{"numero_id": "bm-bmtnabi-1854-01-07-01", "volume": "bmtnabi_1854-01-07_01", "ocr_sha256": "a90a2944b4555a358db0890e779eb41f0c9511138a75bc1bba94d485457d7864", "source_tei": "", "source_mets": "https://github.com/pulibrary/BlueMountain/blob/main/metadata/periodicals/bmtnabi/issues/1854/01/07_01/bmtnabi_1854-01-07_01.mets.xml", "url_numero": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01", "articles": [{"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-07-01-c001", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-07_01#c001", "volume": "bmtnabi_1854-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "1", "page_fin": "3", "image_debut": 1, "image_fin": 3, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.2.1", "titre_corps": "Nichts Neues.", "titre_sommaire": "Nichts Neues.", "signature_source": "L. Bischoff", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.1", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3776, "texte": "Nichts Neues.\n\n„Wie! zum neuen Jahre nichts Neues? Kein neues\nProgramm, kein neues Licht, keine neue Welt ? und das\nin einer musicalischen Zeitschrift, während wir in allen mög-\nlichen Blättern lesen, dass die Tonkunst nicht etwa nur\nsich verjünge, sondern überhaupt erst entstehe und durch\nund durch neu sei, weil endlich so weit gekommen, dass\nsie einen Inhalt habe? Fürchten Sie nicht den Fluch Sa-\nrastro's:\nWen solche Lehren nicht erfreu'n,\nVerdienet nicht ein Mensch zu sein\nd. h. ein Schriftsteller, der seine Federkiele aus den Flü-\ngeln der Zeit rupft, ein Kritiker, der sich selbst vergöttert,\nein Componist, der nach einem System tondichtet ? Wollen\nSie gegen den Strom schwimmen? wollen Sie die Unruhe an\nder Uhr des Geistes fest stellen, welcher stets verneint, um\nneu zu sein ? mit menschlichem Arm in die Speichen des\nRades der Propaganda fallen, dessen bewegendes Princip\neine göttliche Selbstgenügsamkeit ist? Und wenn es auch\nan der steilen Höhe der gesunden Natur ein Hinderniss\nfindet oder wie eine von den Schienen gesprungene Loco-\nmotive sich in den Sand wühlt: sehen Sie nicht, wie dann\nMercurius, der Gott des ehrlichen Erwerbs, und ilercules,\nder Gott der Fuhrleute, ihm beispringen und ihre gute\nFreundin, Frau Fama, zu Hülfe rufen, damit sie noch ärger\nkrähe als Frau Venus im Hörselberg, und der Welt weis\nmache, das Rad laufe unaufhaltsam weiter? Was wollen\nSie dagegen machen? Haben Sie RatTs Briefe an seine Re-\nO D\ncensenten, haben Sie Hoplit's „ „Karlsruher Musikfest\"\"\nnicht gelesen ? Bekehren Sie Sich! Kommen Sie zu uns,\nzu den Umwälzern, zu den Erfindern; sehen Sie endlich\nein, dass man sich weit besser stellt, wenn man unter die\nMarktrufer geht und den Götzendienst mit Cymbeln und\nPosaunen feiert, als wenn man daheim hockt und vor dem\newigen Genius seine Hausandacht hält! Wollen Sie den\nalten abgestandenen musicalischen Plunder Ihren Lesern\nnoch immer als Prachtgewand vorhalten? Wie lange kann\nes dauern, wenn unsere Wort- und Ton-Helden so fort-\nfahren, bis wir auch von dem Einen, der uns allerdings\nahnte, mit Schiller's Philipp 11. sprechen:\nBeethoven?\nWas will der hier? Die neunte Sinfonie\nIst längst verwirkt. Ich werf ihn zu den Todten.\n® x\nEs ist freilich wahr, er ist uns „„ein Ausgangspunkt\"\"\ngewesen, man kann seinen Geist etwa wie den Dampf des\nkochenden Wassers ansehen, der einst den Deckel vom\nTheekessel empor schleuderte und dadurch eine neue welt-\nbewegende Kraft ins Leben rief. Aber hat er je eine Idee\nvon dem „„nervös verfeinerten Anschliessen der\nForm an den Inhalt gehabt, welches zu fein pointirt\nI\nist, um sogleich allenthalben klar zu erschei-\nnen\" \"?*) Oder hat er „ „die Zartheit der poetischen Auf-\nfassung\"\" gekannt, die unserem Protoplasten der Gesammt-\nkunst „ „die reichsten und dankbarsten Materialien zur\nton liehen Symbol isirung gibt\"\"?**) Hat er sich je\nzu der kühnen Anschauung emporgeschwungen, dass „ „ die\nHarmonie nichts weiter ist, als der tonische Raum, in\nwelchem sich die Stimmen, einander co- oder\nsubordinirt, nach gewissen gemeinschaftlichen\nAbschlüssen hinbe w e g e n\"\" ? ***) Hat er je an eine\n„„künstlerische Nachahmung des Nationalen\"\" gedacht,\nan eine „ „Assimilirung des pathetischen Aus-\ndrucks dem nachgebildeten nationalen, welche\nein Absehen von jeder harmonischen oder imita-\ntiv contrapunktischen Behandlung verlangt\" \"?****)\nHat er endlich je das Publicum so weit gebracht, dass\n„„ganz fr em d e Menschen auf den Corridors ihren\nbegeisterten Gefühlen Luft machten und ihren Enthusias-\nmus jedem entgegen riefen, der ihnen Rede stehen\nwollte\" «?*****) Und gesetzt, es hätte ihnen Niemand Rede\nstehen wollen, waren sie desshalb weniger begeistert? Ha-\n\n*) Hoplit a. oben a. 0. S. 41.\n**) Dito S. 71.\n***) Joach. Haff.\n****) Joach. Raff.\n***'*) Hoplit a. a. 0. S. 73."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.2", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5014, "texte": "hen sie etwa desshalb in den Wind gesprochen? Das wer-\nden Sie nicht behaupten wollen; denn wir haben das alles\ndrucken lassen. Und was können Sie gegen unsere Lehre\nvom Wahren vorbringen? Muss ich Sic, den Kenner der\nGriechen und Römer, noch an die Weinbeeren des grossen\nMalers erinnern, nach denen die Spatzen flogen, um daran\nzu picken? Vergleichen Sie damit den eben geschilderten\nEnthusiasmus „„ganz iremder Menschen\"\", beweist das\nnicht . . .\nDass jene Liebhaber eben Spatzen waren? Allerdings.\nDamit unterbrach ich endlich den feurigen Redner, den die\nblosse Ueberschrift „Nichts Neues\" so in Harnisch ge-\nbracht hatte, und dankte Gott, dass er mir darauf verblüfft\nden Rücken drehte und mir Zeit gönnte, mich an die Le-\nser der Niederrheinischen Musik-Zeitung zu wenden.\nEs ist so. Der Verein von tüchtigen Männern, die sich\nmit mir verbunden haben, um diese Zeitschrift zu einem\nOrgane der Verbreitung echten Kunstsinnes zu machen, um\ndem wahrhaft künstlerischen Streben der Zeitgenossen An-\nerkennung zu verschaffen, dagegen die Mittelmässigkeit zu\nkennzeichnen, und vor Allem die Anmaassung zu bekäm-\npfen, welche der Kunst das Ungeheuerliche aufdrängen will\nwir alle können und wollen kein neues Programm\nfür dieselbe aufstellen. Wir können und wollen nur an\ndem alten Bekenntnisse festhalten, dass wir nun und nim-\nmermehr das Neue mit dem Schönen gleichstellen werden,\naber überall, wo das Neue Schönes bringt, es mit Freuden\naufnehmen. Den Canon aber für das Schöne lassen wir\nuns nicht durch kunstphilosophische Systemmacherei auf-\ndrängen; wir entwickeln ihn, wie jede wahre Kunst-Theorie\nes thut, aus den Kunstwerken selbst, und dabei leiten uns\ndie Werke der unsterblichen Meister, also allerdings das\nvon der neuesten Schule verfehmte Monumentale, nicht\naber abstracte Theorieen und Grübeleien, welche, in gänz-\nlicher Verkennung des Wesens der Kunst und des künst-\nlerischen Bildungstriebes, für die Aufgabe der Kunst eine\nabsolute Lösung suchen, welche doch nur bei der\nWissenschaft möglich ist.\nJene Schule spricht viel von den neuen Eroberungen\nauf dem Gebiete der lonkunst. Aber die Kunst kann keine\nEroberungen machen durch Worte: ihre Waffen und\nHeere sind Werke. Am wenigsten wird die Musik, deren\nReich nicht von der Welt des Verstandes ist, durch Philo-\nsopheme und Abstractionen gefördert werden, zumal wenn\nIhr sie nicht rein von fremdartigen Einllüssen, nicht als\nselbstständige Kunst festhaltet; denn von je her ist, wie\nGöthe sehr richtig sagt, eines der vorzüglichsten Kennzei-\nchen des Verfalles der KuftsWlie Vermisch uns der\nverschiedenen Arten derselben.gewesen, und dies\ngilt nicht nur für die Instrumental-, sondern auch für die\nVocal-Musik, wenn, wie in neuerer Zeit geschehen, das\neigentümliche Wesen der Dichtkunst und der Tonkunst,\ndas auf der nie zu vertilgenden Verschiedenheit ihres Stof-\nfes, des Wortes und des Tones, beruht, ganz und gar\nverkannt wird.\nEine beliebte Behauptung ist auch die, dass die Ton-\nkunst in unserer Zeit einen grossen Fortschritt gemacht,\nweil die Instrumental-Musik erst jetzt einen Inhalt\nbekommen habe. Einen Inhalt ei, was Sie sagen! Wir\nsind bisher so glücklich gewesen, in dem, was Havdn, Mo-\nzart, Cherubini, Beethoven, Spohr, Weber u. s. w. gemacht\nhaben, bereits einen Inhalt, und zwar einen sehr schönen,\ngefunden zu haben; allein wir sind wahrscheinlich Kinder\noder ungebildete Naturmenschen, für welche die musicali-\nsche Symbolik ein Buch mit sieben Siegeln ist; jedenfalls\nhaben wir nicht die geringsten Ansprüche auf den Ehren-\ntitel : denkende Künstler. Ein denkender Künstler! Glauben\nSie etwa, verehrte Leser, dass man heut zu Tage darunter\neinen Componisten verstehe, der Musik denkt, der,\nwenn ihm die melodischen Thema's aus der Seele gequol-\nlen, über die Mittel nachdenkt, welche ihm seine Kunst\nund sein Wissen in derselben an die Hand geben,\njene musicalischen Gedanken durch ganze Sätze hin-\ndurch, durch alle Stimmen hindurch folgerichtig zu ent-\nwickeln und zu schöner Form zu gestalten und abzurun-\nden? der den Verstand nur gebraucht, um den Rossen der\nPhantasie die Zügel zu halten, um durch die Begeisterung\nnicht trunken zu werden, um neben das Genie die Beson-\nnenheit zu stellen, welche die Ideen des Genie's zu wirk-\nlich künstlerischen Gebilden, zu wahren Kunstwerken in\nvollendeter Form, ohne die kein solches denkbar ist, aus-\nzuarbeiten und sie in diesen zur sinnlichen Erscheinung\nzu bringen strebt?\nIrrthum, dicker Irrthum! Ein denkender Tonkünstler\nist derjenige, welcher sich zu bestimmten Stunden des Ta-\nges, die er dem Studium der Philosophie abdingt, hinsetzt\nund den Vorsatz fasst, zu componiren. Hierauf sucht\ner etwa eine Melodie, ein Thema ? Ei bewahre! dann\nwürde er ja, wenn diese phantastischen Geschöpfe, welche\nihren eigenen Kopf haben, ihm auch nicht von selbst zu-\nlliegen, doch wenigstens in der Sphäre der Musik bleiben.\nAlso was sucht er? Einen Gegenstand. Und dieser Ge-\ngenstand muss ausserhalb der Musik liegen, er muss\nein Aeusseres sein, damit er dieser ein Inneres ver-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.3", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 3415, "texte": "leihe, auf dass diese vage, ziellose Kunst endlich einen In-\nhalt bekomme, den sie noch nie gehabt. Hat der denkende\nKünstler nun diesen Gegenstand gefunden, etwa den Ein-\nsturz der Mauern von Jericho, oder eine Wüste, oder einen\nrömischen Carncval, oder einen Romeo oder Columbus,\noder einen heiligen Gral, oder eine Alpen-Wirthschaft am\nGiessbach, oder was sonst, so denkt er weiter darüber\nnach, wie er ihn tonisch symbolisire oder symbolisch betone.\nLeitender Grundsatz dabei ist nicht die Kunst der Harmo-\nnie, der contrapunktischen Stimmführung, der thematischen\nArbeit nach Art der bewährten Meister, sondern das Neue,\ndas Unerhörte. Melodie ist zu subjectiv, wird also verworfen;\nstatt ihrer treten kleine, fingerlange Motivlein auf, die hier\nund da wie Irrlichter in einer wahren Höllenangst zwischen\nden unaufhörlich auf einander prallenden Nonen- und Ln-\ndecimen-Accorden aufflackern, und die ganze Arbeit wird\nnur dann das echte Gepräge der modernen Tonkunst tra-\ngen, wenn sie, unbekümmert um die Gränzlinien des Schö-\nnen, ja, diese „ auf Kosten des Wohlklangs mitunter über-\nschreitend\", dem Zuhörer das Götter-Schauspiel darbietet,\nwie „der Genius mit den beengenden Fesseln ringt, welche\ndas Endliche der Erscheinung dem Unendlichen im Künst-\nler anlegt\" *) ecce par dignum\nfortuna compositus! fSeneca Philosophus\n2 .J Kann dann auch eine solche Composition „eine ab-\nsolute Reinheit und Sicherheit des Vortrags bei der Wie-\ndergabe nicht erzielt sehen\"**), was thut's? „Dadurch ge-\nschieht es, dass sie zu einer weit geistvolleren als\nklangvollen wird und desto mehr Ueberraschendes und\nFrappirendes bietet\"***).\n0 Ihr Ueberversländigen und unverständlich Trans-\nscendentalen! Wollt Ihr wissen, was der wahre Inhalt\nder Musik ist? Die Melodie ist es, der musicalische\nGedanke ist es, nichts Anderes auf der WTelt. Je mehr sie\nauf das innere Gefühl, auf das geistige Pathos wirkt, desto\nmehr ist sie das eigentliche Leben der Tonkunst; je rei-\nner und vollständiger sie einen in sich begränzten Inhalt\nunseres Gefühlslebens, eine Empfindung unseres Inneren\nausdrückt, je weniger sie vom Aeusseren bunte Flitter\nborgt, um damit ihre ärmliche Blosse an Wahrheit und\nTiefe zu verhängen, desto gelungener, desto kunstwürdiger\nist sie. Je mehr Ihr die Melodie unter der Masse des Ma-\nteriellen erdrückt, desto mehr wird die Musik Fratze; je\nmehr Ihr an den Verstand Forderungen stellt, um Eure\nIntentionen aufzuspüren, desto weiter entfernt Ihr Euch\nvon der Kunst; statt der geistigen Schwingen, die der Ge-\nnius regt, zimmert Ihr Euch Flug-Maschinen, und je mehr\nes Euch durch rasselndes Arbeiten mit Händen und Füssen\nund gedungene Tagelöhner an den Flaschenzügen von\naussen gelingt, Euch einen Augenblick zu erheben, desto\neher werdet Ihr den Schwerpunkt Eurer eigenen Kraft\nverlieren, desto unsanfter werdet Ihr niederplumpen und\nbegraben und vergessen unter den Trümmern Eures Appa-\nrates liegen bleiben.\nDu aber, o Muse der Tonkunst, verschleiere Dich nicht\nfür Deine wahren Jünger in Schmerz und Verdruss über\ndie, so Dich verkennen und Deine königliche Stirn in den\nStaub ziehen! Verachte ihre Deuteleien und Alfanzereien,\nund nimm von allen, die Dir treu bleiben, auch in diesem\nneuen Jahre und allen folgenden die Huldigung auf, wel-\nche aus der freudigen Ehrfurcht vor dem Unaussprech-\nliehen Deines Wesens entspringt!\n\n*) Iloplit a. a. 0. S. 4L\n**) Dito S. 40.\n***) Dito S. 40.\n\nL. Bischoff."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-07-01-c002", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-07_01#c002", "volume": "bmtnabi_1854-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "3", "page_fin": "5", "image_debut": 3, "image_fin": 5, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.2.2", "titre_corps": "Aus Holland.", "titre_sommaire": "Aus Holland.", "signature_source": "Philomusos", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.3", "debut_caractere": 3417, "fin_caractere_exclue": 4723, "texte": "Aus Holland.\n\n(Robert und Clara Schumann Concerte\nVirtuose n.\nSie wissen aus eigener Anschauung, dass in unserem\nHolland ein reiches Musikleben blüht, welches besonders\ndurch die weitverzweigte Gesellschaft zur Beförderung der\nTonkunst und durch den Associations-Geist, das Erbtheil\nder altrepubücanischen Niederlande, genährt wird, da sich\nder letztere auch auf die Musik erstreckt und in fast jedem\neiniger Maassen namhaften Orte musicalische Vereine ins\nLeben gerufen hat, die nach und nach immer mehr erstar-\nken und den Sinn für die Kunst wach halten und kräftigen,\nwenn freilich auch hier, doch lange nicht in so tadelnswer-\nthem Maasse als in Belgien, dem Geschmack der grossen\nMenge hier und da Concessionen gemacht werden müssen.\nImmer jedoch bleiben die vier grösseren Städte, II\nAmsterdam, Rotterdam und Utrecht, der Haupt-\nsitz der niederländischen Tonkunst.\nIm Haag, wo der Kapellmeister 11. Lübeck be-\nkanntlich an der Spitze des Orchesters steht, wurden die\nWinter-Concerte mit einer Aufführung des Elias von\nMendelssohn eröffnet. Zu gleicher Zeit war diese Auf-\nführung eine Feier der Einweihung des neu erbauten Con-\ncertsaales. Leider müssen wir sagen, dass eine Trauer-Mu-\nsik für diese Einweihung den Verhältnissen entsprechender\ngewesen wäre; denn der Saal könnte sich begraben lassen,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.4", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 4941, "texte": "wenn er nicht selbst schon das Grab aller Akustik wäre! Die\nWirkung des Werkes entsprach desshalb den Erwartungen\nnicht. Wiewohl die Chor- und Solostimmen und das Or-\nchester vollkommen gut besetzt waren und die ganze Aus-\nführung eine fast makellose, so war doch Alles matt, trübe,\nohne Klang. Und was ist Musik ohne Klang?!\nDie Diligentia-Concerte wurden mit R. Schumann's\nzweiter Sinfonie eröffnet. Sie wurde von Schumann selbst\ndirigirt, war jedoch vorher vom Orchester schon gehörig\neingeübt, ging sehr brav und gefiel dem Publicum, beson-\nders dem musicalischen, ungemein. Der Componist wurde\nvom Orchester mit einer Fanfare empfangen, worein das\nPublicum mit rauschendem Beilall einstimmte und ihn am\nEnde der Sinfonie nochmals hervor rief. Frau Schumann\nspielte ein Concertstück (Manuscript) von ihres Gatten\nComposition, welches er ebenfalls selbst dirigirte; ferner die\nl ariations serieusesund einige Lieder ohne Worte von\nMendelssohn und eine Polonaise von Chopin Al-\nles, wie sich nicht anders erwarten liess, vortrefflich. Auch\nihr wurde die Auszeichnung des Hervorrufs am Schlüsse\ndes Concertes zu Theil.\nDie Maatschappy tot Bevordering der Toonkunst veran-\nstaltete dem hohen Künstlerpaare zu Ehren noch eine\nSoiree. Clara Schumann trug darin vor das Quintett\nin Es-dur von R. Schumann, Sonate in C-dur von\nBeethoven, Polonaise von Chopin und Lieder ohne\nW orte von Mendelssohn. Diese Stücke waren durch-\nwebt mit Liedern von Nicolai, Verhülst und Schu-\nmann, welche von den Sängerinnen Mad. Offermans, van\nIlove und Dellemy-Henke gesungen wurden. Zum Schlüsse\nwurde »Der Rose Pilgerfahrt\" mitClavier-Begleitung\nvom haager Gesang-Verein gegeben. Frau Schumann hatte\nbereitwillig die Begleitung übernommen, und da die Aus-\niührung gut war, so hatte sich der Gesang-Verein des Bei-\nfalls und der Zufriedenheit des Componisten zu erfreuen,\nwelcher am Schlüsse gerufen und von den Solosängerinnen\nmit Blumen bekränzt und bestreut wurde. So war denn\ndas Publicum und das geniale Künstlerpaar zufrieden.\nUeberhaupt war die Erscheinung desselben in unserem\nLande eine sehr gefeierte und gewiss für dasselbe erfreu-\nliche und erinnerungsreiche. Ueberall, wo Frau Schumann\nauftrat, erregte sie Enthusiasmus und erhielt stürmischen\nBeifall. Sie spielte in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes\nvom 25. November bis 20. December in Amster-\ndam viermal, in Rotterdam dreimal, in Utrecht drei-\nmal, im Haag zweimal öffentlich und einmal bei der Prin-\nzessin Friedrich. Auf ihrer Rückreise auch noch in Arn-\nh e i m.\nDie ganze Kunstreise des berühmten Paares war also\neine sehr glückliche. Sollten jedoch fremde Künstler sich\ndurch den Erfolg der Concerte der Frau Schumann zu\neinem Besuche in Holland und der Erwartung ähnlichen\nErfolgs verleiten lassen, so dürften sie bald enttäuscht wer-\nden, selbst wenn ihr Talent auf gleicher Höhe stände. Denn\nmit Schumann's war es eine ganz andere Sache; für sie\ninteressirte sich die ganze Kunstwelt, die Künstler und die\nDilettanten von A bis Z, d. h. alles, was nur auf die ent-\nfernteste Weise mit der Maatschappy tot Bevordering der\nToonkunst zusammenhängt. Diese setzte, und mit Recht,\nihren Stolz darein, ihr Verdienst-Mitglied Rob. Schumann\ndurch die Beförderung der Concerte seiner Gattin zu ehren,\nund bei der bis in alle Stände dringenden Verzweigung\ndieser Gesellschaft im ganzen Lande ist sie eine wahre\nMacht, deren Wunsch:\nAuf tausendfach verschlungnen Wegen\nKommt euch umarmend uns entgegen!\nnicht vergebens ausgesprochen wird. Dass für die Künstler\nvon Fach die Miterscheinung des Mannes, des Componisten,\neine grosse Anziehungskraft bewährte, ist natürlich. Wir\nsagen dies wahrlich nicht, um die Bedeutung der Frau\nSchumann als Künstlerin irgendwie zu verkleinern; wir\nwollen keineswegs läugnen, dass sie eine sehr hervorragende\nKunsterscheinung ist; allein das dürfen wir nicht verschwei-\ngen, dass Holland manche nicht weniger bedeutende Er-\nscheinungen gesehen hat, welche trotzdem lange nicht den-\nselben Erfolg hatten. Dass unsere Presse Frau Schumann\nüber alles erhebt, was jemals da gewesen und je kommen\nwird, kann uns nicht irre machen. An dergleichen Ueber-\ntreibungen sind wir gewohnt, und im Grunde ist dabei die\nPresse wirklich das treue Echo der augenblicklichen Stim-\nmung des Publicums. Das liegt in unserer Weise, die\nKunst-Erscheinungen zu beurtheilen; die letzte derselben\nist immer die höchste, ausser ihr gibt es nichts mehr, bis\ndie allerletzte kommt.\nDass es auch an äusseren Zeichen der Verehrung nicht\nfehlte, versteht sich von selbst. lii Rotterdam brachte man\nden Gefeierten eine Abendmusik; auch im Haag würde das\nder Fall gewesen sein, wenn überhaupt in dieser Residenz\nöffentliche Demonstrationen im Geiste der Bevölkerung\nwären. So scheiden wir denn von diesem würdigen, echten\nKünstlerpaare, welches sich nicht nur unsere höchste Ach-\ntung gewonnen hat, sondern uns auch lieb geworden ist, und\nfügen nur noch hinzu, dass auch die persönliche Erschei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.5", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 1925, "texte": "nung Schumann's einen viel günstigeren Eindruck gemacht\nhat, als Viele von uns nach früheren Berichten erwartet\nhatten. Dass seine Compositionen hier viel Eingang finden,\nhabe ich Ihnen schon früher geschrieben, besonders seine\nLieder. Seine Reise kann nur dazu beitragen, sie noch mehr\nbei den hiesigen Kunstfreunden zu verbreiten.\nVon Virtuosen sind aufgetreten der Clarinettist Ca-\nvallini und der Contrabassist Gardouin aus Paris, die\nbelgischen Violinisten Leendert und Voue, der deutsche\nVioloncellist Hildebrand Romberg, die Sängerinnen\nHartmann aus Düsseldorf und Sedlasek aus Wien.\nVon allen diesen ist die Sedlasek die Gefeiertste;\nsie hat reine Intonation, gute Schule und viel Wärme des\nVortrags. Die Hartmann hat im Haag nicht sehr ge-\nfallen, mehr dagegen in Utrecht, wo sie schon zum drit-\nten Male singt. Der Violoncellist Romberg hat ausser\nseinem berühmten Namen (doch sind in der Kunst derglei-\nchen Namen eher gefährlich als förderlich!) auch alles, was\nman nur verlangen kann: einen schönen Ton, Reinheit,\nFertigkeit, Stil nur Eins fehlt ihm, Feuer und Wärme\ndes Ausdrucks. Die anderen Genannten waren gut, sind\naber bereits wieder vergessen.\nJetzt sind an der Reihe der berühmte Violinist Baz-\nzini und der Pianist Boulanger aus Paris, ein Schüler\nChopin's; erwartet werden Seligman aus Paris, Pixis\naus Köln, die Geschwister Ferni aus Brüssel. Sie se-\nhen, dass es uns nicht an Virtuosen fehlt, und wissen, dass\nes uns nie daran gefehlt hat. Ob wir aber unseren alten\nRuf behalten werden, dass Holland noch das einzige Land\nauf dem Continente sei, wo der reisende Künstler an das\nWort:\nMusik mit deinem Silberklang,\nglauben lerne, das müssen wir sehr bezweifeln.\nAm 4. Januar werden in Amsterdam die Jahres-\nzeiten und am 6. in Rott er da m der Elias aufge-\nführt werden, Beides von der Maatschappy, der Elias zum\nBesten der Armen. Ich berichte Ihnen später darüber.\nDen 30. December 1853.\n\nPhilomusos."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-07-01-c003", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-07_01#c003", "volume": "bmtnabi_1854-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "5", "page_fin": "7", "image_debut": 5, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.2.3", "titre_corps": "Wiener Briefe.", "titre_sommaire": "Wiener Briefe.", "signature_source": "B", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.5", "debut_caractere": 1927, "fin_caractere_exclue": 4830, "texte": "Wiener Briefe.\n\n(Vereins-Concert Hellmesberger'sche Quartett-\nSoireen Männergesang-Verein Vieuxtemps\nAssmaie r's Oratorium Fr. Marlow.)\nDen 26. December 1853.\nEin ziemlich reicher Stoff hat sich wieder gesammelt,\nseit ich Ihnen zuletzt schrieb. In erster Reihe ist wohl das\nzweite grosse Vereins-Concert zu ner.nen, welches Beet-\nhoven's zweite Sinfonie in D, seine Ouvertüre in C, Op.\n115 (im ''/g-Tacte) und das Fragment des Mendelssohn'-\nschen Christus brachte. Von allen Sinfonieen Beethoven's\nliebe ich (das zaubervolle Larghetto ausgenommen) eben\njene am wenigsten, wie mich überhaupt Beethoven in allen\njenen Werken, die noch so ganz ein Nachklang der Mo-\nzart'schen sind, nicht so rein und innig zu befriedigen ver-\nmag, und ich z. B. die Sinfonieen in C-dur und G-moll von\nMozart den ersten beiden Beethoven's entschieden vorziehe.\nNon omnia possumus omnes!Auch die obige Ouvertüre\nkann sich kaum mit den übrigen grossen Schöpfungen\nBeethoven's in diesem Gebiete messen und wird jedenfalls\ngrosse Wirkung nur in der vollendetsten, energischsten\nAusführung hervorbringen. Eine solche wurde aber dies-\nmal leider weder der Ouvertüre noch der Sinfonie zu Theil.\nEs wäre schlimm, wenn wir die grössere Anzahl von Or-\nchester-Concerten, welche uns für diesen Winter verspro-\nchen sind, mit mangelhaften und oberflächlichen Auflührun-\ngen erkaufen sollten. Und doch ist dieses fast zu besorgen,\nindem der jugendliche Director J. Hellmesberger, von\nkünstlerischem Ehrgeize getrieben, das Maass seiner, ich\nwill nicht sagen: geistigen, wohl aber physischen Kräfte of-\nfenbar überschätzt. In einem Cyklus von zehn grossen\nOrchester-Concerten und von sechsunddreissig Quartetten,\nTrio's u. s. w. in Einem Winter theils die oberste Leitung\nzu führen, theils selbst die erste Stimme zu spielen, ist je-\ndenfalls zu viel für die Kräfte eines jungen Mannes, wel-\ncher vor kaum einem Jahre auf schwerem Krankenlager\ndarniederlag, und dem es dringend nöthig und wahrlich\nauch im Interesse der Kunst zu wünschen ist, dass er mit\nseinen geistigen und physischen Kräften nicht allzu ver-\nschwenderisch umgehe. Aber diese Abschweifung hat\nmich ganz von meinem ursprünglichen Thema abgelenkt.\nDas Fragment des Mendelssohn'schen Christus, aus Chören,\neinem Terzett und mehreren Recitativen bestehend, war\ndaher jedenfalls schon um seiner Neuheit willen die interes-\nsanteste Nummer des letzten Vereins-Concertes. Ueber\nFragmente ist zwar schwer zu urtheilen, weil in einem\nwahren Ganzen sich die Theile gegenseitig bedingen und\ndaher diese für sich nur relativen Werth haben; aber den-\nnoch lässt sich nicht verkennen, dass der Mendelssohn'sche\nChristus ein Werk von hoher Bedeutung geworden wäre,\nindem dieses grosse Passions-Drama der Menschheit Seiten\nbietet, welchen den höchsten musicalischen Ausdruck zu\nverleihen, eben dem Genius Mendelssohn's vor Vielen ge-\nlungen wäre, wie namentlich der wunderschöne Chor:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.6", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 5306, "texte": "„Klagt, ihr Töchter Zions!\" beweis't. Die Aufführung die-\nses Werkes war eine viel gelungenere, als die der beiden\nanderen, und die Aufnahme eine sehr beifällige.\nZunächst von Interesse sind die beiden letzten Hell-\nmesberger'schen Quartett-Soireen. In der ersten hörten wir\nein Streich-Quartett von Veit, das Clavier-Quintett. von\nRob. Schumann, Op. 44, und Mozart's Quintett in D; in\nder zweiten Haydn's Quartett in Beethoven's Quar-\ntett, Op. 74, und Mendelssohn's Trio in Das\nQuartett von Veit (mit' der variirten russischen Volks-\nHymne), hier bereits sehr wohl bekannt, ist eine, wenn\nauch nicht in allen Theilen gleich vertiefte, aber doch sehr\nschöne Arbeit von echter, wahrer Empfindung. Es ist kein\nerhabener Dombau, aber wohl ein reizender Pavillon in\neinem freundlichen Garten, von ernsten Park-Anlagen um-\ngeben. Von höherer Bedeutung freilich ist Schumann's herr-\nliches, lebensvolles, in allen Theilen tief empfundenes und\ngedachtes Quintett, welches übrigens längst in der musi-\ncalischen Welt den ausgezeichnetsten Ruf geniesst und\nauch hier Vielen noch von den Concerten her bekannt war,\nwelche Schumann hier vor Jahren gab und in deren einem\nes seine treffliche Gattin spielte. Die Aufnahme war dies-\nmal eine wahrhaft enthusiastische, und von der allgemeinen\n7 O\nOpposition, welche man bisher unserem Publicum diesem\nTondichter gegenüber andichtete, nichts zu verspüren.\nWenn nur allein der erste Satz einen minder lebhaften\nAnklang fand, so lag dies an dem zu rasch genommenen\nTempo, durch welches der Charakter des Stückes und die\nDeutlichkeit des Vortrages verloren ging, ein Fehler,\nder sich im zweiten Satze wiederholte. Uebrigens muss ich\nHerrn Dachs, welcher den Ciavierpart spielte, bei dieser\nGelegenheit die Ehre geben, dass er nicht nur einer der\nvorzüglichsten Spieler Wiens ist, sondern dass er sich na-\nmentlich um das Hellmesberger'sche Ouartett sehr aner-\nkennenswerthe Verdienste erworben hat. lieber die obigen\nWerke von Mozart, Ilavdn und Beethoven nur Ein Wort\n«J\nnoch zu sagen, wäre rein überflüssig. Sie stehen, jedes in\nseiner Art, insbesondere aber das letztere (bei uns aller-\ndings, aber auch nicht sinnlos, das Harfen-Ouartett\" ge-\nCT ' , J O\ntaufte), auf der Höhe der Kunst und wurden auch insge-\nsammt wahrhaft vollendet executirt. In Mendelssohn's Trio\nsind zwar der zweite und dritte Satz sehr schön, aber in\nden beiden Hauptsätzen (so reizend auch das zweite Motiv\nim ersten Satze ist) herrscht doch die breite, sich endlos\nfortspinnende, perennirende Phrase zu sehr vor, wie dies\nleider in Mendelssohn's Ciavierwerken fast überall der Fall\nist ; dies erzeugt eine ängstliche Unruhe auf der einen und\nMonotonie auf der anderen Seite. Wie unendlich reich und\nmannigfaltig zeigt sich gerade da Beethovens Geist, der\nsich dieses Hülfsmittels niemals bedient. Uebrigens wurde\nder sehr schwierige Ciavierpart des Mendelssohn'schen Trio\nvon Herrn Pirkhert in vorzüglicher Weise executirt. Somit\nist der erste Cvklus der Hellmesberger'schen Quartette abge-\nschlossen, und in etwa sechs Wochen wird der zweite folgen.\nAuch unser Männergesang-Vercin gab inzwischen sein\nerstes diesjähriges Winter-Concert. Ich habe Ihnen schon\nin meinem ersten Briefe geschrieben, wie sehr es zu be-\nklagen und zu schelten ist, dass dieser über imposante\nMittel gebietende Verein aus leidiger und übel angewandter\nPopularitäts-Sucht im Ganzen einer so niedrigen Kunst-\nTendenz huldigt, und brauche daher dieses Thema nicht\nnochmals zu variiren. Diesmal nun brachte er zwei Chöre\nvon einheimischen Componisten, L. Zeilner und 11. Esser,\nbeide, besonders aber der erstere, recht verdienstlich; dann\nMinutien von J. Otto, Abt (von diesem namentlich einen\nJäger-Chor, einen wahren Trara-Hymnus) und einen gänz-\nlich unbedeutenden Soldaten-Chor aus Göthe's Faust, von\nHerbek; ferner ein Vocal-Quartett von V. Lachner, in wel-\nchem Sonnenschein und Liebe in jener behäbig gemüth-\nlichen Weise besungen werden, die ein Special-Eigenthum\ndes Deutschen ist, und endlich die beiden Chöre von Men-\ndelssohn: „An die Künstler\" und „Liebe und Wein\". So\nreich an musicalischen Schönheiten auch der erstere ist, so\nvermag er doch nicht völlig zu befriedigen, denn solchen\nrein contemplativen Gedichten, wie das Schiller's ist, ver-\nmag man an sich sehr schwer musicalisch etwas abzuge-\nwinnen, und auch Mendelssohn ist es nach meiner Meinung\nnicht recht geglückt, demselben sinnliches Leben einzuhau-\nchen. Ich ziehe den letzteren Chor vor, dessen erste Strophe\nganz vortrefflich concipirt ist; doch hält sich die zweite\nnicht auf gleicher Höhe. Die Ausführung der sämmtlichen\nChöre aber war eine wahrhaft brillante. Was könnte dieser\ntreulich geschulte, über zweihundert Köpfe starke Verein\nin einem Räume wie der grosse Redouten-Saal leisten! In\nden nächsten Tagen feiert derselbe sein Stiftungs-Lieder-\ntafel-Fest. Bei diesen, in einer Gasthaus-Localität abgehal-\ntenen Festen pflegen aber gewöhnlich die Backhühner und\ndas Bier die Haupt-, der Gesang die Nebensache zu sein.\nVieuxtemps hat noch zwei Concerte gegeben, und\nzwar mit jenem zahlreichen Zuspruche und lebhaften Bei-\nfaüe, welcher diesem eminenten Virtuosen nirgend fehlen\nwird. Noch in dieser Woche soil ein Quartett-Cvklus be-\n«j\nginnen, welchen derselbe im Verein mit den Herren Debi-\nhall, Traff und Barjaga veranstalten wird."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.7", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 570, "texte": "Von sonstigen Concerten ist nichts zu berichten; wohl\naber ist Assmaier's Oratorium Saul und David\" an einem\nziemlich spärlichen und aufs höchste gelangweilten Publi-\ncum schattenhaft vorbeigeschlichen, das sein Urtheil über\ndas Werk durch gänzliches Stillschweigen kund gab.\nIn der Oper soll in letzterer Zeit Fr. Marlow als Kö-\nnigin in den Hugenotten Vorzügliches geleistet haben. Ich\nkonnte dieser Vorstellung leider nicht beiwohnen, glaube\njedoch recht gern an die eminente Leistung dieser durch\nund durch gebildeten, fein empfindenden, verständigen\nKünstlerin.\n\nB."}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-07-01-c004", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-07_01#c004", "volume": "bmtnabi_1854-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "7", "image_debut": 7, "image_fin": 7, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.2.4", "titre_corps": "Aus Düsseldorf.", "titre_sommaire": "Aus Düsseldorf.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.7", "debut_caractere": 572, "fin_caractere_exclue": 6613, "texte": "Aus Düsseldorf.\nDas letzte Concert brachte uns an Instrumental-Sätzen Schü-\nmanns Ouvertüre zu Genovefa als erste und Beethoven's Eroica\nals letzte Kummer des Programms in gelungener Ausführung. Wenn\nman auch beim ersten Hören in dem Bau der Ouvertüre eine Ton-\nschöpfung von Bedeutung erkennt, wenn lins auch schöne musica-\nlische Gedanken enlgegentreten, so sind sie doch so wenig durch-\ngeführt, so häufig abgebrochen, dass man zu keinem Gefühl völli-\nger Befriedigung gelangt. Die erste Aufführung liess daher kalt,\nobgleich wir überzeugt sind, dass Wiederholungen dem Werke eine\nwärmere Aufnahme sichern werden. Nach der Ouvertüre folgte der\n126. Psalm, eine der neuesten Compositionen Hiller's. Die Wirkung\ndes Werkes, der Schönheit und Einfachheit seiner Motive und der\nKlarheit ihrer Durchführung, die Hiller eigen ist, konnte sich durch\ndie Aufführung, die wiederum an allen früher angedeuteten Uebeln litt,\nkeine Bahn brechen. Am verfehltesten war der Anfang des ersten\nChors. „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so\nwerden wir sein wie Träumende\", beginnen die Bässe, denen die\nTenöre bald folgen. Ja wahrlich, wie von Träumenden erschienen\ndiese Sätze, so unbestimmt, so matt und so peinigend unrein wa-\nren sie! Auf den Psalm folgten Männer-Chöre und Quartette. Aus\nverschiedenen Männergesang-Vereinen haben sich ungefähr vierzig\njunge Leute vereinigt, in der Absicht, weit in die Ferne das deut-\nsche Lied zu tragen. Der Chor vereinigt unbedingt die besten, ge-\nübtesten Stimmen des Rheinlandes, zeichnet sich durch Volitönig-\nkeit jeder der vier Stimmen aus und hat in technischer Beziehung\neine hohe Stufe der Vollendung erreicht. Leider wies die Wahl\nder vorgetragenen Musikstücke darauf hin, dass der Männergesang\nsich seinem eigentlichen Boden immer mehr entzieht und, sich dem\nFrischen und Kräftigen abwendend, auf das Gebiet des lyrisch\nSentimentalen verirrt und darauf allen wirklichen Kunstwerth ver-\nliert. Der Vortrag ist im Allgemeinen dieser Verirrung gefolgt, wird\nhäufig weichlich sentimental gehalten und besteht nicht selten aus\neinem Wechsel von jnanissimo und fortissimo, der aller ästhetischen\nBegründung entbehrt. Vor dieser Richtung, vor dem Haschen nach\nEffect auf Kosten des Charakters der Composition, wodurch sich\nnur der weniger gebildete Theil des Publicums täuschen lässt,\nwarnen wir den jungen Sängerbund. Er ist von dieser Richtung\nnicht ganz frei geblieben. Das Volkslied „Jetzt gang i ans Brünli\"\nlitt dadurch am meisten, wogegen der Vortrag des Mendclssohn'-\nschen Liedes: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen\", von allem\nGesuchten fern, erquickend frisch, ja, vollendet war. In den\nGebrüdern Steinhaus von Elberfeld lernten wir ein Solo-\nQuartett kennen, das in jeder Beziehung ausgezeichnet, in der\nGleichmässigkeit des Klanggepräges der vier Stimmen und der\ndaraus hervorgehenden Totalwirkung unübertroffen dastehen dürfte.\nHerr DuMont-Fier, welcher dem Sängerbünde angehört, (?) sang die\nspanische Canzonetta mit Brummstimmen-Begleitung und einer Be-\narbeitung der letzteren, die dem Eintritt der Solostimme eine ganze\ngebrummte melodische Phrase vorhergehen lässt. Wir geben unbe-\ndingt der durch die Liedertafel von Münster bekannt gewordenen\nBearbeitung den Vorzug, welche den Gesang mit einigen Accorden\nauf den Worten: „Horch, horch, Klaggesang'4, einleitet und das\nunerquickliche Begleitungs-Surrogat der Brummstimmen auf das\nMinimum rcducirt. Dem Vortrage von zehn, sage zehn Chören und\nQuartetten folgte der altdeutsche Schlachtgesang von Rietz, der, in\nvoller Kraft und seinem würdevollen Unisono von den fremden und\nunseren hiesigen Sängern vorgetragen, mächtig einherbraus'te und\neinen schneidenden Contrast zu dem Vorhergegangenen bildete.\nZwischen dem „Kirchlein\" von Becker und „Ich möchte mit dem\nStrome rauschen\", worin wir Herrn Pcretti's schönen Tenor kennen\nlernten, war die Alt-Arie aus dem Messias, „0 du, die Wonne ver-\nkündet in Zion\", eingelegt!! Fräulein Baumann, welche für unsere\nConcerte engagirt ist, sang sie mit kräftiger, klangvoller Stimme.\nWenn die Arie indess fast spurlos vorüberging, so schreiben wir\nes vor Allem dem Umstände zu, dass unser Publicum die Beweg-\nlichkeit der Stimmung nicht besitzt, um die heterogensten Compo-\nsitionen goutiren zu können, die in diesem Concerte vom Erhaben-\nsten bis zu dem ans Triviale Grenzenden buntscheckig zusammen\ngeworfen waren. Wir gehören nicht zu den Rigoristen der classi-\nsehen Richtung; wir können indess nicht begreifen, wie eine Con-\nccrt-Direction, die über jede italiänische oder französische Compo-\nsition den Bannfluch aussprechen möchte, sich solche Missgriffe zu\nSchulden kommen lassen kann, weil wir nicht annehmen wollen,\ndass sie sich nur auf Namen und nicht auf Musik versteht. Sehr\nentschieden möchten wir auch anrathen, des Guten nicht zu viel\nzu thun. Das Concert zog sich bis gegen zehn Uhr hin; es ist weit\nbesser, wenn das Publicum mit dem Bedauern über frühes Ende,\nals ermüdet und übersättigt, wie diesmal, den Conccrt-Saal verlässt,\neine Stimmung, die selbst die Eroica nur bei einem kleinen\nTheile des Publicums zu verwischen vermochte.\nEhe ich meinen heutigen Bericht schliesse, muss ich noch der\nTrio-Soireen der Herren Tausch, Becker und Bockmühl erwähnen,\nvon welchen zwei bereits Statt fanden. Wir hörten darin Schu-\nmann's D-moll-Trio, eine Beethoven'sche Sonate für Pianoforte und\nCello, das Schubert'sche Trio in Es-dur, die Sonate von Bach in\n11-moil, das Trio in B-dur von Beethoven für Pianoforte, Clarinette\nund Cello, die Clarinette-Partie mit ausgezeichnet schönem Tone,\nder sich in zartester Weise mit den anderen Instrumenten verband,\nvon Herrn Kochner vorgetragen, das zweite Trio von Mendelssohn\nin C-moll und einige anziehende Gesangs-Einlagen. Die Elite unse-\nres musicalischen Publicums versammelt sich regelmässig in diesen\nSoireen, und die Theilnahme ist auch in diesem Jahre eine stei-\ngende geblieben. Die tüchtigen jungen Künstler mögen darin den\nBeweis des Anklangs erkennen, welchen ihr vollendetes Zusam-\nmenspiel immer allgemeiner findet. 6"}]}, {"article_id": "bm-bmtnabi-1854-01-07-01-c005", "article_bluemountain": "bmtnabi_1854-01-07_01#c005", "volume": "bmtnabi_1854-01-07_01", "ocr_source": "OCR Blue Mountain (ALTO), transcription TEI : lignes lb/@facs", "texte_sans_correction": true, "page_debut": "7", "page_fin": "8", "image_debut": 7, "image_fin": 8, "pages_selon": "pagination imprimée relevée dans le METS Blue Mountain (ORDERLABEL) ; [n] = page sans folio restituée", "url_article": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.2.5", "titre_corps": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "titre_sommaire": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.", "signature_source": "", "controle": "bornes données par la structure logique METS/ALTO de Blue Mountain (blocs ALTO de chaque constituant)", "pages": [{"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.7", "debut_caractere": 6615, "fin_caractere_exclue": 7268, "texte": "Tages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöiii. In der dritten Soi r ee für Kammermusik, Dinslag\nden 3. Januar, hörten wir zuerst das Streich-Quartett Nr. 4 in Es-\ndur von Mozart, exaet und ausdrucksvoll vorgetragen von den\nHerren II artmann, Derckum, Peters und Breuer. Darauf\nein neues Quartett für Pianoforte, Violine, Viola und Violoncelle\nvon C. Rein ecke, Op. 34, in Es-dur, die Clavier-Partie vom Com-\nponisten auf glänzende Weise ausgeführt; am meisten sprach das\nScherzo und das Finale der Composition an. Es folgte das Streich-\nQuartett, Op. 45, Nr. 2, in E-moll, von L. Spohr, den Verehrern\ndieses Altmeisters zur Freude und der ganzen Versammlung zum"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.8", "debut_caractere": 0, "fin_caractere_exclue": 6093, "texte": "Grossen Gcnuss, zumal da es ausgezeichnet schön gespielt wurde.\nHerr Hartmann trug die Violin-Partie mit einer so sichern Ruhe\nund einem so tief empfundenen Ausdruck vor, dass man dem Spiel\ndes Künstlers die Pietät gegen seinen ehemaligen Lehrer und die\nFreude an dessen Tönen recht anhören konnte. In dem herrlichen\nAndante trat ihm Herr Peters bei den schönen Gesangstellen der\nBratsche würdig zur Seite. Das Ganze war in jeder Hinsicht eine\nvorzügliche Leistung. Zum Beschluss ärntete Herr Reineckc\ndurch den meisterhaften Vortrag eines Notturno von Chopin,\neiner Etnde von A. Henseit und des sprudelnden Saltarcllo von\nStephen Heller stürmischen Beifall.\nIm Stadt-Theater hörten wir einen Bariton, Herrn Wack, als\nGast; er befriedigte im Ganzen; seine Stimme ist in der Höhe\nklangvoll und weich, und er versteht zu singen; die tieferen Töne\nsind etwas gedrückt und nicht von edler Farbe. Petra Ca-\nmara hat mit ihrer Gesellschaft von spanischen Tänzern und Tän-\nzerinnen zwei schwach besuchte Vorstellungen gegeben; das kölner\nTheatcr-Publicum scheint in diesem Winter durch nichts entzünd-\nbar, es mag Namen haben, wie es wolle.\nFräulein Wilhelm ine Clauss wird erwartet und wird im\nnächsten Gesellschafts-Concerte am 10. Januar spielen.\nAns Elberfeld, Vor Kurzem hatten wir das Vergnü-\ngen, den bedeutendsten jetzt lebenden Violin-Virtuosen, den Con-\ncertmcister Joachim aus Hannover, hier zu hören. Er trug die\nGesang-Scene von Spohr, Bravour-Variationen von Paganini und die\nG-moll-Fuge von Seb. Bach mit einer Vollendung vor, wie wir sie\nbis jetzt kaum für möglich gehalten hätten. Diesen ausgezeichneten\nGenuss dankten wir insbesondere dem Besitzer des bekannten\nEtablissements auf dem Johannisberge, Herrn A. Küpper, der es\nsich nicht verdriessen liess, einige Reisen nach Hannover zu ma-\nchen, um den grossen Künstler zu gewinnen. Die übrige Ausstat-\ntung des Concertes war die würdigste; es kamen unter Anderem\ndie grosse Lenoren-Ouvcrture und die Ouvertüre zum Tannhäuser\nzur Aufführung.\nUeber den plötzlichen Tod unseres würdigen Schornstein,\ndes Nestors der rheinischen Musik-Directoren, hat Ihre Zeitung be-\nreits berichtet. Es gereicht mir zum besonderen Vergnügen, Ihnen\ndie Mittheilung machen zu können, dass die erledigte Stelle aufs\nglänzendste wieder besetzt ist, und zwar durch den Sohn des Ver-\nstorbenen, Hermann Schornstein, einen Schüler von Hummel,\ngleich ausgezeichnet ,als Pianist, wie als Dirigent. Seit einer Reihe\nvon Jahren Musik-Director in unserer Schwesterstadt Barmen, hat\ner die einstimmige Wahl des hiesigen städtischen Gesang-Vereins\nangenommen und wird bereits mit Anfang des neuen Jahres hieher\nübersiedeln. Von seiner ausgezeichneten Begabung versprechen wir\nuns den nachhaltigsten Einfluss auf unser musicalisches Leben,\nwelches bei einer derartigen Anregung gewiss zu verjüngter Thä-\ntigkeit erwachen wird.\nQuedlinburg. Die Winter-Conccrte des Gesang-Vereins\n„Arion\" unter Leitung des Musik-Directors Wackermann haben\nauch in diesem Jahre in erfreulicher Weise wieder begonnen. Die\nbeiden ersten brachten uns unter Anderem die Ouvertüren zu Eg-\nmont, zum Freischütz, die Jubel-Ouverture, Duett aus Jessonda,\nTerzett aus einer Oster-Cantate von Wackermann, Concert-Aric von\ndemselben und „Eine Nacht auf dem Meere44 von Tschirch. Wie\nes bei den tüchtigen Kräften des Vereins, unterstützt durch die\nMitwirkung eines grossen Theiles der ballenstädtcr Hof-Capelle, zu\nerwarten war, so fand die Ausführung in sehr befriedigender Weise\nStatt. Namentlich erwarb die Tschirch'sche Composition sich eine\nso allgemeine Theilnahme, dass sie in dem zweiten Concertc wie-\nderholt werden musste.\nWernigerode. Seit einigen Jahren beginnt hier ein regeres\nmusicalisches Leben; denn noch klingen die Töne des im verflos-\nsenen Sommer unter des Musik-Directors Tschirch Leitung ausge-\nführten grösseren Gesangfestes uns in angenehmer Erinnerung, und\nschon jetzt wieder arbeitet mit rühmlicher Thätigkeit der Rechts-\nAnwalt Haushalter an der Herstellung eines Sängertages, der Ostern\nhier abgehalten werden soll. Das Programm dazu ist in folgender\nWeise festgestellt: I. Theil, Paulus-Ouverture und Ostcr-Cantate von\nWackermann; 11. Theil, Wettgesänge der Gesang-Vereine; 111.\nTheil, „Eine Nacht auf dem Meere\" von Tschirch. Die Direction\ndes ersten und dritten Theiles hat der Musik-Director Wackemann\nin Quedlinburg übernommen.\nI'aris. Das Concert von Wilhelmine Clauss war das\nerste wahrhaft künstlerische Virtuosen-Concert in dieser Saison.\nNach einem mehr als sechsmonatlichen Aufenthalte in London be-\nsuchte sie Paris nur auf einige Wochen und geht von hier über\nKöln nach Petersburg. Sie spielte die Sonate iür Piano und Vio-\nloncello von Mendelssohn, Op. 45, in H-moll, mit Seligman,\ndas Lied ohne Wforte in G-moll, drei kleine reizende Prcludien von\nStephen Heller, ein Impromptu von Chopin, die Sonate, Op. 31,\nin D-moll, von Beethoven und Schuberts Erlkönig von Liszt. Die\nKritik ist einstimmig darin, dass die junge Künstlerin seit dem\nletzten Jahre noch eine höhere Stufe erreicht hat.\nIn der Academie Imperiale hat man „Bctly44, eine ältere Oper\nvon Donizetti, mit neuem französischen Text auf die Bühne ge-\nbracht. Sie ist durchgefallen. Eine nachgelassene Oper von Do-\nnizetti, „Elisabeth\", ist am 31.December v.J. auf dem Thedtre\nlyrique gegeben worden; wir berichten darüber in der nächsten\nNummer.\nSophie Cruvelli studirt täglich an der Valentine in den\nHugenotten; sie sollte am 4. oder 6. Januar darin auftreten.\nDer Tenorist Gueymard hätte durch die Ungeschicklichkeit\nseines Haarkräuslers beinahe sein rechtes Auge verloren. Dieser\nfuhr ihm mit dem glühenden Brenneisen, das er hin und her\nschwenkte, um es abzukühlen, an die Schläfe. Gueymard fiel in\nOhnmacht; der Arzt versichert jedoch, dass trotz der gefährlichen\nWunde das Gesichts-Organ gerettet ist.\nDer deutsche Bassist Delle Aste ist bei der italiänischen Oper\nin Paris angestellt.\nNach pariser Blättern ist Louis La comb e, der bekannte\nPianist und Componist, von dem Vorstande der Gcwandhaus-Con-\ncerte nach Leipzig eingeladen worden, um dort eine seiner Sin-\nfoniecn aufzuführen."}]}], "pages_ocr_originales": [{"page_pdf": 1, "page_imprimee": "1", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.1", "texte": "Nichts Neues.\n\n„Wie! zum neuen Jahre nichts Neues? Kein neues\nProgramm, kein neues Licht, keine neue Welt ? und das\nin einer musicalischen Zeitschrift, während wir in allen mög-\nlichen Blättern lesen, dass die Tonkunst nicht etwa nur\nsich verjünge, sondern überhaupt erst entstehe und durch\nund durch neu sei, weil endlich so weit gekommen, dass\nsie einen Inhalt habe? Fürchten Sie nicht den Fluch Sa-\nrastro's:\nWen solche Lehren nicht erfreu'n,\nVerdienet nicht ein Mensch zu sein\nd. h. ein Schriftsteller, der seine Federkiele aus den Flü-\ngeln der Zeit rupft, ein Kritiker, der sich selbst vergöttert,\nein Componist, der nach einem System tondichtet ? Wollen\nSie gegen den Strom schwimmen? wollen Sie die Unruhe an\nder Uhr des Geistes fest stellen, welcher stets verneint, um\nneu zu sein ? mit menschlichem Arm in die Speichen des\nRades der Propaganda fallen, dessen bewegendes Princip\neine göttliche Selbstgenügsamkeit ist? Und wenn es auch\nan der steilen Höhe der gesunden Natur ein Hinderniss\nfindet oder wie eine von den Schienen gesprungene Loco-\nmotive sich in den Sand wühlt: sehen Sie nicht, wie dann\nMercurius, der Gott des ehrlichen Erwerbs, und ilercules,\nder Gott der Fuhrleute, ihm beispringen und ihre gute\nFreundin, Frau Fama, zu Hülfe rufen, damit sie noch ärger\nkrähe als Frau Venus im Hörselberg, und der Welt weis\nmache, das Rad laufe unaufhaltsam weiter? Was wollen\nSie dagegen machen? Haben Sie RatTs Briefe an seine Re-\nO D\ncensenten, haben Sie Hoplit's „ „Karlsruher Musikfest\"\"\nnicht gelesen ? Bekehren Sie Sich! Kommen Sie zu uns,\nzu den Umwälzern, zu den Erfindern; sehen Sie endlich\nein, dass man sich weit besser stellt, wenn man unter die\nMarktrufer geht und den Götzendienst mit Cymbeln und\nPosaunen feiert, als wenn man daheim hockt und vor dem\newigen Genius seine Hausandacht hält! Wollen Sie den\nalten abgestandenen musicalischen Plunder Ihren Lesern\nnoch immer als Prachtgewand vorhalten? Wie lange kann\nes dauern, wenn unsere Wort- und Ton-Helden so fort-\nfahren, bis wir auch von dem Einen, der uns allerdings\nahnte, mit Schiller's Philipp 11. sprechen:\nBeethoven?\nWas will der hier? Die neunte Sinfonie\nIst längst verwirkt. Ich werf ihn zu den Todten.\n® x\nEs ist freilich wahr, er ist uns „„ein Ausgangspunkt\"\"\ngewesen, man kann seinen Geist etwa wie den Dampf des\nkochenden Wassers ansehen, der einst den Deckel vom\nTheekessel empor schleuderte und dadurch eine neue welt-\nbewegende Kraft ins Leben rief. Aber hat er je eine Idee\nvon dem „„nervös verfeinerten Anschliessen der\nForm an den Inhalt gehabt, welches zu fein pointirt\nI\nist, um sogleich allenthalben klar zu erschei-\nnen\" \"?*) Oder hat er „ „die Zartheit der poetischen Auf-\nfassung\"\" gekannt, die unserem Protoplasten der Gesammt-\nkunst „ „die reichsten und dankbarsten Materialien zur\nton liehen Symbol isirung gibt\"\"?**) Hat er sich je\nzu der kühnen Anschauung emporgeschwungen, dass „ „ die\nHarmonie nichts weiter ist, als der tonische Raum, in\nwelchem sich die Stimmen, einander co- oder\nsubordinirt, nach gewissen gemeinschaftlichen\nAbschlüssen hinbe w e g e n\"\" ? ***) Hat er je an eine\n„„künstlerische Nachahmung des Nationalen\"\" gedacht,\nan eine „ „Assimilirung des pathetischen Aus-\ndrucks dem nachgebildeten nationalen, welche\nein Absehen von jeder harmonischen oder imita-\ntiv contrapunktischen Behandlung verlangt\" \"?****)\nHat er endlich je das Publicum so weit gebracht, dass\n„„ganz fr em d e Menschen auf den Corridors ihren\nbegeisterten Gefühlen Luft machten und ihren Enthusias-\nmus jedem entgegen riefen, der ihnen Rede stehen\nwollte\" «?*****) Und gesetzt, es hätte ihnen Niemand Rede\nstehen wollen, waren sie desshalb weniger begeistert? Ha-\n\n*) Hoplit a. oben a. 0. S. 41.\n**) Dito S. 71.\n***) Joach. Haff.\n****) Joach. Raff.\n***'*) Hoplit a. a. 0. S. 73."}, {"page_pdf": 2, "page_imprimee": "2", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.2", "texte": "hen sie etwa desshalb in den Wind gesprochen? Das wer-\nden Sie nicht behaupten wollen; denn wir haben das alles\ndrucken lassen. Und was können Sie gegen unsere Lehre\nvom Wahren vorbringen? Muss ich Sic, den Kenner der\nGriechen und Römer, noch an die Weinbeeren des grossen\nMalers erinnern, nach denen die Spatzen flogen, um daran\nzu picken? Vergleichen Sie damit den eben geschilderten\nEnthusiasmus „„ganz iremder Menschen\"\", beweist das\nnicht . . .\nDass jene Liebhaber eben Spatzen waren? Allerdings.\nDamit unterbrach ich endlich den feurigen Redner, den die\nblosse Ueberschrift „Nichts Neues\" so in Harnisch ge-\nbracht hatte, und dankte Gott, dass er mir darauf verblüfft\nden Rücken drehte und mir Zeit gönnte, mich an die Le-\nser der Niederrheinischen Musik-Zeitung zu wenden.\nEs ist so. Der Verein von tüchtigen Männern, die sich\nmit mir verbunden haben, um diese Zeitschrift zu einem\nOrgane der Verbreitung echten Kunstsinnes zu machen, um\ndem wahrhaft künstlerischen Streben der Zeitgenossen An-\nerkennung zu verschaffen, dagegen die Mittelmässigkeit zu\nkennzeichnen, und vor Allem die Anmaassung zu bekäm-\npfen, welche der Kunst das Ungeheuerliche aufdrängen will\nwir alle können und wollen kein neues Programm\nfür dieselbe aufstellen. Wir können und wollen nur an\ndem alten Bekenntnisse festhalten, dass wir nun und nim-\nmermehr das Neue mit dem Schönen gleichstellen werden,\naber überall, wo das Neue Schönes bringt, es mit Freuden\naufnehmen. Den Canon aber für das Schöne lassen wir\nuns nicht durch kunstphilosophische Systemmacherei auf-\ndrängen; wir entwickeln ihn, wie jede wahre Kunst-Theorie\nes thut, aus den Kunstwerken selbst, und dabei leiten uns\ndie Werke der unsterblichen Meister, also allerdings das\nvon der neuesten Schule verfehmte Monumentale, nicht\naber abstracte Theorieen und Grübeleien, welche, in gänz-\nlicher Verkennung des Wesens der Kunst und des künst-\nlerischen Bildungstriebes, für die Aufgabe der Kunst eine\nabsolute Lösung suchen, welche doch nur bei der\nWissenschaft möglich ist.\nJene Schule spricht viel von den neuen Eroberungen\nauf dem Gebiete der lonkunst. Aber die Kunst kann keine\nEroberungen machen durch Worte: ihre Waffen und\nHeere sind Werke. Am wenigsten wird die Musik, deren\nReich nicht von der Welt des Verstandes ist, durch Philo-\nsopheme und Abstractionen gefördert werden, zumal wenn\nIhr sie nicht rein von fremdartigen Einllüssen, nicht als\nselbstständige Kunst festhaltet; denn von je her ist, wie\nGöthe sehr richtig sagt, eines der vorzüglichsten Kennzei-\nchen des Verfalles der KuftsWlie Vermisch uns der\nverschiedenen Arten derselben.gewesen, und dies\ngilt nicht nur für die Instrumental-, sondern auch für die\nVocal-Musik, wenn, wie in neuerer Zeit geschehen, das\neigentümliche Wesen der Dichtkunst und der Tonkunst,\ndas auf der nie zu vertilgenden Verschiedenheit ihres Stof-\nfes, des Wortes und des Tones, beruht, ganz und gar\nverkannt wird.\nEine beliebte Behauptung ist auch die, dass die Ton-\nkunst in unserer Zeit einen grossen Fortschritt gemacht,\nweil die Instrumental-Musik erst jetzt einen Inhalt\nbekommen habe. Einen Inhalt ei, was Sie sagen! Wir\nsind bisher so glücklich gewesen, in dem, was Havdn, Mo-\nzart, Cherubini, Beethoven, Spohr, Weber u. s. w. gemacht\nhaben, bereits einen Inhalt, und zwar einen sehr schönen,\ngefunden zu haben; allein wir sind wahrscheinlich Kinder\noder ungebildete Naturmenschen, für welche die musicali-\nsche Symbolik ein Buch mit sieben Siegeln ist; jedenfalls\nhaben wir nicht die geringsten Ansprüche auf den Ehren-\ntitel : denkende Künstler. Ein denkender Künstler! Glauben\nSie etwa, verehrte Leser, dass man heut zu Tage darunter\neinen Componisten verstehe, der Musik denkt, der,\nwenn ihm die melodischen Thema's aus der Seele gequol-\nlen, über die Mittel nachdenkt, welche ihm seine Kunst\nund sein Wissen in derselben an die Hand geben,\njene musicalischen Gedanken durch ganze Sätze hin-\ndurch, durch alle Stimmen hindurch folgerichtig zu ent-\nwickeln und zu schöner Form zu gestalten und abzurun-\nden? der den Verstand nur gebraucht, um den Rossen der\nPhantasie die Zügel zu halten, um durch die Begeisterung\nnicht trunken zu werden, um neben das Genie die Beson-\nnenheit zu stellen, welche die Ideen des Genie's zu wirk-\nlich künstlerischen Gebilden, zu wahren Kunstwerken in\nvollendeter Form, ohne die kein solches denkbar ist, aus-\nzuarbeiten und sie in diesen zur sinnlichen Erscheinung\nzu bringen strebt?\nIrrthum, dicker Irrthum! Ein denkender Tonkünstler\nist derjenige, welcher sich zu bestimmten Stunden des Ta-\nges, die er dem Studium der Philosophie abdingt, hinsetzt\nund den Vorsatz fasst, zu componiren. Hierauf sucht\ner etwa eine Melodie, ein Thema ? Ei bewahre! dann\nwürde er ja, wenn diese phantastischen Geschöpfe, welche\nihren eigenen Kopf haben, ihm auch nicht von selbst zu-\nlliegen, doch wenigstens in der Sphäre der Musik bleiben.\nAlso was sucht er? Einen Gegenstand. Und dieser Ge-\ngenstand muss ausserhalb der Musik liegen, er muss\nein Aeusseres sein, damit er dieser ein Inneres ver-"}, {"page_pdf": 3, "page_imprimee": "3", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.3", "texte": "leihe, auf dass diese vage, ziellose Kunst endlich einen In-\nhalt bekomme, den sie noch nie gehabt. Hat der denkende\nKünstler nun diesen Gegenstand gefunden, etwa den Ein-\nsturz der Mauern von Jericho, oder eine Wüste, oder einen\nrömischen Carncval, oder einen Romeo oder Columbus,\noder einen heiligen Gral, oder eine Alpen-Wirthschaft am\nGiessbach, oder was sonst, so denkt er weiter darüber\nnach, wie er ihn tonisch symbolisire oder symbolisch betone.\nLeitender Grundsatz dabei ist nicht die Kunst der Harmo-\nnie, der contrapunktischen Stimmführung, der thematischen\nArbeit nach Art der bewährten Meister, sondern das Neue,\ndas Unerhörte. Melodie ist zu subjectiv, wird also verworfen;\nstatt ihrer treten kleine, fingerlange Motivlein auf, die hier\nund da wie Irrlichter in einer wahren Höllenangst zwischen\nden unaufhörlich auf einander prallenden Nonen- und Ln-\ndecimen-Accorden aufflackern, und die ganze Arbeit wird\nnur dann das echte Gepräge der modernen Tonkunst tra-\ngen, wenn sie, unbekümmert um die Gränzlinien des Schö-\nnen, ja, diese „ auf Kosten des Wohlklangs mitunter über-\nschreitend\", dem Zuhörer das Götter-Schauspiel darbietet,\nwie „der Genius mit den beengenden Fesseln ringt, welche\ndas Endliche der Erscheinung dem Unendlichen im Künst-\nler anlegt\" *) ecce par dignum\nfortuna compositus! fSeneca Philosophus\n2 .J Kann dann auch eine solche Composition „eine ab-\nsolute Reinheit und Sicherheit des Vortrags bei der Wie-\ndergabe nicht erzielt sehen\"**), was thut's? „Dadurch ge-\nschieht es, dass sie zu einer weit geistvolleren als\nklangvollen wird und desto mehr Ueberraschendes und\nFrappirendes bietet\"***).\n0 Ihr Ueberversländigen und unverständlich Trans-\nscendentalen! Wollt Ihr wissen, was der wahre Inhalt\nder Musik ist? Die Melodie ist es, der musicalische\nGedanke ist es, nichts Anderes auf der WTelt. Je mehr sie\nauf das innere Gefühl, auf das geistige Pathos wirkt, desto\nmehr ist sie das eigentliche Leben der Tonkunst; je rei-\nner und vollständiger sie einen in sich begränzten Inhalt\nunseres Gefühlslebens, eine Empfindung unseres Inneren\nausdrückt, je weniger sie vom Aeusseren bunte Flitter\nborgt, um damit ihre ärmliche Blosse an Wahrheit und\nTiefe zu verhängen, desto gelungener, desto kunstwürdiger\nist sie. Je mehr Ihr die Melodie unter der Masse des Ma-\nteriellen erdrückt, desto mehr wird die Musik Fratze; je\nmehr Ihr an den Verstand Forderungen stellt, um Eure\nIntentionen aufzuspüren, desto weiter entfernt Ihr Euch\nvon der Kunst; statt der geistigen Schwingen, die der Ge-\nnius regt, zimmert Ihr Euch Flug-Maschinen, und je mehr\nes Euch durch rasselndes Arbeiten mit Händen und Füssen\nund gedungene Tagelöhner an den Flaschenzügen von\naussen gelingt, Euch einen Augenblick zu erheben, desto\neher werdet Ihr den Schwerpunkt Eurer eigenen Kraft\nverlieren, desto unsanfter werdet Ihr niederplumpen und\nbegraben und vergessen unter den Trümmern Eures Appa-\nrates liegen bleiben.\nDu aber, o Muse der Tonkunst, verschleiere Dich nicht\nfür Deine wahren Jünger in Schmerz und Verdruss über\ndie, so Dich verkennen und Deine königliche Stirn in den\nStaub ziehen! Verachte ihre Deuteleien und Alfanzereien,\nund nimm von allen, die Dir treu bleiben, auch in diesem\nneuen Jahre und allen folgenden die Huldigung auf, wel-\nche aus der freudigen Ehrfurcht vor dem Unaussprech-\nliehen Deines Wesens entspringt!\n\n*) Iloplit a. a. 0. S. 4L\n**) Dito S. 40.\n***) Dito S. 40.\n\nL. Bischoff.\n\nAus Holland.\n\n(Robert und Clara Schumann Concerte\nVirtuose n.\nSie wissen aus eigener Anschauung, dass in unserem\nHolland ein reiches Musikleben blüht, welches besonders\ndurch die weitverzweigte Gesellschaft zur Beförderung der\nTonkunst und durch den Associations-Geist, das Erbtheil\nder altrepubücanischen Niederlande, genährt wird, da sich\nder letztere auch auf die Musik erstreckt und in fast jedem\neiniger Maassen namhaften Orte musicalische Vereine ins\nLeben gerufen hat, die nach und nach immer mehr erstar-\nken und den Sinn für die Kunst wach halten und kräftigen,\nwenn freilich auch hier, doch lange nicht in so tadelnswer-\nthem Maasse als in Belgien, dem Geschmack der grossen\nMenge hier und da Concessionen gemacht werden müssen.\nImmer jedoch bleiben die vier grösseren Städte, II\nAmsterdam, Rotterdam und Utrecht, der Haupt-\nsitz der niederländischen Tonkunst.\nIm Haag, wo der Kapellmeister 11. Lübeck be-\nkanntlich an der Spitze des Orchesters steht, wurden die\nWinter-Concerte mit einer Aufführung des Elias von\nMendelssohn eröffnet. Zu gleicher Zeit war diese Auf-\nführung eine Feier der Einweihung des neu erbauten Con-\ncertsaales. Leider müssen wir sagen, dass eine Trauer-Mu-\nsik für diese Einweihung den Verhältnissen entsprechender\ngewesen wäre; denn der Saal könnte sich begraben lassen,"}, {"page_pdf": 4, "page_imprimee": "4", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.4", "texte": "wenn er nicht selbst schon das Grab aller Akustik wäre! Die\nWirkung des Werkes entsprach desshalb den Erwartungen\nnicht. Wiewohl die Chor- und Solostimmen und das Or-\nchester vollkommen gut besetzt waren und die ganze Aus-\nführung eine fast makellose, so war doch Alles matt, trübe,\nohne Klang. Und was ist Musik ohne Klang?!\nDie Diligentia-Concerte wurden mit R. Schumann's\nzweiter Sinfonie eröffnet. Sie wurde von Schumann selbst\ndirigirt, war jedoch vorher vom Orchester schon gehörig\neingeübt, ging sehr brav und gefiel dem Publicum, beson-\nders dem musicalischen, ungemein. Der Componist wurde\nvom Orchester mit einer Fanfare empfangen, worein das\nPublicum mit rauschendem Beilall einstimmte und ihn am\nEnde der Sinfonie nochmals hervor rief. Frau Schumann\nspielte ein Concertstück (Manuscript) von ihres Gatten\nComposition, welches er ebenfalls selbst dirigirte; ferner die\nl ariations serieusesund einige Lieder ohne Worte von\nMendelssohn und eine Polonaise von Chopin Al-\nles, wie sich nicht anders erwarten liess, vortrefflich. Auch\nihr wurde die Auszeichnung des Hervorrufs am Schlüsse\ndes Concertes zu Theil.\nDie Maatschappy tot Bevordering der Toonkunst veran-\nstaltete dem hohen Künstlerpaare zu Ehren noch eine\nSoiree. Clara Schumann trug darin vor das Quintett\nin Es-dur von R. Schumann, Sonate in C-dur von\nBeethoven, Polonaise von Chopin und Lieder ohne\nW orte von Mendelssohn. Diese Stücke waren durch-\nwebt mit Liedern von Nicolai, Verhülst und Schu-\nmann, welche von den Sängerinnen Mad. Offermans, van\nIlove und Dellemy-Henke gesungen wurden. Zum Schlüsse\nwurde »Der Rose Pilgerfahrt\" mitClavier-Begleitung\nvom haager Gesang-Verein gegeben. Frau Schumann hatte\nbereitwillig die Begleitung übernommen, und da die Aus-\niührung gut war, so hatte sich der Gesang-Verein des Bei-\nfalls und der Zufriedenheit des Componisten zu erfreuen,\nwelcher am Schlüsse gerufen und von den Solosängerinnen\nmit Blumen bekränzt und bestreut wurde. So war denn\ndas Publicum und das geniale Künstlerpaar zufrieden.\nUeberhaupt war die Erscheinung desselben in unserem\nLande eine sehr gefeierte und gewiss für dasselbe erfreu-\nliche und erinnerungsreiche. Ueberall, wo Frau Schumann\nauftrat, erregte sie Enthusiasmus und erhielt stürmischen\nBeifall. Sie spielte in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes\nvom 25. November bis 20. December in Amster-\ndam viermal, in Rotterdam dreimal, in Utrecht drei-\nmal, im Haag zweimal öffentlich und einmal bei der Prin-\nzessin Friedrich. Auf ihrer Rückreise auch noch in Arn-\nh e i m.\nDie ganze Kunstreise des berühmten Paares war also\neine sehr glückliche. Sollten jedoch fremde Künstler sich\ndurch den Erfolg der Concerte der Frau Schumann zu\neinem Besuche in Holland und der Erwartung ähnlichen\nErfolgs verleiten lassen, so dürften sie bald enttäuscht wer-\nden, selbst wenn ihr Talent auf gleicher Höhe stände. Denn\nmit Schumann's war es eine ganz andere Sache; für sie\ninteressirte sich die ganze Kunstwelt, die Künstler und die\nDilettanten von A bis Z, d. h. alles, was nur auf die ent-\nfernteste Weise mit der Maatschappy tot Bevordering der\nToonkunst zusammenhängt. Diese setzte, und mit Recht,\nihren Stolz darein, ihr Verdienst-Mitglied Rob. Schumann\ndurch die Beförderung der Concerte seiner Gattin zu ehren,\nund bei der bis in alle Stände dringenden Verzweigung\ndieser Gesellschaft im ganzen Lande ist sie eine wahre\nMacht, deren Wunsch:\nAuf tausendfach verschlungnen Wegen\nKommt euch umarmend uns entgegen!\nnicht vergebens ausgesprochen wird. Dass für die Künstler\nvon Fach die Miterscheinung des Mannes, des Componisten,\neine grosse Anziehungskraft bewährte, ist natürlich. Wir\nsagen dies wahrlich nicht, um die Bedeutung der Frau\nSchumann als Künstlerin irgendwie zu verkleinern; wir\nwollen keineswegs läugnen, dass sie eine sehr hervorragende\nKunsterscheinung ist; allein das dürfen wir nicht verschwei-\ngen, dass Holland manche nicht weniger bedeutende Er-\nscheinungen gesehen hat, welche trotzdem lange nicht den-\nselben Erfolg hatten. Dass unsere Presse Frau Schumann\nüber alles erhebt, was jemals da gewesen und je kommen\nwird, kann uns nicht irre machen. An dergleichen Ueber-\ntreibungen sind wir gewohnt, und im Grunde ist dabei die\nPresse wirklich das treue Echo der augenblicklichen Stim-\nmung des Publicums. Das liegt in unserer Weise, die\nKunst-Erscheinungen zu beurtheilen; die letzte derselben\nist immer die höchste, ausser ihr gibt es nichts mehr, bis\ndie allerletzte kommt.\nDass es auch an äusseren Zeichen der Verehrung nicht\nfehlte, versteht sich von selbst. lii Rotterdam brachte man\nden Gefeierten eine Abendmusik; auch im Haag würde das\nder Fall gewesen sein, wenn überhaupt in dieser Residenz\nöffentliche Demonstrationen im Geiste der Bevölkerung\nwären. So scheiden wir denn von diesem würdigen, echten\nKünstlerpaare, welches sich nicht nur unsere höchste Ach-\ntung gewonnen hat, sondern uns auch lieb geworden ist, und\nfügen nur noch hinzu, dass auch die persönliche Erschei-"}, {"page_pdf": 5, "page_imprimee": "5", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.5", "texte": "nung Schumann's einen viel günstigeren Eindruck gemacht\nhat, als Viele von uns nach früheren Berichten erwartet\nhatten. Dass seine Compositionen hier viel Eingang finden,\nhabe ich Ihnen schon früher geschrieben, besonders seine\nLieder. Seine Reise kann nur dazu beitragen, sie noch mehr\nbei den hiesigen Kunstfreunden zu verbreiten.\nVon Virtuosen sind aufgetreten der Clarinettist Ca-\nvallini und der Contrabassist Gardouin aus Paris, die\nbelgischen Violinisten Leendert und Voue, der deutsche\nVioloncellist Hildebrand Romberg, die Sängerinnen\nHartmann aus Düsseldorf und Sedlasek aus Wien.\nVon allen diesen ist die Sedlasek die Gefeiertste;\nsie hat reine Intonation, gute Schule und viel Wärme des\nVortrags. Die Hartmann hat im Haag nicht sehr ge-\nfallen, mehr dagegen in Utrecht, wo sie schon zum drit-\nten Male singt. Der Violoncellist Romberg hat ausser\nseinem berühmten Namen (doch sind in der Kunst derglei-\nchen Namen eher gefährlich als förderlich!) auch alles, was\nman nur verlangen kann: einen schönen Ton, Reinheit,\nFertigkeit, Stil nur Eins fehlt ihm, Feuer und Wärme\ndes Ausdrucks. Die anderen Genannten waren gut, sind\naber bereits wieder vergessen.\nJetzt sind an der Reihe der berühmte Violinist Baz-\nzini und der Pianist Boulanger aus Paris, ein Schüler\nChopin's; erwartet werden Seligman aus Paris, Pixis\naus Köln, die Geschwister Ferni aus Brüssel. Sie se-\nhen, dass es uns nicht an Virtuosen fehlt, und wissen, dass\nes uns nie daran gefehlt hat. Ob wir aber unseren alten\nRuf behalten werden, dass Holland noch das einzige Land\nauf dem Continente sei, wo der reisende Künstler an das\nWort:\nMusik mit deinem Silberklang,\nglauben lerne, das müssen wir sehr bezweifeln.\nAm 4. Januar werden in Amsterdam die Jahres-\nzeiten und am 6. in Rott er da m der Elias aufge-\nführt werden, Beides von der Maatschappy, der Elias zum\nBesten der Armen. Ich berichte Ihnen später darüber.\nDen 30. December 1853.\n\nPhilomusos.\n\nWiener Briefe.\n\n(Vereins-Concert Hellmesberger'sche Quartett-\nSoireen Männergesang-Verein Vieuxtemps\nAssmaie r's Oratorium Fr. Marlow.)\nDen 26. December 1853.\nEin ziemlich reicher Stoff hat sich wieder gesammelt,\nseit ich Ihnen zuletzt schrieb. In erster Reihe ist wohl das\nzweite grosse Vereins-Concert zu ner.nen, welches Beet-\nhoven's zweite Sinfonie in D, seine Ouvertüre in C, Op.\n115 (im ''/g-Tacte) und das Fragment des Mendelssohn'-\nschen Christus brachte. Von allen Sinfonieen Beethoven's\nliebe ich (das zaubervolle Larghetto ausgenommen) eben\njene am wenigsten, wie mich überhaupt Beethoven in allen\njenen Werken, die noch so ganz ein Nachklang der Mo-\nzart'schen sind, nicht so rein und innig zu befriedigen ver-\nmag, und ich z. B. die Sinfonieen in C-dur und G-moll von\nMozart den ersten beiden Beethoven's entschieden vorziehe.\nNon omnia possumus omnes!Auch die obige Ouvertüre\nkann sich kaum mit den übrigen grossen Schöpfungen\nBeethoven's in diesem Gebiete messen und wird jedenfalls\ngrosse Wirkung nur in der vollendetsten, energischsten\nAusführung hervorbringen. Eine solche wurde aber dies-\nmal leider weder der Ouvertüre noch der Sinfonie zu Theil.\nEs wäre schlimm, wenn wir die grössere Anzahl von Or-\nchester-Concerten, welche uns für diesen Winter verspro-\nchen sind, mit mangelhaften und oberflächlichen Auflührun-\ngen erkaufen sollten. Und doch ist dieses fast zu besorgen,\nindem der jugendliche Director J. Hellmesberger, von\nkünstlerischem Ehrgeize getrieben, das Maass seiner, ich\nwill nicht sagen: geistigen, wohl aber physischen Kräfte of-\nfenbar überschätzt. In einem Cyklus von zehn grossen\nOrchester-Concerten und von sechsunddreissig Quartetten,\nTrio's u. s. w. in Einem Winter theils die oberste Leitung\nzu führen, theils selbst die erste Stimme zu spielen, ist je-\ndenfalls zu viel für die Kräfte eines jungen Mannes, wel-\ncher vor kaum einem Jahre auf schwerem Krankenlager\ndarniederlag, und dem es dringend nöthig und wahrlich\nauch im Interesse der Kunst zu wünschen ist, dass er mit\nseinen geistigen und physischen Kräften nicht allzu ver-\nschwenderisch umgehe. Aber diese Abschweifung hat\nmich ganz von meinem ursprünglichen Thema abgelenkt.\nDas Fragment des Mendelssohn'schen Christus, aus Chören,\neinem Terzett und mehreren Recitativen bestehend, war\ndaher jedenfalls schon um seiner Neuheit willen die interes-\nsanteste Nummer des letzten Vereins-Concertes. Ueber\nFragmente ist zwar schwer zu urtheilen, weil in einem\nwahren Ganzen sich die Theile gegenseitig bedingen und\ndaher diese für sich nur relativen Werth haben; aber den-\nnoch lässt sich nicht verkennen, dass der Mendelssohn'sche\nChristus ein Werk von hoher Bedeutung geworden wäre,\nindem dieses grosse Passions-Drama der Menschheit Seiten\nbietet, welchen den höchsten musicalischen Ausdruck zu\nverleihen, eben dem Genius Mendelssohn's vor Vielen ge-\nlungen wäre, wie namentlich der wunderschöne Chor:"}, {"page_pdf": 6, "page_imprimee": "6", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.6", "texte": "„Klagt, ihr Töchter Zions!\" beweis't. Die Aufführung die-\nses Werkes war eine viel gelungenere, als die der beiden\nanderen, und die Aufnahme eine sehr beifällige.\nZunächst von Interesse sind die beiden letzten Hell-\nmesberger'schen Quartett-Soireen. In der ersten hörten wir\nein Streich-Quartett von Veit, das Clavier-Quintett. von\nRob. Schumann, Op. 44, und Mozart's Quintett in D; in\nder zweiten Haydn's Quartett in Beethoven's Quar-\ntett, Op. 74, und Mendelssohn's Trio in Das\nQuartett von Veit (mit' der variirten russischen Volks-\nHymne), hier bereits sehr wohl bekannt, ist eine, wenn\nauch nicht in allen Theilen gleich vertiefte, aber doch sehr\nschöne Arbeit von echter, wahrer Empfindung. Es ist kein\nerhabener Dombau, aber wohl ein reizender Pavillon in\neinem freundlichen Garten, von ernsten Park-Anlagen um-\ngeben. Von höherer Bedeutung freilich ist Schumann's herr-\nliches, lebensvolles, in allen Theilen tief empfundenes und\ngedachtes Quintett, welches übrigens längst in der musi-\ncalischen Welt den ausgezeichnetsten Ruf geniesst und\nauch hier Vielen noch von den Concerten her bekannt war,\nwelche Schumann hier vor Jahren gab und in deren einem\nes seine treffliche Gattin spielte. Die Aufnahme war dies-\nmal eine wahrhaft enthusiastische, und von der allgemeinen\n7 O\nOpposition, welche man bisher unserem Publicum diesem\nTondichter gegenüber andichtete, nichts zu verspüren.\nWenn nur allein der erste Satz einen minder lebhaften\nAnklang fand, so lag dies an dem zu rasch genommenen\nTempo, durch welches der Charakter des Stückes und die\nDeutlichkeit des Vortrages verloren ging, ein Fehler,\nder sich im zweiten Satze wiederholte. Uebrigens muss ich\nHerrn Dachs, welcher den Ciavierpart spielte, bei dieser\nGelegenheit die Ehre geben, dass er nicht nur einer der\nvorzüglichsten Spieler Wiens ist, sondern dass er sich na-\nmentlich um das Hellmesberger'sche Ouartett sehr aner-\nkennenswerthe Verdienste erworben hat. lieber die obigen\nWerke von Mozart, Ilavdn und Beethoven nur Ein Wort\n«J\nnoch zu sagen, wäre rein überflüssig. Sie stehen, jedes in\nseiner Art, insbesondere aber das letztere (bei uns aller-\ndings, aber auch nicht sinnlos, das Harfen-Ouartett\" ge-\nCT ' , J O\ntaufte), auf der Höhe der Kunst und wurden auch insge-\nsammt wahrhaft vollendet executirt. In Mendelssohn's Trio\nsind zwar der zweite und dritte Satz sehr schön, aber in\nden beiden Hauptsätzen (so reizend auch das zweite Motiv\nim ersten Satze ist) herrscht doch die breite, sich endlos\nfortspinnende, perennirende Phrase zu sehr vor, wie dies\nleider in Mendelssohn's Ciavierwerken fast überall der Fall\nist ; dies erzeugt eine ängstliche Unruhe auf der einen und\nMonotonie auf der anderen Seite. Wie unendlich reich und\nmannigfaltig zeigt sich gerade da Beethovens Geist, der\nsich dieses Hülfsmittels niemals bedient. Uebrigens wurde\nder sehr schwierige Ciavierpart des Mendelssohn'schen Trio\nvon Herrn Pirkhert in vorzüglicher Weise executirt. Somit\nist der erste Cvklus der Hellmesberger'schen Quartette abge-\nschlossen, und in etwa sechs Wochen wird der zweite folgen.\nAuch unser Männergesang-Vercin gab inzwischen sein\nerstes diesjähriges Winter-Concert. Ich habe Ihnen schon\nin meinem ersten Briefe geschrieben, wie sehr es zu be-\nklagen und zu schelten ist, dass dieser über imposante\nMittel gebietende Verein aus leidiger und übel angewandter\nPopularitäts-Sucht im Ganzen einer so niedrigen Kunst-\nTendenz huldigt, und brauche daher dieses Thema nicht\nnochmals zu variiren. Diesmal nun brachte er zwei Chöre\nvon einheimischen Componisten, L. Zeilner und 11. Esser,\nbeide, besonders aber der erstere, recht verdienstlich; dann\nMinutien von J. Otto, Abt (von diesem namentlich einen\nJäger-Chor, einen wahren Trara-Hymnus) und einen gänz-\nlich unbedeutenden Soldaten-Chor aus Göthe's Faust, von\nHerbek; ferner ein Vocal-Quartett von V. Lachner, in wel-\nchem Sonnenschein und Liebe in jener behäbig gemüth-\nlichen Weise besungen werden, die ein Special-Eigenthum\ndes Deutschen ist, und endlich die beiden Chöre von Men-\ndelssohn: „An die Künstler\" und „Liebe und Wein\". So\nreich an musicalischen Schönheiten auch der erstere ist, so\nvermag er doch nicht völlig zu befriedigen, denn solchen\nrein contemplativen Gedichten, wie das Schiller's ist, ver-\nmag man an sich sehr schwer musicalisch etwas abzuge-\nwinnen, und auch Mendelssohn ist es nach meiner Meinung\nnicht recht geglückt, demselben sinnliches Leben einzuhau-\nchen. Ich ziehe den letzteren Chor vor, dessen erste Strophe\nganz vortrefflich concipirt ist; doch hält sich die zweite\nnicht auf gleicher Höhe. Die Ausführung der sämmtlichen\nChöre aber war eine wahrhaft brillante. Was könnte dieser\ntreulich geschulte, über zweihundert Köpfe starke Verein\nin einem Räume wie der grosse Redouten-Saal leisten! In\nden nächsten Tagen feiert derselbe sein Stiftungs-Lieder-\ntafel-Fest. Bei diesen, in einer Gasthaus-Localität abgehal-\ntenen Festen pflegen aber gewöhnlich die Backhühner und\ndas Bier die Haupt-, der Gesang die Nebensache zu sein.\nVieuxtemps hat noch zwei Concerte gegeben, und\nzwar mit jenem zahlreichen Zuspruche und lebhaften Bei-\nfaüe, welcher diesem eminenten Virtuosen nirgend fehlen\nwird. Noch in dieser Woche soil ein Quartett-Cvklus be-\n«j\nginnen, welchen derselbe im Verein mit den Herren Debi-\nhall, Traff und Barjaga veranstalten wird."}, {"page_pdf": 7, "page_imprimee": "7", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.7", "texte": "Von sonstigen Concerten ist nichts zu berichten; wohl\naber ist Assmaier's Oratorium Saul und David\" an einem\nziemlich spärlichen und aufs höchste gelangweilten Publi-\ncum schattenhaft vorbeigeschlichen, das sein Urtheil über\ndas Werk durch gänzliches Stillschweigen kund gab.\nIn der Oper soll in letzterer Zeit Fr. Marlow als Kö-\nnigin in den Hugenotten Vorzügliches geleistet haben. Ich\nkonnte dieser Vorstellung leider nicht beiwohnen, glaube\njedoch recht gern an die eminente Leistung dieser durch\nund durch gebildeten, fein empfindenden, verständigen\nKünstlerin.\n\nB.\n\nAus Düsseldorf.\nDas letzte Concert brachte uns an Instrumental-Sätzen Schü-\nmanns Ouvertüre zu Genovefa als erste und Beethoven's Eroica\nals letzte Kummer des Programms in gelungener Ausführung. Wenn\nman auch beim ersten Hören in dem Bau der Ouvertüre eine Ton-\nschöpfung von Bedeutung erkennt, wenn lins auch schöne musica-\nlische Gedanken enlgegentreten, so sind sie doch so wenig durch-\ngeführt, so häufig abgebrochen, dass man zu keinem Gefühl völli-\nger Befriedigung gelangt. Die erste Aufführung liess daher kalt,\nobgleich wir überzeugt sind, dass Wiederholungen dem Werke eine\nwärmere Aufnahme sichern werden. Nach der Ouvertüre folgte der\n126. Psalm, eine der neuesten Compositionen Hiller's. Die Wirkung\ndes Werkes, der Schönheit und Einfachheit seiner Motive und der\nKlarheit ihrer Durchführung, die Hiller eigen ist, konnte sich durch\ndie Aufführung, die wiederum an allen früher angedeuteten Uebeln litt,\nkeine Bahn brechen. Am verfehltesten war der Anfang des ersten\nChors. „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so\nwerden wir sein wie Träumende\", beginnen die Bässe, denen die\nTenöre bald folgen. Ja wahrlich, wie von Träumenden erschienen\ndiese Sätze, so unbestimmt, so matt und so peinigend unrein wa-\nren sie! Auf den Psalm folgten Männer-Chöre und Quartette. Aus\nverschiedenen Männergesang-Vereinen haben sich ungefähr vierzig\njunge Leute vereinigt, in der Absicht, weit in die Ferne das deut-\nsche Lied zu tragen. Der Chor vereinigt unbedingt die besten, ge-\nübtesten Stimmen des Rheinlandes, zeichnet sich durch Volitönig-\nkeit jeder der vier Stimmen aus und hat in technischer Beziehung\neine hohe Stufe der Vollendung erreicht. Leider wies die Wahl\nder vorgetragenen Musikstücke darauf hin, dass der Männergesang\nsich seinem eigentlichen Boden immer mehr entzieht und, sich dem\nFrischen und Kräftigen abwendend, auf das Gebiet des lyrisch\nSentimentalen verirrt und darauf allen wirklichen Kunstwerth ver-\nliert. Der Vortrag ist im Allgemeinen dieser Verirrung gefolgt, wird\nhäufig weichlich sentimental gehalten und besteht nicht selten aus\neinem Wechsel von jnanissimo und fortissimo, der aller ästhetischen\nBegründung entbehrt. Vor dieser Richtung, vor dem Haschen nach\nEffect auf Kosten des Charakters der Composition, wodurch sich\nnur der weniger gebildete Theil des Publicums täuschen lässt,\nwarnen wir den jungen Sängerbund. Er ist von dieser Richtung\nnicht ganz frei geblieben. Das Volkslied „Jetzt gang i ans Brünli\"\nlitt dadurch am meisten, wogegen der Vortrag des Mendclssohn'-\nschen Liedes: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen\", von allem\nGesuchten fern, erquickend frisch, ja, vollendet war. In den\nGebrüdern Steinhaus von Elberfeld lernten wir ein Solo-\nQuartett kennen, das in jeder Beziehung ausgezeichnet, in der\nGleichmässigkeit des Klanggepräges der vier Stimmen und der\ndaraus hervorgehenden Totalwirkung unübertroffen dastehen dürfte.\nHerr DuMont-Fier, welcher dem Sängerbünde angehört, (?) sang die\nspanische Canzonetta mit Brummstimmen-Begleitung und einer Be-\narbeitung der letzteren, die dem Eintritt der Solostimme eine ganze\ngebrummte melodische Phrase vorhergehen lässt. Wir geben unbe-\ndingt der durch die Liedertafel von Münster bekannt gewordenen\nBearbeitung den Vorzug, welche den Gesang mit einigen Accorden\nauf den Worten: „Horch, horch, Klaggesang'4, einleitet und das\nunerquickliche Begleitungs-Surrogat der Brummstimmen auf das\nMinimum rcducirt. Dem Vortrage von zehn, sage zehn Chören und\nQuartetten folgte der altdeutsche Schlachtgesang von Rietz, der, in\nvoller Kraft und seinem würdevollen Unisono von den fremden und\nunseren hiesigen Sängern vorgetragen, mächtig einherbraus'te und\neinen schneidenden Contrast zu dem Vorhergegangenen bildete.\nZwischen dem „Kirchlein\" von Becker und „Ich möchte mit dem\nStrome rauschen\", worin wir Herrn Pcretti's schönen Tenor kennen\nlernten, war die Alt-Arie aus dem Messias, „0 du, die Wonne ver-\nkündet in Zion\", eingelegt!! Fräulein Baumann, welche für unsere\nConcerte engagirt ist, sang sie mit kräftiger, klangvoller Stimme.\nWenn die Arie indess fast spurlos vorüberging, so schreiben wir\nes vor Allem dem Umstände zu, dass unser Publicum die Beweg-\nlichkeit der Stimmung nicht besitzt, um die heterogensten Compo-\nsitionen goutiren zu können, die in diesem Concerte vom Erhaben-\nsten bis zu dem ans Triviale Grenzenden buntscheckig zusammen\ngeworfen waren. Wir gehören nicht zu den Rigoristen der classi-\nsehen Richtung; wir können indess nicht begreifen, wie eine Con-\nccrt-Direction, die über jede italiänische oder französische Compo-\nsition den Bannfluch aussprechen möchte, sich solche Missgriffe zu\nSchulden kommen lassen kann, weil wir nicht annehmen wollen,\ndass sie sich nur auf Namen und nicht auf Musik versteht. Sehr\nentschieden möchten wir auch anrathen, des Guten nicht zu viel\nzu thun. Das Concert zog sich bis gegen zehn Uhr hin; es ist weit\nbesser, wenn das Publicum mit dem Bedauern über frühes Ende,\nals ermüdet und übersättigt, wie diesmal, den Conccrt-Saal verlässt,\neine Stimmung, die selbst die Eroica nur bei einem kleinen\nTheile des Publicums zu verwischen vermochte.\nEhe ich meinen heutigen Bericht schliesse, muss ich noch der\nTrio-Soireen der Herren Tausch, Becker und Bockmühl erwähnen,\nvon welchen zwei bereits Statt fanden. Wir hörten darin Schu-\nmann's D-moll-Trio, eine Beethoven'sche Sonate für Pianoforte und\nCello, das Schubert'sche Trio in Es-dur, die Sonate von Bach in\n11-moil, das Trio in B-dur von Beethoven für Pianoforte, Clarinette\nund Cello, die Clarinette-Partie mit ausgezeichnet schönem Tone,\nder sich in zartester Weise mit den anderen Instrumenten verband,\nvon Herrn Kochner vorgetragen, das zweite Trio von Mendelssohn\nin C-moll und einige anziehende Gesangs-Einlagen. Die Elite unse-\nres musicalischen Publicums versammelt sich regelmässig in diesen\nSoireen, und die Theilnahme ist auch in diesem Jahre eine stei-\ngende geblieben. Die tüchtigen jungen Künstler mögen darin den\nBeweis des Anklangs erkennen, welchen ihr vollendetes Zusam-\nmenspiel immer allgemeiner findet. 6\n\nTages- und Unterhaltungs-Blatt.\nMöiii. In der dritten Soi r ee für Kammermusik, Dinslag\nden 3. Januar, hörten wir zuerst das Streich-Quartett Nr. 4 in Es-\ndur von Mozart, exaet und ausdrucksvoll vorgetragen von den\nHerren II artmann, Derckum, Peters und Breuer. Darauf\nein neues Quartett für Pianoforte, Violine, Viola und Violoncelle\nvon C. Rein ecke, Op. 34, in Es-dur, die Clavier-Partie vom Com-\nponisten auf glänzende Weise ausgeführt; am meisten sprach das\nScherzo und das Finale der Composition an. Es folgte das Streich-\nQuartett, Op. 45, Nr. 2, in E-moll, von L. Spohr, den Verehrern\ndieses Altmeisters zur Freude und der ganzen Versammlung zum"}, {"page_pdf": 8, "page_imprimee": "8", "url_page": "https://bluemountain.princeton.edu/bluemtn/?a=d&d=bmtnabi18540107-01.1.8", "texte": "Grossen Gcnuss, zumal da es ausgezeichnet schön gespielt wurde.\nHerr Hartmann trug die Violin-Partie mit einer so sichern Ruhe\nund einem so tief empfundenen Ausdruck vor, dass man dem Spiel\ndes Künstlers die Pietät gegen seinen ehemaligen Lehrer und die\nFreude an dessen Tönen recht anhören konnte. In dem herrlichen\nAndante trat ihm Herr Peters bei den schönen Gesangstellen der\nBratsche würdig zur Seite. Das Ganze war in jeder Hinsicht eine\nvorzügliche Leistung. Zum Beschluss ärntete Herr Reineckc\ndurch den meisterhaften Vortrag eines Notturno von Chopin,\neiner Etnde von A. Henseit und des sprudelnden Saltarcllo von\nStephen Heller stürmischen Beifall.\nIm Stadt-Theater hörten wir einen Bariton, Herrn Wack, als\nGast; er befriedigte im Ganzen; seine Stimme ist in der Höhe\nklangvoll und weich, und er versteht zu singen; die tieferen Töne\nsind etwas gedrückt und nicht von edler Farbe. Petra Ca-\nmara hat mit ihrer Gesellschaft von spanischen Tänzern und Tän-\nzerinnen zwei schwach besuchte Vorstellungen gegeben; das kölner\nTheatcr-Publicum scheint in diesem Winter durch nichts entzünd-\nbar, es mag Namen haben, wie es wolle.\nFräulein Wilhelm ine Clauss wird erwartet und wird im\nnächsten Gesellschafts-Concerte am 10. Januar spielen.\nAns Elberfeld, Vor Kurzem hatten wir das Vergnü-\ngen, den bedeutendsten jetzt lebenden Violin-Virtuosen, den Con-\ncertmcister Joachim aus Hannover, hier zu hören. Er trug die\nGesang-Scene von Spohr, Bravour-Variationen von Paganini und die\nG-moll-Fuge von Seb. Bach mit einer Vollendung vor, wie wir sie\nbis jetzt kaum für möglich gehalten hätten. Diesen ausgezeichneten\nGenuss dankten wir insbesondere dem Besitzer des bekannten\nEtablissements auf dem Johannisberge, Herrn A. Küpper, der es\nsich nicht verdriessen liess, einige Reisen nach Hannover zu ma-\nchen, um den grossen Künstler zu gewinnen. Die übrige Ausstat-\ntung des Concertes war die würdigste; es kamen unter Anderem\ndie grosse Lenoren-Ouvcrture und die Ouvertüre zum Tannhäuser\nzur Aufführung.\nUeber den plötzlichen Tod unseres würdigen Schornstein,\ndes Nestors der rheinischen Musik-Directoren, hat Ihre Zeitung be-\nreits berichtet. Es gereicht mir zum besonderen Vergnügen, Ihnen\ndie Mittheilung machen zu können, dass die erledigte Stelle aufs\nglänzendste wieder besetzt ist, und zwar durch den Sohn des Ver-\nstorbenen, Hermann Schornstein, einen Schüler von Hummel,\ngleich ausgezeichnet ,als Pianist, wie als Dirigent. Seit einer Reihe\nvon Jahren Musik-Director in unserer Schwesterstadt Barmen, hat\ner die einstimmige Wahl des hiesigen städtischen Gesang-Vereins\nangenommen und wird bereits mit Anfang des neuen Jahres hieher\nübersiedeln. Von seiner ausgezeichneten Begabung versprechen wir\nuns den nachhaltigsten Einfluss auf unser musicalisches Leben,\nwelches bei einer derartigen Anregung gewiss zu verjüngter Thä-\ntigkeit erwachen wird.\nQuedlinburg. Die Winter-Conccrte des Gesang-Vereins\n„Arion\" unter Leitung des Musik-Directors Wackermann haben\nauch in diesem Jahre in erfreulicher Weise wieder begonnen. Die\nbeiden ersten brachten uns unter Anderem die Ouvertüren zu Eg-\nmont, zum Freischütz, die Jubel-Ouverture, Duett aus Jessonda,\nTerzett aus einer Oster-Cantate von Wackermann, Concert-Aric von\ndemselben und „Eine Nacht auf dem Meere44 von Tschirch. Wie\nes bei den tüchtigen Kräften des Vereins, unterstützt durch die\nMitwirkung eines grossen Theiles der ballenstädtcr Hof-Capelle, zu\nerwarten war, so fand die Ausführung in sehr befriedigender Weise\nStatt. Namentlich erwarb die Tschirch'sche Composition sich eine\nso allgemeine Theilnahme, dass sie in dem zweiten Concertc wie-\nderholt werden musste.\nWernigerode. Seit einigen Jahren beginnt hier ein regeres\nmusicalisches Leben; denn noch klingen die Töne des im verflos-\nsenen Sommer unter des Musik-Directors Tschirch Leitung ausge-\nführten grösseren Gesangfestes uns in angenehmer Erinnerung, und\nschon jetzt wieder arbeitet mit rühmlicher Thätigkeit der Rechts-\nAnwalt Haushalter an der Herstellung eines Sängertages, der Ostern\nhier abgehalten werden soll. Das Programm dazu ist in folgender\nWeise festgestellt: I. Theil, Paulus-Ouverture und Ostcr-Cantate von\nWackermann; 11. Theil, Wettgesänge der Gesang-Vereine; 111.\nTheil, „Eine Nacht auf dem Meere\" von Tschirch. Die Direction\ndes ersten und dritten Theiles hat der Musik-Director Wackemann\nin Quedlinburg übernommen.\nI'aris. Das Concert von Wilhelmine Clauss war das\nerste wahrhaft künstlerische Virtuosen-Concert in dieser Saison.\nNach einem mehr als sechsmonatlichen Aufenthalte in London be-\nsuchte sie Paris nur auf einige Wochen und geht von hier über\nKöln nach Petersburg. Sie spielte die Sonate iür Piano und Vio-\nloncello von Mendelssohn, Op. 45, in H-moll, mit Seligman,\ndas Lied ohne Wforte in G-moll, drei kleine reizende Prcludien von\nStephen Heller, ein Impromptu von Chopin, die Sonate, Op. 31,\nin D-moll, von Beethoven und Schuberts Erlkönig von Liszt. Die\nKritik ist einstimmig darin, dass die junge Künstlerin seit dem\nletzten Jahre noch eine höhere Stufe erreicht hat.\nIn der Academie Imperiale hat man „Bctly44, eine ältere Oper\nvon Donizetti, mit neuem französischen Text auf die Bühne ge-\nbracht. Sie ist durchgefallen. Eine nachgelassene Oper von Do-\nnizetti, „Elisabeth\", ist am 31.December v.J. auf dem Thedtre\nlyrique gegeben worden; wir berichten darüber in der nächsten\nNummer.\nSophie Cruvelli studirt täglich an der Valentine in den\nHugenotten; sie sollte am 4. oder 6. Januar darin auftreten.\nDer Tenorist Gueymard hätte durch die Ungeschicklichkeit\nseines Haarkräuslers beinahe sein rechtes Auge verloren. Dieser\nfuhr ihm mit dem glühenden Brenneisen, das er hin und her\nschwenkte, um es abzukühlen, an die Schläfe. Gueymard fiel in\nOhnmacht; der Arzt versichert jedoch, dass trotz der gefährlichen\nWunde das Gesichts-Organ gerettet ist.\nDer deutsche Bassist Delle Aste ist bei der italiänischen Oper\nin Paris angestellt.\nNach pariser Blättern ist Louis La comb e, der bekannte\nPianist und Componist, von dem Vorstande der Gcwandhaus-Con-\ncerte nach Leipzig eingeladen worden, um dort eine seiner Sin-\nfoniecn aufzuführen."}]}