{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_sha256": "a5da307c0ef0d76db0749d1c05f0b6cdc54bac2af8d7511ee99bc9173ff8e49f", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/10/08_01/bmtnabi_1853-10-08_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "113", "image_debut": 1, "image_fin": 1, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.1", "titre_corps": "Zu Beethoven’s Missa in D.", "titre_sommaire": "Zu Beethoven’s Missa in D.", "signature_source": "A. Schindler", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2767, "texte": "Zu Beethoven’s Missa in D.\nA. Schindler.\nDen Mitwirkenden am Niederrheinischen Musikfeste\n1844 zu Köln dürfte der in der letzten General-Probe\nzwischen dem Fest-Dirigenten, Herrn Capellmeister Dorn,\nund dem Unterzeichneten Statt gehabte Vorfall in Betreff\ndes Tempo beim Benedictus dieser Missa noch erinnerlich\nsein. Wie verdriessüch auch derselbe für Herrn Dorn sein\nmochte, so musste ich doch meinerseits davon absehen und\nzu retten suchen, wenn für den Charakter dieses Satzes,\nder in einem hinkenden Largodahingeschleppt wurde, noch\netwas zu retten möglich war. Lange Beschäftigung mit der\nOriginal-Partitur, die ich vom ersten Tacte an entstehen\nsah, hatte mich hinreichend belehrt, dass das in der ge-\ndruckten Partitur leider fehlende Tempo des fraglichen\nSatzes ein Andante sei. Als solches gab ich es demnach\nbei jenem Vorfalle auf dem kölner Gürzenich an, bezeich-\nnete es aber bei Mittheilung dieser Begebenheit im sechs-\nten Hefte des Hirschbach'schen „Repertorium für Musik\"\n1844 noch genauer mit Andante Ich führte an,\ndass ein Missverständniss bei diesem Satze nicht obwalten\nkönne, wenn der Dirigent a)die heitere Tonart\ndie breiten Formen des r%-Tactes sammt der dort herr-\nschenden rhythmischen Bewegung der Tonfiguren, die die\nSingstimmen wie in einem Rahmen umfassende obligate\nVioline, obendrein d)die in der neueren Kirchenmusik fast\nimmer sich gleich bleibende Behandlung der Textesworte:\nBenedictus qid venit etc., in heiterer, kindlich-frommer\nWeise, u. A. m. beachte, was Alles zusammen sichere\nKennzeichen lür das entsprechende Tempo abgebe.\nDem Forschungseifer des Herrn Prof. Otto Jahn in\nSachen der drei Grossmeister verdanken wir nun auch die\nAusfüllung dieser empfindlichen Lücke in der Missa solem-\nnis. Beim Durchlesen jüngst der Briefe Beethoven's an die\nVerleger dieses Werkes, die Herren Schott in Mainz, stiess\nnämlich Herr Jahn in einem derselben vom \"26. Januar\n1825 auf folgende Stelle:\n„Das Tempo vom Benedictus, Andante molto\ncantabile e non tropp ist vielleicht\nauch nicht angedeutet.\"\nZum Beleg schliesse ich für die Redaction d. Z. Jahn's\nZuschrift an mich bei [die wir mit Vergnügen eingesehen\nhaben. Die Redact.].\nWir erfahren somit vom Componisten selber, was wir\nzu wissen brauchen, und wenn ich nicht verfehle, diese\nbedeutsame Entdeckung ohne Verzug bekannt zu machen,\nso darf es ohne eine die mainzer Verlagshandlung treffende\nRüge nicht geschehen, die Beethoven's Tempo-Bezeichnung\nunbeachtet lassen konnte. Und doch ist die Missa erst 1827\nin Druck erschienen. Welche Schicksale mag der fragliche\nSatz seitdem erfahren haben, da die Herren Dirigenten\naller Orten, wo das Werk zur Aufführung gekommen, das\ndem vorausgehenden Präludium beigesetzte\nauch für das dem sich anschliessenden zugehö-\nrige Tempo hielten!"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "113", "page_fin": "115", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.2", "titre_corps": "Wiener Briefe.", "titre_sommaire": "Wiener Briefe.", "signature_source": "B. v. d", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.1", "debut_caractere": 2769, "fin_caractere_exclue": 3683, "texte": "Wiener Briefe.\n\n(Wiens musicalischer Status quo. — Schluss. S. Nr. 14.)\nSo glaube ich denn, dass sich schon der bevorstehende\nWinter, die Oper allein vielleicht ausgenommen, ziemlich\ninteressant und reichhaltig gestalten dürfte; man spricht\nvon Aufführung der neunten Sinfonie, Cornet soll sich viele\nMühe geben, eine der Wagner'schen Opern zur Darstel-\nlung bringen zu können, wogegen hier das grösste Hinder-\nniss nur in der politischen Stellung besteht, welche Wag-\nner mit so vieler Ostentation eingenommen hat, und von\nRob. Schumann dürfte, wie ich aus verlässlicher Quelle\nweiss, wenigstens auf Eines seiner grösseren Werke, und\nsonst noch auf manches Andere zu rechnen sein. Die\n/\nOper allein vielleicht ausgenommen, sagte ich oben; denn\ngerade hier, wo eine Reformation in dem bestehenden Re-\npertoire und in dem darstellenden, namentlich dem weib-\nlichen Personale am dringendsten nothwendig wäre, ist un-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5288, "texte": "sere Zuversicht auf eine Besserung der Verhältnisse am\nschwächsten. An den Directions-Antritt Cornet's wurden\ngrosse Hoffnungen geknüpft, aber Gott weiss, wie lange er\ndie Verwirklichung derselben hinausschieben wird. That-\nsache ist, dass in der verflossenen Sommer-Saison fast mehr\nitaliänische als deutsche Opern gegeben wurden und dass\nGornet vorläufig mit besonderer Vorliebe auf Restaurirung\nitaliänischer und französischer Opernwerke bedacht zu sein\nscheint. Mit Boieldieu's „Weisser Frau\" debiitirte er, und\nseitdem folgte nun Auber's „Maurer und Schlosser,\" zu-\nnächst aber sollen Auber's „Pferd von Erz\" und Doni-\nzetti's „Favorite\" in Scene gehen. Ob und wann er aber\nGluck, Cherubini, Cimarosa, Spontini, Spohr, Marschner\nund so manche Andere unserer Bühne wiederzugeben ge-\ndenkt, davon verlautet bis jetzt nicht das Allermindeste.\nDurch die Aufführung der trefflichen Operette Mendels-\n„Heimkehr aus der Fremde\" als Probe-Vorstellung\nvon den Zöglingen unserer Akademie der Tonkunst hat die\nHof-Opernbühne ohnedies wieder eine nach meiner Mei-\nnung schimpfliche Schlappe erlitten, welche vollkommen zu\nempfinden, sie vielleicht nur ihre langjährige Abhärtung hin-\ndert, und eine zweite steht ihr nächstens darin bevor, dass\nWagner's Tannhäuser auf einer Provincialbühne zweiten\nRanges, in Gratz nämlich, gegeben werden soll! Uebrigens\nverlautet sogar ein Gerücht, dessen reelle Basis ich jedoch\nnicht zu bestätigen vermag, dass Cornet's Stellung jetzt be-\nreits eine problematische geworden sei. Vor mehreren\nMonaten ist hier ein zweibändiges Werkchen (bei Gress)\nerschienen: „Recensionen und allgemeine Be-\nmerkungen über Theater und Musik\", mit dessen\nunbenanntem Verfasser ich mich fast in Allem einverstan-\nden erklären muss. Er führt in demselben die von mir hier\nberührten Punkte weitläufiger aus, zwar zuweilen mit her-\nber Schärfe, aber doch durchaus mit Anstand und Mässi-\ngung, wahrheitsgetreu und offenbar parteilos. Mit grossem\nRechte weis't er namentlich auch auf die Beschämung hin,\nwelche für uns daraus entsteht, dass zwei Männer von no-\ntorischer Unfähigkeit einerseits und gänzlicher Unbedeu-\ntendheit andererseits, wie die Herren Assmayer und Rand-\nhartinger, noch immer als Vorsteher des ersten musicali-\nschen Institutes der Residenz fungiren und uns z. B. in\ngrossen alljährlich wiederkehrenden, meist von dem erste-\nren dirigirten oder vielmehr nicht dirigirten Concerten seit\nmehr als einem Decennium zur Belustigung des Aus- und\nintelligenten Inlandes fast nichts mehr geboten haben, als\nin stetem Wechsel Haydn's „Schöpfung\" und „Jahreszei-\nten \", welche grasse Einseitigkeit doch gewiss Niemand trotz\naller Bewunderung für die wahrhafte Grösse dieser Werke\nbilligen wird.\nZum Schlüsse dieser Zeilen will ich Ihnen nur noch\nein paar Worte über die jüngsten musicalischen Neuigkei-\nten des Tages mittheilen. Dass Fräul. Johanna Wag-\nner gegenwärtig hier gastirt, werden Sie wissen. Dieselbe\nist bereits ein Mal und zwar in Bellini's „Montecchi und\nCapuleti\" als Romeo aufgetreten. Ob wir den ausserge-\nwöhnlichen Ruf, welcher dieser Künstlerin voran ging, als\nvöllig gerechtfertigt werden betrachten können, lässt sich\nnach dieser Einen Leistung freilich noch nicht beurtheilen.\nSo viel ist gewiss, dass sie im Besitze eines äusserst mäch-\ntigen, metallreichen, besonders in der Tiefe und Mittellage\nausnehmend schönen Organes ist, welchem jedoch zugleich\neinige Sprödigkeit und daraus resultirende zu geringe Mo-\ndulationsfähigkeit beigemischt scheint, so dass ihre Sing-\nweise etwas hart und monoton wird. Unser Publicum zollte\nihr nach der Entree-Arie des ersten Actes, welche ihr volle\nGelegenheit zur Entfaltung ihrer gewaltigen Stimmmittel\nbot, rauschenden Beifall, welcher sich aber im Laufe der\nVorstellung etwas herabstimmte und erst in der Schluss-\nscene der Oper wieder erwärmte, in welcher sie denn auch\nihr dramatisches Gestaltungs-Talent unverkennbar beurkun-\ndete, wie sie überhaupt eine gute Schauspielerin ist. Ein\nerschöpfendes Urtheil wird sich, wie gesagt, erst nach meh-\nreren Leistungen fällen lassen. Bemerken aber muss ich\nnoch, dass Frau Marlow durch die äusserst gelungene,\nverständnissreiche und gefühlsinnige Darstellung der Giu-\nlietta wahrhaft überraschte und entzückte. Die Oper selbst,\nbei uns seit einer Reihe von Jahren nicht mehr gehört,\nwollte diesmal selbst bei den specifischen Verehrern italiä-\nnischer und speciel Bellini'scher Musik keinen rechten An-\nklang finden, und man nannte dieselbe etwas monoton und\nlangweilig. Endlich ist noch zu berichten, dass ein\nHr. Gustav Satter, hier seit früheren Jahren her schon be-\nkannt, dieser Tage als Pianist und Compositeur und zu-\ngleich als Vorbote unserer winterlichen Concert-Saison auf-\ntrat. Seine Eigenschaft als Pianist, obwohl dieselbe eine\nziemlich rühmliche ist, ihm jedoch vorläufig keine Welt-\nstellung zu vindiciren scheint, interessirt uns hier nicht;\nseine diesmal vorgeführten Compositionen aber: eine Fan-\ntasie über Motive aus dem „Freischütz\", einige Kleinig-\nkeiten „Les cloches\", und eine Rhapsodie über ungarische\nThemata (eine Transscription der WTilhelm-Tell-Ouverture\nist wohl kaum hieher zu rechnen) gehören zu dem verwerf-\nlichsten, längst abgeurtheilten Genre, und der junge Mann\nsollte sich derselben um so mehr schämen, als er in frühe-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1264, "texte": "rer Zeit einer edleren Richtung zu huldigen schien, wo-\nfür unter Anderem auch zwei (bei Mechetti erschienene)\nSonaten Zeugniss ablegen sollten, die wir aber nunmehr\nnur als einen der wahren Kunst dargebrachten Respects-\nTribut betrachten können, wie sie denn auch in der\nThat, fast ganz formal, kein tiefes Durchdrungensein vom\nKunstschönen beurkunden und bereits deutlich erkennen\nlassen, wie leicht es dem Componisten einmal möglicher\nWeise werden könnte, jede beliebige andere Bahn einzu-\nschlagen, ohne besondere Gewissensbisse zu verspüren,\nwelchen Verdacht er leider gerechtfertigt hat. Er kündigte\nI\nsein Concert als ein „erstes\" an; ob ihn aber der bei die-\nser Jahreszeit natürlich äusserst leere Saal und der sehr\n\\ . • •\nspärliche Beifall zu Fortsetzungen ermuthigt haben wer-\nden, steht zu erwarten. Demnächst soll Vieuxtemps\nhieher kommen, um einen Cvklus von Concerten zu geben,\nund mit dieser Perspective schliesse ich für diesmal meinen\nBericht, der ausführlicher werden musste, weil er zunächst\nden Boden schildern sollte, auf welchem sich die künftigen\nErscheinungen abheben werden. Ueber diese selbst aber,\nd. h. was sich in ihnen als interessant und bedeutend dar-\nstellt, werde ich Ihnen in der Folge stets getreulichst be-\nrichten.\n\nB. v. d."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "115", "page_fin": "116", "image_debut": 3, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.3", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.3", "debut_caractere": 1266, "fin_caractere_exclue": 5085, "texte": "Berliner Briefe.\n\n(Bevorstehende Opern: Taubert's Joggeli u. s.w.\nDie Stumme von Portici. Frl. Bochkoltz-Falconi.\nTenor Niemann. Neue Psalmen von Meyerbeer und\nEmil Naumann. Rhythmische Choräle.)\nDen 24. September.\nDie letztvergangene Zeit war an Musik die ärmste\nwährend des ganzen Jahres. Die Concertmusik schweigt\ngänzlich, und an der Oper sind noch halbe Ferien, da Frau\nKöster und Frl. Wagner ihre Urlaubsreisen noch nicht\nbeendigt haben. Erstere kehrt indessen in acht Tagen zu-\nrück und wird dann zunächst als Fidelio auftreten; kurze\nZeit darauf wird Taubert's neue dreiactige Oper „Jog-\ngeli\" (Text von Dr. Köster) in Scene gehen. Wir sind\n\\\ngespannt auf dieses Werk, das seinem Genre nach mit Tau-\nbert's besten Leistungen verwandt ist. Es ist eine Dorfge-\nschichte im modernen Geschmack, in der die Hauptträger\nder Handlung mit ihrem reinen und weichen Gemüthe ihren\nGegensatz in Personen finden, die mit realistischer Gerad-\nheit gezeichnet sind. Der Text ist voller Leben und bietet\nzahlreiche musicalische Situationen dar. Der Componist hat\nsowohl den Dialog als auch die bloss recitativische Behand-\nlung verschmäht; wir werden nichts als wirkliche Musik\nhören, die im Ganzen allerdings, wie es der Stoff verlangt,\nleicht und mitunter dem Liedartigen sich nähernd gearbei-\ntet ist, aber stets feste Formen hat. Einzelne Nummern, die\nich am Ciavier kennen zu lernen Gelegenheit hatte, sind\nvon dem feinsten Humor erfüllt. Dem Joggeli wird, neu\neinstudirt, Gretry's Richard Löwenherz folgen, diesem\nder Rübezahl von Flotow. Im Laufe des Winters wer-\nden Dorn's Nibelungen zur Aufführung kommen.\nDie einzige Neuigkeit, die wir in dieser Zeit hatten, war die\nStumme von Portici. Für die Musik selbst ist kein über-\ngrosser Werth darauf zu legen, dass Auber's berühmteste\nOper wieder in Scene gesetzt worden; denn der Kunst ist\nnur mit Werken gedient, die ihre Idee vollständig oder we-\nnigstens in sehr hohem Grade realisirt haben; aber für den\nmusicalischen Zeitvertreib war es erwünscht. Zu der Höhe\nder historischen Oper konnte sich Auber nicht empor-\nschwingen. Für diese Gattung muss man sich über den Ge-\nschmack an dem Gefälligen und anmuthig Tändelnden er-\nheben können. Man muss den Muth haben, den bitteren\nErnst, die furchtbare Leidenschaft, die historische Collisionen\nhervorruft, auch in Tönen ausdrücken zu können. Einiger\nMaassen traf Auber es noch in so fern glücklich, als er es\nin der Stummen mit einer neapolitanischen Geschichte zu\nthun hatte; im Süden Europa's mag auch in der Entfesselung\nder Leidenschaften noch ein Rest liebenswürdigen Humors\nübrig bleiben. Aber wenn man auch etwas dem Stoff zu\nGute hält, er bleibt immernoch so ernst und erschütternd,\ndass die Musik einen anderen Charakter annehmen musste.\nWeder Auber noch Halevy war der Mann dazu; am besten\nist es bis jetzt Meyerbeer gelungen. So erscheint uns denn\ndie Stumme von Portici als ein Uebergangswerk; die Mu-\nsik, die in Rossini, Boieldieu und Auber heiteren Bestre-\nbungen gedient und sich in dieser Richtung überlebt hatte,\nsuchte sich neuen Reiz und neues Interesse in historischen\nStoffen; nun aber entstand zunächst eine Differenz zwi-\nschen Stoff und musicalischem Gehalt eine Differenz,\nan deren Ueberwindung auch noch die Gegenwart zu ar-\nbeiten hat. Als Bühnenwerk, dem schau- und hörlustigen\nPublicum gegenüber, bleibt indess die Stumme noch immer\nvon grossem Werthe; dies hat sich auch so bewährt, dass\nbis jetzt wohl schon acht Aufführungen Statt gefunden ha-\nben, und es noch immer sehr schwer ist, Billets zu erhal-\nten, obschon die Besetzung der einzelnen Rollen keine aus-\ngezeichnete ist. Form es leistet als Masaniello recht Tüch-\ntiges vom Standpunkte seiner natürlichen Begabung aus;\naber ihm fehlt noch viel, physische Kraft, künstlerische\nAusbildung der Stimme und ein consequent durchgeführtes"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3604, "texte": "Spiel; einzelne Momente sind anerkennungswerth. Frl. M.\nTaglioni gibt die Fenclla zu sehr als Tänzerin, anmuthig\nund geschickt, aber ohne dramatisch-geistiges Gepräge. Sie\nwird in dieser Rolle mit Frl. Arens alterniren, die mor-\ngen zum ersten Male darin auftritt. Die übrigen Hauptrol-\nlen werden von Frau Herren bürg er-Tuczek und den\nHerren Salomon und Krüger gegeben und lassen eben-\nfalls Manches, zum Theil Vieles zu wünschen übrig. Glück-\nlicher Weise ist das Ensemble (Chor, Orchester, Decora-\ntionen, Handlung und Spiel) so vortrefflich, dass der Ein-\ndruck der Oper im Ganzen doch ein sehr guter ist. Man\nvergisst es, auf die einzelnen Partieen einen sonderlichen\nWerth zu legen, und wird genügend durch das Zusammen-\nspiel beschäftigt. Frl. Bochkoltz-Falconi hat ihr\nGastspiel bis vor Kurzem fortgesetzt, aber nur geringen\nEindruck hinterlassen. Ihr Gesang leidet an Mängeln der\nTonbildung, die selbst das grosse Publicum instinetmässig\nherausfühlt; nur wenn man davon zu abstrahiren im Stande\nist, erkennt man manche vortreffliche Eigenschaft, die unter\neiner theilweise so unschönen Hülle, als ihre Gesanges-\nManier es ist, nicht zur Geltung kommen kann. Hr. Salo-\nmon figurirt auf dem Zettel noch immer als Gast; sein\nfestes Gastspiel beginnt mit dem 1. October. Frau Botti-\nch er hat in der letzten Zeit als Elvira im Don Juan ihre\nherrlichen Stimmmittel, die für eine Künstlerin ersten Ran-\nges nicht zu schlecht wären, besser als je zur Geltung ge-\nbracht. Ein neuer Tenor, Hr. Niemann, debütirte in\nder Norma. Er besitzt eine kräftige Stimme, steht aber\nnoch auf einer höchst niedrigen Stufe der Ausbildung, so\ndass er vorläufig zu Solo-Partieen an der Hofbühne wohl\nnoch nicht verwendet werden kann. An der Kroll'schen\nOper und der der Friedrich-Wilhelmstädtischen Bühne ist\nnichts Neues vorgefallen; in den Concerten bei Kroll kamen\ndie Ouvertüre zum Tannhäuser und einige Arrangements\naus dem Lohengrin zur Aufführung.\nAusserdem ist nur noch von einem Concert zu berich-\nten, das der Domchor heute in der Garnisonkirche gab.\nEs kamen verschiedene ältere Stücke zur Aufführung (das\nPopide meusvon Vittoria, das achtstimmige von\nLotti, ein Choral von Eccard, „ 0 Lamm Gottes\", und eine\nMotette von J. M. Bach, „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\"), sodann der 91. Psalm von Meyer beer und der\n/ «i\n55. Psal m von Emil Naumann. Ueber den ersteren,\nder in rein musicalischer Beziehung zu den besten für den\nDomchor componirten gehört, von dem üblichen Kirchen-\nstil aber wesentlich abweicht, habe ich Ihnen bereits früher\nberichtet. Der Naumann'sche Psalm ist höchst wohlklingend\nund nicht ohne religiöse Erhebung. Es spricht sich eine\nharmonische Natur darin aus. Im Einzelnen betrachtet,\nzeigt er aber wenig eigentliche Individualität. Während\nder Dauer des Kirchentages wurden so genannte rhvth-\n\\\nmische Choräle gesungen, d. h. Choräle, die gar keinen\nbestimmten Tact hatten. In dieser Art ist die Umgestaltung\ndes bestehenden Kirchengesanges wohl schwerlich zu billi-\ngen; denn es wäre das dieselbe musicalische Formlosigkeit,\nzu der von einer anderen Seite aus und in etwas anderer\nWeise die modernen radicalen Musiker kommen. Die De-\nclamation darf in der kirchlichen so wenig als in der welt-\nlichen Musik die Grundgesetze der schönen Melodie zerstö-\nren; denn der ausschliesslich sprachliche Accent ist nicht\ndas Vorbild, sondern nur der unentwickelt gebliebene Keim\ndes melodischen. Die Sprache strebt zur Musik hin, ohne\nsie vollständig zu erreichen; darum muss sich die Musik\nentweder über den Standpunkt der Sprache erheben, oder\nsie hört eben auf, gute Musik zu sein.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "116", "page_fin": "119", "image_debut": 4, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.4", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.4", "debut_caractere": 3606, "fin_caractere_exclue": 4941, "texte": "Pariser Briefe.\n\n(Ncue Oper von Vogel. Eröffnung des erneuten\nOpernhauses mit Meyerbeer's Hugenotten.)\nDer Name Vogel lockte mich ins Theätre Lyrique,\num der ersten Vorstellung der ersten Oper dieses jungen\nComponisten beizuwohnen, welche am 3. September Statt\nfand. Die Oper heisst LaMoissoeuse (die Schnit-\nterin), komische Oper in vier Acten und einem Schluss-\nTableau, Text von A. Bourgeois und M. Masson, Musik\nvon V o g e I.\nDas vor zwei Jahren errichtete lyrische Theater, in den\nHänden des Unternehmers Seveste, ist dazu bestimmt, dem\nälteren Theater der komischen Oper Concurrenz zu machen\nund die jüngeren Compositions-Talente zu begünstigen.\nDas Letztere thut es so viel als möglich, hat aber doch, um\nsich zu halten, auch wieder seine Zuflucht zu berühmten\nNamen, z. B. zu Adam, nehmen müssen. Der Gattung von\ndramatischer Poesie, für welche es eigentlich gegründet\nist, bleibt es aber nicht treu; diese neue Oper, „DieSchnit-\nterin'*, ist nichts weniger als komisch. Nach dem Titel\nsollte man ein ländliches Sittengemälde, eine Idylle, erwar-\nten ; im Gegentheil: wir erhalten ein Stück im Charakter\njener krassen, melodramatischen Gattung, welche einen ge-\nwissen Theil des pariser Publicums, der sein Vergnügen\nam Gräulichen, Nervenspannenden, Schaudererregenden,\nVerzerrten hat, anzieht und entzückt, während der gebil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5158, "texte": "detere Theil den Untergang der wahren komischen Oper\ndurch dergleichen Alfanzereien bitter beklagt. Obenein ist\nweder Inhalt noch Bearbeitung neu; den Grundstoff hat\n„Die diebische Elster\" von Rossini dazu hergegeben, und\nFra Diavolo, das Thal von Andorra und die Nachtwandlerin\nziehen auch ihre Fäden durchs Gewebe.\nDie Hauptrolle spielt ein zweiter Cagliostro, hier Bal-\nsamo geheissen, den die Herren Dichter zu einem ganz\ngemeinen Spitzbuben und Landstreicher gemacht haben,\nder jedoch eine fabelhafte magnetische Kraft besitzt, welche\nseiner Meinung nach der Himmel ihm nicht zum Segen\nder Menschheit, sondern zum Vortheil seiner Tasche ver-\nliehen hat. Er erscheint, entdeckt in Michelma, der Schnit-\nterin, welche mit ihren Arbeitsgenossinnen aul den Garben\n'eingeschlafen ist, das empfängliche Subject für sein magne-\ntisches Fluidum, zieht durch seinen Hokuspokus die Schla-\nfende empor von ihrem Lager und: „Was siehst du? siehst\ndu Geld?\" ist seine erste Frage. Die Hellsehende bejaht.\n„Wo?\" Da oben auf dem Söller des Pachters\nMateo. »Hol1 es mir!\" und sie bringt ihm ein Käst-\nchen mit 4000 Zechinen. Alles im magnetischen Schlafe\nwie rührend für die Bewohner des Bastillen-Viertels!\nMateo's Sohn, Giuliani, steht nicht in dem besten Rufe,\nhat sich an eine Herzogin in Rom gehängt, welche auch\nnichts Anderes als eine Spielerin und Spitzbübin ist, und so\nfindet die Beschuldigung des Vaters, der den Sohn des\nDiebstahls zeiht, Glauben. Aber Michelma liebt den Sohn;\nihn zu retten, klagt sie sich selbst an und nimmt eiri Ver-\nbrechen auf sich, welches sie nicht begangen zu haben\nglaubt und doch im Schlafe wirklich begangen hat. 0!\nDie Arme wird verurtheilt und ins Gefängniss geworfen.\nAber Balsamo bricht durchs vergitterte Fenster ein, um\nsie zu retten? Ei nun, am Ende wohl, aber hauptsächlich,\num von ihr durch wiederholtes Hellsehen zu erfahren, wo\ndie 4000 Zechinen hingekommen sind, welche ihm, dem\nHaupt-Spitzbuben, sein Freund, der Neben-Spitzbube, wie-\nder abgestohlen hat. Michelma schläft ein und beschreibt\nden Ort des Verstecks, wo ? in den Katakomben von Rom.\nHu, wie schauerlich! was lässt dieses Wort nicht alles für\nden vierten Act ahnen!\nDer Vorhang geht wieder auf, und wir sind in den\nrömischen Katakomben recht hübsches Local für die\nScene einer komischen Oper! Balsamo tritt auf, zwei Fackeln\nin den Händen! Die eine steckt er in irgend einen Knochen\noder Schädel, um sich hieher zurückzufinden, mit der an-\nderen geht er, seinen gestohlenen Schatz zu suchen. Wer\nkommt? Giuliani, der Pachterssohn. In die Katakomben?\nm\nJa wohl! Warum denn nicht? Er hat seine Herzogin durch-\nschaut, er liebt dafür auf einmal Michelma, hält diese für\ntodt oder so etwas Aehnliches und beschliesst desshalb, zu\nsterben. Wo kann er das besser thun, als in den Katakom-\nben? Er singt eine Romanze und löscht die Fackel des\nBalsamo. Da kommt dieser mit seinen Zechinen zurück\naber, o weh! auch seine Fackel ist fast ausgebrannt: hu!\nsie erlischt wirklich. Allein Balsamo ist nicht der Mann, der\nden Kopf verliert; er ruft Michelma an und magnetisirt die\nEntfernte! Sie gehorcht ihrem Meister und erscheint\nmit einer Fackel ah! Giuliani vergisst seinen Vorsatz,\nsagt den Katakomben mit der Geliebten Adieu, und alle\nDrei retten sich. Aber das ist ja ein Triumph nicht bloss\nder Tugend, sondern auch des Lasters? Warte ein we-\nnig! Nemo ante obitum beatus:kein Mensch weiss, was ihm\nim letzten Acte noch bevorsteht. In unserer Oper erscheint\ndie moralische und poetische Gerechtigkeit in einem Schluss-\nTableau. Ein lebendes Bild zeigt den alten Mateo, der sein\nKästchen mit den Zechinen unter dem Arm hat, und seinen\nSohn und Michelma, von Landleuten umgeben, feierlich\nsegnet, rechts aber eine Gruppe Gensd'armen, welche\nden sauberen Balsamo-Cagliostro bewachen!!\nZu einer solchen Handlung und Scenerie konnte Vo-\ngel natürlich keine Musik schreiben, die sich in den be-\nscheidenen Schranken der komischen Gattung hielt. Sie hat\nmeist den Stil der neueren französischen grossen Oper und\nauch denselben Aufwand an Instrumental-Massen und an\nInstrumental-Lärm, der hier noch mehr ermüdet, als dort,\nweil sich die Sache ja doch nur um sehr kleine persönliche\nInteressen und Ereignisse dreht, und Spitzbuben und Bau-\nern und einer magnetisirten Schnitterin am Ende nichts\nbegegnen kann, was eine solche Prätention der Musik recht-\nfertigt. Auch in den Solo-Gesangstücken ist oft viel zu viel\nHochtrabendes und Anspruchvolles, welches dem Charakter\nder Rollen ganz und gar widerspricht, wie z. B. gleich die\nerste Scene der Michelma, eine grosse Arie in As-dur mit\nChören, obligater Oboe und Flöte, am Schluss voller Co-\nloratur, so wie sie nur eine Prima Donna in der grossen\nOper verlangen kann. Aber freilich, wo ist denn überhaupt\nbei den neueren Componisten von Charakteristik durch die\nMusik noch die Rede?\nTrotz alledem hat die Oper dennoch, und auch mit\nRecht, Vogel unter diejenigen Componisten gestellt, aul\nwelche sich die Aufmerksamkeit der pariser musicalischen\nWelt wenden wird. Man erkennt in ihr ein nicht unge-\nwöhnliches Erfindungs-Talent, glückliche Motive und lebens-\nvolle Melodie; dabei zeugt sie von Einsicht in die drama-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5126, "texte": "tische Behandlung und Verarbeitung des musicalischen\nStoffes, von Verständniss der Effecte der Instrumentation,\nvon gründlichen Kenntnissen in der Composition. Der zweite\nAct hat ein Finale, welches alle diese Eigenschaften am\nglänzendsten ins Licht stellt. Möge der Componist nur den\nUeberreichthum an Musik beschränken und die gar zu üp-\npigen Auswüchse wegschneiden. Er versteht allerdings, die\nMassen auf der Bühne und im Orchester wirken zu lassen;\naber der wahre dramatische Effect kann nur durch Con-\ntraste erzielt werden, welche unmöglich sind, sobald von\nvorn herein alle Schleusen geöffnet werden und der Strom\nin ewigem Brausen bleibt.\nEin Ereigniss war die Wiedereröffnung der grossen\nOper am 12. September. Fast drei Monate und 350,000\nFrcs. sind zur Erneuerung des Innern des Hauses verwandt\nworden. Der Anblick beim Eintritt ist feenhaft von einer\nsolchen Helle der Beleuchtung hat man kaum eine Vor-\nstellung. Ein sehr geschmackvoller, kühn geschwungener\nKronenleuchter von 128 Gasllammen, die sich in Krystall\nund vergoldeter Bronze brechen, und zwei Reihen von Arm-\nleuchtern rings an den Logen bewirken sie. Das Decken-\ngemälde ist vortrefflich; alle übrigen Malereien an den Lo-\ngen sind verschwunden, man sieht nur Weiss und Gold.\nIn den vier Ecken entfalten vier grosse goldene Adler ihre\nFlügel. Alle Draperieen und alle Tapeten sind carmoisin-\nroth. Einen Tempel der Kunst hätten wir nun allerdings\nin würdigster Gestalt; aber wie es um die Restauration des\nRepertoires und der echten Musik in demselben stehen wird,\ndas müssen wir erst abwarten. Soll es bei den fünf Stun-\nden langen, so genannten grossen Opern bleiben, die im\nGrunde nichts Anderes sind, als lebende Bilder in einer ko-\nlossalen Zauber-Laterne, wo Maler und Maschinisten über\ndem Musiker stehen ? oder sollen wir endlich einmal wieder\nwirkliche lyrische Dramen, mit Ernst und Gewissenhaftig-\nkeit gearbeitete Partituren, mit Einem Worte: Musik dort\nhören? Werden die Zugaben fernerhin Hauptsache und die\nComposition Nebensache bleiben? Wird man «dem Ballet\njenes Schaugepränge und jene Virtuosität der Maschinerie\nund Beleuchtungskunst überlassen, und die Oper reinigen\nund zu der alten Einfachheit von Gluck, Sacchini, Spontini\nu. s. w. zurückführen? So weit sind wir gekommen, dass\nwir Spontini's Opern einfach nennen müssen in Bezug auf\nPrunk und Sinnenlust!\nDer Anfang wurde mit Meyerbeer's Hugenot-\nten gemacht. Es war seit dem Jahre 1836, wo dieses\ngewaltige Werk zum ersten Male gegeben wurde, die\nzweihundert dreiunddreissigste Vorstellung desselben in Pa-\nris. Die hiesigen Kenner sprechen noch mit Enthusiasmus\nvon Adolf Nourrit (Raoul), Levasseur (Marcel) und der\nFalcon (Valentine), welche damals darin glänzten. Meyer-\nbeer halte für die jetzige Vorstellung den Proben beige-\nwohnt; in den Blas-Instrumenten hat er im dritten und\nvierten Acte Einiges geändert, das kaum bemerkt wird,\nwenn man nicht im Voraus darauf aufmerksam gemacht\nworden ist, und für das Ballet im dritten Acte ist die Mu-\nsik zu einem neuen Pas de trois hinzugekommen, ein An-\ndante, Allegro und eine Art von Tarantella. Ausserdem\nwar der Chor bis auf 200 Mitglieder verstärkt, was aller-\ndings im vierten Acte eine gewaltige Wirkung machte.\nAuch eine neue Decoration im letzten Acte, eine Kirche,\nin deren durch elektrisches Licht beleuchtetes Inneres man\nhineinschaut, war hinzugefügt, die Ausstattung überhaupt\nso glänzend wie nie.\nIn der Generalprobe ist ein komischer Auftritt vorge-\nfallen. Roger war bekanntlich in Deutschland und hatte\nbis zum 15. Sept. Urlaub. Die Eröffnung des neuen Saa-\nles war auf den 16. bestimmt. Man setzte sie aber später\nschon für den 12. an. Roger bekommt davon Kunde, lässt\nin Deutschland ein paar Hundert Louisd'or im Stich, eilt\nnach Paris und trifft am 11. ein. Gueymard, ebenfalls er-\nster Tenor, hatte unterdessen den Raoul erhalten, studirt,\nprobirt, und stand bereits auf dem Zettel. Roger erscheint\nplötzlich wie ein Geist aus der Versenkung auf der Probe\nund beginnt zu singen. Der Andere stutzt, ist aber nicht\ngesonnen, die Beute fahren zu lassen, und intonirt eben-\nfalls. Roger besteht auf seinem alten Recht als erster Tenor\nund Inhaber der Rolle; Gueymard beruft sich auf den Auf-\ntrag des Directors und den Zettel. Weiteres Probiren, wo-\nbei Beide schweigen. Der Director Roqueplan ist in St.\nGermain. Endlich ist man seines neuen Geschäfts-Genossen,\ndes Hrn. Aigoin, habhaft geworden, und er kommt gerade\nnoch zur rechten Zeit, um ein Duell oder etwas Aehnliches,\nwas sonst wohl auf kleineren Theatern vorfallen soll, zu\nverhindern. Er besänftigt Roger, und Gueymard blieb im\nBesitze; dagegen wurde Jenem der Prophet zum ersten\nWiederauftreten bewilligt.\nGueymard hat sich empor geschwungen. Vor sechs\nJahren kam er nach Paris und kannte kaum die Elemente\nder Musik. Er ist der Sohn eines Handwerkers. Seine\nprächtige Stimme verschaffte ihm Eintritt in das Conserva-\ntorium, wo E. Boulanger sein Hauptlehrer wurde, und aus\nwelchem er nach zwei Jahren unmittelbar zur grossen Oper\nkam. Er ist noch jung und besitzt kolossale Stimmmittel;\nwie lange sie bei dem furchtbaren Aufwände, den er damit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 949, "texte": "treibt, vorhalten werden, muss die Zeit lehren. Als Sänger\nist er mit Roger nicht zu vergleichen, hat aber seit vori-\ngem Jahre bedeutend auch an kunstmässigem Vortrag ge-\nwonnen. Nach Deutschland wird er wahrscheinlich erst\neinmal gehen, wenn seine Stimme pensionsfähig gewor-\nden ist.\nDer 21. September brachte ein neues Ballet: Aelia\nund Mysis, das in Rom oder vielmehr in Ostia spielt und\nso voll von altem Römertrödel, nur nicht Römersinn, ist,\ndass im Leben noch nicht so viel philologische Gelehrsam-\nkeit ausgekramt worden ist, um solch einen Unsinn zu Tage\nzu fördern. Du findest da ein Atrium, Peplum, Didascalen,\nCitharoeden, Tibicines, Triclinium, Sacellum, Lampadopho-\nren, Flamines, Vestales,eine F betitelt\nneris Nupliae,den Eros, Vu etc. etc. im\nschönsten Verein mit den Junkern Fandango und Bolero\nund den Damen Polka und Mazurka ! Das Ding ist zu\ndumm, um mehr als diese paar Zeilen darüber zu sagen.\nDen 25. September 1853.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.5", "titre_corps": "Aus Mailand.", "titre_sommaire": "Aus Mailand.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.7", "debut_caractere": 951, "fin_caractere_exclue": 4774, "texte": "Aus Mailand.\nDen 23. September 1853.\nDie Herbst-Saison im Theater Alla Scala hat am 15. d. Mts.\nmit der Verdi'schen Oper „// Trovatore\" und dem Ballet „L'Arabo\"\nvon den Gebrüdern Asinini ihren Anfang genommen. Der an an-\nderen Orten mit vielem Beifall aufgenommene Trovatore ist neu,\nganz neu für die Scala, die noch vor sehr wenigen Jahren in der\nMusik den Weg vorzuzeichnen und in den wichtigsten Fragen der\nTonkunst den Ausschlag zu geben pflegte. Was uns von entschie-\ndenem Ruf auf diesem Felde die letzte Revolution nicht genom-\nmen, das wurde mit einem Federstriche durch den Abschluss eines\nContractes*) zerstört, der einen Tag früher unterzeichnet wurde,\nals Graf Strassoldo die oberste Leitung der Geschäfte bei der lom-\nbardischen Statthalterei übernahm. Die schleunige Ernennung einer\ntüchtigen Theater-Direclion von Seiten des Grafen Strassoklo konnte\ndem Uebel, dessen Hauptursache in den Contracts-Bedingungen\nselbst lag, nicht steuern, und so mehrten sich die gerechten Klagen\ndes Publicums.\nEs ist eine durch unumstössliche Thalsachen widerlegte An-\nnahme, dass unser Publicum aus politischer Demonstrationssucht\ndie Liebe zum Theater verloren. Wer die weiten Räume des gross-\nartigen Scala-Theaters bei dessen jeweiliger Eröffnung und an sol-\nchen Tagen gesehen, wo dort der rühmlichen Vergangenheit dieser\n~Weltbühne\" entsprechende Vorstellungen gegeben wurden, der\nwird den gegenwärtigen kläglichen Zustand dieses k. k. Theaters\nin ganz anderen Ursachen suchen, als in der vorgeschützten Gleich-\ngültigkeit unseres Publicums für Kunstgenüsse.\nSchnöde Entweihung eines stets den Musen heiligen Tempels,\noder die Vergeudung namhafter, zu edlen Zwecken bestimmter\nGeldsummen hat Mailands gebildete Bevölkerung noch nicht so\nschnell mit ruhigem Blicke zu ertragen gelernt. Das Theater war\nalso auch am vorigen Donnerstag (15.) von erwartungsvollen Zu-\nschauern zum Erdrücken angefüllt, alle Reihen der Logen mit der\nBlüthe unserer Einwohnerschaft besetzt ein Umstand, der al>\nbesonders bezeichnend hervorgehoben werden muss, da sich zu\ndieser Zeit halb Mailand in villeggiatura befindet. Die Vorzüge die-\nser Verdi'schen Oper wurden von unserem Publicum nicht ver-\nkannt, sie konnten sich jedoch nicht in ihrer reichen Fülle geltend\nmachen, weil die bei deren Ausführung verwendeten Kräfte in\nkeiner Weise ausreichten. Die Prima-Donna Gariboldi, der Tenor\nBettini, der Basso Nerini wussten sich, als vollkommen unbefähigt\nfür eine Bühne, wie die der Scala, keinen Beifall durch ihren Vor-\ntrag zu erwerben. Das Ballet machte im ganzen Sinne des Aus-\ndrucks „fiasco spaccato\" und durfte nicht ausspielen. Die Maywood\nwar unpassend placirt und gab diesem schon ohnehin lächerlichen\nMachwerke noch einen sehr komischen Anstrich durch ihren\npraktischen Fall während einer Pirouette. Die äussere Ausstattung\nim Allgemeinen liess, wie gewöhnlich bei dieser Impresa, sehr viel\nzu wünschen übrig. Nur zwei Vorstellungen erlebte der Trovatore;\ndenn schon iDinstag kamen nach zwei zu Proben verwendeten\nRasttagen Verdi's „Masnadieri\" auf die Bühne. Doch auch diese\nfür uns noch neue Composition empfing unser Publicum mit Kälte\nund Unwillen, weil diesmal wieder die thätigen Kunstkräfte der\nScala unwürdig und auch die Ausführung selbst eine ganz verfehlte\nwar. Nur die Prima-Donna, Fanny Gordosa, erwarb sich in der\nRolle Amalia einigen Beifall. Das Haus blieb, die erste Vorstellung\ndes „Trovatore44 und der „Masnadieri\" abgerechnet, an den anderen\nAbenden fast wörtlich leer.\n*) Die beiden Repräsentanten dieser neuen Impresa, deren Will-\nkür die Würde und das begründete Primat der k. k. Theater\nüberliefert wurde, hatte man mit seltenem Scharfblick\naus den untersten Reihen des Orchesters und des Aufsichts-\nPersonals der Bühne gewählt; der im Hintergrunde gehaltene\nCautions-Garant ist ein verschollener Sänger."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "119", "page_fin": "119", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.6", "titre_corps": "Aus Arnheim.", "titre_sommaire": "Aus Arnheim.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.7", "debut_caractere": 4776, "fin_caractere_exclue": 6823, "texte": "Aus Arnheim.\nDen 23. September 1853.\nUnser viertes und letztes Damen-Concert der Sommer-Cäcilia-\nConcerte, worin Fräulein Froschhart und die Herren Hösel und\nTh. Pixis mitwirkten, verschaffte uns einen grossen musicalischen\nGenuss. Frl. Frosch hart, Sängerin aus Leiden und Schülerin\ndes Herrn Lübeck im Haag, sang mit Beifall die Cavatine\naus Lucrezia Borgia, zwei Lieder von Kücken und Dessauer und\n„Air äla memoire de Marie\" von de Beriot. Trotz ihrer schönen\nStimme konnte man doch einige Spuren von Heiserkeit, woran sie\nin Folge einer Erkältung litt, bemerken. Mit Fleiss und Ausdauer\nkann sie eine tüchtige Sängerin werden. Hr. Hösel aus dem Haag\ntrug ein Concertino von Diethe für Oboe und Elegie von Lösch-\nhorn für Cor Anglais vor und erwarb sich wegen seines schönen\nTones und seines geschmackvollen Vortrages grossen und verdienten\nBeifall. Ueber Hrn. Th. Pixis, schon wieder ein willkommener Gast\naus Köln, Ihnen einen Bericht zu erstatten, wäre eigentlich überflüssig,\nda er Ihnen eben so gut bekannt ist, wie er uns bekannt geworden\nist; er trug zwei Piecen von Yieuxtemps und eine von seiner eigenen\nComposition vor. Besonders durch die letztere entzückte er alle\nZuhörer; wir mussten Alles an ihm bewundern: die mit Leichtig-\nkeit überwundenen Schwierigkeiten, seinen edlen, gefühlvollen Vor-\ntrag, seine Bogenlührung und den schönen vollen Ton seines In-\nstrumentes, seines zweiten Ich. Die Herren Th. Pixis, Hösel und\nFroschhart, Flötist, Vater der Sängerin, waren so gütig, in dem\nAllegro der Sinfonia eroica und in der Freischütz-Ouverture mitzu-\nwirken, wodurch nicht allein die Kräfte des Orchesters, sondern\nauch der Eifer der Orchester-Mitglieder sehr gehoben wurde.\nDie Erinnerung an den genussvollen Abend wird eine bleibende\nsein. Unglücklicher Weise war es ein regnerischer Tag, was viele\nLeute davon abhielt, das Concert zu besuchen; sie schienen be-\nfürchtet zu haben, dass man in der schönen Halle des Gebäudes\nMnsis sacrum den Regen fast eben so stark fühlen würde, wie im\nFreien, und ihre Befürchtung war richtig,"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c007", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.7", "titre_corps": "Aus Dessau.", "titre_sommaire": "Aus Dessau.", "signature_source": "Z", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2063, "texte": "Aus Dessau.\nZ.\nDen 1. October 1853.\nDie Abonnements-Concerte haben ihren Anfang genommen, und\nwird in diesen bis Mitte December zur Aufführung gebracht: 1.\nConcert. Ouvertüre zur Zauberflöte. Sinfonie in B. von Beethoven.\n2. Concert. Ouvertüre zu Genovefa von Schumann. Sinfonie in\nh-moll von Ivalliwoda. Concert für vier Hörner von Schumann. —3.\nConcert. Ouvertüre von Mendelssohn zur Heimkehr aus der Fremde.\nNotturno von L. Spohr. Sinfonie in B. von Fr. Schneider. 4.\nConcert. Beethoven's Leonoren-Ouverture. Sinfonie von Mozart.\n5. Concert. Jagd-Ouverture von Fr. Schneider. Sinfonie in F-dur\nvon Beethoven. Quintett von Onslow. 6. Concert. Ouvertüre von\nMendelssohn (Melusine). Sinfonie von Spohr für zwei Orchester.\nDazwischen kommen natürlich noch Instrumental- wie Gcsangs-\nSolo-Vorträge.\nEine nothwendige Vergrösserung und Restauration des herzog-\nlichen Concertsaales macht es nothwendig, dass die Concerte im\nHoftheater Statt finden; das Orchester ist auf der Bühne aufge-\nstellt. Bei der Doppel-Sinfonie von Spohr wird das erste Orchester\nauf der Bühne wirken, das zweite im gewöhnlichen Orchester-\nRaume, was jedenfalls das Verständniss der Composition und ihre\nWirkung erleichtern und erhöhen wird.\nDas neu errichtete Hoftheater zählt tüchtige Kräfte, unter\nAnderen: Frau Stradiot-Mende, Tenorist Beck, und ver-\nspricht eine gute Oper. Wahrscheinlich werden „Der Tannhäuser\"\nund „Die lustigen Weiber\" als neu gegeben werden. Intendant ist\nHr. v. Brandt, Regisseur Steiner, Opern-Verwaltung und Di-\nrection in Händen Fr. Schneider's. Die Proben beginnen im\nOctober, die Saison selbst am 1. November. In den letzten Jahren\nwar namentlich die Oper so vernachlässigt, dass man andere Ver-\nhältnisse unseres Theaterwesens nur wünschen musste.\nIm künftigen Jahre wird in Dessau ein Anhaltisches Mu-\nsikfest abgehalten, wobei das Weltgericht zur Aufführung\nkommen wird. Das Werk wurde seit 1845 hier nicht gegeben,\nund es wird sicher eine Menge von Verehrern dieser herrlichen\nComposition und ihres noch immer rüstigen und thätigen Schöpfers\nherbei ziehen."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-10-08-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-10-08_01#c008", "volume": "bmtnabi_1853-10-08_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "120", "page_fin": "120", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.2.8", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "W", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.8", "debut_caractere": 2065, "fin_caractere_exclue": 5520, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nW.\nIn Frankfurt a. M. endete am Morgen des 26. September\ndie Witwe von Felix Mendelssohn-B arthold y, geborene\nJcanrenaud, im Kreise ihrer Familie, in der man bereits seit\nmehreren Monaten ihrer Auflösung entgegen sah. Sie starb an der\nAuszehrung. An demselben Abende wurde zufällig im Theater Sha-\nSommcrnachtstraum mit Mendelssohn's Musik aufgeführt.\nDas Begräbniss fand auf eine prunklose, aber ergreifende Weise\nStatt. Von dem Sterbchause aus bewegte sich der Zug der zahl-\nreichen Leidtragenden zu Fuss nach dem Friedhofe. Dort wurde\ndie Leiche in der Mitte einer Capelle, nahe dem Eingange zum\nKirchhofe, niedergcstellt, und der Prediger der französischen Ge-\nmeinde, zu welcher die Familie der \\ erstorbenen gehört, sprach\neinige gehaltvolle Worte der Erinnerung an die Dahingeschiedene\nund ihren verewigten Gatten und schloss mit einem innigen Ge-\nbete. Dann setzte sich der Zug nach dem Grabe in Bewegung; ein\nChoral von vier Hörnern, welche verdeckt aufgestellt waren, brei-\ntete seine feierlichen Töne über die stille Menge hin. Bei der Ein-\nsenkung des Sarges sangen die vier ersten Sänger der Oper einen\nChoral, Blumen fielen aus den Händen schwarzgekleideter Frauen\nins offene Grab, der Geistliche sprach noch ein kurzes Gebet, dann\nstimmten die Sänger das schöne Lied Mendelssohn's an: „Es ist\nbestimmt in Gottes Rath\", welches Herr Capcllmeister Gustav\nSchmidt für vier Männerstimmen gesetzt hatte.\nÄÖIÄ. In der letzten Theaterwoche sahen wir nach langen\nJahren Cherubinis Wasserträger einmal wieder. Das Haus\nwar ausverkauft, und eine Menge Menschen mussten sich auf die\nWiederholung vertrösten. Die Aufführung war gelungen, in einigen\nStücken, z. B. dem Final-Sextett des ersten Actes, sehr gut. Hr.\nSchmidt als Micheli bewährte sich als Sänger und Schauspieler;\nFrau Schmidt war im Ganzen eine treffliche Constanze, ihre volle\nStimme gewinnt sich mit Recht immer mehr Freunde; in dem\nDuett aus D hätten wir etwas mehr Feuer gewünscht. Ausser die-\nser herrlichen Oper, welche beim Publicum zur Ehre desselben\nsei es gesagt eine begeisterte Aufnahme fand, hörten wir noch\nBellini's Norma und Flotow's Stradella. In der Norma be-\nfriedigte Frau Schmidt; Hr. Kahle entwickelte als Sever eine\nKraft, die wir ihm wohl zutrauten, aber doch nicht in solchem\nGrade vorhanden vermutheten. Er wurde bei offener Scene gerufen.\nEin Fräul. Meyer debutirte ohne Erfolg als Adalgisa. Wie kann\naber ein so tüchtiger Opern-Regisseur, wie Hr. Röder, zugeben,\ndass Hr. Krön (als Stradella sonst'recht brav) den schönsten Satz\nin der Schluss-Scene streicht??\n** Frankfurt a. M. F. Hiller war einige Tage in seiner\nVaterstadt, welche er seit langer Zeit nicht besucht hatte. Wir hat-\nten Gelegenheit, mehrere seiner neueren Compositionen in einer\nAbend-Unterhaltung im Saale des Hauses Mozart, Donnerstag, den\n29. September, wozu er seine Freunde und die musicalischcn Nota-\nbilitäten eingeladen hatte, zu hören. Von den vorgetragenen Stücken\nsprachen die „Huit mesures variees\" (eine gute Arbeit), die „rhyth-\nmischen Studien\" (bei welchen wir nur den Titel nicht zu deuten\nvermögen, da das Ganze mehr für eine interessante Spielerei als\nfür eine Sache ernster „Studien\" zu halten ist) und die „Ghaselen\"\nam meisten an. Ausserdem spielte er noch mit Hrn. Wolff ein\nDuetto appassioncito für Piano und Violine, mit den Herren W.\nund Siedentopf (Cello) eine Serenade, dann eine Solo-Sonate, und\ngab zuletzt eine freie Phantasie."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "113", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.1", "texte": "Zu Beethoven’s Missa in D.\nA. Schindler.\nDen Mitwirkenden am Niederrheinischen Musikfeste\n1844 zu Köln dürfte der in der letzten General-Probe\nzwischen dem Fest-Dirigenten, Herrn Capellmeister Dorn,\nund dem Unterzeichneten Statt gehabte Vorfall in Betreff\ndes Tempo beim Benedictus dieser Missa noch erinnerlich\nsein. Wie verdriessüch auch derselbe für Herrn Dorn sein\nmochte, so musste ich doch meinerseits davon absehen und\nzu retten suchen, wenn für den Charakter dieses Satzes,\nder in einem hinkenden Largodahingeschleppt wurde, noch\netwas zu retten möglich war. Lange Beschäftigung mit der\nOriginal-Partitur, die ich vom ersten Tacte an entstehen\nsah, hatte mich hinreichend belehrt, dass das in der ge-\ndruckten Partitur leider fehlende Tempo des fraglichen\nSatzes ein Andante sei. Als solches gab ich es demnach\nbei jenem Vorfalle auf dem kölner Gürzenich an, bezeich-\nnete es aber bei Mittheilung dieser Begebenheit im sechs-\nten Hefte des Hirschbach'schen „Repertorium für Musik\"\n1844 noch genauer mit Andante Ich führte an,\ndass ein Missverständniss bei diesem Satze nicht obwalten\nkönne, wenn der Dirigent a)die heitere Tonart\ndie breiten Formen des r%-Tactes sammt der dort herr-\nschenden rhythmischen Bewegung der Tonfiguren, die die\nSingstimmen wie in einem Rahmen umfassende obligate\nVioline, obendrein d)die in der neueren Kirchenmusik fast\nimmer sich gleich bleibende Behandlung der Textesworte:\nBenedictus qid venit etc., in heiterer, kindlich-frommer\nWeise, u. A. m. beachte, was Alles zusammen sichere\nKennzeichen lür das entsprechende Tempo abgebe.\nDem Forschungseifer des Herrn Prof. Otto Jahn in\nSachen der drei Grossmeister verdanken wir nun auch die\nAusfüllung dieser empfindlichen Lücke in der Missa solem-\nnis. Beim Durchlesen jüngst der Briefe Beethoven's an die\nVerleger dieses Werkes, die Herren Schott in Mainz, stiess\nnämlich Herr Jahn in einem derselben vom \"26. Januar\n1825 auf folgende Stelle:\n„Das Tempo vom Benedictus, Andante molto\ncantabile e non tropp ist vielleicht\nauch nicht angedeutet.\"\nZum Beleg schliesse ich für die Redaction d. Z. Jahn's\nZuschrift an mich bei [die wir mit Vergnügen eingesehen\nhaben. Die Redact.].\nWir erfahren somit vom Componisten selber, was wir\nzu wissen brauchen, und wenn ich nicht verfehle, diese\nbedeutsame Entdeckung ohne Verzug bekannt zu machen,\nso darf es ohne eine die mainzer Verlagshandlung treffende\nRüge nicht geschehen, die Beethoven's Tempo-Bezeichnung\nunbeachtet lassen konnte. Und doch ist die Missa erst 1827\nin Druck erschienen. Welche Schicksale mag der fragliche\nSatz seitdem erfahren haben, da die Herren Dirigenten\naller Orten, wo das Werk zur Aufführung gekommen, das\ndem vorausgehenden Präludium beigesetzte\nauch für das dem sich anschliessenden zugehö-\nrige Tempo hielten!\n\nWiener Briefe.\n\n(Wiens musicalischer Status quo. — Schluss. S. Nr. 14.)\nSo glaube ich denn, dass sich schon der bevorstehende\nWinter, die Oper allein vielleicht ausgenommen, ziemlich\ninteressant und reichhaltig gestalten dürfte; man spricht\nvon Aufführung der neunten Sinfonie, Cornet soll sich viele\nMühe geben, eine der Wagner'schen Opern zur Darstel-\nlung bringen zu können, wogegen hier das grösste Hinder-\nniss nur in der politischen Stellung besteht, welche Wag-\nner mit so vieler Ostentation eingenommen hat, und von\nRob. Schumann dürfte, wie ich aus verlässlicher Quelle\nweiss, wenigstens auf Eines seiner grösseren Werke, und\nsonst noch auf manches Andere zu rechnen sein. Die\n/\nOper allein vielleicht ausgenommen, sagte ich oben; denn\ngerade hier, wo eine Reformation in dem bestehenden Re-\npertoire und in dem darstellenden, namentlich dem weib-\nlichen Personale am dringendsten nothwendig wäre, ist un-"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "114", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.2", "texte": "sere Zuversicht auf eine Besserung der Verhältnisse am\nschwächsten. An den Directions-Antritt Cornet's wurden\ngrosse Hoffnungen geknüpft, aber Gott weiss, wie lange er\ndie Verwirklichung derselben hinausschieben wird. That-\nsache ist, dass in der verflossenen Sommer-Saison fast mehr\nitaliänische als deutsche Opern gegeben wurden und dass\nGornet vorläufig mit besonderer Vorliebe auf Restaurirung\nitaliänischer und französischer Opernwerke bedacht zu sein\nscheint. Mit Boieldieu's „Weisser Frau\" debiitirte er, und\nseitdem folgte nun Auber's „Maurer und Schlosser,\" zu-\nnächst aber sollen Auber's „Pferd von Erz\" und Doni-\nzetti's „Favorite\" in Scene gehen. Ob und wann er aber\nGluck, Cherubini, Cimarosa, Spontini, Spohr, Marschner\nund so manche Andere unserer Bühne wiederzugeben ge-\ndenkt, davon verlautet bis jetzt nicht das Allermindeste.\nDurch die Aufführung der trefflichen Operette Mendels-\n„Heimkehr aus der Fremde\" als Probe-Vorstellung\nvon den Zöglingen unserer Akademie der Tonkunst hat die\nHof-Opernbühne ohnedies wieder eine nach meiner Mei-\nnung schimpfliche Schlappe erlitten, welche vollkommen zu\nempfinden, sie vielleicht nur ihre langjährige Abhärtung hin-\ndert, und eine zweite steht ihr nächstens darin bevor, dass\nWagner's Tannhäuser auf einer Provincialbühne zweiten\nRanges, in Gratz nämlich, gegeben werden soll! Uebrigens\nverlautet sogar ein Gerücht, dessen reelle Basis ich jedoch\nnicht zu bestätigen vermag, dass Cornet's Stellung jetzt be-\nreits eine problematische geworden sei. Vor mehreren\nMonaten ist hier ein zweibändiges Werkchen (bei Gress)\nerschienen: „Recensionen und allgemeine Be-\nmerkungen über Theater und Musik\", mit dessen\nunbenanntem Verfasser ich mich fast in Allem einverstan-\nden erklären muss. Er führt in demselben die von mir hier\nberührten Punkte weitläufiger aus, zwar zuweilen mit her-\nber Schärfe, aber doch durchaus mit Anstand und Mässi-\ngung, wahrheitsgetreu und offenbar parteilos. Mit grossem\nRechte weis't er namentlich auch auf die Beschämung hin,\nwelche für uns daraus entsteht, dass zwei Männer von no-\ntorischer Unfähigkeit einerseits und gänzlicher Unbedeu-\ntendheit andererseits, wie die Herren Assmayer und Rand-\nhartinger, noch immer als Vorsteher des ersten musicali-\nschen Institutes der Residenz fungiren und uns z. B. in\ngrossen alljährlich wiederkehrenden, meist von dem erste-\nren dirigirten oder vielmehr nicht dirigirten Concerten seit\nmehr als einem Decennium zur Belustigung des Aus- und\nintelligenten Inlandes fast nichts mehr geboten haben, als\nin stetem Wechsel Haydn's „Schöpfung\" und „Jahreszei-\nten \", welche grasse Einseitigkeit doch gewiss Niemand trotz\naller Bewunderung für die wahrhafte Grösse dieser Werke\nbilligen wird.\nZum Schlüsse dieser Zeilen will ich Ihnen nur noch\nein paar Worte über die jüngsten musicalischen Neuigkei-\nten des Tages mittheilen. Dass Fräul. Johanna Wag-\nner gegenwärtig hier gastirt, werden Sie wissen. Dieselbe\nist bereits ein Mal und zwar in Bellini's „Montecchi und\nCapuleti\" als Romeo aufgetreten. Ob wir den ausserge-\nwöhnlichen Ruf, welcher dieser Künstlerin voran ging, als\nvöllig gerechtfertigt werden betrachten können, lässt sich\nnach dieser Einen Leistung freilich noch nicht beurtheilen.\nSo viel ist gewiss, dass sie im Besitze eines äusserst mäch-\ntigen, metallreichen, besonders in der Tiefe und Mittellage\nausnehmend schönen Organes ist, welchem jedoch zugleich\neinige Sprödigkeit und daraus resultirende zu geringe Mo-\ndulationsfähigkeit beigemischt scheint, so dass ihre Sing-\nweise etwas hart und monoton wird. Unser Publicum zollte\nihr nach der Entree-Arie des ersten Actes, welche ihr volle\nGelegenheit zur Entfaltung ihrer gewaltigen Stimmmittel\nbot, rauschenden Beifall, welcher sich aber im Laufe der\nVorstellung etwas herabstimmte und erst in der Schluss-\nscene der Oper wieder erwärmte, in welcher sie denn auch\nihr dramatisches Gestaltungs-Talent unverkennbar beurkun-\ndete, wie sie überhaupt eine gute Schauspielerin ist. Ein\nerschöpfendes Urtheil wird sich, wie gesagt, erst nach meh-\nreren Leistungen fällen lassen. Bemerken aber muss ich\nnoch, dass Frau Marlow durch die äusserst gelungene,\nverständnissreiche und gefühlsinnige Darstellung der Giu-\nlietta wahrhaft überraschte und entzückte. Die Oper selbst,\nbei uns seit einer Reihe von Jahren nicht mehr gehört,\nwollte diesmal selbst bei den specifischen Verehrern italiä-\nnischer und speciel Bellini'scher Musik keinen rechten An-\nklang finden, und man nannte dieselbe etwas monoton und\nlangweilig. Endlich ist noch zu berichten, dass ein\nHr. Gustav Satter, hier seit früheren Jahren her schon be-\nkannt, dieser Tage als Pianist und Compositeur und zu-\ngleich als Vorbote unserer winterlichen Concert-Saison auf-\ntrat. Seine Eigenschaft als Pianist, obwohl dieselbe eine\nziemlich rühmliche ist, ihm jedoch vorläufig keine Welt-\nstellung zu vindiciren scheint, interessirt uns hier nicht;\nseine diesmal vorgeführten Compositionen aber: eine Fan-\ntasie über Motive aus dem „Freischütz\", einige Kleinig-\nkeiten „Les cloches\", und eine Rhapsodie über ungarische\nThemata (eine Transscription der WTilhelm-Tell-Ouverture\nist wohl kaum hieher zu rechnen) gehören zu dem verwerf-\nlichsten, längst abgeurtheilten Genre, und der junge Mann\nsollte sich derselben um so mehr schämen, als er in frühe-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "115", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.3", "texte": "rer Zeit einer edleren Richtung zu huldigen schien, wo-\nfür unter Anderem auch zwei (bei Mechetti erschienene)\nSonaten Zeugniss ablegen sollten, die wir aber nunmehr\nnur als einen der wahren Kunst dargebrachten Respects-\nTribut betrachten können, wie sie denn auch in der\nThat, fast ganz formal, kein tiefes Durchdrungensein vom\nKunstschönen beurkunden und bereits deutlich erkennen\nlassen, wie leicht es dem Componisten einmal möglicher\nWeise werden könnte, jede beliebige andere Bahn einzu-\nschlagen, ohne besondere Gewissensbisse zu verspüren,\nwelchen Verdacht er leider gerechtfertigt hat. Er kündigte\nI\nsein Concert als ein „erstes\" an; ob ihn aber der bei die-\nser Jahreszeit natürlich äusserst leere Saal und der sehr\n\\ . • •\nspärliche Beifall zu Fortsetzungen ermuthigt haben wer-\nden, steht zu erwarten. Demnächst soll Vieuxtemps\nhieher kommen, um einen Cvklus von Concerten zu geben,\nund mit dieser Perspective schliesse ich für diesmal meinen\nBericht, der ausführlicher werden musste, weil er zunächst\nden Boden schildern sollte, auf welchem sich die künftigen\nErscheinungen abheben werden. Ueber diese selbst aber,\nd. h. was sich in ihnen als interessant und bedeutend dar-\nstellt, werde ich Ihnen in der Folge stets getreulichst be-\nrichten.\n\nB. v. d.\n\nBerliner Briefe.\n\n(Bevorstehende Opern: Taubert's Joggeli u. s.w.\nDie Stumme von Portici. Frl. Bochkoltz-Falconi.\nTenor Niemann. Neue Psalmen von Meyerbeer und\nEmil Naumann. Rhythmische Choräle.)\nDen 24. September.\nDie letztvergangene Zeit war an Musik die ärmste\nwährend des ganzen Jahres. Die Concertmusik schweigt\ngänzlich, und an der Oper sind noch halbe Ferien, da Frau\nKöster und Frl. Wagner ihre Urlaubsreisen noch nicht\nbeendigt haben. Erstere kehrt indessen in acht Tagen zu-\nrück und wird dann zunächst als Fidelio auftreten; kurze\nZeit darauf wird Taubert's neue dreiactige Oper „Jog-\ngeli\" (Text von Dr. Köster) in Scene gehen. Wir sind\n\\\ngespannt auf dieses Werk, das seinem Genre nach mit Tau-\nbert's besten Leistungen verwandt ist. Es ist eine Dorfge-\nschichte im modernen Geschmack, in der die Hauptträger\nder Handlung mit ihrem reinen und weichen Gemüthe ihren\nGegensatz in Personen finden, die mit realistischer Gerad-\nheit gezeichnet sind. Der Text ist voller Leben und bietet\nzahlreiche musicalische Situationen dar. Der Componist hat\nsowohl den Dialog als auch die bloss recitativische Behand-\nlung verschmäht; wir werden nichts als wirkliche Musik\nhören, die im Ganzen allerdings, wie es der Stoff verlangt,\nleicht und mitunter dem Liedartigen sich nähernd gearbei-\ntet ist, aber stets feste Formen hat. Einzelne Nummern, die\nich am Ciavier kennen zu lernen Gelegenheit hatte, sind\nvon dem feinsten Humor erfüllt. Dem Joggeli wird, neu\neinstudirt, Gretry's Richard Löwenherz folgen, diesem\nder Rübezahl von Flotow. Im Laufe des Winters wer-\nden Dorn's Nibelungen zur Aufführung kommen.\nDie einzige Neuigkeit, die wir in dieser Zeit hatten, war die\nStumme von Portici. Für die Musik selbst ist kein über-\ngrosser Werth darauf zu legen, dass Auber's berühmteste\nOper wieder in Scene gesetzt worden; denn der Kunst ist\nnur mit Werken gedient, die ihre Idee vollständig oder we-\nnigstens in sehr hohem Grade realisirt haben; aber für den\nmusicalischen Zeitvertreib war es erwünscht. Zu der Höhe\nder historischen Oper konnte sich Auber nicht empor-\nschwingen. Für diese Gattung muss man sich über den Ge-\nschmack an dem Gefälligen und anmuthig Tändelnden er-\nheben können. Man muss den Muth haben, den bitteren\nErnst, die furchtbare Leidenschaft, die historische Collisionen\nhervorruft, auch in Tönen ausdrücken zu können. Einiger\nMaassen traf Auber es noch in so fern glücklich, als er es\nin der Stummen mit einer neapolitanischen Geschichte zu\nthun hatte; im Süden Europa's mag auch in der Entfesselung\nder Leidenschaften noch ein Rest liebenswürdigen Humors\nübrig bleiben. Aber wenn man auch etwas dem Stoff zu\nGute hält, er bleibt immernoch so ernst und erschütternd,\ndass die Musik einen anderen Charakter annehmen musste.\nWeder Auber noch Halevy war der Mann dazu; am besten\nist es bis jetzt Meyerbeer gelungen. So erscheint uns denn\ndie Stumme von Portici als ein Uebergangswerk; die Mu-\nsik, die in Rossini, Boieldieu und Auber heiteren Bestre-\nbungen gedient und sich in dieser Richtung überlebt hatte,\nsuchte sich neuen Reiz und neues Interesse in historischen\nStoffen; nun aber entstand zunächst eine Differenz zwi-\nschen Stoff und musicalischem Gehalt eine Differenz,\nan deren Ueberwindung auch noch die Gegenwart zu ar-\nbeiten hat. Als Bühnenwerk, dem schau- und hörlustigen\nPublicum gegenüber, bleibt indess die Stumme noch immer\nvon grossem Werthe; dies hat sich auch so bewährt, dass\nbis jetzt wohl schon acht Aufführungen Statt gefunden ha-\nben, und es noch immer sehr schwer ist, Billets zu erhal-\nten, obschon die Besetzung der einzelnen Rollen keine aus-\ngezeichnete ist. Form es leistet als Masaniello recht Tüch-\ntiges vom Standpunkte seiner natürlichen Begabung aus;\naber ihm fehlt noch viel, physische Kraft, künstlerische\nAusbildung der Stimme und ein consequent durchgeführtes"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "116", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.4", "texte": "Spiel; einzelne Momente sind anerkennungswerth. Frl. M.\nTaglioni gibt die Fenclla zu sehr als Tänzerin, anmuthig\nund geschickt, aber ohne dramatisch-geistiges Gepräge. Sie\nwird in dieser Rolle mit Frl. Arens alterniren, die mor-\ngen zum ersten Male darin auftritt. Die übrigen Hauptrol-\nlen werden von Frau Herren bürg er-Tuczek und den\nHerren Salomon und Krüger gegeben und lassen eben-\nfalls Manches, zum Theil Vieles zu wünschen übrig. Glück-\nlicher Weise ist das Ensemble (Chor, Orchester, Decora-\ntionen, Handlung und Spiel) so vortrefflich, dass der Ein-\ndruck der Oper im Ganzen doch ein sehr guter ist. Man\nvergisst es, auf die einzelnen Partieen einen sonderlichen\nWerth zu legen, und wird genügend durch das Zusammen-\nspiel beschäftigt. Frl. Bochkoltz-Falconi hat ihr\nGastspiel bis vor Kurzem fortgesetzt, aber nur geringen\nEindruck hinterlassen. Ihr Gesang leidet an Mängeln der\nTonbildung, die selbst das grosse Publicum instinetmässig\nherausfühlt; nur wenn man davon zu abstrahiren im Stande\nist, erkennt man manche vortreffliche Eigenschaft, die unter\neiner theilweise so unschönen Hülle, als ihre Gesanges-\nManier es ist, nicht zur Geltung kommen kann. Hr. Salo-\nmon figurirt auf dem Zettel noch immer als Gast; sein\nfestes Gastspiel beginnt mit dem 1. October. Frau Botti-\nch er hat in der letzten Zeit als Elvira im Don Juan ihre\nherrlichen Stimmmittel, die für eine Künstlerin ersten Ran-\nges nicht zu schlecht wären, besser als je zur Geltung ge-\nbracht. Ein neuer Tenor, Hr. Niemann, debütirte in\nder Norma. Er besitzt eine kräftige Stimme, steht aber\nnoch auf einer höchst niedrigen Stufe der Ausbildung, so\ndass er vorläufig zu Solo-Partieen an der Hofbühne wohl\nnoch nicht verwendet werden kann. An der Kroll'schen\nOper und der der Friedrich-Wilhelmstädtischen Bühne ist\nnichts Neues vorgefallen; in den Concerten bei Kroll kamen\ndie Ouvertüre zum Tannhäuser und einige Arrangements\naus dem Lohengrin zur Aufführung.\nAusserdem ist nur noch von einem Concert zu berich-\nten, das der Domchor heute in der Garnisonkirche gab.\nEs kamen verschiedene ältere Stücke zur Aufführung (das\nPopide meusvon Vittoria, das achtstimmige von\nLotti, ein Choral von Eccard, „ 0 Lamm Gottes\", und eine\nMotette von J. M. Bach, „Ich weiss, dass mein Erlöser\nlebt\"), sodann der 91. Psalm von Meyer beer und der\n/ «i\n55. Psal m von Emil Naumann. Ueber den ersteren,\nder in rein musicalischer Beziehung zu den besten für den\nDomchor componirten gehört, von dem üblichen Kirchen-\nstil aber wesentlich abweicht, habe ich Ihnen bereits früher\nberichtet. Der Naumann'sche Psalm ist höchst wohlklingend\nund nicht ohne religiöse Erhebung. Es spricht sich eine\nharmonische Natur darin aus. Im Einzelnen betrachtet,\nzeigt er aber wenig eigentliche Individualität. Während\nder Dauer des Kirchentages wurden so genannte rhvth-\n\\\nmische Choräle gesungen, d. h. Choräle, die gar keinen\nbestimmten Tact hatten. In dieser Art ist die Umgestaltung\ndes bestehenden Kirchengesanges wohl schwerlich zu billi-\ngen; denn es wäre das dieselbe musicalische Formlosigkeit,\nzu der von einer anderen Seite aus und in etwas anderer\nWeise die modernen radicalen Musiker kommen. Die De-\nclamation darf in der kirchlichen so wenig als in der welt-\nlichen Musik die Grundgesetze der schönen Melodie zerstö-\nren; denn der ausschliesslich sprachliche Accent ist nicht\ndas Vorbild, sondern nur der unentwickelt gebliebene Keim\ndes melodischen. Die Sprache strebt zur Musik hin, ohne\nsie vollständig zu erreichen; darum muss sich die Musik\nentweder über den Standpunkt der Sprache erheben, oder\nsie hört eben auf, gute Musik zu sein.\n\nG. E.\n\nPariser Briefe.\n\n(Ncue Oper von Vogel. Eröffnung des erneuten\nOpernhauses mit Meyerbeer's Hugenotten.)\nDer Name Vogel lockte mich ins Theätre Lyrique,\num der ersten Vorstellung der ersten Oper dieses jungen\nComponisten beizuwohnen, welche am 3. September Statt\nfand. Die Oper heisst LaMoissoeuse (die Schnit-\nterin), komische Oper in vier Acten und einem Schluss-\nTableau, Text von A. Bourgeois und M. Masson, Musik\nvon V o g e I.\nDas vor zwei Jahren errichtete lyrische Theater, in den\nHänden des Unternehmers Seveste, ist dazu bestimmt, dem\nälteren Theater der komischen Oper Concurrenz zu machen\nund die jüngeren Compositions-Talente zu begünstigen.\nDas Letztere thut es so viel als möglich, hat aber doch, um\nsich zu halten, auch wieder seine Zuflucht zu berühmten\nNamen, z. B. zu Adam, nehmen müssen. Der Gattung von\ndramatischer Poesie, für welche es eigentlich gegründet\nist, bleibt es aber nicht treu; diese neue Oper, „DieSchnit-\nterin'*, ist nichts weniger als komisch. Nach dem Titel\nsollte man ein ländliches Sittengemälde, eine Idylle, erwar-\nten ; im Gegentheil: wir erhalten ein Stück im Charakter\njener krassen, melodramatischen Gattung, welche einen ge-\nwissen Theil des pariser Publicums, der sein Vergnügen\nam Gräulichen, Nervenspannenden, Schaudererregenden,\nVerzerrten hat, anzieht und entzückt, während der gebil-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "117", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.5", "texte": "detere Theil den Untergang der wahren komischen Oper\ndurch dergleichen Alfanzereien bitter beklagt. Obenein ist\nweder Inhalt noch Bearbeitung neu; den Grundstoff hat\n„Die diebische Elster\" von Rossini dazu hergegeben, und\nFra Diavolo, das Thal von Andorra und die Nachtwandlerin\nziehen auch ihre Fäden durchs Gewebe.\nDie Hauptrolle spielt ein zweiter Cagliostro, hier Bal-\nsamo geheissen, den die Herren Dichter zu einem ganz\ngemeinen Spitzbuben und Landstreicher gemacht haben,\nder jedoch eine fabelhafte magnetische Kraft besitzt, welche\nseiner Meinung nach der Himmel ihm nicht zum Segen\nder Menschheit, sondern zum Vortheil seiner Tasche ver-\nliehen hat. Er erscheint, entdeckt in Michelma, der Schnit-\nterin, welche mit ihren Arbeitsgenossinnen aul den Garben\n'eingeschlafen ist, das empfängliche Subject für sein magne-\ntisches Fluidum, zieht durch seinen Hokuspokus die Schla-\nfende empor von ihrem Lager und: „Was siehst du? siehst\ndu Geld?\" ist seine erste Frage. Die Hellsehende bejaht.\n„Wo?\" Da oben auf dem Söller des Pachters\nMateo. »Hol1 es mir!\" und sie bringt ihm ein Käst-\nchen mit 4000 Zechinen. Alles im magnetischen Schlafe\nwie rührend für die Bewohner des Bastillen-Viertels!\nMateo's Sohn, Giuliani, steht nicht in dem besten Rufe,\nhat sich an eine Herzogin in Rom gehängt, welche auch\nnichts Anderes als eine Spielerin und Spitzbübin ist, und so\nfindet die Beschuldigung des Vaters, der den Sohn des\nDiebstahls zeiht, Glauben. Aber Michelma liebt den Sohn;\nihn zu retten, klagt sie sich selbst an und nimmt eiri Ver-\nbrechen auf sich, welches sie nicht begangen zu haben\nglaubt und doch im Schlafe wirklich begangen hat. 0!\nDie Arme wird verurtheilt und ins Gefängniss geworfen.\nAber Balsamo bricht durchs vergitterte Fenster ein, um\nsie zu retten? Ei nun, am Ende wohl, aber hauptsächlich,\num von ihr durch wiederholtes Hellsehen zu erfahren, wo\ndie 4000 Zechinen hingekommen sind, welche ihm, dem\nHaupt-Spitzbuben, sein Freund, der Neben-Spitzbube, wie-\nder abgestohlen hat. Michelma schläft ein und beschreibt\nden Ort des Verstecks, wo ? in den Katakomben von Rom.\nHu, wie schauerlich! was lässt dieses Wort nicht alles für\nden vierten Act ahnen!\nDer Vorhang geht wieder auf, und wir sind in den\nrömischen Katakomben recht hübsches Local für die\nScene einer komischen Oper! Balsamo tritt auf, zwei Fackeln\nin den Händen! Die eine steckt er in irgend einen Knochen\noder Schädel, um sich hieher zurückzufinden, mit der an-\nderen geht er, seinen gestohlenen Schatz zu suchen. Wer\nkommt? Giuliani, der Pachterssohn. In die Katakomben?\nm\nJa wohl! Warum denn nicht? Er hat seine Herzogin durch-\nschaut, er liebt dafür auf einmal Michelma, hält diese für\ntodt oder so etwas Aehnliches und beschliesst desshalb, zu\nsterben. Wo kann er das besser thun, als in den Katakom-\nben? Er singt eine Romanze und löscht die Fackel des\nBalsamo. Da kommt dieser mit seinen Zechinen zurück\naber, o weh! auch seine Fackel ist fast ausgebrannt: hu!\nsie erlischt wirklich. Allein Balsamo ist nicht der Mann, der\nden Kopf verliert; er ruft Michelma an und magnetisirt die\nEntfernte! Sie gehorcht ihrem Meister und erscheint\nmit einer Fackel ah! Giuliani vergisst seinen Vorsatz,\nsagt den Katakomben mit der Geliebten Adieu, und alle\nDrei retten sich. Aber das ist ja ein Triumph nicht bloss\nder Tugend, sondern auch des Lasters? Warte ein we-\nnig! Nemo ante obitum beatus:kein Mensch weiss, was ihm\nim letzten Acte noch bevorsteht. In unserer Oper erscheint\ndie moralische und poetische Gerechtigkeit in einem Schluss-\nTableau. Ein lebendes Bild zeigt den alten Mateo, der sein\nKästchen mit den Zechinen unter dem Arm hat, und seinen\nSohn und Michelma, von Landleuten umgeben, feierlich\nsegnet, rechts aber eine Gruppe Gensd'armen, welche\nden sauberen Balsamo-Cagliostro bewachen!!\nZu einer solchen Handlung und Scenerie konnte Vo-\ngel natürlich keine Musik schreiben, die sich in den be-\nscheidenen Schranken der komischen Gattung hielt. Sie hat\nmeist den Stil der neueren französischen grossen Oper und\nauch denselben Aufwand an Instrumental-Massen und an\nInstrumental-Lärm, der hier noch mehr ermüdet, als dort,\nweil sich die Sache ja doch nur um sehr kleine persönliche\nInteressen und Ereignisse dreht, und Spitzbuben und Bau-\nern und einer magnetisirten Schnitterin am Ende nichts\nbegegnen kann, was eine solche Prätention der Musik recht-\nfertigt. Auch in den Solo-Gesangstücken ist oft viel zu viel\nHochtrabendes und Anspruchvolles, welches dem Charakter\nder Rollen ganz und gar widerspricht, wie z. B. gleich die\nerste Scene der Michelma, eine grosse Arie in As-dur mit\nChören, obligater Oboe und Flöte, am Schluss voller Co-\nloratur, so wie sie nur eine Prima Donna in der grossen\nOper verlangen kann. Aber freilich, wo ist denn überhaupt\nbei den neueren Componisten von Charakteristik durch die\nMusik noch die Rede?\nTrotz alledem hat die Oper dennoch, und auch mit\nRecht, Vogel unter diejenigen Componisten gestellt, aul\nwelche sich die Aufmerksamkeit der pariser musicalischen\nWelt wenden wird. Man erkennt in ihr ein nicht unge-\nwöhnliches Erfindungs-Talent, glückliche Motive und lebens-\nvolle Melodie; dabei zeugt sie von Einsicht in die drama-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "118", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.6", "texte": "tische Behandlung und Verarbeitung des musicalischen\nStoffes, von Verständniss der Effecte der Instrumentation,\nvon gründlichen Kenntnissen in der Composition. Der zweite\nAct hat ein Finale, welches alle diese Eigenschaften am\nglänzendsten ins Licht stellt. Möge der Componist nur den\nUeberreichthum an Musik beschränken und die gar zu üp-\npigen Auswüchse wegschneiden. Er versteht allerdings, die\nMassen auf der Bühne und im Orchester wirken zu lassen;\naber der wahre dramatische Effect kann nur durch Con-\ntraste erzielt werden, welche unmöglich sind, sobald von\nvorn herein alle Schleusen geöffnet werden und der Strom\nin ewigem Brausen bleibt.\nEin Ereigniss war die Wiedereröffnung der grossen\nOper am 12. September. Fast drei Monate und 350,000\nFrcs. sind zur Erneuerung des Innern des Hauses verwandt\nworden. Der Anblick beim Eintritt ist feenhaft von einer\nsolchen Helle der Beleuchtung hat man kaum eine Vor-\nstellung. Ein sehr geschmackvoller, kühn geschwungener\nKronenleuchter von 128 Gasllammen, die sich in Krystall\nund vergoldeter Bronze brechen, und zwei Reihen von Arm-\nleuchtern rings an den Logen bewirken sie. Das Decken-\ngemälde ist vortrefflich; alle übrigen Malereien an den Lo-\ngen sind verschwunden, man sieht nur Weiss und Gold.\nIn den vier Ecken entfalten vier grosse goldene Adler ihre\nFlügel. Alle Draperieen und alle Tapeten sind carmoisin-\nroth. Einen Tempel der Kunst hätten wir nun allerdings\nin würdigster Gestalt; aber wie es um die Restauration des\nRepertoires und der echten Musik in demselben stehen wird,\ndas müssen wir erst abwarten. Soll es bei den fünf Stun-\nden langen, so genannten grossen Opern bleiben, die im\nGrunde nichts Anderes sind, als lebende Bilder in einer ko-\nlossalen Zauber-Laterne, wo Maler und Maschinisten über\ndem Musiker stehen ? oder sollen wir endlich einmal wieder\nwirkliche lyrische Dramen, mit Ernst und Gewissenhaftig-\nkeit gearbeitete Partituren, mit Einem Worte: Musik dort\nhören? Werden die Zugaben fernerhin Hauptsache und die\nComposition Nebensache bleiben? Wird man «dem Ballet\njenes Schaugepränge und jene Virtuosität der Maschinerie\nund Beleuchtungskunst überlassen, und die Oper reinigen\nund zu der alten Einfachheit von Gluck, Sacchini, Spontini\nu. s. w. zurückführen? So weit sind wir gekommen, dass\nwir Spontini's Opern einfach nennen müssen in Bezug auf\nPrunk und Sinnenlust!\nDer Anfang wurde mit Meyerbeer's Hugenot-\nten gemacht. Es war seit dem Jahre 1836, wo dieses\ngewaltige Werk zum ersten Male gegeben wurde, die\nzweihundert dreiunddreissigste Vorstellung desselben in Pa-\nris. Die hiesigen Kenner sprechen noch mit Enthusiasmus\nvon Adolf Nourrit (Raoul), Levasseur (Marcel) und der\nFalcon (Valentine), welche damals darin glänzten. Meyer-\nbeer halte für die jetzige Vorstellung den Proben beige-\nwohnt; in den Blas-Instrumenten hat er im dritten und\nvierten Acte Einiges geändert, das kaum bemerkt wird,\nwenn man nicht im Voraus darauf aufmerksam gemacht\nworden ist, und für das Ballet im dritten Acte ist die Mu-\nsik zu einem neuen Pas de trois hinzugekommen, ein An-\ndante, Allegro und eine Art von Tarantella. Ausserdem\nwar der Chor bis auf 200 Mitglieder verstärkt, was aller-\ndings im vierten Acte eine gewaltige Wirkung machte.\nAuch eine neue Decoration im letzten Acte, eine Kirche,\nin deren durch elektrisches Licht beleuchtetes Inneres man\nhineinschaut, war hinzugefügt, die Ausstattung überhaupt\nso glänzend wie nie.\nIn der Generalprobe ist ein komischer Auftritt vorge-\nfallen. Roger war bekanntlich in Deutschland und hatte\nbis zum 15. Sept. Urlaub. Die Eröffnung des neuen Saa-\nles war auf den 16. bestimmt. Man setzte sie aber später\nschon für den 12. an. Roger bekommt davon Kunde, lässt\nin Deutschland ein paar Hundert Louisd'or im Stich, eilt\nnach Paris und trifft am 11. ein. Gueymard, ebenfalls er-\nster Tenor, hatte unterdessen den Raoul erhalten, studirt,\nprobirt, und stand bereits auf dem Zettel. Roger erscheint\nplötzlich wie ein Geist aus der Versenkung auf der Probe\nund beginnt zu singen. Der Andere stutzt, ist aber nicht\ngesonnen, die Beute fahren zu lassen, und intonirt eben-\nfalls. Roger besteht auf seinem alten Recht als erster Tenor\nund Inhaber der Rolle; Gueymard beruft sich auf den Auf-\ntrag des Directors und den Zettel. Weiteres Probiren, wo-\nbei Beide schweigen. Der Director Roqueplan ist in St.\nGermain. Endlich ist man seines neuen Geschäfts-Genossen,\ndes Hrn. Aigoin, habhaft geworden, und er kommt gerade\nnoch zur rechten Zeit, um ein Duell oder etwas Aehnliches,\nwas sonst wohl auf kleineren Theatern vorfallen soll, zu\nverhindern. Er besänftigt Roger, und Gueymard blieb im\nBesitze; dagegen wurde Jenem der Prophet zum ersten\nWiederauftreten bewilligt.\nGueymard hat sich empor geschwungen. Vor sechs\nJahren kam er nach Paris und kannte kaum die Elemente\nder Musik. Er ist der Sohn eines Handwerkers. Seine\nprächtige Stimme verschaffte ihm Eintritt in das Conserva-\ntorium, wo E. Boulanger sein Hauptlehrer wurde, und aus\nwelchem er nach zwei Jahren unmittelbar zur grossen Oper\nkam. Er ist noch jung und besitzt kolossale Stimmmittel;\nwie lange sie bei dem furchtbaren Aufwände, den er damit"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "119", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.7", "texte": "treibt, vorhalten werden, muss die Zeit lehren. Als Sänger\nist er mit Roger nicht zu vergleichen, hat aber seit vori-\ngem Jahre bedeutend auch an kunstmässigem Vortrag ge-\nwonnen. Nach Deutschland wird er wahrscheinlich erst\neinmal gehen, wenn seine Stimme pensionsfähig gewor-\nden ist.\nDer 21. September brachte ein neues Ballet: Aelia\nund Mysis, das in Rom oder vielmehr in Ostia spielt und\nso voll von altem Römertrödel, nur nicht Römersinn, ist,\ndass im Leben noch nicht so viel philologische Gelehrsam-\nkeit ausgekramt worden ist, um solch einen Unsinn zu Tage\nzu fördern. Du findest da ein Atrium, Peplum, Didascalen,\nCitharoeden, Tibicines, Triclinium, Sacellum, Lampadopho-\nren, Flamines, Vestales,eine F betitelt\nneris Nupliae,den Eros, Vu etc. etc. im\nschönsten Verein mit den Junkern Fandango und Bolero\nund den Damen Polka und Mazurka ! Das Ding ist zu\ndumm, um mehr als diese paar Zeilen darüber zu sagen.\nDen 25. September 1853.\n\nB. P.\n\nAus Mailand.\nDen 23. September 1853.\nDie Herbst-Saison im Theater Alla Scala hat am 15. d. Mts.\nmit der Verdi'schen Oper „// Trovatore\" und dem Ballet „L'Arabo\"\nvon den Gebrüdern Asinini ihren Anfang genommen. Der an an-\nderen Orten mit vielem Beifall aufgenommene Trovatore ist neu,\nganz neu für die Scala, die noch vor sehr wenigen Jahren in der\nMusik den Weg vorzuzeichnen und in den wichtigsten Fragen der\nTonkunst den Ausschlag zu geben pflegte. Was uns von entschie-\ndenem Ruf auf diesem Felde die letzte Revolution nicht genom-\nmen, das wurde mit einem Federstriche durch den Abschluss eines\nContractes*) zerstört, der einen Tag früher unterzeichnet wurde,\nals Graf Strassoldo die oberste Leitung der Geschäfte bei der lom-\nbardischen Statthalterei übernahm. Die schleunige Ernennung einer\ntüchtigen Theater-Direclion von Seiten des Grafen Strassoklo konnte\ndem Uebel, dessen Hauptursache in den Contracts-Bedingungen\nselbst lag, nicht steuern, und so mehrten sich die gerechten Klagen\ndes Publicums.\nEs ist eine durch unumstössliche Thalsachen widerlegte An-\nnahme, dass unser Publicum aus politischer Demonstrationssucht\ndie Liebe zum Theater verloren. Wer die weiten Räume des gross-\nartigen Scala-Theaters bei dessen jeweiliger Eröffnung und an sol-\nchen Tagen gesehen, wo dort der rühmlichen Vergangenheit dieser\n~Weltbühne\" entsprechende Vorstellungen gegeben wurden, der\nwird den gegenwärtigen kläglichen Zustand dieses k. k. Theaters\nin ganz anderen Ursachen suchen, als in der vorgeschützten Gleich-\ngültigkeit unseres Publicums für Kunstgenüsse.\nSchnöde Entweihung eines stets den Musen heiligen Tempels,\noder die Vergeudung namhafter, zu edlen Zwecken bestimmter\nGeldsummen hat Mailands gebildete Bevölkerung noch nicht so\nschnell mit ruhigem Blicke zu ertragen gelernt. Das Theater war\nalso auch am vorigen Donnerstag (15.) von erwartungsvollen Zu-\nschauern zum Erdrücken angefüllt, alle Reihen der Logen mit der\nBlüthe unserer Einwohnerschaft besetzt ein Umstand, der al>\nbesonders bezeichnend hervorgehoben werden muss, da sich zu\ndieser Zeit halb Mailand in villeggiatura befindet. Die Vorzüge die-\nser Verdi'schen Oper wurden von unserem Publicum nicht ver-\nkannt, sie konnten sich jedoch nicht in ihrer reichen Fülle geltend\nmachen, weil die bei deren Ausführung verwendeten Kräfte in\nkeiner Weise ausreichten. Die Prima-Donna Gariboldi, der Tenor\nBettini, der Basso Nerini wussten sich, als vollkommen unbefähigt\nfür eine Bühne, wie die der Scala, keinen Beifall durch ihren Vor-\ntrag zu erwerben. Das Ballet machte im ganzen Sinne des Aus-\ndrucks „fiasco spaccato\" und durfte nicht ausspielen. Die Maywood\nwar unpassend placirt und gab diesem schon ohnehin lächerlichen\nMachwerke noch einen sehr komischen Anstrich durch ihren\npraktischen Fall während einer Pirouette. Die äussere Ausstattung\nim Allgemeinen liess, wie gewöhnlich bei dieser Impresa, sehr viel\nzu wünschen übrig. Nur zwei Vorstellungen erlebte der Trovatore;\ndenn schon iDinstag kamen nach zwei zu Proben verwendeten\nRasttagen Verdi's „Masnadieri\" auf die Bühne. Doch auch diese\nfür uns noch neue Composition empfing unser Publicum mit Kälte\nund Unwillen, weil diesmal wieder die thätigen Kunstkräfte der\nScala unwürdig und auch die Ausführung selbst eine ganz verfehlte\nwar. Nur die Prima-Donna, Fanny Gordosa, erwarb sich in der\nRolle Amalia einigen Beifall. Das Haus blieb, die erste Vorstellung\ndes „Trovatore44 und der „Masnadieri\" abgerechnet, an den anderen\nAbenden fast wörtlich leer.\n*) Die beiden Repräsentanten dieser neuen Impresa, deren Will-\nkür die Würde und das begründete Primat der k. k. Theater\nüberliefert wurde, hatte man mit seltenem Scharfblick\naus den untersten Reihen des Orchesters und des Aufsichts-\nPersonals der Bühne gewählt; der im Hintergrunde gehaltene\nCautions-Garant ist ein verschollener Sänger.\n\nAus Arnheim.\nDen 23. September 1853.\nUnser viertes und letztes Damen-Concert der Sommer-Cäcilia-\nConcerte, worin Fräulein Froschhart und die Herren Hösel und\nTh. Pixis mitwirkten, verschaffte uns einen grossen musicalischen\nGenuss. Frl. Frosch hart, Sängerin aus Leiden und Schülerin\ndes Herrn Lübeck im Haag, sang mit Beifall die Cavatine\naus Lucrezia Borgia, zwei Lieder von Kücken und Dessauer und\n„Air äla memoire de Marie\" von de Beriot. Trotz ihrer schönen\nStimme konnte man doch einige Spuren von Heiserkeit, woran sie\nin Folge einer Erkältung litt, bemerken. Mit Fleiss und Ausdauer\nkann sie eine tüchtige Sängerin werden. Hr. Hösel aus dem Haag\ntrug ein Concertino von Diethe für Oboe und Elegie von Lösch-\nhorn für Cor Anglais vor und erwarb sich wegen seines schönen\nTones und seines geschmackvollen Vortrages grossen und verdienten\nBeifall. Ueber Hrn. Th. Pixis, schon wieder ein willkommener Gast\naus Köln, Ihnen einen Bericht zu erstatten, wäre eigentlich überflüssig,\nda er Ihnen eben so gut bekannt ist, wie er uns bekannt geworden\nist; er trug zwei Piecen von Yieuxtemps und eine von seiner eigenen\nComposition vor. Besonders durch die letztere entzückte er alle\nZuhörer; wir mussten Alles an ihm bewundern: die mit Leichtig-\nkeit überwundenen Schwierigkeiten, seinen edlen, gefühlvollen Vor-\ntrag, seine Bogenlührung und den schönen vollen Ton seines In-\nstrumentes, seines zweiten Ich. Die Herren Th. Pixis, Hösel und\nFroschhart, Flötist, Vater der Sängerin, waren so gütig, in dem\nAllegro der Sinfonia eroica und in der Freischütz-Ouverture mitzu-\nwirken, wodurch nicht allein die Kräfte des Orchesters, sondern\nauch der Eifer der Orchester-Mitglieder sehr gehoben wurde.\nDie Erinnerung an den genussvollen Abend wird eine bleibende\nsein. Unglücklicher Weise war es ein regnerischer Tag, was viele\nLeute davon abhielt, das Concert zu besuchen; sie schienen be-\nfürchtet zu haben, dass man in der schönen Halle des Gebäudes\nMnsis sacrum den Regen fast eben so stark fühlen würde, wie im\nFreien, und ihre Befürchtung war richtig,"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "120", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531008-01.1.8", "texte": "Aus Dessau.\nZ.\nDen 1. October 1853.\nDie Abonnements-Concerte haben ihren Anfang genommen, und\nwird in diesen bis Mitte December zur Aufführung gebracht: 1.\nConcert. Ouvertüre zur Zauberflöte. Sinfonie in B. von Beethoven.\n2. Concert. Ouvertüre zu Genovefa von Schumann. Sinfonie in\nh-moll von Ivalliwoda. Concert für vier Hörner von Schumann. —3.\nConcert. Ouvertüre von Mendelssohn zur Heimkehr aus der Fremde.\nNotturno von L. Spohr. Sinfonie in B. von Fr. Schneider. 4.\nConcert. Beethoven's Leonoren-Ouverture. Sinfonie von Mozart.\n5. Concert. Jagd-Ouverture von Fr. Schneider. Sinfonie in F-dur\nvon Beethoven. Quintett von Onslow. 6. Concert. Ouvertüre von\nMendelssohn (Melusine). Sinfonie von Spohr für zwei Orchester.\nDazwischen kommen natürlich noch Instrumental- wie Gcsangs-\nSolo-Vorträge.\nEine nothwendige Vergrösserung und Restauration des herzog-\nlichen Concertsaales macht es nothwendig, dass die Concerte im\nHoftheater Statt finden; das Orchester ist auf der Bühne aufge-\nstellt. Bei der Doppel-Sinfonie von Spohr wird das erste Orchester\nauf der Bühne wirken, das zweite im gewöhnlichen Orchester-\nRaume, was jedenfalls das Verständniss der Composition und ihre\nWirkung erleichtern und erhöhen wird.\nDas neu errichtete Hoftheater zählt tüchtige Kräfte, unter\nAnderen: Frau Stradiot-Mende, Tenorist Beck, und ver-\nspricht eine gute Oper. Wahrscheinlich werden „Der Tannhäuser\"\nund „Die lustigen Weiber\" als neu gegeben werden. Intendant ist\nHr. v. Brandt, Regisseur Steiner, Opern-Verwaltung und Di-\nrection in Händen Fr. Schneider's. Die Proben beginnen im\nOctober, die Saison selbst am 1. November. In den letzten Jahren\nwar namentlich die Oper so vernachlässigt, dass man andere Ver-\nhältnisse unseres Theaterwesens nur wünschen musste.\nIm künftigen Jahre wird in Dessau ein Anhaltisches Mu-\nsikfest abgehalten, wobei das Weltgericht zur Aufführung\nkommen wird. Das Werk wurde seit 1845 hier nicht gegeben,\nund es wird sicher eine Menge von Verehrern dieser herrlichen\nComposition und ihres noch immer rüstigen und thätigen Schöpfers\nherbei ziehen.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nW.\nIn Frankfurt a. M. endete am Morgen des 26. September\ndie Witwe von Felix Mendelssohn-B arthold y, geborene\nJcanrenaud, im Kreise ihrer Familie, in der man bereits seit\nmehreren Monaten ihrer Auflösung entgegen sah. Sie starb an der\nAuszehrung. An demselben Abende wurde zufällig im Theater Sha-\nSommcrnachtstraum mit Mendelssohn's Musik aufgeführt.\nDas Begräbniss fand auf eine prunklose, aber ergreifende Weise\nStatt. Von dem Sterbchause aus bewegte sich der Zug der zahl-\nreichen Leidtragenden zu Fuss nach dem Friedhofe. Dort wurde\ndie Leiche in der Mitte einer Capelle, nahe dem Eingange zum\nKirchhofe, niedergcstellt, und der Prediger der französischen Ge-\nmeinde, zu welcher die Familie der \\ erstorbenen gehört, sprach\neinige gehaltvolle Worte der Erinnerung an die Dahingeschiedene\nund ihren verewigten Gatten und schloss mit einem innigen Ge-\nbete. Dann setzte sich der Zug nach dem Grabe in Bewegung; ein\nChoral von vier Hörnern, welche verdeckt aufgestellt waren, brei-\ntete seine feierlichen Töne über die stille Menge hin. Bei der Ein-\nsenkung des Sarges sangen die vier ersten Sänger der Oper einen\nChoral, Blumen fielen aus den Händen schwarzgekleideter Frauen\nins offene Grab, der Geistliche sprach noch ein kurzes Gebet, dann\nstimmten die Sänger das schöne Lied Mendelssohn's an: „Es ist\nbestimmt in Gottes Rath\", welches Herr Capcllmeister Gustav\nSchmidt für vier Männerstimmen gesetzt hatte.\nÄÖIÄ. In der letzten Theaterwoche sahen wir nach langen\nJahren Cherubinis Wasserträger einmal wieder. Das Haus\nwar ausverkauft, und eine Menge Menschen mussten sich auf die\nWiederholung vertrösten. Die Aufführung war gelungen, in einigen\nStücken, z. B. dem Final-Sextett des ersten Actes, sehr gut. Hr.\nSchmidt als Micheli bewährte sich als Sänger und Schauspieler;\nFrau Schmidt war im Ganzen eine treffliche Constanze, ihre volle\nStimme gewinnt sich mit Recht immer mehr Freunde; in dem\nDuett aus D hätten wir etwas mehr Feuer gewünscht. Ausser die-\nser herrlichen Oper, welche beim Publicum zur Ehre desselben\nsei es gesagt eine begeisterte Aufnahme fand, hörten wir noch\nBellini's Norma und Flotow's Stradella. In der Norma be-\nfriedigte Frau Schmidt; Hr. Kahle entwickelte als Sever eine\nKraft, die wir ihm wohl zutrauten, aber doch nicht in solchem\nGrade vorhanden vermutheten. Er wurde bei offener Scene gerufen.\nEin Fräul. Meyer debutirte ohne Erfolg als Adalgisa. Wie kann\naber ein so tüchtiger Opern-Regisseur, wie Hr. Röder, zugeben,\ndass Hr. Krön (als Stradella sonst'recht brav) den schönsten Satz\nin der Schluss-Scene streicht??\n** Frankfurt a. M. F. Hiller war einige Tage in seiner\nVaterstadt, welche er seit langer Zeit nicht besucht hatte. Wir hat-\nten Gelegenheit, mehrere seiner neueren Compositionen in einer\nAbend-Unterhaltung im Saale des Hauses Mozart, Donnerstag, den\n29. September, wozu er seine Freunde und die musicalischcn Nota-\nbilitäten eingeladen hatte, zu hören. Von den vorgetragenen Stücken\nsprachen die „Huit mesures variees\" (eine gute Arbeit), die „rhyth-\nmischen Studien\" (bei welchen wir nur den Titel nicht zu deuten\nvermögen, da das Ganze mehr für eine interessante Spielerei als\nfür eine Sache ernster „Studien\" zu halten ist) und die „Ghaselen\"\nam meisten an. Ausserdem spielte er noch mit Hrn. Wolff ein\nDuetto appassioncito für Piano und Violine, mit den Herren W.\nund Siedentopf (Cello) eine Serenade, dann eine Solo-Sonate, und\ngab zuletzt eine freie Phantasie."}]}