{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_sha256": "458ba4c179fbef6118610953de82c6f85f0c102a0aae70293d6656dbcbe72d5d", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/12/10_01/bmtnabi_1853-12-10_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-10_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "185", "page_fin": "187", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.2.1", "titre_corps": "Die Reform der Opern-Texte.", "titre_sommaire": "Die Reform der Opern-Texte.", "signature_source": "August Hitzschold", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4125, "texte": "Die Reform der Opern-Texte.\n\nDas Preis-Ausschreiben zu Gunsten des besten Opern-\nTextes verlangt eine lyrisch-dramatische Dichtung, Formel\naber Festhaltung des Guten der bisherigen Oper unter Be-\nrücksichtigung der Anforderungen der Gegenwart. Ob und\nwie diesem Verlangen Genüge zu leisten war, werden wir\nbald erfahren. Dass ihm aber zu entsprechen ist, davon\nsind wir fest überzeugt, und müssen desshalb jenes Unter-\nnehmen gegen die Zweifel und Angriffe in Schutz nehmen,\ndie in mehreren sehr beachtenswerthen Artikeln der Süd-\ndeutschen Musik-Zeitung (Nr. 32 u. ff.) dagegen erhoben\nworden sind. Zunächst und hauptsächlich wird an den seit-\nherigen Opern-Texten vermisst wahrhaft dramatische Hand-\nlung und Haltung. Gegenüber den Blüthe-Werken der dra-\nmatischen Dichtkunst ist keine Oper, die hinsichtlich des\npoetischen Inhalts denselben gleich oder auch nur nahe\nkäme. Indessen ist Besseres in dieser Beziehung schon ge-\nleistet worden von den Dichtern des Don Juan, der Ve-\nstalin, des Wasserträgers, der Euryanthe, der Jessonda, der\nJüdin, der Hugenotten, der Stummen u. a. m.; erstrebt,\nmit vollem Ernst und Beruf erstrebt ist das Höchste wor-\nden von R. Wagner in seinen zwei letzten Opern.\nDer dramatischen Opern-Dichtung muss, wie dem\nDrama selbst, eine einheitliche Grund-Idee zur Basis dienen.\nAuszusprechen aber hat sich dieselbe in ganz anderer\nWeise, als im Drama. Die musicalische Kunst verlangt\nihrem innersten Wesen nach vor Allem Mannigfaltigkeit\ndes Stoffes, Mehrseitigkeit seiner Gestaltung. Der Text-\nDichter muss daher von dem Ein-Heldenthume nothwendi-\nger Weise absehen. Göthe's Egmont, Schiller's Fiesco in\neine Oper umzuschaffen, wäre gewiss ein höchst unglück-\nliches Unternehmen. Denn wir haben es in der Oper nicht\nmit dem einzelnen, einfachen Sprech-Organe, sondern mit\nden verschiedenen Strahlen der Gesangstimme zu thun und\ndürfen dabei nicht vergessen, dass zwischen den Darstellern\nund Zuhörern nicht die stillen, stummen Luftwellen liegen,\nsondern die strömenden Klänge des Orchesters fluten.\nDer Held der Oper wird kämpfend vorgeführt werden\nmüssen, wie jeder, aber sein Kampf wird andere Personen,\nseien es Verbündete, seien es seine Gegner, zugleich mit\nin den Vordergrund führen und dort mit thätig erhalten\nmüssen. Dies liegt sowohl im Interesse der Darsteller als\nder Hörer. Besteht eine Helden-Oper zur Hälfte aus einer\nGesang-Partie, kommt der Hauptsänger, sei es ein Raoul,\noder ein Heiling, oder eine Vestalin, fast gar nicht von den\nLampen weg, so muss nothwendig der Darsteller abge-\nspannt, der Hörer ermüdet werden. Die Bühne ist nicht\nder Tummelplatz des Virtuosenthums, daher ist über die\nreizende, aber innerlich unnatürliche Musik eines Rossini\nlängst der Stab gebrochen. Wir wollen nicht einzelne Sän-\nger, sondern ein Ganzes hören, dessen Grundbedingung\naber die Mehrstimmigkeit ist. Wir wollen eine Hand-\nlung, ausgehend von Charakteren, sich entfalten sehen, die\nreich gefärbt und glänzend hervorgehoben werden durch\nFülle und Mannigfaltigkeit des heutigen Orchesters. Und\nim Einklänge mit diesem Genüsse von Herz und Ohr soll\ndem Auge auf der Bühne ein buntes, aber einheitliches\nBild gezeigt werden, dessen Umgebungen Gruppirung,\nBekleidung, Decoration, Beleuchtung unsere Aufmerk-\nsamkeit nächst der Handlung und Musik fesseln.\nDie tieferen, mächtigeren Empfindungen, diejenigen,\nfür welche des Dichters Sprache nicht ausreicht, sind es,\nwelche der Tondichter zu verkünden hat. Daher muss die\neiner Oper zu Grunde liegende Idee allemal eine begei-\nsternde oder ergreifende sein. Was aber erfasst des Men-\nschen Geist und Herz mit mehr Gewalt, als die Wahrheit?\nAlso nicht nur wahre Charaktere, natürliche Leidenschaf-\nten soll der Text-Dichter schaffen, sondern wahre Hand-\nlung, Ereignisse des Lebens uns vorführen. Welches Lebens\naber? Des Lebens der Vergangenheit der Menschheit,\ndesselben, welches stets nur echte Dramatiker zu ihren\nVorwürfen genommen, desselben, welches selbst solche\nDichter zum Vorwurf nehmen müssen, welche, wie Wag-\nner, die historische, die charakteristische Oper kritisch ver-\nneinen. Die Geschichte, dieselbe Macht, von welcher die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5220, "texte": "Menschen in ihrem Glauben, in ihrer Politik, in ihren Sitten\nnichts lernen wollen, sie ist die Mutter der dramatischen\nPoesie. Dem bürgerlichen Schauspiel ist längst sein Urtheil\ngesprochen, die „Schweizerfamilie\" und die Opern ihres\nGleichen haben längst ausgeruht; man verlangt jetzt\nnicht vage, sondern bestimmte und wahre Empfindun-\ngen auf der Welt im Kleinen vorgeführt zu sehen,\nund hier begegnen sich der Zeitgeschmack und die ästhe-\ntische Aufgabe des Dramatikers. Man urtheile über die\nLeichtfertigkeit, die Geschmacks-Accomodation Scribe's in\nder Anlage seiner Opern-Texte, wie man will: zugegeben\nmuss doch werden, dass er in der Stummen, den Hugenot-\nten glückliche Griffe gethan, und der denkende, geist- und\ngeschmackvolle Dichter muss das hier Ergriffene festhalten,\ndaran lernen und Besseres schaffen. Da haben wir den\nKern der Opern-Reform.\nHandlung also, hervorfliessend aus dramatisch nuancir-\nten Leidenschaften, aus individualisirten Charakteren, aus\nSituationen, aus Anschauungen, welche durch gewisse Zeit-\nVerhältnisse bestimmt und gestaltet werden, haben den\nInhalt besserer Opern-Texte zu liefern. Keine Zeiten\naber werden dem Dichter hiefür so ergiebige Fundgruben\neröffnen, als die des Mittelalters. Unversieglich (liesst noch\ndiese Quelle und verspricht der romantischen Oper reichen\nund wechselvollen Stoff. Man dringe nur in die Special-\nGeschichte nicht allein der Länder, sondern der Provinzen\nund Ortschalten ein, und man wird weit mehr finden, als\nman sucht. Jene düsteren, nur halb entwirrten, leiden-\nschaftsvollen Zeiten geben aber, abgesehen von dem Reize\ndes fernen Helldunkels, der Phantasie des Dichters den\nweitesten Spielraum. Und wenn er uns die wahren, d. h.\npoetisch anziehenden Menschen jener Zeit, nicht die wirk-\nlichen, trivialen, noch die chimärischen, gespenstischen Er-\nscheinungen vorführt, wenn er die Rohheit eben so wie\nden Mythus bei Seite lässt, so wird er sich den Compo-\nnisten und gebildeten Hörer gewiss zu aufrichtigem Danke\nverpflichten. Die Teufelei und Zauberei aber, ohne welche\ndie Poesie, selbst die luxuriöseste, recht gut bestehen kann,\nwill die aberglaubenslose und glaubensschwache Bildung\nder gegenwärtigen Generation gänzlich verbannt wissen.\nSie verlangt nach der Schönheit im Glänze der Wahrheit,\nnachdem „ Reinmenschlichen % wie es derjenige sagt, wel-\ncher sich selbst von der Fabel und Allegorie nicht loszu-\nmachen vermag. Liebe und Hass werden die mächtigen\nHebel sein und bleiben, nach welchen des Dichters Hand\nimmer wieder zu greifen hat; aber nicht allein ihr Walten,\nwie es sich in den Geschlechts-Verhältnissen zeigt, sondern\nwie es die verschiedensten und mannigfaltigsten Phasen\ndes Menschenwesens überhaupt durchdringt. Die Conllicte\njedoch, aus denen sich der Kampf, die Gegensätzlichkeit\nder handelnden Personen dramatisch entwickeln wird, wer-\nden nicht etwa nur politischer Natur sein müssen, werden\nnicht immer nur die Hingebung an Vaterland und Freiheit\nzum Vorwurf nehmen wie der Verfasser jener Artikel\nbehauptet —, sondern das gesammte Ringen der Mensch-\nheit, alle Widersprüche ihres Fortschrittes, alle Verneinun-\ngen der höheren Weltordnung können und mögen aus der\nreichen Schatzkammer der Geschichtsquellcn hervorgezogen,\nin das Gold der Dichtung eingekleidet und mit den Perlen\nund Edelsteinen der Töne geschmückt werden.\nMit dem Inhalte muss sich die Form der Oper ver-\nändern, soll sie in ihrer Wirkung dem guten Drama gleich-\nkommen oder vielmehr dasselbe übertreffen. Wie hier das\ngesprochene Wort allein herrscht, wird dort das gesungene,\nder Ton, und der Gedanke, musicalisch im Orchester aus-\ngesprochen, ausschliesslich Platz ergreifen. Musik muss\nAlles sein; der triviale, hässliche, dem Gesang-Organe lä-\nstige und nachtheilige gesprochene Dialog muss gänzlich\nverbannt sein. An seine Stelle tritt, ist schon getreten das\nbegleitete - bei melodiearmen Componisten das accen-\ntuirte, bei erfindungsreicheren das melismatische Recitativ.\nDer Dichter wird sich dazu des fünffüssigen reinen Jam-\nbus, mit dem männlichen und weiblichen Endfusse ge-\nschmackvoll abwechselnd, am besten, am erfolgreichsten\nbedienen. Derselbe sei in der Regel ungereimt, doch kann\nund mag er an den Stellen, welche Mittelglieder zwischen\ndem musicalischen Dialoge und den melodisch abgerun-\ndeten Partieen bilden das ariose Recitativ, die Refrains\nder Chor-Recitative —, mit Endreimen erscheinen. Für\nden Kern der Oper, die hoffentlich bleibende Arie\nund den mehrstimmigen Solo-Gesang, wie die lyrischen\nPartieen der Chöre wird nach wie vor das Reimgedicht in\nverschiedenen jambischen und trochäischen Versmaassen\nPlatz ergreifen. Nur wird hierbei wieder zu beobachten\nsein, dass die schablonenmässige, unfreie Anlage, die un-\ndramatische Breitspurigkeit endlich einmal einer freieren\nHandhabung der poetischen und musicalischen Gedanken\nhier weiche. Die Zweifaltigkeit des Tempo's, das stereo-\ntype Ritornell und Nachspiel, die unnatürlichen Reprisen,\nvor allen aber das Anbringen der Arien, Duetten, Terzet-\nten u. s. w. am falschen Orte, da, wo sie die Handlung\nins Stocken bringen oder ihr oder der Charakterisirung gar\ngeradezu widersprechen, müssen wegfallen. Statt platter\nGemeinplätze und Redensarten muss das Handlung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3824, "texte": "enthaltende Wort eintreten und melodisch tönend ge-\nmacht werden. Der Chor hat in der Regel mithan-\ndelnd aufzutreten. In der deutschen und französischen\nOper ist das schon seither fast immer der Fall gewesen:\ndie lächerlichen Chor-Accompagnements der Italiäner, wo\ndie gesungenen Accorde nur die des Streich-Quartetts ab-\nlösen oder verstärken und lediglich dazu dienen sollen, den\nAthem des Solo-Sängers zu steigern, haben anderwärts\nnur selten Nachahmung gefunden. Dagegen ergeht sich\nhäufig der Chor rellectirend in die Länge und Breite, was\neben so undramatisch ist, wie die selbstgefällige, behäbige\nAusspinnung der Solo-Melodieen. Wenn der Chor Empfin-\ndungen hegt und verrathen muss, so sind die nöthigen,\nvon Ort, Zeit und Handlung gegebenen Gränzen einzuhal-\nten ; oft werden kurze, ein- oder zweizeilige Gedanken hinrei-\nchen und namentlich als Wiederhall der Worte einer eben\nthätigen Hauptperson wie im alt-griechischen Drama—,\noder als Gegensatz dazu wie der Gesang der Soldaten\nzur Pizarro-Arie im „Fidelio\" von ungleich grösserer\nWirkung sein, als endlose lyrisch-melodiöse Anreden und\nO J\nBetrachtungen.\nSoll es mit den Opern-Texten aber wirklich besser\nwerden, so darf endlich der Dichter derselben nicht ferner\nso grundsätzlich ignorirt werden, als es seither der Fall\nwar. Das Publicum zwar wird ihn nach wie vor über die\ngelungene Composition des Buches, über die Vorzüg-\nlichkeit der Darstellung vergessen, bei misslungener Com-\nposition aber ganz unbeachtet lassen. Das liegt nun ein-\nmal in den Verhältnissen. Aber die Componisten mögen\ndem poetischen Mit- oder richtiger Vorarbeiter, wenn auch\nnicht den Vorrang, so doch mindestens die gleichberech-\ntigte künstlerische Stellung einräumen, und ihm nicht\nAenderungen, Umgestaltungen und Einschiebungen an sei-\nnem Werke zumuthen, durch die seine schaffende Kraft\nbeeinträchtigt, seine Intention verkümmert wird. Wohl ist\neinem gegenseitigen Einvernehmen zwischen beiden Künst-\nlern Raum zu geben; hat aber der Dichter echt Drama-\ntisches geliefert, so wolle man ihm seine Schöpfung nicht\ndurch musicalische Launen oder scenische Willkürlichkei-\nten verstümmeln und verleiden. Endlich werden sich auch\nsolche Bühnen-Directionen, welche einer gründlichen Reform\ngünstig gesinnt sind und selbst nach guten Werken ver-\nlangen, geneigt zeigen müssen, durch angemessene Hono-\nrare oder Gewährung eines verhältnissmässigen Antheils an\nden Tantiemen den strebsamen Dichter aufzumuntern und\nfür seine bescheidene Stellung dem Publicum gegenüber\neiniger Maassen zu entschädigen.\nWir haben in den vorstehenden kurzen Bemerkungen\nalso nur der Reform der Opern-Texte das Wort gere-\ndet. Wer daher von der Nothwendigkeit einer Revolu-\ntion der Oper überzeugt ist, dem werden unsere Vor-\nschläge nicht genügen; dass es aber mit solch einer Revo-\nlution nicht so ernstlich und gefährlich gemeint ist, als es\nbeim ersten Hinblicke scheint, wird jeder Unbefangene ein-\nsehen, der die Plane der Revolutionärs mit den Mitteln ih-\nrer Ausführung vergleicht.\nR. Wagner muss erst thatsächliche Beweise für\ndie Urngestaltungen bringen, die er für nöthig erklärt. Was\ndie Form des Worttheils des „musicalischen Dramas'1 be-\ntrifft, so spottet er in seiner Theorie scharf über den fünf-\nfüssigen Jambus, und noch schärfer über die Endreime.\nUnd dennoch enthalten seine Opern-Texte Jamben und\nEndreime in Hülle und Fülle! Wir denken, es ist für jetzt\ngenug erreicht, wenn wir Texte entstehen sehen, deren\nVersbau sich demjenigen anschliesst, mit welchem unsere\nbesten Dramatiker gewirkt, mit welchem ein Schiller, ein\nGöthe das Drama auf den Höhepunkt gehoben haben, über\nwelchen hinaus bis jetzt noch kein neuerer Dichter gestie-\ngen ist. Wäre der poetische Theil der Oper so weit ge-\nbracht, so könnte man damit einstweilen wohl herzlich zu-\nfrieden sein.\n\nAugust Hitzschold."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-10_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "187", "page_fin": "189", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. 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Das letztgenannte Werk, das in Paris Sensa-\ntion machte, hat in Berlin dadurch einen schlimmen Stand,\ndass der, wenngleich etwas abenteuerliche, so doch amü-\nsante Stoff durch eine hier oft gegebene Posse, „Guten\nMorgen, Herr Fischer,\" bereits abgenutzt ist, Bei der\nersten Vorstellung schien ausserdem das Schauspiel-, nicht\ndas Opern-Publicum zugegen; so wurde denn auch die\nFeinheit der Musik wenig verstanden. Grisar's Musik ist\nnicht gleichmässig gut, aber reich an graziösen und geist-\nreichen Einzelheiten; namentlich ist das Quartett, das dem\nStücke den Namen gibt, meisterhaft. In der Ausführung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5251, "texte": "zeichneten sich namentlich Hr. Düffke (Doctor Tirilofolo)\nund Frl. Trietsch (Colombine) aus. Das „Geheimniss\"\nist ein altes Stück, das früher durch Unzelmann's Komik\nsehr beliebt gewesen sein soll; es ist für die heutige Zeit\nsowohl im Stoffe als in dem musicalischen Theile zu ein-\nfach. Aus dem übrigen Repertoire sehen Sie, dass an unse-\nrer Bühne noch immer ein recht gutes Streben herrscht.\nReichen auch die Kräfte nicht immer aus, so sind sie doch\nganz respectabel, z. B. im Vergleich mit der hamburger\nOper, die ich kürzlich bei Gelegenheit des Tannhäuser hörte.\nDie Herren Salomon und Form es sind in sichtbarem\nFortschreiten begriffen und entschädigen uns dafür, dass\nvon den früheren Sternen mancher mehr und mehr er-\nbleicht. So war z. B. die Vorstellung der Olympia, mit\nAusnahme des Cassander, den Hr. Pfister gab, sehr ge-\nlungen; die Damen Wagner und Köster finden in den\nRollen der Statira und Olympia ihre eigentümlichste Na-\ntur schon fertig ausgeprägt, Mehr Lücken zeigten sich in\nder Aufführung der Armide. Frl. Wagner wurde nach\nihrer Urlaubsreise mit vieler Theilnahme vom Publicum em-\npfangen. Wenngleich ihre Technik immer weniger dazu\nhinreicht, die beiden Extreme zu vereinigen, nämlich eine\nimponirende Tiefe mit einer leicht ansprechenden und wohl-\nthuenden Höhe, so bleibt sie doch eine grosse dramatische\nSängerin, und wir können der wiener Kritik keineswegs\nbeistimmen, wenn sie ihre Stimme für ruinirt erklärt. Eine\nStimme, die etwa zwölf Töne (von bis zum zweigestriche-\nnen e inclusive) von vorzüglicher und seltener Schönheit\nhat, wird schwerlich als ruinirt gelten können. Der Tages-\ngeschmack findet Vergnügen daran, Alles auf die Spitze zu\nstellen; man kann manche ästhetische Verirrung der treff-\nlichen Sängerin beklagen und sich dagegen erklären; man\nkann der Meinung sein, dass sie die natürlichen Gränzen\nihres Materials überschreitet; aber wer diese Stimme so\nschlechthin für ruinirt hält, für den wird es auf der Erde\nwohl wenige Stimmen geben. Bei dieser Gelegenheit\nseien mir noch ein paar Worte über Frl. Marschalk ge-\nstattet. Sie finden die Stimme derselben nicht so gross, als\nSie nach den berliner Berichten erwartet hatten. Ich kann\nnur nach dem Eindrucke des Opernhauses berichten, das\nwenige Organe so gut zu füllen vermochten, als dieses.\nDavon lag aber der Grund eben so sehr in der intensiven\nKlarheit des Tones, als in dem Volumen; und die erstere\nEigenschaft rechne ich nicht weniger zur Grösse des Tones,\nals die letztere. Möglich, dass das Volumen dieser Stimme\nnicht so-bedeutend ist; aber die Tragweite ist vorzüglich.\nUebrigens freuen wir uns, dass Frl. Marschalk sich auf eine\nBühne begehen hat, die ihr bessere Gelegenheit gibt, sieh\nmit den höheren Aufgaben des Gesanges zu beschäftigen,\nals die hiesige es augenblicklich vermochte.\nSoireen für Instrumental-Musik kam manches neue Werk\nzum Vorschein: zwei Tyio's, von Bargiel und Blumenthal,\nein Quartett, von A. Stahlknecht, eine Clavier-Sonate, von\nGolde, und in den Sinfonie-Soireen für uns wenigstens\nneu die D-dur-Suite von Seb. Bach. An dem Trio von\nBargiel, das Beferent selbst nicht gehört hat, wird eine\netwas manierirte, modern-düstere Färbung getadelt; die\nCompositionen von Golde und Blumenthal sind geschickt\nund mit einer gewissen Eleganz gearbeitet, ragen aber nicht\ndurch besondere Tiefe und Eigenthümlichkeit des Inhalts\nhervor. Sehr anerkennungswerth ist das Streich-Quartett\nvon Stahlknecht, das mit bedeutendem Geschick gearbeitet\nist und auch durch seinen Inhalt zu fesseln vermag. Von\nder Bach'schen Suite fanden namentlich der zweite und\ndritte Satz vielen Anklang. Hoffentlich werden wir das in-\nteressante Werk, in dessen zweitem Satze die selbststän-\ndige Bewegung der einzelnen Stimmen einen hohen Reiz\nausübt, häufiger hören. Wie es heisst, wird in einem der\nnächsten Sinfonie-Concerte die vierte Sinfonie von Schu-\nmann zur Aufführung kommen. Dass man auch Ulrich s\nPreis-Sinfonie nicht ausser Acht lassen wird, ist wohl mit\nRecht anzunehmen. Die Sing-Akademie, die kürzlich\nden Radziwill'schen Faust und den Messias zur Aufführung\nbrachte, hat lirn. Blumner, den Componisten desColum-\nbus, über den ich Ihnen im vorigen Jahre berichtete, zum\nzweiten Director gewählt. Wir haben bis jetzt noch keine\nProben von seinem Directions-Talente; doch scheint uns,\nnach seinen sonstigen künstlerischen und persönlichen Eigen-\nschaften, die Wahl eine glückliche. Der Dom-Chor, der\nerst kürzlich von einer Concert-Reise nach Hamburg zu-\nrückgekehrt ist, wird in nächster Woche mit seinen Soireen\nbeginnen; er hat sich in jüngster Zeit mit mehreren Com-\npositionen von Sigismund Neukomm, der seit einigen\nMonaten in Berlin lebt, beschäftigt und wird dieselben in\nder neuen Schloss-Capelle zur Auflührung bringen. Der\nStern'sche Verein hat die Chöre aus Mendelssohn's Christus\nunserem Publicum vorgeführt; der Eindruck derselben war\nkein bedeutender, die Ausführung von Seiten des Chors\nvorzüglich. Von grossem Interesse war für uns ein\nConcert, welches das hiesige, durch Marx, Kullak und\nStern vor drei Jahren begründete Conservatorium veran-\nstaltet hatte. Wie es scheint, ist das junge Institut in er-\nfreulichem Zunehmen; wir wollen wünschen, dass es mit\nder Zeit ein wahrer Mittelpunkt des hiesigen so regen und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1247, "texte": "in vieler Beziehung so gebildeten Musiklebens werde. Dass\ndas erste öffentliche Auftreten einer drei Jahre alten Musik-\nschule noch manche Lücken zeigt, ist natürlich. Als eine\nsolche Lücke können wir es betrachten, dass ausser den\neigenen Compositions-Versuchen uns nur Leistungen im\nPianoforte-Spiel und im Gesänge vorgeführt wurden. Die\nInstrumental-Schüler wirkten nur in dem durch Accessisten\nder Königlichen Capelle verstärkten Orchester mit, das\nübrigens, theils vom Musik-Director Stern, theils vom Mu-\nsik-Director Wieprecht geleitet, sehr exact spielte. Die\nPianisten (Herren Reubke, Papendieck, Frl. P a u 1 i n e\nFried he im) zeichneten sich sämmtlich durch grosse Sau-\nberkeit und Klarheit des Spiels, durch Fertigkeit und ver-\nständige Auffassung aus. Eine Kirchen-Cantate von Frl.\nFriedheim zeugte von gründlichem Studium, namentlich der\nprotestantischen Meister, und von dem Streben, auch grös-\nseren Gestaltungen gewachsen zu sein. Grössere subjective\nFreiheit, aber auf der anderen Seite weniger Ernst fanden\nwir in einer Ouvertüre von Reubke. Der schwächste Theil\ndes Concertes war eine Gesanges-Leistung, die uns Frl.\nSchmidt vorführte; darin also bleibt unser Conservato-\nrium dem allgemeinen Charakter der Zeit getreu.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-10_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "189", "page_fin": "190", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.2.3", "titre_corps": "Pariser Briefe.", "titre_sommaire": "Pariser Briefe.", "signature_source": "B. P", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.5", "debut_caractere": 1249, "fin_caractere_exclue": 4955, "texte": "Pariser Briefe.\n\n(Schluss. S. Nr. 23.)\n[Pepito, Operette von J. Offenbach. Die Italiäner.]\nDas Theätre des Varietes hat einen Versuch gemacht,\nsich wieder in die musicalische Sphäre zu schwingen, und\ndazu ist ihm unser Landsmann Jakob Offenbach be-\nhülflich gewesen. Des allzu langen Wartens vor den Pfor-\nten der komischen Opernbühne des Herrn Perrin müde,\nhat OfFenbach seine Partitur dem Director des obengenann-\nten Theaters angeboten, und sie ist am 28. October dort\nmit Erfolg aufgeführt worden. Das Buch ist von den Herren\nLeon Battu und Moineaux und liefert ein kleines eina ct i-\nges Liebes-Drama, das zwar eben nicht neu, aber ganz\nhübsch ist. Es dreht sich um die schöne Besitzerin einer\nPosada in Spanien, aus deren Herzen ein Freund des ab-\nwesenden Verlobten diesen verdrängt und zu gleicher Zeit\neinen Nachbar, den Figaro des Ortes, der ebenfalls sein\nNetz nach der jungen Wirthin auswirft, anführt und aus\ndem Felde schlägt. Diese Drei bilden das ganze Personal\nder Operette.\nDie Mus'k ist gefällig und frisch, entbehrt nicht des\nReizes der Melodie und zeigt offenbare Anlage des Com-\nponisten zu geschickter scenischer Behandlung eines musi-\ncalischen Gedankens. Die Ouvertüre könnte vielleicht Man-\nchem gar zu spanisch vorkommen, nicht wegen allzu küh-\nner harmonischer Combinationen, die ja auch da nicht\nhingehören, aber im eigentlichen Sinne des Wortes wegen\ndes Fandango, Bolero, Tambourin und Castagnetten, was\nalles zusammen darin sein Spiel treibt. Die übrigen sechs\nNummern erhielten alle Beifall; ein Terzett bei Tische mit\neinem eingeschalteten Trinkliede machte am meisten Ein-\ndruck, das Trinklied (für Tenor) musste wiederholt werden.\nDie Romanzen-Couplets für Sopran und ähnliche für Tenor\nbieten angenehme Melodieen. Wenn die komische Arie des\nVertigo (des Nachbars, welcher zugleich Wirth, Barbier,\nZahnarzt, Wundarzt, Post-Director und Serpentbläser in\nder Kirche ist), wie es scheint, eine absichtliche Parodie\nder berühmten Figaro-Arh von Rossini ist, so ist sie als\nsolche gelungen; ohne jene Absicht würde sie eine\nstarke Reminiscenz sein. Wir werden uns freuen, wenn\nder Erfolg dieses Debüts Herrn Offenbach die Thore der\nkomischen Oper öffnet und wir ihm dort mit einem grös-\nseren Werke wieder begegnen. Wir müssen aber zugleich\nwünschen, dass die Freunde des Componisten, welche in\nmanchen Journalen von dieser Bluette wie von einer komi-\nschen Oper ersten Ranges sprechen, nicht durch allzu hoch\ngespannte Erwartungen der Aufnahme des nächsten dra-\nmatischen Erzeugnisses seiner Muse Schaden thun mögen.\nDass Offenbach Talent zu dieser Gattung von Musik besitzt,\nhat er durch den „Pepito\" bewiesen; allein von hübschen\nCouplets-Melodieen bis zu den grossen Ensemble-Stücken\neiner komischen Oper liegt noch eine Kluft, über welche\nman nur durch ein ausdauerndes, eifriges Studium der treff-\nlichen älteren Meister der französischen Schule und durch\nangestrengte, gründliche eigene Arbeit hinwegklimmen, die\nman aber nicht auf den Schwingen der lobpreisenden öf-\nfentlichen Blätter überfliegen kann.\nDie Italiäner haben in ihrer zweiten Vorstellung die\nParodi und Mario, in der dritten auch noch die Frez-\nzolini vorgeführt, jene in der diese in\nden Puritani.Es fehlt nicht an Sticheleien und Witzen der\nKritik über die ganze Zusammensetzung des Sänger-Per-\nsonals. Und sie treffen meist richtig und scharf. Die Cru-\nvelli, die Lagrange, ein Belletti, Calzolari, Bettini was\nsollen wir mit dieser Jugend? Das Publicum will Talente,\ndie unter seinen Augen im Dienste der Musen ergraut sind.\nEs hat ein Vierteljahrhundert lang dieselben Melodieen ge-\nsummt und geträllert, es will also auch nur denen seine\nSympathie schenken, welche diese Melodieen ebenfalls fünf-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1633, "texte": "undzwanzig Jahre lang gesungen haben. So ist denn eine\nGesellschaft zusammengekommen, in welcher alle Stile der\nMusik und alle Jahreszeiten des Menschenalters ihre Ver-\ntreter haben. Dazu der grosse Meister Alary, welcher\nmit seinem Kopfe für die vollendete Aufführung bürgt,\ndenn er hat selbst eine grosse Polka in drei Acten, betitelt\nr,Le treNozzeu (die drei Hochzeiten), geschrieben und\neinen „ Sardanapaleu, dessen tragische Musik nur ein rus-\nsisches Publicum zu würdigen verstanden hat. Daher denn\ndie glänzende Aufführung der Lucrezia, bei der es so still\nwar, dass man Donizetti im Grabe sich umdrehen hören\nkonnte. Doch nein, man klatschte, als Mario auftrat: als\nwohlerzogener Sänger bedankt er sich höflich und singt.\nMan sieht mit einer gewissen Ueberraschung einander\nan und lässt ihn singen, ohne ihn nur im Geringsten zu\nunterbrechen. Seine Stimme ist fein, dünn, zart wie die\nStimme eines Chorknaben geworden. Siehe da, die Parodi!\nIhr Gesicht ist mit einem Schleier bedeckt, ihre Stimme\ndessgleichen; trotzdem trägt sie die Farben der Leiden-\nschaften, des Zornes, der Rache, so dick wie möglich und\nrecht americanisch handgreiflich auf. Ah, die Gräfin Pepoli\n(Alboni)! Dieser frische Cherubino fordert als Orsini in\nseinem schottischen Costume mit blossen Waden jede Syl-\nphide an Schlankheit heraus. Aber sie singt, sie schlägt in\nder Romanze einen Triller, einen Triller, der 2000\nFrancs jeden Abend kostet Ei was, wer wird mit dem\nTalente rechnen? Rosten nicht die Parodi, Alboni, Mario\nund Tamburini dem kühnen Director allabendlich beinahe\n5750 Francs? Und ihr Undankbaren seid noch nicht zu-\nfrieden ?\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-10_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "190", "image_debut": 6, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.2.4", "titre_corps": "Johannes Schornstein.", "titre_sommaire": "Johannes Schornstein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.6", "debut_caractere": 1635, "fin_caractere_exclue": 3128, "texte": "Johannes Schornstein.\nElberfeld, den 4. Decembcr 1853.\nIch habe Ihnen einen grossen Verlust zu berichten,\nder unsere Musik-Zustände betroffen hat. Gestern raffte\nnämjich der Tod unseren städtischen Musik-Director Joh.\nSchornstein in seinem 65. Jahre hinweg. Ein Schlagnuss\nmachte ganz unerwartet in der Nacht seinem thätigen Leben\nein Ende. Er bekleidete über vierzig Jahre die Stelle des Or-\nganisten an der reformirten Kirche, des Directors des Ge-\nsang-Vereins und der Casino-Concerte und gab den Gesang-\nUnterricht am Gymnasium. Schornstein war ein gründlich\n«J W\ngebildeter Musiker und dabei ein geistvoller und kenntniss-\nreicher Mann. Er war der eigentliche Begründer der nie-\nderrheinischen Musikfeste, denen er von Anfang an die\ngrossartige Richtung vorzeichnete, welche sie in dem ersten\nJahrzehend ihres Bestehens unter seiner steten Mitwirkung\ndurch Rath und That, und später unter Ries und Mendels-\nsohn verfolgten. Seiner Liebe zur classischen Musik blieb\ner stets treu und wirkte mit unablässigem Eifer für die\nVerbreitung derselben. Er war es, der in der Rheinprovinz\nzuerst die Händel'schen Oratorien und die Beethoven'schen\nSinfonieen einheimisch machte. Er zeichnete sich als tüch-\ntiger Dirigent aus und stand durch die Gabe der richtigen\nAuffassung und durch seine kritische und ästhetische Bil-\ndung bei allen Musikern in hoher Achtung. Zugleich war\ner ein trefflicher Lehrer und hat besonders in früheren\nJahren manches musicalische Talent zu schöner Blüthe\nausgebildet."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-10_01#c005", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "190", "page_fin": "191", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.2.5", "titre_corps": "Aus Bonn.", "titre_sommaire": "Aus Bonn.", "signature_source": "G r", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.6", "debut_caractere": 3130, "fin_caractere_exclue": 5691, "texte": "Aus Bonn.\n\nDen 0. Decernbcr 1853.\nUnsere Concert-Direction entwickelt seit einigen Jahren eine\nausserordentliche Thätigkeit, wozu Sie, verehrter Herr Professor,\nwie wir durchaus nicht vergessen haben, nicht wenig beigetragen.\nDie Anregung, welche Sic in der Zeit Ihres Hierseins dem musi-\ncalischen Leben und besonders dem Orchester gegeben, wird von\nunserem Musik-Director, Herrn von Wasielewski, wacker fest-\ngehalten und mit regem Eifer fortgesetzt. Er, ein Jünger der ech-\nten Kunst, versteht es, den Mitwirkenden gleiche Liebe und gleiche\nBegeisterung für die Sache einzulassen, wobei ihm die Concert-\nDirection treulich zur Seile steht. Nur dadurch lassen sich so er-\nfreuliche Resultate erzielen, wie sie uns jetzt vorliegen. Besonders\nanzuerkennen ist es, dass man neben den anerkannt classischen\nWerken dem Publicum auch die bedeutenderen Werke der Neu-\nzeit vorführt, welcher Weg als richtig bezeichnet werden kann*\naber leider von den Städten, welche durch ihre Geldmittel und\nKünstlerkräfte vor allen anderen dazu berufen wären, nicht\nbeachtet wird. Es ist freilich eine leichtere Sache, zu rufen: „Las-\nset die Todten leben!\" Die sind anerkannt, und da läuft man nicht\nGefahr, sich zu blamiren, oder auch einen Mitbewerber, dessen\nGenie andere Bahnen geht, zur Geltung kommen zu lassen. Nun,\nwenn man nicht wüsste, „dass Alles schon dagewesen\", so könnte\nman verzweifeln; aber so bleibt der Trost, dass die kommende Ge-\nneration auch den jetzt Lebenden, wenn sie dahingegangen, der-\neinst zurufen wird: „Lasset die Todten leben 1\"\nSie werden fragen: Wozu diese Abschweifung? Nun, das Werk,\ndas wir eben gestern hörten, war von Rob. Schumann: „Das\nParadies und die Peri'V ein Werk, so reich an Schönheiten*\nwie das Land, w elches den Stoff zur Dichtung lieferte. Leber das\nWerk ausführlich zu spreschen, würde mich zu weit führen. Ich werde\nmich bloss mit der Aufführung beschäftigen, die des Werkes würdig\nwar, indem von Seiten der Direction und des wackeren Dirigenten\nnichts versäumt worden, was ein Gelingen möglich macht. Die Direc-\ntion hatte zur Vervollständigung des Orchesters mehrere Künstler aus\nKöln herangezogcu, so wie auch zu Solo-Particcn Hrn. E. Koch\nund eine brave Dilettantin, Frl. M. aus Köln, für die Altpartie.\nWer das Werk kennt, weiss, dass von Seiten der Soli, des Chores\nund Orchesters viel verlangt wird, und müssen wir gestehen, dass\nalle Theile ihre Aufgabe würdig lös'ten, was um so mehr anzuer-\nkennen, da die Solo-Partieen, mit Ausnahme des Hrn. Koch, in\nHänden von Dilettanten waren. Frau W....r sang die Peri mit so"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2182, "texte": "viel Ausdruck, mit so schöner Nuancirung, an welcher die Partie\nso reich, mit so viel Ausdauer, dass wir ihr mit Freuden Lob\nspenden. Nicht minder schön sang Frl. N. die Nummer: „A erlas-\nsener Jüngling\" welch rührender Vortrag wohl manches Jüng-\nlings Herz ergriffen hat. Frl. F. sang die Arie der Jungfrau so\nvortrefflich, als sie eben auch eine der trefflichsten Nummern\ndes Werkes ist. Freuen wir uns, dass diese Damen unserer Stadt\nangehören ! Frl. M. aus Köln, welche mit der grössten Bereitwil-\nligkeit die Altpartie schnell übernommen, reihte sich den Vorbe-\nnannten würdig an, und fühlen wir uns doppelt verpflichtet, ihr\nunseren Beifall und Dank zu zollen. Ist die Partie der Peri auf-\nfallend durch ihre Höhe, so ist es die Tenor-Partie nicht minder\ndurch ihre Tiefe, und es wird wenige Tenoristen geben, welche\nsie so ausgezeichnet singen, als Hr. Koch, der mit seiner Höhe\neine markige Tiefe verbindet, dass man einen schönen, klangvollen\nBariton zu hören glaubt.\nDa die Partie meistenteils declamatorisch gehalten, so fand sie\nauch darum noch ganz besonders in Hrn. Koch den würdigsten\nRepräsentanten, dessen Vortrag Sie zur Genüge kennen. Bei dem\nVortrefflichen, was er uns geliefert, sei im Vorbeigehen noch be-\nmerkt, dass wir in der letzten Nummer mit Chor einen zaghaften\nEinsatz bemerkten, welcher jedoch im dritten Tacte der gewohnten\nSicherheit Platz machte. Einen besseren Bassisten hätten wir\nfreilich gewünscht, doch Vollkommenheit ist ja nirgends, auch nicht\nin Köln, wie wir neulich gehört und gelesen. Der Chor wirkte\nmit Liebe und Begeisterung und überwand die Schwierigkeiten mit\neiner Leichtigkeit und Sicherheit, die von dem fleissigen Einstudi-\nren des Dirigenten das beste Zeugniss gab. Das Orchester be-\nmühte sich, trotz der starken Instrumentation, so discret als mög-\nlich zu streichen und zu blasen; wenn es ihm nicht vollständig ge-\nlang, so geben wir die Hoffnung für die Zukunft nicht auf und\nrufen Allen ein „rüstiges Vorwärts\" zu.\nDas Concert fand in dem, zum ersten Male mit Gas glänzend\nbeleuchteten, prachtvoll akustisch gebauten Saale des Hrn. Schmitz\nim goldnen Stern Statt, wo die Abonnements-Concerte jetzt gehal-\nten werden.\n\nG r."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-10-01-c006", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-10_01#c006", "volume": "bmtnabi_1853-12-10_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "191", "page_fin": "192", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.2.6", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.7", "debut_caractere": 2184, "fin_caractere_exclue": 7581, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHolst. Der bekannte Unternehmer Herr Mit che 1 aus Lon-\ndon hat dem hiesigen Männergesang-Y ereine sehr schmei-\nchelhafte und annehmbare Anerbietungen für eine zweite Sän-\ngerfahrt nach London in der Saison von 1854 gemacht. Der\nVerein hat in seiner General-Versammlung am 8. d. M. einstim-\nmig beschlossen, dem ehrenvollen Antrage Folge zu geben.\nAuf unserer Bühne macht der Tannhäuser noch immer ein\nvolles Haus (fünf Vorstellungen bis jetzt). In der letzten Auffüh-\nrung hatte Frl. Marschalk die Partie der Elisabeth übernom-\nmen und sang namentlich die Eintritts-Arie und das Duett im zwei-\nten Acte, so wie auch das Andante im Finale ganz vorzüglich. Es\nist in der That viel, dass eine Provincial-Bühne zwei Sängerinnen\nbesitzt, welche, so wie Frau Schmidt-Kellberg (die in dieser\nRolle nirgends eine Nebenbuhlerin zu fürchten hat) und Frl. Mar-\nschalk die Partie der Elisabeth auszufüllen im Stande sind.\nIn der letzten Versammlung der Musicalischen Gesellschaft\nwurde eine neue Ouvertüre von F. Hiller (zur Phädra) ge-\nbracht, welche dem Vernehmen nach grossen Beifall hatte. Wir\nwaren leider verhindert, sie zu hören.\nLüdenscheid, 1. Dec. Da ich weiss, dass Sie, verehrtester\nHerr Professor, grossen Antheil an den musicalischen Zuständen\nauch der kleineren Städte unserer Provinz nehmen, so erlaube ich\nmir, Ihnen kurz zu berichten, wie es damit hier in unserem Hoch-\nlande aussieht. Schon seit zehn Jahren bestand dahier ein Männer-\ngesang-Verein, welchen Herr Ludwig Weinbrenner, unser\nhiesiger Musiklehrer, ins Leben gerufen. Er gab jährlich fünf bis\nsechs Concerte, spaltete sich aber vor etwa 11/2 Jahr in zwei Hälf-\nten, deren eine, nämlich der abgelös'te Theil, zu keinem öffent-\nlichen Auftreten gelangte. Diese Trennung kam hauptsächlich nur\ndaher, weil Herr Weinbrenner, veranlasst und unterstützt von meh-\nreren Musikfreunden, seit einigen Jahren gleichzeitig einen ge-\nmischten Chor gebildet hatte, welcher natürlich den monotonen\nMännergesang-Vereins-Coneerten gegenüber zum Bedürfniss gewor-\nden, und, ohne den überhaupt an einen Fortschritt in der\nKunst nicht zu denken war. Dieser Verein trat zuerst mit Rom-\nberg's Glocke auf, behauptete sich von der Zeit an als der einzige\nConcerte gebende Verein und bot uns eine Reihe von gelungenen\nund zahlreich besuchten Concerten. Vor sechs Monaten ist es je-\ndoch dem unermüdlichen Streben unseres Dircctors Herrn Wein-\nbrenner und einigen sehr thätigen und wirksamen Vereins-Mitglic-\ndern, unter denen ganz besonders Herr Rechts-Anwalt Esselen ge-\nnannt werden muss, gelungen, alle hiesigen musicalischen Elemente\nzu einem Ganzen, dem „Städtischen Gesang-Verein\", unter der\nDirection des Herrn Weinbrenner zu vereinigen. Dieser Verein\nzählt einige und siebenzig Mitglieder und brachte uns am 26. No-\nvember in seinem ersten Concerte Haydn's herrliche „Schöpfung44\nin recht gelungener Ausführung. Das Orchester bildete die Burk-\nhardt'sche Capelle aus Iserlohn. Die Chöre gingen durchaus sicher.\nDie Soli waren in den Händen von Dilettanten, und wenngleich\nkeine hervorragenden Kunstleistungen zu erwarten waren, so ist\nes doch sehr erfreulich, dass der Verein aus sich heraus schafft\nund in seiner Mitte Kräfte besitzt, welche die Aufführung eines\nsolchen Meisterwerkes möglich machen. Herr Weinbrenner hatte\nmit nicht genug anzuerkennendem Eifer Alles trefflich einstudirt,\nund sein Directions-Talent bewährte sich durch die sichere Leitung\ndes Ganzen auf rühmenswerthe Weise.\nfjeifizig-, 2. Dec. Achtes Gewandhaus-Concert. Eine\naus gemischten Gefühlen entsprungene Theilnahme hatte am gestri-\ngen Abend den Gewandhaus-Saal nebst seinen Appertinenzien über-\nfüllt: Hektor Berlioz, eine jedenfalls ausserordentliche Erschei-\nnung am Kunsthimmel, die von der einen Seite vielfach beanstan-\ndet worden, während sie von der anderen mit den Titeln eines\n„zweiten Beethoven\", eines „Heroen der Zukunft\" begrüsst wird,\nsollte in einer Reihe von Compositionen die Vorurtheile widerle-\ngen, welche speciel Leipzigs Kunstrichterschaft in Folge seines er-\nsten Debüts vor Jahren gehegt hatte. Nachdem die erste, kleinere\nHälfte des Concert-Abends Beethoven's achte Sinfonie in F-dur aus-\ngefüllt, brachte uns der zweite Theil einen Complex von Tonwer-\nken des französischen Meisters: „Die Flucht nach Aegypten\", bibli-\nsche Legende; die drei ersten Sätze der Harald-Sinfonie; eine bre-\ntagnische Romanze; den vierten Satz (Scherzo: „Die Fee Mab\")\naus der Sinfonie: „Romeo et Julielleeine Scene seines Concert-\nOratoriums (einer Legende) „Faust\", und die „Ouvertüre zum rö-\nmischen Carneval\". Sprechen wir zuvörderst von dem Erfolge bei\ndem Auditorium, so können wir denselben als einen im Ganzen\ngünstigen bezeichnen, und dürfte sich derselbe vielleicht noch ge-\nsteigert haben, wenn nicht eine Anzahl Leute durch übertriebene\nBeifallsbezeigungen bei der Mehrzahl des Publicums Widerspruch\nerweckt hätte. Wir bedauern, dass der Tonsetzer theilweise darun-\nter leiden musste ; denn dem Urtheile gemäss, welches sich Referent\n(der vor dem gestrigen Abend noch keine von Berlioz' Compositio-\nnen kannte) nach dem ersten Eindruck bildete, stellt sich die Be-\ngabung des französischen Meisters gewiss als eine hervorragende\nheraus. Der herrliche Abschieds-Chor und das Solo mit dem an-\nmuthigen Schluss-Effect in der „Flucht nach Aegypten\", die rei-\nzende Romanze (von Hrn. Schneider trefflich vorgetragen , die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4522, "texte": "glühende Farbenpracht, in welcher die Schluss-Ouverture den rö-\nmischen Carneval ausmalt, lind selbst die Fee Mab, trotz mancher\nseltsamen Intention, sind Nummern, die ein Compositions-Talent\nersten Ranges beurkunden. Da indessen, wo die Begeisterung unse-\nrer Zukunfts-Apostel anfängt, wo die naturgemässe Gränze der Mu-\nsik als einer unabhängigen Kunst durch eine gewollte Herbeizie-\nhung des dramatisch Tatsächlichen überschritten wird, fasste auch\nunser Beifall unwillkürlich Posto. Die Tonkunst hat mit dem dra-\nmatischen Element nur Eines gemein: die Situation, und vermag\nallenfalls durch eine Zusammenreihung verschiedener Situationen\netwas einer Handlung Aehnliches darzustellen. Berlioz aber erscheint\nuns in einem Theile seiner Compositionen als der Vertreter eines\nPrincips, das in seinen Consequenzen merkwürdiger Weise der Ge-\ngenfüssler der Richtung ist, welche zugleich mit der sein igen sich\nder oben berührten Protection erfreut. Während Wagner das Ideal\nder Zukunft in der Auflösung des musicalischen Elements im Drama\nerblickt, strebt Berlioz (wie es uns wenigstens vorkommt) ein Auf-\ngehen des Drama's im reinmusicalischen Ausdrucke an. Erschöpfend\ndramatische Behandlung der Musik ist natürlicher Weise für jetzt\nder Ausgangspunct für Beide, und auf dieser Basis überschattet sie\njene im Ganzen doch ziemlich unmächtige Aegide, welche das zu-\nkünftige Auseinandergehen aus dem Winkelpunkte, der beide Rich-\ntungen noch vereinigt, wahrscheinlich überfurcht. So viel vor der\nHand über Heklor Berlioz, dem wir gleichwohl unsere hohe Ach-\ntung, Angesichts seiner unläugbaren Genialität, bezeugen müssen.\nDas Bruchstück aus „Faust44 lassen wir heute ganz unberührt, da\nuns ein zu Anfang nächster Woche bevorstehendes Concert jene\nso genannte Legende zum grössten Theile vorzuführen verspricht.\nDie gestrige Zusammenwirkung der Gesangeskräfte, des Hrn. Schnei-\nder, Hrn. Behr und der Mitglieder des Pauliner-Vereins, der Sing-\nAkademie und des Thomaner-Chors, so wie unseres Orchesters,\nHess, unter Leitung des Componisten, fast durchgängig nichts zu\nwünschen übrig. A. L. Z.\nIn Stuttgart fand Ende November die erste Aufführung der\nOper „Giulia oder die Corsen\", Buch von Lewald, Musik\nvon L in dpaintner, Statt.\nTurin. Am 25. October wurde hier Meyerbecr's „Pro-\nphet44 zum ersten Male gegeben. Die Stoltz, als Fides, war die\nKönigin des Abends; sie sang nach ihren Triumphen in Paris,\nLissabon und Rio Janeiro zum ersten Male in Italien und\nerregte durch Gesang und Spiel allgemeine Bewunderung. Die Aus-\nstattung der Oper war „phänomenal44 (wie eine italiänische Musik-\nZeitung sagt); man hatte dazu den berühmten Librettisten nnd Re-\ngisseur Romani aus Florenz verschrieben.\nDer Violinist Bazzini bereis't Belgien und Holland\ner hat in Antwerpen Concert gegeben. Im Frühjahre wird er\nwieder nach London gehen.\nR. o b e r t Schumann und seine Gattin feiern grosse\nTriumphe in Holland; in Utrecht z. B. wurde er wiederholt nach\nAufführung einiger von seinen Compositionen gerufen und mit\n4\nKr änzen übcrseh üttet..\nI*airis. Thalberg wird den Winter hier bleiben, aber\nnicht öffentlich auftreten; er ist ganz und gar durch die Gom-\nposition der italienischen Oper in drei Acten in Anspruch\ngenommen, welche der Kaiser von Oesterreich wie man\nhier behauptet zur Feier seiner Vermählung im kommen-\nden April ihm in Auftrag gegeben hat. Der berühmte Oboist\nVogt, seit 1816 Professor am Conservatoire, hat sich, 73 Jahre\nalt, in den Ruhestand begeben; seine sämmtlichen Dienstjahre bei\nverschiedenen Instituten (Capelle Napoleon's 1., Orchester der gros-\nsen Oper u. s. w\\), den Feldzug bei Ulm und Austerlitz mit ein-\ngerechnet, betragen 126! Er hat wahrlich eine gute Pension ver-\ndient. Sein Nachfolger am Conservatoire ist Verroust der Acitere*\nUnser Landsmann, Herr Emil Steinkühler in Lilie, ist\nvon Sr. Maj. dem Kaiser Napoleon durch Verleihung der grossen\ngoldenen Verdienst-Medaille ausgezeichnet worden, (Vcrgl. die No-\ntiz aus Lille in Nr. 18. vom 29. October.)\nDeutsche Tonhalle. Se. Königliche Hoheit der Durchlauch-\ntigste Prinz Regent von Baden haben gnädigst geruht, unter dem\n19. d. Mts. der Tonhalle „zur Förderung ihrer löblichen Zwecke\"\nein Geschenk von einhundert und fünfzig Gulden zukommen zu\nlassen, „um Höchstihre Theilnahme an den verdienstvollen Bestre-\nbungen des Vereins an den Tag zu legen 4. Wir können nicht\nunterfassen, diese höchst erfreuliche Anerkennung sämmtlichen ver-\nchrlichen Vercins-Theilnehmern hiedurch bekannt zu machen.\nMannheim, 25. November 1853. Der Vorstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "185", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.1", "texte": "Die Reform der Opern-Texte.\n\nDas Preis-Ausschreiben zu Gunsten des besten Opern-\nTextes verlangt eine lyrisch-dramatische Dichtung, Formel\naber Festhaltung des Guten der bisherigen Oper unter Be-\nrücksichtigung der Anforderungen der Gegenwart. Ob und\nwie diesem Verlangen Genüge zu leisten war, werden wir\nbald erfahren. Dass ihm aber zu entsprechen ist, davon\nsind wir fest überzeugt, und müssen desshalb jenes Unter-\nnehmen gegen die Zweifel und Angriffe in Schutz nehmen,\ndie in mehreren sehr beachtenswerthen Artikeln der Süd-\ndeutschen Musik-Zeitung (Nr. 32 u. ff.) dagegen erhoben\nworden sind. Zunächst und hauptsächlich wird an den seit-\nherigen Opern-Texten vermisst wahrhaft dramatische Hand-\nlung und Haltung. Gegenüber den Blüthe-Werken der dra-\nmatischen Dichtkunst ist keine Oper, die hinsichtlich des\npoetischen Inhalts denselben gleich oder auch nur nahe\nkäme. Indessen ist Besseres in dieser Beziehung schon ge-\nleistet worden von den Dichtern des Don Juan, der Ve-\nstalin, des Wasserträgers, der Euryanthe, der Jessonda, der\nJüdin, der Hugenotten, der Stummen u. a. m.; erstrebt,\nmit vollem Ernst und Beruf erstrebt ist das Höchste wor-\nden von R. Wagner in seinen zwei letzten Opern.\nDer dramatischen Opern-Dichtung muss, wie dem\nDrama selbst, eine einheitliche Grund-Idee zur Basis dienen.\nAuszusprechen aber hat sich dieselbe in ganz anderer\nWeise, als im Drama. Die musicalische Kunst verlangt\nihrem innersten Wesen nach vor Allem Mannigfaltigkeit\ndes Stoffes, Mehrseitigkeit seiner Gestaltung. Der Text-\nDichter muss daher von dem Ein-Heldenthume nothwendi-\nger Weise absehen. Göthe's Egmont, Schiller's Fiesco in\neine Oper umzuschaffen, wäre gewiss ein höchst unglück-\nliches Unternehmen. Denn wir haben es in der Oper nicht\nmit dem einzelnen, einfachen Sprech-Organe, sondern mit\nden verschiedenen Strahlen der Gesangstimme zu thun und\ndürfen dabei nicht vergessen, dass zwischen den Darstellern\nund Zuhörern nicht die stillen, stummen Luftwellen liegen,\nsondern die strömenden Klänge des Orchesters fluten.\nDer Held der Oper wird kämpfend vorgeführt werden\nmüssen, wie jeder, aber sein Kampf wird andere Personen,\nseien es Verbündete, seien es seine Gegner, zugleich mit\nin den Vordergrund führen und dort mit thätig erhalten\nmüssen. Dies liegt sowohl im Interesse der Darsteller als\nder Hörer. Besteht eine Helden-Oper zur Hälfte aus einer\nGesang-Partie, kommt der Hauptsänger, sei es ein Raoul,\noder ein Heiling, oder eine Vestalin, fast gar nicht von den\nLampen weg, so muss nothwendig der Darsteller abge-\nspannt, der Hörer ermüdet werden. Die Bühne ist nicht\nder Tummelplatz des Virtuosenthums, daher ist über die\nreizende, aber innerlich unnatürliche Musik eines Rossini\nlängst der Stab gebrochen. Wir wollen nicht einzelne Sän-\nger, sondern ein Ganzes hören, dessen Grundbedingung\naber die Mehrstimmigkeit ist. Wir wollen eine Hand-\nlung, ausgehend von Charakteren, sich entfalten sehen, die\nreich gefärbt und glänzend hervorgehoben werden durch\nFülle und Mannigfaltigkeit des heutigen Orchesters. Und\nim Einklänge mit diesem Genüsse von Herz und Ohr soll\ndem Auge auf der Bühne ein buntes, aber einheitliches\nBild gezeigt werden, dessen Umgebungen Gruppirung,\nBekleidung, Decoration, Beleuchtung unsere Aufmerk-\nsamkeit nächst der Handlung und Musik fesseln.\nDie tieferen, mächtigeren Empfindungen, diejenigen,\nfür welche des Dichters Sprache nicht ausreicht, sind es,\nwelche der Tondichter zu verkünden hat. Daher muss die\neiner Oper zu Grunde liegende Idee allemal eine begei-\nsternde oder ergreifende sein. Was aber erfasst des Men-\nschen Geist und Herz mit mehr Gewalt, als die Wahrheit?\nAlso nicht nur wahre Charaktere, natürliche Leidenschaf-\nten soll der Text-Dichter schaffen, sondern wahre Hand-\nlung, Ereignisse des Lebens uns vorführen. Welches Lebens\naber? Des Lebens der Vergangenheit der Menschheit,\ndesselben, welches stets nur echte Dramatiker zu ihren\nVorwürfen genommen, desselben, welches selbst solche\nDichter zum Vorwurf nehmen müssen, welche, wie Wag-\nner, die historische, die charakteristische Oper kritisch ver-\nneinen. Die Geschichte, dieselbe Macht, von welcher die"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "186", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.2", "texte": "Menschen in ihrem Glauben, in ihrer Politik, in ihren Sitten\nnichts lernen wollen, sie ist die Mutter der dramatischen\nPoesie. Dem bürgerlichen Schauspiel ist längst sein Urtheil\ngesprochen, die „Schweizerfamilie\" und die Opern ihres\nGleichen haben längst ausgeruht; man verlangt jetzt\nnicht vage, sondern bestimmte und wahre Empfindun-\ngen auf der Welt im Kleinen vorgeführt zu sehen,\nund hier begegnen sich der Zeitgeschmack und die ästhe-\ntische Aufgabe des Dramatikers. Man urtheile über die\nLeichtfertigkeit, die Geschmacks-Accomodation Scribe's in\nder Anlage seiner Opern-Texte, wie man will: zugegeben\nmuss doch werden, dass er in der Stummen, den Hugenot-\nten glückliche Griffe gethan, und der denkende, geist- und\ngeschmackvolle Dichter muss das hier Ergriffene festhalten,\ndaran lernen und Besseres schaffen. Da haben wir den\nKern der Opern-Reform.\nHandlung also, hervorfliessend aus dramatisch nuancir-\nten Leidenschaften, aus individualisirten Charakteren, aus\nSituationen, aus Anschauungen, welche durch gewisse Zeit-\nVerhältnisse bestimmt und gestaltet werden, haben den\nInhalt besserer Opern-Texte zu liefern. Keine Zeiten\naber werden dem Dichter hiefür so ergiebige Fundgruben\neröffnen, als die des Mittelalters. Unversieglich (liesst noch\ndiese Quelle und verspricht der romantischen Oper reichen\nund wechselvollen Stoff. Man dringe nur in die Special-\nGeschichte nicht allein der Länder, sondern der Provinzen\nund Ortschalten ein, und man wird weit mehr finden, als\nman sucht. Jene düsteren, nur halb entwirrten, leiden-\nschaftsvollen Zeiten geben aber, abgesehen von dem Reize\ndes fernen Helldunkels, der Phantasie des Dichters den\nweitesten Spielraum. Und wenn er uns die wahren, d. h.\npoetisch anziehenden Menschen jener Zeit, nicht die wirk-\nlichen, trivialen, noch die chimärischen, gespenstischen Er-\nscheinungen vorführt, wenn er die Rohheit eben so wie\nden Mythus bei Seite lässt, so wird er sich den Compo-\nnisten und gebildeten Hörer gewiss zu aufrichtigem Danke\nverpflichten. Die Teufelei und Zauberei aber, ohne welche\ndie Poesie, selbst die luxuriöseste, recht gut bestehen kann,\nwill die aberglaubenslose und glaubensschwache Bildung\nder gegenwärtigen Generation gänzlich verbannt wissen.\nSie verlangt nach der Schönheit im Glänze der Wahrheit,\nnachdem „ Reinmenschlichen % wie es derjenige sagt, wel-\ncher sich selbst von der Fabel und Allegorie nicht loszu-\nmachen vermag. Liebe und Hass werden die mächtigen\nHebel sein und bleiben, nach welchen des Dichters Hand\nimmer wieder zu greifen hat; aber nicht allein ihr Walten,\nwie es sich in den Geschlechts-Verhältnissen zeigt, sondern\nwie es die verschiedensten und mannigfaltigsten Phasen\ndes Menschenwesens überhaupt durchdringt. Die Conllicte\njedoch, aus denen sich der Kampf, die Gegensätzlichkeit\nder handelnden Personen dramatisch entwickeln wird, wer-\nden nicht etwa nur politischer Natur sein müssen, werden\nnicht immer nur die Hingebung an Vaterland und Freiheit\nzum Vorwurf nehmen wie der Verfasser jener Artikel\nbehauptet —, sondern das gesammte Ringen der Mensch-\nheit, alle Widersprüche ihres Fortschrittes, alle Verneinun-\ngen der höheren Weltordnung können und mögen aus der\nreichen Schatzkammer der Geschichtsquellcn hervorgezogen,\nin das Gold der Dichtung eingekleidet und mit den Perlen\nund Edelsteinen der Töne geschmückt werden.\nMit dem Inhalte muss sich die Form der Oper ver-\nändern, soll sie in ihrer Wirkung dem guten Drama gleich-\nkommen oder vielmehr dasselbe übertreffen. Wie hier das\ngesprochene Wort allein herrscht, wird dort das gesungene,\nder Ton, und der Gedanke, musicalisch im Orchester aus-\ngesprochen, ausschliesslich Platz ergreifen. Musik muss\nAlles sein; der triviale, hässliche, dem Gesang-Organe lä-\nstige und nachtheilige gesprochene Dialog muss gänzlich\nverbannt sein. An seine Stelle tritt, ist schon getreten das\nbegleitete - bei melodiearmen Componisten das accen-\ntuirte, bei erfindungsreicheren das melismatische Recitativ.\nDer Dichter wird sich dazu des fünffüssigen reinen Jam-\nbus, mit dem männlichen und weiblichen Endfusse ge-\nschmackvoll abwechselnd, am besten, am erfolgreichsten\nbedienen. Derselbe sei in der Regel ungereimt, doch kann\nund mag er an den Stellen, welche Mittelglieder zwischen\ndem musicalischen Dialoge und den melodisch abgerun-\ndeten Partieen bilden das ariose Recitativ, die Refrains\nder Chor-Recitative —, mit Endreimen erscheinen. Für\nden Kern der Oper, die hoffentlich bleibende Arie\nund den mehrstimmigen Solo-Gesang, wie die lyrischen\nPartieen der Chöre wird nach wie vor das Reimgedicht in\nverschiedenen jambischen und trochäischen Versmaassen\nPlatz ergreifen. Nur wird hierbei wieder zu beobachten\nsein, dass die schablonenmässige, unfreie Anlage, die un-\ndramatische Breitspurigkeit endlich einmal einer freieren\nHandhabung der poetischen und musicalischen Gedanken\nhier weiche. Die Zweifaltigkeit des Tempo's, das stereo-\ntype Ritornell und Nachspiel, die unnatürlichen Reprisen,\nvor allen aber das Anbringen der Arien, Duetten, Terzet-\nten u. s. w. am falschen Orte, da, wo sie die Handlung\nins Stocken bringen oder ihr oder der Charakterisirung gar\ngeradezu widersprechen, müssen wegfallen. Statt platter\nGemeinplätze und Redensarten muss das Handlung"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "187", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.3", "texte": "enthaltende Wort eintreten und melodisch tönend ge-\nmacht werden. Der Chor hat in der Regel mithan-\ndelnd aufzutreten. In der deutschen und französischen\nOper ist das schon seither fast immer der Fall gewesen:\ndie lächerlichen Chor-Accompagnements der Italiäner, wo\ndie gesungenen Accorde nur die des Streich-Quartetts ab-\nlösen oder verstärken und lediglich dazu dienen sollen, den\nAthem des Solo-Sängers zu steigern, haben anderwärts\nnur selten Nachahmung gefunden. Dagegen ergeht sich\nhäufig der Chor rellectirend in die Länge und Breite, was\neben so undramatisch ist, wie die selbstgefällige, behäbige\nAusspinnung der Solo-Melodieen. Wenn der Chor Empfin-\ndungen hegt und verrathen muss, so sind die nöthigen,\nvon Ort, Zeit und Handlung gegebenen Gränzen einzuhal-\nten ; oft werden kurze, ein- oder zweizeilige Gedanken hinrei-\nchen und namentlich als Wiederhall der Worte einer eben\nthätigen Hauptperson wie im alt-griechischen Drama—,\noder als Gegensatz dazu wie der Gesang der Soldaten\nzur Pizarro-Arie im „Fidelio\" von ungleich grösserer\nWirkung sein, als endlose lyrisch-melodiöse Anreden und\nO J\nBetrachtungen.\nSoll es mit den Opern-Texten aber wirklich besser\nwerden, so darf endlich der Dichter derselben nicht ferner\nso grundsätzlich ignorirt werden, als es seither der Fall\nwar. Das Publicum zwar wird ihn nach wie vor über die\ngelungene Composition des Buches, über die Vorzüg-\nlichkeit der Darstellung vergessen, bei misslungener Com-\nposition aber ganz unbeachtet lassen. Das liegt nun ein-\nmal in den Verhältnissen. Aber die Componisten mögen\ndem poetischen Mit- oder richtiger Vorarbeiter, wenn auch\nnicht den Vorrang, so doch mindestens die gleichberech-\ntigte künstlerische Stellung einräumen, und ihm nicht\nAenderungen, Umgestaltungen und Einschiebungen an sei-\nnem Werke zumuthen, durch die seine schaffende Kraft\nbeeinträchtigt, seine Intention verkümmert wird. Wohl ist\neinem gegenseitigen Einvernehmen zwischen beiden Künst-\nlern Raum zu geben; hat aber der Dichter echt Drama-\ntisches geliefert, so wolle man ihm seine Schöpfung nicht\ndurch musicalische Launen oder scenische Willkürlichkei-\nten verstümmeln und verleiden. Endlich werden sich auch\nsolche Bühnen-Directionen, welche einer gründlichen Reform\ngünstig gesinnt sind und selbst nach guten Werken ver-\nlangen, geneigt zeigen müssen, durch angemessene Hono-\nrare oder Gewährung eines verhältnissmässigen Antheils an\nden Tantiemen den strebsamen Dichter aufzumuntern und\nfür seine bescheidene Stellung dem Publicum gegenüber\neiniger Maassen zu entschädigen.\nWir haben in den vorstehenden kurzen Bemerkungen\nalso nur der Reform der Opern-Texte das Wort gere-\ndet. Wer daher von der Nothwendigkeit einer Revolu-\ntion der Oper überzeugt ist, dem werden unsere Vor-\nschläge nicht genügen; dass es aber mit solch einer Revo-\nlution nicht so ernstlich und gefährlich gemeint ist, als es\nbeim ersten Hinblicke scheint, wird jeder Unbefangene ein-\nsehen, der die Plane der Revolutionärs mit den Mitteln ih-\nrer Ausführung vergleicht.\nR. Wagner muss erst thatsächliche Beweise für\ndie Urngestaltungen bringen, die er für nöthig erklärt. Was\ndie Form des Worttheils des „musicalischen Dramas'1 be-\ntrifft, so spottet er in seiner Theorie scharf über den fünf-\nfüssigen Jambus, und noch schärfer über die Endreime.\nUnd dennoch enthalten seine Opern-Texte Jamben und\nEndreime in Hülle und Fülle! Wir denken, es ist für jetzt\ngenug erreicht, wenn wir Texte entstehen sehen, deren\nVersbau sich demjenigen anschliesst, mit welchem unsere\nbesten Dramatiker gewirkt, mit welchem ein Schiller, ein\nGöthe das Drama auf den Höhepunkt gehoben haben, über\nwelchen hinaus bis jetzt noch kein neuerer Dichter gestie-\ngen ist. Wäre der poetische Theil der Oper so weit ge-\nbracht, so könnte man damit einstweilen wohl herzlich zu-\nfrieden sein.\n\nAugust Hitzschold.\n\nBerliner Briefe.\n\nDen 25. November 1853.\nEine vierzehntägige Abwesenheit von Berlin hat diesen\nBrief verzögert; ich habe Ihnen über einen reichen Stoff\nzu berichten, theils nach eigenem Hören, theils nach zuver-\nlässigen Mittheilungen Anderer. Die Königliche Oper gab\ndie Hugenotten, Lucrezia Borgia, den Prophet, Olympia,\nArmide, Don Juan, Joggeli und zwei kleine Operetten, „Das\nGeheimniss\" (vonSolie) und „GuteNacht, Herr Pantalon,\"\nvon Grisar. Das letztgenannte Werk, das in Paris Sensa-\ntion machte, hat in Berlin dadurch einen schlimmen Stand,\ndass der, wenngleich etwas abenteuerliche, so doch amü-\nsante Stoff durch eine hier oft gegebene Posse, „Guten\nMorgen, Herr Fischer,\" bereits abgenutzt ist, Bei der\nersten Vorstellung schien ausserdem das Schauspiel-, nicht\ndas Opern-Publicum zugegen; so wurde denn auch die\nFeinheit der Musik wenig verstanden. Grisar's Musik ist\nnicht gleichmässig gut, aber reich an graziösen und geist-\nreichen Einzelheiten; namentlich ist das Quartett, das dem\nStücke den Namen gibt, meisterhaft. In der Ausführung"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "188", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.4", "texte": "zeichneten sich namentlich Hr. Düffke (Doctor Tirilofolo)\nund Frl. Trietsch (Colombine) aus. Das „Geheimniss\"\nist ein altes Stück, das früher durch Unzelmann's Komik\nsehr beliebt gewesen sein soll; es ist für die heutige Zeit\nsowohl im Stoffe als in dem musicalischen Theile zu ein-\nfach. Aus dem übrigen Repertoire sehen Sie, dass an unse-\nrer Bühne noch immer ein recht gutes Streben herrscht.\nReichen auch die Kräfte nicht immer aus, so sind sie doch\nganz respectabel, z. B. im Vergleich mit der hamburger\nOper, die ich kürzlich bei Gelegenheit des Tannhäuser hörte.\nDie Herren Salomon und Form es sind in sichtbarem\nFortschreiten begriffen und entschädigen uns dafür, dass\nvon den früheren Sternen mancher mehr und mehr er-\nbleicht. So war z. B. die Vorstellung der Olympia, mit\nAusnahme des Cassander, den Hr. Pfister gab, sehr ge-\nlungen; die Damen Wagner und Köster finden in den\nRollen der Statira und Olympia ihre eigentümlichste Na-\ntur schon fertig ausgeprägt, Mehr Lücken zeigten sich in\nder Aufführung der Armide. Frl. Wagner wurde nach\nihrer Urlaubsreise mit vieler Theilnahme vom Publicum em-\npfangen. Wenngleich ihre Technik immer weniger dazu\nhinreicht, die beiden Extreme zu vereinigen, nämlich eine\nimponirende Tiefe mit einer leicht ansprechenden und wohl-\nthuenden Höhe, so bleibt sie doch eine grosse dramatische\nSängerin, und wir können der wiener Kritik keineswegs\nbeistimmen, wenn sie ihre Stimme für ruinirt erklärt. Eine\nStimme, die etwa zwölf Töne (von bis zum zweigestriche-\nnen e inclusive) von vorzüglicher und seltener Schönheit\nhat, wird schwerlich als ruinirt gelten können. Der Tages-\ngeschmack findet Vergnügen daran, Alles auf die Spitze zu\nstellen; man kann manche ästhetische Verirrung der treff-\nlichen Sängerin beklagen und sich dagegen erklären; man\nkann der Meinung sein, dass sie die natürlichen Gränzen\nihres Materials überschreitet; aber wer diese Stimme so\nschlechthin für ruinirt hält, für den wird es auf der Erde\nwohl wenige Stimmen geben. Bei dieser Gelegenheit\nseien mir noch ein paar Worte über Frl. Marschalk ge-\nstattet. Sie finden die Stimme derselben nicht so gross, als\nSie nach den berliner Berichten erwartet hatten. Ich kann\nnur nach dem Eindrucke des Opernhauses berichten, das\nwenige Organe so gut zu füllen vermochten, als dieses.\nDavon lag aber der Grund eben so sehr in der intensiven\nKlarheit des Tones, als in dem Volumen; und die erstere\nEigenschaft rechne ich nicht weniger zur Grösse des Tones,\nals die letztere. Möglich, dass das Volumen dieser Stimme\nnicht so-bedeutend ist; aber die Tragweite ist vorzüglich.\nUebrigens freuen wir uns, dass Frl. Marschalk sich auf eine\nBühne begehen hat, die ihr bessere Gelegenheit gibt, sieh\nmit den höheren Aufgaben des Gesanges zu beschäftigen,\nals die hiesige es augenblicklich vermochte.\nSoireen für Instrumental-Musik kam manches neue Werk\nzum Vorschein: zwei Tyio's, von Bargiel und Blumenthal,\nein Quartett, von A. Stahlknecht, eine Clavier-Sonate, von\nGolde, und in den Sinfonie-Soireen für uns wenigstens\nneu die D-dur-Suite von Seb. Bach. An dem Trio von\nBargiel, das Beferent selbst nicht gehört hat, wird eine\netwas manierirte, modern-düstere Färbung getadelt; die\nCompositionen von Golde und Blumenthal sind geschickt\nund mit einer gewissen Eleganz gearbeitet, ragen aber nicht\ndurch besondere Tiefe und Eigenthümlichkeit des Inhalts\nhervor. Sehr anerkennungswerth ist das Streich-Quartett\nvon Stahlknecht, das mit bedeutendem Geschick gearbeitet\nist und auch durch seinen Inhalt zu fesseln vermag. Von\nder Bach'schen Suite fanden namentlich der zweite und\ndritte Satz vielen Anklang. Hoffentlich werden wir das in-\nteressante Werk, in dessen zweitem Satze die selbststän-\ndige Bewegung der einzelnen Stimmen einen hohen Reiz\nausübt, häufiger hören. Wie es heisst, wird in einem der\nnächsten Sinfonie-Concerte die vierte Sinfonie von Schu-\nmann zur Aufführung kommen. Dass man auch Ulrich s\nPreis-Sinfonie nicht ausser Acht lassen wird, ist wohl mit\nRecht anzunehmen. Die Sing-Akademie, die kürzlich\nden Radziwill'schen Faust und den Messias zur Aufführung\nbrachte, hat lirn. Blumner, den Componisten desColum-\nbus, über den ich Ihnen im vorigen Jahre berichtete, zum\nzweiten Director gewählt. Wir haben bis jetzt noch keine\nProben von seinem Directions-Talente; doch scheint uns,\nnach seinen sonstigen künstlerischen und persönlichen Eigen-\nschaften, die Wahl eine glückliche. Der Dom-Chor, der\nerst kürzlich von einer Concert-Reise nach Hamburg zu-\nrückgekehrt ist, wird in nächster Woche mit seinen Soireen\nbeginnen; er hat sich in jüngster Zeit mit mehreren Com-\npositionen von Sigismund Neukomm, der seit einigen\nMonaten in Berlin lebt, beschäftigt und wird dieselben in\nder neuen Schloss-Capelle zur Auflührung bringen. Der\nStern'sche Verein hat die Chöre aus Mendelssohn's Christus\nunserem Publicum vorgeführt; der Eindruck derselben war\nkein bedeutender, die Ausführung von Seiten des Chors\nvorzüglich. Von grossem Interesse war für uns ein\nConcert, welches das hiesige, durch Marx, Kullak und\nStern vor drei Jahren begründete Conservatorium veran-\nstaltet hatte. Wie es scheint, ist das junge Institut in er-\nfreulichem Zunehmen; wir wollen wünschen, dass es mit\nder Zeit ein wahrer Mittelpunkt des hiesigen so regen und"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "189", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.5", "texte": "in vieler Beziehung so gebildeten Musiklebens werde. Dass\ndas erste öffentliche Auftreten einer drei Jahre alten Musik-\nschule noch manche Lücken zeigt, ist natürlich. Als eine\nsolche Lücke können wir es betrachten, dass ausser den\neigenen Compositions-Versuchen uns nur Leistungen im\nPianoforte-Spiel und im Gesänge vorgeführt wurden. Die\nInstrumental-Schüler wirkten nur in dem durch Accessisten\nder Königlichen Capelle verstärkten Orchester mit, das\nübrigens, theils vom Musik-Director Stern, theils vom Mu-\nsik-Director Wieprecht geleitet, sehr exact spielte. Die\nPianisten (Herren Reubke, Papendieck, Frl. P a u 1 i n e\nFried he im) zeichneten sich sämmtlich durch grosse Sau-\nberkeit und Klarheit des Spiels, durch Fertigkeit und ver-\nständige Auffassung aus. Eine Kirchen-Cantate von Frl.\nFriedheim zeugte von gründlichem Studium, namentlich der\nprotestantischen Meister, und von dem Streben, auch grös-\nseren Gestaltungen gewachsen zu sein. Grössere subjective\nFreiheit, aber auf der anderen Seite weniger Ernst fanden\nwir in einer Ouvertüre von Reubke. Der schwächste Theil\ndes Concertes war eine Gesanges-Leistung, die uns Frl.\nSchmidt vorführte; darin also bleibt unser Conservato-\nrium dem allgemeinen Charakter der Zeit getreu.\n\nG. E.\n\nPariser Briefe.\n\n(Schluss. S. Nr. 23.)\n[Pepito, Operette von J. Offenbach. Die Italiäner.]\nDas Theätre des Varietes hat einen Versuch gemacht,\nsich wieder in die musicalische Sphäre zu schwingen, und\ndazu ist ihm unser Landsmann Jakob Offenbach be-\nhülflich gewesen. Des allzu langen Wartens vor den Pfor-\nten der komischen Opernbühne des Herrn Perrin müde,\nhat OfFenbach seine Partitur dem Director des obengenann-\nten Theaters angeboten, und sie ist am 28. October dort\nmit Erfolg aufgeführt worden. Das Buch ist von den Herren\nLeon Battu und Moineaux und liefert ein kleines eina ct i-\nges Liebes-Drama, das zwar eben nicht neu, aber ganz\nhübsch ist. Es dreht sich um die schöne Besitzerin einer\nPosada in Spanien, aus deren Herzen ein Freund des ab-\nwesenden Verlobten diesen verdrängt und zu gleicher Zeit\neinen Nachbar, den Figaro des Ortes, der ebenfalls sein\nNetz nach der jungen Wirthin auswirft, anführt und aus\ndem Felde schlägt. Diese Drei bilden das ganze Personal\nder Operette.\nDie Mus'k ist gefällig und frisch, entbehrt nicht des\nReizes der Melodie und zeigt offenbare Anlage des Com-\nponisten zu geschickter scenischer Behandlung eines musi-\ncalischen Gedankens. Die Ouvertüre könnte vielleicht Man-\nchem gar zu spanisch vorkommen, nicht wegen allzu küh-\nner harmonischer Combinationen, die ja auch da nicht\nhingehören, aber im eigentlichen Sinne des Wortes wegen\ndes Fandango, Bolero, Tambourin und Castagnetten, was\nalles zusammen darin sein Spiel treibt. Die übrigen sechs\nNummern erhielten alle Beifall; ein Terzett bei Tische mit\neinem eingeschalteten Trinkliede machte am meisten Ein-\ndruck, das Trinklied (für Tenor) musste wiederholt werden.\nDie Romanzen-Couplets für Sopran und ähnliche für Tenor\nbieten angenehme Melodieen. Wenn die komische Arie des\nVertigo (des Nachbars, welcher zugleich Wirth, Barbier,\nZahnarzt, Wundarzt, Post-Director und Serpentbläser in\nder Kirche ist), wie es scheint, eine absichtliche Parodie\nder berühmten Figaro-Arh von Rossini ist, so ist sie als\nsolche gelungen; ohne jene Absicht würde sie eine\nstarke Reminiscenz sein. Wir werden uns freuen, wenn\nder Erfolg dieses Debüts Herrn Offenbach die Thore der\nkomischen Oper öffnet und wir ihm dort mit einem grös-\nseren Werke wieder begegnen. Wir müssen aber zugleich\nwünschen, dass die Freunde des Componisten, welche in\nmanchen Journalen von dieser Bluette wie von einer komi-\nschen Oper ersten Ranges sprechen, nicht durch allzu hoch\ngespannte Erwartungen der Aufnahme des nächsten dra-\nmatischen Erzeugnisses seiner Muse Schaden thun mögen.\nDass Offenbach Talent zu dieser Gattung von Musik besitzt,\nhat er durch den „Pepito\" bewiesen; allein von hübschen\nCouplets-Melodieen bis zu den grossen Ensemble-Stücken\neiner komischen Oper liegt noch eine Kluft, über welche\nman nur durch ein ausdauerndes, eifriges Studium der treff-\nlichen älteren Meister der französischen Schule und durch\nangestrengte, gründliche eigene Arbeit hinwegklimmen, die\nman aber nicht auf den Schwingen der lobpreisenden öf-\nfentlichen Blätter überfliegen kann.\nDie Italiäner haben in ihrer zweiten Vorstellung die\nParodi und Mario, in der dritten auch noch die Frez-\nzolini vorgeführt, jene in der diese in\nden Puritani.Es fehlt nicht an Sticheleien und Witzen der\nKritik über die ganze Zusammensetzung des Sänger-Per-\nsonals. Und sie treffen meist richtig und scharf. Die Cru-\nvelli, die Lagrange, ein Belletti, Calzolari, Bettini was\nsollen wir mit dieser Jugend? Das Publicum will Talente,\ndie unter seinen Augen im Dienste der Musen ergraut sind.\nEs hat ein Vierteljahrhundert lang dieselben Melodieen ge-\nsummt und geträllert, es will also auch nur denen seine\nSympathie schenken, welche diese Melodieen ebenfalls fünf-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "190", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.6", "texte": "undzwanzig Jahre lang gesungen haben. So ist denn eine\nGesellschaft zusammengekommen, in welcher alle Stile der\nMusik und alle Jahreszeiten des Menschenalters ihre Ver-\ntreter haben. Dazu der grosse Meister Alary, welcher\nmit seinem Kopfe für die vollendete Aufführung bürgt,\ndenn er hat selbst eine grosse Polka in drei Acten, betitelt\nr,Le treNozzeu (die drei Hochzeiten), geschrieben und\neinen „ Sardanapaleu, dessen tragische Musik nur ein rus-\nsisches Publicum zu würdigen verstanden hat. Daher denn\ndie glänzende Aufführung der Lucrezia, bei der es so still\nwar, dass man Donizetti im Grabe sich umdrehen hören\nkonnte. Doch nein, man klatschte, als Mario auftrat: als\nwohlerzogener Sänger bedankt er sich höflich und singt.\nMan sieht mit einer gewissen Ueberraschung einander\nan und lässt ihn singen, ohne ihn nur im Geringsten zu\nunterbrechen. Seine Stimme ist fein, dünn, zart wie die\nStimme eines Chorknaben geworden. Siehe da, die Parodi!\nIhr Gesicht ist mit einem Schleier bedeckt, ihre Stimme\ndessgleichen; trotzdem trägt sie die Farben der Leiden-\nschaften, des Zornes, der Rache, so dick wie möglich und\nrecht americanisch handgreiflich auf. Ah, die Gräfin Pepoli\n(Alboni)! Dieser frische Cherubino fordert als Orsini in\nseinem schottischen Costume mit blossen Waden jede Syl-\nphide an Schlankheit heraus. Aber sie singt, sie schlägt in\nder Romanze einen Triller, einen Triller, der 2000\nFrancs jeden Abend kostet Ei was, wer wird mit dem\nTalente rechnen? Rosten nicht die Parodi, Alboni, Mario\nund Tamburini dem kühnen Director allabendlich beinahe\n5750 Francs? Und ihr Undankbaren seid noch nicht zu-\nfrieden ?\n\nB. P.\n\nJohannes Schornstein.\nElberfeld, den 4. Decembcr 1853.\nIch habe Ihnen einen grossen Verlust zu berichten,\nder unsere Musik-Zustände betroffen hat. Gestern raffte\nnämjich der Tod unseren städtischen Musik-Director Joh.\nSchornstein in seinem 65. Jahre hinweg. Ein Schlagnuss\nmachte ganz unerwartet in der Nacht seinem thätigen Leben\nein Ende. Er bekleidete über vierzig Jahre die Stelle des Or-\nganisten an der reformirten Kirche, des Directors des Ge-\nsang-Vereins und der Casino-Concerte und gab den Gesang-\nUnterricht am Gymnasium. Schornstein war ein gründlich\n«J W\ngebildeter Musiker und dabei ein geistvoller und kenntniss-\nreicher Mann. Er war der eigentliche Begründer der nie-\nderrheinischen Musikfeste, denen er von Anfang an die\ngrossartige Richtung vorzeichnete, welche sie in dem ersten\nJahrzehend ihres Bestehens unter seiner steten Mitwirkung\ndurch Rath und That, und später unter Ries und Mendels-\nsohn verfolgten. Seiner Liebe zur classischen Musik blieb\ner stets treu und wirkte mit unablässigem Eifer für die\nVerbreitung derselben. Er war es, der in der Rheinprovinz\nzuerst die Händel'schen Oratorien und die Beethoven'schen\nSinfonieen einheimisch machte. Er zeichnete sich als tüch-\ntiger Dirigent aus und stand durch die Gabe der richtigen\nAuffassung und durch seine kritische und ästhetische Bil-\ndung bei allen Musikern in hoher Achtung. Zugleich war\ner ein trefflicher Lehrer und hat besonders in früheren\nJahren manches musicalische Talent zu schöner Blüthe\nausgebildet.\n\nAus Bonn.\n\nDen 0. Decernbcr 1853.\nUnsere Concert-Direction entwickelt seit einigen Jahren eine\nausserordentliche Thätigkeit, wozu Sie, verehrter Herr Professor,\nwie wir durchaus nicht vergessen haben, nicht wenig beigetragen.\nDie Anregung, welche Sic in der Zeit Ihres Hierseins dem musi-\ncalischen Leben und besonders dem Orchester gegeben, wird von\nunserem Musik-Director, Herrn von Wasielewski, wacker fest-\ngehalten und mit regem Eifer fortgesetzt. Er, ein Jünger der ech-\nten Kunst, versteht es, den Mitwirkenden gleiche Liebe und gleiche\nBegeisterung für die Sache einzulassen, wobei ihm die Concert-\nDirection treulich zur Seile steht. Nur dadurch lassen sich so er-\nfreuliche Resultate erzielen, wie sie uns jetzt vorliegen. Besonders\nanzuerkennen ist es, dass man neben den anerkannt classischen\nWerken dem Publicum auch die bedeutenderen Werke der Neu-\nzeit vorführt, welcher Weg als richtig bezeichnet werden kann*\naber leider von den Städten, welche durch ihre Geldmittel und\nKünstlerkräfte vor allen anderen dazu berufen wären, nicht\nbeachtet wird. Es ist freilich eine leichtere Sache, zu rufen: „Las-\nset die Todten leben!\" Die sind anerkannt, und da läuft man nicht\nGefahr, sich zu blamiren, oder auch einen Mitbewerber, dessen\nGenie andere Bahnen geht, zur Geltung kommen zu lassen. Nun,\nwenn man nicht wüsste, „dass Alles schon dagewesen\", so könnte\nman verzweifeln; aber so bleibt der Trost, dass die kommende Ge-\nneration auch den jetzt Lebenden, wenn sie dahingegangen, der-\neinst zurufen wird: „Lasset die Todten leben 1\"\nSie werden fragen: Wozu diese Abschweifung? Nun, das Werk,\ndas wir eben gestern hörten, war von Rob. Schumann: „Das\nParadies und die Peri'V ein Werk, so reich an Schönheiten*\nwie das Land, w elches den Stoff zur Dichtung lieferte. Leber das\nWerk ausführlich zu spreschen, würde mich zu weit führen. Ich werde\nmich bloss mit der Aufführung beschäftigen, die des Werkes würdig\nwar, indem von Seiten der Direction und des wackeren Dirigenten\nnichts versäumt worden, was ein Gelingen möglich macht. Die Direc-\ntion hatte zur Vervollständigung des Orchesters mehrere Künstler aus\nKöln herangezogcu, so wie auch zu Solo-Particcn Hrn. E. Koch\nund eine brave Dilettantin, Frl. M. aus Köln, für die Altpartie.\nWer das Werk kennt, weiss, dass von Seiten der Soli, des Chores\nund Orchesters viel verlangt wird, und müssen wir gestehen, dass\nalle Theile ihre Aufgabe würdig lös'ten, was um so mehr anzuer-\nkennen, da die Solo-Partieen, mit Ausnahme des Hrn. Koch, in\nHänden von Dilettanten waren. Frau W....r sang die Peri mit so"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "191", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.7", "texte": "viel Ausdruck, mit so schöner Nuancirung, an welcher die Partie\nso reich, mit so viel Ausdauer, dass wir ihr mit Freuden Lob\nspenden. Nicht minder schön sang Frl. N. die Nummer: „A erlas-\nsener Jüngling\" welch rührender Vortrag wohl manches Jüng-\nlings Herz ergriffen hat. Frl. F. sang die Arie der Jungfrau so\nvortrefflich, als sie eben auch eine der trefflichsten Nummern\ndes Werkes ist. Freuen wir uns, dass diese Damen unserer Stadt\nangehören ! Frl. M. aus Köln, welche mit der grössten Bereitwil-\nligkeit die Altpartie schnell übernommen, reihte sich den Vorbe-\nnannten würdig an, und fühlen wir uns doppelt verpflichtet, ihr\nunseren Beifall und Dank zu zollen. Ist die Partie der Peri auf-\nfallend durch ihre Höhe, so ist es die Tenor-Partie nicht minder\ndurch ihre Tiefe, und es wird wenige Tenoristen geben, welche\nsie so ausgezeichnet singen, als Hr. Koch, der mit seiner Höhe\neine markige Tiefe verbindet, dass man einen schönen, klangvollen\nBariton zu hören glaubt.\nDa die Partie meistenteils declamatorisch gehalten, so fand sie\nauch darum noch ganz besonders in Hrn. Koch den würdigsten\nRepräsentanten, dessen Vortrag Sie zur Genüge kennen. Bei dem\nVortrefflichen, was er uns geliefert, sei im Vorbeigehen noch be-\nmerkt, dass wir in der letzten Nummer mit Chor einen zaghaften\nEinsatz bemerkten, welcher jedoch im dritten Tacte der gewohnten\nSicherheit Platz machte. Einen besseren Bassisten hätten wir\nfreilich gewünscht, doch Vollkommenheit ist ja nirgends, auch nicht\nin Köln, wie wir neulich gehört und gelesen. Der Chor wirkte\nmit Liebe und Begeisterung und überwand die Schwierigkeiten mit\neiner Leichtigkeit und Sicherheit, die von dem fleissigen Einstudi-\nren des Dirigenten das beste Zeugniss gab. Das Orchester be-\nmühte sich, trotz der starken Instrumentation, so discret als mög-\nlich zu streichen und zu blasen; wenn es ihm nicht vollständig ge-\nlang, so geben wir die Hoffnung für die Zukunft nicht auf und\nrufen Allen ein „rüstiges Vorwärts\" zu.\nDas Concert fand in dem, zum ersten Male mit Gas glänzend\nbeleuchteten, prachtvoll akustisch gebauten Saale des Hrn. Schmitz\nim goldnen Stern Statt, wo die Abonnements-Concerte jetzt gehal-\nten werden.\n\nG r.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nHolst. Der bekannte Unternehmer Herr Mit che 1 aus Lon-\ndon hat dem hiesigen Männergesang-Y ereine sehr schmei-\nchelhafte und annehmbare Anerbietungen für eine zweite Sän-\ngerfahrt nach London in der Saison von 1854 gemacht. Der\nVerein hat in seiner General-Versammlung am 8. d. M. einstim-\nmig beschlossen, dem ehrenvollen Antrage Folge zu geben.\nAuf unserer Bühne macht der Tannhäuser noch immer ein\nvolles Haus (fünf Vorstellungen bis jetzt). In der letzten Auffüh-\nrung hatte Frl. Marschalk die Partie der Elisabeth übernom-\nmen und sang namentlich die Eintritts-Arie und das Duett im zwei-\nten Acte, so wie auch das Andante im Finale ganz vorzüglich. Es\nist in der That viel, dass eine Provincial-Bühne zwei Sängerinnen\nbesitzt, welche, so wie Frau Schmidt-Kellberg (die in dieser\nRolle nirgends eine Nebenbuhlerin zu fürchten hat) und Frl. Mar-\nschalk die Partie der Elisabeth auszufüllen im Stande sind.\nIn der letzten Versammlung der Musicalischen Gesellschaft\nwurde eine neue Ouvertüre von F. Hiller (zur Phädra) ge-\nbracht, welche dem Vernehmen nach grossen Beifall hatte. Wir\nwaren leider verhindert, sie zu hören.\nLüdenscheid, 1. Dec. Da ich weiss, dass Sie, verehrtester\nHerr Professor, grossen Antheil an den musicalischen Zuständen\nauch der kleineren Städte unserer Provinz nehmen, so erlaube ich\nmir, Ihnen kurz zu berichten, wie es damit hier in unserem Hoch-\nlande aussieht. Schon seit zehn Jahren bestand dahier ein Männer-\ngesang-Verein, welchen Herr Ludwig Weinbrenner, unser\nhiesiger Musiklehrer, ins Leben gerufen. Er gab jährlich fünf bis\nsechs Concerte, spaltete sich aber vor etwa 11/2 Jahr in zwei Hälf-\nten, deren eine, nämlich der abgelös'te Theil, zu keinem öffent-\nlichen Auftreten gelangte. Diese Trennung kam hauptsächlich nur\ndaher, weil Herr Weinbrenner, veranlasst und unterstützt von meh-\nreren Musikfreunden, seit einigen Jahren gleichzeitig einen ge-\nmischten Chor gebildet hatte, welcher natürlich den monotonen\nMännergesang-Vereins-Coneerten gegenüber zum Bedürfniss gewor-\nden, und, ohne den überhaupt an einen Fortschritt in der\nKunst nicht zu denken war. Dieser Verein trat zuerst mit Rom-\nberg's Glocke auf, behauptete sich von der Zeit an als der einzige\nConcerte gebende Verein und bot uns eine Reihe von gelungenen\nund zahlreich besuchten Concerten. Vor sechs Monaten ist es je-\ndoch dem unermüdlichen Streben unseres Dircctors Herrn Wein-\nbrenner und einigen sehr thätigen und wirksamen Vereins-Mitglic-\ndern, unter denen ganz besonders Herr Rechts-Anwalt Esselen ge-\nnannt werden muss, gelungen, alle hiesigen musicalischen Elemente\nzu einem Ganzen, dem „Städtischen Gesang-Verein\", unter der\nDirection des Herrn Weinbrenner zu vereinigen. Dieser Verein\nzählt einige und siebenzig Mitglieder und brachte uns am 26. No-\nvember in seinem ersten Concerte Haydn's herrliche „Schöpfung44\nin recht gelungener Ausführung. Das Orchester bildete die Burk-\nhardt'sche Capelle aus Iserlohn. Die Chöre gingen durchaus sicher.\nDie Soli waren in den Händen von Dilettanten, und wenngleich\nkeine hervorragenden Kunstleistungen zu erwarten waren, so ist\nes doch sehr erfreulich, dass der Verein aus sich heraus schafft\nund in seiner Mitte Kräfte besitzt, welche die Aufführung eines\nsolchen Meisterwerkes möglich machen. Herr Weinbrenner hatte\nmit nicht genug anzuerkennendem Eifer Alles trefflich einstudirt,\nund sein Directions-Talent bewährte sich durch die sichere Leitung\ndes Ganzen auf rühmenswerthe Weise.\nfjeifizig-, 2. Dec. Achtes Gewandhaus-Concert. Eine\naus gemischten Gefühlen entsprungene Theilnahme hatte am gestri-\ngen Abend den Gewandhaus-Saal nebst seinen Appertinenzien über-\nfüllt: Hektor Berlioz, eine jedenfalls ausserordentliche Erschei-\nnung am Kunsthimmel, die von der einen Seite vielfach beanstan-\ndet worden, während sie von der anderen mit den Titeln eines\n„zweiten Beethoven\", eines „Heroen der Zukunft\" begrüsst wird,\nsollte in einer Reihe von Compositionen die Vorurtheile widerle-\ngen, welche speciel Leipzigs Kunstrichterschaft in Folge seines er-\nsten Debüts vor Jahren gehegt hatte. Nachdem die erste, kleinere\nHälfte des Concert-Abends Beethoven's achte Sinfonie in F-dur aus-\ngefüllt, brachte uns der zweite Theil einen Complex von Tonwer-\nken des französischen Meisters: „Die Flucht nach Aegypten\", bibli-\nsche Legende; die drei ersten Sätze der Harald-Sinfonie; eine bre-\ntagnische Romanze; den vierten Satz (Scherzo: „Die Fee Mab\")\naus der Sinfonie: „Romeo et Julielleeine Scene seines Concert-\nOratoriums (einer Legende) „Faust\", und die „Ouvertüre zum rö-\nmischen Carneval\". Sprechen wir zuvörderst von dem Erfolge bei\ndem Auditorium, so können wir denselben als einen im Ganzen\ngünstigen bezeichnen, und dürfte sich derselbe vielleicht noch ge-\nsteigert haben, wenn nicht eine Anzahl Leute durch übertriebene\nBeifallsbezeigungen bei der Mehrzahl des Publicums Widerspruch\nerweckt hätte. Wir bedauern, dass der Tonsetzer theilweise darun-\nter leiden musste ; denn dem Urtheile gemäss, welches sich Referent\n(der vor dem gestrigen Abend noch keine von Berlioz' Compositio-\nnen kannte) nach dem ersten Eindruck bildete, stellt sich die Be-\ngabung des französischen Meisters gewiss als eine hervorragende\nheraus. Der herrliche Abschieds-Chor und das Solo mit dem an-\nmuthigen Schluss-Effect in der „Flucht nach Aegypten\", die rei-\nzende Romanze (von Hrn. Schneider trefflich vorgetragen , die"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "192", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531210-01.1.8", "texte": "glühende Farbenpracht, in welcher die Schluss-Ouverture den rö-\nmischen Carneval ausmalt, lind selbst die Fee Mab, trotz mancher\nseltsamen Intention, sind Nummern, die ein Compositions-Talent\nersten Ranges beurkunden. Da indessen, wo die Begeisterung unse-\nrer Zukunfts-Apostel anfängt, wo die naturgemässe Gränze der Mu-\nsik als einer unabhängigen Kunst durch eine gewollte Herbeizie-\nhung des dramatisch Tatsächlichen überschritten wird, fasste auch\nunser Beifall unwillkürlich Posto. Die Tonkunst hat mit dem dra-\nmatischen Element nur Eines gemein: die Situation, und vermag\nallenfalls durch eine Zusammenreihung verschiedener Situationen\netwas einer Handlung Aehnliches darzustellen. Berlioz aber erscheint\nuns in einem Theile seiner Compositionen als der Vertreter eines\nPrincips, das in seinen Consequenzen merkwürdiger Weise der Ge-\ngenfüssler der Richtung ist, welche zugleich mit der sein igen sich\nder oben berührten Protection erfreut. Während Wagner das Ideal\nder Zukunft in der Auflösung des musicalischen Elements im Drama\nerblickt, strebt Berlioz (wie es uns wenigstens vorkommt) ein Auf-\ngehen des Drama's im reinmusicalischen Ausdrucke an. Erschöpfend\ndramatische Behandlung der Musik ist natürlicher Weise für jetzt\nder Ausgangspunct für Beide, und auf dieser Basis überschattet sie\njene im Ganzen doch ziemlich unmächtige Aegide, welche das zu-\nkünftige Auseinandergehen aus dem Winkelpunkte, der beide Rich-\ntungen noch vereinigt, wahrscheinlich überfurcht. So viel vor der\nHand über Heklor Berlioz, dem wir gleichwohl unsere hohe Ach-\ntung, Angesichts seiner unläugbaren Genialität, bezeugen müssen.\nDas Bruchstück aus „Faust44 lassen wir heute ganz unberührt, da\nuns ein zu Anfang nächster Woche bevorstehendes Concert jene\nso genannte Legende zum grössten Theile vorzuführen verspricht.\nDie gestrige Zusammenwirkung der Gesangeskräfte, des Hrn. Schnei-\nder, Hrn. Behr und der Mitglieder des Pauliner-Vereins, der Sing-\nAkademie und des Thomaner-Chors, so wie unseres Orchesters,\nHess, unter Leitung des Componisten, fast durchgängig nichts zu\nwünschen übrig. A. L. Z.\nIn Stuttgart fand Ende November die erste Aufführung der\nOper „Giulia oder die Corsen\", Buch von Lewald, Musik\nvon L in dpaintner, Statt.\nTurin. Am 25. October wurde hier Meyerbecr's „Pro-\nphet44 zum ersten Male gegeben. Die Stoltz, als Fides, war die\nKönigin des Abends; sie sang nach ihren Triumphen in Paris,\nLissabon und Rio Janeiro zum ersten Male in Italien und\nerregte durch Gesang und Spiel allgemeine Bewunderung. Die Aus-\nstattung der Oper war „phänomenal44 (wie eine italiänische Musik-\nZeitung sagt); man hatte dazu den berühmten Librettisten nnd Re-\ngisseur Romani aus Florenz verschrieben.\nDer Violinist Bazzini bereis't Belgien und Holland\ner hat in Antwerpen Concert gegeben. Im Frühjahre wird er\nwieder nach London gehen.\nR. o b e r t Schumann und seine Gattin feiern grosse\nTriumphe in Holland; in Utrecht z. B. wurde er wiederholt nach\nAufführung einiger von seinen Compositionen gerufen und mit\n4\nKr änzen übcrseh üttet..\nI*airis. Thalberg wird den Winter hier bleiben, aber\nnicht öffentlich auftreten; er ist ganz und gar durch die Gom-\nposition der italienischen Oper in drei Acten in Anspruch\ngenommen, welche der Kaiser von Oesterreich wie man\nhier behauptet zur Feier seiner Vermählung im kommen-\nden April ihm in Auftrag gegeben hat. Der berühmte Oboist\nVogt, seit 1816 Professor am Conservatoire, hat sich, 73 Jahre\nalt, in den Ruhestand begeben; seine sämmtlichen Dienstjahre bei\nverschiedenen Instituten (Capelle Napoleon's 1., Orchester der gros-\nsen Oper u. s. w\\), den Feldzug bei Ulm und Austerlitz mit ein-\ngerechnet, betragen 126! Er hat wahrlich eine gute Pension ver-\ndient. Sein Nachfolger am Conservatoire ist Verroust der Acitere*\nUnser Landsmann, Herr Emil Steinkühler in Lilie, ist\nvon Sr. Maj. dem Kaiser Napoleon durch Verleihung der grossen\ngoldenen Verdienst-Medaille ausgezeichnet worden, (Vcrgl. die No-\ntiz aus Lille in Nr. 18. vom 29. October.)\nDeutsche Tonhalle. Se. Königliche Hoheit der Durchlauch-\ntigste Prinz Regent von Baden haben gnädigst geruht, unter dem\n19. d. Mts. der Tonhalle „zur Förderung ihrer löblichen Zwecke\"\nein Geschenk von einhundert und fünfzig Gulden zukommen zu\nlassen, „um Höchstihre Theilnahme an den verdienstvollen Bestre-\nbungen des Vereins an den Tag zu legen 4. Wir können nicht\nunterfassen, diese höchst erfreuliche Anerkennung sämmtlichen ver-\nchrlichen Vercins-Theilnehmern hiedurch bekannt zu machen.\nMannheim, 25. November 1853. Der Vorstand."}]}