{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_sha256": "e5fddce36680515ea71219aaa33d59cda2d634bddb15ca2b96112e8c82ce731b", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/11/12_01/bmtnabi_1853-11-12_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "153", "page_fin": "154", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.1", "titre_corps": "Ein Urtheil C. M. von Weber’s über Beethoven.", "titre_sommaire": "Ein Urtheil C. M. von Weber’s über Beethoven.", "signature_source": "August Hitzschold", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3991, "texte": "Ein Urtheil C. M. von Weber’s über Beethoven.\n\nDie verehrten Erben Hans Georg Nägeli's hierselbst,\nwelche sich im Besitze so mancher werthvollen musicali-\nschen und literarischen Schätze ihres hochverdienten Gatten\nund Vaters befinden, hatten die dankenswerthe Güte, uns\nden nachfolgenden Brief zur Veröffentlichung mitzutheilen,\nwelcher gewiss den zahlreichen Verehrern beider Tonmeister\nwillkommen sein wird. Wir geben ihn wortgetreu wieder.\nP P\n„ J. . L .\n„Da meine Verhältnisse sich verändert und mich wie-\nder ganz der Kunst geweiht haben, so ergreife ich den\nersten Augenblick Zeit, der sich mir darbietet, um die\ndurch Herrn von Wangenheim vorbereitete Verbindung\nanzuknüpfen und zugleich für das gütige Urtheil, welches\nSie über meine Compositionen fällten zu danken. Doch\nkann ich nicht umhin, einen Punkt zu berühren, der mir\nzu wichtig ist, als dass ich ihn mit Stillschweigen über-\ngehen könnte. Sie scheinen aus meinem Quartett und der\nCaprice in mir einen Nachahmer Beethoven's zu erblicken,\nund so schmeichelhaft dies auch Manchem sein könnte, ist\nes mir gar nicht angenehm. Erstens hasse ich alles, was\nden Stempel der Nachahmung trägt, und zweitens bin ich\nzu sehr in meinen Ansichten von Beethoven verschieden,\nals dass ich je mit ihm zusammen zu treffen glauben könnte.\nDie feurige, ja, beinahe unglaubliche Erfindungsgabe, die ihn\nbeseelt, ist von einer solchen Verwirrung in Anordnung\nseiner Ideen begleitet, dass nur seine früheren Composi-\ntionen mich ansprechen, die letzteren hingegen mir nur ein\nverworrenes Chaos, ein unverständliches Ringen nach Neu-\nheit sind, aus denen einzelne himmlische Genie-Blitze her-\nvorleuchten, die zeigen, wie gross er sein könnte, wenn er\nseine üppige Phantasie zügeln wollte. Da ich mich nun na-\ntürlich nicht des grossen Genius Beethoven's erfreuen kann,\nso glaube ich wenigstens in logischer und rednerischer Hin-\nsicht meine Musik vertheidigen zu können und mit jedem\neinzelnen Stück einen bestimmten Eindruck zu bewirken.\nDenn nur das scheint mir der Zweck einer Kunst-Ausfüh-\nrung zu sein, aus einem einzelnen Gedanken das Ganze zu\nspinnen, dass in der grössten Mannigfaltigkeit immer die\nEinheit, durch das erste Princip oder Thema erzeugt, her-\nvorleuchte. Etwas Komisches hierüber steht im Morgen-\nblatte Nr. 309 vom 27. December 1809 abgedruckt,\nwelches Ihnen noch zu einem weiteren Beleg meiner An-\nsicht dienen kann.\n„Der Zufall wollte, dass nebst dem Quartette, welches\nich Ihnen zu übersenden die Ehre hatte, gerade auch nur\ndie Caprice abgeschrieben war, daher Sie wahrscheinlich\nschlössen, dass alle meine Compositionen den Stempel des\nBizarren trügen. Ich hoffe aber, wenn ich das Vergnügen\nhaben sollte, Ihnen andere meiner Arbeiten zuzusenden,\ndass Sie wenigstens mein Streben nach Klarheit, Hal-\ntung und Empfindung nicht verkennen werden.\n„Da sie nach Ihren damaligen Aeusserungen das\nQuartett nicht verlegen wollten, habe ich es an Herrn Sim-\nrock verkauft, und ersuche Sie daher ergebenst, es mir so\nbald als möglich unter der Adresse an Carl Marie v.\nWeber, in Darmstadt bei Herrn Hof-Kammerrath\nHoffmann abzugeben zurückzusenden. Herr v. Wan-\ngenheim sagte mir, dass Sie etwas für Ihr Repertorium\ndes Claviers von mir wünschten, und ich bitte Sie, mir\nnur zu bestimmen, in was es bestehen soll» Auch ausser-\ndem wünschte ich sehr, etwas von mir in Ihrem schönen\nVerlage erscheinen zu sehen, und da ich Compositionen\nvon aller Gattung vorräthig habe, so ersuche ich Sie, mir\nnur zu schreiben, was Sie am besten brauchen könnten.\n„Um baldige Antwort bitte ich recht sehr; denn da\nich eine grosse Reise vorhabe, werde ich mich nicht sehr\nlange mehr in diesen Gegenden aufhalten. Indem ich hoffe,\ndass es Sie in Zukunft nicht gereuen wird, mit mir in nä-\nhere Verbindung zu treten, und indem ich Sie zugleich\nwegen meines vielen Geschreibsels um Verzeihung bitte, habe\nich die Ehre, mit ausgezeichneter Hochachtung zu sein\n„Ew. Wohlgeboren\n„ergebenster Diener\n„Carl Marie von Weber.\n„Mannheim, den 21. Mai 1810.\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3777, "texte": "Die Adresse lautet:\n„Sr. Wohlgeboren dem Herrn Naegelui,\n„berühmten Musikverleger. Zürch.\"\nIn mehrfacher Hinsicht interessant ist das Urtheil über\nBeethoven in dieser vertraulichen Herzensergiessung. Es\nbeweis't von Neuem, wie künstlerisches Schaffen und Kritik\nselten mit einander Hand in Hand gehen, wie die eine die-\nser beiden Fähigkeiten auch bei sonst bevorzugten Män-\nnern die ungleich schwächere ist, ja, sein muss, da Gemüth\nund Verstand zwei Factoren unseres Geistes sind, die in\nEiner Person nicht von gleicher Tiefe und Kraft vorhanden\nsein können. Eben so aber beweis't Weber's Ansicht über\nBeethoven's Schöpfungen, wie von dem Anfluge der Eitel-\nkeit und Selbstliebe doch auch eine edlere, bescheidene\nKünstlerseele nicht ganz unberührt bleibt, obwohl gerade\nWeber eine von den liebenswürdigen, mit echt humanem,\nfreiem Sinne begabten Naturen war, welche unter den\nKünstlern selten gefunden werden, am seltensten heut\nzu Tage, wo erst der ungescheuteste Selbstcultus, das an\nallen Strassenecken durch die Jünger und Apostel verkün-\ndigte Evangelium den Herrn und Meister fertig machen\nzu wollen scheint.\nEs waren aber auch innere Ursachen vorhanden,\nwarum Weber bei seiner Beurtheilung Beethoven's leicht\nzu jenen irrigen Behauptungen gelangen konnte. Weber\nwar durch und durch Gesangs-Melodiker, Beethoven der\nMeister des instrumentalen Ausdrucks, der Beherrscher der\nHarmonie in ihrer ganzen Gewalt und Fülle. Beide ver-\nfolgten demnach die entgegengesetzten Zielpunkte im Be-\nreiche ihrer Kunst, und Jeder von ihnen war in seinem\nKreise gross. Weber musste seine Phantasie so weit zü-\ngeln und beschränken, als es das gegebene Wort der\nDichtung erforderte und die Natur der Stimme des Sän-\ngers nothwendig machte. Daher konnte und musste er\n„logisch und rednerisch\" componiren, darum durfte er die\nMannigfaltigkeit überall von der Einheit erzeugt werden\nlassen, darum hatte er sich die Aufgabe zu stellen, nach\nder Hervorbringung eines „bestimmten Eindrucks\" zu\nstreben. Aber die schwache Seite seines Schaffens war es\neben zugleich, dass er diese seine Lieblingsweise auch auf\nseine instrumentalen Compositionen übertrug; ein Irr-\nthum war es, dass er auch in seinen Orchester- und Cla-\nvierwerken die Gesangs-Melodie überall vorherrschen liess,\ndass sie die Instrumentirung bedingte, dass sich ihr die\nIlarmonisirung anbequemen musste. Wie ganz anders bei\nBeethoven, in dessen instrumentalen Riesenwerken die me-\nlodischen Gedanken erst aus dem Schoosse der Harmonie\ngeboren werden, erst aus dem herrlichen Strome der In-\nstrumenten-Masse emportauchen! Aber eben so irrte Beet-\nhoven und das scheint Weber übersehen zu haben —,\nwenn er seine Lieblingsweise auf die Gesangs-Melodie\nübertrug, wenn er oft, ohne dem Stimm-Organ Rechnung\nzu tragen, für dasselbe eben so componirte, wie für das\nOrchester, wenn bei ihm die Begleitung der Instrumente\nnicht selten den Gesang bedingte, wenn sich die Melodie\ndes Wortes der Wirkung seiner gewaltigen, inhaltvollen\nIlarmonieen fügen, ihr unterordnen musste. Aber nirgends,\nweder in den Instrumental- noch Vocalwerken des Meisters,\nfindet sich eine „Verwirrung der Ideen\", nirgends ein\n„Chaos\", nirgends ein „Ringen nach Neuem\", sondern\nüberall nur die Mannigfaltigkeit der Form, welche der des\nInhalts entsprechend ist, des Inhalts, dessen einheitlicher\nZusammenhang jedem Unbefangenen erkenntlich wird, wel-\ncher mit mehr Aufmerksamkeit hin hört, als zur Anhörung\n\\\neiner auf der Oberfläche schwimmenden Gesangs-Melodie\nnöthig ist. Und kann etwas, trotz der Sprödigkeit in der\nStimmenführuug, einheitlicher, verständlicher, geordneter\nsein, als es die einzelnen Gesänge in Beethoven's herrlicher\nOper sind, welche mit ihrer'einfaehen Allgewalt tief in die\nSeele dringen?\nZürich, im November 1853.\n\nAugust Hitzschold."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "154", "page_fin": "156", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.2", "titre_corps": "Zimmerman.", "titre_sommaire": "Zimmerman.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.2", "debut_caractere": 3779, "fin_caractere_exclue": 4753, "texte": "Zimmerman.\n(Nekrolog.)\nKaum sind die Klänge der Seelenmesse für G. Onslow\nverhallt, als man in Paris am 31. October schon wieder\neinen Trauer-Gottesdienst um einen abgeschiedenen Künst-\nler feierte, der sein Leben hauptsächlich dem Berufe der\nKunstlehre gewidmet hatte und einer der grössten\nMeister darin war, die je gelebt haben.\nPeter Joseph Wilhelm Zimmerman war den\n19. März 1785 zu Paris geboren. Sein Vater hatte sich\nals Ciaviermacher dort niedergelassen und bestimmte den\nKnaben, den seine natürliche Neigung schon als zartes\nKind an das Instrument trieb, zum Studium des Pianoforte.\nIm Jahre 1798 wurde er auf das Conservatorium in\nBoieldieu's Ciasse aufgenommen, und schon im folgenden\nJahre trug der vierzehnjährige Knabe den ersten Preis im\nCiavierspiel davon; sein Mitbewerber war Kalkbrenner,\nwelcher den zweiten erhielt. Bei der nächsten Preis-Ver-\ntheilung am 8. December 1800, bei welcher Bonaparte\nals erster Consul gegenwärtig war, spielte er ein Concert"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4981, "texte": "von Clementi. Zwei Jahre später wurde ihm auch der erste\nPreis für - Composition zu Theil. Rey und Catel, zuletzt\nCherubini, waren seine Lehrer gewesen.\nObwohl diese frühzeitigen grossen Erfolge auf eine\nglänzende Laufbahn als Virtuose oder Componist hinwie-\nsen, so bestimmten doch zum Theil äussere Umstände,\nvor Allem aber seine gründliche musikwissenschaftliche Bil-\ndung und ein entschiedenes Unterrichts-Talent, ihn zum\nLehrer, und in diesem Berufe erwarb er sich als Clavier-\nlehrer und Contrapunktist einen europäischen Namen.\nDie Notwendigkeit, sich eine Stellung, die ihm den\nLebensunterhalt sicherte, zu schaffen, brachte ihn zuerst\nzum Unterrichtgeben. Der Erfolg seiner Methode und seiner\nLehrgabe zeigte sich sehr bald in den Fortschritten seiner\nSchüler. Zimmerman bekam so viel zu thun, dass er\nzwölf Stunden des Tages gab und am 1. Januar 1816\nzum Repetitor der Pianoforte-Classe auf dem Conservato-\nrium ernannt wurde. Im folgenden Jahre wurde er ausser-\nordentlicher und 1820 ordentlicher Professor des Clavier-\nspiels. Als 1821 die Professur für Contrapunkt und Fuge\nerledigt wurde, trug er den Sieg über die Mitbewerber\ndavon; allein da er zwischen den beiden Stellen wählen\nmusste, so zog er es vor, sein Lehramt für das Pianoforte\nzu behalten, und verwaltete dieses unermüdlich und mit\nimmer steigendem Erfolge bis zum 1. October 1848, wo\ner sich von der öffentlichen Wirksamkeit zurückzog. Er\nwurde zum Ehren-Inspector sämmtlicher Piano-Classen\nund zum lebenslänglichen Mitgliede der Prüfungs-Commis-\nsion ernannt. Seit 1830 war er auch Ritter des Ordens\nder Ehrenlegion.\nZimmerman war einer von denjenigen Männern der\nKunst und Wissenschaft, deren Wirksamkeit vorzüglich eine\npraktische ist, die sich weniger in Schriften und Werken\nals an Schülern und Jüngern zeigt, die unmittelbar ins Le-\nben eingreift und durch die Menge und das Talent derer,\ndie das Gelernte weiter tragen, wie ein befruchtender\nStrom bis über weit entfernte Gefilde hinfliesst. Zehn von\nseinen Schülern in der Composition trugen die ersten Preise\nder Akademie davon, und von seinen Ciavierschülern er-\nrangen 59 den ersten und 51 den zweiten Preis bei den\nPrüfungen des Conservatoriums. Er selbst ist nie als Pianist\nöffentlich aufgetreten; er begnügte sich, eine Pflanzschule\nvon Pianisten anzulegen, aus welcher ganz Frankreich ver-\nsorgt wurde.\nAls Componist hat Zimmerman nicht den hohen Ruf\nerreicht, der sich überhaupt in Frankreich nur an Opern-\nComponisten knüpft; allein seine Sachen werden von Ken-\nnern geschätzt, wiewohl die grösseren und besten nicht\nim Druck erschienen sind. Er war trotz seiner ausgebreite-\nten Lehrthätigkeit doch auch im Schreiben lleissig und\nlieferte C o n c e r t e, Sonaten, Variationen, P h a n t a-\nsieen für Ciavier, auch mehrere Lieder. Im Jahre 1830\nwurde eine komische Oper, (die Entfüh-\nrung), von ihm aufgeführt, welche wegen des schlechten\nTextbuches nicht emporkam. Die Partitur einer grossen\nOper, „Nausikaa\", wurde zwar vom Theater-Comite ange-\nnommen, gelangte aber doch nicht zur Aufführung. Im\nJahre 1843 wurde eine Messe von ihm in der Kirche St.\nEustache aufgeführt und einige Jahre später auch ein\nRequiem beide wurden von kundigen Zuhörern sehr\ngerühmt.\nSein theoretisches Werk,\nwird sehr geschätzt. Es zerfällt in drei Theile; die beiden\nersten enthalten eine vollständige Clavierschule, der dritte\ndie Lehre der Harmonie und des Contrapunktes. Als mu-\nsicalischer Schriftsteller hat er mehrere treffliche Artikel in\nperiodische Blätter geliefert.\nZimmerman war Künstler und Weltmann. Sein Haus\nund seine Tafel standen den berühmten Künstlern aller Na-\ntionen offen, und sein Gesellschafts-Saal war lange Zeit\neiner der gesuchtesten von Paris. Man hörte bei ihm treff-\nliche Musik und fand dort in der Regel die grossen Ta-\nlente des Auslandes, welche sich da gern hören Hessen. Er\nhatte ein bedeutendes Vermögen erworben und wendete\nes auf eine durchaus edle Weise an, wie er denn über-\nhaupt als Mensch ein ehrenwerther Charakter war. Auch\nhatte er, um wohlzuthun, nicht erst auf Reichthum ge-\nwartet. Einst, als er noch nichts besass als Schulden, wie\ner selbst zu sagen pflegte, aber eben eine Summe empfan-\ngen hatte, die er zurück zu legen gedachte, kaufte er da-\nfür einem Maler, der ihm seine Noth klagte, ein Gemälde\nab. Nach der Revolution von 1848 unterstützte er aus\nseinen jetzt allerdings reichlichen Mitteln gar viele Musiker\nund Maler, welche keinen Verdienst fanden.\nDas Begräbniss des Dahingeschiedenen war sehr feier-\nlich; das Todtenamt wurde in der Kirche Notre Dame de\nLorelte gehalten, wobei eine Messe und ein Pie Jesu\nvon seiner Composition gesungen wurde. Von da begab\nsich der Zug nach dem Kirchhofe von Auteuil, wo er auf\nden Wunsch seiner Familie beigesetzt wurde. Dem Sarge\nfolgten zunächst sein Sohn und seine beiden Schwieger-\nsöhne, deren einer der Componist Gounod ist; unter dem\nGefolge bemerkte man die hervorragendsten Männer aller\nStände, wie Auber, Meyerbeer, Halevy, Adam, Fei. David,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 137, "texte": "Thomas, Niedermeyer, Scribe, C. Delavigne, 11. Herz, De-\nlacroix, Isabey, Panseron, Goria u. s. w. Der Baron Tay-\nlor hielt die Grabrede."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "156", "page_fin": "157", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.3", "titre_corps": "Das Sax-Piano", "titre_sommaire": "Das Sax-Piano", "signature_source": "Paul Mouriez", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.4", "debut_caractere": 139, "fin_caractere_exclue": 5181, "texte": "Das Sax-Piano\n\n*).\nUnsere Zeit ist die Zeit der Wunder! Wer daran\nzweifelt, nehme nur die Zeitungen zur Hand und lese\ndie Anzeigen. Wenn einst jede Spur unserer Civilisation\nverschwunden sein wird und ein künftiger Champollion ein\nBlatt aus unseren Tagen, das sich zufallig in irgend einer\nKrypta erhalten hat, entdeckt und dessen Hieroglyphen\nentziffert, welch ein Staunen wird dann seine Zeitgenossen\nergreifen! „Was für Menschen\" werden die Geschicht-\nschreiber, Redner und Philosophen der Zukunft ausrufen\n„lebten in jenem auf ewig entschwundenen Zeitalter!\nDie tiefsten Geheimnisse der Natur lagen vor ihren Augen\no 0\nenthüllt! Seht da, welche Weisheit, welche Erfolge! „ „ Keine\ngrauen Ilaare mehr\"\" „ „Ewiges Lebenswasser\"\"\n„ „Lob Rob —Du Bafry\"\" welche Namen! sie wie-\ngen Jahrhunderte ärmlicher Forschungen auf! Jene Men-\nschen waren unsterblich; da war nichts, Auge, Zahn, Fuss,\nBrust, was sie nicht ersetzten, wenn es verloren ging, oder\numtauschten, wenn es nicht taugte. Die Wissenschaft, die\nKunst, und vor Allem die Industrie hatte sie zu Herren\nihres Schicksals gemacht. 0, warum hat nicht ein einziges\nlebendes Wesen die grässliche Katastrophe überlebt, welche\njene Vorwelt verschlungen hat! Besässen wir nur wenig-\nstens noch die Geheimnisse, mit welchen jene Titanen der\nCivilisation sich die träge Materie unterthan machten zu\nlebendigem Gebrauche und zur Genossin der eigenen Un-\nsterblichkeit! Ist uns ein derartiges Wunder nicht durch\ndas Dasein jenes kolossalen Pianoforte bewiesen, des Wer-\nkes von Sax, der allein mit seinem Instrumente mehr Lärm\nmachte, als ein ganzes Orchester? 0 Himmel, wenn wir so\nglücklich wären, ein einziges Exemplar davon auszugraben!\nDa es sich, wie wir lesen, nicht abnutzte, sondern täg-\nlich an Festigkeit und Tonfülle gewann, was für ein\nWunder von Klang und Akustik müsste das jetzt nach\n4000 Jahren geworden sein!\"\nSo wird man einst unsere Geschichte schreiben! Aber\nwir sind leider noch nicht da, wo uns die antiquarische\nForschung nach 4000 Jahren hinstellen wird. Aufgewach-\nsen unter den Anpreisungen der öffentlichen Blätter, haben\nwir im täglichen Umgang mit der Lobhudelei und ihren\nVertretern durch Erfahrung gelernt, dass die Dinge in der\nWirklichkeit ganz anders aussehen, als auf dem glänzenden\nAnnonciorama der Zeitungen. Wir befinden uns also für\nunsere Personen in einer weit ruhigeren Lage als die zu-\nkünftige Welt zum Urtheilen über die Wunder unserer In-\ndustrie, und wenn z. B. das Sax-Piano, wie es heisst, das\nVorrecht hat, auf die fernste Nachwelt zu kommen, so ha-\nben wir nur den bescheidenen Wunsch, dass der Erbauer\ndesselben ein einziges Exemplar dieses gegenwärtigen Ar-\ntikels in den Leib des Instrumentes einschliesen möge, da-\nmit auch wir für die Nachwelt geschrieben haben!\nMan muss übrigens gestehen, dass, wenn der Erfinder,\nder gelehrte Akustiker die Kunst, zu hören, versteht, er\nauch eben so geschickt ist, von sich hören zu machen. Eine\nverführerische Theorie, auf eine entferr, e Aehnlichkeit mit\ndem Bau der Violine begründet und selbst der Menge leicht\nverständlich, eine so genannte kinderleichte Anwendung des\nSystems auf jedes gute oder schlechte Instrument, Empfeh-\nlung durch grosse Namen, die man nur gar zu willfährig\nin Paris findet, Prüfungen, welche die besten Bürgschaften,\nwenigstens in den Commissions-Berichten, zu geben schei-\nnen, endlich noch gar der Reiz des Spiels und des Gewinns\nbei einer Actien-Gesellschaft wahrlich, wenn das alles\nin unserer Zeit der Speculation nicht den Erfolg sichert,\nwas soll es denn sonst auf aller Welt thun?\nFreilich, bliebe noch irgend einem Zweifel an dem\nWerthe der Erfindung Raum, so könnte man einmal die\nHerren Meyerbeer, Adam, Thomas u. s. w. auf ihr Gewis-\nsen fragen, ob es ihre Meinung sei, durch ihre Unterschrif-\nten die Ueberlegenheit des neuen Piano's über alle bisheri-\ngen ausdrücklich zu verbürgen, oder ob ihre Namen nur\ndie nothwendige Zuthat zu einem Protocoli, zu einer Maass-\nregel der Staats-Verwaltung und Patent-Commission sind.\nWas uns betrifft, so sind wir zu misstrauisch gegen\nunsere persönliche Kenntniss der Sache, und finden in der\nEinsicht und Erfahrung der Männer von Fach, der Forte-\npiano-Bauer von Paris, wenn ihre Rechtlichkeit und Auf-\n\n*) Wir haben in diesen Blättern seiner Zeit von der neuen Er-\nfindung des durch seine Sax-Hörner, Sax-Tuba's u. s. w. mit\nRecht berühmten Instrumentenmachers Sax in Paris, nach\nwelcher er ein Piano mit doppeltem Steg und einer Seiten-\nspannung ober- und unterhalb des Resonanzbodens gebaut,\ngesprochen. Als Anwalt und Einführer derselben in die mu-\nsicalische Welt trat namentlich Fetis, Sax's Landsmann, auf.\nSeitdem ist die Sache durch Zeitungs-Anpreisungen, Commis-\nsions-Berichtc mit grossen Namen u. s. w. bis zu einer\nActien-Unternehmung getrieben worden. Wir geben desshalb\nobigen Artikel (aus dem Album du grand monde für Literatur,\nKunst und Industrie), welcher, obwohl in scherzhafter Ein-\nkleidung, dem Dinge auf den Grund zu gehen scheint, und\nder uns von ehrenwerther Hand zugegangen ist.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3373, "texte": "Richtigkeit in Anspruch genommen wird, hinreichende Bürg-\nschaften für ein richtiges Urtheil. Wir haben alle Achtung\nvor den oben genannten Namen; allein die grössten Com-\nponisten können sehr mittelmässige Instrumentalisten,\nschlechte Akustiker und ganz schlechte Instrumentenbauer\nsein. Desshalb haben wir uns an diese letzteren gewandt\nund sondern ihre Meinungen in zwei Theile. Ihre Aus-\nsprüche betreffen erstens die Erfindung an sich, die gerin-\ngere oder vollkommnere Richtigkeit des theoretischen\nGrundsatzes, dessen Ursprünglichkeit, die Leichtigkeit oder\nSchwierigkeit der Anwendung u. s. w., zweitens die\nwirklichen zu Tage liegenden Ergebnisse der Erfindung. In\nder ersten Beziehung haben wir natürlich aus einander ge-\nhende Ansichten, je nach Verschiedenheit der einem Jeden\neigenen Anschauungsweise, gefunden, womit wir die Leser\nnicht langweilen wollen; in der zweiten aber eine Ueber-\neinstimmung Aller, was denn doch den Stempel der Wahr-\nheit zu tragen scheint.\nWozu nützt es, Herrn Sax den Ruhm des ersten Ent-\ndeckers der neuen Theorie zu bestreiten? Die neue Theorie\nsoll ganz neue Klangwirkungen hervorbringen. Leistet sie\ndas wirklich? Das ist die ganze Frage. Und bei der Ent-\nscheidung derselben kommt es nicht darauf an, ob das erste\nInstrument, an welchem Sax seine Erfindung anbrachte,\ngut oder schlecht war, sondern das gegenwärtig fertige,\nganz und in allen Theilen aus dessen Werkstatt hervorge-\ngangene Piano muss dem Urtheil zu Grunde gelegt wer-\nden, um so mehr, da nach diesem Muster den Actionären\nihre Instrumente nach und nach geliefert werden sollen.\nNun hat es sich aber gezeigt, dass dieses Instrument\ndie darauf gesetzten Hoffnungen keineswegs rechtfertigt.\nDie folgenden Zeilen sind der kurzgefasste Inhalt der Ur-\ntheile aller bedeutenden Ciavierbauer in Paris. Wir machen\nihn bekannt, weil Keiner von ihnen uns entstehen wird,\nwenn wir in den Fall kommen sollten, unsere Angaben\nbeweisen zu müssen.\n/\nDieses Piano, um wenigstens zehn Centimeter höher\nals die gewöhnlichen Instrumente, zeigt nur in dem Bass\neine Ueberlegenheit an Kraft und Stärke des Tones.\nAllein diese tiefen Töne sind so in einander brausend und\nso metall- oder messingartig, dass sie zugleich wie Trom-\nmel- und Tamtam-Ton klingen und einen auffallenden Ge-\ng^t?satz zu den mittleren Octaven, dem singenden, mithin\nwichtigsten Theile der Claviatur, bilden. Diese mittleren\nOctaven, mit denjenigen der gewöhnlichen Instrumente ab-\nsolut verglichen, sind merklich schwächer als diese, und die\nOctaven des Discants sind verhältnissmässig noch schwä-\neher und ermangeln der reinlichen Zierlichkeit und der Schwin-\ngung des Tons. Die Mechanik ist unter dem Mittelmässigen\nund zeugt von grosser Unerfahrenheit in der Arbeit; der\nAnschlag ist schlecht und die Abdämplung nicht gut. [Das\nErstere dürfte nun wohl zu beseitigen sein das Letz-\ntere scheint uns aber, so viel sich die Sache aus den Be-\nschreibungen beurtheilen lässt, ein schwer abzustellender\nUebelstand. Uebrigens muss dieser Fehler an dem neuen\nPiano arg sein, weil ihn die französischen Ciavierbauer rü-\ngen, deren Instrumente, gegen die der deutschen Fabrica-\ntion gehalten, alle schlecht abdämpfen. Die Red.] Endlich\nist jeder namhafte Fabricant in Paris bereit, unter loyalen\nBedingungen ein jedes seiner gewöhnlichsten Instrumente\ngegen das Sax'sche in die Schranken zu stellen.\n\nPaul Mouriez."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "157", "page_fin": "159", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.4", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.5", "debut_caractere": 3375, "fin_caractere_exclue": 4987, "texte": "Aus Düsseldorf.\nIm verflossenen Frühjahre fühlten wir uns zu einem\nkurzen Berichte über unsere musicalischen Zustände in die-\nsem Blatte veranlasst, in welchem wir leider ein sehr trübes\nBild über dieselben entwerfen mussten.\nWir hofften zu jener Zeit, dass eine Neugestaltung\nunserer Verhältnisse uns der Nothwendigkeit überheben\nwürde, in der Entwicklung der Gründe des Verfalls weiter\nzu gehen. Leider haben wir uns darin getäuscht, und so\nmüssen wir, trotz der hohen Verehrung, die wir Schumann\nals einem der genialsten lebenden Tondichter zollen, un-\numwunden aussprechen, dass gerade ihm die ungünstige\nWendung der Dinge zuzuschreiben ist.\nDie Unfähigkeit Schumann's, in seinem hiesigen Wir-\nkungskreise zu genügen, beruht in seiner ganzen Indivi-\ndualität, die ihm in allen praktischen Verhältnissen hindernd\nin den Weg tritt. Offenbar ist es das ausschliessliche Le-\nben und Weben im Bereiche des musicalischen Schaffens,\nwas Schumann von der Aussenwelt so trennt, dass er nur\neiner kleinen Zahl von Freunden zugänglich bleibt, wäh-\nrend er in allen übrigen Berührungen verschlossen und be-\nfangen erscheint. Es fehlt ihm jede anregende Lebendigkeit,\nSicherheit und Gewandtheit, die dem musicalischen Diri-\ngenten gerade da am unentbehrlichsten ist, wo, wie bei\nuns, das Orchester theilweise, der Chor ganz aus Dilettan-\nten besteht, und nur die grössle Energie und Ausdauer,\nin freundliche, ermunternde Formen gekleidet, alle Kräfte\nin der Spannung zu erhalten vermag, welche einzig und\nallein tüchtige Leistungen ermöglicht. Es ist daher nur zu\nbegreiflich, wesshalb bald nach Schumann's Antritt seiner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5194, "texte": "hiesigen Stellung sich der musicalischen Kräfte eine Lauheit\nbemächtigte, die bei jeder Aufführung lähmender hervortrat.\nUeberdies scheint sich Schumann am Directions-Pulte\nhäufig in einzelne, ihn interessirende Stellen der vor ihm\nliegenden Partitur dermaassen zu vertiefen, dass seine Auf-\nmerksamkeit völlig dadurch absorbirt wird. Wir wissen es\nuns wenigstens nicht anders zu erklären, wenn er die auf-\nfallendsten Fehler im Tactiren sich selbst zu Schulden\nkommen und gleiche dem Orchester ohne irgend eine Be-\nmerkung durchgehen lässt, während er als Zuhörer ein\nscharfes und feines Ohr bekundet. Aber auch wenn diese\ngeistige Abwesenheit nicht eintritt, werden Fehler nur un-\nvollkommen oder gar nicht gerügt, ja, ganze Abschnitte\nfast ohne irgend eine Bemerkung wiederholt, so dass das\nOrchester völlig im Unklaren bleibt, wesshalb.\nTrotz dem immer grösseren Missmuth, ja, der Abneigung,\nunter Schumann zu wirken, scheint er von der Unfähigkeit,\nseiner hiesigen Stellung zu genügen, keine Ahnung zu be-\nsitzen, da er sonst gewiss freiwillig zurückgetreten sein\nwürde. Zwei Umstände tragen hauptsächlich dazu bei, den\nentgegengesetzten Glauben in ihm zu erhalten. Zunächst\nist es der Kreis seines ausschliesslichen Umgangs, der aus\nbegeisterten Jüngern besteht, welche so für Schumann\nschwärmen, dass sie seine Schwächen übersehen, mindestens\nängstlich bemüht sind, sie vor ihm selbst zu verdecken.\nSogar musicalische Blätter, welche irgend ein nicht völlig\ngünstiges Urtheil enthalten, sollen sich selten bis zu ihm\nBahn brechen. Zum Anderen ist es das Verhalten der Di-\nrection des allgemeinen Musik-Vereins. Sie hat sich von\nvorn herein dem Willen Schumann's gänzlich untergeord-\nnet und sich nicht selten durch ihn zu unerklärlichen Ver-\nstössen verleiten lassen. Erst in der letzten Zeit hat sie\nversucht, die Selbstständigkeit in etwa wieder zu erringen,\naber schwerlich Schumann gegenüber je eine directeAeus-\nserung darüber gewagt, dass er den Anforderungen nicht\ngenüge. Wir bedauern Schumann aufrichtig, dass es nicht ge-\nschehen, dass er keinen Freund besessen, der es sich zur Pflicht\ngemacht hätte, ihm offen und ehrlich die Wahrheit zu enthüllen.\nIm Gesang-Verein erreichte der Missmuth eine Höhe,\ndass er Schumann nicht verborgen bleiben konnte. Er sah\nsich daher veranlasst, Tausch die Leitung der Uebungen\nzu übertragen, um sich selbst die der Aufführungen zu re-\nserviren. Was als Resultat einer solchen Theilung zu er-\nwarten war, haben wir in der Aufführung einer Messe von\nHauptmann in unserer Maximilian-Pfarrkirche erfahren; sie\nwar eine solche, dass wir sie nur als eine der heiligen\nStätte völlig unwürdige betrachten können.\nUnter den geschilderten Verhältnissen haben unsere\ndiesjährigen Winter-Concerte begonnen. Das Concert-Co-\nmite des allgemeinen Musik-Vereins eröffnete vor einigen\nWochen die Subscriptionslisten, stellte liberalere Principien\nin Betreff der Programrae und Mitwirkung bedeutender\nVirtuosen „Engagirung erster Künstler\", wie es sich\nausdrückte in Aussicht und gewann so eine genügende\nAnzahl von Abonnenten. Das erste Concert fand am 27.\n\\\nOctober Statt und bot durch Joachim's unvergleichliches\nSpiel hohen Genuss und Entschädigung für alles Verfehlte.\nIm ersten Theile hörten wir zunächst eine Ouvertüre\nJoachim's zu Hamlet. Die Ausführung war indess so man-\ngelhaft, dass uns Joachim als Componist eigentlich fremd\nblieb. Das schwierige Musikstück ging so roh an unserem\nOhr vorüber, dass wir zu keiner Ansicht irgend einer Art\ndarüber gelangen konnten. Auch die\" Begleitung des Beet-\nhoven'schen Concertes für die Violine, der Schumann'schen\nPhantasie für dasselbe Instrument und der Bass-Arie aus\nPaulus gingen so schlecht, dass man häufig von dem Miss-\nbehagen befallen wurde, welches die Furcht vor gänzlichem\nUmwerfen verursacht. Joachim und den Sänger der Arie\nhaben wir wirklich bedauert.\nDer zweite Theil des Concerts wurde durch Mendels-\nWalpurgisnacht ausgefüllt. Schumann hatte Tausch\ndie Leitung überlassen, und unter seiner ruhigen Führung\ngewannen Orchester und Chor vollständige Sicherheit. Er\nleistete somit, was nach kurzer Probe mit den desorgani-\nsirten Kräften zu leisten war. Der Aufführung fehlten in-\ndess die feineren Schattirungen, und ihre Wirkung wurde\ndadurch geschwächt, dass die einzelnen Orchester-Instru-\nmente und Chorstimmen zu wenig in einander griffen und\nverschmolzen, um einen Total-Eindruck hervorzubringen.\nAuch die Bariton-Partie, von der ein wesentlicher Theil\nder Wirkung des ganzen Werkes abhängig ist, konnte\nsich durch Chor- und Orchester-Massen keine genügende\nGeltung erringen.\nTausch lieferte aufs Neue den Beweis eines bedeuten-\nden Directions-Talentes; wir hoffen, den Gesang-Verein in\ndiesem Winter stets unter seiner Leitung wirken zu hö-\nren. Einen Grundsatz empfehlen wir Tausch dabei an, den\nnämlich, dem Vereine keine Aufgaben zuzumuthen, die\nüber seine Kräfte gehen. Hierzu rechnen wir die Auffüh-\nrung des Samson, der Passions-Musik und der Missa \"v-\n--lemnis, welche die Concert-Direction für diesen Winter in\nAussicht stellte. Wenn es den Herren vom Comite etwa\ngenügt, in auswärtigen musicalischen Blättern zu lesen:\n„In den ausgezeichneten Concerten des düsseldorfer allge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 903, "texte": "meinen Musik-Vereins, deren Programme in ihrer rein\nclassischen Richtung sogar die der leipziger Gewandhaus-\nConcerte übertreffen, wurden auch in diesem Jahre die\nMeisterwerke Händers, Bach's und Beethoven's zur Auf-\nführung gebracht\", so möge Tausch bedenken, dass sie\ndurch ungenügende, mangelhafte Aufführungen nur ent-\nweiht werden.\nWir schliessen unseren heutigen Bericht. Wir sprachen\nuns über Schumann unumwunden aus, weil wir im In-\nteresse der Kunst nicht länger schweigen durften. Den\nFreunden Schumann's aber, die unsere Absicht verkennen\nsollten, rufen wir zu, was in diesen Blättern in dem Be-\nrichte über unser letztes Rheinisches Musikfest ausgespro-\nchen wurde: „Das Schaffen ist Schumann's Beruf, und wer\nvon einem, den der Genius dazu gewählt hat, verlangt,\ndass er sich auch in allen praktischen Dingen wie andere\n'Erdensöhne gebahren solle, der verkennt eben die Natur\ndes Genius.\"\n6"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "159", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.5", "titre_corps": "Aus Frankfurt am Main.", "titre_sommaire": "Aus Frankfurt am Main.", "signature_source": "A. S", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.7", "debut_caractere": 905, "fin_caractere_exclue": 5130, "texte": "Aus Frankfurt am Main.\nA. S.\nUnsere Oper hat in jüngster Zeit drei ältere Werke nach viel-\njähriger Ruhe wieder in Scene gebracht, Yestalin, Euryanthe und\ndas unterbrochene Opferfest, deren äusserer Erfolg die Direction\nschwerlich zu mehreren \"V ersuchen dieser Art \\ei anlassen düifte,\ndenn mit Ausnahme des letztgenannten, das der Bassist Dettmer\nzu seinem Benefiz gewählt und damit ein volles Haus gemacht,\nwar der Besuch der beiden anderen ein nur spärlicher, der Beifall\naber gar ein stummer. Dies hat Ihrem Correspondenten recht von\nHerzen wehe gethan, vornehmlich bei Sporltims Werke, das im\nGanzen mit seltener Weihe und Würdigkeit zur Aufführung ge-\nbracht worden. Frau Anschütz darf in der Rolle dei Julia mit\nFug und Recht ein classisches Muster genannt werden. Tadellos\nwar die Auffassung des Werkes Seitens des Capellmeisters G.\nSchmidt und dennoch der Beifall ein stummer! Wahrlich, bei\nsolchen Ergebnissen könnte man an dem gesunden Sinne unseres\nMusik-Publicums etwas irre werden, zumal man dasselbe in den\nMuseums-Concerten drei volle Stunden bei einer infernalischen\nTemperatur ausharren sieht um das Gehörte zum hundertsten\nMale wieder zu hören. Das erste Museum z. B. brachte von Beet-\nhoven die Sinfonie Nr. 2 und Ah perfido, von Mendelssohn das\nViolin-Concert und einige Lieder, von Cherubini die Ouvertüre zu\nAnakreon. Spohr's Nonett (auch noch!!) fiel wegen eines plötzlich\neingetretenen Hindernisses weg. In den lauten Vorwurf, dass Herr\nMusik-Director Messer der alleinige Zusammensteller dieser Pro-\ngramme sei, kann Ihr Corrcspondent darum nicht einstimmen, w eil\nihm/nicht unbekannt ist, dass die jedesmal aufzuführenden Werke\nim Plenum des Vorstandes festgesetzt werden, Herr Messer sie bloss\nvorzuschlagen hat. So lange jedoch diese Aufführungen herkömm-\nlich nur mit einer Probe vorbereitet werden, wünschen wir auf-\nrichtig das Beiseitelassen aller Werke nicht accreditirter Coinpo-\nnisten; denn ihr Schicksal würde bei allem inneren Werthe sicher-\nlich kein erfreuliches sein, sollte gleichwohl der Musik-Director sich\nliebevoll ihrer annehmen, als wären es Producte eigenen Geistes.\nDer Vorstand des Cäcilien-Vereins veröffentlichte so eben die\nProgramme für fünf in der bevorstehenden Winterzeit zu gebende\nConcerte. Danach kommen zu Gehör: a) Josua, von Händel, b)\nStabat mater, von Astorga (zum ersten Male), c) Cantate, „Weinen\nKlagen\", von S. Bach (zum ersten Male), d) der 115. Psalm von\nMendelssohn, e) Hymne nach Milton, von F. Messer (zum ersten\nMale), f) Cantate (B-durJ, von Mozart, g) Missa in D-moll, von\nCherubini, h) Cantate, „Gottes Zeit\", von S. Bach, i) Tod Jesu, von\nGraun, und hj die Passion, von S. Bach.\nDer Umstand, dass beide gewiss achtungswerthe Institute seit\nihrer Existenz separat thätig sind, dem Museum somit keine Sing-\nstimmen, dem Cäcilien-Vereine kein Orchester zur Verfügung steht,\nist die leidige Ursache, dass letzterer in die beschränkte Lage versetzt\nwird, in jedem Cyklus nur einmal mit Orchester auftreten zu\nkönnen. In dem bevorstehenden wird also das zweite Concert mit\nInstrumental-Begleitung Statt finden und darin die von b bis inclu-\nsive e benannten Werke zur Ausführung kommen; alles Uebrige\nbloss mit Clavier-Begleitung. „Die Passion von Bach auch mit Cla-\nvier-Begleitung? !\" höre ich Sie stutzig fragen. Seit Schelble vor\ndreissig und so viel Jahren bei einer Aufführung dieses Werkes\nmit den vorgeschriebenen Instrumenten den Ausspruch gethan ha-\nben soll, dass die Mitglieder des Theater-Orchesters diese Musik\ngehörig vorzutragen nicht im Stande seien, führte er fast alljährlich\ndie Passion bloss mit Clavier-Begleitung auf. Seitdem schwört man\nin die Worte des Meisters und thut in sehr bedauerlicher Weise\nalljährlich des Gleichen. Wo dem Musiktreiben nicht eine gute\nPflege der Kirchenmusik in der Kirche zu Hülfe kommt und\ngleichsam den Stamm bildet, von dem die verschiedenen Zweige\nausgehen, und darin einen Haupttheil der Geschmacks-Cultur fin-\nden, da werden derlei Erscheinungen nicht selten vorkommen und\nwohl auch bis zu einem gewissen Grade zu entschuldigen sein.\nKirchenmusik ist hierorts leider eine Terra incognita, und wird es\nwohl bei den misslichen Verhältnissen der katholischen Kirche\nHierselbst immerhin bleiben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "159", "page_fin": "160", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.6", "titre_corps": "Zweites Gesellschafts-Concert im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Zweites Gesellschafts-Concert im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.7", "debut_caractere": 5132, "fin_caractere_exclue": 6826, "texte": "Zweites Gesellschafts-Concert\nim Casinosaale.\nDinstag, den 8. November.\nEine neue Sinfonie (Nr. 4 in B-moll) von Robert Schu-\nmann eröffnete das Concert. Ueber den hohen Werth des Werkes,\nwelches übrigens schon vor acht bis zehn Jahren geschrieben ist,\nhaben wir uns bereits in Nr. 151 der Rheinischen Musik-Zeitung\nvom 21. Mai d. J. bei Gelegenheit des Berichts über das Nieder-\nrheinische Musikfest in Düsseldorf ausgesprochen. Die gestrige\nAufführung stellte diesen Werth noch weit mehr ins Licht, als die\ndamalige; das Orchester war überhaupt den ganzen Abend vor-\ntrefflich. Die Sinfonie wurde mit lautem Beifalle aufgenommen.\nNach dem 9 8. Psalm: „Singet dem Herrn ein neues Lied\",\nvon F. Mendelssohn, dessen Ausführung die Sicherheit und\nKraft unseres Chors auf imposante Weise bewährte, folgte Beet-\nhoven's Es-dur-Concert für Pianoforte und Orchester, gespielt\nvon Frau Clara Schumann. Da zeigte sich einmal wieder recht\ndeutlich, was eine grosse, wahrhaft schöne Composition, wenn sie\nin ihrem Geiste mit Meisterschaft vorgetragen wird, trotz der Länge\nder Sätze und der Hoheit der Gedanken, auch auf die grosse\nMenge für eine Wirkung macht, weil sie das edlere Gefühl an-\nregt, das in keines gebildeten Menschen Brust jemals ganz erstirbt.\nIn heiliger Stille lauschten die Zuhörer dem Spiele der genialen\nKünstlerin und den Tönen des trefflich begleitenden Orchesters,\nwelches namentlich im Adagio sich mit dem Pianoforte so innig\nvermählte, dass wir uns kaum je einer so vollendeten Ausführung\neines Clavier-Concertstücks erinnern, wie diese in jeder Hinsicht\nwar. Frau Schumann wurde von dem ganz hingerissenen Publi-\ncum am Schlüsse mit stürmischem Beifalle wiederholt gerufen. Im"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2165, "texte": "zweiten Theile trug sie noch einige Lieder ohne Worte von Men-\ndelssohn und eine Romanze von R. Schumann vor. So ausgezeich-\nnet auch das meisterliche Spiel in diesen Stücken war, so blieb\ndoch der Vortrag des Beethoven'schen Concertcs, welcher alles,\nwas man von einem grossen Künstler verlangt, in sich vereinigte,\ndie Krone des Abends.\nDer zweite Theil brachte zunächst eine Ouvertüre zur Oper\n„Don Quixote\" von G. A. Macfarrcn. In der englischen Musik-\nwelt ist Macfarren als der beste National-Componist anerkannt.\nSterndale Bennet erregte durch seine Anfänge, wenn sie auch\ndurchaus nur Abglanz Mendelssohn's waren, grosse Hoffnungen,\nwelche er aber nicht erfüllt hat und jetzt sich fast ausschliesslich\nmit Clavier-Unterricht beschäftigt. Macfarren ist ein sehr gebil-\ndeter Mann und ein durchgebildeter Tonkünstler sein Streben\nein durchaus würdiges. Mehrere Opern von ihm (z. B. Karl II.)\nund ein weltliches Oratorium, „Der erwachte Schläfer\", haben gros-\nsen Erfolg gehabt; seine Sinfonie in Cis-moll, mehrere Lieder und\nStücke für Kammer-Musik sind Composilionen, die einer grösseren\nVerbreitung und Anerkennung werth wären. Er kennt nicht allein\ndie deutsche Musik, sondern auch die deutsche Sprache, so dass er\njüngst Bürger's Leonore für Soli, Chor und Orchester auf den\nOriginal-Text componirt hat. Auch als musicalischer Schriftsteller\nzeichnet er sich aus. Die hier aufgeführte Ouvertüre zur Oper\n„Don Quixote\" ist frisch und nicht ohne Schwung, verräth jedoch\nhier und da gar zu deutlich die Webcr'schen Vorbilder. Sie wurde\npräcis und feurig ausgeführt.\nHandels Ilymne oder Psalm zur Krönungsfeier Georgs 11.\nim Jahre 1727 ist ein Prachtstück, das uns glänzend vorgeführt\nwurde. Das kölner Concert-Institut hat das Verdienst, diese Com-\nposition Händel's zuerst in Deutschland zur Aufführung gebracht\nzu haben (am 21..December 1852): F. Hille r hat die Instrumen-\ntation dazu ergänzt und den Text ins Deutsche übersetzt. Es wäre\nwünschenswert!), dass eine Ausgabe mit diesem deutschen Texte\nveranstaltet würde.\nC. M. v. Weber's Ouvertüre zu Oberon beschloss das\nConcert, das zu den besten und grossartigsten gehörte, welche wir\nnoch gehabt haben."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-11-12-01-c007", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-11-12_01#c007", "volume": "bmtnabi_1853-11-12_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "160", "page_fin": "160", "image_debut": 8, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.8", "debut_caractere": 2167, "fin_caractere_exclue": 5486, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nGraz, 26. Oct. Die Triumphe, die Vieuxtemps hier feierte,\nsind beispiellos. Verflossene Woche gab dieser geniale Künstler\nzwei Quartett-Soireen, bei welchen die Elite des Publicums anwe-\nsend war. Er spielte Quartette von Haydn, Mozart, Beethoven\nin einer Vollendung, wie sie vielleicht hier noch nicht gehört. Am\n24. d. Mts. gab er ein Concert im Theater bei ausverkauftem\nHause. Zum Schlüsse seiner Production flogen dem gefeierten\nKünstler zahllose Bouquette entgegen. Morgen ist sein sechstes\nConcert. Mit an den Triumphen bcthciligte sich Karl Evcrs,\nder treffliche Pianist, der Mendelssohn's C-moll-Trio und Beetho-\nven's .D-Trio spielte.\nDer londoner Theater-Unternehmer Gye ist in Wien gewesen,\num Johanna Wagner für Coventgardens nächste Saison zu\ngewinnen.\nDie italienischen Blätter sind voll von dem Erfolge des Trova-\ntore von Verdi auf allen Theatern. Von Neapel schreibt man\njedoch: Ein Theil der Zuhörer und Zuseher, welche am 3. Oct. in\nS. Carlo waren, wo die Namensfeier des Kronprinzen durch eine\nverfünffachte Beleuchtung des Theaters, durch den prachtreichen\nPutz der Damen, durch die ersten zwei Acte des Trovatore,\ndurch ein Ballet des Herrn Izo, durch neue herrliche Decora-\ntionen erhöht wurde meinen erst später kund geben zu\nkönnen, wie viel von der Summe des Triumphes dem Trovatore\nwird zugerechnet werden können. Bis dahin glauben diese Rechen-\nmeister einstweilen die Course des bisherigen Beifalls der Verdi'-\nschen Musik folgender Maassen notiren zu können:\nJntroduction Stillschweigen.\nCavatina der Sängerin Penco Beifall, Ilcrvorruf.\nRomanza des Sängers Fraschini Stillschweigen.\nTerzetto Finale des 1. Actes Stillschweigen.\nChor Stillschweigen.\nCanzone der Borghi Stillschweigen.\nDuetto, gesungen von der Borghi und Sgr. Fraschini\nviel Beifall.\nAria des Ferri und Finale Stillschweigen.\n\\ 1 1\nStarts. Wilhelmine Claussist vorige Woche, aus der\nSchweiz kommend, hier durchgereis't nach London. Sie wird au\neinen Monat hieher zurückkommen und im December dann doch\nnach Petersburg gehen.\n** Der Aufführung von Meyerbeer's Oper, „Der Stern des\nNordens'4 (Feldlager in Schlesien), auf der Bühne der komischen\nOper stellt sich, dem Gerüchte nach, ein neues Hinderniss entge-\ngen. Und welches? Die gegenwärtige Lage der orientalischen Frage.\nDer französische Bearbeiter des Textes hatte die Scene nach Russ-\nland versetzt und statt der preussischen Truppen und ihres Lagers\nund ihrer Evolutionen Alles von echtem Juchten zubereitet. Nun\nfürchtet man aber, dass das pariser Publicum in seiner gegenwär-\ntigen politischen Stimmung die russischen Manöver auf dem Opern-\nTheater mit denen auf dem Kriegs-Theater an der Donau zusam-\nmenstellen und vielleicht einige unruhige Kundgebungen laut wer-\nden lassen möchte. Es wird also nichts Anderes übrig bleiben, als\ndas russische Grün wieder in berliner Blau zu verwandeln.\nDer Flötist M. G. Scaramclla, ein Zögling des Conservato-\nriums zu Neapel, ist von Rio Janeiro in Paris angekommen. Er\ngilt in Italien für den grössten jetzt lebenden Virtuosen auf seinem\nInstrumente.\nFranzösische Blätter melden, dass der Pianist Döhler schon\nvor einigen zu Rom gestorben sei, und dass man sonder-\nbarer Weise diese Trauer-Nachricht erst jetzt erfahren habe.\nSie hat sich leider bestätigt. Döhler war etwa vierzig Jahre alt."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "153", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.1", "texte": "Ein Urtheil C. M. von Weber’s über Beethoven.\n\nDie verehrten Erben Hans Georg Nägeli's hierselbst,\nwelche sich im Besitze so mancher werthvollen musicali-\nschen und literarischen Schätze ihres hochverdienten Gatten\nund Vaters befinden, hatten die dankenswerthe Güte, uns\nden nachfolgenden Brief zur Veröffentlichung mitzutheilen,\nwelcher gewiss den zahlreichen Verehrern beider Tonmeister\nwillkommen sein wird. Wir geben ihn wortgetreu wieder.\nP P\n„ J. . L .\n„Da meine Verhältnisse sich verändert und mich wie-\nder ganz der Kunst geweiht haben, so ergreife ich den\nersten Augenblick Zeit, der sich mir darbietet, um die\ndurch Herrn von Wangenheim vorbereitete Verbindung\nanzuknüpfen und zugleich für das gütige Urtheil, welches\nSie über meine Compositionen fällten zu danken. Doch\nkann ich nicht umhin, einen Punkt zu berühren, der mir\nzu wichtig ist, als dass ich ihn mit Stillschweigen über-\ngehen könnte. Sie scheinen aus meinem Quartett und der\nCaprice in mir einen Nachahmer Beethoven's zu erblicken,\nund so schmeichelhaft dies auch Manchem sein könnte, ist\nes mir gar nicht angenehm. Erstens hasse ich alles, was\nden Stempel der Nachahmung trägt, und zweitens bin ich\nzu sehr in meinen Ansichten von Beethoven verschieden,\nals dass ich je mit ihm zusammen zu treffen glauben könnte.\nDie feurige, ja, beinahe unglaubliche Erfindungsgabe, die ihn\nbeseelt, ist von einer solchen Verwirrung in Anordnung\nseiner Ideen begleitet, dass nur seine früheren Composi-\ntionen mich ansprechen, die letzteren hingegen mir nur ein\nverworrenes Chaos, ein unverständliches Ringen nach Neu-\nheit sind, aus denen einzelne himmlische Genie-Blitze her-\nvorleuchten, die zeigen, wie gross er sein könnte, wenn er\nseine üppige Phantasie zügeln wollte. Da ich mich nun na-\ntürlich nicht des grossen Genius Beethoven's erfreuen kann,\nso glaube ich wenigstens in logischer und rednerischer Hin-\nsicht meine Musik vertheidigen zu können und mit jedem\neinzelnen Stück einen bestimmten Eindruck zu bewirken.\nDenn nur das scheint mir der Zweck einer Kunst-Ausfüh-\nrung zu sein, aus einem einzelnen Gedanken das Ganze zu\nspinnen, dass in der grössten Mannigfaltigkeit immer die\nEinheit, durch das erste Princip oder Thema erzeugt, her-\nvorleuchte. Etwas Komisches hierüber steht im Morgen-\nblatte Nr. 309 vom 27. December 1809 abgedruckt,\nwelches Ihnen noch zu einem weiteren Beleg meiner An-\nsicht dienen kann.\n„Der Zufall wollte, dass nebst dem Quartette, welches\nich Ihnen zu übersenden die Ehre hatte, gerade auch nur\ndie Caprice abgeschrieben war, daher Sie wahrscheinlich\nschlössen, dass alle meine Compositionen den Stempel des\nBizarren trügen. Ich hoffe aber, wenn ich das Vergnügen\nhaben sollte, Ihnen andere meiner Arbeiten zuzusenden,\ndass Sie wenigstens mein Streben nach Klarheit, Hal-\ntung und Empfindung nicht verkennen werden.\n„Da sie nach Ihren damaligen Aeusserungen das\nQuartett nicht verlegen wollten, habe ich es an Herrn Sim-\nrock verkauft, und ersuche Sie daher ergebenst, es mir so\nbald als möglich unter der Adresse an Carl Marie v.\nWeber, in Darmstadt bei Herrn Hof-Kammerrath\nHoffmann abzugeben zurückzusenden. Herr v. Wan-\ngenheim sagte mir, dass Sie etwas für Ihr Repertorium\ndes Claviers von mir wünschten, und ich bitte Sie, mir\nnur zu bestimmen, in was es bestehen soll» Auch ausser-\ndem wünschte ich sehr, etwas von mir in Ihrem schönen\nVerlage erscheinen zu sehen, und da ich Compositionen\nvon aller Gattung vorräthig habe, so ersuche ich Sie, mir\nnur zu schreiben, was Sie am besten brauchen könnten.\n„Um baldige Antwort bitte ich recht sehr; denn da\nich eine grosse Reise vorhabe, werde ich mich nicht sehr\nlange mehr in diesen Gegenden aufhalten. Indem ich hoffe,\ndass es Sie in Zukunft nicht gereuen wird, mit mir in nä-\nhere Verbindung zu treten, und indem ich Sie zugleich\nwegen meines vielen Geschreibsels um Verzeihung bitte, habe\nich die Ehre, mit ausgezeichneter Hochachtung zu sein\n„Ew. Wohlgeboren\n„ergebenster Diener\n„Carl Marie von Weber.\n„Mannheim, den 21. Mai 1810.\""}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "154", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.2", "texte": "Die Adresse lautet:\n„Sr. Wohlgeboren dem Herrn Naegelui,\n„berühmten Musikverleger. Zürch.\"\nIn mehrfacher Hinsicht interessant ist das Urtheil über\nBeethoven in dieser vertraulichen Herzensergiessung. Es\nbeweis't von Neuem, wie künstlerisches Schaffen und Kritik\nselten mit einander Hand in Hand gehen, wie die eine die-\nser beiden Fähigkeiten auch bei sonst bevorzugten Män-\nnern die ungleich schwächere ist, ja, sein muss, da Gemüth\nund Verstand zwei Factoren unseres Geistes sind, die in\nEiner Person nicht von gleicher Tiefe und Kraft vorhanden\nsein können. Eben so aber beweis't Weber's Ansicht über\nBeethoven's Schöpfungen, wie von dem Anfluge der Eitel-\nkeit und Selbstliebe doch auch eine edlere, bescheidene\nKünstlerseele nicht ganz unberührt bleibt, obwohl gerade\nWeber eine von den liebenswürdigen, mit echt humanem,\nfreiem Sinne begabten Naturen war, welche unter den\nKünstlern selten gefunden werden, am seltensten heut\nzu Tage, wo erst der ungescheuteste Selbstcultus, das an\nallen Strassenecken durch die Jünger und Apostel verkün-\ndigte Evangelium den Herrn und Meister fertig machen\nzu wollen scheint.\nEs waren aber auch innere Ursachen vorhanden,\nwarum Weber bei seiner Beurtheilung Beethoven's leicht\nzu jenen irrigen Behauptungen gelangen konnte. Weber\nwar durch und durch Gesangs-Melodiker, Beethoven der\nMeister des instrumentalen Ausdrucks, der Beherrscher der\nHarmonie in ihrer ganzen Gewalt und Fülle. Beide ver-\nfolgten demnach die entgegengesetzten Zielpunkte im Be-\nreiche ihrer Kunst, und Jeder von ihnen war in seinem\nKreise gross. Weber musste seine Phantasie so weit zü-\ngeln und beschränken, als es das gegebene Wort der\nDichtung erforderte und die Natur der Stimme des Sän-\ngers nothwendig machte. Daher konnte und musste er\n„logisch und rednerisch\" componiren, darum durfte er die\nMannigfaltigkeit überall von der Einheit erzeugt werden\nlassen, darum hatte er sich die Aufgabe zu stellen, nach\nder Hervorbringung eines „bestimmten Eindrucks\" zu\nstreben. Aber die schwache Seite seines Schaffens war es\neben zugleich, dass er diese seine Lieblingsweise auch auf\nseine instrumentalen Compositionen übertrug; ein Irr-\nthum war es, dass er auch in seinen Orchester- und Cla-\nvierwerken die Gesangs-Melodie überall vorherrschen liess,\ndass sie die Instrumentirung bedingte, dass sich ihr die\nIlarmonisirung anbequemen musste. Wie ganz anders bei\nBeethoven, in dessen instrumentalen Riesenwerken die me-\nlodischen Gedanken erst aus dem Schoosse der Harmonie\ngeboren werden, erst aus dem herrlichen Strome der In-\nstrumenten-Masse emportauchen! Aber eben so irrte Beet-\nhoven und das scheint Weber übersehen zu haben —,\nwenn er seine Lieblingsweise auf die Gesangs-Melodie\nübertrug, wenn er oft, ohne dem Stimm-Organ Rechnung\nzu tragen, für dasselbe eben so componirte, wie für das\nOrchester, wenn bei ihm die Begleitung der Instrumente\nnicht selten den Gesang bedingte, wenn sich die Melodie\ndes Wortes der Wirkung seiner gewaltigen, inhaltvollen\nIlarmonieen fügen, ihr unterordnen musste. Aber nirgends,\nweder in den Instrumental- noch Vocalwerken des Meisters,\nfindet sich eine „Verwirrung der Ideen\", nirgends ein\n„Chaos\", nirgends ein „Ringen nach Neuem\", sondern\nüberall nur die Mannigfaltigkeit der Form, welche der des\nInhalts entsprechend ist, des Inhalts, dessen einheitlicher\nZusammenhang jedem Unbefangenen erkenntlich wird, wel-\ncher mit mehr Aufmerksamkeit hin hört, als zur Anhörung\n\\\neiner auf der Oberfläche schwimmenden Gesangs-Melodie\nnöthig ist. Und kann etwas, trotz der Sprödigkeit in der\nStimmenführuug, einheitlicher, verständlicher, geordneter\nsein, als es die einzelnen Gesänge in Beethoven's herrlicher\nOper sind, welche mit ihrer'einfaehen Allgewalt tief in die\nSeele dringen?\nZürich, im November 1853.\n\nAugust Hitzschold.\n\nZimmerman.\n(Nekrolog.)\nKaum sind die Klänge der Seelenmesse für G. Onslow\nverhallt, als man in Paris am 31. October schon wieder\neinen Trauer-Gottesdienst um einen abgeschiedenen Künst-\nler feierte, der sein Leben hauptsächlich dem Berufe der\nKunstlehre gewidmet hatte und einer der grössten\nMeister darin war, die je gelebt haben.\nPeter Joseph Wilhelm Zimmerman war den\n19. März 1785 zu Paris geboren. Sein Vater hatte sich\nals Ciaviermacher dort niedergelassen und bestimmte den\nKnaben, den seine natürliche Neigung schon als zartes\nKind an das Instrument trieb, zum Studium des Pianoforte.\nIm Jahre 1798 wurde er auf das Conservatorium in\nBoieldieu's Ciasse aufgenommen, und schon im folgenden\nJahre trug der vierzehnjährige Knabe den ersten Preis im\nCiavierspiel davon; sein Mitbewerber war Kalkbrenner,\nwelcher den zweiten erhielt. Bei der nächsten Preis-Ver-\ntheilung am 8. December 1800, bei welcher Bonaparte\nals erster Consul gegenwärtig war, spielte er ein Concert"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "155", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.3", "texte": "von Clementi. Zwei Jahre später wurde ihm auch der erste\nPreis für - Composition zu Theil. Rey und Catel, zuletzt\nCherubini, waren seine Lehrer gewesen.\nObwohl diese frühzeitigen grossen Erfolge auf eine\nglänzende Laufbahn als Virtuose oder Componist hinwie-\nsen, so bestimmten doch zum Theil äussere Umstände,\nvor Allem aber seine gründliche musikwissenschaftliche Bil-\ndung und ein entschiedenes Unterrichts-Talent, ihn zum\nLehrer, und in diesem Berufe erwarb er sich als Clavier-\nlehrer und Contrapunktist einen europäischen Namen.\nDie Notwendigkeit, sich eine Stellung, die ihm den\nLebensunterhalt sicherte, zu schaffen, brachte ihn zuerst\nzum Unterrichtgeben. Der Erfolg seiner Methode und seiner\nLehrgabe zeigte sich sehr bald in den Fortschritten seiner\nSchüler. Zimmerman bekam so viel zu thun, dass er\nzwölf Stunden des Tages gab und am 1. Januar 1816\nzum Repetitor der Pianoforte-Classe auf dem Conservato-\nrium ernannt wurde. Im folgenden Jahre wurde er ausser-\nordentlicher und 1820 ordentlicher Professor des Clavier-\nspiels. Als 1821 die Professur für Contrapunkt und Fuge\nerledigt wurde, trug er den Sieg über die Mitbewerber\ndavon; allein da er zwischen den beiden Stellen wählen\nmusste, so zog er es vor, sein Lehramt für das Pianoforte\nzu behalten, und verwaltete dieses unermüdlich und mit\nimmer steigendem Erfolge bis zum 1. October 1848, wo\ner sich von der öffentlichen Wirksamkeit zurückzog. Er\nwurde zum Ehren-Inspector sämmtlicher Piano-Classen\nund zum lebenslänglichen Mitgliede der Prüfungs-Commis-\nsion ernannt. Seit 1830 war er auch Ritter des Ordens\nder Ehrenlegion.\nZimmerman war einer von denjenigen Männern der\nKunst und Wissenschaft, deren Wirksamkeit vorzüglich eine\npraktische ist, die sich weniger in Schriften und Werken\nals an Schülern und Jüngern zeigt, die unmittelbar ins Le-\nben eingreift und durch die Menge und das Talent derer,\ndie das Gelernte weiter tragen, wie ein befruchtender\nStrom bis über weit entfernte Gefilde hinfliesst. Zehn von\nseinen Schülern in der Composition trugen die ersten Preise\nder Akademie davon, und von seinen Ciavierschülern er-\nrangen 59 den ersten und 51 den zweiten Preis bei den\nPrüfungen des Conservatoriums. Er selbst ist nie als Pianist\nöffentlich aufgetreten; er begnügte sich, eine Pflanzschule\nvon Pianisten anzulegen, aus welcher ganz Frankreich ver-\nsorgt wurde.\nAls Componist hat Zimmerman nicht den hohen Ruf\nerreicht, der sich überhaupt in Frankreich nur an Opern-\nComponisten knüpft; allein seine Sachen werden von Ken-\nnern geschätzt, wiewohl die grösseren und besten nicht\nim Druck erschienen sind. Er war trotz seiner ausgebreite-\nten Lehrthätigkeit doch auch im Schreiben lleissig und\nlieferte C o n c e r t e, Sonaten, Variationen, P h a n t a-\nsieen für Ciavier, auch mehrere Lieder. Im Jahre 1830\nwurde eine komische Oper, (die Entfüh-\nrung), von ihm aufgeführt, welche wegen des schlechten\nTextbuches nicht emporkam. Die Partitur einer grossen\nOper, „Nausikaa\", wurde zwar vom Theater-Comite ange-\nnommen, gelangte aber doch nicht zur Aufführung. Im\nJahre 1843 wurde eine Messe von ihm in der Kirche St.\nEustache aufgeführt und einige Jahre später auch ein\nRequiem beide wurden von kundigen Zuhörern sehr\ngerühmt.\nSein theoretisches Werk,\nwird sehr geschätzt. Es zerfällt in drei Theile; die beiden\nersten enthalten eine vollständige Clavierschule, der dritte\ndie Lehre der Harmonie und des Contrapunktes. Als mu-\nsicalischer Schriftsteller hat er mehrere treffliche Artikel in\nperiodische Blätter geliefert.\nZimmerman war Künstler und Weltmann. Sein Haus\nund seine Tafel standen den berühmten Künstlern aller Na-\ntionen offen, und sein Gesellschafts-Saal war lange Zeit\neiner der gesuchtesten von Paris. Man hörte bei ihm treff-\nliche Musik und fand dort in der Regel die grossen Ta-\nlente des Auslandes, welche sich da gern hören Hessen. Er\nhatte ein bedeutendes Vermögen erworben und wendete\nes auf eine durchaus edle Weise an, wie er denn über-\nhaupt als Mensch ein ehrenwerther Charakter war. Auch\nhatte er, um wohlzuthun, nicht erst auf Reichthum ge-\nwartet. Einst, als er noch nichts besass als Schulden, wie\ner selbst zu sagen pflegte, aber eben eine Summe empfan-\ngen hatte, die er zurück zu legen gedachte, kaufte er da-\nfür einem Maler, der ihm seine Noth klagte, ein Gemälde\nab. Nach der Revolution von 1848 unterstützte er aus\nseinen jetzt allerdings reichlichen Mitteln gar viele Musiker\nund Maler, welche keinen Verdienst fanden.\nDas Begräbniss des Dahingeschiedenen war sehr feier-\nlich; das Todtenamt wurde in der Kirche Notre Dame de\nLorelte gehalten, wobei eine Messe und ein Pie Jesu\nvon seiner Composition gesungen wurde. Von da begab\nsich der Zug nach dem Kirchhofe von Auteuil, wo er auf\nden Wunsch seiner Familie beigesetzt wurde. Dem Sarge\nfolgten zunächst sein Sohn und seine beiden Schwieger-\nsöhne, deren einer der Componist Gounod ist; unter dem\nGefolge bemerkte man die hervorragendsten Männer aller\nStände, wie Auber, Meyerbeer, Halevy, Adam, Fei. David,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "156", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.4", "texte": "Thomas, Niedermeyer, Scribe, C. Delavigne, 11. Herz, De-\nlacroix, Isabey, Panseron, Goria u. s. w. Der Baron Tay-\nlor hielt die Grabrede.\n\nDas Sax-Piano\n\n*).\nUnsere Zeit ist die Zeit der Wunder! Wer daran\nzweifelt, nehme nur die Zeitungen zur Hand und lese\ndie Anzeigen. Wenn einst jede Spur unserer Civilisation\nverschwunden sein wird und ein künftiger Champollion ein\nBlatt aus unseren Tagen, das sich zufallig in irgend einer\nKrypta erhalten hat, entdeckt und dessen Hieroglyphen\nentziffert, welch ein Staunen wird dann seine Zeitgenossen\nergreifen! „Was für Menschen\" werden die Geschicht-\nschreiber, Redner und Philosophen der Zukunft ausrufen\n„lebten in jenem auf ewig entschwundenen Zeitalter!\nDie tiefsten Geheimnisse der Natur lagen vor ihren Augen\no 0\nenthüllt! Seht da, welche Weisheit, welche Erfolge! „ „ Keine\ngrauen Ilaare mehr\"\" „ „Ewiges Lebenswasser\"\"\n„ „Lob Rob —Du Bafry\"\" welche Namen! sie wie-\ngen Jahrhunderte ärmlicher Forschungen auf! Jene Men-\nschen waren unsterblich; da war nichts, Auge, Zahn, Fuss,\nBrust, was sie nicht ersetzten, wenn es verloren ging, oder\numtauschten, wenn es nicht taugte. Die Wissenschaft, die\nKunst, und vor Allem die Industrie hatte sie zu Herren\nihres Schicksals gemacht. 0, warum hat nicht ein einziges\nlebendes Wesen die grässliche Katastrophe überlebt, welche\njene Vorwelt verschlungen hat! Besässen wir nur wenig-\nstens noch die Geheimnisse, mit welchen jene Titanen der\nCivilisation sich die träge Materie unterthan machten zu\nlebendigem Gebrauche und zur Genossin der eigenen Un-\nsterblichkeit! Ist uns ein derartiges Wunder nicht durch\ndas Dasein jenes kolossalen Pianoforte bewiesen, des Wer-\nkes von Sax, der allein mit seinem Instrumente mehr Lärm\nmachte, als ein ganzes Orchester? 0 Himmel, wenn wir so\nglücklich wären, ein einziges Exemplar davon auszugraben!\nDa es sich, wie wir lesen, nicht abnutzte, sondern täg-\nlich an Festigkeit und Tonfülle gewann, was für ein\nWunder von Klang und Akustik müsste das jetzt nach\n4000 Jahren geworden sein!\"\nSo wird man einst unsere Geschichte schreiben! Aber\nwir sind leider noch nicht da, wo uns die antiquarische\nForschung nach 4000 Jahren hinstellen wird. Aufgewach-\nsen unter den Anpreisungen der öffentlichen Blätter, haben\nwir im täglichen Umgang mit der Lobhudelei und ihren\nVertretern durch Erfahrung gelernt, dass die Dinge in der\nWirklichkeit ganz anders aussehen, als auf dem glänzenden\nAnnonciorama der Zeitungen. Wir befinden uns also für\nunsere Personen in einer weit ruhigeren Lage als die zu-\nkünftige Welt zum Urtheilen über die Wunder unserer In-\ndustrie, und wenn z. B. das Sax-Piano, wie es heisst, das\nVorrecht hat, auf die fernste Nachwelt zu kommen, so ha-\nben wir nur den bescheidenen Wunsch, dass der Erbauer\ndesselben ein einziges Exemplar dieses gegenwärtigen Ar-\ntikels in den Leib des Instrumentes einschliesen möge, da-\nmit auch wir für die Nachwelt geschrieben haben!\nMan muss übrigens gestehen, dass, wenn der Erfinder,\nder gelehrte Akustiker die Kunst, zu hören, versteht, er\nauch eben so geschickt ist, von sich hören zu machen. Eine\nverführerische Theorie, auf eine entferr, e Aehnlichkeit mit\ndem Bau der Violine begründet und selbst der Menge leicht\nverständlich, eine so genannte kinderleichte Anwendung des\nSystems auf jedes gute oder schlechte Instrument, Empfeh-\nlung durch grosse Namen, die man nur gar zu willfährig\nin Paris findet, Prüfungen, welche die besten Bürgschaften,\nwenigstens in den Commissions-Berichten, zu geben schei-\nnen, endlich noch gar der Reiz des Spiels und des Gewinns\nbei einer Actien-Gesellschaft wahrlich, wenn das alles\nin unserer Zeit der Speculation nicht den Erfolg sichert,\nwas soll es denn sonst auf aller Welt thun?\nFreilich, bliebe noch irgend einem Zweifel an dem\nWerthe der Erfindung Raum, so könnte man einmal die\nHerren Meyerbeer, Adam, Thomas u. s. w. auf ihr Gewis-\nsen fragen, ob es ihre Meinung sei, durch ihre Unterschrif-\nten die Ueberlegenheit des neuen Piano's über alle bisheri-\ngen ausdrücklich zu verbürgen, oder ob ihre Namen nur\ndie nothwendige Zuthat zu einem Protocoli, zu einer Maass-\nregel der Staats-Verwaltung und Patent-Commission sind.\nWas uns betrifft, so sind wir zu misstrauisch gegen\nunsere persönliche Kenntniss der Sache, und finden in der\nEinsicht und Erfahrung der Männer von Fach, der Forte-\npiano-Bauer von Paris, wenn ihre Rechtlichkeit und Auf-\n\n*) Wir haben in diesen Blättern seiner Zeit von der neuen Er-\nfindung des durch seine Sax-Hörner, Sax-Tuba's u. s. w. mit\nRecht berühmten Instrumentenmachers Sax in Paris, nach\nwelcher er ein Piano mit doppeltem Steg und einer Seiten-\nspannung ober- und unterhalb des Resonanzbodens gebaut,\ngesprochen. Als Anwalt und Einführer derselben in die mu-\nsicalische Welt trat namentlich Fetis, Sax's Landsmann, auf.\nSeitdem ist die Sache durch Zeitungs-Anpreisungen, Commis-\nsions-Berichtc mit grossen Namen u. s. w. bis zu einer\nActien-Unternehmung getrieben worden. Wir geben desshalb\nobigen Artikel (aus dem Album du grand monde für Literatur,\nKunst und Industrie), welcher, obwohl in scherzhafter Ein-\nkleidung, dem Dinge auf den Grund zu gehen scheint, und\nder uns von ehrenwerther Hand zugegangen ist.\nDie Redaction."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "157", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.5", "texte": "Richtigkeit in Anspruch genommen wird, hinreichende Bürg-\nschaften für ein richtiges Urtheil. Wir haben alle Achtung\nvor den oben genannten Namen; allein die grössten Com-\nponisten können sehr mittelmässige Instrumentalisten,\nschlechte Akustiker und ganz schlechte Instrumentenbauer\nsein. Desshalb haben wir uns an diese letzteren gewandt\nund sondern ihre Meinungen in zwei Theile. Ihre Aus-\nsprüche betreffen erstens die Erfindung an sich, die gerin-\ngere oder vollkommnere Richtigkeit des theoretischen\nGrundsatzes, dessen Ursprünglichkeit, die Leichtigkeit oder\nSchwierigkeit der Anwendung u. s. w., zweitens die\nwirklichen zu Tage liegenden Ergebnisse der Erfindung. In\nder ersten Beziehung haben wir natürlich aus einander ge-\nhende Ansichten, je nach Verschiedenheit der einem Jeden\neigenen Anschauungsweise, gefunden, womit wir die Leser\nnicht langweilen wollen; in der zweiten aber eine Ueber-\neinstimmung Aller, was denn doch den Stempel der Wahr-\nheit zu tragen scheint.\nWozu nützt es, Herrn Sax den Ruhm des ersten Ent-\ndeckers der neuen Theorie zu bestreiten? Die neue Theorie\nsoll ganz neue Klangwirkungen hervorbringen. Leistet sie\ndas wirklich? Das ist die ganze Frage. Und bei der Ent-\nscheidung derselben kommt es nicht darauf an, ob das erste\nInstrument, an welchem Sax seine Erfindung anbrachte,\ngut oder schlecht war, sondern das gegenwärtig fertige,\nganz und in allen Theilen aus dessen Werkstatt hervorge-\ngangene Piano muss dem Urtheil zu Grunde gelegt wer-\nden, um so mehr, da nach diesem Muster den Actionären\nihre Instrumente nach und nach geliefert werden sollen.\nNun hat es sich aber gezeigt, dass dieses Instrument\ndie darauf gesetzten Hoffnungen keineswegs rechtfertigt.\nDie folgenden Zeilen sind der kurzgefasste Inhalt der Ur-\ntheile aller bedeutenden Ciavierbauer in Paris. Wir machen\nihn bekannt, weil Keiner von ihnen uns entstehen wird,\nwenn wir in den Fall kommen sollten, unsere Angaben\nbeweisen zu müssen.\n/\nDieses Piano, um wenigstens zehn Centimeter höher\nals die gewöhnlichen Instrumente, zeigt nur in dem Bass\neine Ueberlegenheit an Kraft und Stärke des Tones.\nAllein diese tiefen Töne sind so in einander brausend und\nso metall- oder messingartig, dass sie zugleich wie Trom-\nmel- und Tamtam-Ton klingen und einen auffallenden Ge-\ng^t?satz zu den mittleren Octaven, dem singenden, mithin\nwichtigsten Theile der Claviatur, bilden. Diese mittleren\nOctaven, mit denjenigen der gewöhnlichen Instrumente ab-\nsolut verglichen, sind merklich schwächer als diese, und die\nOctaven des Discants sind verhältnissmässig noch schwä-\neher und ermangeln der reinlichen Zierlichkeit und der Schwin-\ngung des Tons. Die Mechanik ist unter dem Mittelmässigen\nund zeugt von grosser Unerfahrenheit in der Arbeit; der\nAnschlag ist schlecht und die Abdämplung nicht gut. [Das\nErstere dürfte nun wohl zu beseitigen sein das Letz-\ntere scheint uns aber, so viel sich die Sache aus den Be-\nschreibungen beurtheilen lässt, ein schwer abzustellender\nUebelstand. Uebrigens muss dieser Fehler an dem neuen\nPiano arg sein, weil ihn die französischen Ciavierbauer rü-\ngen, deren Instrumente, gegen die der deutschen Fabrica-\ntion gehalten, alle schlecht abdämpfen. Die Red.] Endlich\nist jeder namhafte Fabricant in Paris bereit, unter loyalen\nBedingungen ein jedes seiner gewöhnlichsten Instrumente\ngegen das Sax'sche in die Schranken zu stellen.\n\nPaul Mouriez.\n\nAus Düsseldorf.\nIm verflossenen Frühjahre fühlten wir uns zu einem\nkurzen Berichte über unsere musicalischen Zustände in die-\nsem Blatte veranlasst, in welchem wir leider ein sehr trübes\nBild über dieselben entwerfen mussten.\nWir hofften zu jener Zeit, dass eine Neugestaltung\nunserer Verhältnisse uns der Nothwendigkeit überheben\nwürde, in der Entwicklung der Gründe des Verfalls weiter\nzu gehen. Leider haben wir uns darin getäuscht, und so\nmüssen wir, trotz der hohen Verehrung, die wir Schumann\nals einem der genialsten lebenden Tondichter zollen, un-\numwunden aussprechen, dass gerade ihm die ungünstige\nWendung der Dinge zuzuschreiben ist.\nDie Unfähigkeit Schumann's, in seinem hiesigen Wir-\nkungskreise zu genügen, beruht in seiner ganzen Indivi-\ndualität, die ihm in allen praktischen Verhältnissen hindernd\nin den Weg tritt. Offenbar ist es das ausschliessliche Le-\nben und Weben im Bereiche des musicalischen Schaffens,\nwas Schumann von der Aussenwelt so trennt, dass er nur\neiner kleinen Zahl von Freunden zugänglich bleibt, wäh-\nrend er in allen übrigen Berührungen verschlossen und be-\nfangen erscheint. Es fehlt ihm jede anregende Lebendigkeit,\nSicherheit und Gewandtheit, die dem musicalischen Diri-\ngenten gerade da am unentbehrlichsten ist, wo, wie bei\nuns, das Orchester theilweise, der Chor ganz aus Dilettan-\nten besteht, und nur die grössle Energie und Ausdauer,\nin freundliche, ermunternde Formen gekleidet, alle Kräfte\nin der Spannung zu erhalten vermag, welche einzig und\nallein tüchtige Leistungen ermöglicht. Es ist daher nur zu\nbegreiflich, wesshalb bald nach Schumann's Antritt seiner"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "158", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.6", "texte": "hiesigen Stellung sich der musicalischen Kräfte eine Lauheit\nbemächtigte, die bei jeder Aufführung lähmender hervortrat.\nUeberdies scheint sich Schumann am Directions-Pulte\nhäufig in einzelne, ihn interessirende Stellen der vor ihm\nliegenden Partitur dermaassen zu vertiefen, dass seine Auf-\nmerksamkeit völlig dadurch absorbirt wird. Wir wissen es\nuns wenigstens nicht anders zu erklären, wenn er die auf-\nfallendsten Fehler im Tactiren sich selbst zu Schulden\nkommen und gleiche dem Orchester ohne irgend eine Be-\nmerkung durchgehen lässt, während er als Zuhörer ein\nscharfes und feines Ohr bekundet. Aber auch wenn diese\ngeistige Abwesenheit nicht eintritt, werden Fehler nur un-\nvollkommen oder gar nicht gerügt, ja, ganze Abschnitte\nfast ohne irgend eine Bemerkung wiederholt, so dass das\nOrchester völlig im Unklaren bleibt, wesshalb.\nTrotz dem immer grösseren Missmuth, ja, der Abneigung,\nunter Schumann zu wirken, scheint er von der Unfähigkeit,\nseiner hiesigen Stellung zu genügen, keine Ahnung zu be-\nsitzen, da er sonst gewiss freiwillig zurückgetreten sein\nwürde. Zwei Umstände tragen hauptsächlich dazu bei, den\nentgegengesetzten Glauben in ihm zu erhalten. Zunächst\nist es der Kreis seines ausschliesslichen Umgangs, der aus\nbegeisterten Jüngern besteht, welche so für Schumann\nschwärmen, dass sie seine Schwächen übersehen, mindestens\nängstlich bemüht sind, sie vor ihm selbst zu verdecken.\nSogar musicalische Blätter, welche irgend ein nicht völlig\ngünstiges Urtheil enthalten, sollen sich selten bis zu ihm\nBahn brechen. Zum Anderen ist es das Verhalten der Di-\nrection des allgemeinen Musik-Vereins. Sie hat sich von\nvorn herein dem Willen Schumann's gänzlich untergeord-\nnet und sich nicht selten durch ihn zu unerklärlichen Ver-\nstössen verleiten lassen. Erst in der letzten Zeit hat sie\nversucht, die Selbstständigkeit in etwa wieder zu erringen,\naber schwerlich Schumann gegenüber je eine directeAeus-\nserung darüber gewagt, dass er den Anforderungen nicht\ngenüge. Wir bedauern Schumann aufrichtig, dass es nicht ge-\nschehen, dass er keinen Freund besessen, der es sich zur Pflicht\ngemacht hätte, ihm offen und ehrlich die Wahrheit zu enthüllen.\nIm Gesang-Verein erreichte der Missmuth eine Höhe,\ndass er Schumann nicht verborgen bleiben konnte. Er sah\nsich daher veranlasst, Tausch die Leitung der Uebungen\nzu übertragen, um sich selbst die der Aufführungen zu re-\nserviren. Was als Resultat einer solchen Theilung zu er-\nwarten war, haben wir in der Aufführung einer Messe von\nHauptmann in unserer Maximilian-Pfarrkirche erfahren; sie\nwar eine solche, dass wir sie nur als eine der heiligen\nStätte völlig unwürdige betrachten können.\nUnter den geschilderten Verhältnissen haben unsere\ndiesjährigen Winter-Concerte begonnen. Das Concert-Co-\nmite des allgemeinen Musik-Vereins eröffnete vor einigen\nWochen die Subscriptionslisten, stellte liberalere Principien\nin Betreff der Programrae und Mitwirkung bedeutender\nVirtuosen „Engagirung erster Künstler\", wie es sich\nausdrückte in Aussicht und gewann so eine genügende\nAnzahl von Abonnenten. Das erste Concert fand am 27.\n\\\nOctober Statt und bot durch Joachim's unvergleichliches\nSpiel hohen Genuss und Entschädigung für alles Verfehlte.\nIm ersten Theile hörten wir zunächst eine Ouvertüre\nJoachim's zu Hamlet. Die Ausführung war indess so man-\ngelhaft, dass uns Joachim als Componist eigentlich fremd\nblieb. Das schwierige Musikstück ging so roh an unserem\nOhr vorüber, dass wir zu keiner Ansicht irgend einer Art\ndarüber gelangen konnten. Auch die\" Begleitung des Beet-\nhoven'schen Concertes für die Violine, der Schumann'schen\nPhantasie für dasselbe Instrument und der Bass-Arie aus\nPaulus gingen so schlecht, dass man häufig von dem Miss-\nbehagen befallen wurde, welches die Furcht vor gänzlichem\nUmwerfen verursacht. Joachim und den Sänger der Arie\nhaben wir wirklich bedauert.\nDer zweite Theil des Concerts wurde durch Mendels-\nWalpurgisnacht ausgefüllt. Schumann hatte Tausch\ndie Leitung überlassen, und unter seiner ruhigen Führung\ngewannen Orchester und Chor vollständige Sicherheit. Er\nleistete somit, was nach kurzer Probe mit den desorgani-\nsirten Kräften zu leisten war. Der Aufführung fehlten in-\ndess die feineren Schattirungen, und ihre Wirkung wurde\ndadurch geschwächt, dass die einzelnen Orchester-Instru-\nmente und Chorstimmen zu wenig in einander griffen und\nverschmolzen, um einen Total-Eindruck hervorzubringen.\nAuch die Bariton-Partie, von der ein wesentlicher Theil\nder Wirkung des ganzen Werkes abhängig ist, konnte\nsich durch Chor- und Orchester-Massen keine genügende\nGeltung erringen.\nTausch lieferte aufs Neue den Beweis eines bedeuten-\nden Directions-Talentes; wir hoffen, den Gesang-Verein in\ndiesem Winter stets unter seiner Leitung wirken zu hö-\nren. Einen Grundsatz empfehlen wir Tausch dabei an, den\nnämlich, dem Vereine keine Aufgaben zuzumuthen, die\nüber seine Kräfte gehen. Hierzu rechnen wir die Auffüh-\nrung des Samson, der Passions-Musik und der Missa \"v-\n--lemnis, welche die Concert-Direction für diesen Winter in\nAussicht stellte. Wenn es den Herren vom Comite etwa\ngenügt, in auswärtigen musicalischen Blättern zu lesen:\n„In den ausgezeichneten Concerten des düsseldorfer allge-"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "159", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.7", "texte": "meinen Musik-Vereins, deren Programme in ihrer rein\nclassischen Richtung sogar die der leipziger Gewandhaus-\nConcerte übertreffen, wurden auch in diesem Jahre die\nMeisterwerke Händers, Bach's und Beethoven's zur Auf-\nführung gebracht\", so möge Tausch bedenken, dass sie\ndurch ungenügende, mangelhafte Aufführungen nur ent-\nweiht werden.\nWir schliessen unseren heutigen Bericht. Wir sprachen\nuns über Schumann unumwunden aus, weil wir im In-\nteresse der Kunst nicht länger schweigen durften. Den\nFreunden Schumann's aber, die unsere Absicht verkennen\nsollten, rufen wir zu, was in diesen Blättern in dem Be-\nrichte über unser letztes Rheinisches Musikfest ausgespro-\nchen wurde: „Das Schaffen ist Schumann's Beruf, und wer\nvon einem, den der Genius dazu gewählt hat, verlangt,\ndass er sich auch in allen praktischen Dingen wie andere\n'Erdensöhne gebahren solle, der verkennt eben die Natur\ndes Genius.\"\n6\n\nAus Frankfurt am Main.\nA. S.\nUnsere Oper hat in jüngster Zeit drei ältere Werke nach viel-\njähriger Ruhe wieder in Scene gebracht, Yestalin, Euryanthe und\ndas unterbrochene Opferfest, deren äusserer Erfolg die Direction\nschwerlich zu mehreren \"V ersuchen dieser Art \\ei anlassen düifte,\ndenn mit Ausnahme des letztgenannten, das der Bassist Dettmer\nzu seinem Benefiz gewählt und damit ein volles Haus gemacht,\nwar der Besuch der beiden anderen ein nur spärlicher, der Beifall\naber gar ein stummer. Dies hat Ihrem Correspondenten recht von\nHerzen wehe gethan, vornehmlich bei Sporltims Werke, das im\nGanzen mit seltener Weihe und Würdigkeit zur Aufführung ge-\nbracht worden. Frau Anschütz darf in der Rolle dei Julia mit\nFug und Recht ein classisches Muster genannt werden. Tadellos\nwar die Auffassung des Werkes Seitens des Capellmeisters G.\nSchmidt und dennoch der Beifall ein stummer! Wahrlich, bei\nsolchen Ergebnissen könnte man an dem gesunden Sinne unseres\nMusik-Publicums etwas irre werden, zumal man dasselbe in den\nMuseums-Concerten drei volle Stunden bei einer infernalischen\nTemperatur ausharren sieht um das Gehörte zum hundertsten\nMale wieder zu hören. Das erste Museum z. B. brachte von Beet-\nhoven die Sinfonie Nr. 2 und Ah perfido, von Mendelssohn das\nViolin-Concert und einige Lieder, von Cherubini die Ouvertüre zu\nAnakreon. Spohr's Nonett (auch noch!!) fiel wegen eines plötzlich\neingetretenen Hindernisses weg. In den lauten Vorwurf, dass Herr\nMusik-Director Messer der alleinige Zusammensteller dieser Pro-\ngramme sei, kann Ihr Corrcspondent darum nicht einstimmen, w eil\nihm/nicht unbekannt ist, dass die jedesmal aufzuführenden Werke\nim Plenum des Vorstandes festgesetzt werden, Herr Messer sie bloss\nvorzuschlagen hat. So lange jedoch diese Aufführungen herkömm-\nlich nur mit einer Probe vorbereitet werden, wünschen wir auf-\nrichtig das Beiseitelassen aller Werke nicht accreditirter Coinpo-\nnisten; denn ihr Schicksal würde bei allem inneren Werthe sicher-\nlich kein erfreuliches sein, sollte gleichwohl der Musik-Director sich\nliebevoll ihrer annehmen, als wären es Producte eigenen Geistes.\nDer Vorstand des Cäcilien-Vereins veröffentlichte so eben die\nProgramme für fünf in der bevorstehenden Winterzeit zu gebende\nConcerte. Danach kommen zu Gehör: a) Josua, von Händel, b)\nStabat mater, von Astorga (zum ersten Male), c) Cantate, „Weinen\nKlagen\", von S. Bach (zum ersten Male), d) der 115. Psalm von\nMendelssohn, e) Hymne nach Milton, von F. Messer (zum ersten\nMale), f) Cantate (B-durJ, von Mozart, g) Missa in D-moll, von\nCherubini, h) Cantate, „Gottes Zeit\", von S. Bach, i) Tod Jesu, von\nGraun, und hj die Passion, von S. Bach.\nDer Umstand, dass beide gewiss achtungswerthe Institute seit\nihrer Existenz separat thätig sind, dem Museum somit keine Sing-\nstimmen, dem Cäcilien-Vereine kein Orchester zur Verfügung steht,\nist die leidige Ursache, dass letzterer in die beschränkte Lage versetzt\nwird, in jedem Cyklus nur einmal mit Orchester auftreten zu\nkönnen. In dem bevorstehenden wird also das zweite Concert mit\nInstrumental-Begleitung Statt finden und darin die von b bis inclu-\nsive e benannten Werke zur Ausführung kommen; alles Uebrige\nbloss mit Clavier-Begleitung. „Die Passion von Bach auch mit Cla-\nvier-Begleitung? !\" höre ich Sie stutzig fragen. Seit Schelble vor\ndreissig und so viel Jahren bei einer Aufführung dieses Werkes\nmit den vorgeschriebenen Instrumenten den Ausspruch gethan ha-\nben soll, dass die Mitglieder des Theater-Orchesters diese Musik\ngehörig vorzutragen nicht im Stande seien, führte er fast alljährlich\ndie Passion bloss mit Clavier-Begleitung auf. Seitdem schwört man\nin die Worte des Meisters und thut in sehr bedauerlicher Weise\nalljährlich des Gleichen. Wo dem Musiktreiben nicht eine gute\nPflege der Kirchenmusik in der Kirche zu Hülfe kommt und\ngleichsam den Stamm bildet, von dem die verschiedenen Zweige\nausgehen, und darin einen Haupttheil der Geschmacks-Cultur fin-\nden, da werden derlei Erscheinungen nicht selten vorkommen und\nwohl auch bis zu einem gewissen Grade zu entschuldigen sein.\nKirchenmusik ist hierorts leider eine Terra incognita, und wird es\nwohl bei den misslichen Verhältnissen der katholischen Kirche\nHierselbst immerhin bleiben.\n\nZweites Gesellschafts-Concert\nim Casinosaale.\nDinstag, den 8. November.\nEine neue Sinfonie (Nr. 4 in B-moll) von Robert Schu-\nmann eröffnete das Concert. Ueber den hohen Werth des Werkes,\nwelches übrigens schon vor acht bis zehn Jahren geschrieben ist,\nhaben wir uns bereits in Nr. 151 der Rheinischen Musik-Zeitung\nvom 21. Mai d. J. bei Gelegenheit des Berichts über das Nieder-\nrheinische Musikfest in Düsseldorf ausgesprochen. Die gestrige\nAufführung stellte diesen Werth noch weit mehr ins Licht, als die\ndamalige; das Orchester war überhaupt den ganzen Abend vor-\ntrefflich. Die Sinfonie wurde mit lautem Beifalle aufgenommen.\nNach dem 9 8. Psalm: „Singet dem Herrn ein neues Lied\",\nvon F. Mendelssohn, dessen Ausführung die Sicherheit und\nKraft unseres Chors auf imposante Weise bewährte, folgte Beet-\nhoven's Es-dur-Concert für Pianoforte und Orchester, gespielt\nvon Frau Clara Schumann. Da zeigte sich einmal wieder recht\ndeutlich, was eine grosse, wahrhaft schöne Composition, wenn sie\nin ihrem Geiste mit Meisterschaft vorgetragen wird, trotz der Länge\nder Sätze und der Hoheit der Gedanken, auch auf die grosse\nMenge für eine Wirkung macht, weil sie das edlere Gefühl an-\nregt, das in keines gebildeten Menschen Brust jemals ganz erstirbt.\nIn heiliger Stille lauschten die Zuhörer dem Spiele der genialen\nKünstlerin und den Tönen des trefflich begleitenden Orchesters,\nwelches namentlich im Adagio sich mit dem Pianoforte so innig\nvermählte, dass wir uns kaum je einer so vollendeten Ausführung\neines Clavier-Concertstücks erinnern, wie diese in jeder Hinsicht\nwar. Frau Schumann wurde von dem ganz hingerissenen Publi-\ncum am Schlüsse mit stürmischem Beifalle wiederholt gerufen. Im"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "160", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531112-01.1.8", "texte": "zweiten Theile trug sie noch einige Lieder ohne Worte von Men-\ndelssohn und eine Romanze von R. Schumann vor. So ausgezeich-\nnet auch das meisterliche Spiel in diesen Stücken war, so blieb\ndoch der Vortrag des Beethoven'schen Concertcs, welcher alles,\nwas man von einem grossen Künstler verlangt, in sich vereinigte,\ndie Krone des Abends.\nDer zweite Theil brachte zunächst eine Ouvertüre zur Oper\n„Don Quixote\" von G. A. Macfarrcn. In der englischen Musik-\nwelt ist Macfarren als der beste National-Componist anerkannt.\nSterndale Bennet erregte durch seine Anfänge, wenn sie auch\ndurchaus nur Abglanz Mendelssohn's waren, grosse Hoffnungen,\nwelche er aber nicht erfüllt hat und jetzt sich fast ausschliesslich\nmit Clavier-Unterricht beschäftigt. Macfarren ist ein sehr gebil-\ndeter Mann und ein durchgebildeter Tonkünstler sein Streben\nein durchaus würdiges. Mehrere Opern von ihm (z. B. Karl II.)\nund ein weltliches Oratorium, „Der erwachte Schläfer\", haben gros-\nsen Erfolg gehabt; seine Sinfonie in Cis-moll, mehrere Lieder und\nStücke für Kammer-Musik sind Composilionen, die einer grösseren\nVerbreitung und Anerkennung werth wären. Er kennt nicht allein\ndie deutsche Musik, sondern auch die deutsche Sprache, so dass er\njüngst Bürger's Leonore für Soli, Chor und Orchester auf den\nOriginal-Text componirt hat. Auch als musicalischer Schriftsteller\nzeichnet er sich aus. Die hier aufgeführte Ouvertüre zur Oper\n„Don Quixote\" ist frisch und nicht ohne Schwung, verräth jedoch\nhier und da gar zu deutlich die Webcr'schen Vorbilder. Sie wurde\npräcis und feurig ausgeführt.\nHandels Ilymne oder Psalm zur Krönungsfeier Georgs 11.\nim Jahre 1727 ist ein Prachtstück, das uns glänzend vorgeführt\nwurde. Das kölner Concert-Institut hat das Verdienst, diese Com-\nposition Händel's zuerst in Deutschland zur Aufführung gebracht\nzu haben (am 21..December 1852): F. Hille r hat die Instrumen-\ntation dazu ergänzt und den Text ins Deutsche übersetzt. Es wäre\nwünschenswert!), dass eine Ausgabe mit diesem deutschen Texte\nveranstaltet würde.\nC. M. v. Weber's Ouvertüre zu Oberon beschloss das\nConcert, das zu den besten und grossartigsten gehörte, welche wir\nnoch gehabt haben.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nGraz, 26. Oct. Die Triumphe, die Vieuxtemps hier feierte,\nsind beispiellos. Verflossene Woche gab dieser geniale Künstler\nzwei Quartett-Soireen, bei welchen die Elite des Publicums anwe-\nsend war. Er spielte Quartette von Haydn, Mozart, Beethoven\nin einer Vollendung, wie sie vielleicht hier noch nicht gehört. Am\n24. d. Mts. gab er ein Concert im Theater bei ausverkauftem\nHause. Zum Schlüsse seiner Production flogen dem gefeierten\nKünstler zahllose Bouquette entgegen. Morgen ist sein sechstes\nConcert. Mit an den Triumphen bcthciligte sich Karl Evcrs,\nder treffliche Pianist, der Mendelssohn's C-moll-Trio und Beetho-\nven's .D-Trio spielte.\nDer londoner Theater-Unternehmer Gye ist in Wien gewesen,\num Johanna Wagner für Coventgardens nächste Saison zu\ngewinnen.\nDie italienischen Blätter sind voll von dem Erfolge des Trova-\ntore von Verdi auf allen Theatern. Von Neapel schreibt man\njedoch: Ein Theil der Zuhörer und Zuseher, welche am 3. Oct. in\nS. Carlo waren, wo die Namensfeier des Kronprinzen durch eine\nverfünffachte Beleuchtung des Theaters, durch den prachtreichen\nPutz der Damen, durch die ersten zwei Acte des Trovatore,\ndurch ein Ballet des Herrn Izo, durch neue herrliche Decora-\ntionen erhöht wurde meinen erst später kund geben zu\nkönnen, wie viel von der Summe des Triumphes dem Trovatore\nwird zugerechnet werden können. Bis dahin glauben diese Rechen-\nmeister einstweilen die Course des bisherigen Beifalls der Verdi'-\nschen Musik folgender Maassen notiren zu können:\nJntroduction Stillschweigen.\nCavatina der Sängerin Penco Beifall, Ilcrvorruf.\nRomanza des Sängers Fraschini Stillschweigen.\nTerzetto Finale des 1. Actes Stillschweigen.\nChor Stillschweigen.\nCanzone der Borghi Stillschweigen.\nDuetto, gesungen von der Borghi und Sgr. Fraschini\nviel Beifall.\nAria des Ferri und Finale Stillschweigen.\n\\ 1 1\nStarts. Wilhelmine Claussist vorige Woche, aus der\nSchweiz kommend, hier durchgereis't nach London. Sie wird au\neinen Monat hieher zurückkommen und im December dann doch\nnach Petersburg gehen.\n** Der Aufführung von Meyerbeer's Oper, „Der Stern des\nNordens'4 (Feldlager in Schlesien), auf der Bühne der komischen\nOper stellt sich, dem Gerüchte nach, ein neues Hinderniss entge-\ngen. Und welches? Die gegenwärtige Lage der orientalischen Frage.\nDer französische Bearbeiter des Textes hatte die Scene nach Russ-\nland versetzt und statt der preussischen Truppen und ihres Lagers\nund ihrer Evolutionen Alles von echtem Juchten zubereitet. Nun\nfürchtet man aber, dass das pariser Publicum in seiner gegenwär-\ntigen politischen Stimmung die russischen Manöver auf dem Opern-\nTheater mit denen auf dem Kriegs-Theater an der Donau zusam-\nmenstellen und vielleicht einige unruhige Kundgebungen laut wer-\nden lassen möchte. Es wird also nichts Anderes übrig bleiben, als\ndas russische Grün wieder in berliner Blau zu verwandeln.\nDer Flötist M. G. Scaramclla, ein Zögling des Conservato-\nriums zu Neapel, ist von Rio Janeiro in Paris angekommen. Er\ngilt in Italien für den grössten jetzt lebenden Virtuosen auf seinem\nInstrumente.\nFranzösische Blätter melden, dass der Pianist Döhler schon\nvor einigen zu Rom gestorben sei, und dass man sonder-\nbarer Weise diese Trauer-Nachricht erst jetzt erfahren habe.\nSie hat sich leider bestätigt. Döhler war etwa vierzig Jahre alt."}]}