{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-12-17-01", "volume": "bmtnabi_1853-12-17_01", "ocr_sha256": "7112934ae6ad0965242789362c5c2da95f7b12bddc14fc342f1c0dbc53377a19", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/12/17_01/bmtnabi_1853-12-17_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-17-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-17_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "193", "page_fin": "196", "image_debut": 1, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.2.1", "titre_corps": "Der Process um Weber’s Freischütz in Paris.", "titre_sommaire": "Der Process um Weber’s Freischütz in Paris.", "signature_source": "B. 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Auf die Verheissung des\nAnschlagzettels hin nahm der Graf Th. T. einen Sperrsitz :\nauch wurde ihm ein vollständiges Textbuch verkauft, wel-\nches alle Scenen des deutschen Gedichtes enthielt.\n„Bald nach Anfang der Vorstellung sah der Graf mit\nschmerzlichem Erstaunen, wie eines der bewunderungswür-\ndigsten Meisterstücke der neueren Oper auf der ersten\nBühne der Welt dargestellt oder vielmehr verhunzt wurde,\nindem man es Künstlern zweiten Ranges anvertraut hatte,\nwelche weder die Mittel zur Ausführung, noch die aller-\ngewöhnlichste Einsicht in die Kunst des Gesanges besassen,\nnoch eine Idee von der Grösse des Werkes hatten, welches\nsie wiedergeben sollten; ferner, dass das Werk zusammen-\ngestrichen und verstümmelt war.\n„Mehrere Stellen wurden weggelassen, namentlich der\ndritte Act war fast gänzlich gestrichen; mit Einem Worte:\nes war nicht eine Oper, sondern nur Fetzen einer Oper,\nwelche dem Publicum gegeben wurden*).\n„Zwischen dem Theater-Director, der mittels der\nZettel und der Ankündigungen verspricht, und dem Publi-\ncum, das auf Grund dieser Versprechungen bezahlt, besteht\nein Vertrag, welcher von beiden Seiten erfüllt werden\nmuss.\n„Sobald die Direction eine vollständige Oper in drei\nActen ankündigt und ohne äusserliche zufällige Veranlas-\nsung und Force majeure nur einen Theil derselben gibt, so\nbetrügt sie offenbar das Publicum und kommt ihren Ver-\npflichtungen nicht nach, und jedermann, der sich verletzt\nfühlt, hat das Recht, zu klagen und Ersatz zu fordern.\"\nIn Folge dessen verlangte der Graf anfänglich als Er-\nsatz eine neue und gute Vorstellung des vollständigen\nFreischütz und darin einen Platz für sich, wie er ihn am\n7. October inne gehabt. Der Gerichtshof solle dem Direc-\ntor eine bestimmte Frist setzen, innerhalb welcher diese\nVorstellung bei Strafe von 100 Frcs. für jeden Tag Ver-\nzögerung geliefert werden müsse. In den Vorverhandlungen\njedoch liess er, nachdem er übrigens als Fremder auch\n1000 Frcs. Caution gestellt hatte, davon nach und über-\nliess dem Gerichte, den ihm gebührenden Schadenersatz\nfestzustellen.\nVerklagter, der Director Roqueplan, beantwortete die\nKlage mit Folgendem:\n„In Betracht, dass die Vorstellung des Freischütz\nübereinstimmend mit den Vorstellungen seit dem 5. April\n1850 gewesen, ferner, dass das Werk so aufgeführt wor-\nden ist, wie es dem Theater durch die Verfasser,\ndie Herren Berlioz und Pacini, übergeben\nworden;\n\n*) Dies ist die Wahrheit. Der dritte Act des gegenwärtigen pa-\nriser „Freischütz\" ist auf eine unverantwortliche Weise zer-\nfetzt und auf das unsinnigste zusammengewürfelt, so dass an\nein Verständniss desselben weder in dramatischer noch in\nmusicalischer Hinsicht zu denken ist; Agathen's Cavatine,\nAennchen's Arie von Nero dem Kettenhund, der Eremit, der\nFürst Oltokar, das Geständniss des Max, der Chor: „Er war\nvon je ein Bösewicht\" Alles gestrichen!! Und wer sind\ndie Räuber und Mörder, welche den herrlichen Leib geplün-\ndert und den verstümmelten Leichnam auf die Bretter ge-\nworfen haben? Der Textmacher Pacini und der Componist\nHector Berlioz! Hat da der Graf nicht Recht, wenn er\nvoll Entrüstung diese Entweihung vor das Gericht der Oef-\nfentlichkeit zieht und die Frevler brandmarkt? Die ganze\n\"Wiederaufnahme des Freischütz war nichts als eine Specu-\nlation des Theater-Directors, und Berlioz gab sich dazu her,\nsie ins Werk zu setzen! B. P."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4714, "texte": "„Ferner, dass der Zuschauer nicht das Recht hat, die\nVorstellung eines Stuckes anders zu verlangen, als es an\ndem bestimmten Theater in Scene gesetzt ist, und dass er\nnicht verlangen kann, dass. diese Vorstellung übereinstim-\nmend sei mit der Vorstellung desselben Werkes auf ande-\nren Bühnen und in anderen Ländern, dass übrigens der\nKläger, als ein Theil des Publicums, eben so wie jeder Zu-\nschauer sein Urtheil laut werden lassen konnte;\n„In Betracht, dass derselbe dadurch, dass er die Auf-\nführung genossen, ohne seine Meinung nach seinem Rechte\nim Angesichte des Publicums auszusprechen, und bis zum\nSchlüsse dageblieben, ohne Protest einzulegen, sich durch\ndiese Annahme jedes Anspruches auf Reclamation begeben hat;\n„In Betracht endlich, dass Herr Tvszkiewicz durch\ndie Art der Formulirung seiner Klage Injurien gegen die\nKünstler und gegen die Direction ausgesprochen und diese\nBeschuldigungen im Constitutionnel vom 19. October und\nder Independance Beige vom November veröffentlicht,\nmithin dadurch einen Schaden verursacht hat, für den er\nErsatz schuldet\n„Trägt Verklagter auf Abweisung des Klägers und\nVerurtlieilung desselben zu 3000 Frcs. Schadenersatz an.\"\nHiernach begann die mündliche Verhandlung. Aus der\nRede des Anwaltes des Grafen erfuhr man, dass der Graf\nreich sei und einem adeligen, ja, fürstlichen Hause ange-\nhöre, sich aber leidenschaftlich der Musik gewidmet und\neiner der Redacleure der Revue (?) in Leip-\nzig geworden sei (?), Die Klage sei vollkommen begründet\nund allein im Interesse der Kunst und des Ruhmes von\nG. M. von Weber angestellt, u. s. w. u. s. w.\nAus der Gegenrede des Anwaltes von Röqueplan Iheile\nich nur das historisch Merkwürdige mit:\n„Im Jahre 1850 wollte die grosse Oper den Frei-\nschütz wieder auf die Bühne bringen. Man fügte Tänze\nhinzu, deren Musik aus anderen Compositionen Weber's,\ndem Oberon und der Preciosa, genommen war, und legte\ndeshalb auch die „„Aufforderung zum Tanze\"\" ein.\nH. Berlioz übernahm es, die Weber'sche Musik der Ueber-\nsetzung des deutschen Textes durch Herrn Pacini anzu-\npassen. Er componirte auch Recitative dazu.\n„Das Werk fand allerdings in dieser Gestalt nicht den\nBeifall, den die Kunstfreunde davon erwarteten. Es machte\n* - +\nbei Weitem nieht den Eindruck, den dasselbe\" fünfzehn\nJahre früher als Robhi des Bin der Bearbeitung von\nCastil-Blaze hervorgebracht hatte, welche den Namen und\ndie Musik Weber's in Frankreich und selbst inDeutsch-\nland (!!!) populär machte.\n„Freilich hat Herr Berlioz einen Feuilleton-Artikel\ngegen die Entstellung der Oper geschrieben; nichts desto\nweniger ist es Herr Berlioz selbst, welcher die Striche und\nAuslassungen angeordnet hat, über welche sich unser Geg-\nner beklagt; er hat die Ballet-Musik, einen grossen Theil\nder Recitative und einige Stücke des Originals\nausgemerzt.\n„Die Theater-Direclion konnte und durfte hiernach\ndie Oper am 7. October nicht anders aufführen, als wie\nsie in Scene gesetzt war und bereits eine Reihe von Vor-\nstellungen erlebt hatte. Sie war durch ihren Vertrag\nmit den Verfassern gebunden, ohne deren Mitwirkung\nsie keine Note und keine Svlbe ändern durfte. Diese, die\nVerfasser, die Herren Berlioz und Pacini, bezogen auch\nden gesetzlichen Einnahme-Antheil, u. s. w. u. s. w.\"\nDie Entschädigungs-Forderung stützte der Anwalt auf\ndie Beleidigungen und Verunglimpfungen der Künstler und\nder Direction und auf die Verbreitung derselben durch die\nöffentlichen Blätter.\nDer Gerichtshof fällte nach erfolgter Berathung fol-\ngendes Urtheil: .\n„In Betracht, dass, wenn es fest steht, dass die Di-\nrection der kaiserlichen Akademie am 7. October d. J. den\nFreischütz, Oper von Weber, mit Auslassung von wichti-\ngen Stellen gegeben, es eben so fest steht, dass die Vor-\nstellung vom 7. October dasselbe gewesen, was sie seit\n1850 war, d. h. eine eben so verstümmelte, als alle\nfrüheren;\n„Dass aus dieser Thatsache hervorgeht, dass der Graf\nTyszkiewicz obschon es im Princip bedauernswerth ist,\ndass verstümmelte Werke dem Publicum als vollständige\nangekündigt werden am 7. October keine anderen\nAuslassungen hat über sich ergehen lassen müssen, als die-\njenigen, welche dem Publicum von Anfang an aufgedrun-\ngen w'aren, und dass er folglich nicht behaupten kann, er\nsei an diesem Tage das Opfer einer Beeinträchtigung ge-\n»\nwesen, welche er nicht habe erwarten und ruhig hinneh-\nmen können;\n„Was ferner die Reconventional-Forderung von Scha-\ndenersatz durch den Director des Theaters betrifft;\n„In Betracht, dass ein zu veranschlagender Nachtheil\ngar nicht nachgewiesen ist:\n*.'* * * g\n„ Aus diesen Gründen weis't der Gerichtshof die Par-\nteien mit ihren bezüglichen Forderungen ab und verur-\ntheilt den Grafen Tvszkiewicz statt alles Schadenersatzes\n* V\nin die Kosten.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5021, "texte": "Beim Publicum hat indess der Graf seinen Process ge-\nwonnen, und man hätte ihm nur mehr Mässigung und\nRuhe gewünscht, weil alsdann der Vorwurf des gegneri-\nschen Advocaten, dass es „dem leipziger Journalisten nur\num Aufsehen zu thun sei\", weniger Anklang gefunden\nhaben würde.\nWer ist aber im Grunde verurtheilt worden? C. M.\nv. Weber und ll. Berlioz. Jener gerichtlich, dieser in der\nöffentlichen Meinung. Denn ist jetzt nicht das Attentat auf\nWeber's geistiges Eigenthum durch ein Urlheil in aller\nForm gerechtfertigt, und zwar aus dem merkwürdigen\nGrunde, weil es bereits vor drei Jahren begangen und mit-\nhin die Attentäter im Besitze sind?! Die Herren Pacini\nund Berlioz, welche die Weber'sche Oper zurecht gemacht\nhaben, ziehen seit Jahren die gesetzliche Tantieme ihres\nFreischütz und sind juridisch berechtigt, die Aufführung\ndes wirklichen vollständigen Freischütz als Plagiat und\nDiebstahl zu verfolgen! Zu gleicher Zeit ist die gegenwär-\ntige Generation der Theater-Besucher in Paris, welche nie-\nmals das Original-Bild gesehen hat, trotz ihrer Sehnsucht\ndanach verurtheilt, die verhunzte Copie desselben auf ihr\nLeben lang dafür hinzunehmen. Am empfindlichsten ist die\nSache für Berlioz, da ihn diese verdriessliche Geschichte\nlächerlich macht, was bekanntlich das Schlimmste ist, was\neinem bei den Franzosen begegnen kann. Berlioz ist näm-\nlich allerdings zuweilen in seinen Feuilleton-Artikeln gegen\ndie Misshandlung des Freischütz losgezogen, ja, Herr La-\nchaud, der Anwalt des Grafen, las sogar einen dieser Ar-\ntikel zu Gunsten der Behauptungen seines Clienten vor;\nallein siehe da! der gegnerische Advocat erwidert mit\nlächelnder Miene: „Der Verfasser des donnernden Artikels,\nden Sie so eben angehört, meine Herren, Herr Berlioz, ist\ngerade der Mann, der jene Stücke ausgemerzt hat, über\nderen Auslassung sich Herr Tyszkiewicz beklagt; ohne\ndessen Autor-Recht zu verletzen, darf die Theater-Direction\nden Freischütz eben nicht anders geben, als wie geschehen.\"\nWahrscheinlich haben wir, wenn Berlioz von seiner\nReise zurück ist, noch ein Nachspiel zu dieser Freischütz-\nKomödie zu erwarten.\nAm 13. November ist hier einer der fruchtbarsten\ndramatischen Schriftsteller, Eugene dePlanard, gestor-\nben. Das Lustspiel und die komische Oper haben ihm treff-\nliche Arbeiten zu danken. Er war 1783, den 4. Februar,\nzu Milhau, im Departement des Aveyron, geboren; sein\nVater wanderte beim Ausbruche der Revolution aus, er\nselbst brachte einen Theil der Schreckenszeit im Gefäng-\nnisse zu. Später studirte er die Rechte zu Paris, trat 1806\nin den Staatsrath ein und legte seine Stelle erst vor eini-\ngen Jahren nieder. Er schrieb seit 1807 für das Theater.\nEin Dutzend Lustspiele machten ihm, obwohl sie .gefielen,\ndoch nicht den Ruf, welchen seine Opern-Texte ihm ver-\nschafften. Es gibt fast keinen Componisten unserer Zeit,\n*\nfür den er nicht gearbeitet hätte, und bis zu seinem letzten\nAugenblicke verliess ihn weder das Talent geistreicher Er-\nfindung, noch der Fleiss sorgfaltiger Ausarbeitung. Seine\nletzte Operette, „Colette\", wurde erst vor Kurzem gege-\nben, als er schon leidend war, so dass ihn ein Anfall von\nGicht auch hinderte, seinen letzten Erfolg selbst mit an-\nzusehen. •\nEr hat sechsunddreissig Opernbücher geschrieben, alle,\nmit wenigen Ausnahmen, komischen Inhalts. Die erfolg-\nreichsten waren: Emma, für Auber, Marie und die\nSchreiberwiese, für Herold, der Hausirer, für\nOnslow, der Blitz, fürHalevy, diel) ouble Echelle,\nfür A. Thomas, der Kobold, für Ad. Adam und meh-\nrere einactige für Bochsa, Carafa, H. Potier, Ca-\ndeaux u. s. w. • •\nPlanard arbeitete meistentheils allein, sowohl den Dialog\nals die Verse. Den Bühnen-Zuschnitt verstand er meister-\nhaft, und obwohl keineswegs Musiker, wusste er doch die\nPoesie vortrefflich für die Musik anzuwenden. Er erwarb\nsich ein bedeutendes Vermögen, denn er schrieb ja seine\ndramatischen Arbeiten in Frankreich, wo der Opern-Dich-\nter nicht durch ein paar Thaler Honorar von Seiten des\nComponisten abgefunden wird, sondern seinen Antheil an\nallen Einnahmen hat. Nach einem Ausweis in seinem Nach-\nlasse brachte ihm allein die Schreiberwiese\nCleves), von Herold componirt, nicht weniger als 53,000\nFrcs. an Tantiemen ein! Da verlohnt sich's noch der Mühe,\nsein Talent der Opern-Dichtung zuzuwenden.\nAusser seinen Bühnenwerken hat er auch einen Ro-\nman in drei Banden (Almedan, 1825) und mehrere vor-\ntrefflich geschriebene historisch-biographische Artikel in den\n.Ephemerides universellesverfasst. Dabei besass er die\nKunst des Vorlesens in hohem Grade, und er hat dadurch\noft das Theater-Comile zur Annahme seiner Stücke, selbst\nbei geringerem Werthe derselben, bewogen.\nSchliesslich darf ich das grosse\nvonChelard nicht mit Stillschweigen übergehen. Che-\nlard, ehemals Zögling des hiesigen Conservatoriums, der zu\nseiner Zeit den Prix de Rome davontrug, kehrte nach seinem\nAufenthalt in Italien hieher zurück, konnte jedoch nicht\ndurchdringen oder verlor wenigstens die Geduld. Er ging\nnach Deutschland und fand dort bekanntlich eine ehren-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2956, "texte": "volle Stellung als Capellmeister des Grossherzogs von Wei-\nmar. Dort haben ihn die neueren musicalischen Verhält-\nnisse, wie es scheint, überflüssig gemacht, und er kam vor\neiniger Zeit wieder hieher, wo man ihn kaum noch kannte.\nSein Concert hat Aufsehen erregt doch möchte\nich lieber auf Französisch sagen: il a fail du bruit; denn\nan Lärm konnte es bei der Aufstellung von zwei Orche-\nstern, eigentlich von dreien einschliesslich der zwanzig Blech-\nInstrumente, nicht fehlen. Denke Dir diese Massen in dem\nkleinen Herz'schen Saale, und Du wirst begreifen, dass\nsich die Damen sehr laut unterhalten konnten, ohne die\nMusik zu stören.\nDas Beste in dem ganzen Concerte, welches nur Com-\npositionen von Chelard brachte, war die Ouvertüre zu\nMacbeth, ein Werk voll Leben und Kraft und grossarti-\nger Ideen. Sie beginnt mit den dumpfen Tönen einer\nGlocke, welche die Geister- und Hexenstunde, Mitternacht,\nschlägt, zugleich die Stunde des Verbrechens. Wie Shake-\nspeare in seinem grossen Drama die Mitternacht-Seite des\nmenschlichen Herzens so furchtbar ergreifend darstellt, so\nhat auch der Componist den Ausdruck des Schauerlichen,\ndes Grausenden tief und musicalisch schön wiedergegeben.\nDas Werk rief stürmischen Beifall hervor.\nDagegen war das Hauptstück des Concertes,\n(die Adler), eine „lyrische Heroide\" für Solostimmen,\nChöre und die genannten zwei oder drei Orchester, mehr\nbetäubend als schön, und so abspannend, dass man froh\nwar, nach dem Schlüsse einmal wieder aufathmen zu kön-\nnen. Dieses Werk ist mit einem unerhörten Pomp der In-\nstrumentation geschrieben, und die übermässig gespannten,\nhimmelanstrebenden Bogen des kolossalen Baues drohen\nalle Augenblicke, über uns einzustürzen. Aber gerade diese\nriesigen Formen erzeugen eine erdrückende Monotonie.\nDer Text ist eine Allegorie auf den Feldzug Napoleon's in\nRussland und ermangelt nicht der Beziehungen auf das\nWiederaufleben der Adler in der Gegenwart. Verkleidet\nist diese wahre Bedeutung des Gedichtes durch einen\nKampf der Römer gegen die Germanen unter irgend einem\nCäsar. Doch das hindert nicht Chöre, wie folgenden:\nTrois fois hcureux celui qui meurt pour sa patrie!\nFrance ch\nNoble patrie!\nDie handelnden Personen sind ein junger Römer (Ro-\nger), Cäsar (Merly), der Germanenlürst (Guignot) und drei\nGenien, der Genius der Familie (Mlle. Nau), der Ver-\nheerung, und der ewigen Roma (Mad. Tedesco). Einige\nSpottvögel vermissten einen vierten, den Genius der Com-\nposition. Sie mochten nicht ganz Unrecht haben. Bei der\nAuslührung bewährte Chelard ein tüchtiges Dirigenten-\nTalent. Die Tedesco war prachtvoll.\nDie übrigen Nummern waren von geringerem Umfang\nund geringerer Bedeutung. Noch einmal auf napoleonisch-\nkriegerische Erinnerungen war die Lager-Scene „ C'etait a\nMontmirail\" abgesehen, mit Chören und Militär-Musik.\nOb so verständliche Bestrebungen des Componisten auch\nNapoleon 111. schon verstanden habe, darüber verlautet\nnoch nichts.\nParis, den 10. December 1853.\n\nB. P."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-17-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-17_01#c002", "volume": "bmtnabi_1853-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "196", "page_fin": "198", "image_debut": 4, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.2.2", "titre_corps": "Wiener Briefe.", "titre_sommaire": "Wiener Briefe.", "signature_source": "B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.4", "debut_caractere": 2958, "fin_caractere_exclue": 4697, "texte": "Wiener Briefe.\n\n[ßalfe's Keolanthe Theater-Director Com et Frl.\nLa Grua Frl. Wildauer Concerte.]\nDen 9. December 1853.\nDiesmal das Nächste zuerst. Sie ist also endlich er-\nschienen, die Keolanthe, sonst auch genannt das\n„Traumbild\", eine grosse romantische Oper in drei\nActen, von M. W. Balfe. Grosser nichtromantischer Un-\nsinn, das wäre eigentlich die bündigste Kritik über dieses\nFitzball-Balfe'sche Machwerk. Das Textbuch ist von einer\nfabelhaften Abgeschmacktheit. Die Moral läuft darauf hin-\naus, dass man, wenn man eine Braut hat, derselben nicht\nuntreu werden und sich nicht in ein Bildniss irgend einer\ntodten Prinzessin verlieben soll, weil man sonst Gefahr\nläuft, von der weltlichen Gerechtigkeit, indem man einen\nracheschnaubenden Bruder im Zweikampf erschlagen, heim-\ngesucht und zugleich von diversen Teufeln geholt zu wer-\nden, Letzteres bei obligatem Donner und Blitz und im\nAngesichte des feuerspeienden Aetna. Die Musik aber ist\nohne eine Spur von Stil, Haltung, Wahrheit und dramati-\nschem Ausdruck, ja, selbst ohne jene, wenn auch immer\nsehr leicht geschürzte, so doch nicht ganz ungefällige An-\nmuth, die man sonst wohl zuweilen in dem Doppel-Gestirn\nFlotow-Balfe antrifft. Wenn ich das Duett im zweiten Acte\nund etwa ein paar freilich auch nur gekünstelte Instrumen-\ntal-Begleitungs-Sätze ausnehme, so ist alles Uebrige ein\nvollständiges Nichts und hat auch ein eben so vollständiges\nFiasco gemacht. Wenn Sie die Musik gehört hätten, die\nda bei Mondschein-Beleuchtung in den ägyptischen Gräbern\ngemacht wird! Doch lassen wir die Todten ruhen; denn\neine Todte ist und bleibt sie, diese Prinzessin Keolanthe,\ntrotz aller Bemühungen ihres himmlischen Schutzgeistes\nOmbrastro und ihrer irdischen Väter Fitzball und Balfe."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5200, "texte": "So wäre denn wieder eine grosse Summe von Geld, Zeit\nund Kräften an eine reine Nichtigkeit verschleudert!\nIch theile Ihnen bei dieser Gelegenheit im Auszuge\neinen Artikel mit, welcher unlängst in einem hiesigen viel-\ngelesenen Journale erschien, und aus welchem Sie den\nGrad von Achtung und Beliebtheit erkennen mögen,\nderen sich unser jetziger Opern-Pirector erfreut. Und mer-\nken Sie wohl, ich kenne genau die Facta, auf welche sich\nderselbe bezieht, und bediene Sie daher nicht etwa mit\neinem blossen Pamphlete. Dortheisst es also: „Wir klagten\nbisher über die Theater ob der grossen Tenoristen-Noth;\ndie Klagen gehen jetzt weiter, denn der Gemeinderath in\nStuttgart klagt, dass die Nachtwächter so schlechte Stim-\nmen hätten, und ordnet desshalb an, dass künftig nur\nNachtwächter, welche eine schöne Stimme haben, angestellt\nwerden sollen. Wie wäre es, wenn man das Corps der\nNachtwächter zur Pflanzschule lür das Theater machen\nwürde, da man gegenwärtig das Theater zur Pflanzschule\nder Nachtwächter gemacht hat? Geschrieen wird ja im\nTheater, dass ein feinhöriger Gemeinderath es sicherlich\nverbieten würde, wenn der Nachtwächter unter seinem\nFenster ein solches Geschrei anzuheben sich einfallen liesse.\nWir haben nun volle Hoffnung, dass, nachdem die Stutt-\ngarter Nachtwächter mit einem sanften ihre\nStunden ausrufen werden, damit der Gemeinderath aus sei-\nnen Träumen nicht erwacht, auch in unseren Theatern\nvielleicht dieses Schreien aufhören wird, welches man Sin-\ngen nennt (hiermit ist hauptsächlich unser Tenorist Steger\ngemeint). Dieses Schreien muss wirklich die Köpfe mancher\nTheater-Directoren ganz confus machen, so dass sie zuletzt\nnicht mehr wissen, was sie thun. Wenn ein Theater-Direc-\ntor es nicht einmal der Mühe werth hält, einem Orchester-\nMitgliede zu danken, wenn es ihn grüsst; wenn er dem\nOrchester-Director einen Corporal als Muster aufstellt,\nnach dem er sich im Amte zu benehmen habe; wenn\ner für untergeordnete Künstlerinnen keine andere Bezeich-\nnung hat, als wie man moralisch verworfene Personen zu\nbenennen pflegt; wenn er glaubt, die Direction bestehe nur\ndarin, mit Rohheiten, Gemeinheiten und Sottisen seiner\nStellung Wichtigkeit zu geben; wenn er Künstler tiefer\nals Tagelöhner stellt, die man jeden Moment davonjagen\nkann dann können wir zu seiner Ehre wirklich nur als\ndas Gelindeste sagen, dass es in seinem Kopfe confus aus-\nsehen muss, u. s. w.\" Und dieser geradezu ehrenrührige\nArtikel ist meines Wissens bis zur Stunde, freilich aus gu-\nten Gründen, ohne alle Erwiderung geblieben. Ziehen Sie\nselbst hieraus den mit Nothwendigkeit sich ergebenden\nSchluss, und wundern Sie Sich nicht über die häufig auf-\ntauchenden Gerüchte von Cornet's bevorstehender Entlas-\nsung, deren endliche Realisirung zu bedauern der Kunst-\nfreund wahrlich keine Ursache hätte, und die von den\nsämmtlichen Mitgliedern der Oper als ein freudiges Ereig-\nniss festlich begrüsst werden würde. Hat er sich doch auch\nmit der Aufführung der Balfe'schen Oper, namentlich mit\nderen Scenirung, Lorbern errungen, um die ihn Niemand\nbeneidet!\nZur Ergänzung meines Berichtes über die Oper theile\nich Ihnen noch mit, dass, seit ich Ihnen zuletzt geschrieben,\ndie La Grua als Alice im Robert und als Anna im Don\nJuan aufgetreten ist. Diese beiden Leistungen bestätigten\nmein neuliches Urtheil über sie in seinem vollen Umfange.\nSehr schöner, aber nicht ganz ausreichender Stimmfonds,\ntreffliche, wahrhaft edle Intentionen bei noch einigem zähen\nWiderstand der Materie, empfindungswarmer, manierfreier\nVortrag, gutes Spiel; dies sind die Eigenschaften, nach\nwelchen sie zwar noch nicht als vollendete, aber doch als\nsehr schätzenswerthe Künstlerin erscheint, die noch eine\nZukunft vor sich hat. Unser Publicum wendet sich ihr mit\nvieler Theilnahme zu. In den beiden genannten Opern trat\nauch Frl. Wildauer zum ersten Male als Isabella und\nals Zerline auf. Diese Dame ist ein wahres Mirakel; denn\nSie müssen bedenken, dass sie, keineswegs mehr in der\nBlüthe der Jugend stehend, erst seit drei Jahren sich der\nOper gewidmet hat, während sie früher ausschliesslich,\nfreilich nicht in hervorragender Weise, im Schauspiel be-\nschäftigt war. Und jetzt singt sie Partieen wie die Isabella\nund Zerline mit stürmischem und, man muss gestehen, nicht\nungerechtfertigtem Beifall. Ist ihr auch das Grosse und\nReinvollendete als Sängerin so unzugänglich wie als Schau-\nspielerin, so leistet sie doch Vortreffliches im Genre des\nAnmuthigen und des Coloratur-Gesanges.\nIn unseren Concertsälen herrscht jetzt ein reges Leben.\nVor Allem fand bereits das erste grosse Vereins-Con-\ncert Statt und brachte Haydn's Sinfonie in G und Men-\ndelssohn's Musik zur Walpurgisnacht. Jene ist wohl ein\nWerk voll Anmuth und Grazie, besitzt aber heut zu Tage\nals Sinfonie doch mehr nur ein historisches als ein absolu-\ntes Interesse. Mendelssohn's Werk enthält unstreitig sehr\nviele und grosse Schönheiten, aber es lässt sich nicht läug-\nnen, dass der eigentliche Schwerpunkt der Göthe'schen\nDichtung in eine Idee fällt, welche sich der musicalischen\nVersinnlichung entzieht, und dass in so weit dem Princip\nnach das Werk ein verfehltes ist *). Die Aufführung war\n\n*) Darin können wir unserem geehrten Herrn Correspcmdentea"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3460, "texte": "eine vorzügliche, nur der weibliche Chor etwas zu schwach\nund die Solo-Partieen ungenügend besetzt. Die Quartet-\nt der Gebrüd er Müller nehmen in dieser\nWoche mit der sechsten ihr Ende. Ich habe Ihnen über\nden Charakter derselben, namentlich im Vergleich mit dem\nHellmesberger'schen Quartett, bereits erschöpfend ge-\nschrieben. Die Krone ihrer Leistungen blieben Haydn's\nVariationen über die Volkshymne und Schubert's Quartett\nin D-moll, welch letzteres sie auf vielfaches Verlangen wie-\nderholten. Doch kommt es mir vor, als ob das Hellmes-\nberger'sche Quartett schon jetzt aus dem Beispiele dieses\nMuster-Quartettes Nutzen gezogen hätte, denn sein Be-\nstreben geht sichtlich dahin, sein Spiel mehr aus Einem\nGusse zu formen, was ihm auch an dem letzten Abende\nin dem wunderbar schönen Quartette in von Mendels-\nsohn und in Beethoyen's grandios concipirtem, aber doch\netwas zu breit gehaltenem Quartette in Es, Op. 1 *2l, in\nhohem Grade gelang. Ai\\ demselben Abende kam auch\nBeethoven's Duo, Op. 102, in D, zur Aufführung, eine\nganz originelle Composition, voll harter Ecken und scharfer\nKanten, zwar kein farnesischer Stier des Pianoforte\", aber\ndoch ein Stück Michel Angelo in Musik. Der Vortrag\nwar jedoch von Seiten des Pianisten ein etwas lederner,\nunbelebter.\nVon Virtuosen-Concerten ist das erste des Hrn. V i e u x-\ntemps und das zweite des Hrn. Willmers zu nennen.\nDie Eigenschaften des Vieuxtemps'schen Spiels sind der\nWelt bereits so genau bekannt, dass ich hierüber nichts\nBesonderes zu sagen brauche. Er spielte diesmal ein auch\nziemlich anständig componirtes Concert und Paganini's\nHexen-Rondo, welches letztere seinen Namen wohl nicht\nvon dem Charakter der Composition, sondern von den\nHexereien entlehnt, welche der Spielende auszuführen hat.\nBeifall natürlich en masseund Eine\nauffallende, für uns neue Erscheinung war es, dass die\nGattin Vieuxtemps' denselben bei dem Hexen-Rondo am\nClavier accompagnirte, und zwar mit bedecktem Haupte.\nUeber das Concert des Hrn. Willmers berichte ich Ihnen\nnichts weiter, als dass auch er es für nöthig fand, die F-\nmoll-Sonate von Beethoven zu spielen. Sein übriges Pro-\ngramm: „Flieg Vöglein hin\" und flieg Vöglein her, „Auf\ndem Meere\" und auf dem Lande, „Sommertag in Norwe-\ngen\" und W internacht im Concertsaale. Sie haben keinen\nBegriff, wie mich diese Concerte anekeln, die und das\nist seit Jahren so Mode geworden - mit einer Sonate\nvon Beethoven beginnen (F-mo oder\nPathetique, nicht zu vergessen des grossen Duo in das\nerst neulich Frl. Staudach als Einleitung zu einer Thalberg'-\nschen Phantasie spielte) und mit einer Phantasie von Thal-\nberg, Liszt oder dergl. endigen. Das ist wie ein Ungeheuer,\ndas aus einem Löwenkopfe in einen Rattenschweif ausläuft,\ndas ist die personificirte Meuchelei und Schönthuerei! In\neinem der Seuffert'sehen Privat-Concerte hörte ich neu-\nlich ein Duo für Ciavier und Violine von Grädener, einem\nmir bisher unbekannten Autor*) (Schüler von Mendels-\nsohn, wie ich höre), das von Talent zeugt und von dem\nHerrn Door und dem sehr wackeren Violinisten Herrn\nLudwig Strauss gespielt wurde. Dem Vernehmen nach soll\nnun doch in den Weihnachts-Concerten Assmayer,s „Saul\"\nzur Aufführung kommen. Man will den Armen nicht so\nbitterlich kränken. Wir aber wünschen uns schon im Vor-\nhinein guten Appetit dazu.\n\nnicht beistimmen und erlauben uns, auf unseren Artikel über\ndie „Walpurgisnacht\" in Nr. 78, Jahrg. 11, der Rheinischen\nMusik-Zeitung zu verweisen.\nDie Redaction.\n\nB."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-17-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-17_01#c003", "volume": "bmtnabi_1853-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "198", "page_fin": "199", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.2.3", "titre_corps": "Das k. baierische Conservatorium für Musik in München.", "titre_sommaire": "Das k. baierische Conservatorium für Musik in München.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.6", "debut_caractere": 3462, "fin_caractere_exclue": 4813, "texte": "Das k. baierische Conservatorium für Musik\nin München.\nDer Zweck dieses Beitrages (ur Ihre Musik-Zeitung ist,\nein unparteiisches, der strengsten Wahrheit entsprechen-\ndes Bild des hiesigen k. Conservatoriums, seiner Direction,\nseines Lehrkörpers, so wie seines bis jetzt eingehaltenen\nLehr-Planes mit seinen Licht- und Schattenseiten zu ent-\nwerfen. Nicht geringe Schwierigkeiten waren zu überwin-\nden, um aus den schroffsten Gegensätzen, aus allen den\nParteilichkeiten und persönlichen Gehässigkeiten, aus allen\nden Angriffen und Lästerungen, welche sich seit dem Jahre\n1848 bis jetzt zu wiederholten Malen über das Conserva-\ntoriurn und seine Direction ergossen, den wahren Sach-\nverhalt aufspüren und denselben unverfälscht darstellen zu\nkönnen. Um dieses zu ermöglichen, muss ich mich zur\nGründung des Institutes wenden. Als König Ludwig, nach-\ndem er so viel für monumentale Kunst gethan, sich bewo-\ngen fand, München auch mit einer Anstalt zur Hebung und\nFörderung der Musik zu bereichern, gründete er das Con-\nservatorium für Musik, dessen Statuten, auf die Einrichtun-\ngen des leipziger Conservatoriums sich stützend, von Sr.\nMajestät genehmigt, im k. Regierungsblatte am 4. October\n1846 veröffentlicht wurden. Nun schritt Franz Hauser.\nzum Director des k. Instituts ernannt, zur Wahl der\n\n*) Director des Gesang-Vereins in Hamburg,. Die Re (L"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2781, "texte": "Lehrer, wobei ihm der damalige k. Capellmeister, jetzt Ge-\nneral-Musik-Director Franz Lachner hülfreich zur Hand\nging. Seitdem ist das Lehr-Personal bedeutend vergrüssert,\nwas durch die mit jedem Jahre wachsende Zahl der Zög-\nlinge, so wie durch die gemachten Fortschritte erfordert\nwurde. Es erstreckt sich daher jetzt der Unterricht, theore-\ntisch und praktisch, über folgende.Zweige der Musik:\nHarmonie, Contrapunkt und Composition wird gelehrt von\nden Herren Julius Meier, Wohlmuth und Dr. Bar-\nraga; Pianoforte- und Orgelspiel von den Herren Dr.\nEduar d D o ct or, Leonhard, Wanner und ller z o g;\nViolin- und Violoncell-Spiel (Solo-, Quartett-Spiel) von den\nHerren Lauterb ach, Kahl und Menter; Gesang\nSolo- und Chorgesang, verbünden mit praktischer Uebung\nim dramatischen Vortrage) von den Herren Director Hau-\nser und Lenz; italiänische Sprache von Herrn Fogolari.\nDie Richtung der Anstalt geht dahin, eine gründliche mu-\nsicalische Ausbildung zu vermitteln, brauchbare Musiker zu\nerziehen und nicht bloss einseitige Virtuosen auszusenden,\nwelche das Mittel zum Zweck machen. Nachdem sich die\nZöglinge vermehrt, trat eine strengere Gliederung und Or-\nganisation der Classen ein, so dass in der Harmonie-Lehre\nO « .....\njetzt drei Classen bestehen; die erste geht von der Kennt-\nniss der Intervalle, Fortschreitung, Stimmführung, Umkeh-\nrung des Dreiklangs, Septime und deren Umkehrung bis\nzu den Vorhalten; die zweite, abermals die Harmonie-Lehre\ndurchnehmend und übend, schreitet bis zur völligen. Fer-\ntigkeit im Spielen des bezifferten Basses vor; die dritte\numfasst den einfachen und doppelten Contrapunkt, Uebung\nim Partitur-Lesen und bringt den Zögling so weit, als es\ndurch Talent und Fleiss ermöglicht ist. Zur Aufnahme für\nden Unterricht im Orgelspiel, welches in zwei Classen zer-\nfällt, ist überhaupt ziemliche Fertigkeit im Clavierspiel und\nIvennlniss der Harmonie erforderlich, für die zweite Classe\n• • ' • • • • •\ninsbesondere Kenntniss im Contrapunkte bedingt. Für Ge-\nsang hestehen, wie für Ciavier, ebenfalls zwei (-lassen; die\nerste hat zur Aufgabe, die Zöglinge in der allgemeinen\nMusiklehre, der Kenntniss. der Intervalle, der Tonarten, im\nTreffen und Lesen zu unterrichten; in der zweiten beginnt\nder eigentliche Gesang-Unterricht, d. h. Bildung der Stimme,\nder Aussprache, des Vortrags u. s. w. Dieselbe Classen-\nEintheilung besteht bei der Violine, dem Violoncell und\nder italiänischen Sprache. Ausserdem finden für Instru-\nmental-Ensemble's wöchentlich zweimal, und für Chorge-\nsang einmal Uebungen Statt; auch finden einige Zöglinge\nGelegenheit und Anleitung, sich im Dirigiren zu üben.\nNoch sind durch zwei Jahre Vorträge über Poetik am Con-\nservatorium gehalten worden, welche jedoch von den Zög-\nlingen schlecht besucht wurden.\n(Schluss folgt.)"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-17-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-17_01#c004", "volume": "bmtnabi_1853-12-17_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "199", "page_fin": "200", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.2.4", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.7", "debut_caractere": 2783, "fin_caractere_exclue": 5768, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nlfcifln. xVm Dinstag den 13. d. Mts. fand die zweite Soiree\nfür Kammer-Musik im Saale des Hotel Disch Statt. In den\nEnsemble-Stücken spielte diesmal Herr Pixis die erste Violine;\nes scheint also, dass die- Herren Hartmann und Pixis darin ab-\nwechseln werden. Werden wir Beide nicht auch einmal zusammen\nhören? Der Abend brachte uns die Violin-Quartelte Von Mozart\nin C-dur und von Mendelssohn in Es-dur, Op. 44, das Piano-\nfortc-Trio in Es-dur, Op. 70, Nr. 2, und drei Solostücke iür Piano-\nforte allein: Lied ohne Worte von Me n del s s o hn, Etüde C-moll von\nChopin und Webers Momentö capriccioso. Die Pianoforte-Partie\nhatte diesmal Herr E. Franek übernommen, was eben so viel\nheisst, als sie wurde meisterhaft ausgeführt. Herr Pixis trug na-\nmentlich die Adagio's der beiden Quartette vortrefflich vor und\nglänzte durch Bravour besonders im Mendelssohn'schen Quartette,\ndessen letzter Satz eine fast zu schnelle Bewegung hatte. Im Mo-\nzart'schcn war hier und da ein ganz vollkommenes Zusammenspiel\nzu vermissen.\nUcber die Einrichtung bemerken wir mit Vergnügen, dass durch\ndie Maassregeln des Herrn Hotel-Besitzers alle äusseren Störungen\nbeseitigt waren. Eine bedeutendere Erhöhung der Estrade für die\nSpieler würde dem Klange wesentlich förderlich sein. Sehr erfreu-\nlich ist das zahlreiche Abonnement.\nIm nächsten Gescllschafts-Concerte werden wir Joachim hören.\nIjeipzig» Herr Ad. Köckert aus Prag, welcher in dem\nConcerte vom 22. November ein A iolin-Concert von Molique und\neine von ihm selbst componirte Phantasie über ein Thema aus\n„Lucia\" spielte, ärntete den reichen und wohlverdienten- Beifall der\nZühörer, der sich beim zweiten Stücke zum Hervorruf steigerte.\nEr zeigte sich überall als glänzenden Spieler und bewährte nament-\nlich beim ersten -Stücke einen schönen Ton und einen von rieht i-\n«•'* * » • •\nger Empfindung getragenen, geschmackvollen Vortrag, während er\nim zweiten Stücke als Virtuos glänzte.\n- * ! \"- r 1 *, * •\n•' * 1 $ -\nDer ausgezeichnete Pianist Fumagalli, der zum zweiten Male\nsein Vaterland Italien bereis't, hat in Tri est am 14. November\nein glänzendes Concert gegeben. In Italien gilt nächst Verdi\ngegenwärtig Pacini als der bedeutendste Opern-Componist.\n• . . «\nIn dem ersten Goncert der Gesellschaft Ste. Ceci/e\nwurde Hob. Schumanns Ouvertüre zu Byron's Manfred mit.\nBeifall aufgeführt. Dasselbe Concert brachte neben einigen Chören\naus Bach's Passion eine Arie aus Halevy's „Rosenfee44! Die\nA-dur-Sinfonie von Beethoven wurde trefflich ausgeführt. -1-\nThalberg spielt nur noch ungern er componirt; aber wenn\nman nach einem eben vollendeten Trio.urtheüen soll, so wäre es\nbesser, er spielte.\nWilhelmine Clauss hat ein Concert auf den 20. d. Mts.\nangezeigt. In London hat sie zuletzt in Exeter Hall gespielt.\nSchul hoff wird im Februar erwartet; die ~Press verkündet\nschon jetzt, dass er eine neue Tarantella, neue Idyllen, seine böh-\nmische Phantasie und die beliebte Mazurka Souvenir de Varsovie\nspielen wird."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3134, "texte": "Der Director des Thedtre des Varietesy welches vor Kurzem of-\nfenbach's hübsche Operette Pepito gab, hat Bankerott gemacht.\nDagegen hat Offenbach seine Partitur an den Musikhändler Chaillot\nverkauft.\nDie Geschwister Dülken gefallen sehr und machen gute Ein-\nnahmen.\nDas Thedtre lyriqae probirt eifrig an einer von Donizetti\nnachgelassenen Oper und setzt grosse Hoffnungen darauf. Die\nOpera comique setzt die Proben von Meyerbeer's Etoile du\nNord fort.\nMeyerbeer s Fackeltanz ist in einem Concerte zum Besten\nvon Abgebrannten und darauf in der grossen Oper von der Har-\nmonie-Gesellschaft des Herrn Ad. Sax unter Mohr's Direction\nprachtvoll ausgeführt und mit grossem Beifall aufgenommen wor-\nden. Ein Kritiker ruft aus: „Glücklich die Fürsten, welche solche\nMusik bestellen können, und deren Vermählung unter dem Klange\nso majestätischer Harmonieen gefeiert wird!\"\nBei Gouffe Hess sich der junge deutsche Violinist Eller mit\ngrossem Beifall hören; er spielte die Ciacconna von Bach und drei\nStücke von seiner Composition.\nStrasslMirg*. Am 26. November hat Ernst in Verbindung\nmit der dramatischen Künstlerin Frl. Siona Levy hier ein Con-\ncert gegeben. Er war seit zwölf Jahren nicht hier und feierte\neinen wahren Triumph.\nXjoyicloii« Die berühmte Sängerin Viardot-Garcia erregt\nüberall, wo sie sich hören lässt, grosse Bewunderung. Binnen acht\nlagen hat sie in sechs Concerten gesungen: den 22. November in\nLiverpool in dem Oratorium Samson die Delila, den 24. in\nBirmingham, den 25. in London in der Sacred Harmonie So-\nciety wiederum im Samson, den 28. im Messias, den 30. in einem\nAbend-Concert Arien von Weber und Meyerbeer, den 1. December,\nbei der Einweihung der St. Martins-Halle, eine Arie aus der Su-\nsanna von Händel und den zweiten Act des Orpheus von Gluck.\nHiesige Blätter berichten, dass der Capellmeister Costa auf\nseiner Reise durch Deutschland in Wien auf einer Versteigerung\nein Paket geschriebener Musik gekauft und darunter eine sorgfäl-\ntige Abschrift der Partitur von Hände Ts Acis und Galatea\nmit Mozart's Instrumentirung entdeckt habe. Nach Costa's Aus-\nsage hat sich Mozart hier nicht bloss auf Hinzufügung von Blas-\ninstrumenten beschränkt, sondern die ganze Orchester-Begleitung\numgearbeitet. Costa hat diese Partitur der Harmonie Union, deren\nMusik-Director er ist, übergeben, und die Gesellschaft hat vor, in\neinem ihrer nächsten Concerte Acis und Galatea (von Händel 1717\nfür Wien geschrieben) mit der Mozarfschen Begleitung aufzuführen.\nElise Christiani, die junge und kühne Violoncell-Spielerin,\nwelche dem Ungemach einer Reise durch die nordischen Länder\ntrotzte, ist in Nowatsch-Karsk, als sie im Begriffe war, nach den\nkaukasischen Ländern zu reisen, gestorben. Bekanntlich kam die\nKünstlerin nach bedeutenden Erfolgen in ihrem Vaterlande Schwe-\nden und in England auf den abenteuerlichen Gedanken, Nordruss-\nland und Sibirien zu besuchen. Sie hat sogar in Kamtschatka\nConcerte gegeben.\nIn Montevideo ist eine französische Oper mit Halevy's\n„Jüdin'4 eröffnet worden (Anfang um 8 Uhr). Alle Darsteller wur-\nden am Schlüsse gerufen, der Tenor Mario z als Eleasar mehrere\nMale im Laufe der Vorstellung."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "193", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.1", "texte": "Der Process um Weber’s Freischütz in Paris.\n\nSeit langer Zeit hat in Paris nichts in der musicali-\nschen und in der Theater-Welt ein solches Aufsehen ge-\nmacht, als der Process des Grafen Thaddäus Tyszkie-\nwicz gegen Herrn Nestor Roqueplan, Director der\ngrossen Oper. Da er jetzt in der Sitzung des Tribunal civil\nvom 7. December entschieden ist, so beeile ich mich, dar-\nüber im Zusammenhang zu berichten, und zwar acten-\nmässig, nach der interessanten Verhandlung selbst.\nDie Klage des Grafen lautet folgender Maassen;\n„Am 7. October d. J. kündigte der Director der kai-\nserlichen Academic de Musique die Vorstellung des Frei-\nschütz, Oper von Weber, an. Auf die Verheissung des\nAnschlagzettels hin nahm der Graf Th. T. einen Sperrsitz :\nauch wurde ihm ein vollständiges Textbuch verkauft, wel-\nches alle Scenen des deutschen Gedichtes enthielt.\n„Bald nach Anfang der Vorstellung sah der Graf mit\nschmerzlichem Erstaunen, wie eines der bewunderungswür-\ndigsten Meisterstücke der neueren Oper auf der ersten\nBühne der Welt dargestellt oder vielmehr verhunzt wurde,\nindem man es Künstlern zweiten Ranges anvertraut hatte,\nwelche weder die Mittel zur Ausführung, noch die aller-\ngewöhnlichste Einsicht in die Kunst des Gesanges besassen,\nnoch eine Idee von der Grösse des Werkes hatten, welches\nsie wiedergeben sollten; ferner, dass das Werk zusammen-\ngestrichen und verstümmelt war.\n„Mehrere Stellen wurden weggelassen, namentlich der\ndritte Act war fast gänzlich gestrichen; mit Einem Worte:\nes war nicht eine Oper, sondern nur Fetzen einer Oper,\nwelche dem Publicum gegeben wurden*).\n„Zwischen dem Theater-Director, der mittels der\nZettel und der Ankündigungen verspricht, und dem Publi-\ncum, das auf Grund dieser Versprechungen bezahlt, besteht\nein Vertrag, welcher von beiden Seiten erfüllt werden\nmuss.\n„Sobald die Direction eine vollständige Oper in drei\nActen ankündigt und ohne äusserliche zufällige Veranlas-\nsung und Force majeure nur einen Theil derselben gibt, so\nbetrügt sie offenbar das Publicum und kommt ihren Ver-\npflichtungen nicht nach, und jedermann, der sich verletzt\nfühlt, hat das Recht, zu klagen und Ersatz zu fordern.\"\nIn Folge dessen verlangte der Graf anfänglich als Er-\nsatz eine neue und gute Vorstellung des vollständigen\nFreischütz und darin einen Platz für sich, wie er ihn am\n7. October inne gehabt. Der Gerichtshof solle dem Direc-\ntor eine bestimmte Frist setzen, innerhalb welcher diese\nVorstellung bei Strafe von 100 Frcs. für jeden Tag Ver-\nzögerung geliefert werden müsse. In den Vorverhandlungen\njedoch liess er, nachdem er übrigens als Fremder auch\n1000 Frcs. Caution gestellt hatte, davon nach und über-\nliess dem Gerichte, den ihm gebührenden Schadenersatz\nfestzustellen.\nVerklagter, der Director Roqueplan, beantwortete die\nKlage mit Folgendem:\n„In Betracht, dass die Vorstellung des Freischütz\nübereinstimmend mit den Vorstellungen seit dem 5. April\n1850 gewesen, ferner, dass das Werk so aufgeführt wor-\nden ist, wie es dem Theater durch die Verfasser,\ndie Herren Berlioz und Pacini, übergeben\nworden;\n\n*) Dies ist die Wahrheit. Der dritte Act des gegenwärtigen pa-\nriser „Freischütz\" ist auf eine unverantwortliche Weise zer-\nfetzt und auf das unsinnigste zusammengewürfelt, so dass an\nein Verständniss desselben weder in dramatischer noch in\nmusicalischer Hinsicht zu denken ist; Agathen's Cavatine,\nAennchen's Arie von Nero dem Kettenhund, der Eremit, der\nFürst Oltokar, das Geständniss des Max, der Chor: „Er war\nvon je ein Bösewicht\" Alles gestrichen!! Und wer sind\ndie Räuber und Mörder, welche den herrlichen Leib geplün-\ndert und den verstümmelten Leichnam auf die Bretter ge-\nworfen haben? Der Textmacher Pacini und der Componist\nHector Berlioz! Hat da der Graf nicht Recht, wenn er\nvoll Entrüstung diese Entweihung vor das Gericht der Oef-\nfentlichkeit zieht und die Frevler brandmarkt? Die ganze\n\"Wiederaufnahme des Freischütz war nichts als eine Specu-\nlation des Theater-Directors, und Berlioz gab sich dazu her,\nsie ins Werk zu setzen! B. P."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "194", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.2", "texte": "„Ferner, dass der Zuschauer nicht das Recht hat, die\nVorstellung eines Stuckes anders zu verlangen, als es an\ndem bestimmten Theater in Scene gesetzt ist, und dass er\nnicht verlangen kann, dass. diese Vorstellung übereinstim-\nmend sei mit der Vorstellung desselben Werkes auf ande-\nren Bühnen und in anderen Ländern, dass übrigens der\nKläger, als ein Theil des Publicums, eben so wie jeder Zu-\nschauer sein Urtheil laut werden lassen konnte;\n„In Betracht, dass derselbe dadurch, dass er die Auf-\nführung genossen, ohne seine Meinung nach seinem Rechte\nim Angesichte des Publicums auszusprechen, und bis zum\nSchlüsse dageblieben, ohne Protest einzulegen, sich durch\ndiese Annahme jedes Anspruches auf Reclamation begeben hat;\n„In Betracht endlich, dass Herr Tvszkiewicz durch\ndie Art der Formulirung seiner Klage Injurien gegen die\nKünstler und gegen die Direction ausgesprochen und diese\nBeschuldigungen im Constitutionnel vom 19. October und\nder Independance Beige vom November veröffentlicht,\nmithin dadurch einen Schaden verursacht hat, für den er\nErsatz schuldet\n„Trägt Verklagter auf Abweisung des Klägers und\nVerurtlieilung desselben zu 3000 Frcs. Schadenersatz an.\"\nHiernach begann die mündliche Verhandlung. Aus der\nRede des Anwaltes des Grafen erfuhr man, dass der Graf\nreich sei und einem adeligen, ja, fürstlichen Hause ange-\nhöre, sich aber leidenschaftlich der Musik gewidmet und\neiner der Redacleure der Revue (?) in Leip-\nzig geworden sei (?), Die Klage sei vollkommen begründet\nund allein im Interesse der Kunst und des Ruhmes von\nG. M. von Weber angestellt, u. s. w. u. s. w.\nAus der Gegenrede des Anwaltes von Röqueplan Iheile\nich nur das historisch Merkwürdige mit:\n„Im Jahre 1850 wollte die grosse Oper den Frei-\nschütz wieder auf die Bühne bringen. Man fügte Tänze\nhinzu, deren Musik aus anderen Compositionen Weber's,\ndem Oberon und der Preciosa, genommen war, und legte\ndeshalb auch die „„Aufforderung zum Tanze\"\" ein.\nH. Berlioz übernahm es, die Weber'sche Musik der Ueber-\nsetzung des deutschen Textes durch Herrn Pacini anzu-\npassen. Er componirte auch Recitative dazu.\n„Das Werk fand allerdings in dieser Gestalt nicht den\nBeifall, den die Kunstfreunde davon erwarteten. Es machte\n* - +\nbei Weitem nieht den Eindruck, den dasselbe\" fünfzehn\nJahre früher als Robhi des Bin der Bearbeitung von\nCastil-Blaze hervorgebracht hatte, welche den Namen und\ndie Musik Weber's in Frankreich und selbst inDeutsch-\nland (!!!) populär machte.\n„Freilich hat Herr Berlioz einen Feuilleton-Artikel\ngegen die Entstellung der Oper geschrieben; nichts desto\nweniger ist es Herr Berlioz selbst, welcher die Striche und\nAuslassungen angeordnet hat, über welche sich unser Geg-\nner beklagt; er hat die Ballet-Musik, einen grossen Theil\nder Recitative und einige Stücke des Originals\nausgemerzt.\n„Die Theater-Direclion konnte und durfte hiernach\ndie Oper am 7. October nicht anders aufführen, als wie\nsie in Scene gesetzt war und bereits eine Reihe von Vor-\nstellungen erlebt hatte. Sie war durch ihren Vertrag\nmit den Verfassern gebunden, ohne deren Mitwirkung\nsie keine Note und keine Svlbe ändern durfte. Diese, die\nVerfasser, die Herren Berlioz und Pacini, bezogen auch\nden gesetzlichen Einnahme-Antheil, u. s. w. u. s. w.\"\nDie Entschädigungs-Forderung stützte der Anwalt auf\ndie Beleidigungen und Verunglimpfungen der Künstler und\nder Direction und auf die Verbreitung derselben durch die\nöffentlichen Blätter.\nDer Gerichtshof fällte nach erfolgter Berathung fol-\ngendes Urtheil: .\n„In Betracht, dass, wenn es fest steht, dass die Di-\nrection der kaiserlichen Akademie am 7. October d. J. den\nFreischütz, Oper von Weber, mit Auslassung von wichti-\ngen Stellen gegeben, es eben so fest steht, dass die Vor-\nstellung vom 7. October dasselbe gewesen, was sie seit\n1850 war, d. h. eine eben so verstümmelte, als alle\nfrüheren;\n„Dass aus dieser Thatsache hervorgeht, dass der Graf\nTyszkiewicz obschon es im Princip bedauernswerth ist,\ndass verstümmelte Werke dem Publicum als vollständige\nangekündigt werden am 7. October keine anderen\nAuslassungen hat über sich ergehen lassen müssen, als die-\njenigen, welche dem Publicum von Anfang an aufgedrun-\ngen w'aren, und dass er folglich nicht behaupten kann, er\nsei an diesem Tage das Opfer einer Beeinträchtigung ge-\n»\nwesen, welche er nicht habe erwarten und ruhig hinneh-\nmen können;\n„Was ferner die Reconventional-Forderung von Scha-\ndenersatz durch den Director des Theaters betrifft;\n„In Betracht, dass ein zu veranschlagender Nachtheil\ngar nicht nachgewiesen ist:\n*.'* * * g\n„ Aus diesen Gründen weis't der Gerichtshof die Par-\nteien mit ihren bezüglichen Forderungen ab und verur-\ntheilt den Grafen Tvszkiewicz statt alles Schadenersatzes\n* V\nin die Kosten.\""}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "195", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.3", "texte": "Beim Publicum hat indess der Graf seinen Process ge-\nwonnen, und man hätte ihm nur mehr Mässigung und\nRuhe gewünscht, weil alsdann der Vorwurf des gegneri-\nschen Advocaten, dass es „dem leipziger Journalisten nur\num Aufsehen zu thun sei\", weniger Anklang gefunden\nhaben würde.\nWer ist aber im Grunde verurtheilt worden? C. M.\nv. Weber und ll. Berlioz. Jener gerichtlich, dieser in der\nöffentlichen Meinung. Denn ist jetzt nicht das Attentat auf\nWeber's geistiges Eigenthum durch ein Urlheil in aller\nForm gerechtfertigt, und zwar aus dem merkwürdigen\nGrunde, weil es bereits vor drei Jahren begangen und mit-\nhin die Attentäter im Besitze sind?! Die Herren Pacini\nund Berlioz, welche die Weber'sche Oper zurecht gemacht\nhaben, ziehen seit Jahren die gesetzliche Tantieme ihres\nFreischütz und sind juridisch berechtigt, die Aufführung\ndes wirklichen vollständigen Freischütz als Plagiat und\nDiebstahl zu verfolgen! Zu gleicher Zeit ist die gegenwär-\ntige Generation der Theater-Besucher in Paris, welche nie-\nmals das Original-Bild gesehen hat, trotz ihrer Sehnsucht\ndanach verurtheilt, die verhunzte Copie desselben auf ihr\nLeben lang dafür hinzunehmen. Am empfindlichsten ist die\nSache für Berlioz, da ihn diese verdriessliche Geschichte\nlächerlich macht, was bekanntlich das Schlimmste ist, was\neinem bei den Franzosen begegnen kann. Berlioz ist näm-\nlich allerdings zuweilen in seinen Feuilleton-Artikeln gegen\ndie Misshandlung des Freischütz losgezogen, ja, Herr La-\nchaud, der Anwalt des Grafen, las sogar einen dieser Ar-\ntikel zu Gunsten der Behauptungen seines Clienten vor;\nallein siehe da! der gegnerische Advocat erwidert mit\nlächelnder Miene: „Der Verfasser des donnernden Artikels,\nden Sie so eben angehört, meine Herren, Herr Berlioz, ist\ngerade der Mann, der jene Stücke ausgemerzt hat, über\nderen Auslassung sich Herr Tyszkiewicz beklagt; ohne\ndessen Autor-Recht zu verletzen, darf die Theater-Direction\nden Freischütz eben nicht anders geben, als wie geschehen.\"\nWahrscheinlich haben wir, wenn Berlioz von seiner\nReise zurück ist, noch ein Nachspiel zu dieser Freischütz-\nKomödie zu erwarten.\nAm 13. November ist hier einer der fruchtbarsten\ndramatischen Schriftsteller, Eugene dePlanard, gestor-\nben. Das Lustspiel und die komische Oper haben ihm treff-\nliche Arbeiten zu danken. Er war 1783, den 4. Februar,\nzu Milhau, im Departement des Aveyron, geboren; sein\nVater wanderte beim Ausbruche der Revolution aus, er\nselbst brachte einen Theil der Schreckenszeit im Gefäng-\nnisse zu. Später studirte er die Rechte zu Paris, trat 1806\nin den Staatsrath ein und legte seine Stelle erst vor eini-\ngen Jahren nieder. Er schrieb seit 1807 für das Theater.\nEin Dutzend Lustspiele machten ihm, obwohl sie .gefielen,\ndoch nicht den Ruf, welchen seine Opern-Texte ihm ver-\nschafften. Es gibt fast keinen Componisten unserer Zeit,\n*\nfür den er nicht gearbeitet hätte, und bis zu seinem letzten\nAugenblicke verliess ihn weder das Talent geistreicher Er-\nfindung, noch der Fleiss sorgfaltiger Ausarbeitung. Seine\nletzte Operette, „Colette\", wurde erst vor Kurzem gege-\nben, als er schon leidend war, so dass ihn ein Anfall von\nGicht auch hinderte, seinen letzten Erfolg selbst mit an-\nzusehen. •\nEr hat sechsunddreissig Opernbücher geschrieben, alle,\nmit wenigen Ausnahmen, komischen Inhalts. Die erfolg-\nreichsten waren: Emma, für Auber, Marie und die\nSchreiberwiese, für Herold, der Hausirer, für\nOnslow, der Blitz, fürHalevy, diel) ouble Echelle,\nfür A. Thomas, der Kobold, für Ad. Adam und meh-\nrere einactige für Bochsa, Carafa, H. Potier, Ca-\ndeaux u. s. w. • •\nPlanard arbeitete meistentheils allein, sowohl den Dialog\nals die Verse. Den Bühnen-Zuschnitt verstand er meister-\nhaft, und obwohl keineswegs Musiker, wusste er doch die\nPoesie vortrefflich für die Musik anzuwenden. Er erwarb\nsich ein bedeutendes Vermögen, denn er schrieb ja seine\ndramatischen Arbeiten in Frankreich, wo der Opern-Dich-\nter nicht durch ein paar Thaler Honorar von Seiten des\nComponisten abgefunden wird, sondern seinen Antheil an\nallen Einnahmen hat. Nach einem Ausweis in seinem Nach-\nlasse brachte ihm allein die Schreiberwiese\nCleves), von Herold componirt, nicht weniger als 53,000\nFrcs. an Tantiemen ein! Da verlohnt sich's noch der Mühe,\nsein Talent der Opern-Dichtung zuzuwenden.\nAusser seinen Bühnenwerken hat er auch einen Ro-\nman in drei Banden (Almedan, 1825) und mehrere vor-\ntrefflich geschriebene historisch-biographische Artikel in den\n.Ephemerides universellesverfasst. Dabei besass er die\nKunst des Vorlesens in hohem Grade, und er hat dadurch\noft das Theater-Comile zur Annahme seiner Stücke, selbst\nbei geringerem Werthe derselben, bewogen.\nSchliesslich darf ich das grosse\nvonChelard nicht mit Stillschweigen übergehen. Che-\nlard, ehemals Zögling des hiesigen Conservatoriums, der zu\nseiner Zeit den Prix de Rome davontrug, kehrte nach seinem\nAufenthalt in Italien hieher zurück, konnte jedoch nicht\ndurchdringen oder verlor wenigstens die Geduld. Er ging\nnach Deutschland und fand dort bekanntlich eine ehren-"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "196", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.4", "texte": "volle Stellung als Capellmeister des Grossherzogs von Wei-\nmar. Dort haben ihn die neueren musicalischen Verhält-\nnisse, wie es scheint, überflüssig gemacht, und er kam vor\neiniger Zeit wieder hieher, wo man ihn kaum noch kannte.\nSein Concert hat Aufsehen erregt doch möchte\nich lieber auf Französisch sagen: il a fail du bruit; denn\nan Lärm konnte es bei der Aufstellung von zwei Orche-\nstern, eigentlich von dreien einschliesslich der zwanzig Blech-\nInstrumente, nicht fehlen. Denke Dir diese Massen in dem\nkleinen Herz'schen Saale, und Du wirst begreifen, dass\nsich die Damen sehr laut unterhalten konnten, ohne die\nMusik zu stören.\nDas Beste in dem ganzen Concerte, welches nur Com-\npositionen von Chelard brachte, war die Ouvertüre zu\nMacbeth, ein Werk voll Leben und Kraft und grossarti-\nger Ideen. Sie beginnt mit den dumpfen Tönen einer\nGlocke, welche die Geister- und Hexenstunde, Mitternacht,\nschlägt, zugleich die Stunde des Verbrechens. Wie Shake-\nspeare in seinem grossen Drama die Mitternacht-Seite des\nmenschlichen Herzens so furchtbar ergreifend darstellt, so\nhat auch der Componist den Ausdruck des Schauerlichen,\ndes Grausenden tief und musicalisch schön wiedergegeben.\nDas Werk rief stürmischen Beifall hervor.\nDagegen war das Hauptstück des Concertes,\n(die Adler), eine „lyrische Heroide\" für Solostimmen,\nChöre und die genannten zwei oder drei Orchester, mehr\nbetäubend als schön, und so abspannend, dass man froh\nwar, nach dem Schlüsse einmal wieder aufathmen zu kön-\nnen. Dieses Werk ist mit einem unerhörten Pomp der In-\nstrumentation geschrieben, und die übermässig gespannten,\nhimmelanstrebenden Bogen des kolossalen Baues drohen\nalle Augenblicke, über uns einzustürzen. Aber gerade diese\nriesigen Formen erzeugen eine erdrückende Monotonie.\nDer Text ist eine Allegorie auf den Feldzug Napoleon's in\nRussland und ermangelt nicht der Beziehungen auf das\nWiederaufleben der Adler in der Gegenwart. Verkleidet\nist diese wahre Bedeutung des Gedichtes durch einen\nKampf der Römer gegen die Germanen unter irgend einem\nCäsar. Doch das hindert nicht Chöre, wie folgenden:\nTrois fois hcureux celui qui meurt pour sa patrie!\nFrance ch\nNoble patrie!\nDie handelnden Personen sind ein junger Römer (Ro-\nger), Cäsar (Merly), der Germanenlürst (Guignot) und drei\nGenien, der Genius der Familie (Mlle. Nau), der Ver-\nheerung, und der ewigen Roma (Mad. Tedesco). Einige\nSpottvögel vermissten einen vierten, den Genius der Com-\nposition. Sie mochten nicht ganz Unrecht haben. Bei der\nAuslührung bewährte Chelard ein tüchtiges Dirigenten-\nTalent. Die Tedesco war prachtvoll.\nDie übrigen Nummern waren von geringerem Umfang\nund geringerer Bedeutung. Noch einmal auf napoleonisch-\nkriegerische Erinnerungen war die Lager-Scene „ C'etait a\nMontmirail\" abgesehen, mit Chören und Militär-Musik.\nOb so verständliche Bestrebungen des Componisten auch\nNapoleon 111. schon verstanden habe, darüber verlautet\nnoch nichts.\nParis, den 10. December 1853.\n\nB. P.\n\nWiener Briefe.\n\n[ßalfe's Keolanthe Theater-Director Com et Frl.\nLa Grua Frl. Wildauer Concerte.]\nDen 9. December 1853.\nDiesmal das Nächste zuerst. Sie ist also endlich er-\nschienen, die Keolanthe, sonst auch genannt das\n„Traumbild\", eine grosse romantische Oper in drei\nActen, von M. W. Balfe. Grosser nichtromantischer Un-\nsinn, das wäre eigentlich die bündigste Kritik über dieses\nFitzball-Balfe'sche Machwerk. Das Textbuch ist von einer\nfabelhaften Abgeschmacktheit. Die Moral läuft darauf hin-\naus, dass man, wenn man eine Braut hat, derselben nicht\nuntreu werden und sich nicht in ein Bildniss irgend einer\ntodten Prinzessin verlieben soll, weil man sonst Gefahr\nläuft, von der weltlichen Gerechtigkeit, indem man einen\nracheschnaubenden Bruder im Zweikampf erschlagen, heim-\ngesucht und zugleich von diversen Teufeln geholt zu wer-\nden, Letzteres bei obligatem Donner und Blitz und im\nAngesichte des feuerspeienden Aetna. Die Musik aber ist\nohne eine Spur von Stil, Haltung, Wahrheit und dramati-\nschem Ausdruck, ja, selbst ohne jene, wenn auch immer\nsehr leicht geschürzte, so doch nicht ganz ungefällige An-\nmuth, die man sonst wohl zuweilen in dem Doppel-Gestirn\nFlotow-Balfe antrifft. Wenn ich das Duett im zweiten Acte\nund etwa ein paar freilich auch nur gekünstelte Instrumen-\ntal-Begleitungs-Sätze ausnehme, so ist alles Uebrige ein\nvollständiges Nichts und hat auch ein eben so vollständiges\nFiasco gemacht. Wenn Sie die Musik gehört hätten, die\nda bei Mondschein-Beleuchtung in den ägyptischen Gräbern\ngemacht wird! Doch lassen wir die Todten ruhen; denn\neine Todte ist und bleibt sie, diese Prinzessin Keolanthe,\ntrotz aller Bemühungen ihres himmlischen Schutzgeistes\nOmbrastro und ihrer irdischen Väter Fitzball und Balfe."}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "197", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.5", "texte": "So wäre denn wieder eine grosse Summe von Geld, Zeit\nund Kräften an eine reine Nichtigkeit verschleudert!\nIch theile Ihnen bei dieser Gelegenheit im Auszuge\neinen Artikel mit, welcher unlängst in einem hiesigen viel-\ngelesenen Journale erschien, und aus welchem Sie den\nGrad von Achtung und Beliebtheit erkennen mögen,\nderen sich unser jetziger Opern-Pirector erfreut. Und mer-\nken Sie wohl, ich kenne genau die Facta, auf welche sich\nderselbe bezieht, und bediene Sie daher nicht etwa mit\neinem blossen Pamphlete. Dortheisst es also: „Wir klagten\nbisher über die Theater ob der grossen Tenoristen-Noth;\ndie Klagen gehen jetzt weiter, denn der Gemeinderath in\nStuttgart klagt, dass die Nachtwächter so schlechte Stim-\nmen hätten, und ordnet desshalb an, dass künftig nur\nNachtwächter, welche eine schöne Stimme haben, angestellt\nwerden sollen. Wie wäre es, wenn man das Corps der\nNachtwächter zur Pflanzschule lür das Theater machen\nwürde, da man gegenwärtig das Theater zur Pflanzschule\nder Nachtwächter gemacht hat? Geschrieen wird ja im\nTheater, dass ein feinhöriger Gemeinderath es sicherlich\nverbieten würde, wenn der Nachtwächter unter seinem\nFenster ein solches Geschrei anzuheben sich einfallen liesse.\nWir haben nun volle Hoffnung, dass, nachdem die Stutt-\ngarter Nachtwächter mit einem sanften ihre\nStunden ausrufen werden, damit der Gemeinderath aus sei-\nnen Träumen nicht erwacht, auch in unseren Theatern\nvielleicht dieses Schreien aufhören wird, welches man Sin-\ngen nennt (hiermit ist hauptsächlich unser Tenorist Steger\ngemeint). Dieses Schreien muss wirklich die Köpfe mancher\nTheater-Directoren ganz confus machen, so dass sie zuletzt\nnicht mehr wissen, was sie thun. Wenn ein Theater-Direc-\ntor es nicht einmal der Mühe werth hält, einem Orchester-\nMitgliede zu danken, wenn es ihn grüsst; wenn er dem\nOrchester-Director einen Corporal als Muster aufstellt,\nnach dem er sich im Amte zu benehmen habe; wenn\ner für untergeordnete Künstlerinnen keine andere Bezeich-\nnung hat, als wie man moralisch verworfene Personen zu\nbenennen pflegt; wenn er glaubt, die Direction bestehe nur\ndarin, mit Rohheiten, Gemeinheiten und Sottisen seiner\nStellung Wichtigkeit zu geben; wenn er Künstler tiefer\nals Tagelöhner stellt, die man jeden Moment davonjagen\nkann dann können wir zu seiner Ehre wirklich nur als\ndas Gelindeste sagen, dass es in seinem Kopfe confus aus-\nsehen muss, u. s. w.\" Und dieser geradezu ehrenrührige\nArtikel ist meines Wissens bis zur Stunde, freilich aus gu-\nten Gründen, ohne alle Erwiderung geblieben. Ziehen Sie\nselbst hieraus den mit Nothwendigkeit sich ergebenden\nSchluss, und wundern Sie Sich nicht über die häufig auf-\ntauchenden Gerüchte von Cornet's bevorstehender Entlas-\nsung, deren endliche Realisirung zu bedauern der Kunst-\nfreund wahrlich keine Ursache hätte, und die von den\nsämmtlichen Mitgliedern der Oper als ein freudiges Ereig-\nniss festlich begrüsst werden würde. Hat er sich doch auch\nmit der Aufführung der Balfe'schen Oper, namentlich mit\nderen Scenirung, Lorbern errungen, um die ihn Niemand\nbeneidet!\nZur Ergänzung meines Berichtes über die Oper theile\nich Ihnen noch mit, dass, seit ich Ihnen zuletzt geschrieben,\ndie La Grua als Alice im Robert und als Anna im Don\nJuan aufgetreten ist. Diese beiden Leistungen bestätigten\nmein neuliches Urtheil über sie in seinem vollen Umfange.\nSehr schöner, aber nicht ganz ausreichender Stimmfonds,\ntreffliche, wahrhaft edle Intentionen bei noch einigem zähen\nWiderstand der Materie, empfindungswarmer, manierfreier\nVortrag, gutes Spiel; dies sind die Eigenschaften, nach\nwelchen sie zwar noch nicht als vollendete, aber doch als\nsehr schätzenswerthe Künstlerin erscheint, die noch eine\nZukunft vor sich hat. Unser Publicum wendet sich ihr mit\nvieler Theilnahme zu. In den beiden genannten Opern trat\nauch Frl. Wildauer zum ersten Male als Isabella und\nals Zerline auf. Diese Dame ist ein wahres Mirakel; denn\nSie müssen bedenken, dass sie, keineswegs mehr in der\nBlüthe der Jugend stehend, erst seit drei Jahren sich der\nOper gewidmet hat, während sie früher ausschliesslich,\nfreilich nicht in hervorragender Weise, im Schauspiel be-\nschäftigt war. Und jetzt singt sie Partieen wie die Isabella\nund Zerline mit stürmischem und, man muss gestehen, nicht\nungerechtfertigtem Beifall. Ist ihr auch das Grosse und\nReinvollendete als Sängerin so unzugänglich wie als Schau-\nspielerin, so leistet sie doch Vortreffliches im Genre des\nAnmuthigen und des Coloratur-Gesanges.\nIn unseren Concertsälen herrscht jetzt ein reges Leben.\nVor Allem fand bereits das erste grosse Vereins-Con-\ncert Statt und brachte Haydn's Sinfonie in G und Men-\ndelssohn's Musik zur Walpurgisnacht. Jene ist wohl ein\nWerk voll Anmuth und Grazie, besitzt aber heut zu Tage\nals Sinfonie doch mehr nur ein historisches als ein absolu-\ntes Interesse. Mendelssohn's Werk enthält unstreitig sehr\nviele und grosse Schönheiten, aber es lässt sich nicht läug-\nnen, dass der eigentliche Schwerpunkt der Göthe'schen\nDichtung in eine Idee fällt, welche sich der musicalischen\nVersinnlichung entzieht, und dass in so weit dem Princip\nnach das Werk ein verfehltes ist *). Die Aufführung war\n\n*) Darin können wir unserem geehrten Herrn Correspcmdentea"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "198", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.6", "texte": "eine vorzügliche, nur der weibliche Chor etwas zu schwach\nund die Solo-Partieen ungenügend besetzt. Die Quartet-\nt der Gebrüd er Müller nehmen in dieser\nWoche mit der sechsten ihr Ende. Ich habe Ihnen über\nden Charakter derselben, namentlich im Vergleich mit dem\nHellmesberger'schen Quartett, bereits erschöpfend ge-\nschrieben. Die Krone ihrer Leistungen blieben Haydn's\nVariationen über die Volkshymne und Schubert's Quartett\nin D-moll, welch letzteres sie auf vielfaches Verlangen wie-\nderholten. Doch kommt es mir vor, als ob das Hellmes-\nberger'sche Quartett schon jetzt aus dem Beispiele dieses\nMuster-Quartettes Nutzen gezogen hätte, denn sein Be-\nstreben geht sichtlich dahin, sein Spiel mehr aus Einem\nGusse zu formen, was ihm auch an dem letzten Abende\nin dem wunderbar schönen Quartette in von Mendels-\nsohn und in Beethoyen's grandios concipirtem, aber doch\netwas zu breit gehaltenem Quartette in Es, Op. 1 *2l, in\nhohem Grade gelang. Ai\\ demselben Abende kam auch\nBeethoven's Duo, Op. 102, in D, zur Aufführung, eine\nganz originelle Composition, voll harter Ecken und scharfer\nKanten, zwar kein farnesischer Stier des Pianoforte\", aber\ndoch ein Stück Michel Angelo in Musik. Der Vortrag\nwar jedoch von Seiten des Pianisten ein etwas lederner,\nunbelebter.\nVon Virtuosen-Concerten ist das erste des Hrn. V i e u x-\ntemps und das zweite des Hrn. Willmers zu nennen.\nDie Eigenschaften des Vieuxtemps'schen Spiels sind der\nWelt bereits so genau bekannt, dass ich hierüber nichts\nBesonderes zu sagen brauche. Er spielte diesmal ein auch\nziemlich anständig componirtes Concert und Paganini's\nHexen-Rondo, welches letztere seinen Namen wohl nicht\nvon dem Charakter der Composition, sondern von den\nHexereien entlehnt, welche der Spielende auszuführen hat.\nBeifall natürlich en masseund Eine\nauffallende, für uns neue Erscheinung war es, dass die\nGattin Vieuxtemps' denselben bei dem Hexen-Rondo am\nClavier accompagnirte, und zwar mit bedecktem Haupte.\nUeber das Concert des Hrn. Willmers berichte ich Ihnen\nnichts weiter, als dass auch er es für nöthig fand, die F-\nmoll-Sonate von Beethoven zu spielen. Sein übriges Pro-\ngramm: „Flieg Vöglein hin\" und flieg Vöglein her, „Auf\ndem Meere\" und auf dem Lande, „Sommertag in Norwe-\ngen\" und W internacht im Concertsaale. Sie haben keinen\nBegriff, wie mich diese Concerte anekeln, die und das\nist seit Jahren so Mode geworden - mit einer Sonate\nvon Beethoven beginnen (F-mo oder\nPathetique, nicht zu vergessen des grossen Duo in das\nerst neulich Frl. Staudach als Einleitung zu einer Thalberg'-\nschen Phantasie spielte) und mit einer Phantasie von Thal-\nberg, Liszt oder dergl. endigen. Das ist wie ein Ungeheuer,\ndas aus einem Löwenkopfe in einen Rattenschweif ausläuft,\ndas ist die personificirte Meuchelei und Schönthuerei! In\neinem der Seuffert'sehen Privat-Concerte hörte ich neu-\nlich ein Duo für Ciavier und Violine von Grädener, einem\nmir bisher unbekannten Autor*) (Schüler von Mendels-\nsohn, wie ich höre), das von Talent zeugt und von dem\nHerrn Door und dem sehr wackeren Violinisten Herrn\nLudwig Strauss gespielt wurde. Dem Vernehmen nach soll\nnun doch in den Weihnachts-Concerten Assmayer,s „Saul\"\nzur Aufführung kommen. Man will den Armen nicht so\nbitterlich kränken. Wir aber wünschen uns schon im Vor-\nhinein guten Appetit dazu.\n\nnicht beistimmen und erlauben uns, auf unseren Artikel über\ndie „Walpurgisnacht\" in Nr. 78, Jahrg. 11, der Rheinischen\nMusik-Zeitung zu verweisen.\nDie Redaction.\n\nB.\n\nDas k. baierische Conservatorium für Musik\nin München.\nDer Zweck dieses Beitrages (ur Ihre Musik-Zeitung ist,\nein unparteiisches, der strengsten Wahrheit entsprechen-\ndes Bild des hiesigen k. Conservatoriums, seiner Direction,\nseines Lehrkörpers, so wie seines bis jetzt eingehaltenen\nLehr-Planes mit seinen Licht- und Schattenseiten zu ent-\nwerfen. Nicht geringe Schwierigkeiten waren zu überwin-\nden, um aus den schroffsten Gegensätzen, aus allen den\nParteilichkeiten und persönlichen Gehässigkeiten, aus allen\nden Angriffen und Lästerungen, welche sich seit dem Jahre\n1848 bis jetzt zu wiederholten Malen über das Conserva-\ntoriurn und seine Direction ergossen, den wahren Sach-\nverhalt aufspüren und denselben unverfälscht darstellen zu\nkönnen. Um dieses zu ermöglichen, muss ich mich zur\nGründung des Institutes wenden. Als König Ludwig, nach-\ndem er so viel für monumentale Kunst gethan, sich bewo-\ngen fand, München auch mit einer Anstalt zur Hebung und\nFörderung der Musik zu bereichern, gründete er das Con-\nservatorium für Musik, dessen Statuten, auf die Einrichtun-\ngen des leipziger Conservatoriums sich stützend, von Sr.\nMajestät genehmigt, im k. Regierungsblatte am 4. October\n1846 veröffentlicht wurden. Nun schritt Franz Hauser.\nzum Director des k. Instituts ernannt, zur Wahl der\n\n*) Director des Gesang-Vereins in Hamburg,. Die Re (L"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "199", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.7", "texte": "Lehrer, wobei ihm der damalige k. Capellmeister, jetzt Ge-\nneral-Musik-Director Franz Lachner hülfreich zur Hand\nging. Seitdem ist das Lehr-Personal bedeutend vergrüssert,\nwas durch die mit jedem Jahre wachsende Zahl der Zög-\nlinge, so wie durch die gemachten Fortschritte erfordert\nwurde. Es erstreckt sich daher jetzt der Unterricht, theore-\ntisch und praktisch, über folgende.Zweige der Musik:\nHarmonie, Contrapunkt und Composition wird gelehrt von\nden Herren Julius Meier, Wohlmuth und Dr. Bar-\nraga; Pianoforte- und Orgelspiel von den Herren Dr.\nEduar d D o ct or, Leonhard, Wanner und ller z o g;\nViolin- und Violoncell-Spiel (Solo-, Quartett-Spiel) von den\nHerren Lauterb ach, Kahl und Menter; Gesang\nSolo- und Chorgesang, verbünden mit praktischer Uebung\nim dramatischen Vortrage) von den Herren Director Hau-\nser und Lenz; italiänische Sprache von Herrn Fogolari.\nDie Richtung der Anstalt geht dahin, eine gründliche mu-\nsicalische Ausbildung zu vermitteln, brauchbare Musiker zu\nerziehen und nicht bloss einseitige Virtuosen auszusenden,\nwelche das Mittel zum Zweck machen. Nachdem sich die\nZöglinge vermehrt, trat eine strengere Gliederung und Or-\nganisation der Classen ein, so dass in der Harmonie-Lehre\nO « .....\njetzt drei Classen bestehen; die erste geht von der Kennt-\nniss der Intervalle, Fortschreitung, Stimmführung, Umkeh-\nrung des Dreiklangs, Septime und deren Umkehrung bis\nzu den Vorhalten; die zweite, abermals die Harmonie-Lehre\ndurchnehmend und übend, schreitet bis zur völligen. Fer-\ntigkeit im Spielen des bezifferten Basses vor; die dritte\numfasst den einfachen und doppelten Contrapunkt, Uebung\nim Partitur-Lesen und bringt den Zögling so weit, als es\ndurch Talent und Fleiss ermöglicht ist. Zur Aufnahme für\nden Unterricht im Orgelspiel, welches in zwei Classen zer-\nfällt, ist überhaupt ziemliche Fertigkeit im Clavierspiel und\nIvennlniss der Harmonie erforderlich, für die zweite Classe\n• • ' • • • • •\ninsbesondere Kenntniss im Contrapunkte bedingt. Für Ge-\nsang hestehen, wie für Ciavier, ebenfalls zwei (-lassen; die\nerste hat zur Aufgabe, die Zöglinge in der allgemeinen\nMusiklehre, der Kenntniss. der Intervalle, der Tonarten, im\nTreffen und Lesen zu unterrichten; in der zweiten beginnt\nder eigentliche Gesang-Unterricht, d. h. Bildung der Stimme,\nder Aussprache, des Vortrags u. s. w. Dieselbe Classen-\nEintheilung besteht bei der Violine, dem Violoncell und\nder italiänischen Sprache. Ausserdem finden für Instru-\nmental-Ensemble's wöchentlich zweimal, und für Chorge-\nsang einmal Uebungen Statt; auch finden einige Zöglinge\nGelegenheit und Anleitung, sich im Dirigiren zu üben.\nNoch sind durch zwei Jahre Vorträge über Poetik am Con-\nservatorium gehalten worden, welche jedoch von den Zög-\nlingen schlecht besucht wurden.\n(Schluss folgt.)\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nlfcifln. xVm Dinstag den 13. d. Mts. fand die zweite Soiree\nfür Kammer-Musik im Saale des Hotel Disch Statt. In den\nEnsemble-Stücken spielte diesmal Herr Pixis die erste Violine;\nes scheint also, dass die- Herren Hartmann und Pixis darin ab-\nwechseln werden. Werden wir Beide nicht auch einmal zusammen\nhören? Der Abend brachte uns die Violin-Quartelte Von Mozart\nin C-dur und von Mendelssohn in Es-dur, Op. 44, das Piano-\nfortc-Trio in Es-dur, Op. 70, Nr. 2, und drei Solostücke iür Piano-\nforte allein: Lied ohne Worte von Me n del s s o hn, Etüde C-moll von\nChopin und Webers Momentö capriccioso. Die Pianoforte-Partie\nhatte diesmal Herr E. Franek übernommen, was eben so viel\nheisst, als sie wurde meisterhaft ausgeführt. Herr Pixis trug na-\nmentlich die Adagio's der beiden Quartette vortrefflich vor und\nglänzte durch Bravour besonders im Mendelssohn'schen Quartette,\ndessen letzter Satz eine fast zu schnelle Bewegung hatte. Im Mo-\nzart'schcn war hier und da ein ganz vollkommenes Zusammenspiel\nzu vermissen.\nUcber die Einrichtung bemerken wir mit Vergnügen, dass durch\ndie Maassregeln des Herrn Hotel-Besitzers alle äusseren Störungen\nbeseitigt waren. Eine bedeutendere Erhöhung der Estrade für die\nSpieler würde dem Klange wesentlich förderlich sein. Sehr erfreu-\nlich ist das zahlreiche Abonnement.\nIm nächsten Gescllschafts-Concerte werden wir Joachim hören.\nIjeipzig» Herr Ad. Köckert aus Prag, welcher in dem\nConcerte vom 22. November ein A iolin-Concert von Molique und\neine von ihm selbst componirte Phantasie über ein Thema aus\n„Lucia\" spielte, ärntete den reichen und wohlverdienten- Beifall der\nZühörer, der sich beim zweiten Stücke zum Hervorruf steigerte.\nEr zeigte sich überall als glänzenden Spieler und bewährte nament-\nlich beim ersten -Stücke einen schönen Ton und einen von rieht i-\n«•'* * » • •\nger Empfindung getragenen, geschmackvollen Vortrag, während er\nim zweiten Stücke als Virtuos glänzte.\n- * ! \"- r 1 *, * •\n•' * 1 $ -\nDer ausgezeichnete Pianist Fumagalli, der zum zweiten Male\nsein Vaterland Italien bereis't, hat in Tri est am 14. November\nein glänzendes Concert gegeben. In Italien gilt nächst Verdi\ngegenwärtig Pacini als der bedeutendste Opern-Componist.\n• . . «\nIn dem ersten Goncert der Gesellschaft Ste. Ceci/e\nwurde Hob. Schumanns Ouvertüre zu Byron's Manfred mit.\nBeifall aufgeführt. Dasselbe Concert brachte neben einigen Chören\naus Bach's Passion eine Arie aus Halevy's „Rosenfee44! Die\nA-dur-Sinfonie von Beethoven wurde trefflich ausgeführt. -1-\nThalberg spielt nur noch ungern er componirt; aber wenn\nman nach einem eben vollendeten Trio.urtheüen soll, so wäre es\nbesser, er spielte.\nWilhelmine Clauss hat ein Concert auf den 20. d. Mts.\nangezeigt. In London hat sie zuletzt in Exeter Hall gespielt.\nSchul hoff wird im Februar erwartet; die ~Press verkündet\nschon jetzt, dass er eine neue Tarantella, neue Idyllen, seine böh-\nmische Phantasie und die beliebte Mazurka Souvenir de Varsovie\nspielen wird."}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "200", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531217-01.1.8", "texte": "Der Director des Thedtre des Varietesy welches vor Kurzem of-\nfenbach's hübsche Operette Pepito gab, hat Bankerott gemacht.\nDagegen hat Offenbach seine Partitur an den Musikhändler Chaillot\nverkauft.\nDie Geschwister Dülken gefallen sehr und machen gute Ein-\nnahmen.\nDas Thedtre lyriqae probirt eifrig an einer von Donizetti\nnachgelassenen Oper und setzt grosse Hoffnungen darauf. Die\nOpera comique setzt die Proben von Meyerbeer's Etoile du\nNord fort.\nMeyerbeer s Fackeltanz ist in einem Concerte zum Besten\nvon Abgebrannten und darauf in der grossen Oper von der Har-\nmonie-Gesellschaft des Herrn Ad. Sax unter Mohr's Direction\nprachtvoll ausgeführt und mit grossem Beifall aufgenommen wor-\nden. Ein Kritiker ruft aus: „Glücklich die Fürsten, welche solche\nMusik bestellen können, und deren Vermählung unter dem Klange\nso majestätischer Harmonieen gefeiert wird!\"\nBei Gouffe Hess sich der junge deutsche Violinist Eller mit\ngrossem Beifall hören; er spielte die Ciacconna von Bach und drei\nStücke von seiner Composition.\nStrasslMirg*. Am 26. November hat Ernst in Verbindung\nmit der dramatischen Künstlerin Frl. Siona Levy hier ein Con-\ncert gegeben. Er war seit zwölf Jahren nicht hier und feierte\neinen wahren Triumph.\nXjoyicloii« Die berühmte Sängerin Viardot-Garcia erregt\nüberall, wo sie sich hören lässt, grosse Bewunderung. Binnen acht\nlagen hat sie in sechs Concerten gesungen: den 22. November in\nLiverpool in dem Oratorium Samson die Delila, den 24. in\nBirmingham, den 25. in London in der Sacred Harmonie So-\nciety wiederum im Samson, den 28. im Messias, den 30. in einem\nAbend-Concert Arien von Weber und Meyerbeer, den 1. December,\nbei der Einweihung der St. Martins-Halle, eine Arie aus der Su-\nsanna von Händel und den zweiten Act des Orpheus von Gluck.\nHiesige Blätter berichten, dass der Capellmeister Costa auf\nseiner Reise durch Deutschland in Wien auf einer Versteigerung\nein Paket geschriebener Musik gekauft und darunter eine sorgfäl-\ntige Abschrift der Partitur von Hände Ts Acis und Galatea\nmit Mozart's Instrumentirung entdeckt habe. Nach Costa's Aus-\nsage hat sich Mozart hier nicht bloss auf Hinzufügung von Blas-\ninstrumenten beschränkt, sondern die ganze Orchester-Begleitung\numgearbeitet. Costa hat diese Partitur der Harmonie Union, deren\nMusik-Director er ist, übergeben, und die Gesellschaft hat vor, in\neinem ihrer nächsten Concerte Acis und Galatea (von Händel 1717\nfür Wien geschrieben) mit der Mozarfschen Begleitung aufzuführen.\nElise Christiani, die junge und kühne Violoncell-Spielerin,\nwelche dem Ungemach einer Reise durch die nordischen Länder\ntrotzte, ist in Nowatsch-Karsk, als sie im Begriffe war, nach den\nkaukasischen Ländern zu reisen, gestorben. Bekanntlich kam die\nKünstlerin nach bedeutenden Erfolgen in ihrem Vaterlande Schwe-\nden und in England auf den abenteuerlichen Gedanken, Nordruss-\nland und Sibirien zu besuchen. Sie hat sogar in Kamtschatka\nConcerte gegeben.\nIn Montevideo ist eine französische Oper mit Halevy's\n„Jüdin'4 eröffnet worden (Anfang um 8 Uhr). Alle Darsteller wur-\nden am Schlüsse gerufen, der Tenor Mario z als Eleasar mehrere\nMale im Laufe der Vorstellung."}]}