{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_sha256": "ccd65f9a180a8a9bf530ed44ce54fc201271981c519c0ea815d4cad23f170ddb", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/09/10_01/bmtnabi_1853-09-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "81", "page_fin": "82", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.1", "titre_corps": "Bemerkungen des Fürsten von der Moskowa über die Musik der Araber", "titre_sommaire": "Bemerkungen des Fürsten von der Moskowa über die Musik der Araber", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3732, "texte": "Bemerkungen des Fürsten von der Moskowa über die\nMusik der Araber\n*).\nEs ist von den Arabern in Algerien, an der Gränze\nder Sahara und von Blad-el-Dscherid die Rede, deren Sit-\nten und musicalische Eigenheiten der Fürst vorzüglich wäh-\nrend seines Aufenthaltes in Constantine und vieler Reisen\ndurch diese Provinz und zum Theil in den Feldlagern be-\nobachtet hat. Noten kennen diese Araber nicht, es ist da-\nher schwer, ihren Musikern, welche nur nach dem Gehör\nund nach Ueberlieferung singen und spielen, ihre Melodieen\nabzulauschen.\nDie Bewohner des nördlichen Africa lieben die Musik\nleidenschaftlich, aber mehr die sanfte und träumerische Me-\nlodie, als den Lärm, wodurch sie sich auffallend von den\nNegerstämmen in Africa unterscheiden, denen nur das lär-\nmendste Geräusch willkommen ist. Ihre Hirten blasen eine\nArt von Flöte (Gösba); die Kriegsmusik der Anlührer be-\nsteht gewöhnlich nur aus zwei Oboen und einem Paar Pau-\nken oder wenigstens Einer.\n* * . *' • *\nDass die Araber Kunstsinn haben, sieht man schon an\nihrer Kleidung; die Zusammenstellung der Farben hat da-\nbei nie etwas Grelles und Schneidendes, die Drapirung ist\nschön, eine gewisse Ruhe und Milde des Charakters der\nNation scheint sich auch auf alles zu verbreiten, was sich\nder Kunst nähert. So zeigen sie auch im Gesang, d. b. im\nAlleingesang, eine Art von Geschmack und Vortrag.\nWährend des Rhamadans singen der Iman und die\nHaseba's alle Abende, am Freitag auch um Mittag, das Ge-\nbet Yalcara (Anfangswort der betreffenden Verse des Ko-\nran: „Er lies't\") in den Moscheen. Sie singen rein und\nbetonen die Worte sehr richtig, und es findet eine ganz\nauffallende Aehnlichkeit zwischen diesen religiösen Melodieen\nder Muselmänner und der christlichen Liturgie, dem katho-\nlischen Chorälgesange Statt. Sie haben z. B. ebenfalls ihre\nResponsorien. Wenn der Iman mit seiner Umgebung meh-\nrere Verse vorgelesen, so antworten drei Haseba's, welche\nauf einer Erhöhung stehen, einer nach dem anderen: Al-\nlah uh Akbar\" (Gott ist gross), in folgender Weise:\nDie maurischen Kaffeehäuser, wo die Almeen singen und\ntanzen, sind fast immer voll. Auf Kissen, welche mit rei-\nchen Teppichen bedeckt sind, ruhen die Künstlerinnen mit\nihren schönsten Kaftans und durchsichtigen Guduras (einer\nArt von Hemden von dünnem Musselin), rauchen den gan-\nzen Abend ihre Cigaretten und sehen den Bewegungen der\nGoldfische zu, deren Behälter zwischen Blumenvasen vor\nihnen stehen. Zur Ausschmückung des Locals und zur Er-\ngötzung der Gaste dürfen ferner mehrere Käfiche mit Nach-\ntigallen nicht fehlen. Die Bewohner von Constantine sind\nso grosse Liebhaber dieser musicalischen Thierchen, dass\nsie das Paar davon bis zu 250 Frcs. bezahlen.\nDie Zuschauer trinken Kaffee, Limonade und rauchen\nschweigend. Es ist gegen die Schicklichkeit, zu den Al-\nmeen heran zu treten und mit ihnen zu sprechen. Das Or-\nchester, welches sie begleiten soll, nimmt einen besonderen\nTheil des Saales ein. Die Musiker sind Türken, oder sehen\nwenigstens wie Türken aus. Die Saiten-Instrumente sind\neine Art grosser Violinen, welche wie das Violoncell ge-\nspielt werden, ferner Guitarren und eine Art von grosser\nGuitarre, welche nur mit zwei Saiten bezogen ist und mit\neinem Bogen gestrichen wird. Zur Unterstützung der\nzum Glück spielt die Musik fast durchweg piano\nsind Tamburins und der Derbuha(oder bei den\nTürken) vorhanden, letzteres ein grosses irdenes Gefäss mit\nlangem Halse, dem der Boden ausgeschlagen ist; statt des-\nsen ist ein Fell oder Pergament darüber gespannt, und auf\ndieses wird mit den Fingern getrommelt. Der Name\nfür das violinartige Instrument ist der Rebab oder Rebeb\ndes Mittelalters, und wahrscheinlich ist das Instrument auch\nnoch dasselbe.\n\n*) 'Nach der France Musicale Nr. 36."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2468, "texte": "Wenn die Gesellschaft versammelt ist, so beginnt ein\nschauderhaftes Vorspiel der Saiten-Instrumente, höchst ver-\nwirrt, ohne Harmonie und Melodie, aber immer pianissimo.\nDarauf tritt der Khredim,der Oberkellner und Ceremo-\nnienmeister des Kaffeehauses, eine Orangenblüthe oder eine\nRose im Knopfloch, mit schmeichelnd galanter Miene vor die\nAlmeen hin und beschwört die Damen Wereida, Haniffa,\nAlscha u. s. w., sich des schmachtenden Publicums zu er-\nbarmen, das da brenne, ihre Anmuth zu bewundern. Um-\nsonst; er wird zurück gewiesen. Dieselbe Komödie wird\ndrei bis vier Mal gespielt, bis endlich Eine sich entschliesst,\nsich vom Lager zu erheben, jedoch mit einer Miene, die da\nausdrückt, wie ungern sie sich erbitten lässt.\nNun beginnt der Schäbati (Tanzlied), der gewöhnlich\nerst gesungen und dann vom Orchester allein wiederholt\nwird. Der Tact wird sehr scharf markirt. Die Almee wirft\nihren seidenen Ha'ikab und schlüpft aus ihren kleinen\nsammtnen goldgestickten Pantoffeln, tritt mitten in den\nSaal, ein seidenes Tuch in jeder Hand, welches sie nichts\nweniger als anmuthig schwenkt, und beginnt nun ihren\nTanz, bei dem sie fast immer auf einer Stelle trippelt und\nschwankt, und der hauptsächlich in Bewegungen der Hüf-\nten und Verdrehungen der Glieder besteht, welche zwar\neinen hohen Grad von Gewandtheit und Gelenkigkeit zeigen,\naber durchaus nicht schön und anmuthig sind. Sie dreht\ndabei dem Publicum meistens den Rücken zu und schlägt\ndie Augen nieder. Wenn sie singt, so hält sie sich eines\nvon den Schnupftüchern wie einen Schleier vors Gesicht!\nAuf meine Verwunderung darüber, sagt der Fürst, erhielt\nich von einem Araber die Antwort: „Sie thut das, weil\nsie sich nach uns kehrt und sich schämt.\"\nFolgendes ist die Melodie eines Schäbati aus der Pro-\nvinz Constantine *):\nDas erste Motiv wird zweimal gesungen, alsdann das\nzweite ebenfalls zweimal. Die Worte heissen: „Ich habe\num deine schwarzen Augen und die Augenbrauen darüber\ngelitten, wie einer, dessen Blut aus vielen Schusswunden\nfliesst.\"\nEin Grcnaoder Lied der Liebe hat folgende Melodie:\nDer Sinn des Textes ist: „Die Liebe schrieb Gott und\ndie Feder des Schicksals auf meine Stirn. Ich will sie nicht\nbergen; die Flamme verzehrt mein Herz.\" Zweite\nStrophe: „Du siehst aus wie eine leichte Gazelle, deine\nAugenbrauen sind schmal, dein Lächeln ist eine Diamant-\nperle Fundu und kann eine Stadt reich machen.\"\n\n*) Im Original in V 4 Tact geschrieben: der Rhythmus ist aber\noffenbar dreitheilig."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "82", "page_fin": "84", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.2", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.2", "debut_caractere": 2470, "fin_caractere_exclue": 4055, "texte": "Pariser Briefe.\nWährend die grosse Oper noch immer Ferien hat\ndenn ihr Saal wird nun bereits zum dritten Male neu de-\ncorirt, da die beiden ersten Versuche der Ausschmückung\nder kaiserlichen Commission nicht genügten —,hat die ko-\nmische Oper ein neues Werk von Halevy gebracht: „Le\nNabab, Opera comique en trois\nel de St. Georges.\" Es ist am 1. September zum ersten\nMale gegeben worden und hat, diesmal namentlich durch\ndie Musik, einen grossen Erfolg gehabt.\nDer Text beutet die bekannte, oft schon gehörte und\nauch für die Bühne benutzte Geschichte aus, dass ein stein-\nreicher Mensch aus Ueberdruss, und weil er sich langweilt,\nsich das Leben nehmen will, und dass ein Arzt ihn dadurch\nrettet, dass er ihn dahin bringt, sein Brod durch Arbeit\nzu verdienen. Der Held einer solchen Spleen-Geschichte\nkann natürlich nur ein Engländer sein, und so ist es denn\nauch. Der Nabab oder, wie wir Deutschen sagen, der Nabob\nist kein wirklicher Nabob oder Grossmogul, sondern der\nName bezeichnet auch hier in der Oper, wie in dem eng-\nlischen und französischen Conversations-Ton, nur einen\nMillionär, der sein Glück in Ostindien gemacht hat.\nLord Evandale wohnt in Calcutta und langweilt sich\ndort wie ein Mops, trotzdem, dass diese Race am Ausster-\nben ist. Da er nichts weniger als ein Geizhals ist, so ma-\nchen ihn seine Schätze nicht glücklich; ja, er kann seinen\ngrössten Schatz, seine Frau, nicht ausstehen. Sie ist seit\nzwei Jahren die seinige, jung, hübsch, kokett, naseweis,\nhalsstarrig, zänkisch, unausstehlich was will man mehr?\nNatürlich fordert die Lehre von den Contrasten in der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5062, "texte": "Kunst, dass die Herren Dichter den Gemahl frostig, be-\nquem bis zum Uebermaass, träge, vor jeder Anstrengung\nzurückbebend darstellen. Trotzdem ist er nicht Philosoph\ngenug, eine Frau zu ertragen, und beschiiesst, sich zu ver-\ngiften. Da kommt gerade zur rechten Zeit denn was\nsollte aus der Komödie werden, wenn der Held in der drit-\nten Scene des ersten Actes stürbe? —, also sehr zu gele-\ngener Zeit kommt der Doctor Clifford, ein alter Freund\nEvandale's, der aber seit fünf Jahren für todt gilt und auch\nseine Gründe hat, für die Welt todt zu bleiben, und dess-\nhalb den Namen eines Grafen Kurakoff führt. Er war ver-\nheirathet, ebenfalls an ein liebenswürdiges Teufelchen, ver-\nliess sie, nahm russische Dienste, wurde von den Tscher-\nkessen gefangen, u. s. w. Er erinnert seinen Freund an ein\naltes Versprechen, vermöge dessen Evandale sich verpflich-\ntet, ihm ein Jahr lang in Allem gehorsam zu sein, worauf\ndann der ärztliche Freund die Cur beginnt, die natürlich\ndamit anfängt, dass das Opiumtrinken bis übers Jahr ver-\ntagt wird. Vorher jedoch thut der Lord noch ein gutes\nWerk: er gibt der hübschen Dora, Tochter eines Cigarren-\nFabricanten in England, statt der zwanzig Guineen, um die\nsie ihn zur Rückkehr in ihr Vaterland bittet, dreihundert\nStück, und macht sie herunter, dass sie nur so wenig\nfordere.\nDer zweite Act führt uns nach England in die Cigar-\nrenfabrik des alten Toby, Vaters der Dora, welche während\ndes Zwischenactes aus Ostindien zu ihm zurückgekommen\nist. Warum sollten also Evandale und Clifford die Ueber-\nfahrt nicht eben so schnell gemacht haben? Der ärztliche\nFreund, die Vorsehung Evandale's, hat diesen in einen\nGeorge Preston verwandelt; er soll die Süssigkeit der Ar-\nbeit kennen lernen, um das Leben zu schätzen. Allein man\nkann doch einen so verwöhnten Mann nicht zu einem Grob-\nschmied in die Lehre thun! Was ist also natürlicher, als\ndass man ihn als Cigarrendreher anstellt? Als solchen fin-\nden wir in der That unseren Nabob wieder; er verdient\nfünf Shilling täglich, raucht mit Behagen seine Cigarre,\nist glücklich und denkt nicht mehr daran, sterben zu wollen.\nIm Gegentheil, er wünscht nicht bloss für sich, sondern\nauch für ein anderes Wesen auf Erden zu leben für die\nkleine Dora, die er liebt, und die ihm auch nicht abhold\nist, weil sie in der Stimme des Arbeiters eine Aehnlichkeit\nmit der Stimme ihres ostindischen Wohlthäters entdeckt\nhat. Aber, ach! er ist ja verheirathet! Dieses Bewusstsein\nquält ihn, so dass er also auf einmal alles hat, was dem\nMenschen das Leben zum Leben macht: Arbeit und Gefühl\nvon Freude und Schmerz.\nBis dahin ist Alles recht hübsch; es liegt eine Moral\nin der Handlung, wie sie die Komödie nicht besser geben\nkann, und die an die Raimund'schen Stücke in Deutschland\nerinnert. Allein von jetzt an wird die Verwicklung so echt\nfranzösisch, dass man sieht, es ist den Dichtern nur um\npikante Lagen und komische Wirkungen zu thun; wie\nsie herbeigeführt werden, ist ihnen sehr gleichgültig, und\ndie allerverbrauchtesten Komödienmittel müssen herhalten,\num die gehäuften Unwahrscheinlichkeiten auch für das nach-\nsichtigste Publicum nur einiger Maassen erträglich zu\nmachen.\nWir verliessen den glücklich Geheilten bei seinen Be-\ntrachtungen über die Fesseln seiner Heirath. Da kommt der\nDoctor und zieht die Zeitung von Bombay aus der Tasche.\nMilady Evandale hat sich, wie das Blatt berichtet, mit ei-\nnem geckenhaften Anbeter, der auch im ersten Acte als\nunbedeutende Person vorkommt, eingeschifft, um ihren\ndurchgegangenen Gemahl aufzusuchen. Das Dampfboot ist\nmit Mann und Maus untergegangen. Mylord ist frei. Welch\neine Freude in der Cigarren-Fabrik! Indess der Alte theilt\nsie nicht; er ist hinter das Einverständniss des Pärchens\ngekommen und weis't in aller Freundschaft seinem Gesel-\nlen die Thür.\nIn demselben Augenblicke wirft ein ungeschickter\nKutscher oder ein in Livree gesteckter Dämon einen Wa-\ngen vor dem Fabrikgebäude um; die beiden Reisenden sind\nglücklicher Weise unverletzt und bitten um gastfreundliche\nAufnahme es sind Lady Evandale und ihr Begleiter!\n0 Schicksal, das ist deine Tücke! 0 Scribe, das ist dein\nGeschicke! Dennoch lässt sich nicht läugnen, dass diese\nScene dem Componisten willkommene Gelegenheit zu mu-\nsicalischer Bearbeitung gibt, und Halevy hat sie vortrefflich\nbenutzt. Evandale bietet seiner Gattin sein ganzes Vermö-\ngen für die Scheidung vergebens. Endlich tritt Clifford\nejn —er sieht Lady Evandale zum ersten Male —er\nreisst seinen Freund heftig mit sich fort der Vor-\nhang fällt.\nDritter Act. Die wüthende Lady (man begreift freilich\nnicht, warum, denn sie kann ihren Mann so wenig leiden,\nwie er sie, und das Vermögen könnte sie ja haben; indess\nfreilich! er soll nicht glücklich sein Grund genug für\neine unedle Natur!) hat dem alten Toby das wahre Ver-\nhältniss seines Gesellen verrathen man kann sich sei-\nnen Zorn und Dora's Schmerz denken, denn sie fühlt, dass\nsie liebt. Ei was! wofür haben wir denn den Doctor? Er\ntritt auf, gibt seinem Freunde einen Brief: „Uebergib dieses\nBlatt deiner Frau, und du bist sie los!\" Gesagt, ge-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 641, "texte": "than; unser Nabob gibt seiner Lady das verhängnissvolle\nBlatt — sie fällt fast in Ohnmacht — „Sie werden ab-\nreisen?\" fragt er. — „Auf der Stelle.\" — „Nie wieder-\nkommen?\" — „Nie.\" — Sie stürzt hinaus; in demselben\nAugenblicke tritt der Doctor herein und wirft ihr einen\nvernichtenden Blick zu — — : es ist die Frau Doctorin,\nseine vor fünf Jahren ihm angetraute Frau! Evandale als\nNummer Zwei ist also frei und heirathet seine Dora. Ob\nHerr und Frau Doctorin sich versöhnen, überlassen die\nDichter dem Ahnungsvermögen der Zuschauer; bei dem\nmännlichen Geschlecht im Parterre dürfte das Prognosti-\nkon kaum zweifelhaft sein.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "84", "page_fin": "85", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.3", "titre_corps": "Musicalische Preis-Ertheilung in Brüssel.", "titre_sommaire": "Musicalische Preis-Ertheilung in Brüssel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.4", "debut_caractere": 643, "fin_caractere_exclue": 4804, "texte": "Musicalische Preis-Ertheilung in Brüssel.\nBekanntlich hatte die Classe der schönen Künste in\nder königlich belgischen Akademie einen Preis für die beste\nSinfonie triompha lezur Feier der Hochzeit des Herzogs\nvon Brabant ausgeschrieben. Ueber die Zuerkennung ist\nfolgendes merkwürdige Protocoll erschienen (Indep. Beige\nv. 3. Sept.):\n„ Sitzung vom 1. Sept. Die Classe der schönen Künste\nhat den Bericht des Herrn Fetis über den Erfolg der\nPreisbewerbung u. s. w. angehört. Da die Commission,\nwelche beauftragt war, die eingesandten Partituren zu prü-\nfen, ihre Arbeiten erst Mittwoch den 31. August beendigt\nhatte, so fehlte es an Zeit zur Bedaction des Berichts, und\nHerr Fetis konnte nur mündlich die Verhältnisse der Be-\nwerbungssache aus einander setzen.\n„Es sind einunddreissig Partituren von Sinfonieen\neingesandt worden.\n„Bei einer ersten Prüfung hat die Commission eine ge-\nwisse Anzahl davon bei Seite gelegt, theils weil ihre For-\nmen den Bedingungen des Ausschreibens nicht entsprachen,\ntheils weil ihr Kunstwerth nicht genügend schien, um mit\nden anderen Bewerbungen in Beihe und Glied zu treten.\n„ Zwölf Sinfonieen schienen geeignet, allen Bedingungen\nzu genügen und sich durch besondere Eigenschaften so\nauszuzeichnen, dass eine tiefere und genauere Prüfung der-\nselben nothwendig erschien. Bis zu diesem Punkte war die\nCommission einig, und zwölf Nummern (3, 10 u. s. w.)\nwurden einstimmig zu näherer Prüfung ausgeschieden.\n„ Die Werke unter diesen Nummern bilden zwei verschie-\ndene Kategorieen. Die einen gehören der alten Form an, wel-\nche nach und nach in den unsterblichen Werken von Haydn,\nMozart und Beethoven sich entwickelt hat und durch diese\nGrossen Künstler erschöpft scheint. In den anderen be-\nmerkt man im Gegentheil Neuerungs-Versuche, theils in\nder Form, theils in dem dramatischen Inhalt, theils in har-\nmonischen und rhythmischen Kühnheiten.\n„Der Berichterstatter Herr Fetis äusserte nun, dass\ner geglaubt habe, seinen Collegen [wer diese sind, erfahren\nwir nicht aus dem Berichte; aus einer anderen Notiz geht\naber hervor, dass die Herren Ch. Hanssens und Snel (?)\nMitglieder der Akademie sind] die Frage stellen zu müssen,\nWelche von den beiden Ivategorieen ihnen als solche er-\nscheine, die das meiste Interesse in Anspruch nehme. Diese\nFrage, fuhr er fort, blieb in der Discussion ohne Antwort;\nallein sie fand ihre Lösung in sehr deutlicher Art durch die\nWahl derjenigen Composition, welcher durch Stimmenmehr-\nheit der Preis zuerkannt wurde.\n„Da die Frage, ob überhaupt ein Preis zuzuerkennen\nsei, einstimmig bejaht wurde, so ging die Commission zu\nder Abstimmung über die Wahl der Partitur über, welche\ndessen für würdig gehalten werde. Die Stimmen theilten\nsich folgender Maassen: Drei Stimmen wurden der Nr. 31\ngegeben, eine der Nr. 3 und eine der Nr. 12. Die Num-\nmern 31 und 3 gehören der alten classischen Form an,\nund Nr. 1 2 betritt den Weg der Umwandlungsform der\nSinfonie.\n„Vier Stimmen haben also, fahrt Herr Fetis fort, zu\nGunsten der ersten, von mir aufgestellten Kategorie ent-\nschieden, und ich bin in meiner Ansicht über das, was ge-\ngenwärtig der Kunst noth thut, allein gelassen worden. In\ndieser Lage glaubte ich, das Amt eines Berichterstatters,\nwelches mir die ehrenwerthen Herren Collegen anboten,\nablehnen zu müssen; allein ich konnte ihrem Andringen am\nEnde nicht widerstehen. In Folge dessen schlage ich Ihnen,\nmeine Herren, im Namen der Majorität der Commission,\naber unter ausdrücklichem Vorbehalt meiner\npersönlichen Meinung, vor, der Nummer 31 den\nPreis zuzuerkennen. Wenn die Partitur dieser Nummer\nauch nicht durch ausgezeichnete musicalische Ideen glänzt,\nso empfiehlt sie sich wenigstens durch ein bemerkenswer-\nthes Verdienst der Anlage und der Factur.\n„Nachdem die Versammlung diesen Bericht und die\nBemerkungen eines anderen Mitgliedes der Commission an-\ngehört hatte, entscheidet sie, dass über den Vorschlag der\nMajorität der Commission abgestimmt werden solle. Er\nwird einstimmig angenommen. Nach der Eröffnung des ver-\nsiegelten Zettels, dessen Aufschrift die Devise der Sinfonie\nNr. 31 enthält, macht der Director der Classe Herrn\nHugo Ulrich in Berlin als Componisten des preisge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1706, "texte": "krönten Werkes bekannt. Der Name des Herrn Ulrich hatte\nsich bis jetzt noch nicht in der musicalischen Welt bekannt\ngemacht.\"\nSo weit der belgische Bericht. Die letzte Bemerkung\ndesselben ist nicht richtig. Der Bericht unseres Correspon-\ndenten von Berlin vom 21. März 1853 (Bhein. Musik-\nZeitung, Jahrg. 111, Nr. 143) enthält über Herrn Ulrich\nFolgendes: „Die Capelle führte in ihrer letzten Soiree eine\nneue Sinfonie (H-moll) von Ulrich auf, einem jungen, sehr\ntalentvollen Componisten, der sich schon vor mehreren Jah-\nren durch ein Trio producirte, damals aber noch zu form-\nlos und excentrisch war. Seit mehreren Jahren hat keine\nneue Sinfonie in solchem Grade sowohl den Beifall der\nKenner als des grösseren Publicums erlangen können, als\ndiese hier. Herr Ulrich ist zu einer grösseren Klarheit her-\nangereift, ohne dass er darum das wahrhaft productive Ta-\nlent, das die Natur in ihn gelegt, ertödtet hätte. Die\nHaupt-Themen sind meist spannend und zeigen sich\nwohl geeignet, einer grösseren Arbeit zu Grunde gelegt zu\nwerden. In der Ausarbeitung könnte manches Phrasenhafte,\nnamentlich im ersten und letzten Satze, getilgt worden sein;\ndafür entschädigen aber das Scherzo und Andante, die, we-\nnigstens bei einmaligem Hören, als in sich abgeschlossen\nund fertig erscheinen. Es ist zu wünschen und zu hoffen,\ndass das Werk des Herrn Ulrich auch an anderen Orten\nzur Aufführung kommen möge. Eine gewisse Hinneigung zu\nMeyerbeer, die in dem oben erwähnten Trio sehr stark\nhervortrat, schimmert übrigens auch hier noch durch; die\nComposition erhält dadurch, wenngleich in sehr gemilderter\nWeise, eine etwas barock-düstere Färbung, die sie von an-\nderen neueren Werken auf diesem Gebiete unterscheidet.\""}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c007", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "85", "page_fin": "86", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.4", "titre_corps": "Friedrich Kühmstedt.", "titre_sommaire": "Friedrich Kühmstedt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.5", "debut_caractere": 1708, "fin_caractere_exclue": 5041, "texte": "Friedrich Kühmstedt.\nKühmstedt, ein rühmlich bekannter Musiker, Musik-\nDirector am Schullehrer-Seminar in Erfurt, ist auch unter\ndie Kunstphilosophen gegangen und hat uns neue Enthül-\nlungen über die Theorie der Musik in einem Aufsatz (in\nder Süddeutschen Musik-Z.) gebracht, den wir, da wir\ngrundsätzlich die neuen Lehren verfolgen und zur Beur-\ntheilung der Vernünftigen zu bringen beschlossen haben,\nhier folgen lassen :\n„Nach einem mehr als fünfzehnjährigen Studium der\nTheorie der Musik, zu dem mich einmal das reine Interesse\nam Erkennen überhaupt, dann aber das eigene innere Be-\ndürfniss antrieb, die musicalische Kunst nach Wesen, Zweck\nund Gesetzen insbesondere zu begreifen, um dadurch zu\neinem bewussten freien Schaffen zü gelangen, ist es mir\nnach meiner festen Ueberzeugung gelungen, den musica-\nlischen Satz, d. i. den musicalischen Gedanken in seiner\nLeiblichkeit mit allen seinen Eigentümlichkeiten und Mo-\ndificationen, nach Stoff und Form aus einem Principe\nentstehen, organisch sich entwickeln zu lassen, somit ge-\nlungen, eine Compositionslehre in Wahrheit oder „ „eine\nKunst, in Tönen zu denken\"\", aufstellen zu können. Diese\nLehre verfährt demnach nicht atomistisch, nicht einseitig\npraktisch oder abstract theoretisch; ihre Resultate sind nicht\nblosse Aggregate, gewonnen durch ein principloses Zusam-\nmensetzen der einzelnen Töne, sondern sie ist im wahren\nSinne des Wortes Theorie, d. i. sie erweis't sich als stu-\nfenweise Manifestation der der Kunst zu Grunde liegenden\nIdee, gleich der Lebensthätigkeit der Natur, die, um etwas,\nz. B. einen Baum, hervorzubringen, nicht erst Blätter, Zweige,\nBlüthe etc. einzeln macht, nachher zusammensetzt und zu-\nletzt ihnen Leben einhaucht, sondern dies alles mit Einem\nSchlag durch stufenweise Entfaltung eines Keims zu Tage\nfördert.\n„Als Verwirklichung eines Allgemeinen, Notwendi-\ngen ist sie eine Gedanken-Erzeugungslehre. (?) Dem Kunst-\njünger erschliesst sich das, was sein soll, und indem er\ndies im Erkennen zugleich als identisch mit seinem eigenen,\nindividuellen Wesen begreift, erhebt er sich zur frei-noth-\nwendigen Thätigkeit, zum wirklichen Schaffen. (?) In dieser\nTheorie gibt es keine einzelnen Regeln. Was sein soll an\neiner bestimmten Stelle und in einer bestimmten Weise,\ndas wird durch die Entwicklung des Gedankens mit inne-\nrer Notwendigkeit von selbst. Das stufenweise Wirklich-\nwerden der Idee ist überall das Leitende, Bestimmende,\ndas Punctum saliens. Daher producirt der Kunstjünger nach\ndieser Theorie nothwendiger Weise auch alle Gesetzlich-\nkeit aus sich selbst. Ferner springt in die Augen, dass hier\nvon einzelnen Accorden und einer Harmonieen-Lehre, be-\nsonders in der Weise, wie sie in den bisherigen General-\nbass-Schulen aufgestellt worden, nicht mehr die Rede ist.\n„Ein Accord als Einzelnes, Isolirtes, d. h. nicht als\nGlied eines höheren Ganzen, eines Organismus, nicht als\nindividueller Ausdruck der Idee betrachtet, ist eben so un-\nbegreiflich wie irgend ein Glied des menschlichen Körpers,\ngetrennt und ausser seinem Verhältniss und seiner Be-\nziehung zu demselben gedacht. Wie alle Glieder des mensch-\nlichen Körpers erst aus der Idee des Menschen hervorgehen\nund ihre Stellung und Bedeutung wieder nur durch den\nZweck erhalten, der ihnen in dem grösseren Ganzen, dem\nKörper, durch die Entwicklung desselben wird, so entsteht"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4482, "texte": "auch der Accord etc. erst aus und mit dem musicalischen\nGedanken und erhält von demselben, als organisches, noth-\nwendiges Glied von ihm, seine Stellung und Bedeutung.\n„Da diese Theorie, als systematische Darstellung der\nVerwirklichung eines Allgemeinen, Nothwendigen durch\nTöne, ein Begreifen der Musik vermittelt, das Begreifen\naber in einem Erfassen der Einheit im Unterschiede besteht,\nso dass mit der Erkenntniss der Musik zugleich die Kunst\nim Allgemeinen und Besonderen, das Wesen der Wissen-\nschaft und zuhöchst das Sein und Werden, als das Ewige,\ndie Ur-Idee, von welcher die in der Wissenschaft, dem Le-\nben und der Kunst pulsirenden Ideen des Wahren, Guten\nund Schönen nur ihre eigenen, unterschiedenen Momente\nsind, erfasst werden: (!) so leuchtet ein, (?) dass weiter diese\nTheorie eine wirkliche Erziehungslehre ist, dass sie den\nKunstjünger nach allen hier in Betracht kommenden Seiten\nausbildet und zum Bewusstsein bringt. Und dies muss ge-\ngenwärtig eine Theorie der Kunst sein. Denn nimmer wird\nin unserer Zeit ein Künstler, wäre er auch mit dem gross-\nten Talent ausgestattet und im Besitz der vollendetsten\nTechnik, ein wahres Kunstwerk zu Tage fördern, ohne den\nKampf um innere geistige Selbstständigkeit mitgekämpft\nund in demselben festen Boden gewonnen zu haben, und\nohne ein Mensch zu sein, dessen Leben in der Darlegung\nund Erfüllung des Wahren, Guten und Schönen aufgeht.\n„Das sind jetzt mehr als jemals nothwendige Voraus-\nsetzungen und Bedingungen jeder wahren künstlerischen\nThätigkeit; denn die Kunst ist, weil sie das Ewige, We-\nsentliche zur Erscheinung bringen soll, der Gipfelpunkt der\nmenschlichen Thätigkeit.\n„Aus diesen Bemerkungen wird sich leicht ersehen\nlassen, dass meine Lehre in zwei Haupt-Abtheilungen zer-\nfällt, die aber durchaus nicht als geschieden zu denken sind.\nIn Folge des dem Ganzen zum Grunde liegenden Princips\nmuss natürlicher Weise ein Verhältniss Statt finden, wie\ngleichsam bei dem von der Natur allein bestimmten Sein\nund Leben des Kindes zu dem des Jünglings etc. In der\nersten Abtheilung ist das organische, naturnothwendige\nWerden des musicalischen Gedankens, der Logik der Mu-\nsik, vorzugsweise Gegenstand. Hier entwickelt sich der\nmusicalische Gedanke oder die Musik als Sprache schlecht-\nhin. Von den Fesseln der starren Naturnotwendigkeit mehr\nund mehr sich emaneipirend, erhebt sich endlich der Ge-\ndanke in diejenige Sphäre, die wir Poesie zu nennen\npflegen.\n„Das Grundwesen der Poesie und somit aller wahren\nKunst ist bewusste, freie Gestaltung, Individualisirung des\nAllgemeinen, Nothwendfgen. Demnach ist die zweite, höhere\nStufe eines Künstlers bedingt zunächst dadurch, dass ihm\ndas Allgemeine als sein eigenes Wesen aufgeht denn\nFreiheit beruht in dem Bewusstsein des Notwendigen, ist\nIch, Subject gewordene Nothwendigkeit —, dann dadurch,\ndass ihm das Nothwendige zugleich als Seinsollendes, d. i.\nals Idee, erscheine und als solche ihn erfülle, erhebe und\nansporne, sie in immer vollkommnerer, in einer ihrem We-\nsen mehr und mehr entsprechenden Weise zum Dasein zu\nbringen. Dass dieses Letztere geschehe, dass er ein wirkli-\nches Kunstwerk liefere, ein Werk, in dem die Idee eine\nsolche Gestalt, einen solchen Ausdruck gewonnen, dass es\ndem herrschenden Geiste zur höheren Offenbarung seines\neigenen Wesens wird, darauf kann der Unterricht freilich\nnur indirect wirken, einmal durch Hinweisung, Richtung\ndes Gemüthes des jungen Künstlers auf das Grosse, Schöne,\nin dem sich in der Natur, der Geschichte und den Geistes-\nprodueten der Menschen die Idee bereits ausgeprägt hat,\ndann aber vorzugsweise durch Hinweisung auf den Kampf,\nden es ihr, zur Erscheinung zu kommen, gekostet hat,\noder ich möchte sagen: durch die Lebens- und Leidensge-\nschichte der Idee. Die Erfassung und eigenthümliche Re-\nproduetion derselben im Gemüth, durch welche die Pro-\nduetion eines Kunstwerkes bedingt ist, hängt von der dem\nMenschen von der Natur verliehenen Geistes- und Gemüths-\nverfassung ab. In dem Grade, in welchem ein Mensch für\ndas Wahre, Schöne empfänglich ist, und in welchem es ge-\nlingt, ihn für dasselbe erglühen zu machen, so wird er es\ndarstellen. Wer gemein fühlt und denkt, wird auch gemein\nsich äussern, und umgekehrt. Wie das Innere, so das\nAeussere.\n„Die Theorie hat Alles gethan, wenn sie das Princip,\ndie Idee selbst und die Weise ihres Wirklichwerdens\naufzeigt.\"\nUnd wi r sagen: die Theorie hat nichts gethan, wenn\nsie durch dergleichen abstracte Grübeleien den Kopf des\njungen Musikers verwirrt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c008", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "86", "page_fin": "87", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.5", "titre_corps": "Aus Wien.", "titre_sommaire": "Aus Wien.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.6", "debut_caractere": 4484, "fin_caractere_exclue": 5054, "texte": "Aus Wien.\nDie letzte Augustwoche brachte uns unter ihren sieben Opern\nauch zwei Mozart'sche, die Zauberflöte und Figaro's Hochzeit Der\nBassist Dalle Aste trat hier zuerst als Plumkett in Flotow's Mar-\ntha auf und gefiel gar nicht; man begreift die lobpreisenden Nach-\nrichten fremder Journale über ihn nicht; ei, warum denn nicht?\nWenn den die Herren loben,\nSo wissen sie, warum\nfallt mir eben zur Erklärung aus Figaro ein. Frau Köster gab\nuns eine treffliche Pamina; es ist diese Rolle unbedingt eine ih-\nrer besten,. wiewohl wir mit ihren Tempi nicht immer einverstan-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2741, "texte": "den sein konnten. Fräul. Liebhardt bewältigte die Partie der\nKönigin der Nacht ganz gut.\nZur Feier des Geburtstages des Kaisers veranstaltete die Akade-\nmie der Tonkunst am Donnerstag den 18. August eine theatralische\nVorstellung, deren Auflührung von den Zöglingen der Operisten-\nschule der Akademie besorgt wurde. Die Nothwendigkeit der Er-\nrichtung einer Bildungsschule für Sänger auch für die Bühne wurde\nbereits vielfach besprochen; die Ansichten hierüber sind getheilt,\nviele Stimmen sprechen dafür, viele dagegen. Wir glauben uns an\ndiejenigen anschlicssen zu können, welche ihr Votum im bejahen-\nden Sinne gegeben. Nicht nur in Frankreich und Italien, der Pflanz-\nschule der Oper (und namentlich in Paris und Mailand), sondern\nauch in Deutschland hat sich die Nothwendigkeit zur Errichtung\nvon Opcristenschulen ausgesprochen. Wir finden bereits in Leipzig,\nBerlin, Hamburg, Stuttgart, München etc. solche Lehranstalten,\nwelche der Ausbildung befähigter Individuen für die Oper obliegen,\nund wie wir wissen, sind dieselben von den schönsten Erfolgen\ngekrönt. (?) Die Akademie der Tonkunst in Wien, von denselben\nPrincipien geleitet, wie die oben genannten Institute, hat nun auch\nfür die Organisirung einer Operistenschule die zweckdienlichsten\nEinleitungen getroffen und am 18. d. Mts. den ersten Versuch ihrer\nSchüler auf dem Wege der Oeffentlichkeit gemacht. Der Erfolg,\nder ein in jeder Beziehung glänzender und ehrenvoller war, hat\ngezeigt, dass das Institut die nöthigen Lehrkräfte besitzt, um ein\nsolches Unternehmen zu stützen und zu fördern, und jene Pflichten\nerfüllen kann, die dasselbe beansprucht. Kurz, sehr kurz ist die\nZeit des Bestehens der Operistenschule, und wer die Schwierigkei-\nten kennt, mit welchen man zu kämpfen hat, um nur ein einzel-\nnes Individuum in den Rahmen eines Künstlerkreises zu bringen;\nwer halbwegs von der Bühne und ihren der Oeffentlichkeit ange-\nhörigen Attributen Kenntniss hat, der wird gewiss die Vorführung\nganzer Scenen aus Opern ausschliesslich durch Schüler um so\nschwieriger finden, andererseits aber nach einem so glücklichen\nErfolge dem Lehrkörper die Anerkennung nicht versagen, dessen\nFleiss es zu verdanken ist, dass das Resultat so befriedigender Na-\ntur war. Mit geringen pecuniären Mitteln hat die Akademie der\nTonkunst dieses Institut geschaffen, das, wird es von dem Publicum\ngehörig unterstützt, bald reichliche Früchte tragen wird.\nNach vielen Proberollen fremder Künstlerinnen hat die Direc-\ntion des Hof-Opern-Theaters wieder mit der bereits früher ange-\nstellten Sängerin, Frau Herrmann-Czillag, auf zwei Jahre ab-\ngeschlossen. Die Nachrichten über das Befinden des Kammersängers\nAnder in Ischl lauteten nicht sehr beruhigend, geben neuerdings\njedoch bessere Hoffnung."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c009", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "87", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.6", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "E. 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Man ist sehr ge-\nspannt, wen die Intendanz als solche bringen wird. Doch nächsten\nSonntag beginnt Johanna Wagner ihr Gastspiel, Mitte October wird\ndas Theater auf vier Wochen oder länger geschlossen: die Prima-\nDonna-Frage wird daher ziemlich lange im Dunkeln schweben.\nUnser Theater, vielleicht das schmutzigste in Europa, wird gerei-\nnigt, man spricht sogar von Malen und Versilbern; unsere Sperr-\nsitze, gewiss die härtesten, die es je gegeben, werden frisch ge-\npolstert und überzogen; die Sage geht, es kämen Fauteuils; der\nalte, mit Oel beleuchtete Lustre sogar muss dem Gaslichte w eichen,\nund „wenn alles dies sich erfüllt,\" spricht die Intendanz, „werde\nich die Preise erhöhen! Doch Ihr sollt dann jedes Jahr drei ganz\nneue und anerkannt gute und so und so viel neu in die Scene\ngesetzte Opern haben; Ihr sollt dieselben bis auf ihre Neben-Par-\nticen gut besetzt hören; Ihr sollt dann auch nicht mehr, wie sonst,\nwenn mein Theaterzettel mit grossen Buchstaben verkündet: „„neu\nin die Scene gesetzt\" \", fadenscheinige, längst verblichene Decora-\ntionen, schäbiges, kaum für ein Provinz-Theater schickliches Costume\nerblicken, Ihr sollt Evolutionen zu Pferd und zu Fuss, z. B. in\nTempler und Jüdin, wenn mein Orakel es verkündet, haben; Ihr\nsollt u. s. w. Dim.\" Spricht die Intendanz wahr, so wird man sich\nvielleicht, doch gewiss ungern, die Erhöhung der Preise gefallen\nlassen.\nWährend das Theater geschlossen, beabsichtigt die Hof-Capelle\neinige Extra-Concerte zu geben, welchen wir mit grossem Vergnü-\ngen entgegensehen. Zu bedauern nur ist, dass das Programm, in\nzwei Abtheilungen getheilt, uns in der ersten eine grosse Sinfonie\nvon Beethoven, Mozart oder Mendelssohn bietend, durch die zweite,\ndie aus Gesangstücken und kleineren Instrumentalsachen zusammen-\ngesetzt ist, den durch eine herrliche Tonschöpfung in der ersten\nHälfte hervorgerufenen Genuss schwächt und oft bedeutend ver-\nwischt. Wünschenswerth wäre es auch, wenn man ausser der\nPhalanx Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn nicht nur Franz\nLachner, dessen Werke, recht wacker gearbeitet, doch jedes höhe-\nren Schwunges entbehrend, oft endlos sind, sondern auch Fcrd.\nHiller, Schumann, Gade etc. aufnehmen würde. Richard Wagner\nhätte schon einen schwereren Stand; denn seine Tannhäuscr-\nOuverture, voriges Jahr in einem Capellen-Concert aufgeführt, wurde\nmit den lautesten Acclamationen des Missfallens aufgenommen.\nJa, München ist frei von jener lächerlichen Affectation, alles für\ngross und schön zu halten, was als gross und schön von einer ge-\nwissen Propaganda der Welt aufgedrungen wird; hier wird der\nProphet Wagner kaum Gläubige finden: in München betet man\nnoch zu den alten, ewig wahren Göttern."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-10-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-10_01#c010", "volume": "bmtnabi_1853-09-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "87", "page_fin": "88", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.7", "debut_caractere": 6035, "fin_caractere_exclue": 7154, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nölii. Dem Vernehmen nach ist Herr Rheinthaler aus\nBerlin, der sich im Genuss eines königlichen Stipendiums zwei\nJahre in Rom aufgehalten hat, als zweiter Gesanglehrer an der\nhiesigen Musikschule berufen worden und wird demnächst hier\neintreffen. Die wachsende Zahl der Gesang-Schüler und Schülerin-\nnen machte diese Vermehrung der Lehrkräfte nothwendig. Ob nun\naber die vereinten Bestrebungen des Herrn Koch und des neuen\nCollegen es dahin bringen werden, das Vorurtheil zu brechen, dass\nman von hier so bald wie möglich nach Paris laufen müsse, um\nsich zu vollenden (?), das müssen wir erst abwarten.\nBerlin« Am 27. August wurde hier seit 1843 wieder zum\nersten Male „Die Stumme von Portier4 aufgeführt, zufällig\nfast zur Jahresfeier des 25. August 1830, wo diese Stumme eine\nso laute Rolle in Brüssel spielte. Sämmtliche Billets waren bald\nnach der ersten Ankündigung vergriffen, und das Opernhaus war\nein seltener Fall in diesem Sommer bis auf den letzten\nPlatz gefüllt.\nIn Wiesbaden soll bei Gelegenheit der Vermählung der\nPrinzessin von Nassau Flotow's „Indra\" als Fest-Oper gegeben"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5074, "texte": "werden. Bei Hofe seheint also Wagner doch nicht durchgegriffen\nzu haben. Capellmeister Hagen ist eingetroffen und bereits mit\nden Proben beschäftigt.\nHiinclien. Erl. Johanna Wagner hat am 4. d. Mts. ihr\nGastspiel mit der Rolle der Fides im „Propheten\" eröffnet. Das\nHaus i» übervoll und von Gesang und Spiel begeistert.\nDas grosse Musikfest zu Eutin in Holstein, zur Erinnerung\nan C. M. von Weber, wird am 11., 12. und 13. September\nStatt finden.\nDie leipziger Neue Zeitschrift für Musik hat in ihren Nummern\n7 und 8 . zwei Antikritiken der Herren Autoren S t e h 1 i n und\nWültje gegen Reecnsionen ihrer Schriften in der Süddeutschen\nMusik-Zeitung gebracht, welche von persönlichen Ausfällen, Schimpt-\nworten, Gemeinheiten wimmeln. Wann werden doch die deutschen\nSchriftsteller die Handwerksburschen-Sitten und den Holz-Comment\nablegen? Wie anders stehen Engländer und Französen in dieser\nBeziehung da! Man lese nur die häufigen „Briefe an den Heraus-\ngeber\" der Times, oder den Zwist, den vor Kurzem die Haupt-\nRedacteure der beiden pariser musicalischen Zeitungen gegen ein-\nander in die Oeffentlichkeit brachten: welcher Anstand-, welche\nFeinheit der Ironie herrscht da! Muss denn die beleidigte Eitelkeit\ngleich mit Knüppeln dreinschlagcn ? Mit Recht sagt übrigens\ndie Süddeutsche Musik-Zeitung: „Die Neue Zeitschrift für\nMusik, die sich mit ihrem Streben nach Freiheit in Wissenschaft\nund Kunst so mächtig brüstet, die so oft die Ehre und Würde\nderselben als ihr Panier erhoben hat, fragen wir, wie sie es mit\nihrer Ehre vereinbaren kann, Aussprüche, welche Wissenschaft\nund Kunst schänden, in ihre Spalten aufzunehmen.\" Herr\nWöltje, Doctor juris und Obergerichts-Procurator in Celle, ruft\nnämlich Criminalrichtcr und Polizei an, in. AN issenscliaft und Kunst\ndie Ordnung aufrecht zu erhalten.\nDie Gebrüder.Wieniawski, welche vor Kurzem in Baden-\nBaden Concerte gaben, sind für die Gewandhaus-Concerte in\nLeipzig engagirt.\nDas wiener Hoftheater hat neuerdings vom Kaiser einen Zu-\nschuss von 200,000 Gulden jährlich erhalten, so dass sich die Ge-\nsammt-Einnahme auf eine halbe Million belauft. Damit lässt sich\nallerdings etwas leisten!\nThalberg reis't im nördlichen Italien. Er war in Mailand\nund ist gegenwärtig in Turin. — Willmers ist im Franzeris-\nbad. — Die-hannoversche Kammersängerin Frau N Ott es hat in\nPrag als Fidelio ganz ungewöhnlichen Eindruck gemacht. (In.\nWien wurde Fidelio drei Mal bei leerem Hause, das vierte Mal bei\nziemlich besetztem gegeben — und Frau Köster gab die Haupt-\nrolle t Die Wiener von 1853 wollen, wie es scheint, denen v.on-\n1805 nicht voranstehen!)\nLondon. Jullien ist nach .New-York aligereis't. Botte-\nsini, der berühmte Contrabassist, nnd die Damen Anna Zerr\nund Fiorentini sind ihm einige Tage später gefolgt.\n# ' ... ; * *\n• * * . •\" • • _ » •\n• # , • # , . , • || » \"\n• • * * . \\ * • • ♦ r * - • ■ # . •\nGrosser Streit um die Professur der Musik an der Universität\nEdinburg ist zwischen dem dortigen Stadtrath und akademischen\nSenat ausgebrochen, und merkwürdiger Weise wird seine Entschei-\ndung w ahrscheinlich aus Deutschland geholt werden. Im Jahre 1807\nstarb zu Edinburg ein General Reid, der ein Vermögen von sechs-\nzigtausend Pfund (viermalhunderttausend Thaler) baar hinterliess*\nEr vermachte dasselbe seiner einzigen Tochter mit der Bedingung,\nwenn diese ohne Erben sterben sollte, das-Vermögen der Uni-\nversität zu musicalischen Zwecken zufalle und diese davon eine\nProfessur der Musik zu errichten habe, deren Inhaber mindestens\ndreihundert Pfund Gehalt beziehen müsse, wenn die sonstige Aus-\nstattung auch noch so viel koste. Im Jahre 1838 dann kam die\nUniversität wirklich in den Besitz des Vermögens, und man stellte\nauch sogleich einen Professor der Musik an, besoldete denselben\nmit dem Minimum von dreihundert Pfund jährlich, that aber sonst\nnichts weiter zur Hebung der Kunst, verwendete vielmehr die übrig\nbleibenden Zinsen zu anderen Zwecken. Eine Reihe von Jahren\nsah der Stadtrath diesem Treiben des Senates ruhig zu; doch end-\nlich ward es ihm, als dem Testamentsvollstrecker, zu viel; er sagte:\nHalt! verlangte bessere Besoldung des Professors, um einen aus-\ngezeichneten Mann gewinnen zu können, Anschaffung von Instru-\nmenten, Unterstützung junger Talente und musicalischer Vereine\netc. so, dass die ganze Anstalt würdig dastände, zumal das Geld\nnur zu Zwecken der Musik verwendet werden dürfte. Die gelehr-\nten Theologen, Juristen und Medicincr des Senates meinen: ei was L\ndie Tönelei sei ein überflüssig Ding der Welt, es sei an dem, was\ngeschehen, schon genug und etwa ein Nachforschen nach dieser oder\njener Lesart in diesem oder jenem Codex auf Kosten der hübschen\nErbschaft viel nützlicher. Allein der Stadtrath wird hitzig, Streit-\nschriften aller Art werden gewechselt, und jetzt hat man die Ac-\nten an Sachverständige in Deutschland gesendet, um deren Gutach-\nten einzuholen und eine Entscheidung zu ermöglichen. So weit uns\nbekannt, sind zu dem Ende die Acten bereits Spohr in Kassel,\nSchilling in Stuttgart [was soll der denn damit?], Sehn yd er\nvon War te n see in Frankfurt zugekommen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "81", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.1", "texte": "Bemerkungen des Fürsten von der Moskowa über die\nMusik der Araber\n*).\nEs ist von den Arabern in Algerien, an der Gränze\nder Sahara und von Blad-el-Dscherid die Rede, deren Sit-\nten und musicalische Eigenheiten der Fürst vorzüglich wäh-\nrend seines Aufenthaltes in Constantine und vieler Reisen\ndurch diese Provinz und zum Theil in den Feldlagern be-\nobachtet hat. Noten kennen diese Araber nicht, es ist da-\nher schwer, ihren Musikern, welche nur nach dem Gehör\nund nach Ueberlieferung singen und spielen, ihre Melodieen\nabzulauschen.\nDie Bewohner des nördlichen Africa lieben die Musik\nleidenschaftlich, aber mehr die sanfte und träumerische Me-\nlodie, als den Lärm, wodurch sie sich auffallend von den\nNegerstämmen in Africa unterscheiden, denen nur das lär-\nmendste Geräusch willkommen ist. Ihre Hirten blasen eine\nArt von Flöte (Gösba); die Kriegsmusik der Anlührer be-\nsteht gewöhnlich nur aus zwei Oboen und einem Paar Pau-\nken oder wenigstens Einer.\n* * . *' • *\nDass die Araber Kunstsinn haben, sieht man schon an\nihrer Kleidung; die Zusammenstellung der Farben hat da-\nbei nie etwas Grelles und Schneidendes, die Drapirung ist\nschön, eine gewisse Ruhe und Milde des Charakters der\nNation scheint sich auch auf alles zu verbreiten, was sich\nder Kunst nähert. So zeigen sie auch im Gesang, d. b. im\nAlleingesang, eine Art von Geschmack und Vortrag.\nWährend des Rhamadans singen der Iman und die\nHaseba's alle Abende, am Freitag auch um Mittag, das Ge-\nbet Yalcara (Anfangswort der betreffenden Verse des Ko-\nran: „Er lies't\") in den Moscheen. Sie singen rein und\nbetonen die Worte sehr richtig, und es findet eine ganz\nauffallende Aehnlichkeit zwischen diesen religiösen Melodieen\nder Muselmänner und der christlichen Liturgie, dem katho-\nlischen Chorälgesange Statt. Sie haben z. B. ebenfalls ihre\nResponsorien. Wenn der Iman mit seiner Umgebung meh-\nrere Verse vorgelesen, so antworten drei Haseba's, welche\nauf einer Erhöhung stehen, einer nach dem anderen: Al-\nlah uh Akbar\" (Gott ist gross), in folgender Weise:\nDie maurischen Kaffeehäuser, wo die Almeen singen und\ntanzen, sind fast immer voll. Auf Kissen, welche mit rei-\nchen Teppichen bedeckt sind, ruhen die Künstlerinnen mit\nihren schönsten Kaftans und durchsichtigen Guduras (einer\nArt von Hemden von dünnem Musselin), rauchen den gan-\nzen Abend ihre Cigaretten und sehen den Bewegungen der\nGoldfische zu, deren Behälter zwischen Blumenvasen vor\nihnen stehen. Zur Ausschmückung des Locals und zur Er-\ngötzung der Gaste dürfen ferner mehrere Käfiche mit Nach-\ntigallen nicht fehlen. Die Bewohner von Constantine sind\nso grosse Liebhaber dieser musicalischen Thierchen, dass\nsie das Paar davon bis zu 250 Frcs. bezahlen.\nDie Zuschauer trinken Kaffee, Limonade und rauchen\nschweigend. Es ist gegen die Schicklichkeit, zu den Al-\nmeen heran zu treten und mit ihnen zu sprechen. Das Or-\nchester, welches sie begleiten soll, nimmt einen besonderen\nTheil des Saales ein. Die Musiker sind Türken, oder sehen\nwenigstens wie Türken aus. Die Saiten-Instrumente sind\neine Art grosser Violinen, welche wie das Violoncell ge-\nspielt werden, ferner Guitarren und eine Art von grosser\nGuitarre, welche nur mit zwei Saiten bezogen ist und mit\neinem Bogen gestrichen wird. Zur Unterstützung der\nzum Glück spielt die Musik fast durchweg piano\nsind Tamburins und der Derbuha(oder bei den\nTürken) vorhanden, letzteres ein grosses irdenes Gefäss mit\nlangem Halse, dem der Boden ausgeschlagen ist; statt des-\nsen ist ein Fell oder Pergament darüber gespannt, und auf\ndieses wird mit den Fingern getrommelt. Der Name\nfür das violinartige Instrument ist der Rebab oder Rebeb\ndes Mittelalters, und wahrscheinlich ist das Instrument auch\nnoch dasselbe.\n\n*) 'Nach der France Musicale Nr. 36."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "82", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.2", "texte": "Wenn die Gesellschaft versammelt ist, so beginnt ein\nschauderhaftes Vorspiel der Saiten-Instrumente, höchst ver-\nwirrt, ohne Harmonie und Melodie, aber immer pianissimo.\nDarauf tritt der Khredim,der Oberkellner und Ceremo-\nnienmeister des Kaffeehauses, eine Orangenblüthe oder eine\nRose im Knopfloch, mit schmeichelnd galanter Miene vor die\nAlmeen hin und beschwört die Damen Wereida, Haniffa,\nAlscha u. s. w., sich des schmachtenden Publicums zu er-\nbarmen, das da brenne, ihre Anmuth zu bewundern. Um-\nsonst; er wird zurück gewiesen. Dieselbe Komödie wird\ndrei bis vier Mal gespielt, bis endlich Eine sich entschliesst,\nsich vom Lager zu erheben, jedoch mit einer Miene, die da\nausdrückt, wie ungern sie sich erbitten lässt.\nNun beginnt der Schäbati (Tanzlied), der gewöhnlich\nerst gesungen und dann vom Orchester allein wiederholt\nwird. Der Tact wird sehr scharf markirt. Die Almee wirft\nihren seidenen Ha'ikab und schlüpft aus ihren kleinen\nsammtnen goldgestickten Pantoffeln, tritt mitten in den\nSaal, ein seidenes Tuch in jeder Hand, welches sie nichts\nweniger als anmuthig schwenkt, und beginnt nun ihren\nTanz, bei dem sie fast immer auf einer Stelle trippelt und\nschwankt, und der hauptsächlich in Bewegungen der Hüf-\nten und Verdrehungen der Glieder besteht, welche zwar\neinen hohen Grad von Gewandtheit und Gelenkigkeit zeigen,\naber durchaus nicht schön und anmuthig sind. Sie dreht\ndabei dem Publicum meistens den Rücken zu und schlägt\ndie Augen nieder. Wenn sie singt, so hält sie sich eines\nvon den Schnupftüchern wie einen Schleier vors Gesicht!\nAuf meine Verwunderung darüber, sagt der Fürst, erhielt\nich von einem Araber die Antwort: „Sie thut das, weil\nsie sich nach uns kehrt und sich schämt.\"\nFolgendes ist die Melodie eines Schäbati aus der Pro-\nvinz Constantine *):\nDas erste Motiv wird zweimal gesungen, alsdann das\nzweite ebenfalls zweimal. Die Worte heissen: „Ich habe\num deine schwarzen Augen und die Augenbrauen darüber\ngelitten, wie einer, dessen Blut aus vielen Schusswunden\nfliesst.\"\nEin Grcnaoder Lied der Liebe hat folgende Melodie:\nDer Sinn des Textes ist: „Die Liebe schrieb Gott und\ndie Feder des Schicksals auf meine Stirn. Ich will sie nicht\nbergen; die Flamme verzehrt mein Herz.\" Zweite\nStrophe: „Du siehst aus wie eine leichte Gazelle, deine\nAugenbrauen sind schmal, dein Lächeln ist eine Diamant-\nperle Fundu und kann eine Stadt reich machen.\"\n\n*) Im Original in V 4 Tact geschrieben: der Rhythmus ist aber\noffenbar dreitheilig.\n\nPariser Briefe.\nWährend die grosse Oper noch immer Ferien hat\ndenn ihr Saal wird nun bereits zum dritten Male neu de-\ncorirt, da die beiden ersten Versuche der Ausschmückung\nder kaiserlichen Commission nicht genügten —,hat die ko-\nmische Oper ein neues Werk von Halevy gebracht: „Le\nNabab, Opera comique en trois\nel de St. Georges.\" Es ist am 1. September zum ersten\nMale gegeben worden und hat, diesmal namentlich durch\ndie Musik, einen grossen Erfolg gehabt.\nDer Text beutet die bekannte, oft schon gehörte und\nauch für die Bühne benutzte Geschichte aus, dass ein stein-\nreicher Mensch aus Ueberdruss, und weil er sich langweilt,\nsich das Leben nehmen will, und dass ein Arzt ihn dadurch\nrettet, dass er ihn dahin bringt, sein Brod durch Arbeit\nzu verdienen. Der Held einer solchen Spleen-Geschichte\nkann natürlich nur ein Engländer sein, und so ist es denn\nauch. Der Nabab oder, wie wir Deutschen sagen, der Nabob\nist kein wirklicher Nabob oder Grossmogul, sondern der\nName bezeichnet auch hier in der Oper, wie in dem eng-\nlischen und französischen Conversations-Ton, nur einen\nMillionär, der sein Glück in Ostindien gemacht hat.\nLord Evandale wohnt in Calcutta und langweilt sich\ndort wie ein Mops, trotzdem, dass diese Race am Ausster-\nben ist. Da er nichts weniger als ein Geizhals ist, so ma-\nchen ihn seine Schätze nicht glücklich; ja, er kann seinen\ngrössten Schatz, seine Frau, nicht ausstehen. Sie ist seit\nzwei Jahren die seinige, jung, hübsch, kokett, naseweis,\nhalsstarrig, zänkisch, unausstehlich was will man mehr?\nNatürlich fordert die Lehre von den Contrasten in der"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "83", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.3", "texte": "Kunst, dass die Herren Dichter den Gemahl frostig, be-\nquem bis zum Uebermaass, träge, vor jeder Anstrengung\nzurückbebend darstellen. Trotzdem ist er nicht Philosoph\ngenug, eine Frau zu ertragen, und beschiiesst, sich zu ver-\ngiften. Da kommt gerade zur rechten Zeit denn was\nsollte aus der Komödie werden, wenn der Held in der drit-\nten Scene des ersten Actes stürbe? —, also sehr zu gele-\ngener Zeit kommt der Doctor Clifford, ein alter Freund\nEvandale's, der aber seit fünf Jahren für todt gilt und auch\nseine Gründe hat, für die Welt todt zu bleiben, und dess-\nhalb den Namen eines Grafen Kurakoff führt. Er war ver-\nheirathet, ebenfalls an ein liebenswürdiges Teufelchen, ver-\nliess sie, nahm russische Dienste, wurde von den Tscher-\nkessen gefangen, u. s. w. Er erinnert seinen Freund an ein\naltes Versprechen, vermöge dessen Evandale sich verpflich-\ntet, ihm ein Jahr lang in Allem gehorsam zu sein, worauf\ndann der ärztliche Freund die Cur beginnt, die natürlich\ndamit anfängt, dass das Opiumtrinken bis übers Jahr ver-\ntagt wird. Vorher jedoch thut der Lord noch ein gutes\nWerk: er gibt der hübschen Dora, Tochter eines Cigarren-\nFabricanten in England, statt der zwanzig Guineen, um die\nsie ihn zur Rückkehr in ihr Vaterland bittet, dreihundert\nStück, und macht sie herunter, dass sie nur so wenig\nfordere.\nDer zweite Act führt uns nach England in die Cigar-\nrenfabrik des alten Toby, Vaters der Dora, welche während\ndes Zwischenactes aus Ostindien zu ihm zurückgekommen\nist. Warum sollten also Evandale und Clifford die Ueber-\nfahrt nicht eben so schnell gemacht haben? Der ärztliche\nFreund, die Vorsehung Evandale's, hat diesen in einen\nGeorge Preston verwandelt; er soll die Süssigkeit der Ar-\nbeit kennen lernen, um das Leben zu schätzen. Allein man\nkann doch einen so verwöhnten Mann nicht zu einem Grob-\nschmied in die Lehre thun! Was ist also natürlicher, als\ndass man ihn als Cigarrendreher anstellt? Als solchen fin-\nden wir in der That unseren Nabob wieder; er verdient\nfünf Shilling täglich, raucht mit Behagen seine Cigarre,\nist glücklich und denkt nicht mehr daran, sterben zu wollen.\nIm Gegentheil, er wünscht nicht bloss für sich, sondern\nauch für ein anderes Wesen auf Erden zu leben für die\nkleine Dora, die er liebt, und die ihm auch nicht abhold\nist, weil sie in der Stimme des Arbeiters eine Aehnlichkeit\nmit der Stimme ihres ostindischen Wohlthäters entdeckt\nhat. Aber, ach! er ist ja verheirathet! Dieses Bewusstsein\nquält ihn, so dass er also auf einmal alles hat, was dem\nMenschen das Leben zum Leben macht: Arbeit und Gefühl\nvon Freude und Schmerz.\nBis dahin ist Alles recht hübsch; es liegt eine Moral\nin der Handlung, wie sie die Komödie nicht besser geben\nkann, und die an die Raimund'schen Stücke in Deutschland\nerinnert. Allein von jetzt an wird die Verwicklung so echt\nfranzösisch, dass man sieht, es ist den Dichtern nur um\npikante Lagen und komische Wirkungen zu thun; wie\nsie herbeigeführt werden, ist ihnen sehr gleichgültig, und\ndie allerverbrauchtesten Komödienmittel müssen herhalten,\num die gehäuften Unwahrscheinlichkeiten auch für das nach-\nsichtigste Publicum nur einiger Maassen erträglich zu\nmachen.\nWir verliessen den glücklich Geheilten bei seinen Be-\ntrachtungen über die Fesseln seiner Heirath. Da kommt der\nDoctor und zieht die Zeitung von Bombay aus der Tasche.\nMilady Evandale hat sich, wie das Blatt berichtet, mit ei-\nnem geckenhaften Anbeter, der auch im ersten Acte als\nunbedeutende Person vorkommt, eingeschifft, um ihren\ndurchgegangenen Gemahl aufzusuchen. Das Dampfboot ist\nmit Mann und Maus untergegangen. Mylord ist frei. Welch\neine Freude in der Cigarren-Fabrik! Indess der Alte theilt\nsie nicht; er ist hinter das Einverständniss des Pärchens\ngekommen und weis't in aller Freundschaft seinem Gesel-\nlen die Thür.\nIn demselben Augenblicke wirft ein ungeschickter\nKutscher oder ein in Livree gesteckter Dämon einen Wa-\ngen vor dem Fabrikgebäude um; die beiden Reisenden sind\nglücklicher Weise unverletzt und bitten um gastfreundliche\nAufnahme es sind Lady Evandale und ihr Begleiter!\n0 Schicksal, das ist deine Tücke! 0 Scribe, das ist dein\nGeschicke! Dennoch lässt sich nicht läugnen, dass diese\nScene dem Componisten willkommene Gelegenheit zu mu-\nsicalischer Bearbeitung gibt, und Halevy hat sie vortrefflich\nbenutzt. Evandale bietet seiner Gattin sein ganzes Vermö-\ngen für die Scheidung vergebens. Endlich tritt Clifford\nejn —er sieht Lady Evandale zum ersten Male —er\nreisst seinen Freund heftig mit sich fort der Vor-\nhang fällt.\nDritter Act. Die wüthende Lady (man begreift freilich\nnicht, warum, denn sie kann ihren Mann so wenig leiden,\nwie er sie, und das Vermögen könnte sie ja haben; indess\nfreilich! er soll nicht glücklich sein Grund genug für\neine unedle Natur!) hat dem alten Toby das wahre Ver-\nhältniss seines Gesellen verrathen man kann sich sei-\nnen Zorn und Dora's Schmerz denken, denn sie fühlt, dass\nsie liebt. Ei was! wofür haben wir denn den Doctor? Er\ntritt auf, gibt seinem Freunde einen Brief: „Uebergib dieses\nBlatt deiner Frau, und du bist sie los!\" Gesagt, ge-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "84", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.4", "texte": "than; unser Nabob gibt seiner Lady das verhängnissvolle\nBlatt — sie fällt fast in Ohnmacht — „Sie werden ab-\nreisen?\" fragt er. — „Auf der Stelle.\" — „Nie wieder-\nkommen?\" — „Nie.\" — Sie stürzt hinaus; in demselben\nAugenblicke tritt der Doctor herein und wirft ihr einen\nvernichtenden Blick zu — — : es ist die Frau Doctorin,\nseine vor fünf Jahren ihm angetraute Frau! Evandale als\nNummer Zwei ist also frei und heirathet seine Dora. Ob\nHerr und Frau Doctorin sich versöhnen, überlassen die\nDichter dem Ahnungsvermögen der Zuschauer; bei dem\nmännlichen Geschlecht im Parterre dürfte das Prognosti-\nkon kaum zweifelhaft sein.\n(Schluss folgt.)\n\nMusicalische Preis-Ertheilung in Brüssel.\nBekanntlich hatte die Classe der schönen Künste in\nder königlich belgischen Akademie einen Preis für die beste\nSinfonie triompha lezur Feier der Hochzeit des Herzogs\nvon Brabant ausgeschrieben. Ueber die Zuerkennung ist\nfolgendes merkwürdige Protocoll erschienen (Indep. Beige\nv. 3. Sept.):\n„ Sitzung vom 1. Sept. Die Classe der schönen Künste\nhat den Bericht des Herrn Fetis über den Erfolg der\nPreisbewerbung u. s. w. angehört. Da die Commission,\nwelche beauftragt war, die eingesandten Partituren zu prü-\nfen, ihre Arbeiten erst Mittwoch den 31. August beendigt\nhatte, so fehlte es an Zeit zur Bedaction des Berichts, und\nHerr Fetis konnte nur mündlich die Verhältnisse der Be-\nwerbungssache aus einander setzen.\n„Es sind einunddreissig Partituren von Sinfonieen\neingesandt worden.\n„Bei einer ersten Prüfung hat die Commission eine ge-\nwisse Anzahl davon bei Seite gelegt, theils weil ihre For-\nmen den Bedingungen des Ausschreibens nicht entsprachen,\ntheils weil ihr Kunstwerth nicht genügend schien, um mit\nden anderen Bewerbungen in Beihe und Glied zu treten.\n„ Zwölf Sinfonieen schienen geeignet, allen Bedingungen\nzu genügen und sich durch besondere Eigenschaften so\nauszuzeichnen, dass eine tiefere und genauere Prüfung der-\nselben nothwendig erschien. Bis zu diesem Punkte war die\nCommission einig, und zwölf Nummern (3, 10 u. s. w.)\nwurden einstimmig zu näherer Prüfung ausgeschieden.\n„ Die Werke unter diesen Nummern bilden zwei verschie-\ndene Kategorieen. Die einen gehören der alten Form an, wel-\nche nach und nach in den unsterblichen Werken von Haydn,\nMozart und Beethoven sich entwickelt hat und durch diese\nGrossen Künstler erschöpft scheint. In den anderen be-\nmerkt man im Gegentheil Neuerungs-Versuche, theils in\nder Form, theils in dem dramatischen Inhalt, theils in har-\nmonischen und rhythmischen Kühnheiten.\n„Der Berichterstatter Herr Fetis äusserte nun, dass\ner geglaubt habe, seinen Collegen [wer diese sind, erfahren\nwir nicht aus dem Berichte; aus einer anderen Notiz geht\naber hervor, dass die Herren Ch. Hanssens und Snel (?)\nMitglieder der Akademie sind] die Frage stellen zu müssen,\nWelche von den beiden Ivategorieen ihnen als solche er-\nscheine, die das meiste Interesse in Anspruch nehme. Diese\nFrage, fuhr er fort, blieb in der Discussion ohne Antwort;\nallein sie fand ihre Lösung in sehr deutlicher Art durch die\nWahl derjenigen Composition, welcher durch Stimmenmehr-\nheit der Preis zuerkannt wurde.\n„Da die Frage, ob überhaupt ein Preis zuzuerkennen\nsei, einstimmig bejaht wurde, so ging die Commission zu\nder Abstimmung über die Wahl der Partitur über, welche\ndessen für würdig gehalten werde. Die Stimmen theilten\nsich folgender Maassen: Drei Stimmen wurden der Nr. 31\ngegeben, eine der Nr. 3 und eine der Nr. 12. Die Num-\nmern 31 und 3 gehören der alten classischen Form an,\nund Nr. 1 2 betritt den Weg der Umwandlungsform der\nSinfonie.\n„Vier Stimmen haben also, fahrt Herr Fetis fort, zu\nGunsten der ersten, von mir aufgestellten Kategorie ent-\nschieden, und ich bin in meiner Ansicht über das, was ge-\ngenwärtig der Kunst noth thut, allein gelassen worden. In\ndieser Lage glaubte ich, das Amt eines Berichterstatters,\nwelches mir die ehrenwerthen Herren Collegen anboten,\nablehnen zu müssen; allein ich konnte ihrem Andringen am\nEnde nicht widerstehen. In Folge dessen schlage ich Ihnen,\nmeine Herren, im Namen der Majorität der Commission,\naber unter ausdrücklichem Vorbehalt meiner\npersönlichen Meinung, vor, der Nummer 31 den\nPreis zuzuerkennen. Wenn die Partitur dieser Nummer\nauch nicht durch ausgezeichnete musicalische Ideen glänzt,\nso empfiehlt sie sich wenigstens durch ein bemerkenswer-\nthes Verdienst der Anlage und der Factur.\n„Nachdem die Versammlung diesen Bericht und die\nBemerkungen eines anderen Mitgliedes der Commission an-\ngehört hatte, entscheidet sie, dass über den Vorschlag der\nMajorität der Commission abgestimmt werden solle. Er\nwird einstimmig angenommen. Nach der Eröffnung des ver-\nsiegelten Zettels, dessen Aufschrift die Devise der Sinfonie\nNr. 31 enthält, macht der Director der Classe Herrn\nHugo Ulrich in Berlin als Componisten des preisge-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "85", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.5", "texte": "krönten Werkes bekannt. Der Name des Herrn Ulrich hatte\nsich bis jetzt noch nicht in der musicalischen Welt bekannt\ngemacht.\"\nSo weit der belgische Bericht. Die letzte Bemerkung\ndesselben ist nicht richtig. Der Bericht unseres Correspon-\ndenten von Berlin vom 21. März 1853 (Bhein. Musik-\nZeitung, Jahrg. 111, Nr. 143) enthält über Herrn Ulrich\nFolgendes: „Die Capelle führte in ihrer letzten Soiree eine\nneue Sinfonie (H-moll) von Ulrich auf, einem jungen, sehr\ntalentvollen Componisten, der sich schon vor mehreren Jah-\nren durch ein Trio producirte, damals aber noch zu form-\nlos und excentrisch war. Seit mehreren Jahren hat keine\nneue Sinfonie in solchem Grade sowohl den Beifall der\nKenner als des grösseren Publicums erlangen können, als\ndiese hier. Herr Ulrich ist zu einer grösseren Klarheit her-\nangereift, ohne dass er darum das wahrhaft productive Ta-\nlent, das die Natur in ihn gelegt, ertödtet hätte. Die\nHaupt-Themen sind meist spannend und zeigen sich\nwohl geeignet, einer grösseren Arbeit zu Grunde gelegt zu\nwerden. In der Ausarbeitung könnte manches Phrasenhafte,\nnamentlich im ersten und letzten Satze, getilgt worden sein;\ndafür entschädigen aber das Scherzo und Andante, die, we-\nnigstens bei einmaligem Hören, als in sich abgeschlossen\nund fertig erscheinen. Es ist zu wünschen und zu hoffen,\ndass das Werk des Herrn Ulrich auch an anderen Orten\nzur Aufführung kommen möge. Eine gewisse Hinneigung zu\nMeyerbeer, die in dem oben erwähnten Trio sehr stark\nhervortrat, schimmert übrigens auch hier noch durch; die\nComposition erhält dadurch, wenngleich in sehr gemilderter\nWeise, eine etwas barock-düstere Färbung, die sie von an-\nderen neueren Werken auf diesem Gebiete unterscheidet.\"\n\nFriedrich Kühmstedt.\nKühmstedt, ein rühmlich bekannter Musiker, Musik-\nDirector am Schullehrer-Seminar in Erfurt, ist auch unter\ndie Kunstphilosophen gegangen und hat uns neue Enthül-\nlungen über die Theorie der Musik in einem Aufsatz (in\nder Süddeutschen Musik-Z.) gebracht, den wir, da wir\ngrundsätzlich die neuen Lehren verfolgen und zur Beur-\ntheilung der Vernünftigen zu bringen beschlossen haben,\nhier folgen lassen :\n„Nach einem mehr als fünfzehnjährigen Studium der\nTheorie der Musik, zu dem mich einmal das reine Interesse\nam Erkennen überhaupt, dann aber das eigene innere Be-\ndürfniss antrieb, die musicalische Kunst nach Wesen, Zweck\nund Gesetzen insbesondere zu begreifen, um dadurch zu\neinem bewussten freien Schaffen zü gelangen, ist es mir\nnach meiner festen Ueberzeugung gelungen, den musica-\nlischen Satz, d. i. den musicalischen Gedanken in seiner\nLeiblichkeit mit allen seinen Eigentümlichkeiten und Mo-\ndificationen, nach Stoff und Form aus einem Principe\nentstehen, organisch sich entwickeln zu lassen, somit ge-\nlungen, eine Compositionslehre in Wahrheit oder „ „eine\nKunst, in Tönen zu denken\"\", aufstellen zu können. Diese\nLehre verfährt demnach nicht atomistisch, nicht einseitig\npraktisch oder abstract theoretisch; ihre Resultate sind nicht\nblosse Aggregate, gewonnen durch ein principloses Zusam-\nmensetzen der einzelnen Töne, sondern sie ist im wahren\nSinne des Wortes Theorie, d. i. sie erweis't sich als stu-\nfenweise Manifestation der der Kunst zu Grunde liegenden\nIdee, gleich der Lebensthätigkeit der Natur, die, um etwas,\nz. B. einen Baum, hervorzubringen, nicht erst Blätter, Zweige,\nBlüthe etc. einzeln macht, nachher zusammensetzt und zu-\nletzt ihnen Leben einhaucht, sondern dies alles mit Einem\nSchlag durch stufenweise Entfaltung eines Keims zu Tage\nfördert.\n„Als Verwirklichung eines Allgemeinen, Notwendi-\ngen ist sie eine Gedanken-Erzeugungslehre. (?) Dem Kunst-\njünger erschliesst sich das, was sein soll, und indem er\ndies im Erkennen zugleich als identisch mit seinem eigenen,\nindividuellen Wesen begreift, erhebt er sich zur frei-noth-\nwendigen Thätigkeit, zum wirklichen Schaffen. (?) In dieser\nTheorie gibt es keine einzelnen Regeln. Was sein soll an\neiner bestimmten Stelle und in einer bestimmten Weise,\ndas wird durch die Entwicklung des Gedankens mit inne-\nrer Notwendigkeit von selbst. Das stufenweise Wirklich-\nwerden der Idee ist überall das Leitende, Bestimmende,\ndas Punctum saliens. Daher producirt der Kunstjünger nach\ndieser Theorie nothwendiger Weise auch alle Gesetzlich-\nkeit aus sich selbst. Ferner springt in die Augen, dass hier\nvon einzelnen Accorden und einer Harmonieen-Lehre, be-\nsonders in der Weise, wie sie in den bisherigen General-\nbass-Schulen aufgestellt worden, nicht mehr die Rede ist.\n„Ein Accord als Einzelnes, Isolirtes, d. h. nicht als\nGlied eines höheren Ganzen, eines Organismus, nicht als\nindividueller Ausdruck der Idee betrachtet, ist eben so un-\nbegreiflich wie irgend ein Glied des menschlichen Körpers,\ngetrennt und ausser seinem Verhältniss und seiner Be-\nziehung zu demselben gedacht. Wie alle Glieder des mensch-\nlichen Körpers erst aus der Idee des Menschen hervorgehen\nund ihre Stellung und Bedeutung wieder nur durch den\nZweck erhalten, der ihnen in dem grösseren Ganzen, dem\nKörper, durch die Entwicklung desselben wird, so entsteht"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "86", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.6", "texte": "auch der Accord etc. erst aus und mit dem musicalischen\nGedanken und erhält von demselben, als organisches, noth-\nwendiges Glied von ihm, seine Stellung und Bedeutung.\n„Da diese Theorie, als systematische Darstellung der\nVerwirklichung eines Allgemeinen, Nothwendigen durch\nTöne, ein Begreifen der Musik vermittelt, das Begreifen\naber in einem Erfassen der Einheit im Unterschiede besteht,\nso dass mit der Erkenntniss der Musik zugleich die Kunst\nim Allgemeinen und Besonderen, das Wesen der Wissen-\nschaft und zuhöchst das Sein und Werden, als das Ewige,\ndie Ur-Idee, von welcher die in der Wissenschaft, dem Le-\nben und der Kunst pulsirenden Ideen des Wahren, Guten\nund Schönen nur ihre eigenen, unterschiedenen Momente\nsind, erfasst werden: (!) so leuchtet ein, (?) dass weiter diese\nTheorie eine wirkliche Erziehungslehre ist, dass sie den\nKunstjünger nach allen hier in Betracht kommenden Seiten\nausbildet und zum Bewusstsein bringt. Und dies muss ge-\ngenwärtig eine Theorie der Kunst sein. Denn nimmer wird\nin unserer Zeit ein Künstler, wäre er auch mit dem gross-\nten Talent ausgestattet und im Besitz der vollendetsten\nTechnik, ein wahres Kunstwerk zu Tage fördern, ohne den\nKampf um innere geistige Selbstständigkeit mitgekämpft\nund in demselben festen Boden gewonnen zu haben, und\nohne ein Mensch zu sein, dessen Leben in der Darlegung\nund Erfüllung des Wahren, Guten und Schönen aufgeht.\n„Das sind jetzt mehr als jemals nothwendige Voraus-\nsetzungen und Bedingungen jeder wahren künstlerischen\nThätigkeit; denn die Kunst ist, weil sie das Ewige, We-\nsentliche zur Erscheinung bringen soll, der Gipfelpunkt der\nmenschlichen Thätigkeit.\n„Aus diesen Bemerkungen wird sich leicht ersehen\nlassen, dass meine Lehre in zwei Haupt-Abtheilungen zer-\nfällt, die aber durchaus nicht als geschieden zu denken sind.\nIn Folge des dem Ganzen zum Grunde liegenden Princips\nmuss natürlicher Weise ein Verhältniss Statt finden, wie\ngleichsam bei dem von der Natur allein bestimmten Sein\nund Leben des Kindes zu dem des Jünglings etc. In der\nersten Abtheilung ist das organische, naturnothwendige\nWerden des musicalischen Gedankens, der Logik der Mu-\nsik, vorzugsweise Gegenstand. Hier entwickelt sich der\nmusicalische Gedanke oder die Musik als Sprache schlecht-\nhin. Von den Fesseln der starren Naturnotwendigkeit mehr\nund mehr sich emaneipirend, erhebt sich endlich der Ge-\ndanke in diejenige Sphäre, die wir Poesie zu nennen\npflegen.\n„Das Grundwesen der Poesie und somit aller wahren\nKunst ist bewusste, freie Gestaltung, Individualisirung des\nAllgemeinen, Nothwendfgen. Demnach ist die zweite, höhere\nStufe eines Künstlers bedingt zunächst dadurch, dass ihm\ndas Allgemeine als sein eigenes Wesen aufgeht denn\nFreiheit beruht in dem Bewusstsein des Notwendigen, ist\nIch, Subject gewordene Nothwendigkeit —, dann dadurch,\ndass ihm das Nothwendige zugleich als Seinsollendes, d. i.\nals Idee, erscheine und als solche ihn erfülle, erhebe und\nansporne, sie in immer vollkommnerer, in einer ihrem We-\nsen mehr und mehr entsprechenden Weise zum Dasein zu\nbringen. Dass dieses Letztere geschehe, dass er ein wirkli-\nches Kunstwerk liefere, ein Werk, in dem die Idee eine\nsolche Gestalt, einen solchen Ausdruck gewonnen, dass es\ndem herrschenden Geiste zur höheren Offenbarung seines\neigenen Wesens wird, darauf kann der Unterricht freilich\nnur indirect wirken, einmal durch Hinweisung, Richtung\ndes Gemüthes des jungen Künstlers auf das Grosse, Schöne,\nin dem sich in der Natur, der Geschichte und den Geistes-\nprodueten der Menschen die Idee bereits ausgeprägt hat,\ndann aber vorzugsweise durch Hinweisung auf den Kampf,\nden es ihr, zur Erscheinung zu kommen, gekostet hat,\noder ich möchte sagen: durch die Lebens- und Leidensge-\nschichte der Idee. Die Erfassung und eigenthümliche Re-\nproduetion derselben im Gemüth, durch welche die Pro-\nduetion eines Kunstwerkes bedingt ist, hängt von der dem\nMenschen von der Natur verliehenen Geistes- und Gemüths-\nverfassung ab. In dem Grade, in welchem ein Mensch für\ndas Wahre, Schöne empfänglich ist, und in welchem es ge-\nlingt, ihn für dasselbe erglühen zu machen, so wird er es\ndarstellen. Wer gemein fühlt und denkt, wird auch gemein\nsich äussern, und umgekehrt. Wie das Innere, so das\nAeussere.\n„Die Theorie hat Alles gethan, wenn sie das Princip,\ndie Idee selbst und die Weise ihres Wirklichwerdens\naufzeigt.\"\nUnd wi r sagen: die Theorie hat nichts gethan, wenn\nsie durch dergleichen abstracte Grübeleien den Kopf des\njungen Musikers verwirrt.\n\nAus Wien.\nDie letzte Augustwoche brachte uns unter ihren sieben Opern\nauch zwei Mozart'sche, die Zauberflöte und Figaro's Hochzeit Der\nBassist Dalle Aste trat hier zuerst als Plumkett in Flotow's Mar-\ntha auf und gefiel gar nicht; man begreift die lobpreisenden Nach-\nrichten fremder Journale über ihn nicht; ei, warum denn nicht?\nWenn den die Herren loben,\nSo wissen sie, warum\nfallt mir eben zur Erklärung aus Figaro ein. Frau Köster gab\nuns eine treffliche Pamina; es ist diese Rolle unbedingt eine ih-\nrer besten,. wiewohl wir mit ihren Tempi nicht immer einverstan-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "87", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.7", "texte": "den sein konnten. Fräul. Liebhardt bewältigte die Partie der\nKönigin der Nacht ganz gut.\nZur Feier des Geburtstages des Kaisers veranstaltete die Akade-\nmie der Tonkunst am Donnerstag den 18. August eine theatralische\nVorstellung, deren Auflührung von den Zöglingen der Operisten-\nschule der Akademie besorgt wurde. Die Nothwendigkeit der Er-\nrichtung einer Bildungsschule für Sänger auch für die Bühne wurde\nbereits vielfach besprochen; die Ansichten hierüber sind getheilt,\nviele Stimmen sprechen dafür, viele dagegen. Wir glauben uns an\ndiejenigen anschlicssen zu können, welche ihr Votum im bejahen-\nden Sinne gegeben. Nicht nur in Frankreich und Italien, der Pflanz-\nschule der Oper (und namentlich in Paris und Mailand), sondern\nauch in Deutschland hat sich die Nothwendigkeit zur Errichtung\nvon Opcristenschulen ausgesprochen. Wir finden bereits in Leipzig,\nBerlin, Hamburg, Stuttgart, München etc. solche Lehranstalten,\nwelche der Ausbildung befähigter Individuen für die Oper obliegen,\nund wie wir wissen, sind dieselben von den schönsten Erfolgen\ngekrönt. (?) Die Akademie der Tonkunst in Wien, von denselben\nPrincipien geleitet, wie die oben genannten Institute, hat nun auch\nfür die Organisirung einer Operistenschule die zweckdienlichsten\nEinleitungen getroffen und am 18. d. Mts. den ersten Versuch ihrer\nSchüler auf dem Wege der Oeffentlichkeit gemacht. Der Erfolg,\nder ein in jeder Beziehung glänzender und ehrenvoller war, hat\ngezeigt, dass das Institut die nöthigen Lehrkräfte besitzt, um ein\nsolches Unternehmen zu stützen und zu fördern, und jene Pflichten\nerfüllen kann, die dasselbe beansprucht. Kurz, sehr kurz ist die\nZeit des Bestehens der Operistenschule, und wer die Schwierigkei-\nten kennt, mit welchen man zu kämpfen hat, um nur ein einzel-\nnes Individuum in den Rahmen eines Künstlerkreises zu bringen;\nwer halbwegs von der Bühne und ihren der Oeffentlichkeit ange-\nhörigen Attributen Kenntniss hat, der wird gewiss die Vorführung\nganzer Scenen aus Opern ausschliesslich durch Schüler um so\nschwieriger finden, andererseits aber nach einem so glücklichen\nErfolge dem Lehrkörper die Anerkennung nicht versagen, dessen\nFleiss es zu verdanken ist, dass das Resultat so befriedigender Na-\ntur war. Mit geringen pecuniären Mitteln hat die Akademie der\nTonkunst dieses Institut geschaffen, das, wird es von dem Publicum\ngehörig unterstützt, bald reichliche Früchte tragen wird.\nNach vielen Proberollen fremder Künstlerinnen hat die Direc-\ntion des Hof-Opern-Theaters wieder mit der bereits früher ange-\nstellten Sängerin, Frau Herrmann-Czillag, auf zwei Jahre ab-\ngeschlossen. Die Nachrichten über das Befinden des Kammersängers\nAnder in Ischl lauteten nicht sehr beruhigend, geben neuerdings\njedoch bessere Hoffnung.\n\nAus München.\nE. Dr.\nDön 2. September 1853.\nDer verflossene Monat bot uns in musicalischer Beziehung zwar\nmanche gute, doch schon so oft abgeleierte Oper, dass es sich kaum\nder Mühe lohnt, darüber ausführlich zu schreiben oder zu bemer-\nken: „Frau A und Herr B übertrafen sich selbst, Herr C ent-\nwickelte seine Kraftstimme dermaassen, dass es uns klar in die\nAugen sprang, welchen Schatz wir an ihm besitzen,\" etc. Uebrigens\nist es jetzt bestimmt, dass Frau Pahn-Spatzer nach Stuttgart abgeht,\nwo sie mit 1000 Gulden monatlich engagirt sein soll; unsere Oper\nhat dadurch ihre Prima Donna assoluta verloren. Man ist sehr ge-\nspannt, wen die Intendanz als solche bringen wird. Doch nächsten\nSonntag beginnt Johanna Wagner ihr Gastspiel, Mitte October wird\ndas Theater auf vier Wochen oder länger geschlossen: die Prima-\nDonna-Frage wird daher ziemlich lange im Dunkeln schweben.\nUnser Theater, vielleicht das schmutzigste in Europa, wird gerei-\nnigt, man spricht sogar von Malen und Versilbern; unsere Sperr-\nsitze, gewiss die härtesten, die es je gegeben, werden frisch ge-\npolstert und überzogen; die Sage geht, es kämen Fauteuils; der\nalte, mit Oel beleuchtete Lustre sogar muss dem Gaslichte w eichen,\nund „wenn alles dies sich erfüllt,\" spricht die Intendanz, „werde\nich die Preise erhöhen! Doch Ihr sollt dann jedes Jahr drei ganz\nneue und anerkannt gute und so und so viel neu in die Scene\ngesetzte Opern haben; Ihr sollt dieselben bis auf ihre Neben-Par-\nticen gut besetzt hören; Ihr sollt dann auch nicht mehr, wie sonst,\nwenn mein Theaterzettel mit grossen Buchstaben verkündet: „„neu\nin die Scene gesetzt\" \", fadenscheinige, längst verblichene Decora-\ntionen, schäbiges, kaum für ein Provinz-Theater schickliches Costume\nerblicken, Ihr sollt Evolutionen zu Pferd und zu Fuss, z. B. in\nTempler und Jüdin, wenn mein Orakel es verkündet, haben; Ihr\nsollt u. s. w. Dim.\" Spricht die Intendanz wahr, so wird man sich\nvielleicht, doch gewiss ungern, die Erhöhung der Preise gefallen\nlassen.\nWährend das Theater geschlossen, beabsichtigt die Hof-Capelle\neinige Extra-Concerte zu geben, welchen wir mit grossem Vergnü-\ngen entgegensehen. Zu bedauern nur ist, dass das Programm, in\nzwei Abtheilungen getheilt, uns in der ersten eine grosse Sinfonie\nvon Beethoven, Mozart oder Mendelssohn bietend, durch die zweite,\ndie aus Gesangstücken und kleineren Instrumentalsachen zusammen-\ngesetzt ist, den durch eine herrliche Tonschöpfung in der ersten\nHälfte hervorgerufenen Genuss schwächt und oft bedeutend ver-\nwischt. Wünschenswerth wäre es auch, wenn man ausser der\nPhalanx Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn nicht nur Franz\nLachner, dessen Werke, recht wacker gearbeitet, doch jedes höhe-\nren Schwunges entbehrend, oft endlos sind, sondern auch Fcrd.\nHiller, Schumann, Gade etc. aufnehmen würde. Richard Wagner\nhätte schon einen schwereren Stand; denn seine Tannhäuscr-\nOuverture, voriges Jahr in einem Capellen-Concert aufgeführt, wurde\nmit den lautesten Acclamationen des Missfallens aufgenommen.\nJa, München ist frei von jener lächerlichen Affectation, alles für\ngross und schön zu halten, was als gross und schön von einer ge-\nwissen Propaganda der Welt aufgedrungen wird; hier wird der\nProphet Wagner kaum Gläubige finden: in München betet man\nnoch zu den alten, ewig wahren Göttern.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nölii. Dem Vernehmen nach ist Herr Rheinthaler aus\nBerlin, der sich im Genuss eines königlichen Stipendiums zwei\nJahre in Rom aufgehalten hat, als zweiter Gesanglehrer an der\nhiesigen Musikschule berufen worden und wird demnächst hier\neintreffen. Die wachsende Zahl der Gesang-Schüler und Schülerin-\nnen machte diese Vermehrung der Lehrkräfte nothwendig. Ob nun\naber die vereinten Bestrebungen des Herrn Koch und des neuen\nCollegen es dahin bringen werden, das Vorurtheil zu brechen, dass\nman von hier so bald wie möglich nach Paris laufen müsse, um\nsich zu vollenden (?), das müssen wir erst abwarten.\nBerlin« Am 27. August wurde hier seit 1843 wieder zum\nersten Male „Die Stumme von Portier4 aufgeführt, zufällig\nfast zur Jahresfeier des 25. August 1830, wo diese Stumme eine\nso laute Rolle in Brüssel spielte. Sämmtliche Billets waren bald\nnach der ersten Ankündigung vergriffen, und das Opernhaus war\nein seltener Fall in diesem Sommer bis auf den letzten\nPlatz gefüllt.\nIn Wiesbaden soll bei Gelegenheit der Vermählung der\nPrinzessin von Nassau Flotow's „Indra\" als Fest-Oper gegeben"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "88", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530910-01.1.8", "texte": "werden. Bei Hofe seheint also Wagner doch nicht durchgegriffen\nzu haben. Capellmeister Hagen ist eingetroffen und bereits mit\nden Proben beschäftigt.\nHiinclien. Erl. Johanna Wagner hat am 4. d. Mts. ihr\nGastspiel mit der Rolle der Fides im „Propheten\" eröffnet. Das\nHaus i» übervoll und von Gesang und Spiel begeistert.\nDas grosse Musikfest zu Eutin in Holstein, zur Erinnerung\nan C. M. von Weber, wird am 11., 12. und 13. September\nStatt finden.\nDie leipziger Neue Zeitschrift für Musik hat in ihren Nummern\n7 und 8 . zwei Antikritiken der Herren Autoren S t e h 1 i n und\nWültje gegen Reecnsionen ihrer Schriften in der Süddeutschen\nMusik-Zeitung gebracht, welche von persönlichen Ausfällen, Schimpt-\nworten, Gemeinheiten wimmeln. Wann werden doch die deutschen\nSchriftsteller die Handwerksburschen-Sitten und den Holz-Comment\nablegen? Wie anders stehen Engländer und Französen in dieser\nBeziehung da! Man lese nur die häufigen „Briefe an den Heraus-\ngeber\" der Times, oder den Zwist, den vor Kurzem die Haupt-\nRedacteure der beiden pariser musicalischen Zeitungen gegen ein-\nander in die Oeffentlichkeit brachten: welcher Anstand-, welche\nFeinheit der Ironie herrscht da! Muss denn die beleidigte Eitelkeit\ngleich mit Knüppeln dreinschlagcn ? Mit Recht sagt übrigens\ndie Süddeutsche Musik-Zeitung: „Die Neue Zeitschrift für\nMusik, die sich mit ihrem Streben nach Freiheit in Wissenschaft\nund Kunst so mächtig brüstet, die so oft die Ehre und Würde\nderselben als ihr Panier erhoben hat, fragen wir, wie sie es mit\nihrer Ehre vereinbaren kann, Aussprüche, welche Wissenschaft\nund Kunst schänden, in ihre Spalten aufzunehmen.\" Herr\nWöltje, Doctor juris und Obergerichts-Procurator in Celle, ruft\nnämlich Criminalrichtcr und Polizei an, in. AN issenscliaft und Kunst\ndie Ordnung aufrecht zu erhalten.\nDie Gebrüder.Wieniawski, welche vor Kurzem in Baden-\nBaden Concerte gaben, sind für die Gewandhaus-Concerte in\nLeipzig engagirt.\nDas wiener Hoftheater hat neuerdings vom Kaiser einen Zu-\nschuss von 200,000 Gulden jährlich erhalten, so dass sich die Ge-\nsammt-Einnahme auf eine halbe Million belauft. Damit lässt sich\nallerdings etwas leisten!\nThalberg reis't im nördlichen Italien. Er war in Mailand\nund ist gegenwärtig in Turin. — Willmers ist im Franzeris-\nbad. — Die-hannoversche Kammersängerin Frau N Ott es hat in\nPrag als Fidelio ganz ungewöhnlichen Eindruck gemacht. (In.\nWien wurde Fidelio drei Mal bei leerem Hause, das vierte Mal bei\nziemlich besetztem gegeben — und Frau Köster gab die Haupt-\nrolle t Die Wiener von 1853 wollen, wie es scheint, denen v.on-\n1805 nicht voranstehen!)\nLondon. Jullien ist nach .New-York aligereis't. Botte-\nsini, der berühmte Contrabassist, nnd die Damen Anna Zerr\nund Fiorentini sind ihm einige Tage später gefolgt.\n# ' ... ; * *\n• * * . •\" • • _ » •\n• # , • # , . , • || » \"\n• • * * . \\ * • • ♦ r * - • ■ # . •\nGrosser Streit um die Professur der Musik an der Universität\nEdinburg ist zwischen dem dortigen Stadtrath und akademischen\nSenat ausgebrochen, und merkwürdiger Weise wird seine Entschei-\ndung w ahrscheinlich aus Deutschland geholt werden. Im Jahre 1807\nstarb zu Edinburg ein General Reid, der ein Vermögen von sechs-\nzigtausend Pfund (viermalhunderttausend Thaler) baar hinterliess*\nEr vermachte dasselbe seiner einzigen Tochter mit der Bedingung,\nwenn diese ohne Erben sterben sollte, das-Vermögen der Uni-\nversität zu musicalischen Zwecken zufalle und diese davon eine\nProfessur der Musik zu errichten habe, deren Inhaber mindestens\ndreihundert Pfund Gehalt beziehen müsse, wenn die sonstige Aus-\nstattung auch noch so viel koste. Im Jahre 1838 dann kam die\nUniversität wirklich in den Besitz des Vermögens, und man stellte\nauch sogleich einen Professor der Musik an, besoldete denselben\nmit dem Minimum von dreihundert Pfund jährlich, that aber sonst\nnichts weiter zur Hebung der Kunst, verwendete vielmehr die übrig\nbleibenden Zinsen zu anderen Zwecken. Eine Reihe von Jahren\nsah der Stadtrath diesem Treiben des Senates ruhig zu; doch end-\nlich ward es ihm, als dem Testamentsvollstrecker, zu viel; er sagte:\nHalt! verlangte bessere Besoldung des Professors, um einen aus-\ngezeichneten Mann gewinnen zu können, Anschaffung von Instru-\nmenten, Unterstützung junger Talente und musicalischer Vereine\netc. so, dass die ganze Anstalt würdig dastände, zumal das Geld\nnur zu Zwecken der Musik verwendet werden dürfte. Die gelehr-\nten Theologen, Juristen und Medicincr des Senates meinen: ei was L\ndie Tönelei sei ein überflüssig Ding der Welt, es sei an dem, was\ngeschehen, schon genug und etwa ein Nachforschen nach dieser oder\njener Lesart in diesem oder jenem Codex auf Kosten der hübschen\nErbschaft viel nützlicher. Allein der Stadtrath wird hitzig, Streit-\nschriften aller Art werden gewechselt, und jetzt hat man die Ac-\nten an Sachverständige in Deutschland gesendet, um deren Gutach-\nten einzuholen und eine Entscheidung zu ermöglichen. So weit uns\nbekannt, sind zu dem Ende die Acten bereits Spohr in Kassel,\nSchilling in Stuttgart [was soll der denn damit?], Sehn yd er\nvon War te n see in Frankfurt zugekommen."}]}