja, sie kann eben so gut ein Rückschritt als ein Fort-\nschritt sein, je nachdem die Idee beschaffen, welche sie be-\nleben und erst zum Kunstwerk machen soll. So ist auch\ndie Erfindung oder Erweiterung der Form noch lange\nnicht Genie. Man kann sie lernen, man kann sie nachma-\nchen : bei der Idee ist Beides unmöglich; sie kann, streng\ngenommen, nicht einmal nachgeahmt, sie kann bloss wie-\nderholt werden (Reminiscenz).\nDer grösste Schöpfer musicalischer Ideen, der je un-\nter dem Himmel gelebt, ist Mozart. Darum muss uns jede\nNote von ihm eine heilige Reliquie sein, und die musica-\nlische Welt ist der Verlagshandlung von Joh. Andre in\nOffenbach a. M. den wärmsten Dank schuldig, so oft\ndiese uns entweder mit etwas noch ganz Unbekanntem aus\ndem Nachlasse Mozart's beschenkt oder Bekanntes in voll-\nständigerer und ursprünglicherer Form nach Mozart's ei-\ngener Handschrift veröffentlicht.\nUnter dem allgemeinen Titel: „Verschiedene\nWerke von W. A. Mozart in Partitur\", liegen uns\nzunächst vor:\nZwei Serenaden für\nzwei Hörner und zw\nPreis 1 Fl. 30. Kr. Preis 1\nFl. 30 Kr.\nDie erste dieser Serenaden (Mozart hat deren viele tür\nBlasinstrumente geschrieben, auch unter der Benennung\n„Harmonie-Suiten\"; A. Fuchs in Wien besass deren zehn\nin Partitur) wurde, wie uns der Herausgeber, Hr. Julius\nAndre, in dem Vorworte berichtet, ursprünglich für zwei\nClarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte im October\n1781 (nach den Nachforschungen des Hofrathes Andr£,\nVaters des Hrn. Herausgebers) componirt und 1782 für\ndie oben genannten acht Instrumente umgeschrieben. Die\nbedeutendste Aenderung, welche Mozart dabei vornahm,\nist die, dass er den ersten Satz, welcher früher zwei Theile\nhatte, in Einem Theile ohne Unterbrechung und Wieder-\nholung gab.\nDie Serenade besteht jetzt, so wie sie in der Andr£'-\nschen Partitur vorliegt, aus fünf Sätzen:\n4/4 Tact (S. 1—15), Minuetto I. (S. 16 —l9), Adagio\n4/4 Tact (S. 20 27), Minuetto (S. 28, 29),\n2/4 Tact (S. 30 40), Alles in Es ist also ein\nziemlich umfangreiches Werk. Die zwei Menuetts machten\nursprünglich, in der ersten Ausgabe für sechs Stimmen, ei-\nnen Theil des Ganzen aus; ob Mozart sie in die achtstim-\nmige Bearbeitung mit aufgenommen wissen wollte, scheint"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "58", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.2", "texte": "dem Herausgeber ungewiss, weil dfe Abschrift derselben\nnicht von Mozart's eigener, sondern seines Notenschreibers\nHand herrührt und nicht nach der acht-, sondern nach der\nsechsstimmigen Partitur gemacht ist, zu welcher Mozart\nnur nachträglich die zwei Oboen hinzugefügt hatte. Auch\nhat Mozart das erste Allegro, das Adagio und das letzte\nAllegro fortlaufend paginirt.\nUns scheint es klar, dass er bei der achtstimmigen Be-\narbeitung die Menuetts ausschliessen wollte, und zwar ur-\ntheilen wir dies aus dem inneren Grunde, dass in den\ndrei grossen Sätzen die Oboen selbstständig auftreten,\nin den beiden Menuetts aber eben so gut wegbleiben kön-\nnen. Er hat sie auf irgend eine Veranlassung von aussen\neben nur darüber geschrieben. Dass sie Hr. Andre aber\nhat mit abdrucken lassen, ist jedenfalls zu billigen, da sie\nja doch von Mozart herrühren und auch, namentlich das\nerste, ganz seiner würdig sind.\nDie zweite Serenade in C-moll, im Jahre 1782 com-\nponirt, ist durch Mozart's eigene Bearbeitung als Quintett\nfür zwei Violinen, zwei Bratschen und Violoncello bekannt.\nDie gegenwärtige Partitur-Ausgabe gibt Gelegenheit zu in-\nteressanter Vergleichung der ursprünglichen Gestalt mit der\nnachherigen und zur Beobachtung der meisterhaften Art,\nwie Mozart die Klangfarben der Blasinstrumente zu mi-\nschen verstand. Sie besteht aus dem Allegro C-moll 4 (S.\n1—12), Andante Es-dur3/8 (S. 13—18), dem treffli-\nchen canonischen Minuetto in C-moll und C-dur (S. 18—21)\nund dem Allegro in C% (S. 22 32.)\nBeide Serenaden sind auch in Stimmen (zu 23 4 Fl.),\nso wie im Clavier-Auszug zu vier Händen (zu 1 Fl. 48 Kr.)\nerschienen.\nDas dritte hieher gehörige Heft ist das\nAdagio für zwei Clarinetten und drei Basselhörner.\nNachgelassenes Werk. Partitur. Preis 27 Kr.\nEin kleines zartes Musikstück in B-dur, 3 4 Tact, von\nnur 104 Tacten, das auch für das Streich-Quintett und für\ndas Ciavier zu vier Händen eingerichtet ist.\nIn der ganzen Welt spielen jetzt Garten-Concerte und\nConcerte von Militärmusik eine Rolle, und so erfreulich ihr\nzahlreicher Besuch für die steigende Theilnahme auch der\nmittleren Classen an der Tonkunst, so traurig ist die Er-\nfahrung, dass die meiste Musik, welche ihre Leiter zu Ge-\nhör bringen, den reinen Sinn und den guten Geschmack\nverdirbt. Die Potpourris und die Arrangements aus trivia-\nlen Opern haben die Oberhand; macht man sich aus dem\neinen Local weg, um der Norma oder Linda von Holz zu\nentfliehen, so fällt man im anderen der Lucia oder dem\nRomeo von Blech in die Hände. Und so wundervolle Ori-\nginalwerke für Harmonie-Musik, wie diese drei\nMozart'schen, liegen da ungekannt und unbeachtet! Versucht\nes nur einmal, ihr Herren Directoren, diese Serenaden stu-\ndiren und dann gut ausführen zu lassen, und ihr werdet\ngewahr werden, wie empfänglich die Herzen des grossen\nPublicums für gute Musik sind. Bläser, die den Schwierig-\nkeiten derselben gewachsen sind, besitzt jetzt jedes Musik-\ncorps ; denn Mozart schreibt nicht gegen die Natur der In-\nstrumente; seine Hornisten brauchen nicht Clarinette zu\nblasen, und seine Clarinettisten brauchen nicht Violine zu\nspielen. Nur für das Adagio in B-dur wird es an Basset-\nhörnern fehlen; das dritte kann alsdann durch ein Fa-\ngott und die beiden ersten durch chromatische F-llörner\nersetzt werden, oder auch das erste durch ein\npiston.\nWir verbinden ferner hiermit die Anzeige zweier aus\ndem Nachlass des Meisters jetzt zum ersten Male von der-\nselben Verlagshandlung veröffentlichten und ebenfalls von\nHrn. Julius Andre herausgegebenen Werke, einer So-\nnate und eines Duetts.\nSonate G-dur für Ciavier Preis 1 Fl.\n30 Ivr.\nDas erläuternde Vorwort (März 1853) belehrt uns,\ndass sich von dieser Composition im Manuscript vom ersten\nSatze (.Allegro 74 Tact) nur der erste Theil und wenige\nTacte (nämlich 9) des zweiten Theiles, ferner ein Thema\n(Andante 2,4 Tact) mit Veränderungen und Zwischensätzen,\njedoch ohne Schluss, vorgefunden haben. Hr. J. Andre hat\nnun zu dem Allegro einen zweiten Theil nach Motiven des\nersten zusammengesetzt und dem variirten Thema einen\nSchluss hinzugefügt. Er hat sich dabei so wenig wie mög-\nlich zu einem selbstständigen Schaffen verführen lassen,\nwas sehr zu billigen ist, und die Stellen, wo seine Ergän-\nzungen beginnen, sind mit dem Buchstaben A bezeichnet.\nDiese Ergänzungen sind ganz ange nessen, nur können wir\ndas Hinaufgehen über den alten Umfang des Claviers nicht\ngutheissen, da die Klangfarbe der sechsten Octav selbst\nfür das Ohr des Laien auf der Stelle der Mozart'schen\nMusik einen Anstrich des Modernen gibt, welchen sie nicht\nvertragen kann.\nDie Sonate ist nach der Meinung des Herausgebers in\nden siebenziger Jahren geschrieben, für welche Annahme\ner ausser dem Stil auch die Notenschrift anführt. Wir hal-\nten sie ebenfalls für ein sehr frühes Werk, vielleicht aus\ndem dreizehnten oder vierzehnten Lebensjahre Mozart's, aber\ndesto interessanter. Abgesehen von dem historischen Werthe,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "59", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.3", "texte": "empfehlen wir sie auch zu praktischen Zwecken allen Cla-\nvierlehrern.\nDuett, „Welch ängstliches\nnor e (Belmont und\nEntführung aus\nwurf mit beigefügtem Ciavier-Auszug. Preis 1 Fl.\nBei der Revision der Mozart'schen Handschriften fan-\nden sich auch verschiedene Entwürfe zu einzelnen Num-\nmern der Oper: Die Entführung aus dem Serail. Das\nvorliegende Duett zwischen Belmont und Pedrillo sollte\nseine Stelle vor der Befreiungsscene finden. Mozart legte\nes jedoch späterhin bei Seite, schob statt dessen einen kur-\nzen Dialog und die bekannte Romanze in ein. Es\nschien aber dem Herausgeber historisch zu interessant, um\nnicht der Vergessenheit entrissen zu werden (Mai 1853).\nWir fügen dem hinzu, dass es nicht nur historisch, son-\ndern auch musicalisch höchst interessant ist und den ech-\nten Mozart'schen Geist, der für jede Seelenstimmung die\ncharakteristische Melodie zu finden wusste, bekundet. Lei-\nder sind im Manuscript nur die ersten acht Tacte vollstän-\ndig instrumenlirt (Geigenquartett, Flöte, Oboe, Fagott, zwei\nHörner in Es, deren Liniensystem aber nicht ausgefüllt ist),\nvon allem Uebrigen sind nur die beiden Singstimmen und\nder Bass ausgeschrieben und hier und da ein paar Tacte\nin den Violinen. Hr. J. Andre hat, um das schöne Duett\ndem musicalischen Publicum vorlegen zu können, eine\nCiavierbegleitung hinzugefügt; was von dem Partiturent-\nwurf vorhanden war, ist mit historischer Treue über der\nCiavierstimme abgedruckt. Wir finden die Begleitung im\nGanzen gut; jedenfalls muss das Publicum dem Herausge-\nber dafür danken; der Musiker mag, wie das Vorwort\nsagt, „wenn sie ihm nicht genügt, sich selbst eine andere\naus den vorhandenen Materialien anfertigen.\"\nDas Duett beginnt mit einem in 3/8\nTact, Solo des Belmont (64 Tacte), das unmittelbar beim\nErscheinen des Pedrillo in ein Allegro 74 Tact auf eine\nköstlich humoristische Weise nach übergeht. Es\nwird von da an 86 Tacte lang zum eigentlichen Duett, in\nwelchem Belmont seine Unruhe und Hast nach Befreiung\nder Geliebten kaum beherrscht, während Pedrillo auf ko-\nmische und verschmitzte Weise zur Ruhe mahnt und sei-\nnen Plan entwickelt. Mit dem 87. Tacte bricht die Hand-\nschrift mit einer plötzlichen Modulation von der Dominante\nvon Es nach G(wahrscheinlich Dominant-Accord von\nauf die Worte: „ 0 weh! 0 weh!8 ab, welche auf die un-\nwillkommene Dazwischenkunft Osmin's schliessen lassen.\nIlr. J. Andre hat diesen Tact zwar abgedruckt, aber durch-\nstrichen und mit geschickter Benutzung derjenigen Motive\ndes Duetts, welche zum Schluss auf der Dominante von\nEs führten, einen Schluss auf der Tonica von 18—22\nTacten hinzugefügt, welcher dem Zweck entspricht, das\nDuett für Aufführungen in Concerten oder musicalisch-\ngeselligen Cirkeln handrecht zu machen.\n\nBerliner Briefe.\n\nDen 13. August.\nDie Ilofbühne hat während des Sommers einen schwie-\nrigen Stand gehabt; die Sommer-Theater, die in den letz-\nten Jahren nicht ohne Mühe und Noth zur Geltung kamen,\nscheinen jetzt den entschiedenen Sieg davon zu tragen.\nWährend das neue Park-Theater in der Friedrich-Wil-\nhelmsstadt Tag für Tag seine 2000 Besucher hat, zieht\nKroll's Etablissement die ganze vornehme Welt und alle\nFremden hinaus. Die reizende Einrichtung des Gartens,\ndas vortreffliche Orchester, das in den letzten Wochen\nmehrmals die Ouvertüre zum Tannhäuser und Einzelnes\naus dem Lohengrin zur Aufführung brachte, sind schon\nhinreichende Lockungsmittel; das Theater ist hier nicht\nHauptzweck, und dennoch leistet die Oper recht Anerken-\nnungswerthes; es war z. B. die Vorstellung des Wild-\nschützen, der wir kürzlich beiwohnten, wenngleich im\nEinzelnen mit manchen Mängeln behaftet (da natürlich die\neinzelnen Mitglieder nur mässiges Talent und Bildung ha-\nben), so doch im Ganzen recht lebendig und abgerundet.\nNatürlich tritt bei diesen Vergnügungen das strenge künst-\nlerische Interesse sehr in den Hintergrund; aber es liegt ja\nwohl in der Natur der Sache, dass der Sommer andere\nNeigungen erweckt, und es ist immer ein Zeichen von der\nim Allgemeinen vorgeschrittenen musicalischen Bildung, dass\nblosse Garten-Concerte nicht mehr genügen, dass die Kunst\nselbst an den Freuden des Sommers einen grösseren An-\ntheil haben muss, als bisher. Unter diesen Verhältnissen\nleidet natürlich die Holbühne. Die königsberger Gesellschaft,\ndie heute zum letzten Male auftritt, hat nicht mit Ruhm\nihr diesmaliges Gastspiel zu Ende geführt. Zwar liess sich\ngar nichts Besseres von ihren Leistungen erwarten; aber\nder grössere Theil des Publicums fand eben kein Vergnü-\ngen daran, trotzdem dass manche ältere, seit langer Zeit\nnicht gehörte Oper auf das Repertoire kam. Marschner's\nTempler und Jüdin würde wohl mehr als einmal zur Aul-\nführung gekommen sein, wenn nicht gerade diese Oper der\nAusführung so viele Schwierigkeiten böte. W i n t e r' s un-\nterbrochenes Opferfest erregte schon höheres Interesse. Die"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "60", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.4", "texte": "alten heiteren Operetten, wie der Knicker, der Doctor und\nApotheker, der Dorfbarbier, Fanchon, Aschenbrödel u.s.w.,\nzogen doch auch nur theilweise, wie denn überhaups diese\nin den letzten Jahren so plötzlich eingetretene Vorliebe für\ndas Aeltere nicht überschätzt werden darf. Es ist, wie\nwenn wir in grossen und vornehmen Verhältnissen leben,\nuns plötzlich erinnern, dass wir in der Kindheit mit einer\neinfachen harmlosen Familie gelebt und sehr glückliche\nTage verbracht, sie dann aber ganz aus den Augen verlo-\nren und vergessen haben. Wir suchen sie auf, freuen uns\nunendlich; im ersten Rausch scheint uns das trauliche Still-\nleben weit vorzüglicher, als unser jetziger geräuschvoller\nGlanz; wir geben uns einige Wochen lang ganz der neuen\noder vielmehr der alten Liebe hin. Aber jede Reaction in\nder Welt ist entweder nur eine momentane, oder sie\nschreitet über unsere Leichen zum Siege; mit seinem eige-\nnen Willen kann Jeder nur vorwärts dringen. Was wir ge-\nworden sind, das kann nur auf kurze Zeit vergessen wer-\nden ; die Bedürfnisse unserer jetzigen Bildung treten unver-\nmerkt wieder ein, die Besuche werden seltener, und wir\nmüssen uns zuletzt gestehen, dass jeneßückerinnerung eine\nganz angenehme Episode war, aber auch nur eine Episode.\nFür diese älteren Operetten sowohl als für Lortzing's ko-\nmische Opern waren die Herren Düffke (jetzt Mitglied\nder Ilolbühne) und Fessel recht an ihrem Platze. Am\nnützlichsten wurde uns das Gastspiel der Königsberger, in-\ndem es durch sie möglich wurde, dass Roger auftrat. Er\ngab viermal den Georg Brown und zweimal den Edgardo.\nDas Haus war meistens bis auf den letzten Platz gefüllt,\nder Beifall enthusiastisch. An zartem Schmelz sowohl als an\nder Kraft der hohen Töne hat die Stimme wieder Einiges\neingebüsst; aber die Gewalt des Genie's dringt trotzdem\nnoch immer durch, und er beweis't uns aufs Neue, wie viel\nsich von dem Herkömmlichen aufgeben lässt, wenn es gilt,\nandere höhere Zwecke zu erreichen. Für das nächste Jahr\nsteht uns ein neues Gastspiel Roger's in Aussicht und, bei\nGelegenheit desselben, wie uns bestimmt versichert worden\nist, der Don Juan. Roger wird nicht etwa den Octavio sin-\ngen, der übrigens seiner Individualität auch gar nicht zusa-\ngen würde, sondern den Don Juan selbst. Einzelne Stellen\nausgenommen, wird ihm, wie ich glaube, die Partie nicht\nzu tief liegen, da sein Organ nach allen Seiten hin sehr\nelastisch ist. Für Manches wird er vielleicht, namentlich in\nmusicalischer Beziehung, nicht den ganz richtigen Ton tref-\nfen; er wird mehr im Stande sein, die poetische Idee des\nDon Juan im Allgemeinen, alsMozart's Ausführung dersel-\nben, die wesentlich durch den vornehmen, gemessenen Ton\njenes Zeitalters bedingt war, in sich aufzunehmen. Die heu-\ntige Zeit ist freier und kühner, aber dem Dienste der Gra-\nzien in geringerem Grade geneigt. Trotzdem indess, dass\nRoger nicht ganz der Mozart'sche, sondern ein moderner\nDon Juan sein wird, dürfte er unter allen Lebenden der\nberufenste Darsteller dieser Rolle sein. Gegenwärtig\nO O\ngastirt Frl. Boch ko 11 z - Fal co n i an unserer Bühne. Was\nRiehl von ihr geurtheilt hat, ist jedenfalls übertrieben. Eine\nSängerin von bedeutendem kunsthistorischem Verständniss\nmüsste die Donna Anna mit weniger vibrirendem Tone, mit\nnicht allzu vielen declamatorischen Accentuirungen, mit\nhervorragendem Sinn für Abrundung eines Kunstganzen\nsingen. Vorzüglich war in der ganzen Darstellung nur die\nAusführung des Allegro in der Brief-Arie. Eben so müsste\neine Sängerin von diesen Eigenschaften die Lucrezia Borgia\nleidenschaftlicher darstellen, als es Frl. B. thut. Auch an-\ndere technische Mängel sind zu rügen. Die Höhe ist scharf,\ndie Tiefe in moderner Manier forcirt; im Ganzen ist der\nKlang der Stimme schön, rund und von edelm Timbre;\naber selbst die Mittellage ist nicht vollständig von gepress-\ntem Kehlton frei, der auch der Deutlichkeit der Aussprache\ngrossen Eintrag thut. Die Coloratur-Fertigkeit ist anzu-\nerkennen; neben vielem Gelungenen finden sich aber auch\nPassagen vor, bei denen etwas Blendwerk zu Hülfe kom-\nmen muss. Diese Mängel hindern es indess nicht, dass Frl.\nB. immer noch eine sehr hohe künstlerische Stufe einnimmt.\nSie hat ihre schönen natürlichen Fähigkeiten recht weit\nentwickelt, bleibt im Ganzen der edeln Kunstrichtung treu\nund besitzt musicalisch-dramatischen Verstand. Es wird ihr\nnur selten gelingen, das Publicum hinzureissen; ihr fehlen\ndazu, wie es scheint, Eigenschaften des Temperaments; am\nwenigsten aber gelingt es ihr in leidenschaftlichen Momen-\nten. Der Schluss des zweiten und dritten Actes in der Lu-\ncrezia, die Rache-Arie und das vorangehende Recitativ in\nDon Juan machten wenig Wirkungen; dagegen erwärmten\ndas Publicum einige sanftere Partieen in der Lucrezia.\nDer Ausführung der Brief-Arie folgte stürmischer Hervorruf.\n\nG. E.\n\nNoch einmal Hauptmann’s „Natur der\nHarmonik und Metrik“.\nWir haben in der vorigen Nummer eine Stoppellese aus dem\noben genannten Werke, gesammelt von einem unserer geschätzten\nMitarbeiter, mitgethcilt. Die angezogenen Stellen sprechen von selbst\nlaut genug dem Werke das Urtheil. Da wir aber in unserem Pro-\ngramm (Nr. 1 S. 3) erklärt haben, dass wir es auch für Pflicht\nhalten, vor den Ruhmversicherungs-Anstalten und ihren Blendwer-\nken zu warnen, so müssen wir heute noch einmal auf Hauptmann^"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "61", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.5", "texte": "Werk zurückkommen, um eine Gasse der deutschen Kritik sich\nselbst charakterisiren zu lassen. Diese Kritik spukt am meisten\nin den Feuilletons der politischen Blätter und hat dadurch manche\nVortheile. Den Männern von Fach entgehen dergleichen musicali-\nsche Artikel in nicht musicalischen Blättern sehr leicht, und bei\ndem grossen Publicum der Laien, welches zu blenden sie berech-\nnet sind, finden sie eine weit grössere Verbreitung, als wenn sie\nsich in die eigentlichen Kunstblätter wagten.\nHr. L. Köhler in Königsberg belehrt die Welt über den tie-\nfen Sinn des Hauptmann'schen Werkes in der Königsberger Har-\ntung'schen Zeitung; wir ziehen folgende Stellen aus seinem Artikel\naus, um den Lesern zu zeigen, wie eine gewisse Kritik auf ge-\nschickte Weise die ärgste Lobhudelei mit scheinbarer Gedanken-\ntiefe zu verbinden weiss.\n„W as Hauptmann\" heisst es darin ~hier unter Natur der\nHarmonik und Metrik versteht, dürfte von Vielen auf rein akusti-\nsche und chronologische Bedingungen des Tones bezogen werden;\nobschon Hauptmann solche nicht unberücksichtigt lässt, will er sie\ndoch keineswegs als eigentlichen Gegenstand seiner Untersuchung\nbetrachtet wissen. Es ist vielmehr die tief-innere, geheimnissvolle,\ngeistige Beziehung der Harmonieen unter einander, wie auch zu\ndem Menschengeiste, der sich ihrer, von innerer Notwendigkeit\ngedrängt, als Ausdrucksmittel bedienen muss; es ist ferner der gei-\nstige Zusammenhang der Metrik in Bezug auf ihre einzelnen Zeit-\ntheile unter sich, wie solche im zusammen geordneten Ganzen mu-\nsicalisch verwendet werden, wie auch der Metrik mit der Harmonik.\nGanz absehend von aller musicalischen Praxis, vertieft sich Haupt-\nmann in den Urstoff aller Musik; er weis't nach, wie demselben\nein organisches Leben innewohnt, das nach einem, für jede leben-\ndige Gestaltung gültigen Principe sich selbstständig entwickelt. Wie\nHauptmann dies thut, muss man selbst erleben im Studium seines\nBuches, das ein neuer Triumph deutschen Geistes ist. Ein musi-\ncalischer Kant, legt Hauptmann die Gesetze vernünftigen musica-\nlischen Denkens auf mathematisch-philosophischem Wege dar; ein\nHumboldt der Musikwissenschaft, gibt er in seinem Werke einen\nKosmos der Harmonieenwelt, deren Wunder man erst durch des\nVerfassers tiefsinnige Interpretation recht erkennen und im logi-\nschen Zusammenhange begreifen lernt. Das von Hauptmann darge-\nlegte System ist also weder eine Generalbass- noch Compositions-\nlehre, sondern liegt vielmehr aller Theorie und Musik zum Grunde.\nDie Theorie gibt die Regeln (mit deren so genannten „Ausnah-\nmen\"), welche aus vernünftiger Musik abgeleitet werden, um beru-\nfene Schüler allenfalls zu vernünftig schaffenden Musikern zu bil-\nden; den die Materie und die Formen beseelenden Geist kann\nman bekanntlich wohl wecken, wo er etwa schlummert, doch in\nNiemanden hineinbilden. Hauptmann gibt nun in seinem Buche\nweder Regeln oder Formen, noch eine dieselben erfüllende Idee,\nsondern er entdeckt die Gesetze, aus denen jene hervorgehen und\nnach denen dieser auszudrücken ist. Nur wenige Musiker (leider!)\nwrerden den Trieb haben, tiefer in das Wesen der Tonwelt einzu-\ndringen, als es im Studium der Harmonie- und Compositionslehrcn\ngeschehen kann; noch wenigere werden vielleicht dem Verfasser zu\nfolgen vermögen, falls nicht eiserne Beharrlichkeit und thätiges\nSelbstdcnkcn das Studium unterstützt; denn Hauptmann gräbt tief,\nso tief überhaupt zu kommen ist; aber sein Buch bietet dafür auch\nunerschöpfliche Minen, es gibt eine Lebenszeit lang zu denken und\ndamit den Stoff zur steten Selbstfortbildung. Von vielem Interesse,\nund in seinem rein abstracten Wesen leichter als den meisten Fach-\nmusikern dürfte das Buch gut musicalisch gebildeten Männern der\nWissenschaft sein, und diese würden sicher nicht wenig Stoff zu\ngeeigneter Verwendung auf anderem Gebiete darin finden. Das\nWerk ist die Vollreife Frucht eines ganzen Lebens, es steht da ohne\nRivalen in der Literatur: man darf es darum wrohl mit jener Ehr-\nfurcht in die Hand nehmen, die bei etwa eintretender Schwierig-\nkeit des Verständnisses den Leser eher bescheiden die eigene Un-\nzulänglichkeit bekennen, als das daran unschuldige Werk missdeu-\nten lässt. Mit grösstem Interesse ist der von dem verehrten Herrn\nVerfasser angekündigte Nachtrag zu erwarten, welcher dieser ab-\nstract theoretisch gehaltenen Darstellung des Systems erläuternd mit\npraktischen Beispielen folgen soll.44\n\nTheresa Milanollo und die wiener Kritik.\n\nJede 11 ngewöh nli c h e Erscheinung in der Kunst weit regt die\nKritik zum Widerstande an, während sie das Publicum mit sich\nfortreisst. Ist unter den kritischen Tagesfedern zufällig eine, die\ndurch die Gewohnheit des Kritisirens noch nicht den reinen Natur-\nzug verloren hat, oder deren Führer mit der Kunsterscheinung\nsympathisirt, so wird sie mit dem Urtheile des Publicums freudig\nzusammentreffen. Die übrigen Stimmen pflegen entweder in gereiz-\nter Selbstgefälligkeit immer herber und ungerechter zu werden oder\nsich endlich doch der allgemeinen Stimme einlenkend zu fügen.\nDie Sache ist begreiflich. Alles Ungewöhnliche, alles Geniale steht\nüber dem Vergleiche, über der Schule; die Kritik lebt vom Ver-\ngleichen, die Schule ist ihre Stütze, das Hergebrachte ihr Maassstab.\nAllerdings ist die Schule von grossem Werthe; denn sie gibt\ndie Regel, und einer Regel muss sich alles fügen, was an die Form,\nan die Erscheinung und ihre Bedingungen gebunden ist. Das Tech-\nnische muss in jeder Kunst gelernt werden, und selbst für den\nGeschmack, für den Effect gibt es gewisse Gesetze, w elche die prü-\nfende Erfahrung an die Hand gibt. Allein im Genialen ist etwas,\nwovor die Schule gleichsam erschrickt, worüber sie ihre eigenen\nRechte vergisst.\nBei der letzten Anwesenheit Theresa Milanollo's in Wien\nhaben die obigen Bemerkungen sich mir unabweislich aufgedrun-\ngen. Wie hat die Kritik sich mit wenigen Ausnahmen ihr gegen-\nüber vornehm in die Brust geworfen, wie hat sie sich abgemüht,\nnur das hervorzuheben, was in ihrem Spiele nicht zu finden sei,\nwas Andere besser gemacht hätten, was besser gemacht werden\nkönne! Wie hat sie selbst an denjenigen Vorzügen gemäkelt, die\nsie ihr mit dem besten Willen nicht bestreiten konnte! Ja, die\nKritik hat in diesem Falle ihren mephistophelisch verneinenden\nCharakter so recht grell wieder hervorgekehrt; die eine Stimme\nhielt der Künstlerin wohlmeinend vor, wie der Ansatz bei dieser\nund jener Tonfigur beschaffen sein solle, und wies auf Lafont und\nMayseder hin; die andere beschwor die Erinnerung an den Geigen-\nFürsten Paganini aus dem Grabe und fragte, ob auch nur eine Spur\nvon jener begeisternden Wirkung, welche er auf die Gemüther her-\nvorbrachte, von dem Spiele Theresa's ausgehe; dieser sprach ihr\nKraft und Schwung, jener Geist und Lebendigkeit ab.\nVollendete Reinheit, Virtuosität in einzelnen Formen und jene\nSeelensprache ihres elegischen Spiels, die jedes Herz überwältigt,\nrnusste freilich auch die übelwollendste Kritik zugestehen; doch be-\nfand sie sich wohl dabei, auch hier auf das ermüdende Vorherr-\nschen dieser elegischen Weise ihres Spiels aufmerksam zu machen.\nFragen wir dagegen um das durch Besuch und Beifall kundge-\nwordene Urtheil des Publicums. Achtzehn Concerte bei stets ge-\ndrängt vollem Hause und ein von Concert zu Conccrt sich stei-\ngernder unermesslicher Beifall sind die Antwort. lch überschätze\nkeineswegs die so genannte Volksstimme als Richter in Sachen der\nKunst und des Geschmackes; ich weiss es, welchen Einfluss die\nMode und die Zeitstimmung darauf hat; aber so viel ist gewiss,\ndass nur das Ungewöhnliche eine solche Wirkung hervorzubringen\nvermag, wie sie Theresa Milanollo hervorbrachte. Fassen wir die-\nses Publicum näher ins Auge. War es im Concertsaale vorzugs-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "62", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.6", "texte": "weise die höhere Gesellschaft, die Aristokratie der Geburt und des\nGeldes, das angesehenere Bürger- und Beamtenthum, die gebilde-\ntere Classe der Kunstfreunde, welche bald in athemloser Stille\nlauschten, bald in stürmisches Entzücken ausbrachen, so sah man\nim Theater an der Wien alle Schichten der Gesellschaft, jede Stufe\nder Bildung vertreten. Und wer hier die unwillkürlichen Ausbrüche\ndes Jubels, wer die naive, liebevolle Hingebung aller jener schlich-\nten Menschenkinder, die von keiner Schule, von keiner Geschmacks-\nregel, von keiner Aesthetik etwas wissen, an die ihnen neuen und\ndoch seelenbefreundeten Eindrücke wahrnahm, wer es sah, wie sie\nmit feuchten Augen diesen gezogenen Tönen lauschten, mit raschem\nPulse und freudigem Aufjauchzen jenen hüpfenden und perlenden\nTönen, dem humoristischen Wetterleuchten einer schmerzseligen\nEmpfindung folgten, die sich dadurch ihrer eigenen Uebermacht\nzu erwehren strebt, der musste es sich zugestehen, dass hier jene\nmagische Kraft walte, der kein Herz zu widerstehen vermag, als\ndas eines Kritikers von Profession. So überwältigend, mit einer\nsolchen lawinenartig anschwellenden Macht wirkt nur jenes geheim-\nnissvolle Etwas, welches wir Genie nennen, und das in der schaf-\nfenden Kunst den genialen Gedanken und den genialen Ausdruck\nzeugt, während es in der blossen musicalischen Vortragskunst auch\nnur durch den Vortrag zu wirken vermag, und durch diesen nur\ndann genial wirkt, wenn es den Gedanken und die Empfindung\ndes Tonstückes nicht bloss mechanisch treu und sicher wiedergibt,\nsondern es aus sich selbst gleichsam neu gebiert und mit einer\nselbstständigen, vollen, tiefen und wahren Seele durchdringt.\nSo trägt Theresa Milanollo vor, und desshalb ist ihr Spiel, wenn\nes auch nicht mit gleicher Gewalt die ganze Tonleiter der Gefühle\nder Menschenbrust beherrscht, von so ungeheuren Erfolgen be-\ngleitet.\nUnd doch ist sie nicht mehr das, was sie war; der himmlische\nZauber im Spiele des dreizehnjährigen Mädchens, das noch rein aus\ndem genialen Instincte quoll, noch von einer ihrer Wunderkräfte\nunbewussten Seele beherrscht wurde, noch so keusch-naiv war wie\ndie Natur, und sicher und vollendet inner den Gränzen sich hielt,\ndie ihm das Naturgefühl vorzeichnete, dieser himmlische Zauber\nist zwar nicht verloren gegangen, aber er hat gelitten.\nTheresa Milanollo hat alle Kunstformen und Künsteleien,\nalle Vortragsweisen und Geschmacksrichtungen, die sich in der Be-\nhandlung der Violine in neuester Zeit hervorthaten, kennen gelernt,\nsie hat im Technischen den grössten Virtuosen der Gegenwart nach-\ngerungen, sie hat es im Flautato zu einer Kunstfertigkeit gebracht,\ndie vielleicht noch nicht dagewesen, sie hat in manchen anderen\nVortragsweisen sich vervollkommnet, manches früher nicht Ver-\nmochte sich angeeignet und das Feld ihrer Geschicklichkeit jeden-\nfalls erweitert; allein sie ist auch nicht ganz frei geblieben von dem\nAnhauche des Manierirten, das leider die ganze neuere Kunst mehr\noder minder verdorben hat.\nJene hohe Einfachheit, Wahrheit und Reinheit der Empfindung,\nwomit sie als dreizehnjähriges Mädchen jeden Ton ihrer Violine\nverklärte, ist nicht unberührt geblieben von dem krankhaften Drange\nder Zeit, in einer gemachten Empfindseligkeit zu schwelgen und\ndem überreizten Bedürfnisse nach Erregung und Spannung mit\nkünstlicher Ueberschwänglichkeit zu Hülfe zu kommen.\nAllein wie wunderbar ist ihre Tonbildung im getragenen Ge-\nsänge, wie graziös bewegt sich ihr Bogen in allen zierlichen, pi-\nkanten Cantilenen! wie elfenartig leicht gaukeln die heiteren, hu-\nmoristischen Noten, wie feierlich schreitet der Gesang daher, wenn\ner religiöse Gefühle ausdrückt, wie mächtig schwillt er an, wenn\ner die Sehnsucht, wenn er den Schmerz des Lebens anklagt!\nMag daher die Kritik auf ihrem Standpunkte immerhin Recht\nhaben, wenn sie dieses und jenes im Spiele Theresa's vermisste,\nwenn sie eine schulgerechtere Behandlung einzelner Formen bei\ndem Einen, mehr Kraft im Tone und Schwung im Vortrage bei\ndem Anderen, mehr Grossartigkeit des Spiels bei dem Dritten rühmt,\nwie er immer heisse, so steht sie doch darum im Nachtheile gegen\ndas grosse aus sich selbst herausfühlende Publicum, weil sie das\nMechanische und Physische, die Technik und die Muskelkraft, die\nFormenregelmässigkeit und die äussere Stärke des Tons über das\nSeelische, über seine intensive Kraftfülle und eigenthümliche Schön-\nheit setzt.\nWeil nicht die Kraft eines Mannsarmes über diesen Bogen ge-\nbietet, weil nicht die Begeisterung einer männlichen Feuerseele diese\nTöne durchdringt, ist die Kritik vom Handwerke engherzig genug,\nmit Achselzucken über eine Erscheinung hinwegzublicken, welche\nnoch nie da war und wohl nicht wiederkommt.\nDenn eine solche seltene, ja, einzige Erscheinung ist und bleibt\nTheresa Milanollo, das erste (?) Weib, das eine Violine zur Hand\nnahm, sie mit Liebe an ihr Herz drückte und den Ausspruch\ndes Vorurthcils: „es sei nicht schicklich und kleide nicht gut\" über-\nhörend nicht abliess, den Antworten zu lauschen, welche die\nGeister der in der Geige wohnenden Töne ihrem sehnenden Her-\nzen zuflüsterten.\nUnd in der That! sollte die Geige, dieser Saiten-Sopran, nicht\ndazu berufen sein, unter den zarten,' feinbenervten Fingern der\nJungfrau erst seine tief-innersten Geheimnisse zu enthüllen? sollte\nein echt weibliches Künstlergcmüth sich nicht berufen fühlen, aus\ndiesen Tönen das Gewebe zu spinnen, worin es Lust und Schmerz,\nSehnsucht und Liebe zu einem harmonischen Bilde des Reinmensch-\nlichen verklärt?\nJa, Theresa Milanollo hat es gezeigt, dass der Charakter der\nGeige ein weiblicher ist, dass sie ihre lieblichsten Reize, ihre\nsüssesten Geheimnisse, ihre eigensten Wunder dem weiblichen Ge-\nmüthe anvertraut, wenn ihm das geniale Vermögen zur Seite steht!\n(N. Wiener M.-Z.)\n\nH—l.\n\nUeber das niederrheinische Gesangfest\nin Cleve.\n\nIn Cleve fand am 6. und 7. August das erste niederrheinische\nMänner-Gesangfest Statt, begünstigt vom herrlichsten Wetter. Cleve\nist, wie das schon die früheren niederländisch-rheinischen Feste be-\nwiesen, ein durch Gastfreundlichkeit der Bewohner, grossartige öf-\nfentliche Anlagen und herrliche Natur durchaus geeigneter Ort für\nsolche Feste; der Niederrhein besitzt bis in die kleinsten Orte eine\ngrosse Anzahl blühender Männergesang-Vereine, sie sind durch\ngünstigste Reisegelegenheiten nahe gerückt, und trotz alledem waren\nnur sieben Vereine in Cleve, davon einer der besten erst durch\nwiederholtes dringendes Bitten bewogen worden* das Fest mit seiner\nGegenwart und Theilnahme zu beehren!\n„Aber wie ist das möglich! Zu Düsseldorf im vorigen Jahre, da\nströmten sie ja herbei aus allen Gauen Deutschlands, da fasste ja\ndie ungeheure Tribüne kaum die 1400 Sänger!\"\nAch, nicht Annäherung und Befreundung der deutschen San-\ngesbrüder in herzlicher Biederkeit, nicht die Lust am Erschallen\nherrlicher Chöre führte die Tausende nach Düsseldorf: der Eitel-\nkeitsteufel war's, der undeutsche Preis- und Wettkampf mit sei-\nnen goldenen, übergoldeten, silbernen und versilberten Trinkge-\nschirren! Und darum fort mit solchen Preiskämpfen, die das ein-\nfache, bescheidene und brüderliche Streben unserer Vereine auf\nIrrwege und auch in musicalischer Beziehung dem Ruin zuführen!\nIn Cleve wurden keine Preise vertheilt! Desshalb waren sie\nnicht erschienen, die in Düsseldorf geglänzt! Das zeigt den wunden\nFleck unseres deutschen Männergesanges! Doch zur Sache."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "63", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.7", "texte": "Die beiden Concerte waren auf Samstag den 6. und Sonntag\nden 7., jedes Mal um 6 Uhr beginnend, angesetzt. Am ersten Tage\nGesammt-Aufführungen, am zweiten Einzel-Vorträge. Die Haupt-\nprobe am Freitag-Abend fand von auswärtigen Vereinen nur vor:\neinige Herren des crefelder Männergesang-Vereins und die Con-\ncordia aus Essen. Die Probe musste also vertagt werden. Doch\nauch am Morgen des ersten Festtages fand sich höchstens die\nHälfte der Sänger ein! Und war das eine Probe? Da zeigten sich\nrecht die Früchte des düsseldorfer „deutsch-französisch-belgischen\nMänner-Gesangfestes\". Es that gut, dass die Herren Dirigenten\nZöllner aus Meiningen, Wilhelm aus Crefeld und W einb r e n-\nner aus Elberfeld eine tüchtige Portion Geduld mitgebracht hat-\nten und ein gewisser kleiner Verein (der noch keinen ersten Preis\nerrungen hatte) zugegen war, sonst hätten wohl die Gesammt-Vor-\nträge wegfallen müssen.\nDas Programm brachte an grösseren Werken: Einen Doppcl-\nchor aus Sophokles' „Oedipus in Kolonos\" von Mendelssohn,\nden wunderschönen, tief-ernsten Psalm „Super fluminci\" von Ge-\nvaerts, Kücken's „Vor der Schlacht\", Zöllner's „Gebet der\nSee\" und eine neue Hymne mit Orchester-Begleitung: „Gott ist die\nLiebe\" (Manuscript), u. s. wr.\nDazu am ersten Tage die Ouvertüren zu Mozart's Don Juan\nund Beethoven op. 124, am zweiten Tage zu Joseph in Aegypten\nund zum Teil.\nDas Orchester (dessen Kern die Musik des 17. Inf.-Regiments\nbildete) führte sämmtliche Werke, namentlich aber die Tell-Ouver-\nture, ganz vortrefflich aus und trug desshalb nicht wenig dazu bei,\ndass nicht die ganze musicalische Seite des Festes über den Hau-\nfen geworfen wurde.\nNachdem denn nun einige Stunden vor dem Concert die Sän-\nger aus Bonn, Calcar, Crefeld, Düsseldorf, Elberfeld,\nEssen und Cleve zusammen etwa 200 bis 250 sich ein-\ngefunden hatten, begann dieses. Wir wollen über die Vorträge der\neinzelnen Werke nicht urtheilen, sie waren nicht der Kritik w erth;\nman glaubte Leute vor sich zu haben, die noch nicht die Noten\nkennen. Das Super flumina wurde nicht von den anwesenden 250\nSängern gesungen, nein, höchstens 25 wirkliche Männerstimmen\nerklangen, daneben aber eine unbestimmte Masse von Brummstim-\nmen. Im Kücken'schen Kriegerchor mussten in der Hauptprobe die\nBratschen und Celli den Bässen nachhelfen demgemäss war na-\ntürlich auch die Ausführung. Hr. Musik-Director Zöllner, dem man\nbemerkte, einige Wiederholungen würden das „Gebet der See\"\ndoch noch einiger Maassen herausbringen, sprach sich resignirt da-\nhin aus; „unter solchen Umständen sei alles Verweisen und Wie-\nderholen unnütz!\" Der einzige schöne Chor aus dem Oedipus ge-\nlang, getragen von der herrlichen Begleitung, ziemlich gut.\nDen zweiten Abend füllten Einzel-Vorträge sämmtlicher anwe-\nsender Liedertafeln. Wozu diese dienen sollen, wissen wir nicht.\nEtwa dazu, um zu zeigen: „Meine Herren und Damen, dies war\nder elberfelder Verein, er singt etwas besser als der ****, etwas\nschlechter dagegen als der *** Verein\"; oder: „Siesehen, meine\nHerrschaften, unser Verein macht schon recht gute Fortschritte, im\nnächsten Jahre wird er das Crescendo noch virtuoser ausführen!\"\nu. s. wr. u. s. w. Das mag in Frankreich, Polen oder Belgien\neinen Zweck haben, bei uns hat es unserer Ueberzeugung nach\nkeinen. Es wird höchstens ein Theil des Publicums dadurch be-\nfriedigt, der eben an höherem Streben keinen Antheil nimmt. Dass\naber die Gesammt-Aufführungen durch solches Wettsingen ganz und\ngar in den Hintergrund gedrängt werden, das ist ein Jammer! Und\nhoffen wollen wir von Herzen, dass das nächste Fest in Crefeld,\ndas zweite niederrheinische Männergesang-Fest sich\nDeutschlands würdiger zeige.\nUeber die Lustbarkeiten, Bälle, Toaste, unmusicalischen Ergüsse\nüberströmender Gemüther erlassen Sie mir wohl die Schilderung;\ndas kehrt bei jedem Feste in derselben Weise wieder. Zum Ruhme\nder Clever sei es gesagt, dass diese, die eigentlich gemüthliche Seite\ndes Festes, die gelungenste war, woher denn auch alle die fröhli-\nchen Gesichter der Sänger am folgenden Morgen, die im Nachge-\nnuss der schönen Tage, mit Dank für das thätige Festcomitc er-\nfüllt, in ihre Heimat zurückeilten, um sich hoffentlich alle übers\nJahr in Crefeld wieder zu finden. Es ist keine Frage, dass an der\nGastfreundschaft der Einwohner Cleves, an der Einigkeit aller de-\nrer, die zum Gelingen etwas beitragen können, an der regen Theil-\nnahme der städtischen Behörden alle Rheinstädte ohne Aus-\nnahme ein Beispiel zu nehmen haben. Dank und Ehre, dem Dank\nund Ehre gebührt!\n\nB—n.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMerlin, Auf dem königsstädtischen Theater zieht Treumann\nvon Wien durch sein Gastspiel das Publicum an. In der „falschen\nPrima Donna in Krähwinkel\" war er durch geistige Fähigkeiten\nund körperliche Mittel der Rolle der falschen Catalani vollkommen\ngewachsen, wobei besonders zu rühmen ist, dass er bei der feinen\nCarikirung nie den äusseren Anstand auch nur im Mindesten ver-\nletzte und die Arie im hohen und reinen Falset sehr gelungen\nvortrug.\nTVlen« Der frühere dresdener Kammersänger Dalle Aste\ngibt jetzt hier Gastrollen. Er wird als Sarastro, Marcell u. s. w.\nauftreten. Mit Fräulein Ney sind Unterhandlungen von Seiten der\nOpern-Direction erneuert worden. Für ein längeres Gastspiel in\n1854 ist die Sängerin vorläufig gewonnen. Theresa Milanollo\nist dieser Tage hier durch auf ihre Villa bei Nancy gereis't, wo\nsie den Rest des Sommers verbringen wird.\nFrau Marlowr ist am Hof-Operntheater zu Wien auf acht Mo-\nnate engagirt. Saphir hat nach seiner musicalisch-declamato-\nrisch-humoristischen Akademie, am 31. Juli in Baden bei Wien\ngegeben, eine Reise durch Deutschland angetreten, deren Ziel im\nNorden Hamburg sein wird. Er wird auf derselben Akademieen\ngeben»\nDie neuesten Berichte aus Ischl über das Befinden des k. k.\nKammersängers Ander lauten befriedigend.\nFranz Liszt gebraucht die Bäder in Karlsbad; seine zahl-\nreichen Freunde und Verehrer in Wien hoffen ihn nach beendig-\nter Cur in der Kaiserstadt zu sehen. Seit 1848 war Liszt nicht\nin Wien.\nRotterdam. Schon jetzt ist ein vorbereitendes Comite für\ndie Feier des fünfundzwanzigjährigen Jubelfestes der niederlän-\ndischen Gesellschaft für Beförderung der Tonkunst,\nwelches im Juli künftigen Jahres Statt findet, ernannt und in Thä-\ntigkeit. Das Fest wird hier, wo der hochverdiente Stifter der Ge-\nsellschaft und ihr permanenter General-Secretär Hr. Yermeulen\nseinen Wohnsitz hat, nach einem kolossalen Ma.assstabe begangen\nwerden. Man wird sich bei Zeiten der grössten Meister zur Aus-\nführung der Soli versichern; es wird ein Personal von 800 Sängern\nund Instrumentalisten zusammen kommen; eine Halle, welche 5000\nPersonen fasst, wird erbaut. Sämmtliche Ehren-Mitglieder der Ge-\nsellschaft in Europa werden eingeladen zu diesem Feste, welches"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "64", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530820-01.1.8", "texte": "ein wahrer Künstler-Congress werden wird. Es soll acht Tage\n(Jauern, und die Kosten werden auf 100,000 Frcs. angeschlagen.\n** I*aris. Die Wiedereröffnung der grossen Oper ist auf\nMontag den 29. d. Mts. festgesetzt. Die Einnahmen der hiesigen\nTheater, Concerte u. s. w. sind im Monat Juni um 329,415 Frcs.\ngeringer gewesen als im Mai und doch haben wir keine Som-\nmer-Theater !\nMeyerbeer und Scribe lassen, wenn auch nicht geradezu\nin ihrem Namen, dagegen protestiren, dass die neue komische\nOper, welche diesen Winter von ihnen auf die Bühne gebracht\nwrerden solle, eine Bearbeitung der Oper „Ein Feldlager in Schle-\nsien\" sei. Das sei durchaus nicht der Fall, sondern Gedicht und\nMusik ganz neu. Nur im ersten Tableau des zweiten Actes seien\neinige ungedruckte Musikstücke aus jener Oper eingeschoben;\naber der erste und dritte Act, so wie das zweite Tableau des zwei-\nten Actes enthalten ganz neue Musik.\nHalevy's neue Oper, „Der Nabab\" (Nabob?), Text von Scribe\nund St. Georges, wird zwischen dem 20. und 25. d. Mts. gegeben\nwerden.\nDer Componist Ritter Neukomm ist in voriger Woche nach\nParis gekommen.\nDer Bassist Marchesi und seine Gemahlin, geb. Graumann,\nhaben am 10. August in Boulogne sur mer ein Concert gege-\nben, worin Frau Marchesi auch ein deutsches Lied von Kücken\ngesungen hat. Es heisst, Herr Marchesi sei für die nächste Saison\nin Florenz engagirt. Es halten sich viele Tonkünstler hier auf, um\ndie Seebäder zu gebrauchen, z. B. Herz, Rosenhain, Fr. Malleville-\nTardieu, Osborne, Bazzini und der kleine Pianist Mattei.\nLondon. Am 9. August wurde Spohr's Jessonda wiederholt\nund der vierte Act der Favorite dazu gegeben! So etwas kann\nnur in London sich ereignen. Aber freilich: nun konnte man ja\nauch Mario, Grisi und Tagliafico auf den Zettel setzen! Am 20.\nAugust wird die italiänische Oper geschlossen. Bei der Verstei-\ngerung der Instrumenten- und Musicalien-Saoimlung des verstorbe-\nnen Lords Falmouth wurde ein Guarnerius mit 3000 Frcs. und ein\nStradivarius eben so hoch verkauft. Unter den Manuscripten be-\nfand sich Armide, Oper von J. Haydn, 1793 componirt, Partitur\nvon der eigenen Hand des Componistcn."}]}