{"numero_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_sha256": "015a96a577aadec6b9bbfd058b4f3871fd6320a0b057f699f5b41b2d01ca8552", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1853/12/24_01/bmtnabi_1853-12-24_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c001", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "201", "page_fin": "202", "image_debut": 1, "image_fin": 2, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.1", "titre_corps": "Aus Brüssel.", "titre_sommaire": "Aus Brüssel.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2350, "texte": "Aus Brüssel.\n(U 1 rieh's Preis-Sinfonie Wagners Tannhäuser-\nOu ve rture u. s. \\v.)\nWir haben Ihnen über zwei Concerte der\ndes artisles musicicnszu berichten, von denen das erste\nam 19. November und das zweite am lO.d.Mts. Statt fand.\nMit grossem Interesse hörten wir im ersten dieser\nConcerte die Preis-Sinfonie von H. Ulrich zum\nzweiten Male. Das Orchester des Conservatoires führte sie\nbereits bei der Preis-Vertheilung selbst im September aus;\ndurch den diesmaligen Vortrag gelangte sie jedoch erst zu\nvölliger Klarheit. Da wir über dieses lobenswerthe Werk\netwas mehr sagen möchten, so theilen wir Ihnen über das\nConcert im Allgemeinen nur mit, dass ausser der Sinfonie\nnur die Leonoren-Ouvertüre als Orchester-Werk\nzur Aufführung kam. Die Schwestern Carolina und\nVirginia Ferni, Violinistinnen, spielten in Wunderkin-\nder-Art Phantasieen von Leonard und Vieuxtemps; Mad.\nDido, Sängerin des Theaters, und Mr. Au dran, erster\nTenor der komischen Oper, mit schöner Stimme begabt,\nsangen Arien Von Aüber etc.\nWir wiederholen über Ulrich's Sinfonie im Ganzen\ndas bereits ausgesprochene Urtheil: es ist ein Werk, wel-\nches Lob verdient; dennoch können wir nicht verhehlen,\ndass auch hier, wie bei so manchen ähnlichen Werken, das\nWort „Preis-Sinfonie\" nur in relativem Sinne genommen\nwerden darf. Wenn einige Melodieen in derselben aller-\ndings eine edle Färbung haben, so treten uns doch auch\nwiederholt sehr gewöhnliche, ja, fast triviale Motive entge-\ngen, welche das Wohlgefallen am Ganzen stören. Zur\nRechtfertigung unserer Ansicht fügen wir die Haüpt-The-\nma's in Noten bei, können sie jedoch freilich nur aus dem\nGedächtnisse wiedergeben.\nDie Thema's des ersten Satzes sind folgende:\nvon denen namentlich das zweite, in der Durchführung\nverkürzt, häufig einen gar zu flachen Anstrich erhält.\nDas Scherzo scheint uns ohne innere Nothwendigkeit\nzu sehr ausgedehnt; das Thema ist folgendes;\nDas Trio und besonders der Schlüssfall desselben mag\nsich selbst das Urtheil sprechen:\nDergleichen ist doch gar zu verbraucht.\nAls den gelungensten Wurf des Ganzen betrachten\nwir den dritten, wahrscheinlich Andante überschriebenen\nSatz, was um so ehrenvoller für den Componisten sein\ndürfte, als gerade die Andante- und Adagio-Sätze die\nKlippe sind, an welcher so viele von den Tonsetzern der\nGegenwart scheitern. Die Haupt-Thema's desselben sind\nfolgende:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3157, "texte": "Der Gedanke Nr. 2 hat sehr viel Reiz, und die Instru-\nmentation ist an dieser Stelle besonders glücklich gelungen.\nDas Finale ist offenbar der schwächste Satz von allen,\nund wenn wir auch überhaupt dahingestellt sein lassen\nwollen, ob das ganze Werk dem Charakter einer\ntriomphcile, welcher eigentlich gefordert wurde, entspricht\noder nicht, so lässt sich doch die Bemerkung nicht unter-\ndrücken, dass der letzte Satz diesen Titel stark Lügen\nstraft. Die drei Thema's des Finale sind folgende:\nvon denen uns nur das zweite gefällt, während wir im\nersten jedweden Schwung vermissen und mit dem dritten\nuns vollends nicht befreunden können. Ein unbegründeter\nund sehr unbedeutender Fugensatz bildet die Durchführung.\nKlarheit, natürliche Instrumentation und gute Harmo-\nnisirung sind die Vorzüge des Werkes. Auf das Publicum\nmachte es keinen bedeutenden Eindruck; man lühlte sich\nhäufig angenehm erregt, aber nie besonders ergriffen. Wir\nhoffen sehr, noch aridere grosse Compositionen von Herrn\nUlrich kennen zu lernen, um ein bestimmteres Urtheil über\ndiesen jedenfalls sehr talentvollen jungen Mann bei uns fest-\nstellen zu können.\nDas zweite Concert bot eine Neuigkeit für uns, näm-\nlich Richard Wagner's Ouvertüre zum Tann-\nhäuser. Die geistreichen Abhandlungen über Wagner's\nCompositionen, welche wir in Ihrem Blatte gelesen, hatten\nuns sehr gespannt gemacht. Um nicht in Wiederholungen\nIhrer treffenden Aussprüche zu verfallen, enthalten wir uns\naller Kritik. Wir sind zu schwach, um zu begreifen, wie\ndiese Composition zu einer grossen Berühmtheit hat gelan-\ngen können. Also das wäre die Musik der Zukunft? Hof-\nfentlich erleben wir die Zeit nicht, wo nur solche Sachen\nals schön anerkannt werden. Das Bild der zwei zusammen-\nstossenden Locomotiven für die heterogenen, auf einander\nprallenden Accorde passt prächtig; auch fühlten wir bei\ndem ewigen chromatischen Wimmern bedeutendes Glieder-\nrenken.\nEin tonloses Violoncell-Solo folgte der Ouvertüre,\nwahrscheinlich um Contraste hervorzurufen; es entlockte\neinem uns nahe stehenden Zuhörer die Bemerkung: „Ich\nwar dem Orchester bei der Ouvertüre zu nahe und hörte\nzu viel; nun habe ich mich entfernt und höre vom Violon-\ncell gar nichts.\" Die Composition war von Herrn Hanssens.\nWir waren froh, uns an Beethoven's Pastoral-\nSinfonie wieder erholen zu können. Der erste Satz bewies\nuns, dass ein wirklicher Fortschritt in Zusammenspiel und\nfeinerer Nuancirung seit dem Bestehen des Instituts einge-\ntreten ist. Diese Vorzüge verschwanden aber wieder ganz\nbeim Andante und letzten Satze durch die viel zu schnel-\nlen Tempi. Mlle. Serneels, erster Preis des Conservato-\nriums, sang Arien aus Freischütz und Norma mit schöner\nStimme und grosser Reinheit. Die Arie aus dem Freischütz\nkennt man hier nur mit hinzugefügten Cadenzen und Fiori-\nturenü! Ohne das geht's nun einmal nicht.\nIn kurzer Zeit wird das erste Concert des Conserva-\ntoriums Statt finden; bei der neulichen Preis-Vertheilung\nan die Schüler konnten wir leider der Musik-Aufführung\nnicht beiwohnen, da man zu viel Eintritts-Karten ausgege-\nben hatte und wir die Augustinerkirche des zu grossen\nAndrangs wegen bereits geschlossen fanden.\n-3"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c008", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c008", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "202", "page_fin": "204", "image_debut": 2, "image_fin": 4, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.2", "titre_corps": "Berliner Briefe.", "titre_sommaire": "Berliner Briefe.", "signature_source": "G. E", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.2", "debut_caractere": 3159, "fin_caractere_exclue": 3472, "texte": "Berliner Briefe.\n\n[N i c o 1 a i' s „Lustige W e i b e r\" D o n J u a n II r. v. B ü 1 o \\r\nR. Franz Sing-Akademie Dom-Chor.]\nDen 16. December 1853.\nDie letzte Zeit war wenig bewegt in musicalischer Be-\nziehung. Die Oper brachte nur Wiederholungen, von denen\naber einige, wie die der Stummen von Portici, das Haus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5226, "texte": "noch immer bis auf den letzten Platz füllen seit weni-\ngen Monaten bald zum zwanzigsten Male. Die einzige neu\nin Scene gesetzte Oper war Nicolai's „Lustige Wei-\nber von Windso r% ein Werk, das allmählich auch auf\nanderen Bühnen Anerkennung zu finden scheint. Hier hatte\nsich das Publicum —es war die fünfte Opern-Vorstellung\nin einer und derselben Woche sparsam eingefunden.\nNicolai erstrebte ein Kunst-Ideal auf eklektischem Wege;\ner war der Ueberzeugung, dass ein Componist, der auf der\nHöhe seiner Zeit stehen wolle, alle Richtungen des Zeit-\ngeistes in sich aufnehmen und zu organischer Durchdrin-\nO o\ngung vereinigen müsse. Der Grundgedanke ist richtig, aber\nNicolai realisirte ihn nur in beschränkter Weise. Man muss\nihm namentlich zum Vorwurf machen, dass er dem Hange\nzu gefälligen, leicht fasslichen, populären Melodieen allzu\nsehr nachgab, die sich mitunter recht störend in Musik-\nstücke von origineller Erfindung, charakteristischer Wahr-\nheit und kunstvoller Architektonik hineinmischen. Auch der\nWitz und die Komik waren ihm nicht versagt, und es ist\nnamentlich im zweiten Acte, dem überhaupt der Preis ge-\nbührt, das Duett zwischen Falstaff und dem eifersüchtigen\nEhemanne sehr gelungen. Für die deutsche komische Oper\ngehört jedenfalls Nicolai's Werk zu den wenigen, die an\ndas Theater-Publicum und an den Musiker zugleich sich\ngerichtet haben; daher wird es bei Beiden Erfolg, wenn-\ngleich einen bedingten, haben. —ln der nächsten Woche\nsteht uns die dreihundertste Vorstellung des Don Juan\nauf hiesiger Bühne bevor. Es knüpfen sich daran manche\nWünsche. Kugler hat kürzlich in dem Taschenbuche\nArgo sich des Weiteren über die Plumpheit der Ueber-\nsetzungen Mozart'scher Opern ausgelassen; er bemerkt mit\nRecht, dass ein feiner Vortrag der Mozart'schen Musik, die\njeder Wendung des Textes folgt, für den Sänger dadurch\nzu einer Unmöglichkeit werde. Und wäre selbst dies nicht\nder Fall, wie arg differiren mit Mozart's feiner, gebildeter\nMusik unsere deutschen Texte! Hat doch die deutsche\nSprache erst in diesem Jahrhundert so recht eigentlich die\nEleganz gewonnen, die der deutschen Musik schon meh-\nrere Decennien früher eigentümlich war. Ein zweiter\nWunsch betrifft die Tempi, die bei manchen Stücken, z. B.\ndem Champagner-Liede, übertrieben schnell genommen\nwerden; ein dritter das Piano im Orchester, das immer\nmehr aus der Mode zu kommen scheint. Der Rübe-\nzahl von Flotow wird wohl erst zu Neujahr in Scene\ngehen; bald werden dann auch Dorn's Nibelungen\nfolgen. Von den vier Concerten, die hier zum Besten\ndes Gustav-Adolf-Vereins Statt finden und die zu den\nglänzendsten der Saison gehören (auch Joachim und\nJenny Lind sollen ihre Mitwirkung zugesagt haben), hat\ndas erste unter Leitung des Musik-Directors Stern und\nseines Gesang-Vereins, dessen weibliche Mitglieder nament-\nlich vortrefflich sangen, bereits Statt gefunden. Es machte\nuns mit Herrn v. B ü 1 o w bekannt, der sich als einen glän-\nzenden, feurigen und intelligenten Ciavierspieler bewährte.\nEr trug das Trio von Volkmann vor, über das in der\njüngsten Zeit musicalische Blätter berichtet haben: ein Werk,\ndem Erfindung, tieferes Streben und kunstvolle Ineinander-\narbeitung nicht abzusprechen sind; doch ist es ungleich, es\nist nicht wählerisch genug in der Ausscheidung von un-\nschönen Elementen, und neigt sich eben so oft dem unna-\ntürlich Gesuchten als dem Gewöhnlichen, Phrasenhaften zu.\nSodann spielte Herr v. Bülow Liszt's Paraphrase über\nden Marsch aus Tannhäuser und seine ungarische Rhapso-\ndie, eine Composition, die im Einzelnen phantasievoll ist,\nals Kunstganzes aber unseren Begriffen von Kunst vollstän-\ndig widerstrebt. Die heutigen Componisten wenden sich\nimmer mehr von der Schönheit ab und streben nach\ndem Auffallenden, dem Ungewöhnlichen; die wahre Schön-\nheit, die in der harmonischen Einheit der Gegensätze be-\nsteht, ist immer ungewöhnlich, denn sie ist schwer zu er-\nreichen ; am wenigsten wird sie von einem Geiste erreicht,\nder sich in lauter Sprüngen gefällt. Den übrigen Inhalt des\nConcertes bildeten Chöre aus Taub er t's Medea und das\nFinale aus Mendels soll n's Lorelei. Ein Privat-Con-\ncert, das der Stern'sche Verein in diesen Tagen veranstal-\ntete, dem ich aber nicht beiwohneu konnte, soll vielfach\ninteressant gewesen sein. Ein von R.Franz, das\nhier zur Aufführung kam, wird sehr gerühmt; mehrere\nseiner Lieder, die in demselben Concerte gesungen wurden,\nhaben allgemein angesprochen, und es lässt sich hoffen,\ndass seine Compositionen von jetzt ab etwas populärer in\nBerlin werden, als sie es bisher waren. Ausserdem wurden\nStücke aus dem Idomeneo und Myriam's Lobgesang von\nF. Schubert gesungen. Die Sing-Akademie hat\nden Cvklus ihrer Abonnements-Concerte mit dem Alexan-\nder-Feste begonnen. Die hiesige Kritik geht in Betreff der\nAusführung seltsam aus einander. Während Rellstab allerlei\ntadelt, und Kossak in seiner Feuerspritze Veranlassung\nnimmt, dem alten Institute vollständig den Stab zu brechen,\nfinden andere Blätter, z. B. die National-Zeitung, dass die\nAufführung eine der allerbesten gewesen sei, die man bis\njetzt von der Sing-Akademie gehört habe. Sehr gern will\nich zugestehen, dass die Chöre noch viel frischer, ausdrucks-\nvoller und nuancirter vorgetragen werden können, und dass"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2411, "texte": "wir namentlich in dem Dom-Chor ein Institut besitzen, mit\ndem verglichen, die Leistungen der Sing-Akademie als un-\nfertig gelten mögen. Wer aber die Aufführungen seit meh-\nreren Jahren genau verfolgt hat, wird zugestehen, dass der\nChor unter Grell's Leitung schon jetzt merkliche Fort-\nschritte gemacht hat, die um so sichtbarer sein werden, je\nmehr die neu eingetretenen frischen Kräfte, die jetzt noch\nin der zweiten Akademie thätig sind und zu den Auffüh-\nrungen nicht herangezogen werden, in den Vordergrund\ntreten; es scheint uns ungerecht, nach so kurzer Zeit über\neine Wirksamkeit abzuurtheilen, die, um Erfolg zu haben,\nlängerer Frist bedarf. Auch der Dom-Chor hat sein\nerstes Concert gegeben. Die hervorragendsten Nummern\ndes Programms waren Palestrina' s Kyrie aus der Mar-\ncellus-Messe, Caldara's Crucißxus (oder vielmehr eine\nachtstimmige Bearbeitung des ursprünglich sechszehnstim-\nmigen, in dem aber jede der sechszehn Stimmen schlecht-\nhin selbstständig und fast immer auf dem Platze ist) und\neine Motette von J. C. Bach. Zwei Stücke waren wohl\nnicht einer Aufführung in diesem Concerte werth: ein Mi-\nserere von Lotti, an dem wir wenig Kunst finden, und\nein figurirter Choral von Rolle, der wohl vorzugsweise\nzum Vergnügen einiger rationalistischen Pastoren und Can-\ntoren geschrieben ist. Eine Sonate von Seb. Bach für\nCiavier und Violine von charakteristischem Gepräge fügte\nsich dem Charakter des Concertes glücklich an; sie wurde\nvon Herrn Seiss, einem unserer besten jüngeren Violini-\nsten, und Herrn Ehrlich aus Paris correct und ausdrucks-\nvoll vorgetragen. Dass aber auch eine moderne Salon-\nPhantasie für die Harfe (von Mad. Alvars übrigens mei-\nsterhaft gespielt) sich hinein verirrte, bewies uns aufs Neue,\nzu welchen Fehlern man kommt, wenn man sich vor einem\nentschiedenen, aber musicalisch rathsamen Schritte scheut.\nDie Ausführung von Seiten des Dom-Chors war eine der\nvortrefflichsten, die wir je gehört: klar, fest, lebendig und\nmaassvoll. Auch der Erk'sehe Männergesang-\nVerein hat ein Concert gegeben, in dem er viele gemüth-\nliche Volkslieder mit ansprechender Natürlichkeit, aber ohne\ngrosse Gesangeskunst vortrug. —ln den Soireen der Herren\nGrünwald und Seidel hörten wir ein neues Trio von F.\nKiel (Schüler des Prof. Dehn), in dem wir eine durch-\naus edle Richtung in der Vermeidung alles Unschönen fan-\nden; doch ist noch grössere Wärme und Freiheit zu wün-\nsehen.\n\nG. E."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c009", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c009", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "204", "page_fin": "205", "image_debut": 4, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.3", "titre_corps": "Mozart’s Don Juan in Berlin seit 1790.", "titre_sommaire": "Mozart’s Don Juan in Berlin seit 1790.", "signature_source": "L. B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.4", "debut_caractere": 2413, "fin_caractere_exclue": 4460, "texte": "Mozart’s Don Juan in Berlin seit 1790.\n\nAm 20. December 1790 fand die erste Vorstellung\ndes Don Juan in Berlin Statt, am 20. December dieses\nJahres die drei hundertste. Die Besetzung bei der\nersten Aufführung war folgende: Lippert Don Juan,\nBenda Ottavio, Kase 1 itz Comthur, Unzelmann\nLeporello, Brandel —Masetto, Frau Unzelmann-\nBethmann Anna, Müller Elvira, Baranius-\nRietz Zerline (erst in diesem Jahre gestorben). Den\nstatistischen Notizen von L. Relistab in der B. Z. entneh-\nmen wir folgende Angaben als die interessantesten:\nDen Don Juan selbst gab Lippert 30mal, Be-\nschort (von 1796 —1815) 56mal, Blume (1812\n1839) 101 mal, Joseph Fischer 11 mal, Bötticher\n61 mal, Salomon 13mal. Als Gast traten eilf Künstler in\ndieser Rolle auf, unter ihnen Wild.\nDen Ottavio sang nach Benda Ambrosch (bis\n1804), Eunicke 55mal (bis 1819), Stümer 50mal\n(bis 1830), Bader 23mal, Mantius (1832 bis 1853)\n82 mal, Pfister 1 lmal.\nDen Comthur hat Zschiesehe 98mal gesungen.\nLeporello, zuerst Unzelmann 80mal, dann Gern\nder Vater, Jos. Fischer, Wauer 99mal, Krause\n4 7 mal.\nMasetto, zuerst Brandel, dann Franz, Seidel\nu. s. w., Wauer 33mal, Rebenstein, Ed. Devrient\n71 mal, Mickler 45mal.\nDie Donna Anna sang zuerst Frau Unzelmann-\nBethmann 22mal, dann Margaretha Schick (1794\nbis 1808) 49mal, Frau Müller 16mal, Schmalz\n28mal (1810 bis 1819), Schulz 43 mal (1820 bis\n1829), v. Fassmann 27mal, Köster 19mal, Joh.\nWagner 7mai. ln derselben Rolle traten im Ganzen\nachtzehn bei der Hof-Bühne angestellte und achtunddreissig\nSängerinnen als Gäste auf. Unter den letzteren sind her-\nvorzuheben Frl. Grün bäum, die deutsche Catalani ge-\nnannt, 4mal (1817 und 1824), Henr. Sontag 3mal\n(1827 und 1830), Willi. Schröder-Devrient 6mal\n(1831 und 1834), Carl, Lutz er, Schodel, Fischer-\nAchten, Sc hoberiech ner, Hasselt-Barth, Jenny\nLind smal (1845 und 1846), Viardot-Garcia smal\n(1847 und 1848), Behrend-B rand, Küchenmei-\nster-Rudersdorf, Bochkolz - Falconi 4mal\n(1853).\nElvira, zuerst durch Frau Müller (als Frl. Hell-\nmuth) 65mal (bis 1808), Frl. Lanz 15, Schulz 25,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3073, "texte": "Leist 10 , Frau Milder-IJauptmann 43mal (1820\nbis 1829), Carl Bmal, vonSchützel 3, Seidler 11,\nFrl. Hedwig Schulz 14, v. Fassinann 6, Marx\n14, Frl. Berxendorf, jetzt Frau Bötticher, 37mal.\nUnter den Gast-Darstellerinnen sind auszuzeichnen N a-\nnette Schechner 2mal (1827 und 1829), Clara\nHeinefetter 3mal, Frl. Spatzer (Palm) 7mal, Au-\nguste Löwe.\nZerline wurde zuerst von der berühmten Bara-\nnius (nachher Rietz) 27mal gegeben; FrauEunicke\nsang sie 49mal (bis 1815), ihre Tochter Johanna (jetzige\nFrau Krüger) 39mal, Frau Seidler 13, Frl. von\nSchätzel 13mal, Frl. Grünbaum (jetzt Fr. Bereilt)\n37, Frl. Tue zeck 51 mal. Auffallend ist es, dass die\nRolle der Zerline nur vier Gast-Darstellerinnen zählt, unter\nihnen Frau Neumann-Hai tzinger und Frl. Lina\nRoser, jetzt Gattin des Componisten Balfe in London.\nWelch eine herrliche Reihe von deutschen Sänger-\nNamen enthält diese Statistik des Don Juan auf einer ein-\nzigen Bühne von Deutschland binnen 63 Jahren, beson-\nders für die Frauenrollen! Nach unserer Ansicht und Er-\ninnerung war die Besetzung der Oper in Berlin in den\nJahren 1815 bis 1822 in Bezug auf die Darstellung des\nganzen Kunstwerkes am vorzüglichsten, nämlich Don\nJuan Blume, Leporello Wauer, Comthur Zschie-\nsche, Masetto E. Devrient, Ottavio Stümer, Anna\nFrl. Schulz, Elvira Frau Milder-Hauptmann, Zer-\nline Johanna Eunicke oder Frau Seidler. Wir geben\ngern zu, dass in einzelnen Rollen eine Grünbaum, Jenny\nLind, Schröder-Devrient, Nanette Schechner u. A. Ausser-\nordentliches geleistet haben mögen; allein ein so vollkom-\nmenes Ganzes, als die Aufführungen in Berlin während des\neben genannten Zeitraumes darboten, hat man wohl schwer-\nlich auf einer anderen Bühne gesehen.\nWenn man nun mit freudigem Stolze erwägt und noch\ntagtäglich gewahrt, wie dieses Werk seit beinahe siebenzig\nJahren in der vollkommensten Frische dasteht und überall,\nwo man nur eine erträgliche Aufführung erwarten kann,\ndas Publicum in die Theater-Hallen zieht, die Menge\nentzückt, während der Musiker und Kenner durch jede\nmelodische Folge, durch jede harmonische Wendung, die\ner alle vorher weiss und hundertmal gehört hat, von Neuem\n*\nerregt und ergriffen wird und dann in dem Buche des\nPropheten der neuen dramatischen Musik lies't, dass der\ngute Mozart „in einem grossen Irrthum gewesen\": dann\nschwindet der Zorn über eine solche Anmaassung in ein\nmitleidsvolles Lächeln dahin. Sagt uns doch einmal, ihr\nKunstwerkmeister der Zukunft, wie berechnet ihr eigent-\nlich die Zukunft? „ Zahlen entscheiden!\" sagte Benzenberg,\nder als ein eingefleischter Mathematiker und Naturforscher\naller Phantasterei den Krieg erklärte. Also doch wohl nach\nTagen, Wochen, Jahren, nicht wahr ? Nun frage ich euch\nauf euer Gewissen, wenn ihr so recht lebhaft an heute\nüber siebenzig Jahre denkt, läuft euch da nicht ein\nTannhäuser-Frösteln und ein Fliegender-Holländer-Schauer\nüber die Haut, und schlagt ihr euch nicht in eurem ein-\nsamen Kämmerlein, dem Heiligenbilde Mozart's gegenüber,\nvor die Brust und sprecht; „Gott sei uns Sündern in Ge-\ngenwart und vor Allem in Zukunft gnädig!\" ?\n\nL. B."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c010", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c010", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "205", "page_fin": "206", "image_debut": 5, "image_fin": 6, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.4", "titre_corps": "Aus München.", "titre_sommaire": "Aus München.", "signature_source": "Dr", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.5", "debut_caractere": 3075, "fin_caractere_exclue": 5665, "texte": "Aus München.\n\nDen 19. Deccmber 1853.\nAm Throne des Allgütigen stand der schützende Engel des\nMenschengeschlechtes und sprach: „Göttlicher Vater, gib den armen\nMenschenkindern eine bessere Sprache; denn sie haben nur Worte,\nwenn sie sagen wollen, wie sie Dich preisen und anbeten, wie sie\ntrauern, wie sie frohlocken, wie sie lieben!44 „Habe ich ihnen\ndenn nicht die Thräne gegeben?*' sagte der Allmächtige: „die\nThräne der Freude, die Thräne des Schmerzes, die Thräne der\nLiebe?\" „Auch die Thräne spricht nicht a'les das aus, was das\nHerz empfindet. Gib ihnen eine Sprache,\" erwiderte der Genius,\n„womit sie ihr unendliches Sehnen, ihr Lieben, ihr Jauchzen, ihr\nTrauern, ihren Schmerz und ihr Glück ausdrücken können; gib\nihnen eine Sprache lür ihr Herz!\" Und Gott sprach: „Es sei! Ich\nwill aus dem Sphärenklange der Welten, aus den Chören der En-\ngel die Töne zur irdischen Welt senden; sie sollen in der Aus-\nerwählten Brust wiederhallen und durch sie in nie geahnter Kraft\nund Herrlichkeit erklingen als eine neue Sprache der Menschheit.\"\nSeitdem kann das Menschenherz sprechen; denn die auserwählten\nLieblinge der Gottheit erschlossen das Reich der Tonkunst, und der\nHerrlichsten einer war Beethoven.\nAlle Gefühle der Sehnsucht, der Rührung, der Freude, des\nSchmerzes, des Entzückens und der Wehmuth ergreifen unser Herz,\nwenn wir Beethoven's Schöpfungen in uns aufnehmen, und vollends\ndie Missa soletmiis, welche er in seinen begeistertsten Stunden schuf\nzur Ehre Gottes. Beethoven hält es für unwürdig, den Ruhm des\nSchöpfers auf Schmetterlings-Flügeln dahin zu tragen, er schlägt die\nLuft mit mächtigen Adler-Fittichen.\nBeethoven's D-Messe ist ein in den Himmel ragender Dom,\nnicht nur in würdigem und erhabenem Stile und in kolossalen Ver-\nhältnissen aufgeführt, sondern auch reich an wunderbarer Aus-\nschmückung. Wenn sich eine so riesige Phantasie, wie die Beetho-\nven's, mit der Weihe gotterfüllten Geistes verbindet, da müssen\nwohl hier und da Combinationen entstehen, welche nicht jeglicher\nAuffassungsgabe sich fügen, welche manches Kopfschütteln bewir-\nken. Und doch werden diese Zweifler ergriffen von dem wunder-\nbaren Kyrie, dem Gloria, diesem Jubelchor aller Wellen, dem Credo,\nvoll der erhabensten und tiefsten Ideen, dem Adagio des Incama-\ntas, dem Allegro des Resurrexit. Das zeigte der Erfolg der hiesi-\ngen Aufführung.\nObwohl die Ausführung des gigantischen Werkes nur im or-\nchestralen Theile vollkommen befriedigte, denn der Chor war im\nVerhältnisse zum Orchester zu schwach, die Solostimmen, mit Aus-\nnahme des Herrn Härtinger, nicht ganz zureichend, war der Bei-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3839, "texte": "all doch ein rauschender. Grossartiger hatte eine Reihenfolge von\nConcerten nicht eröffnet werden können, und Herr Gcncral-Musik-\nDirector Lachner, der Leiter des Ganzen, der mit Feuer und Prä-\ncision dirigirte, erwarb sich mit vollstem Rechte durch die Vorfüh-\nrung dieses höchst schwierigen Meisterwerkes die grösstmögliche\nAnerkennung aller Kunstsinnigen.\nNachdem die Mitglieder der musicalischen Akademie (Orchester\ndes k. Hof-Theaters) ihre jährlichen Abonnements-Concerte mit\neinem Ausser-Abonncmcnts-Conccrte, in welchem eben die Messe\nvon Beethoven zur Aufführung kam, eröffnet hatten, hegten wir\nschöne Hoffnungen für die folgenden Concerte; wir konnten Auf-\nführungen von noch nie oder selten gehörten Meisterwerken und\nvon Compositionen neuerer Meister erwarten. Dagegen brachten\nuns die vier folgenden Concerte eine Sinfonie von Haydn (Es),\nBeethoven (Eroica), Mendelssohn (A-moll) und Mozart (C), deren\njede eine erste Abtheilung bildete. Als Schluss-Nummern hörten\nwir Mendelssohn's Ouvertüre zur „schönen Melusine\", die zu „Elisa\"\nvon Cherubini, Vincenz Lachners Preis- und Beethovens Fest-\nOuvcrture. Den Gesang repräsentirten Stradella's Arie „Bitte zu\nGott\", Fr. Schubert's 23. Psalm, Duett aus der Oper „Sosarme\"\nvon Händel, Arie aus Beethoven's „Fidelio\", Arie aus „Das unter-\nbrochene Opferfest\" von Winter, zwei Sextette: „Frühlings- und\nWander-Lied\" von Stark, Duett aus Mozart's Oper „II Re pestore\n„Ebräisches Klagelied\" aus dem „Bardale\", arrangirt von Kunz, und\n„Altdeutscher Schlachtgesang\", von Rietz. Als Zwischen-Nummcrn\nhörten wir noch Yiolin-Concert von Beriot, Clavier-Concert von\nMendelssohn, Variationen von Haydn über „Gott erhalte\" mit gros-\nser Besetzung und C. M. v. Weber's Aufforderung zum Tanze, in-\nstrumentirt von Berlioz.\nDie Ausführung aller dieser Werke zeigte manche Mängel; die\nlangsamen Tempi oft schleppend, die raschen oft zu rasch, mit\nEinem Worte: das Orchester, welches Beethoven's' D-Messe so mei-\nsterhaft executirte. stand in diesen Leistungen nicht auf der gleichen\nHöhe. Die Blech-Harmonie besonders, überhaupt der wunde Fleck,\ndas Noli me längere unseres Orchesters, war ganz ungenügend. Was\ndas Vocale, theils mit, theils ohne Orchester-Begleitung, anbelangt,\nso hörten wir als neu Fr. Schubert's 23. Psalm, ein Werk von\nnicht besonderer Bedeutung, zwei Sextette von Stark, gewöhnliche\nArbeit, einer öffentlichen Pioduction durchaus unwerth, Händel's\nDuett, 1732 componirt, und Mozart's Duett, als Jugend-Arbeit be-\nmerkbar, Ebraisches Klagelied und den Schlachtgesanj von Rietz.\nDie beiden Chöre wurden von der hiesigen Liedertafel lobenswert!}\nexecutirt, die Begleitung des Orchesters beim letzteren aber viel\nzu stark, so dass die Singstimmen, obwohl zahlreich, dünn und\nschwach klangen. Bei den übrigen Gesangsstücken betheiligten sich\ndie Damen Diez, Retlich, Heiner, Potz und Lenz, die Herren Bran-\ndes, Härtinger und Allfeld. Lobend können wir nur Herrn Här-\ntinger mit Stradella's Gebet, „Bitte zu Gett\", und Herrn Brandes'\nArie aus „Das unterbrochene Opferfest\" von Winter erwähnen.\nUeberhaupt ist man hier gewohnt, die Gesangstücke als Ausfüllungs-\nNummern, so genannte Lückenbüsser, zu betrachten, und verwendet\nauf deren Auswahl und Ausführung sehr geringe Mühe.\nWir kommen nun zu den Virtuosen, deren einer, Herr Lau-\nter bach, ein Concert von Berior, sage Beriot, spielte. Für ihn\nscheinen die Concerte von Beethoven, Mendelssohn, Molique, Vicux-\nlemps etc. nicht zu existiren. Uebrigens müssen wir Herrn Lanter-\nbach zugestehen, dass er seine Aufgabe glücklich lös'te. Der an-\ndere, Pianist Herr Schönchen, konnte keine bessere Wahl tref-\nfen, als Mendelssohn's G-moll- Concert. Doch fehlte es zur Be-\nwilligung dieses herrlichen, wunderbar reizenden Tonstückes an\nTon, Leichtigkeit, Grazie, geistigem Verständnisse, selbst an der\ndazu notwendigen Technik.\n\nDr."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c011", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c011", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "206", "page_fin": "207", "image_debut": 6, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.5", "titre_corps": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "titre_sommaire": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln im Casinosaale.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.6", "debut_caractere": 3841, "fin_caractere_exclue": 7667, "texte": "Viertes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 20. Dccembcr.\nEine gute Ausführung der II ay d n' sehen Si n fo n i c in D-dur\neröffnete das Concert. Hierauf folgte „Der 24. Psalm\" von Fr.\nSchneider, zur Erinnerung an den am 23. November d. J. da-\nhingegangenen Meister gewählt. Wiewohl dieser Psalm gerade nicht\nzu den bedeutendsten Compositionen Schneiders gehört, so ver-\nleugnet er doch keineswegs das grosse Talent desselben, sich in\nden strengsten Formen mit Freiheit und Sicherheit zu bewegen und\ndie polyphone Schreibart mit der Klarheit und dem Glänze des\nharmonischen Effectes zu verbinden. Die Ausführung der Chöre\nwar gut, und auch bei den Solis lernten wir ein paar vielverspre-\nchende Stimmen (Alt und Sopran) aus der Musikschule kennen.\nDen ersten Theil beschloss Joachim durch den meisterhaften\nVortrag seines C o n c e r t s t ü c k e s für die Violine. Wir dürfen\nnicht verschweigen, dass die Composition das Publicum ganz kalt\nliess. Der gebildete Musiker entdeckt darin allerdings einzelne Licht-\nblicke des Genius, schöne Keime einer musicalischen Schöpfungs-\nkraft, welche, wenn sie durch eine milde Sonne gereift und vor\ndem erdrückenden Nebel der Polar-Rcgionen geschützt wird, der-\neinst herrliche Früchte erzeugen kann; aber er gewahrt auch mifc\nBesorgniss die Gefahr, dass das Schlingkraut den Aufschuss des\nedlen jungen Stammes hemmt und fesselt. Der Gomponist verkennt\nin diesem Musikstücke das Wesen des Concertes, der Violine und\nseines eigenen Spiels. Er führt sich und den Hörer in einen Wald\nvon Tönen; sie dringen allerdings beide glücklich hindurch, aber\nam jenseitigen Rande desselben angekommen, haben sie keine an-\ndere Empfindung, als das Gefühl der Befriedigung, die sämmtli-\nehen furchtbaren Hindernisse der wilden Natur und den höllischen\nSpuk eines bösen Widersachers noch dazu glücklich überwunden\nzu haben. Aber dieses Sicgcsgefühl beruht auf Täuschung; der Wi-\ndersacher hat dennoch seinen Zweck erreicht, er hat sie von der\nStelle abgedrängt, wo die Zauberblume der musiealisehen Poesie\nWächst mit den Blüthen der Melodie, die aus vollen, schön geform-\nten harmonischen Kelchen emporspriessen. Der Componist hat die\nBlume nicht gebrochen, und der Hörer lässt die Hand seines Füh-\nrers kalt los und blickt mit ungestillter Sehnsucht nach der Tiefe\ndes Waldes zurück. Nein, die Violine ist am wenigsten dazu ge-\nmacht, die Botin der Zukunfts-Musik zu sein; diese Königin mag\nnicht dienen, sie ist gewohnt, zu herrschen. Damit ist nicht gesagt,\ndass wir sie zum Paradepferde für die Virtuosen herabwürdigen\nwollen; im Gegentheil, auch wir adoptiren den sinfonistischen Con-\ncert-Stil, wie sich das von selbst versteht. Aber er muss eben con-\nccrtmassig bleiben, sonst gebiert er ein Unding, ein Zwitter-\ngeschöpf, das weder künstlerisch schön noch lebensfähig ist. Nach\nder neuesten Posaune über das karlsruher Musikfest, weiche der\n„Schwerbewaffnete\" zu Leipzig, im Verlage von Bruno Hinze, von\nvollen 128 Seiten abblast, „wird mit Joachim den Violin-\nConcerten ein ganz neues Feld und eine überraschend neue\nRichtung eröffnet\" (S. 31). Nun ja, von den Ausrufern jener Schule\nsind wir es gewohnt, dass bisher noch nichts da gewesen und Alles\nerst erfunden wird; so hat Wagner die Oper, Liszt die Direction,\nHoplit die Kritik erfunden, und weil sie nun Joachim gar gern zu\nden Ihrigen zählen möchten, so muss der durchweg anspruchslose,\naller Ostentation feindselige Künstler das Violin-Concert erfin-\nden! Ja, ja, die Freunde! die Freunde!\nAber Joachim ist so bescheiden, dass er im stillen Bewusst-\nsein seines Künstler-Adels nicht einmal das Gebet ausspricht: „Gott\nschütze mich vor meinen Freunden!\" sondern keine andere Ant-\nwort gibt, als dass er sich hinstellt und Beethoven reden lässt*\nSein Vortrag des Beethoven'sehen V i o 1 i n - G on c e r t e s ist"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 2211, "texte": "sein einziger, grosser, herrlicher Protest gegen die Aufdringlichkeit\nder Lobhudelei, und wer uns Beethoven so vollendet wiedergeben\nkann, wie es Joachim vermag und gestern wieder bewiesen hat,\nvon dem hegen wir die sicherste Hoffnung, dass er auch als Kom-\nponist den wahren Meister erkennen und mit einer von der\nSchule unabhängigen Selbstständigkeit zur Klarheit des Schönen in\nder Tonkunst durchdringen und den Genius nicht zu übermüthiger\nMisshandlung des künstlerischen Stoffes zwingen wird.\nDer zweite Theil des Concerls brachte uns zuerst eine neue\nComposition von F. lli 11 er, eine Ouvertüre zu Phädra. Nach\nunserer schon öfter ausgesprochenen Ansicht muss ein Musikstück,\nwenn es künstlerischen Werth hat, bei vollkommener Ausführung\nauch bei dem ersten, einmaligen Hören den musicalisch Gebildeten\nansprechen nnd erregen. Dies war in hohem Grade bei dieser\nOuvertüre der Fall. Wir begrüssen sie freudig als eines der besten\nInstrumental-Werke Hiller's. Die Einleitung im langsamen Zeit-\nmaasse führt uns in die geheimnissvolle Tiefe, wo die heimlich bil-\ndenden Gewalten des Menschenherzens im Stillen schaffen, und das\nAllegro bringt gleich von vorn herein mit seinem charakteristischen\nHaupt-Thema und dann mit der feurigen Durchführung des ganzen\nSatzes die Leidenschaft zu Tage, welche aus dem Herzen hervor-\nbricht und im Kampfe mit dem Leben zu Grunde geht. Es ist eine\nTragödie in Tönen, die Ueberschrift ist eine Wahrheit.\nEs folgten „Zwei Weihnachtslieder von Lconhart\nSchröter44, aus dem Jahre 1587, eine wahre Festgabe, wunder-\nlieblich empfunden in einer freudig frommen Künsllerseele, und\ngar herrlich, rein und einfach ausdrucksvoll von dem Chor wieder-\ngegeben. Sie erregten im ganzen Publicum eine der Composition\nganz und gar entsprechende innige Theilnahme.\nHiernachfolgte das herrliche Violin-Concert von Beet-\nhoven, von dem wir schon gesprochen, bei welchem Joachim's\nSpiel auf alle Herzen einen unwiderstehlichen Zauber übte, der\nüberall, wo es nur ein Abschnitt der Composition erlaubte, zu\nstürmischem Beifall zwang.\nEine treffliche Ausführung der Olympia-Ouverture von\nSpontini beschloss den Abend, welcher in den Annalen unserer\nConcerte eine hervorragende Stelle einnimmt."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c012", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c012", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "207", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.6", "titre_corps": "Kölner Männergesang-Verein.", "titre_sommaire": "Kölner Männergesang-Verein.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.7", "debut_caractere": 2213, "fin_caractere_exclue": 4474, "texte": "Kölner Männergesang-Verein.\nUeber die Epoche machende Fahrt des kölner Männergesang-\nVereins nach London ist so eben eine Schrift erschienen, unter\ndem Titel:\nSängerfahrt des kölner Männergesang-Vereins\nnach London, von Ernst Weyden. Köln, 1854. Ver-\nlag von F. C. Eisen. 220 Seiten in 8.\nHerr Dr. Weyden hat die Fahrt mitgemacht und das Buch dem\nHerrn Hof-Buchhändler John Mitchell in London, dem ehren-\nwerthen Kunstfreunde und Unternehmer der Concerte des Vereins,\nals Zeichen der Dankbarkeit für die vortreffliche Aufnahme aller\nTheilnehmer gewidmet. Zugleich wird es diesen ein willkommenes\nGedächtniss-Bach für die Tage in London sein. Ueber den Inhalt\ndesselben spricht sich der Herr Verfasser selbst in dem Vorworle\nfolgender Maassen aus:\n„Die folgenden Blätter der Erinnerung an die Sängerfahrt des\nkölner Männergesang-Vereins nach London sind, was das Wesent-\nlichste ihres Inhalts angeht, unter dem lebendigen Eindrucke des\nAugenblickes als Berichte für das Feuilleton der Kölni-\nschen Zeitung entstanden und treten, wie sie geschrieben, ganz\nanspruchslos in die Welt, ihren Hauptzweck vollkommen erreichend,\nwenn sie die Erinnerungen der Theilnehmer an der so genussrei-\nehen Sängerfahrt wieder lebhaft auffrischen und den nahen und\nfernen Freunden des schönen, als einzig in seiner Art zu betrach-\ntenden Unternehmens ein in sich abgerundetes Bild desselben geben.\n„Um nun Jedem und besonders allen dem Vereine fern stehen-\nden Lesern diese Blätter, welche in ihrer ursprünglichen\nForm nicht ungünstig aufgenommen wurden, nach allen\nRichtungen möglichst anziehend und zugleich belehrend zu\nmachen, suchte der Verfasser denselben dadurch, dass er seine bei\nfrüheren Besuchen Englands gesammelten Erfahrungen und\nBeobachtungen theil weise einfliesseh liess, mehr Relief und jedem\nBesucher Londons zugleich praktische Andeutungen zu geben, wie\ner seinen Aufenthalt in der so äusserst merkwürdigen\nWeltstadt am zweckmässigsten benutzen kann.\" U. s, w.\nDie Leser der Kölnischen Zeitung wissen also, was sie in die-\nsem Buche zu finden haben, und nach den obigen anspruchslosen\nAeusserungen des Herrn Verfassers hiesse es „Eulen nach Athen\"\ntragen oder „Wasser in den Rhein giessen\", wenn wir den Inhalt\nund Zweck desselben noch näher beleuchten wollten."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1853-12-24-01-c013", "article_bluemountain": "bmtnabi_1853-12-24_01#c013", "volume": "bmtnabi_1853-12-24_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "207", "page_fin": "208", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.2.7", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.7", "debut_caractere": 4476, "fin_caractere_exclue": 7310, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln, 23. Dec. Gestern fand im Casinosaale eine Soiree\nzum Vortheil des Herrn Clef, früheren Regisseurs des hiesigen\nVaudcville-Theaters, Statt. Die Herren Joachim, Hill er und\nKoch, welche sich mit bereitwilliger Uneigcnnützigkeit zu dem\ngenannten Zwecke vereinigt hatten, Hessen uns nur Gutes und vor-\ntrefflich ausgeführt hören. Joachim spielte eine Romanze von\nsich, eine schöne Composition, und Variationen von Paganini,\njene mit seelenvollem Vortrage, diese mit einer wahrhaft staunens-\nwerthen Virtuosität. Ferner mit Hill er zusammen Sonate von\nJ. S. Bach (E-clur), drei Etüden von Hiller für Piano und Vio-\nline und Beethovens grosse Sonate in A. Die Ausführung der\nletzteren war von allem Trefflichen das Trefflichste Alles ein\nGuss, eine Leidenschaft, eine Seele, ein jubelnder Aufschwung.\nEs ist unmöglich, zu entscheiden, wem von beiden Künstlern die\nPalme gebühre; aber das dürfen wir nicht verschweigen, dass wir\nHill er lange nicht mit solcher Lieb' und Lust und Begeisterung\nund daraus erzeugter Vollendung des Vortrags haben spielen hören,\nals an diesem Abende, und namentlich diese Sonate. Wenn er\nauch weiter nichts wäre, als ein Klavierspieler, so nähme er da-\ndurch allein schon eine hohe Stelle ein. Aber freilich, um ein\nsolcher Clavierspieler zu sein, muss man eben noch etwas mehr\nsein, als das.\nKoch sang Lieder von F. Schubert, Nicolai und R.\nSchumann („Der Knabe mit dem Wunderhorn\") und Beetho-\nven's Adelaide, welche durch den bekannten meisterhaften Vortrag\ndes Sängers neben den glänzenden Leistungen der beiden grossen\nKünstler, was keine leichte Sache war, als ebenbürtig bestehen\nkonnten.\nIn dem vierten Hefte der deutschen Vierteljahrsschrift stehen\n„Briefe an einen Staatsmann über unsere musicalische Erziehung\",\nvon W. 11. Riehl, welche viel Gutes enthalten. Mit Recht dringt\ner auf ein gründlicheres Studium der Geschichte der Musik. Was\nwir früher in unseren Artikeln über Richard Wagner's Tannhäuser\nöfter angeführt haben, dass namentlich die Behandlung des Recita-\ntivs bei Wagner ein Rückschritt zu den Zeiten der Lully'schen\nund Rameau'schen Oper sei, das erläutert Riehl ausführlicher in folgen-\nder Stelle: „Lully ist, wie die Philologen sagen, kein „„Schul-Autor\" \".\nFormel kann man bei ihm sehr wenig mehr lernen, man müsste\ndenn allenfalls durch seine leichtsinnige Harmonisirung sich veran-\nschaulichen, wie man nicht harmonisiren soll. Dagegen kann man\nGluck's historische Bedeutung nicht würdigen, wenn man keine\nLully'sche Partitur studirt hat. Lully ist der Richard Wagner des\nachtzehnten Jahrhunderts. Seine Alceste ist, wie er selber sie nennt,\neine Tragedic misc en musique, keine Oper. Sie gliedert sich nicht\nnach Arien, Duetten, Ensembles u. s. w., sondern nach fortlaufen-\nden Scenen. Dis Ganze ist ein stetes obligates Recitativ, von ein-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3858, "texte": "zelnen melodiösen Stellen, Chören, Märschen u. dgl. unterbrochen.\nIch sage dies alles von Lully; man könnte auch meinen, ich sage\nes von Wagner; es gilt iür Beide. An, vielen Stellen ist Lully\nüberraschend grossartig und wahr im dramatischen Ausdruck, ganz\nwie Wagner; dann fällt er aber auch wieder in eine ungeheure\nMonotonie des endlos recitirenden Dialogs zurück, ganz w ie Wagner.\nDie Chöre sind einfach, aber sie tragen ein Gepräge der Feierlich-\nkeit und Würde, welches, selbst in Einzelzügen der Harmonie,\nmitunter an die hohen kirchlichen Chorgesänge der Italiäncr des\nsechszehnten Jahrhunderts erinnert. Dasselbe nicht kleine Lob kann\nman auch einzelnen Chören im Tannhäuser nicht versagen. Lully\nopfert die musicalische Architektur dem dramatischen Ausdruck, er\nbringt Ansätze zu Melodieen, aber er führt sie nicht aus. So ergibt\nsich dann doch zuletzt ein zerstücktes, unruhiges musicalisches\nGanzes, welches einen verwirrenden und langweilenden Eindruck\nhätte machen müssen, wenn nicht der Prunk einer stets wechseln-\nden, reichen scenischen Ausstattung, für welchen wenigstens in der\nAlceste (und im Tannhäuser) buchstäblich Himmel und Hölle in\nBewegung gesetzt werden, der Phantasie des Hörers bedeutend zu\nHülfe gekommen wäre. Gerade jene Formlosigkeit der Lully'schen\nOper aber war es, die Gluck vernichtet hat, während er das Stie-\nben nach Wahrheit des dramatischen Ausdrucks aufnahm und wei-\nterbildete. Gluck steht in der Formirung seiner Tonsätze den guten\nitaliänischen Opern-Componisten aus der ersten Hälfte des acht-\nzehnten Jahrhunderts weit vnäher, als Lully. Würden sich unsere\nMusiker nur halb so viel den historischen Studien widmen, wie\nden technischen, so würden sie einsehen, dass es doch nicht wohl\nein so grosser Fortschritt sein kann, wenn man im neunzehnten\nJahrhundert von der inzwischen so reich weitergebildeten Weise\nGluck's zurückspringt auf eine der Weise Lully s entsprechende\nNeugestaltung der Oper. Man kann auch aus lauter Fortschritts-\nBegeisterung ein Reactionär w erden.\" Späterhin fügt Riehl noch über\nWagner hinzu! „Das ernste Streben dieses londichters nach Rein-\nheit der Üeclamation, Wahrheit und Kraft des dramatischen Aus-\ndrucks, der Versuch, die grossartigen Bilder unserer nationalen\nHeldensagen in kühnen musicalischen Umrissen zu zeichnen, gelra-\ngen von einem würdigen und dichterisch reichen Texte, das frei-\nwillige Verzichten auf alle Arien-Schnörkel und \\ irfLUOsen-Slück-\nchen der Sänger (womit freilieh das Virtuosen-Stück einer mög-\nlichst blendenden Orehestrirung und der Aufputz der trockenen\nMelodie durch ein Uebermaass gesuchter Modulationen noch in\nWiderspruch steht) — das alles sind Thatsachen, die auf den Um-\nschwung unserer Musik zu einer tieferen, ernsteren, dem ernsteren\nGeiste der Zeit entsprechenden Richtung hinüberweisen.\"\nDeutsche Tonhalle. Die auf das dritte Preis-Ausschreibcn\ndes Vereins (vom Juni d. J ) eingekommenen, im vorigen Monat\nangezeigten zehn iolin-Trio s haben den erwählten Preisrichtern,\nden Herren Gcneral-Musik-Direcloren F. Lachner und Dr. L. Spohr,\nauch Herrn Hof-Capellmeister Jos. Strauss zur Beurtheilung \\ 01 ge-\nlegen, und es haben dieselben einstimmig den Preis zuerkannt dem\nWerke des Herrn K a sp. Jakob B i s c h o f f in F rankfurt a. M., w ei-\nch es den Spruch führt; „Der Menschheit Würde ist in eure\nHand gegeben u. s. w\" . ' . . .\nBesonders und einstimmig wurde, belobt das Werk von Herrn\nAug. Maier, Musik-Dircctor in Ansbach, und ausser diesem haben\nBelobung erhalten die Werke der Herren Musik-Directoren K. He-\nring in Berlin und A. Leder in Marienwerder.\nWegen Rückverlangens der Bewerbungen machen wir auf die\n(14 c.) aufmerksam und erinnern zugleich, dass\nder Verein jüngst einen Preis ausgesetzt für einen Quintett-Satz\nmit Einleitung für Flöte, Oboe, Clarinette, Horn und I1 agott.\nMannheim, Christmonat 1853. Der \\ orstand."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "201", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.1", "texte": "Aus Brüssel.\n(U 1 rieh's Preis-Sinfonie Wagners Tannhäuser-\nOu ve rture u. s. \\v.)\nWir haben Ihnen über zwei Concerte der\ndes artisles musicicnszu berichten, von denen das erste\nam 19. November und das zweite am lO.d.Mts. Statt fand.\nMit grossem Interesse hörten wir im ersten dieser\nConcerte die Preis-Sinfonie von H. Ulrich zum\nzweiten Male. Das Orchester des Conservatoires führte sie\nbereits bei der Preis-Vertheilung selbst im September aus;\ndurch den diesmaligen Vortrag gelangte sie jedoch erst zu\nvölliger Klarheit. Da wir über dieses lobenswerthe Werk\netwas mehr sagen möchten, so theilen wir Ihnen über das\nConcert im Allgemeinen nur mit, dass ausser der Sinfonie\nnur die Leonoren-Ouvertüre als Orchester-Werk\nzur Aufführung kam. Die Schwestern Carolina und\nVirginia Ferni, Violinistinnen, spielten in Wunderkin-\nder-Art Phantasieen von Leonard und Vieuxtemps; Mad.\nDido, Sängerin des Theaters, und Mr. Au dran, erster\nTenor der komischen Oper, mit schöner Stimme begabt,\nsangen Arien Von Aüber etc.\nWir wiederholen über Ulrich's Sinfonie im Ganzen\ndas bereits ausgesprochene Urtheil: es ist ein Werk, wel-\nches Lob verdient; dennoch können wir nicht verhehlen,\ndass auch hier, wie bei so manchen ähnlichen Werken, das\nWort „Preis-Sinfonie\" nur in relativem Sinne genommen\nwerden darf. Wenn einige Melodieen in derselben aller-\ndings eine edle Färbung haben, so treten uns doch auch\nwiederholt sehr gewöhnliche, ja, fast triviale Motive entge-\ngen, welche das Wohlgefallen am Ganzen stören. Zur\nRechtfertigung unserer Ansicht fügen wir die Haüpt-The-\nma's in Noten bei, können sie jedoch freilich nur aus dem\nGedächtnisse wiedergeben.\nDie Thema's des ersten Satzes sind folgende:\nvon denen namentlich das zweite, in der Durchführung\nverkürzt, häufig einen gar zu flachen Anstrich erhält.\nDas Scherzo scheint uns ohne innere Nothwendigkeit\nzu sehr ausgedehnt; das Thema ist folgendes;\nDas Trio und besonders der Schlüssfall desselben mag\nsich selbst das Urtheil sprechen:\nDergleichen ist doch gar zu verbraucht.\nAls den gelungensten Wurf des Ganzen betrachten\nwir den dritten, wahrscheinlich Andante überschriebenen\nSatz, was um so ehrenvoller für den Componisten sein\ndürfte, als gerade die Andante- und Adagio-Sätze die\nKlippe sind, an welcher so viele von den Tonsetzern der\nGegenwart scheitern. Die Haupt-Thema's desselben sind\nfolgende:"}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "202", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.2", "texte": "Der Gedanke Nr. 2 hat sehr viel Reiz, und die Instru-\nmentation ist an dieser Stelle besonders glücklich gelungen.\nDas Finale ist offenbar der schwächste Satz von allen,\nund wenn wir auch überhaupt dahingestellt sein lassen\nwollen, ob das ganze Werk dem Charakter einer\ntriomphcile, welcher eigentlich gefordert wurde, entspricht\noder nicht, so lässt sich doch die Bemerkung nicht unter-\ndrücken, dass der letzte Satz diesen Titel stark Lügen\nstraft. Die drei Thema's des Finale sind folgende:\nvon denen uns nur das zweite gefällt, während wir im\nersten jedweden Schwung vermissen und mit dem dritten\nuns vollends nicht befreunden können. Ein unbegründeter\nund sehr unbedeutender Fugensatz bildet die Durchführung.\nKlarheit, natürliche Instrumentation und gute Harmo-\nnisirung sind die Vorzüge des Werkes. Auf das Publicum\nmachte es keinen bedeutenden Eindruck; man lühlte sich\nhäufig angenehm erregt, aber nie besonders ergriffen. Wir\nhoffen sehr, noch aridere grosse Compositionen von Herrn\nUlrich kennen zu lernen, um ein bestimmteres Urtheil über\ndiesen jedenfalls sehr talentvollen jungen Mann bei uns fest-\nstellen zu können.\nDas zweite Concert bot eine Neuigkeit für uns, näm-\nlich Richard Wagner's Ouvertüre zum Tann-\nhäuser. Die geistreichen Abhandlungen über Wagner's\nCompositionen, welche wir in Ihrem Blatte gelesen, hatten\nuns sehr gespannt gemacht. Um nicht in Wiederholungen\nIhrer treffenden Aussprüche zu verfallen, enthalten wir uns\naller Kritik. Wir sind zu schwach, um zu begreifen, wie\ndiese Composition zu einer grossen Berühmtheit hat gelan-\ngen können. Also das wäre die Musik der Zukunft? Hof-\nfentlich erleben wir die Zeit nicht, wo nur solche Sachen\nals schön anerkannt werden. Das Bild der zwei zusammen-\nstossenden Locomotiven für die heterogenen, auf einander\nprallenden Accorde passt prächtig; auch fühlten wir bei\ndem ewigen chromatischen Wimmern bedeutendes Glieder-\nrenken.\nEin tonloses Violoncell-Solo folgte der Ouvertüre,\nwahrscheinlich um Contraste hervorzurufen; es entlockte\neinem uns nahe stehenden Zuhörer die Bemerkung: „Ich\nwar dem Orchester bei der Ouvertüre zu nahe und hörte\nzu viel; nun habe ich mich entfernt und höre vom Violon-\ncell gar nichts.\" Die Composition war von Herrn Hanssens.\nWir waren froh, uns an Beethoven's Pastoral-\nSinfonie wieder erholen zu können. Der erste Satz bewies\nuns, dass ein wirklicher Fortschritt in Zusammenspiel und\nfeinerer Nuancirung seit dem Bestehen des Instituts einge-\ntreten ist. Diese Vorzüge verschwanden aber wieder ganz\nbeim Andante und letzten Satze durch die viel zu schnel-\nlen Tempi. Mlle. Serneels, erster Preis des Conservato-\nriums, sang Arien aus Freischütz und Norma mit schöner\nStimme und grosser Reinheit. Die Arie aus dem Freischütz\nkennt man hier nur mit hinzugefügten Cadenzen und Fiori-\nturenü! Ohne das geht's nun einmal nicht.\nIn kurzer Zeit wird das erste Concert des Conserva-\ntoriums Statt finden; bei der neulichen Preis-Vertheilung\nan die Schüler konnten wir leider der Musik-Aufführung\nnicht beiwohnen, da man zu viel Eintritts-Karten ausgege-\nben hatte und wir die Augustinerkirche des zu grossen\nAndrangs wegen bereits geschlossen fanden.\n-3\n\nBerliner Briefe.\n\n[N i c o 1 a i' s „Lustige W e i b e r\" D o n J u a n II r. v. B ü 1 o \\r\nR. Franz Sing-Akademie Dom-Chor.]\nDen 16. December 1853.\nDie letzte Zeit war wenig bewegt in musicalischer Be-\nziehung. Die Oper brachte nur Wiederholungen, von denen\naber einige, wie die der Stummen von Portici, das Haus"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "203", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.3", "texte": "noch immer bis auf den letzten Platz füllen seit weni-\ngen Monaten bald zum zwanzigsten Male. Die einzige neu\nin Scene gesetzte Oper war Nicolai's „Lustige Wei-\nber von Windso r% ein Werk, das allmählich auch auf\nanderen Bühnen Anerkennung zu finden scheint. Hier hatte\nsich das Publicum —es war die fünfte Opern-Vorstellung\nin einer und derselben Woche sparsam eingefunden.\nNicolai erstrebte ein Kunst-Ideal auf eklektischem Wege;\ner war der Ueberzeugung, dass ein Componist, der auf der\nHöhe seiner Zeit stehen wolle, alle Richtungen des Zeit-\ngeistes in sich aufnehmen und zu organischer Durchdrin-\nO o\ngung vereinigen müsse. Der Grundgedanke ist richtig, aber\nNicolai realisirte ihn nur in beschränkter Weise. Man muss\nihm namentlich zum Vorwurf machen, dass er dem Hange\nzu gefälligen, leicht fasslichen, populären Melodieen allzu\nsehr nachgab, die sich mitunter recht störend in Musik-\nstücke von origineller Erfindung, charakteristischer Wahr-\nheit und kunstvoller Architektonik hineinmischen. Auch der\nWitz und die Komik waren ihm nicht versagt, und es ist\nnamentlich im zweiten Acte, dem überhaupt der Preis ge-\nbührt, das Duett zwischen Falstaff und dem eifersüchtigen\nEhemanne sehr gelungen. Für die deutsche komische Oper\ngehört jedenfalls Nicolai's Werk zu den wenigen, die an\ndas Theater-Publicum und an den Musiker zugleich sich\ngerichtet haben; daher wird es bei Beiden Erfolg, wenn-\ngleich einen bedingten, haben. —ln der nächsten Woche\nsteht uns die dreihundertste Vorstellung des Don Juan\nauf hiesiger Bühne bevor. Es knüpfen sich daran manche\nWünsche. Kugler hat kürzlich in dem Taschenbuche\nArgo sich des Weiteren über die Plumpheit der Ueber-\nsetzungen Mozart'scher Opern ausgelassen; er bemerkt mit\nRecht, dass ein feiner Vortrag der Mozart'schen Musik, die\njeder Wendung des Textes folgt, für den Sänger dadurch\nzu einer Unmöglichkeit werde. Und wäre selbst dies nicht\nder Fall, wie arg differiren mit Mozart's feiner, gebildeter\nMusik unsere deutschen Texte! Hat doch die deutsche\nSprache erst in diesem Jahrhundert so recht eigentlich die\nEleganz gewonnen, die der deutschen Musik schon meh-\nrere Decennien früher eigentümlich war. Ein zweiter\nWunsch betrifft die Tempi, die bei manchen Stücken, z. B.\ndem Champagner-Liede, übertrieben schnell genommen\nwerden; ein dritter das Piano im Orchester, das immer\nmehr aus der Mode zu kommen scheint. Der Rübe-\nzahl von Flotow wird wohl erst zu Neujahr in Scene\ngehen; bald werden dann auch Dorn's Nibelungen\nfolgen. Von den vier Concerten, die hier zum Besten\ndes Gustav-Adolf-Vereins Statt finden und die zu den\nglänzendsten der Saison gehören (auch Joachim und\nJenny Lind sollen ihre Mitwirkung zugesagt haben), hat\ndas erste unter Leitung des Musik-Directors Stern und\nseines Gesang-Vereins, dessen weibliche Mitglieder nament-\nlich vortrefflich sangen, bereits Statt gefunden. Es machte\nuns mit Herrn v. B ü 1 o w bekannt, der sich als einen glän-\nzenden, feurigen und intelligenten Ciavierspieler bewährte.\nEr trug das Trio von Volkmann vor, über das in der\njüngsten Zeit musicalische Blätter berichtet haben: ein Werk,\ndem Erfindung, tieferes Streben und kunstvolle Ineinander-\narbeitung nicht abzusprechen sind; doch ist es ungleich, es\nist nicht wählerisch genug in der Ausscheidung von un-\nschönen Elementen, und neigt sich eben so oft dem unna-\ntürlich Gesuchten als dem Gewöhnlichen, Phrasenhaften zu.\nSodann spielte Herr v. Bülow Liszt's Paraphrase über\nden Marsch aus Tannhäuser und seine ungarische Rhapso-\ndie, eine Composition, die im Einzelnen phantasievoll ist,\nals Kunstganzes aber unseren Begriffen von Kunst vollstän-\ndig widerstrebt. Die heutigen Componisten wenden sich\nimmer mehr von der Schönheit ab und streben nach\ndem Auffallenden, dem Ungewöhnlichen; die wahre Schön-\nheit, die in der harmonischen Einheit der Gegensätze be-\nsteht, ist immer ungewöhnlich, denn sie ist schwer zu er-\nreichen ; am wenigsten wird sie von einem Geiste erreicht,\nder sich in lauter Sprüngen gefällt. Den übrigen Inhalt des\nConcertes bildeten Chöre aus Taub er t's Medea und das\nFinale aus Mendels soll n's Lorelei. Ein Privat-Con-\ncert, das der Stern'sche Verein in diesen Tagen veranstal-\ntete, dem ich aber nicht beiwohneu konnte, soll vielfach\ninteressant gewesen sein. Ein von R.Franz, das\nhier zur Aufführung kam, wird sehr gerühmt; mehrere\nseiner Lieder, die in demselben Concerte gesungen wurden,\nhaben allgemein angesprochen, und es lässt sich hoffen,\ndass seine Compositionen von jetzt ab etwas populärer in\nBerlin werden, als sie es bisher waren. Ausserdem wurden\nStücke aus dem Idomeneo und Myriam's Lobgesang von\nF. Schubert gesungen. Die Sing-Akademie hat\nden Cvklus ihrer Abonnements-Concerte mit dem Alexan-\nder-Feste begonnen. Die hiesige Kritik geht in Betreff der\nAusführung seltsam aus einander. Während Rellstab allerlei\ntadelt, und Kossak in seiner Feuerspritze Veranlassung\nnimmt, dem alten Institute vollständig den Stab zu brechen,\nfinden andere Blätter, z. B. die National-Zeitung, dass die\nAufführung eine der allerbesten gewesen sei, die man bis\njetzt von der Sing-Akademie gehört habe. Sehr gern will\nich zugestehen, dass die Chöre noch viel frischer, ausdrucks-\nvoller und nuancirter vorgetragen werden können, und dass"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "204", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.4", "texte": "wir namentlich in dem Dom-Chor ein Institut besitzen, mit\ndem verglichen, die Leistungen der Sing-Akademie als un-\nfertig gelten mögen. Wer aber die Aufführungen seit meh-\nreren Jahren genau verfolgt hat, wird zugestehen, dass der\nChor unter Grell's Leitung schon jetzt merkliche Fort-\nschritte gemacht hat, die um so sichtbarer sein werden, je\nmehr die neu eingetretenen frischen Kräfte, die jetzt noch\nin der zweiten Akademie thätig sind und zu den Auffüh-\nrungen nicht herangezogen werden, in den Vordergrund\ntreten; es scheint uns ungerecht, nach so kurzer Zeit über\neine Wirksamkeit abzuurtheilen, die, um Erfolg zu haben,\nlängerer Frist bedarf. Auch der Dom-Chor hat sein\nerstes Concert gegeben. Die hervorragendsten Nummern\ndes Programms waren Palestrina' s Kyrie aus der Mar-\ncellus-Messe, Caldara's Crucißxus (oder vielmehr eine\nachtstimmige Bearbeitung des ursprünglich sechszehnstim-\nmigen, in dem aber jede der sechszehn Stimmen schlecht-\nhin selbstständig und fast immer auf dem Platze ist) und\neine Motette von J. C. Bach. Zwei Stücke waren wohl\nnicht einer Aufführung in diesem Concerte werth: ein Mi-\nserere von Lotti, an dem wir wenig Kunst finden, und\nein figurirter Choral von Rolle, der wohl vorzugsweise\nzum Vergnügen einiger rationalistischen Pastoren und Can-\ntoren geschrieben ist. Eine Sonate von Seb. Bach für\nCiavier und Violine von charakteristischem Gepräge fügte\nsich dem Charakter des Concertes glücklich an; sie wurde\nvon Herrn Seiss, einem unserer besten jüngeren Violini-\nsten, und Herrn Ehrlich aus Paris correct und ausdrucks-\nvoll vorgetragen. Dass aber auch eine moderne Salon-\nPhantasie für die Harfe (von Mad. Alvars übrigens mei-\nsterhaft gespielt) sich hinein verirrte, bewies uns aufs Neue,\nzu welchen Fehlern man kommt, wenn man sich vor einem\nentschiedenen, aber musicalisch rathsamen Schritte scheut.\nDie Ausführung von Seiten des Dom-Chors war eine der\nvortrefflichsten, die wir je gehört: klar, fest, lebendig und\nmaassvoll. Auch der Erk'sehe Männergesang-\nVerein hat ein Concert gegeben, in dem er viele gemüth-\nliche Volkslieder mit ansprechender Natürlichkeit, aber ohne\ngrosse Gesangeskunst vortrug. —ln den Soireen der Herren\nGrünwald und Seidel hörten wir ein neues Trio von F.\nKiel (Schüler des Prof. Dehn), in dem wir eine durch-\naus edle Richtung in der Vermeidung alles Unschönen fan-\nden; doch ist noch grössere Wärme und Freiheit zu wün-\nsehen.\n\nG. E.\n\nMozart’s Don Juan in Berlin seit 1790.\n\nAm 20. December 1790 fand die erste Vorstellung\ndes Don Juan in Berlin Statt, am 20. December dieses\nJahres die drei hundertste. Die Besetzung bei der\nersten Aufführung war folgende: Lippert Don Juan,\nBenda Ottavio, Kase 1 itz Comthur, Unzelmann\nLeporello, Brandel —Masetto, Frau Unzelmann-\nBethmann Anna, Müller Elvira, Baranius-\nRietz Zerline (erst in diesem Jahre gestorben). Den\nstatistischen Notizen von L. Relistab in der B. Z. entneh-\nmen wir folgende Angaben als die interessantesten:\nDen Don Juan selbst gab Lippert 30mal, Be-\nschort (von 1796 —1815) 56mal, Blume (1812\n1839) 101 mal, Joseph Fischer 11 mal, Bötticher\n61 mal, Salomon 13mal. Als Gast traten eilf Künstler in\ndieser Rolle auf, unter ihnen Wild.\nDen Ottavio sang nach Benda Ambrosch (bis\n1804), Eunicke 55mal (bis 1819), Stümer 50mal\n(bis 1830), Bader 23mal, Mantius (1832 bis 1853)\n82 mal, Pfister 1 lmal.\nDen Comthur hat Zschiesehe 98mal gesungen.\nLeporello, zuerst Unzelmann 80mal, dann Gern\nder Vater, Jos. Fischer, Wauer 99mal, Krause\n4 7 mal.\nMasetto, zuerst Brandel, dann Franz, Seidel\nu. s. w., Wauer 33mal, Rebenstein, Ed. Devrient\n71 mal, Mickler 45mal.\nDie Donna Anna sang zuerst Frau Unzelmann-\nBethmann 22mal, dann Margaretha Schick (1794\nbis 1808) 49mal, Frau Müller 16mal, Schmalz\n28mal (1810 bis 1819), Schulz 43 mal (1820 bis\n1829), v. Fassmann 27mal, Köster 19mal, Joh.\nWagner 7mai. ln derselben Rolle traten im Ganzen\nachtzehn bei der Hof-Bühne angestellte und achtunddreissig\nSängerinnen als Gäste auf. Unter den letzteren sind her-\nvorzuheben Frl. Grün bäum, die deutsche Catalani ge-\nnannt, 4mal (1817 und 1824), Henr. Sontag 3mal\n(1827 und 1830), Willi. Schröder-Devrient 6mal\n(1831 und 1834), Carl, Lutz er, Schodel, Fischer-\nAchten, Sc hoberiech ner, Hasselt-Barth, Jenny\nLind smal (1845 und 1846), Viardot-Garcia smal\n(1847 und 1848), Behrend-B rand, Küchenmei-\nster-Rudersdorf, Bochkolz - Falconi 4mal\n(1853).\nElvira, zuerst durch Frau Müller (als Frl. Hell-\nmuth) 65mal (bis 1808), Frl. Lanz 15, Schulz 25,"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "205", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.5", "texte": "Leist 10 , Frau Milder-IJauptmann 43mal (1820\nbis 1829), Carl Bmal, vonSchützel 3, Seidler 11,\nFrl. Hedwig Schulz 14, v. Fassinann 6, Marx\n14, Frl. Berxendorf, jetzt Frau Bötticher, 37mal.\nUnter den Gast-Darstellerinnen sind auszuzeichnen N a-\nnette Schechner 2mal (1827 und 1829), Clara\nHeinefetter 3mal, Frl. Spatzer (Palm) 7mal, Au-\nguste Löwe.\nZerline wurde zuerst von der berühmten Bara-\nnius (nachher Rietz) 27mal gegeben; FrauEunicke\nsang sie 49mal (bis 1815), ihre Tochter Johanna (jetzige\nFrau Krüger) 39mal, Frau Seidler 13, Frl. von\nSchätzel 13mal, Frl. Grünbaum (jetzt Fr. Bereilt)\n37, Frl. Tue zeck 51 mal. Auffallend ist es, dass die\nRolle der Zerline nur vier Gast-Darstellerinnen zählt, unter\nihnen Frau Neumann-Hai tzinger und Frl. Lina\nRoser, jetzt Gattin des Componisten Balfe in London.\nWelch eine herrliche Reihe von deutschen Sänger-\nNamen enthält diese Statistik des Don Juan auf einer ein-\nzigen Bühne von Deutschland binnen 63 Jahren, beson-\nders für die Frauenrollen! Nach unserer Ansicht und Er-\ninnerung war die Besetzung der Oper in Berlin in den\nJahren 1815 bis 1822 in Bezug auf die Darstellung des\nganzen Kunstwerkes am vorzüglichsten, nämlich Don\nJuan Blume, Leporello Wauer, Comthur Zschie-\nsche, Masetto E. Devrient, Ottavio Stümer, Anna\nFrl. Schulz, Elvira Frau Milder-Hauptmann, Zer-\nline Johanna Eunicke oder Frau Seidler. Wir geben\ngern zu, dass in einzelnen Rollen eine Grünbaum, Jenny\nLind, Schröder-Devrient, Nanette Schechner u. A. Ausser-\nordentliches geleistet haben mögen; allein ein so vollkom-\nmenes Ganzes, als die Aufführungen in Berlin während des\neben genannten Zeitraumes darboten, hat man wohl schwer-\nlich auf einer anderen Bühne gesehen.\nWenn man nun mit freudigem Stolze erwägt und noch\ntagtäglich gewahrt, wie dieses Werk seit beinahe siebenzig\nJahren in der vollkommensten Frische dasteht und überall,\nwo man nur eine erträgliche Aufführung erwarten kann,\ndas Publicum in die Theater-Hallen zieht, die Menge\nentzückt, während der Musiker und Kenner durch jede\nmelodische Folge, durch jede harmonische Wendung, die\ner alle vorher weiss und hundertmal gehört hat, von Neuem\n*\nerregt und ergriffen wird und dann in dem Buche des\nPropheten der neuen dramatischen Musik lies't, dass der\ngute Mozart „in einem grossen Irrthum gewesen\": dann\nschwindet der Zorn über eine solche Anmaassung in ein\nmitleidsvolles Lächeln dahin. Sagt uns doch einmal, ihr\nKunstwerkmeister der Zukunft, wie berechnet ihr eigent-\nlich die Zukunft? „ Zahlen entscheiden!\" sagte Benzenberg,\nder als ein eingefleischter Mathematiker und Naturforscher\naller Phantasterei den Krieg erklärte. Also doch wohl nach\nTagen, Wochen, Jahren, nicht wahr ? Nun frage ich euch\nauf euer Gewissen, wenn ihr so recht lebhaft an heute\nüber siebenzig Jahre denkt, läuft euch da nicht ein\nTannhäuser-Frösteln und ein Fliegender-Holländer-Schauer\nüber die Haut, und schlagt ihr euch nicht in eurem ein-\nsamen Kämmerlein, dem Heiligenbilde Mozart's gegenüber,\nvor die Brust und sprecht; „Gott sei uns Sündern in Ge-\ngenwart und vor Allem in Zukunft gnädig!\" ?\n\nL. B.\n\nAus München.\n\nDen 19. Deccmber 1853.\nAm Throne des Allgütigen stand der schützende Engel des\nMenschengeschlechtes und sprach: „Göttlicher Vater, gib den armen\nMenschenkindern eine bessere Sprache; denn sie haben nur Worte,\nwenn sie sagen wollen, wie sie Dich preisen und anbeten, wie sie\ntrauern, wie sie frohlocken, wie sie lieben!44 „Habe ich ihnen\ndenn nicht die Thräne gegeben?*' sagte der Allmächtige: „die\nThräne der Freude, die Thräne des Schmerzes, die Thräne der\nLiebe?\" „Auch die Thräne spricht nicht a'les das aus, was das\nHerz empfindet. Gib ihnen eine Sprache,\" erwiderte der Genius,\n„womit sie ihr unendliches Sehnen, ihr Lieben, ihr Jauchzen, ihr\nTrauern, ihren Schmerz und ihr Glück ausdrücken können; gib\nihnen eine Sprache lür ihr Herz!\" Und Gott sprach: „Es sei! Ich\nwill aus dem Sphärenklange der Welten, aus den Chören der En-\ngel die Töne zur irdischen Welt senden; sie sollen in der Aus-\nerwählten Brust wiederhallen und durch sie in nie geahnter Kraft\nund Herrlichkeit erklingen als eine neue Sprache der Menschheit.\"\nSeitdem kann das Menschenherz sprechen; denn die auserwählten\nLieblinge der Gottheit erschlossen das Reich der Tonkunst, und der\nHerrlichsten einer war Beethoven.\nAlle Gefühle der Sehnsucht, der Rührung, der Freude, des\nSchmerzes, des Entzückens und der Wehmuth ergreifen unser Herz,\nwenn wir Beethoven's Schöpfungen in uns aufnehmen, und vollends\ndie Missa soletmiis, welche er in seinen begeistertsten Stunden schuf\nzur Ehre Gottes. Beethoven hält es für unwürdig, den Ruhm des\nSchöpfers auf Schmetterlings-Flügeln dahin zu tragen, er schlägt die\nLuft mit mächtigen Adler-Fittichen.\nBeethoven's D-Messe ist ein in den Himmel ragender Dom,\nnicht nur in würdigem und erhabenem Stile und in kolossalen Ver-\nhältnissen aufgeführt, sondern auch reich an wunderbarer Aus-\nschmückung. Wenn sich eine so riesige Phantasie, wie die Beetho-\nven's, mit der Weihe gotterfüllten Geistes verbindet, da müssen\nwohl hier und da Combinationen entstehen, welche nicht jeglicher\nAuffassungsgabe sich fügen, welche manches Kopfschütteln bewir-\nken. Und doch werden diese Zweifler ergriffen von dem wunder-\nbaren Kyrie, dem Gloria, diesem Jubelchor aller Wellen, dem Credo,\nvoll der erhabensten und tiefsten Ideen, dem Adagio des Incama-\ntas, dem Allegro des Resurrexit. Das zeigte der Erfolg der hiesi-\ngen Aufführung.\nObwohl die Ausführung des gigantischen Werkes nur im or-\nchestralen Theile vollkommen befriedigte, denn der Chor war im\nVerhältnisse zum Orchester zu schwach, die Solostimmen, mit Aus-\nnahme des Herrn Härtinger, nicht ganz zureichend, war der Bei-"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "206", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.6", "texte": "all doch ein rauschender. Grossartiger hatte eine Reihenfolge von\nConcerten nicht eröffnet werden können, und Herr Gcncral-Musik-\nDirector Lachner, der Leiter des Ganzen, der mit Feuer und Prä-\ncision dirigirte, erwarb sich mit vollstem Rechte durch die Vorfüh-\nrung dieses höchst schwierigen Meisterwerkes die grösstmögliche\nAnerkennung aller Kunstsinnigen.\nNachdem die Mitglieder der musicalischen Akademie (Orchester\ndes k. Hof-Theaters) ihre jährlichen Abonnements-Concerte mit\neinem Ausser-Abonncmcnts-Conccrte, in welchem eben die Messe\nvon Beethoven zur Aufführung kam, eröffnet hatten, hegten wir\nschöne Hoffnungen für die folgenden Concerte; wir konnten Auf-\nführungen von noch nie oder selten gehörten Meisterwerken und\nvon Compositionen neuerer Meister erwarten. Dagegen brachten\nuns die vier folgenden Concerte eine Sinfonie von Haydn (Es),\nBeethoven (Eroica), Mendelssohn (A-moll) und Mozart (C), deren\njede eine erste Abtheilung bildete. Als Schluss-Nummern hörten\nwir Mendelssohn's Ouvertüre zur „schönen Melusine\", die zu „Elisa\"\nvon Cherubini, Vincenz Lachners Preis- und Beethovens Fest-\nOuvcrture. Den Gesang repräsentirten Stradella's Arie „Bitte zu\nGott\", Fr. Schubert's 23. Psalm, Duett aus der Oper „Sosarme\"\nvon Händel, Arie aus Beethoven's „Fidelio\", Arie aus „Das unter-\nbrochene Opferfest\" von Winter, zwei Sextette: „Frühlings- und\nWander-Lied\" von Stark, Duett aus Mozart's Oper „II Re pestore\n„Ebräisches Klagelied\" aus dem „Bardale\", arrangirt von Kunz, und\n„Altdeutscher Schlachtgesang\", von Rietz. Als Zwischen-Nummcrn\nhörten wir noch Yiolin-Concert von Beriot, Clavier-Concert von\nMendelssohn, Variationen von Haydn über „Gott erhalte\" mit gros-\nser Besetzung und C. M. v. Weber's Aufforderung zum Tanze, in-\nstrumentirt von Berlioz.\nDie Ausführung aller dieser Werke zeigte manche Mängel; die\nlangsamen Tempi oft schleppend, die raschen oft zu rasch, mit\nEinem Worte: das Orchester, welches Beethoven's' D-Messe so mei-\nsterhaft executirte. stand in diesen Leistungen nicht auf der gleichen\nHöhe. Die Blech-Harmonie besonders, überhaupt der wunde Fleck,\ndas Noli me längere unseres Orchesters, war ganz ungenügend. Was\ndas Vocale, theils mit, theils ohne Orchester-Begleitung, anbelangt,\nso hörten wir als neu Fr. Schubert's 23. Psalm, ein Werk von\nnicht besonderer Bedeutung, zwei Sextette von Stark, gewöhnliche\nArbeit, einer öffentlichen Pioduction durchaus unwerth, Händel's\nDuett, 1732 componirt, und Mozart's Duett, als Jugend-Arbeit be-\nmerkbar, Ebraisches Klagelied und den Schlachtgesanj von Rietz.\nDie beiden Chöre wurden von der hiesigen Liedertafel lobenswert!}\nexecutirt, die Begleitung des Orchesters beim letzteren aber viel\nzu stark, so dass die Singstimmen, obwohl zahlreich, dünn und\nschwach klangen. Bei den übrigen Gesangsstücken betheiligten sich\ndie Damen Diez, Retlich, Heiner, Potz und Lenz, die Herren Bran-\ndes, Härtinger und Allfeld. Lobend können wir nur Herrn Här-\ntinger mit Stradella's Gebet, „Bitte zu Gett\", und Herrn Brandes'\nArie aus „Das unterbrochene Opferfest\" von Winter erwähnen.\nUeberhaupt ist man hier gewohnt, die Gesangstücke als Ausfüllungs-\nNummern, so genannte Lückenbüsser, zu betrachten, und verwendet\nauf deren Auswahl und Ausführung sehr geringe Mühe.\nWir kommen nun zu den Virtuosen, deren einer, Herr Lau-\nter bach, ein Concert von Berior, sage Beriot, spielte. Für ihn\nscheinen die Concerte von Beethoven, Mendelssohn, Molique, Vicux-\nlemps etc. nicht zu existiren. Uebrigens müssen wir Herrn Lanter-\nbach zugestehen, dass er seine Aufgabe glücklich lös'te. Der an-\ndere, Pianist Herr Schönchen, konnte keine bessere Wahl tref-\nfen, als Mendelssohn's G-moll- Concert. Doch fehlte es zur Be-\nwilligung dieses herrlichen, wunderbar reizenden Tonstückes an\nTon, Leichtigkeit, Grazie, geistigem Verständnisse, selbst an der\ndazu notwendigen Technik.\n\nDr.\n\nViertes Gesellschafts-Concert in Köln\nim Casinosaale.\nDinstag, den 20. Dccembcr.\nEine gute Ausführung der II ay d n' sehen Si n fo n i c in D-dur\neröffnete das Concert. Hierauf folgte „Der 24. Psalm\" von Fr.\nSchneider, zur Erinnerung an den am 23. November d. J. da-\nhingegangenen Meister gewählt. Wiewohl dieser Psalm gerade nicht\nzu den bedeutendsten Compositionen Schneiders gehört, so ver-\nleugnet er doch keineswegs das grosse Talent desselben, sich in\nden strengsten Formen mit Freiheit und Sicherheit zu bewegen und\ndie polyphone Schreibart mit der Klarheit und dem Glänze des\nharmonischen Effectes zu verbinden. Die Ausführung der Chöre\nwar gut, und auch bei den Solis lernten wir ein paar vielverspre-\nchende Stimmen (Alt und Sopran) aus der Musikschule kennen.\nDen ersten Theil beschloss Joachim durch den meisterhaften\nVortrag seines C o n c e r t s t ü c k e s für die Violine. Wir dürfen\nnicht verschweigen, dass die Composition das Publicum ganz kalt\nliess. Der gebildete Musiker entdeckt darin allerdings einzelne Licht-\nblicke des Genius, schöne Keime einer musicalischen Schöpfungs-\nkraft, welche, wenn sie durch eine milde Sonne gereift und vor\ndem erdrückenden Nebel der Polar-Rcgionen geschützt wird, der-\neinst herrliche Früchte erzeugen kann; aber er gewahrt auch mifc\nBesorgniss die Gefahr, dass das Schlingkraut den Aufschuss des\nedlen jungen Stammes hemmt und fesselt. Der Gomponist verkennt\nin diesem Musikstücke das Wesen des Concertes, der Violine und\nseines eigenen Spiels. Er führt sich und den Hörer in einen Wald\nvon Tönen; sie dringen allerdings beide glücklich hindurch, aber\nam jenseitigen Rande desselben angekommen, haben sie keine an-\ndere Empfindung, als das Gefühl der Befriedigung, die sämmtli-\nehen furchtbaren Hindernisse der wilden Natur und den höllischen\nSpuk eines bösen Widersachers noch dazu glücklich überwunden\nzu haben. Aber dieses Sicgcsgefühl beruht auf Täuschung; der Wi-\ndersacher hat dennoch seinen Zweck erreicht, er hat sie von der\nStelle abgedrängt, wo die Zauberblume der musiealisehen Poesie\nWächst mit den Blüthen der Melodie, die aus vollen, schön geform-\nten harmonischen Kelchen emporspriessen. Der Componist hat die\nBlume nicht gebrochen, und der Hörer lässt die Hand seines Füh-\nrers kalt los und blickt mit ungestillter Sehnsucht nach der Tiefe\ndes Waldes zurück. Nein, die Violine ist am wenigsten dazu ge-\nmacht, die Botin der Zukunfts-Musik zu sein; diese Königin mag\nnicht dienen, sie ist gewohnt, zu herrschen. Damit ist nicht gesagt,\ndass wir sie zum Paradepferde für die Virtuosen herabwürdigen\nwollen; im Gegentheil, auch wir adoptiren den sinfonistischen Con-\ncert-Stil, wie sich das von selbst versteht. Aber er muss eben con-\nccrtmassig bleiben, sonst gebiert er ein Unding, ein Zwitter-\ngeschöpf, das weder künstlerisch schön noch lebensfähig ist. Nach\nder neuesten Posaune über das karlsruher Musikfest, weiche der\n„Schwerbewaffnete\" zu Leipzig, im Verlage von Bruno Hinze, von\nvollen 128 Seiten abblast, „wird mit Joachim den Violin-\nConcerten ein ganz neues Feld und eine überraschend neue\nRichtung eröffnet\" (S. 31). Nun ja, von den Ausrufern jener Schule\nsind wir es gewohnt, dass bisher noch nichts da gewesen und Alles\nerst erfunden wird; so hat Wagner die Oper, Liszt die Direction,\nHoplit die Kritik erfunden, und weil sie nun Joachim gar gern zu\nden Ihrigen zählen möchten, so muss der durchweg anspruchslose,\naller Ostentation feindselige Künstler das Violin-Concert erfin-\nden! Ja, ja, die Freunde! die Freunde!\nAber Joachim ist so bescheiden, dass er im stillen Bewusst-\nsein seines Künstler-Adels nicht einmal das Gebet ausspricht: „Gott\nschütze mich vor meinen Freunden!\" sondern keine andere Ant-\nwort gibt, als dass er sich hinstellt und Beethoven reden lässt*\nSein Vortrag des Beethoven'sehen V i o 1 i n - G on c e r t e s ist"}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "207", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.7", "texte": "sein einziger, grosser, herrlicher Protest gegen die Aufdringlichkeit\nder Lobhudelei, und wer uns Beethoven so vollendet wiedergeben\nkann, wie es Joachim vermag und gestern wieder bewiesen hat,\nvon dem hegen wir die sicherste Hoffnung, dass er auch als Kom-\nponist den wahren Meister erkennen und mit einer von der\nSchule unabhängigen Selbstständigkeit zur Klarheit des Schönen in\nder Tonkunst durchdringen und den Genius nicht zu übermüthiger\nMisshandlung des künstlerischen Stoffes zwingen wird.\nDer zweite Theil des Concerls brachte uns zuerst eine neue\nComposition von F. lli 11 er, eine Ouvertüre zu Phädra. Nach\nunserer schon öfter ausgesprochenen Ansicht muss ein Musikstück,\nwenn es künstlerischen Werth hat, bei vollkommener Ausführung\nauch bei dem ersten, einmaligen Hören den musicalisch Gebildeten\nansprechen nnd erregen. Dies war in hohem Grade bei dieser\nOuvertüre der Fall. Wir begrüssen sie freudig als eines der besten\nInstrumental-Werke Hiller's. Die Einleitung im langsamen Zeit-\nmaasse führt uns in die geheimnissvolle Tiefe, wo die heimlich bil-\ndenden Gewalten des Menschenherzens im Stillen schaffen, und das\nAllegro bringt gleich von vorn herein mit seinem charakteristischen\nHaupt-Thema und dann mit der feurigen Durchführung des ganzen\nSatzes die Leidenschaft zu Tage, welche aus dem Herzen hervor-\nbricht und im Kampfe mit dem Leben zu Grunde geht. Es ist eine\nTragödie in Tönen, die Ueberschrift ist eine Wahrheit.\nEs folgten „Zwei Weihnachtslieder von Lconhart\nSchröter44, aus dem Jahre 1587, eine wahre Festgabe, wunder-\nlieblich empfunden in einer freudig frommen Künsllerseele, und\ngar herrlich, rein und einfach ausdrucksvoll von dem Chor wieder-\ngegeben. Sie erregten im ganzen Publicum eine der Composition\nganz und gar entsprechende innige Theilnahme.\nHiernachfolgte das herrliche Violin-Concert von Beet-\nhoven, von dem wir schon gesprochen, bei welchem Joachim's\nSpiel auf alle Herzen einen unwiderstehlichen Zauber übte, der\nüberall, wo es nur ein Abschnitt der Composition erlaubte, zu\nstürmischem Beifall zwang.\nEine treffliche Ausführung der Olympia-Ouverture von\nSpontini beschloss den Abend, welcher in den Annalen unserer\nConcerte eine hervorragende Stelle einnimmt.\n\nKölner Männergesang-Verein.\nUeber die Epoche machende Fahrt des kölner Männergesang-\nVereins nach London ist so eben eine Schrift erschienen, unter\ndem Titel:\nSängerfahrt des kölner Männergesang-Vereins\nnach London, von Ernst Weyden. Köln, 1854. Ver-\nlag von F. C. Eisen. 220 Seiten in 8.\nHerr Dr. Weyden hat die Fahrt mitgemacht und das Buch dem\nHerrn Hof-Buchhändler John Mitchell in London, dem ehren-\nwerthen Kunstfreunde und Unternehmer der Concerte des Vereins,\nals Zeichen der Dankbarkeit für die vortreffliche Aufnahme aller\nTheilnehmer gewidmet. Zugleich wird es diesen ein willkommenes\nGedächtniss-Bach für die Tage in London sein. Ueber den Inhalt\ndesselben spricht sich der Herr Verfasser selbst in dem Vorworle\nfolgender Maassen aus:\n„Die folgenden Blätter der Erinnerung an die Sängerfahrt des\nkölner Männergesang-Vereins nach London sind, was das Wesent-\nlichste ihres Inhalts angeht, unter dem lebendigen Eindrucke des\nAugenblickes als Berichte für das Feuilleton der Kölni-\nschen Zeitung entstanden und treten, wie sie geschrieben, ganz\nanspruchslos in die Welt, ihren Hauptzweck vollkommen erreichend,\nwenn sie die Erinnerungen der Theilnehmer an der so genussrei-\nehen Sängerfahrt wieder lebhaft auffrischen und den nahen und\nfernen Freunden des schönen, als einzig in seiner Art zu betrach-\ntenden Unternehmens ein in sich abgerundetes Bild desselben geben.\n„Um nun Jedem und besonders allen dem Vereine fern stehen-\nden Lesern diese Blätter, welche in ihrer ursprünglichen\nForm nicht ungünstig aufgenommen wurden, nach allen\nRichtungen möglichst anziehend und zugleich belehrend zu\nmachen, suchte der Verfasser denselben dadurch, dass er seine bei\nfrüheren Besuchen Englands gesammelten Erfahrungen und\nBeobachtungen theil weise einfliesseh liess, mehr Relief und jedem\nBesucher Londons zugleich praktische Andeutungen zu geben, wie\ner seinen Aufenthalt in der so äusserst merkwürdigen\nWeltstadt am zweckmässigsten benutzen kann.\" U. s, w.\nDie Leser der Kölnischen Zeitung wissen also, was sie in die-\nsem Buche zu finden haben, und nach den obigen anspruchslosen\nAeusserungen des Herrn Verfassers hiesse es „Eulen nach Athen\"\ntragen oder „Wasser in den Rhein giessen\", wenn wir den Inhalt\nund Zweck desselben noch näher beleuchten wollten.\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöln, 23. Dec. Gestern fand im Casinosaale eine Soiree\nzum Vortheil des Herrn Clef, früheren Regisseurs des hiesigen\nVaudcville-Theaters, Statt. Die Herren Joachim, Hill er und\nKoch, welche sich mit bereitwilliger Uneigcnnützigkeit zu dem\ngenannten Zwecke vereinigt hatten, Hessen uns nur Gutes und vor-\ntrefflich ausgeführt hören. Joachim spielte eine Romanze von\nsich, eine schöne Composition, und Variationen von Paganini,\njene mit seelenvollem Vortrage, diese mit einer wahrhaft staunens-\nwerthen Virtuosität. Ferner mit Hill er zusammen Sonate von\nJ. S. Bach (E-clur), drei Etüden von Hiller für Piano und Vio-\nline und Beethovens grosse Sonate in A. Die Ausführung der\nletzteren war von allem Trefflichen das Trefflichste Alles ein\nGuss, eine Leidenschaft, eine Seele, ein jubelnder Aufschwung.\nEs ist unmöglich, zu entscheiden, wem von beiden Künstlern die\nPalme gebühre; aber das dürfen wir nicht verschweigen, dass wir\nHill er lange nicht mit solcher Lieb' und Lust und Begeisterung\nund daraus erzeugter Vollendung des Vortrags haben spielen hören,\nals an diesem Abende, und namentlich diese Sonate. Wenn er\nauch weiter nichts wäre, als ein Klavierspieler, so nähme er da-\ndurch allein schon eine hohe Stelle ein. Aber freilich, um ein\nsolcher Clavierspieler zu sein, muss man eben noch etwas mehr\nsein, als das.\nKoch sang Lieder von F. Schubert, Nicolai und R.\nSchumann („Der Knabe mit dem Wunderhorn\") und Beetho-\nven's Adelaide, welche durch den bekannten meisterhaften Vortrag\ndes Sängers neben den glänzenden Leistungen der beiden grossen\nKünstler, was keine leichte Sache war, als ebenbürtig bestehen\nkonnten.\nIn dem vierten Hefte der deutschen Vierteljahrsschrift stehen\n„Briefe an einen Staatsmann über unsere musicalische Erziehung\",\nvon W. 11. Riehl, welche viel Gutes enthalten. Mit Recht dringt\ner auf ein gründlicheres Studium der Geschichte der Musik. Was\nwir früher in unseren Artikeln über Richard Wagner's Tannhäuser\nöfter angeführt haben, dass namentlich die Behandlung des Recita-\ntivs bei Wagner ein Rückschritt zu den Zeiten der Lully'schen\nund Rameau'schen Oper sei, das erläutert Riehl ausführlicher in folgen-\nder Stelle: „Lully ist, wie die Philologen sagen, kein „„Schul-Autor\" \".\nFormel kann man bei ihm sehr wenig mehr lernen, man müsste\ndenn allenfalls durch seine leichtsinnige Harmonisirung sich veran-\nschaulichen, wie man nicht harmonisiren soll. Dagegen kann man\nGluck's historische Bedeutung nicht würdigen, wenn man keine\nLully'sche Partitur studirt hat. Lully ist der Richard Wagner des\nachtzehnten Jahrhunderts. Seine Alceste ist, wie er selber sie nennt,\neine Tragedic misc en musique, keine Oper. Sie gliedert sich nicht\nnach Arien, Duetten, Ensembles u. s. w., sondern nach fortlaufen-\nden Scenen. Dis Ganze ist ein stetes obligates Recitativ, von ein-"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "208", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18531224-01.1.8", "texte": "zelnen melodiösen Stellen, Chören, Märschen u. dgl. unterbrochen.\nIch sage dies alles von Lully; man könnte auch meinen, ich sage\nes von Wagner; es gilt iür Beide. An, vielen Stellen ist Lully\nüberraschend grossartig und wahr im dramatischen Ausdruck, ganz\nwie Wagner; dann fällt er aber auch wieder in eine ungeheure\nMonotonie des endlos recitirenden Dialogs zurück, ganz w ie Wagner.\nDie Chöre sind einfach, aber sie tragen ein Gepräge der Feierlich-\nkeit und Würde, welches, selbst in Einzelzügen der Harmonie,\nmitunter an die hohen kirchlichen Chorgesänge der Italiäncr des\nsechszehnten Jahrhunderts erinnert. Dasselbe nicht kleine Lob kann\nman auch einzelnen Chören im Tannhäuser nicht versagen. Lully\nopfert die musicalische Architektur dem dramatischen Ausdruck, er\nbringt Ansätze zu Melodieen, aber er führt sie nicht aus. So ergibt\nsich dann doch zuletzt ein zerstücktes, unruhiges musicalisches\nGanzes, welches einen verwirrenden und langweilenden Eindruck\nhätte machen müssen, wenn nicht der Prunk einer stets wechseln-\nden, reichen scenischen Ausstattung, für welchen wenigstens in der\nAlceste (und im Tannhäuser) buchstäblich Himmel und Hölle in\nBewegung gesetzt werden, der Phantasie des Hörers bedeutend zu\nHülfe gekommen wäre. Gerade jene Formlosigkeit der Lully'schen\nOper aber war es, die Gluck vernichtet hat, während er das Stie-\nben nach Wahrheit des dramatischen Ausdrucks aufnahm und wei-\nterbildete. Gluck steht in der Formirung seiner Tonsätze den guten\nitaliänischen Opern-Componisten aus der ersten Hälfte des acht-\nzehnten Jahrhunderts weit vnäher, als Lully. Würden sich unsere\nMusiker nur halb so viel den historischen Studien widmen, wie\nden technischen, so würden sie einsehen, dass es doch nicht wohl\nein so grosser Fortschritt sein kann, wenn man im neunzehnten\nJahrhundert von der inzwischen so reich weitergebildeten Weise\nGluck's zurückspringt auf eine der Weise Lully s entsprechende\nNeugestaltung der Oper. Man kann auch aus lauter Fortschritts-\nBegeisterung ein Reactionär w erden.\" Späterhin fügt Riehl noch über\nWagner hinzu! „Das ernste Streben dieses londichters nach Rein-\nheit der Üeclamation, Wahrheit und Kraft des dramatischen Aus-\ndrucks, der Versuch, die grossartigen Bilder unserer nationalen\nHeldensagen in kühnen musicalischen Umrissen zu zeichnen, gelra-\ngen von einem würdigen und dichterisch reichen Texte, das frei-\nwillige Verzichten auf alle Arien-Schnörkel und \\ irfLUOsen-Slück-\nchen der Sänger (womit freilieh das Virtuosen-Stück einer mög-\nlichst blendenden Orehestrirung und der Aufputz der trockenen\nMelodie durch ein Uebermaass gesuchter Modulationen noch in\nWiderspruch steht) — das alles sind Thatsachen, die auf den Um-\nschwung unserer Musik zu einer tieferen, ernsteren, dem ernsteren\nGeiste der Zeit entsprechenden Richtung hinüberweisen.\"\nDeutsche Tonhalle. Die auf das dritte Preis-Ausschreibcn\ndes Vereins (vom Juni d. J ) eingekommenen, im vorigen Monat\nangezeigten zehn iolin-Trio s haben den erwählten Preisrichtern,\nden Herren Gcneral-Musik-Direcloren F. Lachner und Dr. L. Spohr,\nauch Herrn Hof-Capellmeister Jos. Strauss zur Beurtheilung \\ 01 ge-\nlegen, und es haben dieselben einstimmig den Preis zuerkannt dem\nWerke des Herrn K a sp. Jakob B i s c h o f f in F rankfurt a. M., w ei-\nch es den Spruch führt; „Der Menschheit Würde ist in eure\nHand gegeben u. s. w\" . ' . . .\nBesonders und einstimmig wurde, belobt das Werk von Herrn\nAug. Maier, Musik-Dircctor in Ansbach, und ausser diesem haben\nBelobung erhalten die Werke der Herren Musik-Directoren K. He-\nring in Berlin und A. Leder in Marienwerder.\nWegen Rückverlangens der Bewerbungen machen wir auf die\n(14 c.) aufmerksam und erinnern zugleich, dass\nder Verein jüngst einen Preis ausgesetzt für einen Quintett-Satz\nmit Einleitung für Flöte, Oboe, Clarinette, Horn und I1 agott.\nMannheim, Christmonat 1853. Der \\ orstand."}]}