{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-09-24-01", "volume": "bmtnabi_1853-09-24_01", "ocr_sha256": "55b399708161d5a34c3c9e8b35763adc1cfdfc9ac2a5622a9284e9b3967625a7", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/09/24_01/bmtnabi_1853-09-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "97", "page_fin": "101", "image_debut": 1, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.2.1", "titre_corps": "Thomas Britton, der Kohlenhändler.", "titre_sommaire": "Thomas Britton, der Kohlenhändler.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4060, "texte": "Thomas Britton, der Kohlenhändler.\n\nDie Lebensgeschichte eines Kohlenhändlers in einer\nMusik-Zeitung ? Mit vollem Rechte; denn diesem merkwür-\ndigen Manne gebührt ein Ehrenplatz in der Geschichte der\nMusik. Geboren in der ärmsten Classe der Gesellschaft, er-\nhob er sich, ohne je die äussere niedere Stellung zu ver-\nlassen, welche ihm das Schicksal angewiesen hatte, dennoch\nzu einem höheren inneren Leben, so dass seine Geschichte\ngewisser Maassen zwei Leben umfasst: ein Dasein in müh-\nseliger, niedriger Arbeit und ein anderes in Einsicht und\nLiebe zu Kunst und Wissenschaft. In ihm waren zwei\nMenschen: der eine arbeitete um sein tägliches Brod, ver-\nrichtete die schwersten Dienste, kam mit den rohesten\nMenschen täglich in Berührung und wohnte in einem dun-\nkelen Magazine; den anderen durchglühte die Flamme der\nKunst und der Trieb nach Wissen; er war selbst Künstler\nund ging mit den ersten Künstlern seiner Zeit um; er sah\ndie höchsten Stände, die x\\ristokratie der grössten Residenz\nin Europa bei sich, und sein Haus war der Mittelpunkt\neiner glänzenden Gesellschaft, welche für die Tonkunst\nSinn und Liebe hegte.\n, Thomas Britton war um das Jahr 1G54 in der Graf-\n_ schaft Northampton in England geboren und kam, acht\nJahre alt, zu einem Kohlenhändler nach London, der ihn\ndazu brauchte, Kohlen in den Strassen feil zu tragen und\nseine Waare auszurufen. Sieben Jahre blieb er so gut wie\nKnecht bei seinem Lehrherrn; nach dieser Zeit schickte ihn\ndieser wieder nach Hause, händigte ihm jedoch eine Summe\nGeldes als verdienten Lohn ein und verpflichtete ihn, in\nLondon kein Kohlengeschäft zu errichten. Er scheint also\nin dem Knaben gewisse Anlagen entdeckt zu haben, die\nihn erwarten oder befürchten Hessen, dass er ihm einst\nEintrag thun könnte.\nDer junge Tom kehrte mit seinem Schatz in der\nTasche nach seiner Heimat zurück, verlebte dort mehrere\nJahre und benutzte diese, dem Triebe nach einem höheren\nLeben, der sich in ihm regte, die Mittel zur Entwicklung\nund Befriedigung zu verschaffen. Jetzt erst lernte er lesen\nund schreiben und vor Allem Musik; wer aber in dieser\nKunst, die nachher eine so grosse Rolle in seinem Leben\nspielte, sein Lehrer gewesen, ist nicht bekannt. Er besuchte\ndie Dorfschule, ging fleissig in die Kirche und hörte dem\nSpiele eines alten Organisten zu, trieb irgendwo eine Viola\ndi Gambaauf, welche von jetzt an seine unzertrennliche\nGefährtin wurde, und brachte es darauf in Kurzem so weit,\ndass er im Stande war, dieses Instrument zum Dolmetscher\nseines musicalischen Gefühls zu machen. Auch keimte da-\nmals schon in ihm die Liebhaberei zu alten Musicalien und\nBüchern, und es zeigten sich die ersten Spuren eines Samm-\nlerfleisses, der späterhin zu bedeutenden Erfolgen führte.\nDas ganze Choralbuch des Organisten schrieb er ab, und\nwo er nur alte Hymnen und Antiphonien u. s. w. aufspü-\nren konnte, war er bei der Hand, sie durch Kauf oder Ab-\nschrift in seinen Besitz zu bringen.\nAber der Schatz seiner Baarschaft schmolz dahin. Tom\nsah ein, dass in dem Dorfe seines Bleibens nicht sei; der\nDurst nach Fortentwicklung seines inneren Lebens wies\nihn nach London, und dort glaubte er auch allein die Mittel\nfinden zu können, sein Brod zu verdienen. Er zauderte nicht.\nHundert Andere würden an seiner Stelle Gönner und\nFreunde gesucht haben, um die musicalische Anlage und\ndie bereits erlangte Fertigkeit in der Kunst als Mittel zum\nFortkommen auszubeuten. Tom dachte anders; sein inneres\nStreben wollte er sich frei erhalten da er aber doch\nleben musste, so wurde er wieder Kohlenhändler, ja, Koh-\nlenträger. Sein ehemaliger Herr war unter der Zeit gestor-\nben, und mithin Thomas seiner Verpflichtung gegen ihn\nledig.\nSchon dieser Entschluss zeichnet die Kern-Natur des\nMannes, seine Entsagung, Vernunft, Arbeitsliebe und seinen\nfelsenfesten Charakter. Einsam, verlassen, unbekannt, ver-\nloren auf der Strasse, auf dem theuren Pflaster von Lon-\ndon, fragt er nach nichts, bittet um nichts, klopft an keine\nThür. Jung, stark und gesund, voll Vertrauen auf Gott\nund den eigenen festen Willen, nimmt er den Kohlensack"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5034, "texte": "wieder auf die Schultern, das Kohlenmaass in die Hand,\nruft seine Waare vor den Häusern aus und fordert nur\nvon der eigenen Arbeit und Anstrengung den Unterhalt\ndes Leibes und die Freiheit des Geistes.\nSo sah man oft das sonderbare Schauspiel, dass ein\njunger, starker Mann von mittlerem Wüchse, mit einem\noffenen und verständigen Blicke und hoher Stirn, über\nwelche er einen leeren Kohlensack gezogen, der hinten auf\ndem Rücken herunterhing, in blauer Arbeiterjacke und\ndicken, harten Schuhen an den Tischen und Repositorien\nder Bücher-Verkäufer auf den Strassen stehen blieb, mit\neinem gewissen Kennerblicke nach bestaubten Schätzen\nspähte, in die Läden der Buch- und Musicalienhändler und\nin die Krambuden der Antiquare trat, Alles durchstöberte\nund sehr oft irgend etwas mit sichtbarer Freude um\neinen Spottpreis erstand und mit sich nahm. Allein sehr\nbald bekamen alle diese Herren Gentlemen eine ganz be-\nsondere Achtung vor dem unscheinbaren Kohlenträger, der\nin seinen Aeusserungen so viel Verstand und so viel Kennt -\nniss der Sache durchblicken Hess, dass sie oft vor Staunen\nnicht zu sich selber kommen konnten.\nKehrte Thomas ermüdet von den Strassengängen\nAbends nach Hause zurück, so schloss er sich ein, nahm\nseine theure Viola di Gamba hervor, spielte ein paar Stun-\nden lang und las dann noch in den Büchern, welche er\naufgetrieben hatte. Seine Wohnung war eine Scheune, in\nder seine Kohlen lagen und deren hinteren Theil er durch\neinen hölzernen Verschlag zum Wohn- und Schlafzimmer\neingerichtet hatte.\nEs herrschte damals unter dem reichen Adel Englands\neine wahre Leidenschaft und sie hat bis heute noch\nnicht ganz aufgehört für alte Bücher und Handschrif-\nten, lür alle Arten von Reliquien und Alterthümlichkeiten.\nDie berühmtesten Liebhaber dieser Art waren Eduard\nGraf von Oxford, der Herzog von Devonshire, die Grafen\nPembroke, Sunderland, Winchelsea u. s. w. Alle Sonn-\nabende, wo keine Parlaments-Sitzung Statt fand, durch-\nstreiften diese Herren die Buchläden der City und fanden\nsich dann gegen Mittag bei Christoph Batteman, dem be-\ndeutendsten Buch- und Musikhändler von damals, zusam-\nmen. Dort war ihr Hauptquartier, in welchem sich denn\nauch mehrere Schriftsteller, Musiker, Kunstkenner, Samm-\nler u. s. w. einfanden, unter Anderen auch der berühmte\nAntiquar Bagford, der früher Schuhmacher gewesen war.\nEines Sonnabends, als die genannten Herren im vollen\nGange der Unterhaltung über irgend einen bibliographischen\noder antiquarischen Gegenstand waren, tritt ein Mann in\nblauer Jacke in den Laden, setzt einen Kohlensack mit dem\nkleinen Reste seines Inhalts in die Ecke und frasit den Hrn.\nBatteman nach einem sehr seltenen Melodieenbuche, wel-\nches er ihm mit solcher Genauigkeit beschreibt und einige\nVolks-Melodieen daraus vorsingt, und dabei überhaupt so\nungewöhnliche Ansichten und Kenntnisse entwickelt, dass\ndie ganze vornehme Gesellschaft mit Staunen bald den\nKohlenträger, bald sich selbst unter einander ansieht. Man\ndrängt sich um ihn die Leser wissen längst, dass es\nunser Thomas Britton ist —, fragt ihn, begrüsst ihn, die\nUnterhaltung wird allgemein, man ist entzückt von dem\ngesunden Verstände, dem Geschmacke, den Kenntnissen, der\nNatürlichkeit und Bescheidenheit des Mannes kurz, man\nbeschliesst, nicht aus einander zu gehen, sondern den Tag\nin der Taverne „Zum Kork in Trauer\" mit dem neuen\nGenossen zusammen zuzubringen, der auf einmal den vor-\nnehmen Peers ebenbürtig erscheint.\nDiese Taverne war der gewöhnliche Versammlungs-\nort jener Lords. Der Volksdichter Taylor hatte sie gegrün-\ndet, ihr einen Flaschenkork zum Schilde gegeben. Nach\nKarl's I. Enthauptung hatte er den Kork mit einem schwar-\nzen Trauermantel ummalen lassen. Von jenem Sonnabend\nan gehörte Thomas Britton zu den Mitgliedern des wö-\nchentlichen Clubs. Seine Verbindungen mit diesen grossen\nHerren dauerten fort, so lange er lebte, beeinträchtigten\naber nicht im Geringsten seine Unabhängigkeit und Selbst-\nständigkeit. Er blieb immer derselbe, so stolz auf seinen\nKohlensack, als der Lord-Kanzler auf seinen Wollsack.\nNach und nach stieg seine Einnahme; er baute sich\neine bessere Wohnung an sein Magazin an, und ein Haupt-\ntheil derselben wurde ein Bibliothek- und Musik-Zimmer.\nObwohl er fortwährend still und eingezogen lebte, hatte\ner doch die Aufmerksamkeit eines Nachbars auf sich gezo-\ngen, der in dem Hause neben ihm ein paar Zimmer im\nhöchsten Stocke bewohnte. Wenn es bei Thomas des\nNachts im Hause dunkel war und nur die sanften Töne der\nViola di Gamba die Anwesenheit eines Menschen darin ver-\nriethen, so leuchteten die Fenster neben an unter dem\nDache oft von farbiger Feuergluth, und von gegenüber\nkonnte man allerlei Retorten, Phiolen, Destillirkolben bei der\nhellen Beleuchtung im Zimmer unterscheiden. Es haus'te\ndarin ein Alchvmist, ein Magier, der die geheimen Natur-\nkräfte zu zwingen hoffte, ihm dienstbar zu werden.\nEines Abends klopft es an Britton's Thür. Er öffnet,\nund der Alchvmist tritt ein. Bei Licht besehen, war der\n« t/\nMagier nichts Anderes als ein armer Teufel, ein Franzose,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5062, "texte": "den sein Laboriren ruinirt halte und der Biitton um eine\nnachbarliche Aushülfe mit Kohlen angehen wollte.\nDer Naturforscher war ein geborener Pariser, Theophil\nvon Garencieres, der zu Caen die Arzneikunde studirt\nhatte. Nach mancherlei Unfällen und Schicksalen in der\nHeimat war er nach England gekommen und erhielt die\nAnwartschaft auf eine Professur an der Universität Oxford.\nSpäter wurde er Arzt bei der französischen Gesandtschaft\nin London; aber sein unruhiger Geist liess ihn auch in die-\nser Stelle sich nicht festsetzen und trieb ihn, den Stein der\ni\nWeisen oder das Geheimniss des Goldmachens zu suchen,\nwas ihn denn nach und nach in Armuth und Elend brachte.\nAllein der Mann hatte etwas Anziehendes und jedenfalls\nsehr Eigenthümliches in seinem Wesen, das auf Thomas\nBritton Einfiuss gewann; auch mochten die wirklichen\nKenntnisse desselben die Wissbegierde unseres Kohlen-\nhändlers blenden kurz, Beide wurden Freunde und\nBritton ein eifriger Schüler des Chemikers. Sein scharfer\nVerstand und sein praktischer Sinn bewährten sich auch\nhier so sehr, dass er seinem Freunde ein bewegbares La-\nboratorium baute, welches bei den Leuten von Fach Be-\nwunderung erregte.\nTrotzdem fing diese neue Beschäftigung schon an, seine\nZeit und seine Gedanken gar zu sehr in Anspruch zu neh-\nmen, als glücklicher Weise für ihn der Tod seinen Freund\nGarencieres mitsammt allen seinen goldenen Träumen von\nder Erde abrief. Thomas war gerade einige Zeit lang ab-\nwesend gewesen, um für einen reichen Lord auf dessen Be-\nsitzung ein chemisches Laboratorium zu bauen. Er ver-\ndiente dabei eine schöne Summe. Sie setzte ihn in Stand,\nseine Wohnung zu vergrössern und einen Lieblings-Plan\nseines Lebens auszuführen.\nDies war kein anderer, als die ersten Tonkünstler Lon-\ndons und die vorzüglichsten Kenner und Begünstiger der\nMusik bei sich zu vereinigen, seine treffliche Sammlung von\nMusicalien zur Verfügung zu stellen, mit Einem Worte:\nConcerte für Musik ernster Gattung einzurichten\nund die gebildete Gesellschaft dazu einzuladen. Er wollte\neinen Verein gründen, einen musicalischen Club, in welchem\ndie Musik nicht um des Gewinnes, sondern um der Kunst\nwillen getrieben werden sollte. Und er setzte ihn durch,\ndiesen glücklichen Gedanken, und der Kohlenhändler Tho-\nmas Britton wurde der Stammvater der grossen\nMusik-Gesellschaften, welche in London entstanden\nund noch gegenwärtig dort blühen, und aller Musik-Ver-\neine, welche sich seitdem im Laufe zweier Jahrhunderte\nüber Europa verbreitet haben. Das ist sein Verdienst um\ndie Tonkunst, und es sichert ihm mit dem vollsten Rechte\neinen Platz in der Geschichte der Musik.\nWie sonderbar, dass ein solcher Gedanke, der in jeder\nHinsicht etwas Aristokratisches hat, in dem Kopfe oder\nvielmehr in dem begeisterten Herzen eines Mannes entstand,\nder von Jugend auf an eine rohe und mühselige Ar-\nbeit gewiesen war, die im starrsten Gegensatze zu dem\nfeinen Gefühle und dem ästhetischen Sinne zu stehen\nscheint! Aber die Lösung dieses Räthsels, die Verschmel-\nzung zweier so verschiedenartigen Lebensneigungen, einer\nidealen mit einer so handgreiflich praktischen, war ja gerade\ndie merkwürdige Lebenserscheinung unseres Thomas. Die\nLeser meinen vielleicht, das sei doch etwas so Ausseror-\ndentliches nicht, dass ein reich gewordener Kaufmann die\nKunst zu fördern suche! Darin liegt aber eben das Merk-\nwürdige: Thomas ßritton war nicht reich geworden und\nwurde es auch nie; Thomas Britton machte bis in seine\nletzten Jahre seinen täglichen Gang durch die Strassen,\nwenn auch nicht mehr mit dem Kohlensacke auf dem\nRücken, doch in der bescheidensten Tracht eines Verkäu-\nfers neben seinem Kohlenwagen her; Thomas Britton be-\nsuchte nie die Paläste der Grossen und empfing bei sich,\nin dem Saale über seiner Kohlenscheune, die Aristokratie\nvon London.\nHören wir nur, wie gleichzeitige Schriftsteller die Sache\nbeschreiben. Ueber dem Kohlen-Magazine war ein langer,\naber schmaler Saal, von so geringer Höhe, dass ein hoch-\ngewachsener Mann mit dem Hut auf dein Kopfe an die\nDecke stiess. Den Zugang zu diesem Locale vermittelte eine\nArt von Stiege, welche mehr Aehnlichkeit mit einer Leiter\nals mit einer Treppe hatte und an der äusseren Mauer an-\ngebracht war. Dies war der mehr als bescheidene Raum,\nin welchem sich sehr bald bei den Concerten stets eine\nder ausgesuchtesten Gesellschaften der grossen Welt in der\nglänzendsten Toilette versammelte. Man bewarb, man drängte\nsich um den Zutritt; man geizte danach, zu den Erwählten\nzu gehören, die zu den Musik-Abenden beim Kohlenhändler\nThomas Britton eingeladen wurden.\nEs war im Jahre 1678, als Britton seine erstenCon-\ncerte veranstaltete, und sie bestanden bis an seinen Tod im\nJahre 1714, also fast dreissig Jahre lang. Die Beschränkt-\nheit des Raumes und allerlei Gerede der Welt machten es\nnach mehreren Jahren nothwendig, sie in ein grösseres und\nbequemeres Local zu verlegen. Neid und Missgunst ver-\nbreiteten böse Gerüchte über die Versammlungen bei dem\nKohlenhändler, und seine Sonderlingsnatur, sein ganzes Be-\nnehmen der Menge gegenüber war allerdings geeignet,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5019, "texte": "dem grossen Haufen, der sich unmöglich denken konnte,\ndass nur Musik die vornehmen Herrschaften bewegen sollte,\ndie unbequeme Stiege nach dem geheimnissvollen Saale hin-\nauf zu klettern, Grund genug zum Verdacht zu geben, zu-\nmal wenn man an seine frühere Verbindung mit dem Gold-\nmacher erinnerte. „Alles das war aber unbegründet,\"\nsagt sein englischer Biograph ganz naiv, „es war ein ehr-\nlicher, einfacher, gerader Mann, der Niemandem etwas zu\nLeide that. *\nDie Britton'schen Concerte wurden also in einen ge-\nräumigeren und ansehnlicheren Saal verlegt und damit eine\neigentliche musicalische Gesellschaft gestiftet, de-\nren Mitglieder nun auch regelmässige Beiträge zahlten, und\nzwar zehn Shilling jährlich. Der Kaffee, seit 1652 durch\neinen Griechen in London eingeführt, gehörte damals zu\nden Genüssen, welche der hohen Gesellschaft vorbehalten\nwaren, und so war es denn auch erlaubt, in dem Vorzim-\nmer des Concert-Saales Kaffee zu schenken, aber nur\nKaffee — was damals ungefähr eben so viel sagen wollte,\nals wenn heut zu Tage ein Wirth in einer geschlossenen\nGesellschaft bloss Champagner führen dürfte.\nMachen wir uns einmal ein Bild von einem dieser Brit-\nton'schen Concerte, etwa aus dem Jahre 1710, im Monat\nDecember — damals machte man nämlich in London im\nWinter Musik, nicht im Sommer, wie jetzt. Wir treten in\nden Saal und finden alle Künstler von Ruf, die Lords vom\nHofe der Königin Anna und einen Kreis schöner und vor-\nnehmer Frauen. Da sind Lord Bolingbroke, der Graf Bur-\nlington und der Herzog von Chandos, die berühmten Mä-\ncene der Tonkunst. Das Ciavier, von Britton selbst sorg-\nfältig gestimmt, ist geöffnet; ein Stoss Musicalien aus Brit-\nton's Sammlung liegt auf einem Sessel daneben; die Künst-\nler greifen zu ihren Instrumenten, auch an Sängern fehlt\nes nicht.\nMan führt einige Bruchstücke aus der Oper „König\nArthur\" von Heinrich Purcell auf, dem bedeutendsten eng-\nlischen Componisten jener Zeit, der vor fünfzehn Jahren,\nerst siebenunddreissig Jahre alt, gestorben ist und eine\nMenge schöner Compositionen und einen ausserordentlichen\nRuf hinterlassen hat. Dann hören wir Musik zu Shakespear's\nMacbeth von Mathias Lock; Gesänge von Palestrina, Mon-\nteverde, einige Chöre aus Racine's „Athalie\", componirt\nvon dem Franzosen Jean Baptiste Moreau, Violinsonaten von\nBassani und Corelli; der diese letzte spielte, ist John Ba-\nnister, der beste Violinist vom Drurylane-Theater, Schüler\nseines Vaters, der seine Capellmeisterstelle bei Karl II. ver-\nlor, weil er einmal in Gegenwart des Königs sagte, dass\ndie Franzosen bessere Violinspieler hätten, als die Englän-\nder. Auch an eine Sonate von Scarlatti wagt sich ein jun-\nger Clavierspieler. Da ist Heinrich Needler, der musica-\n* lische General-Steuer-Director, trefflicher Violinspieler und\nComponist; dort stehen Pope, Addison und John Hughes\nzusammen, der letztere Dichter und Musiker in Einer Per-\nson, dem das Schicksal noch bevorsteht, während der er-\nsten Vorstellung seines Trauerspiels „Die Belagerung von\nDamascus\" zu sterben. Da ist der Maler Woolaston, der\nvor Kurzem Britton's Bild in der blauen Jacke mit dem\nKohlenmaass in der Hand von der Staffelei genommen hat.\nAuch die tüchtigen Organisten Philipp Hart, Obadjah\nShuttleworth und Abel Whichello fehlen nicht; eben so\nwenig der musikgelehrte Doctor Pepusch, der Nachfolger\nBritton's als Gründer einer Gesellschaft für alte Musik.\nAber sieh! was ist das für ein junger, schöner, breit-\nschultriger Mann, der ans Ciavier tritt und auf den sich\nalle Augen der Frauen und Männer richten? Die Meisten\nstehen auf, erheben sich auf den Zehen, ein allgemeines\nGeflüster rauscht durch den Saal. Es ist ein Fremder, ein\nDeutscher Händel, Georg Friedrich Händel, der Ca-\npellmeister des Kurfürsten von Hannover, der Musik-Di-\nrector von lünfzehn Jahren in Hamburg, der in Florenz,\nRom und Neapel bewunderte, der von Scarlatti in Vene-\ndig nach seinem Clavierspiel mit den Worten begrüsste:\n„Du bist der Sachse, oder der Teufel!\" Händel spielt.\nEin wahrer Aufruhr im Saal. Der Graf Burlington bietet\nihm sein Schloss zur Wohnung an (späterhin wohnte Hän-\ndel von 1715—20 bei ihm), der Herzog von Chandos\nwill ihn auf der Stelle zum Director seiner Capelle machen.\nThomas Britton tritt still vor Händel hin, eine Thräne im\nAuge, sieht ihm in seines, und wagt kaum, ihm die Hand\nzu drücken.\nDer edle Britton! war doch sein Leben gleichsam Eins\nmit seinen Concerten, und so traf ihn auch der Todesschlag\nmitten in einem Concerte.\nUnter den Mitgliedern der Gesellschaft und den ge-\nnaueren Freunden Britton's war ein gewisser Robe, Frie-\ndensrichter in der Grafschaft Middlesex. Dieser Robe\nlernte einen Schmied kennen, welcher eine grosse Fertig-\nkeit im Bauchreden hatte, und kam auf den unglücklichen\nGedanken, diesen Bauchredekünstler mit in das Britton'sche\nConcert zu nehmen und sich einen Spass zu machen. Un-\nmittelbar nach einem ergreifenden kirchlichen Musikstücke,\nbei dessen Schluss kaum Jemand athmete, ertönte auf ein-\nmal eine hohle Stimme wie aus dem Schoosse der Erde:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1759, "texte": "„Falle auf deine Kniee, Thomas Britton! deine Stunde ist\ngekommen! Bete zum Herrn, denn du musst sterben!\" —\nBritton, abergläubisch von Natur, ausserdem für alle see-\nlischen Eindrücke höchst empfänglich, stürzt auf die Kniee\nund empfiehlt in Todesangst seine Seele dem Herrn. Er\nhatte geglaubt, die Stimme seines alten Freundes Garen-\nci&res zu vernehmen. Alle Enttäuschung, alle ärztliche\nHülfe waren vergebens. Er starb am zweiten Tage darauf,\nim September 1714, sechszig Jahre alt.\nDas war eines Mannes Ende, dessen Doppelleben sich\nwohl nur zu seiner Zeit und nur in seinem Vaterlande in\nso merkwürdiger Weise entfalten konnte.\nEr war verheirathet, hinterliess aber seiner Witwe\nnichts als eine Bibliothek von Büchern und Musicalien und\neine Sammlung von musicalischen Instrumenten und alter-\nthümlichen Curiositäten. Der Verkauf derselben dauerte\ndrei Tage.\nEin englischer Schriftsteller sagt von ihm: „Er war\nein ausserordentlich eigenthümlicher und sehr geachteter\nMann, bewundert von dem Adel des höchsten Ranges und\nvon den mittleren und niederen Classen. Alle hatten die\ngrösste Achtung vor seiner RechtschafTenheit, Einsicht, Ge-\nwissenhaftigkeit und vor seiner Demuth. Ich sage Demuth,\nweil er trotz seines grossen Rufes als Musiker und trotz\nseines Reichthums an Kenntnissen, wodurch er glänzend\nhätte leben können, seinen Kohlenhandel doch nicht un-\nter seiner Würde hielt und ihn bis an seinen Tod mit Thä-\ntigkeit fortsetzte. Wenn er durch die Strassen von Lon-\ndon ging, in seiner blauen Jacke und seinen Sack auf den\nSchultern, zeigte die Menge auf ihn und raunte einan-\nder zu: „Das ist der berühmte Kohlenträger, der Freund\nder Wissenschaft und der Kunst, der tüchtige Musiker, der\nmit den Gentlemen und Lords auf Du und Du steht!\"\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-24-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-24_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "101", "page_fin": "102", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.2.2", "titre_corps": "Musikfest zu Glocester.", "titre_sommaire": "Musikfest zu Glocester.", "signature_source": "L", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.5", "debut_caractere": 1761, "fin_caractere_exclue": 6391, "texte": "Musikfest zu Glocester.\n\nVom 13. bis 16. September vereinigte Glocester in seinen Mauern\nan 6-—BOO Künstler, unter ihnen die grösstcn Gesanges-Berühmt-\nheiten, und Tausende von Menschen strömten an allen vier Tagen\nin die Kirche und in den Concertsaal, um die Aufführungen zu hö-\nren. Die sogenannten „gemischten Concerte\" fanden indem präch-\ntigen Saale Shire hall (87 Fuss lang, 53 Fuss breit) Statt, die geist-\nlichen in der Hauptkirche.\nDer Ausdruck „gemischt\" (miscellaneous concert) ist sehr be-\nzeichnend; denn die Programme bringen einen nach keinem Prin-\neip irgendwie geordneten Mischmasch, ein Durcheinander des Gu-\nten und Trivialen, wobei man in Deutschland sich die Haare aus-\nraufen würde, wenn solch Zeug und noch dazu in solcher Zu-\nstutzung bei einem Musikfeste zum Vortrag käme. Das erste Con-\ncert brachte z. B. die Ouvertüre zum Freischütz, Duett für\nSopran und Tenor von Macfarren, Finale aus der Nachtwand-\nlerin, Arie aus einer Oper von Edw. Loder (?), Fantasie für\nVioline von Vieuxtemps, altitaliänische Alt-Arie, drei Sätze aus\nder Donna del Lago von Rossini, Arie des Mephistopheles aus\nSpohr s Faust (Formes), Finale aus der Lorelei von Mendels-\nsohn. Damit schloss die erste Abtheilung!\nDie zweite begann mit Herolds Zampa-Ouverture; dann folg-\nten eine englische Ballade für Tenor, eine Buffo-Arie für Bass,\nTerzett für drei Soprane von Balfe, eine Ballade für Tenor, ita-\nliänische Arie für Sopran, Beethoven's Adelaide (Gardoni), Mo-\nzart's „Ha! wie will ich triumphiren!\" (Formes da capo)} Quar-\ntett und Finale aus Moses von Rossini, zum Schluss die Ouver-\ntüre zur Stummen von Portici!\nDas zweite gemischte Concert (den 15. Sept.) gab zu Anfang\nder ersten Abtheilung Beethoven's Sinfonie Nr. VIII. in F-dur,\nund zum Beginn der zweiten Mendelssohn's Musik zum Som-\nmernachtstraum; ausserdem an Instrumental-Sachen nur noch eine\nFantasie für Violoncello, componirt und gespielt von Montigny (?)\nund Döhler' sehe Variationen für Piano durch Miss Parys (beide\nVirtuosen fielen gänzlich durch) die ganze übrige Zeit wurde\nwieder durch eine Musterkarte von Gesangstücken ausgefüllt. Ne-\nben Mo zart's schönem Quartett und Terzett aus Idomeneo figu-\nrirte das Spinnquartett aus Flotow's Martha (und mit welchen\nKräften! Clara Novello, Miss Dolby, Gardoni, Formes)! Ein Kriti-\nker in Glocester nennt Flotow „das Enfani gdte der wiener Bour-\ngeoisie, den Liebling der öffentlichen Gärten und Restaurationen\".\nAllein hören Sie nur weiter. Die Orchester-Stimmen zu diesem\nEdelstein der deutschen komischen Oper fehlten; ein junger Musi-\nker instrumentirte das Quartett nach dem Clavier-Auszug und\nso erschien „als ein Masterpiece\" auf einem englischen Musik-\nfest Spinnquartett von Flotow, instrumentirt von Cusinsü So\ntreibt man in England Musik. Nächstdem wimmelten Gesänge von\nschlechten englischen Componisten mit Stücken von Beethoven,\nRicci, Cagnoni (von dem die Novello wieder die mehr als flache\nArie vortrug, welche wir beim Pfingstfeste in Düsseldorf von ihr\ngehört haben), Blumenthal, Donizetti, Fr. Schubert (statt der origi-\nnalen Piano-Begleitung mit Orchester-lnstrumentirung!), Mendels-\nsohn u. s. w. was alles am Schlüsse durch das God save the\nQueen unter Einen Hut gebracht wurde, nämlich unter einen\nenglischen.\nUnd nun denke man sich den Abstand zwischen diesen Concer-\nten und den geistlichen! In der That, wer am Abend ein gemisch-\ntes Concert in Shire hall gehört und das Entzücken des Publicums\nbei diesem Sammelsurium beobachtet hatte, und dann am folgen-\nden Tage in der Kirche Tausende von Menschen in der grössten\nStille und mit einer wahren Andacht den Messias oder den Elias\nanhören sah, der musste an zwei verschiedene Naturen in diesem\nVolke glauben, die sich nach Raum und Zeit abwechselnd offenbaren.\nZunächst findet man hier die sehr lobens- und nachahmens-\nwerte Sitte, dass das Comite während der Musik-Festtage einen\nMorgen-Gottesdienst (um 8 Uhr) einrichtet, bei welchem ebenfalls\nKirchenmusik aufgeführt wird und wozu der Eintritt durchaus frei\nist. Um Mittag begann darauf das eigentliche geistliche Concert.\nAm 14. Elias von Mendelssohn. Am 16. Händel's Messias.\nDer Elias wurde im Ganzen gut und auf imposante Weise aus-\ngeführt. Der Chor war aus den Gesang-Vereinen von. Glocester,\nWorcester, Hereford, Norwich und Liverpool gebildet, das Orchester\nstark und gut besetzt und von einem tüchtigen Dirigenten Namens\nAmott geleitet. In die Sopran-Solopartie theilten sich Clara No-\nvello und Mad. Ca st eil an, in den Alt Miss Dolby unJ Mrss.\nLockey, in den Tenör Gardoni und Lockey; den Elias sang\nFormes allein. Die Kirche war überfüllt, es waren sicher zwischen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1087, "texte": "14- —15,000 Menschen darin. Die Sammlung an den Thüren für die\nArmen trug 207 Pfd. 18 Sh. (an 1400 Thlr.) ein.\nFast noch grösser war der Zudrang am 16. zur Anhörung des\nMessias. Die 800 sehr theuren geschlossenen Plätze mussten ver-\nmehrt werden: auf dem Chor, selbst hinter der Orgel war jeder\nWinkel besetzt, und die bekannter Maassen treffliche englische Po-\nlicei war kaum im Stande, die unabsehbare Anfahrt der Wagen in\nOrdnung zu halten. Desshalb begann die Aufführung ein selte-\nner Fall in England erst über eine halbe Stunde nach der an-\ngesetzten Zeit. Es ist wahr, HändeFs Messias ist ein Volks-Orato-\nrium in England geworden; es ist ein grosser, erschütternder An-\nblick, in dem gothischen Dom diese Tausende von Menschen mit\nden horchenden Mienen, den weit offenen Augen, mit dem ganzen\nphysiognomischen Ausdruck der Spannung, Aufmerksamkeit und\nAndacht dicht zusammengedrängt und doch in einer Stille zusehen,\nwrelche einen wahrhaft erhabenen Eindruck macht! Der Gesammt-\nErtrag der Sammlungen für die Armen hat sich auf mehr als 1000\nPfd. (an 7000 Thlr.) belaufen.\n+**\n\nL"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-24-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-24_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "102", "page_fin": "102", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.2.3", "titre_corps": "Stoppellese.", "titre_sommaire": "Stoppellese.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.6", "debut_caractere": 1089, "fin_caractere_exclue": 6490, "texte": "Stoppellese.\n(Curiosum eines deutschen Kritikers einem curiosen\nfranzösischen Componisten gegenüber.)\nIm Jahre 1853 erschien zur Feier des 24. August, als am\nTage des Festessens für Herrn H. Berlioz, in der Residenzstadt\ndes deutschen Bundes, Frankfurt am Main, folgendes fliegendes\nBlatt, auf starkes Velinpapier gedruckt:\n„Dem französischen Meister der Töne,\nHektor Berlioz,\nvon deutschen Sympathieen gewidmet.\"\n„Ein mächt'ger Strahl durchzuckt die Regionen,\nEs ist Dein Geist, wir fühlen's tief.\nEs ist die Kraft aus Südens Feuer-Zonen,\nDie Dich, den neuen Stern, ins Leben rief.\nDu hast erfasst der Tonkunst inn'res Wesen,\nZur Sprache weiht die Muse Deine Melodie,\nDie Welt, sie kann es ohne Worte lesen,\nWas Du geschafft (sie!), in bilderreicher Phantasie.\nWenn Julia süsse Sehnsucht flüstert,\nNapoleon's fünfter Mai zur Elegie uns stimmt, (!)\nM e p h i s t o' s Hohn des F a u s t Ideal umdüstert,\nSardanapal von Syriens Lust erglimmt; (!)\nWenn Sylphen-Tanz ätherisch uns umfächelt,\nWenn wild umbraus't uns toller Bacchuschor,\nWenn König Lear in bitterm Wahnsinn lächelt,\nDarauf (!) ein Requiem berührt (!) das fromme Ohr\nDann fühlen wir von so viel Kunstgestalten\nVon Pol zu Pol geführt umringt,\nDer Töne zauberisches Walten,\nDas alle Völker ja (o ja!) umschlingt.\nSind längst doch durch des Geistes Wogen, (!)\nDurch grosse Männer unsre Reiche (?) sich verwandt:\nSo bietet denn, von Deinem Genius angezogen,\nDir Deutschland treu die Bruderhand.\n■f /\nUnd ob Begeistrung Dir den Lorber reichet,\nOb Neid und Vorurtheil im Finstern schleichet:\nDie wahre Kunst übt immer ihren Segen.\nIn Deutschland schlagen Herzen Dir entgegen!\"\nNein, da reisst mir die Geduld! Worüber soll ich mich mehr\närgern: dass ein deutscher Musiker und Kritiker denn als sol-\neher ist leider Gottes der Verfasser, Herr C. £., bekannt, welcher\nin diesen Versen, Zeilen wollt' ich sagen, einen neuen Knauf auf\nseine Unsterblichkeits-Säule gestülpt hat also über was mehr,\ndass ein deutscher Kritiker den Berlioz so ansingt, oder dass Ber-\nlioz das Blatt in die Tasche gesteckt hat und es in Paris als einen\nBeweis der neuesten deutschen Poesie veröffentlicht? Sapperment!\nwie können Sie es wagen, mein poetischer Herr, im Namen\nDeutschlands dem Franzosen die Bruderhand zu reichen? Wodurch\nkönnen Sie Sich dazu legitimiren ? Etwa durch Ihre Conjugations-\nfehler, durch Ihre Misshandlung der deutschen Sprache und der\ndeutschen Verse? Ich vergebe Ihnen Ihre Bewunderung für Hek-\ntor; denn ich sehe ein, dass Sie der Achilles nicht sein konnten,\nihn dreimal um Frankfurt durch die Anlagen herumzujagen und\ndann dem Erschöpften zuzurufen: „Macht auch der Löwe mit Rin-\ndern Verträge?44 denn Sie hätten offenbar erwarten müssen,\ndass Hektor ganz artig erwidert hätte: „Pardon! das Machen von\nVertrag sein an mir!44 Und da würde Ihnen, als tüchtigem Mu-\nsiker, wahrscheinlich der zweite Theil der Menuett aus Don Juan\nund Don Ottavio's Text: „Wer kann da widerstehen?44 eingefallen\nund die Sache abgethan gewesen sein. Also, wie gesagt, die Be-\nwunderung nehme ich Ihnen nicht übel; aber dass Sie dieselbe in\nDeutschlands Namen, und dass Sie sie auf eine so schülerhafte\nWeise ausdrücken, das kann ich Ihnen nicht verzeihen. Ich kann\nes Ihnen nicht verzeihen, dass Sie Sich und einige andere Orche-\nster-Mitglieder für „Regionen44 ausgeben; dass Sie Berlioz' „Me-\nlodie zur Sprache44 machen und ihn dadurch mit Wagner\nzusammen hetzen, bei dem bekanntlich die Sprache die Melodie\nmacht; dass Sie als Deutscher die wenigen Reste, die wir noch\nvon der alten starken Conjugation haben, in die schwache herab-\nzerren und ein Lobgedicht geschafft statt geschaffen haben;\ndass Sie den Sardanapal zu einem Schwefelhölzchen machen;\ndass Sie Ihr deutsches musicalisches Ohr bereits für so verhärtet\nerklären, dass es von dem Posaunendonner des Berlioz'schen Re-\nquiems nur eben „berührt44 wird; dass Sie ferner, getragen von\ndes „Geistes Wogen44, mit Berlioz von unseren Reichen,\nd. h. also Ihrem und resp. Berlioz' Reiche, sprechen, und Sich da-\ndurch zum Inhaber, nicht etwa einer Medaille, oder einer goldenen\nDose, oder einer silbernen Schreibfeder, sondern des ganzen deut-\nschen Reiches erklären (denn Sie werden doch keinem vernünftigen\nMenschen zumuthen wollen, an das Reich der Töne zu denken,\nwenn von Theilung eines Reiches zwischen Ihnen und Berlioz die\nRede ist!); dass Sie endlich, oder vielmehr gleich Anfangs, anstatt\nzu schreiben: dem Meister der Töne von C. G., seinem Sympa-\nthe n, oder schlechtweg P ath e n (mit einer leisen Andeutung auf Ge-\nvatterschaft und Cameraderie), gewidmet Sich selbst als „deutsche\nSympathieen44 collectiv und officiel hinstellen, was ein ganz\ncurioser Fall von einem Plaralis dignitatis ist, da ihm alle und jede\nBegründung fehlt Sehen Sie, das alles kann ich Ihnen nicht\nverzeihen! Ich bitte Sie aber freundlichst, geben Sie die Begeiste-\nrung, geben Sie die Poesie (bei etwa wiederkehrenden Gelegen-\nheiten) daran, und die Anpreisungen der Heroen des Fortschrittes\nüberlassen Sie getrost den Weimaranern und Leipzigern, die ver-\nstehen das besser. Ihr Lob umdüstert nur den neuen Stern.\nSie werden vielleicht dieses Blatt achselzuckend mit den Worten\nwegwerfen: „Tant de bruit pour une otnelette!\" —Da haben Sie\nfreilich Recht.\nF., im September.\nAmicus Plutoy amicus Aristoteles, sed mcigis amica\nV e r i t a s.\n(Die Echtheit der Unterschrift bescheinigt der Präsident\ndes Stoppel-Vereins.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-09-24-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-09-24_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-09-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "103", "page_fin": "104", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 7639, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nTheater in Köln.\nIn dieser Woche sahen wir von Opern Auber s Mau-\nrer und Schlosser und die dieses Mal wirklich un-\nvermeidlichen Montecchi und Capuleti von Bellini, weil\nBühnensitte und Rücksicht auf besondere Befähigung für gewisse\nRollen diese Wahl nöthig machten, um Fräulein Marschalk Ge-\nlegenheit zu geben, sich als Romeo dem Publicum vorzuführen.\nDer Maurer befriedigte im Ganzen, jedoch wurde zuweilen die nö-\nthige Präcision vermisst. Der Tenorist Hr. Krön (St. Leon) hat\neine schöne Stimme, schien aber etwas befangen und konnte die\nKlippe, woran so viele Schauspieler scheitern, nämlich sich in Uni-\nform gewandt zu benehmen, nicht überwinden. Fräul. Körbe r\ndebutirte als Irma, wie es fast schien, nicht bloss hier, sondern\nwohl überhaupt zum ersten Male. Ihre Mittel sind nicht schlecht,\nbedürfen aber selbst in den ersten Elementen des Gesanges noch\nsehr der Ausbildung. Fräul. Panzer (Henriette) mit hübscher ju-\ngendlicher Stimme verräth viel Anlage: sie muss sich vor der Nei-\ngung zum Detoniren nach der Tiefe zu hüten. Hr. Schmidt,\nein tüchtiger Bass, war ein guter Baptiste; auch als Gaveston in\nder weissen Dame fiel uns bereits seine volle starke Stimme auf;\nein eifriges Studium in der Behandlung derselben, namentlich in\nBeziehung auf Maass und Nuancirung und auf bessere Abrundung\neiniger zu breiten Töne in der Mittellage, wird ihn zu einem gu-\nten Sänger machen. Frau Frey füllt die Partieen der Mütter\nu. s. w. (Margarethe in der weissen Dame, Mad. Bertrand im Mau-\nrer), welche gewöhnlich bei Provincial-Bühnen sehr vernachlässigt\nwerden, recht gut aus. Hr. Kahle bestätigte als Roger das von\nuns über ihn bereits ausgesprochene Urtheil.\nFräul. Marschalk wird eine Zierde unserer diesjährigen Sai-\nson sein. So viel wir wissen, ist sie aus Danzig gebürtig und eine\nSchülerin von Mantius in Berlin. Sie besitzt eine schöne, volle,\nwohllautende Altstimme von keinesweges geringem Umfang, so dass\nsie auch Mezzosopran-Partieen vollkommen gewachsen ist. Ihre\nSchule ist gut, ihr Vortrag zeigt ein richtiges Gefühl, mit ernstem\nStudium verbunden, überhaupt ein künstlerisches Streben, bei wel-\nchem man mit Vergnügen die bereits erreichte Stufe schätzt und\nzugleich mit Befriedigung gewahr wird, wie darin alle Keime zu\neiner immer höheren Entwicklung liegen. In der für die Altistin-\nnen sehr schwierigen Verschmelzung der Register zur Tonebenheit\nund Gleichheit hat Fräul. M. einen sehr guten Grund gelegt; fort-\ngesetztes Studium wird sie gewiss bald dahin bringen, dass auch\ndas Portamento von der Brust- zu der Mittelstimme immer gelun-\ngener erscheint. Weder die Tiefe noch die Höhe ist forcirt, und\njeder Ton rein. Es ist ein grosser Vorzug dieser schönen Stimme,\ndass ihre Höhe leicht und voll anspricht; man hört den Tönen\nüber dem zweigestrichenen e durchaus keine gewaltsame Anstren-\ngung der Halsmuskeln an, sie stehen in richtigem Verhältniss zu\nder übrigen Seala, was selbst bei der Wagner nicht der Fall ist.\nWir heissen die junge Künstlerin freundlichst willkommen am Rheine.\nHr. Krön zeigte sich als Tybaldo in weit vorteilhafterem\nLichte, als im Maurer; er sang den ganzen ersten Act mit grossem\nund verdientem Beifall. Seine kräftige Bruststimme nimmt sehr lür\nihn ein, zumal, da sie des Wohllauts durchaus nicht entbehrt. Er\nmöge sie nur nicht forciren, ihr Klang bedarf dessen nicht wir\nfreuen uns überhaupt sehr, dass wir in unseren beiden Tenoristen\nkeine Schreier haben, sondern Männer, denen es um Gesang zu\nthun ist. Die Rolle der Julia einer solchen Anfängerin wie Fräul.\nKörber zu übertragen, war jedenfalls ein MissgrifT; der gute Wille\nreicht für eine solche Partie nicht aus. Hr. Schmidt als Capu-\nlet und Hr. Schlüter als Lorenzo befriedigten ganz; Hr.\nSchlüter hat eine recht sonore Bassstimine und wirkte besonders\nauch in den Ensemblestücken sehr anerkennungswerth.\nDer Männerchor war zahlreich und gut; Scenerie und Arran-\ngement lobenswerth namentlich sind sämmtliche Costume so\nreich und glänzend, dass sie eines Hoftheaters würdig sind.\nDer Ankauf der Mozart'sehen Handschriften.\nEin Aufruf vom 16. Juni dieses Jahres setzte das deutsche\nPublicum davon in Kenntniss, dass die vom Hofrath Andre in Of-\nfenbach hinterlassene Sammlung von Original-Handschrif-\nten Moza rt's von den gegenwärtigen Besitzern veräussert werden\nsolle, und deutete auf die Gefahr hin, dass dieser Kunstschatz zer-\nstreut werde und ins Ausland wandere. Er hob hervor, dass es\nEhrensache sei, sich zu rühren und Alles zu thun, um diese un-\nschätzbare Sammlung dem deutschen Vaterlande zu erhalten, und\nforderte zu Beiträgen auf, um den seltenen Schatz (welcher um\nden im Verhältniss zum Kunstwerthe der Mozart'schen Handschrif-\nten geringen Preis von fünfzehntausend Gulden rheinisch zu ha-\nben ist) der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main als Eigenthum\nzu überweisen.\nDie Sammlung enthält bei Weitem den grössten Theil von den\nbedeutendsten Meisterwerken, welche Mozart geschaffen hat, im\nGanzen 240 Nummern: a. Kirchen-Musik 25 Nrn. b. Opern- und\nTheater-Musik 29 Nrn. (Mit Ausnahme der Entführung und des\nFigaro enthält die Sammlung alle Opern, welche Mozart ge-\nschrieben hat. Von der Entführung auch noch eine Arie und einige\nBruchstücke. Vollständig vorhanden sind eilf Opern und drei grosse\ndramatische Serenaden.) c. Concert-Arien mit Orchester-Begleitung\n32 Nrn. d. Lieder und Solfeggien mit Clavier-Begleitung 10 Nrn.\ne. Sinfonieen und Ouvertüren für Orchester 34 Nrn. f. Diverti-\nmenti, Serenaden, Märsche für Streich- und Blas-Instrumente 20 Nrn.\ng. Harmonie-Musik 11 Nrn. h. Violin-Musik 18 Nrn. (Darunter fünf\nViolin-Concerte und das berühmte Streich-Quintett in C-dur.) i. Cla-\nvier-Musik 41 Nrn. (Concerte, Quartette und Terzette, Sonaten mit\nVioline, Solo-Sonaten u. s. w. [Darunter 25 Clavier-Concerte, das\nberühmte G-mo//-Quartelt, fünf Trios u. s. w.]) h. Musik für die\nOrgel 11 Nrn. (Eine ganz eigenthümliche Gattung von Tonstücken,\nnämlich Sonaten für die Orgel mit Begleitung von ein paar Instru-\nmenten; sämmtlich noch unbekannt.) I. Musik für die Flöte\n1 Nr. (mit Begleitung), m. Musik für Oboe 1 Nr. (mit Begleitung).\nn. Musik für Horn 3 Nrn. (Drei Concerte mit Orchester-Begleitung.)\no. Musik für die Harfe 1 Nr. (Ein Concert mit Orchester-Begleitung.)\np. Musik für Harmonica 1 Nr. q. Tanzmusik 2 Nrn.\nViele von den hier aufgeführten Handschriften sind noch nicht\nveröffentlicht. Heber a. Nr. 17 schreibt z. B. Herr G. Vi er Ii ng,\nMusik-Director in Mainz: „Die Litanei von Mozart (Es-durJ, Nr. 17\ndes thematischen Verzeichnisses der Original-Handschriften, habe\nich sorgfältig durchstudirt und kann nunmehr nur den Wunsch\näussern, dass dieses herrliche Werk der Musikwelt nicht länger\nvorenthalten werde. Die ersten Chorsätze zeichnen sich durch jene\nnur Mozart eigene Liebenswürdigkeit der Melodieführung aus, die\nwir in verschiedenen Sätzen des Requiems bewundern. Von den\nArien trägt die erste etwas Veraltetes an sich, die andere viel we-\nniger, wenn sie auch reich an Coloraturen ist. Die drei letzten\nSätze des Ganzen (contrapunktisch gearbeitete Chöre) stelle ich kühn\ndem Höchsten an die Seite, was Mozart in kirchlichem Genre\ngeschrieben. Da ist Grösse und Erhabenheit, gelehrte\nForm verbunden mit einem Reize, der jeden fühlenden Menschen\nrühren und ergreifen muss.*' Ferner unter Anderem zwei Opern\nund drei theatralische Serenaden, unter letzteren Ascanio in\nAlba, eine Partitur von 465 Seiten, von Mozart vor seinem zwan-\nzigsten Jahre binnen vier Wochen (vom 31. August bis 28. Sep-\ntember) geschrieben.\nDer Aufruf hat bis jetzt wenig Theilnahme gefunden. Desswegen\nmachen wir hiedurch wiederholt darauf aufmerksam. Es ist eine"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5304, "texte": "Ehrensache Deutschlands. Sollte aber das reiche Frankfurt\nnicht allein im Stande sein, die 15,000 Gulden aufzubringen,\num die Sammlung unzersplittert der dortigen Mozart-Stiftung\nzu erhalten, deren Bestehen bereits durch ein Capital von 23,800\nGulden gesichert ist, und welche im Falle einer Auflösung des\nLiederkranzes, welcher sie ins Leben gerufen, in das Gemeinde-\nEigenthum der Stadt mit allen Rechten und Verbindlichkeiten\nübergeht?\nÄöiiigsberg*. Der Capellmeister Sobolewski, der seine\nStelle bei der Oper niedergelegt hat, ist jetzt nur noch Dirigent\nder Sing-Akademie und kann demnach mehr Zeit auf musicalische\nComposition wenden. Unsere Oper ist, grösstenteils neu besetzt,\nzurückgekehrt.\nWährend des allerhöchsten Aufenthaltes in Olmütz\nwerden von den Mitgliedern des k. k. Hof-Operntheaters die Opern\nMartha, Stradella, Linda und Hochzeit des Figaro im olmützer\nTheater aufgeführt.\nHr. Karl Czerny, Mitglied der Akademie der Tonkunst, hat\nneuerdings das Archiv der Akademie mit einem sehr schätzba-\nren Werke bereichert, indem er ihr sein neuestes Werk „Gm-\ndus ad Parnassum, Collection de grands Exercices de tont genre dans\nle Style severe ponr le Piano44 op. 822 verehrte.\nAm 22. Sept. wird Fräul. Johanna Wagner im Hof-Opern-\ntheater ihr Gastspiel als „Romeo\" eröffnen. Fräul. Lieb hart wird\ndie „Giulietta\" singen. In der Oper „Der Prophet\" soll nebst Fräul.\nWagner Fräul. Liebhart die „Bertha\" und Hr. Ander, wenn es\ndessen Gesundheit erlaubt, den Titelpart singen.\nAuf der Durchreise von Triest nach St. Petersburg verweilte\nhier einige Tage der beliebte Componist Hr. Fed. Ricci. Auch\nFräul. Maray und der an Marios Stelle dort engagirte Tenorist\nHr. Nodin, welcher für die nächste italiänische Saison am hiesigen\nIlof-Operntheater engagirt ist, befanden sich einige Tage in Wien.\nDie Kunst- und Musicalien-Handlung Rozsavölgyi & Comp, in\nPesth ist im Besitze von Mozart's Reise-Spin et, welches der-\nmal zu verkaufen ist. Die Echtheit desselben wird durch Docu-\nmente bewiesen *).\nAm 29. August 1751 wurde Maria Anna, Schwester des un-\nsterblichen Wolfgang A.Mozart, zu Salzburg geboren. Sie machte\n1762 bis 1768 mit ihrem Vater und ihrem Bruder die grossen\nReisen durch Frankreich, Holland, England, Deutschland. In den\nJahren ihres ledigen Standes, die sie im väterlichen Hause zu-\nbrachte, gab sie einigen Mädchen in Salzburg Unterricht im Cla-\nvierspiel. Sie verehelichte sich dann 1784 mit Joh. B. Freiherrn\nvon Berchtold zu Sonnenburg. Salzburg'schem Hofrathe und Pfleger\nzu St. Gilgen, wo sie in anspruchloser Stille ganz den schönen\nPflichten der Gattin und der Mutter lebte und gegen zwanzig Jahre\nglücklich verheirathet war. Als Witwe begab sie sich 1801 in ihre\nGeburtsstadt Salzburg zurück und ertheilte wieder Clavier-Unter-\nricht. Aus ihrer Schule sind viele und treffliche Ciavierspielerinnen\nhervorgegangen.\nIn Belgien sind jetzt 662 philharmonische Gesellschaften vor-\nhanden; sie haben es vorzüglich mit Harmonie-Musik zu thun. Da\ndas Land im Ganzen 2524 Gemeinden hat, so kommt eine phil-\nharmonische Gesellschaft auf vier Gemeinden.\nIn Paris hat Niedermeyer eine kirchliche Musik-\nschule errichtet, in welcher der Kirchengesang und die Compo-\nsition von Kirchenmusik von den ersten Elementen, dem Unterricht\nvon Chorknaben, an bis zu dem Verstandniss und dem Vortrage\nder grossen Meister des 16., 17. und 18. Jahrhunderts und bis zur\nFuge und dem Contrapunkt-gelehrt werden soll. Auf den Choral-\ngesang und die Herstellung seiner Reinheit und seines kirchlichen\nCharakters soll besondere Rücksicht genommen werden. Das Insti-\ntut wird zugleich ein Pensionat sein, worin auch der nöthige wis-\nsenschaftliche Unterricht gegeben und die Elemente des Lateini-\nschen, Italienischen und Deutschen gelehrt werden. Die Lehrer\nsind meist aus der trefflichen Schule von Choron hervorgegangen.\nDie Lehrgegenstände umfassen die allgemeine Musiklehre, Solfeg-\ngircn, Gesang (Solo und Chor), Choral, Orgelspiel, Begleitung nach\nbeziffertem Bass, Harmonielehre, Contrapunkt, Fuge, Instrumenta-\ntion und Geschichte der Musik. Der Minister des Cultus und des\nöffentlichen Unterrichts, Hr. Fortoul, hat darüber ein Rundschrei-\nben an alle Erzbischöfe und Bischöfe erlassen und der Anstalt 5000\nFrcs. jährlich auf den Finanz-Titel für Kunst und 18,000 Frcs. auf\ndie Cultus-Ausgabe angewiesen Die letzte Summe ist zu 36 Sti-\npendien zu 500 Frcs. bestimmt, wozu die Bischöfe dem Minister\ngeeignete Talente vorzuschlagen haben (Verfügung v. 24. August).\nIn Dieppe hat der berliner Capellmeister Elbel, der mit sei-\nner Orchester-Gesellschaft in Paris nicht aufkommen konnte, eine\ncharakteristische Sinfonie von seiner Composition, „Eine Nacht in\nBerlin44, mit Beifall aufgeführt. Das Programm benennt die einzel-\nnen Sätze: „Abendruhe14, „Nachtgesang44, „Retraite\", „Marsch der\nNachtwache44, „Mitternacht44, „Schlaf4, „Traum\". — In dem Seebade\nBoulogne geben die Geschwister Ferni, neue Milanollo's, sehr\nbesuchte Concerte. Auch der Bassist Marchesi und seine Gattin,\ngeborene Gr au mann, früher in Leipzig, sind dort und gefallen sehr.\nJ. Mo Scheies ist auf einer Reise durch Italien begriffen und\nhat in Mailand in Privatcirkeln durch seine noch jugendlich\nfrische Meisterschaft auf dem Pianoforte überrascht.\n*) So viel wir wissen, ist Liszt im Besitz von Mozart's Ciavier.\nD. Red."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "97", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.1", "texte": "Thomas Britton, der Kohlenhändler.\n\nDie Lebensgeschichte eines Kohlenhändlers in einer\nMusik-Zeitung ? Mit vollem Rechte; denn diesem merkwür-\ndigen Manne gebührt ein Ehrenplatz in der Geschichte der\nMusik. Geboren in der ärmsten Classe der Gesellschaft, er-\nhob er sich, ohne je die äussere niedere Stellung zu ver-\nlassen, welche ihm das Schicksal angewiesen hatte, dennoch\nzu einem höheren inneren Leben, so dass seine Geschichte\ngewisser Maassen zwei Leben umfasst: ein Dasein in müh-\nseliger, niedriger Arbeit und ein anderes in Einsicht und\nLiebe zu Kunst und Wissenschaft. In ihm waren zwei\nMenschen: der eine arbeitete um sein tägliches Brod, ver-\nrichtete die schwersten Dienste, kam mit den rohesten\nMenschen täglich in Berührung und wohnte in einem dun-\nkelen Magazine; den anderen durchglühte die Flamme der\nKunst und der Trieb nach Wissen; er war selbst Künstler\nund ging mit den ersten Künstlern seiner Zeit um; er sah\ndie höchsten Stände, die x\\ristokratie der grössten Residenz\nin Europa bei sich, und sein Haus war der Mittelpunkt\neiner glänzenden Gesellschaft, welche für die Tonkunst\nSinn und Liebe hegte.\n, Thomas Britton war um das Jahr 1G54 in der Graf-\n_ schaft Northampton in England geboren und kam, acht\nJahre alt, zu einem Kohlenhändler nach London, der ihn\ndazu brauchte, Kohlen in den Strassen feil zu tragen und\nseine Waare auszurufen. Sieben Jahre blieb er so gut wie\nKnecht bei seinem Lehrherrn; nach dieser Zeit schickte ihn\ndieser wieder nach Hause, händigte ihm jedoch eine Summe\nGeldes als verdienten Lohn ein und verpflichtete ihn, in\nLondon kein Kohlengeschäft zu errichten. Er scheint also\nin dem Knaben gewisse Anlagen entdeckt zu haben, die\nihn erwarten oder befürchten Hessen, dass er ihm einst\nEintrag thun könnte.\nDer junge Tom kehrte mit seinem Schatz in der\nTasche nach seiner Heimat zurück, verlebte dort mehrere\nJahre und benutzte diese, dem Triebe nach einem höheren\nLeben, der sich in ihm regte, die Mittel zur Entwicklung\nund Befriedigung zu verschaffen. Jetzt erst lernte er lesen\nund schreiben und vor Allem Musik; wer aber in dieser\nKunst, die nachher eine so grosse Rolle in seinem Leben\nspielte, sein Lehrer gewesen, ist nicht bekannt. Er besuchte\ndie Dorfschule, ging fleissig in die Kirche und hörte dem\nSpiele eines alten Organisten zu, trieb irgendwo eine Viola\ndi Gambaauf, welche von jetzt an seine unzertrennliche\nGefährtin wurde, und brachte es darauf in Kurzem so weit,\ndass er im Stande war, dieses Instrument zum Dolmetscher\nseines musicalischen Gefühls zu machen. Auch keimte da-\nmals schon in ihm die Liebhaberei zu alten Musicalien und\nBüchern, und es zeigten sich die ersten Spuren eines Samm-\nlerfleisses, der späterhin zu bedeutenden Erfolgen führte.\nDas ganze Choralbuch des Organisten schrieb er ab, und\nwo er nur alte Hymnen und Antiphonien u. s. w. aufspü-\nren konnte, war er bei der Hand, sie durch Kauf oder Ab-\nschrift in seinen Besitz zu bringen.\nAber der Schatz seiner Baarschaft schmolz dahin. Tom\nsah ein, dass in dem Dorfe seines Bleibens nicht sei; der\nDurst nach Fortentwicklung seines inneren Lebens wies\nihn nach London, und dort glaubte er auch allein die Mittel\nfinden zu können, sein Brod zu verdienen. Er zauderte nicht.\nHundert Andere würden an seiner Stelle Gönner und\nFreunde gesucht haben, um die musicalische Anlage und\ndie bereits erlangte Fertigkeit in der Kunst als Mittel zum\nFortkommen auszubeuten. Tom dachte anders; sein inneres\nStreben wollte er sich frei erhalten da er aber doch\nleben musste, so wurde er wieder Kohlenhändler, ja, Koh-\nlenträger. Sein ehemaliger Herr war unter der Zeit gestor-\nben, und mithin Thomas seiner Verpflichtung gegen ihn\nledig.\nSchon dieser Entschluss zeichnet die Kern-Natur des\nMannes, seine Entsagung, Vernunft, Arbeitsliebe und seinen\nfelsenfesten Charakter. Einsam, verlassen, unbekannt, ver-\nloren auf der Strasse, auf dem theuren Pflaster von Lon-\ndon, fragt er nach nichts, bittet um nichts, klopft an keine\nThür. Jung, stark und gesund, voll Vertrauen auf Gott\nund den eigenen festen Willen, nimmt er den Kohlensack"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "98", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.2", "texte": "wieder auf die Schultern, das Kohlenmaass in die Hand,\nruft seine Waare vor den Häusern aus und fordert nur\nvon der eigenen Arbeit und Anstrengung den Unterhalt\ndes Leibes und die Freiheit des Geistes.\nSo sah man oft das sonderbare Schauspiel, dass ein\njunger, starker Mann von mittlerem Wüchse, mit einem\noffenen und verständigen Blicke und hoher Stirn, über\nwelche er einen leeren Kohlensack gezogen, der hinten auf\ndem Rücken herunterhing, in blauer Arbeiterjacke und\ndicken, harten Schuhen an den Tischen und Repositorien\nder Bücher-Verkäufer auf den Strassen stehen blieb, mit\neinem gewissen Kennerblicke nach bestaubten Schätzen\nspähte, in die Läden der Buch- und Musicalienhändler und\nin die Krambuden der Antiquare trat, Alles durchstöberte\nund sehr oft irgend etwas mit sichtbarer Freude um\neinen Spottpreis erstand und mit sich nahm. Allein sehr\nbald bekamen alle diese Herren Gentlemen eine ganz be-\nsondere Achtung vor dem unscheinbaren Kohlenträger, der\nin seinen Aeusserungen so viel Verstand und so viel Kennt -\nniss der Sache durchblicken Hess, dass sie oft vor Staunen\nnicht zu sich selber kommen konnten.\nKehrte Thomas ermüdet von den Strassengängen\nAbends nach Hause zurück, so schloss er sich ein, nahm\nseine theure Viola di Gamba hervor, spielte ein paar Stun-\nden lang und las dann noch in den Büchern, welche er\naufgetrieben hatte. Seine Wohnung war eine Scheune, in\nder seine Kohlen lagen und deren hinteren Theil er durch\neinen hölzernen Verschlag zum Wohn- und Schlafzimmer\neingerichtet hatte.\nEs herrschte damals unter dem reichen Adel Englands\neine wahre Leidenschaft und sie hat bis heute noch\nnicht ganz aufgehört für alte Bücher und Handschrif-\nten, lür alle Arten von Reliquien und Alterthümlichkeiten.\nDie berühmtesten Liebhaber dieser Art waren Eduard\nGraf von Oxford, der Herzog von Devonshire, die Grafen\nPembroke, Sunderland, Winchelsea u. s. w. Alle Sonn-\nabende, wo keine Parlaments-Sitzung Statt fand, durch-\nstreiften diese Herren die Buchläden der City und fanden\nsich dann gegen Mittag bei Christoph Batteman, dem be-\ndeutendsten Buch- und Musikhändler von damals, zusam-\nmen. Dort war ihr Hauptquartier, in welchem sich denn\nauch mehrere Schriftsteller, Musiker, Kunstkenner, Samm-\nler u. s. w. einfanden, unter Anderen auch der berühmte\nAntiquar Bagford, der früher Schuhmacher gewesen war.\nEines Sonnabends, als die genannten Herren im vollen\nGange der Unterhaltung über irgend einen bibliographischen\noder antiquarischen Gegenstand waren, tritt ein Mann in\nblauer Jacke in den Laden, setzt einen Kohlensack mit dem\nkleinen Reste seines Inhalts in die Ecke und frasit den Hrn.\nBatteman nach einem sehr seltenen Melodieenbuche, wel-\nches er ihm mit solcher Genauigkeit beschreibt und einige\nVolks-Melodieen daraus vorsingt, und dabei überhaupt so\nungewöhnliche Ansichten und Kenntnisse entwickelt, dass\ndie ganze vornehme Gesellschaft mit Staunen bald den\nKohlenträger, bald sich selbst unter einander ansieht. Man\ndrängt sich um ihn die Leser wissen längst, dass es\nunser Thomas Britton ist —, fragt ihn, begrüsst ihn, die\nUnterhaltung wird allgemein, man ist entzückt von dem\ngesunden Verstände, dem Geschmacke, den Kenntnissen, der\nNatürlichkeit und Bescheidenheit des Mannes kurz, man\nbeschliesst, nicht aus einander zu gehen, sondern den Tag\nin der Taverne „Zum Kork in Trauer\" mit dem neuen\nGenossen zusammen zuzubringen, der auf einmal den vor-\nnehmen Peers ebenbürtig erscheint.\nDiese Taverne war der gewöhnliche Versammlungs-\nort jener Lords. Der Volksdichter Taylor hatte sie gegrün-\ndet, ihr einen Flaschenkork zum Schilde gegeben. Nach\nKarl's I. Enthauptung hatte er den Kork mit einem schwar-\nzen Trauermantel ummalen lassen. Von jenem Sonnabend\nan gehörte Thomas Britton zu den Mitgliedern des wö-\nchentlichen Clubs. Seine Verbindungen mit diesen grossen\nHerren dauerten fort, so lange er lebte, beeinträchtigten\naber nicht im Geringsten seine Unabhängigkeit und Selbst-\nständigkeit. Er blieb immer derselbe, so stolz auf seinen\nKohlensack, als der Lord-Kanzler auf seinen Wollsack.\nNach und nach stieg seine Einnahme; er baute sich\neine bessere Wohnung an sein Magazin an, und ein Haupt-\ntheil derselben wurde ein Bibliothek- und Musik-Zimmer.\nObwohl er fortwährend still und eingezogen lebte, hatte\ner doch die Aufmerksamkeit eines Nachbars auf sich gezo-\ngen, der in dem Hause neben ihm ein paar Zimmer im\nhöchsten Stocke bewohnte. Wenn es bei Thomas des\nNachts im Hause dunkel war und nur die sanften Töne der\nViola di Gamba die Anwesenheit eines Menschen darin ver-\nriethen, so leuchteten die Fenster neben an unter dem\nDache oft von farbiger Feuergluth, und von gegenüber\nkonnte man allerlei Retorten, Phiolen, Destillirkolben bei der\nhellen Beleuchtung im Zimmer unterscheiden. Es haus'te\ndarin ein Alchvmist, ein Magier, der die geheimen Natur-\nkräfte zu zwingen hoffte, ihm dienstbar zu werden.\nEines Abends klopft es an Britton's Thür. Er öffnet,\nund der Alchvmist tritt ein. Bei Licht besehen, war der\n« t/\nMagier nichts Anderes als ein armer Teufel, ein Franzose,"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "99", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.3", "texte": "den sein Laboriren ruinirt halte und der Biitton um eine\nnachbarliche Aushülfe mit Kohlen angehen wollte.\nDer Naturforscher war ein geborener Pariser, Theophil\nvon Garencieres, der zu Caen die Arzneikunde studirt\nhatte. Nach mancherlei Unfällen und Schicksalen in der\nHeimat war er nach England gekommen und erhielt die\nAnwartschaft auf eine Professur an der Universität Oxford.\nSpäter wurde er Arzt bei der französischen Gesandtschaft\nin London; aber sein unruhiger Geist liess ihn auch in die-\nser Stelle sich nicht festsetzen und trieb ihn, den Stein der\ni\nWeisen oder das Geheimniss des Goldmachens zu suchen,\nwas ihn denn nach und nach in Armuth und Elend brachte.\nAllein der Mann hatte etwas Anziehendes und jedenfalls\nsehr Eigenthümliches in seinem Wesen, das auf Thomas\nBritton Einfiuss gewann; auch mochten die wirklichen\nKenntnisse desselben die Wissbegierde unseres Kohlen-\nhändlers blenden kurz, Beide wurden Freunde und\nBritton ein eifriger Schüler des Chemikers. Sein scharfer\nVerstand und sein praktischer Sinn bewährten sich auch\nhier so sehr, dass er seinem Freunde ein bewegbares La-\nboratorium baute, welches bei den Leuten von Fach Be-\nwunderung erregte.\nTrotzdem fing diese neue Beschäftigung schon an, seine\nZeit und seine Gedanken gar zu sehr in Anspruch zu neh-\nmen, als glücklicher Weise für ihn der Tod seinen Freund\nGarencieres mitsammt allen seinen goldenen Träumen von\nder Erde abrief. Thomas war gerade einige Zeit lang ab-\nwesend gewesen, um für einen reichen Lord auf dessen Be-\nsitzung ein chemisches Laboratorium zu bauen. Er ver-\ndiente dabei eine schöne Summe. Sie setzte ihn in Stand,\nseine Wohnung zu vergrössern und einen Lieblings-Plan\nseines Lebens auszuführen.\nDies war kein anderer, als die ersten Tonkünstler Lon-\ndons und die vorzüglichsten Kenner und Begünstiger der\nMusik bei sich zu vereinigen, seine treffliche Sammlung von\nMusicalien zur Verfügung zu stellen, mit Einem Worte:\nConcerte für Musik ernster Gattung einzurichten\nund die gebildete Gesellschaft dazu einzuladen. Er wollte\neinen Verein gründen, einen musicalischen Club, in welchem\ndie Musik nicht um des Gewinnes, sondern um der Kunst\nwillen getrieben werden sollte. Und er setzte ihn durch,\ndiesen glücklichen Gedanken, und der Kohlenhändler Tho-\nmas Britton wurde der Stammvater der grossen\nMusik-Gesellschaften, welche in London entstanden\nund noch gegenwärtig dort blühen, und aller Musik-Ver-\neine, welche sich seitdem im Laufe zweier Jahrhunderte\nüber Europa verbreitet haben. Das ist sein Verdienst um\ndie Tonkunst, und es sichert ihm mit dem vollsten Rechte\neinen Platz in der Geschichte der Musik.\nWie sonderbar, dass ein solcher Gedanke, der in jeder\nHinsicht etwas Aristokratisches hat, in dem Kopfe oder\nvielmehr in dem begeisterten Herzen eines Mannes entstand,\nder von Jugend auf an eine rohe und mühselige Ar-\nbeit gewiesen war, die im starrsten Gegensatze zu dem\nfeinen Gefühle und dem ästhetischen Sinne zu stehen\nscheint! Aber die Lösung dieses Räthsels, die Verschmel-\nzung zweier so verschiedenartigen Lebensneigungen, einer\nidealen mit einer so handgreiflich praktischen, war ja gerade\ndie merkwürdige Lebenserscheinung unseres Thomas. Die\nLeser meinen vielleicht, das sei doch etwas so Ausseror-\ndentliches nicht, dass ein reich gewordener Kaufmann die\nKunst zu fördern suche! Darin liegt aber eben das Merk-\nwürdige: Thomas ßritton war nicht reich geworden und\nwurde es auch nie; Thomas Britton machte bis in seine\nletzten Jahre seinen täglichen Gang durch die Strassen,\nwenn auch nicht mehr mit dem Kohlensacke auf dem\nRücken, doch in der bescheidensten Tracht eines Verkäu-\nfers neben seinem Kohlenwagen her; Thomas Britton be-\nsuchte nie die Paläste der Grossen und empfing bei sich,\nin dem Saale über seiner Kohlenscheune, die Aristokratie\nvon London.\nHören wir nur, wie gleichzeitige Schriftsteller die Sache\nbeschreiben. Ueber dem Kohlen-Magazine war ein langer,\naber schmaler Saal, von so geringer Höhe, dass ein hoch-\ngewachsener Mann mit dem Hut auf dein Kopfe an die\nDecke stiess. Den Zugang zu diesem Locale vermittelte eine\nArt von Stiege, welche mehr Aehnlichkeit mit einer Leiter\nals mit einer Treppe hatte und an der äusseren Mauer an-\ngebracht war. Dies war der mehr als bescheidene Raum,\nin welchem sich sehr bald bei den Concerten stets eine\nder ausgesuchtesten Gesellschaften der grossen Welt in der\nglänzendsten Toilette versammelte. Man bewarb, man drängte\nsich um den Zutritt; man geizte danach, zu den Erwählten\nzu gehören, die zu den Musik-Abenden beim Kohlenhändler\nThomas Britton eingeladen wurden.\nEs war im Jahre 1678, als Britton seine erstenCon-\ncerte veranstaltete, und sie bestanden bis an seinen Tod im\nJahre 1714, also fast dreissig Jahre lang. Die Beschränkt-\nheit des Raumes und allerlei Gerede der Welt machten es\nnach mehreren Jahren nothwendig, sie in ein grösseres und\nbequemeres Local zu verlegen. Neid und Missgunst ver-\nbreiteten böse Gerüchte über die Versammlungen bei dem\nKohlenhändler, und seine Sonderlingsnatur, sein ganzes Be-\nnehmen der Menge gegenüber war allerdings geeignet,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "100", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.4", "texte": "dem grossen Haufen, der sich unmöglich denken konnte,\ndass nur Musik die vornehmen Herrschaften bewegen sollte,\ndie unbequeme Stiege nach dem geheimnissvollen Saale hin-\nauf zu klettern, Grund genug zum Verdacht zu geben, zu-\nmal wenn man an seine frühere Verbindung mit dem Gold-\nmacher erinnerte. „Alles das war aber unbegründet,\"\nsagt sein englischer Biograph ganz naiv, „es war ein ehr-\nlicher, einfacher, gerader Mann, der Niemandem etwas zu\nLeide that. *\nDie Britton'schen Concerte wurden also in einen ge-\nräumigeren und ansehnlicheren Saal verlegt und damit eine\neigentliche musicalische Gesellschaft gestiftet, de-\nren Mitglieder nun auch regelmässige Beiträge zahlten, und\nzwar zehn Shilling jährlich. Der Kaffee, seit 1652 durch\neinen Griechen in London eingeführt, gehörte damals zu\nden Genüssen, welche der hohen Gesellschaft vorbehalten\nwaren, und so war es denn auch erlaubt, in dem Vorzim-\nmer des Concert-Saales Kaffee zu schenken, aber nur\nKaffee — was damals ungefähr eben so viel sagen wollte,\nals wenn heut zu Tage ein Wirth in einer geschlossenen\nGesellschaft bloss Champagner führen dürfte.\nMachen wir uns einmal ein Bild von einem dieser Brit-\nton'schen Concerte, etwa aus dem Jahre 1710, im Monat\nDecember — damals machte man nämlich in London im\nWinter Musik, nicht im Sommer, wie jetzt. Wir treten in\nden Saal und finden alle Künstler von Ruf, die Lords vom\nHofe der Königin Anna und einen Kreis schöner und vor-\nnehmer Frauen. Da sind Lord Bolingbroke, der Graf Bur-\nlington und der Herzog von Chandos, die berühmten Mä-\ncene der Tonkunst. Das Ciavier, von Britton selbst sorg-\nfältig gestimmt, ist geöffnet; ein Stoss Musicalien aus Brit-\nton's Sammlung liegt auf einem Sessel daneben; die Künst-\nler greifen zu ihren Instrumenten, auch an Sängern fehlt\nes nicht.\nMan führt einige Bruchstücke aus der Oper „König\nArthur\" von Heinrich Purcell auf, dem bedeutendsten eng-\nlischen Componisten jener Zeit, der vor fünfzehn Jahren,\nerst siebenunddreissig Jahre alt, gestorben ist und eine\nMenge schöner Compositionen und einen ausserordentlichen\nRuf hinterlassen hat. Dann hören wir Musik zu Shakespear's\nMacbeth von Mathias Lock; Gesänge von Palestrina, Mon-\nteverde, einige Chöre aus Racine's „Athalie\", componirt\nvon dem Franzosen Jean Baptiste Moreau, Violinsonaten von\nBassani und Corelli; der diese letzte spielte, ist John Ba-\nnister, der beste Violinist vom Drurylane-Theater, Schüler\nseines Vaters, der seine Capellmeisterstelle bei Karl II. ver-\nlor, weil er einmal in Gegenwart des Königs sagte, dass\ndie Franzosen bessere Violinspieler hätten, als die Englän-\nder. Auch an eine Sonate von Scarlatti wagt sich ein jun-\nger Clavierspieler. Da ist Heinrich Needler, der musica-\n* lische General-Steuer-Director, trefflicher Violinspieler und\nComponist; dort stehen Pope, Addison und John Hughes\nzusammen, der letztere Dichter und Musiker in Einer Per-\nson, dem das Schicksal noch bevorsteht, während der er-\nsten Vorstellung seines Trauerspiels „Die Belagerung von\nDamascus\" zu sterben. Da ist der Maler Woolaston, der\nvor Kurzem Britton's Bild in der blauen Jacke mit dem\nKohlenmaass in der Hand von der Staffelei genommen hat.\nAuch die tüchtigen Organisten Philipp Hart, Obadjah\nShuttleworth und Abel Whichello fehlen nicht; eben so\nwenig der musikgelehrte Doctor Pepusch, der Nachfolger\nBritton's als Gründer einer Gesellschaft für alte Musik.\nAber sieh! was ist das für ein junger, schöner, breit-\nschultriger Mann, der ans Ciavier tritt und auf den sich\nalle Augen der Frauen und Männer richten? Die Meisten\nstehen auf, erheben sich auf den Zehen, ein allgemeines\nGeflüster rauscht durch den Saal. Es ist ein Fremder, ein\nDeutscher Händel, Georg Friedrich Händel, der Ca-\npellmeister des Kurfürsten von Hannover, der Musik-Di-\nrector von lünfzehn Jahren in Hamburg, der in Florenz,\nRom und Neapel bewunderte, der von Scarlatti in Vene-\ndig nach seinem Clavierspiel mit den Worten begrüsste:\n„Du bist der Sachse, oder der Teufel!\" Händel spielt.\nEin wahrer Aufruhr im Saal. Der Graf Burlington bietet\nihm sein Schloss zur Wohnung an (späterhin wohnte Hän-\ndel von 1715—20 bei ihm), der Herzog von Chandos\nwill ihn auf der Stelle zum Director seiner Capelle machen.\nThomas Britton tritt still vor Händel hin, eine Thräne im\nAuge, sieht ihm in seines, und wagt kaum, ihm die Hand\nzu drücken.\nDer edle Britton! war doch sein Leben gleichsam Eins\nmit seinen Concerten, und so traf ihn auch der Todesschlag\nmitten in einem Concerte.\nUnter den Mitgliedern der Gesellschaft und den ge-\nnaueren Freunden Britton's war ein gewisser Robe, Frie-\ndensrichter in der Grafschaft Middlesex. Dieser Robe\nlernte einen Schmied kennen, welcher eine grosse Fertig-\nkeit im Bauchreden hatte, und kam auf den unglücklichen\nGedanken, diesen Bauchredekünstler mit in das Britton'sche\nConcert zu nehmen und sich einen Spass zu machen. Un-\nmittelbar nach einem ergreifenden kirchlichen Musikstücke,\nbei dessen Schluss kaum Jemand athmete, ertönte auf ein-\nmal eine hohle Stimme wie aus dem Schoosse der Erde:"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "101", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.5", "texte": "„Falle auf deine Kniee, Thomas Britton! deine Stunde ist\ngekommen! Bete zum Herrn, denn du musst sterben!\" —\nBritton, abergläubisch von Natur, ausserdem für alle see-\nlischen Eindrücke höchst empfänglich, stürzt auf die Kniee\nund empfiehlt in Todesangst seine Seele dem Herrn. Er\nhatte geglaubt, die Stimme seines alten Freundes Garen-\nci&res zu vernehmen. Alle Enttäuschung, alle ärztliche\nHülfe waren vergebens. Er starb am zweiten Tage darauf,\nim September 1714, sechszig Jahre alt.\nDas war eines Mannes Ende, dessen Doppelleben sich\nwohl nur zu seiner Zeit und nur in seinem Vaterlande in\nso merkwürdiger Weise entfalten konnte.\nEr war verheirathet, hinterliess aber seiner Witwe\nnichts als eine Bibliothek von Büchern und Musicalien und\neine Sammlung von musicalischen Instrumenten und alter-\nthümlichen Curiositäten. Der Verkauf derselben dauerte\ndrei Tage.\nEin englischer Schriftsteller sagt von ihm: „Er war\nein ausserordentlich eigenthümlicher und sehr geachteter\nMann, bewundert von dem Adel des höchsten Ranges und\nvon den mittleren und niederen Classen. Alle hatten die\ngrösste Achtung vor seiner RechtschafTenheit, Einsicht, Ge-\nwissenhaftigkeit und vor seiner Demuth. Ich sage Demuth,\nweil er trotz seines grossen Rufes als Musiker und trotz\nseines Reichthums an Kenntnissen, wodurch er glänzend\nhätte leben können, seinen Kohlenhandel doch nicht un-\nter seiner Würde hielt und ihn bis an seinen Tod mit Thä-\ntigkeit fortsetzte. Wenn er durch die Strassen von Lon-\ndon ging, in seiner blauen Jacke und seinen Sack auf den\nSchultern, zeigte die Menge auf ihn und raunte einan-\nder zu: „Das ist der berühmte Kohlenträger, der Freund\nder Wissenschaft und der Kunst, der tüchtige Musiker, der\nmit den Gentlemen und Lords auf Du und Du steht!\"\n\nL. B.\n\nMusikfest zu Glocester.\n\nVom 13. bis 16. September vereinigte Glocester in seinen Mauern\nan 6-—BOO Künstler, unter ihnen die grösstcn Gesanges-Berühmt-\nheiten, und Tausende von Menschen strömten an allen vier Tagen\nin die Kirche und in den Concertsaal, um die Aufführungen zu hö-\nren. Die sogenannten „gemischten Concerte\" fanden indem präch-\ntigen Saale Shire hall (87 Fuss lang, 53 Fuss breit) Statt, die geist-\nlichen in der Hauptkirche.\nDer Ausdruck „gemischt\" (miscellaneous concert) ist sehr be-\nzeichnend; denn die Programme bringen einen nach keinem Prin-\neip irgendwie geordneten Mischmasch, ein Durcheinander des Gu-\nten und Trivialen, wobei man in Deutschland sich die Haare aus-\nraufen würde, wenn solch Zeug und noch dazu in solcher Zu-\nstutzung bei einem Musikfeste zum Vortrag käme. Das erste Con-\ncert brachte z. B. die Ouvertüre zum Freischütz, Duett für\nSopran und Tenor von Macfarren, Finale aus der Nachtwand-\nlerin, Arie aus einer Oper von Edw. Loder (?), Fantasie für\nVioline von Vieuxtemps, altitaliänische Alt-Arie, drei Sätze aus\nder Donna del Lago von Rossini, Arie des Mephistopheles aus\nSpohr s Faust (Formes), Finale aus der Lorelei von Mendels-\nsohn. Damit schloss die erste Abtheilung!\nDie zweite begann mit Herolds Zampa-Ouverture; dann folg-\nten eine englische Ballade für Tenor, eine Buffo-Arie für Bass,\nTerzett für drei Soprane von Balfe, eine Ballade für Tenor, ita-\nliänische Arie für Sopran, Beethoven's Adelaide (Gardoni), Mo-\nzart's „Ha! wie will ich triumphiren!\" (Formes da capo)} Quar-\ntett und Finale aus Moses von Rossini, zum Schluss die Ouver-\ntüre zur Stummen von Portici!\nDas zweite gemischte Concert (den 15. Sept.) gab zu Anfang\nder ersten Abtheilung Beethoven's Sinfonie Nr. VIII. in F-dur,\nund zum Beginn der zweiten Mendelssohn's Musik zum Som-\nmernachtstraum; ausserdem an Instrumental-Sachen nur noch eine\nFantasie für Violoncello, componirt und gespielt von Montigny (?)\nund Döhler' sehe Variationen für Piano durch Miss Parys (beide\nVirtuosen fielen gänzlich durch) die ganze übrige Zeit wurde\nwieder durch eine Musterkarte von Gesangstücken ausgefüllt. Ne-\nben Mo zart's schönem Quartett und Terzett aus Idomeneo figu-\nrirte das Spinnquartett aus Flotow's Martha (und mit welchen\nKräften! Clara Novello, Miss Dolby, Gardoni, Formes)! Ein Kriti-\nker in Glocester nennt Flotow „das Enfani gdte der wiener Bour-\ngeoisie, den Liebling der öffentlichen Gärten und Restaurationen\".\nAllein hören Sie nur weiter. Die Orchester-Stimmen zu diesem\nEdelstein der deutschen komischen Oper fehlten; ein junger Musi-\nker instrumentirte das Quartett nach dem Clavier-Auszug und\nso erschien „als ein Masterpiece\" auf einem englischen Musik-\nfest Spinnquartett von Flotow, instrumentirt von Cusinsü So\ntreibt man in England Musik. Nächstdem wimmelten Gesänge von\nschlechten englischen Componisten mit Stücken von Beethoven,\nRicci, Cagnoni (von dem die Novello wieder die mehr als flache\nArie vortrug, welche wir beim Pfingstfeste in Düsseldorf von ihr\ngehört haben), Blumenthal, Donizetti, Fr. Schubert (statt der origi-\nnalen Piano-Begleitung mit Orchester-lnstrumentirung!), Mendels-\nsohn u. s. w. was alles am Schlüsse durch das God save the\nQueen unter Einen Hut gebracht wurde, nämlich unter einen\nenglischen.\nUnd nun denke man sich den Abstand zwischen diesen Concer-\nten und den geistlichen! In der That, wer am Abend ein gemisch-\ntes Concert in Shire hall gehört und das Entzücken des Publicums\nbei diesem Sammelsurium beobachtet hatte, und dann am folgen-\nden Tage in der Kirche Tausende von Menschen in der grössten\nStille und mit einer wahren Andacht den Messias oder den Elias\nanhören sah, der musste an zwei verschiedene Naturen in diesem\nVolke glauben, die sich nach Raum und Zeit abwechselnd offenbaren.\nZunächst findet man hier die sehr lobens- und nachahmens-\nwerte Sitte, dass das Comite während der Musik-Festtage einen\nMorgen-Gottesdienst (um 8 Uhr) einrichtet, bei welchem ebenfalls\nKirchenmusik aufgeführt wird und wozu der Eintritt durchaus frei\nist. Um Mittag begann darauf das eigentliche geistliche Concert.\nAm 14. Elias von Mendelssohn. Am 16. Händel's Messias.\nDer Elias wurde im Ganzen gut und auf imposante Weise aus-\ngeführt. Der Chor war aus den Gesang-Vereinen von. Glocester,\nWorcester, Hereford, Norwich und Liverpool gebildet, das Orchester\nstark und gut besetzt und von einem tüchtigen Dirigenten Namens\nAmott geleitet. In die Sopran-Solopartie theilten sich Clara No-\nvello und Mad. Ca st eil an, in den Alt Miss Dolby unJ Mrss.\nLockey, in den Tenör Gardoni und Lockey; den Elias sang\nFormes allein. Die Kirche war überfüllt, es waren sicher zwischen"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "102", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.6", "texte": "14- —15,000 Menschen darin. Die Sammlung an den Thüren für die\nArmen trug 207 Pfd. 18 Sh. (an 1400 Thlr.) ein.\nFast noch grösser war der Zudrang am 16. zur Anhörung des\nMessias. Die 800 sehr theuren geschlossenen Plätze mussten ver-\nmehrt werden: auf dem Chor, selbst hinter der Orgel war jeder\nWinkel besetzt, und die bekannter Maassen treffliche englische Po-\nlicei war kaum im Stande, die unabsehbare Anfahrt der Wagen in\nOrdnung zu halten. Desshalb begann die Aufführung ein selte-\nner Fall in England erst über eine halbe Stunde nach der an-\ngesetzten Zeit. Es ist wahr, HändeFs Messias ist ein Volks-Orato-\nrium in England geworden; es ist ein grosser, erschütternder An-\nblick, in dem gothischen Dom diese Tausende von Menschen mit\nden horchenden Mienen, den weit offenen Augen, mit dem ganzen\nphysiognomischen Ausdruck der Spannung, Aufmerksamkeit und\nAndacht dicht zusammengedrängt und doch in einer Stille zusehen,\nwrelche einen wahrhaft erhabenen Eindruck macht! Der Gesammt-\nErtrag der Sammlungen für die Armen hat sich auf mehr als 1000\nPfd. (an 7000 Thlr.) belaufen.\n+**\n\nL\n\nStoppellese.\n(Curiosum eines deutschen Kritikers einem curiosen\nfranzösischen Componisten gegenüber.)\nIm Jahre 1853 erschien zur Feier des 24. August, als am\nTage des Festessens für Herrn H. Berlioz, in der Residenzstadt\ndes deutschen Bundes, Frankfurt am Main, folgendes fliegendes\nBlatt, auf starkes Velinpapier gedruckt:\n„Dem französischen Meister der Töne,\nHektor Berlioz,\nvon deutschen Sympathieen gewidmet.\"\n„Ein mächt'ger Strahl durchzuckt die Regionen,\nEs ist Dein Geist, wir fühlen's tief.\nEs ist die Kraft aus Südens Feuer-Zonen,\nDie Dich, den neuen Stern, ins Leben rief.\nDu hast erfasst der Tonkunst inn'res Wesen,\nZur Sprache weiht die Muse Deine Melodie,\nDie Welt, sie kann es ohne Worte lesen,\nWas Du geschafft (sie!), in bilderreicher Phantasie.\nWenn Julia süsse Sehnsucht flüstert,\nNapoleon's fünfter Mai zur Elegie uns stimmt, (!)\nM e p h i s t o' s Hohn des F a u s t Ideal umdüstert,\nSardanapal von Syriens Lust erglimmt; (!)\nWenn Sylphen-Tanz ätherisch uns umfächelt,\nWenn wild umbraus't uns toller Bacchuschor,\nWenn König Lear in bitterm Wahnsinn lächelt,\nDarauf (!) ein Requiem berührt (!) das fromme Ohr\nDann fühlen wir von so viel Kunstgestalten\nVon Pol zu Pol geführt umringt,\nDer Töne zauberisches Walten,\nDas alle Völker ja (o ja!) umschlingt.\nSind längst doch durch des Geistes Wogen, (!)\nDurch grosse Männer unsre Reiche (?) sich verwandt:\nSo bietet denn, von Deinem Genius angezogen,\nDir Deutschland treu die Bruderhand.\n■f /\nUnd ob Begeistrung Dir den Lorber reichet,\nOb Neid und Vorurtheil im Finstern schleichet:\nDie wahre Kunst übt immer ihren Segen.\nIn Deutschland schlagen Herzen Dir entgegen!\"\nNein, da reisst mir die Geduld! Worüber soll ich mich mehr\närgern: dass ein deutscher Musiker und Kritiker denn als sol-\neher ist leider Gottes der Verfasser, Herr C. £., bekannt, welcher\nin diesen Versen, Zeilen wollt' ich sagen, einen neuen Knauf auf\nseine Unsterblichkeits-Säule gestülpt hat also über was mehr,\ndass ein deutscher Kritiker den Berlioz so ansingt, oder dass Ber-\nlioz das Blatt in die Tasche gesteckt hat und es in Paris als einen\nBeweis der neuesten deutschen Poesie veröffentlicht? Sapperment!\nwie können Sie es wagen, mein poetischer Herr, im Namen\nDeutschlands dem Franzosen die Bruderhand zu reichen? Wodurch\nkönnen Sie Sich dazu legitimiren ? Etwa durch Ihre Conjugations-\nfehler, durch Ihre Misshandlung der deutschen Sprache und der\ndeutschen Verse? Ich vergebe Ihnen Ihre Bewunderung für Hek-\ntor; denn ich sehe ein, dass Sie der Achilles nicht sein konnten,\nihn dreimal um Frankfurt durch die Anlagen herumzujagen und\ndann dem Erschöpften zuzurufen: „Macht auch der Löwe mit Rin-\ndern Verträge?44 denn Sie hätten offenbar erwarten müssen,\ndass Hektor ganz artig erwidert hätte: „Pardon! das Machen von\nVertrag sein an mir!44 Und da würde Ihnen, als tüchtigem Mu-\nsiker, wahrscheinlich der zweite Theil der Menuett aus Don Juan\nund Don Ottavio's Text: „Wer kann da widerstehen?44 eingefallen\nund die Sache abgethan gewesen sein. Also, wie gesagt, die Be-\nwunderung nehme ich Ihnen nicht übel; aber dass Sie dieselbe in\nDeutschlands Namen, und dass Sie sie auf eine so schülerhafte\nWeise ausdrücken, das kann ich Ihnen nicht verzeihen. Ich kann\nes Ihnen nicht verzeihen, dass Sie Sich und einige andere Orche-\nster-Mitglieder für „Regionen44 ausgeben; dass Sie Berlioz' „Me-\nlodie zur Sprache44 machen und ihn dadurch mit Wagner\nzusammen hetzen, bei dem bekanntlich die Sprache die Melodie\nmacht; dass Sie als Deutscher die wenigen Reste, die wir noch\nvon der alten starken Conjugation haben, in die schwache herab-\nzerren und ein Lobgedicht geschafft statt geschaffen haben;\ndass Sie den Sardanapal zu einem Schwefelhölzchen machen;\ndass Sie Ihr deutsches musicalisches Ohr bereits für so verhärtet\nerklären, dass es von dem Posaunendonner des Berlioz'schen Re-\nquiems nur eben „berührt44 wird; dass Sie ferner, getragen von\ndes „Geistes Wogen44, mit Berlioz von unseren Reichen,\nd. h. also Ihrem und resp. Berlioz' Reiche, sprechen, und Sich da-\ndurch zum Inhaber, nicht etwa einer Medaille, oder einer goldenen\nDose, oder einer silbernen Schreibfeder, sondern des ganzen deut-\nschen Reiches erklären (denn Sie werden doch keinem vernünftigen\nMenschen zumuthen wollen, an das Reich der Töne zu denken,\nwenn von Theilung eines Reiches zwischen Ihnen und Berlioz die\nRede ist!); dass Sie endlich, oder vielmehr gleich Anfangs, anstatt\nzu schreiben: dem Meister der Töne von C. G., seinem Sympa-\nthe n, oder schlechtweg P ath e n (mit einer leisen Andeutung auf Ge-\nvatterschaft und Cameraderie), gewidmet Sich selbst als „deutsche\nSympathieen44 collectiv und officiel hinstellen, was ein ganz\ncurioser Fall von einem Plaralis dignitatis ist, da ihm alle und jede\nBegründung fehlt Sehen Sie, das alles kann ich Ihnen nicht\nverzeihen! Ich bitte Sie aber freundlichst, geben Sie die Begeiste-\nrung, geben Sie die Poesie (bei etwa wiederkehrenden Gelegen-\nheiten) daran, und die Anpreisungen der Heroen des Fortschrittes\nüberlassen Sie getrost den Weimaranern und Leipzigern, die ver-\nstehen das besser. Ihr Lob umdüstert nur den neuen Stern.\nSie werden vielleicht dieses Blatt achselzuckend mit den Worten\nwegwerfen: „Tant de bruit pour une otnelette!\" —Da haben Sie\nfreilich Recht.\nF., im September.\nAmicus Plutoy amicus Aristoteles, sed mcigis amica\nV e r i t a s.\n(Die Echtheit der Unterschrift bescheinigt der Präsident\ndes Stoppel-Vereins.)"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "103", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.7", "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nTheater in Köln.\nIn dieser Woche sahen wir von Opern Auber s Mau-\nrer und Schlosser und die dieses Mal wirklich un-\nvermeidlichen Montecchi und Capuleti von Bellini, weil\nBühnensitte und Rücksicht auf besondere Befähigung für gewisse\nRollen diese Wahl nöthig machten, um Fräulein Marschalk Ge-\nlegenheit zu geben, sich als Romeo dem Publicum vorzuführen.\nDer Maurer befriedigte im Ganzen, jedoch wurde zuweilen die nö-\nthige Präcision vermisst. Der Tenorist Hr. Krön (St. Leon) hat\neine schöne Stimme, schien aber etwas befangen und konnte die\nKlippe, woran so viele Schauspieler scheitern, nämlich sich in Uni-\nform gewandt zu benehmen, nicht überwinden. Fräul. Körbe r\ndebutirte als Irma, wie es fast schien, nicht bloss hier, sondern\nwohl überhaupt zum ersten Male. Ihre Mittel sind nicht schlecht,\nbedürfen aber selbst in den ersten Elementen des Gesanges noch\nsehr der Ausbildung. Fräul. Panzer (Henriette) mit hübscher ju-\ngendlicher Stimme verräth viel Anlage: sie muss sich vor der Nei-\ngung zum Detoniren nach der Tiefe zu hüten. Hr. Schmidt,\nein tüchtiger Bass, war ein guter Baptiste; auch als Gaveston in\nder weissen Dame fiel uns bereits seine volle starke Stimme auf;\nein eifriges Studium in der Behandlung derselben, namentlich in\nBeziehung auf Maass und Nuancirung und auf bessere Abrundung\neiniger zu breiten Töne in der Mittellage, wird ihn zu einem gu-\nten Sänger machen. Frau Frey füllt die Partieen der Mütter\nu. s. w. (Margarethe in der weissen Dame, Mad. Bertrand im Mau-\nrer), welche gewöhnlich bei Provincial-Bühnen sehr vernachlässigt\nwerden, recht gut aus. Hr. Kahle bestätigte als Roger das von\nuns über ihn bereits ausgesprochene Urtheil.\nFräul. Marschalk wird eine Zierde unserer diesjährigen Sai-\nson sein. So viel wir wissen, ist sie aus Danzig gebürtig und eine\nSchülerin von Mantius in Berlin. Sie besitzt eine schöne, volle,\nwohllautende Altstimme von keinesweges geringem Umfang, so dass\nsie auch Mezzosopran-Partieen vollkommen gewachsen ist. Ihre\nSchule ist gut, ihr Vortrag zeigt ein richtiges Gefühl, mit ernstem\nStudium verbunden, überhaupt ein künstlerisches Streben, bei wel-\nchem man mit Vergnügen die bereits erreichte Stufe schätzt und\nzugleich mit Befriedigung gewahr wird, wie darin alle Keime zu\neiner immer höheren Entwicklung liegen. In der für die Altistin-\nnen sehr schwierigen Verschmelzung der Register zur Tonebenheit\nund Gleichheit hat Fräul. M. einen sehr guten Grund gelegt; fort-\ngesetztes Studium wird sie gewiss bald dahin bringen, dass auch\ndas Portamento von der Brust- zu der Mittelstimme immer gelun-\ngener erscheint. Weder die Tiefe noch die Höhe ist forcirt, und\njeder Ton rein. Es ist ein grosser Vorzug dieser schönen Stimme,\ndass ihre Höhe leicht und voll anspricht; man hört den Tönen\nüber dem zweigestrichenen e durchaus keine gewaltsame Anstren-\ngung der Halsmuskeln an, sie stehen in richtigem Verhältniss zu\nder übrigen Seala, was selbst bei der Wagner nicht der Fall ist.\nWir heissen die junge Künstlerin freundlichst willkommen am Rheine.\nHr. Krön zeigte sich als Tybaldo in weit vorteilhafterem\nLichte, als im Maurer; er sang den ganzen ersten Act mit grossem\nund verdientem Beifall. Seine kräftige Bruststimme nimmt sehr lür\nihn ein, zumal, da sie des Wohllauts durchaus nicht entbehrt. Er\nmöge sie nur nicht forciren, ihr Klang bedarf dessen nicht wir\nfreuen uns überhaupt sehr, dass wir in unseren beiden Tenoristen\nkeine Schreier haben, sondern Männer, denen es um Gesang zu\nthun ist. Die Rolle der Julia einer solchen Anfängerin wie Fräul.\nKörber zu übertragen, war jedenfalls ein MissgrifT; der gute Wille\nreicht für eine solche Partie nicht aus. Hr. Schmidt als Capu-\nlet und Hr. Schlüter als Lorenzo befriedigten ganz; Hr.\nSchlüter hat eine recht sonore Bassstimine und wirkte besonders\nauch in den Ensemblestücken sehr anerkennungswerth.\nDer Männerchor war zahlreich und gut; Scenerie und Arran-\ngement lobenswerth namentlich sind sämmtliche Costume so\nreich und glänzend, dass sie eines Hoftheaters würdig sind.\nDer Ankauf der Mozart'sehen Handschriften.\nEin Aufruf vom 16. Juni dieses Jahres setzte das deutsche\nPublicum davon in Kenntniss, dass die vom Hofrath Andre in Of-\nfenbach hinterlassene Sammlung von Original-Handschrif-\nten Moza rt's von den gegenwärtigen Besitzern veräussert werden\nsolle, und deutete auf die Gefahr hin, dass dieser Kunstschatz zer-\nstreut werde und ins Ausland wandere. Er hob hervor, dass es\nEhrensache sei, sich zu rühren und Alles zu thun, um diese un-\nschätzbare Sammlung dem deutschen Vaterlande zu erhalten, und\nforderte zu Beiträgen auf, um den seltenen Schatz (welcher um\nden im Verhältniss zum Kunstwerthe der Mozart'schen Handschrif-\nten geringen Preis von fünfzehntausend Gulden rheinisch zu ha-\nben ist) der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Main als Eigenthum\nzu überweisen.\nDie Sammlung enthält bei Weitem den grössten Theil von den\nbedeutendsten Meisterwerken, welche Mozart geschaffen hat, im\nGanzen 240 Nummern: a. Kirchen-Musik 25 Nrn. b. Opern- und\nTheater-Musik 29 Nrn. (Mit Ausnahme der Entführung und des\nFigaro enthält die Sammlung alle Opern, welche Mozart ge-\nschrieben hat. Von der Entführung auch noch eine Arie und einige\nBruchstücke. Vollständig vorhanden sind eilf Opern und drei grosse\ndramatische Serenaden.) c. Concert-Arien mit Orchester-Begleitung\n32 Nrn. d. Lieder und Solfeggien mit Clavier-Begleitung 10 Nrn.\ne. Sinfonieen und Ouvertüren für Orchester 34 Nrn. f. Diverti-\nmenti, Serenaden, Märsche für Streich- und Blas-Instrumente 20 Nrn.\ng. Harmonie-Musik 11 Nrn. h. Violin-Musik 18 Nrn. (Darunter fünf\nViolin-Concerte und das berühmte Streich-Quintett in C-dur.) i. Cla-\nvier-Musik 41 Nrn. (Concerte, Quartette und Terzette, Sonaten mit\nVioline, Solo-Sonaten u. s. w. [Darunter 25 Clavier-Concerte, das\nberühmte G-mo//-Quartelt, fünf Trios u. s. w.]) h. Musik für die\nOrgel 11 Nrn. (Eine ganz eigenthümliche Gattung von Tonstücken,\nnämlich Sonaten für die Orgel mit Begleitung von ein paar Instru-\nmenten; sämmtlich noch unbekannt.) I. Musik für die Flöte\n1 Nr. (mit Begleitung), m. Musik für Oboe 1 Nr. (mit Begleitung).\nn. Musik für Horn 3 Nrn. (Drei Concerte mit Orchester-Begleitung.)\no. Musik für die Harfe 1 Nr. (Ein Concert mit Orchester-Begleitung.)\np. Musik für Harmonica 1 Nr. q. Tanzmusik 2 Nrn.\nViele von den hier aufgeführten Handschriften sind noch nicht\nveröffentlicht. Heber a. Nr. 17 schreibt z. B. Herr G. Vi er Ii ng,\nMusik-Director in Mainz: „Die Litanei von Mozart (Es-durJ, Nr. 17\ndes thematischen Verzeichnisses der Original-Handschriften, habe\nich sorgfältig durchstudirt und kann nunmehr nur den Wunsch\näussern, dass dieses herrliche Werk der Musikwelt nicht länger\nvorenthalten werde. Die ersten Chorsätze zeichnen sich durch jene\nnur Mozart eigene Liebenswürdigkeit der Melodieführung aus, die\nwir in verschiedenen Sätzen des Requiems bewundern. Von den\nArien trägt die erste etwas Veraltetes an sich, die andere viel we-\nniger, wenn sie auch reich an Coloraturen ist. Die drei letzten\nSätze des Ganzen (contrapunktisch gearbeitete Chöre) stelle ich kühn\ndem Höchsten an die Seite, was Mozart in kirchlichem Genre\ngeschrieben. Da ist Grösse und Erhabenheit, gelehrte\nForm verbunden mit einem Reize, der jeden fühlenden Menschen\nrühren und ergreifen muss.*' Ferner unter Anderem zwei Opern\nund drei theatralische Serenaden, unter letzteren Ascanio in\nAlba, eine Partitur von 465 Seiten, von Mozart vor seinem zwan-\nzigsten Jahre binnen vier Wochen (vom 31. August bis 28. Sep-\ntember) geschrieben.\nDer Aufruf hat bis jetzt wenig Theilnahme gefunden. Desswegen\nmachen wir hiedurch wiederholt darauf aufmerksam. Es ist eine"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "104", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18530924-01.1.8", "texte": "Ehrensache Deutschlands. Sollte aber das reiche Frankfurt\nnicht allein im Stande sein, die 15,000 Gulden aufzubringen,\num die Sammlung unzersplittert der dortigen Mozart-Stiftung\nzu erhalten, deren Bestehen bereits durch ein Capital von 23,800\nGulden gesichert ist, und welche im Falle einer Auflösung des\nLiederkranzes, welcher sie ins Leben gerufen, in das Gemeinde-\nEigenthum der Stadt mit allen Rechten und Verbindlichkeiten\nübergeht?\nÄöiiigsberg*. Der Capellmeister Sobolewski, der seine\nStelle bei der Oper niedergelegt hat, ist jetzt nur noch Dirigent\nder Sing-Akademie und kann demnach mehr Zeit auf musicalische\nComposition wenden. Unsere Oper ist, grösstenteils neu besetzt,\nzurückgekehrt.\nWährend des allerhöchsten Aufenthaltes in Olmütz\nwerden von den Mitgliedern des k. k. Hof-Operntheaters die Opern\nMartha, Stradella, Linda und Hochzeit des Figaro im olmützer\nTheater aufgeführt.\nHr. Karl Czerny, Mitglied der Akademie der Tonkunst, hat\nneuerdings das Archiv der Akademie mit einem sehr schätzba-\nren Werke bereichert, indem er ihr sein neuestes Werk „Gm-\ndus ad Parnassum, Collection de grands Exercices de tont genre dans\nle Style severe ponr le Piano44 op. 822 verehrte.\nAm 22. Sept. wird Fräul. Johanna Wagner im Hof-Opern-\ntheater ihr Gastspiel als „Romeo\" eröffnen. Fräul. Lieb hart wird\ndie „Giulietta\" singen. In der Oper „Der Prophet\" soll nebst Fräul.\nWagner Fräul. Liebhart die „Bertha\" und Hr. Ander, wenn es\ndessen Gesundheit erlaubt, den Titelpart singen.\nAuf der Durchreise von Triest nach St. Petersburg verweilte\nhier einige Tage der beliebte Componist Hr. Fed. Ricci. Auch\nFräul. Maray und der an Marios Stelle dort engagirte Tenorist\nHr. Nodin, welcher für die nächste italiänische Saison am hiesigen\nIlof-Operntheater engagirt ist, befanden sich einige Tage in Wien.\nDie Kunst- und Musicalien-Handlung Rozsavölgyi & Comp, in\nPesth ist im Besitze von Mozart's Reise-Spin et, welches der-\nmal zu verkaufen ist. Die Echtheit desselben wird durch Docu-\nmente bewiesen *).\nAm 29. August 1751 wurde Maria Anna, Schwester des un-\nsterblichen Wolfgang A.Mozart, zu Salzburg geboren. Sie machte\n1762 bis 1768 mit ihrem Vater und ihrem Bruder die grossen\nReisen durch Frankreich, Holland, England, Deutschland. In den\nJahren ihres ledigen Standes, die sie im väterlichen Hause zu-\nbrachte, gab sie einigen Mädchen in Salzburg Unterricht im Cla-\nvierspiel. Sie verehelichte sich dann 1784 mit Joh. B. Freiherrn\nvon Berchtold zu Sonnenburg. Salzburg'schem Hofrathe und Pfleger\nzu St. Gilgen, wo sie in anspruchloser Stille ganz den schönen\nPflichten der Gattin und der Mutter lebte und gegen zwanzig Jahre\nglücklich verheirathet war. Als Witwe begab sie sich 1801 in ihre\nGeburtsstadt Salzburg zurück und ertheilte wieder Clavier-Unter-\nricht. Aus ihrer Schule sind viele und treffliche Ciavierspielerinnen\nhervorgegangen.\nIn Belgien sind jetzt 662 philharmonische Gesellschaften vor-\nhanden; sie haben es vorzüglich mit Harmonie-Musik zu thun. Da\ndas Land im Ganzen 2524 Gemeinden hat, so kommt eine phil-\nharmonische Gesellschaft auf vier Gemeinden.\nIn Paris hat Niedermeyer eine kirchliche Musik-\nschule errichtet, in welcher der Kirchengesang und die Compo-\nsition von Kirchenmusik von den ersten Elementen, dem Unterricht\nvon Chorknaben, an bis zu dem Verstandniss und dem Vortrage\nder grossen Meister des 16., 17. und 18. Jahrhunderts und bis zur\nFuge und dem Contrapunkt-gelehrt werden soll. Auf den Choral-\ngesang und die Herstellung seiner Reinheit und seines kirchlichen\nCharakters soll besondere Rücksicht genommen werden. Das Insti-\ntut wird zugleich ein Pensionat sein, worin auch der nöthige wis-\nsenschaftliche Unterricht gegeben und die Elemente des Lateini-\nschen, Italienischen und Deutschen gelehrt werden. Die Lehrer\nsind meist aus der trefflichen Schule von Choron hervorgegangen.\nDie Lehrgegenstände umfassen die allgemeine Musiklehre, Solfeg-\ngircn, Gesang (Solo und Chor), Choral, Orgelspiel, Begleitung nach\nbeziffertem Bass, Harmonielehre, Contrapunkt, Fuge, Instrumenta-\ntion und Geschichte der Musik. Der Minister des Cultus und des\nöffentlichen Unterrichts, Hr. Fortoul, hat darüber ein Rundschrei-\nben an alle Erzbischöfe und Bischöfe erlassen und der Anstalt 5000\nFrcs. jährlich auf den Finanz-Titel für Kunst und 18,000 Frcs. auf\ndie Cultus-Ausgabe angewiesen Die letzte Summe ist zu 36 Sti-\npendien zu 500 Frcs. bestimmt, wozu die Bischöfe dem Minister\ngeeignete Talente vorzuschlagen haben (Verfügung v. 24. August).\nIn Dieppe hat der berliner Capellmeister Elbel, der mit sei-\nner Orchester-Gesellschaft in Paris nicht aufkommen konnte, eine\ncharakteristische Sinfonie von seiner Composition, „Eine Nacht in\nBerlin44, mit Beifall aufgeführt. Das Programm benennt die einzel-\nnen Sätze: „Abendruhe14, „Nachtgesang44, „Retraite\", „Marsch der\nNachtwache44, „Mitternacht44, „Schlaf4, „Traum\". — In dem Seebade\nBoulogne geben die Geschwister Ferni, neue Milanollo's, sehr\nbesuchte Concerte. Auch der Bassist Marchesi und seine Gattin,\ngeborene Gr au mann, früher in Leipzig, sind dort und gefallen sehr.\nJ. Mo Scheies ist auf einer Reise durch Italien begriffen und\nhat in Mailand in Privatcirkeln durch seine noch jugendlich\nfrische Meisterschaft auf dem Pianoforte überrascht.\n*) So viel wir wissen, ist Liszt im Besitz von Mozart's Ciavier.\nD. Red."}]}